Ur. 121. BbonncmcntS'Bedlngungcn: Wonncments< Preis pränumerando I Vierteljährp Z.M SKf, ntonoil. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfß. frei ins Haus. Einzelne Nunmier 5 Pfg, Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Wonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-geitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, munämen, Schweden und die Schweiz. l> k W Ii 83. Jahrg. CfMKint»Zgli» aufitr Clcntaas. Verlinev Volksblcrkk. Zcntralorgan der foztaldcmokrati fchen partei Deutfdblands. Die!ntertIon$'GebOI)r Cefiägt für die scchsgespaUene Kolonel- geile oder deren Raum w Pfg., für politische und gewerkschaftliche VercinS- und Bersammlungs-Anzeigcn 30 Pfg. i, Kleine Bnzeigen", das erste(fett- gedrulkte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adreff«: ,, Sozial(UiDbkrit Berlin". Redaktion: 8Äl. 68, Lindcnstraaae 69. Zseriiwrecher: Zlnit IV, Nr. 1983. Sonntag, den 27. Mai 1906. Expedition: 650. 68, Lindcnatraese 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. cebevsmitteluiuchei'. Seit den Anfängen der kapitalistischen Warenproduktion gehört der Lebensmittelwucher, die rücksichtslose Ausnutzung des durch Mißernten, Ueberschwemmungen, Krieg oder durch irgend welche innerstaatlichen Verhältnisse hervorgerufenen zeitweiligen Nahrungsmangels zur Preistreiberei zu den be- liebtesten Praktiken der ehrsamen Menschenspezies der Kapitalisten. Wie im Altertum ist es noch heute: nur haben mit dem Fortschritt der Produktion und des Verkehrs die Formen gewechselt, in denen sich dieser Wucher vollzieht. Die Ausdehnung des internationalen Handelsnetzes, die groß artige EntWickelung der Berkehrstechnik haben bewirkt, daß in zivilisierten Gegenden Mißernten und lokale Unfälle nicht mehr jene Wirkung auf die Versorgung der Be völkerung mit den nottoendigen Nahrungsmitteln auszuüben verniögen, wie einst, als noch jeder Bezirk, jede Provinz, jedes Land einen fast völlig in sich abgeschlossenen Wirtschafts komplex bildete und die Art der Handelsverbindungen wie der Stand der Verkehrsmittel den Transport großer Lebensmittel' massen sehr erschwerten. Die nicht durch die Rückständigkeit der Produktion und des Handelsverkehrs bedingte Isolierung der Wirtschaftsgebiete hat größtenteils aufgehört; dafür aber sind an ihre Stelle künstliche, durch die Profitinteressen des mobilen und immobilen Kapitals diktierte Jsolierungs- und Verkehrshinderungsmittel getreten: Grenzsperren, allerlei unter Berufung auf die Gesundheit der Einwohnerschaft oder des Vieh standes durchgeführte Einfuhrverbote- und-Beschränkungen, prohibitive Zollschranken, eigenartige verkehrsfeindliche'Eisen bahntarife, die Bildung monopolistischer Produzenten- und Händlerringe usw. Besonders diese Vereinigungen haben in den letzten Jahren vielfach recht bedeutendes in der Preis' treibcrei geleistet, unterstützt durch allerhand in ihrem Intel' esse eingeführte staatliche Maßnahmen. Und zurzeit sind wieder einige dieser Unternehmerkliquen daran, dem Volk die notwendigen Nahrungsmittel zum Zweck der-Steigerung ihrer schönen Profite zu verteuern. Bekanntlich wird durch die kürzlich von der patrio tischen Reichstagsmehrheit beschlossene Brausteuererhöhung den Brauereien eine Mehrabgabe auferlegt, die sich für die kleineren Brauereien nur auf etwa 20— 30 Pf. pro Hekto liter, für die Riesenbrauereien aber, je nach der Höhe ihres Malzverbrauchs, auf 1— 1,20 M. pro Hektoliter stellt, also auf etwas mehr als 1 Pf. pro Liter. Die Großbrauereien, von denen viele in den letzten Jahren über 10, manche sogar 15—20 Pro z. Dividende ver teilt haben, könnten diese Mehrbelastung recht wohl ganz oder mindestens zum größten Teil tragen. Das fällt ihnen jedoch nicht ein; sie wollen nicht nur diese Mehrabgabe den Konsumenten aufbürden, sondern nebenbei die Gelegenheit be' nutzen, ihre ohnehin schon höchst ansehnlichen Profite noch um einige Prozente zu steigern, und da sie größten teils in starken, kapitalkräftigen Verbänden organisiert sind, ist nicht ausgeschlossen, daß sie ihr Vorhaben trotz d Widerstandes der Konsumenten und Gastwirtsvereinigungcn durchsetzen. Der sächsische Brauereiverein hat angekündigt, daß er 2 M. pro Hektoliter auf die bisherigen Bierpreise auszuschlagen gedenkt; der Verband der Berliner Bier' brauereien ist noch unverschämter, er will die Preise gleich um 2, 50 M. erhöhen; und nun haben auch der Brauerei verband der rheinisch-westfälischen Zone und der Verein der Brauereien im Stadt- und Landkreise Breslau beschlossen, den Bierpreis für das Hektoliter um 2 M. zu erhöhen. Die Großbrauereien wollen also nicht nur ihre Preise um den Betrag der neuen Steuer hinaufschrauben, sondern um das Doppelte; sie schlagen noch ungefähr 100 Proz. auf. Um eine Ausrede für diese unverschämte Prellerei sind die Leiter der großen Unternehmungen, hinter denen bekanntlich teilweise die Hochfinanz steht, nicht verlegen. Der Verband der Berliner Brauereien leistet sich z. B. folgende Begründung: .Die Erhöhung der Brausteuer, die eine Steigerung des Hektoliterpreises um zirka 1,30 M. bis 1,50 M. bedingt, ist keines- Wegs die einzige Ursache des Beschlusses. Vielmehr kommt da- neben die Wirkung der neuen Zölle auf Gerste, Malz, Pferde, Hafer, Mais usw. in Betracht, die eine Produktionsverteuerung von zirka öS Pf. pro Hektoliter bedeutet, weiterhin die erhöhten Preise auf Fastagen, Maschinen usw. Endlich mutz auf die Er- Wartung, datz infolge des erhöhten Bierpreises die Gastwirte ent- . weder die Schankgefäße verkleinern oder die Preise erhöhen werden und daher ein Rückgang des Konsums und des Absatzes zu be- fürchten ist. Rücksicht genommen werden, so datz eine Erhöhung des Hektoliterpreises um 2.50 M. kaum die Mehrlast aufwiegen wird." Unverschämter ist seltener geschwindelt worden. Nach der obigen Begründung muß jeder Leser annehmen, dte Preise für Gerste, Malz, Hopfen usw. ständen zurzeit beträchtlich höher als in früheren Jahren. Das ist jedoch durchaus nicht der Fall. An und für sich ist zwar zweifellos richtig, daß der Zoll die Preise erhöht. Vergleichen wir die Getreidepreise der deutschen mit denen der auswärtigen Märkte, besonders mit denen der unverzollten Läger in den deutschen Einfuhrhäfen, dann finden wir, daß tatsächlich die Preise der deutschen Inlandsmärkte fast um den Zollbetrag höher sind als die Auslandspreise. Damit ist aber noch nicht gesagt, daß die jetzigen Inlandspreise absolut höher sind als in früheren Jahren, denn der Preisstand wird nicht nur durch die Zollhöhe besümmt, sondern auch durch den Ernteausfall und die Größe der Vorräte. Die deutsche Ernte war aber im vorigen Jahre eine verhältnismäßig günstige, und außerdem sind vor dem Inkrafttreten der neuen Handelsverträge beträchtliche Mengen in das deutsche Zollgebiet eingeführt worden, so daß zurzeit ziemlich starke Vorräte vorhanden sind. Dementsprechend sind auch die Preise für Ger st e und Hopfen, die beiden wichtig st en Mate- rialien für die Bierbrauerei niedriger, als im vorigen Jahr. Die„Deutsche Tageszeitung", das Spezialorgan der Landbündler, veröffentlichte dieser Tage folgende Gegenüberstellung der Preisnotierungen: Nach der amtlichen Statistik kostete erstklassiger Hopfen: im März-April 1904: 400— 450 M. p. Dopp.-Ztr. „. 1905: 329—330„„ dagegen„ 1906; 140—155„„ Und zweitklassiger Hopfen: im März-April 1904: 340—370,„ ,,„ 1905: 280—290 „„ 1906: 85—100„ Weiter: Braugerste. Nach der amtlichen Statistik betrug der Preis guter Braugerste im März-April: 1905 1906 Also jetzt weniger: 141 6 M. p. Tonne. 170 8„ 165 7„ 157 5„ 173 3.. 178 8„ Preis des Hopfens nur die Hälfte des vorjährigen und nur ein Drittel des vorvorjährigen Preises. Vergleicht man die Durchschnittspreise des Nürnberger Hopfenmarktes, des maßgebenden in Deutschland, während der letzten fünf Jahre mit dem jetzigen Preisstand, so ergeben sich folgende Ziffern: Es kostete der Doppelzentner in Nürnberg: Prima- Bester GebirgS- Bester Württem- in Danzig..... 147 tf Frankfurt a. M... 178 » Leipzig..... 172 „ Magdeburg.... 162 , Mannheim.... 176 „ München..... 186 Tatsächlich beträgt heute der 1901 1902 1903 1904 1905 Dag Marktware . 148,8 M. . 156.3„ . 273,8„ . 325,4. - 203,8. hopsen 159,5 M. 175,1. 289,2. 341,7. 215,4„ berger 168,7 M. 193,6„ 290,0. 353,3, 235,8„ igegen stellten sich in den letzten Wochen die Preise für Prima-Marktware nur auf 80—90 M., für besten Gebirgshopfen auf 100—110 M., für besten württembergischen Hopfen auf 140— 150 M. Es hat also in keinem der letzten fünf Jahre der Preis für Hopfen so niedrig gestanden wie heute. Die Gerstenpreise stehen ebenfalls nicht höher als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Da Berlin keine amtlichen Notierungen für Braugerste hat, ziehen wir zum Vergleich die drei großen Märkte Danzig, Leipzig und Frankfurt a. M. heran. Es kostete pro Doppelzentner: Es stehen also auch die Preise für gewöhnliche Braugerste niedriger als im vorigen Jahre, und selbst dann, wenn man den Durchschnittspreis aus den letzten fünf Jahren zieht, er- gibt sich kein nennenswerter Unterschied. Die außerdem in der Begründung des Verbandes der Brauereien erwähnten, nr Fütterung der Pferde dienenden Getreidearten Hafer und Rais stehen zwar etwas höher im Preise, als im letzten Jahre— in Berlin kostete z. B. im Großhandel der Hafer im Durchschnitt des Jahres 1905 14,27 M., jetzt 16,40 M. bis 16,50 M. pro Doppelzentner— aber dafür sind manche beim Brauen gebrauchten Hülfsstoffe, z. B. Zucker, billiger ge- worden; und zudem gleichen die höheren Ausgaben für die PferdeMterung die Ersparnisse an Hopfen und Gerste nicht entfernt aus. Wir hatten demnach durchaus recht, wenn wir vor acht Tagen das Vorgehen des Berliner Brauereirinaes eine„ganz unverschämte Prellerei der Konsumenten" nannten. Einerlei, ob immobiles oder mobiles Kapital: beide streben, ohne Rücksicht auf den Lebensunterhalt der breiten Volksmasse, nach den höchsten Profiten, und jedes Mittel, das zu diesem hehren Ziele führt, ist ihnen recht: Die Jnanspruch- nähme der Gesetzgebungsmaschine, die gewaltsame Preis- treiberei wie der Lohndruck und selbst der offene Betrug. Als im vorigen Jahre die Viehpreise stiegen, da schrieen die Schlächterinnungen über die unverschämten Preistreibereien der Agrarier; jetzt, nachdem die Viehpreise gefallen sind, wehren sie sich mit allen Kräften dagegen, die Preise herabzusetzen. Und nicht minder haben die Brauereibesitzer geschimpft, als die Agrarier den Segen hoher Gersten-, Malz- und Hopfenzölle priesen; jetzt benutzen die damals aufs höchste gekränkten und entrüsteten Herren die erste beste Gelegenheit, um in derselben Weise Nahrungsmittelwucher zu treiben. Beide Kapitalarten sind gleich profithungerig. Der Lebensmittelwucher wird deshalb auch kein Ende nehmen, bis die Arbeiterklasse den Herren Kapitalisten klar macht, daß sie ökonomisch ebenso überflüssig sind wie ihr heiliger Profit._ Die Revolution in Rußland. Auch eine„Antwort"!> Der 27. Mai steht vor der Tür, und Rußland wartet zum zweiten Male auf die Amnestie. Ob man den Mut haben wird, sie zum zweiten Male— partiell oder total— zu verweigern? Die Erklärung, die Ministerpräsident Goremhkin der Duma„am Vorabend" des 27. Mai(gestern, Sonnabend) als Antwort auf ihre Adresse vorlegte, klingt nicht gerade vertrauenerweckend. Es heißt darin u. a.: Die Regierung, welche ihrer Tätigkeit strenge Gesetzlichkeit zugrunde legt, erklärt nach der ihr vom Kaiser übertragenen Durchsicht der Adresse der Duma ihre volle Bereitwilligkeit, der Bearbeitung der von der Duma angeregten Fragen, soweit die- selben nicht den Rahmen der ihr zugestandenen gesetzgeberischen Initiative überschreiten, ihre volle Unterstützung zu leihen. Diese Unterstützung wird die Regierung auch hinsichtlich der Abänderung des Wahlrechtes an den Tag legen, obgleich sie dafür hält, daß diese Frage nicht sofortiger Beratung unterliege, da die Duma erst ihre Tätigkeit beginnt und daher noch nicht über das Be- dürfnis nach einer Aendcrung Klarheit geschaffen werden konnte. — Mit besonderer Borsicht verhält sich der Ministerrat gegen- über den von der Duma angeregten Fragen hinsichtlich der un- aufschiebbaren Befriedigung der Bedürfnisse der Landbevölkerung und der Gleichstellung der Bauern mit de« übrigen Klassen, der Befriedigung der Bedürfnisse der Arbeiter, der Frage der Aus- arbcitnng eines Gesetzes über de» obligatorischen BolkSunterricht, der Heranziehung der vermögenden Klassen zur Steuerpflicht und der Reorganisation der Provinzialverwaltung und der Selbst- Verwaltung mit Berücksichtigung der Eigenart der Grenzgebiete. Nicht geringe Bedeutung mißt der Ministerrat dem an- geregten Gesetz betreffend die Unantastbarkeit der Person, des Gewissens, die Preß-, Bersammlungs- und Vereinsfreiheit bei, doch hält er es für nötig, bei der Ausarbeitung solcher Gesetze die Verwaltung mit wirksamen Mitteln auszurüsten, damit die Regierung dem„Mißbrauch" der gewährten Freiheiten vor- beugen bezw. entgegenwirken kann.— In bezug auf die Lösung der Agrarfrage mit Hülfe der Apanagen-, der Kabinetts-, der Kloster- und der Kirchcnländereien und zwangsweiser Enteignung des Privatgrundbesitzes, wozu auch der Privatgrundbcsitz der Bauern gehört, hält es der Ministerrat für seine Pflicht, zu er- klären, datz eine derartige Lösung unbedingt unzulässig ist. Die Regierung kann das Besitzrecht nicht einem nehmen und dem anderen zugestehen. Das Recht des Privatgrundbesitzes be- streiten, hieße überhaupt das Recht des Privatbesitzes bestreiten. Die Unantastbarkeit des Eigentums bildet in der ganzen Welt und auf allen Stufen der EntWickelung des bürgerlichen Lebens den Eckstein des Volkswohlstandes und den Grundpfeiler des Staatslebens!! Bei den dem Staate noch zur Verfügung stehen- den Mitteln und weitgehender Anwendung der gesetzlichen Mittel kann die Agrarfrage zweifellos ohne Untergrabung der Kräfte des Vaterlandes erfolgreich gelöst werden.... Was endlich die Fürsorge der Duma für die Festigung von Gerechtigkeit und Recht in Armee und Flotte betrifft, so erklärt die Regierung, datz im Heer diese Grundlagen unerschütterlich sind und jetzt die Sorge des erlauchten Führers darauf gerichtet ist, die materielle Lage des Militärs zu bessern und Mittel aus- findig zu machen zur umfangreicheren Verwirklichung darauf hinzielender Matznahmen. Hinsichtlich der angeregten Aufhebung der Ausnahmegesetze und Beseitigung der Willkür von Amtspersonen findet der Ministerrat, datz sie völlig zum Gebiet der Staatsverwaltung gehören, aus welchem der Duma nur das Jnterpellationörecht zusteht.— Außerdem bildet die Einbürgerung strenger Gesetzlichkeit den Gegenstand besonderer Fürsorge der Regierung, die nicht verfehlen wird, darauf zu achten, datz die Handlungsweise der Regierungsorgane beständig von gleicher Bestrebung durchdrungen ist. Ganze 17 Minuten dauerte die Verlesung der Erklärung des Herrn Ministerpräsidenten! Das Haus nahm die Erklärung mit tiefem Schweigen auf. Es sprach Mibakow in ruhiger, gc- messener Weise, wodurch er großen Eindruck hervorrief. Nach ihm sprach Raditschew mit Leidenschaft und SarkasmuS. Beide Redner wurden von häufigem, donnerndem Beifall unterbrochen. Sodann sprachen Anikin und-Aladin in einer Weise, die das Haus hinriß. Die Ausführungen Katoschkins waren rein sachlicher Natur. Die Erklärung der Regierung wurde von allen Rednern aufs schärfste verurteilt. Um%5 Uhr nachmittags trat eine halb- stündige Pause ein, dann wurde die Debatte fortgesetzt. Um sieben Uhr beschloß die Duma fast einstimmig eine Resolution» welche die Entlassung des Ministeriums fordert. Im Gegensatz zur törichten„Antwort" der Regierung kann man die mutige, mannhafte Antwort der Duma nur bewundern.» Die Ratschläge der Kurzsichtigen in des Zaren Umgebung haben gesiegt! Die nächsten Tage werden zeigen, datz man besser getan hätte, sich's reiflicher zu überlegen, che man daran ging, die Duma des russischen Volkes so zu behandeln, als ob man etwa das preußische Abgeordnetenhaus oder den deutschen Reichstag bor sich habe. Die Bauern! Fast alle Reichsdumamitglieder der Bauernpartei, die noch in Petersburg weilen, haben beschlossen, neun Zehntel der ihnen zu- stehenden Diäten den hungernden Bauernfamilien zur Verfügung zu stellen, «taurlge Stanft». Petersliurg. 26. Mai. Der„Regierungsbole" beziffert die Zahl der in der Zeit von Mitte Dezember 1905 bis Mitte Mai in die Verbannung geschickten Personen auf 6825 und die Zahl der bis zum 14. Mai Eingekerkerten auf 2627. Außerdem befanden sich in den Gefängnissen 8351 wegen politischer Vergehen Angeklagte. Wenn der.Negierungsbote"„beziffert", dann wird'S in Wir!» lichkeit wohl noch viel trauriger aussehen. PhiloscmitismuS! Ging aus der oben wiedergegebenen Regicrungs-Erklärung hervor, daß man sich in Rußland bemüht, zurzeit wenigstens, das Militär sanftmütig zu erhalten, so zeigt eine andere Depesche, daß man den Augenblick für geeignet hält, auch den Juden etwas Beruhigungspulbcr ins Gesicht zu streuen. Nachher, wenn man wieder mehr Ellbogenfreiheit hat, kann ja alles wieder- umgestoßen werden. Jene Depesche meldet: Petersburg, 26. Mai.(Petersburger Telegraphen-Agentur.) Der Generalgouverneur von Kiew erhielt vom Minister des Innern die Anweisung, daß die Israeliten, die in dem ihm unterstehenden Gebiete gesetzwidrig außerhalb der für die jüdische Bevölkerung vorgeschriebenen Zone wohnen, ermächtigt werden, bis zur Lösung der Judenfrage durch die Reichsduma dort zu verbleiben.— Noch mehr Borsicht! Mußte man bisher den offiziellen und offiziösen Meldungen auS Rußland gegenüber doppelt und dreifach mißtrauisch sein, so wird man in Zukunft mit noch größerer Vorsicht zu verfahren haben; denn der Minister deS Innern hat ein amtliches Zentral- bureau„behufs Informationen an die Presse" errichtet,—— Also verzehnfachte Vorsicht! polltilcbe Qcbcrficbt Berlin, den 26, Mai. Auskehr. Drei Sitzungen waren für den heutigen, als letzten Tag der Session vom Präsidenten des Reichstags in Aussicht ge- nommen, unr mit den zu erledigenden Gesetzen aufzuräumen. Die e r st e dieser Sitzungen dauerte eine Stunde. Erledigt wurden in ihr die Beratung des Antrags wegen Ver- tagung des Reichstags bis zum 13. November 1906; die zweite Beratung- des deutsch-schwedischen Handelsvertrags � die Agrarier hatten ihre un- sinnige Obstruktion gegen den Vertrag aufgegeben— und endlich die zweite Beratung des Nachtragsetats für die afrikanischen Kolonien. Die zweite Sitzung begann um 1 Uhr mit der 3. Be- ratung des deutsch-schwedischen Handelsvertrages, die ohne Debatte verlief. Dann aber setzte die Diskussion für die zweite Beratung des Nachtragsetats ein. Die Mehrheit, be- stehend aus dem Zentrum, Sozialdemokraten und Freisinnigen, ist gegen die Bewilligung der Kubub-Bahn sowie der Eni- schädigungen an Farmer, für die der Kolonialprinz Hohen- lohe eintrat. Ihm sekundierte Arendt. Seine diesmal besonders lächerlich schwatzhafte Art dämpfte die Bewilligungslust der Mehrheit ein wenig. Genosse Ledebour persiflierte in köstlicher Rede das Arendtsche Geschwätz und wies nach, wie verfehlt es ist, den Bau der Bahn als eine Unterstützung der Kriegführung gegen die aufständischen Eingeborenen darzustellen, da die Bahn erst in zwei Jahren fertig werde. Auch der Abgeordnete Spahn(Z.) erklärte namens seiner Fraktion die Ablehnung der Forderung. Vergebens traten die Kolonialfcxe für die Bewilligung ein; vergebens führte der Oberst Deimling die Verteidigung in der Kasernenhofsprache, die vom Abgeordneten Müller- Sagan unter starkem Beifall energisch zurückgewiesen wurde. Auch der Abgeordnete Gröber wendete sich gegen den Tropen- koller der Regierung und des Abgeordneten Semler. Die von den Kolonialfexen beantragte namentliche Abstimmung ergab die Ablehnung der Forderung mit 186 gegen 95 Stimmen, bei 2 Enthaltungen. Trotz dieser Ablehnung traten die Kolonialschwärmer für die Zehnmillionenentschädigung der Farmer ein, die bon der Budgetkommission gestrichen worden ist. Aber auch diese Forderung wurde abgelehnt. Mit diesen Aenderungen wird der Nachtragsetat für die Schutzgebiete angenommen. Die dritte Sitzung des Tages begann nach- mittags V«6 Uhr mit der Fortsetzung der dritten Lesung des Etats in Verbindung mit der dritten Lesung des Etats für die Schutzgebiete. Beim M i l i t ä r e t a t legte der Zentrumsabgcordnete de Witt an einem Spezialfälle dem Kriegsminister nahe, die prinzipielle Gegnerschaft zum Duell nicht als belastendes Moment der Betreffenden anzusehen. In verbindlicher Form erklärte der Kriegsminister v. Einem, er sei dem Fall näher getreten, um ihn zu einer günstigen Lösung zu bringen. An der prinzipiellen duellfördernden Haltung der Regierung ändert der Entscheid in dem einen Falle nichts. Dem Abgeordneten Becker-Köln beliebte es, den Ge- Nossen Zubeil anzugreifen, weil letzterer früher die unwürdige Behandlung von Arbeitern in Militärlverkstätten durch Meister und Beamte gerügt hat. Diese bestellte Rede Beckers wies Genosse Zubeil in kurzen, kräftigen Ausführungen zurück. Als dann ein Kommissar des Kriegsministers und dieser selbst auffälligerweise durch ihre Reden bestätigten, daß die Rede Beckers bestellte Arbeit war und die Herren Zubeils frühere Angaben zu widerlegen suchten, diente Genosse Zubeil den Herren mit einer Antwort, deren Eindruck die Herren verstummen ließ. In schneller Folge wurde dann der Militäretat, der Marineetat, der Justizetat und der Etat deS Reichsschatzamts nach den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen. Zum Reich skolonialamt wurde namentliche Ab- stimmung über diese Forderung vorgenommen; sie ergab die Ablehnung der Forderung mit 142 gegen 119 Stimmen. Der Kolonialprinz Hohenlohe wird also nicht als Staatssekretär für die Kolonien installiert werden. Die Ablehnung rief starke Erregung auf den Bundesrats- bänken sowie unter den Kolonialschwärmern hervor. Der Abgeordnete Gröber beantragte darauf die Einsetzung eines UnterstaatSseki'etärs mit einem Gehalt von 25(XX) M. Gegen diesen Antrag wendete sich der Abg. S e m l e r. Der Präsident Balle st rem erklärte, daß die geschäftsordnungS- mäßige Behandlung deS handschriftlich eingebrachten Antrages eine Sitzung am Montag erforderlich mache. Nach einigen weiteren Erklärungen zog Gröber den Antrag zurück. Die darauf entstehende Erregung der Kolonialfexe führte zu dem Antrag, den Kolonialetat an die Budgetkommission zurückzuverweisen. Der Antrag wird abgelehnt und darauf die Sitzung auf Montag 2 Uhr vertagt. Betrogene Betrüger. Das MgeordnetenhauS brachte heute mit Ach und Krach die zweite Beratung des Volksschulunterhaltung sgesetzes zu Ende. Aber eS ging im Dreillassenparlament ähnlich wie im Reichstage: Die erhoffte Verständigung der Mehrheitsparteien blieb aus und der BolkSverdummungsmarsch schloß mit einer schrillen Dissonanz. Die Debatte über den 8 40, der die Lehrerberufung' und Rektorenberufung regelt, zog sich unendlich lange mit leerem Ge- schwätze hin. Der nationalliberale Kompromißantrag, der wenigstens den Städten, die sie bisher hatten, das Recht der Selbstverwaltung auf dem Gebiete der Hauptlehrerernennung bewahren wollte, wurde mit den Stimmen der im Dreiklassenparlament allmächtigen Konservativen und Zentrumsleute abgelehnt und der Korn- missionsheschluß angenommen, der die heute selbst bon den Ultrareaktionären Freiherrn v. Zedlitz und Winckler in den schwärzesten Farben geschilderte Willkür der Schulbureaukratie unumschränkt konstituiert. Nicht einmal der Triumph eines Schein- siegeS, der ihren Wählern die Augen blenden könnte, wurde den Nationalliberalen von den entschlossenen Rückwärtscrn gegönnt. Um so billiger war eS nachher für alle Parteien bon rechts nach links. einer harmlosen Resolution zuzustimmen, die nach Erlaß des BolkSschulgesetzeS Beseitigung der bureaukratischen Willkür. Dezentra- lisation und Sicherung der Selbstverwaltung durch Gesetz und Ver- waltungSstreitverfahren forderte. Ernster meinten eS die Großgrund- besitzer aus der Ostmark mit einer zweiten Resolution, die Regelung der Volksschulunterhaltungslasten in den Provinzen Posen und West- Preußen verlangt, die bekanntlich vom Geltungsbereich deS Gesetzes ausgeschloffen sind, weil man durch die Simultanschule die Polen leichter zu germanisieren glaubt. Auch für ihre Provinzen wollen diese Herren gern große Staatszuschüsse zu den Volksschullasten ergattern. Nach Ueberweisung eines Staatsvertrages zwischen den Anlieger- staaten über die Mainkanalisation vertagte sich das Ab- geordnetenhaus zur dritten Lesung des Schulgesetzes auf Montag. Bis dahin hofft man also, die Nationalliberalen ganz breitgeschlagen zu haben, sodaß sie selbst, trotz des§ 4? für die Vorlage stimmen. Vieh- und Fleischpreise. Die Viehpreise erhalten sich auf dem verhältnismäßig niedrigen Stand, auf den sie in den letzten Wochen gefallen sind.- Am heuttgen Berliner Schlachtviehmarkt zogen zwar die Preise infolge der starken Nachfrage etwas an; doch ist der Unterschied zwischen den heutigen und den letzten Notterungen im ganzen nicht beträchtlich. Es notterten z. B.: Vollfleischige Ochsen... 72—75 M. pro ZenMer Schlachtgewicht Junge fleischige„... 68—71,„„ Bollfleischige Kühe... 64—66„.„„ Schweine. I. Qualität.. 61.\ pro Zentner Lebendgewicht „, U.„.. 59—60„/ mit 20 Proz. Tara. Vergleicht man damit die amtlich festgestellten Preise anr 27. Mai des vorigen Jahres, so ergibt sich, daß heute die Preise für Ochsen und Kühe zwar immer noch ein wenig höher stehen, als zur gleichen Zeit des Vorjahres, daß aber dafür die Schweinepreise um ungefähr 3 M. niedriger sind; denn es wurden damals am Berliner Schlachtviehmarkt notiert:...� Vollfleischige Ochsen mit 70—74 M. pro ZenMer Schlachtgewicht Junge fleischige„„ 65—69.,„. Vollfleischige Kühe„ 61—63,„,„ Schweine, I. Qualität„ 63—65„ 1 pro Zentner Lebendgewicht , II.,„ 60—62,| mit 20 Proz. Tara Trotz dieses Rückganges der Viehpreise halten die Schlächter die Detailpreise noch immer auf fast gleicher Höhe, wie im Februar dieses Jahres, obgleich seitdem die Schweinepreise um ungefähr 17 M. pro Zentner gefallen sind. Für einzelne fette Fleischstücke, z. B. Bauchfleisch und Rücken- fett, haben allerdings in den meisten Stadtteilen Berlins die Schlächter die Preise um 10 Pf. pro Pfund ermäßigt, die besseren Fleischsorten aber behaupten den früheren Preis und kosten zurzeit noch immer 13—20, teilweise sogar 25 Pf. pro Pfund mehr als im Mai des Vorjahres. Um ihre unverschämte Preispolitik zu rechtfettigen, be- haupten die Schlächter, daß sie auch in: vorigen Jahr, als die Viehpreise zu steigen begannen, keineswegs sogleich die Fleisch- preise erhöht hätten, sondern erst einige Monate später, im Juli und August. Dadurch seien ihnen ganz bedeutende Summen verloren gegangen, die sie jetzt not- wendig wieder einbttngen müßten. Wie die Berliner Markt- Hallen-Statisttk beweist, ist das absolut unrichttg. Es sind zwar die Detailpreise für Schweinefleisch im Mai nur ver- einzelt gesttegen, im Juni ttaten aber bereits bettächtliche Erhöhungen ein, denen im August, September und dann im November weitere folgten. Ungefähr sechs, sieben Wochen nach dem Beginn der Viehpreissteigerung begannen also auch schon die Schlächter mit der Steigerung der Detailpreise, während sie sich heute, ob- gleich seit dem Beginn des Preisfalles beinahe zehn Wochen vergangen sind, noch immer sperren, die Fleischpreise ent- sprechend dem Fall der Viehpreise zu ermäßigen. Die Berufung auf die erlittenen großen Verluste ist alsö nichts als eine bewußte� Täuschung des Publikums. Richttg ist nur, daß die Schlächter in den ärmeren Stadtteilen, in denen sie hauptsächlich auf die Arbeiterkundschaft angewiesen sind, insofern eine Einbuße erlitten haben, als der Konsum abgenommen hat; aber von einem Zurückbleiben der Fleisch- preise hinter der Steigerung der Viehpreise kann nicht die Rede sein. Die heute von den Fleischerinnungen befolgte Preispolittk ist daher nichts als eine freche Ausbeutung des ärmeren Publikums, ein Nahrungsmittelwucher der schlimmsten Art, der hinter dem agrarischen nicht im genngsten zurück- steht.-_ Schiffahrtsabgaben. Dem preußischen Abgeordnetenhause ist ein am 21. Mai zwischen Preußen, Bayern, Hessen und Baden über die Mainkanalisierung von Offenbach bis Aschaffenburg abgeschlossener Verttag zugegangen nebst einer den Bertrag begründenden Denkschrift. Der Artikel Xlll des Vertrages bestimmt: „Der Beginn der Bauarbeiten bleibt so lange aufgeschoben, bis die Frage der Einführung bon Schiffahrtsabgaben auf dem Rhein und dem Main tm Einverständnisse der vertragschließenden Staaten geregelt ist. Die vertragschließenden Staaten gehen da- von aus, daß hierdurch ihrer Stelluugnnhme zur Frage der Ein- fühning der Schiffahrtsabgaben im Rheingebiet m keiner Weise vorgegriffen wird." Dementsprechend bleiben die Anforderungen der erforderlichen Geldbeträge so lange vorbehalten, bis die Einführung der SchiffahrtS- abgaben auf den natürlichen Wasietstraßen im Sinne des Kanal- gesetzes gesichett und damit der Beginn der KanalisierungSarbetten ermöglicht ist. Die Verzinsung und Tilgung des gesamten preußischen BaukapitalS, das die Denkschrift auf 3 800 000 Mark veranschlagt, soll ebenso wie der Aufwand für Betrieb und Unterhaltung auS dem Erttage der Rhein- und Mainschiffahtts-Abgaben genommen werden. Dazu bemerkt die Denkschnst: „Diese Bedingung war ursprünglich nur als eine zwischen Preußen und Bayern geltende gedacht, weil nur diese beiden Stamen Geldmittel für den Ausbau der Mainwasserstratze auf- bringen sollen und deshalb ein unmittelbares Interesse an der -Frage der Kostendeckung aus Schiffahrtsabgaben haben. Infolge einer Initiative der großherzoglich hessischen Regierung hat jene Bedingung aber die aus dem Vertrage ersichtliche weitere Fassung erlangt, wonach die allseitige Verständigung in der Abgabenfrage dem Beginn der KanalisierungSarbetten vorangehen muß. Auch hierin zeigt sich der Zusammenhang der Abgabenfrage mit der kiinstigen Enlwickelung wichtiger Verkehrsinteresseu im ganzen rheinische» Wirtschaftsgebiet und der nicht unerhebliche Einfluß, . den die Lösung dteser Frage auf die künftige Gestaltung der Ver- hältniffe— nicht nur innerhalb der einzelnen Staaten, sondern auch in ihren Beziehungen untereinander— voraussichtlich üben wird." Da« heißt aus dem Amtsstil in gewöhnliches Deutsch übersetzt: Ohne Schiffahrtsabgaben wird aus der Mainkanalisierung nichts. Wollten Bayern und Hessen auf die Kanalisierung nicht verzichten, dann mußten sie ihren Widerstand gegen die von der preußischen Regierung im Dienste der ostelbischen Agrarier geforderten Schiff- fahrtsabgaben aufgeben; und totsächlich sind sie denn auch, wie der Verttag beweist, bereit, sich in die Forderung der Herren Junker zu schicken.