Ur. 114. RbonnementS'Bedinsungen: Abonnements< Preis pränumerando: Wierteljährl. S,M Mb, monotl, 1,10 Mk, wöchentlich 28 Psg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. Iimnmcr mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Reue Welt' lOPfg. Pott. AbonnemeM: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien. Däneinarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 33. Jahrg. Crididat Isglich außer montaas, Vevlinev VolksblÄkk. Die Infertlons* Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum SO Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „Kt-ine Anreisen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg.. jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- slellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 8 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: „SrzlaliKiiiekrit Rtrlln". Zcntralorga« der fozialdemokratifcbcn Partei Deutfchlands. Redaktion: 8LI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Nmt IV, Nr. li)8.'t Zur zuzeiten Lesung der Militär- peniionsgeietze. Man schreibt uns: Die neuen Militärpensionsgesetze sind nun auch in der Kommission beraten worden. Wenden wir uns zunächst dem für die Offiziere und Sanitätsoffiziere vorgeschlagenen Gesetz zu. Im§ 5 des Gesetzes findet sich die Bestimmung, daß Gesundheitsschädigungen infolge eines Duells nicht als Dienstbeschädigungen anzusehen sind. Diese Neuerung, deren Erfinder Zentrumsmänner sind, ist ein drastischer Be-- weis für die von allen Offizieren viel verspottete Harmlosigkeit des Reichstages in militärischen Dingen. Für Offiziere mit mehr als zehnjähriger Dienstzeit ist die Bestimmung von vorn- herein belanglos, weil sie auch ohne eine Dienstbeschädigung Anspruch auf Pension haben. Und die Offiziere, die noch nicht zehn Jahre gedient haben, wird man auf anderem Wege schadlos halten. Wozu gibt es denn militärische Fonds, deren Verwendung der parlamentarischen Kontrolle entrückt ist? Ist nicht z. B. der Zehnmillionenfonds da? Den Bettel, den ein junger Leutnant als Pension erhält, kann man mit Leich- tigkeit aus solchen Fonds begleichen. Der preußische Oberstleutnant a. D. von Wartenberg erzählt ja auf Seite 72 seines Buches„Ceterum censeo" lehrreiche Geschichten über die Bezahlung von Pensionen aus einem bald nach den Befreiungskriegen gebildeten Fonds. Als bewundernswerte Leistung wurde auch die in der Kommission ausgeheckte Bestimmung, daß die Pensionen der Offiziere voni Regimentskommandeur aufwärts vom voll- endeten 30. Dienstjahr an nicht mehr um V™, sondern nur um Visu des pensionsfähigen Diensteinkommens steigen sollen, ausposaunt. Allerdings büßen dabei die Regiments- und Brigadekommandeure gegen die Regierungsvorlage, die ihnen schon nach 35 Dienstjahreu 7000 beziehungsweise 9000 M. geben wollte, 400 respektive 500 M. ein, aber die in der Regierungsvorlage geplante Aufbesserung der Pensionen der kommandierenden Generäle von 16 493 M. auf 19 485 M. und ferner der Pensionen der Divisionskommandeure von 11 592 M. auf 13059 M. hat die Kommission ruhig zugelassen. Möge das deutsche Volk die wirklich aufreizenden Fakta, daß in einer Zeit, in der die Nation unter Fleischwucher und Steuerdruck schwer zu leiden hat, die Pensionen der Generäle um Tausende erhöht und die Landessürsten von der Erb- schaftssteuer befreit wurden, im Gedächtnis behalten. Wer so etwas vergessen kann, der hat wirklich eines von den Brettern, von denen der preußische Polizeiniinister im Land- tag sprach, vor seinem Hirnkasten. Bei dieser Gelegenheit sei auch darauf hingewiesen, daß die Generäle, die i m H 0 f d i e n st e verwendet sind, die nämlichen Pensionen erhalten wie die wirklichen Generäle. Da avanciert irgend ein adeliger Offizier auf dem Hofparkett, verrichtet keinen Augenblick militärischen Dienst, seine Tätig- keit beschränkt sich auf die üblichen Hofgeschäfte, z. B. Schreiben von Einladungen zu Hoffestlichkeiten, Mitessen bei Diners, Erwiderung von Telegrainmen, Teilnahme an Betrüb- nissen, Einheimsen von Orden usw. Auf diese Weise wird der Mann General und eines Tages soll ihm das Volk, nach- dem es ihm mindestens 200 000 M. an Gage bezahlt hat, vielleicht nochmals 100 000 M. an Pensionsgcbührnissen geben. Zwar ist es selbstverständlich, daß solche Offiziere überhaupt von den hohen Herren, denen sie dienen, erhalten werden sollten. Leider ist es ebenso selbstverständlich, daß die jetzige Reichstagsmajorität sich niemals zu einer solchen Forderung herbeilassen wird. Aber auch von dieser Majorität könnte man verlangen, daß sie einen Paragraphen schafft, wonach Offizieren, die vorwiegend im Hosdienst verwendet waren, höchstens die Pension eines Regimentskommandeurs zusteht. Auch der§ 27, der den Frauen der pensionierten Divisionskommandeure und kommandierenden Generäle im Falle des Todes ihres Mannes relativ kolossale Extra- b e z ü g e gewährt, war für die Kommission ein Blümchen Rührmichnichtan. Nach diesem Paragraphen erhalten die Hinterbliebenen eines pensionierten Offiziers nach dessen Tod die Gebührnisse, die dem Verstorbenen in den nächsten drei Monaten zugestanden hätten, in einer Summe ausbezahlt. Die Witwen der Divisionskoinmandeure und kommandierenden Generäle werden dabei sehr splendid bedacht. Der Witwe eines Divisionskommandeurs werden beim Ableben ihres Mannes auf diese Weise 3265 M. und der Witwe eines kom- mandierenden Generals 4871 M. ausbezahlt. Die Kommission hätte hier getrost festsetzen können, daß mehr als 2500 M. nicht zur Auszahlung gelangen. Die Divisionskommandeure und kommandierenden Generäle haben, gleich ob aktiv oder pensioniert, solche Einnahmen, daß sie, wenn in ihrem Haus- halte nicht unvernünftig gewirtschaftet wird, Geld er- sparen müssen. Um so unberechtigter ist die Verschwendung von Staatsgeldern an ihre Witwen. Das Beschreiten des Rechtsweges bleibt den invaliden Offizieren praktisch auch künftig unterbunden. Auch ferner wird die Entscheidung der Kardinalfragen, ob eine Dienstbeschädigung vorliegt, ob und in welchem Grade Dienstunfähigkeit besteht, ob eine Kriegsbeschädigung in Betracht kommt, nicht in die Kompetenz der.Gerichte. Expedition: 8 AI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. fallen, sondern hübsch bei den Kriegsministerien bleiben. Die Konimission verlangt allerdings ein Kollegium, bestehend aus 3 Offizieren oder Beamten, die diese Fragen entscheiden sollen. Haben denn die Reichstagsabgeordneten das Schicksal der Bilserichter schon vergessen?? Von einem Paragraphen der Vorlage weiß man, trotzdem er von der Kommission beraten wurde, überhaupt nicht genau, was damit gesagt werden soll. Mau kann es nur ahnen. Diese reizende Blüte germanischer Gesetzgebungskunst(Z 78) lautet: „Der nach Maßgabe des gegenwärtigen Gesetzes zu zahlende Gesamtbetrag an Pensionsgcbührnissen für die zur Zeit des In- krafttrctens dieses Gesetzes den Schutztruppen angehörenden Offiziere und Beaniten darf nicht hinter der Summe derjenigen Beträge zurückbleiben, welche ihnen im Falle der Pensionierung zur Zeit des Inkrafttretens dieses Gesetzes zugestanden haben würden. Bei Ermittelung dieser Beträge ist das Dienstalter und der Dienstgrad zugrunde zu legen, welche die Offiziere und die Beamten bei Fortsetzung ihres Dien st der- hältnisses in der Heimat erreicht haben w ü r den." Der erste Satz dieses Paragraphen ist nahezu unver- ständlich und der zweite stellt einen blanken Unsinn vor. Niemand kann das Dienstalter und die Charge angeben, die ein Schutztruppenoffizier erreicht haben würde, wenn er, statt seinen Abschied zu nehmen, in der Heimat weitergedient hätte. Das Avancement eines Offiziers hängt von Zufälligkeiten ab, die im voraus nicht zu überblicken sind.— Beschäftigen wir uns nun etwas mit dem Gesetz, das für die Unteroffiziere und Mannschaften maß- gebend sein wird. Hier hat die Kommission sich ein großes Verdienst dadurch erworben, daß sie verlangte, der Grad der Erwerbsunfähigkeit sei nach dem Zivilberuf des Invaliden zu beurteilen, während die Regierungsvorlage dies nur ausnahmsweise gestatten wollte. Es ist z. B. klar, daß einen Uhrmacher die Verminderung der Sehkraft schwerer trifft als einen Buchbinder. Leider bat die Redaktionskom- Mission, die das Gesetz in eine leicht verständliche Form bringen sollte, den Kommissionsbeschluß„verbösert", indem sie wünscht, daß der Beruf des Mannes nur zu berücksichtigen sei. Hoffentlich bleibt es beim Kommissionsbeschluß, der jedes Deuteln unmöglich macht. Die Kriegszulagen für Unteroffiziere und Mann- schaften, die durch den Krieg invalide geworden sind, stehen, wie selbstverständlich, im Zeichen der Schäbigkeit. Die Invaliden, die weniger an ihrer Gesundheit gelitten haben, erhalten monatlich 10 M. Kriegszulage, also im Tag 33 Pf., den schwerer Beschädigten stehen 15 M., also pro Tag 50 Pf., zu. Auch hier beweist das teure Vaterland seine Dankbarkeit glänzend. Leider ist die Hoffnung, daß Unteroffiziere, die wegen Mißhandlung gerichtlich bestraft worden sind, den Anspruch auf den Zivilversorgungsschein und die Entschädigung dafür verlieren, nicht in Erfüllung gegangen. Es ist tieftraurig, daß bei der Bekämpfung der Soldatenschindereien auch der Reichstag nicht mit der nötigen Energie vorgeht. politische Qebcrlidrt. Berlin, den 17. Mai. Portovcrteuerung. Dem Staatssekretär des Reichspostamtes wird es be- schieden sein, die reaktionären und vcrkehrsfeindlichen Wünsche der verhängnisvollen, steuererpresserischen Mehrheit des Reichstages in die Wirklichkeit umzusetzen. Denn der Block der Steuerkompromißler hielt auch heute bei der Abstimmung über die Resolution, die eine Verteuerung des Orts- und Nachbarverkehrs verlangt, fest zusammen. Gegen die Stimmen der Linken— Sozialdemokraten und Freisinnigen— sowie einiger Antisemiten wurde die verkehrsfeindliche Resolution angenommen. Die Beratung bewegte sich nur in dem gestern schon befahrenen Gleise. Der Unter st aatssekretär S y d 0 w versuchte zwar eine Widerlegung der gestrigen Aus- führungcn unseres Genossen Singer, aber er fiel damit gründlich ab. Genosse Singer verstärkte dagegen den Ein- druck und die Argumente seiner gestrigen Rede durch eine gelungene Erwiderung, die die Lacher auf seine Seite brachte. Mit den konservativen Reaktionären traten die National- liberalen Arm in Arm auf den Plan. Alle noch so treffenden Hiebe von den Rednern der Linken ließ dieser edle Bund, dem erst das Zentrum den rechten Kitt gibt, über sich ergehen, ohne zu mucksen. Nach der Annahme der Resolution beantragte Spahn die Absetzung der Mühlenresolution von der Tagesordnung. Das Haus beschloß dem Antrag gemäß und gleich darauf die Ver- tagung. Morgen: Reichskassenscheins: Mantelgesetz.— Preußische«Wahlreform". Am 25. d. Mts. wird das Herrenhaus sich mit den Wahlrechts- vorlagen befassen. Seine Kommission hat bereits getagt und in einer einzigen Sitzung beide Borlagen unverändert angenommen. Die gleichfalls der Kommission überwiesene Petition der preußischen Mitglieder des sozialdemokratischen Parteivorstandes um Gewährung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts sür die Wahlen zum Landtag an alle über 20 Jahre alten Staatsbürger ohne Unterschieds des Geschlechts wurde kurzerhand für erledigt er- klärt— selbstverständlich! Der Bericht der Kommission bildet ein wertvolles Aktenstück zur Beurteilung der Anschauungen unserer herrschenden Klassen, speziell der Edelsten der Nation. Nicht ein einziges Mitglied der Kommission, der u. a. die Oberbürgermeister Kirschner und Schpstehrus sowie Professor Schmoller angehörten, beantragte die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts. Ein Redner schien allerdings prinzipiell sür das Reichstagswahlrecht zu sein, er wies wenigstens darauf hin, daß die heutige.Zeit überall dahin dränge, das„hervorragendste politische Recht des Staats- bürgers, das Wahlrecht allgemein als ein gleiches aus- zugcstalten", daß„die Reiche und Staaten um Deutschland herun: und um Preußen herum in Deutschland gerade in der letzten Zeit sich bewogen gefunden hätten, das allgemeine, gleiche Wahlrecht ein- zuführen oder doch anzubahnen", aber er unterließ es, Anträge zu stellen, die doch keine Aussicht auf Annahme hätten, und sprach lediglich sein Bedauern darüber aus, daß die Regierung in Preußen eine Reform des ungerechten heutigen Wahlrechts nicht in die Hand nehme. Interessant ist ferner, aus dem Bericht zu entnehmen, mit welcher Offenheit die Herren zugeben, daß das heutige Dreiklassen- Wahlsystem verfassungswidrig ist, weil es seinerzeit einfach aufoktroyiert wurde. Der vereinigte Landtag hatte in seiner letzten Sitzung Ende April 1848 das von der Regierung vorgeschlagene Wahlgesetz vom 8. April 1848 für die zur Vereinbarung der preußischen Staatsverfassung zu berufende Versammlung, die spätere Nationalversammlung, angenommen. Dies Gesetz hatte ebenso wie später das oktroyierte Wahlgesetz für die Zweite Kammer vom 6. Dezember 1848 allgemeine, gleiche, direkte, in geheimer Ab- stimmung durch Stimmzettel zu bewirkende Wahl angeordnet. Die Verfaffungskommission der Nationalversammlung hatte sich zwar für die direkte Wahl erklärt, jedoch mit Rücksicht aus den Stand der politischen Bildung der Nation zurzeit der indirekten Wahl den Borzug gegeben. Auf Grund des oktroyierten Wahlgesetzes ist dann die am 26. Februar 1849 zusammengetretene Zweite Kammer gewählt worden. Nach deren Auflösung am 27. April hat das Staatsministerium an den König unter dem 29. Mai 1349 berichtet, daß Aenderungen des Wahlgesetzes notwendig ge- worden seien, weil der Staat durch Ausführung der Wahlen in der bisherigen Art nicht nochmals gefährlichen Schwankungen ausgesetzt werden dürfe, und daß es mittels des dem König vorgelegten Wahlgesetzes gelingen werde, endlich zu geordneten Zuständen und vor allem zu einer Volksvertretung zu gelangen, die den Anforderungen der Bevölkerung entspreche, in- dem sie auch innerhalb des Kreises der Zweiten Kammer den einzelnen Volksschichten denjenigen Einfluß gestatte, welcher zu ihrer wirk- lichen Bedeutung im Staatsleben im richtigen Verhältnis stehe.(! l) Das allgemeine, gleiche Wahlrecht und die geheime Stimmabgabe wurden in Versolg dieses Berichts kurzerhand aufgehoben und das Dreiklassenwahlgesetz oktroyiert. Die Tatsachen an sich sind bekannt, aber eS ist immerhin von Bedeutung, die von uns stets vertretene Anschauung der BerfassungS- Widrigkeit von der Herren Hauskommission bestätigt zu sehen. Daß sich später beide Kammern mit dem oktroyierten Wahlgesetz einverstanden erklärt haben, ändert an unserem Urteil nichts. Uebrigens scheint die Regierung allmählich selbst zu der Ueber- zeugung gekommen zu sein, daß dies Flickwerk auf den Namen Wahlreform keinen Anspruch hat. Der Minister des Innern erklärte ausdrücklich, daß die beiden Entwürfe an dem materiellen Wahlrecht nichts ändern sollen und keine Reform des Wahlrechts enthalten. Ueber eine solche Reform seien von der Regierung bisher Entschließungen nach keiner Richtung gefaßt, der Zweck der Vorlagen sei lediglich der, angesichts der Vor- gänge bei den Wahlen von 1903 Abhülfe gegen die hervorgetretenen Unzuträglichkeiten des Wahlverfahrens zu schaffen. Trotz dieser Erklärung steht fest, daß es sich darum handelt, daS Dreiklassenwahlsystem durch Ueberkleisterung einiger allzu böser Geschwüre lebensfähig zu erhalten. Um so größer ist die Pflicht des Proletariats, immer und immer wieder dies elendeste aller Wahlsysteme in seiner ganzen Scheußlichkeit zu enthüllen und schließlich die Regierung und die herrschenden Klassen auch gegen ihren Willen zu einer wirklichen Wahlreform zu zwingen, die nur in einem Ersatz des Dreiklassenwahlunrechts durch das allgemeine. gleiche, direkte und geheime Wahlrecht bestehen kann.— Die Stichwahltaktik der franzöfischen Genossen. Die Frage der Stichwahltaktik hat in der sozialistischen Partei einige Differenzen hervorgerufen. Der Kongreß in Chalon hatte die Entscheidung über die Unterstützung der bürgerlichen Republikaner den Föderationen anheimgegeben, jedoch auf A Cambier beschlossen, daß in keinem Falle gunsten sozialistischer Dissidenten zurücktreten die betreffende rat in seiner Sitzung vom 11. d. M. die unbedingte Unter- stützung der bürgerlichen Republikaner angeordnet. In der Be- iründung der auf die republikanischen Kandidaten bezüglichen Re- olution, die mit 82 gegen 39 Stimmen angenommen wurde, heißt es:„Der Föderationsrat erklärt entschieden, daß er es zurückweist, im zweiten Wahlgang von klerikalen und zäsaristischen Stimmen zu profitieren." In bezug auf diejenigen Stichwahlen aber, bei denen parlamentarische" Sozialisten einen Vorsprung haben, hat der Föderationsrat beschlossen, daß die Kandidaturen der Partei ein» fach zurückgezogen werden. Diese Beschlüsse kommen nun praktisch in folgenden Fällen in Betracht: In Paris haben die Radikalen in folgenden Bezirken ntrag des Genoffen Parteikandidaten zu- dürften. Der letzte clttcn Vorsprung bor den Sozialisten: 10. Arrondissement 2. Wahlbezirk. 11. Arrondissement 3. Bezirk. 13. Air. 2. Bez. 14. Arr. 1. Bez. 15. Ari. 1. Bez. 17. Arr. 2. Bez. 10. Arr. 1. Bez. Die sozialistischen Kandidaten sind nun überall zurückgetreten, mit Ausnahme vom 13. und 15. Arrondissement. Im 13. hat der Radikalsozialist B u i s s o n, einer der tüchtigsten Männer seiner Partei, 3002, der Nationalist 7551, ein zweideutiger unabhängiger Kandidat 1188. der Kandidat der geeinigten Sozialisten, Coutures, 2737 Stimmen erhalten. Es ist also wahrscheinlich, das; Buisson durchfüllt und der Reaktionär geivählt wird, wenn die sozialistischen Stimmen dem radikalen Kandidaten nicht zu Hülfe kommen. Anders ist die Situation im 15. Arrondissement. Dort hat der Parteikandibat, der bisherige Abgeordnete A u b r i o t, 6207, der Radikalsozialist Chautard 8401, ein Nationalist 3057, ein Konservativer 843 Stimmen erhalten. Die Wahl des Reaklionärs ist also ausgeschlossen. Die Wahrscheinlichkeit aber, daß Aubriot von soviel.klerikale» und zäsaristischen Stimmen profitiert', daß er wiedergewählt wird ist gering. Der Rücktritt des Sozialisten ist also mehr eine Sache de» Prinzips, eine„Pflicht der republikanische» Solidarität", In einer ähnlichen Situation ist im 3. Bezirk des 11. Arron- dissements Genosse Lauche zugunsten deS Radikalen zurückgetreten, trotzdem der reaktionäre Kandidat, der geckenhafte Schriftsteller Paul Adam, verzichtet hat. Die„parlamentarischen Sozialisten" kamen in drei Bezirken als begünstigte republikanische Kandidaten in Betracht. Doch hat sich Gabriel Deville im 4. Arrondissement zurückgezogen, da er bei der Mißstimmung, die er durch seine Haltung im Parlament bei den organisierten Genossen hervorgerufen hat, wenig Aussicht auf Erfolg hätte. Der„gute Richter" M a g n a u d, der unverzüglich als Kan- didat aller Republikaner aufgestellt worden ist, wird wahrscheinlich gewählt werden. Jni 5. Arrondissement hat der unabhängige Sozialist Vi Viani 5213, der frühere nationalistische Deputierte A u f f r a y 5010, der Kandidat der sozialistischen Partei C o l l i g n o n 503 Stimmen erhalten. Die sozialistischen Stimmen werden wohl alle Viviani zufallen. Gegen die Weigerung der Genossen Aubriot und Coutures, ihre Kandidatur zurückzuziehen, hat nun gestern die Exekutiv- kom Mission der Gesamtpartei Stellung genommen. In einer Resolution, die mit allen gegen eine Stimme angenommen wurden, bezeichnete sie das Vorgehen der Genossen als einen Akt der Disziplinlosigkeit und erklärte, daß die einzigen Kandidaten der Otepublilaner und Sozialisten in den zwei in Frage kommenden Be- zirken die Biirgerlich-Radikalen Chautard und Buisson sind. Es ist sicher keine gewöhnliche Erscheinung, daß eine Partei ein Mandat, das sie selbst besessen hat, selbst aufgibt und die Preisgabe oben- drein als eine Parteipflicht hinstellt.— In bezug auf die sozia- listischen Dissidenten beschloß die Exekutivkommission, daß die Genossen und die Abgeordneten der Partei für diejenigen, die die Partei verlassen haben, weder sprechen noch Plakate anschlagen dürfen. Die radikale und radikalsozialistische Partei ist mit dem Vor- gehe» der Exekutivkomnlission gegen die zwei opponierenden Wahl- kreise natürlich höchlichst einverstanden, obwohl sie in anderen Fällen die sozialistische Parteidisziplrn als„Tyrannei" hinstellt. Im übrigen muß anerkannt werden, daß die radikalen Kandidaten die Parole, den begünstigten Sozialisten Platz zu inachen, fast überall befolgen. So ist denn in Paris die Wahl der Genossen Grou ssier, Allemane und C a r d e t. in St. Denis die von Weber und W i l l m zienilich gesichert. In der Provinz aller- Vings leisten einzelne Oiadikale Widerstand gegen das Gebot der „republikanischen Solidarität", Im Departenient Hautes Pyränües ist ein Radikalsozialist sogar zugunsten des radikalen Dissidenten Henri Wäret, eines begabren, aber aus der Panama-Zeit her be-° rüchtiaten Schriftstellers, zurückgetreten, der gegen den regierungS- freunolichen Oiepublikaner R e i n a ch, den alten Freund Gambettas, kandidiert. Auch gegen die Sozialisten richtet sich in vereinzelten Fällen die Siichwahltaktik der radikalen Kandidaten. Andererseits haben auch die Sozialisten in inehreren Provinzwahlkreisen die Unterstützung der regierungsfreundlichen Kandidaten abgelehnt. Im zweiten Wahlkreise von G r e n o b l e z. B. bekam der P r o a r e s s i st Pichet 7215, der Radikale 4033, der unabhängige Sozialist Cor- n a u d 0332 und der unifizierte Sozialist B r i z o n 8006 Stimmen. Die Genossen beschlossen, die Kandidatur Brizons nicht zurückzu- ziehe» I Man sieht, ganz ohne Reibungen vollzieht sich diese erste Wahl- aktion der geeinigten Partei nicht, aber die vereinzelten Differenzen können den imponierenden Eindruck, den der Aufmarsch des sozia- listischen Proletariats auf alle ernsten Beurteiler der französischen Politik gemacht hat, nicht beeinträchtigen. Daß die besprochenen Er- scheinungcn eine Diskussion darüber anregen werden, inwiefern für eine sozialistische Klassenpartci der Gesichtspunkt des gemeinsamen demokratischen Jntcrefses auch dort bestehen bleiben kann, wo die Gefahr eines reaktionären Sieges gar nicht vorliegt, ist wahr- scheinlich und auch wünschenswert. Das Vorgehen der jetzigen bürgerlich-raditalen Regierung gegen die gewerkschaftliche Bewegung dürfte die Vertreter der über den Notsall hinausgehenden republika- Nische» Solidarität um kein Argument bereichern. Deutftftes Reich. Hehlerdienste. Die reaktionäre Presse bringt eS fertig, den jämmerlichen offiziösen Rechtfertigungsversuch, durch den die„Nordd. Allg. Ztg." den preußischen Polizeiminister in der Affäre Schöne-Brockhusen in die Tinte hineingeritten hat, entweder ohne jeden Kvmmentar ab- zudrücken oder gar als gelungene Abwehr zu bezeichnen. Diese schamlosen Hehlerdienfte werden freilich nichts nützen I Die freisinnige Presse ist sich, wie es sa auch gar nicht anders möglich war. einig darüber, daß die Entgegnung des offiziösen Blattes nichts war als eine über Erwarten lendenlahme und un- geschickte Ausrede. So erklärt die„Boss. Ztg.": „Das ist nichts als S i l b e n st e ch e r e i. Ob der Satz aus der Rede des Ministers sortgelassen war oder nicht, ist gleich- gültig, da sich die Ausführungen des Rechtsanwalts und seine Schlußfolgerungen hauptsächlich gerade gegen diesen Satz richte». Es ist sehr bedauerlich, daß sich„nicht zuverlässig" hat fest- stellen lassen, wie die Spionagesache in die Ausweisungssache hineingetragen wurde und wie sie sich abspielte. Aber weil das dem Minister und seinen Beamten mcht gelungen ist, sollte es selbstverständlich erscheinen, daß dies« Feststellung im Wege de« gerichtlichen Berfahrens, insbesondere durch eidliche Vernehmung der Zeuge», erfolgt. Insbesondere sind die gericht- lichen Ermittelungen über den falschen Paß und das falsche RcligiinSzeugnis, über die sich der Minister auSgeschwiegen hat und auch die„Rordd. Allg. Ztg." schweigt, unerläßlich. Die ganze Auslassung des Blattes ist so lahm, daß, wenn die Regierung nichts Besseres sage» kann, als waS in der„Nordd. Allg. Ztg." steht, es weife gewesen wäre. aarnichtS zu lagen, woraus freilich ebenfalls Schlüsse gezogen werden müßten, die dem Minister nicht wünschenswert erscheinen würden." Das„Berk. T a g e b l." urteilt: „Uns will scheinen, als sei diese Verwahrung nichts als eine Bestätigung her vom«iechtsanwalt Liebknecht gemachten Angaben. Jedenfalls wird die Regierung nicht umhinkönnen, anders als in d'eser gewundenen Form zu den Anklagen des Herrn Lrebknecht Stellung zu nehmen. Weshalb vernimmt man die Herren Schone und Brockhusen nicht zu Protokoll und teilt mih was sie zu sagen haben? Dann ließe sich weiter- Die„Freie Deutsche Presse" sagt: „Die H a u p t s a ch e ,st. daß die P o l i z e i nunmehr gegen- über den bestimmten Versicherungen des Rechtsbeistandes des russischen Kaufmanns einen jämmerlichen Rückzug antreten muß der nur höchst dürftig durch Redewendungen uiaÄiert wird, wie: „es habe nicht zuverlässig festgestellt werden können, wie die Spionageaffäre m die Ausweisungssache hineingetragen worden ist und wie sie sich im einzelnen abgespielt habe." Außerdem fehlt aber— und das ist außerordentlich wichtig � jede Bemerkung des offiziösen Blattes darüber, wie es denn eigentlich mit dem falschen Passe steht, der dem russischen Kaufmann von dem Kriminalkonmnssar Schöne ausgehändigt loorden ist. und in dem der Russe, der jüdischer Konfesston ist, als Angehöriger der deutsche» Nation, als ein gewisser Ernst Fiedler und als Christ charakterisiert wird. Wie kam die Polizei dazu, dem russischen Kaufmann ein gefälschtes Dolunient zu übergeben? Hierüber wird die zuständige Behörde wohl oder übel deutlich Rede und A n t>v o r t st e h e n müssen. Weit entfernt also, daß durch die Erklärung der„Nordd. Allg. Ztg." die Sache aus der Welt geschafft worden wäre, fängt sie jetzt erst recht an, das öffentliche Interesse zu erregen." Geradezu erbärmlich benimmt sich wiederum das führende Z entrums organ, die„Germania". Zu ihrem Schmerze kann sie nach der Entgegnung der„Nordd. Allg. Ztg." die ganze Auseinandersetzung nun nicht mehr totschweigen. Trotzdem teilt sie von dem Inhalt der Liebknechtschen Erklärung nicht einmal so viel mit, wie selbst die„ P o st" noch vor der Entgegnung des offiziösen Blattes mitzuteilen für nötig hielt. In einer Notiz von ganzen 22 Zeilen quirlt sie die Auslassungen Liebknechts und des Offiziosus der„Nordd. Allg. Ztg." derartig durcheinander, daß kein Leser eine Ahnung bekommt, um WaS es sich eigentlich handelt. Und ihre Stellungnahme zu der skandalösen Affäre besteht dann in der scharf- sinnigen Bemerkung:„Die Sache ist, wie sich ans den vorsichtigen Bemerkungen der„Nordd. Allg. Ztg." ergibt, offenbar nicht recht in der Ordnung." Das ultramontane Hauptorgan gesellt sich also auch hier wieder zu dem reaktionären Hehlergesindel I— Das Schnlkompromiß gesichert. Eine Zeitungskorrespondenz meldet, daß nunmehr ein neues Kompromiß zwischen den Konservativen und dem Zentrum einerseits und den Nationalliberalen andererseits zustande gekommen sei. Dies sei dadurch geschehen, daß man den National- liberalen das Zugeständnis gemacht habe, den§ 40 der Schul- Vorlage, der die A n st e l l u n g der Rektoren in den Ge- meinden völlig in die Machtvollkommenheit der Regierung stellte, aus der Borlage auszuschalten. Bekanntlich sträubten sich die Nationalliberalen gerade gegen diesen Paragraphen, der einen Eingriff in die kommunale Herrschast des Liberalismus bedeutete. Doch wurde bereits seit einiger Zeit gemunkelt, daß erneute Kompromißverhandlungen mit den Nationalliberalen im Gange seien, da von steikonservativer Seite der Vorschlag ge- macht worden sei, die Zustimmung der Nationalliberalen zur Schul- verpfaffungsvorlage dadurch zu erlangen, daß der Stein des Anstoßes, eben der§ 40, einstweilen hinweggeräumt werde. Diese Gerüchte werden jetzt durch die erwähnte Korrespondenz dahin be- stätigt und ergänzt, daß das neue Kompromiß nunmehr tatsächlich zustande gekommen sei. Das„Reich" bestreitet zwar, daß die Kompromißvcrhandlungen bereits soweit gediehen seien, doch ver- sichert auch es, daß alle Aussicht vorhanden sei, daß in aller Bälde die Unterhandlungen zu einem„günstigen Abschluß" ge- diehen sein würden. Es unterliegt also kaum noch einem Zweifel, daß die nationalliberale Landtagsfraktion trotz der Oppo- sition der nationalliberalen Jugend und trotz der Professorenproteste dem schmählichen Werke der Schulder- pfaffung und Gemeindeentrechtung ihre parlamentarische Unterstützung zuteil werden lasten wird! Wir haben von den Nationalliheralen von allem Anfang an nichts anderes erwartet. Den Unternehmerintereffen gegenüber schweigen alle ideologischen„liberalen" Gewissensskrupel. Dem Gruben- und Hüttenkapital gelten ebenso wie den oft- elbischen Junkern die d ü m m st e n Arbeiter als die b e st e n Arbeiter. Und das Gruben- und Hüttenkapital dominiert in der nationalliberalen Partei. Daher die Zustimmung der National- liberalen zu der Schulvorlage, die die Volksschule vollends der Pfaffheit und den staatlichen Aufsichtsbehörden � den Handlangern der Kraut- und Schlotjunker ausliefert und der systematischen Verblödung der arbeitenden Klassen den erdenklichsten Borschub leistet!__ „Ehrtpliche" Verleumdung. Durch die„christlich-national-gesinnte" Presse macht wieder die Geschichte der angeblich nach Rußland geschickten„20 000 M. Bergarbeitergeld" die Runde. Aus der Tatsache, daß Genosse Sachse, Vorsitzender des Bergarbeiterverbandcs, auf eine berufsinstanzliche Verhandlung der 20 000 M.