Nr. 105. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntagss Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. für Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jebes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 8. Mai 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Der ergrimmte Absolutismus überzeugte sich, daß die russische jetzt die unterirdischen Stöße eines großen sozialen ErdBourgeoisie Bürgerliche Tugend und ruffifche geofie und der ruffiſche Liberalismus, wie übrigens jeder bebens? Revolution. ( Nussische Briefe.) Die Revolution in Rußland. Zwei Bombenattentate. Moskau, 6. Mai. Gegen den Generalgouverneur Jekaterinoslaw, 7. Mai. Generalgouverneur Jeoltanowsky wurde gestern abend von sechs Unbekannten, die zu gleicher Zeit ihre Repolver auf ihn abschoffen, getötet. Die Attentäter sind entlommen. andere auch, nur bis vor die ersten Kanonen mit dem Prole- Hat sich deshalb nicht der gute europäische Bourgeois tariat zusammen geht. Er beschloß, sich für seine feige Furcht vielleicht doch zu früh beruhigt?. vor der Revolution und für seine Niederlagen an der wehrlofen Bevölkerung zu rächen. Moskau und das ganze Mosfauer Gouvernement, Nischij- Nowgorod und die MoskauMit der russischen Revolution ist ein Wunder geschehen, Stafaner Eisenbahn fielen als erstes Opfer dem, zarischen wie es die Welt noch nie gesehen hat: gerade wo sie ihren Gesindel in die Hände. Gleichzeitig wurde die BeHöhepunkt erreicht hatte, nahm sie ein jähes und höchst sonder wegung der Ostseeprovinzen im Blute erstickt und die Dubassow wurde, als er heute nachmittag 1 Uhr aus der bares Ende. Zu derselben Zeit, wo in Rußland der erbitterte Niedermezzelung der Letten und Letten und Esten unternommen. Aspenstij- Kathedrale zurückkehrte, ein Bombenattentat verübt. Das Kampf des Volfes gegen die Verbrecher und Diebe, die man Die Straferpeditionen der Henker durchstreiften das ganze Attentat wurde vor der Anfahrt Dubassows zu seinem Palais ausunter dem Namen„ russische Regierungsbande" zusammenfaßt, Nordwestrußland, und Polen wurde aufs neue erobert. Gleichgeführt. Dubassow wurde am Fuße verwundet, sein Adjutant fund fich immer mehr zuspizt, ist die russische Revolution im Aus- zeitig fand auch die erneue Eroberung Sibiriens statt, und eine Schildwache wurden getötet. Einige Personen aus dem Publikum land, im lieben bürgerlichen, weichherzigen Europa fast gänzlich neue Brandstätten, neue Blutströme cöteten den unglücklichen wurden verwundet. Der Attentäter, der ebenfalls umaus den Spalten der Blätter verschwunden, und nur kleine Stautajus. Die Konterrevolution verrichtete ihre blutige Arbeit, gekommen sein soll, trug Offiziersuniform. Attentätchen, die schamhaft aus den entlegensten Winkeln tommen, überall nach dem gleichen Schema. Ganze Gegenden und fibeln die Nerven des europäischen Bourgeois und helfen Städte wurden der Herrschaft wilder Kosaten- und Soldatenihm, sein Mittagessen verdauen. Die russische Re- banden preisgegeben; sie schossen, megelten, folterten, volution ist verschwunden. Und noch sonderbarer ist es, plünderten und hängten ohne Ende. daß sie gerade in dem Moment verschwunden ist, wo es sich Das war der Beginn des zweiten Attes der so gut für das sentimentale Europa gepaßt hätte, aus dem großen russischen Tragödie, aber er fand hinter geverstaubten Winkel die Pauken hervorzuholen, mit denen es schlossenen Türen statt. Schon die ersten Verbrechen der einst so begeistert lärmte über die armenischen und türkischen russischen Konterrevolution wurden in Westeuropa als Greuel, über die Mezeleien in Mazedonien und die Unter- ein erfreulicher Fortschritt der Revoludrückung der unglücklichen Infel Kreta. Tränenden Auges tionserstickung„ anerkannt", und Europa seufzte liest der Bourgeois die Nachrichten von den italienischen und erleichtet auf. Durch freundschaftliche Verständigung zwischen amerikanischen Unglücksfällen. Er würde fogar etwas spenden, so dem europäischen Stapitalismus und den russischen ist er von den Leiden seines Nächsten gerührt. Glücklicherweise Henkern wurden die Pforten Westeuropas geschlossen, und der ist er davon befreit, einerseits durch den Marokkostreit, anderer- europäische Bourgeois bemühte sich, das über die russische seits durch die Weigerung Ameritas, ausländische Geldspenden Grenze herübertönende Stöhnen des russischen Volkes nicht anzunehmen. Und Rußland? Oh, dort ist alles ruhig und mehr zu hören. Was fümmert es ihn, wie der russische Drache verstohlen kauft der Bourgeois die russische Rente. mit feinem Opfer zu Gerichte geht? Was fümmert es ihn, Um dieses Verschwinden der russischen Revolution zu ver- ob Rußlands Henker dabei Schuldige, noch Unschuldige, weder stehen, müssen wir uns kurz ihre erste Periode ins Gedächtnis Jung noch Alt schont. Was fümmert es ihn, daß die zarischen zurückrufen. Es war die Zeit des Heldenaufstandes des russischen Bluthunde elf und zwölfjährige Kinder vergewaltigen, Proletariats und der sich ihm anschließenden bürgerlichen mit Bajonetten den Leib schwangerer Frauen aufschlißen, Demokratie. Es war die Zeit, wo der in der Geschichte einzig dreimal ein und dieselbe Person hängen, die Leichen der dastehende Streit der gesamten Nation unter der Führung des Hingerichteten wochenlang an den Galgen baumeln lassen, Petersburger Arbeiterdeputiertenrats das ganze gewaltige Verwundete mit Toten zusammen in dasselbe Grab legen, Gebäude der Monarchie erschütterte und dieser mit einem Frauen vor den Augen ihrer sterbenden Väter und Männer Streich das berühmte Manifest entriß, nach dem schon seit entehren? Was fümmert dies den europäischen honnetten 100 Jahren der russische Mittelstand giert. Die europäische Bourgeois? Wäre es in der Türkei geschehen, seine Presse hätte fielen in der Nacht eine bei Bolderaa in der Nähe von Riga Bourgeoisie ward geblendet. Sie sah vor sich das aufgerichtete es mit Entrüstung in die Welt hinausgeschrien. Aber es geschieht tampierende kompagnie der Militär- TeleGespenst eines politischen Wassenstreits und mit Grauen und in Rußland, auf Rechnung des europäischen Kapitals, hinter Furcht fühlte sie, daß in ihren Fabrikkellern, in den Safe- geschlossenen Türen und verhängten Fenstern; und es handelt graphen Abteilung. Sie kuebelten die Schildwache und matten ihrer industriellen Schlösser Millionen, durch den Hunger fich nicht um Armenier oder Mazedonier, sondern um die verschwanden unter Mitnahme von 31 Gewehren. Ueber das Attentat auf Dub assow wird noch gemeldet: Obgleich Admiral Dubassow wußte, daß ihm seit langer Zeit ein Attentat droht und er von der Kampfesorganisation zum Zobe verurteilt worden ist, war er in letzter Zeit sorgloser geworden, zumal die Polizei in den letzten zehn Tagen mehreren Verschwörungen gegen sein Leben auf die Spur gekommen war und die Verschwörer erhaftet hatte. Nur die zufällig ges änderte Fahrt vom Streml ich seinem Balais machte die Ausführung des Anschlages gerade bor ber scharf betvachten Stelle vor dem Balais möglich, da der Attentäter die Uniform eines Marineoffiziers angelegt hatte, so daß ihn die Wachen unbehindert paffieren ließen. Die Bombe war in mauffälliger Form in einer Stonfeltschachtel geborgen, auf der ein Blumenstrauß befestigt war. Dicht an den Wagen herantretend, schleuderte der Attentäter die Bombe mit beiden Händen mit voller Wucht unter den Wagen. Jedoch nur der Adjutant Dubassows, Graf Stonornisin und der Attentäter selbst wurden die Opfer des Anschlages. Dubassow wurde aus dem Wagen hinausgeschleudert, erhob sich schnell und eilte hintend dem Palais zu. Durch einen Bombensplitter ist er nur leicht am linken Fuß bertvundet. Dem Attentäter ist die obere Schädeldede fortgerissen. Anscheinend den besseren Ständen angehörig, lebte der Attentäter unter dem Namen Meg. Ueberfall einer Militärabteilung. Riga, 7. Mai. Etiva 40 bewaffnete Leute überin Retten geschmiedeter, aber traffenbewußter und Niederwerfung des Proletariats. Nur durch den weißen Der vierte Kongreß der sozialdemokratischen Arbeiterpartei geistes starter Proletarier verborgen sind. Und als eine Schrecken läßt es sich niederhalten, und, in Rußland zu Boden Rußlands Nethe politischer Streits Schritt für Schritt alle festen Stützen gezwungen, wird das Proletariat auch in Europa tagt gegenwärtig im Auslande in geheimer Stzung. Aus nahevernichtete, auf welchen der blutrünstige Bundesgenosse ruhig und gehorsam sein. Mag man daher in liegenden Gründen können wir vorläufig über denselben nicht viel der europäischen Börse fußte, waren alle Zeitungen Rußland sengen, morden und rauben. mitteilen. Herborheben möchten wir, daß an den Arbeiten des des Auslandes mit Nachrichten aus Rußland über- Das europäische Stapital träumt schon von einer fried Kongresses Delegationen des Bundes", der Sozialdemokratie Bolens füllt, ein Strom von Korrespondenten ergoß sich dort- lichen politischen Idylle. Die Revolution ist vorbei! Die und Litauens und der lettischen Sozialdemokratie sich beteiligen. hin, um über bas Vorwärtsschreiten dieser neuen Aufrührer" und" Meuterer" haben auf ihren eigenen Rücken Wir haben Grund anzunehmen, daß auf diesem Kongreß eine Ber revolutionären Macht des flaffenbewußten sozialistisch die Kraft der zarischen Macht von Gottes Gnaden" gespürt. einigung der bedeutendsten sozialdemokratischen Parteien Rußlands gesinnten Proletariats zu berichten. Die Angst hatte Augen Sie beichten ihre Sünden und vergießen Tränen der Rührung zustande kommen wird. Wir begrüßen im voraus dieses Ereignis und und Ohren der europäischen Bourgeoisie geöffnet, die Furcht und Ergebenheit. Sie verstehen nunmehr die Schädlichkeit wünschen unseren russischen Genossen fruchtbare Arbeit und frohe vor dem neuen mächtigen Feind, die Sorge um das Schicksal der Freiheit und sehnen sich nach einem ruhigen und schmutzigen Rückkehr nach ihrer Heimat. ihres östlichen Gendarmen, des Wächterhundes des Stall unter der Obhut der guten Stofaten seiner faiserlichen europäischen Kapitalismus. Die Tätigkeit der Partei zielt darauf hin, die Lösung der folgenden grundlegenden Aufgaben, die zu dem Programm der Bartei gehören, auf gefeßlichen Wege herbeizuführen, nämlich die individuelle Unberleglichkeit und die Gleichheit für alle Bürger ohne Unterschied der Nationalität, der Religion, des Geschlechtes und des Standes, die bürgerlichen Frei heiten, die Einführung des Wahlrechts mit dem all. gemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht in geheimer Abstimmung ohne Unterschied des Geschlechts ebenso für die nationale Vertretung iple für die totale Selbstberwaltung, gesetzgeberische Regelung der Agrarfrage, bie unberzügliche Jnangriffnahme von Maßnahmen betreffend die Arbeiterfrage, Befriedigung der rechtmäßigen nationalen Forderungen. Die Partei will sich bemühen, biefe Biele zu erreichen, ohne in ihrem Bestreben bor ber Möglichkeit eines offenen Bruches mit ber Regierung innezuhalten, aber sie will derart handeln, daß im Falle eines Konfliktes jede Schuld und jede Verantwort lichkeit auf die Regierung zurüdfällt. Majestät. Natürlich haben sie Schlechteres verdient, sie Der Kongreß der konstitutionell- demokratischen Partei, Aber dann erstand eine neue Epoche des russischen müßten alle miteinander auf einem Galgen hängen, aber der in Petersburg tagt, nahm einstimmig nachfolgenden Berevolutionären Kampfes. Von seinen bürgerlichen Bundes- Väterchens Herz steht nicht hinter seiner Herz steht nicht hinter feiner Gerechtig- schluß betreffend die Tätigkeit der Partei in der Reichs. genossen verlassen, übernahm das Proletariat allein feit zurück. Nicht nur, daß er die einen zu lebenslänglicher duma an: die ganze Laft des Titanentampfes underlag. Die Zwangsarbeit„ begnadigt" und den andern Kost und Logis Regierung bot gegen das Proletariat alle ihre Reserven auf hinter sterkergittern auf Staatskosten gewährt, er schickt auch und rief die Barbarei und die jahrhundertelang aufgehäufte die armen Sünder in entfernte friedliche Gegenden, wo Klima Unwissenheit, die Storruption und die Verkommenheit des gänzlich und Natur ihnen genügenden Stoff zur Selbstergründung demoralisierten Lumpenproletariats zur Hülfe, ferner die und Selbstvervollkommnung bieten. Damit ist jedoch Niedertracht und Hinterlist der russischen Polizeibureaukratie, die Gnade des garen noch nicht erschöpft. Die loyalen ihre Geldgier und ihre durch die Furcht vor dem wohl Kadetten" von den verfluchten Sozialisten streng unterscheidend, verdienten Strid erhöhte Graufamteit. hat er aus eigenem Antrieb für die Liberalen eine Art und man muß dem russischen Polizeigenie Gerechtigkeit Parlamentchen geschaffen, wo sie sich in der Redekunft üben widerfahren lassen: was die wilde Meute des Absolutismus tönnen. In der Gossudarstwennaja Duma wird die liberale nach dem Oktobermanifest im großen Barenreiche vollbracht Phrase eine gesetzliche Ehe mit der selbstherrlichen Faust einhat, spottet jeder Beschreibung. Die Salven von Marseille gehen, und als Frucht dieses heiligen Bundes wird vielleicht und die Pariser Guillotinierungen zur Zeit der großen fran- ein neugeborenes Sozialistengeset die Welt erblicken. zösischen Revolution, die Niederwerfung der Pariser Kommune So träumt der Bourgeois, und neue Milliarden strömen nach und die Dresdener Morde, die Badenschen Kriegsgerichte des Rußland und stärken die Muskeln und Sehnen bes bankrotten Jahres 1848 und das Toben der Biener Reaktion- das Regimes. alles ist nur eine Kinderet im Vergleich mit dem, So träumt der Bourgeois. Aber hat er sich nicht zu Ivas in Rußland borging. Und selbst wenn wir früh von dem Jdyll russischer Ruhe und Ordnung hinreißen uns alle Schrecken des Mittelalters, seine Inquifitionen, laffen? Hat er nicht zu früh die russische Revolution begraben? feine Folterqualen und seine Seherabschlachtungen ins Gedächtnis Zwar ist die Duma schon einberufen, die Wahlen haben stattzurückrufen, finden wir taum etwas, was der blutigen russischen gefunden, und die Liberalen bereiten sich vor zur Heilung der wird es abhängen, ob Bauern und Proletariat sie ftligen oder be. Orgie des zwanzigsten Jahrhunderts entspricht. Sönnen revolutionären Wunden Rußlands. Die stegestrunkenen lämpfen werden. Das ist freilich sicher, daß sie the Programm die Bartholomäusnacht und die türkischen Greuel, können denn Ladetten wollen nicht den Abgrund sehen, aus dessen Tiefe sie die ohne den schärfften Konflikt mit der Regierung unmöglich zu realisieren die armenischen Metzeleien und die Barbareien in China auch Bogen allgemeiner Empörung und Protestes emporgetragen bermögen! nur entfernt damit verglichen werden, was die losgelassenen haben und in den sie wieder zurückstürzen werden, wenn sie nicht Schakale der russischen Regierung angerichtet haben? Steine die Bahn für einen neuen Ausbruch des revolutionären menschliche Feder, teine noch so grellen Farben können uns dies Sturmes freimachen. Wird der Vater seinen grausam er schreckliche Bild unmenschlicher Leiden veranschaulichen. Der mordeten Sohn vergessen? Verzeiht der Mann die EntMenschenverstand vermag kaum die Möglichkeit solcher zielehrung seiner Gefährtin? Vergessen die Kinder ihre gehängten Die Stenerjagd im Reichstage. Lofer und furchtbarer Greuel zu glauben. und erschossenen Eltern? Können alle diejenigen verzeihen, Noch volle drei Stunden beschäftigte die ZigarettenfteuerNach zehntägigem Stampfe fielen im Januar die Moskauer deren Herz von den Rädern des zarischen Triumphwagens borlage heute den Reichstag. Einzelne einschneidende BeBarrikaden und mit ihrem Falle nahm die erste Periode der zermalmt ist? Glimmen nicht unter der grauen Asche die ſtimmungen des Gesetzes wurden noch scharf von unseren Gerussischen Revolution ihr Ende. Es begann die Beruhigung", Flammen einer neuen Revolution? Spürt man nicht schon nossen Geyer, Molkenbuhr und v. Elm kritisier Von der Art, wie die Stadetten" für dies Programm eintreten, Politifche Ueberficht. Berlin, den 7. Mat. Bemerkenswert war. daß bei der Beratung dieses Gesetzes die bürgerlichen Parteien nur gezwungenermaßen auf die An- griffe reagierten, die wegen ihrer Haltung zu diesem in das Geschäftsleben der Nation so tief eingreifenden und es schwer schädigenden Gesetz gegen sie gerichtet wurden. Eine längere sozialpolitische Debatte rief der sozial- demokratische Antrag hervor, der eine Entschädigung für die infolge des Gesetzes arbeitslos werdenden Arbeiter gesetzlich stipulicrt wissen will. Der Schatzsekretär V. Stengel und der Abg. Jäger(Z.) bekämpften diesen Antrag, der von Molkenbuhr eingehend begründet wurde. Er geißelte die Rücksichtslosigkeit und Schäbigkeit des Fiskus gegenüber den Arbeitern, der ihre Existenz untergrabe und vernichte, ohne den Ruinierten im mindesten beizustehen. Nur der Pole Graf Mielzinsky trat neben Molkenbuhr und v. Elm für unseren Antrag ein, der von der Kompromiß- Mehrheit— Könservative, Zentrum. Nationalliberale— ab- gelehnt wurde. Was kümmern sich diese Vertreter des Kapi- talismus um die durch die Steuer brotlos werdenden Zigarettenarbeiterinnen? Eine kleine Verbesserung der Kommissionsvorschläge wurde durch Einfügung einer Bestimmung im Z 88 vorgenommen, die gestaltet, daß drei Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes die angeineldetcn Vorräte ohne Entrichtung der Zigarettensteuer verkauft werden dürfen. Dann wurde das Gesetz von der bezeichneten Kompromißmehrheit angenommen. Darauf wurde in die zweite Beratung des Entwurfs zum Reichsstempelgesetz eingetreten, und zwar gelangte zuerst der Abschnitt Fr acht Urkunden zur Besprechung. Die Kam- missionsbeschlüsse wurden sehr lebhaft angegriffen von den Abgg. L i p i n s k i(Soz.) und den Freisinnigen G o t h e i n, W i e m e r und Dove. Gothein beantragte, den Abschnitt betreffs der Belastung des Binnenschiffahrtsverkehrs an die Kommission zurückzuverweisen, da derselbe mit§ 54 der Reichsverfassung kollidiere. Der Antrag wurde abgelehnt, da- gegen die Frachturkundensteuer angenommen. Dienstag: Namentliche Abstimmung über§ 2 des Zigarettensteucrgesetzes. dann Fortsetzung der Beratung des Stempelgesetzes.—_ Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus überwies am Montag die Sekundär- bahnvorlage an die Büdgetkommission und beriet im übrigen nur einige bei der Etatsberaiung zurückgestellte Anträge und Petitionen. Am Dienstag steht die freisinnige Interpellation betreffend die Mehrkosten beim Bau des königlichen Schauspielhauses auf der Tages- ordnung. Daran schließt sich die zweite Beratung der Novelle zmp Einkommmensteuergesetz._ Ter Wahlausfall in Frankreich. Der Ansturm des Klerikalismus und Nationalist� j,cj jicn gestrigen Wahlen in Frankreich glänzend abgeschlagen. Alle skrupel- losen Machinationen, alle Verdächtigungen der� Sozialisten, alle Hetze gegen die revolutionäre Arbeiterklasse hat rechts gentzt; weit stärker, als sie im letzten Parlanient vertreten tforen, kehren die radikalen Parteien und vor allem die sozialistsi� Partei zurück. Das Arbeiten mit dem roten Gespenst hat si«* erfolglos erwiesen. Nur in einigen ländlichen Gegenden h�hen die Klerikalen und Nationalisten neue Eroberungen gemacht: m Paris und fast allen sonstigen größeren Städten erlitten sie Ai�oetlagen. Und größer noch als die Erfolge der Radikalen und d-� sozialistischen Radikalen erscheinen nach den bisher eingelaufen� Meldungen diejenigen unserer französischen Spj*«>rtinr*n,t. zzie Häupter der früher getrennten, jetzt vereinigten sozialistischen Richtungen werden vollzählig im neuen Parlament vertreten sein. Jaurös, Vaillant, Guesde, Brousse sind gewählt, und Allemane steht in einer so aussichtsreichen Stichwahl, daß an seiner Wiederwahl kaum zu zweifeln ist. Teils ist das für unsere Partei so günstige Ergebnis auf Rechnung der Einigung, teils auch auf den frischen vom Osten herüberwehenden revolutionären Zug zu setzen, doch das meiste dazu hat jedenfalls die unermüdliche, von Begeisterung getragene Wahlarbeit bei- getragen, die unsere Genossen in der letzten Zeit geleistet haben. Selten ist in Frankreich von unserer Partei so emsig agitiert und nie mit so offenem Visier gekämpft worden. So zählt der Erfolg doppelt. Im ganzen sind in Frankreich und seinen Kolonien 631 De- pufferte zu wählen. Von diesen Wahlen sind nach telegraphischer Meldung bisher aus 574 Kreisen die Ergebnisse bekannt. Danach sind entschieden 421 Wahlen, während 153 Stichwahlen stattzufinden haben. Von den Gewählten sind 76 Konservative, 28 Nationalisten, 56 Progressisten, 63 von der republikanischen Linken, 83 Radikale, 73 sozialisffsche Radikale, 32 vereinigte Sozialisten, 10 unabhängige Sozialisten. Demnach sind bisher 160 Gegner der Regierung gewählt, denen — falls man die Sozialisten hinzurechnet, die zwar nicht zum Block gehören, aber doch in den meisten Fällen mit ihm gegen den Kleri- kalismus stimmen— 261 Deputierte gegenüberstehen, welche die Regierung unterstützen. Dazu kommt, daß die nötig werdenden 153 Stichwahlen zu ungefähr zwei Dritteln für die Regierungs- Parteien und unsere Bruderpartei sehr günstig stehen, so daß diese mit ziemlicher Sicherheit auf einen weiteren Zuwachs von 100 Man- baten rechnen können. Die Linke hat keinen ihrer bekannteren Führer verloren. Auch Iaurös, dessen Niederlage in Albi heute morgen gemeldet wurde, ist noch nach einem neueren Telegramm gewählt. Viele Deputierte der Linken, die 1902 in Stichwahl kamen, sind diesmal glatt gewählt worden, so Brisson, Rauanet usw. Dagegen beklagen die Progressisten(Gruppe Meline-Ribot) bisher die Nieder- läge zweier ihrer Häupter: Motte wurde in Lille von JuleS GueSde geschlagen, und Renault Morliere unterlag in Mayenne. Ferner unterlagen bisher die Progressisten de Rouvre, StaniSlas de Castellane, die Nattonalisten Berthoulat(Chefredakteur der„Liberts"), Ernest Roche, FlourenS, Grosjean usw. Zu diesen Verlusten der Nationa- listen werden voraussichtlich in den Stichwahlen viele andere kommen. Die Nattonalisten Tournadre, Lepelletier, Ober, Marchand, Auffray und Congh dürften unterliegen, auch der vielgenannte Nationalist Guyot de Billeneuve, der die freimaurerischen Denunziationslisten enthüllt hat. Sehr günstig hat Paris gewählt. Bor fünf Jahren wurden im ersten Wahlgange 14 Konservative und Nationalisten. 5 Sozialisten und Radikalsozialisten gewählt; diesmal nach telegraphischer Meldung des„Berk. Tagebl.": 15 Konservative und Nattonalisten, 13 Sozia- listen und Radikalsozialisten. Von den 15 Sitzen der Nationalisten und Klerikalen ist keiner neu erobert. Alle 15 sind seit langen Jahren oder wenigstens seit 1902 Eigentum der Rechten. Von den 13 Sitzen der Linken sind zwei der Reaktion abgenommen; nämlich der Sitz des Nationalisten Flourens. den der Radikal- Sozialist Desplas mit 2600 Stimmen Majorität eroberte, und den Sitz des Nattonalisten Ernst Roche, den der Sozialist Brousse mit 1500 Stimmen Majorität gewonnen hat. Von bekannteren Sozialisten sind bisher gewählt: Guesde, Vaillant, Jaurss. Sembat, Dejeante, Viviani. de Pressenss, Chauviere. Coutant, Brousse, Rouanet, Rozier. Grousset. Purch. Auch Millerand, den man jedoch nicht mehr einen Sozialisten nennen kann, ist gewählt, dagegen ist Delville unterlegen.--- Der englisch-türkische Grenzstreit. London, 5. Mai.(E!g. Ber.) Unmittelbar nach dem bor wenigen Wochen zwischen England und der Türkei an der Sinaihalbinsel ausgebrochcnen Grenzstrcit lenkten wir die Aufmerksamkeit unserer Leser auf dieses Ereignis. Der Streit ist an sich unbedeutend; er betrifft einen ganz schmalen Wüstenstreifen zwischen dem Roten Meer(Golf von Akaba) und dem südöstlichen Winkel des Mittelmeeres(zwischen El Rafah und El Arisch). Aber die Folgen dieses Streites können unter Um- ständen so umfassend sein, daß jede Meinungsverschiedenheit, die jetzt zwischen England und der Türkei oder zwischen Rußland und der Türkeit ausbricht, tatsächlich eine weltpolitische Bedeutung hat. Schon in den ersten Monaten des russisch-japanischen Krieges — also im Frühjahr 1904— wurde es zur großen Wahrschein- lichkeit, daß der Abschluß dieses Krieges auch der Abschluß der 50jährigen englisch-russischen Feindschaft sein würde. Ferner wurde es wahrscheinlich, daß die Kosten dieses Ausgleiches auf die Türkei fallen werden! Dieser Gedanke wurde in den letzten Jahren in der sozialistischen Presse Deutschlands mehrmals aus- gesprochen. Die Rechnung war sehr einfach: Sah sich die russische Diplomatie außerstande, ihre Seemachtspläne am Stillen Ozean zu verwirklichen, so mußte sie sich entweder nach dem Persischen Meerbusen oder nach dem Bosporus wenden. Jede dieser Alter- nativen bedingte aber eine verschiedene Politik. Entschied sich Ruß- land für den Persischen Meerbusen, so mußte es sich nach einem Bündnis mit Deutschland umsehen; denn der britische Minister des Aeußeren hatte vor genau drei Jahren erklärt, daß England es keiner fremden Macht gestatten könne, am Persischen Meerbusen Häfen zu erwerben! Rußland konnte also nicht allein handeln, wenn es in Südpersien Kompensationen für die Südmandschurei suchen wollte. Der beste Bundesgenosse war unter solchen Um- ständen das Deutsche Reich, das ein Interesse daran hat, Rußland vom Bosporus fern- und gleichzeitig den russisch-englischen Gegen- satz in Asien aufrecht zu erhalten. Aber aus dieser Erwägung ergab sich, daß ein solches Bündnis notwendigerweise eine Eng- land feindliche Spitze haben mußte. Schon die Möglichkeit eines russisch-deutschen Bündnisses mußte England veranlassen, die Petersburger Diplomatie für sich zu gewinnen und ihr den alt- slawischen Weg nach Konstantinopel zu zeigen. Womit England zwei Ziele erreichen konnte: Erstens die Ablenkung Rußlands von britischen Gebieten, zweitens die Leroräügung Deutschlands aus Konstantinopel, wo es ejp.en so überragenden Einfluß gewonnen hat. Ein Bünßnis mit Rußland hätte Deutschland erstens Klein- asien in. die Hände gespielt und zweitens die Bagdadbahn gesichcri. Di* britische Regierung beobachtete den Gang der Dinge und bahnte sich einen Weg via Paris nach Petersburg.(Wie tief diese weltpolitischen Vorgänge in die innere Politik Rußlands ein- griffen, kann sich der Leser selbst denken, wenn er sich an die finanzielle Hülfe erinnert, die die Westmächte Rußland gewährten. Aber hier handelt es sich um äußere Politik.) Gegen Ende des russisch-japanischen Krieges war die politische Lage ungemein interessant. Die Neugruppierung der Mächte stand vor der Kristallisation: Schließt sich Rußland dem Deutschen Reiche an und geht es nach Südpersien. oder schließt es sich England an und geht nach dem Bosporus?— Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Dem früheren britischen Botschafter in Petersburg, Sir Charles Hardinge, ge- lang es, eine russisch-englische Annäherung anzubahnen, die bald perfekt wurde. In Algeciras gingen England und Rußland zu- sammen. In dem Maße, wie sich die neue Lage klärte, richteten sich die Blicke aller denkenden Politiker auf Konstantinopel. Man sagte sich: Berlin ist konfus; was wird jetzt in Konstantinopel geschehen? Versteht Abdul Hamid die Wendung der Dinge? Sieht er, daß die alten Feinde: England und Rußland, durch deren Feindschaft die Türkei bis jetzt aufrechterhalten wurde, nunmehr ihre Streitaxt begraben und Freundschaft schließen? Wird er vom„glänzend isolierten" Deutschland abrücken und sich dem Bunde Ost- und Westeuropas nähern? Oder wird er sich blindlings ins Verderben stürzen? Als man über diese Fragen spekulierte, zeigte Abdul Hamid, daß er— wie alle untergehenden Despoten— bockbeinig und phantastisch ist. Wegen eines Fetzens Wünstenland an der ägyptisch- türkischen Grenze fordert er gerade jetzt das britische Reich in die Schranken! Dem britischen Reiche stehen gegenwärtig Frankreich und Rußland zur Seite— selbstverständlich auch Italien und die Balkanvölkerschaften, während Abdul Hamid diesen Moment nicht anders zu nutzen weiß, als den jüngsten Söhnen des deutschen Kaisers Geschenke zu schicken! Nach einigen Wochen diplomatischer Unterhandlungen sandte vorgestern Sir Edward Grey, der— wie vorausgesagt— die Politik Lord Landsdownes befolgt, ein Ultimatum an die türkische Regierung, der anheimgegeben wird, die besetzten Gebiete auf der Sinaihalbinsel bis zum 14. Mai zu räumen, die niedergerissenen Grenzpfähle bei El Arisch wieder herzustellen und eine Kom- Mission zu ernennen, um die türkisch-ägyptische Grenze abzustecken. Die englische Presse bespricht heute das Ultimatum in ruhiger. ernster Weise. Sie gibt sich der Hoffnung hin, daß der Sultan nachgeben wird, sobald er sich überzeugt, daß England Ernst macht. Mit Sicherheit läßt sich indes das Vorgehen des Sultans nicht voraussagen, da man nicht alle Einflüsse kennt, die ihn zu seiner starren Haltung veranlaßt haben. Sollte Abdul Hamid wagen, auf die pan-islamische Bewegung zu rechnen und dem britischen Ultimatum kein Gehör schenken, so ist es sicher, daß das Ende der orientalischen Frage gekommen ist und daß die Teilung des türkischen Reiches nahe bevorsteht. Eng- land, das sich seit 70 Jahren den russischen Plänen auf Kon- stantinopel widersetzte, würde jetzt das meiste dazu beitragen, die altrussischcn Träume zu verwirklichen und den Panslawisten die Tore Zarigrads zu öffnen. Die Opposition Englands und Frank- reichs gegen den Frieden von Unkiar-Eskelcssi im Jahre 1833, der Kriegszug Englands und Frankreichs nach der Krim im Jahre 1854 und 1855, Englands Kriegsdrohung im Jahre 1873, Eng- lands Proteste gegen den Durchzug russischer Kriegsschiffe durch die Dardanellen haben ihre Aufgabe erfüllt und werden nunmehr als Unsinn verworfen! Die 70 Jahre des westeuropäischen Schutzes haben der Türkei nichts genützt. Das türkische Reich hat sich nichr reformiert: Abdul Hamid hat jede Reform- und Volksbewegung blutig unterdrückt. Schließlich— und dies ist die Hauptsache— glauben England und Frankreich, daß es besser für sie ist, den deutschen Einfluß in Konstantinopel durch den russischen zu ersetzen! Vom Himalaha bis zum Atlas— in der ganzen sich auf- lösenden islamischen Welt— sollen Russen. Briten und Lateiner walten und den Panislamismus mit seinen verrückten Mullahs und Mahdis im Zügel halten__ Oeutrebee Reich. Der Wahlsieg in Darmstadt-Großgcrau. Aus Hessen wird uns zum Ausgang des Wahlkanipfes gc- schrieben: Die Sozialdemokratte hat alle Ursache aus diese» Sieg stolz zu sein, denn er ist errungen unter den d e n k b a r s ch tv i e r i g st e n Verhältnissen(Fall Cramer); er ist errungen gegen einen mit allen Mitteln der Verleumdung und Verdächttgung kämpfenden Gegner und er ist errungen— wir behaupten nicht zu viel— fast gänzlich aus eigener Kraft. Zwar hatten die„vereinigten Liberalen" die Wahlparole für Berthold ausgegeben. Aber diese Parole wurde durch die flammenden Entrüstungsausbrüche, die die„V o s s i s ch e Zeitung", das„Berliner Tageblatt" und andere edle Gazetten der Freisinnigen Volkspartei ob dieser Entscheidung vom Stapel ließen, und mit denen die Darmstädter Reakttonäre nicht ungeschickt operierten, fast völlig außer Wirkung gesetzt. Auch aus dem eigenen Lager der Darmstadt-Großgerauer „vereinigten Liberalen" wurde mit Macht gegen den Beschluß des Wahlausschusses Sturm gelaufen und für die Kandidatur Stein Propaganda gemacht. Der Sukkurs, der uns also von den 5808 Stimmen des nationalsozialen Pastor Korell zugekommen, ist infolge dessen unzweifelhaft nur ein verschwindender gewesen. Wir hegen sogar die feste Ueberzeugung, daß, wenn die Parole der Korelliancr auch gegen die Sozialdemokratie gelautet hätte, die wenigen Stimmen aus jenem Lager uns doch zugefallen wären. Wir wollen indessen durchaus nicht den guten Willen des liberalen Wahlausschusses in Zweifel stellen; der Wahlausgang hat eben bewiesen, daß die Sozialdemokratie im Ernstfalle keinerlei ernstliche Hülfe von dem„emschiedenen Liberalismus" zu erwarten hat. Die wenigen ehrlichen bürgerlichen Demokraten und National- sozialen bleiben Prediger in der Wüste gegenüber den„Liberalen" Richterscher Observanz, die sich stets als Schrittmacher der Reaktion bewährt haben. Unsere Genossen im Wahlkreise Darmstadt-Großgerau haben stch von vornherein nicht auf bürgerliche Wahlhülfe verlassen, sondern haben ihre Agitation hauptsächlich auf die Säumigen gerichtet, die bei der Hauptwahl der Wahlurne fernblieben. Und diesem Um- stände haben sie sicherlich auch den Sieg zu verdanken. Unsere Genossen haben der Wühlarbeit, die die Gegner Unter der glor- reichen Führung des.Reichsverbandes" vollführten, eine verdoppelte Agitation entgegengesetzt. In der kurzen Zeit von der Hauptwahl bis zur Stichwahl fanden noch zirka 50 Versammlungen statt und drei Flugblätter kamen zur Verteilung. So darf man wohl annehmen, daß die weitaus größte Zahl der 2333 bei der Sttchwahl abgegebenen Rcservestimmen auf unser Konto zu setzen sind. Einen Beweis für die Heftigkeit, mit der der Wahlkampf geführt wurde, bietet die Tatsache, daß in der Stich- wähl 2388 Wähler mehr zur Wahlurne gingen als bei der Haupt- wähl. Während von den 37 857 Wahlberechttgten des Wahlkreises bei der Hauptwahl 29 999— 79,2 Proz. von ihrem Wahlrecht Ge- brauch niachten, betrug die Zahl der Abstimmenden bei der Stich- wähl 32 387=- 85 Proz. Nicht unerwähnt darf übrigens ein ergötzliches Ereignis bleiben, das sich im hitzigen Wahlkampse zutrug. Das führende Organ der Darmstädter Nationalliberalen, der„Darmstädter Tägliche Anzeiger" bettelte in allen Tonarten um die Wahlhlllfe der Korellianer, dabei entschliipfte der edlen nationalliberalen Preßseele folgendes schöne Bekenntnis: „... Die armen Nationalsozialen, die so sicher auf einen Sieg rechneten, haben sich wieder einmal vergeblich Unkosten und Hoffnungen gemacht und haben wieder einmal erfahren müssen, daß für die Ideen des Liberalismus, ob er nun getrennt oder ob er geeint vorgeht, kein Resonanzboden im deutschen Volke vorhanden ist. Die großen Massen der Mitläufer, die ftüher aus politischer Unreife dem Liberalismus Gefolgschaft leisteten, sind politisch reifer geworden und sind zum Nachdenken über die End- ziele des Liberalismus veranlaßt, allerdings meist erst durch die harte, bittere Not. die sie die Binde von den Augen nehmen und klar erkennen ließ, wie Schwarmgeister und unklare Köpfe, gemeinsam mit bewußt unehrlichen Elementen es immer wieder verstanden, die Wähler in der schlimmsten Weise hinters Licht zu führen...." Was hier über den Liberalismus gesagt wird, ist jedenfalls richtig, daß aber ein nationalliberales Blatt ein solch' ver- nichtendes Urteil fällt, verdient besonders hervorgehoben zu werden. Leider brachte das Blatt den Erguß erst in der letzten Nummer vor der Wahl und aus diesem Grunde konnte nicht mehr für die nötige Publizierung dieser Selbstkritik in den Wählerkreisen gesorgt werden. Jedenfalls aber verdient die Aeußerung festgehalten zu werden. Die„Frankfurter Zeitung", fast das einzige liberale Tageblatt, das die Parole„für Berthold" unterstützt hat, gibt in ihrer Betrachtung über die Wahl zu, daß ein Teil der Korellschen Wähler sllr Stein gestimmt und ein anderer Teil sich der Wahl ent- halten habe. Sie meint entschuldigend:„Daß die Korellschen Wähler geschlossen für Berthold stimmen würden, tvar angesichts des Mangels einer Organisation und der wüsten Hetze, die von rechtsstehenden und leider auch fteisinnigen Blättern in diesen Tagen betrieben wurde, von vornherein ausgeschlossen." Und fährt dann fort:„Erfreulich ist aber, daß fast die Hälfte der ausgegebenen Parole gefolgt ist und damit den Sieg entschieden hat, der ohne dieses Eintreten unmöglich gewesen wäre...." Leider ist aher diese Rechnung noch zu günstig für die vereinigten Liberalen. Wie unsere hessischen Parteiblätter feststellen, zeigen die Einzelresultate auS den lokalen Wahlbezirken, daß die Korellwähler fast überall in über- wiegender Mehrzahl nach rechts abgeschwenkt sind. In Arheilgen, Eberstadt, Oberrammstadt usw., überall wuchs die Stimmenzahl der Rechtskandidatur Stein bei der Sttchwahl fast mathematisch genau um diejenige der Korellianer. Zur Sozialdemokratie kamen nur einige wenige dieser bürgerlichen„Linken" an vereinzelten Orten. Auch in der Stadt Darmstadt versagte das Gros der Korellwähler dem Aufruf die Gefolgschaft. „Uebrigens", schreibt das„Offenbachcr Abendblatt",„zeigt sich bei Betrachtung der Ergebnisse aus den einzelnen Orten, daß auch diesmal im ersten Wahlgange der Sieg unser war, wenn nicht Lässigkeit in A r b e i t e r k r e i s e n sich gezeigt hätte. Diese Lässigkeit, die vielleicht dem Unmut über Parteivorgänge der letzten Jahre und über die Vorgänge, die die Wahl nötig niachten, entsprang, hat uns mehr geschädigt, wie der Abgang von Mitläufern, gerade in Arbeiterkreisen trat sie in Erscheinung.— Freisinn»nd Maifeier. Die Stellungnahme des Freisinns zur Maifeier offenbart wieder einmal dessen kapitalistisches HauSkuechtstum und absolute politische Verständnislosigkeit. Für die freisinnige Presse von beiden Couleuren ist die Maifeier nichts als eine protzige Machtprobe der übermütig gewordenen Arbeitnehmer, ein dreister Eingriff in die geheiligten Ausbeuter- und Herrenrechte des Unternehmertums. Daß das Proletariat in diesem Jahre die Maifeier in Deutschland gleichzeitig zu einer kraftvollen Wahlrechtsdemonsttation gestaltete, das erregt vollends den Ingrimm der freisinnigen Komödianten, die immer wieder zu behaupten wagen, auch sie nähmen es mit dem Kampfe gegen die Dreiklassenschmach ernst! Daß die Arbeiterklasse auf den Hohn, den ihr Regierung und Parlamentsmehrheit mit der preußischen Wahlreformflickcrei antaten, unbedingt mit einer nachdrücklichen Demonstratton antworten mußte. geht offenbar nicht in das Hirn eines politischen Hausknechts vom Schlage der Müller-Sagan hinein. Lesen wir doch in einem Leitartikel der„Freien Deutschen Presse": „Wie diese Entwickelung beweist, kann mau den 1. Mai nicht einen Arbciterfeicrtag, sondern nur einen Feiertag der sozial» demokratischen Klasscnpartei nennen. Durch ihn ist die Sozial- demokratie im Begriff, ein Klassenprivilrg für die Arbeiter zu schaffen, und es entbehrt nicht der Komik, wenn ihr Organ den Leitartikel der Maifestnummer mit den Worten schließt:„Nieder mit allen Klassenprivilegien!" Grimnüger kann mau sich nicht selbst vcrspoiteu." Das«Verl. Tageblatt", das Organ der Frei» sinnigen Vereinigung, übertrumpft noch das scharfmacherische Gekeife des wasserstieflerischen Blattes. Der als Chefredakteur hantierende Redaktionsinvalide, der jeden Sonntag die Leser des Blattes mit einer sogenannten„Politischen Wochenschau" haranguiert, läßt sich folgendermaßen vernehmen: „Die Sozialdemokratie, die sich ungeheuer viel darauf zugute tat, daß alle Räder stillstehen, wenn ihr starker Arm es will, hat neuerdings die Erfahrung machen müssen, daß ihre Gewalt bei weitem noch nicht groß genug ist, um ihr Faulcnzcrideal zu vcr- wirklichen. Allerdings läßt sich nicht leugnen, daß der Gegensatz zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, wie er sich im Laufe der letzten Jahrzehnte allmählich herausgebildet, eine weitere Vertiefung erfahren hat. Aber die Arbeit- e b e r fangen an, nachgerade aus der Defensiv- tellung herauszurücken, die man ihnen auf- gedrängt hat, und durch Aussperrungen bis zu einem gewissen Grade den Spieß umzukehren. Wenn man auch zugeben muß, daß dem sozialen Frieden durch diese Umkehr nicht gerade Vorschub geleistet wird, so wird man doch denen keinen Vorwurf machen können, die den Angriffen der übermütig gc- wordenen Sozialdemokratie gegenüber auch ihrerseits von den ihnen zustehenden Rechten mehr oder minder rücksichtslos Gebrauch machen wollen." Unverblümter kann auch die„Post" nicht für die Unter- nehmer und gegen die Arbeiter Stellung nehmen, auch dürste es selbst diesem Blatt schwer fallen, das kämpfende Proletariat niederträchtiger anzupöbeln.— Interpellation wegen der Russenausweisungcn. Nach Mitteilungen bürgerlicher Blätter will das preußische Ministerium auf die Angriffe des Genossen Bebel in Sachen der Russenausweisungen antworten— aber hinter den schützenden Mauern des Dreiklassenparlaments. An- geblich sollen die Darlegungen Bebels über die Verleitung des russischen Kaufmanns zum Landesverrat inkorrekt sein. Bebel sieht, wie er uns wissen läßt, diesen Auseinandersetzungen mit größter Gemütsruhe entgegen. Er wird auf alle Fälle, spätestens bei der General-Etatsdebatte, die standalösen Russenausweisungen nochmals im Reichstage zur Sprache bringen und die Regierung zur Antwort zwingen. Das Beweismaterial, das zum Fall v. Brockhusen- Schöne zur Verfügung steht, ist, wie wir noch hinzufügen können, so lückenlos und genügend, daß alle etwaigen faulen Ausreden, die wir selbstverständlich erwarten, nur zu neuen Blamagen der Polizei führen müssen. Die Herren haben gar keine Ahnung, wie gut sie diesmal eingewickelt sind.—_ Weiteres zum Fall von Brockhusen-Schöne. In der gestrigen„Welt am Montag" lesen wir: »Bei der Frau jenes russischen Kaufmannes in Schöneberg. der nach Bebels Darstellung im Reichstage durch Polizeibeamte zu Verbrechen angestiftet werden sollte, erschien Sonnabend nach- mittag ein großer Herr mit Glatze und blondem Schnurrbart, der vorgab, im Auftrage der„Welt am Montag" und zugleich im Einverständnis mit dem Rechtsbeistand ihres Gatten Dr. Liebknecht zu. kommen. Natürlich ist beides vollständig er- logen. ES kann sich nur um einen Schwindler oder Spitzel handeln. Das letztere ist wahrscheinlicher, weil im Reichstag der Name des Kaufmanns gar nicht genannt wurde und auch uns nicht bekannt war, der geheimnisvolle und lügenhafte Besucher seine Kenntnis also nur durch Fühlung mit der politischen Polizei erlangt haben kann." Der Gentleman stellte an die unglückliche Frau allerhand der- fängliche Fragen, z. B. ob sie den„Vorwärts" lese. Es werden Mittel und Wege gefunden werden, um die Wiederholung solcher Spitzelunverschämtheiten und Spitzelgemeinheiten zu verhindern.— Ju deu Tod geliefert. Eine grausige Illustration zur großen ReichstagSrede Bebels ist die Auslieferung eines russischen Revo- luttonärs aus Memel, die im März erfolgte, aber erst jetzt bekannt wird. Die„Leipz. Volksztg." teilt darüber mit: Er war ein Lehrer, der in den Ostfeeprovinzen Versammlungen abgehalten hatte und vor der grausamen russischen„Straf- expedition" nach dem freien Preußen flüchtete. Nachdem er einige Wochen unbehelligt in Memel gewohnt und auch bei einer russischen Kapitänsfamilie freundschaftlich verkehrt hatte, merkte er, daß man ihm nachspürte. Der Lehrer verbarg sich daher auf einem Schiff, das im Memeler Hafen überwinterte. Von einem Bürger Memels wurde er verraten und eines Morgens um 7 Uhr erschienen Polizisten auf dem Schiffe, verhafteten den russischen Flüchtling und brachten ihn. trotz seiner flehentlichen Bitten, ihn nicht dem sicheren Tode auszuliefern, an die russische Grenze. Dort nahmen ihn die Zarenschergen als willkomniene Beute in Empfang. Jetzt kommt die Nachricht aus Rußland, daß der Freiheits- kämpfer von den Bestien des Zaren erschossen worden ist. Wie wir der„Rigaschen Rundschau" entnehmen, ist der Unglück- liche der Lehrer M e z k i gewesen.-- Zu den sonderbaren Silbcrfunden auf dem Schlosse Basedow wird neuerlich gemeldet, daß der D i e n e r des F ü r st e n W r e d e, der die Silberdiebstahlsaffäre zur Anzeige brachte, wegen versuchter Erpressung verhaftet worden ist. Er hatte dem Fürsten vorher mit der Anzeige gedroht, wenn dieser ihm nicht 50 000 Fr. auszahle.. Das Schloß selbst ist versiegelt worden. Gegen die Hausdame Fräulein Wedig ist noch ein Haftbefehl wegen Meineides erlassen worden. Sie wird beschuldigt, in der Streitsache einer Lohn- arbeiterin gegen den Fürsten wegen einiger lveniger Mark eine falsche Aussage zugunsten ihres Dienstherrn abgegeben zu haben. Unter den Silbersachen wurden zwei L ö t k a st e n mit Handwerkszeug zum Zusammenlöten des Silbers ge- fanden. Unter den bereits genannten geschädigten Hotels befindet sich auf das Berliner Hotel Westminster. Mit einer Kiste Silber, die der Besitzerin des Schlosses gehört. dessen Pächter Fürst Wrede ist, sind ebenfalls angeblich unlautere Handhabungen zum Schaden der Eigentümerin vorgenommen worden. Da sich Fürst Wrede in guten VermögenSverhälttuffen befinden soll, redet die bürgerliche Presse kopffchüttelnd von einem unlöslichen Rätsel.- Hufiland. Oesterreich- Ungarn. Wiener Gcmeindcwahlen. Am Mittwoch ist in Wien Wahltag; in 21 Bezirken sind Gemcindevertreter zu wählen. Auf dem Wiener Rathaus herrschen bekanntlich die Christlichsozialen mit Herrn Lueger an der Spitze. In den ersten sechs Jahren ihrer Herrschaft haben sie die Schuldenlast der Gemeinde mehr als verdreifacht; die in den 30 Jahren liberaler Herrschaft aufgefallenen Anleihen von 165 Millionen Kronen sind auf 540 Millionen Kronen an- gewachsen. Die Korruption, die kleinliche Ränkesucht und die Unter- drückung jeden Fortschrittes hat auf dem Wiener Raihaus einen so hohen Grad erreicht, daß weite Kreise der Bevölkerung den Sturz der antiscmitisch-klerikalcn Clique als eine Befreiung begrüßen würden. Unsere Genosse» haben in allen Wahlbezirken Kandidaten aufgestellt und eine energische Wahlagitation entfaltet; sie hoffen, in die nunmehr zehn Jahre währende Herrschaft des Lueger-Klüngels Bresche zu legen.—. Frankreich. Das Komplott der Lockspitzel. Paris, 5. Mai.(Eig. Bcr.) Der„Matin", dem die neue Regierung zum Aerger der repu- blikanischen Konkurrenzblätter gerichtliche Untersuchungsakten zur Veröffentlichung ausliefert, produziert heute die ersten„Dokumente", die den Zusammenhang der royalisttschen Intrige mit der gewerk- schaftlichen Agitation dartun sollen. Das vorgelegte Material ist aber so nichtssagend wie nur möglich. Bei einem Bonapar- tisten, so lesen wir, sei eine„Instruktion für Stteikfälle" gefunden worden, worin der Satz stehe:„Wenn Sie um Mitternacht hören, daß ein Streik ausbricht, müssen Sie um 6 Uhr früh an Ort und Stelle sein und einige Stunden später die Führer der Be- weg un g gewonnen haben." Ferner ist unter den Papieren des Herrn v. La r regle, eines Orleanistcn, ein Entwurf:„Die Zukunft der Streiks" gefunden worden, der die bekannte Idee aus- führt, daß die Anarchie zum Cäsarismus und dieser zur Monarchie führe. Daß die Reaktionäre die Achtstundenbewegüng auszunutzen ge- dachten und selbst Gewalttaten zu provozieren suchten, das ist nichts, was überraschen könnte. Aber die Dokumente, die die Verhaftung der Leiter der Arbeiterkonföderation rechtfertigen könnten, fehlen noch immer. Der„Matin" erzählt allerdings noch, dem Grafen Beaure- gard seien ans dem Besitz der Konföderation Papiere, die den Generalstreik betrafen, im letzten Sommer für 7000 Frank ver- kaust worden, und der Untersuchungsrichter in Toulouse sei darauf gekommen, daß ein Führer der Kaffeehauskellner beim letzten Streik 5000 Frank von reaktionärer Seite bezogen Habel Weil also irgend ein Schuft Briefschaften aus dem Besitz GriffuelheS' entwendet und dem schwachsinnigen Beauregard angeschmiert hat, ist Griffuelhes verhaftet worden!?(Wie aus einem diesen Bericht überholenden Telegramm hervorgeht, sind die beiden verhafteten Sekretäre der Oonköcksration generale du Travail, Griffuelhes und Lövy, am Sonntagnachmittag einstweilen(!) aus der Hast entlassen worden.) Oder deshalb, weil irgend ein Provinzagitator unsaubere Handlungen begangen, oder— wie' der„Matin" schließlich noch, seinen letzten Trumpf ausspielend, behauptet— weil eine Kon- gregation zwei Sektionen eines Pariser Arbeitervereins subventio- inerte? Vorläufig hat, wie man sieht, die Regierung für ihren Gewalt- alt gegen die KonföderationSleiter nicht die geringste Rechtfertigung vorgebracht. Dagegen ist es der reaktionären Presse gelungen, nachzu- weisen, welche Bedeutung in der Komplottaffäre dem Lockspitzel- tum zukommt! Die klerikalen Auskunftszcttel über die re- publikanischen Offiziere und Beamten mögen sicherlich mehr gewesen sein als eine Privatunternehmung des Pfaffenzöglings Audouard, aber die Rolle, die der Lockspitzel Ferdinand R o I l i n als„Generalsekretär der royalisttschen Avant- garde von Versailles" in dem famosen„Komplott" gespielt hat, zeigt, daß die Republik„Verschwörungen" genau so fabriziert wie das Kaiserreich. Der„Eclair" veröffentlicht heute interessante Daten über Rollin, den Freund und großmütigen Geldgeber des jungen Audouard, der'von seinen Erziehern sehr kurz gehalten wurde. Rollin, der die häufigen„ B u ß ü b u n g e n", die der royalistische Edelknabe im nächtlichen Paris abhielt, finanziert hat, war ehemals Herausgeber der anarchistischen„Tribüne inter- nationale" und später bei der antiklerikalen und radikal- sozialistischen„Action" angestellt!! Seit 1894 war er Freimaurer! Er steht in engen Beziehungen zum— Polizeichef von Versailles! Das nationalistische Blatt glaubt Rollin durch den Hinweis auf feine antiklerikale Vergangenheit besonders zu charakterisieren. Die offenbare Wahrheit aber ist, daß Rollin berufsmäßig alle bespitzelt hat: Anarchisten, Freimaurer und Monarchisten! Er war für jede Regierung und für jedes Geschäft zu haben. Vermutlich werden die „Royalisten", die in der Konföderation gewirkt haben sollen, von derselben Qualität sein wie der„Anarchist" in der monarchistischen Partei._ Huö der Partei. Partei und Gewerkschaften. Von 652 Mitgliedern der Zahlstelle des Fabrikarbeiterverbandes zu Bremen lesen, wie eine Umfrage ergeben hat, 160 nur das Gewerkschaftsorgan, 207 außerdem das Parteiblatt, die„Bremer Bürgerzeitung", 143 bürger- liche Blätter, 97 gehörten der Parteiorganisation an. Von 50 organisierten Steinbildhauern zu Bremen haben 36 die Umfrage beantwortet. 23 lasen das Parteiblatt, 10 wurden durch die Agitation veranlaßt, es zu bestellen, 7 lasen bürgerliche Blätter. Mitglieder des Sozialdemokratischen Vereins waren 20 und wurden 12. Von 481 organisierten Schneidern zu Breslau füllten 304 die Karten aus. 135 von ihnen lesen die„Volkswacht", die übrigen bürgerliche oder gar keine Tagesblätter I Die Zahlen zeigen, daß der Agitation der Partei noch viel fruchtbarer Boden wartet. Unser Mannheimer Parteiblatt legt in seiner Sonntagsnummer noch einmal gegen den„Vorwärts" los,„witzig", wie man's von ihm gewöhnt ist. Wir kriegen folgende schöne Pauke gewidmet: „Mit welch' gehässiger Einseitigkeit der„Vorwärts" in seiner Mittwochnotiz gegen uns vorging, das zeigt schon ein flüchtiger Blick in unsere Parteipresse. Aus der„Pfälz. Post" er- sehen wir, daß in der Pfalz am 6. Mai noch eine ganze Anzahl Rkaifeiern stattfinden, so in Meckenheim, Ivo Profit-LudwigShafen, und in Ixheim, wo Schwartz-Zweibrücken spricht. Ebenso feiem die W ü rttem b erg er in zahlreichen Orten nach; die gestrige Nummer der„Schwöb. Tagw." enthält Maifeicranzeigen für den 6. Mai in Weil i. D., Münster a. N., Ruit, Ober- eßlingen und Reutlingen. Das scheint den Alarm- trompetern auf der Berliner Parteizinne alles entgangen zu sein; sie schauen stieren Blickes nur nach dem„versumpften" Baden, wo die schlimmen FastnachtSwitze zu Hause sind. Wie Figura zeigt, ist gleich dem badischen Karneval auch das badische Maifest für sie der Anlaß eines blamablen Hereinfalles geworden." Die wahrhast kindische Eitelkeit, mit der das Blatt sich immer wieder spreizt, weil es einmal zu unrecht ernst genommen wurde, könnte erheiternd wirken, wenn es nicht so traurig wäre, daß es ein Partei blatt ist, das diese Rolle spielt l Und dazu diese parteigenössische Schadenfreude, daß ein Partei- blatt auf den„Witz"„hineingefallen" ist. Und welch' lebendiges, parteigenössisches Empfinden in der Mannheimer„Volksstimme", daß sie glaubt, unser Aerger über unseren„Hereinfall" habe uns veranlaßt, stieren Auges nach dem„versumpften Baden" zu schauen. um uns an den badischen Parteigenossen zu rächen! Nach solchen Erwägungen denkt sich ein Parteiblatt ein andere? Parteiblatt redigiert! Man muß wahrhaftig Mitleid empfinden mit Leuten, die nicht begreifen können, daß ernste sachliche Erwägungen die Haltung eines Parteiblattes bestimmen! Nach diesen Proben des Geistes, der in der Mannheimer„Volkstimme" lebt, wundern wir uns nicht länger mehr über den„Witz", noch darüber, daß der Mannheimer „Volksstimme" noch nicht ein Licht aufgegangen ist, wer der Blamierte bei der Affäre war. In, übrigen hätte die M.„V." bei einigem Nachdenken die ganze Unsinnigkeit ihres Vorwurfs, daß wir mit gehässiger Ein- feitigkeit bloß gegen die betreffenden badischen Parteimitgliedschaften losgegangen sind, nicht aber die von ihm aufgezählten in Württem- berg und der Pfalz, selbst erkennen können. Die Angelegenheit wurde im„Vorwärts" bekanntlich auf Grund einer Zuschrift erörtert; Zuschriften über die württembergischen und pfälzischen Mainachfeiern sind uns aber nicht zugegangen und die Annoncenteile der Partei- blätter zu verfolgen, dazu fehlt uns wahrhastig die Zeit. Selbst- verständlich gilt für die Ortschaften Württembergs und der Pfalz, die die Maifeier nicht am 1. Mai begehen, dasselbe wie für die be- treffenden Orte Badens. Personalia. In die Redaktion der Breslauer„Volkswacht" sind vertretungsweise die Genossen Wilh. Schröder« Berlin und Otto R.ü h l e- Leipzig eingetreten- poUzeUiches» GfichtUcbeo ufw. 50 Mark Geldstrafe soll Genosse S e e g e r von der„Leipziger Volkszeiwng" nach einem amtsgerichtlichen Strafbefehl zahlen, weil die„Leipziger Volkszeitung" darauf hingewiesen hat, daß gewisse Wirte, die ihre Lokale nicht zu Versammlungen geben, von den Ar- beitern nicht besucht werden dürfen. Deutsche Prcßfreihcit. Jüngst war der Redakteur Genosse Thiele angeklagt wegen eines Artikels im„Volksblatt für Halle", für den Redakteur Genosse Molkenbuhr verantwortlich gezeichnet hatte. Molken- buhr, als Zeuge geladen, verweigerte vor dem Schöffengericht die Aussage, infolgedessen gegen ihn ein Zeugniszwangsverfahren schwebt. An, Sonnabend war nun der Berichterstatter Genosse Ebeling ebenfalls vor den, Schöffengericht angeklagt wegen eines Gerichtsartikels, für den Redakteur Genosse Däumig verantwortlich gezeichnet hatte. Ebeling lehnte die Verantwortung auf Grund des§ 20 ab und Redakteur Däumig als Zeuge geladen, übernahm die Verantwortung mit dem Hinweise, auf weitere Fragen keine Auskunft geben zu wollen. Die klagende Partei(versuchte nun durch Vernehmung mehrerer Zeugen nachzuweisen, daß Ebeling der Verfasser jener Gerichtsnotiz gewc'cn sein müsse, da er in jener Gerichtsverhandlung gesessen und an eine», Tische geschrieben habe. Das Gericht sprach Ebeling frei, da durch seine Anwesenheit im Gerichtssaal nicht nachgewiesen sei, daß er der Verfasser der Gerichtsnotiz sei. Wegen Beleidigung eines Pfarrers, begangen in einer Versamm» lungsrede, wurde der Genosse Richter in Droyssyg(Prov. Sachsen) zu 13 Wochen Gefängnis verurteilt. GewerKscbaftlicKes. Maifeier-Nachwehen. Die Ausgesperrten des Berliner BuchbindereigewerbeS füllten gestern nachmittag bis zum letzten Platz den großen Saal des Ge- werkschaftshauses. Ein Ueberblick über die Masse der Versammelten zeigte, in wie hervorragendem Maße das weibliche Element bei der Maifeier beteiligt war. lieber den Stand der Aussperrung und über ihre Begleiterscheinungen berichtete Klar. Ausgesperrt wurden insgesamt 921, darunter 456 männliche und 465 weibliche Kollegen. Arbeiten aussperrender Firmen, welche in Betrieben gemacht werden sollten, wo keine Aussperrung erfolgt war, wurde als Streikarbeit behandelt. Einige deshalb seit Beginn der Aussperrung erfolgte Arbeitsverweigerungen und vorüber- gehende Arbeitsniederlegungen hatten alsbald den von den Ar- beitern und Arbeiterinnen bezweckten Erfolg. Von Druckerei- besitzern, bei denen Buchbinder und Buchbindereiarbeitcrinnen den 1. Mai feierten, hat nur N a u ck sich dem Aussperrbeschluß der Buchbindereibesitzer angeschlossen.— Bei der Firma Thomas, die aus dem Verband Berliner Buchbindereibesitzer ausgetreten ist, wird bereits seit Montag früh zu den alten Bedingungen gearbeitet. Der Inhaber hat sogar zugestanden.« daß das wieder eingetretene alte Personal mit zwei Kollegen, die ihm in den Rücken gefallen waren, nicht zusammen arbeiten braucht. Der während der Aus- fperrung geführte Kleinkrieg hat wesentlich dazu beigetragen, das Selbstvertrauen der auf Tarifbruch ausgehenden Unternehmer zu erschüttern. Auch die Solidarität der Kolleginnen hat sich dabei bewährt. Die Unternehmer merkten schließlich noch, daß auch der Zentralvorstand des Buchbinder- Verbandes in der Angelegenheit nicht untätig blieb. Dies und der glänzende Zusammenhalt der Arbeiter und Arbeiterinnen in Berlin ist wohl die Ursache, daß die Absicht der Berliner Unternehmer(die vielleicht auch die der Leipziger usw. war), die Berliner Maifeier zu einem Tarifbruch auszunutzen, zu Boden fiel. Der Vor- sitzende des Verbandes deutscher Buchbindereibesitzer hat nämlich den Berliner Unternehmern die telegraphische Weisung zugehen lassen, sich mit ihren bisherigen Arbeiterausschüssen in Verbindung zu setzen wegen Wiederaufnahme der Arbeit durch das ausgesperrte Personal zu den alten Bedingungen am Dienstag, den 8. Mai. Die erweiterte Ortsverwaltung und die Vertrauensleute haben sich auf folgende Bedingungen für die Wiederaufnahme der Arbeit geeinigt: „Genau dasselbe Personal, das ausgesperrt wurde, tritt in den Betrieb in die alten Stellen zurück. Matzregelungen der Beteiligten dürfen nicht erfolgen. Bei Entlassungen, die aus Mangel an Arbeit notwendig werden, ist die B e s ch ä f t i g u n g s« d a u e r maßgebend, eingeschlossen die Zeit vor der Aussperrung. Mit den zuletzt Eingetretenen hat man zu beginnen." Die Versammlung beschloß gegen eine Stimme, unter den von der Ortsverwaltung vorgeschlagenen Bedingungen die Arbeit aufzunehmen. >» Die Musikinstrumentenarbeiter des HolzarbeiterverbandcS hielten am 2. Mai ihre Vertrauensmännerversammlung ab. In dieser wurde über den Verlauf der diesjährigen Maifeier im Beruf berichtet. Dieselbe hat auch in der Berliner Musikinstrumenten» industrie an Umfang gegen die vorausgegangenen Jahre bedeutend zugenommen. Im Jahre 1905 beteiligten sich die Arbeiter aus 58 Fabriken an der Maifeier. Eine Auszählung in der Ver» trauensmännerversammlung ergab, daß diesmal in 103 Betrieben 3000 Personen am 1. Mai gefeiert haben. Außerdem feierten einzelne Klavierarbeiter in 7 Fabriken. Das erste Mal waren die Pianomcchanikarbeiter und-Arbeiterinnen an der Maidemon- stration stark beteiligt. Obgleich die Fabrikantenvereinigung ihre Mitglieder verpflichtet hatte, die Arbeiter, welche am 1. Mai von der Arbeit wegbleiben, auszusperren, kamen nur 6 Unternehmer dieser Aufforderung nach. In diesen Betrieben wurden insgesamt 199 Arbeiter ausgesperrt, und zwar allgemein bis zum 7. Mai. Wohl nicht überall dürfte die Maifeier der Arbeiterschaft die Industrie eines Ortes so lahmgelegt haben, wie in Ober-Schöne- weide mit seiner ausgedehnten Industrie. Wenn noch im vorigen Jahre von einer Arbeitsruhe in diesen Werken wenig oder gar nicht die Rede war, so haben es neben der rastlosen Agitations, arbeit der Beteiligten nicht zuletzt die politischen Vorgänge zuwege gebracht, daß diesmal die Arbeitsruhe einen ganz kolossalen Um- fang annahm. So feierten z. B. von den annähernd 5000 Arbeitern der Werke der A. E. G. mindestens 4000, von den 600 Arbeitern der deutschen Nileswerkzcugfabrik über 500. Von zirka 200 Ar- beitern der Norddeutschen Eisenwerke blieben nur 20 im Betrieb, von ebensoviel Arbeitern der Kupferwerke gar nur 5. Nur wenige kleinere Betriebe der Textilbranche und die Fabrik von Engel u. Hecgewaldt arbeiteten. Gewaltig war auch der Schreck der Unternehmer dieserhalb, die sich in dieser Bedrängnis an die immer für sie bereite Polizei wandten und bereitwilligst ungefähr 30 Gendarmen zur Verfügung erhielten. Es' muß gesagt werden, daß es nur der Besonnenheit der Arbeiter zu danken war, daß Ausschreitungen vermieden sind. Erklärlicherweise sammelte sich am Morgen des 1. Mai in den Straßen des Ortes eine un- geheure Menschenmenge an, die dadurch provoziert wurde, daß einzelne Gendarmen direkt in die Menge auf den Bürgerstcig hineinritten. Gewaltig waren die Vormittagsversammlungcn und die Fest- feier am Abend,— groß auch die Rache der Werksbesitzcr. Sämtliche Feiernden wurden auf Eingebung des Kühne- Männerverbandes ausgesperrt. STin Montckg, den 7. Mai, wurden die Arbeiter der anderen Werke wieder eingestellt. Nur das Riesenwerk der A. E. G. glaubte eine Auslese— und zwar eine gründliche— halten zu müssen. Es wurde bekanntgegeben, daß nur diejenigen sich zum Eintritt melden dürften, welche eine diesbezügliche Aufforderung von der Direktion per Karte erhalten hätten. Eine solche Provo- kation konnten sich die Ausgesperrten denn doch nicht gefallen lassen. Es wurde der Beschluß gefaßt, unter solchen Umständen hat keiner die Arbeit aufzusuchen. Diesem Beschluß ist am Mon- tag voll«achgekommen worden. Glaubt denn auch die Direktion der A. E. G.