Ur. 106. nbonntmentS'Rcdlnsungen s «SonnnnrntS• Preis pränumerando s Bierteljährl. 3,30 Mr,, monatl. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Pfg, frei WS HauZ. einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags. Nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Well- 10 Psg, Pösl. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post-ZeitungS. PreiSIilte, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien. Dänemarl. Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schwaß kilcheii»»glich 110(1 montigi. S3. Jahrg. Vevlinev Dolksblctkk. vke snlektlonz-Sedllhr veträgt für die sechZgespaltene Kolonel« »eile oder deren Raum 60 Pfg„ für politische und gewerlschaslliche Vereins- und VersammlungZ. Anzeigen 80 Psg. „Klein. Hnzeigcn", das erst«(fett- gedrulltei Wort 20 Pfg,, jedes Weiler« Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf. slellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: „SwIiltUfflsknt Bdiin", Zentralorgan der fozialdemokrati feben Partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 68» Lindenstraaee 69. Zyernsprechcr: Amt IV.?tr. 1088. Expedition: SM. 68, Lindenstraaee 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1S84. Was nun? Das war ein Geschnatter im Entenpfuhl der bürgerlichen Preise, als das Endergebnis der zweiten Kommissionslesung der p r e u ß i s ch e n S ch u l v 0 r l a g e bekannt wurde! Mit einem schrillen Mißton war die edle Brüderschaft der Schul- kompronlitzler noch in allerletzter Stunde zersprungen. Bei .Herrn Studt, dem die sonst so ministerfromme bürgerliche Presse in den letzten Wochen die ausgesuchtesten Bosheiten an den Kopf geworfen hatte, verwandelte sich noch in der letzten Sitzung der Kommission die Milch der frommen Tenkungsart in gärendes Drachengift und ebenso unhöflich wie man ihm gekommen war, setzte nunmehr er den National- liberalen den Stuhl vor die Tür. Die ganze Affäre wäre zum Lachen, wenn der Gegenstand selbst, uni den das empörende Gezänke nun schon seit zwei Iahren, wenn nian will seit über hundert Jahren, geht, nicht so verteufelt ernst wäre. Die Volksschule, die arme, mal- trätierte, mißbrauchte und vernachlässigte Volksschule, ist das Schacherobjckt, das die Parteien der Junker, Pfaffen und Großkapitalisteu in Preußen zur Verwirklichung unlauterer politischer Absichten zwischen sich hin- und hcrzerren. Da heuchelt, alles wunder wie viel Liebe und Wohlwollen für die Volksschule, und in Wirklichkeit ist sie allen in fast demselben Maße von Herzen gleichgültig. Es sind lediglich Unterschiede im G r a d c der Volksschulfcindschaft, wenn die Konservativen jedwedes Bedürfnis nach Volksbildung verneinen, oder wenn das Pfaffentum eine Volksbildung nur insoweit zulassen will, als dadurch die Zwecke der Kirche gefördert werden, oder wenn die Bourgeoisie die Höhe und die Art der Massenbildung ausschließlich von den Geboten der kapitalistischen Plus- macherei bestimmen läßt. Nach dem Abschluß der ersten Lesung in der Kominission waren, wie ivir vor einigen Tagen dargelegt haben, vor- uchmlich drei erhebliche Tifferenzpunkte zwischen de» Kam- promißparteien geblieben. Bei K 23 hatte man sich nicht über die Grenzen nach unten bei der Schaffung konfessioneller Zwangsschulcn einigen können. In der zweiten Lesung ge- lang es. wie die nationalliberale„Magdcburgische Zeitung" sich bezeichnenderweise ausdrückte, eine„Verständigung auf der mittleren Linie" zu erzielen. Die Nationalliberalen hatten es Staat und Genieinde unmöglich machen wollen, nach Bc- lieben, ohne Rücksicht auf irgend welche Mindestzahlen in bezug auf die Schüler. Konfesjionsschulen errichten zu können. Tie Kommission kümmerte sich nicht um diese national- liberalen Bedenken und Wünsche, sondern ließ es bei der Regierungsvorlage. Nur ein freikonservativer Zusatz wurde angenommen, wonach derartige konfessionelle Zwangsschulen von Staat und Gemeinde„nur aus besonderen Gründen" angeordnet werden können. Um diese„besonderen Gründe" wird die Regierung nie verlegen sein, so daß der Massen- züchtung von konfessionellen Zwerg- und Zwangsschulen fortan kein erhebliches Hindernis mehr im Wege steht. Die Nationalliberale» aber begnügten sich mit der freikonser- vativen Scheinkonzession und ließen ihren Widerspruch fallen. Sie waren zwar in Wirklichkeit über den Löffel barbiert, aber äußerlich hatten sie doch nach ihrer Meinung das De- korum gewahrt. Ebenso haben die Nationalliberalcn bei K 31 den konservativen Wünschen auf Einsetzung besonderer kon- fessioneller Schulkonunissionen zugestimmt, wofiir ihnen frei- lich das Zugeständnis gemacht lvorden ist, daß der Ortsschul- inspektor aus dem Gesetz beseitigt wurde. Der Pfarrer ist wenigstens nicht durch Gesetzesbestimmung der Vorsitzende des Schulvorstandes. Die übrigen Bestimmungen des Gesetz- cntwurfs sind aber so geartet, daß der GeistHchc in Wirklichkeit das Haupt der Schulverwaltung und Schulaufsicht auf dem Lande noch mehr werden wird als bisher, ganz abgesehen davon, daß er durch die Regierung in den meisten Fällen auch offiziell dazu ernannt werden wird. Nur bei ß 40 ging die Einigkeit in die Brüche. Zwar hatte man sich in bezug auf die Lehrerberufung schon wieder „auf der mittleren Linie" zusammengefunden, aber in der Frage der Rektorenanstellung gaben die Nationalliberalen nicht nach, Zuviele Stadtverwaltungen sind in national- liberalen Händen, so daß die Nationalliberalcn sich diese direkte Entrechtung nicht gefallen lassen konnten, wenn sie es nicht mit zahlreichen einflußreichen Kreisen verderben lvollten. Andererseits hatten die Konservativen ein Interesse daran, die Rektorenkandidaten auf dem Lande, die sich durch agrarierfrommes, demütiges Verhalten besonders „verdient" gemacht haben, zum Lohne dafür in die Städte ab- zuschieben und damit zugleich konservatives Wasser in den liberalen Wein zu schütten. Die Nationalliberalen gefielen sich in der Rolle des unnachgiebigen Helden; so schwer es ihnen auch wurde, sie lehnten das ganze Gesetz ab und schufen dadurch ein neues Bild in der verworrenen schul- politischen Situation in Preußen. Der„Hannoversche Courier" hat mehrfach betont. daß die Nationalliberalen vom Reichskanzler das Versprechen erhalten hätten, daß gegen sie das Schulgesetz nicht Zustandekommen würde. Wenn diese Be- hauptung wahr wäre, und wenn Bülow zu seiner Erklärung stände, so hätten die Nationalliberalcn es jetzt in der Hand, die preußische Volksschule noch in letzter Stunde vor der drohenden weiteren Verpfädung und Verschlechterung zu be- wahren. Aber schwerlich wird Fürst Bülow etwas Derartiges gesagt haben, und sollte es selbst der Fall gewesen sein, so wäre der Reichskanzler gerade der rechte Mann, um durch „Wortgespinste der abgelebten Redekünste" zu beweisen, daß die neue Situation nicht auf unverbindliche Bemerkungen in früheren Situationen Rücksicht nehmen könne. Warum sollte die Regierung nicht endgültig die Schul Vorlage aus den Händen entgegennehmen, die sie ihr jetzt aus der zweiten Konimissionslesung gerettet haben? Die Kow servativen und Freikonservativen stehen zur Regierung, die beiden Parteien bilden allein schon die Mehrheit des preußischen Abgeordnetenhauses. Die Nationalliberalen sind für 99 vom Hundert der Vorlage mitverantwortlich, nur ein Hundertstel wollen sie nicht bewilligen und lehnen darum das ganze Gesetz ab. Wenn die Regierung auf diese Hundertstel opposition und Hundertsteltapferkeit nicht allzu großes Ge wicht legt, so ist das zu begreifen. Das Zentrum aber hat der Regierung den Gefallen getan, durch seine Zustimmung die Regierungsvorlage wenigstens nicht offen als bestellte Pfaffen arbeit zu diskreditieren, es hat sich klugerweise der Stimme enthalten, welchen Luxus sich diese Partei auch im Plenum leisten dürfte. So ist noch alles in der Schwebe, gegenwärtig sogar mehr als je zuvor. Nieniand weiß genau, was werden wird. Sogar der durch nichts so leicht zu verblüffende Frhr. v. Zedlitz. der aus allgemeinen politischen Gründen die Nationalliberalen gern am Kompromiß festhalten möchte, weiß sich keinen anderen Rat, als bittend die Hände zum Reichskanzler zu erheben und ihn um Entwirrung der verzwickten Situation anzuflehen. Nur an die Nächstbeteiligten denkt auch in diesem Stadium der Schulentrechtung niemand: die Arbeiterschaft, die ihre Kinder in die von der Junker- und Pfaffenmehrheit in Preußen planmäßig ruinierten und entwerteten Volks schulen schicken muß. sie ist niemals um ihre Meinung gefragt worden. Aus deni preußischen Landtag wird sie durch ein unerhört rückständiges Wahlrecht ferngehalten; in den Gemeindevertretungen ist sie ebenfalls gar nicht oder nur in mehr oder weniger einflußlosen Minoritäten vertreten, und so muß sie mit gebundenen Händen zusehen, wie die Schul- feinde drauf und dran sind, das dürftige Maß des Wissens in der Volksschule noch mehr zu verkümmern. Doch völlig gebunden sind der preußischen Arbeiterschaft die Hände doch nicht. Dreimal hat sie bereits in Riesen- Versammlungen gegen die ihr angetane Wahlrechtsschmach und damit auch gegen die von den Wahlrechtsfeinden vorbereitete Schulvcrpfasfung lauten Protest erhoben. Es ist jetzt der geeignete Augenblick, um nochmals dieses Gewicht der Arbeiter- schaft in die Wagschale zu werfen. Möge die preußische Arbeiterschaft jetzt, vor Beginn der zweiten Lesung der Schul- Vorlage im Plenum des Abgeordnetenhauses noch einmal mit der nötigen Deutlichkeit und Rücksichtslosigkeit aussprechen, wie sie über die ihr zugefügte Schulschmach denkt.— Die Revolution in Rußland. Das neue Ministerium. Petersburg, 8. Mai. sMeldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Durch kaiserliche Erlasse wird verfügt: Der Gchülfe des Geschäftsführers des MinisterkomiteeS Wuitsch ist zum Senator er- nannt worden. Fürst Obolensky ist seines Amtes als Oberprokurator des Heiligsten Synods enthoben unter Belassung in seiner Eigen- schaft als Mitglied des NeichSrnteS. Der Minister für Verkehrs- wege Nemeschajew ist seiner Stellung enthoben. Der Chef der land- wirtschaftlichen Berwaltung Nikolsky ist seiner Stellung enthoben. an seine Stelle tritt S tischt nskh. Der Finanzminister Schipow ist seines Amtes enthoben; desgleichen der Unterrichtsmiuifter Graf Tolstoi, an dessen Stelle der Senator Kaufmann tritt. Der Reichs- Kontrolleur Filosiofow ist seines Amtes enthoben unter Ernennung zum Mitglied des ReichSrateS; an seine Stelle tritt Schwane- b a ch. Der Justizminister Akimow ist seines Amtes enthoben unter Ernennung zum Mitglied des Reichsrates; an seine Stelle tritt sein Gehülfe Sch tscheglowitow. Gapons Ende. Die Redaktionen der großen Petersburger Blätter haben folgendes Schreiben erhalten: Das Arbeitergcricht hat festgestellt: 1. Daß Georg Gapon, nachdem er im Dezember IMo nach Petersburg zurückgekehrt war, mit Witte in Verbindung trat. daß er eine Reihe von Zusammenkünsten mit dem früheren Direktor des Polizeidepartements Lopuchin und dessen Gehülfen Ratschkowsky gehabt hat. daß er mit dem Leiter der Petersburger Geheimpolizei Gerassimoff unterhandelt hat. Diese Personen ver- sprachen ihm ihren Beistand bei Wiedereröffnung der Abteilungen seines Verbandes, wenn er ihnen erzähle, lvas er von der Revolution und den Revolutionären wiffe. Gapon erzählte. 2. Um den 28. Januar 1906 schrieb Gapon einen Brief an den Minister des Innern Durnowo. in dem er seine frühere revolutio- näre Tätigkeit und die Vorgänge vom 22. Januar ISVS leugnete. Dieser Brief wurde durch Ratschkowsky übergeben. 3. Gapon erhielt von Ratschkowsky und Gerassimoff den Auftrag, die Verschwörungen gegen den Zaren, gegen Witte und Durnowo auszukundschaften und zu verraten. Er nahm es auf sich, einen seiner Anhänger zu.verführen". Er suchte ihn zu über- reden.�2ö000 Rubel für die Entdeckung einer Verschwörung zu nehmen, für vier Verschwörungen könne man 100000 Rubel verdienen. Im Namen RatschkowSkys garantierte Gapon dem Verräter volle Sicher- heit für de» Fall, daß sein Verrat entdeckt werden sollte. 4. Georg Gapon wurde am 3. November 1905 amnestiert. Das wußte er, trat aber mit der Regierung in Verbindung, erhielt von ihr Geld und einen falschen Paß auf den Namen Grebnitzky. Für kurze Zeit ging er nach dem Auslände. Nachdem er im Dezember 1905 zurückgekehrt ist, wohnte er mit diesem Passe in Petersburg und erklärte den Arbeitern, er sei ge- zwungen, illegal zu wohnen, da die Regierung ihn verfolge. 5. Seinen Einfluß auf den Arbeiter Tschercmuchin miß- brauchend, gab ihm Gapon einen Revolver und verleitete ihn zu schwören, daß er den Arbeiter Petroff töten werde, der eine Reihe von Tatsachen veröffentlichte, die über das Verhältnis GaponS zur Regierung Licht verbreiteten. Tscheremuchin erschoß sich aber mit diesem Revolver selber|nnb zwar in einer Sitzung, in der Gopon den Vorsitz führte. 6. Außer den 10000 Rubeln, die Gapon für die in England veröffentlichte Schilderung der Vorgänge des 22. Januar erhielt. bekam Gapon im Sommer 1905 von einer Privatperson 50 000 Frank für die Arbeitersache. Dieses Geld ward den Arbeitern nicht über- gebe». Der überführte Gapon gestand daS alles selbst, erklärte aber. er hätte das zur Verwirklichung einer„Idee" gemacht, die er dabei gehabt hat. Georg Gapon ist ein Verräter, Agent Provokateur und hat Arbeitcrgeld unterschlagen, er hat das Andenken und die Ehre der am 22. Januar 1905 gefallenen Genossen geschändet. Georg Gapon ist zum Tode verurteilt. Dieser Spmch ist ausgeführt tvorden. _ Mitglieder des Gerichts. poUtilcde CUberficbtn Berlin, den 8. Mai. Die verkehrsfeindliche Reaktion. Nichts ist imstande, das Steuerkompromiß der konfer- dativ-natlonalliberal klerikalen Reichstagsinchrheit zu durch- brechen; es ist ihr Wille, das Volk unbarmherzig zu schröpfen und der Regierung ein paar hundert Millionen Mark aus Verzehrs- und Verkehrsstcuern in den Schoß zu schütten. Heute stand im Reichstag die Fahrkartensteuer zur Be- ratung. Daß auch sie die arbeitenden Klassen Verhältnis- mäßig schwerer belastet als die Besitzenden, das wiesen unsere Genossen L i p i n s k i und Herbert unwiderleglich nach. Wie gerade der kleine Verkehr der werktätigen Bevölkerung dazu ausersehen ist, das ineiste zum Ertrage der Steuer zu liefern, das ergibt sich ohne weiteres aus dem Antrage des nationalliberalen Abgeordneten Becker, der von einer Fahrkarte 3. Klasse im Preise von 69 Pf. bis 2 M. 5 Pfennig. von 2 bis 5 M. 19 Pfennig und nach weiterer Staffelung endlich bei 59 M. 2 Mark Steuern fordert. Auf Fahrkarten der 1. und 2. Klasse sind bei demselben Preise von 59 M. 4 rcsp. 7 Mark Steuern zu entrichten. Schon aus diesen Angaben ist zu ersehen, daß die Staffelung zugunsten der Be- sitzenden ausschlägt und daß gerade aus dem Geschäftsverkehr der Hauptcrtrag geschlagen werden soll. Es war außer dem Antisemiten und dem Polen heute wieder nur die Linke— Sozialdemokraten und Freisinnige—, die in scharfer Opposition gegen diese kulturwidrige Be- lastung„im Zeichen des Verkehrs" vorging. Aber die Re- aktionäre konservativer, nationalliberaler, klerikaler Ob- servanz genierte das nicht im geringsten. Nur als der Frei- sinnige G 0 t h e i n die Praktiken der Reaktionäre geißelte und die Vornehmheit der Besitzenden, sich von direkten Steuern zu Lasten der ärmeren Klassen zu drücken, ironisierte, heulte die reaktionäre Mehrheit in allen Tonarten dem Redner Widerspruch und Zwischenbemerkungen entgegen. Der Schatzsekretär v. Stengel, der sich von dieser Mehrheit getragen fühlt, führt die Verteidigung der Vorlagen wohl in sicherer Haltung; aber seine weniger vorsichtige Sprache läßt immer mehr die fiskalische Rücksichtslosigkeit durchblicken. Der Antrag Becker wurde mit 157 gegen 128 Stimmen, bei 3 Stimmenthaltungen, angenommen. Der Präsident hatte dem Hause bei Beginn der Sitzung den Dank des italienischen Parlaments für den Ausdruck der Teilnahme des deutschen Reichstags an dem Unglück beim Ausbruche des Vesuvs übermittelt; am Schlüsse der Sitzung übermittelte er dem Hause den Dank des Reichskanzlers Fürsten Bülow für die Anteilnahme an seiner Krankheit. Die bei Beginn der Sitzung vorgenommene n a in e n t- l i ch e Abstimmung über die Banderolesteuer zum Zigaretten- gesetz ergab deren Annahme mit 179 gegen 112 Stimmen, bei 3 Stimmenthaltungen. Das Haus war also beschlußfähig. Mittwoch: Stempelsteuergesetz.(Kraftfahrzeuge. Tantieme.)_ Fahrkartensteuer. Das Projekt der Eisenbahnfahrkarten-Besteuemng erfährt seit- same Umwandlungen. Zuerst schlug die Regierung eine feste Stempel« steuer vor. Auf alle Fahrkarten im Werte von mindestens 2 Mark sollte ohne Unterschied der Entfernung ein Stempelzuschlag erhoben werden, der für die erste Wagenklasse auf 40 Pfennig, für die zweite auf 20 Pfennig, für die dritte auf 10 Pfennig und für die vierte auf 5 Pfennig festgesetzt war. Die Mehrheit der Steuerkommission des Reichstages war mit diesem Vorschlag jedoch nicht zufrieden. Einesteils weil die Steuer die nahen Fahrten ebenso belastete wie die Ferntouren, besonders aber, weil sie in ihrer Verkehrsfeindlichkeit aus der Fahrkartenbesteuerung größere Beträge herausziehen wollte. Sie nahm deshalb einen Antrag auf Einführung von Kilonieterzuschlägen an. Auf allen inländischen Bahnlinien sollte für die erste Wagenklasse ein Zuschlag von 1 Pf., für die zweite Klasse'/» Pf., für die dritte Vi Pf- pro Kilometer erHoven werden, Stempelbeträge vis zu 5 Pf. jedoch unberücksichtigt bleiben. Die Erhöhung der Stempelzuschläge ftieh jedoch auf den Widerspruch der verbündeten Regierungen, da sie eine beträchtliche Abnahme der Eisenbahneinnahmen befürchteten. Jetzt haben die Mehrheitsparteicu eine nochmalige Umwandlung vorgenommen und einen Abänderungsantrag gestellt, der eine Er- Hebung der Stenipelgebühren nach Fahrpreisstufen vorschlägt. Es sollen danach an Stempelzuschlag bezahlen: a) Fahrkarten, Fahrscheine und sonstige Ausweise über die erfolgte Zahlung des Personenfahrgeldes im Eisenbahnverkehr auf inländischen Bahnlinien vei einem Fahrpreis von: IH. m II. I. ageu klaffe Pf- § 3-2. R= 2. m Pf. 0,60 M. vis 2 M..... 5 10 20 mehr als 2„„ 5„. io 20 40 »v&»» 10„.... 20 40 80 ». 10„, 20..... 40 80 160 *„ 20„„ 30„.... 60 120 240 „„ 30„„ 40„ C... 90 180 860 . 40„„ 50„ 3.. 140 270 540, «„ 50......... 200 400 700 Fahrkarten von Straßen- und ähnlichen Bahnen, welche ge trennte Wagenklassen nicht führen, werden wie Fahrkarten dritter Klasse behandelt. b> Fahrkarten, Fahrscheine und sonstige Ausweise über die erfolgte Zahlung des Personenfahrgeldes im Dampfschiffs- Verkehre auf inländischen Wasserstraßen und Seen, sowie im Dampf- schiffsverkehre der Nord- und Ostsee zwischen inländischen Orten unterliegen den unter a) für die dritte Wagenklasse festgesetzten Steuersätzen. Wenn das Dampfschiff verschiedene Fahrklassen führt, gelten die unter a) für die dritte Wagenklasse festgesetzten Steuer- sätze für die niedrigste Fahrklasse, die unter a sür die zweite Wagenklasse festgesetzten Steuersätze gleichmäßig sür die höheren Fahrklassen. Besreit sind: 1. Fahrkarten usw., wenn deren tarifmäßiger Fahrpreis, bei Zeitkarten der Gesamipreis der Zeitkarte, bei Fahr karten von und nach ausländischen Orten der Fahrpreis für die im Jnlande zurückzulegende Srecke den Betrag von 0,60 M. nicht erreicht; 2. die zu ermäßigten Preisen ausgegebenen Militär- und Arbeiterfahrkarten! 3. Fahrkarten der dritten Wagenklasse, soweit im Eisenbahnverkehr eine vierte Wagenklasse nicht geführt wird und der Fahrpreis der dritten Wagenklasse den Satz von zwei Pfennig sür das Kilometer nicht übersteigt. DerVorschlag ist im ganzen etwas vernünftiger als derKommissions beschluß. Er bedeutet nur eine Erhöhung der Fahrkartenprcise dritter Klasse um 2—3 Prozent, während die vierte Klasse von jeder weiteren Belastung freibleibt; dennoch ist er selbstverständlich für unsere Partei wegen seiner verkehrsfeindlichen Tendenz völlig unannehmbar. Preußische Ordnung und Sparsamkeit! Vaterländische Ruhmestitel, auf die unsere Patrioten und Herrschenden nicht wenig stolz sind. Vaterländische Tugenden, die nicht laut genug gerühmt werden können vor dem Volke, damit es erkenne,«m wieviel glücklicher es daran ist in der väterlichen Hut der Junker und der Bureaukratic, denn die Völker der„wilden Länder", wo die Staatskasse allerlei ge Heime Lecks zu haben pflegen. Ja, die preußische Bureaukratic ist sehr gewissenhaft und sehr korrekt. Aber wer da glaubt, daß deshalb jeder Mißbrauch mit preußischen Steuergeidern ausgeschlossen ist, der ist doch zu vertrauensselig. Defraudationen sind bei uns freilich seltener als in Rußland, daß Staatsgelder wider den Willen des Parlaments zu höfischem Zwecke gebraucht werden, daß nian 100 000 M. verpulvert, um den Kaiser nicht warten zu lassen, das gehört in Preußen trotz aller parlamentarischen Kwiitrolle und trotz der berühmten Oberrechnungkammer nicht zu den Unmöglichkeiten! Die gestrige Sitzung des Abgeordnetenhauses hat's ge zeigt. Die gewaltigen Etatsüberschreitungen beim Umbau des Berliner Schauspielhauses standen auf Grund einer frei- sinnigen Interpellation zur Beratung. Sensationen hat die Verhandlung nicht gebracht, pikante Enthüllungen blieben aus; aber was ans Tageslicht kam, war immerhin genug. In einer frischen Rede, die nur um einige Verbeugungen vor dem Finanzminister ärmer hätte sein können, griff der freisinnige Volksparteiler Rofenow die Sache an. Es half ihm nichts, daß er an die Spitze seiner Ausführungen den Satz stellte, daß den Finanzminister keine Schuld treffe, es half ihm nichts, daß er alle Geschosse auf den Intendanten v. Hülsen und den Baurat Genzmcr konzentrierte. Die Bureaukratic ist solidarisch— die Autorität ist bedroht, wo ein Beamter bloßgestellt wird. Und gar, wenn hohe Beamte bloßgestellt werden! Schwer beleidigt erhob sich Herr v. Rheinbaben, der Korpsstudent, wie er leibt und lebt, und mit dem Brustton der Entrüstung verteidigt der Ritter- liche die wehrlosen Angegriffenen. Die Bosheit, die Brutalität des Freisinnigen war die düstere Folie, von der sich die Tugend der preußischen Beamtenschaft strahlend abhob! Der preußische Finanzminister debattiert in der Weise der Reichsverband- Klopffechter. Was ihm an den Aus- führungen des Gegners unbequem ist. das läßt er glatt unter den Tisch fallen, sachliche Widerlegung kümmert ihn nicht, er sucht„effektvolle Momente!" Man muß die hochfahrende Art, in der Herr v. Rheinbaben den unbequemen Abgeordneten anschnarrt, gehört haben, um die ganze Ueberh'ebung zu empfinden, die in dieser Rede lag. Die Ueberhebung, die um so krasser zutage tritt, da die Hauptpunkte der Interpellation vom Herrn Minister zu- gegeben werden mußten. Aber freilich, er behauptet frischweg, er habe nichts zugegeben! Gemütsruhig sagt er, daß die Regierung niemals bestritten habe, daß die Beschleunigung' des Baues Mehrkosten verursacht habe, obgleich er das schlagende Argument des Interpellanten, daß die zur Begründung der Ueberschreitungen vorgelegte Denk- schrift nichts davon sagt, daß sie von einem interimistischen Ausbau des Innern kein Wort sagt, so wenig erschüttern konnte, daß er schivcigend darum herumschlich. Seiner Beschönigung, daß die Beschleunigung nicht um des Kaisers allein willen, sondern auch um des kunstliebenden Publikums und um der Spieleinnahmen wegen geschehen sei, wurde von mehreren Rednern der schlagende Einwand entgegengehalten, daß für die Schauspiele noch für sechs Wochen über den 21. März hinaus ein anderer Theaterraum zur Verfügung stand! Brüchig nach jeder Hinsicht erwies sich der sachliche Infi alt der Ministerrede. Als er gar erwiderte, die inte- rimistische Ausschmückung des Innern sei eine im Grunde ganz wirtschaftliche Maßregel gewesen, blieb das ganze Haus stumm und still. Das lvar selbst den Junkern, die doch etwas vertragen können, zu starker Tabak. Die Junker waren überhaupt ein wenig ärgerlich auf die Regierung. Weniger der Sache wegen, als aus Haß der Städter; sie bewilligen nicht gern etwas sür das gottlose Berlin. Aber zu rechter Entrüstung brachten sic's nicht, da «ur 100000 M. für die Beschlemiigung des Baues und die provisorische Ausstattung ausgegeben sein sollen. Das war auch die Zuflucht Rheinbabens. Nur 100000 M.! Als ob es in diesem Falle auf die Summe vor allem ankäme. Die wichtigste Seite der Sache ist das V e r schweigen dieser Dinge in der Denkschrift. Daß das Parlament getäuscht worden ist durch ein amtliches Schriftstück, daß man ihm verborgen hat, wieviel den Steuerzahlern Preußens die unsinnige Beschleunigung des Baues und der provisorische innere Ausbau gekostet hat, daß man ihm andere Gründe für die Etatsübcrschreitungcn angegeben hat, das hat die Verhandlung unwiderleglich fest gestellt. Und wenn Herr v. Rheinbaben noch so sehr hoch mütigen Tons protesttert, daß er etwas zugegeben habe, wie er es im Abgeordnetenhause getan hat. Die Debatte zeigte, daß keine Partei mit dem Ver fahren der Regierung in diesem Falle zufrieden ist. Aber von scharfer, rücksichtsloser Kritik ist deshalb im Dreiklassenparlament natürlich nicht die Rede. Und der Minister nimmt sich die Ausstellungen nicht allzusehr zu Herzen. Und wenn selbst die regierenden Konservativen die Entheiligung der Sonntage und des Bußtages beim Bau be klagen, er ignoriert die unbequeme Tatsache, ohne sich dadurch energische Erinnerungen zuzuziehen. Und wenn der freisinnige Redner den Befehl zur Sonntags arbeit eine Verletzung des Gesetzes nannte mit Fug und Recht, Herr v- Rheinbaben darf es wagen, ohne sich an einer Widerlegung, die ja freilich unmöglich wäre, zu ver suchen, ihn darob als frechen Beleidiger anzuklagen! Das ist preußischer Parlamentarismus! Und Preußen ist ein konstitutioneller Staat! Wer zweifelt daran?! Oeutsckes Reiche Nach Leipziger Muster! Aus Erfurt wird vom 8. Mai telegraphiert: Der große Sammel- Aufreizungsprozeß nach Leipziger Muster, den die Staatsanwaltschaft gegen das Erfurter Parteiblatt, die„Thüringer Tribüne" angestrengt hat, kam heute vor der Strafkammer zur Verhandlung. Die Anklage zählte drei Fälle von„Aufreizung zu Gewalttätigkeiten" und drei Fälle von „Verächtlichmachung von Staatseinrichtungen" auf. Angeklagt waren Genosse v. L o j e w s k i in fünf und Genosse Klaue in einem Fall, während man das Hauptverfahren gegen die Genossin Zieh- Hamburg als Verfasserin eines Artikels abgelehnt und zwei der „Verächtlichmachungen" in eine zusammengezogen hatte. Der unglaubliche Prozeß hatte im ganzen Reiche politisches Aufsehen erregt, sodaß Spezialbcrichterstatter Berliner, Leipziger und Hamburger Blätter und Korrespondenzbureaus eingetroffen waren. Die„Tribüne" hatte tags vorher geschrieben:„Wir halten es für ausgeschlossen, daß sich Erfurter Richter finden werden, die den politischen Ansichten des Staatsanwalts folgen und eine Verurteilung aussprechen werden.. Die Richter haben sich doch gefunden. Nach siebenstündiger Verhandlung lvurden Genosse Lojewski zu acht Monaten Gefängnis, der Genosse Klaue zu einem Monat Ge fängnis verurteilt. Das find die Kosten des WahlrechtsfeldzugS des preußischen Proletariats! Der„Unfug" der Wahlrechtsdemonsttationen darf in Deutschland nicht geduldet werden, sagte Herr v. Oldenburg, und die deutschen Richter finden, daß Artikel, die zum Wahlrechtsfeldzug auffordern, strafbare Handlungen darstellen. Sie lesen ohne Schwierigkeit in die Artikel der sozialdemokratischen Presse die Aufforderung zu Gewalttätigkeiten hinein, sie erachten das Dreiklassenwahlrecht als ehrwürdige Staatseinrichtung, die man nicht verächtlich machen darf. Sie verurteilen von Rechtswegen, denn mit Hülfe der Kautschukparagraphen, die bei Bergehen der Aufteizung und der Verächtlichmachung in Betracht kommen, ist so ziemlich aus jedem lebhafteren Artikel der sozialdemokrattschen Presse ein Ver- gehen zu destillieren. Denn diese Presse ist ja wegen ihrer Tendenz von vornherein solcher Taten verdächtig. Das deutsche Proletariat weiß, daß der Wahlrechtskampf Opfer fordern muß. ES wird sie wagen und den Kampf wird eS durchführen mit Zähigkeit und Energie. Die Erfurter Genossen aber, die zunächst Bewoffenen, mögen wie die Breslauer, Leipziger und Dresdener Arbeiter auf diese Taten der Klassenjustiz mit einer machtvollen Steigerung der Abonnentenzahl des Parteiblattes und der Mitgliederzahl der Partei- und Gewerkschaftsorganisationen antworten.— Sie schweigen noch immer! Auf die schweren Anklagen, die Genosse Bebel am Donnerstag voriger Woche im Reichstage gegen die preußische Polizei erhob, hat die Regierung bis zur Stunde noch keine Silbe der Erwiderung ge- funden. Dies Schweigen des Schuldbewußtseins wird nachgerade selbst den rüdesten Scharfmachern unheimlich. So erklärt heute das „Reich", daß es zwar die Ausweisungsschmach nach wie vor ganz in der Ordnung finde, daß ihm aber das Schweigen der Regierung in Sachen des von dem Polizeikommissar Schöne verübten Be- spitzelungsvcrsuches geradezu unbegreiflich sei. Wenn der Fall tat- sächlich so liege, wie ihn Bebel im Reichstage vorgetragen habe, so handele eö sich um ein so„ungeheuerliches" Vorkommnis,„daß man dazu unmöglich schweigen oder gar den Mantel entschuldigender Liebe darüber decken konnte". Das Blatt sagt dann weiter: „Am Donnerstag hat Bebel seine Anklagerede gehalten; am Montag haben die beiden Berliner demokratischen Montagsblätter in der bei ihnen üblichen Weise die Sache breilgetreten: bis zur Stunde hat das Berliner Polizeipräsidiuni eS n i ch t f ü r n ö t i g gehalten, auf diese Anklagen zu antworten! Was soll man davon denken? Will das Polizeipräsidium nicht eine authentische Darlegung des Sachverhalts geben oder kann es das nicht? Beides wäre gleich schlimm! So warm wir die AuSweisungs- maßregeln verteidigt haben, so sehr würden wir es ver- urteilen, wenn hier nicht schleunigst die Aufklärung komnien könnte! Die Polizei sollte sich zu gut dazu dünken, um durch Pässe a la Puttkamer und durch Verführung zum Landesverrat unser Vaterland bloßzustellen!