— > Dcutfcbca Rctcb. Die Mtien der Verfaffungsreform fallen rapid. Stuttgart, 25. Mai.(Eig. Ber.) Die starrköpfigen württembergischen Standesherren haben auch heute wieder bekundet, daß sie nicht geneigt sind, der Volksmeinung in Sachen der BerfasiungSreform auch nur im gettngsten Rechnung zu ttagcn. Heute verhandelten sie über die künftige Zu« sammensetzung der beiden Kammern und stimmten, wiederum einstimmig, dem Beschluß ihrer Kommission zu, der die 17 Proporzabgeordneten der Zweiten Kammer, durch welche die ausscheidenden Privilegierten ersetzt weeden sollen, einfach st reicht. Vergeblich waren alle Bemühungen der Mnister, die feudalen Herren in dieser Frage zu einem Entgegenkommen gegen die Wünsche deS andern Hauses zu bewegen. Die Herren er- klärten, erst einmal abwatten zu wollen, wie daS andere Haus ihren Beschluß aufnehmen würde. Ist hier vielleicht eine Verständigung aber noch denkbar, so ist sie völlig ausgeschlossen in einer anderen Frage, die die Zusammen- setzung der Ersten Kammer bettifft. Gegenwärtig find in dieser 19.standeshertliche" Familien vertteten. Seit dem Bestehen der gegenwättigen Berfaffung sind aber bereits zehn standes- herrliche Familien„ausgestorben" respektive durch Bettauf ihrer Güter, auf denen das„Landstandschastsrecht" ruht, oder aus anderen Gründen ausgeschieden. Die hohen Herren fürchten nun, daß sich diese Verminderung ihrer Sitze und daher auch die Verminderung ihres unheilvollen Einflusses auf die württembergische Gesetzgebung in Zukunft fottsetzt und dem wollen sie vorbeugen. Sie verlangen daher die Aufnahme einer Besttm- mung, welche den jeweiligen König berechtigt, weitere erb- liche Mitglieder der Ersten Kammer aus dem 'tandesherrlichen oder ritterschaftlichen Adel zu ernennen, aber— damit der.Schutz der besitzenden Klasse" auch weiterhin genügend gesichert ist— nur solche, die auf Grund eines Fideilommiffes eine jährliche Rente von mindestens 20 0�0 M. beziehen. Das Groteske an der Situatton ist, daß die Regierung und der gegenwärtige Throninhaber dieses Recht der Ernennung weiterer erblicher Mitglieder der Ersten Kanuner gar nicht haben wollen, während der in der Ersten Kammer ätzende Thronfolger nebst den übrigen Prinzen. die sämtlich der nach dem Ableben deZ jetzigen Königs ihren Einzug haltenden habsburgischen Linie angehören, einmütig für dieses Recht eintreten, wohl wisiend, welches Recht sie sich damit llr die Zukunft sichern. Schon weil sich diese Perspettive für die Zukunft des Landes ergibt, wird aber auch die Zweite Kammer ein solches Recht nie gewähren können, und da die Standesherren die Gewährung dieses Rechts als unumgängliche Be- dingung für ihre Zustimmung zum Reformwerk bezeichnen, so kann man die Reform vom heuttgen Tage ab schon als gescheitett an- sehen. Ueber die Beendigung der Beratung wird telegraphiett: Stuttgart, 26. Mai. Die Kammer der Standesherren er- ledigte heute die Beratung der Verfassungsrevision und lehnte das von der Kammer der Abgeordneten beschloffene Erfordernis des Wohnsitzes der Standesherren im Lande ab. Damit sind die Altien der Reform auf Null gesunken. „Unerhörtt Zustände". Wie sehr die deuffchen Agraner sich gewöhnt haben, den Staat als ihre Pttvatdomäne zu betrachten, die lediglich ihrem Votteile zu dienen habe, lehren erneut die Klagen ihrer Presse über die .Leutenot" und noch mehr die Forderungen, welche daran an« knüpfend die Agratter ganz ungeniett an die Staatsmacht stellen. So hat die Landwirtschaftskammer für Wcstpreußen kürzlich eine Eingabe an den LandwirtschastSminister gerichtet, in welcher sie es fettig bekommt zu verlangen, daß die Regierung zum Vorteil des Großgrundbesitzes die Verwendung rusfisch-polnischer Saisonarbeiter in der Industrie und bei Bahnbauten verbieten solle! Noch naiver ist ein Eingesandt, das ein Gutsbesitzer aus Neuvorpomme.u in der.Deutschen Tageszeitung" veröffentlicht. Dott liest man: .Ueber Sttalsund-Saßnitz und Rostock-Warnemünde find nach den Benchten der Lolalzeitungen zirka 4000 Schnitter, meisten« Russen, nach Dänemark und Schweden als Saisonarbeiter gereist; diese 4000 Arbeiter sind uns also entzogen. Dazu kommt, wie Sie früher schon benchtet haben, daS Aufsaugen der Arbeiter durch die Jndusttte. Wenn ich recht durch meinen Borschnitter unterrichtet bin, mieten sich die schwedischen beziehungsweise die dänischen Agenten in den- betreffenden deutschen Grenzstädten schon im Oktober eine Wohnung und werben dann im Laufe des Winter? in D e u t s ch l a n d die russischen respekttve galizischen Arbeiter kür Dänemark und Schweden an. Das sind doch unerhörte Zuständel Die Dänen und Schweden könnten sich doch in Rußland selbst die Leute werben und nicht in Deuffchland. Der Staat hat doch wohl die Mittel in der Hand, hier einzuschreiten, da ist es doch seine Pflicht, so schnell� wie möglich die deutsche Landwirtschast in dieser Beziehung zu schützen. Er kömite n. m. A. das Anwerben in Deutschland gänzlich verbieten und das Durchreisen derLeu'te durch Deutschland nach Dänemark und Schweden sehr erschweren." Also lediglich im Privattntereffe der deutschen Gutsbesitzer soll die Regierung einer bestimmten Kategotte von Ausländern das Durchreisen erschweren! UebrigenS hat die.D. T." kürzlich in einem längeren Artikel erklärt, daß die ausländischen Landarbeiter gegenüber den deutschen minderwertig seien(also doch l), und daß deshalb die Agrarier dem» nächst einen Vorstoß gegen die— Freizügigkeit der deutschen Arbeiter unternehmen wollen! Wir verzeichnen daS, nicht weil wir den Erfolg cineS solchen Borstoßes befürchten, sondern weil diese Ansprüche die ungeheuerliche Unverschämtheit des Agrariertums bor- trefflich kennzeichnen. Wo die wahre Ursache der„Leutenot" liegt, wissen unsere Leser." Erst heute wieder erfahren wir von einem Gut in der Nähe von Ragnit in Ostpreußen, daß in einer Arbeiter- Wohnung die Decke herabgestürzt ist, trotzdem der Bewohner bei- zeiten eine Reparatur beim Jnspeltor verlangt hatte. Als darauf der Arbeiter deswegen den Dienst verließ, bekam er noch obendrein eine Anklage wegen Kontraktbruchs I— Scheinliberalismus. Herr Theodor Barth kommt in seinem Blatt, der„Nation", nochmals auf das Verhalten der Nationalliberalen bei den letzten Abstimmungen im Reichstage und die Dannstädter Stichwahlparole zurück. Er erklärt es für eine Naivetät, von den freisinnigen Gruppen zu verlangen, sie sollten sich mit einem Nationalliberalismus vereinigen,„dessen typischer Wortführer der reaktionäre Herr Patzig geworden ist". „Der deutsche Liberalismus", erklärt er,„befindet sich heute in einem Krankheitszustande, den man nicht mehr mit parteipolitischem Aamillentee heilen kann. Der Liberalismus, der sich in Deutsch- land unter den gegenwärtigen politischen Zustanden nicht zu einer entschlossenen demokratischen Partei entwickelt, muß notwendigerweise mehr und mehr zu einem scheinliberalen Anhängsel der klerikal- konservativen Reaktion entarten. Deshalb keine Einigung mit jenen Nationalliberalen, die mit den Reaktionären seit Jahr und Tag ihre politischen Geschäfte machen und gerade jetzt mit den Reaktionären enger verbrüdert sind als je. Fort mit der zweideutigen Rücksichtnahme auf diesen Schein!, beralismus! Ihn unterstützen, heißt den wirk« lichen Liberalismus preisgeben. Je rücksichtsloser man gegen die Scheinliberalen vorgeht, umso eher hat man Aussicht, jene Teile des Nationalliberalismus, die noch nicht reaktionär angefault sind, für einen liberalen Block zu gewinnen, der demokrattsche Politik treiben will." In gewissem Sinne hat Herr Barth recht: ein Liberalismus, Der nicht entschlossen ist, konsequente demokratische Politik zu treiben, muß unter den politischen Verhältnissen Deutschlands notwendig zu einem scheinliberalen Anhängsel der Reaktion werden. Nur unter- schätzt Herr Barth bei weitem die Ausdehnung, die der Schein- liberalismus bereits gewonnen hat. Er erstreckt sich nicht nur auf die Nationalliberalen, sondern auch auf den größten Teil der beiden freisinnigen Parteien, wie die Jeremiaden der„Voss. Ztg.", der„Fr. Deutsch. Presse", der „Wcser-Ztg." usw. über die freisinnige Stichwahltaktik in Darmstadt zur Genüge bewiesen haben. Wenn bei dem geplanten Regenerations- Prozeß des„deutschen Liberalismus" alle diese scheinliberalen Elemente ausgeschaltet werden, bleibt nur ein winziges Häuflein übrig, das aus die deutsche Politik keinen Einfluß auszuüben vermag.— LandtagSdiäten in Baden. Die Vudgetkommission der Zweiten Kammer befaßte sich heute in zweiter Lesung mit dem Gesetzentwurf, wonach die in Karlsruhe wohnenden Abgeordneten künftig sechs Mark Diäten erhalten sollen. Die Kommission erhöhte diesen Betrag auf neun Mark, womit sich die Regierung einverstanden erklärte. Sämt- liche Abgeordnete erhalten künftig auch freie Fahrt auf den badischen Eisenbahnen.— Staatsgesährliche Dichtung. Aus Essen wird uns vom 20. Mai telegraphiert: Die Rezitation des Kampfschen Dramas:„Am Vor» abend", das Frau Rüben hier vortragen wollte, ist auf Grund des bekannten Polizeiparagraphen des preußischen Landrechts von der Polizeibehörde verboten worden I— Noch ein verdienstvoller Richter in Sachsen. Der Landgerichts- direktor Dr. Schmidt zu Leipzig ist zum Obcrlandesgcrichtsrat in Dresden ernannt worden. Herr Schmidt hat schnelle Karriere gemacht. Noch vor Jahresfrist war er Landgcrichtsrat. Unter dem Vorsitze Dr. Schmidts als Vertreters des Direktors Mauckisch verurteilte die S. Strafkammer zu Leipzig im vorigen Frühjahr den Genossen Lange von der„Leipz. Volkszeitung" wegen Beleidigung der Reichspostverwaltung zu der unerhört hohen Strafe von neu» Monaten Gesüngnis. Bald darauf wurde Dr. Schmidt zum Direktor der 5. Strafkammer ernannt. Und noch ist Dr. Schmidt kein Jahr Direktor, da erfolgt schon seine Beförderung zum Oberlandesgerichtsrat. Der Klasfenstaat ist seinen treuen Be- amten dankbar. Neue Opfer des siidwestafrikanischen Kolonialabenteuers. Amt- kicho Meldung. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Unteroffizier Friedrich Meyer, geboren am 7. 7. 80 zu Neukrug, früher im In- fanterie-Regiment Nr. 128. am 20. Mai im Feldlazarett Bethanien an Skorbut gestorben. Nachträglich gemeldet: Am 4. Mai bei Rooisvlcy verwundet: Oberleutnant Ernst Moliere, geboren am 1ö. 12. 73 zu Küstrin, früher im Jägcr-Bataillon Nr. 4, Quetschwunde linken Unterarm. Weichteilschuß Gesäß. Ferner am 19. Mai d. I. auf Patrouille nördlich Kanus gefallen: 1. Leutnant Kurt Engler, geboren am 39. 8: 75 m Taucha, früher im Königlich Sächsischen 14. Infanterie-Regiment Nr. 179 Herzschuß. 2. Reiter Friedrich Finde, geboren am 23. 7. 82 zu Nowka, früher im Infanterie-Regiment Nr. 74, Kopfschuß. Ferner: Reiter Adolf Lictz, geboren am 28. 4. 80 zu Oberstein, früher im Jnfanterie-Regimcnt Nr. 30, am 19. Mai d. I. im Feld- lazarett Kalkfontein an Typhus gestorben.— Konferenz der Vertreter deutscher Eisenbahnvcrwaltungen. In Koburg waren, wie die„Dorfztg." mitteilt. Vertreter des Reichs- eisenbahnamtes, des preußischen Ministeriums der öffentlichen Ar- beiten, der preußisch-hessischen, bayerischen, württembergischen, sächsischen, oldenburgischen, mecklenburgischen Eisenbahnen und der Privatbahnen Deutschlands versammelt, um den Entwurf für eine einheitliche Signalordnung sowie für neue Fahr- dienstvorschriften der deutschen Bahnen festzustellen, die sich sehr wesentlich von den bisherigen Vorschriften unterscheiden werden und bei denen alle schlimmen Erfahrungen bei Eisenbahnunfällen berück- sichtigt und bestehende Mängel der bisherigen Vorschriften verbessert werden sollen.—_ Anstandslchrer Erzbcrgcr. Genosse. S a ch se sendet uns folgende Erklärung: In der Reichstagssitzung vom letzten Freitag erwähnt» ich U. a. auch, daß Herr Zentrumsabgeordneter E r z b e r g e r es für an- ständig hielt, außerhalb des Hauses meine und die Abwesenheit des Genossen Hue von der Reichstagssitzung am 2t. Mai 190S als eine grobe Pflichtverletzung zu denunzieren. Ich sägte, Herr Erz- berger habe mich und meine» GenossenHue beschuldigt, wirhätren lieber, statt unsere Pflichten als Volksvertreter zu erfüllen, mit den Kölner Kongreßdelegierte» eine Kölner Bierreise gemacht. Auf diese Anschuleiguiig bestritt Herr Erzberger, unanständig gehandelt zu haben, er habe lediglich die„Tatsache" unserer Abwesenheit„kon- statiert". Auf meine Erklärung, er habe die unanständige Polemik gegen Reichstagskollegen auch in einer schlesischen Versamnüung ge- tan, erwiderte Herr Erzberger, er sei seit 1904 nicht mehr in Schlesien gewesen. Danut schien Herr Erzberger gerechtfertigt. Heute bin ich in der Lage, das Gedächtnis des Herrn Erzberger etwas aufzufrischen. Es ist richtig, ich irrte mich, als ich annahm, Herr Erzberger habe seine unanständige unwahre Behauptung in einer Versammlung getan. Richtig ist folgendes: Im„Katolik", dem' Organ, das dem früheren Zentrums- Abgeordneten Krolik nahesteht, erschien ein Artikel, in dem es hieß, Sachse und Hue hätten am 24. Mai, als über die Festsetzung der Tagesordnung der näcksten Sitzung(Reichsberg« gesetz) abgestimmt wurde, gefehlt, weil sie lieber von Köln aus eine VergnügungS Partie per Dampfer gemachthätten. Als seinen Gewährsmann nannte der„Katolik" den— Herrn Erzberger, der in einem Artikel der „Schlesischen Volkszeitung" jene Mitteilung ge- macht Habel Darauf ist in der„Bergarbeiterzeitung" vom 8. Juli 1905 die Verdächtigung scharf zurückgewiesen worden und Herr Erzberger der Verbreitung von Unwahrheiten bezichtigt worden, sofern er, wie ider„Katolik" behaupte, der Verfasser jenes Ver- dächtigungsartikels sei. Damals ist in der„Bergarbeiterzeitung", so wie ich es am Freitag tat, unsere Abwesenheit erklärt worden. Herr Erzberger ist aufgefordert worden, sich zu der Sache zu äußern, e r h a t geschwiegen! Die„Bergarbeiterzeitung" wird von der ZentrumSpresse sehr genau verfolgt, selbst der Annonzenteil ivird durchgeschnüffelt. Ich halte es für ausgeschlossen, daß Herr Erzberger von dem ihn betreffenden Artikel der„Bergarbeiterzeitung" keine Kenntnis bekommen hat. Hierbei handelte es sich gar nicht um die nie bestrittene Tatsache unserer Abwesenheit, sondern um die Verdächtigung, wir seien abwesend gewesen, obwohl wir präsent sein konnten; die„Kölner Dampferfahrt" habe uns gefesselt. Ich stelle also fest, daß die von mir am Freitag gekennzeichnete unanständige Polemik des Herrn Erzberger schon am 8. Juli 1905 öffentlich gebrandmarkt worden ist unter Angabe der Quelle, nämlich eines Artikels Erzbergers in der„Schlesischen Volkszeitung". Da- mals haben weder Herr Erzberger noch seine Parteipresse bestritten, daß er uns fälschlich verdächtigt hat. Am letzten Freitag wollte Herr Erzberger den Eindruck erwecken, als ob er uns nicht ver- dächtigt habe. Ob Herr Erzberger nach dem Vorgefallenen das Recht hat, sich im Reichstage als Anstandslehrer aufzuspielen, kann ich uun ruhig dem öffentlichen Urteil überlassen.— Unfall im Reichstage. Genosse Scheidemann glitt in der gestrigen Reichstagssitzung so unglücklich aus, daß er eine erhebliche Verrenkung des linken Handgelenks davon trug und voraussichtlich noch einige Wochen den Arm in der Binde tragen muß. Hustand« Frankreich. Furchtbare Gefahr! Paris, 26. Mai.(W. T. B.) Der neugewählte Deputierte Bivtry, der Präsident der gelben Syndikate, kündigt an, daß in Paris ein von diesen Syndikaten veranstalteter internationaler Antisozialisteu-Koiigreß stattfinden werde. Herr Biötry scheint Anlagen zum Spaßmacher zu haben. Wenn der lächerliche„internalionale Antisozialisten-Kongreß" auch nur von der humoristischen Seite zu nehmen ist, so entpuppen sich doch immerhin die„Gelben" in allem Ernst als das, was sie sind: als Schleppenträger der internationalen Reaktion.— Italien. Giolitti Premierminister. Rom, 23. Mai.(Eig. Ber.) Seit bekannt gelvorden war, daß der König die Bedingung Sonninos, ihn mit dem Dekret zur Kammerauflösung auszustatten, nicht angenommen hatte, erschien die Berufung Giolittis als selbstverständlich. Ob sie konstitutionell korrekt ist, das ist eine andere Frage. Ein Votum der Kammer, das auf ernxutes Ver- trauen in die Giolittianer und ihren Anhang deutet, lag nicht vor. Wenn der König vor drei Monaten glaubte, ein Mitglied der Rechten mit der Regierung betrauen zu können, so ist es sehr be- fremdend, daß er ohne ein politisches Votum wieder auf Giolitti zurückgreift. Vorzustellen brauchen wir Giolitti nicht: der Mann der„Banca Romana" ist zur Genüge bekannt. Er kommt jetzt zur Regierung, um die letzten Lappen seines Liberalismus aufzubrauchen, bis er in der widrigen Nacktheit seiner Geschäftspolitik dasteht. Giolitti wird den Rückkauf der Südbahnen, den Sonnino beschlossen hatte, nicht vornehmen und so immer ein Mittel in der Hand haben, den Bahn- betrieb wieder dem Privatkapital auszuliefern, da ber Rückkauf ja Bedingung für jeden Ausbau und jede Reform in diesem Staats- betriebe ist. Ferner wird Giolitti seine gütige Hand über die so schwer geprüften Marinelieferanten breiten und schließlich— als Spezialist der Wahlmache— den sozialistischen Abgeordneten bei den am 3. Juni bevorstehenden Ersatzwahlen die Hölle recht heiß machen. Wie lange er mit dieser Kammer und bei den bringenden Problemen, an denen das Land laboriert, mit seiner Brutalität und Bauernschlauheit durchkommen wird, das läßt sich natürlich nicht absehen. Allzulange wird's nicht sein.— England. Englisch-russische Beziehungen. London, 24. Mai.(Eig. Ber.) Wir haben in der letzten Zeit mehrere Versuche gesehen, die Beziehungen zwischen England und Deutschland freundlicher zu gestalten, aber die diplomatische Lage ist dieselbe geblieben. Der Besuch der deutschen Oberbürgermeister in England, die Eröffnung einer deutschen Malereiausstellung in London, die Rede des neuen deutschen Ministers des Aeußeren im deutschen Reichstag und der bevorstehende Besuch deutscher Journalisten in London— alle diese „Ereignisse" bleiben ohne Einfluß auf das Wesen deS englischdeutschen Gegensatzes. Beide Länder rüsten! Beide Länder verfolgen eine entgegen- gesetzte Diplomatie! England versucht, seine Politik so einzu- richten, daß Deutschland sich in seinen Rüstungen erschöpft. Und Deutschlands Diplomatie versucht, das Mißtrauen Englands abzu- schwächen und einzuschläfern, bis der Zeitpunkt gekommen ist, den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Das alles ist kein Geheimnis mehr und der Gegensatz entfaltet sich mit logischer Schärfe. Wenn sich die Politik Deutschlands nicht ändert und die ungeheuren mari- timen Rüstungen fortgesetzt werden, dann wird es auf die Dauer kaum möglich sein, das fürchterliche Ringen der Engländer u/d Deutschen um die Seeherrschaft zu verhindern. Wie wenig die englisch-deutschen Beziehungen sich in Wirklich- keit leider gebessert haben, zeigt erstens das hier zirkulierende Ge- rücht, daß ein hochgestellter deutscher Staatsmann während des englisch-türkischen Güenzstreites z�vei gegen England gerichtete Briefe an Mustar Pascha, den türkischen Vertreter in Aegypten, gesandt habe, die von Lord Cromer, dem britischen Verwalter Aegyptens, aufgefangen worden seien. Ks ist nun zwar unmög- lich, dieses Gerücht zu kontrollieren, aber es wird hier geglaubt. Ferner ist das Urteil der„Time s" über die gestrige Rede von Tschirschkys beachtenswert. Das Blatt schreibt heute:„Eng- land hat nicht den Wunsch, Feindschaft gegen Deutschland zu er- wecken oder es zu isolieren. Wenn wir uns bestreben, ein Ueberein- kommen mit Rußland zu erzielen, so geschieht dies nicht mit dem Wunsche, Deutschland oder irgend eine andere Macht zu schwächen, sondern den»latus quo in unserem Interesse' aufrecht zu erhalten. So lange aber Deutschland, wie Baron v. Tschirschky erklärt, sich bemüht, eine Politik des europäischen Friedens zu treiben, hat eS keine Ursache, ein englisch-russisches Uebereinkommen zu fürchten. — Gleichzeitig muß aber hinzugefügt werden, daß uns die letzten Ereignisse zwingen, die freundlichen Worte mit einem gewissen Grade höflicher Reserve entgegenzunehmen, bis wir sehen, daß sie durch die Praxis der deutschen Diplomatie bestätigt werden.... Unsere Haltung gegenüber der offiziellen Politik der deutschen Regierung muß begründet sein nicht nur auf ihre Erklärungen, sondern auch auf ihre wirkliche diplomatische Praxis."— Konservative Wahlkorruption. London, 26, Mai. Der konservative Abgeordnete für Worcester, Williamson, verlor seinen Sitz wegen Wahlbestechungen. Die An- klage hatte 97 Fälle von Bestechung und Traktieren behauptet. Wenigstens 20 Proz. der konservativen Wähler sollen bestochen oder wattiert sein. Herr Williamson scheint bei Ostelbiens Agrariern in die Schule gegangen zu sein.— Schweden. Anarchistengesetze. Man muß sich staunend fragen, was denn in Schweden geschehen ist, daß man dort eine besondere Gesetzgebung gegen Anarchisten nötig zu haben glaubt. Hat man von Attentaten gehört? Sind Bomben und Höllenmaschinen gefunden worden? Nichts dergleichen. Nur— Schriften sind erschienen und verbreitet worden, antimili- taristische Agitation ist betrieben worden, die wohl manchmal die Grenzen des Wohlanständigen überschritt, aber keineswegs Aufforde- rungen zu, blutigen Attentaten enthielt und— soweit sie unstatthaft war— von der geltenden Gesetzgebung getroffen werden konnte. Aber zugleich kam ein Ministerium ans Ruder, dessen Chef von der Reaktion als ein besonders gefährlicher Bursche, als ein Halbsozialist, als Volksaufllarer und-Aufwiegler verschrien wurde. Dieses Mi- nisterium gebrauchte man zu einer ganz überflüssigen erzreaktionären Gesetzgebung, und es ließ sich dazu gebrauchen! Nach dem Reinfall mit der Wahlrechtsreform erlebte das Ministerium Staaf einen traurigen Erfolg mit seinen Anarchistengcsetzen, Diese Rcgicrungs- vorlagen sind am Sonnabend von beiden Kammern des Reichstags angenommen worden, von der ersten Kammer ohne irgend welche Debatte!— ES waren im ganzen drei Borschläge: Der erste ent- hält Verschärfungen einiger Paragraphen des Strafgesetzbuches, namentlich die, daß Personen, welche mündlich oder durch Verbreiten oder Verbreitenlassen von Schriften zu verbrecherischen Handlungen auffordern, statt wie bisher zu Geldbußen oder zu Gefängnis bis zu zwei Jahren zu St ras arbeit bis zu vier Jahren verurteilt werden können! Neben den Verschärfungen enthält dieser Vorschlag allerdings auch in einem Punkte, den Aufruhrparagraphen be- treffend, eine Milderung: Teilnehmer an einem Auflauf, bei dem Gewalttaten geschehen, sollen, sofern sie nicht Anstifter oder An- führer sind und mildernde Umstände obwalten, nur mit Strafarbeit von zwei Monaten oder mit Gefängnis bestrast werden. Diese Milderung wurde auch von der ersten Kammer mitbeschlossen. Der zweite Vorschlag enthält Aenderungen des Preßfreiheits. gesetzes. Hier wird, neben der Aufforderung zu Meuterei, zu Auf- rühr oder zu Gewalt gegen Personen oder Eigentum auch die „Lobpreisung" verbrecherischer Handlungen und die Ver» leitung zu Ungehorsam gegen das Gesetz oder die gesetzliche Autori- tat strafbar und zu einem Grund für die Konfiskation von Druck- fachen gemacht. Ferner wird den Truppenkommandanten und Befehlshabern auf Kriegsschiffen anheimgegeben, Schriften, die den offenbaren Zweck verfolgen, das Pflichtgefühl und den Gehorsam der Soldaten zu untergraben, zu konfiszieren. Sie sollen solche Schriften dem Justiz- departement oder besonders dazu auscrsehenen Beamten überliefern. Der dritte Vorschlag gibt den Truppenkommandanten das Recht, den Soldaten den Besuch von Zusammenkünften zu verbieten, falls an- genommen werden kann, daß dort Aeußerungen fallen, die die Dis- ziplin gefährden, In der zweiten Kammer wurden die Vorschläge nach lebhaften Debatten, in denen unsere Parteigenossen alles aufboten, die Annahme zu verhindern, wobei sie auch von einigen bürgerlichen Abgeordneten unterstützt wurden, doch mit 104 gegen 51 bezw. 129 gegen 31 bezw. 133 gegen 47 Stimmen angenommen! Staatsankauf von Wasserfällen.— Kasernenbauten. Durch gemeinsame Abstimmung beider Kammern hat der schwedische Reichstag am 23. Mai mit 241 gegen 125 Stimmen den Ankauf von Wasserfälle» zu elektrischem Betrieb der Staatsbahnen beschlossen und dazu der Regierung fünf Millionen Kronen zur Ver- fügung gestellt. Der Vorschlag der Regierung, die privaten Telephonanlagen in Stockholm und Umgegend anzukaufen, wurde mit 233 gegen 132 Stimmen verworfen. Für Kasernenbauten bewilligte der Reichstag mit 225 gegen 138 Stimmen 21 740 000 Kronen, jedoch mit der von der Zweiten Kommer vorgeschlagenen Bedingung, daß Kommissionen eingesetzt werden, die Vorschläge über die Garnisonstädte machen und für eine scharfe Kontrolle bei der Ausführung der Bauten sorgen sollen.—_ öewerfcfcbaftUcbca. Die Lage in der Metallindustrie. Die„Arbeitgeber-Zeitting" schreibt: „Ueber den Stand der Dinge in der Eisenindustrie braucht man heute kaum ein Wort zu verlieren. Der Worte sind ohnehin genug gewechselt. Wir tauchen unsere Feder, um uns der Ausdrücke eines sozialdemokratischen Blattes zu bedienen, weder in galläpfelige Tinte noch in Salatöl, sondern wir schreiben, was allerdings unseren Gegnern unverständlich ist, die reine und objektibeWahrheit. Die Beschlüsse des Gesamtverbandes deutscher Metallindustrieller sind bekannt. Die auf den 2. Juni angesetzte Aussperrung hat sich als notwendige Maßregel er- wiesen, und wie aus allen Teilen des Reiches mitgeteilt wird. werden alle Vorbereitungen getroffen, die zur Durchführung dieser Maßregel erforderlich sind." Daß die„Arbeitgeber-Zeitung" in irgend einem Falle die reine und objektive Wahrheit schreiben sollte, wird nicht nur ihren Gegnern, sondern auch ihren Freunden unverständlich er- scheinen. Die Wahrheit zu schreiben ist sie nicht da, sondern die Gegner ihrer Auftraggeber irre zu führen. So lügt sie schon sofort in dem Satze nach ihrer Aufrichtigkeitsbeteuerung: „Die auf den 2. Juni angesetzte Aussperrung..." Bekanntlich sollte die Kündigung am 12. Mai ausgesprochen und die Aussperrung am 26. Mai vorgenommen werden. Der zitterte Satz müßte also ehrlicherweise heißen: „Die auf den 2. Juni verschobene Aussperrung..." Vor acht Tagen schrieb die„Arbeitgeber-Zeitung": „In sozialdemokratischen Blättern findet sich die Behauptung, daß nicht die Prinzipienfragen—„Normallohn und Verhandlungs- fragen"— das Hindernis bilden, den Frieden herbeizuführen, sondern die ablehnende Haltung der Scharfmacher m allen sonstigen Fragen. Diese Unterschiebung muß entschieden zurück- gewiesen werden. Die Herren vom Deutschen Metallarbeiter- verbände können ja nur öffentlich erklären, daß sie in diesen beiden Prinzipienfragen nach- geben und ihre Bezirksleitungen und die streilenden Gießerei- . arbeiter veranlassen, das gleiche zu tun, dann muß sich zeigen, ob damit das Hindernis für die Herbei« führung deS Friedens beseitigt ist." Nicht als Antwort auf diese Provokation, sondern ganz spontan hat bekanntlich der Vorstand des Metallarbeiterverbandes eine Er- Ilärung in dem gewünschten Sinne abgegeben. Und was hat sich zezeigt? Daß es entweder mit den Beziehungen der„Arbeitgeber- Leitung" oder aber mit ihrer„reinen und objektiven Wahrheit faul jteht.— Gar n i ch t S ist erfolgt! » Zur Lage der Metallarbeiterveweg ung in a n n o v e r wird uns in Ergänzung unserer tclegraphischen Mit- teilung über das Scheitern der Verhandlungen noch geschrieben: Die Versammlung der streikenden Former und Gictzereiarbeiter am Mittwoch hatte nur mit geringer Majorität unter lebhaftem er- regten Widerspruch einer starken Minderheit die Forderung des Minimallohnes fallengelassen und dafür die Ausbesserung der ihlechtestgestellten Löhne verlangt. Als die Kommission dann am Mittwoch mit den Arbeitgebern in Verhandlung trat, wurde von den Unternehmern sofort jedes Zugeständnis in der Lohnfrage ab- gelehnt, wobei es an höhnischen Bemerkungen nicht fehlte. Man wollte von Lohn überhaupt nichts hören und ließ deshalb die Arbeiter gar nicht mehr zu Worte kommen. Die Unter- nehmer brachen dann die Verhandlungen ab. Es ist also zweifellos, daß die Unternehmer den Kampf selbst weiterfuhren wollten und die ganze» Verhandlungen in allen Städten nur geführt sind, uni den Anschein zu erwecken, als sei man zum Frieden geneigt. Ain Freilag nahmen die Streikenden das Resultat der Kommission entgegen und beschlossen darauf einstimmig folgende Resolution: Die heutige Fornier- und Gießereiarbeiter-Versamnilung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem unbefriedigenden Verlauf der Verhandlungen vom 23. Mai über die Abänderungsvorschläge der Arbeiter und betrachtet die bis jetzt gemachten Zugeständnisse für durchaus»ngeiingend und unannehmbar, sie bedauert namentlich im Hinblick auf die Zurücknahme der Forderung von Mindest- löhnen seitens der Arbeiter die gänzliche Ablehnung jedweder Lohn- erhöhung, insbesondere der schlcchtcst entlohnten Arbeiter. Durch dieses schroff ablehnende Verhalten haben sich die Mctallindustriellen Hannovers in Widerspruch mit ihren Kollegen in vielen Städten Deutschlands gesetzt und nicht zuletzt mir der Metallindustrie in Dresden, Braunschweig, Offen bach und Frankfurt a. M., die die Löhne der Former und Gietzereiarbeiter neu vereinbarte. bei der Aufbesserung besonders die niedrigsten Löhne berücksichtigte und gewährleistete. Die Versammlung hält deshalb, und weil nur ein die Arbeiter befriedigendes Uebereinkominen den Frieden in der Metallindustrie garantiert, an den Abänderungsvorschlägen als geeignetste Grund läge zu einer Verständigung fest. Die Versammlung bekräftigt aufs neue ihre Bereitwillig keit zu lv eiteren Verhandlungen, erklärt aber zugleich. daß den Mctallindustricllrn Hannovers die volle V e r> antwortung zufällt, wenn es wegen ihres halsstarrigen Ver Haltens zu einer Aussperrung von Hunderttausenden von Metall- arbeitern in Deutschland kommt. Die Leitung der Versammlung wird beauftragt, diese ihre ernste Kundgebung dem Bezirksver bände der Metallindustriellen in Hannover, dem Gesamtverbande deutscher Metallindustrieller und seinen sonstigen Bezirksverbänden als Material zur Information zuzusenden. Im Distrikt Halle ist die Kündigung ebenfalls teilweise er- folgt. In der Kündigung heißt es: „Unseren Arbeitern teilen wir mit, daß wir uns leider genötigt sehen, einmiitig mit den übrigen deutschen Metallindustriellen den Beschluß zu fassen, am 2. Juni zunächst drei Fünftel unserer Arbeiter zu entlassen, wenn bis zu diesem Tage bei den im Streik befind lichen auswärtigen Firmen der Metallindustrie eine Wiederaufnahme der Arbeit nicht erfolgt ist. In erster Linie soll diese Maßnahme die dem Deutschen Metall� arbeiter- Verband angehörigen Arbeiter treffen....„Wir wollen' hoffen, daß sich die Dmge bis zum 2. Juni noch dahin wenden, daß wir von einer so ernsten Maßnahme ganz absehen können.' Mai 1903. Der Verband der Metallindustriellen von Halle(Saale) und Umgegend. Auf Grund des vorstehenden Beschlusses kündigen wir Ihnen per 2. Juni er.(Unterschrift.) Dagegen erhalten wir von anderer Seite friedlich klingende Mitteilungen. So meldet uns ein Privattelegramm: Braunschwcig, 26. Mai. Ein. Versammlung der Former, die heute vormittag hier tagte, nahm folgende Resolution an: „Die heute am 26. Mai in Braunschweig tagende Former und Gießereiarbeiter-Versammlung hat von den Berichten der Betriebskommisstonen Kenntnis genommen und erklärt die schwebenden Differenzen in den Gießereibetrieben für beseitigt. Sie beschließt, unter den vorgelegten Bedingungen die Arbeit aufzunehmen, wenn die Aussperrung aufgehoben ist.' Kerlin und Omgegend. Deutscher Metallarbeiterverbant». Die Gasmesser- und Gasofenfabrik in Mariendorf ist für sämtliche Metallarbeiter gesperrt. Iie Ortsverwaltung. Achtung! Nabitzputzer, Spanner und Träger! Die Sperre bei der Firma Otto S t ü w e, Hagelbergerstr. 35. ist hiermit aufgehoben; die Differenzen sind beigelegt. _ Der Sektionsvorsdand. Tarifforderungen der Buchbinder. Nachdem die Buchbindereibesitzer die Maifeier in Berlin zu einer Aussperrung in den drei Tarifstädten benutzt und damit den noch bis zum 31. August gültigen Tarif gebrochen haben, sind die Vertreter der Gehülfenschaft übereingekommen, nun zugleich F o r- deruwgen für eine neue Tarifgemeinschaft zu stellen. Mit diesen Forderungen befaßte sich am Freitag eine öffentliche Versammlung der Buchbindereiarbeiter und-Arbeite- rinnen, die Kellers großen Saal füllte. Der Verbandsvorsitzende Kloth hielt das Referat und wies darauf hin, daß es sich nun bei der Aussperrung infolge der Taktik der Unternehmer nicht mehr um einen Kampf wegen der Maifeier, sondern um einen Kampf um die Erneuerung der Tarifgemein- s ch a f t handelt.— Die Forderungen, die in gemeinsamer Be- ratung von Vertretern der Kollegenschaft von Berlin. Leipzig und Stuttgart aufgestellt worden sind, wurden von der Versammlung gutgeheißen. Es wird für Berlin eine Erhöhung des Minimal- lohnes für Gehülfen von 48 auf 54 Pf. verlangt, für geübte Ar- beiterinnen von 29 auf 31 Pf. Aehnliche Erhöhungen werden für die Minimallöhne der Spezialarbeiterinnen und der Arbeiter an bestimmten Maschinen verlangt. Für alle Arbeiter und Arbeite- rinnen, deren Lohnverhältnisse durch die geforderten Minimal- löhne nicht verbessert werden, wird eine Zulage von 16 Proz. verlangt. Von den übrigen Forderungen sind hervorzuheben: ein Verbot der Heimarbeit, die sich namentlich in Leipzig einzubürgern beginnt, und eine genaue Abgrenzung der Frauen- und Männer- arbeit, wodurch den: Zustand entgegengewirkt werden' soll, daß Arbeiterinnen mit ihren geringen Löhnen als Schmutzkonkurrcnten der Männer ausgenutzt werden. Nach lebhafter Diskussion, die erkennen ließ, daß die Ver- sammelten einmütig bereit sind, einen, wenn es sein muß, langen und opferreichen Kampf mit aller Energie durchzuführen, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Versammlung verurteilt aufs schärfste das Vorgehen des Verbandes deutscher Buchbindereibesitzer, da durch die von diesem Verband systematisch betriebenen Aussperrungen in Leipzig und Stuttgart, welche in gar keinem Zusammenhang mit der Mai- feier in Berlin stehen, bewiesen wird, daß die Maifeier nur zum Vorwand diente, um ganz andere Pläne als die angegebenen zu verwirklichen. Die Versammlung kann daher nur konstatieren, daß diese Aussperrungen den Bruch einer der wichtigsten. Bestim- mungen des Tarifs, wonach die Tarifgemeinschaft! bis zum LI. August 1966 gilt, bedeuten. Dementsprechend brandmarkt die Versammlung alle gegenteiligen Behauptungen, wie die, daß der Tarif nicht von den Prinzipalen gebrochen sei und weiter bestehe, als bewußte Unwahrheiten, nur dazu bestimmt, die wahren Ziele jenxr Herren zu verdecken, die darauf hinauslaufen, den Einfluß des Deutschen Buchbinderverbandes und seiner Mitglieder auf die Gestaltung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse aufzuheben und an deren Stelle die bedingungslose Unterwerfung unter den Willen der Führer des Verbandes deutscher Buchbindereibesitzer zu setzen. Einer solchen tatsächlichen Vernichtung des gesetzlich gewähr- leisteten Rechtes auf den freien Arbeitsvertrag verspricht die Ver- sammlung mit aller Energie entgegenzutreten und rechnet dabei auf die volle Unterstützung der gesamten Kollegenschaft und Ar- deiterschaft. Die Versammlung hat von den aufgestellten Forderungen Kenntnis genommen, erkennt ihre Durchführung in Anbetracht der selbst vom Buchbindercibesitzerverband zugegebenen Preissteigerung aller Lebensbedarfsmittel als unbedingte Notwendigkeit an, und beauftragt die Vertreter des deutschen Buchbinderverbandes, diese Forderungen beim Verband der Buchbindereibesitzer einzureichen. Die Versammelten weisen mit Entrüstung die Unterstellung zurück, als seien sie eine„blind ihren Führern gehorchende Masse" da unsere Führer lediglich das ausgeführt haben, zu dem sie von den Mitgliedern des Buchbinderverbandes verpflichtet waren. Schließlich erklären die Versammelten, daß sie sich niemals unter das Joch einer Tarifgemeinschaft beugen werden, die in einseitiger Weise den Interessen der Unternehmer Rechnung trägt. Sie werden in solchem Falle um so lieber von dem Abschluß einer Tarifgemeinfchast überhaupt absehen, als man nach den letzten VoD kommnissen nicht sicher ist, daß die abgeschlossenen Tarifverträge in Zukunft von solchen Unternehmern eingehalten werden. Die Verantwortung für die daraus entstehenden Folgen für unser und die verwandten Gewerbe mutz die Versammlung dem Verband deutscher Buchbindereibesitzer und seinen Führern übev lassen."_ Achtung! Holzarbeiter! Sämtliche Maschinen- und Hülfsarbeiter— 25— der Deutschen Hausbau-Gesellschaft in Golm bei Potsdam sind in den Streik getreten wegen Verweigerung der neunstündigen Arbeitszeit und 46 Pf. Stundenlohn. Zu diesem Konflikt ist zu be> merken, daß die verlangte Verkürzung der Arbeitszeit von zehn auf neun Stunden auch für die Maschinenarbeiter usw. sonst schon im ganzen Betriebe eingeführt ist. Da alle in Frage kommenden Ar beiter im Deutschen Holzarbeiterverband organisiert sind, so ist der Erfolg sicher, wenn Zuzug ferngehalten wird. Die Korbmacher der Glashütte in Stralau forderten eine geringe Aufbesserung ihrer Lohnverhältnisse. Bei den Verhandlungen er- klärte die Direktion, diesen Zweig des Betriebes eingehen lassen zu wollen. Welchen Wert diese Erklärung hat, beweisen Inserate in bürgerlichen Blättern, wo die Firma Korbmacher sucht. Auch soll die Firma beabsichtigen, Lehrlinge zu beschäftigen. Er wähnen wollen wir, daß hier nur einige'Sotten Körbe zu erlernen sind, und daß sich dann nach beendeter Lehrzeit der Lehrling doch erst weiter ausbilden müßte. Die Korbmacher werden gebeten, den Betrieb streng zu meiden. Wahlkampf in der Ortskrankenkasse des Schlächtergewerbes. Zwischen der Innung bezw. ihrem Anhang und den organisierten Schlächtergesellen spielt sich seit einiger Zeit ein Kampf ab, der sich um die Delegiertenwahlen zur Ortskrankenkasse des Schlächter gewerbes dreht. Die Wahlen, welche im November vorigen Jahres stattfanden, sind auf eine Beschwerde der gewerkschaftlich organi- sierten Fleischergesellen hin als ungültig erklärt worden, weil die Jnnungsfreunde durch statutenwidrige Unregelmäßigkeiten eine Mehrheit erlangt hatten. Im Februar d. I. wurde die Wahl zum zweitenmal vorgenommen. Diesmal erlangte die Liste der Ge- werkschaft die Mehrheit und nun erhoben die innungsfreundlichen Gesellen, vertreten durch den Altgesellen. Protest gegen die Wahl. Von einer großen Reihe von Beschwerdepunkten, welche sie vor- brachten,.erkannte die Aufsichtsbehörde jedoch nur einen als be- gründet an, nämlich den, daß die Wähler nicht daraufhin kon- trolliert worden seien, ob sie am Wahltage auch noch Mitglieder der Kasse waren. Man hatte sich zwar seit Jahren damit begnügt. daß die Wähler ihre Kassenbücher als Legitimation vorwiesen, jetzt aber erklärte die Aufsichtsbehörde diese Art der Legitimationen als ungenügend und verlangte, daß die Mitgliedschaft der Wähler aus den Mitgliederlisten der Kasse festgestellt werde. Weil das nicht geschehen war, so wurde auch die zweite Wahl als ungültig erklärt und die Mitglieder der Ortskrankenkasse des Schlächtergewerbes haben am 29. Mar zum drittenmal eine Delegiertenwahl vorzu- nehmen.— Der Agitation für diese Wahl diente eine öffentliche Fleischergesellen-Versammlung, die am Donnerstag im Musiker- saal tagte. Nachdem Gewerkschaftssekretär Ritter einen Vortrag über die Bedeutung der Selbstverwaltung in den Krankenkassen gehalten hatte, gingen Krause und H e n s e l auf die besonderen Verhältnisse in der Ortskrankenkasse des Schlächtergewerbes ein. Sie führten unter anderem aus: Es sei zweifellos, daß bei dem Wahlprotest auch die Innung ihre Hand im Spiele gehabt habe, und daß die Gesellen, welche den Wahlprotest erhoben und unter- stützten, nur vorgeschobene Personen seien, welche für die Interessen der Innung arbeiten. Den Jnnungsmeistern sei es natürlich nicht recht, daß die gewerkschaftlich organisierten Gesellen die Mehrheit der Delegierten bilden, und sie bemühen sich deshalb, eine Mehrheit zustande zu bringen, die aus gefügigen Werkzeugen der Innung zusammengesetzt ist. Der Altmeister Beust fahre bei den Schlächter- meistern herum zrnd agitiere dafür, daß die Gesellen für die Liste stimmen, welche man als die Liste der Innung bezeichnen könne.— Die organisierten Gesellen müßten nun dafür sorgen, daß die Bemühungen der Innung und ihrer Gefolgschaft vereitelt werden. Es müsse eine lebhafte Agitation entfaltet werden für die gewerkschaftliche Liste, welche von der freien und der christlichen Gewerkschaft gemeinsam auf- gestellt ist.— Die bisherige Mehrheit der Kastenverwaltung, welche ebenfalls aus gewerkschaftlich organisierten Vertretern bestand, habe verschiedene Verbesserungen eingeführt: Erhöhung der Dauer und des Satzes der Unterstützung, sie habe auch die Meister aus- findig gemacht, welche die Kassenbeiträge nicht ablieferten.— Wenn eine meistertreue Mehrheit gewählt würde, dann könnten diese Verbesserungen im Kassenwesen wieder verloren gehen, und die alte Lotterwirtschaft könnte wieder einreißen, bei der es möglich war, daß der frühere Rendant 6666 M. unterschlagen konnte und der damalige Vorsitzende, ein Meister, diese Angelegenheit zu ver- schweigen suchte.— Die Vertreter der organisierten Gesellen hätten diese Mißwirtschaft beseitigt. Um die von ihnen geschaffenen besseren Verhältnisse zu erhalten, müsse die Liste der Hand in Hand gehenden Verbände gewählt werden. Oeutfcffes Reich. Der Zentralverband der Zimmerer hat im Gau Branden- bürg während der letzten Wochen noch in folgenden Ortschaften Tarifverträge mit den Unternehmern abgeschlossen: In Buch auf ein Jahr bei einer Lohnerhöhung von 65 auf 76 Pf. pro Stunde unter Beibehaltung der neunstündigen Arbeitszeit. In Reppen ebenfalls einjähriger Vertrag, Lohnerhöhung von 36 auf 32� Pf. und Beibehaltung der zehnstündigen Arbeitszeit. In Königs-Wu st erhausen einjähriger Vertrag, Lohnerhöhung von 65 auf 66 Pf., neunstündige Arbeitszeit wie bisher. In Eberswalde zweijähriger Vertrag, Lohnerhöhung von 56 auf 52 Pf., vom 1. Juli d. I. ab 53 Pf. und vom 1. April nächsten Jahres ab 55 Pf., die Arbeitszeit bleibt wie bisher eine 9l4stündige. In I ü t e r b o g' einjähriger Vertrag, Lohnerhöhung von 46 auf 42 Pf., zehnstündige Arbeitszeit wie bisher. In Zehdenick. r a n s e e und Angermünde kam es zu mündlichen Verein- barungen. wobei der Löhn von 38 auf 46 resp. 46 auf 42% Pf. und in Zehdenick vom 1. Juli d. I. ab auf 45 Pf. erhöht wurde. Die zehnstündige Arbeitszeit bleibt bestehen. In Velten bequemten sich >ie Unternehmer nach fünfwöchentlichem Streik der Zimmerer zu einer Arbeitszeitverkürzung von 16 auf 9% Stunden und einer so- ortigen Lohnerhöhung von 56 auf 55 Pf., die vom I. Juli d. I. ab auf 57% Pf. steigt. Der Vertrag gilt auf zwei Jahre. In Cammer, einem rein ländlichen Lohnbezirk, der 16 kleiner« Ortschaften umfaßt, wurde ebenfalls nach sünfwöchentlichcm erfolgreichen Streik ein einjähriger Vertrag abgeschlossen, mit Lohn- erhöhungen von 35 auf 37 Pf. für den ersten Distrikt, von 38 auf 46 Pf. für den zweiten Distrikt und von 33 auf 42 Pf. für den dritten Distrikt. Die zehnstündige Arbeitszeit bleibt allerdings auch hier bestehen. Der Streik im mitteldeutschen Kohlenrevier ist beendet. Uns gehen folgende Telegramme zu: Weißenfels, 26. Mai. Der Streik der Braunkohlcnarbeiter ist nach einem heute nachmittag gefaßten Beschlüsse der in dem hiesigen Braunkohlenrevier abgehaltenen Versammlungen der Ausständigen beendet worden. Am Montag wird dem„Weißenfelser Tageblatt' zufolge die Arbeit allgemein wieder aufgenommen werden. Meuselwitz, 26. Mai. In der heute nachmittag hier abgehaltenen Bergarbeiterversammlung wurde, wie das„Meuselwitzer Tageblatt' meldet, f a st e i n st i m m i g der Beschluß gefaßt, Montag, den 28. Mai die Arbeit auf denjenigen Werken wieder aufzunehmen, die bindende Zusagen abgaben und die neunstündige Schicht einführen wollen. Im Meuselwitzer Revier haben nur drei Werke keine bindende Zusage abgegeben. Diese Mitteilungen werden UNS durch ein Privat- telegramm bestätigt. Dreihundert Bauarbeiter sind zu Bautzen in den Ausstand getreten da die Arbeitgeber ihre Forderung auf 46 Pf. statt 35 Pf. Stundenlohn und zehnstündige statt der bisherigen elfstundigen Arbeitszeit nicht bewilligt haben. Christliche Gewerkschaften und christliche Unternehmer. Im Kreise Kleve, der schwärzesten Ecke Preußens, an der holländischen Grenze, wird momentan ein Stück Klassenkampf in der Zentrums- Partei ausgefochten. In einigen Orten des Kreises versuchten die freien Gewerkschaftler die Arbeiter zu organisieren. Diesen Ver- such zu machen, erforderte schon der Selbsterhaltungstrieb der Or- ganisierten in den größeren Städten der Rheinprovinz, weil aus dem Kreise die meisten Streikbrecher geholt werden. Die Lage der dor- tigen Arbeiter ist so erbärmlich, daß sie leicht zu überreden sind, unter besseren Bedingungen auch als Arbeitswillige zu fungieren, war ihnen das Wort Solidarität bisher doch ein fremder Begriff. Es gelang den freien Gewerkschaftlern nicht, festen Fuß zu fassen; die Hetze der Pfaffen und der Zentrumspresse verschuldete es. daß kein Wirt sein Lokal zu Versammlungen oder Zusammenkünften her. gab. Die christlichen Führer fühlen sich stets erst veranlaßt, die Ar- beiter in gewerkschaftliche Organisationen zu sammeln, wenn Ver- suche von den freien Gewerkschaftlern oder von den Sozialdemokraten gemacht werden, in die sonst vom Zentrum beherrschten Gegenden einzudringen. So auch hier. Besonders war es der christliche Holz- arbciterverband. der eine eifrige Propaganda entfaltete. Die Holz- arbeiter schlössen sich auch zahlreich der Organisation an, doch ver- langten sie nach kurzer Zeit schon, daß die Versprechungen, die ihnen gemacht, Verbesserung ihrer Lebenslage, auch erfüllt wurden. Wohl oder übel mußte der Vorstand des christlichen Holzarbeiterverbandes die Forderungen der Arbeiter formulieren und dieselben den in Be- tracht kommenden Innungen vorlegen. Die Förderungen waren sehr bescheiden, die Herabsetzung der Arbeitszeit von 12 auf 10 Stunden. Zahlung eines Stundenlohnes von 26 Pf. für Vollgesellen und 25 Pf. für angehende Gesellen. � Die Antwort der Unternehmer war kurz und bundig. s,e lehnten nicht allein sämtliche Forderungen ab, sondern verlangten auch noch den Austritt aus der christlichen Holzarbeiterorganisation. Sie haben sich durch Unterschrift verpflichtet. 306 M. für jeden Fall zu zahlen, in welchem sie noch einen organisierten Arbeiter beschästigen. Einen solchen Ausgang hat die Zentrumspresse nicht erwartet, ihr ist die Sache sehr unangenehm, weil die Unternehmer samt und sonders st ramme Zentrumsmänner sind. Es wird deshalb in der Presse zum Frieden geraten; doch bestehen die Unter. nehmer auf dem Austritt, auch haben die letzteren jede Verhandlung mit den Führern der christliche:, Organisation abgelehnt und in Kleve allein schon über 56 Gehülfen auf die Straße geworfen, weil diese sich weigerten, eine Austrittserklärung zu unterschreiben. Hier wird den katholischen Arbeitern ein Stück Klassenkgmpf von den eigenen Parteigenossen aufgezwungen. Ausland. Der Arbeitgeberverband in Innsbruck erklärte die Aus- sperrung der Bauarbeiter für aufgehoben, so daß die Arbeit am Montag wieder aufgenommen wird. Der Ausstand der Tischler und Maler dauert fort._ Letzte jVaebnehten und Depefeben, Beendete Aussperrung. Innsbruck, 26. Mai.ur le merke bekommen hätte, einen großen Strategen.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Nun aber haben Sie sich an Stelle des Morenga einen neuen ge- fährlichen Feind konstruiert, es ist der Abraham Morris, der Sohn eines Rabbiners aus Posen.(Lebhafte Heiterkeit bei den Sozial- demokraten.) Ich will die Gefühle des Abg. Arendt nicht so ver- letzen, daß ich irgend einen Zweifel an der Gefährlichkeit und Feld- Herrntüchtigkeit des Abraham Morris äußere.(Große Heiterkeit.) Aber es kann doch gar keinen Eindruck auf uns machen, daß wir jetzt noch einmal durch Morenga und Morris gruselig gemacht werden.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Was der Abg. Arendt heute nur� als Möglichkeit erwähnte, daß nämlich Morenga ent- kommen könnte, das hat er in der Kommission sogar als Tatsache erzählt. Da machte der Oberst Deimling daraus gar kein Hehl, datz er sich über die Nachricht freute.(Hört' hört! bei den Sozial- demokraten.) Von einem militärischen Führer ist es ja auch schließlich ganz begreiflich, daß er keine Lust hat, immer nur Platz- Patronen in die Luft zu verknallen, sondern datz er gern einen ernst- haften Feind vor sich sieht. Wir aber haben das Interesse, Spar- samkeit walten zu lassen. Mir ist der Gedanke gekommen, ob sich nicht der Oberst Deimling, der natürlich seine Behauptung von dem Rabbinersohn in gutem Glauben ausgesprochen hat, vielleicht irrte, und ob nicht vielleicht dieser Abraham Morris ein Hottentotte ist; denn es ist ja bekannt, daß die Hottentotten sich gern alttestamen- tarische Namen beilegen, um ihre heidnische Abkunft zu verdecken, ganz ähnlich wie bei uns vielfach Leute von alttestamentarischer Ab- stammung sich altgermanische Namen, wie Siegfried und Siegmund, geben, um eine germanische Abkunft zu markieren.(Große Heiter- keit bei den Sozialdemokraten.) Es gibt aber eine Bevölkernngsklasse in Südwestafrika, die das größte Interesse an der Fortführung des Krieges hat, das sind die Händler!(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben ja geradezu unglaubliche Zahlen gehört: ungeheuere Gelder, die für die Truppen ausgegeben werden müsse», und an denen die Händler natürlich profitieren. Der zartfühlende Abg. Dr. Semler scheute sich ja ordentlich, die Zahl über die Lippen zu bringen. Die Kriegsführung kommt uns auf monatlich 12 Millionen Mark zu stehen(Hört! hört! bei den SozialLemokraten.), wenn der Truppenbestand so bleibt, wie er gegenwärtig ist. Dieser Bestand scheint aber in der nächsten Zeit nicht positiv reduziert zu werden. Ich habe mich bemüht, bei der Regierung positive Angaben darüber zu erhalten, aber man wollte, nicht recht mit der Sprache heraus. (Hört!-hört! bei den Sozialdemokraten.) Eins steht fest: Für den Krieg mit Morris kommt die Bahn unter allen Umständen zu spät. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Allenfalls kann sie nämlich von heute ab in zwei Jahren provisorisch fertiggestellt werden, und es wird ein weiteres Jahr dauern, bis sie ganz fertig ist.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Glaubt denn nun irgend ein Mensch, daß diese Führer mit ihren paar Hundert Hottentotten nach ein paar Jahren noch Krieg führen können? Für diesen Krieg kann die Bahn also überhaupt nicht mehr in Betracht kommen. Nun ist aber bei den früheren Erörterungen niemals der Versuch gemacht worden, wirtschaftliche Gründe für die Bahn ins Feld zu führen. Das ist nur so ein Nachtragsgedanke(Heiterkeit), der den Herren jetzt gekommen ist. Ob aber die Bahn für einen späteren Krieg einmal notwendig sein wird, diese Debatte will ich jetzt nicht aufrollen, wir werden uns im kommenden Jahre darüber noch unterhalten können. Die Maiorität des HauseS, also alle Mit- glieder mit Ausnahme der Herren, die einmal unbedingt für koloniale Ausgaben eintretei�-�kich sich einig, daß wirtschaftliche Gründe nicht in Frage kommen. Fallen jetzt auch die m i l i- t ä r i s ch e n Gründe, so bleibt gar nichts anderes übrig, als die Bahn rundweg abzulehnen.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Abg. Spahn(Z.): Meine Freunde lehnen die Forderung ab. Ich mutz meiner Verwunderung Ausdruck geben, datz die Kolonial- Verwaltung eine solche Forderung ohne die genügenden Unterlagen überhaupt.eingebracht hat.(Beifall im Zentrum.) Stellvertretender Kolonialdirektor Erbprinz zu Hohenlohe: Wir konnten dem Reichstag noch nicht alles Material vorlegen; es lag uns zunächst nur an dem Wciterbau der Bahn, um die Ver- proviantierung unserer Truppen zu verbessern und zu verbilligen. Außerdem gebietet aucb die Ehre des Deutschen Reiches, das Gebiet festzuhalten.(Beifall rechts.) Abg.». Standy(k.): Wir müssen die Bahn bauen, um die Zu- kunft der Kolonie nicht zu gefährden und das Blut unserer Lands- leute zu schonen.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. Semler(natl.): Den Süden von Südwestafrika rcsiimen, heißt Südwestafrika räumen, denn die einzige sichere Landungsstellc ist Lüderitzbucht. Hätten wir die heutigen Er- fahrungen früher gehabt, so hätten wir Südwestafrika vielleicht nicht okkupiert; aber das besetzte Land aufgeben können wir nicht, nach- dem' wir 360 Millionen dafür ausgegeben haben. Kollege Ledebour meint, ein wirklicher Krieg bestände dort nicht; die Verlustlisten reden darüber eine beredte Sprache. Weiter sagt Kollege Ledebour, die Frage sei, ob wir die Bahn für zukünftige Kriege brauchen. Nein, wir brauchen die Bahn, um zukünftige Kriege zu vermeiden! (Beifall rechts.) Oberst v. Deimling: Ich gehe jetzt hinaus nach Südwestafrika.(Zuruf: Glück- liche Reise!) Präsident Graf Äallestreni: Ich bitte dringend, Zwischenrufe zu unterlassen einem Manne gegenüber, der solche Verdienste hat. Oberst v. Deimling: Ich hoffe, daß es bald gelingen wird, mit den Banden, die so minderwertig nicht sind, wie der Abg. Ledebour meint, fertig zu werden und sie zu unterwerfen,«ber auch dann wird auf längere Zeit eine stärkere Besatzung notwendig sein; denn wir müssen den Süden auf längere Zeit halten gegen die Gefahr,.daß der Aufstand jederzeit wieder aufflackern kann. Die Eingeborenen haben ihre Gewehre nur in geringer Zahl ah- geliefert und warten nur auf den Abzug der Truppen, um den Aufstand wieder zu beginnen. Die Gefahr droht um so mehr, als in ganz Südafrika die äthiopische Bewegung um sich greift. Den Süden aufzugeben halte ich für ausgeschlossen. Hunderte von Farmerexistenzcn würden wir ruinieren und unser Prestige dem Ausland gegenüber unheilbar schädigen. So lange ich die Ehre habe» das Kommando zu führen» wird der Süden nicht aufgegeben werden(Großer Lärm links. Beifall rechts.), eS sei denn, daß mein Kaiser es mir befiehlt. Müssen also auch nach Beendigung des Krieges noch stärkere Truppenbesatzungen im Süden bleiben, so müssen wir sie auch verpflegen. Das kann ent- weder wie bisher durch die englische Regierung geschehen oder durch die Eisenbahn. Was die englische Verpflegung anlangt, so will ich Ihnen einige Beispiele anführen. Eine Flasche Rum kostet im Magazin zu Keetmanshoop 1,70 M., aus dem Kapland bezogen 12 M., ein Zentner Hafer aus Deutschland kostet 40 M., englischer übers Kapland 70 M.. und zudem ist er noch schlecht. Auf diese Weise fließen ungeheure Summen nach Kapland. Wenn Sie den Wählern sagen, Sic haben ihnen durch die Versagung der Eisen- bahn 3 Millionen erspart, so sagen Sie ihnen auch, wie viele Mil- lioncn Sie mehr für die englische Verpflegung zahlen müssen. Zu- folge der mangelhaften Verpflegung ist der Krankenstand hoher als je. Soll ich Ihnen erst ein paar Hungerleichen auf den Tisch des Hauses legen?(Großer Lärm links.) Ich bin ebensogut Patriot wie Sie, ich gehe hinaus mit der ernsten und heiligen Absicht, dem Vaterlande die Kosten verringern zu helfen und werde mit der Rücksendung der Truppen beginnen so bald ich kann. Eine destimmte Zahl kann ich Ihnen noch nicht nennen. Bewilligen Sie mir erst die Bahn. �(Heiterkeit und Lärm.) Was soll ich den Truppen sagen, wenn ich heraus komme? Soll ich ihnen sagen, die Eisenbahn, die euch der Reichstag zu Weihnachten zum Ge- schenk gemacht hat, läßt er jetzt im wahren Sinne des Worte? bei Kubub im Dreck stecken!(Lärm links.) Soll ich ihnen sagen, der Reichstag läßt euch im Stich? Nein, meine Herren, bewilligen Sie mir die Bahn!(Beifall recht, wiederholtes Zischen links und im Zentrum.) Abg. Dr. Müller-Sagan!(frs. Vp.): Die Sprache. d,e der Vorredner geführt hat, war weder seiner, noch des deutschen Reichs- tages würdig.(Lärm rechts, Beifall links und im Zentrum.) Wie kann ein Regierungskommissar es wagen, zu sagen: Be- schließen Sie hier was Sie wollen; so lange ich das Kommando habe, wird der Süden nicht aufgegeben werden! Wenn der H e r r s ch e r so spricht, läßt man sichs gefallen.(Stürmische Rufe links: Nein!) Wenn aber ein Offizier es wagt, sich in solchen Ausdrücken zu bewegen, so ist das.kein Parlamentarismus mehr, sondern eine Soldateska.(Lebhaften Beifall links und im Jen- trum.) Der Oberst v. Deimling sagt': Bewilligen Sie die Bahn, dann werden wir die Truppen zurückziehen. Entweder liegt es im Interesse des deutschen Vaterlandes, daß die Truppen dortbleiben; dann müssen sie dortbleiben, gleichgü.ttig, ob die Bahn gebaut wird oder nicht. Wenn sie aber zurückgezwgen werden können, so m ü s s e n sie zurückgezogen werden, Sie mögen wollen oder nicht. (Lebhafter Beifall links und im Zentrum.) Meine Herren von der Steuermehrheit, Sie haben sich bemüht, aus allen Ecken und Winkeln die Pfennige zusammenzuscharren und zwar von den schlechtesten Steuerzahlern(Lebhafter Wider- spruch rechts.), und kaum haben Sie die Finan�reform unter Dach und Fach, so kommen die Kolonialenthusiasten und kehren mit dem Riesenbesen alles wieder weg. So kommen wir in die Pumpwirtschaft und Lumpwirtschaf/. (Großer Lärm rechts. Beifall links.) Abg. Gröberüc Porlcgung de? gesamte»«uf die Entschädigungssrage bezügiiche.rl Materials gefordert wird. Prinz Hohenlohe erkennt dr'ft; Berechtigung dcS in der Reso- lution geäußerten Verlangens an und tritt in längeren, bei der leisen Stimme des Redners vnih der Unruhe im Hanse auf der Tribüne zum großen Teil unverständlich bleibenden Ausführungen für die Bewilligung der von der Kommission gestrichenen Summen ein. Abg. Erzberger(Berichterstatter): Durch«in Versehen ist die Resolution der Kommission, nicht mit abgedruckt. Sie wird zur dritten Lesung gedruckt und kani« dann diskutiert werden. Abg. Semler(natl.), beantragt, zur Deckung von Verlusten«», Ansiedler außer der von der Kommission beantragten halben Million noch 3 Millionen zu f>.willfgcn. Abg. Ledcbour.Soz.): Ich will nur eine ganz kurze Er- klärung abgeben:'Ästr lehnen die Entschädigungen ab. Die 5 Millionen, die zi/nr Wiederaufbau der daniederliegenden Wirt- schaften bewilligt waren, sind zum aller geringsten Teile dazu verwendet worder«. Die Rcichsregicrung hat es auch nickst für nötig gehalten, chras aktenmäßigc Nachtue ise über die Verwendung vorzulegen. B/ü haben uns über die ganz unverantwortliche Wirtschaft in'oer Kolonialvcrwaltung zu beklagen. Sie ist daS Amt der unbegrenzten Möglichkeit für Geldausgebe«, sie verstößt gegen alle Regeln geordneter Finanzgebarung. Mit den b Mill'/znen, die bewilligt wurden, ist schon überschritten, was gerechterw eis« als Bcihülfc hätte gewährt lvcrden tonnen. Wir lehnen deshalb die Forderungen ab.(Beifall bei den Sozial» demokrafien.) Abg. v. Richthofen-Tamsdors(k.) bittet, den Antrag Semler anzunehmen. Ahg. Graf». Aruim(Rp.): Der Wert der Kolonien ist nicht so grwing, als es hier vielfach dargestellt wird. Man sollte daher die Farmer nicht durch Verweigerung der Entschädigung zur Ab- ivamderung zwingen. Abg. Dr. Semler(natl.): Wenn wir auch nicht mehr hoffen, fiaß der Antrag angenommen wird, so halten wir ihn doch aufrecht, damit die Farmer sehen, daß sie nicht ganz vergessen sind im beut- schen Reichstag.(Beifall bei den Rationatliberolcn.) Der Titel wird unter Ablehnung des Antrages Semler in der von der Kommission beantragten Fassung bewilligt. Di« Rachfordcrung für die Verwaltung der Karolinen-, Pclau-, Marianen- und Marschallinseln(25 000 M.) wird nach dem Antrag der Kommission brbattelos bewilligt. In Konsequenz der gefaßten Beschlüsse wird der Ergänznngs- etat des Reichskolonialamts in der von der Kommission bcan- tragten Fassung bebattelos bewilligt. Die Tagesordnung ist erschöpft. Nächste Sitzung: Heute, Sonnabend, abends 2'h Uhr. Tages- Ordnung: Fortsetzung der dritten Beratung des Etats. Schluß SV« Uhr. ••• 114. Sitzung. Sonnabend, den 26. Mai, abonds 5% Uhr. Am Bundesratstisch: Graf v. Posadowsky, Dr. Nicberdmg, d. Einem. Auf der Tagesordnung steht: Fortsetzung der dritten Beratung deS Etats. Die Beratung beginnt beim MilitLretat. Abg. de Witt(Z.): Ich will Ihnen eine kleine allerliebste Geschichte erzählen: In Mainz lebt Dr. jur. Gcßner, Gcriähts- akzessist, Vizefeldwebel der Reserve mit Qualisakation zum Offizier, auS sehr guter Familie; er hat niemals Silber gestohlen und auch nie einer„Cousine" einen falschen Paß ausgestellt. Er konnte also hoffen, auch einmal Reserveoffizier zu werden. Als er sich meldete, wurde er aber nicht gewählt, weil er sich despektierlich über den Offiziersstand ausgesprochen haben sollte; er hat nämlich vor einigen Iahren geäußert, daß man Offizier werden könne, ohne sich dem Duellzwang zu beugen!(Hört, hörtl links und im Zentrum.) KriegSmimster v. Einem: Die Wahl zum Reserveoffizier liegt den Offizieren deS Landwehrbezirks ob, die zweifellos nach ihrem pflichtmäßigen Ermessen verfahren.(Lachen links und im Zen- trum.) Mehrfach lautgewordene Klagen legten mir die Erwägung nahe, ob es nicht besser sei, diese Wahlen den aktiven Offizieren des Regiments zu übertragen, bei welchem der Betreffende ge» dient hat. Ich werde diese Erwägungen fortsetzen.(Bravo I rechts.) Abg. v. Eler» tk.) begründet einen von ihm eingebrachten An- trag: die in der zweiten Lesung gestrichene Gehaltserhöhung für Oberstleutnants wiederherzustellen. Abg. Erzberger(Z.>: Wir werden dem Antrag Elern bei» stimmen; für noch gerechter würden wir es halten, wenn daS Dienstalter der Stabsoffiziere zugrunde gelegt würde. Der Antrag Elern wird gegen die Stimmen der Linken angenommen. Abg. Dr. vecker(Z.): Bei der zweiten Lesung hat der Abg. Znbeil die Zustände und die Leiwng der militärischen Institute in Siegburg scharf kritisiert. Als Vertreter des Kreises Sicgburg bin ich ersucht worden, die erhobenen Anschuldigungen zurückzuweisen. Die Meister der Pulverfabrik haben an Eidesstatt erklärt, daß sie niemals von den Arbeitern Geld entliehen haben; die erhobenen Beschuldigungen sind in keiner Weise zu rechtfertigen. Der Arbeiter- auSschnß und die Arbeiter erkennen daS Wohlwollen an, das die Leitung ihnen entgegenbringt.(Bei den iveiteren Ausführungen de» Redners erheben sich immer stürmischer werdende Schlußrufe, besonders Zentrum.) i Abg. Zubcil(Soz.): ES rst mir etwas Neues, daß eidesstattliche Versicherungen von den Angeschuldigten ciitgegengenommen werden.(Sehr wahr! links.) Herr'Becker hätte sich bei den Arbeitern erkundigen sollen, die von den, 14 Meistern drangsaliert wurden. Ich nehme von dem, was ich g'.'siigt habe, kein Wort zurück. Ich bin in der Zivischenzeit auch '.»cht untätig geioesen und habe meine Behauptungen mrr bestätigt gefunden.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Becker(Z.): Ich ersuche den Abg. Zubeik, seine Beschuldi- gnngen außerhalb des Parlaments zu erheben.(Widerspruch links.) General Sixt v. Armin: Ich hatte die Absicht, die einzelnen vom Abg. Znbeil vorgetragenen Fälle zu erörtern. Ich will davon absehen mit Rücksicht auf die Geschäftslage des Hauses, aber sagen muß ich, daß die Leute, die dem Abg. Znbeil das Materiol liefern, außerordentlich unzuverlässig sein müssen. Der Siegburger Fall ist ein typisches Beispiel dafür, mit welcher Leichtfertigken der Abg. Znbeil Anschuldigungen erhebt; denn er faßt dort seine An- schuldigungen gegen alle Meister zusammen.(Zuruf des Abg. Znbeil: Das ist nicht wahr!) Der Meister Luft soll den Arbeiter Kessel so geschurigelt haben, daß er fortging. Dieser Arbeiter ist noch heute im Bekleidungsamt beschäftigt und hat ausgesagt, es sei ihm völlig unverständlich, wie jemand die Behauptungen hat auf- stellen können.(Beifall rechts.) Kriegsminister v. Einem: Ich werde dem Wg. Znbeil dankbar sein, wenn er seine Anklagen mit Namensnennung erhebt und mir Material gibt, das eine Untersuchung ermöglicht. Andernfalls muß man den Eindruck gewinnen, als ob die Anklagen nur Mißvergnügen erzeugen sollen. Dann wären sie als Verleumdungen zu erklären. (Beifall rechts. Rufe links: Zur Ordnung I) Abg. Znbeil(Soz.): Bor 3 Jahren habe ich meine Anschuldigungen in öffentlicher Versammlung in Staaken bei Spandau erhoben. Hätte die Kriegsverwnltung an meinen Aussagen Zweifel gehabt und würden sie so auf Unwahrheit beruhen, wie hier gesagt wird, so hätte man mich damals unter Anklage stellen können. Dann würde der Beweis der Wahrheit nach verschiedenen Richtungen hin erbracht worden sein.(Sehr wahrl bei den Sozial- demokraten.) Das Material ist mir nicht zugetragen. sondern in Dutzenden von Konferenzen mit den Arbeiter» in Spandau nach allen Seiten gesichtet worden. Von einem leicht- fertigen Vorgehen kann also gar keine Rede sein- Daß der Arbeiter Kessel noch unter dem Meister Lust arbeitet, wird Ivohl auch der General Sixt von Armin nicht behaupten können. Wir kommen ja in wenigen Monaten wieder zu denselben Punkten, und dann werden die Herren Zeit haben, meine Ausführungen ausführlich zu widerlegen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Der MUitäretat wird bewilligt; ebenso der Etat des Reichs- Militärgerichts. Ein Antrag Bassermann(natl.)- Elern(k.)- Hertling(Z.)- Kärdorff(Rp.) auf Wiederherstellung der Position: Errichtung eines Dienstgebäudcs— wird gegen die Stimmen der Konservative», Nationalliberalen und einiger Zentrumsabgeordneten abgelehnt. Der Marineetat wird nngenommeu. Der Justizrtat wird angenammen. Der Etat Rcichsschatzamt wird angenommen. Ueber den Etat des Reichskolonialamtes wird auf Antrag des Grafen Bernstorff(Welse) nameiltlich abgestimmt. Daö Gehalt des Staatssekretärs für das Kolonialamt wird mit 142 gegen 119 Stimmen bei 9 Stimmenthaltungen abgelehnt.(Große Bewegung.— Gras Posadowsky konferiert mit dem UnterstaatS- sekretär Twele und dem Zenrrumsabgeordneten Gröber.) Abg. Gröber(Z.): Ich beantrage nunmehr, an die Stelle der Beschlüsse zweiter Lesung die Beschlüsse der Bndgetkommission zu setzen, d.h. einen Unterstaatssekretär mit einem Gehalt von 25000 M. zu bewilligen. Abg. Dr. Semler(natl.): Der Antrag liegt noch nicht einmal gedruckt vor. Wir könne» Inhalt und Tragweite nur ahnen, stimmen also gegen den Antrag. Pras. Graf Ballcstrem: Der Antrag Gröber ist handschriftlich; e? muß also am Montag noch einmal darüber abgestimmt werden. (Große Heiterkeit.) Abg. Gröber zieht seinen Antrag zurück. Präsident Graf Ballcstrem: Es ist nunmehr ein Vakiuim entstanden, und ich schlage dem Hanse vor, sich auf Montag zu der- tagen.(Erneute Heilerkeit und große llnrube.) Räch kurzer Gcschästsordnnngsdebatte beschließt das Haus ans Antrag Singer, die nächste Sitzung Montag 2 Uhr mit der Tagcsvrdimng abzuhalten: Dritte Etatsbcratung. Für den Antrag v. Gerlach, auch Wahlprüfuirgen ans die Tagesordnung zn setzen, stimmen nur die Abgg. v. Gerlach, Schräder und einige Sozial- dcmolraten.(Stürmische Heiterkeit rechts, im Zentrum und bei den Nationalliberalen.) Schluß 8 Uhr._ k)errenkaus. 16. Sitzung vom Sonnabend, den 26. Mai, nachmittags 1 Uhr. Am Ministertisch: Frhr. v. Rhcinbaben. Ans der Tagesordnung stehen zunächst Petitionen: Der Grund- besitzcrverein FriedrichSberg-Borhagen bittet»m Eingemeindung von Teilen der Geincindebezirke Lichtenberg und RummelSbnrg in Berlin. Das Haus gebt darüber zur Tagcsordiiung über; ebenso über eine Petition der Distriktamtsgchülfen um etatsmäßige Anstellung. Ein Initiativantrag Graf Aork v. Wartenburg wünscht eine authentische Erklärung des KominiinalabgabengesetzcS, da zwischen Verwaltung und Rechtsprechung Widersprüche in der Auslegung hervorgetreten seien. Der Antrag wird angenommen. Es folgt die Beratung der Novelle zum Einkommeiistcucrgcsctz. Die Kounnission schlägt einige redaktionelle Aenderungcn vor, die angenommen lvurden. Auf eine Anfrage des Frhrn. v. Durant erklärt Finanzmiiiister Frhr. v. Rhcnibabc», daß die Beiträge für die soziale Versicherung nur seitens der Arbeitnehmer bis zum Betrage von 600 M. Einkoimneu abzugssähig seien. Oberbürgermeister Struckmau»- Hildcsheinr bittet den Minister, möglichst Klarheit darüber zu schassen, Iva» die Steuerpflichtigen a» Realsteuern abziehen köinicn. Es lvürde sollst bei vielen Zeiisitcii die irrtimiliche Ausfassung enlstehen, daß sie berechtigt seien, auch die von de» Gemeinden erhobene Grundwertsteuer abzuziehen.-- Eine längere Debatte entspinnt sich bei§ 18, der von der Er- Mäßigung der Eiukomnicnsleuer mit Rücksicht ans die Kinderzahl oder andere Fainilicnaiigehvrige der Zensiten handelt. Alis Antrag des Grafen Dork v. Wartenburg loird schließlich entgegen ciiicul Be- schliiß der Kommission des Herrenhauses die Fassung des Abgeordneten- Hanfes wieder hergestellr. Die Novelle wird in der Fassung des AbgeordneteiihanseS angenommen. Nächste Sitzung: Montag 12 Uhr.(Herchniavorlage, Gesetz- cntwurf gegen die Verunstaltung von Straßen und Plätzen.) Schluß 6 Uhr. parlamentarifckes. Strafverfolgungen abgelehnt. Die Geschäftsordnungskominission des Abgeordnetenhauses beriet den Antrag der StaatZanwaltschaft, die Erlaubnis zur strafrechtlichen Verfolgung des Redakteurs Hugo Schotte in Düsseldorf zu geben, der die Mitglieder des Landtags eine„Ignorantengesellschaft" ge- nannt hatte, beschloß aber, die nachgesuchte Genehmigung zur Straf- Verfolgung nicht zu erteilen. Ferner wurde ein Antrag verhaudelt, der die Genehmigung zur Strafverfolglmg in einer Privatklagesache gegen den Abgeordneten Dr. v. Dziembowski-Pomian(Pole) verlangt. Auch in diesem Falle wurde die Ermächtigung zur Einleitung der Klage nicht erteilt. UligültigkeitS-Erklärung. Die Wahlprüfungskommission des Abgeordnetenhauses hat die Wahl des Abg. Jd erb off(fk.)(Aurich- 2Bittlnund> mit 11 gegen 2 Stimmen. für ungültig crllärt. Der Wahlkoiinnissar hatte ver- gessen, die Beisitzer und Schriftführer durch Handschlag zu vereidige«. Hunger und Blei in Sardinien. Rom, 23. Mai.(Eig. Ber.) Die Bevölkerung Sardiniens hat lange geschwiegen. Während eS in Apulien und Sizilien gärte, blieb Sardinien still, so daß man glauben konnte, das Elend habe daselbst alles erstickt, auch die Fähigkeit zur verzweifelten Auflehnung. Heute ist min auch Sar- dinienS Stunde gekommen, und in die Harmonie vom„Aufstieg deS nationalen Wohlstandes" gellt von der unglücklichen Insel herüber ein furchtbarer Mißklang. Sardinien verhungert. Die lang er- tragene Not wird auf einmal unerträglich. Blind wendet sich die Bevölkerung gegen die Stadtverwaltungen, gegen die Regiernngs- bchörden, gegen die Händler. Kaum zehn Tage sind seit den Un« ruhen in C a g l i a r i verstrichen und jetzt werden schwere Konflikte ans G o r m e s a gemeldet mit vier Toten und 13 Verwundete», aus Nebida, wo gar sieben Tote blieben, und ähnlich aus anderen Zentren. Ileberall ist es derselbe Hergang: Die durch die hohen LebeirSmittelpreise und die schlechten Löhne zum äußersten getriebene Menge plündert Läden, verbrennt die Oktroihänser, droht und lännt, bis sie sich einer Anzahl von Karabinieri gegenüber sieht, die — im Gefühl ihrer Nnzlilänglichkeit— sich auf Blei und Pulver verläßt. Auch das Ende ist stets dasselbe: Die Toten und Schwer- verletzten find ausschließlich auf feiten der Menge, während auf der anderen Seite nur Hautschrammcn und zerbrochene Scheiben sowie ziemlich unbedeutende Sachbeschädigungen festzustellen sind. Es wäre völlig müßig, den näheren Hergang dieser Konflikte, der übrigens heute noch gar nicht bekannt ist, zu betrachten. Wichtig ist es nur. den sozialen Grund und Boden zu kenne», aus dem diese Konflikte mit verhängnisvoller Notwendigkeit quellen und der sie in steigender Zahl weiter erzeugen muß. Daß es in Sardinien zu Volksunruhe» kommt, da§ ist nämlich durchaus nichts Bestem- dendes, im Gegenteil— seit Jahren fragen sich diejenigen, welche die Lage der Insel kennen: Wie ist eS möglich, daß die Bevölkerung geduldig ein solches Maß von Rot erträgt? Sardinien hat die Einverleibung in daS geeinigte Italien mit stetig steigender Verelendung bezahlt. Es hat seine Steuerlast wachsen und seine HülfSquellen sich vermindern sehen. Die Kündi« gnng der Handelsverträge mit Frankreich verschloß der Insel den wichtigsten Absatzmarkt für ihre Hauplprodnkte: Vieh und Wein. Anstatt für die Schaffung von Verlchrswegcn im Innern und billigere Verbindungen mit dem Festlande Sorge zu tragen, hat man die BerkehrSbedingungen von Jahr zu Jahr verschlechtert. Keine RegierunqSmaßregel hat der ruchlosen AbHolzung der Gebirge Einhalt getan, so daß die Flußläufe jeder Regelung entbehren und Ueberschweminungen mit Trockenheitsperiodcn abwechseln. Die Folge ist, daß gerade die stuchtbarsten Ebenen Sardiniens von der Malaria hsimgesucht find, so daß dort jede Jntensivkilltur un- möglich ist. Daher ist Sardinien sehr schwach bevöilert: Während im Durchschnitt in Italien 113 Einwohner auf den Ouadratlilometer kommen, zählt Sardinien deren nur 32!... Für den Ackerbau der Insel, den die CriSpische Zollpolitik einer so schweren Prüfung nnterloorfen hat, ist von feiten der Regierung nie etwas geschehen. Mit ganz unrationellen, kostspieligen Methoden wird der Boden bestellt. Dabei gebricht eS an Betriebskapital und der Wucher erreicht nnheimliche Dimensionen. Der Land bau ist des- halb so wenig lohnend, daß diejenigen Besitzer, welche Güter von mittlerer Ausdehnung haben, eS vorziehen, sie als Weideland zu verwerten. Heule bringt so die„KorNkainiGer" deS alten Rom mcht Getreide genug hervor, um nur ihre eigene spärliche Bevvtkermig kümmerlich zu nähren. Während so der Landbau verliimmert, besteht kein Anzeichen für eine industrielle Entwickeluug. Außer dem Bergbau— hauptsächlich Blei« und Silberquarz. alles in, Becken von JglesiaS—, der gegen 10 000 Arbeiter beschäftigt, besteht keine Industrie außer Handwerk und ganz spärlicher Hausindustrie. Gerade im Bergbaubecken hat die heutige Bewegung ihren Mittelpunkt und ihre Hauptnahrung. Gewerkschaftliche Organisationen von irgend welcher Bedeutung be- stehen auch dort nicht. Der Arbeiter Sardiniens ist schwer organi- sierbar. Er hat sich ein beständiges Zurückgehen der Löhne in den letzten 3V Jahren gefallen lasten, ohne darauf wirksam zu reagieren. Träger der Arbeiterbewegung sind eingewanderte gennesische Arbeiter, die höhere Löhne beziehen, während einheimische es kaum auf 2 Lire pro Tag bringen.... c_.. Auch in der Bevölkerungsbewegung Sardimens kommt die wirtschaftliche Notlage zum Ausdruck. Seit 1899 geht die Geburtenziffer für eheliche Kinder unter den Durchschnitt de» Reiches zurück, während die Zahl der unehelichen Geburten steigt I Die Eheschließung fällt in spätere Jahrgänge als im übrigen Italien, obwohl die Raffe— schon wegen ihrer niederen Stawr--- früher entwickelt ist als die Italiener des Kontinents. Wenn trotz alledem die mittlere Sterblichkeit Sardiniens etwa» geringer ist als die Italiens, so erklärt sich da« vermutlich a»S der geringen Kindersterblichkeit. Diese wird auf die minimale Teilnahme der Frauen am Hauptzweige der Erwerbstätigkeit, der Landwirtschast, zurück- geführt. Da« völlige Fehlen der Frauenarbeit beruht aus dem Um- stände, daß die Landarbeiter der Malaria wegen nicht in der Nähe der Felder wohnen, sondern alltäglich viele Stunden weit zur Arbeits- statte gehen niüssen, was für die Frauen, die Kinder haben, völlig unmöglich wäre. Ein anderes Zeichen des Elends in Sardinien sind die häufigen Zwangsversteigerungen wegen rückständiger Steuern. Während in ganz Italien auf je 100060 Einwohner 29 Zwangs- vcrsleigernngen vvn Liegenschaften kommen, zählt Sardinien 422 auf 100 000! Die überwiegende Mehrzahl wird wegen einer Schuld von 5 bis 20 Lire nutet den Hammer gebracht! I Zu all' dein füge man hinzu, daß die Schulvcrhältnisse elend sind—: die Zahl derer, die lesen und schreiben kvimen, ist etwa halb so groß, wie im Durchschnitt für Italien. Man füge ferner hinzu, daß die Justizpflege daniederliegt und. die untüchtigsten Beamten systematisch für Sardinien ausgesucht werden! Italien ivird die sardinische Frage nicht so leicht lösen und doch niiiß es seine besten Kräfte an ihre Lösung setzen oder darauf ge- faßt sein, daß die Insel in nicht ferner Zeit blntige Rechenschast fordert für da» ihr angetane jahrzehntelange Unrecht.— 3U9 der Partei. Die Gründung eines Kopfblattes für ihren Wahlkreis beschlossen die Genossen von Duisburg- Mülheim-Oberhausen in ihrer KrciSkonferciiz, die am Himmelfahrtstage zu Schmidthorst tagte. Es soll Pom l. Oktober ab erscheinen. Ein Redakteur soll angestellt werden. Die Parteibewegmig geht im Kreise kräftig vor- Ivarts und sind zur Zeit 2200 organisierte Genossen vorhanden. Sehr störend ist der Lokalmangel, in drei Vierteln der KreiS« orte steht kein Saal zur Verfügung. Totenliste. Wie uns ans Stuttgart geschrieben wird, ist dort im Alter von 65 Jahren der Genosse Christian Banzhaf gestorben, der seit 30 Jahren Mitglied der sozialdemokratischen Partei war und vor 25 Jahren im Berem mit Karl Kloß und Aug. Bohne, die jetzt noch im Haiiptvorftande des Holzarbeiter- Verbandes sitzen, die Stuttgarter Schreinerorgonisation gründete, au« der dann die Zentralorganisation der deutschen Holzarbeiter heomlSwuchS. Christian Banzhaf hat der Partei- wie der Gewerk- schastSbewegnng stets mit Hingebung gedient und sein Andenken wird von den Parteigenossen in Ehre» gehalten werden. In Hat« bürg starb der Genosse Karl Schreiber, einer derjenigen, deren Ramen in der breiten Oesfeiitlichkeit zwar nicht genannt werden, die aber dennoch ihre Pflicht im vollsten Maße erfüllen. In der schweren Zeit de» Sozialistengesetze» war Schreiber «t Altona tätig. Seiner sozialdcnwkratischen Gesinnung wegen wurde er 1887 aus dem Staatsdienst entlassen. Nach dem Streik der Schiffsrciniger im Jahre 1889 gründete er im Verein mit einigen Kollegen die Lokalorganisation der Schiffsrciniger, die, als im Jahre 1892 der Verband der Hafenarbeiter und verwandten Berufs- genossen gegründet wurde, zu diesem übertrat, wodurch er auch Mit- gründer dieser Organisation winde. Unermüdlich war er sür die Partei wie auch für die Gewerkschaftsbewegung tätig. Personalien. Zum Gausekretär für Nordbayern Wurde tu Nürnberg der Geuoffe Max'Walter gewählt. Der Partcivorstand der holländischen Sozialdemokratie ist für 1906—1907 gemäsz dem Parteireferendum wie folgt zusammengesetzt: W. H. Vliegen, Vorsitzender, I. W. Sleef und der Parteisekretär I. G. van Kluykhof, die zusammen den Ausschus; bilden; ferner W. P. G. Helsdingen, I. H. Schaper, H. Spiekman und P. I. Troelstra. polireilickes, ßmcbtlichcs ulw. Straftonto der Presse. Wegen Beleidigung eines Lehrers war in Harburg der Genosse R i e d l i n g e r von, „Volksblatt" angeklagt. Das Blatt hatte eine kurze Notiz auf- genonimen, die sich mit der angeblichen Mißhandlung eines Kindes in Kurhessen beschäftigte, das an den Folgen der Mißhandlung ge- storben sei» sollte. Ein Arzt hatte das seinerzeit attestiert, jetzt nahm er die Bekundung zurück. Genosse Niedlinger wurde zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Selbstverständlich wird gegen dieses eigentümliche Urteil Nevision eingelegt werden. Das bürger- liche hessische Blatt, das die Notiz zuerst gebracht hatte, ist be- zcichnenderweise nicht angeklagt worden. Soziales. DaZ Elend der Landarbeiter. Daß die Zustände auf dem Lande in dem gesegneten Westen nicht besser sind als in den Gefilden der Ostelbier, beweist ein Ver- trag, der jetzt veröffentlicht wird. Die„Rheinische Volksstimme", das Organ der katholischen Bauern, muß zugeben, daß es sich nicht um eine Ausnahme handelt, sondern daß man es hier mit einem Normalvertrag zu tun hat, wie er durch Vermittelung der Agenten zwischen Landarbeitern und den Gutsbesitzern des Westens abge- schloffen wird. Wir geben aus dem Vertrage die Hauptbestimmungen wieder, um unfern Lesern zu zeigen, unter welchen Bedingungen die Landarbeiter bei den fronunen katholischen Gutsbesitzern am Rhein fronden müssen. Nachdem die Dauer des Eiigagements festgelegt und den Arbeitern Fleiß und Pünktlichkeit empfohlen ist, heißt es dann weiter: „Sämtliche Arbeiten, welche im Tag- oder Akkordlohn verrichtet werden, bestimmt die Herrschaft oder dessen Stellvertreter. Es wird bezahlt: a) im Tagelohn mit voller Kost und Logis: für den Mann.. 1 M. 10 Pf. in der Ernte.. 1, 30, für die Frau...—. 80, in der Ernte„ b) km Tagclohn bei Selbstbeköstigung und Logis: für den Mann.. 1 M. 60 Pf. für die Frau... 1„ 10„ Außerdem wöchentlich 25 Pfund Kartoffeln pro Kopf u»d täglich ein Liter magere Milch. Die Akkordlöhne für Rüben und und Schnitt sind dre ortsüblichen irnd bedarf dieses noch der beiderseitigen Vereinbr:nug. Den Anfang und Beendigung der Arbeit be- st i»n m t die Herrschaft. Wir Endesunterzeichneten versichern ausdrücklich, daß wir alle die von uns verlangten Arbeiten verstehen, daß wir dienstfrei, ge- sund und ohne die Arbeit etwa hindernde Gebrechen sind, auch eine Strafe weder verwirkt, noch eine zu erwarten haben. § 7. Wer nicht pünktlich die Arbeit antritt oder den Befehlen der Herrschast oder dessen Stellvertreter nicht nachkommt; Betrunken- hcit oder sonstiges liederliches Verhalten und Betragen hat Geld- strafe oder auch sofortige Entlassung zur Folge. In jedem Falle werden die Beschaffungskosten im Betrage von 3 5 Mark vom Lohn in Abzug gebracht und nach Beendigung der Arbeit ausbezahlt. Falls Entlassung ans Gründen, wie im§ 7 erfolgen muß, so werden auch dann die Beschaffungskosten in Anrechnung gebracht." Im allgemeinen ist Kost und Wohnung sehr schlecht; in dem Falle, um welchen es sich hier speziell handelt, hatte man den Arbeitern einen Stall und eine Scheune als Wohnung angcwizsen. Die Nahrung war derart schlecht, daß mehrere Arbeiter, wollten sie nicht infolge der schweren Arbeit und der schlechten Ernährung zu Grunde gehen, die Arbeit verlassen mußten. Der Gutsbesitzer, eine feste ZentrumSstütze, auf einem Dorfe in der Nähe Krefelds wohnend, hielt den Arbeitern auch noch 55 M. vom Lohn ein. Und bei solchen Zuständen Wundern sich die Bauern über die Landflucht der Laudarbeiter. Eue Induftm und Ftondel. Haussestimmung. Die Markt- und Geschäftsberichte sprechen fast nur noch in Superlativen. Es ist ein Klingen und Jubeln. als sei der Frühling einer neuen Zeit angebrochen.-Und das sechs Wochen nach Inkrafttreten des neuen Zolltarifs! Die Getreide- preise sind allerdings teilweise nach oben geschnellt, aber die Fleisch- preise neigen stark nach unten. So verkünden stolz die Junker. Aber, obwohl der Beweis erbracht ist, daß Deutschland in der Fleischproduktion wohl mit dem Auslande konkurrieren kann, wehrt man sich mit aller Energie gegen Oeffnung der Grenzen. Die Agrarier scheinen den billigen Preisen in Deutschland so recht Nicht zu trauen. Wir auch nicht! Mittlerweile machen die Schlächter Bombengeschäfte, und beim nächsten Hoffest werden sie wieder über- patriotisch auf die Pferde steigen. Jn_der Eisenindustrie ist die Preisbewegung auch noch nicht zum Stillstand gekommen. Als Vorläufer der letzten Steigerungen ließ man zunächst in der Unter- nchmcrpresse einen Artikel vom Stapel, in dem darauf aufmerksam gemacht wurde, daß die Eiseupreise von 1900 noch nicht erreicht sind. Gerade als ob es kein höheres Ziel gebe, als den damaligen Preisgipfel zu erreichen und dann, wie vor sechs Jahren, ganz im- vermittelt in den Abgrund der Krise abzustürzen. Die rheinisch. westfälische Trägervereinigung erhöhte die Preise für Weiter- verkauf von Formeisen an Händler um 1 M., an Verbraucher um 2 M. Um 7 M. setzte die' süddeutsche Feinblechvereinigung die Preise herauf. Und nun hat auch der Stahlverband den Verkauf von Formciscn für daS dritte Quartal zum Preise von 120 M. pro Tonne, Frachtbasis Diedenhofen, freigegeben. Und überall licht- volle Zukunftsgedankcn. Die Oberschlesische Eisenbahn-Bedarfs- A.-G. will zwei neue Hochöfen erbauen, weil die vorhandenen fünf nicht mehr ausreichen. Das Kohlensyndikat erwarb zum Preise von IVH Millionen Mark in Berlin ein Gelände zwecks An- läge eines Lagers und Errichtung eines Betriebes zur Herstellung von Anthrazitnüssen. Und in den Geschäftsberichten finden die Jubelhymnen Widerhall. Die Hoerdcr Hütte bringt für das ab- gelaufene Geschäftsjahr nur— 50 Proz. Dividende zur Verteilung. — Die Hohenlohewerke A.-G. erzielten bei Abschreibungen in Höhe von 4 220 956 M.— über 10 Proz. des Aktienkapitals— einen. Reingewinn von 4 405 468 M., woraus 10 Proz. Dividende aus- geschüttet werden sollen.— Die durch Produktion vieler Krüppel — unrühmlich bekannte Firma Orenstein u. Koppel läßt ih�en Aktionären 14 Proz. zukommen. Jedem das Seine!— Für die Papierarbeiter ist Erntezeit. Und viele wollen ernten. Neu- gründungen. Kapitalserhöhungen sind an der Tagesordnung. Und da nun auch der Reichsbankdiskont, der so lange sich auf stolzer Höhe hielt, um Va Proz. auf 4Vj Proz. herabgesetzt worden ist. ist das Konjunktucbild noch um eine Nuance lichtvoller geworden. Optimisten künden andauernd gutes und besseres Wirtschaftswetter an. Wer weiß wie lange noch?. Konzentration in der Banindustrie. Rückständige Elemente kultivieren immer noch den holden Wahn, durch irgendwelche Mittel die Eutwickelungstendenz stark beeinflussen zu können. Politische Demagogen nutzen solche Träume aus; sie gaukeln zum Beispiel den Mittelstaudsexistenzen vor, die industrielle Konzeiittations- bewegimg müsse und könne aufgehalten, der Kleinbetrieb wieder zum Hauplträger der Gütercrzenguiig geniacht werden. Das Gesetz betreffend Sicherung der Bausorderungen soll die kleinen Handwerker und Lieferanten gegen betrügerische Manipulationen schützen. Das wird geschehen. Jedenfalls aber noch mehr! Das Gesetz verlangt ziemlich erhebliche SicherheitSstellungen. Das dürfte zur Folge haben, daß die kapitalkräftigen Unternehmer das ganze Vaugeschaft an sich reißen. Terrain- und Baugesellschaften werden die Bebauung großer Komplexe in die Hand nehmen, sich Baumaterialwerkstätten angliedern und so die mittleren und kleinen Unternehmer aus- schalten. Ein sonderbarer Heiliger. In der gestrigen Nirnmier unter vorstehender Stichmarke haben sich ein paar Fehler ciugeschlicheu. Es soll in der 2. Zeile heißen„jedoch nur" anstatt„weil er", in der 15. Zeile„also" anstatt„aber" und in der 19. Zeile„er hätte aber..." Eue der Frauenbewegung. Amtlich ermittelt. Zertrümmere ein Fensterglas, Du wirst bestraft. Von Rechts wegenl Ritze einem Streikbrecher die staatserhaltende Haut, Du wanderst ins Gefängnis. So will eS die Rechtsordnung! Verletze die zarte Ehre eines Polizisten durch unhöfliche Worte, die Rache der gekränkten Ordnung wird Dich treffen. Im Namen des Königs! Und Du bist ein Lump, ein Staatsfeind, ein Maulwurf, der zer- treten werden sollte!--- Die Unverletzlichkeit der Person ist der heiligen Ordnung oberstes unverbrüchliches Prinzip. Aber nicht unbedingt! Beute in der rücksichtslosesten Weise die menschliche Ar- beitskraft aus, treibe Sport mit Arbeitergesundhett und-Leben, � Deine Knopslöchcr verlieren nicht die Fähigkeit zur Aufnahme von Orden und Ehrenzeichen. Pfeife auf die Arbciterschußgesetze, der Aufstieg zu Aerntern und Würden im Staate bleibt Dir frei. Wozu, auch Rücksichten nehmen auf Leben und Gesundheit der Arbeuer, cS,, sind-ja ihrer so viele. Einer ersetzt den anderen, unbrauchbar Ar« wordene fliegen auss Pflaster. Es sind genug, übergenug Firwen vorhanden, die sich geduldig ausbeuten lassen. Allerdings ist- der; überlangen Arbeitszeit für Frauen durch die Gesetzgebung Schrankdli gesetzt, doch geben die Berichte der Gewcrbeinspcttoren ein Bild, wie Ivenig Beachtung die gesetzlichen Bestimmungen finden. Geringe Geldstrafen, womit die Uebcrtretungen geahndet werden, lassen die Unternehmer nicht vor Wiederholungen zurückschrecken. Warum auch? Die Arbeiterinnen bringen den Verlust doppelt und dreifach wieder ein. Hauptsächlich sind es Ziegeleien, in denen die für Frauen so wie so schon recht schwere Arbeit übermäßig lange über die zu- lässige Grenze hinaus ausgedehnt wird. Ein Ziegclmeister im Danziger Bezirk wurde deshalb mit drei Mark Geldstrafe belegt. Wahrlich ein überaus abschreckendes Mittel, die Gesetze zu beachten. In einer Bierbrauerei waren die Arbeiterinnen des Sonnabends regelmäßig bis 7 Uhr beschäftigt, das brachte dem Betriebsleiter eine Geldstrafe von 10 Mark ein. Von dem Beamten war dieselbe Ueber- tretung schon im Vorjahre bemerkt und der Betriebsleiter ernstlich verwarnt worden. Das kümmerte ihn nicht. Im Regierungsbezirk Minden sind laut Bericht in 38 Betrieben Zuwiderhandlungen er» mittelt und die verantwortlichen Personen in Strafe genommen worden.— Gewerbliche Arbeiterinnen in Wäschefabriken wurden an Tagen vor den Sonn- und Feiertagen noch nach öYa Uhr abends mit Packarbeiten beschäftigt. Ein Versuch der Inhaber, die Arbeite- rinnen als kaufmännisches Personal betrachtet zu wissen, scheiterte. Erst nach toiederholtem Einschreiten seitens des Beamten wurden seine Anordnungen respektiert. Im Gewerbeinspcktionsbezirk Frankfurt a. M. II sind in Koufektionswerkstätten zahlreiche Zuwiderhandlungen festgestellt worden. Trotzdem ist, abgesehen von einer größeren Wäschefabrik, von einer Strafverfolgung Abstand ge- nommen worden, weil der Gcwerbciuspcktor annahm, den Jnhabe- rinnen seien die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen unbekannt! Wie zartfühlend und schonend! Durch die Möglichkeit der Bewilli- gung von Uebcrarbeit wird das Gesetz gewissermaßen systematisch umgangen. Die Anträge werden durch eilige Erledigung von Be- stellungen begründet und meist genehmigt. Von einer Polizeiverwaltung sind sogar Anträge auf Ueberarbeit über 12 Stunden täglich bewilligt worden. Zweimal wurde es in einer Pseisensabrik erlaubt, ihre über 16 Jahre alten Arbeiterinnen bis 91� Uhr abends, einmal bis 10 Uhr zu beschästigen. Daß Ar- beiteriunen an Sonnabenden nach 514 Uhr noch mit Aufräumungs- arbeiten bettaut werden, wird fast überall, wo darum ersucht wird. genehmigt. Im Bromberger Bezirk wurden Besitzer von Mazze- backe reien mit je 6 Mark wegen zu langer Beschäftigung der Arbeite- rinnen und Nichtinnehaltung der Mittagspausen bestraft. Er war ein rückfälliger Sünder auf diesem Gebiet.— Von 59 besichtigten Konfektionswerlstätten und Putzmachereien waren nur vier in Ord- nung, 24 Besitzer solcher Werkstätten hatten, trotz ausdrücklichen Hin- weises des Gewcrbeinspektors sich gar nicht um die neuen Bestim- mungen gekümmert. Ausbeutung und immer wieder Ausbeutung ist die Losung des Unternehmertums. Was nützen die schönsten Vorschriften, wenn sie nicht innegehalten werden, und sie werden nicht innegehalten, so lange das Kapital Trumpf ist. Die starke Macht der Organisation kanir durch einmütiges Vorgehen die Unternehmer zwingen, daß sie die Arbeiter die gesetzlich gewährleisteten Rechte auch tatsächlich ge- nießen lassen.\V. Die Angestellten der Firma Jakob Gebrüder in Eharkottenbnrg zu organisieren, hatte der Zentralverband der Handlungsgchülfen und-Gehülfinnen zum Freitagabend wieder eine Versammlung ein- berufen, in der die bei jener Firma herrschenden Mißstände einer weiteren Kritik unterzogen wurden. Einige Stimmen erhoben sich zur Verteidigung der Firma, aber nicht aus der Masse der schlecht-. bezahlten weiblichen Angestellten, sondern aus den Reihen der höher besoldeten Abteiluugschess. Empfangsherren und wie sie sich sonst noch nannten; auch eine Dame lobte in übcrschlvenglicher Weise den guten alten, braven Herrn Prinzipal, der keiner Fliege etwas zuleide tun könnte.' Ebenso rührend erzählten die Herren von der Güte und Liebe des Chefs, der längst seinen Laden um 8 Uhr abends zu- machen würde, wenn pstist das Publikum nach 8 Uhr noch immer etwas kaufen wollte.-- Aber die Mehrzahl hörte ungerührt zu und blieb stumm, denn'k meisten fürchteten sich zu reden; viele ließen sich zu ihrem Schutze in den Zentralverband aufnehmen, der ihren Klagen durch d' anwesenden Vertreter lauten Ausdruck gab. Die Erzielung besserer Arbeitsbedingungen, die Ueberwachuug, daß die gesetzlichen Schutzvorschriften erfüllt werden, ein zeitiger Ladenschluß und ander/ Vorteile können erreicht werden, wenn der Verband durch einen Massenanschluß gestärkt wird. Gerade die weiblichen Ange- stellten, die am meisten unter den schlechten Verhältnissen leiden, sind aw schwersten zu gewinnen für die Organisation, mit deren Hülfe eine durchgreifende Aenderung zu erzielen ist. /- Versammlungen. Der sozialdemokratische Wahlverein für de» dritten Berliner Reichstagswahlkreis hielt am 22. Mai im großen Saal der Armin- hallen eine zahlreich besuchte Versammlung ab, in der Genosse Grunwald über:„Das internationale Fremdenrecht und die Ausweisungen" referierte.. In unserer Zeit des Weltverkehrs und der Weltwirtschaft, deren bedeutendstes Eharakteristikum die Zu- nähme des Verkehrs, die steigende EntWickelung der Jnter- Nationalität auf allen Gebieten sei, habe sich eine Art intcr- nationalen Fremdcnrcchts herausgebildet. Ihm sei aber vor allen Rechten eigentümlich, daß es in der Hauptsache nicht gesetzlich fest- gelegt sei, sondern in den Ideen der einzelnen Nationen existiere und auf freiwilligem EntgegenkomMM vKIchS. Reben diesem Gewohnheitsrecht beständen noch in einzelnen Staaten gesetzlich fixierte Rechtsgrundsätze für den internationalen Fremdenverkehr. Aber die Mehrzahl der heutigen Nationen habe nur ein ungeschriebenes internationales Fremdenrccht, und es gebe keine In- stanz, die über die Verletzung solcher nicht kodifizierter Grundsätze zu entscheiden hätte. So sei die Folge, daß die Fremden namentlich dann, wenn wirtschaftliche oder politische Verwickelungen drohten oder zu drohen schienen, vogelfrci seien, daß das Asylrecht verletzt werde, welches selbst von barbarischen Rationen hochgehalten worden sei. Nur ein Kulturland mit einem wirklichen Fremdenrecht gebe es; das sei Großbritannien. Wenn man die Grundsätze des nicht geschriebenen modernen internationalen Fremdenrechts zusammen- fasse, so ergebe sich etwa folgendes: Jeder Staat könne den Eintritt in sein Gebiet jedem Fremden versagen, der für die Sicherheit und Ordnung im Innern und nach außen im Sinne der heutigen Rechts- ordnung gefährlich werden könne. Zum Beispiel offenkundige Ver- brecher, aber auch Kranke und Arme könnten schon an der Grenze abgeschoben werden, ohne daß eine Verletzung des internationalen Gewohnheitsrechts vorliege. Der Staat habe also das Recht der Asylgcwährung gegenüber dem Fremden, nicht aber die Pflicht, wie sie die alten Völker anerkannten. Aus denselben Gründen, wei bei der Aufnahmeverweigerung, rechtfertige das internationale Fremdenrccht die Ausweisung schon im Lande lebender Fremder. Drittens sei der Staat, dem der Ausgewiesene angehörte, verpflichtet zu seiner Wiederaufnahme, selbst dann, wenn er die frühere Staats- angehörigkeit inzwischen verloren haben sollte, ohne eine neue im Auslande zu gewinnen.— Für die Rechtsstellung der Fremden, wenn sie geduldet würden, beständen schon mehr festgelegte Be- stimmungen. So sei ihre Gleichberechtigung auf dem Gebiete des Zivilrechts und Zivilprozesses usw., abgesehen von einzelnen Be- schränkungen, anerkannt. Redner geht darauf näher ein und schildert dann die Auswüchse des Ausweisungsrechts, wobei er die deutschen Verhältnisse speziell berücksichtigte. Unter Hinweisen auf die fraglichen Bestimmungen des RcichSstrafgesetzbuchs zeigte er, dpß die nützlichen Elemente, als da sind Verbrecher, Kinderschänder, Zuhäller, falls sie Ausländer sind, nur nach Vorliegen von Gerichts- ackmufriissen ausgewiesen werden können, während es anständige Ausländer lange nicht so gut hätten. Sie könnten nach dem preu- ßischen Polizeirecht ldcn Einzclstaaten sei da? Polizeirecht bei uns reserviert) ohne weiteres ausgewiesen werden, und sei es auch nur, � weil dem Polizeibcamten die Nase nicht gefalle. Nach den Be- stimmungen des K 10 II 17 des Allgemeinen preußischen Landrechts, näher deklariert im Polizeiverwaltungsgesetz, sei es Aufgabe der Polizei, für die Erhaltung von Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu sorgen und dem Publikum drohende Gefahren abzuwenden. Und entscheidend sei nach der Verwaltungs- und Gerichtspraxis das „pflichtgemäße Ermessen" der Polizei. Ucberflüssig, ein Wort dar« über zu sagen, welch eine Willkür bei den Ausweisungen an» st ä n d i g e r, aber politisch verdächtiger Ausländer herauskomme, denen kein Recht der Klage dagegen gegeben sei Bei diesem Punkte glossierte Redner scharf den Fall Schöne-v. Brockhusen, Bethmann- Hollweg, worauf die Versammlung mit lebhaftesten Zujtiunnungs- bezeugungen antwortete. Er fuhr fort: Alles, was der Polizei- Willkür unterstellt sei, werde vom Standpunkte der Macht ausgeübt. Hier gelte es, einer Macht eine andere gegenüberzusetzen. Die Unterdrückten und ihre Vertreter hätten alle Befugnisse auszunutzen, die ihnen irgend zur Verfügung ständen. Dazu gehörte in erster Linie die Macht der Organisation. So komme man auch aus dieser Ausweisungsfrage zu keiner anderen Schlußfolgerung als: Agi- tation und Organisation der Arbeiterklasse. Unter großem Beifall schloß Redner den Vvrtrag, indem er die Stellung der Sozial- demotratie zu den letzten Massenausweisungen und zur Frage des Fremdenrechts überhaupt zusammenfaßte und folgende Resolution vorschlug: „Die Versammlung verurteilt auf das schärfste die von den preußischen Polizeibehörden, im besonderen von dem Berliner Polizeipräsidenten, in den letzten Wochen wiederum vorgenommenen, von der Reichsregierung durch Ablehnung der Beantwortung der bezüglichen sozialdemokratischen Interpellation gebilligten Aus- Weisungen. Die Versammlung erblickt in diesen Ausweisungen Akte größter polizeilicher Willkür, die eines Kulturstaates unwürdig sind und jeder Menschlichkeit ins Gesicht schlagen. Die Versamm- lung steht grundsätzlich auf dem Boden der Forderung bei freiestett internationalen Ashlrcchts; solange dies aber bei der herrschenden preußisch-dcutschen Reaktion zu erreichen unmöglich ist, fordert sie als das mindeste die reichsgesetzliche Regelung des Fremdenrechts. — In diesem Sinne spricht die Versammlung den Ausgewiesenen ihre vollste Sympathie und der sozialdemokratischen Reichstags» fraktion ihre Anerkennung aus für die kraftvolle Vertretung der Ausgewiesenen im Reichstage." Die Resolution wurde'einstimmig angenommen. Eine DiS- kussion fand nicht statt. Lriekkatten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme de? Tonnabends von T'/j dtS O'/j Uhr abends statt. Gcöstneri 7 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl alS Merkzeichen beiznfngen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. M. K. 44. t. Im voraus. 2. Nein.— 1574«. Die Gesetze, auch baS Einkommensteuergesetz, können Sie in den öffentlichen Biblioihekcn ein- sehen. Wir müssen es ablehnen, den Text einzelner Gesetze oder Paragraphen im Brieskasten mitzuteilen.— Berg 36. Die Gemeinde, in der der Betreffende wohnt(in Ihrem Falle also Rixdors), hat zu bestimmen, ob und in welcher Höhe Unterstützung zu zahlen ist.— W. D. vi. Die Betreffende soll sich an die Vcrsichcrungsgesellschast mit dem Antrage wenden, da? Geschäft zum Kleben zu veranlassen. Soweit er- sichtlich, liegt freilich eine Klebcpflicht nicht vor.— A.«. 14. Ja. Das Material über diese Frage können Sie in der Broschüre von Wilhelm Liebknecht„Die Emser Depesche" nachlesen.— Anna Ä8, A. 7. Stein. — H. E. 166. 1. u. 2. New. Der alte Verttag gilt unverändert auch dem neuen Eigentümer gegenüber. Nur tz 1t gibt diesem (nickt auch Ihnen) das Recht zur monatlichen Kündigung. Hat er davon innerhalb des ersten Monats seines Besitzes keinen Gebrauch gemacht, so gilt auch sür ihn der§ 11 nicht mehr.— Zimmer. Nein. — 31. E. 68. Leider gibt et kein zweckentsprechendes Mittel.— 166. R« Etwa IS bis 20 Mark.— Beelitz. Durch Ausnahme Ihres Mannes in eine Hellanstalt geht daS Recht der Witwe, Rückerstattung der Hülste der Klebemarten zu verlangen, nicht verloren.— 3l. P. 33. Zahlen Sie innerhalb acht Tagen, sonst erfolgt die Umwandlung in 1—3 Tage Hast.— E. R., Tchöneberg. 4. Dagegen gibt es kein Mittel. 2. Ja. 3. Nur soweit sie entbehrlich sind. 4. Nein.— P. G., Vharlottcnburg. Ein Pag genügt: Sie müssen sich an das Bezirlskommando, dann an die Polizeibehörde wenden.— H. B. 47. Magistrat, Abieilung sür Versicherung, Köllnlschcr Park 10.— W. M. 166. 1. u. 2. Ja. 3. Nein. 4. Sie müssen von neuen, zu kleben beginnen. Erst wenn Sie 200 Marken geklebt haben, kann Ihr Anspruch aus den früheren Marken wieder ausleben, — Sch. 511. 1. und 2. Ja.— Mar«. In Ihrem Fall beträgt die Kündigungssrist ein Vierteljahr, es muh also dem zu Kündigenden! ein Vierteljahr vor der Beendigung die Kündigung erklärt werden, mithin z. B. spätestens' am 30. Juni zum 1. Oktober. 2. Die Bestimmung ist gültig.— R. 31. Grundsätzlich lehnen wir die Empsehlung bestlnimter Ali- wälte. Aerztc, Geschästsleute usw. ab.— M. E. 56, Zoriidorjerstrasie. Wenn Sie nicht innerhalb einer Woche gegen den Zahlungsbeschl Wider- spruch erheben, so ist er vollstreckbar. Der Widerspruch ist an das Gericht zu richten.— Bormund. Das Gericht ernennt einen Vormund. Ist das in Ihrem Falle unicrlassen, so können Sie einen Antrag an das Gericht richien. Das Gericht kann Sie zum Voiinund ernennen! in der Regel er- nennt es jedoch nicht den Ehemann der Pflegemutter.— K. D. 46. Der Ches hat Recht.- 3l. W. S. 1. und 2. Nein- Sch. H. 1«. 1. Ein Ersatz findet nicht statt. Melden Sie aber den Fall und Ihren Anspruch dem RcichSaesundheitsamt(Berlin). 2. Die einseitige Anordnung des Witts ist. salls nicht clwa Ihr Vertrag Gcacntcillges besagt, ungültig.— 91. M. 888. 1. Anleitung und Beispiele sur ein wechsclscitigeS Testament finden Sie aus den letzten Seiten des dem„Arbcitcrrecht" beigefügten Führers durch das Bürgerliche Gesetzbuch. 2. Wenden Sie sich an olc Offcnbacher Krankenkasse, Prinzcnstrahc 0« bei Hinz.— M. 77. Die Klage aus Ruck- zahiung hätte Aussicht aus Erfolg.— C. G. 2«. Für den Sohn ist weiter zu zahlen. Die wieder heiratende Witwe erhält 60 Prozent des JnhresarbcilsvcrdicnsteS ihres früheren Ehemannes als Absindung.— Steuer 85. Leider ja.— W. 2, 81. 1. und 2. nein, aber ihr An» spruch ist seit etiva ü Jahren verjährt,— R. M. 166. Das Bürgerliche Gesetzbuch enthält keine Bestimmungen über Observanzm.— H. I. Nein. ■"1 DAMENWÄSCHE Taghemden Vorderschluss nut Spitze 1,55, mit HandJangetten 2,20 Taghemden 1.70, üs�., 1.85, 2.50, 2.60, 2.30 Taghemden fÄÄÄ&n 1.80, 2.60, 3 m*. Taghemden u.csucke%hi"Mo«venangetten 2.85, SiSh"1- 3.15, 2.35, 2.20 Taghemden BeinkleideP dazu passend 2r%r\ m- Stickerei- O ök Ein- u. Ansatz �-.OO, 2.45, 2.10, 2.65, m. Spitzen- Q Ein- u. Ansatz �•O*-' 2.85 Damfin-.lar.kpn vimiti m. 1 OK Rentorcä mit O m O RR m. Stickerei, O TA U-CIIIICII UdO�en Spitzen>>80, Stickerei-Volant �.10, 4.55, haisfrei 4.70 Frisiermäntel mit sticke« Damen-Beinkleider fÄfÄ, Damen-Beinkleider �r�rund�Forr4"- 5.40, 6.25, Bmic, 1.45, 1.90Mk. 1.40, 1.80, 2.10, 2.50 Damen-Nachthemden stÄd. Bord. 3.50, Wz- 4«.. 8«k, M-4.7S Stickerei-Röcke ZAA" und weiss, mit imitiert. Valencienne-f—"4—" Kurze Barchent-Röcke mit sucker« . rosa oder hellblai ' Batist mit Spitzen Spitzen-Röcke v�e�Ä it-Röc Kurze Batist-Röcke-08? oder hcl!blau 6.75, 10.50 7.25,' M oder hel1 2.25, 2.7: 3.25, 4.25 itist mit Ein- und ') Ansatz 5 Mk., 7.75 5.25 BADE-ARTIKEL Damen Bade-Anzüge � � 1.50, m cm ig. 1.eo, 120 cm ig. 1.70 Damen Bade-Anzüge bun,Älg. 1.60, uo cm ig. 1.so, 120 cm ig. 2«k. Mädchen Bade-Anzüge �Äg 1 Sngm 1.10, Zcem 1.20,&T 1-30 Mädchen Bade-Anzüge d"'" Perkal> 1.30, gncgm 1.40, 1.50 Bade-Mäntel weiss Kräuselstoff 3,90, Bade-TÜCher bunt Kräuselsloff, 130X160 Bade-Tücher KräU65ls,o£r' fUr Frottierhandtücher weis. Frottierhandtücher tu« Badekappen lang mit Kappe 4.75 3.25, 130x200 4.20, 1.50, 100x150 2.30 55, 70 pf., 1.10 40, 80 pf. 160X200 O Mk. 1 5, 35, 60 pf. HANDSCHUHE Weisse Glace-Handschuhe mit Druckverscwus« Glace-Handschuhe sübergrau Zwim-HandSChuhe mit Druckverschluss, festes Gewebe Zwirn-Handschuhe mit Druckverschluss, poröses Gewebe Halblange Handschuhe durrchb7oche™s'Gewebe Spitzen-Halbhandschuhe für kurze Ärmei TRIKOTAGEN 1.45, 1.75, 2.10 2.10, 3 Mk. 38, 45, 68 pf. 38, 53 pt 65 PC bis 2.50 1.75 bis 3.50 Normalhemden macco fein s Grossen 1 Mk., 1.20, 1.35 N or mal h emden macco mittelstark 2.10, 2.25, 2.45 Herren-Beinkleider macco fem 1 Mk., l.io, 1,25 Herren-Beinkleider macco mittelstark 1.70, 1.35, 3 Mk. 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Kopsch hat gestern geäußert, ich hätte einem an- gesehenen Schulmann gesagt, die meisten Berliner Lehrer seien Sozialisten und Atheisten. Die Behauptung ist völlig aus der Luft gegriffen. Im November v. I. gelangte ein Gerücht zu nieiner Kenntnis, nach dem ich zu einem Schulrat, der eine Unterredung mit mir gehabt hatte, etwas Aehnliches gesagt haben sollte. Darauf hat der vetteffende Schulrat erklärt, daß die Angaben vollständig aus der Lust gegriffen seien.(Fortgesetztes Hört! hört! rechts.) Er sei über die Verbreitung solcher Angaben empört und bereit, eine solche Erklärung zu veröffentlichen.(Hört! hört! rechts.) Ich habe davon keinen Gebrauch gemacht, weil ich Klatsch über meine Person grundsätzlich ignoriere.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Ich erinnere bei dieser Gelegen- heit daran, daß der Abg. Kopsch schon zweimal ähnliche Mitteilungen gemacht hat, seine Beweise ist er aber schuldig geblieben. Wie ich darüber denke, wenn jemand systematisch das Vertrauen stört, um die Lehrerschaft in den Dienst einer bestimmten Partei zu bringen, habe ich schon eingehend dargelegt.(Lebhafter Beifall rechts.) Die zweite Beratung des SchuluntcrhaltungsgesetzeS wird fortgesetzt bei Z 40 Rektorenberufung, zu dem der nationalliberale Kompromißantrag deS Abgeordneten Bachmann vorliegt, der bezweckt, das BerufungSrecht der Rektoren grundsätzlich der Schulauffichtsbehörde mit der Verpflichtung der An- hörung der Gemeinden zu geben, aber den Gemeinden das Be- rufungsrecht lassen will, die es jetzt haben. Der Abg. Cassel(frs. Vp.) beantragt, für die Rektoren ebenso wie für die Lehrer das Wahlrecht den Gemeinden zu geben und den Schulauffichtsbehörden nur das Bestätigungsrecht zu gewähren. Ferner liegt ein Anttag des Abg. Cassel vor. der den Antrag Bach- mann dahin abändern will, daß für die Besetzung der Rektoren- stellen der Gemeindevorstand Personen vorschlagen soll, aus der die Aufsichtsbehörde einen bestätigen soll. Abg. Schiffer(natl.): Wir stehen den freisinnigen Anträgen zum Teil sehr nahe, werden sie aber ablehnen, weil sie den Rahmen des Kompromisses bedrohen. Wir wollen hier eine gesunde Realpolitik. Wir verwahren uns aber ausdrücklich dagegen, daß wir mit dem Antrag irgend ein Prinzip festlegen wollten. Wir verwahren uns dagegen, daß wir für eine weitere Einschränkung der Stadtrechte zu haben sein würden. Wir hoffen mit unserem Antrag eine Brücke zur Verständigung geschlagen zu haben.(Beifall bei den National- liberalen.) Ministerialdirettor Schmartzkopff sucht nachzuweisen, daß die Regierung schon nach dem heute geltenden Recht berechtigt sei, eine stärkere Einwirkung auf die Anstellung der Rektoren auszuüben. Abo Dr. Inner(k.): Der Abg. Kopsch meinte gestern, dieses Gesetz werde die Kriecherei befördern. Mit demselben Recht könnte man das von den Bestimmungen behaupten, die den Magistraten das Wahlrecht geben.(Sehr wahr I rechts.) Der Abgeordnete Cassel, der in Berlin sehr einflußreich ist, würde aber jedenfalls die Möglichkeit einer solchen Insinuation mit voller Schärfe zurück- weisen.(Sehr wahr! rechts.) Trotzdem wir der Ansicht sind, daß der Staat seine Rechte behält, meinen wir doch, daß keine Partei Anlaß hat, weiter zu gehen als die Regierung. Deshalb kann ich offen erklären, daß wir bereit sind» zu ver- suchen, ob eS möglich ist, den Wünschen der National- liberalen noch weiter entgegenzukommen, um die Mehrheit möglichst stark zu machen. Wir sind bereit, die Hand zur Versöhnung, die uns von den Nationalliberalen entgegengestreckt wird, zu er- greifen unter der Voraussetzung, daß eine brauchbare Grundlage ge- stlnden wird. Dazu wird der Antrag aber noch sehr der Um- gestaltung bedürfen. Deshalb sind wir Konservativen in diesem Stadium der Verhandlungen noch nicht imstande, für den nattonal- liberalen Antrag zu stimmen, wir hoffen aber bis zur dritten Lesung noch eine brauchbare Grundlage für die Verständigung zu finden. (Beifall rechts.) Abg. Dr. Dittrich(Z.): Ich kann nur die kurze Erklärung ab- geben, daß eS uns noch zweifelhaft erscheint, ob der nationalliberale Antrag einen gangbare» Weg darstellt. Wir behalten uns deshalb vor, zu dem vom Abg. Dr. Inner angekündigten Anttag bei der dritten Lesung Stellung zu nehmen. Abg. Frhr. v. Zedlitz(frk.): Ich freue mich über die Erklärung des Abg. Dr. Jrmer und bedaure, daß sich seine Anregungen noch nicht zu einem Anttage verdichtet haben. Wir werden zunächst gegen den§ 40 stimmen und auf eine Verständigung bis zur dritten Lesung warten. Abg. Münstcrberg(frs. Vg.): Wir erkennen ohne weiteres an, daß die Kommissionsbeschliisse manche Verbesserungen gegenüber der Regierungsvorlage aufweisen. Ich bitte Sie, den Antrag Cassel anzunehmen. Im Fall der Ablehnung unseres AnttagS werden wir zunächst für den nationalliberalen Antrag stimmen.(Beifall links.) Abg. Caffel(frs. Vp.): Der Ministerialdirektor sieht es als eine Enttechtung des Staates an, wenn den Selbstverwaltungen Rechte gegeben werden. Wäre seine Ansicht richtig, so hätte ja Friedrich Wilhelm IE. den Staat am meisten entrechtet, indem er die Selbst- berwalwng schuf.(Sehr gut I links.) Wir bekämpfen den national- liberalen Antrag, weil wir gleiches Recht für alle fordern.(Sehr richtig I links.) SBir vertreten auch nicht bloß das Interesse der Lehrer, sondern das der Schule. Wir werden in dieser Lesung für den nationalliberalen Antrag stimmen in der Erwartung, daß der- selbe nicht abgeschwächt wird, daß er nicht ein Provisorium auf einige Zeit darstellt.(Beifall links.) Abg. Dr. Friedbcrg(natl.): Ich glaube nicht, daß es dem Abg. Dr. Jrmer möglich ist, unserem Antrag eine bessere Fassung zu geben. Gelänge es doch, so würden wir gem bereit sein, für diesen neuen Antrag zu stimmen. Abg. Kopsch(frs. Vp.): Der Minister hat zu Beginn der Sitzung in seiner scharfen Polemik gegen inich gesagt, ich hätte gestern er- klärt: Der Minister hat einmal die Mehrzahl der Lehrer als Sozialisten und Materialisten bezeichnet. Diese Aeußerung habe ich nach Ausweis des unkorrigierten Stenogramms nicht getan. Ich habe lediglich referierend in objektiver Weise(Gelächter rechts) den Inhalt von Zeitungsartikeln wiedergegeben und ausdrücklich be- ,nerkt: Ich hoffe, daß es sich anders verhält! Bisher war eS in diesem Hause nicht Sitte, einem politischen Gegner Motive unterzn- schieben, zu denen er sich nicht bekennt.(Sehr wahr! links. Äe- lächter rechts.) Die Achtung dieser Sitte verlangen wir auch für «ns, auch vom Minister!(Lebhaftes Bravo I links. Zischen rechts.) Kultusminister Dr. Studt: Ich habe lediglich das wieder- gegeben, was ich gehört habe.(Rufe links: Stenogramm.) Das Stenogramm ändert an der Tatsache nichts.(Gelächter links.) Ich kann nur wiederholen, daß ich den elenden gemeinen Klatsch, der so vielfach über mich verbrettet wird, einfach ignoriere.(Bei- fall rechts.) Damit schließt die Besprechung. Die Abstimmung über den Antrag B a ch m a n n bleibt zweifelhast, es findet deshalb Aus- zählung statt, bei der der Anttag Bachmann mit 111 gegen 150 Stimmen abgelehnt wird. Die Anträge Cassel werden ab- gelehnt und die Kommissionsbeschliisse angenommen. Es folgt die Beratung des Z 56, der in Westprcußen und Posen bei: Geltungsbereich des Gesetzes ausschließt.— Hierzu wird ein. Anttag des Abg. v. Wentzel(k.) angenommen, der die Regierung auffordert, baldmöglichst einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Schulunterhaltung in den Provinzen Posen und Westpreußen in gerechter Weise regelt. Bei Z 57, der bestimmt, daß das Gesetz am 1. April 1S07 in Kraft tteten soll, wird ein Anttag deS Abg. Pallaske(k.) angenommen. nach dem das Gesetz erst am 1. April 1908 in Kraft tteten soll. Damit ist die zweite veratnng deS SchulunterhalwngSgefetzeS beendet. ES folgt die einmalige Beratung des Staats- vertrage« zwischen Preußen, Bayern, Baden und Hessen über die Mainkanalisierung. Der Verttag geht nach kurzer Debatte an eine Kommission von 14 Mitgliedern. Nächste Sitzung Montag 12 Uhr.(Kleine Vorlagen; 8. Beratung des Schulunterhaltuugsgesetzes.) Schluß 6 Uhr._ VI. Nerb nndstag des Aentschen Holzllrbetterverbnndes. Köln, 25. Mai. Auf Antrag der Revisionskommission wird dem Kassierer Bohne einstimmig Entlastung erteilt. Zur Beratung gelangen die Anträge zum ArbeitSnach- weis. Ein Antrag des Gautages Hamburg: Jede Zahlstelle zu verpflichten, einen Arbeitsnaöhloeis einzuführen, wird abgelehnt. — R ö s k e weist darauf hin, daß der paritätische Arbeitsnachweis mehr und mehr Anerkennung und Geltung gefunden habe und dort, wo er richtig organisiert ist, auch die Arbeiter befriedigt. Wo ein solcher paritätischer Nachweis bestehe, sei der Verbandsarbeitsnach- weis unnötig.— Becker(vom Vorstand) steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß der Arbeitsnachweis in die Hand des Ver- käufers der Arbeitskraft gehört, und daß man nur aus Zweck- mäßigkeitSgründen, und weil der Verband wichtigere Dinge zu tun habe, in den paritätischen Nachweis einwillige. Um den Arbeits- Nachweis allein zu streiken, müsse heute als Unding gelten. Angenommen wird ein Antrag Salomon- Bielefeld: Jede Zahlstelle ist verpflichtet, die Arbeitsnachweisfrage mehr als bisher zu behandeln; da. wo es möglich ist, ist ein Arbeitsnachweis einzu- führen. Ferner findet der folgende Antrag des Gautages Dresden einstimmige Annahme: Die den Arbeitsort wechselnden Mitglieder sind streng verpflichtet, an jedem Orte, wo sie Arbeit nehmen wollen, erst beim Vertrauensmann Erkundigungen über die Art der am Orte üblichen Arbe'itsvermittelung und die sonstigen ort- lichen Bestimmungen einzuholen und diese zu beachten. Es folgt die Beratung über Gehälter und Ent- schädigungen. Die Kommission, für die Starke- Dresden berichtet, schlägt vor, unter Beibehaltung der auf dem vorigen Ver- bandstage beschlossenen Gehaltsstaffel den Angestellten im Vorstand, den Hülfsarbeitern im Verbandsbureau, den Gauvorstehern und den Angestellten der„Holzarbeiter-Zeitung" eine monatliche Teuerungszulage von 15 Mark zu gewähren. Den aushülfsweise im Verbandsbureau beschäftigten Kollegen soll die Entfchädigung in der Regel so bemessen werden, daß sie mindestens das Anfangs- geholt der Hülfsbeamten bekommen. Dem Kollegen L e i p a r t sollen für die Herausgabe des AlmanachS 300 M., ferner in Anbetracht seiner umfangreichen Tätigkeit eine laufende jährliche Ent- schädigung von 200 M. zum Gehalte bewilligt werden. Die hier vorgeschlagene Regelung ist als eine vorübergehende zu erachten. wobei Voraussetzung ist. daß eine grundlegende Neuregelung der Gehaltsfrage in einer den Zeitverhältnissen und der Bedeutung des Verbandes entsprechenden Weise durch den nächsten Verbandstag (1008) erfolgt. Die Entschädigung für die agitatorisch tätigen Kollegen wird von der Kommission als dringend der Erhöhung be- dürftig bezeichnet. In der mehrstündigen Diskussion, die im allgemeinen ohne Erregung geführt wird, wenden sich mehrere Redner ent- schieden gegen die Opposition, die in Mitgliederkreisen sich gegen die Gehaltserhöhung der angestellten Kollegen bemerkbar gemacht hat. Man wirft der Kommission„halbe Arbeit" vor und wendet sich gegen den Ausweg der„Teuerungszulage"; eS müsse schon auf diesem Verbandstage eine wirkliche Regelung der Gehälter vor- genommen werden. Auf diesen Standpunkt stellen sich mehr oder weniger S i ck f e l d t- Berlin, L ü t h- Hamburg, N e u m a n n- Hamburg, K a h l- Hamburg, K u n i s ch- Düsseldorf und andere. Es wird weiter darauf hingewiesen, daß andere Gewerkschaften, die politische Partei und die Konsumgenossenschaften ihre Angestellten erheblich besser beezahlten als der große Holzarbeiterverband. Die meiste Opposition werde nicht von den Zahlstellen mit schlechten Lohnverhältnissen, sondern von solchen mit hohen Löhnen gemacht. Der Verband habe kein Interesse daran, seine Angestellten und Leiter auszunutzen, überanzustrengen und vor der Zeit zu ver- lieren. Gegen die Vorschläge der Kommission erhebt sich aus Gegner- schaft gegen die Höhe fast kein Widerspruch; die meisten Redner wünschen über die Kommissionsvorschläge hinaus eine sofortige Regelung. Der Verbandstag beschließt hierauf einstimmig, GehaltS- erhöhungen vorzunehmen. ES wird mit 70 gegen 44 Stimmen beschlossen, das Grundgehalt der Vorstandsmitglieder festzusetzen auf 2400 M., steigend um 120 M. jährlich bis 3000 M., das Grund- gehalt der Gauvorsteher mit allen gegen 16 Stimmen auf 2100 M., steigend um 120 M. auf 2600 M., das Gehalt der Hülfsarbeiter gegen acht Stimmen auf 1800 M., steigend um 100 M. auf 2400 M. In bezug auf die aushülfsweise beschäftigten Kollegen und den zweiten Vorsitzenden L e i p a r t beschließt der Verbandstag gemäß den Vorschlägen der Kommission. Die Diäten der Gauvorsteher werden wie die der Vorstandsmitglieder von 6 auf 8 M. erhöht. Die Entschädigungssätze für die in der Agitation tätigen Kollegen sollen ebenfalls erhöht werden. Weiter beschließt der Verbandstag, daß alle Arbeitskräfte ayS Kollegenkreisen zu entnehmen sind. Mit allen gegen acht Stimmen beschließt der Verbandstag auf Antrag des Gautags Dresden, daß Zahlstellen, die sich in einem in sich abgeschlossenen Jndustri»- oder Lohngebiete befinden, sich zu vereinigen haben, um bessere und gleiche Organi- sations- und Arbeitsbedingungen zu schaffen.— Der Antrag zielt besonders auf die um die großen Städte herumliegenden Orte, zumal die Vororte. Auch ein Antrag des GautageS Hamburg: Kleinere Zahl- stellen in unmittelbarer Nähe großstädtischer Zahlstellen, in denen die Verbandsgeschäfte durch besoldete Beamte geführt werden, haben sich diesen anzuschließen zwecks einheitlicher Regelung der gesamten Bewegung. Weiter werden folgende Anträge angenommen: Lokalunter- stützung darf an Mitglieder, die sich an ihrem letzten Arbeitsort nicht abgemeldet haben, nicht gezahlt werden; auch darf die Gesamt- summe den eingezahlten Beitrag nicht überschreiten. Die Gauvorstände sind verpflichtet, in ihren Gauen dahin zu wirken, daß in solchen Provinzorten, wo Bautischlerarbeiten angefertigt werden und die Kollegen zum Einsetzen(Anschlagen) dieser Arbeiten nach solchen Orten geschickt werden, wo bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen vorhanden sind, die Kollegen sich vorher an zuständiger Stelle über diese besseren Löhne, Preise und Arbeitsbedingungen zu informieren haben. Angesichts der Unterstützungseinrichtungen unseres Verbandes ist den G a u k o n f e r e n z en die Befugnis genommen, Extra- beitrage zwecks Unterstützungen zu beschließen. Ferner wird beschlossen, den Gewerkschaftskongreß, wie bisher, entsprechend der Mitglicderzahj zu beschick««.. Einem Antrage, wonach die Zahlstellen verpflichtet werde« sollen, jährlich eine Agitation für die Arbeiterpresse zu veranstalten und das Ergebnis in der„Holzarbeiter-Zeitung" bekannt zu geben, widerspricht K l o ß, da es sich um Agitation für politische Zeitungen handeln würde, wozu man die Mitglieder von Verbandswegen nicht verpflichten könne; die Absicht des Antrages könne aus der Initiative der Mitglieder in den Zahlstellen ver- wirklicht werden.— Darauf zieht der Antragsteller den Antrag zurück. Zur Beratung kommt der siebente Punkt der Tagesordnung; die Maifeier.' Der Referent Glocke- Berlin betont unter Hinweis auf die Beschlüsse der internationalen Kongresse und der Parteitage, daß die würdigste Form der Feier die Arbeitsruhe sei. Falsch sei, daß die Maifeier nicht in das Gebiet der gewerkschaftlichen Aktion gehöre; denn die Forderungen des MaiprogrammS, sowohl die deS Arbeiterschutzes als die des Koalitionswesens und deS allgemeinen, gleichen Wahlrechts schneiden tief in alles das ein, was die Ge- werkschaften fordern und erstreben. Die Maifeier geht uns über- dies doch auch als Mitglieder der politischen Arbeiterbewegung an. Wir können doch keinen Januskopf haben und als Gewerkschaftler so und als Angehörige der Partei anders handeln. Eine ganze Anzahl von Gewerkschaften hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß die würdigste Form der Feier die Arbeitsruhe sei. Dennoch haben sich seit 1800 die Gewerkschaften um die Durchführung der Maifeier blutwenig gekümmert. Daß gemäß der Aeußerung eines Vertreters auf dem Verbandstag der Metallarbeiter nur 5 Prozent der Metallarbeiter den 1. Mai gefeiert haben, beweist, daß man noch gar keine Anstrengung gemacht hat, um die Mitglieder zur Feier zu bewegen. Die Tarifabschlüsse sind kein Hindernis für die Mai- feier. Erstens steht über die Maifeier nichts in den Tarifen, und zweitens ist die Feier an einem Tage kein Tarifbruch. Die Unter- nehmer schließen Tarifverträge, um den„fortwährenden Beun- ruhigungen" aus dem Wege zu gehen. Da werden sie doch um des einen Tages willen nicht diese Beunruhigungen wieder heraufbe- schwören. Es fehlen uns aber Beschlüsse, wonach wir die Kollegen, die den 1. Mai durch Arbeitsruhe feiern, nachhaltig unterstützen können. Das muß angesichts der Aussperrungen der Maifeiernden auf die Feier hindernd einwirken. Der Redner empfiehlt die Annahme der Anträge 246 und 249, die lauten: 1. Antrag Berlin: Der Verbandstag steht auf dem Standpunkt, daß die Feier des 1. Mai am würdigsten durch Ar- beitsruhe gefeiert wird. Er verpflichtet deshalb die Funktionäre des Verbandes, gemäß den Beschlüssen des Parteitages und des internationalen Kongresses in diesem Sinne zu wirken. 2. Gautag München: In denjenigen Betrieben, wo drei Fünftel der Kollegen organisiert sind, ist der 1. Mai durch Ar- beitsruhe zu feiern. Für etwa hieraus entstehende nachteilige Folgen der betreffenden Kollegen hat die Organisation einzu- treten. 3. beantragt der Referent: Bei Aussperrungen und Maß. regelungen infolge der Arbeitsruhe am 1. Mai wird den davon Betroffenen, soweit sie voll- und halbberechtigt sind, die Streik- Unterstützung von der zweiten Woche an aus der Verbandshaupt- kasse gezahlt. Zu dem Gegenstand liegt eine Resolution des Gautages Berlin als Material vor, ferner eine solche von Leopold-Berlin. Der Verbandstag beschließt, zunächst die Meinung deS Vorstandes über die Maifeierfrage zu hören. Leipart: Von einer Stellungnahme des Vorstandes kann eigentlich nicht die Rede sein, wie ja auch die früheren Verbands- tage es abgelehnt haben, zur Maifeier grundsätzlich Stellung zu nehmen. Der- Vorstand hat die Anträge auf Ausschluß von Mit- gliedern, die sich an der Maifeier nicht beteiligten, ablegen müssen. Weiter hat der Vorstand die Stellung eingenommen, daß es sich nicht empfiehlt, bei Lohnbewegungen die Freigabe des 1. Mai als Forderung aufzustellen, da es nicht zweckmäßig wäre, im Juli, August und September oder auch im Februar oder März für eine Forderung zu streiken, die der Unternehmer bis zum 1. Mai doch wieder umgestoßen haben kann. Der Vorstand steht gegenwärtig auf dem Standpunkt, daß alle Anträge abzulehnen sind, die den wegen des 1. Mai gemaßregelten Kollegen Streik- oder Gemäß- regeltenunterstützung gewähren wollen. Andernfalls müßte der Vor- stand bei den Anträgen auf Genehmigung von Streiks im Früh- jähr warten, bis sich die finanzielle Wirkung der Maifeier auf die Verbandskasse übersehen ließe. Der Vorstand hat über die diesjährige Beteiligung der Mit- glieder an der Maifeier eine Umfrage veranstaltet. Von den 741 Zahlstellen haben sich 413 an der Feier beteiligt. In diesen haben 70 047 Mitglieder den ganzen Tag, 247 einen halben Tag gefeiert. Von diesen wurden ausgesperrt: auf einen Tag 019, zwei Tage 677, drei Tage 092, vier Tage 264, fünf Tage 32. sechs Tage, also eine Woche, 1212, sieben Tage 1. bis zehn Tage 106, länger als zehn Tage 351, auf unbestimmte Zeit 55; ohne Angabe der Zeit figurieren 010 Mitglieder; dauernd entlassen wurden 81. Ins- gesamt wurden also von 71000 Mitgliedern 5600 gemaßregelt. Die Hälfte unserer Mitglieder hat nach dieser Statistik durch Arbeits- ruhe den 1. Mai gefeiert. Aus den einzelnen Städten greifen wir einige Zahlen heraus. Es wurden in Berlin von 24 000 feiernden Mitgliedern 910 aus- gesperrt, in Bremen von 745 65, in Breslau von 1650 566, in Dresden von 1750 127, in Leipzig von 3000 1100, in Hamburg von 6000 954, in Lübeck von 400 32, in Hannover von 1500 70, in Frankfurt a. M. von 1500 13, in Stuttgart von 2000 120. in Nürnberg von 950 57, in Fürth von 1384 4 usw. In der Diskussion stellen sich fast alle Redner auf den Standpunkt des Referenten Glocke. Robert Schmidt- Berlin be- kämpft die Ausführungen und die Anträge nicht ernstlich, obwohl er grundfätzlich nicht auf deren Boden steht. Er verwahrt sich dagegen, daß er, wie behauptet worden sei, die Maifeier abschaffen wolle. Das Wesen des 1. Mai liegt für ihn nicht in dem Feier- oder Ruhetag, sondern in der Demonstration. Er glaubt, daß die Ge- werkschaften noch nicht stark genug sind, um es auf eine Kraft» probe am 1. Mai ankommen lassen zu können. In große Industrie- gebiete sei man kaum eingedrungen. Er hofft aber, daß es nicht dauernd nötig sein werde, sich bei der Maifeier die heutige Re- serve aufzuerlegen. Wenn aber der Verbandstag die Feier des 1. Mai durch Arbeitsruhe beschließe, dann dürfe er nicht auf die von einzelnen Rednern befürwortete Halbheit verfallen, die Gemäß» regelten von der Unterstützung durch die Hauptkasse auszuschließen, sondern dann müsse der Verband auch alle Konsequenzen auf sich nehmen. Merkwürdigerweise habe gerade Magdeburg den Antrag auf absolute Feier am 1. Mai gestellt, obwohl in Magdeburg von 1203 Mitgliedern nur 530 gefeiert haben. In der weiteren Diskussion wird der Ueberzcugung Ausdruck gegeben, daß die Aussperrungen zu einem wesentlichen Teile darauf zurückzuführen seien, daß die Kollegen nicht entschieden genug für die Maifeier eintreten. Bei einheitlicher Beteiligung werde das Maßregeln aufhören, wie auch gerade dort Aussperrungen statt- fanden, wo die Kollegen eineS Betriebes nur zum Teil feierten. Der Verbandstag nahm, wie schon telegraphisch gemeldet, schließlich einstimmig den Antrag 246(Berlin) an und be- schloß gegen 7 Stimmen, beiMaßregelungenauSAnlaß der Maifeier die davon Betroffenen aus der Verbandskasse zu unter st ützen. Die weiteren Anträge. die zur Maifeier vorliegen, wurden der Statutenberatuugst»«». Wission überwiesen, ebenso die Aesolutisoeo. Für beii Jntial« der Inserate iiberiiiuimt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei verautwortiiug. Zbcatcr. Sonntag, 27. Mal. Freie Volksbühne. Sonntag: 27. Mai, nachmittags H'l, Uhr, 11./12. Abteilung im Mctropol-Theater: Die Frau vom Meere. 1S./17. Abteilung im Carl Weiß-Theater: Der Meister. Montagabend 8'/, Uhr: g./S. Abteilung im Carl Weiß-Theater: Emilia Galottt. Reue freie Volksbühne. Sonn- tag, 27. Mai, nachm. 3 Uhr: 7. Abteilung im Schiller-Theater N: Zapfenstreich. Nachmittags 2'/, Uhr: 2. Mt. im Neuen Thealer: Doppelselbst. mord. 4. 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Vorsichtshalber ist allerdings aus dem Versammlungsbericht der Sonnabendversammlung diese doch wichtige Aeufierung des Genossen Ebert weggelassen. Warum und auf wessen Veranlassung? Der Genosse Wels ist in Nr. IIS des„Vorwärts" ebenfalls mit einer Erklärung vertreten. Dast Wels seinen Zwischenruf ver- ständlich und berechtigt zu machen sucht, nimmt ihin niemand übel. Dast aber die Bersammlungsbesucher mit der Erklärung des Genossen Wels den Zwischenruf für berechtigt halten werden, glaubt doch der Genosse Wels selbst nicht. Zu dem hochtrabenden Schlufisatz möchte ich dem Genossen Wels noch sagen:„Mensch, laß doch das, der- artiges kleidet Dich nicht." Auf die öden Schimpfereien des Genossen L i e p m a n n, die er sich in der Versammlung des ö. Kreises leistete, halte ich nicht weiter notwendig zu antworten. Wer so, wie L i e p m a n n, mit Schimpfen und Gehässigkeiten operiert, beweist damit, auf wie schwachen Füßen seine Sache steht. Berlin, 25. Mai 1906. Adolf Cohen. Genossen Cohen möchte ich bemerken, daß er mit seinem offen- sichtlichen Bemühen, den Streit vom Kernpunkt der Sache zu ver- drängen, jetzt sicher nicht mehr in der Lage ist, das Urteil der Ge- Nossen zu trüben. Ob das, was ich tue, mich„kleidet" oder nicht, mag Cohen ruhig mir überlassen: der Raum des„Vorwärts" aber ist für derartige Stilübungen wohl sicher zu schade. O. Wels. M Eine Prämie demjenigen, der in den Ausführungen, welche ich im fünften Wahlkreise gen, acht und die der„Vorwärts" in Nr. 119 wiedergibt, auch nur ein Schimpfwort Heranslesen kann. Wohl aber hat Cohen zuerst von„dreckiger Hau! gesprochen und„ein- und zweihöckerige Wü st en in die Polemik hineingeführt. Es ist immer die alte Geschichte— in seiner so Phantasie und unerreichten Erfindungsgabe konstruiert Genosse Cohen das, worauf er hernach lospaukt. Ich aber habe nicht so viel Zeit und auch keine Lust, den Raum des„Vorwärts" mit weiteren Erklärungen zu füllen. Es wäre ver- gebliches Bemühen,„Cohen und die Wahrheit" auch nur in ent- fernteste Uebereinstimmung zu bringen. Die Genossen und Leser des„Vorwärts" werden wohl söhne daß die„Erklärungen" noch weiter ausgesponnen werden) wissen, wem sie zu glauben haben. Und damit für mich— Schluß der Debatte. Leopold Liepmann. »ere üppigen sich der Die Arbeiter vom Siemens-Schuckertwerk Franklinstraße waren am Dienstag sehr zahlreich in der„Kronenbrauerei" versammelt, um den Bericht des Arbeiterausschusses entgegenzunehmen. Auf Antrag des Ausschusses hat die Direktion den gelernten Arbeitern einiger Abteilungen, sowie den Heizern. Krahnführern, Transport- und Hülfsarbeitern eine geringfügige Lohnausbesserung bewilligt, jedoch nicht unter Zugrundelegung regulärer Tarifsätze, sondern mit der bekannten Rücksicht auf Fleiß und Leistung. Von allgemeinem Interesse ist noch die Behandlung folgender Frage des Ausschusses an die Direktion. Sie lautete:„Ist es Tatsache, daß die Firma Arbeiter, sobald sie das 40. Lebensjahr erreicht haben, nicht mehr einstellt?" Darauf er- klärte Herr Direktor Stoephasius, daß eine grundsätzliche Be- stimmung, wonach Arbeiter nach vollendetem 40. Lebensjahre nicht mehr eingestellt werden dürften, zwar nicht bestehe. Es sei indessen die Erfahrung gemacht worden, daß in solchen Fällen eine g e- wisse Vorsicht bezüglich der Gesundheitsverhaltnisse angebracht erscheine, weshalb bei Neucinstellungen solcher Personen stets seine Genehmigung nachzusuchen sei. Mit anderen Worten heißt das: Arbeiter über 40 Jahre werden in den Siemens-Schuckert-Werken nur in Ausnahme- fällen e i n g e st el l t. So dokumentiert sich die berühmte „Humanität" der Weltfirma.— Lebhafte Beschwerde hat der Aus- schuß auch wegen der geradezu skandalösen Verkehrs- Verhältnisse am Nonnendamm geführt. Die Arbeiter- beförderung des Morgens auf den in Frage kommenden nördlichen Ringbahnhöfen ist seit Eröffnung dieses Außenwerks eine derartig mangelhafte� daß bei dem Andrang der vielen Arbeiter schon mehr- fach Menschenleben in die höchste Gefahr gekommen sind. Herr Di- reltor Stoephasius antwortete darauf, daß die Direktion wiederholt schriftlich und mündlich an die Eiscnbahnbehörde herangetreten sei und von dieser die Zusage erhalten hätte, den Eisenbahnbetrieb nach Möglichkeit den Verhältnissen entsprechend einzurichten. So sei zu- gesagt worden, daß auch hei Ansehung von Ueberstunden besondere Züge eingelegt werden sollen; die Einstellung von besonderen Wagen für die Arbeiterinnen sei dagegen abgelehnt worden. Vom Obmann wurde darauf erwidert, daß nicht allein die Eisenbahn« gemeint sei, die in zwölfter Stunde ja noch Zugeständnisse gemacht habe, s o n- dern vor allem die Kommunalbehörden, die in gegenseitigem Streit zum Schaden der Arbeiter- schaftdieöffentlichenWegenachdemNonnendamm in einem Zu st and belassen, daß sie weder bei gutem noch bei Schlechtem Wette r passierbar seien. Er ersuchte die Direktion, diesem Streit der Behörden nicht untätig zuzusehen, sondern alle Mttel zu ergreifen, um hier endlich Wandel zu schaffen. Herr Stoephasius sagte dazu, daß schon seit Jahren von der Bauleitung, vom Kabelwerk, Wernerwerk und auch von Herrn Direktor Dihlmann und anderen Direktoren persönlich mit den Behörden verhandelt worden sei, um bessere Verkehrsvcrhältnisse zu schaffen, und daß diese Verhandlungen auch heute noch fortgesetzt würden; es sei zu hoffen, daß diese Bestrebungen schließlich von Er- folg begleitet sein würden. Wann, das steht also noch dahin. Hierauf ermahnte der Bevollmächtigte H a n d t k e vom Metall- arbeiterverband die Anwesenden, angesichts der drohenden Aussperrungen mehr denn je für die Ausbreitung der Or- ganisation tätig zu sein. Denn mit was für einer Sorte von Ar- heitern man in den Siemens-Schuckert-Werken noch zu rechnen habe, das beweise ein Gesuch, welches von einer Gruppe solcher Leute an die Direktion gerichtet wurde. Das Ding lautet: „Die unterzeichneten Arbeiter unterbreiten einer hochwohk» löblichen Direktion folgendes Gesuch: Da bekanntlich die Nichtorganisierten Arbeiter durch die organi- sierten Arbeiter schwer geschädigt werden, dadurch, daß die letzteren den Wohlfahrtseinrichtungen, als da Groschenkassen und der Spar- und Unterstützungsverein zugrunde gerichtet werden sollen, welche doch den Segen der Arbeiterwohlfahrt bilden, ferner durch die Un- gerechtigkeitcn beim Kollektenwesen, wo die Nichtorganisierten von den Organisierten nicht berücksichtigt werden, und es dem Verband nur zu leicht gelingt, zum Ziele zu gelangen, da durch die Mani- pulationen(Schikanen und Beschimpfungen der Nichtorganisierten) der Organisierten ein großer Teil der Nichtorganisierten sich ent- schlössen hat, dem Verbände beizutreten, so beabsichtigen die Unter- zeichneten, eine Unterstützungskasse zu gründen, die ganz unabhängig vom Verbände sein soll, und bitten eine hochwohUöbliche Direktion untertänigst um geneigtestes Wohlwollen.(Unterschristen.)" Es ist allerdings nickst mitgeteilt worden, ob die Direktion von diesem untertänigsten„Liebesbrief" sonderlich erbaut gewesen ist. Die Versammelten waren jedoch der Ansicht, daß die Firma es mit lauter solchen Arbeitern sicherlich nicht zu ihrem Weltruf ge- bracht hatte. Zur Richtigstellung! Von einer längeren Reise zurückgekehrt, finde ich in der Nr. 112 des„Vorwärts" einen Versammlungsbericht der Vcrbandsfiliale der Töpfer Berlins, worin sich ein DiSkussionS- redner auch mit meiner Person in meiner Eigenschaft als Redakteur des Fachorgans der Töpfer beschäftigt. Ohne auf die Person des betr. Diskussionsredners einzugehen, fühle ich mich veranlaßt, zur Steuer der Wahrheit folgende Richtigstellungen zu machen: 1. Ich habe mich in den bekannten Streit Graveurzeitschrift kontra Luxemburg gar nicht gemengt und mich nach keiner Seite hin festgelegt. Ich habe vielmehr erklärt, daß, da die Hauptzeugin Genossin Luxemburg fehlt, die Redaktion des„Töpfer" kein Urteil abzugeben in der Lage ist.(Nr. 19 des„Töpfer".) 2. Angriffe zu richten gegen eine Partei, der ich mich rund zwei Jahrzehnte zurechne und der ich schon unter dem Sozialisten- gesetz gedient habe, habe ich keine Veranlassung. Ich habe mich Genossen Kautsky gegenüber wegen seines bekannten Angriffes „gegen jene Gewerkschaftsführer und Gewerkschaftsredakteure, die sich den Rexhäuser zum Vorbild erkoren haben und denen die 5 Pf. Lohnerhöhung alles ist und die einen bornierten Haß gegen jede Form der Arbeiterbewegung haben, die sich ein höheres Ziel setzt," in der Abwehr befunden. Gegen diesen unbeweisbaren Angriff mußte ich als Gewerkschaftsrcdaktcur Stellung nehmen. Also nicht Angriff, sondern Abwehr. Genosse Kautsky ist nicht die Partei und seine Ansichten sind bei aller Hochachtung seiner sonstigen Verdienste nicht unantastbar. 3. Ich habe weiter nicht„Vorwärts"-Redakteure deshalb angezapft, weil sie am 1. Mai Referate bei sogenannten Lokalisten gehalten haben. Ich habe aber auf das event. Disziplinwidrige hingewiesen, das darin liegt, daß Redakteure des Zentralorgans der Partei in Maiversammlungen eine anders geartete Resolution zur Annahme empfehlen, als die vom Parteivorstand für ganz Deutschland herausgegebene einheitliche, zumal die Sonder- resolution in einem Teile den Generalstreik der Arbeiter als beste Waffe verherrlichte. Darauf hinzuweisen war mein gutes Recht. Jedenfalls gilt auch für Gewerkschaftsredakteure noch das Recht der freien Meinungsäußerung, das ich mir, so lange ich meinen Posten einnehme, auch von niemand beschneiden lassen werde. Arthur Schmit, Red. deS„Töpfer". Viele Tausende Exemplare neuester vornehmer Moden. Kur eigene beste Fabrikation. UnObertroffene Auswahl in reichhaltigsten, hochaparten Ausmusterungen bewährter Erzeugnisse. 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Weigel, Tiirrschmidtstrafte 43: HIMgliedeivVersammlittig. TageS-Ordnung- 1. Partei und Gewerkschaft. Referent: Genosse ODnoll. 3. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 8/5 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter Verband. Verwalwngsstelle Berlin. �»rdeitsnacIweKa: Zimmer 34, Amt IV, 3353. Engel-Ufer 15. Hanpt-Bnrcaa: Zimmer 1-5. Amt IV, 9679. 9l Bohrleger and Keifer. Mer Holl ir Zahltttelle Berlin. Montag, den äff. Mai 1906, abends 8'/, Uhr: Branchen-Versammlung der Kiirjitn-«nd Piiisklmlilher«sw. im Gewerkschaftshanse, Gngel-Ufer»5, Saal 3. Tagesordnuna: ». Berief........... Schmal Die Kammacher. aelitungl Mittwoch, den 30. Mai. abends präzise 8'l, Uhr: Branchen-Versammlung der Kammilchtr und uller in der Ztliulmd-Hnarschmuck- blanche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen im Englischen Garten, Alexanderstr. S7o. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des GewertschastSsetretärs Genossen Ad. R t t t e r. 2. DiS- kussion. 3. Werlstattangelegenheiten. 4. Verschiedenes. ' Der sehr wichtigen Tagesordnung wegen ist cS Ehrenpflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Kommission. Achtung! Einsetzer« Achtung! Mittwoch, den 30. Mai, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engel-llfer 15(Saal 1)- Branchen-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht vom Berbandstag. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Ver- schiedenes. Die Branchenleitung.. Mittwoch, den 30. Mai 1906, avends 7 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engel-User 15, Saal 7: Branchen-Bersammlnng der Vcrliiliilt-, Horil-««d Zteiiimiß-Ardkiler. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Bericht der Kommission. S. Werkstatt- angelegenheiten. 5. Verschiedenes. ZZZZZI Die VerbandSbiicher sind mitzubringen. Zu dieser Versammlung sind die bis jetzt noch Unorganisierten KoNegen besonders eingeladen._ " Kollegen agitiert für regen Besuch*9® Der Obmann. Jalousie-Arbeiter. Mittwoch. den 30. Mai, abends pünktlich 8'/, Uhr: VersammBung n im Gewerkschaftshanse» Engel-Ufer 15(Saal 3). TageS-Ordnung: ». Bericht des Obmannes. 2. Neuwahl. 3. Verbands- und Branchen- angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Bilderrahmenmacher. Montag, den S8. Mat 1906. abends 8>/, Uhr i Branchen-Ifepsammlung im Gewerkschaftshanse. Engel-Ufer 15. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Engelbert Gras über: Japanische Kultur. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht _ Der Obmann. Krauche der Kordmacher. Montag, den 28. Mai, abends S'/.2 Uhr, im Grwerkschaftshaus, Engel-User IS- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. ES ist Pflicht jedes Kollegen zu erscheinen.----- lebtuvg! �c�unB � Mittwoch, den 30. Mai, abendö 8 Uhr: Allgemein s Versammlung der Kohr- leger und Keifer Serlins u. Umgegend im groften Saal« von Keller, Koppenftr. 29. Tagesordnung: 1. Verbandsangelegenheiten. Fortsetzung der Diskussion vom 20. Mai. 2. Verschiedenes. 281/10' Die Kollegen, welche Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter-VerbandeS find, haben ihre Mitgliedsbücher mitzubringen. Wir ersuchen die Kollegen, z« dieser Bersammknng recht zahl- reich zu erscheinen. Die Nertriulenslkute der Rohrleger und Helfer Berlins und Umgegend. I. 81.: Die Agitutlonsliommibsloii. Montag, den 28. Mai, abends 8V2 Uhr: ¥e rsammlnngf ISi der im Den Wen MelallaMmH orpittn Meger aMeHs M im G ew erksch aftshause, Gngel-Ufer I.S» grosier Saal. Tagesordnung: 119/20 1. Die Differenzen zwischen den Rohrlegern und Helfern und der Ottsverwaltung. 2. Diskussion. Um den Kollegen die Möglichkeit zu geben, die von der OrtSverwalwng gegen die Branche erlassenen Maßnahmen beurteilen zu können, und auch einen friedlichen Ausgleich— wenn möglich— herbeizuführen, ist diese Versammlung unter Ausschaltung der Agltationskommission der Rohrleger und Heiser von der Verwaltung einberusen. Die Vertreter der OrtSverwaltung werden aus alle aus den Konflikt bezüglichen Fragen Rede und Antwort stehen, Slllc Berliner Rohrleger und Helfer, die sich als Mitglied des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes legitimieren(selbstverständlich auch die Agitattonskommisston), haben zu dieser Ber- sammlnng Zutritt. Die Orttsverwaltnng. freie Vereinigung der Kfaurer Deutschlands. Ortsverein Berlin. . Barcan C. 85. Hlrtenstr. 89 Telephon Amt 7, 4999. Mittwoch, den 30. Mai, abends 8'/a Uhr: Zwei große öffentliche Versammlungen"WV der Afctim Serlins und Umgegend . in folgenden Lokalen: Boekers Gescllschattohans, Weberstraße 17, Viktoria• Salon, Perlebergerstraße 14. TageS-Ordnung: i. Der Danschwindt! in Groß-Derlin und welche Gefahren birgt derselbe in sich? 2. Diskussion, 130/2 IM. Di- Zustände, die jeweilig im Berliner Baugewerbe grassieren, find so ungeheuerlicher Natur, daß sie nicht nur den Bauhandwerker selbst, sondern die weitesten Kreise deS gesamten Publikums interessieren dürsten. Wir laden daher nicht nur unsere Kollegen, die ja ohne weiteres in diesen Versammlungen zu erscheinen haben, sondern alle Interessenten des Baufaches ein._ Der Voratand._ Artnln-HaUen Kommandanten-®'• Straß« 20.* Coef Cölo Vereinzimmer inbehebiget rBSI-ödlB, Größe: 1000 Bettonen fassender Naturgarten zur Abhaltung von Sommcrseslen usw.. Der große Saal ist an einig. Tagen der Woche zu beständigen Versammlungen zu vergeb. Kevr. Fllelltz. Tel.: Amt 18985. Restaurant Zur Sehleuse Woltersdorler Schleuse hei Erkner. Tel.: Amt Erkner 22. Halte den geehrten Bereinen, Ge- werkschasten, Fabriken und Klubs meine Lokalitäten für Sommer-Aus- flöge bestens empsohlen. Neu erbauter Saal sür zirka 800 Personen. Hochachtungsvoll 1266a*_ C. Spetzke. s Gesellsehaftshaus Erkner Jnh, M. Degebrodt. Habe noch Sonnabende und Sonntage frei, welche den ge- ehrten Fabttken u. Vereinen empfehle. 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Bat 1906, abends 8'/: I hr, in den Armlnhallcn, Kommandantenstraße 30: Versammlung aller in der Schneiderei beschäftigten Frauen und Mädchen jN welcher Frau I-ilz- Ilraa» über:* 163/16 „Die Stellung der Frau in der heutigen Gesellschaft" sprechen wird. Zahlreichen Besuch erwattet_ Ter Eiliberufer. Bügler, Stepper, Uandnäher, und Näherinnen, die bei Zmischemneisfem der KsrrenkonJeUtion arbeiten! Bontag, den Ü8. Mai er., abends 8'/. Uhr, in den„Ulaslker» Saien", Kaiser Wilhelmstr. 18 m: Oeffenttfefic Versammlung = sämtlicher Kollegen u. Kolleginnen.== Tages-Ordnung: Könne» wir die zehnstündige Arbeitszeit erreichen? Referent: Kollege iHttlir. Zahlreichen Besuch erwartet_ 163/16 Der Einberufer. €li tirlo tt eiil» urg;! Mittwoch, den 30. Mai, abends 8'/z Uhr: Oeffentliche dewerhsehafts- Versammlung im„Volkshause", Rosinenstr. 3(großer Saal). Tages-Ordnung: 1. Die Schädlichkeit der Akkordarbeit im Maurergewerbe; die Aussperrung der auf dem Neubau des Schiller- Theaters beschäftigt gewesenen 08 Maurer und die Behandlung dieser Angelegenheit in der Stadtber« ordneten-Bersammlung am 28. März. 2. Diskussion. 3. Vettchiedenes. 144/2* In Anbetracht der äußerst wichtigen und besonders für die Angeböngen der Bauberuse interessanten Tagesordnung ist das Ettcheinen der Mitglieder aller Berussgruppen dringend ettorderlich. Der Borstand des Zentralverbandes der Maurer Deutschl. Zahlstelle Charlottenburg. I. A.: 5. Lehmann. NB. Zu dieser Versammlung find schttstlich eingeladen die Herren Direktor Loeneenloid, Oberbürgermeister Schuilehrui, Bürgermeister Kalling, Stadtbaurat Pros. Setimale, Stadlbauinspektor Wlntereteln und sämtliche Stadtverordnete. D. C. Charlottenburg! Dienstag, den 29. Mai, abds. 8% Uhr, im„BolkShause", Rosinenstr. 3: Volks- V ersammluns. TageS-Ordnung: 1. Bedeutet die wirtschaftliche Organisation et«« Machtfrage für die Arbeiterklasse? Rescrent: Reichstags-Abgeordneter Bon«. 2. Diskussion. Die Frauen sind ganz besonders eingeladen k 205/11 De? Einbernfcr, Zentralverband w Maschinisten»»» Heizer:««° Berufsgenossen Deutschlands. Aus Grund des A 12 Abschnitt 10 des Verbandsstatuts findet am 8oaatag, den 87. Bai 1900, nachmittags pünktlich um 3 Ihr, in Berlin, Ritterstraße 75 bei Voigt, eine Kombinierte Versammlung von Mitgliedern folgender Zahlstellen statt: Berlin, Charlottenburg. Köpenick, Frtedrichshagen, Herzfelde, KönigSwusterhausen, Körbis- trug, RowaweS, Ober-Schöorweide. Spandau, Treptow u.fBelten. Tages-Ordnung: Wahl deS stellvertretenden VcrbandSvorsitzenden«nd zwei« Beisitzer. Wahl von 5 Mitgliedern der Zeitschristkommission. 138/18 Spy Der Eintritt ist nur den Mitgliedern gegen Vorzeigung des Mitglledsbuches gestattet. Mitglieder, welche nach tz 4 Absatz a länger als 13 Wochen Beitragsreste haben, erhalten keinen Zutritt. Franz Scheffel, Vorsitzender. Vereinigung der Idaler, Saekierer und Unstreieher. Filiale Berlin. Bezirk„Nord-Ost". Montag, den 88. Mai, abends 8>/, Uhr. im Lokal deS Hm. Scholz, Belsortetttr. 15: IM- Versammlung,'WS Tagesordnung: 1. Die GewerkschastSorganisation und deren Bedeutung. 2. Vereinsangelegenheiten. 125/5 Zahlreichen Besuch erwartet Der Bezirksführer. VerbandderKürsehner Berlins und Umgegend. Geschäftsstelle und Arbeitsnachweis jetzt Gollnowstratze S. Telephon: Amt VII, Nr. 3l8. Mittwoch, den 30. Mai 1906. abends 8 Uhr. im»Alten Schützenhause", Linicnstr. 5: Mitglieder Nerjammwng. TageS-Ordnung: 102/13 1, Vortrag der Genossin Frau deet«S über:»Die fifrau im Kamps um Brot und Recht". 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. Um zahlreiches Erscheinen, namentlich d« weiblichen Mitglieder, «sucht Der Vorstand. B�Vrnehtsgrnp-Sxtrakte das volle Aroma frischer Früchte enthaltend, in Himbeer, Kirsch, Erdbeer, Zitronen, Johannisbeer, Ananas, Lemon Squash, Limetta zc. 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Unter dieser Stichmarke teilten wir unter dem 22. April mit, bah da-Z Kammergericht angenommen hat, der Kaufmann Rudolf Nit schall, früher Prokurist, später Mitinhaber der Firma Lefser u. Liman, habe nach einer Urteils- bcgriindung de-Z Kammergerichts sich einer arglistigen Täuschung schuldig gemacht. Deshalb sei in einem Erbauseinandersetzungs- Prozeß der Vertrag, auf dem die Löjährige Sozicnschaft beruhte, als nichtig erachtet. Diese uns übermittelten Tatsachen bedürfen einer Ergänzung und Richtigstellung. Aus den uns zur Verftigung gestellten Akten haben wir ersehen, daß uns lediglich der erste Teil des sonderbaren Prozesses mitgeteilt lvar, der bereits im Jahre 1S03 abgeschlossen war. Die späteren Prozesse, die im März dieses JahreS vor den, Reichsgericht zu Ende geführt sind, ergeben ein wesentlich anderes Bild. Danach hat das Kammergericht durch Urteil vom L.Juni 1S05, das am 21. März 1906 vom Reichsgericht bestätigt ist, ausdrücklich ausgesprochen, daß seine frühere Entscheidung eine irrtümliche war und daß es sich davon überzeugt hat, daß Herrn Nitschalk keinerlei betrügerische Handlung zur L a st fällt, daß vielmehr die dahin gehende Behauptung der Kläger in wesentlichen Punkten widerlegt ist. Der Bericht- erstatter, der uns den Bericht vom 22. April übermittelte, ist dem- nach in erheblicher Weise getäuscht, indem ihm verschwiegen ist, daß oaS Urteil, über das er berichtete, bereits im Jahre 1903 gefällt und in dem die Oeffentlichkeit allein interessierenden Punkte durch die späteren Urteile des Kanimergerichts und Reichsgerichts Ivider- legt ist._ Zur Beschäftigung der Arbeiterinnen in Fabriken. Die Herren Joka u. Wachtel, die in Berlin eine Pelzwarenfabrik, verbunden mit Handelsbetrieb, unterhalten, waren auf Grund der §§ 137 und 146 der Gewerbeordnung in zweiter Instanz zu Geld- strafen verurteilt worden, weil sie eine Arbeiterin, entgegen dem § 137, in einer Fabrik des Sonnabends noch nach o'/z Uhr beschäftigt hätten. Die Arbeiterin R. hatte eine Woche lang eine Lagerisiin vertreten und war am letzten Tage dieser Woche nach S'/z Uhr dabei betroffen worden, wie sie an einem soeben verkauften Pelzkragen ein losgegangenes Schwänzchen annähte. Den Einwand der Angeklagten, daß diese Tätigkeit eine solche im kaufmännischen Teil des Betriebes gewesen sei, beziehimgSweise diesen, zugerechnet werden mutzte wegen der da», als kaustnän nischen Tätigkeit dcS Mädchens als stellvertretender Lageristin ließ das Landgericht nicht gelten. Es meinte, sie habe nicht aufgehört, gewerbliche Arbeiterin zu sein, wenn sie nur vorübergehend als Lageristin arbeitete, während sie vorher und nachher Näherin in de», Fabrikbetriebe der Angeklagten war. Im übrigen sei die Tätigkeit als Lageristin auch eine gewerbliche getvesem da es sich darum handelte, die Ware auf ihren fertigen Zustand nachzusehen, zu verpacken bei der Lieferung und sie mit Zetteln zu versehen usw. Das Kammergericht verwarf dieser Tage die Revision des Angeklagten Joka. Es führte aus, daß ohne Rechtsirrtnm festgestellt sei, daß die Arbeiterin eine gewerbliche Tätigkeit im Fabrikbetriebe ausführte. Sie hätte deshalb an dem Sonnabend um ä>/z Uhr ent« lasten werden müssen.— Bezüglich des Angeklagten Wachtel wurde das Urteil jedoch aufgehoben und insoweit die Sache an die Bor- instanz zurückverwiesen, weil sein persönliches Verschulden— er lvar nicht im Betriebe anwesend— noch nicht genügend festgestellt sei. Krcistierarzt Polizeibeamter? Der Kreistierarzt Jacobi in Pieschen war zum Stadtberordnetcn gewählt worden. Dr. med. Kubacki klagte„ach vergeblichem Ein- spruch bei der Stadtverordneten-Versammlung gegen diese auf Un- gültigkeit der Wahl. weil Jacobi als Kreistierarzt Polizei- beamter wäre und darum zum Stadtverordneten nicht wählbar sei. Der Bezirksausschuß zu Posen wies die Klage mit folgender Begründung ab: Die Wahl Jacobis sei gültig. Er könne nicht als Polizeibcamtcr im Sinne des§ 17 b der Städteordnung angesehen werden, wenn auch der Krcistierarzt nach§ 12 ,md den folgenden Paragraphen des Reichs-ViehsenchengesetzeS in gewissen eiligen Fällen vorläufig Anordnungen treffen dürfe. Der Gesetzgeber habe nicht die Absicht gehabt, die Kreistierärzte zu Polizeibeamten zu machen. ES sei auch keine Ausiibung der Sanitätspolizei, wenn der Kreistierarzt Gastställe revidiere. Seine Berichte, die er dem Bürgermeister darüber erstatte, sollten nur dem Bürgern, eister als Polizeiverwalter die nötigen Grundlagen für ein eveniuellcs Polizei- liches Eingreifen bieten.— Das Ober-VerwaltungS- g e r i ch t, bei dem Dr. Kubacki„och Berufung einlegte, erkkärte am 25. Mai gleichfalls die Wahl deS Kreistierarztes für gültig. Er habe das Recht, gewählt zu werden, da er weder zur Polizei noch zu den Kommunalbehörden gehöre._ Fahrlässige Tötungen. Am Mittwoch hatte sich das Reichsgericht mit zwei fahrlässigen, durch Außerachtlassung von Unfallverhütungsvorschriften herbei- geführten Tötungen zu beschästigen. Im ersten Fall war am 21. Juni v. I. von, Landgericht Saarbrücken der Fabrikarbeiter Peter Arw eiler zu drei Wochen Gefängnis verurteilt worden. In einer Fabrik war von einer nach der Kreissäge führenden Welle der Treibriemen herab- gefallen. Ein junger Arbeiter G. sollte den Riemen wieder auf- legen und stieg dabei auf eine Leiter, was nicht erlaubt war. Er wurde von der Welle, die durch den Angeklagten nicht außer Betrieb gesetzt war, erfaßt und tödlich verletzt. — Die Revision des Angeklagten wurde vom Reichsgericht v e r- warfen. Der Einwand, daß entgegen den Unfallvcrhiitungs- Vorschriften häufig die Welle bei ähnlichen Anlässen nicht außer Betrieb gesetzt sei, wurde für unerheblich erachtet. Der zweite Fall betraf die Verletzung landwirtschaftlicher Unfallverhütungsvorschriften. Wegen fahrlässiger Tötung ist am 12. Februar vom Landgericht Aachen der Landwirt Karl Hubert Helpenstein zu einem Tag Gefängnis verurteilt worden. Die Verdeckung der Welle der Dreschmaschine war schadhaft und in Reparatur gegeben worden. Als eines Tages gedroschen werden sollte, wurde eine alte Holztür senkrecht vor die Welle gestellt und mit Drähten befestigt. Ein löjähriger Tagelöhner hatte einen Austrag auszuführen und mußte an der Welle vorbeigehen. Entgegen der erhaltenen Weisung ging er auf der anderen Seite vorbei und kletterte über die Welle weg. Er wurde dabei von der Welle erfaßt und getötet. Die R e- vision des Angeklagten wurde vom Reichsanwalt für be- gründet erklärt, da man annehmen müsse, daß der fragliche Ar- beiter auch verunglückt wäre, wenn der Angeklagte für eine ordnungsmäßige Verdeckung der Welle gesorgt hätte, da das Ucber- klettern der Welle anscheinend allein den Unfall verursacht habe. der Angeklagte hierfür aber nicht verantwortlich sei.— Das Reichsgericht hielt aber doch den ursächlichen Zusammenhang zwischen der Unterlassung des Angeklagten und dem Tode des Ar- beiters für genügend festgestellt und verwarf die Revision. Das Opfer eines dreisten Ucberfalls auf offener Straße ist der Arbeiter Renmnn geworden, der gestern als Belastungszeuge gegen den Arbeiter Johann Weilandt vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I auftrat. N. hatte am 11. April d. I. Gelder ein- kassiert und trug in seinem Portemonnaie 55 Mark bei sich. Der Angeklagte, der zu jenem lichtscheuen Gesindel gehört, welches in der Nähe des Schönhauser Tors abends sein Unwesen treibt, mutz wohl in einen, Schanklokal bemerkt haben, daß R. in dem Besitz größerer Geldmittel war. Als dieser auf die Straße gegangen war und eine Bedürfnisanstalt aufgesucht hatte, rrat ihm plötzlich der Angeklagte in der Dunkelheit entgegen, beschuldigte ihn gänzlich zu Unrecht eines unsittlichen Attentats und verlangte von ihm kategorisch die Heraus- gäbe seines Geldes. Als R. sich dessen weigerte, wurde der ihm an Kräften Ivcit überlegene Wegelagerer handgreiflich und nahm ihm das Portemonnaie aus der Tasche, worauf er zu verschwinden suchte. Der Ucbcrfallene verfolgte ihn aber und ließ ihn durch den Schutz- mann Weiß festnehmen. Bei der Festnahme widersetzte sich Weilandt so, daß er geknebelt werden mußte. Der Schutzmann nahm ihn, das Portemonnaie wieder ab. es stellte sich aber heraus, daß W. auch einige Goldstücke in seiner Mundhöhle verbarg.— StaatsarNvalt M u s i o l beantragte, die Sache an das Schwurgericht abzugeben. da nach seiner Meinung Straßenraub vorliege, cvcnt. aber beantragte er 3 Jahre Zuchthaus.— Der Gerichtshof hielt sich nach der ganzen Sachlage nicht sür zuständig und verwies den Straffall an das Schwurgericht. Der Mordprozeß Hennig wird demnächst ein Nachspiel vor der hiesigen Strafkammer 3 erhalten. Vor dieser werden sich in der nächsten Woche die beiden Schutzmänner wegen fahrlässigen Ent- weichcnlasscns eines Gefangenen zu vcranttvorten haben, die am 8. Februar den Hern, ig nach der Polizeiwache in der Wörtherstraße zu sistieren hatten und denen er alsdaim in so waghalsiger Weise entivischt ist. Die Anklage macht den beiden Schutzleuten zum Vor- wnrs, daß H e n n i g ungesesselt transportiert worden ist, während die Beamten, wenn es sich auch ursprünglich nur um eine Melde- kontravention handelte, ans den Mitteilungen der Frau, bei welcher Hennig zugezogen war, hätten annehmen müssen, daß es sich um den lange gesuchten Verbrecher handelte. Von der Verteidigung war der Antrag gestellt, außer anderen Personen auch Hennig als Zeugen zu laden, um eine genaue Darstellung von ihm zu erhalten, in welcher Weise er den Beamten entwichen ist und inwieweit den letzteren eine Fahrlässigkeit zur Last zu legen ist. Der Gerichtshof hat diesem Antrage stattgegeben und Hennig wird daher im Haupt- Verhandlungstermin als Zeuge vorgeführt werden. Nllgcmcine Familie»-Sterbekasse. Heute: Zahltag Ackerstraße 123 bei Wicseiühal und Mariannenstraße 48 bei Liebcbcnschel von 3—6 Uhr. Lese- und Distutierklub„Wilhelm Liebknecht". Montag, den 28. Mai, bei G. Degncr, Kopenhagenerftr. 29. 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Ziehung 5. Kl. 214. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 26. Mai 1906, Dacbmltiag». Nur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigetügt. (Ohne GewShr.) 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Mai, nachmirtags, lies 242 592 mit 500 M., statt mit 240 M. LercnWoMcher Redakteur; fioni Weber, Berlin, Mz fcea LnferateoteU veravtwu£|. Glocke, Berlin. Krück u. Verlag: BortvarSBuchdruckerei u. NerlagSanMt �auLTwger& Co.. Berlin SV Nr. 121. 23. Iahrglmg. 5. Keily Ks.HMilts" Kell« AcksM Zollutag, 27. Mai 19l)S. Partei-?ZngelegenKeiten. Strenge Beachtung der Lokalliste ist in der jetzigen AusflugSzeit doppelte Pflicht jeden Arbeiters und Parteigenossen. Den Lokalinhabern, die ihre Säle fortgesetzt für sozialdemokratische Versammlungen verweigern, muß deutlich fühlbar gemacht werden, daß die Arbeiterschaft den wesentlichsten Teil der Konsumenten darstellt und nicht gewillt ist, die Nechtlosmachung durch Verweigerung der Versammlungssäle ohne weiteres hinzu- nehmen. Die Saalverweigerer müssen streng gemieden werden, das kann aber nur geschehen, wenn die Lokalliste auf das Gewissen- hafteste beachtet wird. Seit dem Erscheinen der letzten Lokalliste sind folgende Aende- rungen eingetreten: lll. Kreis:„Jakobshallen". Jnh.: Kubisch, Alte Jakobstraße 83, frei. lV. Kreis:„Eafö Alfen", Vor dem Schlesischen Tor 2, frei. do.„Markgrafen-Säle", Markgrafendamm 34, f r e i. Alt-Glienicke: Alle Lokale gesperrt. Verkehrslokal: H. Saß, Grünauerstraße 29. Alt-Rahnsdorf: Alle Lokale gesperrt. Fangschleuse: Restaurant„Werlsee" frei. Französisch- Buchholz: Wilhelm Schmidt, Chausseestraße 14, gesperrt. Fredersdorf a. d. Ostbahn: M. Girke, am Bahnhof frei. Friedenau:„Rheinschloß", Rheinstraße, gesperrt. Friedrichshagen:„Strandschloß" frei. Fürstcnwaldc: Außer„Schloßkellerei" alle anderen Lokale gesperrt. Grünau: Außer„Wendenschloß" und Restaurant.Gravelotte" alle anderen Lokale gesperrt. Hciligensee: Alle Lokale gesperrt. Ketschendorf b. Fürstenwalde: Außer GasthanZ Wiedemann alle übrigen Lokale gesperrt. Lichten»»: Restaurant Jaenche frei. Marzahn: Albert Schulz frei. Niedcr-Zchönhauscn: Stephans„Lindengarten", Lindenstraße 43, gesperrt. Oranienburg: Fritz Heider, Mühlenstr. 16 l.- Emil Schumann, Sandhausen, Schützenstr. 14 J'' Pankow: Reuters„Volksgarten", Schloßstr. 62, frei. Papcnbcrge sOberhavel):„Eichenhain", Jnh. Donop, frei. Rahnsdorf: Restaurant Müggelgarten, Rahnsdorfer Mühle, frei. Sadowa(Oberspree): Grand-Restaurant, Jnh. H. Pflug, frei. Spreenhagen: Gasthof„Zum Kaijerhof" frei. „Strandschloß" am Müggelsee frei. Straußberg: Alte Spitzmühle frei. Tegel: Wilh. Falk, Treskow- und Brunowstr.-Ecke, frei. Waldburg, Restaurant am Bahnhof Hirschgarten frei. Wilmersdorf: Alle Lokale mir Sälen gesperrt. Alle Vereine. Gewerkschaften usw., welche Kremmen besuchen wollen, werden ersucht, sich vorher mit dem Genossen O. Liebrecht, Kremmen, Ruppinerstr. 106, in Verbindung zu setzen. Die Lokalkommission. Charlottenburg. Am Dienstag, den 29. er., abends 8Vs Uhr, findet im Volkshause eine Volksversammlung statt, in welcher Reichstagsabgeordueter Peus über das Thema:„Bedeutet die wirt- schaftliche Organisation eine Machtfrage für die Arbeiterklasse?" sprechen wird. Der Einberufer. Schönebcrg. Die Versammlung des Wahlvereins findet Dienstag, den 29. d. 88.» abends 8 Uhr bei Obst, Meiuingerstr. 8, statt. Die Tagesordnung laulct: 1. Vortrag:„Partei und G c w e r k- s ch a f t". Referent: Redakteur W. Block. 2. Vereins- angclcgenheitcn. 3. Verschiedenes. Genossen! Das Frühkonzert aiu 2. Pfingstfeicrtag findet be- soliderer Umstände halber in der Schloßbrauerei nicht statt. Das Nähere wird in der Bersaminlnirg bekannt gegeben. Der Vorstand. Schmargendorf. Die nächste Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins findet am Dienstag, den 29. Mai, abends S>/-> Uhr, im Restaurant „Sanssouci". Ruhlaerstr. 20/21, statt. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen ist erforderlich. Der Vorstand. Lankwitz. Dienstag. den 29. d. M., abends Sll2 Uhr im Restaurant Link, Calandrellistraße 27: Sitzung des WahlvereinS. Erster Zyklus-Vortrag über„Grundsätze und Forderungen unserer Partei." Bczirksteilung. Verschiedenes. Pünktliches Erscheinen mit Gästen erwünscht. Rummelsburg. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, den 29. Mai, abends 8'/z Uhr, im Saale der Witwe Weigcl, Türrschmidtstr. 46, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Partei- und Gewerkschaftsbewegung. Referent Genosse D ü well. 2. Diskussion. 3. Vcreinsangelegenheiteu. Der Vorstand. Friedrichsfclde. Am Dienstagabend 8'/z Uhr findet im Lokale von Bausdorf, Berlinerstr. 18, die Mitgliederversaminlung des Wahl- Vereins statt. Da die neuen Mitgliedsbücher zur Ausgabe gelangen, ist das Erscheinen aller Genossen notwendig. Der Vorstand. Zossen. Donnerstag, den 31. Mai, abends 8 Uhr, findet im Parteilokale von Schimke eine öffentliche Volksversammlung statt. Thema: Zweck und Nutzen der Gewerkschaften. Die Genossen »vcrden ersucht, für diese Versammlung hauptsächlich unter den Nicht- organisierten ihrer Arbeitsstätten rege Agitation zu entfalten. Pankow. Am Dienstag, den 29. cr., abends V,9 Uhr, findet im Lokal des Herrn Roczycki. Kreuzstr. 3— 4, die Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Baege- Friedrichshagen über:„Entstehung des Weltalls und der Erde". 2. Vereinsangelcgenheiten. 3. Verschiedenes. Vor der Versammlung werden neue Mitgliedsbücher ausgegeben. In Anbetracht des interessanten und lehrreichen Vortrages fordern wir die Partei- genossen auf. für regen Besuch zu sorgen. Gäste haben Zutritt. Nieder-Schönhause». Der Wahlverein tagt am Dienstag, den 29 d. M. abends 8>/z Uhr. bei Settel orn, Lindenstr. 1. Auf der Tagesordn'mg steht: 1. Vortrag des Genossen Kiesel über: Klassenkämpfe. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelcgenheiten. 4. Ver- schiedeneS. Die Parteigenossen werden gebeten pünktlich und voll- zählig zu erscheinen. Nowawcs. Heute vormittag von 9—12 Uhr werden in den bekannten Lokalen Beiträge und Neuaufnahmen zun, sozialdemo- kratischen Wahlverein entgegengenommen. Die Versammlung des Wahlvereins findet am 6. Juni, abends b'/z Uhr, bei Schmidt statt. _ Der Vorstand. Berliner IVadmcbten* Trübselige Pastorengefichter. Die Agitation zum Austritt aus der Kirchen- Gemeinschaft, die in den letzten Monaten einen neuen Anstoß erhalten hat und jetzt eiftiger als je betrieben� wird. fängt nun bereits an, den Dienern der Kirche schwere Sorgen zu machen. Früher hatte wohl dieser und jener über die uutikirchliche Bewegung geringschätzig die Achseln gezuckt und sich damit getröstet, daß trotz aller Agitation selbst solche, die innerlich längst mit der Kirche zerfallen waren, aus alter Gewohnheit sich nicht dazu eutschließen mochten, auch äußerlich mit ihr zu brechen. Heute führt die Agitation in so zahl- reichen Fällen zu dem greijbaren Erfolg des wirklichen Aus- 1 tritts aus der Kirche, daß die Pastoren sich darauf gefaßt | macheu müssen, bald mit ihrem Häuflein wirklich Gläubiger ■ allein dazustehen. Die evangelisch-kirchlichen Parlamente Berlins werden sich auf ihren diesjährigen Tagungen sehr eingehend mit dieser Gefahr zu beschäftigen haben. Auf der Kreissynode ,, K ö l l n- S t a d t", die als erste der Berliner Synoden zu- sammengetreten ist, haben die Herren Pastoren sehr sorgenvoll dreingeschaut. In dem Bericht über die kirchlichen und sitt- lichen Zustände der Gemeinden dieses Kreises wurde geklagt, daß die Austrittsagitation im letzten Jahre größeren Erfolg als bisher gehabt habe. In diesem Kreise waren in den Jahren 1902 und 1903 nur 70 und 74 Austritte vorgekommen. Im Jahre 1904 stieg ihre Zahl auf 104, im Jahre 1905 schnellte sie empor auf 254, und im Jahre 1900 ergaben schon die ersten vier Monate nicht weniger als 458 Austrittserklärungen, die zum Teil auch schon vollzogen sind. Kann man mehr verlangen? In der Besprechung wurde von einer Seite auf diese Bewegung hingewiesen als auf ein„Zeichen der Zeit". das man nicht unterschätzen dürfe, wenn es sich auch meist um Leute handele, die der Kirche längst entfremdet seien. Man müsse die Abtrünnigen darüber aufklären, welche Rechte sie durch den Austritt verlieren. Auch müsse dem vorgebeugt werden, daß die Ausgetretenen nicht später doch»vieder diese Rechte— das Recht, an den Kirchenwahlen teilzunehmen, sich kirchlich trauen zu lassen, sich das Abendmahl reichen zu lassen usw.— mißbräuchlich ausüben. Mit solchen Mitteln will man die Massenflucht auS der Kirchengemcinschaft auf halten?!' Wen soll denn das schrecken? Bon anderer Seite wurde der Versuch gemacht, in der von früher her gewohnten Manier auch diese neuesten Erfolge der Aus trfttsagitation noch als bedeutungslos hinzustellen. Aber da erhob sich der brave S t ö ck e r und warnte davor, die gegeit wältige Bewegung zu unter- schätzen. Die Situation sei jetzt viel gefährlicher für die Kirche als früher. Er wies daraus hin. daß heute von ganzen Familien der Austritt erklärt werde. Auch das sei vorgekommen, daß in einer Werkstatt der Meister samt siebzehn Gesellen austrat. Der Hofprediger a. D. hat recht: die Zeiten, wo man über die Austrittsagitafton die Achseln zucken durfte, sind vorüber. Die Arbeiterklasse ist e s müde geworden, ihre Rechte mit Füßen treten zu lassen und dann noch denen nachzulaufen, die diese arbeiterfeindliche Politik schützen und stützen. Aber das ist allerdings wieder mal eine echt Stöckersche Behauptung, wenn er erzählt, den Stadtinissionaren werde bei ihren Besuchen in den Fannlien der Austretenden jetzt mit Erbitterung, Wut und Haß begegnet. Ach, das lohnt ja gar nicht, sich mit einem Stadtmissionar herumzustreiten. Es genügt, dem ungebetenen Gast kurz Bescheid zu sagen und ihn merken zu lassen, daß er sich lästig macht. Besondere Sorge bereitet es dem Hofprediger.a. D., daß jetzt auch bürgerliche K r c i s e sich von der Kirche ab- wenden, weil ihnen die K i r ch e n st e u e r zu h o ch ist Dem liberalen Flügel der kirchlich gesinnten Kreise riet er, in der Agitation gegen die Höhe der Kirchensteuer sich doch ja vor Uebertreibungen zu hüten. Ei gewiß, was sollte aus der Kirche und ihren Pastoren werden, wenn schließlich selbst die jcnigcn ausreißen, die bisher doch wenigstens noch mit ihrem Geldbeutel dafür emgetrcten sind, daß das erhabene Ziel, dem „Volk e" die Religion zu erhalten, verwirklicht werde! Schont den Wald! Wenn die Bewohner von Groß-Berlin an Sonn- und Feiertagen ins Freie ausfliegen, so wollen sie sich an ihren Wäldern erfreuen. Allzuviel Wald ist ja in der näheren Umgebung der Reichshauptstadt nicht mehr vorhanden. Umsomehr sollte das wenige, was den gierig zugreifenden Fingern der Terrainspckulanten bisher noch entgangen ist, geschont und geschützt werden. Nur zu oft wird gerade von denen, die in den Wäldern um Berlin ihre Erholung suchen, dem Walde die S ch o n u n g v e r s a g t. die sie ihm schulden. Man hört zuweilen rühmen, der Berliner sei ein leidenschaftlicher Naturfreund und habe ein tiefes Verständnis für die Schönheiten der Natur. Wer dein Treiben gewisser SonntagsauSflügler in unseren Waldungen zusieht und zuhört, der möchte anderer Meinung werden. Den Waldverwüstern, die um des Profites willen den Wald nieder- schlagen lassen, stellen sich viele dieser„Naturfreunde" würdig an die Seite. Eine der Rücksichtslosigkeiten, die im Walde verübt werden, soll jetzt durch einen Verein bekämpft werden: die oft gerügte Un- sittc, das Einwickelpapier einfach da liegen zu lassen. wo der„Naturschwärmer" gelagert und seinen Proviant verzehrt hat. Ter Vater des Gedankens, alle Waldfrcunde gegen diesen Unfug mobil zu machen, ist der Hhgieniker Prof. Ewald. Der Verein, den cr für nötig hält, ist am Freitag in einer öffentlichen Versammlung tatsächlich zustande gekommen. Er nennt sich „Berliner W a-i d s ch u tz v c r e i n" und bezweckt den Schutz der Wälder um Berlin und besonders ihre Reinhaltung. Der Vor- schlag, vor allem auch den Waldvcrkäufcn entgegenzutreten, fand i» der Versammlung nicht genügende Unterstützung. Gegen die Verschmutzung der Wälder werden beabsichtigt: Belehrungen und Ermahnungen des Publikums durch die Presse; Verbreitung von Flugblättern unter der Schuljugend, den Wandervereinen usw.; Gesuche an den Landwirtschaftsminister und an die Vorort- kommunen(also an die Waldverwüster selber!) um behördliche Unterstützung und pekuniäre Beihülfe; Aufstellung von Plakat- tafeln und Sammelkörben auf Bahnhöfen und im Walde. Ob diese neueste Bereiusgründung den Erfolg haben wird, den mancher von ihr hofft, daö muß abgewartet werden. Im ganzen haben wir aus den Verhandlungen den Eindruck gewonnen, daß die Gründer des Waldschutzvereins noch gar nicht die Wurzeln des Unfugs erkannt haben, den sie bekämpfen loollen. Die Rück- sichtSlosigkeitcn, die von den obenerwähnten„Naturfreunden" in den der Erholung aller dienenden Waldungen verübt werden, erklären sich aus der Gleichgültigkeit des einzelnen gegen das Interesse der Gesamtheit.„W as gehen mich die anderen an!" Der Mangel an sozialem Empfinden, den dieser Grundsah bekundet, äußert sich in noch ganz anderen Dingen als in dem gc- dankenlosen Wegwerfen von Stnllenpapier. Die kommunale Biersteuer hat in der gestrigen Sitzung der städtischen Stcuerdeputation ein frühes Ende gefunden. Tie Vor- bcreitung über den Entwurf einer Biersteuerordnung für von auswärts eingeführtes Bier führte zu dem Ergebnis, daß der Erlaß einer solchen Neuordnung als nicht opportun verschoben wurde. Der Ertrag einer solchen Biersteuer war auf 800 000 M. geschätzt worden; die in Berlin eingeführten Mengen sollten auf kaufmännischem Wege ermittelt werden. Vom Blitz erschlagen. Eine schwere Katastrophe hat das Gewitter, welches Freitag abend herrschte, hervorgerufen. Bei Müggelheim wurden der fünfzig- jährige Kolonist Karl Bensler sowie drei weitere Personen vom Blitz getroffen. B. war sofort tot, während die anderen Verunglückten betäubt und erheblich verletzt wurden. Auch ein Pferd wurde durch den Blitz getötet. Bensler hatte mit einem Fuhrwerke der Witwe Rauch aus Müggelheim vom nahen Forst Kiefernadeln geholt. Als der Wagen beladen war, stiegen die Begleiter des B., die Witwe Rauch, deren Sohn und das Dienstmädchen auf das Gefährt. In dem Augenblick, als B. nachsteigen wollte, traf ihn plötzlich ein Blitzstrahl und tödlich getroffen fiel er auf den Fahrdamm zurück. Auch die drei anderen Personen waren von dem Blitzstrahl getroffen worden. Sie wurden betäubt und konnten erst nach längeren Be« mühungen von hinzukommenden Waldarbeitern wieder ins Leben zurückgerufen werden. Das Pferd war gleichfalls auf der Stelle getötet worden._ Zahlreiche Einbruchsdiebstähle wurden in letzter Zeit auf dem Gesundbrunnen verübt. Besonders wurden die Geschäftsinhaber durch die Diebcsgesellen heimgesucht und die Meldungen über Dieb- stähle bei der Polizei wollten kein Ende nehmen. Auffällig war der Umstand, daß die Einbrüche fast stets an den Sonntagnachmittagen zwischen 4 und 7 Uhr ausgeführt wurden. Jetzt ist es nun der Kriminalpolizei gelungen, als Täter den Tischler Erich Loleit aus der Prinzenallee und den Tapezierer Paul Dienst aus der Biesen- thalcrstraße zu ermitteln. Loleit konnte gestern abend in der Wohnung seiner Eltern verhaftet und dein königlichen Polizeipräsidium zuge» führt werden. Bei einem Einbruch in den Geichäftsraum deS Handelsmannes Wilhelm Lunk in der Wriezenerstratze 41 hatten die Erwähnten für etwa 200 Mark Goldsachen und bares Geld erbeutet. Auch ein Einbruchsdiebstahl in dem Zigarrengeschäft von Steffen hatte sich für die Täter recht gut gelohnt. Die Verhaftung des D. dürste ebenfalls bald erfolgen. Von einem Schlächtcrwagen überfahren und schwer verletzt wurde der fünfzehnjährige Arbcitsbursche Hermann Wagner, Hohenzollern» platz 6 wohnhaft. Ter junge Mann geriet beim Ueberschreiten des Kreuzungspunktes der Berg- und Kirchhofftrasse in Rixdorf an einen vorübcrsahrenden Geschäftswagen des Schlächters Hugo Winzer, wurde unter die Räder gerissen und überfahren. Schwer verletzt brachte man W. in das städtische Krankenhaus. Ein entsetzliches Automobilunglück, welches den Tod eines acht- jährigen Knaben zur Folge hatte, ereignete sich gestern mittag in Westend. Gegen 12 Uhr hielt auf dem Spandauer Berg, an der Haltestelle gegenüber dem Krankcnhause Westend, der Motor- wagen 2054 der Linie? der Berlin-Charlottenburger Straßen- bahn, um Fahrgäste absteigen zu lassen. Zwei Knaben, ein un- bekannt gebliebener Junge sowie der achtjährige Schüler Franz Christoph v. Dreßler-Scharfenstein, bei seinen Eltern in der Linden- allee 31 in Westend wohnhast, hatten den Motorwagen bereits ver- lassen und gingen um die Hinterplattform desselben herum, als ein Privatautomobil, dem Generaldirektor S. Bergmann, Sommer- stratze 4, gehörig, vom Spandauer Bock her den Berg herunter ge- saust kam. Die beiden Kinder wurden von dem Kraftwagen er- faßt und niedergestoßen. Während der jüngere Knabe, der an- scheinend unverletzt geblieben ist, sofort aufsprang und fortlief, blieb Franz v. Dreßler-Scharfenstein besinnungslos auf dem Fahr- dämm liegen. Er wurde nach dem Krankenhaus Westend gebracht. wo er wenige Minuten nach seiner Einlieferung an den Folgen schwerer innerer Verletzungen und eines Schädelbruches verstarb. Ein anderer Automobilunfall ereignete sich vor dem Hause Prinzcnstraßc 10. Der städtische Beleuchtungsinspektor Schenck wurde beim Ueberschreiten des Fahrdammes von einer Automobil« droschke erfaßt und niedergerissen. Er erlitt glücklicherweise nur ungefährliche Verletzungen und konnte sich, nachdem er auf der Unfallstation einen Notverband erhalten, nach seiner Wohnung be« geben., lieber die Zustände auf der Hochbahn wird uns geschrieben: Wer jetzt gegen elf oder zwölf Uhr abends mit der Hochbahn von der Bülowstraße nach dem Osten fährt, kann sich auf alle Torturen einer Fahrt in maßlos vollgepfropften Wagen gefaßt machen. Gc- wohnlich sind die Wagen der dritten Klasse, für Raucher und für Nichtraucher, schon bei der Einfahrt der Züge so stark besetzt, daß nicht einmal für neue Fahrgäste, die mit einem Stehplatz vorlieb nehmen wollen, genügend Raum vorhanden ist; an die Erringung eines Sitzplatzes ist gar nicht zu denken. Da die Zahl der Ein- steigenden einer Kontrolle nicht unterliegt und jeder gern mit will, entwickelt sich im Innern der Wagen eine Fülle, die etwas Be- ängstigendes hat. Wer noch in die Mitte gelangt und einen Griff zum Festhalten erwischt, kann von Glück sagen. Die anderen stehen vorn und hinten eng aneinander gepreßt wie die Heringe und werden so, in„drangvoll fürchterlicher Enge", bei jeder Kurve, die der Zug macht, tüchtig hin- und hcrgeschleudert. Die Direktion der Hochbahn sollte sich doch endlich bequemen, für Abhülfe, dieser größten Uebelstände Sorge zu tragen. In den heißeren Tagen, die uns bevorstehen, dürfte sich der Ucbelstand noch mehr fühlbar machen. Schließlich ist es nicht die Aufgabe des Publikums, durch den Verzicht auf jede Bequemlichkeit der Hochbahn sparen zu helfen. Aus Furcht vor Strafe hat sich am 22. Mai der Schüler Walter Finkenstein, am lt. März 1892 zu Berlin geboren, b sher Neue Rotz- straßc 2 wohnhaft gewesen, aus der elterlichen Woznung entfernt. Er wird seitdem vermißt. Er ist zirka 1,69 Meter groß, untersetzt, hat blonde Haare,' blaue Augen, kleine Nase, breiten Mund, voll- ständige Zähne, rundes, gesundes Gesicht. Bei seinem Weggänge war er mit marineblauer Mütze, grauem Jackettanzug, Schnür- stiefeln, grauen Strümpfen, weißer Wäsche und heller Krawatte bekleidet. Erhöhung der Droschkentaxe. Bekanntlich treten die Droschken- besitzer für eine Erhöhung der Tare ein, dergestalt, daß die jetzige Taxe I forffallen. also eine Erhöhung der Grnndtaxe von 60 Pf. auf 70 Pf. eintreten soll. Das Polizeipräsidium hat auch den Berein der Droschkenfiihrer wegen der Fahrpreiserhöhung beftagt. Derselbe hat sich in seiner am Freitag abgehaltenen Mitgliederversammlung dafür ausgesprochen, daß diese Grundtaxe von 60 Pf. auf 60 Pf. er- höht werden soll, weil eine Preiserhöhimg in dem Maße, wie sie die Fuhrherren fordern, die Benutzung der Droschken erheblich ein- schränken würde. An der Länge der jetzigen tarniäßigen Wege soll nichts geändert werden. Die Versammlung beauftragte den Vor- ftand, diese ihre Meinung dein Polizeipräsidium mitzuteilen.— Einer Anregung de? VcreinsvorstandeS folgend, entschied sich die Versamm- lung dafür, daß das Polizeipräsidium ersucht werde, anstatt deS weiß lackierten HuteS den früher üblichen schwarzen Zhlinderhut mit Tresse für olle Droschkenfiihrer wieder einzuführeii. Voraussichtlich wird der neue Droschkentarif am 1. Oktober in Kraft treten. Ucber den Inhalt wird gemeldet: Nach dem ueuen Tarif wird allen Kraftdroschken zustehen für Tagesfahrten von 1 oder 2 Personen: für 600 Meter 80 Pf. für weitere 300, 10„ Bei Pfcrdedroschken kantet die Taxe für TageSfahrt: für 600 Meter 60 Pf. für weitere 300„ 10, ES handelt sich also um eine ziemlich erhebliche Verteuerung. Bisher wurden für die ersten 60 Pfennig 800 Meter gefahren, nach dem neuen Tarif nur 600; weitere 400 Meter kosteten bis jetzt 10 Pf., nach dem neuen Tarif weitere 300 Meter. Bei den Kraft- droschken ist die geplante Vertenerniig noch weit bedeutender. Bis- her 800 Dieter für 60 Pfennig— jetzt 600 Meter für 80 Pfennig. Also Verkürzung der Wegstrecke und Erhöhung deS Betrages. Berliner Firmen in den Vororten. Die Firma Ludwig Loews U. Co.(Gewehrfabrik usw.) hat in Wittenau, nahe der städtischen Gasanstalt in Tegel und der städtischen Irrenanstalt Dalldorf ein großes Terrain zum Preise von 1 Million Mark gekauft, um dort ein großes Werk zu errichten.— Die SiemenA-Schuckert-Werke beabsichtigen ihre sämtlichen Betriebe in Berlin und Charlottenburg nach dem Nonnendamm bezw. Spandauer Schiffahrtskanal zu ver- legen. Zu diesem Zweck hat die Gesellschaft vom Fiskus mehrere Hundert Morgen Forst in der Jungfernheide angekauft, die zum Teil schon abgeholzt sind. Mit dem Bau eines neuen Automobil- werekes soll dort in diesem Jahre noch begonnen werden. Die Explosionen an der Michaelkirchbrücke, über die wir gestern berichteten, sollen nicht von dem Ingenieur P. Jenisch verübt worden sein, sondern, wie der Mann uns mitteilt, von seinem vierzehn� jährigen Sohn. Er, der Vater, habe sich wohl als Täter angegeben. um seinen Sohn zu decken, denn ein etwaiges Strafmandat hätte er doch bezahlen müssen. Ob die Sache so leicht abläuft, wird ja die Untersuchung ergeben. Der Verkauf von Strasicnbahn-Abonncmcntsmarkens findet außer Der den in Frage kommenden Dienststellen der Großen Berliner Straßenbahn in sämtlichen Geschäften der Firma A. Jandorf u. Co. statt und zwar schon vom Sonntag, den 27. d. M.. ab. Zeugen gesucht. Am Freitag, den 26. Januar cr.. vormittags 7,3o Uhr. glitt eine Dame vor dem Hause Greifswalde'rftratze 226a infolge von Schneefall aus. Da dieselbe dabei den Arm gebrochen. bittet sie diejenige Dame und den Herrn, die sie beide ausgehoben! um ihre Adresse. Die Verunglückte ist von der Unfallversicherungs gesellschaft abgewiesen und will nun ihr Recht weiter suchen. Da die Aussagen der beiden Zeugen von großem Wert sind, wird gebeten, sich bei Fräulein F. O r l i k, Berlin, Wörtherstmße 5, Hof IV, zu melden. Unkosten werden vergütet. Pygmäen wurden gestern zum ersten Male in einer Anzahl von sieben Exemplaren im Passage-Panoptikum dem Publikum vorgeführt. Die„Pygmäen" sind ein kleines Negervölkchen und gehören zu den afrikanischen Zwergvölkern. Ihre Heimat wird in die Jturi-Wälder, westlich von den Nilquellen, dem mittleren und oberen Stromgebiete des Kongo verlegt. Bestimmtere Kunde über diese Leute erhielten wir erst durch Stanley, der im Jahre 1887 diese Gegenden durch- querte. Das Leben der Pygmäen ist ein sehr kurzes, die Männer erreichen selten ihr 4g., die Frauen kaum ihr 35. Lebensjahr. Die „Männer" heiraten gewöhnlich mit 8 oder 9 Jahren, die Mädchen bereits mit 7 bis 8 Jahren.— Die gegenwärtig im Passage-Panoptv kum sich zeigende Gesellschaft besteht aus dem Häuptling Bokann, 35 Jahre alt. Matuka, 23 Jahre alt, Mafutiminga, 22 Jchhre alt. und Mongcmgu, 18 Jahre alt. Das weib- liche Geschlecht ist vertreten durch eine„alte Dame" von 31 Jahren und durch eine Frau in den„mittleren Jahren", welche bereits 21 Lenze zählt. Vorgeführt werden die Pygmäen von einem Herrn Hoffmann, der seinerzeit mit Stanley die Expedition unternahm. Vermißt wird seit dem 2. Juni 1905 der Schriftsetzerlehrling SITfred Heider, 21. Dezember 1887 zu Berlin geboren. H. hat sich an genanntem Tage morgens 7 Uhr aus der elterlichen Wohnung, Cuvrystr. 17, entfernt und ist nicht wieder zurückgekehrt. Es wird vermutet, daß er in schlechte Gesellschaft geraten ist. H. ist 1,65 Meter groß, schlank, hat dunkelblonde Haare, blaugraue Augen, vollständige Zähne, längliches, blasses Gesicht und spricht Berliner Dialekt. Nachricht nimmt die Kriminalpolizei, sowie jedes Polizei- revier entgegen. Bei der Herrcnpartie am Himmelfahrtstage nach SportshauS Ziegenhals ist eine Zigarrentasche gesunden ivorden. Der Eigen- tümer kann dieselbe bei Barcnthi», Tilsiterstr. 81, in Empfang nehmen. Arbeiter-BilbungSschiile. Ersten Psiugstfeiertag SluSflug nach Voigts Krampenburg. Abfahrt Bahnhof Friedrichstraße 7,11, Börse 7,14, Alexanderplatz 7,16, Jaimowitzbrückc 7,19, Schlesischcr Bahnhof 7,23 bis Friedrichshagen. Für Nachzügler bis 91h Uhr im Nestau- rant Rübezahl am Müggelsee. Von 12 Uhr ab Krampenburg. Zu erreichen durch Uebersetzen von Schmöckwitz. Da für Unterhaltung gescrgt wird zahlreiche Beteiligung von Mitgliedern und Freunden der Schule erwartet. Auf der Treptow-Sternwarte spricht am Sonntag, den 27. Mai, nachmittags 5 Uhr, Herr Dozent Jeus Lützen unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder über die„Beivohnbarkeit der Welten". Die Plätze für den 7 Uhr-Vortraa sind von dem„Zentralverein der Bildhauer Deutschlands" belegt. Das Thema für den Vortrag am Montagabend 9 Uhr lautet:«Jupiter und seine Monde." Mit dem großen Fernrohr wird während der ganzen Woche von 2—7 Uhr die Sonne, nachher ein Fixstern und der interessante Sternhaufen im Herkules beobachtet. Vom 25. Mai an ist auch der Mond wieder zu sehen. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der mit so großem Beifall aufgenommene Bortrag„Der jüngste Ausbruch des Vesuvs", welcher mit zahlreichen farbigen Bildern, die im Vesuvgebiet von Herrn«Dr. Schwahn aufgenommen sind und in ihrer lebensvollen Schärfe den Eindruck der Wirklichkeit wiedergeben, ausgestattet ist, in der nächsten Woche allabendlich zur Darstellung gelangen. Berliner Aquarium. Der Eintrittspreis beträgt heute, am letzten Sonntag im Monat nur 25 Pf. pro Person. Feuerwchrbericht. In der letzten Nacht wurde die Wehr nach der Oranienstr. 58 und Blankcnfelderstr. 12 gerufen. Ferner liefen Feuermeddungen aus der Dragonerstr. 4a und Rosentaler. straße 26 ein, wo Stroh, alter Hausrat u. a. in Kellern brannte. Kleider, Gardinen, Körbe usw. brannten in der Ainsstr. 13, August- straße 6, Elsasserstr. 15 und anderen Stellen. In der Deutschen Brauerei". Alt-Moabit 66, mußte heute früh die Feuerwehr Wasser guSpumpen. Arbeitersamariterkolonne. Montagabend 9 Uhr Fortsetzung des Kursus in der zweiten Abteilung, Brunnenstraße 154. Vortrag über:„Physiologie". Neue Mitglieder können jederzeit noch ein- treten. Einschreibegeld 25 Pf. Monatsbeitrag 25 Pf. Die Bi- bliothek steht den Mitgliedern zur freien Verfügung. Heute nach- mittag Ausflug nach Friedrichsfelde. Treffpunkt 3 Uhr bei Bube. Prinzenallee 30. Spiel im Schloßpark. Vorort- fVaebriebten. Charlottenburg. Uedrr:„Was lehren uns die Massenstreiks und Aussperrungen?" referierte in der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genosse W i e s e n t h a l. In seinem Vortrage nahm Redner Bezug auf die letzten Streiks und Aussperrungen und tadelte scharf die Engherzigkeit, die sich der Gewerkschaftsbewegung bemächtige, wenn sich das Unternehmertum ersteche. Hunderttausende Arbeiter auszusperren. Wenn es sich um solche Machtproben handele, die Unternehmer in der rigorosesten Weise Kämpfe heraufbeschwören, dann müßte auch das Proletariat die Konsequenzen ziehen, ihrerseits mit entsprechenden TÜegeiimaßregelu zu antworten— selbst auf die Gefahr hin, einmal auf die Unterstützung verzichten zu müssen. Er halte es bcispicls- weise für vollständig verkehrt, daß wenn das Unternehmertum 10000 oder 20 000 Arbeiter aussperre, das deutsche Proletariat ruhig zusehe, wenn ihre Brüder dem Elend preisgegeben� seien. Unter Bezugnahme auf die letzte Aussperrung in der Elektrizitäts- Industrie meint Redner, daß, wenn nicht vorher soviel geplaudert worden wäre, die Unternehmer sich nicht hätten so gut vorbereiten können. In dem Augenblick, wo die Residenzstadt ohne Licht und elektrische Kraft geivesen tväre, hätte» die Behörden ein- schreiten müssen— und das Resultat wäre ein anderes gewesen. Redner appelliert zum Schluß an die Anwesenden, in der gegen- wärtig so bewegten Zeit ein rascheres agitatorisches und organi- satorisches Tempo einzuschlagen. Dem mit großem Beifall aufge- nommenen Vortrage folgte eine lebhafte Diskussion, in der zunächst Genosse Fallnich Wtesenthal entgegenhielt, daß seine An- schauungen mit den Friedebergschen zu identifizieren seien, die jetzt jedoch noch nicht zur Ausführung gebracht werden könnten. In an- nähernd demselben Sinne äußerten sich die Genossen B ö t t ck e r und Habicht. Namentlich die Ausführungen des letzteren stellten sich denen Wiesentbals scharf gegenüber. Nachdem Genosse Wiesen- thal in seinem Schlußwort noch auf etliche Einwände eingegangen, wurde vom Genossen Kley in scharfen Worten das Verhatten der Gewerkschaft der Maurer krisisiert, die am letzten Zahlabend eine Versammlung einberufen hatten und somit die Abmachungen zwischen Partei und' Gewerkschaften durchkreuzten. Zum Schluß ehrte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Genossen Albert Meier in üblicher Form. Hervorzuheben ist, daß auch in dieser Versammlung der Vorsitzende wieder von einem erfreulichen Mit- gliederzuwachs der Organisation berichten konnte. Die letzte Versammlung des Verbandes der Schuhmacher(Zahl stelle Charlottenburg) beschäftigte sich mit der verflossenen Lohn bewegung. Kollege Panmer schilderte eingehend die Verhälmisse, die der Lohnbewegung zu Grunde gelegt worden seien. Des weiteren ermahnte er, nicht wie bisher die„Neue Zeit", sondern den von der Organisation beim Kollegen Schollbnch, Kantstr. 76, eingerichteten Arbeitsnachweis zur Arbeitsvermittelung zu benutzen. Zu den neuen Bedingungen im Lohngebiete Charlottenburg, Wilmersdorf, Halensee und Grunewald arbeiten von 375 in Betracht kommenden Kollegen zirka 300. Auch kritisierte er das lächerliche Verhalten der„Freien Innung" und forderte zu reger Agitation für die Organisatton auf. An den Bericht schloß sich eine lebhaste Diskussion. Im Bolkshause findet heute 8 Uhr ein volkstümlicher Rezitationsabend statt. Unter anderem kommt die Rütli- Szene aus Schillers„Teil" zum Vortrag. Nach Schluß der Borträge geselliges Beisammensein. Die Veranstaltung geht von der„Freien Volksbühne" aus, ist aber auch NichtMitgliedern zu- gänglich. Karten a 30 Pfennig, einschließlich Programm und Garderobe, sind bei allen Zahlstellen des Vereins und am Saal' eingang zu haben. Rixdorf. Ein nichtswürdiger Bubenstreich ist gegen eine Reihe von Tauben züchtern in der Ziethen- und Jägerstraße in Rixdorf verübt worden. Neben den Taubenschlägen war auf den Dächern vergifteter Weizen ausgestreut und fast sämtliche Tauben hatten davon gefressen. Die Tiere mußten alle verenden. Die Urheber des gemeinen Buben streiches, durch welchen die Taubenliebhaber schwer geschädigt worden sind, wurden bisher nicht ermittelt. Mariendorf. Eine außerordentlich stark besuchte Volksversammlung tagte am Mittwoch im Borgfeldtschen Lokale, um zu dem Vorgehen der Direktion der Englischen Gasanstalt sowie dem Verhalten der Mariendorser Polizei anläßlich der Maianssperrung Stellung zu nehmen. In seinem Referat wies Genosse Max Behrend darauf hin. daß die Direktion bei dieser Aussperrung nur den Herrenstandpnnkt hervorkehre. Es sei auch eigentümlich, daß sich die für Wohlfahrts- einrichtungen der Arbeiter to ins Zeug legende Direktion nicht ge scheut habe, eine Anzahl Arbeiter zu entlasten, die bereits peiisions berechtigt seien. Alles Gefasel von den Wohlfahrtseinrichtimgen für die Arbeiter sinke somit zu wahrem Humbug herab. Die Arbeiterfreundlich- keit dieser Herren erfahre eine weitere Belenchtuijfl, wenn man bedenke, daß der gesamte Arbeiterausschutz— das sogenannte„Bindeglied" zwischen Direktion und Arbeiterschaft— entlassen sei. Auch beleuchtete der Referent in scharfer Weise das überaus schneidige Vorgehen der Clendarnrerik, die nicht nur den Streikposten die Wahrnehmung ihrer Interessen untersagte, sondern sogar den Bürgen: die Straßen zu passieren verbot. Mit dem lebhaften Appell an die Versammelten, den Streikenden ihre Sympathie zuzusichern, schloß Redner unter stürmischem Beifall seine Aussührungen. In der Diskussion schilderten namentlich Lüdike, Reuter und Schmidt ihre Erlebnisse auf der Polizeiwache. Nowicke, der frühere Kantienenkassierer, führt auö, daß er auf Veranlassung der Direktion morgens 5 Uhr aus seinem Bett verhaftet worden sei. Huhn bemerkt, daß sich die Gendarmerie, sobald Verhandlungen mit der Direktion und den Arbeitern im Gange seien, sich erwas zurück« haltender benehme, sobald aber die Verhandlungen resultatlos ver- laufen seien, gehe sie wieder schärfer vor.— Nachdem der Vorsitzende noch darauf aufmerksam gemacht, daß es mit Protesten allein nicht getan sei, sondern daß es auch gilt, Mitglied der Organisation und Abonnent der Arbeiterpresse zu werden, wurde eine Resolution, in der die Anwesenden den Ausständigen ihre Sympathie ausdrückten, einstimmig angenommen. Steglitz. Ein bedauerlicher Unfall mit tätlichem Ausgang ereignete sich in dem Betriebe der Neuen Photographischen Gesellschaft in der Siemensstraße. Der 88jähriae Heizer Karl Resch war mit der Be- anfsichtigung eines Dampfkessels betraut worden, und als er die Feuerungstür öffnete, schlugen ihm plötzlich glühende Kohlen und heiße Dämpfe entgegen. R. wurde am ganzen Körper verbrüht. Man brachte ihn sofort in das KreiSkrankcnhaus in Groß-Lichter- clde, doch starb er bald nach seiner Einlicferung. Der Unfall ist durch das Platzen eines Dampfrohres hervorgerufen worden. Friedenau. Die letzte WahlverelnSversammlung nahm die Abrechnung der Maifeier entgegen. Es wurde ein Neberschuß von 15,65 M. erzielt. Eine lebhafte Debatte entspann sich über daS Verhalten eines Gast- Wirts, der bei der letzten Protestversammlnng eine Saalmiete von 20 M. verlangte, trotzdem er der Arbeiterschaft seinen Saal durch Bertrag unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte. Verschiedentlich Ivurde die Sperre über genanntes Lokal zu verhängen gefordert; die Versammlung beschloß jedoch, das Lokal weiter zu benutzen, die Bereinsversammlungen jedoch nur bei Grube abzuhalten. Die Differenz zwischen der Leitung des Metallarbeiterverbandes und dem Parteivorstand, die Maifeier bei der Allgemeinen Elektrizitäts- gesellschaft betreffend, führte zu einer recht lebhaften Diskussion. Allgemein sprach man die Meinung aus. daß der Raum des „Vorwärts" nützlicher verwertet werden könnte. Eine in diesem Sinne verfaßte Resolution wurde einstimmig angenommen. Zehlendorf. lieber Geschichtsauffassung nud Gefchichtölehre referierte Genosse Schütte in der letzten gut besuchten Mitgliederversammlung des Wahlvereins. In oer hierauf erfolgten kurze» Diskusston wurde namentlich zum Kirchenaustritt aufgefordert. Der Kassenbericht des ersten Quartals zeigte erneut die ständige Vorwärtsenlwickelung der Organisation. Zum Schluß gab Genosse Weber den Bericht von der Gemeindevertretersitzung. Bceskow. Das kleine Städtchen BeeSkow prangte gestern im Festschmuck und warum? Es hatte irgend jemand herausgekriegt, daß BeeSkow 350 Jahre zum Kreise Bccskoiv-Storkow gehört und dies„Ereignis" iniißte gefeiert werden. Um der„Feier" das richtige Relief zu geben, hatte man den Kaiser eingeladen, der mit seiner Äertrctmig den Kronprinzen beauftragte. Natürlich großer Empfang unter Glockengeläut, Begrüßungsansprachen, Ehrentrunk, Festgottesdienst, alles zur 850. Feier, etwas viel auf einmal. Bceskow war glücklich! Treptow-Baumschulenweg. In der letzte» Wahlvereinsversammlung hielt an Stelle des ver- hinderten Gen. Litfin Gen. Hofmann einen Vortrag über„Jesus und die Sozialdemokratie". In der Diskussion forderten die Gen. Karow und Mickley zum Austritt aus der Landeskirche aus. Gen. Lüdke erwähnte alsdann den auf dem Jenaer Parteitag an- genommenen Antrag 19, wonach alljährlich bor der Aushebung zum Militär öffentliche Versammlungen abgebalten werden sollen, um die jungen Leute, die Soldat werden müssen, über ihre Rechte auf- zuklären usw. Er stellte deshalb einen Antrag, worin der Partei- vorstand erinnert wird, eine diesbezügliche Agnation in die Wege zu leiten, da bereits in wenigen Wochen die Neueinreihung der Rekruten erfolgt. Der Antrag, der außer von Lüdke auch von Mickley begründet wurde, fand einstimmige Annahme. Den Dele- gierten zur Kreis-Generalversammlung ivurde aufgegeben, dort den- selben Antrag einzureichen. Besonders hervorgehoben wurde, daß nur Gen. Zubeil nach dieser Richtung gewirkt habe, Zum Schluß wurde noch auf das Arbeiter- Sportfest am 17. Juni aufmerksam gemacht. Lichtenberg. Zur Stadtwcrdungsfrage hat sich nunmehr endlich der Minister des Innern geäußert! Die geplante Erweiterung des Lichtenberger Rathauses hat den: Gemeindevorstande Veranlassung gegeben, den Minister um eine Antwort auf die seit Jahr und Tag schwebende Frage der Stadtwerdung anzugehen. Der Minister v, Bethmann- Hollweg stellt der Gemeinde Lichtenberg in Aussicht, die städtische Verfassung zu erwirken, wenn die Einrichtungen der Gemeinde auf einem einer Stadt würdigen Stand angelangt seien und feststehe, daß die günstigeren Finanzverhälmisse der Gemeinde in den letzten Jahren dauernde seien. Der Minister verlangt im besonderen ein Gemeindekrankenhaus, wie es den Bedürfnisien einer Stadt von 60 000 Einwohnern entspricht, und endlich eine Grundlage über die Auseinandersetzung mit dem Kreise Niederbarnim, aus dessen Ver- bände die neue Stadt auszuscheiden habe. Wenn nun auch die so lange erwartete Entscheidung über die Verfassnngsfrage in dieser Antwort nicht zu finden ist, so dürfte doch die Richtschnur für die zu fassenden Beschlüsse bei den Gemeindekörperschaflen endlich gegeben sein. Die Einverleibungsfrage scheint auch damit endgültig ihre Erledigung gefunden zu haben. Die Grundbesitzer, die in Wahrnehmung rein persönlicher Interessen mittelst ihrer Grundbesitzervereine in den letzten Jahren durch ihre Anträge auf Zerstückelung der Gemeinde durch Einverleibung einzelner Ortsteile in Berlin der Stadtwerdung soviel Hindernisse in den Weg legten, werden nun ihre Trennungsgelüste eindämmen müssen; das wird diese Geister aber nicht hindern, sich als die patentierten Stützen der zukünftigen Stadt in empfehlende Erinnerung zu bringen. Unsere Parteigenossen am Orte haben aus die Erfordernisse eines modernen städtischen Gemeinivesens so oft hingewiesen, daß ihnen die Bedin- glingen des Ministers als etwas Selbstverständliches erscheinen. Hoffentlich hat die Antwort des Ministers das eine im Gefolge, daß nun endlich ein etwas schnelleres Tempo in Pnnkto sozialer Für- sorge und Einrichtungen eingeschlagen wird, sintemalen unsere»Bc- sitzenden" ja auf ein Ministerverlangen sehr viel geben. Wciftensee. lieber de» theoretischen Teil des Erfurter Programms hielt Ge- nasse Block in der letzten Wahlvereinsversammlung einen lehrreichen Vortrag. Redner verstand es, die Versammelte» in das wissenschaftliche Gebäude des Sozialismus einzuführen und den Charakter der kapitalistischen Produltionslveise zu erläutern. An der Dis- kussion beteiligten sich die Genossen Schmutz und Jaziorowski. In der nächsten Versammlung wird Genosse Block über den praktischen Teil des Programms referieren. Potsdam. Der preußische BolkSschulgcsctzcntwnrf bildete daS Thema eines Vortrages, den Genosse M i e t h k e> Berlin am Mittivoch in einer Volksversammlung hielt. Die interessanten Ausführungen des Redners, die sich auch mit den''skandalösen lokalen Verhältnissen in Kirche und Schule beschäftigten, gipfelten in der Aufforderung zum gemeinsamen Austritt aus der Landeskirche als dem wirksamsten Protest gegen die kultur- und volksfeindlichen Be- trebungen der Dunkelmänner. Die in den Berliner Protest- Versammlungen angenommene Resolution wurde auch hier ein- stimmig gutgeheißen.— Die Diskussionsredner stimmten dem Referat allgemein zu und empfahlen ebenfalls den Austritt aus der Kirche. Dieser Aufforderung wurde sofort von einem Teile der An- wesenden entsprochen. Spandau. fone Schutztruppe des Mittelstandes unter dem Namen„Mittel- standsvereiniguiig" machte sich in einer am Dienstag tagenden Ber- 'ammlung anheischig, die Sozialdemokratie in Grund und Boden zu reden. Demnach scheinen die 40 Mann, die sich zu dieser Versamm- lung eingefunden haben, nicht im Großkapital, sondern in der Sozialdemokratie den größten Feind zu erblicken. Es nimmt dies auch gar nicht wunder, hatten doch der Obermeister Rahardt-Berlin und Lehrer Berg-Heinersdorf die Referate übernommen. Der zu heute vonnittag 10 Uhr beim Genossen Döhle an- beraumte Vortrag der Freien Gemeinde kann wegen Verhinderung des Genossen Stern erst am 1. Feiertag stattfinden. Berliner Ntarktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtlsch-n Marlthallen-Direktion. Nindsteisch la 62—66 pr. 100 Pfund, IIa 61—63, lila 40—52, IVa 40—46, engl. Bullen- 0,00, dän. Bullen- 0,00, Holl. Bullen- 0,00. Kalbflelfch, Doppelländer 105—120, la 83—95, IIa 70-82, Dia 56-68. Hammelfleisch la 60-70, Ha 54—60. Schweinefleifch 55— 62. Kaninchen per St. 0,71— 0,75. Hühner, alte, Stück 1,50—2,80, junge, per Stück 0,60—0,80. Tauben, junge 0,45— 0,60, alte 0,30—0,40. Eiiien, prima, per stück 1,75—2,20, Hamburger per Stück 2,75 bis 3,50. Gänfe, junge, per Pfd. 0,70—0,90, per Stück 3,00—5,75. Hechte 89—102. Schleie 85— HO. Bleie 0,00, matt 0,00.'Aale, qi'OB 98— 109, mittel 107—111, klein 51—55, unfort. 71—86. Plätzen 00,00. Flundern, pomm. I, ,3. Schock 3,00—7,00. Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel, per Kiste 2— 4, 30. klein, per Kiste 0.00. Bücklinge, Holl, per Wall 0,00. Kieler 1,50—3. Stralj. 0,00—0,00. Aale, gros?, p. Pfd. 1.10— 1.30, mittel 0.80-0,90, kl. 0,50 bis 0,60. Sprotten. Kieler, 2 Wall 9.00. Elb- per Kiste 0.00. Sardellen, l 902er, per Anker 76,00, 1904cr 74,00, t905er 70,00. schottische Vollheringe 1905 0,00, large 40—44, kuU. 36—38, med. 33—35, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjcS, per>/, To. 60—120. Hummern, Na, tOO Pfd. 0,00. Krebse, per Schock, große 20,50—25,50, mittelgroß 0,00—0,00, kleine 7,00, unsortiert 7,50—14,00. Eier, Land-, pcr.Schock 3,10—3,20, frische 0,00. Butter per 100'Pfund, la 115-119, IIa 113-115, lila 106-108, abfallende 103—105. Saure Gurken, Schock 3.50—4 M., Pscssergurkcn 3,50—4 M. Kartofscln per' 100 Pfd. magn. bon. 2,10—2,35, rote Dabersche 2,00—2,20, runde weiße 1,80—2,00, Wirsingkohl, Holl., per Schock 0,00. Weißkohl, dän., per Schock 0,00—0,00, Nollohl, Holl., per Schock 0,00. Grünkohl, per 100 Psd. 0,00. Nüben, weiße 0,00, Tellower 0,00. Kohlrüben, per Schock 0,00._______ «ZttteruiiqsÄdcrsicht Horn 8«. Mai 1006, morgens 8 Uhr. Stationen L£ II Sa C<3 m~ B« Wetter 766 NNW 767 S 767 NW Swluemde. 766 NNW t Regen Hamburg 767 S 2Rigen Berlin 767 NW 2 wolkig 11 Seilitz Franks«. M. 768 S 1 heiter 14 t'lberdee» München!768NW 2bcdcckt 12 Paris Wien! 765 NW 3 wollig' Wetter-Prognose für Sonntag, den 27. Mai 1066. Ein wenig wärmer, vielfach heiter, aber veränderlich mit«twaS Regen und schwache» westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. e» c?. S» 2? w& 11 Ii Ii 14 12 16 Stallone» a S)«1 iE ü Ö Haparanda!77tN Petersburg 760 NNO bd. 761 SW 758 SO 768 SW _ Regen 4 Nebel 1 bedeckt 2'bedeckt 6 10 11 9 13 Wetter >->« h s, . Eingegangene vruckkckriften. „Mutterschutz.« Zeitschrist zur Reform der sexuellen Ethik.(PubllkallonS- organ des Bundes für Mutterschutz.) Herausgegeben von Dr. phil. Helene Stöckcr, Berlin. Wilmersdorf. Hest 10—t2. Preis: halbjährlich(6 Helte) 3 M: Einzclhcs! 60 Ps. Frantsnrt a. M. I. D. Sauerländers Verlag. Selbsttontrolle für die gesamte Buchhaltung. Fehlersinder von E. O. Uhlmann sen. 16 Seiten. Selbstverlag in Dresden. Preis 1 M. Mocden-Spielplan der Berliner Cbeater. OPernhnus. Sonntag: Das Rheingold> Montag: Die Walküre. fAnfang 7 Uhr.) Dienstag: Don Juan. Mittwoch: Samson und Dalila. Donnerstag: Der Waffenschmied.(Anfang 8 Uhr.) Freitag: Siegsried. (Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Götterdämmerung.(Ansang K'/z Uhr.) Sonntag: Die Hugenotten. Montag: Die Zauberflöte. Schauspielhaus. Sonntag: Das große Licht. Montag: Götz von Berlichingen.(Ansang 7 Uhr.) Dienstag: Othello. Mittwoch: Goldfische. Donnerstag: Die Quitzows. Freitag: Der Schwur der Treue. Sonnabend: Nathan der Weise. Sonntag: Narziß. Montag: Goldsische. Neues Ltönigl. Opcrntheater. Sonntag: Der Troubadour. Montag: Boccaccio. Dienstag: Ein Maskenball. Mittwoch: Boccaccio. Donnerstag: Martha. Freitag: Fra Diavolo. Sonnabend: Unbestimmt. Sonntag: Die Fledermaus. Montag: Boccaccio. Deutsches Theater. Sonntag, Montag und Dienstag: Der Kauf- mann von Venedig. Mittwoch: Der Gras von Charolais. Donnerstag, Freitag. Sonnabend. Sonntag und Montag: Der Kmismann von Venedig. Lessing-Theater. Sonntag, Montag, Dienstag bis Montag: Das Lebenssest. Schiller- Theater O.(Wallner« Theater.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Flachsmann als Erzieher. Abends: Jugendliebe. Dienstboten. Montag: Helden. Dienstag: Die Macht der Finsternis. Mittwoch: Ueber unsere Kraft. II. Teil. Donnerstag: Jugendliebe. Dienstboten. Freitag: Der Militärstaat. Sonnabend: Jugendliebe. Dienstboten. Sonntag nach- mittag 3 Uhr: Romeo und Julia. Abends: Zapfenstreich. Montag nach- mittag 3 Uhr: Don Carlos. Abends: Zwei glückliche Tage. Schiller-Theater Zk.(Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Zapsenstreich. Abends: Die Ehre. Montag und Diens- tag: Jugendliebe. Dienstboten. Mittwoch: DaS Lumpengesindel. Donnerstag: Das Glück im Winkel. Freitag: Das Lumpengesindel. Sonnabend: Das Lumpengesindel. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Hosgunst. Abends: Flachsmann als Erzieher. Montag nachmittag 3 Uhr: Der Veilchensresser. Abends: DaS Lumpengesindel. Berliner Theater. Bis aus weiteres täglich: Die lustige Witwe. ftleiues Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Kinder der Sonne. Abends, Montag und die solgenden Tage: Ein idealer Gatte. Sonntag und Montag nachmittag 3 Uhr: Der Unverschämte. Hille Bobbe. Lustspielhanö. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Familientag. Abends und bis Donnerstag: Die von Hochsattel. Freitag und bis aus weiteres täglich: Das Fest der Handwerker. Die Verlobung bei der Laterne. Neues Theater. Sonntag und folgende Tage: Orpheus in der Unterwelt. Komische Oper. Sonntag: FigaroS Hochzeit. Montag: Die Bohöme. Dienstag: Der Corrcgidor. Mittwoch: Figaros Hochzeit. Donnerstag: Don Pasquale. Freitag, Sonnabend, Sonntag und Montag: Hossmanns Erzählungen. Trianon-Theater. Bis aus weiteres täglich: Loulou. Residenz-Theater. Bis auf weiteres täglich: Licbeskunst. Theater des Westens. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. Wcnds und Montag: Der Bettelstudent. Dienstag: Der Zigeunerbaron. Mittwoch: Die ZauberMe. Donnerstag: Die vier Grobiane. Freitag und Sonnabend: Geschlossen. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Waffenschmied. AbendS: Der Zigeunerbaron. Montag nachmittag 3 Uhr: Der Troubadour. Abends: Die Fledermaus. Weg deS Märtyrer». Tage: Der Weg des Carl Weiß- Theater. Sonntag: Der Montag: Geschloffen. DienStag und solgende Märtyrers. Zentral-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Fledermaus. Abends: Giroslö-Giroflä. Montag: Der Zigeunerbaron. Dienstag: Gtroflä- Giroflä. Mittwoch: Boccaccio. Donnerstag: Die Gheisha. Freitag: Die Fledermaus. Sonnabend: Nanon. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Abends: Nation. Montag nachmittags 3 Uhr: Die Fledermaus. Abends: Nanon. Thalia-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Hochtourist. Abends und bis Sonnabend: Hochparterre linls. Sonntag»achmitlag 3 Uhr: Bis früh um Fünse. Abends: Hochparterre links. Montag nach- mittags 3 Uhr: Bis früh um Fünse. Abends: Hochparterre linlS. Deutsch-Amerikanisches Theater. Bis aus lveiteres täglich: Arme Mädchen. Casino-Theater. Sonntag nachmittag 4 Uhr: Ein Sohn des Volkes. Abends und Montag: Madame Bonivard. Von Dienstag an geschloffen. Apollo-Theatcr. Allabendlich: DaS blaue BUd. Spezialitäten. Passage- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Nrauta-Thcater. Taubenstraße 48/43. Sonntag bis Sonnabend: Der jüngste Ausbruch des Vesuv. Bellc-Alliance-Theater. Bis aus weiteres: MendS nach Nume. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Mctropol-Theater. Aus— ins Mctropol I Hansa-Theater. Wunderlind. Familie Bernstein in Llkenve. Ein(ireinial[Ismiies Hoeti! zum 39. Wicgenseste senden dem Hlaiikeil iniil, Forsterstraßc 17, Die Stammgäste und Sparbrüder Rote Nelke. 13772 Trinken wir noch'n Tröppchen? SozialtfemokFatisclier Verein imSJerUsicistagswalreis. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser langjähriges treues Mitglied, der Schuhmacher (justav Westerburg nach langem Leiden verschieden ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, mittags 1 Uhr, vom Kranken- Hause Friedrichshain aus aus dem Zcntrnl-Friedhos in Friedrichsseide statt. Um zahlreiche Beteiligung'bittet 245/10_ Der Borstand. Zentralverband der Scbutimacber Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin. Am LS. Mai verstarb nach langem Leiden unser altes Mitglico vllsl»? Westerburg. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag, den 28. Mai, nachmittags 1 Uhr, von der Leichenhalle des Krankenhauses Frieorichshatn aus aus dem Gemeinde- Friedhos FrtedrichSselde statt. Um rege Beteiligung ersucht 163/18 Der Vorstand. labuäritliebes Institut NW. I-uisenstraße 14. Zahnziehen f. Unbemittelte gratis! 1372b' Todes•Anzeige. iermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser herzensguter und mwergeßlicher Vater, Sohn, Bruder, Schwieger« söhn und Schwager, der Buchbinder cmo mülter nach langen, schweren Leiden am «onnabend, den 26. Mai, sanft entschlasen ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Im Namen der Hinterbliebenen Die trauernde Witwe Vlillielm. Müller, geb. Neugebauer, nebst Tochter. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 29. Mai, nachm. 41/a Uhr, von der Leichenhalle des St. Thomas- Kirchhoss, Nixdors, Hermannstraße, aus statt. L070b MÄliM der StEinsstzer,! Pflasterer und ierufsgenossen Deutselilands. Unterbezirk Berlin Norden. Xodes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Steinsetzer Karl KuKsKn verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. Mai, nach- mittags S Uhr, von der Leichen- halle des neuen Paulskirchhoses in Plötzensee auS statt. 174/3 Um rege Beteiligung ersucht Der Bezirksleitcr. die agang. vielen Beweise k Für Teilnahme und Kranzspenden bei ncr liebei Danlrsa� e vielen e und Krc Beerdigung meiner lieben Frau ISsIvns WareSin sage ich allen, insbesondere dem Ge« jangverein„Gerechtigkeit" und den Kollegen der A.-G. sür Bauaussgh- rungen meinen herzlichsten Dank. Al. Wardln nebst Kinder». ZeDtral-Veitod der Maurer ßeiitsehlaiiils. Zwcigvoreln Berlin. Am 24. Mai verstarb plötzlich unser Mitglied Hermuii Mahn im Alter von 57 Jahren an Herzlähmung. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 2 Uhr von der Leicheichalle des EmmauS- Kirchhoses in Nixdors, Hermann- straßc, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 144/3 Der Borstand. üercid Berliner Haiisilieiier. TodeS-Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege (ZustÄV Kunjs, Borsigstr. 30, Mitglied seit 11. November 1302, verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 28. Mai 1306, nach- mittags 3 Uhr, ans dem Eharits- Kirchhos statt. Eingang Seejtraße. Um rege Beteiligung ersucht 2066b Der Borstand. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei dem so schnellen Hinscheiden unseres geliebten Sohnes �Walter Kynast insbesondere der Direktion und dem Kontorpersonal, seinen Lchrkollegen der Firma Panzer Aktiengesellschaft sowie dem Verein der Lehrlinge Berlins und Umgegend sür die schönen Kranzspenden sagen wir hier« mit unseren besten Dank. 1376L Max Kynast nebst Frau, _ Wiesenstraße 41/42. Verband der Sattler Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege BeBirend (Werkstatt Fr. Pretzel) am Donnerstag, den 24. Mai, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet ani Sonntag, den 27. Mai, nachmittags S'/t Uhr, von der Leichenhalle des Gnaden-KirchhojcS(BarsitSstraße) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 157/3 vie Ortsverwaltung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit zur Nach- richt, daß mein lieber Mann und Vater, der Zimmerer QUo Wulf gestorben ist. Die Beerdigung findet heute nachmittag um 4'/, Uhr vom Trauerhause, Nixdors, Harzer- straße 83, nach dem Gemeinde- Kirchhos Mariendorser Weg statt. Witwe Berta Wulf nebst Sohn. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und die reichen Kranzspenden bei dem Begräbnis unseres lieben SohneS, Bruders, Schwagers und OnkelS Rudolf Käser sagen wir allen Teilnehmern, inS. besondere dem Verband der Handels und Transportarbeiter, dem vierten Wahlkreise, den Firmen Zietcmann u. Preßler, W. Hildebrandt sowie dem Sparverein„Glück" unseren innigsten Dank. Die tiestrauernden Eltern und Ge- schwister. dl. Baser. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters sagen wir allen Be- teiligten sowie der Gewerkschaft der Maler den besten Dank. 2101b Witwe Bertlewski ncdst Sohn. Danksagung., - Für die herzliche Teilnahme und reichen Blumcnspenden bei der Be« erdigung meines lieben SohneS voni'sck sage ich allen Freunden und Be- kannten, insbesondere seinen lieben Kollegen, meinen herzlichsten Dank. 2081b Ernst Goten als Bater. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Vaters, des Maurers Hermann Semmrlch sagen allen Freunden und Bekannten, den Kollegen vom„Kaiserhos", den Genossen des sozialdemokratischen Wahlvereins Lichtenberg sowie dem Agitationsverein Fricdeberg- ArnS- walde in Berlin unseren herzlichen Dank. 20695 Die trauernde Witwe Anna Semmrlch und Kinder. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise der Teilnahme, ivclchc uns anläßlich des TodcS unserer unvergeßlichen Binma Kehn geb. Behrend zugegangen sind, sprechen wir unseren innigen Dank aus. 2057b Dorlte Kehn im Namen der Hinterbliebenen. sekI..»«Ms.k-er.w«,� über iooo Cxempl. verhau» Die Harnleiden Ihre Oefabren, Verbatung und Beseitigung von Jh\ med. 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Ei» tüchtiger Kürschnergchülsc, der auch auf Mützen eingearbeitet ist, findet dauernde, loh- nende Stellung, C, Kasan, Kürschnermeister, Spandau, tzavelstraße 3, Tüchtige» Sandstetnmetz auf Denk* mäler verlangt Adam, Königsderger- sttaße 18,+26 Ttrigcnt, tüchtig, sucht Donners- tag Arbeitcr-Gesaugverein, Offerten Fiiialexpcdilion„Vorwärts", Kcibel- straße 42,__+148 Farvigmachcr verlangt Loose, Rixdors, Steinmetzstraße 39,+122 Suche' drei Korbmacher aus Matt- arbeit. Kirschkc, Gerichtstraße 86, Stein mey verlangt Zachö.Wcißcn- see, Scdansttaße 12._>124 ' Schlosser sucht Krause, Kunst- schmiede, Pankow, Florastraße 33, Farbigmacher auf beffere Leisten sucht Barthels, Michaelkirchstraße 17. Kartonarbetterinnen außerm Hause aus kleine Arbeit dauernd ver- längt, Kartonsabrik, Wienersttatze 10. Damenhemden-, Herrenbcmden- Arbeiterin. Falkenstem, Lcibniz- sttaße 29/34, 2098b Koloristinnen verlangt Pieper, Prinz Eugenstraße 15. 2059b Junges- sauberes Mädchen für Ileiucn Haushalt verlangt Papter- geschäjt, Boxhagencrsttaßc 16, 2058b Zeitungsfrauen verlangtsürPots- damer Viertel Kronensttaße 65,* Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten 30 Pf. die Zeile. Lokalredakteur für neu zu gründende Tageszeitung des Wahlkreises Duisburg- Mülheim gesucht. Eintritt 15. September d. j. Offerten mit Gehaltsansprüchen unter der Chiffre ..Redakteur" sind bis znm 10. Juni an C. Weyers, Duisburg, Weselerplatz 7, zu richten.— Kenner des Ruhrreviers bevorzugt. 13561-* wmmmm K Graveur. E Tüchtiger Stempelgraveur per sofort gesucht. Chr. Ounlclsen, Havregade 3, Kopenhagen.» Eintüchtiger LacklchM- IPIaHatmakr zur Aushülse aus 8 Wochen sofort gesucht, Warenhaus Zl. Hirsch, Spandau. 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Aethe, Wilhelmstt. 119/20. Diese Betriebe sind gesperrt! Vor Arbeitsannahme wird gcwarutl Zuzug ist streng fernzuhalten I Die Lrtsverwaltung. veutseker Holzarbeiter' Verband. Wegen Streik und Lohndifferenzen sind gesperrt: Für Tischler, Polierer und Ma- schinenardciter Franz: Sehukt, Frankfurter Allee 88. Für Korbmacher: Stralauer Glashütte. Für Drechsler, Tischler, Stellmacher. Polierer, Mnsctiineuarbcttrr und Bildhauer Trcppengeländerfabrik.loseph Mrechsler, Gubencrstr. 33. Rähmaschtneiisabrit Frister A Rossinann. Skaliherstrafte. Für Stellmacher 85/1 Motorwagcnsabrtl Gottsehalk in Reinickendorf. Für Bürstenmacher Grühert, Ritterstraffe IV7» und der Jnnungsnächwcis, Brunnen- straffe iöl. Für Parkettbodenicger Bau der Firma Radineier in Schöneberg, Gustav Möller- straffe 17. Für Finsctzer find gesperrt die Bauten der Firma Kirchner in GroffcnhaiutZwischenmeisterZim- mermann): MarsilinSstraffc Li» Boxhagen.Kopcruitusstr. 3 u.Vx Kurfürstendamin 178; Char» lottcnbnrg, Kaiser Friedrich- straffen-Ecke IS Ic? Tempelhof. Dorfstraffe. Ecke Neinhardtstraße. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung des Holzarbeitervcrbandes. lUIitUilfUtHjU o flULttl i-C. i-i;U___ I__ amtWbBaPBKHl— MBmMi'M—WB Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Krück u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.