Nr. III. flbonncmenU'Bcdinsungen: RZonncmentS- Preis pränumerando; Viertcljährl. ZLV SV., monatl. l.lv MI, li'LÄenllich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Somitags- »ununcr mit illustrierter Sonntafts. Beilage.Die Neue Welt'>0 Pfg. Post- Abonnement: l.lv Mark pro Monat. liingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonuements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Aumünien, Schweden und die Schweiz. vlchtim iSglich SttCcr montasi. �* Verlinev VolksblAtk. 23. Jahrg. vi« sniekNonz-eedüd« beirägt für die sechsgespoltene Kolonek» zcile oder deren Raum Bö Pfg., für politische und gewerlschastliche Bereius- und BersammlungS-Rnzeigen Zy Pfg. „Alelne ZZnrcigen", das erste(seit- gedruckte) Bort 20 Pfg., jedes weitere Bort lv Pfg. Siellengesuche und Schlaf- slellemSInzeigen das erste Wort lv Pfg., jede? weitere Bort 6 Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm.Adresse: „SMlaldcmcKrjt viril»". Zcntvalorgan der rozialdemokratifcben parte» Deutfcblanda. Rcdahtion: SM. 68, Lindenetrasse 69. Fernsprecher- Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 15. Mai 1906. Expedition» SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr.»98». Wfipoftii! ZciliMmrl Iplf pp die WlmMW! Legen Sie Schuifeinäe! Das deutsche BildungSwescn ist auf den ersten Blick und für den unkritischen Betrachter sehr mannigfaltig und diel- gestaltig. Es gibt Universitäten, Akademien, technische Hoch- schulen. Handelshochschulen, gewerbliche Fachschulen, Fort- bildungsschulcn; es gibt Gymnasien, Progymnasicn, Real- gymnasien, Realprogymnasien, Oberrealschulen, Realschulen, Bürgerschulen und Mittelschulen; und es gibt Volksschulen, entgeltliche und unentgeltliche. Welche Vielseitigkeit der Bildung, so sollte man meinen, verschafft dieses reichhaltige Bildungswcsen dem deutschen Volke! Aber man würde einer argen Täuschung anheimfallen, wenn man aus der Mannigfaltigkeit der Bildungs an stalten auch auf die Mannigfaltigkeit der Bildung im deutschen Volke selbst schließen wollte. Denn diese Mannigfaltigkeit in den Anstalten kommt nur einer verschwindenden Minderheit deS Volkes zugute. Nur 5 Proz. der schulpflichtigen Kinder be- suchen die höheren Lehranstalten mit ihren verschiedenartigen . sielen und Lehrmitteln, die übrigen 95 Proz. der Schulkinder aber sind von der rcichbcsetztcn Tafel der höheren Lehranstalten ausgeschlossen, sie müssen mit den dürftigen Wasser- und Brot- Portionen, die die Volksschule verabreicht, vorlieb nehmen. Wer aber bestimmt das Maß des Wissens für die Volks- schule? In Preußen ist dafür das preußische Abgeordneten- haus maßgebend. Das erbärmliche Dreiklafsenivahlsystem ver- teilt aber den politischen Einfluß nach der Größe des Geld- sacks. Wer nichts hat, hat auch nichts zu sagen. Wer aber einen Millionenbesitz ererbt, erschlichen, ergaunert oder auf sonstige reelle oder unreelle Weise zusammengebracht hat, der verfügt über einen großen politischen Einfluß bei der Wahl zum preußischen Landtag, mag er im übrigen strohdumm sein. Nun haben nach der letzten Uebcrsicht der Ergebnisse der Veranlagung zur preußischen Einkommensteuer von den 36269439 Personen, deren Zahl sich bei der zuin Zweck der Steuerveranlagung stattgefundenen Personenstandsaufnahme in Preußen ergab, 20 474 257 Personen, daS sind 56,48 Proz. der Bevölkerung, ein Einkommen bis zu 900 M. jährlich. Ein Einkommen bis zu 3000 M. jährlich haben 34 626 790 Personen, das sind 95,47 Prozent. Uebcr 3000 M. Einkommen haben also 4,53 Prozent Personen in Preußen. Diese noch nicht einmal 6 Proz. Preußen, die die Ver- treter des großen und sehr großen Kapital- und Grundbesitzes einschließen, haben im preußischen Landtage fast uneingeschränkt das Heft in der Hand. Es sind ungefähr dieselben 5 Proz. Preußen, die ihre Kinder in die höheren Lehranstalten senden. Es ergibt sich sonach die empörende Ungerechtig- keit, daß die 5 Proz. Personen in Preußen, deren Kinder nicht die plebejische Volksschule zu besuchen brauchen, und die selb st— von vereinzelten Ausnahmen abgesehen— niemals e i n e V o l k s- schule besucht, nie eine von innen gesehen haben, dennoch ans Grund eines ungerechten Wahlsystems über die Volksschule zu bestiulmen und damit daö Maß des Wissens für die übrigen 95 Proz. Preußen fest- zusetzen haben. So kommt es denn auch, daß nach den gesetzgeberischen Leistungen des Dreiklasscn- und Fünfprozentparlaments der preußische Staat verausgabt für zirka 19000 Studenten 12,68 Millionen, also für den Kopf 659—709 M.; außer Be- tracht bleiben die Stiftungen und sonstigen Einkünfte der Hochschulen. Für 170000 Schüler höherer Lehr- / a n st a l t e n zahlt der Staat 14.58 Millionen Mark, also für den Kopf durchschnittlich 85—99 M.; für über 6 Millionen Volksschüler zahlt der Staat 85 Millionen Mark, also für den Kopf etwa 14 M. So kommt es ferner, daß die Steigerung der Ausgaben für die höheren Lehranstalten in dem Zeitraum von 1891—1901 betrug 115,43 Proz.. während bei den Volksschulen die Steigerung in dem gleichen Zeitraum nur 46,85 Proz. betrug. Wenn man noch den Umstand in Berücksichtigung zieht, daß in letzter Linie der ganze Reichtum der Herrschenden Klassen in Gold nur gemünzter Arbeiterschtvciß ist. so stellt sich die Schulpolitik des kapitalistischen Klasscnstaatcs durch folgende aufreizenden Tatsachen dar: Die herrschende Klasse hat sich aus den ihr von der Ar- bcitcrklasse erarbeiteten reichen Mitteln ein vielgestaltiges höheres Schulwesen in guten Schulräumen mit wcitgcsteckten Lehrzielen und leistungsfähigen Lehrmitteln geschaffen. Tie herrschende Klasse zwingt die Kinder des Proletariats in die dürftig ausgestattete, auf niedrige Lehrziele beschränkte und obendrein vernachlässigte Volksschule. Die herrschende Klasse hält die aus diesen und anderen Gründen unzufriedene und erbitterte Arbeiterschaft Preußens in der Kette des Drciklassenwahlrechts, wodurch der Arbeiter- schaft jedwedes Mitbestimmungsrecht über die Volksschule un- möglich gemacht wird. Die herrschende Klasse ist gegenwärtig drauf und dran, der Arbeiterschaft zun: verletzendsten Hohne das beschämend niedrige und dem heißen Bildungsdrang der Arbeiterklasse geradezu ins Gesicht schlagende Bildungsziel der Volksschule noch wesentlich herabzudrücken. Gegen diese schmachvolle Schulpolitik der herrschenden Klasse, der koalierten Reaktion der Junker, Pfaffen und Plus- macher muß die Arbeiterschaft mit aller Kraft lauten und nach- drücklichen Protest erheben. Insbesondere muß gegenwärtig das freche Attentat auf die Volksschule, wie es durch die leitenden Tendenzen deS Schulunterhaltungsgesetzcs versucht wird, als eine weitere Enttechtung, ja geradezu als eine offene Verhöhnung der bildungsdurstigen Arbeiterschaft zurückgewiesen werden. Die Arbeiterschaft verlangt statt dessen eine gründliche Reform des Schulwesens an Haupt und Gliedern im Sinne der Einheitsschule. Sie weiß sich in dieser Forderung einig mit den Lebenszielen der hervorragendsten Pädagogen der Vergangenheit, mit Comenius, Pestalozzi und Diesterweg, ebenso mit anderen führenden Geistern der Vergangenheit wie Fichte, Goethe und Karl Marx. Die Arbeiterschaft verlangt zur Ermöglichung einer durchgreifenden Umgestaltung des preußischen Schulwesens im Sinne des pädagogischen Fortschritts die Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts zum preußischen Landtage: ferner verlangt sie Einheitlichkeit der verivorrenen und ungleichen Schulgesetzgebung in Deutschland durch ein vom Reichstage zu schaffendes Reichsschulgesetz. Wir fordern deshalb alle klassenbewußten Arbeiter, alle Freunde einer freien Schule auf zum wirksamen Protest gegen die in Preußen der Verwirklichung näherschreitende Schul- verpfafiung sowie zur Demonstration für die vorstehend gezeichneten freiheitlichen Schulforderungen. Arbeiter, erscheint niassenhaft in den hentige» Versammlungen; demonstriert für Eure Rechte, für das Wohl Eurer Klnder! Die Revoltttiou in Rtttzland. Diffonanze» iu der Duma. Die Frage der A m n e st i e ließ bereits taktische McinllNgSverschiedenheiten in der Duma auftauchen. Während die radikaleren Elemente c r st dann mit der Arbeit zu be- ginnen vorfchlilgen, wenn die Regierung die allgemein ge- forderte Amnestie bewilligt habe, trat die gemäßigtere Mehrheit dafür ein, es cinsttveilcn wegen der Amnestie nicht zun« Konflitt mit der Regierung konimen zu lassen, sondern zu versuchen, auf dem Wege der Petition die Regierung zum Entgegenkommen zu veranlassen. Ob diese durch Beschluß ge- billigte Taktik Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Ueber die betreffenden Verhandlungen der Duma wird gemeldet: PctcrSbnrg, 12. Mai. Gegen Schluß der Sitzung stellte der Präsident den Antrag, Noditschew zur Diskussion. eine Adresse an den Kaiser zu richten, als Antwort auf die Thronrede, und behufs Redigierung der Adresse eine Kom- Mission von 83 Mitgliedern zu ernenne». Die Adresse soll die Erklärung enthalten, daß die Gewährung einer allgemeinen Amnestie absolut notwendig sei. Die Duma beschloß Dringlichkeit für den Antrag Rodiffchew und trat, nach Ablehnung eines Antrages auf Bertagung, sofort in die Beratung der Adresse ein. Nachdem Roditschew in zündender Rede die Notwendigkeit einer sofortigen allgemeinen Amnestie dargelegt. ergriffen noch die bäuerlichen Abgeordneten Anitin, Aladyn und andere das Wort und führten eine heftige Sprache. Anilin führte aus, die erste Pflicht der Dunia sei es, für alle politischen Gefangenen die sofortige Amnestie von der Regierung zu verlangen. Sollten diese Forderungen des Volkes unberücksichtigt bleiben, so w�rde das Volk die Gefangenen selb st befreien und dann werde die Revolution in ganz Rußland ausbrechen. Er hoffe, daß die Regierung es nicht darauf ankommen lassen, noch rechtzeitig zur Vernunft kommen»nd die Forderungen der Volksvertretung von sich auS erfüllen werde. Darauf wurde beschlossen, die Antwort- adrcsse einer Kommission von 33 Mitgliedern zu überlveisen. Die nächste Sitzung findet morgen nachmittag 2 Uhr statt. In derselben soll die Wahl der Kommiffionsmitglieder stattfinden. Petersburg, 13. Mai. In der gestrigen Sitzung der Duma führte Roditschew in seiner Rede über die Ainnestie folgendes aus: Die Anmestiefrage ist keine Parteifrage, sondern eine nationale Frage. Der Vorschlag, eine Amnestie zu gewähren, bildet nicht den Gegenstand einer Gesetzesvorlage, denn die Gnade ist eine Prärogative des Monarchen. Ich bringe deshalb keinen Gesetzentwurf ei», sondern ich weise hin auf die Leiden deS gesamten Volkes. Wir richten eine Bitte an den Monarchen und bringen damit den Wunsch deS gesamten Volkes zum Ausdruck, und ich möchte uicht, daß dieser Wunsch zu einer Forderung werde. Während des WahlkampfeS, auf dem Wege nach Petersburg und hier in Petersburg selbst haben wir einzig und allein das Wort„Ainnestie" gehört. Die RechtSgelehrten behaupten, in Rußland bestehe die Todesstrafe nicht und doch haben allein im Monat April 89 Hinrichtungen stattgefunden. Die Verzeihung ninß allgemein sein, einer eingeschränkten bedürfen wir nicht. Der Irrtum vom 30. Oktober darf nicht wiederholt werden. Lassen Sie uns ein- tnittig fei» und lassen Sie keine MeilMiigSverschiedenheiten unter unS über die Amnestie entstehen. Alle, die ein Verbrechen begangen haben, ntüssen begnadigt werden im Namen der Liebe, wie dem Apostel Petrus verziehen wurde. Allgemeine Verzeihung ist das Bindemittel zwischen Volk und Kaiser. Petersburg, 13. Mai. Die heutige Sitzung der Duma wurde um 3 Uhr nachmittags eröffnet. Es lagen zwei Anträge vor. wonach die Duma unverzüglich an den Kaiser die tele- graphische Bitte um Erlaß einer Amnestie richten solle, vor deren Gewährung die Duma nicht zur Arbeit schreiten könne. Für diese Antrage lvurde die Dringlichkeit beantragt. Vizepräsident GredeSkul und ein anderer Redner sprachen sich gegen die Dringlichkeit an». T Situation sei zugespitzt und könne«inen Konflikt hervorrufen. Gr Heyden mahnte, bei der Wahrung der eigenen Rechte auch di Prärogative anderer zu achten. Für die Dringlichkeit trat der MoSkauei Arbeiterabgc ordnete S a w e l j e w ein, der einen blutigen Konflikt voraussah, der schon morgen beginnen könne. Die Duma ver» warf darauf die Dringlichkeit. Sodann wurde die gestern be- schlossene Wahl einer Kommission von 33 Mitgliedern zum Entwurf einer Adresse auf die Thronrede vorgenommen. Die Duina nahm in; weiteren Verlaufe ihrer Sitzung einen Antrag der Konstitutionell-Demokraten an. die Adrcßkommission zu beauftragen, den Entwurf der Adresse in der am 16. d. M. um 2 Uhr anzuberaumende» Sitzung vorzulegen, und die Arbeiten der Duma bis dahin zu vertagen. Ferner wurde ein von den Polen gestellter Antrag angenommen, der Adreßkommission die von ihnen verfaßte Denlschrifl über die Lage in: Königreich Polen vom nationalen Standpunkte zu unterbreiten. Petersburg, 13. Mai. Duma. Der Abgeordnete von Odessa, Universitätsprofessor Stschepkin, hielt in der heutigen Sitzung eine Rede, in der er unter anderem folgendes sagte: Wir müssen ein vollständig klares Verhältnis zwischen uns und der höchsten Ge- walt herzustellen suchen. Wir verlangen die Amnestie nicht als einfache Begnadigung von Verbrechern, sondern aus Prinzip, weil wir die Gefangenen nicht mehr als Ver- brecher betrachten können, nachdem das Regime, daS sie nach der gegen sie erhobenen Anklage durch Empörung zu stürzen ver» sucht haben, nicht mehr besteht. Wir können nicht Verbrecher erblicken in de» Männein, die Vorkämpfer waren im Kampfe gegen daS jetzt gestürzte Regime. Wie sollten»vir nicht Amnestie verlangen für Männer, für deren Vorgehen wir mitverantwsrtlich sind, da wir ja selbst an ihrem Kampfe teilnahmen. Nur einem Z u f a l l ist eS zuzuschreiben, daß unsere Mitkäinpfer ins Gefängnis geworfen wurden, während wir heute in der Duma sitzen. Wenn wir auch uicht daS Programm der revolutionären Parteien gutgeheißen haben, sondern unseren eigenen Weg ge« gangen sind, fühlen wir unS doch solidarisch mit ihnen und können nichts Verbrecherisches erblicken in i h r e n I d e e n. Die Person des Monarchen ist für unS ohne Ver- antwortung. Die Thronrede ist gedeckt durch die Verantwortlichkeit der Minister, die ihre Entlassung eingereicht haben würden, wenn sie sich nicht in Ucbereinstiminung damit befunden hätten. Unsere Antwort auf die Thronrede soll nicht ein persönlicher Appell an das Herz deS Monarchen sein, sondern ein Programm auch für jeden künftigen Minister. Wir sind der elektrische Draht, der die Ver- bindung herstellt zwischen der höchsten Gewalt«nd dem Volke. Wäre die Duma ausschließlich aus Konservativen und Reaktionären zusammengesetzt, sie müßte genau so die Amnestie fordern, wie wir es tun. Der RcichSrat«nd die Amuestie. Petersburg, 14. Mai.(W. T. B.) Die Mitglieder des Rcichsrats hielten private Beratungen über die Adresse an den Kaiser ab. Ueber die Amnestie gehen die Metnungen auseinander. Graf Witte sprach für die Amnestte, welche das einzige Mittel zur Beruhigung der Gemüter sei. Die umnestie könne nicht, wie manche befürchten, der Anlaß einer revolutionären Bewegung werden; eS sei Zeit, die ad- ministtative Willkür zu liquidieren. Wenn der Reichsrat um Amnestie bitte, werde der Kaiser ihm nicht sein Gehör ver- sagen. Schipow beantragte, um eine Revision der Grund- gesetze nachzusuchen. Maifeier. Petersburg, 14. Mai. Wie die Arbeiter versichern, sind ihrer- seits keine Demonstrationen für die heutige Maifeier geplant, nur beabsichtigen sie heute nicht zu arbeiten. Einige Fabriken drohen den Arbeitern, die heute nicht erscheinen, mit Entlassung. D i e Polizei entfaltet seit gestern rege Tätigkeit, be- sonders in den Arbeitervierteln. Die Polizeimannschasten in diesen Bezirken haben Gewehre erhalten, auch ist ihre Zahl erheblich ver- stärkt worden. Zu ihrer Unterstützung wird Militär bereit- gehalten. Der Stadthauptmann gibt bekannt, dast demonstrative Umzüge nötigenfalls durch die gesetzlich zulässigen energischen Mastnahmen verhindert werden würden. Die Zeitungen erscheinen morgen nicht. Das Dumapalais wird heute schärfer bc- wacht. Petersburg, 14. Mai. Der Kommandant des P e tersburgcr Hafens, Kilsmitsch, der wegen seiner Härte bei den Arbeitern verhaßt war, wurde heute, als er Arbeiter von der Maifeier abhalten wollte, erschlagen. Gapon tot gefunden. Petersburg, 14. Mai. In der bei Petersburg gelegenen Sommer- frische Oserki ist gestern in einer bis dahin verschlossen gewesenen Villa die Leiche eines Mannes gefunden worden, welche als die dcS verschwundenen ehemaligen Priesters Gapon agnosziert wurde. Belagerungszustand in Polen. Warschau, 13. Mai. Der Belagerungszustand für Russisch-Polen ist wieder verhängt worden. Man erwartet für die nächste Woche eine weitere Ausdehnung des Streiks. Augenblicklich befinden sich die Schneider, Schuhmacher, Lederarbeiter. Zimmerer, Maurer, Anstreicher und städtischen Arbeiter im Ausstand. Warschau, 13. Mai. Die Behörden in Polen haben Befehl ge- geben, alle Gefangenen, welche nur wegen geringer Bergehen ver- haftet worden sind, in Freiheit zu setzen. politische Qeberlicht. Berlin, den 14. Mai. Ungeborene Aktien und Zehnmarkscheine. Der Gesetzentwurf wegen Aenderung einiger Vorschriften des Reichsstempelgesetzes wurde in der von der Kominission vorgeschlagenen Form vom Plenum gutgeheißen. Eine längere Debatte knüpfte sich an den Z oa, der die sogenannten ungeborenen Aktien(die Jnterimsscheine) der Stempelabgabe untertvirft. Die Kontmission hatte vorgeschlagen, auch die bei Inkrafttreten des Gesetzes bereits konstituierten Aktiengesell- schaften zu treffen. Die Abgeordneten K a e m p f(frs. Vp.) und M o m m s e n(frs. Vg.) erblickten in dieser Heranziehung schon errichteter Gesellschaften eine unberechtigte Einwirkung auf bestehende Verhältnisse. Rechte, Zentrum und Sozial- demokraten stimmten jedoch dem Prinzip des Kommissions- Vorschlages unbedingt zu. Genosse Singer legte dar, daß die Durchführung der rückwirkenden Kraft, wenn man über- Haupt von einer solchen sprechen wollte, im vorliegenden Falle durchaus berechtigt ist, wo es sich darum handelt, Aktien- Gesellschaften zu treffen, die, um einer Stempelabgabe für Aktien zu entgehen, das Protokoll über die Gründung in den Geldschrank legen, aber die Aktien selbst nicht ausgeben. Darauf erfolgte die erste Lesung des Entwurfs eines Ge- setzes zur Aenderung des Gesetzes betreffend die Ausgabe der Reichskassenscheine. Abg. Arendt(Rp.) be- fürchtete als Wirkung des Gesetzes eine Ueberschivenimung Deutschlands mit Zehnmarkscheinen. Er beantragte die Ueber- Weisung an eine Kommission. Das Gesetz selbst rechtfertigt einen solchen Antrag nicht, � besteht aus zwei kurzen, leicht zu übersehenden Paragraphen. -er Gesetzentwurf nimmt, nachdem durch Gesetz vom 10. Februar d. I. die Ermächtigung zur Ausgabe von Reichs- banknoten zu 50 und 20 M. erteilt war, die Beseitigung der Rcichskassenscheine zu 50 und 20 M. in Aussicht. Außerdem sollen neue Reichs k a s s e n s ch e i n e zu 10 M. eingeführt werden. Die für die Einziehung von Reichskassenscheinen er- forderlichen Vorschriften soll der Bundesrat erlassen. Für den Antrag des Abg. Arendt erhoben sich denn auch nur drei Abgeordnete. Arendt war über seine komplette Niederlage so verdutzt, daß er die richtige Zeit zum Widerspruch gegen die zweite Lesung des kleinen Gesetzentwurfs verabsäumte. Nach- dem in zweiter Lesung die Beratung des§ 1 geschlossen war, hatte Arendt sich so weit erholt, rechtzeitig vor der Abstimmung die Beschlußfähigkeit des Reichstages zu bezweifeln. Da der Reichstag nicht beschlußfähig war, vertagte er sich um 6 Uhr abends.—_ Gesetzcsflickcrei im Landtage. Das preußische Abgeordnetenhaus hat seine Montags- sitzung damit ausgefüllt, an einigen wichtigen Gesetzen, die längst einer grundlegenden Reform bedürfen, etwas herum- zudoktern. Zunächst nahm es in zweiter Lesung den Gesetz- cntwurf auf Aenderung des§ 53 des Kommunal- abgabenge setzes an. Gegen die Stimmen und den energischen Widerspruch der Konservativen und Freikonservativen beseitigte es wenigstens die schädlichste Bestimmung des Ent- Wurfs, der bei Streitigkeiten zwischen Betriebs- und Wohn- gemeinden über Zuschüsse au die Stelle des Verwaltungs- streitvorfahrens einfach das Beschlußverfahren treten lassen. also die ordentlichen Gerichte völlig ausschalten will. Ob dieser Beschluß bei der dritten Lesung aufrecht erhalten wird. ist bei der knappen Mehrheit, mit der er gefaßt wurde, höchst zweifelhaft. Einstimmig nahm das Haus sodann eine Resolution Gyßling(frs. Vp.) u. Gen. an. die die Regierung ersucht, baldmöglichst eine Reform desKommunalabgaben- gesctzes in die Wege zu leiten. In welcher Richtung sich die Reform bewegen soll, ist. in der Resolution nicht gesagt, sie ist ganz allgeniein gehalten. Daher die Einmütigkeit des HauseS, die, falls es zur Beratung des verlangten Gesetzes kommen sollte, schon wieder in die Brüche gehen wird. Eine Aendening des Kommunalabgabengesetzes bezweckt auch der Antrag Hammer(k.) auf Besteuerung der K o n s u m v e r e nt e, der nach kurzer Debatte der Kommission für Handel und Gewerbe überwiesen wurde. Herr Hammer tut sich in letzter Zeit durch ganz besonders schlaue Vorschläge zur Rcttnug des Mittelstandes hervor. Wir sind offen genug, anzuerkennen, daß ihm Wahlmanövcr dabei völlig fern liegen. Der Mann ist wirklich so rückständig, daß er an eine Rettung des Mittelstandes durch steuerliche Maßnahmen glaubt, die den Charakter der Getvaltpolitik an sich tragen.— Endlich erledigte das Haus noch in dritter Lesung die Novelle zunl Einkommen- und Ergänzungssteuer g c s c tz. Im wesentlichen gelangten die Beschlüsse zweiter Lesung gegen die Stinimen der Freisinnigen zur An- nähme. Ein Vorstoß der Zeutrunlsagraricr unter Führung des Grafen P r a s ch m a, die Vorlage noch agrarischer zu gestalten und auch der Einschätzung zur Ergänzungssteuer für landwirtschaftliche Güter den Ertragswert statt des wirklichen Wertes zugrunde zu legen, scheiterte lediglich an dem Widerstand der Regierung, die den Antrag für unannehmbar er- klärte und dadurch die Konservativen, die sachlich mit dem Zentrum übereinstimmten, veranlaßte, aus taktischen Gründen dagegen zu stimmen, um nicht die ganze Vorlage zu Falle zu bringen. Dienstag: Zweite Lesung der Sekundärbahn-Vorlage. Schulreform in Baden. Die Volksschule in Baden ist wie überall sehr reformbedürftig. In der langen Zeit der liberalen Vorherrschaft hat man wohl kolossale Summen für die drei Hochschulen des Landes und für die Gymnasien und sonstigen höheren Lehranstalten aufgewendet, an der Volksschule ist man dagegen achtlos vorbeigegangen. Seil fast vier Jahrzehnten ist kein Fortschritt von einiger Bedeutung im Volksschulwesen zu verzeichnen. Von zwei Seiten ist gegen diesen Zustand mit soviel Ausdauer Sturm gelaufen worden, daß endlich jetzt ein kleiner Schritt vorwärts gemacht werden soll. Die Lehrer, die zu leiden hatten unter starker Ueberbürdung und schlechter Be- zahlung. reichten Jahr für Jahr umfangreiche und mit gewichtigem Material ausgestattete Petitionen ein und andererseits gaben wieder- holte Anträge der sozialdemokratischen Landtagsfraktion und das Schul- budget selbst zu scharfer und rücksichtsloser Brandmarkung der Mißstände im Volksschulwesen Veranlassung. Diese beharrliche Minierarbeit hatte zunächst kleine Konzessionen an die Lehrer zur Folge. Schließlich konnte sich die liberale Partei der Volksbewegung für eine bessere Schule auch nicht mehr entziehen, sie stellte gleich- falls Anträge und so gab die Regierung in etwas nach und legte dem Landtage eine Novelle zum Elementar-Unterrichtsgesetz vor. Die hauptsächlichsten Bestimmungen entsprachen den Strömungen, die bei der Vertretung der Forderungen in Frage kamen: es wurde gefordert wesentliche Herabminderung der Schüler- zahl pro Lehrer, Entlastung der Gemeinden von den Schul- kosten, bessere Bezahlung derLehrer und ihre Einreihung in den Gehaltstarif der Staatsbeamten. Daß die Sozialdeniokratie viel weiter geht, braucht kaum besonders betont zu werden. Wir forderten vor allem die völlige Unentgeltlichkeit und Be- freiung von allen konfessionellen Fesseln; selbstverständlich auch die Uebernahme der Schullasten auf den Staat und die Fest- stelluna des allgemeinen Lehrplans durch Gesetz. Auf diese weiter- gehenden Forderungen ging die Regierung nicht ein, sie will anS- schließlichen Einfluß auf den Lehrplan haben und ihn durch Ver- o r d n u n g festsetzen, sie will aus der Volksschule keine Staatsschule machen und mit den Kosten auch den reaktionären Einfluß den Gemeinden erhalten, sie will keine prinzipielle Unentgelt- lichkeit, sie will keine interkonfessionelle Schule, mit einem Worte: keine wirkliche Reform I Nur eine Herabminderung der Kinderzahl pro Lehrer und eine Gehaltserhöhung für die Lehrer schlug sie vor; nach der Vorlage sollen künftig dauernd nicht mehr als 70 Kinder auf einen Lehrer(nicht auf eine Klasse!) kommen, statt bisher 100, und vorübergehend darfdieZahl derKindermchtllberlOO statt bisher 130 pro Lehrer gehen. Die Sozialdemokraten beantragten, die Kinderzahl auf 60 und vorübergehend 80 festzusetzen, der Antrag wurde abgelehnt. Die Stundenzahl beträgt jetzt wöchentlich 16 Stunden in den Landschulen, bis zu 30 in den Stadtschulen, künftig soll auch auf dem Lande die Zahl um 4 bis 6 wöchentlich vermehrt werden. Die Lehrer erhalten eine Gehaltszulage bis zu 600 M. jährlich, ihre Aufnahme in den Gehaltstarif der Staats- beamten mit einer weiteren Gehaltserhöhung von 200 Mk.(1600 M. Anfangs-, 2800 M. Höchstgehalt) beschloß zwar die Kommission. aber die Regierung wendet sich energisch gegen diesen Beschluß. An der finanziellen Belastung der Gemeinden wurde so gut wie nichts geändert. So sah die Schulreform aus, als sie aus der Kommission an das Plenum der Kammer kam. Die Sozialdemokraten brachten eine große Reihe AbänderungSanträge ein und präzisierten auch sonst ihre Stellung scharf zu der Schulreform. Die Anträge wurden sämtlich abgelehnt, Zentrum und Nationalliberale waren einig darin, daß die„Reform" nicht zu einem zu großen Fortschritt der chule führen dürfe. Selbst die Aufnahme der Lehrer in den Ge- Haltstarif, die zlvar zunächst einstimmig beschlossen wurde, gibt man preis, wenn die Erste Kammer nicht mitmacht und kündigte das vor- sichtigerweise bereits an, so daß die„erlauchten" Herren ja wissen, wie sie zu stimmen haben. Die Kommission der Ersten Kammer hat denn auch diesen Wink bereits befolgt und die Aufnahme ab- gelehnt. So schrumpft die badische Schulrefonn zu einem recht be- scheidcnen Fortschritt zusammen, der nur etwas Bedeutung gelvinnt, wenn man ihn gegen die völlige Vermnckcrung der preußischen Volksschule hält, die eben vollzogen werden soll.