— Im Interesse der persönlichen Freiheit des Einzelnen, im Interesse aber auch des Ansehens unserer Behörden und des preußischen Staates müssen wir darauf dringen, daß nunmehr— aber schleunigst— Aufklärung erfolgt: sollte dies nicht der Fall sein, so wird das Berliner Polizeipräsidium den Vorwurf nicht von sich abweisen können, daß in diesem Falle ein Bebel mit Recht die preußischen Behörden beschuldigte, daß die— durchaus berechtigten— Maßregeln der Judenausweisungen durch häßliche Flecken be- schmutzt sind."/ ES tut nichts zur Sache, daß dieser Ausbruch sittlicher Eni- rüstung elende Heuchelei ist. Denn ein Blatt, das die übrigen Ungeheuerlichkeiten der Rnssenausweisungspolitik billigt, hat wirklich keine Ursache, sich über den Fall Schöne moralisch auf- zuregen. Zumal die politische Spitzelei skandalösester Art. wie jedes Kind weiß, zu den alten Traditionen der preußischen Polizei gehört. Auch hat sich das jetzt so empfindsame moralische Gewissen des „Reich" nicht im mindesten geregt, als der„Vorwärts" kürzlich aktenmäßige Darstellungen gleich empörender politischer Polizei- pitzelcien gab. Dem Blatt für Muckerei, Arbciterknebelnng und Judenhetze ist es lediglich peinlich, daß durch den Fall Schöne der Beweis dafür erbracht ist, daß das russische und preußische Kosaken« tum zwar in der Verfolgung aller Kulturbestrebungen ein Herz und eine Seele sind, daß sie sich aber gegenwärtig nichtsdestoweniger in der schofelsten Weise bespitzeln! Line illae lacrumae! Daher die Krokodilstränen des„Reich"!— Nach Rache an der Freisinnigen Bereinigung wegen der Darm« städter Wahlparole der vereinigten Liberalen schnaubt der National- liberalismns. Am Sonnlag hat hier der Zentralvorstand der nationalliberalen Partei getagt. Die Darmstädter Wahl stand im Vordergrunde der Erörterungen. Und schließlich wurde folgende Resolution gefaßt: „Der Zentralvorstand der nationalliberalen Partei spricht seine Entrüstung darüber aus. daß die sogenannten Liberalen im Wahl- kreise Darmstadt-Groß-Gerau unter dem ausschlaggebenden Einfluß anerkannter Führer der Freisinnigen Ver« e i n i g u n g die Parole ausgegeben haben, in der Stichwahl für den sozialdemokratischen Kandidaten gegen den von ihr als per« sönlich einwandsfrei anerkannten nationalliberalen Kandidaten ein- zutreten. Der Zentralvorstand muß dieser Tatsache gegenüber die angeblichen Bemühungen der genannten Partei, einen Zu- sammenschlnß aller Liberalen herbeizuführen, als für die liberale Sache wertlos bezeichnen. Der Zentralvorstand fordert die Parteifreunde im Lande auf, jedem Kandidaten der Freisinnigen Vereinigung so lange ihre Stimme zu versagen, bis diese Partei ge- nügende Sicherheit dafür bietet, daß sich ihre Anhänger einen der- artigen Verrat an der liberalen Sache nicht wieder zu schulden kommen lassen werden." Abgesehen davon, daß es komisch ainnntet, die Bekämpfung eines Reaktionärs wie Stein, der bei weiterem Wachsen der Sozial- demokratie die Zerttümmerung der Reichstagswahlrechts in Aussicht stellte, als Verrat an der liberalen Sache bezeichnet zu sehen, ist es grausam, der Freisinnigen Vereinigung mit Rache zu drohen, nachdem der größere Teil der Korellwähler zu Darmstadt sich ordnnngsfromm erwiesen hat. Uebrigens wäre es ein tragisches Schicksal, wenn der Flügel der Freisinnigen Vereinigung, der liberale Politik zu treiben gewillt ist, darum die parlamentarische Existenz verlieren sollte. Der andere Flügel, der der Herren Pachnicke usw., würde diesem Uebel sicherlich durch Anschluß nach rechts zu entgehen wissen. Es ist ihnen bereits deutlich genug gewinkt worden.— Die abgehauene Hand. Die Breslauer Polizei, die etwa 80 Leute ermittelt hat, die wegen der Slraßenschlacht angeklagt werden sollen, hat immer noch nicht den Polizisten heraus, der dem unglücklichen Bierfüllcr Biewald die Hand abgehackt hat. Wenigstens schweigt sie über die Affäre krampfhaft. Um so energischer geht sie gegen die„Tumnltuanten" vor; auch der„Kaiserdeputierte" Heinrich Hirsch ist wieder, und zwar am Mittwoch Mittag, in Untersuchungshaft genommen worden. Und die unglaubliche Meldung, daß gegen Bierwald die Unter- snchilng eingeleitet wurde, ist nicht dementiert worden. Die„Volks- wacht" bemerkt dazu: Man faßt sich unwillkürlich an den Kopf, wie denn so etwas nur möglich ist. Aber diese Untersuchung, wenn sie sich bewahrheiten sollte, wird vielleicht das eine Gute haben, daß nun wenigstens auch nach dem Schutzmann energisd, gefahndet wird, der doch im Falle einer Anklage gegen Biewald als Hauptzeuge gebraucht würde. Wie übrigens die BreSlaucr„Morgenzeitung" erfährt, ist dieser Sckiutzmann bereits bekannt, zwar nicht der Polizei, sondern den Anwohnern der Gabitz- straße. Auch der Name des Mannes ist der Redaktton genannt worden, sie will ihn aber bis auf weiteres nicht nennen. Man fällt von einem Erstaunen ins andere über die vielseitigen Fähigkeiten der Brcslauer Polizei!— Fälschcrstückchen. Die„Voss. Ztg." faselt von dem„Hohn- gelächter", init dem der„Vorwärts" die Bemühungen des Barth und Naumann um die Stichwahlunterstützung in Darmstadt quittiert habe. Das ist frecher Schwindel. Weder der„Vorwärts" noch ein anderes Parteiblatt hat ein solches„Hohngelächter" angestimmt. Die Parteipresse hat einfach nüchtern und pflichtgemäß festgestellt, daß die große Mehrheit der freisinnigen Wähler bei der Stichwahl entgegen der Wahlparole für den N a t i o n a l l i b e r a l e n ge- stimmt und damit den erneuten Beweis geliefert hat, daß nicht nur die Mehrheit der freisinnigen Führer, fondern auch die der freisinnigen Wähler für eine wahrhaft fteisinnige, antireaktionäre Politik nicht zu haben ist. Eine solche Feststellung mag ja Leuten, die an der Erhaltung naiver Illusionen Freude und Interesse haben, unangenehm sein, aber eine Verhöhnung des guten Willens des Darmstädter freisinnigen Wahlkomitees an sich ist sie ganz und gar nicht, Im übrigen sollte doch der Freisinn wissen, daß eS nicht nur eine gute, sondern auch sehr alte Gepflogenheit der Sozial- demokratie ist, die Stellung der Sozialdemokratie gegenüber dem Freisinn• ohne alle heuchlerischen Flausen zu präzisieren. Schon L a s s a l l e charakterisierte 1863 in seinen Vorträgen über„Die Feste, die Presse und der Frankfurter Abgeordnetentag" dies Ver- hältnis dahin, daß es zwar im taktischen Interesse der Arbeiter liege, dafür zu sorgen, daß der Kampf zwischen Reaktion und Fort- schrittlern fortdaure, aber nur zu dem Zwecke,„damit sie sich gegenseitig untereinander auffressen und verschlingen". Lassalle em- pfähl deshalb die nochmalige Wahlunterstützung der Fortschrittler, aber er fügte hinzu:„Aber wählen Sie sie mit dem richtigen Be« wußtsein, wählen Sie sie, damit sie sich vollends blamieren und ruinieren", Der Freisinn hat seitdem sein Möglichstes getan, um sich zu „blamieren und zu ruinieren". Der Bruch der Darmstädter Wahl» Parole war seine neueste politische Blamage. Und die Sozialdemo- kratie sollte diese Blamage aus widernatürlicher Äompromitzsucht und ängstlicher Leisetreterei noch verschleiern?— Marinetolle Weibsen. Die kalenderwidrige HundStagshitze der letzten Tage hat in den Hirnen beschäftgungsloser Bourgeoisdämchen eine echte HundStagsnarrheit ausgebrütet. Sie hat sie nämlich zur Gründung eines„Flottenbundes deutscher Frauen" angeregt, der jetzt in der„Tägl. Rundschau" folgenden Aufruf erläßt: „Ihr deutschen Frauen, die ihr einst in schweren Kriegszeiten so froh und stolz euren Opfermut gezeigt habt, wollt ihr nicht auch in Friedenszeiten dem Vaterlande freudig dienen? Laßt uns Scherflein um Scherflein zusammenttagen, bis wir dem Deutschen Reiche ein ganzes, großes Kriegsschiff schenken können. Ihr lieben Schwestern alle, ob hoch oder niedrig gestellt, ob arm oder reich, tretet ein in unseren Bund, und wenn jede von euch nur alljährlich ein Prozent von dem Gelde, das sie für sich ver- wenden darf, sei es selbst verdient oder vom Vater oder Gatten kommt, dem Bunde zuwendet, so ist sie schon eine fteudige Mitarbeiterin an dem großen Werke, welches Beweis ablegen soll für unfere Vaterlandsliebe. Jedes Mitglied des FlottenbundeS deutscher Frauen erhält gegen Einsendung von 55 Pf. eine kleine Sparbüchs emnt Form eines Schiffes. in welche sie allmonatlich ein Scherflein hineintut, denn es sollen keinerlei Festlichkeiten zum Besten des Flottenvereins veranstaltet werden. Der Inhalt dieser Sparbüchsen wird zweimal im Jahre und zwar zwischen dem 1. und 8. April und dem 1. und 3. Oktober bei dem Vorstand abgeliefert. Jedes Mitglied des„Flottenbundes deutscher Frauen" ist gleichzeitig Mitglied des„Deutschen Flottenvereins" und berechtigt, das Flottenabzeichen zu tragen. Alle Ortsgruppen handeln einheitlich mit dem Zentralverbande in Hannover und liefern ihre Gelder zu gemeinsamer Verwaltung dorthin alljährlich im Oktober ab." Ein„ganzes großes Kriegsschiff", nicht bloß einen �aggenknopf will der marinistische Frauenbund Deutschland bescheren! Hoffentlich tun die Damen noch ein übriges! Etwa im Sinne der Heineschen Verse Unsere Frauen, sie gebären, Unsere Jungftau'n tun dasselbe, Werden Helden uns bescheren, Helden wie Held Roschtjestlvenski..\ Husland. Schweiz. Sozialdemokratische Wahlersolge. Bern. 7. Mai.(©ig. 58er.) Die gestrigen Wahlen brachten unserer Partei Erfolge und Niederlagen. Genosse Müller als Regierungsratskandidat erhielt im ganzen Kanton nur 10 487 Stimmen, während im letzten Herbst bei den Nationalratswahlen die sozialdemokratischen Kandidaten insgesamt zirka 17 000 Stimmen auf sich vereinigten. Die Arbeiterschaft hat demnach am Sonntag miserabel gestimmt. Die neun bürgerlichen Regierungsrats- kandidaten wurden mit 41779 bis 43 581 Stimmen gewählt. Das Gesetz über die Organisation der kantonalen(staatlichen) Polizei fand mit 39 493 gegen 14 554 Stimmen Annahme. Die Kantons- ratswahlen brachten unseren Genossen in der Stadt 58ern, die in drei Wahlkreise eingeteilt ist, den erhofften Sieg nicht. Sie unterlagen in zwei Wahlkreisen, siegten aber im dritten mit ihren sieben Kandidaten, wodurch allerdings ihr bisheriger Besitzstand erhalten bleibt. Einen schönen Sieg errangen unsere Genossen mit ihrer Liste in Biel, auf die 1095 bis 1835 Stimmen fielen und wo- nnt acht Sozialdemokraten gewählt sind. Von den Bürgerlichen sind nur zwei Freisinnige mit 1588 und 1000 Stimmen gewählt, die ebenfalls auf der sozialdemokratischen Liste standen. Tie bürgerlich-freisinnige Liste erhielt 1477 bis 1584 Stimmen. Tie Uhrenarbeiterstadt Biel ist nun die sichere Domäne der sozial- demokratischen Partei.— Frankreich. Die Wahlen. Die nun bekannt gewordenen Wahlresultate lassen den Erfolg unserer französischen Genossen noch größer erscheinen, als zuerst an- genommen werden konnte. Zumal aus den Zahlen der Wahl- beteiligung in den einzelnen Parteien geht hervor, daß die französische geeinigte Sozialdemokratie in der letzten Zeit nicht vergebens ge- arbeitet und gekämpft hat. An den Kainmerwahlen am Sonntag beteiligten sich in ganz Frankreich 8 900 000 Wähler, das sind 800 000 mehr als bei den letzten Wahlen im Jahre 1902. Es entfallen auf die Radikalen und Sozialistisch-Radikalen 3 100 000, auf die republi- kanische Linke 850 000, auf die unabhängigen Sozialisten 160 000, auf die geeinigten Soziali st en 960 000, auf die ge- mäßigten Republikaner(Progressisten) 1 170 000, auf die Kandidaten der Aetion Liberale 1 240 000, auf die Konservatiaen 900 000 und auf die Nationalisten 380 000 Stimmen. Gegenüber den Ziffern 1902 gewannen die Radikalen und sozialistischen Radikalen über 250 000. Die Progressisten verloren 270 000 Stimmen, dagegen gewann die Partei der Rechten ungefähr 400 000 Stimmen. Nun werden allerdings noch 154 Stichwahlen stattzufinden haben. Die geeinigten Sozialisten hatten in der letzten Kämmen 40 Ab- geordnete. Sie würden also in den Stichwahlen nur sieben(oder acht) Mandate zu gewinnen brauchen, um auf ihre bisherige Zahl zu kommen. Soweit sich indessen die Aussichten schon im Augenblick beurteilen lassen, nimmt man an, daß sie es in der neuen Kammer zum mindesten auf etwa 60 Abgeordnete bringen werden — was einem Gewinn von ungefähr 20 Mandaten gleichkäme I An der für unsere Genossen jedenfalls recht günstigen Situation kann natürlich die Tatsache nichts ändern, daß ihre Gegner zwischen Wahlen und Stichwahlen die Sozialisten bekritteln und begeifern. So schreibt z. B. der„TempS": „Die Wahlen haben glänzender denn je den Beweis geliefert, daß das republikanische Regime in Frankreich allgemeine Zustimmung hat. Nicht ein einziger ernsthafter Kandidat ist dieses Mal für eine andere Regierungsform eingetreten. Die Opposition hatte unrecht, den Wahlkampf unter dem Schlagwort der„Kirchenfrage" zu führen; Frankreich will vom Klerikalismus nichts wissen, ebensowenig wie vom Kollektivismus, denn trotz einzelner Erfolge der„geeinigten Sozialisten" kann man annehmen, daß diese Partei der Kammer nicht gefährlich sein wird. Die Radikalen, welche zahlreicher denn früher in die Kammer zurückkehren, sind endlich von der sozia- listischen Diktatur befreit." Die Franzosen haben ein Sprichwort:„Äui vivra verra". (ffier leben wird, wird sehen!) Nun, wir werden hoffentlich bald an unserer französischen Bruderpartei recht viel Freude erleben.— Italien. Maifeier und Streiks in Italien. Rom, 5. Mai.(Eig. Ber.) Wie alljährlich bezeichnet auch diesmal das Maifest den Aus- ganaSpunkt für eine Reihe ernster Konflikte zwischen Arbeit und Kapital. Die Kapitalisten haben sich notgedrungen mit der allgemeinen Arbeitsruhe am Maitage abgefunden. Die Geschlossenheit der prole- tarischen Aktion, die mit jedem Jahre zunimmt, läßt die Unter- nehmer von Aussperrungen und Maßregelungen absehen. An Ver- suchen, die Arbeiter zu schikanieren, fehlt es zwar auch hier nicht, aber die Unternehmer glauben wohl selbst nicht, daß sie den Arbeitern den ersten Mai verleiden, wenn sie, wie dies in L i g u r i e n geschieht, die Reinigung der Hochöfen auf die Tage nach dem 1. Mai verlegen und die dadurch bedingte Einstellung der Arbeit als„Aus- sperrung" bezeichnen, oder wenn sie— wie einige Turiner Textil- barone— am 2. Mai die Arbeiter zurückschicken mit dem Bemerken. die Unternehmer wollten den 2. Mai feiern!— Von Maßnahmen. die über diese billigen Schikanen hinausgehen, sehen die italienischen Unternehmer ganz ab. Die Bourgeoisie, die ja überhaupt nicht sehr kampffroh ist, ergibt sich in ihr Schicksal, den 1. Mai ohne Tram- verkehr und ohne Abendzeitungen zu verleben— im Zeichen einer Arbeitsruhe, wie sie kein anderer Tag des Jahres bringt. In den kleineren Städten ist jetzt auch der Ladenschluß am Arbeiter-Maitag Regel, die sozialistischen Gemeinden schließen die städtischen Bureaus und die Schulen. Während aber die Untemehmer sich von Jahr zu Jahr voll- ständiger mit dem Feste der Arbeit abfinden, gemahnt gerade der Maitag die Arbeiter an ihr Recht und ihre Pflicht, sich mit dem Be- stehenden nicht abzufinden. Alljährlich ist das Maifest das Signal für den Ausbruch großer wirtschaftlicher Kämpfe. Da der 1. Mai in die Hochsaison der Bauarbeiten fallt, so stehen bei den wirtschaftlichen Kämpfen die Bauarbeiter in den ersten Reihen. In Genua und in S a mp i e r d a r e n a haben gegen 8000 Arbeiter im Baugewerbe den Streik erklärt, mit der Forderung des Achtstundentages. Desgleichen sind in Florenz die Bau- arbeiter in den Ausstand getreten mit der Forderung einer Erhöhung des Stundenlohnes. In Rom haben die Arbeiter der Firma B o r e l l i, die die Häuser der Eisenbahner-Genossenschast baut, die Arbeit niedergelegt und Lohnerhöhung sowie Verkürzung des Arbeits- tags gefordert. Der Streik dürfte sich von den zirka 1000 Arbeltern der Firma Borelli auf das ganze Baugewerbe der Hauptstadt ausdehnen, da die Maurer Roms— entgegen dem State der Arbeitskammer— die günstige Konjunktur zur Erringung des Acht- stundentages benutzen möchten. Von großer Bedeutung war auch der heute beigelegte Streu der Schiffsmannschaften der größten italienischen Schifiahrts- gesellschaft, der„Navigazione Jtaliana". Dieser Streik wurde tn der Nacht zum 1. Mai in allen italienischen Häfen erklärt, um die Gesellschaft zu zwingen, gewisse strittige Paragraphen des zwilchen ihr und den Gewerkschaften vereinbarten Dienstreglements anders als bisher auszulegen. Das gut organisierte Personal ließ überall die Dampfer im Stich, so daß der Schiffsverkehr der Gesellschaft fast ganz unterbunden war. In Genua. Trapani. Neapel. Palermo, C a t a n i a, M e s s i n a, Brindisi. Venedig und L i v o r n o lief kein Dampfer der„Navigazione" aus. Die Gesellschaft, die für den Ausfall einer jeden fahrplanmäßigen Fahrt eine hohe Konventionalstrafe zahlen mutz, suchte um Matrosen der Kriegsmarine nach, die aber nur für die Aufrechterhaltung des Post- dirnftes bewilligt wurden! Das höhere Schiffspersonal dokumentierte seine Solidarität in anerkennenswerter Weise, indem es sich weigerte, mit anderer als seiner Mannschaft aus dem Hafen auszulaufen! Die Gesellschaft sah ein, daß es besser sei. den Bogen nicht zu straff zu spannen, und sie verzichtete auf ihr Recht, das ihr die Seemanns- ordmmg zuerkennt, die streikenden Mannschaften als„Deserteure" zu erklären; sie gab allen Streikenden, die sich ausschifften,„Urlaub". Am Abend des 4. Mai kam dann die Uebereinkunft zustande, in der sich die Gesellschaft verpflichtete, mit der Gewerkschaftskommission die strittigen Paragraphen zu interpretieren. Der Streik ist mit großer Disziplin und Solidarität geführt worden. Außerdem streiken seit dem 1. Mai die Zimmerleute in B a r l e t t a, die Arbeiter der Werst Orlando inLivorno— 1900 Mann— sowie die Kohlenträger desselben Hafens. Die Forderungen der letzteren— Erhöhung des Tagelohnes von sechs auf sieben Lire— sind bereits von zwei Firmen bewilligt worden. So folgt der großartigen Demonstration des 1. Mai eine Periode fruchtbarer Kämpfe, der Massenheerschau folgt eine Reihe von Einzelgefechten, aus denen die Arbeiterschaft immer neue Kraft und Einigkeit schöpfen wird. Schweden. Wahlrecht. Stockholm, 8. Mai.(W. T. B.) Der Verfassungsausschuß hat heute seinen Bericht in der Wahlrechtsfrage abgegeben. Die Mehr- heit dieses aus zehn Mitgliedern der Ersten und zehn Mitgliedern der Zweiten Kammer bestehenden Ausschusses spricht sich darin für das allgemeine Wahlrecht zur Zweiten Kammer aus, jedoch nur in Verbindung mit der Einführung der Proportionalwahl zu beiden Kammern. Die Minderheit des Ausschusses tritt für den Regierungsentwurf ein. Der Ausschuß schlägt ferner vor, die Regierung aufzufordern, eine Untersuchung betreffend das politische Wahlrecht für verheiratete und ledige Frauen anzustellen.— Türkei. Zum Konflikt mit England. Die Nachrichten aus Konstantinopel sowohl wie aus London lassen darauf schließen, daß der Konflikt zwischen England und der Türkei— wenn nichts Außergewöhnliches dazwischentritt— in Güte beigelegt werden wird. Die Pforte gibt sich den Anschein, als habe sie Englands Note gar nicht als Ultimatum angesehen, sondern als ein bloßes Ersuchen, ihre Truppen binnen 10 Tagen von Tabah zurückzuziehen I Das ist natürlich eine gekünstelte Auslegung, um die Angelegenheit für die Pforte minder kläglich erscheinen zu lassen. Indessen Englands reife Politik wird sicherlich dem Sultan diese goldene Brücke zu einem nicht allzu kläglichen Rückzüge nicht mißgönnen. Sollte in- dessen die eigenartige Auslegung des englischen Ultimatums einer Ausflucht zum Zwecke der Verschleppung gleichkommen— wie es von einigen Skeptikern aufgefaßt wird—'so dürfte Abdul Hamid sehr bald erkennen, daß England nicht mit sich spaßen läßt. Hoffentlich ist der kranke Mann noch vernünftig genug, um sich und der Kulturwelt das Heraufziehen neuer blutiger Ereignisse zu ersparen.—_ Hus der Partei. Gcmeindewahlen. In A ch e r u(Baden) brachten unsere Genossen durch ein Zusammengehen mit den Liberalen zum erstenmal eine sozialdemokratische Vertretung aufs Rathaus. Es sind in der dritten Klasse vier Genossen gewählt.— In Feudenheim unterlag in der Klasse der Mittelbesteuerten unsere Liste mit 50 Stimmen Minderheit. Ein Maifeiergruß aus Kamerun ist dem„Hamb. Echo" zu- gegangen. Es wurde ihm aus Duala geschrieben:„Ein Hoch zum 1. Mai senden die Genossen von Duala. Auch wir werden den 1. Mai würdig begehen." Noch einmal zur Maifeier in Baden. Eine Zusammenstellung der Bekanntmachungen und Einladungen zu den Maifeiern der badischen Parteigenossenschaften und freien Gewerkschaften, wie sie in. den beiden Parteiorganen schwarz auf weiß enthalten sind, ergab für jedermann den vom„Vorwärts" gezogenen Schluß, daß die auf den deutschen und internationalen Kongressen uns Sozialdemokraten auferlegten Verpflichtungen zur Begehung der Maifeier im badischen Lande nicht allgemein gewissenhaft beobachtet werden. Die beiden dortigen Parteiorgane teilen gewiß mit uns den Wunsch, daß hier Ordnung geschaffen werden muß. Der Karlsruher„Volksfreund" (Nr. 103 vom 4. d. Mts.) erkannte sofort in unserer sachlichen Fest- stellung einen„Um st and, der gewiß Beachtung er- heischt" und es bedingt, daß der Landesvorstand im nächsten Jahre reformierend eingreift". Nur ist der„V." so undankbar, den„Vorwärts" ob des Hinweises auf den beachtenswerten Umstand zu tadeln. Die Mannheimer „V o l k s st i m m e", deren aggressive Halluzination gegen„Vorwärts" und„Leipz. Volksztg." bereits örwähnt worden ist, bemüht sich, die in ihrem und ihres Bruderorgans Inseratenteil ausgeschriebenen offiziellen Maifeiern vom 29. April bis 16. Mai als gesellige Harm- losigkeiten hinzustellen, sie zu entschuldigen oder für ganz heilsam anzupreisen. Damit fand sie nachträglich auch die Zustimmung des „Volksfreund", dem sie die Aufgabe stellte, auch die exzentrischen Maifeiern des Oberlandes als kindliche Vergnügungen harmloser Art hinzustellen. Da der„Volksfreund" dies für den einzelnen Fall nicht vermochte, bemühte sich der Genosse E.-Freiburg in der„Volksst.", diebadischeMaifestbummelei mit derTreue eines Fridolin zu verteidigen. Es ist richtig, daß in manchen badischen Orten einigeGenossen, welche sich am 1. Mai arbeitsfrei machen können, feiern und dabei benachbarte Orte aufsuchen, während die Organisationen ihre Maifeier bequemerweise auf einen Sonntag vor oder nach dem 1. Mai verlegen, um dann eine ansehnliche Teilnehmerzahl zu er- möglichen. Daß dies eine, die alte parteigenössische Disziplin lockernde Umgehung der sozialdemokratischen, der internationalen Feier ist, wissen die beiden Parteiorgane. Sie sind infolge der„Vorwärts"-Notiz nun darauf verfallen, die Bezeichnungen„Maifeier" und„Mai-Nachfeier"(„Volksfreund" Nr. 103) im redaktionellen Teil oder„Maifeste"(„Volksstimme") einzuführen, während im Inseratenteil derselben Nummer beispielsweise die organisierte Arbeiterschaft der Stadt Schopfheim auf Sonntag, den 6. Mai,„zur diesjährigen Maifeier" die Genossen beruft. Aus Rastatt berichtet eine Korrespondenz, daß die Maifeier am 6. Mai stattfindet, und man hofft, es werde in absehbarer Zeit die Maifeier„auch am 1. Mai abgehalten werden". Die Redaktion der Mannheimer„Volksstimme" macht bekanntlich nicht immer Anspruch darauf, daß ihr Inhalt ernst zu nehmen ist. Sie bestreitet, daß das Wallstadter- Fest vom 29. April eine offizielle Maifeier sein sollte. Die Wallstadter Genossen aber schreiben in Nr. 122 der„Volksstimme":„Alles in allem können wir mit unserer ersten Maifeier zufrieden sein". Die H o ck e n h e i m e r Genossen(industrieller Ort bei Mannheim) strafen in der„Volksstimme" deren Redaktion Lügen mit dem Bericht(in Nr. 122): daß der Sozialdem. Verein und die freien Gewerkschaften zum ersten Male eine Mai- seier am 29. April abhielten und Genosse S.-Mannheim darin über die Bedeutung des 1. Mai sprach. Ebenso berichte» in der„Volksst." die Genossen aus S t. I l g e n(bei Heidelberg) über den 29. April, die Vorfeier des Tages der Welt- Verbrüderung, wobei Genosse R. aus H. es verstand, d i e Bedeutung des 1. Mai allen An lv es enden klar- zumachen. Das genügt, um die faulen Ausreden des Mannheimer Partei- organs und seiner VertuschungSgehülfen durch die von ihnen selbst gebrachten Tatsachen zu charakterisieren. Daher der Zorn über den „Vorwärts". polizeiliches, ßcrichtlichcs ukw« Ein Bündel von Anklage» hatte die Staatsanwaltschaft gegen unseren Genossen Robert Müller vom Zwickauer„Sächsischen Volksblatt" zusammengetragen und zwar sollte er sich der Be- leidigung, eines Vergehens gegen§ 153 der Gewerbeordnung, so- wie noch der versuchten Erpressung schuldig gemacht haben. Alle diese Strafdelikte sind in einem Artikel der„Brauerzeitung" entdeckt worden, den Genosse Müller verfaßt und eingesendet hat und in dem er den früher in der Vereinsbrauerei Zwickau beschäftigt ge« wesenen Brauereiarbeitern Stockei, Bretschneider, Heß und Heidel Vorhalt macht, Weil sie sich weigerten, weiterhin Extrasteuern für ihre ausgesperrten Kollegen im Rheinland zu zahlen. Nach längerer Verhandlung, die am Freitag vor der 3. Strafkammer Zwickau statt- fand, verurteilte das Gericht Genossen Müller wegen Beleidigung zu 3 0 0 M. G e I d st r a f e. Die anderen Delikte ließ das Gericht, trotzdem der Staatsanwaltschaftsvertreter sich alle erdenkliche Mühe gab, dem Gericht die Strafbarkeit der Müllerschen Handlungsweife nachzuweisen, außer Betracht. Die Ehre der vier Brauereiarbeiter, auf deren Antrag hin die Anklage erhoben wurde, ist somit wieder repariert worden. Ob auch bei ihren Kollegen, ist eine andere Frage. Im Kampf mit den Roten und der deutschen Sprache stellt der Gemeindevorstand von Böhlen(Thüringen) seinen Mann. Er verbot djp Maifeier mit dem kategorischen Bemerken, der 1. Mai solle doch nicht gefeiert werden. Man erbat sich eine schriftliche Verbotsbestätigung und erhielt darauf folgendes Schreiben:„Die Versammlung von Tischler P. Sauerbrey aus Großbretten als den 1. Mai d. I. wird nach K 3 von 5. Januari 1894 für die offendliche Ruhe und Ortnung vorhandene Gefahr hiermit nicht genehmigt. Böhlen, den 29. April 1906. Der Gemeindevorstand. Ed. Eichhorn". Genosse S. legte natürlich sofort Beschwerde beim Landrat ein und das Verbot wurde aufgehoben. GewerkfchaftUcbcs. Berlin und Umgegend. Die Maiausgesperrten der Berliner�Metallindustrie sind, mit Ausnahme der A. E.-G.-Werke, jetzt fast sämtlich wieder eingestellt worden. Nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Arbeitern muß in einigen Betrieben aus technischen Gründen noch ein oder zwei Tage warten, bis die Arbeit dort an den alten Plätzen wieder auf- genommen werden kann. Dagegen übt sich die A. E.-G. w Maßregelungen. Im Werk Brunnenstraße sind bisher erst ca. 500 der alten Arbeiter eingestellt. Rund 1000 sind noch draußen. Die Aus- gesperrten dieses Werks haben beschlossen, in den Betrieb wieder hineinzugeben, je nachdem Plätze frei werden. Die Abteilungen jedoch, die gemeinsam am 1. Mai hinausgegangen sind. wollen aber daraus dringen, ihre alten Plätze zu er- halten. Im Kabelwerk„Oberspree" zu Ober-Schöneweide sind die Ausgesperrten noch sämtlich draußen. Sie haben es in ihrer gestrigen Versammlung abermals mit 2168 gegen 362 Stimmen abgelehnt, die Arbeit einzeln aufzunehmen. sondern halten nach wie vor an dem Beschluß fest, ent- weder geschlossen oder gar nicht in den Betrieb wieder hinein- zugehen._ Zum Schlosserstreik. Die Herren Oberzünftler der Schloffer- innung suchen nach außen hin den„starken Mann" zu markieren, um die Tatsache zu verdecken, daß es mit ihrer sogenannten Aus. sperrung in Wirklichkeit nur recht schlecht steht. In Blätter vom Schlage der„Morgenpost" lanzieren sie Nachrichten, in denen be» hauptet wird, die Maiaussperrungen hätten für den Streik eine für die Gesellen ungünstige Wirkung ausgeübt und bestände jetzt Aus- ficht, den Kampf zu einem für die Meister siegreichen Ende zu führen. Auch fabulieren sie von einer großen Zahl von Arbeits- Willigen, die ihnen angeblich zur Verfügung stellen sollen. Dem- gegenüber ist festzustellen, daß der Streik von den Maiaussperrungeu auch nicht im mindesten berührt wird. Ebenso wenig haben sich Ar- beitswillige in nennenswerter Zahl gefunden. Die bestreikten Be< triebe sind nach wie vor ohne Gesellen. Welche Mühe sich die einzelnen Firmen geben, um von auswärts Arbeitskräste heranzuziehen, geht zur Genüge daraus hervor, daß sie Annoncenexpeditionen der verschiedensten Städte� Deutschlands beauftragt haben, in möglichst unauffälliger Weise Schlossergesellen für Berlin aufzugabeln. So annoncierte das�Bureau Daube u. Co., Filiale Kassel, jüngst in Hannover nach Schlossern. Als sich darauf ein Geselle meldete, be» kam er zu seinem großen Erstaunen von der Firma OttoSchulz, Tezett-Gitterwerk, Berlin, Halleschcs Ufer 36, folgendes amüsante Schreiben: Infolge Ihrer Offerte unter A. A. 6617 Daube u. Co., Cassel, teile ich Ihnen mit, daß ich noch einige Kunstschlosser und Kunst- schmiede einstelle. Lohn zahle ich je nach Leistung von 45 bis 65 Pf. die Stunde(im Akkord natürlich erheblich mehr). Vor- bedingung ist, daß Sie keiner Arbeiter- Organisatioir angehören, die bei Streiks Unterstützungsgelder zahlt. Reise. geld dritter Klasse vergüte ich nach 14tägiger Arbett zur ersten Hälfte, und nach weiteren 14 Tagen zur anderen Hälfte. Arbeits- ordnung füge ich zur Durchsicht bei. Ihre Entschließung müßte, da ich noch andere Angebote habe, sofort geschehen. Eintritt spätestens Dienstag, den 8. Mai er. Wenn Ihnen diese Be- dingungen zusagen, bitte ich um telegraphischcn Bescheid, zu welchem Zweck ich 50 Pf. in Briefmarken beilege Telegrainm-Adresse„Tezettgitter Berlin". Da Sie wohl in Berlin unbekannt find, würde ich bei Ihrer Ankunft, die Sie mir vorher genau angeben wollen, einen Ver- treter zur Bahn senden. Sie müßten sich demselben gegenüber in irgend einer Form.kenntlich machen, und mir dies noch vorher schriftlich aufgeben. Einliegend: Hochachtungsvoll eine Arbeitsordnung und 50 Pf. in Marken.