Pr. 103. nbonnciKntS'Redinaunatn: ?lSonnemmt§- Prcis pränumerando> Aierteljährl. 3.30 Mk., monatl. l.lv Mk., wöchentlilk, 28 Pfg. frei ins HauS, Einzelne Nummer 5 Plg. Sonntags. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonnemcntS nehmen an: Belgien, Dänemark. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. VMÄftl tiglld) außer montags. Berliner Volksblnlk. <53. Jahrg. vle lnlerIian!-Lediil>r beträgt sür die sechsgespaltene Koloncl- zcile oder deren Raum 60 Psg., sür politische und gewerkschastliche Vereins- und BersammIungZ-ilnzeigen 30 Psg. „meine Hnreigen", das erste(feil- gedruckte) Bort 20 Psg.. fedeS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slcllcn-Anzeigen das erste Wort lv Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächsle Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist VIS 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: „SoaiaiatBOknt Bwlln". Zentralorgan der rozialdcmohratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SCQ. 68» Ltndcnstrasac 69. Kernsprerfter: Amt IV. Nr. Sonnabend, den F. Mai 1906. Expedition: 8M. 68» �.indenstrasse 69. Kernsprecher: Amt IV. Nr. 1S84. Die Jahresberichte der kgl. preußischen Regierungs- und Gewerberäte und Berg- behörden für 1903. Die preußischen Jnspektionsbcrichte sind in diesem Jahre etwas früher als sonst erschienen und haben in dieser Be° Eichung die Berichte der badischen, württcmbergischen und sächsischen Gcwerbeaufsichtsbeamten überflügelt. Auch ist der Preis der Berichte auf 2,80 M. herabgesetzt worden. Auf diesem Wege sollte weiter fortgeschritten werden. Die Be- richte müßten unmittelbar nach dem Jahresschluß gedruckt und verschickt, und der Preis noch mehr verbilligt werden. Ferner sollten die Einzelbcrichte entweder unentgeltlich oder zum Selbstkostenpreis abgegeben werden, damit alle Arbeiter, die ein Interesse dafür haben, sich mindestens den Bericht ihres Bezirkes verschaffen können. Der Gewerbeaufsicht in Preußen waren nach den Auf- Zeichnungen der Beamten unterstellt: ? Fabriken und diesen eichgestellte Anlagen 129 823 mit 2838 926 Arbeitern im Jahre 190° gegen 124 630 2 704 946.,„ 1904. Mithin vom Jahre 1904 auf 1906 eine Zunahme von 6 243 mit 133 980 Arbeitern. Im Gewerbeaufsichtsdienst standen am Schlüsse des Jahres 1905 im ganzen 252 Beamte gegen 245 im Vorjahre. (Seitdem sind— am 1. April 1906— noch 4 weitere Beamte hinzugekommen.) Von den Aufsichtsbeamten wurden 64 352 Fabriken und diesen gleichgestellte Anlagen— 49,6 Proz. der Gesamtzahl dieser Betriebe revidiert. Gegen das Vorjahr ist zwar eine kleine Besserung eingetreten, da damals nur 47� Proz. der Betriebe revidiert worden sind: trotzdem ist die Zahl der vorgenommenen Revisionen noch inimer viel zu gering. Jeder revisionspflichtige Betrieb niüßte mindestens einmal jährlich besichtigt werden. Dasselbe gilt für die Kontrolle derjenigen Anlagen, die zwar nicht zu den Fabriken gerechnet werden, für die aber voni Bundesrat besondere Arbeitcrschutz- bestimmungen erlassen sind. Die Zahl dieser Anlagen ist allerdings in jedem Bericht für den einzelnen Bezirk an- gegeben, aber nicht für ganz Preußen zusammengerechnet. Macht man sich die Mühe, dies nachzuholen, so findet man, daß im ganzen zirka 27 000 derartige Anlagen aufgeführt sind, von denen nur zirka 8000 revidiert wurden. Dieses ungünstige Verhältnis bestätigt, daß in Preußen viel zu wenig Gewerbeaufsichtsbeamte tätig sind. Daneben darf auch nicht versäumt werden, diejenigen Betriebe öfters zu revidieren, bei denen sich dies als not- wendig herausstellt. Nun wurden im Laufe des letzten Jahres revidiert: einmal..... 57 133 Betriebe gegen 52 536 im Vorjahre zweimal.... 10701„„ 10085, drei- ober mehrmals 6 129„, 5 944, Die Zunahme in der Zahl der einmaligen Revisionen ist verhältnismäßig größer als die in der Zahl der zwei- und dreimaligen Revisionen. Hoffentlich werden nicht die mehr- maligen Revisionen, obgleich sie notwendig wären, deshalb unterlassen, um mit der größeren Zahl der einmaligen Rcvi- sioncn den Prozentsatz der revidierten Anlagen zu vergrößern. Von den Revisionen wurden 2190 in der Nacht und 3851 an Sonn- und Festtagen vorgenommen, gegen 2204 bezw. 3602 im Vorjahre. Die Revisionen in der Nacht sind also im letzten Jahre cttvas seltener vorgenommen als im Vorjahre; die Zahl der Revisionen an Sonn- und Festtagen weist aber eine Zunahme auf, die der Zunahme in der Zahl der einmal revidierten Anlagen entspricht.— Ter Verkehr der Gewerbcaufsichtsbeamten ist noch immer mit den Unternehmern viel lebhafter als mit den Ar- beitern. Im Landespolizeibezirk Berlin z. B. sind die Be- amten von über 2600 Arbeitgebern und sonstigen Gewerbe- Unternehmern aufgesucht worden, in etwa 150 Fällen öfter als im Vorjahre. Die überwiegende Mehrzahl der In- diistriellcn erscheint, um sich in irgend welchen Angelegen- besten Rat zu holen. Ter einzelne Arbeiter dagegen, heißt es in dem Berliner Bericht weiter, vermeide nach wie vor den Besuch auf dem Amtszimmer. Es sind im letzten Jahre nur 192 Besucher(im Vorjahre 210) zu verzeichnen. Auf schriftlichem Wege haben sich 339 Arbeiter an die Gewerbe- inspektoren gewandt. Von größerer Bedeutung für die Fühlung mit den Arbeiterkreisen sei der Verkehr mit den Trgauisationen. Bevorzugt werde auch hier bisher der schriftliche Verkehr. Es seien 154 Schreiben von Lrgani- satioucn eingegangen, wovon allein 99 auf die Berliner Ge- werkschaftskommission entfallen: der Rest verteile sich auf Arbeiterverbände und Gcwerkvereine verschiedenster Art und politischer Richtung sowie auf sogenannte Vertrauenspersonen. Tie Mehrzahl der Schreiben betreffe Beschwerden, die in Form von vorgedruckten und ausgefüllten Fragebogen ein- gehen. Doch würden auch andere Fragen erörtert und Aus- künfte eingeholt. Tie meisten Beschwerden erwiesen sich als begründet. Sie behandelten gewöhnlich Mißstände in Fabriken und Werkstätten und berücksichtigten erschöpfend alle Verhältnisse des Betriebes. Doch würden öfters auch unzu- treffende Tinge vorgetragen, oder es werde stark übertrieben. Ter mündliche Verkehr stehe hinter dem schriftlichen zurück. Immerhin sei bemerkenswert, daß allein bei einer Gewerbe- lnspektion 17 Vorstandsmitglieder von Organisationen er- schienen waren. So wie hier in Berlin, liegen freilich die Verhältnisse nicht überall. � Dort, wo die Gewerkschaften es erst zu. schwachen Anfängen gebracht haben, ist auch der Verkehr' zwischen ihnen und den Gewerbeaufsichtsbeamten ein ge- ringerer. Aber fast überall scheinen die Beamten in der letzten Zeit mehr als früher die Bemühungen der Gewerkschaften im Interesse eines wirksamen Arbesterschutzes anzuerkennen. Auch unterlassen sie jetzt meistens jene törichten Ausfälle gegen die„sozialdemokratischen" Gewerkschaften, durch die früher mancher Beamte seine„gute" Gesinnung bekunden zu müssen glaubte. Dagegen versäumen es die Herren auch jetzt noch nicht, wenn sie berichten, daß sie in Gewerkschaften Vor- träge gehalten haben, ausdrücklich hinzuzufügen, daß es sich nur um Hirsch-Dunckersche oder„christliche" Gewerkschaften gehandelt habe! Mit der Zeit werden die Herren wohl auch das noch begreifen, daß sie durch Vorträge in den freien Gewerkschaften sich nicht nur nichts vergeben, sondern sich vielmehr die Möglichkeit einer wirksameren Tätigkeit er- schließen.— Unter den Unternehmern gibt es noch immer solche, die, wie in dem Casseler Bericht gesagt wird, die Tätigkeit der Ge- wcrbeaufsichtsbeamten teils der entstehenden Kosten wegen, teils aus dem Grunde völlig verkennen, weil sie nicht ein- sehen, daß die auf ihre Betriebe angewendeten Vorschriften, die in ihrer Jugendzeit nicht bestanden haben, jetzt notwendig sein sollen. Der Berichterstatter für den Regierungsbezirk Wiesbaden sieht es als selbstverständlich an, daß unter den Tausenden von Arbeitgebern immer einige sind, welche in jeder Ausgabe zum Schutze ihrer Arbeiter lediglich eine uner- wünschte und unnötige Belastung ersehen, der sie sich mit allen Mitteln zu entziehen suchen. Diesen gegenüber, heißt es in dem Bericht dann weiter, bleibt nur der polizeiliche Zwang übrig. Manche Unternehmer versprechen auch bei den Revisionen bereitwillig die Erfüllung der gegebenen An- regungen und antworten auf spätere schriftliche Anfragen sogar, daß alles erledigt ist, während sich bei einer Nach- revision herausstellt, daß es nicht oder wenigstens nur ganz unvollständig geschehen ist. Derartige Erfahrungen hätten dazu geführt, daß die Beamten zur Erreichung ihrer Ziele häufiger die Mitwirkung der Polizeibehörden in Anspruch genommen haben.— Nach unserer Beobachtung ist die Mit- Wirkung der Gewerkschaften in solchen Fällen am besten angebracht.— In mehreren Berichten wird angeführt, daß polizeiliche Verfügungen notwendig waren, um Unternehmer zu zwingen, den Anordnungen der Gewerbcaufsichtsbeamten nachzukom- inen.— Im Regierungsbezirk Minden mußte in 2 Fällen, in denen es sich um die Beseitigung erheblicher, das Leben und die Gesundheit der Arbeiter gefährdender Mißstände handelte, den Betriebsinhabern schon bei Erlaß der Polizei- lichen Verfügung angedroht werden, daß die zwangsweise Schließung der in Frage stehenden Teile ihrer Betriebe er- folgen werde, sofern nach Ablauf der gestellten Frist nicht der geforderte gefabrlose Zustand hergestellt sei.— In den Regierungsbezirken Hildesheim und Coblenz nahmen es sich Unternehmer heraus, den Aussichtsbeamten den Eintritt zu ihren Betrieben zu verweigern. Im letzten Falle ließ sich der Unternehmer auch noch dazu hinreißen, den Beamten zu be- leidigen. Er wurde angezeigt und mit einer— Geldstrafe von 30 M. bestraft. Hier merkt man nichts von der Schärfe, welche manche Gerichte gegen streikende Arbeiter betätigen.— Im Regierungsbezirk Potsdam hatte ein Gewerbeinspektor die Bestrafung des Betriebsleiters einer Ziegelei wegen ver- schiedener Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen der Gewerbeordnung veranlaßt. Als er am Tage nach der Ver- urteilung eine Revision der Ziegelei vornehmen wollte, wurde er von dem Betriebsleiter und dessen Ehefrau beleidigt und von den Arbeitern bedroht, so daß er polizeiliche Hülfe in Anspruch nehmen mußte. Gegen die schuldigen Personen ist das Strafverfahren wegen Beleidigung und Bedrohung eiki- geleitet worden.— Ganz besonders bedauerlich ist es, daß es noch so unaufgeklärte Arbeiter gibt, die in einer solchen Weise gegen ihr eigenes Interesse handeln. Wie berechtigt die Scheu vieler Arbeiter ist, direkt mit den Gcwerbeaufsichtsbeamten in Verbindung zu treten, mußten sogar ein Meister mid„christlicke" Arbeiter erfahren. Der Gewerbeinspektor in Schwelm wurde von dem Meister eines Eisenwerks ersucht, ihm schriftlich zu bescheinigen, daß er keine Fühlung mit dem Beamten gehabt habe. Dem Meister waren nämlich, als er nach Erkrankung und Ablauf der erfolgten Kündigung den Rest seines Lohnes erbeben wollte, von den: Besitzer und dem Direktor des Werkes heftige, aber ungerechtfertigte Vorwürfe darüber gemacht worden, daß er sich mit dem Gewerbeinspektor in Verbindung gesetzt und demselben Betriebsmängel mitgeteilt habe.— Der Bericht für den Regierungsbezirk Köln teilt mit, daß es auf Grund einiger Anzeigen zu gerichtlichen Bestrafungen von Unternehmern wegen ungesetzlicher Beschäftigung von Ar- beitern gekommen sei. Durch die Zeugenvernehmung, be- merkt dazu der Berichterstatter, sei den Arbeitgebern der eigentliche Ursprung der Maßnahmen nicht immer verborgen geblieben, und sei hieraus leider in Unternehmerkreisen eine ziemlich gereizte Stimmung gegen die„christlichen" Verbände entstanden. Ja, sobald die„Christlichen" das mindeste im Interesse der Arbeiter leisten, ist es mit dem Wohlwollen der „christlichen" Unternehmer gegenüber den„christlichen" Ge- werkschaften zu Ende.— Maifeier. Die Maifeier in der Schweiz hat dieses Jahr sowohl in bezug ans die Zahl der Orte, an denen sie begangen wurde, als auch bezüglich der Zahl der Teilnehmer einen weiteren Aufschwung erfahren, wodurch der von den Gegnern beliebte Schwindel der Ver- lleinerung und Schwächung der Maifeier der Arbeiter am besten widerlegt ist; die Zahl der ersteren dürste sich bald auf 100 erhöhen. In Zürich ist mit 10 000 Zugteilnehmern und über 12 000 Personen aus dem Festplatze das bisherige Maximum der Beteiligung erreicht worden. Die Festrede am Vormittag hielt Genosse Schneeberger- Bern, Sekretär des Schweizerischen Metallarbeiter-VerbandeS, am Nachmittag Genosse Wullschleger-Basel. In Winterthur ist mir 2500 Personen im Zuge und 4000 auf dem Festplatze ebenfalls das bisherige Maximum erreicht worden, desgleichen in Bern und Basel mit je über 4000 Personen. In Genf. St. Gallen, Schaffhausen und Lausanne beteiligten sich je 2000, in Luzern 1700. in Neuenburg 1000 Personen usw. Wie in Zürich, so ist mehrfach auch an anderen Orten der ganze Tag durch Arbeitsruhe gefeiert worden. Bemerkenswert ist die von Jahr zu Jahr zunehmende Beteiligung der Frauen und Kinder, die in den Festzügen besondere hübsche Gruppen bildeten, und ferner die der italienischen Arbeiter. An den meisten Orten wurden neben deutschen oder stanzösischen Festreden auch solche in italienischer Sprache gehalten. In Ungarn wurde der 1. Mai bislang noch nie in solchem Matze gefeiert wie dies Jahr. Die Arbeit hat fast im ganzen Lande geruht. Die Feier wurde überall im Zeichen des allgemeinen Wahl- rechts abgehalten. Zu Ruhestörungen kam es nirgends. In Tcbreczin wollte die Behörde, daß Blut fließe; doch die machtige Arbeiiermenge hat die fanatischen Koalitionskosaken in die Flucht geschlagen. Budapest: Seit dem 16. September 1906, als 100 000 Prole- tarier vor den Pforten des KlasscnparlamentS standen, hat kein Temonstrationszug unserer Genossen so viele Teilnehmer auf- gewiesen wie jetzt am 1. Mai. Sogar die bürgerliche Presse schätzt den Zug auf 60 000! Die Zahl der Neugierigen, die in den Straßen den Vorbeimarsch der Proletarier besichtigten, zählte beinahe eben- soviel. Als der mächtige Zug in das Stadtwäldchen gelangte, waren die 4 Sommerlokale, in denen die Fcstversammlungen stattfinden sollten, bereits überfüllt! Es mutzten daher noch 3 Sommcrlokale dazugenommen werden. Brassö(Kronstadt): Sämtliche Geschäfte waren geschlossen. Der Demonstrationszug zählte viele Tausende. Das Versammlungslokal konnte die Anwesenden nicht fassen. Debreczin. Den Dcmonstrationszug hat sowohl der Stadthaupt- mann wie der Stadtmagistrat verboten. Der Minister hingegen genehmigte ihn! Diese Blamage patzte jedoch der Polizei nicht in den Kram, und als der Zug bereits in Bewegung war, drangen aus einer Nebenstraße 6 Polizisten mit gezogenen Säbeln hervor und schlugen den Zug führenden Genossen blutig. Die Arbeiter setzten sich zur Wehr, und die Kosakenbrüder suchten ihr Heil in der Flucht. Den DemonstrationSzug schätzt man auf 10 000 Personen. Temcsvar: Auch hier hatten die Stadtbehördcn den Demon- strationszug verboten, doch der Minister genehmigte ihn. Der Zug zählte mindestens 10000 Teilnehmer. 4k In den skandinavischen Ländern wurde der 1. Mai, wie schon seit einer Reihe von Jahren, durch große Demonstrationszüge gefeiert, die größtenteils kurz nach Mittag durch die Straßen mar- schierten, nach einem Versammlungslokal oder auch hinaus ins reie, wo Reden über die Bedeutung deS Tages und die wichtigsten orderungen der Arbeiterschaft des Landes wie des internationalen Proletariats gehalten wurden. In der schwedischen Hauptstadt zählte der Zug diesmal, obwohl das Wetter nicht günstig war, über 30 000 Teilnehmer, Fast 150 Organisationen waren vertreten. Viele Fahnen und Stan- dartcn wurden im Zuge getragen, darunter die alte Wahlrechts- sahne, daneben eine Standarte mit der Aufschrift:„Gerechtigkeit und Wahlrecht für die Frauen!" Auf andercn Standarten las man:„Nieder mit der Klassenherrschaft!"„Nieder mit den Klassen- gesetzcn!"„Auf zum Kampf gegen den Militarismus!" usw. Die Polizei verhielt sich ruhig, einige„Geheime" notierten jedoch Namen und Adressen der Standartenträger und-Trägerinnen was meist nicht ohne energischen Widerspruch abging. In Göteborg, in Malmö und selbst in Norrköping nahmen über 10 000 Personen an den Demonstrationszügen teil. Ueber das ganze Land und bis hinauf in den höchsten Norden Schwedens wurde die Maifeier in ähnlicher Weise unter gewaltiger Teilnahme begangen. In der norwegischen Hauptstadt ruhte die Arbeit— von Mittag ab.— Der Demonstrationszug umfaßte über 6000 Teil» nehmer. Vorangetragen wurden 2 weiße Fahnen mit roten In- schriften:„Acht Stunden Arbeitstag!"„Auf zur Wahl!"„Nieder mit der Reaktion!"— In Bergen zählte der Zug 2400 Teilnehmer. in Tnmdhjem 3000, in Sarpsborg 2000, in Aalesund 700. In Dänemark haben Maidemonstrationen in ungefähr 60 Städten und Orten stattgefunden. Am großartigsten war selbst- verständlich der Temonstrationszug in Kopenhagen. Er bewegte sich am Nachmittag vom Rathausplatz hinaus nach dem Rosenborg- Park. Im Zuge wurden viele Banner und Standarten mit In- schriften getragen, die unter anderem auch auf die bevorstehenden Folkcthingswahlen hinwiesen. Die Jungsozialistcn trugen ein Banner mit der Inschrift:„Nieder mit de» organisierten Massen- mördcrn der herrschenden Klassen: dem Militarismus!" Dies Banner wurde von der Polizei konfisziert. Die Jungsozialisten machten sich sofort ein Plakat mit der Inschrift:«Die Polizei hat unser Banner gestohlenl" Dies wurde nun an Stelle des Banners getragen. In dem schönen Park am alten Schloß Rosenborg waren zwei Rednertribünen errichtet. Unter den Festrednern war auch der Bürgermeister Jensen, Der 1. Mai ttt Belgrad. Zum ersten Male feierte da» serbische Proletariat den 1 Mai durch Arbeitsruhe. Um 3 Uhr morgens versammelten sich über 5000 Arbeiter und zogen in vollster Ordnung manifestierend durch die Stadt nach Topschidcr. Sämtliche Betriebe standen still I Die Stadt war wie ausgestorben; denn alle Arbeiter, die nicht verhaftet waren,(sämtliche Arbeitslosen hatte man 8 Tage vorher verhaftet!) gingen nach Topschider. Polizei und Militär standen gerüstet. Dem Minister des Innern genügte sogar das Belgrader Militäw und die Polizei der Hauptstadt noch nicht. Er verdoppelte die Gendarmeric durch Verstärkungen von außerhalb. Ein humoristischer Feuille- tonist schrieb: die Gendarmerie sei nicht der Sozialisten wegen nach Belgrad gekommen, sondern zu einem Gendarmcriekongrcß. und sie habe beschlossen, jedes Jahr zum 1. Mai ihren Kongreß in Belgrad abzuhalten.__ politische(leberlickt. Berlin, den 1 Mai. Der Kampf um die Zigarette. Wohl keine andere Steuervorlage hat die Oeffentlichkeit so viel beschäftigt, wie die über die geplante Zigarettensteuer. Erklärlich wird dies, wenn man die Frivolität, mit der das Banderolesystem„aufs Tapet" gebracht worden ist, in Be- tracht zieht. Nach der Ablehnung der Zollerhöhung auf Roh- tabak, konnte es finanziell nicht so schwer ins Gewicht fallen, noch 12— 14 Millionen Mark aus der Zigarettenindustrie für den Reichssäckel herauszupressen und dafür eine Industrie teilweise zu ruinieren. Mit einein Federstrich hätte die Re- gierung mehr als diese 14 Millionen aus dem Erbschafts- steuergesetz erhalten können, wenn sie nicht im Interesse der besitzenden Klasse diese direkte Steuer lächerlich minimal ge- halten hätte. Es zeugt von der ganzen Leichtfertigkeit der Parteien, die dieses Gesetz in der Kommission beschlossen haben, daß sie den Widerstand der gesamten organisierten Zigaretten- industrie gegen dieses zerriittende System unberücksichtigt ließen. Heute geißelten die Genossen v. Elm, Molkenbuhr und S ch m a l f e l d t in gründlichen sachverständigen Aus- einandersetzungen das Verfahren der Kompromitzparteien und die Mängel, sowie die schädigende Wirkung des Gesetzent- Wurfes. Nur die Redner des Zentrums und der Nationallibcralen traten für diese Schädigung der Zigarettenindustrie ein. Der Antisemit Z i m in e r m a n n sprach ebenso gegen das Banderolesystem wie der Pole Graf Mielczinski. Die freisinnigen Parten ließen durch die Abgeordneten W i e m e r und P o t t h o f f ihre Gegnerschaft gegen die Banderolesteuer aussprechen. Mehrere der angeführten Red- ner empfahlen, das Papicrsteuersvftem oder einen Zuschlag zum Rohtabakzoll nochmals in Rücksicht zu ziehen, weil diese Systeme weniger ruinierend für die Industrie seien. Be- sonders aber wurde von Molkenbuhr die arbeiterfeind- liche Politik des Zentrums festgenagelt, die den Arbeitern der gesamten Tabakindustrie mit dem Zigarettensteuergesetz eine stärkere Lohndrückerei bereiten. Treffend meinte Molken- buhr, das Zentrum stimme schweigend diesem Gesetz zu, weil es diese arbeiterfeindliche Tat nicht zu verteidigen wagt und nicht verantworten könne. Die christlichen Arbeiter würden das ebenso empfinden, wie ihre übrigen Kollegen. Die Debatte über die KZ 2 und 3 ist geschlossen, die namentliche Abstimmung wurde bis Dienstag ausgesetzt und die Sitzung vertagt. Sonnabend: Zigarettensteuergesetz: Rcichsstempelgesetz. Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus begann am Freitag die erste Lesung der Sekunda rbahn-Vorlagc, die Bewilligung von?Nittcln für neue Nebenbahnen, zweite Gleise und Ver- bcsscrung der Betriebsmittel fordert. In der Debatte, die am Sonnabend fortgesetzt wird, wurde— wie alljährlich— über das rigorose Vorgehen des Staates gegenüber den Gemeinden beim Grunderwerb geklagt und eine Aenderung des Ent- cignungsverfahrens gefordert. Im übrigen vertraten die einzelnen Redner in der Hauptsache die Interessen ihrer Wahl- kreise; nur wenige von ihnen rafften sich zu prinzipiellen Erörterungen über die Verkehrsverhältnisse im allgemeinen auf.—_ Eine Extratour. In der M a r o k k o f r a g e herrschte innerhalb der Sozialdemo- kratie völlige Einmütigkeit. Es ist uns nicht eine einzige sozialistische Preßäußerung bekannt geworden, in der nicht die deutsche Brüs- kierungspolitik die denkbar schärfste Verurteilung gefunden hätte. Auch nach dem friedlichen Ausgang der mit so viel Theaterdonner inszenierten Marokkokonferenz fanden sich die sozialdemokratischen Stimmen in dem Urteil zusammen, daß das Resultat dieser mit den skrupellosesten Mitteln arbeitenden Diplomatenintrigue ein schreiender Hohn auf den Aufwand an weltpolitisckcm Tatendrang sei. Eine Auffassung, die obendrein durch die Erklärung BiilowS, Deutschland habe niemals daran gedacht, Marokkos wegen zu den äußersten Mitteln zu greifen, bestätigt wurde. AlS faktisches Ergebnis des ganzen Marokkorumniels für Deutschland betrachtete die deutsche Sozialdemokratie die erueutc Beunruhigung des ohnehin durch Deutschlands weltpolitische Proklamationen und die fieberhaften Marincriistungen nervös gemachten Auslandes, die offenkundig ge- wordene Isolierung Deutschlands und den aus diesen Momenten sich ergebenden und von den herrschenden Parteien auch ganz unverblümt zugegebenen Anreiz zu immer intensiveren R ü st u n g e n zu Lande und zu Wasser! Man sollte meinen, ein solches Resultat der neuesten weit- politischen Aktion Deutschlands müßte jedem Sozialisten die Not- wendigkeit beweisen, die deutsche Weltpolitik noch viel energischer zu bekämpfen als bisher. Und doch hat sich ein Parteigenosse gefunden, der sich auch in der Marokkofrage wieder als Solotänzer produ- zieren zu müssen glaubt! Nämlich Genosse Calw er, den offenbar der Beifall, den seine marinistische Extratour im bürgerlichen Lager gefunden, auch diesmal wieder zu einer cigenbrödlerischen Stellung- nähme verleitete. Genosse Calwer ergeht sich in dem letzten Heit der„Sozialistischen Monatshefte" in Betrachtungen, aus denen mit aller Deutlichkeit hervorgeht, daß er die Haltung der Partei gegenüber der Marokko- affäre für eine gründlich verfehlte hält. Er ist kein unbedingter Be- wunderer der Taktik des Fürsten Bülow, aber fein zusammen- fassendes Endurteil über Deutschlands Vorgehen lautet doch wie folgt: „Und wenn man fragt, ob daS Ergebnis der Marokkoaffäre die politische und wirtschaftliche Entwickelung dcS kapita- listischen Systems in dem gekennzeichneten Sinne fördert, so kann man zwar als Sozialdemokrat dem ganzen Handel ziemlich passiv gegenüberstehen oder auch manche Neben- e r f ch e i n u n g scharf kritisieren, aber ein ausreichender Grund, die Aktion' selber zu verurteilen, liegt nicht v o r." Unter den„Nebenerscheinungen" versteht Calwer in erster Linie die Kaiserreise nach Tanger und die Aufbauschung des Konflikts durch die chauvinistische Presse. Auch nach Callvers Meinung wäre eS besser gewesen, wenn Deutschland früher und in minder provo- zierender Weise seinen Protest gegen das französisch-englische Marokkoabkommen eingelegt hätte. Den Protest selb st aber hält Calwer für durchaus berechtigt. Und wenn Deutsch- landS Protest unberücksichtigt geblieben wäre:„hätte Deutschland dann klein beigeben sollen?" Wer das empfehle und sich nicht die möglichen Kon feg Uenzen vergegenwärtige, der„hätte klüger gebandelt, wenn er Deutschland gleich von vornherein von jedem Einspruch gegen die erste Zurücksetzung abgeraten hätte". Eine Bor- ficht, die aber Calwer keineswegs für richtig hält! Man sieht: Calwer teilt im Grunde völlig die Anffasinngen der deutschen Bourgeoisie. Er überbülowt schließlich noch unseren Bülow, der im Grunde gar nicht daran dachte, es Marokkos wegen zum Aentzersten kommen zu lassen. Der Reichskanzler versuchte eS mit einem groben Bluff— wäre dieser Bluff erfolglos geblieben, so hätte er sich mit diplomatischer Geschmeidigkeit aus dem gefähr- lichen Handel herausgcwnnden. Ja, eigentlich war ja das Kom- promiß in Algeciras nichts als solch ein diplomatisch maskierter Rückzug Deutschlands. Calwer dagegen ist der Meinung, daß Deutschland unter keinen Umständen hätie„klein beigeben" dürfen I Zu solchen Konsequenzen gelangt ein Sozialdemokrat! Freilich: CalwerS weltpolitische Auffassungen sind bei Lichte besehen alles andere, nur nicht sozialdemokratisch, d. h. voni proletarischen Klassenstandpunkt auS diktiert. Da» beweisen schlagend diese Auslassungen: �„Die Entwickelung des privatkapitalistischen Regimes äußert sich zurzeit in einem starken Drang nach Expansion. Von dem Grad dieser Expansion hängt zu einem Teile auch wieder der wirtschaftliche Fortschritt ab, der die Vor- aussetzung für die S o z i a l i s i e r n n g unserer Wirtschafts- ordnung ist. Falle ich nun der Regierung des eigenen Landes bei der Betätigung des ExpaiisionsdrangeS mit Erfolg in die Arme, indem ich dadurch gleichzeitig die Betätigung deS näm- lichen Dranges seitens a n d e r e r L ä n d e r begünstige, so erreiche ich mit dieser Politik, daß die wirtschaftliche Entfaltung in den Konkurrenzländern größere und raschere Fortschritte macht als bei uns, daß dort die Vor- vedingnngen einer Sozialisiernng rascher heranreifen als im eigenen Lande. Als deutscher Sozialist will ich aber, daß möglichst Deutschland an der Spitze� des wirtschaftlichen Fortschritts marschieren soll. DaS bedingt auch, daß Deutschland seine politische Macht entfaltet. Ich brauche mich für die Art dieser Entfaltung keineswegs zu engagieren, meine Haltung kann sogar sehr zurück- haltend und p a�s s i v sein, aber ich darf jedenfalls nicht durch meine Bekämpfung der eigenen auswärtigen Politik riskieren, daß das kapitalistische Ausland einen Vorsprnng nach dem anderen vor Deutschland gewinnt. Von diesen Er- wägungen ausgehend, niuß man zu dem Schluß gelangen, daß Deutschland gegen das englisch-französische Abkommen vorzugehen nicht nur vollauf berechtigt, sondern auch vom Standpunkt seiner kapitalistischen Interessen aus verpflichtet war. Auch der Sozialist muß in dem vorliegenden Falle konzedieren, daß Deulschland die Nichtachtung und Zurücksetzung seitens Englands und Frankreichs nicht schweigend hinnehmen konnte." Das ist ein rundes und nettes Bekenntnis zur kapitalistischen Welt- Politik! Die Sozialdemokratie darf dieser Weltpolitik nicht ent- gegentreten, weil dadurch— die Vorbedingungen für die Sozialisierung der Wirtschaftsordnung nicht rasch genug ausreifen I Die sozialdemokratische Auffassung und Taktik war dagegen bisher die, die kapitalistische Weltpolitik in allen Ländern so nachdrücklich wie möglich zu b e k ä m p f e n, da sie gerade in den weltpolitischen Rivalitäten das größte Hemmnis der proletarischen Klasscnpolitik, der politischen Erstarkung der Arbeiter- klaffe erblickte! Und dieser Kampf gegen die kapitalistische Ex- pansionspolitik war nach sozialdemokratischer Auffassung so zuführen, daß dem Proletariat jede« Landes die Pflicht oblag, im nationalen Rahmen der kapitalistischen Weltpolitik entgegenzutreten l Man sieht, welche Revolution ihrer fundamentalen politischen Taktik Genosse Calwer der Sozialdemokratie zumutet! Trotz dieser umstürzlerischen Tendenzen bleibt Calwer freilich in kläglicher Halbheit stecken. Wenn da» sozialistische Interesse wirklich die kapitalistische Expansionspolitik erforderte, so wäre die von Calwer empfohlene wohl- wollende Neutralität der Arbeiterklasse der Weltpolitik gegenüber der ärgste Fehler. Dann müßte die Arbeiterklasse für die Weltpolitik eintreten und alle Mittel bewilligen, die eine solche Politik zu fördern geeignet wären. Dann müßte sie nach national- sozialem Rezept alle Heeres-, Flotten- und Kolonialausgaben bewilligen und versuchen, durch eine Schacherpolitik nach dem Vorbilde dcS Zentrums Konzessionen auf wirtschafilichem und sozialem Gebiete zu erhandeln! Aber Calwer ist nun einmal kein„Konsequenzenmacher". Er ist intellektuell und politisch bedürfnislos genug, den Gegnern der Sozialdemokratie wieder einmal etwelcheS Material zur Bekämpfung der Partei geliefert zu haben!— Die Prinzipienfesten. Der Kampf um die Volksschule ist durch die Abstimmungen in der Schulkommission deS Abgeordnetenhauses am 1. Mai in eine neue Phase getreten. Während die Konservativen den Genieinden daS Recht der Anstellung von Rektoren gänzlich nehmen wollten, hielten bekanntlich die Nationalliberalen an dem bisherigen Recht fest und stimmten schließlich nicht nur gegen den konservativen An- trag, sondern, nachdem dieser trotzdem angenommen worden war, auch gegen da§ ganze Gesetz. Daraus hat sich zwischen national- liberalen und konservativen Preßorganen ein Kampf entwickelt, der durch die Art. in der beide Parteien sich als prinzipienfeste Vertreter des deutschen VolkSintcresses aufspielen, geradezu zur Satire herausfordert. Die nationalliberalc Presse wirst der konservativen Partei vor, daS heilige Kompromiß zur Verpfaffnng der Volksschule hinterlistig gebrochen zu haben, und appelliert mit flehenden Worten an die Regierung, doch ein Einsehen zu haben und gegen die Extra- seitensprünge der Konservativen einzuschreiten, während diese wieder die Nationalliberalen des Wortbruch» und der Verfolgung von Sonderabfichten beschuldigen. So schreibt beispielsweise die „Nalionall. Äorresp/: „Es ist bedauerlich, daß augenscheinlich daS gesamte preußische Staatsmmifterium der hohen politischen Bedeutung, die gerade dem Schnlgesetzenlwnrs innewohnt, nicht die genügende Be- achmng geschenkt hat. Sonst wären gewiß die vielen Ecken und Kanten vermieden worden, die gerade auf die politische Gesamtlage ihre Rückwirkung üben müssen. Das gilt insbesondere von den Bestimmungen über die Anstellung der Rektoren. Mag der Umstand, daß in vielen Fällen die Stadtverwaltungen größerer Slädic die freisinnige Signatur auf- weisen, der Regierung unerwünscht sein, so ist eS jedenfalls im höchsten Grade unpolitisch, diese Städte dafür mit einer Ent- ziehung von Rechten zu bedenken, die sie hundert Jahre unangefochten ausgeübt haben. Daß dies grade in einem Moment geschieht, in welchem die freisinnige Partei durch eine veränderte Stellung zu den Heeres- und Flottenfragcn der nationalen Negierungspolitik näher gerückt ist, in einem Momente, in dem sie durch ihr Eintreten da» neue Kolonialamt vor der Ablehnung ge- rettet hat, ist bezeichnend für das politische Verständnis, da» in unseren Einzelressorts herrscht.... Die Nationaftiberaken werden sich jedenfalls weder an einer solchen unklugen Politik noch an einer solchen unbilligen Entrechtung unserer großen Gemeinwesen beteiligen!" Dagegen heißt es in einem sraktions- offiziösen Artikel der „Konserv. Korrefp.": „Sie haben es dabei an Entgegenkommen im Rahmen de» bekannten Schnlkompromiffes gegenüber den anderen Parteien, insbesondere den Nalionallibeialen, tvahrlich nicht fehlen lassen und es schließlich so auch erreicht, daß jenes Kompromiß in dem vorliegenden Gesetze tatsächlich zur Durchführung gelangt ist. Wenn darüber hinaus die N a t i o n a l l i b e r a l e n S o n d e r b e st r e b u n g e n verfolgen, indem sie— obivohl durch die Anträge der Konservativen die Wahl der Lehrer überall den Gemeinden, beziehungsweise Schnlvorständen verblieben war— gleichwohl auch die Forderung der Regierung bekämpften, wonach dieselbe die An- stcllung der Haiiptlchrcr(Rekloren) im Interesse der Lehrerschaft und ihres gleichmäßig geordneten AnfsteigenZ innerhalb des ge- samten Stadtbezirk» in der Hand behalten wollte, bekämpfte» und deswegen gegen da» ganze Gesetz stimmten, so kann eine solche Handlung gegenüber einem so großen Gesetze und den damit ver- folglen Zielen iachlich nicht als berechtigt, noch weniger al» staatsmännisch klug bezeichnet werden. Sollte sich die genannte Partei nicht noch bei den Plenarberatnngen eines Besseren besinnen, so würde sie auch die politischen Konsequenzen einer solchen Handlung übernehmen in n s s e n. Zu den letzteren dürfte es auch gehören, daß eine gemeiitsame politische Arbeit der ehemaligen Kartellparteien, die au» manchen Gründen wohl erwünscht sein könnte, demnach doch der gesunden Grundlage nachhaltiger gegenseitiger Verständigung zu entbehren scheint und somit wieder mehr in den Hintergrund unserer innerpolitischen preußischen Ent- Wickelung tritt." Der Streit ist charakteristisch für die politischen Zwecke, die beide Parteien mit dein Schulgesetz verfolgen. Gegen die Verpfaffung der Volksschule haben die Nationalliberalen nichts einzuwenden; dagegen sind sie darüber empört, daß die Stadtgemeinden, in denen sie vielfach herrschen, sich nicht die Volksschulrektoren nach ihrem Be- lieben aussuchen sollen. Die Konservativen wiederum, die in den größeren Stadtgemeinden durchweg eine untergeordnete Rolle spielen, möchten das Recht der Rektoranstellniig möglichst der Regierung vor- behalten wissen, damit diese in die Lage kommt, die Rettorposten mit gefügigen Günstlingen der Agrarier und protestantischen Orthodoxie zu besetzen. Ausgeschlossen erscheint übrigens keines- weg», daß sich beide Parteien doch noch wieder zu gemeinsamem heiligem Werk der Hebung der Volksschule zusammenfinden, denn Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.