— welche sonst mit ihren Wohlfahrtseinrichtungen prahlt—. daß den Arbeitern jedwede Scham abginge? Ein Gerüchts daß die Wiedereinzustellenden sich mit der Wiedereinführung der IlZstündigen Arbeitszeit einverstanden er» klären müßten, wurde von der Direktion widerrufen. « Eine zweite Maidemonstration, die nach außen beinahe wirkungsvoller war als die erste, spielte sich am Sonn» abend in NowaweS-Neuendorf resp. Drewitz ab. Die bei O r e n st e i n u. Koppel der Maifeier wegen aus- gesperrten Metallarbeiter— 600 Mann— versammelten sich nachmiHags im„Volksgarten" und zogen dann gemeinsam zur Fabrik, um ihren noch rückständigen Lohn— eventuell auch noch ihre Papiere— in Empfang zu nehmen. Dieser Zug der 600 Maidemonstranten bildete einen ein- drucksvollen Epilog zur Maifeier, deren internationalen Siegeszug auch die kommandierenden Generale der Kühnemänner-Kosaken nicht mehr aufzuhalten vermögen.... Ernst und gemessen zogen die Alten, fröhlich die Jungen dieses Arbciterbataillons der Zu» kunft durch den sonnigen Wald nach ihrer Fabrikkaserne, die ab- scits der großen Heerstraße bei Potsdam zwischen Neuendorf und Drewitz liegt. In gewohnter Ordnung stellten sich die Feiernden jenseits des Fabrikgebäudes im Schatten der märkischen Kiefern auf, um abteilungsweise zur Kasse zu gehen.... Nuhel... Einer der Meister erscheint. Er wird ebenso lebhaft begrüßt wie der Bevollmächtigte des Metallarbeiterverbandes, welcher eine kurze Ansprache hält. Er bringt seinen Kollegen die erfreuliche Nach- richt, daß die Arbeit am Montag früh(also gestern morgen) in vollem Umfangt wieder aufgenommen werde» wird. Maß- regelnngen wegen der Maifeier sollen nicht stattfinden!— Rasch und sicher wickelt sich nun wie gewöhnlich das Lohnzahlungsgeschäft ab und in bester Stimmung geht eS wieder heimwärts.— Da ertönt der dumpfe Ton der Fabrikpfeife: Feierabend!— für diejenigen� die am 1. Mai keine Zeit zum Feiern hatten. Mögen sie im nächsten Jahre nicht wieder abseits stehen, wenn die Freiheit ruft. Auch für sie gilt das Gebot der neuen Zeit:„Du sollst den Weltfeiertag heiligen!" DieAuSsperrunganderWasserkantehat größere Dimensionen angenommen, als es zuerst den Anschein hatte, denn nach den Mitteilungen der in Betracht kommenden Sektionen deS Hafenarbeiterverbandes sind rund 9000 Schauerleute. Ewerführer und andere Hafenarbeiter bis zum 11. Mai von der Arbeit ausgeschlossen. Da die nicht direkt von den Hamburger Reedereifirmen abhängigen Betriebe sich nur zum Teil an der Aussperrung wegen Ruhenlassens der Arbeit am 1. Mai beteiligen, so ist ersichtlich, daß am Weltfeiertage über 10000 Hafenarbeiter das„Werk gestoppt" haben, wie es au der Wasserkante heißt. Mit allen Mitteln suchen die„Herren vom Hamburger Hafen" ihre Betriebe notdürftig aufrecht zu erhalten, und da sie nicht über gesetzliche Zwirnsfäden stolpern, indem sie die Gesetze nach ihren Intentionen auslegen, wobei sie kräftigst von den berufenen Hütern der Gesetze unterstützt werden, scheint eS nach außen so, als wenn sie sich über die von ihnen festgesetzte Ausspeprungsfrtst hinweg- helfen werden. Laut Bekanntmachung der Amerikalini« mutz nicht allein das Kontorpersonal SchaucrmannSarbeit verrichten, sondern auch die Kapitäne und Offiziere müssen Hand anS Werk legen. Viele Kapikäne und Offiziere fungieren als Werbeagenten und schwindeln, daß sich die Balken biegen, um Leute zur Reise nach Hamburg zu bewegen. Am Sonntag traf an der Wasserkante ein in Oesterreich angeworbener Trupp Leute(60 Personen) ein, zu denen man gesagt hatte, in Hamburg herrsche zwischen Kapital und Arbeit tiefster Frieden. Als die Oesterreicher, zumeist Holzarbeiter, Wind bekamen, um was es sich handelte, machten sie kurz Kehrt. Anderen nach Hamburg gelotsten„Arbeitswilligen", die schon auf „Hotel"-Schtffe» der Amerikalinie untergebracht waren, ist auf ihre energische Intervention die Freiheit gewährt worden, doch hat nian sie nur bis Harburg expediert, während sie die Rückbeförderung nach ihrer österreichischen Heimat verlangen.— Wie während deS großen Streiks der Hafenarbeiter und Seeleute 1896/97, so hat auch jetzt die Amcrikalinie die für das Frcthafengcbiet, das als ZollauSland gilt, bestehenden gesetzlichen Bestimmungen außer Kraft gesetzt, indem sie im Kaiser Wilhelm-Safen(Kuhwärder), Schuppen 78, 600 Betten für die noch„eintreffenden Arbeitswilligen" hat aufschlagen lassen. Im Reichstage ist seinerzeit vom Bundes- ratStifche aus die Ungesetzlichkeit eines solchen Verfahrens zugegeben worden. Aber die Seckapttalistcn können sich so etwas erlauben. Die Arbeitswilligen, die in einer Stärke von über 200 Mann im Schuppen wohnen und beköstigt tverden, dürfen sogar rauchen, was sonst mit sofortiger Entlassung geahndet wird.— Außer den 9000 Hafenarbeitern sind noch 300 Schiffsziminercr ausgesperrt. Die Aussperrung der Metallarbeiter ist im Nieder- gang begriffen; am Montagmorgen betrug die Zahl der Feiernden nur noch 900 Mann. Die Metallwarenfabriken haben schon teils vorige Woche, teils am Montag ihre Leute wieder eingestellt. Nur die Werftbetriebe und einige zur Gruppe der Hauptscharfmacher gehörende Firmen halten an dem Beschlutz, ihre Arbeiter bis zum II. Mai auszusperren, fest. Außerdem sind noch mehrere hundert Holzarbeiter aus- gesperrt, die zum Teil Gegenforderungen stellen, indem sie nicht willens sind, sich ungestraft nutzer Arbeit setzen zu lassen. » In den SiemenS-Schuckertwerkcn zu Nürnberg herrscht eine große Gärung. Obwohl die Direktion, als am 3. Mai die auf einen Tag wegen der Maifeier ausgesperrten Arbeiter erllärten, die Arbeit nicht eher aufnehmen zu wollen, als bis bindende Ver- sicherungen vorhanden seien, daß keine Maßregelung erfolge, ver- sprach, jeder Arbeiter könne auf seinen alten Platz zurückkehren, sind doch Versetzungen von einem Saal in den anderen und Eni- lassungen erfolgt, die als Maßregelnngen betrachtet werden, umso- mehr, als es in den Entlassungszeugnissen heißt, der Betreffende sei„mit Unterbrechung von zwei Tagen" die und die Zeit im Be- triebe beschäftigt gewesen. Nicht mit Unrecht wird vermutet, daß diese Bemerkung nur bezwecken soll, den Inhaber des Zeugnisses zü kennzeichnen. Es ist keinerlei Instanz mehr vorhanden, durch die die Arbeiter mit der Direktion verhandeln können, denn der Arbeiterausschuß hat vor der Maifeier seine Aemter niedergelegt. da ihm der Vorwurf gemacht wurde, daß er die Interessen der Arbeiter zu energisch vertrete und„verhetzend" wirke. Am Sonnabendabend hat deshalb eine Versammlung der Ar- veiter des ganzen Werkes stattgefunden, in der nach längerer Diskussion beschlossen wurde, den bisherigen ArbeiterauSschuß als Befchwerdekommisfion einzusetzen, der sich jeden Abend in einem bestimmten Lokal zu versammeln und die Beschwerden entgegen- zunehmen hat, die der Direktion schriftlich zu übermitteln sind. wenn sie mit der Kommission nicht unterhandeln will. Erfolgt keine Abhülfe, so soll die Oefsentlichkeit in Anspruch genommen werden. Ferner wurde erklärt, daß die Leistung von Ucberstunden stritte verweigert wird; erfolgen aus diesem Grunde Maßrege- lungen, so sollen sie mit Arbeitseinstellung beantwortet werden. Da die Direktion beabsichtigt, wegen der Verweigerung der Ueber- stunden Nachtschichten einzuführen, die aber 12 Stunden dauern sollen, beschloß die Versammlung, die Forderung zu stellen, daß die Nachtschichten unter keinen Umständen länger als die Tag- schichten sein sollen, eventuell sollen dreiteilige Schichten von je acht Stunden eingeführt werden. Senlln und Umgegend. Achtung. Stukkateure! Wegen Differenzen ist die Firma Beinhorn in Erfurt sowie der Neubau des Kurhauses in Eiscnach für Stukkateure und Rabitzer gesperrt._ Die Lohnbewegung der Musterkonfektiousschneider nimmt einen befriedigenden Fortgang. In enier öffentlichen Schneiderversamm- lung, die am Sonntag im„Englischen Garten" stattfand,»vurde darüber berichtet, daß bisher 2S Firmen den neuen Lohntarif an- erkannt haben. Die Taktik, wonach ein allgemeiner Streik nicht proklamiert werden sollte, jedoch die Anfettigung von Mustern überall dort zu verweigern sei, wo die Bewilligung der Forderungen nicht erfolgt, wurde von der Versammluna als durchaus richtig anerkannt und beschlossen, in derselben Weise die Bewegung fort- zuführen. Bei einer Anzahl Firmen bedurfte eS erst einer mehr- tägigen Arbeitsniederlegung, um sie zur Anerkennung der For- derungen zu veranlassen. Eine Reihe ähnlicher Arbeitsniederlegungen dürften noch zu erwarten fein. Die organisierten Hausdiener, Kutscher usw. auS den Handtuch- und Wäfche-Äerleih-Jnstituten Berlins machen die organisierte Berliner Arbeiterschaft darauf aufmerksam, daß dieselben seit dem 1. Mai eine braune Kontrollkarte eingeführt haben. Nur von den Firmen loird der Tarif gezahlt, deren Arbeiter im Besitz einer Kontrollkarte sind. Die Karte ist von brauner Farbe und nur dann gültig, wenn dieselbe ordnungsgemäß jeden Monat abgestempelt ist. Wir appellieren an das Solidaritätsgefühl der gesamten Ar- beiterschaft I Die Hausdiener, Kutscher usw. der Handtuch- und Wäsche- Verleih-Branche. I. A.: Wilh. Müller, Waßmaimstcaße 30. IV. Zur Lohnbewegung der Bäcker. Eine gestern nachmittag in den Konkordiasälen abgehaltene Versammlung der Bäckermeister nahm den von der gemeinschaftlichen Kommission ausgearbeiteten Einigungsvorschlag nach einer uns zugehenden Mitteilung mit großer Majorität an. Achtung, Schuhmacher! Trotz aller Bemühungen unsererseits. hat die Schuhmacher-Jnnung bis jetzt noch keine Stellung zu unseren Forderungen genommen. Der JnnungsauSschutz hat sich nur dazu verstanden, den JnnungSmitgliedern eine Lohnerhöhung bis zu 10 Proz. zu empfehlen. Mit'einer derartigen Empfehlung ist unS nicht gedient. Deshalb beschloß die am 30. April tagende Versammlung der Schuhmachergehülfen. die Innung aufzufordern, mit unS in Verhandlung einzutreten und innerhalb 8 Tagen einen präzisierten Lohntarif auszuarbeiten. Diese acht Tage sind ver- gangen, die Innung hat uns aber keiner Antwort gewürdigt. In Erkenntnis dieser Sachlage beschloß die am Montag, den 7. Mai, tagende Gehülfenvcrsammlung nunmehr, den vom Zentralverband der Schuhmacher aufgestellten Lohntarif den einzelnen Arbeitgebern zu unterbreiten und überall dort die Arbeit niederzulegen, wo derselbe nicht anerkannt wird. Wir ersuchen nun- mehr alle Schuhmachergehülfen. diesen Beschlutz zur Durchführung zu bringen. Mitteilung über Bewilligungen oder Arbeitönieder- legung werden bis auf weiteres von morgens 10 Uhr bis abends 8 Uhr in folgenden Lolalen entgegengenommen: A u g u st i n, Oranienstr. 103, Mix, Skalitzerstr. S9, Feind, Weinstr. 11 und F a b e r. Stephanstr. 11. Wir richten das Ersuchen an die Arbeiterschaft Berlins, uns m diesem Kampfe die Unterstützung nicht zu versagen, da in unserem Gewerbe die schlechtesten Löhne gezahlt werden. Die Ortöverwaltung des Zentralverbandrs der Schuhmacher. Der Ortsverein Dpaiida» dcS Buchdrucker- Verbandes ersucht UNS um Aufnahme folgender Zeilen: Die am S. Mai 1S06 itattgcfundene Versammlung der Buch- drucker,„OrtsvereinSpanda u", beschloß mit 2 4 g e g e n 6 Stimmen folgende Resolution: „Die Versammlung hat mit Entrüstung davon Kenntnis ge- nommcn, daß der„Korrespondent" in seiner Nummer»om 1. Mai mit keiner Silbe der Maifeier gedacht hat. Die Versammlung erklärt diese Haltung des Verbandsorgans für doppelt bedauerlich, weil dadurch der Anschein erweckt werden könnte, als ob die organisierten Buchdrucker in ihrer Gesamtheit den Forderungen auf Errtngnng des Achtstundentages und der politischen Gleichberechtigung der Arbeiter mit den Besitzenden gleichgültig gegenüberstehen, und weil diese Haltung des„Korr.' nur geeignet ist, die Buchdrucker bei ihren übrigen Arbettsbrüdern in Mißkredit zu bringen." Die Versammlung beauftragte den Vorstand dcS Ortsvereins, diese Resolutwn der ,.Korr.".Rcdaktton zur Kenntnis zu bringen, Veutsdies Kelch. Der Mann mit der roten Mütze. Ein Schlosser von Halle fragte bei dein Jakobiwerk in Meißen(Aliiengesellschaft) um Arbeit an. Die Gesellschaft antwortete, er möge nur mitteilen, mit welchem Zuge er eintresse, damit man ihn vom Bahnhofe abholen könne. Auf dem Perron möchte sich der Ankömmling unter Vorzeigung eines Schreibens an den diensttuen den Lnynbemnten, eingeklammert(Mann mit der roten Mütze) wenden, der Unterrichtet sei. Belästigiiiigen wären nicht zu befürchten.— So wirken Staatsbeamte im einseitigen Interesse des Unter- liehiiicrtums. In" den Spiegelfabriken von NUrnberg-Fürth steht eine Bewegung bevor. Die Arbeiter haben Forderungen aufgestellt, auf die sich die Unternehmer auf ein Jahr verpflichten sollen. Es wird unter anderem verlangt: ölstündige Arbeitszeit, lOprozcnttge Lohnerhöhung für alle Arbeiter und Arbeiterinnen, Festsetzung eines MinimallohNcs von 18 M. für Arbeiter über 18 Jahre, Beseitigung des UnfugS, datz die Arbeiler für den Bruch aufkommen müssen. Eür die Holzarbeiter, Metallarbeiter und Maschinenarbeiter wird rhöhung' det Stundenlöhne und Abschaffung der Akkordarbeit verlangt. Letzte Nachrichten und Depcfchen. Arbeiterrisiko. Ein Bauunfall mit tödlichem Ausgang ereignete sich gestern nachmittag gegen 4 Uhr auf der elcltrotechiiischcn Fabrik von Ernst Papst in Köpenick. Bei Arbeiten an einem Fabrikschornstein stürzten der 22 Jahre alte Bauarbeiter Rosel sowie ein Maurer aus be- trächtlichcr Höhe ab. Rosel blieb mit zerschmetterten Gliedern liegen Und verstarb nach kurzer Zeit. Der andere Abgestürzte scheint ohne Verletzungen davongekommen zu sein. Der Getötete war unverheiratet._ Das Ergebnis der ungarischen Wahlen. Budapest, 7. Mai. W. T. B. Nach den nunmehr vorliegenden sämtlichen 413 Wahlergebnissen entfallen auf die Korruth- Partei VerfassungSparlci. 74 die Klerikalen 30 und die Nationalitäten, einschließlich 12 240 auf die 12 Sachsen, 33 Sitze, Stichwahlen sind in 13 Bezirken erforderlich, der Rest der Reugcwählten entfällt auf verschiedene Fraktionen, in fünf Bezirken wurden die Wahlen für ungültig erklärt und Neu» wählen angeordnet._ Die Wahle», in Frankreich. Paris, 7. Mai.(Privatdepesche unseres Pariser Korrespon» deuten.) Bei starker Beteiligung an den Wahlen ist dieselbe überraschend günstig für die Republikaner. Bisher sind 682 Re- sultate bekannt. In der Provinz und in Paris sind starke Verluste der Rechtsparteien zu verzeichnen. Die Progressisten verloren von 77 Mandaten 21, die Nationalisten von 52 besessenen 8, sie gewinnen 2. Die vornehmen Bezirke in Paris blieben nationalistisch. Gewählt sind 33 unifizierte Sozialisten, 9 nichtunifizierte, 164 Radikale und Radikalsozialiften, 66 Linksrepublikaner, 66 Progressisten, 110 Rechte; 165 Stichwahlen, 144 sind den Repu- blikanern günstig. Die bourgeoisdemokratische Mehrheit ist gesichert. AlS Hauptercignis anerkennt die Presse das riesige Anwachsen der sozialistischen Stimmen; bei der letzten Wahl erhielten beide Richtungen 860 000 Stimmen, diesmal die gcrinigte Partei miiidestens eine Million. Der Zuwachs wurde teils den Radikalen, teils den Neaktionären abgewonnen. Jauro siegte mit 240 Stimmen Mehrheit, Guesde, Ruech eroberte Roubaix gegen Motte. In Paris Allemane sichere Stichwahl gegen Nationallisten. Ebenso Groiissier gegen Oberst Marchand, Sembat, Rouanet, Chauviere. Vaillant wiedergewählt, Brousse, Rozier ueu- gewählt. Millerand besiegte mit reaktionären Stimmen Lafargur. Große Fortschritte find im Norden zu verzeichnen. Delory, Basly, Lamendin wiedergewählt, desgleichen Bouveri, Pressense in Limoge, wo unlängst Gemcindewahl verloren, behauptet. Beide» Sozialisten herrscht ungeheuerer Jubel. Unifizierte besaßen 39 Mandate, künstig wohl 60. Zusammenstöße mit der PoNzei. Paris, 7. Mai. Hier zeigt sich, dah man gar nicht daran gedacht hat, Mittel- standspolitik zu treiben.(Sehr wahr! links.) Man sieht, datz es dem Gesetzgeber nur darauf ankam, Geld zu be kommen. Solchen Gesetzgebern ist es, um ein Wort des Herrn Held zu gebrauchen, ganz egal, was aus dem Mittelstand wird. Die Folgen werden Sie bald spüren. So weit ich meine Kollegen kenne, werden sie sich mit allen Mitteln dagegen wenden. Das wird dahin führen, datz wie in Amerika diese Bestimmungen binnen einem Jahre wieder hinweggefegt sind. �Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Z 19 wird angenommen. Bei§ 11, der vorschreibt, datz Zigaretten- und Zigarrentabak nur in angemeldeten Räumen gelagert und verpackt werden dürfen und über Zu- und Abgang der Erzeugnisse eine Buchführung an- zulegen ist, führt Abg. v. Elm(Soz.) auS: Sofern es sich um Großbetriebe handelt, macht die hier vorgeschriebene Kontrolle keine großen Schwierigkeiten, in der Detailindustrie ist sie dagegen schwer durchzuführen. Wenn weiter nichts verlangt wird, als datz der Zigarettentabak in nur angc- meldeten Räumen lagern darf, so wird es genügen, die Klein industriellen zu bestimmen, auf die Aufrechterhaltung der Zigarettenfabrikation zu verzichten. Unsere Volksschulbildung bringt eS ja leider mit sich, datz die meisten dieser Leute Bücher führen, aus denen sie selbst zwar sehr gut klug werden, in denen sich Steuerbeamte aber nicht zurechtfinden können.(Sehr richtig I links.) Abg. Westermann(natl.) hat bedeutend größeres Vertrauen stuf die Intelligenz der Steuerbeamten. Abg. Molkenbuhr(Soz.): Das schlimmste ist, datz mit diesem Paragraphen wie mit manchen anderen eigentlich gar nichts gesagt ist. Wäre eine ähnliche Buchführung vorgeschrieben wie in Amerika, so ließe sich darüber reden. Da mutz der Produzent auf der einen Seite über die Produkte Buch führen, auf der anderen über die StampS, und beides mutz miteinander übereinstimmen. Die uns zu- gemuteten Vorschriften aber sind ganz unbestimmt. Das Streben müßte doch dahin gehen, die Buchführung zu vereinfachen. Aber etwas derartiges scheint bei uns gar nicht beabsichtigt zu sein. s(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Hiermit schließt die Debatte.§ 11 wird in der Kommissions- fassung angenommen, ebenso 8 �2, welcher noch besondere Be- stimmunaen zur Führung von Anschreibungen enthält. ES folgt der§ 13, der von der Aufsichtsbefugnis der Steuer- beamten handelt. Abg. v. Elm(Soz.): Im ersten Absatz des Paragraphen heitzt eS allerdings: Die Steuerbcamten sind befugt, die Betriebs- und Lagerräume so lange sie geöffnet sind, zu jeder Zeit, anderenfalls von morgens 6 bis abends 9 Uhr zu besuchen. Damit ist also ein Besuch zur Nachtzeit ausgeschlossen. Im zweiten Absatz aber ist dieser Schutz wie gewöhnlich wieder aufgehoben, indem es heitzt: Tie Zeitbeschränkung fällt fort, wenn Gefahr im Verzuge ist. Ein Stcuerbeamter kann aber immer„Gefahr" wittern, wenn nach seiner Meinung der Verdacht einer Steuerdefraudation vorliegt. Wenn er also eine solche zu befürchten angibt, so steht es ihm beispielsweise frei, die Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen auch zur Nachtzeit zu besuchen.(Heiterkeit.) Auf jeden Fall beweist doch dieser Paragraph wieder, welche kolossalen Schwierigkeiten das Gesetz bei seiner praktischen Durchführung bereiten wird. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Held(natl.): Gerade dieser Paragraph ist von der Kommission besonders sorgsam bearbeitet worden. Auf die Heim- arbeit bezieht sich nur der erste, nicht der zweite Absatz-, es ist also ausgeschlossen, datz die Heimarbeiterinnen nachts kontrolliert werden dürfen. Damit schlietzt die Debatte.§ l3 wird angenommen. 8 14 handelt von der H ü l f e l e i st u n g d e r Z i g a r e t t e n. industriellen bei der Ausübung der Stcuerauf- ficht. Abg. v. Elm(Soz.): Bisher kannten auch die Zigaretten- industriellen ein Geschäftsgeheimnis. In Zukunft haben sie aber »ach diesem 8 14„den Oberbeamten der Stcuerverwaltung die auf den Einkauf des Rohtobaks sowie auf die Herstellung und den Verkauf von der Ziaarcttensteucr unterliegenden Erzeugnissen sich beziehenden Geschäftsbücher und Geschäftspapiere auf Er- fordern zu jeder Zeit zur Einsicht vorzulegen". Welche Garantie hat nun der Schatzsekretär dafür, datz unter diesen Oberbeamten sich nicht auch ein Räudiger findet, der den Konkurrenten etwas von diesem Geschäftsgeheimnis mitteilt? Eigentliche Geschäfts- gcheimnisse gibt es jedenfalls in Zukunft in der Zigarettenindustrie jedenfalls nicht mehr. Ist eS denn nun notwenoig, daß die Kon- trolle in dieser Weise ausgedehnt wird? Alle diese Bestimmungen sind so dehnbar, daß sie eine große Gefahr für die Industrie dar- stellen. In Amerika hat man ähnliche Bestimmungen ganz lax durchgeführt. Die deutschen Beamten werden diese Vorschrift sehr genau nehmen und dann ist an eine Wahrung der Geschäfts- gcheimnisse nicht mehr zu denken.(Sehr wahrt bei den Sozial- dcniokraten.) Staatssekretär Freiherr v. Stengel: Aehnliche Kontrollbestim- münzen finden sich in vielen anderen Steuergesetzen. Der Vor- rcdner müßte also mindestens einen Fall mitteilen, in dem ein oberer Steuerbeamter das Geschäftsgeheimnis verraten hat, wenn er seine Befürchtungen auch nur im mindesten begründen wollte. Abg. v. Elm(Soz.): Die Zigarettenindustrie hat neben einigen größeren auch viele kleinere Betriebe. Deshalb ist es nicht richtig, aus anderen Gewerben ohne weiteres auf diese In- dustrie zu folgern. Ich will dein Staatssekretär ja gern zugeben, datz die Mehrzahl der oberen Steuerbcamten zuverlässig ist. Aber will er für jeden feiner Beamte? in der Weise die Garantie über-� nehmen, daß er einen Verrat der Geschäftsgeheimnisse für aus- geschlossen hält? Es ist bekannt, datz in Amerika hohe Steuer beamte aus derartigen Bestimmungen geradezu ein Geschäft ge macht haben. Nun mag unser Beamtenmaterial besser sein, aber wenn solche Gesetze geschaffen werden, die geradezu zu Defrau- dationen herausfordern, schädigen sie nicht nur die Industrie, sondern korrumpieren auch die Beamtenschaft, und deshalb erblicke ich auch in diesem Paragraphen eine Gefahr.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Damit schlietzt die Debatte.§ l4 wird angenommen. 8 IS bestimmt, datz, wer sich gewerbsmäßig mit dem Verkaufe von Zigarettentabak und Zigaretten, sowie von Zigarettenhülsen und-Blättchen befassen will, dies vorher der Steuerbehörde anzu zeigen und ihre Vorräte vorzuzeigen hat. Die Steuerbehörde kann verlangen, datz Niederschriften ein- zelner Teile dieses Gesetzes und der Ausführungsbestimmungen in den Verkaufsstätten an in die Augen fallender Stelle ausgehängt werden. Abg. Molkenbuhr(Soz.): Der Zweck der Bestimmung in Ab satz 1 dieses Paragraphen ist mir unklar. Am meisten Bedenken erregt aber der zweite Absatz. Es müßte doch festgelegt werden, welche Teile des Gesetzes ausgehängt werden sollen, um unnütze Schikanierungen durch die Steuerbehörde zu verhindern. Reichsschatzsekretär Freiherr v. Stengel: Welche Paragraphen auszuhängen sind, wird der Bundesrat in seinen Ausführungs- bestimmungen festlegen. Der Steuerbehörde bleibt das nicht über- lassen. 8 16 bestimmt: Die Steuerzeichen und Zollzeichen sind an den Packungen so lange zu erhalten, bis diese geöffnet werden. Eine Nachfüllung der Packungen darf nicht stattfinden. Der Einzelverkauf darf nur aus den zugehörigen Umschließungen erfolgen. Geleerte Umschließungen sind alsbald zu vernichten. Abg. v. Elm(Soz.): Hier zeigt sich wieder einmal die Unklar- heit des Gesetzes. Von wem sollen die Umschliehungen vernichtet werden? Ferner wird hier sehr wenig Rücksicht auf die Eni- Wickelung der Industrie genommen. Es gibt eine ganze Reihe sogenannter Luxuspackungen, die zum Teil einen Herstellungswert von 29 Mark haben. Weshalb loill man die Leute verpflichten, derartig teuere Packungen einfach zu vernichten? Bisher wurden sie aufbewahrt und nachgefüllt. Reichsschatzsekretär Freiherr v. Stengel verweist auf die in der Kommission auf ähnliche Bedenken gegebene Antwort.(Nach An- ficht der Kommission soll die Vorschrift des 8 16 so ausgelegt werden daß eine Unbrauchbarmachung zur Wiederverwendung als Zigarettenpackung schon als ausreichende Vernichtung anzu sehen ist.) Bei 8 24, der die Aufsichtsmatznahmen verschärft, führt Abg. v.� Elm(Soz.) aus: Die Bestimmungen diefeS Para- graphen müssen wir unterstreichen, um klarzustellen, welch un- geheuerliche Konsequenzen sie schaffen. Der Paragraph bestimmt, datz Personen, die der Defraudation verdächtig sind, besonderen Aufsichtsmatznahmen unterworfen werden können. Das bedeutet mit anderen Worten, daß diese Personen einem Steuerbeamten aus- geliefert werden. Verdächtigt werden natürlich immer in erster Linie die kleinen Fabrikanten sein.(Sehr richtig! bei den Sozial demokratcn.) Die 88 25—32 werden ohne Besprechung angenommen. Als 8 32s beantragen die Abgg. Albrccht(Soz.) und Genossen einzufügen: Personen, die als Arbeiter oder Arbeiterinnen in der Zigarettenindustrie gearbeitet haben und innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten des ZigarettensteuergcsetzeS durch Einschränkung der Produktion oder durch Verlegung der Fabriken oder durch Uebergang vom Handbetrieb zur Fabrikation mittels Maschinen arbeitslos werden, erhalten Entschädigung, und zwar, wenn sie zur Zeit des Eintrittes der arbeitslosen Zeit mindestens 1 Jahr, aber nicht länger als 2 Jahre, sich als Zigarettenarbeiter oder Ar- beiterinnen ernährt haben, den Betrag eines Jahresarbeits Verdienstes, mindestens aber S99 M., wenn der Arbeiter oder die Arbeiterin sich länger als 2 Jahre, aber weniger als 19 Jahre als Zigarettenarbeiter oder Arbeiterinnen ernährt hat, den dreifachen Betrag des Jahresarbeitsverdienstes, mindestens aber 1d99 M.-, wenn der Arbeiter oder die Arbeiterin sich länger als 19 Jahre als Zigarettenarbeiter oder Zigarettenarbeiterin ernährt hat, den fünf- fachen Jahresarbeitsverdienst, mindestens aber 2S99 M.- Hierzu liegt ein Amendement des Abg. Graf v. Brudzewo- MielzynSki(Pole) vor, nach dem die Bestimmungen des Antrages Albrecht und Genossen auch für bisherige Heimarbeiter und Ar- beiterinnen gelten fallen. Abg. Molkenbuhr(Soz.): Die Tabakarbeiter sind schon oft das Opfer der Steuergesetzgebung gewesen. Die Tabakarbeiter gehörten in den siebziger Jahren zu den besser gelohnten Arbeitern. wenigstens in den Großstädten. Sie verdienten in der Regel mehr als die Bauhandwerker. Der Hauptsturz kam dann 1879. Damals hat man es fertig gebracht, die ganze Steuererhöhung vom Lohn abzuziehen. Vorher wurden 13 M. für 1999 Zigarren gezahlt, 1892 zahlten dieselben Fabrikanten S— 12 M.(Hört! hört! links.) In Amerika hatte man damals zufällig eine Periode der Prosperität, so datz New Jork den ganzen Ueberflutz von Tabakarbeitern aus Hamburg und Bremen aufnehmen konnte. Es kam binzu, datz die meisten Leute infolge der guten Vorjahre das Geld hatten, um auswandern zu können. Der Reichstag hat dann eine Resolution angenommen, in der verlangt wurde, datz endlich die Beunruhigung der Tabakindustrie aufhören solle. Trotzdem sind seither nicht weniger als 28 Projekte gekommen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Heute ist die Lage so, daß der Tabakarbeiter durchschnittlich 543 M. verdient, während der Durchschnittsverdienst der gewerblichen Arbeiter sonst 947 M. beträgt. Der Durchschnittsverdienst des Tabakarbeiters bleibt also um 494 M. hinter dem der übrigen gewerblichen Arbeiter zurück.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Mir ist kein Staat bekannt, der so offenbare Prämien auf Lohnabzüge gesetzt hat, wie das Deutsche Reich in diesem Gesetz. Das steht einfach ohne Beispiel in der Geschichte aller Kulturstaaten da.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Daß eine Krise nach Inkrafttreten dieses Gesetzes erscheint, ist von allen Seiten zugegeben. Wie 1879 eine Lohndrückerei eintrat, so wird es auch jetzt geschehen. 1879 ging die Industrie nach Westfalen und Baden, beschäftigte aber nicht mehr die alten Arbeiter, sondern zog neue Arbeiter aus der Land- Wirtschaft heran. Achnlich wird eS jetzt gehen, dadurch werden nach meiner Ansicht die Arbeiter au ihrem Eigentum geschädigt, denn das einzige Vermögen, das sie haben, ist ihre Arbeitskraft und ihre Gc- schicklichkeit in irgend einem bestimmten Berufe. Wenn ein Stück Holz als Riegel verarbeitet ist, läßt es sich als Bauholz zu anderen Zlvecken nicht gut verwenden. Genau so steht es mit dem Arbeiter, der sich in einer bestimmten Arbeit Geschick erworben hat. Selbst in der Kommission ist offen zugegeben, datz viele Arbeiter und Arbeiterinnen arbeitslos werden, man hat aber gesagt, die Ar. beiterinnen könnten ja Hausmädchen werden oder auf dem Lande arbeiten.(Hört! hört! links.) Sie sollen sich also der Gefindeortmuna unterwerfen und in ihrem Einkommen zurückgehe». Wenn wirklich eine Zigaretten- arbeiterin Stellung als Hausmädchen oder Landmädchen bekäme, so würde sie, entsprechend ihrer geringeren Geschicklichkeit, erheblich weniger bekommen als ein Hausmädchen durchschnittlich erhält. (Sehr richtig! links.) Der Arbeiter wird also direkt in seinem Einkommen durch dieses Gesetz geschädigt. Wenn die Gesetzgebung gewisse Personen schädigt, so mutz sie dafür Ersatz leisten. Diesen Grundsatz haben wir in der Reichsgesetzgebung bei der Ucbernahme der Privatpostcn befolgt. Aehnlich ist man beim Sützstoffgesetz ver- ahrew An anderen Stellen ist man noch weiter gegangen. Als in Preußen eine Anzahl Herren, die sonst keine Steuern bezahlten, Steuern bezahlen sollten, hat man das als eine Vermögens-- schädigung angesehen und ihnen den kapitalisierten Betrag der Summe gegeben, die sie in Zukunft als Steuern zahlen sollten. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Zahl der Beispiele, in denen der Grundsatz befolgt wurde, liehe sich beliebig vermehren. In diesem Falle sind die Geschädigten arme Leute, Arbeiter, die nichts haben als ihre Arbeitskraft.(Sehr wahr! bei den Sozial- dcniokraten.) Aber dieser Umstand darf die Gesetzgebung doch nicht bestimmen, von einem Grundsatz abzugehen, den sie, wo es sich um Besitzende handelt, stets anerkannt hat.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Auf einen solchen Standpunkt darf sich der Reichstag nicht stellen und durch die Gesetzgebung Zehntausende armer Menschen schwer schädigen und ihnen dann sagen, eine Ent- schädigung bekommt ihr nicht. Wenn die Gesetzgebung Menschen an ihren Existenzbedingungen schwer schädigt, darf man diese Menschen nicht dem Elend preisgeben, fondern mutz sie bis zu eirrem gewissen Grade entschädigen. Das bezwecken wir mit unserem An- trage, und zwar verlangen wir das sowohl im Interesse derer, die arbeitslos werden, als auch im Interesse derer, die ihre Arbeit be- halten: denn ohne diese Entschädigung würde die Arbeitslosigkeit ein viel stärkerer Hebel zur Lohndrückerei sein.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wird die Entschädigung gezahlt, so lätzt sich erwarten, daß auch für diejenigen, die in Arbeit bleiben, die Löhne nicht so tief herabgcdrückt werden, als es sonst der Fall sein würde.