-Geschichte vor der Essener Strafkammer verzichtete, folgert wider besseres Wissen die Verleumdersippe, es sei „doch etwas nicht in Ordnung". Bekanntlich griff bei der Essener Stichwahl das Zentrum am Tage vor der Entscheidung zu dem schoflen Mittel, der Sozialdemokratie„Raub an Vergarbeitergeldern" vorzuwerfen. Der Redakteur Hau kam er von der„Essener Volkszeitung" sagte in einer Wählerversammlung nach Mitteilung von Berg- arbeiterbündlern, der Bergarbeiterverbandsvorstand habe 20 000 M. für die russischen Revolutionäre verwendet. Darauf- hin strengte der Verbandsvorstand gegen Hankamer die Klage an. Der Schöffengerichtstermin fand am 19. Dezember v. I. statt. Hankamer versicherte hoch und heilig, er habe den Berbandsvorstand gar nicht gemeint, nur den sozialdemokratischen Parteivor stand! Dieser habe im Jenaer Purteitagsbericht zugestanden, 20000 M. von für die streikenden Bergarbeiter gesammeltem Gelde nach Rußland für die Revolutionäre geschickt zu haben. R.-A. Dr. Niemeyer, der Vertreter des BergarbeitervorstandeS. hielt dem Zentrumsmann vor, es sei auch nicht wahr, daß„20000 M. Bergarbeitergeld vom Parteivorstand an die russischen Revolutionäre geschickt" sei. Vielmehr berichte der Parteivorstand auf Seite 41 des Parteitagsprotokolls nur. daß zur Linderung des Elendes der durch den Befreiungskampf „in Not geratenen Arbeiterfamilien"„wieberholt" Geldbeträge aus der Parteikaffe nach Rußland geschickt worden seien. Gegen eine solche HülsSaktion sei aber gerade von der Zentrunispartei um so weniger etwas einzuwenden, als der Erzbischof Fischer von Köln ebenfalls zu einer Sammlung für die Opfer der russischen Revolution beigesteuert habe l Da Hankamer dabei blieb, nur den Parteivorstand gemeint zu haben sder Bergarbeiter- vorstand sei gar nicht beschuldigt), so beantragten Genoffe Sachse und R.-A. N i e m e y e r. den Parteikassterer G e r i s ch- Berlin zu vernehmen. Dieser würde nachweisen, daß er. nachdem von der Streikleitung offiziell die Streikgeldersammlung geschloffen, dies am 8. März 1005 im„Vorwärts" bekannt gegeben habe. Das bis dahin bei der Parteikasie eingegangene StreikuuterstützungSgeld habe Gerisch laut Quittungen ohne Abzug an die Kasse der streikenden Bergleute abgeliefert I AlS nach dem offiziellen Sammelschluß dann noch Gelder bei Gerisch einliefen, habe er jedem Einsender oder Ueberbringer schriftlich oder mündlich die Sachlage klargelegt und die Geber ersucht, zu bestimmen, wohin da« Geld fließen solle, ob in die Parteikaffe zur Verfügung der Partei, oder in die Kasse der Bergarbeiter. Je nachdem die Geber bestimmten, habe darauf Gerisch über daS Geld verfügt. Auch das nach dem osftziellm Schluß der Savunluvg eiulaufeude Geld sei der Bergarbeiterkasse zugeführt worden, sofern die Geber es be- stimmten l Der Rechtsanwalt Bell sEsscner Zentrumsführer) und der beklagte Zentrumsredakteur Hankamer proiestierten gegen die Ver- nehmnng von Gerisch. Sachse wies darauf hin, daß die Gegner syske- matisch mit der 20 000-Markgeschichte Hansieren gingen, in versteckter Weise würde doch der Verbandsvorstand beschuldigt. Hankamer blieb dabei, den Verbandsvorstand nicht beschuldigt zu haben. Das Gericht entschied, durch die widersprechendenjZeugenauSsagen sei die Acußerung Hankamers nicht festgestellt worden. Wenn er sie doch getan hätte, so sei daS während der Wahlagitation geschehen, deswegen stünde ihm der Schutz des§ 103. zur Seite I Auf Grund dieses Paragraphen müsse Freisprechung erfolgen. Bei der Urteilsbegründung sagte der Gerichtsvorsitzcnde wörtlich: „Die Vorstandsmitglieder des Bergarbeiterverdaiides sind Ehrenmänner, denen man nicht nachsagen darf, sie hätten Berg- arbeitcrgelder widerrechtlich verwendet!" Eine unzweideutigere Ehrenerklärung konnten die Bergarbeiter- Vorstandsmitglieder nicht verlangen. Damit auch eine höhere Instanz feststelle, ob der§ 103 einen ultramontanen Wahlagitator schützt, wenn er ehrliche Leute ver- dächtigt, legte der Verbandsvorstand sofort Berufung ein. Bevor es aber zu der zweitinstanzlichen Verhandlung kam, teilte Herr Rechts- anwalt Dr. N i e m e y e r dem Genoffen Sachse mit, eS sei keine Aussicht vorhanden, daß das Berufungsgericht zu einem anderen Entscheid kommen würde. Hankamer bliebe dabei, den Verbands- vorstand nicht beschuldigt zu haben. Deshalb gebe er(R.-A. Niemeyer) den Rat, den Berufungstermin nicht durchzuführen. Die von dem Schöffengericht abgegebene Ehrenerklärung spreche ja den Verbands- vorstand von jeder Rechtswidrigkeit frei. Auf den Rat seines Rechtsanwalts verzichtete der Verbands- vorstand auf die Berusungsverhandlung und erschien nicht zum Ternnne. Das alles weiß die„christliche" Presse, sie weiß auch, daß Bell und Hankamer durch ihren Protest die vollkommene Entlarvung des ultramontanen Wahlschtvindels verhinderten. Trotzdem bringt sie jetzt wieder verdächtigende Artikel. Verlogenheit und Heuchelei sind ihr Lebenselement._ Ein neuer Schlag gegen die Bergarbeiter. Am Mittwoch hat das Abgeordnetenhaus die Bergarbeiter er- neut mit Skorpionen gezüchtigt. Der Trutznovelle, die der große Streik geboren hat, folgt die Verschlechterung des KnappschaftLkassen- gesetzeS. Anstatt einer Erweiterung der Arbeiterrechte wird die Ab- änderung des Titel 7 deS Allgemeinen Berggesetzes neben kleinen Verbesserungen auch eine erhebliche Verschlechterung bringen. Den Invaliden soll das passive Wahlrecht für die Vertreterwahl genommen werden. Das bedeutet, den Unternehmern das Mittel in die Hand geben, unbequeme Aelteste hinauszubugsieren. Invaliden können nicht gemaßregelt werden, darum sollen sie hinaus t Aber damit ist der Haß der Reaktion gegen die Bergsklaven noch nicht gestillt. Die Bestimmung in dem Entwurf, welche daS geheime Wahlrecht für alle Knappschaftskasien verlangt, hat man gestrichen. Und den Polen verweigert man überhaupt das Recht, Leute ihres Vertrauens zu wählen. Seit Jahrzehnten kämpfen die Bergleute für eine Reform, die ihnen einen wirklichen Einfluß auf die Knappschaftskasse einräumt. Wie zum Hohn schlägt man ihnen nun noch eine» Teil der winzigen Rechte aus der Hand und liefert die Kassen vollständig der Willkür der Unternehmer ans. Wut und Empörung muß dieses Attentat bei der Bergarbeiterschaft auslösen. Doch was kümmert sich die dem Unternehmertum dienstwillige Regierung darum? Und das muß konstatiert werden: die Hauptverantwortung für den neuen Schlag gegen die Bergknappen trägt das Zentrum I ES treibt sein Doppelspiel weiter, sich arbeiterfreundlich zu drapieren und dabei der Reaktion Handlangerdienste zu leisten. So bei der Bergnovelle, so auch jetzt. Damals verkündete es mit tönenden Worten, eS werde eventuell durch Einbringung eines ReichsberggesctzcntwurfeS der Lerschande- lung der Novell« vorbeugen. Es brach sein Wort! Und nun? Wohl stellt man Anträge, die den Wünschen der Arbeiter entsprechen, aber man weih, diese werden abgelehnt und dabei beruhigt man sich. Namentliche Abstimmung will das Zentrum beantragen für die dritte Lesung, die am Montag vorgenommen werden soll. Damit ist den Bergarbeitern nicht gedient, die Komödie hat gar keinen Wert. Wiederholt hat daS Zentrum verabsäumt, den Bergarbeitern das geheime Wahlrecht zu sichern. Bei Beratung der Novelle zur Erdrosselung der freien HülfSkasseu, bei Beratung des Gesetzes über den Versicherungsvertrag hat daS Zentrum geholfen. sozialdemokratische Anträge niedcrzustimmen. durch welche für die KnappschaftSkaffen das geheime Wahlrecht garantiert wurde. Die Sozialdemokratie hat im Reichstage einen Antrag zum Knappschastskaffenwesen eingebracht, in welchem u. a. das geheime. freie Wahlrecht gefordert wird, dieselbe Forderung wird gestellt in einem sozialdemokratischen Antrage betreffend Abänderung des Krankepkassengesetzes. Warum hat das Zentrum nicht geholfen, diese Anträge durch- zubringen? Es stellt nur dqnn Verbesserungsanträge, wenn eS weiß, daß sie doch abgelehnt werden.— Die Berliner Schlächtermeister leisten sich, um ihre Preispolitik zu rechtfertigen, die seltsamsten Sprünge. Gestern abend hatten sie sich bei Feuerstein. Alte Jakobstr. 75, versammelt, um entrüstet gegen di� Behauptung zu protestieren, sie wären mit ihren Bcrkaufsprciscn noch immer nicht entsprechend dem Rückgang der Biehpreise herunter- gegangen. Zugleich aber nahmen sie eine Resolution an, in der sie selbst zugeben, bisher noch die Detailpreise unverhältnismäßig hoch- zuhalten, denn in dieser Resolution heißt es wörtlich: „Jeder Laie muß zugeben, daß die im Sommer zum Verkauf gelangende sogenamite Winterware in einer Zeit fabriziert worden ist, wo die höchsten Preise für frisches Fleisch gezahlt worden sind; soll da ein Verkaufspreis nach augenblick- lichen Preisen für frisches Fleisch möglich sein? Die Preise für frisches Fleisch sind unbedingt herabgesetzt, was jede Hausfrau bestätigen muß. Außerdem aber sind für die Höhe der Fleisch- preise auch die teuren Eispreise sowie deö Umstand von Einfluß. daß die niedrigeren Schweinepreise zu einer Zeit(Sommerzeit) eingetreten, wo viele Teile des SchivcineS, wie Kopf. Beine, Bauch und Fett nicht zu verwenden sind, während das Publikum seinen Einkauf nur aus die besseren Saisonartikel beschränkt." Zum Schluß dieser kuriosen Resolution wird erklärt: „Die Fleischermeister Berlins und Umgegend würden eS mit Freuden begrüßen, der Bevölkerung so billiges Fieisch liefern zu können, wie in früherer Zeit, leider ist daran nicht zu denken. Das Fleischergewerbe erblickt nach wie vor da« größte Uebel zur Fleischtcuerung in der Schließung der Grenzen und hält die Oeffnung der Grenzen zur Einfuhr von lebendem Bich für das einzige Mittel zur Herbeiführung normaler Flcischpreise." Die Resolution enthält also nichts anderes als einen kurzen Auszug der kürzlich bereits von uns kritisierten RechtfertigungS- versuche der.Allgem. Fleischer-Zeitling". Nochmals auf diese Wer- legcnheitS-Argumcntation des ehrsamen Blattes ziirückzukoinmen. lohnt sich nicht der Mühe. Nur zu dem schönen Schluß der Resolution möchten wir uns die Bemerkung gestatten, daß wir mit der Forderung einer Oeffnung der Grenzen für We Liehcllifuhr völlig einverstanden sind, doch bedarf diese Forderung— besonders in Anbetracht der unverschämten Preis- Politik der Schlächterinnungen— eine Ergänzung: zugleich mit der Grenzsperre für die Einfuhr von lebendem Vieh mühten auch dieZülle und Einfuhrbeschränkungen für frisches und gepökeltes Fleisch sowie das Einfuhrverbot für Wurst waren fallen.— Tie Wchrsteuer! Die nationalliberale Partei des Reichstages hat zur Neichsfinanzreform folgende Resolution ein- gebracht: Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstag alsbald eine» Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen den vom Militär- dien st Befreiten die Zahlung einer einmaligen, eventuell in Raten zu entrichtenden Abgabe nach Maßgabe der L e i st n n g S s ä h i g t e i l auserlegt wirb, Es ist bezeichnend, datz gerade die Partei der Reichsten der Reichen eine Wehrfteuer fordert, durch die dem Proletariate neue schwere Steuerlasten auferlegt werden sollen I— ReichStagSdiiite». Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung die Gesetzentwürfe betr, die Aenderung der Artikel 28 und 32 der Reichsverfassung und die Gewährung einer Entschädigung an die Mitglieder dcS Reichstages nach den Beschlüssen des Reichstages angenommen.— Bon der sächsischen Justiz. Mitten im Streik der mitteldeutschen Bergleute wurde bekanntlich vor einigen Wochen der Genosse Pokorny wegen Beleidigung einiger Zechenbesitzer vom Schöffengericht zu Stollberg zu der horrenden Strafe von 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Vor einigen Tage» kam die Sache vor die Berusungsstrafkammer des Chemnitzer Landgerichts, Der Tatbestand ist folgender: Am 19, November 199ö wurden im Lugau-Oelsnitzer Kohtenbezirk wie im Zwickauer Bergarbeiterversammlungen abgehalten. lieber die in Niederwürschnitz abgehaltene Versammlung brachten die „Chemnitzer Neuesten Nachrichten" einen Bericht, in dem u, a. ge- schrieben war:„Pokorny kam noch auf den KönigSbesnch in Zwickau zu sprechen, wo dem Monarchen im Wilhelmschacht sogenannte Potemkinsche Dörfer vorgeführt worden seien. Die Bergherren hätten ihren König also belchwindelt und betrogen." Unter Hinweis auf diesen Bericht stellten die Vorstandsmitglieder des Wilhelm- schachtes Schmidt und Wächter und der Vorfitzende deS AufsichtSrates des Werkes, Roller, Strafantrag. P, bestritt, sich im Sinne der Anklage geäußert zu haben. Es wurden die Zeugenaussagen vor dem Schöffengericht verlesen. Die belastendste ist die des Redakteurs F i ck e r der„Neuesten Nachrichten", Nach dem Protokoll hat er aufrecht erhalten, was er in seinem Bericht geschrieben. Er habe sich stenographische Notizen gemacht, und die betreffenden Aeuherungeu im Bericht verwendet. Auch der Vorsitzende aus jener Versammlung wurde vernommen. Dieser hat die Aeußerungen nicht vernommen, obwohl P, neben ihm gestanden hatte, als er sprach. Ein löuigstreuer Knappe gab als Zeuge an, daß er diese Aeußerungen nicht gehört und auch einen solchen Sinn aus dem Vortrage nicht herausgehört habe. Sämtliche königstreue Knappen, die in der Versammlung gewesen, hätten für die vorgeschlagenen Maßnahmen mit gestimmt, und auf dem Nach- Hausewege Kälten sie das Referat Pokornhs gelobt ob seiner Snch- lichkeit und Trefflichkeit. Das� Landgericht trat im Kernpunkte dem schöffengerichtlichen Urteil bei. Es erachtete als erwiesen, daß P, die Aeußerungen getan und damit den Beamten des Wilhelmschachtes vorgeworfen habe, daß fie den König getäuscht hätten. Dadurch aber habe er die Beamten verächtlich gemacht. Da er schon zehn Vorstrafen wegen Beleidigung erlitten, sei eine empsindliche Strafe am Platze, zu- mal P. nicht der Schutz des ß 193 zugebilligt werden könne. Aber das fchöffengerichtliche Urteil gehe bezüglich der Strafzumessung zu hoch. Zwei Monate Gefängnis erachtete das Gericht als ausreichende Sühne.. Kosakenwirtschaft an der preußisch-russische» Grenze. Wie oberschlesische Blätter aus Kattowitz zu berichten wissen, ist am 11. Mai der preußische Grenzbeamte Bache aus Eichenau jKlein- Dombrowka) auf einem Patrouilleimang, den er in Begleitung mehrerer Einwohner unternahm, 100 Meter von der russischen Grenze entfernt, von einem russischen Grenzsoldaten in die linke Seile des Beckens geschossen worden. Bache ist lebensgefährlich verletzt. Die Begleiter Baches sahen deutlich, wie der Russe auf Bache anlegte, nahmen aber an. baß er nur einen Scherz machen wolle. Dies ist bereits die dutzendste Bluttat innerhalb des letzten Jahres. Wie viele Fälle mögen indes unbekannt geblieben sein, iveil es sich um arme Teufel handelte, deren Leben für die kapitalistische Gesell- schaft keinen Wert hatte! Gegen die ReichstagSdiäten sollen nach einer Mitteilung im „Leipz. Tagebl." die Vertreter des Königreichs Sachsen und einiger anderer Staaten im Bundesrate gestimmt haben. Wie es heißt, war die sächsische Regierung von jeher Gegnerin der ReichStagsdiären und sie hat»hren ablehnenden Stand- Punkt auch in der Neuzeit eingehalten.— Deimling Nachfolger Trothas. Im„Tag" lesen wir: Wie wir mitteilen können, steht die Ge- nehmigung des vom GeneralleuMant v. Trotha eingereichten Ab- schiedsgesucheß unmittelbar bevor. Daß Kommando über die Schutztnippe in Siidwestafrika wird Oberst v. Deimling über- tragen werden. Mit der Vertretung des erkrankten und beurlaubten Obersten Obnesorge beim Oberkommando der Schutztruppen ist Major Ouaoe vom Generalstabe beauftragt worden und es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß er der Nachfolger des Obersten Ohnesorge wird, falls dieser seine bisherige Tättgleit nicht wieder aufnehmen kann. So werden in Zukunft an den genannten, so überaus wichtigen Stellen Offizteke stehen, welche die Verhältnisse in unseren Kolonien aus eigener Anschauung und Kriegserfahrung kennen. Optimisten konnten glauben, daß die Gefangennahme Maren gas das Ende des slldwestafrilanischen Kriegsabenteuers bedeute. Die Entsendung Deimlings läßt aber keineswegs auf die Absichten der Regierung schließen, dem so ungeheuer kostspieligen Abenteuer nunmehr ein Ende zu machen. Die halbe Milliarde soll erst voll gemacht werden! HuölancU Schweiz. Eine polizeiliche Gummischlauch-Affäro vom Züricher KantonSrat. Zürich, 15. Mai. fEig. Ber.) Im Züricher KantonSrat kam gestern eine Jnterpellatton der sozialdemokratischen Fraktion betreffend die Mißhandlung des Ber- lsner„Anarchisten" Johannes Holzmann im Gefängnis durch den Polizeioberleutnant Locher zur Verhaildliuig. Der schon zweimal auS Zürich und der Schweiz ausgewiesene Holzmann war kürzlich wieder in Zürich aufgetaucht und wieder verhaftet worden. Im Gefängnis wurden der inzwischen nach Straßburg ausgelieferte Polizetkommissar Stephany. seine Frau und der Rechtsanwalt Dr. Farbstein zufällig Zeugen, wie Locher den Holzmann in der Zelle mit einem Gummi- schlauch schwer mißhandelte, worauf Frau Stephany mit ihrer SiamenSnntersthrist die Affäre im„Bollsrecht' veröffentlichte. Die Behörden schwiegen zunächst darüber, und ein Teil der Bürgerlichen gönnte dem Anarchisten die Hißhandlung. Endlich gab der offizielle Polizeibericht die Tatsache der Mißhandlung zu. Im KantonSrat begründete unser Genosse Kaufmann die Interpellation, indem er den viehischen Roheitsakt auf das schärfste verurteilte und die Abschaffung des Gummischlauchs in der Polizei- kaserne sowie die Entlassung deS Prügelhelden forderte. Die Antwort gab der dem Polizeioberleutnant geistesverwandte Justtzdtreltor Kögels, der die Roheil damit zu entichuldigen versuchte, bah Holzmann die Polizeibeamten„Schurken" und Locher insbesondere einen„feigen Schurken" genannt habe. Er sei nur einige Minuten gezüchtigt worden. Die Sache wäre aber nicht gefährlich und man solle sie daher nicht übertreiben, zumal da der prügelnde Polizeibeamte einen Verweis erhalten habe. Damit sei dieser„Disziplinarhandel" wohl erledigt. Von dieser fast schnodderig zu nennenden Antwort war der Interpellant natürlich nicht befriedigt. Es gab noch eine lebhafte Debatte. an der sich unsere Genossen Dr. F a r b st e i n. S i g g. Greulich und P f l ü g e r beteiligten. Damit war der Fall vor- läufig erledigt.— In der nächsten, auf den 18. Juni anberaumten Sitzung des Kantonrats kommt die Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion, betrosiend die Affäre des UnivcrsitätS-Dozenten Dr. Gold- stein zur Behandlung, in der Locher- Bater al« gewesener Er- ziehungsdirektor die unrühmliche Rolle spielt. Geschehen wird ihm so wenig wie seinem Sohne, im Gegenteil haben sie durch ihre brutale Schneidigkeil ihre Stellungen nur befestgt. Frankreich. Der 33. sozialistische Deputierte. Paris, 15. Mai. rüstet weist er den Äusdruck„Parasitentum" zurück. Der Grund besitz biete viele Vorteile, aber auch viele Mühen und Gefahren Hausbesitzer sein in Berlin sei kein dornenloses Geschäft. Aus eigener Erfahrung demonstriert er die segensreiche Wirksamkeit der Terraingesellschastcn und exemplifiziert auf die Gesellschaft, an der er selbst beteiligt ist, die aus dem Terrain am Lietzensee in Char lottenburg ein großartiges Quartier geschaffen habe. Er zählt die Pflichten und Leistungen der Gesellschaften auf und Betont:„Wer die Grundstücke aufstießt, bringt ungeheure Opfer dafür I lStürmischer Widerspruch.) Die Umsatzsteuer sei schon eine Wert zutvachssteuer und zwar in beträchtlicher Höhe. Das schlimmste sei die rückwirkende Kraft, die einer Vermögenskonfiskation gleich- komme. Getroffen werde vor allem das Gewerbe.(Stürmische Zurufe: Spekulanten!) Ich bitte Sie, die Wertzuwachssteuer ab zulehnen!(Lebhafter Beifall und Zischen.) Stadtv. Dr. Prcuß(soz.-fortschr.): Betreffs der Besteuerung iiach dem gemeinen Wert, hat selbst Herr Kämpf nicht bestreiten können, daß diese Idee populär ist. Die Wertzuwachssteuer ist ein alter liberaler Gedanke, der im MUtterlande des Munizipallibc ralismus, in England, seine Vollendung gefunden hat. Wunder- bar, daß dieser Gedanke unseren liberalen Kollegen hier als der Anfang des sozialistischen Zukunftsstaats erscheint! Hoffentlich lernen unsere Kollegen, die sich jetzt in England befinden, au diesem Gebiete recht ausgiebig zu. Daß Spekulanten auch Verluste erleiden, ist nicht zu bestreiten; aber wenn aus diesem Grunde die Besteuerung unterbleiben soll, müßte auch der Börsenspekulations gewinn steuerfrei bleiben, weil an der Börse doch auch verloren werden kann.(Heiterkeit und Zustimmung.) Soll man noch be weisen, daß der Grundbesitz durch seine innige Verbindung mit der Stadt gediehen ist und gedeiht? Die Umsatzsteuer bedarf zu ihrer Ergänzung durchaus der Wertzuwachssteuer. Die„West deutsche Hypothekenbank" in Köln sieht in der dort bestehenden Wertzuwachssteuer ein sehr gutes Mittel, der wüsten Terrain spekulation entgegen zu wirken! Rückwirkende Kraft hat diese Steuer nicht, denn sie trifft nur Realisationen, die vollzogen werden nach Inkrafttreten dieses Statuts. Die Schonung des alten Be- sitzes ist immerhin geboten, um der Idee selbst die Durchsetzung zu erleichtern; Herr Heimann hat in diesem Punkte und auch bezüg- lich der freibleibenden 4 Proz. Zinsen übertrieben. Den ärgsten Unbilligkeiten der heutigen Gestaltung der Grundeigentumsbegriffe ein Ende machen, heißt nicht dem Zukunftsstaat, sondern dem echten Liberalismus die Wege ebnen! Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.): Im Namen einer zurzeit noch kleinen Minderheit meiner Freunde, erkläre ich mich im Prinzip für die Wertzuwachssteuer, obwohl ich weder Bodenreformer noch Soziah demotrat bin.(Heiterkeit.) Der Magistrat hat durch die Vorlage den Grundbesitzern gegenüber einen ungewöhnlichen und anerkennenswerten Mut bewiesen.(Zustimmung.) Neue Einnahmequellen brauchen wir, das ist unbestritten; gerade dieses Steuerprojekt aber muß mit aller Kraft betrieben werden, wenn nicht der Effekt der neuen Steuer in Kürze illusorisch gemacht werden soll. Im einzelnen wird der Ausschuß manches ändern müssen, um die Steuer wirksam und gerecht zu konstruieren. Vermögenskonfiskation ist schließlich jede Steuer, und auch als den Anfang des sozialdemokratischen Staates sehe ich die Wertzuwachssteuer nicht an. Von„rückwirkender Kraft" ist hier keine Rede; das ist ein Schlagwort, mit dem die Grundbesitzer den Leuten Sand in die Augen streuen. Die mobilen Werte haben mit dieser Steuer gar nichts zu tun. Auch die Haus besitzer werden sich an den Matzstab des gemeinen Werts go Ivöhnen. Stadtv. Wallach(A. L.): Noch niemals— wir sind ja vom Magistrat viel gewöhnt— ist mir eine so dürftig begründete Vor- läge, wie die der Wertzuwachssteuer vorgekommen. Wer ist denn der große Sozialdemokrat(Große Heiterkeit)— der große Finanz theoretiker, aus den sich der Vater der Vorlage stützt? Es sind die Herren Professor Wagner, die Bodenreformer und die Sozial demokrateil! Eine rätselhafte Eile hat überhaupt der Magistrat mit dieser Steuer entwickelt. Unsere Steuerbeschlüsse, die Betriebs die Billettsteuer, sie ruhen noch in den Akten des Magistrats; mit dieser 5'euheit aber wartet er uns eilig auf. Was hat die Kommune sich dann zuzuschreiben? Die Grundbesitzer bezahlen ja alles, sie tragen die Kosten des ganzen Zuwachses an der Peripherie! Die Terrainspekulanten sind übrigens viel zu klug, um nicht doch Wege der Uingehung zu finden und so wird es auch mit dem großen Ertrage nichts sein. Ich beantrage eineil Ausschuß; am liebsten hätte ich die Vorlage gleich heute begraben, aber ich will ihr ein Begräbnis erster Klasse gönnen.(Lebhafter Beifall und Zischen.) Stadtrat Tvurbiö: Wir wünschen im Ausschuß zu einer Verständigung über das Prinzip zu gelangen. Die Vorlage wegen der Wertzuwachssteucr liegt in der Konsequenz der eigenen Beschlüsse der Versanunlung, welche den Maßstab des gemeinen Wertes und eine Reform des§ 54 des Kommunalabgabengesetzes verlangt hat. Der Magistrats- Vertreter polemisiert dann hauptsächlich gegen die Ausführungen des Sradtv. Wallach und führt ans, daß der aus all- gemeinen Verhältnissen entstehende Zuwachs von Grundrente eben nicht der Allgemeinheit, sondern nur den Grundbesitzern zufällt, daß also ein Teil daran für die Allgemeinheit reklamiert iverditn muß. Gerade die einstweilige Aussichtslosigkeit der lex Sachs habe den Magistrat zur schleunigen Einbringung der Vorlage veranlaßt. Stadtv. Kuhlman»(Fr. Fr.) spricht sich namens der Mehrheit seiner Freunde für die Grundsteuerordnung nach gemeinem Wert, aber entschieden gegen die Wcrtzuwachssteuer aus. Eindringlich schildert er die große Arbeitslast und Verantwortung, die auf den Berliner Hausbesitzer drückt. Stadtv. Soiuicufeld(A. L.) tritt als Sprecher einer Minderheit seiner Fraklion für die Wertzuwachssteuer ein, wobei indes jede Doppelbesteuerung sorgsam zu vermeiden sei. Damit schließt die Diskussion, da der Stadtverordnete Haberland verzichtet. Die Vorlage geht an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern. Schluß 9 Uhr.. (jcwcvk fchaftUchcö» Der Gesamtvcrbaud deutscher Metallindustriellen hat am Montag abermals in Berlin eine Versammlung ab- gehalten und bereitet nun ein Dementi in der„Arbeitgeber- Zeitung" vor. indem er der ihm wohlgesinnten Presse folgende Mitteilung zur Veröffentlichung sendet: „Der Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller ist der Meinung, daß die Bezicksverbände Dresden, Hannover, Brauns chweig und Breslau im guten Rechte sind, wenn sie die Verhandlung mit Vertretern der Arbeiterorganisationen ablehnen, da die bestreikten Arbeitgeber bereit sind, durch eine Kommission ans ihrer Mitte mit den streikenden Arbeitern zu verhandeln und ferner, daß sich die genannten Bezirksverbände um die deutsche Industrie verdient gemacht haben, indem sie es abgelehnt haben, die gestellten Forderungen auf Mindestlöhne, welche sich zweifellos zu einheitlichen Normallöhnen und einheit- lichen Tarifverträgen über das ganze Gebiet des Deutschen Reiches auswachsen sollen, anzunehmen. Unter der Voraussetzung. daß die genannten vier Verbände ihre Stellung in diesen beiden prinzipiellen Fragen nicht ändern und auf keinen Fall Separatabmachungen durch einzelne Verbände oder einzelne Firme» eingegangen werden und der Betrieb nicht eher aufgenommen wird, als bis eine Einigung und die Wiederaufnahme der Arbeit für sämtliche vier Bezirksverbände sichergestellt worden ist, beschließt der Gesamtverband, die vier Verbände in diesen prinzipielle» Fragen so lange zu unterstützen, bis durch Abmachungen zwischen den bestreikten Arbeitgebern und streikenden Gießereiarbeitern die beiden prinzipiellen Fragen im Sinne der Arbeitgeber ihre Er- ledigung gesunden haben._ Die Unterstützung, welche der Gesamwerband den vier Bezirks« verbänden gewährt, soll darin bestehen, daß im ganzen Gesamt- verband vorläufig Kl) Proz. der beschäftigten— vornehmlich dem Deutschen Metallarbeiter-Verband an- gehörige— Arbeiter am 2. Juni 1906 entlassen werden, wenn eine Einigung zwischen den genannten vier Bezirksvcrbänden und ihren Arbeitern vorher nicht zustande gekommen ist. Arbeitern, welche mit Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist entlassen werden müssen, ist spätestens am 19. Mai zu kündigen; falls durch die Aussperrung von 60 Proz. der Arbeiter die in den Betrieben zurückbleibenden Arbeiter in größeren Massen einzelne Werke verlassen sollten, so verpflichten sich sämtliche 60 Proz. ihrer Arbeiter aussperrenden Verbände, zum Schutze der ge- schädigten Betriebe mit weiteren Aussperrungen vorzugehen, und zwar" unterwerfen sie sich hierbei einem Majoritäts- b e s ch l u ß in der Weise, daß eine Zweidrittelmajorität die weitere Aussperrung bis zur Vollaussperrung beschließen kann." Die„Metallarbeiter-Zeitung" kann mitteilen, daß der niederschlesische Metallindustriellen-Verband die Aussperrung abgelehnt habe. Der württembergische Verband habe anscheinend von vornherein einen kalten Wasserstrahl nach Berlin gesandt und selbst den Kühnemännern graue vor der Aussperrung. Da auch in Dresden und Hannover Einigungs Verhandlungen schweben, dürfte der 19. Mai ruhig vorüber gehen, wie der 12. desselben Monats, der ja in der Metallindustrie auch ein krittscher Tag sein sollte. ßerlln und vlnigegencl. Eine öffentliche Schlosscrvcrsnmmlung, die am Mittwoch in der Brauerei„Friedrichshain" abgehalten wurde, beschäftigte sich sehr eingehend mit dem neuen Schlossertarif. Der Verbands bevollmächtigle Cohen gab zunächst einen chronologischen Ueberblick über die Entstehung und den Verlauf des jüngst beendeten Schlosser- streiks resp. der„Aussperrung" und würdigte dann den neu ab- geschlossenen Tarifvertrag als eine Errungenschaft, die, wenn sie auch nicht alles enthalte, lvas ursprünglich gefordert wurde, so doch als ein anerkennenswerter Fortschritt gegenüber den früheren Verein barungen betrachtet werden müsse. Die Wiederaufnahme der Arbeit hat sich gleich am ersten Tage verhältnismäßig sehr glatt vollzogen. Nur zirka 40 Kollegen, die sich zu einem bis dreien auf verschiedene Betriebe verteilen, konnten noch nicht sofort wieder eingestellt werden, alle übrigen sind von den Meistern geradezu mit offenen Annen wieder aufgenommen worden. Ein Beweis dafür, wie notwendig die Meister ihre alten Arbeitskräfte gebrauchen müssen. Redner ersuchte zum Schluß, den Ausbau der Oraanisatton jetzt noch rühriger zu beweiben wie vorher, damit der Tarif nicht nur auf dem Papier stehe, sondern auch in jeder Werkstatt exakt durchgeführt werde.— In der Dis- kussion bemängelten eine Anzahl Redner verschiedene Bestimmungen des neuen Tarifs, indem sie die Ansicht vertraten, daß sich bei der günstigen Streiklage hier und da noch größere Vorteile für die Schlosser hätten herausschlagen lassen. Beschlüsse wurden jedoch nicht mehr gefaßt, da die vorige Streikversammlung den Tarif bereits anerkannt hatte. In der nächsten Versammlung soll nun die Wahl der Schlichtungskommission erfolgen. Der neue Bäckertarif ist gestern auch von einer Versammlung der Freien Bäckermeister-Vereinigung anerkannt worden. Dieser Beschluß soll auch dem Einigungsamt des Berliner Gewerbegerichts, vor dem im Jahre 1904 der jetzt außer Kraft tretende Vertrag zwischen der Vereinigung und dem Verband abgeschlossen wurde, mitgeteilt werden.