Dr. 120. Bbonnemcnts-Bedlngungcn: HBonncmcnlä» PreiZ pränumerando i Sierteljährl. S.M Mk, mon-UI. l.lv Mk., Mächentlich LS Pfg> frei ins HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- »rummer mit illustrierter Sonntags- Beilag-.Die Neue Bett" 10 Pfa, Poft- «donnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs. Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, stlr das ilbrige Ausland 8 Mark pro Monat. PostavonnementS nehmen an: Belgien, Dänemarl. Holland, Italien, Luxemburg, Porwgal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 23. CcldKlnt agil» anScr(üontaat. Zevlinev VolksblÄtt. Die Tnfertlons'GebQljr ideträgt für die sechsgespaltcne Kolonel- geile oder deren Raum 50 Pfg,, für politische und gcwerkschastliche Bereins- und BersamniIungS-Anzeigen 30 Pfg, „Aieine Anzeigen", das erste(seit- gedruckte) Bort 20 Pfg., jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas- slellen-Anzeigen das erste Bort 10 Pfg, jede» weitere Bort b Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Rümmer müssen bis 5 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöfsuet. lelegramm- Adresse: „Sozlaldtmolint Btrlla**. Zcntfalorgan der fozi aldcm ohrati f eben Partei DeiitfcMands. Redaktion: 6 öd. 68, Lindenstrasse 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983 Expedition: Still. 68, Lindenstraeac 69. ?ter»sprecher: Amt IV, Nr. 1984, Lin Nettobjekt der europäischen Kultur. Die Entrechtung des Arbeiters, die Erniedrigung und Entwürdigung des Proletariats zur Helotenschar ist das Fundament des preußischen Staates, die Grundlage der preußischen Macht, und damit des Deutschen Reiches, ist einer der vollsten Werte nicht nur der preußischen, nein der euro- Peuschen Kultur. Das ist nicht die Fälschung eines verwegenen Hetzers, der die Brandfackel der Empörung ins Land schleudern will, das ist die Meinung, das ist der Wille, der offen und un- zweideutig kundgebene der Herren Preußens, der geborenen und berufenen Gesetzgeber des preußischen Staates. der preußischen Feudalen, die im Herrenhause dem Dreiklassen» Parlament als Obergenossen gesetzt sind. Die Herrenhäusler sind am Freitag zum gesetzgebenden Werk wieder zusammengetreten; die beiden Gesetzentwürfe zur Sicherung des Dreiklassenwahlrechts vor sozialdemokrati- scher Obstruktion sind unter Dach zu bringen. Und das Herrenhaus ist selbswerständlich dabei, wenn es gilt, das Dreiklassenunrecht zu festigen. Man hätte abstimmen können ohne jede Beratung. Und im Grunde genommen hat man's auch getan. Denn was geredet wurde, das galt nicht den Bestimmungen des Gesetzes. Man redete Wahlrechts- Hetze. Die Herrenhäusler können an die fatale Tatsache, daß Gesetz- geber nicht bloß geboren und berufen, daß sie auch gewählt werden, nicht erinnert werden, ohne nach Wahlrechtsraub zu rufen. Der roodor 60 bronoo. darauf einer der Eckpfeiler der preußischen Ordnung steht, dieses Parlament, dessen Aufgabe und Stolz es ist, kein Spiegel des Volkswillens zu sein, diese Körperschaft, die sich durch Inzucht ergänzt und die der» fassungsrechtlich gegen jede Zugluft der Zeitströmungen, der Volksmeinungen gefeit ist, fühlt sich innerlich unsicher. Nie wird ein Sozialdemokrat in diesem Hause seine Stimme er- heben können, und doch gibt es ksine sozialistenfürchttgere Körperschaft als das Herrenhaus. Die Partei, die in diesem Hause nie vertteten sein wird, spielt in seinen Verhandlungen die größte Rolle. Die Sozialdemokratie, die Revolution, die die Sozialdemokratte über sie bringen soll, ist der Alpdruck, der die Herren Preußens quält. Innere Stürme, Stürme der Parteien wider einander kennt dieses Haus noch weniger als das preußische Unterhaus; wenn es einmal auffährt aus seiner feudalen Schläftigkeit, so bekommt die Welt Wut- ausbräche gegen die Sozialdemokratte zu hören, Wutausbrüche, deren aufteizende Wirkung nur durch ihre unsterbliche Lächer- lichkeit erreicht wird. Eine Körperschaft, die keine Wurzeln in der Nation hat. die nur auf dem Fetzen einer Esclshaut steht, deren ganze Existenzberechttgung auf vermoderten Pergamenten beruht, muß in einer Zeit wie der unserigen naturgemäß von Todesschauern gerüttelt werden. So war denn die Verhandlung, die knapp zwei Stunden dauerte, nichts als eine Kette von Reden gegen die Sozial- demokratte, gegen Wahlreform, für Wahlrechtsverschlechterung. Denn auch die Vertreter der Minderheit, die eine„zeitgemäße Reform" des preußischen Landtagswahlrechts befürworteten, forderten sie mit der Begründung, daß sie die Sozialdemo- kratte schwächen werde, daß sie ein Mittel der Bekämpfung des Umsturzes sei. Und auch diese weißen Raben im schwarzen Chor der Feudalen sind einer Verschlechterung des Reichstags- Wahlrechtes nicht abgeneigt. Sie verhehlen sich nur nicht die große Schwierigkeit des Werks und möchten die Wahlrechts- änderung in Preußen davon nicht abhängig machen, damit nicht vorher eines Tages die Revolution über sie komme wie der Dieb in der Nacht. Der einfüge preußische Landwirtschaftsminister Lucius v. Ballhausen eröffnete die Debatte sogleich mit einem direkten Frontangriff auf das Reichstagswahlrecht. Unter ihm haben sich nach der Meinung dieses Freiherrn die Dinge so ent- wickelt, daß sie kein gutes Ende nehmen können, llnd leider hat die Regierung dazu beigettagen durch die Gewährung der Diäten, durch die Abtragung der letzten Barriere, die den schädlichen Wirkungen dieses Wahlrechts noch entgegen- stand. Um so mehr müsse man in Preußen am Dreiklassen- Wahlrecht festhalten, um so mehr, da die Sozialdemokratie die Erreichung dieses Wahlrechts sich als Programm ge- setzt habe und entschlossen sei, es nötigenfalls mit Gewalt zu erobern. Aber die sozialdemokrattsche Wahlrechtsbewegung ist nicht die einzige Gefahr, die der Excellenz prophetisch ins Auge schaut. Auch vom Reichstage droht Unheil, da er seine Konipetenz beständig zu erweitern sucht, da das Zentrum, einst der Hort des berechttgten und unberechttgten Partikula- rismus, diese Versuche unterstützt, ja selbst solche unternimmt. Siehe den Toleranzanttag, den Versuch des Eingriffs in die Kirchenhoheit der Bundesstaaten, siehe die Bestimmung des Zolltarifgesetzes, wonach vom Jahre 1910 ab die städte keinerlei Abgaben mehr von einer Reihe wichtiger Lebens- mittel erheben dürfen. Ja, das Zenttum hat ja bereits er- klärt, daß es zwar nicht die Jnittattve zu einer Landtags- wahlrcforni durch die Reichsgewalt ergreifen werde, daß es aber einer solchen Reform, einer solchen Ausdehnung der Reichskompetenz zustimmen werde, wenn— die Regierungen sie verlangen sollten. Selbst diese offenbare Ausflucht der regierenden Partei, dieser durchsichtige Versuch zur Täuschung ihrer proletarischen Wähler ist der Exzellenz Lucius gut genug, um als Argument für die Verweigerung der Wahlreform in Preußen zu dienen. Die Reaktion in Preußen, die Herrschaft der Junker erscheint demnach dem Freiherrn v. Lucius aufs ernsteste bedroht, von zwei Seiten angegriffen. Falsch aber wäre es nach seiner Ansicht, sich durch Konzessionen an die Arbeiterschaft Ruhe und Sicherheit erkaufen zu wollen.' Die Sozialdemokratte ist ja unersättlich. Sie ist ja keine Reform-, sondern eine Revoluttons- Partei, die alles umstürzen will, was die Grund- läge des Staates, der Familie, des Eigentums aus- macht, sie ist nicht einmal mit dem Reichstagswahlrecht zuftteden, sie will das Wahlrecht der Zwanzigjährigen, das Wahlrecht der Frauen. Die Bewilligung der Diäten an den Reichstag zeigt die Reichspolittk auf abschüssiger Bahn, es muß gebremst werden, und Bremsen ist die historische Aufgabe des Herrenhauses. Die Vorlagen sind anzunehmen, nicht weil sie eine Reform des Dreiklassenwahlrechts bedeuten, sondern weil sie es befesttgen und sichern. Durch lebhaftes Bravo unterstrich die überwiegende Mehrheit des Hauses die Rede. Einige andere Junker sagten ähnliches. Der Freiherr v. Durant, der das Dreiklassenunrecht zwar gern erhalten sähe, der aber der Festigkeit der Regierung nicht recht traut, der die Kraft des Wahlrcchtskampfes fürchtet, ritt sein Stecken- Pferd des Berufswahlrechts. Einer Leuchte preußischer Wissenschaft, Rechtsprofeffor Dernburg, war es vorbehalten, die Rechtsverweigerung an Preußens Proletariat mit höherer Weihe zu umkleiden. Zu herrlichen Höhen ist Preußen unter dem Dreiklassenwahlrecht gestiegen. Groß ist die Macht Preußens geworden und es stehe da in Europa als konservatives Boll- werk gegen den Umsturz. Den Reakttonär erfüllt die Tat- fache, die dem wahren Vaterlandsfreunde die Schamröte ins Gesicht tteibt, die Tatsache, daß Deutschlands Vormacht das letzte Asyl der Unterdrückungspolitik in«Europa geworden ist, daß das deutsche Volk das letzte sein wird, das die Vormund- schast einer Handvoll Junker abschüttelt, mit stolzer Bcfriedi- gung. Was dann diese Leuchte preußischer Wissenschaft über die deutsche Sozialdemokratte gesagt, das war eine glänzende Rechtfertigung unserer Bestrebungen zur Beseittgung aller geborenen und berufenen Gesetzgeber. Arme, arme offizielle preußische Wissenschaft! Ein Mann hat ihre Ehre gerettet: der Hallenser Pro- fessor Löning. Nicht daß er gegen die Plattheiten der Dernburgerei zu Felde gezogen wäre. Aber er ließ doch etwas von historischer Erkenntnis sehen. Und er wagte eine Krittk des preußischen Wahlrechts, die in diesem Hause schon fast etwas Unerhörtes bedeutet. Mit einer Schärfe, die in diesem Milieu überraschend wirtte, kennzeichnete er die innere Unwahrheit und Ungerechttgkeit dieses Wahlunrechts, daß das Haus schier starr war ob des Frevels. Als deutscher Professor will Herr Löning freilich nicht das gleiche, direkte und geheime Wahlrecht, sondern irgend ein gemildertes Unrecht, das die Enttechtung des Proletariats durch die Zulassung von etwa einem Dutzend sozialdemokra- tischer Konzessionsschultzen verhüllt. Solche Viertelbreform ist nach Herrn Löning bessere Bekämpfung der Sozialdemokratte, als' die protzig-brutale Verweigerung jeder Reform, das beste Vorbcugungsmittel gegen die Revolution, die Herrn Löning unvermeidlich erscheint, wenn man nicht rechtzeitig vorbeugt. Der Hallenser Professor, der natürlich sehr hoch dentt von der Macht der preußischen Regierung, hat doch aus der Geschichte gelernt, daß die Völker auf die Dauer stärker sind als die Machthaber. Ein Nachkomme des grimmigen Feindes der Männer, die in tiefer Erniedrigung den preußischen Staat durch Reformen wieder lebensfähig machten, der Stein, Hardenberg und Scharn- Horst, einen Jork bewies durch einige Ausfälle auf die Löhningsche Rede, daß er ein würdiger Sproß seiner Ahnen ist. Herr Löhning replizierte scharf und treffend, der Vertreter der Regierung, der Philosoph der„aufwärtsziehenden Kräfte" Bethman-Hollweg. blieb stumm bei den Apostrophierungen des Hallenser Profeffors, und so war die große Debatte beendet. Gnzelberatung gab's nicht, im Handumdrehen waren die Entwürfe angenommen und wenn die Verfassung nicht nach drei Wochen eine abermalige Abstinimung nötig machte, so wäre die Sache erledigt und die preußische Wahlrechtsfrage nach dem Willen unserer Junker begraben. Daß sie das nicht ist, daß sie lebendig ist. das hat die preußische Arbeiterschaft den Herren Preußens begreiflich zu machen. Und die Reden der Herrenhäusler werden ihr dabei dienen als schätzbares Material. Des Wahlrechtskampfcs erste Phase liegt hinter uns. Vorwärts zu neuen Vorstößen! muß unsere Losung sein l Die Revolution in Rußland. Ein Amnestiechen. Statt der vom Volk geforderten allgemeinen Amnestie scheint man das Land mit einer Art von Kompromitzamnestie abspeisen zu wollen. So wird aus Petersburg gemeldet. Stolypin, der Minister des Innern, habe einer Dame, die ein Vittgesuch für ihren ver- bannten Mann überreichte, die bestimmte Versicherung gegeben: Am L7. Mai werde eine„partielle Amnestie" erfolgen! Man spricht in Rußtand also von den Amnestien so, wie man sonst wohl von de» Wood, und jsonoensinsternijsen teietj----- total. Die Sonne Nikolaus II. soll also am 27. b. M. partiell ihre Gnadenstrahlen leuchten lassen, partiell � verfinstert bleiben. Was für ein Schauspiel dabei herauskommen wird, das werden wir ja erleben.— Die saubere„Petersburger Telegraphenagentur" muß übrigens schon beizeiten abwiegeln. Sie meldet: Die Frage der vollständigen politischen Amnestie, die von der Reichsduma aufgeworfen, von ihr in die Antwort auf die am 1l>. Mai im Winterpalais gehaltene Begrüßungsansprache des Kaisers aufgenommen wurde und von mehreren Organen der russischen Presse unterstützt wird, ist weit entfernt, einem sym- pathischen Echo in allen Schichten der russischen Gesellschaft zn begegnen. Man kann nicht umhin, das Vorhandensein einer starken Strömung gegen die vollkommene Amnestie in ver- schiedenen Bevölkerungsklassen hervorzuheben. Verschiedene und ansehnliche Gruppen der Gesellschaft stellen fest, daß die politi- schen Morde nicht nachlassen. Der Telegraph bringt nach wie vor täglich aus der Provinz Nachrichten über Anschläge gegen das Leben von Beamten oder über deren Ermordung. An- gesichts derartiger unversöhnlicher Haltung der Anhänger der terroristischen Vereinigungen kann die Regierung nicht den fried- lichen und wohlgesinnten Teil der Bevölkerung der Gefahr aus- setzen, kann sie nicht unterlassen, die Terroristen und die Bomben- werfer gerichtlich zu verfolgen, und kann sie nicht von der ge- richtlichen Bestrafung Leute befreien, die Verbrechen begangen haben und noch begehen.— Was die Leute betrifft, die auf dem Verwaltungswege verhaftet wurden, so sind viele von ihnen bereits freigelassen, andere werden nach einer sorgsamen Prüfung der Gründe, die ihre Verhaftung herbeigeführt haben, ebenfalls in Freiheit gesetzt werden. Eine vollständige Be- gnadigung aller der Leute, die auf administrativem Wege ver- haftet wurden, könnte eintreten, wenn es möglich würde, gesetzlich den Kriegszustand, den Zustand des außerordentlichen und des verstärkten Schutzes endgültig abzuschaffen, und wenn es ferner möglich würde, die gerichtlichen Verfolgungen an den Orten auszuüben, wo die revolutionäre Bewegung sich kundgibt. Die �gerichtliche Ahndung ist gegenwärtig an diesen Orten infolge der Einschüchterung und sogar Ermordung der vor Gericht ge- ladenen Zeugen unmöglich. So ist also der Zustand der Er- regung der Geister— namentlich in den Grenzgebieten— einer Abänderung oder Aufhebung der Ausnahmegesetze keineswegs günstig. Dies ist die Ansicht hinsichtlich der Unmöglichkeit und Unzweckmäßigkeit einer vollen Amnestie, die diejenigen Schichten der russischen Gesellschaft hegen, die sich nicht von vorgefaßten Meinungen fortreißen lassen und die gegenwärtige Wirklichkeit der Dinge in Rußland verständig ins Auge fassen. Von der Partei der äußersten Rechten wird eine lebhafte Agitation für die Beibehaltung der Todesstrafe und gegen die Amnestie betrieben. In von ihr veranstalteten Versammlungen wurde die Auflösung der Duma, die Diktatur und der Schutz der nationalen Interessen gefordert. Maul- und„Seeheld" RoschdjestwenSki. Dem Chef des Gcneralstabes der Marine, Admiral Roschdjest- wenski, ist„mit Rücksicht auf seine durch die erlittenen Ver- wundungen geschwächte Gesundheit"„der erbetene Abschied be- willigt" worden.— Die Duma. Petersburg, 2S. Mai. Die Sitzung der Duma wurde heute nachmittag um 2 Uhr 26 Minuten eröffnet. Auf der Tagesordnung standen Wahlprüfungen und die Vorlage betreffend die Unautast- barkeit der Person. Bei der Prüfung wurde die Wahl des Wilnaer Abgeordneten Bischofs Baron Roop beanstandet. Nach viertel- stündiger Unterbrechung wurde die Sitzung um 3 Uhr 68 Minuten sortgesctzt. Der Präsident teilte mit. daß 2K2 Wahlen, also über die Hälfte, von der Duma bestätigt seien; er verlas dann eine Er- klärung von 66 Mitgliedern der Duma aus Anlaß eines Tele- gramms über die Bestätigung von acht Todesurteilen durch den baltischen Generalgouverneur. Auf Antrag der Deputierten Kedrin und Kusmin-Karawajcw erkannte die Duma einstimmig die un» aufschiebbare Notwendigkeit an, den Präsidenten des Ministerrates auf die Nichtausführung der Todesurteile zu interpellieren. Ein sozialistisches Komitee verhaftet. Odessa, 26. Mai.(B. H.) Von der Polizei wurde ein Quartier entdeckt, wo die Sitzungen des sozialistischen Komitees stattfanden und wo Schriften gegen die Regierung hergestellt wurden. Elf Mitglieder wurden verhaftet. Die ganze Straße war von Polizei besetzt. Der Prozeß gegen Genossen Leo Deutsch niedergeschlagen. Petersburg, 25. Mai.(B. H.) Der Prozeß gegen den Sozial- demokratcn Deutsch wurde niedergeschlagen. Wofür kein Geld da ist! Odessa, 24. Mai.(B. H.) Mehrere hundert Frauen, deren Männer vom Kriegsschauplatz zurückgekehrt sind, demonstrierten gestern vor dem Rathause, weil seit dem 1. d. M. die Unterstützung eingestellt wurde. Sie zertrümmerten durch Steinwürfe sämtliche Fenster, Mehrere Gendarmen wurden verletzt. politifcbe Ucberftcht. Berlin, den 25. Mai. Etat des Reichsamts des Inner». Die dritte Beratung des Etats veranlaßte einige Redner, bei dem Kapitel Reichsamt des Innern auf die Debatte der zweiten Lesung zurückzugreifen. Genosse Peus reagierte gegen den Vorwurf, die Krankenkassen, in denen Sozial- demokraten die Leitung hätten, würden schlecht verwaltet. Es ist bekannt, daß den größten Ortskrankenkassen, in denen Sozialdemokraten führende Stellen haben, oftmals höchstes Lob für die mustergültige Verwaltung von gegnerischer Seite ge- zollt wurde. Der Junker v. Maltzahn versuchte eine verspätete Ver- teidigung der Fleischverteuerung durch die Agrarpolittk Podbielskischer Couleur, mußte sich aber vom Abzeorbneten Merlach sagen lassen, daß er nur belanglose, veraltete 'xpcktorationcn der„Deutschen Tageszeitung" wiedergegeben yabe. Genosse Bios monierte die Uebertretung der Gewerbe- ordnung in Brannschweiger Konservenfabriken, wo noch eine Arbeitszeit von 15— 18 Stunden für weibliche Arbeiter nichts Seltenes sei. Der braunschweigische Bundesratsbevollmächtigte suchte vergeblich die Uebertretungen zu verteidigen. Darauf folgte eine Anklage Bern st eins gegen die bekannten Aus- schreitungen der Breslaucr Polizei gegen die Bres- lauer Arbeiter. Demgegenüber suchte sich Graf Posa- d o w s k y hinter Kompetenzbedenken zu verschanzen und be- zeichnete den Dreiklassenlandtag als die kompetente Stelle für diese Anklagen. Genosse H e r z f e l d trat diesem Versuche Posadowskys, das Recht der Reichstagsabgeordneten, solche Anklagen zu erheben, einzuschränken, entgegen. Das Koalitionsrecht sei den Breslauer Arbeitern entrissen worden, dafür sei die Reichs- regierung verantwortlich. Könne der Staatssekretär des Innern nicht Rede stehen, möge er dem preußischen Minister des Innern, als Bundesratsbevollmächtigten, den Auftrag dazu geben. Herzfeld- verwandte sich außerdem für die Seeleute, denen auf Grund der Seemannsordnung schwere Nachteile von den Reedern bereitet werden. Auch B e r n st e i n wies die Kompetenzbedenken Posadowskys zurück. Der ostelbische Junker v. Oldenburg-Januschau hielt eine Harlekiniade über alles Mögliche und Unmögliche, die das Haus in ständige Heiterkeit auf Kosten des hohlen, von sich höchst eingenommenen Redners setzte. Ein Kunter- bunt verfassungsrechtlicher, unverdauter Lesefrüchte ließ ihn den Grundsatz proklamieren, daß die Einzelstaaten ihre Ver- fassung nach der Preußens zu richten hätten, und be- klagen, daß außerpreußische Bundesstaaten ihre Wahl- reform nicht nach dem junkerlichen Dreiklassenparlament eingerichtet hätten. Für. diese Anpöbelung der ver- fassungsrechtlichen Selbständigkeit der Bundesstaaten ließ ihm der bayerische Bundesratsbevollmächtigte Graf Lerchenfeld eine kurze, aber kräftige Abfertigung zuteil werden, die die Borniertheit und Anmaßung des ostelbischen Junkertums hart traf UNd darum großen Beifall im Hause fand. Auf den Bänken der Junker saß Oldenburg von Januschau wie ein begossener Pudel. Einige Redner bürgerlicher Parteien hielten es dennoch für angebracht, sich auch noch mit dem kuriosen Großspurigen von Januschau zu befassen. Genosse Sachse streifte noch einmal die Bergarbeiter- Verhältnisse und die Stellung der Parteien im Reichstag und im preußischen Landtage, speziell die des Zentrums. Er begründete die sozialdemokratische Resolution, die festgestellt wissen will, ob die Gewähr in den Grubenverhältnissen ge- geben sei, daß Katastrophen wie in Courriöres verhindert werden können. Demgegenüber trat Giesberts(Z.) für die zahme Zentrumsresolution ein. Repliken und Dupliken zwischen den Genossen Sachse, H u e und den Zentrumsabgeordneten E�zberger, Giesberts und T r i m b o r n schließen die Spezialberatung dieses Etats. Die sozialdemokratische Resolution wurde ab- gelehnt, die des Zentrums angenommen. Um 8 Uhr abends war der Etat des Reichsamts des Innern erledigt. Die Ferienstimmung der Mehrheit ist so lebendig, daß wohl schon morgen Vertagung des Reichs- tages bis zum 13. November erfolgen wird. Unfreiwillige Komik. Im Abgeordnetenhause leisteten sich heute bei der Fort- •fetzung der Beratung über das Schulunterhaltungsgesetz die freisinnigen Abgeordneten den Scherz, die ganze an sich höchst ernste Schulverpfaffungsaktion ins Komische zu ziehen, indem sie den zwangsweisen Religionsunterricht nun wie für die christlichen so auch für die jüdischen Schulkinder forderten. Natürlich waren sich weder Freisinn noch Mehrheits- Parteien der Komik der Situation belvußt, die Abgg. Cassel und Peltasohn bemühten sich vielmehr ganz ehrlich, auch ihren Glaubensgenossen den zwangsweisen Religionsunterricht auf- zuhalsen. Ihr Bemühen scheiterte; nur die christlichen Kinder soll die Volksschule zwangsweise verdummen. Der Kampf drehte sich weiter um die Selbstverwaltungs- rechte der Gemeinden in Schulfachen. Der unerträgliche Zustand völliger Bureaukratenwillkür, der jetzt auf diesem Gebiete herrscht, konnte selbst im Dreiklassenparlament von keiner Partei verteidigt werden; nur daß auch keine ge- nügenden Mut hat, seine Beseitigung der Regierung abzu- trotzen. So ließ man der Regierung auch diesmal wieder das Bestätigungsrecht für die Mitglieder der Schuldeputation, das bekanntlich zu der schmachvollen Nichtbestätigung Singers und jetzt sogar des Freisinnigen Dr. Penzig geführt hat; ja man setzte den Schuldeputationen, indem man ihnen die Geistlichen beider Konfessionen als Zwangsmitglieder aufbürdete noch be- sondere Aufseher. So weit das neue Recht, das man schuf. Daneben kam die Selbstverwaltung mit dem frommen Wunsche davon, die Regierung möge später eine Vorlage über den Rechtsschutz gegen die Willkür der Schulaufsichtsorgane vor- legen. Inmitten der Debatte über das Rettorenberufungsrecht wurde die Weiterberatung auf Sonnabend 11 Uhr vertagt.— Zur Wahlrechts-Bewegung i« Sachsen-Altenburg. A l t e n b u r g, 23. Mai.(Eig. Ber.) Die Altenburger Parteigenossen sind nunmehr ebenfalls in eine Bewegung zur Erringung des allgemeinen gleichen Wahlrechts ein- getreten. Der Landesvorstand und die sozialdemokratischen Aiit- glieder des Altenburger Landtages haben einen Austuf an die alten- burgische Bevölkerung erlassen, in dem sie zum Kampf gegen daS überlebte Vierklassenwahlrecht auffordern. Im Laufe dieser Woche werden fünfzigtausend Flugblätter im Lande ver- breitet. Weiter sollen Unterschriften unter eine Massenpetition für das gleiche Wahlrecht gesammelt werden und schließlich soll zur Förderung der Agitation eine Broschüre verbreitet werden, in welcher das Menburger Landtagswahlrecht und seine Schicksale behandelt werden. Auch die Abhaltung einer Reihe von Versammlungen ist geplant. Daß die Bewegung jetzt erst einsetzt, hat seinen Grund in dem Umstand, daß der Landtag erst im November oder Dezember wieder zu einer kurzen Tagung zusammentritt. Im nächsten Frühjahr finden Neuwahlen zum Landtage statt und diese werden dann unter der Parole:„Für das allgemeine gleiche Wahlrecht I" vor sich gehen. Bisher ist hier jeder steuerzahlende Staatsbürger von 25 Jahren zum Landtag wahlberechtigt, wenn er die Steuern für das ab- gelaufene Kalenderjahr bezahlt hat und seit mindestens sechs Mo- nate in dem Bezirk, in dem er wählen will, wohnt. Um gewählt werden zu können, muß man 30 Jahre alt sein und mindestens drei Jahre im Besitz des Staatsbürgerrechts sein. Die Stimm- abgäbe ist geheim und direkt. Soweit könnte das Wahlrecht noch einigermaßen vernünftig gelten, bestände nur nicht die Vierteilung der Bevölkerung. Auf je SOO Seelen wird nämlich ein Höchst besteuerter herausgezogen, und diesen Höchstbesteuerten sind von den 30 Mandaten neun reserviert. Die übrige Bevölkerung wird nach der Steuer- leistung in drei Klassen eingeteilt. Jede hat sieben Abgeordnete zu wählen. Im weiteren enthält das Wahlgesetz noch die reaktionäre Bestimmung, daß von den 30 Abgeordneten 18 auf das platte Land entfallen müssen. Den industriellen Städten, die den Hauptteil der Steuekn aufbringen, bleiben 12. Tatsächlich wählen nach heutigem System 383 Höchstbesteuerte 9 Abgeordnete, 1579 Wähler der e r st e n Klasse wählen 7, 4606 der zweiten Abteilung ebenfalls 7 und 24 531 Wähler der dritten Ab- teilung auch bloß 7 Abgeordnete. Es wählen also 6573 Steuer- zahler 23 Abgeordnete, während 24 531 andere nur 7 Abgeordnete wählen dürfen I ••* Deutfchee Reich« Die wiirttembergischen Standesherren und das Bubgetrecht. St u tt ga r t, 23. Mai.(Eig. Ber.) Die heute begonnene Spezialberatung der V e r f a s s u n g s- r e b i s i o n in der Ersten Kammer begann mit der Frage des Budgetrechts und zeigte die feudalen Herren so eigensinnig und herrschsüchtig, wie man es seither gewöhnt ist. Sie fühlen sich be- rufen, das allgemeine Wahlrecht, welches sie für die Zusammensetzung der Zweiten Kammer unbeschränkt zugestehen wollen, dadurch un- wirksam zu machen, daß sie die Machtsphäre der Ersten Kammer er- weitern. Die Regierung war den Standesherren in ihrem Eni- Wurf bereits sehr entgegengekommen, indem sie hineinschrieb: „Bei der Beschlußfassung über Aufnahme von Anleihen und über Veräußerungen vcrn Bestandteilen des Kammerguts sind beide Kammern gleichberechtigt." Dieses Zugeständnis hatte die Zweite Kammer aber gestrichen, und deutlich zu erkennen gegeben, daß sie das bisherige etatrechtliche Verhältnis zwischen beiden Kammern unverändert erhalten wissen wolle. Demgegenüber hat nun die Kommission der Ersten Kammer beschlossen, nicht nur das zu nehmen, was die Regierung ihr bot, sondern darüber hinaus für die Erste Kammer das Recht zu be- anspruchen, bei jeder Steuer, deren Sätze im Wege der ordentlichen Gesetzgebung fest bestimmt sind, sowohl bei einer etwaigen Erhöhung oder Ermäßigung der Steuersätze oder Ab- schaffung der Steuer mit dem gleichen Recht wie die Zweite Kammer mitzuwirken. Darum ging nun der Streit in der heutigen Sitzung, in der die Regierung sich vergeblich bemühte, die Standesherren von ihren gänzlich aussichtslosen Forderungen' abzubringen. Schien es in der gestrigen Verhandlung, als ob eine Verständigung nicht ganz aus- geschlossen wäre, so schloß dagegen die heutige Sitzung mit einer grellen Dissonanz. Heute handelte es sich eben um den nervuz rerum, ums Steuerzahlen, und da verstehen die Hohen und Er- lauchten Herren keinen Spatz. Fürst Quadt-Wykradt-Jsnh erklärte brutal, bei der ganzen Entkickelung, die die Dinge in der Zweiten Kammer genommen haben, hätten sie hier„für den Schutz der besitzenden Klassen einzutreten". Die namentliche Abstimmung ergab die völlige Ein- stimmigkeit der Ersten Kammer in dieser Frage, ob- gleich es zweifellos ist, daß bei einem Beharren auf den gestellten Forlxrungen das Scheitern der Reform gewiß ist. Blitzartig wird in solchen Augenblicken der Stand der württembergischen Gesetzgebungs- Maschine beleuchtet. Während die Zweite Kammer, die doch heute schon zum größten Teil aus Volks-Abgeordneten auf Grund des allgc- meinen Wahlrechts besteht, nielnals eine so trotzige Haltung der Re- gierung gegenüber einnimmt und sich leider viel zu sehr zur Ver- ständigung geneigt zeigt, um ein solch größeres Gesetzgebungswerk nicht scheitern zu lassen, denkt die Handvoll Standesherren gar nicht daran, derartige Rücksichten zu nehmen. Stuttgart 25. Mai.