(Unterschrift.)! Der hannoversche Schlosser aber hat es vorgezogen. Herrn Schultz seine Tezettgitter alleine fertigmachen zu lassen. Dem Vertreter der Firma, der den Schlosser auf dem Bahnhof empfangen soll, steht es jetzt frei, sich die„50 Pf. in Marken" von Hannover wiederzuholen. Dort erwartet ihn der Schlosser mit einer roten Nelke im Knopfloch.— Zum Stand des Streiks ist noch mitzuteilen, daß in mehreren Betrieben, wo Streikarbeit für andere Meister angefertigt werden sollte, die dortigen Schlosser ebenfalls herausgezogen worden sind -Auch diese Betriebe stehen jetzt leer. Die Meister wollen heute �Dienstagabend) eine außerordentliche Generalversammlung ab- Die Platz- und Lagerarbeiter sowie die HolzbearbeitungS- maschinenarbeiter und Krahnführer der Firma David Franke Söhne. Mühlenstraße 58, sind gestern in einen Streik getreten.— Zuzug ist fernzuhalten. Achtung! Ziseleure der Treibbranche! Wegen Nichtanerkennung der vor zwei Jahren festgesetzten tariflichen Vereinbarungen, derent- wegen es in der letzten Zeit des öfteren zu Differenzen kam, fordern die Treib-Ziseleure im Anschluß an die Maiaussperrung unbedingte Anerkennung des Tarifes, sowie bei nachfolgenden Firmen: Beck u. Friede, Lind, Müller und Schulte eine 15 prozentige Lohnerhöhung. 5Da eine Antwort noch nicht erfolgt ist. stehen sämt- liche Kollegen dieser vier Firmen im Streik und ist Zuzug strengstens zu meiden. Bei der Firma Beck u. Friede haben die Kupferschmiede. nachdem sie Streikarbeit anfertigen sollten, ebenfqlls die Arbeit niedergelegt. Die Ortsverwaltung des Verbandes der Graveure, Ziseleure und verwandten Berufsgenossen. Die Entscheidung über die Ergebnisse der Einigungsvcrhand- lungen der Bäcker unterlag einer am Dienstagnachmittag abgc- halten«!, Versammlung t>eS BäckerverbandeS. die in Kellers Saal tagte. Der Verbandsvorsitzende A l l m a n n aus Hamburg empfahl die Vereinbarungen mit der Meisterkommission, die er als einen Fortschritt im Arbeitsverhältnis bezeichnete, zur Annahme. Nach einer Diskussion, in der sich alle Redner in der Hauptsache im Sinne des Referenten aussprachen, stimmte die Versammlung den Vereinbarungen zu.— In die auf Grund der Vereinbarung ein- zusetzende Schlichtungskommission wurden Hctzschold und Schneider und als deren Stellvertreter Barth und U l i t s ch k e gewählt. Verband der Hafenarbeiter und verwandten BcrufSgenossen Deutschlands. Sektion Binnenschiffer. Wir geben bekannt, dag auf den Fahrzeugen der Schlesische» Dampfer-Kompagnie ein Streik ausgebrochen ist. Hier in Berlin kommen zirka 25 Fahrzeuge in Betracht. Die Lage ist sehr günstig. 17 Fahrzeuge liegen beladen in Treptow. 7—8 sind in Arbeit, jedoch geht die Arbeit nicht von statten, weil sich bis jetzt wenig Streik- brecher gefunden haben. Die streikenden Kollegen sowie die Sektions- leitung hoffen sehr bald den Streik siegreich zu beenden. Zuzug ist streng fernzuhalten. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Sektion sleitung. Lum Streit der Lagerarbeiter der Portland-Zementsabrit von Guthmann u. Jrserich. Herr Pannach versucht seine Kutscher zu veranlassen, sich selbst die Säcke mit Zement aus den Krähnen auf den Wagen zu laden. Die meisten Kutscher haben jedoch auch dieses Ansinnen zurückgewiesen. Taraufhin sollen auch die Kutscher mit Entlassung bedroht worden sein. Da die Streikenden wachsam sind und den Zuzug von neuen Arbeitern fernhalten, hat Herr Pannach sich heute, Dienstag, eine Anzahl Lohnfuhrwerke kommen lassen, welche sich Arbeiter zuin Auf- laden des Zements mitbringen muhten. Als aber den neuen Leuten die Situation klar gemacht wurde, verliehen dieselben ebenfalls den Betrieb. Unter diesen Umständen muhten heute 17 Gespanne leer zurückkommen. Inzwischen beginnt auf den Bauten der Zement knapp zu werden. Auf einem Bau in der Französischenstrahe wurden heute die Bauhülfsarbeiter veranlaht, mit den Kutschern nach dem Lagerplatz zu fahren, um sich selbst den fehlenden Zement aufzuladen. Wir ersuchen die auf Bauten tätigen Arbeiter, die Streikenden in jeder Beziehung solidarisch dadurch zu unterstützen, dah sie ein derartiges Ansinnen strikte ablehnen. Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter. Zur Aussperrung der Buchbinder. Die Beendigung der Aussperrung im Berliner Buchbinderei- gewerbe hat sich nicht glatt vollzogen und haben folgende Firmen die für die Einstellung aufgestellten Normen abgelehnt: D. Blch- stein, H. Sperling, Fritzsche-Lauinbach, Metschkc u. Co., Schneider u. Ziegler, Ad. Schoß und Nauck. Daraufhin fand eine Besprechung der Berliner Organisationsvertreter. Vertreter des Zentral- Vorstandes der Gehülfen- und Prinzipalsorganisation und des Bcr- liner Buchbindereibcsitzerverbandcs statt. In HMer Besprechung verlangte der Vorsitzende des Prinzipalsverbandes, Herr Kom- missionsrat Fritzfche, die bedingungslose Wiederaufnahme der Arbeit in den Berliner Betrieben und erklärte namens der Firnien, welche die Normen anerkannt hatten, die Zurücknahme derselben. Die provokatorische Art des Auftretens des Vorsitzenden des Prinzipals- Verbandes, die Ablehnung jedes Entgegenkommens und das „dringende Wünschen", sich diesem zu fügen, konnte nur durch ein Nein beantwortet werden. Das Vorgehen der Unternehmer zielt nur darauf hin, die Organisation zu vernichten. Zuzug nach Berlin und den Tariforten ist streng fernzuhalten. Die Orlsverwaltung deL Deutschen Buchbinderverbandes. DetitfeKea Reich. Der Streik im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau. Z e i tz, 8. Mai.(Eig. Bcr.) Als einen letzten verzweifelten Versuch, die Arbeiter irre zu führen und sie schlichlich zur bedingungslosen Wiederaufnahme der Arbeit zu veranlassen, nwy man es betrachten, wenn auf den Werken der sämtlichen für den mitteldeutschen Braun- kohlenbergbau in Frage kommenden Gesellschaften folgende Br- tanntmachung zu lesen ist: „Der Bergarbeiter Hermann Dröhne in Hohenmölsen hat in einem Schreiben vom 3. Mai d. I. an die Werks- Verwaltungen gesagt, dah die Sächsisch-thüringische Akticngescll- schaft den Ausständigen besondere Zugeständnisse gemacht habe, sogar den Mindestlohn im Gedinge versprochen habe. Die An- gäbe ist falsch. Die Ausständigen haben nichts anderes zu erwarten, als was ihren weiter arbeitenden Kameraden von den Werten gegeben oder in Aussicht gestellt ist. A n d e r s l a u t e n d e B c h a u p° tungen oder Gerüchte sind erfunden oder bc- ruhenaufJrrtu m." Die Bekanntmachungen wurden auf dem schnellsten Wege den Werken per Automobil in den verschiedenen Revieren zugestellt, und zwar noch am Sonnabend nachmittag. Der Aushang und die Vcr- teilung der Dinger erfolgte sofort, ebenso war der bürgerlichen Presse promptest Mitteilung gemacht worden. Und die Ursache dieser Aufregung im Untcrnchmcrlager? Am 2. Mai hatten Vertreter aus den Belegschaften der Sächsisch-thüringischen Gesellschaft eine Verhandlung mit dem Generaldirektor L o h m a n n in Halle. Das Ergebnis dieser Bc- sprcchung war das Versprechen der Einführung der Neunstunden- schicht, eines Lohnes für Häuer von 4,40 M., für B o r r i ch t u n g s- arbeiten 10 Proz. Zuschlag, Abänderung der Arbeitsordnungen nach Wiederaufnahme der Arbeit unter Hinzuziehung der Arbeiter- ausschüssc, Abschaffung der getrennten Gedinge, humane Bchand- lung, Schaffung guter sanitärer Verhältnisse und keine Mah- regelungcn. Tie erzielten Zugeständnisse wurden den Verwaltungen der übrigen Gesellschaften ain 3. Mai zugestellt init dem Be- merken, dah auch die Streikleitung ihren Einfluh auf die Streitenden dahingehend ausüben würde, dah die Arbeit wieder aufgenommen würde, wenn die Gesellschaften Zu- geständnisse ebensolcher Art wie die oben mit- geteilten machen würden. Sodann war in dem Schreiben der Wunsch nach Berücksichtigung dcrTagesarbeitcr ausgesprochen worden. Der Direktion der Sächsisch- thüringischen Gesellschaft wurde von dem Schreiben an die übrigen Gesellschaften unter demselben Datum Mitteilung gemacht und dieselbe im Interesse einer einheitlichen Regelung der Arbeitsverhältnisse gebeten, ihren Einfluh dahin- gehend auszuüben, dah auch die übrigen Gesellschaften die an- gedeuteten Zugeständnisse machen möchten, damit dauernder Frieden wieder einkehre.„ �..... Soweit die Schreiben. Zu derselben Zeit haben die Unter- nehmervertreter Sitzung in Leipzig im Hotel Hausse gehabt. Als Ergebnis dieser Sitzung ist die B e k a n n t m a ch u n g. die oben abgedruckt ist. zu betrachten. Die Arbeiter, die bei der Vcr- bandlung in Halle zugegen gewesen sind, behaupten samt und sonders auf das a l l e r b e st i m m t e st e, dah die Zugestand- nisse, wie beschrieben, gemacht worden sind? Aber gleichviel, der Erfolg der Bekanntmachung war ein total anderer, wie die Herren ihn erwartet haben mögen! Die Zahl der Streikenden ist heute, als am ersten Tage der siebenten Woche. gestiegen! neuhinzugekommen istdieBelegschaft des Werkes Groitschen von der Waldaucr Gesellschaft! Wenn die nächsten Tage keine den Arbeitern günstige Entscheidung des Kampfes bringen, steht zu erwarten, dah die Ziffer der Streikenden weiter anschwellen wird und somit der Ausstand weiter um sich greist. �" Der Kampf in der Dresdener Metallindustrie ist nach der neuesten Grohtat der Unternehmer bedeutend schärfer geworden. Die Unternehmer scheinen durch die Bc- schlüsse der Scharfmacher in Berlin betr. Aussperrung der 300 000 neuen Mut bekommen zu haben, sonst hätten sie derart schamlose Zumutungen an die kämpfenden Arbeiter nicht gestellt. Bekanntlich hatten am vorigen Sonnabend die Former und Giehereiarbeiter viel Entgegenkommen bewiesen, indem sie einige Forderungen fallen liehen, an den Vorschlägen der Unternehmer aber einige Acnde rungen und Wegfall der schamlosen Arbeitswilligenbestimmung wünschten. Die Unternehmer schienen auch in der Zusammenkunft am Dienstag den Gründen der Kommission für den Wegfall gc neigt zu sein. Inzwischen wurden aber die Verhandlungen ab- gebrochen, und die Scharfmachersitzung fand in Berlin statt. Am Freitag lieh nun der Vorsitzende der Unternehmerkommission den Vorsitzenden der Formerkommission zu sich kommen und händigte ihm als Vorschläge der Unternehmer dieselben nicht ab- geänderten Vorschläge aus. Sämtliche Abänderungen der Arbeiter waren abgelehnt. Statt dessen war folgender schamlose Zusatz gemacht worden, der an sich eine geradezu ungeheuerliche Provokation darstellt: „Vorbedingung für eine Einigung ist die Beilegung sämt- lichcr Ausstände in den Verbandsbetricbcn in Dresden. Hannover, Braunschweig und Breslau und eine bedingungslose Aufnahme der Arbeit auch von feiten der ausgesperrten Arbeiter, soweit diese bei der Einstellung berücksichtigt werden können. Im weiteren hängt die Dauer einer abgeschlossenen Einigung davon ab, dah auf keinerlei Weise Arbeitswillige innerhalb oder außerhalb der Betriebe gestört oder belästigt werden. Verstöhe nach dieser Richtung können mit sofortiger Eni- lassung geahndet werden und bedeuten keine Mahrcgclung. Wicdereinstellung von Arbeitern kann nur nach Maßgabe der Wiederaufnahme der Arbeit erfolgen. Maßregelungen sollen nicht stattfinden: jedoch soll Nicht- Wiederaufnahme von Arbeitern nicht als Maßregelung betrachtet werden." Gestern morgen fand nun eine große von zirka 2000 Formern und Giehereiarbcitern besuchte Versammlung statt, die diese neuesten Vorschläge der Unternehmer mit Zeichen größter Empörung entgegennahm und nach heftiger Debatte beschloh, keine Antwort für solche unerhörte Provokation zu haben. Der Bezirks- leiter wies auf das von den Arbeitern bewiesene Entgegenkommen hin und schob alle Verantwortung für die Folgen solcher un- begreiflichen Haltung den Unternehmern zu. Mit einem donnern- den Hoch auf den Metallarbeiterverband wurde die Versammlung geschlossen. Es ist also möglich, dah es noch zu gewaltigen Kämpfen kommt, wenn die Unternehmer nicht doch vor der festen Haltung der Arbeiter zurückweichen. HusUtick. 20 ODO streikende Weber. Turin, 8. Mai. Seit einigen Tagen sind hier etwa zwanzig- tausend Arbeiter der Baumwollwebereien ausständig, die Herab- ctzung der Arbeitszeit verlangen. Gestern kam es tagsüber zu zahl. reichen Ansammlungen der Ausständigen, die mit Gewalt zerstreut wurden, sowie zu Versuchen, den Strahenbahnverkehr zu hemme». Die Polizeibeamten gaben mehrere Rcvolvcrschüss« ab. Von den Demonstranten wurden drei verwundet, darunter einer schwer. Am späteren Abend war die Ruhe wieder hergestellt. Nachdem die Bc- sitzcr der Baumwollwebereien de» zehnstündigen Arbeitstag bewilligt hatten, konnte der Ausstand als beendet gelten. Aber die Arbeiter weigern sich noch, die Arbeit aufzunehmen, als Protest gegen die Borsiille am Montagabend. Die Straßenbahnen haben den Betrieb noch nicht wieder aufgenommen, aber die Droschken verkehre» und die Läden sind geöffnet. Die Streikposten werden gewaltsam vcr- trieben. Bei der Berreidiguiig der Demonstranten gegen die Attacken der Polizei und des Militärs wurden gestern durch Steinwürfe sechs Schutzleute verwundet, drei Karabiuiers, zwölf Soldaten und ein Offizier leichter verletzt. Versammlungen. Tie Filiale Grvß-Berlin des Verbandes der städtischen Arbeiter nahm in ihrer Generalversammlung am 25. April bei Dräsel den Geschäfts- und Kassenbericht für das I. Quartal cnt- gegen. Der Referent Ortssekrctär Dittmer verbreitete sich aus- führlich über alle in die Berichtszeit fallenden Vorkommnisse und Mahnahmen. Auch zu der wieder aktuell gewordenen Frage der Grenzstrcitigkciten präzisierte er nochmals den Standpunkt der Berliner Mitgliedschaft. Tie hierzu borgelegte Resolution fand einstimmige Annahme und hat folgenden Wortlaut: Die Filiale Groh-Berlin des Gcmcindearbeitervcrbandcs kann in den Beschlüssen der Zentralvorständc der Gcwcrkschaf- ten, soweit die Grenzstreitigkciten in Betracht kommen, eine bc- sricdigendc Lösung nicht erblicken. Die Versammlung ist vielmehr von der Notwendigkeit einer einzigen starken Organisation für alle Gemcindcarbciter über- zeugt und erblickt im Verbände der Gemeindcarbcitcr die einzige für sie zuständige Organisation. In Erwägung der Tatsache, daß dem einen gewaltig starken Arbeitgeber, als welcher die Gemeinde zu bezeichnen ist. auch eine einzige starke Organisation am besten gegenüber tritt. in Erwägung ferner, daß auf den letzten Generalversammlungen der meisten Organisationen ein Zufammenschluh zu Industrie- verbänden als Entwickelungstendenz befürwortet worden ist, bedauert die Versammlung die Stellungnahme der Zentralvor- stände und sieht in der aufgestellten Behauptung der bezüglichen Resolution, dah eine Parallele mit Jndustrieverbänden nicht gegeben sei, keine objektive Beurteilung in dieser Sache. Tie Generalversammlung kennzeichnet diesen Beschluß viel- mehr als von einem Teil aus Unkenntnis, vom anderen aus egoistischen Zersplittcrungsbcstrebungcn heraus gefaßt, und er- wartet von der höchsten Zentralbehörde der deutschen Gewerk- schaften eine objektive Würdigung aller in Frage kommenden Tinge und damit Aufhebung des gefaßten Beschlusses. Die Versammlung steht unter Wahrung des vorstehend ge- kennzeichneten Standpunktes nach wie vor auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung und hält es für ausgeschlossen, dah einzelnen intcressterte» Organisationen zuliebe die General- kommission sowie in Konsequenz der nächste deutsche Gewerk- schaftskongreh irgend welche Sondcrbeschlüsse gegen den Ge« meindearbeitervcrband vornehmen werden. Die Mitglieder der Berliner Filiale ersuchen den Haupt- vorstand, bei etwaigen Differenzen die Zweckmätzigkeit unseres Verbandes für alle Gemciudearbcitcr in den Vordergrund zu stellen und in sachlicher Ruhe die Angriffe zurückzuweisen, wie sie von einzelneu schlecht oder falsch unterrichteten Gcwerkschafts- führern erfolgt sind. Aus dem vom Kassierer H o f f m a n n gegebenen Kassenbericht ist zu entnehmen, daß den Einnahmen von 14 754,74 M. Ausgaben in Höhe von 13 804,04 M. gegenüberstehen, unter den letzteren Ueberweisungen an Verbandsvorstand und Zweigburcau von zu- sammen 8630,83 M. Der Bestand betrug am Ende des Quartals 9085,07 M., der lokale Gasarbeiterkampffonds 4070,80 M. Die Mitglicderzahl ist von 5455 auf 5814 gestiegen.— Nach dem Bericht der Auszählungskommission hatte die Wahl der Delegierten für den Mainzer Verbandstag das Ergebnis, daß Bruck. Buch. Dittmer, Fiebig, Seinze, Hentschke. Maspfuhl, MohS, PolenSke, Remus Schabel. Schmidt, Schulz, Tscheu. Wesolowsky. zum Verbandstag eingegangenen Anträge wurden den Delegierten als Material überwicscnMMW�MjWMMMiMMi Die Freie Bereinigung städtischer Markthallenarbeiter hielt am Sonntag bei Patt ihre Generalversammlung ab. Der Kassierer Böttcher gab den Kassenbericht. Demnach betrug die Einnahme 2508 40 M.. die Ausgabe 158,15 M., bleibt ein Bestand von 2350,25 M., bei einer Mitgliederzahl von 142, darunter 18 weibliche. Nachdem der Vorstand den Jahresbericht gegeben, wurde zur Vorstandswahl geschritten. Z i e l k e wurde erster, P e r f ö l z zweiter Vorsitzender. Müller I erster, Völker zweiter Kassierer: als erster Schriftführer wurde Richter und als zweiter Krieger gewählt; zu Revisoren Trbuth und Wolter, lieber den Markthallen-Etat referierte Z i e l k e und hob hervor, wie schlecht die Markthallenarbeiter mit ihrer Lohn- zutage abgeschnitten hätten. Nach einer längeren Diskussion wurde folgende Resolution einstimmig angnommen:„Tic bei Patt tagenden zahlreich versammelten städtischen Markthallenarbeiter haben Kenntnis genommen von dem im Etat 1006/07 aufgestellten Löhnen der Arbeiter. Sie können in den fast gänzlich un- veränderten Lohnverhältnissen eine Befriedigung ihrer Wünsche nicht erblicken und erheben entschieden Protest dagegen, daß ihnen zugemutet wird, in diesen teuren Zeiten mit den bescheidenen Löhnen auszukommen. Die Versammelten finden das Verhalten des Magistrats um so bedauerlicher, als doch den ohnehin besser gestellten mittleren und höheren Beamten ganz erhebliche Gehalts- zulagcn bewilligt sind. Die Versammelten beauftragen den Arbeitcrausschuh, dem Magistrat und den Stadtverordneten sowie der Direktion folgende Forderung zu unterbreiten: a) Löhne für Handwerker: Anfangslohn 5 M., von 2 zu 2 Jahren steigend, so daß nach 8 Jahre» ein Höchstlohn von 6 M. erreicht wird, b)'Arbeiter: Anfangslohn 4 M., nach 2 Jahren 4,25 M., nach 4 Jahren 4,50 M., nach 6 Jahren 4,75 M, und nach 8 Jahren 5 M. unter Weiterzahlung der Funktionsgelder, c) Arbeite- rinnen: Anfangslohn 2 M., nach 2 Jahren 2,25 M.. nach 4 Jahren 2,50 M., nach 6 Jahren 2,75 M. und nach 8 Jahren 3 M. Mit der Begründung der Petition beauftragen wir den Arbeiterausschuß." Nach Erledigung einiger interner Angelegen- heitcn schloß der Vorsitzende die Versammlung. Schlächter. Die am 2. Mai im„Englischen Garten" tagende Mitgliederversammlung nahm zunächst ein Referat des Kollegen Bergmann über„Die Bedeutung des 1. Mai" entgegen. Tann wurde �ur Sonntagsarbeit nochmalige Stellung genommen. Krause führt hierzu aus, dah die Protestversammlung am Karfreitag wohl einen Erfolg zu verzeichnen habe, indem die Behörde sich endlich bemüht habe, etwas schärfer zu kontrollieren, um der grenzenlosen ?lusbeutung am Sonntag etwas zu steuern. Auch die Arbeitgeber- zeitung habe infolgedessen zur Einhaltung der gesetzlichen Sonntags- ruhe aufgefordert, und mehr als unser gesetzliches Recht verlangen wir vorläufig nicht. Tann wird der Kassenbericht vom 1. Quartal gegeben, welcher recht erfreuliche Fortschritte aufweist. Es wirb darin zahlenmäßig nachgewiesen, daß die Einnahmen sich gegenüber dem 3. Quartal 1005 mehr als verdoppelt haben, ebenso wurden im letzten Quartal wieder 97 neue Mitglieder gewonnen. Der Geist unter den Mitgliedern bietet die sicherste Gewähr für die weitere Entwickclung der Organisation. Ferner wird berichtet, daß der Protest der innungstrcuen Gesellen gegen die letzte Wahl zur Orts- krankenkasse vom Magistrat anerkannt worden ist. Die'Arbeitgeber mit ihrem Anhängsel wollen nunmehr alles versuchen, die Zentral- verbändlec aus der Kasse herauszubringen. Tie Arbeitgeber werden diesmal in noch weit größerem Maße die Gesellen zu beeinflussen suchen._ Letzte I�acbnchten und Depefeben. Mord- und Selbstmordversuch. Gestern abend in der neunten Stunde wurde die in dem Hause Graunstr. 42 wohnende Hanseigentümerin Frau Röhls von ihrcin Liebhaber erschossen. Der Attentäter versuchte sich hieraus gleichfalls das Leben zu nehmen und wurde in schwer verletzte»! Zustande nach einem Krankenhanse gebracht. Die Leiche der ge- tüteten Frau wurde nach dem Leichcnschauhause übergeführt. Arbeiter find vogelfrei! Rom, 8. Mai.(Privatdcpesche unseres römischen Korrespondenten.) Gestern abend wurden durd) einen Angriff des Militärs auf streikende Textilarbeiter in Turin 6 Arbeiter verwundet, darunter 2 tödlich. Die Turiner Arbeiterschaft erklärte daraufhin den Generalstreik, der heute ein vollständiger ist. Tie Turiner ArbeitSkannner appellierte an die Solidarität des gesamten italienischen Proletariats und /srdert auf, im ganzen Lande den Generalstreik zu erklären. Die Situation ist eine sehr ernste. Ei» 14 jähriger Mörder. München, 8. Mai.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der mn 16. März 1891 in Erding geborene Gärtnerssohn Georg Götz er- mordete am 16. Januar d. I. im väterlichen Hause die 28 jährige Dienstmagd Therese Bauer durch Erdrosseln. Der junge, kräftig entwickelte Götz packte im August v. I. das Mädchen auf dem Heu- Hoden, zwang cS, ihm zu Willen zu fein und erdrosselte die Hoä:- schwangere am 18. Januar durch eine hinterrücks über sie geworfene Schlinge. Das Motiv zur Tat war die Furcht vor der Emdeckung des Verkehrs und vor Bestrafung. In der heutige» Verhandlung vor den, Landgericht München II wurde Götz zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte 12 Jahre beantragt. Eröffnung der Duma. Petersburg, 8. Mai.(W. T. B.) Die erste Sitzung der Duma wird der Petersburger Telegraphen-Agentur zufolge am nächsten Donnerstag um 4 Uhr nachmittags statthaben. Wieder einer! Kiew, 8. Mai. Wie das„Reutersche Bureau" meldet, ist Gras Jgnaticw ermordet worden. Einzelheiten fehle«. Die Kirche segnet den, der ihr zu Dienpen fährt. Odessa, 8. Mai.(W. T. B.)(Von einem besonderen Korrespondenten> Die Stadtverwaltung beschloß aus Anlaß der Eröffnung der Reichs- duma am Donnerstag Dankgcbete in de» Kirchen zu veranstalten, die Gebäude mit Flaggen zu schmücken, dir Arbeit in den Fabriken ruhcn zu lassen, den Schulen drei Tage frei zu geben und einer Straße den Ramen 27. April beizulegen. Am Tage der Eröffnung soll der Duma ein Begrüßungstelegramm übermittelt werden. Eingestürzte Kirche. Köln, 8. Mai. lW. T. B.) In BraunSfeld stürzte die im Bau begriffene Kirche ei« und degrub mehrrre Personen unter de« Trnmmern._ Parlamentseröffnung. Wien, 8. Mai.(28. T. 93.) Der ReichSrat ist auf den IS. Mai emberufen._ Erdbeben. New Dork, 8. Mai.(25. T. 23.) Die Blätter veröffentlichen eine Depesche aus Valparaiso, nach der dort ein heftige» Erdbeben stattgefunden haben soll, durch das viele Gebäude gänzlich zerstört sein sollen. Ob Menschen bei diesem Erdbeben zu Schaden gekommen find, ist bisher noch nicht bekannt. Verantv. Redakteur: HanS Weber. Berlin. Inseratenteil verantS.x TH.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer L-To.. Berlin SW. Hierzu 3 veilagenu.«nterhaltnngSbkatt Nr. 106. 23. Jahrgang. t Sfilüjf ilkS.MMg" Klllim WsdlR Mittoldlh, 9. Pai 1906. Reichstag» 07. Sitzung. Dienstag, den 28. Mai, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: Frhr. b. Stengel. Vor Eintritt in die Tagesordnung teilt der Präsident einen vom italienischen Botschafter übermittelten Dank des Präsidenten der italienischen Kammer für die im deutschen Reichstage anlählich des Vesuvausbruchs zum Ausdruck gebrachte Sympathie mit.(Leb Haftes Bravo!) Der erste Punkt der Tagesordnung ist die namentliche Ab- stimmung über§ 2 des Zigarettensteuergesetzes.§ 2 wird mit 179 gegen 112 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen angenommen. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzes betreffend Besteuerung der Fahrkarten. Die Kommission beantragt, für jeden Kilometer in der ersten Wagenklasse 1 Pf., in der zweiten Pf., in der dritten % Pf. Steuer zu erheben; bei Dampfschiffsverkehr soll die Steuer % Pf., und falls mehr als eine Wagenklasse vorhanden ist, in den höheren Klassen 2 Pf. per Kilometer betragen. Freibleiben von der Steuer sollen die dritte Wagenklasse, soweit eine vierte nicht ge° führt wird und der Fahrpreis den Satz von 2 Pf. für den Kilo. meter nicht übersteigt, ferner Fahrkarten, für die der Stempel- betrag weniger als 5 Pf. beträgt. Präsident v. Ballestrem teilt mit, daß vom Abg. Singer namentliche Abstimmung beantragt ist. Ich bitte die Herren daher. in so schöner Anzahl noch weiter hier zu bleiben.(Heiterkeit.) Abg. Biising(natl.): Das Schreien der Sozialdemokraten gegen die neuen Steuern ist sehr bequem und populär, namentlich in solchen Kreisen, denen die Sanierung der Reichsfinanzen gleich- gültig ist.(Unruhe und lebhaftes Oho! links.) Die Beschlüsse der Kommission sind mit sehr knapper Mehrheit gefaßt; deshalb ist die Mehrheit nachher noch einmal zusammengetreten und hat sich auf einen Kompromißantrag Becker geeinigt, wonach die Fahrkarten- abgäbe in der dritten Klasse nach dem Preise der Fahrkarte steigen soll von S— 200 Pf., in der zweiten von 10— 400 Pf., in der ersten von 20— 800 Pf.; freibleiben sollen Fahrkarten bis zu 00 Pf. Im Tampfschiffsverkehr soll die Steuer dieselbe sein wie in der dritten Klasse, bei eventuellen höheren Klassen wie in der zweiten. Abg. Gamp(Rp.): Die Sozialdemokraten lehnen alles ab, was zur Erhaltung des Reiches notwendig ist, und ihre Nachbarn lehnen sehr viel hiervon auch ab.(Unruhe bei den Freisinnigen.) Wir sind der Meinung, daß die Personenfahrkarten sehr wohl eine Steuer tragen können.(Beifall rechts.) Geheimrat v. t». Leven: Dem Wunsche nach direkten Fahr- karten, der in der Kommission ausgedrückt wurde, soll nach Möglich- keit Rechnung getragen werden. Abg. Lipinski(Soz.): Der Abg. Büsing hat geglaubt, vorbeugen zu müssen und gegen die Stellungnahme der Parteien der Linken zum Antrage Becker polemisieren zu müssen, obgleich die Parteien überhaupt noch gar nicht das Wort zu diesem Antrage ergriffen hatten.(Sehr richtig! und Heiterkeit links.) Er hat uns daraus einen Vorwurf gemacht, daß wir uns zum Sprachrohr aller derjenigen Interessen machten, die von den Verkehrssteuern hart betroffen werden. Wir befinden uns damit aher in einer sehr guten Gesellschaft. Die Mehrheit versucht allerdings, immer neue Steuerquellen zu finden, solange nur nicht den Besitzenden Steuern abgenommen werden. Dabei find diese ganzen Vorlagen doch auS dem Bedürfnis für die be- willigte Flotte heraus geboren. Ein richtiger Patriotismus aber würde dafür sorgen, daß auch die Kosten für patriotische Zwecke aus den Taschen der führenden Kreise gezahlt werden.