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben Entschädigungen für eine Reihe einzeln aufgeführter Fälle gefordert. Der Hamburger Arbeiter kann unmöglich nach Westfalen mitgehen. In Baden kann er als fremder Arbeiter in der Tabakindustrie unmöglich so viel verdienen wie er zum Leben braucht, mag er auch noch so geschickt sein. Datz tatsächlich die Produktion eingeschränkt, die Handarbeit durch die Maschine ver- drängt oder die ganze Fabrik verlegt worden ist, dafür müßte natürlich der Arbeiter, wenn er Entschädigung verlangt, den Beweis erbringen. Den Zusatzantrag, auch die Heimarbeiter zu entschädigen, halten wir für durchaus gerechtfertigt; in der Sache bleibt es sich ganz gleich, ob durch dieses Gesetz der Heim- oder der Fabrikarbeiter arbeitslos wird, lleber die Höhe der Entschädigung haben wir Ihnen gleichfalls bestimmte Vorschläge unterbreitet. Die Arbeiter, die erst kurze Zeit in der Industrie tätig sind, müssen eine Entschädigung für die verlorene Lehrzeit erhalten, die ihnen ermöglicht, einen anderen Beruf zu erlernen. Leuten, die schon sehr lange im Beruf tätig sind, ist die höchste Entschädigung zu» gedacht, weil bei ihnen die Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit natürlich am meisten gelitten hat. Wir haben diesen Antrag eingebracht, weil wir nicht zum zweiten Male ein Jahr wie 1879 haben wollen, wo auf Kosten der Arbeiter eine große Reichsfinanzreform durchgeführt wurde. Ich glaube, die Tabaksteuer hätte 1879 keine Mehrheit im Reichstag gefunden, wenn die Reichstagsabgeordneten ihre Wirkung genau vorausgesehen hätten. Hier haben wir ein noch verderblicheres Gesetz, wenn auch der Kreis der betroffenen Arbeiter nicht so groß ist. DaS Gesetz bestimmt, datz, wenn eS dem Unternehmer gelingt» die Löhne hcrabzudrücken, er eine weniger hohe Steuer bezahlen muß. Wir wollen nich* daß neben diesen Prämien auf Lohnabzüge (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten) die Lohndrückerei noch da- durch gefördert wird, daß Arbeitslose monatelang an den Türen >dcr Fabriken um Arbeit betteln und schließlich gezwungen sind. Arbeit um jeden Preis anzunehmen. Durch dieses Gesetz werden Tausende und Zehntauscnde von Arbeiterinnen der Not und dem Elend preisgegeben. Wir Sozialdemokraten können nicht die Hand dazu bieten. Taufende von Mädchen der Prostitution in die Hand zu geben. Können Sie das mit Ihrem Gewissen vereinbaren, so nehmen Sie dieses Gesetz an und lehnen Sie unseren Antrag ab. Wir aber haben ihn gestellt, um die schlimmen Wirkungen des Gesetzes zu vermindern.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten-� Rcichsschatzfekrctär Frhr. v. Stengel: Die Kommission hat be- reits denselben Antrag mit großer Mehrheit abgelehnt, bereiten Sie ihm im Plenum dasselbe Schicksal. Die von sozialdemokratischer Seite hervorgehobenen Besorgnisse bezüglich der Arbeitslosigkeit sind in hohem Matze übertrieben. Ein Zusammenhang zwischen diesem Steuergcsctz und Arbeiterentlassungen wird sich beweis- kräftig nie feststellen lassen. Der Antrag ist ohne jeden Vorgang und von den weittragendsten und unübersehbaren Konsequenzen für alle Gebiete der Steuergesetzgebung in Staat, Gemeinde und Kommune. Die Vorgänge bei Beseitigung der Privatposten lassen sich mit den hier vorliegenden in keiner Weise vergleichen, denn hier soll doch nicht durch die Gesetzgebung ein ganzes Gewerbe verboten werden. Die Besorgnisse wegen des Rückganges der Pro- duktion wurden auch bei einer früheren Banderolenstcuer, der Schaumweinsteuer, von den Interessenten in der schrecklichsten Weise übertrieben. Und jetzt wird mehr Champagner ge- trunken als früher!(Lachen bei den Sozialdemokraten.)! Abg. Graf v. Brudzewo-Mielzynski(Pole) befürwortet seinen Antrag. Ich nehme an, datz auch die Herren Sozialdemokraten selbstverständlich gewollt haben, daß auch die Heimarbeiter ent« schädigt werden.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Jäger(Z.): Bei anderen Gelegenheiten haben die Sozial« demokratcn nicht daran gedacht, eine solche Entschädigung zu ver- langen, so z. Ä. beim Bleiweißvcrbot, das sie selbst beantragt haben, wodurch noch viel mehr Arbeiter brotlos geworden wären. Wir sehen keinen Grund, hier eine Ausnahme zu machen. Abg. Held(natl.): 1879 handelte es sich um Familien, die brot- loS wurden, jetzt aber um junge Mädchen, die leicht wieder Arbeit finden, in der Kartonnagcnbranche zum Beispiel. Waü nun die Entschädigung anlangt, so lätzt sich ja niemals feststellen, ob die Arbeiterinnen gerade infolge dieses Gesetzes entlassen worden sind. Also darauf können wir uns nicht einlassen.— Daß die Handarbeit verdrängt werden wird, halte ich für ausgeschlossen, denn die besseren Zigaretten können nur mit der Hand hergestellt perden. Abg. v. Elm(Soz.): Der Herr Vorredner hat bestritten, datz die Handarbeit in der Zigarettcnindustrie durch die Maschinen- arbeit verdrängt werden wird. Ich habe bereits darauf hingewiesen. datz die Löhne bei der Handarbeit pro Mille 2,59 bis 3.59 Mk. betragen; die Steuer beträgt aber bei einzelnen Fabrikaten 4 bis 5 M> Unter diesen Umständen ist doch der Fabrikant einfach ge- zwungen, zur Fabrikarbeit, die ihn nur 9 bis 10 Pf. pro Mille Arbeitslohn kostet, überzugchen, denn er kann nur am Arbeitslohn sparen. Wenn Sie von Uebcrtreibungen sprechen, sind Sie ver- pflichtet, uns rechnerisch nachzuweisen, wie der Fabrikant es möglich machen kann, die Handarbeit weiter zu führen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten-) Auch der Herr Schatzsekretär hat von Ucbertreibungen gesprochen und hat auf das Schaumweinsteuergesctz verwiesen. Aber man kann doch nicht Zigaretten und Champagner miteinander vergleichen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.)! Die Zigarette, besonders die billige, ist doch ein Konsumartikel der großen Masse, daher wird dies Gesetz auch zweifellos einen Konsum- rückgang zur Folge haben.— Dann ist gesagt worden, wir müßten in Konsequenz unseres Antrages auch dafür eintreten, daß die durch Arbeitcrschutzgcsetze geschädigten Fabrikanten oder durch�den Bau von Eisenbahnen geschädigten Fuhrleute entschädigt würden. In diesen Fällen aber handelt es sich um Fortschritte im Interesse der Allgemeinheit, und da ist es berechtigt, zu verlangen, datz ein kleiner Kreis von Interessenten für das nationale Interesse Opfer bringt. Sie werden aber bei der Zigarettensteuer nicht den Beweis erbringen können, datz cS sich um einen Fortschritt im allgemeinen Interesse handelt. Würde das Volk darüber abzustimmen haben, würde cS sich zweifellos gegen diese Steuer und auch gegen die Flotten- und Heercspolitik, durch welche die neuen Steuern not- wendig geworden sind, wohl aber für eine Reichscinkommensteucr aussprechen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Seinerzeit, als das Tabakmonopol geplant wurde, ist auch von der Regierung in Aussicht genommen, eine Entschädigung zu zahlen. Diesem damals gestellten Antrag folgen wir nur» Die Regierung ifci UNS den Weg selbst gewiesen. Der Abg. Held bchauplct, Arbeit sei genug vorhanden für die in der Zigarettenindustrie frei werden- den Arbeiter. Ich gehe sehr häufig an einer Ausgabestelle des »Arbeitsmarkts" eines„Generalanzeigers" vorbei. Da kann ich sehen, daß die ganze Straße von Arbeitsuchenden voll steht und die SchuNleute sie in Ordnung halten müssen. Und da sagt man daß Arbeit genug da ist! Wenn das der Fall ist und alle Ihre Argumente richtig sind, weshalb stimmen Sie unserem An- trag nicht zu, denn da kostet er ja gar nichts?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ganz mit Unrecht hat man gesagt, daß es sich nur um Mädchen handele, die arbeitslos werden würden. Diese Mädchen sind zu einem großen Teile die Stützen ihrer Eltern. Wenn ihnen der Verdienst genommen wird, so wird er der ganzen Familie genommen. Ich möchte Sie deshalb ernstlich bitten, sich diese Frage gründlich zu überlegen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel: Herr v. Elm hat nicht auf den Unterschied des Monopols und des Steuergesetzes hingewiesen Damals sollte die private Fabrikatior überhaupt verboten werden. Würde das auch bei dem jetzigen Gesetze der Fall sein, so hätte die Regierungsvorlage auf die Entschädigung Bedacht genommen. Abg. Molkcnbuhr(Soz.): Der große Unterschied zwischen dem Monopolgesetz und dem jetzigen ist nur folgender: Beim Monopol würden auch die Fabrikanten, sehr reiche Leute, getroffen werden. In solchem Falle hat die Gesetzgebung die Pflicht der Entschädigung auch immer anerkannt. Auch beim Monopol war es nicht verboten, Zigarren zu machen, sondern nur, sie außerhalb der Staatsbetriebe zu machen, und wer in solchen Betrieben nicht unterkam und brot- los wurde, sollte entschädigt werden. Genau so wird jetzt ein Teil derArb eiter brotlos gemacht; daes sich aber nur um arme Leute handelt, wird der hundertmal aner- kannte Grundsatz verlassen.(Sehr richtig! bei den Soziat dcmokraten.) Auf einige Einwendungen gegen meine erste Rede muß ich noch zurückkommen. Von dem sozialen Sinn des Zentrums habe ich nie eine große Auffassung gehabt. Es hat aber seine Meinung immer zu verschleiern gesucht und noch nie so offen ausgesprochen, wie jetzt der Abg. Jäger, indem er die Einführung der Versicherungsgesetz- gebung als eine Schädigung der Industriellen bezeichnete, für die eigentlich Schadenersatz geleistet werden müßte.(Widerspruch im Zentrum.) Der Grundgedanke beim Verbot der Kinderarbeit ist der Schutz der Gesundheit. Die Gesetzgebung hat hier eingegriffen und verboten, Leben und Gesundheit der Kinder zu schädigen. Und dieses Verbot bezeichnet der Vertreter des Zentrums als solches, das eine Entschädigungspflicht für die Industriellen bedinge.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Daß durch einen Kulturfortschritt Leute geschädigt werden, will ich gerne zugeben. Das liegt in der natürlichen Entwickclung. Hier aber erfinden Sie eine Steuer, die 12 Millionen in die Reichskasse bringt und k ü n st l i ch zahlreiche Arbeiter in ihrer Existenz schädigt.(Sehr richtig! bei den Sozial- Demokraten.) Der Abg. Held verweist die arbeitslosen Arbeite- rinnen darauf, aufs Land zu gehen. Warum hat man diesen Rat nicht auch den Leuten gegeben, die beim Verbot der Privatposten und des Saccharins einen Ausfall erlitten? Wahrscheinlich hätte Herr Held gesagt, dieselben könnten durch Landarbeit nicht so viel ver- dienen, als in ihrem früheren Beruf. Genau dasselbe trifft aber auch zu bei diesen Arbeiterinnen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In der Kommission wurde noch die Einwendung gemacht, daß, wenn die Profite durch Einführung der Maschinen Feigen würden, sie auch ohne die Steuer eingeführt würden. Aber zu wesentlichen Veränderungen im Betriebe, die den Betrieb doch stets stören, ist. eine flaue Zeit sehr geeignet. Die Erfahrungen bei dem Gesetz von 1879 beweisen dies ganz unwiderleglich. Wir bleiben dabei, das Gesetz ist eine Schädigung der Arbeiter, und deshalb müssen wir für eine Entschädigung eintreten. Wären die Arbeiter Gutsbesiber, so hätte die Regierung von vornherein an Schadenersatz gedacht,(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) wären die Arbeiter reiche Leute, so würde auch die übergroße Mehr- hcit dieses Hauses die Entschädigung zubilligen; da es sich aber um arme Leute handelt, soll von dem Grundsatz der Entschädigung ab- gegangen werden.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Graf v. Brudzewo-Miclzynski verliest den Brief eines Fabrikanten an einen Freund, aus dem hervorgeht, daß schon jetzt Arbeiterinnen entlassen werden. Die Gesetzgebung hat die morä- lische Micht, die durch sie brotlos gewordenen zu entschädigen. Abg. Jäger(Z.)(Auf der Tribüne fast unverständlich.) weist darauf hin, daß auch durch das Bleiweißverbot Arbeiter entlassen werden, und daß durch das Verbot der Kinderarbeit die Eltern der Kinder geschädigt werden. Abg. Molkcnbuhr(Soz.): Wir stehen auf dem Standpunkt, daß ein Vermögensverlust stets leichter zu ertragen ist, als ein Verlust an L e b e n und Gesundheit. Ucbrigens würde man, selbst wenn ein Bleiweißvcrbot käme, zu Ersatzmitteln greifen, bei denen eine größere Zahl von Slrbeitern beschäftigt würde, als früher, denn die gesundheitsschädigenden Mittel wendet man gerade deswegen an, weil sie auch die billigsten sind. Das Verbot der Kinderarbeit schädigt, wie Herr Dr. Jäger sagt, die Eltern. Die Arbeiterklasse steht aber auf dem Standpunkt, daß an die Stelle der billigen Kinder dann teuere Arbeitskräfte eingestellt würden, die Arbeiter an Arbeitslohn also gc- Winnen müßten. Die Zahl der erwachsenen Arbeiter wird durch das Verbot vermehrt, und das ist ein Gewinn für die Arbeiter.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Besprechung. Die Anträge der Abgg. Graf. v. Mielzynski(Pole) und Albrecht(Soz.) werden abgelehnt. Dagegen wird auf Antrag des Abg. Held(natl.) ein§ 32a neu eingefügt, der die Vergütung der auf Grund des Tabakstcuergesetzes vom 16. Juli 1879 gezahlten Abgabe regelt. ß 33 enthält die Uebergangsvorschriften. � Hierzu liegt ein Antrag des Abg. Graf v. Brudzewo-Mielzhnski(Pole) vor, nach dem die Hersteller der Zigaretten während der Uebergangszeit ebenso wie die Händler behandelt werden sollen. Ferner soll die Anmeldung der Vorrät« nicht in einer Wvche, sondern erst in zwei Wochen er- folgen muffen. Die angemeldeten Vorräte sollen dann drei Monate steuerfrei verkauft werden können. Abg. Held(natl.) beantragt, nur die angemeldeten Vorräte drei Monate steuerfrei zu lassen. Ferner verlangt er, daß die Steuer nicht für sechs Monate, sondern nur für drei Monate gestundet werden kann. Direktor im Reichsschatzamt Kühn bittet, den Antrag Held an- zunehmen, dagegen den Antrag Mielzynski abzulehnen. Abg. Dr. Wiemer(frs. Vp.) halt mildernde Uebergangsbc- stimmungen ebenfalls für dringend notwendig, da es sich zum großen Teil um wirtschaftliche schwache Existenzen handelt. Der Antrag Held-Jäger bedeutet gegenüber der Kommissionsfassung schon einen großen Fortschritt. Aber wir sollten außerdem auch den An- trag Mielzynski annehmen, da wir auch den Produzenten die Wohl» tat milderen Uebergangs gewähren müssen. Hiermit schließt die Debatte. Der Antrag Graf v. Mielzynski wird in seinen verschiedenen Teilen abgelehnt, der Antrag Held-Jäger dagegen ange- nommen. ebenso debattelos der Rest des Gesetzes. Die Kom- Mission schlägt schließlich eine Resolution vor, wonach die Bundes- ratsbestimmungen über die Heimarbeit auch auf die Tabakindustrie ausgedehnt werden sollen. Sie wird debattelos angenommen. Da- mit ist, abgesehen von den namentlichen Abstimmungen, die ausge- setzt sind, die Zigarettensteuervorlage erledigt. ES folgt die Frachturkundenstempelsteuer. Die Kommission bat mit geringen Modifikationen die Regierungsvorlage angenommen. Berichterstatter ist an Stelle des verhinderten Abg. Bernstein slSoz.) der Abg. Geyer(Soz.). Abg. Lipinski(Soz.): Die Vorlage ist von der Kommission in wesentlichen Teilen geändert worden. Die Regierung hatte auch die ßSejteutxuw iec Metsendungen und der Eilgutfrachtstücke der Bahn ausgenommen. Diese Bestimmung ist zwar beseitigt worden, aber die Frachtsteuer als solche ist geblieben. Bereits in der ersten Lesung haben wir uns sehr eingehend gegen diese Vorlagen aus- gesprochen, wir haben hervorgehoben, daß sie eine schwere Belastung für die kleinen Gewerbetreibenden, für Handel und Verkehr bc- deutet. Der Grund, daß die Steuer nur geringe Erträge bringen, also den Massenverbrauch nicht belasten werde, kann für uns, die wir prinzipielle Gegner der indirekten Steuern sind, nicht in Be- tracht kommen. Wir erblicken in der Vorlage auch in ihrer jetzigen Gestalt ein industriefeindliches und verkehr- hemmendes Gesetz, dem wir unsere Zustimmung nicht geben können. Abg. Kämpf(frs. Vp.): Die ganze Wirtschaftspolitik der Re- gierung ist handelsfeindlich. Aber die Methode, jeden einzelnen Zweig des Verkehrs mit einer neuen besonderen Steuer zu be- legen, mag zwar im Augenblick ein Loch in den Reichsfinanzen zu- stopfen, mutz sich aber schließlich an der Konkurrenzfähigkeit und wirtschaftlichen Macht Deutschlands schwer rächen.(Sehr wahr! links.) Wir lehnen die Borlage auch in der Kommissionsfassung ab. (Bravo! links.) Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel: Ich muß mich mit aller Entschiedenheit dagegen verwahren, daß wir uns bei der Vor- bereitung dieses Gesetzes leichtfertig über bedeutende wirtschaftliche Interessen hinweggesetzt hätten. Wir haben selten eine Vorlage mit so ängstlicher Sorgfalt vorbereitet, wie diese Reichsfinanzreform. (Lachen links.) Abg. Graf Könitz(k.) stellt und begründet einen Antrag, wonach auch die Frachten aus ausländischen Binnenhäfen steuerpflichtig sein sollen. Abg. Gothein(frs. Vg.): Der Antrag Graf Kanitz trifft wirklich eine Lücke in dem Gesetz, aber nicht die einzige. Der Berichterstatter meinte, die Abgeordneten hätten wohl alle den gedruckten Bericht gelesen. Gegen diese Behauptung bin ich sehr steptisch.(Heiterkeit.) Denn die zahllosen Unstimmigkeiten dieser oberflächlichen Arbeit habe ich beim ersten Durchlesen gemerkt.(Oho! und Lachen rechts.) Graf Kanitz aber hat den Antrag, den er sich von einem Bundesrats- Mitglied hat soufflieren lasten, selbst gar nicht verstanden.(Sehr wahr! links.) Alles das Beweise für die vielgerühmte„fleißige Arbeii�der Steucrkommission". Gesessen hat sie freilich sehr fleißig; aber Sie können doch den Wert der Gesetze nicht nach der Zahl der durchgesessenen Hosenböden bestimmen(Sehr gut! links, Unruhe rechts), sondern nach dem Geist, den man nicht darauf verwendet hat.(Heiterkeit.) Das Gesetz hier widerspricht dem Art. 34 der Reichsverfassung, wonach Abgaben aus natürlichen Wasserstraßen nur für besondere Einrichtungen erhoben werden dürfen, die der Beförderung des Verkehrs dienen. Selbst wenn aber die Fiskal- Häuschen„besondere Anlagen" sind, so dienen sie doch höchstens der Erschwerung des Verkehrs.(Sehr gut! links.) Und das alles um die 200(3(K) M., die nach Schätzung der Regierung diese vexatorische Steuer jährlich bringt!(Beifall links. Lachen rechts.) Rcichsschatzsekretär sfrhr. v. Stengel: Der Antrag Gothein würde bedeuten, daß die Reichsfinanzreform für diese Session wieder scheitert. Dann müßten wir die bisherige Schuldcnwirtschaft fortsetzen. Dagegen muß ich von vornherein nachdrücklichst Ver- Wahrung einlegen.(Bravo! rechts.) Wenn der Ertrag der Steuer auch gering ist, so konnten wir doch nicht einseitig nur den Eisen- bahnverkchr besteuern. Auch ist uns über den bestehenden Fracht- urkundcnstempel für den Seeverkehr nie die geringste Beschwerde zugegangen. Verfassungswidrig ist die Steuer nicht, denn sie be- lastet nicht den Schiffsverkehr, sondern nur die Frachturkunde. Uebrigens enthält auch sonst das Reichsfinanzreformgesetz Ver- 'assungsänderungen. Abg. Dr. Wiemer(frs. Vp.): An 200 000 M. soll nach dem Rcichsschatzsekretär die Reichsfinanzrcform, die großzügige, scheitern! Das ist doch wirklich das äußerste. Der Beschlutz der Kommission war eine Ueberraschung und ruhte auf keinerlei Unterlagen. Auch angesichts des geringen Ertrages halte ich eine Nachprüfung der Vorlage in der Kommission für dringend geboten.(Bravo! links.) Abg. Lipinski(Soz.): In der Kommission hat der Geist der Regierung immer eine sehr schnelle Verbindung mit der Mehrheit gefunden. Sie war manchmal so plötzlich, daß nachmittags eine Aeutzerung der Regierung fiel und am anderen Tage wurde dann gleich ein Antra g von der Mehrheit vor- gelegt. Der Frachtverkehr war in der ersten Lesung ausgeschaltet und wurde in der zweiten auf Anregung der Regierung hinein- gebracht, ohne daß irgendwie Rücksicht genommen wurde auf die Ver- Hältnisse des Verkehrs, der Industrie, der Arbeiter. Man hat ein- ach daraus losbeschlossen, lediglich aus dem Prinzip heraus, der Regierung möglichst viel Steuervorschläge zu schaffen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Staatssekretär meint, daß von dieser kleinen Vorlage unsere ganze Finanzlage abhängt, ö bedauere ich das. Der Einwand, daß hier einfach eine Be- timmung der Reichsverfassung umgangen wird, indem eine Steuer auf eine Urkunde gelegt wird, ist ebenfalls durchaus stichhaltig. (Sehr richtig! links.) Wir haben in der Kommission uns dagegen gewehrt und schlagende Argumente für unsere Auffassung vor- geführt. Aber bei dem Block, den die Mehrheit bildete, und ihrem innigen Konnex zur Regierung konnten Argumente nicht ver- chlagen, es wurde einfach bewilligt.(Beifall bei den Sozial- dcmokraten.) Abg. Tove(frs. Vg.) tritt nochmals für die Rllckverweisung an die Kommission ein. Um die Verletzung der Rcichsverfaffung komme der Reichstag nicht so leicht herum, wie Frhr. v. Stengel meinte. Denn mit der Verfassung werden auch internationale Verträge, wie die Rheinschifsahrts- und Elbschiffahrtsakte, verletzt. All das muß in der Kommission mit Hülfe des Reichsjustizamtes noch einmal gründlich nachgeprüft werden.(Bravo! links.) Damit schließt die Debatte. Der Antrag auf Rückvcrweisung an die Äoitzmission wird gegen die Stimmen der Linken und der Polen abgelehnt, der F r a ch t u r k u n d e n st e m p e l nach dem Antrage des Grafen Kanitz gegen dieselben angenommen. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung der Stempel- teuer» auf Dienstag, 1 Uhr. Vorher namentliche Abstimmungen über die Zigarcttensteuer. Schluß: 6 Uhr._ Parlamcntarifcbcs. Geschäftslage des Reichstages. Unter dem Vorsitz des Präsidenten hat sich der Scniorenkonvcnt über die Geschäftslage des Reichstages verständigt. Die Regierung legt, wie der Präsident mitteilte, großen Wert darauf, daß die Finanzreform, sowie der Etat und die Militärpensionsgesetze vor Ablauf des sogenannten Notgesetzes, welches bis zum 31. Mai Geltung hat, erledigt iverden. Unter dieser Voraussetzung würde man bereit sein, den Reichstag am 30. Mai bis zum 13. November zu vertagen. Die Vorschläge des Präsidenten gehen dahin, daß vom Reichs- tag neben den von der Regierung bezeichnete» Vorlagen auch noch das Diätengesetz verabschiedet wird. Nach dem vom Präsidenten beabsichtigten Beratungsmodus ist unter Fortfall der Schwerinstage die Erledigung der bezeichneten Vor- lagen innerhalb des in Aussicht genommenen Termins angängig. Die Einbuße an Schwerinstagen soll dadurch ausgeglichen werden, daß bei Wiederzusammentritt des Reichstages sofort eine Anzahl Schwerinstage stattfinden, damit namentlich der Toleranzantrag des Zentrums und der Antrag auf Heimarbeiterschutz der Sozial- dcmokratie ihre Erledigung finden. Neben den Initiativanträgen lverden im Herbst die übrigen, bereits aus den Kommissionen hervorgegangenen Regierungsvorlagen in Angriff genommen werden können, da der Etat für 1907 erst Mitte Dezember vorgelegt werden wird. Der Seniorenkonvent stimmte den Vorschlägen des Präsidenten zu. Hiernach wird sich der Verlauf der Beratungen wie folgt gestalten: In der laufenden Woche sollen die sämtlichen Steuervorlagen, das heißt die sogenannte Finanzreform in zweiter Beratung er- ledigt werden. Dann folgt die zweite Lesung der Diätenvorlage. Hierauf dritte Beratung der Stcuervorlagen(Finanzreform), des Flotten- gesetzes und der Diätenvorlage. Diesen Verhandlungen schließt sich die zweite Beratung der Mililärpensionsgesetze an, für die drei Tage in Aussicht genommen sind. Dann folgt die dritte Beratung dieser Gesetze, während die dritte Lesung des Etats den Schluß der vor der Vertagung in Aus- ficht genommenen Beratung macht. Soziales. Von einem Pastor der Fürsorgeerziehung. Pastor Rohr aus Sieversdorf(Kreis Neu-Ruppin) hat den Stöckerblättern(„Das Reich" und die„Staatsbiirger-Zeitnng") über die drei ersten von uns(am 18. April) niedriger gehängten Fälle eine Darstellung zugesendet, die diese Blätter, wie wir bereits mit- teilten, unter dem 24. April abgedruckt haben. Ueber die ferner von uns ntitgeteilten Fälle, insbesondere über die Mißhandlung des 19 Vz jährigen Fürsorgezöglings Schmittke läßt sich der Pastor nicht aus, ergeht sich dafür aber in den Stöckerblättern in allgemeinen Redewendungen, auf die wir am Schlüsse eingehen werden. Die drei am 18. April von uns mitgeteilten Fälle sucht der Pastor Rohr wie folgt zu beschönigen: Fall 1. Klara Lehmann, siebzehnjährig, ist nach unserer Darstellung vom Pastor so ins Gesicht geschlagen, daß ihr das Blut aus der Nase spritzte, dann auf den Kops geschlagen, daß ihr die Kämme aus den Haaren flogen und schließlich zu einer Tracht Prügel mit dem Stock vom Pastor eingeladen. Die Eltern des armen Mädchens sind tot, sie selbst Landarme und befindet sich in Fürsorge-Erziehung. So unsere Darstellung. Herr Pastor Rohr teilt zunächst mit, daß das Mädchen nicht der Fürsorge, sondern ihm als Vormund überwiesen ist. Das trifft nach unseren Ermittelungen zu, verschärft aber lediglich den von uns veröffentlichten Sachverhalt, der im wesentlichen vom Pastor Rohr selbst zugegeben wird, wie der Leser aus der Erklärung, die wir wörtlich wiedergeben, sieht: „K. L. ist mein Mündel, sie ist nicht der Fürsorge-Erziehung überwiesen, ich habe mit ihr als„Fürsorger" gar nichts zu tun, sondern nur als ihr„Vormund".— Dieses Mädchen scheint die Wege ihrer verstorbenen Mutter gehen zu wollen, die ein unsittliches Leben ini höchsten Grade geführt hat. Es ist nicht zu halten, wenn es Gelegenheit findet zum„öffentlichen Tanz" und damit zn Ausschweifungen. Dieser„öffentliche Tanz" oder auch„Sechser- krach" genannt, ist der reine Verderb für das sittliche Leben auf dem Lande. In rechter Erkenntnis dieses, das sittliche Leben gefährdenden Vergnügens, hat die Verwaltung der Stadt Berlin in die Dienstverträge den Passus aufgenommen:„Der Besuch der öffentlichen Tanzlustbarkeiten ist verboten." Auch wir hiet haben für unsere Zöglinge den Besuch dieser Vergnügungen verboten, und ich speziell hatte meinem Mündel auf das strengste die Teilnahme an solchen Vergnügungen untersagt. Damit nun aber unsere Zöglinge des Vergnügens nicht entbehren, haben wir zwei Bälle und Theateraufführungen für sie eingerichtet. An diesen Vergnügungen nehmen sämtliche Pflegeeltern teil.— Einen noch wilderen Charakter als der„Sechser- krach" haben aber Tanz am Tage der öfsent- lichen Aushebung zum Militär. Schon nach- mittags sind die jungen Burschen betrunken und benehmen sich nicht mehr wie Menschen. sondern wie wildgewordenes Vieh. Es ist daher voll- kommen erklärlich, daß ich den weiblichen Zöglingen und meinem Mündel den Besuch dieses Tanzvergnügens untersagt habe.— Trotz dieses Verbots war mein Mündel, wie mir gemeldet wurde, zum Tanz gegangen. Ich sandte meinen Knecht hin mit der Weisung, Ä. L. zu holen. Sie ließ mir bestellen:„Sie käme nicht." Darauf sandte ich denselben zum zweiten Male und ließ sie unter Androhung von Strafe auffordern, sofort zu mir zu kommen. Sie fertigte den Boten mit der Weisung ab:«Sagt man dem Pastor, ich bliebe hier, so lange wie eS mir gefiele, und wenn es 12 Uhr nachts wäre, und dann ginge ich zu Bett, aber nicht zu ihm."— Als der Knecht mir diese Antwort übermittelt hatte, forderte ich den Dienstherrn auf. mir mein Mündel sofort zur Stelle zu schaffen, da er es für diesen Abend nicht zu Hause behalten und somit seine Vergehung mitverschuldet hatte. Der Dienstherr G. M. ging dann auf den Tanzsaal und holte K. L. mit Gewalt aus demselben und brachte sie zu mir. Ich habe sie gefragt in Gegenwart meiner Frau, des Halbbauern A. B. und des Dienst- Herrn, ob sie die mir übermittelten Bestellungen wirklich ausgerichtet habe. Als sie diese Frage bejahte, habe ,ch ihr gesagt:„Dann werde ich dir deinen losen Mund stopfen" und ihr mit der flachen fand dreimal auf den Mund geklopft; da sie beim dritten Male den D'yf niederbeugte, wurde die Nase mitgetroffen und blutete. Um das Blut von der Nase abzuivaschen, schickte ich sie in die Küche, in der die Mädchen beim Federreitzen saßen. Sämtliche Mädchen erklärten: „K. L. sei die Frechste von allen und verdiente eine exemplarische Strafe".— Als sie sich die Nase gereinigt, sah ich, daß sie auch das Haar wieder nach„Dirnenart" trug, was ich ihr ebenfalls oft schon verboten hatte und nahm ihr deshalb die das Haar in dieser Form haltenden Kämme heraus.— Daß der Mund dick angeschwollen sei, ist Erfindung und bei der Gclindigkeit der Schläge sogar vollständig ausgeschlossen. Daß K. L. schon öfter von mir und auch von ihrem Dienstherrn bestraft ist, ist wahr; ich wollte, ich hätte nicht nötig, sie zu bestrafen, aber Ivenn ein Menschenkind gegen alle Bitten und Vorstellungen taub ist, dann bleibt mft als allerletztes Mittel der Stock übrig, um es vor dem völligen Verderben zu retten, wenn möglich". Wenn ein Vormund und Pastor sich so wie geschehen über die Mutter des Mündels ausläßt und die geschilderte Erziehungsmethode anordnete, so ist es begreiflich, daß er die Achtung des Mündels nicht erworben hat. Ohne diese ist eine gedeihliche Erziehung un- möglich.