— Billiges Fleisch! Die gefallenen Viehpreise haben in letzter Woche am Berliner städtischen Schlachtvichmarlt keine Aenderung erfahren. Es kosteten zum Beispiel am 5. Mai am 12. Mai Ochsen, bester Oualität.. 71—75 M. 71—75 M. Ochsen, zweiter Oualität. 65—70„ 66—70„ Kühe, vollfleischige... 64—66„ 63—65„ Kälber. Vollniast.... 87—92„ 89-94.. Schweine, erster Qualität.62„62„ Schweine, fleischige... 56— 59„ 56—61„ Dennoch scheuen sich die Schlächter, mit ihren Preisen henmter« zugehen. In einigen Stadtteilen des Ostens und Nordens haben zwar die Schlächter die Preise, da die Hausfrauen aufbegehrten, heruntergesetzt; in den meisten Gegenden, besonders im Westen und den westlichen Vororten, halten sie dagegen an den früheren Preisen fest und suchen durch Ausnutzung der günstigen Situation hohe Extraprofite herauszuschlagen. Selbst aber dort, wo die Schlächter mit ihren Preisen heruntergegangen sind, beträgt die Verbillignng für Schweinefleisch nur 10 Pf. pro Pfund, und zwar meist auch nur für bestimmte mindcrlvertige Fleischsorten, während die Schlächter selbst das Psund< Schlachtgewicht) um 15 Pf. billiger kaufen, so daß sie bei einem Abschlag von 10 Pf. noch immer einen respektablen Mehrgewinn haben. Unterstützt werden diese Bestrebungen, die Preise hochzuhalten, durch die Leitung der Berliner Fleischerinnung und der„Allgemeinen Fleischer-Zeitung", die an die hiesigen Blätter eine längere Notiz versendet, in der es heißt: „Die Schweinepreise sind allerdings in den letzten Wochen zurückgegangen, aber Tatsache ist, daß die Schweinefleischpreise ebenfalls herabgesetzt worden sind. Wer jedoch verlangt, daß die Schweinefleischpreise sofort in dem volle» Verhältnis zu den ge- wichenen Viehpreisen heruntergehen, ist entweder mit der wirklichen Lage der Fleischversorguug gar nicht vertraut odxr benutzt die Gelegenheit, um einmal sein Mütchen an den Fleischern zu kühlen. Der Ausgleich vollzieht sich nur allmählich. Aus den zahlreichen Umständen, die in dieser Hinsicht wirksam sind, sei nur angeführt. daß die Fleischer die Dauerware, die sie jetzt auf Lager haben und erst in den Sommermonaten in den Verkehr bringen, aus den Schweinen mit hohen Preisen hergestellt haben. Wesentlich erschwert wird die Herabsetzung der Schweiiiefleischpreise auch dadurch, daß in unglaublich steigendem Maße die Bevölkerung die besieren Fleischstücke vorzieht und die geringeren zurück- weist; die geringeren Fleischstücke müssen infolgedessen 50—60 Proz. unter dem Einkaufspreise abgegeben lverdcn, wodurch sich natürlich der Preis für die besseren Stücke erhöht. In derselben Richtung wirkt die Tatsache, daß Fett, ein erheblicher Teil des Schweine?, etwa 20 Proz., unter dem Einkaufspreise abgegeben werden muß. Die Konsumenten dürfen überzeugt sein, daß schon die nimmer ruhende Konkurrenz für die Herabdrückung der Preise auf das rechte Niveau sorgt." Die ehrsame„Fleischer-Ztg." hat sich im vorigen Jahre vielfach über die Rabnlistik der Agrarier aufgehalten: sie selbst aber über- trifft diese noch um einige Grade. Es ist richtig, die Fleischer haben das zu ihrer Dauerware verwendete Fleisch teilweise mit hohen Preisen bezahlt; aber im vorigen Jahre standen, als sie ihre Dauer- wäre herstellten, die Schweinepreise noch niedriger als jetzt, trotzdem haben sie keineswegs später, als die Preise stiegen, ihrer Kundschaft erklärt: wir erhöhen unsere Preise für Dauerware nicht, weil wir das Material dazu noch billig eingekauft haben; sondern sie haben einfach die Preissteigerung zu ihren Gunsten ausgenutzt. Die jetzige Argumentation der„Fleischer-Ztg." besagt demnach nichts anderes als: der Vorteil aus der wechselnden Konjunktur kommt rechtmäßig den Schlächtern zu gute, de» Nachteil hat dagegen das Publikum zu tragen. Noch einfältiger ist der Einwand, der Konsum der Bevölkerung wende sich in steigendem Maße den besseren Fleischstücken zu. Regel- mäßig tritt mit Beginn der Hitze ein Wechsel im Fleischkonsum ein. Fettes Schweinefleisch, ivie z. B. Bauchfleisch, Rückenfelt, Eis- beine usw. werden weniger gekauft, andere Fleischsorten desto häufiger, aber dieser Vorgang wiederholt sich in jedem Sommer, es kann also da- mit nicht das jetzige Festhalten der Schlächter an den hohen Preisen der Wintermonate begründet werden. Wenn in stllheren Sommern die Schlächter bei gleichen Schweinepreisen wie den jetzigen das Fleisch billiger zu verkaufen vermochten und doch noch hohe Profite herausschlugen, dann können sie auch jetzt die Preise entsprechend ermäßigen. Die Preispolitik der Innung ist von ihrem eigenen Interessen- standpunkt aus höchst ungeschickt, denn es ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß nach der ersten ungünstigen Futternnttelernte die Schweinepreise wieder emporschnellen; dann aber wird das Publikum, wenn die Herren Schlächtermeister wieder über die Habgier der Agrarier jammern, ihnen spöttisch antivorten: Gleiche Brüder, gleiche Kappen.—_ Tie Nutzlosigkeit der Schulverpfaffung. Der unausgesprochene Zweck der von der preußischen Schul- Vorlage beabsichtigten Konfesfionalisierung ist die Zurückfllhning der Arbeiterklasse in die Obhut der Kirche und die dadurch beförderte untertänige Gesinnung gegenüber der herrschenden Klasse. Dieser Zweck wird nicht erreicht werden und wenn man die preußische Volksschule noch mehr als es die gegenwärtige Borlage zu besorgen gedenkt der Kirche ans Messer liefert. Die Arbeiterklasse ist in religiöser Beziehung indifferent. In dem klassenbewußten Proletariat der kapitalistischen Wirtschasts- ordnung tritt zum erstenmal die Religionslosigkeit als Klassen- erscheinung auf, wie Genosse Dr. Pannekoek in seiner kürzlich er- schienenen Broschüre„Religion und Sozialismus"(Bremen 1906) darlegt und eingehend begründet. Nach Engels ist die Religion „nichts anderes als die phantastische Widerspiegelung in den Köpfen der Menschen derjenigen äußeren Mächte, die ihr alltägliches Dasein beherrschen, eine Widerspiegelung, in der die irdischen Mächte die Form von überirdischen annehmen". Ganz in demselben Sinne äußerte sich Marx dahin, daß der religiöse Widerschein der wirklichen Welt überhaupt nur verschwinden kann,„sobald die Ver- Hältnisse des praktischen Werkeltagslebens den Menschen tagtäglich durchsichtig vernünftige Beziehungen zu einander und zur Natur darstellen." Diese durchsichtig vernünftigen Beziehungen werden in der sozialistischen Gesellschaftsordnung vorhanden sein und damit ist dem religiösen Bedürfnis früherer Zeiten die eigentliche Basis entzogen. Als Ausfluß der Geisteöstimmung aber, die das verständnisvolle Teilnehmen an dem Klassenkampf schon bei der heutigen Arbeiter- schaff erzeugt, als Folge desjenigen Wisscits, das aus theoretischer Belesung und aus praktischer Erfahrung zugleich erworben wird, greift auch im heutigen aufgeklärten Proletariat die Religionslosigkeit immer mehr um sich. Darum ist auch das Bemühen der preußischen Schulreaktion nutzlos. Gegenüber den Fluten blendend hellen Lichtes, die der Klassenkampf über die kämpfende Arbeiterklasse ausschüttet, versagen die Scheuklappen und die schwarzen Kutten der Reaktion.„Das Licht vom Himmel läßt sich nicht versprenge»!"-» *•*' Oeutlckes Reich« Eine Anklage gegen die Bergbehörde und Grubenverwaltungcn. Die gräßliche Katastrophe zu Courriöres ist von dem deutschen Grubenkapital dazu ausgenutzt worden, um die öffentliche Meinung gröblich irre zu führen. Nicht nur in der Zcchenpresse, auch von der Parlamcntsbühne herab, durch Minister- und Zcntrumsmund, ließ man verkünden: In Deutichland ist so etwas wie in Courrisrcs nicht möglich, dank unserer RettnngSeinrichtungen!— Das geschah, nachdem einige Wochen vorher im Reichstage festgestellt lvar, daß auf der Zeche„Borussia" das Fehlen von Rettungsapparaten das Unglück dort zu dem schrecklichen Umfange hatte auswachsen lassen. Vor einigen Tagen holte man die letzten Leichen aus dem„Borussia"- Schacht zutage. 23 Bergarbeit-rleiber hatte» 10 Monate lang in der Tiefe gelegen. Und die Lage, in der sie anfgesimden wurden, läßt, wie wir bereits in Nr. 102 des„Vorwärts" berichteten, kaum noch einen Zweifel darüber, daß sie nicht plötzlich vom Tode über- rascht wurden, daß sie für ihr Leben kämpften und dielleicht nur deshalb zugrunde gingen, weil die Rettungsarbeiten zu früh ein- gestellt wurden. Genau wie in Courriöres! Wie eS um die von der Regierung und der Zechenpresse diel- gepriesenen Reitungseinrichtungen der deutschen Bergwerke bestellt ist. zeigt eine Umfrage über die auf den deutschen Gruben vorhandenen RettungSapparate, die der Bergarbeiterverband veranstaltet hat. Allerdings, vollständig ist das gewonnene Resultat nicht, aber trotz seiner UnVollständigkeit enthält es eine niederschmetternde Anklage. Wir fassen das vom Bergarbeitervcrband gewonnene, in der letzten Nummer des FachorganS veröffentlichte Material kurz zu- sammeir: In den mitteldeutschen Bra unkohlengebieten ist von Rettnngsapparaten nichts bekannt. Meist ivird sogar das Vorhandensein einfacher Loschapparate in Frage gestellt. Die Berichte aus Bayern ergeben: nur der Vertrauens- mann von Grube Penzberg konstatiert das Vorhandensein von Rettungsapparaten. auf den anderen Gruben, auch auf der fiSka- lischen Grube Preisenberg, kennt man solche Apparate nicht. Ans Lothringen wird allgemein berichtet, daß dort von den RcttnngSapparaten nichts bekannt sei. Ebenso lauten die Angaben ans dem Aachener Bezirke. Im Königreich Sachsen sind nach den eingegangenen Meldungen auf einer Reihe Gruben RettungSapparate vorhanden, aber längst nicht auf allen Zechen. Ob es Apparate neueren Systems sind, wissen die Vertrauensleute nicht, in den letzten Wochen haben aber mehrfach Uebnngen stattgefunden. In Oberschlesien stehen aus verhältnismäßig vielen Gruben Rettungsapparate zur Verfügung. Nach den Berichten werden 30—40 Proz. der Aiilagen daniit ailsgerüstet sein. Aber in Oberschlesien gibt es auch die meisten Flözbrändc. die Katastrophen- gefabr ist hier besonders groß. Und das R u h r r e v i e r? Hier fehlen cbenftills auf zirka 15 Proz. aller Anlagen die viclgerühmtci, RettungSapparate!! DaS Resultat übertrifft die schlimmsten Befürchtungen. So trostlos wie die Verhältnisse festgestellt find, hat sie bisher noch feftte anklagende Stimme geschildert. In den weitaus iiöerwiegenden Fällen fehlen Apparate und natürlich auch Rettungsmannschaften. Lediglich das zu konstatieren, ist selbstverständlich nicht der Zweck der Erhebung und Veröffentlichung. Die Forderung lautet: Mehr Arbeiterschutz! Die Komödie, die man bisher gespielt hat, mutz endlich aufhören. Sie hat schon eine Menge trauriger, höchst trauriger Ereignisse verschuldet. Mache man endlich ernst mit dem Bergarbeiterschutz! Die sofortige Beschaffung von Rettungsapparaten und Ausbildung von Rettungsmannschaften mutz für alle grötzeren Anlagen vorgeschrieben werden. Und damit die Arbeiterschutzgesetze und-Vorschriften nicht nur auf dem Papier stehen bleiben, mutz endlich die Forderung der Einführung von Arbeiterlontrolleuren er- füllt werden. Leider sitzt kein Sozialdemokrat im preutzischen Land- tag, um der Regierung und den bürgerlichen Parteien das Gewissen zu schärfen. Der Sturm gegen das Dreiklassenwahlrecht ist zugleich auch eine Attacke für den Bergarbeiterschutz I— Karl Schurz. Wie der Telegraph aus New Dork meldet, ist bort am Sonnabend der alte Achtundvierziger Karl Schurz im Alter von 77 Jahren gestorben. Am 2. März 1829 geboren, studierte er in Bonn, beteiligte sich an Kinkels Siegburger Zeughaussturm und darauf an dem badischen und pfälzischen Aufstand im Jahre 1849. In Rastatt wurde er bei der Kapitulation gefangen genommen, entkam aber nach der Schweiz. Dort litt es ihn jedoch nicht. Mit falschem Patz wagte er sich nach Berlin, um Kinkel aus dem Spandauer Zellengefängnis zu befreien. Nach verschiedenen vergeblichen Versuchen gelang Kinkels Flucht. Zwei Jahre darauf ging Schurz nach den Vereinigte» Staaten von Amerika, wo er sich der jungrepublikanischen Partei anschloh, 1863 vom Staat Missouri zum Bundessenator erwählt wurde und unter der Präsidentschaft Hayes (1877/81) das Amt eines Staatssekretärs des Innern bekleidete. Später trat Schurz zur demokratischen Partei über. In den letzten Jahren widmete er sich vornehmlich der Bekämpfung des Imperialismus verlor aber mehr und mehr seinen früheren Einflutz.— Gewissenlose Leute! Großes Aufsehen erregte der Beschlutz des Königsberger Hülfskomitecs für durchreisende russische Juden, die Mitglieder des jüdischen„Bundes" nicht mehr zu unterstützen, da sie charakter- und gewissenlose Leute und eine Plage für die anständigen Juden seien. Jetzt hat sich auch in Danzig ein Fall ereignet, der dem Beschlutz des Königsberger Komitees sehr ähnelt. Anfang Mai brauchte ein flüchtiger Krüppel aus der russischen Intelligenz dringend Unterstützung, man riet ihm, sich an das Danziger Hülfskomitee zu wenden, da diesem reiche Mittel zur Verfügung ständen. Der Vorsitzende dieses Komitees, ein freisinniger Mann namens Kadisch, fragte den Unglücklichen zuerst nach dem offiziellen russischen Gouvernementspatz. Als dieser nicht vorgezeigt werden konnte, wollte der Vorsitzende des Hülfskomitecs die von der russischen' Polizei ausgestellte Lcgiti- mation sehen. Da der Hülfesuchende auch damit nicht dienen konnte, wurde ihm die Tür gewiesen. Ter Mann ging darauf zu einem anderen Mitglied des Hülfskomitecs, zu einem Herrn Behrendt, der das Amt eines Stadtverordneten bekleidet und ein „humanitärer Ethiter" ist. Doch wurde der Unglückliche dort ebenfalls abgewiesen.— Zum MajestiitsbelridigungSfreispruch von Rostock wird unL von dort geschrieben: In dem betreffenden Artikel der„Mecklenburg. Volkszeitung", der am 26. Januar, also in jenen Tagen erschien, da die staats- onwaltschastliche' Bekämpfung der Sozialdemokratie in ganz Deutschland besonders hohe Wellen schlug, war die Verdummungs- Methode der bürgerlichen Presse in ebenso drastischer wie zu- treffender Weise gegeißelt worden. Es wurde gezeigt, daß diese Presse zwar in meterlangen Berichten die Vorgänge auf einem Schweriner Hofball auf das Eingehendste schildere, aber wirklich ernsthafte politische Tinge mit Stillschweigen übergehe. Ein- geflochten in diese Kritik der bürgerlichen Presse waren einige Be- nierkungen über den Prunk nnd Luxus, der aus Anlaß dieses Balles„bei Hofe" von den Damen in ihren Toiletten entfaltet sei. In diesem Artikel erblickte der Rostockcr Staatsanwalt eine Majestätsbelcidigung. Zwar gab er zu. daß in der sozialdcmokra- tischen Kritik der Grotzherzog gar nicht erwähnt sei, aber für alles, was„bei Hofe" geschehe, sei der Grotzherzog verantwortlich, und deshalb seien jene Bemerkungen über den entfalteten Luxus gegen ihn gerichtet. Selbstverständlich mutzte auch, da der Artikel selbst kein brauchbares Material bot, die nach des Staatsanwalts Meinung genugsam bekannte„Tendenz" der„Mecklenburgischen Volks- zeitung", die herrschenden Kreise herabzureitzcn, als Stütze für die Anklage dienen, die in einen Strafantrag von nicht weniger als sechs Monaten Gefängnis ausklang. Aber die Rostockcr Strafkammer folgte nicht den berühmten Spuren ihrer Leipziger Kollegin. Im Einverständnis mit der Ver- tcidigung führte sie in der Begründung des Urteils aus: Der Ar- tikel enthalte keine objektive Beleidigung des Grotzherzogs, denn es lasse sich nicht feststellen, datz für die Toiletten der Damen bei Hofe der Grotzherzog verantwortlich sei. Und so wurde denn der Genosse Kühn freigesprochen.— Alldeutsche Unverfrorenheit. Während die deutsche Regierung wegen der Grenzverletzung durch eine südwestafrikanische Abteilung, die trotz des Einspruchs der Kappolizei Morenga auf englisches Gebiet folgte, sofort um Entschuldigung gebeten und derarsige Mißgriffe für die Zukunft verhindern zu wollen erklärt hat, spendet die alldeutsche Presse der Abteilung, die sich der Grenzverletzung schuldig machte, stürmisches Lob. So ruft die„Deutsche Ztg.":„Bravo, Ab- teilung Bech!" Zugleich tadelt sie die deutsche Regierung, weil sie„wieder einmal recht eilfertig" gewesen sei.„Nach außen hin mag man ja rnhig ein bitzchen Entschuldig nngStheater spielen. Aber nur keine Eilfertigkeit! Und vor allein: Keine Iv irkliche Bntzfertigkeit!" Den alldeutschen Narren genügt die Isolierung Dentschlands noch nicht, sie möchten gar zu gern einen offenen Konflikt herauf- beschworen sehen!— Neue Opfer der Kämpfe in den südwestafrikanischcn Sandwüsten. Nach amtlicher Meldung sind am 5. Mai im Gefecht am Löwenflutz südlich Gawachab schwer Verivundet: Oberleutnant Eduard Cruse, geboren am 19. 19. 73 zu Hasenberg. Schutz rechte Bauchseite. Am 4. Mai bei Root- solc: östlich Gapnctz gefallen: Reiter Eugen Maile, geboren am 15. 9. 84 zu Mnsberg, ferner im Feldlazarett Lüderitzbucht am Typhus ge- storben: Reiter Christian Koch, gestorben am 14. 6. 89 zu Wrexen. Gefreiter Richard Kahle, geboren am 24. 2. 84 zu Priebus. Im Lazarett Warmbad an Skorbut gestorben Gefreiter Renatus Bismark, geboren am 4. 12. 82 zu Hanrey. Wir erhalten folgende Zuschrift: Als Vertreter des russischen Kaufmanns, der in die Affäre Schöne— von Brockhusen verwickelt ist, weise ich die am 12. d. M. im preußischen Abgeordnetenhause von dem Minister des Innern gegen meinen Klienten erhobene Verdächtigung, mein Klient scheine sich dem Kriminalkommissar Schöne zuerst zur Spionage gegen sein Vaterland angeboten zu haben and erst später anderen Sinnes geworden zu sein, nachdrücklich zurück. Diese Verdächtigung ist er- weislich unzutreffend� Ich werde das in aller Kürze eingehend darlegen, bitte Sie aber, diese Zeilen schon heute zu veröffentliche», damit die Auslassungen des Ministers nicht einen Tag länger un- widersprochen bleiben. Berlin, den 13. Mai 1996. K. Liebknecht, Rechtsanwalt. Husland. Ungarn. Ausblick. DaS Ergebnis der Neuwahlen liefert den eklatanten Beweis dafür, daß sogar die„privilegierte Nation" vom Feudalklerikalismus nichts wissen will. Nichtsdestoweniger ist zu befürchten, datz das Volk auch fernerhin seiner Rechte beraubt und datz das Land ein Dorado der Ausbeuter bleiben wird. Die Parole der„großen" Regierung:„Nasionale Demokratie" dürfte kaum die volksfeindliche Politik des Kabinetts noch lange ver- hüllt halten. Skandalös ist das Verhalten des Justizministers Polonhi, der vom Kabinett Weierle der gesprächigste ist. Da er eine verleitenden Persönlichkeiten der Kossuth-Partei ist, so mutz man annehmen, datz er seine Aeutzerungen im Auftrage der Partei machte. Der einstige Rechtsanwalt der Bordellhäuser und Agent einer Schiffahrtsgesell- schaft in Bremen scheint aber bloß dafür Fähigkeiten zu besitzen: auf welche Weise man sich ein enormes Vermögen schaffen kann; aber vom Justizwesen im Interesse des Landes hat dieser Geschäfts- mann gar keine Ahnung. Bei der Ernennung des Kabinetts Weierle haben wir das politische Wirken sämtlicher Mitglieder bereits charakterisiert. Herrn Polonyi haben wir dahin charakterisiert, datz seine Glaubwürdigkeit nur dann ernst genommen werden darf, falls er sich vor Zeugen äußert. Wie zutreffend unsere Bemerkung war, zeigt der Umstand, datz er sogar seine vor den Wählern gemachten Aeutzerungen öfters„be- richtigen" mutzte! Es ist klar, daß die mächtige Koalition nunmehr Rache für ihre Niederlage üben will, indem sie ihren Spieß gegen die Sozialdemokratie und gegen die verschiedenen Nationa- litäten richtet, die unter keinen Umständen geneigt waren, den erfolglosen Kampf gegen daS Kabinett Fejervary zu unterstützen. Datz die Koalition aber den ehrlichen Volksvertretern keinen Maulkorb aufzwingen wird, dafür werden unsere Genosse» gebührend Sorge tragen. Ist doch der Umstand, daß das allgemeine Wahlrecht überhaupt in Flutz kam, vor allem ein Verdienst der ungarischen Sozialdemokratie. Und datz die Sozialdemokratie dieses Gesetz von der Tagesordnung nicht wieder verschwinden lassen wird, das ist doch selbstverständlich. Die Nationalitäten und unsere Genossen, vereint mit der Fraktion der Bauernpartei, stehen zu jeder Stunde kampfbereit. Datz sich zu den An- hängern des Wahlrechtes auch ein Teil der Privilegierten gesellen wird, ist mehr als wahrscheinlich. Sollte es der„großen" Regierung beifallen, die Kämpfer ums Wahlrecht betrügen zu wollen. so wird sich das ausgebeutete und nach seinem Recht lechzende Volk an den Volksbetrügern gebührend rächen. Dann würde Ungarn bald der Boden harter Kämpfe sein. Datz die Kampfeslust begeistert sein wird, d-ftür wird schon das Proletariat Oesterreichs sorgen helfen, welches ja zum Kampfe um dasselbe Ziel gerüstet bereit steht!— Frankreich. Die Stichwahlen. Nach den Hauptwahlen vom 6. Mai bleiben 154 Wahlkreise un- erledigt, wo am 29. Mai Stichwahlen stattzufinden haben. Bei 114 dieser Stichwahlen sind Sozialisten beteiligt. In 28 Wahl- kreisen stehen die ltandidaten unserer Parteigenossen an erster Stelle. In Paris ist dies in 4 Kreisen der Fall und die dort aufgestellten Kandidaten sind: Groussier, Allemane, Cardet, Dubais; in der Vor- stadt St. Denis sind es 2, die Genossen Veber und Willm, die an der Spitze der Stichwahlkandidaten stehen. In 7 von den 28 vor- erwähnten Kreisen ist die Zahl der Stimmen, welche der sozialistische Kandidat auf sich vereinigt hat, eine so große, datz der Sieg selbst dann sicher ist. wenn alle Radikalen sich der Stimmen- abgäbe enthalten sollten. Dagegen ist in 17 Fällen die Wahlhülfe der Radikalen unerläßlich, wenn der sozialistische Kandidat siegen soll, und in vier Kreisen endlich hat der Sozialist zwar mehr Stimmen als der klerikale Kandidat, aber die Majorität ist so gering, datz die Zurückziehung des radikalen Kandidaten notwendig fein wird, uni die Niederlage des Reaktionären zu sichern. In den noch verbleibenden 87 Wahlkreisen, in denen der sozialistische Kandidat in der Minorität ist. liegen die Dinge folgendermaßen: In 24 Kreisen sind die sozialisttschen Stimmen unbedingt notwendig, um den Reaktionär zu schlagen; in 18 Kreisen wird die Zurückziehung der sozialistischen Kandidaten in der Stich- wähl notwendig, um den Radikalen den Sieg über seinen klerikalen Gegenkandidaten zu sichern; in 42 Kreisen endlich kann der radikale Kandidat mit Leichtigkeit siegen, selbst ohne die Hülfe der .sozialistischen Wähler.— Die Aussichten für die sozialistische Partei sind also durchaus gute.—_ Die Achtstundenbewegung ist noch immer im Wachsen begriffen. In Paris ist der Kampf auf einer breiten Front unternommen und noch immer schließen sich weitere Arbcitcrgruppcn an. Die letzten Tage waren in Paris sehr bewegt, in Vaux-Hall und in der Arbcitsbörse fanden zahlreiche Versammlungen statt. Die Maurer, Bau- und Erdarbeiter stehen in der Zahl von zirka 40- bis 45 699 im Streik; die Unternehmer lehnen jede Untcrhand- lung ab. Die Möbelbranche ist mit zirka 7696 Tischlern und 2999 Bildhauern beteiligt; in der Elektro- und Automobilindustrie sind ebenfalls taufende von Arbeitern ausständig; ferner Gold- schmiede, Maler usw., insgesamt in Paris gegen 179 999 Mann. Von den Metallarbeitern wollen in den nächsten Tagen noch mehrere Branchen in die Bewegung eintreten.— In der Provinz ist die Bewegung ebenfalls sehr stark, wie die Nachrichten, die aus allen Teilen des Landes einlaufen, bezeugen. In Brest sind 11 Ver- Haftungen vorgenommen worden; in Toulon kam es zu Zusammen- stötzen zwischen den Streikenden und den Truppen.— England. Ein sozialistisches Manifest gegen den Krieg in Natal. London, 12. Mai.(Eig. Ber.) Während im Parlament vom Frieden und von der Beschränkung der Kriegsrüstungen gesprochen wird, nimmt der Krieg gegen die Zulus in Natal einen immer grötzeren Umfang an. Wir würden von diesem Krieg mehr hören, wenn die Depeschenzensur nicht so strikt wäre. Die Regierung von Natal läßt nichts durch, was den Waffentaten der Eingeborenen günstig ist, aber man darf fidj_ darauf verlassen, datz die Zulus ihren Bedrückern eine scharfe Züchtigung erteilen werden. Ihr größtes Unglück ist, datz sie— gleich fast allen Schwachen nnd Unterdrückten— nicht zusammen noch einheitlich handeln, sondern erst nach und nach nur gruppenweise in den Kampf eintreten. Es scheint eben anch hier den Briten gelungen zu sein, das Prinzip des divido et impera— des Spallens und Waltens— durch- zusetzen. Die liberalen Arbeiterabgeordneten, die— wie manche Zulu- führer— sich ihren kriegführenden Brüdern fernhalten, geben sich mit den Friedcnsphrasen und mit dem Hinweis auf die kommende Haager Konferenz zufrieden. Dagegen erlätzt die Unabhängige Arbeiterpartei folgendes Manifest: „An die Wähler! Es ist noch ftisch in Eurem Gedächtnis, wie Ihr in den südafrikanischen Krieg hineingetrieben wurdet. Ihr erinnert Euch noch, wie man Eure Gefühle durch sensationelle Ge- schichten und falsche Beschwerden entflammte. Ihr seid noch ge- demütigt durch das ominöse Ende des Krieges:— chinesische Kulis und die selbstsüchtige Herrschaft der Grubenbesitzer! Jetzt werdet Ihr durch denselben Lügenapparat in Bezug auf Natal betrogen. Die Eingeborenen von Natal besitzen auf Grund von Regiernngsgarantien ausgedehnte Landgebiete, die für sie reserviert sind. Und so lange diese Reservatgebiete vorhanden sind, ist der Zulu gegen den Minenspekulanten geschützt und hat es nicht nötig, Lohnarbeiter zu werden. Aber der südafrikanische Kapitalist schreit nach billigen Arbeits- krästen. da er jeden Winkel des Kontinentes ausbeuten will. Er verfügt über die Presse, die Telegraphen, die NachrichtenbureauS— wie Ihr es jetzt zu Eurem Leidwesen wisset. Er läßt Euch nur das nielden, was seinem Interesse dient. Es ist deshalb schwierig. zu sagen, was dort vorgeht. Aber das wissen wir aus amtlichen Quellen: Eine Kommission, die von Lord Milner ernannt und von den Johaunesburger Minenbesitzern inspiriert wurde, empfahl der Re- gierung von Natal, die Besteuerimg der Eingeborenen zu erhöhen, um sie auf den Arbeitsmarkt zu treiben. Eine Kopssteuer von 29 M. wurde ihnen sodann auferlegt. Sowohl die Eingeborenen wie die Weißen protestierten; eine bewaffnete Polizeimacht wurde requiriert, um die protestierenden Eingedorenen zu verhaften, wobei es zu einem Handgemenge kam. in dein ein Polizist einen Eingeborenen erschoß und dann zwei Polizisten getötet wurden. Infolgedessen ist der Kriegsznstand erklärt, und die Ein- geborenen wurden vor ein Kriegsgericht gebracht für Handlungen, die sie vor Verhängung des Kriegszustandes begangen haben sollen. Vierzehn Eingeborene wurden erschossen, darunter Jünglinge im Alter von 18 Jahren! Die»reisten waren Christen. Einer der Einge- borenen-Häuptlinge, der bereits Verfolgungen ausgesetzt war und deshalb für sein Leben fürchtete, ist geflüchtet und er Ivurde deshalb als Rebell erklärt. Ein Preis von 599 Pfund Sterling wurde auf seinen Kopf gesetzt.