__ Die Jagd nach einem Phantasieprodnkt, nach einer angeblich„gefälschten" Arbeitsordnung, wird in Ober- Schöneweide lustig fortgesetzt. Wie man unS mitteilt, hat die Firma B a u m a n n u. B a x h o r f, welche die neuen Arbeitsordnungen ür die A. E.-G. gedruckt hat, eine Belohnung von 100 M. ausgesetzt für den, welcher den angeblichen Fälscher der Arbeits- ordnung namhaft macht. Die Firma kann die Belohnung ruhig auf 100 000 Mark erhöhen, denn sie wird nie in die Verlegenheit kommen, ie auszuzahlen. Die Idee von einer„Fälschung" ist offenbar dadurch ent- landen, daß den Arbeitern gar nicht gegenwärtig war, daß i h'r e alte A r b e i s o r d n u n g formell von einer praktisch gar nicht bestehenden zehnstündigen Arbeitszeit redet. Nun war durchgesickert. daß eine neue Arbeitsordnung gedruckt wurde, und man hielt die alte Bestimmung in der Erregung, die durch die Aussperrung hervorgerufen war, für eine Neuerung, durch welche man die Arbeiterschaft für die Maifeier trafen wollte. ES ist charakteristisch, daß nicht einmal die Firma elbst den in Frage kommenden Passus der Arbeitsordnung kannte, onst wäre sie dem Gerücht nicht mit der Dementtersptttze zu Leibe gerückt. Und darum Räuber und Mörder? Darum Haussuchungen und Verhaftungen? Hoffentlich wird dem so auf blauen Dunst hin der- hafteten und festgehaltenen Arbeiter nachträglich eine Genugtuung und Entschädigung. Veudkcbes Rclch, Allen Maschinisten nnd Heizer» in der Binnenschiffahrt(Oder, Spree und Havel) zur Nachricht, daß am Freitag, den 13. d. M., abends in Breslau bindende Beschlüsse gefaßt werden, wonach ämtliche Kollegen sich zu richten haben. Alle in Betracht kommenden Hafenstädte, Schleusen usw. werden von den Beschlüssen sofort in Kenntnis gesetzt. Meinungsfreiheit. Der Ortsverein Spandau des Buchdruckerverbandes hatte bekanntlich, wie wir in Nummer 105 des„Vorwärts" mitteilten, in einer Resolution seinem Bedauern Ausdruck verliehen, daß der„Kor-- respondent" in seiner Nummer vom 1. Mai der Maifeier mit keiner Silbe gedacht hat. Der Ortsvereinsvorstand wurde beauftragt, die Resolution der«Korrespondent"-Redaktion zur Kenntnis zu bringen. In ff�r gestrigen Donnerstagsnummer des„Korrespondent" steht nun unter„Briefkasten" zu lesen:„O. L. in Spandau: Die Veröffent- lichung der Resolution wird abgelehnt." Deutscher Buchbinderverband(Gau l.) In der Kellner- und Kontrollblockfabrik von Hugo G ö r i s ch in Spremberg N./L. sind alle Kollegen ausständig, weil infolge Nichtunterschreibens einer von der Geschäftsleitung präsentierten Arbeitsordnung drei Kollegen ent- lassen wurden. Zuzug ist streng fernzuhalten. Parteiblätter werden um Abdruck gebeten. Ein Ultimatum. In den Betrieben des Arbeitgeberverbandes der Lausitzer Tuchindustrie gelangte gestern ein Schriftstück zum Aus- hang, in dem der Arbeitgeberverband mitteilt, daß er über die am 1. Juli d. I. in Kraft tretenden Zugeständnisse keinesfalls hinausgehen würde, und daß ein unbedachtes Vorgehen der Arbeiter- chaft sowohl aussichtslos sei als auch nur schwere unvermeidliche Schädigungen zur Folge haben müßte. Der Streik im mitteldeutschen Braunkohlen-Bergbau. Zeitz, 15. Mai.(Eig. Ber.) Durch die Nichtaufnahme der Arbeit am Montag, der achten Woche, sind die Unternehmer geradezu perplex geworden. In dem heute der Werkspresse zu- gesandten Waschzettel heißt es unter anderem,„daß trotz des Aus- Hanges, in dem die Einführung der Neunstundenschicht, eine fünf- prozentige Lohnerhöhung und die Versicherung, keine Maß. regelungen vorzunehmen", enthalten war, die Arbeiter doch nicht zur Arbeit zurückgekehrt wären. Abgesehen davon, daß in den neuen Aushängen von einer Zulage von 5 Proz.(fünf Prozent!) überhaupt keine Rede ist. sind die Kommissionsmitglieder bei Ab- holung der Bescheide mit der ausgesuchtesten Nicht- achtung behandelt worden! Schon die Tatsache allein, daß man die Leute aus den Direktionsbureaus, wo sie sich ein- gefunden hatten, um die schriftlichen Bestätigungen dessen, was man ihnen mündlich zugesichert hatte, ausgehändigt zu er- halten, auf die einzelnen Werke verwies, wo die Bekanntmachungen angeschlagen waren, spricht Bände. Obgleich vielleicht Hunderte diessr Wische gedruckt waren, obgleich sie dutzendfach auf den Bureaus umherlagen, warf man die Abgesandten der Aus- ständigen wie räudige Hunde vor die Tür und verwies sie auf einen Aushang, der eine schallende Ohrfeige ins Gesicht der gesamten Arbeiterschaft darstellt! Ja, noch mehr: stellenweise hat man den Leuten sogar die Abschrift der Zettel verboten. So wird von einem Inspektor berichtet, der kategorisch erklärte:„Bei den Preußen wird alles befohlen; und einen Befehl, Ihnen das ab- schreiben zu lassen, habe ich nicht, folglich..." Gerade jetzt sind die amtlichen Nachweise über die Produktion im Meuselwitz-Rositzer Revier für das Herzog- tum Altenburg erschienen. Sie führen das Gerede von dem „Abflauen" der Bewegung, von der„täglichen Zunahme der Ver- sandziffer" ganz gründlich nck nbsurckum. Es sind nach diesen amt- lichen Nachweisen im A p r i l des Jahres 1906 gefördert und pro- duziert worden 55 100 Tonnen Kohlen; 1905 im April 169199 Tonnen! Briketts wurden fabriziert im April 1906 7205 Tonnen; in demselben Zeitraum 1905 aber 33 174 Tonnen! Der Wirt- s ch a f t s b e r i ch t der Werkspresse kommentiert diese Tatsachen nur insoweit, als er trocken, aber treffend bemerkt,„daß zu wünschen ist, daß der Streik bald beendigt wird, bevor er noch mehr die ganze Industrie schädigt". Im letzten Augenblick wird bekannt, daß in einer Sitzung der Unternehmer den Ausständigen ein Ultimatum zugestellt werden soll. Wenn die Aufnahme der Arbeit unbeachtet bleiben sollte, so sind Aussperrungen größeren Stils nicht unwahrscheinlich! Das hat gerade noch gefehlt; die Metallindustriellen machen Schule! Einigungöverhandlungen in Neumünster. Ncumünster, 17. Mai. Nachdem gestern mit der Aussperrung in den Textilfabriken begonnen wurde, bot der Oberbürgermeister Röer am späten Nachmittag sich als Vermittler an und hat sowohl den Fabrikanten Mehrens als auch die Kommission der streikenden Weber zu sich beschieden. Es wurde vorbehaltlich der Zustimmung des Fabrikantenvereins und der übrigen streikenden Weber eine Einigung insofern erzielt, als der Fabrikant Mehrens eine geringe Zulage bewilligte und die Weber spätestens morgen früh die Arbeit wieder aufnehmen._ Bei der Firma Emil Kirchner zu Großenhain i. S. sind 34 dem Holzarbeiter-Verbande angehöttge Tischler und Maschinenarbeiter wegen Feierns des 1. Mai entlassen worden. Die Firma sucht in allen bürgerlichen Zeitungen Ersatz, um die aufs Pflaster Geworfenen nicht wieder einstellen zu brauchen. Zuzug nach hier ist deshalb von Holzarbeitern zu meiden. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Dreihundert Schauerleute der Stauerfirma Blohm in Hamburg haben gestern morgen wegen Entlassung von 20 Kollegen die Arbeit niedergelegt, infolgedessen ruht der Betrieb der Firma. Ausland. Pariser Kühnemänner. Paris, 17. Mai. Die der Maschinenindustrie angehörenden Fabrikanten, welche 17 Syndikate umfassen, hielten eine gemeinsame Versammlung ab, in welcher sie unter Hinweis darauf, daß die gegenwärtige Ausstandsbeweguna keine wirtschaftliche, sondern eine revolutionäre sei, ihre Beschlüsse erneuerten, die Arbeit nur unter den ftüheren Bedingungen aufzunehmen, den Acht- und Neunstunden- tag abzulehnen. Ueberdies wurde beschlossen, einen Arbeitgeberverband und eine Kasse zur Bekämpfung der Ausstände zu gründen, zu welcher von dem Verbände jährlich sechs Millionen Frank bei- getragen werden sollen. Letzte JVaebnebten und Depefeben. Schweres Unwetter. Heide(Holstein).(B. H.) Ein schweres Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen und Hagel ging im westlichen Holstein nieder. In Stördeich wurde ein Arbeiter vom Blitz erschlagen, drei große landwirtschaftliche Gebäude gingen in Flammen aus, zwei Häuser wurden demoliert und viel Vieh ist erschlagen. Der Schaden ist bedeutend. Ob's helfen wird? Halle. 17. Mai.(W. T. B.) Der Arbeitgeberverband des deutschen Braunkohlen-Jndustrievereins hat in der heute in Leipzig abgehaltenen Sitzung einstimmig beschlossen, Werken, die von der Ausstandsbewegung im mitteldeutschen Braunkohlengebiet be- sonders in Mitleidenschaft gezogen sind und zur Erfüllung ihrer Verbindlichkeiten um Unterstützung nachsuchen sollten, sich in weit- gehendstem Maße zur Verfügung zu stellen. Aussperrung der gesamten österreichischen Bauarbeiter? Wien, 17. Mai.(W. T. B.) Heute abend hielt der Zentral- verband der Baugewerbetreibenden Oesterreichs eine Verfamm- lung der Delegierten seiner Fachvereinigungen ab, in welcher die Aussperrung sämtlicher in der Baubranche beschäftigten Arbeiter im Prinzip beschlossen wurde. Kosaken statt Amnestie. Petersburg,. 17. Mai.(B. H.) Am Newskiprospekt fand nachts eine Demonstration für die Amnestie statt. Die Kundgeber wurden von Kosaken vertrieben. Krisis im italienischen Ministerium. Rom, 17. Mai. In der heutigen Kammersitzung wird nach einer langen Debatte über Eisenbahnfragen eine vom Abgeordneten Maggiorino Ferraris eingebrachte Tagesordnung betreffend die Verwerfung der Festsetzung eines Termins für die Vorlegung des Kommissionsberichtes betreffend die Meridionakbahnen mit 179 gegen 152 Stimmen bei 40 Stimmenthaltungen angenommen. Eine Tagesordnung der Regierung ist damit abgelehnt. Minister- Präsident S o n n i n i erklärt, das Ministerium behalte sich seine Entscheidung vor, die es morgen nachmittag der Kammer mit- teilen werde. Er bitte, die Sitzung auf morgen vormittag zu ver- tagen. Hierauf wird die Sitzung geschlossen. Schutz gegen ausländische Streikbrecher. London, 17. Mai.(W. T. B.) Oberhaus. Die zweite Lesung der Bill, durch welche verhindert werden soll, daß Fremde nach England kommen, um britische Arbeiter während des Aus- standes zu ersetzen, wird mit 95 gegen 24 Stimmen abgelehnt. Die Bill war im Unterhaus von Keir Hardie(Arbeiterpartei), eingebracht und dort ohne Einspruch in allen Lesungen angenommen worden. Wardale beantragt die zweite Lesung und wies auf die Bemerkung eines deutschen Blattes hin, daß es ein Skandal für englische Arbeiter sei, den Hamburger Reedern während des letzten Streiks Beistand zu leisten. Die Bill sei eingebracht worden, um nicht in England ein Gefühl aufkommen zu lassen ähnlich dem, das der Zuzug englischer Arbeiter zum Ersatz für Ausständige in Deutschland hervorgerufen habe. Marquis of Lansdowne er- klärte, wenn die Regierung die Verantwortlichkeit für die Bill übernehme, die einen neuen und wichtigen Grundsatz dar» stelle, so werde die Opposition im gegenwärtigen Stadium die Bill annehmen, sonst aber werde sie für Ablehnung der Bill stimmen. Da jedoch von der Regierung die Uebernahme der Berantwortlich, keit für die Bill abgelehnt wurde, so wurde diese vom Hause ab- gelehnt. VexaM. Mfll.UUfJ L«nS Weher, jSstihh LnjexatmteU ödantaj ZH.Glpcke, Berlin. Druck u.Berlggi BomgrULuM. v. VerlagSgoM kaut Smser SlÄ,rBk.klwS�V. Hiexz» 3 Beilagen u. Kr. 114. 23. Jahrgang. I Kllagt des.Imörls" zierlim WlliÄM imtaj, 18. Mai IM. Rdcbstag. 105. Sitzung vom Donnerstag, den 17. Mai, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstische: Frhr. v. Stengel. Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung des Gesetz- entwurfs betreffend die Aenderuug einiger Vorschriften des Reichs- stempelgesctzes lNovelle �»m Börseiisteucrgesetzl. Abg. Dr. Arendt fRp.s: Die Befreiung der Reichs- und Staats- Papiere vom Borsenstempel wird den Kurs der Papiere nicht heben, aber einen Ausfall an Steuer verursachen. Nachdem dies in zweiter Lesung beschlossen ist, mutz ich gegen das ganze Gesetz stimmen. � Abg. Graf Könitz sk.) fragt an. ob Erhebungen über die finanzielle Tragweite des Einnahmenusfalles wegen der nach den Beschlüssen zweiter Lesung frei zu lassenden Reichs- und Staatsanleihen anqe- stellt sind. Direktor im Reichsschatzaint Kühn; Eine sichere Berechnung lätzt sich nicht anstellen; der betreffende EinnahmeauSfall dürfte auf ein bis zwei Millionen zu schätzen sein. . Das Gesetz wird gegen die Stimmen der Freisinnigen und einige Stimmen der Rechten angenommen. Es folgt die Forlsetzung der Beratung der zum Mantelgesetz be- antragten Resolutionen, und zwar zunächst Resolution II der Kom- Mission betreffend Erhöhung der Portosätze im Orts- und Nachbarverlehr. Abg. Patzig snatl.): Die Sorglosigkeit, mit der auf der linken Seite des Hauses über die Gestaltung des PostWesens gesprochen wird, ist nicht gerechtfertigt. Mit den Kräften der Beamten wird Raubbau getrieben; ihre Bezüge müssen erhöht werden. Versuche aller Art, z. B. mit selbsttätigen Gesprächszählern usw., verschlingen grohe Mittel. Angesichts solcher Verhältnisse müssen wir daran denken, die Portosätze so zu erhöhen, datz der Postbetrieb rentiert.(Sehr richtig! rechts.) Unterstaatssekretär im Reichspostamt v. Sydow: Zurückweisen mutz ich die Behauptung, datz die Post Zuschüsse erfordert. Selbst wenn man Gebühren an die Eisenbahnen in Ausgabe stellen würde, dafür aber die unentgeltliche Beförderung von Briefen und Telegrammen und die sozialpolitischen Arbeiten und wirtschaftlichen Leistungen, die der Post nicht vergütet werden, mit etwa 20 Millionen berechnet, so verzinst sich das in der Post investierte Kapital niit annähernd 7 Proz.! Etwas anderes ist die Frage, ob der Orts- verkehr seine Kosten trägt. Diese Frage genau zu beantworten, ist sehr schwer; ich bin der Meinung, datz es nicht der Fall ist. Die gesamten Einnahmen der Post sind seit 1900 nicht in dem Matze gestiegen wie in dem vorangegangenen Dezennium. Widersprechen mutz ich auch dem Grundsatz: Herabsetzung der Tarife ist ein Kultur- fortschritt, ihre Heranfsetzung ist kulturfeindlich. Zu den Vorschlägen der Resolution habe ich zu bemerken: Dem Chef der Postverwaltnng kann es nicht leicht sein, Matzregcln zuzustimmen, die den Berkehr belasten.(Hört I hört!) Aber die Post- Verwaltung ist eine Reichsverwaltung und hat auf den Reichsetat Rücksicht zu nehmen. Deshalb hat der Herr Staatssekretär in der Kommission den Erhöhungen zugestimmt, bei welchen das Prinzip von Leistung und Gegenleistung am wenigsten gewahrt ist, das sind: die billigsten. Die Zeitungen haben billige Sätze wegen ihrer Bedeutung im wirtschaftlichen und politischen Leben; die Beilagen, um die es sich hier handelt, dienen nur der Reklame. Weiter sagt man: die Privatposten haben rentiert; diese zahlten aber nur ein durchschnittliches Ge- halt von 982,10 M., wir zahlen dem Briefträger in Berlin im Durchschnitt 1411 M. Autzerdem kostet die Sozial- Politik, die wir nach dem Wunsche des Reichstages treiben, Geld.— In den Grotzstädten des Auslandes, in London, Paris, Wien, Brüssel, besteht der billige Ortslarif nicht.— Der Einwand, datz wir den Verkehr erdrosseln werden, die Henne töten, die die goldenen Eier legt, trifft nicht zu. Der Verkehr wird sich iveiter entwickeln, die goldene Eierkiste noch grötzer werden.(Heiterkeit rechts.) Auf den Generalpostmeister Stephan hätte Herr Singen sich nicht berufen sollen; denn niemand war ein schärferer Gegner der billigen Ortstarife als Stephan. Er fürchtete die finanzielle Wirkung, und ich kann nur sagen, er war ein weitblickender Mann. (Lebhaftes Bravo! rechts.) Abg. Dr. Arendt: Die Resolution verlangt nicht die Beseitigung des billigen Brief Portos im Lokalverkehr. Es würden danach Postkarten und Briese im Nahverkehr gleich viel kosten. Das ist unlogisch. Will man das Briefporto nicht erhöhen, so darf man die Postkarten nicht auf 5 Pf. heraufsetzen, deshalb habe ich die Er- höhung auf nur 3 Pf. in meinem Antrage ins Auge gefatzt. Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel: Nolivcndig sind im ganzen für das Reich 200 Millionen Mark. Die Borschläge der Kommission bringen im ganzen 180 Millionen Mark, wobei die aus der Porto- erhöhung zu erwartenden Einnahmen schon mitgerechnet sind. Bei Annahme des Antrages Arendt würde der noch zu deckende Betrag von 20 auf 26 Mill. Mark steigen. Ich bitte daher, die Resolution der Kommission anzunehmen. Unterstaatssekretär im Reichspostamt Sydow bekämpft ebenfalls den Antrag Arendt. Man hat auch darauf hingewiesen, datz grotze Geschäfte für die Zeitungsbeilagen Privatbetriebe schaffen würden. Dafür wiirden wir ihnen nur dankbar sein.-- Abg. Dave(frs. Vg.): Die Beschlüsse der Kommission sind nicht unanfechlbar; ich bitte Sie deshalb, es sich noch einmal zu über- legen, ob Sie der Resolution zustimmen.(Beifall links.) Abg. Kacmpf(frs. Vp.): Die Post ist kein Finanzinstitut, sondern sie soll dem Handel und Verlehr dienen. Die einzelnen Zweige kann man bei einem solchen Institut nicht herausgreifen und gesondert betrachten. Der Reichsschatzsekretär sagt, die neuen Steuern werden 180 Millionen Mark bringen,� und 20 Millionen bleiben ungedeckt. Da er sehr vorsichtig ist, glaube ich, datz wir sogar Ueberschüsse ans diesen Steuern haben werden. Aber selbst wenn ein Fehlbetrag bliebe, dürfen wir nicht den Verkehr mit Fahrkartenstempel und Portoerhöhung belasten; das können wir vor dein Lande nicht verannvorten.(Sehr richtig! links.) Gerade die billige Ortspostkarte hat sich ivirtschaftlich glänzend bewährt. Die Zahl der Postkarten ist von 632 Millionen sofort auf 831 Millionen, bis 1904 auf 1106 Millionen gestiegen! Das englische Pennh- porto hat sofort die Zahl der Briefe von 82 auf 168 Millionen gesteigert. Abg. Singer(Soz.): Ich würde nicht das Wort ergriffen haben, wenn mich nicht die Ausführungen des Unterstaatssekrerärs dazu zwängen. Seine Argumente kann ich nicht als richtig anerkennen. Er hat deutlich zu erkennen gegeben, wie schwer es ihm vom Standpunkt seines Ressorts aus wird, dem Kommissionsbeschlusse zuzustimmen. Aus diesem Grunde könnte man auch für ihn auf mildernde Umstände plädieren, er sieht unter dem Zwange der Verhältnisse und vertritt nicht seine eigene Ueberzengung.— Ich kann nicht zugeben, datz die Ausführungen des Unterstaalssekretärs meine Anschauungen in wirksamer Weise bekämpft haben. Wenn er darauf hingewiesen hat, datz der Tarif für den Nahverkehr eine Vergünstigung für die Städte gegenüber dem Lande sei, so will ich daraus cuismerksam machen, datz der Tarif für den Nahverkehr geboten ist aus der Entwickelung der grotzen Städte heraus, die Zentralstellen ffir die Industrie bilden. Da kann inan nicht von einer Vergünstigung sprechen, sondern es wird dem Ver- lehr d a Rechnung getragen, wo er vorhanden ist. Ich möchte daran erinnern, datz doch viele Millionen aufgewendet, worden sind,»im dem platten Lande und den kleinen Städten die Borteile des Telephon- Verkehrs zu sichern(Sehr richtig! links), datz viele Millionen auf-< gewendet sind für die Einrichtung von Postämtern und die Ver- rnehmng der Beamten im Interesse der Verbesserung des Verkehrs auf dem platten Lande. Es ist durchaus notwendig, datz die lokalen Bedürfnisse überall befriedigt werden. Wir haben aber nie die Rechnung so gemacht, datz nun auch die Erträge den Anlagekostcn entsprechen müssen.(Sehr richtig! links.) Aber ebenso müssen wir uns auch dagegen wenden, datz eine Erhöhung der Gebühren ein- tritt, weil da, wo der Verkehr stark fiutel, die Kosten zu einem ge- wissen Teile nicht gedeckt werden. Der Unterstaatssekretär glaubt zu der Ansicht berechtigt zu sein, datz der Ortstarif jetzt die Kosten nicht aufbringe. Nun, in Bayern und Württemberg ist der Orts- taris noch billiger. Meine Freunde ans Süddeutschland teilen mir mit, datz der Brief im Nahverkehr in Bayern und Württemberg nur 3 Pf. kostet, während er bei uns 5 Pf. kostet.(Hört! hört I links.) Unsere süddeutschen Landsleute würden also durch eine Beseitigung des Tarifs für den Nahverkehr erheblich benachteiligt werden. Der Unterstaatssekretär wandte sich gegen den Vorwurf der Plusmacherei; er meinte, wo ein Minus sei, müsse es durch ein Plus ausgeglichen werden. Ich bin auch der Meinung, datz man da, wo Einnahmen nicht ausreichend sind, versuchen mutz, das Defizit zu decken. Es kommt nur darauf an, wie man es deckt. Es ist doch nicht nötig, das Defizit durch eine Erhöhung der Gebühren zu decken, die für alle Teile der Bevölkerung Nachteile bringt. Der Reichsschatzsekretär hat auf die Notwendigkeit höherer Einnahmen hingewiesen, aber lvir sehen auch hier wieder, wie die Post« Verwaltung in Deutschland„im Zeichen des Verkehrs" steht. Weil das reaktionäre Preutzen sich mit aller Energie gegen die Ein- führung direkter Reichssteuern wehrt, wird hier zu Steuer- quellen gegriffen, die die wirtschaftlich Schwachen in ganz unerhörter Weise belasten.(Sehr richtig I links.) Darüber ist der Herr Unterstaatssekretär mit allen seinen Ausführungen nicht hinweggekommen, datz die gemachten Versprechungen jetzt gebrochen werden sollen. Er hat dabei ausgesprochen, datz es sich bei dem damaligen Versprechen nur um eine Beziehung zwischen den verbündeten Regierungen und dem Reichstage handelte. Wenn also die beiden gesetzgebenden Faktoren jetzt einig wären, so wären sie niemandem eine Verantwortung schuldig. Wir- aber meinen, es handelt sich durchaus um kein Versprechen, welches dem Reichstage gemacht ist, sondern um ein Versprechen gegenüber der ganzen Bevölkerung. Es wird doch niemand sich zu der Behauptung versteigen können, datz die Finanzmisere des Reiches abhängig ist von der Höh« der Postgebühren im Ortsverkehr. Es handelt sich vielmehr lediglich um eins der Mittel, durch die die Regierung der Unbequemlichkeit überhoben werden soll, gegen die Agrarier ankämpfen zu müssen, um eins der Mittel, mit Hülfe deren die Taschen der Besitzenden geschont werden sollen. Es handelt sich um eine so geringe Sumnie, datz, wenn man die Erbschaftssteuer auch nur um einen Atoni erhöht hätte, das De- fizit sofort ausgeglichen wäre. Wenn Sie die Erbschaftssteuer auch nur annähernd so eingerichtet hätten, wie wir es Ihnen empfohlen haben, wären Sie jetzt nicht in Verlegenheit. Der Unterstaatssekretär hat es für komisch erklärt, datz man der Regierung daraus einen Vorwurf mache, was doch Wille des Reichstages sei. Demgegenüber betone ich, datz, wenn von den beiden gesetzgebenden Faktoren der eine sein Wort nicht hält, er sich doch nicht damit entschuldigen kann, datz der andere sein Wort gleichfalls bricht. Wenn der Herr Unterstaatssekretär behauptet habe, in meiner Rede sei ein konser- vativer Zug bemerkbar geworden, da ich verlangt hätte, an den bisher geltenden Grundsätzen festzuhalten, so habe ich bisher ge- glaubt, datz es einfach anständig sei, sein Vorsprechen zu halte». Wenn ich schliehlich daran erinnert worden bin, datz ich früher einmal die deutsche Postverwaltung als im grotzen und ganzen befriedigend bezeichnet habe, so mutz ich»ach den neuesten Vorkommnissen mein Urteil allerdings dahin revidieren, datz ich sage: die deutsche Postverwallung ist mätzigen Ansprüchen kaum genügend. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Unterstaatssekretär Sydow: Der Abg. Singer hat jetzt seinen Vorwurf gegen die Verwaltung dahin präzisiert, datz sie ihr Ver- sprechen zlvar nicht gegenüber dem Reichstage, aber gegenüber dem Volke gebrochen habe. Ich stelle fest, datz staatsrechtlich der Re- gierung gegenüber das deutsche Volk nur durch den Reichstag ver- treten wird.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. Wolff(Wirtsch. Vg.): Wir werden gegen diese Re- solution stimmen. Abg. Gnnlp(Rp.): Die Beförderung eines Briefes im Nah- verkehr von einem nördlichen Vorort nach Berlin W. macht mehr Mühe als die Beförderung eines Briefes von Königsberg nach Berlin. Das Privileg des Ortsverkehrs ist also Ivirtschaftlich und technisch unbegründet. Den billigen Portosatz konnten die Privat- Posten blotz aufrechterhalten, weil sie ihre Angestellten 50—60 Proz. schlechter bezahlten als die Neichspost. Äbg. Bruhi»(Antis.): Wir stimmen gegen die Resolution. Damit schlietzt die Debatte. Der Antrag Dr. Arendt wird gegen die Stimmen der Frei- sinnigen, der Sozialdemokraten und des Abg. Arendt abgelehnt, die Konnnissionsresolution gegen die Stimmen der Linken und der Wirt- schaftlichen Vereinigung angenommen. Die nächste Resolution betrifft die Umsatzsteuer für Mühlen. Abg. Dr. Spahn(Z.) beantragt zur Geschäftsordnung, sie von der Tagesordnung abzuietzen, da sie wahrscheinlich Anlatz zu grötzereu Debatten geben werde. Abg. Graf Kauiy(k.) widerspricht. Jedenfalls bitte er die Re- gierung, wenn die Resolution hier vielleicht gar nicht mehr zur Er- ledigung käme, in ihrem Sinne zu handeln!(Grotze Unruhe links.) Abg. Dr. Miillcr-Sagan(frs. Vp.) schlietzt sich dem Antrag auf Absetzung dieses Punktes von der Tagesordnung an. Das Hans beschlictzt niit grotzer Mehrheit, die Resolution von der Tagesordnung abzusetzen. Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr.(Dritte Lesung des Gesetzes über die Ausgabe von Reichskassenscheinen und dritte Lesung der Reichsfinanzreform.) Schlutz 5 Uhr. parlamentarilcbes. Die Wahl v. Massows zum zweitenmal beanstandet und die Wahl HSffelS gültig. Die vom Reichstag beschlossenen Beweiserhebungen über die Wahl des Konservativen v. Massow im Wahlkreise L a b i a u- W e h l a n ergaben, datz in R u dflorlanken eigens eine Wahl- nrne— zugenagelter kleiner Kasten mit Schrägschlitz an der Seite, so datz die Kuverts der Reihenfolge nach aufeinander zu liegen kamen— konstruiert worden ist, die zweifellos der Kontrollierung diene» sollte. Vor der Wahl hatte der Wahlvorsteher sich geäutzert: „Diesmal mit den Kuverts wissen wir ganz genau, was jeder ge- wählt hat." Und nach der Wahl hatte der Kuvertverteiler, der Bei- hülfe bei der Kontrolle geleistet hat, gesagt:„Wir wissen fast genau, wie jeder gewählt hat." � Der für diese Protestbehauptungen angegebene Zeuge hat diese Vorgänge eidlich erhärtet, während der informatorisch vernommene Wahlvorstand die Kontrolle leugnete. Für die Mehrheit der Kommission war die präzise eidlich erhärtete Behauptung des Zeugen nicht genügend. Sie will, obwohl der Wahlvorstand die Angaben über die eigentümliche Beschaffenheit der Wahlurne zugeben mutzte, eine Rekonstrnierung der Urne und weitere gerichtliche Vernehmung der Zeugen, v. Massow hat nur eine Mehrheit von acht Stimmen. Die Wahl fällt� sofort, wenn der Wahlakt in Rnd- florlanken kassiert wird, woselbst v. Massow 36 Stimmen erhielt, sein Gegner nur 19 Stimmen. Vielleicht kommt das Haus trotz der merkwürdig übertriebenen Vorsicht der Kominission zur sofortigen Ungültigkeitserklärung, die doch unausbleiblich ist. Das Vorgehen der Koimnissionsmehrheit gleicht einer Prämiierung für Wahlbetrug und Urkundenfälschung. In der Protokollierung, datz solche Wahl unter Be- obachtung der Wahlgesetzbestimmungen stattgefunden habe, liegt eine grobe Urkundenfälschung. Bei der Nachprüfung der Wahl des Freikonservativen HöffelS (Wahlkreis Z ab er n, Elsatz-Lothringen), stellte sich nach den Beweis- erhebungen heraus, datz tatsächlich die Bürgermeister des Kreises Stimmzettel durch Polizcidiener haben austragen lassen. Die ver- nommeuen Bürgermeister njid Polizeidiener haben angegeben, es sei alter Brauch, Stimmzettel und Flugblätter für alle Kandidaten gegen Entgelt austragen zu lassen. Demgegenüber stehen einige Aussagen, die behaupten, es sei nicht gebräuchlich, für alle Kandidaten die Zettel auszutragen; ferner: in der Regel würde für diejenigen ausgetragen, die zuerst das Material und den Betrag für das Austragen schickten. Weiter ist die Austragung vollzogen worden, obwohl der Kreisdirektor den Bürger- meistern gesagt habe, sie sollten keine Stimmzettel austragen lassen, es könnte dies zur Ungültigkeitserklärung der Wahl führen. Die Mehrheit der Kommission erachtete die Austragung nicht für eine unzulässige Wahlbeeinflussung, obgleich die Bürgermeister von der Regierung abhängige politische Beamte sind, und kam gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten zur Gülligkeits« erllärung der Wahl. Zur scheinbaren Gewissensberuhigung nahm die Kommission eine Resolution an, die den Reichskanzler ersucht, zu veranlassen, datz der aus dem französischen Regime herstammende Brauch dieser Art Stimmzettelaustragung resp. Wahlbeihülfe ab- gestellt wird, weil er zum Mitzbrauch führen könne. Demaskierte Mittelstandspolitiker. Die Kommission des Reichstages zur Aenderung des§ 63 des Handelsgesetzbuches und einiger Bestimmungen der Gewerbeordnung hatte am Mittwoch in seltener Einmütigkeit beschlossen, den ersten Absatz des§ 63 H. G. B. dahin zu ändern, datz die Fortzahlnng des Gehaltes während der Krankheit durch Vertrag nicht aus- geschlossen werden darf. Diese Vergünstigung übertrug sie auch auf die technischen Angestellten und Werkmeister. In der Sitzung am Donnerstag versagte aber die Konsequenz der Herren, als es sich darum handelte, diese Vorschrift auch auf die Arbeiter zu übertragen! Diese Herren betrachten die Hand- lungsgchlllsen, Werknieister und technischen Beamten als An- gehörige des Mittelstandes, und um sich deren Wahlstimmen zu er- halten, fatzten sie jene Beschlüsse. Die sozialdemokratischen Mit- glicder der Kommission stimmten dem Antrage zu, um den sozialen Fortschritt zu fördern. Am Donnerstag wurde die folgende von den Abgg. Lipinsli, Sindermann und Singer gestellte Resolution verhandelt: Der Reichstag wolle beschlietzen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage noch in dieser Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den die im 8 616 B. G. B. festgesetzten Vergünstigungen des zur Dienstleistung Verpflichteten den Charakter zwingenden Rechts erhalten. Abg. L i p i n s k i wies darauf hin, datz die Herren, die den Anträgen zugestimmt haben, konsequent auch dieser Resolution zustimmen mutzten. Die Arbeiter und Augestellten, für die jene Vergünstigungen nicht zuträfen, seien wirtschaftlich viel schlechter gestellt; sie brauchten die Zubutze zur Heilung der Krankheiten noch viel notwendiger als die HandlungSgehülfen, Werkmeister und tcch- nischen Angestellten. Für sie werde die Vergünstigung des Z 616 B. G B. meist durch Vertrag ausgeschlossen. Darum müffe man auch hier festsetzen, datz der Ausschlutz der Vorschrift des§ 616 B. G. B. durch Vertrag unzulässig sei.