Ur. 122. Bfconnemenf S'Bedingungcn: Wonnements- PrciS pränumerando! Vierteljährl. Z,Z0 TO!,, monatl. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post. «bonncment: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post-Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat, PostabonncmentS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, ' nänien, Schweden und die Schweiz. S3. Jahrg. Crfditlnt tsgllld auCcr niontaa». Vevlinev Volksblstk. Die Tntertlons* Gebühr vkirägt sür die sechsgespaltene Kolonel» zeile oder deren Raum 50 Pfg,, sür politische und gewerkschaftliche Vereins- und BersamnilungS-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Anreisen", das erste sfett- gedruckte) Wort 20 Pfg,. jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlaf. ftellen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telcgramni- Adresse: uSozIaldtDiolirat Berlin". Zcntralorgan der rozialdcmokrati fchen Partei Deutfchtandd. Expedition: 6 AI. 68, Lindcnetraösc 69. Keriisprechcr: Amt IV, Nr. 19S4. Der Raub der Rinder. „Der Sozialismus ist der Naub der Kinder, ist die Eni- eignung der Mutter, der Eltern, ist die Zerstörung der Familie I" In unzähligen Flugschriften, die unsere Gegner ins Land geschleudert haben, steht es zu lesen. Unsere Feinde suchen uns zu vernichten, indem sie unsere Ziele in ihr Gegenteil der kehren und verzerren. Sie dichten dem„Zukunftsstaat" die Uebel der Gegenwart an, die sie heute nicht erkennen, weil sie selbst nicht darunter leiden. Sie beschuldigen uns, zu wollen, was sie heute an uns tun. Die Leute, die sich cnt- setzen, daß die Sozialisten den Eltern die Kinder rauben wollen, sie suchen die Jugend den Eltern zu entreißen, sie wollen sie ihnen fremd und feind werden lassen. Die Prole- tarierkinder den proletarischen Eltern! Für die Besitzenden gilt im Klassenstaat besonderes Recht! Und deshalb be- zieht sich das Gesetz, das den proletarischen Eltern die Kinder rauben soll nicht auf die Schule, sondern nur auf die Schule des Volkes, auf die Schule der Armen, des- halb heißt es Gesetz betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen. Sein Zweck ist die Entfremdung der Kinder von den Eltern, ist die Zerreißung, die Zerstörung der proletarischen Familie. Seine Devise das bekannte Wort:„Dem Volke muß die Religion erhalten bleiben." Je schärfer der Klassenkampf wird, je mehr die Klassen- gegensiitze sich klären und zuspitzen, umso krampfhafter klammern sich unsere Herrschenden an den Anker der Kirche. Wo ist die Zeit hin, da an Höfen über die„christlichen Legenden" gespöttelt wurde, wo die Zeit, da das deutsche Bürgertum den krassesten und plattesten naturwissenschaftlichen Materialismus als seine Welt- onschauung laut bekannte. Je kräftiger die Arbeiterbewegung sich regt, um so frömmer wird die Bourgeoisie. Schon vor dreizehn Jahren, beim Kampf um den Zedlitzschen Schulgesetz- entwurf bekreuzigte sich der wohlanständige Freisinn vor dem schrecklichen Vorwurf des Atheismus, der Gottlosigkeit. Heute ist seine Gottesfürchtigkeit so über allen Zweifel erhaben, daß beim Kampf um das Volksschulunterhaltungsgcsetz jener Vor- Wurf von 1892 nicht einmal im Munde des reaktionärsten Junkers noch des fanatischsten Pfaffen seine Auferstehung ge- feiert hat. Und diese Frömmigkeit, die sich also erneuert hat im deutschen Bürgertum, ist sogar nicht durch die Bank Heuchelei und Berechnung. Nein, die Bekehrung zur Religion ist zum Teil inneres Bedürfnis, die Wirkung der Furcht vor dem Umsturz. Die Herrschenden fühlen den irdischen Boden unter ihren Füßen zwar noch nicht direkt wanken, aber doch schon von Zeit zu Zeit erzittern, Ahnungen einer kommenden Weltwende durchschauern sie und so recken sie verlangend die Arme nach übernatürlicher Hülfe und Rettung. Die Furcht ist auch in diesem Falle die Wurzel der Gottheit. Nur fürchtet die Bourgeoisie nicht mehr, wie ehedem der Wilde, die zerstörenden Naturmächte, die ver- heerendcn. geheimnisvollen Krankheiten, die schreckenden Träume, den bösen Willen der Verstorbenen, sie fürchtet gesell- schaftliche Gewalten, das aus der Tiefe emporsteigende Prole- tariat. Ganz natürlich muß aber in solcher Zeit auch in der herrschenden Klasse das Bestreben erwachsen, die Religion Sur Bändigung des Proletariats zu mißbrauchen. Die Lehre ihristi ist vieler Auslegungen fähig, je nachdem man die eine oder andere Seite des Lehrgebäudes hervorhebt. Die Puritaner Englands, die Eisenseiten Cromwells, haben mit der Bibel in der Hand den Absolutismus zerschmettert, den König geköpft. Was aber die Herrschenden hervorgehoben haben wollen, das sind jene Stellen, die geduldiges Ertragen, die Unterwürfigkeit, Gehorsam gegen die Obrigkeit lehren. Mit solcher Lehre der Knechtseligkeit, wie sie das Gros der Staatskirchen-Geistlichcn nur zu sehr geneigt ist, zu predigen, hoffen sie das Proletariat so zu binden, daß es die Kraft seiner Glieder nicht zu nutzen vermag, hoffen sie es unfähig zum Klassenkampf zu machen. In diesem Sinne ist das Wort „Dem Volke muß die Religion erhalten bleiben!", einst ge- fallen aus dem Munde des Ersten der Junker, heut zum Wahlspruch auch der Bourgeoisie geworden. Indes das Proletariat hat sich die Fessel nicht anlegen lassen. Immer größere Scharen des arbeitenden Volkes haben sich von der Kirche, die die Dienerin das Klassenstaates ist. abgewendet. Die Erwachsenen, die fertigen Menschen, das erkennen die Besitzenden mehr und mehr, lassen sich nicht mehr für die sogenannte Religion der Klassenkirche gewinnen. Der Versuch scheitert an den brutalen Tatsachen des Lebens, die dem Blödesten schließlich die Notwendigkeit des Klassen- kampfes einpauken, die den schneidendsten Kontrast zu den kirchlichen Lehren vom schweigenden Ertragen bilden. Und so stürzt sich die herrschende Klasse auf die Kinder des Prole- tariats. Die jungen, aufnahmefähigen Köpfe hofft sie noch verdüstern zu können, die jungen Seelen hofft sie binden zu können, daß sie nimmer wieder los kommen. Die Schule wird zum Werkzeug ihrer Klassenherrschaft, wie die Kirche. Die Schule soll in Gegensatz zum proletarischen Elternhaus treten, die Schule soll wider die Eltem arbeiten, soll die Kinder der Weltanschauung, dem Denken und Fühlen der Eltern entfremden, soft das geistige Bgstd zwischen WgM und Kindern zerreißen. Das ist der edle Zweck des Gesetzes, das am Montag das �preußische Dreiklassenhaus in dritter Lesung ver- abschiedet hat. Das ist der Sinn des Bundes, den Junker- schaft und Bourgeoisie bei diesem Gesetz geschlossen haben. Dem Proletariat soll die Jugend geraubt werden. Es ist nichts Repes, nichts Unerhörtes in Preußen. Wie oft schon haben aus dem Munde ihrer Kinder Eltern hören müssen, daß die Partei, der sie anzugehören stolz sind, eine Baude Verworfener, eine Schar von Mordbrennern und Dieben ist. Täglich muß der Proletarier sehen, wie von seinen Kindern das geschmäht wird, was ihm heilig ist, was ihm das Leben lebcnswert macht, wie dem Kinde das als gut und un- antastbar gelehrt wird, was er haßt, was er bekämpft. Das neue Gesetz ist nicht neues Unrecht, es ist die Unterstreichung, es ist die Verschlimmerung alten Unrechts. Der Raub der Kinder wird zum gesetzlichen System erhoben, er wird fortan mit ver- doppelter Kraft vollführt werden. Das Gesetz gibt sich unter der harmlosen Finna einer Regelung der Unterhaltspflicht für die Volksschule. Die Nationalliberalen rühmen sich, daß sie durch das Gesetz die materielle EntWickelung der Schule sichergestellt haben. Trug I Die Volksschule wird nach wie vor das Aschenbrödel bleiben. Wenn durch die Heranziehung der Inhaber der Gutsbezirke, der Aktiengesellschaften usw. zu den Schullastcu die Lage mancher armer ländlicher Gemeinden gebessert wird, so wird dafür die Lage anderer, die allerdings geringer an Zahl sind, wieder verschlechtert, indem den„Standesherrcn", den Nachkomnien der ehemaligen Reichsunmittelbaren, die das Privilegium haben, keine Komnmnalsteuern zu zahlen, die Schullasten völlig ab- genommen werden. Ein Zukunftsgesetz soll die Heranziehung dieser Priveligierten zur Schulunterhaltung regeln. Ein Zu- kunftsgesetz, von dem man nicht weiß, wie eS aussehen wird, noch wann es kommt. Sonst bleibt in bezug auf die Schulunterhaltung im wesentlichen alles beim alten, nur daß neue Bezeichnungen an die Stelle der alten treten. Die Gutsbesitzer, die selb- ständige Gutsbezirke innehaben, mußte man ja notgedrungen und anstandshalber mit zu Trägern der Schullast machen. Man hat aber durch allerlei Klauseln, wie die, daß bei der Bemessung der Schulbeiträge der Grundsteuerreinertrag nur zur Hälfte angerechnet werden soll, schon dafür gesorgt, daß den Junkern nicht wehe getan wird. Manche werden künftig weniger zu zahlen haben, als sie bislang schon als Patrone und Grundherren zahlten. Und wo»oirklich eine stärkere Be- lastung dieser Schultern herauskäme, da wird die Regierung sicherlich mit ihrem durch das Gesetz erheblich erhöhten Fonds „zur Dotierung leistungsschwacher Schulverbände" der„not leidenden Landwirtschaft" zu Hülfe kommen. Soviel Ver- trauen dürfen die Junker zu ihrer Regierung haben. In den Städten aber bleibt in Bezug auf die Schullasten alles beim alten. Bezahlt wird die winzige Verbesserung, die allenfalls diese neuen Bestimmungen über die Schulunterhaltung dar- stellen, mit einer allgemeinen Verschlechterung der Volksschule. Wie schlecht sie heute immer schon ist, sie wird noch schlechter werden. Sie muß es werden, denn das Gesetz wird uns eine Acra der Zwergschulen, eine Aera der Schulverkrüppelung bringen. Wenn in einer Gemeinde. in der eine Konfession vorwiegt, über 60, in Städten und Landgemeinden von über 5000 Einwohnern über 120 Schul- kinder der anderen Konfession gezählt werden und von mehr als 60 oder 120 gesetzlichen Vertretern(Eltern, Vormünder) dieser Kinder der Antrag auf eine besondere konfessionelle Schule gestellt wird, so muß sie künftig eingerichtet werden. Man denke sich in den Städten Schulen sür 130 Kinder I Solche Schulen können natürlich. wenn die Kosten nicht im un- sinnigen Verhältnis zu den Schulen der konfessionellen Mehr- hcit stehen sollen, nur ein-, zwei- oder höchstens dreistufig sein. Verschiedene Altersstufen müssen neben einander unterrichtet werden. Was dabei herauskommt, das zeigt uns die Dorf- schule. Die Nationalliberalen haben ihre Zustimmung beschönigt mit dem Hinweis, daß die Konfessionsschule heute schon die Regel ist, daß das Gesetz also keine Verschlechterung bedeutet. Das ist falsch. Das gesetzliche Recht auf solche Minoritäts- schulen, der Zwang zur Errichtung solcher Zwergschulen be- stand bislang nicht, das ist eine Errungenschaft, die unS das „große Werk" beschert, nach dessen Abschluß der Kultus- minister Dr. Studt den wie grausame Ironie wirkenden Wunsch aussprach, Gott möge geben, daß Preußens Volksschulwesen immer hochstehen möge in der gebildeten Welt. Wenn es das unter diesem Gesetz fertig bringen soll, dann könnte das aller- dings nicht mit rechten Dingen zugehen, dann müßten schon übernatürliche Kräfte eingreifen! Die Simultanschule, die abgesehen von Posen, Westpreußcn und Nassau allerdings nur in verschwindender Anzahl noch vorhanden ist. soll nach den Nationalliberalen durch das Ge- setz„gesichert" worden sein. Wie sehr, das zeigt die oben ge- schilderte Bestimmung. Aber die„Sicherung" geht noch weiter. Der Absatz 5 des§ 23 setzt nämlich fest, daß eine besondere konfessionelle Schule für die Kinder der konfessionellen Minder- hcit auch in dem Falle errichtet werden darf, daß die Zahl der betreffenden Kinder hinter der oben angegebenen Minimalzahl zurückbleibt. Allerdings nur„a u s b e s 0 n d e r e n Gründe n". Aber was bedeutet diese Einschränkung l Sie ist nichts weiter als eißp Redefloskejl, Kautschuk in den Händen dex Regierung! • Daß die gesetzliche Konfessionsschule eine ungeheure Stärkung des Einflusses der Kirche bedeutet, das be- darf keiner weiteren Ausführung. Und in jeder Weise wird dieser Einfluß durch die Bestimmungen über die Schulverwaltung gefördert. Dem dienen sowohl jene Bestimmungen, die das Recht der Ge- meinden an den Schulen so ziemlich auf die Pflicht zum Zahlen begrenzen, die die Anstellung der Lehrer fast völlig in die Hand der mit der Kirche innig verbundenen Regierung legen, als auch jene, die in die Schuldeputationen,-Kam- Missionen und-Vorstände die Pfarrer entsenden. Der Pfarrer als Ortsschulinspektor, der Pfarrer in der Schulverwaltung. Und ihm zur Seite der Vertreter der Regierung, der Kreis- schulinspektor oder wieder der Ortsschulinspektor, die zwar nicht Mitglied dieser Verwaltungskörper werden. aber „jederzeit gehört werden müssen" I Die Mitglieder der Schuldeputationen usw. unterliegen dem Bcstätigungsrecht der Schulaufsichtsbehörde. So wird mit allen Mitteln verhindert, daß etwa eine freier gerichtete Gemeindevertretung, daß gar Sozialdemokraten größeren Einfluß auf die Schule gewinnen könnten. Die nationalliberalen Helden haben das alles zugegeben. Nur einmal haben sie sich auf die Hacken gesetzt, als es sich um das Rocht der Städte auf Anstellung der Rektoren und Hauptlehrcr handelte. Ein Punkt von geringerer Bedeutung als vieles andere, was sie der Regierung zugestanden. Und auch hier sind sie noch mutig zurückgewichen. Ihr Kompromiß- antrag war eine Halbheit, und diese Halbheit ist in der dritten Lesung nochmals halbiert worden. Provisorisch sollen jene Städte, die jetzt das Recht zur selbständigen Berufung der Rektoren haben— nach Ansicht der Regierung haben es eigentlich überhaupt keine— das Recht dazu behalten, bis ein besonderes Gesetz über den Gegenstand erlassen wird. Ein Gesetz, das sicherlich alle Wünsche der Regierung erfüllen wird. Und schon heute mußten die Nationalliberalen schweigend die Regierungserklärung hinnehmen, daß bei der Berufung der Rektoren nicht bloß die Fähigkeit, sondern auch die Persönlichkeit und der außerdienstliche Lebenswandel berück- sichtigt werden sollen. Das heißt Kirchen- und Junker- frömmigkeit sollen erforderlich sein. Wie wird unter solchem Regime, das die Heuchler förmlich züchten wird, die Volks- schule sich herrlich entwickeln! Klassenkirche und Klassenstaat als unumschränkte Herren der Volksschule! Wie ihr verstärkter Einfluß auf die Schule wirken wird, darüber ist kein Zweifel möglich. Die Ver- muckerung der Schule, die heute schon weit vorgeschritten ist, wird reißende Fortschritte machen. Der Religionsunterricht wird streng nach den Vorschriften der Kirche erteilt werden, die Religionsstunden werden möglichst vermehrt, die übrigen Unterrichtsfächer geschädigt werden. Größer und größer wird der religiöse Ballast werden, der den Kindern ins Gehirn ge- pfropft wird, der es aufnahmeunfähig macht für wirklichen Wissensstoff. Die mangelhaften Leistungen der Volksschule werden noch tiefer sinken. Alle Unterrichtsfächer werden von Religion durchtränkt werden, der Lese-, der Schreib-, der Ge- schichts-, der Naturgeschichtsunterricht, alles wird in die spanischen Stiefel der kirchlichen Anschauung geschnürt werden. jeder Luftzug freier Weltanschauung, jede Ahnung von den Ergebnissen der modernen Wissenschaft wird den Kindern des Volkes noch ängstlicher ferngehalten werden als bisher! Sie werden eingesperrt in eine Stick- und Moderluft! So wollen die Herrschenden den freien Geist wirkungs- los machen, dessen Wehen das Proletarierkind im Elternhause verspüren könnte! So sollen die Prolctarierkinder zu Ab- trünnigen ihrer Klasse gemacht werden. Darum sollen sie den Eltern entfremdet, ihnen geistig geraubt werden. Doch die Herren werden sich verrechnen! Die Eltern werden sich die Kinder nicht rauben lassen I Das Proletariat wird seine Kinder verteidigen gegen die vermuckerte Schule. Wenn Schule und Saus in Gegensatz zu einander treten, so wird das Haus ieger bleiben! Die Besitzenden, die aus der Schule ein Werkzeug ihrer Herrschaft machen, werden erfahren, daß die proletarischen Eltern um ihre Kinder zu kämpfen verstehen, und daß der Einfluß der Eltern weiter reicht als der des Lehrers I Proletarier Preußens I Der Krieg um die Jugend ist Euch vom Parlament der Besitzenden erklärt worden. Schützt Eure Kinder, laßt Euch�die Kinder nicht rauben! Ueber die dritte Lesung des Gesetzes in der Montags- sttzung des Abgeordnetenhauses ist wenig zu sagen. Die bittere Anklage des Freisinnigen Cassel, daß die Nationalliberalen den letzten Rest von liberalen: Empfinden verloren und den Namen des Liberalismus unrettbar vor dem ganzen Lande kompromittiert hätten, störte die Siegesfreude der Mehrheits- Parteien nicht im mindesten. Sie sprachen sich gegenseitig ihre Anerkennung über das Gelingen des„großen nationalen Werkes" der Volksschulverschlechterungaus und schlössen von der allgemeinen Danksagung nur den Kultusminister Studt aus, dessen„große Begabung" sie alle von den äußersten Konservativen bis zu den zahmen Freisinnigen— der Linken des Abgeordnetenhauses— geärgert hat. Das hinderte ihn in- dessen nicht, eine ebenso befriedigte wie unangenehm-ftömmelnde Schlußfcierrede zu halten. Bei der Schlußabsttmmung enthielt sich das Zentrum der Stimme. Das Gesetz geht nun an das Herrenhaus, das es wahrscheinlich unverändert annehmen wird. Dann ist das „große Werk" wirklich vollendet.— Die Revolution iu Rltszlattd. Die Duma. Es ist schwer zu sagen, ob man das Verhalten der russischen Regierung nach der denkwürdigen Duma- Sitzung vom Sonnabend als dumm-dreist und verblendet oder als un- verschämt bezeichnen soll. Während alle Welt erwarten mußte, daß Goremykin und seine Ministerkollegen irgend etwas der gegenwärtigen Situation Angemessenes tun würden, geben sich die Herren den Anschein, als wäre überhaupt nichts vorgefallen. So meldet der Telegraph aus Petersburg vom Verlaufe der Montags-Sitzung der Duma folgendes: Die Sitzung wurde um 2 Uhr 4S Minuten nachmittags eröffnet. Der Präsident kündigte zwei Anträge des Ministers für den öffent- lichen Unterricht an, von denen der eine das Recht des Ministers betraf, Privatkurse für höheren und mittleren Unterricht zu eröffnen, ohne ihnen die Privilegien der Regierungs- Einrichtungen zu bewilligen, während der andere sich auf die Berechtigung zur Ausgabe von 400 000 Rubel für die Universität Dorpat erstreckte. Die beiden Anträge würden gedruckt und im Saale an die Mitglieder der Duma verteilt werden. Die Haltung des HauscS in diesem Augenblick war merkwürdig. Der Präsident klingelte, um die Heiterkeit zu unterdrücke», die augenscheinlich durch diese beiden unbedeutenden Anträge hervorgerufen wurde. Der Präsident berichtete alsdann über ein Telegramm aus Choral sGouv. Poltawa), welches verlangt, daß der dortige Schul- lehrer. der ohne bestimmte Anschuldigung verhaftet sei, in Freiheit gesetzt werde. Die Duma beschloß, den Minister des Innern hier- über zu interpellieren. Der Präsident berichtete hierauf über einen Antrag von 78 Mitgliedern betreffend Einsetzung einer Sonder« kommission zur Erwägung ungesetzmäßiger Vorgänge in der Ver- waltung, damit Maßnahmen gegen solche Vorgänge getroffen werden. Das Haus beschloß, die Kommission, die mit der Ausarbeitung des Reglements für� die Duma beschäftigt ist, mit dieser Frage zu betrauen und ging alsdann zu Wahlprüfungen über. Die Wahlen von mehreren Gouvernements wurden ohne Debatte für gültig erllärt. Auf der weiteren Tagesordnung der Sitzung stand der Gesetz- entwurf über die llnverletzlichkcit der Person. Zahlreiche Redner sprachen sich gegen daS willkürliche System aus, unter dem das ge- samte Rußland leide. Der Abg. Okuneff erinnert an die Bauern- unruhen im Kreise Tamboff und schildert, wie mit Hülfe der Nagaika unter dem früheren Gouverneur, dem heutigen Präfekicn von Peters- bürg, die Ruhe hergestellt worden sei. Der Präsident ruft den Redner zur Ordnung. Graf Heyden schlägt einen Zusatzantrag vor, der die Ver- antwortlichkeit der Richter festsetzt, die unter den gegenwärtigen Um- ständen sich von der Unparteilichkeit entfernen. Nach den Reden von Kowalewsky und Bramson besteigt der Justizminister die Tribüne und sagt: Die Unverlctzlichkeit der Person berühre noch andere Fragen. Die gesetzliche Freiheit solle durch die Rechtspflege gesichert werden, und hierzu bedürfe es der Umgestaltung der lokalen Justiz. Entwürfe in diesem Sinne seien von dem Justizminister schon vorbereitet worden und würden der Duma vorgelegt werden. Die baltischen Abgeordneten machten darauf nähere Angaben über den Ausnahmezustand, unter dem die baltischen Kreise zu leiden hätten. Die Duma nimmt einen Antrag an: eine Kommisston von 15 Mitgliedern zu wählen, um den Gesetzentwurf über die Unverletz- lichkeit der Person zu prüfen. Die Sitzung wurde um 4 Uhr 4V Min. auf eine halbe Stunde vertagt. Gerüchte. Es ist nach den letzten Vorgängen kein Wunder, daß eine Un- menge von Gerüchten herumschwirrt, die sich mit der Duma bc- schäftigen. Da wird aus„guter" Quelle gemeldet, die Duma solle aufgelöst werden. Darauf meldet man aus„bester" Quelle, an dieser Mitteilung sei kein wahres Wort, sondern die Duma werde bis Mitte Juni tagen und dann ruhig in die Ferien gehen. Weiter: Nach einer Version haben die Vorgänge in der Sonnabcnd-Sitzung der Duma in Regierungskreisen Erstaunen, Be- stürzung, Zorn hervorgerufen, nach einer anderen Lesart hat der Beschluß der Duma, den Zaren zur Auflösung des Ministeriums aufzufordern, nicht einmal Ueberraschung erregt, weil man ihn erwartet habe!— Der„Russ. Kur." teilt mit: Unter den Reichsdumamitgliedern, zumal denen der Bauern- Partei, herrscht eine Beunruhigung, hervorgerufen, durch Drohbriefe, worin angekündigt wird, daß man das Hab und Gut der Reichs- dumamitglieder vernichten wird, falls sie ihre bisherige Haltung in der Reichsduma beibehalten werden. Infolgedessen verlassen ver- fchiedene Reichsdumamitglieder Petersburg.(??) Daß der Präsident der Duma zu den Feierlichkeiten, die am Sonntag in Peterhof stattfanden und dem Jahrestage der Krönung des Zaren galten, keine Einladung erhalten hat, versteht sich unter den gegenwärtigen Umständen von selbst. Aber es ist— bei den sonst üblichen Gebräuchen— kein Wunder, daß sich an diese Tat- fache wiederum allerlei Gerüchte knüpfen, denen gegenüber sich die Petersburger Telegraphen-Agentur veranlaßt sieht:„die hier und in der Presse des Auslandes aufgetauchten Gerüchte, daß sich eine Verschwörung gegen die Duma gebildet habe, daß Truppen in die- selbe eindringen und die Abgeordneten verhasten sollten und Trepow zum Diktator ernannt Werden solle, für im vollen Umfange er- funden" zu erklären. Beunruhigende Nachrichten. Die deutschen Adligen der Ostseeprovinzen halten den Augen- blick für besonders geeignet, ihre Hctzarbeit wieder aufzunehmen. Ein Telegramm meldet: Petersburg, 23. Mai. Ans den Ostseeprovinzen kommen„sehr beunruhigende Nachrichten". Die dortige deutsche Presse veröffentlicht fortgesetzt Meldungen über Untaten lettischer Aufständischer, welche die Pastoren und Gutsbesitzer mit dem Tode bedrohen. Die deutschen Blätter erklären: die friedliche Bevölkerung wolle sich um den Preis der Unterdrückung jeder Beschränkung deS Schrrckcnregimcnts unterwerfen. Verschließe man sich in Petersburg ihren Vorstellnngen, so würden die Balten so laut schreien, daß sie schließlich doch gehört würden. Ueberhaupt steht die Scharfmacherei zurzeit in Blüte. So lautet eine andere Meldung: Infolge„äußerst beunruhigender Nachrichten", die insbesondere am letzten Sonntag beim russischen Ministerium des Innern ein« liefen, sandte das russische Polizeidepartement soeben an sämtliche Gouverneure dringende Depeschen, worin es u. a. heißt, daß, falls neue Unruhen entstehen, die der Untätigkeit bezichtigte» verantwort- lichen Personen sofort ihres Amtes enthoben und dem Gericht über- geben werden sollen. Bomben? Sewastopol, 27. Mai. Bei einer Truppenschau, die heute anS Anlaß des Jahrestages der Krönung des Kaisers und der Kaiserin abgehalten wurde, wurden mehrere Bomben geschleudert. Drei Per- sonen wurden getötet und viele verwundet. Zwei von den Bomben- Werfern wurden verhaftet. Streik. Nach Meldungen aus Odessa zieht der MatrosenauSstand alle Hafenstädte des Kaukasus und der Krim in Mitleidenschast. Der gesamte Schiffsverkehr auf dem Schwarzen Meere ist lahmgelegt. Deutsche„Kultur" iu Rußland. Die littauische Zeitung„VilniauS Linoß" bringt Mtteilungen über grobe Mißhandlimgen und Ausschreitungen, die sich Baron Osten-Sacken an der Spitze einer Dragonerabte, lung den Juden von Szagarren und Jonifchok sin der Nähe von Kurland) gegenüber zu Schulden kommen ließ. Schon im Januar dieses Jahres hielt der Herr Baron die Juden drei Tage in der Synagoge eingeschlossen und verlangte von ihnen, daß sie ihm die jüdischen Revolutionäre und 150 Revolver in einer Nacht ausliefern oder 1100 Rubel Strafe zahlen sollten i Na es unmöglich war, in einer Nacht so viele Revolver in einer so kleinen Stadt wie Szagarren zu bekommen, mußte man Wohl oder Übel das Geld zahlen und dann erst wurden die Juden befreit. In der letzten Zeit während der Messe wurde in der katholischen Kirche zu Szagarren plötzlich ein Schuß abgegeben. Solche Fälle kamen früher schon öfter vor. aber niemand legte dem weitere Aufmerksamkeit bei. Diesmal befahl Baron Osten-Sacken. man solle alle Juden vor dem Gemeindehause versammeln. Als die Juden erschienen waren, befahl er ihnen, die Hüte abzunehmen und nachdem er erklärt hatte, er sei für sie„ein Zar und ein Gott", forderte er sie auf, sie sollten ihm 50 Revolver und 10 Flinten aus- liefern. Gleichzeitig nahm er fünf Mann als Geiseln fest, die er nachher wieder freiließ gegen einen Schein, daß sie ihm nach Ablauf einer Woche zehn Revolver snur Brownings) und fünf Flinten bringen würden. Eine telegraphische Klage an den Gouverneur wurde aus der Post nicht angenommen I Die Juden sahen sich also gezwungen, noch in derselben Nacht Delegierte an den Gouverneur von Kowno zu senden. Die Delegation war erfolglos und die Juden mußten alles vom Herrn Baron Geforderte aufbringen. Von Szagarren kam Osten-Sacken nach Jonifchok, verhaftete mehrere Personen und ließ viele von ihnen verprügeln. Unter der Bevölkerung herrsche große Panik. Das ist die„Kultur" der deutschen Barone in den Ostsee- Provinzen I Nicht etwa die Kultur eines Goethe oder Schiller brachten die nach Rußland, sondern die Kanonenkultur eineS Krupp und Stumm._ poUtiFcbc Ucbcrlicbt Berlin, den 28. Mai. Die Katz, die Katz ist gerettet! Die am Sonnabend gestörte AuSkehr im Reichstage wurde nun endlich am heutigen Tage vollzogen. Das Zen- trum hatte sich über die Stimmung am Hofe informiert und hat, wie unschwer aus der heutigen Rede Spahns zu ent- nehmen war, seine nachträgliche Bewilligung des am Sonn- abend abgelehnten Reichskolonialamtes für die Herbstsession in Aussicht gestellt. Denn die Rede Spahns suchte nur die Ablehnung der Forderung unter der gegenwärtigen Situation zu rechtfertigen; und Herr Spahn suchte weiter die Schuld an der Nichtbewilligung dem unglückseligen Bramarbas Deimling —„Dieser Mortimer kam mir sehr gelegen"— zuzuschieben, der mit seiner Sonnabendrede es dem Zentrum erleichtert hat, durch seine Nichtbewilligung sich einen oppositionellen Anstrich zu geben, den es demagogisch auszunützen suchen wird. Graf Posadowsky unternahm es, den Oberst Deimling zu entschuldigen, der höchstens einen Mangel an parlamen- tarischer Taktik gezeigt habe, Soldaten resp. Offiziere seien keine Politiker. Indessen, die weitere und wichtigere Er- klärung Posadowskys liest zwischen den Worten durchleuchten, dast die Regierung mit Sicherheit auf den Umfall des Zen- trums in der Herbstsitzung rechnet. Er betonte die Festhaltung der Regierung an der Forderung eines Reichs- kolonialamtes mit großer Bestimmtheit, und erklärte, dast die Regierung die abgelehnte Forderung wieder einbringen werde. Herr Spahn schwieg wohlweislich auf diese provo- zierende Erklärung. Bedeutungslos war daS Redegcsäusel Bassermanns über die Stellung der Nationallibcralen, die zwei ihrer Fraktionskollegen— den heiligen P a a s ch c und den Sozialistenfresser Hagemann— schon sicher in Regierungs- sätteln des Kolonialamtes sitzen sahen, denen nun aber der Kolonialgaul durchgegangen ist. Indiskreten Hofklatsch trat der Nationalliberale S e m l c r breit, der in allerhand Rede- rcien, die er vom Kolonialprinzcn Hohenlohe gehört haben wollte, über die Meinung des Kaisers in der strittigen An- gelegenheit sich erging. Ter Kaiser habe die Kubub-Bahn als Acquivalent für die Zurückziehung der Truppenzahl verlangt. Diese Erklärung rief Sensation bei den bürgerlichen Parteien hervor. Genosse Singer kennzeichnete darauf die Situation in scharfen Zügen. Gegen die Bemerkungen Posadowskys er- klärte er, NichtPolitiker dürften nicht zu politischen Geschäften verwandt werden. Die Sozialdemokratie stimme auch gegen die neuen Anträge des Zentrums, die den alten Zustand, wie er vor der Sonnabendabstimmung bestand, wiederherstellen sollen. Die sozialdemokratische Fraktion lehne alles ab, was für die prinzipiell von ihr bekämpfte Kolonialpolitik verlangt wird. Die naive Redseligkeit des Abgeordntsten Semler verspottete Singer unter kritischen Bemerkungen gegen die absolutistischen Neigungen, die Semler in seiner Plauderei verraten hatte. Ob S e m l e r, der dann behauptete, er treibe keine separatistische Politik, dem Kolonialprinzen bewußt oder unbewußt„in die Suppe gespukt" hat, ist dabei völlig gleich- gültig. Bemerkenswert ist, dast Posadowsky— der zu retten suchte, was nicht zu retten war— behauptete, eine Erklärung. wie Semler sie vom Prinzen Hohenlohe gehört haben will, habe nie abgegeben werden können, weil die Zurückziehung der Truppen nicht möglich gewesen sei. Der Abgeordnete Gröber(Z.) trat dann noch sehr be- sorgt für die Zentrumsanträge ein, gegen die die National- liberalen und Konservativen Stimmenthaltung proklamiert hatten. Die namentliche Abstimmung ergab für die Anträge 117, gegen 64 Stimmen und 91 Enthaltungen. Nach der Geschäftsordnung genügt diese relative Mehrheit der An- wesendcn, da sie die absolute Mehrheit der Stimmenden dar- stellt, vollkommen. Damit war das durch die Sonnabend- abstimmung im Etat entstandene Vakuum gedeckt, der Kolonialdirektor gerettet und die Bahn für den Schacher um das Reichskolonialamt bis zum nächsten Etat frei gemacht. Eine von unserer Fraktion eingebrachte Resolution zum Etat für das südwestafrikanische Schutzgebiet, nach der den Eingeborenen ein zu ihrem Lebensunterhalt tn) elbständigen Wirtschaftsbetrieben ausreichender Landbesitz zuge- sichert werden soll, um dadurch die Rückkehr friedlicher Zu- stände in der Kolonie zu ermöglichen, wurde nach kurzer Be- dründung durch Genossen Ledebour angenommen. Ohne wesentliche Debatte passierte dann der Postetat die dritte Lesung; ebenso alle anderen Etatsreste, sowie das Etatsgesetz. � � � Dann spricht v. Kardorff dem Präsidenten den Dank des Hauses aus für die Geschäftsführung in dieser Session, den Ballestrem erwidert. Graf Posadowsky verliest eine kaiser- licho Order, dast der Reichstag bis zum 13. November vertagt wird. Damit schließt die Session. Neue Ausgleichswirren. Aus Wien wird uns vom 27. Mai geschrieben: Kanm sind die Wirren zwischen Ungarn und der Krone durch den famosen Friedensschluß beseitigt, da fangen die Wirren zwischen Oesterreich und Ungarn an; kaum hat der Streit über den staatsrechtlichen Dualismus aufgehört, da beginnt der Zank um den wirtschaftlichen Dualismus. Was man mit dem abgekürzten Ausdruck„Ausgleich" bezeichnet— Ausgleich» weil mit den Gesetzen vom Jahre 1867 die„Differenzen" der Konterrevolution„ausgeglichen" wurden— das ist ein ewiges Zanken und Streiten, ein unausgesetztes Feilschen und Markten, ist die Krise in Permanenz. Nachdem die internationalen Handelsverträge längst abgeschlossen sind, streiten sich die beiden Regierungen um den Z o l l t a r i f I Anscheinend ein leerer Wortstreit—(es handelt sich darum, wie der Zolltarif im ungarischen Gesetztext benannt werden soll) birgt er doch als Kern die alten Bestrebungen Ungarns, sich auch Wirt- schaftlich auf eigene Füße zu stellen, der Zoll- und Handels- gemeinschaft mit Oesterreich in absehbarer Zeit ein Ende zu bereiten. Und deshalb sind seine Wirkungen auch für die aus- wärtigen Staaten von Belang, die soeben mit der„öfter- reichisch-ungarischen Monarchie" für zwölf Jahre Handels- Verträge geschlossen haben, obwohl diese Monarchie— in wirtschaftlicher Hinsicht— rechtlich gar nicht existtert. Um den Konflikt, den zu schlichten der ungarische Minister- Präsident heute zum zweiten Male in Wien ist, zu verstehen. muß man sich das wunderliche Verhältnis ins Gedächtnis rufen, das infolge der inneren Wirren beider Staaten auf dem Gebiete ihrer wirtschaftlichen Beziehungen entstanden ist. Oesterreich und Ungarn sind nicht durch einen„ewigen Bund" zu einem Staatswesen vereinigt; dauernd und unvcränder- bar ist ihnen nur ein Band: Die Identität der Dynastie. Nun kam, in der Silvesternacht des Jahres 1962, nach lang- jährigen Wirren und Wechselfällen eine Vereinbarung zwischen den damaligen Regierungen Koerber und Szell zustande, und hätten die beiden Parlamente die Verein- barungen bis Ende 1903 notifiziert(dieses Datum wurde in der ungarischen„selbständigen Regelung" als letzter Termin in Aussicht genommen), so wäre der sagenhafte Ausgleich für zehn Jahre geschlossen, die über- lange Krise beendigt gewesen. Aber dann brach die Obstruktion wieder im ungarischen Abgeordnetenhause aus(wegen der ge- forderten Erhöhung des Rekrutcnkontingentes) und so sind jene Vereinbarungen, obwohl seither dreieinhalb Jahre verflossen sind, noch immer unerledigt. Die Ausgleichswirren dauern fort. Mittlerweile ergab sich aber die Notwendigkeit, mit den auswärtigen Staaten in Verhandlungen über die Erneuerung der ablaufenden, zum teil schon gekündigten Verträge cinzu- treten, obwohl deren Grundlage, der neue autonome Zolltarif. (für daS österreichisch-ungarische Zollgebiet) in beiden Staaten noch nicht Gesetz geworden war. Da die Zeit drängte, griff man zu dem Ausweg, die Verhandlungen mit dem Auslande einfach auf Grundlage des Zolltarifentwurfes zu beginnen � was sachlich natürlich von keiner Bedeutung war, nachdem sich der in beiden Parlamenten eingebrachte„Ent- wurf"— als das in hartnäckigen Verhandlungen zustande ge- kommcne Uebereinkommen der Regierung— einer Abänderung natürlich entzog. In Oesterreich, wo nach der Ablösung des Ministeriums Körbcr durch Gautsch vergleichsweise Ruhe eintrat, wurden dann der Zolltarif und die Handelsverträge im Reichsrat beschlossen und als Gesetze„kundgemacht". In Ungarn, dessen neuer Reichstag den Krieg um die magyarische Kommandosprache begonnen hatte und von Vertagung zu Vertagung taumelte, war das natürlich nicht möglich; zum Schlüsse wurde dort, durch Fejervary, am letzten Tage der mit dem Deutschen Reiche vereinbarten Frist, der Zolltarif samt den Verträgen durch eine Verfügung an die Zollämter „kundgemacht", ohne daß der Reichstag bereits zu einem Be- schlusse gekommen wäre. Nun soll die neue Koalitionsregierung die gesetzliche Be- schließung des Zolltarifes nachtragen; sie will es aber nur in der Form tun, daß der Tarif, der in Oesterreich als Tarif für das österreichisch- ungarische Zollgebiet kundgemacht ist, in Ungarn als ein Zolltarif für das ungarische Zollgebiet beschlossen werden soll, dessen Wirkungslosigkeit gcgenübcrOesterreich nur durch eine Nebenklausel statuiert werden würde. Die ungarische Regierung beruft sich darauf, dast Ungarn doch keinen Zolltarif für das gemeinsame Zollgebiet annehmen könne, nachdein dieses gemeinsame Gebiet rechtlich nicht existiere(siehe die„selbständige" Regelung!); die österreichische Regierung beruft sich darauf, daß vereinbart wurde, das gemeinsame Zollgebiet wieder zu begründen, daß der gemein- same Zolltarif ein Bestandteil dieser Vereinbarungen sei, diese Vereinbarungen aber weder einseitig noch teilweise abgeändert werden dürfen. Die Wunderlichkeit der magyarischen Aspirationen tritt da tatsächlich sehr prägnant hervor. Völker- rechtlich, als Subjekt des internationalen Verkehrs, existiert Ungarn überhaupt nicht(so wenig wie Oesterreich): alle internationalenHandelsverträge schließt Oesterrcich-Ungarn.und sie werden mit Oesterreich-Ungarn geschlossen. Dem Auslande gegenüber gibt es also ein„magyarisches" Zollgebiet über- Haupt nicht, kann es keinen Zolltarif für das„ungarische" Zollgebiet geben. Gegenüber Oesterreich gilt aber der „ungarische" Tarif nicht; er hebt die Zollgemeinschaft nicht auf, will sie nicht aufheben. Was bedeutet also diese Er- rungcnschaft, die selbst ein so kluger Mann wie Herr Dr. Wekerle als eine eines selbständigen Staates würdigere Form des Vertragsschlusses gepriesen? Sachlich nicht das ge- ringste; der ganze Erfolg bestünde darin, daß man dem Zoll- tarif magyarische Gala anzieht I Aus diesen wenig kurzweiligen Darlegungen entnimmt man, was der Dualismus für ein merkwürdig kompliziertes Ding ist. Wichtig ist dieser Buchstabenstreit nur, weil aus ihm der feste Entschluß Ungarns hervorgeht, der wirtschaftlichen Gemeinsamkeit mit Oe st erreich bei dem nächsten Erneuerungstermin, im Jahre 1917, ein Ende zu bereiten. Vorläufig soll die Form ge- ändert werden, der Inhalt wird nachfolgen, wenn Ungarn wirklich fähig geworden sein wird, aus eigenen Füßen zu stehen. Das spürt man in Oesterreich und deshalb die un- gewöhnliche Hartnäckigkeit, ohne Zwang auch nur einen Buchstaben herauszugeben. Der Konflikt zeigt wieder einmal die schweren Gebrechen des Dualismus, der die zwei Staaten verbindet, indem er sie zu unversöhnlichen Feinden macht. ## Der österreichisch-ungarische Konflikt hat nun doch zu einer Krise geführt. Die Entscheidung in der Zolltariffrage fiel zugunsten Ungarns und des ungarischen Ministerpräsi- deuten Wekerle aus. Darauf hat der österreichische Minister- Präsident, Prinz zu Hohenlohe, sein Amt niedergelegt. Wir erhalten hierzu folgendes Privattelegramm aus Wien: Der Konflikt zwischen den beiden Regierungen hat einen überraschenden, von niemand erwarteten Ausgang genommen: Nachdem es am Sonntag den ganzen Tag nicht gelungen war, den Konflikt durch ein Kompromiß zu schlichten,� und nachdem ein Kronrat in der Hofburg ergebnislos geblieben war, hat Kaiser hinter dem Bücken bei österreichischen Be- w-rung Sem ungarischen Ministersiräsid'enten Sie Erlaubnis gegeben, morgen(Dienstag) im Reichstage den gemein- s a m e:i Zolltarif als Zolltarif für Ungarn einzubringen und das diesjährige Zollbündnis auf einen Handelsvertrag zu reduzieren. � Die Folge davon war die Demission Hohenlohes, die der Kaiser auch bereits angenommen hat. Die Erregung ist in allen Kreisen Oesterreichs sehr groß, insbesondere in der Arbeiterschaft, die durch diese Demission das Wahlrecht aufs äußerste gefährdet sieht und zum leiden- jchaftlichen Kampfe entschlossen ist. Vorläufig hat Graf Schönborn, der Präsident des Ver- waltungs-Gerichtshofes, die Kabinettsbildung abgelehnt. Der Statthalter von Böhmen, Graf Coudenhove, hat die Berufung angenommen._ Die Wahlen in Belgien. Am Sonntag waren von den 166 Mandaten der belgischen Kammer 85 einer Neuwahl unterworfen. In allen volksfreundlichen Kreisen hatte man gehofft, das schöne Beispiel, das Frankreich soeben gegeben, werde Belgiens Bevölkerung aus ihrem Halbschlaf erwecken, damit endlich der auf dem Lande wie ein schwarzer Alp lastenden Herrschaft der Klerikalen ein Ende bereitet werden könne. 22 Jahre halten die Pfaffen in Belgien das Ruder des Staates in fester Faust. Und sie werden es weiter halten zum Unheil des Landes, zum Schrecken vornehmlich der belgischen Arbeiterschaft. Zwar liegen noch keine Äbschluß-Resultate vor, doch ist schon im Augenblick so gut wie sicher, daß es leider der ver- einigten antiklerikalen Koalition nicht gelungen ist, der Pfaffen- Herrschaft im belgischen Parlamente � und damit in Belgien — den Garaus zu machen. Das bestätigen die offiziellen Telegramme, das bestätigen die uns zugegangenen Privat- depeschen. Die Katholiken werden— kleine nachträgliche Aenderungen im Zahlenverhältnis sind möglich— 89 Sitze, die Liberalen, Sozialisten und Christlich-Demokraten zu- sammen 77 Sitze haben. Es versteht sich von selbst, daß die Pfaffen gerade im Wahlkampfe ihre alten Kniffe und Pfiffe hervorgeholt und einigten hinzugefügt haben. Alle Schrecken der Hölle mußten herhalten. Den Gläubigen wurden Schauer-Märlein erzähltz daß Christenverfolgungen ausbrechen würden, wenn die „Feinde" an die Regierung kämen usw. Den Schlichen und Ränken der belgischen Ultramontanen gegenüber versagte denn auch das einfache, klare Wahlprogramm des liberal- sozialistischen Blocks, jenes Wahlprogramm, das sich in die drei Worte kleidete: Schulpflicht! Wehrpflicht! Allgemeines Stimmrecht! Der Sieg der Möncherei und Pfäfferei bedeutet, daß es in erster Linie mit dem Schulwesen in Belgien bis auf weiteres so miserabel bestellt bleiben wird wie augenblicklich. Existiert doch in Belgien noch nicht einmal die allgemeine Schulpflicht, so daß zurzeit etwa 169 660 Kinder im Alter von mehr als 8 Jahren keinen Unterricht genießen! So kommen denn bei den zum Militär ausgehobenen jungen Leuten saus den vlämischen aLndesteilen auf 166 etwa 13 Voll-Analphabeten(die weder lesen noch schreiben) und 26 Halb-Analphabeten(die nur lesen können)! Auch die allgemeine Wehrpflicht besteht in Belgien nicht, sondern man begnügt sich noch immer mit jenem berüchtigten System: daß die Söhne wohlhabender Kreise sich loskaufen dürfen, wenn sie für ihr Geld einen Vertreter— natürlich einen armen Teufel— stellen, den sie um ein paar Goldstücke beschwatzen, an ihrer Stelle den Kuhfuß auf die Schulter zu nehmen! � Und endlich das„Wahlrecht"! In Belgien bestehst für Kommunalwahlen das berüchtigte Pluralwahlrecht, jenes Unikum, welches die Differenzen in«Bildung und Besitz" so fein abstuft und abtönt, daß man— je nachdem— Wähler mit 1, 2, 3 und 4 Stimmen unterscheidet! Prächtig gedeihen unter all diesen Verhältnissen die belgischen Klöster, deren zurzeit etwa 3666 mit ungefähr 46 666 Mönchen und Nönnchen existieren. Die Herrschaften be- sitzen ein nach vielen Milliarden zählendes Vermögen, das sie nach bekannter Mannier— zins- und zinseszinstragend— aufs raffinierteste anzulegen verstehen. Kein Wunder, daß sich die Arbeiterschaft von dieser Sippe keiner segensreichen Politik zu versehen hat. Kein Wunder, daß die„soziale" Gesetzgebung Belgiens den Spott der ge- samten Kulturwelt herausfordert. Kein Wunder, daß die entsetzlichen Wohnungsverhältnisse im Lande von unerhörter Rücksichts- und Verständnislosigkeit der Regierenden zeugen. Es wird und kann in Belgien erst besser werden, wenn See Klerikalismus gestürzt ist.— ** m Deutfchcs Reich. Aus der Praxis des Kriminalkommissars Schöne. Der Fall Schöne-Brockhusen gibt einem Mitarbeiter unseres Blattes Veranlassung, uns eine Episode mitzuteilen, die allerdings ein volles Jahr zurückliegt, aber in Anbetracht der jüngsten Vorgänge mitgeteilt zu werden verdient, da sie zu jener Zeit von einem»geniütvollen" Berichterstatter mit dem Mantel christlicher Nächstenliebe zugedeckt wurde. Ende Mai 1965 fand vor der Straf- kammer in Thorn der bekannte Prozeß gegen den Oberleutnant a. D. Wessel statt. Wessel war, wie wohl noch den meisten Lesern er- innerlich sein dürfte, des Betruges, der Unterschlagung und Ur- kundenfälschung angeklagt. Er Ivar aber auch dringend des Landes- Verrates verdächtig. Da er jedoch wegen Landesverrates nicht ausgeliefert war. so konnte deshalb keine Anklage erhoben werden. Trotzdem erschienen Kriminalkommissar Schöne mid eine Prostituierte, namens Käthe Panfy aus Berlin, als Zeugen. Fräulein Panfy war die Freundin der Frau Oberleutnant Wessel. Sie gab auf Befragen des Vorsitzenden zu, daß sie in Paris von der Prostitution gelebt und seitdem sie wieder in Berlin sei, dort dieS Gewerbe fortsetze. Auf ferneres Befragen bekundete sie: sie habe Wessel in Paris. Nizza usw. bespitzelt.„Durch einen Zufall" sei sie. als sie wieder in Berlin war. mit Kriminalkommissar Schöne bekannt geworden und habe diesen»aus gutem Herzen" ihre Erlebnisse mitgeteilt. Beziehungen zum Großen Generalstab habe sie nicht gehabt. Der Angeklagte Wessel stellte hierauf(ich zitiere nach dem Bericht der„Vossischen Zeitung") folgende Frage an Herrn Schöne: Ist dem Herrn Kriminalkommissar bekannt, daß die Zeugin Panfy vom Großen Generalstab unter Geldversprechungen aufgefordert worden ist, mich zu bewegen, nach Deutschland zurückzukehren." Schöne:»Diese Frage kann ich ohne Genehmigung meiner vor» gesetzten Behörde nicht beantworten."— Leider ist daS interessante Vorkommnis, daß sich Herr Schöne für Spitzclzwecke einer Prostituierten bedient hat. nicht weiter bekannt geworden. Ein Berichterstatter, dessen Korrespondenz von den meisten Zeitungen, leider auch vom.Vorwärts" benutzt wurde, hat ans der Polizeiagentin und Prostituierten Käthe Panfy eine Pariser Modistin, Mademoiselle Comptez, gemacht. Ob dies auf Veranlassung des Herrn Schöne geschehen ist, läßt sich be- dauerlicherweise nicht, feststellen. Ein zweiter Fall. Im Juni 1962 fand vor dem Schwurgericht des Landgerichts Berlin I ein Prozeß wegen Ermordung des Wucherers L ö f f l e r statt. In dieser Verhandlung erschien die Buch- halterin des Ermordeten als Zeugin. Bei ihrer Vernehmung ergab sich, daß sie lange Zeit unter sittenpolizeilicher Kontrolle ge- standen und— Agentin des Kriminalkommissars Schöne gewesen ist.— Auf Antrag der Verteidigung wurde Herr Schöne als Zeuge geladen. Er erklärte jedoch: seine vorgesetzte Behörde habe ihm nicht ge- stattet, Zeugnis abzulegen. Diese zwei Vorkommnisse beweisen wohl zur Genüge, daß Herr Schöne bei Auswahl von Agenten beziehungStveise Agentinnen wenig wählerisch ist._ Preußens große landwirtschaftliche Autorität. Im preußischen Herrenhause kam heute die Petition deS deutschen Fleischerverbandcs betreffs Aufhebung der städtischen Schlachtsteuern und Herabsetzung der Schlachthofgebühren zur Sprache und bot dem Landwirtschaftsminister die erwünschte Gelegenheit, seine früheren nicht eingetroffenen Prophezeiungen zu überkleistern und sich als den großen Sachverständigen aufzuspielen, der alles vorher gewußt hat. Mit selbstgefälliger Gespreiztheit erklärte strahlenden Antlitzes Preußens große landwirtschaftliche Autorität: „Wie hat sich die Frage der Fleischbeschaffung entwickelt? Wer acht bis neun Monate zurückdenkt und Iveiß, wie von allen Seiten der Nachweis versucht wurde, daß die deutsche Land- «virtschaft nicht fähig sei, den Fleischbedarf der gesamten Bevölkerung zu decken, und wie man sagte, es handle sich nicht um einen vorübergehenden Zustand, sondern die Landwirtschaft stehe vor einem Bankrott, und wie man immer die Oeffnung der Grenzen verlangte, der muß mit mir sagen: Wie schnell hat sich das Blättchen gewendet!(Lebhafte Zustimmung.) Jetzt sind die Preise rings herum höher als im Jnlande. Besonders verlangte man die Oeffnung der Grenze in Oberschlesien. Dabei sind vom 7. April bis jetzt 6099 Schweine weniger eingeführt als möglich wäre, und die deutschen Schweine, die nach Oberschlesien kommen, sind zurzeit 8 bis 12 M. billiger, als die russischen, wob« allerdings die Wirkung der Zölle zu beachten ist. Hätte ich damals die Grenzen geöffnet, unsere gesamte Viehzucht wäre ruiniert worden. Wir wollen daraus lernen, daß wir nicht vom Ausland abhängig werden dürfen. In wenigen Wochen sind wir bereits vielleicht ein exportierendes Land. Wir brauchen stetige Verhältnisse." Herr v. Podbielski hält sich für einen großen Sachkenner, weil der von ihm für den September 1995 angekündigte Preisfall endlich im April/Mai 1999 eingetreten ist. Wir könnten deingegenüber hervor- heben, daß wir schon am 29. April vorigen Jahres auf den Zu- sammenhang der beginnenden Preissteigerung mit der Futtermittel« ernte des Vorjahres hingewiesen und betont haben, daß erfahrungs- gemäß im März/April mit Beginn der milderen Witterung. sich fast stets ein Rückgang der Preise einzustellen pflegt. Ferner haben wir verschiedentlich erklärt(z. B. an, 4. Juli), eS sei eine Täuschung, wenn angenominen werde, daß nach dem Eintritt wärmerer Witterung die Preise wieder fallen würden,, im Gegenteil sei, wenn die Futterernte reichlich ausfalle, eine weitere Steigerung der Vieh- und damit auch der Fleischpreise zu erwarten. Erst wenn die junge Aufzucht marktreif sei, würde die Preissenkung erfolgen. Wir könnten also, wenn wir eitel wären, geltend machen, daß wir die Lage noch etwas richtiger beurteilt haben, als Herr v. Podbielski. Wie eigenartig es um die Sachverständigkeit Pods bestellt ist, beweist er übrigens erneut dadurch, daß er ans dem jetzigen Preis- fall ohne Iveiteres darauf schließt, daß die deutsche Landwirtschaft den deutschen Inlandsmarkt durchaus genügend mit Schlacht- Vieh zu versorgen vermöchte. Glaubt denn tatsächlich Preußens landwirtschaftliche Autorität, daß die Schweine- preise sich auf dem jetzigen Stand halten werden, daß nicht wahr- scheinlich schon zum Herbst, zum mindesten aber, falls wir nicht eine ganz besonders gute Futtermittelernte haben, im nächsten Sommer eine erneute Steigerung der Preise erfolgen wird, vielleicht sogar in gleichem Maße, wie im vorigen Jahr? Die komische Wirkung seiner Prophezeiung auf dem Kaiserhof-Diner scheint noch immer Preußens Landwirtschaftsminister nicht zur Bescheidenheit zu mahnen.—_ Deutsch-spanischer Handelsvertrag. Wie der„Voss. Ztg." be- richtet wird, sind gegenwärtig Unterhandlungen zwischen der deutschen und spanischen Regierung wegen Verlängerung des am 1. Juli d. I. ablaufenden deutsch-spanischen Handelsprovisoriums im Gange. Man rechnet damit, daß die spanische Regierung sich dann später zu einer Revision ihres Zolltarifs verstehen wird, da ohne eine Herabsetzung der Zollsätze das Zustandekommen von Handelsverträgen aussichtslos erscheint.— Zur BcrfassungSrevision. Stuttgart, 29. Mai.(Eig. Ber.) Heute beendete die Erste Kammer ihre Beratung über die Verfassungsreform. Man redete nicht mehr viel, hatte man doch in den voraufgegangenen Tagen zur Genüge gezeigt, wie sehr man sich als Herr der Situation fühlt. Zum Artikel 9 hatte die Zweite Kammer bestimmt, daß, wer Abgeordneter werden wolle, 25 Jahre alt sein müsse. Fürst Q u a d t erklärte namens der Kommission, daß er die gleichartige Bestimmung des Reichstags- Wahlgesetzes für„verfehlt" halte, und so beschloß das hohe Haus die Festsetzung des dreißigsten Lebensjahres als Er- fordernis für das passive Wahlrecht. Der Artikel 7 schreibt vor, daß zum Einttitt in die„Stände- Versammlung" ein Wohnsitz in Württemberg erforderlich sein soll. Diesem Verlangen stimmte die Erste Kammer für die Volksabgeordneten selbswerständlich zu, aber die Standesherren sollen das natürlich nicht nötig haben I Ihr Wortführer meinte, daß sie auch, wenn sie keinen„Steuerwohnsitz" im Lande hätten, dennoch mit dem Staate eng genug verwachsen seien. Schäbiger kann man Ivirklich nicht auftreten I Das Wort „Adel verpflichtet" existiert für diese hohen Herren nicht, denn sie lehnten das Erfordernis eines Wohnsitzes im Lande für die Aus- Übung ihres standesherrlichen Gesetzgeberprivilegs einstimmig ab! Eine Schlußabstimmung über das ganze Gesetz schenkte sich das Haus. Man erklärte, mit ihr warten zu wollen, bis eine Uebereinstimmung mit dem anderen Hause erzielt sei. Dazu wird es w o h l n i ch t k o m m e n. Wenn sich die Zweite Kammer ihrer historischen und politischen Aufgabe voll bewußt ist, so verfährt sie mit den anmaßenden Beschlüssen der Adelskammer so. wie diese es verdienen, und befördert sie ohne große Umschweife in den Papierkorb. Eine Wiederherstellung der Beschlüsse der Zweiten Kanuner wäre die geeignetste Antwört auf die feudale Dünkelhaftig- keit.—_ Gegen die Schiffahrtsavgabe» auf natürlichen Wasserstraßen hat sich P r i n z L u d w i g v o n B a y e r n, der sich immer noch nicht den Wünschen der preußischen Regierung anzubequemen vermag, ausgesprochen. Aus dem Festessen des bayerischen Binnenschiffahrts- Vereins in Erlangen erklärte er unter Bezugnahme auf eine Rede des Uiliversitätsprofesiors Dr. Eheberg über die Finanzpolitik im Wasserstraßenwesen, daß auch er kein Freund der Abgaben auf den natürlichen Wasserstraßen sei; aber man dürfe jetzt dem Vertrage zwischen Preußen und Bayern keine Schtvierigkeiten bereiten. Wenn die Fortsetzung der Main- Kanalisation bis Aschaffenburg nicht anders zu erreichen sei. als dadurch, daß Bayern seine Zustimmung zur Erhebung von Ab- gaben auf den Wasserstraßen gebe, so müsse Bayern zustimmen, selbstverständlich unter der Voraussetzung, daß die Abgaben nicht zu hoch seien. DaS Herrenhaus erledigte am Montag Petitionen. Eine, die die Einrichtung von Eisenbahn-Vorortsverkehr für die preußischen Großstädte nach Berliner Muster fordert, wurde von einem RegierungSkommisfar bekämpft, da die Bahnanlagen zu große Schwierigketten böten. Die elektrischen Bahnen hätten diesem Verkehr zu dienen und die Regierung wolle dieser Entwickelung nicht vorgreifen. Die Petition wurde der Regierung als Material überwiesen. Dann wurden angenommen die Vorlage wegen BeWilli- gung von Staatsmitteln zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse von Arbeitern in staat« lichen Betrieben und geringbesoldeten Staatsbeamten, die Vorlage wegen Verstaatlichung deS KalibergwerkS Heren nia und der Gesetzentwurf gegen die Verunstaltung von Straßen und Plätzen in geschlossenen Ort- s ch a f t e n. in dem den Gemeindebehörden die Befugnis zu- gesprochen wird, für ihren örtlich begrenzten Geschäftsbereich durch den Erlaß von Ortsstatuten die Rechtsgrundlage für das polizeiliche Einschreiten gegen verunstaltende Bauten zu schaffen. Es folgten weitere Petitionen, von denen eine zu einer Fleisch- notdebatte Veranlassung gab, in der der Landwirtschastsminister Podbielski daS Wort nahm. Diese Debatte, die eingehender Be- trachtung wert ist, behandeln wir an anderer Stelle. Vorschnelle Berichterstattung. Die ultramontane„Germania", die sonst stets mit ihren Berichten nachhinkt und sich längst ihre Rivalin, die„Köln. Volksztg." hat über den Kopf wachsen lassen, scheint am Sonnabend den Ehrgeiz verspürt zu haben, auch mal „aktuell" zu sein; da sie aber auf diesem Gebiete keinerlei Erfahrung hat, endete der Versuch mit einem bösen„Reinfall". Das Blatt berichtet nämlich im Leitartikel seiner Sonntagsnummer: „Der Reichstag ist heute, am ersten Tage der Geltung des neuen Diätcngefetzes, bis zum 13. November vertagt worden. Er war 9 Monate— vom 28. November v. I. bis 29. Mai d. I. — versammelt und hat in dieser Zeit 114 Sitzungen abgehalten, von denen allerdings wiederholt zwei, zum Schluß sogar drei auf einen Tag fielen." Und in dem Stimmungsbild über die Sonnabendssitzung des Reichstages heißt es: „Der Reichstag mußte heute drei Sitzungen abhalten, um seine Absicht, in die Ferien zu gehen, durchführen zu können. Die erste dauerte von 11— 12, die zweite von 1— 5% und die dritte begann um M>9 Uhr. In der ersten und zweiten Sitzung wurde der deutsch-schwedische Handelsvertrag in zweiter und dritter Lesung erledigt, die beiden Ergänzungsetats in zweiter Lesung." Bekanntlich ist der Reichstag gar nicht am Sonnabend vertagt, sondern erst heute am Montag. Hoffentlich läßt sich die altjüngfer- liche„Germania" den niedlichen„Reinsall" zur Lehre dienen und verspürt nicht wieder den unangebrachten Drang, aus ihrem schlaf- rigen Tempo hinauszuwollen. AuS Baden. Auf die Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion in der Zweiten badischen Kammer wegen der Ausweisung des italienischen Maurers Zambelli verlas der Minister des Innern folgende Erklärung: Das Bezirksamt Mannheim hat am 17. April bei der italienischen Regierung angefragt, ob Zambelli Anarchist sei. Die Antwort fiel bejahend auS. Am 29. April beantragte das Bezirksamt Mannheim beim. Ministerium des Innern die Aus- Weisung ZambelliS. Diese wurde am 1. Mai verfügt. Ein organisierter Maurer, der am 1. Mai der gesetzlichen Fest- legung des Achtstundentages zustimmt, ist ein sonderbarer Anarchist.— Krawall in Königsberg. Nach einer Meldung deS„Wolffschen Bureaus" kam es in Königsberg am Sonnabendabend zu Ruhe- störungen: Aus Anlaß der Verhaftung eines Arbeiters, die heute abend auf dem Sackheim vorgenommen wurde, entstand ein Tumult. Es wurde der Versuch gemacht, den Verhafteten zu befreien. All- mählich sammelte sich eine etwa tausendköpfige Menge, die johlte und pfiff. Die Schutzleute, welche Verstärkung requiriert hatten. wurden vom Pöbel mit Flaschen und anderen Gegenständen be- warfen; mehrere Schutzleute erlitten leichte Verletzungen. Die Schutzleute zogen sodann blank und verhafteten etwa 14 Personen zum Zwecke der Namensfeststellung. Zwei Personen wurden in Haft behalten. Gegen 19 Uhr zerstreute sich die Menge, Die Meldung bedarf natürlich der Bestätigung. Berichtigung. In der SonntagS-Nummer hat die Ueberfchrift deS ersten Artikels unter England nicht„Englisch-russische Be? Ziehungen" zu lauten, sondern:„Englisch-dcytsche Beziehungen'! Reue Kämpfe mit den Hottentotten. Neue SiegeSerfolge weiß der Telegraph aus Windhuk zu melden. „Wie bereits berichtet." heißt es in dem Telegramm,„hatte sich jene Hottentottenbande, die Anfang Mai aus den Kleinen Karas- bergen ausgebrochen war,, zunächst nach dem Gr. Fischfluß gezogen. Die verfolgenden Truppen hatten festgestellt, daß am 19. Mai der Kapitän der Bondels Johannes Christian, Morris und ein dritter Führer Namens Vielding ihre Leute bei Rosinbusch ver- einigt hatten. Die Hottentotten verfügten über etwa 399 Gewehre. Dennoch entzogen sie sich dem Angriff unserer Truppen. Am 15. Mai verließ der Gegner das Fischflußgebiet in östlicher Richtung und wurde am 19. Mai bei Gais von Leutnant Engler, der mit wenigen Reitern seiner Spur gefolgt war, angegriffen. Hierbei fielen Leutnant Engler und ein Reiter. Die Hottentotten zogen nach dem Gefecht weiter nach Osten ab und kreuzten am 29. Mai die Päd nördlich Kalkfontein. Am 21. Mai wurde unweit Kalkfontein ein Reiter erschossen. Oberleutnant v. Milczewski, der mit seiner Funkenstation unter- Wegs war, hörte das Gewehrfeuer und eilte herbei. Er stellte bei Kubub eine starke Hottentottenbande fest und griff sie an. In dem Gefecht fielen drei Reiter. Noch an demselben Abend gelang eS Oberleutnant v. Milczewski, Lichtverbindung mit der Abteilung des Majors Rente! aufzunehmen, den er bei Noibis vermuten konnte. Die Verständigung glückte. Major Rente! trat sogleich den Vormarsch an, holte nach beschlverlichen Märschen am 23. Mai den Gegner ein und stellte ihn zwischen Amas und Springpüts zum Kampfe. Nach heftigem Widerstand räumte der Feind seine Stellung und zog in der Nacht nach Süden ab. anscheinend in der Richtung auf Tsamab. Major Sieberg, der in der Gegend von Hudab stand, war auf den Kanonendonner losmarschiert und erreichte am 24. nachmittags die Abteilung Nentel unweit Groendoorn. Beide setzten vereint den Vormarsch nach Süden fort. Am 25. früh wurden in Tsamab Leut- nant Fürbringer(früher im Husarenregiment Nr. 5) und 8 Reiter erschossen aufgefunden. Sie waren anscheinend bei Herstellung der Signallinie Kubub— Ukamas am 24. Mai abends überwältigt 'worden. Am 25. nachmittags erreichte Major Sieberg gemeinsam mit der Abteilung Rente! den abziehenden Gegner bei Nukais am Ham- Revier und hatte ein erfolgreiches Gefecht bis zur Dunkelheit. Der Gegner zog nach Osten ab. Leutnant Zollenkopf(früher im Säch- fischen Fußartillericregiment Nr. 12) und 4 Reiter wurden ver- wundet. Die Verfolgung wurde am folgenden Tage fortgesetzt. Die Gesamtvcrluste auf deutscher Seite in den Gefechten vom 21. bis 25. Mai betragen sonach 4 Offiziere, 39 Reiter, darunter 'L Lffiziite unä ü tet. Siet Maäm. LeMallt FMllLgxz JjaUc sich in den Auobgefechtcn im Jaiiuar l!)0S durch schneidige Patrouillenritte besonders hervorgctan und war, nach kurzem HMatsurlaub, am 30. November lövö von.neuem ausgereist," Kluslanck. Frankreich. Der neue Block . Paris, 26. Mai.(Eig. Ver.) Das Exekutivkomitee der radikalen und radikal-sozialisti- scheu Partei hat beschlossen, die republikanischen Gruppen der neuen Kammer zur Erneuerung der Delegation der Linken aufzufordern. Dieser Ausschuß der Parlamentsmajorität bat tn der vergangenen Gcscbgebungsperiode unstreitig gute Dienste geleistet. Als ein Organ der Kontrolle und des An- triebes neben und über die Regierung gesetzt, hat er die Parla- wentsherrschaft vollkommen gemacht. Gerade darum aber wird ihn die jetzige Regierung nicht gern auferstehen sehen. Clsmenceau ist viel zu autokratisch, um einen Herrn über sich anzuerkennen und er kennt auch die Ulizufriedenheit, die in den radikalen Kreisen gegen ihn herrscht, seitdem er in den Streikkonflikten die Machtmittel des Staates der Kapitalistenklasse zur unbeschränkten Verfügung gestellt hat. Die gemäßigte Presse, die Clsmenceaus Tugenden mit großer Befriedigung wahrgenommen hat, protestiert im Namen der staatsrechtlichen Prinzipen gegen die Vermengung der gesetz- gebenden mit der exekutiven Gewalt, aber die führenden Kreise der radikalen Partei scheinen entschlossen, die parla- mentarische Organisation der Linksparteien wieder aufleben zu lassen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Neukonsti- tuierung der Delegation eine Veränderung im Kabinett und das Ausscheiden Clämenceaus zur Folge haben wird. Ein Konflikt zwischen der Regierung und der Majorität könnte sich schon wegen des Amnestiegesetzes ergeben, das die äußerste Linke verlangt, die Regierung aber anzunehmen an- scheinend keine Lust hat. Es würde sich um die Amnestierung der verurteilten Antimilitaristen und der zahllosen, in der jüngsten Zeit wegen StreikvergehSn Verurteilten handeln, doch käme die Amnestie auch vielen Klerikalen zugute. Die Weigerung Sarriens, die gemaßregelteu Briefträger alle wieder einzustellen, macht den Gegensatz zwischen der Re- gierung und der in ihren fortgeschrittenen Elementen be- deutend verstärkten radikalen Partei deutlich. Daß die„parlamentarischen" Sozialisten die Erneuerung des Blocks begrüßen, ist natürlich. Sie werden bei einer Neu- konstruktion des Ministeriums vielleicht noch einen der Ihrigen ein Portefeuille erlangen sehen. Die geeinigten Sozialisten werden sich dem Amster- damer Beschlüsse und dein Einigungspakte gemäß von der neuen Delegation der Linken fernhalten. Sie können ihre Aufgabe, die radikale Demokratie vorwärts zu treiben und durch Enthüllung ihrer inneren Widersprüche das Problem des Sozialismus iin öffentlichen Bewußtsein deutlicher heraus zu arbeiten, außerhalb des Verbandes der demokratischen Bürgerparteien nicht schlechter erfüllen. Sie werden alle sozialen Reformentwürfe der Regierung und der Majorität fördern, sie zu verbessern trachten und dabei die Aktions- freiheit behalten, die das gerechtfertigte Mißtrauen des Prole- tariats gegen die Politiker der Bourgeoisie fordert.— Herr BiStry i In der Sonnabend- und in der Sonntag« Nummer unseres -SruderblatteS„Humamts" würdigt Genosse Pierre Renaudel unter Beibringung von Dokumenten den neuen französischen Abgeordneten, Sozialistenfresser und Führer der gelben Gewerkschaften, Herrn Biotrh, eines Artikels I Wie kommt Monsieur Bistry zu dieser Ehre?— Es handelt sich darum, den eitlen Maulhelden als das zu ent- larven, was er in Wirklichkeit war, ist und bleiben wird: ein sehr, sehr dunkler Ehrenmann. Am 3. November 1901 fand der Kongreß von Jvrh statt, auf dem die damalige französische Arbeiterpartei und die sozialistisch-revolutionäre Partei sich vereinigten. Bistry nahm an jenem Kongresse als Vertreter der Doubs-Föderation teil. Er hatte sich das Pertrauen seiner Mandanten erschlichen; denn seine„Entwicklung" hatte schon zurzeit deS Kongresses— wie ihm bald nachgewiesen wurde— derartige Dimensionen angenommen, daß er als Agent provocateur fungierte, Petroleum- und Vitriol- geschwängerte Brandreden hielt und seine„Brüder" zu Attentaten und Putschen aufzureizen suchte. Am 17. November(zwei Wochen nach dem Kongreß) wurde BistryS Demaskierung offiziell bekannt gemacht, indem die sozia- listische Föderation des DoubS-Departements ihn mit Schimpf und Schande ausschloß, weil er sich habe„von den Industriellen des Doubs bezahlen lassen, um die wirtschaftlichen und politischen Organi- satiouen des(D-ubö-j Bereichs sowie ganz Frankreichs zu ver- nichten!" Die Genossenschaft der Uhrmacher von Badevel stieß Ehren- Bistry zur selben Zeit aus— was alles nicht verhindert hat, daß der saubere Patron jetzt die französische Kammer als deren gelbstes Mitglied„ziert" und mit Hülfe klerikalen Geldes der Emanzipations« Bewegung der ehrlichen und anständigen Arbeiter FranlreichS Steine in den Weg zu wälzen Vermag. Wie lange noch?—_ Huö der Partei. Ein Gerichtsverfahren wegen der Breslauer Polizeitaten soll stattfinden— nicht gegen die Breslauer Polizei, sondern gegen den— „Wahren I a c o o" I Gegen den Redakteur des„Wahren �acob", Genossen Heymann in Stuttgart, hat der P o l i z e i p r ä s« d e n t von Breslau Strafantrag wegen Beleidigung der BreS- lauer Schutzmannschaft gestellt. Die Beleidigung soll verübt sein durch das in Nr. 517 vom 15. Mai enthaltene Gedicht„Die Schlacht von Breslau" und das in der gleichen Nummer enthaltene Bild„DaS Pfingstwunder von Breslau". Auf Veranlassung des Untersuchungsrichters wurde am Sonnabend in der Buchhandlung von Singer u. Co. in Stuttgart nach der Nummer gehaussucht. Einige noch vorhandene Exemplare wurden beschlagnahmt. Auch einzelne in Wirtschaftslokalen auSlicgende Exeniplc.re»vurden durch Schutzleute konfisziert._ Gemeindewahlen. In Lörrach(Baden) unterlag die freisinnige Partei auch in oer zweiten und ersten Klasse der vereinigten Gegnerschaft der Nationallibcralen, Sozialdemokraten und des Zentrums.— In Rastatt schlössen unsere Genossen für die Wahl der 3. Klasse ein Kompromiß mit den Nationalliberalen, die vier sozialdemo- kratische Kandidaten ihrem Wahlvorschlag einverleibten. In Schopfheim(Wiesental) trat unsere Partei mit einer eigenen Liste in den Wahlkampf und errang einen Achtungserfolg gegen die Nationalliberalen. Genosse A. Müller, der auch auf der deinokratischen Liste stand, zieht mit 108 Stimmen als erster Sozialdemokrat in das Rathaus ein. In Brühl(3. Schwetzingen) unterlag in der dritten Klasse unsere Partei mit 3(5 gegen 58 Stimmen; ebenso in Ettlingen, iöexanttp. Redakteur: Hans Weber. Berlin, Joseratellteis pxxglltSdä wo die Nationalliveraken sich mit dem Zentrum bereinigten. In Emmendingen hatten die Nationalliberalen der sozialdemokratischen Arbeiterschaft in der Klasse der Niederstbesteucrten ganze— zwei Sitze angeboten, falls sie sich verpflichte, für den nationalliberalen Kompromißvorschlag einzutreten. Unsere Parteigenossen ziehen eS vor, den Kampf aus eigener Kraft auszunehmen. Der„Zimmerer" versucht sich durch Totschweigen und Ver- drehungen herauszureden. Am 20. Mai hatten wir einiges aus dem 2l/3 Spalten langen Artikel, den der„Zimmerer" unter der lieber- schrift„Ein Blick in den Hexenkessel" seinen Lesern vorsetzte, wider- geben und zurückweisen müssen. In der Nuntmer 21 bespricht der „Zimmerer" unsere Erklärung in der ihm eigenen Art. Wir hatten dargelegt, daß er eine Aeußcrung Kantskys gefälscht hat— der „Zimmerer" unterschlägt seinen Lesern diese Darlegung und nimmt auch seine Fälschung nicht zurück. Just dieselbe Methode, die der „Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie" anwendet. gebraucht der„Zimmerer" auch gegenüber dem zweiten Punkte, den ivir aus seinem„Hexenkessel" herausgefischt hatten. Wir hatten wörtlich geschrieben: „Nach solchen Leistungen kann es einen kaum noch überraschen, wenn man im Fortgang des Artikels auf folgende skandalöse Un- Wahrheit stößt: „Seit dem Sturze der alten„BorwärtS"-Nedaktion sitzt ein Genosse darin, der im Jahre 1905 eine längere Zeit die Redaktions- geschäfte der„Einigkeit"(bekanntlich daS gewerkschafts feindlichste Blatt in Deutschland) besorgt hat und zwar zu derselben Zeit, wo nach dem Kölner Gewerkschaftskongreß die große Schlammflut gegen die freien Gewerkschaften von diesem Blatt ausging..." Diese Behauptung, daß ein Mitglied der jetzigen„Vorlvärts"- Redaktion jemals die Redaktionsgeschäfte der„Einigkeit" geleitet hätte, ist eine blanke skandalöse Unwahrheit. Es scheint jetzt im „Zimmerer" und den ihm geistesverwandten Blättern der GeWerk- schaftspresse— glücklicherweise ist es die Minderheit— üblich zu werden, jeden Klatsch, sofern er sich gegen Blätter mißliebiger Genossen richtet, unbesehen, ohne jede'Prüfung auf seine Stich- haltigkeit, in die Oeffentlichkeit zu tragen. Leichtfertigkeit bei Angriffen gegen solche Genossen scheint zur taktischen Regel dieser Blätter zu werden, und die Perfidie dieser Taktik wird erhöht durch den Umstand, daß kein Name genannt wird, so daß dem Nichtunterrichteten überlassen bleibt, sich irgend einen beliebigen Genossen als den an- geblichen Verbrecher zu denken I Wir fordern den„Zimmerer" hiermit auf, den Namen des „Vorwgrts"-RedaktcurS. der die Redaktionsgeschäfte der„Einigkeit" Seleitet haben soll, zu nennen und mit seinen Beweisen erauszurückenl Denn Beweise wird er doch haben? Oder nicht? Heraus mit der Sprachel" Um diese Aufforderung drückt sich der„Zimmerer" herum in folgender Entgegnung, die unsere Entgegnung unterschlägt und für deir moralischen Tiefstand des Hintermannes des„Zimmerer" be- zeichnend ist: „Dann klammert sich der„Vorwärts" gleich an noch so einem Strohhalm, nämlich,„daß ein Mitglied der jetzigen„Vorwärts"- Redaktion jemals die Redaktionsgeschäfte der„Einigkeit" geleitet hätte". Wir hatten geschrieben:„besorgt hat". Denn, lieber„Vor- wärts", im juristischen Sinne hat früher wie jetzt immer ein Sitz- redakteur die Redaktionsgeschäfte jenes Blattes„geleitet". Erst einmal „heraus mit der Sprache", ob kein jetziger Redakteur des„Vorwärts" für die„Einigkeit" geschrieben hat! Erst wenn der„Vorwärts" diese bestimmte Frage b e st i m m t verneint, dann werden wir mit der Sprache herauskommen. Bei dem Umgang mit Advokaten ist diese Methode zur Ermittelung der Wahrheit die einzige zum Ziele führende." Die hier vom„Zimmerer" beliebte Art, Verdächtigungen in die Welt zu setzen und aufgefordert zu widerrufen oder zu beweisen, sich hinter neuen Anwürfen und kindischen Wortspintistrereien sich zu verkriechen, ist weder ehrlich noch mulig. Sie beweist, daß der Schreiber der aus dem„Zimmerer" zitierten Stelle schwerlich sich in gutem Glaube» befunden hat. Der„Zimmerer" weiß, daß alle« was er über die„Einigkeit" und die Besorgung der Redaktionsgeschäfte der„Einigkeit" geschrieben hat und was wir Wort für Wort zitiert haben, Wort für Wort unwahr ist. Nach den bisherigen Gepflogenheiten des„Zimmerer" ist leider anzunehmen, daß er ganz in der Art der Erzeugnisse des Reichs« Verbandes es unterlassen wird, seine Fälschungen, Verdächtigungen und Lügen zurückzunehmen. Der„Zimmerer" bezeichnet, nebenbei bemerkt, eine andere Stelle seines Artikels in Nr. 20 als die„Hauptsache" und fordert dazu eine Erklärung von uns. Wir sind bereit, diese Sache zu er- örtern, aber erst dann, wenn die oben behandelte vom ,Zi»»nerer" in ehrlicher Weise erledigt ist. SewerKscKaftUcbes. Wenn zwei dasselbe tun. Daß das Hineinpressen von Arbeitern in„christliche" Organisationen bei Androhung sofortiger Entlassung von feiten- der Unternehmer keine strafbare Handlung ist, hat jetzt sogar der I u st i z m i n i st e r bestätigt! Einige Köitigsberger Unternehmer waren der Staats- anwaltschaft wegen Erpressung und Vergehens gegen§ 153 der Gewerbeordnung angezeigt worden, weil sie Arbeiter in die christliche Organisation hatten pressen wollen. Die Ar- beiter, die nicht den Wünschen der Arbeitgeber nachkamen, wurden stets entlassen. Der Staatsanwalt, sowie der Ober- staatsanwalt lehnten ein Vorgehen gegen die Unternehmer ab, da angeblich weder Erpressung, noch ein Vergehen gegen§ 153 der Gewerbeordnung vorliege. Es wurde Beschwerde beim I u st i z m i n i st e r eingelegt, und dieser hat geant- wortet, daß er nach Prüfung des Sachverhalts zu Maßnahmen im Aufsichtswege keinen Anlaß gefunden habe. Es könne vielmehr nur den vom Ersten Staatsanwalt und Oberstaats- anwalt erteilten Bescheiden beigetreten werden. Das Baulöwentum kann also nach wie vor den gemein- gefährlichsten Terrorismus ausüben, während die Arbeiter bei den geringsten Vergehen auf Monate ins Gefängnis wandern müssen, denn wenn in Preußen zwei dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe.—_ Berlin und Umgegend. Deutscher Metallarbeiterverband. Die Gasmesser- und Gasofenfabrik in Mariendorf ist für sämtliche Metallarbeiter gesperrt. Die Ortsverwaltung. Stukkateurei Aus Breslau weilt ein Unternehmer Böhm hier, um Arbeitswillige für eine größere Arbeit in Oberschlesien an- zuwerben. Wir warnen davor, Angebote anzunehmen, da unsere Kollegen sich dort immer noch im Streik befinden. Die Ortsverwaltung, Filiale Berlin. Zur Aussperrung der Buchbinder. Die Aussperrung der Buchbinder zeitigt gegenwärtig sonder- bare Blüten. DaS kaufmännisilie Personal und die Monteure und Vertreter einzelner Maschinenfabriken spielen in dem Streit eine sehr traurige!)!olle. Nicht genug, daß dieselben sich zur Herstellung von leichten Hülfsarbeiten innerhalb der Betriebe, wie Bogenfalzen usw. hergeben, so bäumt sich das Ehrgefühl dieser Leute nicht da- gegen auf, daß sie die kämpfenden Klassengenossen, welche Streik- Posten stehen, der Polizei in die Arme liefern. Dieses Heldenstück vollbrachte u. a. ein Buchhalter der Firma Lüderitz u. Bauer. Derselbe fühlte in sich, wie es scheint, Polizeigewalt und forderte einen Hausdiener betreffender Firma auf, ihm nach dem Revier zu folgen, weil er angeblich arbeitende Arbeitsburschen bedroht haben sollte. Tic Firma Lüderitz u. Bauer sucht, nebenbei bemerkt, auch ihre Arbeiten außer dem Hause herstellen zu lassen und bietet sogar 33 Proz. mehr als der tarifliche Lohn beträgt« Jedenfalls ein Beweis für die Rentabilität der Buchbindereibctriebe« Herr Katzschke, der Vertreter der amerikanischen Deckenmach» Maschinenfabrik The Smyth Co., Harfeord Cann, U. S. A., den Sehn des bekannten Buchbindereifaktors gleichen Namens bei Fritzsche-Leipzig, arbeitet schon seit mehreren Tagen an der be» treffenden Zlkaschine bei Lüderitz u. Bauer. Jedenfalls will er dg« mit die Leistungsfähigkeit seiner Maschine beweisen. Achtung, Kleber und Bauhandwerker! Der Unternehmer Linke, Rigaerstr. 103— Bau Friedenau, Freegestraße und Holsteinischestraßen-Ecke— ist für Kleber nach wie vor gesperrt. Etwa dort arbeitende Kleber verrichten ArbeitSwilligendienste und ersuchen wir die Bauhandwerker, dieselben auf ihre Pflichten aufmerksam zu machen. Der Vorstand der Freien Vereinigung der Tapezierer. Bureau: Schützenstr. 18/19. Tel. I, 3282. Deutsches Reich. Noch ein Steinarbeiterstreik. In 18 Ortschaften des Kalkstein» gebieteS Würzburg und Umgegend haben die Steinarbeiter— wie uns ein P r i v a t t e l e g r a m in meldet— die Arbeit niedergelegt. — Zuzug ist fernzuhalten. Schwarze Listen. Die Handschuhmacher in München haben nach Ablauf ihres Tarifs den beiden Fabrikanten C. Holste u. Co. und I. R o e ck l einen neuen Tarifentwurf vorgelegt, der er» höhte Stückpreise enthielt. Die Fabrikanten lehnten jede Unter» Handlung ab, weshalb vom Gewerkschastssekretär Jaeobsen daS EinigunaSamt angerufen wurde. Noch bevor dieses eingreifen konnte. wurden schwarze Listen versandt, in denen genau Name, Geburtsort und-Datum der zum Aushungern verurteilten Münchener Gehülfen angegeben sind. Das Rundschreiben hat folgenden Wortlaut: Verein Deutscher Lederhandschuh-Fabrikanten. Vertraulich! Altenburg. 7. April 1903. Im Anschlüsse an unser Rundschreiben vom 21. v. M. teilen wir Ihnen mit, daß trotz mehrfacher Unterhandlungen(!) und weit» gehcndstem Entgegenkommen der Münchener Finnen eine Einigung zwischen diesen und ihren Handschuhmachern nicht zustande gekommen rst und daher ein Ausstand sämtlicher Handschuhmacher und Dresseure unmittelbar bevorsteht. In der Anlage übermitteln wir Ihnen die Namen der Handschuhmacher und Dresseure der Firma C.Holste u. Co. mitdemHinweiseaufZ 13 AbsatzlunsererSatzungen, wonach kein Vereinsmitglied nach erfolgter Mitteilung einen streikenden Arbeiter einstellen darf und bitten, streng nach den Bestimmumgen der genannten Para» graphen zu handeln. Verein Deutscher Lederhandschuh-Fabrikanten. Der Vorsitzende: Fritz Albrecht. Auf ganz heimtückische Art hat aber der Fabrikantenverein die auf einen friedlichen Verlauf abzielenden Bemühungen der Gehülfen zu hintertreiben versucht. In diesem vertraulichen Rundschreiben ivird die Sache so hingestellt, als wenn die„mehrfachen Unter» Handlungen" von den Fabrikanten angeknüpft worden. Gerade d a S Gegenteil ist der Fall. Ebenso sieht es mit dem.weit» gehenden Entgegenkommen" aus. DaS. waS die Herren Fabrikanten zugestanden haben, mußte ihnen förmlich abgetrotzt werden und wenn die Herren Fabrikanten nicht in die Lage kamen, von der schivarzen Liste Gebranch zu machen, dann ist daS in erster Linie auf das Konto der Gehülfen zu setzen und dem Eingreifen des EinigungSamteS zu verdanken. Letzte JVacbnchtcn und Dcpcfchcn» Forderungen der Hamburger Schauerleute. Hamburg, 28. Mai.(W. T. B.) Die Schauerleute haben in einer heute Abend abgehaltenen Versammlung beschlossen, bis zur Abstellung der Mißstände im Arbeitsnachweis nicht länger als 19 Uhr abends zu arbeiten. Ferner, soll die Sonntags- und Feier- tagsarbeit ganz in Wegfall kommen. Auch wollen sie bis dahin kein festes Arbeitsverhältnis eingehen, d. h. Arbeitsstellen einnehmen, wo längere Kündigungsfrist besteht oder im Wochenlohn gearbeitet wird. AuS der Duma. Petersburg, 28. Mai.(W. T. B.) Duma-Fortfehullg. DaS Haus nahm um 5?L Uhr die Sitzung wieder auf. Der Präsident verlas einen von III Mitgliedern unterzeichneten Antrag betreffend die allgemeine Reform der Verwaltung auf folgender Grundlage: Alle Staatsangehörigen beiderlei Geschlechts sind vor dem Gesetz gleich. Ter Entwurf schlägt die Abschaffung aller Unterscheidungen nach Gesellschaftsklasse� Rationalität, Religionen und Geschlechtern vor.(Großer Beifall.) Alsdann beschloß das Haus, an den Minister des Innern eine Interpellation betreffend die Hungersnot zu richten und zu fragen, ob die Regierung die Bekämpfung der Hungersnot fortsetzen wolle und ob ihr bekannt sei, daß die Tätigkeit von Privatpersonen, die der Bevölkerung Hülfe zuteil werden lassen wollen, von den Lokalbehörden behindert werde. Das Haus ging so- dann zur Beratung der Agrarfrage über. Streikende und Militär. Paris, 28. Mai.(W. T. B.) Hceutc nachmittag kam es mehrere Male zu Zusammenstößen zwischen Ausständigen und dem Militär. Drei Dragoner und ein Polizist erlitten Berletzungen, mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Zusammenstöße mit dem Militär. Rom, 23. Mai.(W. T. B.) Aus Sardinien liegen folgende Meldungen vor: Gestern abend griff ein Volkshaufen in der Ge- meinde Bonorva(Provinz Sassari) eine Käscfabrik an und bewarf dieselbe mit Steinen. Zwei Soldaten, die als Wache bei der Fabrik aufgestellt waren, wurden leicht verletzt. Bon den Angreifern wurde einer durch einen Schuß eines der Soldaten getötet. In der Gemeinde Villasalto in der Provinz Cagliari zog ein Haufe von 200 Mann gegen daS Rathaus und bewarf dasselbe mit Steinen. auch wurden einige Revolverschüsse auf dazwischentretende Karabi- nieri abgegeben, die das Feuer erwiderten. Bon den Karabinieri sind 2 Mann verwundet, von den Angreifern 2 verwundet und einer getötet worden._ Schwere» Eisenbahnunglück. LouiSville(Kentucky), 23. Mai.(W. T. B.) Auf dem Rangier- bahnhof der Louisville-Nashville Eisenbahn kamen durch Entgleisung eines in den Rangierbahnhof rückwärts einfahrenden Personenzuges zwölf Personen ums Leben, fünfzehn wurden verletzt. Aufstand in Korea. Tokio, 23. Mai.(Meldung deS„Reuterschen BureauS'.) In Hongju(Korea) ist ein Aufstand ausgebrochen. Die Anzahl der Aufständischen beläuft sich auf mehrere Hundert. Hongju ist eine befestigte Stadt, die nur mit Hülfe von Artillerie genommen werden kann. Auf Ersuchen Koreas sind japanische Truppen dorthin ent- sandt worden. Der Aufstand soll der hartnäckigste sein, der bisher ausgebrochen ist. M.G1l!lkk«Lll1ifl. ffiiUd u.Stflöß; Lorwäl» BuM. u. zZellagSgnMt xglll Sing» LiCo,. Bevlill S.W. Hjtllll 3 Beilagen». ynftrhstsjungSbfatt Nr. 122. 23. JaMlig. E33sa t KeilM Ks„ilmüirts" Kerlim NslksblM. Dienslitg, 29. MaiMK. keiedstag. ioi. 115. Sitzung vom Mo n t a g, d e n 23. vormittags 11 Uhr. Am BundeZratStische: Kraetke. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der dritten Be- rawng des Etats. Präsident v. Ballcstrcm: Beim Kolonialetat ist die Stelle des Keichs-Staatssekretärs nicht bewilligt worden; infolgedessen ist der ganze Kolonialetat nicht bewilligt, der darauf begründet war, dah ein selbständiges Kolonialamt entstehen soll. Dadurch entstand ein Palimm, und da kein Antrag vorlag, dieses Vakuum auszufüllen, muhten wir die Beratung abbrechen. Heute liegt nun ein Antrag Gröber und Genossen vor: im Etat für das Auswärtige Amt die Kolonialabteilung herzustellen. Diesen Antrag, von dem ich Grund habe anzunehmen, daß er sachverständig geprüft ist, werde ich der Beratung zugrunde legen. Abg. Basscrmann/z Uhr. VI. Nerbülldstag des Dentscheu Holsarbtitervtrbandts. (Schluß.)) Köln, 26. Mai. Es werden weiter die folgenden Anträge angenommen: Die Gauvorstände zu beauftragen, in den rückständigen Gegen- den mehr Agitation zu entfalten, damit auch dort die Kollegen der Organisation zugeführt und hierdurch die Lohn- und Arbeitsver- Hältnisse in diesen Gegenden besser werden. In Anbetracht der großen wirtschaftlichen und gesundheitlichen Schäden, die der A l! o h o l g e n u ß sür die Menschheit im all- gemeinen und für die Arbeiter im besonderen bildet, verpflichtet der Verbandstag die Kollegen, hauptsächlich das Verbandsvrgan und die agitatorisch tätigen Kollegen, mehr als bisher auf die Gefahren des Alkoholgenusscs hinzuweisen. Es folgt die Statutenberatung. Den Bericht der Kom- Mission erstattet N e u m a n n(Hamburg). Ein Antrag Posen, den Namen des Verbandes in„Zentral- verband der Holzarbeiter Deutschlands" abzuändern, weil den pol- nischen Kollegen der„deutsche" Holzarbeitervcrband nicht gefällt, wird abgelehnt. Der Vorstand wird ermächtigt, für bestimmte Orte und Industrien, in denen viele jugendliche Arbeiter vorhanden sind, diese jugendlichen Arbeiter in Eintrittsgeld, Beitrag und Unterstützungssätzen den weiblichen Mitgliedern gleichzustellen. Die Ueberschreibung als volljährige Mitglieder erfolgt mit der Voll- cndung des 17. Lebensjahres. Die geleisteten Beiträge sind beim Uebertritt zu summieren und auf die höheren Beiträge anzurechnen. Ein Antrag: Mitglieder des ch r i st l i ch c n Holzarbeiter- Verbandes mit vollen Rechten in den Verband aufzunehmen, wird abgelehnt. Es können übrigens schon heute Mitglieder aus anderen deutschen Gewerkschaften auf Antrag beim Vorstand, der auch die Karenzzeit für Unterstützungen bestimmt, übertreten. Dem§ 8 wird folgender Absatz angefügt: Mitglieder, die in- folge Berufswechsels gezwungen sind, einer anderen Organi- sation beizutreten, erhalten bei ihrem Wiedereintritt ihre im Ver- bände und der anderen Organisation geleisteten Beiträge an» gerechnet. Der Verbandstag beschließt sodann, alle Anträge auf Er- Weiterung der bestehenden Unter st ützungseinrichtungen abzulehnen, soweit diese Anträge nicht die Krankenunterstützung und die Maßregelungen aus Anlaß der Maifeier betreffen. Auf Grund dieser Voraussetzung soll die Beitragserhöhung bemessen werden. In namentlicher Abstimmung wird die Erhöhung des Beitrages von 36 auf 56 Pf. mit 97 gegen 21 Stimmen ab- gelehnt. Beschlossen wird mit 106 gegen 14 Stimmen, den Beitrag auf 50 Pf. für männliche, 26 Pf. für weibliche Mitglieder festzu- setzen. Der den Lokalverwaltungen bleibende Teil der Bei- träge wird von 26 auf 20 Proz. herabgesetzt. Von den weiter angenommenen Anträgen erwähnen wir: An Reiseunter st ützung darf auch bei größeren Ent- fernungen mehr als 3 M. in keinem Falle ausgezahlt werden. Mitglieder, die ohne Genehmigung des Verbandsvorstandes in einen Streik eintreten, haben keinen Anspruch auf Arbeits- losenunter st ützung. Die Höchstsumme der UmzugSunter st ützung beträgt je nach der Mitgliedsdauer von 62 bis 260 Wochen 20 M., steigend bis auf 40 M. Alle VerbandStagsbeschlüsse gelten für sämtliche Mitglieder; eS sei denn, daß die Organisationsleitung Ausnahmen gestattet.(Hier ist besonders an Werkführer gedacht, die dem Verbände an- gehören.) Zur Deckung der den Gauvorständen erwachsenden Kosten für Verwaltung und Agitation hat der Verbandsvorstand den Gauvorständcn die nötigen finanziellen Mittel aus der Haupt- kasse zur Verfügung zu stellen. Außerordentliche Ausgaben be- dürfen der vorherigen Zustimmung des Verbandsvorstandes. Die G a u t a g e haben so zeitig vor dem Verbandstage statt- zufinden, daß nach den Gautagen den Zahlstellen noch Gelegenheit geboten ist, Anträge an den Verbandstag zu stellen. Die Wahl der Verbandstagsdelegierten erfolgt in allen Zahlstellen gleichzeitig an einem Montag in einem hierzu bestimmten Wahllokal mittels geheimer Abstimmung. Auch künftig soll auf je 1000 Mitglieder ein Delegierter gewählt werden. Bezüglich der neueingeführten Krankenunter st ützung wird folgende Vorlage des Verbandsvorstandes angenommen: An arbeitsunfähige(erkrankte) Mitglieder, die mindestens 62 Wochen dem Verband angehören und für diese Zeit ihre Beiträge entrichtet haben, kann eine Krankenunterstützung gewährt werden. Die Unterstützung soll als Zuschuß zu den Leistungen der den Kranken- Versicherungsgesetzen entsprechenden Kassen gelten. Tie Unter- stützung wird auf die Dauer von 13 Wochen gewährt und beträgt innerhalb zwölf Monaten, vom ersten Untcrstützungstage an ge- rechnet, nach einer Mitgliedsdauer von pro Woche bis zu 62 Wochen 3,— M..... 39.- M. Höchstbetrag 104„ 3,76„.,,. 48,75„„ 156. 4.50...... 68.50« 203„ 6.25..... 63,25. 260« 6,—, 78,— ,, ,, Der Anspruch auf Krankenunterstützung beginnt am achten Tage der Arbeitsunfähigkeit vom Tage der Meldung an gerechnet. Die siebentägige Wartezeit fällt weg, wenn der Arbeitsunfähigkeit eine mindestens siebentägige Arbeitslosigkeit in den letzten vier Wochen voraufgegangen ist, sofern diese Arbeitslosigkeit gemäß ß 28 ge- meldet war. Hat ein Mitglied innerhalb zwölf Monaten den fest» gesetzten Höchstbetrag der Krankenunterstützung erhoben, so kann ihm weitere solche Unterstützung erst nach einer Wartefrist von zwölf Monaten, vom letzten Unterstützungstage an gerechnet und nachdem es 62 Wochenbeiträge für diese Zeit entrichtet hat, wieder gewährt werden. Der erhöhte Wochenbeitrag tritt am 1. Juli dieses Jahres in Geltung, und mit der Gewährung der Krankenunter- stützung darf dann am 1. Juli 1907 begonnen werden. Den Bericht der Statutenberatungskommissiou über die zur Maifeier vorliegenden Anträge und Resolutionen erstattet N e u m a n n (Hamburg). Tie Zahlstelle Magdeburg hatte beantragt: Am 1. Mai hat vollständige ArbeitSruhe in der Holzindustrie einzu- treten als Demonstration für den Achtstundentag.— Die Anträge Berlin(246) und Gautag München(249) haben wir schon abgedruckt. Ein Antrag Dresden will die Lokalverwaltungen aller Zahlstellen verpflichten, in noch energischerer Weise als bis- her für eine der Bedeutung des Tages entsprechenden Agitation Sorge zu tragen; der Zutrag brzejchget die vMtaodW ÄrblUtS, ruhe als die würdigste Form der Maifeier." Ein Antrag Gera lautet: In Fabriken oder Werkstellcn, wo zwei Drittel organisiert sind und vier Fünftel der Beschäftigten beschließen, den 1. Mai zu feiern, sind die Kosten der etwa daraus entstehenden Differenzen aus der Verbandskasse zu zahlen.— Ein Ant�ig Frankfurt am Main, den auch der Gautag Frankfurt sich zu eigen gemacht hat, sagt: In allen Betrieben, wo drei Fünftel der Arbeiter voll- berechtigte Mitglieder des Deutschen Holzarbeiterverbandes sind, sind diese verpflichtet, durch geheime Abstimmung einen Beschluß über die Arbeitsruhe am 1. Mai herbeizuführen. Entscheidet sich die Mehrheit für Arbeitsruhe, so hat sich die Minderheit dem Beschluß zu fügen. Bei Aussperrungen und Maßregelungen wegen der Arbeitsruhe am 1. Mai wird den vollberechtigten Mitgliedern die Gemaßregeltenunterstützung bis zu dreizehn Wochen gewährt und vom 2. Mai an gezahlt. Eine Anzahl Anträge anderer Zahlstellen bewegt sich in der nämlichen Richtung wie die bisherigen. Weiter fordert der Gau- tag bezw. die Zahlstelle Frankfurt a. M.: Bei Stellung von Forderungen und bei Tarifabschlüssen ist darauf zu sehen, daß die Freigabe des 1. Mai mit aufgenommen wird. Bei Lohnbewegungen kann die Freigabe des 1. Mai als Forderung mit aufgestellt werdeßl. Aussperrungen und Maßregelungen wegen der Arbeitsruhe am 1. Mai sollen möglichst mit Gegenforderungen beantwortet werden. Die Kommission hat alle diese Anträge zu einem zusammen- gezogen, rät aber dringend von der Beantwortung der Aus- sperrungen und Maßregelungen mit Gegenforderungen ab. Die Kommission unterbreitet folgende Resolution: Der Verbandstag steht auf dem Standpunkt, daß der 1. Mai am würdigsten durch Arbeitsruhe gefeiert wird. Er verpflichtet deshalb die Mitglieder des Verbandes, gemäß den Beschlüssen des internationalen Kongresses in diesem Sinne zu wirken. In denjenigen Betrieben, wo zwei Drittel organisiert sind und vier Fünftel der Beschäftigten beschließen, die Arbeit ruhen zu lassen, wird den durch Aussperrung oder Maßregelung Getroffenen nach einjähriger Mitgliedschaft die Gemaßregeltenunterstützung (welches in diesem Falle ausnahmslos die Sätze der Streikunter- stützung sind) von der zweiten Woche an gezahlt. Voraussetzung für den Bezug dieser Unterstützung ist, daß die betreffenden Mit- glieder sich an den von den örtlichen Organisationen veranstal- teten Demonstrationen beteiligen. Der Verbandstag nahm nach kurzer Debatte diese Resolution gegen fünf Stimmen a n. Die Unterstützung der Ausgesperrten soll in der ersten Woche aus Lokalmittcln erfolgen. Zur Beschickung des internationalen Arbeiter- kongresses beschließt der Verbandstag, ein Vorstandsmitglied, ein Rcdaktionsmitglied-und den Vorsitzenden des Ausschusses zu ent- senden. Die Vorstandswahl ergibt die einstimmige Wieder» ernennung von Kloß und L e i p a r t als Vorsitzende, von Becker und Schneegaß als Sekretäre. Der bisherige Kassierer Bohne hat gebeten, ihn von dem Amte zu entbinden. Der VerbandStag beschließt, ihn zum dritten Sekretär zu bestimmen und dankt ihm für die seit 23 Jahren der Organisation geleisteten treuen Dienste. Die Stelle des Kassierers soll von der Vcrbandsleitung aus- geschrieben werden. Die übrigen Vorstandsmitglieder werden am Sitze des Hauptvorstandes, in Stuttgart, gewählt. In der Sitzung am Freitag hatte der Verbandstag beschlossen, das Anfangsgehalt der Hülfsarbeiter auf dem Verbandsbureau auf 1800 M. fest- zusetzen. Da dies jedoch keine Aufbesserung der heutigen Sätze ent, hält, beschließt der Verbandstag auf Antrag der Statutenkommission, den Beschluß zu korrigieren und das Grundgehalt auf 2000 M« festzusetzen. Damit sind die Arbeiten des Verbandstages beendet. In einer Schlußansprache führt der Vorsitzende Kloß aus: Wir können mit Befriedigung auf die EntWickelung und die Kämpfe unseres Ver- bandes blicken. Aber es stehen uns die schwersten Kämpfe noch bevor. Dafür zeugt die steigende Bedeutung der Unternehmer» organisation. Aber wir haben einen mächtigen Verbündeten, den das Unternehmertum nicht hat: die Solidarität, die Brüderlichkeit. Die Unternehmer erkennen nicht, daß wir eine Kulturbewegung sind. Auch auf die reichen Arbeiten des Verbandstages können wir mit Befriedigung zurückblicken. Wir haben den Kampffonds gestärkt und auch durch die Einführung der Krankenunterstützung gesorgt. daß unsere Kollegen in ihrer Kampffähigkeit nicht Schaden leiden. In der Maifeierfrage, die solange die Gemüter beschäftigt hat. haben wir heute die Entscheidung getroffen, und wir haben die daraus entstehenden Konsequenzen bis zu einem gewissen Grade auf die Verbandskasse übernommen. Ich bin überzeugt, daß die Arbeiten und Beschlüsse nicht nur unserem Verbände, sondern der ganzen Arbeiterbewegung zum Nutzen gereichen werden.