Mr. 104. UtonnemtntS'Bedingunsen: SüonncmenlS- PrciS pränumerando: Wierteljährl. 3,30 Mk,, monotl, 1,10 Mk., wöchenllick BS Pfg. frei in« Hau«. Einzelne Stummer ö Pfg, Sonntag«. Nummer mit illuilrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung«. Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnemen:« nehmen an: Belgien, Dänemarl. Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. nänien. Schweden und die Schweiz, 83. Jahrg. Vichtiii Ulli» außtr montags. Verlinev Volksblskk. vi« snle«iion!-eebilhi beträgt für die sech«gespaltene Koloncl- zeile oder deren Raum 50 Psg„ für politische und gewerlschaftliche Verein«- und BersammIungS.Anzeigen 30 Pfg, „Alelne Hnzcigcn", da« erste(feit- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jede« weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzetgen da« erst- Wort 10 Pfg,, jede« weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchslaben zählen für zwei«orte. Inserate für die nächste Nummer mästen bi«»Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bi« 7 Uhr abend« geSffnet. Telegramm-Sdreffe: „SMUltitDrtnt Rtriia". Zentralorgan der fozialdemokrat»fchen Partei Deutfchtands. Rcdahtlon: SM. 68, Lindcnatrassc 69. Krrnlprrcher: Amt IV. Rr. ISftS. Sonntag, den S. Mai 1903. BxpecUtion: SM. 68, Lindenetrasse 69. Mrrnsprecher: Amt IV. Nr. 1S84. vie Vahle« in Frankreich. Paris, 4. Mai. Für oder gegen den Sozialismus?— Das ist der Kampf- ruf, unter dem diesmal die Wahlen ausgefochten werden. Die Einigung der sozialistischen Parteien und die Agitation der Gewerkschaften auf der einen, auf der anderen Seite das Bestreben: für den trotz all seiner politischen Wandlungen stockkonservativen Kleinbürger ein tönendes Schlagwort zu finden, haben das sozialistische Problem in den Mittelpunkt der politischen Geschehnisse gerückt. Für eine sozialistische Partei, die mit dem offenen Bekenntnis ihrer Grundanschauungen um die politische Macht kämpft, muh eine solche Situation im höchsten Maße wünschenswert erscheinen. Doch auch die reaktionären Parteien werden eine Lage gern sehen, in der sie die Angst der Besitzenden auch für ihre besonderen Zwecke mobilisieren können. Unangenehm ist nur die Situation der bürgerlichen Demokratie, die nach der einen Seite verspricht, nach der anderen beruhigt. modern in der Theorie, reaktionär in der Praxis bleiben mutz und diese durch jene kompromittiert. So ist denn diesmal der Bourgeoisradikalismus in ewer gefährlichen Posifion und trotzdem er das Hest in der Hand hat und die Wahlkünste der Präfekten zu seinem Vorteil spielen lasten kann— hauptsächlich auf die Defensive an- gewiesen. Man kann die Zahl der Mandate, die das letzte Mal von der Linken mit kleinen Majoritäten errungen worden sind und diesmal bei einer Rückströmung in der Wählerschaft verloren gehen könnten, auf etwa 50 veranschlagen, wogegen allerdings infolge des Abflauens des Nationalismus einige sichere Gewinnste eine geWiste Kompensation bieten werden. Die Antirepublikaner hoffen aber vor allem darauf, datz die Republikaner— namentlich infolge des scharfen Kampfes zwischen den Radikalen und den geeinigten Sozialisten— ähnlich wie im Jahre 1883 im ersten Wahlgange wenig Mandate erobern werden und datz dieses Ergebnis auch auf die Stichwahlen eine moralische Einwirkung haben wird. Jeden- falls hängt diesmal wirklich die Physiognomie der Kammer von der„republikanischen Disziplin" ab. Die ReaMonäre haben ungemein geschickt darauf hingearbeitet, den Gegensatz zwischen Bourgeoisdemokraten und Sozialisten zu verschärfen, wobei ihnen die jämmerliche Re- gierungspolittk noch Hülfe leistete. An die Geschichte vom „Komplott" glaubt niemand, zumal nach den allgememen Redensarten, die Clsmenceau gestern in Lyon zum besten gegeben hat. Dagegen konnten die Unterdrückungs- matzregeln gegen die Gewerkschaften und der Polizeiabsolu- tiSmus den Glauben der Bourgeoisie an eine vorbereitete Re- Volte nur bestärken. Wenn die kleinbürgerlichen Wähler in der Stichwahl für die Reattionären gegen die Sozialisten stimmen, wird die Regierung ihre Mehrheit selbst umgebracht haben l Die Reaktionäre haben jedenfalls den Vorteil, datz es ihnen gelungen ist, das Schlagwort, welches ihnen gerode am besten paßte, triumphieren zu lasten. Die Gleichgültigkeit der Masse der städtischen und ländlichen Bevölkerung gegen über dem Trennungsgesetz und die Kundgebung hervorragender Katholiken für eine Abfindung mit der neuen Ordnung ließen jene Aufhetzung des religiösen Fanatismus, die mittels eines pfäffischen Humbugs zur Zeit der Kircheninvcnturen einen Augenblickserfolg errungen hatte, wenig wirksam er- scheinen. Das Thema vom„Patriotismus", das die Parteien der Rechten eine Zeitlang als wahlpolitischen Gassenhauer verwendet hatten, Verlornach dem befriedigenden Ausgang des Marokkokonflikts seine besten Effekte. Ueber- Haupt ist die Masse der ländlichen Wähler mit derlei pathett- scheu Argumenten nicht zu fangen. Der Weinbau interessiert den Bauern mehr als die„Vaterlandsidee". Etwas anderes ist der Sozialismus, wenn er dem Bauern als Eigentunis- konfiSkatton präsentiert wird. Der„Antimilitarismus" da- gegen kommt sogar manchen egoistischen Instinkten des Bauern, seiner Abneigung gegen das kostspielige und zeitraubende Soldatentum entgegen. Dem entspricht eS. datz zum Beispiel einer der radikalen Kandidaten in der Provinz den Wählern verspricht, für die Herabsetzung der Dienstzeit auf sechs Monate einzutreten. Der Bauer ist eben vielfach noch nicht einmal zum Patriottsmus gelangt. Es wäre allerdings ein- fälttg zu glauben, datz die Zustimmung, die anttniilitaristische Sprachiveudungen bei ihm finden, irgend einen Gewinn für die Sache des Sozialismus anzeige. Ist der Kampf gegen die revolutionäre Arbeiterklasse die Tatsache, die der Wahlagitatton ihr Gepräge gegeben hat. so ist für die Fortschritte der sozialistt- schen Ideen in Frankreich nicht minder charakteristisch der Umstand, datz fast alle Parteien dem Sozialismus formell Zugeständnisse machen! Selbst alte Manchesterliberale wie Ribot ersinnen sich irgend ein Systeni der Staatshülfe, das sie als die beste Lösung der sozialen Frage ausgeben. Am weitesten geht die vereinigte radikale und radikalsozialistische Partei. die in ihrem Dahlmanifest ausdrücklich erklärt, sie sehe die heutige Eigentumsform keineswegs als ctwaö Unabänderliches an. Das Manifest entwirft sogar ein sehr weitgehendes Programm, das sich mit dem sozialistischen Minimalprogramm ungefähr deckt. Aber all' die schönen Dinge sollen— ohne Klassenkampf— bloß durch den Sieg der wahrhaft demokratischen Prinzipien durchgesetzt werden! Vorläufig jedoch drangsalieren die radikalen Minister die Arbeiter ganz in der Art der C 0 n st a n s und D u p u h und beweisen dadurch aufs allerschärffte die harte Wirklichkeit des Klassenkampfes. „Sozialismus" gibts aber auch bei den Kandidaten der eigentlichen Rechten, besonders in Paris, in d e n Vierteln, wo die Arbeiter und kleinen Beamten eine Rolle spielen. So kandidiert im 14. Arrondtssemcnt gegen den Genossen Bracke und den sehr fortgeschrittenen, namentlich um die Demo- krattsierung der Armee sehr verdienten Radikalen Messimy der reattionäre Oberstleutnant Fraguier, dessen Plakate die Aufschrist tragen:„Republikaner! Demokrat! Sozialist!" Und solchen„Sozialismus" gibt es gar auch in Kombinattonen wie:„Republikanisch- plebiszitär- patriottsch- sozialisttscher Kandidat" u. dergl. Herr Fraguier und andere seiner Partei- genossen versprechen auch die Gewerkschaftsfreiheit der Staatsbeamten! Dieser gemeine Betrug wird ihnen wohl keine Wähler zuführen. Der Hauptangriffspuntt der Roakttonäre ist ja seit längerer Zeit gerade die gewerkschaftliche Organisation. Gerade jetzt lesen wir in der ganzen konservattven Presse: Das Vorgehen der Regierung gegen die Arbeiterkonföderation sei ja ganz recht gewesen. Aber es müsse auch ordentlich fortgesetzt werden!-- Die grotzen Parteiorganisationen, die eine entscheidende Rolle im Wahlkampf spielen, sind: die„Action liberale populaire", die„Alliance Republicaine Democratique", die radikale und radikal- sozialistische Partei und die geeinigten Sozia- listen. Als Bundesgenossen der„Actton liberale" ist die Melinesche„Federatton Republicaine" zu nennen, und in einer Reihe von Wahlkreisen haben die nicht-geeinigten („parlamentarischen") Sozialisten einen bedeutenden Einflutz. Die„Actton liberale" ist die zentrale Organisatton der Klerikalen, die alle reaktionären Kandidaten, mögen sie sich Monarchistische Nattonalisten oder auch„revolutionäre patrio- tische Sozialisten" nennen, protegiert und mit Wahlfonds ver- sehen hat. An ihrer Spitze stehen die Stockklcriknlen P i 0 u, de Mun, Reille u. a. m. �hre Geldgeber sind die auf« gelösten Kongregationen und die reichen Fabrikanten des Nordens. Der erst im Jahre 1902 gegründete Verband ist sehr rasch gewachsen. Er hat jetzt im ganzen Lande 1500 Komitees und— angeblich— 200000 zahlende Mitglieder. Dem Verein sind Frauen- und Jugendverbände an- geschlossen, die in der Agitatton sehr tätig sind. Außer- ordentlich gut ist ihre Agitation durch die Presse organisiert. Die verschiedenen Ausgaben der„Croix", Broschüren und Flugblätter ohne Zahl, dienen zur Ver- breitung der.muten Ideen". Die„Actton liberale" steht in nicht offiziellen Beziehungen zur„royalisttschen Jugend" und zum Komitee des Prinzen von Orleans sowie zur Patriotenliga. Sie unterstützt die Kandidatur Dsroulädes und im 12. Pariser Arrondissement die des Herrn—— M i l l e r a n d.... Die republikanische Föderation, der u. a. Ribot angehört und deren gegenwärtiger Präsident der be- rüchttgte Zar von Roubaix, Herr Motte ist, steht zur„libe- ralen Attion" in steundlichen Beziehungen. Sie hat un- gefähr 200 Kandidaten aufgestellt. In der Stichwahl ist sie der klerikalen Hülfe sicher. Dierep u blikauisch-demokratischeAlliance, deren Ehrenpräsident ehedem Waldeck-Rousseau war und der von bekannten Politikern Barthou. Poincarö, und C a i l l 0 u x angehören, nennt sich„entschieden reform- freundlich, antiklerikal, aber nicht antireligiös, antt- nattonalistisch, aber Hüterin der Ehre und Macht des Vater- landes, Gegnerin von Utopien, aber unentwegt und leiden- schaftlich um den sozialen Fortschritt bemüht!" Im ganzen eine gcmätzigt-liberale Bourgeoispartet. In der Stichwahl werden ihre Anhänger schwerlich für die Sozialisten stimmen. Die radikale und radikalsozialistische Partei hat jetzt 1200 Verbände und Komitees. Sie verfügt über eine starke Provinzpresse, die sich je nach der Sttmmung der Gegend demokrattsch-republikanisch oder auch sozialistisch nennt. Auch ihre Kandidaten treten in industriellen Wahlkreisen gern als„unabhängige Sozialisten" auf. Sie vereinigt die heterogensten Elemente. Neben ernsten und polittsch wie sozial fortgeschrittenen Anhängern— wie Ferdinand 58 0 u i f f 0 n— weist sie kleinbürgerlich« demokratische Schwätzer der un- erquicklichsten Art auf. Ein großer Teil ihrer Wählerschaft rekruttert sich aus dem Bauerntum. In den Städten wird sie viel Wähler an die Sozialisten abgeben. Ihre Partei- disziplin ist nichts weniger als streng, indes hat sie sich einiger ihrer Renegaten entledigt. Die sogenannten„radikalen Dissi- denten" operieren auf eigene Faust mit ihren Wahlkomitecs. Manche dürften von der„liberalen Attion" Hülfe empfangen. Die nicht-unifizierten Sozialisten werden zumeist ihre alten Sitze zu erhalten suchen. Eine zenttale Organisatton besitzen sie nicht. In Paris stimmen sie da, wo sie keine eigenen Kandidaten haben, teils für die radikalen Kandidaten, teils für die der geeinigten Partei. Zum erstenmal treten die geeiuigtea Sozialisten in den Wahlkampf. Sie haben etwa 400 Kandidaten aufgestellt und eine immense Agitation entfaltet. Das lctztcmal erhielten die drei sozialistischen Parteien(Gucsdisten, Jaurssisten und Alle- manisten) gegen 500000 Sttmmen. Für diesmal ist ein starker Stimmenzuwachs vorauszusehen, trotzdem sich die Nicht- unifizierten abgesondert haben. Jedenfalls hat Frankeich eine solche Konzenkatton der sozialistischen Kräfte noch bei keiner Wahl ten. Das neue vorwärts drängende Leben, das sich im internationalen Sozialismus offenbart, hat sich auch in der unermüdlichen. begeisterten Wahlarbeit gezeigt, der die französischen Genossen obgelegen haben. Hoffentlich werden diese Mühen durch ficht- bare Erfolge belohnt werden. Die Revolution in Rntzlaud. Zwei Schönredner. Petersburg, 3. Mai. Goremykin äußerte fich gegenüber einem Zeitungskorrespondenten, er werde ein gemäßigt liberales Kabinett bilden und alles vermeiden, was Anlaß zur Annahme bieten könnte. daß er reaktionären Ideen huldige. Das Wort von den gut kehrenden neuen Besen läßt sich auf Goremykbr ganz besonder« anwenden. So soll er sich beim Zaren „volle AktionSfreiheit" auSbedungen haben usw. l Nikolaus aber hat es auch noch nicht verlernt, mit schönen Redensarten um sich zu werfen. So wird gerade durch die Petersburger Telegraphen-Agentur der Wortlaut des Schreibens bekannt, mit dem Witte„gnädigst entlassen" ist. Es lautet: „Ihre durch übermäßige Anstrengungen geschwächte Gesund« heit veranlaßt Sic, um Enthebung von dem Posten des Präsidenten de« Ministerrats nachzusuchen. AIS ich Sie auf diesen wichttgen Posten berief zur Ausführung meiner Pläne bezüglich der Heranziehung meiner Untertanen zu den Arbeiten der(Be- setzgebung, war ich überzeugt, daß Ihre erprobte» staatS- männischcn Fähigkeiten die Verwirklichung neuer Wahl- institutionen erleichtern würden. Dank ihrer Ausdauer und erleuchteten Tätigkeit sind diese Institutionen nun geschaffen und zur Eröffnung bereit trotz der Hindernisse von feiten der Revolutionäre, gegen welche Sie die Ihnen eigene Energie und Entschiedenheit bewiesen haben. Gleichzeitig wirkten Sie durch sthre Erfahrung in Finanzfcagen an der Festigung der Staats- ülfsquellen mit, indem Sic den Erfolg der neuen Anleihe »flBWBMWWBM sickerten. Indem ich Ihnen die nachgesuchte Entlaffuug gewähre, fühle ich da« herzliche Bedürfnis, Ihnen meine aufrichtige Er- kenntlichkeit für Ihre zahlreichen Berdienfle auszusprechen und ver« bleibe Ihr Hhncn unveränderlich wohlgewogener und aufrichtig dankbarer Nikolaus." Aehnlich phrasenreich und lügenhaft ist da? EntlassungSschreiVen an Durnowo gehalten._ politifche CUbciTicht. Berlin, den 5. Mai. Die Zigarettensteuer. Die heuttge Beratung der Zigarettensteuervorlage brachte es noch deutlicher an den Tag, welche fiskalischen Eingriffe in das Geschäftsleben mit diesem Gesetz gemacht werden. Der§ 5 Absatz 5 der Vorlage gibt dem Bundesrat, die Möglichkeit, den Einzelverkauf von Zigaretten gelegentlich ganz zu verbieten. Gegen diese Bestimmung wandten sich in scharfer Weise die Genoffen Geyer und Molkenbuhr, sowie die Freisinnigen Müller-Sagan und P 0 t t h 0 f f, die vom Schatzsekretär und den Abgeordneten Jäger- Zentrum und Held verteidigt wurde. § 7 wurde ein sozialdemokratischer Antrag auf Ver- botver Heimarbeit in der Zigarettenindustrie gestellt. der vom Genossen v. Elm trefflich begründet und gegen die Abgeordneten Erzberger, Jäger und Merten sowie gegen den Schatzsettetär verteidigt wurde. Die Debatte darüber gestaltete sich infolge falscher Be- haupttmgen Erzbcrgers über die Stellung einzelner Sozial- demokaten zur Frage der Heimarbeit zu einer breiten Dis- kussion über die Sozialpolitik der Parteien, speziell des Zen- trums, das durch eingehende Nachweise des Genossen Molken- buhr in seiner sozialpolittschen Zweideuttgkett blotzgestellt wurde. Der sozialdemokattsche Antrag wurde abgelehnt und§ 7 nach der Vorlage angenommen. Montag: Zigarettensteuer: Stempelsteuer. Gähnende Leere. Im Abgeordnetenhause ist es nach den Osterferien noch öder und langweiliger geworden als vorher. Das zeigt sich schon äutzerlich. Am Sonnabend war auf der Zuschauer- kibüne auch nicht ein einziger Gast zu sehen! Im Saale waren trotz der hohen Diäten nie mehr als ein Dutzend Volksvertreter auf einmal anwesend. Das ist durchaus natür- lich; denn selbst der nervenstärkste Mann hält es nicht ans. mit anzusehen, wie immer ein Redner nach dem andern die Tribüne besteigt und irgend eine Bahnlinie fordert, die nur für seinen WaHltteiS von Wert ist. Unter dem Zeichen solcher Kirchtumspolttik aber stand das Halls bei der Beratung der Sekundärbahnvorlage. Vorher hatte das Haus nach unwesentlicher Debatte in weiter und dritter Lesung den Antrag Schiffer(natl.) auf enderung des Artikels 26 und Aufhebung des Artikels 112 der Verfassung angenommen. Am Montag soll die Beratung der Sekundärbahnvorlage beendet werden. Außerdem stehen Initiativanträge und Petittonen auf der Tagesordnung.— Die eine reaktionäre Masse. Mit einen: traurigen und einem frohen Auge sieht der „Liberalismus" der freisinnigen Presse auf den sozialdemo- kratischcn Sieg von Darmstadt. Der Schmerz, den die „VossischeZeitung", die„Deutsche Freie Presse" und das„Berliner Tageblatt" über den Erfolg der Sozialdemokratie empfinden, wird ihnen gelindert durch die frohe Hoffnung, daß sich die wirklichen Liberalen, die für die Unterstützung der Sozial- demokratie eingetreten, nunmehr bei den Ordnungs- liberalen unmöglich gemacht haben, und daß dem antisozial- demokratischen Wahlkartell der Ordnungsliberalen(National- liberale, Freisinnige Volkspartei und der rechte Flügel der Freisinnigen Vereinigung) ein gefährlicher Stein aus dem Wege geräumt ist. Sie empfinden weit mehr Genugwung über das„Darmstädter Fiasko der„Einigungsphantasten"", als sie den Sieg des Sozialdemokraten beklagen. Und mit Stolz rechnen sie noch, daß der national- liberale Reaktionär Stein fast soviel, rund 5500 Stimmen mehr erhalten hat, als der Pfarrer Korell in der Haupt- Wahl auf sich vereinigte(rund 5800) und daß die Stimmen- zahl des Sozialdemokraten ziemlich genau um dasselbe Maß (rund 2800) gegen die Hauptwahl gesfiegen ist, als mehr Wähler (rund 2500) bei der Stichwahl gestimmt haben. Sie schließen daraus, wie wir es schon getan haben, daß bei dem Stimmen- zuwachs der Sozialdemokratie Reserven in Frage kommen und daß nur ein kleiner Teil der Wähler Korells für Berthold gestimmt haben kann, der größere Teil dagegen ins Lager der Reaktion abgeschwenkt sein muß. Das erfüllt diese Organe eines verrotteten„Liberalismus" mit großer Freude und die „Vossin" stellt mit boshaftem Behagen fest, das Wahlkomitee der vereinigten Liberalen von Darmstadt- Großgerau habe so wirksam„geeinigt", daß bei ihm wenig mehr als ihr„Wahl- ausschuß der Vereinigten Liberalen" geblieben ist. Was die„Vossische Zeitung" hier feststellt, ist die alte Tatsache, daß die Wähler der Freisinnigen Vereinigung bczw. der Nationalsozialen zu einem großen Teile reaktionärer sind als ihre Führer und Wahlparolen für die Sozialdemokratie nicht Folge leisten. Das hat sich auch in Darmstadt-Großgerau wieder gezeigt. Es wiederholt sich das traurige Schauspiel, daß die Männer, die den deutschen Liberalismus durch eine halbwegs grundsätzlich liberale Politik zu sanieren wünschen, von dem größeren Teile ihrer Parteigenossen im Stiche gelassen werden. Der größere Teil der Presse der freisinnigen Vereinigung, die„Weser-Ztg.", der„Verl. Börsenkourier", hat gegen die Stichwahlparole der vereinigten Liberalen von Darmstadt gewettert, das„Verl. Tagebl." hat sie nicht unter- stützt und gibt sie jetzt preis, und nur eine kleine Schar der Korell-Wähler(wahrscheinlich vornehmlich Demokraten und ehemalige Nationalsoziale) ist den Barth, Naumann, von Gerlach und Oeser gefolgt. Mehr und mehr konsolidiert sich die eine reaktionäre Masse, und die Versuche der wenigen wirklichen Liberalen, diesem Zuge der Zeit entgegenzuarbeiten, führt lediglich zu ihrer fortschreitenden Isolierung. Das deutsche Bürgertum in seiner Masse marschiert nach rechts, klein und kleiner werden die Scharen, die dem Rufe nach links zu folgen bereit sind. Revisionismus und Revoluzzerei. Eduard Bern st ein ist wieder einmal mit der deutschen Sozialdemokratie unzufrieden. Weder die Führer noch die Massen gefallen ihm. Das setzt er in der ihm eigenen weitschweifigen und jeden Augenblick vom Grundgedanken abspringenden Weise in den „Soz. Monatsheften" auseinander. Der Artikel betitelt sich:„Die Befestigung der Klassenwahl und die sozialdemokratische Taktik." Die sozialdemokratische Wahlkampstaktik hat sein Mißfallen erregt. Sie hat ihm zufolge bewiesen, daß die deutsche Sozialdemokratie keine Haare auf den Zähnen hat, daß sie nichts weniger als revo- lutionär ist. Der deutsche Proletarier ist das personifizierte Phlegma und„jeder spontanen revolutionären oder revolutionsähnlichcn" Betätigung unfähig. Diese Tatsache ist zwar sehr traurig, aber sie ist nun einmal eine Tatsache, und darum muß man politisch mit ihr rechnen. Da der Deutsche nun einmal nicht revolutionär ist, paßt auch die bisherige revolutionäre Taktik nicht für ihn. Die„politische Psychologie" ge- bietet, die„starre Älassenkampsdoktrin" und„die Phrase von der einen reaktionären Masse" aufzugeben und— sich mit dem„liberalen Spießbürger" der Barthschen Richtung zur Erkämpfung des allge- meinen und gleichen Wahlrechts zu verbinden I Das ist, so unglaublich es klingen mag, das, was wir als feste Gedankenspur aus Bernsteins Redebrei herauszutasten vermochten, womit wir noch nicht behaupten wollen, ihn auch richtig verstanden zu haben; solche Vermessenheit ziemte sich wohl nicht für einen Sterblichen I Selbst der Stoßseufzer, den Heine bekanntlich Hegel andichtete:„Nur ein einziger Mensch hat mich verstanden, und auch der hat mich nicht verstanden", würde nur dann auf Bernstein passen, wenn unter dem einzigen Menschen Freund Ede selbst zu verstehen wäre l Aber daß wir uns redlichste Mühe gegeben haben, in Bernsteins Artikel nach Sinn und Zweck zu spähen, das mögen die folgenden Zitate beweisen: „Die(preußische Wahlreform-) Vorlage und ihre Erhebung zum Gesetz waren Faustschläge von Regierung und Landtag ins Gesicht der Sozialdemokratie... „Und wie hat die Sozialdemokratie, wie hat die politisch denkende Arbeiterschaft