— Hier wendeten dieselben Redner, die sich für die höheren Angestellten am Mittwoch ins Zeug gelegt hatten. ein, datz der§ 616 B. G. B. eine viel zu breite Grundlage habe und darum die zwingende Vorschrift hier nicht am Platz: sei! I Der antisemitische Abgeordnete S ch a ck. der am Mittwoch stolz erklärt hatte, datz die HandlungSgehülfen nichts dagegen einzuwenden hätten, wenn die Vergünstigungen auf die Arbeiter ausgedehnt würden, erklärte ani Donnerstag, nicht für die Resolution stimmen zu können, weil§ 616 B. G. B. nur dann zwingend sein dürfe, wenn daneben gesetzlich eine Minimalkündignngsfrist festgelegt werde. Die Abgeordneten P o t t h o f f(frs. Vg.) und B a s s e r m a n n(natl.) sekundierten Schacks Ausführungen und die vorgetragenen Bedenken der Regicrungsvertreter. Umsonst wies L i p i n s k i darauf hin, datz die Vergünstigung den Hondlungs- gehülfen schon zu teil geioorden sei. als für sie noch keine Minimal- kündignngSfrist gesetzlich festgelegt worden war. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt! Arbeiter sind keine Mittelstandswähler, darum'haben die bürgerlichen Parteien kein Interesse an ihnen. Im zweiten Falle verlangte ein Antrag P o t t h o f f Ausdehnung der Gelverbegerichtszuständigkeit für die technischen Angestellten mit über 2000 M. Jahresarbeitsverdienst. Auch hier stellten die sozial- demokranschen Kommissionsmitglieder den Antrag, die Zuständigkeit der Gewerbegerichte auf die Dienstboten, Eisenbahnangestellte und ländlichen Arbeiter auszudehnen. Abg. L i p i n S k i ivieS darauf hin, datz diese Berufsgruppen mehr als die höhereu Angestellten der schnellen und billigen Rechtsprechung bedürfen. Für die Dienstboten und ländlichen Arbeiter bedeute die ausschlietzliche Zuständigkeit der ordentlichen Gerichte direkt den Äuslchlutz des Rechtsschutzes. Für die Eisenbahnangestellten aber, zu denen auch die Strahenbahnangestellten gerechnet werden, haben zwar manche Gewerbegerichte in Süddeutschland sich für zu- ständig, der grötzere Teil der Gewerbegerichte aber sich für un- zuständig erklärt. Da würde der Antrag Klarheit schaffen.— Auch hier erhoben die Abgg. P otthos f, Bassermann sowie die Regierungskommissare ihre„erheblichen" Bedenken. Der Antrag der Sozialdemokraten wurde.abgelehnt, der Antrag Potthoff aber in einer von Bassermanu veränderten Form(Erhöhung der Zuständig- keit der Gewerbegerichte bei einem Jahresarbeitsverdienst von 5000 M.) angenommen. Damit waren die Arbeiten der Kommission in erster Lesung beendet._ Die Petitionskommission des Reichstages beschäftigte sich in ihrer Sitzung am Donnerstag mit einer Petition des Bundes der technisch- industrielleil Beamten in Berlin, betreffend Abänderung des Patent- gcsetzcö in dem Sinne, datz dem Angestellten, der eine Erfindung macht, das Eigentumsrecht an dieser Erfindung bezw. auf das darauf erteilte Patent gesetzlich sichergestellt werden soll. Aehnliche Be- stimmungen, so wird in der Petition ausgeführt, beständen jetzt be- reitS in Oesterreich und in den Vereinigten Staaten von Nord- amerika, während in Deutschland, wenn nicht entgegengesetzte Ver- einbarunge» zwischen Angestellten und Unternehmern vorher getroffen seien, das Eigentumsrecht auf Erfindungen der Angestellten auf den- jenigen Unternehmer übergeht, in dessen Betriebe der Angestellte die Erfindung gemacht hat.— Die Petitionskommission beschlotz, die Petition dem Reichskanzler als Material zu überweisen. DaS gleiche Schicksal hatten mehrere Petitionen betreffend Ab- änderung des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Welt- bcwcrbcS, in denen besonders gefordert wird: das Verbot des Nach- schubs von Waren bei Ausverkäufe» sowie eine Bestimmung, datz Konkursmassenausverlänfe nur so lange als solche zu bezeichnen sein sollen, als sie unter Leitung des Konkursverwalters stehen. Derselbe Beschlntz ivurde gefatzt bezüglich einer Petition, welche die Beseitigung des sogenannten GutscheinsystemS und der Verab- ftrfglmg von sogenannten Gratisgeschenken im Warenhandel sowie das Einschreite» gegen die Rabattsparvrreine fordert. Die Revolution in Rutzland. Die Adreßdebatte. Petersburg, 17. Mai. Duma. Nach der in erster Lesung ein« stimmig erfolgten Annahme der Gesamtadresse stellte Abgeordneter N o d i t s ch e w, um keine Zeit zu verlieren, den Antrag, nunmehr in die Beratung der einzelnen Artikel einzutreten. Der Präsident erklärte, das verstoße gegen die Geschäftsordnung, und auch Abg. Graf Heyden bekämpfte den Antrag. Abg. Roditschew wies darauf hin, daß man niemand der Möglichkeit berauben dürfe, die Prüfung artikelweise vorzunehmen. ES wurde sodann mit der Beratung des ersten Teiles der Adresse begonnen, zu welchem zwei Abänderungsanträge gestellt waren. Der Ab- geordnete von Podolien, Zabolotny, beantragt, den Worten «Auf Grundlage des allgemeinen Stimmrechtes' hinzu- zufügen:„Ohne Unterschied geheim." Die Kommission beantragt, falls der Antrag Zabolotny angenommen würde, dann noch hinzu- zufügen:«Auf Grundlage des direkten, gleichen, geheimen Stimmrechtes ohne Unterschied der Nationalität und Religion.' Der Abgeordnete von Saratow, Anikin, begründet einen Antrag, welcher die Worte„auf Grundlage des allgemeinen, unbegrenzten Stimm- rechtes" einfügen will. Berichterstatter Nabokow erklärt. daß die Kommission sich keineswegs gegen dieses Stimmrecht auszusprechen beasichtigte, sondern sie wollte bloß einen Ausdruck finden, der die Zustimmung des ganzen Hauses finden würde. Zabolotny erklärt, als er seinen Antrag einbrachte, habe er nicht vorausgesehen, daß das Volk sich in solcher Gefahr befinde, wie er sie jetzt erkenne angesichts der Tatsache, daß die Duma, die selbst nicht aus dem direkten Wahlrecht hervorgegangen, in ihrer Mehrheit Gegnerin des allgemeinen, unbegrenzten Wahlrechtes sei. Zabolotny erklärt, er spreche im Namen von Millionen Baiiern, welche alle dieses Stimmrecht verlange». Was die Frauen betreffe, welche mit einer Zahl von 70 Millionen die Hälfte der russischen Bevölkerung ans« »rächen, so seien sie zweifellos für die Verleihung politischer Rechte an die Frau. Füge man hinzu die Zahl der Männer, die für die nämlichen Rechte eintreten, dann ergebe sich eine ungeheuere Mehr- heit zugunsten der Aufhebung der Dienstbarkeit der Frau. Fürst Schachowsky erklärt, Debatten über das Wahlrecht seien jetzt nicht angebracht, man müsse einzig und allein die Adresse beraten. Großes Aufsehen erregten die Ausführungen des Abgeordneten für Woronesh, Kruglikow, welcher erklärt, er als Bauer sei der Anficht, daß die Frau ihre Wirksamkeit auf die Familie beschränken müsse, die Bäuerinnen selbst wünschten keine politischen Rechte. Fürst Wolkonsky, Vertreter von Rjäsan sagt, ,er habe kein Vertrauen zum unbeschränkten, allgemeinen Stimmrecht und werde daher für die Kommissionsfassung stimmen. A l a d y n spricht sich in ähnlichem Sinne aus. Hierauf iverden die zwei AbändenmgS- antrage abgelehnt und der erste Teil der Adresse nahezu einstimmig in der Fassung der Kommission angenommen. Die Beratung des zweiten Teiles war um 10 Uhr 20 Minien beendet. Punkt 2 bis 5 deS Entwurfs werden ohne erhebliche Debatte angenommen. Dagegen ruft Punkt S, welcher die Willkür der Ver- waltung behandelt, eine längere Debatte hervor. S t a ch o w i t s ch meint, die Verantwortlichkeit der Minister gegenüber dem Kaiser werde wenigstens zunächst viel wirksamer sein, al» eine solche der Duma gegenüber. Als Stachowitsch die Tribüne verläßt, hört man Zischen. Der Präsident rügt dies, indem er an die Freiheit des Wortes erinnert. W i n a w e r greift Stachowitsch an und erklärt. es müsse damit aufgeräumt werden, daß all» Macht dem Kaiser allein gehöre. Solange die Minister nicht der Duma verantwortlich seien, sei keine ersprießliche Arbeit möglich. Hierauf wurde ein Antrag, die Sitzung zu schließen, an- genommen und die Weiterberatung auf Donnerstag vomuttag 11 Uhr vertagt. Em Antrag zu Punkt 8 betreffend den ReichSrat verlangt Streichung dieses Punktes, der gleichbedeutend sei mit der Forderung, den ReichSrat ganz zu b e s e i t i g e n; der Antrag sagt, daß der ReichSrat nicht eine Scheidewand darstelle, sondern ein Kollege der Neichsduma und, wie verlaute, bereit sei, dieser entgegen- zukomtr m. Die Duma habe keinen Grund, die Er sie Kammer zu beseitigen. Ein Redner erklärt, er wolle dem Adreßentwurf zustimmen, wenn es sich nur um den gegenwärtigen Bestmd des Reichsrates handele und nicht um die Beseitigung des Zweikammersystems überhaupt. Fürst Schachowskoi bestreitet letztere?; dir Entscheidung der Frage des Zweikammersystems müsse einer zukünftigen Duma vorbehalten bleiben, welche nach einem neuen Wahlgesetz gewählt wird. Jetzt handele es sich nur um den gegenwärtigen Bestand deS Reichsrates. Daher halte er eS nicht für angezeigt, in die Adresse einen Hinweis auf die Mängel der Institution des ReichSratS aufzunehmen. Die unklare Fassung dieses Punktes des Entwurfes könne in der Tat Mißverständnisse hervorrufen, daher stimme er für Streichung. Demgegenüber empfiehlt ein anderer Redner, den Punkt in die Adresse auf- zunehmen. Die Duma beschließt hierauf einstimmig, die Debatte ohne Unterbrechung fortzusetzen, bis der Entwurf ganz durch- beraten ist. Ei« zweiter Schänder der Spiridonowa gerichtet! Tambow, 17. Mai. Der Polizeibeamte Schdauow, welcher an der Mißhandlung und Schändung der Maria Spiridonowa teilnahm und deswegen entlassen wurde, ist heute auf der Straße das Opfer eines Revolveranschlages geworden. Der Täter wurde verhaftet. Die verhaftete Revolutionärin Maria Spiridonowa wurde bekanntlich von Polizeibeamten vuf dem Transport geschändet und mit Syphilis infiziert. Eines der beteiligten Scheusale, ein Kosatenoffizter, ist bereits den Kugeln ihrer Rächer erlegen. Wüten der Zarenschergeu. Odessa, 17. Mai.(Von einem besonderen Korrespondenten.) Das Kriegsgericht verurteilte eine Frau, die auf einen Polizeibeamten, der bei ihr eine Haussuchung vornahm, ge- schössen hatte, ohne zu treffen, zum Tode durch den Strang. Wendepunkte der neueren deutschen Geschichte. 4. Die Revolution von 1848. Genosse Maurenbrecher hielt am Montag seinen vierten Bortrag über obiges Thema. Wir geben im AuSzuge das wesenr- licho wieder. In der Patriotenbewegung mit ihrem Höhepunkt im Jahre 1812 zähen wir zum erstenmal seit den Zeiten des Mittelalters den Gedanken der deutschen Einheit wieder vertreten. Man versuchte ihm staatsrechtliche Form zu geben. Der tragische Charakter auch dieser Patriotenbcwegung war eS, daß der hier formulierte Ge- danke zwar bei denen, die ihr politisches Urteil an französischen und englischen Vorgängen und Zuständen geschult hatten, feurig auf- genommen wurde, daß sie aber die breiten Massen nicht auszu» peitschen in der Lage war. Ein großer Fortschritt im Gedanken, gber leine Kraft und Macht, ihn in die Wirklichkeit umzusetzen. Ks blieb beim Regiment der Fürstlichkeiten in den dielfachen deutschen «Vaterländern. Und daneben regierte der von den Fürstlichkeiten ohne Hinzuziehung ihrer Völker geschlossene völkerrechtliche Deutscbe Bund. Das war keine nationale Einheit, sondern nur ein Bündnis, daS jedem der Staaten vollste Souveränität ließ. Dann aber er- hebt sich gegen diese dynastischen Gebilde zum ersten Male in der neueren deutschen Geschichte aus dem Volke heraus eine Oppo- sition, eine wirkliche revolutionär« Bewegung, die eigene politische Ziele und Ideale durchzusetzen versucht. Vier Tendenzen und vier Programme sind es, die langsam, etwa vom Jahre 1820 an, sich gegenseitig auszusondern, abzugrenzen beginnen, und 1848 auf- einanderplatzen. Die älteste dieser vier Aktionstendenzen ist der Gedanke der kleinbürgerlichen und kleinbauerlichen Demokratie. Kleinbürgerliche und kleinbäuerliche Oppositionen gegen den Fürsten- hos haben sich als Unterströmungen in der deutschen Geschickste schon im 18. Jahrhundert öster beobachten lassen. Auch in der Dichtung des Sturm und Dranges finden wir ja ein Stück erbitterter Oppo- sition gegen die Kultur des Fürstenhoses und gegen den furchtbaren Druck des Absolutismus. Aber diese erst instinktive demokratische Stimmung löst sich nicht in bestimmte politische Parteibewegungen aus. Als eine Bewegung mit wirklich staatsrechtlichen Zielen or- ganisiert sich die Bewegung erst, sobald es in den einzelnen deutschen Staaten Landtage gibt. Solche werden zuerst in den süddeutschen Staaten geschaffen. Sie werden gegeben von ihren Fürstlichkeiten im Interesse der Fürstlichkeiten. Nämlich um die Leute, die durch die Napoleonische Revolution und ihre Folgen ihr früheres Vater. ländchen verloren hatten und in einem neuen Vaterlande mit anderen vereinigt worden waren, nun auch an dem Staate zu inter- essieren und zu verhindern, daß sie den ihnen seit erst 10 Jahren „angestammten" König verließen und zu einem anderen gingen. Das ist aber gleichzeitig das Verhängnis der nun hervortretenden kleinstaatlichen demokratischen Bewegung. So beglückte Bayern 1818 sein Volk mit einer Art Scheinparlamentarismus, so tat es Württemberg usw. Diese Entstchunp der süddeutschen Landtage gab den Demokraten auf der einen Seite die Möglichkeit, große parlamentarische Reden zu halten, und die ersten Sitzungen des württembergischen wie des bayrischen Landtags liefen denn auch gleich in den lebhaftesten Kampf gegen die Landcsväter ans. Aber gleichzeitig wirkten sie dahin, daß die Demokraten die Mög. lichkeit verloren, irgend etwa? im demokratischen Sinne zu tun. Gegen die Ucbergriffe von Preußen oder Oesterreich her hielten sich die süddeutschen Fürsten jetzt gesichert. Aber wollte die Oppositions- Mehrheit etwas durchsetzen gegen ihre Fürsten, so stand doch hinter diesen der Bundestag, das heißt, die österreichische und preußische Armee. Die schützte die Souveränität, und die kleinbürgerlichen und kleinbäuerlichen Parteien waren machtlos. Was die süd- deutschen Fürsten von ihnen zu befürchten hatten, war höchstens ein kleiner Skandal. Unter diesen Umständen entwickelte sich ein politisches Advokatentum als Vertretung der kleinbäuerlichen und kleinbürgerlichen Demokratie. Eine Vertretung, die nichts weiter konnte, als vom moralischen Recht des Unterdrückten zu reden, ohne daß sie an den wirklichen Staatsgcsetzen irgend ein Fünkchen zu ändern vermochte. Als es dann 1848 zum Kampfe kam und als die parlamentarischen Redner, die 30 Jahre lang die gefeierten Volksredner gewesen waren, in Aktion treten sollten, da haben sie samt und sonders versagt. Kein geringerer als Karl Marx(„Rc- Volution und Kontrerevolution") hat mit Bezug auf sie da» Wort geprägt vom parlamentarischen Kretinismus. Das richtet sich natürlich nicht an sich gegen solche, die glauben, aus parlamenta- rischem Gebiete etwas erreichen zu können; es ist nur eine Charakte- risierung der hier angedeuteten Spielart von Parlamentariern und parlamentarischem Wirken. Etwas später entwickelte sich ein eben solcher Landtagsparlamentarismus in norddeutschen Kleinstaaten, wo die Landtage eingeführt wurden infolge der französischen Re- Volution von.1830. Da wurden sie aber nicht von Fürsten gegeben, sondern wirktich geboren, wenn auch Volksaufzüge und das Ab- singen demokratischer Lieder vor den Residenzen genügten, den Fürsten zu Zugeständnissen zu bewegen. Aber die norddeutschen Demokraten in den Parlamenten vermochten auch nichts weiter zu schaffen. Wenn wir die Literatur in den dreißiger und vierziger Jahren ins Auge fassen, so haben wir in Deutschland eine stark wachsende demokratische Stimmung. Man liest Heine und Herwegh. Büchners «Hessischer Landbotc" wird gelesen, und aus dem Auslände fällt eine ganze.Fülle aufrührerischer Schriften nach Deutschland hinüber. Es scheint eine gewaltig wachsende Bewegung zu sein. Aber es ist noch eine Bewegung, die gegenüber den wirklichen Machtverhält- nissen nichts auszurichten vermag. Sie ist immer noch Literaten- bewogung, nicht Klassenbewcgung. Die letzte Acußernng jener denio- kratischen Betvegung vor dem Ausbruch der Revolution ist die Zu- sammenkunft im September 1847 in Ofsenburg, wo die demo- kratischen Politiker aus fast allen Kleinstaaten zusammen kamen und ihre politischen Wünsche formulierten, unter anderem: Preß- freiheit, Religionsfreiheit, Vercinigungs- und Versammlungsrecht, Volkshecr statt stehendes Heer, Volksvertretung beim Deutschen Bunde, Selbftregierung des Volks, progressive Einkommensteuer, Unterstützung der Arbeit gegenüber dem Kapital. Eine ganze Fülle programmatischer Forderungen. Aber für das ganze Deutsche Reich steht nur der eine Satz darin: Volksvertretung beim Bunde. Das zeigt, daß in den 30 Jahren kleinstaatlicher Landtagsarbcit, die die Leute hinter sich hatten, die Bewegungen tat- sächlich partikularistisch geworden waren. Diese Leute, die so scharfe Töne gegen die Fürsten fanden, waren durch- feucht vom Partikularismus. Ganz nebenbei forderten sie eine Vertretung beim Bundestage. Was den Stein und Arndt und denen um sie in der Seele gelegen hatte, eine neue deutsche Zentral- gcwalt zu schaffen, war in der kleinbürgerlichen und kleinbäuerlichen Demokratie fast schon wieder verloren gegangen. So genau hatten die Fürsten gerechnet, als sie die Landtage schufen. Nicht die kleinbürgerliche Demokratie war es, die die Gegen- sähe so verschärft hat, daß es 1847 und 1848 zu so einschneidenden Programmen kam, sondern darin gingen sie erst nach der groß- bürgerlichen Demokratie, die als zweite der erstgenannten Aktions- tcndenzen in den dreißiger und vierziger Jahren einsetzte. Unter den Verhältnissen der damaligen Zeit bedeutete Großbürgertum hauptsächlich Textilindustrie und Eisenindustrie. Dazu Bergwerks- industrie. Ende der dreißiger Jahre kam eine neue Flut kapitalisti- scher Unternehmungen mit den Eisenbahngesellschaften. Das sind die Führer des kapitalistischen Jntcressenkampfcs der vierziger Jahre. Das Vcrkehrsinteresse brach sich Bahn. Und wo die politi- scheu Konsequenzen aus den wirtschaftlichen Interessen gezogen wurden, richteten sie sich gegen die der großbürgerlichen Eni- Wickelung hinderliche Kleinstaaterei. Dazu kam die EntWickelung des Geldmarktes. Auf diesem Gebiet brauchte tftt Kapitalismus größte Bewegungsfreiheit, absolute Selbstbestimmung. Empfindlich im höchsten Grade war für ihn das absolutistisch.patriarchalische Hineingreifen von oben herab, wie es zum Beispiel in Preußen geübt wurde, wo der Staat seine eigene Bank hatte und gegen Neu- ctablierung von Banken und Bankfilialen sich wehrte. Jede Bank bedurfte der Konzession. In dem Augenblick, wo die Eisenbahn. gesellschaftcn und die Geldleute hervortraten, da war eS selbst- verständlich, daß sie für Selbftregierung und für den Einheitsstaat einzutreten bemüht sind. Das ist die erste Klassenbewegung, die hinter den deutschen Einheitsgedanken sich stellte, und. wie es in der Natur der Sache lag, nahm die großbürgerliche Bewegung das Programm der Patrioten wieder auf. Eine Denkschrift, die der Aachener Kapitalist Hansemann 1831 an den preußischen König gehen läßt, ist das erste Jn-die-Erscheinung-treten der groß. kapitalistischen politischen Interessen. Wenn auch untertänigst und demütig, verlangt die Denkschrift eine Verfassung und Mit- regierung des Bürgertums. Ein neues Moment kommt in die EntWickelung dadurch, baß die preußische Regierung selbst(die dritte Aktionsrichtung) eine be- stimmte nationale Einheitspolitik in Deutschland anzufangen' be- ginnt. Nach dem Wiener Kongreß von 1814/10 ist �es Preußen nicht mehr möglich, seine frühere antinationale, auf Besitz- Vermehrung allein gerichtete Politik in Deutschland zu treiben. Der erste Akt in du vcuen deutfcheg Mstik gleiMgu; war. daß der König eine Verfassung versprach, als 1815 bei Rückkehr Napoleons von Elba die Existenz möglicherweise in Frage gestellt war. Es sollte Preußen zeigen als den Staat, der sich zum Führer der vollstümlicken Bewegung Macht, und die Stimmung sollte dazu dienen, daß sich ganz Deutschland für Preußen ins Zeug lege. Daß das Versprechen nicht gehalten wurde, ist bekannt. Als aber der alternde Friedrich Wilhelm III. gestorben war und in den vierziger Jahren Friedrich Wilhelm IV. regierte, da wachten die nationalen Pläne Preußens wieder auf. Die nächsten Jahre sind voll diplomatischer Entwürfe, die darauf abzielten, auf friedlichem Wege durch Verabredung mit Oesterreich und den anderen Bundes- Mitgliedern eine Bundesreform durchzuführen. Hansemann und die Großbourgeoisie waren mit dem König programmatisch darin ziemlich einig, unter Preußens Leitung einen Bundesstaat mit Beibehaltung der einzelnen Staaten zu schaffen, der unter militari- scher Leitung Preußens stehe. Aber die Bourgeoisie wollte im Parlament herrschen, und das brachte sie in Gegensatz zur Re- gierung: darüber kam es in den vierziger Jahren zum Streit. Zum Ausbruch kam das in der finanziellen Frage Preußens. Der König brauchte eine Anleihe, namentlich um die Ostbahn nach der Provinz Preußen zu bauen. Sie wurde ihm verweigert. Sobald eine Verfassung bewilligt wurde, wollte man auch bewilligen, sonst nicht. Daß er die Ausschüsse der Prsvinziallandtage zusammen- berief zu gemeinsamer Verhandlung, nutzte dem König nichts. Sie sagten, sie seien keine Volksvertretung, da sie nicht vom Volke ge- wählt seien. Der König versuchte verschiedenes. Endlich berief er im Februar 1847 die acht Provinzial-Landtage als sogenannten vereinigten Landtag nach Berlin und legte wieder die Anleihe vor. Aber auch hier wurde erklärt, daß es noch keine Volksvertretung sei, weil sie nicht auf Wahlen beruhe und nicht das Recht habe. aus eigener Kraft alle Jahre oder alle zwei Jahre zusammen zu kommen. Die Anleihe wurde nicht bewilligt.— Dann kam die Februarrevolution in Frankreich, die Verkündung der französischen Republik, und die Erbitterung, die sich angesammelt hatte, brach nun auch in Deutschland aus, mit den bekannten Resultaten. Auf die einzelnen Vorgänge, die aus der Märzliteratur und Märzfeier- reden bekannt sind, braucht nicht eingegangen zu werden.— Im Verlauf der Geschehnisse zeigte sich, daß die außerpreußische Bourgeoisie ein Programm hatte, wie Hansemann und Genossen. Die Demokraten stellten sich dagegen auf den Standpunkt, daß als Zentralverwaltung für Deutschland eine Republik zu fordern sei. Dabei sollten aber die einzelnen Staaten Monarchien bleiben. Ein ganz unsinniger Gedanke. Neben den drei Bewegungen, die geschildert sind, ging still und verborgen im Untergründe der Gesellschaft als noch nicht geschicht- liche Macht, aber doch als die, die in die Zukunft weist, eine vierte Bewegung nebenher, die beginnende proletarische Bewegung, die Arbeiterbewegung. Wenigstens ihre führenden Köpfe durchschauten die Situation. Der Bund der Kommunisten, Marx und Engels an der Spitze, entwarf sofort nach dem Ausbruch der Pariser Revo- lution ein deutsches Aktionsprogramm. Gleich obenan heißt es: Unteilbare einheitliche deutsche Republik. Das be« deutete vollständige Ausrodung aller der Wurzeln und Knollen. die aus der deutschen Geschichte der letzten Jahrhunderte übrig geblieben waren, das bedeutete den völligen Neubau eines deutschen Staates. Eines völlig einheitlichen Staates, ein Wesen, das es höüte noch nicht in Deutschland gibt. Das war das nationale Pro- gramm des Bundes der Kommunisten. Es war das Programm. unter dem die„Neue Rheinische Zeitung" vom Juli 1848 bis zum Mai 1340 in Köln redigiert wurde. Es war das Programm, von wo aus sie alle deutschen Parteien kritisierte, indem sie publizistisch für die völlige deutsche Einheit eintrat. Erst in diesem Programm war außerdem für die arbeitende Klasse die Möglichkeit geboten, für ihre weitere Befreiung zu kämpfen. Marx und Engels ließen keinen Zweifel darüber, daß die deutsche Republik nicht das Ende sein sollte, sondern daß in ihr erst recht die Opposition der Ar- beiterklasse beginnen würde. Wenn unser rückschauender Blick dies Wirken der theoretischen Wegweiser der Arbeiterklasse las den geistigen Höhepunkt des Jahres 1843 ansieht, so steht doch anderer, seits fest, daß die proletarische Bewegung für die eigentliche Eni- scheidung im Jahre 1848 nur eine Unterstützung gewesen ist. daß jene Ideen nur hier und da schon bei den Führern der Masse An- Hänger gefunden hatten. Was 1848/40 aufeinanderstieß, das war das preußische Bourgeoisprogramm, das kleinstaatliche demokratische Programm und das Königsprogramm. Nach dem Siege der Revolution kam bald der Rückschlag, die Zeit der Reaktion. Die Bourgeoisie nach dem 13. März 1848 war nicht mehr dieselbe, die in so musterhafter Weise noch auf dem vereinigten Landtage von 1847 gegen die Krone gekämpsr hatte. Ter Sieg des Februar in Paris und der Sieg der Demo- traten anderwärts war ihr in die Glieder gefahren. Sie hatte das Gefühl, sie müsse die Autorität der Krone und der Armee so viel wie möglich wieder steigerck. In Preußen sieht man es an dem liberalen Ministerium Camphauscn, Hansemann. Aus einer konstituierenden Versammlung, die eine Verfassung«rläßt, machte man eine Versammlung, die mit der Krone eine Verfassung „vereinbart". Die Demokratie verlangte die Hinausführung der Regimenter; die Bourgeoisie fordert sofort die Rückkehr bürger- freundlicher Regimenter. Das bourgeoisfreundliche Ministerium ruft den geflohenen Prinzen von Preußen von seinem«ehrenvollen diplomatischen Auftrage" wieder in die Stadt zurück. Die Bour- geoisie sagt, daß sie sich gegen die Angriffe der Demokratie als Schild vor'den König stellen wolle usw. usw. Die Folge davon und von sonstigen Nachgiebigkeiten ist, daß das Königtum und Militär sich bald von ihrem ersten Schrecken erholen. Die Reaktion schreitet fort. Es kommt nicht nur das Zweikammersystem, sondern auch die Dreiklassenwahl.— Genau so verfährt die Bourgeoisie in Frankfurt a. M., wo es sich um die Bundesverfassung handelt. Die Bourgeoisie sucht Rückendeckung, bei der Regierung gegenüber der Demokratie. Es führt in allen Fällen zum Siege der Re- gierung und zum Siege der Armeen. Der Ausgang ist ja bekannt. Das entwickelungsgeschichtliche Interessante der letzten Periode ist. daß die demokratische Bewegung ihrem vollen Ende entgegengeht. In der letzten Zeit der deutschen Nationalversammlung in Frank» furt, wo es wirklich dazu kommt, die deutsche Verfassung, die deutsche Einheit zu behandeln, da verschmilzt die Demokratie links mit der sogenannten Erbkaiserpartei, das heißt der eigentlichen Bourgeoisie, Partei. Es entsteht auf Grund eine» Kompromisses der Entwurf, der später für Bismarck vorbildlich gewesen ist: Die Schaffung eines deutschen Erbkaisertums, die Uebertragung der Kaiserwürde an Preußen und Ausschluß Oesterreichs. Das Bundesparlament sollte zusammengesetzt werden auf Grund des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts. Letztere? war die Konzession, die den Demokraten gemacht wurde. Wenn wir eS heute in der Reichs- Verfassung haben, so ist es die letzte und beinahe einzige Nach. Wirkung, die die kleinbürgerliche Demokratie mit ihrem Programm hinterlassen hat. Die Demokraten gehen aber als Demokraten zugrunde, denn sie müssen das Erbkaisertum vertreten. Aber auch dieses Kompromiß hat keinen Erfolg mehr gehabt. Friedlich Wilhelm IV. lehnte die Krone, der der Ludergeruch der Revolution anhaftete, ab. Ueber Lamentationen kam man schließlich nicht mehr hinaus. ES kam das unrühmliche Ende der deutschen Nationalver- sammlung. Im Aderlaß des badischen Aufstandes verzückten die letzten. Regungen der kleinbürgerlichen Demokratie. Und die Bour- geoisie zog sich als geschlagen auch zurück, zum Schluß erklärend. wenn die preußische Regierung von oben herab sich einmal mit ihrem Programm einverstanden erklären würde, werde man damit zufrieden sein. Als die preußische Monarchie nun glaubte, mit ihren Bundesreformplänen wieder kommen zu können, da erhob sich Oesterreich mit sämtlichen Bundesstaaten und verlangten Ruhe. Und 1800 wurde die Wiederaufrichtung deS Deutschen Bundestages mit allem, was 181S geschaffen war, akzeptiert.