(Die englische Regierung erklärte diese Preis- ausschreibung als mit dem Völkerrechte unvereinbar; die Ausschreibung wurde deshalb zurückgezogen. R. d.„Vorwärts".) Ein Richter, auf dessen Anklage einige Eingeborene- Kraals beschossen wurden, mutzte wegen Trunkenheit und Inkompetenz entlassen werden. Vieh wurde gestohlen, Kornfelder wurden verbrannt. Loyale Häuptlinge wurden wegen„Illoyalität" angeklagt usw. Diese Repressionen führten zu Verfolgungen der christlichen Ein- geborenen. Im vorigen Jahre erließ die Regierung von Natal einen Befehl: die Kirchen der Eingeborenen zu zerstören, und viele wurden in Asche gelegt.... Dann hat man Massenversammlungen arrangiert, um diejenigen Weißen einzuschüchtern und zu ver- dämmen, die für Gerechtigkeit und Barmherzigkeit plädierten.... Ist man nicht nach alledem zu dem Schlüsse berechtigt, datz der Ein« geborenenkrieg provoziert wurde? Ihr werdet Euch durch theatralische Effekte— wie die Re- signalion der Natalregierung— nicht einschüchtern lassen. Wir appellieren an Euere Traditionen und Euren Gerechtigkeitssinn, standhaft zu sein und diesen Krieg umnöglich zu machen; denn dieser Krieg kann nur zur Steuerhöhung, zur Stärkung der Macht des südafrikanischen Kapitals, zu weiterem Blutvergießen und zu Metzeleien führen. Wir verlangen, datz die Regierung eine unparteiische Unter« suchung der Lage der südafrikanischen Eingeborenen einleitet. Gleichzeitig verlangen wir, datz die provozierende Politik der Nataler Regierung sofort eingestellt wird, und wir bitten die Wähler, uns in unserem Verlangen zu unterstützen... Der Nationalrat der Unabhängigen Arbeiterpartei." Euq der partei. Gcmeindewahlen. In K n i e l i n g e n bei Karlsruhe, wo durch eine oppositionelle Vereinigung nunnichr alle drei Klassen bei den Bürgcrausschutzwahlen besetzt wurden, ist nun eine sozialdemo- kratische Fraktion von 21 Vertretern in der Gemeinde» Verwaltung. In der dritten Klasse»var der Sieg ein glänzender: 173 gegen 39 Stimmen. Auf über 29 999 Abonnenten ist die Auflage unseres Hannover- schen Parteiblattes, des„Bollswillen", in der letzten Woche ge» wachsen. Vom Wachstum der Organisation. In Kiel traten in der letzten Versammlung 282 Genossen dem sozialdemokratische» Verein bei. Die Mannheimer Boltsstimme setzt ihre bodenlos u n e h r» l i ch e und unanständige Polemik gegen den„Vorwärts" fort. Sie hat einen ihrer würdige» Mitarbeiter in Freiburg gesimden, der ihr schreibt: „Gleichzeitig mit dem Bericht an die badischen Parteiblätter ging unsererseits am 1. Mai auch ein Bericht über die Freiburger Feier an den„Vorwärts" ab. Bis jetzt hat der„Vor» wärts" aber kein Wort davon gebracht, denn es würde ja das Bild, das er von der badischen„Maifestbummelei" entwarf, stören.. I" Wir wollen, ohne uns in eine Kcnnzeichiiuug der Kampfesweise des Genossen E. und der M.„V." einzulassen, lediglich fest- stellen, datz in der Nummer 191 des„Vorwärts" vom 3. Mai unter den Maifeierberichten in der Unterrubrik Baden zu lesen ist: In Freiburg i. B. waren in den Borjahren höchstens 599 Feiernde zu verzeichnen. Diesmal waren es über 1699 Genossen, die den 1. Mai durch Arbeitsruhe begingen. Der geplante Zug mit Musik wurde verboten. Es ging aber auch ohne Musik. Die Polizei beschlagnahmte eine Fahne, drei rote Taschentücher und einem Italiener eine rote Hosenbinde. Es ging aber auch ohne die rote Fahne, rote Taschentücher und rote Hosenbinde. Also polemisiert man in Mannheim und Freiburg. Ob die M.„V." ihren Lesern wenigstens mitteilen wird, datz nun zum zweitenmal in ihren Spalten der„Vorwärts" fälschlich beschuldigt werde, datz er den Bericht über ein Vorkommnis in Baden unter- drückt hat? Wahrscheinlich wird sie sich zur Erfüllung dieser für ein anständiges Blatt selbstverständlichen Pflicht nicht verbunden fühlen; hat sie es doch bisher auch nicht für nötig gehalten, ihren Lesern mitzuteilen, datz sie eine falsche Beschuldigung erhob, als sie den„Vorwärts" frischweg der Ignorierung der Mannheimer Schwur« gerichts-Pretzprozesse beschuldigte I Wen wundert nach dieser Probe der Wahrhaftigkeit noch, datz Genosse E.-Freiburg in seiner Zuschrift Weiterl— os legt: „.... Die Art und Weise, wie der„Vorwärts" seine Leser in den Glauben zu versetzen sucht, es hätten nirgends und niemals Nachfeiern stattgefunden wie in Baden, wollen wir lieber nicht mit dem richtigen Namen bezeichnen." Jeder Leser des„VorlvärtS" weiß, datz der„Vorwärts" niemals etwas derartiges versucht hat; die Redaktion der M.„V." natürlich auch, aber sie hat nichts dagegen einzuwenden, datz Genosse E. diese faustdicke Unwahrheit den Lesern der„Volksstimme", die ja in der überwiegenden Mehrheit den„Vorwärts" nicht zu sehen bekommen. vorsetzt, nein, sie verstärkt sie noch durch die ebenso unwahre Be« hanptung: „... Visher hat sich die Unentwegtheit der Vollen und Ganzen des„Vorwärts" gegen den württembergischen„Disziplin- bruch schlimmster Art" noch nicht aufgebäumt. Vermutlich hat sich der Entrüstungskrater an der Eruption nach der badischen Seite erschöpft." In seiner Nummer 195 vom 3. Mai schrieb der„Vorwärts": ..... Selbstverständlich gilt für die Ortschaften Württem- bergs und der Pfalz, die die Maifeier nicht am 1. Mai begehen, dasselbe wie für die betreffenden Orte Badens." Und in der Nr. 199 vom 12. Mai hat der„Vorwärts" ans- führlich die Landesteile aufgezählt, wo Verlegungen der Maifeier und Mainachfeiern vorgekommen sibd. Das alles hindert die M.„V." nicht, ihren Lesern die oben angenagelten Unlvahrheiten vorzusetzen, sie in schlimmster Weise zu täuschen! Wir überlassen den Genossen das Urteil über solche Kampfesweise I Dem Karlsruher„VolkSfrcimd" tut es jetzt leid, daß er. bevor seine Nachbarin in Mannheim das badische Land gegen den „Vorwärts" alarmierte, unseren Ausführungen feine„sachliche Z u st i m m u n g" erteilte. Er klammert sich an die Bezeichnung „Maifestbunimelei" an, die er ohne Ursache auf die gesamte. badische Maikundgebung bezieht, um dagegen Protest zu erheben. Wenn der»VolkSsreund" doch die Tatsache anerkennen wollte, daß ber.Vorwärts* die Maifeier der badischen Genossen ausdrücklich würdigte mit den Worten: „In den grotzen Städten deS Landes gestaltet sich die Festlich keit immer erhebender: die Zahl der am 1. Mai Feiernden nimmt von Fahr zu Jahr eine größere Ausdehnung an... Wir können uns dem Schlutzsatze des..Volksfreu,id"-ArtikelS. daß„schließlich eine Mai-?i a ch feier immer noch besser ist als keine Maiseier" aus Gründen der Achtung vor der sozial demokratischen Maifeier-Jdee nicht anschließen. Nach demselben Grundsatz dürfen wir dem„Vollofreuiid" darin nicht beipflichten daß eine kritische Beurteilung der Maifeier im Lande Baden nicht Sache des Zentralorgans, sondern nur der Provinzialpresie sein kann. Dagegen freuen wir unS über die Korrespondenz aus Mörsch, dcrzufolge die dortigen Arbeiter künftig statt der bis herigeu Nachfeier grundsätzlich die demonstrative Feier am erste Mai zu begehen wünschen. Totenliste. Zu Leipzig-Möckern starb, 63 Jahre alt, der Genosse Ziaarrenmacher Eduard Langrock, der schon vor dem Sozialisten- gesetz als Arbeitervcrtreter im Gemeinderat von Möckern saß und unter dem Sozialistengesetz der Ausweisung verfiel. Er hat vis zu seinem Tode treu und unermüdlich filr die Partei gewirkt. polizctlichee, Gerichtliches ubw. Eine„buddistifche" Gemeindebehörde. Die Gemeindebehörde von Weimar verbietet nach des verstorbenen Eisenbahnministers Budde schönem Muster den Verkauf sozialistischer Blätter in den ZeitungS- kioSken, die eine Bremer Firma kürzlich in Weimar errichtet hat. Eine würdige Maßregel für die Stadt, wo Schiller und Goethe gelebt haben I Eine StaatSrettung. Einem Erfurter Kaufmann ist folgendes amtliche Schreiben von der Polizeibehörde zu Erfurt zu gegangen: „Sie haben am 1. Mai d. I. vormittags gegen 10 Uhr 60 Minuten gelegentlich der Maifeier einen Hund m i t e i n e m roten Zhlinderhut auf der Straße umherlaufen lasten, da- durch bei dem Publikum Aufsehen erregt und somit groben Unfug verübt. Infolgedessen verfügen wir von Amtswegen 5 M. Strafe ober einen Tag Haft." Die„Tribüne" hält die Verfügung für unhaltbar, denn sie habe erfahren,„daß der Hund sich den Zhlmder selber aufgesetzt hat und höchst eigenbeinig spazieren ging. Darum hat sich die Polizei in der Adresse geirrt. Vor Gericht wird der Köter die Sache geloitz geme bestätigen". Von 9 Mark auf 30 Mark brachte es ein Genosse aus Relling hausen, indem er gegen ein Strafmandat, das er wegen Ver breitung von beschlagnahmten Wahlrechtsflugblättern erhielt, an das Schöffengericht zu E f f e n appellierte. Der Vorsitzende ärgerte sich in der Verhandlung über den roten Schlips des Angeklagten. Strnfkonto der Presse. Wegen Beleidigung eines scharfmachenden Schneidermeisters wurde Gen. v. L o j e w s k i von der T r i b ü n e" zu Erfurt durch das Schöffengericht Erfurt zu 10 M. Geldstrafe verurteilt. Die Strafkammer erhöhte am Freitag die Strafe au' dv M._ GewerklcbaftUchcö� Ein Skandal für die englische Arbeiterbewegung! Wie schon mitgeteilt, haben die Reederprotzen Hamburgs den auf zehn Tage Aussperrung lautenden Beschluß voll zur Durchführung abbracht, um so den Hafenarbeitern„ein für alle- mal" die„Maigedanken" auszutreiben. Mit ungeheuren Opfern haben die Seekapitalistcn Streikbrecher auS dem Auslande herbeigeschafft und dabei die gesetzlichen Bestimmungen über das Wohnen und die Nerpflegung im Freihafen mit Füßen treten dürfen. Nach Wiederaufnahme der Arbeit seitens der Ausgesperrten ist das internationale Streikbrechergesindel zum größten Teil bereits nach allen Richtungen der Windrose abgeschoben worden. Man ist froh, daß man diese„nützlichen" Ausländer, die hier sehr selbstbewußt unter dem Schutze der Polizeimacht auftraten, wieder los ist. Am Sonnabend lagen auf dem .flaseruendampfer noch 500 Engländer, die aber von den Stauern nicht mehr beschäftigt wurden. Interessant dürfte es sein, zu erfahren, welches Land das größte Streikbrecher-Kontingent gestellt hat. E s i st England(!), das„Land der Gewerkschaften", das über drei Viertel aller Tkabs gestellt hat, nämlich 3000 von etwa 3800! Der Rest verteilt sich auf die anderen Nationen und Nassen., Zur Ehre der deutschen Arbeiter sei gesagt, daß unter den Streikbrechern nur einige Hundert Deutsch sprechende waren. Die Dampfer„Pennsylvania", „Luttcrworth",„Nerissa",„Ophelia" und„Cressida" haben bereits in der vorigen Woche niit 900 bezw. 953, 100, 138 und 195 englischen Streikbrechern an Bord den Hamburger Hafen verlassen; der aus etwa 800 Mann bestehende Rest ist am Montag, den 14. Mai. gefolgt. Die englischen Streikbrecher sind hier sehr forsch ans getreten, haben mit unsäglicher Geringschätzung auf die „Dutchmens" herabgesehen, diese mit Messern und Instrumenten anderer Art angegriffen und wunderten sich schließlich, daß die„DutchmenS" den„bevorzugten Söhnen Albions" ge- hörig das Fell durchgerbten. Selbst die bürgerliche Presse gesteht jetzt ein, daß das internationale Streikbrecher- gcsindel der provozierende Teil gewesen ist. Auch im Lande der Gewerkschaften gibt es noch viel Auf- klärungsarbcit zu verrichten. SerUn und Nmgegend. Ter Schwfferstreik geht seinem Ende entgegen, und zwar einem für die Arbeiter ruhmvollen Ende. Sechs Wochen lang haben sich die Schlossermeister gesträubt, die berechtigten Forderungen der Arbeiter in ihren wesentlichen Teilen anzuerkennen. Sie machten anfangs Lohnangcbotc, die unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht akzeptiert werden konnten. Als daraufhin die Schlosser in einen partiellen Streik traten, antworteten die Meister mit einer teilweiscn Aussperrung, die allerdings wirkungslos verlief. Stach sechslvöchcntlichem Kampfe mußten sich dann die Schlosscrmeister wohl oder übel zu Verhandlungen bereit erklären und tvesentliche Zugeständnisse machen. Die beiderseitigen Kommissionen einigten sich am Sonnabend auf eine Tarifvorlage mit folgenden Haupt- bestimmungen: Die A r b e i t s z e i.t beträgt 9 Stunden, ll c b e r- stunden werden mit 23 Proz., Nacht, und Sonntagsarbeit mit 30 Proz. Lohnaufschlag entschädigt. Der Mindestlohn beträgt 47VH Pf. pro Stunde.(Gefordert wurden anfänglich 30 Pf., im alten Tarif war der Mindestlohn auf 33 resp. 40 Pf. festgesetzt.) Akkordüberschüsie werden der Lohnhiche und der Stundenzahl ent- sprechend verteilt. Es fcklgen dann eine Reihe von Spezialbcstim- , nungen. so u. a. mich über Fahrgeld- und Fahrzeiremschädigung, bei denen sich die Meister zu erheblichen Zugeständnissen verstehen mußten. Es ist auch vorgesehen, daß sich die Schlichtungskoromistion ihren Vorfitzenden selbst wählt und dieses Amt nicht ohne weiteres dem Obermeister der Scistosserinnung zufällt, wie cS die Meister anfangs wollten. Ter neue Tarif soll vom 1. Juli d. I. bis zum 80 Juni 1909 gelten unter gegcisteitigcr Anerkennung der Arbeit- gebcr- und Arbeitnehmerorganisation. hier also des deutschen Metall- arbeflerverbandeS. In b?r gestrig?» Versammlung der Streikenden empfahl die Löhnlommission diese Vorlage zur Annahme. Nach längerer Debatte wurde dieselbe auch mit einer größeren Majorität angenommen. Ueber den Tag der Wiederaufnahme der Arbeit find sich die beider- seitigen Kommissionen noch nicht schlüssig geworden. Verein- barungen darüber loerden noch in einer besonderen Sitzung getroffen. Achtung! Rohrleger und Helfer! Diejenigen Kollegen, welche für die Firmen Gebrüder Körting, K ä f e r l e und Zentralheizungswerke Hannover Montagen und sonstige Arbeiten hier in Berlin ansfllhreu, werden ersucht, sich in unserem Bureau zu melden. - Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung verlin. Die Arbeiter der Firma Mix n. Genest, Telephon-Apparaten- sabrik, hatten jüngst den Beschlutz gefaßt, die llebcrstunden im Be- trieb zu verweigern. Von den Meistern des Werks ist daraufhin mit Maßregelungen und Entlassungen einer Anzahl beliebig herausgegriffener Arbeiter geantwortet worden. Gestern fand nun eine stark besuchte Betriebsversammlung statt, in der das Verhalten der Meister erneut einer scharfen Kritik unterzogen wurde. In der Versammlung kam die hochgradige Erregung der Arbeiter und Arbeiterinnen über diese Vorfälle fchr markant zum Ausdruck. Es wurde sodann beschlossen, erstmals eine Kommission zu wählen. welche sowohl wegen der maßlosen Uebcrstundenwirtschaft wie auch des sonstigen Benehmens der Meister bei der Direktion vorstellig werden soll. Deutsches Reich. Die Bewrgmig der Former. Der Verband bayerischer Metallindstrieller hat sich endlich zu einer Tat gegen die Arbeiterschaft aufgeschwungen. Er hat ihnen nämlich mit der Post folgendes Zirkular zugehen lassen: In den Bezirken Hannover, Braunschweig, Dresden, Breslau usw. bestehen infolge der seitens der sozialdemokratischen Gewerkschaften gestellten Forderungen Ausstände. Der Gesamtverband deutscher Metallindnstrieller hat zur Fest- stelluilg der Arbeitöbedingmigen in seinen Bezirksveroänden ein- gehende Erhebungen über Löhne, Arbeitszeit, Akkordwesen usw. angestellt und diese Erhebungen durch eine Kommission prüfen lasten. Die Kommission stellte fest, daß die Arbeitsbedingungen, insbesondere Löhne und Arbeitszeiten in den vom Streik be- trostenen Berbänden berechtigten Anlaß zu den Ausstände» nicht geben, daß die Ausstände vielmehr nur durch die Aufwerfung und Festhaltung von Machtfrogen von den Führern aus agitatorischen Gründen nicht beendet werden. Der Gesamtverband deutscher Metallindustrieller nimmt des- halb eine Hlllfeleistung für die vom Ausstände betroffenen Verbände in Aussicht, falls nicht bis zu einem gewissen, noch bekanntzugebenden Zeitpunkt der Friede hergestellt ist. Die Hülfe- leistung soll erfolgen durch die Aussperrung von Mitgliedern sozial- demokratischer Gewerkschaften und zwar deshalb, weil diese erwiesenermaßen nur Kampforganisationen sind, als welche sie sich in ihren Organen selbst bezeichnen. Das Bekanntwerden dieser Absicht gab den Führer» der sozialdemokratischen Organisation Bcranlasiung z» den heftigsten Angriffen. zu absichtliche» Entstellungen und Verdächtigungen, unternommen lediglich zum Zweck. Unruhe unter die Arbeiterschaft zu tragen und sie dadurch zum Anschluß an die Organisation zu zwingen. Unfrieden zu säen. Unfriede in jedem Betriebe um jeden Preis zu schaffen, daß sind die LebeiiSbedingungen der sozial« demokratischen Organisation und deren Führer. Wo Ruhe herrscht, hoben die Führer der sozialdemokratischen Gewerkschaft ihre Bedeutung verloren: deshalb sorgen sie für dauernden Kämpf; deshalb müssen die»ichtigsten Borwände zu großer Bedeutung aufgebauscht werden; deshalb aber auch müssen die Bestrebungen dieser gewissenlosen Agitatoren aufS schärfste bekämpft werden. An alle Arbeiter, die nicht der sozialdemokratischen Organi- sation angehören, auch an diejenigen, welche der ständige» Be- unmhigling und Bevormundung durch deren Führer sowie der große,» Opfer, die ihnen zugemutet werden, müde sind, ergeht die Aufforderung. unS im Kampfe um die Ruhe jit_ unterstützen und damit zur friedlichen Entwickelung des Verhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer beizutragen. Allen, die unS in der Lösung dieser Aufgabe zur Seite stehen, sichern wir unseren weitgehendsten Schutz zu; wir werden Be- lästignngen. die von Seite der Kampfesorgamsation ausgehen, auf keinen Fall dulden und alle uns zu Gebote stehenden Mittel an». wenden, um endlich wieder zu einem friedlichen Zusammenarbeiten zu gelangen. Verband Bayerischer Metallindustrieller. Die Versendung dieses Zirkulars, das alle die bekannten Scharfmacherphrasen wiederkaut,»st alle?, wozu die Metalliiidustnellen bisher sich überhaupt aufschwingen konnten. Inzwischen hat in D r e S d e n das Verhandlungsspiel wieder begonnen. Die Unternehmer haben am Sonnabend ernent--- die Arbeiter hatten die Berhandlungen abgebrochen— Borschläge gemacht, die ivesentliche Verbesserungen enthielten. Später kamen te aber noch mit einem weiteren Vorschlag, der betreffs der Wieder ailfnahme der Arbeiter in den Betrieben, der Arbeits willigen, den Bestimmungen über die Akkordarbeit wieder wesentliche Verschlechterungen enthielt. Die Unternehmer behaupteten, die ersteren Borschläge seien unverbindlich von einzelnen Mitgliedern der Arbeitgeberkommission gemacht ivorden, während der letzte ungünstigere Vorschlag offiziell sei. In einer gestern vormittag im„Trianon" abgehaltenen, von 2000 Formern besuchten Versammlung wurde Stellung dazu genommen. Es wurden zu den letzten Vorschlägen der Unternehmer AbändenxiigS« Vorschläge gemacht und einer engeren Kommission die Vollmacht er« teilt, mit den Unternehmern eine Einigung vorbehaltlich der Zustimmung einer noch einzuberufenden Former- e r s a m m l u n g abzuschließen. ES dürfte also wohl im Laufe dieser Woche zum Frieden kommen. Die Unternehmer haben, so viel ist schon jetzt sicher, in einer Reihe von Punkten nachgeben müssen. Von der Bernichtung der Organisation, von der sie vielleicht geträumt haben, ist nicht die Rede. Im Gegenteil: Die Organisation wird auS den Kämpfen stärker und gefestigter hervorgehen wie vor dem Konflikt, vor der Machtprobe der Unternehmer. Shemnitz. Zu imposanten Kundgebungen gegen die Aus- 'perrungSgelüste der Metallindustriellen gestalteten sich acht groß« Metallarbeiterversammlungen, die in verschiedenen Teilen von Chemnitz in den größten zur Verfügung stehenden Sälen abgehalten wurden. 10000 bis 12000 Besucher wiesen die Versammlungen auf und die Teilnehmer beherrschte eine fröhliche, kampfeSmutigr und fiegeSzuversichtliche Stimmung. Bei den in der Metall- industrie in Chemnitz bezahlten nicht allzuhohen Löhnen ist besonders hervorzuheben, daß der von, Vorstande eingeführte Extrabeitrag auf keinen Widerstand stieß. diese Maßregel vielmehr alS der gegenwärtigen Situation entsprechend derteitigt wurde. Durch Annahme einer Resolution sprachen die versammelten den Streikenden bez. Ausgesperrten ihre Sympathie aus, versprachen ihnen moralische und pekuniäre Unterstützung und billigten den Be- cht, iß de» Zeiitralvorstandes.„ab 12. Mai eine Extrastener von 23 Pfeimig pro Woche von den männlichen Mitgliedern zu erheben". als die einzig richtige Antivort auf den AuSsperrungSbeschluß der Metallindustriellen Deutschlands. Lohnbewegungen im Steiadkuckgcwerbe. In Breslau. Ehem. nitz, Hannover, Kiel. Leipzig und Saalseld stehen die Lithographen und Steindrucker im Streik. Die Arbeitgeber in Braunschweig, Bremen und Stuttgart kündigten deshalb den Lithographen und Steindruckcrn, und kam es in diesen Städten zu allgemeinen Aus- sperrungen. Zurzeit sind 300 im Streik, weitere Aussperrungen sind angekündigt, doch herrscht unter den Beteiljgten starke Kampfes- stimmung. In Hannover und Breslau wird bereits die 3. Woche gestreikt, aber Streikbrecher haben sich nicht gesunden. In Oester- reich und Holland werden durch große Annoncen und Agenten ver- geblich Streübrecher gesucht. In Heilbronn ist nach Ivtägigem Streik derselbe mit vollem Erfolg für die Arbeiter beendet. In Lübeck, Mannheim, Karlsruhe usw. fanden ohne Streik Bewegungen zugunsten der Arbeiter statt. In einer Reihe weiterer Städte rüsten die Lithographen und Steindruckcr sich zur Bewegung. Die Arbeitgeber gründeten einen schutzverband a la Metallindustriellen und stehen somit auch in diesem Gewerbe größere Kämpfe bevor. Ter Streik im mitteldeutschen Braunkohlenrcvicr. WeistenfelS, 14. Mai. Die gestern im hiesigen Streikgebiete abgehaltenen Versammlungen der ausständigen Braunkohlen» arheiter haben die Fortsetzung des Streiks beschlossen, bis die Zu- sage der Grubrnverwaltungen schriftlich festgelegt ist. Die Per- waltungen dagegen wollen erst, wie das„Weißenselser Tageblatt" meldet, nach Wiederaufnahme der Arbeit eine bindende Zusage geben. Tie Zahl der Streikenden hat wieder zugenommen. Textilarbeitcr-AuSsperrung. Neumünster, 14. Mai. Der Tcxtilfabrikantcnvercin hat einen Anschlag in sämtlichen Fabriken verteilen lassen� demzufolge, falls die Ausständigen der Firma Mehrens bis Mittwoch die Arbeit nicht aufgenommen haben, die Aussperrung sämtlicher in den hiesigen Fabriken beschäftigten Arbeiter vor sich gehen soll, und zwar dergestalt, daß am Mittwoch in acht Tagen sämtliche hiesigen Textilfabriken still gelegt sind. Es kommen dabei mehrere tausend Arbeiter in Frage._ Ein grosler wirtschaftlicher Kampf in Königsberg vermieden. Der Streik bei der Firma A l b r e ch t u. L e w a n d o w s k i ist beendet; dadurch wird die Aussperrung in der gesamten Holz- industrie verhindert. Tic Arbeiter haben wesentliche Vorteile er- rungen. Die Abschaffung der Akkordarbeit ist zwar nicht gelungen. doch sind die Akkordsäye wesentlich erhöht worden. Tie Stunden- löhne sind um 23— 30 Proz. gestiegen. Die Arbeitszeit ist von 11 auf 10 Stunden herabgesetzt worden. Ferner ist Mehrbezahlung für die Ueberstundcn, Nacht- und SonntagSarbeit erreicht worden. Ter Erfolg isr um so höher anzuschlagen, da es sich um eine Mil- lioncnfirma handelte und das gesamte Unternehmertum hinter ihr stand. Die Arbeiter sind gut organisiert. Deshalb wagte man auch einen längeren Kampf nicht. Gestern wurde die Arbeit aufgenommen. Eine anarchistische Verdächtigung gegen den Kassierer der Zahlstelle Köln des Verbandes der BauhülfSarbcitcr war der Gegenstand einer Verhandlung vor dem dortigen Schöffengericht. ES handelt sich um zwei Artikel des anarchistischen Wochenblattes „Der freie Arbeiter", die wir damals besprochen haben, und worin der Kassierer fälschlich beschuldigt war, einen wandernden Arbeiter der Polizei überliefert und ferner die Kasse der Kölner Zahlstelle des Bauhülfsarbeitervcrbandcs bestohlen zu haben. Ter Kassierer war in dem zweiten Artikel als Kassenmarder bezeichnet worden. Di« gerichtliche Beweisaufnahme ergab, daß in der Kasse. die einen Etat von vielen Tausend Mark ausweist, ein Manko von 39 M. vorhanden war, das durch das dem Kassierer zustehende Mankogcld von 80 M. mehr als doppelt gedeckt war und ver- mutlich durch verloren gegangene Belege entstanden ist. Bon einer Veruntreuung kann gar nicht die Rede sein. Der Redakteur des „Freien Arbeiter", Oesterreich aus Berlin, wurde zu 100 M. Geld» strafe verurteilt. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflag«.� Bestrafter Uebermut. In München wurden bekanntlich die Gcrüstbauarbeiter. weil sie am 1. Mai nickst zur Arbeit antraten. ausgesperrt. Die Unternehmer, die den Arbeitern ihren Herrcnstandpunkt fühle» lassen ivolltell, versuchten, eine entiprechcnde Ausmusterung unter den Arbeitern vorzunehmen, ivas ihnen aber vollständig mißlang. Tie Unternehmer hoben die Aussperrung wieder auf, die ausgesperrten Arbeiter weigerten sich aber, die Arbeit bedingungslos auszunehmen, so- daß die Unternehmer ge- zwungen waren, für ihr« Willkür die Zeche zu bezahlen. Nach wiederholten Unterhandlungen erreichten die Arbeiter eine wöchentliche Atbeitszeitverkürzung von V.i Stunden, eine Lohn, erhöhung von 3 Pf. pro Stunde und außer anderen Begünstigungen prozentuale Zuschläge für Uederstundk» und Atveiten außerhalb des Burgfriedens. Letzte INfachncbten und Depcfchcn, Wieber ein Attentat. Warschau, 14. Mai.(W. T. B.) Bon einem Privat- korrespondcntcn. Heute abend wurde hier in der Marschal» kowskastraße der Polizeikommissar Konstantin und drei andere Personen durch eine Bombe getötet. Soldaten gaben eine Salve ab, durch die 8 Personen verwundet wurden. Zusammenstoß von Streikenden und Genbarmen. Serajewo, 14. Mai.(W. T. B.) In dem Kohlen- und Eisen- werk in Zenica ist ein Ausstand ausgebrochen. Die Ausständigen bewarfen die Gendarmen mit Steinen und schössen mit Revolvern. Die Gendarmen gaben darauf Feuer, wodurch drei Personen ge- tötet und fünf verwundet wurden. Auch ein Gendarm wurde ver» wundet. Von hier wurden zwei Kompagnien nach Zenica ent- sendet._ Proporz in Schweden. Stockholm. 14. Mai.(W. T. B.) Die erste Kammer de» Reichstages verwarf mit 12« gegen 18 Stimmen den Wahlrechts- entwarf der Regierung und nahm mit 118 gegen 2« Stimmen einen Antrag betreffend das allgemeine Wahlrecht mit Pro- portionalwahlen zu beiden Kammern, und Herabsetzung der Wahl« Periode der ersten Kammer von neuem auf sechs Jahre an. Ter..kranke Mann" gibt nach. London» 14. Mai.