Nr. US. HbennementS'Bedingungcn: RBonnemcnlS■ Preis pränumerando} Sicrteljährl. 3J0 HR!., monaU. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. »ummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. «Angetragen in die Post. Zeitung?. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostadonnementZ nehmen an; Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. RuntKnien, Schweden und die Schweiz. S3. Jahrg. CrWKlnt Milch auBtr Eontags. Vevltnev Volksblntt. DU TnUrtUns'GfbQbr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zcile oder deren Raum b0 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Pereins- und Bersamnilungi. Anzeigen Z0 Pfg. „Aietne Rlnrelgen", das erste(feit- gedruckt«) Wort 20 Pfg,, jede» weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- flellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort» Pfg. Wort« Über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Stummer müssen diS S Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Sozlaldtolokrat Berlin". Zentralorgan der rozialdcmohrati leben Partei Deutfchtandd. Redahtion: 850. 68, Lindenstradse 69. Meritsprccher: Amt IV, Rr. 1083. Mittwoch, den 16. Mai 1906. Gxpedition: 85ll. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1084. Die Vahle» i» Frankreich. i. DaS Wachstum des Sozialismus. Paris, 11. Mai. Man kann die Stärke der sozialistischen Beivegung, wie sie das Wahlresultat vom 6. Mai zeigt, nur absolut— an der Zahl der sozialistischen Wähler und Gewählten und unter Erwägung der besonderen lokalen Bedingungen— messen, nicht durch einen Vergleich mit den Wahlerfolgen des Sozia- lismus in anderen Ländern und auch nicht durch Vergleich mit den vorhergehenden französischen Wahlen. Von vornherein ist die Tatsache in Betracht zu ziehen, daß der soziale Prozeß, der die proletarische Massenbewegung hervorbringt, nämlich die EntWickelung der Großindustrie und die Kapitalskonzentration, in Frankreich langsamer verläuft als in den eigentlichen Industrieländern. Zwar schreitet auch hier die Zersetzung der handwerklichen Produktion und das Wachstuni der kapitalistischen Unternehiiinngsfornien fort, aber die verhältnismäßig hohe Lebenshaltung der qualifizierten Arbeiterschaft, die geringe Zunahme der Bevölkerung und die dadurch bewirkte Stagnation auf dem inneren Markt vcr- anlassen die zahlreichen kleinen Kapitalbesitzer, ihr Geld doch lieber in ausländischen Papieren anzulegen als in inländischen Unternehmungen. Frankreich bleibt immer noch ein agrarisches Land, und agrarische Tendenzen herrschen in allen bürger- lichcn Parteien, ja— sie machen sich selbst bei den Sozialisten zuiveilcn Vcrtvunderlich geltend. Außer im hochinduslriellen forden und in einzelnen Bergwerks- und Jndustriedistrikten der übrigen Provinz kann man jene Konzentration von Arbeitcrmasscn, die die sozialistische Aktion geboren hat, nur in Paris finden, wo indes die besonderen Verhältnisse in den vorherrschenden Luxusgewerben eigenartige, der Entwickelung der spezifisch sozialistischen Denk- und EmPfindungSweisc nicht sehr günstige Bedingungen geschaffen haben. Was aber den Vergleich mit dem Ausland besonders er- schwert. ist das Vorhandensein einer starken, von einer revolutionären Tradition profitierenden bürgerlichen Demo- kratie. Die Masse der französischen Arbeiter ist keineswegs indifferent in dem Sinne, daß sie nicht freiheitlich und nicht antikapitalistisch empfände. Aber noch hat sich— besonders in der Provinz. wo die antircpublikanischcnPartcien noch stark sind— die Differenzierung zwischen dem RepublikanismuS und dem Sozialismus nicht vollendet. Da überdies das große Unter- uehmcrtum überwiegend klerikal oder progressistisch. die Phraseologie des Radikalismus demgemäß stark antikapitalistisch gefärbt ist und das Wahlinteresse auch den bürgerlich-radikalen Deputierten dazu treibt, in Strcikkonfliktcn bei den staatlichen Behörden zugunsten der Arbeiter zu intervenieren, so findet der Arbeiter den Unterschied zwischen proletarischer und bürger- licher Demokratie nicht immer leicht heraus. Und schließlich darf nicht außer acht gelassen werden, daß die u n p o l i t i s ch c Tendenz der gewerkschaftlichen Aktion, wie sie die ConfSdüration du Travail betreibt, die Erkenntnis der Arbeiterschaft: daß die sozialistische Partei die natürliche Vertreterin ihrer Klassen- intcressen im Parlament des Bourgeoisstaates ist, nicht ge- fördert hat! Die Leiter der Konföderation leugnen nicht, daß im Parlament Arbciterintercssen von großer Bedeutung ins Spiel kommen, aber das Prinzip von der einzig wirksamen „direkten Aktion" läßt ihnen eine besondere politische Organi- sation und Aktion des Proletariats überflüssig erscheinen. Der Anhänger der„direkten Aktion" kann sich ebenso gut der Stimme enthalten wie für einen bürgerlichen Kandidaten stinimen, von dem er sich eine Vertretung seiner Jnter- essen verspricht!— Da das Parlament überhaupt für unfähig angesehen wird, bei der Befreiung der Arbeiterklasse entscheidend mitzuwirken, so begeht der an die syndikalistische Formel glaubende Arbeiter keinen Verrat an seiner Klasse, wenn er etwa für den Radikalsozialisten gegen einen Sozialisten seine Stimme abgibt.— Erwägt man hier noch die Tatsache, daß manche bürgerliche Radikale, wie P e l l e t a n während seiner Ministerschaft. den Forderungen der'Arbeiter wirklich sehr weit entgegengekommen sind, so kann eS nicht wunder- nehmen, daß noch Hunderttausende von keineswegs gleich. gültigen oder etwa klerikal fanatisierten. sondern revolutionären und von einem nebelhaften Glauben an eine sozialistische Republik erfüllten Arbeitern für die Radikalen wählen gehen. Die große Bedeutung der Wahl vom 6. Mai liegt nun darin, daß sie trotz aller allgemeinen, dauernden und trotz mancher besonderen. gerade dieses Mal ivirksamen Hemmungen eine sehr starke Zunahme der polittschen Er- kenntnis der Arbeiterschaft sichtbar gemacht hat. � Diese Tatsache läßt sich niit genügender Sicherheit bei ein- gehender Betrachtung des Ergebnisses in den einzelnen Regionen erkennen, dagegen nur sehr ungenau aus einer Vergleichung der ziffernmäßigen Resultate dieser Wahl mit denen der vorangehenden und besonders mit den Ergebnissen von 1902. Die Wachstumsziffer von 250 000 Stimmen, die z. B. der„Petit Parisien" den Sozialisten zu- geschrieben hat. ist durchaus tvillkürlich und schon darum falsch, weil sie die„parlamentarischen" Sozialisten mit umfaßt. Wollte man aber selbst die Gewählten dieser Gruppe als wirkliche Sozialisten ansehen, so ist dies doch in bczug auf die Wähler unmöglich, da etliche von den Kandidaten der „Parlamentarischen" als„Kandidaten allerbürgerlichen Republikaner" auftraten. Wenn z. B. V i v i a n i 1902 im 5. Pariser Arrondissement 5218, der Genosse Collignon aber, der diesmal Kandidat der geeinigten Partei war, ebendaselbst jetzt nur 598 Stimmen erhalten hat, so bedeutet das natürlich keinen Verlust der Sozialisten; denn die schein- bar verlorenen Stimmen finden sich bei Collignons Gegen- kandidatcn Viviani ivicder, der als„republikanischer" Kandidat 5010 Stimmen bekam. Es sind das zum großen Teil Stimmen von„Intellektuellen", die nie Sozialisten waren. und von demokratischen Bourgeois dieses Jntelligenzbezirks.— Von M i I l e r a n d s 6255 Stimmen vollends rühren min- destcns 2500 von Reaktionären her. Wollte man die Stimmenzahl, die 1902 auf die Kandidaten aller sich als„sozialistisch" bezeichnenden Parteiorganisationen entfiel, mit der diesmal von den Unifizierten allein auf- gebrachten vergleichen, so käme man sogar auf einen— wenn auch ganz unbedeutenden— Rückgang. Aber dieses Minus bedeutet tatsächlich ein sehr ansehnliches Plus. Die Kandidaten der unifizierten Partei haben nämlich 876000 Stimmen auf sich vereinigt, gegen etwa 880000„sozialistische" Stimmen von 1902! Aber damals entfiel etwa die Hälfte auf die Kandidaten des„Parti Socialiste Franyais", dessen Deputierte zum Teil der Partei nach der Einigung den Rücken kehrten. Die nicht-gecinigten Sozialisten zählten in der Kammer zuletzt 15, die geeinigten 39 Mitglieder. Für die Konsolidierung der Partei zeugt nun die Tatsache, daß von den Kandidatcn dieser 89 Wahlkreise diesmal 29 gleich im ersten Wablgang gewählt ivurden. Das bedeutet, daß die sozialistische Wählerschaft die Einigung der Partei und die oppositionelle Haltung der Fraktion vollständig billigt, daß also die Abgeordneten den Willen der sozialistischen Arbeiterschaft vollstreckt haben. Kein einziges Mandat ist verloren ivorden, und in der Stichwahl wird wahrscheinlich nur ein einziges verloren gehen, das des 1. Bezirkes des 15. Pariser Arrondiffements, dessen Vertreter der verstorbene Genosse Bagnol war, wo aber der neue sozialistische Kandidat A n b r i o t gegen den radikalen Ge- meinderat C h a u t a r d in der Minorität geblieben ist und seine Kandidatur zurückgezogen hat. Der Gewinn der Partei läßt sich aus dem Grunde nicht abschätzen, weil nian ihren Verlust nicht bemessen kann. Zu den Wählern, die den nicht unifizierten Sozialisten treu- geblieben sind, kommen die Intellektuellen hinzu, die 1902 noch— unter der Rachwirkung der Dreyfuskrise— für die „Partei Iaures" stimmen mochten, von einer Partei des proletarischen Klassenkampfes aber nichts wissen wollen! Von diesen„Mitläufern" ist sicher auch eine große Zahl infolge der antimilitaristischen Agitation und wohl selbst unter dem Eindrucke der Bombcnaffärcn und der drohenden Sprache mancher Gewerkschaftler abgeschwenkt. Aber es ist nicht zu leugnen: Nicht nur bei den bürgerlichen Mitläufern hat der Antimilitarismus der Partei Abbruch getan. Das erweist z. B. das unbefriedigende Wahlresultat im Departc- ment I o n n e. der Hauptstätte der Hervöschen Agitation. Im 2. Wahlkreise von A n x e r r c sah der Parteiveteran Eaniölinat— unter der Kommune Direktor der Münze — seine Stimmcnzahl von 5223 auf 8959 zurückgehen! Auch in Auxerre I sind einige Hundert Stimmen verloren gegangen. In I o i g n y allerdings hat der Sozialist, der dort zum ersten Male in den Wahlkampf trat, 2500 Stimmen erhalten. Zur Affäre Schöne- Brockhusen. Von dem Vertreter des in der SpitzelaffKre Schöne-Brockhusen erwähnten russischen Kaufmanns erhalten wir folgende Zuschrift: An die Redaktion des„Vorwärts" Berlin. Sehr geehrter Herr Redakteur! Als Bevollmächtigter des in die Affäre des Kriminalkommissars Schöne verwickelten russischen Kaufmanns ersuche ich Sie er- acbenst und dringendst. in Ihrer morgigen Nummer folgender Richtigstellung Raum zu geben. Ich gründe dieses Ersuchen darauf, daß die Ausführungen des Ministers auch in Ihre Zeitung Eingang gefunden haben..> Der preuhische Minister des Innern hat nach dem steno- graphischen Bericht deS heutigen„ReichsanzeigerS" am IL. d. M. im preußischen Abgcordiietenhause folgendes ausgeführt: „Wie eS scheint— ich mutz mich dieses vorsichtigen Ausdrucks bedienen, weil der russische Kaufmann inzwischen eine längst geplante Geschäftsreise nach Rußland angetreten hat und noch nicht hat gehört werden können— wie es scheint, hat diese dritte Person den russischen Kaufmann bestimmt, um die Er- laubniS zum längeren Verweilen hier zu erhalten, seinerseits dem Kriminalkommissar Schöne das Angebot zu gewissen Diensten zu machen. Kurz darauf ist— das will ich ausdrücklich hervorheben—, der russische Kaufmann anderen Sinnes ge- worden und hat einen hiesigen Rechtsanwalt beauftragt, seinen Wunsch um Erlaubnis zu dauerndem Verweilen im geordneten Beschwerdeweg zu verfechten." Als Bevollmächtigter des erwähnten russischen Kaufmanns be- merke ich dazu: Die obige Darstellung ist in allen wesentlichen Punkten un- richtig. Nach einer mir vorliegenden sehr ausführlichen cidesstatt- lichen Versicherung des genannten Kaufmanns vom 22. April d. I. hat der Privatier v. Brockhusen. der meinem Klienten geschäft- lich bekannt war und stets mit seinen hohen Verbindungen geprahlt hatte, am 18. April d. I. abends meinen Klienten in der Wein- Probierstube Wilmersdorf. Kaiserplatz 5 mit dem Kriminal- kommissar S ch ö n e. den er als eine höchst einflutzreiche Persönlich- keit, als die„beste Quelle" zur Verhinderung der Ausweisung be. zeichnet hatte, zuerst zusammengebracht. Kriminalkommissar Schöne äutzerte hierbei zunächst: Es sei furchtbar schwer, etwaS für meinen Klienten zu tun. Ein Geheimer �ustizrat habe sich für einen russischen Doktor der Chemie beim Berliner Polizeipräsidium in gleicher Angelegenheit ins Mittel gelegt und dennoch eine ab- schlägige Antwort erhalten. Immerhin hoffe er, meinem Klienten helfen zu können, da er lmein Klient) von Herrn v. Brockhusen so warm empfohlen sei; ihm(Schöne) stehe so viel und so mancherlei zur Verfügung. Er lverde meinen Klienten, wenn dieser in Petersburg sein werde, vielleicht um ein paar Kleinigkeiten bitten, doch werde er darauf später zurückkommen. � Am 20. April abends fand am gleichen Orte wiederum eine Zusammenkunft incincs Klienten mit Schöne und v. Brock- usen statt. Schöne berichtete: Es sei eine sehr schwierige Sache, er habe sich bei seinem Vorgesetzten inS Mittel gelegt, sei aber abschlägig bcschiedcn worden, da diesmal keine Ausnahme möglich sei. Schließlich habe er, Schöne, eingeworfen: Ja, aber wenn sich der Herr Verdienste in staatlichen und kommunalen An- gelegcnhciten erwirbt? Darauf habe der Vorgesetzt« erwidert: Ja, dann ist eine Ausnahme wohl möglich, dann soll der Herr bei uns gut aufgehoben sein. v. Brockhusen fügte hinzu: Dann werden Sie sogar besser als ein preußischer Untertan gestellt sein. Im Anschluß hieran unterbreitete Schöne meinem Klienten den hier nicht zu erörternden Vorschlag, der deutschen Regierung hoch- und landesvcrrätcrische Spionagedienste gegen sein Vaterland Rußland au leisten. Dieser Vorschlag versetzte meinen Klienten sofort in die größte Erregung, die er allerdings bei der Zwangslage, in der er sich befand, zunächst bcmcistcrte. Er betonte, daß ihm nicht daran liege, dem Staate Dienste zu leisten; er habe nur den Wunsch, sich Schöne für seine Gefälligkeit erkenntlich zu zeigen. Er fragte Schöne, was dieser tun würde, wenn ihm ein solcher Vorschlag gemacht werden würde. Schöne entgegnete, nach Mitteilung v. Brockhusen gedenke mein Klient, sich naturalisieren zu lassen, er habe ja an seinem Vaterlande so wie so nichts zu verlieren; er solle naturalisiert werden, wenn er die ge- wünschten Dienste geleistet habe. In seiner Rat- und Hülflosigkeit hat mein Klient dann zunächst nichts weiter cingewenoct, sich aber unmittelbar nach diesem Gespräch an mehrere Fennde und an den Unterzeichneten um Rat gewandt. Natürlich hat er die Angelegenheit auch sofort mit seiner Frau besprochen. Nicht einen Augenblick hat er auch nur daran gedacht, der ihm von dem Kriminalkommissar Schöne gemachten schmählichen Zumutung zu entsprechen. Mit Fug mid Recht besorgte er aber, sofern er jetzt sofort einfach mit der gebührenden Schroffheit ablehne um so sicherer ausgewiesen und noch überdies bezichtigt zu werden, er sei bereit gewesen oder habe sich gar angeboten, Verräterdienfte gegen sein Vaterland zu leisten, vcr Plan habe sich nur aus niedrigen Grün- den zerschlagen, z. B. weil er mit der Entlohnung nicht zufrieden gewesen sei. So bestand für ihn die Gefahr, nicht nur in Deutsch- land, sondern auch in Rußland unmöglich gemacht zu werden, und seinen ehrlichen Rainen zu verlieren. Um dieser Gefahr sicher zu begegnen, wurde von meinem Klienten und seinen Beratern für durchaus nötig gehalten, dritten Personen vorab Einblick in die Angelegenheit zu verschaffen. Der Unterredung vom 22. April, die sodann in der Wohnung meines Klienten stattfand, wohnten mehrere unbeteiligte Personen bei. In dieser Unterredung kam cS wiederum klar zum Ausdruck, daß es sich nicht um ein An- gebot meines Vollmachtgebers handelte. ES wurde diesem, sofern er bis zum Ablauf der ihm von der Polizei gesehten Frist von 3 Monaten die verlangten Dienste nicht werde leisten können, vom Kriminalkommissar Schöne eine Prolongation in Aussicht gestellt, die Herr Schöne leicht durchbringen zu können betonte. Ferner wurde meinem Bevollmächtigten Geld angeboten, das dieser aber ablehnte. Beim Beginn der Unterredung vom 22. April wurde meinem Klienten der bekannte falsche Paß auf den HandlungSreisenden Ernst Fiedler, versehen mit dem Visum deS russischen Konsuls, vom Kriminalkommissar Schöne ausgehändigt, ebenso die Beschei- nigung, daß er christlicher Konfession sei. Wenn der Minister deS Innern am 22. d. M. bemerkte, der russische Kaufmann habe wegen seiner Abwesenheit nicht gehört werden können, so vermisse ich den Zusatz, daß seine— schwer kranke— Ehefrau von einem höheren Beamten des hiesigen Polizeipräsidiums gehört worden ist und die obige Darstellung ihres Mannes bestätigt hat. Auch sei betont, daß mein Klient, um sich vollends zu decken, dem hiesigen russischen Konsulat Mitteilung von dem Geschehenen gemacht hat. Ich trete daher der eingangs zitierien Bezichtigung, die dir Minister in der denkbar breitesten Ocffcntlichkeit gegen meinen wahrlich bedauernswerten Klienten erheben zu dürfen geglaubt hat, und deren vorsichtige Form an ihrem Charakter nichts ändert, um der Ehre und Existenz meines Klienten und seiner Familie willen und auch im Auftrage seiger Ehefrau mit dem größtem Nachdruck entgegen und fasse mich dahin zusamitzcn: Unwahr ist, daß mein Klient dem Kriminalkommissar Schöne jemals„gewisse Dienste" angeboten hat. unwahr ist, daß er erst nachträglich anderen Sinnes geworden ist. Tatsache ist. daß ihm Kriminalkommissar Schöne und Privatier v. Brockhusen die Jnhibierung der angedrohten Ausweisung als Gegenleistung für verbrecherische und gemeine Spionagedienste in Aussicht gestellt und ihn zu solchen Diensten zu gewinnen der- sucht haben. Tatsache ist, daß er vor die Wahl gestellt, solche Dienste zu leisten oder seine Existenz zu verlieren, nicht einen Augenblick geschwankt hat. Berlin, den 15. Mai 1006. Ergebenst Dr. K. Liebknecht. Rechtsanwalt, politifcbc Ocberficbt Berlin, den 15. Mai. Diäten und Finanzreform. 'Regierung und bürgerliche Parteien hatten es sehr eilig, das Diätcngesetz unter Dach und Fach zu bringen, damit seine Wirkung in den nächsten Wochen die Erledigung der parlamentarischen Geschäfte, aus die Regierung und MehrheitS- harkeien besonderes Gewicht legen, günstig becinflnsse. Ohne Diäten keine Beschlußfähigkeit des Reichstages— das ist die Signatur bürgerlicher Politik. Höher verstieg sie sich nicht und bestätigte damit die Kläglichkeit und Kleinlichkeit ihrer gesetzgeberischen Aktionen. Die Vorlage ist weit davon entfernt, die selbstverständliche Forderung zu erfüllen, daß den Volksvertretern eine ähnliche Entschädigung zu teil wird, wie sie für alle Beamte als selbst verständlich erachtet wird. Wie wir bereits früher erwähnt haben, ist in einer Reihe außerdeutscher Staaten ein Pauschale als Entschädigung für die Tätigkeit der Volks Vertreter festgesetzt, so z. B. in den Vereinigten Staaten auf Grund der Verfassung von 1787; die Entschädigung wurde im Jahre 18W auf 5000 Dollar festgesetzt und ist später auf 7500 Dollar erhöht. Ungarn kennt als Ehrensold ein Diätenpauschale von jährlich 2400 Gulden(4800 Kronench daneben ein Quartiergeld von 800 Gulden(1600 Kronen). In Frankreich ist die Entschädigung auf 9000 Frank festgesetzt. Schweden kennt eine solche von 1200 Reichstalern. Die Nieder- lande haben 2000 Gulden(8380 M.) als Pauschale festgesetzt. Teilweise, z. B. in Amerika, ist ein Abzug für diejenigen 2wge, in denen das Mitglied den Sitzungen nicht beigewohnt hat, in Höhe der auf diesen Tag rechnungsmäßig entfallenden Summe zulässig. Andere Länder haben das Tagegelder- (Diäten-) System. Die Diäten betragen in Oesterreich 10 Gulden, in der Schweiz 20 Fr., in Norwegen 3 Spezies- Taler, in Dänemark 3 Reichstaler, in Elsaß-Lothringcn 20 M., in Preußen bekanntlich 13 M. In Elsaß- Lothringen solvohl wie in Preußen werden Diäten ohne Rücksicht darauf. ob an den Tagen eine Sitzung abgehalten wird und ob der Abgeordnete anwesend ist, gezahlt. Die Regierungsvorlage enthält ein eigentümliches Mischmasch-System zwischen Pau- schale und Anwesenheits-, oder richtiger Abzugsgeldern. An diesem System wurde auch in dritter Lesung festgehalten. Der Zweck, den die Regierung und die bürgerliche Mehrheit mit dem Gesetz verfolgt, ist nicht der eines Ehrensoldes sondernder des Zusammentreibens einer bürgerlichen Mehrheit durch Ersatz der entstehenden Auftvendimgcn. In kleinlicher Art wurde des- halb an der Höhe des Abzugsgeldes, das auch für Fehlen bei Abstimmungen Geltung haben soll, herumgehandelt. Die in zweiter Lesung beschlossene Höhe von 20 M. wurde schließlich auch in dritter Lesung angenommen. Graf Posadowsky plädierte noch einnial für Acnderung des Artikels 28 der Verfassung und damit für Preisgabe von Reichstagsrechten gegen Diäten. Seine Bemühung blieb vergeblich. Auch in dritter Lesung blieb es bei der Ablehnung einer Aenderung des Artikels 28. Die Rechte rückte mit der Absicht, Volksrechte gegen die Diäten einzufordern noch- nials vor. Der Abgeordnete von S t a u d y(k.) drohte mit deni„roten Gespenst", von Kardorsf(Rp.), der einst öffentlich erklärt hatte, die Diätenlosigkeit veranlasse ihn. gut besoldete Aufsichtsratsposten bei kapitalistischen Unternehmungen von dem Kaliber der..Laurahütte" anzunehmen, erklärte sich unter sarkastischen Zurufen und Gelächter als prinzipiellen Gegner des Gesetzes. Es ivurde der die Aenderung des Artikels 32 der Ver- fassung betreffende Gesetzentwurf nach dem Beschlüsse zweiter Lesung mit 224 Stimmen gegen 41. bei einer Stimm- cnthaltung, das Diätengesctz dann nach den Kommissions- bcschlüssen mit 210 gegen 52 Stimmen bei drei Enthaltungen angenommen. Dann folgte die zweite Beratung des Mantelgcsctzes, das den Kern der sogenannten Reichsfinanzreform, die Sicherung der Einzclstaatcn vor Ueberlastung mit Reichs- ausgaben enthalten soll. In der Steuerkommission ist die Fest- lcgung der Matrikularbeiträge, wie sie die Regierungsvorlage vorsah, abgelehnt worden. Genosse Bernstein legte in eingehender Rede dar, daß diese Art Reform nur eine notdürftige Deckung des Reichsdefizits mit dem ungeeignetsten und schädlichen Mittel indirekter Besteuerung der Massen sei. während der preußische Finanzminister für die Regierungsvorlage plädierte. Die Debatte über das„große Finanzwerk" war äußerst dürftig, da die Konipromißmehrheit an den Kommissions- beschlüsscn festhielt und diese annahm ohne darüber zu dis- kuticren. Die Beratung der Resolution, die eine Erhöhung der Posttarife ini Ortsverkehr ustv. wünscht, wurde auf Mittwoch vertagt; außerdem wird die zweite Beratung des Gesetzes über die Ausgabe von Reichskassenscheinen erfolgen.— Das Debüt des neuen Lcrkehrsministers. Der neuernannte Verkehrsminister B r e i t e n b a ch, der Nachfolger Buddes, benutzte am Dienstag die Gelegenheit, sich dem Abgeordneteichause vorzustellen. Aus der Tages- ordnung stand die zweite und dritte Lesung der Sekundärbahn- Vorlage, die zwar an und für sich zur Erörterung prinzipieller Fragen von weittragender Bedeutung nicht recht geeignet ist, aber trotzdem Herrn Breitenbach Anlaß zu einigen all- gemeinen Bemerkungen gab. Die neue Exzellenz will in jeder Beziehung in den Bahnen ihres Amtsvorgängers wandeln, sie will die Buddesche„Sozialpolitik" betätigen und auch das gute Einvernehmen mit dem— Finanzminister aufrechterhalten! Mit anderen Worten: auch Breitenbach will die Eisenbahnarbeiter und-Beamten zu Staatssklaven machen, indem er sie durch allerhand Wohlfahrtsbestrebungen zu fesseln sucht, dafür aber ihre politischen Rechte nach Möglichkeit be- schränkt. Auf der anderen Seite will er die Eisenbahnen nach wie vor als Finanzquelle für den Staat betrachten. Mit dem neuen Herrn wird also kein neuer Geist in die Verwaltung einziehen.— � Dcutfcbca Reich. Lom Bankrott des sächsische» Antisemitismus. Bei den Reichs- tagSwahlen von� 1893 war es, wo der Antisemitismus in Sachsen sich der Gefolgschaft des gesamten Spießbürgertums, der Klein- Händler und Handwerker, erfreute und mit einem Male eine Anzahl Reichstagswahlkreise, darunter alle drei Dresdener, eroberte. Wie stiegen die„Erfolge" den antisemitischen Eintagsfliegen zu Kopfe. Das Bramarbasieren des lungenkräftigen Zimmermanns und seines Gefolges war unerträglich. Sachsen sollte der Ausgangspunkt für die Eroberung Deutschlands durch den Antisemitismus werden. Einen unüberwmdlichen Damm gegen die Sozialdemokratie wollte man in der Deutsch-sozialen Reformpartei errichten. Durch große Plakate kundigte man das an. und gleichzeitig wurde eine„Tages- zcitung größten Stils" in der„Deutschen Wacht" gegründet. Zimmermann wurde mit 8009 M. Gehalt Direktor, daneben funk- tionierten noch acht Redakteure und zwei Geschäftsführer, das Geld wurde durch Ausgabe von Aktien aufgebracht; die Freude dauerte aber nicht lange. Schon bei den Nachwahlen offenbarte sich der beginnende Bankrott des Antisemitismus in Sachsen. Die„Tages- geitung größten Stils" kam in Geldnot; bald mußten die Aktien zusammengelegt werden, und bald war alles Geld verpulvert und die.SlltiPBÜie hatten das Nachsehen. Die letzten sechs Jahre waren für den sächsischen Antisemitismus ein langsames qualvolles Sterben. Zwar wurde der„Wacht", die inzwischen im Umfang sehr reduziert worden war, noch einmal aufgeholfen, aber es war nur eine künstliche Verlängerung der Qual. Nachdem verschiedene andere Versuche, das Blatt über Wasser zu halten, gescheitert waren, ist man jetzt am Ende angekommen. Durch eine B e k a n n 1 machungdesDresden er Amtsgerichts wird der Aktien gesellschaft Deutsche Wacht jede Veräußerung ihres Ver inögens untersagt, weil Konkurs gegen sie be antragt worden ist. Damit geht die antisemitische Partei Sachsens ihres einzigen Preßorgans verlustig. Und wie lange wird es dauern, bis auch die sonst noch vorhandenen Ucberrcste ehe maliger antisemitischer Herrlichkeit in Sachsen verschwunden sind.— Ein Arbeitswilliger als Opfer der Breslaurr Polizei. Wir teilten schon mit, daß der Arbeiter Baum zu Breslau an einer Kopfwnnde gestorben ist, die er bei der Straßenschlacht von Polizei säbeln erhielt, lieber diesen Unglücklichen hat nun ein b n r g e r l i ch e s Blatt— die„Breslaner Zeitung" mitgeteilt: „.... Nach den eigenen Angaben, die er daheim über seine Verletzung gemacht hat, war er am Abend des 19. April nach Fabrikschluß mit seiner Braut, einer Spinnereiarbeiterin, spazieren gegangen und ivar gegen 7 Uhr auf dem Heimwege nach der Schweitzerstraße begriffen, wo er au? Schlafstelle wohnte. Sein Weg führte ihn durch die von einer gewältigen Menschenmenge erfüllten Friedrich Wilhelmstraße. Vor dem Laden des Wurstfabrikanten Kümmel habe ihm ein Schutzmann barsch zugerufen:„Bleiben Sie stehen I"— und als er diesem Verlangen Folge geleistet, habe er einen Säbelhieb an der rechten Kopfseite erhalten ... Wie Baum mit aller Bestimmtheit behauptet, habe er— und das würde, die Richtigkeit der Behauptung vorausgesetzt, das tragische Moment seines Todes sein,— weder z u den Skandal machern,»och überhaupt zu de» Ausgesperrten ge- hört, sondern er sei als Nichtorganisierter nach wie vor au? Arbeit gegangen und habe auch an jenem Unglücks-Donners- tag uiit de» andere» Arbeitswilligen erst um 6 Uhr in der Link«' scheu Fabrik Feierabend gemacht. Die Wahrheit der Behauptung hätte das bürgerliche Blatt durch eine Anfrage bei der betreffenden Fabrik leicht feststellen können Wir haben keinen Anlaß, daran zu zweifeln, da ein klassenbewußter Arbeiter sich nicht für einen Arbeitswilligen ausgeben würde. Also hat die Breslauer Polizei, da sie auszog, die Arbeits- willigen bor dem sozialdemokratischen Terrorismus zu schlitzen, einen — Arbeitswilligen getötet! Umsichtig und besonnen!—_ Um den Prosit. Ans dem Schlächtergewerbe wird uns geschrieben: Die Forderung der sozialdemokratischen Presse, die Schlächter meister sollten die Fleischpreise entsprechend dem Rückgang der Viehpreise heruntersetzen, bereitet der„Allgem. Fleischer-Ztg." großes Mißbehagen. Erfreulicherweise ist diese» Blatt nicht allein für das Fleischergewerbe niaßgebend. Es existieren noch andere Fach zeitungen unserer Branchen, und zwischen der„Allgem. Fl.-Ztg." und der„Deutschen Fl.-Ztg." tobt zurzeit ein recht niedlicher Konkurrenzkampf. Die„Allgem. Fl.-Ztg." fertigt z. B. das letzt genannte Blatt, das sich erlaubt hatte, zu einer Ermäßigung der Fleischpreise aufzufordern, mit folgender an die Schlächtermeister gerichteten Denunziation ab: „Eine Fleischer-Zeitung" sammelt die PreiSherab setznngen für Fleisch aus verschiedenen Städten, veröffentlicht dann diese Liste nicht nur selbst, sondern verschickt sie auch an die Tageszeitungen, die sie vergnügt aufnehmen unter Betonung, daß ihre Quelle eine Fachzeitung sei, und daran die Frage knüpfen, warum nicht auch hier oder dort, wo die Fleischpreise aus irgend welchen Gründen noch ein wenig hoher stehen, die Preise in ent- sprechender Weise herabgesetzt werden. Das liest dann das große Publikum und setzt dann den Meistern wegen der angeblich zu hohen Fleischpreise arg zu. So bietet jeneFleischer- Zeitung den Gegnern des Fleischergewerbes Waffen gegen- die Meister, die empört sind, daß die Waffen sogar aus ihren eigenen Reihen geliefert sind." Ein hübsches Gegenstück zu dieser Profitsucht bildet der in den Kreise» der Schlächtermeister, speziell der Herren„Hofschlächter- meistcr", herrschende Byzantinismus. Die„Allgem. Fleischer-Ztg." veröffentlicht z. B. folgenden telegraphischen Bericht vom Gubener Bezirkstag: Der 25. Bezirkstag des Brandenburgischen Bezirksvereins, der mit einer Morgenmnsik eingeleitet wurde, wurde durch den Vor- sitzenden Langer-Nowawes mit einer Begrüßungsansprache eröffnet. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde einstinnnig be schlössen, folgendes Telegramm an Se. Majestät den Kaiser zu senden: An des Kaisers und Königs Majestät Berlin. Vom 25. Bezirkstag des Brandenburgischen Bezirksvereins im Deutschen Fleifcherverband senden die Vertreter von drei- tausend brandenburgischen F l e i s ch e r m e i st e r n an Elv. Kaiserl. Königl. Majestät das Gelübde der tief st en Ehrfurcht, der unwandelbaren Treue und des unverbrüch- 'lichcn Gehorsams. Mit dem Rufe:„Hie gnet Brandenbiirg allewege" I werden wir zu allen Zeiten und in allen Verhältnissen in Treue bis in den Tod und in stetem Gehorsam Ew. Majestät getreue Brandenburger sein. Der Vorstand des Brandenburgischen Bezirksvereins. W. Langer-Nowawes. Liberale Terroristen. In Magdeburg sitzen zwölf soziab demokratische Vertreter im Stadtverordnetenkollegium, die den Herren von Besitz und Bildung durch ihre Rührigkeit und Schlag fertigkeit höchst unbequem geworden sind. Da sich unsere Genossen auch nicht geduldig anpöbeln ließen, sondern auf einen groben Klotz einen groben Keil setzten, so hat die liberale Mehrheit jüngst hier folgenden Zusatz zur Geschäftsordnung beschlossen: „Wer die Ruhe und Ordnung stört, kann bei mehrmals wieder- holten Zuwiderhandlungen für bestimmte Zeit oder für die Dauer der Wahlperiode ans der Versammlung ausgeschlossen werden, wenn zwei Dritteile der Anwesenden m diesem Beschlüsse überein- stimmen. Zuwiderhandlungen, die länger als drei Monate zurück- liegen, bleiben außer Betracht. Der Beschluß erfolgt ohne vorgängige Verhandlung. Jedes Mitglied kann Vor- schlüge wegen Berhänguna der Ausschließung, lvegen der Dauer der letzteren und wegen Ausführung des Beschlusses machen; eine Begründung dieser Vorschläge darf nicht statt- finden. Die Versammlung kann auch, ohne Verhandlung, mit einfacher Stimmenmehrheit die Vorscküäge dem Rcchtsansschnß zur Vorberatung überweisen. Ebenso genügt einfache Mehrheit für Beschlüsse über die Dauer der Ausschließung und die Ausführung des Beschlusses." Der Beschluß ist wohl das tollste an Knebelung der Minorität, was je eine Körperschaft beschlossen hat. Ausschluß a u f d i e Dauer der Wahlperiode und ohne jede Beratung! Also ohne daß der Beschuldigte sich überhaupt nur verteidigen kann. Die Herren Liberalen denken auf diese Weise anscheinend die Sozialdemokratie ganz loszuwerden. Darin dürften sie sich aber geschnitten haben. �Welchen Tones sich die Bürgerlichen selbst beflissen haben, zeigen Ausführungen, die Rechtsanwalt Landsberg bei der Bekämpfung der ungeheuerlichen Vorlage machte. Er sagte n. a.: „Wir werden alleweile einmal vom Lorsitzenden unterbrochen und berichtigt; andere Mitglieder nicht. Wir werden mit Rektisi- kationen und Ordnungsrufen reichlicher bedacht. Für den AnS« druck„kleinlich" wurde ich rektifiziert, oblvohl der Ausdruck meiner Meinung nach in einem Mädchenpensionat gebraucht werden könnte.' Herr St. hat uns reis für den Psychiater genannt und Größenwahn vorgeworfen, er wurde nicht rektifiziert. Als Herr R. das Wort„G e m e i n h e i t" in den parlamentarischen Wörterschatz einführte, erhielt er keinen Ordnungsruf. Seine Äc- merkung bezüglich der„F r e ch h e i t" nannte der Vorsitzende hypothetisch lnid rief ihn deswegen n i ch t z u r O r d n u n g." Die Magdeburger liberalen Stadtväter werden, dessen sind wir gewiß, ihres wahrhaft genialen Beschlusses nicht recht froh werden. Dafür werden unsere Genossen zu sorgen wissen.