— Wie es in den sechziger Jahren zwischen der preußischen Dynastie und der Bour- geoisie noch einmal zum Kampfe kam und wie die Entscheidung siel, wird der nächste Bortlgg zeigen. Mus der Partei. Der Bormarsch der Maifeier-Ardeitsruhc. Unsere Leipziger Ge- Nossen haben durch Ausgabe von Kontrollkarten, die, auSgesüllt mit Angabe des Namens, des Berufs usw., in den Vormittagsversamm- luugen wieder abzugeben waren, interessante Feststellungen gemacht. Die Zahl der Besucher betrug IS 000. woraus hervorgeht, dah die Zahl der durch ArbeitSruhe Demonstrierenden gegen das Vorjahr bedeutend zugenommen hat. Weitere Berechnungen ergeben, dah an der Nachmittags-Demonstration, die halbtägige Ärbeitsruhe voraus- setzt, sich mindestens 30 000 Personen beteiligt haben. Umsasicnderr Protestkundgebnilge» gegen die preußische Schub verpfaffungsvorlage fordert die Magdeburger, Volksslimme". Sie bemerkt zur Meldung von den 43 Berliner Protestversammlungen: „Unserer Meinung nach hätte der Protest sich nicht auf Berlin beschränken sollen, sondern einheitlich in ganz Preußen durchgeführt werden müssen." Die Wucht des Protestes würde durch solche Ausdehnung über ganz Preußen allerdings gesteigert worden sein. Eine verleumderische Notiz über den Genossen Bock- Gotha macht die Runde durch die Ordnungspresse. Unser Bruderblatt/ das Gothaer„Volkslatt", schreibt dazu: Das„Gothaer Tagebl." veröffentlichte einen Artikel mit dem Titel „Allerlei Städtisches", iir welchem eine Lanze für die armen Haus- agrarier in Gotha gebrochen wird. In dem Artikel werden die Steuer- Verhältnisse der Stadt besprochen und dabei Stimmung gegen die vom hiesigen Stadtrat beabsichtigte, durchaus wünschenswerte Wert- zuwachssteuer(für Grundstücke) eingelegt. In diesem Artikel wird von Steuerhinterziehern gesprochen und dabei leistet sich der Verfasser folgenden Satz:„Der größte Hinterzieher bekleidet ein Ehrenamt, zu dem ihn seine Mitbürger gewählt haben, der andere Herr, der das ganze Land glücklich machen will, hat das Steuergesetz von 1902 mitberaten. Davon schweigt ein hiesiges Blatt, in dem sonst jeder, der sich etlvas zuschulden kommen iäßt, zur Bank gehauen wird. Die hiesigen Bürger erwarten selbstverständlich, daß Leute, die solche Sachen fertig bringen, ihre Ehrenämter freiwillig niederlegen. Vertrauen kann man ihnen nicht mehr entgegen- bringen." Mit dem„anderen Herrn", der das ganze Land glücklich machen will und das Steuergefetz mitberaten hat, ist, wie uns von wissender Stelle mitgeteilt wird, der Reichs- und Landtagsabgeordnete Bock gemeint. Wir wollen vorläufig von der Fratze absehen, wie es kömmt, daß solche Dinge aus der Stouerkomnnssion, deren Mitglieder eidlich verpflichtet sind, Stillschweigen zu bewahren, ausgeplaudert und veröffentlicht werden. Für heute begnügen wir uns festzustellen, daß hier wieder einmal Wahrheit und Dichtung in unverschämter Weise vermischt ist. und zwar offenbar von jemand, der den Sachverhalt wissen muß. Es handelt sich nämlich um die Druckerei des„Volksblatts", von der der Reichstagsabgeordnete Bock nominell der Eigentiiwer ist. Eine Steuerdeklaration der Druckerei hat Bock allerdings unterlassen, aber nur deshalb, weil erstens jahrelang nicht nur kein Gewinn aus der Druckerei erzielt wurde, sondern Zuschüsse geleistet werden mußten, und zweitens Bock, als endlich sich Ueberschüsse zeigten, niemals auch nur einen Pfennig an Einkomnien aus der Druckerei bezogen hat und für die Zukunft auch nicht beziehen wird. Denn alle Ueberschüsse werden wieder für die Druckerei verwandt. Bock hat im Gegenteil mancherlei Unkosten durch die Druckerei gehabt, die niemals vergütet worden sind, ganz abgesehen von der Mühe- waltung, den Unannehmlichkeiten und Zeitversäumnissen, die mit solchen Geschäften stets verbunden sind. Von einer Steuerhinser- ziehung durch Bock kann also keine Rede sein, da er nichts aus der Druckerei bezogen hat. Die hämischen Bemerkungen des Verfassers des Artikels im„Gotha'schen Tageblatt" fallen somit in sich zu- sammen." Amtliche Saalabtreibung. In OSwitz bei Breslau haben die Saalbesitzer unter Einwirkung des AmtsvorsteherS einen Beschluß gefaßt, wonach sie ihre Säle keiner Partei zu Versammlungen geben. Zwei Saalbesitzer, die durch Unterschrift sich gegen die Sozialdemo kratte zur Hergabe ihrer Säle verpflichtet hatten, haben mit unter schrieben. Die Erklärung sagt dazu, daß die Gastwirte die unter dem Drucke des Boykotts von einzelnen Lakalbesitzern unter- schriebenen Verträge für null und nichtig erklären. Ein sehr ein- saches Verfahren, das die Arbeiter mit verschärftem Kampf bcant- Worten werden. Der Amtsvorsteher hatte den beiden Wirten, die diese Verträtze mit der Partei abgeschlossen hatten, unmittelbar danach die Tanzkonzession entzogen. In der Wirte- Versammlung, die den letzten Beschluß faßte, war der Herr persönlich anwesend. Das ist die Unparteilichkeit der Behörde! Di« staatsgesährliche rote Schleife. Das Schöffengericht zu Greiz hat den Strafbefehl über 20 M. aufrecht erhalten, der dem Genossen D r e s s e l zugegangen war, weil er bei der Beerdigung eines Ge- nossen einen Kranz mit roter Schleife getragen hat. Begründet wurde das Urteil mit der Behauptung, die rote Schleife sei eine Demonstration gegen die Institution des Staates und der An- geklagte habe bewußt gegen die Bestimmung einer landesherrlichen Verordnung gehandelt. Die gefährliche Schleife bleibt daher konfisziert. Ein bestrafter Verleumder. Das Schöffengericht zu Dortmund hat einen OrdnungSmann zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er den Genossen Bartels durch die Lüge beleidigt hat, Bartels habe in seiner Eigenschaft als Beamter des Deutschen Bergarbeiter- Verbandes gesammelte Streikgelder unterschlagen. Ein„beleidigter" Gastwirt. Zum roten Sonntag wurden im Halber st ädter Wahlkreis die Versammlungslokale durch kleine Flugblätter bekannt gegeben. Irrtümlich war auch eine Ver- sammlung für das Lokal des Gastwirts Rumniert in Deren- bürg bekannt gegeben. Dadurch fühlte sich Herr Rummert be- leidigt und geschädigt und so verklagte er dib Hersteller des Flug- blatteS, die Druckereibefitzer Genossen Berg und Schulze. Bor dem Schöffengericht bekundeten aber mehrere Zeugen, daß im Saale schon öfter sozialdemokratische Versamnilungen stattgefunden hätten und daß deshalb ganz unerfindlich sei, wieso Herr Rummert sich be- leidigt fühlen könne. Herr Rummert aber ist beleidigt, wie er er- klärte, denn jene Versammlungen seien keine„öffentlichen" ge- Wesen. Eine öffentliche sozialdemokratische Versammlung hätte er nie zugelassen. Das Schöffengericht sprach die beiden an- geklagten Genoffen frei, da die Absicht einer Beleidigung nicht er- wiesen sei.__ Soziales* Reue Vorschriften für den Arbeitsvertrag. Das Ministerium hat einen Gesetzentwurf zur Normierung der Beziehungen zwischen Geschäftsinhabern und deren Angestellten aus- gearbeitet. Dieser Entwurf schlägt u. a. vor, daß mit allen An- gestellten schriftliche Verträge ge,chlossen und daß den Angestellten Abrechnnngsbücher bei Vermeidung einer Geldstrafe getzeben lverden müssen, in denen die Lange des Arbeitsvertrages, die Höhe der Gage, die Kündigungsfrist. Arbeitszeit usw. genau angegeben werden müssen. Im Falle einer Krankheit oder eines Unfalles ist dem Angestellten eine Monatsgage, bei kürzeren Engagements eine Wochengage auszuzahlen. Sind in einem Geschäfte mehr als zwei Personen angestellt, so ist der Chef verpflichtet, einem jeden von ihnen, der schon mehr als ein Jahr in seinen Diensten steht, all- jährlich einen zweiwöchentlichenUrlaub zu gewahren. Wenn die Dienstzeit nicht festgesetzt ist. gilt sür beide Teile monatliche Kündigung. Wenn eine Person sür eine b«. stimmte Arbeit engagiert worden war, muß eine wöchentliche Kündigung beobachtet werden. Auch wenn jemand auf eine bestimmte Zeit engagiert worden war. muß der Chef einen Monat vor Ablauf dcrseibcii � ihn darauf aufmerksam machen, daß der Kontrakt nicht erneuert lverden wird. Falls dieses unterlassen wird, gilt der Kontrakt als auf unbestimmte Zeit erneuert. Im Kontrakt kann auch«ine Mwere«Undigungsfrist festgesetzt werden. Nach erkplgter Kündigimgfst der Prinzipal verpflichtet, den Angestellten so vre! freie Zeit zur Verfügung zu stellen, daß dieselben sich um eine andere Stelle bemühen können. Der Geschäftsinhaber ist berechtigt, einen Angestellten auch ohne vvrherige Kündigung zu entlassen, falls derselbe sich eine grobe Fahrlässigkeit, eine Unredlichkeit oder unmoralische Handlung hat zu schulden kommen lassen oder aber eine Woche ohne Grund zwei Wochen aus triftigen Gründen oder einen Monat krankheitshalber seinem Dienst nicht nachgekommen ist. Auch wenn der Angestellte dem Prinzipal oder seinein Vertreter eine grobe Beleidigung zu gefügt hat, kann er sofort entlassen werden. Auch dem Angestellten steht das Recht zu, den Dienst ohne vorherige Kündigung zu verlassen und zwar, falls der Prinzipal ihm seine Gage vorenthält oder seinen sonstigen Verpflichtungen nicht nachkommt, falls der Angestellte arbeitsunfähig wird oder in den Militärdienst ein- berufen wird oder aber der Prinzipal die Glieder der Familie des- selben oder die Aufsichtsbeamten ihn schwer beleidigen oder überhaupt schlecht behandeln. Falls Kontraktbruch ohne tristigen Grund vorliegt, kann die andere Partei Anspruch auf Schadenersatz erheben. .Der Angestellte hat das Recht, ein Zeugnis über seinen Dienst zu verlangen. Die Polizei muß die Unterschriften auf einem solchen Attestat kostenlos bescheinigen. Ohne Erlaubnis seines Chefs darf kein Angestellter selbständig Geschäfte machen. Der Prinzipal ist für alle Handlungen seiner An- gestellten, welche mit seinem Einverständnis zur Ausführung ge- langten, verantwortlich. Er trägt jedoch keine' Verantwortung fiit Zolldeftaudationen, welche ohne sein Wissen und Willen begangen wurden. Alle angeführten Bestimmungen beziehen sich auch auf Lehrlinge. Dieselben müssen das 12. Lebensjahr überschritten haben. Die Lehrzeit darf nicht mehr als 5 Jahre dauern. Es ist jedoch eine zweimonatliche Probezeit zulässig. Der vorstehend skizzierte Entwurf soll den Vertretern der Prinzipale und den Vereinen der Handlungsgehülfen zur Begutachtung vorgelegt werden. Das Ministerium, das den Entwurf, von dem wir sprechen, aus- gearbeitet, ist das russische! Die freilich nicht hinreichenden Be stimmungen sind in einigen Punkten für die HandlungSgehülfen günstiger als die Jür die deutschen HandlungSgehülfen und in vielen besser als die für die gewerblichen Arbeiter gültigon Vorschriften. Unabhängig von diesem Gesetz beabsichtigt das russische Handels- Ministerium auch ein Gesetz über Schiedsgerichte bei Streitigkeiten zwischen Geschäftsinhabern und deren Angestellten auszuarbeiten und m die Reichsduma einzubringen. Der preußische Justizminister lief, wie wir erwähnten, vor kurzem gegen die Institution der Kauf' mannsgerichte Sturm. Der Verdani» der Konsum- und Produktiv-Gcnossenschaften in Rheinland-Westfalen hielt seinen diesjährigen Verbandstag am 12. und 13. Mai in Aachen ab. Erschienen waren 99 Vertreter für 39 Vereine, außerdem Vertreter der Großeinkaufs-Gesellschast, der Organisationen der Genossenschaftsvorstände, der Lagerhalter und anderer Genossenschaftsverbände. Die Zahl der Verbandsvereine stieg in Jahresstist von 62 auf 73. Zur Statistik berichteten 66 Vereine. Nur 8 Vereine des Bezirks sind älter wie fünf Jahre. 31 Vereine haben unter 50000, 13 haben 50 bis 100 000, 18 haben 100 000 bis 500 000' M. Umsatz und 4 Vereine mehr wie 500 000 M. Umsatz zu verzeichnen. Die Vereine umfassen 43 658 Mitglieder, 190 Verkaufsstellen mit 568 Angestellten und einem Gesamtumsatz von 12�,0 Millionen Mark gegen V-'/� Millionen Mark im Vorjahre. Die Aktiven betrugen 2 745 773 M., die Passiven einschließlich 177 000 M. Reserven 1 958 767 M., Der Reingewinn erreichte die Höhe von 787 006 M. 90 Proz. der Mitglieder gehören der Arbeiterklasse an. Einen breiten Raum in den Verhandlungen nahm die Beratung einer Geschäftsordnung für ein S ch i e d s g e r i ch t zur Erledigung aller aus den Verhältnissen zwischen den angeschlossenen Vereinen und ihren Angestellten entstehenden Streisigkeiten ein und das Er- gebnis war: die Anerkennung des Schiedsgerichts soll vertragsmäßig festgelegt werden und bleibt der bürgerliche Rechtsweg in erster Instanz ausgeschlossen. Zuständig ist das Gericht für alle aus den Vertrügen und den handelsgesetzlichen Bestimmungen entstehenden Streitfälle. Doch ist die Anrufung des Gerichts nur möglich, wenn die Vorstände des Unterverbandcs und des Lagerhalterverbandes ihre Zustimmung geben, lieber die Zusammensetzung des Ge richts wurde bestimmt: Die Verwaltungen stellen ein Vorstands- und ein Aufsichtsratsmitglied, der Lagerhalter' verband zwei Mitglieder. Die Mitglieder werden aus dem Verbandstage auf die Dauer von zwei Jahren gewählt. Den Vor sitzenden bestimmt für jeden Streitfall gesondert das am Streitorte bestehende Gewerkschastskartell. Die so getroffene Regelung eines Schiedsgerichts mag'den vielfach von Konsumvereinsverwaltungen gehegten Wünschen entsprechen, widerspricht aber dem Gesetze, soweit die Schiedsgerichte Streitigkeiten zwischen Lager Haltern oder anderen kaufmännischen Angestellten und dem Konsum verein betreffen. Denn ß 6 Absatz 2 des KaufmannsgerichtögesetzeS erklärt Vereinbarungen, durch welche der Entscheidung des Kauf- niannSgerichts künftige Streitigkeiten, welche zu seiner Zuständigkeit gehören, entzogen werden, für nichtig. Zulässig, vielleicht auch zweckmäßig, wäre die Ausschließung emerj Berufung gegen Urteile des KaufmannSgerichts. Der Ausschluß von Schiedsgerichten an Stelle der KaufmannSgerichte hindert nicht, daß Einigungs- kommissionen zunächst entscheiden und daß deren Gutachten die Parteien sich taffächlich unterwerfen. Sind die Schiedsgerichte in diesem Sinne gedacht, so sind sie zulässig, ihre Entscheidung hindert allerdings rechtlich die Parteien nicht, Kaufmannsgcrichte anzurufen. Die Frage der Gestaltung von Schiedsgerichten wird ja eine von Jahr zu Jahr für die im Betrieb von Konsumvereinen Angestellten brennendere. Die auf dem Berbandstage getroffene Entscheidung über die Zusammensetzung der Schiedsgerichte entspricht der schon heute für iionsuingenossenschaften üblichen. Dem Rechtsgefühl der wirtschaftlich Schwächeren, kaufmännischen Angestellten und gewerb- lichen Gehülfen wird durch sie nicht genügt. Sie weist genau dieselben Mängel auf, die schließlich zum Verbot von Schiedsgerichten im ß 6 des KaustnannSgerichtsgesetzes geführt haben. Die Forderung, daß sachverständige und zugleich uninteressierte Personen als Richter fungieren, wird bei der zurzeit üblichen und auch auf dem Verbands- tage beschlossenen Gestaltung der Schiedsgerichte in denjenigen Fällen nicht erfüllt, in denen es sich um grundsätzliche Fragen für das Rechtsverhältnis der kaufmännischen und gewerblichen Angestellten handelt. Die Nachteile, die hierdurch erwachsen können, treffen keineswegs allein die Angestellten der Konsumgenossenschaften, sondern erstrecken sich schon deshalb auf alle gewerblichen und kaustnännischen Angestellten, weil die gelehrten Gerichte auf den Angestellten nachteilige Entscheidungen solcher Schieds- gerichte Gewicht legen. Vom Gesichtspunkte der fortschreitenden Entivickelung des Arbeitsvertrages durch Laienrechtsprechung und des Fortschritts der Arbeiterklasse überhaupt wäre eine andere Regelung der Schiedsgerichtsfragck wünschenswert. Gemildert werden etwaige Nachteile der Schiedsgerichtsinstitution durch das Klassenbewußtsein, da» seine Mitglieder durchdringt und durch Tarifverträge, die die wesentlichsten Elemente des Ar- beitsvertrages regeln. Auf dem Aachener Vcrbandstag referierte Radcstock über den„Tarifentwurf des Zentralvorstandes deutscher Konsumvereine mit dem Verbände der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter". Der Tarif hat die Zustimmung der beiden Ver- bandsvorstände bereits erhalten und wurde auch in Aachen ohne Debatte genehmigt. Er sieht Mindestlöhne mit Ortszuschlägen, Be- stimmungen über die Arbeitszeit, Ucberstunden, Sonntags- und Nachtarbeit, über Ferien und Krankheitsfälle vor. Ferner soll ein Tarifanit geschaffen lverden. Tarifverträge mit dem Lagerhalter- verbände sollen gleichfalls abgeschlossen werden. Der Vcrbandstag beschloß ferner, die Vorlage betreffend Besteuerung der Gesellschaften mit beschränkter Haftung dem Zentral- vorstände deutscher Konsumvereine und dem diesjährigen Genossen- schafrstage m Stettin zur Erörterung und Stellungnahme zu überweisen.— Die Verbandsbeiträge sollen zukünftig mindestens 20 und höchstens 200 Mark je nach dem Umsatz und bis Beiträge zum Zentralverbande die Hafte dieser Sätze betragen. Der Revisionszuschuß wurde von 20 auf 25 M. erhöht: den Revisoren 12 M. Tagegeld bewilligt und beschlossen, den nächstjährigen Ge- uossenschaflslag nach Düffeldorf einzuladen. Der nächste Verbandstag findet in Essen statt. Besonderer Erwähnung bedarf es, daß eine Anzahl größerer Konsumvereine die jungen Vereine des Ruhrbezirks anläßlich der Schwierigkeiten beim Bergarbeiterstreik tatkräftig unterstützte. Hus Industrie und Kandel. Wie im Reiche der Zentrumsgrafen die Arbeitsverhältnisse ver— bessert werde«. Das deutsche Belgien, diesen Titel hat sich Oberschlesien wegen seiner miserablen Arbeitsverhältnisse erworben. Die frommen Herren geniert die Feststellung, daß im Reiche der christlichsten Arbeitgeber die schlechtesten Löhne gezahlt werden, die längsten Arbeitszeiten herrschen und die billige Frauenarbeit auf Grube und Hütte sehr beliebt ist. Die Ehre muß gerettet werden. Man be- schloß, die Löhne aufzubessern, die Arbeitsverhältnisse günstiger zu gestalten— durch die Statistik. Bergrat Dr. Voltz und Bergassessor Witte haben das Werk vollbracht, sie haben die soziale Lage der oberschlesischen Berg- und Hütten- sklaven— statistisch gehoben. Sie brachten eine Zusammenstellung über die Durchschnittslöhne in der oberschlesischen Montanindustrie heraus, mit der man viel interpretieren, aber wenig beweisen kann. Es werden z. B. die nominellen Löhne bis zurück zum Jahre 1887 angegeben. Die Differenz zwischen den damaligen und den heutigen Durchschnittslöhnen soll als Maßstab für die gehobene Lebenslage der Arbeiter bewertet werden. Das ist durchaus irreführend. In einem Zeiträume von 30 Jahren erfährt die Kaufkraft des Geldes eine so erhebliche Veränderung, daß die gleiche Lohnsumme damals eine ganz andere Wertgröße repräsentiert, als heute. Lediglich mit den reinen Lohnziffern kann man kein Bild gewinnen über das Verhältnis zwischen Lohn und Arbeit einerseits und Gewinn andererseits. Wir wollen deshalb die Statistik der Unternehmer ergänzen, soweit das vorliegende Material dazu ausreicht. Zunächst entnehmen wir der Tabelle folgende Lohnangaben: Es betrug der Jahresdurchschnittslohn sür sämtliche in der Montanindustrie Be- schäftigten sür männl. erwachs. Arveiter männl. jugendl. Arbeiter weibl. Pers. rund in Mark 1899 897 308 209 1900 973 326 321 1901 989 335 325 1902 950 323 313 1903 961 310 311 1904 981 314 322 1905 1009 315 323 Die Bearbeiter der Statistik geben zu ihren Zahlen folgende Erläuterung: „Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei darauf hingewiesen, daß. wenn in unserer Vereinsstatistik für die verschiedenen In- dustriezlveige der Gesamtbetrag der Jahreslöbne erfragt und aus demselben durch Division durch die Zahl der Arbeiter der Jahres« durchschnittslohn pro Arbeiter ermittelt wird, dies nicht den Zweck hat, zu ermitteln, was tatsächlich der Durchschnittsarbeiter verdient hat, sondern daß es lediglich die Möglichkeit schaffen soll, durch Vergleiche mit den Vorjahren'festzustellen, um wieviel Mark und Prozent von Jahr zu Jahr der Arbeiterverdienst und damit die einschlägige Leistung(!) der Industriellen im Durch- schnitt sich ändert..." Die Beauftragten der christlichen und allerchristlichsten Mehr- Wertschlucker vertreten hier den Grundsatz, daß die Zahlung des Lohnes persönliche Leistung des Unternehmers darstelle, nicht also die Arbeit, sondern das Kapital Mehrwerte schafft und nicht das Kapital, sondern der Arbeiter eiir unangenehmer Schmarotzer ist. der sich gütlich tut an den von anderen erarbeiteten Gütern. Doch da- rüber wollen wir mit den Christen nicht rechte«. Nehmen wir die vorstehenden Ziffern als einwandfrei, dann ergibt sich bis 1901 ein Aufstieg der Löhne, dann wieder ein Rückgang bis zum Jahre 1902 resp. 1903, sodann folgt wieder eine Etappe der Lohnsteigerung. Nach den Angaben haben in 1905 die männlichen erwachsenen Arbeiter den Höchstsatz von 1901 noch um 20 M. überschritten, die jugendlichen Arbeitervlieben aber um 20 M., die weiblichen Personen um 2 M. hinter dem Höchstsatz zurück. Bei den in den letzten Jahren enorm gestiegenen Lebensnüttelpreisen bedeutet diese Lohn- entwickelung zweifellos eine Verschlechterung der sozialen Lage der Arbeiter. Der gestiegenen Lohnsmnme für die erwachsenen Arbeiter liegt aber nicht einmal eine wirkliche Lohnerhöhung, sondern eine gesteigerte Leistung zugrunde. Nach einer Statistik des Nieder- schlestschen Bergwerksvereins betrug die Förderleistung pro Kopf in 1901 rund 195 Tonnen, in 1905 aber 199 Tonnen. Dazu wurden im letzten Jahre 4 Schichten mehr geleistet als in 1901. Das macht für den Bergbau eine Mehrleistung aus. die das Lohnmehr nicht nur ausgleicht, sondern noch überwiegt. Doch nehmen wir die ProduktionSstatistik des Oberschlesischen Berg- und Hüttenmännischen Vereins zur Hand I Nach dieser stieg die Er- zeugung von rund 30 Millionen Tonnen in 1904 aus rund 31>/z Mill. Tonnen in 1905 und der Wert pro Tonne hob sich auf 16,11 M. pegen 14,25 M. Und die auf den Kopf der Beschäftigten entfallende Werts nmme ist beträchtlich gestiegen. Nach den Vierteljahres- nachweisen über die Zahl der Belegschaften und der Jahresproduktion der gesamten Industrie machen wir folgende Aufstellung: Es betrug die Zahl der Gesamt-„j. männlichen weiblichen wert der«„„t Arbeiter Arbeiter Erzeugung Will. M. Wt- 1901... 123 043 11390 877 2804 1902... 122 862 12 820 889 2880 1903... 127 438 11 121 405'/. 2923 1904... 181 719 11 460 438 8060 1905... 135 394 12 013 510'/z 8462 Also in fünf Jahren ist die auf den Kopf- der Beschäftigten entfallende Wertsumme der Produktion um K58 M. gestiegen, aber ür die weiblichen Belegschaftsmitglieder und für die Jugendlichen ist der Lohn in 1905 niedriger als im Zahre 1901 1 So sieht die Hebung der sozialen Lage der oberschlesischen Arbeiter und so steht die— Leistung der Unternehmer aus. Wirte und Großbraucr. Die Brauer haben sich mit der Brau- 'teuer ausgesöhnt, sie wollen den Wirten die neuen Lasten aufpacken und mehr dazu. Die Brauereien glauben, noch einen Extraprofit 'chneiden zu können. Wie notwendig das für sie ist, ergeben die Gewinnziffern der Aktienbrauereien. Das Jahr 1904 brachte, an der durchschnittlichen Verzinsung einer bestimmten Zahl von Aktiengesell- chaften gemessen, ein« um 1— 2 Proz. höhere Rente als das Ge- 'chästsjahr 1903, ebenso ging die Verzinsung im Jahre 1905 noch in die Höhe. Schon von 1896 ab in jedem Jahr— mit Ausnahme von 1902— erzielte man über 9 Proz., einigemal annähernd 10 Proz. Dividende, für 1904 9,69 und für 1905 gar 10,04 Proz. Das sind gewiß durchaus günstige Ergebnisse. Die Großbrauereien, deren Abnehmer zum Teil von ihnen ab- hängig sind, erwarten ivohl, die Wirte würden mit Handkuß die beschlosieuen Bieraufschläge zahlen. Die Wirte haben dazu jedoch keine Lust, aber sie fanden noch keinen Weg, sich der—„Frei- gebigkeit" der Brauereien zu entziehen. Borläufig hat man erst mal eine Resolution angenommen. Am Montag fand eine Versammlung des Aktionskomitees der deutschen Gastwirte statt, die in einer Eni- schließung sagt, die Wirte seien nicht in der Lage die Aufschläge zu tragen, aber cS sei auch nicht möglich, sie auf die Konsumeilten ab- zuwälzeu. Eine Kommission soll mit dem Bunde der mittleren und kleineren Brauereien in Verbindung treten. Auch wurde die Errichtung von Genossenschaftsbrauereien in Erwägung gezogen. Die»roß- Brauereien werden es natürlich auch nicht an Vorsorge fehlen lassen und die Folge wird sein: fortschreitende Monopolisierung im Bierverschleiß. Nicht uninteressant ist die folgende, von dem Vorsitzenden des Wirte- Verbandes, Herrn Ringel, mitgeteilte Tatsache: Wegen Beleidigung der Mitglieder des Reichstages durch eine Eingabe des Aktionskomitees der deutschen Gastwirte ist der Protest der Wirtevereinigung gegen die Brausteuererhöhung nicht im Reichstage zur Verteilung zugelassen. Die angefochtene Stelle lautet: „Diese BiersteuererheBung soll angeBIich eingeführt werden, um die_ mittleren und Kleinbrauereien gegen die Uebermocht des Großkapitals zu schützen. Während nun bei diesem angeblichen Schutz des Braugewerblichen Mittelstandes nur wenige hundert Existenzen in Frage kommen, ist man leichten Herzens bereit. Hunderttausende ehrlicher deutscher Gastwirte dem Bettelstab zu überantworten, und das ist um so bedauerlicher, als diese Brauereien, deren Interessen man angeblich im Namen des deutschen Mittelstandes schützen will, gar nicht dem Mittel stände im eigentlichen Sinne zuzurechnen sind, da sie zum großen Teil in Wirklichkeit großkapitalistische Unternehmungen sind, und sich von den sogenannten Großbrauereien durch nichts anderes, als die Höhe des Umsatzes unterscheiden. Da ist es denn um so bedauerlicher, wenn Abgeordnete, welche auf ein mittelständisches Programm gewählt sind, und selbst behaupten, den deutschen Mittelstand zu vertreten, wie Reichstagsabgeordneter Pauli und Landtagsabgeordneter Hammer, namentlich aber viele Abgeordnete der Rechten und des Zentrums, verblendet durch diese mittelständischen Allüren der neuen Vorlage sich blind gegen alle berechtigten Eingaben des Gastwirtestandes auf die neue Vorlage eingeschworen haben und durch keine Gegenvorstellungen von ihrer abgefaßten Meinung abzubringen sind." In der Debatte meinte ein Redner, man habe nun gesehen, was man von den parlamentarischen Wortführern der Mittelstands» Vereinigung zu erwarten habe. Damit dem Ganzen der pikante Beigeschmack nicht fehle, sei daran erinnert, daß der Reichstags- kandidat Ringel, Vorsitzender des Wirteverbandes, entschieden als Wort- führer der Mitrelstandsvereinigung auftrat. Nun diese Wendung I Den Bogen überspannt. Wie der Spiritusring, so hat anscheinend auch das Zündholzsyndikat den Preisbogen überspannt. In den in Betracht kommenden Händlerkreisen hat die Anregung der Gründung einer eigenen Zündholzfabrik bereitwilligst Aufnahme gesunden. Die Fabrik loll auf eine Jahresproduktion von 3 Millionen Pack ein- gerichtet werden. Dieses Quantum entspricht zirka 3 Proz. der im Syndikat organisierten Erzeugung. Wenn wir recht unterrichtet sind, trägt man sich auch in Konsumvereinskreisen mit dem Gedanken, eine eigene Zündholzfabrik zu erbauen. 31/2 Mill. Mark Ueierschuß, 1 665 129 M. Reingewinn. 12 Proz. Dividende, in diesen Angaben kommt die Konjunktur des letzten Jahres für die Ribeckschen Montanwerke A.-G., Halle a. S., zum Ausdruck. Die Abschreibungen sind auf 1 148 217 M. bemessen bei 12 Mill. Mark Aktienkapital. Unter 10 Proz. Dividende hat die Gesellschaft noch nie verteilt.— Unternehmerrisiko! Eine Riesenzeche soll die zum Hüttenwerk Hoesch- Dortmund gehörende Grube Kaiserstuhl II werden. Durch Neuanlagen will man die Zahl der Belegschaft auf 12 609 bringen. Die neuen Schachtanlagen sollen auf einem schon vor zwei Jahren erworbenen, direkt am Dortmunder Hafen belegenem Terrain aufgefiihrt werden. Die technische Einrichtung ist so geplant, daß die nicht zum Hütten- werk übergeführten Kohlen sofort vom Schacht aus in Kähne ver- frachtet werden können. Siegerländer Eisenstein. Die Eisensteinförderung der Sieger- länder Gruben betrug im I. Quartal 1906.... 621 998 Tonnen VI., 1903.... 484342 HL, 1905.... 461223. n.„ 1905.... 405571 Die Erzeugung ist demnach im} Laufe der letzten 12 Monate ganz enorm gestiegen._ Hiiö der frauenbewcgimg* Die sozialistischen Frauen in England treten lebhaft für ihre Rechte ein, wie sie bei der Wahlrechtsdebatte im Unterhause, als es sich um das Frauenwahlrecht handelte, kürzlich erst bewiesen haben. Sie erschienen auf der Galerie, als Keir Hardie seinen Antrag vorlegte, der in Bezug auf das parlamentarische Wahlrecht für beide Geschlechter Gleichstellung verlangt. Die Frauen protestierten und verlangten lebhaft nach der Abstimmung, als sie merkten, daß die Gegner den Antrag niederreden und die Abstimmung vereiteln wollten. Der Präsident fand den verursachten Lärm zu groß und ließ die Galerie räumen. Die bürgerliche Presse und die„wohl- anständige" Frauenwelt waren entsetzt über die Energie der sozialistischen Frauen und beschäftigten sich noch lange damit unter Kundgebungen der Entrüstung. Das kostet nichts und zeigt die Gesinnungstüchtigkeit. Aber die Frauen ließen den Sturm ruhig vorüberbrausen und gingen an die Arbeit für die sozialistische Bewegung. In London wurde kürzlich eine Liga proletarischer Frauen gegründet, um zusammen mit der Arbeiterpartei im öffentlichen Leben zu wirken. Die Liga erstrebt, daß die Frauen bei Gemeinde- wie bei Parlamentswahlen zusammen mit den Männern arbeiten, politische Versaminlnngen besuchen und zur Agitationsarbeit herangebildet werden; ihr Interesse soll geweckt und ihre tätige Anteilnahme erzielt werden bei den Arbeiten der Armenverwaltung, Schulkommissionen, Notstands- komitees, sowie für alles, was die Genwinderats- und Parlaments- Mitglieder angeht. Die Frauen der Liga sollen dafür eintreten, daß Frauen und Männer ihr volles Bürgerrecht erhalten, und sie sollen sich eingehend mit dem Wohlergehen der Arbeiterinnen beschäftigen. Zweigvereine der Liga aller Orte zu gründen, wird allen Mit- gliedern zur Pflicht gemacht und zu diesem Zweck vorgeschlagen, mit den lokalen gewerkschaftlichen und sozialistftchen Organisationen in Verbindung zu treten. Der erste Kongreß der Liga wird am 21. Juni in Leicester stattfinden. Adlershos. Der Verein für Frauen und Mädchen in Adlershof hielt am 13. Mai 1906 bei Herrn Wöllstein seine regelmäßige Vereinsversammlnng ab. Herr Schubert sprach über„Nikolaus Lenan". Beschlossen wurde noch, einen gemeinsamen Ausflug nach Hasselwerder zu veranstalten. Derselbe findet am 17. Juni statt. Der Vorstand. Groß-Lichterfelde-Laukwitz. In der am 14. Mai stattgefundenen gut besuchten Mitgliederversammlung hielt Herr Miethke einen licht- vollen Vortrag über„Erd- und Feuerbestattung", welcher mit Bei- fall aufgenommen wurde. In der Diskussion beantwortete der Redner noch einige zum Thema geäußerte. Fragen. Es wurden einige neue Mitglieder aufgenommen. Versammlungen. Darf ein Sozialdemokrat sich des Konsumvereins alS Kampsmittel bedienen? So lautete die Tagesordnung einer von etwa 300 Personen besuchten Volksversammlung, welche am Freitag im oberen Saal von Keller, Koppenstraße, stattfand. Referent war Reichstagsabgeordneter Fräßdorf. Einleitend bemerkte Redner, wenn er Einfluß auf die Feststellung der Tagesordnung gehabt hätte, würde er sie etwas anders gestellt haben. Denn ein Kampf- mittel nach dem allgemeinen Sprachgebrauch seien die Konjumver- eine keineswegs. Wohl aber fasse er das Genossenschaftswesen, die Konsumgenossenschaften als Mittel auf, die Lage der arbeitenden Klasse etwas zu heben. Redner ging dann auf die Entstehung und Entwickelung des Genossenschaftswesens in Deutschland ein, sowie auf die Wandlungen, welche die Stellung von Partei und GeWerk- schaften dazu im Laufe der Zeit erfahren haben. Er selbst, der jetzt Vorsitzender des 23 000 Mitglieder zählenden Kdnsuin Vereins „Vorwärts" in Dresden ist, habe in jungen Jahren und noch später der Genossenschaftsbewegung skeptisch gegenüber gestanden. Die Stellung der Partei zum Genossenschaftswesen sei auf dem Ber- liner Parteitag festgelegt worden in der dort angenommenen Re- solution und nachdem nicht wieder. Aber welche Wandlungen seit- dem im deutschen Genossenschaftswesen— wie seien die Genossen- schaften seitdem in Teutschland, aufgeblüht I Und zwar Genossenschaften, die von Arbeitern gegründet wurden und geleitet werden. Es sei nicht angängig, daß die Partei sich derartigen großen Wirt- schaftlichen Organisationen teilnahmlos gegenüber verhielte. Es wäre an der Zeit für die sozialdemokratische Partei, wieder einmal zur Genossenschaftsfrage Stellung zu nehmen. Es werde auch nicht angängig sein, daß die Parteipresse eine gleichgültige Stellung ein- nehme.