(W. T. B.) Unterhaus. Sir Edward Grey macht unter Beifallskundgebungen de» Hauses Mitteilung. daß von der Pforte eine befriedigende Antwortnote eingegangen sei und führt dann aus: Die Pforte hat dem Botschafter in Konstantinopel, Sir N. O'Conor, zur Kenntnis gebracht, daß Tabah und alle anderen Plätze in der Nähe, die neuerdings von türtischen Truppen besetzt worden waren, geräumt seien. Später» hin ist eine Note eingegangen, in der erklärt wird, daß die Pforte das Telegramm vom 8. April 1892 nicht in Abrede stelle. daß ferner eine gemischte Kommission zur Ausführung einer topographischen Aufnahme und Herstellung einer Karte ernannt werden solle, um bei der Grenzfestsctzung den Status quo auf der Grundlage besagten Telegramms zu wahren, und daß die Grenz» linie von Bufeh in südöstlicher Richtung nach einem Punkt in einer Entfernung von nicht unter drei Meilen von Akaba laufen solle. Tie Regierung hat diese Antwort auf ihr« Rote ange» genommen, und sie berechtigt zu der wohlbcgründetcn Hoffnung. daß man in allen Punkte» zu einer befriedigenden Lösung ge. langen wird. SiSSSülS' Redasi�ur: Kqji» W ejt r.JBer jiji■ Jnsera�n�il vergnty.: g|. Glocke, Beilrn, Druck u.VlllgZ: VeiwgltS BiWr. Ii- Lttlstgsgnstgsj �»lilWB y.vnlrW!l»»>»ttatt Nr. lll. 2Z. Iahrgauz. KtiP dkg Jotniärfg" Klllim WldsM Dienstag, tö. Mai 190(1 Reicbötag» 102. Eifeims. Montag, d«n 14. Mai, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesrats tisch: Kommissare. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung eines Gesetzentwurfes wegen Aenderung einiger Lorschriften des Reichs. ftempelgefetzes. Es sollen danach Aktiengesellschaften auch dann die Stempelabgabe bezahlen, wenn die Aktien nicht ausgegeben sind, und zwar soll dieses Gesetz rückwirkende Kraft erhalten nach den Beschlüssen der Kommission. Außerdem enthält dos Gesetz Er leichterungen de» Arbitrage Verkehrs für gewisse Wertpapiere, ins- bejo-ndere deutsche Staats- und Reichsanleiherl. Direktor im Reichsschatzamt Kühn(schlocr verständlich auf der Tribüne) scheint die rückwirkende Kraft für bedenklich zu erklären. Abg. Kämpf sfrs. Bp->: Der Antrag auf rückwirkende Kraft, der in der Kommission zuerst unvcrhüllt gestellt wurde, widerspricht den fundamentalsten RcchtSgrundsätzen und wurde auch von den lZuristen der Regierung bekämpft. Durch die Annahme würde sich der Reichstag aus die Basis dcS sozialdemokratischen Staates, auf die'Basis'des Teilens stellen.(Beifall bei den Freisinnigen.) Abg. Müller-Fulda(Z.): Der Kommissionsbeschluk bezweckt dasselbe wie der ursprüngliche Antrag, dem Gesetz rückwirkende Kraft zu verleihen; er ist aber materiell nicht derselbe Antrag und rechtlich unanfechtbar. ES ist auch nicht abzusehen, weshalb für eine Milliarde Mark Aktien deshalb von der Abgabe frei bleiben sollen, weil sie sich bisher der Steuer entzogen haben.(Sehr gut! rechts.) Abg. Mommsen(frs. Lg.): Die von Kollegen Müller-Fulda genannte Zahl von 1000 Millionen Mark für das betroffene Kapital ist eine gang willkürliche. Daß eine Steuer rückwirkende Kraft haben darf, das ist bisher noch nicht vorgekommen, da wir ja den sozialistischen Zukmtstsstaat noch nicht haben.(Beifall bei den Freisinnigen.) Abg. Dr. Arendt(Rp.): Es handelt sich hier lediglich um die Durchführung des Prinzips, den Wert des Unternehmens zu treffen; dies wurde in der Praxis vereitelt, weil man die Aktien nicht aus- gab. Deshalb sollen sie jetzt getroffen werden, auch wenn sie nicht ausgegeben werden. Abg. Singer(Soz.): Dem Gedanken, daß die sogenannten«ungeborenen Aktien" gestempelt werben sollen, haben wir von vornherein zugestimmt. Als das Gesetz gegeben wurde, hat niemand daran gedacht, daß eS cinnräl Personen geben wird, die in der Lage sind, eine Aktien- Gesellschaft von SO oder 60 Millionen zu gründen, diese Aktien aber nicht zum Verkauf zu bringen, um sich das Kapital dafür zu be- sorgen, sondern die Gründungsurkunde in den Geldschrank zu legen, ohne baß die.Aktien irgend wie zum Verkauf kämen! Diesen Gc» danken konnte der Gesetzgeber nicht haben; jedenfalls hat er ihn nicht gehabt,.sonst würde er. statt zu bestimmen, daß die Urkunde gestempelt.werde, bestimmt haben, daß das Protokoll, durch '.welches die Gesellschaft gegründet wird, gestempelt werde. Wenn «un aus solcher Rechtslage heraus solche— ich kann nicht sagen Hinterziehungen, weil sie ja formell gesetzlich berechtigt sind— aber solche Verhältnisse sich ermöglichen, dam, ist es Pflicht dcS Gesetzgebers, solche Vorkommnisse zu verhindern, und das ist der Zweck dieses Gesetzes. Wenn nun gesagt wird, daß das Gesetz rück- wirkende Kraft hat. so will ich mich über das W o r t nicht streiten, aber-ich muß dach betonen, daß das mehr oder weniger auch bei anderen Sacken vorkommen kann. In der Kommission ist mit Recht «uf die Entführung einer Grundsteuer hingewiesen worden. Wenn in irgend einer Kommune eine Grundsteuer eingeführt wird, dann (gibt LS doch Leute, die unter der Wirkung des früheren Zustandcs Grundstücke.gokuuft oder besessen und keine Steuer bezahlt haben. Wenn aber die Steuer eingeführt wird, dann müssen alle diese Leute besteuert werden. Hier soll ja auch nur gestempelt werden, was vorhanden ist. Alle die Veränderungen, die bis zum Er- laß dieses Gesetzes innerhalb dieser Gesellschaften bezüglich des Atrienbetrages vorgekommen sind, werden durch dies Gesetz nicht betroffen. Deswegen glaube ich, daß die Bestimmungen des Gesetzes du, Vorwurf der Rückwirkung nicht verdienen. Es kommt Haupt- sächlich daraus cm, daß der nicht der Form aber der Sache nach unerlaubte Gewinn, der sonst nicht zur Stempelung kam, versteuert wirb. Run meinte Herr Mommsen, daß, wenn eS sich darum handele, irgend eine große Bank oder ein industrielles Unternehmen zu treffen, man da gleich bei der Hand sei. Ich muß allerdings auch sagen, daß nach meiner Meinung es gar kein Unrecht ist, Ge- Winne, die auf diese Weise gemacht sind, gegen den Geist und gegen den Willen der Gesetzgebung, durch eins veränderte Gesetzgebung wieder zu xemcdieim. Nun bin ich sehr erfreut, daß jetzt auk der rechten Seite Grund- sätze akzeptiert werden, die wir nach unserer ganzen Ueberzcugung stets vertreten haben. Uebcr die Frage, ob die Herren von der Rechten und vem Zentrum auch bei anderen Fragen denselben Standpunkt einnehmen werden, den sie jetzt vertrete», brauchen wir uns nicht den Kopf zu zerbrechen. Ich fürchte, sie werden dann wieder mit der freisinnigen Volkspartei zusammen stimmen. Aber für imS handelt es sich einfach um de» vorliegenden Gesetzentwurf, dem wir in Her Kommission ssassung zustimmen, weil wir wissen, daß er schwache Schultern nicht treffen wird, und weil die neu. geforderten Steuern dem Sinne des alten Gesetzes nach eigentlich längst verfallen lind.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dave(frs. Vg.): Ein Urkundenstempel wird gezahlt für den gesetzlichen Schutz, den die Urkunde gewährt. Eine Aktie ohne Urkunde ist dcch nicht wertlos für ihren Inhaber, und der Gesetz. gebor toar keinesfalls so töricht, an ihre Möglichkeit nicht zu denken. Wer eine Ilrstunde nicht nötig hat, ist doch deswegen kein Steuer- deftnubant. t(Sehr richtig I bei den Freisinnigen.) Bielleicht nennt man nächstens auch den, der im Automobil fährt, anstatt die patrio- tische Pflicht zu erfüllen, in der Eisenbahn zu fahren und Fahr- kartcnsteuer zn zahlen, einen Steuerdefraudanten.(Beifall bei den Freisinnigen� Hiermit schließt dt« Debatte.§ Ks wird gegen die Stimmen der Freisinnigen in der Fassung der Kommission angenommen. ES folga i Bestimmungen über die E r m ä ß i g u n g d e s Um- satzstemprflS; er soll bei Reichs- und Staatspapieren und einigen anderen unter bestimmten Voraussetzungen auf die Hälfte herabgesetzt.werden. Die Ähizg. Kämpf(frs. Vp.) und Mommsen(fts. Vg.V wollen He ErmätziMng auf den Arbitrierverkchr zwischen inländischen Börsen ausdehnen. Abg. Sl,.'endt(Rp.) beantragt eine Ermäßigung auch für Interimsschi ine über Einzahlungen auf deutsche Reichs, und StaatSpopisue, sowie gegenüber der KommissionSsassung Herstellung der RegiervcngSvorlagc. Abg. G'.ivf Kunitz(k.) erklärt sich gegen die von der Kommission beantragte Fassung und für den Antrag Arendt. Abg Kämpf(frs. Vp.) verbreitet sich ausführlich über die Technil bei Emissionen und die Emissionen von deutschen Reichs- und Staatsanleihen. Der Markt für diese Anleihen, darin gebe ich dem Ftlnanzminister recht, ist vrwahrlost. Schuld an dieser VcrwahAefnng ist das deutsche Börsengesetz, und der Reichsschatz- sekretär sohlte den Anstoß zu seiner Beseitigung g�ben. Der niedrige Kurs der deutschen Staatspapiere rührt daher, daß der Deutsche sich indushcicll betätigt und sein Geld der Industrie zur Verfügung stellt. Diesen Umstand soll man nicht beklagen. Man will den Llrbitriervrrkchr nur zwischen zlvei ausländischen und zwischen einer ausländischen und inländischen Börse erleichtern, nicht den zwischen zwei inlävidischen Börsen. Das letztere ist nicht gerechtfertigt. Ich bitte dahyv. die Äommissionsbeschlüsse mit unseren Zusätzen anzu- »hmkn. �Beisgll bei den L'reiji)migen.)c Abg. Biisinz(natl.) tritt den gestellten Anträgen entgegen und bittet, die Vorlage ur der Fassung der Kommission anzunchnren (Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Arendt empfiehlt seinen Antrag, der geeignet sei, den Kurs der Staatspapicre zu heben. Nach den neu beschlossenen Stenern auf Einnahmen aus der Börsenstcuer zu verzichten, ist ungerechtfertigt, das erinnert an das Satirspicl nach der Tragödie. Abg. Mommsen(frs. Vg.) zieht den Antrag Kämpf-Mommson mit Rücksicht auf die Geschäftslage des Hauses zurück, da er keine Aussicht auf Annahme hat. Abg. Singer(Soz.) nimmt den Antrag wieder auf. Ferner ist ein Antrag Müller-Fulda(Z.) eingegangen, Wonach da? Gesetz am 1. Juli 1906 in Kraft treten soll. Abg. Graf Kunitz(k.) polemisiert gegen den Antrag Kämpf; da? Börsengesetz kann nicht für den schlechten Anleihemarkt verantwortlich gemacht werden. Abg. Singer(Soz.): Eine Zeitlang tzlaubre ich mich bei den Verhandlungen eines Bankiertages zu befinden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- lraten.) Die Herren, welche meinen, die Verhandlungen des Reichs- tags werden ungebührlich in die Länge gezogen, man müsse dafür sorgen, daß die Verhandlungen nach Möglichkeit abgekürzt würden, gerade diese Herren sind es, die die Kosten der heutigen Unter Haltung tragen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Zu den Artikeln 3 und 4 der KommisstonSbeschlüsse werden meine Freunde den Vorschlägen der Kommission zustimmen. Weiter erklären wir uns für den ehemaligen Antrag Mommsen, der zu meinem Bedauern zurückgezogen ist. Ich habe geglaubt, daß die Antragsteller mit Eifer für diesen Antrag kämpfen werden, und da es sich nm einen Antrag handelt, den tvir nur deshalb nicht gestellt lfaben, weil die Herren Mommsen und Kämpf ihn schon gestellt hatten, muß ich ihn natürlich in dem Augenblick, wo sie ihn fallenlassen, wieder aufnehmen. Dem Antrag Arendt werden wir nicht zustimmen, weil wir die Anstalten, für die er Stempelbefreiuirgen will, als privatkapitali- stischen Interessen dienend ansehen müssen, während die Anleihen, die von Kommunen usw. ausgegeben werden, öffentlichen Zwecken dienen. Bor allem hatte ich mich zum Worte gemeldet, um den Antrag zu unterstützen, auch kommunale Steuern von der Stempelsteuer u befreien. Es liegt kein Grund vor, die Kommunen in diesem falle schlechter zu behandeln, als das Reich und die Bundesstaaten. l>?an sollte meinen, daß der natürliche Standpunkt eigentlich der sein sollte, daß das Reich den Kommunen nicht hinderlich entgegen- tritt, wenn sie ihre Aufgabe erfüllen. Durch diese Bestimmung aber werden die Kommunen schlechter behandelt.— Was nun den Grund des preußischen Finanzministers anlangt, daß die kommunalen An- leihen aus den Kurs der Reichs- und Staatspapiere drücken, so zweifle ich daran, daß das zutrifft. Aber selbst angenommen, es träfe zu, so kann man doch die Kommunen nicht dafür bestrafen, daß sie ,hre Aufgaben im Interesse der Allgemeinheit erfüllen und dabei notwendigerweise zu Anleihen kommen. ES paßt sich nicht für die Einzelstaaten, sich auf Kosten der Kommunen einen besseren Markt zu verschaffen. Das Reich hat die Pflicht, die Interessen der Gemeinden zu wahren, wo diese von«inzelstaatlichen Interessen bedroht werden. Deshalb bitte ich Sie. für den ehemaligen Antrag Mommsen zu stimmen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Direktor im Rcichsschahamt Kühn spricht gegen die Ausdehnung dSr Befreiung auf kommunale Anleihen. Die Debatte ist erschöpft. Artikel 3 und 4 werden in der KommissionSsassung mit dem ersten Absatz des Antrages Mommsen(Erleichterung des Arbitrier- verkehrS) unter Ablehnung der übrigen Anträge gegen einige Stimmen der Rechten angenommen. Der Rest des Gesetzes wird mit dem Antrage Müller-Fulda debattelos angenommen. Die Kommission beantragt Annahme folgender Resolution: Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, den Lombard-Zinsfuß für Renten und Schuldvcr. schreibungen des Reichs und der Bundesstaaten bei der Reichs dank auf J/j Proz. über den Wechselbislont herabzusetzen. Nach unwesentlicher Debatte, an der sich die Abga. v. Kardorff (k.) und Ortel(natl.) beteiligen, wird die Resolution von der Rechten, dem Zentrum und den Nationafliberalen an- genommen. ES folgt die erste Beratung des Gesetzes betreffend die Ausgabe von ReichSkassenscheineu. Danach sollen, nachdem durch das Gesetz vom 20. Februar 1906 die Reichsbank zur Ausgabe von Reichsbanknoten zu b0 und 20 M. ermächtigt ist(statt der bisherigen 50. und 20 M.-RcichS!assen- scheine), in das Gesetz über die Ausgabe von Reichskasscnscheine» Zehnmarkscheine aufgenommen werden. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Wir können das Gesetz nicht ohne weiteres annehmen; die llebelständc, die ich von der Einführung der kleinen Bonknoten fürchte, lverden durch Einführung der kleinen Reichskassenscheine noch verschärft. Ich beantrage die Ueberweisung der Vorlage' an eine Kommission von 14 Mitgliedern. Reichsschatzsekretär Freiherr v. Stengel: Die Bedenken des Abgeordneten Dr. Arendt scheinen mir nicht gerechtfertigt; denn der Gesamtbetrag der Reichskassenscheine von 120 Millionen wird durch diese Vorlage nicht berührt. Abg. Ortel(natl.): Die Einführung der Reichskassenscheine von 10 M. ist eine Konsequenz des Gesetzes über die Umwandlung der Reichskasscnscheine von 50 und 20 M. in Banknoten. Denn die frei werdenden 100 Millionen Reichskassenscheine müssen doch untergebracht werden. Ich bitte, den Antrag in eine Kommission zu verweisen, abzulehnen. Abg. Kämpf(frs. Vp.): Das Gesetz, Banknoten im Betrage von 50 und 20 M. zu schaffen, ist geschaffen worden, um eine Vermehrung der Reichskasscnscheine. die sonst notwendig gewesen wäre, zu vermeiden. Die Konsequenz ist aber die Einziehung der Reichskassenscheine von 50 und 20 M., für die Ersatz zu schaffen ist. Man soll sich doch vor solchen Ueberireibungen hüten, daß man von einer eintretenden Bettelwirtschaft spricht, wie Abg. Arendt. Wir haben 4000 Millionen Mark Goldmünzen, 800 Millionen Mark Silbermünzen, waS wollen da die 120 Millionen Mark RcichSkasscn- scheine besagen. Auch ich bitte, die Verweisung deS Gesetzes an eine Kommission abzulehnen. Damit schließt die Debatte. Der Antrag auf Verweisung in eine Kommission wird gegen die Stimme deS Abg. Dr. Arendt abgelehnt. Abg. Dr. Arendt(Rp.) beantragt, die zweite Lesung des Gc- setzen twurfcs von der Tagesordnung abzusetzen. Der Antrag wird abgelehnt. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Ich beantrage Vertagung und be- zweifle zugleich die Beschlußfähigkeit des Reichstages. Der Antrag auf Vertagung wird nicht genügend unterstützt. (Große Heiterkeit.) Präsident v. Ballestrcm: Ich stelle 8 1 zur Diskussion und schließe dieselbe. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Ich bezweifle die Beschlußfähigkeit des Hauses. Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.): Wir sind jetzt in der Be- ratung des s 1. Da liegt kein Anlaß vor, die Beschlutzfähigkeit zu bezweifeln; Dr. Arendt hätte sich seine Obstruktion sparen sollen, bis wir zu einer Abstimmung kommen. Präsident v. Ballestrem: Der Abg. Arendt hat den richtigen Zeitpunkt nicht verpaßt; ich habe Z 1 zur Diskussion gestellt, und damit ist die Abstimmung zu erwarten. Das Bureau teilt die Zweifel des Abg. Arendt. ES tritt also Vertagung ein. Nächste Sitzung: DienStaa l Uhr. Tagesordnung: Dritte Be- xatung der Aiatenvorlgge; Mguielgejetz. Derblttldstilg der Zchrniede. Berlin, 14. Mai. Am Sonntag wurde hier im GewerkschaftShause die zehnte Generalversammlung des Verbandes aller in der Schmiederei be- schäftigten Personen eröffnet.— S i e r i n g- Berlin und der Verbands» Vorsitzende Lange- Hamburg hielten Begrüßungsansprachen, dann erfolgte die Konstittiierung der Generalversammlung. Mit der Leitung der Verhandlungen wurden L a n g e- Hamburg und S i e r i n g- Berlin betraut. Im übrigen wurden in der Sonntags- sitzung die verschiedenen Kommissionen gewählt und die einleitenden geschäftlichen Formalitäten erledigt. Außer den Vertretern der Verbandskörperschaften sind 72 Delegierte anwesend. Der Vorstand hat der Generalversammlung einen gedruckten Geschäftsbericht vorgelegt. auS dem wir die wichtigsten Angaben hier wiedergeben: Beim Abschluß der vorige» Geschäftsperiode (Ende 1902) hatte der Verband 7484 Mitglieder in 135 Zahlstellen. Mit dem gegenwärtigen Abschluß(Ende 1905) zählt der Verband 17 191 Mitgueder in 182 Zahlstellen. DaS ist eine Zunahme von 9707 Mitgliedern und 47 Zahlstellen. Im Laufe von drei Jahren haben sich demnach die Mitglieder mehr als verdoppelt. Die Lohn- bewegunaen und Streiks haben sich gegen die vorige Geschäftsperiode bedeutend vermehrt. Im allgemeinen überschritten die Ausstände die normalen Verhältnisse deS Verbandes. Obwohl der Vorstand alles daran setzte, die Ausstände mehr zu beschränken, blieben diese Vorsichts- maßregeln zum größten Teil erfolglos. Die Ursache, daß der Verband über die normalen Verhältnisse hinaus an Ausständen beteiligt war, ist, daß er durch andere Verbände infolge der Aussperrungsgelüste der Unternehmer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Jmmerhrn hat der Verband durch die Lohnbeivegungen bedeutende Borteile errungen. Lohnbewegungen, Streiks und Aussperrungen waren im Jahre 1902 23, im Jahre 1904 43, im Jahre 1905 58 zu verzeichnen. Wie der K a s s e n b e r i cht ausweist, betrugen die Einnahmen in der dreijährigen Geschäftsperiode: Für Eintrittsgelder..... 11,937,50 M. Für Beiträge....... 439 529,75„ Für Extrasteuer...... 40 250,70„ Sonstige Einnahmen.... 14738,79„ Summa... 606 456,74 M. Ausgegeben wurden in derselbe» Zeit: Prozent Persönliche VerlvaltungSkosten... Sachliche Verwaltungskosten.... Agitation.......... •••••«••••* 9. Generalversammlung inkl. Protokolle ArbeitSlosen-Unterstützung..... Reise-Unterstützung....... Streik- und Gemaßregelten- Unter» stützung......... Rechtsschutz. Umzugskosten und sonstige Unterstützung........ Unterstützung an andere Vereine.. Sonstige Ausgaben....... Höherer Kassenbestand...... M. 39002,90 75 692,76 40 625,57 40 452,20 6 710,18 52 822,05 15697,90 150 965,83 4 206,79 3 600,00 82 498,67 45 181,89 der Einnahmen 7,70 14,95 8,03 7,90 1,18 10,43 8,10 29,80 0,83 0,71 6,42 8,02 Summa.. 506 456,74 100 Am Montag setzte die Verhandlung mit dem Bericht d e S Vorstandes ein. Der Verbandsvorsitzende Lange- Hamburg gab einige Ergänzungen zu dem gedruckten Bericht. Der Haupt- kassierer S ch r e i o e r- Hamburg beschränkte sich auf eine kurze Bemerkung zum Kassenbericht. Dann gab der AuSschußvorsitzcnde den Bericht des in Kiel domizilierenden Ausschusses, der sich lediglich mit einer Reihe von Beschwerden über innere BerbandSangelegen- heitc» befaßt. Die Diskussion über die Berichte füllte den ganzen SitzuicgStag aus. Redner aus den verschiedensten Zahlstellen übten Kritik an einigen geschäftlichen Maßnahmen des Vorstandes. Besonders erstreckte sich die Kritik auf die Erhebung von Extrabeiträgen. ES wurde Iveniger die Zahlung der Extrabeiträge selbst bemängelt, als vielmehr der Umstand, daß dieselben auf Beschluß einer erweiterten Vorstands- sitzung, einer im Statut für solche Fälle nicht vorgesehenen Jnstaiiz, erhoben wurden.— Hinsichtlich der Anstellung eines Gauleiters in Süddeutschland waren mehrere Diskussionsredner der Meinung, daß eine andere Person als die, welche der Vorstand mit dem Amte be- traut hat, diesen Posten hätte bekleiden müssen, doch wollte man dadurch die Fähigkeiten des gegenwärtigen Gauleiters nicht in Zweifel stellen.— Mehrfach wurde in der Debatte auch darüber gc- sprochen, daß sich die Zahlstellen Hamburg und Altona nicht verschmolzen haben, wie es nach einem Wunsche der vorigen Generalversammlung hätte geschehen sollen. ES lvurde behauptet. wenn der VerbandSvorstand m Hamburg mit mehr Geschick für die Verschmelzung eingetreten wäre, daim ivürde sie bereits vollzogen sein, denn grundsätzliche Gegner der Verschmelzung gebe eS nicht.— Was sonst noch an dem VorstandSbericht kritisiert wurde, war rein zeschäftlicher Art. In, allgemeinen erklärten sich die Redner niit >er Tätigkeit dcS Vorstandes einverstanden. Die Debatte über de,, AuSschußbericht berührte nur persönliche und interne VerbandSangelegenheiteii. Die Montagsitzung schloß damit, daß dem Vorstande einstimmig und dein Ausschuß gegen wenige Stimmen Decharge erteilt wurde. Eue Induftric und Handel Steigerung der Lebensmittelpreise. Nach den Zusanmlenstellunge» der»Statistischen Korrespondenz' ind iin April dieses Jahres in, Kleinhandel die Preise verschiedener Lebensmittel gegen den April des Vorjahres teilweise ziemlich er- heblich, auch gegen den Vormonat in 1906 noch weiter gestiegen. Nach den Durchschnittspreisen von 24 größeren Marktorten kostete 1 Kilogramm in Pfennigen: im März im April' 1906 1905 1906 gegen lOüo Rindfleisch(Keule).. 157 144 157 13 .(Bauch).. 134 123 134 11 Schweinefleisch... 173 146 172 26 Kalbfleisch..... 162 144 164 20 Hammelfleisch... 155 140 156 16 gcr. Speck, int... 189 160 190 30 Eßbutter..... 245 244 248 4 Schweineschmalz.. 183 164 181 17 Weizenmehl.... 31 30 31 i Roggenmehl.... 27 25 27 2 Die Preise der vier Getreidearten zeigen gegen den Vormonat tarke Steigerungen, die sich besonders beim Weizen und Hafer auf ast alle Marktorte erstrecken. Die Erhöhungen betrage» beim Weizen: in Posen 12, in Kiel 11, in Stettin 9, in Königsberg i. Pr.. Magde- bürg und Halle a. S. je 7, in Danzig und Stralsund je 6, in Brom- berg, Görlitz und Berlin je 6, in Paderborn und Aachen je 4. in Gleiwitz, Breslau, Hannover, Kassel, Koblenz und Neuß je 2. in Köslin, Hanau und Trier je 1 M.; beim Hafer: in Kiel 17. in Königsberg i. Pr. und Trier je 10, in Frankfurt a. O. 9, iu Görlitz. Koblenz und Aachen je 8. in Danzig 6. in Gleiwitz und Breslau je 5, in Posen. Berlin und Paderborn je 4, in Stettin»md Kassel e 3, in Köslin. Stralsund, Hannover und Neuß je 2, in Magdeburg und Halle a. S. je 1 M.— Die Fleischpreise sind im Durchschnitt der 23 Märkte beim Schweinefleisch um 1 Pf. gesunken, während sie ich beim Kalbfleisch um 2 und beim Hammelfleisch(um 1 Pf. er« höht haben. Recht marTant treten die Preissteigerungen in, Kleinhandel durch vergleich der diesjährigen Aprilpreise mit den Preisen im vierten Monat des Vorjahres in Erscheinung. In den verschiedenen Marktorten gehen die Preise in manchen Artikeln erheblich weit auseinander. So ist zum Beispiel in Hanau ger. Speck am teuersten— 240 Pf.— an, billigsten in Hannover und Danzig— 180 Pf.— Schweinefleisch kostete in Aachen 220 Pf., in Osnabrück und Gleiwitz 15ö Pf., Butter in Gleiwitz 273 Pf., in Bromberg 229 Pf. Weizenmehl kostete in Koblenz und Frank- furt a. O. 37 Pf., in Stettin, Stralsund und Köslin 28 Pf. Für ein Schock Eier muhten gezahlt werden, in Trier 441 Pf., in Köslin 293 Ps. Die Früchte der neudeutschen Zollpolitik reifen. Für die Konsumenten haben sie entschieden galligen Nachgeschmack. Leider war die Bitterkeit erst notioeiidig, damit manchem betörten Wähler die Augen aufgehen über das Spiel, das man mit ihm getrieben, Durch den Geldbeutel werden jetzt besonders die Zentrumsarbeiter darüber belehrt, wie sie sich durch Berufung auf Religion und Kirche haben berauben lassen. Trotzdem findet die„Deutsche Tageszeitung" noch den Mut, die von den Gegnern des Wuchertarifes vorausgesagten Wirkungen zu bestreiten. Sie leugnet Preissteigerungen aus Lebensmittel und ver- weist auf die gute Beschäftigung der Industrie. Daß die Preise er- heblich gestiegen sind, beweisen die obigen Zahlen und daß nicht sofort nach Inkrafttreten der neuen Verträge ein allgemeiner Krach in der Industrie eintreten werde, haben wir schon vorher betont, auch die Ursachen dafür angegeben. Wenn die jetzt bestimmenden Momente der Weltkonjunktur nicht mehr wirksanr sind, wird die ver- arbeitende Industrie die volle Wucht der verschlechterten neuen Ver- träge zu kosten bekommen. Die Schraube. Weil das Rohmaterial teurer wurde, setzten die Halbzeughersteller die Preise hinauf und die Preise der Walzprodukte folgten nach. Am Freitag schnellten die Halbzeugpreise nochmals um 5 M. in die Höhe, am Sonnabend folgten die Prägerpreise und an demselben Tage setzte das Düsseldorfer Roheisensyndikat die Preise für Roheisen um 3 M. pro Tonne herauf— weil die Preise der Erzeugnisse sich nach oben entwickelten. Die Halbzeughersteller haben nun.einen Grund, nochmals die Preise anziehen zu lassen. So gehts fort mit Grazie. Wir fürchten, der Bogen ist.bald über- spannt. Eue der frauenbewegunc� Mehr Arbeiteriiinenschutz! Ereignisse wie in Courrisres lassen in Blitzlichtbeleuchtung daS frevelnde kapitalistische Spiel mit Arbeiterleben erkennen. Solche Katastrophen zeichnen in flammend deutlichen Zügen, mit gewitter- schwerer Markigkeit verbrecherischen Egoismus, barbarisch brutale Gleichgültigkeit gegenüber den Geboten der Vorsicht zum Schutze der Gesundheit der Lohnsklaven und Sklavinnen. Das Spiel mit Ge- sundheit und Leben ist keine Einzelerscheinung, es liegt im System begründet. Wo das Kapital nach Beute heischt, dort stellt es auch sich einl Die Berichte der preußischen Gewerberäte für 1904 be- stätigen das. Das große Wort des Reichskanzlers: Deutschland in der Welt voran! bekommt flir uns bei Studium der Berichte eine für Preußen durchaus nicht schmeichelhafte Interpretation. Besonders reichhaltig assortiert ist das gewerberätliche Klagelager in bezug auf die Mißachtung der zum Schutze der in gewerblichen Anlagen beschäftigten Arbeiterinnen. Die Bestimmungen, wonach Frauen in gesundheitsschädlichen Betrieben nicht beschäftigt werden dürfen, werden in der ungeniertesten Weise umgangen. Vom Standpunkte der Hygiene ist vieles verbesserungsbedürftig, obgleich— nach den Berichten— schon hier und da gute Fort- schritte zu verzeichnen sind. Betriebe, hauptsächlich solche, welche in- folge ihrer Beschaffenheit die Reinigung des Körpers nach beendeter Arbeit erfordern, haben Anregungen folgend Badeeinrichtungen an- geletzt. Einzelne Fabriken sind vorhanden, welche auch den An- gehörigen der dort Beschäftigten das Baden erlauben. Ans anderen Gegenden wird jedoch angeführt, daß trotz eifrigen Bemühens seitens der Gewerbeaufsicht die Anlage von Badeeinrichtungen nur langsam vorwärts geht. Hier sind die Leute auf die Volksbadeanstalten angewiesen, welche aber verhältnismäßig wenig von der Arbeiterbevölkerung in Anspruch genommen werden. Verbesserungen resp. Neueinrichtungen von Wasch- und Umkleide- räumen haben in verschiedenen Bezirken angeordnet werden müssen. Geradezu ruchlos wird in vielen Fabriken mit der Gesundheit der Arbeiterinnen umgegangen. In Berlin mußte in einer Parfümeriefabrik ein Gasschncllheizer entfernt werden, weil die Arbeiterinnen an Leuchtgas- und Kohlenoxydgasvergiftung erkrankt waren. Bei Arbeiterinnen einer Glühkörperfabrik, welche beim Ab- brennen der Glühstrümpfe rote Gläser als Augenschutz benutzten, stellten sich Kopfschmerzen und Schwindelanfälle ein. Das rote Glas wurde mit gutem Erfolge durch graugrünes ersetzt. Gegen die Bronzestaubentwicklung in LuruSpapierfabriken mußten, um den Gefahren für die Gesundheit zu begegnen, bielfach Anordnungen getroffen werden. Maschinen gelangten zur Einführung, welche weniger Staub auswirbeln lassen, als bei Hand- arbeit geschieht. Außerdem wurden Bestimmungen erlassen, wonach Mädchen unter 10 Jahren nicht mit Bronzierarbeiten beschäftigt werden dürfen. Vom Unternehmer müssen Uebcrkleider gehalten werden. Für die Kleider, welche die Arbeiterinnen während der Arbeit ablegen, müssen gutschließende Schränke vorhanden sein. Für ausreichende Wasch- und Badeeinrichtungen soll Sorge getragen werden. Speisen dürfen nur in Extraräumen aufbewahrt und verzehrt werden: Ferner ist den beim Abstauben und Bronzieren Beschäftigten täglich zweimal je Vz Liter Milch zu liefern. Im Bromberger Bezirk mußten verschiedentlich Besitzer von Werkstätten, z. B. Buchdruckercien, Seltcrwasserfabriken, veranlaßt Werden, ihren Betrieb in gesunden Räumlichkeiten unterzubringen. Im Regierungsbezirk Schleswig wurde in 367 Anlagen auf Ab- stellung gesundheitsschädlicher Mängel hingewirkt. Aus anderen Be- zirken Ivird berichtet, daß in Konfektionswerkstätten wiederholt gegen übermäßig starke Besetzung der Arbcitsstuben mit Arbeiterinnen ein- geschritten werden mutzte. Eine Putzfederfabrik war mir zwanzig Arbeiterinnen in einem 72 Kubikmeter großen Raum unter- gebracht. In den Lumpensortiercrcicn der Gummersdorfer Kunstwollspinnerei, welche hygienisch verdächtiges Material verarbeiten, wurde vor dem Essen neben der gründlichen Handwäsche Desinfektion verordnet. In Fischverarbeitnngsbetrieben mußten auf Anordnung die Frauen vor Nässe geschützt werden. Zahlreich sind auch die sonstigen Maßnahmen, welche zur Ver- besserung der AnfenthnltSbedingungen in den Arbeitsräumen zu treffen nötig waren. Notausgänge oder besondere Notleitern zur Sicherung der Arbeitenden bei Fcuerszefahr wurden verschiedentlich angeordnet. Gar vieles ist über ,ffür Frauen ungeeignete Be- schäftigung" vermerkt. Im Landespolizeibezirk Berlin wurde die Beschäftigung von Arbeiterinnen in der Metallbrennerei einer chemischen Fabrik be- anstandet. Eine Arbeiterin mußte aus einem Kesselraum entfernt werden, weil sie, entgegen der Vorschrift der Genehrnigungsurlunde, die Wartung des Dampfkessels besorgte. Die angeführten Monitas sind selbstverständlich mir einzelne Bilder anS der Fülle der beklagten Mißstände und doch ist schon «sichtlich, wie vieler Anordnungen eS bedurfte, um Besiernngen herbeizuführen, die Anlagen mit den Vorschriften in Einklang zu bringen! Das profithungrige Unternehmertum gibt selten etwas ans freien Stücken, es muß ihm alles abgerungen werden. Obwohl in einzelnen Fällen Arbeiterinnenheime als Vorteil für allein stehende Mädchen betrachtet werden müssen, haften ihnen im allgemeinen doch zu sehr die Merkmale der Wohltäterei mit Beschränkung der Selbst- bestimmung an. um kritiklos belobt zu werden. Solche Heime müßten der Selbstverwaltung der Insassen unterstehen. Jedenfalls gib: der Bericht der Gewerberäte erneute wuchtige Argumente an die Hand, die Regierung der unzulänglichen Fürsorge anzuklagen. Aber er ist auch eine dringende Mahnung sür die Arbeiterinnen, durch Betätigung in der moderne» Arbeiterbewegung selbst auf die Gestaltung der Verhältnisse einzuwirken. _ W. Charlottenburg. Am Mittwoch, den 16. d. M., hält der hiesige Frauen- und Mädchenbildungsverein im Volkshause, Rosinenstr. 3, abends 8'/3 Uhr seine Monatsversammlung ab. Herr Simon Katzenstein spricht über„Frauenarbeit und Kulturentlvickelung." Pflicht eines jeden Mitgliedes ist es, in der Versammlung zu er- scheinen. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste, Männer und Frauen willkommen. Steglitz. In der am vergangenen Mittwoch sehr gut besuchten Frauenversammlung des hiesigen Bildungsvereins referierte Herr Störmer über:„Die Gleichberechtigung der Frau in Theorie und Praxis". Zum Schluß forderte Redner auf, die Frauen- organisation nach Kräften zu unterstützen, die„Gleichheit" zu lesen und eisrig zu sein bei der Werbung neuer Mitglieder. Dadurch sei es den Frauen möglich, ihre Gleichberechtigung zu erlangen. An den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag knüpfte sich eine längere Diskussion. Sodann fand Aufnahme neuer Mitglieder statt und war auch ein gutes Resultat zu verzeichnen. Gleichzeitig den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die regelmäßigen Versammlungen jeden zweiten Mittwoch im Monat stattfinden. Tempclhof, Mariendorf. Marienfelde. Mittwoch, den 16. d. M., abends 8Vz Uhr, hält der Frauen- und Mädchenbildungsverein seine regelmäßige Versammlung in Tempelhof bei Martin Müller, Berliner- straße 4l, ab. Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin Frau Marie Thiel über:„Der Zweck des Frauen- und Mädchenbildungsvereins." 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Gäste sind willkommen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Gerichte-Zcitunci. Die sozialdemokratische Agitationskommission für die Provinz Brandenburg vor dem Kammergericht. Genosse Stadthagen mar wegen Uebertretung der ßß 2 und 13 des Vereinsgesetzes angeklagt worden, weil er einige neue Mitglieder der Kommission- nicht binnen drei Tagen nach ihrem Eintritt in die Kommission polizeilich angemeldet hatte. Er wurde als Vor- steher angesehen. Angeklagter bestritt hauptsächlich, daß die Kommission ein Verein und er ihr Vorsteher sei. Er wurde in erster und zweiter Instanz freigesprochen. Allerdings erklärte das Landgericht die Kominission für einen Verein, indem es dazu etwa folgendes ausführte: Nach der feststehenden Judikatur bilde einen Verein im Sinne des öffentlichen Rechts jede nach außen als Einheit austretende, auf einem Vertrage beruhende Mehrheit von Personen zur Erreichung eines gemeinsamen Zweckes mittels Unter- ordnung unter eine organisierte Willensmacht. Alle diese Voraus- setzungen seien bei der Agitationskommission(die aus 11 Mitgliedern besteht) gegeben. Die Zahl reiche aus. Die Kommission sei ferner ge- gründet worden, damit die einzelnen Teilnehmer durch ihren Zusammen- schluß den allen gemeinsamen Zweck, die sozialistische Propaganda auf dem Lande und in den kleinen Städten der Provinz Brandenburg zu fördern, wirksamer erreichen. Und wenn auch die einzelnen Mitglieder der Korn- mission von den verschiedenen in Bettacht kommenden Wahlvereinen oder Wahlkreisen von Berlin und Umgebung hineindelegiert(ernannt, gewählt) worden und mit der Erfüllung jenes Zweckes betraut worden seien, so beruhe der Zusammenschluß zur Kommission nicht nur auf dem Willen derjenigen Organe, die die Kommission begründet und ihre Mitglieder ernannt hätten. Sondern der Zusammenschluß beruhe gleichzeitig auf einem Vertrage, den die ersten Mitglieder stillschweigend dadurch geschlossen hätten, daß sie die von ihren Wahlkreisen ausgehenden Ernennungen annahmen und nun unter einander über die Art ihres gemeinsamen Wirkens, insbesondere Zeit und Ort der Zusammenkünfte, Kasienführung, Herausgabe der Schriften(Fackel— Märkischer Volksbote) sich einigten. Unerheblich sei hier, daß die Ernennung neuer und die Abberufung alter Mitglieder von dem Willen der Kommission unabhängig ei. Schon bei ihrem ersten Zusammentritt seien die Mitglieder der Agitationskommission darüber einig gewesen, daß Erwerbung und Verlust der Mitgliedschaft allein von den zuständigen Wahlkreisen abhängen solle, seien also bereit gewesen, jeden von den Wahlkreisen ernannten Parteigenossen in ihre Mitte aufzunehmen usw.— Aus verschiedenen Umständen folgerte das Gericht, daß die Kommission nach außen als Einheit hervortritt: z. B. durch Herausgabe der„Fackel", des„Märkischen Landboten", Abgabe einer Referentenliste. owie Führung der Kasse, Aufstellung der Jahresrechnung, Erledigung der an die Kommission kommenden Briefe durch ein damit betrautes Mitglied. In der Kommission sei auch ein die Einzelmitglieder bindender einheitlicher Wille vorhanden ge- Wesen, denn ohne ihn hätte eine solche Ordnung des Geschäfts- ganges auf längere Zeit nicht möglich sein können. Dieser Fest- stellung stehe nicht entgegen die Tatsache, daß die Mitglieder der Kommission nicht dieser, sondern dem sie ernennenden Wahlkreise für ihr Wirken rechenschaftspflichtig seien, daß die Kommission keine bindenden Beschlüsse fasse und daß jedem Mitgliede von seinem Wahlkreise das Gebiet seiner Tätigkeit zugewiesen werde. Sei aber die Agitationskon, mission ein Verein im Sinne des öffentlichen Rechtes, so sei sie auch ein solcher im Sinne des Z 2, der auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken bezwecke, da sie die sozialistische Propaganda fördere und.dadurch auf die Verwaltung und Gesetzgebung einen Einfluß ausüben wolle. Ihr Leiter wäre also verpflichtet, dem Polizei- Präsidium binnen drei Tagen nach dem Eintritt eines neuen Mit- gliedes die im Z 2 vorgeschriebene Mitteilung zu machen. Der An- geklagte sei aber gleichwohl freizusprechen, weil er tatsächlich keine leitende Stellung in der Kommission eingenommen habe. ivenigstens in den letzten Jahren nicht, und deshalb kein Vorsteher im Sinne des§ 2 des Vereinsgesetzes sei. Die Staatsanwaltschaft legte Revision beimKammer- gericht ein. Der Oberstaatsanwalt nahm an, daß bei Vereinen, wo eS Vorsteher nicht gebe, die Gründer die Pflichten aus dem§ 2 des Gesetzes zu erfüllen hätten. Dieser Ansicht sei auch Delius. Der Angeklagte Stadthagen verwies demgegenüber auf die tat- sächlichen Feststellungen und trat solcher Auffassung auch durch RechtsauSführungcn entgegen. Er beantragte, die Revision zu ver- werfen und auch die außergerichtlichen Kosten der Staatskasse auf- zuerlegen. Letzteres wäre erforderlich, weil überhaupt keine Straftat vorliege, denn die Kommission sei gar kein Verein. In längeren juristischen Darlegungen ging der Angeklagte auf diese Frage ein. Besonderes Gewicht legt er darauf, daß die Agitationskommission niemand aufnimmt, niemand aufnehmen kann, sowie sie niemand ausschließt, niemand ausschließen kann. Die Mit- glieder der Kommission seien lediglich Vertreter, lediglich Boten der einzelnen Wahlvereine bezw. Wahlkreise. Von ihnen empfingen sie ihre Aufträge, ihnen nur seien sie Rechenschaft schuldig. und die Kommission fasse keine bindenden Beschlüsse. Alles das stehe fest. Deshalb könne hier von einer besonderen organisierten Willensmacht der Kommission nicht die Rede fem.— Angeklagter verwertete ferner gegen die Auffassung, daß die Kommission ein Verein sei. die Bestimmungen des B.-G. in den§8 54 und 70S ff.. und trat einer ausdehnenden Auslegung des 8 2 des Vcreinsgesetzes entgegen. Das Kammergericht hob gestern das Urteil des Land- gerichts auf und verwies die Sache mit folgender Begründung an das Landgericht zurück: Was die Staatsanwalischaft über Vorsteher und Gründer sage, indem sie sich auf den Kommentar von Delius beziehe, treffe hier nicht zu. Das beziehe sich auf die Zeit zwischen der Gründung eines Vereins und der noch nicht erfolgten Wahl des ersten Bor- standes. Aus einem anderen Grunde sei aber der Revision der Staatsanwaltschaft stattzugeben und die Sache an das Landgericht zurückzuverweisen. Das Landgericht scheine den Begriff des Vor- stehers im Sinne des 8 2 nicht richtig erkannt zu haben. Es spreche davon, daß Angeklagter keine führende Stellung, keine leitende Stellung gehabt habe, nicht mit der Leitung be> traut gewesen sei. Ein Vorsteher, ein Vorstands, mtglied im Sinn« des 8 2 brauche aber gar keine leitende S tellung einnehmen. Zu den Vorstehern(dem Vorstand) gehörten am h die Vorstandsmitglieder, die keine leitende Stellung inne h< itten.— Daß ein Verein vorliege, sei„tatsächlich festgestellt", die d ägegen gerichteten Bedenken des Angeklagten könnten darum in dcir Revisionsinstanz nicht beachtet werden, sondern nur in der Vorst qianz.— Auf das Bürgerliche Gesetzbuch könne nicht zurückaegriff, m werden, denn dieses könne und wolle nicht Fragen des öffentlichen Rechts, wie sie das Vereinsgesetz aufwerfe, treffen.— Auf eirqge Ausführungen, betreffend den 8 2 deS Vereinsgesetzes, sei zu s a>gen, daß danach selbswerständlich kein Vorsteher bestraft lverden könne, der nicht wußte, wer Mitglied geworden oder es nicht uchssen konnte, ab- gesehen von den Fällen eines schuldbaren Versal>ens. Die Sache kommt also abermals zur landgerichtlichen Verhandlung. Ein unvorsichtiger Obersteiger. Auf der Gtrube„Elsa" bei Sandersdorf(Kr. Bitterseld) geriet am Abend de-Z 14. März d. I. der Obersteiger Metz mit dem 60jährigen Nachtir ächter Triebe!— einen Mann, dem der rechte Arm bis zum Ellenbogen fehlte— in Stteit. Der Obersteiger, der mit Triebet Karte g�chpielt hatte, ging in sein Kontor und nahm einen geladenen Revolver, um den Nachtwächter damit zurückzuschrecken. Am Sonnabend stwr der Halleschen Strafkammer wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, erklärte nun der Obersteiger— der Verstorbene kann nicht veden und andere Augenzeugen waren nicht zugegen gewesen— Z nebel habe gegen die Tür getteten und als der Obersteiger die Tür öffnete, sei Triebe! auf ihn losgekommen, habe ihm mit dem rechte« Armstumpf einen Stoß vor die Brust versetzt und mit der linken H>and an die Kehle gepackt. Im Handgemenge habe sich der Revolver entladen und Triebe! sei, in den Kopf gettoffen, zu Boden gestürzt. DaS Gericht sprach den Angeklagten anttagsgemäß frei, da er in der Erregung nicht damit gerechnet habe, daß sich die Waffe eul.laden würde. Versammlungen Die Maifeier in der A. E.-G. Eine Versammlung von Arbeitern des WeiAes Brunnenstraße der A. E.-G. nahm am Sonntag nach langer Debatte folgende Resolution an: „Die am 13. Mai in den„Germaniasälc tt" versammelten Arbeiter und Arbeiterinnen des A. E.-G.-Werkeö Brunnenstraße. welche am 1. Mai nicht gefeiert haben, protestieren auf das ent- schiedenste gegen den Vorwurf, sie hätten ohne weiteres Verrat an der Arbeiterschaft geübt. Die seitens der Obleute lveranlaßte zwei- m a I i g e Abstimmung mittels Stimmzettel, welch, w keine Werkstatt- besprechungen vorausgegangen sind, hat verwirren) auf die Arbeiter gewirkt, urnsornehr als eS seit 16 Jahren, also seit Einführung ocr Maifeier, das erste Mal gewesen ist, daß dieser Fr-ige in den Groß- betrieben nähergetreten wurde. Die übergroße Ittehrzahl der Ab- stimmenden hat' deshalb zweifellos angenommen, eS handele sich gewissermaßen nur um eine Erklärung im. Prinzip. um in den folgenden Jahren desto wirksamer die sfeicr begehen zu können. Die Versammlung protestiert dagegen, daß die Obleute ohne Auftrag der Arbeiterschaft mit der Direktimi in Verbindung traten bezw. derselben mitteilten, die Arbeiterschaft wolle feiern, wo- durch etwas festgelegt wurde, was naturgemäß naht rückgängig ge- macht werden konnte, ohne sich lächerlich zu machan. Die Versammlung ist der Ansicht, daß die im„Swinemünder iflesellschastshauS" ftattgesundene Versammlung, in welcher das Resutldat verkündet und nochmals abgestimmt wurde, nicht kompetent sein kann, da die Zahl der Versammlungsteilnehmer zur Zahl der im Werk Beschäfttgten in einem krassen Mißverhältnis steht. Ferner ist die am 29. April in den.Germaniasälen" abgehaltene Versammlung m>it einer Resolution überrascht worden, welche derart gefaßt war, daß den meisten Punkten derselben jeder Arbeiter ohne weiteres zustimmen mußte, zum Beispiel der Verurteilung des D» iklassenwahlrechtS, der Bluttat der Schutzleute in Breslau, der rusfischen Henker usw. Das Verlange» mehrerer VersammlungSteilnehmar. diese Resolution getrennt zur Abstimmung zu bringen, wurde von der Leitung unbe- achtet gelassen. Die Versammlung protestiert entschieden gegen daS Auftreten des Bevollmächtigten Cohen in der Persammlung der Ausgesperrten vom 7. Mai, in welcher die Arbeiter, die nicht gefeiert haben, als ehrlose und treulose Elemente bezeichnet»>urden. Cohens Verhalten ist in dieser Sache ein so vielseitiges gowesen, daß die betreffenden Arbeiter über diese Aeußerungen thr Uuteil der Objekti« vität der Genossen überlassen können. In der Überzeugung, daß die Organisationsleitung bei der Vorbereitung zur Maifeler schwere Fehler gemacht hat, erklärt die Versammlung, nach l wie vor fest zur Organiiation zu stehen und fordert die Leitung derselben auf, die abgebrochenen Verbindungen mit den Kollegen sostort wieder auf« zunehmen."_ Vermischtes. Schwere Gewitter. Kaiserslautern, 14. Mai. Die ganze Westpfalz wurde gestern. der„Pfälzischen Presse" zufolge, von schweren GewttÄern heimgesucht. Ueber die Sickinger Höhe ging ein Wolkenbruch niei«, der vielfach die Keller und unteren Stockwerke der Häuser unUx Waffer setzte. Das Vieh konnte nur mit Mühe gerettet werden.?der Blitz hat an mehreren Stellen gezündet. In Hagen schlug der Bilitz in die Kirche ein und verwüstete das Innere derselben. Ein Gewitter mit Wolke nbruch ging a rn 9. d. M. im Taubertale über den würtembcrgischen Ort Markels heim nieder. Die mannshohe Wasserflut drang in die Häuser,(schwemmte vier Gebäude fort: ein Metzgermeister fand in den Fluten den Tod. Er wollte sich an einem um den Leib gebundenen Striik in die zweite Etage hinaufziehen lassen; das Seil riß und der Bester seiner neun mutterlosen Kinder verschwand in der reißenden Flui. Die Leiche im Koffer. Der Möbelhändler Wilhelm Meyer aus Meschedy. der als der Mörder der Frau Marie Vogel aus San Francisco g|st, deren Leiche in einem von Meyer einem Frankfurter Spediteur übergegebenen Koffer aufgefunden worden ist. wurde Sonnabend nachmittag mit seiner Begleiterin bei der Ankunft des Dampfers„G«af Waldersee" in Hoboken verhaftet. Die Verhafteten wurden nach New Dork ge- bracht und dem Bundeskontmissar Shields vorgeführt, der den Haft- befehl erlassen hatte. Zu der Verhaftung des Möbelhändlers Meyer wkrd weiter ge- meldet, daß Mayer keinen Widerstand leistete, als ih>r. Handschellen angelegt wurden. Seine Begleiterin, die als seine Gattin in die Schiffsliste des„Graf Waldersee" eingcttagen war, g ab sofort zu, daß sie Christiani heiße und bestürmte den Bundesmarschall Bernhard. der die Verhaftung vornahm, mit allerlei Fragen, a�s ob sie von Meyers Verbrechen nichts wüßte. Von dem Basedower Silberschatz. Nach einer der„Neuen Hamb. Ztg." aus Schwerin zugehenden Nachricht hat sich Sonnabend abend die Fürstin drahtlich dem Untersuchungsrichter zur Verfügung gestellt. Der Untersuchungsrichter beantragte beim Landgericht Güstrow die Unterbringung der Fürstin in eine staatliche Nervenheilanstalt zur Beobachtung ihres Geiste iznstandes. Der„Lokalanzciger" kündigte schon vorher an, daß die Fürstin ofort in eine Nervenheilanstalt gebracht werden soll. S-ie habe er- klärt,„daß sie dem inneren Drange, dies oder jenes blcr.lke Geschirr» stück sich anzueignen, nicht habe widerstehen können". Schon vor Jahren habe Professor Renvers die Fürstin für hochgvadig nervös erklärt. Daß dck Fürst nichts von den Entwendungen gemerkt haben soll, soll darin seinen Grund haben, daß er herzkrank ist. Daß dies so kommen würde, haben viele schon vorausg eahnt, noch ehe der„Lokalanzeigcr" sich um die Herrschaften be».ühte. In- zwischen hat die Staatsanwaltschaft in Berlin im„Kaisinhos" und „Westminfter-Hotel" Rekognoszierungen und Wertbestimnz ungen vor- nehmen lassen. Achtung! 43 Volks Qroß=Berlin am Dienstag, den 15. Mai, abends 8 Uhr. Kerlin. 1. Wahlkreis. Drasels Feslsäle, Neue Friedrichstraße 35. S. Wahlkreis. Zühlke, Dennewitzstraße 13. „ Bockbrauerei, Tempelhofer Berg. „ Sehnegelsbergs Feslsäle, Hasenheide 21. 3. Wahlkreis. Gewerksehaftshaus, Engel-Ufer 15. 4. Wahlkreis. SanssoueK Kottbuserstraße 4a. „ Draclienburg, Am Schleichen Tor 1/2. 4. Wahlkreis. Upps Brauerei, Am Friedrichshain. 5. Wahlkreis. Schweizer Carlen, Am Königstor. 6. Wahlkreis. Fröbels ÄHerlei-Thealer, Schönhaus. Allee 148. Swinemünder Geseilschaflshaus, Germania-Prachlsäle, Chausseestraße 103. Moabiler Gesellscbaflshaus, Wiclefstraße 24. 99 99 99 Referenten: Bloch. Düwell. 6bert. Sichler. Söhre. Srunwald. Vr. Rerzfeld. lohn. Kunert. Ledebour. jWolhenbuhr. Ströbel. CClels. MalMreis Teltow Keeskow Storkow Chnrlottenhnrg. Adlershof. Beyers Geseliscliaflshaus, Bismarckstr. 10. Banmsehnlenweg. Speers Feslsäle, Baumschulenstr. 78. Britz. Wosinskys Landhaus, Chausseestr. 97. Friedenau. Gesellschaftshaus, Rheinstr. 44. Oroß-Flchterfelde. Belsens Reslauranl, Chausseestr. 104. Lankwitz. Links Reslauranl, Calandrellistr. 27. Klein-Besten, i. Puranns Restaurant. Orünan. Duehaulfour, Köpenickerstr. 79. Johannisthal- Rudow- Nieder- ISehöue weide. Krügers Reslauranl, JohaMisthai, Friedrichstr. 10. KöniKS Wusterhausen. Wedhorn(Altes Schützenhaus). Köpenick. Sladl- Thealer. Mariendorf. Borgfeldt, Feldstr. 44. Nowawes. Deutsche Feslsäle, Wilhelmstr. 3. Rixdorf. Heue Welt, Hasenheide. Schmargendorf. Wirtshaus Schmargendorf, Warnemünderst.6. Schöneherg. Obsl'S Feslsäle, Meiningerstr. 8. Steglitz. Birkenwäldehen, Schützenstraße. Tempelhof. Noacks Restaurant, Verlinerstr. 9. Wilmersdorf. Wilhelmshof, Schöneberg, Ebertstr. 80. Zehlendorf. Äugusl Rüler, Schlachtellfee, Neues Gesellschaftshans. Zossen. Ä. Sehimke, Varutherstr. 51. Referenten: Brückner. Bruns. Julius Sohn. Swald. fendcl. fülle. Giebel. Seihard Rildcbrand. pawl Rirfch. Hd. Roffniann. Katzenftein. Kiefel. Küter. frau JMefch. JVIiethke. Rieger. Ritter. Schütte. Chiele-Ralle. vr. Zadeh. Zubeil. Wahlkreis Nieder Sarniw. Bernau. Biysium. Franz. Buchholz. Rähues Feslsäle. Friedrichsfelde. Bube, Prinzen-Allee 30. Karlshorst. Kupscb, Waidschänke. Fichtenherg. Schwarzer Adler, Frankfurter Chaussee 5. Ober-Schöneweide. Wilhelminenhof. Pankow. Feldschlößchen, Verlinerstr. 27. Rnmmelsbnrg. Welgei, Türrschmidtstr. 45. Weißensee. Vereinshaus, Charlottenburgerstr. 150. Referenten: Hntnch. vr. Bernstein. Vr. Reinrich Braun, frau Lily Braun, frau Jeetze. Mall, paetzel. Störmer. Mermuth. Tages-Ordnung: . Der preussische Volhsschulgesetzenwurf. , 2. Diskussion. Zahlreiche Beteiligung aller Parteigenossen und Genossinnen sowie schärfste Agitation für den Besuch der Versammlungen erwartet Der Zentralvorstand. Städtisch Arbeiter! Freitag, den 18. Mai 1906, abends Pünktlich SV, Uhr, in„Kellers Festsiilen", Koppcnstr. 89: Gr. protestversammlung aller in den Betrieben der Stadt Berlin beschäst. Arbeiter, Handwerker usw. Tagcs-Ordnung: Das ablehnende Verhalten der bürgerlichen Stadtverordneteu-Uehrheit gegenüber den Arbeiterfordernugeu. Referent: Reichstags-Abgeordneter Fl'itz ZllbeiL Freie Aussprache für jedermann!== Sämtliche Stadtverordneten sind schriftlich eingeladen. Nnchimd städtischer Arbeiter, Filiale Grost-Zerlin. Emil Dittmer, Alte Jakobstraße US. fluf zur Versammlung am 18. Mai! 293/17 Achtung! Achtung! Mcknimi! der Wmer Wstzmillj " �ii-eiirvvreliK»«rlln.>> Freitag, den 18. Mai, abends 8V2 Uhr, im großen Saale des GewerkschaftShanseS: General-Bersammlnng für sämtliche Bezirke nnd Zahlstellen der Maurer sowie der Sektion der Putzer nnd der Gips- und Zementbranche, gleichzeitig der Gruppe der Fliesenleger. TageS-Ordnung: l. Abrechnung vom ersten Quartal. 2. Berichterstattung von der am 24. April stattgesundencn Bautenkontrolle. 3. GcwcrtschastlichcS.. 143/15* MV** Mitgliedsbuch legitimiert."TOB„ Regen Besuch erwartet Klei» Slrvvtevvreln.voi'.tsnck. F. A.: E. Thöus. 10822* Vo>'«'«rlteine«»tvllv Berlin. Haupt-Bureau: Engel-User IS. Zimmer t-S. Fernsprecher: Amt IV. 9679. _ Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. Achtung 1 Schlosser! Achtung! Mittwoch, de» 16. Mai, abends 8'/z Uhr, in der Brauerei Friedrichshain(Lipps), am Königs- Tor: Allgemeine Versammlung der Schlosser Berlins und der Umgegend. TageS-Ordilung: 3eriehi über den neuen Tarif. Metallarbeiter! Mittwoch, den 16. Mai 1906. abends 8'!, Uhr, im„Karlsgarten«, Inhaber: O. Heiclaus, Rixdors, Karlsgartenstc. 6—10: Bezirks-Versammlung sür Rixdors und Umgegend. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen 9. M. Grempe über:.Modernes Verkehrswesen«. 2. Diskussion. 3. Bericht der Kartelldelegierten. 4. Diskussion. 5. VcrbandSangclegenheite» und Verschiedenes. T/n» zablrelcbes Erscheinen wird ersnebt. UND Norort-Ktbliothekeu. JltrtivSttt" Ausgabe vo» Bibliotheksbüchern findet �-tUNUtts Mittwochs von 8—9 Uhr und Sonn- abends von 8— 19 Uhr abends bei G. Gundlach, Waldenser- straße 24, statt._ tiiftiVithiVIt DieAuSgabe von Bibliotheksbüchern findet C? slUUUUUs Montags und DounerStagS abends von 7— 9 Uhr bei Gustav Rührmund, Falkenhagenci-str. 63, vorn 2 Treppen statt._ Charlottenlmrg. � Montag, vo» 8—19 Uhr abends, bei Pasche, Potsdamer- straste 44, statt. 119/4 Bio Ortsrcrwaltanff. Gewinn- Ki o s e der Königlich Preußischen Lotterie zahle sofort ans. 122/13* Heinrich Krön, Bank- u. Lotterie- Geschäft, Alexandcrstraße 54. Selbstmord jeder, welcher sieh hei Heu- ansehallung i Rerrengarde- robe nicht an das Spezial- Berren-Bekleidungs-Geschäft fertig ujaeb Maß, von J. Burzberg, in der Jannowitzbrüelte 1, wendet Es ist dies kein Waren-Krei- Baus, und man erbdlt dort beste Ouaiitäten bei billigen Preisen ge- von 1 Mark an. m iwsssssm Tokio- Strohhüte mit angebogener Krempe. 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Der Gauvorstand. I. A.: Hugo Lemser. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein. Achtung! IM Hl Achtung! Zahlstelle Berlin. Mittwoch, den 16. Mal. abeudS«'/, Uhr. in GraumannS.Festsiilen«. Nnunyn-Straste Nr. S7: Mitglieder-Bersammlimg TageS-Ordnung: t. Vortrag. Resrrent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Diskussion. 3. VerbandSangelcgenheit und Verschiedenes. UWW-«N.te«illkoinn>en.-WK DaS bestimmte und pünktliche Erscheinen aller Mitglieder erwartet 100/15 Die OrtSverwaltung. �Hygienische ___ T.______ cuoat. natalog m Emplelil.Tiel.Acrzte u.Prof. grat.« kx ». Onger. OammiwaienJibrik Barlin NW.. Friedrich.tru*." Dr. Schiinemann Spezial-Zlrzt für Bant- nnd Uarnlelden, Franenkrankhciten. Friedrichstr. 203, Ecke Schützenstr- 10— JJ. 5—7, Sonnt. 16—1» Uhr. liiiillsmgeii-Itiililielie nur Rene«önigftr. 4», 1 Treppe. Ecke Me Schützenstr., a. Alexanderplatz. Klndern-ngen, KindereportwaBen, Bettstellen pp. kaufen Sie nicht, bevor Sie meine Kataloge gesehen haben, gratis u. franko. 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Die einleitenden Worte.hier zeige eS sich wieder einmal," gelten mir.nicht und sind auch keine Redewendung, die von mir gebraucht wanden. Dax der Parteivorstand sich mit seiner Erklärung, soweit sie die A. E.-G., Sirunnenstrahc, angeht, hinter der Gewerkschaft der- steckt, habe ich gesagt, und daS halte ich auch aufrecht. Nun habe ich dies aber nicht erst drei Tage»ach dem 4. Mai in einer Versammlung gesagt, sondern bereits am S. Mai früh, als ich mir die Abschrift der Erklärung deS Parteivorstandes aus dem Parteibureau holte, habe ich dem Genossen Gerisch persönlich ge- sagt, da» ich in der Erklärung deS Parteivorstandes ein Sichverstecken der Partei hinter die Gewerkschaft erblicke. Nachdem nun einige der beteiligten Gewerkschaften zu der An- geleqenheit in der Brunnenstratze Stellung genommen haben, zeigt eS sich, dafe kaum ein anderer Weg. als der von mir dem AktionS- ausschusi vorgeschlagene, übrig bleibt, um zu einer Regelung zu kommen. Eine gewerkschaftliche Organisatton hat beschlossen, diejenigen, die trotz entgegenstehenden Beschlusses gearbeitet haben, aus- zuschließen.________________ Eine andere beteiligte Gewerkschaft hat das Gegenteil be- schlössen. Wie könnte es unter solchen Umständen wohl etwas BesiereS fjeben als zur Untersuchung der ganzen Angelegenheit ein gemein- ames Vorgehen für Partei und beteiligte Gewerkschaften. Wir wollen uns nicht hinter die Partei verstecken aber umgekehrt soll es auch nicht sein. Zu der Erklärung deS AktionSauSschuffeS möchte ich folgendes bemerken: Zwar gehören die Ausführungen des Aktionsausschusses durchaus nicht zu der Angelegenheit A. E.-G. Brunnenstraße. Da aber wie es scheint, im Aktionsausschuß daS nicht begriffen wird, will ich mir weiter keine Mühe geben, dem Aktionsausschuß das auseinanderzusetzen. Ob der Zentralvorstand von Berlin jederzeit bereit war, die wegen der Maifeier Ausgesperrten sofort mit Parteimitteln zu unter- stützen, weiß ich nicht. Gesagt hat man es mir auch nicht. Daß der Zentralvorstand die Handlungsweise derjenigen, die am 1. Mai trotz entgegenstehenden Werksbeschlusses gearbeitet haben, verurteilt, glaube ich gern. Möchte auch den Parteigenossen einmal sehen, der das nicht tut. Also von Dingen, die ich nicht weiß, kann ich nichts erzählen und deshalb auch nicht ins Gegenteil verwandeln. Wohl aber kann ich den Beweis dafür erbringen, daß im Aktionsausschuß Leute sitzen, welche das, was sie gestern gesagt haben, heuve verleugnen. Die mir hiervon gewordenen Proben waren nicht gerade von Pappe. Ob das eine ehrliche Kampfesweise ist, kann ich getrost dem Urteil der Oeffentlichkeit überlassen. Mr die Richtigkeit meiner Behauptung kann ich jederzeit Bt« weise erbringen. Berlin, den 14. Mai ISOS. Adolf Cohen. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Marktballen-Direktion. Rindfleisch l» 6St~66 pr. 100 Pfund, üa 51—62, lila 49— 62, IVa 40—46, engl. Bullen» 00—00, dän. Bullen- 00—00, Holl. Bullen- 00-00. Kalbfleisch, DoppeNSnder 105—120, la 80-90, Ha 66-78, lila 52-64. Hammelfleisch la 62-72, lla 56-82. Schweinefleisch 58—64. Kaninchen 0,25—0,70. Hühner. alte. Stflck 1,70—2,50, junge, per Stück 0,65—0,75. Tauben, junge 0,48-0,38, alte 0,00. Enten, junge, per Stück 0,00—0,00, Hamburger per Stück 2,50 bis 3,60. Gänse, junge, per Pfd. 0,90, per Stück 0,00—0,00. Hechte 76—90. Schleie 87—108. Bleie 0,0, matt 21— 23. Aale, grok 105— 113, mittel 105—115, Nein 70—74, uns. 81—100. Plötzen 39. Flundern, pomni. I, P- Schock 3,00—6,00. Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel, per Kiste 2-4, do. Nein, per Kiste 00—00. Bücklinge, Holl, per Wall 0—0,00. Kieler 1—3, Strals. 2,50—3,60. Aal«, groß, P.Psd. 1,10—1,30, mittel 0.80—0,90, N. 0,50 bis 0,60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 1—1,50, Elb. per Kiste 0,00—0,00. Sardellen. 1902er. per Anler 76,00, 1904er 74.00, 1905« 70,00. Schottische Vollheringe 1905 00-00, largo 40-�4, füll. 36-38, med. 33-35, deutsche 37-41. Heringe, neue Matje», per'/, Tonnen 60—120. Hummern, Ha, 100 Psd. Ob— 00. Krebse, per Schock, große 00, mittelgroß 9—19,50, kleine 5,00 bis 5,50, unsort. 9,00—15,50. Eier, Land«, per Schock 3,00, frische 3,75. Butter per 100 Psimd, la 113, IIa 108—112, lila 106—108, abfallende 105—108. saure Gurken, Schock 3,50—4 M., Psefttrgurken 3,50—4 M. Kartoffeln per 100 Psd. mag-n. bon. 2,10—2,35, rate Dabersche 2,00—2,20, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl, Holl., per Schock 0,00— 00,00. Weiß. kohl, dän., per Schock 7,00—9,00, Rotkohl, Holl., per Schock 00,00—00,00. Grünkohl, per 100 Psd. 00—00. Rüben, weiße 00— 00, Teltower 00—00. Kohlrüben, per Schock 2,50-4,50, Holl. 5-6, LEIPZIG ER 5TRA5 5 E Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag ALEXANDERPLATZ Soweit der Vorrat reicht Einmaliges Angebot für Conserven aassergewöhnllcli preiswert! 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Pflaumen.,.?�>.i'/>Dose58 Pf.'/.Dose 34 Pf. i Fleischwaren Prima Cervelat in Rindsdarm Pfund l30 Prima Salami in Rmdsdam Pfund I30 Prima Rotwurst geräuchert Pfund 48 Pf. Prima Landleberwurst la Pfund 85 Pf. Prima Zwiebelleberwurst Pfund 60 Pf. Feinste Aufschnittsülze i Pfund-Dose 82 Pf. Sülz-Cotelettes Dose mit 2 Stück Inhalt 1°° Gebrannter Kaffee � Mischungen per Pfund 80 Pf. 90 Pf. 40 mir haben den(Jerkauf dtr beliebten Schweizer• Schokolade• Zürcher in Mein. Corquettes, Rapolltains und anderen flusskattungen. übernommen Schneidermeister Berlin SO, Ä am Kottbnscr Tor. Spezi al-Hans feiner Herren- und Knaben- Garderobe fertig und nach Maß. Elegante Sommer-Paletots Jackett-Anzüge.. Rock-Anzüge... (iehrock-Anzüge. Haus-Joppen... Berufskleidung für alle Gewerke. Kur Sigen-Konfektion. � I8S0 n I7S0 „ 26- . 32S0 . 6- Dr. med. A. Smith'schss Ambulatorium für Herz- u. Nervenkranke] Berlin W. 2, Potsdamerstr. 52. 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Wir ersuchen die Kollegen, nach diesem Betriebe keine Arbeit anzunehmen. Die Streikleitung. veulsever Holzarbeiter- Verband. Wegen Streik und Lohndiffcrenze» find gesperrt: Für Tischler. Polierer und Ma- schinenarbeiter Ikraaae ddchulz, Frankfurter Allee 28, Ocbr. Aienktrch, Langestr. 10. Siegfried, Mainzerstraste, Meyer, Hcitchen& Ko., Memelerftraste. Für Drechsler, Tischler- Stellmacher. Polierer, Malchinenarbciter und Bildhauer Treppengcländcrfabrik dosepb Drechsler, Gubenerstr. 3.1, Nähmaschinenfabrik Frister& Rossmann, Skaliverstraste. Für Stellmacher 85/1 sämll. Stellmachcrwcrkstätten, Wagen- fabrikcn und dto. Drehrollenfabrik Fldn.Wastmaniistrafte. Motor- wagensabrik Ciottschalk, in Reinickendorf. Für Bürstenmacher Ctrhbert, Ritterstraste 107. und der JnnungsnachweiS. Brunnen- strafte ISt. Für Polierer Lemke, Aiidrcasstrastc. Für Einsetzer sind gesperrt die Bauten der Wolgaster Holz- industrie: Tauroppcnerstraste, Bau Biirow. Rixdvrf, Trinkhallen. Birchow-Kraiikenhaus. Doriiburgstraste, Bau Eichner. Zuzug ist streng feruziihalien. Tie OrtSvcrwaltnug des Holzarbcitcrvcrbandes. (Zahlstelle Berlin). Folgende Firmen babcn, weil das Personal pach der Beendigung der Aussperrung nicht reumütig und bedingungslos in die Bcttiebe zurück- kehrte, weiter respektive erneut aus- gesperrt: G. WUbben& Co., Wilhelm- sttaße 9. H. Sperling, Friedrichstt. 16. 1). Bicisteiii. Fricdrichslr. 16. Liidcritz& Bauer, Mauer» sttaße 80. Frltscke-Baninbach, Ichö- nebcrg, Bahnstraße. B. Bei«. Lützowstr. 107/3. II. Schubert, Wilhelmstr. 121. C. Mctschkc& Co., Zimmer- sttaße 94, A. Schoß, Puttkamersttaße 19. A. Schoß, Dessauerstraße. Schneider& Zicglcr, Riiterstt. 76. Rickinann. Wilhelmstr. 121. Xauckfche Buchdruckerei, Stall- schreibersttaße 5. Ad. Lndn lg, Elisabeth-Ufer 5/6. Fleolr Xachf.. Lützowstr. 87. Kämmerer, Kochstr. 67. Lenz& Co., Buchdruckcrci, Holzmarktstraße 4. ■»Verner, Lindenstraße 3. C. F. Walter, Wallstr. 16/17. Bich. Gahl, Ehausscestr. 2e. Diese Betriebe sind gesperrt! Vor Arbeilsannahme wird gewarnt! Zuzug ist streng fernzuhalten! Die OriSverwaltung. JnseratenteÜ verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. III. 23. Jahrgang. 3. WM Ks.Awiirls" Wlmr WMM Dienstag, 13. Mai IM. Partei- Angelegenheiten. Gegen das Schulverpfaffungsgesetz! Achtung! Am heutigen Dienstag, den 13. Mai. 8 Uhr abends, finden in Grofi-Berlin, die im Inseratenteil augezeigten Volksversammlungen statt. Wir crwartcu, daß alle Genossen nnd Genossinnen sich nicht nnr beteiligen, sondern anch für zahlreichen Besuch agitieren, damit die Bersammlnngen sich zu einem energischen Protest gegen den reaktionären Bolksschulgesctzeutwurf gestalten. _ Der Zeutralvorstand. Adlershof— Alt-Glienicke. Heute, DienStag abend, findet bei Beyer, Bisniarckftr. 10, eine Volksversammlung statt, welche sich mit dem yon der Regierung im preußischen Landtag eingebrachten Volks- schulgesetzentwurf beschäftigt. Wir ersuchen die Parteigenossen für starken Besuch der Versammlung Sorge zu tragen. Weißcnsee. Die Protestversammlung gegen das Schul- verpfaffungsgesetz findet im Vereinshause, Charlottenburgerstr. ISO, statt. Genossen, sorgt für zahlreichen Besuch! Mariendorf. Marieufelde und Lichtenrade. Zu der heute abend 8 Uhr in Mariendorf, Feldstr. 44, einberufenen Protestversammlung werden die Genosseii genannter Orte nochmals aufgefordert, lebhaft zu agitieren. Die Frauen sind besonders eingeladen. Pankow. Zil der heute abend Vqö Uhr stattfindenden Ver- sammlung im„Feldschlößchen", Berlinerstr. 27, werden die Partei- genossen, welche noch mit Maibilletts, Sammellisten usw. abzurechnen haben, ersucht, das Material zwecks Abrechnung mitzubringen. Der Vorstand. Obcr-Schöneweide. Heute Dienstagabend 8'/, Uhr findet im Schloßpark Wilhelminenhof die Protestversammlung statt gegen den Entwurf deS preußischen Volksschulgesetzes. Die Genossen und Genossinnen werden aufgefordert, sich recht zahlreich daran zu beteiligen._ Berliner JSadmebtem Stadtschulrat Gcrstenberg ist dem Schlaganfall, von dem er in der vorigen Woche getroffen worden war. nun doch erlegen. Die Hoffnung, daß er die Folgen des Anfalles überwinden werde, hat sich leider nicht erfüllt. Auf die Besserung seines Befindens, die in den letzten Tagen bemerkbar geworden war. folgte eine neue Verschlimmerung, und am Sonntag- abend ist Gerstenberg durch den Tod erlöst worden. Stadtschulrat Gersienbergs Tod bedeutet einen schmerzlichen Verlust für die Gemeindeverwaltung unserer Stadt. Gerstenberg stand an Fähigkeiten zurück hinter seinem Amtsvorganaer Bertram. Doch er brachte den ehrlichen Willen mit, die ihm gestellte Aufgabe einer zeitgemäßen Ausgestaltung des Berliner Schulwesens, des Elementarschulwescns samt dem Fort' bildungöschulweseu, nach bestem Können zu lösen. Als er vor fünf Jahren zum Stadtschulrat gewählt wurde und sein Amt übernahm haben wir keinen Hehl daraus gemacht, daß wir nicht viel von ihm erwarteten. Aber wir bekennen heute gern, daß er unsere Er Wartungen übertroffen hat. Er hat mit Eifer daran gearbeitet, das Berliner Schulwesen aus der Stagnation hinauszuführen, in der sein alt und eigensinnig gewordener AmtSvorgänaer eS hinterlassen hatte. Der lieber gang zunl Achtklassensystem der Gemeindeschule war vor- berettct, als Gerstenberg sein Amt antrat. Aber die Durchführung deS Planes fiel ihn, zu, und es muß anerkannt werden, daß er sie nach Kräften beschleunigt hat. Den Versuchen gewisser„Schul freunde", eine Rückkehr zu der Bertramschen Idee eines Sieben- llassensystems zu erzwingen, leistete Gersteuberg Widerstand, soweit einen: Stadtschulrat Widerstand gegen die Wünsche einer freifinnigen Stadtverordneteumehrheit möglich ist. Die Einführung der Pflicht- Fortbildungsschule ist Gerstenbergs Werk. Noch ist es im Werden nnd Wachsen, und erst die nächsten Jahre können zeigen, welchen Segen es bringt. Dem Stadtschulrat Gerstenberg war eS hier nicht beschieden, die Früchte seiner Arbeit reifen zu sehen. Die ErweiterungSstrecke der Untergrundbahn Knie— Wilhelmplatz ist gestern früh eröffnet ivorden. Der Verkehr Isar auf der Strecke Warschauer Brücke— Potsdamerplatz— Wilhelmplatz(alle nach Wilhelm platz fahrenden Züge werden nämlich über den Potsdamerplatz geleitet), namentlich von Charlottenburg aus schon zieinlich stark. Die Tagesordnung der Stadtverordnetcn-Lersammlung am Donnerstag, den 17. Mai, umfaßt eine Anzahl sehr wichtiger Punkte. Zunächst steht zur Beratung die Borlage betreffend den Erlaß einer Grundsteuerordnuug nach Maßstabe des gemeinen Wertes und einer revidierten Uinsatzsteuerorduung unter Einführung einer Wert- zuwachssteuer, dann folgt die Berichterstattung über die Vorlage be- treffend die Herrichtuug der für das Verkehrs- und Baumuseum her- zugebenden Gegenstände. Außerdem handelt eS sich noch um folgende Punkte: Berichterstattung über die Vorlagen betreffend� a) den Vau einer Fußgängerbrücke oberhalb der im Zuge der Eisenbahnstraße über die Spree führenden Brücke, b) den Austausch einer städtischen Fläche des PlänterivaldeS gegen das zur Verlängerung der Eisenbahn straße erforderliche Straßenland; Berichterstattung über den Autrag der Stadtverordneten AronS und Genossen, den Magistrat zu ersuchen, daß in Zukunft ebenso wie für die I. und II. Abteilung auch für die III. Abteilung Iii Gemeindewahl' bezirke gebildet werden; Vorlage betreffend die Abnahme des der Stadtgcmeinde zu Stiftungszwccken zugefallenen Nachlaßanteils des Kaufmanns Oskar Geudcr; Vorlage betreffend die Festsetzung von Fluchtlinien für die Straße(50o X8 zwischen Uferstraße und Straße 64». Neben diesen Vorlagen stehen einige Petitionen zur Beratung, über die der PetitionSausschuß Ucbergang nur eine wird zur Berücksichtiguiig Sitzung verhandett werden soll. Die Anmeldungen der Kinder für die Berliner Ferienkolonien iino in diesem Jahre ganz enorm; die Zahl von 1b OOO dürste überschritten werden. Die Arbeit, die mit den Anmeldungen, Prüfungen, ärztlichen Untersuchungen usw. verbunden ist, ist ganz bedeutend, so daß die Mitglieder de» Vereins für Ferienkolonien jetzt sehr viel zu tun haben und alle Wünsche um Mitnahme usw. nicht immer sogleich berücksichtigt werden können. Die ersten kleinen Ferien- kolouiftcn— 30 blinde Mädchen— find Iberefts in Harzburg ein» gl troffen._ Bauschwindel, Akkordmaurrrei und Baupolizei. Dieses Thema hatte in einer Maurcrversammlung der Genosse Kater behandelt, und in der letzten Nummer unseres BlatteS waren seine Darlegungen in eingehender Weise wiedergegeben. Kater legt besonderen Wert auf einige Punkte, die sonst zu Irrtümern Ver- anlassung geben könnten, und ersucht uiiS um Ergänzung deS Be- richteS. Zunächst sei festgestellt, daß ein Bau nicht 10—12 Wochen vor dem Beziehe» angefangen wird, sondern diese Zeit liegt zwischen dem ersten Spatenstich und der Rohbauabnahme, oftmals sei sie noch einige Wochen geringer. Was den Bau in Wilmersdorf, Berlinerstr. 103 anlange, so ici derselbe gänzlich von Akkordmaiirern hergestellt worden. Die unerhörte Pfuscharbeit, die hier geleistet ivorden sei, sei von dem Unternehmer deS Nachbarbaues der Behörde zur Kenntnis gebracht worden, einem Unter- nehmer, der ebenso liederlich habe arveiten lassen. Was die Maurer- g zur Tagesordnung empfiehlt, vorgeschlagen, die in geheimer I arbeit der Pfeiler anlange, so liege die Sache so: Die Pfeiler sind nicht ringsum auf 1'/» sondern auf Va, eine halbe Stein stärke— und da ein ganzer Mauerstein 25 Zentimeter lang und 12'/, Zenti- t meter breit ist, also auf 12'/z Zentimeter— ringsherum gemauert worden! Und zwar vom Bankett bis zur Unterkante der Kellerdeckenträger. In diesen so entstandenen Hohlraum von 0,53 Meter im Durchmesser sind die Steine wie der Mörtel in dem sehr richtig beschriebenen Zustand hinein- gepackt worden. Was aber das allerschlimmste an der ganzen Sache ist, ist das, daß diese für jeden Laien sichtbare, gröblichste Pfuscharbeit im Maurergewerbe von niemand inhibiert oder denunziert wurde, sondern daß die Baukommission, die zumeist ans einem geprüften Maurermeister und einem ebensolchen Zimmermeister besteht, die oftmals noch daS Prädikat.Ratsmeister" führen, und übrigens noch durch einen Beamten der Baupolizeiinspektion vervollständigt wird. daß eine solche Kommission den Bau im Rohbau als ordnungsmäßig hergestellt befunden und ab- genommen hat._ Die Errichtung eines DüngerbanscnS auf dem Viehhofe hat der von der Stadtverordneten-Versammlung eingesetzte Ausschuß nach einer am Montag vorgenommenen Ortsbesichtigung abgelehnt. Es wurde betont, daß ein Bansen gar keinen Zweck hätte, sondern es seien mindestens sieben solcher Bansen notwendig, um allen auf dem Viehhofe lagernden Dung unterzubringen. Diese sieben Bansen würden einen Kostenaufwand von 77 000 M. erfordern, ohne daß es damit gelänge, die Anwohner des in Frage kommenden Teiles des Vieh- und Schlachthofes von den üblen Gerüchen zu befreien; denn durch das Auf- und Abladen des Düngers würden die Gerüche auch weiter ihre Wirkung ausüben. Der Magistrat wurde daher er- sucht, die Verwaltung des Schlacht- und Viehhofes anzuweisen, den Dünger in der Folge sofort, d. h. im frischen, nicht abgelagerten Zustande zu verkaufen, sei eS auch zu billigen Preisen. Die Anwohner, welche sich bereits mit einer Petition an die GefundheitS- Polizei gewandt haben und um Ablehnuitg der Bauerlaubnis zu den Bansen ersuchten, werden, wenn Stadtverordneten-Versammlung und Magisttat dem AuSschußvorfchlag zustimmen, erleichtert aufatmen, wenn sie an schönen Sommertagen die Fenster öffnen können, ohne die Gerüche von bis zu 60000 Zentner Dünger ihre Wohnungen durchziehen zu lassen. Dir GaSarbefter vor den Retorten haben unter der Hitze außer- ordentlich zu leiden. AuS Anlaß der Besichtigung der Tegeler Anstalt durch die Gemeindebehörden wird der„Vossischen Zeitung" von ärztlicher Seite darüber geschrieben:„Arbeiter, die vor dem Feuer arbeiten, beklagten sich bei mir über die kolossale Hitze- enlwickelung an den riesigen Feuerungsanlagen, denen die V enti- lationseinrichtu ngen gar nicht gewachsen seien. Die Arbeitenden schwitzen übermäßig, müffen viel trinken, hauptsächlich Bier, und sind Verdauungslrankheiten in hohem Grade aus' gesetzt. Wenigstens erzählten mir meine Gewährsleute, daß ein großer Teil ihrer Kollegen an solchen leiden und die Hitzeentwicke- lung viel schlimmer als an irgend einer anderen städtischen GaS anstalt sei. Vielleicht ließe sich nach dieser Richtung etwas bessern. Besonderen Wert würde ich darauf legen, daß leichter kalter Kaffee und schivarzer Tee den Arbeitern in beliebiger Menge zur Verfügung gestellt wirb." Unseres Erachten? durste neben diesen Erfrischungsmitteln der größte Wert auf eine erhebliche Verkürzung der Arbeitszeit zu legen sein. Berbilligung im Weltpostverlehr. Der zurzeit in Rom tagende Weltpostkongreß hat. wie wir schon mitteilten, den Vorschlag der deutschen Reichspostverwaltung und der Ver waltungen einzelner anderer Länder auf Erhöhung deS einfachen Briefgewichtes von 15 auf 20 Gramm angenommen. Gleichzeitig ist eine Ermäßigung des Briefportos für die den ein- fachen Gewichtssatz überschreitenden Briefe von 26 auf 15 Centimes beschlossen worden. Das Briefporto im Weltposwerkehr wird danach künstig für die ersten 20 Gramm deS Gewichts 25 Centimes und für jede weiteren 20 Gramm 15 Centimes betragen. Durch diesen Beschluß wird im gesamten Wcltpostverkehr eine erhebliche Ermäßigung deS Briefportos herbeigeführt werden. In denjenigen Ländern, wo die Frankwährung nicht gilt, werden die Sätze der Landeswährung angepaßt. Der deuffchen Währung entsprechend wurden bisher für 25 Centimes 20 Pf. berechnet. Diese Umrechnung wird auch weiter bestehen bleiben, doch ist mit Sicherheit anzu' nehmen, daß an Stelle der weiter vereinbarten Portosätze von 15 Centimes in Deutschland nur 10 Pf. zur Berechnung kommen werden. Hiernach wird beispielsweise ein 40 Gramm schwerer Brief nach dem Auslande, für den jetzt 3 X 20— 60 Pf. Porto erhoben werden, künftig nur 20-j- 10— 30 Pf. Porto kosten. Ein 60 Gramm schwerer Brief, für den jetzt 80 Pf. erhoben werden, wird künftig für 40 Pf., mithin für die Hälfte de« bisherigen Portos, befördert werden. Der neue Tarif wird voraussichtlich am 1. Oktober d. I. in Kraft treten. Wegen eines Fahrstuhlunfalls wurde am Montagnachmittag die Feuerwehr nach der Georgenkirchstr. 40 an der Lietzinannstraße ge rufen. Dort war der Hetzer zwischen den Fahrstuhl geraten. Er wurde hervorgeholt und nach dein Ärankenhause am Friedrichshain gebracht. Reu und doch schon zu einer alltäglichen Erscheinung find die Automobilbrände bei der Feuerwehr geworden. Es vergeht fast kein Tag, an dem die Feuerwehr nicht wegen eines AutobrandeS alarmiert wird. In den meisten Fällen ist aber wenig zu machen. Da« Benzin ist in der Regel die Ursache der Entzündung. Die Flammen finden dann am Schmieröl und dem Holz reiche Nahrung, so daß oft an den Vehikeln wenig mehr alS altes Eisen übrig bleibt. Keine Tollwut. Die Befürchtungen, daß der entsetzliche Vorfall in der Neuen Königstraße 29, wo, wie berichtet, der 14iährige Sohn de« Böttchermeister« Strege von eincin Hunde gebissen wurde, auf einen Tollwutausbruch seitens des Tieres zurückzuführen sei, be- stätigen sich nach dem Ergebnis der bisherige» Untersuchung nichr. Alle diejenigen Merkmale, Ivelche bei einem tollwütigen Hunde in Erscheinung treten, fehlen in dem vorliegenden Falle vollständig. Als der im Nebenhause wohnende Gastwirt Schacknis mit zwei Männern in dem Keller erschien, hielt der Hund gerade seine Äordcrtatzen auf der Brust feines zerrissenen Opfers. Kaum hatte das Tier die Eintretendei» bemerkt, so stürzte eS mit wütendem Gebell auf sie los. Von einer Schaumbildung an der Schnauze des Hundes ist nicht das geringste bemerkt ivorden, auch sind nachteilige Folgen bei dem während des Kampfes gebissenen Arbeiter Zinunennann nicht eingetteten. Der Ziehhund war schon öfter, so« bald er gereizt wurde, für Menschen gefährlich geworden. Die Leiche des Knaben und den Kadaver des Hundes hat die Polizei beschlagnahmt. Ein Gesundbeter verhaftet. Wegen schweren Sittlichkeitsverbrechens ist der Zigarrenhändler und Schulkommissionsvorfteher Rohrmann auS der Rigaerstraße verhastet worden. R. erkundigte sich bei einer Frau S. in der ProSkauerftraße nach ihrem Sohne, der die Schule versäumt hatte, und erfuhr bei dieser Gelegenheit, daß die Frau auch eine schwerkranke 13'/» Jahre alte Tochter hat. die bettlägerig ist. Die Mutter verzweifelte an der Heilung des Kindes, der SchulkommiffionSvorsteher erklärte sich imstande, eS durch Gebet und HcilmognetiSmuS zu retten. Die Angehörigen mußten dann das Zimmer verlassen und nun verging sich R. schändlich an dem Kinde. Viermal hatte er so daS Kind durch Streichen usw. behandelt, als eS der Mutter erklärte, sich da« nicht mehr gefallen lassen zu wollen. Jetzt vxrsteckte sich eine Freundin der Frau in dem Zimmer und ertappte den Frevler auf frischer Tat. R. wurde daraufhin festgenommen. In London sind ungefähr die Hälfte der an der Studienreise durch England teilnehmenden Vertreter deutscher Stadt- Verwaltungen eingetroffen und von Lord Lyveden und den übrigen Mitgliedern des Empfangsausschusses empfangen worden. Ei» entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich am Sonnabendabend spät in der städtischen Badeanstalt an der Schillingsbrücke. Im Schwimmbassin wollten gegen'/zlO Uhr abends kurz vor Schluß der Anstalt zwei junge Leute noch einmal tauchen. Der eine junge Mann kam auch bald wieder herauf, verließ das Bassin und zog sich an. Endlich beim Weggehen, um 3/410 Uhr, sagte er dem Bade- meister, daß er seinen Kameraden noch vermisse, dessen Kleider noch in dem Kasten hingen. Nun fiel es dem Bademeister schon auf, daß das Wasser aus dem Bassin gar nicht ablaufen wollte, und bei näherer Untersuchung zeigte es sich, daß von dem weiten Abflußrohr am Boden des Bassins der eiserne Trichter entfernt war und ein menschlicher Körper darin steckte. Die Feuerwehr mußte geholt werden, die das ganze Bassin erst auspumpte, dann mußte die Abflußröhre aufgehauen werden, um den Leichnam deS jungen Mannes herauszubekommen, da das Nachgießen mit Oel nicht den gewünschten Erfolg hatte. Um 3 Uhr morgens war die schwierige Arbeit vollbracht und der Tote, ein junger Mann von 15 Jahren. Sohn einer Witwe aus der Waldemarstratze 65a. wurde nach dem Leichenschauhause gebracht. Ob der Trichter über dem Abflußrohr mutwillig entfernt war, muß die einzuleitende Untersuchung ergeben. Jedenfalls war es von dem Kameraden sehr unrecht, nicht sofort dem Bademeister Anzeige zu machen. Der Herr Direktor. Aus Rostow am Don ist am 26. April d. I. der Direktor FriedlanSki von der Nordischen Bant mit 100 MO M. durchgebrannt. Er fuhr mit seiner Beute nach Monte Carlo und gedachte an der Spielbank die Summe noch erheblich zu vergröfferu. Darin verrechnete er sich indessen gründlich. Er verlor alle: n»d stand wieder vor dem Nichts. Unterdessen hatte er ein Fräu'eiu Jenny S. kennen gelernt, das in Monte Carlo eine Villa Diese hielt ihn für einen schwerreichen Mann, weil er nie unter 3000 bis 5000 Francs und kaltblütig verlor. Fräulein S. sah sich FriedlanSki zum Werkzeug auS, ihm die Kassen wieder füllen zu helfen. Als sie ihm erzählte, daß sie nach Berlin fahren müßte, beehrte er sie mit einem Auftrage, der kein geringes Vertrauen voraussetzte. Der Herr Direktor bat sie nämlich. für ihn bei einer Berliner Bank 163 000 M. zu erheben, die er als Direktor der Nordischen Bank anwies. Er selbst, sagte er, habe noch eine Geschäftsreise zu machen und komme dann auch gleich nach Berlin, um von ihr das Geld zu enrpsangen. Fräulein S. stieg in einem hiesigen Hotel ab und bekam den ehrenvollen Austrag noch einmal schriftlich. Die Anweisung war in Ordnung, da der Herr Direktor ja das Bankzeichen kannte und bei seiner Bank noch als„verreist" galt. Fräulein S. hat bei der hiesigen Bank, die die Anweisung bekam, selbst ein Guthaben; ihre Unterschrift war also leicht zu prüfen und sie erhielt anstandslos das Geld. Ein hiesiger Beamter, dem sie von ihrem VcrttauenSaufttag erzählte, riet ihr, bei der Auszahlung an FriedlanSki recht vorsichtig zu sein, und sich die Quittung von einem Notar ausstellen zu lassen. Damit war der Herr Direktor, der alsbald in Berlin eintraf, durchaus einverstanden. Er fuhr mit der Dame zum Justizrat K., der die ordnungsmäßige Ueber- gäbe bestättgte. Mit den 163 000 Mark in der Tasche brachte FriedlanSki Fräulein S. nach ihrem Hotel zurück. Dann fuhr er mit einer Droschke nach einer anderen Bank. Hier ließ er den Kutscher so lange warten, daß er die Geduld verlor und die Ueber- zeugung gewonnen, es mit einem Fahrgeldpreller zu tun zu haben. Der Mann fuhr nach dem Hotel in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße zurück und ließ sich von Fräulein S. die Fahrt bezahlen. Unterdessen war FriedlanSli doch noch gekommen, um seinen Wagen wieder zu benutzen. Er war erstaunt, den Kutscher nicht mehr zu finden, legte für ihn beim Pförtner der Bank 12 M. nieder, weil er im kleinen durchaus kein Schwindler ist, fuhr mit einer anderen Droschke davon und ist seit- dem verschwunden. Als die hiesige Bank der Nordischen Bank mit- teilte, daß fie deren Konto der Anweisung gemäß mit 163 000 M. belastet habe, erfuhr fie, daß diese von dem Auftrage nichts wußte. Der flüchtige Direktor ist noch nicht ergriffen. Er ist erst 30 Jahre alt und klein und hat entweder ein glattrasierte» Gesicht oder einen ganz kurzen Schnurrbart und hochgekammteS schwarzes Haar. Bon einem SchlSchterwagrn totgefahren wurde am Sonnabend- abend die neunjährige Tochter des Barbiers Mätze auS der Littauer- straße 14. Die Kleine hatte mit andern Kindern vor dem Eltern- hause auf dem Stratzendamm gespielt und rannte dabei blindlings gegen einen vorüberfahrenden Schlächterwagen. Sie wurde um« gerissen und die Räder de» Gefährt» gingen ihr so unglücklich über Kopf und Brust hinweg, daß fie kurz nach ihrer Einlieserung in der Unfallstation XVI an den Folgen der schweren Verletzungen starb. Die Leiche des Kindes ist polizeilich beschlagnahmt worden. Bei einer Explosion ums Leben gekommen. Einen qualvollen Tod hat in der Nacht zum gestrigen Sonntag die 26 jährige Ehefrau des Kellners B., Rheinsbergcrstr. 64, durch eigene Unvorsichttgkeit erleiden müssen. Die junge Frau betreibt noch nebenbei eine Plätterei und war am Sonnabend spät abends mit Bügeln be- schäftigt, wobei das Petroleum auf der Lampe schließlich ausging. Frau B. war nun so unvorsichtig, während die Lampe noch brannte, frisches Pettoleum in das Bassin zu gießen. Kann, war der Be- hälter gefüllt, so schlug die Flamme plötzlich nach unten, eS erfolgte eine Explosion und im nächsten Augenblick brannte die B. lichterloh. Gleich einer rasenden Feuersäule eilte die Unglückliche auf den Korridor hinaus und auf ihre Hülferufe kamen Nachoarn hinzu, welche die Flammen erstickten. Man brachte Frau B. nach der Rettungswache in der Kastanien-Allee, wo ihre qualvollen Schmerzen gelindert wurden. Sie hatte jedoch so furchtbare Brand- wunden am ganzen Körper erlitten, daß sie bald nach ihrer Ein- lieferung in das Lazaruskrankenhaus starb. Ei« schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern abend in der Berliner Werkzeugmaschinenfabrik vorin. L. Sentker in der Müller- straße. Dort wurde der Lehrling Wilhelm Ecke bei der Arbeit von der Bohrspindel erfaßt und mehrmals heruingeschleudert. Schwer verletzt wurde der Verunglückte in bewußtlosem Zustande in das Paul Gerhardt-Stist eingeliefert. Beim Reparieren eines Fahrstuhls schwer verunglückt lst gestellt nachmittag der bei der Handtuchverleih- und Waschanstalt von Figner Rachflgr. in der Georgenlirchstt. 40 angestellte Maschinist Klein. Der Ver- unglückte war auf das Dach des Fahrstuhles gestiegen und arbeitete, auf dem Bauche liegend, an der Reparatur des Fahrstuhles. Plötzlich ging der Fahrstuhl in dieHvhe und Klein wurde zwischen Fahrstuhl und Decke«in- geklemmt. Die herbeigerufene Feuerwehr befreite den Verunglückten au« seiner qualvollen Lage und sorgte für seine Uebersiihning nach der Unfallstation. Ende vorigen JahreS erst ist in demselben Betriebe ein tödlich verlaufener Unfall am Fahrstuhl passiert. Ei» schwerer EinbruchSdiebstahl. Am Sonntag statteten Einbrecher dem Hause Leipzigerstraße 90 einen Besuch ab. Es gelaug ihnen zwar mcht,„ganze Arbeft" zu machen, aber immerhin kamen sie auf ihre Kosten, denn fie erbeuteten bei der Finna Cohn». Wertheim teure Seiden, deren Wert nach oberflächlicher Schätzung etwa 60 000 M. bettagen dürste. DaS Haus Leipzigerstraffe 90 dient fast ausschließlich geschäftlichen Zwecken und nur ivenige Räume werden als Wohnungen benutzt. Zufällig ist in der zweiten Etage ein größerer Geschäftsraum unvermietet und diesen Umstand machten sich die Einbrecher zunutze. Sie drangen durch den Hofeiugaug in die zweite Etage, öffneten gewaltsam die Tür zu dem leerstehenden Geschäftsraum und verschafften fich zu dem in der ersten Etage be- kegenen Geschäft von Cohn u. Wertheim dadurch Zugang, daß sie eine größere Oeffnung in den Fußboden bohrten, durch die sie bequem hnidurchschlüpfei, konnten. An einem Strick ließen sie sich dann in die untere Etage hinunter und reichten von dort aus die ausgewählten Seidenstiicke ihren Kumpanen in die Höhe. Ein Versuch, auch die beiden Geldschränke der Firma anzubohren, mißglückte, da die Platten den Werkzeugen der Einbrecher widerstanden. Auch ein Pult im Privatkontor der Chefs erbrachen sie, jedoch fanden sie Geld rn drelem nicht. Mit den Verhältnissen im Geschäft müssen die Ein- brechcr nicht vertraut gewesen sein, denn sonst hätten sie die so- genannte„kleine Kasse" und die„Portokasse" nicht unberührt ge- lassen. Ein weiterer Versuch der Spitzbuben, von dem Cohn u. Wertheimschen Geschäft nach den in der zweiten Etage nach der Markgrafenstraße zu belegenen Bureauräumen zweier Rechtsanwälte zu gelangen, mißlang. Weder die im Hause wohnenden Privatleute noch die im Hause angestellten Wächter merkten etwas von der Tätigkeit der Einbrecher, welche die üblichen Merkmale ihrer Zunft nn Lokal zurückließen. Der Schade», den die Firma erlitten, ist durch Verstcherung gedeckt. Waldbrand. Durch die leichtsinnige Handlungsweise von Ans- fluglern ist vorgestern nachmittag an den Müggelbergen ein erheb- l-cher Waldbrand verursacht worden. In der Nähe der Kolonie Wendenschloß warfen Spaziergänger entzündete Streichhölzer achtlos von sich und es dauerte nicht lange, so hatten die ausgetrockneten dürren Gräser Feuer gefangen, das sich bald auch auf die Bäume ausbreitete. Vergeblich bemühten sich Hunderte von hinzueilenden Ausflügler», den Brand zu ersticken. Da er jedoch immer weiter um sich griff, so alarmierte man die Feuerwehr von Köpenick und Spindlersfelde. Nur durch Abdämmen gelang es den Mannschaften, das Feuer auf sein Gebiet zu beschränken. Ein Morgen des Baum- bcstaudes wurde ein Raub der Flammen. � Fcuerwehrbericht. Wegen des Brandes eines Möbellagers wurde die Wehr nach der Weinmeisterstr. 1 gerufen. Dort fand die Wehr abends um 9 Uhr schon einen ausgedehnten Brandherd vor und mußte mit mehreren Schlauchleitungen Wasser geben, nachdem sie über einen sogenannten Hakenleitergang sich einen Zugang zur Brandstelle und Luft gemacht hatte. Das Feuer konnte schließlich auf das Möbellager beschränkt werden. Nachts um 11 Uhr kam in Schöneberg, Grunewaldstr. 119, ein großer Fabrik- brand zum Ausbruch. Dicker Qualm kündete schon von ferne das Feuer an. Die Wehren von Berlin und Schöneberg waren zur Stelle. Es gelang, die Flammen nach längerem Wasser- geben mit mehreren Dampsspritzen auf die Fabrik zu beschränken. In der Seydelstr. 29, wo die Feuerwehr schon einmal einen großen Brand zu löschen gehabt hat, kam gestern nachmittag um S Uhr ein sehr gefährliches Feuer aus. Im Erdgeschoß, Keller und auf dem Hofe brannten Kisten usw. Es konnten zum Glück die Flammen, die dort reiche Nahrung au Hölzern, Pappen usw. fanden, bald gelöscht werden. Nachts um 11 Uhr ging in der Frankfurter Allee 87 ein Automobil vollständig in Flammen auf. Eine Benzinexplosion soll die Ursache sein. In der Lothringerstraße 9 brannte es nachmittags. Ein Kind erlitt dabei so schwere Brandwunden am ganzeu Körper, das; es im hoffnungslosen Zustande nach dem Krankcnhause am Friedrichshain geschafft werden mußte. Eine Gasexplosion ver- ursachte in der Charlottenstr. 97 große Aufregung, Stroh und Brenn- holz gerieten in Brand und der elektrische Hausanschlutz wurde be- schädigt. Preßkohlenbräude mußten nicht weniger als acht gelöscht werden. Durch Zerbreche» einer Petroleunilampe kam in der Ruders- dorferstr. 41 Feuer aus. In der Liukstr. 13 brannte eine Tischlerei und in der Rheinsbcrgerstr. 64, Bödikerstr. 9, Wadzeckstr. 9, Siemens- straße 7 und anderen Stellen Möbel ec. in Wohnungen. Vorort- IVacbncbten* Der Stock in der Hand des Lehrers. Die Schule hat das Prügelrecht, und sie macht von diesem Recht einen, ausgiebigen Gebrauch. Zwar wird durch den Stock, den die Hand des Lehrers schwingt, nur zu leicht so manches vernichtet, was wert ist, erhalten und gefördert zu werden: im Kinde die Lust und Liebe zur Schule— in den Eltern die Neigung und Bereitwilligkeit, zu dem Lehrer ihres Kindes die freundlichen Beziehungen anzu- knüpfen und zu pflegen, ohne die die Arbeit der Schule keinen vollen Erfolg haben kann. Doch es gibt nun mal Pädagogen, die«ohne den Stock nicht fertig zu werden vermögen." Einer von ihnen � ist der Lehrer Heinke, der in R i x d o r f an der 19. Gemeindeschule amtiert. Kürzlich hat dieser Herr einen Schüler von 7>/z Jahren mit dem Stock abgestraft. Als die Eltern an dem Körper des Jungen die Spuren sahen, die diese Unterrichts- und Erziehungsmethode hinterlassen hatte, gelangten sie zu der An- ficht, daß hier der Lehrer sein Prügelrecht überschritten hatte. Um gegen den prügelnden Lehrer den Schutz des Gerichtes anrufen zu können, ließen- sie noch an demselben Tage die Wirkungen des Stockes durch einen Arzt feststellen. Der Arzt schrieb folgendes Zeugnis: „Der Junge klagt über Schmerzen im linken Arm, Schulter und Gesäß. Die Untersuchung ergibt, daß sich auf beiden inneren Hand- fläiJhen noch Streifen befinden; auf der Außenseite des linken Ober- armes finden sich drei blutunterlaufene Streifen, sünf ähnliche Streifen finden sich auf dem Rücken und zwei stärkere blutunterlaufene Streifen über dem Gesäß. Die linke Ohrmuschel weist gleichfalls zwei bläuliche Streifen auf. Sämtliche Streifen sind wahrscheinlich durch Schläge mit einem Stock hervorgerufen. Dr. Pactsch, Arzt." ES wird Sache des Gerichts sein, zu entscheiden, ob Herr Heinke nach Vorschrift zugehauen hat oder nicht. Wenn man das Zeugnis liest, so gewinnt man den Eindruck, daß er gleich ganze Arbeit gemacht hat. Er hat nicht nur daS Gefäß und beide Hände des Jungen bearbeitet, sondern auch Rücken und Oberarm haben den Stock zu fühlen gekriegt, und selbst am Ohr will der Arzt Spuren des Stockes beinertt haben. Nun lassen Lehrer sich „wegen der paar Striemen", die ein Arzt konstatiert, in der Regel keine grauen Haare wachsen. Durch Gerichtsurteil ist ihnen bescheinigt worden, daß da, wo Hiebe ausgeteilt werden. auch Striemen zurückbleiben müssen. Doch das schlimme für die prügelnden Pädagogen ist, daß die Hiebe nicht überallhin fallen dürfen. Von dem Gesäß hat, wenn wir unS recht erinnern, einmal ein Schulinspektor erklärt, dieser Körperteil sei„von der Natur" dazu bestimmt, daß darauf geschlagen werde. Die Schul- auffichtsbehörden sind allgeinein derselben Ansicht, wenn sie ihr auch nicht einen so„treffenden" Ausdruck zu geben pflegen. Und dementsprechend urteilen die Gerichte. Ebenso gehören die Hände zu den Körperteilen, an denen ein prügelnder Pädagoge seine Erziehungsmethode erproben darf, desgleichen der Rücken, schließlich wohl auch noch der Oberarm. Aber darüber hinaus hapert es doch schon mit dein Prügelverständnis mancher Schulaufsichtsbehörden und auch der Gerichte. Was hätte Herrn Heinkes Stock an dem Ohr des Jungen zu tun gehabt? Diesem Pädagogen, der ohne Prügel nicht fertig zu werden vermochte, war doch wohl bekannt, daß wenigstens dem Kopf ein behördlicher Schutz vor dem Stock des Lehrers zugebilligt worden ist? Die Eltern des geprügelten Knaben haben das Zeugnis dem Schnlrat vorgelegt. Der war einigermaßen verwundert, als er sah, w ie der Lehrer den Stock gebraucht hat. Er erklärte die verabreichte Tracht Prügel für nicht vorschriftsmäßig. Herr H. wird sich vermutlich mit einem Versehen entschuldigen. Der Rektor, der erst hinterher Kenntnis erhielt, sprach der Mutter sein Bedauern darüber aus, daß sie sich nicht zuerst an ihn, sondern sogleich an den Schulrat gewandt habe. Er wollte eine Aussprache zwischen ihr und dem Lehrer herbeiführen, doch die Mutter lehnte eine Zusammenkunft mit dem Lehrer ab. Wir selber pflegen in solche» und ähnlichen Fällen den Eltern zu raten, sich zunächst mal mit dem Lehrer und eventuell mit dem Rektor in Ver- bindung zu setzen: denn wir stehen auf dem Standpunkt, daß im Interesse der Kinder solche Aussprachen nur zu wünschen sind. Aber wir begreifen es schließlich, daß viele Eltem den Lehrern usw. lieber aus dem Wege gehen. Lehrer und auch Rektoren schlagen den Eltern gegenüber nicht immer einen Ton an, der eine Verständigung fördert. Wenn dann Arbeiter oder Arbeiterfrauen sich dazu hinreißen lassen, in gleicher Manier zu antworten, dann laufen sie Gefahr, obenein noch wegen Beleidigung angeklagt und bestraft zu werden. Auch das ist(wie die Erfahrung uns gelehrt hat) nicht ausgeschloffen, daß den Eltern in wegwerfendem Tone erwidert wird, nun werde wohl wieder der„Vorwärts" eine verhetzende Darstellung bringen— derselbe„Vorwärts", der die Eltern überhaupt erst auf den Ge- danken gebracht hatte, im Interesse der guten Beziehungen zwischen Schule und Haus eine friedliche Aussprache zu versuchen. Vielleicht überlegt man sich's mal in der Lehrerschaft und auch bei den Schulaufsichtsbehörden, wo die Leute zu suchen sind, die die guten Beziehungen zwischenSchule und Haus ver- Nichten._ Rixdorf. Sozialdemokratie und Kriegervercine lautete das Thema, über welches Genosse Z u b e i l am 11. Mai im„Deutschen Wirtshaus" vor zahlreicher Zuhörerschaft referierte. Redner bemerkte in seinem 1°/Jtüiidigen Vortrage zunächst, daß seit dem Bierboykott zwischen Saalbesitzern und der Arbeiterschaft hinsichtlich der Lokalfrage ein leidlicher Zustand vorhanden gewesen sei. Nicht immer sei es der pure Uebcrmut der Saalbesitzer, der dem friedlichen Zustande ein Ende bereite; es komme vielmehr ein mächtiger Faktor in Betracht,— die Polizei,— die durch Schikanen aller Art andere Verhältnisse herbeiführe. Als eine neue Stütze der Reaktion im polilischen Kampfe bezeichnet Redner die Kriegervereine. Nach den Feldzügen seien dieselben als wirtschaftliche Vereine gegründet worden, in deren Satzungen von Politik und Religion nicht die Rede war. Dieser Charakter sei jetzt nicht mehr vorhanden: um die Vereine nun aber lebensfähig zu erhalten, habe man auch die zur Reserve entlassenen „Krieger" aufgenommen. Die Regierung und die konservativen Parteien haben in ihnen ein vorzügliches Instrument gegen, den Umsturz erblickt— kein Wunder, daß sich dieselben besondere Mühe gegeben haben, die Vereine unter ihre Fittiche zu nehmen. Genosse Zubcil weist alsdann auf die Gründung des Landeskriegervereins hin, an dessen Spitze seinerzeit der General v. Spitz getreten sei. Von diesem Moment datiere denn auch der offene Kampf gegen die Sozialdemokratie. Mit besonderem Nachdruck weist Redner auf den ungeheuren Druck hin, den man bei Wahlen auf die Mitglieder ausübt. Uuter dem Deckmantel der Pflege höchster Tugenden züchte man Heuchelei, Angeberei, und appelliere unter den patriotischen Phrasen an die niedrigsten Instinkte. Wenn der Ausdruck:„Kriecherverein" seinerzeit im Reichs- tage vom Grafen PosadowSky als eine Geschmacklosigkeit bezeichnet worden sei, so bleibe er eine unumstößliche Wahrheit, da man hier einen Patriotismus schlimmster Art pflege. Der militärische Geist, der heute unser ganzes öffentliches Leben vergiftet, der Gewissens- zwang und Druck pflegt und den Kadavergehorsam fürs ganze Leben fortpflanzt, sei nicht Krieger-, sondern„Kriechervereinsart". Im letzten Teile seines Vortrages erwähnte Genosse Zubcil das vor den DeinonstrationSvcrsammlungen verbreitete Gerücht, daß die Gast- Wirte Gröpler und Klempke zu obigen Versammlungen ihre Säle nicht hergeben wollten. Das vom Wahlvereinsvorstand ftawierte Exempel habe indes ergeben, daß der Gröplersche Saal an- standslos hergegeben wurde, während das«Deutsche Wirtshaus" be- setzt war. Die Demonstrationsversammlung hatte das Gröplersche Lokal verpestet, weshalb der Kriegerverein und die höheren Polizeibeamten aus ihrem bisherigen Vereinslokal auszogen und sich im„Deutschen Wirtshaus" niederließen. Aber auch hier habe man eine Versammlung festgemacht und dazu ein Thema gewählt, woran die Herren ihre Freude haben können. Redner betonte, daß es der Sozialdemokratie gleich sei, mit wem 'ie unter einem Dache zusammenläge, aber sie verbitte es sich energisch, von irgend einer Seite in ihren Aktionen gehindert zu werden. Mit einem flammenden Appell an die Anwesende» schloß Redner unter großem Beifall seine trefflichen Ausführungen. Unter dein Gesänge der Marseillaise ging die Versammlung auseinander. Ewer Petroleumvcrgiftung erlegen ist das 14 Jahre alte Töchterchen Dorothea des Monteurs Wege aus der Cannerstr. 13 zu Rixdorf. Vor einigen Tagen hatte Frau Wege in der Küche eine Petroleumlamge auf das mit einer Decke belegte Eimerspind gestellt. Als sie dann beim Anziehen ihrer dreijährigen Tochter der Kleinen den Rücken zukehrte, zog diese mit der Decke die Kanne herunter. Der Inhalt ergoß sich ihr in das Gesicht und den Mund, so daß sie eine erhebliche Menge verschluckte. Trotz ärztlicher Hülfe starb die Verunglückte. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Bon einem jungen Bürschchcn angeschossen wurde gestern die Ehefrau Emma I. aus der Siegfriedstr. 57 in Rixdorf. Auf einem unbebauten Grundstücke zwischen der Emser- und Siegfriedstraße hatten drei Knaben ein Revolverschieben„veranstaltet". Einer der leichtsinnigen Schützen schoß unvorsichtigerweise in die in der zweiten Etage gelegene Küche der J.'schcn Wohnung, und das Geschoß drang Frau I. in den Unterarm. Der jugendliche Täter ist ermittelt und zur Anzeige gebracht worden. Friedenau. Ein Betriebsunfall ereignete sich gestern mittag bei dem Karussell- besitzer Haase, Ecke Schloßstraße. Dortselbst geriet der Arbeiter Wilhelm Wendt mit der linken Hand in den Regulator, wobei ihm die F>"ger recht erheblich gequetscht wurden. Der Verunglückte wurde nach dem Lichterfelder KreiSkrankeuhaus gebracht. Lichtenberg. Der polizeilichen Auflösung verfiel eine am Sonntag bei Gebr. Arnhold tagende Bezirksversammlung des Dentschen Metallarbeiter- Verbandes. Nachdem der Bezirksleiter Kollege Brühl die Versamm- lung eröffnet hatte, verlangte der überwachende Gendarm, daß für die weiblichen Mitglieder der Nachlveis der Mitgliedschaft geführt werden müsse. Der Vorsitzende bestritt die Verpflichtung des Nach- weises, da sich der überwachende Beamte durch die Bekanntmachung der Versammlung überzeugen könne, daß nur Mitglieder des Ver- bandes in Betracht kommen. Darauf erklärte der Beamte:„Sie können ja loeiß Gott was anmelden." Da der nochnialigcn Auf- fordernng des Gendarmen, die weiblichen Mitglieder aus dem Saale zu weisen, nicht nachgekommen lvurdc, löste derselbe die Versamm- lung auf. In einer am Donnerstag, den 17. Mai, stattfindenden Protest- Versammlung werden die Metallarbeiter Lichtenbergs der Polizei die entsprechende Antwort geben. Das Referat über:„Die Polizei als Agitator für den Metallarbeitervcrband" hat Genosse Düwell über- nommen. Rummelsburg. Der Vertrag der Großen Berliner Straßeubahugcsellschaft ist in der gestrigen geheimen«Sitzung mit 17 gegen 9 Stimmen an- genommen worden, nachdem sich die bürgerlichen Vertreter in vor- heriger Besprechung geeinigt hatten. Mit der Annahme dieses lang-, fristigen Vertrages haben die bürgerlichen Vertreter Rmnmelsburgs die Gemeinde auf Gnade und Ungnade, zum Schaden der All- gemeinheit, einer rücksichtslosen Gesellschaft ausgeliefert. Die Ein- Wohnerschaft RummelsburgS, soweit sie nicht zu den Grundstücks- spekulanten zählt, lpird über eine solche Art Vertretung sicher nicht erbaut sein. Weißensee. Was gibt Weißensce für seine Armen anS? Der eine weniger steuerkräftige Bevölkerung aufweisende Vorort Weißensee hat mit einer bedeutenden Armenlast zu rechnen. Nach dem diesjährigen Etat steht ein Zuschuß von 69 244 M. zu Buch, auf den Kopf der Einwohner 2,94 M. Wenn auch dieser Satz etwas hoch erscheint, so sind die Unterstützungssätze doch so bemessen, daß man sich bei den jetzigen Teucrungsverhälstiiffen einfach wundern muß, wie diese Aermsten der Armen ihr Leben fristen. An laufenden Unterstützungen werden 20090 M. gezahlt; die Zahl der laufend zu unterstützenden Personen beträgt 2öS. Auf den Kopf des Unterstützenden entfallen 114 M. pro Jahr oder 9,50 M. im Monat oder aber 312/3 Pf. pro Tag. Für laufende Pflegegelder werden 12 999 M. an 93 Pfleglinge gezahlt: auf den Kopf 161,93 M. im Jahr oder 13,47 M. im Monat oder 43 Pf. pro Tag. Bedenkt man nun, daß diese Pfleglinge von den Pflegern nicht nur beköstigt, sondern auch gekleidet werden, so kann man sich ungefähr vorstellen, was sich mit dem Geld anfangen läßt. An einmaligen Unter« stützungen sind 4999 M. vorgesehen. Aus dieser winzigen Summe ersieht man, daß erst die allerbitterste Not den Armen zwingen kann, Unterstützung von der Gemeinde zu beanspruchen. Die ungeheuren Nebenumstände, die mit der Erlangung der Unterstützung verknüpft sind, nötigen den Armen oft genug, lieber zu hungern als fortgesetzt zu bitten. Recht kraß liegen die Verhält- nisse in dem Siechenhaus, wo kranke Hülfsbedürftige zu verpflegen sind. Für die Verpflegung der Kranken werden 3599 M. ausgeworfen. In diese Summe teilen sich 18 sieche Personen und eine Wärterin, pro Person also 184,2t M. im Jahre, 12,35 M. den Monat oder 51 Pf. pro Tag. Die Wärterin erhält außerdem ein Jahresgehalt von 240 M. Ferner kommen verschiedene Ausgabe- Posten in Betracht, welche durch ihre bescheidenen Zahlen schon beweisen, daß von Verschwendung nicht die Rede sein kann. Zwei Armenärzte erhalten die Summe von 790 beziehungsweise 950 M., eine Aufsichtsdame für das Haltekinder- und Koslpflege- wesen erhält 699 M., für Arnrensärge, Leichentransporte und Beerdigungen 1299 M., für Kranken- und sonstige Transporte 899 M., für Entbindungen 299 M„ für Arzneien und chirurgische Gegenstände 1590 M., für Milch und andere Naturaluntcrstützungen 299 M., für Bekleidungskosten 1799 M. Die Regelung des Armen- Wesens ist auch hier in jeder Beziehung reformbedürftig und unsere Parteigenossen in der Gemeindevertretung haben verschiedentlich Vor- schlüge zur Besserung gemacht, wofür man erst in letzter Zeit etwas Ver- stäudnis bei der Mehrheit gefunden hat. So sollen u. a. auch die Frauen mehr zur Armenpflege herangezogen werden. Verschiedene Frauen des hiesigen Frauen- und Mädchenbildungsvereinö wie auch des Suppen- und Teevereins haben bereits ihre Mitivirkung zugesagt, so daß mau gespannt sein kann, wie der Gemeindevorstand die Auswahl treffen wird. Mit Lysol zu vergiften versuchte sich am Sonnabendbormittag eine zirka 39jährige Frau vor dem Auferstehnngs-Friedhofe in der Lichtenbergerstraße. Sie führte ein Krankenkassenbuch auf den Namen Helene Haase, Berlin, Swinemünderstraße, bei sich. Ein Arbeiter, der die verstört um sich blickende Frau beobachtete, brachte die Lebensmüde bis zur Wörthstraße, woselbst sie zusammenbrach. Ein hinzugekonimener Kriminalwachtmeister sorgte sür die Ueberführung nach dem Auguste Viktoria-Krankenhaus. Da der Lysolverlauf seil kurzer Zeit verboten ist, so wurden von der Kriminalpolizei Nach- forschungen nach dem Verkäufer unternommen, welche jedoch resultatlos verliefen. Johannisthal. Die letzte Gcmeindevertreterfitzung beschäftigte sich zum zweiten- mal mit dem Antrag des Kreisschulinspektors betreffs Anstellung einer Hülfslehrerin. In seiner Begründung wies der Kreisschnlinspektor darauf hin, daß bei 79—89 Kindern eine Anzahl Unterrichtsstunden zu besetzen seien. Diesen Feststellungen gegenüber vermochten die bürgerlichen Vertreter ihren bisher ablehnenden Standpunkt nicht aufrecht zu erhalten: der Antrag gelangte deshalb einstimmig zur Annahme. Der von der Schulkommission ausgearbeitete Vertrag, die Anstellung eines Schularztes betreffend, bestimmt, daß demselben die Unter- suchung der Kinder vor der Einschulung und während der Schulzeit halbjährlich obliegt: es wird ihm außerdem zur Pflicht gemacht, die Schule allmonallich zu besuchen und bei eventuellen Angaben des Lehrers über den Gesundheitszustand einzelner Kinder eine Untersuchung vorzunehmen. Des weiteren hat er die Aufgabe, die Schulen vom hygienischen Gesichtspunkt zu prüfen. In be- stimmten Abständen sind deshalb Messungen auf Größe und Umfang vorzunehmen. Das Honorar wurde pro Kopf mit 1 M. in Vorschlag gebracht. Das erschien einigen bürgerlichen Vertretern zu hoch: sie dachten sich die ganze Sache als eine ehrenamtliche Tätigkeit. Durch die kräftige Unterstützung unserer Genoffen wurde der Vertrag an- genommen. Die Anstellung des Schularztes erfolgt am 1. Oktober dieses Jahres. Die Abschätzung zur Grundwertsteuer für neu be- baute Grundstücke soll in Zukunft nicht wie bisher jährlich, sondern vierteljährlich vorgenommen werden. Köpenick. Großes Aufsehen verursacht in Köpenick das rätselhaste Ver- schwinden des Arbeiters Fischer und der sechsjährigen Klara Tappert aus der Albrechtstr. 