N». HO. RiionnementS'Bedlngungen: aSonnemenlä- Preis pränumerando; Vierleljährl. ZPv SRt., monotl. 1,10 Mk., wöchcullich 28 Pig. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-geitunaS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Unzart, 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. Poftabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, tftumämen, Schweden und die Schweiz. CriditlB) lsgllch außer Clontaat. 33. Jahrg. Vevltnev Volksblatk. ZcntnAorgan der fozialdemokratt feben parte» Deutfchtands. Die TnfcrflonS' Gebühr bekägt für die fechsgefpaltene Kolonel- geile oder deren Raum R) Pfg., für Politische und gewerlschasiliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 80 Pfg. „Utelne ZZnreigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- fiellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 10 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S UhrnachmittagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist blS 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: ..s»uii>tii>»li»t Rtrlin". Redaktton: SA. 68. Linden Strasse 69. Fernsprecher: Zlmt IV. Nr. 1983. Sonntag, den 13. Mai 1906. Expedition: SA. 68. Lindenstrasse 69. Zrernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Pllckigwjslii! ilfiiimiterl m jirnstag l>M die ZlhiiliNsifMg! Sie öffentliche Meinung kann uns iovit was! Die Herren Rcgierungsvertreter wissen sehr gut, warum sie sich im Reichstage unter dem fadenscheinigen Vorwande von Kompetenzbedenken vor der Beantwortung kitzliger Jiiter» pcllationen zu drücken Pflegen, um sich dann im preußischen Abgeordnetenhaus zu„rechtfertigen". Der deutsche Reichstag steht wahrhaftig auf keinem hohen Niveau, und einen Funken demokratischen Selbstbewußtseins wird man bei seiner Mehr- heit vergeblich suchen— allein so schamlos entwürdigt er sich denn doch nicht zu ministeriellen Schuhputzerdienstcn, wie der preußische Landtag in allen den Fällen, wo es empörende Reaktions- und Polizeiwirtschaft zu billigen und dem modernen Rechts- und Kulturempftnden Faustschläge ins Gesicht zu ver- setzen gilt l Die freisinnige Russenausweisungsinterpellation, die am Sonnabend zur Verhandlung gelangte, löste nicht die geringste Stimmimg aus. Das nur mäßig besetzte Haus bewies nur bei Begründung der Interpellation durch den Abg. Träger und der Beantwortung durch den Polizeiminister Bethniann-Hollweg Aufmerksamkeit; die allerdings sehr belanglosen Ausführungen des nationalliberalen und des ultramontanen Redners wurdeu kaum beachtet, und nachdem der konservative Redner Herr von Brandenstein die Interpellanten im Landtag und Reichstag mit echt junkerlicher Arroganz abgetrumpft, leerten sich Rechte und Mitte des Hauses fast vollständig, so daß der einzige Redner, der wirklich kräftige Töne für die Charakterisierung der preußischen Ausweisungsschmach fand, der Abgeordnete Broemel, lediglich für die Stenographen sprach. Das Ergebnis der Verhandlung war, daß Konservative, Zentrum und Nationalliberale das Vorgehen der Regierung billigten— die Konservativen„voll und ganz", Zentrum und Nationalliberale mit einigen schwächlichen und ganz subnnssist vorgebrachten Vorbehalten. Der Herr Polizei- minister, der kühl bis ans Herz hinan den Angriffen der Linken standgehalten hatte, konnte mit Siegermiene das Feld behaupten. Die Erwählten von Gnaden der Dreiklassen- schmach hatten in ihrer übergroßen Mehrheit sein Verhalten für uutadelig erklärt. Und das genügt— die öffentliche Meinung kümmert einen preußischen Polizeiminister ebenso wenig, wie einen preußischen Junker! Herr Träger, der die Interpellation in cinstündiger Rede begründete und das Unwürdige und Sinnlose dieser Wahl- und skrupellosen Massenausweisungen von allen Seiten beleuchtete, war so konziliant, nicht eine Anklage gegen den Herrn Minister zu erheben, sondern nur die A n f r a g e an ihn zu richten. Wie er sich zu dem Vorgehen seiner Polizeiorgane stelle und was er zur Ver- hütung der Mißgriffe derselben zu unternehmen gedenke. Aber Herr V. Bethmann-Holl weg zeigte sich un- empfänglich für solch schonende Liebenswürdigkeit. Mit einer eisigen Ruhe, in der sich das brutale Machtbewußtsein verletzender auszudrücken vermag, als in brutaler Provokation, erklärte der Herr Polizeiminister, daß er die Russenaktion der Polizei vollständig decke. Auf seine Anweisung hin feien die Ausweisungen erfolgt. Alle russischen Flüchtlinge, die mittellos seien oder im Verdachte ständen, sich an revolutionären Umtrieben beteiligt zu haben, würden unnach- sichtlich der Ausweisung verfallen. Höher als alle Rücksichten der sogenannten Humanität ständen die Interessen des eigenen Staates— will sagen: des preußischen Junker- und Polizei- staates. Und gerade in einer Stadt>vie Berlin, deren Millionenbevölkerung ohnehin die größte Wachsamkeit erheische, könnten fremde staatsfeindliche Elemente nicht geduldet werden. Das Recht, lüstige Ausländer auszuweisen, ein Recht, das dem zivilen Häusrecht zu vergleichen sei. kollidiere niit keinerlei internationalen staatsrechtlichen Verträgen. Die Schaffung eines Fremdenrechts, das den Fremden die An- rufung richterlicher Instanzen ermögliche, halte er aus Gründen der Staatsräson für inopportun. Bei solchen Aus- Weisungen müsse nun einmal der diskretionäre Charakter— also die jeder Kontrolle sich entziehende Polizeiwillkür— gewahrt bleiben! Herr Träger hatte natürlich den Minister auch wegen der Landesverratsaffäre des Polizeikomniissars Schöne interpelliert. Herr Bethmann-Hollweg gab auch hierauf eine höchst gelassene Antwort— aber was für eine I Der Freiherr v. B r 0 lt p u s e n, erklärte er, habe niemals in Be- Ziehungen zur-Polizei gestanden. Das Räffel zu lösen, wie er alsdann-.dÄr-Mittelsmann mit der Polizei zu spielen in der Lage War,< überließ er den gutgläubigen Hörern! Femer habe nian die beivußten Spitzeldienste nicht unter Ausnutzung der durch die- Ausweisungsbedrohung geschaffenen Notlage zu erlangen versucht. Vielmehr„scheine" die Idee, sich durch SpiveldiensU! vor der Ausweisung zu retten, in dem Hirn des russischen Kaufmanns selbst entstanden zu sein. Die Frage der Anstiftung und Beihülfe zum Hoch- und Landesverrat gegen Rußland selbst überging der Herr Polizeiminister mit diplomatischer Vorsicht, ebenso die Ausstellung des wissentlich gefälschten Passes. Vielmehr begnügte er sich mit der Versicherung, daß er, soweit eine Verfehlung des betreffenden Polizeiorgans festzustellen sei,„Remedur" schaffen werde. Die gleiche Zu- sicherung gab er auch in bezug auf die anderweitigen In- korrektheiten bei den Ausweisungen, deren Zahl aber sehr übertrieben worden sei. An dem System der Ausweisungen selbst werde jedoch nichts geändert werden. Das kräftige Bravo, das der Rede des Ministers bei der Rechten und der Mitte des Hauses folgte, gab schon einen Vorgeschmack des Kommenden. Sowohl der Nationalliberale Friedberg wie der Zentrumsredner Herold erklärten denn auch, daß sie gegen die G r u n d s ä tz e der Behandlung russischer Flüchtlinge nichts einzuwenden hätten. Herr Herold speziell fand es ganz selbstverständlich, daß Fremden, die sich„politisch erheblich verdächtig gemacht" hätte», das Gastrecht versagt werde. Auch erklärte er sich ein Urteil darüber nicht anmaßen zu wollen, ob die Ausweisungen in diesem Umfange notwendig gewesen seien. Seine ganze Kritik beschränkte sich auf die mattherzige Bitte, doch die nötige Vorsicht walten zu lassen, damit das Ansehen Deutschlands durch Mißgriffe nicht bloßgestellt werde. Im Vergleich zu diesem Zentrumsmann war Herr Friedberg beinahe noch ra- dikal. Zwar erklärte er sich„hocherfreut" über die„Aufklä- rungen" über den Fall Schöne, doch vermißte er immerhin jede Aeußerung über die Paßangelegenheit. Auch fand er es nicht gerade erbaulich, daß Schicksal und Existenz„verdächtiger" Ausländer sozusagen in die Hand eines beliebigen Polizei- Wachtmeisters gegeben sei. Förmlich erfrischend nach diesen saftlosen Ergüssen wirkte der Konservative v. B r a n d e n st e i n. Dieser Herr, der sich schon früher einmal durch burschikose Dreistigkeit hervorgetan hatte, übertrug das Diplomatendeutsch des Polizeiministers in den unverblümten Junkerjargon. Man solle doch von den paar Polizeiversehen nicht so viel Aufhebens machen. Was sei denn dabei, wenn in lumpigen zehn oder zwölf Fällen einer solchen„Kategorie von Menschen" Unrecht geschehen sei! Es sei wirklich ein naives Ansinnen, die Schaffung eines Fremdenrechts zu verlangen, das nur der internationalen Sozialdemokrasie nützen könne und nichts sein werde als ein „Freizügigkeitsgesetz für Revolutionäre". Es sei ja ganz gut, wenn der Minister bei den Ausweisungen für die nötige Vorsicht sorge, andererseits möge er es aber auch nicht an der„unentbehrlichen Rücksichtslosigkeit" fehlen lassen. Die Rechte jubelte diesem Redner durch ein donnerndes Bravo zu und verließ dann ostentativ den Saal. Der Abgeordnete Broemel von der Freisinnigen Vereinigung, der einzige Redner, der die gebotene Schärfe des Tons fand, suchte seinerseits wenigstens die Würde des Hauses zu retten, für die die übergroße Mehrheit auch nicht das leiseste Empfinden beivies. Er kargte nicht mit scharfen und schärfsten AnHagen. Speziell von der Darlegung über den Fall Schöne sei er ganz und gar nicht befriedigt. Die Feststellungen des Ministers seien ihm, weil auf disziplinarischem Wege gemacht, durchaus nicht über Zweifel erhaben. Es sei demgegenüber ein Verdienst, daß der„Vorwärts" in seiner Nr. 108 so spezifizierte Anschuldigungen erhoben und dadurch die Möglich- keit einer gerichtlichen Klärung der Angelegen- heit geboten habe, so traurig es sei, daß in diesem Fall der Redakteur auf der Anklagebank sitze, an Stelle des Beamten, der auf seinen Platz gehöre. Freilich könne sehr wohl auch durch eine parlamentarische Kommission die nötige Klarheit geschaffen werden, allein er stelle einen solchen Antrag gar nicht erst, da er in einem Hause, das auf Grund eines so veralteten und ver- rotteten Wahlsystems zustande gekommen sei, doch keine Aussicht auf Annahme habe. In der weiteren Debatte nahm der Polizeiminister noch- mals das Wort, um nichts zu sagen. Er legte dafür mit großartiger Pose„Verwahrung" ein gegen den Angriff Broemels gegen den Kommissar Schöne, diese verdiente Stütze preußischer Polizei- und Spitzelwirtschast. Auch unterstützte er seinen Gesinnungsgenossen Brandenstein durch ein Zitat des braven, zuweilen aber etwas„herrenmenschlich" konfus sich gebärdenden Scherr, tvonach die öffentliche Meinung das Geräusch sei, das durch das Aneinanderklappern der Bretter entstehe, die die Masse vor dem Kopf habe. Freilich war der Herr Minister so vorsichtig, nur„im Scherz" zu zitieren. Mit gutem Grund. Denn so konfus war auch Scherr nicht, um nicht von ganzem Herzen eine baldigste„Entpreußung des Reiches" zu wünschen und sich über die„Borniertheit" „bureaukratischer Allweisheit" auch nur einen Augenblick zu täuschen. Gleichwohl hat der Minister ein Recht, über das Brett vor dem Kopse der Masse zu spötteln, solange sich nämlich diese Masse noch die preußische Junkerschmach der Dreiklassenknebelung gefallen läßt l So verpuffte völlig resultatlos die freisinnige Jnter- pellation. Sie prallte ab an der eisernen Stirn der Regierung, an dem dreisten reaktionären Junkertrotz und der moralischen Rhinozeroshaut des Zentrunis und der Nationalliberalen. Den Freisinn behandelt man ja längst— und nicht unverdient— als quantite negligeable. Die Oeffentlichkeit vollends— die nach dem zynischen Wort des Abgeordneten Brandenstein aus der„übereinstimmenden Meinung einer Anzahl von Zeitungs- schreibern besteht— kann unserer Reaktion sonst was! Wieder einmal hat sich so gezeigt, daß die ganze Reaktion geschlossen zusammensteht, wenn sie wähnt, die heilige Ord- nung der Polizeiknute gegen— seien es auch nur ein» gebildete—„revolutionäre Umtriebe" schützen zu müssen. Alle Rücksichten auf internationale Reputation, Humanität und das Rechtsempfinden werden dann rücksichtslos unter die Füße getreten! Es zeigt sich dann, daß es so etwas wie ein ge» meinsames Moral- und Kulturempfinden in einer kapitalisti- schen Gesellschaft überhaupt nicht gibt, daß nur ein Faktor existiert: die gemeinsame Knutenangst aller Herrschenden und Privilegierten, der gemeinsame wütende Haß gegen Volks- fortschritt und freiheitliche Kulturentwickelung! Die Revolution in Rutzland. Der Ruf nach Amnestie. Petersburg, 12. Mai. Nach Eröffnung der heutigen Duma« sitzung teilte der Präsident mit, daß unter anderen Begrüßungen mich Telegramme von Insassen verschiedener Gefängnisse, so aus Tschita und Kagopol eingelaufen seien. Die Mitteilung wurde mit Beifall aufgenommen und die Telegramme gelangten auf Berlangen und unter erneuten, anhaltenden Beifall zur Verlesung. Die ganze Versammlung mit Ausualime einiger Mitglieder der Rechten erhob sich unter dem Rufe:„Amnestie, Amnestie!" während der Beifall fortdauerte. DaS Haus stimmte dann dem Antrage zweier Mit- glieder der Linken zu, den Gefangenen im Namen der Duma zu danken. Petersburg, 12. Mai.(Meldung der„Petersburger Telegraphen» Agentur".) Die Mitglieder der Neichsduma haben die Einladung der Petersburger Stadtverwaltung, die ihnen zu Ehren ein Fest zu geben beabsichtigte, mit der Begründung abgelehnt, vor dem Er« laß einer Amnestie sei keine Festlichkeit möglich. Ei» Vertrauensvoller. Petersburg. 11. Mai.(Meldung der„Petersburger Telegraphen- Agentur".) Die heutige Audienz des Dumapräsidenten Muromzew beim Kaiser dauerte eine halbe Stunde. Muromzew trug die Ueberzeugung davon, daß man in hohen Kreisen voll» kommen die Stimmung der russischen Gesellschaft und der Duma- Mitglieder kenne und bereit sei, ihr volle Befriedigung zu gewähren. Konstituierung der Duma. Petersburg, 12. Mai. Im Verlauf der heutigen Duma» Sitzung verlas der Präsident ein Begrüßungstelegramm des sinn- ländischen Landtags. Die Versammlung nahm dasselbe mit Beifall auf und beauftragte den Präsidenten, dem Landtage den Dank aus- zusprechen. Hierauf wurde zur Bildung des Bureaus geschritten. Zu Vizepräsidenten ivurden Fürst Peter Dolgorukow mit 382 und Professor Gredeskui-Charkow mit 372 von 429 abgegebenen Stimmen gewählt. Bei der Eröffnung der Duma hat, nach dem nunmehr vor» liegenden Stenogramm, der Präsident Muromzew in seiner An- spräche gesagt: Die Arbeit der Duma werde vor sich gehen auf der Basis der Achtung vor den Prärogativen deS konstitutionellen Monarchen und auf dem Boden völliger Verwirklichung der Volksvertretung und nicht, wie erst gemeldet, auf dem Boden„völliger Erneuerung der Regierung". Nachdem die Reichsduma ohne Zwischenfall eröffnet war und es bekannt wurde, daß iveder die„Kadetten", noch die Bauern gegen die Redewendungen und die Titulatur des Zaren im Text deS Eides Widerspruch erheben werden, ersuchte, wie die„Post" mitteilt, der vom Zaren' mit der Eröffnung des ersten russischen Parlaments betraute Staatssekretär Frisch die Reichsdumamitglieder, den nach- folgenden Eid zu unterzeichnen: „Wir versprechen vor dem allmächtigen Gott, die uns als Mit- glieder der Gossudarstwennaja Duma auferlegten Pflichten nach unserem besten Verständnis und unseren Kräften zu erfüllen, indem wir Seiner kaiserlichen Majestät dem Herrn und Kaiser(lZossuäarju Imporatoru) und Selbstherrscher aller Reußen die Treue bewahren und nur aus das Wohl und den Nutzen Rußlands bedacht sein werden, zur Bestätigung dessen wir eigenhändig unterzeichnen." Die Amuestie-Borlage der K.-D.-Partei. Der von dem Führer Nabokow ausgearbeitete Entwurf enthält die Amnestie für die politischen Verbrecher und außerdem an wichtigsten Bestimnmngen die folgenden: Bon der Reichsduma lvird eine dreizehn gliedrige Kommission gewählt, die das Recht der Kooptation hat und an die alle Eingaben, bezüglich die Amnestie zu richten sind. Bezüglich aller der Amnestiekommission gemeldeten Fälle haben die Gerichtsbehörden genaue Auskunft zu er- teilen und die Originalakten vorzulegen. In Kriminal- und allen denjenigen Fällen, wo konstatiert ist, daß das Verbrechen politischen Motiven entsprungen ist und diese bejaht werden können. soll Amnestie erteilt iverden. Alle Personen, auf die sich die Amnestte erstreckt, werden auf Staatskosten in ihre Heimat befördert. Die Regierung kann der Aninestieloimnisffon Vorstellupa-n wachen bezüglich der bei Anwendung des Ainnestiegefetzes etwa entstehenden Mißverständnisse. Die Ämnestielommisfion hat der Ncichsduma badigst über ihre Tätigkeit Bericht zu erstatten. Ans den Ostseeprovinzcn. AuS Riga wird uns berichtet: Hier wird nach wie vor in furchtbarem Maße amtiert, obwohl am 1. slS.) Mai eine Amnestie gegeben werden soll. Es werden Todesurteile in Masse gefällt und zahlreich sind die Verschickten. Noch einmal erhebt die Reaktion ihr Haupt, noch höher als unter Witte und Durnowo. Alles ist in fieberhafter Aus- rcgung und Erwartung. Die neugewählten Abgeordneten haben beschlossen, sich weder durch Kanonen noch durch Bajonette schrecken zu lassen, sondern ihr Mandat zu erfüllen und von keiner ihrer Forderungen abzustehen, sich auch nicht nach Hause schicken zu lassen, bis sie eine vollständig konstitutionelle Ordnung auf demokratischer Grundlage hergestellt haben. Ein Zu- samnicustotz ist unvermeidlich. Und dann haben wir die Revolution, wie sie toller noch nie gewütet hat. Auf einer Seite das ganze Volk mit Einschluß der betrogenen und beleidigten Bour- geoisie, auf der anderen die Regierung, die Hofklique mit der Armee und Polizei. Wer zuletzt siegt, ist ja klar, aber das Blutvergießen! Was die Amnestie am 1./13. Mai betrifft, so muß man das mit Vorsicht aufnehmen, denn wir haben doch schon gesehen, wie die Polizei auf die Amnestie pfeift. Briefe werden rücksichtslos konfisziert. Der dritte Parteitag der K. D. Noch nie haben die K. D. ihr innerstes Wesen so zur Schau gestellt, wie es auf ihrem 3. Parteitag der Fall gewesen ist. Nicht nur die angenommenen, sondern in viel höhcrem Maße die abgelehnten Resolutionen und der ganze Verlauf der Debatten werfen ein grelles Streijlicht auf diese Partei, die sich über den Klassen erhaben glaubt. Besonders scharf trat der Klassencharakter hervor in der Art und Weise, in der die Arbeiterfrage behandelt wurde. In die vom Zentralkomitee der Partei eingebrachte Resolution über die nächsten Aufgaben der K. D. in der Duma wurde sie gar nicht aufgenommen, und erst als diese brutale Verachtung der Interessen des Proletariats einen wahren Entrüstungssturm der kd. Arbeiter hervorgerufen hatte, fühlte sich der„Arbeiterfreund" Struve bewogen, eine Resolution einzubringen, die„die Befriedigung der dringendsten Bedürfnisse der Arbeiterklasse" fordert und im übrigen die Frage an eine Kommission verweist.„Diese, Resolution", fügte Struve in der Begründung hinzu,„hat einen genügend allgemeinen Charakter, um den Abgeordneten keinerlei Verbindlichkeiten aufzulegen." Damit war die Absicht der K. D., eine arbeiterfreundliche Maske vorzutun und schließlich die Arbeiter zum besten zu haben, mit dankenswerter Unumwundenheit ausgesprochen.„Ich bin vom kd. Programm betrogen worden!" rief der Delegierte Arbeiter Artamonow, und in diesen Ruf werden jetzt alle von der kd. Schönrednerei bisher ver- blendeten Arbeiter einstimmen. Die vom Z. K. eingebrachte taktische Resolution wurde im Laufe der Debatten von verschiedenen Rednern heftig angegriffen, Haupt- sächlich wegen der Unklarheit ihrer Fassung und wegen ihres„zahmen" Charakters. Die Resolution spreche immer von„gerechten" nationalen Forderungen, von„dringenden" Bedürfnissen usw.; dies seien aber Kautschukbegriffe, in die sich zwar sehr viel, aber ebenso auch sehr wenig hineinlegen lasse. Ferner wurde dem Z. K.. der Vorwurf gemacht, daß eS die gesetzgeberische Tätigkeit der Duma in die Schranken des Gesetzes über den Staatsrat hineinzwänge, während dieser Staatsrat ein gefährliches Werkzeug gegen die Duma sei. Es wurde darauf hingewiesen, daß aus der ganzen Resolution Angst bor einem Konflikt mit der Regierung spricht. Der Zusatz zum 2. Punkt,„die Schuld und Verantwortung des Konflikts soll auf die Regierung fallen", sei direkt ein Mauseloch, um einer entschiedenen Taktik in der Duma zu entgehen und sich mit der Regierung in Verhandlungen einzulassen. Eine ganze Reihe Reso- lutionen und Zusatzanträge, die den Zweck haben, r a d i- k a l e r e Beschlüsse herbeizuführen, wurden von einzelnen Mitgliedern eingebracht, fielen aber sämtlich glänzend d u r ch. Anträge auf Unterstützung der Opfer admimstrativer Willkür, auch Einsetzung einer Dumakommission zur Verfolgung— nicht zur Unter- suchung, wie in der Resolution des Z.K, steht— der Verbrechen der Administration, auf die sofortige Abschaffung des Kriegs- z u st a n d e s, des besonderen und verstärkten Schutzes durch die Duma, aus ein Manifest zuerst der Partei und dann der Duma an das Volk, worin der Regierung Krieg bis auss Messer erklärt wird, über die Pflicht der Duma, sofort nach der Annahme des Gesetzes über das allgemeine, gleiche dirette und geheime Wahlrecht ihren Platz einer neuen, aus diesen Wahlen hervorgegangenen Vertretung abzutreten— wurden sämtlich niedergestimmt und die Resolution des Z,K. mit überwältigender Mehrheit angenommen. Vereinzelte Rufe nach der konstituierenden Versammlung wurden zwar laut, aber, wie das Organ der K. D., die„Rjetsch" bemerkt, sie waren„eine Dissonanz zur allgemeinen Stimmung und verhallten, ohne Anklang in der-Zuhörerschaft zu finden." Im allgemeinen muß gesagt werden, daß die Reden und die von den Mitgliedern vorgelegten Resolutionen viel radikaler als die angenommenen sind; die Lösung dieses Widerspruches ist in der beginnenden Spaltung ninerhalb der Partei zu suchen: die Minder- heit der radikalen Mitglieder war eS. die gesprochen und Anträge gestellt hat, während die Mehrheit aus ruhigen und bedächtigen Leuten besteht, die weniger Worte verloren, aber dafür jede ihnen gefährlich scheinende Resolution regelmäßig in den Papierkorb warfen. Der radikale Teil ist mit der Mehrheit und dem auf ihrer Seite stehenden Z. K. in hohem Grade unzufrieden und hat schon den Weg einer Absonderung von der Partei betreten; er hält geheime Beratungen mit den- jenigen Dumamitgliedern ab, die weiter links stehen und eine entschlossenere Taktik befolgen wollen. Diesem radikalen Block schließen sich auch diejenigen Bauern an, die in bedeutendem Maße zu den Sozialisten- Revolutionären hinneigen. Da sie aber einen großen Einfluß auf die übrigen Buernobgeordnetcn besitzen, so ist leicht vorauszusehen, daß die in Bildung begriffene Bauern- gruppe eher mit diesem Block als mit den K. D. zusammengehen wird, zumal sie schon früher das Agrarproaramm der K. D. als zu bescheiden bezeichnet hat. Die Mehrheit der K. D. will aber von einer radikalen Politik nichts hören und geht in die Duma mit der offenen volksfeindlichen Absicht, mit der Re- gierung zu verhandeln, denn— aus der Ferne sieht sie schon freundlich MinistcrportefeuilleS winken. Die„Rjetsch" schreibt an- läßlich deS neuen Ministeriums Goremykin:„Sehr wahrscheinlich ist daher das Gerücht, Goremykin sei beaustragt, ein Geschäftsministerium zu bilden, ruhig die Wünsche und die Beschlüsse der Duma anzu- hören und seinen Platz neuen Leuten einzuräumen."...' politische(lebersicbt. Berlin, den 12. Mai. Die Annahme der Diätenvorlage. Es ist bezeichnend für den reaktionären Tiefstand des öffentlichen Lebens Deutschlands, daß die Abwehr von Ver- schlechterungen schon als ein Erfolg begrüßt werden muß, so tvie es bezeichnend für die Ohnmacht des Reichstages ist, daß die Regierung auch nicht die kleinste Konzession gewährt, ohne dafür diese oder jene Lerballhornung einzufordern. Vierzig Jahre hindurch ist die Forderung nach Diäten er- hoben worden. Zuletzt hat eine an Einstimmigkeit grenzende Ncichstagsmajorität sich diese Forderungen zu eigen gemacht. Aber die Regierung hat sich nicht versagen können, an die Gewährung dieser Forderung einen Versuch einer Einmischung in die inneren An- gclegenheiten des Reichstages zu knüpfen, der von jedem anderen Parlamente von vornherein mit Spott und Hohn zurück- gewiesen worden wäre— falls sich überhaupt eine Regierung gefunden, die einem anderen Parlamente diese Ohrfeige anzu- bieten gewagt hätte. Es ist in erster Linie dem scharfen und energischen Widerspruch unserer Fraktion zu danken, daß Kom- Mission und Plenum denn doch schließlich sich aufrafften, diesen Eingriff zurückzuweisen. Allerdings mehr der Form als der Sache nach. Denn daß dieMehrheit die stärksten Neigungen hat, an dem, was der Zolltarifkampf von der Geschäftsordnung übriggelassen, neue Beschneidungen nach dem Aichbichler-Nitus vorzunehmen, ist eine Tatsache, die die Parlamentsspatzen von den Dächern pfeifen. Nur die Verquickung solcher Geschäftsordnungs- verballhornung mit der Diätenvorlage der Regierung zuzu- gestehen, hält die bürgerliche Mehrheit ein Rest von Scham zurück. Hinterher wird sich schon Gelegenheit zu kleinen Kardorffereien finden. Starke Strangulierungsgelüste verriet ja schon die der Vorlage angehängte Resolution, welche Maßnahmen zur Abkürzung der Verhandlungen wohlwollender Erwägung empfiehlt. Die Ablehnung der Abänderung des Z 28 der Reichsverfassung und damit die Abwehr des Eingriffes der Regie- rung in die Geschäftsordnung des Reichstages bedeutet, daß der Vorlage der ärgste Giftzahn ausgebrochen ist. Dadurch wurde es. wie Genosse Singer ausführte, unserer Fraktion ermöglicht, ftir den Entwurf zu stimmen. Freilich bleiben noch Schönheitsfehler in schwerer Menge. Es bleibt das ganze Pauschalsystem und damit die Prämie auf schnelle Akkordarbeit. Es bleibt der von der Kommission nur etwas herabgesetzte Strafabzug für verabsäumte Abstimmungen. Natürlich sollen diese Strafgelder dazu dienen. einer Minderheit den Kampf gegen eine Vergewaltigungs- Mehrheit zu erschweren. Das hob Genosse Singer mit Schärfe hervor und der jugendliche Freisinnige Potthoff stimmte ihm bei, während des letzteren Fraktionsgenosse, der Süßlichredner Pachnicke, Anschluß nach rechts suchte und dafür den lauten Beifall der Nationalliberalen erntete. Die Konservativen machten gar kein Hehl aus ihrer Abneigung gegen die Gewährung von Diäten an die „Kerls". Sie hätten am liebsten die Geschäftsordnung ver- schlechtert und die Diäten abgelehnt. Mit wütenden Bissen fiel die Junkermeute den Grafen P o s a d o lv s k y an, der zu klug ist, um auf den Schein zu bestehen und die Aenderung des§ 23 zur unumgänglichen Bedingung zu machen. Der vor- geschlagene Wegfall der Drciklassenhausdiätcn für die Doppel- mandatare gab den Konservativen Anlaß zu einem neuen Sturmlauf. Arendt stimmte für sich und seine junkerlichen Freunde ein bewegliches Klagelied darüber an, daß weder den Doppelmandataren doppelte Diäten zufallen noch der Reichstag dem Dreiklasscnparlament sich unterordnen solle. Gegen die Guillotine-Resolution legte Genosse Bebel energisch Verwahrung ein. Aber die Mehrheit nahm sie an und verscherzte damit den kümmerlichen Ruhm, einer allzu plunipen Zumutung der Regierung Widerstand geleistet zu haben. Am Montag stehen kleinere Vorlagen und das sogenannte „Mantelgesetz" auf der Tagesordnung.— Wohugemeinde und Betriebsgemeinde. Nach Erledigung der Nusscninterpellation begann das Abgeordnetenhaus am Sonnabend die zweite Beratung des Antrages des Abg. Freiherrn v. Zedlitz(frk.) und Genossen auf Aenderung des die steuerlichen Beziehungen zwischen Betriebs- und Wohngemeinde regelnden ß 53 des Kommunalabgabengesetzes. Bekanntlich kann heute die Gemeinde, in der. eine größere Anzahl von Arbeitern ihren Wohnsitz haben, die sogenannte Wohnsitzgemeinde, von der Gemeinde, in der sie b e- s ch ä f t i g t werden, der sogenannten Betriebsgemeinde, unter gewissen Boraussetzungen einen Zuschuß zur Besteuerung der Armen- und Schullasten verlangen. Auf Grund dieser Be- stimmung ist Berlin wiederholt zur Zahlung größerer Bei- träge an Vorortsgemeinden, erst kürzlich an Rixdorf, verurteilt worden. Wenn irgend etwas, so be- weist dieser§ 53 die Berechtigung der neulich von der Konferenz der sozialdemokratischen Gemeindevertreter von Groß-Verlin aufgestellten Forderung auf Bildung von Zweck- und Zwangsvcrbänden für Groß-Berlin. Den Mehrheitsparteien im preußischen Abgeordnetenhause geht der Z 53 in seiner jetzigen Fassung noch nicht weit genug; sie wollen, daß die Betriebsgemeinde nicht nur zu den Schul- und Armenlasten, sondern auch zu den Polizeilasten der Betriebsgemeinde beiträgt. Dies bezweckt im wesentlichen der von der Kommission mit belanglosen Aenderungen angenommene Antrag Zedlitz. Die Beratung wurde nicht zu Ende geführt, sondern auf Montag vertagt. Außerdem stehen Initiativanträge und die dritte Lesung der Novelle zum Einkommen- und Ergänzungs- steuergesetz auf der Tagesordnung.— Ein liberales Heldenstück. Bekanntlich steht die bremische Lehrerschaft in den letzten Jahren im Vordertrcffen um den pädagogischen Fortschritt. Sie hat besonders im Verlaufe des letzten Jahres eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, die ihrem Mute und ihrer pädagogischen Einsicht alle Ehre machen. Den Anfang machte eine energische Frontstellung gegen den bremischen Schulinspektor, einen vor 12 Jahren von irgend woher aus Preußen importierten Schulbureankraten nach dem Herzen der Väter der gegenwärtigen preußischen Schulverpfaffungs- Vorlage. Dieser Herr wollte langsam die freiere Art des in Bremen üblichen Religionsunterrichts in die spanischen Stiefeln des in Preußen üblichen Religionsdrills schnüren. Die bremischen Lehrer wandten sich zunächst mit einer ausführlichen Eingabe an den breinischen Senat, in der sie alle ihren ernsten und wohlüberlegten Beschwerden gegen den Schulinspcktor zusammenfaßten. Aber sie begnügten sich erfreulicherweise nicht mit dieser Abwehr der Ueber- griffe eines einzelnen Zeloten, sondern sie leiteten den Kampf auf die einzig wertvolle sachliche und prinzipielle Basis: sie erklärten in der bekannten denkwürdigen und be- deutungsvollen Eingabe dem Religionsunterricht in den Schulen überhaupt den Krieg. Diese Denkschrift hat in den gut 6 Monaten, seitdem sie der Oeffentlichkeit bekannt ist, mehr zur Aufrüttelung der Geister aus dem Schulgebiet und anderswo getan, als hunderte dick- leibiger Bücher. Ueberall beschäftigt mau sich mit ihr, sie ist zu einem Wegweiser für alle diejenigen Lehrer geworden, die aus der realtio- nären lonfessionellen Enge und der liberalen simultanen Unklarheit und Ziellosigkeit heraus wollen. Die bremische Lehrerschaft hat im Laufe des Jahres noch einige wertvolle Beschlüsse gefaßt. Sie hat dem Institut der Schulvorsteher sRektoren) den Krieg erklärt und sich für eine Art republikanischer Verwaltung der einzelnen Schulen durch Wahl des Vorstehers durch das Lehrerkollegium ausgesprochen. Diese Forderung ist pädagogisch ebenso berechtigt, wie sie gegenüber den reaktionären Absichten der preußischen Schulvorlage zeitgemäß ist. Während die preußische Schulrealtion die Rektoren nur durch die Regierung anstellen lassen will, damit sie auf diese Weise gegenüber der unzufriedenen liberali- sierenden Lehrerschaft noch einen weiteren Büttel zu ihrer Verfügung erhält, erklären die bremischen Lehrer kurzerhand, daß das ganze Rektoreninstitut nichts taugt. Die Lehrer einer Schule müssen selbst am besten wissen, wer unter ihnen der taug- lichste für die Leitung der Schule ist. Freilich wird dieser von seinen Kollegen gewählte Schulleiter kein Lehrerbändiger und Schul- stldwebel sein. Neuerdings haben die bremischen Lehrer sich auch für die Er- richtnng einer Schulsynode ausgesprochen. Sie denken sich darunter eine Art Lehrerkammer, die die Vertretung der gesamten Lehrerschaft, vorläufig allerdings nur der Volksschullehrer, bilden soll. Auf diese Weise sollen alle in der Lehrerschaft vorhandenen Kräfte, Wünsche und Bestrebungen zu ihrem Rechte gelangen, indem sie geprüft, er- vrtert und von der Lehrerkammer, einer staatlichen Institution, der Schulbehörde übermittelt werden. Durch diese Neuerung hofft die Lehrerschaft das reiche pädagogische Leben zu besteien, das in der VollSschullehrerschaft vorhanden ist. das aber heutzutage durch zahl- lose bureaukratische Dämme und hierarchische Wälle daran gehindert wird, in den Stuben der Schulbureaukratie und den Kammern der Parlamente auch nur die leisesten Wellen zu schlagen. Ein letzter erfreulicher Beschluß der bremischen Lehrerschaft, den der„Vorwärts" vor einigen Wochen an leitender Stelle behandelte, ist die Ablösung der Konfessions- und der Simultanschule und die Forderung der rein weltlichen Schule unter Ausscheidung des Religionsunterrichts. Man sollte meinen, daß eine liberale Regienmg, wie sie angeb- lich in der freien Hansastadt und Republik Bremen vorhanden ist, ihre helle Freude an der frisch zupackenden und mutig voran- schreitenden bremischen Lehrerschaft haben müßte. Sonst kennt man Bremen anderwärts nur als große Handelsstadt, als Domäne des Norddeutschen Lloyd, als größten Auswandererhafen, als Hauptplatz für Tabak, Petroleum und Baumwolle. Das sind ja ganz nette Dinge, aber für die geistige Regsamkeit Bremens besagen sie nicht viel. Darum sollte der bremische Senat froh darüber sein, daß die bremischen Volksschullehrer im letzten Jahre mehr für den Ruhm Bremens getan haben als der Tabak, die Baumwolle und der Norddeutsche Lloyd. Freilich nicht in den Augen der preußischen Schulreaktionäre, über ein liberaler Senat einer in religiöser Beziehung mit dem Ultraliberalismus kokettierenden Handelsrepublik sollte eigentlich auch nicht nach dem Lohn ostelbischer Zolljunker und westelbischer Hetzkapläne geizen. Leider scheint es aber doch so zu sein. Der bremische Senat, der schon vor einigen Wochen durch Vernehmungen mehrerer Lehrer verriet, daß er irgend etwas im Schilde führt, hat nunmehr gegen vier bremische Lehrer da? Disziplinarverfahren eröffnet und einen dieser vier Lehrer, in dem er— allerdings nicht mit Unrecht— das geistige Haupt der Bewegung vermutet, vorläufig vom Amte suspendiert. Es ist dies der Lehrer Holznieier, der Verfasser der Denkschrift gegen den Religionsunterricht, und mutiger und ziel- bewußter Wortführer und Führer der bremischen Lehrerschaft in ihren sonstigen Kämpfen und Arbeiten. Interessant ist die eigentliche Ursache zu diesem Vorgehen der Behörde. Keine der weiter oben aufgeführten Handlungen der bremischen Lehrerschaft hat den Senat zu dieser Maßnahme Veranlaffung gegeben. Sondern eine verhältnismäßig harmlose Protestversammlung, in der die bremischen Lehrer vor einigen Wochen gegen einen Ent- scheid der Unterrichtskommission des Senats zur Schulinspektor-Ein» gäbe Stellung nahmen. Der Senat hatte die ihm von der gesamte» bremischen Lehrerschaft, alle Lehrerinnen und selbst die Vorsteher ein» geschloffen, überreichte Eingabe gegen den Schulinspektor als un- begründet zurückgewiesen, anstatt den so vom Mißtrauen der Gesamt- lehrerschaft gekennzeichneten Schulinspektor zu entfernen. Natürlich war dieser eine„Vorgesetzte" klüger und besser als vier- bis fünf» hundert Lehrerl Außerdem sprach der Senat dm Lehrern seine „ernste Mißbilligung" wegen ihrer Eingabe aus. Die bremischen Lehrer steckten diesen Rüffel nicht, wie es sich für subalterne, gehör» same, bescheidene und demütige Beamte geziemt, ein, sondern sie wahrten in einer männlich-entschlossenen Resolution ihre Würde. Diese Resolution, als deren Verfasser sich Lehrer Holzmeier bekannt hat, hat den Senat dazu veranlaßt, das Disziplinarverfahren einzuleiten. Die übrigen drei Lehrer Isind der Vorsitzende deS bremischen Lehrervereins, H. Lüdeking, der bekannte Schulreformer und pädagogische Schrifffteller Gansberg, und der als Philosoph dcpch mehrere umfangreiche Schriften bekannte Henri Gartelmann. Alle vier sind charaktervolle Persönlichkeiten und sie werden vor dem Stiriwunzeln des Senats nicht zu Kreuze kriechen. Der bremische Senat aber konnte sich und seinem Liberalismus kein kläglicheres Zeugnis ausstellen als dadurch, daß er einen reaktionären, von der gesamten Lehrerschaft auf das entschiedenste abgelehnten Schulinspektor liebend an seine Brust zieht, die Lehrer aber, die als Wortführer ihrer Kollegen mutig im Jntereffe der Lehrerschaft und der ihnen anvertrauten Kinder gegm die im Schul- inspektor verkörperte Reaktion das Wort ergriffen haben, in die Wüste schickt. Die bremische Arbeiterschaft verfolgt den Verlauf der Dinge mit großer Spannung. Sind es doch Arbeiterkinder, die die Bolls- schule besuchen, und verfechten die Lehrer somit gegenüber Schul- inspektor und Senat auch die gegen Schulverpfaffung und Reaktion gerichteten geistigen Interessen der bremischen Arbeiterschaft.