(W. T. B.) Die Kammer der Standes- Herren Hat in der fortgesetzten Beratung der Verfassungsrcvision das Recht des Königs zur Ernennung der erblichen Mitglieder auf- rechterhalten und die Zusammensetzung der Ersten Kammer nach dem Siegierungsentivurf angenommen. Der vom anderen Hause be. schlossene Ersatz für die aus der Zweiten Kammer ausscheidenden Privilegierten durch 17 vermittelst Landesproporz zu wählende Ab- geordnete wurde abgelehnt. Im Lause der Debatte richtete Fürst Hohenlohe-Waldenburg scharfe Angriffe gegen die Regierung, indem er bedauerte, daß es nicht möglich sei, einen Minister, der Fiasko ge- macht, zur Demission zu zwingen. Ministerpräsident v. Breitling hielt dem entgegen, daß es sich hier um eine königliche Vorlage handele._ Die gesetzwidrigen Streikbrecherquartiere im Hamburger Frei- hafengebict wurden in der Sitzung des Hamburger Landesparlaments vom Mittwochabend nochmals von unseren Genossen zur Sprache ge- bracht. Der Senat beantragte die Bewilligung von 6 6S18ÖY M. für die Aptierung des östlichen Teiles der Kehrwieder-Wandrahm- insel für Freihafenspeicher. Zu dem hierzu vorliegenden Ausschuß« antrage stellte die sozialdemokratische Fraktion folgenden Antrag: „In die Verträge ist ausdrücklich die Bedingung aufzunehmen, daß die errichteten Gebäude nicht zu Massenwohnquartieren benutzt werden dürfen." In der Begründung des Antrages bemerkte Genosse E. Fisch-er unter anderem, daß die Errichtung von Wohnquartieren im Frei- hafengebiet ohne weiteres auf Grund des Zollanschlußvertrages aus- geschlossen sei, aber trotz des klaren Wortlautes der gesetzlichen Be- stimmungen mehrfach Streikbrecherquartiere errichtet worden seien, ohne daß diesen Uebertretungen ein Ende bereitet worden wäre, deshalb hätten seine Parteifreunde den Antrag gestellt. Bei der vorigen Behandlung dieser Angelegenheit hatte ein Mitglied der Finanzdeputation gegen diese Gesetzesverletzungen nichts einzuwenden, während diesmal ein anderes Mitglied der Finanzdeputatton die Massenquarttere für durchaus unzulässig hielt. Dr. Bauer von der Linken, seines Zeichens Rechtsanwalt. hält nichts auf„Buchstabengläubigkeit". Er verttitt den Standpunkt. daß jedes Gesetz verschieden„ausgelegt" werden könne. Im Zoll- anschlußvertrage, meinte er, sei nur die Rede vom Bebauen mit Gebäuden zu Wohnzwecken, nicht aber von der Einrichtung vor- handener Gebäude für Massenquartiere. Um solchen juristischen Spitzfindigkeiten vorzubeugen, empfahl Fischer nochmals die An- nähme seines Anttages, der aber abgelehnt wurde. Ob der Finanzdeputation den Hamburger Reedern und Werst- besitzern gegenüber keine Machtmittel zur' Jnnehaltung der klaren gesetzlichen Vorschriften zur Verfügung stehen? Sollte das nicht der Fall sein, dann wird der andere Kontrahent des Zollanschlußver- träges, das Reich, eingreifen müssen, und zwar mit etwas mehr Nachdruck wie bisher; denn auf bloße Rüffel im Reichstage von feiten des Bundesratsttfches reagieren die Pfeffersäcke und der Advokatenklüngel der hamburgischen Republik nicht.— Verschiedene Polizeiauffassungen. Gegen die Mißhandlunge» Inhaftierter auf den Polizeiwachen richtet sich eine von dem Frankfurter Polizeipräsidenten Scheren- berg erlassene Warnung an die unteren Polizeibeamten. Es heißt darin: „Ich werde fortan die Dienststellenvorsteher persönlich mit für jede vorkommende, gesetzlich ungerechtfertigte Sistierung oder Fest- nähme verantwortlich machen und jeden Polizeibeamten mit Arrest bestrafen, der sich durch eine ungerechtfertigte Festnahme oder Sistterung einen Uebergriff zu schulden kommen läßt. Außerdem werde ich fortan auf das schärfste gegen jeden Uebergriff in der Behandlung der Festgenommenen, insbesondere auch auf den Polizeiwachen, unnachsichtlich einschreite».' Die Warnung ist gut gemeint; ob sie aber unter dem heuttgen Polizeisystem viel nützen wird, muß bezweifelt werden. Immerhin soll anerkannt werden, daß Herr Scherenberg etwas andere Begriffe von den Obliegenheiten der Polizei hat, als sein Kollege, der Breslauer Polizeipräsident, der bekanntlich an seine Schutzleute wegen ihres schneidigen Verhaltens bei den Streikunruhen einen Danlerlaß gerichtet hat.—_ Der englisch-deutsche Freundschaftsverband unter Vorsitz Lord Aveburys(des bekannten Gelehrten und Schriftstellers Sir Jchn Lubbok) hat 40 Redakteure hervorragender deutscher Zeitungen und Zeitschriften zu einer Sympathie- und Verstärdigungsfeier nach London eingeladen. Das„Bureau Lassan" berichtet darüber nach englischen Blättern: Von den 40 deutschen Redpkteuren, die vom Englisch-deut- schen Freundschaftskomitee zu einer Reise nach England ein- geladen worden sind, haben nur vier die Einladung abgelehnt. Von diesen vier erklärten zwei ihre herzliche Sympathie mit dem Zweck der Einladung, während nur zwei aus Mangel an Sym- pathie ablehnten. Die Redaktion des Berliner„Vorwärts", die ebenfalls ablehnte, erklärte sich grund- sätzlich gegen einen derartigen Austausch von Liebenswürdigkeiten. Die deutschen Besucher schiffen sich am 19. Juni in Bremen nach Southampton ein. Von dort begeben sie sich nach London, wo sie die Sehenswürdigkeiten be- sichtigen und ihnen zu Ehren eine Reihe Festlichkeiten ver- anstaltet werden. Die deutschen Gäste werden u. a. auch Strat- ford-on-Avon. die Geburtsstätte Shakespeares, und die Universität Cambridge besuchen. Die Meldung des„Bureau Lassan" ist, soweit sie den„Vor- wärts" betrifft, nicht ganz richtig. Der betreffende Redakteur hat nicht erklärt, daß er gegen den Austausch von Liebenswürdigkeiten sei, sondern daß seine Grundsätze ihm die Annahme solcher Liebens- Würdigkeiten verböten. Dagegen hat er in seiner Ablehnung nach- drücklich betont, daß der«Vorwärts", wie bisher, in vollstem Maße für die Aufrechterhaltung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und England eintreten werde.— Inkrafttreten des Diiitengesetzes. DaS„Reichsgesetzblatt" und der„Reichs-Anzeiger" veröffent- lichten gestern das Gesetz über die Gewährung einer Entschädigung an die Reichstagsmitglieder. Es tritt mit dem heutigen Tage in Kraft. Von heute ab ist für die Reichstagsmitglieder eine An- Wesenheitsliste ausgelegt._ Kolonisierungsvcrsuche in Deutsch-Südwestafrika. Herr v. Lindequist, der neue Gouverneur unseres südwest- afrikanischen Sandgebiets, will dort neue Ansiedelungen gründen, und zwar ist zunächst eine Kleinsiedelung bei Osona geplant, einem Flecken nahe bei Okahandja an der Bahnlinie Okahandja— Windhuk. Wie die„Windh. Nachr." zu berichten wissen, bietet der Ort vor- züglichen Boden mit reichlichem Grundwasser für Gartenbau. Die Heimstätten sollen durchweg etwa zehn Hektar groß sein; sie liegei�auf dem rechten Ufer des Swakop so, daß fast jede den Lauf des Swakop berührt. Im ganzen sind vorläufig vierzig angelegt. Da auch auf Viehwirtschaft Rücksicht genommen ist, wird der Siedelung ein größeres Gebiet Weideland, voraussichtlich 20 000 Hektar, beigegeben werden. Kaufverttäge können von Be- Werbern mit dem Distriktamte Okahandja abgeschlossen werden, unterliegen aber der Genehmigung des Gouverneurs, �eder Be« Werber erhält grundsätzlich nur eine Heimstätte. Als Preis ist fest« gesetzt eick halber bis dreiviertel und einen Pfennig für den Ouadrat« meter je nach Lage und sonstiger Beschaffenheit. Im allgemeinen beträgt der Preis für eine Heimstätte tausend Mark nebst etwa zehn bis zwanzig Mark Vermessungskosten. Die armen Kerle, die sich zur Ansiedelung verlocken lasse», sind zu bedauern._ Bundesrat. In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurden der Entwurf eines Gesetzes wegen Aenderung einiger Vorschriften des Neichsstempelgesetzes, der Entwurf eines Gesetzes betteffend die Ordnung des Reichshaushalts und die Tilgung der Reichsschuld, und der Einwurf eines Gesetzes betreffend die Ausgabe von Reichs- kassenscheinen angenommen.— Die Fahrkartenstcner im badischen Landtag. Zur Beratung des sozialdemokratischen Antrags betreffend die Reichsfahrkartensteuer in der badischen Zweiten Kammer, über deren Resultat wir bereits in letzter Nummer kurz berichteten, wird uns nachträglich noch von unserem Karlsruher Korrespondenten ge- schrieben. Die Angelegenheit versprach gerade in Baden einen inter- essanten Verlauf, weil hier wiederholt der Landtag sich fast einmütig dafür ausgesprochen, daß in der dritten Wagenklasse der Fahrpreis auf 2 Pf. pro Kilometer ermäßigt werde. Dieser Befchluß wird schon durch die sogenannte Taristeform, welche zwischen Preußen und den Bundesstaaten mit selbständiger Eisenbahnverwaltung in der Schwebe ist, mit Füßen getreten, denn bekanntlich sieht diese sonderbare „Reform" den Dreipfennigtarif in der dritten Klasse vor, wozu in Baden noch der bisher nicht bestandene Schnellzugszuschlag kommt. Und nun soll der Fahrpreis durch die Fahrkartensteuer noch weiter ganz gewaltig erhöht werden I Wenn die Nationalliberalen und das Zenttum in Baden auch nur halbwegs ihren früheren Beschlüssen treu bleiben wollten, müßten sie einmütig für den sozial- demokratischen Antrag stimmen. Es kam ganz anders I Kurz und bündig, aber sehr nachdrücklich wurde von unserer Seite der Antrag begründet, wobei wir darauf verzichten konnten, daß selbst der badische Eisenbahnminister schon in der Budgetkommission erklärt habe, daß ihm die Fahr- karten st euer sehr unangenehm sei— ein Grund mehr für die bürgerlichen Parteien, für unseren Antrag einzutreten. Und nun begann die Komödie: der FrakttonSführer des ZenttumS gab eine lange Erklärung ab, die sich zehnmal im Kreise drehte, ver« schiedentliche Male die Fahrkartensteuer bedauerte, endlich aber zu dem Schluß kam, daß die vielgepriesene.Finanzreform" angenommen werden müsse und daß das Zenttunr deshalb gegen den sozial« demokratischen Anttag stimmen werde. Aehnlich bejammernswert war die nattonalliberale Erklärung.»rur daß der Aufwand von albernen Redensarten vielleicht noch größer war wie in der Zenttumserklärung. Angesichts dieser jammervollen Hal- tung der Parteien, die sich seit Jahren auf den Zwei- pfennigwrif in der HI. Klasse festgelegt haben und nun die Wähler so schmachvoll verraten, hatte es der Finanzminister leicht; er schlug sogar etwas übermütige Töne an, sprach von Patriotismus und Nationalgefühl, das zur Annahme der Finanzreform zwinge usw.— Es ist ihm bös heimgeleuchtet worden und er wird nicht bald wieder einen Patriotismus der Fahrkartensteuer feiern und eine Erbschasts- steüer verteidigen, die den großen Besitz und insbesondere die Fürsten unpatriotischerweise vom Beizug besteitH Der Eisenbahnminister wählte der Tapferkeit besseren Teil, er hörte die vernichtende 5kritik der verkehrsfeindlichen Steuer und— schwieg I Er fand nicht den Mut, sein Bekenntnis aus der Budget- kommission vor dem ganzen Lande zu wiederholen. Schließlich wurde der sozialdemokratische Antrag abgelehnt, nur die Demokraten, der Freisinnige und 1 konservativer Abgeordneter sttmmten dafür.—_ Die Unterbilanz der Berliner Milchzentrale. Die Berliner Milchzenttale, die bekanntlich zu den, Zweck ge- gründet worden ist, die Versorgung Berlins mit Milch zu einem agrarischen Monopol zu gestalten, gerät immer tiefer in den Dalles. Schon für das Geschäftsjahr 1903/04 ergab sich bei einer buch- mäßigen Belastung der Genosse� mit Rückständen in Höhe von 1 051 117,90 M, eine Unterbilanz von nicht weniger als 4 871 886,98 Mark. Für daZ Geschäftsjahr 1904/03 betragen die buchmäßigen Rückstände der Genossen 1 099 104,13 M., während die Unterbilanz 0 0öS 297,85 M. beträgt. In der Zwischenbilanz für das erste Halb- jähr sind die Rückstände der Genossen auf 2 455 842,96 M. angewachsen, während die Unterbilanz selbst 6 323 270,30 M. beträgt. Eine Musterwirtschaft!_ Belohnungen nationalliberalcr Volksvertreter. Nicht nur Professor Paasche soll eine schöne Anstellung im Reichskolonialamt erhalten, auch der narionalliberale Reichstagsabgeordnete Hagemami, der sich bisher im Reichstag hauptsächlich damit beschäftigt hat, Berichte über Kommissionsverhandlungen zu erstatten, soll als Regierungsrat in das Kolonialamt berufen werden. Dasz die Qualität dieser Konimissionsberichte seine Benifimg veranlaßt habe, bemerkt dazu die„Fr. Deutsche Presse", darf füglich bezweifelt werden. Unter Ausschluß der Oeffcntlichkcit. Die militärischen Dienst- interessen waren wieder gefährdet in der Sache des Leutnants Friedrich Günter Göcking vom 8. Thüringischen Jnfanterieregimem Nr. 15 in Altenburg. Nach der Bekanntgabe der Personalien des Angeklagten, der in„vollem Wichs" erschienen und auf einem Stuhl vor der Anklagebank Platz nehmen durfte, mußten die Prcßvertreter den Gerichtssaal verlasien. Auch die Urteilsbegründung war nicht öffentlich, da, so sagte der Verhandlungsleiter, es sich bei Begründung des Urteils in öffentlicher Sitzung in einigen Punkten nicht v e r m e i d e n l a s s e. Militär» dienstliche Interessen zu gefährden. Der Ausschluß der Oeffentlichkeit in so weitgehender Form erscheint um so unbegründeter, da die Taten des Leutnants bereits in der Presse besprochen worden sind. Der Angeklagte, Sohn eines höheren Staatsbeainton, war ein lebenslustiger Mensch. Eines Tages berichtete man in der Presse, daß er auf der Treppe des Altenburger Bahnhofüberganges mit seinem Pferde nächtliche Reitübnngen veranstaltet hat. Zu der Verhandlung waren vier Offiziere und ein Fräulein geladen. Durch seinen Lebenswandel in Geldkalamität geraten, setzte der An- geklagte zwei falsche Namen unter Urkunden. Dann floh er mit seinem Liebchen nach Dresden und von dort nach Schandau. Wie durch öffentliche Darlegung eines solchen Falles Militärdienst- liche Interessen gefährdet werden können, vermag unser be- schränkter Zivilistenverstand nicht zu fassen. Der Leutnant wurde mit 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis und Nebenstrasen belegt.— Huslatid, Frankreich. Die neuen sozialistischen Abgeordneten. Die in der Stichwahl gewählten Abgeordneten der ge- einigten sozialistischen Partei sind: G r o u s s i e r(Paris X), A l l e m a n e(Paris XI). D u b o i s(Paris XIX). V e b e r (Pantin-Noisy), W i l l m(Lcvallois-Clichy)— diese fünf im Seine-Departement. Weiter fünf im Nord- Departement: Fisvct(Cambrai), Goniau(Douai), Gaesquiöre (Lille II), Melin und Dure(Valencienncs I und H). Ferner: Bedouce(Toulouse), Carlier(Marseille), Benezeeh(Montpellier), Va renne(Riom), Marietton (Lyon VI). Blanc(Orange), Devöze(Alais). Fournier (Nimes I). Pastre(Vigau), Löandre Nicolas(Trohes), Dufour(Joscudun). Die geeinigte Partei zählt jetzt 54 Parlamentsmitglieder. Ferner hat der in Brienyon gewählte Abgeordnete M e r l e um seine Aufnahme in die Partei angesucht, sodaß mit ihm die Zahl der Fraktionsmitglieder auf 55 steigen würde.— Gute Aussichten. Paris, 24. Mai.(W. T. B.) Verschiedenen Blättern zufolge hat der Miinsterpräsident in einer Unterredung mit sozialistisch-radikalen Abgeordneten erklärt, daß alle wegen der Ausstände aus dem Dienst entlassenen Postbeamten bis auf emige Ausnahmen wieder in den Dienst gestellt werden würden. Paris, 23. Mai.(W. T. B.) Wie verlautet, hat sich der gestrige Ministerrat auch mit der Umgestaltung des Militärstrafgesetzbuches beschäftigt. Eine der beschlossenen Aenderungen besteht in der Ab- schaffung der Todesstrafe in Fricdenszeiten. Von nationalistischer Seite wird gemeldet, daß die Regierung für die Abschaffung der Kriegsgerichte in Frirdenszeiten überhaupt eintreten wolle. Italien. Und wieder floß Blut! Neggio di Calabria, 23. Mai.(W. T.®j In Benestare versuchten etwa 1000 Landleute, welche eine Neubildung der Gemeinde- Verwaltung verlangten, das Rathaus zustürmen. Karabinieri mahnten zur Ruhe, die Bauern griffen sie aber mit Waffen an und suchten sie zu entwaffnen. Ein Brigadier und drei Karabineri wurden verwundet- Nun gaben die Karabinieri Feuer; eine Person wurde getötet, acht wurden verwundet, darunter zwei schwer. Per- stärlungSmannschaften sind abgegangen.— England. DaS englische Herrenhaus im Urteil eines englischen Ministers. London, 25. Mai.er Höhe der Dividende berechnet werden. Die Einkau'fsvereini» gungcn sollen im Verein mit den Verbandsrevisoren diesem Krebs- 'chaden ernstlich zu Leibe gehen. Heber die Ausführung von Zwischcnrevisioncn, d. h. Revisionen, die zwischen der gesetzlichen zweijährigen Revisiouszeit liegen, refe- üfst BtttwtdSreviM Kejtteill. üi fenunl m im SMuilh töb Anterrichtskurse. die eingeführt tdaren, um Geschäftsführern ufiv. die notigen Fachkenntnisse beizubringen, sich nicht bewährt hätten, daß hingegen Zwischenrevisionen zu empfehlen seien. Der revidierende Beamte soll zugleich Wanderlehrer sein und bei seinen Revisionen den Funktionären der Genossenschaften das Notwendigste an Wissen beibringen. Herr Kaufmann- Hamburg hält danach einen Vortrag über den weiteren Ausbau des Zentralverbandes deutscher Konsum- vereine, Errichtung von Nevisicms-Verbandssekrctariaten. Redner erläutert das Wesen der verschiedenen Organisationssormen, b e- tont, daß die Konsum-Genossenschaften keine Kampforganisationen seien. Weiter befürwortet er die Dezentralisation der Verbände im Genossenschaftswesen als die demokratischere Form der Organisation. Die anzustellenden Ver- bandSsekretäre sollen die Hälfte der Revisionen übernehmen und sich im übrigen journalistisch und agitatorisch betätigen. Wichtig ist die weitere Mitteilung, dah das Frauengeilössenschaftsblatt. welches bei einem Mitgliederbestand von 700 0l)(3 bisher in einer Auflage von 155 000 Exemplaren erschienen ist, umgewandelt werden soll in ein genossenschaftliches Volksblatt im Format der„Kon- sumgenossenschaftlichen Rundschau". Die Auflage für dieses ge- nossenschaftliche Volksblatt soll 400 000 betragen. Der Vorstand des Gesamtverbandes deutscher Konsumvereine will am Jahresschlüsse mit einem vollständigen Organisationsplan an die Oeffentlichkeit treten. Da bereits vier Verbandstage die Anstellung von Sekretären beschlossen haben, stimmt auch dieser Verbandstag den Vorschlägen Kaufmanns zu. Zur Beschlußfassung über den Tarifvertrag mit dem Zentralverbande der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter legt der Vorstand dem Verbandstage einen Antrag vor. Er lautet: „Der 30. Vcrbandstag des Verbandes Thüringer Konsumvereine am 23. und 24. Vtai 1906 in Weihenfels erklärt sich mit dem vorgelegten Lohn- und Arbeitstarif zwischen dem Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter und-Arbeiterinnen einverstanden und beauftragt die Delegierten der Verbandsvereine, auf dem Ge- nossenschaststag in Stettin für die Annahme des Tarifs zu stimmen. Der Antrag wird ein st immig angenommen. Der Vorstand des Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiterverbandes hat schriftlich seine Zustimmung erklärt. Kaufmann- Hamburg führt aus, daß Friede und Eintracht zwischen Angestellten und Arbeitern einerseits und den Verwaltungen andererseits herrschen müsse. Er befürwortet den Abschluß von Tarifverträgen mit einem über ganz Deutschland anwendbaren mechanischen Tarif. Ein einzusetzendes Tarifamt soll über die Höhe der jeweiligen Ortszuschläge Beschluh fassen. Auch mit den Lagerhaltern und den in der Buchführung beschäftigten Ange- stellten soll ein Tarifvertrag ausgearbeitet und den beteiligten Par- teien empfohlen werden. Nachdem in einer weiteren Aussprache über Einführung des Scheckverkehrs, die Einführung dieses Systems befiir- wartet worden war, wurde nach einem letzten Vortrage von Kauf- mann über den Beitritt resp. die Unterstützung der Internationalen Allianz der Genossenschaften den mittleren und größeren Konsum- vereinen in einer Resolution ompfohlen. Der nächste allgemeine Verbcmdstag findet in Stettin statt. GewerhrebaftHebes* An die Friseurgehülfen Deutschlands und Oesterreichs. In Berlin und den Vororten befinden sich die Kollegen in der Lohnbewegung. Wir fordern die Beseitigung des Logis beim Arbeitgeber, dreizehnstündige Arbeitszeit, einstündige Mittagspause, Anerkennung der Organisation und des kostenlosen Arbeitsnachweises, sowie Freigabe der drei zweiten Feiertage.' Die Arbeitgeber verhalten sich durchaus ablehnend demgegenüber, überschütten die Gehülfen sowie deren Vertreter mit Spott und Hohn und versuchen, Arbeitskräfte von allen Orten heranzuziehen. Die Situation ist sehr ernst I In den nächsten Tagen wird eS aller Wahrscheinlichkeit nach zum Streik kommen. Wir fordern daher die Kollegenschaft allerorts auf, Arbeits- nngebote nach Berlin nicht anzunehmen. Kollegen! Bekundet Euer Solidaritätsgefühl. Verband der Friseurgehülfen Deutschlands. (Zweigverein Berlin und Vororte.) Die Parteiblätter werden höflich um Abdruck gebeten. Berlin und Umgegend« Achtung, Metallarbeiter I Heute ist in mehreren Großbetrieben der Anschlag angebracht, wonach am 2. Juni ausgesperrt wird.' Wir ersuchen unsere Mitglieder, ihre Verbandsbücher in Ordnung zu bringen. Die Vertrauensleute werden ersucht, zu dem Zwecke den Mitgliedern die Bücher auszuhändigen. In den nächsten Tagen erhalten die Vertrauensleute weitere Anweisungen. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Klempner Z Die Sperre bei der Firma G r a b e r t, Köpenickerstr. 70a, ist yiermit aufgehoben. Deutscher Metallarbeiter-Verband, Ortsverwaltung Berlin. Deutscher Metallarbeiterverband. Die Gasmesier- und Gasofenfabrik in Mariendorf ist für sämt- liche Metallarbeiter gesperrt._ Die Ortsverwaltung. Die maiausgespcrrten Gummiarbeiter vom Kabelwerk„Ober- ,pree" in Ober-Schöneweide führten in gestriger Versammlung eben- falls Beschwerde dariibcr. daß die Direktion dieses Allgemeinen ElektrizitätS- Gesellschaft- Werks ihre Zusage nicht innehält. Obwohl auch den Arbeitern der Gummiabteilung die sukzessive Wiedereinstellung ohne Maßregelung bis zum 31. Mai versprochen wurde, sucht die Direktion gegenwänig auffälligerweise doch Gummiarbeiter in Süddeutschland nach Berlin respektive Ober-Schöneweide anzuwerben. Eine weitere Versammlung der Ausgesperrten wird demnächst definitiv hierzu Stellung nehmen. Die Bewegung der Rohrer. Eine öffentliche Versammlung der Rohrer Berlins und Umgegend tagte im Englischen Garten und nahm den Bericht der Lohnkommission über die Verhandlungen mit den Rohrdeckenfabrikanten betreffs Anerkennung des Lohn- tarifes vom Jahre 1903 entgegen. Die Unternehmer hatten einen eigenen Tarif aufgestellt, der bereits in einer vorhergehenden Ver- sammlung abgelehnt worden war. Zwei Firmen, welche der Fabri- kantenvereinigung nicht angeschlossen sind, haben den Tarif vom Jahre 1903 unterschnftlich bewilligt, während der Verband der Rohrdeckenfabrikanten, der 13 Mitglieder zählt, sich jetzt bereit er- klärt hat, mit der Kommission über den Arbeitnehmertarif in Verhandlungen zu treten bczw. denselben anzuerkennen. Die Versammlung faßte darauf folgenden Beschluß:.„Die Lohnkom- Mission wird beauftragt, jeder einzelnen Firma den Tarif zur Unterschrift zu unterbreiten, und wo derselbe nicht bewilligt wird, werden die Arbeiter der Firma entzogen, um bei bewilligten Arbeit- gebern— da zurzeit Arbeit reichlich vorhanden ist— eingestellt zu werden/— Unter Verschiedenem entspann sich eine sehr erregte Diskussion zwischen den organisierten Rohrern und den Streik- brechern vom letzten Streik, die sich jetzt zu einem Verein in Rix- darf zusammengeschlossen haben und sich angeblich dem Zentral- verband der Bauhülfsarbeiter anschließen wollen. Zur Aussperrung der Buchbinder. Recht sonderbare Gepflogen- heiten greifen bei den aussperrenden Buchbindereibesitzern Platz. Sie nehmen eine Dezentralisation ihrer Betriebe dergestalt vor. Ißiiaiilfe fttiaUsm StßM Weber, Berlill- Äolergteotttl deswtllll daß sie in Buchhandlungen Maschinen aufstellen und nach dort Ar- beitskräfte unter hohen Versprechungen zu locken verstehen. Die Buchbinderinnung hat sich in den Dienst der Buchbindereibesitzer gestellt. In einem Zirkular werden die Jnnungsmeister aufge- fordert, Verbandsmitglieder nicht einzustellen, ferner bei Angebot von Arbeiten, welche vor der Aussperrung in den Großbetrieben hergestellt wurden, sich mit den betreffenden Firmen in Verbin- dung zu setzen und bei Bedarf von Arbeit sich an H. F r i tz s ch e- B a u m b a ch, Schöyeberg, Bahnstr. 29/30, zu wenden, von wo ihnen größere und kleinere Partien zugewiesen werden. Jetzt ist Waffenstillstand, jetzt wird nicht konkurriert! Nachher geht das alte Spiel von neuem los: dann saugen die Großen die Kleinbetriebe weiter auf. Die Kleinmeister jammern wieder wie früher und spielen— den Rausreißer, wenn es gegen die Ar- beiter geht. Wie im Vorjahre beim Kämmererschen Streik, wo Schutzleute auf Winke des Unternehmers hin jedem den Aufenthalt in der Kochstraße verwiesen und etwa nicht Folge leistende Personen sistierten, geschieht es auch in diesem Jahre. Besonders tun sich darin die Herren I a b l o n S k i von der Firma D. Bleystein und Z e n n e r von der Firma H. Sperling hervor. Beide Herren legen ein Gebaren an den Tag, als wenn sie nicht nur Besitzer des Gründstücks„Handelsstätte" seien, sondern auch darüber verfügten, wer die„Handelsstätte" passieren darf und wer nicht. Und die Schutzleute sind gewärtig jeden Winkes und stürzen auf jeden Passanten, welcher ihnen durch Zeigen mit dem Finger bezeichnet wird, los, ihm die Passage der„Handels- stätte" zu verbieten. Forscht man nach dem Grund der Ueber- Nervosität unserer Unternehmer, so sieht man, daß es ihnen jetzt erst aufdämmert, daß sie, die einem„Führer blind gehorchten", sich ins eigene Fleisch geschnitten haben, denn Ersatz für die Är- beitskräfte haben sie nicht erhalten, die Arbeit erhalten sie in anderen Städten nicht hergestellt, die Arbeiterinnen, welche gegen- wärtig die Betriebe bevölkern, verweigern die Akkordarbeit, weil sie damit nicht das verdienen, was sie jetzt an Lohn erhalten. Also wird den Unternehmern die Suppe immer teurer, da ein Ende des Kampfes noch nicht abzusehen ist und die Arbeiter nun in einen Tarifkampf eintreten. Zur Lohnbewegung der Friseurgehülfen. Die Arbeitgeber, welche nicht bewilligt haben, versuchen die anständigen Arbeitgeber durch Preisunterbietungen zu bewegen, die gemachten Zugeständnisse zurück- zunehmen. Bis jetzt allerdings noch ohne Erfolg. Die Arbeitgeber versuchen mit allen Mitteln, die Bewegung der Gehülfen zu unter« drücken. Dagegen rüsten die Gehülfen zum ernsten Angriff. I n nächster Woche erscheint die Liste derjenigen Arbeitgeber, welch e die Forderungen anerkannt haben und in denen Gehülfen mit einer weißen mit rotem Rand Rand versehenen Kontrollkarte arbeiten. Diese sowohl wie die Plakate sind Ausweis dafür, daß bewilligt ist. Achtet nur aus diese Kennzeichen. Achtung! Kleier und Bauhandwerkcr! Der Unternehmer Linke, Rigaerstraße 109— Bau Friedenau, Freegestraße- und Holsteinische- straße-Ecke— ist für Kleber gesperrt, da derselbe sich weigert, die tariflichen Preise zu zahlen. Nach gepflogenen Unterhandlungen erklärte er sich zwar bereit, die Arbeiten in Lohn ausführen zu lassen, während er den Kollegen nur 2 Pf. zu den bei ihm üblichen miserabelsten Akkordpreisen zu- legen wollte. Der Kommission dagegen sollten sie vorspiegeln, daß sie die Arbeiten in Lohn ausführen. Die Bauhandwerker ersuchen wir, etwa dort arbeitende Kleber auf ihre Pflichten aufmerksam zu machen, da dieselben 25—40 Proz. unter den Tarifpreisen arbeiten. Der Vorstand der Freien Vereinigung der Tapezierer. Bureau: Schützenstr. 