3. F. war bei der Mutter des Mädchens seit einiger Zeit in Schlafftelle gewesen und verschwand am Sonnabend plötzlich mitsamt dem Kinde. Frau T. sowie die Polizei stehen hier vor einem seltsamen Rätsel. Man kann sich auf keine Weise er- klären, aus welcher Veranlassung F. mit dem Kinde verschwunden ist. Ob ein Unglücksfall oder ein Verbrechen vorliegt, bleibt ab- zuwarten. Die Polizei ist eiftigst bemüht, den mysteriösen Fall auf- zuklären. Rowawes- Neuendorf. Große» Schaden richtete ein am Sonnabendabend in der siebenten Stunde in Nowawes-Neuendorf niedergegangenes Gewitter an: das- selbe war von ivolkenbruchartigem Regen und heftigem Hagelschlag begleitet. Die Hagelkörner, welche die Größe eines Taubeneies hatten, fielen in solchen Massen nieder, daß in den Gärtnereien vielfach die Glasscheiben der Beetbedeckungen zerschlagen wurden. Die Frühobsternte, welche eine außerordentlich reiche zu werden ver- sprach, ist fasO vollständig vernichtet; auch die jungen Pflanzen haben unter dem Unwetter sehr gelitten. Serickts-Teitung. Ein Erstklassiger. Wie es einem jungen Gardeoffizier erging, der die Wechselreiterei betrieb, zeigte eine Verhandlung, die gestern die 3. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsrats Pauly längere Zeit beschäftigte. Unter der Anklage des Betruges wurde aus der lliitcrsuchungshaft der 26jährige Frhr. Max Hans v. Paleske vorgeführt, der noch bis zum 31. Dezember v. I. Leutnant im Kaiser Alexander- Garde-Grenadierregimcnr war. Der Angeklagte ist der Sohn eines Majoratsherrn. Das Majorat besteht aus etwa 5 großen in West- Preußen belegenen Gütern, es ging nach dem Tode des Vaters auf den ältesten Bruder des Angeklagten über, der diesem nicht unerhebliche regelmäßige und nnregelniäßige Zuschüsse zu seiner Besoldung leistete. Der Angeklagte führte ein recht üppiges Leben. beteiligte sich an Pferderemien. war auch wohl dem Jeu nicht ab- hold und brauchte für seine Lebenshaltung weit mehr, als ihn, zur Verfügung stand. Es wurde ihm geraten, zunächst bei dem Direktor Askanatz von der Mecklenburgischen Lcbcnsversichcrimgsgesellschast sich mit 59 999 M. zu»«sichern und auf die Police hin sich von ?em Direktor Darlehne geben zu lassen. Dies geschah auch. Der Angeklagte erzählt nun seine Abenteuer wie folgt: Im Sommer 1993 sei er Herrn Askanaß 7999 M. schuldig gewesen. Er konnte den darüber ausgestellten Wechsel bei der Fälligkeit nicht bezahlen, Herr Askanaß war krank und befand sich in, Bade und nun sei der Bureauvorsteher der Versicherungsgesellschaft. Herr Max Challier, in die Erscheinung getreten und es habe sich herausgestellt, daß Challier der eigentliche Geldgeber war. Der Angeklagte will bei diesem den Wechsel gegen großes Damnum prolongiert haben. Als nach drei Monaten bei Fälligkeit des Wechsels dieser wieder nicht bezahlt werden konnte, sei plötzlich ein Dr. Schlesinger in Aktion getreten und habe den Wechsel— wie er gesagt, im Auftrage des Herrn Challier— abermals prolongiert. Dafür habe er 2099 M. Prolongationsgebühr zahlen müssen. Damit fei es aber noch nicht abgemacht gclvesen. Herr Challier sei später gekommen und habe gesagt, er habe von Dr. Schlesinger nur 509 M. bekommen. Infolge dessen habe er Herrn Challier nochmals L000 M. Prolongati ons« gevllhr In Gestalt eines Wechsels über S000 Marl hin- cieczeben. Im Oktober 1S03 sei er mit Herrn Challier direkt in Ver- biadimg getreten und habe mit ihm die verschiedenartigsten Geld- geschäfle gemacht. Zuletzt kam es durch Vermittelung der Ver- wandten des Angeklagten zu einem Arrangement und die letzte noch schwebende Quote von 7Sl>() M. ist mit Zinsen und Prolongationskosten richtig bezahlt worden.— Nach einiger Zeit trat der An- geklagte wieder mit Herrn Challier in Verbindung. Er will ihn gebeten haben, ihm einen Kredit von zirka 10 000 M. einzuräumen, jedoch unter der Bedingung, daß er ihn nicht beunruhige. Wenn er ihn nicht dränge, würde er ihm die Schuld immer auf Heller und Pfennig bezahlen. Er habe nun eine Anzahl Blankoakzept ausgestellt und es habe sich nun eine Reihe von Wechselgeschäften mit allem Hin und Her entwiikelt. Im März v. I. sei er etwa 8000 M. schuldig gewesen; da sei Herr Challier gekommen und habe 6000 M. zurück verlangt. Er habe nur 4000 M. zurückzahleu können, die 4000 M. seien ihm später wieder geborgt worden. Er habe schließlich gesehen, daß er sich nicht halten könne und da ihm schließlich eine gute Stellung in Südamerika angeboten gewesen sei, sei er dahin abgereist. Tatsächlich� ist er. ohne Herrn Challier Adieu zu sagen, aufs Schiff gegangen, ist dann aber in Vigo in Spanien im Februar festgenommen und am 6. April hier im llntersuchungs- gesängnis wieder eingetroffen. Der Zeuge Challier soll um 10 600 M._ geschädigt worden sein und behauptet, daß dies infolge falscher Vorspiegelungen des Angeklagten geschehen sei. Er habe ihm nämlich gesagt, er sei in seiner Person selbst sicher, er erhalte von seinem Bruder 1000 M. täglich, erwarte in kurzer Zeit eine bedeutende Erbschaft, habe bei einem industriellen Unternehmen eine größere Einlage gemacht und werde daraus das Viersache bald herausholen.— Der Zeuge Challier, jetzt Bureauvorsteher bei der Magdeburgischen Lebensversichernngs- gesellschaft, trat der Darstellung des Angeklagten scharf entgegen und erklärte sie zum Teil für„strikte erfunden*. Er sei kein gewerbs- mäßiger Gcldvermitteler, sondern sei durch Vermittelung seines früheren Direklors Askanaß mit dein Angeklagten bekannt geworden und habe ihm Geld geborgt, da ihn Herr Askanaß als ganz sicheren Mann geschildert habe. Der Gedanke, daß er sich ctiva wucherische Vorteile verschaffte, sei ihm nicht gekommen, der Augeklagre habe ihm die Vorteile, die er gehabt, freiwillig gewahrt. Tatsächlich habe ihn der Angeklagte um sein ganzes Vermögen gebracht. Er habe ihn tatsächlich durch falsche Vorspielungen stets zu weiterer Hergäbe von Geldern bewogen. Der Angeklagte habe ihm sein Offiziersehrenwort verpfändet, an einem bestinünten Termin zu zahlen, ohne es zu halten, er habe ein fürstliches Leben geführt. Reiicn nach Italien gemacht, die vornehmsten Bäder besucht. 70 000 M. in einer Nacht verspielt und sei schließlich weggegangen, nachdem er heimlich seine Sachen verschoben habe, um Pfändungen zu vereiteln. Die Geldgeschäfte, die er mit dem Angeklagten ge- macht, könnten nach seiner Ansicht Bedenken nicht erregen. Auf Vorhalt des Verteidigers gab der Zeuge zu. die vorn Angeklagten erivähnte Provision für Prolongation des Wechsels von 7000 M. in Höhe von 1500 M. sich habe zahlen zu lassen, da ihm Dr. Schlesinger von den schon an diesen bezahlten 2000 M. nur 500 M. abgegeben habe. Er gab ferner zu, daß ihm der Angeklagte auf sein Verlangen schriftlich attestiert habe, daß er alle Vorteile, die er dein Zeugen gewährt, freiwillig und ohne jeden Zwang zugestanden habe.— Der Staatsanwalt hielt für erwiesen, daß der Angeklagte falsche Vor- spielungen gemacht habe und beantragte zwei Monate Ge- fängnis.— Rechtsanwalt Justizrät Wronker beantragte die Freisprechung.— Der Gerichtshof konnte bei den Widersprüchen zwischen den Angaben des Angeklagten und des Zeugen keine Umstände finden, aus denen den Bekundungen des Zeugen Challier ein Uebergewicht gegen die des Angeklagten zu- zusprechen wären. Die vom Verteidiger hervorgehobenen beiden Momente der großen Prolongations-Provision und der Ausstellung des Scheines seitens des Angeklagten lassen die Aussage des Zeugen in etwas bedenklichem Lichte erscheinen. Der Gerichtshof sprach den Angeklagten frei und verfügte seine sofortige Haft- entlassung._ Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub„Mehr Licht«. Mittwoch, den 16. Mai, abends 8'/, Uhr im Lokale von Knapp, Grün- thalerstr. 5: Vortrag des Genossen Weise über„Thomas Moore und seine Utopie". Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub„Heinrich Heine«. Sitzung Mittwoch abend 9 Uhr bei Bolze, Rodenbergstr. 8. Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub„Süd- Ost«. Morgen Mittwoch, abends pünktlich 8>/, Uhr, bei Beuthin, Oppelnerstr. 36: Wanderversammkung. Vortrag des Genossen Kofiol über:„Grundsätze UNb Forderungen der Sozialdemokratie«. Gäste ivillkommen. Eingegangene Druchfcbrif teil. Von der„Neuen Zeit«(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben da? 33. Heft des 24. Jahrganges erschienen. Das Hcst hat solgenden Inhalt: Die Wahlen in Frankreich. Von K. K.— Der politische Massenstreik in der russischen Revolution. Von Henriette Rolnnd-Holst.(Vorrede zur ruisischen Ausgabe von„Generalstreik' und Sozialdemokratie".)— Materialistische Geschichtsauffassung und Mathematik. Von Dr. Fritz Tischler.— Jnter- nationales aus der Gewerkschastsbewegung. Von Wilh. Jansion.— Literarische Rundschau: Dr. I. Goldsteiu, Herr RegicrungSrat Dr. A. Locher als ErzichungSdircktor und die Lehrsrciheit an der Universität Zürich. Von K. Kautsky.— Auguste Hauschner, Zwischen den Zeiten. Von Hermann Wendel.— Notizen: Die deutsche Krankenversicherung im Jahre 1903. Von G. Link(Berlin). Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstallcn und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hcst kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Der„Wahre Jacob« hat soeben die 10. Nummer seines 23. Jahr- ganaS erscheinen lassen. Aus dem Inhalt derselben erwähnen wir die beiden farbigen Bilder„Idylle" und„Der Einzug der Mächte in den Haag", sowie die Illustrationen„Der neue Zweibund",„Das Psingstwundcr von Breslau", „Politisch verdächtig",„Des deutschen Agrariers politisches Glaubens» bekcnntnis",„Die Erbschaft«,„Die Schuppenkette als politischer Barometer", „Junkers Glück und Ende" und„Ein armer Reisender". Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte ,DW Schlacht von Breslau",„Rentners Schmerzen",„Made in Germany",„schwarze Suppe",„Zur Ausklärung", „Kapitalistischer Frühling",„Orden und Ehrenzeichen",„Der„UnterlassungS"- Orden" und ausier zahlreichen kleineren Beiträgen noch die größeren satirischen Feuilletons„v. Arnim-Schnodderhcim an v. Bclow-Plcitcnberg". „Kulturbildcr aus der deutscheu Gegenwart", sowie die lustigen Episteln von „Jotthils Nauke" aus Berlin" und„Claus Swartmuul" aus Hamburg. Der Preis der 16 Seiten, starken Nummer ist 10 Pfennig. Wetter-Prognose für Dienstag, de» lä. Mai IVVV. Nachts etwas wärmer, am Tage kühler, vieljach ivollig mit Gewitter« regen und mäßigen südwestlichen Winden. Berliner W e t t e r b n r e a u. ktzür den Jnbalt der Jnscrate iibrrnimmt die Rcdattio» dein Bublitni» gegenüber keinerlei Verannvortnng. Udeater. Dienstag, denlb. Mai. Ansang?'/, Uhr: Opernhaus. Fidelis. Schauspielhaus. Goldfische. Neues Operntheater. Alpenkönig und Menschenfeind. Deutsches. Der heilige Brunnen. Der Herr Kommissär. Neues. Orpheus in der Unterwelt. Lessiug. Nora. Ansang 8 Uhr: Westen. Der Freischütz. Schiller O.(Wnllner-Theater.) Weh' dem, der lügt. Schiller lV.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). WanjuschinS Kinder. Kleines. Kinder der Sonne. Berliner. Die lustige Witwe. Koniische Oper. HoffmannS Er- Zählungen. Resideuz. Liebeskunst. Zentral. Der Zigeunerbaron. An- fang 8'/. Uhr. Lustspielhans. Die von Hochsattel. Trianon. Loulou. Thalia. Hochparterre linkS. Metropol. Aus ins Metropol. Deutsch- Zlnierikauisches. Arme Mädchen. Kasino. Madame Bonivard. Apollo. Das blaue Bild. Spezial. «carl Weis«. Aus altem Geschlecht. Hausa. Das Wunderkind. Familie Bernstein. Wintcrgarte». Spezialitäten. Pafiage. Spezialitäten. Bellc-Alliance. Spezialitäten. Vteichshalle». Stetlincr Sänger. «ranin. Tnubeuftraffe-ktt/sU. Abends 8 Uhr: Am Gols von Neapel. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Gastsp. des Neuen Operettcn-TheaterS aus Hamburg. (Direktor Max Monti). Dienstag und folgende Tage Ansang 8 Uhr: Die lästige Witwe. Neues Theater. Ansang 7'/, Uhr. in Her Di Mittwoch u. folgende Tage: Orpheus In der Unterwelt. Kleines Theater. AbendS 8 Uhr: Der Unverschämte. Hierauf: HUIo Bobbc. Zum Schluß: Oie Schlangendame. Mittwoch z. erstenmal: Ein idealer Gatte,«chauspiel in 4'Allen von Oskar Wilde. (Station Zoolog. Garten), Kantstr. 12. Dienstag: 26. Vorstellung im Dienstags- Abonnement: 0er Frei- schütz. Volkstümliche Preise. An- �Äillwoch: Don iuan. Volkstümliche Preise. Ansang 8 Uhr- Donnerstag: Opern-Auffuhrungen des Sternschen Konservatoriums. An- sang 7 ff, Uhr... Freitag: 27. Vorstellung rm Fret- tags-Abonnem.: Dsi' Waffenscbmiod. Volkstümliche Preise. Ansang 8 Uhr. Zentral-Theater. (Operette.) 8ff, Uhr: Der Zigennerbaron Irenes Operntheater (Kroll). Anfang 7ff, Uhr. Dienstag, den 15. Mai 1906: Aipenkönig u. Menschenfeind. Oper in 3 Akten von Leo Blech. Morgen Mittwoch: Martha. Vorverkauf im Kgl. Opernhaus, A. Wertheim und Invahdendank. Komische Oper. Abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Mittwoch: Figaros Hochzeit. Donnerstag: Hoffmanns Erzählungen. Freitag: Don Pasquale. Sonnabend: Hoffmanns Erzählungen. Lustspielhaus. Allabendlich 8 Uhr: Die von Hochsattel. Apollo-Theater. Das große neue Programm! D'Osta-Trio. X X Cryso Tiso. Martin Kettner. X Les Figinis. Heinrich Blank. X Wundergrotte. Elfentllcke. La Mafschiche. Humpfti- Bumsti exccntrische Creation, ausgeführt von ItvvS and PHvost. Melropol-Theater Anfang 8 Uhr. • IIIII III M lllvlil uiiui• Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor HoUaender. Rauchen überall gestattet. Residenz-Theater. Direktion: Richard HUxander. Heute und folgende Tage Ans. 8 Uhr Liebesknnst. Komödie in 3 Allen v. Leon Zanros und Michel Carrs._ Carl Weiß-Theater. Gr. Franksurterstr. 132. Dienstag u. Mittwoch abends 8 Uhr: Aus altem Geschlecht. Schauspiel in 5 Akten v. A. Genie. Donnerstag abend 8 Uhr: ZherlolktioliiiersAbenttUkr W. Noacks Theater. Direktion: Roh. Olli,«runnciillr. 16. Heute: ClescbloMSN. Sonnabend, de» 19. Mai 1906: Extra-Vorstellung: Die Ehre des Hniises. Voltsstück in 3 Akten von Karl Hugo. Alisa, ig 8 Uhr. Eutree 30 Pf. Bei schönem Vetter: Vorstellung im Garten._ Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee 148. Mittwoch, den 16. Mai 1906: Garten-Frei- Konzert der Berliner Schühcnkapelle in Uniform. Nach dem Konzert: Taux. Ansang 7 Uhr. Programm 10 Ps. COreadenerstr. 07. olosseutn Spezialitäten. Nencn Prosrnnim. »»ff, I hr: Les Batignolles? Sclilller" Schiller-Thealer 0.(Wallner-Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: Web dem, der liigrt. Lustspiel in 5 Ausz. v. F. Grillparzer. Mittwoch, abends 8 Ubr: Veber nnecre Kraft.(1. Teil.) DounerStag,abeiids8Uhr: Weh' dem, der lügt. Urania Abends 8 Uhr: str. 48/49. Am Golf von Neapel. Sternwarte 00 iocischer GARTEN Täglich nachm. 4ff, Uhr: Großes Militär-Konzert. Eintritt 1 M.. B. 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Deutsch-AmerikaniRch. Theater. Köpenickerstr. 67/68. Heute abend 8IS Uhr: ARME MÄDCHEN. Von Adolf Philipp. Sonnt, nachm. 3 Uhr, halbe Preise. Zum letzten Male:"MG l'eber'n großen Teich. Abends 8" Uhr: Arme Mädchen. heue« Programm! TORTAJADA Spanische Tänzerin u. Sängerin. Narrow Bros., komische Radfahrer. Desroches-Bianca, französ. Duett. Die Hartleys, Springer. Bräsina, Pariser exccntr. Sängerin. Patty Frank-Truppe, Akrobaten. König Dollar, englisches Ballett. Imro Fox, Illusionist. Die Brittons, Neger-Sänger und Tänzer. De Die, Phantasie-Tänzerin. Oie Perseus, Kugelspieler. Der Biograph. KasinosTheater LotHringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Sensationeller Erfolg! Madsme Bonivard. Dazu daö brillante Abfchiedsprogr. Montag, 28. Mai: BchluSvorstellung. Sonntag 4 Uhr: Hotel Kiingehusch Theater. Schiller-Theater N.(Friede.-Wilh. Th.) Dienstag, abends 8 Uhr: �Vaiij(i»«chtu» Kinder. Drama in 4 Akten v. S.A.Naidjonvw. Deutsche Bearbeitung von HanS Kauf- mann und Max Lie. M i t t iv o ch, abends 8 Uhr: Da« OUick im Winkel. D o u u e r S I a g, a b e» d s 8 U p r: Zum erstenmal: Das Lumpengesindel. Passage-Theater. Ansang 8 Uhr. Das neue Mai-Programm erstklassige Spezialitäten 1 Reichshallen. Stettiuer Sänger. Zum Schluß: Einqnartirrung. Milit.Hum. von Meysel. Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. SanssoueUÄ1: Dir. Wilhelm Reimer. Eröffnung des Gartens. Sonnt., Moni., Donnerst.: Aul der Sommerhühne: Hoffkuunnit Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Sommerpreise: Entrec 30 Ps., num. PI. 50. Bei ungünstiger Witterung im Saale. Sonntags Beginn 5. Wochent. 8 Uhr. Im Vorgarten: Frei-Konzcrt. !ki«>«-U»|>Iat?.. Täglich im Garte» bcztv. ► tu den untereu Sälen-4 Mittwoch«. Sonnabend: Freitanz. Nieder- Schönemeide. Waldhaus, wi«» Julius Jacobi,"ÄTib empfiehlt sich Vereinen n. Bekannten. Tauzsaal— Garten. Sonntag: ß-'i'ei-käonzior't. Guslav Behreus Spezialitäteo- Theater Frankfurter __ Allee 85. vorziiglielie Mai-Prapnui! Auftreten nur im Snezii Neueröffnet! M-Ausstelliiiigs- Biopplnst. Louis) Theater lebender Photographien mit aMselnd. Aimormitäten-Progr. Verbindung mit grollt. Pilms- Pabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. Otto Prstzkow, Münzstraße 16. BERLIN vom 5.-26. Mai IS in der Philharmonie, Bemburgcr Strasse. Geöfi. 10-8 Uhr. Eintritt 1 M. Lose a 50 Pf. zugunsten der Pensionsanstalt zu haben in der Ausstellg., bei den kgl. Lotterie-Einnehm. u. sonst. Loseverkaufsstellen. 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Ueber die politische Stellung der Sozialdemokratie, insbesondere mit Bezug aus den Reichstag. Ein Vortrag, gehalten in einer öffent- lichen Versammlung des dcmolra- tischen Arbeitervereins zu Berlin am 31- Mai 1869. Mit Vorwort und einem tragikomischen Nachspiel. Neue Auslage 15 Pf. Karl Marx zum Gedächtnis. Ein Lebcnsabriß und Erinnerungen. 7S Pf. Robert Owen. Sein Leben und sozialpolitisches Wirken. Zwei aus- gegrabene Skizzen. Mit zwei Abbildungen. 30 Pf. Zum 18. März" und Verwandtes. 20 Pf. Rede über den Kölner Partei- tag mit besonderer Berücksichtigung der Gewerkschastsbewegung. 25 Pf. Was die Sozialdemokraten sind und was sie wolle». 25 Pf. Fremdwörterbuch. Geb. S,20 M. Expeiiii des Jnir Berlin SW. 68 Laden. Linden§tr. 69«-«so». s Reichels Universal-* Magenpulver Magenstärkend, die Berdaiiuiiguiiterslüücnd, stark appetitanregend. Stets prompt in seiner Wirkung. Dose«1. f.-, 3 Dosen M. 3.50 fit Vers. Otto Reichel, Berlin 43, Eitenbahutr. 4. SozialilBüiokratiselier Verein im 5. BerLMeiistapalreisJ Den Parteigenossen zur Nach- 1 licht, dag unser langjähriges Mit-< glicd Deutscher I Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, l dag der Kollege, Tischler Otto Gericke i 1 Franz Mühlenschulte (4. Abteilung) am Freitag verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet aml Dicntag, den 15. Btai. nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle dcS I Gcorgcn-Kirchhoses in Weißensee, Nölkeslrage, aus statt. I Um zahlreiche Beteiligung ersucht I 245/8 Der Borst�nv.' Zentralverbüiii der Bändels-, Transpeii- u. Yerkehrsarlieiter Deutsehlands. Verw«ltungsstelle Berlin I. Hierdurch diene zur Nachricht, dag unser langjähriges Mitglied, der Kollege Otto GoHoko verstorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 15. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Georgen-KirchhofeS in Weißensee, Rölkestraße, aus statt. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht 68/10 Die Ortsverwaltung. | am 10. Mai verstorben ist. Ehre seinein Andenke»! Die Beerdigung findet am ! Dienstag, den 15. Mai, nach- mittaas" Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Krankenhauses am Urban auS nach dem Thomas- Kirchhose, Hermannstraße statt. Um rege Beteiligung ersucht 85/17 Die Drtevenrsltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Zimmerer Ksrl Faustmann nach langem Leiden im Alter von 47 Jahren am Sonntagnachmittaa 6 Uhr sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am DonnerStagnachnlittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde auS statt. 1828b Die trauernde Witwe nebst Kindern. Berlins und Bnigegend. -S« !, oa Tode«-.�!! Ziels«. 'Mit zur N Bundesmitglied Hiermit zur Nachricht, daß unser F�nton Eichler vom Klub„Neuer Berliner" am 11. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die'Beerdigung findet am Dienstag nachmittag 5'/, Uhr vom Thomaskirchhos aus statt. 233/18 Der» Vei-sitsud. Am Sonntag, den 13. d. M., entschlief nach langem schweren Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter �uxuste Willert geb. bitelniko im 43. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an friellricb Willert u. Kinder. Grünau, den 14. Mai 1906. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 16. d. M., nachmittags 4 Uhr statt. 12312 Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, imseres guten Vaters, Zchwicger und Großvaters sagen wir allen Bc. tciligten, insbesondere dem sozial- demokratischen Wahlverein des vierten Berliner Reichstagswahlkreises sotvie den Mitgliedern der Freien Ver cinigung der Maurer Deutschlands, unseren besten Dank. 12302 Witwe Menna nebst Kindern. Kranz- und Kliinleiiliinderti von Robert Meyer,. «in Mariamitn-Straße 2. Dr. Simtnel, Ä Spezialarzl sür 110/3« II»iit» and linrnlelden. 10—2, 5—7. SonntagS 10—12, 2—4, Zatg-Kit. Preise* beliebige Deil- zahluiia. 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Lotterie. Ziehung vom It. Mai 1906, vormittags. am die Gevrinoe übet NO Mark•loil den betreffenden Nummern in Klammem belgeltlgt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten. � 171 350 541 705 1017 173 247 321 32[10001 400 573 759 13000] 858 960 2021 174 249 359 678 840 944 «086 88 148 86 426 61 HOüO] 534 638 56 732 879 923 4092 207 31 64 1 10001 95 313 25 42 428 671 13000] 750 846 920 5396 694 13000]---------" 09 613 65 786 822 23 1____ 96 789 810 34 80 1500] 8007 318 93 313 25 42 420 071.... i] 868[500] 6035 160 511[lOOO] 09 613 65 786 822 23 912 88[30001 7241 83 309 677 ____„.Dl 8007 318 705 9054 108 325 528 10041[500] 72 132 285 376 11005 42 490 775 943 12143 00 241 523 45 627 765 810 61 959 84 1 3026(5001 29 285[500] 304 9 81 571 99 938 14091 157 367 533 49 737 63 73 1500] 15007 119 74 311 31 833 52 53 089 16160 272 497 650 11000] 99 725 1 7159 401 46 600 27 814 971 18088[500] 269 370 553 90 693 807 1 9143 421 44 528[500] 43 632 858 2O003 262 86 356 412 538[1000] 683 85 960 76 2 1071 296 324 54 471 544 52 03 630 94 802 955 2 2736 !>'5 23043 220 47 350 708 39 911 24124 41 70 88 647 712 928 2 5032 210 305 575 682 744 995[5000] 26236 314 426 39 47 612 29 750[1000] 98 130001 817 39 918 55 2 7051 54 115 210 700 95 968 28004 1500] 175[30001 285 315[10001 410 535[5001 666 76 890[5jÜ] 99 29251 80 319 430 529 76 1500| 698 965 30136 7? 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Mai, nachmittags. lies 16 707 statt 16 703. 7. Ziehung S. Kl. 214. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 14. Ual IM«, naebmitiags. Nur die Gewinne Uber 140 Mark lind den beireffenden Nummern in Klammern belgelUgt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten. 236[5001 604 1022 30 151 08 205 63 452[3000] 692 733 820 88[500] 2273 303 73 661 99 839 3035 300 53(1000) 76 98 449 649 609 716 97 804 58 974 4103 22 506 673 881 951 5102 91 432 506 48[5001 52 601 923 6004[5001 14 17 79 98 415 51 570 664(10001 703 841 60 i 7009 52 106 99[30001 294 307 630 60 859 911 8092 3000) 332 413 64 66 669 93 611 47 9018 875 472 678 Ol 800[500J 1 39 10220 310 477 530 83 619 11009[500] 73 85 123 47 358 73 446 884 742 884 962 1 2240 315 40 400 648 71 620 49 753 13005 97 196 275 80[500] 97 605 41 752 77 822 51 936 1 4259 91[10001 564 757 854 998 15092 448 602 28 820 21 909 44 1 6019 41[1000] 238 777 98 821 17102 207 447[500] 62 535 78 676 91 780 896 [5001 969 91 18337 82 792 728 812 91 20184 336 85[5001 433 93 652 84 887 2 1218 634 78 713 929 15001 22006 310 78 432 69 513 30 879 903 14 23103 14 367 438 83 020 700 67 900 2 4073 262 84 345 82 422 536[1000] 697 910 85[1000] 25087 HO 422 58 631 704 910 46 61 55 26180 497 611 95 721 929 27128 370 742 805(10001 996 2 8040 91 112 97 324 526 619 73 740 72 15001 857 2 9098 351 403 970 30067 237 64 3.59 834 87 833 56 024 88 3 1 054 80 88 123 13000 1 97 308 461[5000 1 825 912 39 1500J 32156 264[5001 71[5001 330 474 533 708 63 847 961 33027 45 50 94 142 344 459 507 800 94 3 4336 641 35032 135 367 492 827 775 880 939 3 6718[10 OOOJ 893 3 7800 71 908 3 8070 175 232 305 669 700 63 023 1500] 39183(10001 220 77 84 403 652 88[500] 40129 224 88 311 slOOOl 478 611 793 817 900 64 86(500] 4 1008 1500) 12 33 196 241[5001 324[5001 592 694 988[30001 42370 76 701 42 884[5001 98 982 43048 1500] 133 sSOO] 87 528 764 802 21 25 32 44100 15001 423 552 958 45052 67 380 94[5001 450 51 543 630 703 46330 63 594 617 50 749 818 999 47177 [30001 83 281 459 800 33 918 48122 214 368 652 723 852 944 49015 78 186[3000! 219 52 462 568 677 50305 420 69 644 615 65 783 02 023 5 1095 340 639 70 90[5001 989 5 2135 374 438[30001 568 00 795 846 90 954 53135[lOOUl 246 58 09 480 521 621 39 74 717 89 813 5 4201 358 84 655 760 828 992 5 5013 195 453 687 90 816 50 970 5 6605 18 37 88 732 63 6 7068 [500] 355 462(5001 677 736 52 74 892 943 87[10001 77 58091 182 411 660 910 23[500] 69473 589[3000] 652 60059 437 64 630 13000( 46 56 782 082 61170 612 844 62173 15001 204 355 974 63136[5001 56 306 77 601 87 911 13 51 64239 302 69 504 30 15001 77 659 763 911 65094 149 63 81 227 52 77 980 66020 81 173 209 399 495 93 666 788 99 67140 228 428 729 931 68226 43 8W;ä"«>"«"----- � Ä'rM s Zz W 3 S 90 7 7048 150 203 312 26[5001 457 558 67 89 660 738 899 909 59[ 10001 78042 201 59[10001 608 Ml«w 848 53 79064 428 M J WOT 09 669 62(4 754 84 988 0 80130 71 209 22 59 394[500 1 491 857 89 910 48 81113 242 330 82103($5 475 630 711[500! 83023 122 i? ä tu W ds w m sssäs syms i 42 86 885[8001 934 88011 115[5001 26 385 588 638 702 21 95 808 18 044 89177 302 503 39[1000 J 57 604 84 721 r500l9�9 221 461 529 82« 122041 1(4 58 7» 293 31 383 444 IIOOO) 507 67 747 89 818 36 49 1 23008 90 142 266 475 541 651 707 49[1000] 78 124014 18 33 49 114 423 610 85 660 75 784 804 40 125(54 134 258 380 632(1000 1 710 24 33 78(5001 884 93'' 126231 127024 36 100 214 81 93 [5001 352 436 709 itetl 973 128234 468 501 38 900 129008 210 341 505( 5001 99 612 47[3000) 811 942 130056 93 167 241 61 96(3000j 3.« 24 472 573 790 808 131041 66 321 490 753 06 93 907 132041 97 171 W 213.389 669[30001 708 83 46 15001 133429 663 500� 74 862 93° 81 134101 240 501 98 138040 173 �25 89 757 886 935 57 82 1 36014 52 219 309 30 420 ?2 546 Wl 77 90 jn zg ggg 137103 59 207 12[1000] 49 50 772 823 58 138122 313 546 640 03 838 39081 87 121 45 80 l-W 140105 326 430 619 85 141036 64 247 542 611 »28 142300 93 482 500 90 720 855 71 044 39[30001 [500] 1431 144002 55 46t 629 67[5001 94 964(6001»8 91162 3 607 J 5001 827 40 97 U«0 S« 91 921102 *»176 93147 821[10001 37 1500 1 530 ---- 65 640 57.W i| 363 96087 47 67 97024 58 252[5001 513. 316 462 909[30001 I_____... 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Für den Jnftraienteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt« vuchdruckerei u. VerlagSmrstoÜHanl Singer& Co., Berlin SW.