� Uebrigens ist das Mädchen, wiewohl es nach des Pastors Darlegung nicht Fürsorgezögling ist, am 29. März vom Pastor in höchsteigener Person nach der Anstalt Siehar gebracht und dort bis zum 4. April bei Wasser und Brot eingesperrt gehalten Was das Tragen der Haare.nach Dirnenart" so ist das Resultat unserer bei Haartracht-Sachverständigen ange- stellten Ermittelungen: Die Klara L. trägt rhr Haar wie wohl jede Biirgerstowter, jedes Dienstmädchen, einschließlich der des Pastors Rohr und wie die 13 Jahre alte Tochter Mattha des Pastors: das Haar über der Stirn vorn durch einen Kamm gewellt. Der öffent- liche Hinweis auf einen unsittlichen Lebenswaudel der Mutter der Klara L. ist sicher im Sinne des Pastors christlich. Ob er der Wahrheit entspricht, entzieht sich unserer Kenntnis. Zu bedauern ist ein Mädwen, das einem Mann als Vormund anvertraut ist, der über seine verstorbene Mutter und, wie es scheint, über des Mädchens eigne Erbsündenhaftigkeit denkt und schreibt wie der Pastor Rohr. Wenn der öffentliche Tanz der reine Verderb für die Jugend und die Dienstknechtc in Sieversdorf wild gewordenem Vieh gleichstehen. wie der Herr Pastor schreibt, so dürfte er selbst dadurch beweise», daß Sieversdorf für Fiirsorgezöglinge nicht geeignet ist und daß des Pastors Anwesenheit dort nicht gerade veredelnd gewirkt haben kann. Zun: zweiten Fall. Die Applizierung von 3 Hieben an den achtzehnjährige» Knecht und Fürsorgezögling Walter P r i m m gibt der Pastor Rohr zu. Er fügt hinzu:„Die fünfSchlä gehabe n Wunder gewirkt. desJungeu Eigensinn ist seitdem gebrochen, er hat gehorchen gelernt!" Der Pastor irrt: nicht 5. sondern 9 Hiebe und ein gut Teil Backpfeifen erhielt der junge Mann von ihm. Uebertnes ist Primm aus derJrrenanstalt gekommen, er est als Knecht untergebracht, muß alle Arbeiten leisten. eS werden noch für Ver- pflegung 3 M. zugezählt. Die Prügelmethode des Pastors ist aufs höchste verwerflich. Dah er keine Änpsindung dafür hat, zeigt seine eben wieder gegebene Bemerkung, aber auch die Art der vom Pastor verübten Mißhandlungen. Walter Primm hatte, als die Exekution an ihm vorgenommen wurde, eine eitrige Stelle unter dem Kinnbackenknochen. Der Pastor hob ihn an diesem Ge» schwür anpadend in die Höhe. Als der junge Mann fchrie:„ au, Herr Pastor mein Geschwür" sagte der Pastor: es ist gut, daß der Dred raustommt." Dann hob er ihn an den Haaren in die Höhe. Eine Dienstbotenordnung. In den einzelnen Monaten des ersten Duartals stellte sich nämlich Ein fulturgeschichtliches Dokument eigener Art ist die Arbeits- die Kohlenversorgung elf der wichtigsten Großstädte in Tonnen auf: ordnung", die eine vornehme Dame in Nürnberg für ihre Dienstboten aufgestellt hat. Sie lautet wörtlich: Januar Februar B 1906 1904 1905 ° 0 913 628 876 002 954 740 1 042 348 945 288 1 069 003 1 091 679 1 029 986 1 198 362 Der dritte Fall. Daß die 17jährige Frieda Rogge Arbeitsordnung: 5 Uhr 30 Min. Aufstehen, waschen, 15 Hiebe auf Befehl des Pastors von dem Halbbauer Ernst Moriz Haarmachen, ankleiden, Bett machen. 5 Uhr 45 M. Milch für die März erhielt, gibt der Pastor zu. Er führt zu feiner Rechtfertigung, ohne Kleine machen. 6 Uhr. Die Milch geben sowie das Kind besorgen, Am kräftigsten stieg die Versorgung Berlins, dessen Bezüge sich feit die geringste Tatsache anzuführen, an: die F. N.„ neigt ebenfalls zu Zimmer fäubern, liften usw. 6 1hr 30 Min. Kaffee bereiten, Brot 1904 um zirka 30 Proz. erhöht haben. Hauptsächlich schlesische fittlichen Ausschreitungen und bedarf daher der strengsten Zucht" abnehmen usw. 6 Uhr 45 Min. Kaffee auf den Tisch stellen, Post Steinkohlen und Braunkohlen aus Mitteldeutschland bezog Berlin in Er persönlich will so weit er sich erinnern kann“, das Mädchen nicht holen usw. 7 Uhr. Kaffee trinken, Schlafzimmer richten. 7 Uhr weit größeren Mengen als früher. Auch die Zufuhr aus Rheinlandangerührt haben. 30 Min. Badezimmer richten. 8 Uhr. Herrn Königs Zimmer richten, Westfalen, die für Berlin nicht so sehr in Betracht kommt, nahm im Die in Nr. 95 und 99 von uns mitgeteilten Fälle bestreitet Abort säubern usw. 8 Uhr 30 Min. Sonstige Säuberungen vor- laufenden Jahre zu. Die relativ bedeutendste Mehrversorgung weist Pastor Rohr nicht. Wir dürfen übrigens den Fällen zufügen, daß den nehmen. 9 Uhr. In der Küche anrichten und eventuell Gänge be- von sämtlichen Städten Stuttgart auf, wie denn die süddeutschen Mißhandlungen des Pastor Rohr eine Zahl Fürsorgezöglinge entflohen sorgen, bis Mittag am Herd schaffen und aufpassen, daß nichts Städte überhaupt in diesem Jahre mit größerem Bedarf an den ist. In einer den Stöckerblättern übermittelten Erklärung führt er anbrennt, die Gedanken beisammen haben, daß alles richtig Kohlenmarkt herangetreten sind. Stuttgart bezog im ersten Quartal aus, er habe sofort bei der zuständigen Aufsichtsbehörde eine Revision gewürzt ist usw. 12 Uhr. Tisch decken. 12 Uhr 30 Min. 1906 nicht weniger als 82 533 Tonnen Kohle gegen 48 661 Tonnen der Fürsorgekolonie beantragt; dieselbe sei noch nicht erfolgt. Das Tisch abdecken, essen, abwaschen, Küche sauber machen. in der Barallelzeit 1905. Das ist ein Mehr von 33 872 Tonnen mag zutreffen, berührt aber die teilweise von Pastor Rohr zu 2 Uhr Kaffee auf den Tisch sezen. 2 Uhr 30 Minuten mit aller oder rund 70 Proz. Recht umfangreich waren auch die Mengen, die gestandenen, von uns fritisierten Ungeheuerlichkeiten nicht im ge- Küchenarbeit fertig sein, Gänge besorgen, Bimmer reinigen, Kleinen Frankfurt a. M. und Köln im ersten Quartal bezogen; bei München ringsten. Bastor Rohr sagt ferner in der Erklärung:" den ver- warten. 6 Uhr Abendessen herrichten. 7 Uhr Tisch decken, Bier dagegen trat eine ziemlich starke Abnahme ein. Barmen steigerte steckten Angriff in dem Vergleich meiner Tätigkeit mit der Handlungs- holen uſtv. 7 Uhr 30 Minuten abdecken, aufräumen, Schuhe, Kleider seine Kohlenbezüge um zirka 14 Proz. Stettin bezog in diesem weise des wegen Sittlichkeitsverbrechens mit Zuchthaus bestraften usw. pugen, Kind waschen. 9 bis 10 Uhr mit allen Arbeiten fertig Jahre zirka 30 Proz. mehr Kohle als im vorigen Jahre. Bei Altona Pastors Rhode in Verden weise ich mit Entrüstung zurück." sein und überlegen, was morgen früh zu tun ist, sowie vornehmen, beträgt die Steigerung etwa 23 Proz. alles besser zu machen, zu Bett gehen und mit dem lieben Gott unterhalten. Wilhelm Hase, Ingenieur, Laufertorgraben. ,, Alle übrigen Angriffe des Vorwärts" lassen mich kalt; durch diesen versteckten Angriff aber werde ich in meiner Menschen, Christen- und Amtsehre so schwer beleidigt und getroffen, daß es für mich nur noch eins gibt: die Anrufung der königlichen Staatsanwaltschaft." Lebensversicherungswesen in den Bereinigten Staaten. Angesichts Die Unterhaltung der weißen Sllaven mit dem„ lieben Gott" der Aufdeckung der Mängel im Lebensversicherungswesen der Verdürfte wohl auf die Bitte hinauslaufen, daß der Herrgott folch arro- einigten Staaten von Amerika im vergangenen Jahre sind nachstehende gante Dienstherrschaften zum Teufel schicken möge. Im übrigen Angaben über den Geschäftsumfang der amerikanischen Lebenszeigt dies Dokument, wie dringend erforderlich die Beseitigung der versicherungsgesellschaften von erheblichem Interesse, welche durch Dienstbotenordnung und bis dahin die Regelung des Dienstvertrages Busammenstellung der Berichte von 99 Gefellschaften gewonnen Aus Industrie und Dandel. worden sind. Jahr bis Ende Dezember 1905 Von 99 Lebensversicherungsgesellschaften: Aktiva Preiserhöhung. Die Walzdrahtpreise sind von 132,50 M. auf Ueberschüsse. 138 m. erhöht worden. Die Trägervereinigung beschloß eine Preiserhöhung für Formeisen von 5 M. pro Tonne. Ergebnisse der Bergwerke und Salinen im Oberbergamtsbezirk Halle. Im Oberbergamtsbezirk Halle wurden im Jahre 1905 ins gesamt für 96 244 922 m. Kohlen und Erze gefördert, der Wert der gewonnenen Salze beläuft sich auf 27 838 756 M., ferner wurden noch für 2 388 520 M. Kalfsteine gewonnen. Ein Vergleich mit den Resultaten des Vorjahres und die Produktion pro Kopf der beschäftigten Arbeiter berechnet, ergibt folgendes Bild: Der Wert der Erzeugung betrug in Mark Mit Verlaub, Herr Pastor, der Vorwärts" hat keinen vers steckten" Angriff gegen Sie gerichtet, sondern sehr offen und wahr Ihre Handlungen gegen Waisen und Fürsorgezöglinge wiedergegeben durch schriftlichen Bertrag ist. und zutreffend kritisiert. Wenn Sie flagen wollen uns tann eine gerichtliche Feststellung Ihrer von uns beschriebenen Handlungen lediglich recht sein. Aber weichen Sie dieser gerichtlichen Feststellung nicht dadurch aus, daß Sie einen versteckten Angriff" durch einen Vergleich" mit Ihrem ehemaligen Amtsbruder, dem Für forgevater Rhode konstruieren und gegen diese Konstruktion ihren Strafantrag richten. Der Hinweis auf Pastor Rhode war, wie sein Wortlaut ergibt, der Versuch einer Belehrung der Stöckerblätter, die da mit Ihnen meinten, Prügel an Hülfsbedürftige sei mit christlicher Liebe vereinbar. Wir wiesen in Nr. 95 darauf hin: „ Wer ihm als Vormund oder Fürsorgevater anvertraute junge, fast majorenne Leute gar wegen Lappalien prügelt, der kann entweder nur bewußt oder unbewußt von sadistischen Neigungen beherrscht werden, oder in dem fast noch gefährlicheren Frrglauben sich befinden, ein Arbeiter dürfe keinen Willen haben, er habe nur die Pflicht zu gehorchen, für andere zu schuften, er solle lediglich leben, um zu arbeiten, nicht arbeiten, um leben zu können. Diese freilich mit den Stöckerblättern übereinstimmende, unter dem Deckmantel der Fürsorge sich betätigende Tendenz ist noch gemeingefährlicher." Als wir dann in Nr. 99 abermals mehrere Fälle Ihrer liebevollen Behandlung niedriger hängten, haben wir die Stöderblätter auch auf Pastor Rhode verwiesen, dessen Prügeltätigkeit an Fürsorgefindern noch nicht einmal die von Ihnen betätigte übertraf, der aber außerdem auch geschlechtliche liebevollste Hingabe verlangte. Bei Pastor Rhode war die" Zucht" Ausfluß sadistischer Neigungen, bei Ihnen liegt die oben skizzierte noch größere Gemeingefährlichkeit vor. Denn Sie können durch alle Ihre Redewendungen darüber nicht hinwegtäuschen, daß Ihre Prügelei geeignet ist, arme, hülflose, wehrlose Waisen und Fürsorgefinder zeitlebens unglücklich zu machen. Eine Fürsorges erziehung, die diese Wirkung hat, wird von uns auf das schärfste nach wie vor bekämpft werden. Ihre Zucht" ist ein armen, Ihrer Fürsorge Anvertrauten zugefügtes großes Unrecht. Von der Befämpfung dieses Unrechts lassen wir uns durch Ihre und der Stöcker blätter Drohung mit gerichtlichen Klagen nicht abschrecken. Den Klagen fehen wir mit gutem Gewissen entgegen. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feine: lei Verantwortung. Theater. Dienstag, den 8. Mai. Anjang 7, Uhr: " Neues Theater. Anfang 72 Uhr. Kohlen und Erze Salze Kaltsteine insgesamt 1905 1904 pro Kopf der Beschäftigten 1905 1904 1829 1882 3266 3770 91 084 531 96 244 922 22 918 876 27 838 756 2012 633 2 388 520 2228 2462 In allen Gruppen ist das Resultat pro Kopf der Beschäftigten erheblich günstiger geworden. Das Mehr beträgt bei der Kohlenund Erzgewinnung 53 M., bei den Salzwerken 504 M. und bei der Kalksteingewinnung 284 m. Die Löhne stiegen im Braunkohlenbergbau nur um 25 M. und im Salzbergbau um 28 M. Daraus leiten die Unternehmer wohl die moralische Berechtigung her, die bescheidensten Forderungen der Arbeiter wütend zu bekämpfen. Kohlenbedarf deutscher Großstädte. Die Kohlenversorgung der deutschen Großstädte war im ersten Quartal um mehr als 7 Proz. höher als im Vorjahre und zirka 19 Proz. höher als zur gleichen Beit 1904. Die gesamte Koblenzufuhr zu 20 Großstädten Deutschlands betrug im ersten Quartal 1906 4048 911 Tonnen gegen 3 773 389 Tonnen in der Vergleichszeit 1905. Bemerkenswerterweise war gerade im März die Mehrversorgung am größten, trotzdem schon der März 1905 eine recht große Steigerung gebracht hatte. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Dienstag, abends 8 Uhr: Dienstag, abends 8 Uhr: Helden. Weh' dem, der lügt. Ein Sommernachtstraum. Luftspiel in 5 Aufz. v. F. Grillparzer. Komödie in 3 Aufzügen von Bernard Mittwoch: Caesar und Cleopatra. Donnerstag: Ein Sommernachtstraum. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Opernhaus. Orpheus und Eurobike. Tragödie der Liebe. Schauspielhaus. Die Quizows. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Lessing. Nora. Neues. Ein Sommernachtstraum. Anfang 8 Uhr: Westen. Schüzenliesel. Schiller 0.( Wallner Theater.) Weh dem, der fügt. Schiller N.( Friedrich Wilhelm städtisches Theater). Helden. Kleines. Tragödie der Liebe. Luisen. Geschlossen. Berliner. Die lustige Witwe. Komische Oper. Don Pasqualo. Nesidenz. Liebeskunst. Zentral. Die Puppe. Lustspielhaus. Die von Hochsattel. Trianon. Loulou. Thalia. Hochparterre links. Wietropol. Auf ins Metropol. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Macht der Finsternis. Donnerstag, abends8Uhr: Helden. Lustspielhaus. Allabendlich 8 Uhr: Mittwoch: Der Unverschämte. Hille Die von Hochsattel. Bobbe. Die Schlangendame. Theater des Westens Apollo- Theater. ( Station 30olog. Garten), Kantstr. 12. Bollständig neues Programm: Shaw. Deutsch v. Siegfried Trebitsch. Uhr: Mittwoch, abends 8 6: Zwei glückliche Tage. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Militärstaat. WINGI BARTEN 8 76 5 Neues Programm! Prämien. 1904 1903 1902 In Millionen Dollars 2715 2 507 2 276 2100 337 333 295 296 515 488 447 407 265 247 226 200 2 400 2468 2 336 Zahlungen auf Policen Neue Versicherungsabschlüsse Gesamtversicherung am Jahresschluß 18 360 12 587 11 574 2 206 10 524 Die Angriffe im Jahre 1905 hatten einen erkennbaren Rückgang in der Entwicklung des Geschäfts zur Folge, denn es erhöhten sich 1905 gegen 1904( gegenüber 1904 gegen 1903) die Aktiva um 8,3 Proz.( 10,1), die Ueberschüsse um 1,2 Proz.( 12,8), die Prämien um 5,5 Proz.( 8,9), die Zahlungen auf Policen um 7,2 Proz.( 9,3), die Gesamtversicherung um 6,5 Broz.( 8,3), während die Versicherungssumme der neu abgeschlossenen Verträge 1905 um 2,7 Proz. zurückging, nachdem sie 1904 um 5,6 Proz. gestiegen war. Eingegangene Druckschriften. Von der„ Neuen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 32. Heft des 24. Jahrganges erschienen. Der Inhalt des Heftes ist: Steigende Angst. Arbeiterbildung. Von Heinrich Schulz. Die rebolutionären Parteien in Rußland während der Jahre 1898-1903. Von Dr. Jda Arelrod.( Schluß.) Tarifverträge und der Klassenkampf. Von August Winnig, Maurer. Der 21. Kongreß der belgischen Arbeiterpartei. Bon Camille Huysmans. Die Entwickelung der Sattlerei und die Ers werbsverhältnisse der in ihr beschäftigten Arbeiter. Bon P. Blum. Ueber Arbeitslöhne und Dirnentum. Bon Dr. med. Wilhelm Hammer( Berlin.) Die Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buchhandlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Sir H. Weber: Mittel zur Verlängerung des Lebens. 91 Seiten. Breis broschiert 1,50 M., gebunden 2 M. Berlag Krüger u. Co., Leipzig. 7. Jahresbericht des Arbeitersekretariats Altenburg( S.-A.) für das Jahr 1905 nebst einer lebersicht über die Gewerkschaftsbewegung. 40 Seiten. Selbstverlag des Sekretariats. Urania Tauben Abends 8 Uhr: str. 48/49. Am Golf von Neapel. Sternwarte Invaden str.57/ 62. COOLOGISCHER CARTEN Täglich nachm. 4 Uhr: Großes Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag 4 Uhr: Garten- Konzert Theater, Spezialitäten Sm Saale Extratanz. Gr. Lanzmusik. Bei ungünstigem Wetter Vorstellung im Saal. Neu eröffnet! Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender TORTAJADA Militär- Konzert. abwechselnd. Abnormitäten- Progr. Dienstag: 25. Borſtell. im Diens. Humpsti- Bumsti Spanische Tänzerin u. Sängerin. W tags Abonnement. Leztes Gastspiel Ermäßigte Preise. Friß Werner. Schützenliesel. Mittwoch: Schützenliesel. Boltstümliche Preise. Anfang 8 Uhr. Donnerstag: Don Juan. Bolts. tümliche Preise. Anfang 8 Uhr. Freitag bei aufgehobenem Abonnement Opern- Aufführungen des SternGroßer Lacherfolg! Excentr.- Creation b. Recé and Privost. Heinrich Blank, Bauchredner. Les Figinis, Equilibristen. Lily Tiso, engl. Sängerin. Martin Kettner, Sumor. La Matschiche. Solo: Mile. Savary. Die Wundergrotte, Feerie. Elfentücke, Märchenspiel. schen Konservatoriums. Anf. 72 Uhr. Deutsch- Amerikanisch. Neue Kgl. Oper( Kroll). Theater. Köpenickerstr. 67/68. Deutsch Amerikanisches. Arme Novität! Sonnabend, 12. Mai: Mädchen. Kasino. Madame Bonivard. Apollo. Die amerikanische Burlesk Compagnie. Born und hinten. Carl Weiß. Sherlock Holmes Abenteuer. Folies Caprice. Komiter Schnitzel. Dalles u. Co. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Belle Alliance. Spezialitäten. Bleichshallen. Stettiner Sänger. Irania. Zaubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Am Golf von Neapel. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Heute Abend 815 Uhr: Alpenkönig u. Menschenfeind. ARME MÄDCHEN. Von Adolf Philipp. Oper in 3 Akten von Leo Bleeh. Sonntag, 13. Mai: Alpenkönig Sonnt. nachm. 3 Uhr, halbe Preise und Menschenfeind. Das Zum letzten Male: Ueber'n großen Teich. Abends 815 Uhr: Arme Mädchen. Vorverkauf im Kgl. Opernhaus ( Schalter II), Wertheim und Invalidendank. Komische Oper. Abends 8 Uhr: Don Pasquale. Mittwoch: Der Corregidor. Donnerstag: Figaros Hochzeit. Freitag: Die Bohème. Berliner Theater. Zentral- Theater. Gastsp. des Neuen Operetten- Theaters aus Hamburg. ( Direktor May Monti.) Dienstag und folgende Tage Anfang 8 Uhr: ( Operette.) 8 Uhr: Die Puppe. Die lustige Witwe. Passage- Theater. Metropol Theater Anfang 8 Uhr. Anjang 8 Uhr. Das neue Residenz- Theater. Direktion: Richard Hlexander. Heute und folgende Tage Anf. 8 Uhr Liebeskunst. Narrow Bros., komische Radfahrer. Desroches- Bianca, französ. Duett. Die Hartleys, Springer, Brésina, Pariser excentr. Sängerin. Patty Frank- Truppe, Akrobaten. König Dollar, englisches Ballett. Imro Fox, Illusionist. Die Brittons, Neger- Sänger und Die Perseus, Kugelspieler. Der Biograph. De Dio, Phantasie- Tänzerin. Tänzer. Fröbels Allerlei- Theater. Schönhauser Alee 148. Heute Dienstag, den 8. Mai 1906: Große Abschiedsvorstellung des Eintritt 1 M., v. 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Kottbuser Sanssouci. Straße 4a. Dir. Wilhelm Reimer. Sonnt., Mont., Donnerst.:" Hoffmanns Verbindung mit größt. FilmsFabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. Otto Pritzkow, Münzstraße 16. Norddeutsche Sänger Etablissement Buggenhagen und Tanzkränzchen. Sonnt. Bg. 5, Wochent. 8 U. Nen! Neu! Moritzplatz. Täglich im Garten bezw. Der gefoppte Feldwebel. in den unteren Sälen Der große Theatersaal ist noch für Mittwochs zu vergeben. Bernh. Rose- Theaters Reichshallen. Glück auf! oder: Der Streik der Grubenarbeiter. Schausp. in 4 Aften n. d. Wernerschen Erzählung von Karl Werel. Komödie in 3 Alten v. Léon Xanrof Anfang 8 Uhr. Stasseneröffn. 7 Uhr. und Michel Carré. Carl Weiß- Theater. ( Gr. Frankfurterstr. 132. Nur noch 4 Aufführungen: Sherlock Holmes' Abenteuer ober: Die Jagd ums Leben. Anfang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend zum erstenmal: Aus altem Geschlecht. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Heute: Geschlossen. Sonnabend: Gr. Extra- Vorstellung: Auf- in's Metropol! Mai- Programm Die Sduld einer Fran. Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen überall gestattet. 14 erstklassige Spezialitäten Schauspiel in drei Akten. Vorher: Der Platzregen als Eheprokurator. Schwank in drei Aften. Trianon- Theater. Anfang 8 Uhr: Loulou. Kasino- Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Madame Bonivard. Vorher das bunte Programm. " Singvögelchen" 2c. Sonntag 4 Uhr: Arbeit schändet nicht. Dresdenerstr. 97. Colosseum Spezialitäten. Neues Programm. 10%, Uhr: Stettiner Sänger. Zum Schluß: Einquartierung. Milit. Hum. bon Meysel. Anjang Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Gustav Behrens SpezialitätenTheater Frankfurter Allee 85. Das vorzügliche Mai- Programm! Auftreten nur Les Batignolles? erstklassiger Spezialitäten. Gottschalk Freikonzert Mittwoch ut. Sonnabend: Freitanz. UniversalWunderAether früher , Weltwunder" ist bei Kopfschmerzen jeder urt, Migräne, Genommenheit, geistiger Abspannung ein wunderbares Kopfnervenstärkungsmittel von Überraschend schneller, im höchsten Grade wohltuender, anregender u. neu belebender Wirtung für die Nerven. Der Gesundheit unschädlich, nur äusserlich anzuwenden. FL. M. 1.50 ( fianto W. 1.80) zu beztchen durch Berlin SO.48, Otto Reichel, Eisenbahnstr. 4. Lichtenrade!! Barzellen, Mtr. 1,40. Blocks billig berf. Paris, Graunstr. 27, Ede Gleimstr. Achtung! Achtung! Musikinstrumenten- Arbeiter Berlins! Dienstag, S. Mai, abends 8%, Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstraße 29: Vorletzte Woche! Oeffentliche Versammlung. InventurExtrapreis! Eine Partie große Diwandecken auf beiden Seiten benutzhar Tages Ordnung: 1. Die Aussperrung der dänischen Klavierarbeiter. Referent: Kollege Henry Fangel aus Stopenhagen. 2. Der Verlauf der diesjährigen Maifeier und welche Lehren ziehen wir daraus? Referent: Stollege A. Sickfeld. 3. Verschiedenes. Da die Firma Görs& Kallmann die aussperrenden Pianofabrikanten in Kopenhagen durch Lieferung fertiger Instrumente unterstüßt, ist das Erscheinen der Kollegen von Görs& Kallmann zu dieser Bersammlung ganz besonders notwendig. 85/ 6* Deutscher Holzarbeiter- Verband, Brauche der Musikinstrumenten- Arbeiter. Fachverein der Musikinstrumenten- Arbeiter. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Sozialdemokratischer Verein im 5. Berl. Reichstagswahlkreis. Unser Mitglied, der Restaurateur Joseph Mai ist am Sonnabend, den 5. Mai verstorben. Die Beerdigung findet Heute, den 8. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des St. PiusKirchhofes, Hohen- Schönhausen, aus statt. 245/7 Der Vorstand. Zentralverband der Töpfer Wert Donnerstag, den 10. Mai, abends 8% hr, bei Keller, Koppenstraße Nr. 29: glieb Mk.4,85( 6,75) Buntpersische doppelseitige Diwandecken Wert General- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Kaffenbericht vom ersten Duartal. 2. Bericht des Vorstandes, der Arbeitsvermittler, des Bibliothekars und der Kontrollkommission. 3. Neuwahl von Verbandsangestellten. 4. Stellungnahme Mk.7,50-8,75( M.) zum Verbandstag. ( 12-15 Mocquett Plüsch- Diwandecken Bunte Wert Größe 150/300 cm 23.50 Teppich- Spezialhaus Emil Lefèvre Berlin Oranienstr. 158. S. Nach auswärts per Nachnahme. Inventur- Extraliste und der soeben erschienene Katalog 1906 gratis und franko, Eine Mark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante fertige Herren- Garderobe Ersatz für Maß. Anfertigung nach Maß. Tadellose Ausführung. Julius Fabian, Schneidermeister, Große Frankfurterstraße 37, II, Eingang Straußberger Platz. Die Motten kommen nicht in Sachen, die mit Neichels Spezial- Mottenpulver a 50 und 1.- Bfd. 3.-M. oder mit Seichels Mottentinktur a 75 u. 1.50 gegeschützt sind, Einzig sicherer und dauernder Schuh gegen Mottenschaden und weitere Bernichtung bereits von Motten beschädigter Sachen! Bon angenehmem Geruch, nicht fleckend und für alle Stoffe verwendbar. Nur echt und garantiert mit Marke " Tod u, Teufel". Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbahnstr. 4. Liefe: Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erfucht Eintritt nur mit Mitgliedsbuch. Achtung! @ CCCCCTTCT042U400 Für Damen! Billigste Preise Direkt aus der Fabrik. Jetzt nach beendeter Engros- Saison wieder Einzelverkaufzu den bekannt billigen Preisen: Jacketts schwarz u. farbig in kolossaler Auswahl 3,75, 4,50, 6, 7-20 M. Die Ortsverwaltung. 85/8 Achtung! Dienstag, den 8. Mai, abends 8½ Uhr: Oeffentliche Versammlung der in Berlin arbeitenden Genossen des Ruppin- Templiner Kreises bet Wilke, Brunnenstraße 188. Tages- Ordnung: 293/7 1. Bortrag des Genossen Dr. Bruno Borchert. 2. Diskussion. Das Erscheinen aller in Berlin arbeitenden Genossen des Kreises ist notwendig. 3. A.: Ludwig Krasemann, Bentralvorfigender, P. Dobrohlaw, gitationsfommission. Capes in sämtlich Radfahrer! Längen 54, 6, 7/ 2-25 M. Staubmantel 6,50, 7,25, 8-22 M. Kostüm- Röcke in blau, schwarz, diversen englischen Stoffen 3,50, 4,25,5,50-20 M. Kurstr. 41/42 Fabrik Pelz, Sonntags geöffn Vorzeig. dies, Annonce 5%, Rab. 80000 Berliner ArbeiterDeutschlands. Todes- Anzeige. Am 4. Mai verstarb unser MitAdolf Tix im Alter von 57 Jahren an der Lungenschwindsucht. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 8. d. M., nach mittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Elisabeth- Kirchhofes, Bringen- Allee, aus statt. 196/6 Der Borstand. Zentralverband der Dachdecker Berwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Am Sonntag, den 6. Mai, verstarb nach langwieriger Strankheit unser Kollege, der Dachdecker Wilhelm Lebe. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitt. woch, den 9, Mai, nachmittags 4 Uhr, vom städtischen StrantenRadfahrer! hause am Urban aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet 54/11 Der Vorstand. Radfahrer- Verein ( Mitglied des Arbelter- Radfahrer- Bundes ,, Solidarität".) Donnerstag, den 10. Mai, abends 81 Uhr: General- Verfammlung. bei f. Wilke, Brunnenftr. 188. 1. Bericht des Vorstandes und der Kommissionen. 2. Bericht des Staffierers. 3. Berschiedenes. 12/13 Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung, Genossen, erscheint Mann Der Vorstand. J. A.: F. Bechent. Kinderwagen- Kuhlicke für Mann. nur Neue Königstr. 43, 1 Treppe Ecke Alte Schützenstr., a. Alexanderplatz. Kinderwagen, Kindersportwagen, Bettstellen pp. Allen Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß am Freitag, den 4. Mai, mein heiß geliebter teurer Gatte mir durch den Tod plöglich entrissen wurde. Um stilles Beileid bittet Die trauernde Witwe Berta Mehlitz geb. Wolff. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 9, Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Wilmersdorfer Kirchhofes aus statt. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands.tigung. Zweigverein Berlin. kaufen Sie nicht, Donnerstag, den 10. Mai, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftsbevor Sie meine Kataloge gesehen haben, hanse, Engel- llfer 15( Saal 5): Versammlung gratis u. franko. aller in Decken- Baugefchäften beschäftigten Aelteftes Trilzahlungs- Beſchäft Kein Laden. Brennabor:: Räder.:: Günstigste Bedingungen. Berlin SO., rant für Armee und Marine. Louis Barth, Brückenstr. 10a pt. Telephon Amt IV, 646, 3190 u. 4562. Vorzugs- Preise. Saal Salons Speises WohnHerrens Sofa: BettNach dem Umzuge für Teppiche } 10712* Teppiche à 90, 65 und 50 M. Teppiche, 65, 40 30 Teppiche, 50, 30 25 " Maurer( Wölber). Tagesordnung wird in der Bersammlung belannt gemacht. Das Erscheinen sämtlicher Kollegen erwartet 143/ 10* Der Zweigvereinsvorstand...: E. Thöns. Lackierer. Für herzliche und zahlreichen Kranzspenden bei der Be erdigung meines lieben Mannes, unferes guten Vaters sagen wir allen Beteiligten, insbesondere dem Gesangberein Unverzagt", unseren herz11362 lichten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen Witwe Riedel nebst Kindern. Danksagung. Für die uns erwiesene innige Teilnahme bei der Beerdigung unseres teuren Berstorbenen Heinrich Krug sagt herzlichsten Dant. 16965 Familie Schwertner. Donnerstag, den 10. Mai, abends 8 Uhr, in Dräsels Gestfälen, Danksagung. Neue Friedrichstr. 35; Versammlung Für die überaus herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters( agen wir unseren 11342 Wittwe Augufte echiel. der Sektion der Lackierer, der Vereinigung der innigsten Dant. Maler, Lackierer und Anstreicher usw. Tages- Ordnung: 1. Welche Rechte und welche Pflichten haben wir als organisierte Arbeiter? Referent: Kollege Hoefs. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Erscheinen. fämtlicher organisierter Kollegen und Stolleginnen ist diesmal unbedingt nötig, Die Sektionsleitung. Danksagung. Allen Bekannten, die meinem Mann ble letzte Ebre erwiesen, insbesondere bem Hausbienerverein den besten Dant, Witwe. Schreiber, Manteuffelstr. 71. 11382 Arbeitervertreter- Verein Berlin. Dr. Simmel, " " 20 " B 27 " 6 Donnerstag, den 10. Mai, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, " 29 " " Zimmer: Teppiche, 35, 25 Teppiche, 25, 18 15 Teppiche, 14, 8 Teppiche 5, 2,50 1,25 Außerdem große Bosten zurüdgesetzter Steppdecken, Gardinen, Diwandecken sowie borjährige Muster in Stores, Tischdecken, Läuferstoffen; einzelne prima Felle, wollene Schlaf- und Reisedecken jeht nach dem Umzuge zu wirklich fabelhaft billigen Preisen. Portieren Plüsch- Portieren Tuch- Portieren 2 Schals und à 20, 12 und 9 M. Velvet- Portieren Brokat- Portieren Wollkrepp- Portieren " " " 15, 10 ein 10 25, 15 Lambrequin" 18, 14 zusammen 12, 10 28 6.0 " " 12 " " " 7,50, Teppichhaus B. Hurwitz Rotes Schloß vis- a- vis dem National- Denkmal. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Engel- Ufer 15( Saal 3): Verfammlung. Zages- Ordnung: 1. Bericht der Schiedsgerichts- Beisiger refp. die Tätigkeit der Schieds. gerichte für Arbeiterversicherung. 2. Distuffion. 3. Berschiedenes. Die Schiedsgerichts- Beifizer werden dringend ersucht, in dieser Verfammlung zu erscheinen, um festzustellen, ob infolge der Erörterungen im Reichstage Menderungen bei den Schiedsgerichten eingetreten sind. 58/5 Das älteste Der Vorstand. 3. 2.: Bernh. Jost, Borf., Fürstentvalderstr. 8. Rester- Geschäft bes S.- 0. bon Wilhelm Mühlbach empfiehlt zur Frühjahrssaison Reste zu Damen- und Kindermänteln sowie für Herren- und Senaben- Sonfektion zu anerkannt billigsten Preisen. Größte Auswahl in fertiger Konfektion. 10 Oppelnerstr. 10 Pinol An allen Orten werden Verkaufsstellen errichtet. Vertreter gesucht. Gebrüder Krayer, Mannheim. 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M. verstorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 9. d. M., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenballe des CharitéStirchhofes aus statt. Die trauernde Witwe Helene Kleinitzke nebst Kindern. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin, Sektion der Putzer. Unseren sowie den Mitgliedern des Gesangvereins der Puter zur Nachricht, daß der Kollege Johann Kleinitzke am Sonnabend, den 5. Mai, nach langen, schweren Leiden ber storben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 9. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Charité aus nach dem Charité Stirchhofe in der Müllerstraße statt. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Die örtliche Verwaltung 3. A.; H. Neumann, Todes- Anzeige. Am 5. Mai starb unser Mitglied Julius Bahlke. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 8. Mai, nachmittags 41, Uhr, von der Reichenhalle bes St. Andreas- Kirchhofes in Milhelmsberg aus ftatt. 293/9 Rauchklub ,, Eldorado". J. A.: Ed. Kehding. Arbeiter- Raucher- Bund Berlins und Umgegend. Todes- Anzeige. Hiermit zur Nachricht, daß unfer Bundesmitglied Julius Bahlke von Klub„ Eldorado" im Alter von 48 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 4%, Uhr, bom strankenhaus Friedrichshain aus nach dem Markuskirchhof in Wilhelmsberg statt. 293/8 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, baß der Stollege, Tischler Alwin Beyer am 30. April verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 8. Mai, nachmittags 4 Uhr, auf dem Städtischen Friedhofe in Friedrichs felde statt. Um rege Beteiligung ersucht 85/9 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Polierer, Stollege Fritz Hanke am 5. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 8. Mai, nachmittag 4 Uhr, von der Leichen. halle des neuen Thomas- Kirchhofes, Nigdorf, Hermannstraße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 85/10 Die Ortsverwaltung. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. ii». 105. 23. 