— *«• Dcutlcbco Reich« Russische Freundschaft. Ueber einen Fall unerhörter Behandlung eines preußischen Staatsangehörigen durch russische Beamte wird uns folgendes berichtet: In Grodziec bei Czeladz in Russisch-Polen, an der ober» schlesischen Grenze, lebt seit vielen Jahren der jetzt 4r>jährige Wilhelm Wiatrek, der itt Laurahütte sOberschlesien) geboren, schon als Knabe mit seinen Eltern nach genanntem Orte zog, die preußische Staatsangehörigkeit aber behielt, auch seiner Militärpflicht in Preußen genügte. Der Mann, ein intelligenter, ruhiger und fleißiger Arbeiter, ist seit LS Jahren in der Zcmentfabrik in Grodziec beschäftigt und im Laufe der Zeit zum Besitzer eines Häuschens mit Garten und Acker wie auch eines kleinen Steinbruchs geworden. Als der Mann am 17. Januar dieses Jahres, abends von der Arbeit nach Hause kam, fand er dort unter Führung des Orts- Polizisten eine Anzahl Kosaken, die Hausuchung hielten. In einem im Schranke hängenden Rock des Mannes hatte man ein Exemplar eines bor einiger Zeit im Orte verteilten Flugblattes ge- fanden, das Wintrel gleich allen anderen empfangen, gelesen und in der Rocktasche hatte stecken lassen. Diese unter russischen Verhält- nissen gefährliche Vergeßlichkeit sollte der Mann schwer büßen. Mit den Worten:»Du bist verhaftet, du preußische Schnauze", wurde der Unglückliche, der sich niemals an der revolutionären Bewegung beteiligt hatte, von den Kosaken unter dem Jammetn ismer Familie fortgeschleppt, wie er ging und stand und in das Kreiiigssijvgms in Bend- zin, später in das GouvernemensgefängniS i»'!-iPMikau über- geführt. Hier wurde er ohne Verhör und ohn» MrhH»dlung auf administrativem Wege auf drei Monate eingesperrt. cd wörtlich in einem Schriftstück hieß, das der Arme nach 14 Tagen erhielt und aus dem Gefängnis mit herausgebracht hat.„wHgen Auf- bewahrung eines Blattes"! Die Frau WiatreiS richtete einige Tage nach der Verhaftung ji'CS Mannes eine schriftliche Bitte an den militärischen General- gouverneur in Pctrikau um Freilassung ihres unschuldigen Mannes. Darauf erschien der älteste Ortspolizist bei der Frau, beschimpfte sie in gemeiner Weise, weil sie es gewagt habe, ohne Wissen und Er- laubnis der Ortspolizei an den Gouverneur zu schreiben und schlug sie daraus derart mit der Knute, daß die schwangere Frau zu Boden stürzte. Drei Wochen nach der Inhaftierung Wiatrels wurde in Grodziec ein Polizist von mehreren Männern erschossen, ohne daß es gelang, diese zu ergreifen. Sofort wurde zunächst der 14jährige Sohn Wiatrels, am nächsten Tage auch seine Frau verhaftet, die während der Tat in ihrem zwei Kilometer vom Tatort entfernten Hause bei ihren Kindern gewesen war. Beide sollten um die Mordtat wisien und die Namen der Mörder kennen. Der arme Junge wurde neun Tage lang im Gefängnis festgehalten und täglich schwer geschlagen, weil er die Namen der Täter nicht nannte, die ihm ganz unbekannt waren. Da auch die Frau die Namen nicht nennen konnte, blieb sie im Gefängnis, wo sie infolge der Behandlung, wie des Kummers um das Schicksal des Mannes und Sohnes und ihrer hiilflos zu Hause zurückgebliebenen vier kleinen Kinder schwer erkrankte, so daß sie schließlich in die Lkrankenanstalt gebracht werden mußte. Der in Bendzin. sRussisch- Polen) lebende Bruder Wiatrels wandte sich in einem Schreiben um Hülfe an das deutsche General- konsulat in Warschau, worauf er unterm 22. März er. diese Antwort erhielt: Nach Auskunst des militärischen Generalgouverneurs in Petrikau ist Ihr Bruder Wilhelm Wiatrek, weil er einer revolutionären Partei angehört und die Namen der Mörder eines ermordeten Schutzmannes nicht angeben wollte, zu einer dreimonatlichen Ge- fängnisstrafe verurteilt worden. Der Straftermin läuft am 19. April ab und es soll Ihr Bruder sodann nach Deutschland ausgewiesen werden. Der kaiserliche Generalkonsul. I. V.: W. b. Lerchenfeld. Das zum Schutze eines schwer nsißhandelten Deutschen um Hülfe angerufene deutsche Generalkonsulat hatte sich danach seine Aufgabe sehr leicht gemacht, indem es einfach bei dem Mißhandelnden anstug, wie sich die Sache verhalte und ohne weitere Ermittelung anzu- stellen, die erlogene Antwort des russischen Militärgouverneurs dem um Hülse rufenden Bruder des Wiatrek zum Bescheide gab. Aber es sollte noch besser kommen. Auf ein zweites Schreiben des Bruders, in welchem der wahre Sachverhalt eingehend geschildert und besonders auch darauf hingewiesen wurde, daß Wiatrek die Namen der Mörder doch schon deshalb nicht nennen konnte, weil die Mordtat erst geschah, als Wiatrek schon lange zu drei Monaten„verurteilt" war, erhielt der Beschwerdeführer folgende Antwort: Der Militärische Generalgouverneur in Petrikau hat dem Generalkonsulat mitgeteilt, daß die Verhaftung Ihres Bruders wegen Aufbewahrung und Verbreitung regierungsfeindlicher Schriften erfolgt ist und daß er als eifriger Agitator aus Nußland ausgewiesen wird. Der Verheimlichung der Namen der Mörder des ermordeten Schutzmanns wird nicht Ihr Bruder, sondern seine Familie beschuldigt. Der kaiserliche Generalkonsul. I. V.: W. v. Lerchenfcld. Der russische Militärgouverneur hat also in seiner zweiten„Aus- kunft" über den Fall Wiatrek an den deutschen Generalkonsul die erste Auskunft selbst preisgegeben. Das Generalkonsulat hätte daher alle Veranlasiung gehabt, wenigstens diese zweite Auskunft mit Miß- trauen aufzunehmen und weitere Schritte zur Aufhellung der Sache und eventuell zur Befreiung des seinem Schutze empfohlenen Un- glücklichen zu tun. Statt dessen akzeptiert es wiederum einfach die wiederum erlogenen Mitteilungen des russischen Gouverneurs und überläßt Wiatrek seinem Schicksal. Am 19. April wurde der Mann entlassen und von russischen Polizisten an die preußische Grenze gebracht; seine Bitten, doch noch einmal nach Frau und Kindern und seinem Besitztum, der Arbeit seines Lebens, sehen zu dürfen, bleiben unberücksichtigt. Er nimmt Wohnung in seinem Heimatort Laurahütte und wagt es darauf, mit einem Halbpaß nach Bendzin zu fahren, um seine schwerkranke Frau im Krankenhause zu besuchen und dann nach seinem bisherigen Wohnort zu gehen, wo die Kinder ohne Aufsicht hausten. Auf Bitten seiner Frau und Warnung durch den Arzt des Krankenhauses, der ihm die sofortige Verhaftung voraus- sagt, gibt Wiatrek den Besuch in Grodziec auf und kehrt zunächst nach Laurahütte zurück. Der Kattowitzer Landrat verschafft ihm dann einen Vollpatz, als er diesen jedoch dann in Bendzin dem dortigen russischen Landrat, Baron von Mirbach, laut Vorschrift vorlegt, bedroht dieser ihn mit soforsiger Verhaftung und Abführung nach Warschau. Um diesem Schicksal zu eittgehen, inußte Wiatrek sofort wieder nach Preußen zurückfahren.— Obstruktion im Rudolstädtcr Landtag. In der heutigen Landtags- sitzung wurde der Wahlantrag unserer Genoffcn, daß die Landtags- wähl an einem Sonntag abgehalten werden solle, und daß die Re- gierung gleichmäßige Stimmzettel herstellen lassen solle, mit 9 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Hierauf verließen unsere Abgeordneten bis auf einen den Saal, so daß der Landtag bei der nun folgenden Ab- stimmung über den Antrag der Rechten, betreffend Erhöhung des Wahlzensus für die Höchstbesteuerten auf 200 M.. beschlußunfähig war. Der Präsident beraumte die nächste Sitzung auf ILV� Uhr an. Auch diese Sitzung war beschlußunfähig, da die sozialdemo- lratischen Abgeordneten den Sitzungssaal wieder verlassen hatten. „Objektiver Hochverrat." Am 10. März erschien im„Vorwärts" eine Notiz über ein so- genanntes„objektives Verfahren", das von der Staatsanwaltschast in Glatz gegen das bekannte Wahlrechtsflugblatt vom 21. Januar eingeleitet war. Die Nottz enthielt eine Aufzählung der angeblich begangenen Freveltaten(Hochverrat, Verächtlichmachung von Staats- einrichtungen, Anreizung zu Gewalttätigkeiten). Das Verfahren selbst war als sehr wenig objektiv aber gegen die Reichsverfassung und gegen das Strafgesetzbuch verstoßend kritisiert worden. Der größte Teil der Parteipresse und ein gut Teil der bürgerlichen Preffe über- nahm die Notiz. Wegen dieser der Wahrheit voll entsprechenden Notiz mutzte der Genosse Franz Feldmann, der Redakteur des in Langenbielau erscheinenden„Proletarier aus dem Eulengebirge" sich einem hochnotpeinlichen Verhör bei Gericht unterziehen, weil durch die Notiz der§ 17 des Preßgesetzes(vorzeitige Bekanntgabe von Gerichtsakten) verletzt sein sollte. Jetzt hat auch die Staats- anwaltschaft sich von der Irrigkeit ihrer Anschauung überzeugt und das Verfahren eingestellt..Der„objektive Hochverrat" selbst schwebt zurzeit beim Reichsgericht.—_ Unsere„Helfer" und—„Neberwindcr". Uever die„Einigung der Liberalen" unterhielt man sich am Freitag wieder einmal in einer Versammlung, die der„Sozialliberale Verein" nach den Arminhallen ein- berufen hatte. An der Erörterung dieses Lieblingsthemas derer um Barth beteiligten sich nicht nur Liberale, sondern muh Sozialdemo- kraten und ein Reichsverbändler. Geredet wurde bis nach Mitternacht. Das Ergebnis der mit löblichem Eifer geführten Debatte war die Feststellung, daß die Einigung des Liberalismus„kommen muß" und .kommen wird". Und warum? Damit die bürgerliche Gesellschaft nicht von der Sozialdemokratie über den Haufen gerannt wird! Die Redner des Liberalismus sagten das nicht gerade mit diesen Worten, aber ihrer Rede Sinn lief darauf hinaus. Die Einigung„muß kommen" und„wird kommen", die Einigung der Liberalen gegen die Reaktion— auf daß der Liberalismus erstarke zu einer kräftigen bürgerlichen Demokratie, die dann dem Ansturm der Sozial- demokratie erfolgreich begegnen kann. Den Anlaß zu dieser Aussprache bildete die W a h l i n D a r m- stadt und die von den dortigen Liberalen ausgegebene Stich- ivahlparole. Die bürgerliche Presse von de» reaktionärsten Organen des Junkertums bis hinein in die Reihen der liberalen Börsenblätter hat wütend darüber gelärmt, daß in der Darmstädter Wahl der Liberalismus den Sozialdemokraten„geholfen" habe. Am Freitag wurden die Unzufriedenen belehrt, daß die Liberalen von Darmstadt mit dieser„Hülfe" den richtigen Weg gezeigt haben, der zu dem oben genannten Endziel führt, zur Ueber- Windung der Sozialdemokratie durch den ge- einten Liberalismus. Nur ein Kurzsichtiger konnte das verkennen. In einem einleitenden Referat über die Darmstädter Wahl versicherte Herr Dr. Breitscheid, gegen die Reaktion sei ein erfolgreicher Kanipf erst vom Liberalismus zu erwarten. In der Stichwahlparole der Darmstädter Liberalen, die sich gegen den Nationalliberalen richtete und zum Eintreten für den Sozial- demokraten aufrief, weil ein Sieg des Nationalliberalen der Reaktion nur eine neue Stärkung gebracht hätte, sieht Breitscheid ein gutes Zeichen für die Möglichkeit einer Weiterentwickelung des Liberalismus. Breitscheid und seine geeinigten Liberalen wollen nicht der Reaktion helfen einen Damm zu errichten, hinter dem die Sozial- Demokratte sich nur stauen würde, bis sie ihn schließlich um so stürmischer durchbräche. Sie wollen vielmehr die Quellen ver- stopfen, aus denen der Sozialdemokratie ihre Kraft zuströmt. In der Diskussion wurde dieser Faden weitergesponnen von Herm Dr. Barth. Fast in einem und demselben Atemzuge, beteuerte Barth:„Die Sozialdemokratie ist in ihrem Kampf gegen die Reaktion immer angewiesen auf große Teile der bürgerlichen Parteien"; und:„Niemals wird der Sozialdemokratie erfolgreich entgegengetreten werden können, wenn nicht eine starke bürgerliche Demokratie vorhanden ist." Von der„Hülfe", die ein kleiner Teil der„bürgerlichen De- mokraten" von Darmstadt der Sozialdemokratie geleistet hat, behauptete Barth wie Breitscheid, daß ohne sie der Sozialdemokrat unterlegen wäre. Den Versuch eines zahlenmäßigen Nachweises er- sparten sie sich. Sie hatten aber die Genugtuung, daß ihnen nachher auch ein Sozialdemokrat, der Genosse Dr. Heinrich Braun, bei- stimmte. Es war nett, daß wenigstens niemand forderte, für die „Hülfe" solle die Sozialdemokratie„dankbar" sein. Die Liberalen tun's— im Hinblick auf die künftige. U e b e r w i n d u n g", von der sie träumen._ Die württembergische Verfassungsrevision gefährdet! Stuttgart, 11. Mai.(Eig. Ber.) Welchen Ausgang die Beratungen der Kommission der Ersten Kammer über die Verfassungsreform genommen hat, ist bisher in der Oeffentlichkeit nicht bekannt geworden. Sowohl die Kommissionsmitglicdcr wie die Regierungsvertreter haben strengstes Stillschweigen darüber bewahrt; nur das eine erzählte man sich, daß die Minister zu den Beschlüssen der Standesherren keine er- freuten Gesichter gemacht haben sollen. Nach den Mitteilungen, die heute verbreitet wurden, wäre das kein Wunder; denn wenn diese Mitteilungen richtig sind, kann man die Verfassungsrcform als gescheitert ansehen. Die Reform sah bekanntlich eine Umgestaltung der Ersten Kammer in der Weise vor, daß zu den jetzigen Mitgliedern noch die Privilegierten aus der Zweiten Kammer, die Vertreter der Kirche und des rittcrschaftlichen Adels, sowie in der Hauptsache Vertreter der einzelnen Berufsgruppen. Industrie, Handel und Landwirtschaft, dazu kamen. Durch diese Vermehrung hätten sich natürlich die Mchrheitsverhältnisse in der Ersten Kammer wesent- lich verschoben, und der katholische Teil der Standesherren hätte nicht mehr, wie das bisher der Fall war, die ganze württembergische Gesetzgebung, namentlich betreffend die Schule, nach seinem resp. des Bischofs Gutdünken beherrschen können. An diesem Teil der Reform, so heißt es, hat die Kommission der Ersten Kammer nun „schwerwiegende Aenderungen", also solche, die den ganzen Zweck des ganzen Gesetzes in Frage stellen, vorgenommen. Des weiteren sah die von der Zweiten Kammer beschlossene Reform eine Ersetzung der aus der Zweiten Kammer ausscheiden- den Privilegierten durch Abgeordnete vor, die auf Grund des all- gemeinen und gleichen Wahlrechts auf dem Wege des Landes- proporzes gewählt werden sollten. Dieser Bestimmung lag die berechtigte Forderung zugrunde, nicht zu gleicher Zeit, wo die Mit- gliederzahl der Ersten Kammer verdoppelt und ihre Arbeitskraft dadurch gestärkt wurde, die Zweite Kammer um 20 Mitglieder zu vermindern und ihre Position gegenüber dem anderen Hause auf diese Weise zu schwächen. Diese Bestimmung sollen die Standes- Herren in der Kommission nun einfach gestrichen haben. Da das Plenum der Ersten Kammer kaum anders entscheiden wird als die Llommission, kann man die Verfassungs- reform beinahe als wiederum gescheitert be- zeichnen. Die nächsten Tage werden hierüber volle Klarheit bringen. Sollten aber die obigen Angaben sich bestätigen, dann wird das wüttembergische Volk bald vor einer frisch-fröhlichen Wahlbewegung stehen, die sich unter der Parole abspielen wird: Für Demokratie und gleiches Recht gegen alle Privilegien und Sondervorrechte, die des Adels, der Kirche und des Geldsacks I?— Aiifforderiing zum Austritt aus der Landeskirche Beschimpfung einer Religionsgcscllschaft. In der Presse der verschiedensten Partei- richtungen Deutschlands ist der Ausruf des Bundes fteier religiöser Gemeinden Deutschlands und des deutschen Freidenkerbundes zum Austritt aus der Landeskirche anstandslos gebracht Ivorden. Nirgends hat man in dem Aufruf ein strafbares Vergehen erblickt. Das blieb der Staatsanwaltschaft in Schweidnitz vorbehalten. Diese hat gegen den Redakteur Genossen Franz Feldniann das Verfahren ivegen Verächtlichmachung kirchlicher Einrichtungen eingeleitet, weil F. den Aufruf auch im„Proletarier aus dem Enlengebirge" zum Abdruck gebracht hatte. Schlesische Behörden scheinen es trefflich zu verstehen, sozial- demokratische Zeitungen zu genieren und dadurch zu ihrem Gedeihen beizutragen. Das Verfahren gegen Genossen Feldmann wird wohl schon vor einer Hauptverhandlnng sterben. Abgeblitzt. Um dem Reichsverband zur..'Bekämpfung der Sozialdemokratie" Mitglieder zuzuführen, so berichtet die Magdeburger„Volksstimme", unterbreitete die Firma W. Kührmeyer, Dachpappenfabrik, Nachtweide bei Magdeburg, ihren Arbeitern Statuten und Listen dieses Verbandes mit dem Wunsche, sich in die Listen zahlreich einzuzeichnen. Da aber die hier in Frage kommenden Arbeiter zu den politisch aufgeklärten gehören, hatte das Mitglieder- lverben der Firma leinen Erfolg. Nicht ein einziger Arbeiter benutzte die Gelegenheit, Mitglied des berüchtigten Verbandes zu werden; unbenutzt mußte das„teure" Material wieder von der Firma in Empfang genommen werden.— Gegen Volksverdummung! Deni Genossen Preczang ist jetzt ein Beschluß des Landgerichts I vom 24. April zugestellt, in dem die Aufhebung der Beschlagnahme der Broschüre„Gegen Volks- verdummung" ausdrücklich ausgesprochen ist, weil das den Genossen Preczang von der Anklage der Aufreizung zu Gewalttätigkeiten freisprechende Urteil Rechtskraft erlangt hat.. Grenzverletzung durch deutsche Trupven. Bei der Verfolgung Morengas hat eine Verletzung der Grenze der bxitischen Kapkolonic stattgefunden. Wie Reuters Bureau meldet, hat das am 4. Mai zwischen der deutschen Schutztruppe und Morenga stattgehabte Gefecht sich auf britischem Gebiete, der Grenze der Kap- kolonie, abgespielt. Die Kapkolcmie habe heftigen Widerspruch er- hoben, der deutsche Befehlshaber jedoch nicht darauf geachtet. Darauf erwidert das Wolffsche Telegraphenbureau: Nach unseren Erkundigungen ist es richtig, daß das letzte Ge» fecht mit Morenga auf britischem Gebiet stattgefunden hat. Von der deutschen Abteilung Bech verfolgt, hatte Morenga die Grenze mit bewaffneten Orloglenten überschritten und, da die Kappolizei ihn nicht entwaffnete und Mvrcngas Rückkehr auf deutsches Gebiet an einem anderen Punkte der Grenze zu erwarten war, so dehnte die Abteilung Bech die Verfolgung auf britisches Gebiet aus. Die deutsche Regierung hat den Botschafter in London angewiesen, zu er- klären, daß sie jedes Uebertreten deutscher Truppen auf britisches Gebiet mißbilligt und die in diesem Sinne bereits bei Beginn des Feldzuges dem Truppenkommando erteilten Weisungen wieder- holt hat._ Kinder zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. Die Beuthener Strafkammer verurteilte den dreizehnjährigen Schnlknaben Schulz und dessen zwölfjährige Schwester für einen Dummenjungenstreich zu je einem Jahre Gefängnis, weil sie unweit der Mhslowitzgrube Steine auf die Straßenbahngleise gelegt hatten, wodurch die Ent- gleisung eines elektrischen Wagens herbeigeführt wurde.— Landcsverratsprozcß. Der vereinigte zweite und dritte Straf- senat des Reichsgerichts begann heute früh 9 Uhr mit der Ver- Handlung des Spionageprozcsses gegen den am 11. April 1879 ge- borenen Händler Johann Kempgens aus Essen an der Ruhr. Nach dem Eröffnuugsbeschluß machte der Angeklagte 1905 und 1906 den Versuch, sich in den Besitz von Schriften und anderen Gegenständen zu setzen, deren Geheimhaltung im Interesse der Landesverteidigung erforderlich ist, um davon einen für das Deutsche Reich nachteiligen Gebrauch zu machen. Namentlich soll er versucht haben, die in Ver- Wahrung des Bezirkskommandos Essen befindlichen Bestimmungen, Pläne und Akten über die Mobilmachung sowie Zeichnungen von Ge- schützen und Zeitzündern zu erlangen. Auf Antrag des Oberreichs- anwalts wird für die ganze Dauer des Prozesses die Oeffentlichkeit wegen Gefährdung der Staatssicherheit ausgeschlossen. Das Urteil lautete auf 3 Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufficht. In der Urteilsbegründung heißt es: Der Angeklagte hat den Versuch gemacht, sich die fraglichen Gegenstände durch zwei Soldaten des Bezirkskommandos Essen zu verschaffen, um sie der russischen Regierung zu verraten. Mit Rücksicht auf die Energie des verbrecherischen Willens und darauf, daß der Angeklagte gerade Soldaten zum Verrat zu bestimmen versucht hat, wurde von einer Gefängnisstrafe abgesehen. Hiiötand. Frankreich. DaS amtliche Wahlresultat. Das Ministerium veröffentlicht auf Grund ber Feststellungen der Wahlkomitees folgendes Resultat der Hauptwahlen: Es fehlen noch die Resultate aus 4 Kolonieen. Gewählt sind 76 Reaktionäre, 28 Nationalisten, 59 Progressisten, zusammen also 163 Oppositionelle. Ferner 65 Linksrepublikaner, 83 Radikale, 75 Radikalsozialiften, 32 geeinigte Sozialisten, 12 unabhängige Sozialisten, zusammen 267 ministerielle Kandidaten. ES finden noch 150 Stichwahlen statt._ Die Stichwahlparole unserer Aenossen. Paris, 12. Mai.(W. T. B.) Der Ausschuß der gceinigten Sozialisten des Seine-Departements beschloß, daß die zur Stichwahl gelangenden Kammerkandidaten es ablehnen sollen, mit den Klerikalen und Konservativen Wahlbündnisse einzu- gehen, daß sie vielmehr alles aufbieten müssen, um den Sieg der radikalen Kandidaten zu sichern. In denjenigen Bezirken, wo. Dissidenten(unabhängige Sozialisten) zur Stichwahl gelangen, müssen die geemigten Sozialisten ihre Kandidaturen zurückziehen, ohne ausdrücklich zugunsten des Dissidenten ein- zutreten.— Italien. Aus Rom erhalten wir folgendes Privat-Telegramm: Die von den Organisationen beschlossene Wiederaufnahme der Arbeit erfolgt überall ordnungsmäßig. Maßregelungen sind nicht zu verzeichnen. Die Mandatsniederlegung der Gesamtfraktion macht in Partetkreisen einen vorzüglichen Eindruck. Die Kammer hat inzwischen eingesehen, daß ihre theo- retischen Bedenken gegenüber der Entschlossenheit der sozia- listischen Abgeordneten, sich dem grandiosen Protest der Ar- beiterschaft. durch Niederlegung ihrer Mandate anzuschließen, nichts fruchten. So meldet Wolfis Bureau aus Rom vom 12. Mai: (Deputiertenkammer). Der Präsident verliest ein Schreiben der 15 sozialistischen Abgeordneten, in dem diese auf ihrer Man- datsniedcrlegung bestehen. Die Kammer genehmigt sodann die Mandatsnicderlcgungcn und erklärt die betreffenden Sitze für er- ledigt. Türkei. Frieden in Sicht. Auch das Reutersche Bureau teilt nun mit, es läge Grund zu der Hoffnung vor, daß die Erreichung einer Verständigung in dem Streitfälle zwischen England und der Türkei nahe bevorstehe. In dieser Auffassung muß man bestärkt werden, wenn man hört, daß die Pforte am Freitag abend an den englischen Botschafter eine Note gerichtet und erklärt hat, daß sie nie beabsichtigt habe, den Status quo auf der Sinaihalbinsel zu ändern, sondern nur ihre Rechte zu wahren. Nachdem offiziell versichert worden, daß auch Aegypten die strittigen Punkte zu besetzen nicht beabsichtige, habe die Pforte beschlossen, ihre Truppen zurückzuziehen. Sie habe davon dem Khedivc Mitteilung gemacht, damit die ägyptischen Behörden mit den türkischen BeHorden und den türkischen GencralstavSoffi. zieren über Feststellung und Sicherung des ststus guo in Verbindung treten._ GcwerkfcbaftUcbcs� Allzu scharf macht schartig! Der Verband der Mctallindustriellen weicht anscheinend mutig zurück. Obgleich die auch von uns gestern gebrachten Veröffentlichungen des„Berliner Tageblatt" den Stempel der Autentizität an der Stirn tragen, muß die„Arbeitgeberzeitung" heute folgende kaltblütige Lüge in die Welt setzen: „In demjenigen Teil der Tagespreise, welcher vor allem— Sensation bringen muß, will man sich nicht mit den Erklärungen in den offiziellen Organen der Parteien zufrieden geben, sondern sucht durch fleißige Reporter auf Hintertreppen weiteres in Er- fahrung zu bringen,»nd verbreitet auch schlankweg aus der Luft gegriffene unwahre Mitteilungen, wie z. B. die von dem angeb- lichen Beschluß einer Generalausspcrrung zum 10. Mai. _ Es lohnt sich nicht, sich mit diesen Zeittmgsenten zu be- schäftigen, wir begnügen uns damit, zu erklären, daß alle Preß- Nachrichten über die Streiks und die Aussperrungen in der Metallindustrie, welche sich mit Beschlüssen und Vorgängen im Gesamtvcrband Deulscher Metallindustrieller beschäftigen u n d nicht in diesen Blättern ers cheinen. als unwahre anzusehen sind." Dil.» Sitzung am 10. Mai muß eine solche Anzahl von Absagen an die Scharfmacher gebracht haben, daß die ge- Plante Riesen-Aussperrung ins Wasser gefallen ist. Offenbar ist auch die mutige Haltung der Arbeiter bei der diesjährigen Maifeier den Herren etwas auf die Nerven gefallen. Von den Kündigungen, die heute vorgenommen werden sollten, ist nirgends etwas bekannt geworden. In Berlin, wo man sich ja dem Vorgehen der übrigen Ortsverbände nur an- schließen wollte, waren Kündigungen um deswillen nicht zu erwarten, weil hier keine Kündigungsfrist besteht; aber auch aus der Provinz hört man von solchen nicht. Dagegen stehen die Arbeiter überall unerschütterlich fest auf dein einmal eingenommenen Standpunkt. In der in B r a u n s ch w e i g abgehaltenen, von 3000 Metallarbeitern besuchten Versammlung wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung erklärt nach Berichterstattung der Kam Mission, daß die Arbeitgeber durch ihre Ablehnung jeder Lohn erhöhung eine Verständigung unmöglich gemacht haben, die Ver sammlung ist aber einverstanden, datz ferner versucht werde, die notweudige Einigung durch Verhandlungen herbeizuführen, und beauftragt die Kommisston, die Arbeitgeber zu ersuchen, schriftlich mitzuteilen, i» welcher Form sie d»e Wunsche der streikenden Arbeiter auf Lohnerhöhung zu erfülle» gedenken." Zwei Brcslauer Metallarbeiter-Versammlungen be schloffen folgende Resolution: „Die Versammelten nehmen von dem derzeitigen Stande der Aussperrung Kenntnis und erklären, datz für die streikenden Kollegen kein Grund vorliegt, die Arbeit bedingungslos aus- zunehmen. Die Streikenden und Ausgesperrten, die ihre Friedens- liebe bekundeten und Verhandlungen anboten, erklären, daß sie nach wie vor zu Verhandlungen bereit sind." Die Arbeiter erklären also ruhig und stolz, daß sie nicht bedingungslos die Arbeit aufzunehmen gesonnen seien, aber jederzeit über die Form der Lohnerhöhung zu unterhandeln bereit sind. Die Situation liegt anscheinend so, daß das Unternehmer- tum, welches die Kraftprobe nicht unternehmen kann, in den sauren Apfel einer Lohnerhöhung beißen muß. Das wäre weniger bitter gewesen. wenn der Gesamtvcrband der Metallindustriellen das höfliche Ansuchen des Metallarbeiter- Verbandes um Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen für die Former nicht in der Form zurückgewiesen hätte, wie dies geschah. Die Fachleute an der Spitze des Scharfmacher-Verbandes sollten es eigentlich ohne solche Proben wissen:„Allzu scharf macht schartig!"_ Berlin und Umgegend. Zum Streik der Lagerarveiter der Portland Zementfabrik Guthmann u. Jeserich ist folgendes zu berichten: Nachdem es ge- gelungen war, die Arbeitswilligen aus Zossen von der weiteren Tätigkeit in Berlin fernzuhalten, haben die Streikenden versucht, durch eine Kommission mit der Direktion in Verhandlung zu treten. Die Kommission ist denn auch zweimal vorgeladen worden. Zu einer Beilegung des Streiks ist es jedoch nicht gekommen, weil die Direktion das"unwürdige Verlangen an die Arbeiter stellte, sie möchten ihr doch die eigentlichen Hetzer und Aufwiegler namhaft machen, welche für den Verband agitieren, dann sollen alle 9 Mann, welche wegen der Mai- feier entlassen wurden, wieder eingestellt werden. Die Arbeiter erklärten der Direktion, daß sie als ehrliche Männer solche Zu- mutung zurückweisen müßten. Die Streikenden sind der Meinung daß eine Einigung trotzdem zustande gekommen wäre, wenn nicht der Inspektor Grätz einer solchen mit allen Mitteln hindernd im Wege stände. Herr Grätz, der aus dem Wahlverein des vierten Kreises sowie auch aus dem Verbände der Steindrucker ausgeschlossen wurde, versucht mit allen Mitteln Streikbrecherheranzuziehen. So hatte er sich am Donnerstag aufs neue mit dem Kolonnenführer Krause aus Zossen in Verbindung gesetzt. Dieser Mann ist sodann in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag mit 20 neuen Auch-Kollegen mittels Motorboot von Zossen aus in der Rungestraße gelandet, weil ihm der Weg per Bahn wahrscheinlich nicht sicher genug war. Die Arbeitswilligen bekommen pro Mann täglich 6 M. und freie Be- köstigung und schlafen des Nachts auf Strohschütten im Zement- schuppen auf dem Lagerplatz. Die alten Arbeiter wurden dagegen nur mit 4ö Pf. pro Stunde entlohnt. Am Sonntag werden nun- mehr die Kutscher des Fuhrherrn P a n n a ch, welcher die Fuhren für die Firma besorgt. Stellung'zu dem Streik nehmen. Die- selben hakten es nicht länger mit ihrer Würde für vereinbar, Fuhren zu fahren, welche von Arbeitswilligen beladen werden. Zur Lohnbewegung der der freien Vereinigung deutscher Ge werkschaften angeschlossenen Barbiere berichtete Schulze in der Versammlung des Verbandes deutscher Barbier-, Friseur- und Perückenmachergehülfen Berlin, daß man den Stand der Lohn- bewegung als äußerst günstig ansehen kann. In der Versammlung wurde Protest erhoben gegen die Beschuldigungen, welche der Ver- band der Friseurgehülfen ausgesprochen, wo die der freien Ver- einigung angeschlossenen Gehülfen sogar als Bundesgenossen der Jnnungsgehülfen bezeichnet werden. Die Versammelten erklärten dies für unwahr. Wenn man die bei beiden Organisationen ein- gelaufenen Bewilligungen zusammenzieht, so sind es so viele wie im Vorjahre und von einem Jllusorischmachen der Bewegung könne Überhaupt keine Rede sein. Vielfach war aber die Organisation hinterher und die Arbeiter weigerten sich, diese Streikarbeit herzustellen. Teilweise wurde die Arbeit retour gesandt und teilweise traten die Personale in den Ausstand, um dem unmoralischen Zwang, Streik- arbeit anzufertigen, zu entgehen. Verwunderlich ist es ja nicht, daß auch die Behörde in dem Kampf gegen die Arbeiter nicht zurückstehen will. So ist mitgeteilt worden, daß die Firmen, welchen die Anfertigung des Telephonadreßbuches übertragen ist, die Lieferungsfrist auf 6 Wochen verlängert wurde. In normalen Zeiten konnte das Telephonadreßbuch selbst von den größten Firmen nicht schnell genug geliefert werden. Wenn es aber gegen die Arbeiterorganisation geht, dann verbrüdert sich Bureaukratismus und Bourgeisie zum Schaden der Abnehmer des Telephonadreßbuches, welche nun warten können, bis die Herren Prinzipale einsehen gelernt haben, daß die Arbeiter nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte beanspruchen können.