(Sehr richtig! links.) Aber das Zahlen für den Patriotismus ist den Herren sehr unangenehm. Die Annahme, daß die Zusammensetzung der Kommission ein l reu es Spiegelbild des Reichstages und der Reichstag ein treues Spiegelbild des Volkes abgebe, ist wenigstens in seiner zweiten Hälfte irrig, denn der Reichstag spiegelt durchaus nicht die Stimmung des Volkes wieder. Ich erinnere nur daran, daß wir Wahlkreise haben mit der vierfachen, ja fünffachen Wählerzahl im Verhältnis zu den kleinen ländlichen Wahlkreisen. Auch die Minoritäten sind bei dem jetzigen Wahlverfahren völlig unvertreten. Der Reichstag ist also nur ein Spiegelbild der besitzenden Klassen. soweit sie zusammen gegangen sind gegen die Vertreter der Volks- jnteressen. Sie erwähnen die Verkehrssteuern anderer Länder. Aber warum haben Sie eS denn nicht als Beispiel herangezogen, daß Länder wie Frankreich und England gewaltige Summen auS der Erbschaftssteuer beziehen? Sie aber klügeln immer neue in- direkte Steuern heraus, bloß um den Weg der Erbschaftssteuer nicht weiter gehen zu müssen. Ich erinnere nur an den Antrag, sogar die Ansichtspostkarte zu besteuern, der zweifellos kein Ruhmes- blatt in der parlamentarischen Geschichte Deutschlands bedeutet. Im vergangenen Jahre sind die Handelsverträge mit den wcsent- lichsten Staaten Europas angenommen worden. Die Industrie wird die größte Mühe haben, das Uebergaugsstadium zu den neuen Zuständen zu überwinden. Sie aber machen es ihr noch besonders schwer, indem sie ihr die Verkehrssteuern auflegen wollen. Das ist auch so ein Stückchen„nationaler" Politik, daß Sie auch jetzt wieder die Steuern von den Besitzenden abwälzen auf die Vertreter von Handel und Industrie und damit auf die in Handel und Industrie beschäftigten Arbeiter. Die Fahrkartensteuer ist ein würdiges Scitenstück zur sogenannten„Personentarifreform". Bei der ganzen Eisenbahnpolitik herrschen nicht verkehrsfreundliche, sondern fiskalische Grundsätze. Angeblich zur Erleichterung des Verkehrs hat man Bahnsteigkarten eingeführt. Dann erfand man die Platz- Zarten, die doch dem einfachen Laienverstand ganz unbegreiflich er- scheinen. Niemand versteht, daß man. wenn man durch Lösung einer Fahrkarte sich einen Platz in der Eisenbahn sichert, diesen Platz nun noch ein zweites Mal besonders bezahlen soll. Diese Proben beweisen wohl zur Genüge das Vorherrschen der fiskalischen Jnteressen in der Eisenbahnpolitik. Die Kommission ist nun wesentlich von der Regierungsvorlage abgewichen. Sie hat den Kilomcterstempel eingeführt und hat da- durch den Ertrag der Steuer von 13 aus Millionen erhöht. Die Freilassung der vierten Wagcnklassc von der Steuer ist nichts als eine leere Dekoration, um das Publikum zu täuschen. ES ist eine vollständig willkürliche Annahme, daß allein die Arbeiter die vierte Klasse benutzen und daß die Arbeiter die dritte Klaffe zu benutzen gar nicht in der Lage seien. Soweit die Arbeiter weite Reisen vor- nehmen und auf Schnelligkeit der Beförderung Wert legen müssen. sind sie auf die Benutzung der dritten Wagenklasse angewiesen, die allein die Benutzung der Schnellzüge ermöglicht. Und wie steht es mit der vierten Klasse am Sonntag? In Sachsen gibt es am Sonn- tag keine vierte Wagenklasse, aber die Wagen derselben, ja sogar die Viehwagen werden benutzt, es wird ihnen einfach ein Schild: „Dritte Klasse" angehängt,(Hört! hörtl) und so.fährt man in Sachsen ain Sonntag vierter Klasse, bezahlt aber den Fahr- preis dritter Klasse! Es wird behauptet, die Steuer belaste alle Bevölkerungsschichten gleichmäßig. Das ist nicht lrwl)r. Das Gros der Reisenden sind doch diejenigen Leute, die berufsmäßig ge- zwungen sind, zu reisen, Geschäftsreisende, Kaufleute, Monteure, Kleinhändler usw. Der Geschäftsreisende, der jeden Tag auf der Tour ist und im Jahre über 40 Wochen draußen liegt, braucht viel mehr Fahrgeld als der Begüterte, der zu seiner Erholung vielleicht ein oder zwei größere Reisen im Jahre macht. Industrie und Handel, die hier mit neuen Lasten belegt werden, werden diese Steuer entweder auf den Zwischenhandel abwälzen oder auf die verkauften Waren zuschlagen Es ist in der Kommission mit großem Pathos davon gesprochen worden, daß mit dieser Steuer die stärkeren Schultern belastet werden sollen. Ich hatte eine Berechnung aufgestellt, wie sich denn die Steuer verteilt. Daraus ergibt sich, daß die Passagiere dritter Klasse 63,7 Prozent der gesamten Steuer zu leisten haben(Hört! hört!), die der zweiten Klasse 28,9 Prozent und die der ersten Klasse 7,4 Prozent.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Und das nennen Sie eine Belastung der tragfähigen Schultern! Nun sind in dem Vorschlage der Kommission auch noch die Straßenbahnen zur Steuer herangezogen. Ob dieser Vorschlag Gesetz werden wird, wissen wir ja noch nicht. jedenfalls bedeutet er einen eminenten Eingriff in die Autonomie der einzelnen Gemeinden. Das Straßenbahnsystem ist gerade in letzter Zeit in Aufschwung gekommen, weil es den Städten ermög licht, eine zu große Dichtigkeit der Bevölkerung zu vermeiden und die Wohnungen mehr in die Vororte zu verlegen. Wenn diese Steuer angenommen wird, werden die Straßenbahnen gezwungen werden, ihre Preise zu erhöhen. Ich glaube, daß bei einzelnen Regierungen eine sehr lebhafte Abneigung gegen die Straßenbahn besteht, weil man in ihnen eine wesentliche Konkurrenz erblickt. So fuhr man nach einem Vorort Leipzigs mit der elektrischen Bahn zu den, Einheitstarif von 10 Pf., während dieselbe Strecke mit der Eisenbahn 30 Pf. kostete. Das sächsische Ministerium hat dann ve'r langt, daß der Einheitstarif der Straßenbahn aufgehoben und statt dessen ein Dreizonentarif eingeführt werde.(Hört! hört!) Das ist ein krasses Beispiel, wie man versucht, den Straßenbahnverkehr zu unterdrücken. Durch den Vorschlag der Kommission wird der gesamte Nahverkehr auf das empfindlichste getroffen. ES zeigt sich hier wieder die Abneigung gegen die Sonntagsausflüge der ärmeren Bevölkerung, die auch durch die Besteuerung des Schiffsverkehrs unterbunden werden. Der Kompromißantrag, der offenbar durch Anregung der Re gierung erfolgt ist. hebt den Kilometerzuschlag wieder auf, kommt aber im Effekt auf dasselbe heraus. Die dritte Wagenklasse ist auch nach ihm am stärksten belastet, da sie den größten Teil der Steuer aufbringen muß. Auch der Nahverkehr bleibt durchaus nicht steuerfrei, wie Sie eS behaupten; denn bei Rückfahrkarten wird schon eine Strecke von 15 Kilometern in der dritten Wagenklasse be troffen. Auch der Stratzenbahnverkehr ist nicht gänzlich steuerfrei denn dort, wo er sich auf mehrere Gemeinden erstreckt, wo nahe liegende Städte mit einander durch Straßenbahnen verbunden sind. wird leicht ein« Steuerpflicht der Karten eintreten können. Nach dem Antrag Becker soll der Stempel für eine Karte von 50 Pf. in der Höhe von 5 Pf. erhoben werden. Dann sinkt der Prozentsatz� etwas herunter: in der nächsten Stufe, in der 10 Pf. erhoben werden beträgt er 5 Prozent, dann sinkt er weiter herunter auf 4 Prozent. dann auf 1 Prozent. In der siebenten Stufe steigt er wieder au 3% Prozent und in der achten auf 4 Prozent. Den Sinn dieser ungleichen Besteuerung, dieses Sinken des Prozentsatzes in den mittleren Stufen und das Wiederansteigen in den letzten Stufen kann ich nicht begreifen. Auf keinen Fall ist die Belastung eine so geringfügige, wie behauptet wird. Ich resümiere mich dahin, daß die Mehrheitsparteien, die die Flottenpolitik beschlossen haben, auch das„Noblesse oblige"(die Ehrenpflicht) hätten empfinden sollen, die Steuern aus der eigenen Tasche aufzubringen. Aber das Zahlen für ihren Patriotismus überlassen sie anderen. Da der Antrag Becker verkehrsfeindlich. industriefeindlich, arbeiterfeindlich ist, so können wir nicht für ihn stimmen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Graf v. Kanitz: Der wohlhabende Reisende ist viermal so stark belastet als„der minderbemittelte; es fahren in der ersten Klasse nur 3 Millionen, in der dritten 220 Millionen, daher bringt sie mehr. Den Weg der Reichseinlommensteuer werden wir nicht betreten dadurch würden wir das mobile Kapital aus dem Lande heraus drängen zum Schaden der Arbeiter, die Sie zu vertreten vorgeben. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) England, auf das Sie ver- weisen, hat nicht die Belastung der besitzenden Klassen mit der sozialpolitischen Gesetzgebung.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Herr LipinSkis Parteigenosse Bernhard meint übrigens, daß auch England zum Zoll über- gehen würde. Wir könnten die Sozialdemokraten fragen. warum sie den Genossen Bernhard ausgewiesen haben.(Heiterkeit.) Die Besteuerung des Verkehrs ist auch mir nicht sympathisch; da die Aufbringung des Geldes aber notwendig ist, stimme ich ihr zu. Ich bedauere dagegen, daß man nicht auch den Straßenbahnverkehr in den großen Städten mit 1 Pf. für den Fahrschein belastet hat.— Schließlich befürwortet Redner einen Antrag Dietrich, den See- verkehr nach ausländischen Häfen mit einem doppelt so hohen Stempel zu belasten wie den inländischen Seeverkehr.(Bravo! rechts.) Abg. Herold(Z.): Das Reich kann seine Aufgaben ohne neue Einnahmen nicht erfüllen, deshalb mußten wir neue Steuern suchen; unser Streben ging aber dahin, die leistungsfähigen Schultern zu belasten. Die Rcichseinkommensteuer lehnen wir ab. Abg. Merten(frs. Vp.): Zunächst muß ich dem Abg. Büsing erwidern, daß ivir nicht das Sprachrohr irgend welcher Gegner- schaftcn gegen die Fahrkartensteuer sind, sondern hier lediglich unsere Pflicht tun.(Beifall bei den Freisinnigen.) Abg. Büsing empfiehlt diese Fahrkartensteuer als Ersatz für die Biersteuer, die in der vorgeschlagenen Form abgelehnt wurde, weil sie ab- wälzbar sei auf die breiten Massen; ersetzt soll sie also werden durch eine Steuer, welche direkt die breiten Massen trifft!(Hört! hört! bei den Freisinnigen.) Durch diese Verkehrspolitik erschweren wir den deutschen Eisenbahnen den Konkurrenzkampf mit den be- nachbarten ausländischen.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Sie bringen hier die Jnteressen gerade des Mittelstandes zum Opfer, und es iß nicht wunderbar, daß das Vertrauen in die Gerechtigkeit der Gesetzgebung schwinden muß.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Die Besteuerung des Personenverkehrs hängt eng zusammen mit der Möglichkeit einer gesunden Wohnungsreform; das preußische WohnungSgesetz hat doch gerade billige Tarife zur Voraussetzung. Auch die kulturelle Hebung deS Ostens, den die preußische Regierung anstrebt, wird durch dieses Gesetz schwer beeinträchtigt werden. (Beifall bei den Freisinnigen.) Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel: Zu dem Antrag Becker werden die verbündeten Regierungen erst Stellung nehmen, wenn die Beschlüsse deS Reichstags in zweiter Lesung vorliegen. Aller- dings wäre es den Regierungen erwünschter gewesen, daß Tabak und Bier stärker herangezogen wären als die Fahrkarten.'Im politischen, manziellen und nationalen Interesse halten die verbündeten Re- gierungen daS Zustandekommen der Reichssinanzreform für so wichtig, daß ich glaube, sie werden den Beschlüssen zustinimen, und zwar lieber dem Kompromihantrage als den Beschlüssen der Kom- inisston. Abg. Gräfe(Antis.): Wir lehnen die Borlage ganz entschieden ab, die den Berkehr in spanische Stiefel einschnüren will, anstatt ihn durch eine vernünftige Tarifreform zu heben. Eine gerechte Steuer wäre die Reichswehrsteuer; hätten wir ein Referendum, so würde die große Mehrheit des Volkes sich sicherlich dafür erklären. Wie verderblich diese Steuergesetzgebung wirkt, zeigt der Umstand, daß mit ihr die Freisinnigen und Nationalliberalen ihren Hoch- und Landesverrat in Darmstadt bemänteln konnten.(Lautes Lachen links.) Redner verläßt die Tribüne unter stürmischen Heil!-Rufen links. Abg. Schräder(frs. Vg.): Die Tragweite der Konimisstons- beschlüsse ist den Mitgliedern der Mehrheit in ihrer vollen Bedeutung nicht bewußt. ES ist zweifellos, daß diese Steuer industriefeindlich und verkehrshemmend wirken muß. Reichsschatzsekretär v. Stengel: Wenn man alle Bedenken, die ich gegen jede Steuer erheben, berücksichtigen wollte, so könnte der Herr Borredner mit mir das Alter Methusalems erreichen und würde die Durchführung der Reichsfinanzreform doch nicht erleben, (Heiterkeit.) Abg. Herbert(Soz.): Den Herrn Reichsschatzsekretär möchte ich doch darauf aufmerksam machen, daß ein Unterschied besteht, von welcher Seite her die Widerstände gegen die Steuer kommen. Wenn ein reicher Mann 50 Pf. mehr zu bezahlen hat, so macht das sehr wenig aus. Für den Arbeiter aber bedeutet es eine große Mehrausgabe, wenn er für eine Fahrkarte 4,50 M. statt 4 M. bezahlen muß. Der Abg. Gräfe irrt sich, wenn er glaubt, daß der Mittel» stand allgemein mit einer Reichswehrsteuer einverstanden ist. Der Abg. Gräfe hat behauptet, wir lehnten die Tantiemensteuer ab und bewiesen damit, daß wir die direkten Reichssteuern gar nicht ernsthaft wollten. Er soll nur erst unsere Stellung zur Tantiemen» steuer abwarten!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. Herold gab vor. daß die Steuerkommission sich stets von dem Bestreben habe leiten lassen, die Steuern nur auf die leistungS» fähigen Schultern zu legen. Schade, daß sie daS bei der Fahrkartensteuer vergessen hat; denn diese werden in der Hauptsache die weniger bemittelten Kreise zu tragen haben. Das suchte der Abg. Graf Kanitz gegenüber unserem Fraktionsredner zu bestreiten. indem er darauf verwies, daß die zweite Klasse ja höher heran« gezogen sei als die dritte. Aber prozentual den Einkommens- Verhältnissen werden die Leute, die in der dritten Klasse fahren, doch viel schwerer belastet sein, und daran können alle Ihre Reden nichts ändern.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Graf Kanitz hielt lveiter unserer Forderung einer Reichseinkommen- steuer das Argument entgegen: sie werde daS mobile Kapital aus dem Lande treiben. Das ist der„Patriotismus" unserer be- sitzenden Klassen I Graf Kanitz weiß ja sicher Bescheid, wie eS in jenen Kreisen zugeht. Ihr(nach rechts) Patriotismus hat kein Fünkchen Wert.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Graf Kanitz verloies für die Begründung seiner Steuerpläne auf die gestiegenen Dividenden der Schiffahrtsgesellschaften. Ja, diese Dibi« denden stehen jetzt höher als vor der Zeit der„sozialpolitischen Aus- gaben." Und alle diese Einnahmen heimsen die Akttonäre ohne die geringste Anstrengung ein. Die Arbeiter, die lange genug im Betrieb sind, um aus AlterSzulagen Anspruch zu haben, werden dabei heraus- gedrängt und junge Leute zu Minimallöhnen hereingenommen. Gerade im Schiffsverkehr wird die Steuer viel einschneidender wirken als im Eisenbahnwesen. Zahllose Kleinschiffer in der Um« gegend Stettins, zahllose Händler, die ihr Gemüse morgens in die Stadt zu Markte fahren, werden aufs schwerste belastet. DaS zeigt wieder einmal, daß wir die einzigen wahren Mittelstandsfreunde sind.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Sonntags- Verkehr für die minderbemittelte Bevölkerung nach den Ostfeebädern wird außerordentlich verteuert. Zum Beispiel für die Fahrt Stettin— Swinemünde um 30 Pfennig. Die reichen Leute trifft diese Steuer nicht, die können es sich gestatten, dauernd im Bade zu bleiben. Dänische Schiffe machen übrigens genau dieselben Fahrten wie deutsche. Sollen die dänischen Schiffe nun steuerfrei bleiben, dann sind die deutschen nicht mehr konkurrenzfähig. Das zeigt wieder. wie liederlich die Kommissionsarbeit ausgefallen ist. Sie machen Gesetze, die in das Gewerbe aufs schwerste eingreifen, ohne sich die Folgen zu vergegenwärtigen. Solche Steuern wirken»nehr revo- lutionierend, als wir durch unsere ganze Agitation wirken können. So erweisen sich die Herren wieder als ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets daS Gute schafft.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Gothein(frs. Vg): Von der Arbeit der Kommission kann man nur sagen:„DaS Unzulängliche, hier wirdS Ereignis I"(Heiter- keit.) Die Regierung sagt:„Es fehlt an Geld, so schafft eS denn!" und die Kommission gefällt sich in der Rolle des Mephisto und schafft immer mehr und mehr, und die Regierung sagt hoch- zufrieden: „Schaff' er uns nur zu Hof willkommne Gaben; Ich wollte gern ein bißchen Unrecht haben." (Lebhaste Heiterkeit und stürmischer Beifall links.) Die Debatte ist erschöpft. Der Antrag Becker wird in namentlicher Abstimmung mit 157 gegen 128 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen angenommen. Präsident v. Ballestrem teilt mit. daß er auf den Wunsch deS Reichskanzlers ihn besucht habe; er habe ihn in vollkommener körperlicher und geistiger Frische gefunden. Dem Hause übermittele er den Dank des Reichskanzlers für die zutage getretene Sympathie. Darauf vertagt das Haus die weitere Debatte aus Mittwoch Uhr. Schluß S'/z Uhr._ Abgeordnetenhaus» 63. Sitzung vom Dienstag, den 8. Mai, vormittags 11 Uhr. Am Ministerttsch: Frhr. v. Rheinbaben. Auf der Tagesordnung steht die Interpellation der beiden freisinnigen Parteien wegen der Etatsüberschreitungen beim Umbau des Schauspielhauses. Minister Frhr. v. Rheinbaben erklärt sich bereit, die Jnter- pellatton sofort zu beantworten. Zur Begründung der Interpellation führt Abg. Rosenow(fts. Bp.) aus: In diesem Jahre sind 763000 Mark für den Umbau des Schauspielhauses nach- gefordert. Ueber diese ungeheuere Etatsüberschreitung herrschte m Abgeordnetenhause ein großer Unwille. Trotzdem wurde der Bettag bewilligt auf Grund der Angaben einer Denkschrift de» Hofbaurats Genzmer. Nun behaupteten die„Freie Deutsche Presse" und das„Berl. Tagebl.", diese Angaben seien unzutreffend. Der wahre Grund sei gewesen, daß das Schauspielhaus am 21. März. den, Tage vor der Abreise des Kaisers, eröffnet werden sollte. Dabei behauptete das„Berl. Tagebl.". der Kaiser selbst habe erklärt, die Fertigstellung bis zum 21. März sei unmöglich.(Hört I hört I links.) Deshalb sei an Sonntagen wie am Bußtage gearbeitet. Lohn- erhöhungen bis 50 Proz. seien gezahlt, gegen die polizeilichen Vorschriften seien offene Koksöfen aufgestellt. o daß mehrere Arbeiter besinnungslos fort- getragen feien.(Bewegung.) Falsches Material und Stuck ei verwandt, statt Gold seien Vergoldungen angewandt. Nach der Eröffnung sei dann das Gebäude zum zweitenmal fettiggestellt, wobei der alte Putz zerschlagen sei.(Hört! hörtl links.) Wem, diese Angaben richtig sind, ist nicht nur mit den Geldern des Staates unverantwortlich gewirtschaftet, sondern auch der Bau- Herr gröblich getäuscht. Der Vertteter der Bauverwaltung hat früher erklärt, böse Mächte hätten mitgewirkt, diese bösen Mächte sind nicht Grundwasser und schlechtes Wetter, sondern Intendant v. Hülsen und Oberbaurat Genzmer(Sehr wahr I links). Um dem Könige gefällig zu fein, haben wir die Gelder nicht ge- geben. Oeffentlich die Wahrheit festzustellen, sind wir den Steuer- zahlen, schuldig. Die„Post", die„Frankfurter Ztg.". fast alle deutschen Blätter haben die Regierung scharf angegttffen, trotzdem hat sie geschwiegen. Die Finanzverwaltung mag an diesem Ueber- 'chreiten nicht schuld sein, sie hätte aber den Baumeister kennen sollen, der nach der„Frankfurter Ztg." auch beim Theaterbau in Wiesbaden erhebliche Ueberschreitungen gehabt haben soll. Ist eS auch wahr, daß man beabsichtigt, diesem Baumeister auch den Bau des Opernhauses zu übertragen? Möge die Regierung uns die Schlußrechnung mit voller Offenheit darlegen, damit wir sehen, daß nicht russische Zustände bei uns herrschen.(Langanhaltender Beifall links.) Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: Ich kann eine Verpflichtung Regierung, auf jeden Preßangriff zu antwotten. nicht anerkennen. IM 1 W (Sehr wahr!'rechts.') Die Ausführungen des Abg. Rosenow ent- halten für mich etwas Neues, noch nie Dagewesenes. Er bat feine yanzen Ausführungen auf ein Berliner Blatt gestützt und vn Anschluß daran von russischen Zuständen und bös- willigen Täuschungen gesprochen. Er hat die Männer, die er angegriffen hat, sogar mit Namen genannt. Ich halte es für eine Ritterpflicht, entschieden gegen eine derartige Behandlung hier nicht anwesender Personen einzutreten.(Bravo I rechts.) Jedenfalls sind dem Hause nach der neuen Nachprüfung keinerlei wesent- licheUmständ e verschwiegen. Die Ueberschreitung von 1 MS 000 Mark ist im wesentlichen auf die schwierigen Wasserverhältnisse und die Schadhaftigkeit der Fundamente zurückzuführen. Daneben ist von der Regierung nie in Abrede gestellt worden, daß ein Teil der Mehrkosten, aber der geringere, auch auf die Beschleunigung des Baues zurück- zuführen ist.(Hört! hört! links.) Selbstverständlich war es erwünscht, daß das Gebäude die volle Weihe durch die Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers erhielt. Das war aber nicht der Grund für eine Beschleunigung des Baues. Das Gebäude war dem Publikum durch das Polizeipräsidimn ent- zogen, weil der Brand in Chikago daran erinnert hatte, daß es nicht genügend feuersicher war. Eine möglichste Beschleunigung des Baues war nötig, wenn man das Haus nicht für mehr als ein Jahr unbenutzt lassen wollte. Sie war nötig aus künstlerischen wie aus wirtschaftlichen Interessen. Ein doppelter Umbau hat nicht stattgefunden. Es wird auf vielen Bauten so Verfahren, daß gewisse Arbeiten zurückgestellt werden, bis der Bau ausgetrocknet ist. Das ist auch hier geschehen. Von einem Firlefanz, wie er behauptet wird, kann nicht die Rede sein. Es sind nur gewisse, gebotene, provisorische Maßnahmen getroffen. Es ist vollkommen unrichtig, daß das ganze Parkett ausgerissen sei. Die Gründe sind in vollster Offenheit mitgeteilt. Ich betone, daß von einer doppelten Fertigstellung des Rohbaues gar nicht die Rede sein kann. Die ganzen Nacharbeiten haben etwa 100000 Mark erfordert, das bedeutet 10 Prozent der Ueberschreiwngen und 3 Prozent der ganzen Bau- summe. Ich kann mich dahin rekapitulieren, daß die Umstände, die wir dem Landtag als Ursache der Ueberschreitungen angegeben haben, noch in allen wesentlichen Punkten als richtig anzusehen sind. Der zweite Teil der Interpellation bedeutet ein Mißtrauen gegen die Finanzverwaltung, das gänzlich ungerechtfertigt ist. Die Finanz- Verwaltung hat zu diesem Mißtranen nie Anlaß gegeben. Zum Schluß will ich aber versichern, daß in Zukunft, um solche Etats- Überschreitungen zu vermeiden, eine größere Fühlung zwischen Bau- leitung und Baukontrolle Platz greifen soll.(Beifall rechts.) Abg. V. Arnim(k.): Nachdem ich vom Finanzminister gehört habe, daß die Mehrausgaben infolge der Beschleunigung des Baues nur 100 000 M. betragen, gebe ich zu, daß es nicht nötig war, daß die Angelegenheit in der Presse so viel Staub aufwirbelte. Ich muß dagegen meine frühere Erklärung aufrecht erhalten, daß die Bauverwaltung nicht die nötige Offenheit gezeigt hat. Der Finanz- minister hat aber zu einem gewissen Teile die Beschuldigungen des Interpellanten widerlegt.(Beifall rechts.) Abg. Wallenborn(Z.): Die Schuld an den Vorgängen trifft die Bauleitung. Besonders verurteilen wir die Sonntagsarbeit. Ist es wahr, daß bei anderen Arbeiten 69 000 M. erspart sind? Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: Es stehen noch einige große Rechnungen aus. Es ist anzunehmen, daß die Etatsüberschreitungen sich um 70—90000 M. verringern werden. Abg. Fritsch(natl.): Sind die Architekten gefragt worden, ob die Fertigstellung des Neubaues bis zum 21. März möglich sei, oder ist einfach von einer hohen Stelle dies angeordnet? Ich glaube nicht, daß diese Fertigstellung den Wünschen der allerhöchsten Stelle entsprochen hat. Abg. Brocmel(frs. Vg.). Der Minister geht von dem Stand- punkte aus, die beste Verteidigung sei der Angriff. Herr Rosenow hat die in der Presse veröffentlichten Behauptungen lediglich zum Gegenstand der Interpellation gemacht, er hat sie nicht als eigene Behauptungen wiederholt. Die Regierung hätte wohl Veranlassung gehabt, auf die Veröffentlichungen in der Presse zu antworten.(Sehr richtig! links). In Zukunft werden wir Jbei ähnlichen Vorlagen von vornherein festsetzen müssen, was der Staat an Aufwendungen zu decken hat, wie wir es wiederholt bei Bauten der Krone getan haben. (Beifall links.) Abg. Rosenow(frs. Vp.): Ich habe vom Minister Dank dafür erwartet, daß ich ihm Gelegenheit gegeben habe, die Angelegenheit endlich klarzustellen. Statt dessen greift er mich an. Es ist ein falscher Standpunkt, wenn er auf die Presse nichts gibt. Auch die „Post" hat es als Pflicht der Regierung bezeichnet, den Sachverhalt klarzustellen. Der Minister hat die von mir auf Grund der Zeitungsnachrichten gegebenen Zahlen als richtig anerkennen müssen, Die Finanzverwaltung wird hoffentlich nicht zum drittenmal mit einem Baumeister anfangen, der schon zweimal durch interimistische Fertigstellungen diejenigen geschädigt hat, die die Kosten zu tragen haben.(Beifall links.) Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: Ich muß entschieden Protest gegen die Schlußfolgerung des Vorredners einlegen, als hätten wir alle wesentlichen von ihm behaupteten Tatsachen zu- gegeben. Im Gegenteil waren für die Ueberschreitungen ganz andere Gründe als die von ihm angegebenen matzgebend. Geheimrat Lanner stellt die Angaben der Presse über die Einzelheiten der Fertigstellungsarbeiten zum 21. März in vielen Punkten richtig. Plafonds seien nicht für 30 000 M., sondern für 3000 M. zerstört worden, die Herstellung der Räume für das Königs- paar im Schauspielhause habe nicht 600 000 M., sondern höchstens SO 000 M. gekostet, für die Aufräumungsarbeiten zum 21. März seien nicht 131 000 M., sondern 12 000 bis lö 000 M. ausgegeben worden. Alle die Ueberschreitungen seien ein guter Maßstab für die Wahrhaftigkeit und Richtigkeit der Berichterstattung. Die Abgg. Barling(natl.) und Wolff-Biebrich(natl.) nehmen den Hofbaurat Genzmer in Schutz. Derselbe habe in Wiesbaden nur das Foyer gebaut. Ueberschreitungen seien auch nicht vorgekommen. Abg. Frhr. v. Zedlitz imimö jn« Schönbrück!!! Bahnstation Zepernick, Stettinerbahn, 10 Min. vom Bahnhof, Parzellen /Meter von 0,60 an. Auskunst: Sellin, Restaurant Schloß Schönbrück. Nervöse, Blut« arme, Blelchsüchtige usw. erzielen üverroschende Erfolge durch MiLf jyiatzeisenputver Reichlich bluibildcud. schwache Ulttbtn stärkend u. enorm'Appetit anregend. �kirltt bei Hindern Wander! Dose Mk. 1.25, Uebl. 3 Dosen Mk. 3.75 kiter frei Haus. Bersand nach auswärts, Otto 6oi°hol, 1905» H«h«er, fleißigste L-g-riEnten.DaubenBrut, Puten; Bruteier«.Kücken hochedler Rasten empfiehlt unter Garantie ft. Blcgner, Berlin. Mariannenstr. 34 2. Ledonx 5. Kl. 214. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 8. Mai tsoo, vormittag«. «ur die Gewinne Uber 240 Mark alnd den betreflenden Kümmern tn Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten. .„ 645 875 931 35 1005[1000] 99[10001 329 483 85 728 80(10001 873 1 10001 936 2080 15001 98 279 640 613 960 3000 42 106 74 267 314 424 48 89 652 862 81 963 4091[30001 206 401 599 630 60 871 5052 65 152 69 77 285 412 599 957 6191 275 370 404 588 646 775 859 67 75 7070 181 293 513 639 848 8234 301 574 83 675 11000] 83 832 940 9044[30001 59 377 06 656 737 983| 1000 I 10306 71 01 471 617 57 64 858 61 1500] 91 11074 470 1500] 623 754 66 90 94 827 69 11000] 977 110001 12005 205 29(10001 33 567 70 812[ 30001 13 67 13074 89 203 472 88 525 652 905 14233 67 693«11 15035 138 423 574 629 53 773 93 868 953 1 6051 115 19 268 584 «8 82 92 898 937 1 7033 224 387 572 652[500] 90 790 93 925 18113 268 91 319 537 60 615 703 845 999 18016 196 305 19 530 73 807 917 93 20183 284 449 518 874 98 909 50 21439 74 663 1500] 65 824(10001 72 2 2043 104 62 89 204 5 577 776 844 74 23503 690 922 24243 346 449 500 649 767 25207 403 49 67 99 510 44 94 771 26065 234 65[5001 339 427 74 774 83 840 98[5001 27310[30001 25 60 71 425 29 80 818 911[1000] 28018 240 51 331 624 25 822 «2[500] 29308 42 500 59[3000 1 654 74 30208 87 435 51 559 72 94 96 985[500] 31047 431 [500 1 88 526 638 804[1000] 37 911 81 32148 320 427 49 63 75 513 41 82 674 706[10001 945 33048 1500] 272 335 400 94 98 762 836 WS 34200 516 671 96 35024 1500] 42 154 239[5001 69 445 594 789 819 36049 483 767 801 929[500] 37018 86 79 100 69 255 328 62 609 38018 109 325 30 39 484 500 36 740 976 39065 66 75 563 70 816 782 89 934 72 40047 144 263 308 72 402 602 28[500] 95 738 865 965 4 1 000 338 458 562 616 58 716 805 923 4 2063 87 119 247 580 745 43071[10001 79[10001 177 89 231 47 637 603 780 61 44077 182 400 53 611 48 54 823 [ 15 OOO] 45079 285 482 93 596 866 915 18 33 4 6074 13000] 79 180 261 570 13000] 010 49 52 779 837 945 47097 168 240 308 9 638 885[500] 48354 688 705 855 49262 412 640 98 799 60153 7840689990605140766698283503 , 91 661 963 52078 84 155 681 705 36 889 948 ___ 12 169 793 5 4075 141 364 421 28 723 79 843 65 956 89 55018[1000] 138 513 61 717 20[500] 56098 III 39 282 407 645 857 57059 447 511 68098 106 46 69 85[10001 291[1000 1 374[500] 78 501 721 843 952 59358 721[5001 813 67[500] 85 924 60046 211 38 533 44 621 884 909 61020 42[5001 S1 522 55 69 736 849 061 62035 296 416 fSOOl 83 584 87 637 57 81 706 883 929 63196 275 312 42 1500) 420 312 662 768 825[500] 988 90 68315[5O001 575 610 701 15 89 989 69151 206[500] 42 362 414 30 553 769 93[10001 800 89 952 70225 42 413 612 30 66 87 735 952 71211 ■42 45 58 791 804 950 96 15001 72181 97 217 441 908 73 120 93 219 445 864 944 74460 691 777«oa 75411 524 28 617 66 837 76143 254 337 709 95 963 77040 55[1000] 00 98 161 323 52 411 12 837 933 78692 743 55 87 908 60 90[500] 79012 340 94 443 892[30001 80067 151 74 215 453 571 696 913 22 81203 60 r 1000 1 92 314 47 598 11000] 606 23 787 91 851 969 95 82022 76 1506] 202 110001 439 63 85 769 903 83036 399 415 17 43 68 I1000J 658 91 756 73 84021 06|3ü00j 396 467 679 914 85009 139[500] 661 63 I1000| 78 83 728 968 97 86U0 32 323 455 512 640[3000] 700 34 934 87032 43 363 453 051 744 860 88357 89016 30 88 266[500] 81 300 39 595 644 828 90042 116 204 493 643 88 794 91025 32 222 406 76 547 07 826 86 947[500] 61 92016[5001 57 85 503 14 653 1 500] 81 96 706 15 77 846[500] 903 40[10001 93355 71 404 18[1000] 86 506 61 95 1500) 634 906 [500] 94195 209 45 421 49 92 627 30 42 88 919 9 5078 435 665 744 916 93139[5001 618 56 713 905 97431 511 [100(51 731 98073 105 404 5(5001 518 W8 715 801 17 99032 77 244 74 80 81 408 507 600 100130 48 57 241 380 548 620 58 85 769 845 101116 267 507 687 767[5001 869 102273[500] 337 636 689 717 32 43 980 103016 106 13 26 68 332 44 90 582 847 960 104097 374 835 51 945 105262 462 511 59 751 70 952 106033 323 772 107121 204 18 97 1600] 373 658 808 962 108054 135 46 88 390 778 109107 [30001 222[5001 515 646 859 978 110417 568 908 88 111035 [1000 1 327 569 113186 275 315 114158| 500| 251 88 352 455 946 596 15001 93 610 701 865[3000] 11 027 62 809 117008 68 239[500] 881 94 118073[30001 280 328 97 67 83[5001 112053 30001 81 823 945 3000) 115016 191 132 51 235 481 528 TO 66 74 614 724 721 836 42[1000J 66 119005 140 56 1 10001 60 290 493 97 638 956 120068[5001 102 30 243 79 434 651 828 121024 122 31 247 81 364 643 756 11000] 122050 79 877 928 130001 52 1 23065 349 482 506 64 633 84 731 837 124102 396 621 88 842[3000] 125143 49 321 611 fSOOl 699 734 893 923 126095 130 41 8i 87 f500 10 607 127011 14 30 63 140 269 342 457 592 822 72 77[30001 982 128149 361[1000] 822 915 27 15001 724 961 "ii 47::" ________018 128 914 136061 225[30001 74 435 57 60 flOOOl 522 137003 552 611_____ 134034 1500. I 82 866 133018 68 lt. "" 39 314[500 33661 790 893 983 95 206 374 440 511 662 7 »1 493 705 27 51 416 29 36 538 56 79 138»r/ 88 331 94 445 47 79 575 15001 623 766 15001 804 139259 94 443 48 552 617. [1000] 758 79 939 140046 63 418 554 705 876 917 141140 224 82 363 493 536 94 613 94 816 45 142109 90 211 43 309 21 540 758 802 902 3 33 143006 19 71[1000] 88 III [500] 286 635 778 820 88 144017 30[1000] 143 58 384 608 793 s 10001 985 145138 307[10001 34 449 97 [5001 531 645 768 70 855 94 951 70 1 4K054 50[3000] 148[50001 270 89 328 67 456 150001 79 547 627 767 1 47075 225[30001 315 427[10001 70 513 23 85 703 76 148004 34[10001 02 84 247 55[30001 393 449 523 63 731 89 91 86t 149000 67 564 601 40[5001 794 939 55 f 5001 150090[5001 116 20 255 60 410 647 874[3000 904[10001..... 