Preußens sie auf- genommen? Es ist das ein, ich will nicht sagen sehr trauriges, aber jedenfalls ein zum Nachdenken sehr herausforderndes Kapitel. „Sowohl die Sozialdemokratie als Partei, wie die Arbeiter- schaft als gesellschaftliche Klasse, hat die ihr gewordene Herausforderung unerwidert gekästen... Wenn auch... gar manches kräftige Wort gesagt wurde, so ist doch im ganzen selbst in dieser Hinsicht die Parteipresse in Preußen meines Er- achtens hinter dem zurückgeblieben, was vom preußischen Partei- tag... als stir solche Fälle geboten erklärt worden war... Man wird sich gesagt haben, daß solche gesteigerte Protestaktion in der Presse wenig zu bedeuten habe, wenn ihr nicht eine entsprechende Aktion in Versammlungen oder sonst seitens der Mäste zur Seite gehe oder unmittelbar folge, auf eine solche aber nicht zu rechnen sei. So wenigstens wird das Verhalten der Presse begreiflich, und auch ich muß sagen, daß mir flammende Ergüsse in der Presse wenig Sinn zu haben scheinen, wenn man nicht weiß oder will, daß sie ein ent- sprechendes Feuer entzünden werdend Sie werden alsdann wirk- lich, wie ein auf dem Parteitag gefallenes Wort lautet, zu bloßem Gekreisch. In diesem Empfinden hatte ich in Verbindung nnt dem zitierten Zusatz einen zweiten beantragt, der für solche Anlässe Massendemonstrationen größten Stils forderte. Er wurde vom Parteitag abgelehnt, und ich tröstete mich über diese Kastrierung meiner Resolution mit dem Gedanken, daß die Logik der Tatsachen gegebenenfalls Rcmedur bringen«erde. Die Logik der Tatsachen hat das besorgt. Freilich nicht, indem sie der Aus- führung des ersten Teiles meiner Resolution die des zweiten folgen ließ, sondern indem sie den ersten Teil dem zweiten in den Orkus nachschickte... „Für die Erklärmuj und Bestimmung der heutigen Taktik der Partelen handelt es sich vor allem darum, sie selbst die politische Psych ologie der arbeitenden Volks- klassen... erst zu erkennen. Wer aber in dieser Hinsicht bei uns noch Zweifel hatte, dem müssen sie die letzten Wochen genommen haben. Hätte unser Voll ein politisch revolutionäres Temperament, so hätte es die Wahlraubsbcfcstigung un- möglich... über sich ergehen lassen... Der eine oder andere wird vielleicht sagen, die Führer hatten eben keine Parole des Wider st andes ausgegeben... Revolutionen oder revo- lutionsähnliche Manifestationen der Volksmasse sind eben nie auf Parolen von Führern hin erfolgt, sehr oft dagegen in direktem Gegensatz zu solchen Parolen... „Die starre Klassenkampfdoktrin, die die Phrase von der einen reaktionären Masse absolut nimmt und die Taktik danach bestimmen will, führt mit Notwendigkeit zum AntiParlamentarismus und je nachdem Anarchismus... „Wir sehen das heute an den Krisen und Konflikten der sozialistischen Bewegung in fast allen Ländern: hier die Tendenz. in Botmäßigkeit unter das anarchistische Dogma zu gelangen, und dort das Bestreben, zwar die Praxis den veränderten Bedingungen anzupassen, aber in den programmatischen Kund- gedungen die rechte Hand nicht wissen zu lassen, was die linke tut." „In den Tagen, wo die Wahlrechtsvorlage der Regierung in der Kammer verhandelt wurde, hielten die Barthschen Frei- s i n n i g e n in Berlin und Vororten einige Wahlrechtsversammlungen ab. Sie waren, wie der„Vorwärts" höhnend konstatierte, nur mangelhaft besucht. Gewiß, es stellt das der Kraft des Freisinns, seiner politischen Leistungsfähigkeit als Partei in Berlin ein schlechtes Zeugnis aus, darin hat der„Vorwärts" recht. Aber nun weiter. Die Schlaffheit, die Imbezillität des liberalen Spießbürgers ist nachgerade nichts Neues. Das von den liberalen Bourgeois nur etliche Dnhend weißer Raben in die Versammlungen kamen, kann niemand ver- wundern. Schließlich war es doch nur in bedingtem Umfang ihre Sache, die dort verhandelt wurde(!) Was aber verwundern mutz, ist, daß auch die Arbeiterschaft in jenen Ber- sammlungen nur spärlich vertreten war, obwohl sie durch öffentliche Anschläge bekannt gegeben und jedem zugänglich waren. Unter anderen Verhältnissen mag es begreiflich oder oft sogar rat- sam sein, daß die Arbeiter gegnerische Parteien ihre Verfamm- lungen allein abhalten lasten. Aber daß in solcher Situation Ver- sammlungen, die zur Erörterung der Wahlrechtsfrage einberufen waren, nicht ganz von selbst zu wuchtigen Demonstrationen gegen den Klassenwahlunfug wurden, ist weit mehr als für das liberale Bürgertum, für die sozialistische Arbeiterschaft Berlins beschämend." Man sieht: Revoluzzerei und Revisionismus in innigster Ver- quickung. in intimster Wechselwirkung I DaS deutsche Proletariat hätte, wenn es„politisch revolutionäres Temperament" besessen hätte, mindestens„revolutionsähnliche Manifestationen" unternehmen müssen. Da eS aber dazu zu schlafmützig ist, sollte eS wenigstens ehrlich seine Bärenhäuterei eingesteheu, dem„starren Klassenkampf- dogma" entsagen, zu scheinen wagen, was es doch i st. und— dadurch„wuchtig" demonstrieren, daß es dem Bäckerdutzend liberaler „weißer Raben" den Gefallen tut, seinen kümmerlichen Versammlungen durch massenhaften Zulauf ein Relief zu geben! Statt zielbewußter, kräftesammelnder Agitation und Organisation des Proletariats, statt des Klassenkampfes im alten sozialdemo- kratischen Sinne empfiehlt Bernstein also aberwitzige anarchistelnde Putscherei und kindische Techtelmechtelei mit einem Liberalismus. von dem er selbst sagt, daß seine Interessen in der Wahlrcchtsfrage ja schließlich nur„in bedingtem Umfang" die des Proletariats sind! Gegen solche Ansichten zu polemisieren hieße die deutsche Arbeiter- schaft beleidigen. Wohl aber haben die Genossen ein Anrecht dar- auf zu erfahren, wie sich in einem revisionistischen Kopf die Welt spiegelt I Vielleicht könnte der eine oder andere Lefer annehmen, wir seien oben in der Form Bernstein zu nahe getreten. Sie werden aber sofort anderen Sinnes werden, wenn sie hören, wie Bernstein selbst mit Genossen umspringt, die nicht seiner Meinung sind. Schreibt er doch: „Unter diesen Umständen ist kein Wort zu scharf, die Art und Weise zu kennzeichnen, wie im„Vorwärts" der Sieg der Demokraten bei den Dumawahlen behandelt�wurde. Ich schreibe ausdrücklich: im„Vorwärts", weil ich nicht an- nehmen kann, daß die Redaktion selbst das Zeug von unverdauten marxistischen Phrasen zusammen- geschrieben hat, das in den Tagen des russischen Wahlkampfes und nachher an erster Stelle des ersten Organs der deutschen Sozialdemokratte über dies bedeutungsvolle Ereignis zum be st engegeben wurde, sondern den Verfasser lieber in irgend einem Bernau suchen zu dürfen glaube... Nicht mehr lächerlich, sondern schon mit einem sehr viel schärferen Ausdruck zu bezeichnen ist es, wenn im„Vorwärts" vom 17. April die Weige- rung der Führer der Kadetten, ihren Feldzugsplan für die Duma durch einen Interviewer der„Petersburger Zeitung" der zarischen Regierung in den Details bekannt zu geben, als begrünender Verrat am Proletariat bezeichnet wird..." Wenn Bernstein sich nicht direkt gegen den„Vorwärts" wenden zu sollen glaubt, so hat er insofern recht, als eS deutschen Sozialdemokraten mangels der Kenntnis der russischen und polnischen Sprache wohl ansteht, sich in der Beurteilung der russischen Ver- Hältnisse größte Zurückhaltung aufzuerlegen. Der„Vorwärts" hat es deshalb auch ihm als zuverlässig bekannten russischen Mitarbeiter und zwar in der revolutionären Bewegung stehenden führenden Genossen überlassen, über die äußerst schwierige Frage der Duma- Wahlen zu urteilen. Luch Bernstein besitzt— trotz seiner erlauchten polnischen Ahnen— unseres Wissens nicht die erforderlichen sprachlichen Kennt- niste, um ein kompetentes Urteil abzugeben. Höchstens könnte man annehmen, daß er deshalb etwas von der russischen Politik ver- stehen müßte. weil er von der deutschen Politik keine Ahnung hat! Wie dem aber sei: Seine unerträglich anmaßende Schulmeisterei russischer Genossen beweist jedenfalls, daß ihm gegen- über der schärffte Ton noch viel zu milde ist! DeutfcKes Reich. Regierung und Nationalliberale. DaS Verhalten der Regierungsvertreter zu den Abstimmungen in der Schulgesetzkommission veranlaßt fast die gesamte national- liberale Presse zu heftigen Angriffen gegen das Kultusministerium, und zwar umsomehr, als die„Verl. Pol. Nachr." in einem offiziösen Artikel deutlich durchblicken lasten, daß es der Regierung ziemlich gleichgültig ist, ob die Nationalliberalen wegen des die Berufung der Vollsschulrektoren betreffenden Paragraphen ihre Mitwirkung versagen, da in diesem Falle die Regierung einfach die Hülse des Zenttums in Anspruch nehmen würde. Die von der„Natt. Korresp." gegen diese Ausführungen erhobenen Anllagen gelangen in fast allen nationalliberalen Blättern, von der„Köln. Ztg." bis zu den Keinen Lokalblättern, zum Abdruck, teilweise mit derben Glossen. Dabei ergibt sich die für die nattonalliberale Partei nichts weniger als ehren- hafte Tatsache, daß schon im Vorstadium der Gesetzesausarbeitung die Regierung wie die Konservativen die Nationalliberalen zu über- listen und von diesen abgelehnte Gesetzesbestimmungen auf Umwegen wieder in das Gesetz zu bringen suchten, daß aber trotzdem die Herren Nationalliberalen in ihrem Eifer, das Verpfaffnngsgesetz durchzubringen, sich nicht davon haben abhalten lassen, sich immer wieder aufs neue an dem Schacherhandel hinter den Kulissen zu be- teiligen. So schreibt z. B. die„Nationalliberale Korresp.": „Schon in dem Vorstadium der Ausarbeitung des Gesetz- entwurfes, das neulich von dem Kultusminister ohne Not und nicht gerade in diskreter Weise in die Diskussion hineingezogen worden ist, haben sich die Nationalliberalen darüber zu beklagen gehabt. daß man inbezug auf die Simultanschule noch hinter de in Kompromiß zurückgeblieben war. Nachdem der Kultusminister diese Dinge hineingezogen hat, dürfen wir den Schleier wöhl auch insoweit lüften, daß schon da- mals der§ 40 lebhaft beanstandet wurde und daß schon damals in bestimmte Aussicht gestellt war, eS werde in bezug auf diesen Paragraphen ein weitgehendes Entgegenkommen seitens der Uuterrichtsverwaltung geübt werden. Daß das Gegenteil eingetreten ist, he lv ei st der Ver- lauf der letzten K o m m i s s i o n s si tz u n g. in welcher in der Rektorenfrage durch die'Haltung des Ministers und seines Vertreters die Konservativen in ihrem Festhalten an der Regierungsvorlage geradezu gestärkt wurden. Rücksichtsloser konnten allerdings die Nationalliberalen nicht behandelt werden von einer Regierung, die es sonst als ihre Aufgabe betrachtet. auch die Nationalliberalen bei der positiven Mitarbeit an den politischen Aufgaben des Reiches und der Eiuzelstaaten zu be- teiligen und ihre Hülfe dazu i» Anspruch zu nehmen. Daß die Erfahrungen, die die Nationalliberalen bei dieser Gelegenheit machen mußten, nicht ohne Folgen für ihre weitere Stellung zur Regierungspolitik bleiben werden, ergibt sich von s e l b st." Und in der Zuschrift eines nationalliberalen Abgeordneten an die betreffende Korrespondenz heißt es: „Es steht ausdrücklich fest, daß bei den Kompromißverhand- lungen über das Volksschulnuterhaltungsgcsetz der§ 40, welcher das Recht der Städte behandelt, lebhaft beanstandet worden ist und daß von feiten der Unterrichtsverwaltung ein weitgehendes Entgegenkommen im Sinne der nationalliberalen Forderungen zugesagt wurde. So ist es der Fraktion mitgeteilt worden. Nun geschiebt in letzter Stunde das gerade Gegenteil, und der Staalsminister, welcher bisher in den Kommissionsberatungen zu- gunsten eines seiner Herren Kommissare von seiner leitenden Stellung kaum Gebrauch gemacht hat, tritt mit dem Vollgewicht seiner Verantwonlichkeit als Staatsministcr auf und erklärt, hier könne von einem Entgegenkommen nicht mehr die Rede sein, die Regierung habe schon zu viel nachgeben müssen; das Mehr ginge nicht!! Die von dem Staats- minister oder vielmehr seinem Kommissar geübte Nachgiebig- keit hat nach meinen recht sorgsamen Beobachtungen der Vor- gänge in den Kommissionsverhandlungen darin bestanden, daß jede Erfüllung des Krompro Misses von feiten der Nationalliberalen dem Kulkusministerium ge- radezu abgerungen werden mußte, und daß während dieser Arbeit der Vertreter der Staatsregierung die ganze Kunst seiner dialektischen und diplomatisch eigenwilligen Geschicklichkeit aufbot, um ein Loch nach de ni anderen in das K o m- p r o m i ß hinein; n st oßen. Und dies ist ihn: wirklich in letzter Stunde, und zwar(ich muß es mit Bedauern hervorheben) mit Hülfe einer direkten dahingehenden Marschroute der konser- vativen Fraktionsmitglieder und zum hellen Jubel des Zentrums gelungen." Sind diese Tatsachen richtig, wie nach der Bestimmtheit, mit der sie vorgebracht werden, kaum bezweifelt werden kann, dann zeigen sie Herrn Studt und seine Helfershelfer in einer höchst schäbigen Rolle; aber zugleich wird durch sie den Herren Nationalliberalen das Zeugnis erbännlicher Charakterlosigkeit ausgestellt. Jede ehren- hafte Partei hätte unter den Ilmständen, welche die„National. Korresp." schildert, ihre Mitwirkung an der widerlichen Techtel- mechtelei versagt; die Nationalliberalen aber ließen sich durch alle rollenwidrigen Kreuz- und Quersprünge des Kultusministers und der konservativen Führer nicht abschrecken, sondern unterhandelten weiter— nur bestrebt das VerpfaffungSgesetz durchzudringen. ES fordert deshalb auch heute lediglich zum Spott heraus, wenn die Nationalliberalen sich in die Toga der Prinzipienfestigkeit hüllen und der Regierung mit den Folgen ihres Vertraucnsbruchs drohen. Eine Partei, die sich derartig behandeln läßt, hat jeden Anspruch darauf, politisch enist genommen zu werden, verloren.— Die Regierung schweigt. Genosse Bebel hat in der Reichstagssitzung am letzten Donners- tag gegen die Regierung die schwersten Anklagen erhoben? er hat Angestellte der Berliner Polizei der Verleitung zum Landes- verrat beschuldigt und das Berliner Polizeipräsidium öffentlich der Urkundenfälschung geziehen— doch die Regierung schweigt. Sofort nach dem Bekanntwerden der Bebelschen Rede haben Blätter der verschiedensten Parteien die Regierung aufgefordert, sich zu den Ausführungen zu äußern, und erklärt, daß. wenn jene Anschuldigungen nicht alsbald widerlegt würden, Deutschlands An- sehen in der ganzen Kulturwelt aufs schwerste geschädigt sei. So erklärte z. B. das Hauptorgan des Zentrums, die„Köln. Volksztg.": „Die Regierung hat geschwiegen, und so gehen die schweren Anllagen des Abg. Bebel unwidersprochen ins Land hinaus. Die öffentliche Meinung, die bisher geneigt war, die Klagen der sozialdemokratischen Presse, deren Unzuverlässigkeit so oft erwiesen wurde, für unbegründet oder mindestens für starke Ueber- treibungen zu hallen, muß nun, so lange keine amtliche Klar- stellung erfolgt, dem Eindruck unterliegen, daß rn diesen Klagen doch mehr Wahrheit stecke, als der Regierung angenehm sei. Besonders bedenklich wäre eS auch in Anbetracht unseres Verhältnisses zu Rußland, wenn eS sich bewahrheiten sollte. daß die Berliner Polizei einen russischen Staatsangehörigen zum Landesverrat veranlassen wollte, ihm zu diesem Zweck einen falschen Paß ausgestellt und in einer falschen Urkunde bescheinigt habe, daß er nicht Jude, sondern Christ sei. Eine solche Behauptung sollte doch nicht eine Stunde unwiderlegt bleiben! Da hätte die Regierung sofort schleunigst einen Kommissar zum Reichstag kommen lasten müssen, um eine so ungeheuerliche Aullage auf der Stelle zu ent- kräften." Und die„Voss. Ztg." schrieb: „Die Regierung hat gestern geschwiegen. Sie hat sich hinter den Zuständigkeitseinwand zurückgezogen. Aber man sollte meinen. es liege in ihrem eigenen Interesse, unumwunden klare Auskunft zu geben, sei es im preußischen Abgeordnetenhause, dessen Zu- ständigkeit auch von ihr nicht bestritten werden kann, sei es in ihrer amtlichen Presse. Handelt es sich doch um die Wahrung des Ansehens der Regierung vor dem Volk. Preußens im Deutschen Reich und des Deutschen Reichs vor allen Kulturstaaten." Doch die Regierung läßt alle Mahnungen unbeachtet; sie. die sonst bei den geringfügigen Anlässen über die Schädigung des An- sehens Deuschlands im Auslande klagt, sie. die so oft die„Nordd. Allgem. Ztg" in den kleinlichsten Dingen mit langen Berichtigungen beglückt hat— sie schweigt. Sie findet kein Wort der Entgegnung. der Widerlegung. Ein höchst beredtes Schweigen! Zu dem skandalösen Fall des Kriminalkommissars Schöne und des „Privatiers" von Brockhusen, den Genosse Bebel am Donnerstag im Reichstag enthüllte, hören wir. daß der Schöneberger Kaufmann, den jenes edle Paar unter Ausnützung des AusweisungSgesetzeS zum Hoch- und Landesverrat an seinem Vaterlande zu pressen versuchte. Deutschland nur vorübergehend zum Zwecke einer Geschäftsreise ver- lassen hat und mit seiner Familie nach Ivie vor in Schöneberg domiziliert.— Interpellation wegen der RussenauSwrisungen. Die beiden frei- finnigen Fraktionen haben folgende Interpellation im preußischen Abgeordnetenhause eingebracht: „Sind der kgl. Staatsregierung der Umfang und die Gründe der von dem Polizeipräsidenten von Berlin angeordneten Ans- Weisungen russischer Staatsangehöriger bekannt? Billigt die kgl. Staatsregierung die angeordneten Maßnahmen, und was gedenkt sie zu tun, um einer mit Härten und Unbilligkeiten verbundenen willkürlichen Handhabung der Ausweisungsbefugnis entgegenzu- treten?"—_ Herr Barth und die Darmstädter Stichwahlparole. Herr Barth beschäftigt sich in der letzten Nummer seiner .Nation" mit der Stichwahlparole, die das Wahlkomitee der der- einigten Liberalen in Darmstadt für die gestern vollzogene Stich- Wahl ausgegeben hat. Er fertigt dabei den einfältigen Einwand eines Teiles der freisinnigen Presse, besonders der„Voss. Ztg.". daß das Eintreten des Korellschen Wahlkomitees für den sozial- demokratischen Kandidaten die Einigung des Liberalismus gc- fährde, mit folgenden Worten ab: „In Wirklichkeit könnte der entschiedene Liberalismus ein- packen, wenn er der Einigungspolitik der„Vossischen Zeitung" Folge leisten wollte Eine Einigung des Liberalismus zu dem Zweck, um eine neue Schutztruppe für die Reaktion herzustellen, kann vom Standpunkte des entschiedenen Liberalismus aus nicht nachdrücklich genug bekämpft werden. Eine derartige Einigung würde nicht nur das Ende des wirklichen Liberalismus bedeuten, sondern auch der Sozialdemokratie neue politische Kräfte zu- führen. Aufzuhalten ist die Sozialdemokratie nur durch eine Erstarkung der bürgerlichen Demokratie. Das wissen auch die Reaktionäres Aber ihnen liegt gar nichts an einer numerischen Schwächung der Sozialdemokratie, da sie sehr wohl begreifen, daß der politische Einfluß der Sozialdemokratie auch bei einer numerischen Stärkung doch zurückgehen muß, wenn es ge- lingt, die bürgerliche Demokratie zu schwächen und Teile ihrer Anhänger vor dem roten Gespenst ins reaktionäre Lager zu scheuchen." Dann heißt es weiter: „Auch die sozialdemokratischen Jntransigenten, die viel mehr Wert darauf legen, ihren Einfluß auf die sozialdemokratischen Massen zu behaupten als realpolitische Erfolge für die Arbeiter- bevölkerung zu erringen, würden eine politische Schlachtordnung, bei der die Sozialdemokratie einer einzigen reaktionären Masse gegenüberstände, sehr gern sehen. Der„Vorwärts" hat ja auch mit dankenswerter Offenheit erklärt, es würde ihn mit Be- friedigung erfüllen, wenn die vereinigten Liberalen die Parole nicht für den Sozialdemokraten, sondern für den reaktionären Nationalliberalen ausgäben." Wir wissen nicht, wo Herr Barth gelesen hat, der„Vorwärts" habe erklärt, es würde ihn mit Befriedigung erfüllen, wenn die vereinigten Liberalen für den nationalliberalen Kandidaten einträten— im „Vorwärts" jedenfalls nicht, denn dort ist solche Erklärung nicht erfolgt. Allem Anschein nach hat Herr Barth das aus einer Notiz in der letzten Mittwochsnummer unseres Blattes herausgelesen, in der es heißt:„Wir wollen uns vorläufig damit begnügen, diese Symptome für das Zusammengehörigkeitsgefühl aller bürgerlichen Elemente zu der einen reaktionären Masse zu verzeichnen und den Ausfall der Stichwahl abwarten!" Diese Aeutzerung aber ent- hält eher alles andere, als den Wunsch, das Korellsche Wahl- komitee mächte sich für Dr. Stein entscheiden; sie drückt lediglich den Zweifel aus, daß nach den Angriffen freisinniger Blätter auf die Darmstädter Stichwahlparole mit einer Stimmenabgabe eines wesentlichen Teiles der Korellschen Wählerschaft für den Kandi- daten unserer Partei nicht zu rechnen sei— und diese Auffassung wird durch die Stimmenverhältnisse der gestern vollzogenen Wahl als richtig erwiesen. Ebenso absurd ist die Annahme, die sozialdemokratische Partei oder wenigens ihr sogenannter„intransigenter" Flügel trachte die Bildung einer politisch ins Gewicht fallenden liberal-demo- kratischen Partei zu verhindern. Wir erkennen den Nutzen einer solchen Parteibildung für die deutschen Verhältnisse offen an; nur bezweifeln wir, daß sie zustande kommt, schon aus dem ein- fachen Grunde, weil beide freisinnigen Parteien auf eine Heran- ziehung der Nationalliberalen zur„Einigung" spekulieren. So- lange die sogenannten„entschiedenen" oder„wirklichen" Liberalen eine Vereinigung auf dieser Basis anstreben, gilt für das liberale Einigungsprojekt das Dantcschc Wort:„Laßt alle Hoffnung schwinden."