— Wie aus Leipzig gemeldet wird, nimmt die Aussperrung auch dort täg- lich an Umfang zu. Bis gestern hatten bei 10 Firmen 1000 Arbeiter und Arbeiterinnen wegen dem Zwang, Streikarbeit anzufertigen. die Arbeit niedergelegt. Die Erbitterung gegen die von dem Verbandsvorsitzenden F r i tz s ch e geführten Unternehmer ist so groß, daß die Stehengebliebenen in einzelnen Betrieben die Zahl von 10 Personen nicht übersteigen. Nur bei dem Kommissionsrat H. F r i tz s ch e blieben von 430 Personen 50 im Betriebe. Aber auch mit diesen Getreuen vermag der Betrieb nicht aufrecht erhalten zu werden.— Zuzug nach Berlin, Leipzig und Stuttgart ist streng fernzuhalten!— Auch ist in den anderen Orten auf Berliner Streikarbeit zu achten._ Verleumde kühn, es bleibt was hängen! Zu dem vom Wolffschen Telegraphen-Bureau verbreiteten Tele- gramm über angebliche schwere Ausschreitungen ausgesperrter Schauerleute schreibt uns unser Hamburger Korrespondent: Diese im scharfmacherischen Sinne gehaltene Notiz beruht auf Unwahrheit. Nicht die ausgesperrten Arbeiter, sondern die englischen Streikbrecher waren der angreifende Teil. Die mit scharfen Instrumenten angegriffenen Ausgesperrten haben sich selbst- verständlich ihrer Haut gewehrt und haben das englische Streikbrechergesindel in die Flucht geschlagen. Auf der Flucht sprangen zwei Englishmens ins Wasser und schwammen nach einem Fahrzeug. Auf gleicher Höhe stehen die Mitteilungen der Hamburger Scharfmacherpresse über die unter dem internationalen Streikbrechergesindel auf der„Kaiserirl Auguste Viktoria" sA.-L.) aus- gebrochenen blutigen Schlägereien, die einfach den— Streikenden und Ausgesperrten angelogen werden, obwohl doch auf diesem Dampfer nur Arbeitswillige beschäftigt sein können. Hier spielte der Nation alitätenhaß eine Rolle— ein Beweis dafür, daß Streikbruch kein einendes Moment ist. Auf der einen Seite standen Engländer und Amerikaner, auf der anderen Italiener, Griechen, Holländer, Türken und Spanier; letztere sollen die blutigen Exzesse provoziert haben, indem der eine Spanier drohte, einem Engländer die Kehle abschneiden zu wollen. Wie behauptet wird, soll ein Amerikaner aus Furcht durch ein„Bullauge"(rundes Schiffs- fenster) gekrochen, ins Wasser gefallen und ertrunken sein. Auf beiden Seiten der internationalen Stteikbrecherbande gab es schwere Ver- letzungen in großer'Menge, so daß das Verbandszeug auf der Feuer- wehrwache, wohin man die Verletzten gebracht hatte, nicht ausreichte. Die Ausgesperrten haben sich, trotz aller Provokationen, geradezu musterhaft verhalten._ Bei der„Neuen photograplnschen Gesellschaft" in Steglitz stehen seit Mittwoch sämtliche 15 Schriftlithographen im Streik, weil die Firma die Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit von 9 auf 8 Stunden nicht bewilligte, obgleich der Achtstundentag für Litho- graphen seit der vorjährigen Bewegung derselben in Berlin all- gemein eingeführt ist. Um den Anschein zu erwecken, als habe die Firma für die Streikenden bereits Ersatz gefunden, hat sie das Atelier mit Retoucheuren, Graveuren, ja sogar mit Schlossern und Mechanikern besetzt. Obgleich es ganz ausgeschlossen ist, daß diese die Lithograhenarbeit machen könnten, wäre es doch gut, wenn sie die Firma auch nicht in der Wahrung des bloßen Scheines unter- stützen würden. Streikbrecher aus Lithographenkreisen wird die Firma trotz aller Mühe nicht erhalten können, und der ehemalige Marineoffizier, der als Arbeitswilliger fungieren soll, obgleich er von der Lithographie keine blasse Ahnung hat, kann den Streikenden nichts schaden. Die Lage ist also günstig und es steht zu erwarten, daß. die Firma allen anderen hiesigen Anstalten in der Einführung des Achtstundentages der Not und nicht dem eigenen Triebe folgend nachhinken muß, obgleich sie ihnen in sonstigen„WohlfahrtSeinrich- tungen" immer eine Nasenlänge voraus sein will. Deuttcbes Reich. Die Aussperrung der Buchbinder. Verleger undjbehörde kommen während der Aussperrung im Buchgewerbe den aussperrenden Firmen mit der größten Kulanz entgegen und entbinden diese Firmen nicht nur von der Lieferungsfrist, sondern bemühen sich sogar, die Vermittler zwischen den Großfirmen, den mittleren und Jnnungsfirmen zu spielen. Die mittleren Firmen sowie auch die Jnnungsmeister, welche sonst einen erbitterten Konkurrenzkampf mit den Großfirmen führen, lassen sich jetzt als Not nag el gebrauchen, nur um des augenblicklichen Vorteils willen, sowie auch um die verHatzte Ar- beiterorganisation schädigen zu helfen. So sind die Verlags- und Druckereivertreter eifrigst bemüht, die kleinen und kleinsten Be- triebe aufzustöbern und dort die Teilaufträge unterzubringen. Der Bergarbeiterstreik im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau. Zeitz, 11. Mai.(Eig. Ber.) Die gestrigen Massenversammlungen der Streikenden, welche in Zechau und Meuselwitz für das Altenburger Revier, Zeitz, Teuchern für das Zeitz-Weihenfelser Revier, T e u t- s ch e n t a l für den Bezirk Halle-West und für den Leipziger Bezirk in Borna stattgefunden haben, waren sämtlich überfüllt. Ueberall erwiesen sich die Lokale als zu klein. Besonders war es die Ver- sammlung in Zeitz, in der P o k o r n y sprach, welche trotz der Größe des Lokals die Tausende kaum zu fassen vermochte. In allen Versammlungen wurde zunächst Bericht erstattet über die Verhandlungen zwischen den Kommissionen und den Werksvertretern. Inzwischen langten Telegramme an, laut welchen im Zeitz-Weißenfelser Revier weitere Gruben in den Ausstand getreten waren. Die Depeschen, sofort zur Verlesung gebracht, erregten überall Scn- sation. In den Debatten ergab sich ohne Ausnahme, daß die Bergarbeiterschaft auf die gegebenen mündlichen Zusicherungen und kleinen Zugeständnisse hin nicht gewillt sei, die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Resolution, die dieser Auf- fassung Ausdruck gibt, wurde darauf einstimmig angenommen. Die anwesenden zahlreichen Vertreter der Presse sorgten für augenblickliche Weitergabe und Vertreibung, so daß nach Schluß der Versammlung massenhaft Extrablätter, die sich mit dem Verlauf derselben befaßten, die Resolution zum Abdruck brachten und am Schlüsse aussprachen, daß der Kampf somit fortgesetzt werde, ver- breitet wurden. In den Straßen bildeten sich allerorts Gruppen von Bürgern, welche das Resultat eifrig kommentierten. Die Fortsetzung des Kampfes ist also beschlossene Sache. Gegenwärtig dauern die weiteren Verhandlungen noch an. Die in Frage kommenden Vertreter der Gesellschaften werden heute noch, sicherem Vernehmen nach, in einer Sitzung zusammentreten. Was dabei herauskommen wird, bleibt abzuwarten. Auch die Streikenden haben für Montag wieder mehrere Massenversamm- lungen anberaumt. Es hängt nun ganz von den Maßnahmen und 'Beschlüssen der Unternehmerkonferenz ab, ob eine Beilegung des Ausstandes erfolgt oder nicht. In der Seifenfabrik von Mühlbein u. Nägel in Z erb st legten sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen, 37 an der Zahl, die Arbeit nieder. Gefordert wird eine Erhöhung des heute im Durchschnitt 15,40 M. betragenden Wochenlohnes der Arbeiter aus 18 M. Die Arbeiterinnen fordern eine Erhöhung von 8,50 M. auf 9 M. und von 9,50 auf 10 M. Die Firma ist in der Hauptsache Lieferantin für Konsumvereine. In den nordbilyerischen Jndustrieiezirken greifen die Lohn bewegungen immer mehr um sich. Zu den zahlreichen Streiks, die in den letzten Wochen in Nürnberg ausgebrochen sind und zum Teil noch schweben, ist nun auch ein Streik der B l e i st i f t a r b e i t e r gekommen. In der Schwanhäußerschen Bleistiftfabrik, wo die Löhne sehr schlecht sind und die Organisation bisher schwer Eingang fand, haben am Freitag die Bleistiftarbeiter die Arbeit niedergelegt, weil die Firma die minimalen Forderungen brüsk ablehnte. Die Fabrikate dieses Unternehmens gehen in alle Welt unter der Marke „Schwanbleistifte". Die Dachdecker Nürnbergs befinden sich ebenfalls im Streik. Die Unternehmer im benachbarten Fürth haben den vorgelegten Tarif anerkannt, während die in Nürnberg ihn als„unverschämt und un- annehmbar" erklärten. In Fürth haben die Bäckergehülfen eine Tarifvorlage eingereicht. in der ein Minimallohn von 10 M. pro Woche und ordentliche Schlafräume mit dem nötigen Mobiliar gefordert werden. Wenn die Schlafräume den gesundheitlichen Anforderungen nicht entsprechen, sollen wöchentlich 2 M. Wohnuugsentschädigung bezahlt werden. Die Meister verhalten sich hartnäckig. In den zahlreichen Ziegelfabriken um Zenn- und Biebertgrunde, westlich von Nürnberg, wo viele Italiener heschästigt sind, gärt es auch schon lange. Am Freitag sind in Siegelsdorf 200 Ziegel- arbeiter in den Streik getreten. In der alten Pfalzgrafenstadt Neumarkt steht ein allgemeiner Streik der Brauer bevor, da die Unternehmer, an deren Spitze der zweite Bürgermeister steht, jedes Entgegenkommen gegenüber den Forderungen der Arbeiter ablehnen. In der ersten Schweinfurter GußstahlkugelfaVrik streiken die Laufringschlager wegen Maßregelung einiger Kollegen. Die Schlosfe.r und Dreher haben sich solidarisch erklärt und ebenfalls die Kündigung eingereicht. Husland. Eine Biertelmillion Arbeiter im Streik. Paris, 11. Mai.(Eig. Ber.) Die Streikbewegung in Frankreich, die mit der Achtstunden- agitation der Arbeitskonföderation eingeleitet worden ist, nimmt immer gewaltigere Dimensionen an. In Paris allein sind jetzt über 150000 Arbeiter im Ausstand. Allge. mein ist der Streik in der Metallindustrie(etwa 35 000 Ausständige), im Baugewerbe(00000), Wagenbau und Nebengewerbe(29 000). Von den Erdarbeitern stehen rund 10 000 im Streik, von den Typographen 3000(die übrigen haben zumeist ihre Forderungen durchgesetzt), der größte Teil der Holzarbeiter, darunter besonders die Möbeltischler und Bild- Hauer. Die Elektrizitätsarbeiter haben gestern den Generalstreik beschlossen. Die Bewegung bei den Schneidern ist stark im Zunehmen. Die Schneider fordern,den Zehnstundentag und eine Lohnerhöhung von 5 Centimes für die Stunde. Eine Reihe großer Firmen hat die Forderung bewilligt. Die Tischler werden wohl den N e u n st u n d e n t a g erobern. Erfolge haben auch schon die Mechaniker erzielt. Die Unternehmer der Automobil- i n d u st r i e haben die Arbeiter ausgesperrt und sich gegen- seitig verpflichtet, keinerlei Konzession zu machen. Diese Industrie beschäftigt in Paris etwa 25 000 Arbeiter. Das Ende dieses Kon- fliktes ist nicht abzusehen.. � � � Auch in der Provinz ist die Bewegung ,m Wachsen. In Lyon streiken etwa 15 000 Arbeiter. Die Unternehmer der Seidenindustrie planen eine Riesenaussperrung, die weitere 30 000 betreffen würde. In Toulon haben die Arsenalarbeiter den Streik abgelehnt; in der Jndustriearbeiterschaft ist die Kampflust ungeschwächt. In St. E t i e n n e gerät ein Gewerbe nach dem anderen in Bewegung., Und ähnlich ist es in allen Teilen des Landes. Kurz. Klassenkampf in seiner schärfsten Form auf allen Punkten! Die Arbeiter führen ihn mit einer in Frankreich noch nie gekannten Energie. Bedeutende Erfolge sind schon erzielt worden. Weitere sind gewiß. Die reaktionäre Presse b e s ch i m p f t die Arbeiter und die„demokratische" Regierung verfolgt sie mit allen Mitteln des Klassenstaates. In Paris herrscht noch immer ein faktischer Ausnahmezustand. Die Streikenden lassen sich aber durch den Miß- brauch des Militärs wie durch die Tendenzurteile zum Nutzen der Kapitalisten nicht provozieren. Sie bewahren eine Disziplin und Zurückhaltung, die die Lüg>.n und Provokationen der Kapitalisten- blätter zuschanden macht. Versammlungen. Die Metallarbeiter-Gewerkschaft hielt am Montag eine Mit- gliederversammlung ab, um zu der Maibewegung und Aus- sperrung Stellung zu nehmen. Als 2. Punkt wurde die Wahl des Ausschusses für die Geschäftsleitung der„Vereinigung der Metall- arbeiter Deutschlands" behandelt. Bemerkt sei hierzu, daß die Metall- arbeiter-Gewerkschast auf ihrer 3. Konferenz beschlossen hat, die Organisation in Form und Namen abzuändern. Zur Maibeweguug berichtete Zedier; eingehend betonte er, daß es diesmal auch den Metallarbeitern möglich geworden ist, eine imposante Kund- gebung zu veranstalten. Wohl 25 000 Kollegen haben gefeiert. Auch die Ober-Schöneweider haben gezeigt, daß auch trotz der 34(?) Organisationen eine Maifeier möglich ist. Redner besprach nun die Aussperrungsmethode der Kühnemänner und schloß damit, daß auch alle Ränke und Schikanen der Unternehmer die Arbeiter nicht abhalten werden, sich ihr Recht zu erkämpfen. Die Diskussion, welche sehr lebhaft war, zeigte das verschiedenartige Vorgehen der Unternehmer. Bezüglich der Unterstützung der Ausgesperrten wurde beschlossen, daß die Ausgesperrten vom 2. bis 0. Mai aus Unter- stützung verzichten. Weiter beschloß die Versammlung, diejenigen Mitglieder, die in den verschiedenen Betrieben, wo die Maifeier be- schlössen war, am 1. Mai gearbeitet haben, aus derOrgani« sation auszuschließen. Darauf wurden vier Kollegen und zwar Schröder, Zedier, Pietzenke, Wiesner zum Ausschuß gewählt. Der fünfte soll in der nächsten Versammlung gewählt werden. Gleichzeitig wurden die Genannten als Statutenberatungskommission eingesetzt. Nach einigen geschäftlichen Hinweisen bezüglich der Kontrolle usw. wurden die übrigen Punkte: Bericht vom 7. Kongreß und der 3. Konferenz, bis zur nächsten Versammlung zurückgestellt. Letzte)Vacbrichtcn und Dcpelcben. Benzinexplosio». Bei einer Benzinexplosion, die gestern in einer Fabrik in der Müllerstratze 30 stattfand, wurden zwei Personen, der Werkmeister Richard Schulz und der Schlosser Bruno Kaiser, durch Brand- wunden im Gesicht und an den Händen schwer verletzt. Kaiser wurde durch die Feuerwehr auf Anordnung dcS Brandmeisters Hammer nach dem Krankenhause in der Müllerstraße(Paul Gerhardt-Stift) gefahren und dort verbunden. Schulz begab sich in seine Wohnung und wurde dort behandelt. Bon einem Hunde zu Tode zerfleischt! Ein entsetzlicher Vorfall hat sich gestern abend in der zehnten Stunde in der zehnten Stunde in der Neuen Königstraße ereignet. In dem Keller des Grundstücks Neue Königstraße 29 wurde der 14jährige Sohn Albert des Böttchermeisters Strege von einem großen Ziehhunde, dem er Futter bringen wollte, angefallen und dermaßen zugerichtet, daß er kurz darauf starb. Die Bewohner des Hauses wurden durch herzzerreißendes Schreien und wütendes Bellen in den Keller gelockt, wo sich ihnen ein schreckliches Bild darbot. Verzweifelt rang der Kndbe mit dem Hunde, welcher sein Opfer völlig zerfleischte. Vergeblich versuchten nun drei Männer, das Tier von seinem Opfer zu trennen, zwei der Leute wurden durch Bisse erheblich verletzt; schließlich gelang es einem der Männer, dem Hunde den Hals zu durchschneiden, aber leider war es zu spät, nach kurzer Zeit verstarb der junge Mensch. Beendigung des Streiks der Seeleute. Hamburg, 12. Mai.(Privatdepesche des„Vorwärts".) In- folge starken Zuzuges und ablehnenden Verhaltens der Reeder hezüglich Verhandlungen beschloß heute abend eine Versammlung der Seeleute, den Streik bis auf weiteres abzubrechen. Eine richtige Antwort. Posen, 12. Mai.(W. T. B.) Gegenüber dem Beschlüsse des Arbeitgeberverbandes im Baugewerbe, die Aussperrung zum 14. Mai aufzuheben, beschlossen die ausgesperrte» Maurer in ihrer heute abgehaltenen Versammlung, auf ihren alten Forderungen zu bestehen. Es erscheint demnach zweifelhaft, ob am Montag auch nur ein Teil der Maurer die Arbeit wieder aufnehmen wird. Perantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil veranttp.: Glücke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u, Verlag sanjjsltPgul Singer& Co., Berlin SWr Streik auf dem Petersburger Wasserwerk. Petersburg, 12. Mai.(Meldung der Petersburger Tele- graphenagentur.) Die Arbeiter des Petersbürger Zentralwasser- Werkes traten heute in den Ausstand, welchem sich die Arbeiter der Stationen in den Stadtteilen WassilyewSki-Ostrow und Alt- PeterSburg anschlössen. Die Stationen sind durch Truppen um» stellt. Die Arbeiter haben beschlossen, die Arbeit nicht eher wieder aufzunehmen, als bis ihre Forderungen bewilligt seien. Die Per- waltung teilt mit, daß sämtliche Arbeiter entlassen sind. Hierzu 5 Beilagen, Hr. 110. 23. Jahrgang. l. Mge des Joniiirls" Kerlm NsllisM Sonntag, 18. Mai 1906. Reichstag. 101, Sitzung. Sonnabend, den 12. Mai, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: Graf Posadowsky. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung der Diätenvorlage, wonach Art. 28 und 32 der Rcichsverfassung geändert und Ent- schädigung der Reichstagsmitglieder eingeführt werden soll. Die Aenderung des Art. 28, durch welche die Regierung die Beschlustfähigkcitsziffer bei Geschäftsordnungsfragen herabzusetzen wünschte, beantragt die Kommission abzulehnen. Abg. Graf Hompesch(Z.) verliest eine Erklärung, wonach das Gesetz in der ihm von der Kommission gegebenen Fassung eine seit fast 40 Jahren erhobene Forderung des Zentrums erfüllt. Staatssekretär Graf v. Posadowsky: Die verbündeten Regierungen haben die Aenderung des§ 28 der Verfassung nicht aus politischen Gründen beantragt, sondern lediglich zu dem Zwecke, die möglichste Abkürzung der„formellen" Verhandlungen des Hauses herbeizuführen und zu verhindern, daß bei nicht beschlußfähigem Hause die kostbare Zeit durch reine Geschäftsordnungs-Debatten in Anspruch genommen wird. Die verbündeten Regierungen stehen noch heute auf dem Standpunkt, daß die Annahme dieser Bestim- mungen die Erledigung der Geschäfte wesentlich fördern würde, und bitten Sie daher, für dieselben zu stimmen. Abg. Dr. Arendt sRp.): Es mutz uns sehr merkwürdig be- rühren, datz die verbündeten Regierungen auf der von ihnen vor- geschlagenen Verfassungsänderung nicht nachdrücklicher bestehen und sie nicht zur Bedingung des Gesetzes machen, denn wir erblicken darin ein Nachgeben gegen die Sozialdemokratie und den Freisinn. Lch werde für diese Aenderung der Verfassung stimmen. Abg. Singer(Soz.): Wir werden der Bitte des Staatssekretärs, für die Aenderung des Art. 28 zu stimmen, nicht nachkommen. Der Herr Staatssekretär hat soeben ausgeführt, datz die verbündeten Regierungen nach wie vor es für richtig halten, die Aenderung des Art. 28 vorzunehmen. Er ist der Meinung, datz diese Bestimmung nur aus Zweckmätzig- keitsgründen vorgesehen ist. Es kann natürlich nicht meine Aufgabe und auch nicht meine Absicht sein, der Aeutzerung des Staats- sckretärs andere Motive unterzulegen. Aber das eine kann ich mit aller Bestimmtheit versichern: Im Lande hat diese Bestimmung den Eindruck hervorgerufen, daß es sich um eine Einwirkung auf Rechte des Reichstages handele, und das mutz ich als der Würde des Reichstages nicht ent- sprechend bezeichnen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Von der Annahme ausgehend, datz die Mehrheit des Hauses den Beschlüffen der Kommission beitreten wird, möchte ich mit der Erklärung nicht zurückhalten, datz durch die Streichung dieses Artikels der Haupt- grund, welcher uns bestimmt hat, in der ersten Lesung gegen das Gesetz zu stimmen, fortgefallen ist. Bei der Beratung werden wir unsere Bedenken bei verschiedenen Punkten zur Sprache bringen. aber sie sind nicht von so prinzipieller Bedeutung, datz von ihnen die Annahme oder Ablehnung des Gesetzes abhängt. Dagegen mutz ich betonen, datz jeder Angriff der Regierung auf Rechte des Reichs- tages bei uns auf unbesieglichen Widerstand stoßen würde.(Beifall bei den Sozialdemokraten) Wenn die Mehrheit des Reichstages die Aenderung des Art. 28 der Verfassung annehmen würde, so wäre die Vorlage dadurch für uns unannehmbar. Wir sind nicht gewillt. Diäten zu bezahlen mit einem Verzicht auf Rechte des Reichstages.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Es tut mir leid, datz der Staatssekretär, der aus den Verhandlungen in der Kom- Mission entnehmen konnte, datz dieser Vorschlag auf Aenderung des ts 28 auf allseitigen Widerstand stößt, heute noch einmal den Stand- punkt der verbündeten Regierungen wahrt. Ich kann keinen Ein- flutz auf die Stellung der verbündeten Regierungen ausüben und weiß nicht, ob sie die Annahme des Gesetzes von dieser Bestimmung abhängig machen. Wenn sie es tun, so mutz ich die Erklärung ab- geben, daß es der Regierung nicht ernst damit ist, das Verlangen des Reichstages nach Gewährung von Diäten zu erfüllen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Reichstag darf diesen Paragraphen der Regierungsvorlage unter keinen Umständen annehmen, weil der Reichstag sich selbst damit in den Augen des Volkes richten würde. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Bassermann(natl.): Wir begrüßen das Gesetz als Er- füllung einer alten nationalliberalen Forderung und werden aus- nahmslos für alle Kommissionsbeschlüsse stimmen.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. v. Staudy(k.): Leider habe ich zu beantragen vergessen. erst die eigentliche Diätenvorlage zu erledigen und dann über die Verfassungsänderung zu beschließen. Wir bedauern autzerordcnt- lich, datz die Regierung nicht auf der Verfassungsänderung besteht, die wir für unbedingt notwendig halten.(Bravo! rechts.) Staatssekretär Graf v. Posadowsky: In der Kommission hat Herr v. Staudy erklärt, gegen die Diäten stimmen zu wollen. Ich habe nicht gehört, datz er für die Diäten stimmen will, wenn der Art. 28 geändert wird.(Sehr gut! links.) Herr V. Staudy hat im wesentlichen bloß Anträge gestellt, die darauf hinzielen, den Zweck des Gesetzes zu gefährden.(Hört! hört! links und im Zentrum), ja die Kautelen zu verändern, die die Regierung für notwendig erachtet. Diese Taktik verstehe ich nicht.(Bravo! im Zentrum.) �. Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.): ES würde der Wurde des Reichstages Abbruch tun, sich eine Verfassungsänderung durch Diäten abkaufen zu lassen.(Bravo! bei der freisinnigen Volks- Partei.) Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.) tritt gleichfalls für die Kom- missionsbeschlüsse ein. Abg. Liebermann v. Sonncnberg(Wirtsch. Ver.) erklärt, datz seine Gruppe für die Diäten und gegen eine Aenderung des Z 28 der Verfassung stimmen werde. Abg. Graf Bernstorff(Welfe): Wir werden für die Aenderung deS§ 28, aber gegen die Diäten stimmen!!(Schallende Heiterkeit links.) � t Abg. v. Staudy(k.): Trotz unserer prinzipiell ablehnenden Stellung haben wir uns bemüht, die Vorlage möglichst annehmbar zu gestalten. Wir bedauern aber auf das lebhafteste die Aeutzer- ungen, die wir heute wieder aus dem Munde eines Vertreters der verbündeten Regierungen, des Staatssekretärs Grafen Posadowsky, hören mußten.(Beifall rechts.) Hiermit schließt die Diskussion. Für die Abänderung des§ 23 der Rcichsverfassung stimmt nur die Mehrzahl der Konservativen und ein Teil der Rcichspartei. Der erste Teil der Regierungsvorlage ist somit abgelehnt.— Der zweite Teil der Regierungsvorlage: Aenderung des H 32 der Rcichsverfassung im Sinne der Gewährung einer Entschädigung (keiner Besoldung) an die ReichStagsabgcordneten wird dcbattelos angenommen. ES folgt die Beratung der eigentlichen Diätenvorlage. die die Höhe der den Reichstagsabgeordneten zu gewährenden Ent- schädigung festsetzt. Z la der Regierungsvorlage gewährt den Abgeordneten freie Eisenbahnfahrt für die Dauer der Session, sowie acht Tage vor ihrem Beginn und acht Tage nach ihrem Schluß zwischen ihrem Wohnort und dem Sibe des Reichstages. Die Kommission beantragt Streichung der fett gedruckten Worte(also freie Fahrt auf allen deutschen Eisenbahnen). Staatssekretär Graf Posadowsky: Mag sein, datz die bisherigen Bestimmungen über die freie Fahrt der Äei.chstagsgdgel>!dmt!v jehr LlUde sehggdhgbt WÄkn sind. Aber die Regierung kann es nicht als Aufgabe der Reichstags- abgeordneten ansehen, an Ort und Stelle Erhebungen über Tat- fachen anzustellen. Das ist Sache der Exekutive.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Sollten Sie dennoch beschließen, die Frei- fahrt über das ganze Reich auszudehnen, so müßten Sie sich mindestens darauf beschränken, sie für die Dauer der Session zu beschließen, nicht— wie es erst beabsichtigt war— für das ganze Jahr. Wenn der Reichstag durch kaiserliche Verordnung vertagt wird, muß die Freifahrt jedenfalls aufhören. Das Wort wird nicht weiter verlangt. Der ß la wird in der Kommissionsfassung gegen einige wenige Stimmen der Rechten angenommen. Es folgt§ Ib. Die Kommission beantragt fünf Raten a 400 M. (statt vier Raten a S00 M.). Die erste Rate soll schon am 1. De- zember ausgezahlt werden. Die Restzahlung von 1000 M. soll auch nach der Kommissionsfassung bei Schließung des Reichstages ausgezahlt werden. Das Jahr läuft vom 1. Dezember bis 30. November. Abg. Dr. Arendt(Rp.) begrüßt es mit Freude, datz kein Antrag auf wesentliche Aenderung dieses Systems vorliegt, datz also die Sozialdemokraten namentlich von ihrer zuerst so heftigen Bc- kämpfung der Vorlage zurückgekommen sind. Abg. Frhr. v. Richthofen- Damsdorf(k.) sieht in der Kom- missionsfassung eine wesentliche Verbesserung gegenüber der Re- gierungSvorlage. Abg. Singer(Soz.) weist die Angriffe des Abg. Dr. Arendt zurück: Von meiner Kritik(in der ersten Lesung) an diesen Vor- lagen habe ich durchaus nichts zurückzunehmen. Wir stehen auch heute noch auf dem Standpunkt, datz Anwcsenheitsgelder ohne Pauschale das Nichtige gewesen wären. Da aber unser Haupt- bedenken gegenüber den Vorlagen sich gegen die geplante Aenderung des Artikels 28 der Rcichsverfassung richtete und da dieser Plan von der Kommission beseitigt ist, so ist unsere Stellungnahme zur Diätenvorlagc jetzt naturgemäß eine andere. Die Frage, ob Pauschale oder nicht, ob Aufwandsentschädigungen oder Anwesen- heitSgeldcr, ist für uns nicht prinzipieller Natur.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Spahn(Z.) beantragt, datz im Sinne dieses Gesetzes der Reichstag nicht als versammelt gilt, wenn er gemäß Artikel 12 der Reichsverfassung vertagt ist. Ueber den Antrag, den ich als § Sa in die Vorlage hineinbringen möchte, werden Sie sich erst nachher schlüssig zu machen haben. Da aber die Auslegung des Be- griffes Session Schwierigkeiten nmcht, so weise ich setzt schon auf diesen meinen Antrag hin. Er will besagen, daß bei Vertagungen unter 30 Tagen die Session fortdauert, bei Vertagungen über 30 Tagen aber, zu denen die Genehmigung der verbündeten Rc- gierungen gehört, nicht. Die Debatte ist erschöpft. 8 ld wird angenommen. Bei K 2 schlägt die Kommission vor, für jeden Tag der Ab- Wesenheit 20 M.(statt 30 M. nach der Regierungsvorlage) von der Entschädigung in Abzug zu bringen. Staatssekretär Graf Posadowsky: Wäre das Pauschale nach einem Tagegcldersatze von 20 M. bemessen worden, so würde die Gesamtentschädigung 2000 M., nicht 3000 M. betragen; deshalb war die Vorlage aus dem richtigen Wege, für einen Tag des Fern- bleibens einen Abzug von 3 0 Mark vorzusehen.- 8 2 wird in der Kommissionsfassung angenommen. § 3, wonach während der Tagung Gewählte 20 M. Tage- gelber erhalten, wird debattelos angenommen. 8 4 bestimmt die Kontrolle der Anwesenheit durch eine An- wcsenheitsliste und durch Teilnahme an sämtlichen namentlichen Abstimmungen» 8 4a überträgt die nähere Ausführung dem Präsidenten. Abg. Singer(Soz.): Ich bitte den Herrn Präsidenten, über die zweite Bestimmung des 8 4 besonders abstimmen zu lassen. Meine Freunde werden gegen diesen Antrag stimmen. Daß mit der Zahlung der Ent- schädigung die Verpflichtung des Abgeordneten, anwesend zu sein, gegeben ist, darüber sind sich Wohl alle Parteien einig. Der zweite Absatz des§ 4 entspricht aber nicht den Forderungen der Gerechtig- keit. Der Herr Berichterstatter hat den Abzug der Diäten als Strafe dafür erklärt, lvenn jemand bei der Abstimmung fehlt. Aber auf Strafe soll doch nur erkannt werden, wo ein Verschulden vorliegt, während es zweifellos eine ganze Reihe von Fällen gibt, wo ein Ab- geordneter bei einer namentlichen Abstimmung fehlt, ohne datz ihn das geringste Verschulden trifft. Wenn auch der Abgeordnete sich zu Beginn der Sitzung in die Liste eingetragen hat. so gibt es doch eine Reihe von Fällen, in denen er nachher in Erfüllung seiner als Abgeordneter übernommenen Verpflichtung im Sitzungssaale nicht anwesend sein kann. Er hält sich vielleicht in der Bibliothek auf oder bei einer Besprechung, die wichtig ist zu irgend einer Vorlage, oder er arbeitet einen Bericht für die Konimission aus. Bei der ischnellig- keit, mit der die geehrten Herren Vorsitzenden die Geschäfte der Kommission betreiben, ist ihm das nur während der Reichstags- sitzung möglich, und er mutz sich dazu in ein anderes Zimmer zu- rückziehen. Nun kommt eine namentliche Abstimmung. Bei der Kürze der Zeit, welche diese Abstimmungen einnehmen, ist es ihm vielleicht nicht mehr möglich, aus einem in der zweiten Etage ge- legcncn Zimmer herunterzukommen, falls er das Glockenzeichen überhaupt hört. Hört er es nickst, so ist er unrettbar verloren. Ich meine, wir haben im Reichstag komische Situationen genug erlebt, um sie nicht noch durch das Bild des in aller Eile hereinstürzenden, einen weitzen oder roten Zettel schlvingenden Abgeordneten zu ver- mehren, der mit dröhnendcin Gelächter aus dem ganzen Hause bc- grüßt wird.(Heiterkeit und Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Noch ein anderer Grund ist ausschlaggebend. Wenn wir einen solchen Unterschied machen zwischen namentlicher und gewöhnlicher Abstimmung, so degradieren wir geradezu die gewöhnlichen Ab- stimmungcn. An sich ist dieser Unterschied aber durchaus nicht bc- reckstigt. Materiell führen beide Abstimmungen zu genau dem gleichen Resultat. Ich bitte Sic, hier nicht Abstimmungen zweiter Klasse zu schaffen. Sie gewöhnen dadurch geradezu den Abgeordneten dazu, nicht namentliche Abstimmungen für weniger wichtig zu halten. Diese Bestimmung legt den Verdacht nahe, als wollten die Herren namentliche Abstimmungen überhaupt verhindern, in der Annahme vielleicht, daß ein Mitglied des Hauses sich von dem An- trage auf namentliche Abstimmung dadurch könnte zurückhalten lassen, datz einige seiner Freunde nickst anwesend sind. Es ist ja im höchsten Grade bedauerlich, daß diese Vorlage~solche Verhandlungen herbeigeführt hat,' wie wir sie erlebt haben. Eine solche Vorlage sollte so gestaltet sein, datz sie der Reichstag ohne jede Diskussion an- nehmen kann.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wer hierherkommt und sich einträgt, mutz als anwesend betrachtet werden. Vergegenwärtigen Sie sich folgende Situation: Die Sitzung fängt um 1 Uhr an, und der Abgeordnete ist bis 6 Uhr im Hause gewesen. Dann zwingt ihn irgend eine Notwendigkeit, wegzugehen. Es kommt häufig bor, datz Abgeordnete in anderen Körperschaften be- schäftigt sind und zu einer Sitzung gehen müssen, wo ebenfalls wich- tige öffentliche Angelegenheiten verhandelt werden. An drei nament- lichen Abstimmungen hat der Abgeordnete teilgenommen, nachher findet eine vierte statt, und weil er bei dieser fehlt, wird er bestraft! Liegt darin irgend ein Sinn?_ Wenn man sich nicht geradezu auf den Polizeistandpunkt stellen will, ist es unmöglich, eine solche Bc- stimmung anzunehmen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Kontrolle durch die Wähler ist in genügender Weise dadurch ge- sichert, datz der Abgeordnete sich in die Anwesenheitsliste einträgt. Es ist auch davon die Rede gewesen, daß man durch diese Be- stimmung die Möglichkeit nehmen will, daß sich Abgeordnete en masse namentlichen Abstimmungen entziehen. Ich stehe gar nicht an, offen auszusprechen, datz ich mir Fälle denken kann, in denen eine solche Handlung nach Lage der Verhältnisse gerechtfertigt er- icheigen lgstn. Zgtz mutz to ÄstVerduete mit de» Vllpfli.chlUMu. die er nach seiner Meinung gegen das Volk zu erfüllen hat, abmachen. Eine solche Handlungsweise kann verschiedentlich beurteilt werden. Aber es wird niemand behaupten, datz, wenn eine Fraktion überzeugt ist, datz eine solche Handlung im Interesse der Oeffentlich- keit notwendig ist, sie davor zurückstehen wird, weil ihre Mitglieder dann mit 20 M. bestrast werden. Das ist eine falsche Spekulation. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich bitte Sie, die Be- stimmungen des zweiten Absatzes als ungerecht, kleinlich, schikanös und praktisch zwecklos abzulehnen.(Bravo l bei den Sozialdemo- lraten.) Graf Posadowsky: Ich bitte, bei der Bestimmung zu bleiben. Ich fürchte, die Vorlage könnte das Schwergewicht einer ablehnenden Entscheidung nicht tragen. Abg. Dr. Potthoff(frs. Vg.): Der Vertreter der Regierung erklärt, datz hieran eventuell das Gesetz scheitern würde. Mindestens mützte der Paragraph anders gefaßt sein. Der ganze Grund- gedanke der Bestimmung ist falsch; er will eigentlich, datz alle Ab« geordneten während der ganzen Sitzung dauernd im Sitzungssaale bleiben, und das ist ein ganz unbilliges Verlangen. Eine Obstruktion in bestimmten äutzersten Fällen wird dadurch sicherlich nicht ver- hindert.(Sehr wahr! links.) Abg. Dr. Arendt(Rp.): Abg. Singer hat in der e r st e n Lesung die Kontrollmatzregeln scharf bekämpft, heute fast gar nicht; wir können also hoffen, datz die Sozialdemokraten auch dieser Be- stimmung noch zustimmen werden. Abg. Graf Limburg-Stirum(k.) schlägt bor, namentliche Ab- stimmungen durch Anwesenheitskarten vorzunehmen. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.) erklärt sich gegen die Bestimmung über die namentlichen Abstimmungen. Abg. Dr. Spahn(Z.): Der Zweck des Gesetzes ist, die Beschlutz- fähigkeit des Hauses zu sichern; deshalb können wir auf diese Be- stimmung nicht verzichten. Die Diskussion ist geschlossen. Der Berichterstatter Dr. Gröber erklärt sich gegen den Vorschlag des Grafen Limburg-Stirum. 