18/19. Tel. I 3282. Streik der Führer elektrischer Droschken. Auf eine Notiz, welche über diesen Streik in den bürgerlichen Blättern veröffentlicht war, geht uns folgendes zu: In allen Äutomobilbetrieben ist es Usus, daß 1,50 M. Lohn und 25 Proz. von der Bruttoeinnahme gezahlt werden. Die Gesellschaft „Bedag" hat eine Grundtaxe von 80 Pf., die anderen Droschken eine solche von 50 Pf. Die Differenz beträgt also bei jeder Tour 30 Pf. Von diesen 30 Pf. bekommen die Führer keine Prozente. Die Forderung, auch von diesen 30 Pf. Prozente zu erhalten, wurde abgelehnt. Die Gesellschaft steht nun auf dem Standpunkt, den Betrieb überhaupt nicht mehr geschlossen aufnehmen zu lassen, sondern will sich neue Führer heranbilden. Dieselbe sucht in den Tagesblättern Führer, verlangt aber von denselben, daß sie sich verpflichten, keiner Organisation anzugehören. Sie will auch eine gehörige Aussiebung der bei ihr bisher tätig gewesenen Führer vornehmen, im Fall sie dieselben wieder einstellen sollte. Es soll versucht werden, die Organisation zu erdrosseln, eventuell neu einzustellende Führer davon fernzuhalten. Zu der Behauptung der„Bedag"-Gesellschaft, daß die Führer 1,50 M. Tagelohn und 25 Proz. der Tageseinnahme bekommen, bemerken wir, daß der größte Teil der Führer nur 1 M. Lohn be- kommt. Hiervon müssen dieselben täglich 50 Pf. für Wagenwaschen zahlen, so daß nur 50 Pf. Lohn übrig bleiben und die Führer bei einer Einnahme von 20 M. nur 4 M. verdienen; wo bleibt da ein Lohn von 1,50 M. und 25 Proz.? Im übrigen bemerken wir noch, daß die dort Ausgelernten, nachdem fie 50 M. Lehrgeld ge- zahlt und 4 Wochen gelernt haben, nochmals wochenlang auf Be- schäftigung warten müssen, so daß dieselben, nachdem sie allen Mitteln bar waren, in 6 Wochen oft 10— 20 M. verdient haben. Die Folge war oft. daß sie ihr Geld los waren und ihren früheren Beruf wieder aufsuchen mußten. Unter diesen Umständen war eS nicht anders möglich, als die genannten Forderungen zu stellen. Verein der Droschkenführer Berlins und Umgegend. Deuttcbea Reich. Die sechswöchige Lohnbewegung der Maler(welche anfangs eine Aussperrung war, die aber von den Unternehmern nach drei Wochen aufgehoben wurde) ist durch eine Einigung beendet. Der frühere Minimallohn von 35 Pf. wurde auf 42 Pf. erhöht. Die freisinnigen und nationalen Unternehmer als Oberscharf- macher im Lithographie- und Steindruckgewerbe ist das neueste auf dem Gebiete des Kampfes gegen die Arbeiter. Daß es Unter- nehmer gibt, die als freisinnige Parteigänger cs dem seligen Stumm in der Arbeiterbckämpfung noch zuvor tun, ist ja allbekannt und nicht weiter verwunderlich, aber im großen und ganzen spielten sich die Freisinnigen wenigstens als ArbeiterfreUnde in der Oeffent- lichkeit auf. Diese Maske haben sie in dem gegenwärtigen Kampfe fallen gelassen. Bekannt ist das Treiben des freisinnigen Abge- ordneten und vielfachen Millionärs Dr. Berschel in Berlin, der im Scharfmacherverband des Steindruckgewerbes gegenwärtig die erste Geige spielt. Mit ihm zusammen arbeiten die sich als nationalsozial gebärdenden Politiker Herr Jähring in Leipzig und der Busenfreund Tischendörfers, Herr F e t t b a ck in Han- nover. Diesem Trifolium ist eS gelungen, die ganze Leitung im Schutzverband an sich zu reihen und alle tariffreundlichen Unter- nehmer an die Wand zu quetschen. Die Folge dieses Vorgehens ist nun aber die, daß ein großer Teil der Unternehmer trotz des 3000 Marksichtwechsels die Gefolgschaft versagt und nicht aussperrt. So ist trotz dieses Sichtwechsels und einer weiteren Konventionalstrafe von 300 M. pro Arbeiter bei Nichtaussperrung statt der 8000 an- gekündigten Lithographen und Steindrucker, die ausgesperrt werden sollten, bis jetzt nur 2599 gekündigt worden. In Hamburg haben von 26 Unternehmern 25 erklärt, daß sie nicht mitmachen und sie haben auch die Unterschriften unter die Sichtwechsel ver- xj.vil-ckr, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärls!Luchdl.u.LkrlaüSallstalt weigert. Ob die an die Unternehmer gerichtete Drohung«och Erfolg haben wird, daß sie vom Papiertrust kein Papier mehr geliefert bekämen, falls sie die Arbeiter nicht aussperrten muß abgewartet werden. Vorläufig ist der Krieg im Lager der Unter- nehmer größer wie der der Unternehmer gegen die Arbeiter. Wie widerwillig aber die Unternehmer an die Kündigung gegangen sind, zeigt der Ausspruch des Kommerzienrats Meißner in Leipzig, der bei der Kündigung sagte:„Es tut mir leid, daß ich Ihnen kündigen muß— Leuten, mit denen ich 30— 40 Jahre zusammen gearbeitet habe— aber ich bin vom Schutzverband dazu gezwungen worden, ich bin nicht mehr Herr im eigenen Hause! Im ganzen haben in Leipzig 32 Firmen 500 Lithographen und Steindruckern gekündigt; organisiert sind im Senefelder Bund hier 1600 Mitglieder. Warum eigentlich aus- gesperrt werden soll, geht aus einem an die Unternehmer ge- richteten Zirkular hervor, worin es heißt: „Eine friedliche Verständigung haben die Führer des Sene- selber Bundes vereitelt. Ihr Ziel ist vor allem die Erringung des Achtstundentages und die Unterstellung der einzelnen Ge- schäfte unter die Diktatur der Gehülfenorganisationen und deren Agitatoren. Es handelt sich jetzt nicht mehr um gewerbliche Fragen oder Ziele, sondern einzig und allein darum, ob wir Unternehmer tatsächlich Herren und Leiter unserer Jeiriebe sind oder nicht. Es gilt jetzt nur noch die Machtfrage zu ent- scheiden...." Nun sind die Herren in B i e l e f e l d zu einer geheimen Sitzung zusammengekommen, was sie beschließen oder auch nicht beschließen werden, wird man ja erfahren. Daß die Gehülfen den ihnen aufgedrungenen Kampf ernsthaft zu führen gewillt sind, davon legte gestern eine öffentliche Ver- sammlung, die von 2300 Personen besucht war, beredtes Zeugnis ab. Für den unter den Arbeitern herrschenden Geist zeugt am besten der Beschluß: Auf die im Streik befindlichen Kollegen soll nicht nur kein Druck ausgeübt werden, daß sie die Arbeit bedingungslos wieder aufnehmen, sondern daß von ihnen die Fortführung des Kampfes bis zum siegreichen Ende erwartet wird. Ferner stimmte die Versammlung freudig dem Beschlüsse des Hauptvorstandes zu, an Extrasteuern bei 20 M. Lohn 1, bei 30 M. 2 und bei über 30 M. 3 Mark zu zahlen. Ausland. Straßenbahncr-AuSfperrung iu Gothenburg. Gothenburg, 25. Mai.(Privat- Telegramm des„Vorwärts".) Die hiesigen Straßenbahner sind ausgesperrt. Ein gewisser Otto Conrad versucht in Berlin deutsche Arbeiter als Streikbrecher zu engagieren. Die Ausgesperrten bitten um Fernhaltung des Zuzuges. Letzte JVacbrichtcn und Dcpcfcbcn. Unternehmer-Terrorismus. Hannover, 25. Mai.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Einigung in Hannover ist gescheitert. Die Metall- industriellen lehnten jede Lohnerhöhung ab. Eine zu heute einberufene Metallarbeiter-Versammlung nahm mit Entrüstung Kenntnis von dem Verhalten der Industriellen. In der Ver» sammlung wurde aufs neue die Bereitschaft zu neuen Ver- Handlungen erklärt und den Unternehmern die Verantwortung für die Generalaussperrung der Metallarbeiter überlassen. Abgestürzt. Merlingen am Thunorsee, 25. Mai.'(33. T. B.) Am Himmel. fahrtstage ist am Sigrisweyler Rothorn der 23 jährige. aus Tirol gebürtige Ingenieur Karl Gritsch aus Bern, dessen Eltern in Nürn- berg wohnen, tödlich verunglückt Er unternahm morgens mit zwei Freunden den Aufstieg auf das Rothorn, dessen Gipfel jedoch wegen ungünstiger Witterung nicht erreicht wurde. Beim Abstieg stürzte Gritsch über eine Felswand ab. Die Leiche ist wach Merlivgex, ge- schafft worden. Die Antwort fällt schwer! Petersburg, 25. Mai.: Abg. Bernstein hat den BreSlauer Polizeipräsidenten einen„Banditen" genannt, ein anderer sozialdemokratischer Abgeordneter hat den General v. Trotha, unseren siegreichen Feldherrn in Afrika, einen Mörder genannt, Graf v. Roon, ein Offizier, der sich im Kriege von 1870 ausgezeichnet hat, wurde hier von sozialdemokratischer Seite 16 Jahre nach seinem Tode der Feigheit geziehen. Da ist es mir eine besondere Ehre, daß ich in einem sozialdemokratischen Blatte„der blutrünstige Stallknecht aus Januschau" genannt wurde.(Schallende Heiterkeit.) Man hat die Ventile der Rcichsmaschine abgeschafft und die Diäten und direkte Steuern eingeführt. Ebenso sind eine Reihe von Einzelstaaten be- schäftigt, die Sicherheitsventile abzuschrauben; sie haben ihre Ver- fassungen geändert, ohne sich mit Preußen in Verbindung zu setzen. (Stürmischer Widerspruch links). Das Reich ist durch ein Bündnis der Fürsten entstanden, das nicht beschworen ist.(Hört! hört I links.) Fürst Bismarck hat auf dem Standpunkt gestanden, daß die deutschen Fürsten das Recht haben, wenn die Rcichsinstitutionen sich nicht bewähren, durch einen neuen Vertrag das Reich mif neue Grundlagen zu stellen.(Schallendes Gelächter links.) Die süd- deutschen Staaten können sich den LuxuS demokratischer Verfassungsänderungen nur erlaube», wenn sie im Notfälle der Hülfe der preußischen Bajonette sicher sind. Auf Bajonetten sitzt es sich aber auf die Dauer nicht gut.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten. Große Heiterkeit.) Wenn aber einmal die preußischen Bajonette in Aktion treten, dann dürfte Preußen auch seinen Preis dafür fordern.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten. Rufe: Hannoverl) Treten die preußische» Bajonette in Aktion, dann geht es um Szepter und Krone. Jeder Thron aber, der beseitigt wird, ist eine weitere Etappe auf dem Wege zur deutschen Republik mit ihrem Präsidenten Bebel.(Schallendes Gelächter links.) Prinz Ludwig von Bayern hat ja Acuherungen getan, die das Wohlgefallen des Herrn Bebel erregt haben. Se. königl. Hoheit ist für die bayrische Regierung nicht verantwortlich. Thronerben ändern oft ihre An- sichten, wenn sie auf den Thron gelangen.(Heiter- keit.)„Ich empfehle den süddeutschen' Herrschaften, die Geschichte des preußischen Staates zu studieren, der, was er ge« loorden ist, durch Säbel und Krückstock geworden ist.(Große Heiter- keit bei den Sozialdemkoraten.) Außerdem möchte ich an eine kleine Anekdote erinnern: Im preußischen Gardekorps diente ein süd« deutscher Thronfolger, der einmal sehr radikale, adelsfeiudliche An- sichten gegenüber seinen Kameraden entwickelte. Darauf erwiderte ihm ein preußischer Edelmann:„Hoheit, wenn Sie später als Herrscher diese Grundsätze zur Anwendung bringen wolle», dann be« festigen Sie nur Ihre Krone an Schuppenketten."(Beifall rechts, schallendes Gelächter links.) Bayerischer Bevollmächtigter Graf Lcrchcnfcld: Der Vorredner hat in seinem langen Diskurs über alle möglichen und unmöglichen Dinge auch für gut befunden, sich über die bayerische Verfassungs- reform zu äußern. Er hat gemeint, daß die süddeutschen Staaten sich bei Verfassungsänderungsänderungen erst Rat bei Preußen holen sollen. Ich glaube, daß die preußische Regierung sich nicht für be- rufen erachten wird, solchen Rat zu erteilen.(Sehr gut! links. Die preußische Regierung steht— wie die bayerische— auf dem Boden der Reichsverfassung, und diese überläßt den Einzel- staaten die Regelung ihrer'innerpolitischen Angelegenheiten.(Sehr gut! links.) Im übrigen möchte ich nicht durch eine eingehende Er- ividerung den Ausführungen des Vorredners einen übertriebenen Wert beilegen.(Stürmischer Beifall links.) Abg. Bärwinkel(natl.) wendet sich gegen die Resolutionen Giesberts und Albrecht. Die Frage der llnfallverhütungsvorschriften könne nur unter Berücksichtigung örtlicher Verschiedenheiten geregelt werden. Abg. Sachse(Soz.): Ueber die Frage, ob sich in deutschen Bergwerken ähnliche Massenunglücksfälle ereignen könnten wie in Courriöres, ist viel hin- und hergestritten worden. Die bürgerlichen Zeiwngeir haben es so hingestellt, als ob dergleichen in Deutschland unmöglich wäre. Ab« gesehen vom Oberbergamt Breslau sind die nötigen Vorschriften. Rettungsapparate anzuschaffen, nicht erlassen worden. Trotz- dem aber daS Breslauer Oberbergamt die betreffenden Vorschriften schon im Jahre 1960 erlassen hat, wenn ich mich nicht irre, so sind- die Vorschriften doch nur auf'/a der betreffenden Gruppen durchgeführt worden.(Hört! hört! b. d. Soz.) Wir haben aber natürlich nicht von allen Gruben Erkundigungen einziehen können, sondern sind auf Schätzungen angewiesen. Deshalb verlangen wir von der Regierung in unserer Resolution, daß eine allgemeine amtliche Unter- snchung durchgeführt werde. Der Oberbergrat Meißner hat in der letzten Sitzung technische Bedenken vorgebracht. Das Haupthindernis aber hat er nicht angegeben: den Widerstand der Unternehmer. Das Oberbergamt hatte schon im Jahre 1893 vorgeschrieben, daß die Rettungsapparate angeschafft werden müßten, aber nach Rück- spräche mit den Unternehmern wurde die Vorschrift zurückgezogen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch nach CourriöreS find in Deutschland mehrere kleinere Unglücks- fälle vorgekommen, bei denen es sich herausgestellt hat, daß die Rettungsapparate entlocder nicht vorhanden waren, oder daß sie nicht funktionierten. Es ist klar, daß ein Apparat nur von d e m gehand- habt werden kann, der auf ihn eingeübt ist, der ihn kennt. Sind die Rettungsapparate in den verschiedenen Gruben verschiedener Art, so sind sie den Leuten, die von anderen Gruben kommen, nicht bekannt. Schon das beweist die Notwendigkeit einheitlicher Vorschriften für ganz Deutschland. Auch die .Zeche„Borussia" hatte keine RcttungSapparate, und als diese dann herbeigeschafft wurden, funktionierten sie nicht! Die offizielle Untersuchung hat „keine Schuld ergeben". DaS war wahrscheinlich wieder einmal eine solche Untersuchung, bei der man den schuldigen Beamten selbst ge« fragt hat.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten,) Der schuldige Beamte weiß natürlich von nichts, und dessen Angaben werden dann dem Parlamente als„offizielle Ermittelungen" vorgesetzt. Es ist eine Schande, wie das neue preußische Berggesetz ausgelegt wird. Meine Herren vom Zentrum! Weder in Ihren Reihen, noch in den unfrigen waren Leute, die es für möglich gehalten haben, daß das Verggefetz in dieser Weise ausgelegt werden würde.— Die Geschichte des llngliicks auf der Zeche„Borussia" beweist am besten die Notwendig- keil unserer Resolution. Denn, nach einem Bericht des Arbeitgeberblattes, der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung", sind am 13. Mai auf der Zeche„Borussia" Leiche» gefunden, die ganz abgemagert waren, und deren Oberkörper entblößt war. Daraus geht hervor, daß die Leute tagelang gehungert haben müssen und daß sie, als es ihnen infolge der hcreinströmcnden Dämpfe zu heiß wurde, ihre Hemden ausgezogen habe. Somit ist erwiesen, daß die Leute noch mehrere Tage nach dem Unglück gelebt haben. Das ist also genau dieselbe Geschichte wie in Courriörcs. Wären bessere Rettungsapparate dagewesen und hätte man sie energisch gehandhabt, so hätten viele Leute noch gerettet werden können. Deshalb müßte die Regierung unbedingt einheitliche Vor- schriftru erlassen! Die Kirappschnftsnovelle, die im Abgeordnetenhause init Hülfe des Zentrums durchgesetzt worden ist, ist ein Ausnahmegesetz schwerster Art. Niemand glaubt dem Zentrum mehr, wenn es die Vorlegung eines Reichsgesetzes verlangt. Im Reichstage wäre ein derartiges Gesetz, ein derartiger Wahlrechtsraub eine Unmöglichkeit gewesen. Die Knappschaftsältesten dürfen nicht mehr Aelteste sein.— Welch' Unsinn I Man raubt den Bergarbeitern das Wahlrecht und behandelt sie wie Armenhäusler. Man untergräbt ihre Existenz. Dieses Mach« werk wäre ohne das Zentrum niemals möglich geioeftn. Mir untersagt die Rückficht gegen die Ordnung, das Verhalten der Zentrumspartei mit den richtigen Ausdrücken zu bezeichnen. Es ist einfach schmachvoll, wie die Bergnovelle durch einen Kompromiß den Arbeitern alle Rechte genommen hat. In der schmachvollsten Weise hat besonders der Abg. Brust seine Wähler und die christlichen organisierten Bergknappen getäuscht. Ich werde alle Behauptungen über seine Betrügereien in öffentlichen Versammlungen aufstellen, damit er Gelegenheit hat, sich vor Gericht beweisen zu lassen, daß ich die Wahrheit spreche. Warum hat das Zentrum, als im Abgeordnetcnhäuse den Bergarbeitern nicht nur das geheime Wahlrecht, sondern auch das Jnvalidenwahlrecht geraubt wurde, nicht die unveränderte Regierungsvorlage im Reichstage eingebracht? Dann hätte die preußische Regierung doch unmöglich im Bundesrate gegen ihr eigenes Gesetz stimmen können.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Au» Ihren eigenen Reihen wird der Vorwurf des Verrats gegen Sie erhoben. Der „Bergknappe" schreibt erst dieser Tage:„Bei beiden Berggesetznovellen hat das Zentrum die Energie vermissen lassen, die sich bei den Zoll« tarisdebatlen bei allen Parteien bemerkbar machte." iHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Schwächlich sind Sie bei der Vertretung von Arbeiterinteressen, weil in Ihren eigenen Reihen gar zu viele sitzen, die lieber mit der rechten Seite stimmen als mit den Arbeitern. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. Trimborn hat mir neulich in meiner Abwesenheit den Vorwurf gemacht, daß ich mit unanständigen Mitteln gegen ihn polemisiert hätte. In Wahrheit habe ich nichts weiter getan, als eine ganze Reihe katholischer Arbeitgeber, frommer Zentrumsleute aus allen Gegenden des Reiches zu zitieren, die ihre Arbeiter in der schlimmsten Weise ausbeuten und unterdrücken, und dabei habe ich auch ein Werk genannt, das der Familie Trimborn gehörte und in dessen Berwaltungsrat heute noch ein Trimborn(sitzt.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Aber wenn der Abg. Trimborn so sehr auf den Anstand in der Agitation bedacht ist, so mag er doch vor der eigenen Tür kehren.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich habe hier einen Artikel der«Essener Volkszeitung" vor mir, der zwei Tage vor der Stichwahl erschien, dem also Kollege GieSberts gewissermaßen sein Mandat verdankt. Der strotzt nur so von Lügen und Gemeinheiten. All die alten Verleumdungen von vor 20 Jahren werden gegen uns aufgewärmt. Da heißt eS: Die Elitegenosfenfthaft Nichtarbeitender beute die arbeitenden Genossen nach Kräften aus, ließe sich Gehälter zahlen, wie die obersten Staatsbeamten, Singer und Auer bezögen große Renten aus ihren Verlagsgeschäften in Berlin und Hamburg.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wilhelm Liebknecht lasse die Arbeiter, die ihn besuchten, nur die Hinter- treppen hinaufkommen. Und so geht es weiter. Die Geschichte mit der Hintertreppe erzählt man abwechselnd auch Grillen- berger und Artur Stadthagen nach.(Heiterkeit.) Und so blöd und dumm ist selbst der Artikelschreiber in der„Essener Volkszeitung" nicht, daß er nicht wüßte, daß die Ueberschüsse aus den Parteiverlagen in die Parteikasse fließen. Der Besitzer der „Essener Volkszeitung" hat sich allerdings von den Ueberschüsse» seines Blattes eine schöne Villa bauen können. Möge also Herr Trimborn, che er sich sittlich entrüstet, unter seinen eigenen Partei- genossen für eine anständige Agitationsweise gegen uns sorgen.(Lebhaftes Bravo bei den Sozialdemokraten.! Weiter wird andauernd die Unwahrheit verbreitet, daß 20 000 M. Streikgelder der Bergarbeiter unbefugterweise zugunsten der Opfer der russischen Nevolurion verwandt sind. Es ist vor Gericht fest« gestellt worden, daß unser Parteikassierer durchaus einwandsftei ge« handelt hat: Im Einverständnis mit der Streikleitung wurden die Sammlungen Anfang März geschlossen, und jeder, der noch Gelder einsandte, ist beftagt worden, waS damit werden solle, ob er das Geld zurückhaben wolle, oder ob er damit einverstanden, daß es der Parteikasse zugeführt werde, und nur wo die Einzelnen ihr Einverständnis damit erklärten, sind die Beträge an die russischen Kämpfer gesandt worden. Obwohl das. wie gesagt, gerichtlich fest- ist, wird die Unwahrheit weiter verbreitet. Noch am 23. Mai schreibt die«Essener Volkszeitung" wieder, daß die Sozialdemokratie den für sie unbeguemen Tatbestand wegzuleugnen versuchte. Sie tun dies, weil Sie wissen, daß die Verbreitung solcher Unwahrheiten und Verleumdungen Ihnen bei der Wahl Erfolg gebracht hat. Für die schofele Handlungsweile in Ihren Reihen will ich noch eins anführen: Nicht nur in Flugblättern und Zeitungen Ihrer Richtung werden wir verleumdet, sondern auch aus ganz unmittel- barer Nähe. Vor wenigen Tagen hat der Arbeitersekretär Müller in katholischen Arbeiterversammlungen erklärt, daß Hue und ich die Bergarbeiterinteresscn verletzt hätten, indem wir bei der Beratung des Anttages auf ein ReichS-Berg« gesetz nicht hier gewesen, sondern zum Vergnügen umher- gereist seien. Diese Angabe ist wahrheitswidrig gemacht. AlS ich eine Depesche vom Reichstage erhielt, fuhr ich sofort nach Berlin, um an der Beratung teilzunehmen, und als die Beschlußuufähigkeit erfolgte, war ich auf der Eisenbahn. Der Kollege Hue besand sich damals wegen eines Prozesses in Trier. Die Herrenmußten alsowissen, daß diese Angaben wahrheitswidrig waren. Der Verbreiter dieser unwahren Nachricht ist, soweit uns mitgeteilt wurde, der Kollege Erzderger!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Präsident Graf Ballestrcm: Sie dürfen einen abgeordneten nicht einer Unwahrheit zeihen. Ich rufe Sie deshalb zur Ordnung. Mg. Sachse(Soz.): Mindestens war eS eine fahrlässige Un» wahrhert. Wenn wir mit anständigen Gegnern zu tun haben, iverden wir sie auch dementsprechend behandeln.(Beifall M den Sozialdemokraten.) Abg. GiesdertS(Z.): Abg. Sachse sagte, ich sollte in meiner Partei mehr für Arbeiterfreundlichkeit sorgen. Aber das Zentrum ist keine Klasscnpartei, und es ist naturgemäß schwierig, in den anderen Kreisen das Verständnis für Arbeiterinteressen zu erwecken. Abg. Sachse richtet seine Angriffe lediglich gegen das Zeittrum, nicht gegen die Konservativen im preußischen Land-- tage. Er verschweigt, daß wir sehr emsthaste Ver- besserung saitträge zum preußischen Berggesetze eingebracht haben. Dafür fehlt mir der parlamentarische Ausdruck.(Bei- fall im Zentrum.) Vom Flugblatt vom Wahlkampf in Essen höre ich heute zum erstenmal; ich verurteile solche persönlichen An- griffe politischer Gegner. Aber gerade die Sozialdemokraten haben im Wahlkampf mich persönlich in unerhörter Weise verunglimpft. Die 20000 M., von denen zuletzt die Rede war, sind doch zugunsten der russischen Revolution verwandt worden. Schämt man sich dessen jetzt etwa?— Bezüglich der Resolutionen für die Bergarbeiter ver- dient die unselige als die weitergehende den Vorzug.(Beifall im Zentrum.) Abg. Hieber(natl.): Wenn nach den Ausführungen des Herrn Staatssekretärs der Abg. Bernstein einen Fehler damit gemacht hat, daß er in die Kompetenz der Einzelstaaten eingriff, so hat der Abg. v. Oldenburg einen noch ärgeren Fehler gemacht.(Lebhafte Zustimmung links und bei den Nationalliberalen.) Die süddeutschen Staaten werden sich in keiner Weise in ihre Verfassungsangelegeu- heilen hineinreden lassen.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Herzfeld(Soz.): Der Herr Staatssekretär hat den Ausführungen des Wg. Bern- stein gegenüber nichts weiter zu sagen gewußt, als: daß es sich um keine Reichsangelegenhcit handelt. Nach meiner Auffassung handelt es sich aber um einen Eingriff in das Koalitionsrecht der Arbeiter, und dieses gehört zweifellos zur Kompetenz des Reiches. Wenn der Herr Staatssekretär gemeint hat, es stünde im Belieben des preußischen Ministers des Innern, ob er hier er- scheinen und gewissermaßen als Angeklagter Platz nehmen solle oder nicht, so bestreite ich dies. Es ist einfach seine Pflicht, dafür zu sorgen, daß von seinen Beamten und speziell von den Polizeibeamtcn, die doch zur Aufrechterhaltung der Ordnung da sind, kein Eingriff in die öffentliche Ordnung geschieht. Wir werden uns durch die Ausführungen des Herrn Staatssekretärs in keiner Weise abhalten lassen, auch in Zukunft alle ähnliche» Fälle hier zur Sprache zu bringen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ich habe mich zum Worte gemeldet, um einmal die Verhältnisse der Seeleute zur Sprache zu bringen. Die neue SeemannSordnung hat die Unzufriedenheit der See- leute noch gesteigert. Eine alte Klage der Seeleute war es früher, daß die Arbeitszeit nicht geregelt sei. Jetzt hat auf Grund der neuen Seemannsordnung das Gericht entschieden, daß Ueberstunden in der reizeit nicht bezahlt zu werden brauchen; denn die Auferlegung von rbeiten, die nicht dringend notwendig seien, fei verboten, ein dahingehender Vertrag also nichtig, aus einem nichtigen Vertrage aber könne nicht geklagt werden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Eine solche Entscheidung kann nur die er- börmlichstr Juristcnformnlistik hervorbringen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Jetzt haben die Seeleute unbegrenzt lange zu arbeiten; aber im Unterschied zu früher ohne Bezahlung.— Viel geklagt wurde auch unter der alten SeemannSordnung über die Ausbeutung der Seeleute bei der Heuer. Die Schutz« bestimmungen der neuen SeemannSordnung haben die Heuerbase im Verein mit den großen Reedereien aus Wohltaten in neue Aus- beutungsmöglichkeiten der Arbeiter verwandelt. Selbst der Ham- burger Polizeirat OlShausen beflagt in der„Sozialen Praxis", daß alle Bestimmungen über die neue SeemannSordnung auf die Heuer- bureauS der großen Schiffahrtsgesellschaften keine Anwendung finden. Diese schweren Mißstände, die sich unter der neuen SeemannSordnung herausgebildet haben, gaben Anlaß zu dem Streik, der sich jetzt im Hamburger Hafen abgespielt hat. Als der Seemannsverband dabei eine Unterredung mit Herrn Ballin nachsuchte, dieser hervor- ragenden Stütze des Throns, die auf die Regierung den aller- größten Einfluß hat, antwortete er zugleich im Namen des Reeder- Verbandes, daß diese Unterhandlungen von vornherein abgelehnt werden müßten, solange nicht die von den Seeleuten gewählte Kom« Mission Garantien dafür zu bieten in der Lage sei, daß an die Stelle der bezahlten Agitatoren in der Leitung des Verbandes Männer gesetzt würden, die in Frieden mit dem Reederverbande zusammenarbeiten wollen.(Vielfaches Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeiter haben sich ja von den Unternehmern in den wirtschaftlichen Kämpfen schon mancherlei müssen bieten lassen. Aber diese gröbste Beschimpfung der Arbeiter- ehre, die Zumutung, verräterisch die eigenen Führer im Sttch zu lassen, blieb den'liberalen Hamburger Reedern bor« behalten.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Nun, die 'eemännische Organisation zu vernichten. ist dem Reeder- verein nicht gelungen. Zwar haben die Hamburger Seeleute, weil die Reeder Hülfe bei den Behörden fanden, den Streik verloren, aber die Organisation ist trotzdem gewachsen. Die gleichen ver- werflichen Mittel hat der Reederverband gegen den Verein seiner eigenen Offiziere angewandt. So stehen die Reeder zum Koalitionsrecht der seemännischen Arbeiter. Bei Gelegenheit der Novelle zur Seemannsordnung haben wir alle die Bestimmungen bezeichnet, die zum Unfrieden Anlaß hätten geben können. Der Reichstag lehnte unsere Anträge ab. Ich möchte die Gelegenheit dazu benutzen, um die Regierung darauf hinzuweisen. Zch hoffe, daß das Gesetz über die Berufsvereine.auch die Seeleute nicht vergessen wird. Ueber den weiteren Verlauf des Streikes spreche ich mit Rücksicht auf die Geschäftslage nicht. Das Gewcrbegericht, das die Arbeiter anriefen, erklärte sich fiir unzu- ständig. Das SecmannSamt konnte auch nicht vermitteln, weil bis Reeder eine Vermitteluna ablehnten. Es ist gesagt worden, Deutschlands Zukunft liege auf den Wassern. Wenn das der Fall ist, so liegt sie nicht zum mindesten in der Kraft und Tüchtigkeit der seemännischen Bevölkerung. Ich meine, der Reichstag hat alle Veranlassung, diese Arbeiter nicht zu vernachlässigen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Braunschweigischer Bevollmächtigter v. Boden tritt gegenüber den Angriffen des Abg. Blas für die braunschweigische Gewerbe- Inspektion ein, die vollauf ihre Pflicht tue. Abg. Erzbcrger(Z.): Am 24. Mai 190S ist ein Antrag deS Grafen Hompesch hier verhandelt worden, die Berggcsetzgebung reichsgesetzlich zu regeln. Bei der Abstimmung haben viele sozial- demokratische Abgeordnete gefehlt, darunter die Abgg. Hue und Sachse. Das habe ich behauptet und das ist richttg. Abg. Dr. Wallau(natl.): Der preußische Landwirtschaftsminister widersetzt sich einem Ausbau der telegraphischen Wettervorhersage in autzerpreußischen Gebieten, an der die Landwirtschaft großes Interesse hat. Ich bitte den Staatssekretär, die hierfür bewilligten Mittel nicht dem preußischen Landwirtschaftsminister zur Verfügung zu stellen, der sie einseitig benutzt. Abg. Bernstein(Soz.): Der Staatssekretär hat die Kompetenzfrage vorgeschützt, um keine Antwort auf die Dinge zu geben, die ich hier vorgebracht habe, und aus dem Hause har ihm der Abg. Hiebcr insoweit zuge- stimmt, als er meinte, ich hätte hier eine preußische Angelegenheit vorgebracht und dadurch einen formalen Verstoß begangen. Meine Herren, eS ist aber keine ausschließlich preußische Angelegen- heit, sondern sie gehört in das Ressort der Sozialpolitik des Reiches. Die Selbständigkeit der Einzelstaaten gegenüber dem Reich in allen Ehren, aber man darf doch eines nicht vergessen: Preußen nimmt eine Ausnahmestellung ein, es ist der führende Staat im Reiche. Das preußische Staatsoberhaupt ist zugleich der Kaiser, und preußische Minister sind auch maßgebende Minister im Reiche. Diesen engen Zusammenhang wollen Sie doch nicht vergessen, wem, wir hier Angelegenheiten Mr Sprache bringen, die in Preußen geschehen und die eine Tragweite haben, die von Jnnfluß auf die ganze Sozialpolitik des Deutschen Reiches ist. Die Vorkommnisse in Breslau berühren das reichsgesetzliche Koalitionsrecht. Das Koalitionsrecht der Arbeiter ist nicht mit der einen Formalität erschöpft: Ihr könnt streiken! Die ganze Aus- führung des Gesetzes, das ganze Verhalten der Polizei komnit in Betracht. Wenn Sie sagen, daß das Reich die Gesetze nur erläßt, der Einzelstaat sie aber auszuführen hat, so erlauben Sie der Polizei, einen großen Teil der Gesetzgebung des Deutschen Reiches zu neutralisieren. Die Breslauer Polizei hat durch die Brutalität, mit der sie auf die Menge eiugehauen und durch die sie die Menge ein- geschüchtert hat, das Koalitionsrecht verletzt. Sie hat das Koalltions- recht verletzt, indem sie in die Arbeiterwohnungen in der Schweitzer- straße 12 hineingeschossen hat. Graf Posadowsky hat ja die Lacher auf seine Seite gebracht, aber die Kugel, die ich hier niedergelegt habe, ist am Tatort gefunden worden, und sie ist zweifellos zu den Kugeln gehörig, von denen eine in das Haus hineingeschossen wurde, mag sie auch der betr. Polizeibeamte nur verloren haben. Wenn Sie ein freies Volk wollen, müssen Sie dieser Brutalität entgegen- treten. Ich richte noch einmal die Frage an den Staatssekretär: Wie soll das Koalitionsrecht in Deutschland zur Wahrheit werden, wie sollen die Arbeiter ihre Lage friedlich schrittweise verbessern, wenn die Breslauer Polizeipraxis einreißt?(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Gerlach(frs. Vg.) findet es trotz der Verteidigung durch den Grafen Posadowsky kleinlich, daß Unterstaatsselretär Wermuth die Aufnahme eines Jitserats für das Martittsche Buch verhindert und den Hehmannschen Verlag zur Auflösung des Vertrags- Verhältnisses gedrängt habe. Staatssekretär Graf Posadowsky: Die ständige Wetter- beobachwtkßsstation soll jetzt in Gießen eingerichtet werden.— Den Wunsch nach unparteiischer kirchlicher Fürsorge in den sozialen An- stalten ist durchaus berechtigt. Aber es sind Selbstverwaltungs- organe, und ich habe darauf nur indirekten Einfluß. Abg. Dr. Wolff(Mötsch. Vg.) spricht nanrenS seiner Fraktion das lebhafteste Bedauern über die Rede des Abg. v. Oldenburg aus; derartige Reden könnten den Rcichsgedanken nicht stärken. Der eine Staat sei s o entstanden und der andere anders(Stürmische Heiter- keit); deshalb solle man nicht alle mit Preußen über einen Kamm scheren. Abg. Hue(Soz.): Unsere Abwesenheit bei der Abstimmung über die Bergresoltttion des Zentrums ist in sehr unschöner Weise ausgenutzt worden. Weder Sachse noch ich konnten zugegen sein. Ich war in Trier im Kraemer- Prozeß, um die Rechte katholischer Arbeiter zu verteidigen. Sachse war auf dem Kölner Gewerkschaftskongreß in Ausübung seiner Be- rufspflicht. Deswegen sind wir demiuziert worden, als ob wir unsere Pflicht verletzten! Herr Erzberger täte besser, vor seiner eigenen Türe zu kehren. Er wird mich nie in der Wahrung der Interessen der Bergarbeiter übertreffen, auch wenn er 30 Jahre hier im Hause sitzt. Bei der Zentrumsresolution handelt es sich um eine Abschwächtmg der unfrigen. Ich hätte gern mit dem Abg. GicSbcrt, der es uns zunächst anbot, hierbei zusammengearbeitet. Hier komnit der Parteistandpnukt nicht in Frage. Die Resolution des Zentrums will wieder den Landesregierungen die Ausführung überlasten. Ich bitte Sie um Annahme unserer Resolution.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Graf v. Posadowsky: Wir haben in der Martinschcn Sache nichts zu verschweigen. Eine derartige Drohung, wie sie Herr v. Gerlach behauptet, ist niemals ausgesprochen lvorden. Abg. GicsbrrtS(Z.) erklärt, daß die Sozialdemokraten niemals bisher Anstand genommen hätten, in ähnlicher Weise, wie es gegen sie geschehen wäre, vorzugehen. Llbg. Speck(Z.) protestiert gegen die Erklärung des Abgeordneten V. Oldenburg. Abg. Sachse(Soz.): Die Behauptungen des Abg. Giesbert» über die Essener Resolution sind absolut unwahr. Unwahr ist auch, daß ich nur das Zeiitrunt angegriffen habe. Ich habe genau ebenso die nationalliberale Partei wegen ihrer arbeiterfeindlichen Haltung ge- tadelt.— Der 20 000 M., die nach Rußland geschickt worden sind, schämen wir uns durchaus nicht; wir wehren uns nur gegen die Ver- leumdung, daß sie aus Bcrgarbeitermitteln stammen. Auf die Unter- sliitzung der russischen Freiheitskämpfer an sich sind wir stolz, wir befinden uns dabei in der guten Gesellschaft eines deutschen Kar- dinals,(Heiterkeit! bei den tsozialdemolratcn.) und das Zentrum sollte lieber unserem guten Beispiel folgen als uns ständig herunter- reißen. Ich stelle ferner fest, daß der Abg. Erzberger, obwohl er wußte, daß ich an dem Tage, an dem der Antrag des Zentrums aus ein ReichSberggesctz beraten werden sollte, geschäftlich unmöglich hier sein konnte, in Versammlung und in der Presse die Mitteilung ver- breitet hat, wir hätten eine Bierreise durch Köln gemacht. DaS ist schimpflich.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Persönlich bemerkt Abg. Trimbor»(Z.). daß Sachse seinerzeit allgemein über die Arbeiterseindlichleit der Familie Trimborn gesprochen und heute habe er anerkennen müssen, daß er ihn persönlich nicht treffen könne. Abg. Erzberger(Z.) bestreitet, dem Abg. Sachse persönlich aus seinem Fehlen einen Vorwurf gemacht zu haben.(Abg. Sachse: Sie haben es in Schlesien gesagt.) Ich bin seit November 1904 nicht in Schlesien gewesen.(Heiterkeit.) Das Kapitel wird bewilligt, die Resolution Albrecht gegen die Stimmen der Linken abgelehnt, die Resolution Giesberts eulftimmig angenommen. Beim Kapitel ReichS-GesundheitSamt stellt Abg. Kröscll(Antis.) einen Irrtum des Abg. Stauffer aus der Weindebatte richtig: Er habe nicht Rüdcsheim, sondern Büdesheim des WeinpantschenS beschuldigen wollen. Abg. Dr. David(Soz.): Die Flucht über den Rhein von Rüdesheim nach Büdesheim ist dem Abg. Stauffer wohl erst nach- träglich als Rettungsweg eingefallen.(Heiterkeit.) Die Gemeinde Büdesheim hat auf? allcrschärffte dagegen protestiert, �daß der Abg. Stauffer nachträglich versuchte, den Vorwurf auf sie zu übertragen. Daß das der Abg. Krvsell nicht weiß, wundert mich um so mehr, als die Sache im Hessischen Landtag ausführ- lich verhandelt worden ist. Ich hoffe, daß der Abg. Stauffer den von ihm nachträglich nach Büdesheim geschleuderten Vorwurf noch selbst zurücknimmt. Jedenfalls ist er durchaus unbegründet und ungerechtfertigt.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Die Abgg. Müller-Sagan(fts. Vp.) und Wallau(natl.) Pflichten dem Abg. David bei. Das Kapitel Reichsgesundheitsamt wird genehmigt. Darauf vertagt sich daS Haus auf Souuabend vormittag 11 Uhr. — Tagesordnung: 1. Beratung des Antrages aus Vertagung des Reichstages bis zum 13. November 1906. 2. Zweite Beratung des Handels- und Schiffahrtsvertrages mit Schweden. 3. Zweite Be- ratung des Ergänzungsetats.., Präsident v. Ballestrcm: Nachdem am heutigen Tage die Ge- setze über die Abänderung des Art. 32 der Verfassuug und die Entschädigung der Neichstagsabgcordneten im Reichsgesetzblatt publiziert sind, treten vom morgigen Tage die Bestimmungen des§ 4 in Kraft. Den Herren Abgeordneten werden heute abend die Bestimmungen zugehen, welche rch wegen der Eintragung in die Listen'getroffen habe. Schluß LV, Uhr._______ parlairnntarilcbcö. Morenga ist gefangen, aber hütet Euch vor Abraham Morris! In der Budgetkomuiffsion kamen am Freitag die Nach- forderungen der Regierung wegen des Baues einer Bahn voo«iibiib«ach KeetmanShoop zgr Erörterung. Es handelt sich um die Bewilligung von 5 Millionen Marl für daS laufende Etatsjahr. In der vorausgegangenen Erörterung waren seitens des Herrn LegationSrats v. Jacobs, der als stellvertretender Generalkonsul(in Kapstadt die Transporte von Kriegsmaterial und Proviant aus dem englischen Gebiete nach Deutsch-Südwestafrika ge- leitet hatte, zum erstenmal eingehendere Angaben über die Trans- portivege und die Kosten gemacht worden. Danach haben wir eine Mehrforderung von 80— 100 Millionen Mark allein für das laufende Jahr zu erwarten, da die bewilligten 77 Millionen Mark bei weitem nicht zur Deckung der Kriegskosten ausreichen. Diese abschreckenden Aussichten hatten auf das Zentrum sowohl, wie auf die freisinnige Partei einen derartigen Eindruck ge- macht, daß beide Fraktionen in ihrem bereits im Plenum kund- gegebenen Entschluß bestärkt wurden, sich gleich der Sozialdemokratie völlig ablehnend gegenüber den lveiteren Forderungen für eine Kriegsbahn zu verhalten. Sie erkannten an, daß nach der Gefangennahme Morengas von einem enistlichen Feinde dort überhaupt nicht mehr gesprochen werden könne. Da sei es also völlig zwecklos, die Bahn nach Keetmans- hoop, für die der Reichstag 200 000 M. zu Vorarbeiten bewilligt hat, tatsächlich auszuführen. Günstigstenfalls in 2 Jahren könne die Bahn provisorisch fertiggestellt sein; dann könne sie doch nicht mehr zu Kriegstransporten ausgenutzt werden. Der stellvertretende Kolonialdirektor, Erbprinz zu Hohen- lohe, verwahrte sich dagegen, daß das Heer unnötigerweise in Süd- westafrika festgehalten werden solle. Im Gegenteil:„sobald als möglich" sollten Truppen zurückbefördert werden. Der neue Ober- befehlshaber für Südwest, Oberst v. Deimling, unterstützte daS mit dem Hinweis, er werde alte Mannschaften, deren Kapitulation abgelaufen sei, und die Kranken zunächst zurücksenden. Abg. L e d e- b o u r(Soz.) betonte, diese allgemein gehaltenen Berstcherungen hätten um so weniger Wert, da immer nur von der Rück- scndung einzelner Leute die Rede wäre, nicht von der Rücksendung ganzer Kaders. So lange sich die Regierung nicht zur Rücksendung ganzer Kaders(Bataillone, Schwadronen oder Batterien entschließe, iverde an eine erhebliche Verringerung des Truppeiibestandes offenbar überhaupt nicht gedacht. Die Bei- behaltung einer großen Truppenmacht dort sei aber absolut nicht zu rechtfertigen, ebensowenig wie der Bau der Bah» zu Kriegs- zwecken. Oberst v. Deimling erklärte nunmehr, daß er auch allmählich die Rücksendung ganzer Kaders in Angriff nehmen würde. Bindende Versprechungen über den Umfang und den Zeitpnnkt der Rücksendungen könne er jedoch nicht übernehmen. Der Krieg sei auch keineswegs zu Ende. Morenga sei zwar gefangen, dagegen ständen 300 Hottentotten im Felde unter Abraham Morris. Unter großer Heiterkeit erklärte der Herr Oberst, dieser gefährliche Abraham Morris sei der Sohn eines Rabbiners aus Posen. Die Abgg. Dr. Temmler Und P a a s ch e(natl.), Graf Arnim und Dr. Ä r e n d t ♦ Die Brennabor-Räder mit ihrem spielend leichten Lauf und ihrer nahezu unbegrenzten Haltbarkeit sind nur echt, wenn sie nebenstehende Marke am Steuerrohr tragen. BrermaboivWerke, Brandenburg a. H- Filiale Berlin W., Kronenstraße II. Alfred Bernhardt Hl. �••1® w W VVVWwVV WVy vis a vis der Hellandskircbe Spezialhaus größeren Stils für moderne Herren» und Knaben-Bekleidung. Wollen Sie Geld sparen? Durch Ankauf eines großen Konknrswarenlagers einer hiesigen Kleiderfabrik konunm die aus der Mass» herrühr.nden Herren- und Knaben-Garderoben von Donn.rstag, den 24. Mai, ab zum Verkauf. Die Preise sind fast um die Hülfte des reellen Werten herabgesetzt. Heine Gpcndsätze sind: Streng reelle Bedienung. Preise konkurrenzlos billig, aber streng fest. 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Reichskanzler Fürst Bülow habe sein Bedauern ausgedrückt, dast er seit seiner Berufung ins Herrenhaus noch nicht an den Sitzungen habe teil- nehmen können. Weiter macht er Mitteilungen über den Arbeitsplan des Hauses, wonach jetzt die im Abgeordnctenhause erledigten Vorlagen aufgearbeitet werden sollen und das Herrenhaus zur Erledigung der zwei verfassungsmästigen Abstimmungen über die Wahlrechtsvorlagen und den Antrag Schiffer in der Zeit vom bis L0. Juni wieder zusammentreten müsse. Falls das Schul- unterhaltungsgesetz noch vor Pfingsten ans Herrenhaus gelange, könnte das Haus vielleicht vor Pfingsten noch die erste Lesung des Schulgesetzentwurfes vornehmen. Fürst Hatzfeld bittet, die Beratung des Schulunterhaltungs. gesetzes jedenfalls erst nach Pfingsten vornehmen zu wollen, damit die Fraktionen eingehende Beratungen pflegen können. Oberbürgermeister Bccker-Köln schliestt sich diesem Wunsche an. Frhr. v. Manteuffel glaubt, dast den Fraktionen auch genügend Zeit bleibe, wenn es nach dem Vorschlage des Präsidenten gehe. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die Vorlage über die Vermehrung der Mitglieder des Abgeordnetenhauses und die Novelle zum Wahlgesetz. Tie Kommission beantragt unveränderte Annahme in der vom Abgeordnetenhause beschlossenen Fassung. Frhr. v. Lucius: Die Vorlagen zeigen, daß die Regierung nicht gewillt ist, eine graste Reform im Sinne des Reichstagswahlrechts in Preusten durchzuführen, sondern an dem bisherigen System fest- zuhalten gedenkt. Die Regierung tut recht daran, dast sie sich auf die Beseitigung von solchen Punkten beschränkt, die sich jetzt als nicht mehr recht durchführbar charakterisieren und daß sie Festigkeit bewahrt gegenüber allen Mächten, die mit einem Appell an die Gewalt drohen. Das Reichstagswahlrecht setzt eine Gleichheit der Bildung voraus, dir nicht vorhanden ist. Das habe selbst Waldeck anerkannt. Aber früher war wenigstens mit diesem Wahlrecht die Diätenlosigkeit verbunden. Sie bildete die eigentliche conditio sine qua non(die unumgängliche Bedingung). Nun sie aufgegeben ist, liegt für uns um so weniger Anlast vor. unser Wahlrecht aufzugeben. Die Kompetenz des Neichsrechts wird ja ohnehin immer weiter ausgedehnt. Früher war das Zentrum unter der Führung Windthorsts der Hort der einzelstaatlichen Reservat rechte. Wie anders das geworden ist, zeigt schon der Toleranz antrag. Das Zentrum wäre auch bereit, einem Entwürfe zuzw stimmen, der das Reichstagswahlrecht für alle Einzelstaaten ein- führte. Wir leben also in einer ernsten Situation, die den Wider- stand der verbündeten Regierungen und aller konservativen Ele> mente herausfordert.(Sehr richtig!) Jede Konzession gegenüber der Sozialdemokratie ermuntert diese zu neuen Forderungen. (Sehr wahr!) Wir haben allen Anlast zu bremsen. Ich stimme der Vorlage zu, weil sie eine Festigung des gegenwärtigen Wahl' rechts bringt.(Lebhafter Beifall.) Oberbürgermeister Fuß-Kiel: Auch wir stimmen der Vorlage zu. Man braucht kein unbedingter Anhänger deS ReichstagSwahb rechts zu sein und kann doch eine gründlichere und umfassendere Reform des Landtagswahlrcchts für notwendig halten. Einer solchen Reform ist das Landtagswahlrecht nicht nur fähig, sondern auch bedürftig. Von Abänderungsanträgen sehen wir ab, weil sie bei der Zusammensetzung deS Hauses doch aussichtslos sind. Frhr. v. Landsbcrg: Würden wir jetzt das Reichstagswahlrecht auch für daS Abgeordnetenhaus einführen, so würden wir der Agi- tation der Sozialdemokratie nur neue Nahrung zuführen. Hier heitzt eS fest zu bleiben. Ich kann nur meine Befriedigung aus- sprechen, dast die Regierung nicht weiter gegangen ist.(Beifall.) Frhr. v. Durant: Auch ich stimme der Vorlage gern zu. Hoffentlich wird es der Staatsregierung auch künftig gelingen, dem Ansturm der Sozialdemokratie die Spitze zu bieten. Wenn man freilich sich der letzten Ereignisse im Reichstage erinnert, könnte man sehr pessimistisch denken. Ich möchte wiederholen, was ich schon 1892 angeregt habe und was damals eine lebhafte Aussprache in der Presse herbeiführte, aus dem Abgeordnetcnhause eine berufs- ständische Vertretung zu machen. Im Reichstage liegt doch heute die Sache so, dast heute diejenigen, die im Reichstage vorgeben, Arbeiterinteressen zu vertreten, meist gar nicht Arbeiter sind. Bei einer berufsständischen Vertretung würden die Arbeiter durch wirk- liche Arbeiter vertreten sein. Prof. Dernburg: Ich trete auf die Seite meines Freunde? V. Lucius und sage: er hat den Nagel auf den Kopf getroffen. (Bravo!) Mag das Abgeordnetenhaus aus einer Wahl hervor- gehen, welche es wolle, das kann nicht bestritten werden, dast sich das Abgeordnetenhaus in schwieriger Zeit große Verdienste um das Vaterland erworben hat. Diese Institution wollen wir in ihrer bisherigen Grundlage erhalten.(Beifall.) Man spricht verächtlich vom Dreiklassenwahlrecht und fordert das allgemeine Wahlrecht für Männer und Weiber vom 20. Jahre an. Die Sozialdemokratie — das hat jüngst ein geistreicher sozialdemokratischer Führer in Frankreich gesagt— will den Eigentümern das Eigentum nehmen, aber die Eigentümer sollen entschädigt werden. Andere Sozial- demokraten denken aber anders. Ich hoffe, dast unser Landtags- Wahlrecht in seinen Grundzügen erhalten bleibt als einer der schönsten Werte nicht bloß Preußens, sondern der europäischen Kultur überhaupt.(Lebhafter Beifall.) Prof. Loening-Halle: Auch ich betrachte die sozialdemokratische Gefahr als die schwerwiegendste unseres Baterlandes. ES ist aber unrichtig, bei der inneren Politik stets auf die Sozialdemokratie zu blicken. Die hier eine Reform des Landtagswahlrechtes fordern, wollen das Reichstagswahlrecht keineswegs einführen. Auch ich will die Verdienste des preuhischen Abgeordnetenhauses nicht schmälern- Aber damit hat der Wert des Landtagswahlrechts nichts zu tun. Nach meiner persönlichen Auffassung ist unser Landtags- Wahlrecht unwahr und ungerecht. 85 Prozent der Wähler sind in der dritten Abteilung und IS Prozent bilden die erste und zweite Abteilung. Sind die beiden ersten Abteilungen einig, dann hat die dritte Abteilung überhaupt keinen Einfluß. Da sollte man doch ehrlich sagen: Wahlberechtigt ist nur, wer den beiden ersten Abteilungen angehört. Sollten zehn bis zwölf Sozialdemokraten inS Abgeordnetenhaus einziehen, dann würde die Macht deS preustischcn Staates nicht im geringsten erschüttert, aber bestimmte Teile des Volkes wären doch durch Männer ihres Vertrauens ver- treten. Sind Forderungen gerecht, dann müssen sie erfüllt werden, auch wenn sie zugleich von der Sozialdemokratie erhoben werden. Ich bitte die Regierung, das Wahlrecht so zu ändern, daß es wahr und gerecht wird. Folgen wir der Stimme der Gerechtigkeit, dann wirken wir der Sozialdemokratie nachhaltig entgegen. Graf Jork: Was der Wahrheitsbcgriff hier soll, vermag ich nicht abzusehen. Der gegenwärtige Moment ist zu einer grösteren Reform gar nicht geeignet. In einer französischen Zeitschrift habe ich erst jüngst gelesen, die Agitation für daS allgemeine Wahlrecht sei in Preusten soweit vorgeschritten, dast ihr weder die Regierung noch die beiden preustischen Kammern auf die Dauer trotzen können. Wer eine Reform verlangt, sollte auch sagen, wie er sich diese Reform denkt. Bevor die Schwächen des Rcichstagswahlrechts nicht beseitigt sind, ist an eine gröstere Reform des Landtagswahlrechts Sicht zu denken.,(Beifall.� Prof. Loening: Es ist jetzt nicht die rechte Gelegenheit, ein Programm für die Reform des Landtagswahlrechts zu entwerfen. Ich habe nur der Anschauung entgegentreten wollen, als sei unser Landtagswahlrecht der Fels, auf dem Preutzens Macht beruht. Warum ich das Wahlrecht für unwahr halte, habe ich bereits dar- gelegt. Damit schliestt die allgemeine Besprechung. In der Einzelberatung werden beide Vorlagen fast einstimmig angenommen. Die vorliegenden Petitionen, darunter auch die der preußischen Mitglieder des Vorstandes der deutschen Sozialdemo- kratie auf Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen, direkten Wahlrechts, werden für erledigt erklärt. Es folgt die Beratung von Petitionen. Eine Petition der Gemeindevertretung zu Brunsbüttel um Verbesserung der Fähranlagen an dem Kaiser Wilhelmskanal in BrunSbüttel-Kork wird der Re- gierung zur Berücksichtigung überwiesen. Nächste Sitzung: Sonnabend. 1 Uhr.(Einkommen- steuernovelle und kleinere Vorlagen.) Schlust 6 Uhr._ Hbgeordnetenhaiid. 72. Sitzung. Freitag, den LS. Mai. vorm. 11 Uhr. Am Ministertisch: Dr. Studt. Die zweite Beratung deS BolkSschulunterhaltungSgesetzes wird fortgesetzt. Z 24(Jüdische Schulen). Während die Kommissionsbeschlüsse den bestehenden Rechtszustand aufrecht er- halten wollen, beantragt Abg. Cassel(frs. Vp.) die Bestimmungen für die übrigen Kon- fessionen auf die jüdischen Schulen analog zur Anwendung zu bringen. Die Kommission hat ausserdem eine Resolution an- genommen, in der die Regierung aufgefordert wird, den Synagogen- gemeinden die Beschaffung jüdischen Religionsunterrichtes zu er- leichtern, wenn für den Religionsunterricht nicht in anderer Weise gesorgt ist. Abg. Cassel(frs. Vp.) bittet, seinen Antrag anzunehmen. Auch die Annahme der Resolution der Kommission sei zu verlangen. Be- dauerlich sei. dast die Regierung erklärt habe, dast sie der Resolution der Kommission keine Folge geben wolle. Ministerialdirektor Schwarzkopff erklärt, es sei ein Irrtum des Vorredners, wenn er annehme, dast die Regierung der Resolution keine Folge geben wolle; er habe nur in der Kommission erklärt, dast sich die Regierung über das„Wie" der Ausführung nicht klar sei. Abg. Marx(Z.) bittet den Antrag Cassel abzulehnen, aber einen von ihm inzwischen eingebrachten redaktionellen Antrag an- zunehmen. Ministerialdirektor Schwarzkopff stellt fest, dast ein Schulzwang für den jüdischen Religionsunterricht jetzt nicht bestehe. Eine end gültige Erklärung zu der Resolution könne er nicht abgeben, nach' dem sie angenommen sei. Abg. Dr. Jrmer(k.): Wir sind gegen den Antrag Cassel, weil er dem jüdischen Religionsunterricht eine Stellung einräumt, die ihm nach Mastgabe der geschichtlichen Entwickelung und der Verfassungs- Urkunde nicht zukommt. Wir bekämpfen daher den Antrag Cassel, weil er für die jüdischen Kinder den Schulzwang zum Religions- Unterricht einführt. Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Peltasohn(frs. Vg.) werden die Kommissionsbeschlüsse mit dem redaktionellen Antrage Marx angenommen, der Antrag Cassel dagegen ab- gelehnt. § 25 bestimmt, dast in Hessen-Nassau die Simultanschule bc- stehen bleiben soll. Abg. Cahcnslh(Z.) begründet einen Antrag seines Fraktions- genossen Dr. Porsch auf Streichung dieser Bestimmung. Abg. Dr. Lotichius(natl.) bittet, den Zentrumsantrag abzu- lehnen. Die Simultanschulc habe in Hessen-Nassau segensreich ge- wirkt und zum konfessionellen Frieden beigetragen. Die Mehrheit der Beevölterung in Hessen-Nassau sei für die Simultanschule. Abg. v. Heimburg(k.) macht Bedenken gegen die Kommissions- fassung geltend. Seine Freunde würden trotzdem gegen den An- trag des Zentrums stimmen, obwohl derselbe sachlich nicht un- berechtigt erscheine. Kultusminister Dr. Stndt: Ich bitte dringend, das mühsam zustande. gebrachte Gesetzgebungswerk nicht an diesem Punkte scheitern zu lassen und deshalb den Zentrumsantrag abzulehnen. Es handelt sich doch nur um die Aufrechterhaltung eines bestehenden Rcchtszustandes. Abg. Dr. Dahlem(Z.): Das Edikt, welches die Simultanschule in Hessen-Nassau einführte, ist ohne Zustimmung der Stände er- lassen, also nicht rechtsgültig. Wie kann man da von einer Konser- Vierung des bestehenden Rechtszustandes sprechen? Tatsächlich ist in den meisten nassauischen Schulen nur eine Konfession vertreten, die meisten Schulen sind dort also keine Simultanschulen, sondern konfessionelle Schulen. Abg. v. Bülow-Homburg(natl.) bekämpft den Zentrumsantrag. Der Antrag Porfch wird abgelehnt und§ 25 in der Kom- missionsfassung angenommen. Es folgt die Beratung der§§ 27— 29(Schulverwaltung in Stadtgemeinden, Schuldeputationen. Schulkommissionen). Nach § 27 soll die Schuldeputation grundsätzlich der Schulaufsichtsbchörde unterstellt sein; nur insoweit sie keine Aufsichtsrechte ausübt, soll sie dem Gemeindcvorstand Folge leisten müssen. Abg. Cassel(frs. Vp.) beantragt, den Paragraphen so zu fassen, daß die Schuldeputation grundsätzlich Organ des Gemeinde- Vorstandes ist und der Schulaufsichtsbehörde nur insoweit unter- steht, als es sich um Befugnisse der staatlichen Schulaufsicht handelt, die seitens der Schulaufsichtsbehörde der Deputation übertragen sind.— Ferner verlangt Abg. Cassel die Zulassung der Frauen zu den Schuldeputationen. Endlich sollen alle Mitglieder der Schul- deputation, auch die Schulmänner, von der Stadtverordnetcnver- ämmlung gewählt werden. Bei Beanstandung von Beschlüssen der Schuldeputation soll das Verwaltungsstreitverfahren entscheiden. Abg. Schmedding(Z.) beantragt eine Bestimmung im§ 29 aufzunehmen dahingehend, daß eine Schulkommission eingesetzt werden muß, wo bisher konfessionelle Schulfozietäten bestehen, wenn diese es vor ihrer Auflösung durch dieses Gesetz bei der Schulaufsichtsbehörde beantragen. Abg. Cassel(frs. Vp.) begründet seinen Antrag, indem er inS- besondere nachzuweisen sucht, dast nach dem bestehenden Recht die Schuldeputation in der inneren und äuheren Verwaltung dem Gemeindevorstand unterstehe. Es gelte, hier die Selbstverwaltung der Gemeinden aufrecht zu erhalten, damit nicht die Willkür der Ministerien an ihre Stelle trete. Man solle sich auch nicht davor fürchten, daß vielleicht einmal ein Sozialdemokrat in die Deputation komme. Daß die Sozialdemokraten dort einmal einen über- wiegenden Einfluß bekämen, sei doch ausgeschlossen. Aufs ent- chiedcnste müsse man sich dagegen wehren, daß der Staat versuche, die Schule nicht bloß zu beaufsichtigen, sondern zu verwalten. Diese Grenzen dürften nicht verwischt werden.(Lebhafter Beifall links.) Kultusminister Dr. Studt: Ich will mich nicht in lange Er- örterungen darüber einlassen, inwieweit die Staatsregierung von der böswilligen Absicht ausgegangen ist, unter allen Umstanden die Selbstvcrwaltungsrechte der politischen Gemeinden zu be- schränken, denn die Vorlage gibt S99 Gemeinden Ernennungsrechte, erweitert also die Selbstverwaltungsrechte. Im übrigen kann ich die Versicheruns qpgehen, dast die allgemeine Verfügung meines Amtsvorgängers von 1897, in der empfohlen wird, den Gememden weitgehenden Spielraum zu lassen, auch diesseits nicht nur geteilt, sondern auch in vollem Umfange ausgeführt wird. In der Tat liegt jetzt nur ein Minimum von Beschwerden vor. Ich bestreite dem Abg. Cassel aber, dast die Schuldeputationen bei inneren An- gelcgenheiten der Schulen nach bestehendem Recht den Gemeinde- vorständen irgendwo unterständen. Abg. Frhr. v. Zedlitz(freik.): Ich will mich nicht als rednerischer Kilometerfresser produzieren und bitte deshalb nur, die Anträge auf der ganzen Linie abzulehnen. Der Fall Singer läßt deutlich erkennen, daß wir bei den Schuldeputationen gegenüber de» Sozial- demokraten alle Ursache haben, vorsichtig zu sein. Abg. Münsterberg(frs. Vg.) tritt für die Antrage de» Abg. Cassel ein. Abg. Funck(frs. Vp.) bringt die N i ch t b e stat ,g UN g deS Schriftstellers Dr. Penzig zu Charlottenburg zur Sprache. Ministerialdirektor Schwarzkopff: Ich kann nur erklaren, dast weder von Dr. Penzig noch von der städtischen Verwaltung eine Beschwerde eingegangen ist, so dast der Minister nicht orientiert ist. Wir haben aber Bericht erfordert, dieser ist jedoch noch nicht ein- gegangen. Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Aronsohn(frs. Vp.)' wurden die Anträge Cassel abgelehnt. Zu 8 49(Anstellung der Rektoren) liegt der bekannte Kompromistantrag der Nationalliberalen bor, der als Grundsatz die Berufung der Rektoren durch die Schul- aufsichtsbehörde nach Anhörung der Gemeinden aufstellt, den Ge- meinden, die bisher das Berufungsrecht hatten, dieses aber ferner- hin gewährt.— Ferner liegt folgender Antrag des Abg. Cassel (frs. Vp.) vor: Als 40a einzufügen: Die Ortsschulinspektion ist aufzuheben, die Kreisschulinspektion ist Fachmännern im Haupt» amte-zu übertragen. Abg. Kopsch(frs. Vp.): Die Kommissionsbeschlüsse stellen einen wesentlichen Rückschritt dar, selbst gegenüber den Gesetzen deS Frhr. v. Zedlitz und des Ministers Dr. Bosse. Selbst diese Gesetze verlangten, daß im Falle der Nichtbestätigung die Gründe der Nicht- bestätigung angegeben wurden. Unseren dahingehenden Antrag hat man aber in der Kommission abgelehnt. Die Gründe für die Nichtbestätigung liegen meistens gerade in einem Zwist zwischen dem Ortsschulinspektor und dem Lehrer. Es sind oft gerade die tüchtigsten Lehrer, die im Vertrauen auf ihr Können ein Selbst- bewusttsein zeigen, das dem Ortsschulinspektor nicht gefällt. Ganz unberechtigt ist es. wenn der Minister gesagt hat. die Mehrzahl der Lehrer seien Atheisten und Sozialisten. Die Lehrer sind meist gute Christen und Patrioten. Umsomehr hat man Grund, hier nicht ein Gesetz für sie zu machen, durch das Heuchelei und Kriecherei großgezogen wird.(Beifall links.) Ministerialdirektor Schwarzkopff erklärt, die Erzählung, dast der Minister die Mehrzahl der Lehrer als Atheisten und Sozialisten bezeichnet habe, sei erfunden. Das Haus vertagt sich. Persönlich bemerkt Abg. Kopsch(frs. Vp.), daß der Minister erklärt habe, die Mehrzahl der Lehrer seien Sozialisten und Atheisten, sei ihm von einem hervorragenden Schulmann mitgeteilt. Er sei bereit, dem Minister den Namen Desselben mitzuteilen. Nächste Sitzung: Sonnabend, 11 Uhr(Fortsetzung der heutigen Beratung des Staatsvertrages wegen der Kanalisierung oeS Mains). Schluß: 1% Uhr._ Krtlölmferru; des Rtichstagstvahlkleises Utst-Pritgllitz. Im NeichStagswahlkreis Westpricgnitz hielten die Parteigenossen am Sonntag, den L0. Mai. eine außerordentliche Krciskonferenz in Wittenberge ab. Auster dem Kreiswahlkomitee waren elf Orte des Kreises durch Delegierte vertreten, ferner als Vertreter der Agitationskommission der Genosse Karl Schulz-Berlin, als Delegierter des sechsten Ber- liner Rcichstagswahlkreises der Genosse Karl Fischer und als Ver» treter der Presse der Genosse Sydow-Brandenburg. Der Kreisvertrauensmann, Genosse Hernowski, erstattete 'Bericht über die Situation im Kreise. Leider müsse gesagt werden. dast, ausgenommen Wittenberge, die Agitation in den Städten sowohl als auf dem Lande noch sehr danieder läge. Die Gründe hierfür seien in erster Linie in der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Arbeiter, des ferneren in der leidigen Lokalfrage zu suchen. Im ganzen Kreise steht, mit Ausnahme von Wittenberge, den Ge- nossen nicht ein Lokal zur Abhaltung von Versammlungen zur Ver- fügung. Drohende Polizeischikane und Konzessionsvcrkürzung be» stimmen die Wirte zur Saalverweigerung. Die finanziellen Verhältnisse sind folgende: In der Zeit vom 1. September OS bis 20. Mai 00 war eine Einnahme von 703,51 M. und eine Ausgabe von 009,00 M. zu verzeichnen, so dast 93,85 M. als Kassenbcstand verbleiben. In der Diskussion gehen Reinsch-Havelberg und Schwartz» Perleberg näher auf die lokalen Verhältnisse ihres Ortes ein. lieber Agitation und Organisation referierte Genosse Schulz-Berlin. Zum Schlust forderte er, dast die Ge- nossen der Westpricgnitz einen Zentralwahlverein bilden sollten. Ein Statut dafür sei den örtlichen Vertrauensleuten frühzeitig genug unterbreitet worden. Nachdem die einzelnen Paragraphen durchberaten sind, wird dieses Statut ein st immig angenommen. Dann wurde ein ebenfalls vom Genossen Schulz vorgelegtes örtliches Statut durchbcraten und ebenfalls einstimmig als für die einzelnen örtlichen Vereine mastgebend bestimmt. lieber die Presse referierte Genosse S y d o w- Branden» bürg. Er ermahnte die Genossen, eifriger als bisher in die Werbe» arbeit für die Parteipresse, die„Brandenburger Zeitung", ein, zutreten. Eine dahingehende früher bereits beschlossene Resolution wurde den Genossen in Erinnerung gebracht. Nachdem als Sitz des zu wählenden Zentralvorstandes Witten» berge bestimmt worden, schritt die Konferenz zur Wahl. Zum ersten Vorsitzenden wurde Genosse Hernowski, zum zweiten Vor» sitzenden Karl Schmidt, zum Kassierer Ernst Simon, zum Schrift- führer Wilh. Gutschmidt und zum Beisitzer Fritz Hampfe gewählt. Zu Revisoren bestimmte die Konferenz: Aug. Lehmann-Glöwen, Friedrich Schwartz-Perleberg und Vogt-Wittenberge. Unter Anträgen und Verschiedenes wurde der Statutenentwurf für die Provinz Brandenburg zur Debatte gestellt. Vom Genossen Sbdow wurde dazu ein Antrag deS KreiseS Brandenburg-Wcsthavelland vorgelegt. Die längere Begründung Sydows ging dahin, daß niemand daran denke, die Aktionsfähigkeit Grost-Berlins irgendwie zu be- hindern, jedoch dürfe Berlin sich nicht eine andere Organisation geben als die Provinz. Durch die nur von Berlin gewählte Agitationskommission würde die Provinz bevormundet, und da» gegen müßten sich die einzelnen Kreise energisch wehren. Genosse Fischer führte den Anwesenden vor Augen, welche Konsequenzen der Brandenburger Antrag nach sich ziehen würde. Es würden danach wohl die agitatorisch besser gestellten Kreise Einfluß auf die Gestaltung der Dinge haben, dagegen die schwächeren noch schlechter dastehen als bisher. Schulz legte klar, warum Berlin seine eigene Organisation haben müsse. Die gegen die Agitationskommission eingewandten MonitaS wären so fadenscheiniger Natur, dast Wohl Genosse Sbdow selbst, wolle er ehrlich sein, zugeben müsse, dast gerade daS Gegen, teil seiner Behauptung wahr wäre. Die Kommission arbeite lediglich im Interesse der Partei, und da jedes einzelne Mitglwd danach strebe, die Probinzkreise so selbständig wie möglich zu machen, falle das Argument bon der Bevormundung einfach ins Wasser. Hätte ihn Genosse Sydow vorher davon unterrichtet, daß er gewillt sei, dieses Thema auf der Konferenz anzuschneiden, so hätte er. Schulz, sich mit noch anderem Material versehen und dann eventuell die Gründe Sydows noch besser widerlegen können. Der Entwurf der Agitationskommission und der Antrag Brandenburg wurden darauf den einzelnen Orten zur Beratung überwiesen. Nack, einer anfeuernden Ansprache des Genossen Karl Schmidt an die Teilnehmer der Konferenz wurde sie gegen 7 Uhr mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die völkerbefreiende Soziab dcmokratie geschlossen._ Wendepunkte der neueren deutschen Geschichte. S. Der Sieg der preußischen Krone.(186&— 71.) In seinem fünften Vortrage, den er am Montag in Kellers Saal hielt, führte Genosse Dr. Maurenbrecher ungefähr- folgendes auS: Die kleirrbürgcrlich-klcinbäuerlichs Demokratie ist 1849 abgetan wordem Die demokratische Bewegung wurde in den Kämpfen in Baden im Blutbade erstickt. Sie hat sich seitdem nicht mehr empor- gerungen. Im Frankfurter Parlament vereinigte sich die Demo- kratie mit der Erbkaiserpartei, die das Programm aufgestellt hatte: Konstitution in Preußen, Erhebung Preußens zum führenden Bundesstaat in Deutschland. Das war die erste Partei, die ein ilares politisches Programm hatte, hinter dem reale Interessen, nämlich die der Bourgeoisie standen. Die Nevolutionskämpfe von 1848 und 1849 hatten aber der Bourgeoisie die Ueberzeugung beige- bracht, dah sie bei der Krone, die über das Machtmittel der Armee verfügte, Schutz finden könne vor einem Wiedererwachen der Nr- Volution. Deshalb stellte sich die Bourgeoisie als Schild vor die Dynastie, sie schloß ein Kompromiß mit derselben in dem Augenblick, wo die Bahn frei gelvesen lvär«, um einen wirklich demokratischen Staat ins Leben zu rufen.— Nachdem die Erbkaiserpartei aus dem Frankfurter Parlament ausgetreten war, spaltete sie sich in zwei Dichtungen: die Gothaer und die Köthener. Die erste fand sich mit den Verhältnissen, wie sie sich nach den Nevolutionskämpfen gestaltet Hatten, ab und erklärte sich damit zufrieden, daß nunmehr die preußische Krone die deutsche Einheit in ihrem Sinne verwirklichen werde. Die Köthener dagegen. Die Köthener protestierten gegen die Aufzwingung des Dreiklassenwahlrechts und proklamierten Eni» Haltung von den Wahlen und der parlamentarischen Betätigung. Beide Richtungen dokumentierten durch ihr Verhalten, daß die Bourgeoisie als Partei erledigt lvar, aber sie hatte noch nicht jede Möglichkeit, bei der Gestaltung der politischen Verhältnisse mit- zuwirken, verloren. Die preußische Krone hatte im März 1343 dem Volksaufstand gegenüber nachgegeben, um das Volk für ihren Plan: die deutsche Einheit unter Preußens Führung zu verwirklichen, zu gewinnen. Aber das gelang nicht, denn die demokratische Bewegung war schon zu weit fortgeschritten. Um zu ihrem Ziele zu kommen, schloß sich die preußische Krone mit Sachsen und Hannover zu dem TrcikönigSbund zusammen, der aber auch nicht zum Ziele kam, weil Oesterreich» und die deutschen Kleinstaaten sich gegen diese Pläne er- hoben. So kam anfangs 1850 die Demütigung Preußens in Olmütz, die Unterwerfung Preußens unter den Willen Oesterreichs und die volle Wiederherstellung des deutschen Bundes von 181S.— Nur das Dreiklassenwahlrccht in Preußen ist aus der Zeit des Dreikönigs. buiedes geblieben. Die Situation war nun so: Dia Krone Preußens hat 1343/49 der Volksbewegung einiges nachgegeben, sie hat die Verfassung und den Landtag eingeführt und darüber hinaus aus Furcht vor der Revolution ein Wahlrecht eingeführt, welches den Landtag der Bour- geoisie ausliefern mußte, sobald sie sich entschloß, von demselben Gebrauch zu machen. Die demokratische Partei war erledigt, die Bourgeoisie aber hatte noch nicht alle Trümpfe verloren. Die proletarische Bewegung, vertreten durch Marx und Engel» in der „Neuen Rheinischen Zeitung", hatte das klarste nationale Programm: Einheitliche unteilbare deutsche Republik. Aber diese Bewegung hatte auf die Gestaltung der politischen Verhältnisse im Jahre 1343 fast gar keinen Einfluß, weil noch keine Klaffe hinter ihr stand. Die Arbeiterklasse war noch nicht zum politischen Bewußtsein erwacht, und die Demokratie sowie die Bourgeoisie konnten sich nicht für die deutsch« Einhcitsrepublik erklären, weil sie bereits mit der Dynastie Gemeinschaft gemacht hatten. Die proletarische Bewegung, die oa- mals erst im Programm und im Gedanken existierte, konnte daher von der preußischen Regierung lahm gelegt werden durch das Verbot der„Neuen Rheinischen Zeitung" im Mai 1349. Damit war es mit der proletarischen Politik in Deutschland einstweilen vorbei. Aber man mußte sich sagen, diese borläufig unterdrückte Bewegung kann wieder einsetzen, wenn die Arbeiterklasse erst besser durchgebildet ist. Da3 Wicdererwachen der proletarischen Bewegung trat denn auch in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre ein. Tie Zeit bis l8SS war politisch tot. Die Ursache davon ist nicht üur die Niederwerfung der Revolution, sondern für das Bürgertum kam noch ein anderer Grund hinzu, nämlich der: Die Jahre 1849 bis 1897 brachten eine enorme EntWickelung des Kapitalismus, die zusammenhing mit der damaligen Entdeckung der kalifornischen und der australischen Goldfelder. Eö ist eine geschichtliche Erfahrung, daß die Bourgeoisie, wenn sie gute Geschäfte macht, für die Politik kein Interesse hat. Nur in Zeiten schlechten Geschäftsganges kann die Bourgeoisie revolutionär werden.— Als 18S7 die wirtschaftliche Krise in Europa einsetzte, als für die Kapitalisten die Zeit mühelosen Erwerbes durch Gründungen vorüber war und Geschäfte nur noch auf sicherer kalkulatorischer Grundlage gemocht werden konnten, da wandte sich die Bourgeoisie wieder der politischen Bewegung zu. Die Verwirklichung des bürgerlichen Einheitsstaates in Italien war für die deutsche Bourgeoisie das Signal, wieder mit der politischen Tätig- keit einzusetzen. Der erste Schritt auf diesem Wege war im Herbst 1899 die Gründung des Nationalvereins, der die Einheit Deutschlands auf sein Programm setzte. Ein merkwürdiger Zufall war es, daß sich auch um dieselbe Zeit die preußisch-dhnastische Bewegung wieder belebte. Während Frie- brich Wilhelm IV. nicht mehr gewagt hatte, gegen Oesterreich zu mucksen, sammelten sich um den Prinzen von Preußen, den nach. hcrigen König Wilhelm I., alle jene Personen, die für die deutsche Einheitsbewegung unter Preußens Führung eintraten, und die er- bittert waren über Oesterreichs Vorherrschaft in Deutschland. Die alte Aktionslust begann sich wieder zu regen. Als dann der Prinz von Preußen die Regentschaft an Stelle seines geistig erkrankten Bruders übernahm, lvar das erste, was er tat, die Entlassung des konservativen Ministeriums und die Berufung von Mnistern, welche nach der liberalen Seite hinneigten. Daß oer Prinzregent gerade solche Männer zu Ministern berief, war eine mehr zufällige Kr- fcheinung, die dem Einfluß seiner Frau zuzuschreiben sein mag, welche als Weimarer Prinzessin in den Traditionen der Goethezeit lebte.— Als so der Prinzrcgent 13ö3 seine Regierung antrat, schien für die Bourgeoisie eine neue Möglichkeit gegeben, um ohne Wieder- holung der„Tollheiten von 1348" ein Stück parlamentarischer Ge- Walt zu bekommen. Jetzt blieb der Bourgeoisie nichts übrig, als dem liberalen Ministerium auch«inen liberalen Landtag an die Seite zu stellen. Bisher hatte der preußische Landtag eine konservativ« Mehrheit, weil sich die Köthener Richtung der Liberalen nicht an den Wahlen beteiligt hatte. Jetzt erkannten die Köthener das Drei. klassenwahlrecht, welches sie bisher bekämpft hatten, als Grundlage des Staates cm. Gothaer, Köthener und die Reste der Demokraten schlössen sich zusammen, um eine Landtagsmehrheit zu schaffen, mit der die Minister regieren konnten. So entstand die liberale Aera in Preußen in den Jahren 1359—31. Aber sie stand nur auf schwachen Füßen. Das Bürgertum glaubte, es könne ohne Kampf zur poli. tischen Herrschaft kommen. Dieser Glaube war die Todsünde des Liberalismus, er hat ihm alle Kraft gebrochen und seine günstig« Position vollständig zu seinen Ungunsten verschoben. Schon im ersten Jahre der liberalen Aera zeigte die Regierung und besonders der Prinzregent pcrsönftlh, daß cS sich für ihn nur um die Stärkung der Militärmacht sowie um seine eigene Macht- ßellimg innerhgw des Militärs handelte. 1SS9 forderte die Neuerung die Militärreform: Verdoppelung der Stärke der Armee und Tinführung der dreijährigen an Stelle der damals geltenden zwei- grerung Einführ■»» Ji � jährigen Dienstzeit. Diese Reform wurde als notwendig bezeichnet zum Kampfe gegen die Vorherrschaft Oesterreichs.— Die Vermehrung der Armee konnte vom Standpunkt der Bourgeoisie aus angenommen werden. TaS war auch für sie kein Streitobjekt. Aber sie wandte sich gegen die dreijährige Dienstzeit, weil das dritte Dienstjahr für die militärische Technik überflüssig ist, sondern viel mehr dazu benutzt wird, um den Soldaten durch Drkll zu einem zu verläffigen Werkzeug der Krone zu machen. Hier handelte es sich also für die Bourgeoisie um eine Machtfrage.— Der Prinzregent begann die liberale Aera mit einem Programm, welches bestimmt war, die Macht der Krone zu stärken, und die Bourgeoisie hatte darauf keine klare Antwort. Der Liberalismus tat angesichts der Militärreformvorlagc das dümmste, was er tun konnte. Er be willigte sie nicht und lehnte sie auch nicht ab, sondern drückte sich um die Entscheidung herum. So hatte die Regierung die Möglichkeit ihre Militärreform durchzuftibrcn. Erst 1862, nachdem die dreijährige Dienstzeit schon seit drei Jahren bestand und die HeereSvcrmehrung durchgeführt war, kam es zum Kouflikt.- Der Liberalismus lehnte den Militäretat ab, weil der König die zweijährige Dienstzeit, die die Liberalen zur Bedingung ibrer Zustimmung zur Heeresvermehrung machten, nicht wieder ein- führen wollte. Aus Anlaß dieses Konfliktes kam im Sommer 1862 das Ministerium Bismarck.— Der Liberalismus spielte sich jetzt als Verfechter der verfassungsmäßigen Rechte auf, welche die Regierung verletzt habe, indem sie ohne Zustimmung des Landtags die Militär- reform durcksührte. Aber die Verfassung, auf deren Boden sich der Liberalismus stellte, das war Sie aufgezwungene Verfassung, die, was Lassalle zu jener Zeit am schärfsten betonte, noch keinen Augen blick zu Recht bestand. Daß sich der Liberalismus auf den Boden dieser Verfassung stellte, das zeigt deutlich, daß er nur ein Rück- zugsgefecht führte. Nachdem die Regierung ihre Militärpläne gegen den Willen der Landtagsmehrheit durchgeführt hatte, da hätte der Liberalismus jede Beteiligung an den parlamentarischen Arbeiten ablehnen müssen. Statt dessen strich er nur die Mllitärforderungen ans dem Etat, verhandelte aber mit der Regierung weiter und bewilligte andere Etatspositionen. Zum parlamentarifcbci Streik, der aller Welt ge- zeigt hätte, daß in Preußen der nackte Absolutismus herrscht, konnten sich die Liberalen nicht aufraffen. Charakteristisch ist der Umschwung in der Anschauung über das Wahlrecht, der sich sowohl bei den Liberalen wie bei der Regierung vollzog. Nachdem sich die Liberalen allgemein an den Wahlen be- tciligt und die absolute Mehrheit im Abgeordnetenhause erlangt hatten, da sahen sie, daß eS für die Bourgeoisie kein besseres als das bisher von ihnen gebrandmarlte preußische Dreiklassenwahlrecht geben kann, und nun fand der Liberalismus in dem allgemeinen Wahl- recht, das zu seinen Programmforderungen gehörte, einen Haken. Von nun an lehnten es die Liberalm ab, zum Dreiklassenwahlrecht Aenderungsanträge zu stellen.— Als der bon Lassalle 1863 ge- gründete Allgemeine deutsche Arbeiterverein die Fortschrittspartei— wie sich die Liberalen damals nannten— ersuchte, das allgemeine Wahlrecht zu fordern, da antwortete die Fortschrittspartei, sie könne jetzt nicht für das allgemeine Wahlrecht eintreten, da noch das Grundrecht deS Volkes, nämlich das Reckst der Budgetbewilligung in Frage stehe.— Hinter solchen bombastischen Reden verbarg sich die Ansicht, daß das allgemeine Wahlrecht der Bourgeoisie gefährlich werden konnte. Nachdem das Dreiklaffenwahlrecht der Bourgeoisie die Mehrheit im Abgeordnetenhause gebracht hatte, fand auch die Regierung einen Haken in diesem Wahlrecht, und nun war es Bismarck, der den Ge- danken des allgemeinen Wahlrechts vertrat. Er rechnete so: Ein nach der Höhe des Einkommens abgestuftes Wahlrecht mutz der Bour« geoisie unter allen Umständen die Mehrheit bringen. Unter dem allgemeinen gleichen Wahlreckst dagegen werden die unaufgeklärten und unorganisierten Volksmassen— das Kleinbürger- und Bauern« tum— gegen die Bourgeoisie und für die Regierung stimmen, namentlich, wenn eine ausgiebige, auch amtliche, Wahlbeeinflussung zugunsten der Regierung getrieben wird.— Zu derselben Zeit warf auch Lassalle den Gedanken des allgemeinen gleichen Wahlrechts in die politische Arena. Aber während Bismarck daS allgemeine Wahl- recht zur Stärkung der monarchischen Macht einführen toollte, forderte Lassalle das allgemeine Wahlrecht, um die politische Macht in die Hand des Volkes zu legen. In diesem Sinne fürchtete die Fortschrittspartei das allgemeine Wahlrecht und lehnte es ab. Zu der Frage des Wahlrechts kam in den politischen Erörte- rungen jener Zeit noch ein« andere Frage: Soll die deutsche Einheit auch die deutschen Provinzen Oesterreichs einschließen oder nicht.— Di« bisherigen Einhcitsbestrebungen setzten den Einschluß von Teutsch-Oesterreich als selbstverständlich voraus. Die preußische Krone dagegen hatte eine andere Tendenz, denn Preußens Führung in Deutschland war erst möglich, wenn Oesterreich hinausgedrängt war. Da Oesterreich sich aber nicht freüvillig aus dem deutschen Bunde entfernen würde, so war Bismarcks Programm: einen Krieg gegen Oesterreich zu entfesseln, Oesterreich zwangeweise aus dem deutschen Bunde zu entfernen, damit Preußen die Führung in Deutschland übernehmen könne. � Dieser Plan Bismarcks erschien den Liberalen grauenhaft. Das Bürgertum betrachtete Deutschland als eine ideelle Einheit, ihm er- schien ein deutscher Bruderkrieg als etwas unerhörtes, und Bismarcks Plan erschien deshalb den Liberalen als Kabinettspolitil und Landes verrat.— Das beste Mittel gegen die Politik Bismarcks wäre es ge� ivesen, wenn der Nationalverein eine Nationalversammlung nach Frankfurter Muster einberufen hätte, die den Versuch gemacht haben würde, die dynastischen Streitigkeiten zu entscheiden und die Frage auf diese Weise zu lösen.— Aber der Nationalverein tat nichts der- artiges. Er erließ am 14. Mai 1866 nur einen Aufruf an feine Mitglieder,, die er aufforderte, gegen den Bruderkrieg und für die Einberufung eines deutschen Parlaments zu agitieren. Da» geschah zu einer Zeit, wo sich die preußischen Regimenter rüsteten, um nach Sachsen zu marschieren.— Sobald mit eisernen Würfeln gespielt werden sollte, kroch der Vorstand des Nationalvcreins hinter seine Mitglieder und was er von ihnen verlangte, das war nichts anderes, als daß sie am Biertisch große Reden führen sollten. Im Gegensatz zu dem Verhalten des Nationalvereins steht eine Aktion, welche die Arbeiter, so schwach sie auch noch waren, unter nahmen. Im„Sozialdemokrat, dem durch von Schweitzer redi gierten Blatte des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins, wurde daS Verhalten des Nationalverein« als unsinnig und töricht bezeichnet und ausgeführt, daß die deutsche Einheit nur zu erlangen sei durch eine deutsche Revolution im Anschluß an den Krieg zwischen Preußen und Oesterreich. Auch Bebel erklärt« damals in Leipzig, es komme jetzt nicht auf die Erhaltung des Friedens an, sondern vielmehr darauf, daß das Volk auf seiner Hut sei, dah sich aus dem Kriege zwischen den beiden Kabinetten die deutsche Revolution entwickele, welche die deutsche Einheit in demokratischem Sinne verwirkliche. Das war die Stimmung der jungen Arbeiterpartei. Sie war noch nicht stark genug, unt handelnd in den Gang der Dinge einzu- greifen, aber sie war sich bewußt, daß dieser Krieg die letzte Ge. legenheit sein würde, um die demokratische deutsche Einheit durchzu- setzen.— Alle Erwartungen, die man in dieser Hinsicht an den Krieg von 1866 knüpfte, sind durch den unerwartet raschen Sieg Preußens über den Haufen geworfen worden. Man hatte mit einer längeren Dauer und wcchseliiden Erfolgen des Krieges gerechnet. So wäre Zeit gewesen, um eine große Volksbewegung zugunsten der demo- kratischen Einheit anzufachen. DaS ist nun durch den vaschen Sieg Preußens unmöglich geworden. Der Sieg der preußischen Einheitstendenz war nun entschieden. Nach ihrem Siege im Felde war die preußische Regierung stark �c- nvg, um den Liberalm die Hand zu reichen und um Indemnität wegen der verfassungswidrigen Ausgaben der Vorjahre nachzusuchen, die ihr denn auch gewährt wurde. Die Gewährung der Indemnität ist schon dadurch eine klägliche Sache, daß die Liberalen dadurch an- erkannten, die Regierung sei sachlich im Recht gewesen, aber noch kläglicher wird diese Angelegenh.-it dadurch, dah die Regierung aus- drücklich erklärte, sie gebe keine Garantie dafür, daß sie in Zukunft nicht noch einmal verfassungswidrig regieren werde. Trstz dieser Kriegserklärung stimmte die überwältigende Mehrheit der Liberalen. die sich nun naiionalltberale Partei nannten, der Jndemnitatsvor- Utae m. es kam ihnen nur darauf cm, sich aus der scyßefen �bge zu ziehen, in die sie sich während der vorhergegangenen Jahre gebracht hatten! In dieser Frage hat die Krone.jrber nicht der L-deral-smus gesiegt. Was 1866 und 1871 zum Siege gelangte, das-st die dynastische Politik des Königs von Preußen, d-e 1849 schon dem Siege nahe war, aber durch Oesterreich und Rußland daran ver- hindert wurde.— Die bürgerliche Tendenz der deutschen Einheit ist zu jener Zeit zum zweiten Male und zwar endgültig besiegt worden. Von den vier Einhcitstendenzm, die sich 1848 gegenüber standen, ist jetzt nur noch übrig geblieben die preußisch-dynastische, die gesiegr hat, und die proletarisch-demokratische, die in der nun folgenden Zeit feste Formen annahm.— Wie nun diese beiden Mächte mit einander ringen, wie die proletarisch-demokratische Bewegung das Erbe der alten Einheitsbewegung übernimmt, die nun in der steigenden Ar- beiterbewegung ihren Zentralpunkt findet, und wie der Liberalismus mehr und mebr von seinem alten Programm aufgibt, daS soll im nächsten und letzten Vortrage gezeigt werden. Versammlungen. Erklärung. Die Erklärung des Genossen Gerisch in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" habe ick, mit großem Erstaunen gelesen, denn sie steht in direktem Widerspruch* mit den auf diese Sache getanen Aeußerungen des Genossen Ebert in der Versammlung am Sonn- abend. Der Genosse Ebert sagte lant Versammlungsbericht des„Vor- wärts"(und der„Vorwärts" gibt diese Stelle richtig wieder): Ja, der Genosse Gerisch hat an jenein Morgen, als wegen dieser Angelegenheit die erste Unterredung zwischen-hm und Cohen statt- fand, zu Cohen sogar ausdrücklich gesagt:„Wenn Euer Bedarf nicht gerade in die Hnnderttausende geht, dann wird keine Sammlung vorgenommen." Nach dieser in beftiinmiester Weise vorgebrachten Aeußerung mußten wir annehmen, die Erklärung des Genossen Gerisch soll am Freitag, den 4. Mai. früh(ine Zeit der ersten Unterredung) erfolgt sein. WnZ aber erklärt der Genosse Gerisch im gestrigen.Vorwärts"? Am Morgen nach der Sitzung der Berliner Parteifunktionäre traf ich den Genossen Cohen im Bureau usw. Am Morgen»ach der Siyimg der Parteifunktionäre war aber Sonnabend, den 5./5. früh. Merkwürdig ist es ja nun. daß den, Genossen Ebert bei der Wiedergabe der Erklärung de? Genossen Gerisch gerade in bezug ans die Zeit, wo diese Acntzerimg gefallen sein soll, ein solch bedeutungs- voller Irrtum unterläuft. Denn zwischen Freitag früh und Sonnabend früh fand die Sitzung in Ober- Schöne weide statt, in welcher ich die bekannte Aeußerung tat. Doch die ganze Angelegenheit soll, wenn ich es verhindern kann, keine Sceschlange werden, deshalb will ich den Faden auch nicht weiter spinnen. Aber darauf mutz ich noch hinweisen, bei meiner Aeußerung vom Sonnabend, den 19. d. M.> bez. der 100009 M. bleibe ich, aber selbst wenn die Aeußerung deS Genossen Gerisch getan ist, konnte sie, weil an, Sonnabend erfolgt, auf meine Aeußerungen am Freitag keinen Einfluß ausüben. Berlin, den 23. Mai 1906. Adolf Cohen. Hierzu will ich bemerken, daß es fachlich ganz gleichgültig ist, ob der Genosse G e r i s ch die fragliche Mitteilung am 4. oder am 6. Mai dem Genossen Cohen gemacht hat, weil Cohen— wie er in seiner Erklärung im„Vorwärts" von, 13. Mai auch selbst zu- gibt— am Montag, den 7. Mai, also immer noch zwei Tage später, den Genossen von Ober-Schöneweide erklärte:„Wenn Ihr von der Partei auch nur 1090 M. losmacht, dann könnt Ihr mehr wie Brot essen." Auf weitere Auseinandersetzungen werde ich mich nicht mehr ein« lassen, da die von Cohen bestrittenen Tatsachen nun wahrlich zur Geniige festgestellt sind. � Fr. Ebert. In der Erklärung deS Genossen Ebert in der Donnerstag« numiner muß es natürlich nicht„Konstatiernorm", sondern„Konsta- tierungen heißen. Die Erklärung des Genossen Cohen ging uns schon am Mitt- ivoch zu, leider zu einer Zeit, in der wir über den Raum des Blattes schon disponiert hatten. Wir bringen sie deswegen erst heute. Red. Der Handels«, Transport- und VerkehrSarbeiter-verltmid, Ortsverwaltung I, hielt am 19. Mai seine ordentliche General« Versammlung für daS erste Quartal ab. Vor Eintritt in die Tages- ordming ehrte die Versammlung das Andenke» von 13 Kollegen, ivelche im Laufe des Quartals verstorben sind. Sodann teilte der Bevollmächtigte mit, daß der Berbandsansschuß de» Antrag der Berliner Generalversammlung auf Bewilligung einer Teuerungs- zulags für die Verbandsbeamten abgelehnt habe. Nach Bericht« erstattung über die zurzeit bestehenden Streiks und Mai«Aus- sperrnngen gab der Kassierer S t e i n i ck e den Kassenbericht. Der Bericht zeigt folgende Zahlen: Einnahme(iull. eines örtlichen Kassenbestandes von 29 12ö.89 M. cim 31, Dezember 1905) insgesamt 104 672,00 M., Ausgabe 72 295,83 M., mithin am 1. April ein örtlicher Kassenbestand von 32 277,07 M. Der Ueberschuß beträgt 3161,13 M._ An die Hauptkasse wurden 64 262,30 M. abgeliefert; dieselbe zahlte an die Mitglieder der örtlichen Verwaltung für Kraiilen« und Sterbebeihiilfe, Arbeits- losen-, Rechtsschutz- und Stretkuutcrstiitzung 21 643,89 Mark. Die Mitgliederzahl betrug am 1. April 17 042 männliche und 56« weibliche. Der Kassierer bemängelte, daß noch eine große Anzahl Mitglieder mit ihren Extrabeiträgen während der Aussperrung in der Elektroindustrie sin Rückstände sind. Hierauf gab Härling folgenden Bericht über den Arbeitsnachweis: Arbeitslos waren am Schlüsse des 4. Quartals 1906 142 Kollegen, im Laufe deS 1. Quartals meldeten sich neu 1306 Kollegen, zu- sammei» also 1447 Kollegen. Arbeitslos blieben am Schluß des 1. Quartals 96 Kollegen. 303 unterstiitzuugsberechtigte arbeitSloso Kollegen erhielten für 4911 Tage 6453,26 M. insgesamt Arbeitslosenunterstützung. lieber die Iveitere Anstellung von zivei Beamten für die Ver- waltung Berlin I berichtet Werner, daß 21 Kollegen ihre Ve- Werbungsschreiben eingereicht haben. AuS der Reihe der Bewerber habe der Hauptvorstand und die innere Verwaltung die Kollegen W e r t in a n n- Hamburg und W a c l a Iv i a ck- Berlin zu Beamten in Vorschlag gebracbt. Die erweiterte Ortsverwaltung habe diesen Vorschlag jedoch nicht gutgeheißen, dieselbe schlage dem Haupt- vorstand die Kollegen Franke- Rixdorf und L a m p r e ch t- Hain- bürg vor. Nach Lage der Sache empfehle er der Generalversammlung ebenfalls, dem Beschluß der erweiterten Verwaltung beizutreten. lieber diese Angelegenheit entspinnt sich eine längere lebbafts Debatte, die schließlich damit endet, daß die Versammlung beschließt, die AnstcllungSfrage nochmals dem Zentralborstand und der erweiterten Verwaltung zur gemeinsamen Beratung zu überweisen. Wegen StreikbruchS werden sodann die Mitglieder Otto Dörr, Franz Bork. Paul Ziehm, Ferd. Zehm, Karl Prause. Karl Sckmac! und Oskar Schäfer von der Versammlung aus dem Verbände aus- geschlossen._ Angegangene Druckschriften. Plutu». Kritische Wochenschrift für Volkswirtschaft und Finanzwesen (HerauSg-ecr! Georg Bernhard). 2t. Hest.(Abonnement, cinschli-fchch der PIntus-Merltasei vierteljährlich per Post und Buchhandel 3,60 lvt., direlt oom Verlag 4 M. Verlag Vcrlin-Charlollciiburg, Goethestr. öS.) A. Petrovic. Wahrheit und Trug im Sozialismus. 144 Sellen Preis 2 M. Verlag H. Walther, Berlin W. 30. Ö" VerwaltnngssteHt" Berlin. Haupt-Bureau: Engel-llfer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis: Zimmer 3-1.-.'tot IV, 8353. Soantas« den 27. Mai 1906, vormittags 10 Uhr, im Lokal von Panl T.itfln, Memelerstr. 67; Branchen-Versammlung aller in der Metall- und Eisenindustrie beschästigten Hobler, Bohrer, Stoßer-�Fräser Tages-Ordnung: I. Vortrag des Kollegen Karl Schmidt über:„Der Einstuft der Unternehmer anf die Gesengebung«. 2. Diskussion. 3. Werkstattangelegenheiten und Verschiedenes. Montag, Nen 28. Mai lOOO, abends 8 Uhr, Im großen 8aal von Baggcnhagen, Moritzplad, Oranienstr. 117; Versammlung der Metallschleifer, Galvaniseure, Hülfsarbeiter u.-Arbeiterinnen Tages-Ordnung: l. Jahresbericht der Komniissioii. L. Diskussion. 3. Neuwahl deZ Branchcnvertreters sowie der gesamten Kommission. 1. Verschiedenes. Kollegen! Da in dieser Versammlung alle Posten in der Kommission Neu besetzt werden müssen, erwarten wir zahlreichen Besuch. IW Keine Werkstatt darf fehlen k Montag, den 28. Mal lOOß, abends 8'/, Uhr, in Frankes Festsälen, Sebastianstr. 33: Allgemeine Versammlung der Mechaniktr, zliirmachtr, Optiker u. ill den Ketrieben beschäftigt. Albeiter u. Arbeiterinnen. TagcS-Ordnung! 1. Vortrag dcS Menossen Diiwell über;„Die Machtmittel Proletariats". 2. Diskussion. 3. Verband Zangclegenheiten. deS Montag, den 28. Mal 1006, im Lokal von Schumann, bendo Uhr, in Wildau, früher Nelke: Mitglieder-Versammlung für Kömgs-Wltster!slms-tt nnd Wgegevd. TagcS-Ordnung: 1. Vortrag deZ Kollegen Schmidt. 2. Diskussion. 8. Verbands- angelegenheiten. MW Jedes Mitglied hat sein Verbandsbuch lOitzubringen. NR Die Zahlstelle des Deutschen Metallarbeiter-VcrbnndeS befindet sich beim Kollegen Sug. stllrechel, KönigSwusterHausen, Bahuhosslr. 1. 119/1!«_ Die Ortsverwaltnng. Verband der Sattler ■ OrtsvenuaHung Serlin. Den Mitgliedern«ur Nachricht, das, die nächsten Branchenversamm- langen an nachsolgenven Tagen stattfinden: Geschirrbranche: Mittwoch, den 30. Mai. Treibriemenbranche: Sonnabend, den 26. Mai. Taschen-, Koffer- und Galanteriebranche: Donnerstag, den 31. Mal. Militärbranche: Sonnabend, den 26. Mai. Linoleumleger und Teppichnäher: Donnerstag, den 81. Mal. Wagenbranche: Mittwoch, den 30. Mai. Eisenmöbel- und Lederstuhlpolsterer t Mittwoch, den 80. Mai. Sektion Charlottenburg: Montag, den 28. Mai. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder in diesen Versammlungen erwartet 157/1 Die Ortsverwaltnng. Sonnabend, den 23. Juni, in der„Neuen Welt", Hasenheide 108—111: � großes Sommer-Fest KÄS Großer Ball. Ä"ÄlT'' c"-n s"'ä"i" Hr. Jacbelpolonaise, u„„ veranstaltet von den Verbänden der Lsttler, portekeulller Verxoläer. »U« der 40 Mann starken Hauskapell- unter IVllIlÄd l Leitung des Musikdirektors Herrn Sotho. (jala-Zpe�ialitäten-VorstetjullK brt SÄtts�unb141' Sl> V/ Feuerwerk. VV G Großer Ball. wozu jede» Kind«Ine Stock- gratis erhält. Die Kaffeeküche steht de» Dame» von 3 Uhr ab zur Berfügung. i si—iii i Ansang des Konzerts 1 Uhr nachm. Eintritt 25 Pf. SHasazm Billetts sind Bei den Werlstatt-VertraueiiSleuten sowie Im Bureau zu haben. Um zahlreich« Beteiligung ersucht Das■Vergnägnngs-Komltee. Frlti Haberniann, Waldemarstr. 67. Uerlmud der Fabrik-. Fand-, HUlfsarkeiter mrd Arkeiterinneu Deutschlands. Zahlstelle Merlin. Bureau: Linieuslr. 215. Geöffnet von 8—1 und 4—8.— Tel.: Stmf 3, 938. /z Uhr, in den Musiker-Säle», 18m(großer Saal): Sonntag, 27. Mai, vormittags 9' Kaiser Wtlhelmstr. 1 Außerord. Mitgließenrersammluno. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zum Verbandstage. a) Anträge, b)" 2. Beschlußsassung über du . Buch legitimiert. 64/13 Qle Ortsverwaltnng. b) Ausstellung der Delegierten. die zurückgestellten Antrage(Maiseier). Zentrslverdsnä der Söücher und deren Külfsarbeifer Deutschlands. ( i'Iliule llcrlin.) Montag, den 28. Mat, abends 8'/. Uhr, bei Merkowskl, AndreaSftr. 2«: Austerordentliche Mitglieder-Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht über den Streit in.der Packsaß- blanche. 2. VereinSaiigelegenheiten und Verschiedenes.' 39/10 Da» Ersch-lnen sämtlicher Mitglieder ist notwendig. Möbelpolierer! Montag, den 28. Mai, abendS 8'l, Uhr; Krancheu-Uerfammlnug im K&nlgstadt- Kasino, Holzmarktstr. 72. Tages- Ordnung: 1. Vortrag deS Stadtverordneten Genossen F. Kotzkc über Kommuilalpolitit. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung erwartet starke Be- teiligung 86/7 Die Branehenleltnng. ledlinitz! Mitglieder Mlunä! der Zentral-Kranken-«.Sterbekafle d. Tischler und anderer gcwerbl. Arbeiter. (Elngeschr. Hüljslasse Nr. 3.— Bcrivaltung Berlin O.) W Yersammlung-�g am Dienstag, de» Äv. Mai, abends G'/z Nhr, im„Freischütz"(Jnh. Flcchs), Fnichtstr. 36. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom ersten Quartal 1000. 2. Statutenberatung. 3. Aufstellung der Kandidaten zur Generalversammlung nach Blankenburg. 4. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 5. Verschiedene Kassenangelegenheiten. Da in dieser Versammlung event. wichtige Beschlüsse betreffs ß 12 sKranIenunlerstüvung) gefaßt werden, ist es Pflicht eines jeden Mit- gliedcS, zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Im Anschluß an die Wahl der Delegierten zur Generalvcrsamm- lung findet die Wahl der Delegierten zur Fraucn-Stcrbckasse statt. Wir ersuchen daher die Mitglieder, deren Frauen Mitglied genannter Kasse sind, die Mitgliedsbücher mitzubringen. 184/U� Oie Ortsverwaltnng, Kutfahrlk Carl Henz 3. Oranienstraße 3. 1140£* Filiale: Charlottenhnrg, Kanfstraße 134a, = Große Auswahl ln Strohhüten. Steife und weiche Iiiitc.— Mützen. Großes Lager in Regenschirmen. WairatJ Karl Wlesenthal, Ackerstr. 123. Eine iarkl wllelientl. Teilzahlung Üofero«legant©, fertige Jlerren- Jlloöen. Kr.sta fttr Hins*. Kass-Anfertignng | feinute Verarbeitung{ Osractlo tad.llosor Sltx. I. 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Eine gewerkschaftliche Neutralität in dem Sinne, als gelte es, jeder Erörterung politischer Fragen oder gar jeder Stellungnahme zu der politischen Arbeiterbewegung auszuweichen, hat es für die Redaktion nie gegeben. Sie hat stets zu allen, insbesondere für die Gewerkschaften wichtigen wirtschafts- politischen Fragen nach Möglichkeit Stellung genommen. Daß dabei nur die von der politischen Arbeitervcrtretung, der sozialdcmokra. tischen Partei betriebene Politik unterstützt werden konnte, ist selbst verständlich. Wenn wir von der gegnerischen» insbesondere der „christlichen" Presse wegen Dieser Stellung angegriffen, wenn wir deshalb als„sozialdemokratpche" Zeitung bezeichnet werden, so hat uns das nie berührt, haben wir uns dagegen nie verwahrt. Es kann für ein Arbeiterblatt nur ehrend sein, als sozialdemokratisch bezeig net zu werden. Jedenfalls kann uns das nie abhalten, auf das gross« Interesse der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft an den politischen Tagcsfragen, auf die regen Beziehungen der gewerk. schaftlichcn mit der politischen Arbeiterbewegung, auf die Not, wcndigkeit auch der politischen Betätigung aller Arbeiter hinzuweisen. Und mehr als je muh gerade jetzt, wo eine so lebhafte gewerkschaft, liche und politische Bewegung eingesetzt hat, in der Gewerkschafts presse die grundsätzliche Seite der Arbeiterbewegung betont werden. Das ist bei dem getvaltigen Zustrom indifferenter Elemente in die Gewerkschaften doppelt nötig. Die hier bezeichneten Grundsätze waren für die Redaktion auch bei ihren Auseinandersetzungen mit der Parteipresse über die Frage„Partei und Gewerkschaften" mah- gebend. Sie hat auch bei dieser Stellungnahme stets erkennen lassen, dass es ihr um die Einigkeit der gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterbewegung zu tun ist. Die Zusammenlegung des Erscheinungsortes der Zeitung mit dem Sitze des Vorstandes hat die von manchen Kollegen gehegten Be fürchtungcn nicht bestätigt. Auf der cmderen Seite hat die Redaktion heute die Möglichkeit der jederzeitigcn Information über alle Vor gänge im Verbände, was besonders bei der Berichterstattung über die Lohnbewegungen wichtig war. Von den Zahlstellen wurde die Zeitung selbst über wichtige Vorkommnisse oft gar nicht unterrichtet Das trifft auch sogar auf wichtige Lohnbewegungen zu. Andere Zahlstellenverwaltungcn wieder berichten so spät, dass die Berich: erstattung ihren eigentlichen Zweck verfehlt. Die Zeitung mühte in der Lage sein, in jeder Nummer ein grosszügiges Bild über die Be. wegung im Verband zu geben. Ferner wird es zweckmässig sein, über die Durchfuhrung der Sperren sich auf dem Verbandstag aus zusprechen. Ohne dass der Verband Schaden leidet, kann die Arbeits sperre in der bisherigen Weise nicht weitergeführt werden. Vielleicht unterstellt nmn die Führung der in der Zeitung zu veröffentlichenden Sperrliste der Aussicht des Verbandsvorstandes. Im übrigen ist eS nötig, den Ballast gewisser langen Berichte und dergleichen aus der Zeitung wegzulassen, um den Raum zu Artikeln mehr aufklärender und agitatorischer Art zu verwenden.— Zu dem Gegenstand liegen zwölf Anträge vor, die Verbesse- rungen des redaktionellen und Inseratenteils der.Holzarbeiter- Zeitung" beabsichtigen. In dem nämlichen Rahmen bewegt sich im allgemeinen die Diskussion. Pieck-Brcmen, Kahl-Hainburg und Stubbe-Hamburg wenden sich gegen die Stellungnahme des Kollegen Deinhardt in der„Holzarbeiter-Zeitung" zum„Vorwärts"-Konflikt, Pieck auch gegen den Artikel„Das Ruhebedürfnis der Gewerk fchaftcn" in der„Holzarbeiter-Zeitung", der sich gegen einen Artikel Kautskys in der„Neuen Zeit" richtet.— Schmidt-Berlin, Pleninger- München und Leipart rechtfertigen die Haltung der„Holzarbeiter- Zeitung" im„Vorwärts"-Falle. Im Schlussworte führt Deinhardt aus, dass die„Holzarbeiter- Zeitung" nie auf dem Standpunkte der Nurgcwcrkschastlerei, sondern stets auf einem konsequenten sozialdemokratischen Standpunkt ge standen habe. Mit dem„Vorwärts"-Konflikt habe die Zeitung sich !»ur von: gewerkschaftlichen Standpunkt besaht. Die Gewerkschafts sührer hätten erbarmungswürdige Kerle sein müssen, tvenn sie die Behandlung, die ihnen nach dem GecherkschaftSkongretz zuteil geworden sei, sich hätten gefallen lassen. Ki n k e l- Göppingen berichtet als Vertreter der Presskommission. dass die Kommission die Haltung der„Holzarbeiter-Zeitung" nicht gutgeheissen habe. Der Verbandstag erklärte sich gegen etwa zehn Stimmen in einer von Frommann-Höchst eingebrachten Resolution„mit der Haltung der Redaktion in der seitherigen Weise einverstanden und spricht der Redaktion ihr volles Vertrauen aus." Eine weitergehende Resolution Pieck, die„das Verhalte:: der Redaktion gegenüber dem ..Vorwärts"-Konflikt verurteilt, im übrigen aber mit der Haltung der Zeitung einverstanden ist, wird mit Zweidrittelmehrheit abgelehnt. Zum Punkt„Presse" wird unter anderem beschlossen, die in der Zeitung zu veröffentlichende Sperr liste dem Vorstand zu unterstellen. Ferner wird der Redaktion das Recht erteilt, bei starkem Andrang von Berichten und Korrespondenzen je nach Bedürfnis eine eigene Beilage zu geben. Arbeitergesuche dürfen in allen Fällen nur mit Genehmigung der in Betracht kommenden Zahlstellen veröffentlicht werden. Alle Inserat« betreffs An- preisung von Waren, ausschliesslich von wissenschaftlichen und fach- technischen Schriften, Werkzeugen und sonstigen in unseren Berufen zur Verwendung kommenden Materialien, sind in der„Holzarbeiter- Zeitung" nicht mehr aufzunehmen. Es folgt der Gegenstand: BeitragscrhöhungundEinführungderKranken- unter st ützung. Dazu liegt eine grosse Anzahl Anträge vor. Sie wollen den Bei- krag von 35 Pf. bis zu 70 Pf. hinauf erhöhen. Zum Teil wollen sie lediglich eine Erhöhung der Streik- und Arbeitslosenunterstützung, teils eine Krankenunterstützung von 13 bis zu 26 Wochen, teils die Einführung der Erwerbsloscnunterstützung. Kloh referiert kurz über die Beratung einer Gauleiterkonferenz zu diesen: Gegenstand. Sie hat sich mit 11 gegen eine Stimme für die Beitragserhöhung. mit 13 gegen zwei Stimmen für die Krankenunterstützung entschieden. Als erster Diskussionsredner äussert Neumann- Hamburg die Befürchtung, dass die zu beschließende Beitragserhöhung von der Krankenuntcrstützung aufgebraucht werden würde, so dass für den jwmpffonds nichts herauskomme. Er beantrage, den Beitrag auf 45 Pf. zu erhöhen,»m den Antrögen auf Genehmigung der Lohn- bewegungcn in vermehrtem Maße entsprechen zu können, weiter. daß der Vorstand beauftragt wird, zum nächsten Verbandstag eine Vorlage über die Krankenuntcrstützung zu machen. Für den Fall. daß der VerbandStag sich für die Krankenunterstühung entscheidet. beantragt Neumann endlich, eine Urabstimmung über deren Ein- führung unter den Mitgliedern zu veranstalten. E x n c r- Berlin redet unter Hinweis auf die in Berlin schon mit lokalen Mitteln geschaffene Krankcnunterstützung für deren Ein- führung, wie auch der Gautag Berlin die letztere fordert.— G e r i ck e- Leipzig ist gegen die Krankenunterstützung und fordert ebenfalls Urabstimmung. Die Zahl der Wortmeldungen wächst im Laufe der Debatte auf etwa fünfzig. Es wird abwechselnd ein Redner für und einer gegen die Einführung zum Wort gelassen. Die Gegner befürchten, daß die Belastung durch die.Krankenunterstützung für die Kasse zu hoch sein und den Kampsfonds ausfressen toerde; zur Stärkung des Kampf. Anavers trage dt« Kranken» im Gegensätze zur Arbeitslosenunter' stützung nicht bei; es würden sich viele aufnehmen lassen lediglich wegen der Krankcnunterstützung. Die Freunde der beantragten Unterstützung teilen diese Be- fürchtungen nicht, sondern erwarten auch eine Stärkung der Kampf- fähigkeit, weil durch die neue Unterstützung nicht nur viele Mit glieder gewonnen würden, sondern sie auch ein Mttel gegen die Fluktuation sei. Ebenso werde das Interesse der Frauen für den Verband durch die Krankenunterstützung gefördert. Nachdem etwa zivanzig Redner gesprochen haben, tvird ein An trag auf Schluß der Debatte angenommen. In namentlicher Ab stimmung erklären sich die Delegierten mit 87 gegen 31 Stimmen für Einführung der K r a n k e n u n te r st ütz u n g. So dann wird einstimmig beschlossen, auch abgesehen von der neuen Unterstützungseinrichtung den Beitrag unter allen Umständen zur Stärkung des Kampffonds zu erhöhen. Der Antrag Neumann, nun- mehr die Mitglieder in einer Urabstimmung über die Kranken Unterstützung entscheiden zu lassen, wird in namentlicher Abstimmung abgelehnt. Es stimmen 80 für, 41 gegen die Urabstimmung; die statutengemäße Dreiviertelmehrheit ist also nicht vorhanden. Als Referent für den Punkt„Maifeier" wird Glocke-Berlin bestimmt. Darauf wird die Verhandlung aus Donnerstag vertagt. Köln. 24. Mai. Da die Beratung der Statutenkommission noch nicht genügend vorgeschritten ist, tritt der Verbandstag in die Beratung der„Auf- träge für den Vorstand" ein. Zunächst gelangt ein Bericht der französischen Bruderorgani sation zur Verlesung. Die französischen Möbelarbeiter stehen seit drei Wochen in Paris und mehreren Provinzstädten im Ausstande. Der Verbandstag spricht den Kämpfenden seine Sympathie aus und gewährt ihnen 1000 Mark. Ein Antrag Bremerhaven. Vegesack und Gautag Hamburg fordert, mit dem Verband der Schiffszimmerer zwecks Uebertritts zum Holzarbeiterverban-d in Verbindung zu treten. Ein Antrag Rosenheim fordert bezüglich des Böttcherverbandes das nämliche. Kloß bittet, die Antröge abzulehnen, da beide Verbände der Gcneralkommission angeschlossen sind und man seinerzeit abgemacht habe, daß man gegenseitig keinen Druck auf einander ausüben wolle. Wenn die Verbände sich bei ihren immer stärker werdenden Kämpfen zu schwach fühlten, könnten sie ja an den Holzarbeiterverband beran treten. Der Wunsch auf Verschmelzung müsse aus jenen Verbänden von innen herauswachsen, dann werde die Sache auch Bestand haben. — R ö s k e- Hamburg sieht das Hindernis der Verschmelzung weniger bei den Mitgliedern als vielmehr bei der Leitung des Schiffszimmererverbandcs. Der Verband werde wohl nicht eher zur Verschmelzung bereit sein, bis ihn grosse Kämpfe zwingen. Dennoch könne Kloß einmal mit dem Gesamtvorstand der Schiffs, immerer korrespmidicren. Pieck-Bremen verweist auf die grossen Schwierig- leiten, die durch die getrennte Organisation bei Lohnkämpfen ent- stehen. Stubbe-Hamburg: Ein grosser Teil von Arbeiten, der früher von Schiffszimmerern verrichtet wurde, wird heute von Stellmachern und Tischlern gemacht, und bei Lohnbewegungen ent- stehen leicht Zweifel, wo die Arbeit der Schiffszimmerer aufhört und die der anderen Berufe anfängt. Auf den Werften herrschen die denkbar schlechtesten Arbeitsverhältnisse. Das liegt nur an der Zersplitterung der Organisation. Der Holzarbeiterverband muß deshalb mindestens die Anregung zur Verschmelzung geben, und wir müssen den Vorstand beauftragen, im Interesse der zahlreichen Arbeiterschaft der Schiffswerften, Schritte im Sinne des Antrages zu tun.— Becker(vom Vorstand): Der Böttcherberuf greift nicht so sehr in unsere Interessensphäre ein als der der Schiffs- zimmerer. Ter letztere Verband wird durch einen grossen Kampf eh>.r zur Ucberzeugung von der Notwendigkeit der gemeinschaftlichen Organisation kommen als durch alle schönen Lehren. Der Verbandstag beschließt, die beiden Anträge dem Vorstand als Material zu überweisen. Ein weiterer Antrag fordert, mit dem Vorstand des Metall- arbeiterverbandes in Verbindung zu treten, damit die diesem Ver- bände angeschlossenen Modelltischler dem Holzarbeiter- verbände mit vollen Rechten überwiesen werden. Leipart: Der Vorstand der Metallarbeiter hält daran fest, dass die Modelltischler zum Metallarbeiterberufe und deshalb auch zum Metallarbeiterverbande gehören. UeberdieS ist die Zahl der in letzterem Verbände organisierten Modelltischler so gering, dass sich die Ausführung des Antrages kaum lohnt. Man mag sich darauf beschränken, lediglich dafür zu agitieren, daß die Modell- tischler sich der grossen Zahl der im Holzarbeiterverbande ver- einigten Modelltischler anschließen.— Der Antrag wird abgelehnt. Sin Antrag, für die Zahlstellen im nördlichen Schleswig Statuten in dänischer Sprache herauszugeben, wird an- genommen. Gegen einen Antrag Chemnitz: Um die als Kistenbauer beschäftigten Kollegen in Deutschland genau zu ermitteln, diese bei statistischen Erhebungen besonders' aufzuführen, findet nicht die Zustimmung des Verbandstages, nachdem Leipart ausgeführt hat, dass es sich beim Holzarbeiterverbande um etwa zwanzig ver- schicdene Berufszweige handelt, die bei der Spezialisierung noch nicht berücksichtigt sind; wenn man im Sinne des Antrages handeln wolle, müsse man alle wichtigen Branchen nennen, statt eine heraus- zugreifen. Das verursache aber für den Vorstand riesige Mehr- arbeit durch die statistischen Berechnungen. Zwei Anträge Hannover und Stuttgart fordern: Am Schlüsse des Jahres 1S0S eine Statistik über die Lage der Holz- a r b e i t e r aufzunehmen; die Broschüren über derartige Statistiken 'ollen nur den Verwaltungsmitgliedern, Vertrauensleuten und onst für den Verband tätigen Kollegen unentgeltlich verabreicht werden. Leipart befürwortet, die Statistik nicht in dem bisher üblichen Umfange aufzunehmen, sondern sich auf Lohn und Arbeits- zeit zu beschränken; dann könne man statt der Personenfragebogen Wertstattfragebogen herausgeben, was eine grosse Vereinfachung und Kostenersparnis bedeute.— Der VerbandStag beschließt, die beiden Anträge in diesem Sinne dem Vorstand zu überweisen. Ein Antrag Berlin lautet: Jedes Jahr einen Bericht über die Tätigkeit, die Kämpfe und die Fort- chritte des Vcrbandes in Form einer Broschüre heraus- zugeben, die den tätigen Kollegen als Handbuch dienen kann und auch zur Agitation zu verwenden ist. Die gemeinschaftlichen Berichte der Gauvorsteher sollen wegfallen. Ein Antrag Hamburg will einen Jahresbericht in Bro- chürenform. der ausser sonstigen wichtigen Verbandsangelcgen- iciten die Berichte der Gauvorstände, sowie die Streiks und Aus- 'perrungen des Berichtsjahres nach Zahlstellen und Gauen ein- gehend behandelt, ferner über die EntWickelung der Tarifverträge in den einzelnen Zahlstellen und Branchen berichtet. Endlich soll der Jahresbericht die Zahl der Organisierten im Verhältnis zu den Beschäftigten nach Zahlstellen gemäss der Gaueinteilung aufführen. Bau er-Magdeburg: Man kann geradezu von einem Hunger nach gutem Material bei den in der Agitation tätigen Kollegen reden; auf diesem Gebiete muß viel mehr geschehen. Die Form mutz der Vorstand finden.— Leipart stellt die Erfüllung des Wunsches nach einem Jahrbuch in bestimmte Aussicht; jedoch solle dieses nur an die Verwaltungsmitglieder, Vertrauensleute und in der Agitation tätigen Kollegen unentgeltlich abgegeben werden. Der Verbandstag überweist beide Anträge einstimmig dem Vorstande zur Berücksichtigung. Ein Antrag Köln fordert vom Hauptvorstand, daß er bei der Ucbcrsendung des Materials zu den Streiks zugleich eine gedruckte, leicht verständliche Anweisung über die zweckmäßigste Führung der Streikpostenlisten mitgebe. Holland- Köln begründet den Antrag mit fco Erfahrungeo bei dem denkwürdigen Kölner Holzarbeiterausstand vom vorigen Jahre. Bei der erforderlichen Zahl von mehreren Hundert Streikposten, den polizeilichen Schikanen und den Denunziationen der„christlichen" Streikbrecher sei eine praktisch ausgearbeitete Sircikpostenliste unentbehrlich. Auch Strcikpostcnkarten mit Vordruck für Werkstatt- und Zeit- angaben seien nötig, um gleich von den ersten Tagen an die Streiks in geregelter Weise durchzuführen.— Der Antrag wird angenommen. Ein Antrag Brau»schweig, eine Kontrollkarte über den Versammlungsbcsuch einzuführen, findet keine Gegen- liebe. Fünf von den Zahlstellen, Braunschweig, Bremen, Magdeburg, Speyer und Stuttgart, fordern Erleichterungen in der heutigen Form der vierteljährlich an den Hauptvorstand zu liefernden Listenabrech n u n g. Becker wendet sich entschieden gegen diese Anträge. Obwohl sie die Hälfte der Arbeit der besoldeten Beamten in Anspruch nehmen, seien die Listenabrcchnungcn unentbehrlich zur Kontrolle über die Zuverlässigkeit der Kasscnführung in den Zahlstellen. Wenn der Metallarbeiterverband zu der von ihm abgeschafften Listen- abrcchnung zurückkehren könnte, würde er das tun. Alle fünf Anträge werden abgelehnt. Am Nachmittage des Himmelfahrtslagcs fand keine Sitzung statt, da die Kölner Kollegen eine Dampferfahrt auf dem Rhein für die Delegierten arrangiert haben. *»* Köln, 25. Mai.(Privattelcgramm des„Vorwärts".) Der Verband der Holzarbeiter beschloß einstimmig ein energisches Ein- treten für die allgemeine ArbeitSruhe am ersten Mai und Unter- stützung der Ausgesperrten aus der Verbandskasse. )Zus Induftrie und Handel Ein sonderbarer Heiliger. Der„Plutus", dessen Heraus- gebcr sich für einen Sozialdemokraten hält, weil er allerhand absurde Ideen produziert, erteilte in seiner vorigen Nummer der sozialdemokratischen Fraktion eine Rüge, weil sie für die Tantienwnsteucr eingetreten ist. Ganz'pfiffig meinte er, da die Steuer von den Gesellschaften erhoben werde, und nur dann zu zahlen sei, wenn die Gesamtsumme der Tantiemen 5000 M. übersteigt, würden die Rcklame-Aufsichtsräte, die aus einer Menge Gesellschaften die weniger wie 5000 M. geben, vielleicht 20000 M. beziehen, gar nicht belastet. Wir be- merkten dazu, daß sich die Tantiemeneinstecker-Grossisten an solche Gesellschaft nicht fortwerfen. Nun ist der„Plutus" ent- rüstet. Er behauptet, es gebe wohl eine Anzahl Leute, die in der Hauptsache aus dem Einkomn:en als Aufsichtsräte bei kleinen Gesellschaften ihr Einkommen finden. Aber weil diese Leute, die ihren Lebensunterhalt aus der Tätigkeit als Auf- sichtsrat finden, nicht belastet werden, ist der„Plutus" erbost. Merkwürdig ist das gerade nicht, denn der„Plutus" bekundet sehr oft ein warmes Herz für die Hochfinanz, hätte aber auch gleich sagen können, daß er darum ärgerlich ist, weil nur die besser, hoch und höchst besoldeten Aufsichtsräte etwas bluten sollen. Dann hätten wir ihn in seinem Vergnügen gar nicht gestört. Aber wenn er seinen Allüren ein dcmokrafisches Mäntelchen umhängen will, mutz er sich die Entkleidung schon gefallen lassen. Wie Geld— verdient wird. Kürzlich machten Enthüllungen. die über sonderbare Praktiken bei Grundstückstransaktionen in die Oeffentlichkeit gewogen wurden, einiges Aufsehen. Es handelt sich um die Allgem. Bodenaktiengesellschaft, deren Aktien aus Antrag des A. Schaaffhausenschen Bankvereins und der Dresdner Bank an der Berliner Börse zugelassen waren. Infolge der Enthüllungen hat sich die Zulassungsstelle nochmals mit der Sache befaßt und die Zu- lassung bestätigt. Die in Betracht kommenden Transaktionen gelten demnach als einwandsfrei. Stach dem„B. T." spielte sich die Gründungsgeschichte, bei der zirka 10 Millionen Mark in die Taschen der Macher verschwanden, folgendermaßen ab: Die in Betracht kommenden Grundstücke waren ursprünglich im Besitz einer holländischen Familie. Diese errichtete eine Gesellschaft (Prenzlauer Allee G. m. b. H.) mit einem Kapital von 2 003 800 M. Zu diesem Preise waren die Grundstücke eingestellt, Barvermögen hat die Gesellschaft nie besessen. Die Grundstücke der Berliner Terramgesellschaft- Prenzlauer Allee m. b. H. waren seit Bestehen der G. m. b. H. hypothekarisch in keiner Weise belastet. Erst zufolge einer Urkunde vom 13. Januar d. I. wurde eine Hypothek von 6 363 230 M. eingewogen Nachdem diese Einwägung geschehen war. erschien plötzlich die Berlinische Boden- gesellschaft als neue, und zwar als alleinige Gesellschafterin der BerlinerITerraingesellschaft Prenzlauer Allee G. m. b. H. Alsdann machte die Berliner Terraingesellschaft Prenzlauer Allee G. m. b. H. oderftn Wahrheit vielmehr nur die Berlinische Bodengesellschast der Allgemeinen Bodenaktiengesellschaft!daS in deren Prospekt gedachte Kaufangebot zum Preise von 12600000 M. Am 26. März d. I. beschloß jetzt die Berlinische Bodenaktiengesellschaft als alleinige Gesellschafterin der Berliner Terraingcscllschast Prenzler Allee G. m. b. H. deren Auflösung. Materiell bewachtet haben also nicht die Berliner Terraingesell- schaft Prenzlauer Allee G. m. b. H. oder etwa die Gründer der G. m. b. H. die der G. m. b. H. bereits seit dem 13. Februar 1899 gehörigen Grundstücke der Allgemeinen Bodenaktiengesellschaft zu Berlin verkaust, sondern die Berlinische Bodengesellschast. welche die Grundstücke erst seit etwa Anfang dieses Jahres in Form des Er- werbes der gesamten Anteile gekauft hat. lieber den Kaufpreis, den die Berlinische Bodengesellschast für die Anteile der G. m. b. H.. mithin also für die Terrains bezahlt hat. ist nichts Genaues festzustellen, da der Prospekt sich vollkommen über die Vermittlerrolle der Berlinischen Bodengesellschast ausschweigt. ES kann aber angenommen werden, daß eben jene Hypothek von 6 363 230 M.. mit denen die Grundstücke plötzlich belastet wurden, einen Anhalt für den Kauf- preis bietet. Trifft das zu, so würden die früheren Besitzer der An- teile sich einen Verdienst an den Grundstücken berechnen können, der ungefähr der Differenz zwischen Antetlkapital und Hypothek, also der Differenz zwischen 2 008 806 M. und 6 363 200 M. entspricht. Nun aber kommt erst der Verdienst der Gründer der Allgemeinen Boden- aktiengesellschaft. Offiziell fungiert als Hauptgriinder der Schaaff- hausensche Bankverein. Ihm und der Dresdner Bank steht die vcr- mittelnde Berlinische Bodengesellschast sehr nahe. Verkauft hat die Berlinische Bodengesellschast die Grundstücke an die neue Ättien- gesellschaft mit 12 600000 M. Soviel wird aus der verwickelten Geschichte klar, die Gründer haben zirka 10 Millionen eingesackt. Wenn nun bei der Parzellierung und Abstossung des Terrains auch keine grossen Gewinne mehr er- zielt.werden, unverschämte Wuchergewinnc sind doch crramscht worden, die Mieter müssen bluten. Bei solcher Beutejägerei erklärt sich auch die Abneigung gegen die Wertzuwachssteuer. Diese Gründungs- Geschichte ist ein wertvoller Beitrag zum Kapitel, wie daS Voll durch den Bodenwucher ausgebeutet wird. Keine Verstaatlichung der Eiscnbergwcrkc in Norrbottcn. Beide Kammern des schwedischen Reichstages haben am Montag den RegierungSvorschlag, die grossen Eisenbergwerke in Norrbotten nach Verlauf von 60 Jahren zu verstaatlichen und den Altionären für die UebergangSzeit Riesenprofite zu garantteren. abgelehnt. Die Erste Kammer votierte mit 80 gegen 44 Stimmen, die Zweite mit 406 gegen 103. Ein Antrag des Genossen Br antin g. die Re- gierung aufzufordern, die Verhandlungen mit den Bergwerks- gesellschaftcn fortzusetzen, um bessere Bedingungen für eine Berstaat- Uchung der Werke zu erziele», lourde mit V9 gegen III Stimmen abgelehnt. Selbst die Mehrheit der Z w e i t e n Kammer will also offenbar das Ausbeutimgsrccht des PrivatkavitalismuS au dem Erzreichtum des Landes für ewige Zeiten bestehen lasse», Jäns der frauenbewegung. Eine Strafordnung für Geschüfisdamcn. Die Notwendigkeit der gewerksehaftlichen Organisation weiblicher Angestellten ist noch zu wenig erkannt worden, wenn auch diese Not- wendigkcit schon an unzähligen Beispielen nachgewiesen worden ist. Die„GeschäftSdamcn", wie die weiblichen Handelsangestcllten sich gern nennen hören, müssen in dieser Beziehung noch viel lernen. Die Verhältnisse, unter denen sie leiden, sind oft unglaublich schlechte. Das wurde erst in diesen Tagen wieder aufgedeckt in einer Ver- sammlung der Angestellten(nicht junge Mädchen) des Warenhauses Jacob Gebrüder Nachfolger in Charlottenbnrg. Die Angestellten kamen zu einer Besprechung zusammen, getrieben von dem Wunsche, ihre erbärmliche Lage etwas zu verbessern. Die Löhne sind sehr niedrig;� viele M'idchen haben ein Monatsgehalt von 30 bis 40 M. Dabei ist die Arbeitszeit sehr lang, erst nach neun Uhr abends sind die Mädchen frei. Die Anstrengung ist groh während des ganzen Dages und eine Sitzgelegenheit gibt es nicht. Nur jede dritte Woche wird ein freier Sonntag bewilligt. In der Geschäfts- ordnung heißt es außerdem noch, daß die Angestellten verpflichtet seien, in besonderen Fällen, wie Inventur, Umzug usw., ohne Ex t r a b c z a h l u n g Ueberstunden zu machen. Diese Geschäft?- ordnung datiert vom 2. Juli 1901 und besteht in der Hauptsache aus Strvsankündigungcn. Strafen von 25 und 50 Pf., von einem halben oder dem ganzen Tagesverdienst werden angedroht für allerlei kleine Vergehen. Wer inehr als dreimal im Monat zu spät kommt, soll ohne G e ha l t s e n t s ch ä d i g u n g entlassen werden können. Kranke Angestellte sollen keinen Gehaltsanspruch erheben dürfen für die Tage, an denen sie keine Dienste leisten. Beschwerden der Kunden über eine bestimmte Person führen ohne Gehalts« e» t s ch ä d i g u n g� zur sofortigen Entlassung. Jeder Angestellte soll dem Geschäft für jeden zugefügten Schaden haftbar sein m i t seinem Gehalt. Aber es gibt nicht nur Geldstrafen, sondern auch G e l d b e l o h n u n g e n bei jener Firma, nämlich für Deminzintionen. Viele der selbstherrlich diktierten Bestim» mungen kollidieren mit den gesetzlichen Bestimmungen, aber das wissen die armen Mädchen oftmals nicht. Die sogenannte Geschäfts- ordnung fand in der Versammlung scharfe Beleuchtung. Zwei Ver- treter iwr Firma suchten den Sturm der entfesselten Empörung zu beschwichtigen. Sie erklärten, die Geschäftsordnung sei als ver- altet zu betrachten und komme selten zur Anwendung. Die Mädchen protestierten heftig gegen solche Vertuschung. Wenn sie auch aus Furcht vor Entlassung wicht aufzutreten wagten und persönlich das Gegenteil bewiesen, so gaben sie doch den Vertretern vom Zentral- verband der Handlungsgehülfen und Gehülfinnen die nötige Auf- klärung und Material darüber; die Organisation wird sich der Sache annehmen und fordert die Mädchen zum Beitritt auf, denn nur durch die Macht der Organisation kann da eine Acnderung ge- schaffen werden._ Demonstration für baS Frauenwahlrecht in Norwegen. Der 17. Mai, der Tag, an dem Norwegen vor nunmehr 92 Jahren seine jetzt noch in den grundlegenden Bestimmungen geltende Verfassung erhalten hat, ist auch in diesem Jahre wieder mit dem gewohnten Begeisterungsrummel gefeiert worden. Die Verfassung von 1814 ist bekantlich im Laufe der Jahre in mancher Hinsicht verbessert worden. Das allgemeine politische und kommunale Wahlrecht ist durchgeführt, aber nur für die Männer. Die Frauen verfügen seit fünf Jahren über ein Gemeindcwahlrccht, das davon abhängig ist, daß sie selbst oder der Ehemann in den Städten mindestens 400 Kronen Jahreseinkommen, auf dem Lande 300 Kronen, ver- steuern. Politisch ist die weibliche Halste des„freien" norwegischen Volkes noch immer ganz rechtlos. Darum liegt der Gedanke nahe, daß die Frauen gerade an jenem offiziellen Feiertage mit besonderer Kraft ihre Forderung nach poli- tischer Gleichberechtigung erhoben und nicht einfach mitmarschieren in dem allgemeinen Zug der zufriedenen Staatsbürger. Aber den bürgerlichen Frauen fehlt Kraft und Verständnis, diesen Gedanken durchzuführen. Der Frauen-Demonstrationszug für das allgemeine Wahlrecht, den die sozialdemokratischen Frauen am 17. Mai zu veranstalten Pflegen, zählte diesmal in Kristiania 800 Teilnehmer, es waren ausschließlich Frauen der Arbeiterklasse. Er bildete somit einen lebendigen Beweis dafür, wie recht die Festrednerin, Frau MargarethaStröm hatte, als sie erklärte:„D a s F r a u e n- Wahlrecht muß das Werk der Arbeiterpartei werden I" Wie sehr dem Bürgertum das Verständnis für diese Forderung fehlt, zeigte sich auch darin, daß in dem offiziellen 17. Mai-Programm wohl alles andere und auch ein neues Lied: „Gott segne unfern König gut" aufgeführt war, aber nichts von dem Wahlrechtszug der Frauen. Erst der Sozialistenmarsch und die große Demonstrationsfahne mit der Inschrift:„Allgemeines Wahl. recht auch für die Frauen!" gaben den Einfältigen unter dem Publi- kum Aufklärung darüber, daß wieder einmal die„verdammten Sozialisten" einen„Mißton" in den allgemeinen Patriotentrubel brachten. In der Versammlung, die nach dem Umzug stattfand, wurde beschlossen, eine Adresse an das Storthing zu richten, in der es heißt: „Schon manches Jahr ist diese Forderung des allgemeinen Wahlrechts für Frauen in Staat und Kommunen an das Storthing gestellt worden, stets mit größerer Kraft und größerem Anschluß von Frauen über das ganze Land. Mit dem teilweisen kommunalen Wahlrecht, das den Frauen im Jahre 1901 eingeräumt wurde, ist auch das Unrecht gegen die Masse der Frauen stärker zutage getreten. Das Wahlrecht muß allgemein gemacht werden, sowohl für die Frauen wie für die Männer in Staat und Kommune. Es ist unser Recht als Mitglieder des Gemeinwesens, was wir fordern, und wir fcrdern dieses Recht im Interesse des Gemeinwesens; denn wie Männer und Frauen sich in der Arbeit des täglichen Lebens er- gänzen, so muß es auch in der Arbeit für das Gemeinwesen sein, wenn es gut werden soll für Land und Volk. Hier müssen alle mit dabei sein, Frauen und Männer, damit Glück und Wohlfahrt in dem großen Heim geschaffen werden kann, unserem Vaterland sowohl wie dem der Männer." Verband der Wäsche- und Krawattenarbeiter und-Arbeiterinne». Heimarbeiterinnen der Wäsche-, Krawatten-, Blusen-, Schürzen-, Korsett- und Neglige-Branche Berlins und Umgegend. Die nächste Zusammenkunft für den Nordosten und Osten sindet am Montag, den 28. Mai, abends 8 Uhr, bei Reufer, Heidenfeldstraße 17, statt. Einen sehr guten Besuch erwartet Die Sektionsleitung. Lichtenberg. Am Montag, den 21. d. M., hielt der hiesige Vildungsverein für Frauen und Mädchen seine regelmäßige Mit- gliederversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand als 1. Punkt: Vortrag des Herrn Dr. Sorecht über„Häusliche Krankenpflege". Vertretungsweise referierte Herr Liebermann. Die recht rege Dis- kussion, an der sich Mitglieder sowie Gäste beteiligten, bewegte sich ini Sinne des Referats. Einige Gäste ließen sich als Mitglieder anfnehmen. Die nächste Versainmluug findet am Montag, den 18. Juni, statt. Die Mitglieder seien nochmals darauf hingewiesen, daß keine schriftlichen Einladungen mehr zu den Versammlungen erfolgen. Dieselben finden regelmäßig au jedem 3. Montag im Monat statt und werden nur an dieser Stelle bekaimt gemacht. Britz. Am Donnerstag, den 17. d. M., fand die Versammlung des Frauen- und Mädchenvereins statt, in der Herr Braun einen Vortrag hielt über„Feuerbestattung und ihre hhgienische Notwendig- keit". Der Bortrag wurde»fit reichem Beifall aufgenommen. Groß-Lichtcrfclde. Eine öffentliche Versammlung am 23. Mai, von den Frauen einberufen, befaßte sich mit dem Militarismus als Erziehungs- resp. Bildungsaustalt. Der Referent Genosse Zubeil hielt die Hörer, ungefähr 300, darunter ein Drittel Frauen, durch seine Ausführungen in gespannter Aufmerksamkeit. Zum Schluß wurde von Frau Thiel zum Abonnement auf die„Gleichheit" auf« gefordert. Weißensee. Der hiesige Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse hielt am Montag, den 21. Mai, im Lokale des Herrn Ulrich, Roelkestraße, seine ordentliche Generalversammlung ab. Frau Jeetze sprach über„Moderne Weltanschauung und unsere Schule". Es folgte eine rege Diskussion. Die Kassiererin erstattete Bericht und wurde ihr Decharge erteilt. Geloählt wurden: 1. Vorsitzende Frau Rockfontain, 2. Vorsitzende Frau Drohne, Kassiererin Frau Dahlström, Schriftführerin Frau Berg, Beisitzende Frau Schneider, Revisorinnen Frau Geißel und Frau Ulrich. Der Vorstand. LmfKakten der Redahtion. — H. B. 102. 1. Einige Monate. 2. 116 M. 3. Ja. 4, Nein.— K. H. 90. Der außereheliche Erzeuger hat keinerlei Rechte auf das Kind, sondern nur die Pflicht zur Zahlung der Alimente.— P. Nixdorf. 100. Im Adreßkalender, II. Teil, sind die Kliniken aufgeführt. Spezielle Kliniken zu empfehlen müssen wir ablehnen.— E. R. 190. Ein erfolgreiches all- gemeines Mittel gegen Sommersprossen gibt es nicht. Wenden Sie sich an einen Arzt.— 17. W. 8. An das Reichstagsbureau.— Ff. St. 270. Zweckmäßig, aber nicht notwendig, ist ein notarieller Vertrag vor der Ehe, der die Nutznießung, Verwaltung usw. ausschließt. Auch solcher Vertrag ist, soweit er ein Anerkenntnis des Vermögens der Frau enthält, anfechtbar, wenn er in der Absicht Gläubiger zu benachteiligen, unter Angabe salscher Tatsachen geschloffen ist. Ein Beispiel für einen zur Sicherung der Frau zweckmäßigen Vertrag finden sie S. L2S Nr. 22 des dem(in den öffent- ichen Bibliotheken vorhandenem).Arbeiter recht" beigefügten Führers. Ffiir den Jciliait der Inserate übernimmt die Nednkicuu dem Pttblitni» gegenüber keinerlei iUcrnuimortnng. Udeater. Sonnabend, 26. Mai. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Die lustigen Weiber von Windsor. Schnuspielhans. Der Schwur der Treue. Neues Lpcrntheater. Boccaccio. Deutsches. Der Kausmann von Venedig. Neues. Orpheus in der Unterwelt. Ansang 8 Uhr: Westen« Joseph in Aegypten. Tchillcr O.«Wallner-Tbealer.) Jugendliebe. Hieraus: Die Dienst- boten. Schiller lV.(Friedrich Wilhelin- slädtlscheZ Theater). Das Lumpen- gesindel. Lessing. Das Lebensfest. Kleines. Ein idealer Gatte. Berliner. Die lustige Witwe. Komische Oper. Hossmanns Er- Zählungen. vtesidenz. Liebeskiwst. Zentral. Bettelstudent. Lnsispiclhaiiö. Die von Hochsaltel. Trinnon. Loulo». Thalia. Hochparterre links. SBctroPol. Aus inS Metropol. Deutsch- Amerikanisches. Arme Mädchen. Kasino. Madame Bonward. Apollo. Das blaue Bild. Spezia» litätcn. Earl Weist. AuS allem Geschlecht. Hansa. Das Wunderkind. Familie Bernstein. Wintergarten. Tortajada. Spcziali- tSIeii. Pasjage. Spezialitäten. Meichshnlle». Stettiner Sänger. Urania. Tanbcnsiraste 4H/4U. Abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuv. Sterilwartc. Jnvalldenstr. 67/62. tVrdiutui«! ISoniiH Berliner Theater. Gastsp. des Neuen Opcretten-TheaterS aus Hamburg. (Direktor Max Monii). DomicrSlag und folgende Tage Ansang 8 Uhr: Sie lustige litoe. Heues Theater. Ansang 7'/j Uhr. DfCfieiis Iii iler llirwell. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Ein idealer Gatte. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Kinder def 8onne. Wends 8 Uhr: Ein Idealer Platte. Zentral-Theater. (Operette.) 8l/4 Uhr kleine Preise: Der Bettelstudent. I�eues Operntheater (Kroll). Anfang 7'/, Uhr. Sonnabend, den 26. Mai 1905: Boccaccio. Operette in 3 Akten von Suppfi. Sonntag, den 27. Mai: 1. Gastspiel des Kammersängers Herrn Werner Alberti: Troubadour. Vorverkauf im Kgl. Opernhaus, Schalter II, Ä. Wertheim und Invalidendank. Scliiller-Tlieater. Schlller-Thealer 0.(Wallner-Theatcr). Sonnabend, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: dnxendllede. Lustspiel von Adolf Wilbrandt. Hieraus z. erstenmal: Die Dienstboten. Lustspiel von Roderich Bcnedix. Sonntag, n a ch m. 3 U b r: Flnchsmann als Erzieher. Sonntag, abends 8 Übt: lupendliebe. Hieraus: Die Dienstboten. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh.Th.) Sonnabend, abends 8 Uhr: Das EniiipenKeslndel. Tragikomödie in 3 Aufzügen von Ernst v. Wolzogen. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Slapfenstreleh. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Ehre. Im Garten tägl. gr. Mllitir-Konzerl. (Station Zoolog. Garten), Kantstr. 12. Ansang 8 Uhr. Josef in Aegypten. _ Volkstümliche Preise._ Komisehe Oper. Abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag: Figaros Hochzeit. Montag; Die Boheme. DienSlag: Oer LustspieESiauSs Abends 8 Uhr: Die von Hochsattel. Morgen 3 Uhr: Der Familientag. Apollo-Theater. 9 Uhr 9 Uhr Phantasie in 1 Akt». Bolten-BSckors. Musik von K*aul Einehe. 10 Uhr: Em Abend in emem nmkrihnmsch.Tmgel-Tangel. Vorher 8 Uhr die glänz. Spezialitäten. Melropol-Thealer Anfang 8 Ehr. >. IM • um» in w»iswei www», Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul, Freund. Musik von Viktor Hollaender. Bauchen überall gestattet. Residenz-Theater, Direktion: Richard Hlexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Liebeskunst. Komödie in 3 Akten v. Leun Tanros und Michel Carrö. esr! VM-Iitöster. Gr. Franksurterstr. 132. Ansang 8 Uhr.— Zum ersten Male: Der Weg des Märtyrers. Schauspiel in 6 Akten nach d. gleichn. Roman aus der„Berk. Morgcnpost" von Konrad RemIIng, sür die Bühne bearbeitet von Horst Rols. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Heule im Garten gr. Spezisiilälsn- Vorstellung. Anfang 6 Uhr. Landes-Ausstellungs-Park. Neu erbaut: EeatsUIe, Cafe n. Konditorei, gedeckte Gartenhallen, Fontaine Inmlnense. Deseunors von 2,50 Mark an bis 2 Uhr nachmittags. Diners von 3,50 Mark, Soupers von 4 Mark an. Täglich: Doppel-Konzert. vertane Panoptikum Friedrichstraße 16S. Ci Kinematografische Vortulirnngen. harivarU Abende. Volkstümliches Kabarett.— Abends 6 Ehr u. a.: Der urkomische Bcndlx. Straßenbahn: Nr. 1, 2, 4, 17, 59, 62, 63, 74. Am KönigStor. Am Friedrichs- Hain. Somttan, den 27. Mai: Extpa-Vo�steBBunca Ball und Volksbelnstlgnngen. Pfingsten: Beginn der Hanptsaison. »."Feiertä'g: Jröh-Üonzert und Vorstellung. j�eue Spezialitäten und Cbeater-Vorrtellung. _ Von Pfingsten ab tägliche Vorstellungen._ 130111* Max Kliems Sommer-Theater. Hasenheida 13—15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. , Täglich: Gr. Konzert, Theater u.Spezialitäten-Vorstsllung. Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tog. Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 hochelegante Kegelbahnen, Würfelbuden, Konditorei, Blumenstand K. _ I» den Stilen: MM"& r o ß e r Ball. Wirtshaus- Sehlofwöltersdorf empfiehlt sich den geehrten Gewerkschaften-c. zu seinen Ausflügen. Große Säle, großer schattiger Garten und alter Park, herrlich am Flakensee. Billige möblierte Zimmer mit auch ohne Pension, per Kops von 3 M. täglich an. auch sür die Pstngstseiertage. Ebenso habe noch Himmelfahrt, Juni, Juli und August einige Sonnabende und Sonntage frei. 910L* Um recht zahlreichen Besuch bittet Erledrlch Sacwcrt. Urania J,;.«/«: Abends 8 Uhr: Dir. Dr. P. Schwahn: Der jüngste kM lies wm. Gesprochen von Herrn Wagner. Sternwarte irÄ OOtOCISCHER C ART EN Täglich nachm. i'/, Uhr: Großes Militär-Konzert Eintritt 1 M.. v. 6 Uhr ab 50 Pf Kinder unter 10 Jahren die Halste. TWmiM Spanische Tänzerin u. Sängerin. Narrow Bros., komische Radfahrer. Desroches-Bianca, französ. Duett. Die Hartleys, Springer. BrSsina, Pariser excentr. Sängerin. Patty Frank-Truppe, Akrobaten. König Dollar, englisches Ballett Imro Fox, Illusionist. Die Brittons, Neger-Sänger und Tänzer. De Dio, Phantasie-Tänzerin. Die Perseus, Kugelspieler. Der Biograph._ Deutsch-Amerikanisches Theater. Köpenickerstr. 67/68. Jeden Abend 8 Ehr: Arme Mädchen. Von Adolf Philipp._ V. Noaeks Theater. Sivc'liou: Roh. Dill,»otmunftr. 16. Heute: Geschlossen. Morgen letzte Vorstell, vor Psingsten. pnrdi Mt\\m Licht. Vorher: Die Liebe auf de» erste» Blick. Ansang 8 Uhr. Entree 3« Pf. Ball. Eröhets Allerlei-Theater Schönhanscr Allee 148. Jeden Sonntag 4 Uhr: Konzert, Theater, Spezialitäten. Im Saale: TTan-, Bei ungünstiger Witterung findet die Vorstellung im Saale statt. TVlanon-Th eater. Ansang 8 Uhr: Eonion. SanSSOUCLsrÄ Dir. Wilhelm Roimor. Der Garte» ist eröffnet. Sonnt., Moni., Donnerst.: Auf der Sommorhühno: Boilmanns Narild. Sänger und Tanzkränzohen. Entree 30 Pf, num. PL 50. Bei ung. Weiter im Saale. Sonnt.Big.S,Wochent.8Uhr Im Borg.- froikpjusrt. Belie-Aliiance-Theater. Ansang 8 Uhr. Parkett 1,50 M. 1 Abends nach Neune! Im herrlichen VnnjQt-f csommergarten IVUlIAvll.| Ansang 4 Uhr. Spezialitäten ersten Ranges. Ansang 6 Uhr. Entree 50 Pf Neueröffnet! M-Aiissteilungs- ßiOPPlHSt. Louis) Theater lebender � Photographien mit ahweehselnil. Älinonitäten-Progr. Verbindung mit größter Films- Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. 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Rüta Mtttien OUlv und Strohhüte für Herren und Knaben. Einzelverkauf zu Fabrikpreisen. 1 Treppe rechts. Den am Mittwoch, den 23. d. M. erfolgten plötzlichen Tod unseres lieben Bruders, des Schriftsetzers Maus Noack zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme tief betrübt an Kurt u. Wilbelm Koack. Die Beerdigung findet Sonntag, den 27. d. M., nachmittags 3>/, Uhr, von der Halle des Rix. dorser Gemeinde-Friedhoscs aus statt. 2023b Am Mittwoch, den 23. Mai, verschied an Darmverschlingung unser lieber Kollege Hans Noack im Alter von 20 Jahren. 2024b Die Beerdigung findet Sonn- tag, den 27. Mai, nachmittags 3'/, Uhr, vom Rixdorscr Gemeinde- sricdhos(Mariendorser Weg) aus statt. Die Kollegen der Hempelschen Offizin. und Be. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme vielen Kranzspcndcu bei der erdigung meines lieben SohneS Willy Tiigner sage ich allen Verwandten und Be- kannten, besonders dem Wahlverein Johannisthal sowie dem Sparvcrein „Iüd-Ost" Berlin meinen besten Dank. 2030b Die trauernde Mutter Hedwig 8aneriand. Verein Eerliner Hausdiener. Todes-Zlnzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege •Julius Krokowski, Ncuenburgerstr. 38, Mitglied seit 24. November 1884, verstorben ist. Crhre feinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonn- tag, den 27. Mai 1906, nach- mittags 5 Uhr, vo/i der Halle des«imeons-Kirchhoses in Britz, Tempelhoser Weg, statt. Um rege Beteiligung ersucht 2022b Der Borstand. Allen Bekannten, Freunden und Genossen die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter Anna Gebkanlt am 23. d. M. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Um stille Teilnahme bitten Hax Cäebhardt nebst Kindern, Eisenbahnstr. 32. 3wei große Fabrikräume, je 200 Quadratmeter, m. elcktr. Licht, Dampfheizung, elektr. Fahrstuhl, m. Bedienung(Doppellicht), Peters- burgerstr. 58, p. 1. Oktober, cv. früher zu vcrm. Näh. beim Portier oder schristl. b. Besitzer Theodor fierrmann, Prcnzlauerstr. 41._ 293/10 Zentralverhauil der Steinsetzer, Pilasterer und Berulsgenossen Deutschlands. Unterbezirk Berlin Norden. Dodcs-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Steinsetzer Hermann 8cd�ver!n am 22. Mai verstorben ist. Ghre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Nazareth-Kirch- Hofes, West-Reinickendors, Berliner- straße, aus statt. 174/2 Um rege Beteiligung ersucht Der Bezirksleiter. Zentral-Verband der Maurer Deutsehiands. Zweigverein Berlin. Am 23. Mai verstarb nach langem Leiden unser altes Mit- glied Christian Woitschack 52 Jahre alt, an Lungenleiden. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 6 Uhr von der Leichenhalle des EmmauS- lirchhoscS in Rixdorf, Hermann- straße, aus statt. liege Beteiligung wünscht 143/6 Der Borstand. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach« richt, daß mein lieber Mann Hermann Mahn plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonn- tagnachmittag 2 Uhr von der Leichenhalle des EmmauSkirch- hoses aus statt. Um stille? Beileid bittel die trauernde Witwe Helene Mahn, Skalitzerstr. 42. Sozialdemokrat Wahlverein für den lOerlinerHeiehstapahlkreis Görliker Viertel. Den Mitgliedern hiermit zur KennwiS, daß unser Genosse, der Maurer Hermana l�alm wohnhast Skalitzerstr. 42 (Stadtbezirk 92) gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. Mai, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- halle des EmmauS- Kirchhofes aus statt. Um zahlreicheBeteiligung ersucht Der Vorstand. Iflax Fabian, Uhrmacher und Juwelier. Großes Lager in Uhren u. Goldwaren. Reparaturwerkstatt im Hause. Berlin 8D.z BSienerstrafie 25» am Görlitzcr Bahnhos._ Zentrale ffir Jterrenmoden, S. ßttmann No. 2. Oranienstr. No. 2. 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Ziehung 5. Kl. 214. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom S5. Mai 1906, nachmittags. Kar die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammem beigefügt. (Ohne Oewähr.) Nachdruck verboten. 110 220 305 447 601 43 801 77 1014 66 361[30001 93'411[30001 648 59 720 800 81 2043 09 248 372 508 3-1 847 66 962 3121 60 268 435 59(SOOl 502 54 95 644 735 801 52 93 4031 HO 83 95[5001 236 396 713 55 56 944 11000] 5023 120 214 34 339 82[5001 442 687[3000] 790 908 65 6001[500] 43 166 84 224[1000] 013 78 7152 94 [10001 330 546 805 33 61[5001 71 057 8341[1000] 445 60 91 715 883 8026 102 50[30001 311 42 535 11000] 851 982 . 10128 200 38 430 748 884 11053 164 611 50[5001 799[30001 12019 39 75 174 324 453[1000] 600 62 92 706 977 15001 13342 62 409 555 611 20[500] 29 743 885 956 1 4016 246 487 558 723 862(30001.984 1 5093 140 70 485 547 613 17 55 68 892 1 6001 207 49 324 41 59 01 641 755 863 918 78 1 7140 320 83 007 883 980 118358 30001 684[1000] 939 1 9060 113 16 352 695 20118 99 461 66 553 761 879 2 1203 62 395[5001 403 Sil 791 810 950 2 2052 108 322 498 664 788 1500! 813 933 34 38 57 62 23168 201 360 619 34 59 726 814 45[500] 95[5001 24058 222 99 406 535 5� 627 709 914 67 78 2 5243 506 U 801 26044 116 500 46 000 74[500] 711 78 047 27116 206 443 86 2 8006 372 521 49 29062 254 67[5001 329 532 762 30394 99 497 605 771 150001 88 800 947 51 3 1212 388 484 565 746 892[30001 32072 373 415[5001 S90 99 605 M 710 66[30001 887 913 3 3052 243 424 558 73 887 34080 405 563 823 45 000 8 19 35200 415[5001 'l 339 34»8 787 811 77 84 1500) 36044 128 85 262 302 'f.7� 881 920 37144 301 419 635 48 90 669 824 38267 354 89 687 787 906 3 9217 351 544 629[5001 46 777 93 40073 90 15001 252 53 82[10001 357 95 501 47 71 649 824 910 4 1003 55 104 40 66 250 88 641 861[30001 42155 603 4 710 936 43106 1500] 94 239 704 56 78 [5001 844 4 4234 461 621 66 73 821 82[5001 45521 029 46110 90 301 704[500] 861 1500] 966 68 47089 95 133 [10001 49 78 233 86 91 343 70 553 014 735 872 48147 [5001 513 998 49192 202[5001 342 597 624 748 919[500] 50028 198 214 28 43 346 551[30001 752 980 5 1060 139 247 354 508 44 633 54[5001 76 003 52114 274 300 16 505 716 SS[10001 878 5 3024 76[500] 253 398 732 60 846 5 4025 92 93 381 430 625 758 822 33 902 5 5047 241 361 410 5 6012 109 333 557 646 73[5001 827 29 993 57644 75 728 960 58460 609 21[3000] 710 864 59032 145 215[10001 347[5001 451 560 96 733 65 807 89[10001 058 .„§0004[5001 115 54 254 342[5001 575[5001 644 955 61000 185 86 398 858 62029 113 56 319[5001 66 790 862 63083 379[30001 86 410 44 543 72 728 938 64027 III 20 339 88 533 716 880 6 6027 328 502[5001 32 654 713 837 83 980 6 6043 50 63[5001 136 388 613 55 739 860 63[10001 908 23 6 7011 62 96 198 258 05 336 44[5001 717 817 005 73. 68004 135 247 57 373 504 06 798 963 69114 85 83« 002 21 74 70089 138 752 7 1 030 34[ 30001 75 238 332 561 911 72027 378 416 513 748 903 73111 34 418 694«23 66 74183 263[5001 705 10 913 24 130001 54 7 508-5 105[5001 70 24« 520 21 31 34 671 844 72[10001 76074 224 37 310 33 45 575 87 99 986 7 7045 153 645 79 706 57 812 963 77 7 8000 34 15001 127 33 25.5 851 973 82 79100[5001 38 257 485 580 642 922 69 15001 80109 19 78 273[5001 70 400 43 15001 48 81J 987[5001 8 1 000 132 36 381 98 635 711 835 8 2032[5001 68[5001 86[30001 280 309[10001 86 411 13[5001 662 75[. 30001 626 706 92 895 83162 347 84 610 80 708 46 910 30 84130 255 306 2.3[30001 421 557 710 32 943 85102 44 82 425 91[10001 528 45 628 110001 73 824 [5001 30 43 8 6007 175 76 208 3ZI 426 577 I50O1 654 730 847 87146 79 350 531[30001 634 702 57 84!) 88)38 15001 72 81[3000 239(5001 326 53 427 72 I 10001«73 830 61 948 89183 227 38 83 364 487( 5001 622 835 992 9003!) 164 339 436 569 680 948 91120 61 228 494 SIS 24 760 955 77 9 2072 102 213 555 74 IIOOOI 791 96 875 958 9 3201 15001 37 89 458 03 63.8«0 48 859 89 951 93 94060 lötZOl 95( 30001 107 256 350 543 621 6o '■ 914 38 9 5077 82 143 338 416 712 20 JjWf 983 71 88 269 97 328 94 413 27 61 671 885 2 3 5088 195 rinool 270 424 64 601 11 53 701 872 23 0 40 85 255 ..........[5001 705 08 237019 99 668 130001 859 922 27 2 3 8070 170 78 351 S80 730 924 75 239032 71 363 536 698 _____ 117 87 247 431 013 731 74 813 97 15001 333 98 411 581 688 721 892 9 8476 6?3 63 766 99125 51[5001 210 77 362«58 67 921 100473 517 21 91 677 88 735 900 11 10 1028 63 74 161 209 71 620 79 96 811 90 1 02023 551 600 68 807 47 52 951 103239 677 882r[10001 701 49 56 952 1 04015 238 47 04 411 15 831[80001 679 79.0 894 927 105054 108 fSOOOl ,221 f M001 507 f 10001 7.11 106307 71 82 521 693 704 1 07018 149 65 415 52 711 57 76 822 77 82 946[5001 108928 40 181 96 258 622 731 873 109082 14« 51 248 56 356 443 506 91 860 110037 145 SO 276[5001 597 J.MCM 606-£5 J3 43 195 217 18 78 535 84 606 830 66 240152 415 69 572 878 922 241012 35 42 123 540 621 764[5001 82 93[5001 838 2 4 2078 197[ 5001 253 riOOOl 716 8-1 831[5001 71 243286 485 2 4 4249 340 71 433 ISOOl 88 644 90 870 929 54 15001 245108[500] 10 6« 244 324 416 520 79 863 959 2 4 6003 46 113 70 707 98 914 247209 f 10001 420 552 727 318 63 78 512 629 57[10001 70 776 840 905 116061 [500] 288 467 90[500! 99 533 649 916[MO]. 117298 551 89[.500] 631 99 879 985 118093 228 331[3000] 81 515 92 688 119294 426 29 564 771 394 120204 336 470 602[MO] 84 731 845 932 1 21114 24 45 225 458 701 79 904 1 22002 87 120 33[30001 248 306 39 42 60 540 77! 1900] 686 756 74 1 23099 183 639 91« 15001 124001 19 212 516 600 40 86 881 943 72 125138 232 448 640 869 902 21 126237 339 412 654 758 75 1 27031 136[5001 253 395 42-.' 50 707 128133 264 416 56 73 590 1 29027 38 237 390 469 646 782 861 130246 60 320 28 66 73 96 404 614 827 60 87 950 13 1073 157 256 130001 319 31[30001 619 59 132205 420 560 624 759 813 71(10001 938 133124 455 678 680 869 1 34120 407 506 692[500] 978 1 35203 403 73 570 77 648 136184 282 518 29 724 800 926 1 37234 357! 469 84 625 802 939 53 1 38013 252 54 440(lOOOl 63 654 735 801 90 139140 74 272 317 42[300] 466 604 7» 720 879 85 140083 130 290 437 65 501 615[1000] 87 743[10001 815 SM 14 1 553 64 966[5001 142215 66 362 572 937, 143904 32 133 251 376 466 653 711 941 144079 160 3t» 41 61 97 438[10001 65 670 145250 340[500] 97 411 521 33 897 1 46113 50 409 110001 570 790 874 933[500] 147027 57 IIOOOI 72 323 30 453 650 63[3000] 72 83 734 880[500| 148044 124 251 599 130001 673 783 lopoi 857[500] 73 149057 140 236 92 318 17 53[5001- 420 31 587 839 150167 202 527 99 669 78 801 19 1 5 1258 479 823 56 1 52014 81 251 309 17 57 431 562 979 1 53020 39 105 396 435 688 741 896 908 1 54024 241 43[500] 61 332 73 442[6001 601 93 98 746 812 44 68 989 1 55203 77 85 456 648[1000] 715 71 802 55 75 958 1 56034 94 173 11000] 215 473 534«17[1000] 894 983 157040 351 588 991[5001 158058[10001 496 668 763 864 93 159030 31 196 531«SO 1601M 235 461 901 12 74 85 92 1 6 1077 90 113 227 85[500] 385 486 642 54 739[5001 75 162225[5001 518 30 679 1500] 163074 200 35[3000] 376 410[10001 638 86 732 78 826 042 1 64064 135 004 1 65018 296 610 15001 22 54 642 790 858 61 ISOOl 910 40 1 66004[50°] 55[5001 09 147 461 632[1000] 00[1000! 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I» der Stunde hatte Dickenttnann 84,760 Kilometer, Robl 82,910 Kilometer, Guignard 80,120 Kilometer und Butler 79,560 Kilometer, zurückgelegt. Vom 20. Kilo- meter an bis zum Schluß wurden die erst am vergangenen Sonntag neu aufgestellten neuen Weltrekords ohne Windfänger abermals verbessert. Der Berliner Zoologische Garten hat dieser Tage einen jungen Goral erworben, eine jener interessanten Gebirgsantilopen, die noch vor kurzem nur äußerst selten lebend nach Europa gelangten. Jetzt besitzt der Garten außerdem noch zwei verwandte Formen, den größeren Himalaya-Serow und die eigenartige amerikanische Schneeziege, das ist eine wohl einzig dastehende Sammlung dieser schwer zu erlangenden Kletterer, die wegen ihrer äußeren Aehn- lichkeit mit den Ziegen auch als Ziegenantilopen bezeichnet werden. Der Goral ist ein Bewohner des Himalaya und wird in Inner- Asien bis nach Japan durch einige ihm sehr ähnliche Verwandte vertreten. Zwei Gehege des Genisen- und Lamaberges vereinigen nebst Tharzicge und Nahurschaf die eigenartige Gesellschaft. Im Berliner Aquarium sind durch die diesmaligen Neuzu- führungen nicht nur alle Gruppen und Kreise der wirbellosen. sondern auch die verschiedenen Klassen der Wirbeltiere bedacht worden. Zum erstenmal hier vertreten ist eine Gattung und Art der Schildkröten(Ifydrnspi? Hilairei), welche aus Brasilien stammt, wo auch die verwandten Plattschildkröten sklstemxs), welche alle durch flache oder platte Rückenschale, flachgedrückten Kopf, Kinn- bärtcl, große Schwimmhäute und einen langen, nebst dem Kopf seitwärts unter den Rllckenpanzer zu legenden und vorschnellbaren „Schwanenhals" sich auszeichnen, zu Hause sind. Der Abteilung der geschwänzten Amphibien überwies Herr F. Guhrauer-Berlin einen zur Faniilie der Olme gehörigen Lurch. Die Bestände der ausländischen Süßwasserfische wurde» durch Herrn Fischzucht- anstaltbcsitzcr Aston-Eberstoalde ergänzt um mehrere Forellen- barsche, eine nordamerikanische Art, die auch bei uns schon ihres zarten und schmackhaften Fleisches wegen hochgeschätzt wird. In der künstlichen Fischzucht an der großen Treppengrotte findet der Besucher eine Gesellschaft mobiler, aber noch etwas unförmlich er- scheinender Fischchcn, nämlich junge Lachse, welche hier das Licht der Welt erblicken. Feuerwehrdericht. Die Feuerwehr hatte gestern viel zu tun. Früh«m 6 Uhr kam auf dem Kohlcnlagerplatz von Leyke, auf dem Nordbahn ein größeres Feuer aus. Dort mußte die Wehr kräftig Wasser geben, um die Flammen zu löschen. An der Haidestraße ging nachmittags eine Bahnbude in Flammen auf. In später Nacht- stunde stand in der Neichenbergerstr. 135 eine Tischlerei in Flammen, zu deren Löschung es längerer Tätigkeit bedurfte. Wegen eines Schlossereibrandes wurde die Feuerwehr nach der Koloniestr. 115 gerufen. Dort mußte die Wehr mehrere Schlauchleitungen vor- nehmen, bevor es gelang des Feuers Herr zu werden. In der Winterfeldtstr. 6/6 Bronnte im Gartenhause in der Klini! deZ Dr. Mainzer der Fufzboden mit der Balkenlage des Treppen- aufganges und in der Spenerstr. 28 auf dem Boden Latten- verschlage u. a. Kellerbrände mutzten u. a. in der Schwartzkopff- strahe 17, Frankfurter Allee 130, Am Planufer 1, Winsstr. 13 und anderen Stellen gelöscht werden. Vorort-JVacbricbten. Charlottenburg. Die Stadtverordnetenversammlung hatte in ihrer Sitzung am Mittwoch nicht weniger als 23 Punkte in öffentlicher und acht in nichtöffentlicher Sitzung auf der Tagesordnung. Von den letzteren wurde die Mitteilung betr. die N i ch t b e st ä t i g u n g Dr. P e n z i g s als Mitglied der Schuldeputation nicht erledigt, sondern beschlossen, sie in der nächsten Sitzung in öffentlicher Sitzung zu besprechen. Vertagt wurde auch die Besprechung über die Mitteilung des Magistrats über die seit dem 1. April 1966 beendeten und zurzeit noch schwebenden Zivilprozesse und Klagen im Ver- waltungsstreitverfahren. Es handelt sich dabei um nicht weniger als 181 Zivilprozesse und 141 Klagen im Verwaltungsstreitverfahren. Die übrigen 29 Punkte der Tagesordnung wurden sämtlich er- ledigt, doch boten die meisten nur geringes Interesse. Besonders zu erwähnen ist die Forderung von 19 999 M. zur Errichtung einer Schulbaracke für einen im Westen der Stadt ein- zurichtenden städtischen Kindergarten. Es ist dies der erste Schritt zur Ausführung der Matzregeln, welche die zur Beratung von Matznahmen zur Hebung der Volksschule vor 2% Jahren eingesetzte städtische Deputation vorgeschlagen hat. Diese Mahregeln laufen darauf hinaus, für die schwächer veranlagten Kinder statt des bisherigen Zurückbleibens einen gesonderten Unterricht mit geringerem, aber in sich abgeschlossenem Schulziel in'Klassen mit höchstens 39 Schülern zu schaffen. Autzerdem soll die Frequenz in den Aufnahmeklassen im Höchstfall 45 betragen, so datz der Lehrer in den Stand gesetzt wird, die Kinder auch wirklich in fruchtbarer Weise zum Unterricht heranzuziehen. Ferner soll für die schul Pflichtigen Kinder, die sich bei der Aufnahme als noch nicht schul reif erweisen, weil sie körperlich und geistig noch nicht genügend entwickelt sind, und die nach der bisherigen Uebung auf ein halbes, mehrfach auch auf ein ganzes Jahr zurückgestellt wurden, ein Kindergarten geschaffen werden, wo sie in planmätziger Weise, durch Beschäftigung zur Anregung und Bildung des Tätigkcits- triebeö, durch Bewegungsspiele, durch Anschauen und Besprechen von Bildern und Gegenständen, die ihrem Verständnis nahe liegen, wenn möglich auch durch leichte Gartenarbeiten, auf den Volksschul- Unterricht vorbereitet werden sollen. Die Deputation' hofft, datz die Zahl der Kinder, welche nach ihrem Eintritt in die Schule nicht mitkommen und für den Fortschritt der Klasse ein schweres Hemmnis bilden, dadurch wesentlich herabgedrückt werden wird. Mit der Einrichtung eines solchen Kindergartens soll bereits jetzt vorgegangen werden, mit. den übrigen Matznahmen, sobald die grundsätzliche Zustimmung der Regierung erteilt ist. Die Vorlage des Magistrats wurde widerspruchslos an- genommen. Weiter erwähnen wir die Vorlage über den Neubau der Röntgenbrücke. Der Ausschutz empfahl ihre Annahme, die auch mit der Aenderung erfolgte, datz die Breite der Fahrbahn auf Kosten der Breite, der Bürgersteige von neun auf zehn Meter erhöht wurde. Das Projekt ist auf 618 999 M. veranschlagt, die aus Anleihemitteln entnommen werden. Ebenfalls angenommen wurde eine Vorlage, auf der Gas- anstatt I für das Laden und Entladen der Retorten einen ma- schinellen Betrieb mit einem Kostenaufwand von 66 999 Mark einzurichten. Der Handbetrieb ist bisher noch immer bei- behalten worden, weil wiederholt die Rede davon war. diese Gas- anstalt bald eingehen zu lassen und man deshalb die Aufwendung höherer Kosten für Neueinrichtungen scheute. Nach dem vor- gelegten Projekt werden aber die gegenwärtigen Kosten von 191 899 Mark bei Handbetrieb auf 63 999 M. bei maschinellem Betrieb herabgedrückt, also 38 399 M. jährlich gespart; die Vorlage sieht deshalb vor, datz die neue Anlage bereits in zwei Etatsjahren amortisiert werden mutz. Eine Vorlage auf Bewilligung von 29 999 M. zur Erbauung einer Wasserfilteranlage auf Gasanstalt II wurde zur näheren Prüfung einem Ausschuh von elf Mitgliedern überwiesen, dem von unserer Fraktion die Genossen Klick und Vogel an- gehören. In einer weiteren Vorlage verlangte der Magistrat die Zu- stimmung der Versammlung zu neuen Pachtverträgen über die städtischen Riefelfelder. Die bisherigen Pachtverträge laufen zwar noch bis zum 1. Oktober 1997, mit einem Pächter sogar bis zum 1. Oktober 1913; der Magistrat will aber schon jetzt ohne öffentliche Ausschreibung mit den Pächtern neue, bis zum 1. Oktober 1917 laufende Verträge schlietzen. Nach?en- selben soll die Pachtsumme von 47 632,23 M. auf 66 978,64 M., also um 8446,41 M. erhöht werden, von denen jedoch der Betrag von 1691,17 M. für Arbeiterwohnhäuser in Abzug zu bringen ist, so datz die neuen Verträge der Stadt jährlich 6946,24 M., mehr einbringen. Genosse Klick wies nachdrücklich darauf hin, daß es einer eingehenden Prüfung in einem Ausschutz bedarf, ob tatsächlich von einer öffentlichen Ausschreibung Abstand genommen werden solle; ausserdem sei ernstlich zu prüfen, ob die lange Dauer der Verträge nicht zu einer bösen Fessel für die Stadt werden könne. Die bürger- liche Mehrheit ist aber immer bereit, die Bewegungsfreiheit der Stadt für eigene Bewirtschaftung zu mindern, um die Möglichkeit für das, was sie sozialistische Experimente nennt, zu verringern. Sie verwarf daher den Antrag auf Ausschutzberatung und nahm die Vorlage an. Von besonderer Wichtigkeit war der letzte Punkt der Tages- ordnung, eine Vorlage, die den Magistrat zu einem Vertrage mit der Volkshotelaktiengesellschaft„Ledigenheim" ermächtigt, deren Aufgabe die Bekämpfung des Schlaf st ellenwesens ist. Nach dem Vertrage soll die Stadt selbstschuldnerische Bürg- schaft für das aufzunehmende Baukapital in Höhe von einer halben Million Mark übernehmen. Die Vorlage wurde einem Ausschuß von 16 Mitgliedern zur Vorberatung überwiesen._ Eine großzügige Agitation unter den jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen in den Vororten leitet die Berliner Jugendorganisation ein. Am Sonntag, den 27. Mai, nachmittags 2 Uhr, finden in Rixdorf, Pankow und Weitzensee große öffentliche Versammlungen statt, in denen die Aufgaben und Ziele der freien Jugendorganisation erläutert werden. Die Versammlungen werden in folgenden Lokalen abgehalten: für Rixdorf bei Hoppe, Hermannstr. 48/49, «„ Pankow bei Roczycki, Krenzstr. 4, „ Weißensee im„Prälaten", Lehderstr. 122. Der Verein richtet in einem Flugblatte an alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen die dringende Mahnung, in Massen in den Versammlungen zu erscheinen. Auch die erwachsene organisierte Arbeiterschaft ist eingeladen. Möge die Agitation von Erfolg gekrönt sein I Lankwitz. Richtig beantwortet hat ein Parteigenosse in Lankwitz die fort- gesetzten Verlangen und Wünsche der Schulbehörde, die religiöse Er- ziehung seiner Kinder betreffend. Er war katholischer und seine Frau evangelischer Konfession; die Kinder waren evangelisch getauft. Trotz schriftlicher Willensunterbreilung des Genossen, datz seine Kinder evangelisch unterrichtet werden können, verlangte der Rettor von der grau, die das zweite Kind zur Schule anmeldete, datz sie eine Be- scheinigung des AmtSborstehers darüber, ob die Kinder evangelisch unterrichtet werden sollen, herbeibringen möge.— Nachdem nun der älteste Sohn immer wieder mit Aufforderungen an seine Eltern be dacht wurde, hat der Genosse mit seiner Frau und für seine Kinder unter 14 Jahren den Austritt aus der Kirche erklärt. Hoffentlich sind nun Kirche und Schule zufrieden gestellt! Nummelsburg. Ein gewaltiger Dachstuhlbrand wütete Donnerstag mittag in unserem Orte und zwar in der Strasse Alt-Boxhagen öö, un- weit des Bahnhofs. Das Feuer mutzte schon lange Zeit auf dem Boden geschwelt haben, denn als es gegen 1 Uhr bemerkt wurde, schlugen bereits aus verschiedenen Stellen des Daches helle Flammen. Mit unheimlicher Schnelligkeit griffen diese nun um sich, so datz bei Ankunft der freiwilligen Ortsfenerwehr nicht nur der ganze Dach- stuhl des nach der Strahe Alt-Boxhagen hin belegenen Flügels. sondern auch der größte Teil von dem Dachstuhl des Hinterhauses an der Bahnhofstratze brannte. Der weithin sichtbare Feuerschein hatte auch die Lichtenberger und Stralauer freiwillige Feuerwehr zur Hülfeleistung alarmiert. Mit vereinten Kräften ging es»un an die Löschung des gewaltigen Brandes, lieber eine Stunde lang sandten vier Schlauchleitungen ungeheuere Wassermassen in die Glut, bevor die Macht des Elementes gebrochen war. Beide Dach stuhle sind total niedergebrannt. Erst gegen 6 Uhr konnte die Ortsfeuerwehr wieder abrücken. Ueber die Entstehungs Ursache des Feuers ist nichts ermittelt. Lichtenberg. „Sind in Preußen-Deutschland alle Bürger bor dem Gesetze gleich?" war das Thema, über das Genosse Kiesel in der letzten Wahlvereinsversammlung referierte. Die durch die Ausdehnung LichienbergS sowie durch die ständige Zunahme der Organisatton notwendig gewordene Neueinteilung der Abteilungen und Bezirke fand die Zustiinmung der Versammlung. Lichtenberg ist jetzt in 7 Abteilungen und 21 Bezirke zergliedert, so datz die Bearbeitung des Ortes jetzt noch besser betrieben wird als bisher. Als Führer wurden bestätigt: für Abteilung 6 der Genosse Oskar Liebermann, für Bezirk 11 Genosse Scholz, für 13 Genosse Rocke, 14 Genosse Protz, 17 Genosse Flade und für Bezirk 29 Genosse Ringeloth. Ueber die Lohnbewegung der Barbiere entspann sich eine lebhaste Debatte, in der die Genossen um tatkräftige Unterstützung ersucht wurden. Alsdann wurde auf das am 22. Juli bei Gebr. Arnhold in Aus ficht genommene Volksfest aufmerksam gemacht und die Mitglieder um rege Mitwirkung bei den Arrangements hierzu aufgefordert. Ausstehende Billetts vom Maifest usw. sind unbedingt bis zum nächsten Zahlabend abzureibnen. Vor Eintritt in die Tagesordnung hatte der Vorfitzende tn warmen Worten des kürzlich verstorbenen Genossen Hermann Seminrich gedacht. Das wollen wir auch! Der Etat des neuerrichteten Real gymnasiums(Reformschule) ist von der Gemeindevertretung mit 14799 M. für das erste Schuljahr festgesetzt worden. 64 einheimische Kinder und 17 Kinder auswärts wohnender Eltern nehmen zurzeit an dem Unterricht teil. Der Zuschutz der Gemeinde ist für dieses Etatsjahr auf 6999 M. bemessen. Es werden also für die Kinder der„Bessersituicrten" in ihrer Sonderschule rund' 84,69 M.(bei 81 Kindern einschliehlich 17 auswärtiger, die je 29 M. höheres Schulgeld entrichten) von der Gemeinde aufgebracht, während die Aufwendung für den Volksschüler unter Zugrundelegung von rund 9999 Schülern 68 M. beträgt. Das Bild wird sich allerdings bei der weiteren EntWickelung der höheren Schule, sobald diese aus den Räumen der Gemeindeschule in eigene Gebäude untergebracht sein wird und nicht mehr, wie heute, Lehrkräfte im Nebenamte fungieren, wesentlich verschieben. Die Bevorzugung der „Privilegierten" wird alsdann noch krasser zutage treten. Unsere Parteigenossen beanttagten die Streichung des Gemeinde beitrages von 6999 M. Die Begründung, datz doch die Herren immer betonen, es sollen aus gemeinsam aufgebrachten Steuern nicht Zuwendungen an einzelne Schichten der Bevölkerung gemacht werden, datz es nicht„würdig" sei, sich etwas schenken zu lassen (Lieferung fteier Lernmittel an die Volksschüler I!), auch dersHinweis, datz die Vorschule, um die es sich wesentlich handelt, doch keine anderen Unterrichtsfächer aufweist als die Volksschule, es also doch nur darauf ankomme, die Kinder der Besitzenden von den Kindern der Arbeiter zu trennen— Uetz die Majorität kalt; nur ein Zwischenruf auf die letztere Bemerkung erhellte die Situation:„Das wollen wir auch!!" Nach Ablehnung des Antrages stellten unsere Genossen den Antrag„Schulgeld nicht zu erheben". Auch dieser begegnete eisigem Schweigen und— glatter Ablehnung l Vor der Beratung dieses Etats hatte Genosse Graner bei der Debatte über die Bauplatzfrage für den Rathausbau Gelegenheit, die Politik des„aus der Hand in den Mund leben" bei Beschaffung von Ländercien zu Gemeindezwecken in großzügiger Weise zu kenn- zeichnen. Auch die Behauptung, datz die Unterlassungssünden der Vorfahren noch heute Nachahmung fänden, mutzte die Majorität über sich ergehen lassen, weil man die Taffachen schlecht widerlegen kann. Auch das letzte zusammenhängende Terrain von etwa 36 Morgen— noch dazu vor den Türen des Rathauses— das seiner Lage nach den Bedürfinssen der Gemeinde auf lange Zeit entsprochen hätte, ist in die Hände von Bauspekulanten gefallen. Die Gemeinde wird den drei- und vierfachen Preis bei Bedarf zahlen müssen. Beim Chcmieunterricht ereignete sich in der Lichtenberger Ge- meindeschule in der Pfarrstratze am Mittlvoch ein bedauerlicher Un- glücksfall. Der Chemielehrer Gericke hatte die Absicht Chlor zu ent- wickeln, erzeugte jedoch infolge von BertvechSlung von Antimon Arsenikdämpfe und zwar in bedeutender Menge. G. atmete die Dämpfe ein und wurde fast augenblicklich von heftigem Unwohlsein befallen. Der Lehrer eilte nach dem nächsten Klalsenzimmer, woselbst er besinnungslos zusammenbrach. Den Bemühungen eines sofort hinzugerufenen Arztes gelang es den Verunglückten wieder ins Leben zurückzurufen, der dann später nach seiner Wohnung gebracht werden önnte. I Pankow. In der letzten Sitzung wurde über die Gültigkeit der von der Gemeindevertretung beanstandeten und daraufhin nochmals voll- zogenen Wahlen der ersten und zweiten Wählerklasse Beschlutz gefatzt. Gegen die Gültigkeit der ersten Klasse wurde wiederum Einspruch erhoben, weil auf Vollmachten, welche aus den Namen des früheren Bürgermeisters Gottschalk ausgestellt waren, das Wahlrecht durch einen Dritten ausgeübt wurde. In Betracht kommen vier Sttmmen. Trotz der groben Wahlbeeinflussungen wurden die Wahlen für gültig erklärt. Ein Antrag, die von der Gemeinde Pankow ein- gegangenen Verpflichtungen auf ein ihr gehöriges Grundstück im Grundbuch zu streichen, brachte recht alte Erinnerungen an das alte Pankow hervor. Es mutzten nach der Einwägung geleistet werden:„4 Taler 3 Silbergroschen für Kriegsfuhren und 1 Silbergroschen 6 Pfennige für Aufziehen und Jnstandhalten der Turmuhr." Die Verpflichtung wird mi Grundbuch gestrichen. Die Ausgaben für den Rathausbau betragen 618 262 M-, welche Summe eine Etatüberschreitnng von 29 979 M. bedeutet. Die Nachbcwilli« gung vorstehender Summe wurde beschlossen. Desgleichen die Mehr- ausgaben für eine Turnhalle der Gemeindeschnle in der Grunow- stratze in der Höhe von 1942 M. Eine lebhafte Diskussion entstand über die Etörterung der Frage über die Uebernahme der Höheren Töchterschule durch die Gemeinde. Unsere Genossen erklärten sich prin- zipicll für die Uebernahme. Eine Kommission, welcher Genosse Eichler angehört, soll die Uebernahme vorbereiten. Für einen Spielknrsus in den Gemeindeschulen werden für die Beaufsichtigung durch die Lehrer als Entschädigung 139 M. bewilligt.— Nachdem durch die Separationsinteressenten für das neue Pankower Krankenhaus bereits 33 999 M. gestiftet wurden, hat Professor Mendel der Gemeinde 26 999 M. zur Verfügung gestellt, mit der Matzgabe, datz davon 7099 M. zur Errichtung einer Baracke fiir ansteckende Krankheiten verwendet werden und die übrigen 18 999 M. sollen dem Unter- stützungsfonds, aus welchem die aus dem Krankenhaus entlassenen bedürftigen Pankower Rekonvaleszenten später Unterstützungen erhalten, zugewiesen werden. Mit der Stiftung der Separationsintereffente» stehen als Unterstiitznngssonds nunmehr 61 999 M. zur Verfügung. Teltow. Ein schweres Betriebsunglück ereignete sich in der Zentrale am Teltowkanal. Ein Monteur war bei der Aufstellung eines Trans- formators beschäftigt und kam dabei der Hochspannungsleitung zu nahe. Der Verunglückte fiel auf der Stelle um. Ein hinzugerufener Arzt vermochte nur noch den Tod festzustellen. Vermischtes» Zu einer Weinprobe hatten zum Mittwochabend die elsäffischen Abgeordneten des Reichstages die Reichstagsmitglieder, die Ver- trerer der Regierungen und die der Presse eingeladen, um nicht weniger denn 31 Sorten elsässischer Weine zu kosten. Bei dieser Gelegenheit wurde von einigen unserer Genossen ein von Stoltze verfaßtes Gedicht:„Die elf Episteln an die Dürstenden" zum Vor- trag gebracht, das folgenden Inhalt hat: „Einst schrieb Paulus den Ephesern: Trinkt nicht aus so kleinen Gläsern; Sintemal und alldieweil Dieses ist dem Herrn ein Greul. Chor: Hört, o hört, hört, o hött I Was der weise Paulus lehrt. Den G a I a t e r n tät er schreiben i Laßt das Wassertrinken bleiben, Weil das Wasser heilig ist. Denn es tauft damit der Christ. Chor: Hört, o hört usw. Wein, so schrieb er an die Römer, Wein schmeckt doch viel angenehmer; Doch bas Wasser, wie man weiss, Schmeckt nach nichts; Gott tat's mit Fleiß. Wein, so schrieb er an den Titus, Liegt im Kultus und auch Ritus. Drum, was Vorschrift und Gebrauch, Das, mein Sohn, befolge auch! Drauf södrieb er gen T e s s a l o n i ch: Wein zieh' vor ich selbst dem Honig. Wein stärkt mir den Glaubensmut, Was der Honig nimmer tut. Auch schrieb er an die Colosser, Löscht die Leber nichts famoser. Drum mit milder Christenhand Sttllt dem Nächsten seinen Brand. Durst, so schrieb er dem P h i l em o n, Durst ist doch ein böser Dämon; Durst zu haben und nicht Wein, Das ist wahre Höllenpein. Ach, schrieb er an die P h i l i p p e r, Seid doch nicht so blosse Nipperl Wahrheit liegt im Weine und Kommt der Wahrheit auf den Grund! Doch ein Bischof sei kein Säufer, Schrieb er dem T i m o t h voll Eifer. Weil er nur vom Bischof spricht, Gilt es für die andren nicht. Drum schrieb er an die Chorinther, Trinket wie die Bürstenbinder! Lobt den Herrn, ballelnjah I Dafür ist der Wein ja da. Aus dem allem ist zu schlietzen: Leere Gläser voll zu gießen, Stets den Wein zu trinken pur, Und in großem Quantum nur. Der heilige Paulus als Eideshelfer für die Gegner der Anff- alkoholbewegung! Wo soll das noch hin? Automobilunglück. Dem„Leipziger Tageblatt" zufolge explo- vierte gestern abend in der Nähe von Leisnig das Automobil des Arztes Dr. Sulzberger. Hierbei wurde der Bezirksarzt Dr. Schmidt 'o schwer verletzt, daß er noch in der Nacht starb. Dr. Sulzberger und der Chauffeur erlitten gleichfalls schwere Verletzungen, während zwei andere Insassen des Automobils leicht verletzt wurden. Wieder ein Erdbeben. Bozen, 26. Mai. In den Lugancr Bergen fand ein Erdbeben statt, das mit einem rapiden Steigen der Temperatur um 7 Grad in Verbindung stand. Der ftlhein steigt weiter. Köln, 26. Mai. Das Wasser des Rheines ist seit Sonnabend weiter um 62 Zentimeter gestiegen., Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 5'/,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertage» von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit SIS Zcitlmge» und Zeitschriften jeder Art und Richtung auS. freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 27. Mai er., vormittags 8'/, Uhr int Rathause, Saal 109, Eingang Jüdeiiftratze, Versammlung: „Freireligiöse Vorlesung".— Um lOft, Uhr vorm. in der«chulaula, Kleina Franksurtcrsw. 6: Vortrag deS Herrn Dr. Bruno Wille über:„Goethes Welt- anschauung" II.— Herren, und Damen als Gäste sehr willkommen. Sozialdemokratischer Lese- und Tiskuticrklnb„Karl Marx". Heute Sitzung bei Globig, Kolonicstr. IS. Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Diskutierklud„Freie Zusammenkunft". Heute Sitzung im GelverlschaftShauie, Zimmer 16. Tagesordnung: 1. Vor- trag des Genossen Gärtner über: Die Eutwickelung der Familie. 2. Klub- angelcgcnheiten. Verschiedenes. Berein ehem. Kurgäste det Heilanstalten für Lungenkranke zu GörberS- darf i. Schi.(Mitglied des Bundes zur Bekämpsung der Tuberkulose.) Sonnabend, 26. Mai, abends, 9 Uhr, tm Königsladt-Kasino, Holzmarkt, strahe 72: Versammlung. Bercin der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins und Umgegend. Abteilung II. Sonnabend, den 26. Mai, abends 8 Uhr: Versammlung bei Sasse. Hornstr. 2. t. Vortrag:„Die Bedeutung der Jugendorganisation". Reserent: Kollege Maschle. Berliner Marktpreise. Aus dem amilichen Bericht der städtischen Markthallen-Dircktion. Rindfleisch la 62—66 pr. 1 Psimd, IIa S1— 62, Uta 49—32, IVa 40—46, engl. Bullen- 0,00, Viän. Bullen- 0,00, Holl. Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppclländer 105—120, la 83—95, IIa 70—82, Ella 54—66. Hammelfleisch la 60—70, Ha 54—60. Schweinefleisch 55—62. Kaniiitben per St. 0,75. Hühner, alte, Stück 1,50—2,30, junge, per Stück 0,55—1,25. Tauben, junge 0,38—0,64, alte 00,00. Enten, prima, per Stück 1.75—2.00, Hamburger per Stück 1 50 bis 3,00. Gänse, junge, per Psd. 0,70—0,90, per Stück 4,50—6,00. Hechte 83—87. Schleie 83—100. Bleie 0,00, matt 0,00. Aale, groh 100—109, mittel 98—110, klein 76, unsott. 81—89. Plötzen 00,00. Flundern. pomm. I. p. Schock 3,00—7,00. Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel, per Kiste 2—4, do. klein, per Kiste 0,00. Bücklinge, Holl, per Wall 0,00. Kieler 1,50—3. Stralj. 3.00-3.50. Aale, groh, p.Psd. 1.10— 1,30, mittel 0.80-0,90, kl. 0.50 big 0.60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 0.00, Elb- per Kiste 0,00. Sardellen. 1 902er, per Anker 76,00, 1904er 74,00, 190Ser 70,00. Schottische Vollheringe 1905 0,00, large 40— 44, füll. 36— 38, med. 33—35, deutsche 37— 44. Heringe, neue Matjes, per'/, To. 60—120. Hummern, IIa, 100 Psd. 0,00. Krebse, per Schock, grohe 17,00, mittelgroh 0,00—0,00, kleine 0,09. unsortiert 0,00. Eier, Land«, per Schock 3,10—3.20, srische 0,00—0,00. Butter per 100� Pfund, la 115—119, IIa 113—115, lila 106—108, ab. fallende 103— 103.«aure Gurken, Schock 3,50—4 3)i., Pfeffergurken 3,50— 4 M. Kartoffeln per 100 Psd. magn. von. 2,10—2,35, rote Dabersche 2,00—2,20, runde weihe 1,80—2,00. Wirsingkohl, Holl., per Schock 0,00. 28cm« kohl, dän., per Schock 0.00-0,00. Rotkohl. Holl., per Schock 0,00. Grünkohl, per 100 Psd. 0,00. Rüben, weihe 0,00, Teltower 0,00. Kohlrüben, per Schock 0,00,_ Wetter-Prognose kür Sonnabend, den Lg. Mai Ivos. Warm und vielsach heiler bei schwachen südwestlichen Winden; kessle oder mierhebliche Niederschläge. ___ Berliner Wetterbureaa. fßjlfintwettMtr vidaltmj.&ßM Weber, ByJin, Für des Jnftrawltteil mantW,: Th. Giocke, Berlm. Kruki u. Verlag: Vorwärts VuKdruzerei u. Verlägsanstalt Paul Sinfler& Cö.. Berlin SW.