2. Keilllge des Jorrots" Keelim KslksdlM. Konferenz sozialdemokratischer Gemeindevertreter Groß- Berlins. Berlin, 6. Mai. Im Getverkschastshause trat heute mittag die vom AktionsauS- schusse einberufene Konferenz der sozialdemokratischen Gemeinde- Vertreter und Stadtverordneten Grotz-Berlins zusammen. Zu Vorfitzenden werden Singer und Wollermann- Schäneberg, zu Schriftführern Grauer- Lichtenberg und Gottfried Schulz- Berlin gewählt. Als Tagesordnung wurde festgesetzt: I. Die Verkehrspolitik Grotz-Berlins. Referent Stadtverordneter Hugo Heiinann- Berlin. 2. Armen- und Krankenpflege. Referent Stadtverord» neter Paul Hirsch- Charlottenburg. 3. Die Notwendigkeit von Zweckverbänden. Re- ferent Stadtverordneter Paul Singer- Berlin. Die drei Referenten schlagen folgende gemeinsame Resolution vor: Eine rationelle Wirtschaftsweise der Gemeinden, insbesondere auf dem Gebiete der komnmnalen Sozialpolitik kann nur be- trieben werden, wenn die aneinander grenzenden Gemeinden� die eine wirtschaftliche Einheit bilden, zu einer Gemeinde vereinigt werden. Dies ist besonders notwendig in Rücksicht auf die Aufgaben der Gemeinden auf den Gebieten der Armen-, Waisen- und Krankenpflege, der Schule sowie des Steuer- und Verkehrswesens. Namentlich lassen die wirtschaftlichen Verhältnisse von Groß- Berlin die Eingemeindung der mit Berlin eine wirtschaftliche Einheit bildenden Vororte geboten erscheinen. Solange die Zusammenlegung der Vororte mit Berlin durch die Landesgesetzgebuna nicht zu erreichen ist, haben die sozial- deuwratischen Gemeindevertreter von Gross-Berlin durch die Ge- fetzgebung die Bildung von leistungsfähigen Zwangsverbänden an- zustreben, denen die finanzielle Erfüllung der allen Gemeinden gemeinsamen Aufgaben obliegt. In Rücksicht auf die besonders dringliche Regelung des Ver- kchrswesens von Grotz-Berlin beschließt die Konferenz: Es ist Pflicht jedes sozialdemokratischen Gemeindever- treters, sich jedweder Ausdehnung des Machtbereichs einer der schon bestehenden Erwerbsgesellschaften oder der Erteilung von Konzessionen an neu sich bildende Gesellschaften zu wider- setzen und dafür zu wirken, daß alle Gemeinden Groh-Berlins sich zu einem Verbände zusammenschließen, dessen Aufgabe es ist, die Uebcrnahme des bestehenden Verkehrsnetzes vorzu- bereiten und die Schaffung aller neuen Verkehrslinien selbst in die Hand zu nehmen. • Die Berkehrspolitik Groß-BcrliuS. Referent Stadtv. H e i m a n n gibt einen interessanten Abriß der Geschichte des Verkehrswesens von Grotz-Berlin. Er zeigt, wie die Vcrkchrsdeputation durch die Macht der Tatsachen mit der Nase auf die Richtigkeit der sozialdemokratischen Auffassung gestoßen worden ist, daß, sollte gegen die Große ein wirksames Gegengewicht geschaffen werden, dies nur dadurch geschehen könne, daß endlich die Stadt grundsätzlich den Bau und den Betrieb aller neuen Verkehrs- wege selbst in die Hand nehme. Die Gesellschaft, die im Jahre 1871 als kleine Aktiengesellschaft gegründet wurde, hat eS verstanden, in kluger Berechnung der falschen Verkehrspolitik der Stadt sich zu einer der kapitalkräftigsten zu entwickeln und ist mit einer unserer Großbanken, der Dresdener Bank, in engste Beziehungen getreten, wozu als Dritte im Bunde noch die Gesellschaft trat, welche die elektrische Kraft erzeugt. Diese Gesellschaften bilden ein einheit- licheS Ganze und umklammern durch die ungeheure Macht des Geldes und durch die ihnen von den Kommunen törichter Weise ein- geräumten Rechte die Kommunen wie mit Vampyrarmen.(Lebhafte Zustimmung.) Enge freundschaftliche und kollegiale Beziehungen führen von ihren Bureaus auch in die Ministerhotcls und erklären wohl die Bevorzugung der Großen durch die staatlichen Behörden, wie sie in der hinter dem Rücken der Stadt erschlichenen Verlange- rung der Konzession so drastisch zutage trat. Wie anders die Stadt behandelt wird, zeigte sich bei ihrem Bemühen, die beiden städtischen Linien nach Treptow und nach Pankow zu verbinden. Während in den neunziger Jahren seitens des Polizeipräsidenten der Stadt aus» drücklich zugesichert war, einer Uebcrsührung der Straßenbahn über die Linden im Zuge der Kanonierstraße zur Neustädtischen Kirch- straße ständen keinerlei Bedenken entgegen, wurde das Projekt im kaiserlichen Kabinett angehalten, eine eigenhändige Randbemerkung des Kaisers auf den Plänen lautete bekanntlich:„Unten durch und nicht drüber weg." Das dann ausgearbeitete Projekt der Untere tunnelung der Linden am Opernplatz scheiterte am Widerspruch der Dresdener Bank, der einige Fenster verfinstert werden sollten und die dem Stadtbaurat versicherte, ihr Bescheid könnte nicht anders lauten, und wenn der Kaiser selbst käme. Aber für genau dasselbe Projekt erhielt die„Große" di« Zustimmung der Dresdener Bank unter der Bedingung, daß der Tunnel nicht von der Stadt gebaut würde.(Hörtl hört!) Im September vorigen Jahres überraschte die„Große" die Oeffentlichkeit mit dem Projekt, durch Untertunnclung der Leipzigerßraße vom Dönhoffplatz bis zum Potsdamer Platz, der Linden, und der Königgrätzerstraße von der Lennestraße bis zur Dorothecnstraße den Verkehr in Berlin auf eine ganz andere Grundlage zu stellen. Als Gegenleistung verlangte sie nur«ine„Kleinigkeit", nämlich die Verlängerung ihrer Konzession um 90 Jahre. Dies lehnte die Stadt ab, verlangte vielmehr von der „Großen" das Anerkenntnis, daß die Stadt 1819 berechtigt sei, den Betrieb zu übernehmen. Hierauf antwortete die Gesellschaft ver- neinend, wodurch der bisherige latente Kriegszustand in eine offene Kriegserklärung verwandelt wurde. Redner gebt eingehend auf die Rechtsverhältnisse ein und betont, daß von der Vertragsbedingung, wonach bezüglich der Uebernahme des Unternehmens den Vororten die gleichen Rechte zugestanden werden müßten wie Berlin, leider nicht alle Gemeinden Gebrauch gemacht hätten; die in den Gemeindevertretungen maßgebenden Kreise haben vielfach eine Verlehrspolitik betrieben, die nur die Grundrenten steigern sollte, ohne zu bedenken, daß privatkclpita- listische Erwerbsgesellschaften einer Gemeinde keine Konzessionen machen, die sie nicht hundertfach wieder herauswirtschaften. ES hat aber keinen Zweck,„über vergossene Milch zu flennen", wie das englische Sprichtvort sagt. Man muß vielmehr aus den Tatsachen und Vorgängen den Schluß ziehen, bei jeder Gelegenheit mit größter Rücksichtslosigkeit dagegen aufzutreten, daß der„Großen" oder irgend einer anderen Gesellschaft in Zukunft auch nur die geringste neue Konzession gewährt wird. Als vor einigen Monaten auf An- regung von Berlin und Rixdorf Vertreter aller Gemeiden zu- sammenkamrn, um zu dem Verlangen der„Großen" auf KonzessionS- Verlängerung auf 89 Jahre Stellung zu nehmen, zeigte sich auch eine erfreuliche Uebereinstimmung in der Ablehnung des Verlangens. Um Positives zu schaffen, wurde ein Ausschuß aus vier Stadt, und fünf Landgemeinden eingesetzt, die eine noch engere Redaktions- kommission mit der Ausarbeitung eines Statuts als Grundlage für eine Zusanrnrenfassung aller Gemeinden in einem Verbände beaus- kragt hat. Schwierigkeiten werden sich hier bei den Einzelsragen auftürmen, wenn eine Gemeinde zugunsten der Allgemeinheit etwas nachlassen oder leisten soll. Hier setzt eine schöne Aufgabe für unsere Gemein devertreter ein. Nicht durch unsere Stimmenzahl, wohl aber durch die Wucht unserer Gründe können wir gegenüber den eigen- süchtigen Sonderinteressen bewirken, daß in den einzelnen Ge- meinden ein solches Statut angenommen wird, durch welches die wahren und dauernden Vorteile jeder Gemeinde weit besser gewahrt werden, als durch Paktieren mit privatkapitalistischen ErwerbS- gefellschafteii..(Lebhafter Beifall.), in der Diskussion ftagt tarow- Treptow, wie sich die Treptower sozialdemokratischen Gemeindevertreter zu dem Projekt einer Untergrundbahn-Gesellschaft stellen sollten, die eine Linie von der Tunnelbahn aus über Schöne- weide, Ober-Schöneweide bis nach Köpenick führen will, dabei aber eine Vertragsdauer bis 1949 beansprucht. DaS Verkehrsbedürfnis ist dringend, die Gemeinde kann die Linie nicht auf eigene Kosten durchführen, aber andererseits dürfen wir doch auch nicht einer Privatgesellschaft unsere Straßen bis 1949 ausliefern. R i t t e r- Rummelsburg: Wir haben in unserem Orte keine Straßenbahn und die Gemeinde hat Unterhandlungen mit Siemens u. Halste, mit der Großen und auf unsere Veranlassung auch mit dem Berliner Magistrat angeknüpft. Anfangs fand sie bei diesen auch großes Entgegenkommen. Aber der Dezernent scheint kein besonderer Freund der Pläne auf eigene Regie zu sein, denn er sagte unserem Bürgermeister:„GehenSie uns doch mit Ihrer Projekten macherei. Wir find schon zufrieden, wenn wir unsere eigenen Linien erhalten."(Hört! hört!) Die Folge war, daß die Gemeinde jetzt Verhandlungen mit der„Großen" angeknüpft hat. Diese ver- langt nicht nur eine Vertragsdauer bis 1949, sondern wenn das Unterwnnelunasprojekt genehmigt wird, bis zur Dauer der neuen Konzession.(Hört! hört!) Unsere Genossen in Berlin sollten dem Dezernenten tüchtig den Kopf waschen.(Heiterkeit.) Freiwaldt-Pankow äußert seine Genugtuung, daß diese Konserenz, auf die wir seit vier Jahren warten, nun endlich zw stände gekommen ist. Jetzt, wo den Genossen in Berlin das Feuer auf den Nägeln brennt, halten sie es endlich an der Zeit, den Ge- nassen der Vororte ein Licht aufzustecken.(Heiterkeit und Wider- spruch.) Es hieß, daß Pankow im Begriff stehe, mit der „Großen" einen Vertrag abzuschließen und daß auch die Sozial demokraten bereit seien, diesem Vertrage zuzustimmen. Das hat wohl den weitaus größten Grund abgegeben, weshalb diese Kon- ferenz stattfindet.(Heiterkeit und Widerspruch.) Redner schildert eingehend den Stand der VerkehrSfrage für Pankow. In dem Ver- trage mit Siemens u. Halske(Stadt Berlin) ist vorbehalten, daß, wenn die Gemeinde eine neue Bahn konzessionieren will, Siemens u. Halske die Vorhand haben. Es handelt sich um eine Verbindungs linie von 1159 Meter. Die„Große" verlangt, wenn sie sie erbauen soll, die Verlängerung der Konzessionsdauer bis zu 1949. Die Aus führungen des Referenten waren theoretisch unanfechtbar, aber er hat uns keine praktischen Vorschläge gemacht. Was sollen die kleinen Gemeinden mit Automobilomnibuslinicn? Sollen diese Omnibusse wie im Karussell um den Ort herum fahren?(Heiterkeit.) Solche Linien haben nur einen Sinn, wenn sie nach Berlin führen. Dann aber kann und wird der Berliner Polizeipräsident seine Zustimmung versagen In den Gemeinden können wir nur Zweckmäßigkcits Politik treiben und müssen die Verkehrsbedürfnisse berücksichtigen. Dr. Silberstein-Rixdorf: Auch ich habe praktische Vor schlüge für unsere augenblickliche Verlehrspolitik in den Vororten vermißt. Auch Rixdorf mit seiner amerikanischen EntWickelung steht vor der Frage, für seine Arbeiter möglichst gute Verkehrsbcdingungen zu schaffen. An eigenen Linienbau kann es seiner schlechten Finanzen wegen nicht denken. Die„Große", die bis vor kurzem die Vororte en Canaille behandelte, sucht sie jetzt zu ködern. Nicht unseren Genossen, wohl aber der Berliner Gemeindeverwaltung ist der Vor- wurf zu machen, daß sie für die Vororte nicht getan hat, was sie tun mußte.(Sehr richtig.) Auch in Grundstückserwerbungsfragen hat Rixdorf mit den schlimmsten Hausagrariern ein so schweres Ver handeln als mit Berlin.(Sehr richtig.) In der Frage der Auto mobilomnibusse tappen wir technisch noch ganz im Dunkeln. Die Berliner Verkehrsdeputation arbeitet zudem außerordentlich langsam. Die„Große" mit ihren geschulten Juristen haut die Gemeinden übers Ohr. Unsere Gemeindevertreter müssen möglichst gut orientiert sein, um sich zur Wehr setzen zu können. Schmutz- Weißensee will sich nicht auf den kokalpatriotischen Standpunkt von Freiwaldt stellen. Einem Vertrage mit der „Großen" über 1919 hinaus dürfen wir unter keinen Umständen zu stimmen. Aber auch die Berkehrspolitik der Stadt Berlin ist nicht so wie sie sein sollte. Ohl-Reinickeudorf schildert die Verkehrspolitik der„Großen" bei den Verhandlungen, eine Straßenbahnverbindung der getrennten Teile von Reinickendorf herbeizuführen. Wenn der Gewinn ihr nicht händevoll ins Gesicht schlägt, ist sie für nichts zu haben. Singer: Ich halte es fiir falsch, daß die Verhandlungen auf das Gleise geschoben werden: Hie Berlin! Hie die Vororte!(Leb- hafte Zlistimmung.) Nicht um einen solchen Gegensatz handelt es sich, sondern darum, wie wir unsere Taktik einzurichten haben, um unser Programm durchzusetzen.(Sehr richtig!) Es wird gesagt, Berlin nehme sich nicht genügend der Vororte an. Wenn eS aber in letzter Zeit überhaupt etwas gegen die VerkehrSmifere tut, so ist es das Verdienst feiner sozialdemokratischen Stadtverordneten.(Sehr richtig!) Freiwaldt hat in besonders drastischer Weise seinem bedrängten Herzen Luft gemacht und seinen einzigen Trost darin ge- funden, daß Pankow die Veranlassung zu der heutigen Konferenz gegeben hat..(Große Heiterkeit). Zu meinem Bedauern muß ich ihm sagen, daß er Pankow überschätzt.(Erneue Heiterkeit). Nicht die Verkehrsmisere in Pankow, sondern prinzipielle Gesichts- punkte haben diese Konferenz veranlaßt. Aus Rummelsburg ist über brüske Behandlung durch den Berliner Dezer- nenten geklagt worden. Gewiß sollten schwierige Verhältnisse nicht noch durch persönliche Schroffheiten erschwert lverden.(Sehr richtig I) Aber die Schwierigkeiten gehen häufig auch von den Vororten aus. Solange Berlin mit den Vororten nicht zu einem einheitlichen verband vereinigt ist, werden die tatsächlich divergierenden Interessen sich immer ivieder durchsetzen. Man klagt über die Lang- samkeit der Berliner Verkehrsdeputation. Aber in meiner ganzen öffentlichen Tätigkeit wav ich noch nie zu solcher Sisyphusarbeit gezwungen, wie dort. Durch die„Fesseln", die der Stadt Berlin an- gelegt werden, einmal durch das kapitalistische System, dem die Mehrheit der Stadtverordneten huldigt, dann durch das Wahlrecht, daS die Hälfte der Mandate den Hausbesitzern mit ihren ganz anders gearteten Interessen vorbehält, durch die privatkapitalistische Wirt- fchaft, die in unerhörtester Weise durch die Aufsichtsbehörden begünstigt wird, und vor allem dadurch, daß über alles endgültig im Schlöffe entschieden wird und nicht im Rathause (Lebhafte Zustimmung), sind wir nicht nur zur Langsamkeit das wäre noch das wenigste, sondern direkt zurUnfruchtbar- keit verurteilt. Uns dauert es auch zu lange, che die Sache in Fluß kommt, aber wir müssen neben diesem Bedauern noch ein Jahrzehnt arbeiten, während Sie doch nur zu bedauert», ohne zu arbeilen brauchen.(Heiterkeit und Beifall.) Mai» hat ferner gesagt, das Referat sei ja außerordentlich gut gelocsen, ein Urteil, dem ich rückhaltlos zustirnme, hätte aber keine praktischen Vorschläge gebracht. Ueber einen Nürnberger Trichter verfügen aber auch die Genossen in der Berliner Stadtverwaltung nicht.(Heiterkeit.) Wir können nicht mehr tun, als die Kollegen in den Vororten auf die Notwendigkeit hinzu- weisen, mit allen Kräften dafür zu sorgen, daß Berlin und die Vor- orte als wirtschaftliche Einheil behandelt werden. Wir müssen erwarten, daß unsere Kollegen in den Bororten genau so wie wir die einzeliren Fragen nach den Grundsätzen unseres Programms behandeln und entscheiden. So werden sie die Erteilung von Konzessionen an Privatgesellschaften unbedingt ablehnen müssen.(Lebh. Zustimmung.) Ich erkenne an, daß wir verpflichtet sind, die notwendigen Verkehrs- mittel zu schaffen. Aber diese Verpflichtung geht doch nur dahin, diese Verkehrsmittel aus den Weg zu bringen, der mit den Grund- sätzen der Partei vereinbar ist.(Lebhaste Zustimmung.) Erst bei den Zusamnrenschluß aller Gemeinden mit Berlin wird es auch für die Vororte möglich sein, diejenigen Linien zu schaffen, die den Interessen Berlins und der Vororte entsprechen. Die VerkehrSfrage kann nicht nach dem augenblicklichen Bedarf, sondern soweit Sozial- demokraten darüber zu entscheiden haben, nur aus einer grundsätz- lichen Auffassung heraus gelöst werden.(Lebhafte Zusttinmung.) Verlieren wir uns nicht in Kleinigkeiten, behalten wir unseren großen Zweck iin Auge: Die Verwaltung von Groß-Berlin zu sozialisieren.(Lebhafter Beifall.) K ü t e r» Schöneberg: Einzelne Gemeinden können nicht immer mit Leichtigkeit die Verkehrsmittel in eigene Regie übernehmen, wohl aber kann es der Zweckverband, den wir mit allen Kräften unter- stützen müssen.(Beifall.) Borgmann- Berlin: Die Misere des Verkehrswesens von Groß-Berlin ist der falschen Verkehrspolitik der bürgerlichen Ge- meindevertrcter zuzuschreiben, welche wir stets bekämpft haben; weiter ist sie auch gesteigert durch die Unterstützung der privat- kapitalistischen Gesellschaften durch die Regierung. Die Regierung wird in dieser Beziehung nicht so rücksichtslos vorgehen können, wenn sie einem einheitlichen Zweckverband der Gemeinden gegen- übersteht.— In der Frage der Verlängerung der Konzession für die Große Berliner Straßenbahn müssen alle Vorortgemeinden mit Berlin zusammenstehen. Die Tunnelprojekte der Großen sind eitel Spiegel- fechterei, die Große will nur bewirken, daß ihre Aktien zu hohem Kurs von der Stadt übernommen werden, um ihren großen Rebbach zu machen. Wir dürfen der Konzessionsverlängerung auf keinen Fall zustimmen.(Beifall.) Die Debatte ist erschöpft. Der Referent verzichtet auf daS Schlußwort. *•* Vorsitzender Singer: Bevor wir in der Tagesordnung weiter gehen, teile ich mit, daß aus Berlin 23 Vertreter, aus 15 Orten von Teltow-BeeSkow 46 Vertreter, aus 22 Orten von Niederbarnim 43 Vertreter, zusammen 112 Gemeindevertreter zugegen sind. Außer- dem ist der Aktionsausschuß, der„Vorwärts" und die„Kommunale Praxis" vertreten. Ich möchte hieran noch eine Bemerkung knüpfen. Wenn ich an die Zeit vor 12 bis 15 Jahren zurückdenke und mir heute diese Konferenz ansehe, so gibt es keinen sprechenderen, lebendjgeren Be- weis für die Agitations- und Werbekraft der Sozialdemokratie. Die Tatsache, daß wir 112 sozialdemokratische Gemeindevertreter hier haben, deren Zahl sich in einigen Jahren hoffentlich vervielfachen ivird, ist der beste Beweis für die Unbesicglichkeit unserer Partei. (Lebhafter Beifall.) * K* Dann sprach Stadtverordneter Hirsch-Charlottenburg über die Armrn-Krankenpsiege und über die Möglichkeit, eine solche rationelle Pflege auf möglichst einheitlicher Grundlage für das Gebiet von Groß-Berlin durch- zuführen. Es gibt Gemeinden, deren Verwaltung auch heute schon recht Ersprießliches auf dem Gebiete der Armen- Krankenpflege leisten. Die weitaus größte Zahl der Gemeinden in Deutschland, speziell auch der Gemeinden von Groß- Berlin, sind sich ihrer Aufgabe auch nicht entfernt bewußt. DaS gilt besonders für die rein ländlichen Gemeinden. ES ist ja eine bekannte Tatsache, daß die Armenkrankenpflege auf dem Lande so ziemlich alles zu wünschen übrig läßt. Ganz besonders verderblich ist das bekannte System des Abschiebens, das erst kürzlich Staatssekretär Graf PosadowSky als eine der traurigsten und verderblichsten Er- scheinungen bezeichnet hat. Die gesetzlichen Grundlagen für die Armenpflege mögen in manchen Einzelheiten recht reaktionär sein, sie stellen aber einen erheblichen Fortschritt gegenüber den früheren dar, die den Armen mit dem Verbrecher bei- nahe auf dieselbe Stufe stellten. Das Bundesamt fiir das Heimatwesen hat für die Armen-Krankenpflege ganz vernünftige Grundsätze aufgestellt, die für die Praxis häufig leider nur auf dem Papier stehen. Den Gemeinden fehlt entweder das nötige soziale Verständnis oder die erforderlichen Mittel, meist wohl beides. Fast überall herrscht Mangel an geeigneten Kranken- Häusern. Als durchaus verkehrt und jedem sozialen Empfinden Hohn sprechend muß eS bezeichnet werden, wenn man die Kranken- Häuser auf eine Stufe mit kommunalen Erwerbsanstalten stellt und die Gebühren nach dem Grundsatz von Leistung und Gegenleistung bemißt. Dir Verpflegungssätze sollten so niedrig wie inöglich bemessen sein, und von den Kraulen ans auswärtigen Gemeinden dürften nicht höhere Verpflegungssätze erhoben werde»», wie von denen der eigenen Geineinden. Auch au Acrztcn herrscht vielfach Mangel, besonders in den Landgemeinden.— Ein besonderes Hemmnis ftir die Armen-Krankenpflege liegt darin, daß häufig genug bedürftige Kranke auf eine Stufe mit Leuten ge- stellt werden, denen wegen einer ehrlosen Handlung die bürgerlichen Ehrenrechte entzogen sind. Wenn jede Unterstützung auS öffentlichen Mitteln mit den» Verluste der politischen Rechte bestrast wird, dann besteht die Gefahr, daß gerade die besten Elemente, die der Hülfe ganz besonders würdig erscheinen, ans wohlberechttgter Scheu vor dem Verlust des Wahlrechts jede Hülfe ablehnen. Gegen diese Praxis muß entschieden protestiert werden. Der Errichtung von Fürsorgestätten für Säuglinge köimen wir zwar zustimmen, dürfen jedoch nicht allzu große Hoffnungen aus ihre Wirkung setzen. Gute Arbeiterschutzgesctze, die Gewährung eine 5 wirklichen freien Koalitionsrechts, die Regelung der Heimarbeit werden»nehr bctvirken als selbst die ain besten eingerichteten Säua- lingSfürsorgestätten. DaS gleiche trifft auch für die Bekämpfung der Tuberkulose zu. Redner erflärt sich entschieden gegen den Borschlaa, die Amlen- Krankenpflege auf de» Staat zu überttagen. Das wurde zu demselben Shstem staatlicher Bevormundung führen, wie wir eS aus dem Gebiet des Schulwesens sehr zum Nachteil der Schule haben. DaS einzige Mittel, auch ärmeren Gemeinden eine rationelle Armen- Krankenpflege zu ermöglichen, besteht in der Bildung leistungs- fähiger Gesamtarmenverbände. Die soziale Ausgestaltung der Armen-Krankenpflege hängt in letzter Linie von der Stärkung unseres Einflusses in den Gemeindevertretungen ab.(Lebhafter Beifall.) � Eine Diskussion findet nicht statt. ».« Die Notwendigkeit von Zwcckvcrbänden. Referent Singer: Ich werde mich um so kürzer fasse» könne», als durch die vorhergehenden Borträge eine Reihe von Gesichtspunkten mir bereits voriveggcnvmmen sind. Die gemeinsam von den drei Referenten aufgestellten Leitsätze gipfeln ja in der Forderung, daß die Borortgemeinden Groß-Berlin einverleibt werden. Diesen prin- zipiellen Standpunkt der Zusammenlegung derjenigen Gemeinden, welche eine wirtschaftliche Einheit darstellen, müssen wir als das Ziel festhalten. Redner gibt nun einen geschichtliche»» Ueberblick. wie sich die Eingemeindungsfrage in Berlm entwickelt hat. Auf den Bericht, den der Magistrat 1896 über den Beschluß der städtischen Körperschaften an den Oberpräsidenten gesandt hat, ist überhaupt keine Antwort erfolgt(Hört I hört!>. auch ein Beweis für die Wertschätzung Berlins in RegierungSkreifen. Auf erneute Anregung feite:, S der Gemeinde Lichtenberg erklärte der Minister des Innern dem Berliner Oberbürgermeister, daß die Regierung beabsichtige, eine Reihe von Vorortgemeinden zusammenzulegen, Berlin also mit einem Kranze größerer Vorortgemeinden zu um- geben. Es unterliegt für mich keinem Zweifel, daß für die Haltung der Regierung politische Gründe maßgebend sind. Die Regierung fürchtet von der Eingemeindung eine Stärkung des politischen Einflusses Berlins im allgemeinen und der Sozial- demokratie im besoirderen. Die Maßnahmen der preußischen Re- gierung sind nicht getragen von der Erwägung, was im Interesse des Volkswohls notwendig ist, sondern von der junkerlich-reaktionären Auffassung eingegeben, daß alles geschehen muß, um das machtvolle Anwachsen der Sozialdemokratie und die Selbständigkeit ber Gemeinden zurückzuhalten.( Sehr richtig.) Die Auf-| funft von mindestens 50 Vertretern sei keine Kommission mehr. Es fehen läßt, sämtliche Arbeiter, die auf diese Weise von den Gesell| fassung, daß für das Volk der Grundsatz zu gelten hat, sei überflüssig, noch eine neue Instanz zu schaffen, nachdem den schaften Geld geborgt hatten, zu Streifbrechern ge= " Soldat sein, Steuer zahlen, Maul halten", ist auch in dieser Frage Gemeindevertretern von Berlin, Teltow und Niederbarnim 10 Plätze worden! zur Geltung gekommen.( Beifall.) Aber die Schaffung von Groß- in der Generalversammlung von Groß- Berlin eingeräumt worden Auf einem Privatwerke des 3eiz- Weißenfelser Res Berlin ist eine Notwendigkeit und wird erfolgen, wenn nicht mit der seien. Diese Vertretung sei die gegebene Kommission, die nach Be- vieres, dessen miserable Zustände und elende Entlohnung erst vor Regierung, so gegen sie, die wirtschaftliche Entwickelung läßt sich dürfnis folche Konferenzen wie die heutige einberufen könne.( Leb- furzem die härteste Kritik in der Oeffentlichkeit erfahren mußte und eben nicht von einigen preußischen Junkern und Ministern aufhalten. hafte Zustimmung.) das mitten unter den Gruben sich befindet, deren Arbeiterschaft aus( Sehr richtig!) Uebrigens hätte auch die preußische Regierung Dr. Za det Berlin hält auch den von Bruns vorgeschlagenen ständig ist, streift nicht mit. Und warum? Weil die meisten schon im Laufe der Jahre lernen können, daß die Sozialdemokratie Apparat für noch zu schwerfällig. Wir brauchen einen Aktions- der dort Beschäftigten Schuldner ihres„ Herrn", folcher Zwirnsfäden spottet. Die Gründung des Verbandes ist der ausschuß von drei Männern, die jeden Augenblick zusammenkommen des Grubenbesizers, sind oder waren! Und zwar beste Beweis, daß die Sozialdemokratie für sich die Frage bereits können. haben die Leute nicht nur Geld zu Häuserbauten und ähnlichen gelöst hat, daß sie die Vororte bereits einverleibt hat.( Sehr gut!) Hirsch Charlottenburg schließt sich dem Vorschlage von Bruns Zwecken geliehen. Nein. Für die heterogensten Dinge hat man Wenn nach Lage der Verhältnisse das Ziel, die Eingemeindung, an und empfiehlt, eine Person mit der Sammlung des einschlägigen stets eine offene Hand und ein„ warmes" Herz gezeigt und hat nicht ganz erreicht werden kann, so stehen wir vor der Frage, was Materials zu betrauen und damit eine Art Zentralstelle zu schaffen, die Arbeiter dadurch in eine derartige Abhängigkeit gebracht, daß jie soll geschehen, um das Notwendige zu leisten. Hier möchte ich vor- von der jeder sozialdemokratische Gemeindevertreter Groß- Berlins gezwungen sind, auch unter den elendsten Verhältnissen und Arweg noch bemerken, daß die Schaffung von Zweckverbänden in Auskunft erhält. beitsbedingungen Stand zu halten. Das gehört auch in den Rahmen anderen größeren Städten bereits vollendet ist. Ich erinnere nur Nachdem noch Zubeil- Berlin im gleichen Sinne gesprochen des Bildes, welches der Streik vor dem Auge des Sozialpolitikers, an New York und an London, wo zur Verwaltung der gemeinsamen und Gioger- Rigdorf vorgeschlagen hatte, dem Berliner Aktions- des Menschenfreundes aufgerollt hat! Angelegenheiten der Grafschaftsrat geschaffen ist. Ein preußischer ausschuß den Rirdorfer Antrag zur Borberatung zu überweisen, wird Minister des Innern, ich glaube, der jezige Finanzminister v. Rhein- der Vorschlag von Bruns mit großer Mehrheit angenommen, und Baben, nein, es kann auch ein Hammerstein gewesen sein, das ist ja die 10 Stadtverordneten, die Siß und Stimme in der Generalverganz gleichgültig( Heiterkeit), ist ja nach London gereist, um die sammlung haben,( 5 von Berlin, 3 von Teltow, 2 von Nieder- Barnim) kommunalen Verhältnisse zu studieren. Ueber die Erfolge dieser werden damit betraut, die im Rigdorfer Antrag genannten Zwecke Studienreise hat man aber noch nichts zu hören bekommen. zu erfüllen. ( Heiterkeit.) Nach den bestehenden Gesetzen können Gemeinden sich zu Zweckberbänden vereinigen. Meines Erachtens werden wir aber diesen Weg nicht betreten können, denn die westlichen Vororte werden für freiwillige Zweckverbände nicht zu haben sein, obwohl gerade fie am allerersten die Pflicht hätten, für die gemeinsamen Zwecke Mittel beizusteuern.( Sehr richtig!) Denn die dort wohnenden reichen Leute erhalten ihre Mittel ja aus der Arbeit der breiten Masse und sollten verpflichtet fein, zur Unterhaltung des Gemeinwesens beizutragen, dem sie ihren Wohlstand verdanken.( Sehr richtig!) Hier wird nur der gesetzgeberische Zwang helfen fönnen und die Sozialdemokraten haben darauf zu drängen, daß ihre Gemeinden Sturm laufen gegen die bestehenden Verhältnisse. Das Gebiet des Verkehrswesens ist bielleicht das einzige, auf welchem möglicherweise ein freiwilliger Zweckverband ins Leben treten kann. Bei den Zwangsverbänden komme ich auf§ 53 des Kommunalabgaben- Gesetzes, wonach eine Betriebsgemeinde zu den Lasten der Wohngemeinde herangezogen werden kann. Ich halte dies für Sie Eristenzfähigkeit unserer schwachen Vorortgemeinden für durchaus durchaus notwendig( Sehr richtig!) und würde es für falsch halten, wenn die Partei fich gegen diesen Paragraphen ins Zeug legte. Wenn wir aber nicht zu 3wedberbänden kommen, kann allerdings einmal der Zustand kommen, wo auch Berlin sagen muß: Das Hemde ist uns näher als der Rock! Wir haben gemeinsam dafür zu sorgen, daß diese Zeit nicht eintritt, daß man sich bewußt wird, daß man an einem Strange zu ziehen hat. Die Kollegen in den Vororten sollten nicht die augenBlicklichen kleinen Verdrießlichkeiten maßgebend sein lassen, sondern ihre Blicke dem großen Ziele zuwenden. Eine großzügige Wohnungspolitik z. B. ist ohne einen solchen Zweckverband gar nicht denkbar. Ueber die grundsägliche Politik auf diesem und anderen Gebieten müssen wir uns auf späteren Konferenzen flar werden. Die Fragen, die wir heute verhandeln, verlangen die volle Aufmerksamkeit jedes einzelnen sozialdemokratischen Gemeindebertreters. Beschlossen wird noch, die Zahl aller amtierenden sozialdemofratischen Gemeindevertreter von Groß- Berlin festzustellen und im Protokoll anzugeben. Damit sind die Arbeiten der Konferenz erledigt. Singer schließt dieselbe mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie. Die Delegierten stimmen begeistert in das Hoch ein. Gerichts- Zeitung. Der Streik im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau. bom 22. Oktober 1904 nur in Apotheken gestattet. Trotzdem verBeiß, 5. Mai.