8 4 wird gegen die Stimmen der Linken(mit Ausnahme deL Abg. Pachnicke), 8 4a gegen einige Stimmen der rechten Seite angenommen. Es folgt 8 5. Er bestimmt, datz bei Doppelmandatcn die Land- tagsdiäten für die Tage fortfallen, an denen ein Abgeordneter Rcichstagsdiäten bezieht. Der bereits mitgeteilte§ Oa(Antrag Spahn) wird mit zur Debatte gestellt. Gleichfalls zur Debatte gestellt wivd ein Antrag, den Dr. Arendt gestellt hat und begründet; danach sollen umgekehrt die Reichstags- diäten fortfallen für die Tage, an denen ein Abgeordneter Landtags- diäten bezieht. Abg. v. Kardorff(Rp): Ich bin prinzipieller Gegner des ganzen Gesetzes. Beim 8 b treffen die von meinem Freunde Dr. Otto Arendt erhobenen Vcrfassungsbcdenken vollständig zu. Durch solches Rütteln an der Verfassung fördern wir ein Beginnen, das das Reich in seinen Grundfesten erschüttern mutz. Graf Posadowsky: Die Bedenken, die zu dem Antrag Spahn geführt haben, sind zutreffend. Abg. Kardorff hat mit Unrecht fest- stellen wollen, datz die Aenderung des 8 28 durch Nachgiebigkeit gegen die Sozialdemokraten herbeigeführt ist; die ganze Linke und das Zentrum waren ebenfalls dagegen. Den Verfassungsbedenicn des Abg. Kardorff kann ich nickst zustimmen, denn es handelt sich hier um die Aenderung eines Artikels der Reichsverfassung. Es soll hier eine Entschädigung für die Abgeordneten eingeführt werden. und die Bedingungen, unter welchen das geschieht, niüssen durch Reichsgesetz festgesetzt werden. Die Doppelmandate sind ein Ucbel; doch ist es im politischen Interesse der Parteien notwendig, datz die Führer der Parteien in beiden Häusern sitzen.(Zuruf: Nur die Sozialdemokraten nicht! Heiterkeit.) Die verbündeten Regierungen können dem Antrage des Abg. Arendt nicht zustimmen; die Bc- stimmung ist reiflich erwogen, und weder von der preutzischcn noch einer anderen Regierung sind Verfassungsbedenken erhoben worden. (Bravo!) Abg. Dr. Nintelen(Z.) bleibt auf der Tribüne unverständlich. Graf Posadowsky: Artikel 32 ist ein selbständiger Artikel; es handelt sich nicht um seine Ausführung im Sinne des Artikels 4, sondern um seine Abänderung, durch die zwingendes Recht gegen» über den Landesgcsctzgebungen geschaffen wird. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.): Die staatsrechtliche Auffassung des Herrn v. Kardorff ist nicht haltbar. In Art. 78 der Verfassung wird ausdrücklich auf Acndcrungen der Verfassung hingewiesen. Die Möglichkeit zu Verfassungsänderungen ist zweifellos. Datz die Regierung dieser Aenderung zustimmt, ist für mich ein Zugeständnis von großer politischer Bedeutung.(Sehr richtig! rechts.) Graf Posadowöky: Meine Auffassung deckt sich nicht mit der des Vorredners.(Hört! hört! rechts.) EL handelt sich nicht um eine Kompetenzcrweitcrung des Reiches, sondern um die Ab- ändcrung eines Artikels der Verfassung, wodurch dem Reich nicht neue Aufgaben zugewiesen werden, seine Kompetenz nicht er« weitcrt wird. Abg. Paasche(natl.): Wir haben die verfassungsrechtlichen Be- denken von Anfang an nicht geteilt, und nach den Ausführungen des Grafen Posadowsky treffen sie auch nicht zu. Im Volke würde man sie auch nicht verstehen, sondern einfach sagen: die Herren Konservativen wollen nicht, datz befähigte Leute, die die Mittel dazu nicht haben, hier im Hause sitzen.(Widerspruch und Unruhe rechts.) Abg. v. Staudy(k.). In längeren Ausführungen(auf der Tribüne schwer verständlich) vertritt Redner die staatsrechtliche Auf- fassung der Abgg. v. Kardorff und Arendt. Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vg.): Die Ausführungen deS Grafen Posadowsky, datz eine verschiedene Behandlung der Doppel- mandatare in verschiedenen Ländern eintreten würde, sind für mich ausschlaggebend, nunmehr gegen den Antrag Arendt und für die Fassung der Kommission zu stimmen. Abg. Dr. Spahn(Z.) wendet sich in längeren Ausführungen gegen die staatsrechtliche Auffassung der Abgg. Arendt und v. Kar- dorff. Abg. Dr. Arendt(Rp.) vertritt zunächst noch einmal seinen Standpunkt. Staatssekretär Graf Posadowsky wiederholt, datz in der Kom- Mission auch Nationalliberale und Zentrum gegen Aenderung des 8 28 der Verfassung gestimmt haben. In welchem Matze ich die gegenteilige Auffassung vertrete, mutz Herr Arendt mir überlassen und meiner Verantwortung gegenüber den verbündeten Re- gierungcn. Abg. Bruhn(Antis.): Abg. Staudy fürchtet, datz durch die Bc» willigung von Diäten die Qualität der Abgeordneten leiden würde. Sollte er diese Erfahrung im preutzischcn Landtage gemacht haben? (Heiterkeit links.) Der Antrag Arendt wird gegen die Stimmen der Rechten ab- gelehnt, 8 0 in der Kommissionsfassung angenommen. Angenommen wird auch 8 ba(Antrag Späh n). Es folgt 8 6:„Ein Verzicht auf die Entschädigung ist unzu- lässig; der Anspruch auf sie ist nicht übertragbar." 8 6 wird debattelos angenommen. Ebenso der Rest deS Gesetzes. Die Kommission schlägt folgende Resolution vor: „Der Reichstag wolle beschließen, die Geschäftsordnung?. kommission zu beauftragen, zu erwägen, ob die Bestimmungen über den Zeitpunkt der Einbringung von Anträgen auf nament» liche Abstimmungen abzuändern sind, und ob die Sonnabends- und Montagssitzungen in der Regel ausfallen können. Die hierdurch erforderlich werdenden AbänderungSanträge sind tunlichst noch in dieser Tagung dem Plenum vorzulegen." Abg. Bebel(Soz.): Ich habe im Namen meiner Freunde zu erklären, datz wir gegen die Resolution stimmen werden. Es heißt, die Tätigkeit des Reichs- tstgs in bedtMicher Weise Mchränken, wkM hier befürwortet wird, IwÜ die Sonnabends- und Montagssihungen in der Regel ausfallen sollen. Zweifellos ist dies ganze Gesetz ja gewacht worden, um die Veratungen des Reichstags nach Müglichteit abzukürzen, und ferner auch mit der Absicht, die Tätigkeit der Sozialdemokratie in gewissem Sinne einzuschränken.(Sehr richtig! rechts.) Man hat unL ja oft den Vorwurf gemacht, daß wir die Zeit des Hauses mit langen Reden aufhalten. Da lvill ich Ihnen folgendes bemerken: Wir sind eine Oppositionspartei, wir haben den Wunsch, bedeutende Veränderungen im Staatswesen bertielzuführen. Als Oppositionspartei sind wir zugleich Gegenstand vielfacher Verfolgungen, haben also Ursache zu Beschwerden usw.. Von diesem Gesichtspunkte aus können wir dieser Resolution nicht zustimmen. Es könnte uns sonst, wenn wir später einmal Beschwerde führen wegen übertriebener Abkürzung von Per. Handlungen, entgegengehalten werden, wir hätten selbst dafür ge stimmt, daß die Sitzungen nach Möglichkeit abgekürzt werden!(Sehr ivahrl bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Arendt(Rp.): In der Kommission ist die Resolution auch von einem Parteigenossen des Abg. Bebel unterschrieben. Abg. Bebel(Soz.): Ich gebe dem Abg. Dr. Arendt gern zu, daß eZ gut gewesen wäre, manche Debatten zu kürzen, das möchte ich speziell von den Debatten dieses Hauses über die Diätenfrage bc- merken.(Heiterkeit und Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Bei diesen, Gegenstand haben meine Parteigenossen jedenfalls nicht zu einer Verlängerung beigetragen.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) ES ist auch vollkommen richtig, wenn der Abg. Dr. Arendt sagt, wir hätten die Resolution in der Kommission unter. schrieben. Es geschieht sehr häufig, daß ein Konimissionsmitglied einen Antrag unterschreibt, dessen volle Tragweite es nicht sofort Übersicht. Verbindlich sind nicht die Entscheidungen der Fraktions- Mitglieder in der Kommission, sondern die der Fraktionen. Für unsere Fraktion aber lvaren die Gründe maßgebend, die ich dargelegt habe.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Hiermit schließt die Debatte. Die Resolution wird mit den Stimmen des Zentrums, der Nationalliberalen und eines Teiles der Rechten angenommen. Die Vorlage ist damit in zweiter Lesung erledigt. Das Haus vertagt sich auf Montag 1 Uhr(Börsengesetznovelle, Novelle über die Ausgabe von Neichskassenschcincn, Vogelschutzgesetz, Mantelgesctz zur Reichsfinanzvorlage). Schluß e'/i Uhr._ Hböfeordnetcnbaus. 65, Sitzung. Sonnabend, den 12. Mai, vormittags 11 Uhr. Am Ministcrtisch: v. Bethmann-Hollweg. Zur Interpellation der beiden freisinnigen Parteien über die Ausweisung rnssischer Staatsangehöriger erklärt auf die Frage des Bizcpräsidcnten Dr. Borsch Minister v. Bethmann-Hollweg, daß er bereit sei, die Interpellation sofort zu beantworten. Zur Begründung der Interpellation führt Abg. Traeger(frs. Pp.) aus: Es ist dem Hause wohl bekannt, daß der deutsche Reichstag am 5. Mai 1006 eine Interpellation gleichen Inhalts beriet. Dort hat der Reichskanzler aus„Zu- ständigkeitsgründen" die Beantwortung abgelehnt. Ich erkläre sofort, daß ich nicht eine Anklage erhebe, sondern eine Anfrage über verschiedene Punkte, die uns zweifelhaft sind.(Sehr wahr! links.) Früher hat der preußische Staat den französischen Flucht- lingen gegenüber erklärt: Die Franzosen sollten sich des Gastrechts erfreuen. Das wäre eine heilige Sitte unserer Vorfahren, die wir aufrecht erhalten müßten! Klagen über ungerechte Ausweisungen gehen zurück bis auf das Jahr 1849. Damals hat Herr v. Manteuffel schon erklärt: Es müsse Abhülfe geschaffen werden, es sei eine gesetzliche Regelung nötig. Damals sagte man, wir lebten in einem Rechtsstaat!— Es gibt viele unter uns, die so bescheiden sind, daß sie auch jetzt noch glauben, wir befänden uns bereits in einen, Rechtsstaat. (Heiterkeit.) Wer das annimmt, kann doch aber nicht dulden, daß neben diesen Rechtsstaat die Polizei als absolute Macht tritt. (Silljr wahr! links.) Wir leiden jetzt aber unter der Mischehe zwischen Polizeistaat und Rechtsstaat. (Sehr richtig! links.) Ausländer dürfen ausgewiesen werden, wem, sie«lästig sind". Daraus bat der Reichskanzler gemacht: „sich lästig machen". Das ist aber doch etwas ganz anderes. Wenn man so erklärt:„Du bist ein lästiger Ausländer", so scheint mir das doch den Grundsätzen von Treu und Glauben nicht zu ent- sprechen.(Sehr wahr! links.) Zugrunde gelegt wird meist jener russische Auslieferungsvertrag, den man im Reichstag zurückziehen mußte und hier im preußischen Landtag zur Annahme brachte. Rußland ist hier in Deutschland unser Sekundant auf unserem Boden geworden.(Heiterkeit.) Denn Ruhland unterhielt in Deutschland eine eigene Polizei, an deren Spitze ein Beamter mit dem Titel„Exzellenz" steht. Daß viele Flüchtlinge jetzt aus Ruß- laich nach Deutschland kommen, ist nur natürlich, ebenso daß sich viele Juden darunter befinden. Die Frage ist so wichtig, daß sie für uns eine große Rolle spielen kann. Wir müssen die Angelegenheit von einer höheren Warte betrachten als von der der Partei. Konfessionelle Fragen dürfen hier keine Bedeutung haben. Wir müssen nur fragen, wenn jemand zu uns kommt: Ist es ein Mensch?!(Bravo! links.) Es gibt schroffe und höfliche Ausweisungen. Die schroffen lauten:„Sie werden ausgewiesen!" Die milderen beginnen: „Wir empfehlen Ihnen, innerhalb drei Monaten das Land zu verlassen!"(Heiterkeit.)— Redner bespricht sodann zahlreiche einzelne Ausweisungsfälle, insbesondere auch den vom Abg. Bebel im Reichstag vorgebrachten Fall Brockhuscn-Schöne. Der Minister hat einer Vertretung des Handels in Berlin Versprechungen gemacht. Sind sie durchgeführt? Wenn das Wort: „Deutschland in der Welt voran!" nicht ein Scherzwort sein soll, dann müssen wir auf allen kulturellen Gebieten vorangehen, auf dem der Gerechtigkeit, Humanität und Billigkeit.(Bravo! links.) Ich gestehe, daß mir die Sympathien der Völker wertvoller sind, als die der Herrscher. �Solche Sympathien erweckt aber unser Vor- gehen nicht.(Lebhafter Beifall links.) Minister v. Bethmann-Hollweg: Es sind im ganzen durch Deutschland in letzter Zeit 5000 Russen gewandert. Die Mehrzahl waren Angehörige der niederen und vermögenslosen Volksschichten, zum größten Prozentsatz Israeliten. Wer die Augen vor der Tätigkeit, die die Juden in der russischen Revolution aktiv oder passiv spielen, verschlösse, der würde zu den Blinden gehören. (Sehr wahr! rechts.) Wenn ich daher betone, daß sie das Haupt- kontingent bilden, so will ich damit also keine konfessionelle Frage anschneiden. Die Juden bilden das Haupttontingent, einer- seits wegen der Verfolgungen, denen sie ausgesetzt waren, anderer- seits wegen ihrer Beteiligung an revolutionären Umtrieben.(Sehr wahr! rechts.) Die Frage, wie sich die Staatsrcgierung zu diesem quantitativ und qualitativ außerordentlichen Andrang zu verhalten habe, war zu unterscheiden, einerseits nach den Geboten der Gast- lichtest, andererseits nach dem Interesse dcS eigenen Staate». Im Kollisionsfalle mußten die eigenen Interessen den Ausschlag geben. (Sehr wahr! rechts.) Daraus ergab sich, daß wir eine Reihe un- legitimierter, mittelloser oder revolutionärer Elemente weder ökonomisch noch politisch bei uns zu dulden berechtigt waren.(Sehr wahr! rechts.) Einen irgendwie wünschenswerten Bevölkerungs- zuwachs konnten wir in den russischen Flüchtlingen nicht erblicken. (Sehr wahr! rechts.) Ich habe deshalb angeordnet, das? Personen ohne gesicherte wirtschaftliche Existenz, ohne Legitimation, ebenso Personen, die politisch verdächtig sind, ausgewiesen werden. Diese Anordnung verdient nach meinem Dafürhalten nicht den Vorwurf besonderer Härte oder die ironisierende Kritik, die ihr der Abg. Munckel(Schallende Heiterkeit)— Traeger— hat zuteil werden lassen.— Ich habe auf der anderen Seite angeordnet, daß die Polizei die Hülfsaktion de? israelitischen Komitees in Berlin unterstütze. Mit nrecht hat der Abg. Traeger behauptet, daß unser Vorgehen gegen den russischen Handels- und Schiffahrtsvertrag oerstoße; dopt sind dje polizeilichen Maßnahmen ausdrücklich aus- genMWll» Was den «all Schöne betrifft, so ist tatsächlich unrichtig, daß der betreffende russische Kaufmann durch die Androhung der Ausweisung in eine Notlage versetzt worden sei, um ihn zum Verbrechen des Landesverrats ge neigt zu machen. Diese im Reichstag vorgenommene Unterstellung weise ich zurück.(Bravo! rechts.) Er hat sich cm eine Privatperson gewandt, welche der Polizei niemals Dienste geleistet hatte. Wie es scheint, hat diese dritte Person den betreffenden russischen lians mann veranlasit, seine Dienste der Polizei anzubieten. Der Kauf- mann konnte leider jetzt nicht gefragt werden, da er eine längst geplante Geschäftsreise nach Rußland angetreten hat. Jedenfalls hat Kriminalkommissar Schöne nicht das Angebot zu gewissen Diensten gemacht.(Hört! hört! rechts.) Von Herrn Schöne ist der Mann in keiner Weise verleitet worden.(Hört! hört! rechts.) Soweit mir unterstellte Beamte gefehlt haben, werde ich Remedur eintreten lassen. Ich gebe aber zu: In einzelnen Fällen sind Aus' Weisungen vorgekommen, die meinen Intentionen nicht entsprachen Diese Fälle sind aber nicht so zahlreich, wie man jetzt annehmen könnte, nachdem jeder Fall einmal im Reichstag, zehnmal in der Presse und einmal im Landtag besprochen ist.(Heiterkeit.) DaS AusweisungSrccht ist wie das Hausrecht unentbehrlich. (Sehr wahr! rechts.) Jede Ausweisung muß aber einen bis- kretiynären Charakter haben. Diesem diskretionären Ermessen würde es meines Erachtens nicht entsprechen, wenn man die Vor aussetzungen, Nummern detailliert, paragraphieren wollte.(Bei' fall rechts.) Auf Antrag des Abg. Keruth(frs. Vp.) findet Besprechung der Interpellation statt. Abg. Dr. Friedberg(natl.): Die Grundsätze des Ministers mögen gut sein, ihre Ausführung leider nicht. Sehr erfreut bin ich über die Darlegungen im Fall Schöne. Die Angaben des Ab- geordneten Bebel konnten ja gar nicht richtig seink! Leider hat der Minister nicht klargestellt, ob die Berliner Polizei einen falschen Paß ausgestellt hat. Das Frcmdenrecht muß. wie die Vorgänge lehren, gesetzlich festgelegt werden; dann würden so exorbitante 'iälle nicht vorkommen können. Ich bedauere, daß man sich nicht arauf beschränkt hat, die Personen auszuweisen, deren Aus- Weisung im Interesse unserer Nation nötig war, daß vielmehr auch Personen ausgewiesen sind, die man als Kulturelemente betrachten kann. Die Duma ist eröffnet; da wünschen wir dem russischen Volke diejenige Ruhe und den Frieden, der im Interesse der ferneren Kulturentwickelung notwendig ist. Dann werden hoffen!' lich alle Flüchtlinge nach Nußland zurückkehren können.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Herold(Z.): Die heutige Verhandlung zeigt, daß es besser gewesen wäre, wenn der Minister im Reichstag geantwortet hätte. Ich meine, daß bei den Ausweisungen mit größter Vorsicht vorgegangen werden muß. Das ist leider nicht geschehen. Ein freies Asylrecht zu gewähren, ist eine Ehrenpflicht der Nation. Abg. v. Brandenstein(k.): Im Gegensatz zum Vorredner meine ich, daß diese Angelegenheiten nicht in den Reichstag ge- hören. Ich bedauere, daß die Bestrebungen, alles in den Bereich der Erörterung des Reichstages zu ziehen, nicht immer mit der nötigen Entschiedenheit zurückgewiesen sind. Es handelt sich hier nur um zehn oder zwölf Fälle, die in bewunderungswerter Weise ausgeschlachtet sind. Im Fall Schöne scheine» mir tatsächlich Un- rcgelmästigkeiten vorgekommen zu sein.(Hört! hört! links.) Daß die Staaten einmal darauf verzichten, gefährlich erscheinende Elemente auszuweisen, glaube ich ebensowenig, wie ich glaube, daß die Haager Friedenskonferenz den ewigen Frieden bringen wird. (Heiterkeit rechts.) Wir werden uns in unserer Stellung nicht irre machen lassen durch die sogenannte öffentliche Meinung, wie man die übereinstimmende Ansicht einer größeren Anzahl von Zeitungsschreibern zu nennen pflegt.(Heiterkeit rechts.) Wir stimmen daher mit dem Minister vollkommen überein.(Beifall rechts. Zischen links.) Abg. Broemel(frs. Vg.): Der Minister unterschätzt die Zahl der Fälle von Ausweisungen. Mir sind über 400 Fälle bekannt. In keinem derselbe» liegen die Boraussetzungcn vor, die der Minister aufgestellt hat. Der Fall Schöne ist nicht geklärt. Neuerdings hat der„Vorwärts" ausdrücklich behauptet, daß Herr Schöne einer Anrcizung und Beihülfe zum Hoch- und Landes- verrat sich schuldig gemacht habe. Hoffentlich wird nun vor Gericht eine Klarstellung geschaffen. Bedauerlich ist nur, daß wieder ein Mann von der Presse sich in die Bresche werfen muß, um statt�dcS wirklichen Angeklagten auf die Anklagebank zu kommen.(Sehr wahr! links.) Wenn wir hier nicht ein so verrottetes, veraltetes Wahlrecht hätten, würden wir hier die Einsetzung einer parlamen« tarischcn Untersuchungskommission beantragen. Es ist eine böse Saat, die der preußische Staat gestreut hat, böse Früchte wird sie leider tragen.(Beifall links.) Abg. Dr. v. Woyna(frk.): Auf eine gesetzliche Regelung des Fremdenrechts werden wir uns nicht einlassen, am wenigsten auf eine reichsgesetzliche Regelung. Wir wollen der zunehmenden Slavisierung Deutschlands mit allen Mitteln entgegentreten. Abg. Gyßling(frs. Bp.) erklärt, daß seine Freunde von der Antwort des Minister? durchaus nicht befriedigt seien. Abg. Dr. v. Jazdzewski(Pole) fordert reichsgesetzliche Regelung des Fremdenpolizeirechts. Minister v. Bethmann-Hollweg: Ich möchte den Abg. Broemel fragen, weshalb er all die Fälle in Breite vorgetragen hat, in denen ich Fehler zugegeben habe.(Sehr wahr! rechts.) Der Abg. Broemel hat gesagt, cS sei bereits bei uns soweit gekommen, daß Männer der Presse sich auf die Anklagebank begeben müßten, da- mit Verfehlungen von Beamten der gerichtlichen Untersuchung unterworfen würden. Das ist eine so schwere Beschuldigung der preußischen Justiz, deren Vertreter nicht anwesend ist, daß ich auf das allerentschiedenste in seinem Namen dagegen Verwahrung einlegen muß. Was die öffentliche Meinung angeht, so zeigt die Aeußerung deS Abg. v. Brandenstein, daß jeder darüber seine eigenen Ansichten hat. Ich könnte Ihnen eine andere Definition geben, die ich bei Scherr gelesen habe. Dort heißt es:„Oeffentliche Meinung ist das wirre Geräusch, das durch das Durcheinander- klappen so und anders gefärbter Bretter entsteht, die die Menschen vor ihren Stirntn haben."(Schallende Heiterkeit.) Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Werner(Ant.) und Gyßling(frs. Vp.) schließt die Besprechung. Schluß 4sh Uhr.__ Maianssperrnug und Partei. Werter Genossel ES darf wohl ohne weiteres als selbstverständlich vorausgesetzt werden, daß Sie mir zu dem Versammlungsbericht der Ausgesperrten der A. E.-G. Brunnenstraße, solvie zu den Bemerkungen des Partei- Vorstandes und Aktionsausschusses etwas Raum zur Entgegnung ge- währen. WaS zunächst den Bericht anlangt, so ist zu bemerken, daß die Erklärung der Obleute der Bertraueusleute, die im„Vorwärts" vom Donnerstag, den 0. Mai, abgedruckt ist, eine klare Darstellung der Angelegenheit gibt und deshalb zu begrüßen ist. Auf emige Unrichtigkeiten in: Bericht vom Mittwoch will ich hier nicht eingehen, weil sie nicht bei meinen nachfolgenden Ans- führungen weiter in Betracht kommen. Der Bericht dcS Genossen Rehbei» ist im übrigen gut, wenn auch der Wortlaut meiner Aeußenmgen manchesmal anders war, als im Bericht wiedergegeben. Die Erklärung des Parteivorstandes habe ich in der Bersammlung. soweit er die Angelegenheit in der Brunnenstrahe betraf, wörtlich vorgelesen. Daß die Voraussetzungen und ganz naturgemäß deshalb auch die Schlußfolgerungen de? Parte, Vorstandes falsch sind, geht auS der Erklärung der Vertrauensleute der A. E.-G. im„Vor- wärls" vom Donnerstag klar hervor und wird damit die Berechtigung meines Verlangens bestätigt. ' Zu der am Schluß der Erklärung gemachten Bemerkung des Parteivorstandes möchte ich anführen, daß ich mit drei unserer Mit- gliedcr der engeren Berwaltung in einer Sitzung des Mtionsaus- schnsieS war, um in der Angelegenheit der Brunnenstraße ein ge- meinsames Vorgehen herbeizujühren, wobei ich erklärte, wir wollen unS nicht hinter der Partei verstecken, aber' die Partei solle sich auch nicht hinter uns verstecken. Der Aktionsausschuß trat der Erklärung des Parteivorstandes bei und lehnte ein gemeinsames Vorgehe» ab. Der Vorsitzende erklärte darauf die Sache für erledigt. Im Laufe der Auseinandersetzung nun nahm auch Genosse Gerisch das Wort und sagte unter anderem, er könne nicht begreifen, daß in dem Betrieb derartiges vorgekommen sei, er hege die starke Vermutung, daß irgend welche Fehler oder dergleichen gemacht seien, sodaß dadurch Unklarheit enlslanden. Daraus bemerlre ich, daß niemand froher sein würde als ich, wenn es möglich wäre, etwas zur Entschuldigung der Mitglieder festzustellen, die trotz ent- gegensteheuden Beschlusses am 1. Mai gearbeitet haften.� Mir sei aber derartiges nicht bekannt und deshalb würden wir wohl, um nicht der Disziplinlosigkeit für später Tor und Tür zu öffnen, das Ausschlußverfahren einleiten müssen. Die iveiteren, von mir gemachten Ausführungen interessieren hier zunächst nicht. Jedenfalls sind die in dieser Angelegenheit von mir weiter getanen Schritte durchaus korrekt. Wir hallen eine Versammlung der Ausgesperrten einberufen mit der Tagesordnung:„Bestand bezüglich der Maiabstimmung bei allen im Betrieb Beschäftigten genügende Klarheit?" Die Versamm- lung zeitigte das Resultat, daß genügende Klarheit bestand(das war mir vorher schon von den Vertrauensleuten bestätigt) und blieb des- halb nichts weiter übrig, als eben der Antrag, das Ausschlutzver- fahren einzuleiten. Ob wir nämlich in einer solchen Situation aus- schließen oder nicht, die Arbeiterschaft eines solchen Betriebes ist in zwei Lager geteilt, und wird es längerer Zeit und angestrengter Arbeit bedürfen, ehe die zerstörte Organisationsarbeit wiederhergestellt wird. Daß unter solchen Umständen ich froh gewesen wäre, wenn genügende Entschuldigungen für die Leute hätten vorgebracht werden können, ist doch selbstverständlich. Also: Von einem anderen Standpunkt kann nicht die Rede sein. Nun zum Schluß noch etwas zu der Bemerkung des Aktions- ausschusses. Was der Aktionsausschuß da richtig stellt, hat niemand bestritten, weil es gar nicht in der Versammlung erwähnt ist. Der Aktionsausschuß schießt also mit seiner Bemerkung ein Loch in die Luft. Ueber die angeblich von mir gemachten„un wahren Behauptungen" werden wir ja in Bälde Gelegenheit haben klarzustellen, ob sie»unwahr" waren oder nicht. Widerlegt ist bis jetzt nichts. Berlin, 11. ö. 06. Adolf Cohen. ••• Genosse Cohen gibt dem Bericht des Genossen Rehbein in Nr. 106 des„Vorwärts" l. I. die Zensur„gut". Der Bericht enthält folgende Stelle:„Hier zeige es sich wieder, daß sich die Partei hinter die Gewerkschaften verstecke, wenn es gelte, die Konsequenzen der Maifeier zu tragen."' Eine solche Unterstellung mußte der Partechorstand zurückweilen. Es geschah in der milden Form, daß der Parteivorstand seiner Ueberraschung Ausdruck gab über die vorstehende Ausführung des Genossen Cohen. Dem Genossen Cohen waren die Verhandlungen, die zwischen der Generalkommisfion und dem Parteivorstand seiner- zeit über die Maifeier gepflogen wurden, sehr wohl bekannt, denn er war dabei. Dies das eine. Zun, anderen müssen wir noch einmal auf das bestimmteste er- klären, daß Cohen am Freitag, den 4. Mai, uns gegenüber eine friedliche Beilegung des Konfliktes unter den Metallarbeitern bei der A. E.-G. in der Brunnenstraße befürwortete. Dieser Auffassung pflichtete der Parteivorstand bei und gab der- selben in seiner Erllürung in Nr. 106 des»Vorwärts" Ausdruck. Wenn trotzdem Genosse Cohen 3 Tage später, nachdem er dem Vor- stehenden Ausdruck gab, in der Bersammlung am 7. Mai die Parteigenossen aufforderte, zu verlangen, daß sich die Partei nicht hinter der Gelvcrkschast verstecke und im Hintergrund bleibe, wo sie mit verantwortlich sei, und dann wiederum behauptet,„von einem anderen Standpunkt lau» nicht die Rede sein", so können wir. um höflich zu bleiben, nur erklären, unsere Verwunderung über die Kühnheit der Behauptungen des Genossen Cohen ist einer Steigerung nicht mehr fähig. � Der Parteivorstand. Wir schließen uns vollinhaltlich obigen Ausführungen des Partei« Vorstandes an und wollen zur Ergänzung mir noch folgendes hinzufügen: „Der Zentralvorstand von Berlin war jederzeit bereit, die wegen der Maifeier Ausgesperrten sofort mit Parteimitteln zu iqfterstützeir. Der Zentralvorstand ließ nach dem uns gegebenen Bericht keinen Zweifel darüber, daß die Handlungsweise derjenigen, die am 1. Mai trotz gegenteiliger Wcrksbeschlüsse gearbeitet haben, auf das chärfste zu verurteilen sei. Diese klaren Entschlüsse hat Genosse Cohen teilweis der« schwiegen oder in das direkte Gegenteil„verwandelt". Von dieser Fähigkeit deö Genossen Cohen erlebten wir ja hinreichende Proben in einer Sitzung, welche wir mit ihm und den Vertretern der Ausgesperrten von Ober-Schöneweide ab« hielten. Der Aktionsausschuß. Hua der partei. Der diesjährige Parteitag, der bekanntlich laut Beschluß des Jenaer Parteitags in Mannheim abgehalten wird, soll vom 16. bis 22. September stattfinden. LandcSvcrsammliing der sozialdemokratischen Partei Hamburg?. Am Freitagabend fand die erste Landesversammlung statt, die nach dem neuen OrganisationSstalut von den Parteifunktionären, den Mitgliedern der Preßkommisston, je einem Vertreter der Geschäfts- leitung und der Redaktion des„Echo", den sozialdemokratischen Bürgerschaftsvertretern, den Delegierten der Reichstagswahlbezirke der drei Hamburger Kreise und den Delegationen vom Landgcbiet (Cuxhaven, Ritzebüttel, Bergedorf, Geesthacht, Finkenwärder usw.) beschickt wird; insgesamt waren etwa 800 Genoffen erschienen. Zunächst lvurde über innere Organisationsangelegen« i) eilen beraten und ein Regulativ geschaffen, das in seinen Hauptteilen besagt: Zur Führung der Parteigcschäfte stellt die Landesorganisation der Partei Hamburgs zwei Genossen an. Bei der Anstellung ist der bisherige Geschäftsleiter. Genosse E. Dubber. mit zu über- nehmen. Ein zweiter Genosse ist baldmöglichst hinzu anzustellen. Der Posten wird öffentlich ausgeschrieben.) DaS AnfangSgehalt beträgt 2400 M., steigend jährlich um 120 M., bis zu einem Höchst- gehalit von 3000 M. Die tägliche Arbeitszeit beträgt acht Stunden. Die Anstellung bat zu erfolgen bei vierteljährlicher Kündigung und nach den Grundsätzen des Vereins„Arbeiterpresse". Die Angestellten haben gemeinsam die Parteigeschäfte der Landesorganisation zu er» ledigen und im Verhinderungsfälle sich gegenseitig zu vertreten.— Die Kassengeschäfte sind für icden Wahlkreis getrennt zu sichren und die Bücher so einzurichten, daß die Einnahmen und Ausgaben eines jeden Distrikts übersichtlich sind. Vierteljährlich ist eine nach Wahl- kreisen und Distrikten aufgestellte Abrechnung zu liefen:. Das Organisationsstatut, dessen Grundzüge wir schon mitgeteilt haben, ist schon in der konstituierenden Versammlung zur Amrahme gelangt. lieber die Agitation zu den 1907 stattfindenden Bürgerschaftswahlen referierte Genosse S t u b b e, der die Notwendigkeit betonte, schon rechtzeitig mit der Agitation einzusetzen und die noch nicht wahlberechtigten, aber ein Einkommen von über tAX) M versteuernden Genossen unablässig alifzusordern, die Staats- angehörigkeit bezw. das Bürgerrecht zn erwerben. Redner führte einige interessante Daten an, wonach von 138 615 Steuerzahlern bis au_ einem Einkommen von 2500 M. nur 31 155 das Bürgerrecht besitzen und somit in der„Armenecke" wählen. Von 101 160 Steuer- Zahlern, die noch nicht im Besitze des Bürgerrechts sind, erfülle zweifellos ein grosier Teil die Lorbedinguugen zum Erwerb des Bürgerrechts. Recht lebhaft wurde die Frage erörtert, ob es sich unter dem elendesten aller Privilegien- und Klassenwahlsystcme überhaupt em- pfehle, sich fernerhin an den Wahlen zu beteiligen, da die Sozial- demokratie von den 160 Parlamentssitzen im günstigsten Falle 18 er- obern könne. Die Erfahrung habe gelehrt, dost unsere Fraktion in den wichtigsten Fragen ganz isoliert sei und von den Bourgeoisparteien brutal niedergeslimmt werde. Demgegenüber wurde von den Abgeord- neten Roeske und Stötten betont, dag wir den Gegnern keinen gröberen Gefallen erweisen könnten, als Wahlenthaliung zu proklamieren. Das agitatorische Moment der Wahl dürfe man nicht unterschätzen. Würden unsere Anträge auch nieder- gestimmt, so reden wir doch zum Fenster hinaus zu den Massen, die uns verstehen und für deren Forderungen wir nach wie vor— wenn auch nur durch eine Vertretung von 18 Mann— energisch eintreten werden. Es müsse alles daran gesetzt werden, dieses Wahl- gesetz zu Fall zu bringen.(Großer Beifall.) Beschlossen wurde: 1. eine Agitationsbroschüre herauszugeben, in der alle Vorgänge in der Bürgerschaft(Parlament) und die Be- stimmungen des komplizierten„Wahlrechts" behandelt werden, und 2. eine intensive Agitation zwecks Gewinnung von neuen Bürgern in die Wege zu leiten. Gciiiciiidcwahlcii. Unsere Genossen in Rüppurr bei Karlsruhe in Baden errangen in der 3. Klasse einen vollständigen Sieg über die Gegner; ferner eroberten sie in der 2. Klasse sechs Mandate und sogar eines in der ersten Klasse.— In Obrigheim bei Mosbach siegte in der 3. Klasse ein Vorschlag der Arbeiter; es wurde dadurch der Genosse De üble gewählt. Aufklärungsarbeit iu der Arbeiterschaft verrichten die aussperrenden Scharfnincher. Dem Braunschweigcr„Volksfreund" wurden am Donners- tag von den lokalen Vorständen des Fabrikarbeiterverbandes und des Schmiedeverbandes 165 neue Abonnenten zugeführt. Sie rekrutieren sich meist aus den Ausgesperrten, die sich ver- verpflichteten, sofort die Klatschprcsse abzubestellen, da die letztere bei den Arbeiterkämpfen die Arbeiterintcressen mit Füßen tritt. Eine„Wahrheitsbeugung" erblickt das Mannheimer Pa rtei blatt in der Behauptung des„Vorwärts", daß es badische Organisationen gibt, welche die Maifeier nicht am offiziellen Tage, sondern an einem Sonntag abhalten, um eine ansehnliche Teilnehmerzahl zu ennöglichen: Jnkeiner W a l d s h u t e r Zuschrift an den Karlsruher„Volk s- freund"(Nr. 108) lieft man gleichzeitig: „Daß wir die„offizielle Maifeier" erst am 6. Mai abhielten, da- für hatten wir verschiedene Gründe. Da wir vor allem unserer ersten Maifeier in Waldshut einen agitatorischen Wert beilegten, so mußten wir darauf bedacht sein, das erstemal möglich st viele Teilnehmer anzuziehen; da? wäre an einem Werktag mitten in der Woche nicht der Fall gewesen." Da die„M. V." an einer solchen Motivierung der Verlegung des Festes findet, daß sie„die badische Partei in geradezu per- fider Weise beleidigt", muß angenommen werden, daß die „Volksstimme" im Mai einen Nachkarneval feiert. Die Genossen von Waldshut verweisen in ihrer Zuschrift auf die besonderen lokalen Verhältnisse, die sie zur Verlegung der Feier genötigt haben. An demselben Tage— 6. Mai— begingen aber eine Reihe von Parteigenossenschaften und Gelverkschaften die Maifeier, bei denen auch die örtlichen Verhältnisse nicht in Betracht kommen könnten. So in Grötzingen. Vor allem ist jedoch Sandhofen bei Mannheim zu er- wähnen. Dort wurde referiert über„Die Bedeutung des 1. Mai" bei der äußerst zahlreich besuchten Maifeier des Gewerkschaftskartells und der Sozialdemokratischen Partei. Der Kartellvorsitzende rühmte„das starke Emporwachsen der Gewerkschaften von 200 auf über 1000 Mitglieder innerhalb Jahresfrist— und des Sozialdemokratischen Vereins auf 130 Mit- glicder; die Vermehrung der Abonnentenzahl der„Volksstimme" auf über 300."— Und dennoch ein bequemes takkischcs Ausweichen vor der Feier am 1. Maitag.. Die für jeden Parteigenossen bindenden Beschlüsse unserer Parteitage zwingen unsere Organisationen nicht, am 1. Mai ihren Mitgliedern durch die Festfeier einen Schaden zuzufilgen. Wer nicht feiern kann, der unterlasse es. Die Verlegung der Feier aber bedeutet Zersplitterung und Schädigung des Prinzips der Maifeier. Hoffentlich wird der Mann- heimer Parteitag dagegen ein kräftiges Wörtlein sagen. Wenn die„Volksstimme" die Güte hätte, uns die„zahlreichen Zu- schriften", die ihr von der„Entrüstung gegen den„Vorwärts" aus vier badischen Orten zugingen, im Original mitzuteilen, würden wir den Briefschrcibern durch Zustellung derjenigen Nummer des„Vorwärts", worin die„anmaßende Kritik" enthalten sein soll, beweisen,� daß sie von der Mannheimer„Volksstimme", die zur Fabrikation dieser an- geblichen Entrüstung den Artikel des„Vorwärts" nicht produzierte, als Unmündige und nicht als Parteigenossen behandelt werden, die auf eine objektive Berichterstattung Anspruch haben. Genosse May-Elberfeld erläßt in der Solinger„Bergischen Arbeiter stimme" folgende Erklärung: „In der MontagSimmmer der„Bergiichen Arbeiterstimme" ver- öffentlich das Kreiskomitee einen kleinen Sitzungsbericht, in dem auch von dem besprochenen M a i g e d i ch t die Rede ist und in dein werter gesagt wird, daß nran die Parteiinstanzen angehen wolle, dem Genossen May die Bekleidung von Ehrenämtern wegen des Abdrucks des Gedichtes zu untersagen. Das Vor- gehen und der Wunsch des Kreiskomilees, dessen Vorsitzender ich doch auch gewesen bin, ist so befremdlich, daß ich eS nicht unterlassen kann, mit wenigen Worten auf die mehr als nötig breit getretene Affäre zu sprechen zu kommen. Was ist denn geschehen, um den Zorn der Solinger Kreiskomiteemitglieder in einer Weise zu erregen, die in solcher Weise sich gegen einen langjährigen und wie ich ohne Ueberhebung sagen kann, einigermaßen um die Solinger Parteibewcgung verdienten_ Mann wendet? Stellen wir doch die Tatsachen fest! Es ist in der Mai- nummer ein Gedicht erschienen, das an sich durch- aus ein wandsfrei war, das aber in den Augen nervöser Leute den Fehler enthielt, einen Buchstabenscherz in sich zu bergen, der zusammengestellt die Glossifizierung des Fabrikanten Hammesfahr enthielt, dessen Verhalten in der vor- jährigen Schleiferbewegung wir den unleidlichen Gewerkschaftsstreit verdankten. Was nun der Sache aber in den Augen eines Teiles der Solinger Genossen einen verdächtigen Anstrichs gab, war die von mir am meisten bedauerte Tatsache, daß ein Freund eine unverzciliche Indiskretion beging und trotz meiner mündlichen und schriftlichen Bitte„nicht dicht hielt". Der„Tages- anzeiger" erfuhr von dem Geheimnis, das ich bis m spatere Tage bewahren wollte und fruktifizierte es in einer Weise, die mir geradezu Abscheu erniagte. Aus der Tatsache nun. daß ohne mein Zutun und gegen meinen Willen der einzige Mitwisser außer den Verfassern dem bürgerlichen Blatte die Möglichkeit gegeben hatte, das Bild von SaiS zu eutschleiern, folgern die mir nicht wohl- gesinnten Genossen, ich hätte mit der Absicht den Scherz verbrochen, um die Solinger lächerlich zu machen. Nichts lag ferner als das. Und nun, wo der Name Hammesfähr aus dem Dunkel der Poetcrei herausgekommen ist, geht man hin und konstruiert eine schwere Schuld, die nicht anders als mit der Vernichtung der Existenz g e s ü h n t w e r d en kö nn e. Ich weiß, welche Kräfte wirksam sind, um in meinem neuen Wirkungskreis die saat des Mißtrauens und der Voreingenommenheit zu säen. Ob das Spiel gelingt, steht dahin; denn auch nicht mein erbittertster Gegner. der mir nicht das Leben gönnt, wird behaupten können, daß eine vielleicht törichte Tat. deren Wirkung noch ohne meine Schuld eine häßliche Verzerrung erlitt, imstande sei. die aufgelaufenen Aktiven aus einer mühseligen und opferreichen sechssährigen Tätigkeit auszulöschen! Wenn man auch nicht gerade auf Dank rechnet, so ist man doch geneigt zu glauben, daß in der Arbeiterschaft auch dann ein ge- rechtes Urteil gefällt Ivird, wenn man mit dem Missetäter sachlich nicht übereinstimmt. Sind denn in Solingen nicht schon derbere Witze, und sogar gegen eine ganze Anzahl Genossen begangen worden? Und hat man sich nicht immer Mühe gegeben, gewisse Handlungen als harmlose Scherze erscheinen zu lassen? Warum nun bei mir die trockene Guillotine auffahren und den Scharfmacher» zeigen, daß man ihnen gegebenenfalls nicht nachzustehen braucht? Wenn man die ganze Lappalie in ihrer Totalität betrachtet und sie von allem legendären Beiwerk entkleidet, dann werden sich die Genossen, die sich ein Richteramt über einen in einer gewissen Beziehung miß- lungencn Scherz, über den man zweierlei Meinung sein kann, erlauben, begreifen, daß es unnötig ist, in dieser Weise„aufs Ganze" zu gehen. Ich habe begründete Hoffnung, daß die Genossen, die über dies merkwürdige und in der Partei einzig dastehende Ansinnen des Kreiskomitees zu befinden haben, sich bei ruhiger Ueberlegung eine andere Meinung bilden werden. Verdächtige Eile. Am 3. April d. I. wurde in Königsberg Genosse Mnrchionini von der„Volkszeitung" wegen angeblicher Majestätsbeleidigung zu vier Monaten Gefängnis ver- urteilt. Gegen das Urteil wurde Revision angemeldet, und schon am 18. Mai d. I. findet der Termin vor dem Reichsgericht statt. Diese Eile ist beim Reichsgericht überraschend; der neue Justizkurs scheint auch beim Reichsgericht Neuerungen zu bringen. Hus Induftnc und f)andel Borbereitung für ein Begräbnis. Wir würdigten zurzeit bereits eingehend die sonst in der Presse wenig beachtete Fusionierung zwischen Eisenwerken und Eisengroßhandluugen. Solche An- gliederungen haben den Zweck, bei Auffliegen des Stahlverbandcs den großen Werken nicht nur eine gute Verkaufsorganisation zur Seite zu stellen, man darf auch hossen, den nicht nach gleicher Richtung vorsorgenden Werken den Absatzmarkt einzuengen. Die an- gezogenen Fusionen erweitern daher den Nahmen des großindustriellcn Monopols. Und man geht anscheinend mit großer Hartnäckigkeit nach der Richtung vor. Wie verlautet, schweben jetzt Verhandlungen zwischen den Eisengroßhandlungen Peter Holzrichter, Untcrbarmen, Heinrich August Schulte, Dortmund, und Jakob Ravens Söhne u. Comp, wegen Fusion und Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Höher hinauf mit den Preisen. Der StahllverkSverband hat der vor einigen Tagen vorgenommenen Preiserhöhung auf Halbzeug von 5 M. pro Tonne nochmals eine Steigerung um denselben Be- trag folgen lassen. Wahrscheinlich wird nun auch bald eine weitere Preissteigerung für Walzprodukte folgen, die wieder mit der Preis- erhvhung für Halbzeug begründet wird. So schaffen sich die ge- mischten Werke die Begründung für Preiserhöhungen. Borbcreitnng für Somnierfcrieu. Ehe die großen Ferien be- ginnen, müssen die Aktionäre erst ihre— Jahresarbeit leisten. Sie besteht in Einstreichung der Dividenden. Diesmal ist die Arbeit etwas schwer, fast alle Unternehmen schütten erhöhte Dividenden aus. So auch die Aktiengesellschaft Chemische Fabrik Rhenania in Aachen. 22 Proz. gegen 20 Proz. im Vorjahre, müssen diesmal die Aktionäre abheben.— Die Aktionäre der Maschinenfabrik Schubert u. Salzer, Aktiengesellschaft in Chemnitz müssen sogar noch mehr leisten, 25 Proz., 5 Proz. mehr wie fürftSOI, nach Hause zu schleppen, wird von ihnen verlangt. Ob sich die armen geplagten Menschen der sauren Arbeit wohl widerspruchslos unterziehen? Wir empfehlen ihnen, daß von der schweren Dividendenlast den Arbeitern ein ordent- sicher Anteil in Gestalt von höheren Löhnen aufgebürdet wird. Eine Nachtbank. Die neueste Blüte auf dem Gebiete der kapitalistischen Geldwirtschaft ist die Gründung einer Nachtbank in New Uork. Es handelt sich um ein ganz ernsthaftes und sicher auch gut prosperierendes Unternehmen. Es kommt für die Bank in Betracht die Regulierung der noch nach Schluß der offiziellen Ge- schäftszeit abgeschlossenen gewöhnlichen Geschäfte, hauptsächlich aber will sie der Befriedigung der Bedürfnisse des Spielmarktes dienen. Glückliche Bankhalter können zu jeder Nachtstunde ihre Beute auf die Bank tragen, diejenigen, welche über den nötigen Kredit versügen, am Spieltisch aber nicht Fortunens Huld sich erfreuten, haben nicht mehr nötig, Kellner anzupumpen oder sonst Ehrenschulden aufzunehmc», ein Gang zur Bank stillt die leeren Beutel. So können alle Geschäfte, die bei Nacht abgeschlossen werden, teilweise auch wohl das TageS- licht scheuen, die Vermittclung der Nachtbank in Anspruch nehmen. Aber auch den Damen kommt man mit der Bank entgegen. Der Ueberwachungssorge für Ball- und Theaterschmuck sind nun sie ent- hoben. Vor Beginn der Schaustellung der Geschmückten legen sie in besonderen Räumen der Bank die Dekorationsstücke an. wenn die Parade vorbei ist, werden Brillanten und Juwelen bei der Bank wieder in Sicherheit gebracht. So ist wiederum einem dringenden Bedürfnis abgeholfen. Heiteres Wetter für die Aktionäre kündete erneut die am Freitag stattgefundene Beiratssitzung des Stahlwcrksverbandes an. Ucber die Geschäftslage wurde berichtet: Die Werke sind an- dauernd sehr stark beschäftigt und können den im sie gestellten Anforderungen nur mit Mühe nachkommen. Der Versand von Halb- zeug, Eisenbahn material und Formeisen ist im April nach vor» läufiger Feststellung infolge der vielen Feiertage gegen den des Vormonats zurückgeblieben. Der Abruf in Halbzeug ist fortgesetzt äußerst lebhaft; die inländische Kundschaft hat ihren Bedarf für das dritte Quartal durchweg eingedeckt. Die angeforderten Mengen sichere» auch für diesen Zeitraum die bisherige starke Beschäftigung. Auch aus dem Auslande laufen fortgesetzt Anfragen ein, die aber im Interesse der inländischen Abnehmer im allgemeinen ablehnend beantwortet werden müssen. Das Geschäft in Eisenbahnmaterial liegt nach wie vor sehr günstig; die Werke sind zum Teil bis ins Jahr ISO? hinein in Anspruch genommen. Die preußischen Staats- bahnen haben ihren Bedarf für das Etatsjahr 1906/07 auf- gegeben; er übersteigt wesentlich den des Vorjahres. Auch von' den anderen deutschen Eisenbahnverwaltungen sind beträchtliche Mehranfordcrungen gegen das Vorjahr in Aussicht gestellt worden. Das Grubenschienengcschäft ist lebhaft; die Preise konnten erhöht werden." Das schon seither sehr umfangreiche Geschäft in Rillen- schienen hat sich weiter günstig gestaltet, auch hier wurden die Preise aufgebessert; die Rillenschienenwcrke sind bis weit ins vierte Quartal hinein voll besetzt. Im Auslande konnten wieder ver- schiedene größere Geschäfte in Schienen und Schwellen zu erhöhten Preisen hereingenommen werden. Das Auslandsgeschäft in Gruben- und Rillenschienen ist ebenfalls recht befriedigend, doch wirkte hier der ausländische Wettbewerb etwas hemmend auf die Preis- entwickclung. Das Geschäft in Formeiscn ist der Jahreszeit gemäß recht befriedigend, der Abruf darin ist sehr lebhaft, so daß bei den Ablieferungen mit längeren Lieferfristen gerechnet werden muß, ein Umstand, welcher den Lager haltenden Händlern Ge- legcnheit gibt ihre Vorräte abzusetzen. Der stetig steigende Absatz im Ausland hat zu wesentlich besseren Preisen als bis jetzt unter- gebracht werden können. Auch im Inlands wurden unter Berück- sichtigung der gegen früher erheblich gestiegenen Gestehungskosten höhere Preise als bisher bereits erzielt; der Verkauf im Jnlande ist für das dritte Quartal dieses JahrcS noch nicht freigegeben worden.__ BergwerkSverstaatlichung in Schweden. Die schwedische Regierung hat dem Reichstag eine Vorlage unterbreitet, wonach die großen Eisenbergwerke in Norrotten, die Eigentum von Aktiengesellschaften sind, in den Besitz des Staates übergehen sollen, aber erst nach Verlauf von 50 Jahren und unter Bedingungen, mit denen die Grubenkapitalisten mehr zufrieden sein können aw das schwedische Volk. Die Kapitalisten sollen das Recht haben, aus dem Luossabara-Werk noch 150 Millionen Tonnen, aber höchstens ein Fünftel des Erzreichtums auszubeuten, und aus dem Gellivara-Werk noch Millionen Tonnen. Nach Berechnungen, die aber als ganz zuverlässig nicht gelten können, beläuft sich der ganze Vor- rat an Eisenerz inLuossaparaaus7S3MillionenTonnen und inGellivara auf 128 Millionen. Der Rest davon würde also im Jahre 1957 dem Staat zufallen. Will der Staat die Bergwerke früher über- nehmen, so kann dies im Jahre 1921 geschehen gegen Vergütung der den Kapitalisten noch zustehenden Gewinne. Vom Jahre 1911 an soll der Staat gewissermaßen Teilhaber der Gesellschaft werden und ein Neuntel der zur Verteilung an die Aktionäre bestimmten Summen erhalten. Dafür aber wird den Aktionären noch nach 1957 vom Staat der Ertrag aus l'/j Millionen Tonnen jährlich über« wiesen, bis sie ein Zehntel des von der Gesellschaft während der Jahre 1911—1957 erzielten Gewinnes erhalten haben. Den Aktiengesellschaften wird das Recht erteilt, ihren Erz- transport auf den Staatsbahnen nach und nach bis zum Jahre 1913 von 1 200 000 Tonnen auf 3 000 000 Tonnen zu erhöhen. Es werden ihnen dafür bestimmte niedrige Frachtsätze garantiert. Um die Bahnen für den vennehrten Erftransport leistungsfähig zu gestalten, schlägt die Regierung die Bewilligung von 3 125 000 Kronen vor. Schließ- sich wird den Gesellschaften Garantie gegen die Belastung mit Exportzoll gewährt. Sollte innerhalb der 50 Jahre ein solcher Zoll eingeführt werden, dann sollen die Gesellschaften Ersatz dafür erhalten. Als der Regierungsvorschlag der zweiten Kammer vorgelegt wurde, wandte sich Genosse B r a n t i n g gegen die sofortige lieber- Weisung an den Staatsausschuß. Da somit die Ueberweisung nicht einslimniig beschlossen werden kannte, wird den Kammermitgliedern Gelegenheit gegeben, zunächst ihre Meinung darüber zu sagen. Der Zweck der ganzen Aktion scheint zu sein, den Gesellschaften erst die gründliche Äusbeute zu überlassen und ihnen, wenn nicht mehr viel zu ramschen ist, unter Gewährung eines ordentlichen Gewinnes das Risiko abzunehmen. Die Verstaatlichung ist ein kapitalistischer Raubzug._ Em der f rauenbewegung» Lesen Sie die Gleichheit"? Jede Leserin des„Vorwärts" sollte auch Leserin der„Gleich- heit" sein. Die„Gleichheit" ist eine vorzüglich redigierte Frauen- zeitung, die aller 11 Tage erscheint. Sie Pflegt alle Gebiete des Wissens, orientiert über alle wichtigen politischen Vorgänge und sozialen Bestrebungen unter besonderer Berücksichtigung der Frauen- frage. Die„Gleichheit" ist eine schneidige Vorkämpferin für die Sozialdemokratie im allgemeinen und für die proletarische Frauen- bewegung im besonderen. Nicht nur den Gcuossinnen, sondern auch jedem Genossen wird das Studium der„Gleichheit" Bereicherung und Vertiefung deö Wissens bringen. Die„Gleichheit" kostet pro Nummer 10 Pf., pro Quartal 55 Pf. Bestellungen nehmen samt« liche Vertraueuspersonen und Parteifpeditiouen entgegen. Die Frauenwahlrechtsbcwcgung in Schweden. Die schwedischen Frauen sind jetzt unermüdlich bestrebt, bei der großen Wahlrechts- reform ebenfalls als gleichberechtigte Staatsbürger anerkannt zu werden. Die Massenpetition, die von den Vereinen für politisches Frauenwahlrecht in Umlauf gesetzt worden ist, war bis zum 1. Mai bereits von 60 522 Frauen unterzeichnet. Alle Teile des Landes sind hierbei vertreten. Zur selben Zeit belief sich die Zahl der Vereine für Frauenwahlrccht auf 60 und fortwährend entstehen weitere Vereine. Noch niemals hat die Propaganda für die politische Gleichberechtigung der Frauen solchen Umfang ange- nommen wie jetzt. Herr Dr. jur. M. Popert wünscht noch die Aufnahme eines Schreibens. Wir erfüllen den Wunsch, allerdings unter Fort- lassung einer beleidigenden Unterstellung. Herr Dr. P. schreibt: „Ich bedaure, daß Herr Miethke erklärt hat, auf weitere Be- richtigungen nicht mehr reagieren zu wollen. Denn ich fordere ihn hierdurch auf, mir klipp und klar die folgende Frage zu beant- warten: Wie ist es denkbar, daß ein Mensch mit gesunden Sinnen die von Herrn Miethke mir zugeschobenen Worte in einem und demselben Vortrage gebraucht haben sollte, worin meine Aus- führungen über den Fall Froehlich stehen? Der Vortrag„Alkohol und Strafgesetz", worin sich auf S. 15— 19 unter III diese Aüs- führungen finden, ist ja für 25 Pf. leicht zu haben.(Verlag von Deutschlands Großloge II. P. Jepseu. Flensburg. Neustadt 45.)j Jeder, der sich dafür interessiert, wo in dieser Angelegenheit die Wahrheit liegt, kann sich den Vortrag kaufen und an der Hand der bezeichneten Ausführungen den Wert der über mich aufgestellten Behauptung prüfen. Wozu ich Herrn Miethke auf dem Elbdampfer zur Bastei die Postkarte mit der Fixierung meiner Worte gegeben habe? Damit er endlich schwarz auf weiß besitzt, nicht was ich habe sagen wollen, sondern was ich gesagt habe, sintemalen er die mündliche Aeußerung schon am Tage vorher verkehrt gehört hatte und ich also nicht sicher war, daß er sie nicht auch ein zweites Rial verkehrt hören werde." Verband der Wäsche- und Krawattcnarbeiter und-Arbeite- rinnen. Heimarbeiterinnen der Wäsche-, Krawatten-, Blusen-, Korsett-, Schürzen, und Ncgligebranche Berlins und Umgegend! Am Montag, den 14. Mai, abends 8 Uhr, findet für die Schön- hauser Vorstadt bei Lamprccht. Lychenerstr. 2/3, eine Besprechung statt. Einen guten Besuch erwartet Die Sektionslcitung. Westend. Am Mittwoch, den 16. Mai, hält der hiesige Frauen- und Mädchenbildungsverein im Volkshaus, Rosinenstr. 3, abends 8Vj Uhr, seine Monatsversammlung ab. Herr Simon Katzenstcin spricht über„Frauenarbeit und Kultur". Pflicht eines jeden Mit- gliedes ist es, in der Versammlung zu erscheinen. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste, Männer und Frauen, willkommen. Borsigwaldc-Tegel. In der am Mittwoch, den 9. Mai, tagen- den außerordentlichen Generalversammlung des hiesigen Bildungs- Vereins für Frauen und Mädchen hielt Herr Eichler einen Vor» trag über„Kultur und Volksschule". Bei der vorzunehmenden Er- satzwahl der ersten Vorsitzenden wurde Frau Kotterba einstimmig gewählt. Alsdann erfolgte eine Aussprache über die Trennung des Vereins Borsigwalde von Tegel, die aber kein endgültiges Resultat zeitigte. Die nächste Mitgliederversammlung findet am 23. Mai in Tegel statt._' Der Vorstand. Nerlincr Marktpreise. Aus dem amlllchen Bericht der städtischen Marlthallen-Direklion. Rwdflelsch la 91—65 pr. 100 Psund, IIa 51—60, nia 47—50, IVa 39—45, engl. Bullen. 00—00, dein. Bullen. 00—00, Holl. Bullen- 00—00. Kalbfleisch, Doppelländer 105—120, la 78—88, IIa 61— 76, lila 50-62. Hammelfleisch la 60—70, Da 64—60. Schweinefleisch 58—61. Kaninchen 0,30—0,80. Hühner, alte, Stück 1,70—2.80, junge, per Stück 0,70—0,80. Tauben, jnnge 0,50— 0,67, alte 0,00. Enten, junge, per Stück 1,60—1,85, Hamburger per Stück 2,40 bis 3,75. Gänse, junge, per Psd. 0,85—1,00, per Stück 4,00—5,10. Hechte 86—100, Schleie 100—125. Bleie 10, matt 32—60. Aale, groß 105— 113, mittel 110—116, klein 75, uns. 86—91. Plötzen 11. Flundcvn,� pomin. I, p. Schock 3,00—6,00. Kieler. Stiege la 4—6, do. mittel, per Kiste 2—1, do, klein, per Kiste 00—00. Bücklinge, Holl, per Wall 0—0,00. Kieler 1—3, Strais. 2,40—3,50. Aal-, groß, p. Psd. 1,10—1,30, mittel 0,80-0.90, kl. 0,50 bis 0,60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 1—1,50, Elb« per Kiste 0,00—0,00. Sardellen, 1902er, per Anker 76,00, 1901er 71,00, 1905er 70,00. Schottische Vollhcringe 1903 00— 00, largo 40— 41, füll. 36— 38, med. 33— 35, deutsche 37— 41. Heringe, neue MatjeS, per•/, Tonnen 60—120. Hummer», IIa, 100 Psd. 00—00. Krebse, per Schock, große 21, mittelgroß 9—11,50, kleine 3,50 bis 5,50, uns ort. 9,00—15,50. Eier, Land-, per Schock 2,90, srische 2,90—3,75. Butter per 100 Psund, la 113. IIa 108—112. lila 106-108, ab. fallende 105—103. Saure Gurken, Schock 3.50— 1 M., Pfestergurkcn 3,50—4 M. Kartoffeln per 100 Psd. magn. bon. 2,10—2,35, rote Dabersche 2,00—2,20, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl, Holl., per Schock 0,00— 00.00. Weiß- tohl, dän., per Schock 7,00—9.00, Rotkohl, Holl., per Schock 00,00—00,00. Grünkohl, per 100 Psd. 00-00. Rüben, weiße OO-OO, Teltower 00-00. Kohlrüben» per Schock 2,50—1,50, Holl. 6-4 Versuchen Sie Emmerling's Kindernähr-Zwieback. Derselbe ist einzig in seiner Art, kann den Kindern schon vom ersten Tage an gegeben werden. Macheu Sie nur einen Versuch. Schneiden Sie nachstehenden Bon aus und verlangen Sie dafür bei untenstehenden Geschäften ein[1007iä*] Probepakete werden nur an Umwachsene verabreicht. Berlin C. Berlin v. PT" Probepaket gratis."WD Zu Franz Lüher, Linionstr. 230. Julius SchSnborn, Fischerstr. 30. Oscar Friedrichsohn, Landab ergerstr. 75. Gebr. Grossln, Neue Schönhauserstr. 1. Erich Seiffert, Königstr. 7, Ecke Poststr. Carl Minke, Sophienstr. 10. Berlin% Frau Wwe. Hausmann, Schönhauser Allee 85. Wilh. Grabe, Wrangelstr. 83. Willi Grätz, Yetoranenstr. 15. Willi Grätz, Invalidenstr. 138. Willi Grätz, Blumenstr. 173. Wilhelm Grüning, Adolfstr. 27. Hermann Half, Invalidenstr. 160. Wilhelm Wächter, Friedrichs tr. 113a. Albert Wieck, Eheinsborgerstr. 23. Albert Schultz, Hoohstr. 37. August Disohsr, Oranienburgers tr. 53. Hugo Breest, Kastanien-Allee 3. Johann Prillwilz. Schönhauser Allee 73. Hermann Garlipp, Pappel-Allee 118. Hermann Kempf, Kastanien-Allee 91. Gottlieb Sudan, Oderbergerstr. 40. M. Rommeheck, üsedomstr. 3. Ad. Deutsch, Hussitenstr. 4/5. N. Becker, Feldstr. 10. Erwin Tribolet, Franseckistr. 10, Ida Scheffel, Danzigerstr. 90. Paul Recolin, Eeinickendorferstr. 26a. Max Woltf, vorm. H. Fiedler, Brunnenstraße 13. Otto Albrechi, Lychenerstr. 11. Julius Schönhern, Brunnens tr. 67, Ecke Demminerstraße. Julius Schünborn, Schönhauser Allee 45, Ecke Danzigerstraße. Julius Schön born, Eeinickendorferstr. 9a und 10. Julius Schönborn, am Nettelbeckplatz neben der Apotheke. Chr. Bolte, Weißonburgerstr. 25. A. Luchmann, Euppinerstr. 21. Hermann Henke, Schönhauser Allee 134. Frl. Anna Retschke, Swinemünderstr. 90. Wilh. Buschmann, Müilerstr. 131. W. Sommerfeld, Greifenhagenerstr. 13. V/. Sommerfeld, Schliemannstr. 35. Berlin Zw. Emil Schön leid, Neue Königstr. 9. Paul Danneberg, Georgenkirchstr. 24. Julius Schönborn, Greifswalderstr. 1, am Königstor. Wwe. Emma Körner, Friedenstr. 60. Fr. Schäfer, Frankfurter Allee 114. Heinr. Gehle, Frankfurter Allee 49. Heinr. Gohle, Boxhagener Chaussee. Wilhelm Schulze, Kronprinzenstr. 46. G. F. Assmann, Landsberger Allee 49. Carl Lucas, Landsberger Allee 127. Oscar Friedrichsohn, Neue Königstr. 31. Carl Deichmüllop, Grüner Weg 123. J. Kosterlitz, Kantstr. 52. J. Schröder, Grüner Weg 114, Andreas- Markthalle. F. W. Herzberg, Blumenstr. 76. Naumann& Zahl, Früchts tr. 22. Paul Rüffer, Königshergers tr. 20. Theodor Höhne, Frankfurter Allee 14. Hugo Lödlge, Liebigstr. 35. F. Janicke, Langestr. 81. Paul Grabitz, Breslauers tr. 4. Ad. Pfund, Langestr. 96. Ewald Sprotte, Koppens tr. 7. Albert Liick, Mühlenstr. 55, Julius Schönbarn, Gr. Frankfurterstr. 143, an der Fruchtstraße. Julius Schönborn, Grüner Weg 35, nahe dem Andreasplatz. F. C. Walter, Litthauerstr. 8. Max Angermann, Königsbergerstr. 12, Carl Lehmann, Tilsiterstr. 83. Otto Grimm, Kochhannstr. 6. Gustav Gräbert, Ebelingstr. 1. August Sfriemer, Eigaerstr. 124. Andreas Ooormann, Warschauerstr. 76. Frl. Anna Gohle, Kopernikusstr. 5. Adolf Mewes, Warschauerstr. 55. Berlin SO. Albert Oomaschke, Eeichenbergerstr.45. Erich Seiffert, Grünauerstr. 1. Gebr. Lange, Wrangelstr. 113. Gohr. Lange, Wrangelstr. 30/32. August Hahn, Mariannenplatz 21. Otto Pötsch, Wrangelstr. 119. Willi Domsalla, Falokensteinstr. 44. Georg Bethko, Muskauerstr. 44. Martin Hapke, Frankfurter Allee 147. Paul Mulack, Köpenickers tr. 72. Carl Hensel, Köpenickers tr. 130. A. Schleinitz, Mariannenstr. 14. Oswald Schulz, Waldemars tr. 63. Erich Seiffert, Wieners tr. 22, am Görlitzer Bahnhof. Erich Seiffert, Eeiohenbergerstr. 71, Ecke Försters traße. Erich Seiffert, Eeichenbergerstr. 17. Erich Seiffert, Kottbuserstr. 4a, i. Hause Cafe Sanssouci. Richard Gommel, Lübbeners tr. 21. Waldemar Marnholz, Falokensteinstr. 7. Waldemar Marnholz, Pücklerstr. 44. General- Vertreter; JolianneHaJeseie haben bei: Richard Paul, Naunynstr. 8. Ernst Tucher, Liegnitzerstr. 7/8. Berlin S. D. Mader, Prinzenstr. 37. Julius Schönborn, Kottbuser Damm 39, am Hermannplatz. Paul Bock, Bäckerei, Dieffenbachstr. 70. Erich Seiffert, Alexandrinenstraße, vis- a-vis Patentamt. Felix Beyer, Wißmannstr. 47. Wilhelm Koch, Wißmannstr. 26. Berlin SW. Rieh. Mühlenhaupt, Blücberstr. 4. Paul Hennig, Großbeerenstr. 62. Wilhelm Heyer, Gneisenaus tr. 95. Ernst Neetze), Willibald Alexisstr. 4. Max Schramm, Mittenwalderstr. 45. Max Negwer, Naumburgerstr. 42. Johannes Pietzsch, Gneisenaustr. 97. Franz Ho ff mann, Bergmannstr. 88. Wilhelm Kühne, Bergmannstr. 15. Franz Pasch, Gneisenauerstr. 114. Rudolf Kafz, Drogist, Heimstr. 17. Heinrich Klaff, Fidicinstr. 9. F. 0, Richter, Friesenstraße, Ecke Amdtstraße. Berlin W. H. Scheuermann, Kyffhäuserstr. 21. H. Scheuermann, Dennewitzstr. 22. H. Scheuermann, Goltzstr. 1. H. Scheuermann, Zossenerstr. 38. H. Scheuermann, Bülowstr. 43.# Carl Rieh. Schmidt, Potsdamorstr. 43a. Paul Martins, Drogerie, Eegensburger- Straße 29. Wilh. Grüning, Adolfstr. 27. Otto Meyer, Goebenstr. 3. Berlin KW. Rudolf Fink, Turms tr. 10. Arthur Koch, Lübeckers tr. 49, Carl Linde, Wilsnackerstr. 26. 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Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Tjj. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Vuchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer Sc Co.. Berlin SW. lt. 110. 23. Jahrgang. 2. KnlM des„Kmiilts" Kerl« AckMIt. Sonutllg, 13. Mai IM. Vmnifcbtes. Die Leiche im Koffer. Frankfurt a. 2tt., 12. Mai. Ein Leichenfund, der gestern in einem bei einem Eisenbahnspediteur eingestellten Koffer aus Wildungen gemacht wurde, ist aufgeklärt. Es liegt Raub- mord vor. Der Morder heißt Wilhelm Meyer, geboren am IS. Ok- tober 1373 zu Meschede in Westfalen, der sich mit seiner Geliebten, der aus Wildungen stammenden, 23 Jahre alten Christiane, bereits auf der Fahrt nach Amerika befindet. Mord und Selbstmord. Frankfurt a. M., 12. Mai. In einem Zimmergeschäft erstach gestern nachinittag der Tagelöhner Altenberg den Zimmerpolier Crapf und durchschnitt sich dann selbst die Puls- ädern an der Kehle. Tätlich verletzt wurde Altenbera in ein Kranken- Haus gebracht. Die Tat ist anscheinend in einem Anfalle von Geistes- gestörtheit verübt worden. Brand der Pariser Lederhalle. In der Pariser Lederhalle brach gestern Nacht ein Riesenbrand aus, der bald das Gebäude ein- äscherte. Die Lederhalle war eigentlich nur ein Lagerhaus, in welchem die Lederhändler, worunter viele Deutsche oder Vertreter deutscher Firmen ihre Vorräte aufbewahrten. Die hier auf- gestapelten Waren hatten einen Wert von 10 000 OVO Frank. Das Gebäude war 162 Meter lang und 66 Meter breit. Die Flammen, die aus 206 Fenstern nahezu gleichzeitig herausschlugen und in ganz Paris sichtbar waren, griffen mit ungeheuerer Schnelligkeit um sich, weil in diesem alten Viertel die Häuser dicht aneinander liegen. Während des Brandes hörte mans wie die Ballons mit Gerbflüssigkeiten, die dort vorrätig gehalten wurden, explodierten. Einige Personen sind leicht verletzt. Eine ganze Schar Spitzbuben fiel während des Brandes über die Wohnungen in der Nachbarschaft her und schleppte alles, was nicht niet- und nagelfest war, fort. Viele Bewohner des Viertels mutzten sich mit Revolvern zur Wehr setzen. Man vermutet Brandstiftung. Ein Schnelligkcitsrckord. Die schnellste Fahrt zwischen dem Atlantischen und dem Stillen Ozean machte in diesen Tagen der Eisenbahnkönig Harriman, der in 71 Stunden und 27 Minuten von New Dort nach Kalifornien fuhr, eine Strecke von 3639 eng- tischen Meilen. Der Zug raste unaufhaltsam dahin und hielt nur an, um die Lokomotive zu wechseln. Gewöhnlich dauerte die Fahrt von New Jork nach San Francisco wenigstens vier Tage. Lriekkatden der Redaktion. A. W. 60. MenschenSkind, ja, wenn Sie nicht verstehen, daß cS sich hier um einen Papagei handelt.— H. Hartkopf. Ob Sie mit einem Anspruch aus Rückzahlung und Rücknahme durchdringen werden, hangt wesentlich vom Gutachten des Sachverständigen über den reellen Wert des Rades und davon ab, ob der Verkäufer Ihnen das Rad als neu verkauft hat.— Zwei Streitende. Asphaltartige Masse.— R. H. 140. Sie könnten beim Amtsgericht den Antrag aus Teilung stellen. Die Beerdigung des Schriftsetzers HerrnHeiili-ieKKiitei»»»!» findet nicht heute um 3 Uhr. sondern erst um 4 Uhr auf dem Dreifaltigkcitskirchhof, Bergmannstrafte 39—41, statt. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein innigstgeliebter Mann und guter Vater, der Hutmacher tienninx Uind nach kurzem, aber schwerem Leiden am II. Mai ISOL im 52. Lebensjahre verstorben ist. Die Beerdigung findet amMon- tag, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Dankes-Kirchhoss (Müllerstraße) aus statt. 1774b Die trauernde Witwe Klar»» und Sohn. Zentraivereio liip alle in der HulbraDche besehiigt. Arbeiter anil Ärheiterinnen Todes-Anzeige. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Kollege und lang- jährige Vorsitzende tfi. Lund am Freitag verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 14. b. M., nach. mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des DankeskirchhoseS(Te- geler Thaussee) aus statt. Um zahlreicheBetelligung ersucht 224/6 Der Vorstand. SozlaliieffloMeiiJalilverciii de« 8. Berliner Waüreises. Todes-Anzeige. Am Freitag, den 11. d. M., ver- starb unser Mitglied, der Hut- mach« Henniiig Lund Reinickendorserstr. 8. GlelchsallS am Freitag verstarb unser Mitglied, der Schlosser Paul Loescher Reinickendorserstr. 64a. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung der beiden Parteigenossen findet am Montag. nachmittags 5 Uhr, von der Halle des DankeS-Ztirchhoses auS statt. Um zahlreiche Beteiligung elincht 248/7 Der Borstand. Donnerstag, den 16. d. Mts., entschlies sonst nach kurzem schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater und Sohn, der Schlosser Paul Löscher im vollendeten 32. Lebensjahre, was hiermit tiesbetrübt anzeigt die trauernde Witwe 1784b nebst Kind. I Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. • Todes-AiiKciec. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Paul Löscher gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 14. Mai, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Dankes. Kirchhofes in Reinickendorf, Tegeler Chaussee, aus statt Rege Beteiligung erwartet 119/2 01« OeUrenMltung. Danksagung. Jsür die vielen Beweise der herz- en Teilnahme bei der Beerdigung meines dahingeschiedenen Mannes sagen allen Anoerwandlcn, Kollegen und Genossen innigsten Danl. Witwe Lippold und Kinder. , Am 16. Mai, abends»/411 Uhr, J entschlies nach schweren Leiden | mein lieber Mann und unser | guter Vater Bruno Pabst j im 45. Lebensjahre. DieS zeigen I betrübt an vi« stintordliobsnsn. Berlin, den 13. 5. 66, Triststr. 28. Die Beerdigung findet heute I nachm. 2'lt Uhr von der Wohnung nach dem neuen Nazareth-Friedhos s in Reinickendors aus statt. s1123/7 Zentral-lferein der Bildhauer Deutschlands. (Verwaltung Berlin.) Den Kollegen zur Nachricht, daß unser alleS Mitglied, der Steinbildhauer Bruno Pabst nach langer Krankheit, 45 Jahre alt, verstorben ist. �Die Beerdigung findet am Sonntag, den 13. Mai, nachmittags 2'/, Uhr, von der Wohnung Trift- straße 28 um 4 Uhr aus dem Nazareth-Friedhos in Reinickendors (Berlinerstraße) statt. Um zahlreicheBetelligung ersucht 26/12 vei» Torstand. Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkebrsarbeiler Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin I. tierdurch diene zur Nachricht, unser langjähriges Mitglied, der Kollege Otto Költz verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 14. d. M., nach- D mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Markus- Kirchhofes, Wllhelmsberg, aus statt. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht 0!« Ortsverwaltung Berlin I. Todes- Anzeige. f lermit die traurige Nachricht, mein lieber Mann, unser Vater, Schwieger- und Großvater Hsrnmnn Liley plötzlich verstorben ist. 12192 Die Beerdigung findet Sonntag, den 13. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Heilands- Kirchhoses in Plötzcnsee au» statt. Oie trauernden Hinterbliebenen. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Arbeiterin im* Merken gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 13. Mai cr., nach- mittags 5 Uhr, von der Wohnung, Mühlcnslraße 8, aus nach dem Andreas-Kirchhos in Wllhelmsberg statt. Rege Beteiligung erwartet 119/1 Ole Ortsverwaltung. Deutscher Buchbinder-Terband. (Zahlstelle Berlin.) Am 11. Mai d. I. starb nach kurzen Leiden unser Mitglied Klara Seeger. Ehre ihrem Andenken! Hermannstraße statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. jeder Art„Augusta Bad'S Köp enickerstr.66. Todes Anzeige. Am 16. Mai verstarb plötzlich unser Kollege kraui MQhlenschuIte. Sein Andenken werden in Ehren halten 1818b Die Kollegen der Bautischlerei Ii. Bartseli, Boxhagener straße. Beerdigung wird am Dienstag bekannt gegeben. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaiers sagen wir allen Beteiligten, insbesondere dem Gesang- verein der Putzer unseren herzlichsten Dank. 12212 Die trauernden Hinterbliebenen. Witwe Helene Klelnltzbe _ nebst Kindern. Danksagung. Allen lieben Freunden und Be- kannten, welche meinen lieben Mann Ott« Knhlmey zur letzten Ruhestätte begleitet haben, insbesondere den Mitgliedern des fimibclä. und Transportarbeiter-Ver- andcS, sowie den Kollegen der Holz- bearbeitungSfabrik König, Weißcnscc, sage ich hiermit meinen innigsten Dank. Wwe. Minna Kuhlmey, geb. Falk. 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Referenten sind die Reichstagsabgeordueten Karl Egon Frohine und Daniel Stückle«. Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Der Eiliberufer. 200/12 Städtische Arbeiter! Freitag, den 18. Mai 1006, abends pünktlich SV, Uhr, in„Kellers Festsiilen", Koppenstr. AN: Qr. frotestversamminnii aller in den Betrieben der Stadt Berlin beschäft. Arbeiter, Handwerker usw. Tages-Ordnung: Aas ablthnende Uerhaltkn dtr blirgerliche» Mdwrordltttklt-Mthrhtil gtgtuiibtr deu Arbkitetforderlülgkn. Referent: Reichstags-Mgeordneter kVslze ZubeiB* Freie Aussprache für jedermann I.■; Sämtliche Stadtverordneten sind schriftlich eingeladen. Uerband städtischer Arbeiter, Filiale Grost-Kerlin. 203/17 Emil D i t t m e r, Oltc Jakobstraße 145. Aiaf aur �ersammimig am 68» BfBaäB veullcher Metallarbeiter Verbanck. Verwaltungsstelle Berlin. ArbeltBiiacbwel«: Zimmer 84, Amt IV, 3358. Engel-Ufer 15. Hanpt-Bareaa: Zimmer 1—5. AmtIT,9670. Mung! utaiausgesperrte der Metallindustrie. Diejenigen Kollegen, welche«och nicht wieder in Arbeit sind, ersuchen wir behufs Entgegennahme einer wichtigen Mitteilung am Dienstag, den 13. Mai, vor« mittags, nach einer der nachfolgenden Auskunftsstellen zu gehen: «W I. Ml 119/3 Die Ortsverwaltung. Suehbinder! M Mittlvoch, dkll 16. Mai, abends 6 Uhr, im„Gesellslhastshans Medding" Merßr.7: Oeffentliche Versammlung aller in Buchbindereien, Buchdruckereien, Kontobuch-, Luxuspapier- und Kartonfabriken beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. 1. Vortrag des Gewerkschastssekretärs Ädolf Gitter. 2. Diskussion. 3, Verschiedenes. 24/3* Kollegen und Kolleginneu! Agitiere ein jeder recht rege für starken Besuch der Versammlung, speziell dürfen die im Norden beschäftigten Kollegen und Kolleginnen nicht fehlen! Ter Gauvorstand. I. A.: Hugo Lemser. Nach der Versammlung: tjVtntitUclies Beisammensein._ Allgemeine Orts-Kraukenkasse für KäxßBanl. Der Jabr'cSverlchi 1003 ist erschiene» und ivird dcn Albcltgcbern und Mit' gliedern im Kassculotol m>s Wunsch verabsolat. Der Vorstand 274/1 Karl Wagner, GardiiieichouS Bernhard Schwarh Wallstr, 29 gliU-SIng. Zahlstelle Berlin. Montag, den 14. Mal, abends S'/« Uhr: Ners»mml«iig der Drechsler Knlnis lllid Uororte im Königstadt-Kasino, Holzmarttstr. 7S. Tagesordnung: 8S/tg t. Lohn« und Akkordarbeit. Zieserent: Kollege B a t t l o ch, 2. DiS« luffton. 8. Bericht der Kommission. 4, Verbands, und Branchenangelcgen- heiien. Kollegen l Wir ersuchen Such, fiir guten Besuch der Versammlung>u agitieren, denn jeder Kollege hat grobes Interesse an den Verhältnissen in unserem Beruse. Ble Vereamralnng wird pünktlich eröffnet. Montag, ben 14. Mal 1906, abcndS 8'/, Uhr» PF* Versammlung"WK der Laden- und Koiitormöbclbranllse im Englischen Garten,«lexanderftr. 87o.j Tagesordnung! 1. Vortrag. S- Branchenangelegenheiten, s. Verschiedenes. Montag, de« 14. Mal, abend» 8'/, Uhr: Sesirks-Versammlung der Rostiithalcr und Mönlinilscr Vorstadt bei Schüft. Schönhauser Allee S8. Taget« Ordnung: i Vortrag de« Genossen Mermuth über: Das Koalitionsrecht der deutschen Arbeiter. 2. Dislussion. S. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Da ich die letzte Versammlung vertagen muhte wegen zu schwachen BesucheS, so möchte ich dl« Kollegen ersuchen zahlreich zu erschelnen. fTrancn und Ä'lchtmUglledcr haben Zutritt. _ Der veztrksletter. Montag, de» 14. Mal 1966, adendS 8',. Uhr: Bezirks-Versammliiiig für Meddwg- Gesundbrnnnen bei Milbradt, Müllerstraß» 7. TageS-Ordnung! l. Vortrag des Genossen Irtedländer über: Ruftland 1« Not. 2. DiSIussion. 2. Verbandsangelcgenhetten. Die Bautischler werden ersucht von: 19. dl» 27. Mai sämtliche Differenzen bei dem Kollegen Paschte, Borstgstr. IS, zu melden. Einsetzer! Achtung! Achtung! Die Kollegen, welche für die Grofteühaincr Firma Kirchner(Ver. treter Zimmermann) arbeiten, haben sich am Montagabend zur Kommisjionssiftung im Gewerkschastöhause. Saal 5, einzusindm. Der Obmau«. parkettbodenleger! Donnerstag, de» 17. Mai abends 8 Uhr. tm Gewerkschaftshause, ASngel-Nfer 15(Saal 5); Branchen-Versammlnng. TageS-Ordnung: v 1. Wahl eines Obmauues. 2. Branchmaiigelegenheiten. 3. Der« schied ene«. Hierzu sind die Kollegen Ran und Prüfer und die Kommission der Bohner geladen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Kommissso«. Mttttvoch, den 16. Mai 1996, abend« 8'/, Uhr: Kombinierte Mitglieder-Bersammlimg tu den Restdenz-Säle». Sandsbergerstrafte 31. TageS-Ordnung:. 1. Bortrag deS Genossen Stern(4. Vortrag):„vle veneblehte der neueren Bhllonophle bin Kant",— 2 Diskussion.— 3. Verschiedenes. Kollegen, welche einen Sitzplatz in der vetr-iedswerkliatt für Ballschuh, mache» haben wollen, werden ersucht, sich im Bureau zu melden. Die BetriebSiverkslait besindet sich Große grantsurtcrslrah« 137 und wird am 1. Juni eröffnet. Zwecks Revision der Bibliothek können Bücher dt« aus weiteres nicht mehr ausgeliehen werde». Die Kollegen werden ersucht, die ausgeliehenen Bücher innerhalb 14 Tagen zurückzubringen. 109/18_ Die Ortsverwaltuug. Schttstm acher! Montag, den 14. Mai 1996. adendS 8'/, Uhr: OtjsMSlliilhmliihrrllrchmllmlg tm»Englischen Garten-, Alexanderftrafte Nr.«7e. TageS-Ordnung: 1. Bericht über die Lohnbewegung im Schuhmacher- gewerbe. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 109/17 vor Einberufer. Cbarlotteaibiirgf. Mittwoch, den 16. Mai, adendS 8'/, Uhr: Hü Versammlung des Wgen Frauen- u. Mäddjtn-Kildnngsvtreins im BolkShanse, Siosturuftrafte S. Tagesordnung: Frauenarbeit und KuIIurcntwickelung. Reserenti Simon llsironetoln. 1/3 Männer und Frauen sind hierzu eingeladen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Achtung! Boiirer! Montag, de» 14. Mat 1906, adendS 8 Uhr, in Wille« Festsalen. Vrunnenftr. 188- Oeffentliche Bersammlnng sämtlicher im Berufe beschäftigten Kollegen. Tag H o r_b n u n g: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme geiordnung: 1. Borlrag. 2. DiSkusst- zum Tans der Rohrdeckensabrtkanten Berlin» und Umgegend. Verband der Vennaltungsbeamten der Krankenkassen und 8erufsgenossenscba|ten fientschtands. Bentrkeffruppo: Berlin-Brandenburg n. Bocklenburg:. Montag, den 14. Mai 1906, adendS 8 Uhr: = Bezirkstag In Berlin= bei nicffel, Stralauerftrafte 67., Tagesordnung: 1. Wahl eine« BorstandSmttgUedeS lBeisttzer). 2. Besprechung der ölngelegenheit MathiS. 3. Abrechnung vom Wintervergnügen. 4. Verbands- angelegenheiten.------ Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist e» erscheinen._ 293/15 PflM aller Kollegen zu der Vorstand Zentral-Kranken- u. Sterbekasse der Zimmerer. E. H. Nr 8, Hamburg, Oortltetae Verwaltung Berlin. riiii ner utr in»« Herrenkonfektion! Am Montag, de» 14. Mat, abend» 8'/- Uhr, finden Zwei öffentliche Versammlungen statt und zwar für de» für den Osten b-'«»b-»eht.«-°�° frankfurter. TageS-Ordnung: Die gewerkschaftlichen Kämpfe der Gegenwart. Referenten! Arbeiterserretär Seiieknee und VerbandSvorsttzender Slow. liattstndenden Gelchitft-versanlmluugen legen sioa/u] _ Di« am Monta fallen au» und werden zahlreich zu besuchen. e Kollegen ausgesordert, obige Versammlungen " i»er Elnbemfer. Verein Berliner Hausdiener gegründet 1883.- Arbeitsnachweis u. Bureau; Alte Leipzigerstr Geöffnet von S— 0 Uhr. Sonntag» geschlossen. 1 1. Sing. Raule« Hof. elephon: Amt I, 2032. OonncrBtas, den 17. Mai Ivo«, abends 9 I hr, In den Zontral-Vestsälcn, Alt« Jakobstr. 8»; III, außerordenllicbe Generalversammlung. Tag�ö-Ordnung: 1. Bericht de« Vorstände«. 2. ErgänzunaSwahl von zwei Vorstands» Mitgliedern. 3. Anlräge und Protest«. 4. Geschäftliches. - Mitglledtbuch Ist vorzuzeigen PS. DW Am Donnerstag', den 24. Mai 1900(Himmelfahrt). Herren. Partie nach Grünau, Schmöckwitz, Krampenburg. Müggelheim usw. Treff. und TL Uhr am Bahnhof in Grünau.— Dt« Abfahrt vom Görlitzer Bahnhol und mit der Stadtbahn mutz fo erfolgen, datz die Teilnehmer um '/.b Uhr in Grünau find, der Abmarsch von Grünau erfolgt pünlUich 8 Uhr. lim Der Vorstand. Montag, de» 14. Mai, abends 8'/, Uhr: Mitglieder-Bersammlimg im Gewerkfchaftshause, Engel. Ufer 15,«aal IV. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal. 2. Stellungnahme zur Generalverfammlung und»ahl der Delegierten. WW- Mitgliedsbuch legituniert-MD Bor Vorstand. 259/10_ g. R. SohrBder, Ttlfiterstr. 82. Verband der Schneider und Schneiderinnen. PB* Achtung! im jVlitglieäer der Ortö-KrankcnhatTe. Mitglieder der vor kurzem aufgelösten Jnnungs« Krankenkasse der Schneider! Mittwoch, de» 16. Mai, abend» 8'/, Uhr, im Lokale vozzendazeu, am Morihplatz: Oeffentliche Bersammlnng. TageS-Ordnung.» Die Neuwahlen zur Ortelasse und ihre Bedeutung für die VersicherungS- Pflichtigen. Referent: Kollege Ad. Bitter. 103/10 Kollegen und Kolleginnen I Ericheint in Mafien zu dieser Versammlung. e» gilt Protest zu erheben gegen die Art, wie man mit den Siechten der Mitglieder der Kaff« umspringt. Bor Elnbernfer. Arbeiter- Samariter--f. Kolonne« Der SiOIIIIWCrs bcginni in der 2. Abteilung, Bninnenstratze 154, am Montag z In der 4. Mtellung, in Lichtenberg bei Pickenhagen, Scharnweberftr. 09. am DonerStag; fedeSmal 9 Uhr abend» beginnend mit einem SinleitungSvoltrag über Anatomie(Bau des mensch« lichm Körper«), 201/1 «inschrotdeaeld«5 Pf. MonatSbeftrag«5 Pf. Dir Bibliothek steht de» Mitgliedern zur freien Verfügung._„ �, Um zahlreiche Beteiligung ersucht De» Vorstand. BSR Heute nachmittag-W> — i—ü Ausflug nach Treptow. Treffpunkt 3 Uhr, Restaurant Nonnenberg, Parkjtratze, Ecke Köpenicker Landstraße. Qesinnnntgsfreunde! welche bei dm am DltNSillg, dtN 15. Mlll, stattfindenden öffentlichen Volksversammlungen gegen das Schulverpfaffungsgesetz iür den AMilt m i>cr Kirche»O CtWel durch Austeilm von Flllgblättkrn und Austrittsfornluluren tStlg sein wollen, werden gevelen. am Montagabend 8% Ulic wegen Einteilung bei Franke, Sebastianstr. 3S, zu erscheinen. Recht zahlreiche Beteiligung erwartet 62/17 Der Agitlltlsuslttlsslhuß der Freireligiöstu GkUltinde\\\ Kerlin. _ I. 81.: 91. Hofimann, Berlin 0., Blumenstrasje 14._ Achtung! Kanschloffer! Achtung! Seit Freitag, de» K. April früh stehen die Kollegen in 31 Werkstätten im Streik. Die übrigen in Betracht kommenden Firmen haben bewilligt, darunter auch eine Anzahl Jnnungsfirmen. Bon Montag, den S. April ab, dürfen sämtliche Bauschlosser nur noch mit Berechtigungskarten arbeiten, diese sind Sonnabend, den 7. April den Vertrauensleuten ausgehändigt.— Die Bauarbeiter ersuchen wir, uns dadurch zu nnterstützen, dast sie die auf die Bauten kommenden Schlosser nach den Arbeitsberechtigungskarten fragen. Jeder Schlosser ohue Karte ist als Arbeitswilliger zu betrachte». Des weiteren machen wir alle Bauschlosser daraus aufmerksam, dast ohne Zustimmung des Streikkomitees �i�en�� die Arbeit niedergelegt werden darf. 117/20 Das Streikkomitee. Cohen. 75/12 lllill Berlins und Umgegend. Donnerstag, den 17. Mai, abeuds 8'/, Uhr, in Kellers großem Saal, «oppen-Strafie Nr.£0:< jlnPerordentliehe teral-Versatntnlung. TageS'Ordnung! Wie stellen sich die Kollegen zum Anschluß au den Deutschen Holzarbeiter-Berband? 2. Ditkusfion. 3. Beschlußsassung. I1 Ditkusfion. 8. Beschlußsassung. n Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist pünktliches Erscheinen aller Mitglieder Ehrenpflicht. ie Lcrsamiulung wird pünktlich eriffnet.— Mitgliedsbuch ist beim Eintritt vorzuzeigen. lter Vorstand. Sie können gesund werden! Brauchen Sie die weltbekannten tt. k!la>or»e>i«n Speeial- KrSutoear»- nvivn. Tausendsach erprobte TecS können Sie zur Sclbstbereitung der Kräutermedizin in Originalpaketen a 1 M. gegen die meisten Leiden bekommen. Spreche» Sie vor im: Hygienischen Bazar, Inhaber Albert Waldmann, Berlin N.31, Boltastr. 29. Portal?. I. AIS besonders viclbcaehrtc u. bewährte Spezialitäten empschle die Tees gegen Slsthma, Lungenleiden, Rheuma, Gal- lenstein, Zuckerlraukheit, Epilepsie, Keuchhusten, Bettnässen ic. Auskl. Brosch. gegen Eins. v. 20 Ps. Prima- Nährsalzpräparate und kosmetische 8Ir- tikel. Eucalyptol. 265/5» [ilm verdienen Sie beim Einkaus Ihrer Zigarren und Zigaretten. 20S/g» ff. 4 Pf, 1000 St. 20 M.. 3003t 7M. „ s„ 1000. 25. 300. 0„ „ ö. 1000. 30„ 300. 11, .... 1000. 40.. 300„ 14. 10. 1000. 30. 300. 17. 1 Pfg.- Zigarette 1000 Stück 5 Mk.. 2 Pfg.-„ 1000 10„ Nachnahme.— Preisliste franko. .71. Dick, Zigarrensabrik Lodwop- nitz I. 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Infolge de- Streiks der Lagerarbeiter der PoslIslilI'Zeliieiit-sgbliI<,°«K>lttiii!>niiiilll«lieIi haben verschtedcnlllch Unternehmer von unseren Kollegen verlangt, die Arbeit der Gtretkendc« zu verrichten. Wir richten deshalb an alle unsere Kollegen da» Ersuchen, den Streikenden volle Soltdarttiit zu erweisen und den Transport des Zements nur insofern ausführen, als cä im Baugewerbe allgemein üblich ist. Alle anderen Llrbeiten, als da find: das Auf« und Abladen deö Zements von den Wage» der Firma, sowie das Austragen des Zements aus deu Kähnen, sofern solches vorher nicht direkt von den Bauarbeitern ausgeführt wurde, find unter allen Umständen zu verineiger» Streitigkeiten hieraus find sofort der Leitung zu melden. 34/1 Der DirelgverekiwrorBtand. Verband der Sattler. Ortsverwaltung Berlin. Mittwoch, den 16. Mai. abends«'/- Uhr, in den ch.rmlnl»»ll«i>, Rommandantenstr. ttv: JiiißerorcUiitUcKe Leneral-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Berichterstattung vom Dresdener Berbandstag. 3. Gründung eines allgemeinen Streikfonds. 4. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.—• Achtung! Kollegen! Achtung! Montag, de« 14. Mai. abends 8-/, Uhr. in». rranUe» FeMle, Sebastianstr. 89- Allgkuiemt NkllraueusWMwttsnnml. «M- Jede Wertstelle muft unbedingt vertreten sein."WU 156i20_____ Die Ortsverwaltung. W oerkehltn? Sie Mo lsgitren Sie? Mo speiftn Sie? B« SKnsmm, Berlin, > Ikitterntrav« IS.?.« Großer FrübstQck., Mittag, und Abendlisch. Mittag mit»lev 60 Ps.. abends s la carte in reicher Auswahl. Gr. Frcmdenlogis a Bett 30 Ps. 2 Berestiszimmer(20 u. 60 Perl.) auch mlt Piavt« Telephon Amt IV 2366. Gemacht wird eine Landpartie Zum Fest der schönen Pfingsten, Doch vorher geht'S zu Hllber hin l* Spricht Vater ,u den Jüngsten, .Der liefert unS piekfein nach Mab 'neu Anzug— einfach puppe, Wir frag'u nicht erst: Was kost't Berlin? 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Links Restaurant, Calandrellistt. 27. Klein-Besten. Ä. Puranns Restaurant. Ornnan. DuehauffOUP, Köpenickerstt. 79. Johannisthal- Rudow- Nieder- Schöueweide. Krügers Restaurant, Johannisthal, Friedrichstr. 10. Königs- Wusterhausen. Wedhorn(Altes Schützenhaus). Köpenick. Stadl- Theater. Marieudorf. Borgfeldl, Feldstr. 44. Nowawes. Deutsehe Festsäle, Wilhelmstr. 3. Rixdorf. Neue Well, Hasenheide. Schmargendorf. Wirtshaus Schmargendorf, Warnemund erst. 6. Schöncherg. Obst's Festsäle, Meiningerstt. 8. Steglitz. Birkenwäldchen, Schützensttaße. Tempelhof. Noacks Restaurant, Berlinerstt. 9. Wilmersdorf. Wilhelmshof, Schiineberg, Ebertstt. 80. �ehlendorf. lugusl Rüler, Schlachteusee, Neues Gesellschaftshaus. Bossen. 1. Schimke, Barutherstt. 51. Referenten: kriickner. Krüns. Julius Lobn. Cv?a1d. Kendel. Mittle. Giebel. Gerbard kildebrand. Paul Dirlcb. Md. koffMM Katzenftein. Wiefel. Kütcr. frau jVlefcb. jVlietbke. Rieger. Ritter. Schütte. Chiek-Ralle. Dr. Zadeh. Zubesl. Mahlkreis Uieder Karnim. Bernau. Elysium. Franz. Bnchholz. Kühnes Festsäle. Friedrichsfelde. Bube, Prinzen-Allee 30. Karlshorst. Knpsch, Waldsebänke. Blchtenherg. Schwarzer Ädler, Frankfurter Chaussee 5. Bher-Schöneweide. Wilhelminenhof. Pankow. Feldschlößchen, Berlinerstt. 27. Rnmmelshnrg. Weigel, Türrschmidtstt. 45. Weißensee. Yereinshaus, Charlottenburgerstt. 150. Referenten: flntrkh. Dr. Kernstein. Dr. Deinricb Kraun. fraw LUy Lraun. frau Jeetze. MB. paetzd. Störmer. Rlcrfnytb. s Tages- Ordnung: 1. Der preußische DoIHsscHulgesetzentwurf. 2. Diskussion. Zahlreiche Beteiligung aller Parteigenossen und Genossinnen sowie schärfste Agitation für den Besuch der Versaunnlnngen erwartet Der Zentralvorstand. LkiovtwortliSer Bedakteuill Sans Weber. Beilill. Für bm Lnseratentell verantw.: TS. Glolke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdruckerei u. BerlogSanLglt Paul Singer& Co.. Salin Nr. 110. 23. Ichrgimg. 3. Kcilqc Ks„Sotmiiilü" ßfiiiutt WllisM ZM«g, 13. Mai 1906. Eine englische Heiniarbcit-Ausstelliing. London» 9. Mai. sEig. Ber.) Das Beispiel der deutschen Gewerkschaftcu und Sozial- Politiker: durch eine Heimarbeitausstellung sozialpolitisch zu wirken, fand hier Nachahmung. Aber mit der Heimarbeit- ausstellung in London haben die englischen Trade Unionisten nichts zu tun!— Sie wurde von der sozialliberalcn„Daily News" arrangiert, deren Besitzer Georg Cadbury sich für einen Sozialisten hält, sedensalls aber ein recht arbciter- freundlicher und gutmeinender Unternehmer ist. Unter dem Namen„Sweated Industries Erhibition" wurde die Aus- stellung am 3. Mai in der Oueens Hall eröffnet, in der vor zehn Jahren der internationale Sozialistenkongreh tagte. Die Ausstellung wird bis zum 29. Mai dauern. An jedem Ausstellungstage soll ein Vortrag über einen mit der Aus- stellung zusammenhängenden Gegenstand gehalten werden. Es werden sprechen: Fräulein Gertrud Tuckwcll, eine nahe Verwandte von Sir Charles Dilke und Vorsitzende der Gc- Werkschaftsliga für Frauen, über„Lohn und Arbeitszeit": der Arbeiterabgeordnete Will Crooks über„Billige und schlechte Kleider": Genosse Lansbury:„Der Eiiiflusj der Heimarbeit (des Schwitzsystems) auf die Gemeindesteuern"; Fräulein Clementme Black:„Die Arbeitskraft als Ware"; Frau Hicks: „Die Uebel des Schwitzsystems": Pastor Lilley:„Die Ver- antwortllchkeit des Käufers"; I. R. Macdonald, Arbeiter- abgeordneter und Sekretär der Arbeiterpartei:„Eine Vor- läge zur Regulierung der Heimarbeit"; der soziallib�rale Ab- geordnete Gooch:„Die Behandlung der Heimarbeit im Aus- lande": Frau Macdonald:„Amerikanische Gesetze gegen das Schwitzsystem"; Genosse Herbert Burrows:„Warum und aus welche Weise soll die Gesellschaft das Schwibshstenr ab- schaffen?"; der sozialliberale Abgeordnete Money/der sozial- politische Redakteur der„Daily News":„Tie Wurzel des Uebels": Genossin Macarthur, Organisatorin der Frauenge- werkschaften:„Der Trade- Unionismus und die Arbeite- rinnen": Professor Dr. Woodhouse:„Ernährung und Schwitz- system"; Dr. Lawson Dodd:„Oeffentliche Gesundl)eitspflege und sozialer Fortschritt": Fräulein Adler. Organisatorin der jugendlichen Arbeiter:„Die Kinder und die Heimarbeit". Außerdem sollen noch ÄMiard Shaw, der Abgeordnete Tennant, Pastor Hamson und andere Sozialpolitiker sprechen. Die Vorträge werden dann in Buchform erscheinen. Die Ausstellung besteht aus zwei Abteilungen: eine Ab- teilung enthält etwa 250 Warenartikel, die llausindustriell hergestellt wurden: die zweite Abteilung enthält 22 kleine hausindustrielle Werkstätten, in denen 44 weibliche und männliche Personen beschäftigt sind. Ueber die Herstellungs- weise und die Kosten der Waren gibt der Ausstellungskatalog Auskunft, ebenso über die Arbeitsbedingungen und das Leben der Heimarbeiter. In Werkstätte l werden Hosen genäht und gebügelt, ferner Tischlerarbeiten verfertigt. Für das Dutzend Männer- hosen werden 1,75 bis 2,50 M. gezahlt: für das Dutzend Knabenhosen 1,50 M. Auslagen auf Zwirn, Nadeln usw. 35 Pf. pro Dutzend. Arbeitszeit 10 bis 12 Stunden täglich. Maximalwochenverdienst 10,50 M.: Minimum 3 M.! Die Arbeiterin hier ist eine Witwe mit vier Kindern: sie bewohnt zwei Zimmer, für die sie 5 M. Wochenmiete zahlt: sie erhält Armcnunterstützung. In Werkstätte II werden Zündholzschachteln gemacht: Lohn für 12 Dutzend 17 Pf. Arbeitszeit 12 Stunden täglich. Wochcnlohn von 5 bis 8,20 M.: Wochenmiete 2,50 M. für ein Zimmer, in dem sieben Personen schlafen. Der Mann der hier arbeitenden Frau ist schwindsüchtig: das älteste Mädchen ist 11 Jahre alt, besucht die Schule, arbeitet aber des Morgens sowie in der Mittagspause und eine Stunde abends: die Familie erhält Armenunterstiitzung. In Werkstätte III werden Haken, Oesen, Knöpfe auf Karton geheftet. Arbeitszeit 14 Stunden täglich. Wochen- verdienst 3,50 M. Wochenmiete für drei Zimmer 3,50 M. Armenunterstützung. In Werkstätte IV werden Tennisbälle genäht. Arbeits- zeit 10 Stunden täglich. Wochenverdicnst während der Saison(von Februar bis August) 10 bis 12 M. Wochenmiete 2 M. für ein Zimmer. Außerhalb der Saison näht die Arbeiterin Hemden. In Werkstätte V werden Pantoffel verfertigt. Lohn 2,50 M. für das Dutzend Frauenpantoffel, 3 M. für das Dutzend Männerpantoffel. Arbeitszeit 13 bis 15 Stunden täglich. Wochenverdienst 12 M. Auslagen pro Dutzend 50 Pf. Wochenmiete 2 M. für zwei Zimmer. Der Arbeiter ist Witwer mit vier Kindern. In Wcrkstätte VI werden Regenschirme hergestellt. Lohn 1,50 M. für das Dutzend. Arbeit sehr unregelmäßig. Wochcnlohn 6,40 M. Wochcnmictc für zwei Zimmer und Küche 8 M. In Werkstätte VII werden Säcke genäht. Arbeitszeit 10 Stunden. Wochenlohn 6.25 M. Wochcnmicte für�ein Zimmer 2,50 M. Die Arbeiterin entstammt einer Sack- macherfamilie. Ihre Mutter hatte 21 Kinder, davon sind acht von ihren Eltern abhängig. Ihr Vater ist Tagelöhner, aber oft arbeitslos. Sie ist verheiratet: ihr Mann ist Tagelöhner, ebenfalls oft arbeitslos. Wenn ein Sack schlecht gemacht ist, werden ihr 75 Pf. vom Lohn abgezogen, bei besseren Säcken beträgt der Abzug 2,50 M.I Aehnliche Gegenwartsbilder sind in den übrigen 15 Werk- statten zu sehen, in denen die verschiedensten Dinge an- gefertigt werden, u. a.: Handschuhe, Mieder, Spitzen, Papier- düten, Tonpfeifen, Zigarrenspitzen, Stickereien, künstliche Blumen.(Die Blumenarbeiterin ist alt, schon 50 Jahre mit Blumenarbcit beschäftigt und daher sehr geschickt. Sie arbeitet 14 Stunden täglich, verdient 10 M.'die Woche, wovon 4,50 M. auf Miete abgehen: sie erhält ihren kranken Mann und empfängt Armenunterstützung. Zum Schluß geben wir noch ein Gegcnwartsbild wieder, das Mr. Georg Haw, eines der Vorstandsmitglieder der Aus- stellung und christlicher Sozialist, auS dem Londoner Heim- arbeiterleben entwirft. In der anglikanischen Kirche gibt es eine ganze Anzahl von Männern und Frauen, die sich dem „sozialen Dienste" widmen: sie gründen Arbeiterklubs, Ar- beiterinnenvereine, in denen gespielt, getanzt, gelesen und geturnt wird: sie nehmen die armen Arbeiterkinder auf Aus- flüge mit, besuchen arme Kranke und unterstützen sie, ohne sie mit Religion und Seelsorge zu plagen. Sie nennen sich einfach„social workers"(Soziale Arbeiter). Haw gehört zu dieser Kategorie, und er kennt die Arwenquartiere Londons sehr gut. Er erzählt im Katalog der Ausstellung: Als er neulich in einem der Klubs für jugendliche Arbeiter in Shadwell(Ost-London) war, kam ein kleiner Junge und fragte, ob nicht jemand seinen Bruder, der sehr krank sei, be- suchen möchte. Haw und einer seiner Freunde machten sich auf den Weg und gingen mit dem Jungen zu einem der an den Docks liegenden Häuser, wo sie in das Logis des Kranken geführt wurden.„Der Junge öffnete die Tür. Wir traten unwillkürlich zurück. Der Geruch, der uns entgegenschlug» benahm uns den Atem. Durch eine Atmosphäre von schweben- den Flaumflocken sahen wir eine Frau, die mit Pelzzupfen beschäftigt war. Zwei junge Kinder lagen im Bett, auf dessen Decke Kaninchenhäute umherlagen. „Macht doch die Tür zu. um Gotteswillen," schrie die Frau, da der Windzug die Federn und den Staub aufwirbelte� „Ihr seid wohl gekommen, die anderen zu besuchen? Zu mir kommt niemand. Mein Jüngstes ist schon seit sieben Tagen tot, und ich schufte vom Morgen bis zum Abend, um so viel zusammenzuschaffen, das Begräbnis bezahlen zu können."— Sie legte auf einen Augenblick die Arbeit nieder und sagte in einem weicheren Tone:„Seht sie doch an, sie ist nicht sehr verändert." Die Frau näherte sich dem Bett,� in dem ihre zwei Kinder schliefen, und indem sie zu Füßen der Schlafenden— einen Haufen Kaninchenhäute auf die Seite stieß, hob sie die Bettdecke und enthüllte uns den ab- gemagerten Körper des toten Kindes. Sie legte den Rücken ihrer Hand an die kalteWangeihres toten Lieblings undmeinte, die Nachbarn sagten immer: Alice sei ein liebliches Kind.„Aber, Ihr könnt ja nicht hier stehen bleiben. Er hört Euch. Hört, wie er hustet!" An der anderen Seite des Zimmers, auf Säcken gebettet, lag ein schwindsüchtiger Junge, neben welchem eine Frau saß. die Säcke nähte.„Haw und sein Freund meinten, der Junge sollte ins Krankenhaus. Mutter und Sohn stimmten dem Vorschlage zu. Während der Unterredung setzte die Mutter ihre Arbeit ununterbrochen fort und sagte dann leise zu ihren Besuchern:„Die Begräbnisleute wollen den Körper nicht einsargen, wenn sie nicht das Geld auf dem Tische liegen sehen. Darum arbeitet sie(die Pclzzupferin) jetzt Tag und Nacht, um das Begräbnisgeld zusammen- zukriegen..." Zwei Tage darauf wurde der schwindsüchtige Junge ins Krankenhaus und das tote Kind auf den Kirchhof gebracht. Der Junge starb nach wenigen Tagen. Und wenn sie nun auch zwei Mäuler weniger zu füttern hatten, so ar- beiteten die Pelzzupferin und die Sacknäherin doch beim Kerzenlichte in der staubigen und schwülen Stube ununter- brochen fort." Lebr sogenebme, leiebts und luftige Tragart, 3.75, 3.50 2.75, 2.50, 2.25. 1.90, 1.40 BerreD-Oesten-H Der Haupt-Kaialog Nr. 29(Frühjahr u. Sommer) wird hostenlos u. portofrei zugesandt. Baer Sohn Spezialhaus grössten Massstabes Chausseestrasse 24«/ 26• 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20. Neuhelten- in Wasehstoffen Woll-Moussellnes.......... Meter IM. Mousselines......... Meter Zephir, gestreift, kariert..... Meter Satin mit Seidengianz....... Meter Organdy und Batist....... Meter Weiße durchbrochene Batiste•• Meter Weiße bestickte Batiste...... Meter Weiße glatte Batiste........ Meter RIeiderleinen, weiß und farbig.. Meter 70, 30, 50, 80 bis 150 Pf. 40 bis 60 Pf. 50 bis 100 Rf. 75 bis 100 Pf. 60 bis 140 Pf. 40, 60 bis 150 Pf. 75, 100 bis 200 Pf. 40, 60 bis 125 Pf. 60, 80 bis 120 Pf. 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Mt. im Deutschen Theater: Der Kammer- sänger. Die Neuvermählten. Der Herr Kommissär. Ansang VI, Uhr: Opernhans. Mignon. Montag: Der fliegende Holländer. Schauspielhaus. Die OuitzowS. Montag: Sappho. Neues Operntheater. Alpenkönig und Menschenfeind. Montag: Martha. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Montag: Kabale und Liebe. Neues. Orpheus in der Unterwelt. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ansang 8 Uhr: Westen. Schützenliesel. Nachm. 3 Uhr: Undine. Montag: Die vier Grobiane. Lessing. Kater Lampe. Nachmittags 3 Uhr: Die verlunkene Glocke. Montag: Und Pippa tanzt. Schiller kd.< Wallner-Theater.) Weh' dem. der lügt. Nachm. 3 Uhr: Die Macht der Finsternis. Montag: Weh dem, der lugt. Schiller K. lFriedrich Wilb-Im. städtisches Theater). DaS Glück im Winkel., �,, Nachm. 3 Uhr: ZaP enstre ch Montag: Das Glück im Winkel. Kleines. Der Unverschämte. Hig» Bobbe. Die Schlangendamc. Montag: Die Tragödie der Liebe. Berliner. Die lustige Witwe. Montag: Dieselbe Vorstellung. Komische Oper. HossmannS Er- zählungcn. Nachmittags 3 Uhr: HossmannS Erzählungen. Montag: Die Bohdm«. Residenz. LiebcSlunst. Montag: Dieselbe Vorstellung. Zentral. Die Puppe. Nachmittags 3 Uhr: Der Zigeuner- baron. Montag: Bruder Straubing«. Lustspielhaus. Die von Hochsattel. Nachmittags 3 Uhr: Die Logen- brüder. Montag: Die von Hochsattel. Driauon. Loulou. Montag: Dieselbe Vorstellung. Thalia. Hochparterre links. Nachmittags 3 Uhr: Bis früh um Fünfe. Montag: Hochparterre links. Btetropol. Auf inS Metropol. Montag: Diesewe Vorstellung. Deutsch> Amerikanisches. Arme Mädchen. Nachm. 8 Uhr: Uedem großen Teich. Montag: Arme Mädchen. Kasino. Madame Bonivard. Nachmittags 4 Uhr: Arbeit schändet nicht. Montag: Madame Bonivard. Apollo. Vom und hinten. Humbsti« Bumbsti. Montag: Dieselbe Vorstellung. Earl Weif». AuS altem Geschlecht. Montag: Dieselbe Vorstellung. Hansa. DaS Wunderkind. Familie Bernstein. Montag: Diesewe Vorstellung. Wintergarten. Sbeztalitäie». Passage. Spezialitäten. Belle-Alltance. Spezialitäten. Reichshalle». Stettiner Sänger. Urania. Tanbenstrahe 48/1». Abends 8 Uhr: Am Gols von Neapel, eine Frühlingssahrt zum Gestade der Sirenen und Zyklopen. Montag: Diesewe Vorstellung. Sternwarte, Jnvalidenstr. 67/62. Ferdinand Bonne Berliner Theater. Gastsp. deS Neuen Operetten-TheaterS au» Hamburg. (Direktor Max Montt). Sonntag und solgende Tag« Ansang 3 Uhr: Die Inslige Witoe. Heues Theater. Zum ersten Male: ßrßm in der OMl Ansang 7 Uhr. Montag, Dienstag: Orpheus in der Unterwelt.(Ansang VI, Uhr.)_ Kleines Theater. AbendS 8 Uhr: Der Unverschämte. Hieraus: Hille Bobbe. Zum Schluß: Die Schlangendame. Montag: Tragödie der liebe. Neues Operntheater (Kroll). Anfang 71/, Uhr. Sonntag, don 13. blai 1906: Alpenkönig u. Menschenfeind. Oper in 3 Akten von Leo Bleoh. Morgen Montag: Martha. Vorverkauf im Kgl. Opernhaus (Kasse II), Ä. Wer validendank. eim und In- Komische Oper. Nachmittags 3 Uhr ermäßigte Preise: »offmenns Erzählungen. Abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Montag: Die Bohsme. (Station Zoolog. Garten), Kantstr. 12. Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Preise: Undine. Abends 8 Uhr: Sohlitren- liesel. Volkstümliche Preise. Joses König a. G. Montag: Die vier Grobiane. Volle Preise. Ansang 8 Uhr. Dienstag: 26. Vorstellung Im Dienstags- Abonnement: Ger Frei- schütz. Vollstümliche Preise. Mittwoch: Don Juan. VolkStüM- liche Preise. Ansang 8 Uhr._ Lustspielhaus. Nachmittags 3 Uhr: LogenbrOder. illbeuds 8 Uhr: Die von Hochsattel. Zentral-Theater. (Operette.) 3 Uhr: Zigeunerbaron. WendS 8'/. Uhr: Die Puppe. Residenz-Theater. Direktion: Richard Hierander. Heute und solgende Tage Ans. 8 Uhr Liebeskuuft. Komödie in 3 Alten v. Leon Zanrof _ und Michel Carre. Passage-Theater. Anfang 8 Uhr. Das neue Mai-Programm I 1 4 erstklassige Spezialitäten i Trlanon-Thcator. Ansang 8 Uhr: I-onloa. Helropol-Theater Anfang 8 Chr. - ill'!i Große Jnhresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jnl. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen überall gestattet. Apollo-Theater. 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Sonntag, abends st Uhr: Web' dem, der lügt. Lustspiel in 5 Ausz, v, F. Grillparzer. Montag, abends«Uhr: Web' dem, der lügt. Dienstag, abends 8 Uhr: Weh dem, der lügt. Theater. Schiller-Theater N.(Friedr-DIlh. Th) Sonntag, nachm. 3 Uhr: ZapfeaBtreicta. Drama in 4 Auszügen von Franz Adam Beyerlew. Sonntag, abends 8 Uhr: Da« Glück Im Winkel. Schauspiel in 3 Akten von Hermann Sudermann. Montag, abends 8 Uhr: Da« Glück Im Winkel. Dienstag, abends 8 Uhr: WanjoHchin« Kinder. fjeue freie Volksbühne Achtung, Mitglieder! angesetzte Extra-VorsteUung„Einen Jux will er»ich machen" kann Die für heute Sonntag, den 13. Mni, im Neuen Theater zurückgekauft oder gegen Sonntag, den SO. Hai, im Mencn Theater stattfindenden Extra-VorsteUung „Der Graf von Charolais" 150/7 umgetauscht. Der Vorstand. I. A. Hainrieh Heft. astans Panoptikum ****'*** PrlPfiHrhcfrsfti Friedrichstraße 165. Ci_ Kinematografische Vorführongen. harivari'Abende. —— Volkstümliche« Kabarett.—■ Abends O Dbr u. a.: Der urkomische Bendlx. Marienbad-Theater Badstraße 35/38. Torsaison: Jeden Sonntag: Vorsaison: Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Eröffnung d. Hauptsaison: 1. Pfingstfeiertag. Die Direktion. flracht-&äle des ftstens. Frankfurter Allee 151/152. Inh.: O. Cranz. Heute sowie jeden Sonntag: Im Konzert-Saaf: Norddeutsche Sänger. M--- Tanz-Kränzchen. MuA. Im weißen Ton? Dülininn bei stark besetztem Saale: InllZ" IlCUulUil Orchester. Ansang 4 Uhr. Im Restaurant r>« ITkUITÜPl äer beliebten schwed. Bauarn- tägtich: ÜI» nUIliiCI i kapello bei freiem Entree. Ausschank von Patzenhofer, echt MUnchener und Pilsener Bier. D®-- Vorzügliche Küche! Avis! Dienstag, den 1. Mai: Avis! «rolz» r-rtrn-fiouicvt Diez' Seeterrasse, Dichtenbern O ROder-Strafle 6 Größtes und schönstes BergungungS-Etablissement deS Ostens mit großem See.-HW Fahrverbindungen ab Ztlexanderpiatz Linien 64.«5. 66, 67. 68, 69, 70. 7t, 81. 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Ob die Industriellen sich durch losendes Geschrei selbst nur Mut einflößen wollten, oder ob der bessere Teil der Tapferkeit erst dann in ihnen stark wurde, als der Termin zur Tat heranrückte, kann ganz uner- örtert bleiben, sie haben der Arbeiterbewegung wider Willen einen guten Dienst erwiesen. Sie unterließen zwar, durch Massenaus- sperrung den Organisationen direkt viele tausende Mitglieder zuzu- treiben, dafür haben sie bewiesen, daß die Scharfmacherbäume doch nicht in den Himmel wachsen. Die Arbeiter wissen: eine Grenze hat auch Scharfmachermacht! Sie zerschellt an der Arbeiter Eni- schlossenheit, sich durch Drohungen nicht mehr schrecken zu lassen. Und das fühlt die Masse instinktiv: jede Aussetzung der Produktion bringt der Gesamtbewegung Borteil. Daher auch die ruhige Gelassenheit den AuSsperrung-ankündigungen gegenüber. Unter gleichen Konjunktur- Verhältnissen ist eine ProduktionsauSsetztmg, sei e- durch Streik oder Aussperrung, auch gleich im Effekt. Die Etikettierung einer Sache übt keine Oualitätsverändcrung aus. Solche Erwägungen bestimmten allerdings nicht den Gleichmut der Börse, auch hat sie die angekündigte diiesenaussperrung kaum als Bluff bewertet. So langhörig und iveitängig die durch alle Schulen gegangenen Börsenkutscher sich meist erweisen, auch an der Börse ist der große Troß nur Herdenvieh. Und die Preissteigerungen in der Großindustrie zwingen die Masse mit magischer Gewalt in sklavischen Optimismus. Ein paar geschickte Stimmungs- macher können die Magenunstinunigkeiten irgend eines„Handlangers" zu einer Baisse benutzen, wie sie auch aus ähnlichen weltbewegenden Ereignissen die schönste Hausse herauswachsen lassen können; aber angesichts der Stimmungsmarktberichte aus der Großindustrie den Optimismus der Börsenherde auch nur uin einen Grad ab- kühlen zu wollen, wäre nutzloses Bemühen. Und doch sind die wilden Preistreibereien die ersten Anzeichen des Rückschlages. aus ist auch wieder bei den Brauern eingekehrt. Sie haben ad ihre Rechnung aufgestellt und finden, daß es ihnen aus st gut gehen werde. Tritt die angekündigte neue«Steuer- in Kraft, werden die Kosten in irgend einer Form und 4 in einer„vornehmen" Abrundung nach oben aus die Kon- abgewälzt. Das ist das Fazit der Beschlüsse verschiedener �lkünfte von Brauereivertretern. Und daß man ziemlich die Zukunft schaut, ergeben verschiedene Ankündigungen Wante Betriebserweiterungen, und die Geschäftsberichte telfadj gute Ergebnisse für das laufende Jahr an. Lebensmittelmarkt sind zwei Erscheinungen zu erwähnen: �_jtg der Getreidepreise und Sinken der Viehpreise. Bor wenigen nverlangten die Agrarier noch Zwangsmaßnahmen zur schnelleren Hebung der Getreidepreise. Jetzt können bereits Abschlagszahlungen aus dem großen Zollraube in Empfang genommen werden und die Junker glauben wieder an die Göttlichkeit unserer Gesellschafts- ordnung. Bis zu 14 M. pro Tonne sind die Weizenpreise seit dem 1. Februar respektive 1. März gesnegen. Aber erst ein kleiner Bruchteil der Einfuhr ist zu den höheren Sätzen verzollt. Es ist deshalb auch nicht zu erwarten, daß die Preissteigerung schon zum Still- stand kommt. Ziemlich kräftig sind dagegen die Viehpreise gesunken. Allerdings im Kleinhandel merkt man davon noch nichts. So geht es gewöhnlich! Der Preissteigerurg im Großhandel folgt der Klein- Handel, der Fleischer und Bäcker möglichst schnell, er ist aber sehr konservativ, wenn die Preise im Großhandel wieder nachlassen. Wir glauben auch nicht, daß der Konsum von der jetzt eingetretenen Preisschwächung viel Vorteil ziehen lvird, denn wenn die ersten Würste zu den billigeren Einstandspreisen im Fleischerladen zum Verkauf kommen, haben die Viehpreise jedenfalls schon wieder an- gezogen und dann hat das kaufende Publikum nicht lange mehr Ge- legenheit über zögernde Anpassung der Fleischpreise an die Groß- Handelspreise sich zu— wundern. Die Katastrophe an der Pacificküste hat an den Geldmarkt größere Ansprüche gestellt, als man anfänglich erlvartete. Allein die New Dorker Banken haben bis zum 1. Mai 22 Millionen Dollar nach dort abgestoßen. Die Ansprüche sollen aber, wenn erst die Banken in San Francisco die Tätigkeit wieder aufnehmen, viel um- fangreicher werden. Man schätzt die Beträge, die allein für den Wiederaufbau flüssig gemacht werden müssen, auf weit über 200 Mill. Dollar. In Deutschland treten jetzt viele Städte mit großen An- sprächen an den Geldmarkt hervor. Man hatte wohl für diese Zeit eine Erleichterung des Geldmarktes erwartet, aber die Berechnung hat sicki als irrig erwiesen. Da die Industrie immer noch günstigere Chancen zu bieten scheint, ist für städtische Anleihen gerade keine große Neigung vorhanden. Die Submission auf eine 8 Millionen betragende 3'/„ prozentige Anleihe der Stadt Wiesbaden hatte sogar ein so schlechtes Ergebnis, das die Stadtverwaltung nicht akzeptieren konnte. Gerade so erging es kürzlich der Stadt Mannheim. Das einzige Gebot, das ihr auf eine 16 Millionen 3Vz prozentige Anleihe gemacht wurde, mußte sie als zu ungünstig ab- lehnen. Dabei ist das Anleihebedürfnis der Genieinden außerordentlich groß. Im vorigen Jahr konnten nur% der angesprochenen 300 Millionen untergebracht werden. Für dieses Jahr rechnete man auf mindestens den doppelten Betrag, aber es sind erst zirka 150 Mill. Mark plaziert. Die großen Ansprüche der Gemeinden an den Geldmarkt können in wirtschaftlicher Beziehung als günstiges Mo- ment betrachtet werden, insofern, als ihnen vorwiegend Bauprojekte zugrunde liegen. Neben der Bauindustrie kommt hauptsächlich noch die Elektrizitätsindustrie in Betracht. Die Anlage von Straßenbahnen, Neuanschaffung von Maschinen usw., versprechen eine Verstärkung des Arbeiterstockes verschiedener Industrien. Teilweise erweitern sich mit den Anlagen ja auch die Einnahme- quellen der Gemeinden, aber auch die Schuldenlast steigt, der Zinsen- dienst wird drückender. Die Anleiheschulden der Gemeinden sind be- reits auf 3 Milliarden M. angewachsen. Als Gemeinde-, Staats- und Reichsschuldner haben wir eine anständige Last zu schleppen. Wenn das so weiter geht, werden wir als Gemeindeschuldner uns selbst den Rang als Staatsschuldncr strittig machen. Die jähr- lichen Amortisationen und der Zinsendienst für kommunale Anleihen in Deutschland erfordern jetzt schon jährlich zirka 300 Millionen Mark, oder auf den Kopf der Bevölkerung rund 5 M. Mancher Deutsche hat noch nie so viel bar Geld Vermögen besessen, als auf seinen Kopf Reichs-, Staats- und Kommunalschulden entfallen. Auch ein erhebendes Bewußtsein. Produktions- und Lohnvrrhältnisse im Bergbau NicdcrschlesienS. Die industriellen Verhältnisse in Niederschlesien haben sich für das Unternehmertum im Jahre 1905 günstig entwickelt. Bei 26 649 Arbeitern wurden auf den niedcrschlesischen Gruben rund 5lU Millionen Tonnen Kohlen gefördert, 647 722 Tonnen Koks und 27 015 Tonnen Briketts hergestellt. Der Wert der Tonnen-Förderung stieg nach der amtlichen Statistik um 15 Pfennig. Auch die Leistung der Arbeiter hat sich gehoben. Dw Zahl der Beschäftigten stieg um 377, gleich 1,28 Prozent. Die Kohlenförderung pro Kopf der Beschäftigten stieg von 189,5 Tonnen auf 199 Tonnen, dazu trat eine Produklionssteigeruug von 11,82 Proz. bei Koks und von 16,14 Proz. bei der Brikettherstellung. Es springt mithin eine ganz ansehnliche Steigerung der Leistung heraus, dazu tritt die Wertsteigerung der Produktion. Nicht in gleicher Weise haben sich die Löhne entwickelt. Nur für die unterirdisch beschäftigten eigent- lichen Bergarbeiter trat eine Erhöhung des Tagelohnes' um 15 Pf. ein; für die sonstig unterirdisch Beschäftigten beträgt das Mehr nur 7 Pf., für die Tagearbeiter auch nur 7'Pf., für weibliche Arbeiter 9 Pf. und für jugendliche 5 Pf. Die Fleischtcuerung, welche be- sonders in Schlesien sich außerordentlich fühlbar macht, in Verbindung mit der Verteuerung der übrigen Lebensmittel hat die Lohnerhöhung bollständig absorbiert, sodaß von auch nur einer minimalen Verbesserung der sozialen Lage der Arbeiter gar keine Rede sein kann. Und das niedcrschlesische Bergmagnatenmm scheint mit Konservierung der bestehenden Ver- hältnisse— der Lohn der bestbezahlten Arbeiter betrug 1903 3,15 M., Arbeiterinnen entlohnte man mit 1,54 M.— auf noch lange Zeit zu rechnen. Der Jahresbericht des Unternehmervereins konstatiert mit Genugtuung, daß von den Sympathien und der Parteinahme, die die Ruhrbergleute während des vorjährigen Streiks beim Bürgertum fanden, in Niederschlesien nicht einmal ein schwacher Abglanz bemerkt worden sei. Diese Konstatierung sollten die Arbeiter sich gründlich merken! Die kräftigste Stütze findet das Unternehmertum in den rcichstreuen Berg- arbeitervereinen. Das ist das Beschämendste für die Arbeiter- schaft, daß das Unternehmertum aus Arbciterkreiscn immer noch Schutztruppen findet. Hier sind es die gelben Reichstreuen, an anderen Stellen sind es die gelben Christlichen, welche der Arbeiter- solidarität Hohn sprechen, dem Klasscnintercsse des Unternehmertums, dem Kapital freiwillige Dienste leisten, das eigene Wohl, das Interesse ihrer eigenen Klasse mit Füßen treten. D.' «KSTO Damentuche, schwarz u. farbig, Costumes-Stoffo, Seidenplüsch, Sammete. Confeclion Havelocks, Paletots, Abendmäntel, Capes, Costumes-Röcke, C. 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Im vierten Wahlkreise sind folgende Lokale frei geworden:„Markgrafcn-Säle", Markgrafendamm 34, und «Cafe Alfen", Vor dem Schlesischen Thor Nr. 2. Des weiteren teilen wir auf Anfrage mit, dah das Lokal von Wilh. Schmidt, Franz.-Buchholz, Chausseestr. 14(früherer Inhaber des Lokals„Jägerhaus" im sechsten Kreise) der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht. In Pankow steht das Lokal von Edmund Renter(Volks- garten), Schloßstr. 2, der Arbeiterschaft zu den bekannten Be- dingungen zur Verfügung. Bei dieser Gelegenheit weisen wir noch besonders darauf hin, daß uns in Nieder-Schönhausen nur folgende Lokale zur Verfügung stehen: Settekorn, Lindenstr. 1; Ulitz„Schwarzer Adler", Blanken- burgerstr. 4 und Tunsch„Sanssouci", Kaiser Wilhelmstr. 18. Alle übrigen Lokale sind seitens der organisierten Arbeiterschaft streng zu meiden. Die Lokalkommission. Rosenthaler Borstadt. Am heutigen Sonntage, nachmittags 8 Uhr, findet bei F. Wille, Brunnenstr. 188, eine öffentliche Versammlung statt, in der Genosse Stürmer über:„Arbeiterschaft und Kirche" referieren wird. Nach der Versammlung geselliges Bei- sammensein mit Tanz. Chiarlottenburg. Am Dienstag, den 15. Mai, findet im Volks- Hause, Rosincnstr. 3, und in„Schulz Festsälen", Kaiser Friedrich- stratze 24, je eine Volksversammlung statt. Das Referat haben die Reichstagsabgcordncten F r o h m c und S t ü ck l e n über- nommcn. Wir erwarten ein recht zahlreiches Erscheinen; gleich- zeitig verweisen wir nochmals auf die heute vormittag stattfindende Flugblattverbreitung. Die Parteigenossen treffen sich hierzu in ihren Bezirkslokalen. Der Vorstand. Steglitz. Zur Demonstrationsversammlung am Dienstag, den 15. Mai. abends 8 Uhr im„Birkenwäldchen", erwarten wir eine rege Beteiligung der Parteigenossen. Der Vorstand. Schmargendorf. Am Dienstag, den 15. Mai, abends 8 Uhr, findet im Restaurant„Wirtshaus Schmargendorf", Warnemünder- stratze 8, eine Volksversammlung mit dem Thema:„Die Ver- pfaffung unserer Volksschule" statt. Die Genossen werden ersucht, für den Besuch derselben recht rege zu agitieren. Groß-Lichterfelde. Dienstag, den 15. Mai. abends 8 Uhr, im Saale des Herrn Reisen, Chausseestr. 104, öffentliche Protest-Ver- sammlung mit der Tagesordnung:„Nieder mit dem preußischen Schulgesetzentwurf", Diskussion. Lankwitz. Dienstag, den 15. Mai, abends 8 Uhr. im Saale des Herrn Link, Calandrelltstr. 27, öffentliche Protest-Bersammlung mit der gleichen Tagesordnung. Allgemeine Beteiligung der Gesamt- bevölkerung wird erwartet. Wilmersdorf. Heute früh findet eine Flugblattverbreitung statt. Die Genoffen werden dringend ersucht, sich hierzu recht zahlreich in den bekannten Lokalen einzufinden. Zu der am Dienstag nach dem„Wilhelmshof", EberSstr. 80 in Schöneberg einberufenen Protestversammlung ersuchen wir die Ge Nossen noch rege zu agitieren. Der Vorstand. NowaweS-Neuendorf. Dienstag, den 15. Mai, findet im Lokale deS Herrn Schmidt, Wilhelmstr. 3 eine Volksversammlung als Pro- test gegen den Schulgesetzentwurf statt, eS ist Pflicht jedes Arbeiters und Genossen in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Weißensee. Am 16. und 29. Mai findet je eine Theater- Vorstellung statt, aufgeführt wird„Barte! Turaser", Drama in 3 Aufzügen von Philrpp Langmann. Der Eintrittspreis inkl. Gar- derobe und Programm beträgt 60 Pf. Die Genoffen und Ge- nosfinnen werden ersucht, die Sache durch regen Besuch zu unter- stützen. Das Komitee. Friedrichsfelde. Am Sonntag— heute— treffen sich die Genossen früh 7>/z Uhr bei Stoffes zur Flugblattverbreitung. Dienstag, den 15. Mai findet bei Bube, Prinzen-Allee 30, eine Versammlung gegen das Schulverpfaffungsgesetz statt. Die Geist- lichkeit und die Lehrerschaft ist hierzu eingeladen. Stralau. Achtung, Parteigenossen I Zu den am D i e n S t a g stattfindenden Versammlungen gegen den preußischen Schulgesetz- entwurf, fordern wir die Genoffen auf, sich den Rummelsburger und Berliner Versammlungen anzuschließen. Da nur größere Ver- sammlungen geplant sind, haben wir es unterlassen, eine Versamm- lung einzuberufen. Der Vorstand. Reinickendors-West. Am Dienstag, den 15. Mai, abends 8VzUhr, findet die Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Muster, Berlinerstr. 29 statt. Pflicht eines jeden Parteigenossen ist es, in derselben zu erscheinen. Der Vorstand. Tegel. Die nächste Mitgliederversammlung des Sozialdemo- kratischen Wahlvereins findet am Dienstag, den 15. Mai, abends 8% Uhr, bei Robert Schmidt, Schlieperstr. 64, statt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Zossen. Parteigenossen! Am Dienstag, den 15. Mai cr., findet bei Schimke, abends 8 Uhr, eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen statt. Thema:„Gegen das Schulverpfaffungs- gesetzt" Genossen, agitiert mit allen Kräften für den Besuch der Versammlung und bringt Euere Frauen mit. Spandau. Eine Volksversammlung findet am Dienstag, den 15. Mai bei Kumke statt, zu welcher die Parteigenossen ersucht werden, für zahlreichen Besuch zu wirken. BerUner JVacbncbtcn* Bauschwinbel, Akkordmaurerei und Baupolizei. Schreiende Mißstände im Bauwesen, die eine schwere Gefahr für das Publikum mit sich bringen, deckte Genosse Kater am Freitag in einer öffentlichen Manrervcrsammlung auf, wo das obige Thema auf der Tagesordnung stand. Unter Bauschwindel versteht der Referent jene Seite der kapi- talistischcn Produktion im Baugewerbe, wo sich der eigentliche Unternehmer im Hintergrunde hält und eine mittellose Person vor- schiebt, welche rechtlich als der bauausführende Unternehmer gilt, in Wirklichkeit aber völlig abhängig ist von dem Geldinstitut, welches die Baugclder hergibt. So ein vorgeschobener Unternehmer erhält die Baugclder ratenweise ausbezahlt und zwar je eine Rate nach der Fertigstellung einer Etage des Rohbaues. So ein Stroh- mann kann als Unternehmer nur so. lange bestehen, als es ihm möglich ist, an den Baugeldcrn so viel für seine Person zu ver- wenden, wie cr zu einem angenehmen Leben braucht. Es gilt heshqlb, möglichst fchnell zu bauen, damit das Einkommen des „Unternehmers"� nicht durch Hypothekenzinsen verkürzt wird.— Auf Grund dieser Tatsachen hat sich nun im Berliner Bauwesen Äne Arbeitsmethode herausgebildet, welche sowohl für die Ar- beiter als auch für die Bewohner der so hergestellten Häuser eine schwere Gefahr ist. Die meisten Berliner Wohnhäuser werden nach diesem System aufgeführt. 10—12 Wochen vor dem Termin, an dem das zu bauende Haus bezogen werden soll, wird der Bau angefangen. Nun wird mit- furchtbarer Hast gearbeitet. Dem „Unternehmer" kommt es gar nicht darauf an, den Maurern 1 0 oder 20 Pf. über den tarifmäßigen Lohn zu zahlen, wenn er nur solche Maurer bekommt, die in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Arbeit fertigstellen. Die Hauptsache ist daß jede Woche eineEtage fertig wird, damit der„Unter- nehmer" die Baugeldrate bekommt. Wie die Arbeit ausgeführt wird, danach fragt niemand. Wenn nur das Mauerwerk, so weit eS von außen sichtbar ist, ein gutes Ansehen hat, damit die Behörde bei der Rohbauabnahme nichts zu monieren findet, dann ist den Jnter- essen des„Unternehmers" völlig genügt. Was hinter der Außen- feite steckt, ist ihm ganz gleichgültig. So hat sich in Berlin seit Jahren ein verwerfliches System der schändlichsten Pfuscharbeit herausgebildet. Solide Maurerarbeit ist auf den meisten Bauten gänzlich unbekannt. Der Polier, der eigewklich darauf halten sollte, daß die Arbeiten gut, solide und den baupolizeilichen Vorschriften entsprechend ausgeführt werden, ist nichts weiter als der Antreiber der Arbeiter. Wer sich der Tkreiberei nicht fügt, wer nicht täglich die verlangte sehr große Anzahl von Steinen verarbeitet, der wird entlassen. So ist es gc° kommen, daß sich die Berliner Maurer diesem System angepatzt haben. Die elendeste Pfuscharbeit ist an der Tagesordnung. Da? ungeheuerlichste dieser Art leisten die Akkordmaurer. Einen geradezu verbrecherischen Fall von Pfuscharbeit, der kürzlich auf einem Bau in Wilmersdorf, Berliner. st r a ß e 105, durch Zufall zur Kenntnis der Behörde gekommen ist, schilderte der Redner folgendermaßen: Das Kellergeschoß war von Akkordmaurern hergestellt. Sie hatten pro Mann täglich 4000 Steine verarbeitet. Was für eine Arbeit das gewesen sein mutz, kann sich auch der Laie vorstellen, wenn er erfährt, daß bei regelrechter Arbeit für 4000 Steine 40 Kasten Mörtel gebraucht werden, und daß das Weichmachcn dieses Quantums Mörtel(eine für den Gebrauch desselben notwendige Vorarbeit) schon allein einen vollen Arbeitstag für den Mann fordert. Demnach konnte der Mörtel nurin trockenem Zu st an de. tvo er keine Binde- kraft hat. verarbeitet worden sein! Ja, es ist sogar, wie sich später herausstellte, teilweise überhaupt ohne Mörtels!) „gemauert" worden. Die Pfeiler im Keller, auf denen die ganze Last des vierstöckigen Hauses ruht, waren nur ringsherum in einer Stärke von 1% Steinen aufgemauert und in das Innere des so entstandenen Hohlraumes waren die Steine ohne Verwendung von Mörtel nur hineingepackt! Das Haus, welches auf diesen Pfeilern ruhte, währe unfehlbar nach kürzerer oder längerer Zeit eingestürzt. Zum Glück ist diese verbrecherische Arbeit, diese Mordarbcit im wahren Sinne des Wortes der Behörde angezeigt worden, noch ehe ein Unglück ent- standen war. In diesem Falle war eS der„Unternehmer", mit dessen Herrlichkeit es noch vor Fertigstellung des Baues zu Ende war, selbst, welcher die Pfuscharbeit zur Anzeige brachte. Die Untersuchung ergab den lebensgefährlichen Zustand des Bauwerkes. Auf Anordnung der Polizei mutzten die Mieter, welche das Haus bereits bezogen hatten, die Wohnungen wieder verlassen. Die Fron- ten wurden abgesteift und die Kellerpfeiler mußten abgetragen und von der Fundamentsohle bis zur ersten Balkenlage erneuert werden. Durch den Druck des Gebäudes waren die Steine, aus denen man die Pfeiler aufgeführt hatte, bereits in Stücke zerbrochen, so daß die Pfeiler nur noch lose zusammenhängende Schuttsäulen dar st eilten, die dann ohne Anwen- dung von Hammer und Stemmeisen einfach mit der Schaufel fortgeschafft werden konnten! Dieses Vorkommnis führt mit Notwendigkeit zur Erörterung der Frage der behördlichen Bautenkontrolle. Der eben beschriebene Bau in Wilmersdorf, Berlinerstr. 105, ist durch die Beamten der Baupolizei im Rohbau abgenommen worden. Die Baupolizei hatte also an der das Leben vieler Mitmenschen ge- fährdenden Zlrt„ wie die Kellerpfeiler hergestellt waren, nichts auszusetzen. Das erklärt sich so: Wenn der Rohbau schon vollendet ist, dann können die kontrollierenden Beamten nur die Außen- s c i t e des Mauerwerks sehen, und daß diese ein einwandsfreies Aussehen hat, dafür sorgt selbst der gewissenloseste Bauunter- nehmer, denn sonst würde ihm der Bau nicht abgenommen werden. Die elende Pfuscharbeit und die Verstöße gegen die baupolizeilichen Vorschriften, welche im Innern des Mauerwerks stecken, bleiben den kontrollierenden Beamten verborgen. Ja selbst zahlreiche Verstöße gegen die Regeln der Baukunst und sonstige Unregelmäßigkeiten in der Bauausführung, die der praktische Fachmann sofort erkennt, werden von den meist nur theoretisch, aber fast gar nicht praktisch ausgebildeten Baubeamten nicht entdeckt. Unter solchen Umständen kann man sich nicht darüber wundern, daß bei der heutigen Bauten- kontrolle selbst die lebensgefährlichste Pfuscharbeit unbehelligt durch- gehen kann. Ein glücklicher Zufall war eS, der die gefahrdrohenden Zu- stände auf dem genannten Bau noch rechtzeitig ans Tageslicht brachte. Solche„Arbeiten", wie sie dort geleistet wurden, sind aber durchaus nicht vereinzelt. Die übergroße Mehrzahl aller Berliner Wohnhäuser wird in einer Weise aufgeführt, daß man sich wundern muß, wenn hier nicht Einstürze an der Tagesordnung sind. Die Berliner Wohnhäuser halten aber nur, weil sie in langen Reihen dicht nebeneinander stehen und so eines das andere stützt und weil der Baugrund gut ist. Ständen diese Häuser-einzeln, dann hätten wir es in Berlin schon oft er- lebt, daß ein kaum fertiggestelltes Haus zusammenstürzt und seine Bewohner in einem Schutthaufen begräbt. Die gefahrbringende Pfusch- und Schwindelarbeit kann nur beseitigt werden, wenn wir eine bessere, sachgemäßere Baukontrollc bekommen als die ist, welche wir heute haben. Es gibt zwar eine ganze Reihe baupolizeilicher Vorschriften, die im Interesse einer soliden und sicheren Bauausführung erlassen sind. Ob sie aber alle befolgt werden, das kann durch die heutige Art der Baukontrollc. die sich nur auf die Rohbauabnahme erstreckt, gar nicht festgestellt werden. Notwendiger wie diese Kontrolle ist eine eingehende Kontrolle, die während der Ausführung des Baues ausgeübt wird. Wenn diese Kontrolle ihren Zweck erfüllen soll, dann darf sie nicht nur von theoretisch geschulten Bc- amten ausgeführt werden, sondern eS müssen auch in erster Linie praktisch ausgebildete Fachleute an derselben mit- wirken. Nur so ist eine Gewähr dafür geboten, daß das Leben der Einwohner nicht durch das Treiben gewissenloser Bauuntcr- nehmer bedroht wird. Mißstände der geschilderten Art— so schloß Kater seine Ausführungen— sollen an die Oeffcntlichkeit gebracht werden als ein Notschrei derjenigen, die unter diesen Mißständen zu leiden haben, der Notschrei wird so lange wiederholt werden, bis cr gehört wird an der Stelle, an die er gerichtet ist. Einstweilen aber, ehe die geforderte Reform der Baukontrolle eingeführt ist, soll jeder, der Kenntnis von Unregelmäßigkeiten in der Bauausführung er- hält, der Behörde Anzeige erstatten, um dem Unwesen des Bau- schwindels ein Bein zu stellen. Metzke ergänzte die Ausführungen Katers, indem cr eine Anzahl von Einzelfällen anführte, die sich auf schwindelhafte, un- solide Arbeiten beziehen. Unter anderem sagte er, der Bau in Wilmersdorf, Berlinerstr. 104, sei in einer Weise ausgeführt, daß er wohl dasselbe Schicksal haben werde wie der beschriebene Bau Berlinerstr. M, Als lyei.tere Bauten, M ig ähnlich unsoMer. Weise gearbeitet wird, nannte der Redner die folgenden: Weißen- s e e, Lehderstr. 5.— Friedrichsfelde, Friedrich- und Marga- retenstratzen-Ecke.— Mariendorf, Ackerstraße. Auch die Redner, welche sich sonst noch an der Diskussion bc- teiligten, trugen aus ihren Erfahrungen zur Vervollständigung des vom Referenten entworfenen Bildes bei. Wo bleibt die Sonntagsruhe fürs Handelsgewerie? In der Stadtverordnetenversammlung vom 1. März wurde der Magistrat interpelliert über den Stand der Sonntagsrithe im Handelsgewerbe, über die im Jahre 1904 ein Ortsstatut beschlossen wurde. Damals hieß es, daß die Sache beim Oberpräsidenten liege und das ist auch heute noch der Fall. Wie lange, das wissen die Götter! MerdingS soll der Oberpräsident auf die Anfrage des Magistrats vom 28. Januar cr. am 27. März geatttwortet haben: „Daß er das Ortsstatut noch nicht habe genehmigen können, weil Verhandlungen schweben, die Stunden des H a u p t g o t t e S d i e nstes a n d e r S zu l e g e n." Diese Aeußerung des Oberpräsidenten ist gar verwunderlich. Erstens hat der Minister seinerzeit selbst Anregung zur Aenderung der alten Be- stiinmungen gegeben, zweitens hat Charlottenburg das gleiche OASstatut längst genehmigt erhalten, drittens handelt eS sich ja nur um Fabrik-, EngroS- und Bankgeschäste, währeud die Kleinverkaufsstellen durch daS Ortsstatut gar nicht berührt werden. Viertens hat der Oberpräsident bei seinem Widerspruch gegen daS Statut im Juni 1905 kein Wort von der Verlegung der Kirchzeit erwähnt, sondern nur gegen die Bestimmungen bezüglich des Speditions- gelverbes Bedenken geäußert. Fast könnte man glauben, daß die Angelegenheit irgendwo liegen geblieben ist. Auf alle Fälle müssen wir den betteffenden Herren Dezententen, welche diese Angelegen- heit bearbeiten, dringend ans Herz legen, daß Tausende von Handelsangestellten auf die paar freien Stunden mit Schmerzen warten. Die Zeit der Erwägungen über eine äußerst klar und einfach liegende Sache könnte endlich vorüber sein. Was den Beamten in der Regierung, die ja Sonntags keine Hand zu rühren brauchen, recht ist, sollte den Kaufleutcn auch billig sein! Zur Förderung des Tierschutzes hat der„D e u t s che T i e r s ch u tzv c r e i n z u B c r l i n" mancherlei Einrichtungen geschaffen. So läßt er in seinem Depot an der Dirckscnstraße einen Tierarzt S p r e ch st u n d c n abhalten, in denen Tierbesitzer ihre Tiere dem Arzt zur Untersuchung und eventuellen Behandlung vorführen können. Ein Hundcbesitzcr, Gastwirt K., teilt uns nun die Erfahrungen mit, die in dieser Sprechstunde mit dem Arzt gemacht toorden seien. Sein Hund war überfahren worden und hatte anscheinend einen Bruch der Hinterpfote erlitten. Ein paar Bekannte übernahmen es, den Hund zum Ticrschutzverein zu bringen. Dort wurden sie von dem Arzt zunächst mal gefragt, ob die Gebühren für die Konsultation bezahlt werden würden. Als das bejaht wurde, soll der Arzt gesagt haben, sonst würde auch der Gerichtsvollzieher kommen. Kann sein, daß das als Spaß beab- sichtigt war. Aber sehr geschmackvoll war der„Spaß" dann jeden- falls nicht, und von anderer Seite wurde cr auch keineswegs als „Spatz" empfunden. Drei Tage nachher brachte Herr K. selber das Tier zum zweitenmal zur Sprechstunde. Wieder fragte der Slrzt zu allererst, ob bezahlt werde. Slls K. bat, ihm später die Rechnung zu überreichen, wurde ihm erwidert, dann möge er den Hund nur gar nicht erst auspacken. K. mutzte daher sofort zahlen, obwohl ihm im Augenblick das Geld knapp war. Am nächsten Tage stellte sich heraus, daß der Hund sein Bedürfnis nicht erledigen konnte, weil der Verband zu fest saß. Jetzt brachte Frau K. den Hund zum drittenmal zur Sprechstunde und ließ den falsch an- gelegten Verband erneuern. Sie dankte für die Bemühungen und wollte gehen, aber da verlangte der Arzt nochmalige Be- zahlung. Der Herr soll erklärt haben, wenn nicht bezahlt werde, so müsse er den Verband wieder abnehmen. Da aber Frau K. kein Geld weiter bei sich hatte, so ließ cr sie schließlich mit dem Hunde gehen. Vermutlich ist ihm noch rechtzeitig eingefallen, daß nicht nur ungeschickt angelegte Verbände unentgeltlich zu erneuern sind, sondern nach den Bestimmungen des Vereins sogar die ganze Bc- Handlung bei etwaiger Mittellosigkeit des HundcbesitzerS kostenlos gewährt werden soll. Herr K. wirft die Frage auf, ob nicht durch ein derartiges Verhalten eines ArzteS Hundebesitzer geradezu davor abgeschreckt werden können, die Sprechstunden des Vereins zu benutzen. Das ist wohl möglich. Dann hätten wir es hier aller- dings nicht mit einer Förderung des Tierschutzes, sondern mit dem Gegenteil zu tun. Vielleicht läßt der Arzt sich mal von dem Verein, in dessen Diensten er steht, hierüber belehren. Wiedereröffnung der öffentlichen Spielplätze. Die Deputation für das städtische Turn- und Badewesen benachrichtigt die Rektoren der Gcmeindeknabenschulen, daß an den Tagen Mittwoch und Sonn- abend die öffentlichen Spielplätze wieder eröffnet und daselbst unter Leitung von städtischen Lehrern von 4 bis 6 Uhr nachmittags, im Friedrichshain von 3� bis 51h Uhr nachmittags Bewegungsspiele für Knaben abgehalten werden sollen.- Die neun Spielplätze bc» finden sich auf dem Exerzierplatz des 3. Gardercgimcnis vor dem Schlesischen Tore, im Friedrichshain, auf dem Exerzierplatz hinter der Ulanenkaserne in Moabit, im Humboldthain, am Fuße des Kreuzberges, auf dem Exerzierplatz an der Schönhauser Allee an der sogenannten einsamen Pappel, auf dem zwischen Urbanstraße, Platze am Urban, Wilmsstr, 14a belegenen Grundstück, auf dem Grund- stück in der Wiesenstr. 48— 54 und Pankstraße 11/12 und auf dcni Grundstück in der Bremerstr. 27— 37. Aus Anlaß der Besichtigung der Tegeler Gasanstalt durch Mit- glieder der Stadtverordnetenversammlung gehen uns aus Kreisen der städtischen Arbeiter Mitteilungen zu, die wir der Ocffentlich- keit nicht vorenthalten wollen. Es heißt in einer Zuschrift: „Anstatt den Stadtvätcrn Gelegenheit zu geben, sich selber ein Urteil zu bilden über die zu leistende Betriebsarbeit, ist man diesem geflissentlich aus dem Wege gegangen! Während nämlich die Betriebsarbeiter sonst eine Stunde Slrbeit und eine Stunde Ruhe haben, in welcher die Ocfen ausstehen, ist während der Besichtigungszeit die Slrbeit extra ausgesetzt worden und der betreffende sogenannte„Stoß"(d. h. die cinstündige Beschickung und Entladung der Retorten) wurde verhindert. Wir nehmen an, daß nur der Tegeler Dirigent an diesem Manöver beteiligt ist; es bleibt aber jedenfalls die interessante Tatsache bestehen, daß die Herren Stadtverordneten und Magistratsmitglicder das für sie im' gewissen Sinne interessanteste nicht gesehen haben. Sollte man vielleicht befürchtet haben, daß bei der 60 bis 70 Grad hohen Temperatur der eine oder andere Stadtvatcr doch etwas andere Vorstellungen bekommen hätte von der Tätigkeit eines städtischen Arbeiters� Vor allen Tingen wäre man gewahr geworden, daß die arbeitsparenden Maschinen hier wenig Abhülfe schaffen, wie überhaupt, trotz der modernen Einrichtung der Tegeler Anstalt, immerhin 300 bis 400 Arbeiter benötigt werden, obwohl der Bc- trieb erst zum geringen Teil im Gange ist. Es sei bei dieser Gelegenheit auch festgestellt, daß die seiner- zeit zugesagten Arbeitszeitverkürzungen und sonstige Verbesserungen für die Arbeiter auf dem Tegeler Werk noch immer nicht eingeführt sind. Man kann wohl sagen, technisch steht das Tegeler Gas» werk auf der Höhe, nicht aber in bezug auf die Slrbeiismethode, So ist z. B. der Slchtstundentag seit Oktober 1905 im Retorten- Haus III auf der Anstalt Danzigcrstraße eingeführt und hat sich, wie in der Gasdeputation mitgeteilt worden ist, gut bewährt. Infolgedessen wurde im Slpril 1906 in einem weiteren älteren Retoxtenhauje in der Tauzigerstraße das achtstündige Drcischichten« Wem eingeführt. In Tegel besteht noch immer das zwölfstündige Zweischichtensystem. Tie neuerlichen Verhandlungen des Arbeiter- ausschusses zwecks Einführung der acht- resp. neunstündigen Arbeits- zeit haben zwar ergeben, daß der Tegeler Dirigent den guten Willen zur Einführung zu zeigen scheint, es wird aber wohl während der schlimmsten Periode(Sommer) das alte System beibehalten werden. Aber auch die Arbeitsleistung des Lifenarbeiters in Tegel ist größer wie in sämtlichen anderen An- stalten der Stadt Berlin. Während überall seit Jahren der sechste Stoß gefallen ist und fünf Stoß pro Schicht gearbeitet werden, haben die Tegeler Betricbsleutc das zweifelhafte Vergnügen, sechs Stoß machen zu müssen. Infolgedessen haben schon viele Arbeiter dem Werk den Rücken gekehrt und sind freiwillig aus der Arbeit geschieden. Sollten diese Dinge der Gasdirektion bezw. Deputation unbekannt sein, so bleibt ihr eine sachliche Prüfung, die hoffentlich eine Abstellung der gerügten Uebelstände im Gefolge hat, un- benommen. Der Magistrat hat beschlossen, dem Hülfsausschuß für die not- leidenden Deutschen Rußlands unter gewissen Bedingungen einen Beitrag in Höhe bis zu 10 000 Mark zu leisten. Es sollen nur bedürftige und wirklich notleidende Deutsche, die ihre Stel- l u n g e n oder ihre Arbeit verloren haben usw., mit diesem Beitrage unterstützt werden. Eine Anzahl Fleischernicister in den Vororten sind auf den Magistrat der Stadt Berlin sehr schlecht zu sprechen, denn er hat ein altes Ortsstatut zu neuer Geltung gebracht, durch welches sich viele Meister in ihrer Existenz schwer bedroht fühlen. Es soll nämlich denjenigen, die in Berlin ein stehendes Gewerbe betreiben, das FÄ- bieten von frischem Fleisch, welches von auswärts eingeführt wird. nicht gestattet sein. Einige Strafmandate sind schon erlassen worden. In einer Versammlung am Freitagabend kamen die Meister zu einer Beratung zusammen und drei Rechtsanwälte hielte» Reden und sprachen den Meistern guten Trost zu. Ein Revisionsverfahren ist eingeleitet und man ist sehr gespannt, wie die Gerichte entscheiden werden. Im schlimmsten Falle will man sich mit einer Petition an den Landtag wenden.