— AuS der„Ferienkolonie". Jeder mit dem Kasernenleben Vertraute weiß, bis zu welcher Verträglichkeit sich häufig das Verhältnis zwischen den Rekniten und der alten Mannschaft, die im zweiten Jahrgang dient, zuspitzt. Jedes Nachexerzieren, jede Strafübung, an der die Ungeschicklichkeit eines oder mehrerer Rekruten schuld ist, wird von der alten Mann- schaft zum Anlaß genommen, die jungen Rekruten zu mißhandeln und zu peinigen. Und die bei solchen Gelegenheiten ausgeteilten Fußtritte und Püffe werden niemals von einem Vorgesetzten gesehen, selbst wenn er auf Arnrlänge daneben steht! Ein Beispiel für diese Verhältnisse, das als typisch bezeichnet werden kann, bot eine Verhandlung vor dem Oberkriegsgericht Stuttgart. In der Ulmer Kaserne des Fußartilleriercgiments Nr. 13 drangen in der Nacht zum 21. Januar die Obergefreiten Hering und Watterbör sowie die Kanoniere Daniel und Neda in eine Mann- schaftsstube ein, zogen den Rekruten Köttermann aus dem Bett und schleiften ihn auf den Korridor. Dort hielt Neba den nur mit einem Hemd bekleideten Köttermann fest, während die anderen drei etwa 4 Minuten lang mit Klopfpeitschen auf ihr Opfer losschlugen. Anderen Tags mußte Köttermann ins Lazarett gebracht werden. Der Aw blick, den er bot, war jämmerlich; der ganze Körper war mit zahl losen blutunterlaufenen Stellen bedeckt, die Haut hing in Fetzen herab. Zwölf Tage mußte er an den Folgen der Mißhandlung im Lazarett liegen. Das Kriegsgericht venirteilte Hering zu zwei Monaten zwölf Tagen. Neba zu zwei Monaten zehn Tagen und Watterbör zu zwei Monaten Gefängnis. Die drei ersten legten gegen dieses Urteil wegen zu hohen Strafmaßes Berufung ein, wurden aber vom Oberkriegsgericht abgewiesen.— Zur Reichstagswahl in Hannover-Linden. Die NationaUiberalen haben ihre politische Charakterlosigkeit so weit getrieben, auch das ihnen angeblich so sehr verhaßte Zentrum um Wahlhülfe anzubetteln. doch zu ihrem größten Schmerz ohne Erfolg. Die Antwort des Zentrums lautete: Hannover, den 27. April 1906. An den Ausschuß des nationalliberalen Vereins . Hannover. Auf Ihre gefl. Anfrage vom 7. d. M. teilen wir Ihnen er- gebenst mit, daß wir berert gewesen wären, für einen gemeinsame» Kandidaten der bürgerlichen Parteien für die bevorstehende Reichs- taaSwahl einzutreten._> Da durch die Erklärung der deutfch-hannoverschen Partei Ihr Vorschlag ohnehin nicht verwirklicht werden kann, so hat eine am heutigen Abend stattgefundene Vertrauensmännersitzung der hiesigen Zentrumspartei beschlossen, für dre Ersatzwahl einen eigenen Kan- didaten aufzustellen... � NamenS des ZentrnmswahlkomiteeS. Dr. M a x e n. Pastor. Der„eigene Kandidat" des Zentrum? ist Herr— Mathias Erzberger!„Am Grabe Windthorst's soll er die Stimmen der Zen- trumswähler auf sich sammeln" und beweisen, daß die Ohrfeige, die ihm Herr Spahn im Reichstage versetzte, sein Ansehen auch in Nord- deutschland nicht geschmälert hat. Wahlverwandte Kämpen. Die Geschorenen und die Gescheitelten liegen sich wieder in den Haaren. Ein protestantisches Pfaffenblatt, die„Kirchliche Gegen- wart" in Göttingen, hatte behauptet, daß König Alfons von Spanien sich deshalb eine Braut aus protestantischem Königshause gewählt habe, weil die katholischen Herrscherhäuser de- generiert seien und die Damen auch in Sachen der eheliche ir Treue nicht so zuverlässig wären wie die evangelisch erzogenen. Man kann sich denken, wie die„Germania" deswegen schäumt' und wütet. Aber der protestantische Bruder in Christo bleibt hart und gleichgültig underwidert insalbungsvollerRuhe: „Gewiß, daß ist bitter, aber es ist nun einmal so. Es ist einfach die Meinung wiedergegeben, die heutzutage verbreitet ist. In gewöhnlichen Zeiten bringt man das nicht aufs Tapet; aber wenn wieder so ein Ueberttittsfall vorkommt, dann wird man hart gegen die eigene und fremde Kirche." Das nennt die„Germania" ihrerseits wieder einen„gewöhn- lichen Klatsch" ohne Spur von Beweis. Die zwei Fälle von Toscana und Belgien dürfe man nicht verallgemeinern.„Außerdem waren es nicht gerade prote st antische Elemente, die im Falle „Toscana" am meisten Partei ergriffen für die Treulose?" Das Amüsante an der Sache ist, daß das evangelische Blatt gar nicht merkt, wie sehr seine eigene Kirche durch die Affäre blamiert wird. Denn wenn sie nicht einmal soviel innere sittliche Kraft besitzt, um die protestantisch erzogenen Prinzessinnen davor zu bewahren, daß sie ihren Glauben aufgeben, bloß um in„degenerierte Familien" hineinzuheiraten, was soll man dann von ihr halten? Vielleicht noch interessanter ist, wie die geistlichen Herren gegen- seitig ihre kirchlichen Einrichtungen einschätzen. Der„Protestant" schreibt: „Eine Beichtpraxis, bei der die Absolutton wie eine Art Mohrenwäsche aufgefaßt wird, kann keine sittliche Tat- kraft erzeugen.� Und prompt erwidert die ehrsame Jungfer„Germania": „Bkan wird verwundert fragen, was die Beichte mit den Herrscherhäusern zu tun hat, und inwiefern die nach genauer Er- forschung des Gewissens und Erweckung ernstlicher Reue(das ist conditio sine qua non) vor dem Priester abgelegte Beichte, wobei die eingehendsten individuellen Ermahnungen erfolgen, nicht so viel „sittliche Tatkraft" erzeugen soll wie die allgemeine Beichte der Protestanten." Wir finden, daß beide Blätter recht haben. � Ein MagistratSrat als Magistratsbeleidiger. Die Russenver- sammlung, die am 22. Januar in Würzburg stattfand, hatte dieser Tage vor dem dortigen Landgericht ein Nachspiel. Der Referent jener Versammlung, Genosse Eberhard, der als einziger Sozial- demokrat dem Magistrat angehört, hatte in seiner Rede eine scharfe Kritik an dem Magistrat geübt, der aus Anlaß der Versammlung ein so starkes Polizeiaufgebot mobil gemacht hatte. Diese Maßnahme soll E. als eine Schande für Würzburg bezeichnet haben. Ferner hatte er im Hinblick darauf, daß von Preußen her ein Wink nach Bayern gekommen war, die Versammlungeli vom 22. Januar scharf zu überwachen, den Magistrat den„Stiefelputzer Preußens" genannt. Das Urteil lautete auf 40 Mk. Geldstrafe, wo bei als mildernd hervorgehoben wurde, daß es sich nur um rednerische Entgleisungen handle.— Eigentümliche Silbcrfunde hat der Untersuchungsrichter inr Schlosse des Fürsten W r e d e zu Basedow bei Malchin in Mecklenburg gemacht. Auf die Anzeige eines im Un frieden aus dem Wredcschcn Dienste geschiedenen Dieners hat eine Haussuchung im Schlosse stattgefunden, bei der man in der Silberkammer des Schlosses zahlreiche silberne Tafclgeräte und Vorräte von Tischwäsche fand, die aus— großen Hotels zu Paris, Berlin und München stammen I Es war io viel an solchem Silber vorhanden, daß es in mehreren Kisten und Körben nach dem Gerichte gebracht werden mußte. Das Pariser Hotel d'Orsay ist am meisten in Mitleidenschaft gezogen, es wurden aus seinen Beständen ollein 58 Platten, neun Saucieren, elf Gemüseschüsseln, vier Salzgefätze, ein Dutzend Milch- und Kaffeekannen und. ver- schiedene andere Kleinigkeiten gefunden. Die übrigen Sachen flammen nach den Zeichen aus dem Palasthotel und dem Kaiserhof in Berlin und dem Bayerischen Hof in München. Dem Vernehmen nach hat der Untersuchungsrichter gegen den Fürsten und die Fürstin Wrede sowie gegen die Hausdame Frl. Weidig Haftbefehle erlassen. Oh sie leicht zu vollstrecken sein werden, ist allerdings fraglich, da der reiche Fürst Wrede mit seiner Frau, einer Argentinierin, zurzeit fern in Madrid weilt. Da? Paar dürste wohl keine große Sehnsucht nach dem herrlichen Basedow hohen, wenn es die Nachricht von diesen Silberfunden erhält, noch viel weniger nach einem deutschen Untersuchungsgefängiiis. HuelancL Oesterreich. Der Massenstreik als Wehr und Waffe. Angesichts der Schwierigkeiten, die sich der Wahlreform neuer- dings in den Weg stellen, ist die Gesamtexekutive unserer österreichischen Bruderpartei am Mittwoch zu einer wichtigen und unter Umständen folgenschweren Sitzung zusammen getreten. Alle sozialdemokratischen Abgeordneten, die Mit- glieder der Gewerkschaftskommission und Vertreter der Industrie� gruppen waren erschienen, und sie beschlossen einmütig und einstimmig: Da in der österreichischen Arbeiterschaft die Eiittustunq über die Wahlintrigen der Feudalen von Tag zu Tag steige und mit Sicherheit selbst die Person Hohenlohes keine Gewähr für die Durchsetzung des afr gemeinen Wahlrechts biete, so müsse den Machthabern deutlich gezeigt werden, daß Oesterreichs Proletariat gesonnen sei, sich keinerlei Vertröstungen oder Enttäuschungen mehr ge- fallen zu lassen I Die Arbeiterschaft sei gewillt, lieber in einem entscheidenden Ringen für die Wahlreform zu kämpfen, als sie langsam— unter welchem Vorwand auch immer— zu Tode verschleppen zu lassen! Der Gesamtexekutive wurde daher die Vollmacht gegeben: bei dem ersten Zeichen, daß die Wahlreform ernstlich bedroht ist oder daß man sie... verschleppen will, unverzüglich die Vertrauensmänner der politischen und der gewerkschaftlichen Organisationen zu einer Konferenz zusammenzuberufen, auf deren Tagesordnung die AnordiiUiig »nd Durchführnng des Miisscnstrciks zu stehen habe. Oesterreichs Proletariat weiß, was es will I— Ungarn. Die Neuwahlen sind zwar noch immer nicht zu Ende, doch es kann bereits festgestellt werden, daß die Kossuth-Partei im Reichstage unbedingt die absolute Mehrheit inne haben wird. Die Verwirk- lichinig des allgemeinen, gleichen und geheimen Mahlrechtes scheint somit gesichert zu sein, da dies doch eine Hauptforderung des Kossuth- Programms ist. Die feudal-klerikale Sippschaft ist rein außer Rand und Band geraten. Eine derartige Niederlage hatte diese Jntercssengruppe doch nicht erwartet. Diese letzte Wahl unter dein elenden Wahl- gesetze läßt bereits einen Schluß zu auf die Znsanimensetzuiig des künftigen Parlaments, welches auf der Basis des allgemeinen Wahl- rechtes zusammentrete» wird.— Maifeier. Die einlaufenden Probinzberichte liefern einen eklatanten Beweis dafür, daß unsere Genossen, obwohl sie politisch rechtlos sind, dennoch eine große Macht repräsentieren. Die Furcht der Scharfmacher ist demnach begreiflich. Szabadka: Diese bedeutende Stadt hat den Tag m außer« ordentlich würdiger Weise gefeiert. Am Demonstrationszuge und an der Versammlung nahmen viele Taufende teil. Szeged: Der 1. Mai wird den Ausbeutern noch lange im Ge« dächtnis bleiben. Der Demonstrationszug wies über 5000 Teil- nehmer auf. MarmaroSziget: Sämtliche Fabriken und Werkstatten waren geschlossen. Der DemonstrationSzug und die Versammlung haben bewiesen, daß in dieser Gegend, deren Schundlöhne berüchtigt sind, die organisierten Arbeiter den bösesten Härten des entsetzlichen Aus- beutungs-Systems bald ein Ende machen werden. Kassa: Auch hier wurde die Maifeier in würdiger Weise be- gangen. Die Spritfabril hat ihre Arbeiter ausgesperrt. Als sie dann die Sperre aufheben wollte, haben sämtliche Arbeiter Lohn- Verbesserung verlangt! Miskolcz: Dies Jahr hat hier zum ersten Male der Demon- strationszug stattfiiideil können, der viele Tausende zählte. Im Ver- sammlungslokal erschien sogar der Bürgermeister, der den Führern für die musterhafte Ordnung seine Anerkeiinung aussprach. Pozsony(Preßburg): Diese Grenzstadt hat bereits des öfteren bewiesen, daß die Sozialdemokratie die Straße beherrscht. Der Dcmonstrationszug zählte 10 000 Teilnehmer. Kolozsvar sKlausenburg): Die Maifeier verlief glänzend. Unsere Genossen können auf den Erfolg stolz sein. Außerdem begingen noch viele hundert Ortschaften und kleine Städte die Maifeier in würdiger Weise. Schweiz. Wahlen im Kanton Bern. Bern, 3. Mai. verhüllter Weise gebrochen worden, wie dies seitens der Berliner Buchbindereibesitzer geschehen ist und die Serren dürften denn doch wohl die Arbeiterorganisation, den Deutschen Buchbinder-Vcrband, unterschätzt haben, wenn sie glauben, er ließe seine Mitglieder vergewaltigen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Berliner Buchbindereien stellten an ihre Arbeitgeber daS Verlangen auf Freigabe des l. Mai, welchem Verlangen auch von einer ganzen Anzahl derselben nach- gekommen wurde. Aber nunmehr mischte sich der Verband Berliner Buchbindereibesitzer hinein und erließ ein Schreiben an den Vorsitzenden der Berliner Tarifkommission der Buchbinder, das wert ist, hier im Wortlaut wiedergegeben zu werden. ES lautet: Berlin. 28. IV. 1906. An den Deutschen Buchbinderverband zu Händen Herrn Sch. Hier. Auf daS an die Mitglieder unseres Verbandes gerichtete Ersuchen der Arbeitnehmer, den 1. Mar als Feiertag freizugeben, erwidern wir Ihnen, daß diese Angelegenheit zur Sache des Arbeitgebcr-Verbandes gemacht worden ist, in der richtigen Bor- OeutWifB Rdd». Beendigung des HafcnarbeiterausstandeS in Swinemünbe. Der seit drei Monaten andauernde Ausstand der dem organisierte» Hafenarbeitrrverbande angchörigcn Arbeiter in Swine münde aussetzung, daß die Forderung vom Deutschen Buchbinderverband.��rch V�mitÄüng des ReeÄrs Kunstm an n bcigelegt wordcu ausgeht. �> und die Arbeiter haben Nock) gestern mit der Entlöschung des der r S P � r," hJa 1 Wni Reederei Kunstmann gehörigen Dampfers„Silesia", welcher von bandcs einstimmig beichlosien worden, die Freigabe des 1. Mai ,s. Freiga nickt Wir müssen vielmehr in der einseitigen willkürlichen Arbeits- niederlegung einen Kontraktbruch erblicken und müssen für den Fall, daß ein Teil der Arbeitnehmer am 1. Mai durch Nicht- erscheinen zur Arbeit demonstriert, die bestehende Tarifgemein- schaft als aufgelöst betrachten. Für diesen Fall werden die Betriebe bis auf weitere? nicht wieder aufgenommen, bis neue Vereinbarungen mit Ihrem Ver- bände abgeschlossen sind. Wir würden es außerordentlich be- dauern, wenn Sie aus Ihrem Beschlüsse bestehen, müssen Sie dann aber auch für alle Konsequenzen verantwortlich machen. Hochachtungsvoll Verband Berliner Buchbindereibefitzer. Der Vorstand. I. A.: C. Metschkc. Zum Verständnis dieses Schreibens sei hinzugesetzt, daß die Tarifgemeinschaft der Buchbinder ausdrücklich zwischen dem Verband Deutscher(!) Buchbindereibefitzer" und dem„Deutschen Buchbinderverband", also den beiderseitigen Zentral organisa tionen abgeschlossen worden ist und für die drei Städte Berlin Leipzig und Stuttgart Geltung hat bis zum 31. August 1906. Eine lokale Organisation hat daher gar nicht das Recht, in einseitiger Weise die Tarifgemeinschaft für aufgehoben zu erklären zumal der Verband Berliner Buchbindereibefitzer kein Bestand teil des Verbandes Deutscher Buchbinderei- be sitzer ist, wenn auch der größte Teil seiner Mitglieder dem letzteren angehört. � Charakteristisch ist auch, daß einige Herren ihren Arbeitern den 1. Mai freigaben, dann ihr Wort nicht hielten und zuletzt doch die Aussperrung vornahmen! Einige taten dies mit Worten des Bedauerns: Der Verband habe beschlossen, sie müßten sich fügen Also der Verband Berliner Buchbindereibesitzcr zwingt seine Mitglieder zum Tarifbruch. Das ist wohl kein Terrorismus? Erst am Abend des 30. April wurde den Personalen durch Anschlag die Aussperrung bekannt gemacht und zirka 1100 Arbeiter und Arbeiterinnen sind seit dem 2. Mai ausgesperrt. Die Berechtigung der Berliner Buchbindercibesitzer, aus dem (.'genannten„Kontraktbruch" der Arbeitnehmer, der durch die Feier »es 1. Mai begangen sein soll, eine Auflösung der Tarifgemcinschaft abzuleiten, erscheint gewiß in einem eigenartigen Lichte, wenn man demgegenüber bedenkt, wie oft die Arbeitgeber den Arbeit- n e h m e r n schon einen Feiertag aufgedrängt haben, den letztere gar nicht wollten, nur weil eZ dem politischen Empfinden der Arbeit- geber entsprach._. Der Vorstand des Deutschen Buchbinder-VerbandeS in Berlin hat bereits in einem Schreiben an den Vorstand des Buchbinderei- besitzer-VerbandeS in Leipzig auf den Tarifbruch hingewiesen und um baldige Antwort gebeten, wie sich derselbe zu dem Verhalten 'einer Berliner Mitglieder stellt. Auf die Antwort kann man gewiß gespannt sein. Alle in Buchbindereien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen werden ersucht. Berlin zu meiden und die gesamte politische und gewerkschaftliche Arbeiterpresse wird um Abdruck des Vorstehenden gebeten._ Der Streik der Scherlschen Zeitungsfrauen ist siegreich für diese beendet. Die gemaßregelte Frau wurde wieder eingestellt, daS Pakcteabtragen fällt fort. Der Filialleiter in Moabit ist angewiesen worden, sich den Frauen gegenüber anständig und höflich zu be- nehmen. Von der westprcuhischen Filz- und Reiseschuhsabrik Aug. Schulz u. Co., Brunnenitr. 92, erhalten wir eine Zuschrift, welche die i» Nr. 100 des„Vorwärts" vom 1. Mü durch die Ortsverwaltung des Schuhmachervcrbandes in einer Warnung vor der Firma fest gestellten Tatsachen Punkt für Punkt bestreitet. Eine wörtliche Wiedergabe der Zuschrift wollen wir Unterlasten, da dieselbe über den durch da? Prcßgesetz gegebenen Rahmen einer Berichtigung hinausgeht. Wir entnehmen der Zuschrift jedoch, daß die Firma die Aushändigung von Papieren nicht verweigert, wenn ein Arbeiter ie verlangt" und daß die Firma„auf Wunsch" auch Entlastuugs (Heine aushändigt, da sie dem Fabrikantenringe nicht angehört. Die Aussperrung im Bnchbinbereigewerbe zieht allem Anschein nach einein sorgfältig vorbereiteten Plan der Unternehmer weitere Kreise. Die Unternehmer geben sich all: Mühe, hier am Ort die seltsamsten Vermittelungen zur Fortsendung und Herstellung der bisher bei ihnen angefertigten Arbeiten zu be- nutzen. ES ist in Berlin in verschiedenen Firmen wegen Anferti- gung von Strcikarbciten zu Differenzen gekommen, welche teilweise zu Arbeitseinstellungen und Rücksendung von Streikarbeit führten. In den anderen Orten aber treten die Unternehmer geradezu pro- dozierend auf, indem sie den Kollegen von der aus Berlin ein- getroffenen Streikarbeit Mitteilung machen. Daß den Unternehmern es mit der Aussperrung allein nicht ernst ist, sondern sie durchaus der straffen Organisation in Berlin eins auswischen wollen, zeigt, daß sie in allen Orten Deutschlands Buchbinder und Buchbindcrei-Arbeiterinncn bei„hohen Löhnen" iuchen. Das ganze Auftreten der Unternehmer zeigt, daß die Ar- bcitSruhe am 1. Mai zu einem unmotivierten Angriff aus die Tarif- gcmeinschast benutzt wird. Einige Unternehmer sind bereits abgebröckelt und wird am Montag in den Betrieben die Arbeit ausgenommen. Die Leidtragenden werden diesmal auch wieder die kleinen Betriebe fein, welche sich durch die Scharfmacher zu der Aussperrung unter dem Versprechen haben verleiten lasten, daß ihre dringenden Aufträge an anderen Orten zum Selbstkostenpreise hergestellt würden._ Zur Lohnbewegung der Bäcker. Die„Freie Vereinigung der Bäckermeister von Berlin und Umgegend" beschäftigte sich am Frei. tag, den 4. Mai, im„Königstadt-Kasino', Holzmarltstr. 72. mit den getroffenen Vereinbarungen der Jnnungs- und Gesellen- Vertreter. Nach langer und sehr breiter Aussprache gelangte nach- gehende Resolution einstimmig zur Annahm«: „Die Freie Vereinigung der Bäckermeister von Berlin und Um- gegend spricht ihr lebhaftes Bedauern aus über das Resultat der Einigungsverhandlungen zwischen Meistern und Gesellen. Die ge- trofsene Vereinbarung befriedigt die Anwesenden nicht. 1. Ist es ein Uebelstand, daß eine Zeit, wie lange die Verein» barung dauern soll, nicht festgesetzt ist. 2. Ein noch größerer Uebelstand ist cS, daß in der vorgesehenen Schlichtungskommission nicht die Bereinigung vertreten ist, und 3. betrachtet die Versammlung die Bestimmung, daß ein Meister ohne Gesellen zwei Lehrlinge und wer Gesellen beschäftigt drei Lehrlinge halten kann, als einen Verstoß gegen die guten Sitten, da sich ohne weiteres hieraus die LehrlingSzüchterei entwickeln wird. Ferner ist die Vereinigung der Meinung, daß sich die Ge- ellcn im ersten Jahr wohl mit 21 M. Minimallohn zufrieden gegeben hätten und der Lohn nur deshalb auf 23 M. erhöht wurde, um die Gesellen in betreff der Zusammensetzung der Sckstichtungs- kommission zur Nachgiebigkeit zu bewegen. Die Versammlung be- auftragt den Obmann der Schlichtungskommission, eine Tarif- meistcr-Versammlung einzuberufen, deren Beschlüffcn sich die Ver- einigung anschließen wird. Die Vereinigung lehnt aber schon heule jede Verantwortung wegen der sich ergebenden Differenzen aus itteser Vereinbarung ab, da sie einen Vertreter in der Kommission nicht hat. Nordafrika in Swincmündc eingetroffen war. begonnen. Große Aussperrung in Königsberg in Sicht. Seit dem 1. Mai streiken in Königsberg die Arbeiter der Ostprcußischen Holz- kommandit-Gesellschaft Albrecht u. LewandowZki. Die Forderungen lauten auf Verkürzung der Arbeitszeit auf 10 Stunden. Abschaffung der Akkordarbeit, Festsetzung eines entsprechenden Stundenlohnes und Bezahlung der Ueberstundcn. Die Arbeiter sind zu 95 Proz. im Zentralvcrband der HandelshülfSarbeiter organisiert. Tie Firma kehrt den Hcrrenstandpnnkt heraus und lehnt jede Ver- Handlung ab. Inzwischen hat sich der Arbeitgeberverband für Solz- industrie und Holzhandel, dem sämtliche größere Betriebe des.Solz- Handels und der Holzindustrie Königsbergs angehören, der Sache angenommen und beschlossen, eine allgemeine Aussperrung vorzu- nehmen, falls die Arbeiter der Firma L e w a n d o w s t i die Arbeit bis zum 10. Mai d. I. nicht wieder aufgenommen haben. Am 14. Mai sollen die Betriebe geschlossen und die Arbeiter entlassen werden. Streikende Kirchenproletarier. An der St. Nikolauskirche in Aachen haben die niederen Angestellten, Küster, Glockenleute usw., die Arbeit wegen zu geringen Lohncs eingestellt. Die erbärmliche Lage der im Dienste der katholischen Kirche stehenden niederen Angestellten: Organisten, Küster usw. im Gegensatz zu dem höheren Klerus ist in der Oeffentlichkeit längst bekannt. Kürzlich wurde in Köln der Unterküster einer katholischen Kirche zu einem Jahre Gefängnis verurteilt, weil er Kirchenschmuck entwendet hatte. Der Mann gab als Ursache der Tat sein geringes Gehalt an. Er bezog monatlich 90 Mark. Achtung, Korbmacher! Die Gehülfen der Firma Ernst M a t- t h e s i u s, Bambus- und Luxusmöbelfabrik Gautzsch bei Leipzig, sind wegen Beteiligung an der Maifeier ausgesperrt worden; hier- bei werden die dort beschäftigten Kollegen Gelegenheit nehmen, weitere Differenzpunkte zu regeln. Bei etwaigen Arbeitsangeboten hole man unbedingt Erkundigung im Bureau der Holzarbeiter, Leipzi'g, Bolkshaus, ein. Leipzig, Zeitzerstr. 3211. Telephon 3497. Geschäftsstelle des HolzarbeiterverbandeS. Die Holzarbeiter Münchens sind in eine Lohnbewegung ein- getreten. Sie haben den Unternehmern eine Arbeits- und Werk- stattordnung vorgelegt, in der hauptsächlich 53stündige Arbeitszeit. an den Zahltagen um Vjö Uhr Feierabend. Minimallohne. Freigabe des 1. Mai unb 50 Proz. Zuschlag für Ueberstundcn gefordert wird. Die Arbeitsordnung soll für das gesamte Schreinergewerbe Münchens, für die Bau- und Zimmerleute sowie für alle in Holz- bearbeitungsgeschästen beschäftigten Schreiner Gültigkeit haben. Zuzug von Holzarbeitern nach München ist strengstens zu meiden. HusUnck. Bauarbeiter-AuSspernmg. Die Arbeitgeber aller Banbrancheii zu Innsbruck haben beschlossen, sämtliche Arbeiter auszusperren, falls die gegenwärtig streikenden Maler- und Tischlergehülfen nicht bis zum 12. Ma! die Arbeit ordnungsmäßig wieder aufnehmen. Es verlautet, die Sozialdemokraten wollten die Maßregel mit einem Generalstreik beantworten. Die Aussperrung betrifft 6000 Ar. beiter. Ungefähr 500 AtSruchsarbeiter in Kopenhagen haben be- schlössen, eine Erhöhung des Stuiidenlohnes von 35 auf 45 Oer« zu fordern und, wo dies nicht bewilligt wird, die Arbeit niederzulegen. Seit dem 2. Mai wird auf 17 Arbeitsplätzen gestreikt. Versammlungen. Der Zimmerer-Berband(Zahlstelle Berlin) hielt am Somitag im werlschastShauS seine regelmäßige Delegiertcnversammlung ab. Den Kassenbericht vom ersten Quartal, der sich infolge deS stawten- mäßigen Beitragserlasses während der Wintermonate nur auf vier Wochen erstreckt, erläuterte der Kassierer W e l l s o w. Vereinnahmt wurden 19 527,30 M.. verausgabt 17 994.70 M.. wovon 10 784,75 M. an die Zentralkasse abzuführen waren. Der Gesamtbestand betrug 102 167,96 M. Hierauf erstattete Witt den Bericht von der Ge- Werkschaftskommission. Redner legte die Stellungnahme der Zimmercrdelegation zu den einzelne» in der Kommission erledigten Angelegenheiten klar. Die Veriammlung billigte eS durchaus, daß küie Delegierten, um das Prinzip der Sinheitsorganisation hochzn- 'alten und um dem Transportarbeiterverband die gelobte Treue zu «wahren, gegen die Aufnahme des Vereins Berliner Hausdiener in die Kommission gestimmt hatten. Als Delegierte in die GcwerkschaftSkommission wurden sodann gewählt: G. Büttner. Kube. Kaditz ki. F. Licht, K. Schulz und Witt. Hieraus erledigte die Versammlung noch eine Reihe interner Verbands- angelegenheiten._ Letzte Nachrichten und Depeschen. Der Streik der Seeleute. Altona, 5. Mai./- bis 30, Mir nbendS ftntt. tgeösfnet! 7 ltlir. Jeder Slusraae ist ei» Buchstabe»ud eine Zahl als Merkzeiche» beizusiigeu. Briefliche Sluttvort wird nicht erteilt. F. S. 114. Ist keine KändigungSsrist vereinbart, so beträgt die Kündigungssrist für Gesinde sechs Wochen zum Quartalsersten.— H. D., Buttiiiannstrasic, Wette Fischer Säst, 31l. X. 66«. Ja.— H. Kr. Nein, Sie müssen sich an einen Anwalt wenden.— E. P. 58. 1. Sic müssen Abschrist bei dem Gericht beantragen, von dem das Urteil erlassen ist. 2. Das Amtsgericht Franksurt ist zuständig.— 3l. W. 3. Sind mindestens 200 Marken geklebt, so steht Ihnen vom Ablauf der 26. Kranken- Woche ab ein Anspruch aus Rente für die Dauer der Krankheit an die Versicherungsanstalt zu, nicht aber Anspruch aus Ausnahme im Krankenhaus oder Erstattung der Kosten.— F. D. 134. 1. Nein. 2. Ja. — B. K., Bernau. Solche Anstalt ist uns nicht bekannt.— G. M. 100, K. G. 3. Nein.— F. R. 325. Sie mühten beim Amtsgericht aus Rück- zahlung klagen.— P. F. 10. Ohne Kenntnis des Rücksorderungsgrundes ist es unmöglich zu sagen, ob der Grund berechtigt ist.— K. W. 100. 1 und 2. Aus dem Fricdrichsfelder Begräbnisplatz. 3. Nein. 4. Wenden Sie sich an den Magistrat.— 3l. H. 6. Der Vater Hütte zu entscheiden. Jedoch kann gegen Mißbrauch der elterlichen Gewalt das Vormundschastsgericht angerufen werden.— P.K. 100. 1. Wenn Sie volljährig sind, ja. 2. Ja Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Rlxdorf. Den Mitgliedern zur Kennwis. daß unser Kollege, der Tischler knmo Birkicht am 4. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag nachmittag 6 Uhr, von der Leichenhalle des Jerusalemer- Kirchhofes, Hcrmannswaße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 35/5 vi» Ortsverwaltung. SozialdemoMebJatiHD Rixdorf. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Tischler Bruno Birkicht (12. Abt., Bez. A.) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Jerusalemer Kirchhofes(Hermannftratze) aus statt. Uiff rege Beteiligung ersucht 232/13 Der Vorstand. lentral-Verband der Brauereiarbeiter. Zweigverein Berlin, Sektion II. Ilm Freitag, den 4. Mai, ver- starb unser Kollege, der Flaschen- kellerarbeiter Karl Franzke (Schlotzbrauerei Schöncberg.) t Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 7. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des chöneberger Kirchhofes in der Maxstratzc auS statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 41/10 Der Borstand. Allen Bekannten zur Nachricht, datz am 4. Mai unsere gute Mutter, Schwicger- und Groß- mutier im 71. Lebensjahre am Herzschlag sanft entfchlasen ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 7. Mai, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. Andrcaskirchhoses in Wilhelms- berg aus statt. Die Hinterbliebenen Familie Obermaier. Familie Adelung. Familie Fritz Hockmann, Putzer. Todes-Änzeige. Mittwoch früh 9 Uhr entschlief sanft nach kurzem aber schwerem Leiden unser guter Sohn, Bruder und Schwager, der Kutscher Bermann Idielow. Die Beerdigung findet Sonn- tag, den 6. Mai, nachm. 5?/, Uhr, aus dem neuen Rixdorfer Kirch- hofeS am Mariendorfer Weg statt. Um stille Teilnahme bitten vi» trauernden Hinterbliebenen. Ailtpeiiie Kranken- und Sterbe- kasse der Dreclisler Deutschl. und deren Berulsgenossen (E.H.86,Hamburg.) Verwaltung D. Am 2. Mai verstarb unser Mit- glied 293/4 Frsnic Kanzel. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 6. Mai, von der Leichenhalle des Georgen-Kirch- Hofes, Landsberger-Allee aus statt. Die OrtSverwaltung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme beider Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, Schwieger- und Großvaters, dcS Maurers jlrnnt Obst sagen wir allen Verwandten, Bekannten und seinen lieben Kollegen unseren herzlichsten Dank. 1673b Die trauernden Hinterbliebenen. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Fritz Lippold am 4. Mai gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 8. Mai, nach- mittags 6'/, Uhr, von der Leichen- Halle dcS Jerusalemer Kirchhofes in Rixdorf, Hermannstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 118/13 Die Ortsverwallung, Arbeiter-Radfahrer-Verein „Vorwärts" Köpenick. Mitgl. d. Arb.-Rdf.-B.„Solidarität". Am 4. Mai stnrb unser Mitglied Max Scheibener im Alter von 21 Jahren. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung wird noch näher bekannt gegeben. Der Borstand. Danksagung. Für die vielen Beweise hen Teilnahme und die zahlreichen Kranz spenden bei der Beerdigung meiner lieben Braut, unserer guten Tochter und Schwester Hertlm Winter sagen wir allen Verwandten und Bekannten unseren innigsten Dänk. Witwe Emilie Winter nebst Bräutigam und Geschwistern. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, dem Inhaber und den Angestellten der Firma Wcstermcycr, dem Kricgervercin„Slesvigia" und dem Tischlerverein sage ich für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem Hinscheiden meines geliebten Mannes Oskar Bredikw sowie für die schönen Kranzspenden hiermit meinen herzlichsten Dank. Auguste Bredikoiv geb. Poggenpohl, Britzerstr. 46. 16766 Von der Reise zurück Hr. P. Chrlsteller, 238/18 Tircksenstr. 21. Zurückgekehrt: Badt, Neue Königstr. 32. Dr. Schiinemann Spezial-Arzt für* Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichsfr. 203, Ecke Schützenstr. 10-8, 5-7, Sonnt. 10-18 Uhr. 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Stüaflt des„östniirts" Kcrlim DolMlii. Sovvtag, 6. Mai 1900. Ein musterhafter Amtsvorsteher. � Der in der Gemeinde Kaputh seit Jahren tobende Kampf zwischen dem dort wohnenden praktischen Arzt Dr. Hartwig und dem Amtsvorsteher v. Thüm en und dessen Stellvertreter Thurley beschäftige gestern die fünfte Strafkammer des hiesigen Land- unter Borsitz J)es Landgertchtsrat» N e u e n f e l d. Der Kassenarzt nach Kaputh gekommen. Im Anfange hat er mit dem wegen Beleidigung angeklagte Dr. Hartwig ist ini Jahre 1894 als apenarzt nach Kaputh gekc'' Amtsvorsteher v. Thümen in den besten Bezsehungen gestanden. Dr. Hartwig war dahinter ge- glaubte Schließlich trat aber ein Riß ein. kommen, daß Thurley seine Amtspflichten verletzte. Er zuerst, daß Herr v. Thümen nichts davon wisse, er will dann aber bemerkt haben, daß die Pflichtwidrigkeiten des Thurley mit Wisien des Amtsvorstehers begangen würden. und|mm ging daS gute Verhältnis zwischen dem An- geklagten und dem Herrn v. Thümen in die Brüche. Als er dem letzteren Mitteilungen über seine Wahrnehmungen machte, erhielt er die Antwort, er sollte sich nicht um Sachen bekümmern, die ihn nichts angehen. Er wandte sich darauf Beschwerde führend an den Minister. Dieser ordnete Erhebungen an und die Folge war die Einleitung eines Verfahrens gegen— Dr. Hartwig. Der Landrat stellte den Dtrafantrag. Die Erhebungen führten dazu, daß der Landrat den Strafautrag wieder zurücknahm. Nun drehte Dr. Hart- wtg den Spieß um und stellte gegen Herrn Thurley Straf- antrag wegen wissentlich falscher Anzeige und Unterschlagung, gegen Herrn v. Thümen wegen Begünstigung. Es fanden Erhebungen statt und der Angeklagte erhielt von dem Staatsanwalt den Bescheid, daß keine Unterlage für die Straf- anzeige vorhanden sei. Gegen diesen Bescheid erhob er Beschwerde, es fanden umfangreiche Ermittelungen statt. Dr. Hartwig wurde aber mit seiner Anzeige wiederum abgewiesen. Er wandte sich dann noch beschwerdeführend an den Oberstaatsanwalt, ohne Erfolg zu er- zielen.— Zwischendurch erstatteten Herr v. Thümen und Thurley Anzeige gegen Dr. Hartwig bei der Disziplinarkammer des arztlichen Ehrengerichts. Diese stellte sehr umfang- reiche Erhebungen über die in der Anzeige enthaltenen 7 Punkte an. Letztere enthielten die schwersten Vorwürfe gegen Dr. Hartwig. Thurley beschuldigt ihn des Alkoholismus und des Morphinismus, der schwersten Vergehungen bei Ausübung seines ärztlichen Amtes usw. Herr v. Thümen war diesen Beschuldigungen beigetreten, in- dem er fle mit dem Bemerken unterzeichnete:„er müsse den Angaben deS Thurley als völlig begründet beitreten." DaS ärztliche Ehrengericht hat auf Grund der veranstalteten Zeugenverneh- mungen die Beschuldigungen für unbegründet erklärt und daS Verfahren eingestellt. Dr. Hartwig bekam Abschrift deS Bescheides der Aerztekammer und richtete nun sein Schreiben an den Landrat von Tschirschky, das ihm nun wieder— eine An- klage wegen Beleidigung der beiden Amtsvorsteher zuzog. In dem Schreiben wurde unter Hervorhebung von Pflichtvernachläffigungen und Uebergriffen deS Thurley die Behauptung aufgestellt, daß sowohl er. als Herr v. Thümen in Geld- und Ehrensachen diejenige Zuverlässigkeit habe vermisten lassen, die man von preußischen Beamten verlangen könne.—> DaS Potsdamer Schöffengericht verurteilte, wie wir seinerzeit ausführlich berichteten, den Angeklagten am 81. Mai 1905 zu 20 M. G e l d st r a f e. Das Gericht hielt den Wahrheits» beweis bezüglich des Thurley ganz, bezüglich deS Herrn v. Thümen tm wesentlichen für erbracht, billigte dem Angeklagten an sich auch den Schutz des§ 193 zu, hielt aber durch die Form die Absicht der Beleidigung für dargelan.— Auf die so wohl von der Staatsanwaltschaft als dein Angeklagten eingelegte Berufung änderte das Landgericht in Potsdam das erste Urteil ab und verurteilte den Dr. Hartwig zu 200 M. Geldstrafe event. 40 Tage Gefängnis.— Gegen dieses* Urteil wurde Revision eingelegt. Das Kammergericht hob das Urteil auf. Werl es bezüglich des Herrn Thurley nicht ausdrücklich die Freisprechung festgestellt hat und weil nach Ansicht selbst de« ttammergerichtS bezüglich deS Herrn v. Thümen das Potsdamer Landgericht das Beweisergebnis mit Bezug auf die Anwendbarkeit deS§ 198 nicht richtig gewürdigt habe. DaS Kammergericht ver wies die Sache an das L a n d g e r i ch t B e r l i n EL— In der gestrigen Verhandlung bestritt der Angeklagte die Absicht der Be leidigung. Er habe den Landrat nur dazu bewegen wollen, nun- mehr seinerseits gegen die beiden Beamten vorzugehen und zwar nicht nur wegen deren Eingabe an das ärztliche Ehrengericht, sondern auch wegen der sonstigen Unregeb Mäßigkeiten, die er an einer Reihe von Fällen nachwies. Herr v. Thümen habe durch zu geringe Energie und mangels hafte Kontrolle die Ungehörigkeiten des Thurley begünstigt.— In —" nämbch im August 1905 hat Herr v. Thümen, ein "~ rr.„freiwillig" sein Amt nieder- urley der Fall, gegen den ein ziplinarverfahren schwebte, das mit Geldstrafe und Verweis endete.— In der gestrigen Beweisaufnahme handelte es sich im Wesentlichen nur noch um die Stellung des Herrn v. Thümen zu den Ungehörigkeiten seines Stellvertreters. Unter den einzelnen, durch Beweis behandelten Fällen, die llar zeigten, daß Herr v. Thümen bezw. sein Stellvertreter ein sehr patriarchalisches, mit den Gesetzen keineswegs stets zu vereinbarendes Regiment führten, interessierte besonders ein Fall F r o b e r g. Der Bruder eines Kaufmanns Froberg war ertrunken und die Leiche hatte einige Zeit in der Wohnung des Thurley gelegen. Nach der Beerdigung hatte Bruder des Erttuntenen dein Thurley 75 M.„zur Verteilung die Armen" übergeben. Thurley hatte dies dem Herrn vasie»roniroue oic ungeuoligieuei, ua der Zwischenzeit, nämlich im August Ii 78jähriger, äußerst schwerhöriger Herr, gelegt. Dasselbe ist mit Herrn Thür der an m W m W.. v. Thümen mitgeteilt und das Geld dann als Entschädigung für feine eigenen Aufwendungen behalten, nachdem Herr V. Thümen ihm gesagt, Herr Froberg würde ihm daS Geld wohl in diskreter Forni zu diesem Zweck gegeben Mien. ES kamen sodann Fälle zur Sprache. in denen Thurley bei Eintreibung von Strafgeldern in abgekürztem Verfahren entgegen den Vorschriften deö Ge« setze» vorgegangen war. Leuten, die bei Uebertrettingen abgefaßt waren, wurden ohne Erteilung von Strafmandaten und ohne Quittung Sühnegelder abgenommen.� Ein abgefaßter mufi- zierender Zigeuner wurde gegen eine„Abfindungssumme" ohne weiteres raufen gelassen, Unrrgelniäßigkeiten bei der Verteilung der Einquartierungögelder/ sind begange» worden und in einem Falle ist ein Posten zu viel bezahlter Steuern inehrere Jahre hindurch zurückbehalten worden und erst infolge Klageandrohung ist die Summe zurückgezahlt worden. Herr v. Thümen wies gestem darauf hin, daß e r für d,e Inkorrekt- heilen, die Thurley begangen, nicht verantwortlich sei. Denn dieser habe die Stellvertretung in dem von ihm ausgeübten Umfange unter Billigung der vorgesetzten Behörde übernommen. Der Neben« kläger hat übrigens, wie festgestellt wurde, sowohl im Falle Froberg. als auch sonst etwa sich herausstellendes Manko ohne weiteres ersetzt. WaS die Anzeige gegen Dr. Hartwig bei dem Ehrengericht betrifft, so habe er nur einen einzigen der in der Anzeige vorgebrachten Fälle auS persönlicher Erfahrung gekannt und sich im übrigen auf die Versicherungen deS Thurley verlassen, der seine Mitteilungen von zuverlässigen Leuten empfangen haben wollte. Herr v. Thümen gab zu. daß es nicht vorsichtig von ihm war. deS Thurley als„völlig wenn er sick der Straianzeige begründet" anschloß. Zur Sprache kam nock, daß eine Frau, die unbefugt aus einer Wiese des Herrn v. Thümen eine Kiepe GraS abgeschnitten hatte, letzterem S Mark habe zahlen müssen. Zeuge V. Thümen gab zu. daß die Kiepe Gras S M. nicht wert ser Er habe aber nach Besprechung mit Thurley diese Summe festgestellt, um auf diese Weise zu warnen, weil er sehr oft bestohlen wurde. Er wäre ja berechtigt gewesen, Strafanzeige zu erstatten, unter Zustimmung der Frau unterblieb diese aber gegen Zahlung von 3 Markll Staatsanwalt G r a ß h o f würdigte die Ergebnisse der Beweis- aufnahm« im wesentlichen zuungunsten des Angeklagen. Dieser habe allgemein behauptet, daß Herr v. Thümen in Geld- und Ehrensachen ein ganz unzuverlässiger Beamter sei. Das sei eine Wortbeleidigung und, soweit tj 186 in Frage stehe, seien die einzelne» in Frage stehenden Fälle nicht peeigncl. den schweren Vorwurf gegen einen alten, 30 Jahre im Amte stehenden Beamten zu rechtfertigen. Die Bestrafung sei zu Recht erfolgt, denn der Angeklagte� hätte den schweren Vorwurf nicht in der Allgemeinheit erheben dürfen. Der Staatsanwalt beantragte, den Angeklagten in dem Falle Thurley freizusprechen und ihn wegen Beleidigung des Herrn v. Thümen zu 150 M. Geldstrafe eventuell 30 Tagen Gefängnis zu ver- urteilen. Der Verteidiger kam zu dem Antrage auf Freisprechung, weil tatsächlich der Wahrheitsbeweis in dem vom Kammergericht ge- wünschten Umfange gelungen sei und dem Angellagten der Schutz des§ 193 vollauf zur Seite stehe. Der Gerichtshof kam zu einer Freisprechung deS An- geklagten. Er nahm an, daß in den von dem Angeklagten an- geführten Einzelfällen, insbesondere im Falle Froberg, im Falle der Einquartierungsgelder, in den Fällen, wo Strafgelder ein- gezogen, nachher aber als Schadensgelder gebucht sind, wo Straf gelder ohne Erlaß von Strafbefehlen eingezogen sind, von Herrn v. Thümen nicht mit genügender Subtilität verfahren und von diesem dabei nicht die Gewissenhaftigkeit gezeigt worden ist, die mcui von einem preußischen Beamten verlangen muß. Der Gericht» hos verkannte keinen Augenblick, daß die Unterlastungen unter den obwaltenden Umständen menschlich verzeihlich find. Aber der alte Herr muß es sich gefallen lasten, daß das strenge Maß, mit welchem der preußische Beamte gemessen wird, auch an ihn angelegt wird. Dem Angeklagten ist daher der Wahrheits« beweis gelungen, er ist auch in der Form nicht über die Schutzgrenzen de« K 193 hinausgegangen. Es erfolgt daher die Freljprechung unter Auferlegung sämtlicher Kosten auf die Staatskasse. Festgestellt find demnach eine Reihe Taten, begangen Von dem Amtsvorstehcr und seinem Stellvertreter, die mit schweren Strafen bedroht find, falls den Beamten das Bewußtsein der Strasbarkeit beiwohnte. ES wurden jedoch nicht die Beamten unter Anklage ge- stellt, sondern der, der die Wahrheit sprach. Das jedes Gerechng- keitsgefühl beleidigende Verfahren ist, wie der Antrag deS Staats- anwaltS auf Bestrafung erweist, für Deutschland nur insofern auf- fallend, als es mit der Freisprechung des Unschuldigen und nicht init seiner Verurteilung endete. Zu wieviel Jahren Gefängnis wäre wohl ein Arbeiter verurteilt, wenn er ähnliche Handlungen wie der Amtsvorsteher und sein Stellvertreter vorgenommen hätte! Gericbts�eitung. Betrügerische Annoncen. Der Verantwortliche des Inseratenteils deS„Berliner LokalanzcigerS", Herr Pieniak, und Herr Wedmore als Ber- liner Geschäftsführer einer englischen Firma waren vom Land- gericht I zu Berlin wegen Uebertretung der Polizeiverordnung vom 21. August 1903 zu Geldstrafen verurteilt worden. Es handelte sich um die Veröffentlichung von Inseraten, in denen John Eraven BurleighS Haarwuchsmittel gegen Kahlköpfigkeit empfohlen worden war. Und zwar nahm das Landgericht an, daß die Be- stimmung des§ 4 Absatz 1 übertreten sei, welche unter anderem ver- bietet, zur Heilung von menschlichen Krankheiten bestimmte Mittel in einer Weise öffentlich anzukündigen, daß daS Publikum durch di. Art der Anpreisung belästigt wird. DaS sollte hier durch die, wie daS Gericht sich ausdrückte, ausfallende, prahlerische und marktschreierische Art der Ankünduna und An- preisung geschehen sein.— DaS Kammergericht hob am Donnerstag das Urteil auf und verwies die Sache nochmal an das Landgericht. Begründend wurde ausgeführt: ES brauchte hier nicht entschieden werden, ob Kahlköpfigkeit eine Krankheit sei. Die An- preisung des Mittels als Heilmittel sei schon deshalb als ge- nügend festgestellt anzusehen, weil der Vorderrichter feststelle, daß beabsichtigt gewesen sei. das Mittel anzupreisen zur Heilung d«S kranken Haarbodenö. der nicht mehr in der Lage sei, Haare zu produzieren. Aber die Verurteilung der Angeklagten lasse sich auf die angezogene Bestimmung der Polizeivcrordnung deS Obcrpräsidenten nicht stützen, wonach Annoncen ausgeschlossen werden sollen, die daS Publikum belästigten. Diese Bestimmung sei ungültig. Sie gehe über den Rahmen des polizeilichen Ver- ordnungSrechts hinaus. Es sei noch keine Gefahr für daS Publi- kum, wenn sich einige Leute beim Zeitungslesen ärgerten. Das Landgericht müsse indessen nachprüfen, ob nicht die Bestimmung des 8 4?lbsatz 2 anwendbar sei, die«S mit Strafe bedrohe, wenn in einer öffentlichen Anlündigung einem Heilmittel Wirkungen bei- gelegt würden, die über feinen wahren Wert hinaus- gingen. Die Entscheidung deS KammergcrichtS stimmt mit der all- gemein bestehenden Judikatur übercin. Auch ist vom Kammergericht und Reichsgericht stets angenommen, daß in der Aufnahme einer betrügerischen Annonce nicht nur ein Verstoß gegen eine Polizei- Verordnung, sondern auch ein Verstoß gegen§ 263 St. G. B.(Be- trug) liegen könne.___» Zum Plakatwesen. Die Hallesche Stadtbahn(Inhaberin A. E. G. zu Berlin) und die Hallcsche Straßenbabngescllschaft hatten polizeiliche Verfügungen erhalten, die in und an ihren elektrischen Straßenbahnwagen zu Halle angebrachten Plakate zu entfernen. DaS Ober-VerwaltungSgericht erklärte am 4. Mai die Verfügungen soweit für berechtigt, als die Entfernung der außen a n den Straßenbahnwagen angebrachten Plakate ge- ordert worden war. Bezüglich der Ausforderung, auch die i m n n e r n der Wagen angebrachten Plakate zu entfernen, wurden die Verfügungen aufgehoben. DaS Gericht ging davon aus, daß die auS verkehrSpolizeilichcn Gründen erlassene und darum rechts- gültige Hallesche Plakatverordnung die polizeilichen Verfügungen soweit rechtfertige, als sie sich auf die außen an den Wagen an- gebrachten Plakate beziehen. In Betracht kommt die Bestimmung der Halleschcn Polizeivcrordnung vom 3t. August 1880. welche sagt: „Ocffentliche Anzeigen auf öfsentlichen Straßen und Plätzen dürfen nur an den zu diesem Zwecke bestimmten Vorrichtungen(zurzeit ..."M"«' angeheftet 8 allein angeschlagen beziehungsweise werden." Bemerkt wurde noch in der Publikation: Die grundlegende Polizeiverordnung von 1880 regele das öffentliche Plakatwesen. Sie treffe deshalb wol nicht aber die i n den' die gen. lakate an den elektrischen Wagen, Blutschande entrollte eine Verhandlung, die gestern vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I stattfand. Wegen schweren Sittlichkeitsvcrbrechens war der 43jährige Glaser Gustav Kr e ß l e r in Gemeinschaft mit seiner Lvjährigen Tochter Frida K. angeklagt. Wie die Anklage behauptet, soll der Angeklagte seit dem Jahre 19l Durch Drohungen wurde daS unglückliche Mädchen von ihrem Vater obendrein gezwungen, anzugeben, daß sie sich mit. anderen Männern eingelassen habe. Dasselbe Ereignis trat im Jahre 1904 nochmals ein. Auch hier verschwieg die nunmehr 18jährige Tochter den wahren Sachverhalt. Durch Streitigkeiten in der Familie ge- langte dieses schändliche Verhältnis zur Kenntnis der Verwandten, die unverzüglich Anzeige erstatteten. Der Gerichtshof verurteilte Frida K. zu einer Woche Gefängnis, den verbrecherischen Vater zu 3 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust» Mocken-Spielplan der Berliner Cheater. Opernhaus. Sonntag: Robert der Teufel.