(Mehrfache Zurufe:„Vorwärts".) Er wiffe nicht, ob es der„Vorwärts" tue, wenn aber, wie gesagt werde, dann wäre es falsch von ihm. Ein Parteiblatt müsse alle wirtschaftlichen Be» strebungen der Arbeiter entweder zu fördern suchen, wenn sie den Parteigrundsätzen nicht zuwider seien, oder aber, wenn dies der Fall wäre, sie bekämpfen. Stellung müsse genommen werden von der Partei und ihrer Presse. Kein Daruinherumdrückenl— Zu der Berliner Resolution der Partei von 1892 bemerkte Redner, daß sie, die sich sehr reserviert halte, nach ihrem Wortlaut sowohl wie nach der begleitenden Debatte ffich hauptsächlich auf reine P r 0- d u kt i v genossenschaften beziehe. Soweit das der Fall sei, txäfe sie allerdings in der Regel auch heute noch zu. Redner verwies sodann auf die Resolutionen des Kölner Gewerkschaftskongresses, die die Gewerkschaftsmitglieder verpflichten, die Konsumgenossen- schaften zu fördern und zu unterstützen. Ferner ging er näher ein auf das Wesen der Konsuingenoffenschaften, schilderte an Beispielen die inneren Einrichtungen blühender Kon s u mge n offen scha ften, die auf bestimmten Gebieten schon zur Eigenproduktion schreiten, und hob die Vorteile für die Mitglieder hervor, die er dahin zusammen- faßte: Ersparnisse bei der Befriedigung der'Wirtschaftsbedürfnisse — Bezug guter unverfälschter Waren— Erziehung der Mitglieder zu geordneter Wirtschast mittels des Grundsatzes der Barzahlung — Hebung des Verständnisses für geschäftliche Angelegenheiten. Unter großem Beifall schloß Redner mit dem lebhaften Appell au die Berliner, nun auch, wozu sie allen Anlaß hätten, eine energische Agitation zu entfalten, um auch hier die Konsumvereinsbewegung auf die Höhe zu bringen., An der Diskussion beteiligten sich im Sinne des Referenten die Genossen Lamm, Reichstagsabgeordneter Peus, Bors- d 0 r f und Scholz. Pens zeigte an verschiedenen Beispielen, wie in vielen Orten die Konsumgenossenschaften geradezu eine Rückenstärkung für die Parte ibewegung geworden seien, indem sie Gemeindevertretern, Stadtverordneten usw. erst die wirtschaftliche Grundlage für ein tüchtiges Parteiwirken boten und so trotz aller Neutralität wirksam gewesen seien zum Nutzen der großen Be- wegung zur Befreiung des Proletariats. Die Erziehung der Ar- beiter zu genossenschaftlichem Fühlen und Denken durch die Ge- nossenschaften schätzt Redner, wie Fräßdorf, hoch ein.— Scholz entnimmt einem ihm von dritter Seite zur Verfügung gestellten Brief der Redaktion des„Vorwärts", daß der„Vorwärts" der Förderung des Genossenschaftswesens seine Spalten mit Rücksicht auf gewisse Strömungen in Berliner Parteikreisen verschließe. Es wurde eine längere Resolution angenommen, in der die Versammlung ihrer Meinung zunächst dahin Ausdruck gab, daß kein Grund vorhanden sei, der Konsumgenossenschafts-Bewegung gleichgültig oder gar feindlich gegenüber zu stehen, aber aller Anlaß, sie zu fördern durch eifrige Agitation und Mitwirkung. Weiter be- schloß die Versammlung, den Organisationen sowie der Redaktion des„Vorwärts" es zur Pflicht zu machen, der Konsumvereins- Bewegung förderlich zur Seite zu stehen, beziehungsweise für ihre Förderung Raum zur Verfügung zu stellen. Zu den Ausführungen des Genossen Scholz haben wir sol- gendes zu bemerken: Es ist unwahr, daß die Redaktion des„Vor- wärts" jemals in einem Briese oder sonstwie behauptet hat, wie Genosse Scholz gelesen haben will,„daß der„Vorwärts" der Förde- rung des Genossenschaftswesens feine Spalten mit Rücksicht� auf ge- wisse Strömungen in Berliner Parteikreisen verschließe". Wir fordern den Genossen Scholz auf, den Brief, dem er dies ent- nommen haben will, uns zwecks Veröffentlichung zur Verfügung zu stellen oder seine unwahre Behauptung zurück zu nehmen. Seitens der Redaktion ist in den letzten Monaten wiederholt bei Rück- sendung von Artikeln, die die Bedeutung der Konsumvereine über- trieben, den Konsumvereinen z. B. die Möglichkeit zuschrieben, die Wirkungen der Nahrungsmittelzölle, der Ringe, Trusts. Kartelle usw. lahmzulegen, betont, daß eine derartige Ueberschätzung geeignet sei, die gegen- Konsumvereine bestehenden Ansichten zu för- dem und die Konsumvereinssache zu schädigen, daß es aber in der Absicht der Redaktion liege, die Stellung der Partei zur Konsumvereinsfrage in einem der Kons um Vereinsbewegung günstigen Sinne das Gegenteil dessen, was Genosse Scholz aus dem nicht an ihn gerichteten Briefe herausgelesen haben will. In gleichem Sinne ist mit Führern der Berliner Konsumvereinsbewegung gesprochen worden. Irreführende, unrichtige Behauptungen, wie st« Genosse Scholz nach dem Bericht aufgestellt hat, sind geeignet, die für Berlin zweifellos bestehenden Schwierigkeiten für das Gedeihen im Sinne der Arbeiterbewegung geleiteter Konsumvereine außerordentlich zu erhöhen. Lese- und Tiskutierklub„Norden". Sitzung am Freitag, den 18. Mai. abends 8'/. Uhr, bei Korff, Elisabethkirchstr. 18. Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Lese- und Tiskutierklub„Temostbenes". Heute abend 9 Uhr be! Dornbusch. Prinz Eugenstr. 8. Sitzung. Thema: „Klassenkampf und Bildung". Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Agitationsverein für den Wahlkreis Bromberg-Ttadt und Land. Sitzung jeden ersten Freitag im Monat im Lokal von Leo Ostrowski, Schillingstr. 24. Die Partei- und Gewerkschasts- genossen werden dringend ersucht, unsere gute Sache durch Zusuhrung neuer Mitglieder zu unterstützen. WttternugSüberltcht vom 17. Mai Ii»««, morgeus» Uhr. Etattonen Stvlnemde. Hamburg Berlin Franks.a.M München Wien ■£- 1 I Setier S» HS: 751 NO 751 D 751 NO 749 NO 747 N 747 Still 2 wolkig 3 heiter 3 bedeckt 3 bedeckt 2 wolkig — bedeckt Slalloiien KS S Weiler Haparanda 1 757 O Petersburg 758 SO Scilly Aberdee» Pari» 754 N 747 N 2, molkig ybedeckt Spvoilig > 5, bedeckt 749 SSW: 1-wolkig -» li IJ 11 16 7 6 8 Wetter-Proguosc für Freitag, de» 18. Mai 1906. Nachts kühl, vom Mittag ziemlich warm, zeilweise heiter bei mäßigen nordöstlichen Winden: keine erheblichen Niederschläge. Berliner W c t t e r b u r e a u. Wasserstand am 16. Mai. Elbe bei Aussig 4- 0,23 Meter, bei Dresden— 1,25 Meter, bei Magdeburg 4- 1,23 Meter.— U u st r» l bei Straußsurt 4- 1,40 Meter.— Oder bei Ratibor 4- 1,62 Meter, bei Breslau Oberpegel 4- 5.08 Meter, bei Breslau Unterpegel— 0,98 Meter, bei Franksurt 4- 1,40 Meter.— Weichsel bei Brahemünde 4- 2,94 Meter.— Warthe bei Posen 4- 0,56 Meter. AzelÄuier bimmelle nuscqmiisdufi In der letzten Zeit sind wiedcrholentlich Gerüchte verbreitet, nach denen unsere Gesellschaft sich in Zahlungsschwierigkeiten befinden soll und infolgedessen die neuen Unternehmungen derselben am Potsdamer Platz und in der Bellevuestraße in andere Hände übergegangen seien oder übergehen sollen. Wir haben in Anbetracht der Blätter, welche sich bisher allein die Verbreitung solcher Gerüchte haben angelogen sein lassen, es nicht für nötig erachtet, diesen Gerüchten ausdrücklich entgegenzutreten. Nachdem aber eine Zeitung von der Bedeutung der„Post" ebenfalls eine dementspreohende Nachricht gebracht hat, haben wir geglaubt, diese Nachricht nicht nur durch eine tatsächliche Berichtigung, wie wir solche nach dem Gesetz zu beanspruchen haben> widerlegen zu sollen, sondern halten uns für verpflichtet, ganz allgemein zu erklären, daß diese Gerüchte jeder Unterlage entbehren. Unsere Gesellschaft hat nicht nur bisher jede fällige Verbindlichkeit auf das Pünktlichste erfüllt, sondern wird dies auch in Zukunft tun, da trotz des ümfanges unserer Unternehmungen für alle aus denselben sich ergebenden Ansprüche in der ausreichendsten Weise vorgesorgt ist. Die Gesellschaft befindet sich weder in Geldverlegenheiten, noch hat sie solche zu befürchten. Es ist weder in der verantwortlichen Leitung der Gesellschaft, noch von den an derselben beteiligten Personen auch nur daran gedacht, die in der Entstehung begriffenen neuen Anlagen ganz oder zum Teil in andere Hände über» gehen zu lassen. Aschinger8 Bierquelle Aktiengesellschaft Haas Lobaert. Leiäotwvrtficher Haus WkbsL Beiljss. Ftll den Jujualtiuüst Lsiamw.i 2�. Elslkc. Dtuck u.Lüllag: AlUwtulSLuchdruderu u. Llllagsanstaft Paul Singer ilvu SW. ».in aj*,« 2. Itilnp ks ,f oimürtü" fttliiitt Itlblilttt.>-»»»«-» Maifeier«nd Partei. Leider bin ich nochnrals genötigt, den Raum deS„Vorwärts" zu dieser Angelegenheit in Anspruch zu nehmen. Wer die Auslassungen des Aktionsausschusses in Nr. 112 des »Vorwärts" liest, wird sich sagen:„Jetzt wirds geschmackvoll". Doch wer die internen Angelegenheiten kennt, der weiß, daß der Mtionsausschuß diese Sprache führt, um seiner in verschiedenen Zahlabenden ausgegebenen Parole den genügenden Nachdruck zu geben: Cohen muß runrerl Vielleicht streitet mir der Genosse Liepmann auch ab, daß er mir, bei Gelegenheit der Besprechung der A. E.-G.- Angelegenheit in geradezu unglaublicher Ueberhebung drohte:„Wenn Ihr etwas gegen uns unterninnnt, seid Ihr in 48 Stunden abgesägt." Doch zur Sache! Mit meiner Ausfassung, daß der Parteivorstand sich mit seiner Erklärung hinter die Gewerkschaften versteckt, stehe ich doch nicht etwa allein, sondern eine ganze Reihe namhafter Partei- genossen, auch solcher, die die höchsten Ehrenämter bekleiden, sind derselben Meinung. Welche Stellung ich zu der Angelegenheit der A. E.-G. Brunnen- straße eingenommen,.steht klar in meinen früheren Erklärungen und gehl daraus hervor, was mich zum Aktionsausschuß am Freitag, den 4. d. M., abends, geführt hat. Eine Wiederholung ist überflüssig. Was da am Sonnabend dem Genossen Ernst gesagt sein soll, ist nicht zutreffend, kann es nicht sein, weil vom Freitagabend 11 Uhr bis Sonnabend früh 9 Uhr nichts unternommen sein kann. Dazwischen liegt doch nur eine Nacht. Was ich in der Versammlung in der Swinemünderstraße er- zielen wollte, habe ich doch auch klar genug ausgedrückt. Da aber das Hirn einiger Genossen im Aktionsausschuß etwas schwerfällig zu arbeiten scheint, Ivill ich eS kurz wiederholen. Weil mir eine genieinsame Feststellung im Aktionsausschuß ab- gelehnt war, man vielmehr, wie aus der Erklärung hervorgeht, erst nach der Stellungnahme der Gewerkschaften, als Partei Stellung nehmen wollte, hatte ich das durchaus berechtigte Bestreben, daß in dieser Frage die Partei sofort, ohne erst die Stellung der Gewerk- schaften abzuwarten, zu dem Vorkommnis in der Brunnenstraße Stellung nehmen sollte. Daß man im Aktionsausschuß vor einem Massenausschluß zurück- schreckte, ist doch von Mitgliedern des Aktionsausschusses gesagt. Oder leugnet man das auch? Würde es sich um einzelne handeln, wäre die Geschichte einfacher, erklärte mir der Genosse Böske, aber MassenauSschliisse. das ist nicht so einfach. Auf diese Bemerkungen zielen meine Ausführungen in der Versammlung. Daß der Bestand der Gewerkschaft in der Brunnenstraße gefährdet war und auch heute noch ist, kann jeder, der nur ein klein wenig Ahnung von der geiverkschastlichen Organisation hat, bestätigen. Wie recht ich habe, geht doch auch zum Teil daraus hervor, daß mir eine Reihe der ausgesperrten Kollegen in den letzten Tagen erklärt haben:„Wenn die nicht rauskommen, gehen wir aus der Organisation". Nun aber kommt in der Erklärung des Aktionsausschusses eine Stelle, die zeigt, in welchem hohen Maße der Aktionsausschuß es versteht, Dinge zu verdrehen und zu verdunkeln. In der Erklärung des Parteivorstandes heißt es unter 2. Der Parteivorstand kann kein Urteil abgeben über die Handlungsweise der als Mitglieder des Metallarbeiterverbandes in der A. E.-G. beschäftigten Parteigenossen, soweit diese ihren früher gefaßten Beschluß, bei der Maifeier nicht zu arbeiten, selbst mißachteten. Dieser Beschluß ist auf Grund der Vorschriften, welche der Metallarbeiterverband für seine Mitglieder bezüglich einer Ent- scheidung über die Maifeier erließ, gefaßt worden. Es handelt sich also hierbei in erster Linie um eine gewerkschaftliche An- gelegenheit, zu der zunächst die Gewerkschaft Stellung zu nehmen hat. Der Parteivorstand ist auf Grund der Parteiorganisation der- pflichtet, abzuwarten, ob eine lokale Organisation den Antrag stellt, ein Parteimitglied, das sich an der Nichteinhaltung des in der A. E.-G. gefaßten Beschlusses betreffend die Maifeier beteiligte, wegen ehrloser Handlung aus der Partei auszuschließen. Wird ein solcher Antrag gestellt, so ist der Pnrteivorstand verpflichtet, ein Schiedsgericht zusammenzuberufen, zu dem er den Vorsitzenden ernennt. Und was macht der Aktionsausschuß daraus? Mit der Frage des Ausschlusses aus der G e- werkschaft(1) konnte sich dcr Parteivorstand und Zentralvorstand von Berlin, weil eine innere Angelegenheit des.Metallarbeiter-VerbandeS, nicht beschäftigen. Da hat aber die Oeffentlichkeit einmal einen schlagenden Beweis, wie der Aktionsausschuß dreht und windet und schiebt. Derartiges durfte der Schreiber der Erklärung deS Aktionsausschusses sich doch nur erlauben, wenn er in seiner Geistes- Verwandtschaft mit den eip- und zweihöckerigen Wüstentieren annahm, die Oeffentlichkeit merke diese plumpe Mache nicht. Es mag auch an dieser Stelle gesagt werde», wie man gegen mich im geheimen wühlt. Nachdem man sich getäuscht hat in der Annahme, daß ich vor Drohungen zurückschrecke, nachdem man sich getäuscht hat in der Annahme, ich klebe an meinem Posten und würde mit Rücksicht auf diesen Posten schweigen, geht man mit den häßlichsten Mitteln gegen mich vor, um inirth mmiöglich zu machen. Nun aber weiter: An denlselbcn Abend(b. h. am 4. Mai) soll ich der engeren OrtSverwaltnng mitgeteilt habe»:„Der Partei- Vorstand hat erklärt, die Durchführung der Maifeier fei eine rein gewerkschaftliche Angelegenheit". Das Unzutreffende dieser altionSausschußliche» Behauptung wird dadurch ohne weiteres klar, wenn ich bemerke, daß an der Sitzung, am Freitagabend, in welcher uns die Erklärung des Parteivorstandes mitgeteilt wurde, von den neun der zurzeit in Berlin anwesenden Mitgliedern der engeren Verwaltung vier Mitglieder, also fast die Hälfte, teilgenommen haben. Wahr ist vielmehr folgendes: Am Sonnabend, den 6. Mai, abends sprach ei» Kollege in der VertrauenSmäilnerkonfereuz Moabits etwas anS, das dem. lvas mir der Aktionsausschuß in den Mund legt, ähnlich klang. Sofort habe ich mich zum Wort gemeldet und erklärt, daß ich nicht möchte, daß jemand den Saal verläßt mit einer falschen Meinung vom Partcivorstand und dann habe ich die betreffende Stelle aus der Erklärung des PartcivorstandeS vor- gelesen. Was der Aktionsausschuß unter 3 erklärt, ist auch nicht zu- treffend. Zunächst äußerte der Genosse Böske bei Gelegenheit der A. E. G.- Angelegenheit:„Was heißt hier Verantwortung? Wir zahlen so nichts und so nichts." sSoll das jetzt etwa bestritten werden?) Dann kamen Freitag früh zu der Besprechung zwei Mitglieder des Parteivorstandes hinzu und im Laufe der weiteren Besprechung sagte Böske:„Ja, wenn wir etwas tun, dann aber nur in Form von Sammlungen, anders nicht." Diese Sammlungen nun habe ich mir aufs entschiedenste ver- beten aus Gründen, die ich hier nicht anführen mag, und da man mir auch nicht die geri ng st e Hoffnung ließ, daß auf andere Weise etwas zu erwarten sei, durste, ja noch mehr, mußte ich sogar den Vertrauensleuten in Ober-Schöneweide sagen:„Von der Partei gibt es keinen Fatz." Die gleiche Auffassung, die ich am Freitag früh als Resultat der Besprechung hatte, haben unsere drei Revisoren, die Freitag abend an der Sitzung des Parteivorstandes teilnahmen. Darum durste ich auch durchaus init Fug und Recht am Montagabend den drei Kollegen aus Ober-Schöneweide die mir mit- teilten, es sei ihnen aus Parteimitteln Geld versprochen sagen: „Wenn Ihr von der Partei auch nur 1000 M. losmacht, dann könnt Ihr mehr wie Brot essen." Wenn es nun in der Erklärung vom 16. Mai unter 6 heißt, daß als wir vier Mitglieder der Ortsverwaltung die Sitzung verlassen wollten, der Vorsitzende uns gesagt haben soll:„Die Partei ist bereit, betreffs der Maiaussperrung sofort Parteimittel zur Verfügung zu stellen", so bemerke ich hierzu, daß die Bemerkung des Genossen Ernst nicht so war, sondern lediglich im Sinne der Erklärung des Partei- Vorstandes. Und wie die aufgefaßt werden durfte, hatte ja Böske klar genug gesagt. Also auch hier die Worte verschoben und entstellt und sofort hat Cohen unrecht. Als ich nun am Dienstagabend mit den drei Genossen aus Ober-Schöneweide nach der Lindenstraße ging, wurden von mehreren dort Anwesenden die Dinge so dargestellt, daß ich gar nicht anders konnte, als wie am Schluffe die Anwesenden aufzufordern, zivei Genossen mitzuschicken nach unserer gerade tagenden Sitzung der engeren Ortsverwaltung um festzustellen, daß die Dinge sich anders abgespielt hatten, als wie die Mitglieder des Aktionsausschusses sie dargestellt hatten. Meine Bitte wurde nicht erfüllt, angeblich hatte niemand von den Anwesenden, etwa zehn Mann, Zeit. Die drei Genossen aus Ober-Schöneweide kamen mit und gaben in der Sitzung der Ortsverwaltung nach Darstellung der Sache durch die drei Revisoren zu, daß dann vorhin im Verbands bureau des Wahlvereinsverbandes von mehreren Mtgliedern des Aktionsausschusses die Unwahrheit gesagt sei. Zum Schlüsse nochmals: Daß der Zentralvorstand von vornherein geneigt war, aus Parteimitteln Gelder zu Unterstützung der Maiausgesperrten zur Verfügung zu stellen, habe ich erst auS dem„Vorwärts" vom Sonntag, den 13. Mai, erfahren. Wenn ich dies nicht vorher kannte, so liegt das nicht an mir, sondern an den gewundenen und gedrehten Erklärungen der Gegen feite. Die dreckigen Bemerkungen, die der Verfasser der Erklärung des Aktionsausschusses fdiner Erklärung anhängt, kann ich über gehen. Von jemand, der so oft schon gezeigt hat. daß er nicht anders als in dieier dreckigen und gehässigen Weise polemisieren kann, von jemand, der andere, die ihm sachlich entgegentreten, stets in den Kot zu ziehen sucht, ist nichts anderes zu ertoarten. Im übrigen möchte ich nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß die A. E.-G.- Angelegenheit allein nicht diesen Ton gezeitigt hat, sondern als Ursache etwas weiter zurückliegende Angelegenheiten hat. Bedauerlich ist eS allerdings, daß der Aktionsausschuß der- artiges mit seinem Namen deckt. Berlin, den 14. Mai 1906. Adolf Cohen. ErNSrimg. Hiermit erklären wir. daß in der Sitzung des Aktionsausschusses am 4. Mai 1906 in der Diskusston gesagt wurde, daß lediglich durch öffentliche Sammlungen eine finanzielle Unterstützung möglich sei. Eine andere Auffassung konnten wir nicht haben und stimmen wir deshalb dem Kollegen Cohen zu, wenn er sagt, daß anders als durch Sammlungen uns auch nicht das geringste zugesagt wurde. Auch durch die vom Genossen Ebert vorgelesene Resolution des Parteivorstandes ist unsere Auffassung nicht geändert worden. KarlSchmidt. EmilScheck. W. Ramsbrock. Durch die obige Erklärung wird das Gegenteil von dem gesagt, lvas uns die Genossen Eugen Ernst, Freythaler und Ebert am Dienstag, den 8. Mai, bezüglich der Aufbringung der Mittel gesagt haben. Gustav Scharff. Alfred Wurbs. Ern st Blanke. Zu den vorstehenden Erklärungen bemerken wir: Es ist das alte Spiel:„Wenn der Fuchs in der Falle sitzt, schlägt er mit dem Schwanz um sich, um allen andere» Sand in die Augen zu streuen". Wer die Stirn hat, jetzt abzustreiten, was er einige Tage vorher zugegeben,— wer Verhandlungen, an denen zirka 50 Personen teil- genommen haben, in das Gegenteil umzudeuten wagt,— wer andere Verhandlungen überhaupt wegleugnet, mit dem läßt sich nicht diskutieren. Wir überlassen das Urteil den Parteigenossen und verweisen dieselben auf die Artikel in den Nummern 106, 110 und III des „Vorwärts". Wozu wiederholen, die Tatsachen sollen entscheiden. Zu der nachträglich eingelaufenen Erklärung der Genossen Schmidt, Scheck und Ramsbrock haben wir noch folgendes zu be- merken: An einer Sitzung des Aktionsausschusses haben die genannten 3 Genossen überhaupt nicht teilgenommen, vielmehr haben dieselben gemeinsam nnt Cohen einer Sitzung des Zentral- und Parteivorstandes am 4. Mai beigewohnt. In dieser Sitzung erklärte Cohen ausdrücklich, die Unter- stützungsfrage käme vorläufig gar nicht in Be- tracht. Haupt sacheseidieAusschlußangelegenheit. Entgegen der Behauptung der Genossen Schmidt, Scheck und Ranisbrock, in der Diskussion sei gesagt worden,„daß lediglich durch öffentliche Sammlungen eine finanzielle Unterstützung möglich sei", erklären wir auf das bestimmteste unter Berufung auf das Zeugnis sämtlicher zirka 60 Mitglieder des Partei- und Zentralvorstandes, daß eine solche Aeußcrung von keiner Seite gefallen ist und weder Antrag gestellt, noch Beschluß in diesem Sinne gefaßt wurde... Daß auf dem Verbandsbureau der Metallarbeiter den Ober- Schöneweidern etlvas anderes gesagt wurde, glauben wir gern. �Der Aktionsausschuß. Auf die mich betreffenden unwahren Angaben des Genossen Cohen habe ich zu bemerken: Ich sagte:„Massenausschlüsse" sind nicht so einfach, zunral nicht festgestellt sei. was im letzten Augenblick da- zwischengetreten ist. Hierüber muß erst Klarheit geschaffen werden. Ich habe aber nie ein Wort zugunsten der Wortbrüchigen in der A. E.-G. geredet. Die Aeußerung bei der Angelegenheit der A. E.-G.:„Was heißt hier Berantlvortmig. wir zahlen so nichts und zahlen so nichts", habe ich nie in dieser Art dem Genossen Cohen gegenüber gebraucht und ist seine konfuse Be- ha nptung unwahr. Wahr ist, daß ich den Vorschlag gemacht habe, Sammellisten herauszugeben, unwahr, daß ich sagte, ohne Listen gibts kein Geld. Einil Boeske. Mit dem Genossen Cohen habe ich niemals allein verhandelt und selbstverständlich eine so dumme Aeußerung, wie er mir in seiner Manier unterzuschieben versucht, nicht getan. Eine Anschauung, welche ich anläßlich des„Vor>värtS"-Konfliktes, schon vor Monaten in öffentlicher Versa nimlung entwickelte, die aber einen ganz anderen Sinn und Wortlaut hatte, soll nun dazu herhalten, die klare Sachlage weiter zu verdrehen und zu verdunkeln, obivohl meine damalige Aeußerung mit dem jetzigen Konflikte nicht das mindeste zu tun hat. Die Genossen werden ja selbst zu beurteilen wissen, wie dieser klägliche Versuch des Genossen Cohen zu bewerten ist. Leopold Liepmann. Der Genosse Cohen hat sich in seinen: Elaborat auch mit meiner Person beschäftigt. Ich verzichte i h m gegenüber auf eine wieder- holte Feststellung der Wahrheit! das hieße meine Zeit nutzlos ver- schwenden. Die Genossen werden ja auch so ihr Urteil zu fällen wissen. _ Eugen E r n st. Derbllndstag der Schmiede. Berlin, 17. Mai. In der heutigen Sitzung wurde die Debatte über den Bericht der Preßkoanmiffion und das Verbandsorgan fortgesetzt. Größten- teils kamen Klagen und Bescl>tverden zum Ausdruck über Versamm- -lungsbcrichte und Aeußerungen aus Mitgliederkrcisen. Daneben wurde auch der Artikel zum„Vorwärts"-Konflikt wieder besprochen. Ein Delegierter aus München billigte den Artikel vollständig, ein Redner aus Düsseldorf meinte, er sei zwar nicht ganz mit dem In- halt deS Artikels einverstanden, sei aber doch über das Erscheinen desselben erfreut gewesen. Ein Delegierter aus Dresden bemerkte, der Artikel sei ihm so sympathisch gewesen, daß er dem damaligen Redakteur der„Schmiedezeitung" deshalb einen Glückwunsch sandte. Ein Delegierter aus Altona verurteilte den Artikel. S a ba t h, der Vertreter der Generalkommission, wandte sich gegen den Vor- Wurf, daß durch den Artikel der Partei Knüppel zwischen die Beine geworfen werden sollten. Der Artikel sei vor der Druck- legung von der Generalkommission beraten und gebilligt worden. Da alle Mitglieder der Genemlkcmunission Parteigenossen seixn, so könne leine Rede davon sein, daß sie der Partei, der sie angehören. Knüppel zwischen die Beine werfen wollten. Der Artikel sei gx- schrieben, weil der Parteivorstand den entlassenen Redakteuren gegenüber gewerkschaftliche Grundsätze verletzt habe, und das hätten die Gewerkschaften nicht mit Stillschweigen übergehen können. Dem- gegenüber nahm Wichmann-Berlin als Vertreter der Preß- konrmission der„Schmiedezettung" den Standpunkt ein, daß es sich beim„Vorlvärts"-Konflikt nicht um eine gewerkschaftliche, sondern um eine Parteiangelegenheit handelte. Die Redaktcure ständen nicht in einem Arbeitsverhältnis wie industrielle Arbeiter, sondern sie seien Vertrauensleute der Partei und könnten nur so lange auf ihrem Posten bleiben, wie sie mit ihren Mandatgebern sich im Ein- Verständnis befinden. Der Artikel sei schädigend für die Partei. So etwas dürfe nicht wieder vorkommen, denn die Gewerkschaften brauchen die Unterstützung der Partei, sie müßten deshalb in gutem Verhältnis mit ihr leben. Anträge von prinzipieller Bedeutung lagen zu diesem Punkt der Tagesordnung nicht vor. Beschlossen wurde, in der„Schmiede. zeiwng" keine anderen Inserate mehr aufzunehmen, als solche für den Arbeitsmarkt und Versainnflungsanzeigen. Der hierauf folgende Punkt der Tagesordnung lautet: Unsere Takt,!. Der Verbandsvorsitzende Lange. Hamburg, der hierüber referierte, vertrat in der Hauptsache den Standpunkt, daß man bei Streiks und Lohnbewegungen mit möglichster Vorsicht zu Werke gehen müsse. Nach dem Referenten sprachen die acht Gauleiter des Verbandes über die Situation in ihren Clauen. Die Ausführungen des Referenten sind in einer von ihm be- antragten Resolution zusammengefaßt. Dieselbe lautet: „Da nach den Erfahrungen die Aussperrungen und Streiks immer größer werden und weitere Dimensionen annehmen, wodurch dem Verbände immer größere Unkosten enfftehen, wird den Mit- gliedern die Pflicht auferlegt, größere materielle Opfer als bisher zu bringen. Um aber andererseits aussichtslose Streiks und Aus- sperrungen zu verhüten, werden die Ortsverwaltungen angewiesen. nur dann in eine Lohnbewegung einzutreten, wenn dazu eine gc- eignete Zeit vorhanden ist und der Vorstand seine Zustimmung dazu gegeben hat. Die Taktik der Arbeitgeber geht heute dahin, bei allen Lohn- bewegungen und Ausständen die Zahl der Ausständigen nach Mög- lichkcit zu vergrößern. Die Mitglieder des Verbandes sind darauf hinzuweisen, das sie die Machinationen der Arbeitgeber nach Mög- lichkeit durchkreuzen müssen, um dadurch die großen Aussperrungen, welche bisher für unsere Bernfsangehörigen in keiner'Weise einen materiellen Vorteil brachten, aber große Opfer erforderten� nach Möglichkeit vermieden werden. Für die Maifeier bleibt diy Resolution, welche auf der vorigen Generalversammlung in Halle gefaßt wurde, als zu recht be- stehen." Die Diskussion über diesen Punkt der Tagesordnung wurde heute noch nicht beendet. leiires Fleisch— billige Seefische!! Bester Fleischersatz, schmackhaft and durch hohen Nährwert sich auszeichnend! Riesenfänge unserer Dampfer ermöglichen billigste Preise. Ein Versuch mit diesen änfierst schmackhaiten Fischen ist jeder Hausfrau zu empfehlen Deutsche Danipffischerei-Gesellschaft„Nordsee" Filiale: Berlin C. 8, Balmliof Börse, Bogen 8-10. Zentral-Fernsprecher: Amt III No. 8804. � Seefisch� Kochbücher gratis. 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Nachdruck verboten. 384 484[5001 901[10001 1333 40 417 620 56 Ol 770 880 2045 242 95 462 522 23 723 36 62 82 97 912[3000] 22 36 304 i 242 397 645 87 930[1000] 75[500] 82 4084 674 76 715 861 68[3000] 94 936 49 63 110 OOD] 5239 453 636 83 963[6001 80 6011 197 242 362 69 457 567 660 702 84 890 965 7242 638[500] 606 944 81 8102 14 204 95 449«9 540 61 626 932 9010 82 257 371 89 435 80 OÖ0 699 742 __ 10095 107 41 96[3000] 213 52 473 584 929 11090 407 602 66 756[3000] 886 954 1 2061 113 46 97[1000] 2?6 326 47 880 759[500] 13022 178 84 222 638 816 UOOOJ 74 93 14011 391 501 3[500] 11 653 74 15083 274 496 711 829 1 6060[500] 137 221 39 69[500] 99 433 4 7 523 30 34 652 700 805[3000] 13 23[1000] 69 75 95 1 7321 417[3000] 18255 316 444 97[3000] 545 64 2™ m®?A®2W 50 117 233 lSOO] 383 96 513 64 1500] 010 91 740 937 __ 80024 102 50 216 306 10 76 509 14 20 75 877 982 21341 539 680 940 22120 40 54 90 374 504 11 97 658 [SO« 977 2 3203 17 377 487 518 48 627 704 886 993 24089 244 97 454 63 83 694 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Ziehung 5. KI. 214. Kgl Preuss. Lotterie. Ziehung Tom 17. Mai 190«, nacbmittÄge. JTur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne GewÄhr.) Nachdruck verbeten. 205 12 75 323 459 941 1073 233 318 62 582 837 2037 147 48 96 366 80 516 64 625 45 64 704 32[500] 71 833 957 71 3281 353 428 700 91 825 77 4166 256 94 548 667 911 5044 499[1000] 732 830 935[30001 6039[1000] 252 394[1000] 470 551 933 98 7012 57 291 378 405 697[1000] 905 8257 389 1500] 454 524 651 52 86 748 834 957 9014 228 75 306[3000] 91 670 71 739 44 64 930 35 92 10195 214 13000] 327 444 80 507 21 99 609[1000] 59 [500] 728[500] 87 863 951[500] 11017 146 298 U0001 12181 216 65 503 24 650[500] 821 98 13033 274 356 458 608 39 711 824 43 952 1 4093 96 426 510 72 727 38 60 71 878 UOOOl 15074[500] 176 253 375 77 402 505 859 16017 850[5001 927 35 1 7092 13000] 94 155 630[5001 95 96 738 893 1 8494 574 1500 1 669 874 914 15001 19042 90 158 324 74 491 687 794 874 20186 222 342 79 492[5001 630 788 817 914 94 21181[500] 292 374 424 616 714[1000] 82[1000] 814 906 2 2011 139 42 202 94 619 69[1000] 716 842[5001 23048 252 407 90 515 752 24072 200 38[500] 48 357 433 53 501 10 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MaL nacBmlttac» Des 9856 statt 9376. Jedes Wort 10 Pfennig. Da» erste Wort(lettgedruckt) 20 Plg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.t das erste Wort (fettgedruckt) lOPtg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zahlen doppelt. ) Kleine Anzeigen ANZEIGEN fDr die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis upt-Etp bis 5 Uhr angenommen. 12 Uhr, In der Haup \peditlon, Lindenstrasse 69, Verkäufe. GardiucnhauS ükofetgianffurter« ftvafje 9, parterre.__ Fnhrriider, Teilzahlungen. Berg. [frage 28, Slalitzerstrage 40. 1509SV* HochVornehme Herrenanzüge, SommerpalefotZ, die aus feinsten Mahstofien gefertigt wurden, 13 bis 38,00, Herrenho[en 7—12,00 verkaust täglich, Sonntags. Deutsches Ver- [andhauS, Jägerstraße 63, 1 Treppe. Möbel, Gelegenheitskäuse, neue und gebrauchte billig Linienstr. 247 I. Teppiche!(sehlerhaste) in allen Gröben[ür die Halste des Wertes im Tepptchlager Brünn, Hackelchcr Marli 4. 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Arndt 4 Co., Wilmersdorf, Prinz-Regentenstr. 45/50. ♦ Mädchen zum Tabaksortieren verlangt (HanoU• Zigarettenfabrik 18666 Splittgerbergaffe 1/2. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands(ZweigvereinBerlin.) Sektion der Gips- u.Zeiiientbraiiehe. W°g°n fortgesetzten Tarifbruehes m»i- Firma- Otto Stiiwe gesperrt. Die Bauten sind: Seestraffe, Birchow-KrankenhauS. Mariendorf, Marienhöhe. Bau: Gansewich. Mariendorf, Chausieestr. 23. Nixdorf, Weserftr. 47. Halensee, Humboldtstr. 49. Dahlem, Botanisches Museum. An die Bauband werker appellieren wir untt zu unterstützen. 143/18» Der Sektionsvorstand. Achinng, Wngenbauer! In bu Motorwagenfabrik in Reinickendorf(früher Gottschalk) bcsindcn sich sämtliche Arbeiter im Streik. Wir ersuchen die Kollege«, nach diesem Betriebe keine Arbeit anzunehmen. Die Streikleitung. (Zahlstelle Berlin). Folgende Firmen haben, weil daS Personal nach der Beendigung der Allssperrung nicht reumütig und bedingungslos in die Betriebe zurück- kehrte, weiter respektive erneut ausgesperrt: G. WUbbon& Co., Wilhelmstraße 9. H.»perlinjj, Friedrichstr. 16. I» Blclaiteln, Friedrichstr. 16. LiUderitz& Bauer, Mauer» straße 80. Fritfsche-Banmbach, Schöneberg, Bahnstraße. H. Heiß, Lützowstr. 107/8. H. Schubert, Wilhclmstr. 121. C. Bctischke& Co., Zimmerstraße 94. A. Schoß, Puttkamerstratze 19. A. Schoß, Deffauerslraße. Schneider& Zlcgler, Ritterstr. 76. Klckinnnn, Wilhelmstr. 121. Xancklche Buchdruckerei, Stallschreiberstraße 5. Ad. l,ndwis, Elisabeth-User 5/6. fleck Xachf., Lützowstr. 87. Kümmerer, Kochstr. 67. Werner, Lindcnstraße 3. C. F. Walter, Wallstr. 16/17. Bich. Oahl, Chausieestr. 2o. Diese Betriebe sind gesperrt! Vor Arbeitsannahme wird gewarnt! Zuzug ist streng sernzuhalten l * Die OrtSverwaltuug. Packerinnen verlangt bei guten AusangSlöhnen Üanoli-Zlgarettenfabrlk, 18656 Splittgerbergaffe 1)2. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin, Lür den' Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: BorwärtS Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Hr. 114. 28. Jahrgang. 3. Ifilnuf üts.Www" ßrtliitrt»MMM Mus, 18. Wxi 1906. Partei- Hngclcgcnbcitcn. Z« Lokalliste. In Heiligensee, Kreis Nieder-Varnim, steht unS jetzt kein Lokal mehr zur Verfügung. Der bisherige Inhaber des Restaurants, Herr Schröder bat jetzt ein Lokal in Sandhausen übernommen, stellt uns dasselbe jedoch nicht zur Verfügung. Am Sonnabend, den IS. d. Ms., feiert in Grünau im Lokal von Ehrhardt der Turnverein.Deutsche Eiche" sein 16. Stiftungs- fest und versucht man hierzu hauptsächlich in Arbeite»kreisen Billetts umzusetzen. Obiges Lokal steht der Arbeiterschaft nicht zur Ver- fügung, daher weise man alle etwa angebotenen Billetts entschieden Zurück. Die Lokalkommission. Weißensee. Am Montag, den 21. Mai. findet iin„Prälaten". Lehderstr. 122, abends 8�/, Uhr, eine Versammlung des Wahl- Vereins Bezirk Weistensee statt, in der Genosse Redakteur Block über „Das Erfurter Programm" referiert. Wir ersuchen die Genossen der Wichtigkeit des Referats wegen kräftig für die Versammlung zu agitieren. Der Vorstand. Mahlsdorf. Sonnabend, den 19. d. Ms., abends S'/z Uhr. findet im Lokale von Weruecke, Hönowstr. 6, die Versammlung des Wahlvereins statt. Genosse Spiekermann wird über das Erfurter Programm einen Vortrag halten. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Rudow. Sonnabend, den 19. d. Ms., abends 8 Uhr bei Palm, Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder notwendig. Berliner JVadmcbten. Aus der Stadtverordneten-Versammlung. „Es ist kein dornenloses Geschäft, in Berlin Grundbesitzer zu sein." Also sprach in der gestrigen Sitzung der freisinnige Stadtverordnete Kämpf, als er gegen die vom Magistrat be- antragte Einführung einer Wertzuwachssteuer, über die nun endlich in erster Lesung verhandelt wuroe, all seine Beredsamkeit aufwendete, um sie zu Fall zu bringen. Gestern war es besonders für die Grundbesitzer in unserem Stadt- Parlament, die„berufenen" Repräsentanten des Berliner Hausagrariertums,„kein dornenloses Geschäft". Sie führten einen harten Kamps, um den beabsichtigten Angriff auf dm Profit der Grundstücksspekulanten ab- zuwehren. Die Debatte wurde eröffnet durch einm Verteidiger der Magistratsvorlage— durch den Redner der s o z i a l d e m o- k r a t i s ch e n Fraktion. Unser Genosse H e i m a n n spielte darauf an, daß Oberbürgermeister Kirschner einmal be- klommenm Herzens eingestanden hat, ihm werde allemal bange, wmn ein Plan des Magistrats den Beifall der Sozial- demokraten finde. Zum„Bangewerdm" war aber diesmal nicht viel Anlaß; denn unser Redner konnte dem, was der Magistrat da vorgelegt hatte, eben nur im Prinzip zustimmm. Daß mit den zaghaft-bescheidenm Besttmmungen dieser neuen Stmerordnung dem Spekulantentum noch lange nicht das Handwerk gelegt werden wird, das wies er in seiner groß angelegten Rede so schlagend nach, daß der Chor der Hausagrarier wiederholt mit lärmendm Unter- brechungen antwortete. Der eifrigste Wortführer der Terrainspekulanten war diesmal Herr K ä m P f von der„Alten Linken". Unter dem Jubel der Hausagrarier sprach er für den bedrohten Bodenwucher mit einer Verve, wie man sie selbst in dieser Körperschaft selten bei einem der freisinnigen Spekulanten- beschützer erlebt hat. Das„Gewerbe", so versicherte er, werde durch die geplante Wertzuwachssteuer schwer getroffen. „Welches Gewerbe?" fragte ein Zwischenruf. Herr Kämpf meinte das Gewerbe des Spekulantm. Nach Heimanns und Kämpfs Reden ging die Debatte noch stundenlang fort, aber das Interesse erschöpfte sich bald. Für die Magistratsvorlage sprach unter anderem Herr- Mo m m s e n. Er rühmte dm„Mut", den der Magistrat den Hausbesitzern gegenüber bekundet habe. Im übrigen brauche die Terrainspekulatton, die er für notwendig erklärte, keine Schädigung von der neum Besteuerung zu befürchten. Von den Gegnern sprach vor allem noch Herr Wallach, das verstand sich von selber. Am Schlüsse seiner Rede be- reitetm ihm seine begeisterten Frmnde eine stürmische Ovatton. Der vom Magisttat vorgelegte Entwurf wurde nach einer Debatte von mehr als drei Stunden zunächst einem Aus- schuß überwiesen. Herr Wallach hatte mit der Offenheit, die ihn ziert, das Bekenntnis abgelegt, am liebsten möchte er die Vorlage sofort verscharren, doch wolle er ihr„ein B e- gräbnis er st er Klasse" gönnen. Vom Prügelrecht der Schule. Man sagt, daß in der Schule die Lehrerinnen oft eine noch losere Hand als die Lehrer haben. Lehrerinnen seien zumeist sehr nervös, nervöser noch als Lehrer, und da werde dann zuweilen rascher und nachdrücklicher zugehauen, als selbst ein Freund des Prügelns es billigen könne. Kann sein! Wie Lehrerinnen zuhauen können, davon hat eine dieser Damen, die an der 1 3 9. M ä d ch e n- G e m e i n d e s ch u l e in der Gcorgenkirchstraße ihres Amtes waltet, eine sehr lehrreiche Probe geliefert. Als nach Schluß der Pause die Mädchen vom Hof in das Schulhaus zurückkehrten, wurde auf der Treppe eme Schülerin der sechsten Klaffe von einer Lehrerin Fräulein Franz so heftig ins Gesicht geschlagen/ daß bei dem skrophu- lösen Kinde eine vernarbte Wunde unterhalb des Ohres, die von einer vor zwei Jahren vorgenommenen Operation zurückgeblieben war, wieder aufplatzte. Warum Frl. Fr. zuhieb, ist nicht ge�au festgestellt. Das Kind meinte, es habe den Schlag bekommen, weil es im Hinauszehen von einer Mitschülerin aus der Reihe heraus- gedrängt worden sei, die Lehrerin aber soll hinterher erklärt haben. die Strafe sei für Plaudern verhängt worden. Daß Kindern sogar auf Flur und Treppe das Plaudern untersagt werden könnte, wird mancher nicht für möglich halten. Wer indes das in vielen Schulen übliche Exerzierreglement kennt, dem wird das als wohl glaubhaft erscheinen. Frl. Fr. ist nicht Klaffenlehrcrin für die 6. Klaffe, aber vermutlich hatte sie auf dem Flur die Inspektion. Erst nachtraglich scheint ihr klar geworden zu sein, daß sie im Eifer des Zuhauens doch wohl zu weit gegangen war. Sie lieh sich die Schülerin aus der 6. Klasse herausholen, um den Schaden zu besehen. Dabei verfehlte sie nicht, der Kleinen die mahnende Frage vorzulegen(die in diesem Augenblick gewiß sehr wichtig und notwendig war), ob sie auch wisse, weshalb sie Prügel bekommen habe. Uebrigens soll sie bei dieser Gelegenheit die Vermutung ausgesprochen haben, das Kind habe sich wohl die Wunde selber aufgekratzt. Die Mutter Kal am anderen Tage das Kind dem Schularzt gezeigt. Dieser war nicht wenig erstaunt, als er sah, was die Lehrerin angerichtet haben sollte. Der Rektor, dem die Mutter die Angelegenheit mit- teilte, suchte zu beschwichtigen, das könne schließlich mal vorkommen. Was werden die Verteidiger des Prügelrcchtes der Schule zu diesem Fall sagen? Wahrscheinlich werden sie uns vorjammern, wie-schwer doch den Lehrern und Lehrerinnen das Leben gemacht werde, weil uns Eltern das Verständnis für ihre Tätigkeitfehle. Gewiß! An der Volksschule muß mancher und manche sich mit Kindern abplagen, die so schwächlich sind, daß sie ihnen nicht mal eine ordentliche Backpfeife geben können, ohne für sich selber die schlimmsten Unannehmlichkeiten zu riskieren. Ist eine solche Behandlung der Kinder etwa die Art, wie man die Beziehungen zwischen Haus und Schule fördert? Am Potsdamer Platz wird jetzt eine bemerkenswerte Ver- änderung vorgenommen. Der Bürgcrsteig, der sich vor dem eisernen Zaune des alten Drcifaltigkeitskirchhofes hinzieht und ziemlich weit in den Fahrdamm hineinragt, wird um etwa 2 Meter verkürzt, so daß er in Zukunft dieselbe Richtung haben wird wie der Bürger- steig der Königgrätzerstraße. Dadurch wird der Fahrdamm um ebenso viel verbreitert, was in Anbetracht des hier herrschenden großen Wagenverkehrs mit Freuden zu begrüßen ist. Für Fuß- gänger bleibt noch Raum genug übrig, da die Kirchhofsmauer im vorigen Jahre so weit zurückgesetzt worden ist, daß sie jetzt die Baufluchtlinie der Königgrätzerstraße einhält. Tie Gründung einer Genossenschaftseisfabrik wurde gestern in einer Versammlung in der„Neuen Welt", Hasenheide, von samt- lichen Berli-ner Gast- und Schankwirtschaftsver- einen beschlossen. Die diesjährigen hohen Eispreise, die der am b. März gebildete Eisring festgesetzt hat, gaben den Anlaß zu diesem Vorgehen. Auch den Versprechungen der Brauereien, den Wirten das Eis zum Preise von 1 M. pro Zentner zu liefern, könne man keinen Glauben beimessen. Es sei daher Selbsthülfe am Platze. Herr Oberingcnieur D i st l e r setzte in seinem Vortrage die Vor- züge und Rentabilität eines solchen Genossenschaftswcrkes ausein- ander. Schließlich wurde dann auch einstimmig die Gründung be- schloffen. Eine gewählte Kommission wurde beauftragt, die ersten Schritte zur Verwirklichung des Planes zu unternehmen. Das Eiswerk wird voraussichtlich am Bahnhof„B e u s s e l st r a ß e" er- richtet werden. Der Preis des Eises würde sich nach den Veran- schlagungen auf 55 Pf. ab Werk und 70 Pf. frei Haus per Zentner stellen. Eine neue Straffenbahnringlinie, die sämtliche Berliner Ge- richte verbinden würde, beabsichtigt die Große Berliner Straßenbahn einzurichten und spätestens am 1. Oktober d. I. zu eröffnen. Nach den zwischen den Vororten Wilmersdorf, Schöneberg, Charlotten- bürg und Pankow und der Direktion schwebenden und einem baldigen Abschlüsse entgegengehenden Verhandlungen soll die Linie 8(Char- lottenburg, Luisenplatz— Gesundbrunnen, Pankstraße) über die Wil- mersdorferstraße und den Stuttgarter Platz bis zum Amtt'-richt Charlottenburg verlängert werden, um zugleich eine Verbindung zwischen Amtsgericht und Landgericht III in Charlottenburg her- zustellen. Diese Linie soll dann im Anschluhbetriebe über die Gleise der Charlottenburger Straßenbahn und der Westlichen Vor- ortbahn über die Holzendorff- und Joachim Friedrichstraße, den Kurfürstendamm, die Westfälische-, Brandenburgische-, Berliner-, Grunewald-, Goltz-, Pallas-, Gäben-, Dort- und Gneisenaustraße fortgeführt und mit der an der Bärwaldstraße endigenden Linie 59 (Gneisenaustraße— Schönhauser Allee), die schon jetzt zeitweise bis Pankow läuft, verbunden werden. Diese neue ringförmige Linie würde mit einer Ausnahme sämtliche Gerichte in eine mehr oder minder unmittelbare Verbindung bringen und berühren: das Amtsgericht Wedding, das Kriminalgericht in Moabit, das Land- gericht III und das Ämtsgericht Charlottenburg, das Amtsgericht Schöneberm das Amts- und Landgericht II am Halleschen Ufer, das Amts- unv Landgericht I an der Neuen Friedrich- und Gruner- straße und gegebenenfalls auch das Amtsgericht Pankow. Opfer des Straßenverkehrs. Von einem La st wagen überfahren wurde gestern abend die 15järige Luise Zahn aus der Stettinerstratze 56. Das junge Mädchen wollte vor dem Elternhause auf dem Straßendamm einer Droschke ausweichen, lief dabei gegen einen Klamottenwagen, wurde umgerissen und überfahren. Schwerverletzt brachten Pas- santen die Verunglückte nach der elterlichen Wohnung hinauf. Die Z. hatte einen komplizierten Oberschenkelbruch sowie Perletzungen am Kopf und beiden Armen erlitten.— Seinen schweren Verletzungen erlegen ist der Leichcnträger Holz, der bei der Sophiengcmeinde angestellt war. Holz begleitete vor mehreren Wochen einen nach dem Sophienkirchhof in der Freienwalderstraße bestimmten Leichenzug, stürzte über die überragende Ladung eines mit Eisenstangen beladenen vorbeifahrenden Lastwagens und geriet dabei unter die Plattform eines Stratzenbahnzuges der Siemens u. Halökc-Linie. H. erlitt schwere innere Verletzungen und wurde nach der Charite gebracht, wo er vor einigen Tagen starb. Die von der Staatsanwaltschaft zunächst beschlagnahmte Leiche ist gestern zur Beerdigung freigegeben worden.— Zur Vorsicht mahnt ein Unglücksfall, welcher sich gestern mittag in der Kom- mandantenstratze ereignete. Die in Charlottcnburg, Pestalozzi- straße 79, wohnende Reisende Emma Matzke benutzte einen Straßen- bahnwagen der Linie 65 und hatte sich an der rechten Perronecke der Hinterplattform des Motorwagens aufgestellt. Fräulein M. hielt ihren rechten Arm derartig, daß das Glied über die Perron- wand herabhing. Vor dem Hause Kommandantenstraße 45 hielt ein Möbelwagen, dessen Tür offen stand und die so weit nach den Schienen hinüberragte, daß der Straßenbahnzug gerade vorbei- fahren konnte. Der Arm der M., welch letztere das Hindernis nicht bemerkt hatte, wurde zwischen Perronwand und die Tür des Möbel- Wagens eingeklemmt. Emma Matzke erlitt einen Bruch des rechten Oberarmes._ Im Berufe verunglückt. Zum Krüppel geworden ist gestern nachmittag bei einem Unglücksfall der 24jährige Tischlergeselle Kurt Mendt. W., der in einer Tischlerei der Naunynstraße 18 be- schäftigt war, geriet mit der linken Hand so unglücklich in eine im Betrieb befindliche Kreissäge, daß der Daumen und der Zeige- finger abgeschnitten wurden. Der Bedauernswerte fand im Krankcnhause am Urban Aufnahme. Schweres Unglück ist wieder durch geradezu frevelhaftes Um- gehen mit Schußwaffen angerichtet worden. Als die 25jählsige Emma Wilke, Linienstraße 28 wohnhaft, abends gegen 7 Uhr die Wchdingerstraße entlang ging, ertönte ein Schutz und getroffen brach die Passantin zusammen. Sie hatte eine Kugel in die Brust erhalten und mußte nach der Unfallstation in der Keibelstraße ge- bracht werden. Der gefährliche Schütze war nicht zu ermitteln. Schwerkrank liegt das Mädchen jetzt danieder.— Ein anderer Fall trug sich auf dem Karmerplatz in Steglitz zu. Der 13jährige Sohn des dort wohnhaften Schuhmachers Scholz wurde von einem gleich- altrigen Schulkameraden angeschossen. Der letztere, der Sohn eines Schlächtermeisters, hatte sich den Revolver seines Vaters heimlich zugesteckt, und mit mehreren Knaben stellte er nun darüber Hebungen an, wie man sich mit einer derartigen Waffe am besten seines Angreifers erwehren könne.(Siehe„Fall Hennig".) Plötz- lieh krachte ein Schuß und die Kugel bohrte sich Sch. in die Wange. Gegen den unvorsichtigen Schützen resp. dessen Vater ist ein Straf- verfahren eingeleitet worden. Eine Warnung für Radfahrer dürfte ein Unglücksfall fein, der dem Dreher Felix Schramm am Mittlvoch früh passiert ist. Der- selbe befand sich an seinem Beschäftigungsort bei der Firma Müller u. Co., Frankfurterstr. 44 und putzte in der Frühstückspause sein Rad. Beim Reinigen der Kette drehte er das Kettenrad in großer Geschwindigkeit herum und kam mit dem rechten Zeigefinger dem kleinen Kettenrad zu nahe, wobei ihm derselbe glatt ab- geschnitten wurde. Es kann in solchen Fällen nicht vorsichtig genug zu Werke gegangen werden. Ermäßigte Eintrittskarten zur Ausstellung der Sezession(25 Pf. statt 1 M.) können von den Gewerkschaftsvorständen im Bureau des Gewcrkschaftshauses und der Gewerkschaftskommission in Empfang genommen werden. Der Arbeiter-Sängerbund veranstaltet am 5. August in Fried- richshagen sein Sängerfest. Diese Sängerfcsie des Bundes haben sich mit der Zeit zu wahren Volksfesten gestaltet. Hier hat noch das wahre Volkslied, das Arbeiterlied seine Stätte. Jeder Freund des Gesanges wird auf den Veranstaltungen des Bundes seine Be- friedigung finden. Wochen- und monatelang bieten die einzelnen zum Bund gehörigen Vereine alles auf, um dem Bunde Ehre zu machen und alles einzusetzen, damit am Tage des Festes„alles klappt". Die besten Sänger treten dann unter der Leitung des Bundesdirigenten zusammen, um zu zeigen, daß sie in ihren Stunden auch etwas profitiert haben. Hoffen wir, daß diese Bemühungen durch schönes Wetter und starken Besuch unterstützt werden. Gesperrt. Die Turinerstraße von der Seestraße bis zur Amsterdamerstraße wird behufs Umpflasterung vom 21. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerk und Reiter gesperrt. Im Sportpark Treptow findet am Himmelfahrtstage ein internationales 24 Stundenrennen statt. Es starten insgesamt 8 Mannschaften zu je 2 Fahrern, welche sich nach Art des amerikanischen Sechstagerennens nach Belieben ablösen können. Der Start zu diesem langen Rennen, welches zum erstenmal in Deutschland stattfindet, ist Mittwoch, abends 5 Uhr. Feuerw.ehrbericht. Die zahlreichen Preßkohlenbrände machen jetzt der Feuerwehr viel zu schaffen. In der Brombergerstraße 15 hatte die Wehr zweimal zu tun, um Preßkohlen zu löschen. Dann brannten in der Badstraße 61a auf einem Lagerplatz Preßkohlen und auf verschiedenen Bahnhöfen mit Preßkohlen beladcne Lowries. Nachts um 1 Uhr kam auf dem Dresdener Güterbahnhof auf Schöneberger Gebiet Feuer aus. Dort brannten ebenfalls Preß- kohlen. Die Flammen hatten schon das Dach des Lagerplatzes er- griffen als die Berliner Feuerwehr erschien, die kräftig Wasser gab. Die Schöneberger Wehr übernahm dann die Ablöschung. Zwei Stunden später stand in der Wollinerstraße 22 ein Kohlenlager- platz in Flammen. Auch dort mutzte kräftig Waffer gegeben werden, um die Gefahr zu beseitigen. Heute früh um 5 Uhr wurde die Berliner Feuerwehr nach dem Dresdener Auhenbahnhof gerufen. Dort war die Schöncberger Wehr schon mit der Löschung eines Preßkohlenbrandcs tätig. Die Berliner Wehr übernahm die Brand- stelle und ließ nach der Ablöschung eine Brandwache zurück. In allen diesen Fällen handelt es sich um Selbstentzündung von Preß- kohlen, die zu dicht gestapelt waren. Die Stapel müssen dann auseinandergeriffen und neu aufgerichtet werden, was stets viel Arbeit verursacht, die vermieden werden könnte, wenn die Kohlen sachgemäß aufgestapelt worden wären. Vorort- l�admdrten. Charlottenburg. Wer ist ein„Kriecher"? Unter diesem Titel nimmt dcrS frei- sinnig-konfervative Organ Charlottenburgs,„Die Neue Zeit", Per- anlassung, den Genossen Zubcil, der in einer vor wenigen Tagen in Rixdorf stattgefundenen öffentlichen Versammlung die Krieger. vereine als„Kriechervereine" bezeichnet hat, der Kriecherei zu ver- dächtigen. Nachdem sie die Stelle des VersaminIungsberichtS, in welcher Genosse Zubeil das wahre Wesen der Kriegervcreine cnt- hüllt, zitiert, fährt sie fort:„Der Mann, der hier die Kriegervercinc in so pöbelhafter Weise beschimpft, ist bekanntlich ein„Kriecher" ersten Ranges. Zubcil, der früher zu den„Parteibudikern" zählte, hat vor einiger Zeit einen Unterschlupf im Berlage des sozialdemo- lratischen„Vorwärts" als Expedient gefunden. Als die„edlen Sechs'' plötzlich entlassen wurden, nahm Zubeil die gemaßregelten Redakteure des„Vorwärts" öffentlich in Schutz und erklärte, bei diesem Prcßskandal seien' die s ozialdemokrati schen Angestellten schlimmer als die schlimmsten Lohnsklaven behandelt worden. Die sozialdemokratischen Bereine, die zuerst den Ausführungen Zubeils zugestimmt hatten, fielen natürlich sofort um, als der Parteivor- stand sie zÄvaltig anhauchte, und sie nahmen nunmehr gegen Zubeil Stellung. Der Brave koch gleichfalls zu Kreuze. Er legte sein Mandat nicht nieder und behielt auch die Brotstellung bei, die man ihm bei dem„Vorwärts" zugeschanzt hatte, bei demselben Unter- nehmen, welches nach Zubeils Behauptungen die Angestellten schlimmer als die schlimmsten Lohnsklaven behandelt hat.... Vortrefflich versteht es also Zubeil, vor seinen Arbeitgebern auf dem Bauche zu rutschen. Die Frage:„Wer ist ein Kriecher?" läßt sich mithin unschwer beantworten." Wir glauben durch die Wiedergabe dieser dreisten aber ebenso plumpen Anschuldigung einer längeren Entgegnung enthoben zu sein. Wenn Genosse Zubeil damals die Partei der ausgeschiedenen Genoffen ergriff, so wußte er von vornherein, daß er sich mit den Genossen des Parteivorstandes im Gegensatz befand, auch wußte er, daß er das Gros der Berliner Parteigenossen gegen sich hatte. Und gerade darin liegt die beste Widerlegung dieser rüpelhaften Be- schimpfung. Es ist eine alte Erfahrung, daß, wenn man eine Sache nicht widerlegen kann, man zu dem einzigen Mittel, zur persönlichen Verdächtigung greift. Die Charlottenburger„Neue Zeit" als Schutzknappe der „Kricchervercine", das ist echte Kriecherei. Zu feige und zu schwach eine entschiedene liberale Anschauung zu vertreten, entpuppt sich ein solches Organ als Verfechter eines menschliche Tugend vernichtenden patriotischen Drills. Ein solches Gebaren läßt persönliche Ver- dächtigungen nicht zu. Schöneberg. Beim Hauptpostamt in der Hauptstt. 26/27 ist jetzt ein Marken- Verkaufsstand aufgestellt worden, an dem sämtliche Postwertzeichen sowie Postdruckformulare(Paketadressen usw.) durch eine Beamtin verkauft werden. Diese Markenverkaufsstelle wird mit den übrigen Postschaltern an Werktagen um 8 Uhr abends geschlossen, nach dieser Zeit sind Postwertzeichen in kleineren Mengen am Annahnicschaltcr für Telegramme und Rohrpostsendungen erhältlich. Ferner ist im Schaltervorraum jetzt auch ein zweiter Fernsprcchauloniat in einer schallsicheren Zelle aufgestellt. Es stehen somit jetzt für daS Publikum eine öffentliche Fernsprechstelle für Ferngespräche und zwei Fern- sprechautomateu für Telephongespräche in, OrtS-, Nachbarorts- und Vorortsverkehr zur Verfügung. Einen RrzitationSabeud unter Leitung deS Schauspielers E. W a l k o t t e veranstaltet morgen, Sonnabend, abends 8 Uhr, das hiesige Gewcrkschaftskartell im Obstschcn Saale. Zur Verlesung ge- langt daS dreiaktige Drama:„Am Vorabend." Der Eintrittspreis bewägt nur 29 Pf. Hoffentlich lassen sich die Parteigenossen den Genutz dieses populären und fesselnden BortrageS nicht entgehen. Groß-Lichterfelde. AIS ein arger Fälscher hat sich in unserem gestrigen Versäum, lungS- bericht der Druckfehlerteufel erwiesen. Er besaß die Frechheit, das Wort„Garnisonsschulen" ohne Umschweife in„Garnisous- schulden" umzuwandeln. Aufnierksame Leser werden wohl schon von selbst hinter dieses Fälscherlunststückchen gekommen sei». Wilmersdorf. Ein tSdlicher Unglücksfall ereignete sich gestern öoMittag auf der Charlottenburger Chaussee. Der etwa ISjährige Lehrling Walter Kose aus Wilmersdorf fuhr dort mit seinem Zweirade gegen einen Arbeitswagen und stürzte dabei zu Boden. Er zog sich eine so schwere Verletzung gm Kvpfe zu. dgtz er bgld darauf starb, Friedenau. Die Protestversammlung am Dienstag war von 150 Personen besucht, vor denen Genosse Dr. Zadel an der Hand drastischer Bei. spiele die Vermuckerung der Volksschule zeigte. Eine Diskussion über den mit grotzem Beifall aufgenommenen Vortrag fand nicht statt. Es gelangte hierauf die Resolution zur einstimmigen An- nähme. Rummelsburg. Verkauft für ein Linsengericht. In der letzten nicht öffentlichen Gemeindevertretersttzung haben es die bürgerlichen Vertreter unter Führung des Gemeindevorstehers Dr. Hahn fertig gebracht, die Straßen der Gemeinde Rummelsburg der Großen Berliner Straßen- bahn gegen ein Trinkgeld für ein ganzes Jahrhundert auszuliefern. Dadurch daß die Annahme dieses Vertrages hinter verschlossenen Türen vor sich ging, gaben die bürgerlichen Vertreter zu erkennen, daß sie sich ihrer Rücksichtslosigkeit um die Allgemeininteressen wohl bewußt waren. Alle Hinweise unserer Vertreter, daß man es der Bürgerschaft schuldig sei, die Beratungen über eine so äußerst wichtige und für die Zukunft der Gemeinde von so großer Bedeutung seiende Angelegenheit in aller Oeffentlichkeit stattfinden zu lassen, wurden mitStillschweigen angehört. Der Rechtsanwalt Bernhardy führte an. daß nach seiner Auffassung der Wille und die Meinung der Bürgerschaft für einen Gemeindevertreter nichts gelte. Diese Mißachtung der ganzen Bürgerschaft kann nicht weiter Wunder nehmen, wenn man weiß, daß der Herr ernannter Gemeindevertreter der ersten Klasse ist, welche bei 8 Wählern 8 Gemeindevertreter zu ernennen hat. Der Bürgermeister gab nun bekannt, daß er nochmals mit der Großen Berliner verhandelt habe, dieselbe aber nicht zu be- wegen sei— auf wesentliche Aenderungen des vorliegenden Ver- träges einzugehen. Zugestanden habe die Große Berliner, die Bahn nicht erst nach zwei Jahren von der Schlichtallee bis zur Friedrichs- felder Weichbildgrenze weiterzuführen, sondern dies sofort bei Er- öffnung des Betriebes zu tun. Eine Gebühr für diese Strecke will die Große Berliner dann aber erst nach 13 Jahren nach Betriebseröffnung, und nicht nach sechs Jahren, wie der Vertrag jetzt vorsieht, zahlen. Weiter ist die Gesellschaft damit einverstanden, daß wenn die Stadt Berlin eine Bahn nach oder durch Rummelsburg führt, die Ge» meinde Rummelsburg die Ausfälle, welche die Große Berliner durch die etwaige Verkehrsentziehung dann haben würde, nur durch den Erlaß der Gebühren, welche die Große Berliner für die Bemltzung der Straßen an die Gemeinde Rummelsburg zu zahlen hat, entschädigt. Der Vertrag sah erst die volle unbestimmte Entschädigung der Gemeinde an die Große Berliner vor. Die jetzt vor- gesehene Entschädigung würde etwa den Betrag von 15 000 M. ausmachen. Unsere Vertreter predigten tauben Ohren, als sie nachwiesen, daß einzelne schwerwiegende Paragraphen bei ihrer Annahme die Interessen der Gemeinde auf fast 100 Jahre schädigen würden. (Die betreffenden Paragraphen sind bereits in Nr. 106 des.Vorwärts" näher behandelt.) Der Bürgermeister, der mit Ausnahme von ein paar kleinen nebensächlichen Ausführungen nur allein gegen die Ausführungen unserer Genossen sprach, gab sich zwar die größte Mühe, seine und seiner Kumpane Handlungsweise zu entschuldigen, was ihm jedoch nicht gelang— ihm dabei aber folgendes Malheur passierte: Genosse John hatte bei seinen Ausführungen be- sonderes Gewicht darauf gelegt, daß die Gemeinde Rummels- bürg sich das Recht der Mitbenutzung der Gleise der Großen Berliner vorbehalten soll, wie dies die Stadt Berlin gegenüber der Großen Berliner getan. Hierauf antwortete der Bürgermeister— von Beruf Jurist— daß dies nicht notwendig sei, da auf Grund des Kleinbahngesetzes die Große Berliner verpflichtet wäre, jedem Unternehmer die Mitbenutzung ihrer Gleise bis auf eine Strecke von 400 Meter zu gestatten. Als Genosse John diese Verpflichtung der Großen Berliner bezweifelte und um Verlesung der betreffenden Paragraphen aus dem Kleinbahngesetz ersuchte, da schränkte der Herr Gemeindevorsteher seine Behauptung dahin ein, daß er glaubt— dies stände im Kleinbahngesetz. Ob die Große Berliner auf Grund dieses Glaubens später bereit sein wird, der Gemeinde die Mitbenutzung ihrer Gleise zu gestatten?? Sehr bezeichnend für die Rummelsburger Gemeindevertretung ist es auch, daß die Annahme dieses schwerwiegenden Vertrages in der Genleindevertretersitzung nur noch eine formelle war. Die bürger- lichen Vertreter und Schöffen hatten sich bereits vorher in einer geheimen Sitzung geeinigt, den vorgelegten Vertrag unter allen Umständelt anzunehmen. ES ist vorgekommen, daß ein bürgerlicher Vertreter, der die öffentliche Erklärung abgab, gegen einen solchen Vertrag zu stimmen, vom Gemeinde- Vorsteher in letzter Stunde geladen wurde, um ihn noch zu bearbeiten. Als Genosse John diese beschämende Handlungsweise in gebührender Weise geißelte, schwieg man sich aus. Schließlich wurde der Bertrag mit den 17 Stimmen, die bereits in der geheimen Besprechung der bürgerlichen Vertreter festgestellt waren, angenommen. Von den bürgerlichen Vertretern stimmten nur die Herren Werther und Klug- mann dagegen. Köpenick. Eine harmlose Aufklärung hat das Verschwinden des Arbeiters A. aus Köpenick gefunden, der, wie bereits gemeldet, die sechsjährige Tochter seiner Wirtin entführt hatte. A. war mit seiner Wirtin ver- lobt, hatte jedoch mit derselben einen Zwist gehabt und sich deswegen mit dem Kinde heimlich entfernt, welches er zu Verwandten nach Wriczen brachte. Von dort aus gab er der Mutter des Mädchens Mitteilung, worauf die Witwe nach Wriezen fuhr, woselbst sich das Brautpaar wieder aussöhnte. Tegel. Ei» tragischer Nnglücksfall ereignete sich in Tegel. Die fünf- jährige Tochter des Schiffseigners Kuhlicke aus der Ackerstr. 85 aus Berlin, dessen Zille zurzeit am Tegeler See vor Anker liegt, war mit ihrem 2'/z Jahre alten Schwesterchen am Mühlenfließ spazieren gegangen. Das Kind wagte sich beim Blumenpflücken zu nahe an das Gewässer heran und stürzte in den Fluß. Als die Jüngere sah, daß die Schwester ins Wasser gestürzt war, eilte sie zu der Mutter. Diese lief sofort nach der Unfallstelle und es gelang ihr auch schließlich, ihr Kind, das bereits mit dem Tode rang, aus dem Wasser zu ziehen. Leider war es jedoch zu spät, denn vergeblich bemühten sich zwei hinzugerufene Aerzte, die Kleine am Leben zu erhalten. Die Leiche wurde nach der FriedhofShalle gebracht. Waidmannslnst. In der lebten Wahlvereinsversammlung erstattete Genosse Dentzer Bericht über die Konferenz der Gcmeindevertreter Groß- Berlins. Die hierauf vorgenommene Ersatzwahl des zweiten Vor- sitzenden entfiel einstimmig auf den Genossen Ouade. Derselbe sprach des längeren über die verflossene Maifeier und brachte zur Sprache, daß ein organisierter Genosse und zugleich Vorstandsmit- glied des Nieder-Barnimer Kreiswahlvereins am 1. Mai bei Borsig gearbeitet habe. Es wird deshalb beantragt, denselben aus der Partei auszuschließen. Zum Schluß wurde aufgefordert, für das an, 2. Pfingstfeiertag in Waidmannslust stattfindende Frühkonzert lebhaft zu agitieren. Spandau. Die Protestversammlung am Dienstag war von zirka 1000 Per- sonen besucht. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab der Vor- sitzende. Genosse Pieper, bekannt, daß der Genosse Paul Schwarzer plötzlich verstorben ist. worauf sich die Versammelten von den Plätzen erhoben.„Gegen Polizeigewalt" lautete das Thema, welches alsdann Genosse Karl Liebknecht in markanter Weise behandelte Sich anlehnend an die neuesten Vorkommnisse in Breslau, Hamburg S&iben entwarf Referent ein anschauliches Bild des engen Zu- sanMenhangeS zwischen kapitalistischer Gesellschaft und PolizeiwiH» kür. Seine flammende Anklage gipfelte in der Aufforderung an die Anwesenden, diese elende Polizeischmach mit einer Verstärkung der Organisation und der Arbeiterpresse zu beantworten. In der Diskussion verurteilten die Genossen Pieser, Schulert, Reilefolg und Fink scharf das Verhalten der Spandauer Polizei am 1. Mai. Mit einem Mahnruf des Vorsitzenden an die Anwesenden, nun ihre Pflicht zu erfüllen, erreichte die imposante Versammlung ihr.Ende. GemKts- Deining. 200 000 Mark-Durchstechereien bei der Eisenfirma Druckenmllller. Umfangreiche Durchstechereien beschäftigten gestern und vor- gestern die dritte Strafkammer in der Strafsache gegen den Fabri- kanten Kiselowski, den Expedienten Jhrke und den Lager- Verwalter Staudemeyer. Großmann und Jhrke waren bei der Eijen-Engrosfirma von A. Druckenmüller angestellt. Zu ihren Obliegenheiten gehörte es u. a., die von den Fabritanten an Drucken müller gelieferten Eisenwaren zu wiegen und abzu- nehmen. Kiselowski betreibt eine Gußplattenfabrik in Lichtenberg, Staudcmeyer ist Kiselowskis Schwager und war bei diesem im Ge- schüft tätig. Die Angeklagten haben die Firma Druckenmüller monatelang durch folgende Manipulationen geschädigt: Kiselowski hatte für Druckenmüller umfangreiche Lieferungen auszuführen. Er füllte nun auf dem Lieferschein ein Höheres Gewicht aus, als er mit den einzelnen Wagenladungen tatsächlich ablieferte. Großmann und Jhrke nahmen auf den Druckenmüllers chen Lagerplätzen die von Kiselowski gelieferten Waren ab und bescheinigten das höhere Gewicht, das K. auf seinen Lieserscheinen angegeben hatte. Die Firma zahlte bei der Abrechnung dann weit mehr,.als sie Waren erhalten hatte, und der auf diese Weise erlangte Gewinn wurde zwischen den Angeklagten geteilt. Auf diese Weise ist die Firma um etwa 200 000 M. geschädigt worden.— Die Angeklagten haben, als das Strafverfahren in Gang kam, einen Teil des Schadens ersetzt. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten K i s e- l o w s k i 1 Jahr 6 Monate, gegen Jhrke 3 Jahre Gefängnis, gegen Staudemeher 100 M. Geldstrafe. Der Gerichtshof verurteilte in später Abendstunde Kiselowski zu 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust, Jhrke zu 3 Jahren Gefängnis, 1000 Mark Geldstrafe und 5 Jahren Ehrverlust, Staudemeyer zu 2 Monaten Gefängnis. Die beiden ersten Angeklagten wurden in Haft genommen. Dir Verhandlung gegen de» Prokuristen Hugo Spiegel, der die „Oberschlesischen Kokswerke und Chemische Fabriken A.-G." um etwa 750 000 M. durch Unterschlagungen geschädigt hat, wird heute, Freitag, IlVz Uhr vor der 7. Strafkammer unter Vorsitz des Land- gerichtsdirektors Dr. M e n tz stattfinden. Spiegel war schon mehrere Jahre Prokurist der Gesellschaft, deren Auffichtsrat der bekannte kürzlich mit dem Adel belegte, steinreiche Geheime Kommerzienrat Fritz Friedländer ist, und gleichzeitig Direktor bei einer Tochter- gesellschaft derselben, der Russischen Montanindustrie-Aktiengesellschaft. Der 45 jährige Angeklagte hatte ein großes Einkommen, lebte aber mit seiner Familie weit über seine Verhältnisse hinaus. Am 11. August v. I. hatte er seinen ge- wöhnlichen Sommerurlaub angetreten, war aber von diesem nicht mehr zurückgekehrt und bei Durchsicht der Bücher stellte es sich heraus, daß er mit Hülfe unrichtiger Eintragungen im Laufe der Zeit Defraudationen begangen hatte, deren Höhe zunächst auf un- gefähr dreiviertel Millionen berechnet wurde. Spiegel scheint Haupt- lächlich durch Börsenspekulationen, die er in großem Umfange betrieben haben soll, auf die schiefe Ebene gekommen zu sein. Die Nachforschungen, die nach seinem Verschwinden aus Berlin nach seinem Verbleib angestellt wurden, waren lange Zeit erfolglos. Er hatte sich zunächst nach der Schweiz begeben und dann seinen Aufenthaltsort nach Paris verlegt, wo er ein lustiges Leben führte und in den bornehmen Restaurants und Cafes als freigebiger„Graf" bekannt und wohlgelitten war. Auf Betreiben eines Herrn Cohn, der ihn in Paris sah und wiedererkannte, wurde er verhaftet. Bei seiner Leibesvisitation wurden nur noch etwa 140 Fr. bei ihm vorgefunden. Er will größere Summen bei Wetten auf Pariser Rennplätzen verloren haben. Seine Verhaftung erfolgte am ersten Weihnachtsfeiertage, im Januar wurde er dem hiesigen Untersuchungsgefängnis zugeführt und wird nun heute abgeurteilt werden. Postbotenelend. Ein Soldatenbriefmarder stand gestern in der Person des früheren Postboten, jetzigen Schuhmachers Wilhelm R e ck l i n vor der v. Strafkammer des Landgerichts I. Er war mit einem Tagegeldersatze von 2,70 M. bei dem Postamt VI angestellt. Als in dieiem Amte mehrfach Soldatenbriefe verschwanden und Ueberreste von Briefen im Klosett gefunden worden waren, wurde der Angeklagte, der sich verdächtig gemacht hatte, beobachtet und dabei abgefaßt, als er zwei Soldatenbriefe verschwinden lassen wollte. Da solche oft Spenden der Soldatenmütter an ihre Söhne ent- halten, sind sie mehrfach Gegenstand des Angriffs ungetteuer Post- beamten schon gewesen und auch der Angeklagte hat diesen Briefen seine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Er gab gestern vor Gericht zu, vier Soldatenbriefe unterschlagen zu haben, behauptet aber, daß darin nur einige wenige Postmarken enthalten gewesen seien. Außerdem hat er sich geständlich zwei Briefmarken, die im Amtszimmer lagen, angeeignet und aus einer Postsendung zwei Portemonnaies entwendet. Er gab seine bedrängte Lebenslage als Motiv seiner Verfehlungen an. Der erst 28jährige Angeklagte hat zu früh ge- heiratet und mußte seine aus vier Köpfen bestehende Familie— zwei Kinder und die Ehefrau waren wiederholt krank— mit seinem Einkommen von 81 M. monatlich durchbringen. Dabei will er in Not geraten sein und gehofft haben, in den Soldatenbriefen wert- volleren Inhalt vorzufinden.— Das Gericht verurteilte den An- geklagten zu sechs Monaten Gefängnis. Wird es durch die Bestrafung möglich, eine aus vier Köpfen bestehende Familie mit 31 Mark monatlich zu ernähren und als „Beamter" zu bestehen? Vermischtes. Aufsehen erregt in Rostock, daß sich der Leiter der dortigen Frauenklinik, Geheimrat Professor Schatz in der Verwaltung der ihm unterstellten Institute grobe Unregelmäßigkeiten habe zu- schulden kommen lassen. Es hat sich herausgestellt, daß Geheimrat Schatz Wirtschafts- und Gebrauchsgegenstände aller Art, die für Rechnung der Frauenklinik geliefert waren, in seinem Haushalt verwandte. Wie hoch der Wert dieser Sachen ist. konnte noch nicht festgestellt werden, man spricht von 200 000 M.. doch läßt sich etwas Bestimmtes hierüber nicht sagen. Geheimrat Schatz, der mit seiner Frau verreist ist, hat die Disziplinaruntersuchung gegen sich be- antragt. Die stehlende Fürstin Wredr. Von der Fürstin Wrede wurde bekanntlich erzählt, daß sie bei ihrem Aufenthalt in Hotels. Pen- sionen und dergleichen kostbares Silberzeug von der Tafel wegstahl. Zwar versuchte man nach berühmtem Muster, den Diener, der die Sache aufdeckte, wegen Erpressung zu belangen, aber es haben sich mittlerweile die Beweise gegen sie derart gehäuft, daß ein Ab- leugnen der fürstlichen Spitzbübin ganz nutzlos wäre. Nachdem es nun auf diese Art nicht mehr gelingt, die Sache zu vertuschen, greift man zu dem alten Trick: Wenn einmal eine Person aus höheren Kreisen bei einer ganz gemeinen Spitzbüberei ertappt wird, ist es krankhafte Veranlagung. So soll auch jetzt die hochgeborene Fürstin, die augenblicklich in Spanien weilt, geistes- krank fkin, Selbstverständlich ist das Schwindel, es soll aus diese Weise der skandalöse Fall der öffentlichen Erörterung und die Diebin der Bestrafung entzogen werden. Es ist immer das alte Trauerspiel: die arme Arbeiterfrau, diq sich einige Kartoffeln oder Holz stiehlt, um ihrer Not zu steuern, kommt unerbittlich ins Gefängnis, die hochgeborene Fürstin läßt sich bescheinigen, daß sie geisteskrank ist und geht frei aus. Das ist unsere bürgerliche Moral. Uebrigens scheint bei der fürstlichen Familie Wrede das Stehlen von Silberzeug von jeher ein gern geübtes Vergnügen gewesen zu sein. Der„Reichsbote" erzählt nämlich: „Angesichts der Silberaneignungen, mit denen das Fürstenpaar Wrede in Verbindung steht, ist es interessant, daß ein Vorfahr des- selben ansang vorigen Jahrhunderts vom Freiherrn vom Stein als ein übler Beuteräubcr gestraft wurde. E. M. Arndt erzählt darüber in seinen Wanderungen mit Freiherrn vom Stein, wie dieser ein Landhaus sofort verließ, als der bayerische Fürst Wrede als Gast vorfuhr, weil er„mit solchem verfluchten Räuber nicht in einein Zimmer sitzen" wollte. Arndt erzählte dann als Grund folgendes: „Wrede war wohl mit Recht beschuldigt, den Seinigen nicht nur vieles nachzusehen, sondern ihnen auch selbst das böseste Beispiel gegeben zu haben. Bei einem solchen Beispiel hatte ihn nun Stein erfaßt, und zwar recht tüchtig angefaßt. Wrede war in Schloß Oels in Schlesien einquartiert, im Schlosse des Herzogs von Braun- schweig. Hier hatte er es ganz den gierig unverschämten französi« schen Räubern nachgemacht, den Soult, Massena und ihresgleichen, welche das Silber(Löffel und Teller), womit sie von ihren Wirten bedient wurden, nach der Tafel gewöhnlich einpacken und mit ihrem Gepäck wandern ließen. So hatte Wrede in Oels ganz nach französi- scher Marschallweise bei seinem Abzüge alles herzogliche Schloß, silber mit zu seinem Feldgepäck legen lassen. Der arme Schloß- vogt hatte dem nicht wehren gekonnt, hatte aber, damit er selbst nicht für den Räuber und Dieb des herzoglichen Silberschatzes ge-. halten würde, den Marschall um einen Schein gebeten, daß er in Kraft des Kriegsbefehls es sich habe ausliefern lassen. Und wirklich hatte der Feldmarschall ihm den genau spezifizierten vorgelegten Schein bei seinem Abmarsch in einfältiger deutscher Ueberraschung unterschrieben."— Der Massenmörder von Marrakkesch. Ueber die Verbrechen und Bestrafungen des Flickschusters in Marrakkesch, der nicht weniger als 39 junge arabische Mädchen ermordet hat, werden neue haar- sträubende Einzelheiten bekannt, die gleichzeitig ein Bild der furchtbaren Erregung geben, die sich der dortigen Bevölkerung be, mächtigt hat. Der Massenmörder von Marrakkesch war selbst kein Araber, sondern ein Neger von Misfiua, der früher in Tanger unter BeihiMfe derselben Megäre, die ihm in Marrakkesch seine Opfer zuführte, einen schändlichen Mädchenhandel betrieb und wie es sich nunmehr herausgestellt, auch dort ähnliche Verbrechen be, gangen hat. Seit der Verhaftung wurde der Neger und seine Mit, Helferin täglich nach wiederholten furchtbaren Bastonaden rücklings auf Esel geschnallt, durch die Straßen von Marrakkesch geführt und der Wut der empörten Bevölkerung preisgegeben. Als das Todes, urteil gefällt wurde, gelang es den Richtern nicht, eine Todesart zu ersinnen, die dem Vergeltungsrecht genügt hätte. Es wurde daher dem Drängen der wütenden Bevölkerung nachgegeben und ihr das Verbrecherpaar ausgeliefert. Zuerst dachte man daran, die beiden Unmenschen mit Petroleum zu übergießen und bei lebendigen, Leibe zu verbrennen. Dann aber beschloß man die Kreuzigung, weil diese für die qualvollste Todesart gehalten wird, da die Ge, kreuzigten unter den furchtbarsten Leiden tagelang am Kreuze leben könnten.-Der Neger war bereits ans Kreuz genagelt und map ging gerade daran, seiner Gefährtin die Nägel durch die Glieder zu treiben, als auf Grund eines vom A>!aghzen eingetroffenen Be, fehles die Hinrichtung unterbrochen werden mußte, da diese in Fez stattfinden sollte. Der gekreuzigte Verbrecher wurde daher vom Kreuze heruntergerissen und in einem furchtbaren Zustande miß einen Esel geschnallt, dasselbe geschah mit der Frau, beide wurden dann unter sicherer Bewachung nach Fez geschickt, wo sie wohl, wenn sie überhaupt noch lebend die Sultanstadt er.re.ichten, ein qfl�lVoÜLs Ende ereilt hat. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Marlthallen-Direltion. Rindfleisch 1»«2— SS pr. 100 Psund, Ha 51—62, nia 49—52, lYa 40—46, engl. Bullen- 0,00, dän. Bullen- 0,00, Holl. Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 105—120, la 80—90, IIa 66-78, nia 52—64. Hammelfleisch Ja 62—72, Ha 66—62. Schweinefleisch 56—62. Kaninchen 0,20—0,70. Hühner, alle, Stück 1,60—2,60, junge, per«stück 0,80—1,10. Tauben, junge 0,50—0,67, alte 0,00. Enten, prima, per Stück 2,30—2,60, Hamburger per Stück 2,75 bis 3,85. Gänse, junge, per Pjd. 0,90—0,95, per Stück 4,00—7,30. Hechts 74—87. Schleie 71—88. Bleie 0,00, matt 0,00. Aale, grog 100—112, mittel 102—112, klein 51—58, uns. 69—84. Plötzen 38,00. Flundern, pomm. I, P. Schock 3,00—6,00. Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel, per Kiste 2—4, do. klein, per Kiste 0,00. Bücklinge, Holl, per Wall 0,00, Kieler 1—3, Strals. 3,00-3,50. Aale, groß, P.Psd. 1,10-1,30, mittel 0.80-0L0, ll, 0,50 big 0,60, Sprotten, Kieler, 2 Wall 0,00, Elb- per Kiste 0,00. Sardellen, 1902er, per Anlcr 76,00, 1904er 74,00, 1905er 70,00. Schottische Vollhering« 1905 0,00, largo 40—44, füll. 36—38, med. 33—35, deutsche 37—44. Heringe, neue Maises, per'/, Tonnen 60—120. Hummern, IIa, 100 Psd. 0,00. Krebse, per Schock, große 19,50—31,00, mittelgroß 9,00, kleine 4,50 bis 5,00, unsortiert 7—13, Eier, Land-, per Schock 3,25, frische 3,75. Bulter per 100 Psund. la 114—118, Na 110—113, INa 106—108, ab. fallende 103— 105. Saure Gurken, Schock 3,50—4 M,, Pjesfergurken 3,50—4 M. Kartoffeln per 100 Psd, magn. hon. 2,10—2,35, rote® abcische 2,00—2,20, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl, Holl., per Schock 0,00, Weiß- kohl, dän., per Schock 7,00—9,00, Rotkohl, Holl., per Schock 0,00. Grünkohl, per 100 Psd, 0,00. Rüben, weiße 0,00, Teltower 0,00. Kohlrüben, per Schock 0,00, Holl. 5— 6. Bnefhaftcn der Redaktton. Tie juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme de? Sonnabends von?>/z bis»-/, Uhr abends statt.(Seöffn-t-? Uhr. Jeder Anfrage ist ei» Buchstabe und eine Zahl alS Merkzeichen beizufügen« Briefltchs Antwort wird nicht erteilt. t. P. 100, A. F. Nein,— Lansisterstr. 23. Die Tabelle, aus ie die Empfängniszeil ersehen, finden Sie Seite 36 bis 40 des dem „Arbeiterrecht" beigefügten„Führers durch das B. G. B,". Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus,— H. M. 74. 1, Ja. 2. Nein. Berufung gegen ein gewerbegerichtliches Urteil ist nur zuläsfig, wenn das Slreitobjekl 100 M. übersteigt.— H. L. 6. 1. und 2, Nein,— F. I. 20. Bolljährigleit genügt. Die Volljähriglest tritt mit Vollendung des 21. Lebensjahres ein. Aus Antrag kann daS Amtsgericht die Volljährigleit schon stüher erklären,— I. ft. 1. Wenn noch kein Urteil ergangen ist, so konnten Sie einen höheren Bestag klagend geltend machen, sonst nicht. 2, Wenn ein bestimmter Bettag ausgeworfen ist, so kann sür Schulkosten und dergleichen nicht ein besonderer Ersatz verlangt werden. 3. Die Vor- mundschast sollte Ihre Frau nicht abgeben.— K. 100. Das Eigentum der Ehestau hastet nicht iür die Schulden des Ehemannes. Werden die Sachen gepsändet, so würde die Ehefrau mit Ersolg eine Wtderspruchsklage erheben und einen Einstellungsantrag durchsetzen können.— A. F. S. Ja. — 1906. 1. und 2.: Beide Ausdrücke sind gleichwerfig. 3. Seinen ideallen Anteil kann jeder Miteigentümer verkaufen. 4. Die Klage kann abgewiesen werden. 5. Das Amtsgericht des Wohnsitzes der Beleidigerin ist zuständig. 6. Nein.— Deutschmann. Fordern Sie den Urmacher aus. innerhalb einer angemessenen sestzusetzenden Frist die Reparatur vorzu- nehmen, drohen Sie, sür den Fall sruchtlojen Ablauss der Frist, die Uhr aus seine Kosten reparieren zu lassen, führen Sie Ihre Drohung aus und klagen Sie die Kosten beim Amtsgericht ein. Ihr Mann Hai aus dem Kaus usw. weder Rechte noch Pflichten.— O. R. 87. Das Amtsgericht, in dessen Bezirk Sie wohnen, ist zuständig.— 91. 3. 33. 1. und 2.: Nein. 3. Ja. Ihre Frau könnte auch schon jetzt aus Mmeniation klagen. Sie sollten Ihrer Frau entgegenkommen. Durch Gewalt läßt fich nichts erreichen. — Anna 106. 1. Wenn Sie nicht innerhalb einer Woche bei dem Gericht (nicht bei dem Gerichtsvollzieher) Widerspruch gegen den Zahlungsbefehl erheben, so wstd er vollstreckbar. 2. DaS Unentbehrliche— das Gesetz läßt von Fall zu Fall entscheiden, waS dazu gehört— ist unpfändbar. 3. Ihre Frau hastet nicht sür Ihre Schulden.— A. St. 17, M. P. A. Nein.- F. D. 100. 1. Falls es sich um Schulden der Ehestau und um nicht un- entbchrltche Möbel handelt: ja. 2. Ja.— R. N. 40. Die Versichcrungs- anstatt ist berechtigt, aber nicht verpflichtet, aus Antrag einen Zuschuß jür Zahngebiffe u. dgl. zu leisten.— L. B. Wir müssen die Antwort aus die Frage, wie viel oox 25 Jahren eine Ware an einem bestimmjen Ort gekostet hat« ablehnen. «¥iie den Ji»>alt der Inserate üvrriiimmt ne Redaktion dem ivublikiim gegenüber keinerlei Betanttvortiing. ater. ! ai. den IS. ng VI, Uhr: »firtuä. Marie, die Tochter des tgimentS. spiclhaus. Iphigenie auf kuris NeirK Operntheater. Martha. Dent'ichcs. Der hellige Brunnen.— /5Der Herr Kommissär. Ne ues. Orpheus in der Unterwelt. Le'ising. Kameraden. Ansang 8 Uhr: -Schiller O. sWallner-Dbealer.) Ueber unsere Krast.(II. Teil.) Schiller(Friedrich WUhelm slädtisches Theater). DaZ im Winkel. Westen. Der Waffenschmied. Kleines. Ein idealer Gatte. Berliner. Die lustige Witwe. Komische Oper. Don PaSquale. Residenz. Liebcskunst. Zentral. Giroflä-Giroflä. iiustspielhaiis. Die von Hochsattel. Trianoir. Loulou. Thalia. Hochparterre links. Metropol. Aus ins Metropol Deutsch- Amerikanisches. Arme Mädchen. Kasino. Madame Bonward. Apollo. DaS blaue Bild. Spezial. Carl Weih. Shcrlock Holmes Abenteuer oder: Die Jagd ums Leben. Hansa. Das Wunderkind. Familie Bernstein. Wintergarten. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Belle-Alliance. Spezialitäten. Reichshalle». Stettiner Sänger. Urania. Tanbenstrahr 48/�i». Abends 8 Uhr: Der Simplon und sein Gebiet. Sternwarte, Jnvalidenftr. 57/82 t'ertUnanck Bonns Berliner Theater. 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Fröbels Allerlei-Thealer Schö:chauser Allee 148. Jeden Tonntag 4 Uhr: Konzert, Theater, Spezialitäten. Im Saale: Ten.. Donnerstag, 24. Mai(Himmelsahrt): Grosse Extra-Borstcllung. Bei ungünstiger Witterung findet die Vorstellung im Saale statt. Passage-Theater. Ansang 8 Uhr. Das neue Mai-Progranim 1 4 erstklassige Spezialitäten ES2E53! Mcne. Programm k TORTAJADA Spanische Tänzerin u. Sängerin. Narrow Bros., komische Radfahrer. Desrochos-Bianca, französ. Duett. Bio Hartleys, Springer. Brtsina, Pariser excentr. Sängerin. Patt» Frank-Truppe, Akrobaten. König Dollar, englisches Ballett. Imro Fox, Illusionist Die Brittons, Neger-Sänger und _ Tänzer. De Die, Phantasie-Tänzerin. Die Perseus, Kugelspieler. Dar Biograph. Schiller Schlller-Thealor 0.(Walluer-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Velber nnscrv Ks-nft.(2. Teil.) Schauspiel in 4 Ausz. von Björnstjerne Björnson. Sonnabend, a?endS 8Uhr: »er Lelbalte. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Die Hacht der Pinsternls. Sonntag, abends 8 Uhr: Der milltärstaat. 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Ueber die politische Stellung der Sozialdemokratte, insbesondere mit Bezug aus den Reichstag. Ein Vortrag, gehalten in einer öffent- lichen Versammlung des demokra- tischen Arbeitervereins zu Berlin am 31. Mai 1869. Mit Vorwort und einem tragikomischen Nachspiel. Neue Auflage. IS Pf. Karl Marx zum Gedächtnis. Ein Lebensabriß und Erinnerungen. 75 Pf. Robert Owen. Sein Leben und sozialpolitisches Wirken. Zwei aus- gegrabene Skizzen. Mit zwei Ab- bildungen.»v Pf. Zum 18. März und Verwandtes. Lv Pf. Rede über den Kölner Partei- tag mit besonderer Berücksichtigung der Gewerkschastsbewegung. SS Pst Was die Sozialdemokraten find und was sie wollen. LS Pf. Fremdwörterbuch. Geb. S,«0 M. WW des„Ms" Berlin SW. 68 La'leB- Lindenstr. 69 USpezialham; hren R,esen'Aasv&t»< Ohne Anzahlung! . R. Hartmann 2t Brücken- Straße 2* Für Reellitat&ütrgt ISjahriges Beatehen der Firma, nicht mit kleinen, minderwertigen Geschäften zu verwechseln. Berlin. Begründet tM7. 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Abrechnung vom ersten Quartal. 2. Berichterstattung von der am 24. April stattgesundcnen Bautenkontrolle. 3. Gewerkschaftliches. 143/15* IMF" Mitgliedsbuch legitimiert."90 _ Regen Besuch erwartet___ Per Zweigverelnavorstand. I. 21.: E. Thöns. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt-Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: 2lmt IV, 3579. _ Arbeiisnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. Sonnabend, den 19. Mai, abends 6 Uhr: Ifersammlung sA. E. G. Brunnenstraße und Voltnstraßcj im Swinemünder Gesellschafthaus, Swinemünderstr. 42. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zu der am 13. Mai in den Germaniasälen angenommenen Resolution. 2. Diskussion. 119/9 Zablreichcn Besuch erwartet Die Ortsverwaltung Orts Verwaltung Berlin. Sonntag, den 20. Mai 1906. vormittags 10'/, Uhr, im Gewerkschaftshausc, Engel-Ufcr 15: Mitglieder-Versammlung TagcS- Ordnung: 1. Die 2lntworten der 2lrbeitgeber und wie stellen wir unS dazu? 2. Diskussion. 3. Verbandsangelcgenheiten. 4. Verschiedenes. IM- Billettausgabe zum Stistungssest. Gäste haben Zutritt. 281/14 Ple Ortsvcrwaltung. Achtung! UtWliltr! Achtung! Filiale Berlin. Montag, de» 21. Mai, abends präz. 8 Uhr, iu den Arminhallen, Kommaudantenftr. 20(großer Saal): Mitglieder-Versammlung. Tages-OrdNUNg: 1. Vortrag der Genossin Backelt: „Die Arbeiterinnen in ihrer Eigenschaft als Hausftau und Mutter". 2. Diskussion. 3. 2lbrechiiung vom Stistungssest. 4. Verschiedenes. IM- Besonders ist das Erscheinen der im Gewerbe beschäftigten Frauen und Mädchen erwünscht, und werden Kollegen und Kolleginnen ersticht, die noch nicht Organisierten sür den Besuch ztt interessieren. 225/10_____ Der Vorstand. Wer Heute Freitag, abends 8'/� Uhr, im Gewerkschaftshausc, Eugcl-Ufcr 15: dei�Jörtswerwaltung. Sonntag, den 20. Mai, vormittags 10 Uhr: Bezirks-Versammlung für Moabit im Lokale von W. Duszynski, Turmstrafte 25/26. 85/2 Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Borchardt. 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegenheit. 4. Verschiedenes. Einsetzer! Die Bauten der Grohenhainer Mrma Kirchner. Vertreter Zimmermann, sind für Einsetzer ............ gesperrt!............. Marsilinöstrafte 12.— Koperutkusstrafte 5/6, Bau Hoppe.— Berlinerstrafte 12(Charlottenburg), Bau Langnick.— Strafte 12 an der Kaiser Friedrichstrasic(Charlottenburg), Bau Gericke.— Kurfürsten- strafte 178, Bau Knaak.— Dorfstrafte, Ecke Rcinhardstrasie(Tcmpelhos), Bau Spcier. Per Obmann. r. Filiale Berlin. Sonntag, den 20. Mai, vormittags 10 Uhr, bei Feind, Weinstr. 11: WtT Versammlung. TageS-Ordnung: 54/12 1. Vortrag des ArbciterfekretärS Gustav Link über:„Banarbelter- «ekut»". 2. Stellungnahme zum Gautag. 3. Verbandsangelcgcnhcitcn. Zahlreiches Erscheinen erwartet______ Per Vorstand. „Berliner Ärheiter- Ratlfalirer-Verein" Mitglied deS Arbcite» Radfahrcr-BundeS �Solidarität«. I'ouren zum Sonntag, den 20. Mai. 1. Abteilung früh 7 Uhr nach Rüdersdorf. Nachmittags 1'/, Uhr nach Fichtenau. Starts Bülow- slrajze 59. 2. Abteilung früh 5'/, Uhr. 3. Abteilung früh 5 Uhr. 4. Ab- teilung früh 6 Uhr. 6. Abteilung früh 5'/. Uhr, 7. Abteilung früh 6 Uhr nach Eberswalde. 2. und 3. Abteilung nachmittags 1 Uhr nach Bernau(Elysium). 4. Abteilung nachmittags 1 Uhr nach Fichtenau. 5. Abteilung früh 3 Uhr nach Ncn-gluppi»<75 Kilometer). Nach- mittags 1'/, Uhr nach Reinickendorf(Franke, Eichbornstraße. Starts Elysium. 6. und 7. Abteilung nachmittags VI, Uhr nach. Reinickendorf. 8. Abteilung früh 5-/, Uhr nach Rüdersdorf. Nachmittags 12'/, Uhr nach Fichtenau. 9. Abteilung nachmittags 1'/, Uhr nach Retnickendorf. Start Schilling- straße 22. Himmelfahrt. 2. Abteilung nachmittags 1 Uhr. Näheres am Start Urban- und Tempclherrenstraßen-Ecke. 3. Abteilung ftüh 5� Uhr nach Strausberg 1 Uhr„Hung_ Starts Mariamienpark 4. Abteilung früh 5 Uhr Herren- tour nach Neue Mühle. Nach- mittags 1 Uhr Damcntour nach Karolincnhof(MandS). Sämtliche Starts Andreasplatz. 6. Abteilung früh 5 Uhr nach Oranienburg. Besichtigung derObst- baukolonie Eden. NnchrnitiagS 1 Uhr nachBirkcnwcrder(Paradiesgarteii). Sämtliche Starts Oderbergerslraßc (Genossenschaft). 8. Abteilung früh 6 Uhr nach Strausberg(Bürgergarten). Nach- mittags 1 Uhr Streiszüge durch den Grunewald. Sämtliche Starts Kriminalgerichst_ morrilung sruy o Uyr nao) »sberg(Magnus). Nachmittags „Hungrigen Mols". Sämtliche Mariannenpark. Viele lausende Exemplare. Vollandet reichhalt. Ausmusterungen hervorragendstsr Fabrikate. Gute Abarbeitung. Schöner Sitz. 18.- 15.— 12— 10.— y| 9.— 8.- 7.— 6— 5— H Viele lausende Exemplare. Allerneueste, aparte Dessins. Kleidsamste Geschmacksrichtungen. Verschiedenste Farbenstellungen, 15— 12— 10— 9— 8—| 7— 6— 5— 4— 3— 1 Mk. 75 I Besondere Gelegenheit! funlnsie-Wcslen 9„ Auffallend schöne Muster Mk. 43 3 Stück für 6 Mk. 50 Spezialhaus grOssten Massstabes Chausseestrasse 24*125 o 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20. Der Haupt-Katalog Nr. 29(Frühjahr u. Sommer) wird kostenlos u. portofrei zugesandt. 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Rohrer. r Freitag, den 18. 9Iat, abend« 8 Uhr,"Wx im„Englischen Garten", Alcxander-Str. 27c: OeffentHebe Versammlung der Kohrer Serlins nnd Umgegend. Tages-Ordnung wird in der'Versammlung bekannt�cmacht.___ 145/7* Kommission. Gewinn- Eos© der Königlich Preußischen Lotterie nable sofort ans. 122/13' Heinrich Krön, Bank- u. Lotterie- �Geschäft, Alexamlcrstraltc 54. Hammel- Zentrale Hammelfleisch- Verkanf nach Pariser Art Dresdenerstraße 17 vis-a-vis Tamaschke. sssl* Hasselwerder, Inhaber: Albert Scberncb. 12372* Gröfltes und schönstes Etablissement der Oberspree. 10 Pf.-Tour Niedcr-Schöncwcide— Johannisthal. Jeden Dienstag, Mittwoch, bei freiem Donnerstag ünd Sonntag:' 1» I Entree. Im Saal: L>U� Srover Ball.-MM Aldert Scherueh. Hochachtungsvoll lim H. Zimmermann Berlin SO. Jnweuer Oranienstr. 206 Gold- und Silberwaren-Fabrik, Uhren-Großhandlung. 277L* Eigene Werkstatt für Neuarbeit u. Reparatur. Strersg reell.— Billigste Preise. 'Kerantwortlicher Redakteur: HanS Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th, Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Maul Singer& Co., Berlin SW.