1---~ _____ 152097 101 766 017 1 53012[3000 151160 409 653 865 991 85 371 110 0001 458 548 801 A. I.. 184 351 64 401 525 94 681 714 961 154151 60 581 648 814 29 72[10001 155024 103 256 376 423 569 766 156423 551 639[5001 78 713 67 825 45 1 57024 70 98 156 207 575 628 M 838[30uijJ 960[500] 158081 94 TSOO] 176 347 575 15001 733 867 159123 380 525 59 06 78° 814 160044 66 312 22 77[5000] 498 723 60 872 905 161027 46[500] 57 276 414 23 652( 500) 82 888[10001 88 110001 28 rioooj 4072 319 752 162005 68[30001 191 309 45 72 483 628 752 870 914 163253 540 71 602 19 760 95 164 426 35 512[10001 901 47 165261 427 065 77 725 933 166'05 11 88 229 53 545 818 77 1 67035 40 216 355 736 44 168230 96 377 92 405 21 731 58 130001 169143 214 59 344 565 602 170054 251 332[5001 400 91 675 776 171167 02 225 45 76 411 528 817 36 172001 112 80 257[lOOOJ 84[30001 531 173025 76 304 375 539 826 902 17400Ö 235 85 304 13 460 88 51T 39 956 175229 94 99 305 178 632 739 828 910 14 47 176003 95 349 488 628 ----------- 17� MM5 588 IKwl W Ml 734 75 801 14 1 64192 293 313 418 [5001 61 96 574 768 852 65 1 85005 197 324 499 664 [5001 735 40 65 180084 93 180[500] 88 282 89 336 [500 51 421 536 53 797 1 87191 314 654 64 761 950 188551 676 762 841[500] 189013 385[500] 572 729 82**190074 144 95 515 714 826 45 905 80 191063[500] 312 22 67 519 660 871 192645.186 346 53 75"""" 2. Ziehung 5. Kl. 214. Kgl. Preuss. Lotterie. «.. Ziehung vom 8. Ual IMM. naohmlttaga, Kur die Gewinne Ubei IM Mark sind den betrellenden Nummern In Klammern beigefügt. XOhne Gewahr.) Nachdruck verboten. 81 182 253 57 64 474[1000] 00 562 85 742 855 1135 923[5001 50 51 2060 löüül 103 15 216 65 69 320 472 5' 2 74 77 79 875 956 76 3282 130001 340 79[10001 «1 � 1B l3000 1 826 920 1 10001 92 4065[sioj d «« 6(X! 922[500 1 79 5000 63 141 480 658 729 832 904 «936 38 230[5001 315 32 15001 58 489 825 71 955 15001 7007 21 100 31 347 76 80 425 603 8214 63 452 87 9? 16�38 805 150Ö0JJJ 850 954 9235 46 360 90 577 613 10057 84 101 287 340[1000] 494 889 937 11213 338 44 835 12046 SO 255 473 510 1 1000] 724 817 13092 153 391 447 55 569 623 1500 1 864 1500] 66 962 14014 46 Iii 51??15<64 600 60 848 55 63 978 1 5160 285 110001 355 681 13000 T 823 86 1 6474 551 759 74 820 34 1 7193 297 o90 11000] 707 18045 66 110[500] 48 223 70 328 908 37 1 9033 825 414 34 719 20325 440 44 537 86| 5001 87 648 809 33 64 906 8 21148 56 322 484 873[1000] 923 22074 192 302 (10001 48[ 5001 451 568 678 739 2 3070 207 456 575 633 738 920 38 24161 300 30 13000] 39 52 81 508 611 788 952 89 2 5097 302 32 653 716 74[5001 78 878 95 992 26165 98 266 335 655 787 1500) 823 27069[lOOOJ 130 312 2 8051 173 277 477 539 89 752 843 65 922 29150 213 58 314 53 456 604 95 806 49 1500] 914 30063 536 660 15001 989 31143 211 31 347 523 [30001 605 43 61 32057 677 730 880 919 33003 248 334 454 518 643 713 43 68 06 902 34428 7", 550 617 88 730 15001 73 35131[5001 400 37 66 518 619 858 78 36083 85 226 78 94 337 414 608 854 978 79 86 3 7019 62 189 823 1500] 52 909 10 26 15001 38048 251 65 506 704 59 823 913 3 8016 167 401 578 681£1000] 701 836 878 99 J 500] 40127 300 80 374 82 463 65 587 763 861 956 41455 78[500| 042 967 04 42111 327 13000] 925 43019 65 88 603 707 80 44009 117 67 432 619 70 802 63 45101 lö< 93 456 570 611 15001 52 80 714 920 28 85 4 6058 90 147 212 473 588 816 31 11000] 45 13000) 71 994 96 47070 200 7 328 418 41 76 586 705 49 4 8249 303[500] 88 658 835 70 49003 211 28 38 361 86 454 618 725 C 50052 63 113 97 407 819 39 992 51099[500] 143 15001 230 13000] 82 458 77 776 855 961 1500] 52003 131 [5001 57 83[5001 281 89 99 330 453 548 640 54 725 958 53084 371 447 585 600 50 63 755 54125 229 52 480 559 67 91 688[5001 730 884 999 66069 210 338 431 40 71« 91 56091 180 85 405 795 821 15001 006 13000] 83 67013 110 90 304 25 488 656 789 845 58039 64 275 20 30 520 193027 41 IIS 369 412 194172 94 281[10001 790 821 975 1 96001 34 118 64 81 228 75[500] 420 46[5001 533 701 488 754 �„ 400 200103 738[30001 199 451 640 42 771«18 944 » Zz Ni-«»«IM« 07 44« 079 788 802 55 75 2O4O80 352[500] 98 1500) 566 733 93 1500] 927 52 205111 30 255 448 1500] 688 [5001 876 975 206037 109 365 96 567 N 719 IM, 207020 155 200 90 406 13 556 625 811 958 208!T73 [5001 220 76 462 65[10001 598[3000] 652 llOOul 209089-20 goi 917 211093 325 75[10001 408 504 71[30001 70[15 0001 620 55 928 212050 294 330 88 425 70[30001 517 96 500] 664 772 804 213385 753 897 922[5001 214013 76 130001 107 271 449 677 821 490 970 2 1 5217 39 327 502 70 611 879 998 216342 543 77 600 911 25 63 217294 305 404 516 33 218067 32 35 44 83 90 352 401 79 602 15 31 87 732 40 81 804 8 219011 137 421[6001 742 818 91 220100 203 323[10001 60 550 750 221345 60 222507 825 31 223057 183 271 359 81 484 517 27 700 4 29 803 U 17 224040 13�202 28 349 J04 82 flOOOj ' TO ...______■_______ I 76 gs 228000 162 247 547 659[500] 828 927 83 93 15Ü0J 229203 81 464 549 692 230299 336 15001 420 562 814 86 882 231092 [500 i 597 618[5001 790 911[150 OOO] 39 59 t>3 232027 30 192 343[5001 69 520 72 312 44 779 15001 834 985 233084 110 248 70 336 515 811 703 234183 303 758 ra 15001 40 235158 259 433 528 640 11000) 63 05(5(X)1 80 767 1 3000 1 236069 151 130001 539 856 237074 129 15001 252 15001 371 87 98 480 550[SOOO) TO 858 964 238020 599 645 870 13000] 982'239269 377 462 94 571 86 713 988_ 240008 512 618 44 87 707 37 923 241192 294 357 88 52? 645 820 M 242185 225 61 431 85 574 611 777 24 3089 108 40 231 450 1 1000 1 51 534 42 47 751 964 244204 827 54 245276 77 301 733 44 98 823 130001 246021[15 0001 191 375 411 11000] 23 621 llOüuj 810 15001 62 902 247153 78 210[5001 300 51 86 468 l 30001 500(5001 93 704 a» ra» m«Sra ra n® gf» 13 ---RA KW JäM'« W.S1S 333 462 637 828 73 975 64144 291 382 433 76[5001 647 [5001 692 743 6 5002 494 503 83 93 15001 024 820 «9 66104 234 483 503 5[10001 57 702 60 898 JISOO] 955 67253 305 84 92 670 755 924 6 8047[10001 68 108 598 912 97 15001 69317 460 013[5001 J 70018 54[5001 00 207 342 401[10001 71«38 778 962 71133 402 969[MI 75 95 7 2026 101 231 504 704 831 73075 74528 f 10001 95 703 13 827 977 7 5377 679 770 850 955 76090 716 86 77073 84 197 270 81 408 715 833«»2 78(07 80 102 321 57 411 542 86 740 42 54 810 71 80 7 9044 46 131 31 80 5001 230 43 76 316 432[5001 601 764 840 903[15 000120 33 50 80065[5001 458 61 691[10 0001 737 81405 15001 24 30 756 JM9 82145 260 497 650 66 919 83261 f�OOOl 409 673 624 729 838 84 912 8 4043 225 340 432£5001 779 801 954 02 8 5235 340 609 769 802 86093 383 737 8 7024 35 141 45 211 15001 50 417 724 00001 �TR7«>? 613 733 907 89138 LI 73[30001 86 224 51[1000] 394 457 745 90087 154 215 50 54 426 559 1500] 658 720 922 45 426[10001 588 609 708»32 902 97058 228?27 91(ZOO'] 486 533 67 71 793 817 77 948 9 8110 209 78 350[5001 771 953 99194 200[5001 489 557 90 781 856 944 06. 100170[5001 635 97 751 HOoOl 819«4 101514 33[5001 65 93 729 86 föOOl 847 1 02432 558 89 637,4« 742 1 03157 81 00 605 834 41 104368 577 62 622 746 847 966 77 105270 353 740 80 902 106J64 257 336 732 894 107146 202 8 15 812 20 130001 600 660 88.94 003 1 08311 487 651 58 760 870 70 006 15001 109017 186 385 846 67 94/[500] 110298 15001 340 63 500 838 012' 5001 56 61 111031 54 122 l 10001 226 529 53 71 858 112018 148 47* 15001 76 85 59« 717( 5001 39 113� 96 402 20 008 11 28 47 706 911 114169 256 84 407 689 753 888 11 5069 1 12 1 500 V 213 34 457 011 54 110001 800 27 83 911 37 1 5001 116113 WlSOOOJ j» 4�(juoi 26 01[SuöT 117011 26(3000)' 120 TöOOl 95 247 93 316 26.[SCKWI 867. 118281 315 74 442" 31 45 80 433 557 007 11000! 661 721 562 630 78 BS 624 712 68 631 94 1 S86 917 120053 92 193 329 63 428 600 083 S06 55 121361 412 13000 1 704 818 900 7 38 58 80 11000, 71 122110 85 80 204 50| 500| 488 554 68 608 12 14 760 928 33 123030 32 255 58 1 24005 70[5001 123 395 475 616 787[10001 868 934 62 125098 111 353 436 16001 40 516 711 26 57 917 58 126091 100 18 265 857 83 848 70 944 127093 310 481 96 au UüOO] 59[3090] 98 843 65[1000[ 62 91 951 128031 210 37 551 620 68 708|5(»1 803 986 120933 35 183 420 1590) 95 808 85 92 944 65 69 r- 123 62 211 615 36 772 84 800 928 64 [10001 131034 100 736[500) 061 132063 323 995 *33304 79 4J3 730 968 94 134067 105 16 337 38 416 139171 475 732 03 897 933(10001 70< to n�Ju09«87,,'�1«?.7,4 654 � 141001 147 355 4071 373 IWWI'8(10 OOO] 778 80 840 142036 119 484 871 89 93 949 68 143095 115 320 75 682 779 962 ,c34?-4Li02 6 15001 620 891 145117 39 272 354 825 35 94,SB8 98 146002 345 88 400 61 99 609 £500] 38 827[600] 66 979 147168 330 446 691 93 -m�v'aoio�rlSJ,5001 183 455 15001 821 04 110001 <02 938 149124[3000] 43 301 492 669 850 Ol 150044 69 76 155 277 774 825 38[SOOOI 981 89 086 152529 346 53 72 80 852 154138 ...______ 96 727 915 (10001 435 1500] 91 683 [1000] 157042 87 113 4«0 541 32[600] 050 791[500] 980 656, 50 9o9 85 153025 91 211 81 13000'"" 560[10001 646 86 701[3000] 885 93[500] 201 UOOOI 380 641 748 93 875 155433 96 727 156010 138 248 304 10 96----------- 928 j 500J, 32.[3000]" [800]■ 34 42 266 415 512 20 645'983 158184 427[500] 48 52 54<94 803 26 928 98 159013 288 480 1500) 92 UOOOl 503 665 75 11000] 838 87 J■*' ,„ 160055 56 169 331 428[500] 610 722 38 806 78 161028 406 521 1500 J873 162011 75 UOOOl 227 61 5?Ö S2 87 Jä9»83[1000] 932 163071 110 270 665 96 812 164082[500] 113 74 92[3000] 453 59 505 28 91 943 IBSUU 283 315 81 95 461 608[30001 843 941 51 166145[1000] 67 286 87 696 756 841[3000] 901 167110 49 426[SOO] 508 izm) 81 1500] 641 711 UOOOJ 25 45 J68035 SO 158 207 442 698 110001 742 83« 38 94 85» 168144 451 83 655 67 88 825 65 i 170151 338 489 594 832 74 991 171151 72 86 217! 636 45 819 69 172276 83 300 633 725 90 173030 88 391 677 726 174128 40 63 323 481 83 551[1000] 68» 176015 215 324 403 98 659 797 851 15001 176074 233 366 094 789[1060] 804 177005 243 318 37 48 501 637 46 178070 89 171 395 431 59 509 85 611 807 948 86 179081 96 168 215 81 315 570 180013[5001 148 309 716 940 89 1 8 1034(30001 ISO 233 UOOOl 87 387[500] 595 786 830 938 182012 128 238 408 15 581 989 97 183042 697 782 809 184140 88 301 63 65[1000] 522 771 858 188100 220 458 645 625 849 902 26 54 186007[500] 303 48 647 59[3000] 187012 31 430[ZOO] 35 509[5001 27 803 48 741[500] 188021 145 71 585[500] 802 189091 140 321 786 887 09 190032[500] 103 285 355 782 960 1 91106 337 70 71 84 431 572 740 130001 899 999[5001 192158 233 322 66 477 95 810 193122 435 93 724 910 1 94157 218 05 485 500(5001 788 809 902 21 195136 83 312 507 63 614 130 OOO] 951 196227 492[3000] 620 36 74 «40 73 197150 656 198194 201 73 82 85 396 454 70 390 739 199003 100 41 254 597 609 891 200077 UOOOl 216 362 493 702 979 201251 353 [500] 536 37 713 27 47 86 906 1500] 202092 316 43 430 503 13000] 728 82 870 980 203385 448 1500] 571 793[39001 825 915 204195 435 670 763 813 43 79 905 205421 655 85 78 85(1000) 93 708 805 UOOO] 30 32 980 1500] 206918 28 52 124 35 505 701(5001 13 29 40 885 207135 277 344 208186 289 95 2091.31 70 109 304 15 27 UOOU] 90 442 583 630 775 UOOO] 900 47 UOOO] 210098[1000] 405 618 866 978 211354 443 524 40 050 720 55[5001 56 833 70 99 943 2 1 2070 386 454 502 [600 1 94 829 34 72 928 31 2 13228 307[ 500] 488 825 80 987 2 1 4071 288 518 22 037 787 803 14 924 39(10001 83 215123 82 276[500] 472 619 2 1 6111 289 428 579 945 07 217142 230 407 682 053 724 934 70 85 218021 250 06 15001 356 09 ,63 792 2 1 9087 471 877____ 220090 182 283 71 485 537 704 0 67 882 931[500] 221033 57 185 75001 283 351 573 085 77« 051 22.210 12 71 289 398 015 38 872 930 2 2 3070 710 30 80 94 130001 850 911 53 68 73 224050 252 81 391(6001 624 91 722 117 543 713 818 962 75 2 2 6354[500 227015 164 357 ______■.5001 434 667 775 810 447 84 012 45 I 1000] 63 88 09 709 228013 358 73 526'961'229060 109 354 482 513 876 2 3 0070 325 70 UOOOl 410 25 507 43 683 I50O] 767 842 992 231133 87 88 23Ö" fö _ 550 79 026 755 08 006 il 411 789 891 974 2 3 3056 551 620 UOOO] 38 758 810 8247 94 819 450 15001 28718 ----- Verantwortlicher Redakteur' Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil veranlw.: Th. Glocke» Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdruckerei u. Verlaasanstalt Paul Tu 232)05 214 64 70.... 202 70 313 409 72 fSOOl.......„, 29 943 2 3 4088 167 444 2 3 5247 94 319 450 79 97 669 777 236086 TO 96 6� � 937 i 209 375 551 81 672 833 2 3 8035 179 293 339 829 50 933 54 239138 227 437[30001 96[30001 240030 73 79 254 400 87 UOOO] 615 979 24113 68 219 UOOOl 648 891 975 gr; 242104 205 41 309[3000 65 434 635 720 06 849 918 243115 70 81 515 130001 601 851 24 4055 118 59 70 215 18 86 521 83 600 97 UOOO 711 ,6001 00 99 245005 100 25 214 307 407 23 97 551 63 661 246067 220 64 662 619 flOdOT 32 868 247341 67 621 828 & Co.. Berlin S.W. i',.m 23. lau w 2. Keiliige des„Mmillts"§n\\\m lotoMatt. Mai-Aussperrnngen und Partei. Die Mai-Ausgesperrten des A. E.-G.-Werkes Brunnen st raße waren am Montag von der Organisations leitung zu einer Versammlung nach dem Swinemünder Gcsellschasts Haus zusanlmenberufen worden. Sie nahmen daselbst Stellung zu dem Verhalten derjenigen Werkskollegen, die am 1. M a' gearbeitet haben, obwohl Arbeitsruhe beschlossen war. Der Verbandsbevollmächtigte Cohen führte hierzu in seinem Referat etwa folgendes aus: ©ine der unangenehmsten Erscheinungen bei der diesjährigen Maifeier in Berlin fei wohl die, daß von den reichlich 6000 Arbeitern und Arbeiterinnen des Werkes Brunnen straße nur zirka 1600 die Arbeit ruhen ließen, während die übrigen gearbeitet haben. Es seien nun Gerüchte im Umlauf des Inhalts, als habe bei den Vorbereitungen und Ab stimmungen über die Arbeitsruhe nicht die nötige Klarheit unter den Arbeitern geherrscht. Ja es werde sogar der örtlichen Leitung des Metallarbeiterverbandes verblümt und unverblümt der Vorwurf ge- , nacht, als trage fie die Schuld daran, daß die Arbeitsruhe in diesem Werk nicht den gewünschten Umfang angenommen habe. Dem gegenüber gelte es jetzt, unanfechtbar festzustellen, ob die Vor bereitungen und Abstimmungen korrekt erfolgt find oder nicht, und ob die Nichtfeiernden gewußt haben, daß sie gegen den in aller Form gefaßten Beschluß, die Arbeit am 1. Mai ruhen zu lassen, gröblich verstoßen haben. Zu dieser Klarstellung hätten die Versammelten umsomehr Ursache, als auch in einer kürzlich stattgesundenen Sitzung der Partei- funktionäre von Groß-Berlin kränkende Andeutungen über„möglicherweise gemachte Versehen" gefallen sind. An jener Sitzung habe er, Redner, teilgenommen und dort befürwortet, daß die Partei setzt die Pflicht habe, gegen jene Elemente, soweit fie der politischen Organisation angehören, vorzugehen, die sich dem Beschluß auf Durchführung der Arbeitsruhe nicht gefügt haben. Denn es stehe fest, daß gerade eine erhebliche Anzahl Wahl Vereinsmitglieder, und darunter auch Bezirksführer, den Maifeierbeschluß wohl befürwortet und mitgefaßt, hernach aber nicht innegehalten haben. Mit solchen Elementen, die mit schuld daran seien, daß 1500 Kollegen acht Tage lang ausgesperrt wurden, könne und dürfe die Partei unmöglich länger eine Gemeinschaft haben. Dem Treubruch und der unehrlichen Handlungsweise dieser Leute sei es zuzuschreiben, wenn jetzt Hunderte der besten Mitglieder des MetallarbeltcrverbandeS gemaßregelt auf der Straße liegen»nützten.(Beifall.) Leider aber hätten es die Parteifunktionäre in jener Sitzung ab gelehnt, gegen die treulosen Wahlvereinsmitglieder die Initiative zu ergreifen.(Bewegung). Sie hätten sich hinter der Ausrede ver- schanzt, die Durchführung der Arbeitsruhe am 1. Mai sei lediglich eine gewerkschaftliche Angelegenheit. Ergänzt sei diese Ausrede dann noch worden mit dem Hinweis auf die möglicherweise gemachten Versehen bei der Abstimmung, die nun gewissermaßen als Entschul digungSgrund für das Arbeiten der Werksmehrheit am Maitage dienen solle, weil angeblich Unklarheit bei den Arbeiten, über Form und Folgen der ArbeitSruhe geherrscht habe. ES sei ihm, dem Redner, dann schließlich anHeim gestellt worden, zuerst von ge werkschastswegen gegen die Nichtfeiernden mit Ausschlüssen vorzu- gehen, dann werde sich auch die Partei mit der Angelegenheit weiter befaflen. Eher nicht. Eine solche Behandlung der Sache habe ihn, Cohen, natürlich in eine begreifliche Erregung versetzt. Hier zeige es sich wieder, daß sich die Partei hinter die GeWerk- schaften verstecke, wenn es gelte, die Kon- se�uenzen der Maifeier zu tragen. Wohl in keinem re feien die Parteifunktionäre und die Parteipresse so intensiv die Arbeits ruhe am 1. Mai eingetreten, wie diesmal. Gerade der Umstand, daß die diesjährige Maifeier gleichzeitig mit einer De- monstration für die Beseitigung des Dreiklassenwahlrechts verbunden war, beweise doch zur Evidenz, daß die Feier diesmal mehr einen politischen wie einen gewerkschaftlichen Charakter gehabt habe; zum mindesten aber seien Partei und Gewerkschaften gleichmäßig an der Durchführung der Arbeitsruhe interessiert gewesen. Deswegen habe auch die Partei die Verpflichtung, nicht erst solange mit einem Vorflehen gegen ihre nichtfeiernden Wahlvereinsmitglieder zu warten, bis die Gewerkschaften diese zur Verantwortung gezogen hätten, sondern die Partei müsse hier selbständig mit entsprechenden Maßregeln vor- gehen. Da dürfe man nicht vor der großen Zahl der in Betracht kommenden Personen zurückschrecken, selbst auf die Gefahr hin. daß auch mal ein guter Freund von dem Ausschlüsse betroffen werde. Von Nachsicht gegen die Nichtfeiernden könne nur dann eine Rede sein, wenn sie'eine genügende Entschuldigung für ihr Verhalten hätten: das fei hier jedoch absolut nicht der Fall. Im Gegenteil. diese Leute hätten bewußt und mit Absicht gegen den von der Mehr- heit gefaßten Beschluß der Arbeitsruhe gehandelt. Irgend eine Beeinflussung von der Organisationsleitung zuungunsten der Arbeits- ruhe habe nicht stattgefunden. Vielmehr seien die Arbeiter von vom- herein aufgefordert worden, ihre Entschließungen nach freiem Ermessen zu treffen, wobei ihnen auch klipp und klar gesagt wurde, daß, wenn pe feiern wollten, sie dies aus Idealismus tun müßten, denn die Organisatton könne für die etwaigen Folgen finanziell nicht hasten, weil der Betrieb nicht der Leipziger Verbandsresolution eitt- sprechend organisiert sei. Trotzdem also den Arbeitern nicht der leiseste Zweifel darüber gelassen worden sei, daß sie vom Metall- arbetter�Verband im Falle einer Maiausspernmg statlitenniäßig keine Unterstützung zu gewärtigen hatten, haben dennoch von über 6000 Beschäftigten reichlich 1000 für Arbeitsmhe gestimmt. Folgerichtig hätte sich nun die gegen die ArbeitSruhe votierende Minderheit unbedingt dem Mehrheitsbeschlüsse fügen müssen. Jedoch blieb nicht nur die ursprüngliche Minderheit am 1. Mai nn Bc- triebe, sondern noch obendrein zirka 2500 von denjenigen, die aus freier Entschließung für die ArbeitSruhe gesttmmt hatteni, so daß nur 1500 feierten und— ausgesperrt wurden. Da habe man sich doch die Frage vorzulegen, ob jene Disziplrnlofen wegen ihres schmählichen Treubruches noch als gleichwerng m der Arbeiterschaft anerkannt werden können. Jene Leute haben sich der- maßen wankelmütig gezeigt, daß auch in künftigen Fallen auf sie kein Verlaß mehr sein kann. Um so mehr also erfordere es da« Ansehen und die Ehre der Partei, zwischen sich und jenen Treulosen eine Scheidewand aufzurichten, insbesondere auch deshalb. we,l der Bestand der Gewerkschaft hier mit in Betracht komme. Bei Streik- bmchvergehen könne die Partei wohl mtt Recht sagen: Konstatiert ihr Gewerkschaften erst das Vergehen des Angeschuldigten. dann werden auch wir ihn aus den, Wahlverein ausschließen. H-t aber wo die Partei ihr ,nöglichsteö getan habe, um die we.t- gehendste ArbeitSruhe herbeizusühren. hätten die Parteifunktton�re kein Recht, die Gewerkschaften wieder so lange zu vertrösten, bis diese selbst die Treulosen aus dem Verband auSgeschlosien hatten. sondern hier habe die Partei einmal zu zeigen, daß sie zur Durch- führung der Arbeitsruhe am 1. Mai auch selbst die energische Initiative gegen disziplinbrüchige WahlvereinSmitglieder ö» ergreifen verstehe Deshalb erwachse jedem Parteigenolle» die Pflicht, zu verlange», daß sich die Partei nicht hinter die Gewerkschaft versteckt und im Hintergrunde bleibt, wo sie mit verantwortlich ist.(Beifall Unb In Är�D?skussion� gaben zwei Redner ihrer Meinung dahin Ausdruck, daß bei den Vorbereitungen und den Absttmmungen doch wohl nicht ganz einwandSfrei verfahren worden se,. Der Abstimmungsmodus habe verwirrend gewirkt. Die Arbeiterkind Arbeiterin»-.! des Werks hätten wohl alle gewußt, worum eS sich handelte. Im Prinzip seien sie auch fast sämtlich für die Arbeitsruhe gewesen. Doch als ihnen in etwas gewundener Art gesagt wurde, daß sie im Falle der Aussperrung kerne Unterstützung zu ttwatten hätten, da sei die innere Stimmung offenbar um- geschlagen, wenn sie auch für die Arbeitsruhe stimmten. Zweifellos trage der Verband mit seiner Leipziger Mairesolution auch Schuld daran, wenn es mit der Einheitlichkeit der Arbeitsruhe nicht so ge- klappt habe, wie es wünschenswert gewesen wäre. Eine ähnliche Meinung bctättgen andere Versammlungsteilnehmer durch ent- sprechende Zwischenrufe. Die Redner äußerten auch Bedenken über die Art, wie Cohen die Partei in die Angelegenheit hineingezogen habe. Mit einem energischen Vorgehen gegen die Nichtfeiernden waren sie jedoch einverstanden. Andere Redner sttmmten den Aus- führungen Cohens in jeder Hinsicht zu. W e g n e r. der Leiter der Versammlung, wies die Bemängelung des Abstimmungsmodus zurück, indeni er diesen als vollkommen korrekt bezeichnete. Cohen wandte sich dann gegen den Vorwurf, als sei das Ver sagen der Unterstützung und die Leipziger Resolution Schuld an der blamablen Ausführung des gefaßten Maifeierbeschluffes im Werke. Wenn den Arbeitern die Versagung der Unterstützung nicht paßte. so hätten sie dies bei der Abstimmung, nicht aber bei der Ausführung bedenken sollen. Gerade darin liege ja das Haupt verschulden der Arbeiter, daß sie, obwohl ihnen wegen der Unter stützung von vornherein reiner Wein eingeschenkt worden sei. dennoch »n ihrer Mehrheit für die Arbeitsruhe stimmten, dann aber ihren eigenen Beschlutz schmählich durchbrachen und am 1. Mai treulos in den Betrieb hineinkrochen. Das Verhalten der Parteifunktionäre aber habe er einer herben Kritik unterziehen müssen, denn gerade von diesen werde doch sonst immer in allen Tonarten das möglichst enge Zusammengehen von Partei und Gewerkschaften auf das wärmste befürwortet. Nun, er wolle es offen aussprechen, was er sonst lieber nicht getan hätte Hier habe er als Parteigenosse und Gewerkschafts führer mit der Partei zusammengehen Iv ollen. die Partei aber habe es nicht gewollt. Es sei das um so bedauerlicher, als manche Parteifunktionäre' gerade der Leitung des Metallarbeiterverbandes so gerne etwas am Zeuge flicken, weil diese angeblich zu wenig für die Partei agitiere, und auch der„Vorwärts" mit einer gewissen Vorliebe langatmige Ergüsse von solchen Personen bringe, die an der Verbandsleitung hinsichtlich ihrer Haltung zur Maifeier etwas zu mäkeln hätten, wie das kürzlich erst in einem Bericht von einer Holzarbeiterversammlung geschehen sei. Er appelliere deshalb an die anwesenden WahlvereinSmitglieder, die Angelegenheit in den Zahlabenden der Partei zur Sprache zu bringen und den Ausschluß jener wortbrüchigen Elemente vom Werk Brunnenstraße aus der Partei zu fordern.(Beifall.) Es gelangte dann folgende Resolutton zur Annahme: .Die am 7. Mai 1006 versammelten ausgesperrten Kollegen der A. E.-G.-Brunnenstratze erklären hiermit: Die Vorbereitung sowie die Abstimmung über die ArbeitSruhe am 1. Mai war derartig, daß ein Mißverständnis vollständig ausgeschlossen war. Jeder im Betrieb beschäftigte Kollege wußte, daß die erdrückende Mehrheit für Arbeite ruhe gestimmt hatte, und ist deshalb ein« Entschuldigung, eS hätte nicht genügend Klarheit bestanden, nichts als eine faule AuSrede. ES steht fest, daß jeder, der am 1. Mai gearbeitet hatte, gewußt hat, daß er gegen einen einwandfrei gefaßten Beschluß gehandelt at. Die Versammlung beantragt deshalb, daß die ver- chiedenen Gewerkschaftsorganisationen gegen diejenigen, welche gegen den einwandfrei ge- faßten Beschluß gehandelt haben, da« Ausschluß- verfahren einleiten. Desgleichen fordert die Bersammlung die politisch organisierten Kollegen auf, in den Zahlabenden für de« Ausschluß der Betreffenden aus der Partei einzutreten." Im Anschluß an den vorstehenden Bericht sehen wir unS ver- anlaßt, die Erklärung zu veröffentlichen, die der Parteivorstand über den Borfall der Lettung des MetallarbeiterverbandeS am Sonnabend. dm 5. d. M., abgegeben hat. Dieselbe lautet: Erklärung de« Parteivorstandes zur Differenz der Metallarbeiter bei der A. E.-G. die Maifeier betreffend. „1. Der Parteivorstand erllärt, daß er auf Grund der Per» Handlungen, die er seinerzeit mit der Generalkommission der Ge- werkschasten, die Maifeier betreffend, geführt hat, bereit ist, falls der Metallarbeiterverband ihn darum ersucht, die finan- zielten Opfer, welchedie diesjährige Maifeier dem Verband auferlege, nach Möglichkeit tragen z u h e l f e n. Die Form, in welcher der Parteivorstand dieseMittel aufbringt, ist ausschließlich dessen Angelegenheit. 2. Der Parteivorstand kann kein Urteil abgeben über die Handlungsweise der als Mitglieder des Metallarbeiterverbandes in der A. E.-G. beschäftigten Parteigenoffen, soweit diese ihren stüher gefaßten Beschlutz, bei der Maifeier nicht zu arbeite», selb st mißachteten. Dieser Beschluß ist auf Grund der Vorschriften, welche der Metallarbeiterverband für seine Mitglieder bezüglich einer Ent- scheidung über die Maifeier erließ, gefaßt worden. Es handelt sich also hierbei in erster Linie um eine gewerkschaftliche Angelegenheit, zu der zunächst die Gewerkschaft Stellung zu nehmen hat. Der Parteivorstand ist auf Grund der Parteiorganisatton ver- pflichtet, abzuwarten, ob eine lokale Organisation den An« trag stellt, ein Parteimitglied, das sich an der Nichteinhaltung des in der A. E.-G. gefaßten Be- schlusseS betreffend die Maifeier beteiligt«, wegen ehrloser Handlung auS der Partei aus» zuschließen. Wird ein solcher Antrag gestellt, so ist der Partei- vorstand verpflichtet, ein Schiedsgericht zusammenzuberufen, zu dein er den Vorsitzenden ernennt. Der Parteivorstand loiirde also, wenn er von sich auS in einem Falle wie dem vorliegenden ein Urteil fällte, von vorn- herein als Partei erscheinen und die Unparteilichkeit des Schieds- gerichtSspruches in Frage stellen. 3. Soweit der Parteivorstand in der Lage ist, die Vorgänge. die anläßlich der Maifeier mit dem Verhalten eines großen TerlS der Mitglieder des MetallarbeiterverbandeS, die in der A. E.-G. beschäftigt sind, in Verbindung stehen, beurteilen zu können, glaubt er, daß auf beiden Seiten, d. h. sowohl auf Seite der bei der A. E.-G. beschäftigten Mitglieder des MetallarbeiterverbandeS, wie bei der Leitung desselben Versehen begangen wurden, die eine un» klare Situation herbeiführten. Bon diesem Gesichtspunkt aus und in Anbettacht des Um- standeS, daß ein größerer Konflikt zwischen dem Metallarbeiter- verband und seinen renitent gewordenen Mitgliedern, die bei der A. E.-G. beschäftigt sind, für die Scharfmacher eine ersehnte Ge- legenheit wäre, es zu einer Spaltung im Metallarbeiterverbande zu treiben und eine Kraftprobe mit dem Unternehmertum hervor- zurufen» empfiehlt der Parteivorstand alles aufzubieten, um einen solchen Konflikt zu ver- meiden." Wir fügen dieser Erklärung die Bemerkung hinzu, daß der letzte Satz derselben den vom Genossen Cohen unS gegenüber geäußerten Ansichten entspricht. Um so überraschter sind wir, aus den Aus- führungen des Genoffen Cohen zu ersehen, daß er in der Versamm- lung der Ausgesperrten des Metallarbeiterbande« einen ganz anderen Standpunkt vertreten hat. Der Parteivorstand. Der Unterzeichnete erklärt zu dem Versammlungsbericht folgendes. In der Sitzung der Berliner Parteifunktionäre am Frettag. den 4. d. M., lvar man einmütig der Meinung, daß die Berliner Partei nach besten Kräften für die Unterstützung der weflen der Maifeier Ausgesperrten eintreten werde. Ebenso wurde allgemein das Verhalten derjenigen Parteigenossen, die den Maifeierbeschluß nicht be- achtet haben, auf das schärfste verurteilt. Im übrigen war man der Meinung, daß man wegen des eventuellen Ausschlusses der Genossen an das Organisationsstatut der Partei gebunden sei und in dieser Hinsicht das zutreffe, was der Parteivorstand in seiner Erklärung ausführt. Feststellen müssen wir auch, daß der Genosse Cohen in der Sitzung an, Freitag einer möglichst gütlichen Beilegung des Konfliktes das Wort geredet hat. Damit sind die unwahren Behauptungen des Ge- Nossen Cohen in allen Punkten widerlegt. Der Aktions-AnSschuß de» Berdandes der foz. Wahlvereme. MendtpuMe der veuerev deutscheu Geschichte. 