(Ans. 7 Uhr.) Montag. mittag 12 Uhr: Smsonie-Matinee. Abends: Sinfonic-Konzeit der königl. Kapelle. Dienstag: Orpheus und Eurydile. Mittwoch: Bajazzi. Coppelia. Donnerstag: Ricnzi. Ansang 7 Uhr. Freitag: Der Freischütz. Sonn- abend: Der Waffenschmied. Sonntag: Mignon. Montag: Der fliegende Holländer. Schauspielhaus.. Sonntag: Götz von Berlichinaen.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Wie die Alten sungen. Dienstag: Die Ouitzows. Mittwoch: Wilhelm Tell. Donnerstag: Der Erbförstcr. Freitag: Othello. Sonn- abend: Goldfische. Sonntag: Die Ouitzows. Montag: Sappho. Neues Königl. Operntheater. Sonntag: Der Schwur der Treue. Montag bis Freitag gelchloffen. Sonnabend und Sonntag: Alpenköntg und Menfchenseino. Montag: Matth«. Leising-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die verlunkene Glocke. Abends: Der Biberpelz. Montag: Die Weber. Dienstag: Nora.(Anfang VI, Uhr.) Mittwoch: Und Pippa tanzt. Donnerstag: Kater Lampe. Freitag: Die Weber. Sonnabend: Der Biberpelz. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die versunkene Glocke. AbendS: Kater Lampe. Montag: Und Pippa tanzt. Deutsches Theater. Sonntag: Der Kaufmann von Benedtg. Mon- tag: Der Tartüsf. Die Mitschuldigen. Dienstag und Mittwoch: Der Kauf- mann von Venedig. Donnerstag: Der Tartüsf. Die Mitfchuldtgen. Freitag bis Montag: Der Kaufmann von Benedtg. Schiller- Theater O.(Wallner- Theater.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Macht der Finsternis. Abends: Romeo und Julia. Montag und Dienstag: Weh dem, der lügt. Mittwoch: Die Macht der Finsternis. Donnerstag: Helden. Freitag: Weh' dem, der lügt. Sonnabend: Der Militärftaai. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Di« Macht der Finsternis. Abends und Montag: Weh' dem, der lügt. Schiller-Thrater Zl.(Fnedrich-WIIHcttnstSdtifcheS Theater.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Zapfenstreich. Abends: Der Ncilchenfresser. Montag: Der Vogel Im Käfig. Dienstag: Helden. Mittwoch: Zwei glückliche Tage. Donnerstag: Der Militärstaat. Freitag! Helden. Sonnabend: DaS Lumpengesindel. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Zapfenstreich. Abends Und Montag: Da« Lumpengesindel. Berliner Theater. Bis aus wettere» täglich: Die lustige Witwe. Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Nachtasyl. Abends und Montag: Der Unverschämte. Hille Lobbe. Die«ochlangendamc. Dienstag: Tragödie der Liebe. Mittwoch: Der Unverschämte. Hille Bobbe. Die Schlangendame. Donnerstag: Kinder der Sonne. Freitag: Der Un- verschämte. Hille Bobbe. Die Schlangendame. Sonnabend: Tragödie der Liebe. Sonntag: Der Unverschämte. Hille Lobbe. Die Schlangen- dame. Montag unbestimmt. LustsPtelhauS. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Famlllentag. Abends und bis auf weitere» täglich: Die von Hochsattcl. Sonntag, den 13. Mai, nachmittag 3 Uhr: DI« Logenbrüder. Neues Theater. Sonntag. Montag und Dienstag: Ein-sommer- nachtStraum. Mittwoch: Cäsar und Cleopatra. Donnerstag: Ein Sommer- Nachtstraum. Freitag: Cäsar und Cleopatra. Sonnabend, Sonntag und Montag: Orpheus tn der Unterwelt. Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr, sowie abend» und Montag: Hoffmanns Erzählungen Dienstag: Don Pasquale. Mittwoch: Der Colregidor. Donnerstag: Figaros Hochzeit. Freitag: Die Boheme. Sonnabend, Sonntag nachmittag 3 Uhr und Abend«: Hoffmann» Er- zählungen. Montag: Unbestimmt. Theater des Westens. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Waffen- fchmicd. Abends: Schützeniicsel. Montag: Fedora. Dienstag und Mit- woch: Schützenliesel. Donnerstag: Don Juan. Freitag: Opernaussührung. ('Anfang VI, Uhr.) Sonnabend: Die Fledermaus. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Undinc. Abends: Schützenliesel. Montag: Die vier Grobiane. Trianon-Theater. Bis auf weiteres täglich: Loulou. Refideiiz-Theater. Bis auf weiteres täglich: LiebeSkunst. Earl Weist> Theater. Sonntag bis Freitag: Sherlock Abenteuer. Sonnabend und Sonntag: AuS altem Geschlecht. keine öffentliche Vorstellung. Zentral-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Fiedcrmaus. Mends: Der Zigcuncrbaron. Montag: Der Bettclstudent. Dlenstag: Die Puppe. Mittwoch: Der Vogelhändler. Doimerstag: Die Fledermaus. Freitag: Boccaccio. Sonnabend: Die Glocke» von Cornevill«. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Abends: Die Puppe. Montag: Bruder Straubtnger. Thalta-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Opernaussührung. AbendS: Hochparterre links. Montag bis Sonnabend: Hochparterre links. Sonntag nachmittags 8 Uhr: Bis früh um Fünf«. Abends und Montag: Hochparterre links. Tentsch-NmerikanifcheS Theater, vis auf weiteres täglich: Arme Mädchen. bolmeS Aontag afino< Theater. Sonntag Zlbends: Madame Bonivard. Monta, Sonntag nachmittag 4 Uhr: Arbett Madame Bonivard. ftolies Capricr. Allabendlich: Apollo. Theater. Allabendlich: Spezialitäten. 4 Uhr: Die Herren Söhne. bis Sonnabend: Madame Bonivard. händet nicht. Abends und Montag: Komiker Sl Vorn und ,el. inten. Dalles u. Co. Humbsti-Bumbstt. peztamaren. Passage- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Rrichshallrn- Theater. Stettiner Sänger. Hansa-Theater. Wunderkind. Familie Bernstein w Ostend» Meiropol. Theater. Aus— ins Metropol I Uranta Theater. Taubenstraße 4S/4S. Sonntag und Montag> km Golf von Neapel. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht ber städtischen Markthallcn-Dircktion. Rindfleisch la 62—66 pr. 100 Pfund, IIa 52—62, [IIa 48—52, IVa 40—49, engl. Bullen- 00—00, dän. Bullen- 00—00, oll. Bullen- 00-00. Kalbfleisch, Doppclländer 105-120, 1» 80-90, a 66-78, lila 52-64. Hammclsleisch la 60-70, Na 54-60. ''..................... alte, Stück 1,50— 8,25, 83. Tauben, junge ., W»_■ 2,80—3,00, per Pfd. 00—00, Hamburger per Stück 3,00—4,00. Gänse, junge, per Psd. 0,85—1,00, >er Stück 4,00-6,00. Hechte 90-113. Schleie, 102-108. Bleie 00-00.' matt 2—38. Aale, groß 95-106. mittel 107-114, klein 67-69, uns. 81-100. Rotzen 49—66. Flundern, pomm. I, p. Schock 4—8, Kieler, Stiege la r-1, do. mittel, per Kiste 2—4, do. klein, per Kiste 00—00. Bücklinge, schweb, per Wall 0,00, norw. 0,00, holländ. 1—1,50, Kieler 1—3, Stralsundce 3,50—1. Aale, groß, per Psd. 1,10—1,30, mittel 0,80-0,90, Nein 0,50-0,60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 1—1,50, Elb- per Kiste 0,00—0,00. Sardellen, 1902er, per Anker 76,00, 1904er 74,00, 1905er 70,00. Schottische Vollherlngc 1905 00-00, large 40-44, füll. 38-38, med. 83-35, deutsche 37-44. " ennge, neue Matje«, per'/, Tonnen 60—120. Hummern, Ila� 100 Psd. ........" elgr' 0— 00. Krebse, per Schock, 15-17, mittelgroße 13,50, Nein« 4,00, unsortiert 6,60—8. Eier, Land-, per Schock 00—00, friste 3,00—3,15. Butter per 100 Pfund, la 116, Na 110-111, INa 107-110, ad- fallende 105—108. Saure Gurken. Schock 3,50—4 M., Pseffergurken 3,50—4 M. Kattoffeln per 100 Psd. maga. von. 8,10—2,35, rot« Daberschc 2,00—2,20, runde weiße 1,80—2,00. Wirfingkohl, Holl., per Schock 8,00—24,00. Weiß- kohl, dän., per Schock 7,00—9.00, Roikohl, Holl., per Schock 00,00—00,00. Grünkohl, per 100 Psd. 00-00. Rüben, weiße 00-00, Teltower 00-00. Kohlrüben, per Schock 2,50—4,50. Holl., 5—6. Wttternngsüderfickit vou, 5. Mai 1906,«argen» 8 tth«. kwtnembe 767 NO 1 Nebel 768 Still-bedeckt 767 Still— wollenl 767 iRD 2 wolkig 766 SW 4 Halb bti. 767 Still-bedeckt Wetter. Prognose für Ziemlich heiter und warm oder unerhebliche Niederschläge. aparanda 772S etrrsburg 772 OSO dlly elberdeen Pari» 765 SSW 764 SSW 770, K 2 wölken! 1, bedeckt »bedeck» llvolkenl 2, bedeckt Sonntag, den 6. Mai 1906. bei schwachen westlichen Winde«: keine Berliner Wetterbureau. Wasserstand am 4. Mai. Elbe Dresden— 1,02 Meter. Straußsnrt «i'- bei + bei Magdeburg bei Aussig+ 0,45 Meter,»ei 1,67 Meter.— Unftrut bei Sur den Jiibnlt der Inserate bernimint die Redaktion dem Publik»»! genenüber keinerlei Veraunvortiing. HKeater. Sonntag, den S. Mai. ßreie Polksbnhne. Sonntag, 6. Mai, nachmittags S1/. Uhr: 3./4. Wtcilung im Metropol-Theater: Die Frau vom Meere. 6.19. Abteilung im Carl Weiß-Theater: Der Meister. Montagabend S'/, Uhr: 16 /17. Abteilung im Carl Weiß-Theater: Emilia Galotti. Neue freie Bolksbühne. Sonn- tag, 6.!0!ai, nachm. 3 Uhr: 3. Abteilung im Schiller» Theater X: Zapfenstreich. S. Abteilung im Schiller- Thealer 0: Die Macht der Finsternis. Nachmittags 2'/, Uhr: 12. Abt. im Deutschen Theater: DaS Käthchen von Heilbronn. Extra- Vorstellung im Neuen Theater: Ein Sommernachts- träum. Anfang VI, Uhr: vperuhaiis. Robert der Teufel. Ansang 7 Uhr. Montag: Symphonie-Konzert der tgl. Kapelle. Schauspielhaus. Götz von Bcr- lichingen. Ans. 7 Uhr. Montag: Wie die Alten sungen. Neues Qperuthcatcr. Der Schwur der Treue. Moniag: Geschloffen. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Montag: Der Tartüff. Die Mt- schuldigen. Neues. Ein Sommernachtstraum. . Montag: Diesewe Vorstellung. Ansang ö Uhr: Westen. Schützcnliesel. Nachm. 3 Uhr: Der Waffenschmied. Montag: Fedora. Lessiug. Der Biberpelz. Nachmittags 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Montag: Die Weber. Schiller«. l Wallner-Thealer.) Romeo und Julia. Nachm. 3 Uhr: Die Macht der Finsternis. Montag: Weh dem, der lügt. Schiller Sl.(Friedrich Wilbelm- städtischeS Thealer). Der Veilchen- freffer. Nachm. 3 Uhr: Zapfenstreich. Montag: Der Vogel im Kästg. Kleines. Der Unverschämte. Hille Bobbe. Die Schlangendame. Nachmittags 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Der Unverschämte. Hille Bobbe. Die Schlangendame. Luisen. Geschlossen. Berliner. Die lustige Witwe. Montag: Dieselbe Vorstellung. Koniische Oper. HofsmannS Er- Zählungen. Nachmittags 3 Uhr: HofsmannS Erzählungen. Montag: HofsmannS Erzählungen. Residenz. Liebeskunst. Montag: Dieselbe Vorstellung. Zentral. Der Zigcunerbaron. Nachmittags 3 Uhr: Die Fieder- maus. Montag: Der Bettelswdent. Lnstspielhaus. Die von Hochsattel. Nachnnttags 3 Uhr: Der Familien- tag. Montag: Die von Hochsattel. Triauon. Loulou. Montag: Dieselbe Vorstellung. Thalia. Hochparterre links. Nachmittags 3 Uhr: Opernaufsüh- rung der Frau Pros. Fehler. Montag: Hochparterre links. Bteiropol. Aus ins Mctropol. Montag: Dieselbe Vorstellung. Deutsch- Zlmrrikanisches. Arme Mädchen. Nachm. 3 Uhr: Uebern großen Teich. Montag: Arm« Mädchen. Kasino. Madame Bomvard. Nachmittags 4 Uhr: Die Herren Söhne. Montag: Madame Bonivard. Zlpvllo. Die amerikanische Burlesk- Compagnie. Vorn und hinten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Carl Weist. Iherlock Holmes Abenteuer. Montag: Dieselbe Vorstellung. Folies Caprice. Komiker Schnitzel. Dalles u. Co. Spezialitäten. Wiiltcrgartcn. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Belle-Alliauce. Spezialitäten. ReichShallen. Stelliuer Sänger. Urania. Tanbcusirastr Abends 8 Uhr: An, Golj von Neapel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Gastsp. des Neuen Operetten-TheaterS aus Hamburg. (Direktor Max Monti.) Sonntag und folgende Tage Ansang 8 Uhr: Die lustige Witwe. Kleines Theater. Nachmittags 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Der Unverschämte. Hierauf: Hille Bobbe. Zum Schluß: Die Schlangcndame. Montag: Der Unverschämto. Hille Bobbe. Die Schlangendame- Neues Theater. Ansang VI, Uhr. Lin Scnunemachtstraum. Montag, Dienstag: ein Sommer- nachutraum. Komische Oper. Nachm. 3 Uhr zu ermäßigt. Preisen: Hoffmanns Erzählungen. Abends 8 Uhr; Hoffmanns Erzählungen. Montag: Hofkmanns Erzählungen. (Station Zoolog. Garten), Kantstr. 12. Sonntag nachmittag 3 Uhr, halbe Preise: Der Viallenechmieil. Slbcnds 8 Uhr: SchQtzenliesel. Werner a. G. ontag: Letztes Gastspiel Sllvano Jsalberti: Fedora. Dienstag: 25. Vorstell, im Dicns. tags- Abonnement. Letztes Gastspiel tntz Werner. Ermäßigte Preise. chlltzenileeel. Mittwoch: SchQtzenliesel. Volks- tüniliche Preise. Ansang 8 Uhr. Zentral=Theater. (Operette.) Während der Sommer- saison: Heute und täglich 8 Uhr: Der Zigeuuerbaron. Heute nachm. 3 Uhr(halbe Preise): Die Fledermaus. Lustspielhaus. Nachm. 3 Uhr: Der Familientag. Abends 8 Uhr: Die von Hochsattel. Residenz-Theater. Direhtton: Richard Hlexander. Heute und folgende Tage Ans. 8 Uhr Liebeskunst. Komödie in 3 Akten v. Löon Tanros _ und Michel Carrö._ Passage-Theater. Anfang 8 Uhr. Das neue i Mai-Programm j 1 4 erstklassige Spezialitäten Trlanon-Theater. Anfang 8 Uhr: Loulon. Metropol-Theater Anfang 8 Chr. -in's Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Hänchen überall gestattet. Nenes Programm 1 TORTAJADA Spanische Tänzerin u. Sängerin. Narrow Bros., komische Badfahrer. Desroches-Bianea, französ. Duett. Die Hartley«, Springer, Bräslna, Pariser Bxoentr. Sängerin. Patty Frank-Truppe, Akrobaten. König Dollar, englisches Ballett. Imro Fox, Illusionist. Die Brittons, Neger-Sänger und Tänzer. De Die, Phantasie-Tänzerin. Die Perseus, Kugelspieler. Oer Biograph._ Carl Weiß-Theater. Gr. Franksurierstr. 132. Abends 8 Uhr: Sherlock Holmes' Abenttner oder: Die Jagd ums Leben. Englisches Senfations-Ichauspiel mit Gesang und Tanz in acht Bildern von I. Fox. Morgen: Keine östentl. Vorstellung. Im Sommergarten: Gr. Spezialitaten- Vorstellung. Theater und Konzert. Anfang 4 Uhr._ Neue Welt. tmld Scholz."Ä1!* Jeden Sonntag: Promenaden-Konzert und Gala-Spezialitaten-lforstellung Auftreten von Kuhstkräften I. Ranges. Anfang 4 Uhr. Entree 25 PI. Im Riesensaale Roll von 4 Ohr ab: �»r* Oall. Entree 30 Pf. Sclilller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). Sonntag, nachm. 3 Uhr: vi« Macht der Finsternis. Schauspiel in 5 Akten v. Leo N. Tolstoj. Deutsch von Raphael Löwenseld. Sonntag, abends 8 Uhr: Komco und Julia. Trauerspiel in 5 Akten von William Shakespeare. Montag, abend? 8 Uhr: Wob' dem, der lügt. Dienstag, abends 8 Uhr: �Wob' dem, der lügt. Theater. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: ILapfcustrcIcb. Drama in 4 Auszügen von Franz Adam Beyerlein. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Vcilcbcnfrosscr. Lustspiel in 4 Alten v. G. v. Moser. Montag, abends 8'Uhr: Her Vogel Im Käfig. Dienstag. abends 8 Uhr: Helden. Panoptikum ■-•SKKgy Friedricbstraße 165. c Kinematografische Vorlührungen. harivari= Abende. Volkstümliches Kabarett.— Abends 6 Uhr n. a.: Der urkomische Bendlx. Srauerei Iriedrithshara frhher Lipps(Ockonom; E. Niemann) am Königstor. GrOfiter Konzertsaal Berlins.> von Heute: Letztes Sonntags-Konzert Johann Stranji m Wien Dirigent der k. u, k. Österreich. Hofballmusik mit seiner gesamten Kapelle. Anfang 7 Uhr. Entree 1,— M., Humor. Tisch 1,25 M. 1 Billetts im Vorverkauf bei Bote u. Book, VVertheim, Leipziger- | Straße, und in den mit Plakaten belegten Zigarrengeschäften. Bei gutem Wetter im Garten des Nachmittags: Promenadens Konzert. Morgen Montag: Vorletztes Konzert von Job. Strauß. Diez' Seeterrasse, üiehtenberg 6 KOdcr-Straße 6 (5 Minuten von Landsberger Allee und l Minute vom Röderplatz entfernt). Größtes und schönstes Vergniigiings-Etablissenieut des Oftens mit große», See. 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Und für das laufende Jahr signalisieren die Marktberichte Anspannung der vollen Leistungsfähigkeit.. Vom Roheisenmarkt wird berichtet, datz die Abrufe auherordeiitlich stark seien, die Nachfrage bleibe fortgesetzt rege. Sowohl in Deutschland als auch in England und Amerika ergaben sich in den letzten Monaten erhöhte ProduktionS» Ziffern. Der Märzversand des Stahlverbandes i» Plvdukien A ging um 20,64 Proz. über den Februarausgang hinaus und übertrifft um l2Proz. das Ergebiii« des Riärz>905. Der Märzvenand von Halbzeug über- trifft den deS Vormonats um 2l 540 Tonnen, der von Eisen- bahnniaterial um 17 027 Tonnen, und der von Fonneisen um 51 731 Tonnen. Gegenüber dem gleichen Monate des Jahre« 1905 wurden im März mehr versandt an Halbzeug 2656 Tonnen oder 1,51 Proz., an Eiseubahnmaterial 24 854 Tonnen oder 16,81 Proz. und an Formeise» 29 423 Tonnen oder 19.92 Proz. Der Gesamlversand in Produkten A betrug vom 1. April 1905 bis 31. März 1906: 6 471 873 Tonnen und übersteigt die Be- teiligungsziffer für 12 Monate um 9.13 Proz. und den Gesamt- veriand' der gleichen BorjabrSzeit(4 582 081 Tonnen) um 889 756 Tonnen oder 19.42 Proz. Bon dem Geianitversand April 1905 bis März 1006 entfallen auf Halbzeug 1996 779 Tonnen(1001/05: 1 648 368 Tonnen), auf Eiseubahnmaterial 1 735 344 Tonneu (1904/05: 1 419 948 Tonnen) und auf Fonneiscn 1739 714 Tonnen (1904/05: 1 518 765 Tonnen). Der Gesamlversand an Halbzeug ist gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres um 353 411 Tonnen oder 21,51 Proz., an Eisenbahnmaterial um 315 396 Tonnen oder 22,21 Proz. und an Formeisen um 220 949 Tonnen oder 14,55 Proz. höher. Nicht minder günstig lauten die Berichte vom deutschen Kohlen- marlt. Der Geschäftsbericht des Kohlensyndikats bemerkt: Während der überaus starke Versand in den Monaten Januar und Februar d. I. iin BerichtSmonat zunächst eine Abschwächung des Absatzes zur Folge hatte, wurde die Nachfrage im weiteren Verlaufe deS Monats, namentlich auch seitens der inländischen Verbraucher und insbesondere der Eisenindustrie wieder recht rege und mehrte sich gegen Ende des Monats in allen Sorten, natürlich mit Ausnahnie der reinen Hausbrandkohlen derartig, daß schließlich die Befriedigung der An- forderungen auf Schwierigkeiten stieß und die Ausführung der Liese abschlüffe ab 1. April d. I. gelungen, gegen das Vorjabr nicht un- erhebliche Mehrmengen heremzuholen, so daß ein weiter befriedigendes Ergebnis des Absatzes erwartet werden darf. Die meisten Werke wollen gar nicht in der Lage sein, den ge- stellten Anforderungen zu genügen. Die Exporteure werden angeblich mit Aufträgen überschwemmt. Inwieweit hier die Spekulation mit- spricht, läßt sich nicht überschauen, jedenfalls: e« herrscht Konjunktur- stimmung. Und dies« findet in den herauskommenden Quartals- geschäftsberichten weitere Nahrung. Nicht nur die Umsätze, was die Hauptsache ist. die finanziellen Ergebnisse reflektieren eine günstige Wirtschaftsperiode. Die erzielten Ueberschüsse gehen um 20—50 Proz. über die vorjährigen Resultate hinaus. Und was wohl den stärksten Anreiz gibt zu weitgehenden spekulativen Engagements: die glanzenden Abschlüsse werden mit noch stolzeren Zukunfts- Hoffnungen begleitet, weil steigende Preise noch brgllwfendere Gewinnziffern verheißen. ES scheint fast so, als sei mit dem In- krafitreten der neuen Handelsverträge eine goldene industrielle Epoche angebrochen, trotz des starken ToneS Jndustriefeindschast, den die Verträge durchaus nicht verbergen können. Ab 1. April traten erhöhte Preise für Kohlen und andere Roh- Materialien in Kraft, dazu hob das Kohlensyndikat und im Anschluß daran auch das Düffeldorfer Roheiseusyndikat die Export- Vergütung auf. Das macht für die ausführenden Werke eine Belastung von 4 M. pro Tonne aus. Den Sukündiigungen deS Syndikats folgte prompt auf dem Fuße ein sofort in Kraft tretender Preisaufschlag auf Halbzeug um 5 M. pro Tonne. Aagenscheinlich ist damit die Rechnung glatt, der Belastung der Rohmaterial ver- arbeitenden Werke folgte eine entsprechende Verteuerung deS Erzeug- nisseS. Totsächlich findet man aber bei näherem Zusehen eine sehr starke Unebenheit, die Rechnung hat ein böseS Loch. Soweit die Halbzeug herstellenden Werke überhaupt von der Entgiehung der Ausfuhrvergütung betroffen werden, gilt das nur für die Menge der Ausfuhr, die Preissteigerung für Halbzeug trifft aber die Gesamt- Produktion, mindestens soweit sie von den inländisichen Weiter- verarbeitern aufgenommen wird. Während die kombinierten Betriebe ein erhebliches PlnS buchen können, werden die reinen Werke doppelt belastet, eimnal durch Entziehung der Exportprämie, dann nochmals infolge der Preisaufichläge für Halbzeug. Selbst wenn es gelingt, diese doppelte Belastung durch Anziehen der Preise für Walz- fabiikate und Fertigerzengnisse wieder auszugleichen, haben die reinen Werke nichts profitiert, eine solche Preishebung bedeutet nur eine weitere Posittonsverbefferung der schweren In- .dustrie. Und die großen Werke wiffen aus jeder Blnme Honig zu sangen. Die pomphaft angekündigte Riesenausspcrrung in der Metallindustrie ist ein Produkt scharfmacherischer Hetze und Demo- gogie. Wenn die ganze Geschichte nicht lediglich eine leere, auf Furcht einflößende Wirkung berechnete Demonstration ist. dann haben die Ritter der schweren Industrie die von ihnen schon so oft übers Ohr gehauenen Kollegen in der reinen Weiterverarbeitung nun auch zu dem ihre Vorteile in« Auge fastenden Plane am Gäugelbändchen. Daß auch nicht ein Schimmer von sachlicher Berechtigung zu einem Kampfe gegen die Arbeiter vorliegt, ergibt sich sonnenklar aus den dem augenblicklichen Kampfe in den Gießereien zu gründe liegenden Forderungen. ES sind in der Hauptsache: Einführung einer Maximal- arbeitSzeit von 10 Stunden. Bei unvermeidlicher Ueberzcitarbeit ein Zuschlag von 25 Proz.— fiir Nacht- und Sonntagsarbeit 50 Proz.