— Welches Interesse Haien Sie übrigens daran...? Der verantwortliche Redakteur der Breslaner„Bolkswacht", Genosse R a d I o f f, lvurde am Sonnabend vom llntersuch»uigs- richter Fierle in dem Ermittelnngsverfahren nach dem unbekannten „Schutzmann" vernommen, der dem Arbeiter Biewald die Hand abhackte. Man sollte meinen, daß der Herr Untersilchnngsrichlcr das größte Interesse an der Ermittelnng de» Täters hätte und daß er begreifen müßte, weshalb die„Bolkswacht" Interesse an dieser Ermittelnng hat. Es scheint das aber nicht der Fall zu sein, denn im Laufe de» Verhör» legte er dem Genossen Rudloff die ivundcrbare Frage vor: Welches Interesse haben Sie übrigens daran, nach dem Täter zu forschen? Unsere Leser werden die Motive zu dieser sonderbaren Frage einigermaßen begreifen können, wenn sie erfahren, daß der Justizrat Mainroth, der bekannte Vertreter Biewald», in der„Deutschen Juristenztg." einen Artikel veröffentlicht hat, in dein er unter Mit- teilnng einzelner Fälle nachweist, daß der Untersuchrnigsrichter Fierle in durchaus ungesetzlicher Weise Briefe von Inhaftierten, die sich auf die Bedlcidignng beziehen und von höchster Wicytigkcit sind, zurückbehält, daß er auch den miindlichen Verkehr der in Unter- suchungshaft Befindlichen mit ihrem Anwalt in der unerhörtesten Weise beschränkt. Allein seitens der wegen der Polizeiexzesse vor dem Nikolaitor Verhafteten liegen zurzeit mehr als zwanzig an die vorgesetzte Behörde dieses Musterrichters gerichtete Beschwerden vor. Von seiner Vernehmung gibt Genosse Radloff folgende Dar- stellung: Untersuchungsrichter, nachdem er die Formalien festgestellt: Ist Ihnen der Täter bekannt? R.: Nein, wir haben über den Fall Biewald nur geschrieben, daß das Material gegen den Schutzmann, der dem Biewald die Hand abgeschlagen hat, sich immer mehr verdichte und Ivir dem Täter auf den Fersen seien. Unters.: Wer leitet denn bei Ihnen daS Ermittelnngsverfahren gegen den Täter? R.: Wir alle bemühen un», Licht in daS Dunkel zu bringen. Unters.: Unmöglich können Sie doch aber alle die Ermittc- lungen führen. R.: Nein, da» geschieht auch nicht. Die protokollarischen Ans- nahmen über die Täterschaft leitet unser Berichterstatter G. Kanl. Unters.: In Ihrer Zeitung behaupten Sie nn», daß Sie dem Täter auf den Fersen seien. Also kennen Sie den Täter bezw. Schutzmann bereits! R.: Nein, das haben wir nie geschrieben, sondern nur gesagt, daß sich das Material gegen den Schutzmann immer mehr verdichte und wir dem Täter auf den Fersen seien. Unters.: Na, das ist doch dasselbe. R.: Nein, das ist nicht dasselbe. Unters.: Welches Interesse haben Sie übrigens daran, nach dem Täter zu forschen? R.: Nun, ich meine, wer noch Gefühl für Menschlichkeit hat. dessen Pflicht ist es geradezu, den Täter festzustellen. Außerdem liegt auch für unser Blatt ein öffentliches Interesse vor. Unters.: Es sind aber doch auch Schutzleute bei der Affäre am 19. April verwundet worden. Stelle» Sie auch da Nachforschungen nach den Tätern an? R.: Nein, da» geht uns nicht» an. Wir haben durch zahlreiche Zeugenaussagen festgestellt, daß die Schutzleute die Schuldigen sind. Diese haben ans die Fliehenden und Wehrlosen ohne Rücksicht ans Alter und Geschlecht eingeschlagen. Uebrigens verweise ich im Falle Biewald auf die Feststellungen des Justizrats Dr. Mainroth, die dieser in der„Brest. Zeitung" veröffentlicht hat. Unters,(auf- und'abmarschierend, mit einer Handbewegung): Was dieser Herr festgestellt hat, sind in Wirklichkeit nur Phantasien! I Hier ist derartiges nicht festgestellt worden. R.: Schließlich verlveise ich noch bezüglich der Täterschaft im (alle Biewald ans die„Brest. Morgenzeitung", die behauptet, den etreffenden Schutzmann zu kennen, der dem B. die Hand ab- geschlagen._ liehet das Gefecht gegen Morcnga wird amtlich gemeldet: Wie bereits berichtet worden ist, war Morenga Anfang April in der Gegend von UkaniaS auf deutsche» Gebiet zurück- gekehrt, nachdem die Kappolizei seine Werft in nördlicher Richtung nach der Gegend von Rietfontein S. O. abtransportiert hatte. Morengas Spur ging dann verloren. Erst am 29. und 39. April lvurde durch Augenzengen festgestellt, daß Morenga sich in dem englischen Grenzort Bisseport östlich Klipdam gezeigt habe. Als er am 1. Mai auf deutsche» Gebiet zurück- kehrte, nahm Hauptmann Bcch früher im Feldartillerie-Regiment 11), der die AbsperrungStrnppen an der Ostgrenze befehligt, sogleich seine Verfolgung auf. Morenga überschritt alsbald mit (einen bewaffneten Orlogleuten wieder die Grenze. Da die Kappolizei, den besten Willen voraus- gesetzt, nicht in der Lage war. Morengas Ent- loaffnung zu erzwingen, dehnte Hauptmann Beck die Verfolgung auf britisches Gebiet aus. Am 4. Mai überraschle er Morenga mit 49 Orlogleuten bei Romisvlay 29 Kilometer östlich GapütS. In einstündigem Gefecht äelen 26 Hottentotten, 23 Gewehre. 199 Palronen und die Pferde Morengas wurden erbeutet. Morenga selbst erhielt zwei Streif- schüsse und entfloh mit sechs unbewaffneten Begleitern. Hauptmann Bech kehrte nach kurzer Verfolgung auf deutsches Gebiet zurück.— Eine kleine Revolution ereignete sich vor einigen Tagen in dem badischen Dorfe E l ch e s h e i m. Der größte Teil der Einwohnerschaft rottete sich abends zusammen �und bombardierte die Wohnung d es Hauptlehrers im Schulhaus mit Backsteinen, so daß die Fenster und eine Lampe zertrümmert wurden. Die gesamte Schul- jugend trat in Streik. Der Lehrer hatte sich diese schauerliche Ovation dadurch aufgeladen, daß er eine Untersuchung der katho- lischen Kirchenbehörde gegen den Ortsgeistlichen veranlaßte. Er wollte die Gerüchte beseitigen, welche über den Verkehr der Frau de» Lehrers mit dem Pfarrherrn aufgetreten waren. Die klerikale Dienstbehörde soll das Resultat der Erhebungen als ein für den Zölibatsinann günstiges bezeichnet haben; deshalb schritten die rammen Sckäflein zur Exekution durch Steinigung. Das führende ZentrumSblatt in Baden teilt diese Revolution unter schmnnzelndem Behagen mit. Zentrums-Erziehung I— Beförderungen für Sozialistenvernichter im Richtertalar. Die vor einigen Tage» gemeldete Beförderung des Landgerichts- direktors Manckis-H-Leipzig zum OberlandesgerichtSrat in Dresden kurz nach dem von ihm gefällten Blnturteil gegen den Genossen Heinig von der„Leipziger Volkszeitung" erinnert lebhaft daran. daß eS in Sachsen überhaupt üblich ist,' Richter, die sich durch harte Urteile gegen Sozialdemokraten bemerkbar machten, zu befördern oder sonst auszuzeichnen. So wurden die früheren Amtsrichter Dr. Becker und Fromhold. die beide in Blnturteilen gegen sozialdemokratische Redakteure und gewerkschaftlich organisierte Arbeiter miteinander wetteiferten, von Amtsrichtern direkt zu Landgerichtsdirekroren befördert, unter Uebergehung zahl« reicher alterer Landgerichtsräte. Der nunmehrige Landgerichts» direktor Fromhold bekam kurz nach dem Löbtauer Zuchthaus« urteil, wobei er als Borsitzender des Geschworenengerichts wNwirkte, einen hohen Orden, und alz er spater noch eine Anzahl Arbeiter, die versucht halten, sich durch Ankündigung von Streiks höhere Löhne zu ertrotzen, wegen Erpressung zu schweren Gefängnis- strafen verurteilte— unter Ruberen den Maurer Duda zu sechs Monaten— wurde er zum L-andgerichtspräfidenten in Zwickau bc- fördert. Aehuliche Besörderrmgen dieser Art sind noch mehr zu verzeichnen. Und der Fall Mauckisch in Leipzig zeigt, daß man auch jetzt noch bemüht ist, durch besondere Berücksichtigung schneidiger Nlchter bei Beförderungen anregend auf die Schreckeiisjustiz gegen die Sozialdemokratie einzuwirken.— Hustand. Oesterreich. Goldene Worte. Im Abgeordnetenhause sagte Ministerpräsident Prinz zu Hohen- lohe-Schillingsfürst gestern(Dienstag) unter anderem: Den ersten Punkt seines RegicrungsprogrannuS bilde die von allen Völkern Oesterreichs mit Spannung erwartete Wahlreform, durch welche dem Grundsatze Geltung verschafft werden solle, dag gleichen Pflichten gleiche Rechte gegenüberstehen. lBeifall.)... Die Regierung werde alles aufbieten, um dem Hause die rasche Lösung der Wahlrcform zu erleichtern, die nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden werde und gegen welche jeder Widerstand vergeblich sei. weil in ihr die Staatsnolwendigkeit und das öffentliche Rechtsbewusttsein miteinander zu einein gemeinsamen Ziele verbunden seien.(Lebhafter Beifall.)... Hoffentlich bleibt es nicht bei diesen schönen Worten.— Preußen in der Welt voran? Wie», 13. Mai.(W. T. B.) Dem Abgeordnetenhause ist eine Interpellation Sturm(christlichsozial) zugegangen, die unter Hin- weis auf die Ausführungen des prenstischen Ministers des Innern, die durchaus zu billigen seien, die Regierung fragt, was sie gegen- über den Gefahren einer Masseneinivandernng jüdischer Staats- angehöriger aus Rnffland zu tun gedenke.— Frankreich. Der Drcyfus- Prozeß. In bezug auf die Revision des Dreyfns- Prozesses teilt der „Soir" mit, dag die Verhandlung dieses Prozesses sensationell sein Iverde und daß nicht nur neue Tatsachen mitgeteilt werden würden, sondern daff auch ein großer Skandal entstehen werde wegen der Fälschung einer großen Anzahl von Akten, welche der Generalstab und das Kriegsgericht 1899, nachte, um Dreyfns' Verirrteilimg in Reims zu ermögliche». Durch die Fälschung würden viele hohe Be- amte kompromittiert werden. Die Aufregung im Lande werde eine sehr große sein, wenn man erst erführe, mit welchen Mitteln der französische Generalstab gearbeitet habe, um zu erreichen, daß Dreh- fnZ verurteilt wurde. Das kann„nett" werden!— Italien. Und abermals Bluwergießeu! llagliari, 14. Mai.(W. T. B.) Aus Anlaß einer Streitfage wegen der Einführung lokaler Stenern auf dem öffentlichen Markt- platze wurde hier eine tuinnltartig verlaufende Kundgebung ver- anstaltet. Man zwang die Kaufleute, ihre Läden zu schließen und die Arbeiter, die Arbeit einzustellen. Auch sonst wurden Ausschreitungen begangen. Ein starker Trupp von Manifestanten zog nach dem Bahnhof und schlenderte von ferne Steine auf die Soldaten, so daß ei» Oberst, ein Hauptmann und mehrere Karabinieri durch Steinwürfe verletzt wurden. Die Truppen wurden so genötigt, von den Waffen Gebrauch zu machen. Ein Manifestant wurde getötet und zwei verwundet. Cagliari, 13. Mai. iW. T. B.) Bei dem gestrigen Zusammen- stoß auf dem Bahnhof hatten das Militär und die Polizei 25 Ber- letzte; auf seite• der Manifestanten wurden 18 verwundet, von denen zwei, nachdem sie ins Hospital geschafft waren, starben. Wir werden erst, wenn außer diesen berüchtigten offiziösen Depeschen authentische Darstellungen vorliegen, ersehen können, wie es mit diesen„Ausschreitungen" hergegangen ist. Daß die „Streitfrage" der lokalen LebeilSmittelvertcueriliig entsprungen, ver- schweigen die offiziösen Depeschen. Und so höchstwahrscheinlich noch manches andere.—_ Der Adretz-Etttwurf der Duma. Petersburg, 15. Mai.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Der Adreßentwurf, über den die Duma in ihrer heutigen Sitzung beraten wird, lautet: Eure Majestät beliebte in der an die Volksvertreter gerichteten Rede den Entschluß auszn- drücken, die Institutionen unerschütterlich zu bewahre», durch welche das Volk berufen ist, die gesetzgeberische Gewalt im Verein mit seinem Monarchen zu verwirklichen. Die RcichSduma erblickt in dem feierlichen Versprechen des Monarchen an das Volk ein sicheres Unterpfand der Festigung und Wciterentwickelung einer Ordnung der Gesetzgebung, ivclche streng konstitutionellen Grundlagen entspricht. Die RcichSduma ihrerseits wird alles daran setzen, die Grundlagen der Volksvertretung zu vervollkommnen und Eurer Majestät ein die Volksvertretung betreffendes Gesetz zur Bestätigung zu unterbreiten, das dem ein st i mm ig geäußerten Volkswillen gemäß auf dem allgemeinen Wahlrecht basiert. Das Land sah ein. daß der wundeste Punkt unseres Staatslebcns die Eigenmächtigkeit der B c a m t c n ist, welche den Kaiser vom Volke trennt, und einstimmig erklärte das Land laut, daß die Erneuerung des Lebens nur möglich sei auf den Grundlagen der Freiheit unter selbsttätiger Beteiligung des Volkes an der legislativen Gewalt und an der Kontrolle durch die Exekutivgewalt. Euerer Majestät beliebte es, in dem Manifeste vom 30. Oktober von der Höhe des Thrones die feste Entschlossenheit kundzugeben, eben diese Grundlagen zur Basis der ferneren Gestaltung der Geschicke Rußlands zu mache», und das ganze russische Volk begrüßte mit begeistertem Ruf die Botschaft. Doch schon die ersten Tage der Freiheit waren durch schwere Prüfungen verdüstert, welchen das Land von denjenigen unterworfen wurde, die noch immer dem Volke den Weg zum Kaiser verlegen und alle Grundlagen des Manifestes vom 30. Ottober mit Füßen treten und dabei das Land mit der Schmach von Hinrich- tungen ohne Richter spruch und mit Ausschreitun- gen. Füsilierungen und Einkerkerungen be- decken. Die Spuren dieser Handlungsweise der Verwaltung sind in den letzten Monaten so tief in die Volksseele eingedrungen, daß keine Beruhigung möglich ist, solange dem Volke nicht klar wird, daß den Behörden von nun an jede Ge- walttätigkeit untersagt ist, welche den Namen der Majestät als Deckmantel benutzen, solange die Minister unvcrant- wortlich vor der Volksvertretung sind, und solange die ganze Ver- waltung nicht erneuert wird. Nur wenn die M i n i st e r vor dem Volke verantwortlich gemacht werden, kann in den Gemütern der Gedanke der vollen UnVerantwortlichkeit« des Monarchen Wurzel fassen. Nur ein das Vertrauen der Mehrheit der Duma genießendes Ministerium kann das Vertrauen zur Rc- gierung festigen, und nur bei solchem Vertrauen ist eine ruhige und normale Arbeit der Reichsduma möglich. Vor allem ist in Rußland nötig, die Ausnahmegesetze betreffend den ver- stärkten Schutz und den Kriegszustand außer Kraft zusetzen. Unanta st barkeit der Person. Freiheit des Gewissens, des Wortes, der Presse, der Ver- eine, Versammlungen und Ausstände, das sind die Grundlagen, tvelche schon das Manifest von, 3 0. Oktober gelegt hat. und ohne die eine Rc- form der sozialen Verhältnisse undenkbar ist. Die Duma geht von der unerschütterlichen Ueberzeugung aus, dgß weder die Freiheit noch die Ordnung befestigt werden kann. ohne die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz. Daher wird die Duma ein Gesetz ausarbeiten, nach dem alle Bürger gleichberechtigt sind und gleichzeitig alle ständischen, nationalen und religiösen Vor- rechte aufgehoben werden. Die Klarstellung der Bedürfnisse der Landbevölkerung und entsprechende gesetzgeberische Maßnahmen bilden die nächste Auf- gäbe der Duma. Die bäuerliche Bevölkerung harrt ungeduldig auf Befriedigung der Agrarbedürfnisse. Die erste Reichsduma würde nicht ihre Pflicht erfüllen, wenn sie nicht ein Gesetz schüfe zur Befriedigung dieser Bedürfnisse mit Hülfe der Kronapanagen der Klosterländcr und durch zwangsweise Enteignung der Land- grundbesitzer. Die Duma hält es auch für notwendig, ein Gesetz zu schaffen, welches die Gleichberechtigung der Bauern bestätigt und sie von Druck, Willkür und Vormundschaft befreit. Für ebenso unaufschiebbar hält die Duma die Befriedigung der Be- dürfnisse der Arbeiterklasse. Der erste Schritt auf diesem Wege muß die Sicherstellung der Organisationsfreiheit aller Arbeiter sein behufs Selbsttätigkeit zur Hebung ihres materiellen und geistigen Wohlstandes. Auch die Hebung der Volksaufklärung stellt sich der Duma als Aufgabe dar. Das e r st e Wort, welches in der Duma erschallte, und mit Shmpathicrufen der ganzen Versammlung aufgenommen wurde, es war das Wort A m n e st i e l Das Land lechzt nach voller politischer A m n e st i e, die eine Forderung des Volksgcwissens ist und die nicht versagt, deren Erfüllung nicht verzögert werden darf. Die Duma erwartet von Eurer Majestät volle politische Amnestie als er st es Unterpfand gegenseitigen Verständnisses und gegen- seitiger Uebereinstimmung zwischen Kaiser und Volk. GewerKscbaftUcKes. „Wer andere an freiwilliger Arbeit hindert"— usw. Der den sozialdemokratischen Zeitungsrcdaktionen bekannte günstige Wind hat uns wieder mal eine Verrufserklärung einer größeren Anzahl Arbeiter durch das Unternehmertum auf den Redaktionstisch geweht. Die Verrufserklärung ist eine so brutale, daß sie uicht gut mehr zu überbieten ist. Sie bildet ein weiteres Glied in der Kette der Gesetzesverachtung des Unternehmertums. Das Beweisstück des zweierlei Rechts in Preußen-Dcutschland datiert aus der vorjährigen Flensburger Konfliktszeit und hat folgenden Wortlaut: FlenSburgcr SchiffSbim-Gesellschaft Flensburg. Flensburg, den 29. Juli 1903. Nachdem seit Herausgabe unserer letzten Liste wiederum eine größere Zahl unserer streikenden Arbeiter ihre Papiere ab- gefordert haben und wir deshalb annehmen dürfen, daß dieselben anderweitig Arbeit gesucht und gefunden haben, gestatten lvir uns, anbei eine neue vervoll st ändigte Liste dieser streikenden Arbeiter zu übersenden. Wir bitten dringend, diese Leute nicht zu beschäftigen, auch dann nicht, wenn sie einen EutlassungS- schein anderer Arbeitgeber varzeigen! Sollte einer der namhaft gemachten Leute versehentlich ein- gestellt sein, s o b i t t e n w i r. denselben sofort zu entlassen. Unsere Hanptstreikliste nebst allen Ergänznngslisten behält selbstredend Gültigkeit. Hochachtungsvoll Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft Flensburg. Diesem Schreiben beigefügt ist eine Liste von 767 Ar- beitern, alphabetisch geordnet nach Namen, Beruf. Geburtstag und Geburtsort? Das die Gesetze mit Füße» tretende Flensburger Unternehmertum hat also die Schlinge so gelegt, daß die in Verruf erklärten Arbeiter derselben gar nicht entrinnen können, wenn sie innerhalb des Arbeitgeber- Verbandes der Metallindustriellcn bczlv. der deutschen Werften anderweitig Unterkomnien suchen. Vor langer Zeit hieß es einmal von hoher Stelle aus, daß derjenige, welcher andere an freiwilliger Arbeit hindere, mit Zuchthaus bestraft werden solle. Doch das ist schon lange her und gilt im Reiche der „vollendetsten Rechtsgarantien" auch wohl nur für Ar- b e i t e r. Das deutsche Unternehmertum steht so turmhoch über den Gesetzen, daß es sich um diese Zwirnsfäden nicht zu kümmern braucht._ Berlin und Omgegenck. Das Ende des Schlosserstreiks. Nachdem die Schlosser den von der Gesellen- und Meisterkommission vereinbarten Tarifentwurs am Montag angenommen haben, blieb den Kommissionen nur noch übrig, die Bedingungen und den Tag der Wiederaufnahme der Arbeit festzusetzen. Dies ist am Montagabend unter folgenden Verein- barungen geschehen: Die Arbeitsaufnahme beginnt am Mittwoch, den 16. Mai. sowohl für die Streitenden, als auch für die Ausgesperrten. Der Revers bezüglich Zugehörigkeit zur Arbeiterorganisation wird von den Meistern zurückgezogen. In Werkstätten, beziehungsweise Abteilungen, wo nicht sämtliche Streikende oder Ausgesperrte sofort wieder an- fangen können, dürfen betriebsfremde Schlosser erst dann wieder eingestellt werden, wenn von den Streikenden oder Ausgesperrten keine Beschäftigungslosen mehr vorhanden sind. Falls Streikende oder Ausgesperrte inzwischen andere Arbeit angenommen haben, fu steht ihnen ein Anspruch auf die alten Plätze nicht mehr zu. Maßregelungen dürfen beiderseits nicht vorgenommen werden. Sollte in einzelnen Fällen die Wiedcreinstellung nicht möglich erscheinen, so entscheidet darüber die Schlichtungskommission. Vorstehende Vereinbarungen, sowie die von den Meistern ge- machten Zugeständnisse in dem neuen Tarifvertrag, zeigen besser wie viele Worte, daß die Berliner Schlossermeister in dem nunmehr beendeten sechswöchcntlichen Kampf alles andere, nur keine Lor- beeren gecrntet haben. Wie schroff lehnten sie anfangs die Forde- rungen der Gesellen ab. Mit welcher Bravour verkündeten sie die „Aussperrung"? Eine kleine Gruppe verbohrter Jnnungskrauter mit ausgesprochenen Scharfmack?erallürcn wußte in den Jnnungs- Versammlungen stets ihren Willen durchzusetzen und eine recht» zeitige Einigung mit dem Mctallarbeiterverband hintanzuhaltcn. Die Opposition in der Innung wurde beschwichtigt, indem der Jnnungsvorstand den Generalsekretär Nasse von der Abteilung II des Kühnemännerverbandes herbeiholte, der dann als geschworener Feind der Arbeiterorganisationen seine abgedroschenen Scharf- machcrrcden vor den Meistern hielt und ihnen„Ratschläge" erteilte, wie sie als„Herrn im Hause" mit den Arbeitern umzuspringen hätten. Es ist'ja eine bekannte Tatsache, daß dieser Herr General. sckretär nur ein Rezept kennt: Nichts bewilligen, und, falls ge- streikt wird, aussperren. Dieses Rezept empfahl er seinerzeit den Ba u k l e in p n e r m e i st e r n, dann den Tischlermeistern und in jüngster Zeit den Maler- und S ch l o s s e r in e i st e r n. Er führt deshalb in der Arbeiterschaft den Spitznamen„der nasse Spcrrling". Und merkwürdig: Ueberall, wo der Herr Nasse als Scharfmacher auftrat, da hatten die Meister Pech in ihren Lohn- kämpfen. Wohl oder übel mutzten sie sich schließlich zu Verhand- lungen mit den Arbeitern bequemen und deren Organisationen an- erkennen. Was hat den Schlossermeistern ihr hartnäckiges Veralten nun genützt? Viele von ihnen haben einen enormen Sckiaden durch den Streik und durch die„Aussperrung" erlitten. Das Feuer brannte ihnen zuletzt so auf den Nägeln, daß ein Meister es bei den Verhandlungen offen aussprach: Die S ch l o s s c r n, c i st c r sind ja froh, daß sie ihre Gesellen wieder. kriegen l Sgnu mußten sie schließlich glle ihre Bedingungen fallen lassen, mußten die Forderungen größtenteils bewilligen, ben Metallarßeiterverband als Tarifkontrahenten anerkennen und den berückstigtcn OrgmiisationSrevcrs zurückziehen. Und das trotz der Hülfe der Arbeitgeberverbände und trotz der Hülfe der Polizei l Vielleicht ziehen die Zunstmeister daraus die Lehre, daß es gescheiter ist, wenn sie sich in Zukunft über die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse mit der Organi- sationSvertretung ihrer Arbeiter rechtzeitig verständigen, denn das umgehängte Löwenfell der Kühne männer patzt ihnen nun einmal nicht. Die Lohnbewegung der Schuhmacher. In einer zahlreich besuchlen öffentlichen Schuhmacherversamm- lnng, die am Montag im Englischen Garten stattfand, berichtete Ha in macher über den Verlauf der Lohnbewegung. ES haben über 200 Arbeitgeber, die ungefähr 400 Gehülfen beschäftigen, die Forderungen bewilligt. Außerdem sind in vielen Werkstätten Lohnzulagen freiwillig gewährt worden. Die meisten Bewilligungen kvinmen auf M o a b i t, wo die Gehülfen am stärksten organisiert sind. Dagegen sind gerade in den Arbeitervierteln im Norden und Osten am wenigsten Bewilligniigen zu verzeichnen, obwohl die Arbeitgeber hier doch schon niit Rücksicht auf ihre Kundschaft für anständige Lohnverbältnisse sorgen müßten. Besondere Schwierig- keiten niachteii die Besitzer verschiedener Besohlanstalten! sie meinten, der Lohntarif sei für ihre Betriebe zu hoch. Natürlich kvlniten keine besonderen Vcrgüiistiguiigen für diese Geschäfte gemacht werden, die »ur zu oft auf Griind erbärmlicher Löhne als Preisdrückcr gegen die Kleinmeister auftreten.— Der Erfolg, den die Lohnbewegung bis jetzt gehabt hat, kann nicht als voll befriedigend bezeichnet werden, doch hat es sich gezeigt, daß etwas Gutes erzielt werden kann. Mit Rücksicht darauf, daß bei dein jetzigen Stand der Organisation ein voller Erfolg nicht zu erreichen ist, empfahl der Redner der Ver- sainiilluiig, den Ge il eral streik aufzuheben, und dann in allen Bezirken, wo die Organisation noch mangelhaft vertreten ist, eine linerinüdliche Agitation zu entfalten, damit später eine wirkliche allgemeine Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der Schoßbranche inöglich wird.— Die Versammlung beschloß nach längerer Diskussion in diesem Sinne.— An der Debatte be- tciligten sich auch einige Meister, Mitglieder der Vereinigung vorm Halleichcn Tor. Diese Meisterorganisation hat den Gehülfen Vermittclungsvorschläge zum Lohntarif gemacht. Die Meister wünschten nun zu wissen, wie sich die Versammlung dazu stellte. Ihnen wurde geantwortet, daß sich zunächst eine Bezirksversamm- lu»g mit den Vorschlägen befassen soll uiid daß dann jedenfalls Verhandlungen mit den Vertreter» der Meistervereinigung stattfinden loerdcn.— Im übrigen wurde darauf hingewiesen, daß überall, wo die Forderungen noch nicht eingereicht sind, dies nun unverzüglich geschehen soll. Das Ergebnis ist bei Feind in der Weinstraße 11. bei Faber, Stephanstraße 11, oder im Bureau in der Waßmannstraße zu melden._ Achtung, Färber! Die Färber und Hülssarbciter der Seiden- färbcrei von Alterhoff, Stralauerstr. 39, befinden sich im Streik, und bitten wir, Zuzug fernzuhalten. Zentralvcrband deutscher Textilarbeiter. Filiale Berlin.: Achtung, Steinarbeiter, Schrifthaucr! Bei Hahn in Neu-Hohcn- Schön ha ilsen haben unsere Kollegen die Arbeit eingestellt. Zuzug ist streiigsteiis zu vermeiden. Die Ortsverwaltung Berlin l. Oeutkehes Reich. Die heißen Kastanien. lieber die Absichten der Scharfmacher in der Metallindustrie meldet die„Voss. Ztg.": „Gestern hat am hiesigen Platz eine Iveitcrc Sitzung des Ver- bandes der deutschen Metallindustriellcn stattgefunden, in welcher noch einmal die Differenzen der auswärtigen Verbände mit ihren Arbeitern zur Beratung und zur Beschlußfassung standen. Wie wir nun in Erfahrung bringen, haben die gestrigen Beratungen die zukünftige Stellung des Verbandes deutscher Metallindustriellcr zu den Arbeitern schärfer präzisiert. Die gestern in dieser An- gclegenheit gefaßten Beschlüsse gehen über die früheren hinaus und machen ein gemeinsames Handeln der Ber- liner Verbände(Verband der Metallindustriellen und Verband der Mctallwarcnfabrikanten) und der P r o v i n- zialverbände zur Vorbedingung. Der letztere Punkt ist um so beachtenswerter, als sich die Berliner Verbände mit dein Gedanken einer allgemeinen Aussperrung bisher(vor der gestrigen Konferenz) nicht recht befreunden konnten. Man wies nämlich hier darauf hin, daß die Berliner Metallindustrie durch die Ictztjährigcn Ausstände, von denen der eine etwa ein halbes Jahr dauerte, stärker in Mitleidenschaft gezogen seien und damals trotzdem nicht an die Unterstützung des Gcsamtvcrbandcs appelliert hätten. Außerdem betonten die Berliner Fabrikanten, daß sich einer Aussperrung i» dem seitens der Provinzialverbändc ge- wünschten Umfange insofern Schwierigkeiten entgegenstellen, als allein in der Berliner Metallwarcnbranche 67 Proz. der Arbeiter nicht organisiert sind. Anscheinend bat man diese Bedenken neuerdings fallen lassen. Dem Vorgehen des GcsamtverbandcS deutscher Metallindustriellcr dürften sich übrigens auch die kleineren zu ihm gehörenden Vereinigungen anschließen. Was den Tag einer eventuellen Aussperrung, deren Umfang von Termin zu Termin bestimmt wird, anlangt, so ist für diesen die in Süd- deutschland übliche lltägigc Kündigungsfrist mit ckusschlag- gebend." Unseres Wissens sind es gerade die Berliner Metall- industriellen, die ihre Kollegen in der Provinz scharf gemacht haben, sich jetzt aber offenbar die Finger nicht verbrennen wollen. Ihre Ausrede, daß die Aussperrung in Berlin nicht den von ihren Kol- legen in der Provinz gewünschten Umfang annehmen würde, weil 67 Proz. der Arbeiter unorganisiert sind, ist oberfaul! Allein der Wctallarbeitervcrband zählt in Berlin 69 990 Mitglieder. Wie- viel Prozent das von der Gesamtzahl der Berliner Metallarbeiter ergäbe, können sich die Kühncmänner an den fünf Fingern ab- zählen. Insgesamt sind mindestens 80 Proz. der Berliner Metallarbeiter organisiertk Sehr interesscknt ist die Situation gegenwärtig in Augs« bürg. Dort hat die große Maschinenfabrik Augsburg(-Nürnbcrg)j in den bürgerlichen Blättern vckannt machen lassen, daß Arbeiter, wvlche mindestens acht Tage vor Perkündigung einer Arbeiter- aussperrung Mitglied des Vereins der Nicht» organisierten sind, unter keinen Umständen ausgesperrt werden.— Mitglied des Vereins der Nicht- organisierten kann nur sein, wer weder den freien noch den christ- lichen Gewerkschaften,»och den Hirsch-Dunckcrschcn Gcwcrkvcrcincn angehört. Angesichts der angedrohten Aussperrung hofft man nun auf einen Masscuaustritt aus den gcwcrkschafllichcn Organisationen und eben so großen Zulauf zum Verein der Nichtorganisierten. Mit der Schwächung der gewerkschaftlichen Organisationen sind nun alle Industriellen Augsburgs einverstanden, nicht aber damit, daß es der Maschinenfabrik Augsburg(-Nürnberg) inöglich werde, mit Hülfe der Truppen vom Verein der Nichtorganisierten den Betrieb aufrecht zu erhalten, während alle anderen AugSburgcr Betriebe der Metallindustrie, deren Arbeiter 80 bis 100 Proz. g c w c r I» schaftlich organisiert sind, durch den Unternchmcrverband ge- zwungen würden, ihre Betriebe zu schließen. Sic fürchten mit Recht, daß ihnen von der lieben Kollegin dabei die Aufträge, die sie infolge der Aussperrung nicht auszuführen imstande find, aus lauter „Solidarität" weggeschnappt werden. Es haben nun bereits nam. hafte Firmen der Augsburger Metallindustrie erklärt, die evcn» tuelle Aussperrung nicht mitzumachen, erstens aus dem eben an- geführten Grund und zweitens deshalb, weil bei der vorjährigen großen Metallarbeiteraussperrung der Zweck nicht nur nicht erreicht wurde, sondern weil dadurch die Betriebe laut des offiziellen Ge» schäftsberichts schweren Schaden gelitten und trotz alledem die Arbeiterorgamfationul cnorW ag Mitgliedern zu, genommött haben. Ein Unternehmer meinte ferner, belange cS wirklich, unter ungeheuren Verlusten, den Metallarbeiterverband niederzuringen, d. h. seine finanziellen Kräfte vollständig zu er» schöpfen, so wäre das für die Unternehmer nur ein m o m e n» t a n e r Erfolg, denn cS würde nicht lange dauern und der Verband tritt anstatt mit 300 000 mit 400 000 Mitgliedern auf den Plan und ob dann die Mitglieder„gcmähigtcr" auftreten, das könne schlechter- dings nicht angenommen werden. Diese Schlußfolgerungen sind sehr zutreffend; es sind aber nicht alle Unternehmer so vernünftig, und deshalb trotz alledem.' Metall- arbciter, seid gerüstet! Zum Lohnkampf in der Niederlausitzer Textilindustrie wird uns aus Forst geschrieben: ?lls vor etlichen Monaten der deutsche Textilarbeiterverband an die Arbeitgebcrvcrbände in den einzelnen Städten des Nieder- lausiber Tcxtilbczirkes das Ersuchen richtete, mit den Vertretern der Arbeiterorganisation in Verhandlungen über Einführung des Zehnstundentages und einer LOprozentigcn Lohn» erhöh un g einzutreten, kam als Antwort hierauf ein Ukas der Fabrikantenvercine, worin den Fabritsklaixn mitgeteilt wurde, die Fabrikanten wünschen mit„ihren" Arbeitern allein zu verhandeln. Zugleich wurde die Einführung der 1 0-4 st ü n d i g e n Arbeits» zeit vom 1. Juli d. I. ab angekündigt und dieses Zugeständnis als das äußerste bezeichnet, ivaZ bewilligt werden könnte, falls nicht„die ganze blühende Industrie dem Ruin aus- geliefert" werden sollte. Selbstverständlich konnte dieses„Entgegen- kommen", das lediglich in einer fragwürdigen Verkürzung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde bestand, die Arbeiter nicht be- friedigen. Die Verhältnisse find überreif für Einführung des Zehn- irundentagcS und die sehr fühlbare Verteuerung der Lebensmittel und Mieten erheischt dringend eine allgemeine Aufbesserung der Löhne. Beträgt doch nach den statistischen Erhebungen des Textil- arbeitcrverbandcs in Forst, wo noch relativ am besten bezahlt wird, das Jahreseinkommen eines WebcrS selten mehr als 800 M., in der Regel nicht über 700 M.. wobei die nicht- organisierten, also meist noch schlechter entlohnten?lrbeiterschichten nicht mit in Betracht gezogen sind. Die notwendige Folge dieser zum Unterhalt einer Familie ganz nnzureichcnden Löhne ist, daß fast jede Arbeiterehefrau rflit in die Fabrik gehen muß, was wiederum eine geradezu erschreckende Degeneration der Arbeiter- bcvölkerung nach sich gezogen hat. Bei den letzten Rekruten- aushebungen ergab sich in Forst, Sarau usw.. daß die Zahl der Milttärtauglichen trotz des Wachstums der Be- völkerungsziffcr von Jahr zu Jahr rapide zurückgeht. Das Wort L a n a il e S von dem langsamen Hungersterben des Proletariers, das ihm gerade noch Zeit genug läßt, um wieder Kinder in die Welt zu setze», ist hier zur Schande der„staatserhaltenden" Ausbeuterklasse buchstäblich in Erfüllung gegangen. Es gibt für die Arbeiterklasse keine andere Möglichkeit mehr, sich vor dem völligen Zugrundcrichten zu retten, als Erhöhung der Lohne, durchgreifende Verkürzung der viel zu langen Arbeits- ,>vn.