( Eig. Ber.). " Aus der Frauenbewegung. Der fahrlässige Verkauf von Choleratropfen hat zu einer Anflage wegen fahrlässiger Tötung geführt, die gestern die 1. Straffammer des Landgerichts II beschäftigte. Auf der Anklagebank mußten der Drogenhändler Friedrich Li beau und der Drogist Baul Hannes Plaz nehmen. Am 4. Dezember v. J. kaufte der 58jährige Arbeiter Buchholz in dem Geschäft des Angeklagten Libeau für 50 Pfennige Choleratropfen, die bekanntlich einen ziemlich erheblichen Prozentjazz Opium ents halten. Der Verkauf ist deshalb durch kaiserliche Verordnung kaufte der bei 2. angestellte Angeklagte Hannes an Buchholz eine größere Quantität dieser Opiumtropfen. Der des Gebrauches unkundige Friede in Sicht? Die am vergangenen Sonntag in B. nahm ein paar kräftige Schlucke und setzte sich dann ruhig an den alle stattgefundene öffentliche Bergarbeiterkonferenz scheint troh Mittagstisch. Hier machten sich jedoch bald die Wirkungen des Giftes des Schweigens des anwesenden Werksvertreter ein positives Ergeb- bemerkbar, Buchholz verfiel in einen Schlaf, aus dem er nicht wieder nis gezeitigt zu haben. Mit Bezug auf den Bassus der dort ange- erwachte. Trozdem ärztliche Hülfe sofort herbeigerufen worden war, nommenen Resolution: so daß dem Vergifteten der Magen ausgepumpt und die künstliche Die Bergarbeiter sind auch jetzt bereit, jederzeit in Verhand- Atmung eingeleitet werden konnte, verstarb B. nach vier Stunden Yungen zu treten, um den Frieden zwischen den Werken und den an Opiumvergiftung. Gegen die Verkäufer der todbringenden streitenden Arbeitern wiederherzustellen. Nur lehnt die streikende Tropfen wurde die vorliegende Anklage wegen fahrlässiger Lötung Arbeiterschaft es ab, die jetzt noch auf der Grube tätigen Arbeiter- erhoben. Die Fahrlässigkeit wird von der Anklagebehörde darin ausschuß- Mitglieder als Vermittelungsinstanz in diesem Kampfe gefunden, daß die Angeklagten trotz des gesetzlichen Verbots anzurufen Choleratropfen überhaupt verkauft und ferner ein so großes erklären die im Beiz- Weißenfelser Bergwerksverein Quantum auf einmal abgegeben haben, durch welches bei organisierten Unternehmer folgendes: nicht ordnungsmäßigem Gebrauch der Tod eines Menschen berDamit ist der Boden zu Verhandlungen, den ursacht werden könne. Unter den Sachverständigen Geh. Medizinalrat Werksverwaltungen und Belegschaften betreten fönnen, be- Dr. Schulz, Geh. Medizinalrat Dr. Pfleger und den praktischen reitet. Auf der Mehrzahl der Werke, auf denen Arbeiteraus- Aerzten Dr. Schuftan und Schüler entstanden Widersprüche schüsse vorhanden sind, streiken alle oder wenigstens die meisten darüber, ob der Tod des B. durch die Choleratropfen verursacht Ausschußmitglieder, so daß diese nichts abhalten könnte, Anträge worden sei. Der Verteidiger beantragte die Freisprechung beider Anoder Forderungen den Werksleitungen vorzulegen. Wo die Ver- geklagten, da es nicht einmal festgestellt sei, daß der Getötete den hältnisse aber anders liegen, oder wo die Ausschuß mit- Wirkungen des Giftes allein erlegen ist. Der Verkauf der Tropfen glieder sich zurückhalten wollen, oder endlich, wo allein, stelle keine Fahrlässigkeit dar, denn jede Apotheke gebe das Arbeiterausschüsse überhaupt nicht bestehen, da bietet die Ar= gleiche Präparat im freihändigen Verkauf in jeder Quantität und beitsordnung den Ausständigen die geeignete Handhabe in an jedermann ab. Außerdem habe an der Flasche der Vermerk geeiner Bestimmung, nach der Anliegen und Beschwerden eines standen, daß nur 20-30 Tropfen eingenommen werden dürfen. Der größeren Teiles der Belegschaft durch drei Vertreter vor Gerichtshof fam nach kurzer Beratung aus den von der Verteidigung In voller Uebereinstimmung mit den in den Referaten zum den Werksbesitzer gebracht werden tönnen, nur müssen es angeführten Gründen zu einer tostenlosen Freisprechung beider AnAusdruck gekommenen Grundsägen bitte ich Sie, die vorgeschlagenen Arbeiter aus der Belegschaft selbst sein... geklagten. Leitsäge anzunehmen. Darüber hinaus aber bedarf es zu ihrer Nach dieser Erklärung, die als eine Folge der auf der Erfüllung reger energischer Arbeit sowohl der Genossen, die bereits alleschen Konferenz angenommenen Resolution aufzufassen in den Gemeindevertretungen fißen, als auch dafür, daß ihre ist, haben die Streifenden sich erboten, Verhandlungen aufzunehmen. Bahl sich beständig vermehrt. Nur mit der Durch Gegenwärtig schweben dieselben noch. Es steht zu erwarten, daß im fegung der bürgerlichen Vertretungen mit zahlreichen Sozial- Interesse aller Beteiligten sowie der gesamten Industrie die Ver Steglit. Am Mittwoch, den 9. d. M., hält der hiesige Bildungsdemokraten wird unser Kommunalprogramm im allgemeinen handlungen ein Resultat zeitigen werden, auf Grund dessen die verein für Frauen und Mädchen seine Mitgliederversammlung bei und die Forderungen, die wir heute vertreten, im besonderen, Wiederaufnahme der Arbeit erfolgen tann. Sollten sich diese Er- Wahrendorf, Schloßstr. 117, ab. Auf der Tagesordnung steht: der Erfüllung näher gebracht werden.( Beifall.) Unsere wartungen allerdings nicht erfüllen, die Verhandlungen teine an. 1. Vortrag des Herrn Störmer über: Die Gleichberechtigung der Aufgabe muß sein, die sozialdemokratischen Grundsäße fort und fort nehmbaren Bedingungen bringen, so sind die Bergleute Menschen in Theorie und Praris. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. zu propagieren und bei jeder Wahl, wie sehr sich auch die Gegner bereit, den Kampf mit erneuter kraft aufzunehmen. Die Gäste willkommen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. fozial anstellen mögen, mehr und mehr Sozialdemokraten in die nächsten Tage müssen unbedingt die Entscheidung bringen. Gemeindevertretung zu bringen, dann werden wir auch schon innerWeißensee. Den Mitgliedern nochmals zur Kenntnis, daß der Eines der Mittel, die Bergarbeiterschaft unter steter Abhängig hiesige Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse am halb der heutigen Berhältnisse zu immer besseren Verhältnissen keit und stetem Druck zu halten, bietet das System, den Leuten Sonnabend, den 12. Mai, im Schloß Weißensee sein 3. Stiftungsfest Wenn die heutige Konferenz und die folgenden dazu Geld zu leihen. Sei es nun, daß sich ein Arbeiter selbst ein dienen werden, dann werden wir ein gutes Werk getan haben.( Leb- Haus bauen will, sei es auch, daß er ein im Bau bereits fertiges Theatergesellschaft Lewandowski feiert. Das reichhaltige Programm Konzert und Vorträge der hafter, anhaltender Beifall.) wird einen genußreichen Abend in seinen Besitz bringen will, sei es auch, daß er sonstige größere Die Mitglieder werden ersucht, sich recht zahlreich Ausgaben zu machen hat: fast immer wird er bei seinem" Brot- einzufinden. Einlaßkarten sind bei Frau Denmmig, Friedrichstraße1, v. II, verschaffen. geber" eine hülfsbereite offene Hand finden, die bereit ist, gegen Frau Brandenburg, Rölkestraße 9, v. II und Frau Teuber, KönigBinsen und entsprechende Amortisation ihm die nötigen Mittel vor- Chaussee 39, III links zu haben. zustrecken. Sichert er sich dadurch doch einen ihm jederzeit ergebenen abhängigen Stamm von Arbeitern, den er gegebenenfalls an Friedenau. Heute, Dienstag den 8. Mai, findet bei Grube die der Leine hat. Jene Leute sind viel schlimmer daran, wie diejenigen, Monatsversammlung des hiesigen Frauenbildungsvereins statt. Herr welche Werkswohnungen inne haben! Es haben Leute Häuser ge- Dr. Pinkus spricht über Unterleibsleiden". Die Mitglieder werden baut, welche 40 bis 65 Mart dazu gehabt haben unter Um- ersucht, zahlreich zu erscheinen, da der Vortrag für Frauen von ständen auch gar nichts. Diese Arbeiter werden vertraglich höchster Wichtigkeit ist. Gäste sind sehr freundlich willkommen. verpflichtet, außer den Zinsen für das geliehene Kapital monats Der Vorstand. lich 10 bis 20 Mart am Kapital selbst abzuzahlen. Wehe dem Arbeiter leider sind es nicht wenige der darauf eingeht! Der meine und der Genoffin St. Darstellung für irrig. Dazu will Zur Berichtigung des Herrn Dr. Popert. Herr Dr. P. erklärt stete Abzug nebst Zinsen bildet für ihn eine schier unerträgliche Last; ich nur noch folgendes bemerken: Es haben noch mehrere Parteieine Kette, an der er zeitlebens schwer zu schleppen hat. Und wird Die Leitsäge werden einstimmig angenommen. er mit dem Abtragen der Schuld nicht fertig, dann haben seine genossen die strittigen Worte gehört, nicht nur die Berichterstatterin Zur Verhandlung gestellt wird folgender Antrag, den die sozial- Kinder noch langjährig daran zu fauen. Ist die Hütte dann demokratische Fraktion der Rigdorfer Stadtverordnetenversammlung endlich bezahlt, der Arbeiter glücklicher Besitzer derselben, so ist viel- daß der in Frage stehende Satz der einzige fei, den er nicht vom Sodann hat Herr Dr. P. am Tage nach dem Referat erklärt, gestellt hat. leicht unterdessen die Kohle auf dem Werke, in dessen Nähe er ge Bum Bived einer fortdauernden Verständigung in allen baut hat, alle geworden, die Gebäulichkeiten der Grube gedruckten Tert abgelesen habe. Das werde er nicht wieder machen, Berlin und die Vororte angehenden kommunalen Fragen und werden abgerissen, an einem entfernteren Orte wieder aufgebaut. notierte er, was er hatte sagen wollen, um es der Bericht damit solche Frrtümer vermieden blieben( und auf einer Postkarte ferner zur Erzielung eines einheitlichen Vorgehens nach den Grund und Boden wird dadurch entwertet. Die Industrie zicht Grundfäßen des sozialdemokratischen Kommunalprogramms wird aus", die Arbeiterschaft nach und da, wo früher reine Bauerndorfer erstatterin durch mich vor Drucklegung des Berichts zu übereine ständige Kommission eingesetzt. waren, hat sich ein mittel- und besizloses Industrieproletariat anDiefelbe besteht aus Delegierten der Berliner Stadtverordneten- gesiedelt. Oder auch umgekehrt. Am meisten tritt dies in ErHätte er die jetzt in Abrede gestellten Worte nicht gesprochen, fraktion und der Fraktionen der Gemeinde- und Stadtvertretungen scheinung im Meuselwiß- Altenburger Revier, wo in den wozu dann die Starte? Im übrigen halte ich das am 29. April in der Berichtigung Ges lezten Jahren sogar eine ganze Anzahl Arbeiterkolonien entstanden find mit polnisch sprechender Bevölkerung. Ein Ruhrbecken im sagte aufrecht. Auf weitere Berichtigungen" werde ich nicht mehr reagieren. Kleinen! W. Miethke Berlin. tommen. In der Diskussion weist Dr. 3 adet Berlin auf die Gefahr hin, daß der Grund und Boden zwischen Berlin und den Vororten immer mehr bebaut wird und in die Hände der großen Terraingesellschaften gerät, die auf lautere und umlautere Weise ihre Hand überall in den Gemeindevertretungen haben. Durch Zweckverbände der heutigen Gemeinden kann diese Gefahr beseitigt werden, denn sie stehen mit den Terraingesellschaften in mehr oder minder loser Verbindung. Unsere Vertreter müssen dafür sorgen, daß das Terrain nicht veräußert oder der Gemeinde wenigstens das Recht gewahrt wird, bei den Bebauungsplänen ein Wort mitzusprechen. Für diese und ähnliche Fragen sollten wir eine Art Aktionsausschuß aus möglichst wenig Mitgliedern ins Leben rufen. Damit schließt die Diskussion. der Vororte. Die einzelnen Drte delegieren in diese Kommission für je 10 Gemeindevertreter ein Mitglied; jeder Bruchteil unter zehn wird für voll gerechnet. Die Kommission tritt mindestens zweimal im Jahre zu sammen." Wuzki- Nirdorf empfiehlt diesen Antrag als Konsequenz der heutigen Verhandlung. Falls die Zahl der vorgeschlagenen Dele gierten zu groß erscheint, tönnte sie ja verkleinert werden. Bruns- Berlin wendet sich gegen den Antrag: Eine Zusammenund ich. mitteln. Die Leute nun, die ihr Alles, jedes bißchen Menschlichkeit geopfert haben, die zeitlebens gedarbt, geschuftet und gehungert Bewegung der Dienstboten. In Fürth i. B. fand eine außer haben, nur um sich für den Rest ihrer Tage im Befihe eines eigenen ordentlich stark besuchte Dienstbotenversammlung statt, in der beHeims zu wissen, sind dadurch um die Früchte ihrer unjäglich harten schlossen wurde, eine Filiale des Nürnberger Dienstbotenvereins zu Arbeit und Entbehrungen betrogen. Die Hütte ist bezahlt, aber sie gründen und einen eigenen Stellennachweis zu errichten, der kostenist entwertet und steht leer. Anderwärts beginnt das Spiel von los sein soll, um den wucherischen Stellenvermittlerinnen das Handneuem. In dem gegenwärtigen Kampfe sind, soweit es sich über- werk zu legen. Sunlight Seife simmt an Beliebtheit ständig in be deutendem masse zu und zwar ausser beim Publikum im allgemeinen, auch in FachBreisen, den Wäscherei- Grossbetrieben, welche OKTOGON ( ACHTECKFORMAT STÜCK10 PFG Wäscherei Schneeweiss auf ein rationelles Waschverfahren einen besonderen Wert legen und legen müssen. Immer mehr bricht sich die Hinsicht die einzig richtige- Bahn, dass eine reine unverfälschte Qualitäts- Seife, wie die marke„ Sunlicht mehr leistet als chemische Zutaten, well sie dep Schantz erweicht und auflöst, ohne, aut die Gewebe zerstörend zu wirken. Cassen Sie deshalb auch für Ihre Wäsche aur Sunlicht Selfe gebranden Sie haben dann die Berubigung, dass dieselbe auf die beste Weise, welde die moderne Wissenschaft gewährleistet, behandelt wird man achie gesan auf die Originalverpaing, als Schuß gegen Nachabingen. Turm- Str. 76 LACHMANN& SCHOLZ Besonders vorteilhaft: Eln grosser Posten Waschstoffe, Wert bis 1.- Mk. Stickerei, Wert bis 5.- k.. Warenhaus. Meter 55 Pf. Ein grosser Posten Kostüm- Röcke, Wert bis 6.- Mk. 1.95 Mk. • Ein grosser Posten Volle in allen mod. Farben. Wert bis 2.- Mk. Meter 98 Pf. 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( Ohne Gewähr.) 188 355 598 812[ 500] 927 1493 512 59 745 81 93 884 2070 212 681 896 13000] 3288 91 608 855 960 4250 477 843 72 945 5053 87 253 703 6419 39 509 607[ 3000] 935 7069 96 317 487 624[ 3000] 725 55 906[ 3000] 43 43 54 8138 363 402 73 797 964 67 9003 141 10145 278 482 582 663 91 791 868 916 63[ 500] 11044 323[ 500] 492 529 36 657 865 925 78 12076 191 358 580 767[ 1000] 90 950 81 90 13110 50 296 312 15 407 726 968 14166 279 305 47 595 780 904 15034 81 166 82[ 3000] 83 362 492 504[ 1000] 654 847[ 3000] 60 89 955 97[ 500] 16157[ 500] 314 544 691 17051 80 109 268 324 471 99 759 18038 165 87 216 439 502 814 19008[ 1000] 151[ 500] 74 627 774 96[ 1000] 828 99 947 20119[ 500] 48 95 353 80[ 500] 89 536 638 762 975 21043 346 679 83[ 500] 703 835 22013 128 267 379[ 500] 427 676 773[ 3000] 917 85 23314 73 478 542 [ 1000] 67 950 24232 570[ 3000] 734 93 858 25013 336 423 541 92 795[ 3000] 839 26043 48[ 500] 125[ 500] 74 483 604[ 3000] 937 27100 200 60 307 500 13 649[ 1000] 744 967 91 28007 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Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sannt. 10-12 Uhr. Unterricht erteilt 15666* G. Swienty, Schöneberg, Sedanstraße 57 III. 1. Ziehung 5. 5. 214. Kgl. Preuss. Lotterie. 988 127238 530 608 912 49[ 500] 128079 132 317 833 985 129069 147 93 253[ 1000] 358 87 567 832 901 Ziehung vom 7. Mai 1906, nachmittags. 13 91 Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten. 1[ 1000] 99 138 274 675 703 851 1027[ 30000] 105 [ 3000 47 1500] 469 511 18 22[ 3000] 24 49 1500 615 746 880 909 2124 68[ 10001 246 580 3175 208 61 95 540 676 719 932 4167 326 413 82 579 675 784 809 994 5112 54 655 724[ 3000] 922 56 83 130001 6062 86 192 259 [ 1000 454 556 628 798 910[ 500] 53 64 7389 435 542 724[ 1000] 819[ 3000] 8089 328 417 53 568 757 886 1500] 990[ 10001 9166 303[ 500] 463 741 1500] 914 34 10066 164 232 45[ 3000] 412 78[ 30001 559 640 769 96 830 11057 330 88 464 77 526 728 83 825 91 12082 162[ 5001 264 91 330 43 774 860 87 923 13085 410 11 44 54 646 709 993 14044 163 68 200 1500 99 377 702 68[ 10001 79 82 92 814 56 15037 75 87 145 343 587 924( 10007 16317| 10007 42 56 63 674 709 966 76 17037 69 250 419 68[ 30001 568 671[ 1000 853[ 1900] 938[ 30001 18162 375 479 507 32 647 705[ 500] 997 19144 232 61 326 428 33 500 10 18 870 903 20073 366 473 546 601 34 858 21015 95 180 267 325 470 613 968 71 22177 459 655 60 65 717 96[ 100] 925 23071 240 319 442[ 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Leuschner, Endebl. 6, In den Wagenfabriken bon Gottschalk, Motorwagenfabrit in Reinidendorf, befinden sich die sämtlichen Arbeiter im Streit. 176/9 Stukkateure! Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Charlottenburg. In der Bautischlerei von Altendorf( früher Sommer) find fämtliche Verbandskollegen wegen Feier des 1. Mai gemaßregelt worden. Die organisierten Kollegen werden ersucht, in diesem Betriebe teine Arbeit anzunehmen. Die Ortsverwaltung. 85/ 3* Deutsch. Buchbinderverband ( Bahlstelle Berlin). Folgende Firmen haben wegen der Arbeitsruhe am 1. Mai das Personal ausgesperrt: Wübben& Co. Sperling. Lüderitz& Bauer. Bleistein. Reiß. Rickmann. Thomas. C. F. Walter. Schneider& Ziegler. Fritsche- Baumbach. Schubert. Ludwig. Nancksch. Wenk. Pinkert& Co. Schoß. Metschke. Bor Arbeitsannahme in obigen Betrieben wird gewarnt! Buzug ist fernzuhalten! 23/ 20* Die Ortsverwaltung. Achtung! Achtung! Rohrleger und Helfer! Die Firma Gorka, Bankow, Floraftr. 37, und folgende Bauten find gesperrt: In Bankow, Krankenhaus, Breitestr. 49, Bau Beer. In Schöneberg, WartburgStraße 22, Bau Hübner. Baut In Regel, Seegaffe, 118/ 12* Luscher. An die Bauhandwerker appellieren tir, uns zu unterstützen. Die Ortsverwaltung. Deutscher HolzarbeiterVerband. Begen Streit und Lohndifferenzen find gesperrt: Für Tischler, Bolierer und Mas schinenarbeiter Franz Schulz ,. Frankfurter Allee 28, Gebr. Neukirch, 2angestr. 10. Siegfried, Mainzerstraße, Kuhnert in Martinickenfelde, Meyer, Heitchen& Ko., Memelerstraße. Für Drechsler, Tischler, Stellmacher, Polierer, Maschinenarbeiter und Bildhauer Bettstelle mit Federmatrabe und teil wird schnellstens zu erstklassigem Automobilführer! Jedermann Tiffen 29, Rohrsizstühle 3, MuschelMöbelfabrik, Dranienstraße 58, spiegel 12, Säulentrumeau, geschliffen Chauffeur ausgebildet. Lehrpläne direkt Morigplak. In meinen drei 36, Herrenschreibtisch 50, Garderobenfostenlos. Glänzendste Erfolge. 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Mai, abends 8 Uhr: V e r» sammlung des Wahlvereins bei Reisen, Chaussee- st r a tz e 1 04. Tagesordnung: Bortrag des Genossen K a l i s I i. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Schmargendorf. Am Mittwoch, den 9. Mai, abends 8'/� Uhr, findet im Restaurant„Wirtshaus Schmargendorf", Warnemünder- straße S, eine Mitgliederversammlung des Wahlvoreins statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem: Vortrag über„Sozialistische Kommunalpolitik". Gäste, besonders die Gemeindewähler, welche bei der diesjährigen Wahl für unseren Kandidaten gestimmt haben, sind hierzu eingeladen. Die Parteigenossen sind verpflichtet, in der Versammlung pünktlich zu erscheinen und in weitesten Kreisen für dieselbe zu agitteren. Bezirk WaidmannSlust. Der Diskutierabend für Borsigwalde findet am Dienstag abend 9 Uhr bei Kube statt. Genosse Voigt hält den zweiten Teil seines Vorttages„Die Gesetzgebung des Likurgus und deS Solan". Rege Beteiligung wünscht » Der Vorstand. Wittenau. Die Mitglieder des Wahlvereins werden ersucht, zu dem am Mittwoch, den 9. Mai, abends 9 Uhr, bei Böhm statt- findenden Diskutierabend pünktlich und vollzählig zu erscheinen. Es erfolgt die Ausgabe der neuen Mitgliedsbücher; die alten Mitglieds- bücher sind zum Zweck der Kontrolle mitzubringen. Der Vorstand. Spandau. Heute Dienstag abend findet in allen Bezirkslokalen Zahlabend statt. Potsdam. Der sozialdemokratische Wahlverein hält seine Mit- gliederversammlung morgen Mittwoch, den 9. Mai, abends b'/z Uhr, im Lokale von Ladenthin ab. Tagesordnung: Mit- gliederaufnahme, Vereinsmitteilungen Maifeier usw.), Vortrag über Konsumgenossenschaften, Verschiedenes. Zahl- reichen Besuch erwartet Der Vorstand. Achtung! Borher VorstandSsitzung um S Uhr. berliner I�acfmcbten. Zn einer Kundgebung gegen alle Sonderinteressen hat sich die am Sonntage im Gewerkschaftshause stattgehabte Konferenz der sozialdemokrattschen Gemeindevertreter von Groß-Berlin gestaltet. Zusammenberufen war die Konferenz, um zu einigen die Stadt Berlin und die Vororte gemeinsam angehenden, be- sonders dringlichen Fragen Stellung zu nehmen und die Richt- linien festzulegen, nach»velcher Richtung hin sich vorzugsweise die Tätigkeit sozialdemokrattscher Gemeindevertreter zu erstrecken habe. Als besonders dringlich wurde die Frage des Ver- kehrswesens, sotvie die der Armen- und Krankenpflege erachtet. In instrukttven Referaten legten die Referenten dar, daß Berlin mit den Vororten schon längst eine wirtschaftliche Einheit bildeten und deshalb alle Ursache hätten, ihre gemeinsamen Interessen zu wahren. Es sei ein Nonsens, wenn es heiße, Berlin gegen die Vororte oder die Vororte gegen Berlin. sondern es müsse heißen: Berlin m i t den Vororten und die Vororte mit Berlin. Kleine Lokalinteressen müßten da zurücktreten, Sonderinteressen scharf bekämpft werden. Vor allem gelte es aber, in Rücksicht auf die besonders dringliche Regelung des Verkehrswesens mit aller Energie sich jedweder Ausdehnung des Machtbereichs einer der schon bestehenden Erwerbs- gesellschaften oder der Erteilung von Konzessionen an neu sich bildende Gesellschaften zu widersetzen und immer lauter die Forderung der Kommunalisierung des Verkehrswesens zu er- heben. Zu diesem Zweck ist die Eingemeindung der mit Berlin eine wirtschaftliche Einheit bildenden Vororte geboten und so lange diese durch die Lage der Gesetzgebung nicht zu er- reichen ist, ist die Bildung von Zwcckverbänden und zwar als Zwangsverbände anzustreben. In der Diskussion zeigte sich, daß das Gebiet der g e- meinsamen Interessen Berlins und der Vororte ein solch umfangreiches ist. daß eine öftere Aussprache der sozial- demokratischen Gemeindevertreter von Groß-Berlin zu einer dringenden Notwendigkeit tvird. Diese soll denn auch öfter erfolgen. Die Konferenz lieferte den Beweis, mit welchem Eifer die sozialdemokratischen Gemcindevcrtreter bemüht sind, die Vertvaltung der Gemeindevertretungen mit sozialem Geist zu durchtränken und die Interessen der besitzlosen Klassen gegen die Sonderinteressen der Haus- und Grundbesitzer nach Kräften wahrzunehmen. Das wird aber umso intensiver geschehen können, wenn allerorts dafür gesorgt wird, daß sich die Zahl der sozialdemokratischen Gemoindevertreter bei jeder Wahl vermehrt. Auf der TageSordnuu» der Sitzung der Stadtverordneteu-Brr- sammlung am Donnerstag, den 10. Mai. stehen u. a. folgende Punkte: Antrag der Stadtverordneten Antrickund Genossen betreffend die Einführung von Bestimmungen über die Arbeits» und Lohnverhältnisse der stadtischen Arbeiter Berlins: Borlage betreffend den Erlaß einer Grund. steuerordnung nach dem Maststabe des gemeinen Wertes und einer revidierten UmsatzsicUerordnung unter Ein» führung einer Wertzuwachs st euer: Vorlage betreffend den Berkauf eines Grundstücks Müllerstraße 101: außerdem noch einige kleinere Vorlagen. Bureaukratismus in Krankenhäusern. In der jüngsten Sitzung in der städtischen Deputation für Krankenanstalten und öffentliche Gesundheitspflege wurden vom Genossen Dr. Wehl die Klagen über den Zeitverlust bei der Auf- nähme Schwerkranker zur Sprache gebracht, von denen in der Generalversammlung der Betriebskrankenkasse der Großen wer. liner Straßenbahn nn Anschluß an einen Fall die Rede loar. der im Augusta Viktoria-Krankenhause m Weißensee sich ereignet haben sollte. Von der Verwaltung der städtischen Krankenanstalten wurde ausdrücklich betont, daß diese Klagen auf städtische Kranlenhäuser sich nicht beziehen könnten. Abgesehen davon, daß Beschwerdeu über Scherereien bei der Aufnahme überhaupt nicht eingegangeu seien, seien die Verwaltungen der einzelnen städtischen Krankenhäuser ausdrücklich und zu wiederholten Malen darauf aufmerksam ge- macht worden, daß Schwerkranke ohne jeden Zeitverlust und ohne irgendwelche Schwierigkeiten sofort dem behandelnden Arzte zugeführt werden müssen. Andererseits ist es aber notwendig, daß leichter Erkrankte der Verwaltung Auskunft über ihr Nationale geben, um die Verwandten schnell und sicher von irgendwelchen Zufällen zu unterrichten. Jedenfalls wurde aber den Verwaltungsdirektoren samt- licher städtischen Krankenhäuser noch einmal auf das eindringlich st e eingeschärft, daß bei der Aufnahme von Kranken in die Anstalten, namentlich von Schwerverletzten, denen sofortige Hülfe not tut, und zu deren Lebensrettung jeder Augenblick kostbar ist, die erste notwendigste Hülfe sofort zuteil wird; mit der Aufzeichnung der Personalien soll es bis dahin Zeit haben. Es wird die dringliche Aufgabe der Kranken, die Aufnahme in eine Heilanstalt suchen, beziehungsweise deren Angehörigen sein, umgehend an der zu- ständigen Stelle Beschwerde zu erheben, wenn etwa in einem Falle von dem nachgeordneten Bureaupersonal die von der Verwaltung festgesetzten Bestimmungen verletzt werden. Der Schlaganfall, von dem der Herr Stadtschulrat Dr. Gersten- berg betroffen wurde, soll, wie die„VolkS-Zeitung" zu melden weiß, infolge einer erregten Konferenz eingetreten sein, die zwischen ihm und dem Proliinzialschulrat Ullmann stattgefunden hatte. In dem Befinden des Herrn Gerstenberg soll übrigens eine Verschlimmerung eingetreten sein. Die Deputation fürs städtische Badewesen gibt bekannt: Im städtischen Volksbad Dennewitzstraße 24 s. ist versuchsweise ein zweiter Schwimmabend für weibliche Personen, und zwar an jedem Montag von 6Vz bis S'/j Uhr, eingeführt worden. Die abwechselnde Benutzung der Schwimmhalle von beiden Ge- schlechtem soll nunmehr in dieser Anstalt wie folgt stattfinden: I. Schwimmbadezeit für weibliche Personen: a) abends am Montag und Donnerstag von g'/o bis 8'/z Uhr, b) vormittags an allen Werktagen von vVz bis 12 Uhr, c) nachmittags am Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonnabend von 2 bis 4 Uhr. II. Schwimmbadezeit für männliche Personen: während der ganzen übrigen Betriebszeit von morgens 7(im Sommer 6) bis abends 8'/- Uhr, Freitags 9 Uhr,. Sonnabends 9Vz Uhr und Sonmags bjs 1 Uhr nachmittag(Kassenschluß 1la Stunde vorher). In den anderen städtischen Volksbadeanstalten bleiben sowohl die Schwimmabende für Frauen und Mädchen, und zwar in der Anstalt a) Turmstraße und Schillingsbrücke am Montag, b) Oderbergerstraße am Dienstag, o) Bärwaldstraße am Mittwoch als auch die übrigen Schwimmbadezeiten unverändert. Wir inachen besonders darauf aufmerksam, daß die Schwimm« hallen auch zur Benutzung für Nichtschwimmer eingerichtet sind. Die Wanngn- und Brausebäder stehen während des ganzen TageS (an Sonntagen vormittags) Männern wie Frauen ununterbrochen zur Benutzung offen. Auslegung der Gcwerbesteuerrolle. Die für daS Steuerjahr vom 1. April 1906 bis 31. März 1807 festgesetzte Gewerbesteuerrolle wird gemäß der Vorschrift im K 31 des Gewerbesteuergesetzes vom 24. Juni 1891 in der Zeit vom 7. bis einschließlich 13. Mai d. I. täglich von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags in dem Bureau der Steuerdeputation des Magistrats, Abteilung I, Poststt. 16, 1 Tr., unter Aufsicht der dazu bestellten Beamten öffentlich auSliegen.— Die Einsicht in die Steuerrolle ist nur den Steuerpflichtigen des Veranlagungsbezirks gestattet. Verschwundener Arbeitgeber. Der Schneidermeister Bauer, früher Zossenerstr. 55 wohnhaft, ist von acht Arbeitern und neun Arbeite- rinnen beim hiesigen Gewerbegericht verklagt worden. Die Kläger fordern insgesamt 301,75 M. rückständigen Lohn und Lohnvergütung wegen gesetzwidriger, grundloser Entlassung ohne Kündigung. Da der jetzige Aufenthalt des Beklagten unbekaimt ist. erläßt das Ge- Werbegericht öffentliche Zustellung, durch welche der pp. Bauer zu dem auf den 11. Juni d. I.,"vormittags 10 Uhr, anberaumten Termin zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreitet vor die erste Kammer des Gewerberichts zu Berlin, Zimmerstr. 90—91, 3 Tr., Zimmer Nr. 26, geladen wird. Für das Seelenheil der Berliner Bevölkerung wird nach Kräften gesorgt. Obwohl immer mehr Leute der Kirche den Rücken kehren, werden immer mehr Kirchen gebaut. Am Sonntag ist in der Schön- hauser Allee die Einmauerung einer Bauurkunde zu einer Segens- kirche vollzogen worden. Ursprünglich wollte man die Kirche Wart- burgkirche taufen; damit war aber der Kaiser nicht einverstanden und so erhielt sie den Namen Segenskirche. Vom Schlachtfeld der Straße. In geradezu beängstigender Weise häufen sich seit einiger Zeit die Unglücksfälle im Straßenverkehr. Heute werde» uns wieder acht schwere Unfälle, darunter zwei mit tödlichem Ausgang gemeldet. Am Sonntagmorgen war der 64 Jahre alte Zettelankleber Adolf Beterich, Metzerstr. 30 wohn- Haft, an der Ecke der Koch- und Friedrichstraße mit dem Ankleben von Plakaten beschäftigt und hatte hierzu seine Leiter an der Bord- schwelle aufgestellt. In diesem Augenblick fuhr das Automobil A 1380 dicht vorüber, die Leiter wurde erfaßt und B. auf die Straße geschleudert. Er erlitt einen komplizierten Oberschenkel- bruch und wurde in die Charits eingeliefert.— Ein zweiter schwerer Automobilunfall ereignete sich auf der Chaussee bei Sadowa. Der in der Nosenthalerstratze wohnhafte Fabrikant Max Bräuer befand sich mit seinem Automobil auf der Rückfahrt von Köpenick. Kurz hinter Sadowa stieß der Kraftivagen gegen einen Chausseestein und schlug um. Der Chauffeur und der Eigentümer stürzten auf die Straße und während der erstere mit leichteren Verletzungen davonkam, wurde B. schwerverletzt vom Platze getragen.— Em tragischer Unglücksfall, der mit dem Tode eines Kindes endete, trug sich in der Liebigstraße zu. Die sünfjährige Margarete Schulz hatte vor dem Elternhause in der Liebigstraße 30 gespielt und war plötzlich von einem großen Hunde angefallen worden. Angstschreiend flüchtete die Kleine und in ihrer Verwirrung rannte sie auf der Straße in ein Fuhrwerk hinein, wurde überfahren und so schwer verletzt, daß sie bald starb. Die Leiche ist polizeilich beschlagnabmt worden.— Ebenfalls einen tödlichen Verlauf hatte ein Unglücksfall in der Mirbachstraße. Der in dem Fuhrgeschäft von F. Dornte angestellt gewesene Kutscher August Donat wurde von einem Lastwagen überfahren und auf der Stelle getötet.— Von einem Automobilomnibus überfahren wurde der 30 jährige Bäckermeister Albrecht Lechtelt aus der Bredowstr. 25. L. fuhr in der Chaussee- straße auf seinem Zweirad und wurde an der Jnvalidenstrahe von einem Auto-OmnibuS gestreift, umgerissen und überfahren. Der Verunglückte erlitt einen schweren Unterschenkelbruch.— Außerdem werden noch drei schwere Unfälle im Straßenbahnverkehr ge« meldet. Bei einem Zusammenstoß zwischen dem Motorwagen Nummer 2896 der Linie 15 und einem Bierwagen an der Roon- straße wurde der Kutscher Albert OlschovSki vom Bock herunter- geschleudert und erheblich verletzt.— An der Ecke der Oderberger- straße und Kastanien-Allce wurde der Arbeiter Franz Schlüter, Chorinerstr. 26 wohnhaft, beim Kreuzen der Gleise mit dem Fahrrad umgeworfen und zwischen Straßendamm und Vorderplattform so fest eingeklemmt, daß ihn die Feuerwehr aus seiner schreckliche» Lage befreien mußte. Der Bedauernswerte hatte einen schweren Schädelbruch sowie Beinbrüche erlitten und wurde in hoffnungs- losem Zustande nach dem Krankenhause gebracht.— Von einem Straßenbahnwagen der Linie Friedrichstraße— Pankow abgestürzt und schwerverletzt wurde die 60jährige Privatiere Ottilie Freitag aus der Pankstr. 