— «nfangslohn für Hülfsarbeiler 3 M., für Former 3,50 M. Akkorde nach festen Tarifen. Garantie deS Stundenlohnes._ Vergütung für tchlguß, wenn kein Verschulden des Arbeiters vorliegt. Genügende chutzvorrichtungen. Sanitäre Anlagen uilv.— Bescheidener können die Arbeiter doch wohl kaum sei«. Die glänzende Gestaltung der Verhältniste in der Eisengroßindustrie recht- ferttgt vollauf die Forderung nach Verbesiernng der Arbeits- Verhaltnisse. Dieser unbequemen Notwendigkeit möchten sich die Grdßindustriellen gern entheben lassen— indem sie die weiterverarbeitenden Werke ins Feuer schicken. Angeblich soll der Bund der Industriellen beabsichtigen, eine Aussperrung von über 300 000 Metallarbeitern vorzunebmen, wenn die Bewegung in den Eisengießereien nicht zum Stillstand kommt, die Former nicht be- dingungSloS den Unternehmern sich unterwerfen. Der Zweck diese« �-ni den grobindustriellen Scharsmachern inszenierten PläuchenS ist duc'chsichtia genug. Die großen kombinierte Werke, die eigentliche Großindustrie, würde von den, Aussperrungsbeschluh selbst nicht be- ttossen, höchstens insofern, als sie in die Lage käme, an der Ueber« nähme von Aufträgen für aussperrende Betriebe einen Extraprosit zu schneiden. Aber, und das ist Absicht, eine umfassende Aussperrung m der gesamten verarbeitenden Industrie, wäre ein starker Dämpfer für die Unzufriedenheit der Arbeiter in der Großindustrie. Zu gunsten dieser soll die verarbeitende Industrie als Blitzableiter dienen, wofür dem Prügeljungen die Aussicht bleibt, für den lieben Bruder dauernd die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Die natürliche Entwickchmg garantiert dem gemischten Betriebe die Herrschast auf dem WirtschastSmarkt. Die Unternehmer in der verarbeitenden Industrie, die Repräsentanten der reinen Werke, sorgen für eine Beschleunigung ihres Unterganges durch die Dienste, die sie zur Machtstärkung ihrer natürlichen Gegner leisten. Und die Stimmungsbilder, die eine Halbzieugnot an die Wand malen, tatsächlich aber mehr eine Drohung, enthalten, die reinen Werke in der Versorgung zu vernachlässigen, fisrgen dafür, daß die Abnehmer nicht rebellisch werden. «ehnlich wie auf dem Kohlen« und Eisenmarkt liegen die Ver- Hältnisse in der Textilindusttie. Starke Nachfrage und Anziehen der Preise für Rohmaterial und Halbfabrikate. Da» ist die Tendenz I Wolle und Garne werde bei ziamlich starken Aufschlägen willrg abgenommen. Die Spinner find m der Lage, Preiskonzessionen ab- weisen zu können. Nur vom Baunelvollenmarkt wird über Mattigkeit geklagt. In der Bauindustrie haben sich die Verhältnisse nicht ganz so günstig entwickelt, als man wohl erwartet hatte. Mit dem Einsetzen be« ständiger Witterung darf aber wohl auf«ine umfangreichere Auftiahme der Bautätigkeit gerechnet werden, wenn auch d,e andauernde und in den letzten Tagen verschärfte Vorsteifung des Geldmarktes gerade nicht anfeuernd wirkt. Die zerstönende Katastrophe in der kaliforni« schen Mettopole. die die Industrie anregte, übt andererseits aber auch etwas hemmenden Einfluß aus. Der starke Geldabfluß nach Amerika hatte eine Heraufsetzung deS englischen Bankdiskonts aus 4 Proz. zur Folge. Das verstiinnö um so mehr, als der Diskont erst vor kurzem von 4 auf 3'/, Proz. herabgesetzt worden war. Gestern folgte die Niederlaniiische Bank mit einer Diskont- hcraustetzung von 3'/» auf 4>/z Prozent. Diese Ge« staltung der Verhältnisse auf dem Gcldmartt schließt die baldige längst erwartete Herabsetzung de» 5 Prozentdiskont der deutschen Reichsbank vorläufig noch aus. Die Börse reagiert zunächst durch Zurückhaltung, dann aber kam die Verstimmung auch durch Abgaben zum Ausdruck. Es kam zu Realisationen, die teilweise sogar einen erregten Verlauf nahmen. Die Kurse bröckelten etwas ab, doch blieben die Papiere der Montanindusttie von der ganzen Bewegung ziemlich verschont. Die derzeitige Anspannung deS Geldmarktes birgt aber für die BolkSimrtschaft weniger Gefahren in sich, sie kann sogar al» korrektiv gegenüber einer ungesunden Spekulation wirken, bedroht wird die wirtschaftliche EntWickelung dagegen durch Ueberspannung der Roh- materialienpreise und durch die Erweiterung der Kluft zwischen Produltion und Konsumkraft. V. Eingegangene Dmchrcbiiftei». AII<|af«a. Nasza Polityka, a Kosoiol. 48 Seiton. Preis 1 M. Ksieearnia Nakladowa Hermans Walthera, G. m.b.H., Berlin W. 30. ll» RuHMle, aon panaA,«on präsent(Ruhland, seine Ber- on Jlmarken. Neapel. 164 Seiten. 3 Lire. _ eine Selbst- oder Lakterienverglstung. Bon Dr. med. Walser. 60 Pf. Verlag von Edmund Demme, Leipzig. Rassetennzeichen der Schosihnnde. Herausgegeben vom Schoßhund- klub E. V. Berlin. Lichterfelderftr. 28. lim KuHitle. aon paaae, gangenheit, seine Gegenwart) von Di« vhrenerkrantnng, eine Vit/e Jausende Exemplare. Vollendel reichheH. Ausmusterungen hervorragendster Fabrikate. Gute Abarbeitung. Schöner Sitz, 18.- IS— 12— 10— 8— 8— 7.- ■J06:i 4 Mk. Viele Jausende Exemplare. Allerneueste, aparte Osseins. Kleidsamste Geschmacksrichtungen, Verschiedenste Farbenstsllungen, 16— 12— 10— 9— 8—| 7— 6— 6— 4— 3— I Mk, 75 Besondere Gelegenheit! Fantasie-Westen o ut Auffallend sahöne Muster mm MK, io S Stock fQr 6 Mk. 50 Baer Sohn Spezialhaua grtaaten Massstabes Chausseestrasse 24®/ 2 5• 1t BrQckenstraase 11 Gr. Frankfurterstr. 20. Der Haupt-Katalog Nr. 39(Fräh/altr u. Sommer) wird kostenlos u. portofrei zogesandt. In dieser �Woche gelangen, soweit der noch vorhandene Vorrat reicht, in fast allen Lager-Abteilangen zur Aatlag«: Einzelne Lagerposten nnd Restbestände. 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Ist es znieckmästig. die Delegationen in den vorort-Kartellen sGewerkschasts-Kommiistone»). die zur Filiale Grost-Berlin gehören, aufrecht zu erhalten? 3. Verschiedenes. KM- Die Delegierten aus den Vororten werden hiermit besonders eingeladen. 196/5 Erscheinen aller Kollegen ist unbedingt notwendig k Ansang Präzise 6'/, Uhr.__ Der Vorstand. Zentralverband der Sehmiede Zahlstelle Berlin. Bureau: Stralauerstr. 48. Telephon: Amt 1, 7779.' Achtung! Ausgesperrte. Montag, den 7. Mai er., naebmittags 4 Ihr, bei WUhe. Brunnenstr. 188: Versammlung unserer sämtlichen ausgesperrten Mitglieder _ Wir bitten die AuskunstSstcllcn des Wetallarbciter-VcrbandeS unsere Mitglieder aus diese Versammliing ausmerlsam zu machen. Pünttliches Erscheinen ist notwendig. 176/12 _ Die Ortsverwaltung. I. A.: W. S i e r i n g. verband der Schneider. Bttgler und Stepper aller Branchen!! Am Montag, den 7. Mai, abends 8'/, Uhr findet im WWW»„Englischen Garten". Alexanderstrafte 2?c mm eine Oftentl. Versammlung d. Bügler n. Stepper 156/18 statt. Tages-Ordnung: Welchen Einfluß iönnen Bügler und Stcpper auf die Arbcitsverhält nisse ihres Berufes ausübe»? Referent: Kollege Milhr. An die Bügler und Stepper der Herren- und Knabenkonsettion und der Damenlonscltio» ergeht die dringende Aussorderung, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Einberufer. Filiale Berlin. Montag, den 7. Mai, abends 8'/, Uhr, in de» Rcsidcnz-Iälen. LandSbergerstr. ZI: General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 2. Bericht von der Gaukonserenz. S. Neuwahl der Gaukommisfion. i. Wahl deS Schriftführers. 169/14 Die Ortsverwaltung. Zahlstelle Berlin. Montag, den 7. Mai 1906, abends 8>/z Uhr: Bezirks-Vcrf am tu tun gen Süden und Süd-Osten im„Mhrhlsehen Hof", Admiratstraste 18 o. Tagesordnung: 1. Vortrag des Gcnxssen Herrn A. Stbi-mer über:„Arbeiterschaft und Kirche". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelcgcnheiten und Verschiedenes. NichtMitglieder und Frauen haben freien Zutritt. Osten 1, Osten II, Nordosten in Stecherts Festsälen. Andreasstr. 81. TageS. Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Strbbel über:„Politischen Massenstreik". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Oestliche Vororte im„Schwarzen Adler". Inhaber: tlsdr. Arnhold, Franksurter Thaussee 5. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen' Max Schutte über:„Heinrich Heine." 2. Diskussion. 3. Verbandsangelcgcnheiten und Verschiedenes. Kollegen, es darf zu dieser Versammlung keiner schien. Westen und Süd-Westen bei Babels, Bergmannstr. 8—7. Tagesordnung: 1. Vortrag des ReichstagS-Abgeordneten Dr. SUdehnm:„AuS der Geschichte des Verkehrs in Deutschland." 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegcnhciten und Verschiedenes. Auch NichtMitglieder und Frauen haben Zutritt.— Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Schönhauser und Rosenthaler Borstadt bei SehUtas, Schönhauser Allee 88. 86/7 Tages-Ordnung: 1. Vortrag wird in der Versammlung bekannt gegeben. 2. Verbands- angelegcnheilen. 3. Verschiedenes. Der Bezirksleiter. Ws! Scluihmaclier! V»! Montag, den 7. Mai, vormittags 0 Uhr, bei ,Buggenhagen«, Orantenstrafte 147en Bezirkssührern zu haben. 14/4 Achtunq! �tuno! Bon Montag, Jkn 7. Mai an tritt für die folgenden 14 Tage die rote Marke in Kraft, und muß sich dieselbe im 9. Felde der Karte befinden. Die Marken werden verabfolgt Sonntag, den 6. Mai, von 9—12 Uhr vormittags in folgenden Lokalen: Krüger, Lychener- straße 8; Stephan, Wienerstr. 31/ Pankow, Perlebergerstr. 32; Rickert, Steinmetzstr. 35: Bühtner, Fruchtstr. 54; Döhling, Kolbergerstr. 23/29, owie Sonnabend u»d Sonntag bei Merk«, Bergstr. 10; Raith, Charlottenburg, Pestglozzistr. 23/29, und im Bcrbandsburea», Engel- Ufer 16, Zimmer 35. Jeder zu tarifmäßigen Preisen arbeitende Kleber muß im Besitze obiger Karte sein. 178/2 Die Verbandsleitung. gzwsld Scholz, Ba?gSeu',. Iramattcn, Handschuhe, Wäsche, > Regenschirme, Spazierstöckc. Schirmreparaturen md Beziige. JRioCdlf R'rdorf, Steinmetzstr. 9 . D I Ca vi I, älteste Resterhandlung. 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Gesamtbcilräge(Anteile der Arbeitgeber und Arbeitnehmer) ausschließlich Zusatzbeiträge........... 64 084,51 5. Ersatzleistung für gewährte Krankenunterstützung(Kranken- Versicherungs-Gcsctz KZ 59, 37).......... 661,73 6, Ersatzleistung von Berussgenossenschalten, Unternehmern zc.. 564,47 7. Aus verkauften Wertpapieren, Sparkassen- oder Baukeinlagen 1 000,— 8. Aufgenommene Darlehne, Vorschüsse: andere durchlaufende Posten................... 7,50 9. Sonstige Annahmen............... 341,43 10. Summe der Einnahmen(Ziffer 1—9) 71 140,60 b) Ausgaben. Mark 1. Für ärztliche Behandlung............. 7 540,13 :ür Arznei und sonstige Hellmittel.......... 6 410,79 i—»----'v— Mitglieder.......... 22 520,95 1 266,59 388,50 1 440,— 14 804,73 102,40 3 232,68 3. Krankengelder: a) an b) an Angehörige der Mitglieder.... 4. Unterstützungen an Wöchnerinnen.......... 5. Sterbegelder.................. 6. Kur- und Vcrpflegungskostcn an Krankenanstalten.... 7. Fürsorge für Rekonvaleszenten........... 8. Ersatzleistungen für gewährte Krankenunterstützung.... 9. Für Kapitalanlagen(Ankauf von Wertpapieren k., Anlagen bei Sparkassen)................ 10. Verwaltungsausgaben: 11. Sonstige Ausgaben. 12. a) persönliche b) sächliche. 4 000,— -3 364,50 1 947,51 718,89 M. 71140,60 „ 67 437,61 Summe der Ausgaben(Ziffer 1—11) 67 437,61 c) Abfchluft. Summe der Einnahmen(Ziffer a, 10)........ Summe der Ausgaben(Ziffer b. 12)........._ Ergibt für den Schluß des Rechnungsjahres einen Kassen- bestand von............... M. 3 702,99 II. Vermögensnachweis für den Schluh des Rechnungsjahres 1905. A. Das Gesamtvermögen der Kasse setzt sich wie folgt zusammen: 1. Aktiva. a) der Bestand für den Schluß des Rechnungsjahres 1905 laut vorstehendem Abschluß.......... M. 3 702,99 b) in Hypotheken, Wertpapieren, Sparkassenbüchern, Bank« cinlagen.................. 13 977,50 c) sonstige Forderungen(Ersatzforderungen gegen Arbeitgeber)„ 829,93 Summe B. DaS verfügbare Aktivvermögen verteilt sich wie folgt: 1. Zum Rclervesonds gehören nach den stattgesundenen lieber- Weisungen................ Nach dem vorjährigen Abschluß betrug der Reservefonds M. 18 510,42 M. 13 977,50 ., 10 964,— M. Ergibt gegen das Vorjahr an Reservefonds mehr M. 3 013,50 2. AIS BetriebssondS verbleiben der Kaffe in bar..... 3 702,99 Ergibt einen Betriebsfonds von M. 3 702,99 2. Passiva. Unberichttgt gebliebene Forderungen von Kassenmitgliedern, Aerzten, Apotheken und Krankenhäusern zc..... M. 323.25 Summe M. 323,2a Hiernach beträgt der Ueberschuß der Akttva........ 18 187,17 Nach dem vorjährigen Abschluß beträgt der Ueberschuß der Aktiva.................., 13 653,18 Ergibt gegen das Vorjahr an Ueberschuß der Aktiva mehr M. 4 533,99 Friedenau, den 1. März 1906. Der Vorstand. Herrn. SchSIzel, Wilh Stolle, Rud. Behn, 1. Vorsitzender. Schristsührer. Rendant. Vorstehende Kassenrechnung ist von uns geprüft und mit den Bücher» und Belägen übereinstimmend und richtig befunden worden. Frieden,»,, dcu�7. März 1906. 273/1? Hans Tie Rechnungsprüfungs-Komuiission is Lorenz. Arthur Zechalia. Rud. Flei Fiedler. Arbeiter- Samariter-»G» Kolonne. Sommer-Kursus 1906. Beginn desselben in der l. AbttilllUg im Lokale Dresdenerstr. 45 am Montag; in der 3. Abtkilnng in Schövkberg, bei Obst, Mkiningktstr. 8 am Donnerstag dieser Woche jedesmal S Uhr abends beginnend Der«rat« Tortrag in jeder Abteilung lautet über: .Anatomie(Bau des menschlichen Körpers) mit Erklärungen an Bildern und Präparate«. Das Einschreibegeld beträgt 85 Pf. Der Monatsbeitrag 85 Pf. Den Mitgliedern steht die Bibliothek zur freie» Ver- fugnng. Der Besuch des ersten Abends steht jedem als Gast frei. Der Unterricht m der S. Abteilnng beginnt am Montag» in der 4. Abteilang am Donnerstag nächster Woche. Um zahlreichen Besuch ersucht 261/1 _ Der Torstand. Bilanz der Gesellschaft fär elektrische Hoch- u. Untergrundbahnen in Berlin am 31. Dezember 1905. Aktiva. 1. Kasse............. 2. Bau- und Grunderwerbs-Konto der Bahnanlage........... 3. Bau-Konto der Erweiterungslinien. 4. Konto Kraftwerk........ 5. Konto Betriebsmittel....... 6. Vorrätige Betriebsmaterialien... 7. Grundstücks- und Gebäude-Konto. Abschreibung auf Gebäude.:. 8. Wertpapiere(bei Behörden hinterlegte Kautionen)........ 9. Bureauinventar......... Abschreibung 10. Verschiedene Debitoren Passiva. 1. Aktienkapital.......... 2. Gesetzlicher Reservefonds.... 3. 4 Schuldverschreibungen.... 4. Hypotheken auf erworbenen Grundstücken........... 5. fibldo der Konten bei der Deutschen Bank............. 6. Bahnanlage-Tilgungsfonds..... 7. Emeuerungsfonds........ davon 1905 verausgabt...... 4 463 881 56 955 8505 8501 74 M. 28160 28 330 833 3 945 8.34 3 141 692 3 295 179 117 673 - 4 406 926 99 HO 281 i 788 978 89 44 165 562 169 ge aus 1905. dem Ertragnis hierzu Rüokli des Jahres 8. Fonds für außergewöhnliche gaben im Betriebe..... davon 1905 verausgabt... Aus- hierzu Rücklage aus dem Erträgnis des Jahres 1905........ 9. Zinsen der Schuldverschreibungen für die Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1905(fällig am 1. April 1906) 10, Noch nicht erhobene Dividende und Zinsen auf Schuldverschreibungen. 11. Verschiedene Kreditoren... 13. Reingewinn des Jahres 1905 zuzüglich Gewinnvortrag aus dem J ahre 1904.......... M. 825 000 25 942(72 799 057 M 350000!- 167 708 89 98 262|76 69 446 150 000 1 480 770 13 25 71 786 55 I M. 30 000 000 392 869 7 800 000 623 450- 1 639 430 307 700 1149057 219 446 78 000 7 570 395 482 1552556 44 165 562 30 28 13 90 80 69 Oewlnn- und Terlnst-Rechnnng. Debet. 1. Zinsen der Schuldverschreibungen Rücklage für Tilgungsfonds ige- 3. Rücklage für den Bahnanlage- 3. Rücklage für den Erneuerungsfonds 4. Rücklage für außergewöhnliche Aus- faben im Betriebe........ bschreibungen: auf Gebäude......... auf Bureauinventar...... 6. Saldo, zur Verteilung verbleibender Ueberschuß.......... 42 2120429 Kredit. 1. Vortrag aus 1904........ 2. Betriebseinnahmen....... abzüglich Betriebskosten(einschließl. der festen Vergütung an den Aufsichtsrat nach tz 29 des Statuts). 8. Verschiedene Einnahmen..... aus der Vermietung von Wohnhäusern, Viadukt- und Bahnhofsräumen, durch Verpachtung des Anschlagwesens und Bahnhofsbuchhandels, sowie aus Zinsen usw. 2 516 016 120 Die auf 4,/>"/o festgesetzte Dividende gelangt mit 45,— M. für die Aktie gegen Einreichung des Dividendenscheines No. 9 zur Auszahlung bei der Dentschen llank oder der llepllner HnndelHgexellsichaft oder- der üllttcldeatschen Credlt- bank, Uvrlin. B e r 1 i n, den 5. Mai 1906._ Per Toratand. M. Pf 56 955 8 504 40 M. 4 499 147 2 378 717 Pf M. 312 000 86 000 350 000 150 000 65 459 40 1552 566! 80 2 516 016 20 M. 71786 323 800 64 01 Auf Teilzahlung!!! Wöchentlich nur Große Antovahl«i Herren- und Damen-Uhren, Standuhren, Freischwinger, Regnlateare, Broschen, Ringe, Ketten, Stöcke, echte Menfenhauer Zithern, Phono- Igraphen, Plattensprechmaschinen, Polyphon«, Harmonikas. 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Sing' ich das Schaukcllied dazu: „Springe mein Liebchen, ach, springe rasch aus die Schaukel Du. I Lasse uns wiegen und schmiegen beim süßen Nendezvous 1" Und sie spricht:„Du allein ftndest in meinem Herzen Platz, Kaufst Du in ÜZlZösZ Vös83IIlIll2II8, Bleib' ich Dir treu, holder Schatz Fertig am Lagei*! Moderne Paletots und Anzise gefertigt aus den neuesten Stoffen. Ganz vorzügliche Verarbeitung. Zu den billigsten festen Preisen. Nor durch meine vieljährigen Fachkenntnisse und durtch grosse voreilh&'te AbschiQ.�ae In den Tuchlabriken bin Ich iy der Lage MM�ruchtsyrup-Sxlrakfe das volle Aroma frischer Früchte enthaltend. Eine Flasche für 75 Pf. gibt 5 Ptd. Liimonadesyrnp, dessen reiner natürlicher Fruchtgeschmack und Billigkeit überrascht. Bin Pfund stellt sich fix n. fertig auf etwa 25 Pf. Köstlich als litmonaden und als Fruchtsaft zu Paddlngs, ..., Speisen ec. l vriginalil. 75 Pk. Zum Versuch Va Fl. 40 Pf. 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Unsere Partei, die gleiches Recht für alle auf ihre Fahne ge- schrieben hat, zeigt im Absatz 2 des ß 10 des Organisationsstatuts, welcher lautet:„Die Vertrauenspersonen sind berechtigt, freiwillige Beiträge entgegenzunehmen und durch besondere Marlen zu quittieren", den Weg. den die Parteigenossinnen beschreiten können, um ihre Parteizugehörigkeit zu bekunden und damit dem ß 1 des Organisationsstatuts, welcher lautet:„Zur Partei gehörig wird jede Person betrachtet, die sich zu den Grundsätzen der Partei bekennt und diese dauernd durch Geldmittel unterstützt", voll zu genügen. Für diesen Zweck werden von den weiblichen Vertrauens- Personen Karten für freiwillige Beiträge an Genossinnen verabfolgt, die, um es möglichst bequem zu machen, bei folgenden Genossinnen zu haben sind: Frau Döring, Vf. Steinmetzstr. 23, Hos IV; Frau Lutz, SW. Waterloo-User 9, im Laden: Ottilie Baader, 8. Blücherstr. 49, Hof II; Frau Kulicke. 8. 42 Prinzenstr. 102, IH; Frau Hönicke, 80. Wicnerstr. 43, i. L: Frau Deutschmann, 0. Zonidorferstr. 11; Frau Frohmann, 0. Thaerstt. S7, Hof IV; Frau Schädlich, 0. Friedenjtr. 49, Ouergeb. pari.; Frau M. Wengels, 0. Gubener- siraße 42, 2. Ausg. lV; Frau Zeipert, 140. Marienburgerstr. 22. Ouergeb. I; Frau Kunze, dl. Sttakburgerstt. 12, Ouergeb. IV; Frau Seeger. 14.28, Lortzingstr. 35 im Laden; Frau Winnig, dl. Lieben- walderstr. 38, Part.; Frau Matschke, dl. Wolgasterstr. 8. v. Hl; Frau Schmidt, dl. Brunnenstr. 91, Seitenflügel ll; Frau Panzeram, N. Pappel-Allee 128,1; Frau Bauschke, NW. Noftockerstr. 48, Ouer- gebäude I; Frau Wulff, NW. Rostockerstr. 9, Hof pari. Berichtigung der Berichtigung. Herr Dr. jur. Hermann Popert schreibt uns: „Zu der Erklärung des Herrn W. Miethke-Berlin in der ersten Beilage Ihrer Nr. 99 vom Sonntag, den 29. April 1909, ersuche ich Sie sehr crgebenst, meine folgende Berichtigung aufnehmen zu wollen. Die Darstellung des Herrn Miethke über unser Gespräch(vom 10. September 1905 auf dem Elbdampfer zur Bastei) ist irrig. Ich habe schon damals Herrn Miethke gegenüber aus das allerschärfste und unzweideutigste erklärt, daß ich kein Wort von bürgerlicher Gesellschaft und kein Wort von inneren Feinden gesagt habe. Ich habe Herrn Miethke auch nicht gesagt,„ich bedauere meinen Aus spruch, da ich ihn nicht so habe machen wollen", sondern vielmehr „ich bedaure, daß Herr Miethke etwas gehört habe, was ich nicht gesagt habe". Ich habe endlich schon Herrn Miethke darauf aus- merksam gemacht, daß die Acußerung, die er von mir gehört haben wollte, schon darum gar nicht von mir getan sein kann, weil sie in unlösbarem und geradezu unsinnigem Widerspruche zu meinen in dem Vortrage enrhaltenen und von mir in Dresden aus dem jedermann zugänglichen gedruckten Texte wörtlich der- lesenen Ausführungen über den Fall Froehlich stehen würden. Mit der vorzüglichsten Hochachtung Landrichter am Landgericht Hamburg." Dr. jur. Hermann M. Popext. Verband der Wäsche- und Krawattenarbeiter und-Arbeite- rinnen. Heimarbeiterinnen der Wäsche-, Krawatten-, Blusen-, Schürzen-, Korsett- und Nealigebranche Berlins und Umgegend. Die nächste Zusammenkunft für den Wedding findet am Montag, den 7. Mai, abends 8 Uhr, bei Lange früher Kröhn, Reinickendorfer- straße 23, statt. Einen guten Besuch erwartet Die Sektionsleitung. Reinickendorf(Ost). Die nächste Mitgliederversammlung (Dienstag) fällt aus. ES findet dafür am Dienstag, den 8. Mai, abends 8 th Uhr, im Lokale von H. Schober„Restaurant zur Eisen- bahn", Provinzstrahc Ecke Nordbahnstraße, eine öffentliche Ver- sammlung statt. Referent: Genosse Düwell. Thema:„Die Frau im Klasscnstaat". Die Vereins Mitglieder und deren Männer werden gebeten, sich zahlreich an der Handzettelverbreitung, welche von den bekannten Zahlstellen aus stattfindet, zu beteiligen. Siehe Sonn- abendausgabe unter„Partei-Angelegenheiten". Borsigwalde-Tcgel. Der hiesig« Frauen- und Mädchenbildungs- verein hält am 9. Mai, abends 8�2 Uhr, bei Kube, Borsigwalde, Ernststr. 8, eine außerordentliche Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht: 1. Vortrag„Kultur und Volksschule", Referent Herr Eichler. 2. Diskussion. 3. Ersatzwahl der ersten Vorsitzenden. 