— Ohne weitered sind denn auch die Arbeiter dem Wunsche der Fabrikanten nachgekommen und haben für jeden Betrieb Vcr- rrauensleute gewählt, die nun bei„ihrem" Arbeitgeber direkt vor- slellig wurden. Il»d was war die Antwort, die man ihnen in den tveitaus meisten Fällen erteilte?„Wir dürfen nicht mit Euch verhandeln und dürfen Euch eigenmächtig nichts bewilligen, denn wir find au die Beschlüsse des «rbeitgebervcrtandes gebunden; wer mehr gewährt, als die halb- stündige Verkürzung der Arbeitszeit, ist mit hohen K o n v c n. tional strafe n bedroht."— So führte man die bis aufs äußerste ausgepowerten Arbeiter an der Nase herum! Dieses Ver- halten der Fabrikanten trägt Erbitterung und Erkenntnis in immer weitere Arbeiterkreisc, zumal einzelne Unternehmer es bis zur offenen Verhöhnung trieben, indem sie den Empfang der Fabrik- Vertrauensleute mit„Entschuldigungen" ablehnten, wie„der Herr Ehcf habe bereits seine Badereise angetreten" oder„er sei nicht zu� sprechen, weil er sich gerade heute ein neues Reitpferd kaufen müsse" und dergleichen nichr. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß die von den Unter- nehmern erzeugte Aufreizung zur Stärkung der leider noch immer recht schwachen. Arbeiterorganiiation lvesentlich beiträgt.— Im Unternehmer loa«! tobt gleichzeitig ein heftiger Interessen streik: die großen Fabrikbesitzer wollen die Pacht- summen für die Fabrikräume, welche sie an kleinere Betriebsinhaber vermietet haben, erheblich steigern. Das wollen die Pächter. deren Zahl in Forst allein 2-2d beträgt, sich nicht gutwillig gefallen lassen und sie planen die Errichtung von G c n o s s c n s ch a f t s, fabrikcn. Das würde eine steigende Konzentration-der jetzt noch in zahlreiche Klein- und Mittelbetriebe zersplitterten Lausitzer Textilindustrie bedeuten. Es ist klar, daß die gegen- wältige Situation sür die Durchsetzung der Arbeiterforderungen außerordentlich günstig liegt, denn auch die Wirkungen des neuen Zolltarifs werden die Industriellen ohnehin zu einer ver- änderten Preisregulierung drängen. Entscheidende Kämpfe bereiten sich vor. Und die Frage ist nur. ob die Aufrüttelung und geivcrk- schaftlichc Schulung der Arbciterinasscn rasch genug vorwärts schreitet, um in diesen Kämpfen endlich cinc Hebung der tief- gesunkenen Lebenslage der Lausitzcr Textilarbeiter durchzusetzen. Gegen die Schulverpfaffnug! 43 große, teilweise überfüllte Volksversammlungen nahmen gestern abend in Groß-Berlm Stellung zu dem dem Landtage bor- gelegten Schnlgesetzentwurf. Im Landtage selbst ist ja das Volk resp. seine Vertretung durch das famose Dreiklassen-Wahlsystein ausgeschlossen; desto lauter und eindringlicher protestierten gestern Tausende von Proletariern in den Versammlungen gegen das Attentat. das an der Volksschule verübt werden soll, gegen die Knebelung des Geistes in der Schule, gegen die Entrechtung der Gemeinden, welche zwar die Mittel für die Schulen aufbringen helfen, in ihre Ver- waltung aber blutwenig hineinzureden haben. In allen Versammlungen wurde folgende Resolution ange- nommen: Die Versammlung erblickt in dem, dem Dreiklassenparkameitt in Preußen vorgelegten Schulgesetzentlvurf eßien Angriff ans die Selbstverwaltung der Gemeinden und eine erhebliche Verschlechte- rung der jetzt schon durchaus unzureichenden Volksschule. Durch die in diesem Gesetzentwurf geplante Auslieferung der Volksschule an die Pfaffen und die Bureaukratie wird nur die Volksschule, die bestimmt ist, die Jugend mit Wissen auszurüsten und zu hoher Kultur zu erziehen, ein Instrument im Dienste gegen die Freiheit. Die Versammelten fordern, baß eine Einheitsschule gebildet, in der alle geistigen und moralischen Kräfte der Jugend zur höchsten Vollkommenheit entwickelt werden. Die Versainmeltcn fordern ferner, daß die Schule von jeglicher bureaukratischer und pfäffischer Bevormundung befreit und unter Leitung anerkannter Pädagogen gestellt wird. In Anbetracht der Tatsache, daß die durch das elendeste aller Wahlsysteme geschaffene Klassenvertretung weder den Willen noch die Fähigkeit hat, eine den Forderungen der Kultur entsprechende Volksschule zu schaffen, fordern die Versammelten den Erlaß eine? Reichsschulgesetzes, durch welches Schulen geschaffen werden, die von den größten Pädagogen als Ideal der BolkSerziehung erstrebt sind. Die Klassenherrschaft der Besitzenden ist auch die Ursache der Mängel im Schul- und Erziehungswesen. Die Versammelten fordern daher die Beseitigung aller Vorrechte des Besitzes in Staat und Gemeinde. I. Wahlkreis. Die bei D r ä s e l, Neue Friedrichstraßc. tagende, von zirka 400 Personen besuchte Versammlung folgte den treffenden Auö- sührungcn des Referenten Genossen Göhre. Die Äersammlung sprach durch den reichen Beifall, welchen sie dem Referenten spendete, ihre Entrüstung und ihren Protest gegen die vorliegende GesetzeSvorlage auS. Die vorgeschlagene Resolution wurde gegen 3 Stimmen angenommen. Zum Schluß wies noch der Vorsitzende aus die am W. Mai stattfindende Vertrcterwahl zur OrtSkrankcn- kasie der Schneider hin und forderte die Mitglieder zur regen Be- teiligung auf. 2. Wahlkreis. Die im großen Saal der„Bockbrauerei" tagende Volks- Versammlung war von zirka 2000 Personen besucht. Der Referent, Genosse Wels, schilderte in seinem I'/Mndigen Bortrag in packender Weise den reaktionären Schulgesetzentwurf. AIS er auf den Passus zu sprechen kam, daß sogar die Lehrer der Fortbildungsschulen unter Polizei- liche Zensur gestellt werden sollen, wurde er unter stürmischer Entrüstung unterbrochen. Reicher Beifall lohnte seine Ausführungen. Die Resolution wurde angenommen. Die bei SchnegelSberg, Hasenheide, stattgehabte Protest- Versammlung, in welcher Genosse Redakteur John sprach, war von zirka 1000 Personen besucht. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Nachdem der Vorsitzende noch die Aufforderung an die Genossinnen und Genossen gerichtet, die„Gleichheit" und den „Vorwärts" zu abonnieren, und ferner dem Wahlverein beizutreten, schloß derselbe die imposante Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie. Bei Zühlke. D e n n e w i tz st r. 80, erörterte in stark über- fülltem Saal der Vortragende, Genosse Kunert, in IM- Stunden in sehr eingehender Weise, oft von großem Beifall der Versammelten unterbrochen, den Angriff auf die Schule. Nach kurzer Diskussion und mit der Aufforderung, in Massen aus der Landeskirche auszutreten, wird die Resolution einstimmig angenommen. Dritter Wahlkreis. Im großen Saale des GcwcrkschaftShauseS referierte Genosse Dr. Herzfeld. Er geißelte die Schulvorlage unter dem Beifall der 1200 Anwesenden mit scharfen Worten. Der beste Protest gegen diese Vorlage ist eine mächtige Anschwellung der Arbeiter» organisationen auf gewerkschaftlichem wie politischem Gebiet. Die Ausführungen deS Referenten wurden mit brausendem Beifall auf- genommen. Tie Resolution wurde einstimmig angenommen. In der Diskussion wurde zum Massenaustritt au? der Landeskirche auf- gefordert. 4. Wahlkreis. Die Versammlung im Lokale„Sanssouci" war von über 1500 Personen besucht. Das Reserat deS Genossen Block wurde mit großem Beifall aufgenommen. Zur Diskussion sprachen ver- schiedcne Genossen im Sinne des Referenten. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. In der„D r a ch e n b u r g' hatte Genosse E i ch l e r daS Referat übernommen und sprach in vortrefflichen Worten vor einem über- füllten Hause. Der Saal war polizeilich abgesperrt. In Lipps Brauerei sprach Genosse S t r ö b e l vor 3000 Personen. Die Ausführungen dcö Referenten, der die Geschichte der Schulverpfaffungsvorlage kurz skizzierte und das ungeheuerliche Attentat gegen das Proletariat in seinen Einzelheiten drastisch beleuchtete, wurden oftmals von lebhaftem Beifall unterbrochen. Da sich trotz wiederholter Auffordcrinia Gegner nicht zum Wort meldeten, wurde nach der Aufforderung eines Redners. in Massen aus der Landeskirche auszutrete» und einem kurzen Schlußwort des Referenten, die Reso- lntion einstimmig angenommen und die imposante Versammlung mit einem donnernden Hoch ans die Sozialdemokratie geschlossen. Im S. Wahlkreis« referiert« Genosse Molkonbuhr im Schweizer Garten vor übcrsüllter Versammlung. In beinahe Iliistüiidigem Vortrage geißelte Redner nach einem historischen Rückblick auf die Volksschule im allgemeinen daS reaktionäre Wesen der Volksschule von ehedem und jetzt. Nur etwas Rechnen, Schreiben und Lesen und vor allen Dingen viel Religion und vaterländische Geschichte werde gelehrt, aber keincssalls werde der Schüler dann unterrichtet, daß es einst Bauernaufstände gab, daß sich im Jahre 1848 das Volk erhob usw. In dem jetzt vorliegenden Schulgesetz sei alles was von den früheren Ministern. den Mühler, Putttamer, Zedlitz-Trützschler usw., den bestgehaßtesten Männern ihrer Zeit, ersehnt und erstrebt worden sei, zusainmcngetragcii. Wir verlangen eine einheitliche Schule, die Volksschule als Fundament für alle Wissenschaft. Dies kann aber nur erreicht werden, wenn daS jetzt bestehende Wahlrecht in Preußen gestürzt und durch daS allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht ersetzt ist. Eine Diskussion fand nicht statt. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Nach einigen Worten des Genossen Zucht, in denen er zum Anschluß an die politische und gciverkschaftliche Organisation und zum Abonnement der Arbeiter- presse aufforderte, erfolgte Schluß der Versammlung um 10?L Uhr. 6, Wahlkreis. Die Versammlung in F röbels„A l l e r l e i-The a t e r" (Schönhauser Allee) wurde, nachdem sämtliche Tische und größtenteils auch die Stühle entfernt worden waren, um 8� Uhr polizeilich abgesperrt. Das eineinhalbstündige Referat des Genossen Ledebour wurde oft durch Beifallsstürme unter- brachen. Die Resolution wurde einstimmig angenommen.— In der Diskussion forderte der Genosse Bohne zum Austritt aus der Kirche auf. Genosse Alfred Scholz forderte die Anwesenden auf, ihre Söhne dem Verein der jugendlichen Arbciter beitreten zu lassen. Genossin S t e i n k o p f forderte die Männer auf. ihre Frauen zu den Versammlungen mitzubringen. Zum Schluß machte der Vorsitzende auf die Kulturbildcr„Wider die Pfaffen- Herrschaft" und auf die„Hohcnzollern-Lcgende" aufmerksam. Mit einem dreimaligen Hoch auf die internationale, völkerbcfreicnde Sozialdemokratie schloß der Vorsitzende die Versammlung. Im„Swine münder GesellschaftShau s", wo Gc- nosse Max G r u n w a l d das Referat übernommen hatte, war der Saal um 8'As Uhr polizeilich abgesperrt. Tische und Stühle waren aus dem Saal entfernt, um die Versammlungsteilnehmer fassen zu können. In scharfen Worten geißelte Genosse Grunwald den«chul- gesetzentwurf der Regierung. Die zur Verlesung gebrachte Rcsolu- tion fand unter großer Begeisterung einstimmige Annahme. Gc- nossin Maischte sprach zur Diskussion und forderte die Frauen aus, sich der Organisation anzuschließen. Desgleichen forderte Genosse Heller auf, ans der Landeskirche auszutreten. Ueber 2000 Protestler gegen daS SchulverpfaffungSgesetz hatten sich in den Germaniasälen eingefunden. Besonders stark Ivaren Frauen vertreten. In der Diskussion sprach die Genossin Buchmann zu dem Thema, ferner auch noch kurz zu der am 22. Mai stattfindenden Vertreterwahl zur Schneiderkrankenkasse. Sodann fand die Resolutio» einstimmig Annahme. Die Versammlung im Moabiter Gesellschaftshaus war bis zum letzten Platz gefüllt. Zirka 2500 Personen hörten mit gespannter Aufmerksamkeit die vortrefflichen Ausführungen des Genossen Ebert, welcher in l'/b stundiger Rede an der Hand eines reichen Materials mit scharfen Worten, oft von Beifalls- und Zu- stimmungsbezeugungen unterbrochen, das System der heutigen Volksschule geißelte und die Bestimmungen des neuen Schulgesetz- entwürfe» den Anwesenden in ihrer Schädlichkeit für die Volks. erziehung klar vor Augen führte. Reicher, minutenlanger Beifall lohnte den Referenten für seinen Vortrag. Nach kurzer Diskussion wurde die Resolution einstimmig angenommen. Teltow-Beeskow. Die in Schulz Festsälen in Cliarlottenburg tagende öffentliche Volksversammlung war von zirka 500 Personen besucht. Referent war der ReichtagSabgeordnete Daniel S t ü ck l e n. Die Aus- führungen desselben wurden oft durch starken Beifall unterbrochen. Die Resolution gegen das preußische Dolksschulgefetz wurde«in- stimmig angenommen. Die Versammlung im„VollsHruse" Charlottenburg war von etwa SOO Personen besucht. DaS Referat hatte der Reichstagsabgeordnete Genosse Karl Egvn Frwhme übernommen, der in IVistiindiger Rede seiner Aufgabe ga.recht wurde. Die Resolutioli wurde einstimmig angenommen. Mit einem Hoch auf die inter- nationale, völkerbesreiende Sozialdemelratie schloß der Vorsitzende die imposante Versammlung. Im großen Obstschcn Saale in Schöneberg referierte Genosse Zubeil vor 15 00 Zuhörerm Die Anwesenden folgten mit Interesse und großer Aufmerksamkeit den Ausführungen des Referenten. Auch die zahlreich erschienenen Frauen bewiesen, daß ihnen die Erziehung ihrer Kinder in der Volksschule nicht gleichgültig ist. Die Resolution fand einstimmige Annahme. Die Rixdorfer Parteigenossen hatten den großen Saal der Neuen Welt dicht besetzt. Das Resenat hatte Genosse Adolf Hoffmann übernommen. Redner besprach in scharfer Weise den neuen VcrfassungSgesetzentwurf. Stürmischer Beifall lohnte den Redner. Tie Resolution fand einstimmige Annahme. Diskussion fand nicht statt. Von den Parteigenossen in der Heilstätte Beelitz war folgendes Telegramm eingetroffen:„Die Patienten der Männcrabteilung der Lungenheilstätte in Beelitz ge- denken in der Gesamtheit der heutigen Versammlung betreffs der Verurteilung der Schulverpfassnng und sprechen ihre Sympathie aus." Tie Depesche wurde mit starkem Beifall aufgenommen. Britz. Die Versammlung im Restaurant„Landhaus" war von zirka 250 Personen besuckit. Reserent Genosse Hildebrandt fand nach l'/zstiindigen treffenden Ausführungen reichen Beifall. Nach stattgehabter lebhafter Dislussion fand die verlesene Resolution einstimmig Annahme. Die Adlershoser Genossen waren bei Beyer zahlreich ver- sammelt, auch Frauen waren stark vertreten. Genosse Giebel hielt sein Olef erat unter starkem Beifall der Zuhörer. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Treptow-Baumschulenweg. Eine von zirka 400 Personen be- suchte Versammlung protestierte auch hier gegen die geplante Ver- pfasfung der Volksschule in der preußischen Landratsstube. Hier hielt Genosse Schütte das Referat. Ein wie großes Interesse auch unsere Einwohnerschaft dieser wichtigen Frage entgegen bringt, zeigte, daß nicht nur sehr viele Frauen, sondern auch Bürgerliche, speziell die Lehrerschaft anw.'scnd waren. Die Wilmersd-rfer Genossen. darunter eine große Anzahl Frauen, füllten den Saal W i l h e l m L h o f in Schoneberg. Ge- nosse Ritter schilderte in seinen AuSfiihrnngen unter großem Beifall die historische Entwickelung unserer Volksschule, die«ach dem vorliegenden Entwurf vollständig dem Pfaffen- und Junkertum aus- geliefert würde. An der Diskussion im Sinne des Referats be- teiligteu sich die Geilosseu Tauschel. Behrendt und forderten zum Austritt aus die Kirche auf. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Der Vorsitzende wies noch auf die breimende Lokal- frage hin. In Tempelhof referierte in N o a ck Z Festsälen der Genosse Julius Kohn. In 1i4 stündigen Ausführungen geißelte cr in scharfen Worten den reaktionären Wechselvalg, genannt Schulgesetz. Die zündenden Aussührungen fanden lebhaften Beifall. In der Diskussion beleuchtete Frau Thiel die Indifferenz der breiten Masse und sonderte zur Agitation unter den Frauen auf. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Versammlung in Schmargendorf erfreute sich nicht nur eines sehr gute» Besuches, sondern auch eines rcichlickicn Gendarmen- aufgebotes, das jedoch keine Arbeit bekam. Tic Anwesenden be. gleiteten die trefflichen Ausführungen Kiesels mit oftmaligen Zu, ftimmungsäußeruiigen. Im Birken Wäldchen in Steglitz referierte Genosse Ewald in einer stark besuchten Versammlung. Nach kurzer Diskusston wurde die bekannte Resolution einstimmig angenommen. Der Aufforderung zum Austritt auS der Landeskirche zum Protest gegen das Schul- verpfaffungSgesetz leisteten etliche zwanzig Personen Folge. In Mariendorf bei Bergfeldt waren zirla 2S0 Personen versammelt. DaS Referat deS Genossen M i e t h k e wurde mit leb- hafte», Beifall aufgenommen. Die Resolution fand einstimmige Annahme. Mit einem Hoch auf die völkcrbeftciende Sozialdemokratie fand die Versammlung um lO1� Uhr ihren Schluß. Lichtenberg. Die im Saale von Gebr. Arnhold,„Schlvarzer Adler", einberufene Protcstversainmlung, welche außerordentlich gut besucht Ivar. folgte mit gespanntester Aufmerksamkeit den wirkungsvollen Aussührungen des Referenten Genossen Mermuth. Durch lebhafte Zwischen- und Beisallsrufe bewiesen die Versammelten, daß sie begrisfcn haben, lvas für das Proletariat mit Annahme dieses Gesetzentwurfes durch den Landtag auf dem Spiele steht. Die Re- svlution wurde einstimmig angenommen. In Rummelsburg bei W e i g e l hielt Genosse Dr. Braun das Referat in der überfüllten, zahlreich auch von Mädchen und Frauen besuchten Versammlung. Die DistusstonSredner plädierten energisch für den Austritt au» der Landeskirche. Trotz der öffentlichen Ein- ladung der Herren Vertreter der Rummelsburger Schule und Geistlichkeit meldete sich auf die Aufforderung des Vorsitzenden niemand zum Wort. Die Resolution wurde mit Begeisterung einstimmig an- genommen. Weißensee. Die im VereinShause tagende, von zirka 300 Per- sonen besuchte Versammlung»ahn, mit großer Begeisterung den Vortrag des Genossen Benno M a a ß entgegen. Ii, packenden Zügen unterwarf derRcferent den Schnlgesetzentwurf einer herben Kritik. In der Dislussion forderte Genosse Karmann zum Austritt aus der Landeskirche auf. JccziorowSki und andere schloffen sich dem Referenten an. Die Herren Timm und Kzribzack(Katholiken) ver- suchten, den Ausführungen des Referenten und der Diskussionsredner entgegenzutreten. Die Resolution wurde angenommen. In Ober-Schöncweide wurde das Stattfinden der Protest, Versammlung durch die überwachenden Beamten inhibiert, weil die- selbe nicht angemeldet sei. lUtzte jVacbricbtcn und Depeschen. Ausstand der Königsberger Holzarbeiter. Königsberg, 15. Mai.(W. T. B.) Heute sind die im Holz- arbeitervcrband organisierten Bau-, Möbel- und Sargtischler bei denjenigen Firmen ,n den Ausstand getreten, die sich heute früh zur Unterzeichnung des neuen Tarifs nicht bereit erklärt haben. Die Zahl der Ausständigen beträgt etwa 800. Es sind zwischen den beider- feitigen Kommissionen Verhandlungen im Gange, die morgen fort- gesetzt werden._ Durch Blitzschlag getötet. Eisleben, 15. Mai.(W. T. B.) Heute nachmittag gingen in der hiesigen Gegend schwere Ungewitter nieder. Bei Wormsleben schlug der Blitz in eine Gruppe von 25 polnischen Arbeitern, die aus einem Felde beschäftigt waren. Ein 18jährigcr Arbeiter war sofort tot, eine Arbeiterin wurde schwer verwundet. Vier Arbeiter wurden betäubt, erholten sich aber bald wieder. Der Adreßentwnrf der Duma. Petersburg, 15. Mai. Duma. Zu Beginn der Sitzung trat daS HauS in die Beratung eines Teiles der Geschäftsordnung ein. der mit einigen redaktionellen Aenderungen angenommen wurde. Nach 7 Uhr begann die Beratung des Adreßentwurfeß. Der Ab. geordnete Graf Heyden und fünfzig bäuerliche Abgeordnete stellten den Antrag auf Vertagung der Beratung bis morgen. Der Antrag wurde abgelehnt, worauf der Referent der Adreßkommission. Nabokow, den Entwurf unter andauerndem Beifall verlas. Hierauf wurde die Sitzung auf eine Stunde unterbrochen. Dexantkv. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil derantv.: Th. Glocke, Berlin. Druck».»erlag: Vorwärt« Buchdr. u. BerlagNmftaft»aul Singer LeCo., Be rlin LW. Hier»»3Beilagenu.Unterhaltungkblatt »r. 112. 23. 1. fitiliijf Ks.Fmiirls" Krim NcksdlM �Woch, 16. Mai 19l)6. K.eickstag. tv3. Sitzung vom Dienstag, den 15. Mai, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratZtische: Graf v. Posadowskh. Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung der DiStrnvorlagr. Eingegangen ist dazu ein Antrag Gröber 28 ist nicht notwendig, da wir nach dem Zustandekommen des Gesetzes stets ein beschlustfähiges HauS haben werden. Wir stinnnen für die Diäten: denn der Reichtum soll kein Recht auf die politische Führung begründen.(Beifall bei den Antis.) Abg. Dr. Potthoff(frs. Vg.): Ein Mitglied der NeichSpartei hat einmal erklärt, die Tätigkeit im Reichstage werde ihm nur er- möglicht durch feine Teilnahme an industriellen Unternehmungen. Die Reichspartei sollte eS also mit Freuden begrüben, iveim durch Diäten auch ohne solche industrielle Einnahmen die Tätigkeit hier ermöglicht wird.(Heiterkeit links.) Wir werden für die Vorlage stimmen, allerdings nicht mit Begeistermig. Die ganze Art der Verteilung der Diäten ist eine moralische Ohrfeige fiir den Reichstag. Abg. Müller- Sagau: Dem Antrag Gröber können wir zu- stimmen; doch müßten dann auch iin§ 8 statt 20 M. 25 M. gesetzt werden. Damit schliestt die Debatte. § la wird debatteloS angenommen. ES folgt Ziffer 1b(Monats-Vauschale.) Abg. Gröber(Z.) begründet seinen Antrag. Abg. Dr. Spahn(Z.) wünscht für den Fall, dast die Vertagung vor dem 1. April eintntt. eine vorhergehende Auszahlung der am 1. April fälligen Summe. Das Wort wird nicht welter verlangt. Die Ziffer 1b wird in der Fassung des Antrages Gröber gegen die Stimmen der Kon- servativen, eines Teils der Nationalliberalen, der Freisinnigen Ver- etntaung und des Abg. Träger(frs. Vp.) angenommen. ES folgt K 2. Der hierzu gehörige Eventualantrag Gröber (Heranffetzimg der Abzüge beim Fehlen von 20 M. auf 25 M.) wird gegen die Stimmen des Zentrums und der Abgg. Dr. Miilldr-Sagan und Dr. Wi einer(frs. Vp.) abgelehnt.§ 2 wird in der Kommisfions- faffung(Abzüge von 20 M.) gegen die Stimmen der Freisiiimgen Vereinigung und des Abg. Trager abgelehnt. ß 3< Entschädigung für ueueintreteiide Mitglieder) wird ohne Debatte angenommen, nachdem Abg. Gröber seinen hierauf bczüg- lichen Antrag zurückgezogen hat.... lieber die beiden Absätze de«§ 4 wird auf Antrag Singer(Soz.) getrennt abgestimmt. Der zweite Absatz(.Wer bei einer nament- lichen Abstimmung fehlt, gilt als abwesend") wird gegen die Stimmen der Linken, der erste Absatz(Eintragung des Abgeordneten in eine Liste) gegen die Stinnnen der Freisinnigen Vereiingnug und des Abg. Träger angenommen. Die übrigen Paragraphen werden ohne Debatte in der Kom- misfionSfassung erledigt. Ueber die beiden Borlagen soll nnmeiiilich abgestimmt werden. Vizepräsident Graf Stolderg glaubt die namentliche Abstimmung auf morgen vertagen zu müssen, wird aber durch die Abgeordneten Ginger(Soz.) und Dr. Spahn(Z) darauf aufmerksam gemacht, daß dies nur dann nötig fei. wenn sich ein Widerspruch gegen sofortige Vornahme der namentlichen Abstiimnuiig erheben sollte. Auf Anfrage de« Vizepräsidenten erfolgt kein Widerspruch. In namentlicher Abstinnnung wird zunächst die Aenderung des § 28 der Reichsverfassimg mit LA gegen 41 Stimmen bei einer Stimmenthaltung abgelehut und dann die eigentliche Diätenvorlage mit 210 gegen 52 Stimmen bei drei Stilinnenthaltungen aiigeilouimcil. ES folgt die zweite Beratung des MantclgcfetzrS, das die einzelnen Gesetze zur NcichSfinanzresorm umschliestt. Abg. Schräder(frs. Vg.): Das Gesetz führt den Namen Mantel- gesetz, wohl, weil es den Mantel der Liebe über die verkehrte Steuerpolitik des Zentrums und der Nationalliberalcn deckt.(Sehr gutl links.) Die Ursache, dast man hier beständig in der Art halb-bankrotter Staaten nach neuen Steuern sucht, liegt darin, � dast wir anster den Matrikularbeiträgen keinen beweglichen Faktor in den Einnahmen haben.(Sebr gut! links.) Diirch eine ReichspermögeiiSsteuer lvürden wir zu einer wirklichen Reichssinanzreform kommen, zu einem beweglichen Faktor, durch den Einnahme und Ausgabe tu Einklang zu bringen sind. Abg. Wie,»er(frs. Vp.): Dein§ 1. der die neuen Stenern enthält, können wir natürlich nicht zustimmeil. Auf die Bestinimung zur Tilgiiiig der Schulden im Z 4 legen wir keinen besonderen Wert. Preustiicher Finaiizmiinster v. Rheiiitabe»: Sparsamkeit im Reiche können Sie nicht erzielen durch eine andere Organisation, durch die da§ Reichsschntzaml eine andere Stellung bekommt. Ganz anders liegt es, iveim das Reichsschatzamt den einzelnen RessvrtS sagen könnte: ich habe leine Mittel; dann müstten die Ansprüche eben herabgemindert werden. ES wäre ein bedauerlicher Anfang der Reichssinanzreform, wenn sie beginnen würde mit einer Erhöhung der Matriknlarbeiträge. Abg. Graf Bcrnstorff(Weife): Die föderative Stellung des Reiches komnrt zum Ausdruck darin, dast die Einzelstaaten die Ver- antwortung für die Reichöfiiianze» trage». Das wird verhindert durch direkte Stenern. In dieser Richtluig liegt die Erbschaftssteuer. Deshalb lehnen wir die ganze Reichsfinanzreform ab. Abg. Bernstein(Soz.): Um an die Worte des Vorredners anzuknüpfen, möchte ich zu der Vorlage sagen: Was sie Euch„»lieb macht, macht sie uns wert.(Heiterkeit.) Was unseren Grimdsätzen und unserer Anffassilug von einer Finanzreforin am»leisten entspricht, ist die Erbschaft-"- stcuer. Und gerade sie ist es, die den Vorredner zu einer ablehnen- den Haltung veranlastt hat. Der Finaiizminister meint, dieses Gesetz sollte darauf hinwirken, die Freude am Reiche lviederum zu stärken. Aber gerade in bisher austerordentlich reichstreucn Kreisen wird diese Art, die Bedürfnisie deS Reiches zn decken, die Freude ain Reiche sehr stark und sehr rasch nehmen. ES ist hier wiederholt der Ausdruck ..Finanzreform" gefallen. Wirmüssen durchaus bestreiten, dast dicserName irgendwelche Berechtigung hat, es sei denn, dast man den Ausdruck mich auf eine Eekomiatio in peius(eine Verschlechterung) anwenden will. Eine organische Reform ist hier jedenfalls nicht geschaffen. Man hat nichts weiter getan, als mit sehr großer Willkür hier- nnd dahin zu greifen nnd ein paar Löcher zustopfen. Man hat das Geld genoiiunen, Ivo man es fand, ohne Rücksicht aus die Interessen der weiten Volkskreise und aus die Grundsätze der Volkswirtschaft. Der Hauptgrundzilg dieses Gesetzes zur Ordiiinig der Reichsfinanzen ist gerade seine vollkomiiiciie volkswirtschaftliche Charakterlosigkeit.(Leb haftcS Schr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wcnnman einen Grund say in dieser Finanzreform suchen sollte, der vor allem auch in den verschiedeiicniiiderKominission vorgeschlagenen Phaiitasiesteuem seinen Ausdruck fand, so wäre es der der Mittclstaiidöretterei. Eins aber köiiiicn wir schon heute vorhersagen: Diese Steuer wird mehr Leute anS dem Mittelstände ruinieren als retten.(Vielfaches Sehr Ivahr l bei den Sozialdemokraten.) Für jede kleine Brauerei z. B., die künstlich durch die Staffelung ain Leben erhalten wird, werden Himderte von Wirten ruiniert werden, die heute noch dem Mittel- stände angehören. Und das gilt für alle die Gesetze, die Sie hier beschlossen haben. Was weiter für imö dieser Gesetzentwurf kenn- zeichnet, ist, dast diejenige Steuer, für die alle volkswirtschaftlichen Grundsätze sprechen, die Erbschastsstencr, zn einem AuShülfsmittel herabgcdrückt toorüc» ist, stattzurBasis derReichSsteucrn zu lverde», wie eS sich gehörte. Ja. wein» es nach der Reichsregierung gegangen wäre, wäre den Einzelstaaten ein noch höherer Anteil an ihr zugeweiidet worden als daS jetzt beschlossene Drittel. Mit der von rmS vor- geschlagenen ErbschaftSstener hätten Sie all' die anderen Stcuer- Vorschläge überflüssig gemacht. Was aber ist die Ursache des Reichsdesizits, über das hier so viel geklagt Ivird und das die Vor- läge sicher nicht endgültig ans der Welt schafft? Abgesehen von de» »iigeheiier gestiegenen Ausgaben für die Riistiliigen, für das Heer, die Flotte und die Kolonialpolrtik, hat die sinaiizielle ReichSmisere ihren Urgnmd in dem LnxuS der 23 Einzelstaaten, die mit dem sozialen Leben deS Volkes längst nicht mehr vereinbar sind und über die»insere ganze VerkehrSeniwickluiig längst hinweggeschritten ist. Die Buntscheckigkeit der 23 verschiedenelt Finanzverivaltlingen bleibt ein Gewicht, daS schwer an jeder oenninftigen Finanzpolitik deS Reiche? hängt. Ein kümmerlicher AuSweg an« dieser üblen Lage, die man nickit ändern will, sind die Matriknlarbciträge. Gegen die auS rechnerischen Gründen empfehlenswerte Stundung derselben auf drei Jahre haben wir nichts einzuwenden, aber ganz energisch müssen wir nnS gegen die Bindung der Matrikularbeiträge wehren. Im Gegensatz zum Finaiizminister erblicken wir darin eine Ennutigiiiig der einzelnen Ressorts zn neuen Ausgaben, da sie vor der Verantwortiina gegenüber den Einzelstaaten geschützt werde». Dann mühte das Reich zu neuen Znschilstaiileihcn kommen, zn neuen Erhöhungen der Ausgaben für die Verzinsting der Reichsschnld, die einen Tribut der arbeitende» Bevölkerung an das Kapital darstellen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auf einen derartigen Finanzbetneb können wir uns unter keinen Umständen einlasse». Aber bei dem Widerstände der Einzelstaaten gegen eine ReiöhS« cinkoinmcnstencr bliebe nach derBindung der Matriknlarbeiträge nur eine Belastimg deS Konsums oder eine Schädigung unserer gesamten Volks- Wirtschaft, unserer beiitscheit Industrie, unserer deutschen Arbeit durch neue ReichSfchulden übrig. Deshalb halten wir iinbedtngt an den Matrikularbeiträgen fest, bis eine Reichscinkommen- oder eine ReichSverinögensteuer die Grundlage der deutschen Finanzlvirtschast geworden ist. Erst durch diese würden wir auch bekommen, lvaS notlvendig ist. Für die ReichSfinaiizlvirtschaft, für die ganze Reichs- derwaltiiiia: ein veranlioortlicheS ReichSmimstcrimir. Dann erst hätten wir Jahr fiir Jahr die Gelegenheit, die Fiiianzverwaltnng zu zwingen, den Beschlüssen und Wünschen deS deutschen Volke« nachziikominen.(Sehr gut I links.) Es ist wieder da« Wort vom„Sparen" gefallen. Ein zwei- deutigeS Wort! Die Hauptsache ist. wo gespart werden soll! Eine Sparsamkeit an den Ausgaben siir Kulturzwecke, für soziale Reforme», etwa fiir die groste Frage der Urbeitslosen-Versicherniig, wäre durch- au« am falschen Platze,«ber der Schatzmeister des englischen Welt- reiche» war jüngst in der Lage, wie es sich der Abg. Wiemer eiiunal für Deutschland wünschte, dem Parlament den Erlast einer ganze» Reihe von Steuern vorzuschlagen, eine Herabsetzung der Steuern auf Tee und Tabak, eine Herabsetznnq des KohlenzolleS und— man denke nur, wie unwirtschaftlich!— eine Herab- setzung der Postgebühren. Und warum konnte er das? DaS Budget wies erhöhte Einnahmen ans der ErbschaftS- steuer. erhöhte Ei»iiahmen aus der Einkommensteuer nnd 28 Millionen Ersparnis am Flottenetat auf.(Hört! hört! links.) Und da»» möchte ich auf die Debatte vor vier Tagen hinweisen, als im englischen Parlament der Arbeiterdeputierte Bivian eine Resolution zugniisten der allgemeinen Abrüstung vorschlug und die englischen Regierungsvertreter sie unterstützten und begrüstten, wie schon früher selbst die Konservativen durch den Mund des frühere» PreiniermiiiisterS Mr. Balfour ihre Bereitwilligkeit erklärt hatten, auf eine Herabsetzung der FlottenauSgaben oder wenigstens auf eine gleichmähige HinauSschtebung der Flotten- neubanten einzugehen. Auch Deutschland wird zu der Erlemitnis kommen müssen, daß eS mit der Nllstu»gsschral>be auf die Dauer nicht so fort gehe,» kann, da diese Rüstungen nichts weiter find, als eine Verschleuderung der nationalen Arbeit. Sie werden vollständig überflüssig sein, wenn ciiist die Völker einig werden, lvie es die steigende Arbeiterbewegniig aller Länder erstrebt und erkämpft, und lvie sie es bei nur eini germasten ernsthaftem Willen der Regierungen schon jetzt sein konnten. Zum mindesten aber haben Sie(nach rechts) doch für die Gegenwart den praktisch sehr einfachen Vorschlag vor sich: die Ferliast-lluiig der SchiffLneubauten hinaus- zuschieben. Schon wcim Sie das täten, brauchten Sie nicht so imeiidlich viele Existeiizeil zu vernichten, wie Sie in» folge dieser Borlage vernichten werden. Aber vön all dem ivollen ja weder die Reichsregiernng noch die bürgerlichen Parteien in diesen, Hanse etwas wissen. Daher diese noch jeder Richtung hin ii»z»lä»gliche Reichsfinanzreform. Zu einer wirklichen Tilgung der Reichsschuld, zu einer wirklichen Berminde- rimg der ReichSauSgaben könnteii wir erst kommen, wenn der alte Grundsatz der bürgerlichen FreihandelLpartei, der heute allerdings mit ganz anderer Energie von den Arbeitern aller Länder vertreten lvird, zur Geltniig käme: Friede, Freiheit und Einschränkung der Rüstllngeil!