3. Die Napoleonische Revolution(1801—1315). Dem dritten Vortrage, den Genosse Maurenbrecher am Montag über das obige Thema hielt, lag der nachstehend skizzierte Gedankengang zugrunde. Die klassische deutsche Literatur und Philosophie hat die Wäacht des Willens entdeckt. Nicht auf Beschaulichkeit, loie die griechische Philosophie, sondern auf der Bedeutung der Tat baute sich ihre Welt- Anschauung auf. Aber trotz der reichen Fülle ihres inneren Leben? ist sie für die politische, die soziale und die rechtliche Entwickclung ohne Einfluß geblieben. Es herrschte eine Zwiespältigkeit zwischen dem, was man als Ideal erkannte, und dem, was man in der Wirk- lichkcit vor sich sah. Niemand dachte daran, die neuen Rechts- anschauungen des Bürgertums im Staatsleben zu verwirkliche». Die Rechtsphilosophie formulierte die Ideale des Bürgertums als Naturrecht, fand sich aber auf der anderen Seite damit ab, daß das wirkliche, mit dem Naturrecht in Widerspruch stehende Recht Geltung hatte. Zwischen dem Naturrecht und dem positiven Recht— sagte Fichte— gibt es keine Brücke.— Man verzichtete also darauf, die theoretisch fonnulierten Forderungen de» Vernunftstaates auf den wirklichen Staat zu übertragen.— Als gegen Ende deS 18. Jahr- in Frankreich der Kampf zwischen dem Bürgertum und dem Absolutismus ausbrach, da schlugen fast alle führenden Geister in Deutschland um. Anfangs hatten sie sich für die Ideale der franzö» silchen Revolution begeistert, aber daß diese Ideale im Kampf gegen den Acholutisinus sich durchzusetzen trachteten, das jagte den klein. bürgerlich deutschen Literaten und Philosophen einen heillosen Schrecken ein und sie verurteilten deshalb die Taten der französischen Revolution. Die Träger des bürgerlichen Gedaukens in Deutsch. land loa reu der Ansicht, daß sich ihre Ideale nicht im Kampf, nicht unter Anwendung von Gewalt, sondern vielmehr durch moralische mid ästhetische, durch geistige Einwirkung auf die Machthaber durch- 'wußten. Eine solche Auffassung konnte keine praktischen politischen Resultate erzielen. Daß in Deutschland ein solcher Zwie. spalt zwischen Ideal und Wirklichkeit herrschte, daß es an Tatkraft «ur BerwirKichuna der Ideale fehlte, das liegt wieder daran, daß « Ideale nicht auf deutschem Boden, nicht aus deutschen Verhaltmssen heraus entstanden, sondern daß fie der Anregung von Frankreich her ihr Entstehen verdankten. Als sich die bürgerliche Ge, ellschaft m Frankreich nicht durch ethisch-ästhetische Dekla. manunen, sondern im realen Kampf durchsetzte, da walteten sich die deutschen Literaten und Philosophen von der französischen Revolution ab und verftclen in Pessimismus. Unter solchen Umständen war cS )enn auch erklärlich, daß der nächste Wendepunkt der deutschen Ge- chlchte, die Erschütterung, die Deutschland am Anfang des IS. Jahr. Hunderts erlebte, nicht von innen, sondern von außen kam. Auf die deutschen Volksmassen, soweit sie mit den Gedanken der ranzosischen Revolution in Berührung kamen, wirkten dieselben er- hebend. Ueberall. wo die französische Revolutionsarmee in den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts nach Deutschland kam. machte ie Propaganda für die sozialen Gedanken der Revolution und diese Gedanken fanden bei der deutschen Bevölkerung so großen Anklang, daß st« die französischen Armeen nicht als Eroberer ansahen, sondern re als Befreier begrüßten. Auch bei den Bauern in Westfalen hatten die Freiheitegedanken derart Wurzel gefaßt, daß sich die Adeligen der westfälischen Grafschaft Mark in ihrem eigenen Interesse veranlaßt sahen, den König von Preußen zu bitten, er möge die Gutsuntertänigkeit und die Fronpflicht der Bauern ausheben. Daran dachte aber die preußische Regierung noch nicht. Sie suchte sich viel- mehr auf andere Weise vor dem Vordringen der Gedanken der ranzösischcn Revolution zu retten. Preußen trat auS dem gegen Frankreich gerichteten Bunde mit England und Oesterreich aus und 'chlotz mit Frankreich den Frieden zu Basel, in dem vereinbart wurde, daß die Franzosen nicht über eine bestimmte Linie— die Demarkationslinie— in Rorddeutschland vorrückten. Ihre links- rheinischen Provinzen trat die preußische Regierung an Frankreich ab. Sie opfert« das linke Rheinufer, um die Propaganda der ranzösischen Revolutionsarmee vom rechten Rheinufer abzuhalten. Aber neben den offiziellen Baseler Friedensbedingungen schloß Preußen mit Frankreich einen Gcheimvertrag, worin vereinbart wurde, daß Preußen für die Abtretung des linken RheinuferS durch Zuteilung von Gebieten auf dem rechten Rheinufer durch Frankreich reichlich entschädigt werden solle.— Herrenloses Gebiet gab eS natürlich auf dem rechten Rheinufer uicht. Es tonnte sich also nur darum handeln, daß daS preußische Gebiet durch Zuteilung von Gebieten geistlicher Souveräne, deren cS damals 100 bis 120 in Deutschland gab, vermehrt und abgerundet wurde. DaS war groß. zügige dynastische, aber keine nationale Politik, welche Preußen betrieb. Auch Oesterreich schloß im Jahre 17S2 einen ähnlichen Geheim. vertrag mtt Frankreich ab. Dieses Verhalten Preußens und Oesterreichs bedeutete für die französische Republik«ine völlige Aenderung ihrer Politik. Im Interesse ihrer Selbsterhaltung hatte die franzö- ische Republik in den Jahren 1702— 1795 unter der Devise:„Krieg den Palästen, Friede den Hütten", die soziale Propaganda nach Deutschland getragen. DaS Verhalten von Preußen und Oesterreich zeigte aber der französischen Regierung, daß sie im Interesse Frank. reichs eine andere Politik Deutschland gegenüber betreiben könne. denn man sah ja, daß die großen deutschen Regierungen für alle« u haben waren, wenn man ihr« Länder durch anderes deutsches Ge. stet vergrößerte. Wenn die französische Republik diesem Ver- langen nachkam, dann konnte sie ihre Herrschast besser sichern als durch Verbreitung sozialer Propaganda. Auf dem Rastatter Kongreß 1708 wurden die Geheimverträge Frankreichs mit Oesterreich und Preußen bekannt gegeben, und nun geschah etwas, was für die deutschen Fürsten für alle Zeit eine Schmach und Schande ist. Die deutschen Fürsten umschwänzelten Frankreich, um bei der bevorstehenden Länderverteilung möglichst viel für sich zu bekommen, und bei den Verhandlungen wirkten die Gesandten durch Bestechungen in derselben Richtung. Im Jahve 1801 war der Handel soweit gediehen, daß Frankreich Frieden mit Oesterreich und Preußen schloß, wonach alle linksrheinischen deutschen Besitzungen an Frankreich abgetreten und die betreffenden Fürsten dafür durch Gebiet« auf dem rechten Rheinufer entschädigt werden öllten. Ein« ReichSbcputation wurde eingesetzt, welche diese Ab- machungen im Jahre 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluß besiogelte. Danach wurden die Gebiete aller geistlichen Fürsten sowie etwa 180 freie Reichsstädte an deutsche Souveräne verteilt.— Die napoleonische Politik ging nun dahin, den Ländcrhunger der deutschen Fürsten im französischen Interesse auszunutzen, einige von ihnen herauszugreifen und sie durch Zuteilung von Land gewissermaßen zu seinen Vasallen zu machen. Die süddeutschen Staaten Bayer». Württemberg, Baden und Hessen, die zu jener Zeit zusammen nicht größer waren als das heutige Thüringen, sind in ihrer heutigen Gestalt durch Napoleon Bonaparte, den fremden Eroberer, geschaffen. Sie find Zufallsgebilde, von denen damals niemand glaubte, daß sie Jahrhundert hindurch bestehen würden. em Im Frieden von Pretzburg(1805) wurde bestimmt, daß Bayern, Württemberg, Baden und Hessen, diese Staatengebilde von Napoleon« Gnaden, ebenso souverän sein follten, wie Oesterreich.— Am 1. August 1806 erklärten diese vier süddeutschen Staaten, daß sie Ras deutsche Reich nicht mehr anerkennen, sondern einen Bund mit dem Kaiser der Franzosen schließen. Das war das Ende des alten Deutschen Reiches, und in Erkenntnis dieser Sachlage legte der Kaiser von Oesterreich am 6. August 1806 die deutsche Kaiserkrone nieder. Damit hatte die französische Revolution das alte Band in Teutschland zerrissen und einen neuen Bund geschaffen. Auf der anderen Seite hat aber die französische Revolution auch eine soziale befreiende Wirkung in Deutschland ausgeübt. In de» an Frankreich abgetretenen deutschen Gebietsteilen wurde französisches Recht, die bürgerliche Verfassung der franzö- fischen Revolution eingeführt. Die Rheinländer empfanden jene Zeit nicht als den Druck einer Fremdherrschaft, sondern als eine Zeit der Freiheit. Aber auch die nicht unmittelbar unter franzö- sischcr Herrschaft stehenden, durch Napoleon geschaffenen Staaten- gebildet das Königreich Westfalen und das Herzogtum Warschau, standen unter dem Einfluß des französischen Rechts. In diesen beiden Staaten wurde die Gutsuntertänigkcit der Bauern aufge- hoben. Dadurch entstand für das noch im Besitz Preußens ver- bliebene Gebiet die Gefahr, daß die Bauern nach den Nachbar- Janbern auswanderten, wenn ihnen in Preußen nicht dieselben Rechte gewährt würden, die sie in den Nachbarstaaten genossen. Um diese Gefahr abzuwenden, erließ die preußische Regierung bald nach dem Tilsitcr Frieden(1807) ein Gesetz, wonach die Gutsunter- tänigkeit der Bauern bis zum Jahre 1810 im ganzen preußischen Staatsgebiet beseitigt sein müsse. Ebenso wurde durch den Einfluß des in den Nachbarländern herrschenden französischen Rechts die Städteordnung erlassen, welche den Stadtgemeinden das Recht der Selbstverwaltung— allerdings eingeschränkt durch gewisse Bestäti- gnngsrcchte der Regierung— gab. Bauernbefreiung und Städte- ordnuilg sind die beiden Einrichtungen, welche Preußen durch den Einfluß des französischen Rechts erhalten hat.— Freiherr vom Stein, der auf Napoleons Wunsch als leitender Minister zur Durch- führung der Reformen in Preußen berufen war, hatte ein noch viel weiter gehende» Rcformprogramm ausgearbeitet. Er wollte die Sclbstverlvaltung von der Torjgemeinde bis zur Volksvertretung im Staate. Aber schon nach 1VH Jahren mußte Stein auf Betreiben des preußischen Adels seinen Ministerposten verlassen, weitere Re- formen wurden nicht durchgeführt. Nun begann die zweite Periode von Steins Tätigkeit, welche bedeutungsvoller war als seine ministerielle Arbeit. Zu einem Führer der Nation entwickelte sich Stein im Zusammenhang mit der Patriotenbelvegung. Wenn auch die französische Revolution eine sozial befreiende Wirkung hatte, so lag doch die französische Fremdherrschaft mit ihren ungeheuren Militärlastcn als ein furchtbarer Druck auf der deutschen Bevölkerung. Dieser Druck erzeugte in den unteren Schichten des Volkes, selbst dort, Ivo die sozialen Reformen eingeführt waren, große Erbitterung und den lebhaften Wunsch, die Fremdherrschaft los zu werden. Bei den Führern dieser Bewegung, zu denen Stein in erster Linie gehörte, kam noch etwas anderes hinzu, nämlich der Gedanke, daß man gegen die deutschen Souveräne von Napoleons Gnaden zuerst vorgehen müsse, ehe man die französische Fremd- Herrschaft beseitigen könne. Ter Gedanke, eine deutsche Zentral- gcwalt zu bekommen, war in dieser Bewegung der treibende. Im Jahre 1803 suchte Stein den König von Preußen zu bewegen, die deutschen Fürsten zu beseitigen und ein preußisches sowie ein öfter- rcichisches Deutschland zu errichten. Der König war aber für diesen Plan nicht zu haben und Stein gab sein« Hoffnung auf Preußen auf. Im Jahre 1812 zwang Napoleon alle deutschen Fürsten, einen Bund gegen Nußland mit ihm zu schließen. Die Führer der Patriotenbcwcgung sagten sich, als dieser Bund geschlossen war, von Teutschland los. Stein wurde vom russischen Zaren nach PeterS- bürg berufen, um von dort aus den Aufstand gegen Napoleon in Deutschland zu betreiben. Generale und Offiziere der preußischen Armee quittierten den Dienst und gingen ebenfalls nach Rußland. 1812 gründete der Zar in Petersburg das deutsche Komitee, welches die Aufgabe hatte, die deutschen Soldaten, welche unter Napoleon gegen Rußland kämpfen sollten, zum Bruch des Fahneneides zu bewegen und sie zu veranlassen, auf die Seite Rußlands zu treten. gegen den Willen ihrer Regierungen, die sie zwangen, auf franzö- fischer Seite zu kämpfen. Diese Tätigkeit des deutschen Komitees, dessen wirkungsvollste Flugblätter Ernst Moritz Arndt geschrieben hat, war die erste Porbereitung einer deutschen Revolution, wie sie seit den Bauernkriegen im 15. Jahrhundert nicht wieder da- gewesen ist. Der aus einem richtigen- politischen Instinkt geborene anti- dynastische Gedanke dieser Bewegung war aber verbrämt mit romantischen Ideen. Man wollte die alte deutsche Kaiserherrlichkeit der ersten Hälfte des Mittelalters, von der man träumte, wieder herstellen.— Das deutsche Komitee in Petersburg fand bei der Masse des deutschen Volkes keinen Anklang. Die antidynastische Propaganda blieb sowohl in der Armee wie im Volke resultatlos. Nicht das neue Deutschland der Patriotenbewegung hat dann den Krieg gegen Napoleon in Teutschland begonnen, sondern die Mächte des alten Preußens, die sich noch lebensfähig erhalten hatten: die Armee und der Adel.— Diese Mächte wandten sich dann gegen den ausdrücklichen Willen des preußischen Königs gegen Napoleon. Schließlich hat der König, nachdem diese Bewegung sich gegen seinen Willen durchgesetzt hatte, ihr nachgegeben und den Freiheitskrieg im Jahre 1813 beginnen lassen.— Das Verhängnisvolle der Frei- heitskriege ist, daß die Bewegung gegen Napoleon erst siegreich war, nachdem sich die Fürsten der Sache angenommen hatten und auch Oesterreich dem Bunde beigetreten war. Oesterreich bedeutete für die deutsche Einheitsbewegung eine neue Gefahr, denn es beteiligte sich nur deshalb an den Freiheitskriegen, um Preußen nicht die Führung in Deutschland zu überlassen. Oesterreich trat als Bc- schützer der deutschen Mittel- und Kleinstaaten in das Bündnis gegen Frankreich ein. So endeten die Freiheitskriege nicht mit einem Siege des antidynastischcn Gedankens der Patriotenbewegung, sondern mit einer Verewigung der Zustände, welche von 1803— 1810 in Deutschland entstanden sind. Was die französische Revolution an Befreiung der unteren Klaffen in Teutschland bewirkt hat. ist nur gering. Auch in der Welt des sozialen und gesellschaftlichen Lebens hat sie keinen großen Fortschritt gebracht, aber in der Welt des Gedankens hat die Napoleonische Zeit bewirkt, daß die Idealisten auf den Boden der Wirklichkeit zurückgeführt wurden. Der Fortschritt der beiden nächsten Menschenalter ist nun der, daß in den Einheitstraum Klassen- instinkte und Klassenbewußtsein flössen, so daß eine Volksbewegung entstehen konnte. Aber die Volksbewegung von 1843, die der nächste Vortrag behandeln wird, zeigt doch, daß ein Volk nicht ungestraft zwei Jahrhunderte erleben kann, wie sie daS deutsche Volk von 1843 bis 1348 durchgemacht hat. Die vier Schiffsbrände, verursacht durch Kohlen des rheinisch-westfälischen Syndikats» vor dem Seeamt in Flensburg beurteilt. Flensburg, 5. Mai. Heute gelangten vor dem hiesigen Seeamt die Kohlenbrände auf den Dampfern„Prima",„Tertia",„Vesta" und„Neptun" endlich zur Aburteilung. Den Vorsitz führte Landgerichtsrat Hartwig, als Beisitzer fungierten die beiden Ingenieure v. Kraewcl und Schnack, sowie die Kapitäne Davidfcn und Sörensen. Reichö- kommissar war Kapitän zur See z. D. v. Treucnfcld. Als Sach- verständiger war geladen und erschienen Dr. phil. Chemiker H. Hansen-Flensburg, als Vertreter des rheinisch-westfälischen Kohlensyndikats Rechtsanwalt Dr. Schietz-Essen. Zeugen waren nicht anwesend. Aus den Akten der früheren Verhandlungen wurden die Verklarungen der in Frage kommenden vier Dampfer vom Vorsitzenden verlesen. Auf allen vier Dampfern, die sämtlich rhcinisch-wcstfälische Kohlen geladen hatten, ist un- gefähr gleichzeitig die Ladung in Brand geraten und haben die Mannschaften der Schiffe und diese letzteren selbst in arge Gefahr gebracht. Alle Schiffe sind von der Hamburg-Amerika-Linie zum ' Dienst als russische Kohle nschlepper gechartert gewesen. Aus dem Urteil des Sachverständigen ist hervorzuheben, daß die Ursache des Jnbrandgcratens darauf zurückzuführen ist, daß bei den Kohlen eine Oxydation eingetreten ist, bedingt durch den langen Zeitraum, in welchem die Kohlen im Schiffsraum auf- gespeichert wurden, indem man nämlich, der russischen Flotte folgend, dieselben immer weiter für Order gehen ließ. Hiermit jedoch konstatieren zu wollen, daß die Kohlen schlecht seien, wäre nicht angängig, da gerade die besten Kohlen die Neigung hätten, Sauerstoff in sich aufzunehmen. Das feuchte Wetter bei der Anbord- nähme der Ladungen wäre nur dann von Bedeutung gewesen, wenn in den Kohlen viel Schwefelkies enthalten gewesen wäre, was jedoch nach den Ausführungen der Schiffsoffiziere in ihren Verklarungen nicht der Fall gewesen sei. Auch könne festgestellt werden, daß bei 132 Lägern von westfälischen Kohlen nur 17 Brandfälle � durch Selbstentzündung vorgekommen seien, während man bei 25 eng- lischcn Lägern 12 Selbstentzündungsfälle gehabt habe, also nur 13 Proz. gegen 48 Proz. Hieraus ergebe sich, daß die englische Kohle viel entzündlicher sei als die westfälische. Der Reichskommissar v. Treucnfcld äußert sich wie folgt: Man habe es hier mit vier Bränden in Kohlenladungen zu tun, die alle Ende 1304 in die Schiffe verladen worden wären, und zwar an verschiedenen Orten übernommen. Während es bei „Prima" und„Tertia" 6 Monate gedauert habe, ehe der Brand ausbrach, habe die Ladung der„Vesta" und des„Neptun" bereits nach S'A resp. iVi Monaten sich selbst entzündet. Es sei hervor- zuhcben, daß die Untersuchungen nichts dafür ergeben hätten, daß seitens der Mannschaften böswillig oder nachlässig gehandelt worden sei. Genau habe allerdings nicht festgestellt werden können, ob bei Einnahme der Ladung resp. deren Beendung die gebrauchten Talglichtstummel im Schiffsraum verblieben seien, dieses käme aber auch gar nicht in Betracht, da das Feuer zweifellos auf Selbst- entzündung der Kohlen zurückzuführen sei. Sehr bedauerlich sei es, daß er bei dem Kohlensyndikat auf Widerstand gestoßen sei, als es ihm darum zu tun war, fest- zustellen, aus welchen Zechen die Kohlen stammten und ob die- selben frisch gefördert oder längere Zeit gelagert gewesen seien. Eine derartige Feststellung hätte zur Aufklärung der Sache be- deutend mitgeholfen. Hätte das Syndikat diese Auskünfte nicht verweigert, so hätte festgestellt werden können, wie die chemischen Eigenschaften der betreffenden Kohlen sind. Wiederholt habe er deshalb die Nennung der Zechen gewünscht, leider mit negativem Erfolge. Er glauöd behaupten zu können, daß sich das Syndikat durch diese seine Haltung selbst geschädigt habe, gerade diese Weigerung ihrerseits, die Namen der Zechen zu nennen, würde Mißtrauen gegen die westfälische Kohle wachrufen und von der Konkurrenz ausgenutzt werden. Er habe aus den Er- kenntnissen des Oberseeamtes festgestellt, daß von 25 Fällen von S e l b st e n t z ü n d u n g der Kohlenladungen 22 auf englische Kohlen zurückzuführen seien, nur zwei auf westfälische Kohlen, während bei einem Fall die Ladung halb aus westfälischen, halb aus englischen Kohlen bestanden habe.„Durch meinen dies- bezüglichen Antrag sollte das Syndikat in keiner Weise geschädigt werden. Gerade die chemische Untersuchung würde ergeben haben, daß westfälische Kohlen nur sehr wenig Neigung zur Sclbstcnt- zündung haben. Höchstens wäre das dabei mit in die Erscheinung getreten, daß die Kohlen der einen oder der anderen Zeche besser seien wie die von anderen dem Syndikat gehörenden Zechen. Jetzt dagegen bleibt das Mißtrauen bestehen und die englisch' Konkurrenz wird dieses schon auszunützen wissen. Gerade diese Handhabe wollte ich der Konkurrenz durch meinen Antrag nehmen. Das Seeamt möchte ich bitten, in seinem Spruch auszuführen, daß es notwendig ist, daß sich die Schiffsoffiziere davon überzeugen sollen, von welchen Zechen die Kohlen im Raum der Schiffe stammen. Eine diesbezüg- liche Eintragung in das Schiffsjournal ist vorzunehmen. Wie viele Schiffe mögen sich unter den verschollenen, mit Mann und Maus untergegangenen befinden, die Kohlcnladungcn gehabt haben und dann in Brand geraten sind und untergingen. Alles, was irgendwie getan werden kann, um solches zu verhüten, muß geschehen. Ter Vertreter des Syndikats, Rechtsanwalt Dr. Schieß, faßte sich ausnehmend kurz.„Ich habe meinen früheren Er- klärungen nichts hinzuzufügen. Wie wir unsere V c r ka u f sp oli t i k zu treiben haben, wissen wir selbst am besten." Ter Spruch des Seeamts ging dahin, daß die Kohlen- ladungen durch Selbstentzündungen in Brand geraten seien. Im übrigen schloß sich das Seeanit den Ausführungen des Reichs- kommissars an und wünschte ebenfalls eine Feststellung der Her- kunft der Kohlenladungen. Durch welche Mittel eventuell eine solche Herkunftsfeststellung zu erzielen sei, darüber könne sich allerdings das Seeamt nicht äußern. Die Rücksichtnahme auf die Weigerung des Syndikats ist nicht recht erklärlich: weigerte sich das Syndikat anzugeben, woher die Kohlen kommen, so lag ausreichender Grund zu einer Anklage wegen fahrlässiger Brandstiftung vor. Die Behörden waren ebenso berech- tigt wie verpflichtet, von Amtswegen alle Mittel anzuwenden, um festzustellen, woher die Kohlen stamniten, waS mit ihnen unternommen ist usw. Dieses Recht mutz das Seeamt und der Reichs- kommissar haben, wenn die Untersuchung der Sceunfälle einen Wert hoben soll. Ist das bestehende Gesetz in entgegengesetztem Sinne auszulegen, so ist seine Ergänzung dringend erforderlich. Nicht auf Bequemlichkeit des Syndikats oder auf Schutz seiner Geschäfts- Usancen, sondern auf Schutz gegen Gefahren für Leben und Gesund- heit zielt die Einrichtung der Seeamtssprüche ab. Eue Induftrie und Handel Scharfmacher auf dem Fang. Wenn man die im Solde der Großindustrie stehende Presse liest, könnte man zu der Ansicht verführt werden, Deutschland fei wieder mal in Gefahr, durch den„inneren Feind" ruiniert zu werden. Angeblich um den besonders durch die Maifeier zutage getretenen Gefahren für die Industrie zu begegnen, soll eine Riesenaussperrung in der Metallindustrie vorgenommen werden, wenn bis zum 11. Mai die schon seit längerer Zeit vor dem 1. Mai ausständigen Former nicht bedingungslos sich unterwerfen. Die Verbindung der Maifeier mit der Formerbewcgung ist zwar etwas sehr gewaltsam, aber logische Argumente sind bei den Scharfmachern auch nicht beliebt, sie passen allzu schlecht für Scharfmacherei. Trotzdem die Geschichte hat einen sehr realen Hintergrund! Jedesmal wenn die Industrie- Monopolisten im Trüben fischen wollen, wenn sie einen be- sonderen Coup auszuführen im Begriff sind, bei dein viele fremde Taschen in Mitleidenschaft gezogen werden, dann versuchen sie, durch große scharfmacherische Aktionen die Aufmerksam- keit abzulenken, diejenigen, die als Opfer ausersehen sind, in Kämpfe zu verwickeln, um selbst in der Rolle des lachenden Dritten freie Hand zu halten. So auch jetzt! Es gilt, für die Großindustrie allein das Fett von der zur Zeit äußerst günstigen Konjunktnrsuppe abzuschöpfen. Um den Arbeitern und der weiterverarbcitenden In- dustrie von der Anteilnahme auszuschließen, hetzt man sie aufein- ander, verwickelt sie in Kämpfe, die ihre ganze Kraft absorbieren. Die Preise der Rohstoffe und Halbmaterialien schnellen in die Höhe, die Verbraucher iverden de» Halbzeugfabrikanten tributpflichtig. Nun folgen allerdings auch die Preise der Walzprodukte, diese Steigerung dient bei den reinen Werken aber nur dem Ausgleich für verteuerte Rohmaterialien. Dagegen erhöht aucki die Preis- steigerung sür Walzprodukte den Profit der gemischten Betriebe, weil sie nicht nur Halbzeug auf den Markt bringen, sondern auch Walz- Werkserzeugnisse. Von den 31 deutschen Firmen, welche Halbzeug herstellen, fabriziere» 30 auch Eiscnbahmnaterial, 28 Formeisen, 28 Stab- eisen. 14 Walzdraht. 13 Bleche und 5 Röhren. Glückt cs den Scharfmachern von der schweren Industrie, ihre Konkurrenten in einen Kampf mit der Arbeiterschaft zu Hetzen, dann kann man in aller Ruhe die günstige Preiskonstellation ausnutzen und sich auf den Lövenanteil an der vorliegeneen Arbeit für die eigenen Betriebe freuen. Und wenn die Konkurrenten, die fortgesetzt gegen die Arbeiter gehetzt werden, damit diese keine Zeit finden, wegen Verbesserung der Arbeitsverhältnisse in der Eisengroßindnstrie vorzugehen, Konzessionen machen müssen, dann tut da» de» Großindustriellen nicht wehe, sie haben dann er- neut„Beweise" für weitere Hetze in der Hand. So spielen die Scharfmacher unter der bekannten Devise„Schutz der nationalen Arbeit" und„Kampf gegen den Umsturz", Fangball mit den Juter- essen der Arbeiter und der von ihr abhängigen Industrie. Avanciert! Es wird keinem Menschen einfallen, behaupten zu wollen, bei den großen Industrie- und Bankunternehmen entspreche die Tätigkeit der Aufsichtsräte den im Gesetz vorgesehenen Aufgaben. Das ist schon danim ausgeschlossen, weil die Lösung der Aufgabe, das ganze Geschäftsgetriebe zu überwachen, bei der Praxis des Aufsichtsrats- systems außerhalb des Bereiches der menschlichen Leistungsfähigkeit liegt. Man vergegenwärtige sich nur: der ganze Geschäftskomplex unserer modernen Industrie- und Bankriesen, die in ihrer Dezentra- lisation die leitende Tätigkeit oft einiger Dutzend Köpfe beanspruchen. soll von dem einzelnen Aufsichtsrat übersehen und kontrolliert werden! Dazu gehört selbst bei der hervorragendsten Leistungs- fähigkeit die Einsetzung der vollen Acbeitskraft. Tatsächlich wird aber gerade bei den großen Gesellschaften die Aufsicht nebenamtlich ausgeübt. Industrielle, Banfters und Leute mit gesellschaftlich großem Einfluß, be- sonders solche Personen, die mit der Architektur gewisser Hintertreppen wohl vertraut sind, spielen bei 20—30 Gesellschaften Aufsichtsrat und stecken für die Repräsentation Riesensummen ein. Trotzdem geht man fehl in der Annahme, die respektive» Gesellschaften würfen das Geld zum Fenster hinaus. Dem Aufsichtsrat wird das Geld gezahlt für Vorteile, die man sich aus seiner sonstigen Stellung, seinen anderweitigen Verbindungen verspricht. Ein schwerer Bankier kann unter Umständen für ein Unternehmen von sehr großem Vorteil sein, und ein Großindustrieller im Aufsichtsrat einer Gesellschaft bietet gewisse Garantien. Er kann vorteilhaste Verbindungen vermitteln, er kennt und erfährt manches, was zu gebrauchen ist usw. Und erst Leute mit Verbindungen in den Ministerien und noch weiter hinauf. Sie dienen als Telephon für die Uebermittelung von Warnungen und Wünschen. Auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege kann man Regierungsvorlagen be- einflussen, die Notwendigkeit von Schiffsbauten, Neuarmierungrn usw. gründlich nachweisen und vieles mehr. Der Wert eines Aufsicht»- rates läßt sich oft gar nicht in Mark und Pfennigen ausdrücken— nur»nüßte er eigentlich einen anderen Titel führen. Da aber der Titel für den Zweck des Tantiemenverdienens notwendig ist, kann die Ernennung zwn Aufsichtsrat oder eines sonstigen— Leiter» bei Erwerbsgesellschasten immerhin als Avancement bezeichnet werden. Zu der Rangerhöhung eines Vorstandsmitgliedes hat nun der Auf- sichtsrat der Großen Berliner Straßenbahn dem Regierungs- und Baurat Meyer aus dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten ver- halfen. Herr Meyer darf sich nun ein großes Portemonnaie an- schaffen. Die Staatskarriere erweist sich sehr oft als gute Stufen- leiter fiir die höheren Posten bei Privatunternehmen. Vom Unternehmerrisiko. Nach Abschreibungen von 533 000 M. verbleibt der Nobel Dynamit A k t.- G e s. ein Reingewinn von 1 851 4SI M. Einen Betriebsgewinn von 3 464 770 Fr.(gegen 2 357 311 Fr. im Vorjahre) bucht die Luxemburgische Prinz Heinrich Eisenbahn und Erzgrriben-Gesellschaft. Der verteilbare Ueberschuß beläuft sich auf 2 357 969 Fr. Davon werden 45 000 Fr. zu Tantiemen und 2'/( Millionen Frank zu Dividenden verbraucht.— Bei 41/2 Millionen Mark Aktienkapital er- zielte die Württen» bergische' Metallwarenfabrik einen Ueberschuß von 2221 664 M. Für den AufsichtSrat gehen ab 355 266 M. Der verbleibende Reingeivinn stellt sich auf 1 866 398 M. — Der Nettogewinn der Farbenfabriken F. Bayer n. Co.- Elberfeld beläust sich auf 10 494 413 M. Davon gehen ab für den Aufsichtsrat 365 400 M.. 2100 000 M. für den Reservefonds ll und 6 930 000 M. als Dividende für die Aklionäre. Die zur Verteilung gelangende Dividende beträgt: Nobel Dynamit A.-G.... 19 Proz. Luxemburger G....... 30„ Württembergische Metallw... 20„ Farbenfabriken Bayer.... 