47. Eine Panik in der Untergrundbahn. Durch Kurzschluß ist in der gestrigen Nacht auf der Untergrundbahn eine Panik hervorgerufen worden, die leicht von den schwersten Folgen hätte sein können. Kurz vor der Einfahrt eine? Zuges in die Station Zoologischer Garten entstand bei dem Wagen HI. Klasse Nr. 107 plötzlich Kurz- schluß, eine mächtige Feuersäule schlug im nächsten Augenblick empor und die Fahrgäste, welche glaubten, daß der Wagen brenne, bemächtigte sich eine ungeheure Aufregung. Erschrocken floh alles nach den Ausgängen, wo es bald ein fürchter« licheS Gedränge gab. Der zwanzigjährige Malergehülfe Emil Fenske, Wassertorstr. 69, der noch vor dem Halten deS ZugeS aus dem Wagen herausspringen wollte, wurde von den nachfolgenden Fahrgästen mit solcher Gewalt gegen die Wagenseite gedrückt, daß er erhebliche Quetschungen am Arm und Hautabschürfungen erlitt. Der Verletzte mußte nach der Unfallstation XX gebracht werden, wo er die erste Hülfe erhielt. Die Entstehungsursache deS Kurzschlusses konnte noch nicht festgestellt werden. Es wird angenommen, daß einer der Fahrgäste aus dem hinteren Wagenfenster einen Gegen- stand herausgeworfen hat, der mit der elektrischen Leitung in Bc- rührung gekommen ist. Ein Leser unseres BlatteS, der in diesem Ungkückszngc fuhr, schreibt uns, daß die Hoch- und Untergrundbahn-Gesellschafi. gmau so rücksichtslos das Publikum behandele, wie die große Berliner. Geradezu lebensgefährlich sei eS am Sonntag gewesen. Neben der ungeheuren Ueberfüllung, die durch schnellere Zugfolge eingeschränkt werden könne, sei zu rügen, daß eine Temperatur in den Wagen herrschte, die jedem den Atem benahm. Hier müßte durch ein genügendes Oeffnen der Fenster für Abhülfe gesorgt werden. Untergang eines Dampfers auf der Oberspree. Als det Trainingdampfer„Heinz" des Berliner Rudervereins 1876 Sonn- tag abend eine Fahrt auf der Oberspree unternahm, wobei er von einem Ruderboot begleitet wurde, begegnete ihm gegen acht Uhr auf der Höhe der Neptunswerft der Schleppdampfer„Konkordia". der leer fuhr. Der Steuermann der„Konkordia" muß nun einen Fehler begangen haben. Denn als der Schlepper sich unmittelbar vor dem Trainingdampfer„Heinz" befand, machte die„Konkordia" plötzlich eine Wendung, und ehe der„Heinz" beidrehen konnte, war die„Konkordia" mit voller Gewalt gegen ihn angefahren. Die Kollision war so heftig, daß der breitseits von dem Schlepper gc- troffene„Heinz" mitten durchschnitten wurde. Das Schiff überschlug sich und sank sofort in die Tiefe, während die „Konkordia" Konterdampf gab. Auch sie war stark beschädigt worden. Die Besatzung des„Heinz", bestehend auS dem Dampfer- führer, einem Trainer und einem Kohlcnschipper, wurde mit in das Wasser gezogen. Da aber alle drei Personen gute Schwimmer waren und das Ruderboot zur Hülfe eilte, gelang eS, mit vieler Mühe zwar, sie zu retten. Der Trainer hatte bei dem Zusammen- stoß schwere Verletzungen erlitten. Aus der ElrndSstatistik. Im Berliner Asylverein für Obdachlose nächtigten im Monat April im Mäimerasyl 20 767 Personen, wovon 9233 badeten, im Frauenashl 4591 Personen, wovon 1197 badeten. Di« Selbstmordchronik vom gestrigen Tage meldet drei Selbst- morde durch Erhängen. In der Memelerstr. 6 machte der Bau- arbeiter Konrad Henze seinem Leben gewaltsam ein Ende. H. wurde gestern morgen seit 9 Uhr von seinen Angehörigen vermißt. Abends suchte man schließlich das ganze Haus nach ihm ab und fand den Verschwundenen auf den Boden erhängt auf. H. hatte angeblich wegen Arbeitslosigkeit Selbstmord verübt.— Aus Lebensüberdruß hat der Händler Karanowski, der in der Wilsnackerstr. 66 in Schlaf- stelle wohnte, den Tod gesucht. K. erhängte sich in der Küche seiner Wirtin.— Eine schreckliche Ueberraschung wurde gestern morgen der Ehefrau H. aus der Willibald-AIexisstr. 34 zu teil. Als sie das Wohnziinnier betrat, fand sie ihre 72 Jahre alte Mutter am Fenster- kreuz erhängt vor. Wegen andauernder Krankheit hatte die Greisin ihrem Dasein ein vorzeitiges Ende bereitet. In der Narkose gestorben ist am Sonnabendnachmittag der 30 Jahre alte Hausdiener Gotthold Ludwig aus der Müllerstr. 4. Er wollte sich von einem Zahnarzt im Osten der Stadt einen Augen- und einen Mittelzahn ziehen lassen, erwachte aber nicht wieder aus der Narkose. Wiederbelebungsversuche, bei denen auch Sauerstoff angewendet wurde, blieben ohne Erfolg. Ob der Zahn- arzt bei der Narkose die vorgeschriebenen Sicherheitsmaßregeln an- gewendet hat, ist Gegenstand einer Untersuchung. Der Verstorbene hinterläßt seine Frau mit drei Kindern im Alter von sechs bis zwei Jahren. Warnung. Vorgestern wurde von einem Scheusal ein fünf- jähriges Mädchen auf der Treppe des Hauses Neanderstr. 34 ver- gewalttgt. Als das Kind schrie, entfloh der Verbrecher, ein junger Mensch, und entkam. Nicht minder gefährlich sind die Unholde, die in der Maske von Schulärzten kommen, um die Kinder unter dem Vorwande, sie seien für die Ferienkolonie ausersehen, auf ihren Gesundheitszustand zu untersuchen. Schulärzte untersuchen zu diesem Zwecke die Kinder nur in der. Schule, und die Aerzte der Ferienkolonien nur in ihren Sprechstunden. Leute, die unter ihrer Maske in die Wohnungen komnren, sind nur Wüstlinge, alte oder junge, die ihren Lüsten ftönen wollen. Die Eltern sollten sie sofort festnehmen lassen oder wenigstens nach Ausweispapieren fragen. Eine noch nicht aufgeklärte Brandstiftung beschäftigt die Kriminal- Polizei und Feuerwehr. Am Sonntag früh um 3 Uhr wurde die 4. Kompagnie nach der Gerichtstr. 71 gerufen. Dort stand der un- mittelbar an der Panks errichtete Lumpenspeicher der Firma Hugo Rollert. Inhaberin grau Emma Wahle in«roher Ausdehnung in Flammen. Die Feuerwehr mußte mit vier Rohren längere Zeit Wasser geben, um die Flammen zu löschen, die an den Lumpen. Papier usw. reiche Nahrung gefunden hatten. Erst nach mehr- stündiger, angestrengter und durch den Qualm sehr erschwerter Tätigkeit konnte die Feuerwehr wieder abrücken. Eine Brandwache mit zwei Schlauchleitungen hielt die Brandstelle am Sonntag unter Wasser. um einen Wiederausbruch zu verhüten. Während hier die Feuerwehr noch beschäftigt war, wurde sie gegen 5 Uhr früh nach der Reinickendorferstr. 45 gerufen. Dort hatte die Firma Hugo Rollert ein zweites Lager. Dieses stand ebenfalls in Flammen. Die Feuerwehr war schnell zur Stelle, fand aber schon einen aus- gedehnten Brandherd vor, so daß die Ursache des Feuers mit Sicherheit mcht festgestellt werden konnte. Durch den Umstand, daß es an mehreren Stellen brannte und beide großen Läger fast gleich- zettig zu eurer Zelt brannten, da doch niemano dort etwas zu tun man von selten der Behörden und der Beteiligten vorsätzliche Brandstiftung an. Von dem Täter fehlt bis jetzt noch lebe Spur. Außer diesen beiden Bränden hatte die Wehr noch mehrere gefährliche auf dem Schlesischen, Anhalter und Bromberger Güter- bahnhofe und dem Nordbahnhof ausgekommene Brände»u löschen. Auf dem Schlesischcn Bahnhofe brannten Eisenbahnwagen mit Preßkohlen abendZ nm 6 und morgens um 6 Uhr. Auf dem Anhalter Bahnhof standen nachmittags und nachts mehrere Lowries mit Kohlen in Flammen. Auch auf dem Ostbahnhof brannten Kohlen und auf dem Nordbahnhof Lumpen, zu deren Löschung es längerer Arbeit und viel Wasser bedurfte. Grober Unfug lag einer Feuermeldung zu- gründe, die in der Nacht zum Sonntag aus der Triftstratze einlief. Ferner hatte die Wehr mehrere Kellerbrände, in der Falckenstein- straße 13, Gubenerstr. 61 usw. zu löschen. In der Ritterstr. 46 brannten Pappen u. a., in der Oberwallstr. 8 die Rohrverpackung der Wasserleitung, Kaiser Wilhelmstr. L�Wäsche u. a. Vorsicht vor falschen Postbeamten! Der Fall, daß falsche Post- Aeamte und Arbeiter sich Zutritt zu den Hausdüchern verschafft haben, nm Diebstähle von Fernsprechdraht auszuführen, hat sich jetzt mehrfach wiederholt. Die Diebe tragen nicht nur eine Post- mutze, sondern wiesen sich auch noch als Störnngssucher oder Telegraphenarbeiter durch Vorzeigung einer kleinen Blechmarke aus. Um einer weiteren Wiederholung dieser Fälle vorzubeugen, läßt die Oberpostdirektion ersuchen, darauf hinzuweisen, daß die Beamten und Arbeiter der Reichstelegraphenverwaltung zur Vornahme von Arbeiten an den Fernsprechgestängen und Leitungen sowie zur Ver- hütung und Beseitigung von Störungen private Grundstücke, Ge- bände und deren Dächer nur nach vorheriger schriftlicher Ankündigung betreten dürfen. Sie sind ferner verpflichtet, vor dem Beginn der Arbeiten in den Gebäuden gedruckte Ausweiskarten vorzu- zeigen, die von der Oberpostdirektion Berlin mit folgendem Wortlaute ausgestellt sind:„Inhaber dieser Karte(Name) ist bei den Arbeiten an den Fernsprecheinrichtungen in Berlin beschäftigt. Die Hauseigentümer werden ersucht, dem Inhaber den Zutritt zu den Boden-, Keller- und Dachräumlichkeiten usw. ihrer Häuser zu ge- statten." In den Karten ist der Name der Inhaber angegeben, bei den Arbeitern außerdem eine Nummer, die der entspricht, die an der Postdienstmütze dieser Arbeiter befestigt ist. Die Farbe der Ausweis- karte» wird alljährlich gewechselt! für das Jahr 1966 ist sie hellblau. Die Hauseigentümer werden in ihrem eigenen Interesse ersucht, den Zutritt zu den Dächern, auf denen sich Fernsprechgestänge befinden, nur solchen Personen zu gestatten, welche vorher schriftlich an- gekündigt sind, oder— in Störungsfällen— eine solche schriftliche Ankündigung vorher abgeben und außerdem die Ausweiskarte vor- zeigen. Auch ist es erwünscht, daß die Hauseigentümer und Haus- Verwalter die Benachrichtigungsschreiben aufheben und sich die Nummer der Ausweislarte sowie der Dienstmütze merken. Straßensperrung. Die Alte Jakobstraße von der Seydel- bis zur Neuen Roßstraße einschließlich des Kreuzdammes wird behufs Asphaltierung vom 16. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Radrennen zu Steglitz, 6. Mai. Das reichhaltige Programm des Tages brachte als Hauptnummer den„Steglitzer Stunden- preis", ein Dauerrennen mit Motorschrittmachern(löOO, 1000, 800 und 700 M.); es wurde von dem Holländer Dickentmann in überlegener Weise gegen D e m k e(Berlin), Darragon(Paris) und H u b e r(München) bestritten. Letzterer, der zu Ostern sehr sicher fuhr, wurde diesmal letzter, während Demke, der damals vollständig versagte, als zweiter vor Darragon endete. Dickentmann fuhr ganz vorzüglich; Darragon blieb anfangs etwas zurück; während er aber vom 20. Kilometer an aufholte, wurde Hubers Verlust immer größer. Ergebnisse der Stunde: 1. Dickentmann 79,580 Kilometer; 2. Demke 78 090 Kilometer; 3. Darragon 77,890 Kilometer; 4. Hube� 74,570 Kilometer.— Ein zweites Dauerrennen über 30 Kilometer(350, 300, 256, 200 M.) wurde von Fr. R y s e r in 24 Minuten 29% Sekunden gegen 81. S ch ip k e-Berlin(1380 Meter), I.©toi-Amsterdam(2300 Meter) und W. M a u ß- Köln(2566 Meter zurück) gewonnen. Ryser übernahm gleich anfangs die Spitze; Stol, der zuerst Widerstand leistete, endete als Dritter, während Mauß sich nicht zur Geltung bringen konnte. Drei andere Rennen waren für die„Flieger" bestimmt: zu allen waren zahlreiche Nennungen eingegangen. Im Haupt- fahren siegte Bader vor Kudela, Scheuermann und Wegener. 46 Fahrer waren in den Vor- bezw. Zwischenläufen ausge schieden.— Das Vorgabefahren über 1609 Meter gewann Kudela(26 Meter Vorgabe) vor Conrad(36), Hellemann (46), Theile(30) und Nedela(20). Nicht placiert weitere 6 Fahrer, in den Vorläufen ausgeschieden: 27.— Das Prämie»fahren wurde von 32 Fahrern in einem Lauf bestritten. Kudela war siegreich vor Wegener, Conrad und Johannsen. Die Rennen ver- liefen bei schönstem Wetter ohne Unfall; in den Mittagsstunden her- niedergegangene Regenfälle mochten wohl etwas den Besuch beein- trächtigt haben; immerhin waren gegen 6000 Zuschauer anwesend. Orgelkonzert. Mittwoch, den 9. Mai, abends 7% Uhr, ver- anstaltet der Kgl. Musikdirektor Bernhard Jrrgang in der St. Marien- Kirche das nächste Orgelkonzert unter Mitwirknng von Frau Chart. Kimpel(Sopran), Frl. Frida Schröder(Alt), Herrn Georg Dieburtz-Merlin(Violine) und dem Frauenchor des Jerusalems- Kircheuchors(Leitung: Herr Max Eschke), Orgelsonate von Renner junior, Lamentation für Alt und Frauenchor von C. Thiel. Der Eintritt ist frei._ Vorort- l�ackrickren. Schöneberg. Erhängt vorgefunden wurde auf dem Bahnhof Grunewald der Lehrer Seeger aus Schöneberg. Bei der Leiche fand sich ein Brief, der an die Schwester des Verstorbenen gerichtet war. Der Grund zum Selbstmord soll in einer seelischen Depression zu suchen sein, die infolge der ungünstigen Ergebnisse einer kurz zuvor abgehaltenen Klassenrevision bei dem Unglücklichen Platz gegriffen hatte. Rnmmelsburg. Bei der Maifeier im Cafö Bellevue sind verschiedene Ge- Winne bei der Verlosung nicht abgeholt worden. Die Inhaber nachstehender Gewinnnummern 496, 567, 121, 497, 276, 835 und 325 können die Gegenstände beim Genossen Stitzky, Sonntagstr. 32, 1 Tr. links jederzeit in Empfang nehmen. Ober- Schönelveide. Heute abend 5 Uhr findet in der Schnlanla, Frischenstraße, eine öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung statt. Auf der Tages- ordnung steht unter anderem der Antrag unserer Genossen auf Ver- mehrung der Zahl der Gemeindevertreter. Köpenick. Zu der Notiz:„Einen traurigen Abschluß" ersuchen uns die Eltern der Elisabeth Ackelbein mitzuteilen, daß die Selbstmord- Ursache in der Nervosität ihrer Tochter zu suchen ist. Sie habe schon des öfteren die Absicht ausgesprochen, sich das Leben zu nehmen. Eine Identität zivischen der Braut des genannten Scheibner und ihrer Tochter bestehe nicht. Pankow. Eines Sittlichkeitsattentats auf eine Stotternde war Mitte März ein Herr K. aus der Mühlenstraße beschuldigt worden. Die geführte Voruntersuchung hat indes keinerlei Unterlagen für diese Be- schuldigung ergeben, so daß Herr K. von der Staatsanwaltschaft außer Verfolgung gesetzt worden ist. Der Amts- und Gemeindevorsteher Bürgermeister Gottschalk hat plötzlich sein Amt niedergelegt. Als am Freitagnachmittag die Bau- und Wegebau- sowie die Krankenhauskommission mit ihren Sitzungen beginnen wollten, wurde die Amtsniederlegung bekannt. Gottschalk wurde am frühen Vormittag zum Landrat des Nicderbarnimer Kreises berufen,»ach seiner Wiederkunft übergab er sofort die Ge- schäfte an den stellvertretenden Gemeindevorsteher. Schöffen Schmidt. Wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir der Annahme huldigen, die plötzliche Niederlegung mit den in Nr. 101 des„Vor- wärts" gemachten Mitteilungen in Verbindung steht. Es ist indes recht sonderbar, daß der Hofmaurermeister Hackrath, welcher durch die frühe Bescheinigung der Rohbauabnahme einen Vermögensvorteil gehabt hat, sein Mandat nicht niederlegte. Hackrath ist bekanntlich auf sechs Jahre wiedergewählt und soll bei der heute stattfindenden Schöffeuwahl von seinen Freunden zum Schöffen vorgeschlagen und gewählt werden. Zweifellos wird aber bei eventueller Wahl Hackrath nicht bestätigt werden. Die heute stattfindende Sitzung wird überhaupt reich an Ueberraschungen sein, es sollen unter anderen: die Bedingungen für die Anstellung eines neuen Bürgermeisters festgelegt werden. Außerdem wird die Wahl eines besoldeten Schöffen vorgenommen. Hierbei ist auch schon seit Wochen unter den in Betracht kommenden Personen eine heftige, im Stillen wirkende Agitation zu verzeichnen. Da außerdem die Wahl eines unbesoldeten Schöffen vorgenommen wird, so bleibt die Stelle eines noch zu wählenden zweiten Schöffen vorläufig unerledigt. Reinickendorf. Einen schweren Verlust hat der Arbeiter Oskar Müller zu ver- zeichnen. Derselbe verlor am Sonntag auf dem Wege durch die Koloniestraße sein Portemonnaie mit 48,90 M., worunter sich noch einkassierte Beiträge für seine Organisation befanden. In dem Portemonnaie befanden sich noch ein Medaillon und ein Ohrring. ES wird der ehrliche Finder gebeten, das Portemonnaie gegen eine Belohnung von 16 M. im Bureau des Handels- und Transport- arbeiter-Verbandes, Engel-Ufer 15, abzugeben. ?!owawes. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag wurde in das Ge- schäftszimmer des Konsumvereins und in die nebenan gelegene Kon- ditorei in der Priesterstraße ein Einbruch verübt. Das gestohlene Objekt betrug im Konsumverein 6 M. und in der Konditorei 150 M. Von den in beiden Geschäftsräumen vorhandenen Waren ist nichts angerührt. 8luch sind die Türen nach dem Verlassen der Räume wieder verschlossen worden, so daß im Konsumverein erst am Freitag abend der Diebstahl entdeckt wurde. Der hierauf von dem Diebstahl in Kenntnis gesetzte Gendarm N. erschien Sonnabend nachmittag 4 Uhr im Geschäftslokal und entfernte sich gleich darauf mit dem Bemerken, daß er jetzt keine Zeit habe. Welche dringende Aufgabe hatte der Gendarm bis zum Abend zu erfüllen? Nun, die wegen der Maifeier ausgesperrten 600 Arbeiter von Orensrein u. Koppel in Drewitz waren gemeinsam auf dem Wege nach der Fabrik, um sich dort ihren Lohn zu holen! Erst als am Sonntagvormittag 11 Uhr nochmals ein Vorstandsmitglied des Konsumvereins den Gendarm in seiner Wohnung aufsuchte, bequemte er sich, um 12 Uhr im Geschäfts- zimmer zu erscheinen und dort ein Protokoll aufzunehmen. Nach diesem Vorgange könnte es scheinen, als würde die Gendarmerie nur von der Firma Orenstein u. Koppel bezahlt. Da- gegen müssen wir entschieden Verwahrung einlegen, noch dazu, wo sie sich, wie immer so auch diesmal, bei friedlichen Arbe.iteraufzügen als höchst überflüssig erwiesen hat, indem die Lohnzahlung ohne die geringste Störung von statten ging. Potsdam.» Der Slutomobil-Omnibus hat nun auch in Potsdam seinen Einzug gehalten. Am Sonntag hat die erst kürzlich gegründete Bornim-Bornstedter Motor- Omnibusgesellschaft ihren Betrieb er- öffnet. Die nach dem Muster der Berliner Wagen gebauten Auto- mobile verkehren von den beiden Vororten Bornim-Born- st e d t bis zum Brandenburger Tor resp. Hauptbahn- Hof in Potsdam und umgekehrt. Der Preis der ganzen Fahrt be- 20 Pf., der Teilstrecke 10 Pf. Nach 10 Uhr tritt leider eine Ver- doppclung des Fahrpreises ein. Der erste Wagen geht ab Bornim 5 Uhr früh, der letzte 1030 Uhr abends; die Pausen betragen 40 bis 60 Minuten. Vom Bahnhof geht der erste Wagen um 5,45 Uhr früh, der letzte um 8 Uhr abends, vom Brandenburger Tor um 11 Uhr abends. Sonntags beginnen die Fahrten zwei Sttmden später; nachmittags nach Bedarf halbstündlich.— Da die Dauer der Fahrt von Bornim nach dem Brandenburger Tor 26 Mi- nuten beträgt, von hier nach dem Bahnhos 16 Minuten, so dauert die ganze Fahrt eine halbe Stunde.— Bei der wirtschaftlichen Be- deutung der beiden Vororte für Potsdam und ihre Beliebtheit als Ausflugspunkte ist mit dem neuen Verkehrsmittel diesmal wirklich einem langersehnten Bedürfnis abgeholfen. In der letzten Stadtverordnetenversammlung konnte die TageS- ordnung trotz vierstündiger Sitzung nicht erledigt werden.— Von den „Geschäftlichen Mitteilungen" interessiert die der Anstellung des Regierungsbaumeisters a. D. P r z y g o d e- Charlotlenburg, dem die Bauleitung der elektrischen Straßenbahn über- tragen worden ist. Er tritt seinen Posten bereits am 10. Mai er. an. Als Gehalt erhält er während der Bauzeit 506 M. monatlich. Mit der neuen Straßenbahn wird eS jetzt also Ernst.— Nach einem längeren Referat des Stadtv. Töpfer wird das neue O r t S- st a t u t betreffend de» Anbau an neu- refp. unregulierten Straßen genehmigt. Durch dasselbe wird auch die Frage der Slnliegerbeiträge in einem für die Stadt vorteilhafteren Sinne als bisher geregelt. Bei der Straße npfla st erungsborlage versuchte besonders der Stadtverordnete Bernhard eine„Verkehrsfrage" in„großem" Stil zu konstruieren, die aber weder für Potsdam im allgemeinen, noch für die von dem Redner angezogenen Straßen im besonderen zutrifft. Die Vorlage wurde denn auch schließlich mit einigen kleinen Abänderungen genehmigt. In Frage kommen dabei 15 Straßenzüge und einige Bürgersteigregulierungen, so daß Potsdam wenigstens in dieser Beziehung bald ei» modernes Bild zeigen wird. Insgesamt werden die Kosten zirka 156 060 M. betragen. Einen Teil derselben decken die Anlieger der Margarethenstraße. Der Stadtverordnetenvorsteher Bolle brachte'nunmehr den Entwurf der neuen Sonderbauordnung für die Potsdamer Villen- viertel der Versammlung„zur Kenntnis". Die hierzu gemachten vielfach treffenden Ausführungen der Stadtverordneten Töpfer und E n d e r s fanden allgemeine Zustimmung— trotzdem sich Bürgermeister Vorkastner nach Kräften bemühte, die Beschränkungen der neuen Bauordnung für den Villen- und Landhausbau in mög- lichst mildem Lichte erscheinen zu lassen. Da aber der R e- gierungspräsident in dieser Sache„zuständig" ist, so hat die ganze Diskussion nur„akademischen" Wert. Die Stadtverord- neten- Versammlung hat zwar das„Recht" zuzuhören, sie hat aber leider„n ix to seggen".... Eine längere Diskussion zeitigte noch die zweite P f l a st e r v o r l a g e, die sich aus Anlaß der Umwandlung des Straßenbahnbetriebes in einen elektrischen not- wendig gemacht hat. Den Ausführungen des Referenten Stadtv. Dr. Friedländer wurde allgemein zugestimmt, auch wurden die Kosten für die Neunsphaltierung der Neuen Königstraße von 1 045 685 M. beivilligt. Die Deckung derselben geschieht durch eine neue Llnleihe. Zum Schluß der„interessanten" Sitzung wurden noch 1000 M. zur Ausstattung des Amtszimmers für den„neuen Herrn" der königlichen Residenzstadt Potsdam bewilligt. derselbe wird noch im Laufe des„wunderschönen Monat Mai" hier seinen Einzug halten. Spandan. Ein polizeiliches Strafmandat in Höhe von 15 M. hatte der Genosse Schlosser H. Richter und der Reftanrateur Schwabe erhalten, und zwar weil erstcrer angeblich eine Versammlung, in welcher öffentliche Angelegenheiten verhandelt lverden sollten, ohne dieselbe polizeilich anzumelden, einberufen und letzterer seinen Saal zu dieser Versammlung hergegeben hatte. Beide beanttagten richter- liche Entscheidung und wurden am Freitag vom Schöffengericht freigesprochen. Richter als Verttauensmann des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes war von Arbeiten, der Fabrik von Orenstein u. Koppel ersucht worden. die 8lrbeiter dieser Fabrik zu einer Versammlung zusantmenzuberufen, um die Mißstände die vorherrschten, zu besprechen und zu beraten auf welchem Wege Abhiilfe geschafft werden könnte. Dies ge- schab auch. Der Polizeikommisjar Klicme, der Kenntnis von dieser Versammlung erhielt, löste dieselbe auf, noch ehe in die Beratung eingetreten war. Vor Gericht sagte dieser als Zeuge vernommene Beamte aus: Die Versammlung sei von dem sozialdemokratischen Mctallarbeiterverband einberufen und wäre deshalb nach seiner An- ficht eine politische Versammlung gewesen, in welcher öffentliche An- gelegenheiten erörtert werden sollten. Die Versammlung hätte des- halb angemeldet werden müssen und da dies nicht geschehen, so habe er diese Versammlung aufgelöst noch ehe in die Verhandlung ein- getreten. Der Angeklagte Richter ließ durch seinen Verteidiger einwenden, daß es sich nur um Besprechung der Mißstände in der Fabrik von Orenstein u. Koppel gehandelt habe. Es wären auch außer ihm und noch einigen Vertrauensleuten des Metall- arbeiterverbandes nur Arbeiter der genannten Fabrik anwesend gewesen und er habe selber aufgefordert, daß alle anderen Personen den Saal verlassen sollten. Das Gericht erkannte aus dem Grunde auf Freisprechung, weil ja der Beamte die Versammlung aufgelöst, ehe eine Besprechung in derselben stattfand, er konnte deshalb auch nicht wissen, ob öffentliche Angelegenheiten erledigt werden sollten. SencKts-Leitung. Zum Wert der Gutachten von Sachverständigen. Was die Gutachten der Schreibsachverständigen wert sind, bewies eine Gerichtsverhandlung in Kempen. Angeklagt war ein Bier« brauereibesitzer aus St. Tönis, seinen ftüheren Reisenden durch einen anonymen Brief in seiner Ehre schwer gekränkt zu haben. Alles sprach dafür, daß der Brauer den Brief geschrieben, der Reisende war nämlich infolge Differenzen aus dem Geschäft geschieden. Er hatte dann einer Anzahl Wirte mitgeteilt, daß sie von dem Brauer betrogen worden seien, derselbe habe zweite Qualität Bier geliefert und sich erste bezahlen lassen. Von dem Brauer wurde die Sache so dargestellt, daß ein Irrtum des Braumeisters vorliegen müsse, er rettete sich dadurch vor einer Anklage wegen Betruges, den Wirten hat er aber Tausende Mark Entschädigung zahlen müssen. Der Schreib- sachverständige Dr. Look-Düsseldorf ließ durch den Angeklagten den Inhalt des anonymen Briefes zu Papier bringen, er fertigte dann eine Reihe photographischer Vergrößerungen beider Niederschriften an und gab eidlich sein Gutachten dahin ab, daß an der Täterschaft des Brauers kein Zweifel obwalten könne. In der Gerichts- Verhandlung trat aber eine Frau auf und erklärte, daß s i e den Brief durch ihren Schwager, einem Beamten aus Krefeld, habe schreiben lassen und zwar habe sie sich an dem Reisenden für ein ihr zugefügtes Unrecht rächen wollen. Jetzt, wo sie sehe, daß ein Unschuldiger büßen solle, habe ihr das Gewissen keine Ruhe gelassen. Der Schwager leugnete gar nicht der Schreiber des Briefes zu sein, er mußte nach dem Diktat des Vorsitzenden in der Gerichtssitzung den Inhalt des Briefes niederschreiben, wobei sich dann eine unzweifel- hafte Ueberemstimmung der Schrift des Beamten mit der des anonymen Briefes ergab. Selbstverständlich mußte der Brauer, trotz der eidlichen Aussage des Schreibsachverständigen, daß an der Täterschaft des Angeklagten kein Zweifel obivalten könne, freigesprochen werden._ Eine tödliche Ohrfeige. Herr Max Bilse, der, wie wir berichteten, am 27. v. M. vom Schwurgericht wegen einer von ihm ausgeteilten verhängnisvollen Ohrfeige zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, bittet uns um die Kundgabe, daß die Geschworenen ein- stimmig beschlossen haben, ein Gnadengesuch zu befürworten. Gleich- zeitig sei ein Schreibfehler dahin berichtet, daß nicht Herr Bilse. sondern der Verstorbene— Marten— die Bierreise unternommen hatte und die Zeche nicht bezahlen wollte, worüber es dann zum Streit kam. Nicht Bilse. sondern Marten hatte dabei ein gemeines Schimpfwort gebraucht._ Vernrifchtea. 361 000 Mark unterschlagen. Umfangreiche Unterschlagungeir sind in Fürstenwalde(Spree) aufgedeckt worden. In der letzten vor- gestern stattgehabten Versammlung der Mitglieder und Spareinleger des Spar- und Vorschußvereins, G. m. b. H. in Fürstenwalde, wurde festgestellt, daß im Laufe der Jahre durch frühere Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsrates Unterschlagungen, Wechselfälschungen und Betrügereien im Petrage von 361 600 M. vorgenommen worden sind. Der frühere Vorsitzende des Vereins, Kaufmann Karl Thieß wurde verhaftet, weitere Verhaftungen stehen bevor. Nach Ansicht der Sachverständigen wird es eventuell möglich fein, den Verein zu halten. Einen Zusammenstoß mit einem Eisberg hatte der Dampfer „8lnglo-Peruvian", dessen Mannschaft am Freitag in Weyinouth ge- landet wurde, Mitte April im Nordatlantischen Ozean. Der„Anglo- Pernvian", ein Schiff von 5566 Tonnen, das von England nach Philadelphia unterwegs war, geriet an der Küste von Ncilfnnd- land in die Schwimmrichtung zahlreicher Eisberge und hatte trotz allem Manöverieren immer neue Berge in seiner Fahrlinie. Am Abend stieß der größte der Eisberge mit furcht- barer Gewalt gegen das Schiff, sodaß die Bugplatten eingedrückt wurden und der Vorderraum sich schnell mit Wasser füllte. Lille Be- niühungen, das Schiff über Wasser zu halten, waren nutzlos, und die Besatzung war deshalb genötigt, sich in vier Booten zu retten. Das Schiff sank gleich, nachdem die Boote abgestoßen waren. Glücklicher- weise trafen die Boote bald darauf den Dauipfer„Mohalvk", der die Schiffbrüchigen an Bord nahm und sie nach Wcymouth brachte, wo sie in ihren eigenen Booten an Land ruderten. Berliner Marktpreise. Zins dem amtlichen Bericht der städtischen Marktballen-Dircküon. Nindsteisch la 61—65 pr. 166 Pfund, llo, 51—66, lila 47— 50, IVa 39-45, engl. Bullen- 44-46, dän. Bullen- 06—00, Holl. Bullen. 00-60. Kalbfleisch. Doppclländcr 105-120, la 76—88, IIa 64-76, lila 50-62. Hammelfleisch la 60-70, IIa 54—60. Schweinefleisch 58—64. Kaninchen 0,76—0,90. Hühner, alte, Stück 1,75—2,50, alte per Pfd. 0,60, junge, per Stück 0,66. Tauben, junge 0,56—6,60, alte 0,06. Enten, mnge, per Stück 3,60, Hamburger per Stück 3,00 bis 3,75. Gänse, junge, per Psd. 0,96—1,06, per Stück 4,00—6,56. Hechte 96—102. Schleie, 109—131. Bleie 50. malt 06-00. Aale, grojz 60—00, mittel 107—111, klein 75, uns. 83—103. Plötzen 56. Flundern, pvmm. I, p. Schock 3,50— 8,00. Kieler, Stiege Ia4— 7, da. mittel, per Kiste 2—4. do. klein, per Kiste 00—60. Bücklinge, Holl, per Wall 1—1,50. Kieler 1—3, Strals. 3,50-4. Aale, grojz, p. Psd. 1,10-1.36, mittel 0,80-0,90, II. 0,50-0,60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 1— 1,50, Elb- per Kiste 0,06—0,06. Sardellen, 1902er, per Anker 76,00, 1904er 74,00, 1 905er 70,00. Schottische Vollhcriiigc 1905 00— 00, large 40—44, füll. 36— 38, med. 33— 35, deutsche 37—44. Heringe, neue Matjes, per Tonnen 66—126. Hummern, IIa, 100 Pzo. 60—00. Krebse, per Schock, große 06— 00, miNcigroszc 13,50—17,50, kleine 5,00, unsortiert 6,00. Eier, Land-, per Sthock 00—00, frische 3,00—3,15. Butter per 166 Psnnd, la 114— n.V"1la 110—114, Illa 107—110, ab- sallendc 105— 108. sanre Gurken, schock 3.50— 1 M., Pjefsergurkeu 3,50—4 Ai. Kartofscln per 106 Psd. rnaga. bojfc lWff—-35, rote Tabcrsche 2,00—2,20, runde weiße 1,80—2,00. Wii üngkShl. liolt., per Schock 8,00—24,00. Weißkohl, dän., per Schock 7,00— 9 00, Roitöhl, Holl., per Schock 00,00—06,00. Grünkohl, per 160 Psd. 00—«O. Rüben, weiße 06— 60, Teltower 60-60. Kohlrüben, per Schock 2,60— 4F0. boll. 5—6. Jtftkft- «Mlicriuiftsüuerfirftt vom 7. Mai 199«, morgens» Ufte. .■"■vi m Stationen Ii o-S £ 5 N— T f Swinemde 769 S Haniburg 769 OSO Berlin 769 SO Franks a BG 767 O München i i67 SO' Wien Weiler 1 wölken! 2 heiter 3wolkenl 3woikc»l 3 wolkig — wolkig Stalionen SS 2 E 2= s« apmanda 762SW Petersburg 772 Still Scillh|765S� ilberdee» 76t SSO Paris �767 Süll fl Weiler I 2 wolkig — Dunst 2 Nebel 2 halb bd. — wolkenl «c-s i ii la 4 14 11 10 12 BSetter-Prognoic für Dienstag, deu 8. Mai 1999. vorwiegend heiter, ttocken und warm bei mäßigen südöstlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r e a u. Kxpantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil veravtw.-TS. Glocke. Berlin. Krück».Verlag: Vorwärts ei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW,