Nr. 124. flbonnemen ts-Bcdlngungen; HBonnementä- Preis pränumerando! Lierteljährl. 3.30 MI, monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Psg. frei inä HauS. Einzelne Nummer s Psg. Sonntags. nummer mit Mustriertcr Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfa. Post» Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingewogen in die Post.ZeitungS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnemem» nehmen an: Belgien. Diinemarf, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumünien. Schweden und die Schweiz. 23. Jahrg. Crtätlat Vilich wBtr ffiontaa*. Vevlinev Volksblstt. Die Tnfcrtions-Geböllr Betrügt für die sechSgespaltene Uolonef. zeile oder deren Raum BO Psg, für politische und gewer lschastliche Vereins- und Versammlungs. Anzeigen 30 Psg. „Kielne Hnzeisen", da? erste(fettgedruckte) Wort 20 Psg, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzeigen daS erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer niüssen bis 5 Uhr nachnnttagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,,5»lzlliii»sli»f RtrllD", Zcntralorgar» der fozialdemohratifchen parte» Deutfcblands. Redaktion: 8 Cd. 68, Linden Strasse 69. Kernsprecbcr: Amt IV. Nr. 1983. Duma und„Kadetten". Ausfische Briefe.») L Noch vor ganz kurzer Zeit war nichts von den Kadetten zu hören. Sie waren nicht dort, wo Blut floß und Schüsse knallten. Sie waren nicht dort, wo die vom Heldenmut der Revolution ergriffenen Volksmassen ihr Leben einsetzten, um unter dem Banner der Proletarischen Freiheit zu siegen oder zu sterben. Diese Realpolitiker waren viel zu staatsmännisch und zu weitblickend, um sich von dem Taumel der Massen ergreifen zu lassen, um sich von einer Bewegung fortreißen zu lassen, an deren Spitze„Verruchte" und Träumer,„Fanatiker" des Umsturzes, schritten. Sie saßen ruhig hinter dem Ofen, diese kalten klugen Köpfe, diese Phrasenhelden eines herausgeputzten Pseudoliberalismus. Bekümmert schüttelten sie ihre Köpfe und fürchteten, daß die Revolution nur nicht zu weit um sich greifen und die von altersher geheiligten Grundfesten des bürgerlichen Lebens, das Eigentum, die politische Wohlgesinntheit und Ordnung, er- schüttern möchte. Dabei haben die Kadetten bereits längst ihre vielseitige „Vereitlvilligkeit" gezeigt. Schon zur Zeit der Blllyginschen Duma träumten sie davon, eine Brücke zu finden zwischen dem damals noch„unschuldigen" Witte und dem Liberalismus, der unzweideutig mit der ausländischen Börse liebäugelte. Die Börse bildet überhaupt die schwache Stelle dieser Partei der „Volksfreiheit", und noch vor wenigen Tagen haben die Kadetten mit Entrüstung den Vorwurf einer„verräterischen" Agitation gegen die Milliardenanleihe von sich gewiesen. Und wie könnte es auch anders sein. Zurzeit der ärgsten Polizeiwillkür suchten sie zwischen dieser und dem Verhalten der Demokratie einen Zu- sammenhang zu konstruieren. Zur Zeit der Brandschatzungen und schlimmsten Ausschreitungen seitens der Hofkamarilla verteidigten sie aus ganzer Sce5e Thron und Altar gegen den Ansturm der nichts anerkennenden, alles ableugnenden, alles stürzenden Sozialisten... Da kam der große Boykott, der große Streik der Oktobcrtage, der blutige Sturm der Volksaufstände, des Bürgerkrieges, der militärischen Meutereien zu Wasser und zu iöande, und fegte sie in einer großen, reinigenden Sturm- welle fort.... Damals hörte man nichts von den Kadetten. Die Leute der goldenen Mitte hielten sich versteckt. verborgen, im günstigsten Falle protestierten sie laut, klagten laut, wenn man sie auch nicht hörte vor dem Donnerrollen des Revolutionsgewitters.... Die Reaktion leistete den Kadetten die besten Dienste. Als die Gefängnisse sich von neuem füllten und die todbringenden Stätten der russischen Verbannung sich neu belebten, da war die Zeit der Kadetten gekommen. Ihre linksstehenden Gegner waren verstummt. Die Sozialisten wurden getötet, erschossen, ge- hängt und gefoltert. Die Kadetten hatten ihre Presse erhalten und blieben verhältnismäßig unberührt von den Maßnahmen der Konterrevolution. Nicht gegen sie waren die Straf- expeditionen gerichtet, nicht ihre Häuser wurden in Brand ge- steckt, nicht ihre Kinder geschändet, nicht ihnen galten die „Bcruhigungs"-Maßnahmen Witte-Durnowos, nicht gegen sie wurden Kanonen und Mitrailleusen ausgesandt, Artillerie und Infanterie. Marine und Kosaken aufgeboten. Nunmehr erschienen die Kadetten auf dem Plan. Es begann ein Kampf der Worte. Die Revolution wurde durch eine Polemik abgelöst, und auf diesem Gebiete zeigten sie sich als Virtuosen und Meister ohnegleichen. In erster Reihe warfen sie sich auf die Revolution und die Re- volutionäre, schmähten die Sozialisten, verleumdeten die Arbeiterpartei; sie polemisierten gegen einen Gegner, dem der Mund verschlossen war; sie beschuldigten diejenigen, die weder antworten, noch sich verteidigen konnten. Allein hieran ließ der russische Liberalismus es nicht genug sein. Durch den Mund eines seiner be- deutcndsten Führer verkündete er, die ganze heldenmütige Befreiungsbewegung Rußlands fei sein Werk, der Sturz des Absolutismus nur ihm zu danken. Dreist stellten sich die Kadetten in die Pfützen des noch warmen, von Proletariern vergossenen Blutes, hüllten sich in die Fetzen der zerrissenen roten Banner und erklärten den Liberalismus für den Genius des Befreiungskampfes, den Befreier des Vaterlandes aus Tyrannenmacht. Und obgleich kein Gefängnis seine Tore öffnete, kein Galgen seine Opfer wieder herausgab. fuhren sie doch fort, krampfhaft ihre Heldentaten zu preisen und die unruhigen, frechen, vor nichts zurückschreckenden Re- volutionäre zu verdannnen. Bei diesem Geschrei kam jedoch nichts heraus. Energisch und schweigend, mit eiserner Konsequenz, verrichtete die Reaktion ihre Arbeit, säuberte rechts und links, gleichviel ob schuldig oder unschuldig, bediente sich abwechselnd des Mordes und der Brandstiftung, der Folter und der Brandschatzung. ») Der Brief ist bereits vor dem Zusammentritt der Duma ge- schrieben, uns aber auf einem Umwege versehendlich erst gestern zu- gegangen; trotzdem zögern wir nicht, ihn auch jetzt noch zum Abdruck zu brmgcn, da er die Stellung der.Kadetten"(der sogen, kon- stitutionellen Demokraten) inmitten der russischen NevolutionS« bewegung trefflich charakterisiert. Die Redaktion- Die Reaktion beschränkte sich jedoch nicht allein hierauf. Gerade diese Zeit der großen Reden und Tiraden der Kadetten benutzte die Regierung zur Festigung des alten Regimes und erklärte nicht nur die Selbstherrschaft oder den Absolutismus für unantastbar, sondern veröffentlichte auch eine Reihe Ge- setze, durch welche der Reichsduma alle Rechte entzogen werden und ihr die Bedeutung einer Volksvertretung gänzlich ge- nommen wird. Und wenn die Konstitution vom 20. Februar noch irgendwelche Spuren des Oktobermanifestes trug, so wurde durch den Ukas vom 8. März, das russische Budget be- treffend, die Duma jeglichen Rechtes in Angelegenheiten des Staatshanshaltes entkleidet, während durch die Akte vom 28. März, betreffend die Organisation des Finanzkomitees, und die Reichs-„Grundgesetze" vom 24. April die Wiederherstellung des Absolutismus endgültig besiegelt wurde. Alle Rechte wurden also, wie gesagt, der Duma ge- nommen; dafür wurde ihr aber als Hemmschuh der Staats- rat angehängt, der zur Hälfte aus Beamten besteht und zur anderen Hälfte aus Vertretern des Kapitals in allen seinen Formen. Durch diese Gesetze, denen zufolge die gesetzgeberische Gewalt gleichzeitig dem Zaren, dem Staatsrat und der Duma gebort, wird zudem dem Monarchen das Recht der„oberen Regierungsgewalt" eingeräumt, welches nicht nur von der Regierungsgewalt im allgemeinen unabhängig ist, sondern auch, der alten Praxis gemäß, das Recht der Gesetzgebung auf administrativem Wege einschließt. Das Budget bedarf nach diesen Grundgesetzen nicht einmal der Genehmigung der Duma, und, im Falle der Nichtannahme des Budgets durch die Duma, hat die Regierung das Recht, sich auch weiterhin des alten Kredits zu bedienen, ja, sogar nach eigenem Ermessen Anleihen abzuschließen zur Deckung des außerparlamentarischen Budgets. Davon, daß der Duma kein Recht der Einmischung in eine ganze Reihe von Artikeln des Budgets zusteht, und sie eben so wenig berechtigt ist, die bereits bestehenden Assignierungen und Kredite herabzusetzen, wollen wir gar nicht reden. Auf administrativem Gebiete vollends ist die Bedeutung der Duma gleich Null; denn einerseits sind die Minister der Duma gegenüber nicht verantwortlich, andererseits besitzt die Regierung solche ausgedehnten Rechte betreffs Ausgabe von Ukasen auf administrativem Wege, daß jede Kon- trolle seitens der rechtlosen, ohnmächtigen Duma aufhört. Derartig ist die„Gesetzmäßigkeit", welche die loyalen Kadetten so sehr verlangten: auf solche Weise wurden die Rechts- traditionell zwischen dem prinzipiellen und dem konstitutio- nellen Absolutismus ausgebaut.«. Die lieben Kadetten wünschten so sehnlich eine„Evolution" statt der„Revolution", verlangten so sehr nach einer Rechtsordnung statt der revo- lutionären Anarchie und des Bürgerkrieges. Nun haben sie diese Rechtsordnung, laut welcher der Duma nicht einmal das Recht der Initiative für die Reichsgrundgesetze bleibt. Die russische parlamentarische Bühne ist bereit— es fehlen nur noch die Schauspieler.„Darf ich bitten, meine Herren Ka-- detten! Wollen Sie uns nicht zeigen, wie man auf friedlichem Wege Revolution macht? Wollen Sie uns nicht zeigen, wie Sie den Absolutismus zähmen— mit legalen Phrasen und der Realpolitik, mit Adressen und Resolutionen? Zeigen Sie uns ein neues Wunder des Orpheus, der wilde Tiere zum Schweigen brachte, durch die zarte Gewalt seiner Zauber- melodie Wölfe und Bären und Tiger zähmte!" —- Und die Kadetten waren noch kaum zu sich gekommen. als die Sturmwelle der Revolution sie erfaßte und auf ihren Kamm hob, um sie inmitten von Kanonen und Bajonetten in der Reichsduma abzusetzen. Jetzt waren sie auf dem er- strebten Gipfel, jetzt hatten sie die schmerzlich ersehnte Ge- walt, und sie hörten folgende Worte an sich gerichtet: „Ihr sagt, daß keine Gewalt nottut, daß Barrikaden veraltet sind, daß der Aufstand gleichbedeutend ist mit Anarchie und Revolution mit Verbrechen? Gut! Hier habt Ihr eine Duma, die von Soldaten umzingelt ist; hier habt Ihr ein in Ketten schmachtendes Land; hier habt Ihr bis oben angefüllte Gefängnisse. Tausende von Hingerichteten, Be- raubten, Verbannten, Verbrannten, Gefolterten— so befreit denn, rettet, verteidigt! Ist Euch das noch nicht genug, so schaut Euch um. Ganze Gegenden sind zerstört; ganze Gouvernements sterben aus vor Hunger, Typhus und Skor- but; ganze Wälder von Fabriken und Werken stehen still; hunderttausende von Arbeitslosen schreien nach Brot und nach redlicher Arbeit. Nun. meine Herren Ka— detten, verfügt Euch auf die Bühne, vollbringt das Wunder, gebt dem Bauer Land, dem Arbeiter Brot, und dem Volke die Freiheit. Bringt die Kanonen zum Schweigen, setzt den Folterungen ein Ende, öffnet die Gefängnissei Singt das Zauberlied der Loyalität und Ordnung, des friedlichen Fortschritts und der wohltätigen Reformen. Vielleicht wird dieses Lied helfen; die Steine werden weinen, und die Polizei wird die Tränen der Leidenden trocknen, und Euch mit Myrten und Lorbeern schmücken. Handelt, meine Herren Kadetten, rettet das Vaterland!" Auf eine derartige Rolle waren die Liberalen durchaus nicht vorbereitet. Das lag außerhalb aller ihrer Hoffnungen und Erwartungen. Sie hatten darauf gerechnet, die Bevölkerung von der Aufrichtigkeit ihres Programms zu überzeugen, sie ge- dachten gegen die Monarchisten und das Zentrum zu kämpfen. und es zu besiegen. Ihr Streben war, im Parlament den Platz des weisen Beraters der Regierung einzunehmen, und Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Kernsprccher: Amt IV. Nr. 1984. die liberalen Vertreter des Volkes zu spielen. Sie wollten zwischen dem rechten und dem linken Flügel stehen, um den Ausgleich zwischen diesen herbeizuführen, eine Harmonie zwischen den Extremen anzustreben und Frieden in den politi- scheu Kampf zu tragen. Und für diese Rolle waren sie auch geschaffen mit ihrer Mäßigung und ihrer Aufklärung, mit ihrer Vorsicht und Schmiegsamkeit, ihrem Anpassungsver- mögen und ihrer Fähigkeit abzuhandeln und zu parlamen- tieren. Als geborene Diplomaten und ehrliche Maklerseelen schmeichelten sie sich mit dem Gedanken, die Revolution zu beruhigen, die Börse zu ermuntern, den Absolutismus zu mildern, alle Gegensätze zu versöhnen und allen Konflikten vorzubeugen. Sie predigten den Frieden, in Wirklichkeit kam es aber anders. Sie stellten sich den Wählern als K. D. (konstitutionelle Demokraten) vor, und sie wurden gewählt als„die" oppositionelle Partei. Sie suchten den Kompromiß, man gab ihnen eine revolutionäre Mission; sie sprachen Phrasen, und man schickte sie in den Kampf, nahm ihnen den Eid ab. versprach ihnen jegliche Unterstützung, wenn nicht aar Waffen._ Die Revolution in Rußland. Systemwechsel? Wir haben immer darauf hingewiesen, daß zurzeit in Rußland weniger als je von Festigkeit und Entschlossenheit der Regierung die Rede sein kann. Ganz abgesehen davon, daß der schwankende Charakter des Zaren selber keinerlei Voraussage zuläßt(soweit in der gegenwärtigen Situation seine Ukase,„Entschlüsse" und Stimmungen überhaupt noch von entscheidendem Einfluß auf den ehernen Gang der Ent- Wickelung sein können), ist auch die ihn umgebende, ihn ständig beeinflussende Hofkamarilla offenbar in so viel verschiedene Flügel gespalten, daß schon um deswillen jede Furcht und jede Hoffnung zurzeit ihre Berechtigung hat. Unter diesen Umständen verlohnt es sich denn auch, ein Gerücht zu beachten, das sonst kaum registriert zu werden ver- dient hätte. Das Gerücht besagt, man müsse sich, da der Zar seine Haltung der Duma gegenüber geändert habe, mit dem Gedanken vertraut machen, daß der Rücktritt des Ministeriums Goremykin erfolge und ein Ministerium aus Dumamitgliedern zusammengesetzt werde! In diesem Zusammenhange geben wir denn auch noch nach einer russischen Korrespondenz einige Sätze aus folgendem Artikel wieder: Schipow über die jetzige Lage. Der fast von der gesamten russischen Presse als russischer Ministerpräsident gewünscht« bekannte Semstwoführer Schipow stellt über die jetzige Lage folgende interessante Aus- führungen zur Berfugung:„Jetzt gibt es nur einen Ausweg anS dem Labyrinth, in das Rußland geraten ist, und das ist die Schaffung eines Ministeriums an« der Majorität der Reichs- duma. Ich bin beinahe überzeugt, daß die russische Regierung zu diesem AuSweg kommen wird. DaS jetzige Ministerium wird man aus Eigenliebe, aus Wahrung des Prestiges noch einen Monat un- berührt lassen, nur um zu zeigen, daß dessen Absetzung nicht unter dem Druck der Reichsduma erfolgt ist. Dann aber wird man ein neueS Ministerium auS den Vertretern der Majorität der Reichs- duma bilden. Sobald aber die„Kadetten" an das Ruder gelangen werden, dann. 0 bann werden sie wesentlich nach recht? einschwenken und auch mit der Arbeitsgruppe brechen... Ein Wahl-Sieg der Sozialdemokraten. Entsprechend dem Beschlüsse des EinigungS-Kongreffes der russischen Sozialdemokratie nahmen die kaukasischen Sozial- demokraten an den dort jetzt im Gange befindlichen Duma- Ergänzungs-, bezw. Nachwahlen teil. Der Wahlkampf war ein sehr hitziger und, wie der Telegraph meldet, ist eS den So- zialdcmokraten gelungen, in Tiflis eine überwiegende Ma- jorität ihrer Wahlmänner durchzusetzen. Somit ist die Wahl ihres Kandidaten, des Redakteurs einer örtlichen Zeitung, zur Duma gesichert. Die„Potemkin"-Matrost«. Bukarest, 30. Mai. Wie der Bukarester Korrespondent der „Frankfurter Zeitung' erfährt, richteten die Matrosen de«„Potemkin", die sich in Braila befinden, ein Kollektivgesuch an die Reichsduma um Amnestie. Attentat. Kutais(Transkaukasien), 30. Mai. Hier wurden in voriger Nacht gegen den früheren Generalgouverneur Alichanow auf der Fahrt zum Bahnhof zwei Bomben geschleudert. Der General ist an der Hüfte verwundet; von Vorübergehenden ist eine Person getötet. drei sind verwundet. Die Attentäter entkamen. Hungernde Bauernscharen«»ter freiem Himmel. Die erschreckend um sich greifende Hungersnot in Rußland zeitigt schon jetzt iiberauS traurige Erscheinungen. Ganze Dörfer begeben sich auf die Wanderschaft. Das Hauptziel dieser hungernden Bauernscharen, von denen viele unterwegs zugrunde gehen, bilden natürlich die größeren Städte. In Moskau z. B. über- nachten bei den Palisaden am KurSker Bahnhof schon seit längerer Zeit bei jedem Wetter unter freiem Himmel eine Menge hungriger, arbeitsloser Baueni. etwa 5 Menschen. darunter Frauen und kleine Kinder. Diese Unglücklichen fristen ihr Leben von den armseligen Almosen, die sie bei dem am Bahnhof verkehrenden Publikum erbetteln, soweit die Polizei da? zuläßt. Wie nun festgestellt wurde, find diese Bettler Bauern der südlichen und stidivestlichen Gouvernements, die in ihrer Verzweiflung, da weder Land noch Futter für das Vieh vorhanden ist, letzteres für wenige Groschen verkauft haben und nach Moskau gewandert sind, um hier Arbeit zu finden. Den ganzen Tag bringen sie auf fem Chitrolvo-Markt zu und bieten für wenige Kopeken ihre Dienste an. Trotzdem finden aber immer nur einzelne Arbeit, die Masse bleibt ohne Beschäftigung, d. h. ohne Brot. Zu alledem erlaubt man ihnen nicht, über Nacht auf dem Chitrowo-Markt zu bleiben, lveshalb sie sich dcS Abends zu den Palisaden des Kursker Bahn- Hofs bogeben, wo sie dann zu Hunderten beisammen lauern. Als nian sie auch von hier verlreiben wollte, flehten die Bauern inständig, sie doch hier zu lassen, da der Platz wenigstens nicht gepflastert ist. und sie sonst auf den Steinen liegen mühten. Beim Stadtamt, an das sich die Arbeitslosen gewandt haben, er- reichten die Armen auch nichts, so daß ihre Lage verzweifelt ist und man nicht absehen kann, was daraus werden soll. Das Schreckliche dabei ist nun, dast nicht nur Moskau ein solches Schauspiel bietet, sondern auch in anderen Städten, wie Kiew, Twer usw. usw. Scharen von hungernden Bauern umherziehen. Eine Absage der Bauern an die Konterrevolution. Der bekannte Publizist A. Nowiler, der frühere Bürgermeister von Baku, schreibt in der„Nascha Schisn":„Die Erwartungen der Revolutionäre, daß die Bauern sich nltraradikal in der Frage der Verteilung des Bodens, dafür aber ultrakonservativ in den'poli- tischen Fragen benehmen werden, sind zu Wasser geworden. Nicht ohne starke Befürchtungen sah ich der Besprechung der nationalen Frage, besonders der Judcnfrage, entgegen. Und wirklich! Als in den Vorberalungen wegen der Stellung zur Gleichberechtigung der Juden diskutiert wurde, da traten drei Bauern gegen die volle Gleichberechtigung der Juden auf, indem sie von dem Standpunkte ausgingen, daß die Juden sähiger und klüger seien und daher die Konkurrenz mit ihnen unmöglich wäre! Bei der Abstimmung aber votierten nur diese drei gegen die Gleichberechtigung der Fgden, 10 enthielten sich der Stimme, und 104 der sog.„progressiven" Bauerngruppe stimmten für die volle Gleichberechtigung der Juden! Dieses von einem bedeutenden Grad politischer Reife zeugende Verhalten der Banerndelegierten läßt erwarten, daß die Bemühungen der Konterrevolution, mit Hülse der Bauern die revolutionäre Be- weguug niederznkniitteln, an der politischen Einsicht der aufgeklärten Schichten der Bauernmasse scheitern werden." Interessant ist eine Resolution, tvelche Bauern ihrem Vertreter in der Duma geschickt haben. Der Bauerndcputierte Schuwalow er- hielt von seinen Wählern aus dem Gouvernement Samara eine Instruktion, in der die Bauern ihn auffordern, in der Duma für Preßsrciheit, Vereins- und Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit, Wahlrecht ohne Unterschied des Glaubens und Geschlechts, allgemeinen, obligatorischen und unentgeltlichen Unterricht. Beseitigung der in- direkten Steuer und ungesäumte Inangriffnahme weitgehender agrarischer Reformen einzutreten! Die rebellische Flotte. Die revolutionäre Propaganda unter der Mannschaft der Schwarzmeerflotte macht rapide Fortschritte. Fast täglich gehen den Vorgesetzten anonyme Zuschriften zu, in denen die Matrosen in ebenso würdevoller wie energischer Weise ihren Forderungen Ausdruck verleihen. Seit einiger Zeit er- scheint in Sewastopol eine für dje Matrosen bestinunte und von Matrosen selbst in echt sozialdemokratischem Geiste redigierte Zeitung„Tie Kaserne", welche reißenden Absatz und trotz der schärfsten Ueberwachungsmatznahinen weitestgehende Ver- breitung findet._ politische Qebcrficbt» Berlin, den 30. Mai. Junkerliche Verfassungstreue. Das Abgeordnetenhaus beriet am Mittwoch den Staats- vertrag zwischen Preußen, Bayern, Baden und Hessen über die M a i n k a n a l i s a t i o n. Die seit 30 Jahren in Aussicht gestellte Fortsetzung der Mainkanalisierung bis Aschaffen- bürg hatte selbst in dieser Versammlung aller Verkehrsfeinde keinen Gegner, obwohl es an sich den konservativen Parti- kularistcn gegen den Strich ging, daß durch diesen Vertrag vielleicht eine preußische Bahnlinie zugunsten einer bayrischen Flußstrecke in ihren Einnahmen geschädigt werden könne. Viel mehr Wert aber legen sie doch auf die Einführung der bei der Kanalvorlagc beschlossenen Schiffahrtsabgaben in Verbindung mit dem Schleppmonopol. Dieser Vertrag soll nun das Mittel sein, sie auch den anderen deutschen Staaten nach dem Willen des preußischen Dreiklassenparlamentes auf- zuzwingen. Der Junker v. Pappenheim benutzte die Gelegenheit, der Regierung ein Ultimatum zu stellen. Würden die Schiffahrtsabgaben nicht schleunigst in allen deutschen Staaten eingeführt, so werde seine Fraktion keinen Pfennig mehr für Flußmeliorationen bewilligen. Mit edler Dreistigkeit fügte er hinzu, daß es ihm und seinen Leuten„janz ejal" sei, ob Professoren und Juristen diese Schiffahrtsabgaben für reichsverfassungswidrig hielten; das seien eben Leute, die mit der„modernen Zeit" nicht mitgegangen wären I— Die Re- gierung machte vor dieser konservativen Frechheit untertänigst Kotau. Sie erklärte, daß auch für sie mit Annahme des Kanalgesetzes in Preußen die Frage nach der rechtlichen Zu- lässigkeit der Schiffahrtsabgaben erledigt gewesen sei, daß sie sich also um Reich und Reichstag überhaupt nicht kümmere! Sache des Reichstages wird es nun sein, sein Recht in dieser Frage selbst zu wahren und die Verfassung gegen derartige Uebergriffe der preußischen Duma zu schützen. Charakteristtsch ist aber diese ganze Debatte, die einen Tag nach der von denselben Konservattven beanttagten Resolutton auf genaue Befolgung der Verfassungsbeslimmungen stattfand. Gestern war die Jnnehaltung der Verfassung den Junkern, wie ihr parlamentarischer Führer sagte,„Herzenssache", heute setzen sie sich leicht darüber hinweg, je nachdem sie ihr agrarischer Eigen- nutz treibt. Nach Annahme des Vertrages erledigte das Abgeordneten- haus nur noch Petittonen von geringer Bedeutung und ver- tagte sich sodann bis zu dem Tage der Schlußberatung über die Schulvorlage im Herrenhause. Das bedeutet: Die nächste Sitzung des Dreiklassen- Parlaments dürfte frühestens am 25. Juni stattfinden.—_ Die Angst vor dem gleichen und geheimen Wahlrecht. Das Herrenhaus nahm am Mittwoch die Knappschafts- lassen Vorlage unverändert nach den Beschlüssen des Ab- geordnetenhauses an. Es hatte das Gesetz so gründlich verschlechtert, daß selbst den privilegiettesten Arbeiterfeinden nichts zu verschlechtern mehr übrig blieb. Es wird also mit der öffentlichen Stimmabgabe und der Wahlentrechtung der Invaliden, in denen die Arbeiterschaft ihre einzigen unabhängigen Repräsentanten verliert. Gesetzeskraft erlangen. In den Verhandlungen plädierte heute ein weißer Rabe, der schlesische Gras Oppersdorf, der zufällig nicht wie die schlesischen Zenttumsmagnaten des Herrenhauses, darunter Graf Ballestrem, persönlich am Grubenbesitz interessiert ist, für die Wieder- Herstellung der Regierungsvorlage, d. h. Festsetzung der geheimen Stimmabgabe und Anerkennung der Wählbarkeit auch der berg- ferttgen Knappen. Als er aber das Wort„geheime Wahl" anssprach, rief er einen gewaltigen Sturm der Entrüstung bei den„Edlen und Erlauchten" hervor. Graf R o o n schrie erregt, daß er mit steigendem Zorn die Ausführungen feines„Standesgenossen" angehört habe. Freiherr v. Mantenffel, der lauteste Rufer im Kampfe gegen das Reichstagswahlr?cht, verlangte unbedingten, soforttgen Widerruf» und � alle die Herren ohne Ausnahme drohten der Regierung unerbittliche Opposition und Kampf ohne Pardon an, sollte sie es sich je einfallen lassen, für Preußen das geheime Wahlrecht zu fordern. Aus jedem Satz, aus jeder Geste sprach die Angst der Edeken, die gewaltige Bewegung der preußischen Arbeitermassen zugunsten des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts konnte oie Regierung zu seiner Einführung zwingen. Aber vorläufig steht auch die Regierung noch ganz auf dem Standpunkt der Herren- Häusler. Der Handelsminister Dr. Delbrück gab der toten Regierungsvorlage noch den Eselsfußiritt und erwarb sich darüber hinaus noch die lebhafte Anerkennung aller Reaktionäre, indem er mitteilte, daß er christlich organisierte Bergarbeiter im Suarrevier gemaßregelt habe, weil ihre Agitation „die Autorität gefährde". Das System Hilger geht also in Saarabien auch ohne Hilger weiter! Ueberhaupt war der Minister den christlichen Bergarbeiterorganisationen vor, daß der Ton ihrer Agitation und der Inhalt ihrer Forderungen nicht mit den Grundlagen des Staates und dem Kaiserhoch übereinstimmten, das sie am Schlüsse ihrer Versammlungen ausbrächten. Deutlicher hat noch keiner unserer Agitatoren den christlichen Arbeitern gesagt, daß selbst bescheidene Arbeiterwünsche mit Äönigstreue und staats- erhaltender Gesinnung unvereinbar sind. Nach Annahme der Novelle zum Knappschaftskassengesetz und eines Antrages aus Erhöhung der Warenhaussteuer ging auch dieses Haus bis zum 15. Juni— erste Beratung der Schulvorlage— in die Pfingstferien.—_ Wieder ei« Breslauer Urteil! Abermals stand ein Sozialdemokrat, ein Redakteur unseres Breslauer Parteiblattes, der„Volkswacht", vor den Breslauer Richtern. Und wie im Falle Löbe lautete die Anklage auf Auf- reizung zu Gewalttätigkeiten. Und wie damals haben die Breslauer Richter den Angeklagten schuldig befunden. Nicht ganz so unerhött ist das Strafmaß. Aber das ist auch der einzige Punkt, worin sich das Urteil zu seinen Gunsten von dem im Prozeß Löbe unter- scheidet. Im Wesen ist das Urteil dasselbe, vom selben Geist der Klassenjustiz diktiert wie das wider den Genossen Löbe. Grund- läge der Verurteilung ist hier wie dort der Kautschuk- Paragraph 130 des Strafgesetzbuches, der alles in das subjektive Ermessen, in das Gefühl des Richters stellt, in das Gefühl des Bourgeois. der über den polittschen Gegner zu Gericht sitzt, in das Gefühl deS Antisozialisten, dessen Kopf angefüllt ist mit allerlei falschen Vorstellungen, mit einem Wust von Vor- urteilen gegen die Arbeiterbewegung. Nur auf Grund falscher Voraussetzungen, die sich bildeten infolge völliger Berkennung des Wesens unserer Partei, konnte die Schlußfolgerung der Breslauer Richter erreicht werden. Nur so ist verständlich, daß die Männer in der Richterrobe in dem Maigedicht der„Volkswacht", in seiner natur- gemäß schwungvollen, leidenschaftlichen Bildersprache Aufreizung zu Gewalttätigkeiten erblicken konnten. Nur deshalb, weil die Richter auch beim ehrlichsten Bemühen den Bourgeois, den Antisozialisten nicht auszuziehen vermögen, lvenn sie die Richterrobe anlegen. In Zeiten, wo die Bourgeoisie in ihrer Angst vor neuen Kraft- äußerungen des Proletariats, wie die Wahlrechtsbewegung, von brutalen Niederknüppelungsgelüsten beherrscht wird, sind Breslauer Ur- teile erklärliche Erscheinungen. Sie werden deshalb freilich für das be- troffene Proletariat um nichts besser. Ihm lagen diese Urteile, daß es im Klassensiaat nur Klassenjustiz zu erwarten hat. Sie haben deshalb auch nicht die Wirkung, die die Besitzenden von ihnen erhoffen. Sie schüchtern die Proletarier nicht ein, sondern verstärken den Willen, die Klassenherrschaft zu überwinden. Die Breslauer Arbeiter haben auf das furchtbare Urteil gegen Löbe mit einer prächttgen Steigerung der Abonnentenziffer der„Volkswacht" geantwottet. Sie werden beim jetzigen Urteil nicht anders verfahren. DeS sind wir gewiß I Ucber die Verhandlung wird uns berichtet: Breslau. 3l). Mai. (Telegraphischer Bericht.) Vor'der zweiten Strafkammer des hiesigen Landgerichts hatte sich heute Genosse Redakteur K l ü h s von der„Volkswacht" au die Anklage wegen Aufreizung zum K l a s s e n h a ß zu ver- antworten. Die Aufreizung soll durch die Veröffentlichung des Ge- dichtes von Leon Holly„Der erste Mai" in der Nummer der „Volkswacht" vom 30. April d. I. begangen sein. Als besonders aufreizend in dem Gedicht werden die Stellen angesehen, in denen es heißt:.Der Tag, der klirrend durch die Welt der Armut schreitet",„die Götze ir eurer Knechtschaft zu zertreten",„reckt eure Fau st",„speit Blut und Flammen",„kämpf- und sturmbereit". Klühs war seinerzeit nach der ersten Vernehmung durch den Untersuchungsrichter verhaftet und der Antrag feines Verteidigers, ihn gegen Kaution freizulasse», abgelehnt worden. Eine Beschlverde gegen die Verhaftung wurde zurückgewiesen, und erst auf eine erneute Beschwerde verfügte das Oberlandesgericht die Freilassung des angeschuldigten Redakteurs ohne Kaution. Den Vorsitz im Gerichtshof führt Landgcrichtsdirektor l�anske, der seinerzeit auch den Aufreizungsprozcß gegen den Genosten Löbe von der„Volkswacht", der mit der Verurteilung des Angeklagten zu einem Jahr Gefängnis endete, geleitet hatte, die Anklage vertritt Staatsanwalt G l a tz e r, die Verteidigung liegt in den Händen des Rechtsanwalts Heine- Berlin. Der Angeklagte bestreitet, daß das Gedicht„Der erste Mai" eine Aufreizung zum Klassenhaß enthalte. Es liege außer- halb der Tendenz der Sozialdemokratie, Gewalttätigkeiten zu begehen oder auch nur solche zu verherrlichen. Dies beweise fast jede einzelne Rümmer der„Volkswacht". So enthalte auch dieselbe Nummer, in der sich das inkriminierte Gedicht befindet, eine Warnung vor unbedachten Handlungen, damit das Maifest der Arbeit ungestört verlaufe.— Auf die Bemerkung des Angeklagten, die Sozialdemokratie begehe keine Gewalttaten, äußerte der V o r s i y e n d e, es sei doch wunderbar, einem Gerichtshof zu sagen, die Sozialdemokratie begehe keine Gewalttaten. In einer großen Anzahl von Fällen lägen doch leider Beweise für das Gegenteil vor.(!)— Es gelangten sodann mehrere Artikel der„Volkstoacht" zur Verlesung teils auf Antrag des Angeklagten, der hieraus die gcfetz- mäßige Form des Klassenkampfes, wie ihn die Sozialdemokratie führt, darlegen will, teils auf Antrag des Staatsanwalts, der daraus das Gegenteil zu beweisen sucht. Durch Zeugen wird festgestellt, daß gerade der Angeklagte darauf drängte, daß eine Warnung vor dem Alkoholgenuß am 1. Mai in der„Volkswacht" aufgenommen wurde, während seine Kollegen dies für überflüssig hielten, da man doch keine Säufer in der Partei habe. Auch habe der Angeklagte daraus gedrungen, daß zu den Abend- Versammlungen an, 1. Mai Eintrittskarten ausgegeben werden, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Es wird ferner festgestellt, daß Klühs sich bereits vor dem„roten Sonntag"(dem 31. Januar d. I.) gegen den Gedanken von Straßendcmonstrationen gewandt hatte. Der Polizcikommissar, in dessen Revier das Gcwcrk- schaftshaus liegt, gibt an, daß nach den dort abgehaltenen Versamm- lungen eine Störung der Ruhe auf den Straßen nicht vorge- kommen ist. Staatsanwalt Glatzer plädierte auf schuldig im Sinne der Anklage. Das Gedicht sei geeignet gewesen, eine den, öffentlichen Frieden gefährliche Stimmung zu erzeugen. Wenn die Volksleiden- lchaften entfacht seien, ließen sich die Massen nicht mehr halten. Deshalb sei der Warnung vor Ungesetzlichkeiten keine große Be- deutung beizunlessen. Dazu komme, daß das Gedicht in den Tagen -um Abdruck gelangte, wo ohnedies eine gärende Stimmung herrschte. Eine Gesängnisstrase von einem Jahre sei daher am Platze.(I I) Der Verteidiger Rechtsanwalt Heine plädierte auf Freisprechung! Entsprechend dem ganzen Vorgehen der sozialdemokratischen Pattei habe auch der Angeklagte stets vor Gewalttätigkeiten gewarnt. Die inkriminierten Stellen des Gedichts würden von jedem Sozialdemokraten rein symbolisch aufgefaßt. In der Tat sei auch am 1. Mai nicht die geringste Ausschreitung vorgekommen. Das Gericht verurteilte nach längerer Bsratung den Angeklagten, Redakteur Klühs, zu drei Monaten Gcfänguis. In der Begründung des Urteils führte der Vorsitzende aus: Der Angeklagte habe daS Bewußtsein gehabt, daß das Gedicht aufreizend sei. indem er eine kleine mildernde Aenderung im Text vornahm. In der gegenwärtigen Zeit, wo systematisch die Auflehiuiug gegen die Gesetze gepredigt werden(!>, müsse das Gedicht eine andere Würdigung erfahren wie in ruhigen Zeiten, und die Gesetze müßten d e s h a l b s ch ä r f er angewendet werden. Justtzminister Beseler habe seinerzeit nicht etwa eine Klassenjustiz befürwortet, wie ihm fälschlicherweise von sozialdemokratischer Seite untergeschoben wurde, sondern er habe nur gesagt, daß die bestehenden Gesetze voll ausreichten, wenn sie den besonderen Zeitverhältnisien entsprechend angewendet würden. Danach rechtfertige sich die Bestrafung und das Maß der Strafe. Um vas Reichskolonialamt. Der Streit um die Frage, welche Partei die Schuld an der Ab- lehnung dessStaatssekretariatspostens für das von dersRegierung ge« forderte Reichskolonialamt trägt, spitzt sich zu einer hochkomischen Posse zu, in der das ehrsame Zentrum die Rolle des blamierten Tartüffen spielt. Um sich an sogenannter allerhöchster Stelle in der Gunst zu erhalten, wehrt sich entrüstet die Zentrumspresse dagegen, die Ablehnung des Reichskolonialamts verschuldet oder auch nur beabsichtigt zu haben. Das ganze Abstimmungsergebnis am Sonnabend und Montag ist nach seinen heiligen Versiche- rungen nur ein Zufall, herbeigeführt durch die falsche Taktik der Nationallberalen und das Fehlen verschiedener Kolonial- enthusiasten in der Sonnabendsitzung. Immer deutlicher zeigt sich, wie gerne es das Zentrum gesehen hätte, wenn es in der Sonn- abendsitzung des Reichstages überstimmt, oder wenn in der Montags» sitzung die Nationalliberalen nicht durch Abstinenz gegen den Antrag Gröber demonstriert und dadurch diesem zur Annahme verholfen hätten. Daß die Nationalliberalen durch ihr Verhalten die schlaue Spekulatton der Zentrumsleiter durchkreuzt haben, erfüllt die Zentrumspolitiker mit wilder Wut, die sich in einem kreischenden Gekeife ihrer Blätter Lust macht. Noch verärgerter als das gestern von uns zitierte Berliner Hauptorgan der Ileri- kalen Sippe, die„Germania", ist die„Kölnische Volkszeitung". Sie leistet sich, gleich ihrer Berliner Rivalin, in ihrem gestttgen Abendblatt ebenfalls zwei Leitartikel über den„Fall". In dem ersten versucht sie unter den eigenartigsten rabulistischen Kapriolen nachzuweisen, daß daS Zentrum an dem Resultat der Abstimmung über das Staatssekretariat des Erbprinzen Hohenlohe unschuldig ist. In dem zweiten,.Galvanisierung des Kartells" über- schriebenen Arttkel wendet sie sich mit jesuitischer Entrüstung gegen die Versuche der Nationalliberalcn, die Abstimmung des Zentrums gegen dieses an„höherer Stelle" auszuschlachten und daS Zentrum aus seiner Position als Regierungspartei zu verdrängen. In dem ersten Artikel heißt es z. B.: Allgemeines Schütteln des Kopfes wird das Verhalten der Nationalliberalen und der ihnen folgenden Parteien der Rechten bei den gestrigen letzten Debatten über die Schaffung eines Staatssekretariates für das Reichskolonialamt erregen. Was ist denn nur inzwischen geschehen, daß die National» liberalen so rücksichtslos gegen den bis« herigen Leiter dieses Amtes, den Erbprinzen v. Hohenlohe, vorgingen und ihm mit allen Mitteln das Ausharren auf seinem Posten unmöglich machten? Der Erbprinz würde ja als Unterstaatsselretär gerade so geblieben sein, wie als Staatssekretär. Das war schon nach der Entscheidung der Budgetkommission bekannt, welche den Staatssekretär ablehnte und den Unterstaatssckretär genehmigte. Und daran hatte sich auch gar nichts geändert bis zur Abstimmung in zweiter Lesung im Plenum.... Nun kam die Abstimmung am Sonnabend, bei welcher infolge der schwachen Anwesenheit der Kartellparteien, namentlich der Konservativen, der Staatssekretär in dritter Lesung wieder ab- gelehnt wurde. Nachdem die Kartellparteien zur zweiten Lesung alle Mann herantelegraphiert halten, um ihren damaligen Erfolg gewissermaßen durch Ueberrumpelung zu erzielen. hätten sie doch auch den letzten Nkann zur dritten Lesung heranbringen müssen, um den Erfolg fe st zuhalten. Wenn sie also jetzt so schwach vertreten waren, so war das wirklich gegenüber dem Erbprinzen nicht schön gehandelt. Sollten sie inzwischen der Meinung geworden sein, daß ein fach- technisch geschulter Beamter an der Spitze deS Kolonialamtes doch besser am Platze sei wie ein vornehmer Herr, welcher früher einmal ein paar Jahre Regent irgend eines Kleinstaates mit gut ein- geschulter Verwaltung war? Da wäre ja auch nicht gerade schineichcl- Haft gewesen für den Erbprinzen; aber dann wäre das folgende Verhalten der Kartellparteien und an ihrer Spitze der National- liberale» wenigstens verständlich und folgerichtig gewesen. Doch wer kann die tiefen Gedankengänge und hochweisen Ratschlüsse unserer Nationalliberalen ergründen?... Dann heißt es in bezug auf die Ablehnung des Untcrstaats- sekretärposienS durch die Nationalliberalen: „Darüber kann man nun denken, wie man will. An Spott wird es da für die guten Nationalliberalen nicht fehlen. Auf keinen Fall können sie jetzt sagen, daß das Zentrum den Erb- Prinzen Hohenlohe„abgesägt" habe, ivie eS im parlamen- tarischen Jargon heißt. Das hat in Wahrheit nicht das Zentrum, sondern das haben die National- liberalen getan. Dem Zentrum war der Sprung vom Direktor zum Staatssekretär zu groß, dem Erbprinzen Hohenlohe war der Sprung vom Dii�ktor zum Unterstaatssekretär genügend, aber die Nationalliberalen— stolz liebe ich den Abgeordneten Bassermann I— dachten: alles oder nichts! Und da sie einmal gedacht hatten: nichts! dachten sie dieses nichts auch ganz bis zu Ende; nichts, gar nichts bewilligten sie mehr." Nach dieser Melodie geht es weiter. Die Sache paßt den Jen- trumSführern auch gar zu schlecht in ihre Schachcrpolittk. So wunderschön hatten sie sich ausgettftelt, daß sie ihren Wählern und der süddeutschen Kaplanokratie gegenüber wieder mal die„Unent- wegten" spielen könnten— in der Annahme, daß auch gegen ihr Oppositionsspiel das Kolonial- Staatssekretariat angenommen werde; und nun sehen sie sich in dieser Erwartung getäuscht. Das ist bitter; denn so gerne sie auch ihren Wählern imponieren, wertvoller ist doch die kaiserliche Gnadensonne, die noch 'o manchem gleich schöne und einträgliche Erfolge verhieß, wie dem alten Spahn und seinem Spähnchen. Doch weiß das Blatt des rheinischen Klettkalismus einen Aus- weg aus der Verlegenheit. Es empfiehlt der Regierung, nach Posadowskys Ankündigung zu handeln und nach den Parlaments- •erien erneut die Forderung eines selbständigen Reichskolonialamts zu stellen, indem es zwischen den Zeilen deutlich durchblicken läßt, daß sich bis dahin vielleicht die klerikale„Unentwegtheit" wesentlich gemildert haben könnte. ES meint nämlich mit kaum mißzuver- stehender Deutlichkeit: „Vielleicht wird der Erbprinz v. Hohenlohe aber doch im Ainte bleiben. Die„Kölir. Ztg." läßt anscheinend auf Grund offiziöser Nachrichten diese Möglichkeit offen. Das Zentrum würde darüber keinesfalls verdrießlich sein; es steht dem Prinzen Hohenlohe völlig objektiv gegenüber und hat seinen guten Willen, mit der Mißwirtschaft im Kolonialamt aufzuräumen, rückhaltlos an- erkannt. Wenn trotzdem„Köln. Ztg.",„Reichsbote" und andere Blätter im trauten Verein sich anstellen, als ob der Prinz dem Zentrum weichen müsse, so ist das angesichts der Tatsachen, namentlich des Antrages Gröber vom Sonnabend, einen Unter- staatssekretär zu bewilligen, eine grobe, wenn nicht eine bewußte Unwahrheit." � � Ocutfcbes Reich. Kompetenz des Reichstages zur Besprechung preußischer Ausweisungeu. Selbst Professor L a b a n d nimmt(in der neuesten Nummer der „Deutschen Jnristenzeitnng") gegen die hinfällige Behauptung der Regierung Stellung, daß der Reichstag zur Besprechung der Aus- Weisungen nicht zuständig sei. Laband vertritt auf Grund des Wort- lauts, der Entstehungsgeschichte und des Zwecks des Artikels 4 Ziff. 1 der Reichsverfassung, die im Reichstag und auch von uns wieder- holt betonte Ansicht, daß die Fremdenpolizei der„Beaufsichtigung" des Reichs unterliegt und im Interesse der Sicherheit des Reichs unterliegen muß. Nachdem er eingehend die Kompetenz des Reichs dargelegt hat, führt er aus: „Hat aber„das Reich" das Recht, die Bundesstaaten hinsichtlich der Handhabung der Fremdenpolizei zu beaufsichtigen, so sind nicht bloß Kaiser, Reichskanzler und Bundesrat innerhalb der ihnen zu- stehenden Funktionen berufen, dieses Recht auszuüben, sondern auch der Reichstag ist berechtigt, auf Grund der parlamentarischen Verantwortlichkeit des Reichskanzlers von ihm Auskunft über die Ausübung dieser Beaufsichtigung zu fordern. Bei dem engen, un- trennbaren Zusammenhang der Fremdenausweisung mit der ans- wältigen Politik muß der Reichskanzler in der Lage sein, die von ihm wahrzunehmenden Interessen des Reiches zur Geltung zu bringen, wenn auch die Ausweisung selbst von den Behörden des Einzelstaates verfügt und vollzogen wird, und dem Reichstag müssen hinsichtlich der Fremdenausweisung dieselben parlamentarischen Befugnisse zustehen, welche ihm hinsichtlich der auswärtigen An- gelegenheiten eingeräumt sind." Demnächst werden wir einen wegen Raummangel zurückgestellten Artikel veröffentlichen, der sich mit der Kompetenzfrage und mit der weiteren Frage beschäftigt, ob ein Ausländer ein Recht aus Auf- enthalt in Preußen hat._ Flottentaufe und Schuldisziplin. Wie der„Berliner Lokal- Anzeiger" berichtet, telegraphierten die Oberprimaner des königlichen Gymnasiums in D a n z i g, nachdem ihnen vom Direktor eine abschlägige Antwort erteilt worden war, direkt an den Kaiser nach Prökelwitz, ob die Schüler zum Stapellauf des Linienschiffes„Schlesien" frei haben könnten. Eine bejahende Autwort traf umgehend durch den Oberpräsi- deuten ein.— Selbst die fromme und regierungSfürchtige„Germania" kann sich angesichts der Meldung die Frage nicht verkneifen:«Ob die Disziplin gerade gefördert werden mag, wenn die Herren Primaner gegen ihren Direktor direkt an den Kaiser appellieren dürfen?" Wir fragen: Was wird der blamierte Schuldirektor tun? Und auf welche Gesetzesbestimmung gründet sich der kaiserliche Akt?—_ Nationalliberale Ehrlichkeit. Ein niedliches Fälschcrkunststückchen leistet sich die„Leipziger Zeitung", das Organ der sächsischen Regierung. Das altjüngferliche Blatt beschäftigt sich mit dem Leitartikel unserer letzten Sonntags- nummer über„Lebensmittelwucher". An unseren Nachweisnngen findet es nichts auszusetzen; aber meint es durcki die Feststellung, daß trotz des am 1. März in Kraft getretenen neuen Zolltarifs die Hopfen- und Gerstenpreise nicht gestiegen wären, hätten wir die für „richtig ausgegebenen Freihandelsargumente" diskreditiert: „An diesem„Lebensmittelwllcher"-Exempel des„Vorwärts" kann man deutlich ermessen, wie fadenscheinig und tendenziös viele Argumente sind, mit denen Sozialdemokraten und Freihändler die deutsche Schutzzollpolitik bekämpft haben und noch bekämpfen. Kürzlich waren es die Fleischer, denen der„Vorwärts" vorrechnete, daß die Viehpreise trotz Zollerhöhungen heruntergegangen sind, heute sind es die Brauer, denen der Vorwanh, der Zoll ver- teure die Waren, durch das sozialdemokratische Zentral- organ zerstört wird. Hier köimte Schippet für seine zollpolitischen Ketzereien manchen guten Stoff finden." Hätte sich das sächsische Regierungsblatt unseren Artikel näher angeschen, dann würde es gefunden haben, daß wir in Kenntnis des Auffassungsvermögens der schutzzöllnerischen Blätter seines Schlages diesem Einwand bereits von vornherein die Spitze ab- gebrochen haben. Es heißt nämlich in dem betreffenden Leitartikel unserer Sonntagsnummcr: „An und für sich ist zwar zweifellos richtig, daß der Zoll die Preise erhöht. Vergleichen lvir die Getreidepreise der deutschen mit denen der auswärtigen Märkte, besonders mit denen der un- verzollten Lägcr in den deutschen Einfuhrhäfen, dann finden wir, daß tatsächlich die Preise der deutschen Inlandsmärkte fast um de» Zoll- betrag höher sind als die Auslandspreise. Damit ist aber noch nicht gesagt, daß die jetzigen Inlandspreise absolut höher sind als in früheren Jahren, denn der Preisstand toird nicht nur durch die Zollhöhe bestimmt, sondern auch durch den Ernteausfall und die Größe der Vorräte. Die deutsche Ernte war aber im vorigen Jahre eine Verhältnis- mäßig günstige, und außerdem sind vor dem Inkrafttreten der neuen Handelsverträge beträchtliche Mengen in das deutsche Zoll- gebiet eingeführt worden, so daß zurzeit ziemlich starke Vorräte vorhanden find." Diesen Satz unterschlägt die„Leipziger Ztg.", da er ihr in ihre Ausführungen nicht paßt. Eine recht bequeme Methode. Das Ei des Kolumbus! Die sonst durch Findigkeit nicht gerade berühmte„Post"� hatte am Rtittwochabend einen genialen Einfall I Sie leistete sich an der Spitze ihrer politischen Tagesllbersicht ein Artikelchen mit der viel verheißenden Uebcrschrift:„Wie der„Vorwärts" unter- schlägt und fälscht."— In diesem viel verheißenden und wenig haltenden Artikelchen lamentiert Dr. KronSbein darüber, daß wir seine„gestrige Feststellung" unterschlagen hätten: Rosa Luxemburg sei mit einem falschen Passe nach Rußland gereist— also habe die Sozial- dcmokratie keinen Anlaß, sich über Schöne-Brockhusensche Patz- fälscherei zu entrüsten. Du lieber Himmell Der gute Kronsbein scheint wahrhaftig seine eigene und seiner„Post"-„EseI"„Intelligenz" auf eine Stufe mit der unserer Leser zu stellen. Unseren Lesern brauchen wir nicht erst lang und breit vorzukäuen, daß eine Rosa Luxemburg selbstverständlich bei unseren heutigen russisch-borussi» schen Zuständen auf ihren eigenen ehrlichen Namen nie und nimmer über die russische Grenze käme. Wir brauchen ihnen nicht erst zu erzählen— was sie längst wissen-—, daß im Kriege Kriegsrecht gilt und daß w i r verdammt wenig Veranlassung haben, die Gc- sctzlichkcit denen gegenüber auf die Spitze zu treiben, die wider unsere Partei mit jeder nur erdenklichen ungesetzlichen Brutalität vorzugehen für Staatsraison halten. Aber wie ist uns? Vertritt denn die„Post" nicht sonst immer den Standpunkt, daß die Gesetze— und seien sie noch so veraltet, noch so dumm, noch so willkürlich— geachtet werden müssen, weil sie nun einmal Gesetze sind? Und da bringt die gesetzliche„Post" Ausführungen wie:„Wenn im Falle Schönc-von Brockhuscu eine Urkundenfälschung vorläge!" Da versieht sie den„gefälschten" Ficdler-Patz mit ein Paar ausgewachsenen Gänsefüßen II Da bc- zeichnet sie Bebels und des„Vorwärts" Feststellungen zu jener Affäxe als„großen Schwindc!".Ii Dem biederen Dr. Krönsbcin steht die Entdeckermiene recht schlecht zu Gesicht. Er glaubt, das Kolumbus-Ei auf die Spitze stellen zu können. Wenn man aber die Sache bei Lichte besieht, so ist er bei allem Gackern und Rackern genau so klug wie die anderen Herren von der Tafelrunde des Kolumbus.— Die Zoll- und Steuerbehörde» als Polizcihandlangcr. Seit dem Königsberger Hochverratsprozeß steht gerichtsnotorisch fest, daß die Zoll- und Steuerbehörden der Polizei resp. der Staats- nnwaltschaft Handlangerdienste leisten. Das„ Volks blatt für Hessen" zu Cassel ist in der Lage, einen neuen Beitrag zu diesem wenig schönen Kapitel zu liefern. Es veröffentlicht das folgende, nicht für die Oeffentlichkeit bestimmte Schriftstück: Der Fillauzminister. I. N. III 4501 Prodi nzialsteuerdirektor der Rheinprovinz. Berlin, den 28. März 1906. A 6687 Betrifft die Beschlagnahme von in Essen a. d. Ruhr eingegangenen Druckschriften. Am 7. d. M. wurden bei der Postzollabfertigungsstelle in Essen sechs an vier Buchhandlungen daselbst gerichtete Pakete zur Ab- sertigung gestellt, die Druckschriften enthielten. Die Schriften waren betitelt:„Märzs chrift 1906" und„Ein neues Winter- märchen" und stammten aus Wien bezw. Zürich. Als ihr Ab- sender war ein gewisser Jgnaz Brand bezw. die Buchhandlung des Schweizerischen Grütlivereins angegeben. Da der Inhalt den Abfertigungsbeamten politisch gefährlicher A r t zu sein schien und auch Schmähungen gegen die Aller« höchste Person seiner Majestät enthielt, so wurde je ein Exemplar der Staatsanwaltschaft zur Begut- achtun g vorgelegt, worauf auf Antrag dieser Behörde unter dem 8. d. Mts. vom Amtsgericht die Beschlagnahme der Druck- schriften angeordnet und samtliche Exemplare der Staatsanwalt- schaft ausgeliefert wurden. Da es nicht ausgeschlossen ist, daß auch anderwärts der Ver- such gemacht wird, die vorhezeichneten Schriften zum Zweck ihrer Verbreitung einzuführen, verfehle ich nicht, hiervon mit dem An- heimgeben Anzeige zu erstatten, sämtliche Zollstellen auf den Gegenstand aufmerksam zu machen. Die Abfertigungsstellen meines Verwaltungsbezirks habe ich bereits mit Anweisung versehen lassen, alle Sendungen der in Rede stehenden Art an die zuständige Staatsanwaltschaft mit dem Bemerken auszuliefern, daß die Beschlagnahme der Druckschriften von dem Amtsgericht in Essen angeordnet sei. Abschrift erhalten Euer Hochwohlgeboren zur gefälligen Kenntnis- nähme und Mitteilung an die Zollstellen. Die Auslieferung der Sendungen hat unverzüglich an die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht in Essen zu erfolgen. Im Auftrage: gez. Köhler. An die Herren Provinzialsteuerdirektoren. Die neue Eisenbahnverkehrsordnung. Seit langem wird im Eisenbahnministerium an einer Revision der Eisenbahnverkehrsordnung gearbeitet. Jetzt ist endlich nach schwerer Arbeit der Entwurf fertig- gestellt und allen deutschen Handels-, Industrie- und Landwirtschafls- Vertretungen zur gutachtlichen Aeußerung zugegangen. Wie es scheint, hat die Eisenbahnbureaukralie wieder mal eine glänzende, gewaltige Arbeit geleistet, denn nach einer durch die Presse gehenden offiziösen Mitteilung bestehen die Aenderungcn des Ent- wurfs hauptsächlich darin, daß das B e s ch w e r d e b u ch abgeschafft werden soll. Dafür sollen die vom Publikum bei der Eisenbahn- Behörde angebrachten mündlichen und schriftlichen Beschwerden jederzeit die peinlichste Beachtung finden. Ferner sind, wie berichtet wird, Vorschriften über die Personen-Beförderung ausführlicher und übersichtlicher geordnet, als bisher; sie geben Auskunft über: Die aus dem Erwerbe der Fahrkarten entstehenden Rechte und Pflichten(Anspruch auf Beförderung, Zuweisung der Plätze, Rücknahme unbenutzter Fahrkarten, Versäumung der Abfahrt usw.), Benutzung von Hülfsftrecken bei Betriebsstörungen, Mitnahme von Tieren in Personenwagen(es sollen auch die„Schoß"- Katze, der Kanarienvogel und ähnliche Haustiere zugelassen werden) usw. Eine wesentliche Umgestaltung und Ergänzung haben die Vorschriften über die Beförderung von Gütern erfahren; hier sollen angeblich viele Verkehrswünsche berücksichtigt worden sein, so z. B. in bezug auf die Erweiterung der bahnseitigen Haftpflicht usw. Im Reglementieren haben seit jeher die Eisenbahnen bedeutendes geleistet. Die neue Verkehrsordnung scheint nach obigen Proben den Rekord auf diesem Gebier erzielen zu wollen.— Eine Ausdehnung der neuen Fahrkartcnsteucr auf schon vor dem 1. August gelöste Fahrkarten, sofern ihre Gültigkeit erst nach dein 1. August erlischt, wird von den Regierungen vorgenommen. Die „Rhein. Wests. Ztg." weiß zu melden, daß zu diesem edlen Zwecke „Matznahmen getroffen" werden sollen.— Der Wcltpostkongrcß in Rom hat am Sonnabend seine Arbeiten beendet. Die wichtigsten Ergebnisse seiner Beratungen sind die Herabsetzung des internationalen Briefportos— statt nach Gewichts- sätzen von 15 Gramm wird nach solchen von 20 Gramm gerechnet, und für schwerere Briefe werden für die ersten 20 Gramm 50 Cts., für die folgenden je 15 Cts. erhoben—, sowie die Einführung von Antwortwertzeichen, sdie in Form von Coupons im Nennwerte pon 25 Cts. von dem internationalen Postbureau in Bern hergestellt und an die Vereinsverwaltuugen abgegeben werden, die sie wiederum mit einem Aufschlage, der nicht unter 3 Cts. betragen soll, an das Publikum verkaufen. Der Epipfänger eines Briefes mit einem der- artigen Coupon hat diesen bei den Postanstalten seines Landes gegen ein Landeswertzeichen umzutauschen, das er zur Frankierung seines Antwortbriefes benutzt. Der Blmdcsrat überwies in der Mittwochsitzung die Vorlage betreffend den Entwurf eines Gesetzes für Elsaß- Lothringen über das A n s ch l a g w e s e n den zuständigen AuS- schüssen. Dem Ausschußbericht über den Entwurf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen betreffend das Verwaltungs- strafverfahren in Zoll- und Steuersachen wurde zugestimmt.— Neue Opfer für Siidwcst-Afrika. AuS Hamburg wird vom 30. Mai telegraphiert: Die Truppen-Transportdampfer der Woermann-Linie„Professor Woermann" und„Pisa" haben kurz nach sechs Uhr abends den Hamburger Hafen verlassen. Sie haben an Bord 20 Offiziere und Militärbeamte, 294 Unteroffiziere und Mannschaften, sowie etwa 1000 Pferde, die nach Südwest-Afrika gebracht werden sollen. Unter den Mannschaften befindet sich eine Anzahl, die nach Wiederherstellung ihrer Gesundheit in das Schutzgebiet zurückkehren.— Husland. Oesterreich- Ungarn. Die Krisis. Durch den Sturz des Ministeriums Hohenlohe sind die anläßlich der Demission Gautschs von der sozialdemokratischen Exekutive ge- faßten Beschlüsse wieder aktuell geworden. Da die gegenivärtige Krise durch die Schwierigkeiten, die sich im österrcich-ungarischen Verhältnis ergaben, hervorgerufen ist, wird es wohl die erste Aufgabe des neuen Ministeriums sein, diese ohnehin unhaltbaren Zustände für einige Zeit in den Vordergrund ihrer Beratungstätigkeit treten zu lassen. Für diese Danaidenarbeit wird wieder die Zeit des Ministeriums und des Parlaments maßlos beansprucht werden. Sollte darüber aber die Wahlreform in den Hintergrund gerückt werden— was nicht undenkbar ist— so wird die sozialdemokratische Partei mit dem letzten Mittel, dem General- streik, antworten. Die Vorbereitungen zum etwaigen Generalstreik werden demgemäß in ganz Oesterreich mit großem Eifer getroffen. Der Parteiausschuß dürfte noch diese Woche in Wien zu entscheidender Beratung zusammentreten. Im Wiener Abgeordnetenhause wurde am Dienstag darüber debattiert, ob der Präsident, Graf Better, fornrell das Recht hatte, die Montagsitzung auf eigene Faust abzusagen. Die Einbringung des ungarischen selbständigen Zolltarifs wurde unter Beifall als Bruch des 67er Ausgleichs charakterisiert, im übrigen von ver- schiedenen Seiten die Bereitwilligkeit erklärt, den Konflikt in Güte zu schlichten. Die Obmänner der Parteien hielten eine Konferenz ab, in der von einigen der Vorschlag gemacht wurde: es sollten, falls der Reichsrat. vertagt würde, die Mitglieder der Delegation ihre Man- date niederlege». Zum Beschluß wurde diese Anregung— entgegen anders lautenden Meldungen— nicht erhoben, sondern die Entscheidung den einzelnen Klubs überlassen.— Einstimmig beschloß die Obmännerkonferenz, folgenden Dringlich- keitsantrag einzubringen,: Das Abgeordnetenhaus legt auf das entschiedenste Ver- Wahrung dagegen ein, daß durch die rechtskräftige Ver- öffentlichung des gemeinsamen Zolltarifs der mit schweren lvirtschastlichen Opfern unserer Reichshälfte erkaufte gel- tende Rechtszustand durch das Vorgehen der ungarischen Regierung ohne Zustimmung des Reichsrats geändert werde und spricht die bestimmte Erwartung ans, daß es dem Reichsrat durch die Vertagung in dieser kritischen Zeit nicht unmöglich gemacht werde, die Rechte des Parlaments und die Interessen der im Reichsrat vertretenen Länder zu wahren. England. Gütliche Verciudaruilg. London, 29. Mai.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Der Staatssekretär des Aeußern, Sir Edward Grey, und der französische Botschafter in London, Canibon, unterzeichneten heute eine Konvention, durch die die Abgrenzungen der Besitzungen zwischen dem Niger und dem Tschadsee derart abgeändert werden, daß einerseits Frankreich freie Wegeverbindung zwischen dem Niger und dem Tschadsee erhält, andererseits aber auch die gegenwärtige politische Einteilung der Eingeborenen(Staaten und Stämme) berücksichttgt wird.— Da«cmark. Die Wahlen. Das am Dienstag neugelvählte Folkethiug erhält folgende Zu- saminensctzung: Regierungspartei 55, wozu ein Abgeordneter der Faröerinseln kommt, Sozialdcinokrate» 24, Rechte 13, gemäßigte Linke 9, radikale Linke 9 und 3 Wilde. Die Regierungspartei ge- wann 4 und verlor 7 Kreise, die Sozialdcuiokratie gewann 9 und verlor 1, die Rechte gewann 5 und verlor 3, die gemäßigte Linke gewann 1 und verlor 4, die radikale Linke gewann 1 und verlor 5 Kreise. Unter den Gewählten befinden sich der Ministerpräsident, der Minister des Innern, der Kultusminister, der Handelsminister, der Landwirtschaflsminister und der Justizminister. Natal. Der Aufstand. London, 30. Mai.(W. T. B.) Wie dem Reuterschen Bureau aus Krantkop(Natal) gemeldet wird, machten die Aufftändischen gestern früh abermals einen heftigen Angriff, der aber zurückgeschlagen wurde. Auf englischer Seite fielen 3 Eingeborene, während 12 Ein- geborene verwundet wurden. Aus Durban wird dem genannten Bureau ferner gemeldet, daß Oberst Mackenzie in Verbindung mit anderen Truppcnabteilungen eine erfolgreiche Umgehungsbeweguug im Singananda-Lande ausführt, bei der bereits viel Vieh erbeutet wurde und zahlreiche Auf- ständische fielen._ Hus der Partei. Statistik des Klassenbewußtseins. Eine Umfrage der Dresdener Zahlstelle des Sattlerverbandes hat ergeben, daß von 223 befragten Mitgliedern 114 das Parteiblatt lesen, 55 ein„unparteiisches" Klatschblatt, 44 keine Tageszeitung. Politisch organisiert waren nur 55 Mitglieder. Auch eine„geistige Waffe". Aus dem Dorfe Hartlieb (Schlesien) wird der Brcslauer„Volkswacht" berichtet, daß ein dort seit 36 Jahren ansässiger alter Invalide, der Genosse Kanter, Kolporteur der„Volkswacht", obdachlos gemacht werden soll. Seine bisherige Wohnung wurde ihm gekündigt, es ist ihm unmöglich, in Hartlieb wie im benachbarten Klettcndorf ein neues Quartier zu finden. Vergeblich ist Kanter beim Gemeindevorsteher vorstellig geworden, vergebens beim Amtsvorsteher. Auch der stellvertretende Landrat hat ihn abgewiesen und ihm anheimgestellt, sich an den Amtsvor- steher zu wenden. So ist Kanter immer noch ohne Wohnung I Unsere Gegner sind doch wahrhaft noble Menschen I Personalien. In der Landesversammlung der sozialdemokratischen Partei Hamburgs, die am Dienstagabend tagte, wurde die Wahl eines Parteisekretärs vorgenommen. Gewählt wurde Genosse R ö s k e, der nun neben dem Genossen Dubber das Parteisekretariat für den Staat Hamburg verwalten lvird. Die beleidigte KönigSberger Polizei. In Nr. 268 des„Hamb. Echo" vom 15. November 1905 wurde über den erfolgreich ver- laufenen Hafenarbciterausstand in Königsberg berichtet und dabei des Verhaltens der Polizei gedacht. Kritisierl wurde besonders die Verhaftung des Vorsitzenden des Hafenarbeiterverbandes,„weil ihn die Stauer der Polizei gegenüber als den„größten Hetzqr" be- zeichnet hatten. Natürlich mußte der Genosse aber bald wieder freigelassen werden, da er absolut nichts getan hatte. So wird die Freiheit der Person geachtet." Wegen dieser Notiz stellte der Polizeipräsident von Königsberg gegen den Ver- antwortlichen vom„Hamb. Echo" Gustav Wabers'ky Strafantrag wegen Beleidigung. Die Sache gelangte vor dem Schöffengericht VI in Hamburg zur Verhandlung. Der'Angeklagte erklärt, die Notiz aus einem anderen Blatte entnommen zu haben. Wie aus der Beweisaufnahme hervorgeht, handelt es sich im, keine Verhaftung, sondern um eine Sistierung zur Wache zwecks Feststellung der Personalien, weil der Betreffende mit am Hafen beschäftigten Leuten gesprochen hatte. Beantragt wurde eine Geldstrafe von 600 Mark. Das Urteil lautet auf 200 Mark. Beleidigend für die Polizeibehörde sei der Vorwurf, sie hätte sich von den Stauern zur Verhaftung des Streikleiters bestimmen lassen, während nur die Handlung eines Beamten vorliege._ GewerfcrcbaftUcbes* Toleranz oder Terror? Daß die Kirche die getreue Dienerin des Kapitals ist. ivird durch immer neue Beispiele erwiesen. Besonders trifft dies zu bei der katholischen Kirche, wo der Beichtstuhl als Mittel zum Zwecke dient. Im Beichtstuhl wird die Ge» Wissensknechtung ausgeübt, und so lange ein Arbeiter noch zur Ohrenbcichte geht, ist er für die moderne Arbeiterbewegung noch nicht zu haben. Es kommt freilich auch vor, daß der Pfaffe die Leute uns geradezu in die Arme treibt, d. h. in Fällen, lvo den Leuten gesundes Denkvermögen innewohnt. Ein solcher Fall ereignete sich in Lütgendortmund bei Dortmund. Dort war aus einer rückständigen Gegend Deutschlands ein Arbeiter zugezogen, der bald genug einsah, daß er sich gegen Unter- BAchtkind: Geistlicher; Beichtkind: Geistlicher: Beichtkind: Geistlicher: demokrat! nehmerwillkür nur durch Anschluß an die Organisation schützen könne. Er ist Maurer und war vernünftig genug, als solcher sich dem Zentralverbande der Maurer Deutsch- lands, also der freien Gewerkschaft anzuschließen. Der Mann ist auch Katholik und wollte nach wie vor seinen religiösen Ver pflichtungen genüge leisten. Darin ist er nun nicht von derOrganisation, sondern durch die unduldsame Geistlichkeit gehindert worden Der Mann ging letzten Sonntag zur Beichte und hatte in derselben folgendes Erlebnis. Wir geben das Zwiegespräch im Beichtstuhl wörtlich wieder: (geistlicher:„Welchen Bemf haben Sie?" „Maurer." „Gehören Sie einem Ve rbande an?" „Jawohl." „Welchem denn?" „Dem Zentralverband der Maurer Deutschlands/ „Na. dann sind Sie auch Sozial- Da kann ich Ihnen die Absolution nicht geben! Gehen Sie erst nach Hause und treten Sie aus dem Berbande aus, dann kommen Sie wieder!" Das Beichtkind ist nach Hause gegangen, aus dem Ver bände tritt es aber nicht aus und zur Beichte kommt es auch nicht wieder, Der Mann ist der Kirche verloren gegangen durch den G e i st l i ch e n, der ihn vertrieben hat! Sozialdemokrat war der Mann noch nicht; jetzt ist er aber auf dem besten Wege, einer zu werden. Gerade durch das Verhalten des Geistlichen ist ihm ein Licht aufgesteckt worden. Der Mann war noch Anhänger der Kirche, sonst wäre er gewiß nicht zur Beichte e gangen. Er sollte im Interesse des Kapitals der rganisation entfremdet werden, ist aber aus der Kirche ver- trieben worden. Solche Erfolge gönnen wir den Pfaffen noch recht oft._ Berlin und vlmgegend- Achtung, Metallarbeiter! Die englische GaSmcsserfabrik Marienfelde bitten das dringend zu beachten. Deutscher Mctallarbeiterverband> ist gesperrt. Ortsverwaltnng Berlin. Wir Der Streik der Holzbearbeitungsmaschinellarbeiter bei der Finna David Franke Söhne in der Mühlen st ratze ist beendet. Sämtliche Arbeiter haben am Dienstag früh die Arbeit zu den von der Firma vor der Arbeitsniederlegung gemachten Zugeständnissen wieder aufgenommen. Durch die Lohnbewegung wurden Lohn- zulagen von 1—7 Pf. pro Stunde erzielt. Die Berliner Hutformen-Tischler(Holzarbeiter-Berband) haben eine Lohnbewegung mit Erfolg beendet. Von allen in Frage kommenden Firmen ist der geforderte Lohntarif an- erkannt worden. Er enthält folgende Hauptbestimmungen: Die Arbeitszeit beträgt 52 Stunden(Montags und Sonnabends 8 Stunden, die übrigen Tage V Stunden). Jede Arbeit darf nur in Lohn ausgeführt werden. Gesellen, welche 5 Jahre und länger in dieser Branche arbeiten, erhalten einen Stundenlohn von 70 Pf. Solche Hutformen-Tischler, die erst ausgelernt haben, und solche auSgelernten, die 3— S Jahre in der Branche arbeiten, erhalten einen Stundenlohn von 65 Pf. Angelernte Gesellen, die weniger als 8, doch über 1 Jahr in dieser Branche arbeiten, er- halten einen Stundenlohn von 60 Pf. Für Anzulernende und Hülfsarbeiter � ist ein Mindestlohn von 50 Pf. pro Stunde, denselben, wenn sie 1 Jahr in der Branche arbeiten, 60 Pf. zu zahlen. Uebcrstvnden dürfen nicht gemacht werden, so lange arbeitslose Formentrschler sich am Orte befinden. Im anderen Falle sind dieselben mit 30 Prozent Aufschlag ftir die erste Stunde pro Tag, jede weitere Uebcrstunde mit 50 Prozent zu vergüten. Bei flauem Geschäftsgang ist der Entlassung sowie dem Aussetzen einzelner Arbeiter durch Verkürzen der regelmäßigen Arbeitszeit vorzubeugen. Ferner: Anerkennung des Verbands- Arbeitsnachweises und Freigabe des 1. Mai als Feier- tag.— Nur in einer Werkstatt kam es wegen dieser Forderungen zu einem zweitägigen Streik. Der Tarif gilt auf ein Jahr. Der Tischlerstreik bei Frister u. Roßmann, Skalitzerstratze, der jetzt bereits in die achte Woche währt, dauert unverändert fort. Da bisher eine Einigung nicht erzielt werden konnte, beschlossen die zirka 100 Ausständigen gestern, den Streik weiterzuführen. Achtung, Kupferschmiede, Rohrleger, Installateure! Die Kupfer- schmiede in Forst(N.-Lausitz) haben infolge von Lohndisserenzen die Arbeit niedergelegt. Die Unternehmer versuchen in bürgerlichen Blättern und Blättchen durch Annoncen Arbeitswillige heranzuziehen, bisher ohne joden Erfolg. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. Die Bezirksleitung de« Verbandes der Kupferschmiede Deutschlands. In der Lederfabrik von Emanucl Meyer, Pcinzen-Allee 56, wo zirka 80 Mitglieder des Lederarbeiter-VerbandcS beschäftigt sind, besteht seit einigen Wochen eine Differenz. Herr Meyer lätzt von weibli-ben Personen qualifizierte Arbeit verrichten, wodurch die organisierten Lederarbeiter sehr benachteiligt werden, was laut Ver- trag nicht zulässig ist. Nachdem schon in verschiedenen Sitzungen die Schlichtungskommission der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich mit der Sache beschäftigt hatte und keine Einigung zu erzielen war, tvurde die Angelegenheit dem EinigunaSamt übergeben. Während die Verhandlungen noch schwebten, hat am 26. Mai früh Herr Meyer acht Mann, die zum grotzcn Teil an den am Freitag abend stattgefundenen Verhandlungen teilgenommen hatten, gematzregelt. Die Antwort war, datz alle übrigen organisierten Lederarbeiter, die im Betriebe beschäftigt waren, sich solidarisch erklärten, und die Arbeit sofort ruhen ließen.— Es wird ersucht, Zuzug von Leder- arbeitern nach Berlin fernzuhalten. Automobil-Droschkenführcr. Die Sperre in der Garrage„Borussia", Inhaber Prenzlauer Allee 216. ist aufgehoben. Die Differenzen gelegt. Verein der Droschkenführer Berlins und Umgegend. HinrichS, find beiAchtung» Tapezierer! Die Sperre über die Firma Linke, Rigaerftr. 