33 Die Württembergische Metallwarenfabrik verteilt pro AufsichtSrat rund 35 500 M. und die Farbenfabriken Bayr- Elberfeld rund 73 000 M. In diesen Kreisen sollen die staatserhaltenden Elemente stark vertreten sein— aus„gewichtiger" Ueberzeugung. Schutz der nationalen Arbeit. Im vorigen Jahre wurde in Norivegen der Zuckerzoll von 20 auf 30 Oere pro Kilo erhöht, wo- durch der Jahresertrag der Steuer bei einem Verbrauch von rund 30 Millionen Kilo Zucker von 6 auf 9 Millionen Kronen steigen sollte. Die Zollerhöhung hat jedoch dazu geführt, in verschiedenen Teilen Norwegens Zuckerrüben anzupflanzen. Da der Verkaufspreis durch den Zoll auf mehr als daS Doppelte des Einkaufspreises erhöht wird, veripricht die Eigenproduktion großen Gewin». Die Re- gierung befürchtet nun, daß der größte Einnahmeposten d�s Staatsbudgets— in Gefahr geraten kann, und darmn hat das Finanz- und Zolldepartement ein Rundschreiben an die Amtmänner gerichtet, worin die Einführung einer Steuer auf die einheimische Zuckerproduktion in Aussicht gestellt und Bericht über die Entwickelung der Produktion in den verschiedenen Landes- teilen verlangt wird. Die jetzige Regierung wie die vorige und ihre Anhänger haben viel von der Förderung des hennischen Erwerbsleben» geredet. Die Opfer der Unionsauflösimg stickte»nan dem Volke mundgerecht zu machen durch den Hinweis auf den„neuen Arbeitstag", der dem„neuen Norivegen" beschert sein sollte. An- geblich um den Aufschlvung der nationalen Arbeit nicht durch langwierige Verfassungskämpfe zu verzögern, ver- schaffte man dem Lande schleunigst einen neuen König. Neue Schutzzölle und Erhöhlma der alten sollten demselben großen Ziele dienen. Und nun: Kaum entwickelt sich ein neuer Produktionszweig, flugs trifft die Regierung Lorkehrungen, die die nationale Arbeit im Keime ersticken, damit die Steuerquelle nicht versiege. Norwegen bringt eine Unmasse wild wachsender Beeren hervor, die, mit Zucker versetzt, nickt nur ein gutes Nahrungs- und Genußmittel des Volkes, sondern auch einen lvichtigen Exportartikel bilden und den ärmsten Landbewohnern ivünschenSwertcn Verdienst geben. Auch dieser Produktionszweig gehört offenbar nicht zu der nationalen Arbeit, die die Regiening fördern will, denn auch der Beerenkonsum und-Export nintz natürlich schwer unter der Zucker- Verteuerung und der Knebelimg einheimischer Zuckerproduktion leiden. Konzentration im Handel. Wie die„Köli». Volksztg." mitteilt, schweben Verhandlungen zwecks Zusammenlegung des Träger- großhandel» in den einzelnen Städten mit gemeinsainem großen Lager, an welchen» die einzelnen Firmen quotenmäßig nach dem bisherigen Umsatz beteiligt sind. Konzentration des Handels, An- schluß großer Eisenhandülngen an kombinierte Betriebe, alles Wege zu den sich entlvickclnden monopolistischen Riesengebilden. Lohn und Gewinn. Die Maschinenfabrik Moenus A. G. Frank- furt a. M. erzielte im letzten Geschäftsjahr einen Reingewinn von 533 448 M. DaS Lohnkonto weist auf 686 290 M. Mithin entfällt auf je 1 Mark Reingetvinn 1 Mark und 19 Pfennige Lohn. Wieder ein Beweis sür die iniverschämte Begehrlichkeit der— Arbeiter. Mlli Ii! Im U- nl WM Deutschlands.(Zahlstelle Berlin.) Freitag, de» II. Mai» nachmittags 5 Uhr: Außerordentliche General-Versatmtilung beim Kollegen Boeker» Wcbcrstr. 17. TageS-Ordnung: 1. Beratung der Anträge zum Bcrbandstage. 2. Beratung über die Eisfragc. 3. Verbaiidsaligclcgeiiheitcn. 69/11 Die Ortsverwaltung. ■KBHHSKaHBHMHBMBEBBflBBBSBB&MBWR kkür bcu Inhalt der Inserate uberuiinint die Redaktion dem Bttliliknn« gehcnnbcr keinerlei Verantlvortniill. �IKeater. Mittwoch, den 9. Mai. Alisaug Tj, Uhr: Opernlians. Bajazzi.(?sxliaooi.) Wiener Walzer. Schanspiclhanc'. Wilhelm Tell. Deutsches. Der Slnusmalin von Venedig. Neucö. Caesar und Cleopatra. Ansang 8 Uhr: Lessing. Und Pippa tanzt. Schiller O. tWallner.Thealer.) Die Macht der Finsternis. Schiller M.(Friedrich Wilhelm. städtisches Theater). Zwei glück- liche Tage. Kleines. Der Unverschämte. Hille Lobbe. Die Schlangendame. Berliner. Die lustige Witwe. Westen. Schütz enliesel. Komische Oper. Der Corregidor. Residenz. Liebeslunst. Zentral. Der Vogelhändler. Lnstspielhans. Die von Hochsattel. Trianon. Loulou. Thalia. Hochparterre links. Ssictropol. Aus ins Mctropol. Deutsch- Amerikanisches. Arme Mädchen. Kasino. Madame Bonivard. Apollo. Die amerikanische Burlesk- Compagnie. Vorn und hinten. Carl Weist, sherlock Holmes Abenteuer. Folies Caprice. Komiker Schnitzel. Dalles u. Co. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Belle-Alliance. Spezialitäten. Reichshallen. Stetlincr Sänger. Urania. Tanbcnstraste Abends 8 Uhr: Am Golj von Neapel. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57/KS. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Gastsp. des Neuen Operetten-Theaters aus Hamburg. (Direktor Max Monti.) Mittwoch und solgende Tage Ansang 8 Uhr: 9ie lustige Witwe. Neues Theater. Ansang 7-,- Uhr. Caesar und Cleopatra. Donnerstag: Ein Sammernachts- träum. Freitag: Caesar und Cleopatra. Sonnabend z. erstenmal: Crplieus In der Unterwelt. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Der Unverschämte. Hierauf: Hille Bobbe. Zum Schluß: Die Schlangendame. Donnerstag: Kinder der Sonne. Neue Kgl. Oper(Kroll). Novität! Sonnabend, 12. Mai: Alpenkdnig u. Menschenfeind. Oper in 3 Akten von Leo Blech. Sonntag, 13. Mai: Alpenkönig und Menschenfeind. Vorverkauf im Kgl. Opernhaus (Schalter II), Wertneim und Invalidendank. (Station Zoolog. Garten), Kantftr. 12. Mittwoch: Schützenliesel. Volkstümliche Preise. Joses König a. G. Ansang 8 Uhr. Donnerstag: von Ivan. Volks- tümliche Preise. Ansang 8 Uhr. Freitag bei aufgehobenem Abonne- ment Opcrn-Aufführungcn des Stern- schen Konservatoriums. Ans. 7'/. Uhr. Sonnabend: 26. Vorstellung als Freitags- Abonnement: Uie Fledermaus. Volkstümliche Preise. Anfang 8 Uhr.__ Komisehe Oper. Abends 8 Uhr: Der Corregidor. Donnerstag: Figaros Hochzeit. Freitag: Die Boheme. Sonnabend: Hoffmanns Erzäh- lungen. Zentral=Theater. (Operette.) 8 Uhr: Der Bogelhändler. Lustspielhaus. Allabendlich 8 Uhr: Die von Hochsattel. Residenz-Tiieater. Direktion: Richard HUxandcr. Heute und solgende Tage Ans. 8 Uhr Liebesknnst. Komödie in 3 Zlktc» v. Leon Tanrof und Michel Carrö._ KasinosTheater Lolhriiigcrstr. 37. Täglich 8 Uhr. Madame Bonivard. — Vorher das bunte Programm.— „Singvögelchen":c. Sonntag i Uhr: Arbeit schändet nicht. Urania Abends 8 ühr: Am Golf von Neapel. Sternwarte ,nva,,dfln 8tr.57;62. Täglich nachm. 4 Uhr: Großes Militär-Konzert. Eintritt 1 M.. v. 6 Uhr ab 50 Ps. Kinder unter 10 Jahren die Halste. .— Uentüich- Amerikanisch. Theater. Köpenickerstr. 67/68. Heute Abend 8" Uhr: ARME MÄDCHEN. Von Adolf Philipp. Sonnt, nachm. 3 Uhr, halbe Preise WaT" Zum letzten Male; Aeber'n großen Teich. Abends 8" Uhr: Arme Mädchen. Metropol-Theater Anfang 8 Dhr. - iB'S Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor HoUaender. Rauchen überall gestattet. Apollo-Theater. Bollständig neues Programm: Humpsti- Bumsti Groster Lachersolg! Excentr.-Creation v. Hees and Primt. Heinrich Blank, Bauchredner. Les Figinis, Equilibristen. Lily Tiso, engl. Sängerin. Marlin llettner, Humor. La Matschiche. Solo: Mlle. Savary. Die Wnndergrotte, Feerie. HlfentUche, Märchenspiel. Carl Weiß-Theater. Kr. Franksurterstr. 132. Nur noch 4 Aussührungen: Sherlock Solmrs' Abeuteutr oder: Die Jagd ums Leben. Ansang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend zum erstenmal: Aus altem Ceschlecht. W. Noacks Theater. Direktion: Roh. Dill. Bruniienstr. 16, Heute: Geschlossen. Sonnabend; Gr. Extra• Vorstellung: Die Schuld einer Frau. Schauspiel in drei Akten. Vorher: Der Platzregen als Eheprokurator. Schwank in drei Akten. Acnes Programm!* TORTAJADA Spanische Tänzerin u. Sängerin. Narrow Bros., komische Radfahrer. Desroches-Bianca, französ. Duett. Die Hartleys, Springer, Bräsina, Pariser excentr. Sängerin. Pally Frank-Truppe, Akrobaten. König Dollar, englisches Ballett. Imro Fox, Illusionist. Die Brittons, Neger-Sänger und Tänzer. De Die, Phantasie-Tänzerin. Die Perseus, Kugelspieler. Der Biograph._ f Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr: Loulon. I Passage-Theater. Ansang 8 Uhr. Das neue Mai-Programiti 4 14 erstklassige Spezialitäten Fröbels Allerlei-Thealer Schönhauser Allee 148. Jede» Sonntag 4 Uhr: Gartcn-Konzert Theater, Spezialitäten Im Sonic Extratanz. Gr. Tanzmusik. Bei ungünstigem Wetter Vorstellung im Saal. CDrcadcacrciti'. 07. olossenn Spezialitäten. Acnes Programm. lO'/a L'hr: Les Batignolles? Schiller-Tlieater. Schiller-Thealer 0.(Wallner-Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Die macht«ler Finsternis. Schauspiel in 5 Akten v. Leo N. Tolstoj. Deutsch von Raphael Löwenseld. Donnerstag, abendsLUHr: Helden. Freitag, abends 8 Uhr: ■Weh' dem, der lügt. Schiller-Theater N.(Friedr.-WilH.TH.) Mittwoch, abends 8 Uhr: 2!u-el gltickllche Tage. Schwank in 4 Akten von Franz v. Schönthan und Gustav Kadelburg. Lonne rStag.adends8 Uhr: Der miiltärstaat. Freitag, abends 8 Uhr: Helden. Friedrichsberg. V.. Frankfurter Fernsprecher Nr. 8.\ Chaussee 5. Bcstanrant und Fcstsälc. [ Jeden Sonntag: Or. Bali"N�wn�de�Herrn| Jeden mittwoch: humoristische Soiree der Willy Walde-Sänyer. «Dr.* hör m______»F"____ I____ cu�..a VMung- Familien-Kränzehen. x XtuSi™ 3392* Gebr. Arnhold. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstratze 58. Toranzeige! Freitag, den 11. Mai 1906: Letzte Freitags- Abonnementsvorst. Glück auf! oder: Der Streik der Grubenarbeiter. Schausp. in 4 Akten mit sreier Be- Nutzung der Wernerschen Erzählung in der„Gartenlaube" v. Karl Wexel. Bei günstiger Witterung findet die Vorstellung im Garten-Theater statt. 8uvssouei.�°r"6e� Dir. Wlhelm Reimer. Sonnt., Moni., Donnerst.: Hoffmanns Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Sonnt. Bg. 5, Wochent. 8 U. Acut lien! Der gefoppte Feldwebel. Je Theatersa Mittwochs zu vergeben. Der groöe Theatersaal ist noch für !h Gustav Behrens Spezialitäten- Theater Frankfurter Allee 85. vorzllgliebe Mai-Propm! Auftreten laimit Horitzplatz. Täglich im Garten bezw. ► in den unteren Säle»-4 Mittwoch u. Sonnabend: Freitanz. Iii'. Tvkünvmanu Spezial-Arzt filr* Haut- und Harnleiden, Frauen krau khei tcn. Friedrichstr. 203, Ecke Schützenstr. 10—18, 5-7, Sonnt. 10-18 Uhr. 1030U* Mein neuer KataloylBOB 'ICPll vo"ende(er lülll Ausstattung BODAbbildungen mit etwa für Innen-Dckorafionen und Original• Teppich• Tafeln ist erschienen! und wird auf Wunsch 913(1$ und franko versandt. Teppicb'Versaudhaus Berlin Oranienstr. 158. Reichshallen. Stettiner Sänger. Zum Schluß: Einqnartimmg. Milit.Hum. von Meysel. 'Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Neueröffnet lielt-lliisstelliiiigs- BiograplHst. touis) Theater lebender Photographien mit abweehselnd. ibnormitäten-Progr. Verbindung mit grollt. Films- Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. Otto PHtzkow, Münzstraße 16. Ein Riesenposten 130 cm breite bunte Rflocket- pilische vornehmer haltbarster Möbelstoff Buotpersisebe Bliimeniiiuster Inventur- r 35 pr. Meter Extrapreis 3 Wert J50 Bei Abnahme glSp JI,. ganzer|8tttcke 1 Teppich- Spezialhaus Emil Lefovre Benins. Oranienstr. 158. Billige Rohtabake. Max Jacoby, Strelitzerslr. 62. Deutscblamls. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Rudolf Jänicke im Alter von 46 Jahren an Herz- lähmung verstorben ist. Ehre seinem An denken! Die Beerdigung findet ain Mittwoch, den 9. d. M., nach- mittags S'/z Uhr, von der Leichen- Halle des neuen St. PaulS-Kirch- hoses, Seestrahe, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 196/7 Der Vorstand. 1 Berlins und Umgegend. Todes-Anaseige., Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Bundesmitglied Rudolf Jänicke aus Klub„Gloria- verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 9. d. M., nach- mittags 5'/- Uhr, aus dem neuen St. Pauls- Kirchhos, Seestrahe, statt. 293/10 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzclge. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schmied psul Ott gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 9. Mai, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Zions-Kirchhoses in Nordend aus statt. Rege Beteiligung erwartet 118/16 Die Drisverwaltung. Versende garant. unverfälschten "UM«» zu 48 Pf. p. Str. im Fatz von ca. 25 Ltr. u. 66 Pf. p. Flasche einschl. Glas in Kisten von 12 Fl. an gegen Nachnahme od. Vorauszhlg. 2 Prob. gegen Einsendung v. 30 Ps. sranko. 0. Dito Bilhlmann, Weinkellerei, Koblenz a. Rhein. No. 89. Allen Freunden, Bekannten un Kollegen die traurige Nachricht' dah mein lieber Mann, unser guter Vater, Onkel, Groh- und Schwiegervater, der Töpser Franz lloosch nach langem, schwerem Leiden sanst entschlasen ist. Die trauernde Witwe Karoline Roosch geb. Niemann. Die Beerdigung findet am Frei- tag. den 11. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane-Kirchhoses in Nieder- Schönhausen aus statt. 1716b Zentral-Kraukeii- und Sterbekasse der Tischler und anderer gewerbl. Arbeiter. Eahisteile Wilmersdorf. Am 4. Mai verstarb unser Mit- glied �u�ust ATeklit?:. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 5'/. Uhr, von der Halle des Wilmersdorfer Gemeinde-Begräbnisplatzes, Ber- linerftr. 110, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 1705b Die OrtSverivaltung. Achtnilst! Pjtztjer! Achtunq! Die Beerdigung des Kollegen Joh. KBeinitzke findet nicht von der Charitc, sondern von der Halle deS Philipp-Apostel- Kirchhofes in der Müllerstraste aus statt. 134/1 Die örtliche Berwaltung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS, unseres guten Vaters Martin Ulbrich sagen wir allen Verwandten, Be« kannten und seinen lieben Kollegen unseren herzlichsten Dank. Witwe Ulbrich 1722b nebst Kindern. teppdecken billigst direkt in der � Fabrik 7S. Wallstr. 72. wo auch alte Steppdecken ausgearbeitet werden. Bernhard Strohmandel, Berlin Ks. Jllustr. Katalog gratis. Rückenfett ohne Schwarte und Linsen pro Psuitd 60 Pf., Eisbeine 40 Ps., Wurstbruch, Knochen und Knochenfieisch empfiehlt billigst 1137L« Berliner Wurst- und Fleischwaren- Fabrik, G. m. b. H., Petersburger umi tMeriiH DeutsehUs. m i „Gewerkschaftshaus«, Engel-Ufer 15 II, Zimmer 13—17. Arbeitsnachweis: Telephon Amt 4,3348.— Bureau: Telephon Amt 4,4747. S Mitglieder aus allen Branchen! S Donnerstag, den 10. Mai 1906, abends 8'/, Uhr: Ordentliche Generalverlarorolung bei Buggenhagen, am Moritzplatz. TageS-Ordnung: 1. Mitteilungen. 2. Vierteljahresberichte: a) Kassenbericht, b) Arbeits« Nachweisbericht. 3. Eventuell eingegangene Anträge. 4. Geschästliches. PHT" Bei der äuherst wichtigen Tagesordnung ist ein zahlreicher Besuch erforderlich. Mitgliedsbuch ist mitzubringen und am Eingang zur Versammlung vor- zuzeigen. Wer mit seinen Beiträgen über 10 Wochen im Rest ist, hat keinen Zutritt. RB. Gleichzeitig geben wir bekannt, dah am Dienstag, den 15. Mai, abends 8'/, Uhr, in Louis Kellers Festsälen. Koppenstrahe 29, das Theater- stück Härtel Tnraser unter Regie deS Herrn E. Walkotte zur Aus« sührung gelangt.— Mitglieder mit ihren Angehörigen haben gegen Vor« zeigung ihres Mitgliedsbuches Zutritt.— Entree pro Person 20 Pfennig. 63/7 Die Ortsvcru attiing._ Achtung! Maurer! Achtung! Freitag, den 11. Mai er., abends 8V2 Uhr, im Lokale Ackerstr. 6/7: Ootfontllolio Versammlung der Maurer Berlins u. Umg. Tages-Ordnung: Baitschwindel, Akkord manrerei und Baupolizei. = Hierzu sind sämtliche Maurer und Poliere eingeladen._ 129/19*__ Der Vorstand des Vereins. I. A.: Heinrich Metzke. Achtung! Himschloffer! Achtung! Seit Freitag, den<». April früh stehen die Kollegen in 581 Werkstätten im Streik. Die übrigen in Betracht kommenden Firme» haben bewilligt, darunter auch eine Anzahl Jnnungsfirmen. Von Montag, den 9. April ab, dürfe» sämtliche Vanschloffer nur noch mit Berechtigungskarten arbeiten» diese sind Sonnabend, den 7. April den Vertrauensleuten ausgehändigt.— Die Bauarbeiter ersuche» wir, uns dadurch zu unterstützen, dast sie die aus die Bauten kommenden Schlosser nach den ArbeitSberechtigungskarten fragen. Jeder Schloffer ohne Karte ist als Arbeitswilliger zu betrachten. Des weiteren mache» wir alle Bauschlosser daraus aufmerksam, dast ohne Zustimmung des Streikkomitees die Arbeit niedergelegt werde» darf. 118/15 Las Streikkomitee. Cohen. Yereinipng»er Fliesenleger Deutsehlands Ortsverein Berlin. Abt. I u. II. vounerstag, den 10. Mai. abends 8-/2 Uhr. im„Zieuen XWdKSUSS". Kommandantenstraße 72: = Gemeinsame Versammlung.= Tag e«. Ordnung: 1. Das«erhalten der Firmen in der lehtcn Zeit uns gegenüber und unsere Stellungnahme daj«. 2� DiSIulsion........__.293/11 Erlchewcn sämtlicher Mitglieder ist unbedingt notwendij �»Üvi-vi'Soiitllvkv Lenersl- Versammlung Vertreter der Arbeitnehmer der Orts-Krankeukaffe der Maschivenbav-Arbeiter und verw. Gewerbe zu Berlin am Mittwoch, 20. Mai, abendS8'/,Uhr, in Pfeffer« Restaurant, Rosen- thalcrstr.>17. TageS-Ordnuna: Wahl eines VorstandSmitguedcS an Stelle des auSgclchiedenen£tvrn Fr. Waldhauer. DaS Mandat legitimiert. B e r l i n, den S. Mai IMS. 1717b Der Torstand. H. Blank. Anzüge, P�tpts nach Maß 28 30. 32, 35, 38 M. usw., bei Anzügen von SSM. an Teilzahlung, monatlich 10 M.. gestattet. 3262* Tomporowskl, Prtnzenstr. 55, I. Etz Ndlg. Ko Die Vorstände Abt. l u. II. pvnivl«. Donnerstag, de» 10. Mai, nachmittags 5 llhr, im Lokale des Kollegen tieatscdel»„Kaiserhos": OeffentUcbe Versammlung der Gast- and Schauknnrte für ßöpemck u. ilmgegeud. TageS-Ordnung BierpretI« der Brauereien, im besondere» der stelle,'" Die verschiedenen W Schultheih-Brauerei und wie stellen wir UNS dazu. Erscheinen aller Kollegen ist Pflicht. Der Einbernfer. Deutscher Metallarbeiter verband. Verwaltungsstelle Berlin. �rdoltunaelevel»: Limmer l!S. Tnit IT, 3IKS. klngtel-llfer IS. Danpt-Dnrean: Zimmer 1—6. AmtIV, 9070. Mm! Ktaiausgesperrte der Metatlindnstrie. 1118/11 Arbeiter! Parteigenossen! Freitag, den AI. Mai, abends S'/o Uhr: Pollrsversammlnug bei Keller(gr. Saal), Koppenstr. 2». TageS-Ordnung: Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Genossen Frästdorf: «Darf ei» Sozialdemokrat sich des Konsumvereins als Kampfmittel bedienen?" Xn Anbetracht des Themas muß es sich jeder oraanisiertr Genosse zur Pflicht machen, in der Versammlung zn erscheinen und auch für massenhastcn Besuch zu agitieren.__ Frauen find hierzu besonders eingeladen.-WW 205/7* Der Einbernfer. Die folgenden Auskunftsstellen sind aufgehoben: Tvxel, Mariendorf und Moabit. Die folgenden Auskunftsstellen bestehen vorläufig noch: Ober-Schöneweide: Wilhelminenhof. Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15. Die noch nicht wieder Eingestellten werde» dringend ersucht, sich Mittwoch früh in einer der bestehenden Austunftsstellen behufs Empfangnahme der Kontrollkarte» zu melden._ Die Ortsverwaltung. Brauerei Germania JUti-Ges. Amt 7 xr.««16 Frankfurter Allee 53. Amt 7 Tr.«04» in Lärnllidien 100 Filialen 9822* Malzbier-' so Liter Ff. alkoholarm, nahrhaft, wohlschmeckend. 21/63 1 IS FlaSChen 1950 Mark, durch eigene aespanoe frei Haus. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlatstellen- Anzeigen 5 Plg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellea für Berlin bis l Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 49, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Gardinen. Versandhaus Jeru saltmerstrahel 1/12 Saison-AuSnabme. preise siir Gardinen, ZtoreS, Bcti- decken, Poriieren, Tischdecken. Reste «norm billig. ISll.fl* Jnvrntnr-AuSverkaus. Gardinen Ztore», 10 Prozent Rabatt. Fenster zwei Schal«) 140. ISS. 22S. 285, 350, 485, 675, 665 usw. 1488M+ Jnbeutur• Ausverkauf. Borzich Oiardinen mit über-raschend schöner Silckerel. Fenster 135. 165, 210. 255, 285, 825, 426 usw., goldfarbig und rot 265. 285. 325. 450 usw. 148951* Düllbettdecken, roeijj, creme, 195, 225. 285, 375, 460-790. W-iheilb-rgS TeopichbauS, Groste Frankfurter- firah« 125. 149051* " Jnventnrprels. Steppdecken. Eimlli-Seidc, rot, grün, oliv, blau, zirka 160 breit, 200 lang, Hand. arbeit(Wert 10.50) seht Stück 5,85. Steppdecken, GelegenheitSkaus, nur so lang« Vorrat, 285, 365, 425, 585, 675, 785 usw. Weistenberg« Teppich. hau«. Große Franksurterstrahe 125.' Inventur- Ausverkauf. Tuchtisch. decken mit kleinen Sticksehlern in allen Farben. Größen, 1,85, 2,25, 2,75, 3,50, 4,85 us»._ 14035t* Plllschtischdecken, Gelegenheit«. kauf, mit kleinen Sttcksehlern, nur so lange Vorrat, 4,85, 5,65, 6,35, 7,50, 8.45, 9.65. 10,85. 149451* Möbelstossreste in Wolle und buntem Plüsch, zu Sosadezügen au«> reichend, in allen Preislagen. Wcistcn. bcrg« Teppich Haus, Große Frauksurter. ftraste 125._ 1495.51* Inventur> Ausverkauf. Abfall- Tcppiche in allen Größen zu Spott. preisen._ 149651* Teppiche, imitiert Japaner und Perler, 2 Meter lang, nur 3,25. Weißenberg» TepPichhauS, Große granlsurierstraße 125. 149751* Jnventur-Vreis. Portieren(zwei Schal«, ein Lanibrequin) Garnitur 8,85, in allen Farben. 149851* Einzelne Plüsch. wren«norm billig TcppschhauS, Gro ftraße 125. und Tuchgarni. Weißenberg» ze Franksurtcr. 149951* Gardtnenhan» Große granlsurler. firaß« 9, parterre. If Deckbett, Unterbett, Stiffcn mtt glallroiem Inlett, zusammen 10,50, nur(Psandlelh») BndreaSstraß« acht. unddreißig. 1513K« Ringschiffche». Bobbin, Schnell- näher, ohne Anzahlung, Woche l,00, gebrauchlc>2.00. Schnellste Lielernng. Postkarte acnügt. Vorteilhaste Bezug«. quelle. 51opcnickerstraße 60/61, Große Franksurterstraße 43, Prenzlauer. straße 59/60.-sS9' Hochbornchme Herrenanzüge, Sommerpalelol«. die au« feinsten Maßstosten gefertigt wurden, 18 bi« 38,00, Herrenhosen 7—12,00 verlaust täglich, Sonntag«. Deutsche« Ver> landhau«, Jägcrftroße 63, l Treppe. Teppiche milFarbenschlernFabrit. Niederlage Groß« grantiilrierstraße 9, parlerre. 11 AtonatSanzüge, isommerüber- zichcr von 5 Mark an, große Au«. wähl sür jede Figur, auch neue elc- gante Garderobe au« erster Bezug«. quell«. Schnetdernieister Paul Fürsten. zeit. Nur Rosenthalerstraße 10. Stein Laden. Habe keine Filialen. 265,2* Ha rbe Fiederbette«. 1,20 breit, Stand 20 Mark, Daunenbetten 45,—, auch 6 Zimmer Rußbaummöbel verkaust Dresdenerstraße 38, vorn II link«.* WWtvdrlaiisverknns. Wegen Aus. gäbe de« Geschäst« Wallstraße St: Miischeltlelderspiiid, Vcrttko 28 Mark, Ruhebett 27. Auszieblisch. Sosatisch 17, Waschlollette, Kommode 21, Bcltst elle mii Federnintrahe und Keil- ktssen 29, Robrstßstühle 8. Miilchel. spiegcl 12, Säulentrumeau. geschlissen 36, Herrenschreibtisch 50, Garderoben» schränke 39, englische Schlafzimmer. moderne Küchenmöbcl. Auch Teil- zahlung, Transport in Berlin und Vororten frei._ 121/20* Herrenrad, hochelegant, umstände« halber Usedomstraße 27» II, recht«. TPvttbiÜig. Teppiche, Bitten, Möbel, Gardinen, Portieren, Stepp« dicken, Ttichdecken, Kronenlampen, Spiegel, Bilder, Nemontoiruhren, Uhrlelten, Regulatoren, Anzüge. Lücke, Wrünerwcg 113. Teilzahlungen gc« stailct.__ 1622/76* Steppdecken billigst Fabrik Groß« !frankiurlerstrabe 9, parierr«. ll Gelegeiifteiläkäiise: Paletot«, An- üge, Hosen, Koffer, Zievolver, Desching«, Uhren, Goldsachen, Kessel, spottbillig. Lücke, Oranien straße 131. Nähmaschinen(Original Frister u. Roßmann), billige Preite, leichte Zakiiungsbedstigungen. Zuschneide � Kiirsu«. imter Leitung einer ge> prüften Lehrerin, sür Kunden kosten� los. Fabriklager: Rofenthalcr. straße 19. Vertreter verlangt. 1200b �Möbel, Kleiderschränke, Sofas, Bettstellen, reelle Matratzen. Küchen- möbcl, spottbillig. Großartige Ans« Wahl. Saalscld« Möbelspcicher, Kraut« straße 50, kein Laden 1713b* Entzückende Blusen, Kostümröcke, Kostüme, ieibstgeserttgt, verkaust aus. sallcnd billig Littauer, Brunnen« straße 4. I. 171«b* Gebrauchter Säulenschrank 35,00, 2 Bettstellen 15,00, eine Bettstelle 8,00, Küchenschrank 18,00, Eimerschrank 8,00, Vertiko sourniert 32,00, Spiegel« spind 17P0, Kommode 18,00. Außer- dem neue Möbel, komplette Einrich. tungen. Polstermöbel eigener Werkstatt. Kamerling, Kaslanienallee 56. am Wetnbergsweg._ 17116 P l lisch iofal Bücher, verkaust WIllamowsN, Shorinerstraße 21. SKanderer-Halbrenner, sehenswert, spottbillig. Mehlich, Konditor, In. validenstraße 8._ 17l9b Kinder wagen billig zu verkaufen Burkhardt, Falckenfteinstraße 17.+145 Kleines Schanigeschäft, Inventar prei« oerkäuslich. Nannyiiilraße 52. Nähniaichinc«. Zahl« bi» 15,00, wer Teilzahlung kansi oder nach« weist. Sämtliche Systeme. Woche t,00. Postkarte. Brauser, Tilflter« ftraße 90.________+22* Herrenfahrrad. Damensahrrad, schönes modernes, komplett 40,00, Große Franksurterftratze 14, Hof geradezu.+22* Psisiehsofa 4öfi0, Schlassosa 33,00, verschiedene Möbel jeden Preis, schnell, LandSbergerstratze 42 n. 17146 Echaukaeschnft(UOO) vcrläuilich Manieufselstraße 20._+145 Steisegläsee, Operngläser, Zleiß. zeug«, Regulatoren, Freischwinger, Harnionilas, Geigen, Zithern, Bilder, Teppiche, spottbillig. Lücke, iOranien. ftraße 13l. �_ 16946* Ntonatsauznge und Sommer poletot« von 5,00 au, Hosen von 1,60 an, Gehrockanzüge von 12,00 �an, Frack« von 2,50 an, sowie für korpulent« Figuren. Neue Garderobe zuftaunend villigenPreIIcii,auS Psand. leihen verfallene Sache» kaust man am vorleilhajtesten bei Naß. Mulack- straße 14. 1712b* Vermietungen. Wobnunzen. Ondenarderstrafte 36, 37, 38 sosort Kleinwohnungen von 19 Mark an. 1634b* Mistsxesucbo. Möbliertes Zimmer, Nähe Dil- merSdorferftraße. Offerten ver Adresse B. S. 30 postlagernd Charlottcn- burg 1._+135 Parteigcnofie'sucht eine anständige Schlasstell« in der Bahnhof. Offerten Postamt 39. Nähe unier Wedding> O. 45 an 1708b �rdeitsmarkt Im Arbeitsmarkt durch oefondere» Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SV Pf. die Zeile Büfettfabrik(außerhalb) sucht tüchtigen Zuschneider. Ausführliche Offerten mit GehaltS- ansprüchen unter St. H. 800 postlagernd Berlin, Postamt 48. 122/6 Tischler »um Eintritt in eine Genossenschast sür Arbeit nach Zeichnung. Adressen unter A. H. bei MerkowSki, Andrea« straße 26. 1142b Stellenzesuede. Blechspanner, auch Stahlbleche. sucht Beschästlgung. Offerten: Settel, Osten, Kronprinzenstraße 50.+131 "Vstndcr Stuhlslechter bittet um Arbeit. Stühle werden abgeholt nnd zurückgelicscrt. 81. Gläser, Mulack. sttaß« 27.__ 1468b Stellenangebote. Automobtlführer k Jcdermam. wird schnellsten« zu erstklassiaem Chauffeur ausgebildet. Lehrplän« kostenlos. Glänzendste Erfolge. Auto« mobiltcchnikum, Berlin, Spichern straße 11/12._ 207/7' Korbmacher auf Kongomöbel ver- langt K. Timm, Friedenau, straße 1. Versilberer llranach _ 15325V* firnissen Rdtrosa-aestreiste« Deckbett, Unter- hett, zwei Kissen. 18,00, tzlndreaS« straße achtunddreißig. 151451* PommeekcheS vauernbelt, Deck. bell, Unterbett, zwei Kissen, 27,00. Großes Laken, Stuck 1,00. Psandleih« Andreasstraße achtunddreißig. Sick- irisch««ach Uberall. 16155t* Teppiche!(sehlerhalle) In allen Größen sür die Hälslc de« Weric« tni Teppichloger Brünn, Hackcjcher Varll 4. Bahnhos Börse. 2S3/S Herrenfahrrad, wie neu. 45,00. straße 36b. Damensahrrad, Holz, S5 lumen. 142751* Möbel, Gelegenheitskäufe, neue und gebrauchte billig Linieiistr. 247 1. Fahrräder, Teilzahlungen. Ber> sirnße 28, Skalitzerstraße 40. 1 DamenjackettS, Paletot«. Kostüm. rücke, hochelegante Reisemuster, teil« aus Seide, durchweg 8 Mark, Post«» Steppdecken(Setdenklot), statt 8 Mark durchweg 3,75. Julius Reumann, Belleallimiccstraße 105. 1S17K* Herrenhüte, moderne, 1LS; bessere Sachen billigst tzolzmarkt- straße 34», Ecke AndreaSftraße.* Nie wiederkehrende Gelegenheit I ?lm 15. Mai beginnt der Umbau de« Hause«, verkaufe daher vollständige WohnungZcinrichiungen iowt« einzeln« Möbel zu äußerst billigen Preisen. Kolossale Auswahl in fiinf Etagen. Möbelfabrik Hirschowitz. Skalitzer- straße 25. 161S5t* Linoleum, Tapeten, Reste, Ge» legenheiten. Müller, Große Frank- surterslraße 45/46.+44* Lauben- Baumaicrialien, neue und gebrauchte, wie i Kantholz, Breiter, Latten. Leisten, Türen, Fenster, Linoleum, Dachpappe usw. billigst. Früher Kotlbulerdamm 22, jetzt Hasen« Heide 2(am Hermannplatz). 12365* Tingermnichtne 10,00 Inden- strafet 47, II._ 122/5 ianino, 100,00, goldgraviert(kein Taselllavier) Turmstraße 8, parterre. Versdriedenes. Patentanwalt Wessel, Gltschiner- sttafee 94». 973b* der firnissen kann und Barockvergolder verlangt Max Leonhard, Schlefischestraße 31, Gold- leistensabrik._+144* Vurschen unter 16 Jahren ver- langt Max Leonhard, Schlesische- straße 31._+144* mach« verlangt Farbig Köpntckerstrafee 127._ " Korbmacher verlangen Dane, Kleiststrafee 6. Backofenbauer, beitende, stellt ein Ramlcrstrafee 21.> Bathe, 1715b Pech u. 15345t selbständig är- Robcrt Moritz. _____ 17036 Graittt-Schnsthauer sogleich ver- agt. Barhein«, Müllerstrafee 167. Pfandleihe, Prinzeiistrafec 63, täglich 8— 8, Sonntag« 61« 2. 142951* Kunststopferei von Frau Kokoskn, Ehariottenburg, Goethestraß« 84, I.* Geschäfte jeder Branche vertäust und taust man am vortcilhasteftcn durch die Geschäft«- VerkausSbörfe Zimmerstraße 30. Auskünste toftenlo«. Eine Karte genügt und wir sprechen vor._ 121/6* �Kompagnon mit etwa« Vermögen sür rentable« Geschäst gesucht. Offerte L. E. Postamt 35._ 16626 Pfandleihe Markusstraß, 27. Vnchbinderarbeit Lippehnerftraß« 24. fertigt Sieber, _+143* Goldener Sttgelrwg(mit Wappen) 31. März verloren gegangen. Ehr- lichen Finder 10 Mark. Zuschristen unter P. 3 an die Expedition dieses Blatte«. 17l0b Reste, Partiewaren, halb« und wollene Tuchabsälle kaust zu höchsten Preisen I. Herzberg, Klosterstraß» 98, II. langt._____ Schneider oder Schneiderinnen. die auch zuschneiden können, aus Sommcrjoppen verlangt. König. strafe« 50 I._ 15335t �Packer. Tüchiiger, nüchterner Mann sür die Erpeditton sofort Stellung, dauernd. Leo Bergu. Co., Weifeeitsee, Sedanstraße 46.+124 Zuarbetterin verlangt Seidel. Reichcnbcrgerstraße 97, Seilenstügel I. Blusenstepperin verlangt Bracht, Sparrslraße 20, II._+86 Schulfreies Mädchen zum I. Juni sucht Samarilerslraße 36, Milch geschäst.+131 Plätterin verlangt Naunlnistraßc 91 Tüchtige Bclegerinnen finden dauernde Beschäftigung. Goldlcistcn- sabrik Reichenbergerstrafec 88. l70Sb Achtung, Wagkufabnktu! In den Wagensabriken von L. Rühe Jnh. l.«usohner, Enckepl. 6, Gottschalk, Motorwagensabrik in Reinickendorf, befinden sich die jämllichen Arbeiter tm Streik. In der Wagenfabrik von Lange «. Gutzeit. Frankfurter Allee, find sämtliche?lrbeiter anläßlich der Maifeier ausgesperrt. Wir ersuchen die Kollegen aller Branche« nach den obigen Be- trieben keine Arbeit anzu- nehmen. 176/9 Die AgttattouSkommisfion. Deutscber Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle«harlottenbura. In der«auttschleret von Ali«»- dorf(früher Sommer) sind sämtliche Verbandskollcaen wegen Feier de« 1. Mai gemahregelt worden. Die organisierten Kollegen werden ersucht, in diesem Betriebe keine Arbeit anzunehme». 85/3* Bio Ortsverwaltung. Achtang! Achtung i Rohrer. Die Sperr« über die Finna Jane. Steglitz, ist hiermit ausgehoben, da die Lohndifferenzen durch Äncrtamiuig uuscrcr Forderungen erledigt sind. I. A.: Die Fachkommisfion. Mtueb-Verleib-Znsttbi! Berlin, Weidenweg 46, hat die Forderungen der Hausdiener anerkannt. Handtuch und Seife 10 Pf., ohne Seife billiger. 