— In das von dem Redner ausgebrachte Hoch auf den Deutschen Holzarbeiter» verband stimmte der Verbandstag begeistert ein. Der nächste Verbandstag findet 1903 in Stettin statt. Hue Industrie und Rande!« Allerlei Klagen. In der Generalversammlung der A.-G. Akkumulatorenfabrik vorm. Böse führte einer der Direktoren beweg- liche Klage über unlautere Konkurrenz. Das finanzielle Ergebnis ist dadurch ganz erheblich beeinflußt worden. Die großen Eleltrizitätsfirmen sollen sich gewissermaßen verschworen haben. der Böse-Gesellschaft Aufträge abzujagen, im Interesse der ältesten deutschen Alkumulatorenfabrik.— Den bisherigen Aufsichtsratsmitgliedern scheint alle Tantiemen- Liebe oder -Hoffnung abhanden gekommen zu sei», denn mit Ausnahme des Vorbesitzers W. A. Böse verzichteten alle auf Wiederwahl.— Im«B. T." führt ein Aktionär der Vereinigten Dampfziegeleien Beschwerde über Täuschung, durch welche er zum Ankauf von Aktien veranlaßt worden sei und sich gründlich verspekuliert habe.— Das soll auch schon anderen Leuten passiert sein und wir ver- muten, der Beschwerdeführer ist nicht der letzte Herein- gefallene. WaS den vorliegenden Fall erwähnenswert macht. ist. daß die Bankfirma Carl Neuburger. die an dem Unternehmen interessiert ist, die Täuschung durch ihren Bericht ver- anlaßt hat. In diesem hieß es, das Unternehmen sei derart mit Aufträgen versehen, daß die Erweiterung des Betriebes und die Er- höhung des Aktienkapitals um 800 000 M. sich notwendig mache. Und die Beteiligung wurde als außerordentlich chancenreich be- zeichnet. Der KurS stand zunächst auf über 220 Proz., n ach einem halben Jahre auf 133 Proz. Daß das Bankhaus ganz unschuldig ist an der Täuschung, ist schwer zu glauben.— Eine andere Klage äußert der Geschäftsbericht deS Steinkohlenbergwerks Graf Bismarck. Die letzten Jahre erbrachten eine Aus- beute von 3'/, Millionen Mark und für das laufende Jahr werden recht günstige Ergebnisse in Aussicht gestellt. Trotzdem klagt man über die steigende Richtung der Löhne, worin man eine Schmälerung der Ausbeute sieht. Ferner wird behauptet, die Er- höhung der Kohlenpreise ab 1. April sei im Hinblick auf die Lohn- teigerungen vorgenommen. Die Behauptung ist mehr kühn als wahr. Die Preiserhöhung ist bereits vor einem halben Jahre beschlossen worden. Sodann beruht die Lohnsteigerung auf erhöhter Produktion. und schließlich macht die Lohnstcigerung, wenn man sie als tat- ächliche anspricht, nur einen Bruchteil der Preiserhöhung aus. Im Durchschnitt beträgt die Erhöhung zirka 60 Pf. pro Tonne oder pro Kopf der Beschäftigten mindestens 60 Pf. pro Tag. Im Jahre 1903 stiegen die Lohne pro Schicht aber nur um 6 Pf. gegen das Vorjahr. Es ist einfach eine grobe Täuschung der Konsumenten. wenn man die willkürlichen Preissteigerungen mit angeblich ge« tiegenen Löhnen zu decken sucht. Zechenziisammeiischluß. Zu einem Unternehmen sind die an der Ruhr belegenen Zechen„Joseph",„Eoncordia",„Josephine".„Hugo". „Trompete",„Petersburg" und„Caroline" zusammengelegt worden. ES wird eine gemeinsame Schachtanlage hergestellt, ferner werden errichtet Zubereitungsanlagen für Briketts, deren Herstellung die neue Gesellschaft sich hauptsächlich angelegen sein lassen will. Unauf« haltsam geht eS weiter auf dem Wege der industriellen Konzen- tration. Ein Riesenprojelt. Daß die kapitalistische EntWickelung zur Konzentration nicht aufgehalten werden kann, daß vielmehr die zu solchen Zwecken angewandten Mittel meist in der Richtung des Gegenteils des Gewollten wirken, wird erneut bestätigt durch eine Meldung aus dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten. Den amerikanischen Bahngesellschaften steht ein Verbot des Betriebes von Kohlengruben bevor. Die Folge dieser Maßnahme ist ein Plan, nach welchem eine zu bildende Gesellschaft mit vielleicht 1000 Millionen Dollar alle Kohlenfelder übernehmen soll. Angeblich steckt Morgan hinter der Gründung. Daß die Besitzer der Bahnen Anteilnehmer der neuen Gesellschaft werden, kann schließlich niemand hindern. Und wenn das Gesetz nicht den Gruben den Betrieb von Eisen- bahnen verbietet, dann gehen diese vielleicht bald in den Besitz der neuen Bergwerks-Niesengesellschaft über. Vom Baumwollenmarkt. Die Anlieferung von Baumwolle an den Haupthäfen des BaumwollenhandelS der Bereinigten Staaten von Amerika belies sich in den ersten acht Monaten dcS Baumwollenjahres 1905/06(bis zum 4. Mai 1906) insgesamt auf 7 125 706 Ballen gegenüber 8 542 017 Ballen in den entsprechenden acht Monaten 1904/05. Die Zufuhr blieb also um 1416 311 Ballen hinter der vorjährigen zurück. Die Ausfuhr von Baumwolle belief sich von September 1905 bis 4. Mai 1906 auf 5 687 510 Ballen gegenüber 7 093 332 Ballen in den entsprechenden Monaten des Vorjahres; davon gingen nach Großbritannien 2 640 726 Ballen gegenüber 3 257 983 Ballen, nach Frankreich 648 881 Ballen gegenüber 702 526 Ballen, nach dem übrigen Europa 2 397 903 Ballen gegenüber 3 132 823 Ballen. Von den obengenannten Vorräten am 4. Mai waren bereits an Schiffbord gebracht, aber noch nicht ausklariert für Großbritannien 15 316 Ballen, für Frankreich 8786 Ballen, für Deutschland 43 412 Ballen, für das übrige Ausland 30 663 Ballen, für amerika- nische Häfen 22 302 Ballen, im ganzen 120 479 Ballen. Der an der New Uorker Börse am 4. Mai notierte Preis für das Pfund Middling Upland-Baumwolle war 11,8 Cents gegen 7,85 Cents, 13,70 Cents, 10,75 Cents und 99/i8 Cents am gleichen Tage der vier Vorjahre. Eisenbahn oder Ente? In der letzten Zeit werden wiederholt Meldungen über industrielle Riesenprojekte in Rußland verbreitet. Einmal soll es sich um den Verkauf großer Holzbestände handeln, dann wieder wird der Verkauf riesiger Komplexe Ländereien an Industrielle gemeldet, nun verlautet, dem russischen Eisenbahn- Ministerium sei ein grandioses Projekt einer Bahn von Srjetensk Nikolajewsk mit einer Abzweigung nach Blagowjeschtschensk und Chabarowsk unterbreitet worden. Das hierzu nötige Geld werde von einer amerikanischen Gruppe gegeben. Daß Amerikaner den Russen Geld geben für Bahnbauten, glauben selbst die Mendelssohns nicht, es könnte höchstens die Frage der KonzessionSorteilung in Be- tracht kommen. Mit dem Bau wird man es übrigens kaum eilig haben, denn daß jetzt gerade die geeignete Zeit sei, ein Riesenprojelt auszuführen, will uns nicht einleuchten. Daß bei einer Gründung, das wird der eigentliche Zweck des Projektes sein, die Macher Millionen einheimsen, ist schon zu erwarten, was aus der Bahn tvird, ist den Gründern nachher gleichgültig. Soziales. Zum preußischen Gefindcuurecht. Die Zivilprozeßordnung verbietet seit dem 1. Januar 1900, daß durch Zwangsvollstreckung eine Zurückführung zur Arbeit statthaben darf, weil eine solche Zurückführung nur einer Gesellschaft anstehe, die SIlavemecht habe und ein Recht an Menschenfleisch anerkenne. Gleichwohl nehmen Gerichte an, der Zwang zur Zurückführung preußischen Gesindes durch die Polizei sei zulässig. Nachstehend berichten wir über einen am letzten Freitag zugunsten des Dienstmädchens entschiedenen Fall. In diesem wendeten die Behörden— Polizeiverwalter, Landrat und Regierung— die Macht- mittel des Staates an, um das Dienstmädchen zu zwingen, m ein schamloses, die Sittlichkeit gefährdendes Dienst- Verhältnis zurückzukehren. Das Oberverwaltungsgericht nahm an. daß zur Rückkehr in ein solches, die Sittlichkeit untergrabendes Ver- tragsverhältnis selbst die preußische Gesindeordnung nicht zwingt. Der Fall lag wie folgt: Das minderjährige Dienstmädchen Hellmich zu Smolitz war bei dem Ansiedler Welk in Sonnenthal in Stellung gewesen. Von einem Urlaub, der ihr für die Zeit vom 30. November bis zum 8. De- zember 1904 gewährt worden war, kehrte sie nicht wieder in den Dienst zurück. Welk bat den Distriktskommissar, das Mädchen in den Dienst zurückführen zu lassen. Sie äußerte dazu, man möge doch von der Zurückführung Abstand nehmen, da daS Dienstverhältnis ja doch binnen drei Tagen aufhöre. Welk erklärte jedoch. Johanna Hellmich sei auch noch für das nächste Jahr gemietet worden und er habe sie nicht, wie sie an- nehme, freigegeben. Er bestehe auf Zurückführung. DaS veranlaßte den Distriktskommissar(Polizeiverwalter in der Provinz Posen), im Wege der polizeilichen Verfügung dem Mädchen die Rückkehr in daS Dienstverhältnis mit der Androhung aufzugeben, daß im Falle der Zuwiderhandlung eine Geldstrafe von 60 M. und im Nichtbeitreibungsfalle Haft über sie ver- hängt werden würde. Fräulein H. folgte nicht, woraus die Strafe festgesetzt und die Verfügung unter Androhung einer gleichen Strafe wiederholt wurde. Auch diesmal beachtete sie. die Ver- fügung nicht. Es folgte wieder Festsetzung der Strafe, Er- Neuerung der Verfügung, neue Strafandrohung. Wieder wurde die Verfügung mcht befolgt. Und dasselbe Spiel wiederholte sich noch ein paarmal. Nachdem Fräulein S. bereits zwei Wochen Haft abgebüßt hatte, beschwerte sich ihr Bater anläßlich der letzten Erneuerung der Verfügung voin 16. März 1905 beim Landrat und betonte. daß seine Tochter schon deshalb nicht zu Welk zurückzukehren brauche, weil dieser sie schwer mißhandelt habe. Als sie nicht zeitig genug aufgestanden sei. habe sie Well aus dem Bett gezogen, auf die Erde geworfen und sie mit dem Holzpantien auf alle Körperteile ge- schlagen. Weiter habe er sie, die 17 Jahre alt war. g e- zivungen, mit einem zwölfjährigen Jungen zusammen ein halbes Jahr lang in einem Bett zu schlafen. Darüber habe sie sich sehr geschämt. Das Mädchen bestätigte dies und sagte weiter, daß Welk sie mehrere Male mit dem Holzpantien über Kopf und Rücken geschlagen habe.— Der Ansiedler gab zu, daß das Mädchen bei ihm mit einem Zwölfjährigen zusammen in einem Bett habe schlafen müssen. Von den Schlägen behauptete er aber nichts zu wissen. Der L a n d r a t wie? darauf die Beschwerde als u n> begründet zurück. Zwar könne es nicht gutgeheißen werden, daß das Mädchen gezwungen gewesen sei, mit dem zwölfjährigen Bruder zusamnrenzuschlafen! es sei aber andererseits nicht an- zunehmen, daß Well sie habe zu Handlungen wider die guten Sitten oder gegen die Gesetze verleiten wollen. Und was die au- geblichen Mißhandlungen angehe, so wären sie, selbst wenn man die Behauptungen des Mädchens zu Grunde legen wolle, doch nicht als Gefahr für Leben oder Gesundheit anzusehen. Somit müsse es bei der Verfügung bleiben. Eine weitere Beschwerde H.S beim Regierungspräsr- denken zu Posen hatte auch keinen Erfolg. Sie wurde abgewiesen. Wenn seine Tochter kränklich sei, dann solle er unter Beibringung eines ärztlichen Attestes hinsichtlich der noch ausstehenden weiteren Haft st rasen von 3 Wochen beim Distriktskommissar Straf- aufschub beantragen. Hellmich klagte nun beim Oberverwaltungsgericht und hob hervor, daß eS sich bei dem Zusammenschlafen nicht um dm Bruder, sondern um den Schwager des Dienstherrn handele. Das Oberverwaltttngsgericht erkannte dahin, daß die Ver- fügung des Distriktskommissars außer Kraft z u se tz en s e i, s o w eit sie die Anordnung enthalte, Johanna Hellmich solle bei Vermeidung eines Zwangsmittels in den Dien st zu Welk zurück- kehren. Gründe wurden nicht verkündet. Das Dienstmädchen hat in diesem Falle also in letzter Instanz Recht erhalten. Wer cutschädigt das Mädchen aber für die rechts- widrig ihr auferlegten Haft st rasen? Werden Distrikts- kommissar, Landrat und Regierungspräsident zur strafrechtlichen Ver- antwortung gezogen werden? Die schmachvollen Gesindczustände mahnen dringend die Eltern, keinen Vertrag zu genehmigen, in dem ihnen nicht das Recht so- fortiger Aufhebung zugestanden wird. Em der frauenbewegung* Die Liebe und die Frauen. Unter dem vorstehenden Titel hat Dr. Helene Stöcker ein Band- chen herausgegeben, in dem sie eine Reihe von Aufsätzen aus den letzten 12 Jahren zusammenstellt und mit einem Vorwort und einer Einleitung versieht. Die Aufsätze, die in der Einleitung ihren Ab- schluß finden, geben einen Spiegel von dem EntwickelungSgang der Verfasserin. Zunächst tritt mehr daS soziale und wirtschaftliche Mo- ment hervor, der Ruf nach Befreiung von den ökonomischen und sozialen Fesfeln. Später ist das nicht mehr die eigentliche Hauptsache, das Weib spricht, das Verlangen nach Ent- Wickelung des Individuums als Geschlechtswesen, das Persönlichkeits- bewußtsein tritt in den Vordergrund. Die wirtschaftliche, soziale und politische Befreiung ist nur noch als Mittel zu bewerten, das Weib als Geschlechtswesen zur Sonnenhöhe des von jedem Zwange be- freiten Eigenwillens hinauszuführen. Das Wollen der Fraucnrccht- lerinncn soll nicht aufgehen in der Anerkennung der Frau als voll- berechtigte Staatsbürgerin, um ledig bleibenden Frauen eine Existenzmöglichkeit zu schaffen, das Geschlechtsleben soll reformiert, es soll gehoben werden auf das Niveau der freien, nur auf gegen- seittger Neigung beruhenden Liebe. Nicht nur das Innenleben der Frau, beeinflußt hiervon, auch das des Mannes soll höher entwickelt werden. Das Wünschen und Wollen klingt aus in einen Hymnus der Liebe. Für ihre Liebe verlangt Dr. Helene Stöcker nicht nur eine Frau der Zukunft, sondern auch einen Mann der Zukunft. Der Mann, von dem sie„ein Kind mag", ist selbst unter den heutigen Idealen noch nicht zu finden. Daß die Liebe zum Geschlechts- wescn, die Zuneigung zur Persönlichkeit auslöst, genügt ihr nicht, sie will vielmehr, daß die Liebe zum Geschlechtswesen ausgelöst wird von der Zuneigung zur Persönlichkeit. Um zu diesem Ideal- zustand zu gelangen, müssen auch die Männer besser erzogen werden— durch die Befreiung der Frau. Das Lösen der materiellen Fesseln soll zu einer neuen Menschwerdung führen. Der BetätigungS- drang, die Arbeit wird zur Quelle der Lustgefühle. Hier findet das Individuum als Mensch volle Befriedigung und in diesem Garten der Daseinsfreude finden sich in freier Wahl, nur von Persönlichkeitsmagneten angezogen, die Geschlechter. Und deren Verbindung ist die Wcltsonne. die alles belebende, erwärmende zu herrlichem Erblühen bringende Menschvollendung. Und die Verfasserin zieht alle Konsequenzen. „Zu den Umwandlungen in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, recht- sicher und sittlicher Beziehung kommen die auf politischem Gebiete." Schönl Aber sie zieht nicht die Konsequenz aus ihren Konsequenzen. Sie spricht als bürgerliche Frau I Nicht als Frau, als Weib schlecht- hin. Sie will nicht die Klassenunterfchiede beseittgen, sie ist keine Klassenkämpferin. Damit sinkt sie von der swlzen Höhe, von der sie zu einer Erhöhung des Daseins führen will, herab zu einer Klassen- Vertreterin. Ihr Jdealzustand will das Reservatrecht der Bevorrechteten erhalten, ausgeschlossen sind die Lohnfronder, die Tributpflichtigen des Kapitals. Ihr Wollen ist begrenzt, sie will nur eine Veränderung der Beziehungen der Geschlechter zu einander, die Unterdrückung, die Entrechtung und Ausbeutting der arbeitenden Klasse durch die besitzende soll bestehen bleiben. Das als unwürdig, als ungerecht zu empfinden, dazu schwingt sich ihre Weibnatur nicht auf. Dadurch werden nicht nur die Proletarier, sondern auch ihre proletarischen Geschlechtsgenosstnncn von der vollen Freiwerdung ausgeschlossen. Und sie denkt so wenig konsequent, daß sie nicht einmal merkt, daß ihre materiellen Forderungen die Negation ihres Wollens bedeuten. Sonst müßte sie auf den Gedanken kommen, daß mit Befreiung von religiöser Dogmattk, von Autoritätsglauben, von politischer Ent- rechtung und mit wirtschaftlicher Stärkung auch die Kraft und das Wollen der kapitalistisch Ausgebeuteten wächst, sich von dem Drucke, von der Herrschaft des Kapitals zu befreien. So hoch die Verfasserin die Menschen als Bewußtseins- und Empfindungswesen bewertet, sie schätzt sie doch viel zu tief ein, wenn sie glaubt, die zu vollem Menschheitsbewußtsein Emporgewachsenen würden geduldigst die Klassensklavenketten weiterschleppen. Wenn die Entwicklungs- fähigkeit der Verfasserin noch nicht abgeschlossen wäre, wenn sie noch potent wäre zu weiterer Ausreifung, wenn nicht bürgerliches Denken und Fühlen die Kraft des tieferen Eindringens in der Geschehnisse Und Verhältnisse Ursachen lähmte, sie müßte zu der Erkenntnis ge- langt sein, daß in den Zielen des Sozialismus die von ihr erstrebte Erhöhung des ganzen Menschendaseins verwirklicht wird. Gerichts-Zeitung. Streikbrecher und Vertragsbruch von Unternehmern.- Das zarte Ehrgefühl Arbeitswilliger brachte kürzlich fünf Arbeiterinnen der„Brennabor"°Fahrradwerke auf die An- klagebank des Schöffengerichts zu Brandend urg a. H. Die Angeklagten waren beschuldigt, im März d. I. anläßlich des Streiks in jenem Werke mehrere Arbeitswillige beleidigt, bedroht und ehr- verletzt zu haben, wodurch sie sich laut Anklagebeschluß gegen einen ganzen Haufen von Strafparagraphen vergangen haben sollten, nämlich die ZA 152 und 153 der Gewerbeordnung sowie die ßZ 185, 194, 200, 73 und 74 des Strafgesetzbuchs. In der Verhandlung bestritt der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. H e i n e m a n n« Berlin, zunächst die Anwendbarkeit des Z 153 der Gewerbeordnung, weil bei einem Teil der Angeklagten die angebliche Straftat in eine Zeit entfiel, als der Streik bereits beendet war, für den anderen Teil aber in Betracht komme, daß der Streik seine Ursache in der Nichtinnehaltung der vom Fabrikinhaber gegebenen Versprechen hatte, und daher nicht ohne weiteres als ein Ausstand zur Erringung besserer Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu betrachten sei. Die Beweisaufnahme drehte sich denn auch hauptsächlich um diesen Punkt. Es ergab sich, daß Herr Reichste in, der Inhaber der ,.Brennabor"»Fahrradwerke, den Vertretern des MetollarbeiterverbandeS, Z e r n i ck e. Berlin und B r a ch w i tz- Brandenburg, zugesichert hatte, er werde den in der Vernickelungsabteilung beschäftigten Arbeiterinnen einen Stundenlohn von mindestens 20 Pf., und den Arbeitern über 18 Jahren einen solchen von mindestens 25 Pf. zahlen. Zudem hatte er auch versprochen, mit dem Arbeiterausschutz gemeinsam eine weitere Verbesserung der Löhne zu beraten. Herr Reichstein konnte alS Zeuge nicht in Abrede stellen, daß diese Ab- machungen zwischen ihm und den Verbandsvertretern etwa nicht getroffen seien. Wegen ihrer Nichtinnehaltung seinerseits suchte er sich nur damit herauszureden, daß er sich über den Begriff„jugcnd- liche Arbeiter" nicht völlig klar gewesen sei. Dieser Ausrede stand jedoch die klare Abmachung bezüglich der Arbeiter„über 18 Jahre" entgegen. Es stand somit fest, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen nur deshalb in den Streik getreten waren, um eine Lohnaufbesserung durchzusetzen, auf die sie einen vertragsmäßigen Anspruch hatten. Mithin mußte der§ 153 ausscheiden. Es blieben nur noch die.Beleidigungen' übrig, die zur Hauptsache in dem Worte„Streikbrecher" erblickt wurden. Der Amts- anwalt wollte diese Ehrvcrletzung durchaus mit einer Freiheitsstrafe geahndet wissen und beantragte deshalb für sämtliche Angeklagte Gefängnisstrafen von 3 bis 8 Tagen. Das Gericht sprach jedoch drei der ZtogMiLtW f j sit ffitü ihnen ÄLkhsW leine Bke leidigung nachgewiesen war; die beiden anderen Kurden zu Geld« strafen von 10 resp. 40 M. verurteilt. Charakteristisch, wie rn vielen derartigen Prozessen, war auch hier wieder die Tatsache, daß sich Polizei und Staatsanwaltschaft gerade für die„Ehre" solcher Arbeitswilligen ins Zeug legen, die alle Veranlassung hätten, Gras über shr Vorleben wachsen zu lassen. Eine der als Zeuginnen vernommenen Arbeitswilligen, die sich durch das Wort„Streikbrecher" so außerordentlich chrverletzt gefühlt hatte, mußte nämlich auf Befragen des Verteidigers zu- geben, daß sie u. a. bereits dreimal wegen Diebstahls bestraft worden ist, darunter das letzte Mal mit VA Jahren Gefängnis. Es wurde ihr auch nachgewiesen, daß sie selbst die un- slätigsten Schimpfworte gegen die Streikenden gebraucht hatte. Trotzdem war sie jetzt so zart besaitet, in dem Worte„Streikbrecher" eine schwere Kränkung ihrer„Ehre" zu erblicken. Fürwahr, ein würdiges Mitglied jener„für den Staat so besonders nützlichen Elemente". Ist die Aufforderung zum Widerstand gegen rechtswidrige Polizei- gewalt strafbar? Vom Z ü l l i ch a u e r Gewerkschaftskartell, das sich einer ganz besonders liebevollen Aufmerksamkeit seitens der örtlichen Polizei- organe erfreut, war am Silvesterabend für die Gewerkschaftsmit- glieder ein Tanzvergnügen veranstaltet worden. Um 2 Uhr nachts, als alles in fröhlichster Laune war. drangen plötzlich mehrere Polizeibeamte in das Lokal und verlangten die sofortige Räumung des Saales, weil das Vergnügen angeblich eine öffentliche Tanzlu st barkeit sei, die mit Eintritt der Polizeistunde be- endet sein müsse. Den Beamten wurde erwidert, daß es sich um ein Vergnügen einer geschlossenen Gesellschaft handele� Gleichzeitig wurde die Räumung des Saales verweigert mit dem Hinzufügen, man werde nur der Gewalt weichen. Tatsächlich machten hierauf die Beamten Anstalt, Gewalt anzuwenden, worauf die Festteilnehmer unter Protest bas Lokal verließen. In gerechter Entrüstung über das Vorgehen der Polizei meinte hierbei eine Frau W.. man müsse es eigentlich so machen wie anderwärts und die Polizisten einfach hinauswerfen. Die Folge hiervon war, daß Frau W. eine Anklage auf Grund des§ III erhielt, weil sie öffentlich zum Widerstand gegen die Staats- gewalt aufgefoxvert haben sollte. Ebenfalls angeklagt wurden die Mitglieder des Gewerkschaftskartells, weil sie eine öffent- liche Tanzlustbarkeit über die Polizeistunde ausgedehnt hatten und der polizeilichen Aufforderung zur Räumung des Saales nicht un- bedingt Folge leisteten. Die Anklage wurde jüngst vor der S t r a f- kammer in Guben unter Vorladung eines großen Zeugen- aufgebots verhandelt. Rechtsanwalt Dr. H e i n e m a n n- Berlin. als Verteidiger der Angeklagten, verwies in seinem Plaidoyer auf Entscheidungen des Ober-Verwaltungsgerichts und des Kammer- gerichts, laut welchen angenommen wird, daß es sich bei derartigen Vergnügen nicht um öffentliche Tanzlustbarkeiten handele, sobald die örtlichen Gewerkschaftsmitglieder durch ein Kartell eine feste Verbindung miteinander haben. Auf diesen Standpunkt stellte sich ebenfalls die Gubener Strafkammer um so mehr, als eine strenge Kontrolle beim Eintritt ausgeübt worden war. Sie betrachtete jenes Vergnügen daher als Festlichkeit einer geschlossenen Gesellschaft, die der Polizeistunde nicht unterlag und mithin auch die Polizei nicht zu einem derartigen Eingreifen berechtigte. Damit fiel aber auch die Anklage gegen Frau W.. weil sie in einer geschlossenen Gesellschaft naturgemäß nicht öffentlich zum Widerstand gegen die Staatsgewalt aufgefordert haben konnte. Das Urteil lautete demgemäß für sämtliche Angeklagte auf F r e i s p r e ch u n g. Die Kosten wurden der Staatskasse auferlegt. Aufreizung zu Gewalttätigkeiten! Ein Anarchistenprozeß beschäftigte gestern die erste Strafkammer des Landgerichts I. Wegen Aufreizung zum Klassenhaß bezw Wider st andes gegen die Staatsgewalt waren angeNagt der Schriftsteller Erich Mühsam, der Tischler Paul A l i s ch und der Ziminerergehülfe Adolf Frintz. Den Vorsitz des Gerichtshofes führte Landgerichtsdirektor O p p e r m a n n II, die«nklagebehörde vertrat Staatsanwalt Dr. Lindow. Nach dem Anklagebeschluß werden die drei Angeschuldigten, die mit Ausnahme von Frintz noch unbestraft sind, beschuldigt, durch ein am 20. Januar d. I. ver- breitetcs Flugblatt zum Ungehorsam gegen die Gesetze und An- ordnungen der Obrigkeit aufgefordert sowie in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung gegeneinander angereizt, Frintz außerdem noch Widerstand gegen die Staatsgewalt geleistet zu haben. Am 20. Januar d. I. erschien ein von dem Angeklagten Mühsam als verantwort- sicher Redakteur unterzeichnetes Flugblatt, welches die Uitter- schrift:„Die Anarchisten Deutschlands" trug. In diesem Flugblatt, welches den„Proletariern" und„Genossen" gewidmet war. wendete sich der Verfasser in erster Linie gegen die sozialdemokratische Partei und forderte das Pro- letariat auf. sich auf seine Macht zu besinnen und sich durch einen Generalstreik von der Herrschaft des Kapitalismus und Militarismus zu befreien.— Der Angeklagte A l i s ch hatte diese Flugblätter in einer sozialdemokratischen Versammlung in einem Lokale der Memelerstraße berteilt, der Angeklagte Frintz hatte die Verteilung in dem Gewerkschaftshause übernommen; als er zur Polizei- wache gebracht werden sollte. stemmte er sich mit den Füßen gegen den Boden. Staatsanwaltschaftsrat Lindow hielt das Vergehen der Aufreizung durch dieses am Jahrestage der russischen Revolution verbreitete Flugblatt für gegeben und beanttagte gegen Mühsam 6 Monate, gegen Alisch 3 Monate, gegen Frintz4Mo- nate Gefängnis.— Der Gerichtshof erkannte gegen Mühsam auf 500 M. gegen Alisch auf 150 M.. gegen F r i n tz auf 200 M. Geldstrafe. Einziehung der Flugblätter und Unbrauchbarmachung der Platten. Das Flugblatt enthält u. E. weder eine Aufreizung zu Gewalt- tätigkeiten noch gar eine solche verschiedener Klassen. Es richtet sich im wesentlichen gegen die Sozialdemokratie. Und diese muß ent- schieden dagegen protestieren, daß die Meinungsäußerung ihrer Gegner durch Gerichtserkenntnisse eingeengt werde. Der 8 130 Stt.-G.-B.; führt in der ihm vom Reichsgericht zugelegten Trag- weite dazu, jeden politischen Gegner bestrafen zu können, weil er ein polittscher Gegner ist._ Ist Ankündigung eines Heilmittels Ausübung der Heilkunde?.. Eine Polizeiverordnung vom 19. Dezember 1820 und die Apothekenbetriebsordnung sollten die Apothckenbesitzer Hatzig und Richter aus Hannover übertreten haben, indem sie entgegen deren Bestimmungen die Heilkunde ausgeübt hätten. Die Anklage fand die„Ausübung der Heilkunde" darin, daß Zeitungsannoncen des Fabrikanten der Rhinofalbe erschienen, in denen im Einverständnis mit den Angeklagten deren Apotheken als solche genannt waren, wo speziell die Rhinofalbe zu haben wäre, die besonders geeignet sei zur Behandlung einer Anzahl in der Annonce aufgeführter Ge» brechen.— Die Angeklagten wurden jedoch freigesprochen. und daS Kammergericht verwarf am Mittwoch die Re» Vision der Staatsanwaltschaft mit folgender Begründung: Die Ausübung der Heilkunde sei etwas anderes als die Ankündigung eines Heilmittels. Die Heilkunde übe aus, wer individuell mit einem anderen in Verbindung trete, um fein Leiden zu heilen oder zu mildern. Wer aber dem ganzen Publikum gegenüber an- kündige, daß es gegen gewisse Krankheiten ein Heilmittel gebe und daß es bei ihm zu haben sei. der übe die Heilkunde nicht aus, — Die Freisprechung sei zu Recht erfolgt. Eingegangene DrucKfcbriften. Deutscher Kampf. HalbmonatSlchrist. Herausgeber: Dr. für. A. Pleitzner. Jahresabonnement K M. Verlag„Deutscher Kamps", Leipzig, Kronprinzenstr. 70. Slu die Ostsee! Die Stettiner DampsschlffSgcsellschast J. F. Bräunlich, G. m. b. H., zeigt die diesjährige Ausgabe ihres bekannten VerkehrShand- duches an. Die Broschüre wird gratis ausgegeben und ist zu haben bei Saßnitz-Trelleborg. Berlin«V.?. freie Vereinipng der Murer Deutseblands. Barcan C. 25. Ortsverein Berlin. Ulrtcnstr. 20. Telephon Amt 7, 4909. Mittwoch, den 30. Mai, abends 8V2 Uhr: Zwei große öffentliche Versammlungen"HWZ der Wsursr ZsrUns unü Nmgesenü in folgenden Lokalen: Bockors Clesellschaltshanüi, Weberstraße 17, „Artaslxoi", Perlebergerstraße 26. TageS-Ordnung: i Der Kuuschltiinde! i« Groß-Kerlin imb Welche Gefahren birgt derselbe in sich? 2. Diskussion.* 130/2 Die Versammlung im Viktoria- Salon ist polizeilich inhibiert; eS findet deshalb die zweite Versammlung, wie oben angegeben, im„Artushof", Perlebcrgerstr. SV, statt. NB. Die Zustände, die jeweilig im Berliner Baugewerbe grassieren, sind so lmgchcuerlichcr Natur, daß sie nicht nur den Bauhandwerker selbst, sondern die weitesten Kreise des gesamten Publikums interessieren dürsten. Wir laden daher nicht nur unsere Kollegen, die ja ohne weiteres in diesen Versammlungen zu erscheinen haben, sondern alle Interessenten des Baufaches ein._ Per Vorstand. i! Bohrlepr«1 Keifer. Mittwoch, bell BO. Mai, abends 8 Uhr: Versammlung im großen Saale vo» Keller, Koppenstraße 29. Die im Deutschen Metallarbeiter-Verband organisierten Rohrleger und Helser Berlins und Umgegend müssen zu dieser Versammlung ihr Mitgliedsbuch mitbringen. 120/11 Tages-Ordnung: Fortsetz»mg der DiSklissio» über die Resolution Hein, betreffend die Differenzen der Rohrleger und Helfer mit der Ortsverwaltung! Wir ersuchen die Kollegen, zu dieser Versammlung recht zahlreich zu erscheinen. Die Agitationskommisswn ist bereit, in allen auf den Konflikt bezüglichen Frage» Rede und Antwort zu stehen. Zu dieser Versammlung haben ausier allen Rohrlegern und Helfern Berlins und Umgegend selbstver- ftändlich auch die Mitglieder der Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes Zutritt. Ble Vertranensleute der Rohrleger und Helfer Berlins und Umgegend. _ I.A.; Die ausgeschaltete Agitationskommission. j........ man oas älteste tawmwjj Kester-QesebältS des S.-O. von* Wilhelm Mühlbach 1 empfiehlt zur Frühjahrssaison NeHte zu Damen« und Kinder. mänteln sowie sür Herren- und Knaben-Konsektion zu anerkannt PV" billigsten Preisen.-MHI Grollte Auswahl in fertiger I m iTh Konfohtlon. � iU Oppelnerstr. III l» Verwaltungsstelle Berlin. Haupt-Bureau: Eugel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 9079. Arbeitsnachlveis: Zimmer 31. Amt IV, 3353. Mittwoch, de» 30. Mai 1906, abends 8'/, Uhr: für den Osten, Sudosten und das Zentrum im groften Saale des Gcwerkschaftlhanses, Engel-ttfcr 15. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Heilmann:„Bapon und Zllrabean". 2, Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Mittwoch, den 30. Mai 1906, abendS 8 Uhr: Bezirks-Vgfi'fattt in Inn g für Steglitz, Gr. Kichterfelde u. Umgebung bei Reisen, Gr.-Lichtcrfelde, Chausseestraste 101. Tages. Ordnung: 1. Vortrag über„Uohnarbeit und Kapital". Referent Kollege Jakobsen. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Ohne Buch kein Zutritt. Pünktlicher und zahlreicher Besuch wird erwartet. Mittwoch, den 30. Mai 1906, abends 8'/, Uhr: Nttslliumlkllg der Gold- II. Jllbcrarbtittt mid»tti»«iidtkll Ktriislijicilslseil Mg» im Dresdener Garten, DreSdenerstrafie 15. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Kiesel. 2. Diskussion. 3. angelcgenheitcn und Verschiedenes. Verbands- Mittwoch, den 3«. Mai 1906, abends 8'/, Uhr: Branchenversaiiiiiiliiii!) der Graveure«.Ziseleure im Graphische» BcreinShause. Alexandrinenstraste 11. Tages-Ordnung: 1...Die xurzeit stattfindenden wirtschnftllchcn KU-nple und unsere Htcllnng dazu". Referent Kollege Gutschmidt. 2. Diskussion. 3. Branchcnangclcgenhciten. 4. Verschiedenes. Die äusterft wichtige Tagesordnung macht cö jedem"WZ ffSP" Kollegen zur Pflicht, pünktlich zu erscheinen.-9$% 120/2 Plo Ortsverwaltnng. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Donnerstag, den 31. Mai, abendS S1/. Uhr, im„Rosenthaler Hos�, Rosenthalerstrafle 11— 1Ä: Iranehen-Versamtnlirng Kr Steltnaeher. Tages-Ordnung: 1. WaS haben wir nach Beendigung unserer Lohnbewegung zu tun? 2. Diskussion. 3. Branchenangelcgenyeiten. 4. Verschiedenes. 8(5/9_ Achtung! kimiig! Rohrleger! Mittwoch, de» 36. Mai, abends 8 Uhr: Aligemsws VsrZKmmwng äsr Jsßr- leger im«! Keifer Berlins u. UmgegenÄ im grosten Saale von Keller, Koppenstr. 29. Tagesordnung: 1. Verbandsangelegenheiten. Fortsetzung der Diskussion vom 20. Mai. 2. Verschiedenes. 281/10' Die Kollegen, welche Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes sind, haben ihre Mitgliedsbücher mitzubringen. Wir ersuchen die Kollegen, zu dieser Versammlung recht zahl- reich zu erscheine». Die Dertrrnitllsltlrit der Rohrleger und Helfer Berlins und Umgegend. I. A.: Die.AgltatloasKomnlisslon,; Viele Tausende Exemplare. Glatte, gezwirnte und Köper-Gewebe. Kleidsame, glatte und faltige Fassons. Strapazierfähig und gut in Wäsche. 8.- 7.- 6, 5.- 4.- 3. ;2 Ml. Viele Tausend© Exemplare. Bewährte Loden, Cheviots, Zwirn- buckskins, Diagonale und andere Stoff-Erzeugnisse. Joppen- u. Jackett. fassons. 24.- 21.- ISIS.- 12,- 10.- e Mk. Der Haupt-Katalog Nr. 29(Frühjahr u, Sqmmer) wird kostentos a, portofrei zugesandt. Baer Sohn Spezialhaus grössten Massstabes Chausseestrasse 24*125 o 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20, Achtung! Mitglieder der Achtung! um und anderer gcwerbl. Arbeiter. (Eingeschr. Hülsskasse Nr. 3.— Verwaltung Berlin«.) ÜP" Versammlung am Dienstag, den 29. Mai, abends 8'/? Uhr, im„Freischütz"(Jnh. Flechs), Fruchtstr. 36. Tagesordnung: l. Kassenbericht vom ersten Quartal 1966. 2. Stiitutenberatnng. 3. Aufstellung der Kandidaten zur Generalversammlung nach Blankenburg. 4. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 5. Verschiedene Kassenangelegenheiten. Da in dieser Versammlung event. wichtige Beschlüsse betreffs 3 12 sKrankeunnterstützung) gefaßt werden, ist es Pflicht eines jeden Mit- glredcs, zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Im Anschluß an die Wahl der Delegierten zur Generalvcrsamm- lnug findet die Wahl der Delegierten zur Franen-Sterbekasse statt. Wir ersuchen daher die Mitglieder, deren Frauen Mitglied genannter Kasse sind, die MitgliedStücher mitzubringen. 184/11* Die Orhrrerwaltung. Cliarlottenburgp! Mittwoch, den 30. Mai, abends 8'/- Uhr: Oeffentliche tarksekfts- Versammlung im„Bolkshause", Rofinenstr. 3(großer Saal). Tages- Or d n un g: i. Die Schädlichkeit der Akkordarbeit im Maurergewcrbe; die Aussperrung der auf dem Neubau des Schiller- Theaters beschäftigt gewesenen 08 Maurer und die Behandlung dieser Angelegenheit in der Stadtver- ordneten-Bersammlung am£8. Marz. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 144/2» In Anbetracht der äußerst wichtigen und besonders für die Angehörigen der Bauberuse interessanten Tagesordnung ist das Erscheinen der Mitglieder aller Berujsgruppen dringend erforderlich. Der Vorstand des Zcntralverbandes der Maurer Deutsch!. Zahlstelle Charlottendurg. I. A.:£■ Lehmann. NB. Zu dieser Versammlung sind schristlich eingeladen die Herren Direktor Loewenteld, Oberbürgermeister Schustehrus, Bürgermeister Mattlng, Stadtbaiwat Pros. Schmalz, Stadtbauinspektor Winterstein und sämtliche Stadtverordnete. D. O. frlirplan-Merung Stettin- Kopenhagen- Christiania. Der in den Kurs- und Eeisobüchorn(Mal-Ausgabe) enthaltene Fahrplan ist unrichtig. Fahrpläne� gratis und franko durch Onatav Mctzler, Stettin P. "I frei 1 Laden mit Wohnung, monatl. 87,50 M. �,LUUfL1- sll-»-!.€> u, i Wohn. 42,75 M. durch Beutsebel, III Ausnahmepreise für Mai, Juni. Juli. Kk. B. Koch, X Kohlen-Groll-Handluiig Berlin 0. 34, Brombergerstr. 15. 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Hurwitz Rotes Schloß 1071L* _ vl.-a-vfs dem yatlonal-Denkmal. Lkiantwortlicher Redakteur: Kans Wcbcr, BeMz.�Uz bkS Lnsekatellteil baagiOLi Si, Sectio. Druck u. Verlag: BortvärtSBuSdiuckerü u. VerlaüSgnMt Zaul Swger& So., Berliu SW," Nr. 122. 23. Jahrgang. 2. Mar b.Fmilrts" K Dienstag, 29. Mai 1905. Vierte Generalnersanttttlnng des Verbandes städtischer Arbeiter. Mainz. 27. Mai. Der Generalversammlung geht am Sonnabend voraus eine Konserenz des Krankenpflege-, Massage- und Badcpcrsonals, die erste dieser Art. Sie ist von 20 Delegierten besucht, die 1800 Personen vertreten. Bürger(Redakteur der„Gewerkschaft") referiert über die Lage der in Kranken- usw. Anstalten Beschäftigten. In längeren Darlegungen schildert der Redner die bielfach erbärmlichen Ber- Hältnisse in den Anstalten. So tiefsinnig die Aerzte z. B. ihre eigenen Berufsfragen behandeln, so unpraktisch stellen sie sich bezüglich des Pflegewesens an. Hier ging es sehr langsam, bis die Erkenntnis sich Bahn brach, daß von der Pflege eines Kranken der Heilprozeß wesentlich abhängt. Es kann doch nicht angehen, daß man das Pflegepersonal der Ansialten der Gesindeordnung unterstellt. Es sind wichtige Organe, die sehr Wohl berechtigt sind, eine würdigere und freiere Behandlung zu verlangen. Das AnstaltS- personal bedarf unter allen Umständen der Koalitionssieiheit, um sich selbst helfen zu können. Bis heute haben die Anstaltsleitungen sich gehütet, ziffernmäßige Mitteilungen über die Lage ihres Personals zu machen. Leider muß festgestellt werden, daß die Aerzte nicht das geringste Verständnis fiir das Bedürfnis des Pflegepersonals an den Tag legen. Die Löhne sind sehr niedrig, sie schwanken zwischen 20 bis 50 M. pro Monat, die Mehrheit hat zwischen 80 bis 40 M., die Irrenanstalten sind ein klein wenig besser. Die Fest- setzung der Löhne erfolgt rein willkürlich. Infolgedessen besteht eine große Fluktuation unter dem Personal. Daß unter solchen Umständen von einem gründlich geübten, erfahrenen Personal in nur wenigen Anstalten die Rede sein kann, versteht sich von selbst und auch die Pflege ist danach. Den Aerzten dämmert es aber nicht, wie einzig und allein hier geholfen werden kann. Dabei Iverden von den Leuten außerordentlich hohe Leistungen ver- langt. Die Reichsregierung macht jetzt Versuche, wenigstens den ärgsten Mißständen abzuhelfen durch Einführung deS Prüfungs- Zwanges, es wird aber nicht allzu schnell gehen, bis hier ein Erfolg erzielt wird. Die B e k ö st i g u n g des Personals in den Anstalten läßt einfach alles zu wünschen übrig, mit den E i g e nr ä u m e n des Personals sieht es ebenfalls sehr schlecht aus. Vielfach haben die Leute keine eigenen Schlafräume. Der schlimmste Fehler ist über« lange, in vielen Fällen ununterbrochene Arbeitszeit, zum mindesten aber Dienftbereitschast. S trunk- Berlin berichtet über die Verhältnisse des Bade- und Massagepersonals, die um nichts besser sind als die von Bürger vor« getragenen. An besonders drastischen Fällen zeigt er den hohen Grad der Ausbeutung, welcher diese Arbeiterkategorie ausgesetzt ist. Wie Sklaven werden die Leute behandelt und allgemeine Entrüstung erregt die Verlesung der Vorschriften der Anstalt von Kreiselmayer in Ncubabelsberg bei Berlin. Im übrigen schließt sich Redner den von Bürger aufgestellten Leitsätzen an. In der Diskussion tvird noch eine Menge von Mißständen in S«n Anstalten zutage gefördert. Um all den zahllosen Mißständen auf den Leib rücken zu können, werden die Leitsätze Bürgers in folgender Fassung angenommen als Programm, beschlossen von der ersten Kon- ferenzdesPersonalsderK ranken- undJrren- Häuser usw. 1. Verbot der weiblichen Pflege auf Männerstationen öffent- sicher Anstalten durch Reichsgesetz. 2. Durchführung der bundesrätlichen Vorschriften betreffend Regelung des Pflegewesens: a) obligatorische Ausbildung, b) Regelung des Prüfungswesens. 3. Unterstellung des Anstaltspersonals unter die Reichsgewcrbc- ordnung. 4. Zuständigkeit der Gewerbegerichte für das Anstaltspersonal. 6. Reform des Zeugniswescns. 6. Zahlung angemessener und auskömmlicher Löhne unter Festlegung der Mininialsätze und der Dienstalterszulagen. 7. Anerkennung des§ 616 des B. G.-B. durch Fortsetzung des Lohnes während militärischer Uebungen, Krankheiten(Diffe« renz zwischen Lohn und Krankengeld), Beurlaubungen usw. 8. Allsdehnung der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung aus das Anstaltspersonal. g. Sicherung durch Pension bezw. Ruhelohn und Hinterbliebenen- fürsorge. 10. Geionhrung eines Sommer- bezw. Erholungsurlaubs unter Fortsetzung des Lohnes und angemessener Entschädigung für Kost und Logis. 11. Festlegung der Dienstzeit auf höchstens 12 Stunden täglich einschließlich der Frühstücks-, Mittags- und Vesperpausen. Tunlichste Beseitigung der Ueberstunden, wo diese nötig werden, sollen sie mit Zuschlägen besonders bezahlt werden. 12. Trennung des Nachtdienstes vom Tagesdienst durch Eiiifühning von Doppelschichtcn und Ablösung. 13. Abschaffung des TrinkgelderunivesenS. 14. Gewährung einer Freizeit(Ruhepause) von mindestens 86 Stunden wöchentlich. 15. Anerkennung der persönlichen Freiheit während der dienst- freien Zeit. 16. Beseitigung des heutigen Kost- und Logisweseus in den An- stalten. 17. Reform des Strafsystems im Sinne der Gewerbeordnung. 13. Einführung von Arbeiter- beziehungsweise AnstaltSauSschllffeii. 19. Einheitliche Regelung der Kündignngssristen. 20. Berücksichtigung der Dienstzeit im Pflegedienst beim Stellen« Wechsel, soweit dies möglich ist. 21. Schaffung unparteiischer Berufungsinstanzen zum Schutze gegen ungerechte Entlassungen. 22. Gleichstellung des männlichen und weiblichen Personals in allen Dingen. Zur Organisationsfrage wird eine Resolution MohS angenommen, die besagt: Die heutige Konferenz deS Massage-, Bade- und Kranken- Pflegepersonals erkennt als zuständige Organisation nur den Ver- band der in Gemeinde- und Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter an. Als Organisasionsform ist die Sektionsgliederung auf lokaler Basis anzusehen. Der Stellen-NachweiS und die„Sanitätswarte" sind beizubehalten. Hierauf wird die Konferenz geschlossen. Die eigentliche Generalversammlung trat am Sonntagirachmittag in der Neuen Anlage zusammen. Anwesend sind 62 Delegierte, sieben Vorstandsmitglieder und die Beamten der Zweigbureaus, so- wie verschiedene Gäste. Klein- Mainz begrüßt die Delegierten und M o h s- Berliir erklärt den Verbandstag' für eröffnet. Helle Empörung rief es her- vor, als dieser die Mitteilung machte, daß die Leipziger Stadt- Verwaltung den dortigen Delegierten bei Entlassung verboten habe, den'Verbandstag zu besuchen. Nach Erledigung einer Anzahl Formalitäten erfolgt Schluß der Sitzung._ Zentral Kranken- und Sterbekasse der Tischler und anderer ge- lverblichen Arbeiter. lEingeschr. Hülsskasse Nr. 3.— Verroaltung Berlin Ct.) Versammlung am Dienstag, den 29. Mai, abends 8>/z Uhr, im„Freischütz" (Juh. FlcchS), Fruchtstr. 36. 1. Kassenbericht vom ersten Quartal 1906. 3. Statutenberatung. 3. Ausstellung der Kandidaten zur General-Vcr- sammlung nach Blankenburg. 4. Wahl der Delegierten zur General-Vcr- sammluna. 5. Verschiedene Kassciiangclcgenheiten. Verband deutscher Gastwirtsgeyülfeu. OrlSvertvalwng Berlin. Ocffeutliche Versammlung aller Hotel- und Rcstaurantaugestellten in den „Jndustric-Festsälen", Beüthstr. 19/39. 1. Die Lage der deutschen Hotel- und Restaurantangestellten im Auslände; das Wirken de» Genser Verbandes, des Deutschen Kellnerbundcs und der christlichen Kcllnervereine. Rcserent: Kollege Baumcister-London. 2. Freie Aussprache. tWitlernngsilberstcht vom 5J8. Mai I!>0G,»lorge»? 8 Ith«. Wetter-Prognose für Dienstag, de» SS. Mai ISVV. Mild, jedoch vorherrschend wolkig mit leichten Negcnsällen und schwachen südwestlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r e a u. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zheater. DienStag, 29. Mai. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Don Juan. Schauspielhaus. Othello, der Mohr von Venedig. Neues Operntheater. Ein Maskenball. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Neues. Orpheus in der Unterwelt. Ansang 8 Uhr: Westen. Der Zigeunervaron. Schiller O.(Wallner-Theater.) Die Macht der Finsternis. Schiller ZV.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Jugendliebe. Hieraus: Die Dienstboten. Lessiug. Da? LebenSsest. Kleines. Ein idealer Gatte. Berliner. Die lustige Witwe. Komische Oper. Der Corregidor. Residenz. LiebcSkunst. Zentral. Giroflö-Giroflä.(Ansang S'/. Uhr.) Lustsptelhans. Die von Hochsattel. Trianon. Loulou. Thalia. Hochparterre links. Mctropol. Llus inS Mctropol. Deutsch- Amerikanisches. Arme Mädchen. Kasino. Madame Bonivard. Slpollo. Das blaue Bild. Spezia- litäten. Carl Weist. Der Weg des Mär- tyrers. Hansa. DaS Wunderkind. Familie Bernstein. Bellc-Zllliauce. Abends nach Neune. Wintergarten. Tortajada. Spcztali- täten. Passage. Spezialitäten. Reichshallr». Stettiner Sänger. tlranin. Taiibenitras-e 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngste AuS- brach des Vesuv. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Gastsp. des Neuen Operctlen-ThcaterS aus Hamburg. (Direktor Max Monti). Donnerstag und solgende Tage Ansang 8 Uhr: ilie lustige Wwe. Heues Theater. Ansang Tl, Uhr. OmHs i iler Ii Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Ei« idealer Galle. Morgen: Gin idealer Gatte. ' Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr: L-oulon. Neue kgl. Oper (Kroll). Anfang 71/, Uhr. Dienstag, den 29. Mai 1906: Bin Maskenball. Oper in 4 Akten von G. Verdi. Mittwoch: Boccaccio. Donnerstag: Martha. Freitag: Fra Diavolo. Vorverkauf im Kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und Invalidendank. (Station Zoolog. Garten), Kantstr. 12. Dienstag 8 Uhr: 28. Vorstellung im DicnStagS- Abonnement: vis �aubcrtlöts. Volkstümliche Preise. Mittwoch 8 Uhr: 29. Vorstellung als FrcitagS-Abonnemcnt: 9er Zigeuner- baron. Volkstümliche Preise. Donnerstag 8 Uhr: 39. Vorstellung als DienstaaS-Abonncmcnt: Hie vier Grobiane. Volle Preise. Freitag, Sonnabend geschlossen. Komische Oper. Abends 8 Uhr: Ver Corregidor. Mittwoch: Figaros Hochzeit, Donnerstag: Don Pasqual.e. Freitag: Haffmanns Erzählungen. Sonnabend: Hoffmanns Erzählungen. Zentral-Theater. (Operette). 8 Uhr(kleine Preise!): (hroklS-Giroklä. Hesidenz-Tlieater. Direktion: Richard Htocandcr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Liebeskunst. Komödie in 3 Akten v. Läon Tanres _ und Michel Carrä._ Lustspielhaus. Allabendlich 8 Uhr: Die von Hochsattel. Deutsch-Amerikanisches Theater. Köpenickerstr. 67/68. is;«2.«s! „Arme WdeliSA." Von Adolf Philipp. Anfang 8 Uhr 15.-UAA Metropol-Thealer Anfang 8 Chr. «1. Grolle.Tahresrevne mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaonder. Rauchen überall gestattet. Carl Weiß-Theater. Gr. Franksurterstr. 132. Täglich 8 Uhr: Der Weg des Märtyrers. Schauspiel in 5 Akten v. St. Remling. Sclitiler- Schiller-Theater 0.(Wallner-Thealer). DienStag, abends 8 Uhr: VI« Zlaoht der Finsternis. Schauspiel in 5 Alten v. Leo N. Tolstoj. Deutsch von Raphael Löwenseld. Mittwoch, abends 8 Uhr: Cehernnsere liraft.(2. Teil.) Donnerstag, abendS8Uhr: tugendiiehe. Hieraus: Die Diensthelen. Tlieater. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh.Th.) DienStag, abends 8 Uhr: .Biijjeiidlteh«». Lustspiel von Adols Wilbrandt. Hieraus: vi« 4Mc»«tI>ot«n. Lustspiel von Noderich Bcnedip. Mittwoch, a b e II d S 8 U h r: Das Cnmpenjxeslnd«!. Dci!nerStag,adeiidS8Uhr: Uns Glück im Winkel. j Im Garten tägl. gr. Hllitar-Konzert, Max Kllems Sommer-Theater. Hasenheide 13—15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater u. Spezialitäten-Vorstellung. [ Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. BV Die Kassceküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet.-TSäß 2 hochelegante Kegelbahnen, Würsclbudcn, Konditorei, Blumenstand-c. _ In den Sälen: Cr r o ß e r Ball."MW Straßenbahn: Nr. 1, 2, 4, 17, 59, 62, 63, 74. Stm Königstor. Am FriedrichS- hain. Pfingsten: Beginn der Hauptsaison. «.'Feier?«?- ItÜlt'ZfoltfKft und MZtklIUNg. j�cuc Spezialitäten und Cheatcr-VorfteUung. Von Psingsten ab tägliche Vorstellungen. 13012» Apollo-Theater. 9'/. Uhr 9'/, Uhr Musik von Paul I.incke. W�lßUhrr-Wk? Ein Abend in einenl amtriKanlsch.Tingki-Tangcl. Vorher 8 Uhr die glänz. Spezialitäten. Ab Tl, Uhr: Garten-Konzert. 1 Passage-Theater. Ansang 8 Uhr. Das neue i Mai-Programm Urania j,;.«/«: Täglich abends 8 Uhr: Der jüngste Aiislirucb des Vesuvs. Sternwarte ,nv,,,l in den unteren Sälen � Mittwoch u. Sonnabend: Freiiani. W. Noacks Tlieater. Direktion: Hob. Olli. Brmmenitr. 16. Heute: Geschlossen. Sonntag, den 3. Juni: Eröffnung der Sommer-Saison. Konzert, Theater, Spczialitilton. Ansang Sonnt. 5 Uhr, wochent. 6 Uhr. Belle-Alliance-Theater. Ansang 8 Uhr. Parkett 1,50 M. Abends nach Neune! Im herrlichen IS rilT/Pf-f Sommcrgarten i. Ansang 4 Uhr. Spszialilälcu ersten Ranges. Ansang 6 Uhr. Entrce 50 Ps. Singer Nähmaschinen. Ginfache Handhabung! 3302" Graste Haltbarkeit! Hohe Zlrbeitslctstung! Weltausstellung rifonrl Dci-v Weltausstellung Paris 1900: UI dllU fTIX st. Louis 1904. Unentgeltlicher Untcriicht, auch in moderner Kunststickerei. Elektromotore für Nnhmaschincnbetrieb. Singer Co. Nähmaschinen Hct.Ges. Berlin W., Leipzigerstr. 92. 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Jerusalemerstr. 41, Eck. Krausenst. Kaiser Wilhelmstr. 19, Eck.Hünzst. Markgraf enstr. 17, Ecke Junkerstr. Oranienstr. 30, Ecke Adalbertstr. Potsdamerstr. 57/58, Eck. Bülowstr. Prinzenstr. 91, Ecke Ritterstr. Eosenthalerstr. 48, EckeN. Schön- hauserstraße. Uhlandstr. 33, E. Lietzenburgerstr. Wallstr. 14a, Ecke Neue Grünstr. Wienerstr. 22, Ecke Grünauers tr. Rixdorf: Bergstr. 146. V erkaufss teilen: Zoologischer Garten, Pavillon. Landesausstellungspark am Lehrter Bahnhof.• Verband d. baugewerblichen Hültsarbeiter Deutschlands. Zwcigvercin Berlin. Bezirk Rixdorf. Todes- Anzeige. Am Sonnabend, den 26. Mai, verstarb unser treuer Verbands- Kollege Paul Krüger, Harzerstraße 88. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 30. Mai, nachmittags 4'/, Uhr, vom Rixdorfcr Ge- meinde- Friedhof, Mariend orfer aus statt. 34/13 Um rege Beteiligung ersucht vor Zweigvereins-Vorstand. grm 26. Mai entschlief nach langen ■d- schweren Leiden mein innigst- geliebter Mann, unser lieber guter Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager, Onkel und Großvater, der Hauseigentümer >V,lketm Holfer im 64. Lebensjahre. 13942 Die? zeigt im Namen der Hinterbliebenen ticfbettübt an •Vennz" Holfer. Die Beerdigung findet am Dienstag nachmittag 6 Uhr. vom Trauerhaufe, Pintschstratze 4, aus nach dem Petri-Kirchhose, Frieden- strage, statt. freie Vereinigig der Musik- instrüiuenten-ÄrbeiterDeütsclI. (Fachverein.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Otto HSpfner am 25. Mai nach längeren Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus stalt. Zahlreiche Beteiligung wünscht 141/12 Der Vorstand. Allen Kollegen zur Nachricht, daß heute, Dienstag, nachmittags 4'/, Uhr, die Beerdigung unseres Kollegen Ott« HSpfner von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes in Rixdors aus statt- findet. 1139 Die Kollegen von Koch& Co. Sozialdemokrat Wablverein für den If.Berliiierlleiebstaiswablkreis Görlitzer Viertel. Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Zimmerer 243/10 Wilkelm ttensel, wohnhast Grünauerstr. 11 (Stadtbezirk III) gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Dienstag, den 29. Mai, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle des Emmaus- Kirchhoscs aus statt. Uni zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Zentral-Kranken- nnd SterkekasstderZimmerer. (Filiale Berlin 5) Hiermit zur Nachricht, daß am 25. Mai unser Mitglied Wiliielm Bensei im Silier von 43 Jahren plötzlich gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 29. Mai, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- balle des EmmauS-Kirchhojes in Rixdors aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 259/12 Der Vorstand. Mral-Vorband der Zimmerer Deutschlands, (Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 6.) Allen Kameraden hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied Wilbelm Hensei verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute nachmittag 6 Uhr von der Leichen« Halle des EmmauS-Kirchhoses in Rixdors aus statt. Um rege Beteiligung bittet 254/12 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManncS sage ich allen meinen tiefgefühlten Dank. 13972] Witwe Bahn. Deutseher Buchbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Am Sonnabend, den 26, Mai, starb nach längerem Leiden unser langjähriges Mitglied, der Buch- binder Otto Msx Müller an der Proletarierkrankheit. Wir werden sein Andenfeu in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 29. d. MS., nach- mittags 4>/,Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Thomas- Kirch- hofeS, Hermannsiraße, auS statt. 24/3 Die Drisverwaliung. Sozialdemokrat Wahlverein LlUerLReielistäp/ätilkreis (Köpenicker Viertel.) Todes Anzeige. Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Arbeiter i(grl küttaer wohnhast Waldemarstr. 12, Stadt- bezirk 97, gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 30. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes in Friedrichsselde statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Zentralvertiand der Bandeis-, Transport-, Verkehrsarheiter und Arbeiterinnen Dentschlands. Verwaltungsstelle Berlin I. tierdurch diene zur Nachricht, unser langjähriges Mitglied, der Kollege !(arl Büttner an der Proletarierkrankheit ver- storben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 30. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Städttschen Friedhoses in Friedrichsselde aus statt. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Die Drisverwaliung. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten sowie dem Zenttaloerband der Maurer, Zweigstelle Berlin, und den Kollegen, die meinen Mann nach der Grust getragen haben, sage meinen aufrichtigsten Dank. 21126 Witwe Alwine Woitschach geb. Herke nebst Töchtern u. Schwiegersöhnen. Gesangverein„Neu erwacht" Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser sangesbrnder Karl Büttner am Sonntag, den 27. Rai, ver« storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 30. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-FriedhosZ in Friedrichs- selde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 2131b Der Vorstand. Treffpunkt der Sangesbrüder: 3'/, Uhr bei Wolf, Hagenstr. 1» Friedrichsselde. d.Sle!i!dri!ckorB.Mgrapbe!!. Die Beerdigung des am 25. Mai verstorbenen KupserdruckerS iugust Helmholz findet am Dienstag, den 29. Mai, nachmittags 4 Uhr, von derLeichen- halle des St. Thomas-Kirchhose», Rixdors, aus statt. 2t21b Das Kemite». Danksagung. Allen Freunden nnd Bekannten, insbesondere den Kollegen der Firma M. Slnschel u. Co. und Bukoszer so- wie den Lottericvereinen»Gute Hofs« nung" und.Anfang» sage ich für die herzliche Teilnahme beim Be- gräbniS meiner lieben Frau .Anna Heibig meinen herzlichsten Dank. 1393L Berlin, den 27. Mai 1906. Bernhard Hclblg. Achtung! Achtung! Vertrauensleute.Deutsch. Ktetallarbeiter-Verbandes Für die von den Metallindustriellen zum 2. Juni anqekündiqte Aussperrung sollen, zur Auftechterhaltung der Kontrolle, sowie zur schleunigen Mitteilung notwendiger Informationen an die Mitglieder, eine Reihe von Auskunftstellen errichtet werden. Die Adressen dieser Auskunftstellen werden mit Inkrafttreten der Aussperrung veröffentlicht. Jeder Auskunftstelte werden ein oder mehrere Betriebe zugeteilt. Um die Zahl und die Lage der Auskunftstellen möglichst zweckentsprechend einrichten zu können, fordern wir unsere Vertrauensleute auf, uns sofort mitzuteilen, ob in ihrem Betrieb der Anschlag, die Aussperrung betreffend, angebracht ist. Diese Mitteilung, die an den Unterzeichneten zu richten ist, muß enthalten: i Den Namen des Betriebes. 2. Die Adreffe der Firma. 3 Die Zahl der im Betrieb Beschäftigten. Unsere Vertrauensleute werden nochmals ersucht, den Mitgliedern ihre Bücher auszuhändigen. Weitere Anweisungen erfolgen in den nächsten Tagen im»Vorwärts-. Deutscher Ilfctallarbeiter-Verband(Ortsvcrwaltung IMn). 120/3 I. A.: Adoli Cohen, Engel-User 15L Eine Hark wöchentl. Teilzahlung lielere etegaate, fertige Herren- Men. Ersatc für Zlas». Oass-Anlertigang feinste Verarbeitung Oaraatle tadelloser Sit». I. Kurzberg Ad der Jannovitz-Brilcke I, u direkt am Bahnhof. Kein Waren-Kredithaus. Lassen Sie sich nicht durch unwahre Behauptungen irreführen! 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Sur die Ge nnne Uber 240 Mark siud den betreffenden Mummern in Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck verholen. 124 204 15 310 41 458[500J 579 681[5001 713 823 956 1033 104[5001 43 235 töOO] 449 719 50 892 927 2049 102 376 405 511 28 50 82 600 3058 438 15001 528 712 38 819 4090 151 262 86 406 62 634 993 5010 115 80 414 676 678 920 6164 253 90 301 407 47 7223 343 429 49 95 503 762 75 8040 133 57 207 47 456 506 47 608 99 753 829 62 9088 114 214 425 51 794 10080 15001 211 372 601 30 44 773 15001 11113 347 439 574 633[30001 72 773 857 15001 68[500] 969 84 '12058 294 95 328 454 515 736 868 11000] 85 13210 SSM 445 503 43 53 616 986 14381[1000] 94 418 70 539 695 712 836 40 1500 1 932 1 5053 197 205 529[500] 703 (16162 361 449 506 19 627 852 1 7055 192 422[3000] 582 606 744 1 8387 98 431 48[1000] 534 608 19068 140 110001 95 295 422 655 657 20040 67[ISOOOJ 228[500] 317 503 813 904 30 37 41 67 1 10001 73 2 1013 139 389 648 724 828 2 2249 305 483 543 625 47 928 29 74 89 2 3068 276 318 25 756 70 24312 437 706 871 1500] 960[10001 25148 381 430 728 47 52 835 82 948 26144 81 232 401 540 605 110001 775 808 44 901 61 27003 124 393 420[10001 89 518 624 98 713 855 72 28011 105 448 506 86 1500] 824 29014 147 69 1500] 335 425 80 539[500] 705 47 56 [500] 805 65 933 30124 367 569 769 873 939 HO OOO] 31059 1500] 90 557 612 894 3 2096 169 418[500] 561 607[30001 13 86 33213 390 575 711 34010[5001 161 216[500] 478 85[1000] 581 687 715 872 988 3 5046 182 1500) 318 618 1500] 77 36136 340 412 590 746 82 865 906 11 37125 241 503 27 728 863[1000] 38164 514 815 950[1000] 64[30001 82 94 39077 79[1000] 95[1000] 166 346 97 506 741 15001 979 94 40052 85 108 1500] 267 309 453 305 969 72 41113 215 40 73 79 545 634 72 941 11000] 42106 213 373 556 654 63[500] 97 835 942 43049 11000] 56 1500] 143 130001 47 727 67 882 911 44097 237 305 419 33 83 573 893 4 8098 135 43 293 401 13000] 44[500] 46031 163 825 978 4 7096 99 298 379 83 99[500] 419 20 531 624 887 48186 97 374[1000] 543[500] 712 49 839 994 49070 163 318 33 442[500] 86 688 740 925 50010 37 144 213[1000] 67 619 67 70 705 871 [500] 83[ 500] 944 5 1 238 73 526 939 52141 246 390 552 70 916 76 5 3022 416 55 691 767 860 87 985 54155 284 469 7 4 95 15001 611 1500] 718 888 946 55151 66 207 23 80 634 110001 43 75 935 89 56038 1500] 45 341 738 65 984 57226 349 65 446 75 664 801 974 91 58135 15001 809 957 5 9019 253 1500] 338 424 60395 415 56 576 615 96 804 985 61141[30001 371 464 506. 0 640[3000] 743 999 6 2263 312 37 40 442 84[500] 93 764 978 6 3210 19 48 93 330 13000] 464 618 921 59 6 4198 245 66 312 55 76 411 31 63 520 663 750 905[500 1 91 65171 211 61 517 56 58 634 734 6 6015 131 258 672 95 754 87 906 64 6 7086 457 13000] 70 80 590 94 96 615 40 728 867 91 955 6 8097 117 87[30001 319 639 795 956 69153[3000] 77 252 5?2 601 9 47[500] 706 834 80 916[500] 70294[10001 333 41 64[500] 66 403 547[10001 664 719 29 7 1010 82 85 157 422 1500] 66 636 86 72060 242 83[5001 547 76 86 600 09 932 7 3073 280[10001 317 25[500] 77 453 578 79 919 74372[1000] 427 545 670 34 7 5098 280 426 86 731 824 15001 32 89 98 7 6239 [3000] 369 88[500] 627 48 86 916 50 7 7320 25 93 I IOOOI 413 785 943 78174 130 0001 276 90 363[500] 425 707 913 18 56 7 9 474 773 945[5001 80064 227[10001 346 590 756 8 1278 336 423 823 82201 9 28 513 32 644 826 912 8 3042 155 313 66 413 525 677 707 32 811 84033 324 32 61 547[500] 630 701 85198 338 479 502 9 793 908 86 1500] 86266 538 673 97 789 94 968 87153 224 348 5:55 92 88426[500] 67 831[30001 40 86 89145 671 949 57 77_ 90287 13000] 95 340[5001 532 614 93 859 929 48 910O5 97 332 448 525 704 87 808 70 958 9 2142 44 81 [500 1 211 393 617 130001 872 99-2 9 3075 89 819 75 11000] 959 9 4017 24 202 382 469 603 1.5001 856 73 95103 [30001 20 208 88 359 415 8! 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Ziehung 5. Kl- 214. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 28. Mai 1906, naebmitlags. Kur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten. 15[3000| 148 432 83 530 775 987 1051 52 92 850 930 2367 400 644 48 759 899 3501 82 815(10001 99 989 4025 105 46 253 345 856 82 924 48 81 5005 200 91 315 67 467 811 947 54(10001 94 6034 104 98 247 546 737 7265[5001 404 23 38 754 994 96 8033 324 34 425 516 28[500] 653 66 9033 426 500 74 854 10277 476 504 36 53 691 905 11016(3000] 118 210 491 543 53[1000] 73 795 1 2012 28 101 92 272 399 480 [5001 673 855 955 96 1 3181 225 51 62 332[1000] 671 90 783 836 46 934 83 1 4143 354 87 710 87 870 905 11000] 64 75 1 5032 122 24 26[10001 385 406[1000] 901 16320 [30001 484 612 794 830 64 965 1 7022 26 39 93 156 86 394 473 76 518[1000] 649[5001 726 825 1 8163 450 [10001 682[1000] 714 873[500] 83 1 9002 125 89[3000] 224[10001 28 355 66 841 60 78 20049[5001 58 13000] 94 400 710 21106 234 43 409 25 26 820 925 70(30001 22034 176 85 207 88 411 68 552[50001 670 737 23061 104 52 384 420 64[5001 502 624 30 78 87 833 39 2 4413 544 699 795 926 2 5014 94[5001 146 380 427 82 516 37 51 876( 3000 1 952[1000] 59 67 2 6410 587 15001 636 722 63 822 37 86 94 912 27049 84 311[30001 57 567 614 28114 32 256 327 630 785 941 64 2 9054 409 515 902 34 71 30085 340 444 56 704 15 68 842 3 1 075[500] 145 218 27[500] 41 330 61 494 702 840 44 3 2193 263[500] 74 491 655 88[10001 844 33152[30001 75[500] 276 383 401 695 942 3 4210 389 543 87 661 777 80 938 35433 53 685 960 3 6027 181 243 51 504 35 637 704 846 79 3 7033 56 436 97 545 809 20 55 3 8110 20 446 528 50 605 746 814 48[500] 952 39131 286 307 39 86 438 88 850 944 40112 18 1500] 705 840 984 4 1020 75 145 255 56 82 340 53 471/532 62 71 956 42187 241 359 85 452 573 43057 60 89 188 285 645 759 815[5001 95 44016[5001 125[ 1000 1 45 509 17 1500 1 960(30001 45213 31 51(30001 381 457 510 753 966 4 6281 351 470 806 10 48 83 95 984 47157 69 76 387 466 672 97 756 89 829 92[1000] 945 88 4 8038 162 247 84 589 618 791 878[1000] 93 [1000] 49010 106 329 578 721]500] 885 931 50044 129[10001 47 336 82 669 741[5001 912 [10001 52139 259 348 452 744[500] 802 937 39 53017 64 115 15001 74 486 520 642 69 862 97 5 4033 123 494 637 915 5 5025 426 ,550 51 95 728 130001 r6 56101 321 95 490 767 900 19 27 5 7009 548 50 761 854 72 58014 197[10001 534 703 998[5001 59011 177 11000] 423 85 567 881 15001 901 27 84 . 60003 37 181 15001 83 371 672 82 892 6 1085 336 [30001 50[5001 409[1000] 698 727 46 90 824 6 2034 85 400 559 110001 615 17(10001 711 47 916 6 3003 107 54 375 84 422 32 78 690 723 64125 410 57 557 608 70 737 937 65303 84 663 724 79 82 922 15000] 66074 130001 250 552 657 946 6 7352 579 611 718 051 77 69144 56 207 29 309 539 879 937 49 7O106 12 202 394 456(5001 516 26 35 86 621 98 767 868 918 65 71178 91 506 56 708 Ä7 813[500] 65 72035 110 94 240 350 694 643 841 73078 114 110001 205 54 56 415 570 802 29 989 91 74216(5001 47 499 664 714 829 75112 229 44(5001 891 99 76114 86(10001 297 305 16(10001 56 447(10001 619 91(600) 819 923 7 7097 207 12 19(5001 314 62 560 635 90 7 8221 631 67 710 92 943 79052 60 686 934 «0085 147 84 602 63 81039 142 271 439 47 516 93 613 8 2289 576 939 8 3074 256 458 508 15 24 759 814 84049 189 880 910 1500] 85013 15001 94 254 306 422 503 98 631 86025 130001 39 50 11000] 94 119 45 304 564 610 44(10001 875 87175(10001 303 23 461 515 38 88130 73 226(5001 43 324 515 725 97 8 9081 119 301 48 556 71 662 89 841 915 37 90179(10001 639 86 910 9 1064 131 94 221 484 509 743 813 914 99 92136 245 90 540 130001 813(5001 900 93076 207 69 347 412 29[3000] 599(30001 853 94225 35 375 77 511 47 634 71 884 952 89 9 8008 38 44 324 (10001 498 516[5001 727 55 934 9 6047 130001 III 15001 354 508 743 909 9 7001 189 94 282 91 400 669 733 40 90 944 9 8145 232 70 11000] 300 403 87 898 9 9235 703 14 ri00lOO112 85(5001 532 801 31 925 28 71 82 86 101141 53[5001 353 485 800 963 72 102003 149 50.38 76 404 74 735 933 1 03049 72 335 438 625 719 68 850 104093 170 82 489 556 86 105171(10001 513 27[SOOOl 72 710 839 1 06101 83 277 417 571 639 62(1000] 721»1 821 SO 984(30001 107091 155 225 95 433 545! 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Bielstein, Friedrich stt. 16. littderitz& Bauer, Mauer. sttaße 80. Frltscbc-Banmhach, Schä» neberg, Bahnstraße. B. Beiß, Lützowstr. 107/8. H. Schubert, Wilhelmstt. 121. C. Hetachhe& Co., Zimmer» sttaße 94 A. Schoß, Puttkamersttaße 19. A. Schoß, Deffauersttaße. Schneider A Ziegler, Ritterstt. 76. Rickinann, Wilhelmstt. 121. Nanckfchc Buchdruckerei, Statt» schreibcrstraße 5, Ad. Lindwlg, Elisabeth-Ufer 5/6, Fleck Nacnf., Lützowstr. 87. Kiininiercr, Kochslr. 67. Werner, Lindenftraße 3. C. F. Walter,»allste. 16/17, Bich,«ahl, Chausscestt. 2e. Agthc, Wilhelmstt. 119/20. I-otze«V Sleler, Kochstt. 3. Ad. Wittenbarg, Wilhelmstraße 16. Xaver Kölle, Reichenbergerstraße 36. Heckendorff, Reich cnberger. straße 36. Diese Betriebe sind gesperrtl Vor Arbeitsannahme wird gewarnts Zuzug ist streng scrnzuhalten I *_ Die Ortsverwaltung. Deutseber Holzarbeiter- Verknd. Wegen Streik und Lohiidifferenze» sind gesperrt: Für Tischler. Polierer und Ma- schincnarbeiter Fran- Sehnl«, Frankfurter Allee S8. Für Korbmacher: Stralaner Cila»hütte. Für Drechsler. Tischler, Stellmacher. Polierer, Makchinenarbeiter und Bildhauer Trrppeugeläuderfabrik doseph I>rech»ler, Gubenerstr. ZZ» NäHmaschiucnfabrik Frl«ter& Bossinann, Skatiüerftraste. Für Stellmacher 85/1 Motorwagensabrik C-ottsehalk in Reinickendorf. Für Bürstenmacher Gräbert, Ritterftraste 107, und der Jiinungsunchweis. Brunnen- straffe IST. Für Parketibodenleger Die Firma Fcmplahn. Zwischen» meistcr Petsch, Bau Riebuhr- straffe 7S, Steveltstraffe, Par» zelle 2. Bau Bernd, Schöneberg, EberSstr. Für JEinset�cr find gesperrt die Bauten der Firma Kirchner in Groffenhai«(ZwischenmeffterZim- mermann): Marfiliusftrafte LI; Boxhagen. Koperiitkusstr. S u.S; Rurfiirstendamm 178; Ehar- laltenbnrg. Kaiser Friedrich- straffeu-Ecke IS k; Tempelhof. Dorfstraffe. Ecke Reinhardtstraße. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Orisverwaitung des HolzarbeiterverbandeS. TStemmJß'äes vtätitgjai Mus SStto Berlin. Oiu tüa MttgtiLteit semtaui Jfi. Sltoffi Sktlüs*£tuä u. Lillsgi LarMrts LugMvMui«. LlllsLsgnjlast Migei& M, Lerlm SLiäfe Nr. 122. 23. Iahrgaug. 3. KtilM dkS " Kttlim lloibülitl. viciislG, 29. M-i 1906. Partei- Hngelegenbeiten. _ Schönevcrg. Parteigenossen! Heute abend 8 Uhr findet im Obstschen Lokal die Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Politik und Gewerkschaft. Referent: Genosse W. Bio rf. 2. Diskussion. 3. Die Lokalfrage und der Oekonom der Schlofibrauerei. 4. Vereins- ongclegenhciten. 6. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Genossen dringend erwünscht. Der Vorstand. Ober-Schöneweide. Heute Dienstagabend Vl2 Uhr findet im „Wilhelmmenhof" eine Volksversammlung statt, einberufen von den Katholiken als Protest gegen die Ausführungen des Genofien Stern über das Thema:„Gibt eS einen Gott?" Die Geuossen werden aufgefordert, am Mittwochabend 7 Uhr zur �lugblattverbreitung an den' bekannten Stellen sich zu treffen.— Am Donnerstag findet im„Wilhelmmenhof" abends 8Vz Uhr eine Volksversammlung statt mit der Tagesordnung:'„Die Matznahmen der Direktion der A. E.-G. und ihr Einflutz auf das Gemeindelebeu". Diskussion. Es ist Pflicht jedes Einwohners, zu der Versammlung zu kommen. Johannisthal. Heute abend findet im Lokale von Senftleben, Friedrichstr. 48, eine Volksversammlung statt, in welcher der Genosse Reichstagsabgeordneter Frätzdorf über die Erringung der Wirt- schaftlichen Macht sprechen wird. Das durchaus wichtige Thema er- fordert zahlreichen Besuch der Männer und Frauen. Der Vorstand. Köpenick. Heute Dienstagabend 8 Uhr Versammlung des Wahl- Vereins im„Kaiserhof". Grllnstratze. Autzer einem Vortrage des Genossen Schütte steht auch noch die Aufstellung der Kandidaten zur Stadtverordnetcnwahl auf der Tagesordnung. Es ist Pflicht der Genossen, die Versammlung zahlreich zu besuchen. Der Vorstand. Mahlsdorf. Am 1. Juni d. I. übernimmt der Wahlverein für Mahlsdorf die„Vorwärts"-Spedition in eigene Regie. Um Unrcgel- mätzigkeiten in der Zustellung zu vermeiden, werden alle„Vorwärts"- Abonnenten gebeten, ihre Adresse bis zum Donnerstag, den 31. Mai bei dem Genossen Otto Schulz, Voigtstratze, abzugeben. Pankow. Heute abend'/zL Uhr findet im Roczycki'schen Gesell- schaftshaus, Kreuzstr. 3/4 die Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffen Baege über„Die Ent- stehung des Weltalls und der Erde." 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. DeS äutzerst lehrreichen Vortrages wegen liegt es im Jntereffe der Parteigenossen, möglichst zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. Berliner JVachrlcbten. Zahlungsfähige Radaubrüder. Die Welt, in der man sich langweilt, hatte beim Schlüsse des Derby-Meetings in Westend am Sonntag eine grotze Aufregung. Wenn man auf Pferde wettet, will man gewinnen, dazu ist ja der ganze Rennsport da. Das ist freilich weit schwerer als es den Anschein hat. Nicht nur, datz man sein ganzes Sinnen und Trachten darauf richten mutz, sich den rechten„Pferdcverstand" zu erwerben, wobei man allein schon ein teures Lehrgeld zahlen mutz,— nein, trotz aller Schlauheit und Berechnung wird manchmal im letzten Augen- blick noch das Glück ein wenig korrigiert und die sützlächelnde Fortuna schneidet eine höhnische Grimasse. Da kann inan sich die Wut der betrogenen Spieler leicht vorstellen. Aehnlich war es am Sonntag bei dem Zweispänner-Handicap, an dem sieben Gespanne teilnahmen, darunter Grotzmann, der Mlhelmi-Erna steuerte und Treuherz mit Edeltraut-Polykarpus. Das heitzt, die beiden sollten teilnehmen, sie sollten sogar siegen nach Ansicht des Publikums, welches sie beim Wetten hoch be- günstigte. Als das Signal zum Rennen gegeben wurde, da— blieben die beiden stehen. Nach den famosen Sportregeln sollten die Einsätze auf Pferde, die unter Starters Flagge stehen, sich aber plötzlich anders befinnen, verloren sein, aber hier war das Publikum anderer Meinung; es fühlte sich bemogelt, erhob sich im Sturm gegen den Richterturm und machte eine kleine Revolution gegen Gesetz und Ordnung, gegen Richter- spruch und Tradition. In Mafien rückten sie vor aus den Fünfmark- Plätzen und aus den Markplätzen, überstiegen die Barrieren und machten einen Heidenlärm; die Bahn war bedeckt von Tumultuanten und die hohe Polizei war machtlos. Nicht lange dauerte eS, da war die kleine Geldbeutelrevolution siegreich. Noch zehn Minuten schon zog der Feind die Fahnen ein und das Rennen wurde als ungültig erklärt; am Totalisator zahlte man die Wettgelder zurück. Das schnelle Entgegenkommen deutet auf ein schlechtes Gewissen, wenigstens legt man es sich im Publikum so aus, wo man aus manchen Skandalen früherer Zeiten gewitzigt worden ist und glaubt, seine Pappenheimer zu kennen. Der vielgerühmte und in sogenannten besseren Gesellschaftskreisen sehr beliebte Rcnusport, der nach der Theorie der Veredelung der Pferderasse dienen soll, ist, wie niännig- lich bekannt, nur ein Spiel um Geldeinsätze, und solche Vor- kommniffe wie am Sonntag zeigen eben das Spiellaster mit seinen Begleiterscheinungen, die es in unserer„guten Gesellschaft" hervor- bringt._ Zur Kräftigung" schwächlicher Berliner Waisenkinder. Von den „Wohltaten" des„Erziehungsbeirates für schul- entlassene Waisen" erzählten wir kürzlich/z Uhr, veranstaltet der königliche Musikdirektor Beruh. Jrrgang in der St. Marien-Kirche das nächste Orgelkonzert, unter Mit- Wirkung von Fräulein Wilhelmine Evers, Fräulein Lilli Rosen- treter, Fräulein Hilda Ellger(Damenterzett) und Fräulein Martha Drews(Violine). Arien für Alt von Seb. Bach mit oblig. Violine, Votalterzette. Oraelkompositionen von Bach, Elgar(Orgelsonate) und Reger(Choralvorspiele). Der'Eintritt ist frei I Feuerwehrbericht. Zahlreiche Brände machten der Wehr bor- gestern viel zu schaffen. Abends um 7 Uhr stand in der Elsasser- straße 39 ein Keller in großer Ausdehnung in Flammen, die nur durch energisches Wassergeben gelöscht werden konnten. Um 8 Uhr abends brannte in der Linienstr. 153 die Treppe. Durch kräftiges Wassergeben wurde die Gefahr beseitigt. Um 9 Uhr kam in einem Trogenladen in der Warschauerstr. 89 Feuer auS. Früh um 5 Uhr wurde der 12. Zug nach der Straße an der Apostelkirche 4 gerufen, wo in einem Keller Kohlenanzünder, Säcke, Körbe, Holz u. a. sich entzündet hatten, so daß kräftig Wasser gegeben werden mußte. Auch in der Alexandrinenstr. 11 hatte die Wehr gleichseitig zu tun, wo ein Keller brannte und Schwefelsäure ausgelaufen war. Holz u. a. wurden in der Schönhauser Allee 16 ein Raub der Flammen, die in einem Stalle ausgekommen waren. Benzin u. a. brarmten in der Werkstatt der Adler-Fahrradwerke in der Zimmer- straße 92/93. Ein Wohnunzsbrand beschäftigte die Wehr in der Sbertystr. 28. Außerdem hatte die W«hr in der Fennstr. 55, Oder- bergerstraße und an anderen Stellen zu tun. Vorort- I�ackricbten. Wilmersdorf. Die diensteifrige Polizei entfaltete am Himmelfahrtstage vor den gesperrten Lokalen eine rege Tätigkeit. Sie wurde auch nicht nur von Kriminalbeamten, sondern von einer Reihe„Ehrenmänner", ja sogar„Ehrendamen" in ihrer aufopferungsvollen Tätigkeit unter- stützt. Es scheint somit der von unseren Genossen geführte Kampf «im die Freigabe von VersammlungSsälen einen immer ernsteren Charakter anzunehincn. Das Resultat der Anstrengungen lvaren fünf Sistierungen und zum Schluß eine arg ramponierte Polizei- Uniform. Einer der Spitzel hatte per Rad einen vermeintlichen Zettelverteiler entdeckt. Flugs wollte der davon benachrichtigte Polizist die Verfolgung desselben aufnehmen. Um sich nun aber ja nicht, wie schon so oft, seinen Mann wieder entwischen zu lassen, schwang er sich auf seines Helfers Stahlrotz. Aber, welch' Malheur. Sei es, daß er die Kunst des Nadfahrens noch nicht verstand oder auch im Uebereifer richtig zu leiiken vergessen hatte, genug, der radfahrende Polizist kugelte sich bald im Straßenstaub und obwohl die in der Nähe befindlichen Hecken und Lauben zum Teil abgesucht wurden, als gelte es Henuig zu fangen, mutzte der Brave unverrichteter Sache wieder abziehen zum Gaudium des Publikums unter Begleitung der johlenden Jugend. Mit der Repräsentationsfähigkeit war es in diesem Aufzuge nun vorbei. Einige Genossen erhielten wieder Sträfn«andate zugestellt und hier zeigt sich, daß dieselben unter gütiger Mithülfe einiger Wilmers- dorfer Geschäftsleute usw. zustande gekommen sind. Unter anderem ist in einem derselben zu lesen, daß die Uebertretung durch den Zigarrenhändler Paul Paarmann, Nhlandstr. Ift). bewiesen sei. In einem anderen wurde der Schlächternieister Mühle, Friedenau, Wilhelmshöherstraße 32, als Kronzeuge angegeben. Auch der Gemeindeverlreter Herr Nachstädt der s. Z. mit einem guten Teil Arbeiterstimmen gewählt wurde, hat sich mit Erfolg bemüht, einem Genossen zum Strafmandat zu verhelfen. Weniger ergiebig für die Polizei war am Sonntag das Geschäft, da es infolge der veränderten Taktik der Genossen nur zu zwei, beinahe drei Feststellungen kam. Während nun die ersten Strafmandate wegen »iierlailbtenVerbreitensvon Handzetteln, dann weitere ivegen Gruppen- bildungbezw.Nichtbefolgung polizeilicherAnordnungen erlassen wurden, stellte man am Sonntag, auf Veraiilassung des Lokaliiihabers Herrn Weidemann, die Genossen wegen Belästigung seiner Gäste fest: Aber, weh! Der Herr hatte entschieden Pech und man kann es ihm ohne weiteres glauben, wenn er sagte:„das halte er nicht mehr aus!" Denn als einer der festgestellten Genossen verlangte, dem durch ihn „belästigten Gast" gegenübergestellt zu werden, zu welchem Zweck Herr Weidemann ihm in Begleitung des Polizeibeanitei« das Betreten seines Lokales gestattete, erklärte der Herr schriftlich, daß er sich durchaus nicht belästigt fühle! Je länger der Kampf dauert, desto mehr werden die Gründe der Saalverweigerung entblößt. Die Lokalbesitzer Wilmersdorfs entpuppen sich immer mehr als das Werkzeug des Bürgertums, das die Sozialdemokratie daran hinderii will, zu den im Herbst stattfindeilden Stadlverordnetenwahlen in den Sälen sozialistische Ausklärungsarbeit zu verrichten, um somit Stadt- verordiietenmaudate zu erringe». Damit dies nicht geschehen soll, werden alle Mittel angewendet und ist ihnen jeder Denunziant und Verräter an der Arbeiterschaft ein willkommener Helfershelfer. Tun die Arbeiter und Parteigenosse» alle ihre Pflicht, so wird das Bürgertum um die Früchte seiner Anstrengungen gebracht. Mehr als je lautet deshalb die Parole der Wilmersdorser Genossen: Kampf den Saalverweigercrn! Zehlendorf. Die letzte Gemeindevertretersitzung lieferte der Zehlendorfer Ar- beiterschaft wieder eiiimal den Beweis, dast das Geineindeparlament in seiner jetzigen Gestalt aus ihre Wünsche und Interessen keine Rücksicht nimmt. Der sozialdemokratische Wahlverein in Gemeinschaft mit den Gewerkschaften hatte in einem Schreiben an die Gemeinde- Vertretung das Ersuchen gerichtet, ihnen das Lokal„Fürstenhof" zu denselben Bedingungen zur Verfügung zu stellen, wie bürgerlichen Vereinen. Das Lokal gehörte bis vor einem Jahre einem Herrn Griebler, der dasselbe an einen Restaurateur verpachtet hatte. Der Pachtvertrag enthielt nun eine Bestimmung, wonach Sozialdemo- traten und Gewerkschaften der Saal nicht überlassen werden darf. Unterdessen ist die Gemeinde Eigentümerin geworden. Man nahm an, daß die Gemeindevertretung in dem neuen Vertrage mit dem Wirt diese Bestimmung gestrichen hat. Doch dahatte man sich getäuscht; der Vertrag erfuhr keinerlei Abänderung. Die Arbeiter konnten nach wie vor die zu d'cmLokal gehörige untere schmutzige Stehbierhalle benutzen, die fast die ganze Pacht des Lokals einbringt, während ihnen der herrliche Saal mit Garten verschlossen blieb. Gewerkschaften und Partei richteten nun daS erwähnte Schreiben an die Gemeindevertretung, uni zu gleicher Zeit den neugewählten Gemeindeverkretern der dritten Abteilung Gelegenheit zu geben, ihre vorher über alle Maßen versprochene Brbeiterfreundlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Was aber geschah? Nur ein Vertreter fand sich, der die Abänderung deS Vertrages befürwortete, während Herr Phanton, der vor den Wahlen das öffentliche Versprechen abgegeben, auch für Arbeiterforderungen eintreten zu wollen, Uebergang zur Tagesordnung beantragte.— Unser Antrag wurde alsdann gegen zwei Stimmen ab- gelehnt. Mit der Ablehnung dieses Antrages hat das Gemeinde- Parlament Zehlendorfs von neuem den Beweis erbracht, dast es nur die personifizierte Interessenvertretung der Besitzenden ist. Wie unserem Antrage, so erging es noch anderen Anträgen und Vorlagen, von denen sich die Herren kleinliche Opfer ver- sprachen. So z. B. dem Antrage des Ortsvereins, der neben dem Schularzt einen Zahnarzt anzustellen verlangte, jedoch die erforder- lichen Zahnreinigungsuiittel zun, Selbstlosteiipreffe abzugeben versprach. Eine Vorlage, Mittel für die Entsendung von 35 Kindern der Volksschule in die Ferienkolonien zu bewilligen, begegnete dem Widerspruch des Vertreters der ersten Klasse Dr. Pasewaldt, der durch die Entsendung der 35 Kinder eine austerordentliche Belastung deS Etats erblickte. Seine Untersuchungen der Kinder hätten ergeben, dast die Mehrzahl nur etwas Husten und Nachwirkung der englischen Krankheit habe. Er könne deshalb nur die Entsendung von 12 Kindern beantragen, wofür er 599 M. für ausreichend halte. Dieser mebr als bescheidenen Forderung steht, wie schon vor der Wahl bekannt wurde, die Forderung für den Bau eines Bootshauses in Höhe von 6999 M. gegenüber, die seinerzeit von dem Gymnasial- lehrer Schmidt für 25 Gymnasiasten beantragt wurden. Damals verwarf man die Forderung aus wahltakttschen Gründen. Inzwischen ist aber hinter den Kulissen gearbeitet worden und wird, um die Väter dieser 25 Gymnasiasten zu entlasten, auf Kosten der All- gemeinheit die Summe wahrscheinlich bewilligt werden. Wahrlich, eine herrliche Charakteristik für den Namen.Geineindevertretung". Rudow. Aus dem Xeltow-Kanal wurden im Laufe des gestrigen Tages die Leichen einer jungen männlichen und einer jungen weiblichen Person gelandet. Die Hände waren zusammengebunden und im Gesicht zeigten sich Verletzuiigen. Die Leichen wurden in das Rudower Leichenhaus gebracht. Teltow. Heber„Wcltpolitik und neue Steuern" referierte Genosse Zubeil in einer am Sonntag im Piekenhagenschen Lokale gut besuchten Volksversammlung. Seine trefflichen Ausführungen wurden mit stürmischem Beifall aufgenommen. In seinem Schlußworte forderte er die Anwesenden auf, sich sowohl der politischen Organisation an« zuschliesten, als auch Leser des„Vorwärts" zu werden. Daß nach dieser Richtung„och viel nachzuholen sei, zeigte Redner an der Hand der Stattstik, wonach von 147 gewerkschaftlich organisierten Bauhülfs- arbeitern 36. von 84 Maurern nur 36, von 85 Zimmerern nur 16 und von 19 gewerkschaftlich organifierten Tischlern nur drei den „Vorwärts" lesen. Dast die übrigen Organisierten keine Zeitung lesen, meint Redner, sei nicht zu glauben, er hoffe, daß er bei seinem Wiederkommen ein beste! sseres Resultat antreffe.— Zum Schluß machte Genosse Bonaw noch auf die am 24. Juni bei PiekenhagiN stattfindende öffentliche WahlvereinSversaminlung aufmerksam. Köpenick. Stadtverordnetcn-Ersatzwahlen. Da die Genossen Rochlitz und Hüpenbecker wegen Krankheit ihr Mandat als Stadtverordnete niedergelegt haben, sind Ersatzwahlen notwendig; dieselben finden vom Dienstag, den 5. Juni, bis einschließlich Freitag, den 8. Juni, statt. Die in der Altstadt wohnhaften Wähler üben ihr Wahlrecht am 6. Juni im Stadttheater, die Wähler der Dammer Vorstadt am 6. Juni im Restaurant Schweizergarten, Lindenstr. 4, aus. Die Wähler der Kietzer Vorstadt wählen am Donnerstag, den 7. Juni. im Restaurant Ludwig, Dorotheenstr. 1. und die der Köllnischen Vorstadt am Freitag, den 8. Juni, in« Restaurant Scheer, Rudower- straße 1. Die Wahlzeit ist an allen Tagen von 5—8 Uhr nach- mittags festgesetzt. Als Legitimation dient die vom Magistrat den Wählern zugestellte schriftliche Einladung. ES ist nun Pflicht aller Parteigenossen, mit ganzer Kraft in die Wahlagitatton einzutreten, damit unsere Genossen mit möglichst großer Stimmenzahl als ge- wählt aus der Urne hervorgehen. Markgrafpieske. Am Sonntag fand im Lokale von Fischer eine Volks- versa mnilung statt, welche von mehr als 199 Männern und Frauen besucht war. Auf der Tagesordnung standen„ K o m m u- nale Fragen, speziell die Schule". Genosse Dr. Borchardt- Charlottenburg kennzeichnete die gesamte reaktionäre Schulpolitik Preußens und ging dann auf die besonderen Verhältniffe in Mark- grafpieSke ein, wo eine vierklaffige Volksschule besteht, an der jedoch nur zwei Lehrer unterrichten. Obwohl jeder derselben 36 Unter- richtsstunden wöchentlich erteilt, ist der Unterricht nicht genügend und in den letzten Unterrichtsstunden naturgemäß auch mangelhaft. Aufgabe der sozialdemokrattschen Gemeindevertreter— Mark- grafpieSke hat deren fünf— muß es sein, auf Abhülfe zu dringen; die Vertreter können aber nur erfolgreich wirken, wenn die Be- völkerung ihren Willen klar zum Ausdruck bringt und in der festen Organisation des Wahlvereins, dessen Stärke der Bevölkerungs- und Arbeiterzahl durchaus noch nicht entspricht, in stetem, engem Zu- sammenhang mit den Gemeindevertretern wirkt. In einer Resolutton wurde die Gemeindevertretung und die kgl. Regierung in Potsdam aufgefordert, sofort die notwendigen Schritte zur Anstellung eines dritten Lehrers zu tun. Die Reso- lntion wurde dem Gemeindevorsteher und der Regierung übermittelt. Werder. Zwei Protestvcrsammlungen gegen die Schulvorkage fanden am 26. in Werder a. H. und am 27.',n Straußberg statt. In beiden Versammlungen referierte Genosse Max Schütte. Die hierzu ge- stellten Resolutionen fanden eulstimmige Annahme. In Werder, wo inan dem Pfarrer eine Einladung geschickt hatte, wartete man ver- geblich auf sein Erscheinen. Potsdam. Die Einführung des neuen Vürgernieisiers VoSberg fand am Freitag in üblicher Weise durch den Regierungspräsidenten v. d. Schulenburg statt. Nach der Begrüßung durch den Stadt- verordnctenvorsteher Bolle nahm der bisherige Leiter der Stadt. Bürgermeister Borkastner das Wort, um dem neuen Oberhaupt Potsdams die Geschäfte zu übergeben. Er führte aus, daß er ihm einen reinen Tisch übergeben könne; nur die Grundwertsteuer harre noch ihrer Erledigung. Auch die Kassenverhältnisse seien gute.— Hierauf hielt der neue Leiter der Stadt seine Antrittsrede, in der er betonte, daß er sich bemühen werden, auch das Vertrauen der Minontät der Stadtverordnetenversammlung zu erringen. Mehr kann man nicht verlangen. Vermischtes. Ehelösung in einem Priuzenhanse. Nach manchen unerquicklichen Szenen, die mehrfach die Oeffentlichkeit beschäftigt haben, hat jetzt der Papst ein Machtwort gesprochen. Die Ehe des Prinzen von Schönburg-Waldenburg mit Alice Prinzessin von Bourbon, die 1897 geschlossen und 1993 in Dresden geschieden worden ist, ist jetzt vom Heiligen Stuhl auf Grund ärztlicher Gutachten aus Bamberg, München. Rom und Pisa alS nie bestehend für null und nichtig erklärt worden. Auf Grund dessen darf der Sohn der Prinzessin nach der Entscheidung des Oberlandesgerichtes Dresden den Titel eines Prinzen von Schönburg-Waldenburg nicht führen. Bekanntlich wurde seinerzeit gemeldet, daß sich die Prinzessin m ihren Kutscher verliebt habe. Eingegangene Druck Ickrikten. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 35. Hest des 24. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Moderne Titancnkämpse. Von Paul Umbreit.— Ibsen. 20. März 1828— 23. Mai 1906. Von Henriette Roland-Holst.— Zur Taktik der Sozialdemokratie. Eine Ergänzung. Von Oito Gcithner, Tischler. — Arbeitslöhne und Dirnentum. Von Dr. A. Blaschko.— lieber Arbeitslöhne und Dirnentum. Eine Entgegnung von Therese Schlestnger-Eckstem. — Sächsische WahlrcchtScntwürse. Von Hans Block. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Po>tanstaltcn und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Ps. Probenummern stehen jcderzelt zur Verfügung. Von der„Gleichheit". Zeiischrijt für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 11 deS 16. Jahr» gangeS zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: AuSsperrung'sepidemic. Von I. Reitze.— Ehe und Sittlichkeit. III.— Kinderarbeit und Kinderschuh. Von Käthe Duncker.— Der Kamps um die Rente. Von E. G.(Fortsetzung.)— Aus der Bewegung: Von der Agitatton.— Von den Organisationen.— Polittschc Rundschau. Bon(4. L. — Gewerkschaftliche Rundschau.— Nottzentcil: Dienstbotensragc.— Frauenstimmrecht.— Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Quittung.— Feuilleton: Selbsthülse. Von Ludwig Pfau.(Gedicht.)— Die alte Jsergil. Von Maxim Gorki.(Fortsetzung.) Frauen-Beilage: Aus dem See. Von Wolsgang Goethe.(Ge- dicht.)— Unsere Gesundheit: 11. Ordnung. Von Dr. Adams- Lehmann.— Abschied. Von Ludwig U(stand.(Gedicht.)— Etwas über das Spielzeug. Von Toni Sustmann.— Die Mutter als Erzieherin.— Ein- Sormenltcd. Von August Kasch.(Gedicht.) Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 19 Ps., durch die Post bezogen bettägt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps., unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2,60 M._ Berliner Marktpreise. AuS dem amtlichen Bericht der städttschen Markthallen-Direktion. Rindfleisch la 64—68 pr. 100 Pfund, Ha 54—64, lila 50— 53, IVa 44—49, engl. Bullen- 0,00, dän. Bullen- 0,00, Holl. Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 105—120, la 85—90, IIa 70—80, Ula 56—68. Hammelfleisch la 68—73, Da 60—68. Schweinefleisch 57—64. Kaninchen per St. 0,40—0,75. Hühner, alte, Stück 1,50—2,40, junge, per Stück 0,69—0,89. Tauben, junge 0,30—0,69, alte 9,00—0,00. Enten, prima, per Stück 1,75—1,80, Hamburger per Stück 2,50 bis 3,40. Gänse, junge, per Psd. 0,70—0,90, per Stück 3,50—5,25. Hechte 92—104. Schlei- 99—103. Bleie 0,00, matt 0,00. Aale, groß 00—0,00, mittel 00— 00, klein 00— 00, unsort. 79— 100. Plötzen 00,00. Flundern, pomm. I, P. Schock 3,00—7,00. Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel, per Kiste 2—4, do. klein, per Kiste 0,00. Bücklinge, Holl, per Wall 0,00. Kieler 1,50—3. Ettals. 3,00-3,50. Aale. gros,. P.Pjd. 1,10-1.30, mittel 0,80-1,00, kl. 0,50 bis 0,60. Sprotten. Kieler, 2 Wall 0,00, Elb- per Kiste 0,00. Sardellen, 1902er, per Anker 76,00, 1904er 74,00, 1905« 70,00. Schottische Vollheringe 1905 0,00, largo 40—44, kull. 36—38, med. 33—35, deutsche 37— 44. Heringe, neue MatjcS, per'/, To. 60—120. Hummern, IIa, 100 Psd. 0,00. Krebse, per Schock, große 0,00—0,00, mittelgroß 20,00, kleine 0,00—0,00. unsorttert 9,00—45,00. Eier, Land», per Schock 3,20, frische 0,00. Butter per 100 Psund, la 115—119, IIa 113—115, Ula 106—108, ab. lallende 103—105. Saure Gurken, Schock 3,50— 4 M., Pfeffergurken 3,50—4 M. Kartossein per 100 Psd. magn. von. 2,10—2,35, rote Dabersche 2,00—2,20, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl, Holl., per Schock 0,00. Weiß» kohl, dän., per Schock 0,00—0,00, Rotkohl, Holl, per Schock 0,00. Grünkohl, per 100 Psd. 0,00. Rüben, weiße 0,00, Teltower 0,00. Kohlrüben, per Schock 0,00.' LmvtellltMw Redakteur: foirt Wfbft, Berlin. Füj ÜB Inprorfiftfiff££. Mllkh äkiiin. LM». Lslsg:.«• BerwMWl Zäül