„Alles schreitet fort, nur nicht der Magistrat von Berlin", rief ein Redner in der Versammlung. Die Fleischermeister fühlten sich sehr gekränkt, da sie doch bei jeder Gelegenheit.ihre gute Gesinnung beweßen, ihre Steuern prompt bezahlen und bei patrio- tischen Festen im Frack und hoch zu Roß an der Spitze treuer Unter- tanen erscheinen. Und jetzt eine solche Behandlung! Um das Ein- und Aussteigen der Reisenden zu erleichtern und die Sicherheit zu erhöhen, ist vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten angeordnet worden, daß die Handgriffe und Ver- s ch l ü s s e für die offenen Plattformen der Durchgangswagen auf ihre zweckmäßige Ausgestaltung hin geprüft werden. Es soll dabei auch Vorsorge getroffen werden, daß Reisende, die Verbots- widrig die Plattform während der Fahrt be- t r e te n und sich auf derselben aufhalten, Gelegenheit zum Festhalten bei unerwarteten Schwankungen des Wagens finden und sich dadurch vor dem Abstürzen bewahren können, selbst wenn die Sicherheits- ketten versehentlich nicht eingehängt sein sollten. Bei Beratung der Angelegenheit sei es erwünscht, zu ermitteln, welche Einrichtungen bei den Durchgangswagen anderer Bahnverwaltungen, besonders" in Süddeutschland, Oesterreich, der Schweiz usw. zu dem gleichen Zwecke getroffen worden sind. Zu dem Protest gegen die Ausführung des Birchowdeukmals wird dem„Berl. Tagebl." aus Stadtverordnetenkreisen geschrieben, daß man sich auch in diesen Kreisen sage, dies Denkmal dürfe Virchow zu Ehren auf einem städtischen Platze nicht stehen. Es seien die nötigen Maßnahmen eingeleitet, um eine Aufstellung zu verhindern. Auch die Aerzteschaft und zwar die beiden größten Aerzte- Vereinigungen Berlins, die Medizinische Gesellschaft und der Verein für innere Medizin hat gegen die Aufstellung des Virchowdenkmals nach dem Klimschen Entwurf Protest eingelegt. Magistratsoffiziös wird gemeldet, daß über die Ausführung des preisgekrönten Klimschen Entwurfs noch nichts bestimmt sei. Wirkungen der Hitze. Die augenblicklich herrschende Hitze richtet böses Unheil m manchen Köpfen an. Unter der Spitzmarke: An der Schwelle Utopiens bringt die„Freie Deutsche Presse" folgendes Geistes- Produkt: „Wieder ist die Berliner Kultur vergewaltigt worden. Aus allen Ecken und Kanten glotzt die Fäulnis. Nur Herr Singerund Familie haben in dieser Zeit der Dekadenz ihr Herz der hohen Aufgabe erhalten, die Würde der Stadt zu wahren und die„Fahne der Freiheit hochzuhalten"... Die Phrase des roten Knigge tut freiltch auch heute noch ihren Dienst; schon wird es heißen: Für die städtischen Arbeiter, diese Parias der Gesell- schaft, hat nur der Sozialdemokrat ein Herz, ihr habt* ja gesehen. Warum? Am Donnerstag lagen den Stadt- verordneten Anträge über die Ausgestaltung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse der städtischen Arbeiter in Berlin vor, von denen ganz sicher nur wenige darauf berechnet waren, daß vernünftige Menschen sie hätten verwirklichen können. So machen sie es ja immer: Sie fordern immer ein Erhebliches mehr, als man vernünftigerweise erfüllen kann— welche Angst würden sie kriegen, wenn sie das Geld für ihre Ansprüche aufbringen müßten— und schreien dann Zeter und Mordio und schimpfen(da es nichts kostet), auf„die eiye reaktionäre Masse". Wetten: Nächstdem werden sie, da sie ja nicht fürchten müssen, von den Steuerzahlern ernst genommen zu werden, beantragen:„Jeder städtische Arbeiter arbeitet solange er will und erhält dafür, wenn er ledig ist, 40, wenn verheiratet, 50 M. wöchentlich, freie Kost und Logis und jeden dritten Tag ein Billett ins Opernhaus. Wenn sich ein Arbeiter verheiratet, bekommt er eine komfortabel eingerichtete Wohnung und für jedes Kind zehn Prozent Lohnerhöhung." Mehr wäre das nicht, als Herr Stern aus Schwabenland für den Zukunstsstaat als unbedingt notwendig erklärt hat." Lediglich zum Ergötzen unserer Leser nehmen wir von dieser „Erscheinung" Notiz; ein sachliches Eingehen auf diesen kompletten Blödsinn werden sie uns sicher nicht zumuten. Die Hitze! Die Hitze l_ Beim Hülfswerk den Tod gefunden. Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich gestern vormittag auf dem Grundstück der Brauerei „Belle-Miance" in der Zoffenerstr. 31. Dort soll zwischen dem ersten und zweiten Hof eme bessere Durchfahrt geschaffen werden und sind zu diesem Zweck bereits größere Erdmassen ausgeschachtet. Gestern wollte man nun einen schwer beladenen Wagen vom zweiten Hofe nach dem ersten schieben. Ueber die Erde gelegte Bretter er- möglichten die Fahrt. Plötzlich, als der Wagen in der Mitte der Durchfahrt war, gab das Erdreich nach und der schwere Wagen neigte sich zur linken Seite. Hier hatte der 20 jährige Arbeiter Paul Held aus der Nostizstraße aus gutem Willen mit an den Wagen angefaßt und schieben helfen. Er wurde nun von dem umstürzenden Gefährt an die Wand gepreßt und zwar so unglücklich, daß der Tod nach wenigen Minuten eintrat. Die Kollegen vermochten nicht, die Leiche hervorzubekommen, weshalb man die Feuerwehr alar- mierte. Diese hob den Wagen an und zog den Verunglückten hervor- Die Leiche wurde nach dem Schauhause geschafft. Der Rnubmordversuch) der am 24. April d. I. in einem Keller in der Wriezenerstraße an einer Frau verübt wurde, hat durch das Geständnis des Täters seine völlige Aufklärung, gefunden. Es werden darüber folgende Einzelheiten berichtet: Am 24. vorigen Monats war der Schuhmachermeister Albert Biamont, der in der Wriezenerstr. 3 eine Kellerwerkstatt betreibt, abends um 8 Uhr in seinen Gesangverein gegangen. Seine fünfunddreißigjährige Frau Charlotte brachte bald darauf ihre beiden Töchter zu Bett und schloß dann um 9 Uhr die Ladentür, um sich ebenfalls zur Ruhe zu begeben. Da kam noch ein junger Mensch unter dem Vorwande, daß er ein Paar ausgebesserte Stiefel abholen wolle. Als die Frau sich umtwUfl um ein Pgar vom Gestell zu nehmen und ihn zu fragen, ob es bielleicht das fsinigs sei, schlug er sie nied'eb, raubte ihr dann 8 Mark 50 Pfennig und entkam mit der Beute. Zwei Tage nach diesem Raubanfall wurde ein 18t,h Jahre alter Arbeitsbursche Ernst Heim aus Erfurt, ein entsprungener Fürsorgezögling, auf frischer Tat bei einem Fahrraddiebbstahl ergriffen. Dieser ist, wie sich jetzt herausgestellt hat, der Räuber. Bei seinem Verhör über den Fahr» raddiebstahl gestand er auch einen Einbruch in ein Warenhaus in Werder a. H. Bei einer weiteren Vernehmung gestand Heim ein, den Raubanfall in der Wriezenerstraße, sowie auch eine Anzahl anderer Straftaten verübt zu haben. Mit 11000 Mark verschwunden ist ein Geschäftsdiener Riedel von der Kohlenhandlung Schiebel u. Co. Seit dem 1. Juli 1904 war er bei der Kohlenhandlung von Schiebel u. Co, in der Dorothecn- straße 32 angestellt und besorgte namentlich die Arbeit des Kassen- boten. Er führte, wie auch seine Hausgenossen bekunden, ein ordent- liches, regelmäßiges Leben und kam abends immer zeitig nach Hause. Nachdem er am Donnerstag verschwunden war. erhielten seine Ar- beitgebcr gestern nachmittag von ihm einen vom Grunewald datierten Rohrpostbrief, in dem er ihnen mitteilte, seine Kassenbotentajche sei ihm mit dem Geld am Donnerstag nachmittag um SMs Uhr in der Nähe des Potsdamer Platzes von einem unbekannten Manne ent- rissen worden. Er traue sich deshalb nicht nach Hause zurück, werde sich vielmehr das Leben nehmen. Das geschädigte Geschäft sagt in einem Säulenanschlag, ourch den es eine Belohnung von 500 Mark ausschreibt, die Kassenbotcntafche mit zirka 11 000 Mark bar sei „abhanden gekommen". Zwei schwere Straßenbahnunfälle haben sich gestern abend und in der vergangenen Nacht zugetragen. Die in der Pfalzburgerstr. 64 wohnhafte 68jährige Ehefrau B. Erbe hatte einen Straßenbahnwagen der Linie 78 zur Heimfahrt benutzt, und an der Ecke der Uhland- und Ludwigskirchstraße glaubte die Greisin, der Wagen halte an. Sie sprang von der Plattform herab und stürzte, da sich der Wagen in voller Fahrt befand, auf die Straße. Frau E. erlitt einen kom- plizierten Oberschenkelbruch und wurde in das Krankenhaus Westend eingeliefert.— Mit dem Fahrrad zwischen zwei Straßenbahnwagen geraten ist gestern abend der 20jährige Tischler Viktor Bock, Tempel- hoferstr. 2 wohnhaft. Der junge Mann fuhr von der Linkstraße in die Potsdamerstraße hinein und kam infolge des großen Wagen- gewirres zwischen zwei sich kreuzende Straßenbahnwagen. B. wurde zu Boden geworfen und so schwer verletzt, daß man ihn nach dem Elisabeth-Krankenhaus bringen mußte. Brand eines Automobils auf offener Straße. Großes Aufsehen erregte gestern nnttag der Brand eines Geschäftsautomobils des Warenhauses A. Wertheim an der Ecke der Brückenallee und der Altonaerstraße. An der Seite des Wagens schlugen plötzlich mächtige Flainmen empor, und nur durch einen geschickten Sprung vermochte sich der Chauffeur in Sicherheit zu bringen. Es wurde sofort die Feuerwehr alarmiert, der es gelang, einen Teil der Waren zu retten. Die übrige Ladung wurde ein Raub der Flammen. Das Automobil selbst wurde stark beschädigt. Die Ursache des Feuers dürfte auf eine Benzinexplosion zurückzuführen sein. In einem Todsuchtsanfall versuchte gestem der Ehemann der Grünkramhändlerin Marie Kl, Soldinerstr. 63, diese ums Leben zu bringen. In der gestrigen Nacht lief K. plötzlich nach der Küche, holte dort ein Beil und ging damit auf seine Frau los. Der Rasende holte zum Schlage aus und hätte die Unglückliche auch zweifellos getötet, wenn in dem Augenblick der höchsten Gefahr nicht die 19 jährige Tochter hinzugesprungen wäre und dem Tobenden hinterrücks das Beil entrissen hätte. Nun bewaffnete sich K. mit einem schweren Tiegel und schlug damit auf die wehrlose Frau ein. Auf die Hülferufe der Tochter eilten dann mehrere Nachbarn hinzug, welche das Opfer aus den Händen des Tobsüchtigen be- freiten. Blutüberströmt und in bewußtlosem Zustande wurde Frau K. in einer Droschke nach der Unfallstation in der Badstratze gebracht. Die Bedauernswerte war von ihrem kranken Mann im Gesicht und am Oberkörper iibel zugerichtet worden. Da sie nicht in ein Krankenhaus wollte, wurde sie bei ihrer Schwester untergebracht. K. wurde schließlich überwältigt und durch Polizeibeamte einer An- stalt zugeführt. Zu dem Gerücht von einem Morde hat gestern die Tat eines Lebensmüden Veranlassung gegeben. Als gestern morgen um 7 Uhr die Arbeiter des Lederwarenfabrikanten Theodor Wegener ihre Werk- stätte in der Prinzenstr. 34 betraten, fanden sie ihren Arbeitgeber mit durchstochener Brust auf der Erde liegend als Leiche vor. Man glaubte anfangs, daß es sich hier um ein schweres Verbrechen handle. dach hat es sich im Laufe der Untersuchung herausgestellt, dbß W. selbst Hand an sich gelegt hat. Ein zweites Opfer der Bootskatasirophc auf dem Tegeler See ist jetzt gelandet worden. Es handelt sich um den 18 jährigen Schuh- macher Arthur Uecker, der bekanntlich gemeinsam mit seinem Bruder den Tod in den Wellen fand. Die Leiche des jungen Mannes ist an derselben Stelle, an welcher sich das bedauerliche Unglück ereignete, hochgekommen und geborgen worden. Eine traurige Aufklärung hat jetzt das Verschwinden des Archi- tektcn Emil Schulze gefunden. Sch., der seit dem 28. April vermißt wurde, ist aus dem Tegeler See in der Nähe des Lindwerdcrs als Leiche gelandet worden. Er hat vermutlich infolge andauernder Krankheit Selbstmord verübt. Zeuge» gesucht. Am Dienstag, den 8. Mai. sind beim Ein- steigen in den Stadtbahnzug auf dem Bahnhof Janowitzbrücke, früh 6,5b Uhr, einem Arbeiter infolge Zuschlagens der Coupetür zwei Finger abgequetscht Ivorden. Personen, die Zeugen dieses Vorfalles waren, werden um Abgabe ihrer Adresse an A. Finkcnstein, Kraut- straße 55, gebeten. Ein Konzert veranstalten die Gesangvereine„Gerechtigkeit" und „Freiheit Westen" am heutigen Soniitag mittag 12 Uhr in der Bock- brauerei. Da der Ertrag einem langjährigen, kranken Partei- genossen zugute kommen soll, ist ein zahlreicher Besuch besonders er- wünscht. Auf dem Sportplatz Berlin-Zehlendors wird am 20. Mai der Kamps um das goldene Rad zum Austrag kommen. Es sind die in Sportkreisen bekannten Fahrer Robl und Hubcr gewonnen worden. Im Sportpark Treptow gehen am heutigen Sonntag nach einem ernsten Training der Franzose C o n t e n e t. der Holländer S t o l und zum erstenmal in diesem Jahre Bruno Demke zu einem Stundenrennen niit Dtotorführung an den Start. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der mit zahl- reichen farbigen Bildern und Wandelpanoramen ausgestattete Vor- trag„Am Golf von Neapel" nur noch am Sonntag, Montag, Diens- tag und Mittwoch zur Darstellung gelangen. Am Donnerstag wird Herr Dr. P. Sckwahn zum ersten Male seinen Vortrag„Der jüngste Ausbruch des Vesuv" halten und denselben am Sonnabend noch einmal wiederholen. Am Freitag wird der Vortrag„Der Simplon und sein Gebiet" wiederholt werden. Auf der Trcptow-Sternwarte spricht am Sonntag, den 13. Mai, nachmittags 5 Uhr, Herr Dozent Jens Lützen in Ver- tretuug von Herrn Direktor Archcnhold über„Geburt und Tod der Erde", abends 7 Uhr über„Die Ursachen des Erdbebens von San Francisco". DaS Thema für den Vortrag am Montag, abends 9 Uhr, lautet:„Merkur und Venus". Mit dem großen Fernrohr wird von 2 bis 7 Uhr die Sonne, auf der jetzt wieder große Flecke zu sehen sind, alsdann die Venus und nachher bis 12 Uhr ein Doppelstern beobachtet. Feucrwehrbericht. Gestern früh um 4 Uhr kam ein großes Feuer in einer Lampen- und Petroleumbrenncrsabrik von O. M. in der Reichcnbergerstraße 104 aus unbekannter Ursache zum Aus- bruch und beschäftigte die Feuerwehr längere Zeit. Bei Ankunft des achten Zuges brannten dort im Keller Lattenverschläge mit Kisten usw., Fenster und Türen usw. im Erdgeschoß und erstem Stockwerk, sowie Kisten u. a. auf dem Hofe. Durch schnelles Borgehen und kräftiges Wassergeben mit mehreren Rohren gelang cS, eine weitere Ausdehnung der Flammen zu verhüten. Dcrsclbe Zug sowie Zug 11 wurden gestern nach Nixdorf gerufen, wo ein Bretterschuppen auf dem Holzlagcrplatz am Kottbuserdamm 70 in Flammen stand. Die Rixdorfer Ortsfeuerwehr war ebenfalls zur Stelle und eS gelang, die Flammen auf den Bretterschuppen zu beschränken. Ferner wurde die Feuerwehr nach der Ecke der Invaliden- und Haidestraße ge- rufen. Dort war ein Pferd auf den Bahnkörper der Eisenbahn ge- raten und gestürzt. Die Wehr befreite das Tier aus seiner Notlage. Außerdem hatte die Wehr Große Frankfurterstraße 2 und 38 zu tun und Gräfestratze 13 einen Preßkohlenbrand zu löschen. Arbeiter-Samariterkolonne. Wir machen hiermit auf den Bc- ginn des Sommerkursus in der zweiten und vierten Abteilung, welcher am Montag resp. Donnerstag dieser Woche beginnt, auf- merksam. Zahlreiche Beteiligung ist erwünscht. Siehe heutiges Inserat. Gesperrt. Die Schornsteinfegergasse wird behufs Verlegung eines Gasrohres vom 11. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Der Borstand dc-Z Arbeiter-Athletenlmndes schreibt un?: Viel- fachen Anfragen entsprechend erklärt der Unterzeichnete, daß der im „Vorwärts" inserierende„Erste Athleten- und Artistenverband Berlins und Umgegend" dem Arbeiter-Athletenbunde nicht ange- schlössen ist. Der Arbeiter-Athletenbund Deutschlands wurde gegründet, um dem groben Unfug, wie er auch heute Sonntag lvieder durch die Verteilung von hundert Orden und Siemen zum Austrag kommt, entgegen zu arbeiten. Wir erklären daher allen Sportgenossen, daß wir mit der heute Sonntag in der„Alhambra", Wallnertheaterstratze, stattfindenden Veranstaltung nichts gemein haben. Der Vorstand des Arbeiter-Athletenbundes Deutschlands. Vorort- JVadmebten. Rummelsburg. Eine imposante, von Angehörigen aller Parteien zahlreich besuchte öffentliche Versammlung tagte am Freitagabend im großen Saale des Cafe Bellevue. Der Vertrag, den die Gemeinde Rummelsburg hinter verschlossenen Türen mit der Großen Berliner Straßenbahn betr. Führung einer Linie nach Rummelsburg abzu- schließen beabsichtigt, bildete die Tagesordnung dieser Versamm- lung. An Stelle des durch Krankheit verhinderten Genossen Borg- mann referierte der Gemeindevertreter Genosse John. Redner verstand es, den Anwesenden in fesselnder und überzeugender Weise ein Bild von diesem unwürdigen, die Gemeinde für alle Ewigkeit ungemein schädigenden Vertrage, der bekanntlich bis zum Jahre 2039 laufen soll, zu geben.(Die einzelnen für die Ge- meinde besonders schwerwiegenden Paragraphen, die der Referent näher besprach, sind bereits in Nr. 106 des„Vorwärts" einer kriti- scheu Beleuchtung unterworfen.) Des weiteren kennzeichnete der Referent das Verhalten derjenigen bürgerlichen Gemeindevertreter, die dafür stimmen, daß dieser Vertrag in geheimer Sitzung zum Abschluß gebracht werden soll. Insbesondere seien es die Box- Hagener Grundbesitzer resp. Spekulanten, die in der Gemeinde- Vertretung durch ihre Vertreter darauf hinarbeiten, daß die Große Berliner unter allen Umständen auch unter den schlechtesten Bc- dingungen nach Rummelsburg kommen soll. Darauf seien auch die ungeheuerlichen Bedingungen der Großen Berliner gegenüber der Gemeinde Rummelsburg zurückzuführen. Jene Grundbesitzer ver- ließen nach Verkauf ihrer Grundstücke fast ausnahmslos wieder den Ort. ihnen läge nur die Erzielung eines höheren Verkaufs- Preises am Herzen. Den mit großem Beifall aufgenommenen Ausfuhrungen folgte; eine lebhafte Diskussion, in welcher auch der Gemeindevertreter und Vorsitzende des Rummesburger Grundbesitzervereins, Herr Carlin, für die Unannehmbarkeit dieses Vertrages eintrat. Ganz besonders verurteilte aber der Eigentümer Herr Stiebing das Ver- halten» derjenigen Gemeilidevertreter, die in gebeimer Sitzung die Sache zum Abschluß bringen wollen, ebenso hält Redner die An- nähme eines solchen Vertrages für ein Unding. Am Schluß ge, langte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: „Die heute im Cafe Bellevue sehr zahlreich besuchte öffentliche Versammlung verurteilt ganz entschieden den Abschluß eines der- artigen, die Gemeinde für endlose Zeiten schwer schädigenden Ver- träges mit der Großen Berliner Straßenbahn. Sie verurteilt ganz besonders das Verhalten derjenigen Gemeindevertrcter, welche in geheimer Sitzung diesem Vertrage ihre Zustimmung geben wollen und erwartet, daß in der Gemeindevertretung ein derartiger An, trag seine verdiente entschiedene Ablehnung findet." Ferner gelobten die Anwesenden, in der am Montag, den 14. Mai, nachmittags um 5 Uhr, im Rathause, Türrschmidtstr. 25, stattfindenden Gcmeindevertretcrsitzung, in welcher der Vertrag mit der großen Berliner zur Beschlutzfassung steht, zahlreich zu erscheinen, um gegebenenfalls gegen die geheime Verhandliyig dieses Vertrages zu protestieren. Charlottenburg. Die Freie Volksbühne Charlottenburg veranstaltet am Donners- tag. den 17. Mai, für ihre Mitglieder eine Aufführung von L e s s i n g S Lustspiel„Minna von Barnheln, Neu- aufnahmen, die bis dahin erledigt sein sollen, müssen bis zum 14. bei einer der folgenden Zahlstellen des Vereins angemeldet sein: Müller, Rosinenstr 3; Will, Kirchstr. 30; Paesler, Schlüterstr. 8; Franz Schmidt, Wilmersdorfcrstr. 130; Konsumverein, Wilmers- dorferstraße 27; Konsum II, Potsdamerstr. 12; Bigalke. Schloß- straße 26»; und in W i l m e r S d o r f: Murrer, Eislebenerstr. 14; Käsler, Lauenburgerstr. 20. Steglitz. Ein dreister Raub ist am Freitag auf dem Wochenmarkte in Steglitz verübt worden. Zwei unbekannte Männer hatten sich an den Verkaufsstnnd einer Gemüsehändlerin herangemacht und hielten sich dort in verdächtiger Weise auf. Ms die Händlerin ihre Geld- tasche öffnete, um zu wechseln, hielten die dreisten Burschen den Moment für geeignet. Einer derselben trat auf die Frau zu. griff schleunigst in die Geldtasche und war. ehe sich die beraubte Händlerin von ihrer Ueberraschung erholt hatte, samt seinem Komplicen ver- schwunden. Der ganze Raubanfall, bei welchem den Tätern 200 M. zur Beute fielen, war das Werk weniger Augenblicke. Spandau. Wegen Streikpostenstehens im Januar dieses Jahres hatten sich die bei der Firma T. u. O. Reinicke damals beschäftigten 13 Tischler vor dem Schöffengericht zu verantworten. Dieselben hatten auf eine erkannte Polizeistrafe in Höhe von je 6 M. Einspruch erhoben. Die Angelegenheit wurde jedoch am Freitag nicht zu Ende geführt. Im Einverständnis mit dem Verteidiger Rechtsanwalt Theodor Lieb- kuecht beschloß das Gericht, die Sache auszusetzen, bis eine gleiche Angelegenheit, welche jetzt vor der Berufungsmstanz schwebt, rechtskräftig entschieden ist. Gerichts-Leitung. Zur Auslegung des Tarifvertrages der Maurer. Die Maurer M. und Genossen, die beim Unternehmer Tönner beschäftigt waren, hatten wegen Materialmangels drei Tage aus» setzen müssen. Es fehlte Weißkalk. Durch Klage beim Berliner Gewerbegericht verlangten die Leute für die Zeit, wo sie dem Bc- klagten zur Verfügung standen, ohne arbeiten zu können, den üblichen Lohn. Beklagter und sein Polier beriefen sich auf die Be- stimmung des Tarifs, wonach unter anderem eine Bezahlung aus- geschlossen sein soll bei Unterbrechungen der Arbeit, die wegen Materialmangels nötig werden. Die Kammer 3 unter dem Vorsitz des Gewerberichters Dr. Prerauer nahm auf Grund der Beratung den Standpunkt ein, daß in der fraglichen Tarifbestimmung nur kurze Unterbrechungen gemeint seien, denen der Unternehme? Iflüft BBtRügefl fotUic, Wätt öBet solche bön B'fet Tagett. Im allgemeinen bestehe die Verpflichtung des Unternehmers, für Material gu sorgen. Hier wäre Beklagter in der Lage gewesen, sich ander- tveitig Mörtel zu besorgen. Auf ein tagelangeS Aussetzen wäre die Bestimmung des Tarifes nicht anwendbar.— Nachdem die Parteien von dieser Auffassung unterrichtet worden waren« verglichen sie sich nach dem Vorschlage des Gerichts. Wahrnehmung berechtigter Interessen. Die Telephon-N�rvosität hatte dem Tierarzt Post in Tegel Veranlassung gegeben, am 24. Oktober v. I. eine Beschwerdeschrift über eine Telcphonistin an das Postamt in Tegel zu richten. Er suchte am 23. Okwber Verbindung mit Berlin Amt Vll, Nr. 1417. Er wurde zunächst beschiedcn, dah das Amt besetzt sei, nach einiger Zeit wurde er mit einer falschen Nummer verbunden und die richtige Verbindung kam erst nach verschiedenen Rücksprachen im Verlauf mehrerer Minuten zustande. Er war der Ansicht, daß ihn die in Frage kommenden Telephonistinnen absichtlich falsch ver- Kunden und während des Sprechens mit ihm gelacht hätten, und dagegen richtete sich seine Beschwerde, die mit der Bemerkung schloß: „Er sei nicht gesonnen, sich durch Albernheiten des weiblichen Telephonpersonals schikanieren zu lassen." Die Folge war eine An- klage wegen Beamtenbelcidigung und die Verurteilung des An- geklagten zu 20 M. Geldstrafe, da das Schöffengericht der Ansicht war, daß der Angeklagte mit jener Schlutzbemcrkung die Schutz- grenzen des Z 193 überschritten habe. Das Gericht sprach den Angeklagten in der Berufungs- instanz fren Es nahm mit Recht an, Z 193 Str.>G.-B.(Wahrnehmung berechtigter Interessen) stehe dem Angeklagten zu, der gegen vermeintliche Pflichtwidrigkeiten oder Albernheiten sich be- schweren wollte. Wenn er bei der Beschwerde diese Ausdrücke ge- braucht habe, so habe er nichts anderes getan, als zu bezeichnen, worüber er nach seiner Ansicht sich zu beschweren Veranlassung ge- habt habe. Demnach könne aus dem Gebrauch der Worte, die den Inhalt seiner Beschwerde darstellen, auf eine Absicht der Be- lcidigung nicht geschlossen werden. Straßendiebstahl. Der Geschäftsreisende Hans Günzelt hatte sich gestern wegen eines fast an Straßenraub grenzenden Diebstahls vor der Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten. Der aus einer Stadt Thüringens stammende Angeklagte ist der Sohn wohl- situierter Eltern und bisher unbescholten. Anfangs Januar trat G. eine größere Geschäftsreise für eine auswärtige Firma an und kam auf seiner Tour auch nach Berlin. Das Leben in der Großstadt schien dem 25 jährigen Angeklagten sehr gut zu gefallen. Er amü- sicrte sich nach Herzenslust. Bald aber gewahrte er eine bedenkliche Ebbe in seinem Portemonnaie. Da er bereits einen Kostenvorschuß erhalten hatte, war es ihm peinlich, nochmals mit demselben An- suchen an seine Firma heranzutreten. Anstatt sich nunmehr an seine Eltern zu wenden, die bereit gewesen wären, ihn mit einer größeren Summ« zu unterstützen, verübte er eine mehr als sonder- bare Tat; er entriß am 28. Februar d. I. am hellichten Tage in der Straße Unter den Linden cmer Dame das silberne Handtäschchcn, in dem er Geld vermutete und ergriff die Flucht. Er wurde sofort festgenommen und in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Vor Gericht war der Angeklagte geständig. Dos Gericht erkannte auf drei Monate Gefängnis. Diebstähle im Spebitcurvereln. Massenhafte Diebstähle haben die Stallmänncr Otto Linsemann und Karl R u h l verübt, die gestern wegen fortgesetzten Diebstahls vor der neunten Strafkammer des Landgerichts T standen. Mit ihnen tvar der Arbeiter August Bruchmann wegen Hehlerei angeklagt. Die ersten beiden Ange- klagten waren bei dem Berliner Spediteurverein auf dessen Lagerhof in der Haidestraße angestellt. Mit Hülfe von Nachschlüsseln statteten sie den Lagerräumen wiederholt Besuche ab und stahlen: sibirische Schaffelle, Betten, die ganP: Garderobe einer Schauspielerin, einen Kronleuchter, silberne Schusseln usw. usw. Einen Teil der ge- stohlenen Sachen benutzten sie zur Ausstattung ihrer Wohnräume, einen anderen verkauften sie unter anderem auch an Bruchmonn. Das Gericht verurteilte Linsemann und Ruhl zu je neun Monaten Gefängnis. Bruchmann kam mit sechs Wochen Gefängnis davon. Raub durch polnische Arbeiter. Die Verhandlung vor dem Schwurgericht des Landgerichts II in Sachen der wegen Raubes angeklagten polnischen Arbeiter ist am Freitag spät abends zu Ende gegangen. Der Staatsanwalt hatte gegen die drei Hauptangeklagtcn Zuchthausstrafen von 12. 19 und 8 Jahren beantragt. Der Gerichts- Hof verurteilte auf Grund des Wahrspruchs der Geschworenen: Valentin Mazurkiewicz zu 7 Jahren Zuchthaus und 19 Jahren Ehrverlust, Wladislaus Mazurkiewicz zu 6 Jahren Zuchthaus und 8 Jahren Ehrverlust, Konstantin Mazurkiewicz zu 5 Jahren 1 Monat Zuchthaus und 8 Jahren Ehrverlust, Viecent Mazurkiewicz und den Arbeiter Trzezinski wegen Hehlerei zu zwei bezw. einen Monat Ge. fängnis. Der Angeklagte Stanislaus Mazurliewicz wurde frei- gesprochen._ Allgemeine Familien-Sterbekasse. Heute: Zahltag Ackerswatze 123 bei Wiesenthal von 3— S Nhr. Sozialdemokratischer Zentral-Wahlverei« für den Reichstags- Wahlkreis Züllichau-Schwlcbns-Crossen-Tommerfcid.(Ortsverein Berlin.) Dienstag, den Ib. Mai, abends 8'/, Uhr: Versammlung bei Patt, Dragonerslr. 15. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Genossen auZ dem Kreise, in dieser Bersainmlung zu erscheinen. Der Vorstand. Der Bund der sozialdemokratischen Lese- und Diskutierklubs beginnt am heutigen Sonntag, Punkt 10 Uhr, den Rundgang durch das .Museum sür Naturkunde" unter wissenschastlicher Führung und Leitung. Sonntag, den 20. und 27. folgen zu gleichem Zwecke. Mocden-Spielplan der Berliner Cbeater. Opernhaus. Sonntag: Mignon. Montag: Der fliegende Holländer. Dienstag: Fidelw. Mittwoch: Tarmhäuser. Anfang 7 Uhr. Donnerstag: Orpheus und Eurhdike. Freitag: Neaimmtstochtcr. Slav. Brautwerbung. Tonnabend: Lohengrm.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Samson und Dalila. Montag: Manon. Schauspielhaus. Sonntag: Die Ouitzows. Montag: Sappho. DienS« tag: Goldsilche. Mittwoch: Das grotze Licht. Donnerstag: Macbeth. Frei- tag: Iphigenie aus Tauris. Sonnabend: Faust.(Ansang 7 Uhr.) Sonn- tag: Goldsische. Montag: Julius Caesar. Neues Königl. Operntheater. Sonntag: Alpenkönig und Menschen- seind. Montag: Martha. Dienstag: Alpcntönig und Mcnschenseind. Mittwoch: Martha. Donnerstag: Alpenkönig und Menschenscind. Freitag: Der Maskenball. Sonnabend und Sonntag: Der Zigcuncrbaron. Mon- tag: Der Maskenball. Lcssing-Thcater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Abends: Kater Lampe. Montag: Und Pippa tanzt. Dienstag: Nora.(An- fang 7>/, Uhr.) Mittwoch: Und Pippa tanzt. Donnerstag: Die Weber. Freitag: Kameraden.(Anfang 7'/, Uhr.) Sonnabend: Kameraden. Sonn- lag nachmittag 3 Uhr: Geschlossen. Abends: Kameraden. Montag: Un- bestimmt. Deutsches Theater. Sonntag: Der Kaufmann von Venedig. Mon- tag: Kabale und Liebe. Dienstag: Hellige Brunnen. Herr Kommissär. Mittwoch: Kabale und Liebe. Donnerstag: Das Käthchcn von Heilbronn. Freitag: Hellige Brunne«. Herr Kommissar. Sonnavcnv t Da? Käthchen von Heilbronn. Sonntag: Kabale und Liebe. Montag: Der Kaufmann von Venedig.„.„ Schiller- Theater O.(Wallner- Theater.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Macht der Finsternis. Abends: Weh' dem. der lügt. Montag und Dienstag: Weh dem, der lügt. Mittwoch: Ueber unsere Mast. I. Teil. Donnerstag: Weh' dem, der lügt. Frellag: Ucber unsere Mast. II. Teil. Sonnabend: Der Leibalte. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Macht der Finsternis. Abends und Montag: Der Militärstaat. Schiller-Theater X.(Fnedrtch-Wilhclmstädtisches Theater.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Zapsenslieich. Abends und Montag: Das Glück tm Winkel. Dienstag: Wanjujchina Kinder. Mittwoch: Das Glück im Winkel. Donnerstag: DaS Lumpengesindel. Freitag: Das Glück im Winkel. Sonnabend: G'wiflcnswurm. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Zapsenstreich. Abends: Das Lumpengesindel. Montag: Helden. Berliner Theater. BIS aiis weiteres täglich: Die lusttge Witwe.' Kleines Theater. Sonntag: Der Unverschämte. Hille Bobbe. Die Schlangendame. Montag: Tragödie der Liebe. Dienstag: Kinder der Somie. Mittwoch bis Sonnabend: Ein idealer Gatte. Sonntagnachmittag 3 Ühr: Kinder der Sonne. Abends und Montag: Ein idealer Gatte. Lustsptelhaus. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Logenbrüder. Abends und bis aus weiteres täglich: Die von Hochsattel. Sonntag, den 20. Mai, nachmittag 3 Uhr: Der Familientag. Neues Theater. Sonntag. Montag und Dienstag: Orpheus in der Unterwelt. Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Somiabend, Sonntag und Montag: Unbestimmt. Komische Oper. Sonntag nachmittag 3 Uhr und AbendS: Hoff- manns Erzählungen. Montag: Die Boheme. Dienstag: Hoffmanns Er- Zählungen. Mittwoch: FigaroS Hochzeit. Donnerstag: Hossmanns Er- Zählungen. Freitag: Don Pasquale. Sonnabend und Sonntag: Hossmarms Erzähliuigen. Montag: Unbestimmt. Theater deS Westens. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Undlne. Mcnds: Schützenliesel. Montag: Die vier Grobiane. Dienstag: Der Freischütz. Mittwoch: Don Juan. Donnerstag: Opcrnaussührung.(Ansang 7'/, Uhr.) Freitag: Der Waffenschmied. Sonnabend: Die Zauberflöte. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Abends: Schützenliesel. Montag: Zar und Zimmermann. Trtauon-Thcatcr. Bis auf weiteres täglich: Loulou. Residcuz-Theatcr. Bis aus weiteres täglich: Liebeskunst. Carl Weih- Theater. Sonntag bis Mittwoch: Aus altem Ge« schlecht. Ab Donnerstag: Sherlock Holmes Wentcuer. Zentral-Theater. Sonntag narymittag 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. AbendS: Die Puppe. Montag: Bruder Straubinger. Dienstag: Der Zigeunerbaron. Mittwoch: Boccaccio. Donnerstag: Die Fiedcnnaus. Freitag: Girofls-Gtroslä. Sonnabend: Die schöne Helena. Somitag nach- mittag 3 Uhr: Der Bettelstudent. Llbends: Boccaccio. Montag: Giroflö- Girostä. Thalia-Thcater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Bis srüh um Fünsc. Abends: Hochparterre links. Montag bis Sonnabend: Hochparterre links. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Bis srüh um Fünse. AbendS und Montag: Hochparterre links. Deutsch-Amerikanisches Theater. Bis aus weiteres täglich: Arme Mädchen. Casino- Theater. Sonnlag nachmittag 4 Uhr: Arbeit schändet nicht. Abends: Madame Bonivard. Montag bis Sonnabend: Madame Bonivard. Sonntag nachmittag 4 Uhr: Hotel Klingebusch. AbendS und Montag: Madame Bonivard. Folics Caprice. Allabendlich: Komiker Schnitzel. Dalles u. Co. Apollo-Theater.'Allabendlich: Vorn und hinten. Humbsti-Bumbstt. Spezialitäten. Ab DtcnStag: Das blaue Blld. Spezialitäten. Passage- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Urania-Theatcr. Taubenstraste 48/49. Sonntag vis Mittwoch: Am Golf von Neapel. Donnerstag und Sonnabend: Der jüngste Ausbruch des Vesuv. Frettag: Der SImplon und sein Gebiet. Wctter-Prognose für Sonntag, den 13. Mai ISOK. Trocken, vorwiegend heiter und am Tage warm bei massigen östlichen Winden. Berliner Wetterdureau. Anr Ztt. ko»trt wn» 0 Oi»»»U>» iit(in Meisterwerk toIUd« W Patent-Anker- Rernonloir- � 4� 101 TM O* IIa Kavalier- Stahl-Uhr%|| i SRflKlvilM IP* U Ii 13« -kr. i808.-JBJ| OUI Iji �Ui i I BHiBtrSB'sr äs Modell 1900 e°d°n m wiMf#6"1'11 y i wM V? 0 daher Risiko ausgeschlossen, � «Bter«tna dieselbe nieht xelHIIt oder den gestellten AnlorderuDgen nicht entspricht. p g «jabriger Leipziger Str. 35, ecke MkiMM. 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Friedrich stt. 16. l-iideritz& Bauer, Mauer« sttaße 80. Frltschc-Banmbacli, Schöneberg, Bahnstraße. H. Beiß. Lützowstr. 107/8. H. Schnbert, Wilhclmstt. 121. C. Metschke 4t Co., Zimmerstraße 94. A. Schoß, Puttkamerstraße 19. Ä. Schoß, Dcssauerftraße. Schneider& Ziegler, Ritterstr. 76. Ricknimin, Wilhclmstt. 121. Uanckfchc Buchdruckerei. Stallschreiberstraße 5. Ad. I.udcvig, Elisabeth-Ufer 5/6. Fleck Nacht., Lützowstr. 87. Kttnimcrer, Kochstt. 67. L-enz& Co., Buchdruckerei. Holzmarllstraßc 4. Werner, Lindenstraße 3. Diese Bcttiebe sind gesperrt! Vor Slrbcitsannabme wird gewarnt! Zuzug ist streng sernzuhalten! ' Tie Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Wegen Streik und Lohndiffercnzen find gesperrt: Für Tischler. Polierer und Ma- schinenarbeiter Franzi Schnlz, Frankfurter Allee 28, Gchr.Xcnkirch, Laugeitr. 10. Slegflrlcd, Mainzerstraffe. Meyer, Hettchcn& Ko., Memelcrstraste. Für Drechsler. Tischler. Stellmacher, Polierer, Ntaichinenarbeiter und Bildhauer Treppeugeländerfabrik �osenlR lireehuler. Gubenerstr. 43, Nähmaschiuenfabrik Frister& Kossmann. Tkaliüerstraste. Für Stellmacher 85/1 sämtl. Stellmacherwerlstätten. Wagen- sabrile» und dto. Drehrollensabrll FIltn.Wastmonnstrahe. Motor- waaensabrik Cottsohalk, in Reinickendorf. Für Bürstenmacher«rfchert, Ritterftrastc 107, und der JnnungsnachweiS, Brunne»- strafte 184. Für Polierer I-emke, Andreasstrafte. Für Flnsetrer sind gesperrt die Bauten der Wolgaster Holl- induftrie: Tauroppenerstrafte, Bau Bitrov. Ripdorf, Trinkhallen. Birchow-Krankenhaus. Dornburgstrafte, Bau Eichner. Zuzug ist streng fernzuhalten. ÖrtSverwaltun- des Holzarbeiterverban >cs. Zeiili'sI-Vki'dzüiIij.lZIsMdeiiei'ete. MUltUI, Die 21. E.-G.. Ackerstraße, ist für Glasbläser und die Finna R. Herr, mann. Peiersburgcrstt. 77, sür GlaS- schleiser gesperrt. 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