4. Verschiedenes. ES ist Pflicht eines jeden Mit- gliedcS, zu dieser Versammlung zu erscheinen. Mitgliedsbuch mit- bringen. Der Vorstand. Vermischtes. Der vielverlästerten Maifeier hat eine BourgeoiSsamilie in Nürn- berg zu verdanken, daß sie vor großer Trübsal behütet wurde. Erst zwei Tage nach der Maifeier ist es bekannt geworden, daß ein Mai- demonstrant ein Kind vom Tode des Ertrinkens gerettet hat. Er ging am 1. Mai vormittags über die Wöhrder Wiese, um sich ins Versammlungslokal zu begeben, als er plötzlich ein Kind in die Pegnitz stürzen und mit den Wellen forttreiben sah. Ohne Besinnen sprang er dem Kleinen nach, rettete ihn und verbrachte ihn zu seinen Eltern, um dann sofort wieder zu verschwinden. Den dem Bürger- tum angehörigen Eltern des geretteten Knaben gelang es erst nach umfangreichen Nachforschungen, den bescheidenen Retter ausfindig zu machen, der mit zu den wegen der Maifeier Ausgesperrten gehörte. Sie sandten ihm 100 Mk.„für einen neuen Anzug". Wem: der Vater des Kinde? schon mit feinen Klassengenossen über die Maifeier geschimpft hat, so wird er es wohl in Zukunft nicht mehr tun, denn thr hat er die Erhaltung seines Kindes zu verdanken. Wolkenbrüche. Kaiserslautern, 8. Mai. Wie die Pfälzische Presse meldet, sind gestern schwere Unwetter, verbunden mit Wolkenbrüchen, über die Vorderpfalz niedergegangen, die in vielen Orten großen Schaden angerichtet haben. In Mußbach ist ein auf dem Felde arbeitender Winzer mitsamt seinen Pferden vom Blitze erschlagen worden. Mainz, ö. Mai. Schwere Gewitter haben gestern in Rhein- Hessen, namentlich in der Umgegend von Mainz erheblichen Schaden angerichtet. In Gonsenheim ging ein so starker Wolkenbruch nieder, daß in einer Straße die Parterrewohnungen geräumt werden mußten. Das Dorf Gundersheim wurde ebenfalls durch einen Wolkenbruch derart unter Wasser gesetzt, daß die Feuerwehr Hülfe leisten mußte; zwei auf dem Felde arbeitende Personen wurden vom Blitze erschlagen. Auch in Niederflörsheim tst ein in einem Steinbruche beschäftigter Arbeiter durch Blitzschlag getötet worden. Die Explosion in Zappcndorf. der gestrigen Dynamitexplosion in Halle a. S.» 5. Mai, Der bei �appendorf(nicht Pfaffendorf) schwerverletzte Bergrat De icke aus Halle ist gestern abend feinen Verletzungen erlegen, fodaß die Zahl der Getöteten nunmehr fünf beträgt; außerdem sind noch sechs Personen verletzt worden. Die Explosion ist infolge Unvorsichtigkeit beim Zulöten der Dynamit- Patrone entstanden. Die letzten Leichen. Auf der Zeche„Borussia" sind gestern unter einem Bruch die beiden letzten Leichen der verunglückten Bergleute gefunden worden. Morgen sollen alle 23 Leichen bc- erdigt werden. Schwarze Pocken. In Solingen ist eine aus Schlesien stammende Dienstmagd an den schwarzen Pocken erkrankt. Sie wurde auf An- ordnung der Behörden isoltert. Ein Weltrekord in der drahtlosen Telegraphie. London, 5. Mai. Der in Plymouth angekommene Dampfer„Deutschland" der Harn- burg-Amerika-Linie hat den Weltrekord für drahtlose Mitteilung auf atlantischer Fahrt übertroffen. Am Donnerstag um 6 Uhr früh er- hielt die..Deutschland" eine drahtlose Mitteilung von Clape Cod ans einer Entfernung von 2200 Meilen. 26-30 Spandauerstr. Ei|D' a Königstrasse 11-14 IWerikgumif Üla ra Freüsemi Mäilclien-RleidBP ünaben-flnzüge Mützen Viele Tausende Exemplare. Glatte, gezwirnte und Köper-Qewebe. Kleidsame, glatte und faltige Fassons. Strapazierfähig und gut in Wäsche. Banpt- Katalog kostenfrei I.- 7.- 6."% 4.- 3.- L Mt Bewährte Loden, Cheviots, Zwirn. buckskins, Diagonale und andere Stoff-Erzeugnisse. Joppen- u. 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Gleich- zeitig stürzten die Hausbewohner erschreckt auf die Straße. Es stellte sich alsbald heraus, daß der Anschlag gegen die im Keller befindliche Kaschemme von Engel gerichtet gewesen war. Zu dem „Bouillonkeller" führt vom Hausflur aus eine Treppe von zehn Stufen hinab und in diesem Raum lo»r eine mit Sprengstoff gefüllte Flasche geworfen worden. Bei der Explosion wurden verschiedene Fenster zertrümmert. Eine Anzahl Gäste siel vor Schreck von den Stühlen. Obgleich die Aufregung groß war, ließ doch der Wirt niemand auS dem Lokal heraus, bis Polizei herbeigeholt war und die Namen der Anwesenden festgestellt wurden. Am Tatorte wurde eine mit einem braunen Ueberzng versehene Flasche, ähnlich einer Weißbierkruke, vorgefunden, deren Hals in ein dichtes Bindfaden- gewebe eingehüllt war. Der Fund wurde von der Polizei beschlag- nahmt. Von wem der Anschlag ausgegangen ist und gegen wen er sich richtete, ist noch nicht festgestellt. Vielleicht galt er einer Dirne, die sich unter den Gästen befand. Unregelmäßigkeiten sind in der Filiale der städtischen Verkaufs- anstalt für Freibankfleisch in der Görlitzerstraße aufgedeckt worden. Schon seit Jahren wurde dort über schlechtes Gewicht und Fleisch geklagt. Jetzt ist der als Verkäufer angestellte frühere Schlächter- meister Döring ertappt worden, daß er minderwertiges rohes Fleisch zweiter Klasse, wie es von wässrigen, abgemagerten, unreifen Tieren verkauft werden muß, für minderwertiges Fleisch e r st e r Klasse verkaufte; er hat dabei, wie die„Allg. Flcischer-Ztg." mit- teilt, einen unberechtigten Vorteil von 20 Pf. am Pfund sich ver- schafft. Man ist über diese Uebervorteilung der armen Bevölkerung durch Döring um so mehr empört, als Döring ein gutes Gehalt hatte und auch seine Frau für Mithülfe beim Verkauf 24 M. pro Woche bezog. Döring ist aus seiner Stellung entfernt worden. Die Bronzestatuette eines Ochsen, das Werk des jugendlichen Bildhauers Tannhäuser, das auf der vorjährigen Berliner Kunst- ausstellung allseitige Beachtung fand, ist vom Komitee der Berliner Mastviehausstellung angekauft worden zur Herstellung von Ab- güssen, die als Züchterehrenpreise Verwendung finden sollen. Bei der diesjährigen Ausstellung, die am nächsten Dienstag eröffnet wird, werden 3 solcher Abgüsse zur Verteilung kommen. DaS Original ist vom Künstler nach der Natur modelliert, eS stellt den dreijährigen ostfriesischen Ochsen„Peter" dar, der von Barthold in Lcbusa in der Mark gezüchtet worden ist. Ans der Vorortstrecke der Görlitzer Bahn sind die Umbau- arbeiten so weit gediehen, daß jetzt endlich der viergleisige Betrieb voll durchgeführt werden konnte. Bisher waren auf dem Abschnitt von Adlershof über Nieder-Schöneweide und Baumschulenweg bis etwa zum Sackführerdamm immer noch für sämtliche Stadt-, Bor- ort- und Fernzüge nur zwei Gleise benutzt worden. Die Durch- führung des viergleisigen Betriebes hatte sich verzögert, weil zwischen Nieder-Schöneweide und Baumschulenweg die Eisenbahnbrücke über den Nebenarm des Teltowkanals in ihrem vierten Bauteil, der für das vierte Gleis bestimmt war, erst nachträglich fertiggestellt werden konnte. Nachdem auch dieser Teil der Brücke dem Betrieb übergeben worden ist, wird jetzt seit Anfang Mai das südwestliche Gleispaar von den Fern- und Vorortzügen befahren, während das nordöstliche Gleispaar nur noch dem Verkehr der Stadtzüge dient. Nun sind auch der zweite Bahnsteig für Baumschulenweg und der dritte Bahnsteig für Nieder-Schöneweide in Benutzung genommen worden. In Nieder-Schöneweide fahren jetzt die Spindlersfelder Züge vom Bahnsteig der Stadtbahn ab. Gearbeitet wird noch an dem sünften Bauteil der Kanalbrücke, der das Gleis für die von Nieder-Schöne- weide über Baumschulenweg nach Nixdorf fahrenden Güterzüge auf- nehmen soll. Auch für den geplanten Personenzugsvcrkehr nach Rixdorf sind zwischen Baumschulenweg und Rixdorf noch Gleis- Verlegungen auszuführen. Schwer verletzt wurde gestern eine Frau I. in der Soldiner- straße 109 von den Portiersleuten des Hauses, die ihr den Zutritt ins Haus verweigerten. Ein Schutzmann brachte die Schwerverletzte nach der Unfallstation in der Badstratze, wo eine ganze Reihe von Wunden und Beulen verbunden werden»nißten. Die Mißhandelte wurde dann in ein Krankenhaus eingeliefert. Der Vorfall dürfte voraussichtlich noch ein böses Nachspiel vor dem Richter haben. Ein schweres Unglück ereignete sich gestern vormittag in dem Betriebe der Äschinger A.-G. Neue Friedrichstr. 11. Der dort an- gestellte Bäcker und Mitfahrer Czeslans Sopolinski war mit dein Reinigen des Fahrstuhlschachtcs beschäftigt, ohne daß er bemerkte, daß der Fahrstuhl von oben herunterkam. Ein Schlächter rief dem Sopolinski noch zu, loegzutreten, dieser konnte jedoch nicht mehr entweichen und lvurde von dem Fahrstuhl so zu Boden gedrückt, daß er bald seinen Geist aufgab. Die Leiche wurde nach dem Schau- Hause geschafft. Berliner Adreßbuch. Der zweite Nachtrag zum diesjährigen Adreßbuch gelangt von morgen ab zur Ausgabe. Derselbe enthält alle seit Erscheinen der Hauptausgabe angemeldeten Wohnungs- Veränderungen, GeschäftA-Eröffnungen und-Verlegungen, Zuzüge, Berichtigungen usw. Außer dem vollständigen Inhalt des ersten Nachtrages sind insbesondere die' Ergebnisse des April-Umzuges und die jetzt schon feststehenden, im Laufe des Jahres stattfindenden Wohnungs- und sonstigen Veränderungen eingehend berücksichtigt. Auch dieser zweite Nachtrag wird allen Abnehmern des diesjährigen Adreßbuchs in der Haupt-Expedition des„Berliner Lokal- Anzeigers", ZW., Zimmcrstr. 37-41, und in dessen sämtlichen Filial- Expeditionen bis Ende Mai er. unentgeltlich verabfolgt. Interessante Hebungen zur Rettung Ertrinkender hielt letzthin die Rettungswache des Arbeiter-Schwimmer-BundeS auf dem Rummelsburger See ab. Ruderübungen zur schnellen Erreichung der Unglücksstätte, Auswerfen des Rettungsringes und Tauchen nach dem Ertrunkenen wurde mit großem Eifer geübt. Trotz dieser exakten Vorführungen wollen wir doch wünschen, daß die wackeren Schwimmer recht selten Gelegenheit zur praktischen Anwendung ihrer Fertigkeiten finden mögen. ES sei hier wiederholt darauf hingewiesen, daß sich die Rettungsmannschaft bei der Abhaltung von Arbeiterfesten in am Wasser gelegenen Lokalen, Dampferpartien und so weiter bereitwilligst zur Verfügung stellt. Dahingehende Anfragen sind möglichst zeitig zu richten an den Obmann der Rettungswache Emil Bratke, Rixdorf, Reinholdstr. 14. Gute und gediegene UntterhaltungSliterntur bieten jedem Arbeiter die wöchentlich erscheinenden Hefte der illustrierten Roman- bibliothek„In Freien Stunden". Soeben ist Heft 19 erschienen; dasselbe enthält die Fortsetzungen de? Romans:„Der verlorene Sohn" und der Erzählung:„Die Narrenburg" sowie kleine Skizzen und Erzählungen, Witz und Scherz. Der Preis pro Heft beträgt 10 Pf. und können alle Hefte von 1 an durch jede Parteibuchhandlung sowie durch die Kolporteure und Zeitungsausträger, in Berlin auch durch die Parteispedttionen, bezogen werden. Arbeiter-BildungSschule Berlin. Der Unterricht in Natur- Erkenntnis fällt am nächsten Mittwoch ans und �findet am Sonntag, den 13. Mai, vormittags 11 Uhr, im Saal 8 statt. ' Freie Hochschule Berlin. Der Bericht des Generalsekretärs über die Beteiligung der verschiedenen Berufsarten unserer Haupt- städtischen Bevölkerung an volkstümlichen Hochschulkursen einhält folgende Zahlen. Es waren von den Hörern der Freien Hochschule 37 Proz. kaufmännische Angestellte, 19 Proz. Handwerker und Arbeiter, 15 Proz. Lehrer und Lehrerinnen, 11 Proz. Architekten, Ingenieure und Techniker, 8 Proz Künstler und Gelehrte, 7 Proz. Offiziere und höhere Beamte, 3 Proz. Studenten und Schüler höherer Lehranstalten. Straßensperrung. Die Südostseite des ASkanIschen Platze? bor dem Empfangsgebäude des Anhalter Bahnhofes wird behufs Asphaltierung vom 7. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Im wissenschaftlichen Theater der Urania finden in dieser Woche die letzten Wiederholungen des mit zahlreichen farbigen Bildern und Wandelpanoramen ausgestatteten Vortrags„Am Golf von Neapel" statt; am nächsten Sonntag wird Herr Dr. Schwahn zum ersten Male über den jüngsten Ausbruch des Vesuvs auf Grund eigener Beobachtungen unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder aus den von der Katastrophe betroffenen Ortschaften sprechen. Der Wintergarten, der Sammelpunkt der internationalen Fremden- und Lebewclt, hat fein Programm dem Charakter des Publikums entsprechend seinsinnig zusammengestellt und es ist für einen, der nur die deutsche Spracheherrscht, nichts leichtes, sich da hindurchzufinden. Da ist der Sln des Abends, die spanische Sängerin und Tänzerin Torta>da, die auf dem Gebiete de- Tanzes Meisterin ist. Mit ihr rivgiert die P a r i s e r exzentrische Sängerin Bertha Bresina. E n gg n d wird repräsentiert durch die John Tiller-Gesellschaft nit cin> Ballettszene, bei der vor allem die glänzenden Kostüme fire W'ung ausüben umssen. uis Neger-Sänger und Tmzer p'duzierten sich die Britton.. Außerdem ist Frankreich noch durch gs Duettistenpaar Desires- Bianca im Programm verteten. kls außerordentlich geschulte Akrobaten erwiesen sich die»atty Fank-Truppe, wie die Kugelspieler„die Perseus" und die Hrtleh�rls Springer in ihrem iZache recht Anerkennenswertes zum iortragHrachten. Wahre Triumphe aber feierte wieder die Belethtungscchnik beim Auftreten der Phantasietänzerin De Dio. Nebenbei möchten wir erwäien, drß die Vorführungen tm Wintergarten jetzt auch als Stujenobjikte betrachtet Zch werden scheinen; denn es wurde dieser Tc-e berichtet, daß sämtliche Mit- glieder der in Berlin weilenden Hinesischen Studienkommislion bereits zweimal das Programm schürten. Ob das zum Zwecke der Sprachstudien geschah oder ob die dünnen Waden und Beinchen der in der Ballettszene„.ömg Dollar" mitwirkenden jungen Damen bewundern wollten, en.jxht sich unserer Kenntnis. Das Berliner Aauarium hat unter dt, vielseitigen Zusendungen der letzten Tage verschiedene Absonderlichk-ten mit erhalten.� einer aus Rovigno eingetroffenen köpf- und artenreichen Gesellschaft von Meerkrebsen ging ihm durch Herrn Hoflieferant Wegener-Berlin ein Flußkrebs zu, der bereits im Leben die>onst durch Kochen rn die Erscheinung tretende rote Farbe besitzt. Zwar haben die so- genannten Edelkrebfe. zu denen vorliegendes Stück eine Varietat bildet, an und für sich schon rötliche Füße; indessen daß der die natürliche dunkel-olivengrüne Farbe des Krcbspanjers mitbedingende rote über den schwarzen Farbstoff gänzlich die Oberhand gewonnen hat und als die ausschließliche Farbe erscheint, bildet denn doch eine merkwürdige Seltenheit. Auch eine Gruppe der Fische hat zu den Neuerwerbungen des Aquariums Meer- und Süßwasser- bewohner beigesteuert. Es ist die Familie der Weich- oder Schell- fische, aus welcher von Norden her verschiedene, dem Binnenländer als„tote" Speise- oder Eisfische häufiger oder seltener begegnende Spezies eintrafen, während unsere heimatlichen Gewässer die einzige das Süßwasser bewohnende Art lieferten, nämlich die vielleicht dem Namen nach, kaum aber im lebenden Zustande den Städtern bc- kannte Aalquappe. Herr Fischermeister Borchardt-Bcrlin überwies diesen weißfleischigen, als Speisefisch noch zu wenig gewürd�lten Flußfisch dem Aquarium. Vorort- l�ackrickten. Die Organisation macht in den Vororten unausgesetzt Fortschritte. Die in bei letzten Generalversammlungen gegebenen Vorstandsberichte zeigen mitunter recht unerwartete Erfolge. An der Spitze marschiert Rixdorf, dessen politische Organisation eine geradezu sprung- hafte EntWickelung zu verzeichnen hat. Ist auch Rixdorf einer derjenigen Orte, die an Einwohnerzahl in den letzten Jahren be- deutend zugenommen haben, so war die Mitteilung des Vorstandes in der letzten Generalversammlung doch immerhin übe raschend, daß die Demonstrationsversammlungen gegen das Dr klassenwahlrecht dem Wahlverein 785 neue Mitglieder zugefül haben. Aber auch der Charlottenburger Gener Versammlungsbericht wußte von 290 Neuaufnahmen mitzuteil Ganz besonders auffallend ist die letzte Zunahme Ober-Schön w e i d e s, die nicht weniger als 163 neue Mitglieder beträgt. Schöneberg sind im Monat März 188 und im April 53 C nossen der politischen Organisation beigetreten. T r e p t c Baum schulen weg hat in letzter Zeit 25 und Johann t h a l 24 neue Kampfgenossen aufgenommen. Die Erfolge zesi uns, daß die gegenwärtige, so außerordentlich bewegte Zeit v großer Wirkung auf unsere Bewegung ist. Den Genossen unserer Vororte sind durch den oft überraschenden Zuwachs neuer Kräfte aber auch deutliche Fingerzeige gegeben, daß jedes reaktionäre Vor- kommnis beim Schöpfe gefaßt werden muß, um es in sozialistischem Geiste zu beleuchten. Die schmachvollen Zustände unserer Zeit müssen das Proletariat zu nie ermüdender Kampfbereitschaft auf- stacheln. Ein großes Gebiet ist noch zu beackern, es fruchtbar zu machen mutz das eifrige Streben unserer Genossen sein. In diesem Sinne rufen wir: Viel Glück zu neuen Erfolgen i Schöneberg. Ein Stadttheater wird Schöneberg jetzt bis auf weiteres nicht erhalte». Bekanntlich hatten sich vor einem Jahre einige Herren an den Magistrat gewandt zwecks Ueberlassnng des Platzes I. an der Grunewaldstraße zur Errichtung eines Theaters. Die Stadt sollte das zum Theaterbau erforderliche Gelände für den Preis von 100 090 M. einer zu gründenden Gesellschaft überlassen und sich mit dieser Kaufsumme an dem Unternehmen beteiligen. Die städtische Verwaltung kam jedoch zu der Ueberzeugung. daß sich auf dieser Grundlage ein wirksamer Schutz der städtischen Interessen nicht würde schaffen lassen. Wenn nämlich die Stadtgemeinde den Platz erst einmal der fremden Gesellschaft als Eigentum überlassen hätte, so wäre die Stadt im wesentlichen darauf angewiesen, ihre Interessen durch grnndbuchliche Eintragungen zu sichern, deren rechtliche Wirksamkeit zweifelhast ist. deren Nutzbarmachung aber in jedem Falle nur unter erheblichen Opfern an Zeit und Geld, und unter anderen erheblichen Nachteilen für die Stadt möglich sein würde. Man kam deshalb zu dem Schluß, daß den Interessen der Stadt nur damit gedient wäre, wenn die Stadtgemeinde das Eigen» tum an dem Platz und dem Theater dauernd behält. Der Magistrat unterbreitete deshalb der Stadiverorduetenversammlung am 13.'März dieses Jahres einen Vertrag, der mit der betreffenden Ge- lellschaft abgeschlossen werden sollte und nach welchem diese Gesellschaft das Theater auf Kosten der Stadt zum Preise von 1200 000 M. bauen und auf 20 Jahre pachten sollte.— Der von der Stadtverordneten- Versammlung eingesetzte Ausschuß hat nun beschlossen, der Stadiverordneten-Versammlung zu empfehlen, sich im Prinzip mit dem vom Magistrat vorgelegten Vertrage mit einer geeigneten Gesellschaft einverstanden zu erklären, aber den definitiven Abschluß de» Vertrages zurzeit ab- zulehnen, da die persönlichen und sachlichen Verhältnisse Der jetzt in Frage stehenden Gesellschaft nicht genügend geklärt sind, um die für die Stadt Schöneberg unbedingt eriorder» lichen Garantien erkennen zu lassen.— Wenn die Siadtverordneten- Versammlung diesem Beschlüsse beitritt, was als sicher angenommen werden kann, so ist die Siadtthcaterfrage bis auf weiteres hinaus» geschoben. Zur Anlegung deS StndtparkeS und zur Regelung der Erfurter- und der Mühlenftraße wird jetzt das Enteigmuigsverfahren der be» teiligten Eigentümer eingeleitet. Den Hanplanteil daran haben die als Millionäre bekannten Mettesche» Erben mit 28 Hektar 37 Ar, sodann konrmen noch in Betracht die Bank für Jmmobilienverwaltung in Berlin mit 13 Hektar 23 Ar, Fuhrherr Buggenhagen in Schöne- berg mit 8 Hektar 22 Ar und Zinrmermcister Höche in Schöneberg mit 17 Hektar 53 Ar.— T ie Stadlparkfrage, die ffich schon seit einer Reihe von Jahren in der Schwebe befindet, scheint mit der Ent- eignung der bezüglichen Parzellen wieder in ein neues Stadimn zu treten. Daß ein schnelleres Tempo in der Verwirklichung des Pro- jektes eintreten wird, ist bei der bekannten Fixigkeit unserer Ver- waltung, wenn es sich um gemeinnützige Zwecke handelt, nicht ohne weiteres anzunehmen. Die Kosten des Grunderwerbs allein dürfte» sich auf I6O0OOO M belaufen, diejenigen für die Herrichtnng der Parkanlage auf mindestens 450 000 M., so daß die Gesamtkosten sich zwischen 2— 2'/z Millionen Mark bewegen. In der großen Anleihe sind indes nur etwas über eine Million vorgesehen.