— veutlckes Reich. Ein Krater der Roheft. Die„Deutsche Tageszeitung" ist verschnupft. ES hat sich ein Mann gefunden, der die P r ü g e l st r a f e zu beschimpfen wagt, noch dazu ein hoher Justizbeamter, ein Landgerichtsrat und Ge» heimer Jnstizrat! In der„Deutschen Juristenzcitung" hat der Ge» Heime Jnstizrat T h o m s e n einen Artikel gegen die Prügelstrafe mit den Worten geschlossen:„Möge unS das Mißvergnügen erspart bleiben, auf deutschem Boden einen längst erloschen geglaubten Krater der Roheit sich aufS neue öffnen zu sehen." Das geht dem landbündlerischen Jntelligenzblatt gegen den Strich. Es fühlt sich gedrängt, die junkerliche Ethik zu verteidigen: „Diejenigen Männer, welche trotz aller Schmähungen für die Wiedereinführung der Prügelstrafe bei vertierten Verbrechern und viehischen Rohlingen eintreten, glauben dadurch den„Krater der Roheit", der allerwärts gähnt und immer breiter klafft, nach und nach eindämmen und einigermaßen zuschütten zu können. Daß dieser Krater tatsächlich immer breiter geworden ist, weil die jetzigen Straf mittel für verrohte Burschen nicht genügend abschreckend sind, kann niemand recht» l i ch in Abrede st e l l e n." Es lohnt sich nicht, gegenüber der bloßen Behauptung der „D. T." die unzählige Male angeführten Gegenbeweise zu wieder» holen, auS denen für jeden, der sich überzeugen will, hervorgeht, daß die„abschreckenden" Strafmittel gerade eine der Ursachen der zunehmenden Roheit sind. Aber die„Deutsche Tagesztg." behauptet, niemand könne ernstlich in Abrede stellen, daß die Roheit zunehme, we-l die Strafen nicht abschreckend genug sind. Wir können ihr jemand auf ihren Redaktionstisch legen, der die entgegengesetzte Ansicht öffentlich vertreten hat, und zwar einen Zeugen allererster Güte, nämlich— die«Deutsche Tages- zeitung" selbst! Ms nach dem Brciner Parteitag im Herbst 1904 bekannt wurde, daß die Sozialdemokratie sich intensiver als bisher um die heran- wachsende Jugend kümmern wolle, brachte am 6. November 1904 die„Deutsche Tagesztg." einen Leitartikel über„da» werdende Ge» schlecht", in dem es. hieß: „Früher, als der Knabe noch in der Regel ein Handwerk lernte oder als lernender Jungknecht ans dem Bauernhofe tätig Ivar, fanden Haus und Schule einen wenn auch nicht gleichwcrten, so docki annähernd wirksamen Ersatz in der Lehrlingszucht. Das Haus des Handwerkers, der Hof des Sandmanns bot dem jungen Mann ein festes Heim, einen starken Halt; erwarn ichtauf sich allein g e st e l l t.... Jetzt haben sich diese gesunden Verhältnisse entweder ganz gelöst oder doch stark gelockert. Viele Knaben und Mädchen verlassen sofort nach der Schulentlassung daS Elternhaus und gelangen an eine Arbeitsstätte, wo sie nur als Arbeitskräfte, nicht aber als er» ziehungsbedürftige Seelen geweckt und be» handelt werden."' lind an einer anderen Stelle desselben Artikels: „Losgelöst von dem bisherigen Wurzelboden, werden sie(die aus der Schule entlassenen Knaben und Mädchen) leicht haltlos; da die bisherigen Kräfte der Wahrung nicht mehr tätig sind, verwahrlosen sie einfach." Demnach sind an der angeblichen Verrohung der Jugend doch ganz andere Dinge schuld, als die ungenügenden Strafen? Ganz abgesehen davon, ob der damalige Artikel in seinen Einzelheiten recht oder unrecht hat, ganz abgesehen insbesondere davon, ob die vielgerühmtc alte LehrlingSzncht wirklich so viel wert war, wie die „D. T." behauptet— daß der Artikel die Ursache der Vorrobnng in den Umständen erblickt, in denen die jungen Leute aufwachsen und leben, und folglich nicht in zu milden Strafen,„kann niemand ernstlich in Abrede stellen". Und da nach dem Zeichen des Artikels kein geringerer als Oertel der Korpulente selbst ihn verfaßt hat, so wird die„Deutsche Tageszeitung" die Autorität des ArtikelschreiberS nicht bezweifeln._ Eigenartige Polizeirecherchen. Ein Berliner Mittagsblatt hatte an das Breslaucr Polizei» Präsidium die Anfrage gerichtet, welche Ergebnisse die bisherigen polizeilichen Untersuchungen über jenen beispiellosen Roheitsakt ge- habt hätten, dessen Opfer der Arbeiter mit der abgehackten Hand, Biewald, geworden ist. Die befragte Polizeibehörde hat daraus telcgraphisch folgende lakonische Antwort gegeben: Die Persönlichkeit des Tnters ist bisher hier unbekannt. Polizeipräfidium. Es erscheint unS H5chst seltsam, daß eS der VreSlauer Polizei- Kehörde bis heute noch nicht gelungen ist, den Täter zu ermitteln. Ob eine Konfrontation sämtlicher Polizeibeamter mit dem Opfer und den vom Fustizrat Mamroth erwähnten„unbeteiligten und glaub- würdigen Zeugen" so völlig ergebnislos geblieben wäre? Eine noch befremdendere Nachricht erhält ein anderes Berliner Blatt aus Breslau. Sie lautet: Breslau, 3. Mai. Gegen den gelegentlich deS Aprilkrawalls am Striegauer Platz von einem Schutzmann zum Krüppel ge- schlagenen, ganz unbeteiligten Arbeiter B i e w a l d ist ein Straf- verfahren eingeleitet worden. Diese Nachricht klingt denn doch ganz unglaublich. Denn ein Strafverfahren gegen das Opfer des ungeheuerlichen Roheilsaktes setzte wirklich selbst den Breslauer Polizei- und Justizaktionen die Krone auf! Dagegen läge es um so näher, dem unbekannten Täter dadurch auf die Spur zu kommen, daß man schleunigst ein Verfallen gegen Unbekannt eröffnete— ein bei Verfolgungen gegen die sozialdemokratische Presse ganz gebräuchliches Verfahren— und«iewald und die übrigen Gewährspersonen als Zeugen ver- nähme! Wir sind überzeugt, daß bei einem solchen Vorgehen der Täter gar bald ermittelt werden würde. Unterbleiben diese Mast- nahmen, so setzen sich die in Frage kommenden Behörden dem Ver- dacht aus, dast man den Täter nicht habe ermitteln wollen!— Die abgehauene Hand. In unserem gestrigen AuSzug ans der Veröffentlichung des Justizrats Mamroth in der„Breslaner Zeitung", die wir nach einer unvollständigen Wiedergabe der„Vossischen Zeitung" zitiert hatten, sind noch folgende Aeuherungen deS Herrn Mamroth über die Rechtslage nachzutragen: Strafrechtlich käme die Verfolgung des Schutzmanns auS § 224 St.-G.-B. in Frage. Schritte nach dieser Richtung können erst getan werden, wenn die Person des Schutzmannes festgestellt ist. Recherchen darüber sind im Gange. Zivilrechtlich ist natürlich der Schutzmann gleichfalls ver- antwortlich, wenn festgestellt wird, dast er eine strafbare schwere Körperverletzung begangen hat. Ob eventuell eine Haftung des Polizeipräsidiums aus dem Verschulden seines Beamten zu be» gründen ist, erscheint austerordenllich zweifelhaft. Es folgt dann die gestern von uns wiedergegebene Bezugnahme auf die Haftpflicht der Gemeinde. Die amputierte Wahrheit. Die abgehackte Arbeiterhand in Breslau ist ein so furcht- bares Bewelsstück sinnlosen Polizeiwütens, daß der Eifer der Scharfmacherpresse, eine solche aufregende Tatsache hinweg- zulügen, nur zu begreiflich ist. Die Erklärung des Justizrats Mamroth hat diesem frechen Scharfmacherschwindel auch noch keineswegs ein Ende gemacht. Lesen wir doch in der„T ä g l. Rundschau": „Nochmals die„abgehauene Hand". Justizrat Dr. Mamroth veröffentlicht über den bedauerlichen Vorgang in Breslau, bei dem einem Arbeiter die Hand durch den Säbel eine? Schutzmanns so verletzt wurde, daß sie abgenommen werden mußte, ausführliche Mitteilungen, die mit anderen Berichten nicht übereinstimmen. Danach soll der Vorgang sich in einem Hause ereignet haben, in das der Verletzte geflohen sei. Justizrat Mamroth g:bt an. dast seine Mitteilungen auf den Aussagen des Verletzten selbst und einer Anzahl von unbeteiligten und Vertrauens- würdigen Personen beruhten. Man wird nunmehr die ge- richtliche Klarstellung deS wahren Sachverhaltes abzuwarten haben." Das Blatt für das gebildete Bürgertum und Achtgroschen- jungen-Halluzinationen besitzt also die Unverfrorenheit, trotz der Feststellung Mamroths, daß die Hand des ganz Unbe- teiligten glatt abgehauen wurde, noch immer von einer verletzten und später amputierten Hand zu sprechen!—_ MogdanesischeS. Die„Freie Deutsche Presse", das führende Organ der„Freisinnigen Volkspartei" liefert täglich durch hämische Beschimpfungen und niederträchtige Denunziationen den Beweis, daß sie seit dem Ausscheiden Eugen Richters aus der Redaktion auf ein noch tieferes politisches Niveau herabgesunken ist, so wenig glaubhast das auch dem erscheinen mag, der die früheren polemischen Gepflogenheiten dieses BlatteS kannte. So müht sich heute das Organ des Herrn Müller-Sagan, in einem Leitartikel „Aus dem Lager der Roten", die Breslauer Justiz gegen die be- kanntlich vollzählig inhaftierte Redaktion unseres Breslauer Bruder- organs vollends scharf zu machen. Das ungeheuerliche Urteil, das seinerzeit gegen den Redakteur L ö b e gefällt wurde, erklärt das „freisinnige" Zentralorgan damit, daß der inkriminirte Artikel„in der Tat manches aufreizend" gewesen sei. Ferner behauptet es, daß seit dem 19. April, dem Tage des letzten Polizeimassakers, die„Volkswacht"„wahre Orgien der Aufreizung" ge- feiert habe. Solches Denunziantengeschmeist nennt sich„freisinnig"! Selbstverständlich erfordert eS auch das HauSknechtsverhältnis, in dem das führende Freisinnsblatt zum Unternehmertum steht, die diesjährige Maifeier in der kindischsten Weise herabzusetzen. Mit Behagen schwatzt es der„Boff. Ztg." die unsäglich alberne Be- hanptung nach, daß die Berliner Vormittagsversammlungen am 1. Mai von noch nicht 20 000 Personen besucht gewesen seien! Auch habe der„Vorwärts" schon deshalb nicht von einem„Triumph der Maifeier" sprechen sollen, da er eS ja selbst getadelt habe, daß in Baden— in den kleineren Orten!— die Maifeier verspätet und verzettelt stattfinde. Man sieht, eS läßt sich die Preisfrage auf- werfen, worin die„Freie Deutsche Presse" Hervorragenderes leistet: in der Dummheit oder der Niedertracht!— Russische Zollchemie. Die„Leipziger Neuesten Nachrichten" brachten im November vorigen JahreS in ihrem Handelsteil einen Artikel, worin das Erlebnis einer Leipziger Exportfirma mit der russischen Zollbehörde in Alexandrowo geführt wurde. Der Firma war von der Zollbehörde mitgeteilt worden, daß ihre nach Minsk adressierte Seifenpulversendung nicht mehr zwei, sondern elf Rubel Zoll koste. Unter diesen Umständen verzichtete die Firma auf daS Geschäft und verlangte die Rücksendung von der Zollbehörde. Nach fünfmaliger Reklamation erhielt sie die Sendung— acht Monate später endlich wieder. Gewicht und Plomben waren in Ordnung. Aber nicht gering war ihr Erstaunen, als statt des abgesandten Seifenpulvers ein— dreißig Pfund schwerer Feldstein zum Vorschein kam. In dem Artikel war nun die Vermutung ausgesprochen worden, daß die russischen Zollbehörden bei der Ver- Wandlung des Seifenpiilvers in einen Stein als Chemiker mitgewirkt hätten. Daraus erhielt der Zolldirektor Peschansky von der russischen Regierung den Auftrag, die„Neuesten Nachrichten" wegen Beleidigung zu verklagen. In der Verhandlung vor dem Leipziger Schöffengericht gingen nun die Nachrichten einen Vergleich ein, der ihre Charakter- festigkeit selbst russischen Behörden im richtigen Lichte zeigt. Obwohl in der Verhnndlung der chemische Prozeß, den das Seifenpulvcr an der russischen Grenze durchgemacht hat, unaufgeflnrt blieb, verpflichteten sich die Nachrichten doch, in ihrem Handelsteil zu erklären, daß sie die ausgesprochene Vermutung, die russischen Zollbehörden könnten als Chemiker mitgewirkt haben, nicht mehr ausrecht erhalten wollten. Wegen MajestätSbeleibigung hatte sich dieser Tage bor der Strafkammer in Krefeld ein Färbergcsclle zu verantworten. Er wurde zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt unter Anrechnung der Untersuchungshaft von etwas mehr als einem Monat. Ter Ber« urteilte war auf eine igcnartige Weise zu der Anklage gekommen. Er hatte nämlich an einem Tanzvergnügen, das ein bürgerlicher Turnverein veranstaltet hatte, teilgenommen. Nach Mitternacht, als alles zum Aufbruch rüstete und die meisten der Anwesenden des Guten zu viel getan, verspürte auf einmal ein Vorstandsmitglied einen Drang in sich, eine patriotische Rede von Swpel zu lassen, die natürlich mit einem Hoch auf Wilhelm II. endete. Der Färber protestierte gegen ein derartiges unqualifizierbares Verhalten. Er gab der Meinung Ausdruck, daß, wenn ein Kaiscrhoch ausgebracht werden sollte, man daS am frühen Abend hätte tun sollen, aber nicht in einer solchen Situation und rief zweimal„Pfui!" Ein anwesender Polizeibeamter, der Mitglied des Vereins ist, erstattete Anzeige und wurde der Färber in Untersuchungshaft genommen. Das Gericht schenkte seiner Aussage, daß seine Pfuirufe dem Redner gegolten hätten und er gar nicht beabsichtigt habe, den Kaiser zu beleidigen, keinen Glauben und kam zu der Verurteilung.— Preußisches Schulelend. Seit Anfang vorigen Jahres macht sich der Mangel an Lehrern im schlesischen Kreise S t r i e g a u fühlbar. In Järikchau hatten in der katholischen Schule zwei Lehrer mehrere Monate etwa 260 Kinder zu unterrichten. Jetzt sind alle drei Stellen besetzt, die 2. Stelle verwaltet eine Lehrerin. Die einzige Lehrerstelle an der dortigen evangelischen Schule war Oktober 190ö hindurch unbesetzt, so daß die Hcrbstferien von drei auf fünf Wochen verlängert wurden.— In Ober-Streit tvar die zweite Stelle an der evangelischen Schule ebenfalls mehrere Monate frei, so daß 160 Kinder von einem Lehrer in drei Klassen zu unter- richten waren. Da der zweite Lehrer aus Damsdorf die zweite Lehrerstellc in Ober-Streit übernahm, blieben dem ersten Lehrer in Damsdorf 220 Kinder in engen Schulräumen zum Unterrichten.— In Lüssen ist der alleinige Lehrer an der evangelischen Schule wegen Krankheit auf längere Zeit beurlaubt. Da die Regierung einen Vertreter nicht senden konnte, unterrichtet jetzt der zweite Lehrer aus Gabersdorf täglich drei Stunden. Die volle Kompottschüssel in einem Reichsbetriebe. Vor einiger Zeit wurde auf der kaiserlichen Werft in Danzig etwa 100 im Schiffsbau beschäftigten Arbeitern wegen Arbeitsmangel gekündigt. Es wurden Leute aufs Straßenpflaster gesetzt, die schon füns bis sechs bis acht Jahre auf der Werft tätig gewesen waren. Die Arbciterentlassungen fanden statt, trotzdem der Reichstag viele Millionen Mark für Schiffsbautcn bewilligt hatte. Jetzt hatte man drei Arbeitern gekündigt, die schon 11 bis 13 bis 18 Jahre im Be- triebe beschäftigt gewesen sind. Aufs Pflaster sind die Leute aber nicht geworfen worden. Man hat ihnen nämlich in Aussicht gestellt, sie weiter zu beschästigen, wenn sie sich einen Lohnabzug von 2 Pf. pro Stunde gefallen lassen. Tie alten Staats- sklaven haben in den sauern Apfel beißen und die Erklärung abgeben müssen, daß sie mit dem Lohnabzug einverstanden sind. Ebenso hat man sieben älteren Arbeitern aus dem Schiffsbau- reffort den Lohn um 2 Pf. pro Stunde gekürzt. Anderen Arbeitern ist dieses Verfahren in Aussicht gestellt worden. Und das in einer Zeit, wo in der Privatindustrie die Arbeiter mehr Lohn verlangen und nötigenfalls erkämpfen, weil der neue Zolltarif die Lebens- mittelpreise in die Höhe getrieben hat! Den StaatSarbeitern werden keine Lohnerhöhungen gewährt, sondern Abzüge gemacht. So gab eS bis zum Jahre 1904 bei einer siebenftündigen Arbeitszeit 60 Pf., bei einer achtstündigen Arbeitszeit 30 Pf. und bei einer neunstündigen Arbeitszeit 20 Pf. pro Tag Lohnzulage. Vom Jahre 1904 wurden die Sätze auf 60— 40— 20 Pf. erhöht. Die bürgerlichen Blätter priesen mit warmen Worten die Fürsorge für die staatlichen Werstarbeiter. Jetzt hat man die Sätze auf 60—30—10 Pf. herabgesetzt und die bürgerlichen Blätter sind gänzlich stumm geblieben. Die Lohn-.m:d Arbeitsbedingungen auf der Danziger Werst sind erheblich schlechter als auf der Kieler Werft. Ebenso ist die Krankheitsziffer bedeutend höher. Im Jahre 1964 lvaren in Danzig von 100 Arbeiter 62 krank, ivährend es in Kiel auf 100 Arbeiter nur 42 Kranke gab.— Vor einigen Tagen sind die Werstarbeiter übrigens vom Gericht in Danzig als„zufriedene Arbeiter" erNärt morden. Drei Genosse» hatten nämlich Straf- Mandate von je 106,60 Mk. erhalten, weil sie vor der kaiserlichen Werst Einladungen zur Märzseier verteilt hatten. Sie wurden zu je 30 M. verurteilt mit der Begründung, daß die Strafmandate zu hoch bemessen waren, weil die„zufriedenen Arbeiter der kaiserlichen Werft" die Flugschriften gar nicht lesen wollten.— Ein Sabbatglänbiger, so berichtet man uns unter dem 3. Mai auS Halle a. S., stand heute in der Person des Reserviste» Friedrich Scior vor dem Kriegsgericht der 8. Division, um sich wegen Un- gehorsamS und Beharrens im Ungehorsam zu verantworten. Als am Morgen deS 2t. April auf dem Truppenübungsplatz in Alten- grabow, wo der Angeklagte zu einer Uebung eingezogen war, in der Kompagnie deS Jufanterie-Regiments Nr. 66 der Befehl erging: „Fertigmachen zum Dienst". erklärte Scior, er tue Sonn- abends unter keinen Umständen Dienst, denn er sei Adventist vom siebenten Tage. Den Sabbat müsse er heiligen und Ivenn eö ihm das Leben koste. Der Unteroffizier, der Feldwebel, der Leutnant, der Haupt- mann und der Major gaben sich vergebliche Mühe, den Mann von seiner Ansicht abzubringen. Der Angeklagte ließ sich auch durch die Kriegsrichter„nicht irre machen". Er gilt als guter Soldat und Kamerad, wurde aber wegen seines fanatischen Verhaltens zu zwei Monate» Gefängnis verurteilt. HiisUnck. Frankreich. Eine Bomben-Explosion ist im Bois de ViueenneS erfolgt, bei der ein Russe nameuS Sokoloff oder Suwarow schwer verwundet, ein zweiter namens Stryga, getötet wurde. Die Polizei haussucht bei allen Bekannten und Verwandten der beiden. Man wittert einen verunglückten AttentatS-Versuch anf den Präsidenten der Republik oder dergleichen. Der Grund soll sein: Daß ein Teil der russischen Anleihe in Paris untergebracht wurde!! In der geheimnisvollen Angelegenheit wird sich erst klarer blicken lassen, wenn die ungeheure Aufregung, die im Augenblick noch in Paris herrscht, sich gelegt hat.— Die absolutistische Demokratie. Paris, 3. Mai.(Eig. Der.) Die„demokratische" Regierung hat sich in den Augen aller frei- heitlichen Menschen unheilbar kompromittiert. Sie hat sich mit der albernen Komplottgeschichte überall lächerlich und durch die skandalöse Vergewaltigung der Gewerkschaften bei der Arbeiterschaft verhaßt gemacht. Paris und alle Jndustrieorte sind seit einer Woche unter einer wahren Schreckensherrschaft. Noch immer steht Infanterie auf allen strategisch wichtigen Punkten der Stadt, noch immer reitet republikanische Garde und Kavallerie durch die Straßen. Und dabei war Paris nie so ruhig wie gerade jetzt! Wohl stehen gegen 60 000 Arbeiter verschiedener Gewerbe im Streik, aber die gewerk- schastliche Aktion vollzieht sich in vollster Ordnung. Man konnte es verstehen, daß die Regierung am 1. Mai Schntzmaßregeln in manchen Stadtteilen für nötig gehalten hatte. In einer Stadt, wo 60 000 Proslitnierte und nicht viel weniger gewerbsmäßige Zuhälter wohnen und wo täglich Roheitscxzesse in Menge begangen werden. ist die Gefahr nie ausgeschlossen, daß das Lumpenproletariat für sich zu operieren beginnt. So war es diesmal auch an den Stellen, wo es am blutigsten zuging und die Polizisten wirklich Gefahr liefen. Aber diese Gesellschaft vermischte sich fast nirgends mit den Arbeitern. Der„Apache", wie sich dcr Pariser Zuhälter stolz nennt, fühlt sich nicht mit dem Proletariat, sondern mit der Bourgeoisklasie solidarisch, von der er parasitisch zehrt. Charakteristisch für die materielle Basis wie für die Psychologie dieser Schicht ist die Tat- fache, daß am 1. Mai die Prostitution von den Straßen fast voll- ständig verschwunden war! Unter den 200 Millionen, die— wie die verschiedenen Blätter jammern— durch den 1. Mai „Paris"— d. h. den Händlern aller Art— verloren gegangen sein sollen, steht sicher die Einbuße des Straßenhandels der„Liebe" mit an erster Stelle. Die Zuhälter waren also begreiflicherweise auf die Arbeiter gar nicht gut zu sprechen. Ich hörte einen von dieser Zunft, der seine Abendstunden mit dem Verkauf des„Jntransigent" ausfüllt, zu seinem Kollegen sagen: „Ich werde es morgen Rochefort schon sagen, wie die Zeitungc» lügen, die immer sagen, wir machen die Manifestationen. Auf der Place de la Republique hat man lauter„Zylinder" und nur.drei „casquoües" sBallonmützen) arretiert.. Der„Apache" ist Nationalist wie— der Polizist. Die Polizei hat sich schmachvoll benommen. Die Pariser Schutzleute sind lange berüchtigt, aber derlei entsetzliche Brutalitäten wie am 1. Mai hat man hier»och nicht gesehen. Leute, die nicht das geringste verübt hatte», wurden zu Boden geschlagen, die Schutz- lcutc traten ihnen auf dem Bauch, ja, auf dein Kopf herum! Eingeweihte Leute versichern, C l s m e n c e a u sei mit dem Be- lagcrungSzustande, der jetzt tatsächlich über Paris verhängt ist, nicht einverstanden gewesen, er habe aber der Majorität im Ministerium nachgegeben. Aber wenn ihm nicht die Urheberschaft zufällt, so hätte er eben in einem solchen Ministerium nicht bleiben dürfe». Der Oeffentlichkeit erscheint e r verantwortlich, besonders angesichts der notorischen Unbedeutcndheit Sarriens. Eine schöne Rolle spielt auch Briand, der Generalstreikprediger a. D. Die Leiter der Arbeitskonföderation, GriffuelheS und Lädt), sind noch immer in Haft, weil das Komplott-Märchen noch für die Wahlen herhalten soll. Andere GewerkschaftSlciter teilen da« Schicksal der beiden. Die Regierung hat telegraphischr Anfragen von Provinzgewerkschaften an die Konföderation wegen deren Haltung angesichts dcr Bcrhaftnngcn einen Tag lang zurückgehalten! Gestern und heute wurden eine Menge Demonstranten vom Dienstag ab- genrteilt. Ein einziger wurde freigesprochen. Die Strafen lauteten aus ziemlich hohe Geldbußen und Haft bis zu.sechs Monaten. Straf- auffchub wurde fast nicht zugebilligt! Genosse Marie, der Gewerkschaftssekretär der Buchdrucker, bekam vier Monate I Eine Anzahl Ausländer, Spanier und Russen, wurden bereits an die Grenze gebracht. Krieg gegen die Arbeiterklasse anf dcr ganzen Linie! das ist jetzt die Losung der herrschenden Clique. Und unter solchen Um- ständen appelliert man an die republikanische Disziplin der Arbeiterschaft zugunsten der Regierungskandidaten! Die politische Situation ist ganz unglücklich verworren, zur Freude der Reaktionäre— Dank der Unfähigkeit und Skrupellosigkeit der Regierung. Paris, 4. Mai.(B. H.) Die vier Schwurgerichtskammern von Paris verurteilten gestern Wiederinn zirka 60 Personen, welche am 1. Mai wegen Beleidigung von Polizisten oder Tragen verbotener Waffen verhafiet worden waren, zu Gefängnisstrafen von vier Tagen bis zu einem Monat. England. Ultimatum! London, 4. Mai. Das„Reutersche Bureau" erfährt: Die englische Regierung hat gestern an die Pforte eine Note gc- richtet, die dem Inhalte nach gleichbedeutend mit einem Ulti- matum ist und das letzte Wort Englands zu den türkischen Uebergriffcn auf dcr Halbinsel Sinai darstellt. Sie ver- langt die Zurückziehung der türkischen Truppen von dem ägyptischen Grund und Boden. Der französische und dcr russische Botschafter in Konstantinopel unterstützen die Bor- stellungen des englischen Botschafters O'Conor betreffend die Besetzung von Aegypten gehörigen Gebietes durch die Türkei. Die Gewcrkschaftsvorlage. London, 2. Mai.(Eig. Ber.) Wenn auch etwas verspätet, so dürfte das Folgende doch von Wichtigkeit sein. Wie bekannt, lagen dem Unterhause zwei GewerkschastSvorlagen vor: Eine war von der Regierung eingebracht, die andere von der Arbeiterpartei. Der Premierminister schloß sich im Prinzip der Gewcrkschaftsvorlage der Arbeiter an. Da aber eine von der Regierung eingebrachte Borlage bessere und schnellere Aussicht hat, Gesetzeskraft zu erhalten, so kamen die Regierung und die Arbeiterpartei überein, die Regierungsvorlage zur Basis der parla- meutarischen Verhandlungen zu machen und die strittigen Punkte ganz inr Sinne der Arbeiter zu amendieren. Dir Regierung gab im Parlamente das Bersprechen ab, das alte, vor dem Taff-Bale-Entscheid geltende Recht wieder herzustellen. Der Etat für daS Finanzjahr 1906/07. London, 2. Mai.(Eig. Ber.) Am 30. April legte Fiiranzminister Asquith den Etat für das kommende Finanzjahr vor. Seine Aufgabe war angenehm, da er mit Uehcrschüsseu operieren und Steuerherabsetzungen vornehmen kann. Der Etat für das Verflosseire Finanzjahr(1905/06) stellte sich folgendermaßen: Einnahmen..... 143 978 000 Pfund Sterling Ausgaben..... 140 612 000 Ueberschnß 3 466 000 Pfund Sterling Der Voranschlag für 1906/07 ist wie folgt: Einnahmen: Zölle........ 34 230 000 Pfund Sterling Einkommensteuer.... 31 600 000„„ Verzehrimgssteucr... 30 200 000„ 0 Erb scha stSsteucr(fii r Reichszwecke)...... 13 200 000„„ Stempel...... 8 150 000„„ Grund« und HauSsteuer. 2 660 000„„ Post ic. 2C...... 24 930 000„ Zufa Minen 144 860 000 Pfund Sterling Ausgaben.......141 786 000 Ueberschnß 3 074 000 Pfund Sterling Der Ueberschnß wird benutzt zur Abschaffung des KohlcnauSfuhr- zolles. zur Herabsetzung deS TcezolleS sowie zu anderen kleineren Erleichterungen. Für lokale Zwecke werden noch etwa 10 Millionen Pstind Sterling aus der ReichSeiimahme verwendet.— Amerika. Ueber die neue Taktik» welche der Amerikanische Arbeiterbuiid in der Politik einschlagen will, hat Samuel GomperS, der Präsident des Bundes, der Presse ein Dokument zugestellt, um weit ver- breitete irrige Meinungen richtig zu stellen. Man hatte vielfach an- genommen, daß die„American Federation of Labor" dem englischen Beispiel folgen und selbständige Arbeiterpolitik treiben wolle. DaS auch an alle Gewerkschaften des Landes, cm die Kongreßmitglieder und andere hervorragende Personen versandte Schriftstück stellt jetzt die Sachlage klar. Es handelt sich demnach im Prinzip um die Fort- setzung dcr alten Taktik und nur um neue Drohungen gegen die Republikaner und die Demokraten, um neue Phrasen, um neue Proben, denen die Kandidaten für die öffentlichen Acmter unter- warfen werden sollen und die sie— immer gut bestehen werden. Die Kandidaten sollen Versprechungen mache», und das tun sie ja stets mit Vergnügen. Den alten Parteien untreu zu werden, daran denkt der Arbeiterbund nicht.— In der Einleitung sagt GomperS: „Verkündet. das ermutigende Losungswort, daß wir treu zu unseren Freunden stehen und den Männern oder Parteien einen scharfen Tadel ausdrucken wollen, welche unseren Interessen gegenüber gleichgültig, nachlässig oder feindselig sich verhalten, und 8o| wir, Wo die Gelegenheit sich bietet, die Erwahlung intelligenter. ehrlicher, ernster Gewerkschaftler, die eine klare, unbefleckte, voll» bezahlte VerbandHkarte in ihrem Besitz haben, sichern wollen." Weiter wird das Wünschenswerte des Referendums und der Initiative erörtert und vorgeschlagen, diese Neuerungen mit Hülfe der— Farmer durchzusetzen! Damit aber jeder Zweifel über die Richtung seiner Politik behoben werde, betont Gompcrs noch aus- drücklich:„Die Gewerkschaften wollen nicht etwa eine Arbeiterpartei etablieren." Es bleibt� also alles bcinr. alten, und es wird auch fernerhin, wie bisher, Sache der Sozialisten in den Gewerkschaften sein, für ihre Partei zu wirken und den sozialistischen Geist in die GeWerk- schaftcn zu tragen, der die alte konservative Richtung schließlich be- siegen wird._ ÖewcrhrcbaftUcbes. Maifeier-Nachklängc. Die wegen der Maifeier ausgesperrten Berliner Buchbinder be- schästigten sich am Donnerstag in einer von etwa 1-200 Personen besuchten Versammlung mit der gegenwärtigen Situation. Der Referent Klar wies nach, daß die Auffassung der Unternehmer, die Maifeier sei ein„Tarifbruch", eine vollständig irrige ist. Darüber zu entscheiden haben die Unternehmer nicht allein, sondern in erster Linie das Berliner Tarifschicdsgericht und in letzter Linie das Tarifamt in Leipzig. Diese Institute sind von den Unternehmern, die sich hier als Hüter des Tarifs aufspielen wollen. nicht angerufen. Die Aussperrung hat schon Weitere Kreise ge- zogen. Bei den Firmen, die nicht aussperrten und von den aus- sperrenden Firmen Arbeit übernahmen, legte auch dort das be- schäftigte Personal die Arbeit nieder. Am Frcitagvormittag fand bei Feind eine öffentliche Ver- sammlung der ausgesperrten Kupferschmiede statt, welche sich mit der MaiauSspcrrung befaßte. In der Versammlung, welche von zirka 100 Kupferschmieden besucht war, wurde bekannt gegeben, daß folgende Firmen ausgesperrt haben: Borsig, Union. Daimler, Kabelwerk Oberspree, Automobilfabrik, Edison-Werke, Lind, Berg- mann u. Comp.. Schulte. Beck u. Friede, Maschinenfabrik Orenstcin und Koppel in Drewitz. Die heutige Versammlung beschloß, alle Firmen, welche Aussperrungen vorgenommen haben, als gesperrt zu betrachten. Betreffs weiterer Heerschau über die nach dem 7. Mai noch ausgesperrt bleibenden findet am Montag, den 7. Mai, abends SVt Uhr, im Gewcrkschaftshaus, Saal 7, eine weitere Ver- sammlung statt. Ausgesperrt sind in Berlin und Drewitz 102 Mann. Wie im Voriahre, haben auch in diesem Jahre wegen der Mai- feier die der Vereinigung der Goldleistcnfabrikanten Berlins und der Vororte— welche unter der Leitung des bekannten Landtags- abgeordneten und Stadtverordneten L. Rosenow steht— angehörenden Fabrikanten die bei ihnen beschäftigten Goldlcistrn- arbeitet resp. Arbeiterinnen, zirka 2ö0 an der Zahl, auf zwei Tage ausgesperrt. Die nicht der Vereinigung angehörigen Goldleisten- fabrikanten haben anstandslos den 1. Mai freigegeben.— Ebenso bat die Kunstanstalt von B. Groß in Leipzig 83 Arbeiter wegen der Maifeier ausgesperrt, darunter 37 Vergolder. • In Altenburg hat der Metallwarcnfabrikant Otto Sehffart seine 13 Ciseleure und Graveure am 2. Mai entlassen, weil sie den 1. Mai feierten. In Eisenberg sind 150 Tischler, 100 Textil- arbciter und 350 Porzellanarbcitcr ausgesperrt worden. Die Tischler und Porzellanarbeiter sind für einen Tag, die Textil- arbciter für 7 Tage ausgesperrt. In Meuselwitz hat die Maschinenfabrik Heymer u. Pilz ihre Gießer und Former auf eine Woche ausgesperrt. In Ronneburg haben die Tcxtilprotzen dasselbe mit den feiernden TcxtilsNaven getan. Doch ist deren Zahl nicht besonders groß. In Eisenbcrg tragen sich die Unter- nchmer mit dem Gedanken, die Maifeier— abzuschaffen. * In der Maschinenfabrik von Theodor Mongen in Mülheim am Rhein, wurden sämtliche Former und Gießereiarbeiter bis Montag ausgesperrt, weil sie den 1. Mai durch Arbeitsruhe ge- feiert haben. Bei der Aussperrung wegen Beteiligung an der Maifeier in Hamburg marschiert die Hamburg-Amerika-Linie an der Spitze. „Ihre" Arbciter sollen bis zum 11. Mai nicht beschäftigt werden. Für diese Linie trafen gestern, von Essen kommend, 150 Mann ein, die Schauermannsarbciten verrichten sollte». Als die Leute in Er- fahrung brachten, zu welchem Zweck sie mißbraucht werden sollten, machte die Hälfte davon kehrt. Dann versuchte man, 250 Aus- Wanderer zur Arbeit zu bewegen. Nachdem sie aufgeklärt worden war, um was es sich handelte, verließen sie in großer Erregung den Dampfer, der sie an die Arbeitsplätze befördern sollte.— Mit allen Mitteln des Terrorismus, der Verrufserklärung usw. arbeiten die Aussperrungswüteriche, um die widcrhaarigen Reedereien zum Anschluß an die Aussperrung zu bewegen.• Die Unternehmer dürfen sich bekanntlich alles vas erlauben, was den Arbeitern verboten ist. Auch in Hamburg gilt der bekannte„Rechtsgrundsatz":„Wenn zwei dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe." DK ausgesperrten Arbeiter und Arbeiterinnen der Siemens- Schuckertwerke in Nürnberg erschienen am Donnerstag früh 6 Uhr geschlossen vor den Toren, wurden aber nicht eingelassen. Werk- nieister hatten sich mit Listen aufgestellt, in die sich die Arbeiter einzeichnen sollten. Anscheinend wollte man die auswählen, die wieder eingestellt werden sollten. Darauf zogen sie geschlossen wieder ab und versammelten sich auf einer in der Nähe gelegenen Wiese, wo beschlossen wurde, nicht eher die Arbeit aufzunehmen, als bis sie sicher wissen, daß jede Maßregelung ausgeschlossen sei. Es wurde eine Kommission gewählt und mit diesem Ultimatum zur Direktion geschickt. Während die Unterhandlungen stattfanden, marschierten die Ausgesperrten in einem 3000 Personen starken Zuge von der Vorstadt Steinbühl durch die ganze Altstadt nach dem Beckengarten, wo bald darauf auch die Kommission erschien, um über die Verhandlungen Bericht zu erstatten. Die Direktion hatte er- klärt, daß sie keine Maßregelungen beabsichtige, jeder Arbeiter komme wieder an seinen alten Platz. Darauf wurde beschlossen, um 0 Uhr die Arbeit wieder aufzunehmen. Im Zuge ging es dann wieder durch die Altstadt nach Steinbühl zurück. Der Zug bewegte sich am Rathause und an den Lokalen des freisinnigen„Frank. Cur." und des parteilosen„Gcn.-Anz." vorbei, die das Maifest der Arbeiter zu verkleinern und als eine mißlungene Veranstaltung hinzustellen versucht hatten. Die Polizei behelligte den Zug in keiner Weise, sondern ging ihm aus dem Wege. HeHlit una Clmgcgcnd. Eine Fanfare! Der Gesamtverband deutscher Metallindustrieller hat in den letzten Tagen in Berlin einen Schlachtplan gegen den Metallarbeiterverband beraten und veröffentlicht folgenden Beschluß: „In der Versammlung des GefamtberbandeS deutscher Metallindustriellcr vom 2. Mai haben von den 28 vertretenen Verbänden 26 mit 320 000 Arbeitern beschlossen, die Verbände 1 Hannober. Braunschweig, Dresden. Breslau, Frankfurt a. M. und Ostsriesland durch Arbeiter- ausspcrrungen zu unterstützen. Sofern die Arbciter der an- gegriffenen Verbände innerhalb einer in den nächsten Tagen festzusetzenden Frist die Arbeit nicht wieder aufnehmen, ist dem- gemäß mit Entlassung von Arbeitern der Metallindustrie in großem Umfange zu rechnen. Eine Kommission des Gesamt- Verbandes hat vor der Versammlung die Arbeitsbedingungen, insbesondere auch die Löhne und Arbeitszeiten geprüft und ge- fundcn, daß sie keinen berechtigten Anlaß zu den Ausständen in den oben genannten Verbänden gegeben haben." Die Herren Mctallindustriellcn mögen es sich wohl überlegen, daß das keine Kriegserklärung an den Metallarbeiter- verband, sondern an dieGesamtarbcitrrschaft Teutschlands ist! Die deutschen Arbciter werden nicht Gewehr bei Fuß stehen, wenn man sich anschickt, eines ihrer stärksten Bataillone nieder- zumctzeln!_ Verfehlte Spekulation der Berliner Echlossenneister. Vor einigen Tagen teilten wir mit, daß sich die Zunftmeister der Schlosserininnig wegen Beilegung des gegenwäriigen Schloiier- streiks zu Verhandlungen vor dem Einignugsamt bereit erklärt hatten. Dem war auch tatsächlich so, denn eine Generalversaminlung der Meister hatte in diesem Sinne beschlossen. Doch die General- Versammlung beschließt, und der JnnungSvorstand pfeift auf die Beschlüsse. Jedenfalls ist den Herren Oberzünstlern von„außenstehender Seite" eingeflüstert worden, daß eS in der Metallindustrie wegen der Maifeier zu großen Aus- sperningen kommen werde, wodurch dein Schlosserstreik dann das Genick gebrochen würde. Infolgedessen beeilte sich der Obermeister Heinrich, der Ortsverwoltung des Metallarbeiler-Verbandcs per Rohrpostbrief mitzuteilen, daß die Meisterkommission am 26. April be- schlössen habe, hinsichtlich eines sangeblichen) Antrags des Verbandes vom 28. April die Verhandlungen unter Leitung des Herrn v. Schulz definitiv abzulehnen. Das Schreiben enthielt weiter die Erklärung, daß die Meister bereit seien, mit der Gesellen- komniission in Verhandlungen„direkt neu einzutreten, wenn Herr Cohen(der Bevollmächtigte des Metallarbeitcr-Verbandes) von der Gcsellenkommission ausgeschlossen und ei» Ersatzmann für denselben gewählt wird, und Ivenn vor neuen Verhandlungen von der Gesellenkominission die ZZ 1—4 des Meister-TarifcntlvuNcS(betreffend das Lohnangcbot) inkl. Ablehnung der Banlohnznlage vorbehaltlos angenommen werden". Unter diesen„Be- dingungen" also wollte sich die ehrenwerte Meisterkommission groß- mütig zu Verhandlungen mit den Gesellen herbeilassen, wobei der Obermeister noch ausdrücklich bemerkt,„daß vor Abschluß eines neuen Tarifs auf keinen Fall die Aussperrungen aufgehoben werden dürfen". Wie nicht anders zu erwarten, rief dieser obermeisterliche Erguß in der gestrigen Streikversammlung der Schlosser eine ansgelassene Heiterkeit hervor, die sich noch steigerte, als Cohen mitteilte, daß der Obermeister auch bereits den Vorsitzenden des Einigungsamts dahin benachrichtigt habe, daß sich Verhandlungen vor dein Einigungs- amt erübrigen, weil die Meister sich schon mit der Gesellenkommission verständigt hätten! Die Streikleitung hat dem Herrn Obermeister denn auch prompt die entsprechende Antwort erteilt. In derselben heißt es:„Wir finden eS eigentümlich. wenn Sie auf unseren angeblichen Antrag vom 28. April mit einem Beschluß der Meisterkommission vom 26. April antworten. Doch abgesehen davon haben wir Ihnen namens der Kommission und der Streikenden zu erklären, daß wir auf Ihre„Bedingungen" nicht eingehen könuen. Von allen Ihren Bedingungen könncn wir nur eine akzeptieren, nämlich die, daß Sie vor Abschluß der Verhandlungen die„Aussperrung" nicht aufheben wollen." Es wäre auch wirklich unbillig, wenn die Streikleitung die Aufhebung einer solchen Aussperrung verlangen würde. Der Stand der Bewegung ist für die Streikenden ein durchaus auter, und wird dieselbe durch die Maianssperrungen in keiner Weise beeinflußt. Alle diesbezüglichen Spekulationen der Meister werden sich als verfehlt erweisen._ Bon der Lohnbewegung der Barbiere berichtete L i e r e in einer Versammlung des Verbandes der Friseurgehülfen. Wenn man von denjenigen Bewilligungen absehe, die ebenso schnell wieder zurück- gezogen werden, ivie sie gegeben. so sind bis jetzt 300 reelle Be- williaunaen eingelaufen. Daß diese ohne Kampf gemachten Zugeständnisse nicht größer sind, ist zu begreifen. Haben doch die Arbeitgeber in allen Stadtteilen beschlosten, die Forderungen der Gehülfcn abzulehnen. In ihren Be- strebungen würden sie unterstützt einmal durch den Lokal- verband deutscher Barbiergehüifen, welcher sich� nicht dazu verstehen kann, die Beseitigung deS LogiswesenS zu fordern, sondern durch seine Tätigkeit dazu beiträgt, die Bewegung� illusorisch zu machen. Auf der anderen Seite gesellen sich die sogenannten Jnnnngsgehülfen als Bundesgenossen hinzu. Bon denselben wird folgendes Schriftstück, wahrscheinlich mit Zustiinmung des Ober- meisterS, versandt: An die Jnnnngsgehülfen Berlins! WerteKollegen! Bon feiten einer politischen kleinen Gehülsenverenngimg Berlin? werden wiederum unsere Jnnuiigsmeister mit Forderungen belästigt, welchen wir nicht in allen Sachen zustimmen können, wir geben vielmehr die Erklärung ab, daß wir mit diesen politischen GeHülsen nichts zu tun haben. Wir stehen nach wie vor auf feiten der JnrningSmeister und bitten auch Sie. sich nicht den Bestrebungen jener Gehülfen. welche viel versprechen und wenig halten, anzuschließen, senden, die JmmngSmeister weiter zu unterstützen, welche bis jetzt stets getan haben, was in ihren Kräften steht, um 1. die Jiiiiungsgehülfen in jeder Weise zu unterstützen und 2. die geschäftlichen Prinzipien hochzuhalten und die Wege zu ebnen, ein st n, als eine bessere Existenz zu erringen, damit wir später nicht gezwungen sind, für 10 Pf. und 5P f. zu rasieren!, I n n u n g S g e h ii l f e n I Unsere Pflicht ist es, die Meister zu unterstützen und hiermit zu erklären, daß wir uns mit diesen sogenannten Organisierten, welche bei 5 und 10 Pf.-Barbicrcn arbeiten, nicht identisch erklären. Der Junnugs-Gehiilfeiiansschuß der Barbier-, Friseur- und Perrückcmnacher-Juuung zu Berlin. I. A.: Fritz Thiel, stellvertr. Altgeselle. Hierzu ist zu bemerken, daß die JimungSgehü Ifen nur in zwei kleinen VergnügungSvereinen vereinigt sind. Dagegen hat der Zweig- verein vom Zentralverband von den ungefähr 1300 beschäftigten Ge- hülsten 668 Mitglieder. Die Behauptung, daß die gewerkschaftlich organi- sierten Gehülfen nur bei Fünfpfennig-Barbieren arbeiten, ist unwahr. Vielmehr ist eS gerade die sogenannte Alldeutsche Barbier- Innung, welche solche Geschäfte unterhält, und sind eS demnach JnnungS- ge hülfen, die bei diesen arbeiten. Ganz abgesehen davon, daß die Gehülfenschaft überhaupt keinen Einfluß auf die Preisfestsetzungen hat, noch auch wünscht. Angesichts dieser Sachlagewird der Kampf ein ernster werden und eS ist nicht ausgeschlossen, daß eS auch zun, Streik kommt. Beschlossen wurde, die neuen Bedingungen mit dem 14. d. M. in Kraft treten zu lasien und die bewilligten Geschäfte durch Plakate kenntlich zu machen. Achtung, Barbiere! Der unterzeichnete Verband hat den Ar- beitgebcrn Berlins und Umgegend seine Forderungen unterbreitet und sind dieselben so entgegenkommend, daß ihre Bewilligung jedem Arbeitgeber möglich ist. Die Forderungen müssen bis 8. Mai in unserem Bureau, Schillingstr. 15/16, unterschriftlich anerkannt sein. Sollten die Forderungen einige Arbeitgeber nicht erreichen, so liegen dieselben nech in unserem Bureau zur Unterschrift aus. Tie Firmen, welche die Forderungen anerkannt haben, werden durch Plakate kenntlich gemacht. Verband deutscher Barbier-, Friseur- und Perrückenmacher-Gehülfen Berlins. Bureau: Schillingstr. 15/16; Burcauzeit: 9— 1 und 2—4 Uhr. Die Situation im Sireik der Charlottenburger Schuhmacher ist unverändert. Die Streikenden haben sehr über den Terrorismus der sich unter dem Schutze von Polizei und Unternehmertum sicher fühlenden„Arbeitswilligen" zu leiden. So bedroht der Schuhmacher B r ä n e r. der bei der Firma W. Z e u, l i n, Sophie- Charlottenslr. 24, ArbeitSlvilligeudienste verrichtet, die Streikposten mit einem Gummischlauch. DeutFehes Reich. Dir Ziegclclarbeitcr in Halbe(Kreis Teltow) befinden sich in einer Lohnbewegung und bitten um Fernhaltting deS Zuzuges. Bergarbeitcrstreik. Tie Belegschaft der„Grube am nassen Fleck" bei Guben, Herrn Hugo Lehmann gehörend, hat am Montag infolge Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Die Belegschaft fordert eine 15prozentige Lohnzulage bei Beibehaltung des jetzigen Pensums, Abänderung der Arbeitsordnung, deren Annahme die Belegschaft seinerzeit verweigert hat, Regelung der Lohnzahlung, Zurichtung des zu verbauenden Holzes und Anerkennung der Or- ganisation. Herr Lehmann bewilligte die letzten drei Punkte, lehnte dagegen die LohnerWhung und die Abänderung der Arbeitsordnung schroff ab. Die Belegschaft hat das Einigungsamt angerufen. Die Stimmung der Belegschaft ist gut. und da dieselbe bis 05 Proz. organisiert ist, hoffen die Arbeiter, ihre Forderungen durchzudrücken. Kampf in der Stolpcr Holzindustrie. In Stolp i. P. werden bis zum 12. d. M. zirka 300 bis 325 Bau- und Möbeltischler die Arbeit niedergelegt haben, da bis zu dieser Zeit die eingereichten Kündigungen abgelaufen sind. Beteiligt an diesem Kampfe sind der Deutsche Holzarbcitervcrband mit zirka 250 Mann und der Ortsvercin der Tischler und Drechsler(H.-D.) mit ungefähr 75 Mpim,. Die Forderungen der Arbeiter sind Erhöhung des Akkord- lohncs um 15 Proz. sowie Anerkennung des Tarifes. Ter neu- gegründete Arbeitgcberbund hat bis jetzt die Arbciter einer Werk- stätte ausgesperrt. Tic Zimmerer Stolps, zirka 75 Mann, sind bereits seit ungefähr 5 Wochen im Streik. Hier handelt eS sich um Erringung eines Miniinal-Stundenlohncs und Anerkennung deS Tarifes. Der Arbcitgebcrbund verhindert die Unterhandlungen mit den einzelnen Meistern und ist zu keinem Entgeaen'ommen zu be- wegen. Es wird ersucht, Zuzug von Bau- und Möbeltischlern und Zimmerern nach Stolp mit allen gesetzlichen Mitteln fernzuhalten. Achtung. Steinarbeiter! Bei der Firma Bruno Preißer in Kleinsieinbcrg traten am 30. April die gesamten Stcinarbeiter in den Streik. Am 2. Mai sperrten die Arbengeber im Granitgebtz.-t Beucha-Brandis sämtliche?lrbeiter aus, weil diese einhellig den 1. Mai feierten. Die Firma Bruno Preißer sucht seit längerer Zeit überall, im Auslande sowohl wie im Jnlcmdc, billige Arbeits- kräftc anzuwerben. Darum werden alle Arbeiterblätter um War- nung vor Zuzug ersucht.__ Berthold in Darmstadt gewählt! Trotz der demagogischen Agitation des Reichsverbandes oder vielleicht besser gesagt, durch das wüste Gebahren der auf den Mann dressierten Wanderapostel ist in der gestrigen Stichwahl uns der Sieg geworden. Das Frohlocken der Gegner über die Niederlage, die wir uns bei der Stichwabl holen würden, war etwas verfrüht. Wie uns ein Privat telcgramm aus Darmstadt meldet, hat Genosse Bcrthold 16 656 Stimmen erhalten, wahrend der Nationallibcrale Stein es auf 1ö 021 Stimmen brachte. Bei der Vorwahl am 25. April erhielt unser Genosse 13 855 Stimmen, der Nationalliberale 10 320 Stimmen und der Freisinnige 5828 Stimmen. Wir können wohl an- nehmen, daß unser Zuwachs sich aus den Reserven, die uns noch zur Verfügung standen, rekrutiert. Die übergroße An- zahl der„Freisinnigen" hat ihre Stimme dem Kandidaten der Nationalliberalen gegeben. Gegen die Wahl im Jahre 1903 haben wir einen Zuwachs von 2512 Stimmen zu ver- zeichnen; ein Resultat, das uns mit stolzer Freude erfüllen kann!_ Letzte N�chriebten und Dcpcfcbcn. Aussperrungsgeliifte! Breslau, 4. Mai.(W. T. B.) Ter deutsche Metallindustrie- verband hat die Gencrqlaussperrung auf den 10. Mai festgcscht, für den Fall, daß die Arbeiter in den Strcikortrn nicht bis dahin die Arbeit wieder aufgenommen haben. Dynaniit-Explosion. Halle a. S., 4. Mai.(W. T. B.) Auf dem Bohrturm der inter- nationalen Bohrgesellschaft bei Pfaffendorf explodierte heute nach- mittag bei Sprengarbeitcn Dynamit, wodurch von den dabei anwesenden Personen vier getötet und drei sehr schwer ver letzt wurden. Unter den Getöteten befindet sich Bergwcrksdireklor Merkel aus Tentschental und unter den Schwerverletzten der Berg- rcvierbeamte Bergrat Deicke aus Halle. Für den Achtstundentag. Paris, 4. Mai.(W. T. B.) Die hiesigen Drucker, Zimmerlcutc, Klempner und Tischler haben den Entschluß gefaßt, bis zur Er- füllung ihrer Forderung der achtstündigen Arbeitszeit die Arbeit ruhen zu lassen.__ Attentat auf einen Eisenbahndirektor. Warschau, 4. Mai.(W. T. B.) Als heute abend der Betriebs- dircktor der Weichsclbahncn, Proskurjakow, mit zwei Beamten in eine Droschke einstieg, wurde eine Bombe gegen ihn gcivorsen. Durch die Explosion wurde Proskurjakow verwundet, seine beiden Begleiter getötet, außerdem acht in der Nähe befindliche Personen schwer verletzt._ Ende deS AuSstandeS in Riga. Riga, 4. Mai.(Meldung der Petersburger Telegraphen Agentur.) Ter Arbeit erausstand ist heute beendet worden. Generalstreik. Serajewo, 4. Mai.(B. H.) Gestern abend fand eine Ansammlung streikender Tabakarbeiterinnen und sonstiger Arbeiter statl. welche die Freilassung zweier wegen Verhinderung Arbeitswilligrr verhaftete» Tabakarbciterimien verlangten. Es kam zu äußerst er- regten Szenen. Die einschreitende Gendarmie wurde mit einem Steinhagel überschüttet. Als gegen dieselbe aus dein Publikum ein Revolverschuß fiel, gaben die Gendarmen eine Salve ab, wodurch zwei Personen getötet und vier verwundet wurden. Mehrere Gendarmen wurden durch Stcinwürfe mehr oder minder schwer verletzt. Heute wurde der Generalstreik proklamiert, dem sich alle Arbeiter angcichlosscn haben. Die Zeitungen konnten nicht erscheinen, der Straßcnbnhnvcrkehr ist unterbrochen. Flottendemonstration gegen den„kranken Mann". London, 4. Mü.(Meldung des Reutcrschen BureauS.) Die Blättermcldung, daß das an die Türkei gerichtete Ultimatum in zehn Tagen abläuft, wird amtlich bestätigt. Malta, 4. Mai.(Meldung dcö Reutcrschen BureauS.) Bier Kreuzer»nd eine Flotille vo» Torpedobootzerstörern gehen heute abend nach dem Piräus ab. Perantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw,: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag: BorwärlsBuchdr.u.VerlagsanitattKaulSingerL:Co.,BerlinL)>V. HierzuZBeilagenu. Unterhaltungsblatt Nr. 103. 23. Jahrgang. 1. Wliigt des JormW ßerlitift Oolblilatl. ,5. Reichstag. 94. Sitzung vom Freitag, den 4. Mai, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Frhr. v. Stengel, Frhr. v. Rheinbaben. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Be- ratung der Reichs-Finanzreform, und zwar Besteuerung der Zigaretten. Die Beratung über§ 1 wird zurückgestellt, die Diskussion über die ZK 2 und 3 wird verbunden. In 8 2 beantragt die Kom- Mission, an Stelle der von der Regierung vorgeschlagenen Stempel steuer auf Zigarettenpapier eine Besteuerung der Zigaretten auf dem Wege des Banderolensystems für 1000 Stück steigend von 1 M, bis 10 M. nach dem Preise der Zigaretten im Kleinverkaufspreise; für Zigarettentabak von 0,50 M. bis b M. für ein Kilogramm, steigend nach den Kleinverkaufspreisen; für Zigarettenhülsen und zugeschnittene Zigarettcnblättchen von 0,80 M. für 1000 Stück. In ß 3 der Kommissionsbeschlüsie wird bestimmt, daß die Steuer mittels Anbringung von Steuerzeichen an den Packungen zu ent richten ist. Gegen Sicherheitsstellung ist die Steuer für eine Frist von sechs Monaten zu stunden. Abg. Jäger(Z.) bleibt bei der im Hause herrschenden Unruhe auf der Tribüne völlig unverständlich. Präsident v. Ballestrem: Meine Herren! Ich bitte um etwas Ruhe; Sie haben ja einen so schönen Raum zum Plaudern: die Wandelhalle.(Heiterkeit.) Abg. Jäger(Z., auf der Tribüne weiter unverständlich). Der Präsident v. Ballestrem teilt mit, daß die Abstimmung über§ 2 auf Antrag Singer eine namentliche sein wird. Frhr. v. Stengel: Die Zigarettensteuer ist ja nicht gerade mit Jubel begrüßt worden; das geschieht bei keiner Steuer lHeiterkcit), aber nicht einmal die beteiligte Industrie hat prinzipiellen Wider- spruch erhoben. Der Streit der Meinungen dreht sich nur um die zweckdienlichste Form. Zu dem von der Kommission vorgeschlagenen •System haben die verbündeten Regierungen noch nicht Stellung genommen, doch ich habe Grund» zu vermuten, daß sie sich damit einverstanden erklären werden, sofern der zu erzielende Ertrag der Steuer derselbe bleiben wird wie bei der Regierungsvorlage. Gut wäre eS. wenn das Haus bald zu endgültigen Beschlüssen käme, damit die beteiligten Kreise sich darauf einrichten können. Abg. v. Elm(Soz.): Die gegenwärtige Vorlage ist wieder einmal ein Beweis dafür, wie bedenklich es ist, wenn eine Kommission, die das Re- gierungssteuershstem abgelehnt hat, ein eigenes System zu bringen versucht. Die Kommission hat die von der Regierung beantragte Tabakfabrikatsteuer abgelehnt und ihrerseits das Banderolensystem borgeschlagen. Heute nehmen wir gleichsam die erste Lesung der neuen Banderolensteuer vor. Ueber das System der Banderolensteuer fehlt unS jegliches Material, es fehlt uns jede Rechnung über den Ertrag der Steuer, alles ist völlig unsicher.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) So große Mühe selbst wir Sozialdemokraten uns in der Kommission gegeben haben, die Fehler und Mängel aus dem Entwurf auszumerzen, so merkt man ihm noch deutlich an, daß er keineswegs auf genügenden Vorarbeiten beruht. Auch wie er heute aussieht, ist er praktisch undurchführbar. Alles mög- liche bleibt, zur näheren Bestimmung dem Bundesrat, ja der Steuerbehörde überlassen. Sogar generelle Bestimmungen können von der Steuerbehörde ohne Zustimmung des Reichstages getroffen werden! Man beruft sich darauf, daß sich die Bandcrolenstcuer in anderen Ländern gut bewährt habe. Ich möchte wirklich wissen, in welchem Lande das ist. Amerika hat seinerzeit, 1860, die Wert« banderolensteuer eingeführt und sie im nächsten Jahre als un- durchführbar wieder aufgegeben. ES ist durchaus unwahr, daß sich dieses Steuersystem in irgend einem Lande der Welt gut bewährt hat.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Mehrheit ist geradezu verliebt gewesen in die progressive Staffelung, weil sie damit auch dieser Vorlage wieder ein sozialpolitifches Mäntelchen umhängen tonnte. Aber diese progressive Staffelung, die die teuere Zigarette auch mit dem höheren Steuersatz treffen soll, ist gerade der Fluch dieser Vorlage(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- traten); denn sie muß dazu führen, daß bei den besseren Preis- lagen die Qualität herabgemindert wird. Wenn die Steuer von 10 auf 25 Proz. des Wertes im Einkaufspreis von 16 auf 40 Proz. im Engrospreise steigt, so muh ein derartig hoher Steuersatz auf das Rohmaterial die Qualität deS Fertigproduktes herabmindern. So werden wir in Zukunft eine Zigarette in der Qualität der bis- herigcn Zwcipfcnnig-Zigarette für vier Pfennig erhalten. Praktisch wird das einfach dazu führen, daß die höheren Preis- lagen aus dem Verkehr verschwinden. Wer Oualitätszigarctten rauchen will, wird sie sich aus dem Auslande verschaffen. Die Zigarettenfabrikanten haben die Torheit begangen, nach einem höheren Schutzzoll zu schreien, aber auch in seiner jetzigen Höhe kann der Schutzzoll nicht verhindern, daß große Quanten Zigaretten aus dem Auslande eingeführt werden. Jeder, der zahlen kann, wird sich— wie gesagt— die Zigaretten aus dem Auslände bc- schaffen, und hier im Jnlande werden die Raucher, wie in anderen Ländern, zur Selbstanfertigung der Zigaretten übergehen. Man kann sick, ja Oualitätstabak kaufen, und da keine große Kunst dazu gehört, das Wickeln von Zigaretten zu erlernen, sie sich selbst drehen. Man sprach davon, daß die Steuer dem Bedürfnis der In- dusirie angepaßt werden müsse. Noch der Reichsschatzsekretär machte sich soeben dieses Argument zu eigen. Aber durch die Wert- banderolensteuer werden gerade die Großbetriebe bevorzugt, die kleinen vollständig vernichtet. Wenn auch die jetzige Vorlage die Bestimmung enthält, daß der Steuerbetrag dem Fabrikanten gegen Sicherheitsleistung sechs Monate lang gestundet werden soll, so kann das den kleinen Fabrikanten nichts helfen; denn sie haben nicht die Staatspapierc, die l'ntcrlegt werden müßten, und ein kapitalkräftiger Mann wird sich hüten, jetzt einem Klcinindustriellcn der Tabakindustrie Kredit einzuräumen. Es wird ferner bei dem geringen Nutzen, der unter diesem Steuersystem dem Fabrikanten verbleibt, die Handarbeit völlig beseitigt und an ihre Stelle Maschinenarbeit gesetzt werden müssen. Die Maschinen aber sind so teuer, daß die kleinen Fabrikanten sie sich nicht anschaffen können. So werden sie im Konkurrenzkämpfe jede Existenzfähigkeit einbüßen. Die kleinen Betriebe machen heute aber sogar noch den größeren Teil der Pro- duktion aus. Von 5 Millionen Mille Zigaretten werden noch 2.6 Millionen Mille durch Handarbeit und nur 2,4 Millionen Mille durch Maschinenarbeit hergestellt. Die Vorlage mit ihrer pro- grcssiven Staffelung wird die Handarbeit aus der Zigaretten- industrie ohne weiteres beseitigen. Noch weit größer ist die Gefahr, daß die ausländische Konkurrenz allmählich den Markt an sich reißt. Schon jetzt hat der.American Trust" in Deutschland zwei große Fabriken: eine in Berlin mit etwa 200, eine in Dresden mit 6—700 Arbeitern. Bisher hat sich die Zigarettenindustrie in Deutschland noch mit Erfolg gegen die Ver- trustung gewehrt, und zwar mit Unterstützung deS Publikums. Das Banderolensystem aber begünstigt die Vertrustung. Der.American Trust" arbeitet mit einem ganz ungeheueren Kapital, mit dem die deutsche Zigarettenindustrie auch in ihrer Gesamtheit nicht k/'nkurrieren kann l Was macht sich der.American Trust" dniaus, zunächst vielleicht einige Millionen zu ver« lieren? Weiß er doch zu genau, daß er später ein Vielfaches davon einheimst. Der.American Trust" hat ein besonderes System, um vorwärts zu kommen: Zunächst wird eine ungeheuere Reklame gemacht. Dann macht man den Abnehmern Geschenke, z. B. goldene Uhren— ich kenne hier in Berlin eine ganze Reihe von Leuten, die goldene Uhren vom„American Trust" in der Tasche haben. Dann wird ein höherer Rabatt und sogar eine Gewinn beteiligung in Aussicht gestellt, alles unter der Voraussetzung, daß der betreffende Verkäufer nur Marken vom„American Trust" führt. Auf diese Weile hat der„American Trust den sehr kapitalkräftigen„ Imperial British Trust" in Indien und England schon so geschlagen, daß der letztere auf ein Kompromiß mit dem elfteren eingegangen und also sozu sagen von diesem verschluckt worden ist. Nun hat man uns aber in der Kommission gesagt:„Was wollt Ihr Sozialdemokraten denn" Dann segeln wir ja direkt in den ZulunftSstaat hinein, wenn Eure Prophezeiungen in bezug auf die Bcrtrustung richtig sind." DaS ist allerdings richtig. Wir sind keine Gegner der Konzentration des Kapitals, soweit sich diese aus der n atürlichen Entwickelung ergibt. Aber wir wollen nicht, daß dies durch eine Reichsgesctzgebung miteinemRucke geschieht. Wir sind gegen derartige plötzliche Eingriffe durch die Steuergesetzgebung und beweisen damit, daß wir die eigentlichen Freunde des Mittelstandes sind. Welche Wirkung auf die Arbeiter würde das Gesetz nun haben? Zunächst würde, wie ich schon sagte. die Handarbeit bei dem vorgeschlagenen System vollständig verdrängt werden. Welcher Unterschied ist nun zwischen Maschinen- und Hand arbeit in bezug auf die Kosten sirr die lebendige Arbeit? Eine Ma schine liefert 70 Mille brauchbane Zigaretten pro Tag. Was sie eventuell mehr liefert, ist Ausschuß. Zur Bedienung einer Maschine gehört Maschinensührer, da ein Maschinenführer vier Maschinen bedient. Das macht für'/« Maschinenführer 10 M. pro Woche Ferner gehört dazu eine Auflegertin, eine Abnehmerin a 14 M. die Woche, so daß die Ausgabe für die lebendige Arbeit bei eine Maschine im ganzen 38 M. pro Woche beträgt. 70 Mille pro Tag werden hergestellt, das nuacht also pro Mille neun. höchstens zehn Pfennig Kosten für die lebendige Arbeitskraft In der Zigarettenfabrik werden dagegen für Handarbeit bezahlt 2,20, 2,60, 3,—, 3,60 M. per Mille, in der Heinrarbeit etwa 60 P weniger. Run ist das Rechenexempel ganz kolossal einfach: Bei einem Quantum von— sagen wir— 2.6 Millionen Mille macht das bei der Handarbeit, wenn wir einen Durchschnittspreis von 2,60 M. annehmen. 6Vz Millionen Mark Kosten für die lebendige Arbeit. Bei der Maschinenarbett ist dasselbe Quantum für eine Viertel Million hergestellt! Also über sechs Millionen Mark werden auf diefe Weise den Arbeitern an Arbeitslohn gc nommen. Ich weiß nicht, wie das speziell das Zentrum verantworten will. Nach den Feststellungen der Tabakberufs genossenschast des Jahres 1904 betrug der Durchschnittsverdienst in der Zigarettenbranche mit Einschluß der jugendlichen Arbeiter 670 M. Rechnen wir gar den Durchschnittsverdieust»lit 800 M.. fo werden 7000—8000 Arbeiter brotlos gemacht werden. Die Re gierung hat seinerzeit erklärt, daß, wenn es sich herausstelle» sollte. daß Leute durch das Gesetz brotlos würden, sie das Gesetz nicht auf recht erhalten würde! Die Zahl derjenigen, die ihre Arbeit verlieren werden, wird eher größer denn kleiner sein, als ich es hier angegeben habe. Auch durch die Einführung von Packmaschinen, die schon jetzt den Fabriken empfohlen werden, werden noch mehr Arbeiter brotlos gemacht werden. Dazu kommt der Ausfall in den in Mitleidenschaft gezogenen Industrien, wie der Holzindustrie, der Kartonagenindustrie usw. In der Komiiiission hat man einfach bestritten. daß Arbeiter durch daS Gesetz brotlos werden, aber man hat es dennoch abgelehnt, die brotlos werdenden Leute zu entschädigen. Diejenigen, die uns heute»och widersprechen, haben gegenüber unseren Darlegungen die Pflicht, rechnerisch den Beweis zu liefern daß es möglich sei, auch wenn die Vorlage Gesetz wird, noch Hand arbeiter in der Jndustris zu beschäftigen. W i r konimen mit posi tivcn Berechnungen und müssen von Ihnen auch Beweise verlangen. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn man gesagt hat: die Leute finden ja leicht ein Unterkommen, sie können Dienst mädchen werden und sich als Mägde bei den Herren Lan6 wirten vernrieten lassen, so stehen die Argumente nach meinem Dafürhalten auf keiner besonders hohen Stufe. Diese Leute ver dienen doch 14—16 Mark die Woche. Das ist ein Verdienst, wie ihn ein Dienstmädchen und auch eine Magd auf dem Lande nie erhält. Dazu kommt, daß diese Mädchen, sobald sie aus der In- dustrie herausgerissen werden, ihrer Familie, die sie vielleicht bis dahin unterstützt haben, nichts mehr nützen. Und endlich sind auch Mädchen, die bis dahin in der Fabrik gearbeitet baben, für die Landarbeit gar nicht tauglich. Was wird also übrig bleiben für diese 7— 8000 Mädchen, wenn sie in anderen Branchen, die auch größtenteils überfüllt sind, keine Unterkunft finden, als daß sie der Prostitution in d>e Arme getrieben werden?! Ich bitte insbesondere die Herren vom Zentrum, sich dieser Verantwortung bewußt zu werden. Das heißt wahrhaftig nicht die Sittlichkeit fördern, wenn man einer so großen Masse von Mädchen die Existenzniöglich keit raubt. In der Kommission hat mein Freund Molkcnbuhr die Wert banderolensteuer eine „Prämie auf Lohnrcdnttionen" genannt. Mit jeder Mark Lohn, die der Fabrikant spart, zahlt er weniger Steuern, da in dem Preise auch der Arbeitslohn enthalten ist. Die angeblich so unsozialpolitischen Amerikaner haben aus diesem Grunde, wie ich schon erwähnte, ein ähnliches Gesetz nach einem Jahre schon wieder über den Haufen geworfen, und so wird eS auch hier sein. Wenn Sie die Probe auf das Exempel machen, so werden Sie sehen, was Sie mit diesem Gesetz für einen Sturm von Entrüstung bei den Arbeitern erregen werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dasselbe Resultat: daß unter allen Umständen eine Lohnreduktion eintreten mnß. würde sich ergeben bei einer prozentualen gleichmäßigen Staffelung, wenn also etwa 10 Proz. vom Verkaufspreis als Steuer erhoben werden. Die Folge würde sein, daß die Anfertigung der Zigaretten vollständig in die Heim- arbeit hineingedrängt wird; denn die Konsumenten werden immer mit der Hand gedrehte Zigaretten den maschinenmäßig hergestellten vorziehen. Und wie man in der Heimindustrie die Kontrolle durch- führen will, ist eine zweite Frage. Jedenfalls werden die Arbeiter dadurch mindestens 1 M. per Mille verlieren. Nun hat man uns auch ewiesen: wir pochten ja sonst immer auf die Macht Es ist aber ganz unmöglich, daß gegenüber einem derartigen plötzlichen, gewaltsamen Eingriff, wenn eine so siroße Zahl von Arbeitern entlassen wird, eine Arbeiterorganisation imstande sein soll, die Löhne durch einen Streik aufrecht zu erhalten —(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) ganz abgesehen davon, daß die heimindustriellen Arbeiter so gut wie gar nicht organi- siert sind. Wenn man schon zu einer gleichen Besteuerung kommen wollte. weshalb will man dvnn nicht bei dem alte» System der Gewichtszölle bleiben? Die Freunde der Kommissionsbeschlüsse behaupten, dieses System passe sich nicht so gut den Jnieressen der Industrie an wie die Banderolensteuer. Die Fachleute sind anderer Meinung. Die Tabakindustrie ist groß. ES kommt nicht bloß die Zigareitenindnstrie, sondern auch die Rauchtabakindiistrie in Frage. Diese Industrien haben stets gesagt, daß das System der GcwichtSsteuer dasjenige sei. welches dre größte Freiheit gewähre und eS ermögliche, bessere Qualitäten herzustellen; sie ziehen der jetzt vorgeschlagenen Steuer noch immer die Erhöhung deS Gewichtszolles vor. Für die Ent- Wickelung der Industrie würde zweifellos dieses System noch minder darauf hingewiesen der Gewerkschaften. gefährlich sein.— Man soll doch auch nicht vergessen, daß daS vorgeschlagene System große Ausgaben nötig macht. Es wird ein großer Kontrollapparat erforderlich sein. Die Ausgaben werden, gering geschätzt, 3—4 Millionen betragen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Konttollapparat wird auch noch immer größer werden. Wir haben 1600 Zigarrettenfabriken, 16 000 Zigarettenhand» lnngen, 290 000 Gastwirtschaften, die Zigaretten verkaufen. Dazu kommen noch die Kolonialwarenhandlungen, die mit diesem Gegen- stände handeln. DaS ergibt über eine halbe Million Geschäfte, die der Kontrolle unterstellt werden.(Hört! hört! b. d. Soz.) Und da glauben Sie, die Kontrolle mit geringen Mitteln durchführen zu können? Je mehr Deftaudatiouen vorkommen, desto größer muß der Konttollapparat werden. Dabei muß man noch berücksichttgen, daß Geldstrafen bis 100 000 M. und Gefängnisstrafen bis drei Jahren vorgesehen sind I Die Zigarettenhändler haben überhaupt noch keine Ahnung davon, was ihnen bevorsteht.(Sehr wahr! bei de» Sozialdemokraten.) Wenn Sie eine Ahnung davon hätten, würden sie sich wie ein Mann gegen dieses System erheben. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Bisher bestimmte der kleine Händler seine Preise selbst entsprechend den Spesen. Das hört in der Folge vollständig auf.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Der Bestimmende wird in Zukunft der Er» zcuger, der Fabrikant sein. Wenn gesagt wird, dieser werde nur die Grenzlinien angeben, so bedeutet das cks facto ganz dasselbe. Einige große Fabrikanten werden immer mehr an Einfluß gewinnen und diese werden dann in der Lage sein, die Preise vorzuschreiben. Es ist ja vorgesehen, daß eventuell der kleine Händler sogar die Kosten einer Beaufsichligung tragen mnß! Wenn er die Beaniten ernähren muß, wird er natürlich ruiniert.(Sehr wahr I links.) Der unreelle Händler wird die Schachteln öffnen und Defraudation üben. Der reelle Händler muß darmtter leiden. Es ist meine feste Ueberzeugung: Wenn die Vorlage Gesetz wird, so wird das zu so vielen praktischen Schwierigkeiten führen, daß man das Gesetz bald wieder abschaffen wird.— Ferner ist der Erwäg der Steuer sehr fraglich. Ich glaube nicht, daß die er« warteten 12 Millionen einkommen werden; denn der gewalttätige Eingriff in die Industrie muß notwendig zu einer Konsum- einschränkung führen. Die Kleinbetriebe werden durch die Banderolen- steuer erdrückt werden. Die Handarbeit wird durch Maschinenarbeit ersetzt werden. 7—8000 Arbeiter werden brotlos iverden. Deshalb bitte ich Sie. die Vorlage abzulehnen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Held(natl.): Ich bedauere, daß die Sachkenntnis de? Abg. v. Elm uns in der Kommission gefehlt hat; unsere Arbeit wäre, wenn wir seine Sachkenntnis zur Verfügung gehabt hätten, eine leichtere gewesen. Seine Befürchtungen über die Nicht- durchführbarkeit und über die Folgen der Stenern sind weit übertrieben. Die Zigarette ist ein Genußmittel und wer eilte teurere Zigarette kaust, kann auch eine größere Steuer zahlen.(Widerspruch links.) Der Fortschritt zur Maschinenarbeit läßt sich nicht aufhalten.(Zuruf: Mittelstands- freund!) Darum handelt es sich nicht; dieser Fortschritt ist eben eine Tatsache. Die Banderole ist aber das einzige System, welche» uns eine progressive Staffelung gestattet; deshalb haben wir sie ge- wählt. Jcb bin überzeugt, daß die Steuer getragen werden kann, und bitte Sie, die Steuer anzunehmen. Abg. Wicmer(stf. Vp.): Der Bericht des Abg. Held war kein Heldenstück.(Heiterkeit.) Die stärkste Kritik übte er selbst ant Ende seiner Rede, indem er vom Bundesrat eine Definition verlangte, was eigentlich eine Zigarette ist.(Große Heiterkeit.) Also man macht eine Steuervorlage und weiß nicht einmal, tvaS inan besteuern will I Wir verwerfen die Steuer, weil wir überhaupt keine indirekte Steuer wollen. Unsere Bedenken gegen die Steuer werden verstärkt durch die Art der vorgeschlagenen Besteuerung. Die Einführung der Banderolensteuer wird die Entwickelung der Zigarettenindustrie schwer schädigen, die kleinen und mittleren Betriebe werden ausgeschaltet werden.(>sehr richtig 1 links.) Der amerikanische Trust wird davon Vorteil haben, die heimische Industrie dagegen wird durch diese Steuer geschädigt. Die Banderolensteuer scheint uns daher durchaus unerwünscht; ein kleineres Uebel erscheint uns ein Zuschlag zur Rohtabaksteuer, und diese Frage sollte der Reichstag ernstlich erwägen. Ich glaube auch, daß die Industrie sich nicht beruhigen wird, schon auS Furcht vor der Aus- dehnung der Banderole auf die Zigarren. Nur in einer Beziehung wird Ruhe eintreten: für zahlreiche Menschen die Ruhe des Grabes, der Selbständigkeit und der bürgerlichen Existenz.(Bravo l bei den Freisinnigen.) Frhr. v. Stengel erklärt, daß Zigarillos nicht Zigarren sind! Es wird für sie noch einer besonderen Bestimmung bedürfen! Abg. Zimniermitim(Ant.); Meine Freunde werden die vor- geschlagene Steuer ablehnen; denn die Wirkung der Banderolen- steuer wird eine Schädigung des Mittelstandes und eine Förderung des amerikanischen Trusts sein. Abg. Gras v. Brudzcwo-MielzynSki(Pole): Die Proteste gegen die Steuer will die Regierung unmöglich machen; so ist in Posen einem Kaufmann befohlen worden, ein Plakat, das einen Protest gegen die Steuer enthielt, aus seinem Schaufenster zu entfernen! Die Ausführungen und Berechnungen deS Abg. v. Elm über die unheilvollen Folgen der Steuer waren so klar, daß auch der Abg. Held sie nicht bestreiten sollte. Weiter empfiehlt der Redner im Falle der Annahme der Steuer ein von ihm gestelltes Amendement zu 8 3, wonach die Packungen durch die Steuerzeichen, über deren Anbringung nach dem Kommissionsantrag der Bundesrat Be- stimmungen zu treffen hat, verwendungsmöglich bleiben sollen, widrigenfalls eine entsprechende Entschädigung zu gewähren sei. Abg. Dr. Potthoff(frs. Vg.): Das große Schweigen rechts und im Zentrum bciveist, daß die Vorlage hier ohne weiteres an- genommen werden soll. Nichtsdestoweniger haben wir die Pflicht. unseren ablehnenden Standpunkt vor der Oeffentlichkeit zu be- ründen: Nachdem die Tabaksstcuer abgelehnt ist, müßte auch die jigarettensteuer abgelehnt werden; denn alles, was gegen die �igarrcnsteucr vorgebracht wurde, trifft auch, wenn auch nicht in ganz demselben Maße, gexzen die Zigarettensteuer zu. Auch§ 6 de? Flottengesetzes steht mit dieser Besteuerung eines Konsumartikels im Widerspruch. Die Koutrollmaßregeln zeugen von engherzigem, bureaukratischem Geist. Direktor im Reichsschatzamt Kühn: Gegen den Antrag deS Ab- geordneten v. Brttdzewo-Mielzynski haben wir nichts einzuwenden. Der Antrag ist aber überflüssig. Wir wollen ein einfaches Steuer» band herstellen, das sich leicht an den Schachteln anbringen läßt. Abg. MolkenbaHr(Soz.): Die Banderolensteuer verletzt die Interessen der Arbeiter so chwer, wie kaum jemals irgend ein Sondcrgesetz. Sie treibt zahl- lose Mädchen der Prostitution in die Arme. Wenn Sie im Wahl- kämpf nach einer Entschuldigung für diese antisozialen Steuer- >esctze. für diese Förderung der Unsittlichkeit suchen werden, o sollen Sie sich nicht mit Ihrer Unwissenheit herausreden können, sich nicht darauf berufen können, daß wir Ihnen die Folgen Ihrer Gesetzgebung nicht mit aller Klarheit vor Augen geführt hätten.(Vielfaches Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Diese» Gesetz ist eine ganz neuartige Erscheinung in der deutschen Gesetz- gebimg. Es wird beraten, ohne daß eine erste Lesung vorgenommen wird, eS ist das erste deutsche Gesetz, zu dem keinerlei Motive vorliegen. Wir haben unS alle erdenkliche Mühe geyeben, etwas übet die Gründe zu erfahren, die Sie zur Annahme dteser Steuer veranlaßt haben. Wir haben sogar den ersten Bericht des Berichterstatters zurtickgewieseit.(Lebhaftes Hört, hört! links.) Wir haben jetzt zwar einen umfangreickieren Bericht bekommen, aber von Motiven zugunsten dieser Vorlage steht nichts darin.(Sehr wahr! bei den Soz.) Alles, was an Argumenten für diese Vorlage vorgebracht worden ist, reduziert sich auf zweierlei: einmal wird gesagt: das Reich braucht Geld! Das ist kein Argument für die Zigaretteusteuer, sondern ein leider vcr- spätetes gegen die Flottenvorlage.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Es wird weiter gesagt: Die Zigarette ist kein Nahrungsmittel. Das stimmt ebenfalls. Aber es gibt noch eine ganze Menge anderer Dinge, von denen man sich auch nicht nähren kann und die deshalb doch keiner Sondersteuer unterliegen. Ueber- Haupt werden bei uns nianche Gegenstände versteuert, weil sie Nahrungsmittel, andere weil sie keine Nahrungsmittel sind!(Heiter- keit links.) Für die Freunde dieser Vorlage, deren Moiive sich auf keine Weise ausfindig machen lassen, gilt also auch das Dichterwort: «Geheimnisvoll am lichten Tag Läßt sich Natur des Schleiers nicht berauben, Und was sie Deinem Geist nicht offenbaren mag, Das zwingst Du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben." (Grotze Heiterkeit.) Der Abg. Held hat sich feierlichst dagegen ver- wahrt, Vater dieses Gesetzentwurfes zu sein. Ich habe mir gleich gedacht, daß dieses Kind von armen Elteril ausgesetzt sein musi und daß der Abg. Held nur sein Adoptivvater ist. der von den Flecken und Mängeln seiner Herkunft nichts weiß.(Grotze Heiterkeit links.) Der Abg. Held hat sich darauf berufen, datz die Interessenten selbst nicht gegen da» Gesetz sind. Ich wünschte, daß eine Abstimmung unter den Zigarrenmachern veranstaltet würde. Die paar, die dafür stimmen wurden, liaben gar keine Ahnung, wie schädigend das Gesetz wirken wird; es ist ein Strick nicht nur für die Zigarettenfabrikation, sondern für die gesamte Arbeiterklasse. Der Staatssekretär sagt: die Zigarillos sollen nach dem Gesetz nicht besteuert werden, aber in letzter Instanz entscheidet hierüber nicht der Staatssekretär, sondern das Reichsgericht! Das Reichsgericht entscheidet darüber, ob dieser oder jener, der wegen Steuerdefraudation angeklagt ist, sich gegen das Zigarelteiisteuergefetz vergangen hat. Wie aber das Reichsgericht definieren tvird, was eine Zigarette ist, vermag heute noch kein Sterblicher zu sagen, und wenn das Reichsgericht eine Definition der Zigarette gegeben hat, so zweifle ich auch noch, ob man dann wissen wird, lvas eine Zigarette i st.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das Reichsgericht hat eine Definition einer Eisenbahn gegeben, über die jeder Eisenbahner geradezu erstaunt ist. Der Herr Staatssekretär kamr uns doch nicht die Sicherheit geben, datz die Staatsanwälte ebenfalls die Zigarillos für eine Zigarette halten werden. Es ist daher dringend notwendig, daß in dein Gesetz selbst eine Definition des Begriffs„Zigarette" gegeben wird.(Sehr richtig! bei den Sozialdeniokraten.) In, Gesetz steht nickits darüber, Motive gibt eS nicht! Die Herren haben in diesem Gesetz etwas beantragt, ohne zu wissen, was sie beantragt haben. Es heißt im§2 Abs. 4: „Der Bundesrat ist ermächtigt, Tabakcrzeuguisse von der Art und Form der Zigarette, bei denen das Papicrdcckblatt fehlt oder durch eine andere Decke ersetzt ist, der gleichen Steuer zu unterwerfen." Damit ist die Tür geöffnet, durch welche die Steuer auch auf Zigarren übertragen werden kann. Schon heute ist die Grenze zwischen Zigarre und Zigarette vielfach sehr schwer zu ziehen: wie viel mehr wird sie sich noch verwischen, wenn der eine Teil mit einer hohen Steuer belastet, der andere steuerfrei ist! Ich behaupte: noch kein Gesetz ist für die Tabakiudustrie so verderbenbringend gewesen wie diese aus dem Handgelenk gemachte Vorlage.(Sehr Ivahr! bei den Sozialdemokraten.) Ebensowenig wie der Begriff der Zigarette steht der des feingeschnittenen Tabaks fest. Steuerpflichtig soll ein höchstens drei Millimeter breit geschnittener Tabak sein. ES ist aber lehr wohl möglich, datz als Pjeiscntabak etwas über drei Millimeter breit geschnittener Tabak später beim Händler eintrocknet und so von einem steuerfreien zu einen, steuerpflichtigen wird! Genau kann der Schnitt überhaupt nur in den mechanischen Schnittladen der großen Fabrilen gemacht werden. Bedenken mutz auch die«»geheure Kompliziertheit dcS vorgeschlagenen Bandcrolshstcms erregen. In Amerika, Ivo mau ein ähnliches Shsten, hat, hat man sechs bis sieben verschiedene Banderolen. Sollte da- gegen die Kommissionsfassung angenommen werden, so müssen bei uns 20 verschiedene Banderole» gedruckt werden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Abg. Held sagt, er fürchte sich nicht vor den, American Trust, da wir ihn so wie so schon in Deutschland hätten, so ist dem- gegenüber schon daraus aufmerksam gemacht worden, datz gerade die Vertreter des Trusts sich s ii r das Banderolensysten, ausgesprochen haben!— In der Begründung der Vorlage finden sich Sätze, aus denen hervorgeht, datz die Regierung dabei nur an die Fabrikation im großen gedacht hat! Das Großkapital wird vielleicht in der Lage sein, dem Händler trotz der Steuer die Zigaretten zum alten Preise zu liefern unter der Bedingung, datz der Händler seine ge- samten Zigaretten nur von ihm bezieht. Dadurch wird die Klein- industrie schwer geschädigt. Wenn der Abg. Held glaubt, solche Ab- machungen könnten nach dem Gesetze vom unlauteren Wettbeiverb bestrast werden, so glaube ich nicht daran. Als Grund für das Banderolenshstem wird angesührt, datz man innerhalb dieses Shstems die Steuer nach den, Werte abstufen kann. Nun kann man ja sagen, der Raucher teurerer Zigaretten könnte ganz gut eine höhere Steuer ttagen. Wie sind denn nun aber die tozialpolitischen Wirkungen einer solchen Staffelung? Die Wertsteuer bedeutet einen Zuschlag zu den Arbeitskosten. Ge- lingt' es den Fabrikanten, durch Lohndrückerei die Arbeitskosten zu verringern, so kann er die Zigaretten billiger verkaufen, braucht also weniger Steuern zu zahlen. Die Wertsteuer bedeutet also eine Staatsprämie aus Lohndrückerei. Das war auch der Grund, warum die Wertsteuer in Amerika sofort wieder abgeschafft wurde. Am 1. August 1866 trat eine solche Steuer in Kraft, und am 1. März 1867 wurde sie schon wieder beseitigr.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Sie aber wollen eine Vorlage annehmen, die eine Reichsprämie für Lohndrückerei darstellt.(Beifall bei den Sozial- demokraten.) Und dafür will auch das Zentrum stimmen? Und wird womöglich noch den Arbeitern sagen, die Vorlage sei ein Er- gebnis des lozialen Gedankens! In der Kommission wurde gesagt: wem, die Fabrikanten den Lohn drücken können, tun sie es sowieso. Den, stimme ich voll- kommen zu. Aber wie war es denn 1876, als damals die Steuer- erhöhung auf Tabak kam, möglich, die Löhne der Tabakarbeiter so erheblich herabzusetzen, datz die ganze Steuer ans sie abgewälzt wurde? Die Sache ist sehr einfach: Vorher, bevor die Steuer- erhöhung in Kraft trat, hatten sich alle Interessenten reichlich mit Zigarren versorgt, sodatz mit Eintritt der neuen Zölle eine Arbeitsstockung eintrat. und diese Arbeitsstockung wurde be- nutzt, um die Löhne stark herabzudrücken. Die Fabrikanten hatten ihre Vorräte damals aus Gegenden bezogen, wo die Löhne niedriger waren als in Norddeutschland, und- sie benutzten die eintretende Stockung der Fabrikation, die Löhne auch hier erheblich zu drücken. Heute sind die Zigarrcnarbeiter, die früher zu den bestbezahlten Arbeitern gehörten, so gestellt, datz sie um 466 M. niedriger entlohnt sind, als viele andere Gruppen. Genau dasselbe wird eintreten, wenn jetzt das Gesetz in Kraft tritt. Die meisten Zigarettenfabriken werden ihren Bedarf vorher decken, es wird dann eine flaue Zeit eintreten und es ist doch selbstverständlich, daß man in einer flauen Zeit die Löhne drücken kann. In der Kommission ist gesagt worden:„Sollten aber doch wider Erwarten einige Entlassungen von Arbeiterinnen stattfinden, so ist das kein lluglück. Die jungen Mädchen würden im Haushalte, wo an geeigneten Hausmädchen direkt Mangel ist, freudig Aufnahme finden." Nun— stellen Sie sich bitte die Folgen vor, die wirklich eintreten würden, wenn in einer Stadt wie Dresden lausend Zigarettenarbeiterinnen brotlos würden. Zunächst würden alle diejenigen, die ihre Arbeit behalten wollten, billiger arbeiten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dann würden die Fabrikanten eine ganze Reihe von Zigaretten, die sie ebenso billig jetzt verkaufen wollen, entweder durch Maschinen- arbeit oder durch Hei», arbeit herstellen lassen. Und drittens würde es aller Wahrscheinlichkeit nach der Zigarrettenindustrie so gehen, wie 1379 der Zigarrenindustrie, daß sie aus den Großstädten aus- wandert. Aber die Unternehmer werden dann die Arbeiter ebenso wenig mit sich nehmen, wie das die Hainburger Zigarren- fabrikantcn getan haben, als sie nach Westfalen auswanderten. Sie werden neue Arbeiter und Arbeiterinnen anlernen und, statt der Landwirtschaft Arbeiter zuzuführen, Iverden sie sie ihr ent- ziehen.(Vielfaches Sehr richtig! links.) Die Zigarettenarbeiterinncu aber werden arbeitslos in den Städten zurückbleiben, wie damals die Zigarrcnarbeiter in Hamburg und Bremen. Als Hausniädcheu zu gehen, dazu werden die meisten schon deshalb unfähig sein, weil sie als Kinder in die Fabrik gekommen sind. Sie können nichts anderes als Zigaretten arbeiten! In dem Augenblick, wo man ihnen die Gelegenheit raubt, Zigaretten zu machen, raubt man ihnen das ganze Leben und jede Existenzmöglichkeit.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Darum wird für viele kein anderer Weg übrig bleiben als die Prostituieruug. Die Not ist der erfolgreichste Kuppler.(Sehr richtig! bei den Sozialdenwkraten.) Wer Taufende von Menschen der Not preisgibt, der— er mag es zugeben oder nicht— leistet dem Kuppler Handlangerdienste.(Stürmischer Beifall bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie(zum Zentrum) wieder einmal mir einer Lex Hcinze gegen die Un- sitklichkeit einschreiten wollen, werden wir Ihnen zeigen, was Sie hier geleistet haben. Ich würde, wenn der Entwurf an- genommen wird, den Antrag stellen, datz nach Inkrafttreten des Ge- setzes die Sittenpolizei in München, Hannover und Dresden einnial feststellt, wie viel von den ihr zum ersienmale vorgeführten Mädchen früher in der Zigarettenindustrie gearbeitet haben.(Vielfaches sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie das täten, würden Sie selbst erschrecken über die Wirkung Ihrer Gesetzgebung. Wie denken denn darüber die christlichen Arbeiter? Man sagt, die Zigarren», acher freuten sich über die Mehrbelastung der Zigarette. Aber wenn die Zigarettcnarbcitcrinnei, die Möglichkeit, haben einen neuen Berns zu ergreifen, so ist es der: Wickelmacherinnen in der Zigarrenindustrie zu werden. So schickt man den schlecht gelohnten Tabakarbeiter also auch noch diese billige Konkurrenz auf den Hals.(Vielsache Zustimmung bei den Sozial- denwkraten.) Aber selbst, wenn das nicht wäre, setze ich auch bei den christlichen Arbeitern so viel kan,eradschafiliches Gefühl voraus, datz sie nicht wollen, datz ein Reichsgesetz Prämien auf Lohnabzüge gibt und Taufende von Arbeiterinnen der Prostitution in die Arme treibt.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Sobald die Banderolenstener Gesetz geworden ist, werden die Zigaretten- fabrikanten ihr Produkt den Erzeugnissen der Zigarettenindustric anpasse». Dann wird man die Bandcrolensteucr noch weiter aus- dehnen müssen. Dann wird sie ein gesetzliches Hindernis sein, an irgend eine Aufbesserung der Löhne überhaupt zu denken:(Sehr wahr! Lei den Sozialdemokraten.) denn für jede Zigarette wird der Preis so gestellt werden, datz sie eben gerade noch mit der 6 M.-Steucr durchgeht. Dann können sich die Arbeiter auf den Kopf stellen, nur 50 Pf. Lohn mehr zu erhalten: Sobald der Fabrikant es ihnen bewilligte, müßte er zugleich bei dem Steuer- erheber 4 M. mehr Steuer zahlen, und das wird er unter keinen Umständen tun wollen und tun können.(Sehr wahr! bei dcnSozial- demokraten.) Die miserablen Löhne, die jetzt in den schlechten Zeiten herauSgeschnndeu werden, werden also dauernd die Normallöhnc für die Zigarettcuindustrie und die Zigarettenarbeitcriunen bleiben! Deshalb sage ich, datz ein so arbeiterfeindliches, so antisoziales Gesetz wie dieses kaunr jenials den Reichstag beschäftigt hat.�(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie sagen nicht, datz Sie eine ungeheuerliche Schädigung der Arbeiter vornehnren wollen. Aber Sie wollen es tun, weil jedes Jahr Baiidcrolciistcner die Kosten für ein drittel Panzerschiff aufbringt. Datz deswegen Zehn- tausende von Arbeitern der Not und dem Elend preisgegeben werden, mag mit Ihrer ganzen politischen Anschauung überein- stinnnen, aber schon das ivenigc,>vas ich angeführt habe, wird Ihnen zeigen, datz das in den Arbeiterkreisen die heftigste Opposition erwecken muß. Wir bekänrpfen dieses ganze System der Arbeiter- ousbeutung und Äulturfeindlichkeit, und weil wir dieses ganze System bekämpfen, bekänrpfen wir dieses Gesetz in allen seinen Teilen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schmalfcld(Soz.): Die gründliche Arbeit der Kommission soll unter anderem daraus hervorgehen, datz nach§ 2 Abs. 2 der schwarze, krause, das ist der Kautabak freigelassen sein soll. Diese Befreiung des Kautabaks von der Banderolensteuer soll mit Rücksicht auf dre Hafenstädte erfolgt sein. Dieser Zweck ist aber nicht erreicht; der Verkauf vollzieht sich in kleinen Ouantitäte»; 36 Gramm für 16 Pf., er fällt also wegen der 3 M.-Grenze fürs Kilo unter die Banderole! Die 3 M.-Grenze ist also jedenfalls zu niedrig. Anderenfalls würde dieser schwarze Krause als Kautabak völlig ausscheiden, da er nicht verpackt werden kann. Seine Eigenart bedingt, datz er in feuchte»! Zustand aufbewahrt werden mutz, und zwar wird er in porösen Steinkrnken aufbewahrt: denn er verliert seinen Wert, sobald er trocknet.— Dasselbe trifft für den Rauchshag für kurze Pfeifen zu. Auch dort ist die Maximalgrenze von 3 M. zu niedrig. Der Referent sagte, eine grotze Mannheimer Firma habe erklärt, unter 3 M. habe sie nur 3 Proz. des gesamten Umsatzes verkauft, das ist erklärlich, da in Süddeutschland das Rauchen teurer Shag-Tabake und überhaupt die kurze Shag-Pfeife nicht üblich ist. In den Hafen- städten liegt die Sache anders, dort hat der Arbeiter sich an einen guten Rauchshag gewöhnt:„MooSrose" hat einen Verkaufspreis von 3,ö6 M.,„Goldrose" von 3,76 M. pro Kilo. Auch diese Tabake haben als lose Tabake einen höheren Wert als in Packungen. Eine kleine Fabrik hat über 8 Proz. ihres Umsatzes in diesen besseren Tabaken gehabt. Wenn diese Tabake im allgemeinen auch nicht zu Zigaretten verarbeitet werden, weil sie dafür zu bitter sind, so ist damit doch nicht gesagt, datz nicht hin und wieder sich jemand Zigaretten daraus macht. Nachzuweisen, datz dies nicht geschieht, wie es§ 2 Absatz 2 verlangt, dainit die Steuer fortfällt, das ist ein- fach unmöglich. Redner geht auf die sozialen Wirkungen des Gesetzes über: Die Folgen dieses Gesetzes werden dieselben sein wie 1879: Die Arbeiter, welche die Zigarren nach dem Gefühl gemacht hatten, wurden den ärgsten Schikanen ausgesetzt. Ich mutzte selbst als Werkmeister zweimal am Tage mir der Wagschale herumgehen; alles GruS und die Stengel mutzten— im Gegensatz zu früher— genau abgeliefert werden, ja, es wurde scharf kontrolliert, ob nicht eine einzige Zigarre von den Arbeitern zu viel geraucht wäre!(Hört! hört! bei den Soz.) Eine grotze Anzahl der Arbeiter mutzten infolge der damaligen Steuergesetzgebung ihr Vaterland verlassen. Alle diese Folgen werden sich auch bei diesem Gesetze einstellen. Alte Leute, die sich mit einem kleinen Laden eine jämmerliche Existenz gegründet haben, denken jetzt mit Schrecken an die Zeit, wo ihnen auch diese jämmerliche Existenz genommen wird. Aus Bremen ist mir eine von 4666 Personen unterschriebene Petition zugegangen. Das ist kein„Entrüstungsrummel", wie man es bei der Biersteuer genannt hat, nein, dieseLeute wehren sich mit oller Kraft, tveil sie Hunger und Elend für die Zukunft vor Augen sehen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Leuten, die schwer gekämpft haben, wird durch diese Steuer das Lebenslicht ausgeblasen. Meine politischen Freunde werden mit allen Kräften dahin zu wirken suchen, die Steuer wenn irgend möglich zu Falle zu bringen. Wir stehen auf dem Standpunkte, datz wir wenigstens nicht mit- schuldig werden wollen, wenn Tausende von Arbeitern ihr Brot ver- lieren.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Hiermit schließt die Debatte. In einer persönlichen Bemerkung bestreitet Abg. Held(natl.), gesagt zu haben, es sei ihm egal, ob der Mittelstand zugrunde gehe. Präsident Graf Ballestrem teilt mit, datz gemäß einer Ueber- einkuuft mit dem Abg. Singer die namentliche Abstinnnung über den ß 2 ausgesetzt werde, und schlägt als Termin für diese Ab- stimmung den Beginn der nächsten Dienstagsitzung vor. Hierauf vertagt das HauS die Weiterberatung auf Sonn- abend 1 Uhr. Nachher: Stempelsteuervorlage. Schluß 63', Uhr. Die Revolution in Rußland. Das neue Ministerium. Petersburg, 4. Mai.(Von einem besonderen Korrespondenten.) Es bestätigt sich, datz Wittes Demission angenommen ist. Als Mit- glieder des Kabinetts Goremykin werden außer den früher ge- meldeten noch Stischinski für Landwirtschaft und der ehemalige Minister des Innern Graf Jgnatiew als Oberprokureur des Heiligsten Synods genannt. Petersburg, 4. Mai. Zu der gestern in dem Blatte „Rjetsch" erschienenen Meldung über die Z u s a m in e n- setz ii ng des neuen Kabinetts bemerkt„Nowoje Wremja", daß außer den bereits vom„Rietsch" als in Aussicht ge- nomnien Bezeichneten, dem Gouverneur von Saratow S t o l y g i n und dem Professor Schtscheglowitow, noch folgende Personen für die Ministerposten ausersehen seien: der frübere Direktor der Expedition der Anfertigung der Staatspapiere Fürst Golizyn für das Unterrichtsportefeuille, K o k o w z e w für Finanzen, I s w o l s k i für das Auswärtige. K u ch l o w für Handel, Schwanebach für Reichskontrolle. Die Minister für Krieg, Verkehr, Marine und nach einer anderen Version auch der Minister des Auswärtigen bleiben, wie behauptet wird, auf ihren Posten. Die„Russische Kokresp." meldet: ES werden ernannt: Goremykin zum Premierminister, der Saratower Gouverneur S t o l y g i n zum Minister des Innern, Justizministergehülfe Tscheglowitow zum Justizminister, Gore- mykin ist Blutfeind Wittes, reaktionärer Charakter, ebenfalls Stolygin, bekannt durch grausame Bekämpfung der Bauernbewegung und Rc- volutionäre. Er war einmal Gegenstand eines Mordattcntats. Tscheglowitow ist ein angesehener Jurist, er war früher liberal, zuletzt einer der reaktioiiärsten Mitarbeiter Wittes und DurnowöS, bekannt als Schleppenträger der Kirche. Konferenzen der bäuerlichen Abgeordneten. Petersburg, 4. Mai.(B. H.) Tie hier in großer An- zahl eingetroffenen bäuerlichen Mitglieder der Reichsduma halten seit zwei Tagen wichtige Beratungen ab, bei welchen der äußerst radikal gesinnte bäuerliche Abgeordnete O n i p k o den Vorsitz führt. Ausstand in Riga. Riga, 3. Mai.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) 33 große Werke mit mehr als 18000 Arbeitern sind im Ausstand. Die Straßen werden von Patrouillen durchstreift. Gefangenenentlaffung in de« Ostseeproviuzen. Man schreibt uns aus Mitau: Wie ich aus guter Quelle erfahre, hat der stellvertretende Generalgouverneur von Kurland, Nepenin, den geheimen Befehl erhalten, Vorbereitungen zur Befreiung von 83 Proz. politischer Gefangenen am Tage der Eröffnung der Reichsduma(16. Mai) zu treffen. Die Zeitungsnachrichten über eine bevorstehende allgemeine Amnestie scheinen also verfrüht zu sein. Die Gaponkomödie. Petersburg, 4. Mai.(B. H.) Die Geliebte Gapons machte einem Reporter die Mitteilung, datz sie nunmehr genaue Beweise dafür habe, daß Gapon noch am Leben sei.' Derselbe befinde sich in Finnland und agitiere dort im revolutionären(?) Sinne. parlamentarifckes. Vierte Sitzung der Diätenkommiffion. Die Kommission beendete gestern die erste Lesung über den Diätengesetzentwurf und über Acnderung der Verfassung. Ohne Debatte wurde§ 3 angenommen, der die Entschädigung für die Fälle regelt, wenn ein Mandat, während der Reichstag jagt, erlischt oder niedergelegt wird, oder der Reichstag während der Tagung aufgelöst wird. 8 3 erhielt gegenüber der Regierungsvorlage eine präzisere Fassung. Bestimmt wurde, datz der Bezug von Diäten in den Land- tagen den mit Doppelmandatcn belasteten Reichstagsabgeordnctcn von deren„fälligen Entschädigungsraten" in Abzug zu bringen ist. Desgleichen dürfen diese Abgeordneten für die Dauer der Gültigkeit der Eisenbahnfahrkarte in den Landtagen Fahrkosten auf der Eisen- bahn nicht liquidieren. 88 6 und 7 werden einstimmig angenommen. Ein SlbändcrungS- antra,( Seniler:„Der Anspruch auf Aufwandsentschädigung ist un- übertragbar: eine entgegenstehende Vereinbarung ist nichtig", wurde mit 17 gegen 4 Stimmen abgelehnt. Z 8 wurde, nachdem ein Antrag, der die Entschädigung für die jetzige Session von 2366 auf 2166 M. reduzieren wollte, zurückgezogen war, mit 19 gegen 2 Stimmen angenommen. 8 9. der das Gesetz mit dem Tage der Verkündigung in Kraft treten lassen will, fand einstimmige Annahme. Folgende Resolution, die von Mitgliedern aller Parteien unterzeichnet ist, wurde bis zur Erledigung der zweiten Lesung zurückgestellt: „Der Reichstag wolle beschließen: Die GeschästsordnungS- kommission zu beauftragen, zu erwägen, ob die Bestimmungen über den Zeitpunkt der Einbringung von namentlichen Abstimmungen ab- zuändern sind und ob die Sonnabends- und MontagSfitzimgen in der Regel ausfallen können. Die hierdurch erforderlichen Ab- änderungSanträge sind ttmlichst noch in dieser Tagung dem Plenum vorzulegen." Damit war die Diätenvorlage erledigt. Bei der Debatte über den Entwurf betreffend die Abänderung der§§ 28 und 32 der Verfassung war die Mehrheit der Kmnmission der Ansicht, datz nach der durch die Ikommissionsbeschliisse ab- geänderten Diätenvorlage eine Aendening des§ 28 der Verfassung überflüssig sei. Die beantragte Herabsetzung der Bcschlutzfähigkeits- ziffer wurde deshalb mit 3 gegen 16 Stimmen abgelehnt. Es ver- bleibt somit bei den seitherigen Bestimmungen über die Beschlutz- fähigkeit des Reichstages. Die als Folge des Diätengesetzes sich ergebende redaktionelle Aendernng des§ 32 wurde mit 19 gegen 2 Stimmen beschloffen. Festgesetzt wurde noch, von einem schriftlichen Bericht abzusehen. Nächste Sitzung Dienstag, den 8. Mai— 2, Lesimg. Aiitomobilgcsetzkommisfion. Die Reichstagskommission zur Vorbcratung des Aiitomobilgcsetzcs begann gestern ihre Beratung. Beschlossen wurde, eine General- debatte und zwei Lesungen vorzunehmen. In der Kommission, der von sozialdemokratischer Seite die Genossen Herbert, Stadthagen und v. Vollmar angehören, wurden besonders die im Gesetz vor- gesehenen Ausnahmen(Ausschluß des Schadenersatzanspruches für Reifende und Chauffeure) sowie der Mangel einer Haft- Pflichtversicherung geltend gemacht. Der Staatssekretär der Justiz betonte, die Regierungen sähen daS Gesetz nur als einen ersten Schritt an. Erwägungen über eine Haftpflichtversicherung feien angestellt. Ein Kommissar des Reichsamts des Innern erläuterte dies des näheren dahin, daß die Erwägungen, o b und in welcher Weise eine Haftpflichtversichernng vorzn- schlagen sei, bislang nur zu dem Beschluß geführt habe, eine detaillierte Statistik einzuleiten, deren Ergebnis erst nach einigen Jahren zu erwarten sei. Danach dürfte die Hauptsache für die Regelung des Antomobilschadenersatzes, Statnicrung eines lcistungS- fähigen Vetpflichtcten, wohl noch so lange auf sich warten lassen, bis einige Prinzen, Geheimräte und Großgrundbesitzer von Automobilen umgefahren und die Wertlosigkeit der Verurteilung eines nicht- zahlungsfähigen Verpflichteten kennen gelernt haben werden. Die am Donnerstag vom Bundesrat beschlossenen Grundsätze für eine einheitliche Regelung der Polizeivorschriften über Automobilverkehr sollen den Kommissionsmitgliedern demnächst zugänglich gemacht werden. Nächste Sitzung: Donnerstag. Die Kommission für Maße und Gewichte setzte die Beratung fort. §Z 17, 18, 19 wurden einstimmig angenommen. Bei§ 20 stellt Engelen die Anfrage, wer bei V e r e i n e n strafbar ist. Stolle fragt an, ob auch diejenigen bestraft werden, die aus Unkenntnis ein falsches Meßgerät benutzen. Der Regierungsvcrtrcter erklärt, es müsse auch hier von den allgemeinen Grundsätzen ausgegangen werden; im übrigen wird auf die Motive zu§ 20 verwiesen, wo dem Täter Vorsatz oder Fahrlässigkeit nachgewiesen werden mutz. Stolle führt aus, das Gesetz habe eine grotze Lücke, da die in der Landwirtschaft gebrauchten Metzgeräte nicht der Eichpflicht unterliegen, sobald nur„Gelegenheitskäufe" stattfinden, Gelegeuheits- Verkäufer sei aber auch z. B. ei» Bauer, der seine ganze Kartoffel- ernte nach Kilo oder nach Litern verkaufe: hier müsse unbedingt Wandel gesckaffen und das Publikum vor Betrug geschützt werden. Der RegienmgSvertreter erwidert, datz eS gerade ein Vorteil dieses Gesetzes sei. datz die Landwirtschaft mit unter das Gesetz falle. B ä r w i n k e l führt au§: Wenn der Bauer einen Sack Kar- toffeln auf den Markt bringe und der Händler kaufe ihn, so«verde der Händler die Ware schon nachwiegen und dem Bauer evenwell Abzüge machen. Daher habe der Bauer nicht nötig, vorschristsmätzige Gelvichte zu halten!! Sto.lle, Zubeil, Birk wenden sich gegen die Aus- führungen sowohl der Regierungsvertreter als auch der„Freunde" der Landwirtscbast a la Bärwinkel. Sie führen aus: Es solle der Landwirtschaft wieder eine Extrawurst gebraten werden. Jeder, der verkaufe, solle auch verpflichtet sein, richtige Matze und Gewichte zu halten. Der Antrag Stolle:„Die Koinmission wolle beschlietzen: „Im§ 20 hinter den Worten„eines Gelverbes" einzuschalten:„oder eines landwirtschaftlichen Betriebes", wird mit 5 gegen 8 Stimmen abgelehnt und der Z 20 der Regierungsvorlage angenommen, ebenso die§§ 21, 22, 23. Dainit ist die erste Lesung beendet. Von Zubeil wurde noch die Frage angeschnitten, ob nicht auch die Schankgefätze einer Revision untertvorfen werden sollen; heute würden die Schankwirte bestraft, in deren Schankbelriebe sich Gefätze befinden, bei denen der Eichstrich nicht vorschriftsmätzig an- gebracht ist; nicht nur in Strafe werden sie genommen, sondern ihr Eigentum wird auch konfisziert I Die Frage wird das Plenum des Reichstages beschäftigen. Ztveite Lesung des Gesetzentwurfes Dienstag, den IS. Mai. Der Antrag Schiffer auf Abänderung der Verfassung, der den Zweck hat, die Verfassungsfrage bei der Schillgesetznovelle auszuschalten, wurde im Einverständnis mit den Vertretern aller Parteien und auch der Regierung gegen die Stimme de- polnischen Mitgliedes der Konunission in der heute vor der Plenarsitzung ab- gehaltenen Sitzung der Kommission mit einer kleinen redaktionellen Acndcrung angenommen._ Soziales. Zum Gesindevermittler-Unwesen. Die berechtigten Klagen über Ausbeutung ocr Gesinde- und anderer Vermittler sind zahllos. Die zur Eindämmung dieser Aus- bcutung durch private Stellenvermittelung erlassene Ministcrial- Vorschrift ist, wie wir wiederholt dargelegt haben, durchaus nicht ausreichend. Gegen Umgehungen selbst dieser minimalen Vor- schriftcn hat eine Entscheidung deS Kammergerichts am Tonners- tag einen Riegel vorgeschoben. Nach 8 18 der ministeriellen Vorschriften über den Geiverbe- betrieb der Stellen- und Gesindevcrmittler, die auf Grund des 8 38 der Gewcrbc-£rdnung erlassen sind, dürfen diese Vermittler Gebühren odcx sonstige Vergütungen, mit Ausnahme barer Aus- lagen, nur nach Erledigung des Auftrages erheben. Insbesondere ist die Erhebung eines Einschreibegeldes verboten. Gegen diese Vorschriften sollte sich der Stellenvermittler Niemann dadurch ver- gangen haben, datz er sich von einem Stellensuchenden als„Sicher- heit" 10 M. vor Erledigung des Auftrages geben lictz. Das Land- gericht Halle sprach ihn frei, weil eine Sicherheit weder ein Gcbührenvorschuh noch eine Vergütung sei. Das Kammer- gericht hob indessen das Urteil auf, verurteilte im Einverständnis mit dem Vertreter der Obcrstaatsanwaltschaft den Angeklagten zu der niedrigsten Geldstrase und führte aus, datz nach der ganzen Tendenz der Bestimmungen des Ministers, die die wirtschaftlich Schlvachcn, die Stcllensuchenden schützen wollten, und nach ihrem Wortlaut anzunehmen sei, datz auch die„Vorleistung" von so- genannten„Sicherheiten" ausgeschlossen werden sollte. Ter Kern- Punkt der Bestimmungen sei, datz der Vermittler vorlciften müsse. Auch bare Auslagen könne er erst erstattet verlangen, wenn sie gemacht seien, und zwar mit dem Willen des Stellen- suchenden. Wollte man sagen:„Ja, Vorschutz ist verboten, die Forderung einer Sicherheit aber � nicht," so würden die Be- stimmungen damit tatsächlich durchlöchert. Eine Sicherheit werde gegeben, damit kein Schaden entstehe; bei Erledigung des Auf- träges sei sie zur Anrechnung auf die Gebühren bestimmt. Es sei darum anzunehmen, datz eine„Sicherheit" unter den§ 18 der ministeriellen Vorschriften falle. ES könne gleich auf die niedrigste Strafe erkannt werden, da Angeklagter nur aus Rechtsirrtum sich gegen die Vorschriften vergangen habe. Eine eigenartige Urteilsbegründung wegen Uebertretung der Sonntagsruhe. Der schon dreimal wegen derartiger Vergehen vor- bestrafte Wurstfabrikant Rudolf Dietrich zu Breslau hat in der Nacht vom 9. zum 10. Dezember vorigen Jahres(einem Sonn- abend) seine Verkäuferinnen nach 10 Uhr abends im Laden arbeiten lassen, und bis nach 12 Uhr 20 Minuten ist von einer Kommission des Zcntralverbandes der Handels-, Transport- und Verkehrs- arbeiter beobachtet worden, datz AufräumungSarbeiten vor- genommen wurden. In der Verhandlung bor dem Breslauer Schöffengericht er- klärten zwei als Zeugen geladene Verkäuferinnen, datz sie sich nach 12 Uhr aus dem Schaufenster Wurstwarcn nur für sich zum Essen herausgenommen hätten. Das Gericht schenkte diesen An- gaben Glauben, trotzdem ein anderer Zeuge aus das bestimmteste erklärte, Aufräumungsarbeiten nach 12 Uhr beobachtet zu haben. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 120 M. Der Angeklagte wurde wegen Uebertretung der Sonntagsruhe frei- gesprochen, wegen der lvcitcren Uebertretung zu SO M. Geldstrafe oder 10 Tagen Haft verurteilt. Als strafmildernd wurde angesehen, datz der vielfach wegen ähnlicher Delikte vor- bestrafte Angeklagte immer„geständig" gewesen fei.— Datz das Gericht die wiederholte Geständigkeit des oftmals vor- bestraften Angeklagten als strafmildernd ansieht, ist jedenfalls sehr interessant. Wir«vünschtcn, datz die Gerichte bei Aburteilung sozialdemokratischer Pretzsünder ebenso milden Auffassungen huldigten._ Gerichts-Zeitung. Motorwagen und Husaren. Eine in Unordnung geratene Husaren-Schwadron bildete die Grundlage zu einem Strafverfahren gegen den Strahcnbahn- fahrer K., der sich in der Berufungsinstanz vor der 14. Straf- kammer des Landgerichts II zu verantworten hatte. K., der auf dem Stratzenbahnhof in Tempelhof angestellt ist, fuhr am 1. Sep- tembcr vorigen Jahres auf der Linie Tempelhof— Groß-Lichter- feldc, als der von ihm geführte Motorwagen eine in der Richtung nach Tempelhof reitende Schwadron des Lcib-Hufaren-Regiments einholte. Etwa hundert Meter vor Schlutz des Militärzuges stellte K. seinen Wagen stromlos und fuhr nun in bedeutend er- mätzigter Geschwindigkeit an der Militärkolonnc vorbei. Einige Pferde wurden abc» beim Herannahmen des Straßenbahnwagens unruhig, so datz, wie der führende Rittmeister, Fürst von Schön- burg-Waldenburg, als Zeuge aussagte, nach dem Vorbeifahren des Motorwaggons infolge der allgemein gctvordencn Unruhe die Schwadron in Unordnung geriet. Ein Pferd sprang sogar über das Stratzenbahnglcisc hinweg in den Chausscegraben, wobei der Reiter vom Pferde stürzte, aber unverletzt blieb. Gegen das frei- sprechende Urteil des Schöffengerichts II hatte die Staatsanlvalt- schaft Berufung eingelegt. Bei der Verhandlung vor der Straf- kammer behaupteten die militärischen Zeugen, datz der Motorwagen mit der Geschwindigkeit eines scharf trabenden oder gar galoppierenden Pferdes an der Schwadron vorübergcsaust wäre und dadurch die Unruhe der Pferde verursacht habe. Der Angeschuldigte, solvic der als Zeuge vernommene, seinerzeit den Motorwagen begleitende Stratzenbahnschaffner erklärten dem- gegenüber, daß die Geschwindigkeit des Motorwagens nur die- jcnige eines mätzigen Trabtempos war. Das Gericht schenkte den Stratzenbahnbeamten Glauben unter Anerkennung der Tatsache, datz Laien über die Geschwindigkeit eines Kraftwagens sehr häufig falsche Empfindungen hätten. Es nahm an, datz den Stratzenbahn- fahrer keinerlei Verschulden treffe. Dieser mutzte vermuten, daß Schwadronspferde nicht ohne weiteres beim Vorbeifahren eines Motorwagens scheuen, wenn es sich auch in diesem Falle um Pferde der Potsdamer Garnison handele— in Potsdam verkehren nur Pfcrdcbahnwagen—, da auch die Potsdamer Pferde bei Uebungsritten häufig an Motorwagen vorbei kämen. Außer, dem saßen auf den Pferden geschulte und disziplinierte Reiter, von denen der Fahrer erwarten konnte, datz sie die Tiere genügend in der Gewalt hatten, um ein Scheuwerden derselben anlätzlich der Vorbeifahrt eines Kraftwagens zu verhindern. Aus diesen Gründen war der Angeklagte freizusprechen. Ein polizeilicher Sozialistentöter vor Gericht. Ein kleiner Polizeiskandal beschäftigte dieser Tage das Schöffengericht Nürnberg, wobei zwei Polizeigewaltige erheblich unter die Räder kamen. Der Baumeister Karl Hoffmann hatte vor einiger Zeit dem Gemeindebevollmächtigtcn Hecht gesprächs- weise Mitteilungen über einige Beamte gemacht, die für die letzteren sehr gravierend waren. Hecht teilte diese Angaben bricf- lich dem Vorsitzenden dem Gemeindekollcgiums mit, worauf eine geheime Disziplinaruntersuchung gegen die Beamten eingeleitet wurde. Das Ergebnis war. datz einige„ermahnende Worte" an sie gerichtet wurden. Im Verlaufe dieser Untersuchung erfuhren die Beamten auch, wer der Angeber sei, und sie stellten gegen Hoff- mann Beleidigungsklage. Ter Amtsanwalt Wolrab zog cS vor, seine Klage zurückzuziehen, der Polizeikommissär Gerner und der Polizeisekretär Schlumberger hielten sie aufrecht. Das bekam ihnen aber schlecht. Ter Beklagte wurde unter Zubilligung des Schutzes des§ 193 freigesprochen, da er als Gemeindebürgcr berechtigt gc- Wesen sei, Mißstände aufzudecken, außerdem sei für einen großen Teil der Behauptungen der Wahrheitsbeweis erbracht. Gerncr habe tatsächlich hoch gespielt und sich an Grundstücksspekulationen beteiligt, auch das Verweilen in Kaffee- und Weinhäusern während der Amtszeit sei erwiesen. Gerner ist ein eifriger Polizeimann. der sich mit besonderer Schneidigkeit gegen die Sozialdemokratie benahm. Er hat schon öfters Versammlungen aufgelöst, gegen ver- schiedene in der Agitation tätige Genossen Strafprozesse an- strengen lassen, die Erklärung des jetzt aufgelösten GcwerkschaftS- kartclls zum politischen Verein ist auf ihn zurückzuführen ustv. Jetzt dürfte ihm in dieser Richtung das Handwerk gelegt sein. Eingegangene DrucKfeKnften. Plntus. Kritilchc Wochenschrift für Volkswirtschaft und Finanzwesen (Herausgeber: Georg Bernhard). 18. Heft.('Abonnements einschließlich der PIutuS-Merktasel vierteljährlich per Post und Buchhandel 3.50 M., direkt vom Verlag 4 M. Verlag Berlin-Charlottenburg, Goelhestr. 6g.) Graf v. Hoensbroech:„Deutschland«, Monatsschrift sür die gesamle Kultur. Maihcst. AezugspreiS vierteljährlich 6 M., Einzelheft 2,50 M. Verlag C.?l. Schwelschkc. Berlin W. 35. Fstir de» Inhal« der Inserate ilbernimnit die Ncdaktio» dein Pnblikni» gegenüber keinerlei Bcrnnttvortnng. Hheater. Mai. BSesten. Nachm. Lessing. Schiller Sonnobcud, den 5. Ansang T'/j Uhr: Lperichails. Margarete. Schansplelhans. Faust. Ans. 7 Uhr. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Neues. Erdgeist. _ Ansang 8 Uhr: Fedora. ;; Uhr: Frauenkampf. Und Pippa tanzt. ......... O. lWnlliic,.Thealer.) Die Macht der Finsternis. Schiller X.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Der Militär- staat. Kleines. Tragödie der Liebe. Luisen. Geschlossen. Berliner. Die lustige Witwe. Komische Oper. Hossmanns Er- Zählungen. Residenz. Liebeskunst. Zentral. TaS NarrenhauS. Lnstspiclhaiis. Die von Hochsattel. Triano». Loulou. Thalia. Hochparterre links. wietropol. Aus ins Metropol. Deutsch- Amerikanisches. Arme Mädchen. Kasino. Madame Bonivard. Apollo. Die amerikanische Burlesk- Compagnie. Vorn und hinten. Earl Weift. Sherlock Holmes Abenteuer. Folics Eaprice. Komiker Schnitzel. Dalles u. Eo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Belle-Alliance. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. tlrania. Tanbenftraftr Abends 8 Uhr: San Francisco und seine Erdbeben. Sternwarte, Iuvalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Gastsp. dcS Neuen Operetten-Theaters aus Hamburg. (Direktor Max Monti.) Sonnabend und folgende Tage Ansang S Uhr: Die lustige Witwe. Zentral»Theater. (Operette.) 8 Uhr: Novität I Das Narrenhaus. Ansang 8 Uhr: Lonloa. Heues Theater. Ansang 7>/s Uhr. 8in Sommernactitstrantn. Sonntag; Ein Sommornachtstraum. Montag: Ein Sommernachistraum. Kleines Theater. Anfang 8 Uhr. Tragödie der Liebe. Sonnlag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Oer Unverschämte. Hille Bsbbe Die Schlangsndame. (Slalivn Zoolog. Garten), Kantstr. 12. Sonnabend nachm. 3 Uhr kleine Preise: Erauenkampt. Abend! 8 Uhr: 1. Gastspiel Silvana Jjalberti: fedora. Sonntag nachmittag 3 Uhr, halbe Preise: 0er Waffenschmied. ABcnbs 8 Uhr: Schiitzenliesel. Fritz Werner a. G. Polkstüml. Preise. Montag: Letztes Gastspiel Silvana Jsalberti: fedora. Dienstag: 25. Vorstell, im DienS- tags- Abonnement: Var Freischütz. Volkstümliche Preise. Ansang 8 Uhr. Koihisehe Oper. Sonnabend, 5. Mai, abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag nachm. S Uhr ermäßigte jie: Hoffmanns Erzählungen. ivends 8 Uhr: HoKmanns Erzählungen. Montag: Hoffmanns Erzählungen. Apollo-Theater. Vollständig ueueS Programm: Gastspiel der amerikanischen BurleSk- Compagnie iW. B. Drabtree Born und Hinten. BurleSk-Pantomime in 3 Bildern. Die neuen Spezialitäten. U. a.: l�ece anc! Privost. Excentr. Ereation Humstl• Bumstl. " Die Wnnderarpotte. Vorher 8 llbr: ElfewtUcke, Märchenspiel. W. Noacks Theaier. Direktion: Roh. Dill. Bruuileustr. 16. Große Extra-Vorstellung: Die Stiefmutter. Lebensbild in 3 Akten v. R. Benedix. Vorher: Tie Theaterprinzeiss». Ansang 8 Uhr. EiUrcc 30 Pf. Ball. Ii 1 1 1 er-Th eater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeater). Sonnabend, abends 8 Uhr: DI« TIacbt der Finsternis. Schauspiel in 5 Akten o. Leo N. Tolsioj. Deutsch von Raphael Lölvcnscld. Sonntag, nach in. 3 Uhr: Dl« TIncbt der Finsternis. Sonntag, abends 8 U h r: Romeo und Julia. Montag, abends 8 Uhr: Web' dem, der liist. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Sonnabend, a b e» d s 8 Uhr: Der Iflllltilr stnat. Lustspiel in i Aufzügen von Gustav v. Moser tuid Thilo v. Trotha. Sonntag, nach»i. 3 Uhr: Zapfenstreleb. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Vellebenfresser. Montag, abends 8 Uhr: Der Vozrel Im Kdflx. c Panoptikum Cl-O Friedrichstraße 165. Kinematografisclie Vor! iihrungeu. harlvarisAbende. Volkstümliches Kabarett.■ Abends 6 Fbr u. a.: Der nrkomisclic Bendlx. Landes-Ausstellungs-Park. Neu erbaut; Feststtle, Cafe n. Konditorei, gedeckte Clartcnhallen, Fontaine lamlnense. Dejeuners von 2,50 Mark an bis 3 Uhr nachmittags. Diners von 3,50 Mark, Soupers von i Mark an. TögHch: Doppel-Konzert. [" Schmöckwilz � 1 MVUUIW Vil Ii Endstation der„Stern"-Dampfer) Hermann Peter. Ew Au m Telephon: Grünau No. 39. Empfehle mein allbekanntes, herrlich am Wald und Wasser belegenes Lokal den geehrten Vereinen und Gesellschaften zu Ausflügen.* Ausspannung und Dampscrstcge, Kegelbahnen, große Kafseeküche. Säle, Hallen, groSer schattiger Garten, 2000 Personen fassend. Residenz-Thealer. Direktion: Richard Hlcxandcr. Heute zum 8. Male: Morgen und folgende Tage Anj. 8 Uhr Liebesknnft. Komödie in 3 Akten v. Leon Zanrof und Michel Earrs. SÄKSS ; Passage-Theater. Ansang 8 Uhr. Das neue Mai-Programn) 1 4 erstklassige Spezialitäten Carl Weiß-Theater. Gr. Franksurterftr. 132. AbendS 8 Uhr: Sherlock Holuies' Abenteuer oder: Die Jagd ums Leben. Englisches SensationS-Schauspiel mit Gesang und Tanz in acht Bildern von& Fox. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag im Garten: Spezlalnäten- Vorstellung. Anfang 4 Uhr. Bernliaril Rose-Theater Gesundbrunnen, Badslrasse 58. Morgen Sonntag, den 6. Mai 1996: Sie Kettenn in der M. Volksstück in 3 Akten von Reislingen. Auftreten erstklassiger Spezialitäten GroBes Gartenkonzert. Anfang t Uhr. Bei ungünstiger Witterung findet die Vorstellung im Saal: Urania tÄ Abends 8 Uhr zum letztenmal: Prof. Dr. Emil Deokert: San Francisco unil seine EMen. Sternwarte Str. 57/62. OtJWClSCHER Täglich nachm. 4 Uhr: Großes Militär-Konzert. Eintritt 1 M.. v. 6 Uhr ab 50 Pf. 5iindcr unter 10 Jahren die Halste. Deutsiel»- Amerikanisch. Theater. Köpenickerstr. 67/68. Heute Abend 8" Uhr: ARME MÄDCHEN. Von Adolf Philipp. Sonnt, nachm. 3 Dhr, halbe Preise DV Zum letzten Male;"TJ Uobcr'n großen Teich. Abends 8" Dhr; Arme Mädchen. Meiropol-Theater Anfang 8 Uhr. Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Kauchen überall gestattet. Bleues Programm! TORTAJADA Spanische Tänzerin u. Sängerin. Narrow Bros., komische Kadfahrer. Desroches-Bianca, französ. Duett. Die Hartleys. Springer, BrSsina, Pariser Excentr. Sängerin. Palfy Frank-Truppe, Akrobaten. Künlg Dollar, englisches Ballett. Imro Fox, Illusionist. Die Brittens, Neger-Sänger und Tänzer. De Oio, Phantasie-Tänzerin. Die Perseus, Kugelspieler. Oer Biograph. Lustspie&haus. Abends 8 Uhr: Die von Hochsattel. Morgen nachmittag 3 Uhr: Der Familientag. Wends 8 Uhr: Di» von Hochsattel. Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag 4 Uhr: DM" Garten-Konzert EM! Theater, Spezialitäten Im Saale Extratanz. Gr. Tanzmusik. Bei ungünstigem Wetter Borstellung im Saal. KasinosTheater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Madame Bonivard. — Vorher das bunte Programm.— „Singvögelchen"-c. «onntag 4 Uhr: Die Harren Löhne. SanssoucUÄ" � Dir. Wilhelm Reimer. Somit., Mont., Donnerst.: Hoflknanns Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Sonnt. Bg. 5, Wochcnt. 8 U. IWn? TtToti• Die lÖAljitopin. COrcsdenerstr. 97. olosseum Spezialitäten. Acnes Programm. I«1/. Uhr: Les Batignolles? .floritzplatz. Täglich im Garten bczw. ► in de»»ntere» Säle»-ach Mittwoch». Sonnabend: Frollanz. Reichshallen. Stettiner Sänger. Zum Schluß: Einquartierung. Milit.tzum. von Meysel. Anjang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Neueröffnet! Nelt-ilMIIirngz- MgrspIi-lS'- Iliester lebenilei' pbotoxvsplilell mit aliwßctiselöl Alitioriiiiläien-Progr. Verbindung mit größt. Films- Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. Otto Pntzkowi Münzstraße 16. Gustav Behrens Spezialitäten- Theater Frankfurter Allee 85. vorzügliebeMai-PrograiniQ! Auftreten nur im Siezi EineMark wfiohenlliche Teilzahlung liefere elegante fertige Kerren-Garderobe — Ersatz für Maß.— Anfertigung nach ülaB. Tadellose Ansfilhrnng. Julius fabian,| Schneidermeister, Große Frankliirterstraße 31, II, Eingang StrauBberger Platz.* I. P.C. Berlin W. Polsdamerslr. 35. Telephon VT, 289. Internationale Patent-Zentrale übernimm� Patent-Anmeldungen für alle Staaten, Flnanzierung, Auskünfte technischer u. patent- rechtlicher Art. lS47b LrunSgehUhr: Hlundiieh 0,75 M. Schriftlich 1,— M. Auch Brlcfmarfen aller Länder.) Bureauzeit: S— L, 4—8 Uhr, Sonntags lv— 1 Uhr. Prospelte kostenfrei. g F. M. 130/05. 26 In der Strafsache gegen 1. den Redakteur Arthur Myko zu Tenrpelhos hat die neunte Strafkammer des Königlichen Landgerichts I in Berlin am 12. Dezember 1905 für Recht erkannt: Die Angeklagten werden wegen öffentlicher Beleidigung des Wirklichen Geheimen Lcgationsrats Dr. Stuedel Mylo zu einer Geldstrafe von 1500 — fünfzehnhundert— Mark ver- urteilt. Im Nichtbetreibungsfalle soll an Stelle der Geldstrafe für je fünf- zehn Mark ein Tag Gefängnis treten. Dem Reichskanzler wird die Be- fugnis zugesprochen, die Urteilsformel binnen zwei Monaten nach Rechts- kraft des Urteils auf Kosten der An» geklagten je einmal in:„Berliner Tageblatt" und im„Vorwärts" öffent- lich bekannt zu machen. Die Richtigkeit der auSzugSweifen Abschrift der Urteilsformcl wird bc- glaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urteils bezüglich des Angeklagten Mhlo bescheinigt. Berlin, den 4. April 1906. L. S.) gez. Heise. erichtsfchreiber des Landgerichts I. Strafkammer 9. Vorstehendes Urteil wird veröffentlicht. Berlin, den 30. April 1906. Der Erste Staatsanwalt am König- lichen Landgericht I. 10822= Einen Selbstmord jeder, welcher sieb bei Neu- anseballung v. Herrengarderobe niebt an das SpezialHerren- Bekleidungs- Ge- scbält, fertig n. naeb Maß, von J. Kurzberg, An der Jannowitzbriicke 1, wendet. Es ist dies kein ffaren- Kredit- Haus, und man erhält dort beste Qualitäten bei billigen Preisen gegen Teilzahlung von 1 Mark an. Krafr-Roniweln FurBlufarme u.Kpanke ärzMich empFohlen Fi.150 u.ZM. Uberall zu __ haben In Apotheken, Drogen- u. Delika- tesaengesch.,stehtunter ständiger Kontrolle d. ehem. Laboratoriums Dr. C. BIscholT. Diese Prachtvolle, feuervergoldete Toppel-Kavalier-Uhrkette. genau wie Abbildung, kostet nur Mk. 0.S8. 10 Stück aus einmal nur Mt. S.—. Porto und Versandspesen extra. Jeder Uhrkette wird eine Kavalier- Gelduhr, zirka 5 Mk. Kleingeld fassend, gratis beigefügt. Verfand nur per Nachnahme. LOöflO* Katalog mit zirka 3000 Gegenständen gratis und franko. Geh!'. Werti. Versandhaus„Rotkäppchen", Hausfrauen spart Geld, Zeit und schonet eure Wäsche durch den Gebrauch von ♦ iMnimÄ:o f(A:�MM..inAM ♦ bestes, billigstes Waschmittel der Neuzeit. Krone aller Waschmittel. Ueberal! zu haben. Tcrnaltnngsstclle Berlin. Haupt-Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernfprcchcr: Amt lV, 9679 Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV. 3353._ Montag, den 7. Mai 1906, abends 8'/- Uhr. im Kolbcrger Talon, Kolbergerstraste LS Vvnssmmhmg aller in Eisengießertitn beschäftigten Former und Kernfsgenoffen Berlins nud ilmgegend. Tages-Ordnung: 1. Bortrag deS Kollegen Pawlowitsch über:»Kriminalrecht«nd Strafvollzug". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Dienstag, den 8. Mai. abends 8'i, Uhr. im GewerkschaftShanse. Engel-User 15, Saal 7: Versammlung der Drahtarbeiter Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Branchenangelegcuhcit. Verichiedenes Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 118/11 I>le OrtsvertvnUiing. flciuiing! Werkstatt-Delegierte. A°diu»g! Wir ersuchen die Delegierten, die Handzettel zur öffentlichen Ver- sammlung am Sonnabend im Berkehrslokal, Nniinvustr. 78. ab- zuholeu. Ferner findet die zum 14. Mai geplante Geucral-Versammlung umständehalber erst am 21. Mai statt.>41/10 Ber Vorstand. Verband der Schneider und Schneiderinnen u. verw. ßerufsgenossen Deutschlands.<»uiaie Benin.) Militär- und Liefernngsschneider! Sonnabend, den 6. Hai, abends 8'/, Uhr, in den„Armlnhallen", Konimandantcn-Str. 80: Oeffentliche Bersaiumlung. Tages-Ordnung: „Sie Keimarheitsrfrage". R-s�nr: Kollege«üming. Wir ersuchen die Kollegen, zu dieser Versammlung zahlreich und püuftlich zu erscheinen. 156/17 _ Der Einbernfer. Muster- Konfektionsschneider und-Schneiderinnen! BV Sonntag, den 6. Bai, mittags IS(Ihr,"9� Im„Englischen Garten*', Alexander-Str. 87c: Oeffentl. Versammlung. Tages-Ordnung: Der gegenwärtige Stand der Lohnbewegung in der Muster- tonsektion. Referent: Kollege Knoop. DV Angesichts der wichiigcn Tagesordnung ist es Pflicht der Kollegen und Kolleginnen zahlreich und pünlllich zu erscheinen. Her Einbernrer. ictoü pfifft unb ppiiflsielitm!«°iiims! Dienstag, de« 8. Mai. abends 6�/, Uhr. in Gliestngs Gesellschafts« haus, Wassertorstraffe 68: Versommlung der in Möbtlgeftljösttn btschästilitttt ötiier, Möbelpolierkr und anderen Hülfsarbeitcr der Bezirke W., SW., S. und SO.—— TageS-Ordnung: 85/3 1. Festsetzung über die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Beizer und Pollerer in den Möbelgeschäften. 2. Wie ist eS möglich, dieselben zu ver. bessern? 3. Disfussion. 4. Verschiedenes. Die Kommission 8«. Bentseblands. - Verwaltungsstelle Berlin und Emgegcnd---_ Sonntag, de» 6. Mai. nachm. 4 Uhr. bei Voigt. Ritterftr. 7St Anßererdriillidfe Kcntreincrsliinniiniig. 138/14 TageS-Ordnung: 1. Vierleliährlicher Kassenbericht. 2. Bericht der Revisoren. 3. Wahl deS ersten Schrisisührcrs. 4. Neuwahl der Mitglieder dc§ Kuratoriums. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Ortsverwaktnng. Zentral-Verband der Handels-, Transport-, Verl(ehrsari)eiteru.-Ari)eilerinnenDeutschlaods Ortsverwaltnng Köpenick nnd Umgegend. »n Maifeier-Ausgesperrte! ä Zur Kontrolle werden die Ausgesperrten ersucht, sich am S o n n a b e u d, den 8. M a i, in der Zeit von IS— 3 Uhr bei Helling, Schönerlinderstrasie S, ein- zufinden. Die Ortsvcrwaltung. lentsal-Vefband der limmelSs Deutschlands. Den Kameraden zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der in Ebariotlenburg recht gui bekannte Kamerad Albert Meier am Mittwoch, den 2. Mai, ver» starben ist. Ehre seinem Nndenfen i Die Beerdigung findet am Sonunbend. den 5. Mai. nach- miltags 6 Uhr, von der Leichen- halle deS Luisen-Kirchhofes in Charloltenburg, Fürsleubrunner Weg, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 254/9 vis Orlzvsneailung. Verband der Lederarbeiter Filiale 1. Berlin. Todes-Anzeige. Allen Kollegen zur Nachricht. daß am 1. Mai, abends 8 Uhr, unser Kollege, der Weitzge.ber Paul Rietz verstorben ist. Die Beerdigung findet heute nachmittag 4 Uhr von der Leichen- Halle des neuen PaulS-Kirchhoses auS statt. Um zahlreiches Geleit bittet l638b Der Vorstand. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber Mann Adolf Holstinsky nach langen Leiden am 3 Mai versterben ist. t651b Die Beerdigung findet Montag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Zentralsriedhoses in FriedrichS'elde aus statt. Um stille Teituabme bittet Die trauernde Witwe Marie Holstinsky. Verband der Sueb- und Steindruekerei-HBIIsarbeiter u. Arbeiterinnen Deutsehlaniis. Ortsvenvalinng Berlin. Zahlstelle II(HQIfsarbeiter). Am 1. Mai starb nach langen und schweren Leiden unser Mit- glied und Kollege Martin Ulbrich im 54. Lebensjahre. 36/16 Ein ehrendes Andenken be- wahrt fhm Die Zahlstelle ll Berlin. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 5. Mai, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- balle in Wilhelmsberg aus statt. W. Zapel, Hut-Fabrik, Skalltzerstr. 131, :— Größtes Spezial-Ceschäll= für Seiden- und Filz-Hüte. Größte Auswahl in Strohhüten. I-agcr in Schirmen and SlUtzen. (26411* Deutseber finchbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Am 2. Mai b. I. starb nach schweren Leiden unser treues Verbandsmitglied Hermann Matz im Alter von 55 Jahren. Wir werden sein Andenke» in Ehren halten. 24/1 Die Drtsverwaliung. Köpenick. Frauen- u. Mädchen- Bildungsverein. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Dlissbeib Ackelbein im Alter von 18 Jahren plötzlich verstorben ist. 202/13 Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 5. Mai. nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des hiesigen Friedhofes aus statt. Die Mitglieder werden ersucht, sich recht zahlreich daran zu de» teiligen. Der Vorstand. Achtutip. Frdrrnrbkitkr! Filiale I Berlin. end, 5. Mai, avend? 8'/, Uhr, .Marienbad". Badstr. Zo: -Versammlung Sonnabend im �.ageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom ersten Quartal. 2. Veieiiisangelegeiiheilen. 3. Ver. schiedeneS. 1639b Zahlreiches und pünktliches Er- scheinen erwartet Oe�Vorsland. Anzüge neuester Mode /Robert Bohn, �Berlin it., Invalldenstr. 135. �Herren- u. Knaben-/ Garderoben k fertig a nach Maß. Streng reell! IM Arbeiter, Jeder Handwerker sollte 21«' Hrbeit die Lederliose Herknies tragen. Allein-Verkans. Sehr starkes Leder in praktischen grauen u. braunen Sweisen. auch einfarbig. Zlm Bund aus einem Stück gearbeitet Sehr feste Kapp- nähte. Haltbarste Pilot- Taschen. Große Flicken umionft. Die Hose Ibei Enlnabme von 1 /d«v.«__ 6 Stuck 26 Mt. I Mk. S0 Manchesler-Hose Marke Gam- brinuS, Zwirnkelte... 3 M. 56 Gefüttert. Manchest.-Iackett 14,50. 8.75 EchiblaueS Moni cur-Jackett 1 M. 90 Schlblaue Moiueur- Hole.. IM. 50 EchiblaueS Mouleur- Jackett, prima Köpcr-Gewebe.. 8 M. 50 Schiblnuc Mouleur-Hose, prima Kvpcr-Gcwcbe.. 2 M.>6 Weiße Friieiir-Jnckeiis 3,50, 2 M. 75 Kondilor-Jacken. 2>eihig... 4 M. 50 Maler-Killel... 3,—, 2,50, 2 M. 25 Mcchaniter-Kittel fbraim) 3,—, 2 M. 40 Weiße Leder-Jacketts, Lreibig 7.50. 3 M. 75 Weiße Lcdcrhoscn... 4.50, 2 M. 90 Kesselreiuiger- Anzüge, blau, nach Vorschrift...... 3 St. 50 Die Preise gelle» für normale Größen. Baei* 8o!m En gros. Export. En detail. Thaniierstr.Lla Äo.Briideiistr.U. t«r. Frontsurterftr. L0. DaS 29. Hanpt-Preisbuch! 906 wird kostenlos und portofrei zugesandt. Bei Bestellung von Hosen ist die Bniidnieiie und die Schritttäuge, bei Jacketts und Kitteln die Brufbveite anzugeben. 773L* — Versand von 20 M. an franko.— Rachdriick verboten? Ansfiüglern empfehlen wir folgende Spcz\a\-KAYtcr\ der Umgebung BerUns. Bernau-Biefenlhal, Lanke-Liepnitz- und Wandlitz- see..... 1 St. Bukow u. Umgegend mit angehängtem Führer....... 7o Pf. Eberswalde und Umgegend 75 Pf. und 1 M. Erkner und Umgegend... 75 Pf. Frcienwalde-Falkenberg... 75 Pf. Freienwalde. Wriezen, Oderberq, Brodowin...... IS». FriedrichShagen, Köpenick, Grünau. Schmöckwitz..... 75 Pf. Grunewald und westliche Vororte. 2-, 3-, 5-u. 8-farbig, 25, 50, 75 Pf. und........ IS». Königs-Wusterhaufen und Umgegend 5 farbig...... 1,50 S». Nördliche Vororte, Spandau, Tegel ufw......... IS». Potsdam und Umgegend.. 75 Pf. Potsdam und Werder... IM. Rüdersdorfer Kalkberge, Umgegend von Woltersdorf u. Erkner 75 Pf. Spreewald mit praktischem Touristen- führer....... 75 Pf. Strausberg u. der Blumental 1 M. Tegel und Umgegend... 75 Pj. Ferner empfehlen wir: Wanderbuch für die Mark Brandenburg. 3 Bände. Zu- fammcn..... 6,00 M. I Teil: Nähere Umgebung Ber» tiuS, umfaßt die Gegend von Potsdam, Spandau, Oranienburg, Köiligs-Wusterhaufen.. 1,50 M. ll. Teil: Westliche Hälft« der Um- gebuug Berlins bis Branden- bürg a. H.. Stendal, Tangermünde, Neu-Ruppin, Ncu-Strelitz 2,00 M. III. Teil: Oesttiche Hälfte der Um, gebuug BerliiiS bis Ebcrswalde, Frankfurt a. O-, Schwedt, Küftrin, Lübbcn, Sprccwald, ÄuSkau 2,50 M. Diese Wanderbücher biete» Pracht. volle Schilderungen der S»ark, viel« dctaillicrle Harten und Pläne und sind so dem Wanderer ein zuverlässiger Führer und Berater. 234/3* Lxpedition dez Vorwärts BERLIN SW. 68 Linde», traste 69(Laben). An allen Orten werden VerkaDfeeteiten errichtet. Vertreter gesneht. Gebrüder Krayer, Mannheim, Dobersteins Cristall-Palast, Prinzcnstr. 04. Tägnch: Gkstüschasts- Abend. Entree und Garderobe frei Jeden DounerStag u. Sonnabend - Damen-Verein.■ Jeden sonnadenb: Sxtra-Ball, Kerantvorllicher Redakteur: Kons Weber, Berlin, Kür den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer St Co., Berlin SW. Hr. 103. 23. z.w°, 2. Deilllge des„WriRlts" KtlliUl Nlllksdlllt!. s«.b..d. 3 N.i MO. Die Genossin Luxemburg und die Gewerkschaften. Als ich am 18. April ini„Vorwärts" dagegen protestierte, daß ein Gewerkschaftsorgan die Genossin Luxemburg zu einer Gegnerin der Gewerkschaften stempelte und diesen Angriff zu einer Zeit gegen fie richtete, wo sie in einem russischen Kerker schmachtet, da war ich naiv genug anzunehmen, die Gcwerkschaftspresse selbst würde die Entgleisung ihres Kollegen bedauern. Weit gefehlt. Die beiden einzigen gewerkschaftlichen Organe, deren Urteil über den Fall außer der Antwort der beteiligten„Zeit- schrift für Graveure und Ziseleure" selbst mir bisher bekannt ge- worden, wenden sich nicht gegen den Redakteur, der unsere ge- fesselte Genossin attackiert, sondern gegen denjenigen, der sie ver- teidigt. Immerhin hat das eine dieser Organe, der„Zimmerer", nicht das Verständnis für die Empfindungen verloren, die die Opfer des russischen Henkerregiments in uns wachrufen müssen. Er schreibt: „In der deutschen Arbeiterschaft herrscht über die Schandtaten der russischen Schergen eine Erbitterung und Empörung, wie wir sie nur selten gefunden haben bei Anlässen, wo es sich um eigenes Leid handelt. Diese Erbitterung und Empörung hat durch den Fall der Genossin Luxemburg eine Steigerung erfahren. Es wird allgemein als skandalös empfunden, daß das starke Deutsche Reich eine Reichsangehörige in den Klauen der russischen Schergen lassen und daß von den Schergen und ihren Handlangen: auch noch die Perspektive in der schamlosesten Weise eröffnet werden kann, daß das starke Deutsche Reich selbst dann nicht intervenieren werde, wenn die Genossin Luxemburg in Rußland bestraft, vielleicht aar gehängt wird für Tätigkeiten, die sie gar nicht in Rußland, sondern in Deutschland ausgeführt haben soll, wo sie mit Strafen nicht geahndet werden können." Das ist vortrefflich gesagt, aber wer so starke Erbitterung und Empörung schon darüber empfindet, daß unsere Gegner und ihr Haupt, die deutsche Regierung, es ablehnen, für unsere Genossin zu intervenieren, wie kann der so verständnislos gegenüberstehen der Erbitterung und Empörung, die wir empfinden, wenn gerade jetzt nicht Gegner, sondern Parteigenossen es für pasfend erachten, unsere gefangene Freundin aufs gröbste zu verunglimpfen! Merkwürdigerweise zieht der„Zimmerer" nicht diesen Schluß. Er, der die Haltung der Regierung wegen ihrer Nichtintervention skandalös findet, findet ebenso skandalös meine Intervention zu- gunsten der Genossin Luxemburg. Er fährt fort: „Da läßt es denn tief blicken, wenn der Genosse Kautsky mit dieser gesunden Empörung nichts weiter anzufangen weiß, als sie auf die Gewerkschaftsbewegung abzulenken." Verzeihung, tiefblickender Herr Kollege, aber was ich tat, war etwas ganz anderes: ein Versuch, die gesunde Empörung der Ge- werkschastSbewegung gegen Gewerkschaftsbeamte zu lenken, die nicht umhin können, selbst jetzt noch ihrem Haß gegen die Genossin Luxemburg Ausdruck zu geben und deren Ansehen durch Fälschungen zu untergraben. Dagegen bewundere ich die gesunde Empörung des„Zimmerer" über die Mißhandlungen der Genossin Luxemburg, welche Empörung sofort gehorsamst rechtsumkehrt macht, wenn sie auf einen Kollegen stößt, dessen Persönlichkeit natürlich gleich zur„Gewerkschaftsbewegung" erhoben wird. Neben dem„Zimmerer" ist es das„Eorrespondenzblatt der Ge- werlschaften Deutschlands", das wegen meiner Verteidigung der Ge- nossin Luxemburg gegen mich zu Felde zieht. Das wird mit diplo- matischer Vornehmheit besorgt. Der„Zimmerer" fühlte aus meiner Abwehr doch eine„gesunde Empörung" heraus, daS„Eorrespondenzblatt" findet in ihr nur das„Schnnpsbedürfiiis" eines schlechten Tones, der zum Glück noch nicht der Ton der Gewerlschasts- presse ist: Ungeheuerliches muß geschehen sein— nimmt wenigstens jeder Unbefangene an—, wenn der als erster Theoretiker der Partei geltende Genosse Kautsky sich einer solchen Tonart be- fleißigt. Oder ist Schimpfbedürfnis das Ergebnis akademischer Bildung? Wenn ja, dann wissen wir doppelt daS Glück zu würdigen, daß wir akademisch gebildete Kräfte in der Gewerk- schaftsbewegung noch nicht tätig haben, und hoffentlich auch nie zur Leitung und Führung der Gewerkschaften brauchen werden." Man sieht, gesunder Empörung gegenüber entwickelt die Anstands- dame des„Eorrespondenzblatt" ein Zartgefühl, um daS sie die Prinzessin auf der Erbse beneiden könnte. Leider erstreckt sich aber das Zartgefühl nur auf die äußere Form des guten Tons, dagegen zeigt dieselbe Anstandsdame eine Biilowsche Rhinozeroshant, wenn cS sich um eine Frage des wirklichen AnstandeS handelt, um die Frage unseres Verhaltens gefangenen Genossen gegenüber. Verwundert fragt das„Eorrespondenzblatt", worüber ich mich eigentlich auftege. Daß Genossin Luxemburg im Gefängnis sitzt? DaS darf uns nicht kümmern. „Genossin Luxemburg... sitzt im Gefängnis. Ja, zum Teufel, sind wir denn schon so weit gekommen, daß man in einer all- gemeinen Polemik, ohne Namen zu nennen, nicht eine Aeußerung zitieren darf, die ein Genosse oder eine Genossin, die zurzeit im Gefängnis sitzt, getan hat oder getan haben soll, ohne sich des Parteiverrates schuldig zu machen? Es wäre geradezu ein Unfug, wenn solches UsuS in der Partei werden sollte." In der Tat. und wenn Genossin Luxemburg gehängt werden sollte, wäre das ein Grund, zu verbieten, daß Worte von ihr zitiert werden? Um mehr als harmlose Zitate handelt eS sich aber nicht, wenn man den„guten Ton" des„Eorrespondenzblatt" in An- Wendung bringt. Ich bin freilich dieses guten Tones nicht fähig und mein „Schimpfbedürfnis" drängt mich zu konstatieren, daß die„Zitate". gegen die ich protestierte, nicht Worte der Genossin Luxemburg anführten, sondern sinnlosen Klatsch, der offenbar über die Genossin Luxemburg seit Monaten in Gewerkschaftskreisen kolportiert wird und den man jetzt öffentlich gegen sie ausschlachtet, wo sie sich nicht wehren kann. Ein derartiges Verfahren„zitieren" nennen, das entspricht jenem guten Ton, den schon Riccaut de la Marliniöre in die„plump deutsch Sprack" einführen wollte, in- indem er das Betrügen ein Korrigieren des Glücks nannte. Wir Wilden, die noch nicht Europens übertünchte Höflichkeit akzeptiert haben, halten eine Polemik auf solcher Grundlage selbst einem in Freiheit lebenden Genossen gegenüber für nicht sehr er- baulich, einem verhafteten Genossen gegenüber, noch dazu einem in Rußland verhafteten, von der ganzen Welt abgeschnittenen Genossen gegenüber halten wir das polemische Hantieren mit anonymem Klatsch für eine Roheit und eine Unanständigkeit. Schlimm genug, wenn die Monopolisten des guten Tones jede Empfindung dafür verloren haben I Das„Eorrespondenzblatt" aber fährt fort zu fragen, wozu eigentlich der ganze Lärm sei. „Genosse Kautsky mar ebensowenig in der Versammlung am Mittwoch, 6. Dezember 1805, wie der Redakteur der„Graveur- zeitung". Aus eigener Kenntnis weiß er also nichts und doch hält er sich für berechtigt, in dieser Weise sich zu äußern. Will man schon aus der Sache eine Haupt- und Staatsaktion machen, so stelle man sie zurück, bis die Genossin Luxemburg in die Freiheit zurückgekehrt ist, oder höre die Zeugen, die der Redakteur der„Zeitschrift für Graveure" stellen will. Wir legen der ganzen Angelegenheit eine so große Bedeutung nicht bei." Diese Mahnung wäre wohl eher für die Redaktion der „Graveurzeitung" am Platze als für mich. Wenn diese schon gegen die Genossin Luxemburg wegen der Versammlung vom 6. Dezember vorgehen wollte, hätte sie es tun müssen, solange unsere Freundin noch in der Freiheit war. Am 5. März wurde sie verhaftet. Also drei Monate hatte die sittliche Entrüstung der„Graveurzeitung" Zeit, sich auszutoben, ohne daß sie Gebrauch davon machte. Kaum ist aber die Genossin Luxemburg verhaftet, da kann der Klatsch über sie nicht mehr warten, bis sie wieder in Freiheit ist. da mutz er während ihrer Haft losgelassen werden. Uns, ihren Verteidigern, mutet man aber zu. zu warten, bis die russischen Henker sie wieder freigegeben haben. Diesen Gefallen können wir dem„Eorrespondenzblatt" nicht erweisen. Erstens ist es noch ganz unbestimmt, wann, wie und ob überhaupt unsere Vorkämpferin wieder die Freiheit zu sehen be- kommt, ob ihr zarter Körper nicht den mörderischen Einflüssen unter- liegt, für die die Warschauer Zitadelle berüchtigt ist. Freilich dürfen wir hoffen, daß ihr eiserner Wille alle Fährlichkeiten überwinden wird, aber trotzdem können wir nicht warten, bis sie wieder frei ist— denn es handelt sich dabei nicht bloß um das persönliche An- sehen unserer Genossin, sondern auch um unsere Partei, und das ist der Grund, warum ich mich überhaupt in die Polemik mengte. Die beanstandeten Aeutzcrungcn der Genossin Luxemburg sollen in einer Parteiversammlung gefallen sein, in der sie unter allge- meinem Beifall sprach. Hätte sie wirklich geäußert, daß die Ge- werkschaften ein Uebel seien, ohne daß sofort Protest erfolgte, so machte sich die Versammlung zum Mitschuldigen. Man durfte dann annehmen, daß in der Partei, wenigstens in Berlin, tatsächlich eine starke Strömung existiert, die den Gewerkschaften feindselig gegen- über steht. Es ist also klar, daß, wer diesen Klatsch kolportiert, Unfrieden zwischen Partei und Gewerkschaft sät, das Verhältnis zwischen beiden vergiftet, Wasser auf die Mühle Rexhäusers liefert. Diesen Klatsch ohne weiteres für wahr halten, kann aber auch nur jemand, der von blindem Hasse gegen die revolutionären Vertreter der Sozialdemokratie erfüllt, vom Geiste Rexhäusers angesteckt ist, wenn er eS auch selbst bielleicht nicht merkt: den Teufel spürt ja bekannt- lich das Völkchen nie, und wenn er es beim Kragen hätte. Hier hat das„Eorrespondenzblatt", nebenbei bemerkt, die Ant- wort auf seine Frage, welchen Gewerkschaftsbeamten und-Redak- teuren ich vorwerfe, daß sie nach dem Vorbild Rexhäusers das bisher bestehende Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaft unter- graben, dessen Aufrcchtcrhaltung Genossin Luxemburg, wie wir alle, für unerläßlich hält. An dieser Untergrabung hätte aber der in Rede stehende Klatsch über die Aeußerungen der Genossin Luxemburg sehr stark mit- gewirkt, wenn er öffentlich vorgebracht wurde, ohne daß er Protest erfuhr. Er wäre dann weitergetragen und glaubhafter gewesen. Deshalb hielt ich eS für notwendig, ihm sofort entgegenzutreten und durch authentische Zitate zu beweisen, daß die Behauptungen der geheimnisvollen Zeugen den wirklichen Worten und Taten der Genossin Luxemburg völlig widersprechen. Ob mir dieser Beweis gelungen, daS ist die entscheidende Frage; sie ist wichtig, nicht bloß für das per- sönliche Ansehen unserer Freundin in der Partei, sondern auch für das Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaft. Erscheint der Beweis unzulänglich, so könnte ich ihn leicht verstärken. Aber merk- würdig, darüber, über den springenden Punkt, verlieren weder „Zimmerer" noch„Eorrespondenzblatt" ein Wort. Ich sehe darin ein stillschweigendes Zugeständnis, daß sie gegen meine Beweis- führung nichts vorzubringen wissen. In dieser Auffassung werde ich dadurch bestärkt, daß auch die Urheberin deS Skandals, die„Zeitschrift für Graveure und Ziseleure" in ihrer Antwort zwar sehr wortreich über mich schimpft, sich aber hartnäckig weigert, die Zeugen des angeblichen Ausspruches der Ge- nossin Luxemburg zu nennen. Ich hatte behauptet, die Zeugen der Graveurzeitschrift hätten unmöglich die Genossin Luxemburg richtig verstanden haben können. Verfügten sie über Fleisch und Bein, wie diese Zeitschrift behauptete, so sicher nicht über Hirn. Darauf erwidert das Blatt: „Hier sehen wir. wo die„strahlende, sewstsichere Borniertheit" zu finden ist: ein Mann, der als Parteischriftsteller grau geworden ist, behauptet, daß Versammlungsbesucher kein Hirn haben, Partei- genossen können wohl in Versammlungen zuhören, aber ihr Hirn ist doch zu minimal begabt, um die Ausführungen des jeweiligen Referenten richtig abzuichätzen und würdigen zu können. „Eine bessere Theorie von der bekannten„Hammelherde" konnte auch ein Gegner unserer Weltanschauungen nicht auf- stellen. „Genosse Kautsky, ist da? Ihre freie Meinungsäußerung? Nicht nur sie haben Hirn, sondern auch andere, gewöhnliche Sterbliche find mit einem Hirn zum Nachdenken ausgerüstet und dazu rechnen auch wir unsere Zeugen. „Aber ein Genosse, der sich in bezug auf den„Streik" der „VorwärtS"-Redakteure im Verein Arbeiterpresse hinstellt und behauptet: Wenn er angegriffen wird und merkt, daß man seine Arbeitskraft als Parteischriftsteller nicht mehr gebrauchen will, da die Meinungen auseinandergehen, gehe er ohne Verteidigung von dannen, ein Genosse, der von seiner eigenen Auffassung so wenig durchdrungen ist und sie ohne Schwertstreich preisgibt, ein solcher Genosse hat kein Recht. unS als Verbündete der reaktionären Presse hinzustellen, hat auch kein Recht, ein Urteil über die Hirnsubstanz unserer Zeugen zu fällen. „Uns ist das Hirn, die Denkfähigkeit der gesamten Arbeiter Deutschlands achtunggebietender, als manchen Genossen a la Kautsky." ES ist sehr edel von unserem Gclverkschaftsorgane. daß eS sich gedrängt fühlt, gleich die Denkfähigkeit«der gesamten Arbeiter Deutschlands" gegen mich zu verteidigen, weil ich die Urteils- fähigkeit seiner Zeugen beanstandet hatte. Aber eS merkt gar nicht, wie bei dem Verfechten der„Hirusubstanz" seiner Zeugen ihr„Fleisch und Bein" in Ranch aufgeht— ohne jegliche Leichenverbrennung! Die„Gravenrzeitschrift" hatte sich erboten, für die Aeußerung der Genossin Luxemburg Zeugen von Fleisch und Bein auf den RedaktionStisch deS„Vorwärts" niederzulegen. Wenn sie, dazu aufgefordert, nichts anderes vorzubringen weiß als die obige sittliche Entrüstung, so ist dannt wohl der Beweis geliefert, daß sie überhaupt keine Zeugen hat, daß die Sache noch schlimmer für sie steht, als ich erwartete. Ich„ahm an. daß dem Klatsch gegen die Genossin Luxemburg das Mißverständnis einiger konftlser Zuhörer zugrunde liege. Jetzt aber bin ich davon überzeugt, daß die Grundlage des ganzen Klatsches nichts ist, als eine elende Er- findung.— K. K a» t S k y. Die Zllttlildkmokratie Uardbayerns hielt am 28. und 29. April ihren diesjährigen Gautag in B am- b e r g ab. Aus dem Bericht des Gauvorstandes ist hervorzuheben, daß die Zahl der Mitglieder der sozialdemokratischen Vereine Nordbayerns 18 0(X) bereits überschritten hat. Die Steigerung im letzten Jahr beträgt 3500. Einige neugegründete Wa'hlvereine sind wieder eingegangen, weil die Genossen ihre Kräfte überschätzt hatten. Die Genicindewahlen des letzten Jahres waren in Nordbayern vielfach von Erfolg, es gibt nun in 27 Orten sozialdemokratische Gemeinde- Vertreter— nur in Nürnberg nicht I Dort hält der„Freisinn" die größte und stärkste Partei, die Sozialdemokratie, vom Rathaus in„freisinniger" Weise fern. Die Parteigenosien in Fürth haben ganz besonders unter der Polizeischikane des dortigen Bezirksamtes zu leiden. Dieser Tage lief von der Staatsanwaltschaft die Mitteilung ein. daß man den Burschen, der aus dem Postamt eines Provinzortes ein an den sozialdemokratischen Verein gerichtetes Paket öffnete und auf dem darin liegenden Zirkular statt„Werte Genossen" das Wort „Schufte" setzte,„nicht ermitteln konnte." Der Gautag beschloß, den Posten des Gaubeamten von dem deS Sekretärs des sozialdemokratischen Vereins Nürnberg zu trennen und einen eigenen Gausekrctär anzustellen. Um die Agitation zu fördern, setzte der Gautag neben den: neungliedrigen Gauvorstand noch ein erweitertes Agitationskomitee ein, das sich aus dem Gauvorstand und Vertretern einzelner Reichs- tagSwahlkreisvereine zusammensetzt. Das Gehalt deS neuen Gausekretärs wurde auf 2000 M. festgesetzt, steigend um jährlich 100 M. bis zu 3000 M. Der Partci- vorstand in Berlin soll um einen entsprechenden Zuschuß zu dem Gehalt ersucht werden. Bei der Abänderung des Gaustatuts, notwendig geworden durch die Aenderung des Organisationsstatuts der Gesamtpartei, wurde der Ansicht Ausdruck gegeben, daß der Beschluß des Jenaer Partei- tages betreffend Beitragszahlung der einzelnen Vereine nach Berlin recht unglücklich ist und daß er der erste sein wird, der wieder auS dem Statut verschwindet. Zur Erleichterung der Arbeit zu den kommenden Landtags- wähle» hat der Gauvorstand beschlossen, Karten herauszugeben, aus denen die einzelnen Wahlkreise bunt gekennzeichnet sind. linser Parteiblatt für Unterfrauken. die„Fränkische Volks- tribllne", ein Ableger der„Fränkischen Tagespost, will sich von der letzteren abtrennen und sich selbständig machen, um speziell den Kampf gegen das Zentrum wirksamer aufnehmen zu können, mit welcher Partei die„Fränkische Tagespost" direkt nichts zu tun hat. Der Gautag beschloß, diese Zeitungsangelegenheit in die Wege zu leiten. Bon den Genossen in Hof wird gewünscht, daß die Bayreuther Genossen sich mit aus die„Obersräukische Volkszeituug" in Hof vereinen. womit beiden Orten gedient wäre. Bisher gehört Bayreuth zum Verbreitungsgebiet der„Fränkischen Volkstribüne". Der nächste Gautag findet in Würzburg statt. Der Sitz des GauvorstandeS ist nach wie vor Nürnberg. Ueber die kommenden Landtagswahlen referierte Abg. Segitz, der dem Gautag die Mitteilung machte, daß man immer»och nicht die Gewißheit habe, ob tatsächlich der Landtag aufgelöst werde und im Frühjahr 1907 die Neuwahlen stattfinden, trotzdem dieser Landtag eigentlich nur zur Schassung des direkten Wahlrechts gewählt worden ist. Die sozialdemokratische Fraktion wird die Regierung an ihr gegebenes Wort erinnern und wird auch dem Zentrum ius Gedächtnis rufen, daß es bindend erklärt hat, seinen ganzen Einfluß aufzubieten, um den Landtag nach Fertigstellung des Wahlrechtsgesetzes zur Auflösung zu bringen. Wie groß die Erbitterung wäre, wenn das Volk tatsächlich beschwindelt ivorden wäre und der Landtag trotz des Ministerwortes nicht aufgelöst würde, beweist, daß ein Delegierter auf dem Gautag in Erwägung gab, eventuell die Auflösung des Landtages durch den politischen M a s s e n st r e i k zu er- zwingen. Zu den Vorgängen in Breslau nahm der Gautag eine scharfe Protestresolution an. Die Schopenstehlkrawalle in Hamburg vor dem Schwurgericht. Hamburg, 3. Mai, Nach siebentägiger Verhandlung wurde in der Nacht zum Freitag der Prozeß gegen die„Schopenstehler", wie sie im Volksmundc kurzweg genannt werden, zu Ende geführt. Wie schon mitgeteilt, setzte der Staatsanwalt Jrmann in einer Scharfmachcrrede den Gc- schworenen eingehend auseinander, weshalb auf hohe Strafen erkannt werden müsse: damit den Hunderten, ja Tausenden von nicht Ge- faßten ein Schreck in die Glieder fahre, Die Geschworenen haben ein Verdikt gefällt, mit dem die beiden Vertreter der Staatsanwaltschaft zufrieden sein körnten. Von Milde haben sich die Geschworenen nicht leiten lassen, sie haben ihren„Wahr- spruch" so abgegeben, daß um mit Staatsanwalt Jrmann zu reden, die Mehrzahl der Angeklagten die ganze Schwere des Gesetzes trifft. Sie gingen sogar noch weiter als die Staatsanwälte, indem sie Hinsicht- lich des Angeklagten Rittner, der von allen Zeugen als ein ordent sicher Mensch geschildert wird und gegen den Freisprechung beantragt wurde, die aus Unterschlagung lautende Hiilfsfrage bejahten, so daß auch Rittner nicht ganz leer ausging. Mildernde Umstände zugebilligt wurden nur den Angeklagten Hentrich Rudolph, Elise Rudolph, Rittner, Rucks, Donath, Kloodt, Johannsen und Blum. Freigesprochen wurde nur Barwiecks. Also 20 Angeklagten werden die mildernden Um- stände versagt, darunter dem eben erst 18jährigen Schmiedelehrliug Rehmers, ebenso dem 19jährigen noch nicht vorbestraften Hausdiener Bingießer. Dem Angeklagten Stange, dem einzigen polittsch organisierten Angeklagten, der, lvie von mehreren Zeugen bekundet wurde, ein sehr fleißiger und ordentlicher Mensch ist. aber wenig Spirituosen verttagen kann(er hat am Abend des 17. Januar 23 GlaS Bier getrunken), wurden gleichfalls keine mildernden Umstände zugebilligt. Auch er muß ins Zuchthaus. Neben ihm soll Heinrich Rudolph die Rädelsführerrolle gespielt haben, während die Angeklagte Elise Rudolph und Lceck sich des qualifizierten Landfriedensbruchs schuldig gemacht haben sollen. Als Aufrührer und Plünderer kommen in Betracht: Bingießer, Rucks, Donath, Kadner, Kloodt, Rehmers, Johannsen, Korb. Blum, Janszins, Angelstorp, Linne, Brand, Hardekopf und Wrmigcl. Die weiteren Angeklagten sind nur der Unterschlagung bezw. der Hehlerei für schuldig erklärt. DaS um 2>/z Uhr nachts gefällte Urleil lautet: Stange 2 Jahre Zuchthaus, H. Rudolph 15 Monate Gefängnis, Elise Rudolph 1 Jahr Gefängnis, Leeck 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus, Bingießer 1 Jahr Zuchthaus. Rucks 10 Monate Gefängnis, Donath 10 Monate Gefängnis, Kadner 2 Jahr 9 Monate Zuchthaus, Kloodt 1 Jahr Gefängnis, Rehmers 2 Jahre 9 Monate Zuchthaus, Johannsen 1 Jahr Gefängnis, Korb 2 Jahre Zuchthaus, Blum 10 Monate Gefängnis, Jörn 6 Monate Gefängnis, Warnte 5 Monate Gefängnis. JauszinS 3 Jahre Zuchthaus, Angelstorp 1 Jahr Gefängnis, H. Warnemünde 2 Wochen Gefängnis, W. Warnemünde 2 Wochen Gefängnis, Drewes 1 Jahr Zuchthaus, Linne 2 Jahre S Monate Zuchthaus, Brand 5 Monate Gefängnis, Heth 1 Jahr Gefängnis, Schröder 4 Monate Gefängnis, Bantin 4 Monate Gefängnis, Hardekopf 10 Monate Ge- fängnis, Wrangel 1 Jahr 6 Monate Gefängnis, Rittner 1 Woche Gefängnis, Barwiecks Freisprechung. Bei den Angeklagten Rittner und den Gebrüdern Warnemünde gelten die erkannten Strafen durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt. Der sehnliche Wunsch der Scharfmacher, daß sich licranöstellen möchte, die Janhagelexzesse und Plllnderuugea wären von Sozialdemokraten begangen, hat sich nicht erfüllt. Selbst der Staatsanwalt Jrmann, hat erklären müssen, daß nur Stange politisch organisiert sei. Die Anklagebehördc hat mit peinlichster Gclvissenhafligkeit nach der politischen Richtung ihre Untersuchung geführt, um den Beweis für den Zusammenhang dc-Z Krawalls mit der WahlrechtSdemon- stration zu finden— sie vermochte jedoch nichts zu entdecken. Die sogenannte„politische Seite" dieses Prozesses ist elend in sich zusammengebrochen. Jetzt hilft man sich mit der Argumentation, die Sozialdemokratie trägt dennoch die moralische Verantwortung, denn hätte sie nicht zu so außergewöhnlicher Stunde die Ver- snmmlungcn einberufen, dann halten die Schopcnstchlexzcsse nicht be- gangen Iverdcn können, denn dann hätte die Polizei ihre Aufmcrk- samkeit nicht auf die Nathausgegend zu konzentrieren brauchen. Die Logik dieses Arguments zu kritisieren, ist überflüssig. Hus der Partei. Ein Rembraudt-Album für die Arbeiterschaft. Am 13. Juli d. I. wird die dreihundertste Wiederkehr von RembrandtS Geburtstag festlich begangen. Ans diesem Anlaß und geleitet von dem Bestreben, wenigstens einen Teil der Werke des großen holländischen Meisters auch dem arbeitenden Volke zugänglich zu machen, ist auf Veranlassung des Genossen Gerhard- Amsterdam von dem Zentralkomitee für die Rembrandt-Feier in Amsterdam ein Rembrandt-Album herausgegeben worden, das künstlerisch aus- geführte Reproduktionen von sechs ausgewählten Werken deS Meisters enthält. Die Blätter eignen sich zu gutem künstlerischen Wand- schmuck. Mit der Herausgabe des Albums werden keine geschäft- lichen Zwecke verfolgt. Der Preis ist so berechnet, daß die Her- stellungs- und Versandkosten gedeckt werden können. Den Gewerkschaften, Gewerkschaftskartellen und sonstigen Arbeitervereinen wird das Album für 1 Fl.— 1,70 M. geliefert. Dazu kommt Eniballage und Fracht. Bedingung ist, daß der Verkaufspreis nicht höher als 2 M. sein darf. Um zu diesem Preise das Album an die Arbeiter abgeben zu können, empfiehlt sich der Partienbezug durch die Ge- »verkschaften oder die Gewerkschaftskartelle. Die Bestellungen müssen möglichst bis 1. Juni und spätestens bis zum 13. Juni an die Adresse I. W. Gerhard, Amsterdam, 'sGravesandeplain 23, erfolgen, damit die Versendung so rechtzeitig erfolgen kann, daß jeder Besteller noch vor dem 13. Juli— dem Jubiläumstage— in den Besitz seines Albums gelangen kann. Die Genossen, welche Bestellungen entgegennehmen, werden auch für die rechtzeitige Aushändigung an die Besteller Sorge tragen. Ein uns zugesendetes Prove-Album zeigt in k ii n st l e r i s ch vollendeter farbiger Ausführung Rcprodultionen bekannter Rembrandlschcr Werke, so der Steinernen Brücke, des Simon mit dem JcsuSkuaben im Tempel, des Tuchmachers, deS Offiziers, der Jüdischen Braut. Wir können danach die Mappe angelegentlichst empfehlen, wenn uns freilich die Auswahl der Bilder aus dem reichen Lebenswerke RembrandtS nicht in jeder Beziehung glücklich erscheinen will. Eine beigegebene Biographie deS Meisters zeigt arge Verstöße gegen die deutsche Sprache. Sie trägt indes den Vermerk:„Vor der Korrektur", so daß wir hoffen dürfen, daß die Fehler noch vor der endgültigen Drucklegung vcrschivindcn werden. Agitationsliteratur. Im Verlag der Buchhandlung Vor- w ä r t s ist erschienen: Der Arbcitcrschiiü. Mit besonderer Berücksichtigung der Werkstatt- Hygiene von Dr. M. Epstein. Preis 20 Pf. Die Abhandlung ist als Heft 10 der Arbeiter-GesundheitSbiblivthek erschienen. Die Arbeit Epsteins bildet gewissermaßen eine Fortsetzung und Ergänzung zu Zadels Einführung in die Gewerbehygiene. Sie behandelt die persönliche und öffentliche Gesundheitspflege des Arbeiters und von der Gewerbchygicne besonders eingehend die Werkstatthygiene. Ein Schlußkapitcl handelt von der Ueberwachung des gesundheitlichen Arbeiterschutzes durch Gewerbeaufsichtsbeamte, Aerzte und Arbeiter und verlangt, daß den Vertretern der Krankenkassen dasselbe Recht zugestanden wird, welches die Organisationen der Arbeitgeber, die Berufsgenossenschaften, bei der Kontrolle der UnfallverhütungS- Vorschriften längst besitzen. Die Hamburger Buchdrucker und die ArbeitSnihc am 1. Mai. Unsere neuerliche Meldung, daß die Hamburger Buchdrucker be- schlössen hätte», den 1. Mai künstig durch ArbeitSruhe zu begehen und eventuell je nach dem Ausfall der Urabstimmung schon in diesen: Jahre, wird durch eine Meldung bürgerlicher Blätter dahin ergänzt, daß bei der geheimen Abstimmung 300 Stimmen für, 800 gegen die Arbeitsruhe abgegeben worden, außerdem mehrere weiße. bezw. ungültige Stimmen. Wir stehen nicht an, das Abstimmungsverhältnis in Anbetracht der Unfftände als ein gutes zu bezeichnen. Hatte doch das Organ des Verbandes der Buchdrucker, der„Korrespondent", die Bedeutung des 1. Mai für die Arbeiterbewegung in seiner Numirter vom 1. Mai mit keinem Worte gewiirdigt. Genosse Robert Michels teilt uns zu der in Nr. 96 des„Vor- wärts" erschienenen Erklärung der acht Genossen vom deutschen Leseklub zu Paris über seine sM.'s) Vorträge in Paris mit, daß er auf daS unbedingteste daran festhalten müsse, daß nicht nur seine Worte, sondern in noch höherem Grade die Gesamt- tendenz seiner Vorträge auf das gröblichste mißverstanden worden sei. Er könnte auch Gegenzeugen gegen die acht Pariser Genossen bringen, verzichte aber darauf, da auf solche Weise doch kein ge- nügender Beweis zu führen sei, und werde deshalb den zweiten der Vorträge— den vor den Arbeitern gehaltenen—, demnächst in deutscher Sprache herausgeben. AuS der Schweizer Sozialdemokratie. Unser Schweizer Korrespondent schreibt uns: Bei den kürzlichen Nachwahlen für den Großen Rat in: Kanton St. Gallen wurden 6 Sozialdemokraten. 9 Demokraten, 81 Libc- rale und 63 Ultramontane gewählt. In der Stadt St. Gallen voll- führten die Liberalen, die die Mehrheit haben, einen infamen Schelmenstreich gegen unsere Partei. Bisher ivar einer der beiden sozialdemokratischen Vertreter der Genosse Böscheustein, der als Arbeitersckretär den Ausbeutern am tiefsten verhaßt ist, zurzeit ganz besonders, da verschiedene Lohn- und Streikbewegungen im Gange sind, an denenZer selbstverständlich als Vertrauensmann der Arbeiter- schaft teilzunehmen hat. Um sich an ihm zu rächen, be- schlössen die Liberalen, ihn nicht mehr auf die Liste zu nehmen, den Sitz jedoch der sozialdemokratischen Partei zu überlassen. Sie stellten nun den Genossen Sckimidt, der Präsident der Arbeiterunion(des Gewcrkschaftskarlclls) ist, als sozialdcmo- kratischen Kandidaten auf, während unsere Partei an Böscheustein festhielt. Schmidt lehnte die ihm zugedachte Rolle ab und erklärte in der Presse:„Der Uutcrzeickinete protestiert mit aller Entschieden- heit gegen die Zumutung, sich gegen den offiziellen Kandidaten der Partei in den Großen Rat wählen zu lassen. Ich er- suche die Mitbürger und insbesondere meine Parteigenossen, ihre Stimme zu vereinigen auf die beiden osfiziell-n Kandidaten der sozialdemokralischen Partei: H. Böschenstein und W. Müller. Eine allsällige Wahl würde ich unter leinen Umständen annehmen." Trotzdem wurde Schmidt mit 2811 Stimmen gewählt, während der offizielle Kandidat, Genosse Böscheustein, nur 1289 Stimmen erhielt. ES wird nun die Partei zu entscheiden haben, was weiter geschehen soll. Mit dieser politischen Gaunerei haben die meisten aus Klein- meistern und Großunternehmern bestehenden Liberalen dem MchrheitS- system den Todesstoß versetzt, denn so korrumpiert man das öffent- liche politische Leben. Bereits sind von den Sozialdemokiaten, Demokraten und Ultramontanen 15 000 Unterschriften für die Ein- f ü h r u n g der P r o p o r t i o n a l w a h l gesannnelt, die nun hoffenilich in der späteren Volksabstimmung beschlossen wird. Ohne Gegenkandidat wurde in der Sladt Winterthur der Genosse Friedensrichter Werner mit 2306 Stimmen in den Kantons- rat gewählt. Vor einem Jahre bei den Erncucrungswahlen hatten die Bürgerlichen durch einen infamen Wahlrechtsranb ilnserer Partei ihre drei Sitze im KantonZrat entrissen und alle 12 Sitze für sich beschlagnahmt. Jetzt ivar eine Ersatzwahl zu treffen und da über- ließen nun die Bürgerlichen von ihrem Raube gnädigst einen Sitz unserer Partei. polireiliebeo, Oencbtlickeg uto. Eine Maifeier mit Hindcrmfsen. Mit welch kleinlichen Mitteln eine große Sache bekämpft wird. da§ sollten gelegemlich der diesjährigen Maifeier auch unsere Genossen in Oberhausen-Alstaden erleben. Wir haben in letzter Zeit bereits verschiedene Taten der Oberhausener wie der Alstadener Polizei nütaetcilt, doch die jetzige Maiblamage ist geradezu ein Kapitalstück auf diesem Gebiete. Wie überall, so hatten auch die hiesigen Genossen für die Feiernden eine Demonstralions- Versammlung einberufen und zwar um neun Uhr morgens nach dem M a a ß schen Lokale in Alstaden. Etwa eine Stunde vor Beginn der Versammlung erhielt nun plötzlich der Geschäftsführer des Wirtes Maaß— dieser selbst wohnt in Düsseldorf— eine Verfügung der Polizei dahinlautcnd, daß der Vertreter des Wirtes dauernd seinen S ch a n k b e t r i e b e i» z u st e l l e n habe, da er nicht im Besitze der Schankkonzession fei. Diese plötzliche Entdeckung der Polizei wirkte um so verblüffender, als sie bisher die Vertretung ruhig geduldet, die Abgaben für Lustbarkeiten ruhig eingesteckt und auch sonst Einwendungen gegen die Vertretung des auswärts wohnenden Wirtes nichr erhoben hatte. Gleichzeitig mit der Scha ii k sperre Wurde auch d a§ Versammlungslokal geschlossen! Daraus aufmerksam gemacht, daß die Abhaltung der Versammlung mit dem Schankbetriebe nichts zu tun habe und der regel- mäßige Mieter des Versammlungslokals der Einbcrufer der Versamm- lung sei, berief sich der Leiter der polizeilichen UeberwachimgSmannschaft, die in einer Stärke von sechs Polizeibeamten und drei berittenen Gendarmen(!) vor dem Lokale auf und ab patrouillierte, auf eine Verfügung d e S L a n d r a t S a m t S, nach der er zu handeln habe. Ungläubig gegen polizeiliche Ver- sicherungen und auf ihr gesetzliches Recht pochend, Wie die Sozialdemokraten nun einmal sind, gingen sie darauf spornstreichs nach der nächsten Tclephouverbindung, um von dem kgl. preußischen LandratSamte zu erfahren, auf Grund welchen Rechts man uns das VersammlungS- lokal sperre, da die polizeiliche B-icheinigung der rechtmäßigen An- Meldung in den Händen der Genossen und baupolizeilich gegen daS Lokal nichts einzuwenden fei. Und nun erlebte man die zweite Ucberraschung. indem der Herr Landrat mitteilte, daß er von der polizeilichen Anordnung nichts wisse, und dieser- halb Bericht einfordern werde!— Schade, daß in dem Augenblicke, als die Genossen mit diesem Bescheide zurückkamen, kein Amateur- Photograph unter der Menge war. Die verschiedenen langen Ge- sichter, die es gab, wären der Aufnahme wert gewesen. Die Genossen machten nun kurzen Prozeß, sie öffneten trotz des Verbots der Polizei daS Lokal. Die inzwischen auf etwa 600 Personen an- gewachsene Menge strömte hinein und Genosse Thielhorn- Duisburg begann seine Maifestrede, die nicht zum Schaden der Unterhaltung um einige pikante Episoden bereichert wurde. Inzwischen hatte aber auch der Telegraph gespielt. Und noch bevor der Festredner mit seinem Referat zu Ende war, erschien schon der Wirt Maaß au§ Düsseldorf, übernahm selbst seinen Schankbctrieb und es konnte somit auch den Bedürfnissen auf diesem Gebiete Rechnung getragen werden. Die Polizei verhielt sich nunmehr auf- fallend still, der Herr Kommissar selbst kam mit noch einem Be» amteu in die Versammlung und überwachre und alles nahm nun seinen ordnungsmäßigen Verlauf. Doch da man es einmal auf ein Amüsement der Arbeiter abgesehen zu haben schien, so bekam der Herr Uebcrwachcnde noch den Einjall, einige bestellte Nummern der„Maifest-Zeitung", die in der Ver- sammlung an die Besteller abgegeben wurden, zu konfiszieren! Selbstredend wurden die bestellten Zeitungen auf Reklamation der Besteller nachher wieder freigegeben. Ob die Polizei in Alstaden mit ihrer neuesten Blamage wohl zuftieden ist? oder ob„Fortsetzung" folgen wird? Wir erwarten das letztere.__ Hus Industrie und Handel. Prciösteigeruiigen. Die Aufhebung der Ausfuhrvcrgütung seitens des KohleusyiidikatS und des Roheiseusyndikats hat anscheinend eine weitere Preissteigerung auf dem Jnnenmarkt zur Folge. So werden bereits für Halbzeuge, Röhren, Nieten usw. Preisaufschläge gemeldet. Es scheint fast so, als seien die Großindustriellen von einem Fieber erfaßt, gleich dem Spieler, der im Taumel des Glückes zu den ge- wagtesten Einsätzen sich hinreißen läßt, bis das Blatt sich wendet. Wcizciicrnte der Welt im Jahre 1905. DaS Ackerbaudepartemcut der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika hat kürzlich nachstehende Znsammenste llüng der Weizenernte der Welt im Jahre 1903 im Vergleich mit den drei Vorjahren veröffentlicht. Von den Ergebnissen der Zusammenstellung ist hervorzuheben. daß die bis- herige Höchsterute vom Jahre 1908 im Jahre 1905 noch um 116>/z Millionen Scheffel(a 27�,, Kilogramm) übertroffen wurde, und daß diese Steigerung lediglich die Ernten von Nord- und Süd- amcrika, welche eine bisher nicht vorgekommene Höhe erreichten, sowie von Australien bewirkt haben. Die europäische Ernte war größer als 1904, blieb aber hinter derjenigen vom Jahre 1903 er« heblich zurück. Die Ernten in Asien und Afrika waren im letzten Erutejahr kleiner als in den beiden Vorjahren. Die von der amerikanischen Regierung ermittelten Erntcmengen sind die folgenden: Millionen Scheffel a 27,z,z Kilogramm 1902 1903 1901 1905 Nordamerika... 777 191 732 279 637 827 803 671 Südamerika... 71623 113 890 116 111 173 120 Europa..... 1793 336 1831 193 1726 081 1 790 698 Asien..... 382 122 467 115 518 389 456 133 Afrika..... 52 023 54 313 50 606 41 500 Australien.... 43927 20461 81628 65626 Zusammen.. 3 123 227 3 221 251 8 163 815 3 337 718 Die Tlibakarbritcr-Genossenschiift konnte in ihrem Geschäftsbericht für 1905 über ein äußerst befriedigendes Resultat berichten. Die Eutwickelung dieser Genossenschaft ist in den letzten Jahren eine durchaus crirculiche gewesen. Der Umsatz betrug 1900: 207 100 M., 1901: 256 488 M.. 1902: 313 034 M.. 1903: 110 683 M.. 1901: 337 335 M.. 1905: 377 543 M. An diesem Umsätze waren, wie die GroßeinkaufSgenoffenschaft mitteilt, die Konsumvereine beteiligt 1900 mit 21.6 Proz., 1901: 43.3 Proz., 1902: 19 Proz., 1903: 53 Proz., 1901: 56,1 Proz., 1905: 53,1 Proz. So erfreulich diese Steigerung ist, so geht aber doch aus diesen Ziffern hervor, daß ein erheblicher Teil der Pro- duktion noch an andere Abnehmer abgesetzt werden muß. Soll die Genoffenschaft eine Produktivabteilung der Gesellschaft werden, so muß der Absatz an die Konsumvereine noch bedeutend steigen, so daß die ganze Produktion bei den Vereinen untergebracht werden kann und die übrige Kundschaft nach und nach ausgeschaltet wird. Die Möglichkeit hierzu ist zweifelsohne gegeben, denn der Bedarf der deuischen Konsumvereine in Zigarren ist vorhanden. Im übrigen würde ja auch, wenn der Betrieb zur Großeinkaufs-Gesellschaft ge- hörte, es nicht mehr möglich fein, an andere Abnehmer als an Ge- nosseuschaslen zu liefern. Der Handel San FranciscoS. Die günstige Stinnnung auf dem Wirtschaftsmarkt ist in den letzten Wochen sehr stark unterstrichen worden, durch die mutmaßlichen Bedürfniffe die der Wiederaufbau der zerstörten Stadt an die Industrie stellt. Baumaterialien, Eisen und Zement spielen dabei eine große Rolle. Ob die Hoffnungen, die man in Europa nach dieser Richtung nährt, sich voll erfüllen, erscheint aber doch sehr fraglich. Zunächst werden die Eisen- industriellen Amerikas wohl dafür sorgen, daß der Löwenanteil ihnen verbleibt. Auch die Zementindusirie Deutschlands darf sich nicht allzu rosigen Vorstellungen hingeben. Man wird selbst- verständlich in San Francisco alle» daran setzen, die eigene Pro- duktion wieder auf normale Höhe zu steigern. Und diese hatte sich in den letzten Jahren ganz enorm entwickelt. Die Gesamteinfuhr an Zement, die für 1903 noch die stolze Ziffer von 177372 Tonnen zeigte, war 1901 bereits auf 71358 Tonnen zurückgegangen. Von großer Bedeutung ist die Ausfuhr San FranciscoS. Sie betrug für die angegebenen Artikel dem Werte nach— in Pfd. Sterl.: 1901 1903 Weizen und Mehl... 1110 325 1 358 338 Gerste....... 484 513 863 453 Lach?........ 662 562 447 603 Obsikonserven u. Dörrobst 359 616 668 757 Holz........ 153 643 131 808 Quecksilber...... 138 279 93 949 Wein........ 102004 92338 Hopfen....... 20 974 25 640 Branntwein..... 5 905 11 635 klebrige Artikel.... 4384037 2437700 Am lebhaftesten find die Handelsbeziehungen San FranciscoS mit China und Japan. Die Ausfuhr aus Japan z. B. belief sich 1901 auf 3,351 Millionen Pfund Sterling, die Ausfuhr nach dort auf 2,095 Millionen Pfund Sterling. China figuriert in der Außcii� hnndelSstatistik mit 1,521 Millionen Pfund Sterling in der Einfuhr und mit 1,768 Millionen Psimd Sterling in der Ausfuhr. Dagegen importierte Deutschland ans San Francisco für 0.342 Millionen Pfund Sterling, die Ausfuhr belief sich auf 0,032 Millionen Pfund Sterling. In den Außenhandelsverkehr San FranciscoS wird auf längere Zeit eine erhebliche Störung eintreten, doch hofft man später die alten Beziehungen wieder voll aufnehmen zu können. Hibernia. Die Generalversammlung der Aktionäre, in der 58�Mil- lionen Aktienkapital vertreten waren, wovon Millionen auf den FiSkuS entfallen, genehmigte entgegen den Anträgen der RcgierungS- Vertreter die von der Verwaltung aufgestellte Bilanz und erteilte Eutlastung. Die Vertreter der Regierung gaben einen Protest zu Protokoll gegen das Mitstimmen der 6>/z Millionen Mark junger Akst m und gegen die Abschlüsse, die mit deren Hülfe zustande ge- konimen sind._ Hub der frauenbewegung. Fraucnbildnng. Eine vom Verein für Frauenbildung und Frauen- studium einberufene Versanimlunq beschäftigte sich mit den Grund- sähen der neuen sexuellen Ethik über Liebe und Ehe, und stimmte einer Kundgebung zu. in der gesagt wird: Der Persönlichkeit des Menschen darf im geschlechtlichen Leben nicht unbedingte Freiheit eingeräumt werden, sondern Mann und Frau müssen beim Ein- gehen einer ehelichen Vereinigung nicht nur an persönliche Gefühle, sondern an gesetzliche Formen gebunden sein. Der Bestand der Familie innerhalb eines geordneten Staatswesens, das sich auf der Familie aufbaut, muß auch durch staatliche Ordnungen gesichert sein. Die fteie Liebe, auch im ideal st eu Sinne, wird von uns verworfen, weil sie eine Forderung nur derer sein kann, die sich ihrer Verantwortung der menschlichen Gesellschaft gegenüber nicht vollkommen bewußt sind.— Also das idealste, von Zwang und niedrigen Spekulationen fteie Verhältnis wird ver- warfen, geheiligt bleibt der konzessionierte Lciberverkauf. Vielleicht nimmt der Verein die Organisation des Fleischmarktes»och als be- sonderen Punkt in sein Programm auf. Friedenau. Dienstag, den 8. Mai. findet bei Grube die Monats- Versammlung des hiesigen Frauen- und Mädchen-BildungSvcreinS statt, zu welcher die Mitglieder dringend geladen sind. Herr Dr. Pinkus spricht über„Unterlcibsleiden", was gewiß für die Frauen von höchster Wichtigkeit ist. Gäste sind freundlich willkommen. _ Der Vorstand. Lvaffersta»» am 3. Mai. Elbe bei Nufftg-f 0,13 Meier, Bei Dresden— 1,03 Meter, bei Magdeburg+ 1,62 Meter.— 11 n st r ti t bei Straiiblurt 4- 1,60 Meter— O d c r bei Ztatibor 0,00 Meier, bei viestaii Oberpegel 0,00 Meter, bei BreSlan Uiiierpegel 0,00 Meter, bei Frankfurt 4- 1,51 Meter,— Weichsel bei Bruhenumde -p 3,16 Meter.— Warthe bei Posen-r 0,80 Meter.— Netze bei Usch 0.00 Meter. i«ts. 76 Lachmann& Scholz. Ottostraße 1 Besonders vorteilhalt! Warenhaus. Ringcl-Hcrrcn-Socken.. Paar 14 Pf. SchwciD-Sockcu...... Paar 10 Pf. Damen-Achsel- nnd Prlesenhcmtl ans Hemdentuch mit Spitze,.. 08 Pf. Wlrtschnfts-SchllPBen,.... 48 Pf. Cool. Damcn-Zwlrn-Handsclmh© Paar O Pf, Damen-Stehkragen...... 10 Pf. Damen-Gürtcl-Korsctt mit Spitze 78 Pf Ilerren-Ilacoliosen mit Satin-Bund 05 Pf .Elegante Zephlrstoffe für Kleider und Blusen in neuesten Mustern MonsseUn-Imitatlon in großen Farbensortimenten, hell und dunkel Meter 10 Pf. „ 35 Pf. Welfi- schwarz karierte nnd gestreifte Wollenstolfe....... Meter 68 Pf. Volle, reine Wolle, zirka 110 cm breit, in neuesten Saisonfarben.......* 08 Pf. Poppelte Rahattm arkeu gehen wir bis 11. Mal wenige Artikel nnsgenomnien. r Eigene große Betriebswerkstätte Nene Hobrechtstraße 59—60. = Tankende= von Herren tonnen Creld sparen.» Venn sie ihren Bedarf an gut sitzenden Bekleidungsstücken im Spezial-Hause eleganter Herren- und Knaben-Bekleidung □ □ □ fertig und nach Maß □ □ □ Bekleidung für sämtliche Berufe der Firma 5 h CS S. t LESKE& LEHRER 78 Kottbuser Damm 78 decken. Jja wir unsere sämtlichen Waßsachcn in eigenen großen, der Neuzeit entsprechend eingerichteten Betriebswerkstätten anfertigen lassen, so lichten wir an unsere werten Kunden die ergebene Bitte, uns Pflogst. bcstcllnngcn schon jetzt zu machen. Wir richten diese ergebenste Bitte nur aus dem Grunde an das werte Publikum, damit wir in die Lage gesetit werden, die bei uns bestellten Maß- sachen auf das Sorgfältigste verarbeiten zu können. Die jetzt bestellten Sachen können auf Wunsch auch später abgenommen werden. Sämtliche bei nns bestellten Maßsachen werden unter Leitung erster Meister und nach dem vom Verbände der Schneider und Schneiderinnen festgesetzten Lohntarif ■— angefertigt.===== mWas Verarbeitung, Eleganz, Sitz und Auswahl an Stoffen anbelangt,■■■ steht unsere Spezial-Abteilung unerreicht einzig und allein da. 9 I■ Unerreichte Auswahl an Frühjahrs-ÄnzUgen• Frttbjabrs-Paletots KnabetisAnzügen• Knaben=PaIetots W Unsere Grundsätze: ir verarbeiten nur gute, reelle, ausgeprobte Stoffe. ir haben in sämtlichen Abteilungen enorme Auswahl. ir achten auf tadellose Verarbeitung und guten Sitz. ir werden stets das Neueste zum Verkauf bringen. ir verkaufen zu billigen, aber streng festen Preisen. ir haben auf jedem Gegenstand den festen Verkaufspreis mit Zahlen vermerkt. Originalentwurf! Nachdruck verboten. g 1' W| Bitte lieachten Sic srenan unsere Firma und Hansnnnimer. Grösstes Specialgeschäft für Hüte und Mützen Oscar Arnold Dresdenerstr. 116 Kein Laden(am Oranienplatz). )Filzhüte, Cylinderhüte, Strohhüte und Mützen Welche Herrenhüte Engrosl Export! Steife Herrenhüte von M. 1,60— M. 7,00 aussergewöhnlich reich« von M. 1,85— M. 7,00 Nur fehlerfreie, moderne Ware! haltige Auswahl! Nur fehlerfreie, moderne Ware! Einzelverkauf zu auffallend billigen, aber streng festen Preisen. S. & B B S r. I « s t> e Alfred Bernhardt, �v.E'Kll84 Spezialhaus größeren Stils für moderne MM" Herren« und Knaben=Bekleidung."HW Aollen SirGeld sparen schick und fein gekleidet gehen, reell bedient sein? dann beachten Sie erst meine 5 Schaufenster und S Schaukästen bevor Sie Ihren Bedarf in Herren- und Knabcn-Bckleidnug für den Sommer decken. Heine Grundsätze sind: Streng reelle Bedienung. Preise konkurrenzlos hillig, aber streng lest. Vorzciger dieses Inserats gewähre beim Einkauf 5 Prozent Rabatt. Arbeiter Berlins haben Gelegenheit, für weniges Geld sich in unseren drei Geschäften hochelegant einzukleiden. Jeder kauft bei uns Herren« Anzüge, becbelegant........... von Mfc. BtirSClien« AnZUge, hochelegant......... von Mk. � HerrencPaletOtS, in all®n Ausführungen...... von Mk. Kinder« Anzüge, in allen Ausführungen....... von Mk. J Herren«HOSen, in allen Mustern.......... von Mk.} � bei Einkauf eines Herren-Anzuges eine Hose gratis.— Wir bitten genau auf die Firma 12on6 Blitz 1 tu achten, mt Vor Täuschung wird gewarnt.-MD M 1 Gr. Frankfurter Straße 1 zwischen Koppen- u. Fruchtstraße. JK QHosenthaler Straße O Ecke Augnst�traße. SO Chausseestraße SO n,französisctien,deQtsehen � Monats=Garderoben-Haus 0 Prinzenstraße 0 Die schönsten Herren-Sommer-Paletots und-Anzüge � in gefragener, speziell Monafs-Garderobe. V Von Kavalieren getragene Sachen, fast neu, für jede Figur passend, speziell Bauchanzüge, sind in großer Auswahl stets zu staunend billigen Preisen zu haben « Snien £ Im 983L* Paul Lowicki, Prlnzenslr. Hochbahnatation: Prlnzenatraßc. TUMA- ZARI Beste 2 Pfg.-Zigarelte. ity. SchöneSerg, Sedanstrnßc 57 ID. Damen-Konfektion direkt aus der Fabrik. 15686* Kein Kaden. Nach beendeter Engros-Saison auch Einzelverkauf enorm Stanb- mäntei Capes Jacketts Havelocks Kostüme Kostüm-Röcke Mädcben- Palefots Robert Baumgarten, Hausvoigtei-Platz II, II. Etage (an der Jerusalemerstraße). Bei Vorzeigung dieses Inserats an der Kasse worden — 5 Proz. Rabatt vergütet.— Auch Sonntags geöffnet! Zum Total» Ausverkauf kommen von heute ab aus meinem früheren(jesehäft IKanteuffelstr. 108: Gi*oße Posten- HerreneAnzüge und Paletots 8�, II—, 12— u. 14°° Mk. Anzüge und Paletots, Extra-Größen für korpulente Herren passend, von IS— 18 Mk. Burschen« und KnabeiisAnzüge für 2� 3—, 450, 7a5 u. 9— Mk. Große Posten HerrensHosen für 1�, 2a5, 295, S50 u. 4 Mk. . 11'"J'ii Selten günstige Gelegenheit zum billigen Einkauf. SS S. Litfmann, Zentrale für Herrenmoden, jetzt nur Oranknstraß« 3. Wirtshaus Scttlo( Wiersdorf empfiehlt sich den geehrten Gemerkschaslen zc. au seinen Ausflügen.(S'ro'je Säle, grofier schattiger viarten und alter Park, herrlich am Uakcnscc. Billige möblierte Zimmer mit auch ohne Pension, per Kops von 3 M. täglich an auch sür die Psingstseiertagc. Ebenso habe noch Himmelfahrt, Züni, Iulfl und August einige Sonnabende und Sonntage srei. gtgn» Um recht xalilreichcn Besuch bittet niecki'ieV, �»eweet. Sxsmi- Hut« Bngros« Lager �/iuFilzhüten, JageUi Ilten, 'hüten, Chap.-elaqncs u. Strohhüten. 'Slnzetverhanl �/Neue Königstr. 4W, 1 Treppe, drittes Hon« vom Alexanderplat»( Sonntags gojjflnet). Sonntag, den 0. Mni 1000: Zur Baumblüte nach Meräer! Bon Berlin, Wcidendammer Brücke s�ricdrichstrv) 9 Uhr, r-hmroi« Moabiter Brücke(Safö Gärtner) fl23. fanrpreis , Charlottenburg. lSchlohbrücke) 9"„ i' Spauda». Charlotten-Brückc 11 Uhr. "— Lange-Brücke(Eis-nbaKihotcy 11", 1", 2", 3", 4". Potsdam Zürüct v. Werder 1-', 3», 6--. 7-- b. Potsdam, Ii23 b. Spandau-Berlin. Von Spandau: 11»», 2", 5»\... . Wauusee von 10"-7« stündlich) B'ä Po",lam' , Potsdam: 10—7 stündlich bis Wannsee, 2 u. 5 bis Spandau. Zwischen Spandau— Gatow eingelegte Dampfer. Ab Berlin. Jannomib-Briicke, früh»»ihr: Sollderfahrt n°ch Wolteisdorfer Schleuse � W" Auf der Oberspree von IV Uhr ab halbstüudlichcr Berkehr. Ab Erkner, Eiscnbahnhotel. von 10 Uhr ab stündlicher Verlehr ans der UiolinlU bis All-Buchltorst. Vereinen und Gesellsclialteii empfehlen wir unsere Dampier und Motnrhoote jeder Größe zu Ausiliigen. machen wir dieic» Sommer unsere Landpartie» hin? Nach piclielswerder zum_ Partien bis 1500 Personen haben bei schlechtem Wetter bequem Platz ES ladet ganz crgcbcnst ein Ter alte Freund. Fernsprecher Spandau: 814._ KDche stets in altbekannter Güte. alten Freund. Eine NeusAufla�e des j Greift zu! M• VerpfafTüngs- Flu.qfalalles, welches vollständig' vergriffen war, ist unter der Presse und kommt niOrgCIl an die Besteller zur Versendung. freunde des freien Geistes, welche noch Flugblätter gratis und franko wünschen, mögen scbleunigt schriftlich dem Unterzeichneten mitteilen, wie viel sie wünschen, unter Beifügung der genauen Adresse(deutlich schreiben), an welche dieselben gesandt werden sollen. Der Agitations-AusschuS der Berliner Freireligiösen Gemeinde. A. Uoffmann, Berlin 0., Blumenstraße 14. 62/16 dem Besten Monats-Anziige'.. �7o. 10,— M.an Abonnamants-Anzüge.„ 12,50,. Monats-Paletots...„ 9,—,, Partie-Anjügc, teils mit unmerkbaren Fehlern„ 10,50,, Anzüge, Erlab sür Mast„ 20,—,. Ztammg.'Hos.od.Jackctls. 3,—.„ Alles auch für korpulente Figuren! Gelrag. Kleidungsstücke v. Kavalieren, Reisend., aus den seinstenWerkslätten Berlins, teils von Hoslies., kolossal billig. �Ltrastenbahn.Pergütung 1:s ®me Zenlral-KeI!er,Bcrii achten' 35 Neanderslr. 35, 3 Winnt. V.Stadtbahn Jannowitzbrücke. I. �..i Hküggvlsvklükvkvn(frikdriehshsgen). jvr. Simmel, Direkt am See gelegen, dichter, schattiger Wald und Garten. Familien können Kaffee kochen, Liter SO Pf.,'/, Liter 40 Pf.— Vorzügliche billige Küche.— Gute Biere.— Alte Weine.[16106] E. HUbner. Prinzen- Str. 41, Spezlalarzl sür 110/9« Unat- and Harnleiden. 10—2,5—7. Sonntag« 10—12, 2—4. JVathan Manck 129 Skallherstr. 129. T Die schönsten 9982« Herren-Soniiiier- Palelots I und Anzüge tu neu sowie speziell Monats-Garderobei oon Kavalieren getragene Sachen. 1 last neu. sür jede Figur passend 1 speziell Bauchanzüge sind in großer Auswahl stets zu staunend 1 illigen Preisen zu haben. Vathan Manck 1129 Skaliherstr. 129.« Hochbahustation KottbuscrTor« Bitte auiHaiisnummei zu achten> Kerles Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 PIg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 6 Pfg.; das erste Wort (lettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen 1 ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen fOr Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Etpeditlon, Llndenstrasse 69, bis S Uhr angenommen. Verkäufe» Gardinen- Versandhans Lern» falemerstraßel l /IL Saisott-Ausnahme. preise sür Gardinen, Stores, Bett- decken. Parlieren, Tischdecken. Reste enorm billig._ 1511(1* ?>ipcntnr-Ansverkaus. Gardinen Stores, 10 Prozent Rabatt. Fenster zwei Schals) 140, 185, 225. 285, 350, 485. 575. 665 usw. 1438«« Fiiventur- Ausvcrkaus. Porzieh. Gardinen mit überraschend schöner Stickerei, Fenster 135, 165, 2>0, 255, 285, 325, 425 usw., goldfarbig und rot 265, 285, 325, 450 usw. 1489K« Tüllbettdetkeu, weih, creme, 195, 225. 285. 375,450—790. Weitzenbergg TeppiihhanS, Grotze Franksm-Ier» ttvaiic 125. 1490K« Jnventurpreis. Steppdecken, Sunili-Seide, rot, grün, oliv, blau. zirka 160 breit, 200 lang, Hand» arbeit(Wert 10,50) jetzt Stück 5.85. Steppdecten, Gelegenheitskauf, nur so lange Vorrat, 285, 365, 425. 585, 675, 785 usw. WeitzenbergS Teppich» haus. Große Franksurtcrstrahe 125.* -Ausverkauf Jiubeutur-AuSverkaus. Tuchtisch- en mit kleinen sticksehlerri in allen Farben, Größen, 1.85, 2,25, 2,75, 3,50, 4.35 Usw. 1493K« Psitschtisehdetken, Gclegcnhcits. kauf, mit kleinen Sticksehlcrn, nur so lange Vorrat, 4,85, 5,65, 6,35, 7,50, 8,45, 9,65, 10,85. 1494.9.* Äiobelsiossreste in Wolle und buntem Plüsch, zu Sosabezügcn aus- reichend, in allen Preislagen. Weihen- bergS Teppichhaus, Grobe Franksurter- straße 125.__ 1495K* ■ Slusvcrkauf. Jnbciitnr Teppiche in allen Größen preisen. Teppiche. Absall- zu Spott- _ 1496K» Japaner imitiert Japaner und Perser, 2 Meter lang, nur 3,25 WeißenbergS Tcppichhans, Große Frankfurtcrstrabc 125. 1497K* Jnbentur-PreiS. Portieren(zwei Schals, ein Lambrequin) Garnitur 3,85, in allen Farben. 1498«* Einzelne Plüsch« und Tuchgariii- tureir enorm billig. WcißenbcrgS TcppichhauS, Große Franksurter- slrahe 125. 1499«* «lardtnenhnnS GroßeFraiiksurler. straße 9, parterre. If Teppichrk fseblerhastc) in allen Größen sür die Hülste deS Wertes Im Tcppichinger Brliri«, Markt 4, Bnbnhos Börfc. Herrenfahrrad, Hackeicher 263/3 wie neu, 45,00. straße 36 b. 'mbic Damcnjahrrad, /olz, Blumen« 1427)7* GelegenhcrtSkäuse, und gebrauchte billig Linienstr. 247 1. Hochvornehme Herrenanzüge, Eommerpaletols, die aus feinsten Maßstoffen gefertigt wurden, 18 bis 38.00, Herrenhosen 7—12,00 verkaust täglich, Sonntags. Deutsches Der- sandhans, Jägerstraße 63. 1 Treppe. Fahrräder. Teilzahlungen. straße 28, Skalitzerstraße 40. "Teppiche mi l garbensehlern gabrtt- Berg« 1509.«* Niederlage Große Franksmlerstraße 9, panerre_+t Äbelsinierpumpen, 8,00 bis 100,00, „ltc 5,00, Sauger, Gartenspritzen Schläuche. Ervbohrer umsonst. Pumpenwolff, Ackerslraße 81.-sllö* Reiscgiäser, Operngläser, Reiß- zeuge. Regulatoren, Freffchwtnger, Harmonikas, Geigen, Kithern, BUder, Teppiche, spottbillig. Lücke, Lranien- straße l3l. 15096* Gelegenheitskäiise: PalelotS, Sin« zöge, Hosen, flofscr, Revolver, TeschingS, Uhren, Goldsachen, Kessel, spottbillig. Lücke, Oramenstraße 131. Kauarienhähne, Setsertsche, Zucht- iveibchen, junge, sprechend- Papageien, auch Tausch, ttommniidaiitenstraße 52, u-ant Vogelwirt, 1259K* Spottbiliig. Teppiche, Betten, Möbel, Gardinen, Portieren, Stepp» decken, Aschdecken, Kronenlampen, Spiegel, Bilder, Remontoiruhren, Uhrketten, Regulatoren, Anzüge. Lücke, Grünerweg 113. Teilzahlungen stattet. 1622/ ge« '7b* Pionaisanznge und Sommer« palelols von 5,00 an, Hosen von 1,50 an. Gehrockanzüge von 12,00 an, Fracks von 2,50 an, sowie sür korpulente Figuren, Nene Garderobe zu staunend billigenPreiseii.au« Pjand leihen versallene Sachen kaiist man am vorleilhaslesten bei straße l4. Naß, Mnlack. 16006" Hochelegante Herrenanzüge und PalelotS aus seinstenMaßstoffen 25—40 Mark. Verlaus Zonnabend und Sonn« tag. Versandhaus Germania, Unter den Linden 2l. KeineFilialen. 1507K* Aialzkraftbier. bluibildend, sür Blutarme, Brustkranke. Schwächliche, Gewichlszuiiahine, bessere Gesichts. färbe, überraschend, 14 Flaschen 3 Mark,>/» Tomie 3,50 exklusive. Nicht Fkaschenzahl, Qualität ent- scheidet. Deutschengllsche Porterkellerel, Bernauerslraße tl9. 152tK* Möbel. Kleiderschränke. SosaS, Bettstellen, reelle Matratzen. Küchen- möbel, spottbillig. Großartige Au«. wähl. Saalseids Röbelspeicher, Kraut« straße 50, kein Laden_ 15986* Herrenhüte, moderne, 1,23; bessere Sachen billigst Holzmarkt- straße 34», Ecke Andreasstraße. Gardinenreste spottbillig Gar- dinen-Fabrik-Lager 80 Grüner Weg 80 (kein Laden), Eingang vom Flur.* Koitümrvltc. Blusen, direkt aus der Fabrik, Blumenstraße 9 II. 118/1' Ziiruckgesetite Blusen, Kostümröckc illlig Blumenstraße 9 II. 117/20* billig__ Brcnnaborräder. Teilzahlungen ohne Anzahlung. Hehle, Tmiziger» straße 95. Neueste Damenhüte, sehr preis- wert, nur Pappelallee 140, Eckbaus, Schönhaus erallee.__ 150511* MonatSanzüge, Sommerüberzieher von 5 Mark an, große Ans- wabl sür jede Figur, auch neue ele- gante Garderobe aus erster Bezugs- quelle. Schneidermeister Paul Fürsten- zeit. Nur Rosenthalerftraße 10. Habe keine Filialen. Kein Laden. 264/19* Kinderwage». Kindcrbcllstkllen. SporNvagen.gebrauchle, zurückgesetzte spottbillig. Schneider, Kursurstcn- straße 172.____ 15746» passend sür junge Milchgeschäft.. W> Leute, werl kleine Wohnung, verkaust Lortzingstraße 28.-sl02 Ecklokal, stchere Existenz, sofort wegen Krankheit der Frau verläuslich. Rixdors, Thüringerstraße 31. 7122 Stoffe, Bobbin, Schnell. näher, ohne Anzahlung, Woche l,00, gebrauchte 12,00. schnellste Lieferung. Postkarte genügt Vorteilhaste Bezugs- quelle. Köpenickerstraße 60/61, Große Zranksurlerstraße 43, Prenzlauer« straße 59/60._•[89* Olnliinafchinen. Zahle bis 15,00, wer Teilznbliing kaust oder nach- weist. Sömtliche Systeme. Woche 1.00. Postkarte. Brauser, Tilsitcr- straße 90. r2l* Steppdecken billigst Fabrik Große granksnrlerftraße 9. parterre. fl Piantno, 90,00, goldgraviert(kein Taselklavier) Turmstraße 8. 120/17» Paneelbrett, elegant, 9 Mark, Strautzbcrgerstraße 6a, II. 120/20 Federbetten. 1,20 breit, Stand 20 Mark, Daunenbetten 45,—, auch 5 Zimmer Nußbannmiöbel verkarrst DreSdenerstraßc 38, vorn II iints. Fahrräder, versallene, ambilligsten LeihhauS, Neue Schönhauserstraße 11. (Achtung Hausnummer.) Größtes Fahrräderlager Berlins, RiesenauS- wähl sämtlicher Fahrradmarkcn zu Preisen, welche keineKonkurrenz bieten kann. Taffächlich günstige Gelegen- heiten scwster Qualitätsmarken. Na- gelneue Fahrräder, hochschneidige Straßcnrenner 45,00. Gebrauchte Fahrräder„kleinste Preislagen". Man achte genau aus Firma und Straßen- nummer. Leihhaus Lohmann, Ni Wohnungen. Oudeiiarderstrahe 36, 37, 88 sosort Kleinwohnungen von 19 Mark an. 1634b» SehlsksteUen. Schlafstelle für Herrn. KochmSki, Boxhagenerstraße 14/15. f21» vermietet Freundliche Schlafstelle Witwe Tauch, Rixdors, Götheftraße 9, Hos irr_ 1122 Mietsgesuche. Gesucht kleines möbliertes Zimmer einen Herrn, Nähe Moritzplatz. Offerte H. S. Postamt 8. 14. 16466 Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Blinder Stuhlflechter bittet um Arbeit. Stühle werden abgeholt und zurückgeliesert. A. Gläser, Mnlack- straße 27. 1468b Schönhauserstraße 11. eue 265/1» Elegante Damenkleider in Seide sür Hochzeiten, leichte Battist-Sommer- kleider. wenig getragen, billigst. Engels, Brunnenstratze 3. 1643b» Banmatcrialleii sür Laubcn- bcsitzer, Latten, Stiele, Spalierlcisten, Dachpappe. Zlnton Galasch, Ehar- lottcnburg. I. Platz Bismarckslraße 89, II. Platz Sömmeringstraße, verlängerte 1 52257* Sprcestrnßc._ Mvdelonsvrrkanf. Wegen Aus- abc deS Geschästs Wallftraße 81: uschellleiderspind, Vertiko 28 Mark, Ruhebett 27, SluSziebltlch, Sojatisch 17, Walchtoilclle, Kommode 21, Bellslclle mii Federiiinlratze und Keil- lisjeii 29. Rohrsitzslühle 3. Mnlchel- spiegel 12, Säulcntrumcau, geschliffen 36, Herrenschreibtisch 50, Garderoben- schränke 39, englische Schtaszimmer. moderne Küchenmöbel. Auch Teil- zahlung, Transport in Berlin und Vororten frei. 120/13» Verscbieclenes. Resterhnndlnug. Posten Anzüge, einzelne Blusen, Hosen billig. .«leine Andrassttaße ö, Scholz, früher Grllncrweg._ tl34* 65 Mark, verFahrrad, wie neu, kaust Welsing, Rixdors, Kaiser Friedrich- straße 236, vorn III, Portal II. ylLS Ktirderlvageu 8,00, 12,00. 16,00 bis 40,00. Sportwagen 4,00, 6,00, Verdeckwagen 12,00—20,00. Kießling Gneisenauslraße 15._ 16426 Tandem, gut erhallen, billig zu verlausen Große Frankjurterstraße 144. Tetchner._ t21 Eilt, eilt nach Psandleihhaus Weidcnweg neunzehn. Spottpreise, Spottpreise I Jackcttanzüge, Sommer- paletors, Gehrockanzüge, Taschenuhren. Sehenswerte Ausstellung. Betten, Aussteuerwäsche, Teppiche, Gardinen. Blüschsofa. Bücher verkauft Willamowski, Ehorinerswaße 21. Nähmaschinen. Wegen Auslösung meiner Arbeitsstube verlause nur an Private zur Hälste des Wertes gute Adlermaschinen. Nachschön, Elsaffer- straße 2«. 238/16 Kinderbcttftelte billig verkärrslich. Hüttcl, Grüner Weg 50/51. 120/18 Patentanwalt Wessel, Gitschiner- straße 94a._____ 9736* Pririzenftraßl Pfandleihe. täglich 8— 8, SoiiiitagS bi« 2. 63, I429K» Knnststopferei von Frau Kokoskn, llharioilcnburg, Gocidcstraße 84. I.» Geschäfte jeder Branche und m jeder Preislage verkaust und kaust man am Vorteilhastesten durch die Geschästs> Verkaussbörse Zimmer- straße 30. Eine Karte genügt und unser Vertreter spricht vor.___» Platina, alte Goldsachen, Bruch- gold, Silber, Gebisse, Blattgold, Kehrgold, alte Uhren, sowie sämtliche gold- und silberhaltigen Absälle kaust Gold- und Silberschmelze Brot», Wrangelstraße 4. Telephon 4, 6958. Berelussäle(auch Bühne) sür Gewerkschaslen. Vereine, Versamni- lnngen, Festlichkeiten usw. Sonnabende und Sonntage noch frei. Komman- dantenstraße 72(Klubhaus). 1501«.* Wäsche wird sauber, schonend ge- walchen, Freien getrocknet. Leibwäsche drei und vier Handtücher 0,10, 0,10, vier Taschentücher Montags. Frau Schloßswaße L7. 0.10. Ober, Abholung Köpenick, 1527K Handwäscherei. Frau Händschke, Köpenick, Garlenftraße 9 a, wäscht schonend Laken. Leibwäsche, 4 Hand- tücher, Taschentücher 10. Abholung Montags. 1633o SteNenangehote. Automobilfuhrcr! Jedermann wird schnellstens zu erstklassigem Chauffeur ausgebildet. Lehrpläne kostenlos. Glänzendste Erfolge. Auto- mobiltechnikum, Berlin, Spichern- straße 11/12. 207/r Steinholzfabrikation. allererste Kraft, gesucht. wärlS'-Expedition. Serksührcr, I-. 3„Bor- 16156 Korbmacher. Gestellarbeiter, ver- langt Fechner. Neue Bayreuther- straße 5. 1641b verlangt Fräser verlangt Lebach u. Co. Nachfolger, Knopssabrik, Remickendors- West, End« Müllerstraße. 15281! Schlosser ans Bratkaften und Osen- türen verlangt Rixdors, Bergstraße 23. aus Perlmutter verlangt Crosiiisky. Köpenicker- straße 154.__ 16306» Einleger aus Naturstöcke verlangt Goldbach. Alexandrincnswaße 119/20. Grundierer verlangt Goldleisten sabrik, Rixdors, Pslügerstraße 18. sucht Farbigiuachcr Michaelkirchstraße 17. BarihelS, 16496 'Töpferträger, eingearbetteter, für rta 14—15 Gesellen, kann sosort an- Plirleiskkretär sür den»Gaubezirk Nordbaycrn» gesucht. Der Antritt kann sosort. muß aber spätestens am 1. Juli er. solgen. Ansangsgchalt 2000 Mark. Bewerbungen mit kurzer Angabe über die bisherige Tätigkell werden bis 20. Mai unter Beisügung einer Probearbeit über die Ausgaben eines Parteisekretärs erbeten. 293/2» Der Gauvorstaud. I. 31.: 9lartln Treu, Nürtiberg, Egidienplatz 22. Adjtuug, WagtnftbttKe» Kutscher. Zur Durchführung der Verwrzung der ArbeitSzell unserer Lütgestellten suchen wir zum sosvrtigen Eintritt Kutscher. Dieselben erhalten monatlich LinsangSgehalt und bis zu zwei Jahren... im 3. bis 5. Jahre .<5-. 10.. . 11.. 15., „ 16.. 20.. . 21.. 25.. „ 26,, 30.. vom 31. Jahre an Die besonderen Zuwendungen... Dienstkleidung, Weihnachtsgratifikation und Gewinnbeteiligung bleiben un< f«ändert bestehen. 10542* Bewerber, welche sich nicht un- unterbrochen während der letzten zwei Jahre in Berlin ausgehalten haben, müssen sür die außerbaw verbrachte Zell ein polizeiliches FührungSattest vorlegen. Meldungen von 9—2 Uhr. 105,— M. 110,— 115,- 120,— 125,- 130,— 140,— 150,— an Berliner Omnibus- Aktien-Beselischaft. Wilhelmstr. 9. Schiffsnieter! Tüchtige Schiffsnieter und Gegenhalter siiiden sosort Llrbeit bei Alitlesslsltadel Burmeistse& Wains Maskin- og Skibsbyggerie, _ Kopenhagen. 1046g* Arbeiter zirka fangen Wallnig, Töpfermeister, Mar- burgerstraße 4. 1640b Eisend rehcr und Schloffer aus Blecharbeitcn werden sosort eingestellt Prenzlauer Allee 34, sowie Schleiser und Lackierer. 121/2* sucht Steindruckerei. tigen Fertigmachcr. Zoeke u. Mitl- WWW"'"■--- ff» einen tüch «oeke u. r' ineyer, Groß- Franlsurterstroße 16. Blnfen- Arbeiterinnen mit Probe- arbeit oerlangt Grünwald, Leipziger- straße 109.__ 121/1* 20 Wollhäklerinnen verlangt Gülden- pscnnig, Comenius-PIatz 3. lS3tb Obcrhemdnäherin, höchsten Lohn, Knopslochnähcrin. Buckowcrftraße 10. Abraham.__ f4t* Zeitungsfrauen finden lohnende unb dauernde Bcschästtgung. Med düngen Schützenstraße 22. Touren Schutzcnstraße und Nenenburgcrstraße. Zettuiigsfranen verlangt Kronen- straße 65. 1596b» Im Arbeitsmarkt durch oefondcre» Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SO Pf. die Zeile. Koknni» verlangen F. W. Schre wc& Co. SW., Luckenwaldopstr. 2. 1612b gesucht 119/14» Zemenlfabrik Eiehvald, HOacter i. Westf. Arbeltcr-Gesansvereln sucht Dirigenten(Klavier) sür Don- nerstag. Nkeldniigeri mit Gehalts- ansprächen an F. Krause, Wilhelms- berg, Berlincrstr. 66._ 66/1* HWlIN ür Granit verlangt 163Zb «i. Sipperlillg. Goldleikrufabnk sucht»n baldigem Llntritt einen � erfahrenen� durchaus tüchtigen, selbständigen irchauS tüchtigen, selbständigen Grundiermeister an erste Stelle bei gutem Lohn. Offerten unter Zt. II an die Ex- pcditton des„Vorwärts". 10802 50 Mk. Wochenlohn oder 50—60 Proz. Provifion erhält jeder, der die Vertretung von Aluminium- Schildern übernimmt. Branchekenntnis nicht erforderlich. Zcdildel'lsdi'iil Er&acli(Westerwald). In den Wagensabriken von L. Rühe Jnh. Leuschner, Enckcpl. 6, Gebr. Wienicke. Pankow, Gottschalk. Motorwagcnsabrik in Reinickendorf, befinden sich die sämtlichen Arbeitet! im Strell. In der Wageufabrik von Lange u. Gutzeit. Frankfurter Allee. sind sämtliche Arbeiter anläßlich der Maiseicr ausgesperrt. Wir ersuchen die Kollegen aller Branchen nach den obigen Bc- trieben keine Arbeit anzu- nehmen. 176/9 Die Agitationskommisstou. Aclilung! Achtung! Rohrleger und Helfer! Die Firma Gorka. Pankow, orastr. 37, und solgende Bauten md gesperrt: In Pankow, Krankenhaus. Breitestr. 49. Bau Beer. In Schoneberg, Wartburg- strafte LS, Bau Hübuer. In Tegel. Scegasse» Bau Luscher. 118/5» An die Bauhandwerkcr appellieren wir, uns zu unterstützen. _ Die OrtSverwaltnng. Deutseher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Charlottcnburg. In der Bauttschlerei von Altcu- dorf(srüher Sommer) sind sämtliche Verbandskollegen wegen Feier des 1. Mai gemaftrcgelt worden. Die organisierte» Kollegen werden ersucht, in diesem Betriebe keine Arbeit anzunehmen. 85/3» DleOrtsyerwallung. (Zahlstelle Berlin). :noe Firn Firmen haben wegen der Arbeitsruhe am t. Mai das Personal ausgesperrt: Wübbcn de Co. Sperling. liüderitr.& Baaer. Bielstein. Reiß. Kickmann. Thomas. C. F. Walter. Kchnclder de Ziegler. Frltsche-Banmbacta. Schubert. Cndwlg. Xauckach. Wenk. Pinkert& Co. Schoß. Betschke. Vor ArbeitSannahme In obigen Sc- trieben wird gewarnt! Zuzug ist sernziihalten I Die Ortsvcrwaktuug. W/20» Stukkateure! Jnsolgc TarisSoertragbrucheS haben unsere Kollegen bei der Firma Gskar Thietez Friedenau, am Güterbahnhot die Arbell niedergelegt. Der Betrieb sowohl wie die nachfolgenden Bau- stellen sind daher 173/11 für Stuhhntfiirf gtspeni! 1. Neubau Fr. Schall, Wilmersdorf, Mainzerttraße.— 2.9Jcubau Fr. Schell, O., Dolzigerstr. 33.— 3. Neubau P, Arnold, O., Perstusstr. 14.— 4. Neubau H. Dorsch, Friedenau, Schwalbacherstraße.— 5. Neubau F. Range d Co., Friedenau, Stubcn- rauchstraße.— 6. Neubau K. Rosenkranz, Schöneberg. Menzelstr. 26.— 7. Neubau M. Stöckel, Schöneberg, Beckerstraße. Filiale Berlin des Zentral- verbaudes der Stukkateure Deutschlands. Verantwortlicher Ncdakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil rcrantw.: Th. Glocke, Verlin. Dnick u. Verlag: BorwärtSBuchdruckerei u. Berlagkanstnit Paul Singer& Co.. Berlin SW. fit. 103. 33. Iahrgaug. 3. WIM te.Hwärls" Sctlintt KIKdlM. Sonnabend, 5. Mai 1906. partci-Hngelcgcnbeitcn. Zur Lokalliste! Folgende Lokale sieben der Arbeiterschafi zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung„Alte Spitzmühle' bei Strausberg Jnh E Prötre: in Licktenolv bei Herzfelde das Nestau- ranl von Louis Jaenche und in Pankoir das Lolal»ReutcrS Volks- garten'� Schloststr 2. Unter Nieder-Schöneweide ist richtig zu stellen:„Hasselwerder'. Jnh. Alb. S ch e r u ch. nicht Scherdich. Die Lokalkommission. Charlottenburg. Die Genossen des Wahlvereins werden noch- mals ersucht, sich an der Beerdigung des Genossen Albert Meyer zahlreich zu beteiligen. Dieselbe findet heute nachmittag 6 Uhr von der Halle des Luisen-Kirchhofs aus statt. Der Vorstand. Wilmersdorf. Am Sonntag früh 7>/z Uhr findet eine Flugblatt- Verteilung von den bekannten Lokalen aus statt. Zahlreiche Be- teiligung der Genossen erwünscht. Der Vorstand. Reinickendorf-Oft. Morgen Sonntag früh 7>/z Uhr findet von den bekannten Stellen aus Handzettelverteilung statt. Jeder Genosse hat die Pflicht, sich daran zu beteiligen. Der Vorstand. verlmer I�acdricdten. Die Arbeiterkolonie deS Pastors Bodelschwingh wird aus Anlast der Debatten in der letzten Stadtverordneten Versammlung in der bürgerlichen Presse über den grünen Klee gelobt und Gift und Galle ausgegossen über die vermaledeiten Sozialdemokraten, die diesem Unternehmen keinen Geschmack abgewinnen können. Schon in der Stadtverordnetenversammlung machten es sich die Herren Sonnenfeld, Cassel und Friedemann zur Aufgabe, sich und Herrn Bodelschwingh als wahre Wohltäter der Menschheit zu preisen, und wenn man alles dort Gesagte für bare Münze nähme, müstte man meinen, unsere Stadtväter mit dem Magistrat kennten kein anderes Ziel, als den Opfern unserer privat kapitalistischen Produktionsweise wirklich zu helfen. In Wirklichkeit handelt es sich um nichts weiter als um eine Ent lastung des städtischen Obdachs und Unterstützung einer Anstalt, die sich ihrem ganzen Wesen nach von einem Arbeitshaus oder einer Äorrektionsanstalt nur durch die Form des Eintritts unterscheidet.„Freiwillig" treten die Kolonisten in die Anstalt ein; diese Freiwilligkeit wird aber am besten durch die Tat- fache illustriert, dast die Besucher des städtischen Obdachs, die in einer bestimmten Zeit keine Arbeit finden, dem Richter vor geführt werden und Aussicht haben, wegen Arbeitsscheu bestraft zu werden. Interessant bei der ganzen Behandlung der Angelegenheit ist, dast erst in ganz letzter Zeit sich im Magistrat und in der Stadtverordneten> Versammlung solch' eifrige Verfechter der Bodelschwinghschen Ideen fanden; früher war das anders Da wollte man mit dem frommen Herrn Pastor nichts zu schaffen haben. Aber bei den Beziehungen, die der fromme Herr bis in die höchsten Kreise hat, fiel es ihm nicht schwer, hochgestellte Personen für seine Pläne zu gewinnen und, wie es scheint, unter diesem Drucke schliestlich auch Vertreter der Stadt Berlin. Es ging nun nicht mehr anders, und au einmal entdeckte man sein warmes Herz für die Arbeitslosen. Als unsere FraMon seinerzeit bei der großen Arbeits losigkeit von der Stadt Berlin etwas Positives verlangte. da wurden wir schroff abgewiesen. Der Notstand so gar geleugnet. Aber damals hätte man etwas tiefer in die Tasche greifen müssen, jetzt glaubt man billiger davon zu kommen und so ist auch die ganze Stellung der Freisinnigen zu erklären. Wasch mir den Pelz, aber mach ihn nicht naß! ist ja immer die Parole dieser Herren ge Wesen. Und wenn man obendrein das Bewußtsein hat, oben gut angeschrieben zu werden, so stimmt man doppelt freudig solchen Projekten wie den Bodelschivinghschen zu. Dabei merken diese Leute gar nicht, daß sie der Stadt Berlin und somit sich selbst ein großes Armutszeugnis ausstellen. Denn es mußte erst der Pastor Bodelschwingh aus Bielefeld kommen, um die Vertreter der Stadt Berlin daran zu erinnern, daß sie auf dem Gebiete der Sorge für die Arbeitslosen bisher nichts getan haben und ihren Pflichten nachkommen mögen. Daß die Pflicht in so verkehrter Weise ausgeübt wird, ist eine andere Sache._ Stadtschulrat Dr. Gersteuberg vom Schlage getroffen. Als gestern früh in der ersten Morgenstunde der Sohn eines Tischlermeisters nach der elterlichen Wohnung in der Wallncr-Theaterstr. l2 zurück- kehrte, hörte er nach dem Aufschließen der Haustür auf der Treppe ein verdächtiges Geräusch. Er glaubte, Einbrecher vor sich zu haben und zündete ein Wacvsstreichholz an. Zu seiner Ueberraschung fand er de» Stadtschulrar Dr. Gerstenberg stöhnend auf der Treppe liegen. Da er auf die an ihn gerichtete Frage keine Antwort gab, benach- richtigte der junge Mensch die Angehörigen des Schnlrats. die ihn sofort in die Wohnung schafften und nach einem Arzte schickten. ES stellte sich heraus, daß Dr. Gerstenberg beim Treppensteigen von einem schweren Schlagansall betroffen lvorden war. Die ganze rechte Äörpcrseite war gelähmt, auch fehlte ihm jede Kraft zum Sprechen. Im Laufe des Tages trat auch noch eine Bewußtsein- siörung ein, die indes in den NachinittagSstunden wieder nachließ. Auf die Klagen der Fernsprechteilnehmer über die Wahrnehmung de? BcrinittelungSdienstes nimmt eine Verfügung des Reichspostamtes Bezug, die heute an sämtliche beteiligten VerkehrSanstalle» ergeht. Von Fernsprechteilnehmern, so heißt cS darin, ist darüber Klage ge- führt lvorden, daß sie die Autworten der VernnttelungSstcllc vielfach nicht deutlich verstehen können. Insbesondere wäre dies der Fall mir der Wiederholung der verlangten Nummer. Oft würden auch die von den Teilnehmern gegebenen Berichtigungen der Nummer von den Beamten nicht. beachtet werden. Die im Fernsprech-Ver- mittelungsdienste beschäftigten Beamten werden deshalb von neuem aufgefordert, sich im Verkehr mit den Teilnehniern einer besonders deutlichen Ausspräche zu befleißigen. Schon früher wäre die An- Weisung ergangen, daß dabei nicht zu laut gesprochen wcrd-n darf. Im Verkehr niit Teilnehmern deS eigenen Cttes genüge es vollkommen, daß die Beamten mit ge- dämpster Stimme sprechen, wenn sie nur den Mund unmittelbar an die Schallöffnung des Mikrophons heranbringen. Ferner beinfluffen die vom Teilnehmer gesprochenen Worte dessen eigenen Femhörer und wirken noch kurze Zeit nach Beendigung der Mitteilung nach. So kann es vorkommen, daß dem Teilnehmer die Zahlen entgehen, die in unmittelbarem Anschluß an die Anmeldung von dem Beamten wiederholt werden. Zwischen der Anmeldung und der Wiederholung der Nummer muß deshalb eine kleine Pause liegen. Ebenso muß vor der Ausführmig der Verbindung einen Augenblick gewartet werden, ob etwa der Teilnehmer die Nummer, die vom Amte wiederholt worden ist, berichtigt. Die Amtsvorsteher und die Aufsichtsbeamten der Vcrmittelungsstellen werden angewiesen, dauernd darüber zu wachen, daß diese Bestimmungen sorgfältig beachtet werden. Eine größere Betriebsstörung entstand gestern morgen im Straßen- bahnverkehr. Gegen'/zll Uhr schlug plötzlich der Hauptautomat der Krastzentrole an der Mauerstraße aus. wodurch die sämtlichen von dieser Station gespeisten Speisepunkte stromlos wurden. stellte sich heraus, daß im Bezirk des Speisepunktes 10 ein Kabel brand stattgesunden hatte. Nachdem der Defekt beseitigt war. konnte um 9°' Uhr der Verkehr wieder aufgenommen werden. Das Störungsgebiet erstreckte sich von der Leipzigerstraße bis nach Mariendorf und auf die städtische Straßenbahnlinie Behrenstraße— Treptow. Ein ausregender Borsall spielte sich gestern morgen kurz vor S Uhr in der Prenzlauerstraße ab. Als zur genannten Zeit ein aus dem Motorwagen Nr. 2-104 und Anhängewagen Nr 1158 bestehender Straßenbahnzug der Linie 6l lWeißensee— Schönebergi an dem Hause Prenzlauerstr 8 vorbeifuhr, warf sich plötzlich, kaum eine» halben Meter vor dem Motorwagen, der Arbeiter Franz Fischer Prenzlauerstr. 9 wohnhaft, aus die Sttaßenbahnschienen. Der Wagenführer gab zwar sofort Gefahrbremse und brachte den Sand streuer in Anwendung, konnte aber bei der kurzen Entfernung den Zug natürlich nicht zum Stehen bringen. F. geriet unter die Vorderplattform und wurde unter den Schutzrahmen geklemmt. Der Waggon wurde mittels Winden angehoben und F. noch lebend unter dem Wagen hervorgezogen. Der Schwerverletzte, der einen Schädel bruch und Quetschung des Brustkastens erlitten hatte, wurde mit dem I Mannschaftswagen der von Passanten alarmierten und inzwischen I eingetroffenen Feuerwehr nach der Unfallstation in der Keibel straße gebracht, verstarb jedoch auf dem Transport dorthin. Ein Kriminalbeamter, welcher auf der Vorderplattform des Motor- Wagens gestanden und den Vorgang genau beobachtet hatte, stellte fest, daß F. hinter einem vor dem Hause Prenzlauerstr. 8 haltenden Roll wagen sich versteckt hatte. Als der Straßenbahnzug herannahte. bückte sich der Arbeiter und warf sich dann unmittelbar vor dem- selben auf die Schienen. Hiernach trifft den Wagenführer an dein entsetzlichen Vorfall keine Schuld. Aufs Glatteis geführt. In der Versammlung der anarchisttschen Föderation teilte der Vorsitzende niit, daß die Mainummer des ..Revolutionär", eines Berliner Anarchistenorgans, beschlagnahmt sei Die Polizei habe sich tagelang bemüht, um die Verbreitung der ver- botenen Nummer zu verhindern. Da habe sich nun ein interessantes Zusammentreffen abgespielt. Am Abend, als einige der„Genossen' die Expedition deZ„Revolutionär" mit einem großen Paket verließen. wurden sie von vier Kriminalbeamten angehalten und zur Wache sistiert, weil sie im Verdacht standen, verbotene Schriften fortzu- Iransportieren. Auf der Wache in der Rauinerstraße habe man das riesengroße Paket geöffnet und— darin Papierschnitzel gesimden. Die Anarchisten hatten sich den Spaß gemacht, die Polizei zu düpieren, das sei ihnen vollständig gelungen. Eine eigenartige Entdeckung wurde gestern auf den» Beerdigungs platz der Sophien-Gemeinde gemacht. Auf einem Grabhügel in der Nähe der Friedhofskapelle fand man die Leiche eines neugeborene» Kindes. Der tote Körper war nur notdürftig bekleidet. Ob es sich hier um einen Kindesmord oder nur um' die Entledigung einer Leiche handelt, dürfte die Obdllktion ergeben. Die Leiche ist Polizei- lich beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht lvorden. Bei der Berliner Feuerwehr werden jetzt die Maschinisten und andere Mannschaften als Chauffeure ausgebildet. Fast täglich werden Versuchsfahrten auf den» Tempelhoferfelde und den dorthin führenden Straßen unternommen. Wenn Frauen plaudern. Ein unglaublich dreistes Diebes stückchen ist einem Einbrecher in einem Zigarrengefchäft in der Falk- straße gelungen. Während die Geschüftsinhaberi» vor ihrer Laden- türe stand und mit einigen Nachbarinnen plauderte, wurde die von dein Korridor nach dem Geschäftsraum führende Hintertür mit einem Dietrich geöffnet und aus der unverschlossenen Kasse eine Doppel- kassette mit 12,50 M. Wechselgeld geraubt. Der dreiste Diebesblirsche ließ sich durch die vor den» Schaufenster schivatzenden Frauen keines- lvegs stören. Als er mit seiner Beute davonschlich, entfiel ihm der unterste Teil der Kassette, die Gcschäftsinhaberin hörte das Geräusch, doch glaubte sie, es fei eine Zigarrenkiste herabgefallen—»nid plauderte weiter. In aller Geinütsruhe ging der Einbrecher an den Frauen vorüber. Als die Besitzerin nach einiger Zeit ihren Laden wieder betrat, sah sie die Bescheerung, und die offenstehende Korridortür zeigte ihr den Weg, den der Einbrecher benutzt hatte. Maikäferjagden finden jetzt in den Parkanlagen und in der Um- gebnng Berliirs statt. In Scharen ziehen die kleine»»„Jäger" mit Zigarrenkisten und den sonstigen nötigen..Jagdgeräten" versehen nach Laubivaldungen. Der Ausfall der MaiKiferjagde» ist in diesem Jabre kein günstiger. Zum Glück für den Baumwuchs. doch zun, Unglück für die Schuljugend treten die schädlichen Käfer diesmal nicht so stark auf als dies in den letzten Jahren der Fall war. Berhäilgiiisvolleö Kaffcckochrn. Auf dem Grundstück Heidelberger- straße 30—31, auf dein zurzeit ein Neubau errichtet wird, befindet sich eine»nächtige Baubude. Der Wächter August Scholz. Cuvry traße 24 wohnhaft, wollte sich nun am gestrigen Morgen auf einem eisernen Ofen etwas Kaffee kochen und währenddes flogen Feuer- sinken aus dem Abzugsrohr auf das Tcerdach des Bauwerks, und im Verlaufe iveniger' Minuten stand das ganze Dach in hellen Flammen. Scholz versuchte noch zu retten, was zu retten war, doch zog er sich dabei so erhebliche Brandwunden sin Gesicht zu, daß er seine Absicht aufgeben mußte. Der Brand war durch die eintreffende Feuerwehr nicht»nehr einzuhalten. Unentgeltlicher Unterricht in Säuglingspflege für unbemittelte Frauen und Mädchen findet von jetzt an einmal ivöchentlich statt. Meldungen dazu an» Montag, den 7. Mai. von 2—4 Uhr, im Kiilder- Haus, Blumenftr. 78, Hof rechts parterre. Bei der Maifeier, die auf dem Gcsiindbrnnnen im Lokale von Rose stattfand, ist ein Spazierstock zurückgelassen worden, der bei Knick, Wollinerstr. 36. abgeholt werden kann. Iii der Versa nimlung der ausgesperrten Metall- arbeiter am 3. Mai in der„Neuen Welt" wurde eine silberne Rcmontoiruhr mit Turnerband als Kette gesunden. Abzuholen in, Bureau der Metallarbeiter. Eugel-Ufer 15 I. Zinnner 2. Jin Paffage-Thcater Unter den Linden bringt die russische Truppe Grebniesf mit vielem Tcmperainent die verschieden- ten Tänze ihres Heimatlandes zur Vorführung. Als ein geschickter und humorvoller Improvisator erweift sich der Humorist Paul Förster. Auf dem Gebiete der Equilibristik leisten die Gebrüder Rylander recht anerkennensivertes, während der Komiker Conradini mit seinen drastischen Tanztypen stürmischen Beifall erringt. Außer Radfahrern, Tänzerinnen, Militärevolulioncn ii» das Ausireten des Rossignol-Ouintetts erwähnenswert, da? aus fünf Damen besteht. von denen eine mit ihrem Bariton einem Manne erfolgreich Kon- kurrenz machen dürfte. Das Passagc-Theatcr dürste wohl aln längsten als Variöt6 existiert haben. ES soll im Sommer zu einem Theater umgebaut werden, in dem dann die Poffe und der Schwank eine Stätte finden 'oll. Arbciter-Samariterkolonne. Der neue Kursus beginnt in der 1. Abteilung am Montag, den 7. Mai, im Lokal Dresdener Garten, Dresdenerstr. 45; in der 3. Abteilung am Donnerstag, den 10. Mai, in Schöueberg bei Obst, Meiningerstr. 8. Der erste Vortrag lautet über Anatomie(Bau de? menschlichen Körpers)»nit Erklärungen an Bilden» und Präparaten. Außerdem steht den Mitgliedern die Bibliothek zur freien Verfügung. Um zahlreiche Beteiligung an den Kursen wird gebeten. Der erste Abend steht jedein als Gast frei. Alles weitere Inserat in der Sonntagsnummer. Die Mitglieder versammeln sich am Sonntag um IN/, Uhr nv Lichthofe des Museums für Naturkunde zur Fühnmg durch dir zoologische Schausammlung. Feucrwehrbcricht. Gestern früh wurde die Feuerwehr nach der Prenzlauerslraße gerufen, wo vor dem Hause Nr. 9 ein Mann von der elektrischen Straßenbahn überfahren lvorden war. Nachdem der Mann, dessen Nationale noch nicht feststeht, befreit worden war. wurde er nach dem Krankenhause am Friedrichshain gefahren, wo man schwere innere und äußere Verletzungen feststellte. In der Manteuffelstt. 89 entstand durch Fahrlässigkeit eine Spiritu-Zerplosion, wobei die Frau Reiß schwere Brandwunden erlitt, die ihre lieber- führung nach dem Krankenhause am Urban erforderlich machten. Die Flainmen konnten bald gelöscht werden. Wegen einer Leuchtgasvergiftung wurde die Wehr nach der Lynarstraße 5/6 gerufen. Durch Anwendung von Sauerstoff wurde ein bewußt- loser Mann wieder ins Leben zurückgerufen.— Aus dem Hofe Köpenickerstr. 124 mußte ein Brand gelöscht werden, der durch Müll entstanden war. Feuer kam gestem in der Turbinenfabrik der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft in der Berlichingenstr. 36 aus. Als die Feuerwehr an der Brandstelle ankam, brannte dort bezw. Hutten- straße 12/16 das Dach über dein Vergaseraum. Bon der HauS- leitung wurden zwei Schlauchleitungen vorgenommen und damit der Brand gelöscht._ Vorort- JVacbrlcbtcn. Charlottenburg. Kommunale Angelegenheiten. Sein Mandat als Stadt» verordneter niedergelegt hat Herr Dr. Mommseir, ein Sohn von Theodor Mommsen. Er war im ersten Bezirk der ersten Wählerklasse für die Periode 1904/09 ernannt worden und gehörte der liberalen Frattion an. Herr Moinmsen wohnte schon seit Iah.'»ist nicht mehr in Charlottenburg, trotzdem haben seine Freunde i•;» abgeraten, sein von Rechtswegen längst erloschenes Mandat»..der- zulegen. Das ist erst jetzt geschehen, Ivo eine öffentliche Besprechung des Falles bevorstand. Bei den Liberalen geht nun einmal Macht vor Recht.— Sticht b e st ä t i g t als Mitglied der Schuldeputation ist der Stadtv. Dr. Pen zig. Die Angabe von Gründen hat die Regierung verweigert. Herr Dr. Penzig ist Mitglied der liberalen F raktion, hat aber in vielen wichsigen Fragen, namentlich in Fragen des Schulwesens, des Wahlrechts und der kommunalen Sozialpolitik sich von seinen Freunden getrennt und gemeinsam mit der Sozial- demokratie gestiinmt. Es ist eine bittere Ironie der Geschichte, daß gerade ein Mitglied der liberalen Fraktion, deren Mehrheit bei dem bekannten Charlottenburger Schulkonflikt vor der Regierung zu Kreuze gekrochen ist, um sich oben lieb Kind zu machen, von derselben Regierung nicht bestätigt ist. DaS wird die liberalen ManneSscelen natürlich nicht abhalten, auch in Zukunft jeden Wunsch der Regierung gehorsamst und demütig zu erfüllen. Dir Charlottenburger Waldschule ist wieder eröffnet worden. Bisher war die Waldschule für 120 Kinder eingerichtet, jetzt werden, sobald die Banlichkeiten fertig sind, 240 Kinder Aufnahme finden, die von 6 Lehrern und von 3 Lehrerinnen unterrichtet werden. Die wirtschaftliche Leitung wird wieder voin Roten Kreuz beziehungS« weise Vaterländischen Frauenverein ausgeübt. Die in der Nähe be- findlichc Kindererholungsstätte ist bereits am 17. April mit 32 Kindem eröffnet. Schöneberg. Der Unglücksfall einer Geisteskranken rief am Donnerstagabend in der Goltzstraßc in Schöneberg Aufsehen hervor. Eine etwa 75 Jahre alte geisteskranke Dame, die aus den» Jrrenhause ge- kommen war, stürzte vor dem Hause Goltzstr. 2 auf den Bürgersteig und blieb besinnungslos liegen. Passanten brachten die Bedauerns- werte, welche sich stark blutende, klaffende Wunden im Gesichte und anscheinend auch innere Verletzungen zugezogen hatte, nach der Unfall- tation in der Herberfftraße. Nixdorf. Ein folgenschwerer Zusammenstoß im Sftaßenbahnbetriebe hat ain Donnerstagnachmittag in der Hermannstraße stattgefunden. In der Nähe des Hermannplatzes kreuzte ein Geschäftswagen der Finna Wedig, Berlinerstr. 104, den Fahrdamm der Hermannstraße: da der in diesem Augenblick herantvinmende Straßenbahnwagen Nr. 1530 der Linie 29 nicht niehr rechtzeitig zum Stehen gebracht werden konnte, so erfolgte der unvermeidliche Zusaminenstoß. Durch den heftigen Anprall wurde der Führer des Motorwagens und der aus der Borderplattforn, stehende Restaurateur B. auS Britz auf den Straßendannn geschleudert und nicht unerheblich verletzt. An dein Slraßenbahmvagen wurde die Schutzweste beschävigt. Groft- Lichterfelde. Der Kampf gegen daS OrtSstatut, die Ailfbriugung der Kosten der Straße», Unterhaltung beweffend, ivurde in der Gcn,eindevertretcr- Sitzung vom Montag mit nnverändeetcr Schärfe fortgeführt. Seit der letzten Beratung wurde die BerständiginigSkommision in Betrieb jesetzt mit der Aufgabe, eine den Wünschen der Grundbesitzer ent- prcchendc Fassung des Statuts zu erfinden, d. h. den Zweck des- elben möglichst zu vereiteln. Als die beste Frucht ihres geistigen Ringens präsentierte sie der Versammlung den s 3 in folgender Form: „Werden bei einer Veranstaltung im Sinne des ß 2 Hinsicht- lich des Pflastcrnngsinaterials Aufwendungen gemacht, welche über da? in den jeweils bestehenden polizeilichen Vorschriften fest- gesetzte Mindestmaß hinausgehen, so findet eine Beitrags- leistnng nur i n f o>v e i t statt, als die aufgewendeten Kosten auch zur Herstellung des d i e s e in M i n d e st n» a ß entsprechenden Zu- standes erforderlich gewesen»vären. Die Mehrlosten sind aus allgemeinen Mitteln zu bestreiten." Wenn also z. B. durch Polizeiverordnung als M i n d e st»>» a ß chlechtes Schlackensteinpflaster, von dem vielleicht der laufende Meter >—6 M. kostet, vorgeschrieben ist und bei einer Nenpflasterung erst- klassigcs schwedisches Reihcnpflafter verwendet wird, das ungefähr 60—70 M. kostet, so Iviirden in letzterem Falle nach diesem iieucn Kommissionsparagraphen ilnsere Grundbesitzer nur den obigen Preis von 5 bis 6 Mark bezahlen brauchen, die All» en, einheit aber die enorme Restsuinine!— Aber selbst dieser den Grundbesitzer-Jnteresscn dienende Paragraph wurde abgelehnt aus Mißtrauen gegen den Gemeindevorjtchcr, von dem sie offenbar— ganz ohne Grund— befürchte»», daß er in seiner Eigenschaft nlsAmtSvorsteher durch Erlaß einer anderen ortspolizeilichen Vorschrift das Mindestmaß für Pflasterungs- Material qualitativ heraufsetzen und dadurch de» Beuteautcil deS Grundbesitzes aus der allgemeinen Kasse schmälern könnte. Die tollste Jagd entspann sich dann um Erlegung deS§ 8, der gestattet, die einzelne», Anlieger bis zu fünf Sechstel der Gesaintkosten heranzuziehen. Mit Zähnen und Nägeln wehrten sich die Gemeindevertreter Graf HoenSbroech. K übler, Jäger, Delbrück und S ch i r m e r gegen die Annahme dieses Paragraphen und suchten durch Bepackung desselben niit allen möglichen gesetzwidrigen Zusätzen dessen Wirkung ans- zubeben. Der Antrag, durch Anhängung deS eben erst abgelehnte»» § 3 an den§ 8 diesen gewisiennaßen zu sprengen, fiel mit 15 gegen 13 Stimmen. Ehe cS zur Gefaintabstimmung über das Statut kam, griff die Grundbesitzer- Opposition zum Mittel der Obstruktion. Genieindevertreter Schiriner beantragte, die Ab, stinimung über das Statu» auf. vier Wochen zu vertage», bis die „Interessenten"— Herr Schirmer ist immer sehr offenherzig— 17 Fälle aus dem Arbeitsverhältnis wurden erledigt.— Die Kosten für daS Bureau und Dienstvertrag wurden 8 angefertigt; die Schriftstücke beträgt 32. auf fchriftlichem Wege betragen zirka 100 M. pro Jahr. Die Auskunstserteilung findet jeden ersten Dienstag im Monat von 8 bis 10 Uhr abends im Lokale des Genossen Gruhl. Priesterstrahe. statt; dieselbe ist unentgeltlich und wird nur an Organisierte erteilt. Aus dem vorstehenden Bericht Stekkung dazu genommen hatten.— Nun wurde die Sache selbst dem Gememoevorstand zu bunt. ., Gemeindevorsteher Schulz wies darauf hin. daß die Bürger- Ichast nicht nur anS' Grundbesitzern bestehe, �weidrittcl der Ge- memdevertretnng müsse nach dem Gesetz aus Grundbesitzern bestehen, obwohl der Ort mit einer„Landgemeinde" nicht das geringste zu tun habe, sondern städtischen Charakter trage. Es gebe noch einen Faktor der in Rechnung gezogen werden müsse— Vre Mieter, von denen nur ein einziger in der Ge- memdevertretnng vorhanden sei. Angesichts dieser Verhandlungen könne es draußen den Anschein erwecken, daß hier nur Jnter- e f s e n p o l i t i k getrieben werde. Die„Oeffentlichkeit". die Gemeindevertreter Schirmer meine, sei eben diejenige, die die In teressenpolitik treibe. Daran sei nicht zu deuteln. Wutend erhob sich daraufhin der Oberregierungsrat Delbrück, erklärte es für unparlamentarisch, daß der Gemeinde- Vorsteher von Interessen- und K l a s s e n p o l i t i k in der Ge- meindevertretung gesprochen und behält sich vor. bei der vorgesetzten Behörde eine Korrektur des Gemein devor st'e h e r S wegen seiner Aeußerungen herbeizuführen. Nack verschiedenen weiteren Winkelzügen und nach Ablehnung einer späteren zweiten Lesung erfolgte endlich die»nnabme des ganzen Statuts.— Diese Verhandlungen zeigen wieder einmal in ganz hervorragendem Maße die Widersinnigkeit des Grundbesitzer- Privilegs mit seinen die Gemeinde in jeder Beziehung hemmenden und schädlichen Folgen. Groß-Lichterfelde kann in dieser Beziehung geradezu als S chulbeispiel bezeichnet werden. Wir können nach Lage unserer örtlichen Verhältnisse behaupten, daß dieses Grnndbesitzervorrecht bereits die Grenze der Kultnrwidrigkeit überschreitet und anfängt, gemeingefährlich zu werden. Wilmersdorf. Dir Lokalfrage beginnt für unsere Bewegung in Wilmersdorf immer brennender zu werden. Die Saalbesitzer scheinen bisher wenig Neigung zu verspüren, für die Sozialdemokratie am Orte Lokale freizugeben. Nachdem der Inhaber des„Lnisenpark" dem „Vorwärts" die Mitteilung gemacht hatte, auf die Parteigenossen verzichten zu wollen, wandten sich dieselben an den Besitzer, um auf diese Weise die Freigabe des Lokales zu ermöglichen. Die Antwort, die eintraf, ging ungefähr dahin, daß es bürgerlichen Vereinen nicht genehm sei, mit Sozialdemokraten unter einem Dacke zu beraten! Eine solche Antwort war geeignet, die von den Genossen eingeschlagene Taktik zu verstärken und nun den Kampf in intensiverer Form zu führen. Aus diesem arbeiterfeindlichen Verhalten der Sanlbesitzer haben die Genossen Wilmersdorfs nun die Konseguenzen zu ziehen. Gleichzeitig ersuchen wir die Parteigenossen von auswärts, uns in diesem Kampfe zu unterstützen. Solchen Leuten noch einen Groschen hintragen, heißt die Interessen der Arbeiterschaft schmählich verraten. Zu solcher Schandtat wird die Arbeiterschaft Wilmersdorfs sicher nicht fähig sein. Es kann deshalb nur eine Lösung gebe», und zivar, den Herren begreiflich zu machen, daß sie von den Spießern allein nicht leben können. Ist die Sozialdemo- kratie nicht nur bei ihrer fortgesetzten Werbearbeit auf Lokale an- gewiesen, so wird sich das Fehle» von Versammlungsräumen an- läßlich der nächsten Stadtverordnctcuwahlen als ganz besondere Kalamität erweisen. Dieser Kalamität entgegenzuarbeiten, muß sich die Arbeiterschaft Wilmersdorfs zur höchsten Aufgabe machen; sie kann es nur, wenn sie einmütig die Lokale meidet I Rummelsbnrg- Boxhagen. Eine Mnssenpctition wird demnächst aus Rnmmelsbnrgcr An- Wohnerkreisen an den Minister der öffentlichen Arbeiten gerichtet werden, um die Einrichtung eine? Fernverkehrs herbeizuführen. Die Station Stralau-Rummelsburg nimmt ständig an Verkehr zu und sie dürfte sich mit der Zeit zu einer der umfangreichsten Stationen ausgestalten, die den Verkehr nach jeder Richtung hin ennöglicht. Leider fehlt eS an der so außerordentlich stark frequentierten Halte- stelle an dem geradezu unentbehrlichen Fernverkehr. Die Einwohner von Stralau-Rumniclsbnrg und der Umgebung sind gezwungen, bei Fernfahrten jedesmal»ach dem Schlcsiichen Bahnhof zu fahren. Die Anschlüsse an die Fernzüge sind keineswegs die günstigsten und müssen die Passagiere oft lange Zeit auf dem Bahnsteig verharren, ehe der Fernzug eintrifft. Bon einem Sechsspänner totgefahren wurde auf der Kläranlage in Rummelsbnrg der 32 jährige Kutscher Ernst Mattern ans der Neuen Bahnhosstr. 29. M. lenkte einen mit 6 Pferden bespannten Wagen, der init Schlammrückständen beladen war; bei einer Biegung stolperte er über einen Schlaminhaufen und kam so unglücklich zu Fall, daß der Kopf unter die Räder des schweren Gefährts geriet und vollständig zermalmt wurde. Der Verunglückte war auf der Stelle tot. Ein bedauerlicher Borfall hat sich clm Donnerstag am Wismar- platz ereignet. Vor der Tür eines dortigen Wohnhauses saß eine junge Frau und neben ihr ein kleines Stiibenhüudchen. Als sie das Tier streichelte, kam ein großer Schlächterhund hinzu und um das Tier wegzujagen, schlug die Frau mit ihrem Pantoffel, den sie ans- gezogen,»ach dem Hund. Gereizt schnappte das Tier nach dem Fuß und biß den Zeh glatt ab. Auf den SchmerzeitSruf der Schivcr- verletzten eilten mehrere Nachbarn hinzu und nahmen sich ihrer an. Lichtenberg. Die Gemeindevertretung genehmigte in ihrer letzten Sitzung das Projekt für einen Schnlbau in der Scharnweberstraße nebst den hierzu erforderlichen Mitteln von 34S 000 M. Die im letzten Augen- blicke vorgeschlagenen Abänderungen des Projektes führten zu längeren Auseinandersetzungen, wurden jedoch abgelehnt. Das neue Schulhaus nimmt alsdann die zehnte Gcmeindeschule auf. Die Turnhalle, die gleichzeitig als Aula dienen soll, wird in das Dach- aeschoß verlegt. Die Baukosten sind per Klasse mit etwa 11000 M. berechnet. Auch Badeeinrichtung usw. wird in diesem Neubau vor- Händen sein. Des weiteren soll eine eigene Neparalurwerkstatt für die Gemeindewerke errichtet werden. Für Maschinen, Werkzeuge usw. werden 15 000 M. verlangt und beivilligt. 16 000 M. erfordert die Legung eines neuen GaSdrnckrohres für den westlichen Ortstcil, um endlich den vielen Beschwerden über nicht genügenden Zufluß von Gas in bestimmten Stunden des Abends zu begegnen. Der Ankauf eines Grundstücks in der Herzbergstraße zu Gcmeindezwecken wurde in geheimer Sitzung genehmigt. Die Uebergabe des AmtsgerichtsgebäudeS Lichtenberg an den Justizfiskus hat am Freitag durch die Bauverwaltnng im Beisein des Gemeindevorstandes stattgefunden. Während die Gefängnis- gebäude schon seit längerem im Gebrauch sind, wird das neue Geschäftshaus, das nördlich der Frankfurter Chaussee seinen Platz gefunden hat, mit dem Beginn der neuen Gerichtseinteilung im Zum seiner Bestimmung zugeführt. Nowawes. In der letzten Kartellsitzung erstattete Gewerkschaftssekretär B ö ni n g- Berlin einen ausführlichen Jahresbericht über die Tätig- keit des vom hiesigen Gewerkschastskartell geschafienen AusknnftS- b u r e a u S. Danach wurde das Bureair von 73 Personen in Anspruch genomnien, und zwar betreffend Arbeiterversicherung in 36 Fällen, Arbeits- und Dienstvertrag in 28, Bürgerliches Recht in 5 und Strafrecht in 4 Fällen. Vertretungen in Unfallsachen machten sich notwendig: vor dem Schiedsgericht elfmal, vor dem Reichsversichcrungsamt fünfmal; in Kranken- Versicherung vor dem Amtsgericht viermal; fast sämtliche Fälle wurden zugunsten der Beteiligten erledigt. Klageschriften betreffend Arbeits- " Zahl der angefertigten ergibt sich, daß daS Kartell mit der Errichtung des AuSkunftSvureauS eine für die hiesige Arbeiterschaft bedeutsame Einrichtung geschaffen hat. Aufgabe derselben muß cS fein, diese Einrichtung immer mehr auszubauen.— Hierauf erstattete Lange den Kassenbericht pro 1. Quartal: die Einnahme betrug inklusive Bestand von 250,83 M. 344,53 M., die Ausgabe 113,84 M., somit verbleibt ein Kassenbestand von 230,69 M.. hiervon sind 200 M. auf der Sparkaffe des Konsum- Vereins angelegt. Serie!) ts Leitung. Kritik gegen einen Pastor. Eine Kritik der kirchlichen Zustände in dem Dörfchen Zehlcn- darf bei Bernau hat zu einem Preßprozeß geführt, der vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichts- direktors Oppermann I stattfand. Wegen Beleidigung des Pastors Bamberg in Zehlendorf war der Redakteur Grünwaldt von der„ V o s s i s ch e n Zeitung" angeklagt, in der ein Artikel er- schienen war, der sich gegen die kirchlichen Zustände in dem Dorfe Zchlendorf richtete. In diesem Artikel wird auf den Verfall des kirchlichen Sinnes und des kirchlichen Lebens hingewiesen, der viel- fach auch in der Streitsucht und dem Eigennutz des betreffenden Geistlichen seinen Grund finde. Ein besonders trauriges Beispiel dieses kirchlichen Verfalls wären zurzeit-die Verhältnisse" in Zehlen. dorf bei Bernau. Der dortige Geistliche stehe seit längerer Zeit mit seiner Gemeinde auf dem Kriegsfüße, so daß die Kirche fast leer fei. Die Gemeinde selbst bemühe sich seit langer Zeit einen anderen Geistlichen zu erhalten, da die Zustände an das Unerträg lichte grenzten und schon viele Einwohner aus der Kirche ausge schieden seien infolge dieser Widerwärtigkeiten. Dieser Fall des kirchlichen Unfriedens werde der Heilsarmee, die für den folgenden Sonntag schon eine Versammlung in Zehlendorf anberaumt hatte, wieder zahlreiche Anhänger zuführen.— Dieser Artikel war die Veranlassung, daß der Pastor Bamberg gegen mehrere Redakteure Belcidigungsprozesse in die Wege leitete, die zum Teil durch ein- getretene Verjährung erledigt sind. Vor Gericht trat der Angeklagte den Beweis dafür an, daß tatsächlich in Zehlcndorf unhaltbare Zm stände in den kirchlichen Verhältnissen besteben. Nachdem der Vor gänger des Herrn Bamberg, von den besten Wünschen der Einwohner begleitet, sein Amt aufgegeben hatte, wäre Herr B. bald durch seine rcsornmtorischen Ideen unliebsam aufgefallen. Wie der Vorsitzende bemerkte, hat sich der Kläger über seinen Amtsvor- gänger in nicht gerade anerkennender Weise ge- äußert. Die Verhältnisse spitzten sich immer mehr zu, so daß schließlich der AmtSvorstehcr Häuser wegen Beleidigung des Pastors Bamberg zu 150 M. Geldstrafe verurteilt wurde. Später wurde der kampfmutige Geistliche vom Schöffengerici-i Oranienburg selbst zu 50 M. Geldstraft verurteilt. Dieses Urteil wurde jedoch in der Be- rufungsinstanz wieder aufgehoben. In Zehlendorf wurden von Einwohnern Zettel mit den schlimmsten Schmähungen gegen den Pastor B. an Zäune und selbst an die Kirche geklebt. Ein„Witz- bold" setzte sogar eine Belohnung von 30 M. aus für den, der den Pastor„verhauen" würde. Die Uebeltäter selbst wurden nicht er- mittelt und zur Verantwortung gezogen, wohl aber dft Redakteure. die über diese eigenartigen Zustände berichtet hatten. Seitens der Behörde war schon an den Kläger mit dem Ersuchen herangetreten worden, die Klage zurückznziehen. wenn die Betrcfftnden die Er- klarung abgeben würden, die Warft Eigennutz und Streitsucht nicht auf den Kläger bezüglich gemeint zu haben. Das Gericht publizierte gestern das Urftil: Das Gericht ist zu der Ueberzcugung gekommen, daß dem Pastor ein unmoralischer oder sträflicher Eigennutz nicht nach- gewiesen worden ist. Es könne bei ihm aber auch nicht von Streit- sucht als einer Charaktereigenschast gesprochen werden, wenn auch nicht verkannt worden sei, daß er— wohl infolge seines galligen Leidens— cS nicht verstanden habe, sich in ein gutes Einvernehmen mit den OrtSinsasscn und besonders mit der dortigen Lehrerschaft zu setzen. Der Rcdakftur sei aber das Opfer falscher Berichftrstattung geworden. Er habe annehmen'können, daß ihm über das angebliche Verhalten des Pastors die Wahrheit mitgeftilt würde. Deshalb habe das Gericht nur auf eine Geld- strafe von 50 M. erkannt. Dem Kläger, der eine Zurücknahme der Klage abgelehnt hatte, wurde auch die Publikarionsbcfugnis des Urftils in der„Vossischen Zeitung" zugesprochen. Arbeiters— untergräbt, ist eine Bestrafung von Arbeitern, die von ihrem Recht Gebrauch machen, erklärlich. Eine derartige juristische Nadclstichpolitik muß erbitternd wirken. Dringend notwendig ist eine gesetzliche Sichcrstellung des Koalitionsrechts und seiner Aus- Übung._ Vermiscdres. Eine neue Ausdehnung des s 153 der Gcwerbcordnung. Aus den Tagen des Lohnkampfcs im Gebiete der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft stammt dft Anktege wegen Vergehens gegen 8 153 der Gewerbeordnung und Beleidigung, die gestern den Lackierer Frftdrich K o ß e r t vor die 3. Sftaskammer des Landgerichts I führte. Unter den durch die brutale Aussperrung der meisten Arbeiter der Elektrizitätsgesellschaft Ausgesperrten be- fand sich auch der Angeklagte. Unftr den weiter beschäftigten Ar- beitern befand sich auch der Lackierer Heinrich Speer. Diesen ftll der Angeklagte in unzulässiger Weise versucht haben, zur Nieder- tcgung der Arbeit zu bewegen. Nach den Behauptungen der An- klage, dft der Gerichtshof für erwiesen erachteft, soll er dem Zeugen eines Tages mündlich Vorwürfe darüber gemacht haben, daß er den Ausgesperrten in den Rücken falle.„Melde Dich krank, dann gehst Du allem Aerger aus dem Wege. Wenn wir wieder reinkommen, hast Du keinen Halt mehrl" Ein zweites Mal soll er gesagt haben: „Wenn Tu nicht ins Streikbureau kommst, bist Du ein feiger Hundl" Tann wieder soll er bei einer Begegnung mit dem Zeugen gesagt haben:„Du bist ein Schlumps und ein Lump" und, auf zwei Männer zeigend, die sich auf der anderen Seite der Straße befanden, soll er hinzugesetzt haben:„Sfth mal hin, die beiden werden mit Dir noch ganz besonders abrechnen." Speer hat sich schließlich an einen Schutzmann gewandt und der Angeklagft wurde arretiert.— Der Staatsanwalt beantragte 2 Monate Gefängnis. Der Verteidigter, Rechtsanwalt Dr. B e h r e nd, plaidierte auf Frei- sprechung und bestritt daß überhaupt eine Verabredung zur Er- langung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen vorlag. Wenn die ausgesperrten Arbeiter in Werken, die mit dem ursprünglichen Streik nichts zu tun hatten, die weiter arbeitenden Kollegen auch zur Arbeitsniederlegung zu bewegen suchten, so lag auf ihrer Seite nicht eine Verabredung zur Erlangung besserer Lohn- und Arbeits- bedingungen vor, sondern sie handelten nur in Abwehr der Aussperrung. Ihnen sei es nicht darauf angekommen, den Streik auf den Kabelwerken durch eine Sperre der anderen Werke zu unterstützen, sondern sie wollftn nur selbst wieder zu den alten Bedingungen in Arbeit genommen werden.— DaS Gericht kam zu einer Verurteilung des Angeklagten, indem eS annahm, daß ein Zusammenhang zwischen den Streikenden des Kabelwerks Ober- schöneweide und den Werken in der Brunnenftrahe bczw. dem Vorgehen der letzteren bestanden habe. Die Forde runge» der mit der Fabrikleitung verhandelnden Obmänner hätten sich nicht darauf be» schränkt, daß die Arbeiter wieder eintreten sollten, sondern sie hatten auch zum Ziel, die Forderungen der Lagerarbeiftr und Packer mit durchzudrücken. Bei Abmessung der Strafe hat der Gerichtshof er- wogen, daß der Angeklagte schon wegen Beleidigung vorbestraft ist und daß er hartnäckig den Zeugen Speer zur Niederlegung der Nr- bcit zu beivegen versucht habe, obgleich er gewußt, daß Speer lange Zeit krank gewesen und eine große Familie zu ernähren habe.— DaS Urteil lautete auf 2 Monat e Gefängnis. Wäre die Deduktion deS Gerichts zutreffend, so müßte nunmehr dft Elektrizitätsgesellschaft auf Grund des§ 153 angeklagt werden, weil ja nach Annahme des Gerichts die Aussperrung und die durch diese veranlatzten Folgen"zwecks Erringung besserer Lohn- bedingungen erfolgt ist. Die Begründung des Urftils ist logisch un- haltbar. Welche Gründe das Gericht zu der unberechtigten Verckr- ftilung geführt haben, beweist die außerordentliche Höhe der Straft: das Gericht sieht in der gesetzlich gewährleisteten Ausübung des Koalitionsrechts offenbar ein„strafrechtliches Privilegium". Allein von dieser falschen Grundanschauung aus. die eine der Grundlagen der bestehenden Gesellschaftsordnung— dft rechtliche Freiheit des Eisenbahnunglück. Stargard i. Pommern, 4. Mai. Amtlich. Heute ftüh kurz nach 6llt Uhr fuhr der von Kreuz kommende Per- sonenzng 702 infolge falscher Weicheiistellnng ans den bereits in der Haltestelle Kollin haltenden Güterzug 6203, wobei beide Maschinen und mehrere Packwagen entgleisten. Die beiden Maschinen, ein Packwagen und der Postwagen sind stark beschädigt, ein Eilgutwagen verbrannt. Das durchgehende Gleis ist unbeschädigt, das Kreuzungs- gleis stark beschädigt. Die Anfränmungsarbeiten sind in Angriff genoinmen imd werden in zwei bis drei Tagen beendet sein. Bei dem Zusammenstoß sind verletzt: Lokomotivführer Haenisch- Posen, geprüfter Heizer Schiefer leicht. Zugführer Kunlnowitz leicht verletzt. Zwei Poi'Iassiüenten und zwei Postschaffner aus Posen leicht verletzt, ein Postschaffner aus Stargard leicht verletzt, Malergeselle Henna»» Kaufmann. Hitzdorf bei Kleeberg, leicht verletzt, Schnitterin Bronis- lawa Koslowska. Gut Barniinsknno. leicht verletzt. Der Lokoinotiv- führer ist dem Slargarder Krankenhaus zugeführt, die übrigen ihren Wobnungen. Die Schuldfrage ist noch nicht festgestellt. Ucbcr die Verhaftung eines Berliner GattcnmörderS werben aus T h o r n folgende Einzelheiten berichtete Der Arbeiter Wilhelm T i e d e aus Berlin lebte mit seiner jungen Ehefrau, die aus Schilno bei Thorn stammt, in stetem Unfrieden. Die Frau verließ infolgedessen vor einigen Tagen die gemeinsame Wohnung und kehrte nacki Schilno zu ihren Angehörigen zurück. Tiede reiste seiner Frau nach und forderte sie auf. mit ihm nach Berlin zurückzukehren. Als das Ansinnen von feiten der Frau entschieden abgelehnt worden war. ergriff Tiede ein Küchenmesser und fließ es seiner Frau mit voller Wucht in den Rücken. Die Getroffene brach mit lautem Auf- schrei sofort blutüberströmt zusammen und starb nach kurzer Zeit. Hierauf flüchtete T. nach Thorn. wo er bald darauf von der Gendarmerie in einem Gasthause ermittelt und verhaftet wurde. Bei seiner vorläufigen Vernehmung gab er an, daß er nicht die Absicht gehabt habe, seine Frau zn töten; er wollte ihr nur einen „Denkzettel" verabfolgen. Tiede wurde gefesselt dem Untersuchungs- gefängnis in Thorn zugeführt. Ei» neues Geständnis deS angeblichen Massenmörders. Wie aus Dresden telegraphisch berichtet wird, hat der„Lederarbeiter" Mar D i t t r i ch eine neunte Mordtat eingestanden, die er vor vier Jahren in der Nähe von Kiel verübt haben will. WaS die von Dillrich in Sachsen verübten und von ihm eingestandenen zwei Mordtaten an der Privatiere Opitz und an dem sechsjährigen Mädchen Schönherr betrifft, so erklärt die Dresdener Kriminal- Polizei, daß sie von der Täterschaft des Dittrich vollkommen über- zeugt sei, da sie durchaus beweiskräftiges Material gegen ihn in Händen habe. Dittrich hat in Berlin bei einem Schneidermeister in der Sebastianstratze gewohnt und verschwand von dort unter Hinter- lassung verschiedener Schulden. Die„Borussia"- Opfer. Dortmund, 4. Mai. Auf der Zeche „Borussia" wurden gestern von den Angehörigen 16 Leiche» rekognosziert. Man erkannte sie an den Kleidern, Bart und Haar. Ein Ausbruch deS Stromboli. Rom, 4. Mai. Der Stromvoli gibt feit einigen Tagen Zeichen erneuter Tätigkeit. Oeffcntliche Bibliothek«nd Lesehalle zu uuentgeltlicher Benutzung für jedermann, SW., Zllexandrincnstr. 26. Geöffnet täglich von 5'l,—l0 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Leftlölen liegen zurzeit 515 Zeitungen und ZcUfcfjiijtcn jeder Art und Richtung aus. Freireltgtöfe Gemeinde. Sonntag, den 6. Mai er., vormittags 8'/« Uhr im Rathaufe, Saal 109, Eingang Jüdensftatze, Versammlung: „Freireligiöse Vorlesung".— Um 10'/, Uhr vorm. in der Schulaula, Kleine Frankfurterfft. 6: Vorftag des Herrn E. Vogtherr-Stettin über:„Tolstoj und Maxim Gorki". Herren und Damen als Gäste sehr willkommen.— Montag," den 7. Mai, abends»>/, Uhr, Sebastianftr. 39: Beschließende Veffammlung. Wichtige Tagesordnung: Wahlen der Kommissionen und der Ordner u. a. m.— Zutritt nur sur wahlberechtigte Mitglieder(weiße Öuitlungl. Sozialdemokratischer DiSkutierklub„Freie Zusammenkunft-. Sonnabend, den 5. Mai, im Gewerkschastshaufe, Zimmer 16: Sitzung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Hiebel über:„Kolonialpolitik und Proletariat". Verein der Buchdrucker»nd Schriftgietzer für Rixdorf-Britz. Sonnlag. den 6. Mai. nachm. 2 Uhr, im Restaurant Vollmer, Hermann« iftatze. Ecke Ziethenstraße: Versammlung. Ter Bund der sozialdemokratischen Lese-«nd Diskuticrklubs m»nstnltet an folgenden Sonnlagen, den l3., 20., 27. Mai einen Rundgang durch daS„Museum für Naturkunde". Als Führer dazu ist der Genosse Dr. Grünspan gewonnen worden.— Zu diesem Zwecke findet von leiten des Bundes am Soiiiitag, den 6. Mai, nachmittags Punkt 2 Uhr, im„Engl. Garten", Alexanders»-. 27 c, eine öffentliche Versammlung statt, in der eben- falls Genosse Dr. Grünspan einen Vortrag über„Naturwissenschast" halten wird. Zu dieser Versammlung sind nicht nur Klubgenossen, sondern auch Gäste höchst willkommen. Berliner Marktpreise. Ans dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Dircktion. Rindfleisch la 62—66 pr. 100 Pfund, IIa 52—63, Uta 48-52, IVa 40-46, engl. Bullen. 00-00, dän. Bullen- 00—00, Holl. Bullen- 00—00. Kalbfleisch, Doppelländcr 105—120, la 80—90, IIa 66— 78, UTa 52-64. Hammelfleisch la 60—70, IIa 54—60. Schweinefleisch 58—64. Kaninchen 0,90—1,05. Hühner, alte, Stück 1,50—3, alte per Psd. 0,00, junge, per Stück 0,80— i, 10. Tauben, junge 0,50—0,60, alte 0,60. Enten, junge, per Stuck 00—00, per Psd. 00—00, Hamburger per Stück 3,00—3,75. Gänse, junge, per Psd. 0,95— 1,06, per Stück 4,00—6,00. Hechte 96-117. Schleie, 102—118. Bleie 48—61, matt 00—00. Aale, groß 100. mittel 101—106, klein 00—00, unsortiert 93. Plötzen 49,00. Flundern, pomm. I, p. Schock 4—8, Kieler, Stiege la 4—7, do. mittel, per Kiste 2—4, do. klein, per Kiste 00—00. Bücklinge, schweb, per Wall 0,00, nonv. 0,00. holländ. 1,50—2. Kieler 1—3, Stralsunder 3,50—4. Aale. groß, per Psd. 1,10-1,30. mittel 0.80-0.90, Hein 0,50—0,60. xroilcn. Kieler, 2 Wall 1—1,50, Elb- per Kiste 0,00—0,00. Sardellen, 1902cr. per Anker 76,00, 1904er 74,00, t905er 70,00. Schottische Vollheringe 1905 00—00, large 40-44, füll. 36—38, med. 33—35, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS. per Tonnen 60—120. Hummern, Ha, 100 Psd. 00- 00. Krebse, per Schock, große 00— 00. mittelgroße 00— 00. kleine 00—00, unsortiert 00—00. Eier. Land-, per Schock 00—00, frische 3,00—3,15. »litte, per 100 Pfund, la 115, IIa 110—114, lila 107-110, ab- lallende 105-108. Sam e Gurken. Schock 3.50—4 M., Pseffergnrkcn 3.50— i M. Karlosscln per 100 Psd mngn. bon. 2,10—2,35, rote Dabcrschc 2,00—2,20, runde wclßc 1,80 2.00. Wirsingkohl. Holl., per Schock 8.u0 24.00. Weiß- kobl, dän.. per Schock 7.00 9 00. Roikohl, Holl., per Schock 00,00-00,00. Grünkohl, per 100 Psd. 00—00. Rüben, weiße 00—00, Tcltower 00—00. Kohlrüben, per Schock 2,50— 4,50, Holl., 5—6. zvltieiiingeüberslclit»oin 4. Mai IU06. morgens»»Hr. s> Sl»euer 4 bedeckt 2>volkcnl 4 wolkig 1 wolkig 3bedcckt h 8 14 10 8 11 Wetter-Vroinokc für Sonnabend, den 5. Mai 1906. EtwaS tübler bei mäßigen südwestlichen Winden und ansänglich zu- nehmender, später wieder umnehmender Bewölkung; keine erheblichen Nieder- schläge. Berliner W e 1 1 e r d u>-„ n. Kerantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Gleckr, Berlin. Druck«. Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer Li Co.. Berlin LW.