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdeinokraten.) ' Abg. Raab(Antis.): Obgleich unsere sozialen Ideale bei der Finaiizreform nicht bis zum letzten(Heiterkeit links) durchgeführt find, lverde» wir für§ 1 der Vorlage stimmen. Damit schliestt die Diskilssion._ § 1 wird gegen die Stimmen der Linken und eunae Anti- semiten in der Nonimissionssassung angenommen, ebenso 8 2. Es folgt ß 3, der die Sinndung der Matrikularbeiträge ans« spricht, ivem, sie 40 Pf. pro Kopf der Bcvölkerimg übersteigen. Wenn der Mehrbetrag sich auch später ergibt, soll die Erhebimg im Juli des drittfolgenden Jahres stattfinden. Die Abgg. B ü s i n g(natl.), Dietrich(k.), v. O e r tz e n(Rp.) und Dr. Spahn(Z.) beantragen, das Wort„später" zn streichen. Nach kurzer Begründung durch den Abg. Büsing erklärt Reichs- schatzsekretär Freiherr v. Stengel sein EinverftändiitS mit diesem Antrag. 8 3 wird mit dem Amendement Büsing mit großer Mehrheit angenoininen. 8 4»vill die Tilgimg der ReichSschuld vom RechnungSiahr 1007 ab mit mindestens 8/5 Prozent des sich jeweils ergebenden Schuld- betrages beginnen. Die Abgg. Büfing, Dietrich, v. O er tz e n, Dr. S p a h n beantragen, 1008 statt 1007 zu fetzen. § 4 wird mit dem Amendement Anfing debatteloS angenommen. DebatteloS wird auch der Rest deö Gesetzes angenommen. Hierauf vertagt das Haus die iveitere Berarnng aus Mitstvoch 1 Uhr. Tagesordnung: 1. Zweite Beratung des Gcietzes betreffend die AuSgabe von Reichskassenscheinen. 2. Fortsetzung der heutigen Beratung(Beratimg der zum Mantelgesctz bcaiitrag�» Resolutionen). Schlust 68/4 Uhr.__ parlamentarikbes. Die Wohl PorzigS beanstandet. Endlich ist die WahlprüfuiigSkommissio» zur Entscheidnilg über daS Verbot einer Wählerversairnnlung im Wahlkreise Sachsen« A l t e n b u r g gelangt. In Zechau sollte ein polnisch sprechender Referent in einer Wählerversaminlung sprechen, die Behörde verbot aber die Versammlung, da ihr kein der polnischen Sprache mächtiger verneinte sie die Frage, ob eine öffentliche Versammlung ver- boten worden sei, deren Wirkung sich auch auf andere» als polnische Wähler er st recken sollte. Nach dieser letzteren Entscheidung will nu» die Mehrheit der Kommission ermitteln, wie viel polnische Wähler in den 5 Kilometer im Umkreise von Zechau liegenden Ortschaften sich befinden und wie viele davon gewählt haben. Teiiil da die bereits früher untersuchten und für erheblich besiindenen Beschwerden des Protestes allein die Wahl nicht stürzen lvürden und austerdem über sie auch erst Beweis- erhebungen beschlossen worden sind, so beschloß die Kommission auch über die letzte Frage Erhebungen zu beantragen und die Wahl Porzig» zu beanstanden._ Mnß nnd Gewichte. Die Kommission für Maß und Gewichte trat gestern in die zweite Lesniig ein. Zu 8 0 war u. a. folgender Antrag von Sachse und Genosse» gestellt:„In der ersten Zeile das Wort„öffentlichen" zu streichen und in der stillsten Zeile hinter dem Worte„Gasmesser" zn setzen:„sowie Förderwage» nnd Fördergefäße im Bergwerks- betriebe, sofern durch Zahl und Inhalt derselben der Umfang von Leistuilgen bestimmt werden soll." Sachse begründete den Antrag und führte anS, daß die laudesgcsetzlichen Bestimnuiiigcn nicht ausreichen, lvie feine dem Bergrat übergebene Statistik ergeben habe. Die Arbeiter müstten doch endlich wisse», was sie zu verlange» haben nnd eS sei Pflicht der Gesetzgebung, sie vor Uebervorteilungen zn schützen. Nach langer Debatte wird der Antrag Sachse nnd Genossen durch die arbeiterfeindliche Mehrheit der Kemmisston abgelehnt. Ein Antrag v. Bernstorff ivird angenommen. Diesem Antrag stimmten auch die Sozialdemokraten zu, weil er immerhin eine Verbesserung des bisherigen ZustaiideS enthält. Der Antrag von Bernstorff lautet: Iin ß 3 find die ersten drei Zeilen des Absatzes I durch solgende Worte zn ersetzen: ..Zum Messen n»d Wägen im öffentlichen Verkehr dürfen, so- weit dadurch der Unisang von Leistungen bestimmt werden soll, nur geeichte Maße. Gewichte und Wagen angeivendet werden. Zum öffentlichen Verkehr gehört der Handelsverkehr auch dann, wenn er nicht in offenen Verkaufsstellen stattfindet. Sofern eL sich um Erinittelmig des Lohne» in fabrikmäßigen Betrieben handelt, dürfen auch außerhalb des öffentlichen Verkehrs hier nur geeichte Maße, Gewichte und Wagen verwendet werden." 8.7 lvird mit einem Antrage Raab, im letzten Absatz daS Wort .Original" zu streichen, angenommen. Zn 8 0 liegt ein Antrag Sachse und Genossen vor: Im letzten .Qu hinter dem Worte„Kalenderjahr" einzuschalten..Quartal". Birk und Z u b e i l treten für den Antrag en». Sie führen auS, eS fei z. B. eine alte Erfahrung, daß schon imierhalb lineS JahreS ein Bierfaß 2—4 Liter von feinem Rauminhalt verliert; eS müsse deshalb ein Gesetz festgesetzt werden, daß solche Fässer nicht länger als zwei Jahre im Verkehr sein dürfen. Darnm sei die Einschaltung deS Wortes„Quartal" notlvendig. Der Antrag wird abgelehnt. Zn 8 1Ü ist von Sachse»nd Genossen nachstehender Antrag eingegangen: In der 5. geile hinter dem Worte„sind" einzuschalten:„ausschließlich der im§ 6 Absatz 1 genannten Gegenstände".— Sachse nnd Stolle heben hervor, nach den Motiven steht dem Bundesrat das Recht zu, Förder- wagen und Gefäße auszunehmen! Dieses Recht dürfe dem Bundes- rat nicht gegeben werden; deshalb sei cS notwendig— um die Bergarbeiter zu schützen— den Antrag anzunehmen. Ministerial- direktor v. I o n q n i s r e s bekämpft den Antrag und führt auS, daß es nicht in der Absicht des Bundesrats liege, die Förderwagen und Gefäße anSzunehinen. Sachse bittet, die Ausführungen deS Herrn Direktors zu Protokoll zu geben.— Der Antrag wttd ab« gelehnt. Die Sitzung wird auf Freitag vertagt. Vor Schluß der Sitzung ergreift Staatssekretär v. PosadowSky das Wort und erklärt: DaS Hauptprinzip bei Einbringung der Vorlage sei die Verstaatlichung des gesamten Eichwesens! Es sei nicht möglich, dasselbe den Landesregierungen respektive Kommiliien zu überlassen. Halte daS Plenum an den bisherigen Beschlüssen seiner Kommission fest, so würde die ganze Vorlage scheitern. So scheint eS, al» wenn wieder— wie schon so oft— fiir den Papierkorb gearbeitet worden ist. Die Revolution in Nuszland. Ueber den Verlauf der Maifeier Negen folgende Nachrichten vor: In Petersburg kam es nur in der Fabrik von Kojewnikow zu Ruhestörungen. Dort wollten feiernde Arbeiter die arbeitswilligen an der Arbeit verhindern; es entstand eine Rauferei, bei der auch Revolverschüsse fielen. Polizei und Kosaken stellten die Ruhe wieder her. Drei Personen erlitten Verletzungen. Aus der Provinz melden zahlreiche Telegramme, daß ein Teil der Arbeiter am gestrigen Montag gefeiert hat, die Ruhe wurde in: allgemeinen nicht gestört. Nur in W o l o g d a im nördlichen Rußland kam es zu Ruhestörungen. Die Bauern warfen dort Steine gegen die Arbeiter, tvclche mit Gewalt die Einstellung in den gewerblichen Etablissements herbeiführten und die Schließung der Läden erzwangen. Als Schüsse abgefeuert wurden, lief die aufgebrachte Menge nach dem Stadt- Hause, um es in Brand zu stecken. Der Gouverneur Ladyinski, der dorthin eilte, wurde verletzt, auch mehrere andere Personen erlitten Verletzungen. In Z a r i z y n an der unteren Wolga verlangte nach einer Meldung der Pctersb. Tel.- Agentur eine etwa vier- tausend Köpfe starke Volksmenge, die sich am Abend infolge eines Streites zwischen einer die Straßen durchziehenden Gruppe und Kosaken angesammelt hatte, die Entfernung der Kosaken, worauf sie ruhig auseinandergehen wolle. Als die Menge auf dieser Forderung beharrte, ließ der Polizeimeister die Kosaken feuern. Hierbei wurden acht Personen verwundet, eine davon tödlich. Aus der Armee. Folgende Resolution wird uns zur Veröffentlichung übcrsaudt: „Wir organisierte Soldaten des 112. Uralschen Infanterie- regiments beschlossen auf unserer letzten Versammlung, eine revolutionäre Militärorganisation zu gründen. In Anbetracht der wichtigen Rolle, die der Armee in der Freiheitsbewegung unseres Landes zu spielen bevorsteht, be- schlichen wir, uns im ganzen dem revolutionären Kampf anzw schließen und Hand in Hand mit dem Proletariat die Verwirk lichung der auf jer Fahne der Sozialdemokratie aufgestellten For- dernngen einzutreten. Die neugegründete revolutionäre Armeeorganisation der Garnison Kalwarya. Forderungen der Arbeitergrnppe der Reichsdunia. Die in der Reichsduma entstandene Arbeitergruppe hat soeben einen Beschluß gefaßt, um ihn der Reichsduma zu unterbreiten, in- dem sie folgende Punkte fordert: 1. Einen maximalen achtstündigen Arbeitstag in allen Zweigen der Lohnarbeit ohne Kürzung des Lohne?, und die obligatorische Einführung einer zweiundvierzig stündigen ununterbrochenen Ruhepause in der Woche. 2. DaS gänzliche Verbot der Ueberstundenarbeit. 3. Schutz der Frauen- und Kinderarbeit. 4. Das Verbot der Nachtarbeit außer in den Industriezweigen, wo dies aus technischen Gründen unmöglich ist. 6. Die staatliche Versicherung der Arbeiter auf Kosten des Unternehmers. 6. Die strafrechtliche Verant wortung der Unternehmer bei Verletzung der Arbeiter schutzgesetzc. 7. Weitgehende Reformen in der Fabrikinspektion und die Ausdehnung derselben auf alle Lohnarbeitszweige sowie die Einführung der obligatorischen Kontrolle seitens der lokalen Arbeiterorganisationen. 8. Die obligatorische unentgelt liche ärztliche Hülfe für die Arbeiter und eine weitgehende Aufficht der hygienischen Verhältnisse des Arbeiterlebeus seitens der lokalen Selbstverwaltung. S. Die Errichtung von Schiedsgerichten mit Richtern aus dem Kreise der Arbeiter und Unternehmer in gleicher Anzahl zur Schlichtung von Mißverständnissen zwischen den Arbeitern und Unter- nehmern. 1v. Obligatorische Fortbildungsschulen für die Bolksmassen und die Errichtung von Bibliotheken und Lesehallen in den Fabriken und Werkstätten. 11. Die Aufhebung der Strafen, Lohnabzüge und Durchsuchungen.— Die Arbeiter sind der Ansicht, daß die Lösung dieser wie auch der Bodenfragen nur von der Versammlung der nach dem allgemeinen Wahlrecht von, Volke ge- wählten Volksvertretung und nach der Ge- Währung der Ainnestie und aller bürgerlichen Freiheiten verwirklicht werden kann. Ainnestie oder Auflösung der Duma? Petersburg, 15. Mai. Der„Nowoje Wremja" zufolge hat sich der Ministerrat für die Möglichkeit der Gewährung einer Amnestie ausgesprochen, hat aber die Frage über den Umfang derselben offen gelassen. Nach demselben Blatte soll im Ministerrat auch die Auflösung der Reichsduma wegen ihres oppositionellen Charakters zur Sprache gekommen sein. Die Auflösung sei jedoch nicht für wünschenswert, sondern im Gegenteil für gefährlich erklärt worden. Hus der Partei. Totenliste. In Leipzig starb im Alter von 65 Jahren der Genosse Richard Jäger. Er hat schon Mitte der(50er Jahre der Partei angehört und allezeit eifrig für sie gewirkt. Unterm Sozialistengesetz ließ sein Eifer nicht nach. Im Jahre 1887 über- nahm er ein Restaurant, Ivo er den obdachlosen Verteidigern unserer Sache bereitwilligst Unterkunft gewährte, ungeachtet der deshalb über das Lokal verhängten Polizeistunde und der zahllosen Schikanen, die man gegen ihn ersann. Auch auf gewerkschaftlichem Gebiete hat Richard Jäger Rühmenswertes geleistet. Den Metallarbeiterverband und die Metallarbeiterkrankenkasse rief er mit ins Leben. In der letzten Zeit hinderte ihn leider an der Betätigung für die Partei eine hartnäckige Krankheit, der er schließlich erlegen ist. In Bielefeld geleiteten an 1000 Genossen den Genossen Kohl zu Grabe. In Seppensen bei Harburg starb der Genosse K a s a n g im Alter von 71 Jahren. In seiner Jugend Ivar er Knecht in Moorburg, von dort ging er»ach Hamburg, wo er eifriger Anhänger der Partei wurde. Besonders unter dem Sozialistengesetz war er tätig. Schließlich kaufte er ein kleines Anwesen in Seppensen, der Partei blieb er treu bis zum letztem Atemzuge. Vom Blitz erschlagen wurde am Sonnabend abend der Genosse Johann Voßgätter in Bennhausen bei Düsse!- d o r f. Er arbeitete in Eller in einer Fabrik. Das Unglück ereilte ihn in unmittelbarer Nähe des Fabriktores, als er nach Feierabend nach Hause gehen wollte. Der Verstorbene hinterläßt Frau und drei unmündige Kinder. Personalien. Zum Arbeitersekrctär in Augsburg wurde eiustimmtg der bisherige Arbeitersekrctär in Ko bürg. Anton Walter, gewählt. polireitlcbeo, Oeriehtliches ulw. Beleidigte Arbeitswillige. Wegen Beleidigung gelber Getverk- schaftler standen der Genosse Ä4rchpfennig von der Augs- burger„Schwäb. VolkszeUung" und der Genosse Grub er von MetallarbeiterauSsperrung unter der Arbeiterschaft der Maschinen� fabrik Augsburg ein„Arbeiterverein vom Werk Augsburg gegründet, das heißt eine Organisation von Arbeitswilligen. Natürlich geschah die Gründung anS eigenstem Autriebe der Arbeiter, die nur, weil sie keine Zeit zum Schreiben hatten, den Prokuristen der Fabrik in ihre Sitzungen holten. Nachher schenkte der Direktor des Werkes ihnen 100 000 Mark. Sie haben das aber vorher nicht sicher gewußt, sondern, wie die Zeugen aussagten. nur„gehofft". Die Zeugen erklärten auch, daß die Werks- leitung wohl einmal im Arbeiterausschuß einen solchen Verein für wünschenswert erklärt habe, doch will sie sich den Verein nicht direkt bestellt haben. Er soll natürlich notwendig geworden sein durch den Terrorismus der Gewerkschaftler. Die„Schwäb. Volkszeitung" und die„Münchener Post" haben den Verrätern an ihren Klassengenossen bayerisch-derb die Wahrheit ge zeigt. Dafür soll Gen. Kirchpfennig 240, Gen. Gruber 90 M. Strafe zahlen. Von der Strafkammer zu R o st o ck wurde der Genosse Partei sekretär Kröger- Rostock zu einer Woche Gefängnis und der Gastwirt Haehe zu drei Tagen Gefängnis verurteilt, weil sie einem ihnen begegnenden Arbeitswilligen scharfe Vorhaltungen gemacht hatten. Ein Strafmandat von 106,50 M. bestätigt. In D a n z i g er- halten die Genossen fortgesetzt Strafmandate von 106,60 M., wenn sie sich nach der Ansicht der Polizei gegen irgend etwas vergangen haben. Besonders das angebliche Verteilen von Flugblättern und Handzetteln auf Straßen und öffentlichen Plätzen wird nach wie vor strenge geahndet. Auf die Denunziation eines„fieistnnigen Mannes hin erhielt der Genosse Dulski ein Strafmandat von 106,50 M., weil er Handzettel gedruckt, verkauft und auf der Straße verteilt haben sollte. Gegen das Strafmandat wurde Berufung eiir gelegt.— Das Schöffengericht bestätigte es jedoch, trotzdem Dulski ganz entschieden bestritt, Handzettel gedruckt, verkauft und auf der Straße verteilt zu haben. Vielmehr hatte ihm ein Schutze mann die Zettel fortgenommen und sie erst auf ganz energische Vorhaltungen wiedergebracht. Die Ladung der E n t l a st u n g s- zeugen hatte da§ Schöffengericht abgelehnt. Nun wird die Straf kanimer zu entscheiden haben. Wegen eines angeblich iiiajestätSbeleidigenden Druckfehlers stand am Sonnabend der Redakteur der„Mitteldeutschen Sonntagszeitung" in Gießen, Gen. V e t t e r s. bor der Gießcner Strafkammer. Vor Eintritt in die Verhandlung erklärte der Verteidiger Vetters', er müsse den Vorsitzenden des Gerichts Hofes, Landgerichtsdirektor Prätorius, und den Beisitzer Amtsrichter Wachtel wegen Befangenheit als Richter in der vorliegenden Sache ablehnen. Beide Richter hätten bei der Beschlußfassung über die Beschlagnahme der Nummer des Blattes, die den unter An- klage gestellten Artikel enthält, ausgesprochen, daß der Artikel zweifellos eine Majestätsbeleidigung enthalte. Das Gericht be schloß darauf, die Verhandlung auf unbestimmte Zeit zu vertagen. In diesen heil'gen Hallen...! Einem Arbeiter, der zu Bielefeld im Wartesaal des Bahnhofs die„Volkswacht" las. wurde vom Portier das Lesen unseres Blattes mit dem Bemerken untersagt, daß auf den Bahnhöfen staatsfeindliche Blätter nicht gelesen werden dürften. Auf die gegen dieses sonderbare Verbot erhobene Beschwerde ist nun folgende nicht minder sonderbare Antwort ein- getroffen: Nach der eingeleiteten Untersuchung haben Sie am 23. v. M. im hiesigen Wartesaal ElX/IV. Klasse einem Kreise von Zuhörern einen Artikel aus der„Volkswacht" vorgelesen. Ein Reisender hat sich hierüber beim Portier beschwert. Infolgedessen hat Ihnen der Portier das weitere Vorlesen verboten. Daß in Wartesälen keine Vorlesungen geduldet werden, ist wohl selbst verständlich. Der betreffende Arbeiter bestreitet ganz entschieden,„Vor- lesungen" gepflogen zu haben, es wäre daher interessant zu erfahren. worin die Untersuchungen der hiesigen Eisenbahndireklion bestanden haben, und iver der Reisende ist, der sich über die angeblichen Vor lesungen beschwert haben soll. Für die preußisch-deutsche Freiheit ist es übrigens auch bezeichnend,„daß in Wartesälen keine Vor- lesungen geduldet werden", und daß dies die Bahnverwaltung für selbstverständlich hält. Es wird Beschwerde an eine höhere Instanz geführt werden. Ein gestörter Spaziergäng. Am Sonntag den 6. Mai d. I. hatte in Jnsterburg eine Anzahl gewerkschaftlich und politisch organisierter Arbeiter einen gemeinsamen Ausflug nach dem nahe bei der Stadt gelegenen Abschruter Wäldchen unternommen. Es waren gut zweihundert Mann. Kaum hatten aber die friedlichen Spaziergänger in etwa einhalbstündiger Wanderung den Wald erreicht und sich in zwanglosen Gruppen gelagert, da erschienen auch schon fünf Gendarmen, geführt von einem Oberwachtmeister. Der Herr Oberwachtmeister verlangte den Einberufer der„Ver sammlung" zu sprechen. Unter allgemeiner Heiterkeit erklärte man dem Herrn, daß er sich irre, es finde keine Versammlung statt und es sei daher auch kein Einberufer derselben vorhanden. Kurz entschlossen trat nun aber der vom Pferde herunter gestiegene Beamte an den Genossen Meriins aus Tilsit, der seine Anwesenheit in Jnsterburg benutzt hatte, um den Spazier g-Aig mitzumachen, heran und sagte:«Ick nehme an, Sie sind sind der Einberufer dieser Versammlung und bitte um Nennung ihrer Personalien." Nachdem dieses geschehen, forderte der Ober- Wachtmeister sämtliche Spaziergänger auf, den Wald zu verlassen. Der von der Polizei als„Einbernfer" des Spazierganges betrachtete Genosse M. protestierte gegen dieses Verlangen mit dem Hinweis. daß der Wald Privateigentum sei und der Oberwachtmeister mindestens einen Auftrag zu seinem sonderbaren Verlangen vorweisen müsse. Das konnte er nicht, ließ sich aber einen schriftlichen Befehl vom Besitzer kommen, worauf die Genossen das Wäldchen räumten. Unter der Obhut der Gendarmen marschierten sie nach Jnsterburg zurück. Passiert ist niemand etwas; nur als ein Genosse ein Hoch aus- brachte und die übrigen einstinlmten, ritten die Gendarmen wütend in die Spaziergänger. Es ging indes ohne Verletzungen ab. der der„Münch. Post" am Sonnabend vor dem Schöffengericht zu Augsburg. Im Herbst vorigen Jahres wurde nach der großen Soziales* Dicnstbotenelend. Vor dem Schöffengerichte Speyer hatte sich die Ehefrau des Kohle n Händlers H. Dresqus wegen fortgesetzter, teils leichter, teils schwerer Mißhandlung zu verantworten. Der Angeklagten liegt zur Last, die ledige Dienstmagd Anna Schlafer mit Koch- löffel, Schürhaken. Schlüsselbund usw. mißhandelt zu haben. Doch lassen wir darüber die Zeugen sprechen: Das Mädchen Schlafer sagt aus, wenn Frau Disquö nicht den ganzen Tag ge- schölten habe, sei es eine Ausnahme gewesen. Um halb 6 morgens habe sie aufstehen müssen. 11—12 und teils 1—2 Uhr sei es ge- worden, bis sie zu Bette kam. Einmal habe sie einen Schlag in das Gesicht erhalten, daß ihr die Gläser der Brille in die Nase ein- drangen und dadurch blutende Wunden entstanden. Fast Tag für Tag sei sie ins Gesicht geschlagen worden. Vom vielen Sudeln im kalten Wasser habe sie die Hände erfroren gehabt. Ein anderes Mal habe sie die Frau an den Haaren im Z i in n, e r umhergezogen. Es sei ihr überhaupt nichts recht zu machen gewesen. Auch habe sie nur halb satt zu essen bekommen. So oft sie geschlagen worden sei, habe Frau Disque die Tür abgeschlossen. Einmal sei sie zum Fenster herab. g'esprungen. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum sie denn nicht von dieser Stelle fort sei. erwiderte sie. daß sie durch Unterschrift gebunden war. Als nach drei Wochen das Maß voll war. schrieb sie ihre» Eltern. daß sie zu Besuch kommen sollten, um ihnen dann zu sagen, waS sie alles in dieser Stelle leiden müsse. Frau Disguo bekqin hiervon Kenntnis und sandte daim eine Depesche an die Eltern des Mädchens, daniit sie nicht kommen, indem sie selbst Besuch hätte. Später sei ihr Schwager gekommen und hätte sie dann mit« genommen, nachdem der Schutzmann Frey ihr gesagt hätte, unter diesen Umständen könne sie sofort das Dienstverhältnis lösen. Zeugin Boos, die nebenan diente, sagt aus: Einmal habe sie gehört, wie Frau D. sagte: Jetzt hat mir das nichtsnutzige Ding die Vorhänge naß gemacht beim Fensterputzen. Gleich habe es heftig gerumpelt und dann habe das Dienstmädchen bitterlich geweint. So ähnlich sei es Tag für Tag gewesen, bis sie es nimmer länger habe mit anhören können. Dann habe sie An- zeige erstattet. Polizeisergeant Stefan glaubt, daß die Dienstmagd Schlafer etwas langsam sei. Frau D. sei iu puncto Sauberkeit sehr diffizil wie nicht leicht noch eine in Speyer. Die Familie des Kohlenhändlers Disquö bestehe nur aus drei Köpfen, da könne doch unmöglich so viel Arbeit sein. Hier unterbrach der den Vorsitz führende Amtsrichter den Zeugen und inachte ihm klar, daß man jemand Arbeit bis 1 und 2 Uhr verschaffen könne, man dürfe den- selben nur ein paar mal am gleichen Tage die gleichen Fenster putzen lassen. Der Amtsanwalt führte aus, daß diese Mißhandlung alles bis jetzt Dagewesene übersteige. Ein Tier, einen Hund würde man nicht so behandeln. Er müsse seinen Abscheu aussprechen vor Personen, die zwischen Tier und Menschen keinen Unterschied machen. Frau D. hätte die Schlafer anständig behandeln sollen und nicht wie einen Hund, da sie ja gebildet sein wolle. Er beantrage ihrem Vermögen entsprechend 200 Mark Geldstrafe eventuell zwei Monate Gefängnis. Das Urteil lautete wegen fortgesetzter Mißhandlung auf 100 Mark Geldstrafe eventuell20TageGefängnis. Die außerordentlich niedrige Strafe kann kaum abschreckend wirken. Mit Recht erwartet die„Pfälzische Post", der wir diesen Bericht entnehmen, eine bessere Wirkung von der öffentlichen Kenn- zeichnung der Peinigerin, nämlich die: daß ihr in Zukunft die Möglichkeit, einen Dienstboten quälen zu können, versagt bleibt. )Zus Inäiiftrie und FtandeL Baumwollsamenvcrwertung. Die meisten Konsumenten haben wohl kaum eine Ahnung davon, daß ein ganz überwiegender Prozentsatz von dem, was unter der Etikette„Olivenöl",„feinstes Olivenöl",„bestes Salatöl" usw. im Handel erscheint, anders nichts ist, als Baumwollsamenöl. Die Amerikaner sind smarte Geschäfts- leute. Früher bildeten die Bauniwollsamenkerne einen unverwerteten Rückstand, heute macht man feinstes Speiseöl daraus und— Gold. Das in dieser Industrie angelegte Kapital trägt reiche Zinsen. Nach dem Zensusbericht über die Industrie der Verwertung von Baumwollsamen in den Vereinigten Staaten von Amerika für das Jahr 1005 hat sich das in diesem Gewerbe angelegte Kapital seit der Zensusaufnahme für 1900 reichlich verdoppelt, während der Wert der Produktion eine Zunahme um ziemlich 65 Prozent aufzuweisen hatte. In 715 Betriebsanlagen sind über 73 Mill. Dollar Kapital investiert. Die Zahl der angestellten Beamten und Arbeiter beläuft sich auf 18 768, die Summe der gezahlten Löhne und Gehälter aus rund 7% Mill. Dollar. Im letzten Jahre wurden aus 3 382370 Tonnen Samen 133 817 772 Gallonen Baumwollsaatöl gewonnen, das einen Wert von 31'/, Mill. Dollar repräsentiert. Die Bergwerksverstaatlichung in Schwede». Die von Genossen Branting verlangte Vorverhandlung der Zweiten Kammer über den Rcgierungsvorschlag zur Verstaatlichung der Eisenbergwerke in Norrbotten hat am Freitag stattgefunden. Sie wurde mit einer Rede Brantings eröffnet, der den Vorschlag gründlich kritisierte. Unser Genosse berechnete, daß die meisten Aktiengesellschaften, deren Kapital sich auf 30 Millionen Kronen belauft, in den 50 Jahren, während der ihnen das Ausbeutungsrecht noch garantiert werden soll, bei den jetzigen Eisenerztzreisen nicht weniger als 550 Millionen Gewinn erzielen werden, also jährlich 11 Millionen. Hierbei ist nur ein Gewinn von 3 Kronen pro Tonne zugrunde gelegt, während er tatsächlich 3 bis 5 Kronen beträgt. Rechnet man mit der fort- dauernde» Steigerung der Erzpreise, so wird sich der Gewinn aus 940 Millionen, also 19 Millionen jährlich bei 30 Millionen Kapital belaufen. WaS nach dieser Bereicherung der Aktionäre an Erzen übrig bleibt, darüber soll nach dem Regierungsvorschlage erst im Jahre 1922 eine gründliche Untersuchung stattfinden.— Als Grund hierfür wurde vom Staatsminister später angeführt, daß eine solche Untersuchung erst durch den Bau eines Tunnels möglich werde, der 12 bis 14 Jahre beanspruche.-- Zuckerrübenbau. Die Internationale Vereinigung für Zucker- tatistik hat vom 2. bis 12. d. M. eine Umfrage abgehalten, als dessen Äesultat sich ergibt: Von 368 Fabriken in Deutjchland haben alle bis auf 3 die Anfrage beantwortet. Die Zuckerfabriken Donners- leben, Duderstadt, Hirschfeld, Mewe und OchtmerSleben haben den Betrieb eingestellt, und verschiedene Fabriken in den Provinzen Sachsen, Westpreußen und in Mecklenburg haben mitgeteilt, daß sie aus Arbeitermangel event» zur Verringerung des angegebenen Rüben- areals gezwungen sein werden. Der Anbau erstreckt sich fiir Deutsch- land auf 440 340 Hektar gegen 467 885 im Vorjahre, also 5,9 Proz. weniger. Die Einfuhr von Messerwarcn nach Brasilien. Der Wert der Einfuhr von Messerwaren nach Brasilien betrug in den Jahren 1902 bis 1904 an Bord vor der Ausschiffung 1729. 2066 und 2560 Kontos 1 Konto im Durchschnitt der Jahre 1902 bis 1904= 1000 bis 1044 M.). Der Anteil Deutschlands stieg in denselben Jahren von 598 auf 850, der Großbritanniens von 706 auf 870 und der der Vereinigten Staaten von Amerika von 253 auf 659 Kontos, während Frankreichs Import etwas zurückging(von 157 auf 152 Kontos). Unter der Last der— hohen Löhne. Je mehr lamentiert wird über zu weit gehende Ansprüche, desto glänzender sind die Geschäfts- ergebnisse. Die Arthur Koppel Aktiengesellschaft Berlin teilt»nt. der in der gestrigen Sitzung des AufsichtZratcS vorgelegte erste Ab- schluß der Gesellschaft ergibt, nach Dotierimg der Delkredere- Reserve mit 100 000 M., einen Reingewinn von 1 154 314,20 M es wird der Generalversammlung vorgeschlagen, hiervon 57 740,71 M. dem gesetzlichen Reservefonds, 120 000 M. einem Reservefonds 2 zu überweisen. 35 323.45 M. an den AufsichtSrat zu zahlen, sowie eine Dividende von 11 Proz. zu verteilen, und zwar auf 6 000000 M. dividendenberechtigte Aktien für das ganze Jahr in voller Höhe und auf 3 000 000 M. Aktien, welche erst im Laufe des Jahres voll gezahlt wurden, nach Maßgabe der erfolgten Ein- zahlungen, der Rest von 59 132,54 M. wird auf neue Rechnung vor- getragen.-— Vom Welthandel. Das Jahr 1905 hat für fast alle Länder eine Steigerung der Außenhandelsziffern gebracht. Die höchsten Ziffern weisen auf Großbritannien und Deutschland mit fast 4 Milliarden Dollar, dann folgt Amerika mit 2*/s Milliarden Dollar. Mit der Einfuhr rangiert Großbritannien an der ersten Stelle, in der Ausfuhr teht Amerika voran. Die nachstehende Aufstellung über den Import und Export der größten Lander der Welt in den beiden letzten Jahren entnehmen wir einer Veröffentlichung des britischen Board of Trade: Einfuhr m Dollar 1901 1905 1548 549 000 1 637 577 000 561 643 000 909 817 000 256 752 000 190 523 000 404 576 000 437 557 000 107 676 000 1 195 470 000 242 269 000 323 836 000 261 462 000 2 372 326 000 Ausfuhr in Dollar Deutschland Belgien...... 520 170 000 Frankreich.... 876 423 000 Schweiz..... 234 740 000 Spanien..... 162 380 000 Italien. Oesterreich-Ung.. Aegypten...> Ver. Staaten.. Japan...... Bntiich-Jndien. Brit Nordamerika Großbritannien. 372 526 000 415 254 000 102 659 000 1 050 259 000 184 212 000 309 811 000 245 179 000 2 339 492 000 1904 1 270 799 000 403 725 000 866 422 000 171 559 000 164 794 000 310 916 000 423 522 000 103 914 000 1 445 462 000 156 852 000 510 934 000 188 723 000 2 463 410 000 1905 1 359 077 000 425 600 000 926 917 000 186 460 000 170 848 000 332 358 000 439 625 000 101 661 000 1 621 581 000 158 122 000 499 546 000 210 875 000 1606 057 000 Gerichts-Zcltunof. Vom Triickschriftenverteilen. 8 des preußischen Preßgesetzes ist durch§ 30 des Reichs- Preßgesetzes in etwas veränderter Fassung aufrecht erhalten. Es bedarf danach einer polizeilichen Erlaubnis, wer auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen und an anderen öffentlichen Orten Pla- kate, Bekanntmachungen oder Aufrufe unentgeltlich verteilen will. Wegen Uebertretung des§ 10 verurteilte das Landgericht Dortmund den Bergarbeiter Döppner zu einer Geldstrafe, weil er auf der Straße im Auftrage des- christlichen Bergarbeiterverbandes Zettel verteilt hatte, die eine Versammlung bekamit machten und zu ihrem Besuch einluden. D. hatte vom Verband 2 M. erhalten. Die Unentgelrlichkcit des Vrrteilens im Sinne des 8 10 sah das Landgericht darin, daß die Empfänger der Zettel nichts dafür zahlten.— Das K a in m e r g c r i ch t hob das Urteil auf und vcr- wies die Sache nochmal an das Landgericht. Es wurde ausgeführt: Im preußischen Preßgesctz sei mit unentgeltlichem Verteilen ein sol- chcs Verteilen gemeint, Ivo der Verteiler auch vom A u f t r a g. geber kein Geld erhalte. Ein Verteilen setze sclbstver- ständlich voraus, daß das Publikum, an das die Schriften gegeben würden, nichts dafür zahle. Das Gesetz selber unterscheide ja auch zwischen verteilen und verkaufen. Da nun Angeklagter von seinem Auftraggeber 2 M. erhalten habe, also kein unentgeltliches Ver- teilen im Sinne des Prctzgesetzes vorliege, so könne das Preßgesetz überhaupt nicht Anwendung finden. Das Landgericht werde nun nachzuprüfen haben, od 8 13 der Gewerbeordnung in Betracht komme, wonach einer Erlaubnis bedarf, wer gewerbsmäßig aus öffentlichen Wegen usw. Druckschriften verteilen oder verkaufen wolle. Es sei dem Landgericht dabei mit aus den Weg zu geben, daß es an sich noch keine Gewerbsmäßigkeit sei, wenn D. einmal für Geld Zettel verteilte. Es müßte vielmehr hinzukommen, daß er es schon öfter um des Verdienstes willen getan habe oder beab- sichtigte, auch zukünftig Druckschriften für Geld zu verteilen Und sich daraus dauernd einen Gewinn zu verschaffen. Lelirer und Gendarm. Jena, 14. Mai. In der letzten Sitzung des hiesigen Schöffengerichts kam eine interessante Privatllage zur Verhandlung. Als Kläger trat der Ortsschullehrer Walter Frcge, als Beklagter der dort stationierte großhcrzogliche Gcndarin Striebe auf. In Gesellschaft zahlreicher Personen befanden sich die Parteien am 2ö. März in der Rathauswirtschaft in Frauenprießnitz. Der Lehrer saß mit zwei jungen Mädchen an einem Tische, als der Gendarm hinzutrat. Das eine der Mädchen war nur besuchsweise anwesend und dem Hüter der öffentlichen Ordnung und Sicherheit unbekannt. Auf eine diesbezügliche Anspielung stellte der Lehrer die Maid vor, bediente sich dabei aber einer etlvas scherzhaften Form. Ob sich der Gendarm dadurch in seiner Würde verletzt fühlte, oder ob ein anderer Umstand hinzutrat, der ihn in Erregung versetzte, konnte auch in der Verhandlung nicht ausgeklärt werden. Kurzum, der Gendarm titulierte den Lehrer plötzlich einen„Lause- jungen und Pinsel, er wolle ihm die Brillengläser einschlagen, das Jüngclchcn solle erst mal Soldat werden, ehe es ihn(den Gendarm) veräppeln wolle." Diese gewählte Slnsprochc begleitete der Gcndarin noch mit der Aufforderung an den Lehrer, sofort das Lokal zu ver- lassen. Der Lehrer spielte den Klügeren und ging; als er sich aber in der Hausflur anschickte, die ihm zugefügten Beleidigungen zu notieren, wurde er von dem Gendarm nochmals attackiert. Er riß dem Lehrer das Notizbuch aus der Hand, lvarf es zu Boden und zertrat den Bleistift. Vergleichsvcrhandlungen scheiterten an dem Widerstände des Privatklägers. Ter Beklagte räumte im all- gemeinen den oben geschilderten Sachverhalt ein, will aber in seiner Eigenschaft als großherzoglicher Gendarm durch den Ausdruck ..Nachtpolizist" schwer beleidigt worden sein. Die deshalb an- gestrengte Widerklage blieb aber unbewiesen und hatte keinen Er- folg. Dagegen erkannte das Gericht gegen den Gendarm auf eine Geldstrafe von 30 M. eventuell 6 Tage Haft. Dem Beleidigten wurde außerdem Publikationsbefugnis zugesprochen., Pfarrer Ritter. Vor der 5. Strafkammer des Landgerichts Berlin II beganncit gestern die Verhandlungen in der Strafsache gegen den Pfarrer Franz August Ernst Ritter aus Werder an der Ostbahn wegen Sittlichkcitsverbrcchcn. Ter Angeklagte wird beschuldigt, in den Jahren 1890 bis 190ö in uiindestens 20 Fällen 1. mit Per- soncn unter 14 Jahren unzüchtige Handlungen vorgenommen und dieselben zur Duldung unzüchtiger Handlungen verleitet zu haben l8 176, 3 St.