— Im Interesse der Eiitwickeliiiig jenes Stadtteiles wäre jedenfalls eilt beschleunigtes Verfahre» in dieser Angelegenheit sehr a», Platze. Eharlottenbnrg. Tie Freie BolkSbiihne Charlottenburg bersitet gegenwärtig die Aufführung von Leffings Lu st spiel„Minna von B a r n h e l m" vor. Die Vorstellung findet am 17. Mai, abends Uhr, im Volkshause statt und ist, wie alle Vorstellungen des Vereins, nur den SKitgliedcrn zugänglich. Es ist eigentlich über- flüssig, noch besonders hervorzuheben, daß der Verein mit diesem beliebten Stück, dem seine fröhliche Laune und seine liebenswürdige Menschlichkeit ewige Jugend sichern, eine gute Wahl getroffen hat. — Die letzte Vorstellung, Gerhart Hauptmanns Komödie„Der Biberpelz", war eine gute Leistung, die bei den zahlreich er- schicncnen Mitgliedern auch den verdienten Beifall fand. Neu- aufnahmen sind bei den bekannten Zahlstellen des Vereins zeitig zu bewirken. Wilmersdorf. Auf dem Heimwege vom Herzschlag ereilt wurde am Freitag unser 34 Jahre alter Genosse Töpfer, A u g u st M e h l i tz. Er war in Swöneberg als Rabitzputzer beschäftigt und halte bis zum Feierabend seine Arbeit vollführt. In der Torgauer- straße brach er plötzlich zusammen und wurde von Vorübergehenden nach der in der Nähe befindlichen Unfallstation der Gasanstalt ge- schafft, wo nur noch sein Tod festgestellt werde» konnte. M e h l i tz war tätiges Mitglied seiner Gewerkschaft, wie auch der Partei in Wilmersdorf und hat sich bei seinen Kollegen und Genossen ein ehrendes Andenken erworben. Lichtenberg. Für die im Gemeindedienst beschäftigten und nicht festangestellten Arbeiter und Beamten hat die Genieiudevertretung am 3. Mai durch einen Beschluß„Grundsätze" aufgestellt, die die Auszahlung von ..Ruhelohn" und Hinterbliebenen- Unterstützung festsetzen. Der Be- schluß lehnt sich im wesentlichen an den für Berlin vorgesehenen Entlvnrf an. Der„Rechtsanspruch" wird auch hier verneint, die Zeit der Tätigkeit vor dem 25. Lebensjahre in der Gemeinde nicht in Anrechnung gebracht und Personen, die erst»ach dem 50. Lebens- jabre in den Dienst der Gemeinde treten, sind ebenso wie die- jenigen, deren Kraft nicht ausschließlich im Dienst der Ge- meinde steht, von der„Fürsorge" ausgeschlossen. Die Pension soll nach zehnjähriger„einwandfreier und treuer" Dienstzeit gewährt werden, wenn die Dienstunfähigkeit ohne„eigenes Per- schulden" eintritt oder da? 05. Lebensjahr erreicht ist. Die Höhe derselben beträgt nach zehnjähriger Dienstzeit"/«o des Durchschnilis- jahresverdienstcs der drei letzten Kalenderjahre und steigt mit jedem lveiteren Dienstjahre um Veo bis zum Höchstbetrage von vim. Das Witwengeld beträgt 4/io des Ruhegeldbelrages. mindestens aber 200 M. Während der ersten zwei Monate nach dem Tode das Doppelte. Das Waisengeld ist bis zum vollendeten 15. Jahre zu be- zahlen und beträgt des Witwengeldes für jedes Kind. Wenn die Mutter nicht mehr lebt, oder Witwengeld nicht erhält, Vs des Witwengeldes für jedes Kind. Daß die Bezüge der Witwen- und Waisengelder den Betrag des Ruhe- lohneS zusammen nicht übersteigen dürfen und uneheliche Kinder vom Bezüge ausaeschloffen sind, zeichnet den Entwurf nicht besonders aus. Auch ist das„klagbare Recht" ausdrücklich ausgeschlossen und der Gemeindcbcschluß jederzeit widerruflich. Unsere Parteigenossen hoben in der Generaldiskussion durch den Genossen Grauer die Einzelheiten dieses Fürsorgebeschlusses hervor und ließen es in der SpezialdiSkussion an Verbesserungsvorschlägcn, die von Seikel, Well und Grauer begründet wurden, nicht fehien. Als einziger Erfolg ist zu verzeichnen, daß zur Verfagimg der Bezüge durch den Gemeindevorstand die Beschlußfaffung der Gemeindevertretung er- forderlich ist. Bei den Versuchen, den„Rechtsanspruch" festzulegen, fanden unsere Genossen die Unterstützung einiger Bürgerlicher, doch reichte die Stimmenzahl nicht aus. Bedeutet dieser Beschluß auch wenig, so ist er doch immerhin ein Erfolg des fortgesetzten Drängens der sozialdemokratischen Genreindevertreter. Auf die vonr Genossen Grauer verlangte Auskunft über die von den Gemeindearbeitern so oft erbetene Regelung der Auszahlung der Differenz zwischen Lohn und Krankengeld, ist eine Antwort nicht erteilt worden. Ohne Sozialdemokraten keine, auch noch so winzige Sozialreform I Beim Glase Bier vom Tode überrascht wurde der Vieh- transporteurMa� Schreiber aus der Siegfriedstr. 4. Sch. befand sich mit einem Freunde in einem Restaurant in der Frankfurter Chmissee und kaum hatte er den ersten Schluck aus einem Glase Bier genommen, so brach er leblos zusammen. Der Bedauernswerte war einem Herz- schlage erlegen. Adlershof. Die am Donnerstag stattgefundene Gemeindevcrtretersitzung fand als erste in der Aula der 2. Gemeindcschule statt, da in der v. Oppenschen Villa, wohin seit Mitte April die Gcmeindebureaus verlegt sind, kein genügend großer Raum für Sitzungen vorhanden ist. Nach Einführung der neuen resp. wiedergewählten Vertreter beschäftigte sich die Vertretung mit der Verpachtung des hiesigen Anschlagwesens. Von der Firma Strauß u. Ko., Eharlottcnburg, lag ein Angebot von 100 M. für die Pachtung zur Beschlußfassung vor. Nachdem sich unsere Vertreter prinzipiell gegen die Verpachtung erklärten und nur der Vertreter Kaiser für dieselbe eintrat, wurde die Verpachtung wegen des zu niedrigen Angebots abgelehnt. Weiter wurde beschlossen, die Straßen auf dem Treitelschen Grundstück, das Terrain zwischen der Scdanstraßc, dem Walde, dem Adlergestell und der Bismarckstraße, sowie die Genossenschaftstraße zu kanalisieren. Bei der Vergebung dieser Arbeiten, welche auf Antrag der Kanalisationsbaukommission wiederum dem Unternehmer Pförtner übertragen werden sollten, wurde von unseren Genossen beantragt, den Unternehmer zu ver- pflichten, den bei dem Bau zu beschäftigenden Arbeitern die zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern vereinbarten tarifmäßigen Löhne zu zahlen. Dagegen wandte sich der Vertreter Kaiser in bekannter kapitalistischer Art, indem er nieinte, die Gemeinde habe kein Recht, in die Arbeitsverhältnisse zwischen Unternehmern und Arbeitern einzugreifen. Selbst die konservativen Vertreter, besonders deren Wortführer, Schöffe Dr. G e h r m a n n, nahmen diesen Standpunkt nicht ein; sie erklärten sich für den vorliegenden Fall dagegen, da durch die Nichtannahme dieser Bedingungen durch den Unternehmer eine Neuausschreibung veranlaßt werde, wodurch die Arbeiten in ihrer rechtzeitigen Ausführung gestört würden. Diesen Einwürfen traten die Genossen Hildebrandt und Büttner mit berechtigter Schärfe entgegen. Tarauf wurde der Antrag unserer Genossen mit Unterstützung der freisinnigen Stimmen angenommen. In Konsequenz dieses Beschlusses stellte dann auch Genosse Hildcbrandt bei dem nächstfolgenden Punkte, die Vergebung der Kanalisationsanschlüsse bis 1 Meter vor den Grundstücken, welche Arbeiten dem Unternehmer Rösicke übertragen werden sollten, den gleichen Antrag. Hiergegen er- klärte sich der Gemeindevorsteher mit einer selten zum Ausdruck gelangten Entschiedenheit, da durch einen solchen Beschluß nach seiner Asicht der ftcmbf ein ungeheuren Schaden ent- stehen würde, ndcm notw. dige sofortige Anschlüsse nicht aus- geführt werdenkönnten, ldr mgeenüber wies Genosse Hilde- b r a n d t nach, atz, selbst we nn oer Unternehmer Rösicke auf die Bedingungen niq eingehen wm:fc, durch eine neue Ausschreibung die Arbeiten keipn Aufschub e neiden würden, da die Anschlüsse durchaus nicht soeiliger Natur sind. Hierdurch wurde der Ge- meindevorsteher vranlaßt, sein e wirklichen Gedanken zum Aus- druck zu bringen,»dem derselb: erklärte, daß er jeden derartigen Beschluß beanstandn würde,>>a durch denselben die Gemeinde für etwa auszuführnde Arbeit en bedeutend mehr zahlen müsse, als wenn diese Bedngung nie ht vorhanden ist. Diese Beweis- fübrung wurde von inseren Genossen entschieden bekämpft; sie be- stritten eine Verteu-rrng der A rbeiten und wiesen nach, daß durch einen derartigen BAchUrß nur den Auswüchsen des Submissions- Wesens entgegengetreten.und eine Gesundung der Volkswohlfahrt herbeigeführt würde. Durch das Auftreten des Gemeinde- Vorstehers ließen sich aber die bürgerlichen Vertreter dermaßen ein- schüchtern, daß man beschloß, die Vergebung der Arbeiten zu ver- tagen, damit der Vertreter Kaiser für die nächste Sitzung die Aufhebung des ersten Beschlusses beantragen könne. Damit haben die bürgerlichen Vertreter wieder einmal bewiesen, daß schon die Drohung des Gemeindevorstehers, derartige Beschlüsse zu be- anstanden, genügt, um sie mit schlotternder Angst zu erfüllen. Durch diese Debatten war die Zeit soweit" vorgeschritten, daß 16 Punkte der Tagesordnung abgesetzt werden mußten und außer dem Beschluß, die Kaiser Friedrickstratze zu pflastern resp., da Einspruch gegen die Bauflucht erhoben ist, die provisorische Pflasterung vorzunehmen, nur noch das Ortsstatut über die Durch- führung der Trenn-Schwemmkanalisation in erster Lesung be- raten wurde Köpenick. Eine» traurigen Abschluß hat das Liebesverhältnis eine? jungen BraulpaarcS aus Köpenick gefunden. Der 21jährige Bauarbeiter Max Scheibncr hatte sich vor einiger Zeit mit der 20jäbrigen Elisabeth Hackelbein aus der Müggelheimerslraße heimlich verlobt, doch wollten die Eltern des Mädchens von einer Heirat der beiden jungen Leute anscheinend nichts wissen. Es kam infolgedessen zwischen der Tochter und der Mutter häufig zu Auseinandersetzungen. Anfang voriger Woche verschwand plötzlich das Brautpaar. Jetzt sind die beiden jungen Leute als Leichen wiedergefunden worden. Die Braut wurde ans der Oberspree gelandet,'während der Bräutigam in der Köpenicker Forst erschossen aufgefunden wurde. Die Leichen des Brautpaares sind nach der Halle des Köpenicker Friedhofes über- geführt worden. Weihensee. Dir WertznwachSsteuer hat beim Kreisausschuß etwaS mehr Gnade gefunden als seinerzeit die Erhöhung der Hundesteuer. Jeden- falls war der letzte Beschluß der Gemeindcvertretersitzung für die Herren Kreisausschußmitglieder von imponierender Wirkung. Der energische Prolest gegen die Beschneidung des Selbstverwaltungs- rechtes und die Nichtachtung deS KreiSausschußbeschlusseS. die Hunde- steuer zu erniedrigen, hat den Herren einigen Respekt abgenötigt. Die Wertzuwachsileuer hat in den Kreisen der Ländereibesitzer und Terraingesellichaften, wie das nicht anders zu erwarten war, die Gemüter in Erregung gebracht; könnte es den Geldbeutel dieser Herren doch sehr stark belasten. Hat man vor 25 bis 30 Jahren die Ouadratrute mit einigen Kupfcrlingen gekauft, so muß man jetzt schon mit Goldfüchsen rechnen. Der Vorsitzende des Grundbesitzer- Vereins und zugleich Direktor der Terraingesellschaft für Mittel- Wohnungen hat es nun verstanden, seine Mitglieder für die Ab- schickung einer Deputation an den Landrat zu bewegen, um denselben von der Gefährlichkeit der Wertzuwachssteuer zu überzeugen. Aus Berichten der Ortspresse ersah man denn auch, daß der Herr Landrat dieser Steuer gerade nicht sehr geneigt war. In den letzten Tagen beschäftigte sich nun eine öffentliche Versammlung mit dieser im Vordergrund des Interesses stehenden Frage. Inzwischen haben sich die Freunde der Wertzuwachssteuer bedeutend vermehrt, da man in der Hauptsache sah, daß ja doch nur eigentlich die Leidtragenden die großen Ländereibefitzer und Terraingcsellschaften sind. Infolgedessen kamen diese Herren, an der Spitze Herr Rechtsanwalt Dr. Haake, auf den eigenartigen Trick, diese Wertzuwachsiteuer auf einige Jahre hinauszuschieben, um so in aller Gemütsruhe ihre Grundstücke veräußern und den Riesengewinn in einer stillen Ecke Italiens oder sonstwo verzehren zu können. Die letzte Hoffnung, die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen, wurde zuschanden durch die vortrefflichen Ausführungen der Redner, welche für die Wertzuwachssteuer sprachen. Hierbei beteiligten sich auch einige hiesige Genossen. Von zirka 100 anwesenden Interessenten waren nur 13 gegen die Einführung der Steuer, selbst die eigenen Grund- Vereinsmitglieder verließen ihren ehemaligen Standpunkt und ließen ihre Sprecher mitsamt dem Vorsitzenden im Stich. Der Gcmeindevcrordnete Thiermann, welcher im Jahre 1904 von der Arbeitelschaft gewählt wurde, hat sein Mandat niedergelegt. Thiermann stellte sich schon seit geraumer Zeit außerhalb der Fraktionsbeschlüsse, so daß sich die Genossen gezwungen sahen, seine Handlungsweise zu kritisieren und ihm schließlich empfahlen, aus der Fraktion auszutreten oder sein Mandat niederzulegen; letzteres zog Th. vor; er vertrat sein Mandat als Hausbesitzer. Die Neuwahl für den verstorbenen Gcmeindevertreter Genossen Schillert findet am Donnerstag, den 10. Mai 1906, in der Zeit von 4—8 Uhr nachmittags im Prälaten statt. Am Montag, den 7. Mai. wird sich im gleichen Lokale eine Versammlung nrit der Aufstellung des Kandidäten beschäftigen, eS wird daher ein zahlreicher Besuch dieser Versammlung erwartet. Pankow. Die Wahlen der ersten und zweiten WählerNasse wurden be kanntlich durch die Gemeindevertretung für ungültig erklärt. Bei den am Mittwock stattgefundenen Nciuvahle» sind die aufgestellten Kau- didaten der Bürgerpartei bis auf die Konservativen Justizrat Hoff- mann und Kaufinann Grunow wiedergewählt worden. Daß die letzteren nicht wiedergewählt wurden, ist dem Umstand zuzuschreiben, daß. nachdem man in der dritten Klasse trotz festen Zusammen- schlusses keine Erfolge zu erringen vermochte, man sich jetzt um die Mandate herumstritt ivie die zottigen Köter uni einen Knochen. Be- zeichnend dafür ist, daß in der ersten Wählerklasse der von uns vor kurzer Zeit erwähnte königliche Hofmaurermeifter Hackrath gewählt wurde, während auf ihn in der zweiten Wählerklasse, man wo ihn ebenfalls aufgestellt hate, eine ganze Stimme entfiel. Reinickendorf. In der am 3. d. Mts. abgehaltenen Gemeindevertretersitzuug wurden zunächst die neu- resp. wiedergewählten Mitglieder eingeführt. Zu den erstcren gehört auch unser Genosse Schiller, sodaß unserer- seits nunmehr 5 Genossen in der Gemeindevertretung sitzen. Nach- dem der Amtsborsteher von der stattgefundenen Kassenrevision Mit- teilung gemacht, wurden die durch die ausgeschiedenen früheren Mit- glieder entstandenen Lücken in den verschiedensten Kommissionen ergänzt. In die Finanzkommission wurde der bürgerliche Vertreter Herr Bankbeamter Schröder, in die Kasien-Revisionskommission der Ingenieur Stoff, als Bürgerdeputierter in die Baukommission unser Genosse S ch e l l i n g und Genosse Schiller in die Armendeputation gewählt. Der Gesamtwert der in der hiesigen Gemarkung belegenen Gründstücke bettägt nach Angabe des Amtsvorstehers 91 Millionen Mark; für 1906 gelangt ein Anschlag von 2,2 pro Mille als Grund- wertsteuer zur Erhebung. Der nächste Punkt:„Erlaß einer neuen Hundesteuerordnung" gab unserem Genossen O h l Gelegenheit, gegen den tterquälerischen Maulkorbzwang Protest zu erheben, jedoch die Mehrheit der Gemeindevertretung glaubte davon nicht abgehen zu sollen. Und schließlich ist ja auch nicht einzusehen, warum man die Hunde besser behandeln sollte wie die Menschen. Befreit von der Hundesteuer sollen in Zukunft nur noch Säuglinge bis acht Wochen sein, für ältere Hunde haben die Besitzer pro Jahr 20 M. Steuern zu zahlen. Jin Interesse der größeren Reinlichkeit des sich immer mehr aus- dehnenden Straßennetzes soll eine zweite Kolonne für die Straßen- reinigung geschaffen werden. Zu der schon längst so nötigen Be- sprcngung der Huniboldtstraße konnte sich jedoch unsere bürgerliche Majorität nicht aufschwingen. Dem Fabrikbesitzer Dinse wurde die Erlaubnis erteilt, an der bisher noch unregulierten Hennigsdorfer- bez. BarsnSstraße zu bauen. Die Straße soll sodann gleichzeitig ausgebaut werden. Der hier bestehenden Sanitätskolonne vom Roten Kreuz wurde auf ihr Gesuch eine Subvention von 400 M. pro 1906 beivilligt. Der von den anliegenden Besitzern des Platzes am Schnittpunkte der Berliner- und Scharnweberstraße geäußerte Wunsch betreffend Ausgestaltung des Platzes konnte nicht erfüllt werden. Einer der Hauptinteressenten, der Millionär Gradwitz, forderte für das Abtreten einer zirka fünf Onadratruten großen Fläche 2000 M., also pro Ouadratrntc für jene G-gend den außerordentlich hohen Preis von zirka 400 M. Diese Forderung glaubte auch die sonst in dieser Beziehung bewilligungslustige HauSbesitzermäjorität nicht verantworten zu können. Der Feldmesser Herr Reuter legte noch- mals den Gciamtbauplan für den Gemeindcbezirk vor, worauf derselbe von der Versammlung endlich genehmigt wurde. Bei der Maifeier in Reinickendorf- O st ist ein Schirm verloren gegangen, derselbe ist abzugeben bei Herrmann, HauSotter- straße 39. Oranienburg. Ein schwerer Eisenbahnunfa« ereignete sich am Freitag auf der Nordbahn. Auf der Station Grüncbcrg geriet der Bahnbeamte Winkel unter einen in der Fahrt befindlichen Zug, wobei ihm beide llnterschenkel zermalmt wurden. Mit dem nächsten Zuge wurde der Schwerverletzte nach Oranienburg gebracht, Ivo ihm im dortigen Krankenhause sofort beide Beine bis zum Oberschenkel amputiert werden mutzten. Klein-Schönebeck. Unsere Mitteilung, daß der konservative Verein für Niederbarnim am 1. Mai in Kl.-Schönebeck eine Versammlung abhält, hat sich bewahrheitet. Ein Herr Döring hat in i'/rstmidiger Rede die Schönc- becker Sozialdemokratie vernichtet. Wer Pnckler persönlich nicht kennt, der konnte aus dem inehr antisemitischen Erguß schwerlich herausfinden, ob man eS nicht mit dem bekannten Judeuvernichter zu tun hatte. Die gegen das Judentum gerichtete Kanonade wie die beinahe idioteuhaflen Schimpfworte gegen die Sozialdemokratie ließen den Referenten als ein bemitleidenswertes Licht erscheinen. Von diesem Schlage mutz öfter eüimal jemand vom konservativen Verein nach Kl.-Schönebeck gesandt werden— besser tonnte alsdann die Sozialdemokratie am Orte nicht gedeihen. Spandau. Die Tagesordnung der Stadtverordnetcn-Berfammlung umfaßte diesmal nur wenige Punkte. Es wurden die Sommerferien für die Monate Juli und August festgesetzt. Eine längere Debatte zeitigte die Vorlage betreffs Festsetzung der Fluchtlinie für die Charlotten- burger Chaussee. Die Vorlage sieht eine Breite der Straße von 24 Metern vor, während Dr. Baumert eine solche von 30 Meten» wünscht. Dieser Stadtverordnete beantragte auch, daß diejenigen Stadtverordneten, die in jener Gegend Grundstücke besitzen, nicht mitstimmen sollten. Der Antrag wurde genehmigt, jedoch mußte sich der Justizrat Dr. Baumert von seinen» Kollegen, dem Dr. med. Engel- Hardt, vorwerfen lassen, daß er bei der Beratung der laudhaus- »näßigen Bebauung im Radeland anch mitgestimmt, troydem er dort durch eigenen Grundbesitz sehr interessiert»var. Für unsere Genossen war diese Szene höchst ergötzlich. Die Versammlung be- schloß, die Straße 24 Meter breit zu machen. Bei den Abstempelungen der Invaliden- usw. Renten-Ouittungen durch die Polizeikommissare waren die Rentenempfänger, weil die Bureaus der Kommissare zu klein sind, gezlvungen. stundenlang in Wind und Wetter auf der Straße zu stehen. Es soll nun dadurch Abhülfe geschaffen werden, daß für die innere Stadt der Rote Adler, für die Neustadt die Säle von Sawade und Stolzeitburg und für die Wilhelmstadt der Saal von Kleinert für diese Tage gemietet »verde» sollen, worin die Rentenempsänger abgefertigt»verden. Es soll für den Tag iin Soinmer 6 M. und im Winter 8 M. für jeden Saal Miete gezahlt werden. Der Referent dieser Vorlage, Stadt- verordneter D u ck s ch,»vünschte, daß die Invaliden von Kloster- selbe iin Roten Adler abgefertigt würden oder daß für sie auch ein Saal ge»nietet»verde. Der Stadtverordnete Engelhardt, der vorher und auch in früheren Versainmlungen recht oft und ausgiebig das Wort ergriff, hatte bei dieser Vorlage, oblvohl»»»»r 2 Redner dazu gesprochen, einen Schlutzantrag gestellt, der auch angenominen »vurde. Dadurch wurde eS dem Genossen Hornig, der sich be- reits zum Wort gemeldet, unmöglich geinacht, seinen Standpunkt klarzulegen. Aber so sind die Herren immer. Wenn es ihr Interesse gilt, namentlich aber, iven» von Grundstücks- und Terrain angelegen- heiten die Rede ist, da geht die Debatte ins uferlose. Hier handelt es sich ja aber nur um Arbeiter, darüber braucht nicht viel gesprochen zu werden. Die Vorlage wurde angenominen. Die übrigen Nummern sind kleinerer Natur und erübrigt sich eine Besprechung darüber. Berein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins und Ilingegend. sAbtcilung VII.) Montag, den 7. Mal, abends 8 Uhr: Regelinäßlge Mitgliederversainnilung. Erscheinen dringend notwendig. Lese- und Diskutierklub„Withelm Liebknecht-. Montag, den 7. Mai, Kopenhagenerftr. 29 bei G. Deaner: 1. Bortrag des Genossen KaSzewsky über:„Die Revolution in Rußland". 2. Diskussion.— Gäste willkonimen. Der l. Athleten- und Artiftcnverbanb Berlins u. Umgegend(gegr. 1896) bält am Sonntag, den 6. Mai, seinen diesjährigen Wettstreit in der „Alhambra", Wallncrthcaterftr. 15, ab. Lom8 Keymamis billige Sinsen- Woebe! □ 1 großer Posten WflSCll'BillSCll'woebo�|Stok. 23 Pk i,„ imit. Leinen-Blusen... 1.45 i„. Reinseidene Blusen.., 2.95 1 großer Posten weißer Wascii-Blusen Stck. II II anoeur,„ 1.65 2.25 Diese Preise selten nur für diese Woehe. D Gratis erhült in dieser Woche jeder Käufer beim Einkauf von 5 Mark an einen höchst geschmackvoll ausgeführten künstlichen Kosen- oder Flledcrbaum. Louis Hepann, Aeltestes Warenhaus des Kottbuserdamm 73 gegenüber der Sepp-, Ecke Lenauslraße. Jedes Wort 10 Pfennig, Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. 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Rühe Jnh. l-eusobner, Enckepl. 6, Gattschalk, Motorwagensabrik in Reinickendorf, befinden sich die sämtlichen Arbeiter im Streik. In der Wageufabrik von Lange u. Gutzeit, Frankfurter Aller. sind sämtliche Arbeiter anläßlich der Maifeier ausgesperrt. Wir ersuchen die Kollegen aller Branchen nach den obigen Bc- trieben keine Arbeit anzu- nehmen. 176/9 Tie Agttationskommisfion. ventseder Solisrdeiter-Verdsllll. Zahlstelle Charlottenburg. In der Bauttschlerei von Alten- dorf(früher Sommer) sind sämtliche Verbandskollegen wegen Feier des 1. Mai gematzregelt worden. Die organisierten Kollegen iverden ersucht, in diesem Betriebe keine Arbeit anzunehmen. 85/3* Die Orleverwallung. (Zahlstelle Berlin). Folgende Firmen haben wegen der ArbeitSruhe am 1. Mai da« Personal auSgeiperrt: Wübben* Co. Sperling/. littderlfz A Bauer. Blelateln. »eis. Rlckmann. Thomas. C. F. Walter. Schneider A Ziegler. Frltsche-Baambach. Schubert. l-adsvig. Xancksch. Wenk. Plnkert A Co. Schoß. netochke. Vor ArbcitSannahme in obigen De- trieben wird gewarnt I Zuzug ist fernzuhalten I 23/20* Die Ortsverwaltung. Stukkateure! Jnsolge Tarifsverttagbruche« haben unsere Kollegen bei der Firma Oskar Thiele, Friedenau, am Güterbahnhof die Arbeit niedergelegt. Der Betrieb sowohl wie die nachfolgenden Baustellen find daher 173/14* für Stukkateure gesperrt! 1. Neubau Pr. Scheil, Wilmersdorf. Mainzersttaße.— 2. Neubau Fr. Scholl, 0., Dolzigerstt. 33.— 3. Neubau P. Arnold, O., PersiuSftt. 14.— 4. Neubau H. Borsch, Friedenau. Schwalbach erstraße.— 5. Neubau F. Bang« d Co., Friedenau, Stuben- rauchstraIe.— 6. Neubau M. Rosenkranz, Schoneberg. Menzelftt. 26.— Beckersttaße.� Schöneberg. Filiale verlin de? Zentral- Verbandes der Stuttatcure _ Deutschland». AcMuggl Aclilung! Rohrleger nml Helfer! �Die Firma Gorka, Pankow, Nb gespem solgende Baute» In Pankow, KrankeuHau«, Breiteste. 4«. Bau Beer. In Tchöneberg, Wartburg» ftratze iiL, Bau Hübner. In Tegel. Teegasse. Ban Luscher. Il8/12* An die Bauhandwerker appellieren wir, un« zu unterstützen. Die OrtSverwaltung. Unserer heutigen Rümmer liegt für die Stadtbezirke We»ten, (Südwcsteu, teüdcn, fettd- OMten. Osten und Zentrum ein Prospekt der Firma AßskttußrerdeCo. Deutsche Compagnie— Fabrik(Dr Herren- and Knabenbekleiduiig Berlin SO. 26. Oranlenstr. 40/41 bei. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den LnseratenteÜ verantw.-Th.vlockeV Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdruckerei u. VerlagSanitalt Paul Singer& Co., Berlin SW,