1701b Kodkiilestt. Der Bau Schal», Seiidasberg, Freifinger st ratze 17, ist sür Parkettleger gesperrt. Deutscher Holzarbetter-Berband. Zentral- Verband d. Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Ztmenlbranche. Wegen Streik und Lohndifferenjen ist die Firma Ott« Stttwc gesperrt. Die Bauten find: Seestraße, Vtrchow-Strankenhau«. Martendorf:.Marienhöhe', Bau Gansewich. Rirdors: Weserstr. 47. Halens ee: Humboldtstr. 49. Mariendorj: Chausseestr. 23. Sin die Bauhandwerker appellieren wir, UNS zu unterstützen. Der Sektionsvorstand. Berlin) Folgende Firmen haben wegen der Arveitsruhe am i. Mai das Personal ausgesperrt: Wübben A Co. Sperling. LiUderlts A Baaer. UIctsteln. Reiß. Rickmann. Thomas. C. F. Walter. Schneider A Ziegler. Frltac he- Baambach. Schubert. l,adwlg. Anuckucfa. Wenk. Plnkert A Co. SchoB. Retwchke. Bor ArbeltSannahme in ovlgen Be- trieben wird gewarnt! Zuzug ist fernzuhalten I ' Dt« OrtSverwaltung. In unserem Inserat vom 26. April er. ist durch einen Irrtum die Buchdruckerei Max Liebmaua, Stralauerstraße 3/6, als gesperrt bezeichnet worden, während es sich um die Firma B. Liebmann, Kaisen Wilhelmstraße 16 handelt, die in dem Verzeichnisse der tariftreuen Buchdruckereien gestrichen worden ist. 36/17 Der Gauvorstand. 3. 83. Annahme-Stellen riir„Kleine Hnzeigcn", Outen i Wenzels, Rüdersdorferstr. Gustav Bogel. Koppenstr. Nordosten; L. Zucht, Keibelstr. 42. I. Reul, Barnimftr. 42. Norden:. H. Raschle,«ckerftr. 36. F. Trapp, Rügenerstr. 24. Karl MarS. Lychenerftr. 123. Karl Wethe. Wlesenstr. 41/42. L. Dechand. Ruheplatzsir. 24. H. Bogel, Lortzingstr.'S?. A. Tietz, Jnvalidenstr. 124. Nordwesten: Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. Südwesten: Werner, Mittenwalderjtr. 30. Schröder, Streuzbergstr. 15. SUden: St. Fritz, Prtnzenstr. 31. F. Gutschmidt, Kottbuser Damm 8. Südosten: Paul Böhm. Lausitzer Platz 14/15. P. Harsch, Eiigel-Uier 15. Charlottenhnrg: G. Schömberg, Sesenheimerstr. 1. Frledrlehsberg: O. Settel, Kronprinzen str. 50. Ripdorf: M. Heinrich, Prinz Conrad, Hermannstr. Schvneherg: Wtlh.Bäumler, Marttn Lutherftr. bl. Welvensee: W. Reske, Sedanstr. 105. Jul. Schillert, König-Ehauflee 39a. Reinickendorf: P. Gursch, Provinzstr. 103. Verantwortlicher Redakteur: Kans Weber, Bersin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts»«Druckerei u. Verlagsanstalt Kam Singer& Co.. Berlin SW Hr. 106. 23. Jahrgang. 3. AilW des Jotmirtü" ßnlinet WsdlM Mwoch. 9. WIM. Heute Wtwoch findet für Berlin und Vororte der Zahlabend statt. partci-Hngclegcnbcitm Zur Lokalfrage in Wilmersdorf. Der bisher ergebnislose Kampf der Wilmersdorfer Arbeiterschaft um ein Versammlungslokal hat bereits die bürgerliche Presse mit Frohlocken erfüllt. Mit Genugtuung weist sie darauf hin. daß es in dem 66000 Einwohner zählenden Wilmersdorf den Sozial- demokraten nicht gelungen ist, weder einen einzigen Sozialdemo- kraten in die Gemeindevertretung zu entsenden, noch einen Ver- sammlungSraum für ihre Bewegung frei zu bekommen..Die Ursache der sozialdemokratischen Mißerfolge", heißt es.»sind in der festen'Organisation der WilmerSdorfer Bürgerschaft in Vereinen zu suchen, die sich immer gegen die Sozial- demokratie verbänden." Enthält die Notiz der bürger- lichen Presse etwas Wahres, so ist sie für die Parteigenossen Wilmersdorfs zugleich eine Lehre, den noch so festen Zusammenschluß der bürgerlichen Vereine unfruchtbar zu machen. Gleich anderen größeren Vororten besitzt auch Wilmersdorf eine starke Arbeiter- bevölkerung, die. wenn sie den festen unerschütterlichen Willen hat, auch jede noch so starke bürgerliche Koalition bedeutungslos machen kann. Dieser Grundsatz dürste für die Arbeiterschaft Wilmersdorfs gerade im gegenwärtigen Moment, wo sie den Kamps um die Er- ringung von Versammlungslokalen führt, von größter Bedeutung sein. In keinem anderen von Arbeiterbevölkerung gleich stark be- wohnten Vorort sind unsere Genossen in dem Verlangen nach Ver- sammlungsräumen von Lokalbefitzern so schnöde abgetan worden. wie gerade in Wilmersdorf. Jene Herren glauben in Rücksicht aus bürgerliche Vereine auf die Kundschaft der Arbeiterbevölkerung voll- ständig verzichten zu können. Das ist allerdings nur möglich, wenn die Arbeiterschaft den Borsatz, nur dort zu verkehren, wo sie auch wirtschaftliche und politische Beratungen pflegen kann, nicht streng durchführt. Daß die in Frage kommenden Lokalbesitzer wohl auf Arbeiterkundschast angewiesen find, beweisen die Drohungen, welche sie gegen diejenigen richten, die die Arbeiterschaft auf ihr arbeiterfeindliches Verhalten aufmerksam machen. So hat der Besitzer des. V i k t o r i a- G a r t e n' erst am 6. Mai dem Bor- sitzenden des Wahlvereins. Genossen Hikbig, folgende Mit- teilung gemacht: (Original.) „Teile hierdurch mit. daß ich das erste Mal von einem Straf- antrag absehe, hüten Sie sich aber für das zweite Mal, dann muß ich energisch eingreifen. Bei vorherigen Unterredungen habe ich Ihre Kollegen anständig behandelt, bitte also im umgekehrten Falle dasselbe. Was nicht geht, geht nicht. Arthur Heidemann, Biftoria- Garten, Wilmersdorf. Ein solches Schreiben an den Vorsitzenden der Organisation bedeutet für die gesamte aufgeklärte Arbeiterschaft Wilmersdorfs einen Schlag ins Gesicht, den sie nur mit mannhafter Konsequenz parieren kann. Alle Arbeiter, denen eine gedeihliche Entwickelung der Arbeiterbewegung am Herzen liegt, müssen deshalb die uns nicht zu Versammlungen zur Verfügung stehenden Lokale streng meiden. Gesperrt sind: „Luisenparf", Wilhelmsaue 112;„Biktoriagarten", Wilhelms- aue 114. Für den Verkehr sind frei: Schramm u. Klause. Hildegardftrahe und„Sceschlößcheu". Kaiser-Mee._ Zur Lokalliste i Die seinerzeit entstandenen Differenzen mit dem Inhaber des Lokales„Urania", Wrangelstr. 9/10, sind beigelegt und ist das genannte Lokal wieder als frei zu betrachten. Die Lokalkommission. Treptow. Heute abend 9 Uhr Versammlung. Vortrag des Genossen Schütte über: Die Todesstrafe. Außerdem wichtige Angelegenheiten. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. AdlerShof. Zu dem heute stattfindenden Zahlabend werden die Mtglieder ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Auch werden die neuen Mitgliedsbücher ausgegeben. Der Vorstand. Wrißensee. Heute abend 7>/z Uhr findet eine Flugblattverbrei- tung für die Ersatzwahl zur Gemeindevertretung statt. Wir ersuchen die Genossen, sich zahlreich zur angegebenen Zeit bei Schmutz, König-Chaussee 88, emzufinden. Ebenso ist es Pflicht, am Donners- tag in der Zeit von 4—8 Uhr seiner Wahlpflicht zu genügen und sämtliche Stimmen auf den Genossen Gustav Peukert zu ver- einige». Pankow. Auf den heute abend stattfindenden Zahlabenden ge- langen die neuen MtgliedSbücher zur Ausgabe. Um ein Verschleppen der Ausgabe zu vermeiden, ersuchen wir die Genossen, auch die neu eingetretenen, welche noch nicht im Besitz eines Buches waren, ebenso die erst kürzlich nach Pankow zugezogenen und am alten Wohnort organisierten Genossen, sich sämtlich emzufinden. Etwaige Unrichtig- keiten, den Namen, die Wohnung usw. betreffend, sind sofort den BezirkSführern oder unter Angabe der Buchnummer und des Namens dem Genossen G- Räber, Maximilianstraße 49 II per Karte mitzu- teilen. Diejenigen alten Bücher, welche bisher noch nicht an einen der Bezirksführer abgegeben waren, smd zum Zahlabend mitzubringen und abzugeben. Der Vorstand. Reinickendorf- Oft. Wir machen nochmals darauf aufmerksam. daß der Zahlabend des 1. und 2. Bezirks jetzt beim Genossen Kirsch, Markstr. 2/8 und der neue(S.) Bezirk beim Genossen Schiller. Provinzstr. 79 tagt. Auch bitten wir die Zahlabende recht zahlreich zu besuchen. ___________ Der Borstand. Berliner JVacbricbten. Die Arbeitsordnung für die städtischen Arbeiter Berlins. die von der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion aus» gearbeitet und der Stadtverordnetenversammlung unter- breitet worden ist, steht morgen, Donnerstag, auf der Tages- ordnung. Schon am vorigen Donnerstag sollte sie verhandelt werden, wurde aber mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit auf diesen Donnerstag vertagt. Der dominierenden frei- sinnigen Partei im roten Hause sind die sozialdemokratischen Anträge nicht nur unsympathisch, sondern auch im höchsten Grade unangenehm und so versuchen sie, einer Debatte über die Angelegenheit aus dem Wege zu gehen. Nicht einmal debattieren wollen sie dieselben und sie glauben dies am besten dadurch zu erreichen, indem sie beantragen wollen, über die �gesamten Anträge zur Tagesordnung überzugehen. Vielleicht sind sie sich klar darüber, daß sie bei einer sachlichen Er örterung schlecht abschneiden und den geringen Kredit, den sie noch bei einem kleinen Kreis von städtischen Arbeitern ge nießen, ganz verlieren. Bei der Rückständigkeit und Kurzsichtigkeit des Bürger tums auf sozialem Gebiete verwundert es uns nicht im gel ringsten, wenn es sozialen Verbesserungen sehr abhold ist. Man macht wohl gelegentlich Versprechungen, vergißt aber, dieselben einzulösen. Bei uns werden eben alle Maßnahmen nur von dem engen Gesichtswinkel betrachtet: Was kostet uns die Geschichte? Nur wenn keine Kosten entstehen, läßt man sich zu Maßnahmen für die Arbeiter herbei. _ Soweit die bürgerliche Presse sich zu dem Antrage der sozialdemokratischen Fraktion geäußert hat, ist sie sich in der Wahrung des„Herr im Hause"-Standpunktes einig: Da gehen„Post" und„Vossische Zeitung" Arm in Arm.. Post" und„Vossische" fragen übereinstimmend, ob in sozialdema kratischen• und genossenschaftlichen Betrieben die Forderung bezüglich der achtstündigen Arbeitszeit durchgeführt sei. Ob- wohl diese Frage nur ein Ausweichen von einer sachlichen Behandlung darstellt, so wollen wir verraten, daß in einem großen Teil der Betriebe, in denen sozialdemokratische Zeil tungen hergestellt werden, der Achtstundentag längst eiw geführt ist. Nicht alle Betriebe, in denen Parteiblätter Herl gestellt werden, gehören der Partei, sondern bürgerlichen Unternehmern. Wo aber noch Parteigeschäfte bestehen, in denen diese Bestimmungen nicht eingeführt sind, ist ihnen zur Pflicht gemacht: a) Die achtstündige effektive Arbeitszeit in ihren Betrieben einzuführen; b) für alle mindestens ein Jahr im Betriebe beschäftigten Arbeiter Ferien bis zur Dauer einer Woche zu gewähren unter Fortzahlung des Lohnes:«) die Beiträge zur Invalidenversicherung ganz zu bezahlen: ck) die Differenz zwischen Lohn und Krankenkasse» cntschädigung bei im Geschäft erlittenen Unfällen zu Verl güten. Wir führen das keineswegs an. um damit zu prunken. sondern nur die neugierigen Frager zu befriedigen. Es ist ein altbekannter Kniff, wenn man sachlich nichts zu sagen weiß, verdeckt man seine Schwäche am besten damit, daß man den anderen angreift. Soweit die„Vossische" überhaupt auf die Sache eingeht, so findet sie sich mit dem Einwand ab, daß Gewerbetreibende, Handwerker, Industrielle folgen müssen, „wenn die Stadt als Arbeitgcberin sich der Sozialdemokratie erst unterworfen habe". In Wirklichkeit liegt die Sache so, daß die von der sozialdemokratischen Fraktion gestellten An träge durchaus nichts Sozialistisches an sich haben. Es sind Anträge, die mit einigem guten Willen sehr wohl in der bürgerlichen Gesellschaft verwirklicht werden können und eine Kommune, wie sie die Stadt Berlin ist, hätte in erster Linie die Pflicht, ihren Arbeitern ein menschenwürdiges Dasein zu gewähren. Die sozialdemokratischen Anträge sind in derTat noch sehr bescheidene und muten der Stadt durchaus nichts Un- erfüllbares zu. Aber auf wirtschaftlichem Gebiete ist das Bürgertum reaktionär bis auf die Knochen. Was die„Voss. Zeitung" jetzt sagt, ist nur eine WGderholung dessen, was sie im Jahre 1894 anläßlich des sozialdemokratischen Antrages auf Einführung der achtstündigen Arbeitszeit schrieb: „Die städtischen Behörden werden an dem Grundsatze festhalten, daß die Stadtgemeinde, soweit sie als Arbeitgeber auftritt, sich von denselben Grundsätzen leiten lassen muß, nach denen jeder andere Arbeitgeber handelt. Das heißt, sie muß die Arbeitsbedingungen, die Höhe des Arbeitslohnes und die Dauer der Arbeitszeit so einrichten, wie die Lage des Arbeitsmarktes dieses gebietet. Günstigere Arbeitsbedin- gungcn zu gewähren, hieße einer willkürlich herausgegriffenen Anzahl von Personen ein Geschenk auf Kosten der Steuer- zahler machen." Es ist immer dieselbe Melodie, die die„Vossische Zeitung" singt, und wenn die Freisinnigen im roten Hause wirklich den Mut finden würden, auf eine sachliche Verhandlung des Antrages einzugehen, so würden wir nur dasselbe Lied hören. Auf die Dauer wird ihnen aber die Drückebergerei nichts nützeil, denn durch das fortwäbrende Drängen der sozial- demokratischen Vertreter in Verbindung niit einer immer besser ausgestalteten Organisation der städtischen Arbeiter werden ihnen auch auf diesem Gebiete Zugeständnisse ab- gerungen werden._ Wie sich die Grundbesitzer fürs Gemeinwohl opfern. Wen» die Stadt Berlin zu irgend einem Zweck im Interesse des öffentlichen Verkehrs, der allgemeinen Wohlfahrt usw. ein Grundstück notwendig braucht, stellen in der Regel— Ausnahmen bestätigen nur die Regel— die Grundbesitzer Forderungen, die oft nicht zu erfüllen sind. Wir erinnern, nur um einige Beispiele anzuführen, an die Forderungen, die von einigen Hausbesitzern im Scheunenviertel verlangt ivurden, obgleich eS sich um uralte Buden handelte, deren Wände zum Teil nur aus Tapeten usw. bestanden. Dasselbe Schauspiel wiederholte sich dann bei den Verhandlungen mit den Hausbesitzern in der Wallstraße, die verbreitert werden soll. Der Magistrat ist nicht in der Lage, die übertriebenen Forderungen zu bewilligen und muß deshalb einen Teil der Grundstücke enteignen, wodurch die Verbreiterung unliebsam verzögert wird. Geradezu ungeheuer ist aber die Forderung für das Grundstück Spittelmarkt 14, Ecke Niederwallstraße, das nur zum Teil bebaut werden kann, weil eS über den Bürgersteig und die Baufluchtlinie hinausragt. Diese« kleine Grundstück ausÖlim« Zeiten hat einen Nutzungswert von rund 27000 M. Der Wert de« Gebäudes ist minimal. Die Besitzer verlangen nun übereine Million M. Anfänglich hatten die Herren sogar noch weit mehr verlangt. Das Grundstück ist nach Sachverständigen Gutachten mit der Hälfte dieser Forderung gut bezahlt. Eine Folge dieser ungeheueren Forderung ist, daß die Enteignung beschlossen ist und daß von einer Verbreiterung der engen Niederwallstraße Abstand genommen werden mutzte. Zwei Personen durch SalzsSure schwer verletzt. Ein seltsamer Unglücksfall, der zu großer Vorsicht bei dem Transport von Salz- säure mahnt, hat sich gestern nachmittag in der Oranienstraßc zn- getragen. Der 15 jährige Lausbursche Fritz Sch., Manteuffclstr. 81 »vohnhast, ist in der chemischen Fabrik von Kopp in der Moritzstr. 20 angestellt und sollte gestern nachmittag einen Ballon mit Salzsäure nach einer Werkstätte in der Oranienstr. 21 transportieren. Als er mit dem Handwagen, auf dem sich die Salzsäure befand, durch den Hausflur auf den Hof fahren wollte, kam ihm der 16jährige Schlosserlehrling Rudolf M., Beusselstr. 8, auf einem Rade entgegen und beim Ausweichen karambolierte das Rad mit dem Handwagen. Durch die heftige Erschütterung wurde der Ballon von dem Wagen hcruntergeschleudert und unguicklicherweise ergoß sich die Salzsäure auf die beid«, niedergestürzten junge» Leute. Sch. erlitt durch die ätzende Flüssigkeit fürchterliche Brandwunden am ganzen Körper und im Gesicht, M. wurde an den Ober- und Unterschenkeln sowie an den Armen schwer verbrannt. Die Aermsten wurden nach der Rettungswache in der Adalbertstraße gebracht, wo sie die erste Hülfe erhielten. Sodann fanden sie im Krankenhaus am Urban Auf- nähme. Well er fünf Pfennige sparen wollte, ist ein polnischer Arbeiter um seine ganzen Ersparnisse gekommen. Er hatte sich in der Herberge zur Heimat in der Auguststraße einlogiert, aber unter- lassen, von der Empfehlung Gebrauch zu machen, nach der den Nachtgästen der Herberge gegen Vergütung von fünf Pfennig Geld und Wertsachen vom HanLvater aufgehoben werden. In der Nacht wurde ihm sein Portemonnaie, das 85 Marl enthielt, gestohlen. Von dem Täter fehlt jede Spur. Ueiel zugerichtet wurde von Einbrechern der 56 Jahre alte Wächter OSkar Scheer aus der Kastanien-Allee 67. Sch., der gegen- wärtig einen Neubau in der Koloniestraße bewacht, beobachtete kurz nach Mitternacht, wie sich mehrere Männer in den Kellerräumen des Gebäudes zu schaffen machten. ES waren Einbrecher, die von deni Hintergrundstück gewaltsani eingedrungen ivaren und die eS auf einen Diebstahl von Bleiröhren und Messingbeschlägen abgesehen hatten. Als sich die Einbrecher in ihrer„Arbeit" plötzlich durch den Wächter überrascht sahen, sielen sie über ihn her. warfen ihn zu Boden und schlugen unbarmherzig mit Bleiröhren und anderen schweren Gegenständen auf ihr Opfer ein. Auf die Hülferufe des Ueberfallenen eilten Passanten hinzu, worauf die Täter die Flucht ergriffen. Blutüberströmt wurde der Wächter aufgefunden und nach der Unfallstation in der Badstraße gebracht. Dort stellte d. c Arzt neben anderen Verletzungen einen Bruch und eine AuSrenlimg des rechten Armes fest. Die gemeingefährlichen Einbrecher konntci: U. her noch nicht ermittelt werden. KinderauSnutzung durch Bolle. Ein trauriges Bild bot sich gestern morgen den Passanten der Prinzen-Allee. Ein Milchjunge der Bvlleschen Meierei, der 15jährige Fritz Z. aus der Pritzwalkerstr. 4. war unter seiner schweren Last bewußtlos zusammengebrochen. Der junge Mensch hatte einen Tragkorb zu schleppen, in dem sich u. a. 12 gefüllte Milchkannen befanden; die Last soll etwa 70—80 Pfund betragen haben. Der Kutscher, zu dessen Wagen Z. gehörte, fuhr ohne den letzteren weiter. Ein vorüberlommender Arbeiter nahm sich schließlich des Bewußtlosen an und brachte ihn nach der Unfallstation XVII, wo er wieder ins Leben zurückgerufen wurde. Der alte Unfug mit Schußwaffen hat schon wieder einen be- dauerlichen Unglücksfall herbeigeführt. In einer Laubenkolonie an der Schönhauser Allee Vertrieben sich gestern mehrere halbwüchsige Burschen die Zeit damit, nach vorüberfliegenden Tauben zuschießen. Anstatt jedoch einen der Vögel zu erlegen, traf eines der Geschosse ein unschuldiges Opfer, die 12 jährige Schülerin Ella Hartmann aus der Ramlerstr. 24. Die Ladung drang der Kleinen in den Ober- schenkel und schwerverletzt mußte das bedauernswerte Opfer nach der kgl. Klinik in der Ziegelstraße gebracht werde». Wegen Nahrungssorgrn in den Tod gegangen ist gestern der 56 jährige Klempnermeister G. Drömert aus der Wilhelmstr. 63. Er begab sich früh in seine im zweiten Stock des OuergebäudeS belegene Werkstatt, öffnete den G a s h a h n und steckte sich dann den GaSschlanch in den Mund. Als seine Frau ihn später auf- suchen wollte, fand sie die Eingangstür zur Werkstatt verschloffen. Vom Flurfenster aus sah sie nun, was ihr Mann getan hatte. Sie benachrichtigte die Polizei und bald hatte man sich gewaltsam Eingang in die Werkstatt geschafft. E« war aber zu spät. Alle sofort angestellten Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Nachdem man sich fast zwei Stunden vergeblich um ihn bemüht hatte, gab man ihn verloren. Seine Leiche wurde nach dem Schau- Hause geschafft. Er hinterläßt seine Fraü mit sechs Kindern. die nun vollständig mittellos sind. Allseitig wurde ihn» daS Zeugnis eine» strebsamen Arbeiters ausgestellt, doch es fehlte ihm in letzter Zeit an Arbeit. Er wußte keinen Ausweg und beschloß daher, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Der in der gestrigen Notiz:„Eine Panik in der Untergrund- bahn" erwähnte Malergehülfe Emil FenSke teilt uns mit, daß er die Absicht, aus dem Wagen zu springen, nicht gehabt habe, sondern durch den Andrang aus dem Wagen geflogen und dadurch eine Strecke mit fortgeschleift worden sei. Durch die GcistcSgcgeuwart eines Straßenbahnfahrers ist gestern eine folgenschwere Katastrophe vermieden ivorden. Als der Fahrer des Straßenbahnwagens Nr. 2212 der Linie 67 seinen Wagen durch die Kaiserstratze ftihrte, kam ihm ein Bierwagen der Brauerei Patzen- hoser entgegen, dessen Pferde scheu geworden ivaren. Die Tiere rasten, den schweren Wagen hinter sich herschleifend, ans den Straßenbahnschienen entlang, und im nächsten Augenblick mußte ein folgenschwerer Zusammenstoß erfolgen. Der Wagen- führer brachte unter Anwendung der Gefahrbremse den Waggon zum Stehen und veranlaßte die auf der Vorderplattförm befindlichen Fahrgäste schleunigst abzusteigen. In dem nächsten Moment erfolgte der Zusammenstoß. Die Deichsel des Brauer- wagenS durchbohrte die Perronwand, ging über den Perron hiniveg und zerschmetterte die Wagentur und die Stirn- wandscheiben. Die auf der Plarnonu stehenden Fahrgäste hatten sich bereits fast sämtlich in Sicherheit ge- bracht. Ein im Absteigen begriffener Fahrgast wurde bei de,« Anprall gegen die Ecke des Wagenkastens geschleudert und erlitt dem Anscheine nach leichte innere Verletzungen. Eine im Wagcninnern dicht an der Tür sitzende Frau wurde durch die Spitze der Deichsel- stange leicht an dem linken Beine gestreift, trug jedoch ebenfalls nur leichte Kontusionen davon. Der Straßenbahnbeamte blieb durch einen glücklichen Zufall unverletzt. Gekentert ist gestern auf dem Langen See bei Grünau daS dem Kaufmann Hintze gehörige Segelboot„ProSka", welches mit einer Besatzung von fünf Personen den See kreuzte. Vermutlich infolge eine« Fehlers in der Steuerführung schlug das Boot um, wobei sich der Ballast verschob, sodaß sich das Nuderbord hochrichtete. Der Unfall war glücklicherweise von Mitgliedern eines Ruderklubs be- obachtet worden, die den Verunglückten zu Hülfe eilten, und denen es auch gelang, die fünf mit den Wellen Kämpfenden zu retten. Auch das Fahrzeug konnte später geborgen werden. Ein schauriger Anblick bot sich den AuSflüglern. welche am Sonntag und Montag am Flakensee entlang gingen. Am Sonntag Morgen war in dem genannten Gewässer eme bereits stark in Ver- wesnng übergegangene männliche Leiche angetrieben und gelandet worden. Der Fund wurde sofort telephonisch sowohl nach Erkner als auch nach Rüdersdorf gemeldet um eine schleunige Abholung der Leiche zu veranlassen. Merkwürdigerweise geschah dies aber nicht, vielmehr blieb der Tote bis Montag mittag an der Fundstelle liegen, um welche Zeit endlich für die Fortschaffung der Leiche Sorge ge- tragen wurde.— Am 22. April wurde in der Waldung an» Fialen- ee ein Jacket aufgefunden, in welchem sich eine auf den Namen Reinhold Äochanowski lautende Jnvalideukarte befand. Da der Stoff des JacketS mit demjenigen der Hose und Weste, mit Ivclchcu die Leiche bekleidet war. übereinstimmt, ist anzunehmen, daß der Tote, der zweifellos Selbstmord verübt hat. mit Reiuhold K. identisch ist. Die freie Hochschule gewährt zu dem am Freitag, den 11. d. M., beginnende» SpeziallursuS über:»Das Geschlechtsleben und seine ©efefee* den Mitgliedern der G e w e r! s ch a f t e n auf Bor zeigen der Mitgliedskarte eine Ermäßigung. Hörerkarten kosten an- statt 6 M. nur 3 M. Der Ausschuß zur Vorberatung des Antrags der Stadtverordneten Antrick und Genossen, fiir die HI. Wählerabteiluug so wie in der I. und II. ebenfalls 16 Wahlbezirke zu bilden, hat diesen Antrag ab- gelehnt, aber einer Resolution Siuger-Borgmann zugestimmt, wonach der Magistrat aufgefordert wird, in Bälde, spätestens bis 1909 eine Neueinteilung der Wahlbezirke vorzunehmen. Feuerbericht. Grober Unfug lag wieder einmal einer Feuer- meidung zugrunde, die am Montagnachmittag vom Kreuzberge, Fidicinstraße, aus einlief. Als die Feuerwehr an der entfernten Meldestelle ankam, war der Täter längst über alle Berge entkommen. Gleichzeitig wurde sie nach der Oranienstr. 21 gerufen, wo ein Säureballon geplatzt war. Wegen eines Wasserrohrbruchs erfolgte ein Alarm nach der Reinickendorferstr. 64c. Auf dem Boden des Hauses Warschauerstr. 18 brannten Fournicrhölzer u. a., und in der Brücken-Allee 33 Gardinen, Fenster usw. In der Schulstratze hatte die Wehr mit der Löschung eines Teerbrandes zu tun, der großen Qualm verursachte. Gardinen, Möbel usw. gingen in der Brunnenstr. 199, Michaelkirchstr. 39, Oudenarderstr. 2 und anderen Stellen in Flammen auf. In der letzten Nacht hatte der 7. Löschzug längere Zeit in der Brombergerstr. 19/29 zu tun, wo auf einem Kohleuplatz mehrere Stapel von Preßkohlen in Flammen standen und kräftig Wasser ge- geben werden mußte, damit eine weitere Ausdehnung des Feuers verhütet wurde. Heute früh um 2 Uhr kam in der Grünthalerstr. 56 in einem Materialwarengeschäft Feuer aus. Dort brannten Petroleumbehälter, Regale u. a. und in der Prinzessinnenstr. 16 Regale, Tische usw. Um einer Frau bei ihrer Entbindung bei- zustehen wurde auf Ersuchen eines Arztes ein Mann mit einem Sauerstoffapparat nach der Wassertorstr. 44 entsandt. Vorort- j�ackrickten. Ohne den Segen der Kirche. � Darf ein P a st o r bei der Beerdigung eines S e l b st mörderS mitwirken? Darf er den Hinterbliebenen durch eine Grabrede oder auch nur durch ein Gebet den Trost spenden, nach dem sie verlangen? Man hört zuweilen, daß da oder dort ein Geistlicher den Angehörigen eines Lebensmüden diesen Dienst er- wiesen hat. Um so größer pflegt die Entrüstung zu sein, wenn hinterher von irgend woher bekannt wird, daß dem Begräbnis eines anderen Selbstmörders die„kirchliche Weihe" versagt worden ist. Warum bald so und bald wieder anders?! Ungläubigen fehlt das Verständnis für die feine Unterscheidung, die ein Pastor in solchem Falle zu machen weiß. Manchmal bleibt sie aber selbst Gläubigen ein Rätsel. Ein Fall, über den Gläubige wie Ungläubige den Kopf schütteln, wird uns aus Friedeberg /„ Uhr auf der 699-Meter-Sohle in West- licher Richtung im Kali mit Sprengen beschäftigt. Als die Schüsse abgegeben waren und die Strecke revidiert werden sollte, hörte man plötzlich den Knall einer schweren Explosion und gleichzeitig strömten giftige Gase in den Schacht ein. Vier der voraus arbeitenden sieben Berg- leute, Torsten aus Alfeld, verheiratet, Vater von einem Kinde, die Berg- Praktikanten Schröder und Jede aus Statzfurt und der unverheiratete Hauer Gast aus Alfeld erlitten dabei derartige Brandwunden, daß ie alsbald verschieden. Drei Bergarbeiter wurden durch die Ein- atmung der giftigen Gase betäubt; einem von ihnen gelang es, sich trotzdem in den freien Schacht zu retten und die dort arbeitenden übrigen Mannschaften zu benachrichtigen. Diese im Verein mit den zugezogenen Rettungsmannschaften drangen unter Führung des Betriebsleiters Eisentraut, durch Saucrstoffgasapparate geschützt, in die Strecke ein, und es gelang nach fast vierstündiger Arbett die drei Leute noch lebend herauszubefördern; von diesen sind zwei chwer krank, der dritte ist fast unverletzt, die vier Toten, zum Teil durch Brandwunden schrecklich entstellt, wurden später zutage gefördert. Das Unglück ist wahrscheinlich durch einen sogenannten Kessel, in dem sich giftige Gase angesammelt hatten, entstanden. Durch die Explosion der Sprengkörper wurde dieser geöffnet und die Gase wurden in Brand gesetzt. Der Direktor der Gewerkschaft, Scheideig, der gerade nach Hannover gereist war, wurde von dem Unglück als- bald in Kenntnis gesetzt und begab sich nach seiner Rückkehr noch am späten Abend in Begleitung des Direktors des benachbarten Alkaliwerkes„Frisch Glück" in den Unglücksschacht. Ein christlicher Tugendheld. Der Sekretär des christlichen Bauarbeiterverbandes in Nürnberg ist am Sonnabend verhaftet worden. Dem frommen Herrn ist zur Last gelegt, daß er an Kindern, die er von der Straße weg in das Bureau des christlichen Arbeitsnachweises gelockt, unsittliche Hand- lungen begangen habe._ Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Marlthallen-Direktion. Nindsleisch In 61-65 pr. 100 Psund, IIa 51—60, lila 47—50, IVa 39—45, engl. Bullen- 00—00, dän. Bullen- 00—00, Holl. Bullen» 00—00. Kalbfleisch, Doppclländer 105—120, la 78—88, IIa 64— 76, lila 50-62. Hammelfleisch la 60—70, IIa 54—60. Schweinefleisch 58—64. Kaninchen 0,70—0,90. Huhner, alte, Stück 1,70—2,70, alte per Pjd. 0,00, junge, per Stück 0,50—1,00. Tauben, junge 0,50—0,55, alte 0,00. Enten, iunge, per Stück 3.00, Hamburger per Stück 3,09 bis 3,75. Gänse, junge, per Pjd. 0,80—0,95, per Stück 4,00—6,00. Hechte 97-109. Schleie, 105-125. Bleie 00, matt 25-32. Aale, groß 109—114, mittel 111—119, klein 00. uns. 83—101. Plötzen 00. Flundern, pomm. I, P. Schock 3,50—8,00. Kieler. Stiege la 4—6, do. mittel, per Kiste 2—4, do. klein, per Kiste 09—00. Bücklinge, Holl, per Wall 1—1,50. Kieler 1—3, Strals. 3,50—4.'Aale, grob, p. Psd. 1,10-1,30, mittel 0,80-0,90, kl. 0,50—0.60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 1—1,50, Elb- per Kiste 0,00— 0,00.«oardellen, 1902er, per Anker 76,00, 1904er 74,00, 1905er 70,00. Schottische Vollherinqe 1905 00—00, largo 40-44, kull. 36—38, niod. 33—35, deutsche 37—44. Heringe, neue Matjcs, per Tonnen 60—120. Hummern, IIa, 100 Pjd. 00—00. Krebse, per Schock, große 00—00, mittelgroße 12,00—17,50, steine 3,50, unsortiert 7,00—8,50. Eier, Land-, per Schock 00—00, sttsche 2,80. Bulla per 100 Pfund, la 114—115, IIa 110-114, lila 107—110, ak» sallendc 105—108. Saure Gurke», Schock 3,50—4 M., Pfeffergurken 3,50— 4 M. Kartoffeln per 100 Psd. magn. von. 2,10—2,35, rote Daberschc 2,00— 2,20, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl, Holl., per schock O.oO-00.00. Weißkohl, dän.. per Schock 7,00—9,00, Rotkohl, Holl., per Schock 00,09-00,00. Grünkohl, per 100 Psd. 00—00. Rüben, iveiße 99—00, Teltowcr 99—90. Kohlrüben, per Schock 2,59-4,50, Holl. 5—6. v>tt»crn»gdüderst