-G.-B.) und 2. durch dieselben Handlungen als Geist- licher mit seinen minderjährigen Schülern unzüchtige Handlungen vorgenommen zu haben(8 174,1). Der jetzt 45jährige Angeklagte ist, wie aus seinen Bekundungen zur Person zu entnehmen tvar, im 16. Lebensjahre vom katholischen Glauben zum evangelischen übergetreten. Er hat dann Theologie studiert, lvar von 1888 bis 1894 Pfarrer an der evangelischen. Gemeinde zu Zinndorf und seit- dem bis zum Jahre 1905 Pfarrer in Werder an der Ostbahn. Er hat sich im Jahre 1892 verheiratet, seine Ehe ist kinderlos geblieben. Ter Angeklagte übte neben seiner seelsorgerischcn Tätigkeit auch eine Art Heilpra�is aus, indem er bei vorkommenden Krankhcits- fällen in seiner Gemeinde gern Rat und'Hülfe gewährte. Bei der Ausübung dieser Hülfstätigkcit soll er infolge perverser Veran- lagung gestrauchelt sein und an einer großen Anzahl von Knabe»,, die seinen Konfirmätionsunterricht besuchten, Handlungen vor- genommen haben, die der 8 174 mit Zuchthaus bis zu 5 Jahren und beim Vorliegen mildernder Unistände mit Gefängnis nicht unter 6 Monaten bestraft. Ter Angeklagte ist, als sich das Gewitter über ihn zujammenzog, nach Italien gegangen, hat es dam, aber nach einiger Zeit vorgezogen, nach Deutschland zurückzukehren und sich der Behörde zu stellen. Dem Vernehlnen nach hat er bisher zu- gegeben, die ihm zur Last gelegten Handlungen, von denen ein Teil bereits verjährt ist, begangen zu haben, behauptet aber, daß nicht die Erregung der Wollust die Triebfeder seines Handelns gewesen sei, sondern"die Absicht, die Knaben vor den verderblichen Folgen geheimer Sünden zu bewahren. Zu der Verhandlung sind ungefähr 50 Zeugen, darunter auch mehrere von, Rechtsanwalt Dr. Werthauer geladene Leumundszeugen geladen. Als medizinische Sachver- ständige sind Sanitätsrat Dr. G e n z in e r, praktischer Arzt Dr. Wilh. Fließ, praktischer Arzt Dr. S ch i in e l- Strausberg, Geheimer Rat Dr. Baer. Medizinalräte Dr. Hoffmann und Dr. Leppmann. der Spezialarzt für Nervenkrankheiten Dr. Placzek und der Leiter des wissenschaftlich-humanitärci, Komitees Dr. Magnus Hirschfeld anwesend. Auch ein Vertreter des Konsistoriums wohnt der Verhandlung bei, die u n t c r A u s- schluß der Oe s f e n t l i ch k e i t stattfindet. Dem Angeklagten wurden im Laufe der Verhandlung glänzende Leumundszeugnisse vom A m t ö v o r! st e h e r, vom Rittergutsbesitzer und Kirchenpatron und vom Superintendenten usw. erteilt. Der Angeklagte ist 1902 K r e i s s ch u l i n s p c k t o r gc- worden und stand dicht vor der Ernennung zum Superintendenten. Die medizinischen Sachverständigen waren sich bezüglich des Geistes- zustandes des Angeklagten nicht einig. Dr. P l a e z e k, Dr. Magnus Hirschfeld, Sanitätsrat Dr. Genzmer und Dr. Flies hielten den 8 bl St. G. B. in diesem Falle für anwendbar, die Medizinalräte Dr. L e p p n, a n n. Dr. H o f f m a n n und Herr Dr. Schimel schlössen sich dieser Ansicht nicht an und Geh. Rat Dr. B a e r vermochte cm endgültiges Urteil ohne noch eingehenderer Beobachtung des Angeklagten nicht abzugeben. Staatsanwalt G r a ß h o f f hielt alle 20 Fälle der Anklage für erwiesen und be- ontragte 4Jahre Zuchthaus.— Der Verteidiger glaubte, daß 4 Fälle als unerwiesen ausscheiden müssen und beantragte die Freisprechung auf Grund des§ 51, event. aber die Einholung eines Obergutachtens des Medizinalkollegiums der Provinz Brandenburg. Aus dem vom Vorsitzenden. Landgerichtsdirektor KruSpi gegen 8 Uhr verkündeten Urteil des Gerichtshofes ist folgendes hervor- zuHeben: Durch die Beweisaufnahme ist festgestellt, daß der Angeklagte mit zwanzig Knabe i, unzüchtige Handlungen verübt hat, die das Scham- und Sittlichkeits- gefühl gröblich verletzten, mit irgend welchem medizinischen Interesse nichts zu tun hatten, sondern den Angeklagten nur wollüstig erregen sollten. Der Angeschuldigte hat sich diejenigen Knaben ausgesucht, mit denen er glaubte solche Sachen machen zu können, er hat sie, meist ohne jede Veranlassung, nach der Konfirmationsstunde, der französischen Stunde usw. zu sich bestellt und sie unsittlich berührt. Sein Schuldbewußtsein geht daraus hervor, daß er den Knaben verboten hat darüber zu sprechen und sie unter dem Miß- brauchdes Namens Gottesgewisser:», atzen eidlich binden wollte, indem er ihnen sagte: Gott hört alles! Was die Anwendung des 8 51 betrifft, so hat der Gerichts- Hof aus den, ganzen Bilde der Verhandlung, aus seinen Familien- Verhältnissen usw. die Ucberzcugung gewonnen, daß der Angeklagte in der Richtung, in der sich sein Sexualleben bewegt hat, als geistig minderwertig zu betrachten ist. Die acht Gutachter haben übercin- stimmend dargelegt, daß der Angeklagte erblich belastet ist in dem Sinne, daß sein Gefühlsleben zu seinem Nachteil ungünstig be- cinflußt wird. Aber anderseits ist das Gericht nicht so weit ge- gangen, die freie Willcnsbestimmung als ausgeschlossen zu erachten, wenn auch die Widerstandsfähigkeit gegen die Anreizungen, denen der Angeschuldigte durch seine Veranlagung ausgesetzt ist, in recht erheblichem Grade vermindert ist. Nach Ansicht des Gerichts standen dem Angeklagtei, in seinem Amte selbst, in dem Bewußtsein seiner Würde, in seiner Bildung usw. genügende.Hcniiiiungsmoiuente zur Verfügung, daß er bei gutem Willen und Anwendung von Energie die bösen Triebe hätte überwinden können. Bei der Strafab- Messung ist erwogen worden einerseits, daß der Angeklagte durch diese Verbrechen, die er in seiner Eigenschaft als Geistlicher be- gangen, die Würde seines Amtes schwer verletzt hat; andererseits aber sein im übrigen tadelloser Lebenswandel, seine ganze Persönlichkeit und seine verminderte Widerstandsfähigkeit. Deshalb ist unter Zubilligung mildernder Umstände auf 1 Jahr 3 Monate Gefängnis erkannt und drei Monate sind auf die Untersuchungshaft angerechnet worden. Der Angeklagte erklärt sich zum Antritt der Strafe bereit und dankt dem Gerichtshof für das milde Urteil. „Fort mit der Liebe". Das eigentümliche Urteil des Landgerichts in München kam am Montag vor dem Reichsgericht zur Vcrlpndlung. Das Schwur- gericht beim Landgericht I in M ü n ch e n hat am 13. Januar den Redakteur des„Simplizissimus", Dr. Ludwig T h o m a,(Peter Schlemihl), auf Grund des Wahrspruchs der Geschworenen von der Anklage der Verbreitung einer unsittlichen Schrift freigesprochen, aber dennoch auf Einziehung des Flugblattes(Beilage de»„Siinpli- zifsimus")„Fort mit der Liebe!" und Unbrauchbarmachung der Formen und Platten erkannt. Es fymdelt sich in der genannten Schrift um den Kampf des„Simplizissimus" gegen die bekannten Sittlichkeitsbestrebuwgen. Trotzdem das Landgericht aus Grund der abgegebenen Gutachten angenommen hat, daß das Flugblatt eine unzüchtige Schrift nicht sei, hat es aus Unbrauchbarmachung der Schrift erkannt,„weil 100 000 Exemplare gedruckt seien und leicht in die Hände von Frauen und Kindern kommen und deren Scham- und Sittlichkeitsgcfühl verletzen könnten".— Die von den. An- geklagten eingelegte Revision richtete sich gegen die vom Ur- teile ausgesprochene Unbrauchbarmachung der beschlagnahmten Druckschriften sowie der Platten und Formen. Das Reichsgericht hob das Urteil in diese». Umfang auf und verwies die Sache in- soweit an die S t r a f k a in m e r zurück. Vermischtes. Unwetterschäde» werden aus viele», Gegenden des Reiches gemeldet. ES liegen Heute folgende Nachrichten vor: Trier. 15. Mai. Furchtbare Unwetter suchten die Umgegend Heim. In de», weiiigesegncten Rnwertal Haben die Rebentriebe so stark durch den Hagel gelitten, daß die Aussichten auf eine reiche Ernte geschwunden sind; ebenso hart ist die Obstblüte betroffen. In der Saargegend haben die Feldfrüchte besonders gelitten; stellenweise sind ganze Felder abgeschwemmt. Zahlreiche Gebäude wurden durch Blitzschläge eingeäschert. Würzburg, 15. Mai. lieber einen großen Teil Unter- fraiikens. namentlich den Haßgau, den Kitziugerggu und den Ochsen- furtergau gingen heftige Gewitter mit Hagel nieder»ud richteten großen Schaden in den Weinbergen, der Wintersaat und den Obstgärten an. Es sind Menschen in dem Sturm umgekommen; auch hat der Blitz viele Anwesen in Asche gelegt und Vieh erschlagen. München- Gladbach, 15. Mai. In der letzten Nacht wurde» infolge eines wolkenbruchartigen GelvitterrcgenS die tiefer liegenden Stadtteile erheblich überschwemmt. Im Alsgedict standen die Erd- geschosse mehrerer Häuser unter Wasser, so daß die Feuerwehr eingreifen mußte. Auch aus dem Auslände kommen Nachrichten über schwere Ge- witterschäden. AuS Wien wird telegraphiert: In der Gegend von Asch hat ein Gewitter furchtbaren Schaden angerichtet. Im Dorfe Schildern wurden eine Bäuerin mit Tochter vom Blitz erschlagen. In Schnarrtanne schlug der Blitz in ein Gehöft dcö Oekonomen Schädlich, der getötet wurde; das Gehöft brannte nieder. In Mebsen wurde der Stallschweizer vom Blitz getötet.— In Belgien gingen gestern woUenbruchartige Gewitter nieder und richteten an vielen Orten große Berheerungen an. Infolge eines Erdrutsches wurde der Bahnverkehr von Brüssel nach Lütlich für längere Zeit unterbrochen.— Das rasche Steigen der Sambre bei Namur, wo zwei Personen er- tranken, inachte militärische Hülfeleistung notwendig.— In Lüttich hat ein heftiges Gewitter unberechenbaren Schaden angerichtet. In den Straßen stand das Wasser bis zur Höhe von V/3 Meter. Die Tivolibrücke ist zusammengestürzt. Der Teufel Bitri« hat schon wieder einen frommen Bruder in Christo gestürzt. Der Mitbegründer des ultramontane» Batzerischen Eisenbahnerverbandes und dessen langjähriger Obmann Mahr in Bamberg hat sich erschossen, Iveil eine gerichtliche Untersuchung wegen Veruntreuimgcn von Verbandsgeldern gegen ihn schwebte. Der Selbstmörder ivar ein großer Gegner der„roten" Gewerkschaften. Sein Liebliugsspruch war:„Die Roten müßten alle vom Schinder (Fallnieister oder Abdecker) begraben werden-" Auf dem Gebiet der Abdeckerei hat er sich mm erschossen. Seine frommen Mit- brüder, die sehr abergläubisch sind, werden vielleicht darin eine Strafe für seine Lieblingsredensart erblicken. Ein Erdbeben. Venedig, 15. Mai. In B e l l u n e find infolge eines Erdbebens 22 Wohnhäuser eingestürzt. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Explosion eines Pulvermagazins. N e w A o r k, 15. Mai. Im ganzen Staate Connecticut wurde gestern ein heftiges Erdbeben ver- spür,, veranlaßt durch die Explosion des Pulvermagazins von Bridge- port. Viele umliegende Häuser sind zerstört worden. Zahlreiche Personen wurden verletzt. 300 Personen sind obdachlos. Der Vesuv ist aufö neue tätig. N e a p e l. 15. Mai. Der Vesuv setzt seine Tätigkeit neuerdings fort. Er wirft rotglühende Asche und Sand aus. Gefahr ist nicht vorhanden. Unwetter. Brüssel, 16. Mai. Durch das heftige Unwettcr, das gestern in Lüttich. Löwen und in anderen Landesteilen gewütet hat. sind mehrere Unfälle mit tödlichem Ausgange herbeigeführt worden. Die Züge zwischen Brüssel und Deutschland erleiden große Verspätungen. Schiffs«, iglück. Der russische Dampfer„Leo", von Bordeaux kommend, stieß in der letzten Nacht in der Nähe von Panillac in der Girolidemüiidnng aus einen italienischen Dreimaste,. der in der Giro,, de Anker geworfen hatte. Der italienische Dreimaster sank, zehn Mann ertranken. In San Frankisco herrscht jetzt eine fieberhafte Tätigkeit. Die ganze Stadt ist ein großer Bauplatz und lange Wagenzüge voll Bau- Material kommen täglich vom Osten an. Noch sind tausend fleißige Hände an der Arbeit, den Schutt und die Trümmer fortzuschaffen und schon wird iieueS_ Material verarbeitet. Viele Riesen- bauten aus Stahl und Steil, werden entstehen; überall hört man von großartigen Plänen. Das Großkapital hat ein zu starkes Interesse an dem Wiederaufbau von San Francisco, als daß es sich durch Erdbeben oder Feuersmacht zurückschrecken ließe. Die Grund- eigentums-, Eisenbahn- und Handelsinteressen sind allein zu wert- voll, als daß man die zerstörte Stadt aufgeben könnte; sie allein sind das Risiko eines neuen großen Erdbebens wert. Die Banken haben ihre Tätigkeit wieder aufgenommen in schnell errichteten Holzhäusern und von vielen Tausenden von kleinen Leuten ist die Sorge genommen, daß sie ihr erspartes Geld ver- lieren würden; die großen Sparbanken zahlen aus und nehmen Einlagen an wie früher; allerdings ist die Höhe der Auszahlungen vorläüffg eine begrenzte. Tausende kampieren noch im Golden Gate Park unter Zelten. Nach den Angaben der Bahngesellschaften haben 250 000 Menschen die Stadt verlassen. Je mehr die Auf- räumungsarbeiten fortschreiten, desto klarer zeigt sich die grauenhafte Berwüstung, die Erdbeben und Feuer hervorgebracht haben. Eine Stadt von Ruinen! Und dazwischen regt sich schon mächtig das neue Leben. Viele VerkaufSstäude sind eröffnet worden, in Grund- eigentum wird scharf spekuliert. Große Stationen für Verteilung von Lebensmitteln und Kleidern und auch besondere Speiseanstalten sind er- richtet worden, wo jedermann freie Mahlzeiten erhält; eine Zeitlang ivnrden täglich 350000 Rationen verteilt. Es sind erst vier Wochen seit dem Tage des Erdbebens(18. April) verflossen und es ist eine Verhältnis- inäßig gute Ordnung wieder eingekehrt. Planmäßig arbeitet alles auf den schnellen Wiederaufbau der Stadt hin. Der Verkauf von alkoholischen Getränken ist nicht gestattet, was den Temperenzlern viele Freude bereitet. Für die Kinder werden Schulen schnell her- gerichtet; es sind 29 Schulgebäude vollständig zerstört und 44 be- schädigt worden. Der Straßenbahnverkehr ist zn einem kleinen Teil wieder aufgenommen; für Beleuchtung, Wasser und Kanalisation wird täglich besser gesorgt._ Bnefkaftcn der Redaktion. Tie juristische Sprech stunde findet täglich mit Ausnahme de? Sonnabends von?>/- bis•>/] Uhr abends statt. Geöfinc,- 7 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mcrkzrtche» beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. E. N. 36. 1. Ja. 2. Wein, Sie nicht ausdrücklich aus dem Miels- vertrag enllasscn sind, haften Sie für die Miele weiter.--- 61. B. 2. 1. Falls nichts anderes vereinbart ist, beträgt die Uüiidigungssrist für Werkmeister sowie für die mit höheren technischen Dienstleistungen vertrauten Personen lMaschincntechniker, Bautechniler, Chemiker, Zeichner oder dergleichen) sechs Wochen zum Ouartalsablaus. Die Kündigung muß also spätestens am 17. Februar(im Schalljahr am 18. Februar), am 19. Mai, am 19. August oder am 19. November zum 1. April, 1. Juni, 1. Oktober, t. Januar ersolgt sein. 2. Nein. 3. An das Polizeipräsidium.— R. H. 30. Sie müßten anfragen, ob Sic in der Tat der Adressat sein sollen. Nehmen Sie das Geld an, so haben Sie es eventuell zurückzuzahlen.— H. A. 23. Hat Freifahrt. — E. B. 12. Der Vormund inüßle das Urteil zwecks Vollstreckung dem Gerichtsvollzieher übergeben, der dem Kinde vom Gericht beigeordnet ist. — B. M. Z. Ist uns nicht möglich.— A. 1474. Eine Klage aus Ehe- scheidung hätte nach dem von Ihnen Vorgetragenen keine Aussicht aus Erfolg. Sie sollten ruhige Aussprache mit Ihrem Main, versuchen. Die juristische Sprechstunde steht jede», Abonnenten ohne Anmeldung jrci.— P.71. Eine Klage hat wenig Aussicht aus Erfolg.— O. VÖ. Der Inhalt des Vertrages entscheidet. Sosern er ein Arbeitsvertrag ist, ist er jtempelsrci. Keineswegs kann Ihnen die Genehmigung verweigert werden, well Sie# nicht in den, Kreise wohnen. P. 29. In 30 Jahren.—<5. P. 16. Zur Zahlung der 50 Ps. sind Sie verpflichtet.— W. Clnsiinai»». Was bauliche und notivendige Aenderungen sind, ist von Fall zu Fall zu entscheiden.— A. P. 100. 1. Ein Kilchberg liegt im Zwickancr, eins im Chemnitzer Kreise. Der Abgeordnete des ersten Kreises ist Genosse Goldstein, des Chemnitzer Kreises Genosse Noske.— M. Z. 34. Der Vormund, nicht das VormmidschastS» gericht ist zur Recherche verpflichtet. Die rückständigen Alimente sind nach- zuzahlen: sie sind ans Grund des Urteils vom Gcrichtsvollzichcr bcizulrcibcn. — A. Zch. 19. Wenden Sie sich an den Handeis- und Transportarbeiter- Verband, Engcluscr 15.— H. A. 20. Ja.— Bleisicusrr. Die Gcsamtlonjuiiltur ist entscheidend.— Tegernseerlandstr. 33. 3 Mark. — M. K. 99. t. Ein Recht zum Eintritt in das Zimmer Ihrer Wraut haben Sie nur mit deren Erlaubnis. 2. Ohne Vertrag leben Eheleute auch außer Gütergcmeinschast: zweckmäßig ist ein Vertrag zur Aushebung des Nißbrauchsrcchls usw. Die anderen Fragen sind ohne genaue Darlegung nicht zu beantworten.— C. H. 113. 1. Nein. 2. Das wäre zwecklos. — R. 2. Sie brauchen sür Ihren Sticssohn nicht auszukomnien. — F. R. 1302. 1. Ja, Dispens kann erteilt werden. Vom zurück- gelegten>6. Jahre ab kann das Mädchen ohne Dispeuz heiraten. 2. bis 5. Strasbarkeit liegt nicht vor.— 99 Reichenbergorstraste. Nein. — A. V. 40. An das Amtsgericht müssen Sie enicn Antrag auf Fest- sctzung der Kosten richten. Den Beschluß müssen Sic dann zur Erteilung der Vollstrcckungsklausel zurückreichen und einen GerichlsvollKeher mit der Zwangsvollstreckung beaustragen. � G. St., Rcichelibergerstr. Nein.— F. i. Wenn Ihr AjietSvertrag nichts Entgegenstehendes enthält, sind Sie nicht ersatzpflichtig.— P. F. 33. 1. Ja. 2. Eine bestimmte Höhe ist nicht vorhanden. 3. Sie hat dieselben Rechte wie zuvor.— O. L. Nein. — Sch. Wiescnthalerstr. 9. Schriftliche Form genügt.— A. 303. 1. Es ist nur Privatunterricht möglich. 2. Sie müßten sich direkt mit einem Fabrikanten in Verbindung setzen.- S. 40. Wiederholen Sic Ihre An- frage; einc Recherche ist unmöglich.— Bläst, skatklubs brauchen nicht angemeldet zu werden.— I.?). 3. Die Unpfändbarkeit besteht nur bei dem Lohnbctrag bis 1500 M. jährlich.— V. 26. Besteht die Absicht, weiter erwerbstätig zu sein, so empfiehlt es sich, von dem Recht aus Rück- sorderung keinen Gebrauch zu machen. Auch sür den Fall, daß eine Ehe- frau nicht erwerbsfähig ist, kann sie ihr Rentenrecht dadurch ausrecht- erhalten, daß sie mindestens 20 Marken innerhalb je 2 Jahren weiter klebt. — H. H. 39. Den Antrag aus Kostenerstattung müssen Sie an das Ge- richt richten.— E. F. IK90. l. Ja. 2. Nein.— 888. 1. und 2. Ja. — Glli 100. Sic müßten sich bei dem Vonnundschastsgericht oder bei der Fürjorgeanstalt erkundigen, es muß ein Ueberweisungsbeschluß vorliegen.— H. R. P. 30. 200 Marken. Der Antrag ist an den Magistrat, Abteilung für Versicherung(Köllnischcr Park 8) zu richten.— H. O. 20. Nein.— Auto. 1. Man kann sowohl als Ncbcnllägcr dein Strafverfahren beitreten, als eine Zivilklage an das Landgericht richten. 2. Sämtliche zum Nachlaß gehörige Sachen sind anzugeben.— A. G. 300. Sechs Wochen vor den, Quartal, also z. B. 19. Mai.— Ä. A. 06. 1.— 4. Nein. — Torger. Sie sollten gegen den Meister Strasantrag wegen Körper- Verletzung stellen und außerdem gegen den Meister aus Schadenersatz im Zivilrechlswege klagen. Zwecks Anstrengung der Zivilklage ist zu raten, sich das Armenrccht sür Ihren Sohn erteilen zu lassen. Sic beaiitraaen, zu- nächst bei dem Armenkommissionsvorsteher. Ihrem Sohn zu bescheinigen, daß er nicht in der Lage ist, die Prozeßkosten zu tragen. Wenn Sie dann die Bescheinigung seitens des Magistrats erhallen haben, richten Sie an das Landgericht den Antrag aus Bewilligung des ArmcnrechtS. In diesem An- trage legen Sic den Sachverhalt klar und geben die Beweismittel an. — Zürich 3000. Beides ist möglich.— G. R. 31. Eine Schadenersatz- Pflicht würde ausgesprochen werden, wenn der Richter zu der Annahme gelangt, daß ein Verschulden bei dem Umstoßen der Platte vorlag.— P. G. 14. 1. Erscheint Ihre Frau nicht und wird im Termin nicht vertreten, so muß VersaumniSurteil ergehen. 2. Sie find keinesfalls hastbar. >3. Soweit ersichtlich, liegt Verjährung seit dem 1. Januar d. I. vor. Auch Ihre Frau ist zur Zahlung nicht verpflichtet, wenn sie zu beweisen in der Lage ist, daß sich der Sachverhalt so verhält, wie Sie ibn schildern, oder daß sie zur Zeit des AbschiusscS minderjährig war. Die juristische Sprechstunde steht jedem Abonnenten offen.— I. R. 12. Sind sie volljährig, so hasten Sie sür die Zahlung aus dem Vertrage, nicht aber Ihr Mann. — H. 2. 24. 1. Mutter und Kinder erben; die Mutter verwaltet, als Vormund der mindcrjährtgcn Kinder, deren Erbteil. 2. Ein schriftliches Testament ist erforderlich. 3. Nein, es sei denn, die Ehe ist vor 1900 in cincin Gebiete der Gütergenicinschast geschlossen. 4. Handelt cS sich um großjährige Kinder, so können diese die Sluseinandersctzung verlangen. 5. Nein. G. Liegt kein Testament vor und kommen keine güterrechllichen Verhältnisse aus der Zeit vor 1900 in Betracht, so erben die Kinder drei Viertel, die Mutter ein Viertel.— B. 40. Sollte eine Einigung nicht möglich sein, so beantragen Sie Abweisung der Klage und verlangen sür den Fall, daß auf Herausgabe erkannt werden sollte, nur zur Herausgabe gegen Rückzahlung des bereits von Ihnen Gezahlten zu verurteilen. Eine aiigemessene Mictscnffchädigung müssen Sic in Abrechnung bringen. — R. K. 61. Eine solche Auskunft kann die VersichcruiigsanstaU nicht erteilen.— F. B. 986. Die Beschaffung der Geburtsurkunde ist nicht er- forderlich.— A. G. 100. Wenden Sic sich an einen Arzt..— Schau N. 39. Nein.— Flensburg H. St. Grundsätzlich lehne» w>r es ab, Geichäste, Acrzte. Nmvälte zu cmpsehleii. Im Adreßkalender sindcn Sic die be- treffenden Gcschästc zusaimnengestcllt.— G. 13. In beiden Fällen ist es zweisclhast, wie der Richter entscheiden würde. ES kommt daraus an, ob er annimmt, daß das durch den Phonographen erzeugte Geräusch ei» über- mäßiges ist oder nicht. Wasserstand am 14. Mai. Elbe bei Anisig+ 0,t9 Meter, bei Dresden— 1,23 Meter, bei Magdeburg+ 1,32 Meter.— 11"st int bei Straußsnrt+ 1,40 Meter.— Oder bei Ratibor+ 1.55 Meter, bei Breslau Obcrpcgcl+ 5,01 Meter, bei Breslau llntcrpcael— 1,00 Meter, bei Franks,, rt-st 1,54 Meter.— Weichsel bei Braheunuide + 3,05 Meter.- Warthe bei Posen-st 0,62 Meter. r WWW» Berlins und Umgegend. Donnerstag, den 17. Mai, abends S'/z Uhr, in idellers großem Saal, Koppen-Ttrahe Rr. Lg: Merordentliehe teral-Versatutnlung. Tages. Ordnung: 1 Wie stelle» sich die Kollegen zum Anschluß an de» Deutschen Holzarbeiter-Verband? 2. Diskussion. 3. Beschlichsassung. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist pünktliches Erscheinen aller M itgliedrr Ehrenpflich Die Bersammlung wird pünktlich rrösfnet.— Mitgliedsbuch ist beim Eintritt vorzuzeigen. 76/12 vei» Vorirtruid. TcrwaUnngsstclle Itorlln. Haupt-Bureau: Engel-User 15, Zinimcr 1-5. Fernsprecher: Nim IV. 2570. _ ArbeiiSuachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. Achtung! Schlosser! Achtung! Mittwoch, den 16. Mai, abends S'/s Uhr. itt der Brauerei Friedrichshain(Lipps), am KönigS-Tor: Allgemeine Versammlung der Schlosser Berlins und der Umgegend. Tages-Ordnung: -Lariakt üdsr den neuen Tarif. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Donnerstag, den 17. Mai. vormittags IV Uhr. im Sivlnenitindcr OeaellscliaftHhans, Swinrmünderstr. 4L: Versammlung sämtlicher Ausgesperrter der A. E.-O., Brmmeu- u. Voltastr. Tagesordnung: Stellungnahme zu der am Sonntag, den 13. Mai, in den.Germania- Festsälen", von denen die am t Mai gearbeitet haben, gefaßten Resolution. Donnerstag, den 17. Mai 1906, abrndb 61/, Uhr: Bezirks- Verfamm tun g für Reinickendorf, Ost und West im Lokale von Emil Kirsch, Markstr. S/3. TageS-Ordnung: i. Vortrag übet:„Nervenleiden als Berufskrankheit". Referent: Dr. Willi PleBner. 2. Stellungnahme zur GewerkschastS-Kom- Mission. 3. Verschiedenes. Gu, zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird ersucht. DonnerStag, den 17. Mai 1906, abends 8'lt Uhr: Bezirks- Versammlung für Charlottenburg im„BolkShanse", Rosinenstraste 3(kleiner Saal). Tages-Ordnung: 1.„Die Aufgaben und Ziele der Gewerkschaften". Reserent: Kollege Handke, 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheit. Di» Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. DonnerStag. den 17. Mai 1966, abends 8'/, Uhr: Kraucheu-Urrfammluug der Elelitrumoutturt u. hnlfsnluuteure Kerlins o. Zlmg. in Fraukes Festsälen, Sebastianstr. 39. Tages-Ordnurrg: 1. Dortrag des Genossen Ritter:„Die kulturelle Bedeutung der Arbeiterbewegung". 2. Diskussion. 3 BerbandS-Angelegen- heilen. 4. Verschiedenes. 5.'Ausnahme neuer Mitglieder. Zahlreicher Besuch wird erwartet. MstsMeiier üidttenhergs u. Umgegend. Donnerstag, den 17. Mai 1996. abends 8'/, Uhr: Oeffentl. Protest-Bersammlung im»Schwarzen Adler". Frankfurter Chaussee S. TageS-Ordnung: i.„Die Polizei als Agitator für den Metallarbeiter« Verband". Referent: Genosse Redaktenr OUwell. 2. Diskussion. 8. Verschiedenes._ Zur Beachtung! Auf Beschluß des Vorstandes(siehe Nr. 18 der„Metall- arbciter-Zeitung") wird vom 1». Mai ab ein Extrabeitrag von wöchentlich 25 Pfennig von den männlichen Mitgliedern erhoben. Der wöchentliche Beitrag beträgt somit für die Mit- glieder der Vertvaltunasstelle Berlin, von der 20. Beitrags- woche ab, bis auf weiteres 85 Pfennig pro Woche. zig/5 Kilo dirtsvcrwaltimgr. ir ii Zahlstelle llerlin. «Beizer! Mielpolierer!« DonnerStag. den 17. Mai. adendS 6'/, Uhr, Blumenftr. 38: bei Kadat, WT Versammlung"Vi der in Möbelgeschäften, Lagern, Betrieben und anderen Räumen beschäftigten Beizer, Möbelpolierer und anderer Hülfsarbeiter der Bezirke O. und NO TageS-Ovdnung: 1. Feststellung über die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Beizer und Nolierer in genannten Betrieben. 2. Wie ist eS möglich, dieselben zu oer- bessern? 3- Diskussion. 4. Verschiedenes. 1 Die«ommisston O. NB Die Kollegen, welche noch DainPserbillettS abzurechnen haben. werden ersucht, diesem sofort nachzukommen._ 85(19 km�t.l.1.111 Soeben erschienen: WilMm Liebknecht Sein Leben und Virken. Unter Benutzung ungedruckter Briese und Auszeichnungen herausgegeben von ----- Xurk 8isner.— Zweite erweiierie Auflage mit Por- träts und Abbildungen in künstle- rischer Aussührung. 101 Seilen. 5tar- tonniert. Preis 69 Pf. In besserer Ausstattung 1,50 M. Wir bringen serner die Sebritten Liebknechts in empsehlende Erinnerung: Der Leipziger Hochverrats-Pro- zeft wider Sab»!, I-iobknoodt und Hapnar. Mit einer historischen Ein- leitung von W. Liebknecht. Gebd. 3,50 M. Wissen ist Macht- Macht ist Wisse»! Neue Auslage mit einein Vorwort von K. Eisner. 30 Pf. Kein Kompromiß, kein Wahl- bündniS. 10 Pf. Sochverrat u. Revolution. 30 Pf. » Trutz und Schutz. Festrede, gehallen zum StistnilgSsest des Erimmitschauer Volksverein« am 22. Oktober 1871. 6. Auflage. 25 Pf. (Legt in allgemein verständlicher Form die Ziele �und di« Welt- anschauung der Sozialdemokratie dar.) tteder die politische Stellung der Sozinldeinokratte, insbesondere mit Bezug aui den Reichstag. Ein Vortrag, gehalten in einer öffent« liche» Versammlung deS demokra- tische» Arbeitervereins zu Berlin am 3t. Mai 1889. Mit Vorwort und einein tragikomischen Nachspiel. Neue Auftage. 15 Pf. Karl Marx zum Gedächtnis. Ein Lebeiisabrm und Erinnerungen. 75 Pf. Robert Owen. Sein Leben und sozialpolitisches Wirken. Zwei aus- gegrabene silzzen. Mit zwei Ab- bilduiigen. 30 Pf. Zum 18. März und Verwandle«. El» Pf. Rede über den Kölner Partei- tag mit besonderer Berücksichtigung der Gewerkschastsbewegung. 25 Pf Was die Sozialdemokraten sind und was sie wollen. 25 Pf. Fremdwörterbuch. Geb. 3,S0 M. Der Haupt-Katalog Nr. 29(Frühjahr u. Sommer) wird kostenlos u. portofrei zugesandt, Baer Sohn Speziaihaus grössten Massstabes Chausseestrasse 24*125» 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20. Berlin SW. 68 >.'«>en. Lindenstr. 69 Vereinigung der Maler, Saekierer, Unstreieher. Engel-User Nr. 13, Zimmer 36 III. Filiale TSVliN. Telephon: Amt IV, Nr. 9720. Donnerstag, den 17. Mai, abends«V, Uhr, in der Neuen Welt, Hasenheide 108/114: Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht vom ersten Quartal IWS. 2. Fortsetzung der Diskussion von der letzten Versammlung. �"~"*...... wichtige ist, so mutz ein jeder Ifollege in dieser Versammlung erscheinen. Da die Tagesordnung eine Mttaliedsbnch legitimiert. Äi ZwelffTCrclii Berlin. Sektion der Fliesenleger. Achtung! iUT Achtung! DonnerStag, de» 17. Mai, abends 8'/z Uhr, in den Arminh allen, Kommandantenstr. 20: Mitglied er-Bersammlung. TageS-Ordnung: 1. Regelung der Beitragskassierung der Sektion. 2. GewerkschastlicheS. 143/16* 3. Verschiedenes. — Mitgliedsbuch legitimiert.> Di« Versammlung wird pünktlich eröffnet, daher mich ein jeder pünktlich erscheinen. Der SektionSvarstand Vereiniguno w Fliesenleger Deutschlands. — Ortsvcrein Berlin. Abteilung I und II>' Donnerstag, den 17. d. M.» abends 8»/, Uhr Mi�glivckvn.iivV'SsmmIung BoialnandanteastraVe 79. TageS-Ordnung: 1. Berichterstattung vom VII. Kongreh. 2. DiS- kussion. 3. Wichtige Vereinsanqelegenheit. LW/tS Ter Borstand. 124/3 Die Ortsverwaltang. Kutmaeher! Mittwoch, den 16. Mai, abends 8 Uhr Mitglieder'Versamtnlting in„Dräsels Festsälen", Neue Friedrichstraße SS. TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme deS HauptvorstaudeS zu dem hieftae» Arbeit«- Nachweis und dem Zuzug«ach Berlin trotz der grotzen Arbeits- losigkeit am hiesigen Orte. Referent: Kollege Metzschte au« Men- bürg. 2. Diskussion. 3. Verschiedene«. Kollegen und Kolleginnen I Erscheint alle in dieser Versammlung I 294/7 Der Vorstand. Aebliing! Rohrer. gQr* Freitag, den 18. Mal. abends 8 Chr."Wtz Im„Englischen Garten", AIexander-8tr. 97c i Oeffentliehe Versammlung WT der Kohrer Kerlius und zlmgkgeud. TageS-Ordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Die Kam 145/7» Kommission. S verlang Xellus-Zigaretten ..__„_.. 8712» S garantiert Handarbeit Mit peinlichster Sorgfalt von bestbezahlten Zigaretten-Arbeitern hergestellt! ZK. 0 u t z e, Orientalische Zigaretten-?ahrik„Tellus", Serlin K. 54. Verantwortlicher Nedaktcur: Kans Weber, Verlm. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt xaul Dinger& Co.. Berlin SW. Hr. 112. 23. Jahrgang. 2. DtiliP ks Jontiirle" Sttlin« öolliübliitt. Mttmch. 16. Mai 1906. Noch einmal„Partei und Maifeier. In Nr. III des»Vorwärts" bringt der Genosse Cohen eine Erklärung, in der er seine Behauptung:„die Partei verstecke sich hinter die Gewerkschaften", dadurch„beweist", dosz er erzählt, er hätte sie schon einmal zu dem Genossen Gerisch geäußert. Dann heißt es zum Sckiluß:„Für die Richtigkeit meiner Behauptung kann ich jederzeit Belveise erbringen." Wir habe» nun nach dem ganzen bisherigen Verhalten des Genosse» Cohen die woblbegründete Be- fürchtung, er wird diese„Beweise" auch in Znkunft oer Oeffentlichkeit vorenthalten; um nun aber den Genossen ein Urteil zu ermöglichen, Wollen wir die Angelegenheit kurz rekapitulieren. 1. Am Freitag, den 4. Mai, vormittags, ersuchte der Genosse Cohen die Vertreter des Parteivorstandes und des Berliner Aktions- Ausschusses, mit ihm Mittel und Wege zu suchen, um den Aus- schluß der Nichtfeiernden zu verhindern. Am Sonnabend früh äußerte er zu dem Genossen Ernst, wie er später selbst zugab:„Siehst Du, jetzt tritt das ein, was ich ver- meiden wollte, jetzt kommen die Anträge auf Ausschluß der Nichtfeiernden." In der Bersammlung vom 7. Mai dagegen donnerte der Genosse Cohen: ... Mit solchen Elementen, die mit schuld daran seien, daß 1500 Kollegen acht Tage lang ausgesperrt wurden, könne und dürfe die Partei unmöglich länger eine Gemeinschaft haben. ... Um so mehi5 also erfordere es das Ansehen und die Ehre der Partei, zwischen sich nnd jenen Treulosen eine Scheide- . wand aufzurichten, insbesondere auch deshalb, Iveil der Bestand der Gewerkschaft hier mit in Betracht komme. ... Da dürfe man nicht vor der großen Zahl der in Betracht kommenden Personen zurückschrecken, selbst auf die Gc- fahr hin, daß auch mal ein guter Freund von dem Ausschlüsse be- troffen werde. 2. Am Freitagabend wird dem Genossen Cohen der Bescheid, daß der Parteivorstand und Zentralvorstand von Berlin für die Aus- gesperrten materielle Hülfe bringen wollten, das Vorgehen der Richtfeiernden scharf verurteilen, sich aber mit der Frage des Ausschlusses aus der Gewerkschaft, als in innere Angelegenheiten des Mctallarbeiter-Berbandes, nicht ein- mischen können, und an demselben Abend erzählt der Genosse Cohen der engeren Ortsverwaltung: „Der Parteivorstand hat erklärt, die Durchführung der Maifeier sei eine rein gewerkschaftliche Angelegenheit" und in der Versammlung vom Montag erzählt er: Sie sd. h. die Parteifunktionäre) hätten sich hinter der Ausrede verschanzt, die Durchführung der Arbeitsruhe am t. Mai sei lediglich eine gewerkschaftliche Angelegenheit." 3. Am Freitag früh erklärt Partcivorstand und Aktionsausschuß: „Wir helfen dem Verband die finanziellen Opfer der Maifeier tragen" und am Freitagnachmittag erklärt der Genosse Cohen den Vertrauensleuten von Ober-Schöneweide: „Von der Partei habt Ihr leinen Fatz zu er» warten." 4. Am Sonnabend früh erhält der Genosse Cohen schriftlich die Erklärung des Parteivorstandes, dessen erster Teil wörtlich lautet: „Der Parteivorstand erklärt, daß er auf Grund der Verhandlungen, die er seinerzeit mit der Generalkommission der Gewerkschaften, die Maifeier betreffend geführt hat, bereit ist, falls der Metallarbeiter- verband ihn darum ersucht, die finanziellen Opfer, welche die dies- jährige Maifeier dem Verband auferlege, nach Möglichkeit tragen zu helfen", und am Montag erklärt er den Vertretern von Ober-Schöne- weide hohnlachend: „Wenn Ihr von der Partei 1000 Mark loS- machen könnt, dann könnt Ihr mehr wie Brot essen." Am Dienstag aber muß der Genosse Cohen in Gegenwart derselben Vertreter zugeben, daß ihm am Freitag materielleHülfe zugesagt wurde, so daß die Mitglieder der Deputation ihn, ins Gesicht erklärten:„Dann ist heut festgestellt, daß der Kollege Cohen uns angelogen hat." 5. Als die Vertreter des Metallarbeiterverbande« am Freitage abend die Sitzung verlassen wollten, bat sie der Borfitzende, noch einen Augenblick zu verweilen, und cS wurde dann in ihrer Gegen wart vom Parteivorstand und Zcntralvorstand von Berlin ein- stimmig beschlossen:„Die Partei ist bereit, betreffs der Mai- aussperrung sofort Parteimittel zur Verfügung zu stellen" und in Nr. III des„Vorwärts" erklärt der Genosse Cohen: «Ob der Zcntralvorstand von Berlin jederzeit bereit war, die wegen der Maifeier Ausgesperrten sofort mit Parteimitteln zu unterstützen, weiß ich nicht. Gesagt hat man es mir auch nicht." Wir können leider zur Entschuldigung des Genossen Cohen nicht annehmen, er wisse morgen nicht'mehr, was er heute getan, sonder» glauben, er w u ß t e, daß er die Unwahrheit behauptete. Wir aeben uns auch nicht der Hoffnung hin, daß er jetzt seine Moni- pulationen zugibt, daran hindert ihn seine absolute Feind- schaft gegen alle Wahrheit und Klarheit. Aber den Genosse» ivollten wir zeigen, welche Kühnheit der Genosse Cohen im Behaupte» und Beweisen hat. Drr Aktions-AuSschuß. Der Kergarbkiterstreik im mitteldkiltschtu Krltuuiioliltnbergbltn. Zeitz, 14. Mai.oi?d betont, daß ein M i n d e st l o h n oder ein D u r ch s ch n i t t s l o h n im Gedinge nicht garantiert wird, daß die S ch i ch t l ö h n e eine weitere Aufbesserung als geschehen oder m Aussicht gestellt ist, zur Zeit nicht erfahren können, Maßregelungen wegen Beteiligung am Ausstande nach Wiederaufnahme der Arbeit nicht in Aussicht genommen sind, daß die zugesagte Verkürzung der Arbeitszett unter Tage eingeführt werden soll, sobald und safer, u die technischen Einrichtungen es ge- statten sll) und die Belegschaft es in ihrer Mehrzahl verlangt, daß etwaige Wünsche auf Abänderung der Arbeits- ordnung� auf dem gesetzlichen Wege behandelt werden sollen. Außerdem wird bekanntgemacht, daß jedem Arbeiter s o- f o r t gekündigt wird, der andere Arbeiter wegen Nicht- beteiligung am Ausstände belästigt, bedroht oder beschimpft. �Unterschriften.) Mehrere Gesellschaften, so die Sächsisch-Thüringische und die Waldauer Gesellschaft hatten ihre separaten Zu« geständnisse zwischen den Zeilen dieses Ulases handschriftlich hineingebracht. Offenbar ist ihnen im Hinblick auf die Wirkungen, die jene Wische auf die Ausständigen ausüben mußten, selbst bange geworden! Die Empörung unter der Arbeiterschaft machte sich denn auch in der Tat in elementarer Weise Luft. Die gestrigen Masten Versammlungen in den Revieren waren wieder überfüllt. Nach den einleitenden Referaten verlangten die Bergleute stürmisch die Fortsetzung des Streiks, die denn auch allenthalben einstimmig beschloffe» wurde I Draußen aber tobte und gärte es in den Straßen und auf den Wegen gerade so. wie zu der Zeit, als der Verrat deS Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereins offenkundig wurde. Die positive Wirkung der Bekanntmachungen ersah man heute morgen: Nirgends Streikbrecher, wohl aber eine Erhöhung der Streikenden! Selbst die bürgerlichePresse gibt ohne weiteres zu. daß die Zahl der Streikenden heute höher rst als je zuvor. Diese selbe Presse flunkert aber im gleichen Atemzuge, daß die Mittel des BergarbeiterverbandcS erschöpft seien. Dem wird aber vom Bergarbeiterverbande selbst auf das Entschiedenste entgegentreten. An der finanziellen, der Unter st tzungsfrage scheitert der Streik nicht und wenn er noch lange so dauern sollte!! Nerbavdstag der Zchimede. ffl e 1 1 i n, 15. Mai. Die heutige Sitzung begann mit einer Debatte über den An- schluß des Zentralvcrbandes aller in der Schmiederei beschäftigten Personen an de» Metallarbeiterverband. Anlaß dazu gab ein An- trag der Zahlstelle Halle, welcher den Anschluß verlangt, sowie ein Antrag der Zahlstelle Altona, welcher Eimgungsvcrhandlungen zwischen beiden Verbänden zum Zweck der Verschmelzung befür- wartet. Schon in der ersten Sitzung, als darüber diskutiert wurde, ob man die Anschlußfrage überhaupt auf die Tagesordnung setzen solle, zeigte sich, daß die Mehrheit des VcrbandstagcS nicht für den An- schluß an den Mctallarbcitervcrband ist. Man beschloß aber doch, die Angelegenheit auf die Tagesordnung zu setzen, weil eine Aus- spräche darüber erwünscht sei und auch die Gegner der Verschmelzung keine Ursache hätten, der Diskussion aus dem Wege zu gehen. In der heutigen Sitzung kam die Verschinelzungsfrage als be- sonderer Punkt zur Erörterung. W e i g e l t- Altona begründete den Antrag seiner Zahlstelle und trat für die Verschmelzung ein. Als Gründe dafür machte er unter anderem geltend: Die Konzen- tration des Kapitalismus erfordere auch auf leiten der Arbeiter starke Organisationen, es sei desbalb der Anschluß der Berufs- organisationen an die großen Jndustricverbände zu betreiben, die in jeder Hinsicht leistungsfähiger seien wie die Berufsorganisationen. Auch in der Partei mache sich eine entschiedene Stimmung für diese Entwickelung der Gewerkschaften bemerkbar. Für die Schmiede sei die Verschmelzung mit dem Mctallarbcitervcrband besonders auch deswegen eine Notwendigkeit, weil sie schon in größerer Zahl dem Mctallarbeiterverband angehören. Durch die Verteilung der Schmiede auf zwei Organisationen werde eine Zersplitterung bewirkt, die für die Agitation sowie für die gewerkschaftliche Tätigkeit sehr hinderlich sei.— Mit ähnlichen Gründen befürworteten auch andere Redner die Verschmelzung. Tie meisten Redner traten gegen die Verschmelzung ein. Nicht weil sie grundsätzlich für die Erhaltung von Bcrüfsorganisationen siild. sondern vielmehr deshalb, weil sie unter den gegenwärtigen Verhältnissen den Anschluß nicht für ratsam halten. Die Eni- Wickelung, die der Schmiedcverband in den letzten Jahren genommen habe, beweise, daß die Berufsorganisation die Interessen der Kol- legen in wirksamer Weise vertreten habe und auch in Zukunft ver- treten werde. Es sei durchaus nicht bewiesen, daß die Interessen der Schmiede durch den Metallarbciterverband besser vertreten werden können wie durch den Schmiedcverband. Nach den bis- herigen Erfahrungen müsse man sogar das Gegenteil für richtig halten. Im allgemeinen könne nicht zugegeben werden, daß der Metallarbciterverband leistungsfähiger sei wie der Schmiedevcrband, habe doch der Metallarbciterverband in letzter Zeit den Unter- nehmern gegenüber nicht so auftreten können, wie man es im Interesse der Arbeiter wünschen müßte. Die Schmiede arbeiten zum großen Teil bei Kleinmeisteru und in kleinen Orten. Der Mctallarbeiterverband sei aber in der Hauptsache auf Großstädte und Großbetriebe zugeschnitten. Für die Schmiede sei deshalb ihre eigene Berufsorganisation die beste Interessenvertretung. Es habe den Anschein, als ob auf dem nächsten GemerkschaftsloNgreß den BcrufSvcrbändeu klar gemacht werden soll, daß sie kein Recht haben, weiter zu bestehen. Sollte vielleicht versucht werden, durch Zwangsmaßregeln die Berufsorganisationen in die Industrie- verbände zu treiben, so würde das verbitternd wirken und sicher nicht den gewünschten Erfolg haben. Die Vormittagssitzung wurde durch diese Debatte vollständig ausgefüllt. Nachstehende Resolution wurde hierzu an- genommen: Die 10. ordentliche Generalversammlung des Zentral- Verbandes der Schmiede kann sich mit den Anträgen der Zahl- stellen Altona und Halle zwecks Uebertritt zum Metallarbeiter- verband nicht einverstanden erklären; sie betrachtet die Berufs. organisation als diejenige, welche die größte Wcrbekraft den Un- organisierten gegenüber besitzt, anderseits dem Unternehmertum dieselbe Widerstandsfähigkeit bietet wie der angestrebte JnduKrie». verband. Die Generalversammlung geht von dem Grundsatz auS, daß die Kollegialität und Solidarität die Grundpfeiler jeder Organisation sind, diese Eigenschaften aber in der BerufZ- organisation ebenso zum Ausdruck gebracht werden können wie im Jndustrieverband. Das so oft hervorgehobene notwendige Zusammenarbeiten der Gewerkschaften kann durch die örtlichen Kartelle einerseits, wie durch die Generalkommission der Gewerkschaften anderseits ge- nllgend zur Ausführung gelangen. In der Nachmittagösihung stand die Erweiterung des Unter- stützungswcsens auf der Tagesordnung. Es handelt sich bei diesem Punkt um die vom Vorstand beantragte Ausdehnung der im Ver- band bestehenden Arbeitslosenunterstützung auf die Krankheitszcit der Mitglieder, was als Erwerbslosenunterstützung bezeichnet wird. Dieselbe wurde vom Referenten S e e g e r° Düsseldorf empfohlen, vom Korreferenten B a s n e r- Berlin bekämpft und dann folgte eine eingehende Debatte, die am Schluß der Sitzung noch nicht be- endet war. Die Befürworter der Erwerbsloscnuntcrstützung be- tonten namentlich, daß dieselbe im Interesse der Gewinnung neuer Mitglieder notwendig sei, und auch, damit den Mitgliedern der kleinen Orte, die nicht Gelegenheit haben, die schon bestehenden Unterstützungen in Anspruch zu nehmen, etwas geboten werde.— Die Gegner dieser Unterstützung machten geltend, daß eine zu weite Ausdehnung des UnterstützungswcscnS die Gewerkschaften verflache, es müsse in erster Linie auf die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse Bedacht genommen werden. Versammlungen. Der Holzarbeitervcrband hielt am Donnerstag eine Gcneralver- sammlung der Zahlstelle Berlin ab. Aus dem vorliegenden Kassen- bericht für das erste Vierteljahr ist ersichtlich, daß die Hauptlassc eine Einnahme von 07 655,45 M. und eine Ausgabe von 117 760,86 M. verzeichnet. Die Lokalkasse hatte eine Einnahme von 334 830, 3l M. und eine Ausgabe von 01 040,14 M.— Von den Austvendungen, welche aus der Haupt- und der Lokalkasse zusammen für das Untcrstützuiigöivcseii gemacht wurden, kommen auf die Ar- beitslosenunterstützung 38 306- M., Streik- und MaßregelungSunter- stützung 34 662 M., sonstige Unterstützungen 3350 M.— Aus dem mündlichen Bericht des Kassierers Micke ist zu erwähnen, daß an Beiträgen im ersten Vierteljahr 10 380 M. mehr eingegangen sind als im vierten Quartal des Vorjahres. Die Mitglicderzahl ist im Laufe des ersten Vierteljahres um 1008 gestiegen und betrug am Quartalsschluß 24 058. Der BorswndSbericht, den der Vorsitzende Glocke erstaitete, gibt einen Uebcrblick über die geschäftliche Tätigkeit der Ortsverwaltung. Im Laufe deS Quartals fanden statt: 2 Generalversammlungen, 2 Gesamtvertraucnsmänncrvcr- sammlungen, 05 Vertrauensmännerversammlmrge» in Bezirken und Branchen, 84 Branchenversammlungen, 23 Mitgliederversamoi- lungen in den Bezirken, 10 Verwaltungssitzungcn, eine kombinierte Versammlung der Kontrollkommission.— Die Verwaltung beschäftigte sich in den Sitzungen unter anderem 235mal mit Werkstatts- streike und Lohnbewegungen, 86 mal mit Maßregelungen. Den Bericht der Kontrollkommission erstattete M a a ß. Die Kommission zählte 421 Mitglieder und hielt 250 geschäftliche und 1730 Werkstattsitzungen ab.— Nachdem Klinger über den Verbands- arbeitSnachweis und die Bibliothek berichtet hatte, erstattete G ü t h den Bericht über den paritätischen Arbeitsnachweis. Auf dem Nach- »veis wurden 0236 Arbeitsuchende eingeschrieben, 7037Arbeiter wurden verlangt und 4850 Stellen besetzt. Als nächster Punkt stand die Wahl von einigen Angestellten der Ortsverwaltung auf der Tagesordnung. Dieselbe ist dadurch er- forderlich geworden, daß ein Teil der Angestellten die Kündigung eingereicht hat. Ter Grund der Kündigung ist der, daß in der Generalversammlung am 11. März, wo die Gehaltserhöhung zur Debatte stand(die später durch Urabstimmung abgelehnt wurde), Vorwürfe gegen die Angestellten erhoben worden sind, welche die- selben als Ausdruck des Mißtrauens auffaßten und daraus die Konsequenz zogen, ihre Aemter zu kündigen.— Nach längerer Debatte wurde hierzu beschlossen: Die Generalversammlung nimmt von der Kündigung der Beamten Kenntnis. Sie bedauert die gegen die Angestellten gefallenen persönlichen Angriffe der Generalver- sammlung am 11. März und ersucht die Beamten, im Interesse des Verbandes bis auf lveitcrcs ihre Funktionen auszuüben.— Ei» anderer Antrag, der fast einstimmig angenommen wurde, besagt, das; bei der nächsten Neuwahl der Angestellten die Gehälter derselben festgelegt werden sollen. Nachdem diese Beschlüsse gefaßt waren, nahmen die Angestellten ihre Kündigung zurück, nur der Arbeitsvermittler S i ck f e l d hielt die Kündigung aufrecht mit der Begründung, die schwache Mehr- heit, welche den ersten Antrag angenommen habe, biete keine Ge- währ dafür, daß die Angestellten das Vertrauen der Mehrheit aller Mitglieder haben.— Es wurde nun an Stelle Sickfclds eine Neu- wähl vorgenommen. Aus derselben ging Fechner als gewählt hervor. Hierauf sprach Glocke über den bevorstehenden Veroandstag. Er erwähnte zuerst einen Antrag des Vorstandes, wonach die Krankenunterstützung, die gegenwärtig nur von einigen Zahlstellen eingerichtet ist, für den ganzen Verband eingeführt werden soll. Für diesen Zloeck macht sich natürlich eine Beitragserhöhung notwendig. Der Berbandsoorstand beantragt deshalb, den Wochenbeitrag von 35 Pf. aus 50 Pf. zu erhöhen, wovon 10 Pf. für die Krankenunter- stützung verwendet locrdcn sollen. Ferner besprach der Redner mehrere von der Ortsvcrwaltung Berlin gestellte Anträge. Der wichtigste derselbe» betrifft die Maifeier. Er geht von dem Gedanken aus, daß die Arbeitsruhe die würdigste Form der Maiseier ist und ver- laugt deshalb eine einheitliche, für den ganzen Verband geltende Regelung der Maifeier. In der Begründung des Antrages verwies Glocke auf die bekannten Folgen der Maifeier bei den Arbeitern der A. E.-G. und bemerkte, die Verwirrung, welche dort hervorgerufen sei. habe in der nicht korrekten Haltung der Leitung des Metall- arbeiterverbandes ihre Ursache. Bei dieser Gelegenheit habe sich ge- zeigt, welche Verwirrung dadurch entstehen könne, daß eS in einer grctzen Organisation an allgemein gültigen, bindenden Bestim- mungen betreffs der Maifeier fehle. Der Verbandstag der Holz- arbeitcr müsse zur Maifeier Stellung nehmen und eine Regelung Glocke erwähnten Anträge, war diese Angelegenheit erledigt. derselben eintreten lassen.— Nach einer kurzen Besprechung der von Der Töpscrverband(Filiale Berlin) hielt am Freitag i» Kellers Saal eine verhältnismäßig schlecht besuchte Mitgliederver- sammlung ab, woselbst Genosse Düwell über„Partei und Gewerkschaften" sprach. Redner entwarf in großzügig-mar- kanten Strichen ein Bild von der Struktur der heutigen kapita- listischen Wirtschaftsordnung, welche die moderne Arbeiterbelvegung gezeitigt hat, und erläuterte dann eingehend die Ausgaben der Ge- merkschaften sowie die Aufgaben der Partei. Hieraus ergab sich dann als notwendige Schlußfolgerung, daß die Partei und die Geiverk- schaft«», alS gemeinsame Verkörperung der großen sozialistischen Arbeiterbewegung, auf das engste zusammengehören, obwohl sie ihrer verschiedenen Ecgcnwartsaufgabcn wegen getrennt marschieren müssen. AuS diesen Gründen müsse sich auch jeder Gewerkschaftler bewußt werden, daß die Endziele der Arbeiterbewegung— die Be- frciung der Arbeiterklasse aus der Lohnstlaverei durch Schaffung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung— nur durch gemeinsames Zusammenwirken beider Faktoren zu verwirklichen sind. Der Vor- trag fand den lebhaften Beifall der Anwesenden.— In der Tis- kussion bekundeten Willy Kemnitz und M a x K c m n i tz ihr volles Einverständnis mit dem Referenten. Huhn schloß sich dem ebenfalls an mit dem Bemerken, daß dieser Vortrag dem Fühlen und Euipsuchen der Berliner Töpfer zweifellos ungleich beiier ent° sprachen Habe, wie der kürzlich über dasselbe Thema gehaltene Vor- trag des Graveurs Genossen Brückner. Leider habe es sich innerer Organisaticmsangelegenheiten wegen nicht ermöglichen lassen, die geplante Debatte über de» Brückncrschen Vortrag herbeizuführen, sonst wäre dem damaligen Referenten, der jetzt durch seine bekannte Schreiberei über die Genossin Luxemburg eine Art trauriger Be- rühmtheit erlangt habe, Wohl kein Zweifel darüber gelassen worden, daß die überwiegende Mehrheit der Berliner Töpfer seinen Stand- Punkt nicht zu teilen vermag. Gleichzeitig wolle er aber auch die Gelegenheit benutzen, um Kritik zu üben an der Schreibweise des Redakteurs Schmidt vom Verbandsorgan der Töpfer, der in ähnlichem Sinne gegen Kautsky und die Genossin Luxem- bürg geschrieben habe, wie Brückner in seiner Zeitschrift für Graveure und Ziseleure. Auch habe Schmidt drei„Vorwärts"-Ne- dakteure angezapft und sie des Disziplinbruchs beschuldigt, weil sie am 1. Mai bei den Lokalisten Festreden ge- h alte n habe n. Seiner Meinung nach hätte Schmidt besseres zu tun gehabt und die vier Seiten des Verbandsorgans mit ge- scheiteren Dingen füllen können, als sich in Angriffen gegen die Partei und die„Borwärts�-Redakteure zu üben. Die Masse der Verbandskollegen wolle es einfach nicht, daß auf solche Art künstliche Gegensätze zwischen der Partei und den Gewerkschaften hervorgerufen und geschürt werden. Auf der nächsten General- Versammlung werde deshalb ein ernstes Wort mit dem Verbands- redakteur zu sprechen sein. Schon an diesem Beispiel zeige es sich deutlich, daß sich ein großer Teil der Gewerkschaftsführer tatsächlich auf falscher Bahn befinde. D ü w e l l betonte in seinem Schlußwort, es könne nicht seine Aufgabe sein, auf persönliche Dinge einzugehen, sonst werde dem einen vergifteten Pfeil unnötigerweise der andere entgegengesandt, wie eS leider schon so häufig in der Polemik zwischen Gewerkschafts- und Parteifunktionären geschehen sei. Es sei nun einmal eine be- dauerliche Tatsache, daß die Differenzen zwischen beiden Teilen viel weniger prinzipieller als persönlicher Natur seien. Eines Dis- ziplinbruchs wegen seines Maireserats bei den lokalorganisierten Zimmerern sei er sich nicht bewußt; es habe für ihn kein Anlaß vor- gelegen, dort etwa nicht zu sprechen. Wenn nun einem Teil der Gewerkschaftsbeamten der Vorwurf gemacht worden sei, daß sie auf falscher Bahn wandeln, so sei doch zu bedenken, daß die Gewerk- schaftsbeaniten zweifellos nicht aus Bosheit handeln. Es liege eben in den Verhältnissen, wenn sie sich bei ihrer Haltung in taktischen Fragen und in ihrer Agitation vorwiegend von reinen Nützlichkeits- erwägungen leiten ließen. Nur soweit dürfe es hiermit nicht gehen, daß sie den Blick für die tiefen sozialen und idealen Motive der Arbeiterbewegung verlieren. Als überzeugte Parteigenossen hätten die Gewerkschaftsführer eben die Pflicht, die gewonnenen Gewerk- schaftsmitglieder auch ebenfalls zu Parteigenossen zu erziehen. Doch Wie sich die einzelnen Gewerkschaftsbeamten hierzu auch stellen mögen, soviel sei gewiß und die Geschichte habe es gelehrt: In »rotzen Zeiten geht die Masse häufig ihre eigenen Wege, und wenn sich die Führer mit der Masse im Widerspruch befinden, dann geht die Masse über die F ü h r e r e i n f a ch h i n we g I Einen kleinen Beweis hierfür liefere ja die diesjährige Maifeier. Trotz der offenen Gegnerschaft, die viele Gewerkschaftsführer auf dem Kölner Kongreß gegen die Maifeier zur Schau trugen, sei diesmal die Beteiligung an der Feier so stark gewesen, wie nie zuvor. Das sollte den Führern zu denken igeben. Ein Blick in die Scharfmacherpresse zeigt uns, daß man in diesen Kreisen die Ziele des Sozialisnius besser und richtiger zu würdigen wisse, wie es bei manchen Sozialdemokraten der Fall ist. Deshalb Klärung nach allen Seiten, damit beide Teile der Arbeiter- dcwegung, Partei und Gewerkschaften, nicht uneinig und zerrissen, sondern einig und geschlossen ihrem gemeinsamen Ziele entgegen- gehen. sLcbhafter Beifall.) Es fand sodann noch eine Aussprache darüber statt, ob es zweck- mäßig sei, die Delegationen zu den Gewerkschaftskartellen der Vor- orte von Berlin fernerhin noch aufrecht zu erhalten oder nicht. Die Sache wurde schließlich dem Vorstand zur näheren Prüfung über- wiesen, der mit den Kartelldelegierten der Vororte dicserhalb die flötige Rücksprache nehmen soll. Der Dcrbimd der Fabrik-, Land- und HiilfSarbcitcr und -Arbeiterinnen hielt am Sonntagvormittag in den„Musiker- Sälen" eine Generalversammlung ab. Zum Voistandsbericht nahm Bruns das Wort und begrüßte freudig das stetige Wachsen der Organisation, verlangte aber entschieden, daß der Verband der Hülfsarbeiter den anderen Gewerkschaften gegenüber sich mehr als bisher zur Geltung bringe und nicht nur als Mitläufer, sondern als gleichberechtigter Faktor angesehen werde. Redner erivähnte Bei- ftnele, die zeigten, daß durch das Verhalten der Metnllarheiterdcs Frauen- und Mädchen-Bildungsvercins von Britz statt. Vortrag des Herrn Braun über„Feuerbestattung und ihre hygienische Notwendigkeit. Das Er- scheinen sämtlicher Mitglieder ist erwünscht. Gäste willkommen. ' Der Vorstand. Friedrichshagc». Zwecks Gründung eines Frauen- und Mädchen- Vereins fand hier am 12. d.M. im Gesellschaftshaus eine öffentliche Volksversammlung statt. Das Referat hatte Frau Zeetze- Berlin übernommen. Im Anschluß an den Vortrag erfolgte die Gründung des Frauen- und Mädchcn-Bildungsvereins. Die verlesenen Statuten gelangten einstimmig zur Annahme. Die Vorstnndswahl ergab folgendes Resultat: Frau Danzmann 1., Frau Schulz 2. Vorsitzende, Frau Luise Schötzau Kassiererin. Frau Werkmann Schriftführerin, Frau Schnorre Beisitzerin. Zur Aufnahme meldeten sich 23 Mit- glieder. Es liegt nun an den hiesigen Genossen, recht rege für den gingen Verein zu agitieren, damit derselbe blühe und gedeihe und eine wirkliche Bildungsstätte für Friedrichshagen werden möge. Eingegangene DruckfcbrifUn. Von der„Gleichheit", Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 10 des 16. Jahr- ganges zugegangen. Diese Nummer hat folgenden Inhalt: Das sächsische Courriörcs. Von Luise Zietz.— Ehe und Sittlichkeit. II.— Vonr Kampf um das Fraucnwahlrccht in England. Von dl. ö.— Dw Frauen in den badischcn Kominunalvcrwaltmigen. Von A.— Vom Schweizerischen Ardeiterinnenverbard. Von Z.— Weibliche Kraukeu- kontrolleure. Von Ed. Graf.— Die achte Generalversammlung des Dcut'chcn Tertilarbeiterverbandes. Bon K.— Der Kamvi um die Rente. Bon E. G.(Fortsetzung.)— Aus der Bewegung: Von der Agitation.— Von den Organisationen.— Der Parteitag der oberrheinischen Genossen.— Die Maiseier.— Politische Rundschau. Von G. L.— Genossenschaftliche Rundschau. Von Simon Katzenstein.— Notizenteil: Dienstbolensragc.— Vereiusrccht der Frauen.— Zum Bcrgarbeitcrstreik in Mitteldeutschland. — Feuilleton: Der alte Jsergil. Von Maxim Gorki.— Der Apscl der Eoa. Von Anna Bios.— In der Frühe. Von Theodor Storm. (Gedicht.) Für unsereKinder: Die Lerche. Von Josef Freiherr v. Eichen- dorff.(Gedicht.)— Das Sonnenblatt. Von Otto Erich Hartlcben.— Sepp, der Tunichtgut. III. Von Anton Fendrich.— Nis Randers. Von Otto Ernst.(Gedicht.)— Wie unsere Vögel wistcn. Von Brand.— Vom kleinen Walteslöckchen. Von Elisabeth Hartmann-Harder.— Maler Frühling. Von Franz Mäding.(Gedicht.) Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Numiücr 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der Abonncmentsprcis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.. unter Kreuzband 85 Pf. Jahresabonnement 2,60 M. Von der„Neue» Gesellschaft«, Sozialistische Wochenschrift, Heraus- gebcr Dr. Heinrich Braun und Lilp Braun(Verlag Berlin W. 15. Preis für das Einzelheit 10 Pf., pro Monat 40 Pf., pro Vierteljahr t,20 M., Probehefte werden aus Verlangen kostenlos geliefert) ist soeben das 20. Heft des 2. Bandes erschienen. Ter Arbeitsmnrkt. Halbmonatsschrist der Zentralstelle sur Arbeitsmarktberichte.(Herausgeber Professor Dr. I. Jm'tvow.) Nr. 16 des 9. Jahrganges ist erschienen. Verlag von G. Reimer, Berlin. Das Schulzimmer. Vierteljahresschau über die Fortschritte aus dem Gebiete der Ausstattung und Einrichtung der Schulräume, sowie des Leh>- mittelwcsens niit besonderer Berücksichtigung der Forderungen der Hygiene. Unter Mitwirkung zahlreicher Fachmänner hcrausgrgcben von P. Johs. Müller. 4. Jahrgang. Jährlich 4 Hefte im Umfange von mindestens je 4 Druckbogen. Preis für den Jahrgang 4M. Verlag von P. Johannes Müller, Charlottenburg. Sozialer Fortschritt: Heft 6S/K7: Das Land der sozialen Rc- formen(Neu-Scelnud) von A. Bossen. 50 Ps.— Heft K8: Der deutsche Wald in seiner wirtschafts- und kulturgeschichtlichen Bedeutung. Von Frz. Hoermann. 25 Ps.- Heft 09/70: Die Nobelftistung. Ihre Einrich- richtungcn und ihre Bcstimiiiuilgeu von A. H. Fried. 50 Pf.— Heft 71: Lohnsrage und Lohnsormen von Professor N. P, Gilman. 25 Ps.— Schirinachcr, Dr. Käthe: Die wirlschastliche Rcsckrm der Ehe. Referat, gehalten auf dem'S Verbaudstag sorlschrittlicher Fraucnvereine 1905. 40 Pf. — Stauffacher, Werner: Die volkswirtschaftlichen Irrtümer der so- genannten Bodenrcsonncr in bezug aus die Agrarfrage und die Gefährlich- keit der bodenrcformerischen Theorien sür die Landwirtschast und Staat. 50 Ps.— Stauffacher. Werner: Das Elend des deutschen Bauernstandes. 1,20 M.— Sämtlich zu bezichen durch den Verlag Felix Dietrich, Leipzig. Felicie Ewart. Eine Abrechnung in der Frauenfrage. 59 Seiten. Preis: 0.80 M. Verlag L. Boß, Hamburg u. Leipzig. 2. Jahresbericht des Arbeitersekretarials und der Gelverkschasten Leipzigs(l905). 84 Seiten. Kommissionsverlag der Leipziger Buch» druckcrci A.-G. 9. Bericht des Gewcrkschastskartclls und 6. Bericht des Arbeiter- Sekrciariats von Hnmburg-Altona(1905). 166 Seiten. Verlag des Ge- wcrkschajtskartells Hamburg-Altona. Für de» Inhalt der Inserate iiberninii», die Redaktion dem Piihlttiiin gegeuiilicr keinerlei Bcrantwortiiiig. Ukeater. Mittwoch, den 16. Mai. Ansang VI, Uhr:' Opernhaus. Tannhäuser.(Anfang 7 Uhr.) Schauspielhaus. Das große Licht. Rcnes Operntheater. Martha. Deutsches. Kabale und Liebe. Neues. Orpheus in der Unterwelt. Ansang 8 Uhr: Lessing. Und Pippa tanzt. Westen. Don Juan. Schiller<>.«Walliier-Tbenler.) lieber unsere Kraft.(I. Teil.) Schiller IV.(Friedrich Wilbel»,. städtisches Theater). DaS Glück im Winkel. KI ei»es. Ein idealer Gatte. Berliner. Die lustige Witwe. Komische Oper. Figaros Hochzeit. Residenz. LiebeSkunst. Zentral. Boccaccio. LustsPielhauS. Die von Hochsattel. Dliana». Loulou. Thalia. Hochparterre links. Rtetropvt. Ans ins Metropol. Deutsch< Amerikanisches. Arme Mädchen. Kasino. Madame Bonivard. Apollo. DaS blaue Bild. Spezial. Earl Weist. Aus altem Geschlecht. Hauln. Das Wunderllnd. Familie Bernstein. Wintergarten. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Belle-Alliance. Spezialitäten. Retchshalte». Stcltiiier Sänger. Ilraiiia. Tanbenslraste 48/19. Abends 8 Uhr: Am Gols von Neapel. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57/62. kleines Theater. Z ii m erstenmal: Ei» idealer Gatte. Schauspiel in 4 Akten o. Oskar Wilde. Ansang 8 Uhr. Donnerstag: ein idealer Gatte. Neues Operntheater (Kroll). Anfang Vi, Uhr. Mittwoch, den 16. Mai 1906: Martha. er in 4 Akten v. Fr. lorgen: Maskenball. �. Vorverkauf im Kgl. Opernhaus, A. Wortheim und Invalidendank. Ferdinand Bonn. Berliner Theater. Gastjp. des Neuen Operetten-TheaterS aus Hamburg. (Direktor Max Monti). Mittwoch und folgende Tage Ansang 8 Uhr: Die Insfige Witwe. Neues Theater. Ansang VI, Uhr. firphens In der iemell, Donnerstag und folgende Orpheus in der Unterwelt. Tage: Trlanon-Theater. Anfang 8 Uhr: Loalen. (Station Zoolog. Garten), Kanlstr. 12. Mittwoch: von Juan. Volkstümliche Preise. Anfang 8 Uhr. Donnerstag: Opern-Ausführungcn des Sternschen Konservatoriums. An- fang 7'/, Uhr. Freitag: 27. Vorstellung im Frci- tags-Abonnem.: Oer Waffenschmied. Volkstümliche Preise. Ansang 8 Uhr. Soiiuabeud: DioZauderfläte. Volks- tümliche Preise. Ansang 8 Uhr. Kemisehe Oper. Abends 8 Uhr: Figaros Hochzeit. Donnerstag: Hoilmanns Erzählungen. Freitag: Don Pasquale. Sonnabend: Holtmanns Erzählungen. Zentral-Theater. (Operette.) 8-/. Uhr halbe Preise: Boccaccio. Lustspielhaus. Allabendlich 8 Uhr: Die von Hochsattel. Passage-Tlieater. Ansang 8 Uhr. DaS neue Mai-Programm| 1 4 erstklassige Spezialitäten> 1 rwwmmmwwwmmmmmwmmwww f�ch Iiier- Schiller-Thealer 0.(Walliier-Theatcr). Mittwoch, a b e» d S 8 U h r: Ilolvei- imwci-o Kraft.(1. Teil.) Schauspiel in 4 Ausz. von Björnstjerne Björnson. Doiii!erslag,abends8Uhr! TiVelz' dem, der lügt. Freitag, a b e n d Z 8 Uhr: lieber unsere Kraft.(2. Teil.) Theater. Schiller-Theater N.(Frtedr..Wilh.TH.) Mittwoch, abends 8 II h r: � Das Ollick im Winkel. Schauspiel in 3 Akten von Hermann Sudermann. DonnerStag.abeiids8llbr: Zum erstenmal: Das Eumpengesindel. Freitag, abends 8 Uhr: Das Oliick im Winkel. Urania Abends 8 Uhr: ZWl- Zum letztenmal:"7WZ Am Golf von Neapel. Sternwarte ITÄ Fricdrichsbcrg. Frankfnrter Fernsprecher Nr. 8. Chaussee 5. Itestanrant nnd Fcststtle. Jeden Blttwoch: 12382*| Kumoristische Soiree der Willy Waide-Sänger. Nach der Vorstellung: Jede» Sonntag ZODWCISCHER GARTEN Täglich nachm. 41/, Uhr: Großes Militär-Konzert. I Eintritt 1 M.. v. 6 Uhr ab 50 Ps. 1 Kinder unter 10 Jahren die Hälste ftmiilieii-Ni'änielieii. x Bons haben Gültigkeit. 8pezislitaten- Vorstellung. Im Saale: GroBcr Ball. tiebr. Arnhold. Metropol-Theater Anfang 8 Chr. isüsi Hasselwerder, iss Inhaber: Albert Scheruch. 12372* "MV&T1 GrSStes und schönstes Etablissement der Oberspree. 10 Ps.-Tour Nieder-Schöneweide— Johannisthal. Jeden Dienstag, Mittwoch, 1ZrtnT0Vt 6ci f"'"" Donnerstag und Sonntag: V-rä» CWIIa-vI l Entree. Im Saal: AGP- tZi-nNei- Ball. TWI Hochachtungsvoll jUbstt Schßruch. Apollo-Theater. Das große neue Programm! D'Deta-Trio. X X Cryso Tiso. Martin Kettner. X>-es Figinis Heinrich Blank. X Wundergrotte. Elfentiicke. La Matschiche. Humpfti- Bumfti excentrische Ereation, ausgcsührt von BeeH and Privost. Reichshallen. Stettiner Sänger. Zum Schluß: Einqnlirtikrmtg. Mitit.Hum. von Meysel. Ansang Wochentags S Uhr. Sonntags 7 Uhr. Ossilleiii-Iliögtes. Direktion: Richard HUxandcr. Heute und folgende Tage Ans. 8 Uhr Liebestttnft. Komödie in 3'Akten o. Leon Zanros und Michel Carre. Seu eröffnet! M-tetellungs- ßiOpplHst-"-«ui») Tbcater lebender Photographien mit abieeiiselDl Umormitäten-Progf. Verbindung mit grüßt. Films- Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. Otto Pritzkow, Münzstraße 16. • 11111 m w niweiwNwi« Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v, Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Bauchen überall gestattet. Carl Weiß-Theater. Gr. Fraiiksnrlerstr. 182. Abends 8 Uhr: Aus altem Geschlecht. Schauspiel in 5 Akten v. A. Genie. Donnerstag abend 8 Uhr: Shtllock!io!mlsAbtntclm Deutscti-Amerikanisches Theater. Kopenickerstr.ßT/'flS. Jeden Abend 8 Uhr: Arme Mädchen. Von Adolf Philipp. W. Noacks Theater. Direktion! Roh. Dill. Bruimeiistr. 16. Heute: Geschlossen. Sonnabend, den 19. Mai 1906: Extra-Vorstellung: Die Ehre des Hanfes. Volksstück in 3 Alten von Karl Hugo. Ansang 8 Uhr. Entree Zv Ps. Bei schönem Wetter: Vorstellung im Garten. Trödels Allerlei-Thealer Schönhauser Allee 148. Mittwoch, den 16. Mai 1906: Garten-Frei- Konzert der Berliner Schützenknpclle in Uniform. Nach dem Konzert: Gr. Dana. Ansang 7 Uhr. Programm 10 Ps. Kasino-I'heatei' Lothringer ftr. 37. Täglich 8 Uhr. Sensationeller Erfolg! iVtadame Bonivard. Dazu das brillante Abschiedsprogr. Montag, 28. Mai: SchluSvorsiellung. Sonntag 4 Uhr: lloiel Klingebusch. Mencs Programm! TORTAJADA Spanische Tänzerin u. Sängerin. Narrow Bros., komische Kadfahrer, Desroches-Bianca, kränz ös. Duett. Die Hartleys, Springer. Bräsina, Pariser excentr. Sängerin. Patty Frank-Truppe, Akrobaten. König Dollar, englisches Ballett. Imro Fox, Illusionist. Die Brittons, Keger-Sänger und Tänzer. De Dio, Phantasie-Tänzerin. Die Perseus, Kugelspieler. Der Biograph. SanssoucUÄ: T Dir. Wilhelm Reimer. Eröffiiiiiig des Gartens. Somit., Moni., Donnerst.: Aui der SommerbUhne: Moflinanns Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Sommerprcise: Entrec 30 Ps., num. PI. 50. 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Ghre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Donnerstag, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Luisen-KirchHoscs am Fürsten- brunner Weg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 85/20 Die Ortsverwaltung Am Sonntag, den 13. d. M., mittags 12'/, Uhr, verschied plötzlich unser braver Kollege, der Schrist- sctzer 1836b Rudolf Dittrich geb. 26. 10. 50 in Brüx sBöhmcn). Durch seine Ausrichtigkeit und wahre Kollegialität hat er sich die Liebe und Freundschaft aller er- warben, weshalb auch ihm ein ehrendes Andenken bewahren werden Die Kollegen d. Norddeutschen Bucbdruckerei. Die Beerdigung sindet am Donnerstag, den 17. Mai, nachmittags 5'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Jerusalemer KirchHoscs, Bergmannstr. 45—47, aus statt. Dr. Schünemann Spezinl-Arzt sür* Bant- und Harnleiden,. Frauen krau kheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schiiszenstr- 10—8. 5—7, Sonnt. 10—18 Uhr. Krankenfahrstühle all. Systeme käuflich von 25 M. nn, auch leihweise unter koulantesten Bedingungen. 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Nachdruck verboten. 22 1500] 55 340 670 92 898 949 55 1268 548 688 841 [500] 903 2088 100 201 451 701 6 15001 3045 49 122 56 69 71 239 70[3000] 467 88 627 15001 46 86 13000] 703 «37 4339 13000] 76 446 92 UOOO] 99 613 32 805 5270 <454 72 625 884 914 15 24 58 6596 979 7023 43 I1000I 47 143 210 375 588 629 85 714 807 33 918 8065 210 45 74 75 362 559 85 660 750 63 966 9158 265 356 67[3000] 599 1500] 850 709[500] 911 39 10118 72 357 405[3000] 19 47 91[1000] 525 33 810 S38 11235 359 433 43 60 651 95 893 994 12123 485 504 74[1000] 906 1 3014 220[500] 615[5000] 81 84 715[3000] 14024[1000] 308 43 408 530 52 96 652 728 965 1 5260 94 342 749 1 6111 434[500] 35 717 54 808 16 30 1 7604 88 728 81 818 1 8118 211 14[1000] 323 50[500] 516 97 654 724 43 89[1000] 868 920 19014 8 4 620 727 879[1000] 20017 168 263[1000] 303 431 34 80 645 89 956 1500] 21154 433[3000] 48 752 831 59 61 915 52 69 22004 492 23053[500] 107 83 357 79 693 913[1000] 24095 97 250 351 401 564 616 701 869 929 51 25399 26004 99 134 214 464 624 90 825 75 81 914 2 7292 335 471 797 887 83 923 2 8020 384 93 420 41 784 846 60 83 29024 60 82 83[500] 230 99 449 67 586 684 796 977 79 30097[500] 343 424 532 677 720 55 3 1065 78 146 700 27[1000] 88 861 964[500] 32 121 47 317 501 776 [3000] 33159 350 446 93 679 987[1000] 34342 95 584 1500) 678 707[500] 49 889[500] 35078 226 321 36037 48 379 88[1000] 437 98 510 63 66 79 659 709 3 7411 32 552 638 744 38095[1000] 182 284 99 344 531 39052 114 330 497 568 620 86 733 67 40051 502 688 855 41344[10001 753 57 922 42287 353 515[500] 618 792 978 4 3034 160 206 41 UOOül 367 441 646[500] 79 816[1000] 44232 1500] 50 411 693 45114 246 71 514 19 98 778 832 912 46011[3000] 61 124 243 332 406 773 808 4 7000 9 187 273 375 423 28 40 601 816 48027[5001 102 50 292 98 353 420 597 673 932 49161 93 96[1000] 489 784 1500] 814 82 59047 354 79 561 623 55[3000] 81 844 77 5 1085 III 306 543[5001 738 862 52181 253 380 404 91 620 843 50 1500] 905 40[500] 53039 116 291 316 38 51 547 68 682 765 868 974 5 4024 83[500] 290 339 501 684 55034 255 501 63 1 726 59[3000] 84 315 920 75 56119 340 564 71 616 725 935 5 7010 75 329[500] 458 505 35 662 725[5000] 942 58139 92 383 628 701 68 99[10001 862 70 925 59130 96[500] 406 40 581[10001 637 48 50 77 797 60423 515[500] 649[500] 84 772 6 1016 221 35 11000] 41 416 49 81 773 842 6 2075 458 597 728 836 [3000] 64 917 38 60 6 3072 152 58 388 535[500] 64102 220 419[500] 95 839 67 69 6 5049[10001 168 82 200 440 [500] 534[3000] 622 723 830 60 992 6 6027 82[5001 489 531 33 91 624 877[500] 78 941 67050 115 77[10001 84 88 232 52 409 626 45-703 94 878[ 500] 907 57 68195 850 51 907 37 65 6 9024 38 39 303 620[40 0001 70656 78 129 326 401 26 506 28 601 60 743 885 7 1011 73 106 22 40 292 335 576 90 604 5 67 723 86 72179 293 467 590 684 711 45 49 56 73231 424 663 83 95 741)7 80 434 618 859 82 940 7 5067 314 69 557 733 [3000] 802 15001 7 6456 81 571 77024 191 223 353 78 594 661 91 759 7 8071 85 100 20 258 307 55 462 595 96 933 7 9000 105 575 832 80194(1000) 206 17 23 397 8 1031 85 160 610 75 722 13000] 69 834 75 8 2003 63 173 239 321 52 62 483 516 39 611 85 763[3000] 64 931 83091 341 649 90 98 721 98 13000] 842 927 84111 83 1500] 260[3000] 313 20 497 512 605 755 15001 831 41 85060 269[500] 308 34 15001 65 603 130001 33 53 8 6011[5001 530 628 86 813 959 8 7087[500] 102[500] 320 71 475 90[1000] 504 93 649 87 779 89 944 88131 33 40 372 428 68 97 503 39[1000] 47 53[1000] 632 867 98[1000] 89050 55 57[500] 68 91 633[1000] 867 90011 267 341 76 606 951 91175 208 374 583 668 709[3o00] 65 831 44 1500] 59 948 92262 701 50 IIO0O] 9.6[1000] 37 56 9S039[5001 140 48 478[5001 633 1500] 799 822 71 986 9 4524 838 95106 10 538 70 71 781 96084 102 82 UOOO] 287 423 523 9 7036 127 297 [5001 357 82 418 29 32 540 624 727 52 61 981[500] 98304 78 426 521 678 881 99520 56 607 50[500] 729 jotuYn gol 100 464 670 91 730 936 1 01139[500] 303[1000] 443 49 860 15001 992 13000! 102108»» 482/ 48 999 15001 103439 1500] 61[500] 71 513 93 892 994 104217 379 99 523 53 1500] 782 1 05267 473 o41 722 29 80 106093 110001 164 332 61 463[500] 82 567 107016 130W1 62 80 134 M 573 637 73 816 61 80[500] 108240 45 96 W 447 636 73 738 834 54 1 09018[500] 209 337 434 39 50 758 837 937 44 110206 22 42 522 89 723 89»4 831 69 939 111221 308 71 88 569 061 740 805 70 112071 180 222 36 412 1500] 3V0 1500] 835 815 77 918 113037 44 81 253 617 M KlOUl 800 974 114067 89 130 510 775 894 929 11 5049 99 202 81 361 420 97 534 58 788 891[5001 116063 68 389 448 722 52[5001 87 966 117030) 42 802 538[ÄIOO] 826 118004 168 232 �3 463 581 730 ÜOOJ 895 119131 11000] 452 544 621 718[500] 1905 et Mim, fleistigfte 2cfln;®iiteii, tauben® rut. 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Wegner, Berlin, Mariannenstr. 34 120015 214 330 403 72 90 939[500] 67 1 2 1201 512 775 800 1 22034 131 221 85 361 400 86[5o0| aö 609 37 803 1 5001 54 63 1 2 3219 83 425 514 7 7 650 769 826 31 992 15001 124136 269 359 77 15901 403 522 796 I2&IU0 65 67 204 28 64 77 15001 758 I50U1 851 1 100-11 63 126003 224 55 315 571 15001 630 907 1 27093 loOOt 144 215 54 439 79 585 657 1 28117 258 373 165 525 648 73 815 34[5001 129148 59 291 540 77 705 45 862 914 28 43 130026 61 160 424[5001 564 606 44 880 946 57 13 1028 398 556 683[10001 723 929 132027 313 62 454 1500) 58 567 634 704 884 949 56 64 1 33156 71 82 226 374 512 59 86 602 929 50 1 34Ü59 64 163 93 401 551 867 1 35233 59 516 73 619 739 820 947 1 3G073 214[10001 647 64 758 835 909 72[3000] 137031 296 387 471 581 674[3000] 763 69 74 862 1 38006 130 392 95 850 930 72 139116 268 305 440 534 802 927 59 7« 140161 218 350 457 606 629 740 79 99[1000] 923 14 1 077 84 97 291 358 449[30001 94 744 97 1 42145 435 65 1 43144 227 308 37 78 565 618 772 1 44005 811 99 914 48[500] 145070 142 203 24 49 365 434 692 740 84 909 146035 13000] 127[5001 240 300 537 806 97 147104 209 46 59 327 459 67 515 642 742 918 70 148011 363 510[500] 25 603 859[10 OOOj 911 149028 211 95 620 32 60[500] 77 92 749 945 150281 300 19 526 678 735 1 51170 320 78 99 554 635 00 92 863 1 52013[10001 23 25 215 43 361 [30001 599 949 1 53021 24 33 50 194 311[5001 75 428 502 705 20 900 1 54143 457[5001 85 582[ 30001 651 749[10001 86 977 94 1 55063 126 237 338 15001 450 704 6 821 31 156057 246 319 54 441 591 613[3000 1 8. 92 1 57071 125 211 130001 333 79 458 621 724 73 97 821 52 940[5001 158026 146 311 510 17 52 97 717 83 90 816 1 59032 75 263 404 52[3000] 96 707 46 160120 73 219 79 340 419 50 047 835[500] 909 14 161017[10001 598 820 973 1 62053 154 506.23 70 99 614 800 1 63304 7 62 453 573 694 754 987 1 64158 683 86 800 80[3000] 97 165117 52 311[500] 468 15001 75 1500] 98 883[10001 166050 122 240[ 5001 341[1000] 747 69 70 998 1 67120 46 578 609 73 90 789 815 85 926 1 68134 79[30001 456 609[30001 24 774 855 85 169031 48 114 396[500[ 472 851[10001 170002 48 108 1500] 58[5001 210 536 72 687 17 1 036 124 61 233 356 517 22 687[5001 837[10001 967 1 72230 70 367 85 516 77[500] 86 689 747 929 79 93 173082 100 213 13000] 37[30001 434 547 618 1500] 36 65[ 500] 825 911[500] 17 35 61[10001 89 174015 [5001 31 88 363 567 714.46 948 1 75432[500] 61 540 [1000] 55 69 782 871 76 1 76069 179 207 19 68 495 676 808 77 1 77039[500] 154 64 422 41 517 80 92 612 761 970 1 78305 29 49 723 30 1 79054[10 000] 174 313 544 605 802 '180038 68 125 239 56 391 780 1 81171 218 361 406 531 651 761 832 98 1 82062 11009] 224 365 572 790[5001 962 1 83086 311 533 61 831 962 1 84159 2*3"'u 43/ 18 5012( 5001 80 401 55 519 79 710001 771 871 FSOOl 83 969 1 86003 5 97 260 71 309 98 544 54 68 75 635 38 [500] 752 864 969 1 87242[3000] 799 1 88061 298 329 562 751 806 21 50 982 1 89118[500] 36 309 511 64 635 80 980 190118 67 730001 76[30001 94 348 494 580 633 70 751 69 888 1 9 1 383 458 67 528 682 866 919 62 63 192083 423 561 812 984 1 93094 107 12 79 557 718 27 [5001 945 1 94101 469 78 98 1 9 5611 131 238 730001 347 585 879 993 1 96057 209 513 87 765 873 1 97887[lOnOI 974[5001 198114 204 400 506[10001 78[500] 199016 139 351 509 614 40 768 827 81 922 I 10001 40 200023 139 277[500! 80 373 506 69[5001 609 711 [5001 54 79 86 91 829 51 20 1023 404 730001 680 742 842 202425'77 549 65[10001 987[5001 203426 6/0 880 204319[10001 56[10001 754 97 818 89 2 0 5029 118 1500] 606 25[30001 72 88 760 812 961 208226 130001 337 48 643 755 83 891 900 58 2 0 7053 191 280 590 790 20800C 11 164 280 96 343 402 744 918 20 9009 10 119 406 500 68 669 738 833 210078 15001 108[1000] 33 81 95 271 97 372 449 534 52 944 21 1601 15001 783 982 2 1 2006 05 240 58 614 62 94 928 2 1 3008 70 184 212 392 130001 492 551 061 736 69 2 1 4109 31 730001 208 539 607 35 723 874 2 1 5259 COT, 793 2 1 6286 810 922[30001 2 1 7049 77 81 84 166 275 402 93 536 916[5001 2 1 8149 232 92 489 509 889 (10001 2 1 9021 42 46 274[5001 374 411 586 130001 IÄ) 836 22O104�7N m 65[5001 221005 26 358 428 769 22 2066 69 458 904 14[10001 2231« 316*04 78!»» 948 224296[10001 378 523 54 758 70 98 856 974 225114 19 245'38 521 638 69 82 ,�3 976 226066 266 386 402 628 4 3 972 2 2 7044 155[ 5001 242, 6 374 9? 15001 416 667 7 77«1 223183 312'>39 15»! c/t tXto 43 2 2 9209 325 75 452 560 612 15 885 230153 1.5001 271[5001 518 ü4tl /S 15001 9cj Ell 23 1 038 178 421 2.5 88 515[10001 44 600 76? 232058 77 125 56 553 620 35 875 2 33100 38 00 I OAJOi&t 91 94 462 74 785 963 2 3 4095 307 56 652 657 joOOOl 61 [10001 235108 257 98 370 612 448 2362.-9.47 346 432 46 931 34 2 3 7018 23 130 396 490. o�.gS Z?'""0 142 306 403[.5001 748 809 239045 137 r600 l 52 69 4M-621 710J 10001 J9 805 32 9v8 [500 1" [50o/'793 80) 902 68 2 4 3187 205.881 732 M 73 230[5001 74[5001 344 61 690 848 58 65 2 4 50o2 57 352 658 719 39 922 33( 6001 246194 293 301 418 734 886 938 847007 295 795 958 SoziaiUemokratischerWablverein für den 2. Berliner Reichstapswahlkreis. Todes- Anzeige. Am Sonntag, den 13. Mai 1906 verstarb unser langjähriges Mitglied, der Zimmerer" i<3ri psustmsnn Bezirk 138. Biüchcrstr. 37. Die Beerdigung findet am Dvnncrstagnachmittag 8 Uhr von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Fricdrichsselde anS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 238/15 Der Vorstand. Zentral-Verband der Zimmerer Deutschlands. (Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezir k 7.) Allen Knineraden hiermit zur Nachricht, dag unser langjähriges Mitglied Karl Faustmann verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Donnerslagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsseide ans slalt. Um rege Beteiligung bittet 254/11 Der Borstand. Spandau. Sozialdemokratischer Wahlverein. Den Genossen zur Nachricht, daß unser altbewährter Parteigenosse Paul Schwarz er am Montagnachini ttag im Alter von 54 Jahren plötzlich verschieden ist. 1845b Die Beerdigung findet Donnerstagnaolunittag 51/, Uhr von den Kisseln aus statt. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. A'achrnf. Am 12. d. M. verstarb plötzlich unser Ches Herr Otto Fühen. Sein schnelles Dahinscheiden bedauern auis iieiste Die Arbeiter der Firma Lüben u. Buse, Metallschrauben- Fabrik, Köpenicker- straße 153. 12362 Dr. Simmel, Spczialarzl sür 110/9* Haut- und llnrnlcidcn. 10— 2,5— 7. Sonntags 10— 12, 2— 4. Am 11. Mai verstarb plötzlich am Herzschlag meine liebe Frau und meiner Kinder sorgsamste Mutter �nna haxedorn geb. Jahn im 28. Lebensjahre. Die Beerdigung sindet Mittwoch, den 16, Mai, nachmittags 4 Uhr, vom Gcmeindcsricdhof Ober- Schöncwcidc aus statt. Dies zeigt ticjbctriibt an Kermann Hagedorn nebst Kindern. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau Lertha Gepner nach langem und schwerem Leiden sanft cntschlascn ist, Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 17. Mai, nach- mittags 4>/� Uhr, vom neuen Rixdorfer Kirchhof, Mariendorfcr Weg, aus statt. Dies zeigt tiesbetrübt an 12343. Emil Gepner. Danksagung. Für die vielen Beweise der herz- lichsten Teilnahme bei der Beerdigung unserer dahingeschiedenen Tochter, Schwester, Braut und Schwägerin Biara Seeger sagen alle» Anverwandten, dem Ches und dem Personal der Firma Albert Behrendt Nachs., Jnh. Otto Sieben- mark, dem Deutschen Buchbinder- verband, dem Lotterickinb„Verlorenes Glück", solvic allen Freunden und Bekannten innigsten Dank. Familie Seeger nebst Angehörigen. Max Mafifeller. 1844b ir- Berlins ninl llmjejenil. Todes- Anzeige. Hiermit zur Nachricht, daß die Ehefrau des Bundesmitgliedes Sydow vom Klub„Eldorado* am 12. Mai verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute, nachmittags 6 Uhr, von.der Leichenhalle des neuen Jakobi- kirchhojes in Rixdors, Hermann- straße, aus statt. 293/20 Der Vorstand. Hierdurch zur Nachricht, dast Frau Sydow am Sonnabend, den 42. Mai, abends 10 Uhr verstorben ist. Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 16. Mai, abends 6 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jafobitirchhoics aus statt, I. N.: Ed. Kehding. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und reichen Blumenspenden bei der Bc- erdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters und Sohnes Rani I-Iiseker sagen wir allen Bekannten> ins- besondere seinen lieben Kollegen, unseren herzlichsten Dank. 1235L Die trauernde Witwe nebst Kind. S. Ziehung 5. Kl. 214. Kgl. PreusS. Lotterie. Ziehung vom 16. Mai 1900, nachmittags. Nur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betretfenden Nummern in Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten. 70 76 UOOO] 242[5000].353[500] 410 610 854 1142 83 217 507 75 624 755 2239 412[30001 74 660 700 3153 264 72 458 79 519 29[10001 622 65 714 60 4022 191 244 412 64 69(3000 1 602 841[500] 86 3038 104 389 402 621 80 787 896 905 6099 119 70 235 321 27 15001 589 7276 468 670 78 765 853 8148 521[1000] 893 9138 92 228[30001 81 529 718 867 94 962[ 500) 4 0064 130 254 95 401 43 532 646[30001 755 90 808 56 87 907 57 98 11Ü35 197 390 416 678 1 2072 [1000] 177 95 281 361 1500] 74[500] 93 630 750 96 15001 892 917 35 38 1 3025 36 151 310 415 74 722 50 [3000] 931 45 1 4118 270 381 492 568 801 37 995 1 5102 692 716 880 968 1 6044 193 1500) 218 32 88 399 463 617 79[50 OOOl 884 96 901 53 1 7337 404 91 778 804 3« 18041 49 106 234 411 524 27 762 837[10001 936 1 9022 39 45 71 337 38 412 56 73[500] 548 726 895 936 65 20117 88 200 56 64 343 527 697 736 37 834 924 21198 363 877 2 2068 179 254 61[1000] 86 97 448 521 692 819 33[5001 36 906 2 3393 418[4000] 527 669 710 41 916 2 4609 63 727 835 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Da- menwäschc, verlangt Gehm, Stolpische- straffe 50.__ 18396 Geübte Bluscnarbcilcrin aus Kiudcrlieidcr gesucht. Ladsch.Pstnger. straffe 73. 1-145* Im«rbettsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SV Pf. die Zeile. 3 gutelVkZtenzekneiSer, aber nur wirtlich erstklassige Arbeiter auS seinem Mnffgeschäft, finden sofort dauernde Beschäftigung während dcS ganzen Jahres bei guter Löhnung. Auch Verheiratete. Reisekosten werden vergütet.— Brieflich zu melden bei I-eopolet Kaiina, RuBland, St. Petersburg, Morskaja 27. Achtung, Magtnbauer! In der Motorwagensabrik in Reinickendorf ssrüher Gottschalk) befinden sich sämtliche Arbeiter im Streik. Wir ersuchen die Kollegen, nach diesem Betriebe keine Arbeit anzunehme». Die Streikleitung. (Zahlstelle Berlin) Folgende Firmen haben, weil daS Personal nach der Beendigung der Aussperrung nicht reumütig und bedingungslos in die Betriebe zurück- kehrte, weiter respektive erneut aus- gesperrt:' CJ. WUbbon 4c Co., Wilhelm- straff« 9. H. Sperlln«, Friedrichstr. 16. D. Blciutcln, Friedrichstr. 16. L-ffderltz& Bauer, Mauer. straffe 80. Frituclie-Baumbacb, Schö- nebcrg, Bahnstraffe. B. Belli, Lützowslr. 107/3. B. hlebabert, AUHelmstr. 121. C. Mctschkc de Co., Zimmer- straffe 94. A. Schoß, Puttkamcrstrahe 19. A. Schoß, Dessauerstraffe. Schneider 4t Ziegler, Ritterstr. 76. Rickmann, Wilhelmsir. 121. Mancksche Buchdruckerei, Stall- schreiberstraffe 5. Ad. Dadwlg, Elisadeth-User 5(6. Fleck Nachf., Lützowslr. 87. Kännucrer, Kochstr. 67. Lenz A Co., Buchdrnckerei, Holzmarktstraffe 4. Werner, Lindenstraffe 3. C. F. Walter,«allsw. 16/17. Bich. C-ahl, Ehausseestr. 2s. Diese Belriede sind gesperrt! Bor Zlrbeitiannahmc wird gewarnt! Zuzug ist streng jcriizuhattcn l Dte OrtSvormaltung. Deutscher WaMer-TerM ss Verwaltungsstelle Berlin as Engel-User 15. Achtnng! Achtnng! Rohrleger und Helfer! Bei der Firma Gorka in Pankow sind alle Differenzen beigelegt, mithin ist die Sperre sür sämlllche Bauten hiermit ausgehoben. 119/6 Die Ortavrrwaltung. ' AZtmahme-SteUen für„Kleine Hnzelgen". Osten: Wengels, Rüdcrsdorferstr. 3. Gustav Bogel, Koppenstr. 83. lVordontea: L. Zucht, Keibelstr. 42. I. Reul, Barnimitr. 42. Morden:, H. Raschke,' Ackerst:. 36 F. Trapp, Rügenerstr. 24. Karl Mars, Lychenerstr. 123. Karl PZeiste, Wicscnstr. 41/42. L. Dechand. Ruhepiatzstr. 24. H. Bogel, Lortzingstr. 37. A. Dien, Jnvaiidcnstr. 124. Mordwoaton: Karl Ander». Salzioedclcrstr. 8. Südwesten: H. Werner, Mittcnwaldcrstr. 30. H. Schröder, Kreuzbcrgftr. IS. Gßden: St. Fsritz. Prinzcnstr. 31. F. Gutschmidt, Kolibuser Damm 8 Stidonten: Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/15. P. Horsch, Engel-User 15. Charlotteuhnrg: G. Schernberg, Sesenhcimcrstr. 1. Frledrlchnberg: O. Seikel, Kronprinzenstr. 50. BlxdorO: M. Heinrich. Prinz Handjerystr. 7. Conrad, Hermannstr. 50. hiehßneberg: Wilh.Bäumier. Marlin Lutherstr. 51. Welßennee: W. Reske, Sedanstr. 105. Jul. Schillerl. König-Ehaussec 33a. Belnlekendorf: P. Gursch, Provinzstr. 108. ckn, bkBU A». /reo«*-I. I----_'___________■___—.1 111■■ KS V.cpanttvortlicber S'-dakteuri Sgns Weber. SerjW, M den Jnjeratenteilv.ttavtw.: Tj.Gtlhiez Berlin. Krück u. Verlag: Vorwärts BuHdruckerei u. VerlagSanMt Mil Singer& Co.. Berlin SW.•; Hr. 112, Z. ZchrgW W■!"-- 3. Dkilage des Jotioirts" Setlintt WKMM iSitfiMdl, 16. in! 1906. Berliner JVacbvicbten. Ein Bund zwischen Schule und Haus war?t Berlin-Siidost geschlossen worden, um die von der städtischen Schulverwaltung beabsichtigte Auflösung der 4<: Gemeindeschule am Lausitzerplatz zu der Indern. Aus den Kreisen der daran interessierten Eltern war ein energischer Widerstand gegen diesen Plan gekommen und das Lehrerkollegium der Schule hatte sich auf die Seite der Eltern gestellt. Die eifrige Agitation, die da entfaltet wurde, hatte einen gewissen Erfolg gehabt— allerdings nur den, daß die Schulverwaltung sich entschloß, zwar nicht der 46. Schule, aber dafür der benachbarten 42. Schule in der Paunynstraße die Aufnahmeklasse zu nehmen und ihr keine Schulrekrutcn zuzuführen. Der Grund, aus dem die Ver waltung im Südosten der Stadt die eine oder die andere Schule und wahrscheinlich sogar mehr als nur eine eingehen lassen wird, soll der augenblicklich dort herrschende Schulen- Überfluß sein. So las man's vor Wochen in der bürgerlichen Presse, die jederzeit bereit ist, sich zur Beschönigung solcher Maßregeln herzugeben. Ein wenig offener hat jetzt die Schuldeputation selber sich geäußert. Im März hatte eine Versammlung der an der 46. Schule interessierten Eltern an die Schuldeputation eine Eingabe gerichtet, die gegen den Plan einer Auflösung protestierte. Die Schuldeputation hat nunmehr endlich darau: geantwortet; in einer erneuten Versammlung, die am Montag stattfand, wurde die Antwort mitgeteilt. Darin wird mit dürren Worten erklärt, die Frequenz der im Südosten und auch im Süden gelegenen Schulen sei so sehr im Abnehmen, daß die Verwaltung im Interesse der Steuerzahler darauf Bedacht nehmen müsse, dort einzelne Schulen allmählich zu verkleinern(soll heißen: schließlich eingehen zu lassen.) Herr Jden, der freisinnige Stadtverordnete und Hausagrarierführer, der in Berlin-Südost zu Hause ist, war wieder gekommen, um die Schulverwaltung zu vertreten. Er gab sich alle Mühe, glauben zu machen, daß tatsächlich Interesse der Steuerzahler" gebiete, dem Südosten eine seiner Schulen zu nehmen. Auch er stehe auf dem Standpunkte, daß„wir sparen müssen". Dabei behauptete er, schon jetzt gebe die im Jahr einfach über 100 M. für jedes Gemeinde schulkind aus. Die Behauptung ist, wie bereits vor Wochen im„Vorwärts" gezeigt wurde, unwahr; und sie bleibt es. mch wenn Herr Jden sich auf den Stadtkämmcrer beruft, der die Zahl herausgercchnet habe. Dem Freisinn, der wieder mal entdeckt hat. daß er im Volksschulwesen noch mehr als bisher„sparen muß", kommen solche irrigen Rechnungsergebnisse sehr gelegen. Wird nicht die Bevölkerung vom Rathause aus darüber„belehrt" werden, wo der Kämmerer diese Zahl her hat? Die 46. Schule ist vorläufig dem Schicksal entgangen, ein Opfer des Spartriebes freisinniger„Volksschulfreunde" zur £ werden. Der Bund zwischen Schule und Haus, der wehr geschlossen wurde, hat die Schulvcrwaltung genötigt, sich «mächst noch ew anderes Opfer auszusuchen. Die Eltern der »wder aus der 46. Schule wollen aber auch fernerhin sämmenhalten. Sie haben jetzt einen„Verein der iteressenten der 46. Gemeindeschule" ge 'slen. Diese neueste Vereinsgründung will nicht über den Weiterbestand der 46. Schule wachen, luchern zugleich die Beziehungen zwischen Schule und Haus besser gestalten. Die Vereins itzungen sollen wirkliche Elternabende werden, an denen die Altern nicht stumm anhören, was die Schule ihnen bietet, 'andern Fragen des Schul- und Erziehungswesens gemeinsam mit den Lehrern besprechen. Die in der Versammlung vom Montag anwesenden Lehrer der 46. Schule erklärten, daß sie dem Gedanken wohlwollend gegenüberstehen. Doch dürfe der Verein nicht etwa zu einem Gerichtshof für allerlei Klagen iber Lehrer werden.— Wann endlich werden die Lehrer lernen, ne Kritik der Eltern nicht als einen Uebergriff, sondern als «ine sehr wünschenswerte Ergänzung ihrer eigenen Tätigkeit aufzufassen?_ Der Gemeindesriedhos der Stadt Berlin zu Friedrichsfelde be steht jetzt ein Vierteljahrhundert. Die erste Anregung. diese Begräbnisstätte zu schaffen, war im Jahre 1870 gegeben worden. Damals stellte sich heraus, daß die beiden der Stadt- gemeinde gehörenden Friedhöfe in der Gerichtsstraße und in der Friedenstratze, die nur zur Beerdigung von Armenleichen dienten, nicht lange mehr ausreichen würden. Der neue Friedhof, für den bei Friedrichsfelde ein Gelände von genau 100 Morgen angekauft wurde, sollte aber nicht nur Armenleichen aufnehmen, sondern als ein öffentlicher Begräbnisplatz für Personen aller Bekenntnisse ein- gerichtet werden. Als Vorbild diente der Hamburger Friedhof zu Ohlsdorf, der damqls im Entstehen begriffen war. Der Berliner Friedhof zu Jriedrichsfelde wurde im Mai 1881 eingeweiht und in Benutzung genommen. Seitdem sind dort annähernd 80 000 Leichen beerdigt worden, darunter rund 6000 auf Zahlstellen. ' Die Böschungsbrände an den Eisenbahndämmen haben in der letzten Zeit einen so bedeutenden Umfang angenommen, daß seitens der Eisenbahnbetriebsämter zum Schutze der an den Bahngeländen t liegenden Kulturen besondere Bestimmungen erlassen werden mußten. Die Bahnbeamten sind angewiesen, jeden Böschungsbrand, acc von den Zugführern alsbald nach der Entdeckung an der nächsten otzfrollstelle zu melden ist, sofort einzudämmen, auch dann, wenn ch die Kulturen in größerer Entfernung vom Bahnkörper befinden. ,>Üc die Lokomotivführer und Heizer ist die Bestimmung erlassen, das Heizen der Maschinen, mit welchem stets ein stärkerer Funken- ouswurf aus den Schornsteinen verbunden ist, an Stellen, woselbst eine Brandgefahr vorhanden ist, nach Möglichkeit zu vermeiden. Diese Maßregel gilt besonders für das Vorbeifahren an trockenem Moorboden, beim Durchfahren von Waldungen, in denen Schutz- streifen nicht angelegt sind und für den Hochsommer bei der Vorbei- fahrt an Getreidefeldern. Für den Stadtbahnbetrieb kommen jetzt schwerere Maschinen zur Anwendung, nachdem die kleinen Lokomotiven sich nicht als ge- nügend leistungsfähig erwiesen haben. Nach der erfolgten Um- Wandlung des Stadtbahnbctriebes, der eine Verlängerung der Züge zur Folge hatte, genügten die bisher gebräuchlichen Majchinen nicht mehr und es kam wiederholentlich vor, daß die Züge, besonders im Ringverkehr, nicht unerhebliche Verspätungen erlitten. Diesem Uebelstande ist nunmehr durch Auswechselung des Triebmaterials entgegengetreten. Die dichtere Zugfolge auf der Stadtbahn hat auch naturgemäß eine stärkere Belastung des Bahnkörpers nach sich gezogen und die Notwendigkeit einer Verstärkung der Brückenkon. struktion ergeben. Bei den jetzt stattfindendcn Brückenhebungen werden demgemäß auch die Konstruktionen durch Einfügung neuer Tröger Weserrtlich verstärkt und hierbei auch der projektierten Um. Wandlung des Dampfbetriebes in elektrischen Betrieb Rechnung ge- Lkcgeu. Die gegenwärtig stasifindenpe» Krückenverstätkungeu werden auch noch eine weitere Belastung des Bahnkörpers erznög- lichen. Wiederum ein brennendes Automobil. Gestern nachmittag ge- riet das Hintergestell eines Privatautomobils auf der Fahrt von Karlshorst nach Berlin in der Hauptstraße in Rummclsburg in Brand. Das Feuer war im Benzinbehälter entstanden und erfaßte in wenigen Minuten den ganzen hinteren Wagenkasten. Die In- fassen des Wagens vermochten sich noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Die Ablöschung des Brandes konnte mit Hülfe von Passanten mit leichter Mühe erfolgen, doch war der Antrieb des Motors durch das Feuer derartig beschädigt daß der Kraftwagen später durch ein anderes Automobil fortgeschafft werden mußte. lieber das Unglück, das sich an» Sonnabend in der Volksbadeanstalt an der Schillingsbrücke ereignete, wird uns ergänzend mit- geteilt, daß das Abflußrohr vor Beendigung der Badezeit geöffnet worden sei. Der Inspektor hatte angeordnet, daß bereits um 0 Uhr das Waffer abgelassen werden solle, und es wird vermutet, daß der junge Mann durch die Strömung in das Rohr hineingezogen wurde. Was den Kameraden des Verunglückten betrifft, so habe dieser an- fänglich geglaubt, sein Kollege habe sich einen Scherz erlaubt und sich in der Anstalt versteckt. Als das Suchen vergeblich war, habe man im Wasser gesucht und es habe sich dann ergeben, daß der junge Mann im Abflußrohr steckte und dort seinen Tod ge- funden hat. Kuriose Sammelmame. Es wird ja unglaublich viel in allen möglichen und unmöglichen Gegenständen gesammelt, aber neu sind folgende Objekte: Bei einer kürzlich hier stattgehabten Versteigerung wurden unter anderen Kuriositäten auch eine Sammlung von alten Postscheinen und von— Wachsstreichholzschachteln feilgeboten.— Interessant ist auch das folgende Kaufgesuch, das als Inserat in einer hiesigen Zeitung stand:„Junger Gutsbesitzer kauft für be- sondere Sammlung elegante Schuhe, getragen von hochgestellten Schauspielerinnen und fürstlichen Damen." Offerten unter Samm, lung usw. In dem Streite um das Virchow-Denkmal sollen Kräfte tätig sein, die zwischen den Medizinern und dem Künstler einen Ausgleich herbeiführen wollen. Wie das geschehen soll, steht dahin. Auf- merksam machen möchten wir aber, daß die Jury ausdrücklich be- schlössen hat, Herrn Klimsch mit der Ausführung des preisgekrönten Entwurfes zu betrauen. Dieser Beschluß ist in der letzten Nummer des.Gemeindeblattes" veröffentlicht und es ist deshalb unerfindlich, wie am Sonnabend magistratS-offiziöserseits berichtet werden konnte, daß über die Ausführung noch nichts bestimmt sei. Ardeiterrifiko. Gestern vormittag gegen 10'/, Uhr stürzte ein Maurer aus dem dritten Stockwerk des in der Rotherstraße auf- geführten Neubaues der Auerlichtgesellschast aufs Straßenpflaster und blieb mit zerschmetterten Gliedern liegen. Auf dem Wege nach der Unfallstation in der Warschauerstraße, wohin ihn Kollegen in einer Droschke brachten, erlag der Verunglückte seinen Verletzungen. Ein heftiger Zustnminensioß eines Geschäftsauwmobils der Firma Rudolf Hertzog. Breitestr. 15, mit einem Straßenbahnwagen der Linie A der Westlichen Berliner Vorortsbahn fand gestern nachmittag gegen 2 Uhr am Kurfürstendamm in der Nähe der Johann Georgstraße statt. Das in der Richtung nach dem Zoo- logischen Garten fahrende Automobil wollte einem von entgegen- gesetzter Richtung kommenden Rollwagen ausbiegen, und der Führer lenkte das Gefährt etwa zwei Meter vor einem in der gleichen Richtung fahrenden Straßenbahnzug der Linie A(Grunewald— Potsdamer Bahnhof) auf die Straßenbahnschienen. Der Motor- lvaggon erfaßte den Vorderteil des Automobilwagens und preßte das Gefährt gegen die Bordschwelle und einen Oberleitungsmast. Durch den Zusammenstoß wurde das Vordergestell des Automobils zertrümmert, die Seitenwand des Straßenbahnwagens eingedrückt und mehrere Fensterscheiben zersplittert. Personen wurden glück- licherweise nicht verletzt. Durch den Unfall wurde eme 20 Minuten jvährende Betriebsstörung herbeigeführt. Der Defraudant Riedel, der mit 11 000 M. durchging, ist in Gütersloh ergriffen worden. Riedel hatte sich am Freitag- abend mit den ihm anvertrauten 11 000 M. nach Alt-Geltow bei Potsdam begeben, wo er in verschiedenen Restaurants sehr freigebig auftrat. Er war dort auf einem nagelneuen Bremiabor-Fahrrad eingetroffen, das er ebenso wie einen eleganten Anzug und eine goldene Uhr noch am Freitag in Berlin gekauft hatte. Seine Ausgaben betrugen bis dahin noch nicht 1000 M. In Alt-Geltow hatte er Gelegenheit, ein Automobil bis nach Hannover zu mieten, angeb- lich, weil er möglichst schnell dort eintreffen müsse. Er will, wie er später angab, mehrere hundert Mark für die Faljrt gezahlt haben. In Hannover verbrauchte er in der Nacht zum Sonntag in lustiger Gesellschaft über 400 M. und machte dabei die Bekanntschaft eines Chauffeurs, der auf einem Schlosse in der Provinz Hannover an- gestellt ist und nach dem Rhein fuhr. Beide traten am Sonntag morgen die Fahrt über Minden nach Bielefeld an, Ivo sie die Nacht zum Montag wieder recht vergnügt verlebten. Riedel spielte sich als reicher Mann aus, dem es auf ein paar Hundertmarkscheine nicht ankam. Montag früh verließen sie Bielefeld, der Chauffeur auf seinem Automobil,.Riedel auf seinem Fahrrad. Dem Chauffeur war schließlich das Auftreten seines Begleiters verdächtig erschienen. Er fuhr schneller, als Riedel folgen konnte, und machte in Güters loh auf der Polizei Anzeige. Dort hatte man bereits von der Unterschlagung und dem Verschwinden des Geschäftsdieners gehört. Nkan erwartete den Verdächtigen am Stadttor und nahm ihn fest. Er gab einen falschen Namen an, bequemte sich aber, als man in seinen Taschen noch 7152 M. vorfand, zu einem Geständnis. Ein Revolver-Attcntat ist Montag abend gegen 10 Uhr in der HennigSdorferstraße 26 verübt worden. In dem Hinterhause versuchte ein Mieter namenS Blumental den 26jährigen Arbeiter August Weikenat sowie dessen 18jährige Schwester durch Revolverschüsse zu töten. Bei der blutigen Affäre wurde W. lebensgefährlich, dessen Schwester schwer und das 2 Vü jährige Töchterchen der Braut des W. ebenfalls erheblich verletzt. Blunieutal hat jedenfalls in einem Anfall von Geistesstörung ge� handelt. , Als gegen ValO Uhr der Arbeiter Weikenat mit seiner Braut, deren Kind, seiner Schwester und seinem Schwager in vergnügter Stimmung die Treppe des Hinterhauses HenuigSdorferstr. 26 hinauf nach der in der dritten Etage gelegenen Wohnung ging, trat in der zweiten Etage plötzlich Blumental auf den Korridor und rief hinter . her:„Na, Du alter Bruder, was klopfst Du an meine Tür? W. hatte jedoch keineswegs geklopft, und da ihm bekannt war, daß Blumental, mit dem er bis dahin übrigens noch niemals in Berührung gekommen war, unter den Anwohnern als seltsamer Kauz galt, ging er ruhig die Treppe hinauf. Einige Zeit später kam W. mit der Braut, der Schwester und dem Kinde wieder die Treppe hinunter und auch jetzt trat Blumental auf den Treppenflur. Die drei Erwachsenen trugen Wäschestücke und in dem Augenblick, als W. an dem unheimlichen Mitbewohner vorüberging, zog der letztere plötzlich einen Revolver hervor, richtete die Waffe gegen die Brust des Arbeiters und im nächsten Augenblicke krachten kurz hinter- einander 3 Schüsse. Getroffen stürzte W. zu Boden und entsetzt schrieen die Frauen auf. Nun richtete der Mordbube die Waffe gegen die Schtvester des W. Auch sie brach, von zwei Schüssen getroffen, zu- iammen. Der sechste Schuß galt dem Kinde. Er drang der Kleinen in den Unterschenkel. W. hatte einen Schuß in die Brust, in die Gegend der Magengrube, einen zweiten in den Oberschenkel und einen Streiffchuß an die linke Schulter erhalten. Sein Zustand gibt zu den äußersten Bedenken Anlaß. Kam hatte Blumentak seine blutige Tat vollbracht, so eilte er nach dem Polizeirevier und gab dort an, er sei überfallen worden. Der wahre Sachverhalt stellte sich jedoch bald heraus und B. wurde verhastet. Wie bereits er- wähnt. dürfte er in einem Anfall von Unzurechnungsfähigleit ge- handelt haben._ Eine zeitweilige Umleitung des Personen- und Güterverkehrs der Berlin— Hamburger und Lehrter Eisenbahn in der Nähe des alten Fürstenbrunner Weges machen die Charlottenburger Kauali- sationSbautcn für Westend notwendig. Auf der sogenannten Förster- wiese zwischen dem alten Fürstenbrunner Weg und dem Bahntörper der Berlin— Hamburger und Lehrter Eisenbahn neben der siüd- tischen Baumschule soll später die projektierte gemeinsame Pump- station für Westend und den Stadtteil nördlich der Spree errichtet tverdcn. Von hier sollen zwei Notauslässe nach der Spree und du Verbindungskanal, der die künftige Pumpstation mit der jetzigen provisorischen Pumpstation auf dem Lagerplatz am Nonnendamm auf dem anderen Ufer der Spree verbinden soll, deinnächst gebaut werden. Diese drei zwei Meter hohen Kanäle muffe» durch den Eisenbahnkörper hindurchgeführt werden und sollen unter ihm in einem gemeinschaftlichen eisernen Unterführungsbauwerk, welches außerdem noch Raum für einen Verbindungsweg nach dem dies- seitigen Spreeufer bieten soll, untergebracht werden. Zur Aus- sührung dieses Unterführungsbauwerks muß der Eisenbahnkörper an der betreffenden Stelle von den Schienen freigelegt und aus- geschachtet werden und infolgedessen müssen die Personen- und Güterzüge während der Bauzeit auf provisorischen Nebengleisen um die Baustelle herumgeleitet werden. Ein Dragoner durch Pferdehufe getötet. In dem Pferdestall des II. Garde-Dragoner-Negiments in der Blücherstraße hat sich gestern abend ein bedauerlicher Unglücksfall, welchem ein jrmgeS Menschenleben zum Opfer gefallen ist. zugetragen. Der Garde-Dragoner Firke war mit Pferdeputzen beschäftigt, als eines der Tiere, ver- mutlich wohl infolge zu starken StriegelnS, unruhig wurde und aus- schlug. F.. der sich in gebückter Stellung befand, erhielt durch die Pferdehufe einen so wuchtigen Schlag, daß er auf den Stallgang geschleudert wurde und dort besinnungslos liegen blieb. Dem Be- dauernswerten war der Schädel gebrochen Ivorden und bald»ach seiner Einlieferung in das Garnison-Lazarett in Tempelhos starb er an den Folgen der Verletzung. Gesctzesveriichter. Ein Pistolenduell, das unblutig verlief, hat am Sonnabendmorgen um%6 Uhr in der Zehlendorfer Forst zwischen einem Offizier der Schutztruppe und einem höheren Be- amten der Hosverwaltung stattgefunden. Die Veranlassung zu dem Zweikamps soll eine Ehescheidungsaffäre gewesen sein. Die beiden Duellanten standen vor Jahr und Tag in einem engeren Freund- schaftsverhältnis. Als der Offizier sich im vorigen Jahre zum Feld- zug nach Südwstafrika begab, erfuhr der Beamte, daß sein« Gattin mit jenem in unerlaubten Beziehungen gestanden habe. Die Folge war eine Forderung, die der Hintergangene Ehemann dem Offizier nach Südwestafrika übersandte. Nach der Rückkehr des Offiziers nach Berlin fand das Duell statt. Bedingung war dreimaliger Kugelwechsel auf 20 Schritt Distanz. Verwundet wurde keiner der Duellanten. Durch seltene Geistesgegenwart hat in der vergangenen Nacht der 75 Jahre alt« Invalide Theodor Rock, Schulstraße/ sein Leben gerettet. Der Greis wollte auf dem Bahnhof Schönhauser Allee einen Nordringzug besteigen, um nach dem Wedding zu fahren. Er kam jedoch etwas zu spät und als er den Zug besteigen wollte, hatte dieser sich bereits in Bewegung gesetzt. Der Invalide kam zu Fall und stürzte unter den Zug. Ein Wagen nach dem anderen rollte über den Verunglückten hinweg und die Augenzeugen des auf- regenden Vorfalles glaubten natürlich nicht anderes, daß R. durch die Räder des Zuges zermalmt wurde. Kaum waren jedoch die Wagen über ihn hinweggefahren. so erhob sich der Totgeglaubte und kletterte wieder auf den Bahnsteig. R. hatte die Geistesgegenlvart besessen, sich schleunigst mitten zwischen das Gleis zu bringen und so konnte der Zug über ihn hinwegrollen, ohne daß ihm ein Schaden zugefügt wurde. Nur be, dem Sturze hat sich R. eine blutige Ver- lctzung am Ellenbogen zugezogen, die er sich auf der Unfallstation VI verbinden ließ. Selbstmord eines Oberlehrers. Traurige Folgen hat ein Un- fall gehabt, den sich vor vierzehn Tagen der 33 Jahre alte Ober- lehrer Paul Matthiae am Grabe seine? Vaters zuzog. Matthiae, der seit 6% Jahren am Luisenstädtischen Gymnasium in der Brandenlmrgstr. 37 angestellt war, war Klaffenlehrer der Obersexta und unterrichtete die höheren Klassen im Hebräischen. Vor vierzehn Tagen wollte er auf dem Grabe seines Vaters einen Baum pflanzen. Hierbei kam er zu Fall und zog sich mehrere Verletzungen zu. Be- sonders klagte er nach dem Unfall über Kopfschmerzen und Ver- stauchung eines Beines. Seit acht Tagen muhte er zu Hause bleiben und sich jeden Tag das Bein massieren lassen. Diese erzwungene Untätigkeit machte den pflichtgetreuen und diensteifrigen Maim nervös. Gestern vormittag kurz vor 10 Uhr veranlaßte er seine Frau, mit der er in kinderloser Ehe lebte, zur Schneiderin zu gehe«. Das Dienstmädchen schickte er zum Masseur, dem er sagen ließ, er bedürfe seiner Dienste nicht weiter, weil er sich wieder ganz wohl fühle. Als das Mädchen bald darauf nach der Wohnung m der Bergmannstr. 52 zurückkehrte, fand es den Unglücklichen tot am Schreibtisch sitzen. Er hatte sich eine Revolverkugel in die rechte Schläfe geschossen. Ein Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Ei» neuer Trick der BrrficherungSgesellschaften. Die Stellenofferten der Versicherungsgesellschaften, durch die unter mehr oder weniger lockenden Versprechungen Herren aus allen Ständen für den Außendienst gesucht werden, gehören zum eisernen Bestände des Inseratenteils großer Tageszeitungen. Daß die Bedingungen, die der Bewerber erfüllen muß. um nach einer Probe- zeit von etwa einem Vierteljahr eine feste Anstellung gegen 200 bis 250 Mark monatliches Fixum zu erhalten, allermeist unerfüllbar sind, pfeifen nachgerade die Spatzen von den Dächern. Es bedarf daher neuer Lockmittel, damit sich überhaupt noch jemand meldet. Neuerdings werden nun gebildete Herren mit größerem Bekaimtenkreise für nebenberufliche. organisato- rische Tätigkeit gegen sofort zu gewährendes, hohes Fixum gesucht. Die Versicherungsgesellschaften denken natürlich gar nicht daran, den sich Meldenden ein festes Monatseinkommen zu ge- währen. Es ist aber interessant, aus einer Darstellung der geschaft- lichen Handhabung zu ersehen, mit welcher Schamlosigkeit die Stellungsuchenden genaSführt Iverden. Wer sich auf ein solches Stellenangebot einer Versicherungsgesellschaft, die natürlich nur unter Chiffre inseriert, meldet, erhält nach einiger Zeit ein Schreiben des Generalinspektors der Gesellschaft, worin ihm mitgeteilt wird, der Generalinspektor sei beauftragt, mit ihm zu unterhandeln und bäte um seinen Besuch. Leistet er dieser Aufforderung Folge, so wird ihm von den, Generalinspektor eröffnet, daß er für eine organisa- torische Tätigkeit jn Aussicht genommen sei, wofür die Gesellschaft sofort 200 oder 260 M., oder auch bedeutend höhere f e st e Monatsbezüge, neben hoher Proviston bei Abschluß von Ver- sicherungen, gewähre. Der Begriff der„organisatorischen Tätigkeit" wird dann sehr umständlich erläutert und mundgerecht gemacht Findet nun der Bewerber die Sache annehmbar, so entläßt ihn der Herr Generalinspektor, nachdem er ihm die Statuten und Ver- stcherungspläne zum Studiun, mitgegeben, mit der Bemerkung, er werde ihn, in einigen Tagen einen Vertragsentwurf zusenden und bitte, seine Wünsche mit Bleistift an den Rand zu schreiben. Der Bewerber glaubt nun. den Vertrag, der ihm ein monatliches Fixum zusichert, schon so gut wie in der Tasche zi, haben und studiert zu Hause mit heißem Bemühen die ihm über- gebenen gedruckten Anleitungen, um sich die notwendigen theoretischen Kenntnisse möglichst rasch anzueignen. Leider wartet er von Tag zu Tag vergeblich auf das Eintreffen des Vertrages. Spricht er dann nochmals persönlich vor, so wird ihm durch einen «Mvern Herrn— der Herr Generalinspeltor ist dann vorsichtshalker gercide sehr beschäftigt— die Eröffnung gemacht, daß der Ge� Währung einer Anstellung mit festen Beziigen eine Probezeit von drei Monaten vorangehen und der Bewerber innerhalb dieser Zeit Versicherungen in Höhe von SO 000 M. zustande bringen müsse. Von einer organisatorischen Tätigkeit ist jetzt nicht mehr die Rede. Der Bewerber ist um eine Hoffnung ärmer und um eine Erfahrung reicher, daß es Leute gibt, die andern buchstäblich ihre Zeit stehlen.— Das ganze nichtswürdige Verfahren hat offenbar nur den Zweck, die Bewerber zum Durchstudieren der Versichcrungsbedingungen zu veranlassen, damit sie dann, nachdem die Aussicht auf das Fixum zerstört ist. wenigstens akquirierend für die Gesellschaft tätig sind. Am 163. Beobachtungsabend deS„Vereins von Freunden der Trrptow-Sternwarte" Mittwoch, den 16. Mai, spricht Herr Dozent Jens Lützen abends 8>/z Uhr auf der Treptow- Sternwarte über „Die neuesten Ausbrüche des Vesuvs nach eigener Anschauung und eigenen Photographien". Herr Lützen spricht zum erstenmal öffentlich in Berlin über die V e s u v k a t a st r o p h e. Aus dem Programm mögen nur folgende höchst interessante Punkte hervorgehoben sein Vorboten des Ausbruchs vom 6. April 1S06— Der Ausbruch— Der Aschenregen— Zerstörung von Ottajano und San Guiseppe— Aufstieg zum Vesuv im Aschenregen— Die Lavazerstörmungen i Boscotrecase— Die berühmte Pinie usw.— Der V o r tr a. wird am nächsten Sonntag abends 7l/z Uhr auf der Treptow-Stern' warte wiederholt.— Mit dem großen Fernrohr wird nachmittags die„Sonne" und abends„Gamma im Löwen" beobachtet. Gäste haben Zutritt. Sommerfahrplan auf der Oberspree. Der Sommerfahrplan für die Stcrndampfer auf der Oberspree wird am Pfingstsonntag zur Einführung gelangen. Die Dampfer gehen dann täglich von der Jannowitzbrücke nach Grünau 8,30, 10,30, 12,30 und von 2 bis 7,30 halbstündlich. Sonntags gibt es außerdem Dampfer 9,30. 11,30, 1,30 und 8 Uhr abends. Von der Hochbahnhaltestelle Schle sisches Tor gehen die Dampfer je Vi Stunde später. Die Dampfer. die zwischen l'/j und 6% je% nach Voll gehen, legen in Spree schloß, Tabberts Waldschlotz und Wilhelminenhof nicht an. Von Köpenick nach Grünau gibt es außerdem einen Dampfer 8,56 Uhr früh. Von Grünau nack Schmöckwitz verkehren Dampfer von 9,23 morgens bis 8,23 abends stündlich. Die Dampfer ab Jannowitzbrücke 8,30, 10,30, 12,30, 2,30, 4,30 und 6,30 haben in Köpenick Anschluß nach dem Müggelsee. Die Rückfahrt von Schmöckwitz nach Grünau erfolgt erstmals morgens 7,40, Von 9,15 morgens bis 9,15 abends gehen die Dampfer stündlich. Sonntags hat der letzte Dampfer Anschluß nach Berlin, Werktags der Dampfer ab Schmöckwitz 8,15. Von Grünau gehen Dampfer nach Berlin Werktags 10,30, 12,30 2,30 und von 4 bis 9,30 halbstündlich. Sonntags gehen außerdem Dampfer um 11,30, 1,30, 3,30 und 10 Uhr abends. Von Grünau nach Köpenick gibt es außerdem«inen Dampfer'8,25 früh. Die Dampfer ab Grünau 1,30, 3,30, 4,30, 5,30, 6,30, 7,30, 8,30 und 9,30 legen in Wilhelminenhof, Tabberts Waldschlotz und Spreeschloß nicht an. Auch Sodowa wird von einigen der/ Dampfer ausgelassen. Orgelkonzert. Mittwoch, den 16. Mai, abends 71/.2 Uhr, veranstaltet der Kgl. Musikdirektor Beruh. Jrrgang" in der St. Marien-Kirche das nächste Orgelkonzert unter Mitwirkung von Frau Gertrud Labauve lSopran), Fräulein Sonja Beeg(Ali) und Herrn Walter Kratz(Violine). Präludium und Fuge(a-moll) von Bach, Händel, Rossini und Cherubini. Der Eintritt ist frei! sdas Berliner Aquarium empfing in den letzten Transporten von Mcerestieren eine ganze Anzahl Arten, die den Naturfreund nicht nur von der Mannigfaltigkeit, sondern auch insbesondere von der Schönheit der marinen niederen Tierwelt ein wenigstens kleines Bild gewinnen lassen. Wie die von den Forschern für die ver schiedencu Gattungen gewählten Namen Aphrodite, Hermione, Evphrosyne u. a. schon ahnen lassen, zeichnen sich selbst eine Reihe von freischwimmenden Borstcnwürmern durch Farbenpracht oder aus fallende Formen aus, während die allgemeine Vorstellung von „Würmern" in ganz anderer Richtung sich bewegt. So erregt denn unter anderen auch eine aus dem adriatischen Meere angekommene Art Sceraupe besondere Aufmerksamkeit, da die bräunliche, mit glänzenden Borsten besetzte Erscheinung in Gestalt und Bedeckung eher einer langen, breiten, haarigen Raupe als einer Vertreterin der Weichtierklasse, zu welcher sie ihrer Organisation nach gehört, gleicht. Ein Mitglied der nicht freilebenden, sondern in selbstge bauten, vom Sandgrunde aufragenden Röhren wohnenden Gruppe der Borstenwürmer ist die röhrenförmige Protula des Mittclmeeres, deren Körper schön rotgelb oder orange und deren Röhre tveiß er- scheint. Fcuerwehrvericht. Durch Umfallen von Petroleumlampen kamen gestern abend zwei Brände in der Oderbergerstr. 39 und Naunyn- straße 11 gleichzeitig aus. In der Turmstr. 48 hatte die Feuerwehr infolge von Kurzschluß am Ausschalter zu tun und in der Turm- straße 74 mußte ein Feuer gelöscht werden, daS bei der Herstellung von Lack entstanden ivar. Heute früh um 4 Uhr entstand im Gesindehospital der Stadt Berlin in der Koppenstraße 33/40, Ecke Palisadenstraße. Feuer. Dort brannten Brennmaterialien im Keller. Am Alexander- Ufer 9 war der Bohlenbelag der Eisenbahn- brücke über den Humboldthafen durch Funken aus einer Lokomotive in Brand geraten. Ferner mußten mehrere Wohnungsbrände in der Hollmannstr. 13, Jasmunderstr. 18a je. und mehrere Preßkohlenbrände in der Görlitzerstr. 23, Sorauerstr. 2 u. q. Stellen ge- löscht werden. Außerdem hatte die Wehr ans anderen Ursachen in der Scydelstr. 25, Stolpischestr. 31 und anderen Orten Hülse zu leisten. Das leichtfertige Umgehen mit Petroleum ist oft gerügt Ivorden. Trotzdem ereignen sich täglich leichtere und schwere Brandunfälle durch Fahrlässigkeit. Am Dienstagmittag kain auf diese Weise in der Küche Kleine Alexanderstr. 16 Feuer aus, wobei die Kleider der Frau Seliger in Brand gerieten. Frau Seliger erlitt dabei schwere Brandwunden an der linken Schulter, am Oberarm und Händen. Gleichzeitig hatte die Feuerwehr längere Zeit in der Dennewitzstr. 34 zu tun, wo Petroleum in größerer Menge in Brand geraten war und die Feuerwehr tüchtig Wasser geben mußte, um die Gefahr zu beseitigen. Etwas später hatte die Wehr in der Rügenerstr. 24 zu tun, wo durch Unvorsichtigkeit Decken und Stühle Feuer gesangen hatten. Vorort- I�acdrickten. Rixdorf. Der soeben erschienene Jahresbericht der Allgemeinen Ortskrankcn- kasse für Rixdorf pro 1905 zeigt das verflossene Geschäftsjahr in einem außerordentlich günstigen Bilde. Den besten Beweis hierfür erbringt der Reservefonds, der aus den Ueberschüssen der Einnahmen eine Vermehrung in Höhe von 51 380 M. erfahren hat. Während derselbe 1893 52 Proz. der vorgeschriebenen Höhe betrug, ist er im Jahre 1905 auf 85 Proz. gestiegen. Der Bericht weist darauf hin, daß bei den in Geltung befindlichen Beitragssätzen und den von der Generalversammlung im November 1905 beschlosseneu Statutenänderungen nicht zu hoffen ist, daß jemals wieder eine derartig hohe Ersparnis gemacht werden kann. Es sei dies auch gar nicht nötig, indem eine 5prozentige Rücklage voll und ganz genügen würde. Die Einnahmen betrugen 464 426,74 M. und setzen sich zusammen wie folgt: Kassenbestand am Anfang des Jahres 4016,55 M., Zinsen von Kapitalien 7340,80 M., Eintrittsgelder L-Il 9,68 M., Gesamtbciträge 429 868,19 M., Ersatzleistungen für gemährte Krankenunterstützung 7180,38 M., Ersatzleistungen von Berussgenossenschaften, Unternehmern, Versicherungsanstalten, für gewährte Krankenfürsorge. Unfallrenten, Unsallzuschüsse usw. 3591.79 M., aufgenommene Darlehen, andere Posten 115,60, sonstige Einnahmen 3294.25 M. Unter den Ansgaben figurieren folgende Posten: Für ärztliche Behandlung 50 938,86 M., für Arzenei und sonstige Heilmittel 47 735,89 M., Krankengelder: a) an Mitglieder 162 565,81 M., b) an Angehörige der Mitglieder nach 8 7 des Gesetzes 5423,33 M., Unterstützungen an Wöchnerinnen 10 455,21 M., Sterbegelder nlerstütz: LÄ 9108,12 M.. Kur- und Verpflegungskosten an Krankenanstalten 65 069,30 M., Ersatzleistungen für gewährte Krankenunterstütznng 6312,72 M., zurückgezahlte Beiträge und Eintrittsgelder 1668,23 M für Kapitalanlagen, Zuführungen zum Reservefonds 51 380 M zurückgezahlte Darlehen, andere durchlaufende Posten 115,10 M Verwaltungsausgaben: a) persönliche 34 382,28 M., b) sächliche 11 549,87 M., sonstige Ausgaben 3634,32 M., Summa 460 844,32 M Das Gesamtvermögen setzt sich wie folgt zusammen: Bar bestand am Schlüsse des Rechnungsjahres 1904 3582,70 M., an Wertpapieren 241 733,70 M., Summa 245 316,40 M. Es hat sich das Vermögen gegenüber dem Vorjahre um 49 467,25 Mark vermehrt. Die Zahl der Mitglieder betrug am 31. Dezember 8204 männliche und 5111 weibliche. Erkrankungsfälle waren bei männlichen Mitgliedern 4178 und bei weiblichen Mitgliedern 2999 zu verzeichnen. Zusammen 7177. Die Zahl der Krankheitstage der männlichen Mitglieder betrug 103 386, die der weiblichen 93 974, Summa 207 360. Sterbefälle sind bei männlichen Mitgliedern 77 und bei weib lichen 40 zu verzeichnen, insgesamt 117. Das Personal der Kasse bestand aus dem Rendanten, acht Bureaubeamten, einem Kassenboten, einem Krankenbesucher und drei Hülfsbeamten. Im Berichtsjahre sind 78 953 Meldungen eingelaufen wovon 39 962 auf die Anmeldung, 38 991 auf die Abmeldung ver- sicherungspflichtiger Personen entfallen. Auf jeden der 305 Arbeits tage des Jahres kamen also im Durchschnitt 258,3 Meldungen zur Bearbeitung. Kontrollen haben 9850 stattgefunden, die 762 Uebertretungen der Kassenvorschriften ergaben. Die Strafsnmme bettägt 1402,90 M.. wovon bei 70 nachträglich entschuldigten Fällen das Strafgeld in Höhe von 115,50 M. wieder zurückgezahlt wurde. Der Bericht weist zum Schluß auf die Schwierigkeiten hin, die sich beim Einkassieren der Rechnungsbeträge ergeben: so machten sich nicht weniger als 4005 Mahnungen nötig. 2341 Fälle wurden den Vollziehungsbeamten überwiesen, die alsdann noch 1624 Pfändungen im Gefolge hatten. Durch die Tätigkeit der Vollziehungsbeamten wurden 48 201,26 M. oder 11 Proz. der Gesamteinnahmen an Beittägen und Eintritts- geldern der Kasse zugeführt. Angesichts der der Kasse verloren ge gangenen Beiträge— 49 Arbeitgeber mit 1374,55 M. gegen 27 Ar- beitgeber mit 363,73 M. im Jahre 1904— hat der Vorstand be schlössen, von den Strafbestimmungen der§§ 83 und 53 des Kranken Versicherungsgesetzes rücksichtslosen Gebrauch zu machen. Charlottenburg. In der letzten Sitzung der Gewerkschaftskommission erstattete der Obmann Bericht über die Maifeier. Danach ist die Beteiligung an der Feier in diesem Jahre gegenüber den Vorjahren bedeutend größer gewesen. Es kommt hinzu, daß eine Reihe von Genossen nicht die Versammlungen am Orte, sondern die Branchenversamm lungen in Berlin besuchten. In der Diskussion forderte Genosse Gebert ans, trotz aller gegen die Maifeiernden gerichteten Maßregeln im nächsten Jahre noch mehr Propaganda siür dieselbe zu machen. Genosse Flemming berichtete nunmehr über das Ergebnis der Verhandlung bezüglich der weiteren Beteiligung an'den nächsten Arbeitslosenzählungen, die der Char- lotteuburger Magistrat bekanntlich im Jahre dreimal vorzunehmen gedenkt. Hierzu empfahl der Referent folgende Resolution: „In Erwägung, daß der Magistrat in der Sitzung der Stadt verordneten vom 22. Februar 1906 keinen Zweifel darüber gelassen hat, daß er nicht bereit ist, im Anschluß an die Arbeitslosem Zählungen positive Maßnahmen zur Unterstützung der Arbeitslosen zu treffen; in weiterer Erwägung, daß in der Sitzung von, 28. März 1906 der Oberbürgermeister sich nicht gescheut hat, die sozial demokratischen Organisationen zu beschuldigen, daß sie Differenzen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer hineintragen und dadurch eine Schädigung der in Bettacht Kommenden herbeiführen, empfehlen die Mitglieder der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion, der Ausschuß der Gewerkschastskommission und die Arbeitnehmerbeisitzer der Deputation für den städtischen Arbeitsnachweis den Charlotten burger Arbeitern, sich in Zukunft an den vom Magistrat ver- anstalteten Arbeitslosenzählungen nicht mehr zu beteiligen." Diese Resolution wurde nach kurzer Debatte einstimmig an- genommen. Als Ausschußmitglied wurde Genosse Böhla, Gastwirtsgehülfe, einstinnnig gewählt. Alsdann berichtete der Vertreter der Barbiere, Genosse Bolz, über die Lohnbewegung im Barbier- und Friseurgewerbe und er, 'uchte, in den Gewerkschaften dahin zu wirken, daß die Arbeiter sich nur in solchen Geschäften bedienen lassen, wo die Forderungen der Gehülfen bewilligt sind. Eine in diesem Sinne gehaltene Sympathieresolution wurde ein- timmig angenommen. Hierauf erstattete Genosse Reuter Bericht über die Lohnbewegung im Schuhmachergewerbe. An dem Verhalten einiger Meister, die Parteigenosse» sind und dabei die Forderungen der Gehülfen nicht anerkannt haben, sowie der Gewersichaft der Schuhmacher feindlich gegenüberstehen, übte Redner eine scharfe Krittk. Er warf hierbei die Frage auf, ob es richtig sei, daß derartige Leute noch länger Mitglieder des Wahlvereins sein können. In der Dis- kussion hierüber wurde von allen Rednern betont, daß man solche Arbeitgeber nicht als Genossen anerkennen könne: weiter wurde gewünscht. daß der„Vorwärts" der gewerkschaftlichen Bewegung Charlottenburgs etwas mehr Beachtung schenken möge. Gen. Fleinming erinnerte bei dieser Gelegenheit an den Beschluß vom vorigen Jahre, wonach alle Berichte von den Gewerkschaften, die an den„Vorwärts" bestimmt sind, an den Obmann der Kommission zu senden sind, der dann das weitere veranlaßt. Komme man diesem Beschluß nach, so werden die Klagen verstummen. Ein Antrag der Handels- und Transportarbeiter, gegen den Entscheid des Bezirksausschuß zu Potsdam, die Ablehnung der Wahl der Gewerbegerichtsbeisitzer Arbeitgeber Prill und Hassel betreffend, beim Oberverivaltungsgericht Berufung einzulegen, wurde nach längerer Debatte mit allen gegen 3 Stimmen abgelehnt. Ein Iveiterer Antrag der Handels- und Transportarbeiter, in der Streitfrage zwischen ihrer Organisation und dem Konsumverein der Arbeiter der Siemens-Schuckert-Werke, Abteilung Frankliustraße und Abteilung Nonnendamm, den Ausschuß der Gewerkschafts- kommission als Schiedsrichter zu berufen, fand einstimmige An- nähme. Der Kommission sind in der letzten Zeit die Gewerkschaften der Gemeindearbeiter und der Fleischer beigetreten. Schöneberg. Die Aufnahme einer Statistik über leerstehende Wohnungen und Geschäftslokale soll in den nächsten Tagen wieder in Schöneberg tattfinden. Es werden zu diesem Zwecke den Eigenttimern durch die Polizei Fragebogen zugestellt, die„im Interesse derselben" genau beantwortet werden sollen. Danach scheint daS Interesse dieser Herren das allein maßgebende zu sein, denn einen Einfluß auf die Verbesserung deS Wohnungswesens überhaupt dürfte nach den Erfahrmrgen diese statistische Aufnahme seit ihrem Bestehen nicht gehabt haben. Das einzige, was dabei stets zum Vorschein kam. ist, daß die größten und bequemsten Wohnungen im Verhältnis zu den kleinen immer noch die billigeren sind, eine Erscheinung, die uns zeigt, daß sich die ärmere Bevölkerung wesentlich im Nachteil befindet. Trotz des relativ hohen Wohnungsangebotes seit der letzten Aufnahme im Oktober 1905<1516 leerstehende gegen 1139 im Mai desselben Jahres) sind die Preise der kleinen und Mittelwohnungen nicht nur die gleichen geblieben, sondern auch in die Höhe gegangen. Und dabei dürfte das Angebot, wenn man die große Zahl der in jüngster Zeit erfolgten Neubauten am Orte in Betracht zieht,- sich gewiß noch steigern. Wie dem aber auch sei: jedenfalls dürfte eine Statistik darüber, wie die Wohnungsverhältnisse der ärmeren Be- völkernng gegenüber der in vornehmen Vierteln Wohnenden, wo oft zehnzimmerige Wohnungen auf eine Familie entfalle», liegen, von nicht geringer Bedeutung für unsere Sozialpolitiker sein. Weiftensee. Beim Baden durch Herzschlag getötet wurde am gestrigen Tage der Bäckermeister Schneider, Heinersdorfer Weg. Ter Ver- 'usflug nach e verlocken Bad zu lag und onstatiert daß die 'eit auf- hlen sie ideiertretung Vergebmg der unglückte hatte mit der hiesigen Bäckerinttim- Werneuchen gemacht und sich bei der Herr' lassen, im Tiefensee bei Werneuchen nehmen. Nach kurzer Zeit erlitt er jedi konnte nach Bergung des Körpers nur werden. Der Tote hinterläßt Frau und Adlershof. Die letzte Sitzung der Gemeindevertretung hat bürgerlichen Vertreter wohl mit Worten in Arbeib gehen, gilt es aber ihre Worte in Taten umzusetzen, lieber den besseren Teil der Tapferkeit. Die G hatte vor kurzem beschlossen, in den Vertrag zur Kanalisationsarbeiten die Bedingungen aufzunehmen, dm, die zwischen den Arbeitgebern und Arbeilnehmern vereinbarten T'.rif- Verträge einzuhalten sind. In der letzten Sitzung wurde auf in- trag des Vertreters Kaiser dieser Beschluß wieder aufgehoben da der Gemeindevorsteher gedroht hatte. den Beschluß zu beanstanden. Um nun die bürgerlichen Vertreter, besonders aber den Schöffen Dr. Ehrmann zu einer prinzipiellen Stellung- nähme zu zwingen, hatten unsere Vertreter folgenden dringlichen Antrag rechtzeitig eingebracht: „Bei Ausschreibungen von Gemeindearbeiten oder wenn diese Arbeiten ohne vorherige Ausschreibungen vergeben werden, ist iu den Bedingungen aufzunehmen: a) der Unternehmer ist verpflichtet, den in seinem Gewerbe zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern vereinbarten Lohntarif bei Ausführung der Arbeiten einzuhalten-; b) bei Streitigkeiten aus dem Arbeitsvertrage zwischen dem Arbeit- geber und den von demselben bei der Gemeindearbeit beschäfttgten Arbeitern ist der Gemeindevorstaud, in dem Falle, daß von der Gemeindeverttetung eine Komniission mit der Beaufsichtigung resp. Ausführung der Arbeiten beauftragt ist, diese als Schiedsamt zur Beilegung der Streitigkeiten anzurufen." Wie nicht anders zu erwarten, wurde die Dringlichkeit des An- träges abgelehnt und konnten deshalb unsere Vertreter auch nur für die Aufrechterhaltnng des Beschlusses der vorherigen Sitzung ein- treten, bei welcher Gelegenheit sich der Vertreter Kaiser ob seines rückständigen altmanchesterlichen Standpunktes eine derbe Abfuhr holte. Zu lebhafter Debatte führte noch die zweite Bcrattmg des Ortsstatuts über die Durchführung der Trennschwemmkanalisation. Besonders die§§ 5, 6, 8 und 9 ivurden von einigen Vertretern. welche die Ansichten des Grundbefitzervereins vertraten, lebhaft bekämpft. Zu diesem Punkte lag auch eine Petitton dieses Vereins vor, nach welcher der Grundbesitz entlastet und die Nichtangesessenen höher zu den Lasten herangezogen kverden sollten. Es ist sicher eine Unverfrorenheit, daß der Grundbesitz es überall versteht, die Lasten auf den Mieter abzuwälzen. Nach den gefaßten Beschlüssen werden die Kosten durch 10 Prozent, welche der allgemeine Steuersäckel zu ttagen hat, und 90 Prozent, welche der Grundbesitz aufbringen muß, gedeckt, und zwar werden die Kosten derselben zu einem Drittel nach der Grundstücksstraßenfläche und zwei Drittel nach der Grundstücks- fläche berechnet. Pankow. Die bedingungslose Amtsniederlegung des Bürgermeister- G o t t f ch a l k ist in der letzten Gemeindevertretersitzung angenommer worden; zu gleicher Zeit wurde eine Kommission von sieben Mit gliedern gewählt, welcher die Gründe der Amtsniederlegung z, untersuchen sowie die endgültige formale Lösung der Angelegenhei obliegt. Die besoldete Stelle des Amtsvorstehers soll nunmehr aus geschrieben werden; verlangt wird die Befähigung zum höherer Richter- und Verwaltungsamt sowie der Nachweis einer mehr- jährigen prattischen Tätigkeit im Verwaltungsdienst bei einen Anfangsgehalt von 8—9000 M. und 1500 M. Wohnungsgeldzuschuj. Am 1. Juli wird das Pankower Amtsgericht in Tätigkeit ttete». nachdem bereits am 2. Mai die Uebergabe des Amtsgerichts md des Gefängnisses an die Justizbehörden stattgefunden hat. Dury den Aprilzuzug sind die hiesigen Gemeindeschulen um mehr ab 400 Schüler belastet, was selbstverständlich auch eine Mehrh der einzelnen Klassen bis zu 74 Schülern zur Folge hat; beschlossen, 5 neue Lehrttäfte zu bewilligen, von denen bereits durch den Etat vorgesehen sind. Durch den Tod der Vorstehe höheren Töchterschule soll der Frage näher getreten I die Schule eventuell durch die Gemeinde zu übernehmen. Zu Zweck soll die Verwaltung eine Vorlage ausarbeiten und dey der Vertretung vorlegen. Die nunmehr zum dritten Male borliegende Genehmigung Vertrages mit der Großen Berliner Straßenbahn wird nack heftiger Debatte nochmals vertagt und beschlossen, den Vertta einen Juristen prüfen zu lassen. nO Von der königlichen Generalkommission zu Frankfurt a. wurde bekannt gegeben, daß die Separationslnteressenten der G>- meinde Pankow die ihnen zugebilligte Entschädigung für Wege un? Gräben in der Höhe von 30 000 Mark als Legat fiir Freibetten fü: bedürftige Pankoiver der Krankenhausverwaltung zur Verfügung ge° stellt haben. In der Besprechung dieser Angelegenheit wurde von Prosesso' Mendel hervorgehoben, daß die Gemeinde unter allen Umständet verpflichtet ist, bedürftige ortsangehörige Kranke aufzunehmen. Da' gegen empfehle es sich, einen Fonds zu schaffen, um arme als gesun? euilassene Mitbürger, welche zu schwach sind, ihrem Erwerb nachzu- gehen, zu unterstützen und sie so vor gänzlichenr Untergang zu be' wahren. Man beschloß, mit dem Vertreter der Scparalions-Jn teresscnten zu unterhandeln, um das Legat zu diesen Zwecken festzulegen. Dasselbe beträgt gegenwärtig mit Zinsen 33 000 M. Spandau. Den Parteigenossen von Spandau-PotSdam-Osthavel land zur Nachricht, daß am Montagnachmittag unser altbewährte! Parteigenosse Paul Schwarzer im Alter von 54 Jahren plötzlich verschieden ist. Die Beerdigung findet Donnerstag nachmittags 5'/� Uhr vom Kirchhof unter den Kisseln statt. Um recht zahlreiche Beteiligung wird ersucht. Der Vorstand. � Potsdam. I» der letzten Wahlvercinsversammlung konnte die Mitteili gemacht werden, daß durch die Maidemonsttatton die Organisotz eine größere Anzahl neuer Mitglieder gewonnen hat. Den Be" über die Maifeier gab Genosse Staab. Genosse Krüger refe alsdann über„Konsumgenossenschaften", worauf sich eine Dis im Sinne des Referats entspann. Nachdem die Arbciterbild 'ckaile in Erinnerung gebracht, entwickelte sich eine recht leb Aussprache über einen hiesigen Rektor, der Schüler deshalb zncht ließ, weil sie sich an den Turnstunden der Jugcndabteilnng teiligten. Jedenfalls werden die Eltern der gestraften und miß- handelten Kinder Strafantrag gegen den„schlagfertigen" Rektor stellen. «vttternnaSüderflcht von, IS. Mai I90K, morqenS 8 Uhr. Stationen Smimmbc. amburg erlin Franks a M. Minichen Wie» 753 SD 751 SO 751 SO 751 D 750®® 752 SO Setter I 3 heiter 2 wolkenl 2 heiler 2 bedeckt 2heiter 1 bedeckt a h S- Staktonen S£ s e 1-2 8« taparanda etersburg Scilly Aberdeen Pari» 759SSW 761 NNO 758 SW 755 NNO Letter 2Regen Ihalb Bd. 1 Regen 4wolkig >->s> In Na 10 6 9 Wetter-Prognose für Mittwoch, de» IK. Mai 1900. Etwas kühler, vielfach heiter aber veränderlich bei mäßigen südwesillch, Winden und jortdauernder Gewittenicigung. Berliner W e t t e r b n r e a u. antwortljcher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil veraiuw.: Th. Glocke. Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsaujtalt Paul Singer& Co., Berlin SW,