100, ist auf- gehoben, da der betreffende Unternehmer den Tarif anerkannt hat. Die Achtzehnerkommission. Achtung! Metallarbeiter- Gewerkschaftler! Zur Annonce der Metallarbeiter-Gewerkschaft vom 30. Mai machen wir darauf aufmerksam, datz der n e u e 50 P f e n n i g b e i t r a g von der ersten Juniwoche an, das ist die 22. Woche<28. Mai nicht 3. Juni) geleistet werden mutz. Die OrtSverivaltung. Die ausständigen Veublebeo Reith, FricdenStlänge. Foriner und Gietzereiarveiter in Hannover haben gestern' in ihren Versammlungen öeschlossen, den«streik zu beendigen, und bevollmächtigten öie Kommission, die vereinbarten Arbeitsbedingungen mit den Arbeitgebern festzulegen. Der Hallesche Verband der Metallindustr, eklen teilte durch Anschläge in den Fabriken mit, datz die zum 2. Yuni an- gedrohte Entlassung von 5000 Arbeitern aufgehobe n sei Auch der Bezirksberband der niederschlesischenMetall- industriellen hob die bereits erfolgte Kündigung von 60 Proz. Metallarbeitern wieder auf. Die Metallarbeiteraussperrung in der Kreishauptmann- schaft Dresden kann ebenfalls als aufgehoben be- trachtet werden. Bereits am Mittwoch früh hat ein grotzer Teil der Ausgesperrten die Arbeit wieder aufgenommen, die anderen werden heute ebenfalls folgen. In den meisten Betrieben ist die Wiederaufnahme der Arbeit ohne Schwierigkeiten erfolgt. In einzelnen Fällen haben sich Differenzen ergeben. So besieht die Nähmaschinenfirma von Seidel u. Naumann darauf, die Aus- gesperrten einzeln durch Postkarte zur Arbeit zu bestellen. Es wird daher die Aussperrung in einzelnen partiellen Ausständen noch Nachklänge zeitigen._ Sonderbare KriegSvordereitungen. Der Tarif der deutschen Buchdrucker läuft in diesem Jahre ab und mutz deshalb einer Revision unterzogen werden. Dieser Tage hielt nun in Bremen der Verein deutscher Zeitungsverleger seine diesjährige Hauptversammlung ab und beschäfligte sich auch mit der Tariffcage. Zu diesem Punkte sprach der als Gast erschienene Prinzipalsvorsitzende deS Buchdrnckertarifamts Kommerzienrat B ü x e n st e i n. Im Anschluß an sein Referat entwickelte sich dann eine Debatte, die zur einstimmigen Annahme der nachstehenden Resolution führte: „Die in Bremen tagende Hauptversammlung des Vereins deutscher Zeitnngsverleger erkennt einmütig die Arbeit des deutschen Buchdrnckervereins in der künftigen Gestaltung der Tariforganisation an und nimmt mit Dank von den Ausführungen des Prinzipal- Vorsitzenden der Tarifkommission, KonnncrzienratS Büxen sie in, über die bevorstehende Neuregelung des Buchdruckertariss Kenntnis. Sie erklärt sich mit diesen Ausführungen durchaus einverstanden in der Erwartung, datz es gelingen wird, von den Ge- hülfen diejenigen Garantien zu erhalten, welche für die Durchführung und Aufrecht- erhaltung eine? auf Treu und Glauben ab- geschlossenen Vertrages notwendig sind. Da jedoch der Ausgang dieser Verhandlung noch nicht feststeht, be- schließt der Verein deutscher Zeitungsverleger, um für alle Fälle gerüstet zu sein, in den einzelnen Orten und Bezirken geeignete Organisationen zu schaffen, die nötigenfalls das Er- scheinen von Nornialzeitunge» ermöglichen." Die G e h ü l f e n waren im Buchdruckgewerbe jahrzehntelang allein diejenigen, welche für die Durchführung und Aufrecht- erhaltung des TarifeS Sorge trugen, und für ihre Vertragstreue besonders geartete Garantien zu verlangen, liegt kein Anlaß vor, nachdem sie diese in der Praxis andauernd bewiesen haben. Nach dieser Richtung hin sind besondere Kainpfvorbcreitungen kaum notwendig. Auf der anderen Seite werden auch die Herren Zeitungsvcrleger kaum bestreiten können, datz die Verteuerung der Lebensmittel und Wohnungsverhältnisse einen solchen Grad angenommen hat, datz eine Lohnaufbesterung um so weniger von der Hand zu weisen ist, als die Buchdrucker aus ihrer Stellung als die„bestbezahlten" Ar- bester längst schon durch andere Branchen verdrängt und an die dritte oder vierte Stelle gerückt sind. Wenn die KricgSvorbereitungen der Herren ZeitungSverleger also nach der einen Seite hin un- verständlich erscheinen, so find sie nach der anderen Richtung hin auch unberechtigt._ Der Tischlerstrcik in Frankfurt a. O. hat nach zirka zehn- wöchiger Dauer mit einer Niederlage der Streikenden geendet. Da nach Lage der Sache ans einen Erfolg nicht mehr zu rechnen war, mutzten die Ausständigen die Arbeit bedingungslos wieder auf- nehmen. In erster Linie fft der negative Ausgang dieses Streiks dem schmachvollen Verhalten der Hirsch-Dunckerschen zuzuschreiben, weil jene Biedermänner nicht nur nicht mitstrcikten. sondern von OrganisationSwegen die Arbeitgeber noch obendrein mit Arbeitswilligen versorgten. Dir Beendigung deS Streiks im mitteldeutschen Braunkohlen- Revier geht leider nicht ganz glatt vor sich. Obgleich nach den Versicherungen der Werkslettungen Maßregelungen ausgeschlossen sein sollten, kommen aus allen Teilen deS Reviers Nachrichten, wonach Leutenicht wieder eingestellt, sonach gematzregelt sind! Von den Mitgliedern der Lohn- kommission sind drei Mann bisher nicht eingestellt. Eine weitere Nachricht besagt, datz die Neunstundenschicht.die wesentlichste Errungenschaft deS Kampfes, durch- brachen»v e r d e n f o l l. Die letzten Meldungen der Werkspresse be- ftätigen das! Sucht das Unternehmertum den Berg- arbeitern die Neunstundenschicht durch Einlegen der Mittags st un de, wodurch da« bisherige System beibehalten werden würde, illusorisch zu machen. so wird zweifelsohne die Flamme der Empörung ivieder emporlodern und neue erbitterte Kämpfe auf einzelnen Werken werden die Folge sein! der der DaS SchreckcnSrcgiment der Scharfmacher. Nachdem in Königsberg etwa 50 Firmen die Forderungen ausständigen Tischlergcscllen schriftlich anerkannt haben, hat jetzt Arbeitgeber-Schutzvervand, um die betreffenden Firmen zur Auflösung deS von ihnen bewilligten Tarifvertrages zu bewegen, durch ein Uebereinkonnnen mit den Inhabern der Holzftrmen sämtliche Holzgärten in Königsberg für diejenigen Meister gesperrt, die die Forderungen der Gesellen in ihren Werkstätten durchgeführt haben Holz erhält nur derjenige Meister, der dem Arbeitgeber- Schutzverband beitritt und sich gegen Konventionalstrafe verpflichtet, nicht früher Tarifabschlüsse mit den Gesellen vorzunehmen, alS die Tischlcrinnung die Initiative dazu ergreist. Vier Firmen haben ihre Bewilligung bereits wieder zurückgezogen und ihre Gesellen eist- lassen. Wie es heitzt, wird der Holzarveiter-Lerband die Erfüllung der einmal anerkannten Bewilligung beim Gewerbegericht durchzusetzen suchen._ Der Streik der Töpfer in R e g e n S b u r g ist nach fünfwöchentlicher Dauer zugunsten der Arbeiter beendet. Streikjustlz. Dieser Tage ist der letzte der neunzig Angeklagten auS dem Kolner Bantischleraus stände gerichtlich ab« geurtcilt worden. DaS Urteil lautete freisprechend. Von den 90 an- geklagten Ausständigen ist genau ein Drittel freigesprochen worden. Genau die Hälfte'wurde zu Geldstrafen verurteilt: 45 Personen müssen insgesamt 412 M. Strafe zahlen, und die übrigen fünfzehn erhielten zusammen sieben Monate und 28 Tage Ge- fängnl«. Die Kölner Gewerkschaftschristen können mit ihrer Denunzianten- und Provoziertätigkeit zufrieden sein. Die d r e i tz i g Freisprechungen reden eine deutliche Sprache für die Art, wie diese Prozesse zustande gekommen sind; und auch die übrigen sechzig Ausständigen hätte man, ohne datz Recht und Gerechtigkeit gekränkt worden wären, zum weitaus größten Teil ungeschoren lassen können. Aber die berüchtigte Stratzenpolizeiverordnung, diese Guillotine des gesetzlich„gewährleisteten" Streikpostenrechts, und, die zarte„Ehrs" der christlichen Streikbrecher wollen ihre Opfer haben. Und unter diesen Opfern befanden sich auch vier Schulkinder, die dem Glorienschein der Arbeitswilligen zu nahe gekommen sein sollen; drei Kinder wurden freigesprochen, eins erhielt einen Verweis. Die christlichen Streikbrecher haben die gusammenstötze dutzendfach in der dreistesten Weise ab» sichtlich heraufbeschworen. Dennoch hatten sich ihrer nur fünf vor Gericht zu verantworten; aber nur einer wurde verurteilt, der berühmte Pfefferwerfer nämlich, der sich mit Pfeffer bewaffnet in daS Versammlungshaus der Ausständigen begeben hatte, um zu spionieren, und der, ohne auch nur angegriffen zu sein, einer Anzahl Streikender daS tückische Augengift mS Gesicht geschlendert hatte. Justitia, die anscheinend auch von dem christlichen Pfeffer in die Augen bekommen hat. sühnte die feige Tat in einem merkwürdig genug konstruierten Urteil mit ganzen zehn Mark Geldstrafe.— Die Polizei und die Gerichte mögen sich gesagt sein lassen, daß die neunzig Streikprozesse unter den Arbeitern mehr Ausklärung geschaffen haben, als es neunzig- tausend Flugblätter vermocht hätten. Der Streik der Polychrvmeure und Figuristen in Köln ist be- endet. Die Gehülfen erzielten eine halbe Stunde Verkürzung der täglichen Arbeitszeit, Verbefferung der Akkordsätze und Vereinfachung der Arbeitsweise, was zusammen eine Erhöhung des Wochenlohncs um 5—8 M. ausmacht. Es hätte noch mehr erreicht werden können, wenn die christlichen Bremser nicht gewesen wären. Eine ganze An- zahl bisher christlich Organisierter ist infolge der Lehren dieses Streiks zum Deutschen Porzellanarbeiterverbande übergetreten. Ausland. Die Holzarbeiter in B u k a r e st in Rumänien stehen seit dem 14'. Mai in einer Lohnbewegung. Sie fordern neunstündige Arbeits- zeit, vier Frank Minimallohn, Erhöhung der jetzigen Löhne um 20 Proz. und Abschaffimg der Akkordarbeit. Die Arbeitgeber sind bemüht aus Deutschland und Oesterreich Arbeitskräfte heranzuziehen. Zuzug ist deshalb streng fernzuhalten. Arbeiterfreundliche Zeitungen werden um Abdruck gebeten. Versammlungen. Der OrtSverei» Berlin der Vereinigung der Flieseuleger nahm in seiner Versammlung am Donnerstag den Bericht vom 7. Kongretz, den Schacht erstattete, entgegen. Prinzipielle Einwendungen wurden gegen die gefaßten Beschlüsse nicht erhoben. Um der versteckt sich einschleichenden Akkordarbeit entgegenzutreten und dem Subunter- nehmerunwesen zu steuern, beschloß die Versammlung: Fliesenleger- arbeiten sind nur imLohn auszuführen. Unter Verschiedenem brachte der Kollege Herforth eine persönliche Angelegenheit— die seinen bevorstehenden Ausschluß aus dem Wahlverein und somit aus der gesamten Partei zur Folge hat— zur Sprache. Diese Sache rührt vom Streik der Sektionisten her, bei dem Herforth Streikarbeit gemacht haben soll. Die Schiedskommission sowie der Wahlveremsvorstand haben den Ausschluß beschlossen und bedarf es nur noch der Sanktion der Generalversammlung. Es ist erklärlich, datz Herforth der Ausschluß nicht gleichgültig ist; schließt die Partei ihn aus, so mutz ihn logischer Weise auch die Gewerkschaft ausschließen. In der nachfolgenden Diskussion war man e i n st i m m i g der Meinung, datz mit dem Ausschluß nicht die Handlungsweise, sondern nur die Person,„der Lokallist" Herforth. getroffen werden solle. Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen: Die Versammlung sieht nach wie vor in dem Arbeiten der Mit- glieder unserer Organisation während des„Streiks" der Sektionisten bei unseren Vertcagskontrahenten keinen Streikbruch und protestiert ganz energisch gegen den Ausschluß einiger Mitglieder aus der politischen Organisation wegen dieses„StreilbruchS". Ter Verband der Fabrik-, Land- und HülfSarbeiter(Zahlstelle Berlin) befaßte sich am Sonntag in einer stark besuchten Mitglieder- Versammlung eingehend mit der Tagesordnung des diesjährigen in Leipzig stattfindenden Vcrbandstages. Hierbei stellte sich die Versammlung durchaus auf den Standpunkt der Gaukonserenz vom Karfreitag, datz der Verband jetzt endlich die Organisierung der Landarbeiter ins Auge fassen möge. Einstimmig wurde der Antrag beschlossen, der Verbvndstag solle die Landarbeiterfrage als be- sonderen Punkt ans die Tagesordnung setzen. Hinsichtlich der Mai- f e i e r nahm die Versammlung folgenden Antrag der Vertrauens- männcr-Konferenz an:„Ter Verbandstag möge beschlietzen, eine Regelung der Maifeierfrage in dem Sinne vorzunehmen, datz durch statutarische Bestimmungen oder einer diesbezüg- liehen Resolution eine klare Unterlage für das Ver- halten der G esa mt o r ga n i sa t i on geschaffen wird." Von den übrigen Anträgen beziehen sich mehrere auf eine zeitgemäße Ver- besserung des Streikreglements. Ferner wurde noch mit Rücksicht auf die Berliner Verhältnisse beantragt, datz Zahlstellen, die in einem Umkreise von 10— 15 Kilometer zusammenliegen, sich zu einer Zahlstelle zu verschmelzen haben. Ein weiterer Antrag verlangt die Verlegung des Verbandssitzes von Hannover nach Berlin, Hierauf wurde die Kandidatenliste der Delegierten aufgestellt. Die SektionSleitung der Heimarbeiterinnen des Verbandes der Wäsche- und Krawattenarbeiter und Arbeiterinnen hielt eine Be- sprechimg mit den Negligö-Arbeiterinnen der Zwischenmeister Axmann, Schwedterstratze S5a und Müller, Schönhauser Allee 53 ab. Es hatten sich nicht nur die Heimarbeiterinnen, sondern die in den Be- trieben beschäftigten Arbeiterinnen ebenfalls eingefunden. Ins- gesamt kommen hier zirka 110 Arbeiterinnen in Betracht. Bei Axmann wurde darüber geklagt, datz die Arbeiterinnen schon Strafgeld zahlen müßten, wenn sie zusammen sprechen. Auch lassen die ArbeitSräume sehr zu wünschen übrig. Die Arbeiterinnen des ZwischcnmcisterS Müller klagten sehr darüber, datz bei ihnen das Dampfrohr entzwei sei und sie den ganzen Tag der furchtbaren Hitze ausgesetzt wären; auch sei keine Ventilation vorhanden. In dieser sehr gut besuchten Besprechung ließen sich 55 Kolleginnen in den Verband aufnehmen. Letzte JVachnchtcn und Depcfchcn. Opfer für unsere Sandwüste». Hamburg» 30. Mai. �W. T. B.)' Die Truppentransport- dampfer der Woermannlinie,„Professor Woermann" und„Pisa". haben kurz nach 6 Uhr abends den Hamburger Hafen verlassen. Sie haben an Bord 20 Offiziere und Militärbcamte, 294 Unter- offiziere und Mannschaften, sowie etwa 1000 Pferde, die nach Süd- westafrika gebracht werden sollen. Unter den Mannschaften be- findet sich eine Anzahl, die nach Wiederherstellung ihrer Gesund- hcit in das Schutzgebiet zurückkehrt. Familie» erkranlt. mit An Vergiftung durch verdorbenes Fleisch. Antwerpen, 30. Mai.elegt. Durch Entscheidung des Schiedsgerichts wurde der Klägerin eine Rente von 20 Proz. zuerkannt. Die Berufsgenossenschaft legte gegen diese Entscheidung Rekurs beim ReichsverftcherungSamt em. Leide Parteien wurden im mündlichen Verhandlungstermin ver- treten. Trotzdem sich die Entscheidung des Schiedsgerichts auf ein ärztliches Gutachten eines hervorragenden Nervenarztes stützte, wurde das Urteil des Schiedsgerichts aufgehoben. Der Vor« sitzende erklärte in seiner Urteilsverkündung:„Der Unfall sei so gering gewesen, daß die nervösen Beschwerden, über welche die Klägerin klagt, durch den Unfall nicht erklärt werden können. Erwerbsstörende Unfallfolgen bestehen nach der 13. Woche nicht mehr." Diese Begründung ist mehr als sonderbar. Ein hervorragender Nervenarzt— Privatdozcut an der Universität— stellt nach eingehender Untersuchung eine Reihe nervöser Störungen fest. Da diese sich unmittelbar an den Unfall angeschlossen haben, die Verletzte beim Unfall auch lur�e Zeit bewußtlos gewesen— was übrigens durch Zeugen bewiesen ist— mutz— so sagt der Arzt— mit größter Wahrscheinlichkeit die Nervenschwäche auf den Unfall zurückgeführt>v erden. Das Rekursgericht jedoch esknmotiert diese von einem erfahrenen Sachverständigen bestätigten Tatsachen einfach dadurch hinweg,„daß der Unfall so„gering" gewesen sei, daß sich die nervösen Be- schwerden durch denselben nicht erklären lassen". Eine solche Nichtachtung einwandfrei bekundeter Thatsachen und ihre einfache Wegleugnung spricht nicht zugunsten der Erkenntnis der Richter: sie stellt keine Begründung, sondern eine bcweislose, lediglich durch die Erkenntnislosigkeit der Richter getragene Be- hauptung dar. Der Sachverständige soll gutachtender Berater des Richters sein: ein von seinem Gutachten abweichendes Urteil sollte die Gründe für diese Abweichung enrhalten. Diese Nichtachtung zu gunsten Verletzter abgegebener Gutachten wirkt leider auch aur die untere Instanz und auf spätere ärztliche Gutachten sehr zu Ungunsten der Verletzten ein. Dr. Friedensburg erübrigt noch Zeit, patriotische und religiöse »Theaterstücke" zu schreiben und im evangelischen Jünglingsverein Vorträge zu halten. Gewiß eine Thätigkeit, die dem Herrn niemand verschränkt wissen will. Aber sollte die in den Verhandlungen auffällige Nervosität in dcrLeitung und das hastige„Durchpeitschen" der Sachen nicht etwa in ursächlichem Zusammenhange mit den präsidialen Neben- beschäftigungen stehen? Aus einem anderen Senat sei die Art der Befragung eines Ver- letzten hervorgehoben. Der Vorsitzende richtet an den Verletzten die Frage, ob und was er arbeitet. Der Befragte erklärt, daß er nicht arbeiten könne. Darauf meint ein älterer, neben dem Vorsitzenden des Senats sitzender Herr:„Aber essen, das können Sie doch?" Derselbe Herr äußerte bei einer anderen Gelegenheit, es sei ei» Skandal, wie durch die Arbeitervcrsicheruugsgesetzgebung die Arbeiter„verludert" und„verlumpt" würden. Ein Schlosser hatte infolge einer Explosion eine Verbrennung eines Auges erlitten. Bei dieser Gelegenheit— infolge des Schmerzes und wohl auch des Schrecks— hatte er mit den Händen nach dem verletzten Auge gefaßt. Nach zwei Tagen begann das Auge zu eitern und mußte später entfernt werden, da dasselbe mit Trippergift infiziert worden war. Das Schiedsgericht hatte unter Aufhebung des Bescheides der Berufsgenossenschaft, dieselbe verurteilt dem Kläger eine Rentenentschädigung zu zahlen. Das Schiedsgericht hatte einen mittelbaren Zusammenhang zwischen dem linsall»nd dem Verlust des Auges angenommen. Denn der Schreck und Schmerz den Kläger durch die Explosion er- litten hat, i st die Ursache gewesen, warum der Verletzte, ohne an die Gefahr zu denken, nach dem Auge faßte. Diese Entscheidung wurde vom Rekurssenat des Reichsversiche- rungsamts aufgehoben. Der ursächliche Zusammenhang sei mich nicht in„mittelbarer" Beziehung gegeben. . Die angeführte Blüte» lese ans einer persönlichen Beobachtung der Verhandlungen, mögen zur Jllustrierung der„Segnungen" der Unfallversicheruugsgesetzgebuug und des„sozialen Geistes" des ReichsversicherungSamts vorab genügen. Soziales. Bäckerei-Elend. Wie jämmerlich die Gehülfenverhältniffe im Bäckereibetriebe liegen, erweisen die nachstehend wiedergegebenen Resultate einer im Mai in Thorn aufgenommenen Statistik. Aus den in Thorn mit Vororten befindlichen 56 Bäckereien sind LS Fragebogen eingegangen;»rithin sind 50 Proz. der Betriebe in der Statistik vertreten. Personen beschäftigt sind in diesen 28 Bäckereien 85, und zwar 42 Gesellen, 23 Lehrlinge und 23 Hülfsarbeiter. Ueber ihr Alter haben 41 Gehülfen Angaben gemacht und zwar stehen 15 davon im Alter von 17—20 Jahren, 11 sind 20 bis 25 Jahre alt, 11 sind 25—30 Jahre und nur 4 sind über 30 bis 50 Jahre alt. Der Wechsel der Arbeits st eilen ist ein großer, denn 19 Gesellen sind erst einen Monat und kürzere Zeit in der Arbeits- stelle, 10 bis zu 3 Monaten, 4 bis zu 6 Monaten, 5 bis zu zwölf Monaten und nur 2 sind über 12 Monate in der Beschäftigung. Verheiratet sind 4 Gehülfen, die aber auch in Kost und Logis beim Meister stehen. Die Arbeitszeit beträgt täglich Betrieben 8—10 Stunden m 2 11 9 6 10—12 12—14 14—16 M Sonntags 5 Betrieben 8—10 Stunden 9.. 19-12 12„ 12-14, 2„ 14-17 Die durchschnittliche Arbeitszeit eines Gehülfen be- trägt 123/, Stunden pro Tag; die Woche in jedem Betriebe regel- mäßig 7 Schichten oder 89 Stunden Arbeitszeit, die zum größten Teil in der Nacht geleistet wird. Lohn erhalten neb st Kost und Logis 5 Gesellen.. 5 bis 6 M. pro Woche 1?.... 6.. 8„ 13„.. 8„ 10„ 3„.. 10„ 12„„ 2„.. 12., 14„ 1 ,,.... 18„ ,, Drei Gesellen erhalten nur halbe Kost vom Meister. Der Durchschnittslohn eine? Gehülfen beträgt 8,80 pro Woche, rechnet man zu demselben 9 M. für Kost und Logis und teilt diese 17,80 in die 89 stündige Arbeitszeit, so ergibt dies einen Stundenlohn von 20 Pf. Die Arbeiterschutzgesetze werden häufig nicht beachtet. Die vorgeschriebene Bundesratsverordnung ist an 9 Betrieben nicht ausgehängt; die Kalendertafel fehlt in 6 Betrieben. Behördliche Kontrollen des MavimalarbeitStageS fanden nur in fünf Bäckereien je einmal statt, in allen anderen Be- trieben ist im Jahre 1906 noch keine Revision zu verzeichnen. Die Arbeitsräume liegen zwölfmal im Keller und sechzehnmal im Parterre. Drei derselben sind zu klein, in zwei Backstuben gehen die Fenster nicht zu öffnen, in einer gibt es über- Haupt kein Fenster und ist in sieben Betrieben auch am Tage künst- liche Beleuchtung erforderlich.» Die Reinig li n g der Arbeitsräume erfolgt durch feuchtes Aufwischen nur in zwei Bäckereien, und' auch da nur alle Vierteljahre; allen anderen Backstuben ist eine feuchte Reinigung unbekannt und wird der Staub und Schmutz nur durch tägliches Auskehren beseitigt. Die Teigtücher werden gewaschen in 1 Bäckereien alle Monate, „ 9„„ Vierteljahr, . 1.. hohen Feste. . 2„„ halbe Jahre, . 2„„ Jahre, „6„ niemals. Waschgelegenheit für die Gehülfen und Lehrlinge ist überall sehr primitiv und besteht aus Waschbecken oder Waschschüssel; einmal dient eine solche für fünf Personen und zweimal waschen sich die beschäftigten Personen unter der Wasserleitung, nur in drei Bäckereien haben die Gchülfen einen besonderen Raum zum Waschen, in den übrigen wird Waschen und Reinigen des Körpers in der Backstube besorgt. Handtücher erhalten die Gehülfen alle Wochen eins in 19 Betrieben, 2 in 8 und 3 in einer Bäckerei, in einem Betrieb Müssen mehrere Personen zusammen ein Handtuch benutzen. Der Abort stößt in 2 Bäckereien an den Backraum. Die Kost bezeichnen die Gesellen in 5 Bäckereien als gut, in 19 als genügend und in 3 als schlecht. Die Hauptmahlzeit wird ge- gessen in einem Betriebe im Laden, 6 mal in der Wohnung des Meisters, 4 mal in der Gesellenschlafswbe, 5 mal in der Küche und 13 mal in der Backstube. Der Schlafraum der Gesellen liegt 1 mal im Keller, 7 mal im Parterre, 8 mal in Etagen, 10 mal in Dachkammern, I mal auf dem Backofen und Imal in der Remise. Von den Räumen sind 6 nicht verschließbar. Ein Ofen im Wohnraum der Gesellen ist nur in 6 Bäckereien zu finden, in 20 fehlt derselbe gänzlich. D i e Fenster im Wohnraum gehen 3 mal nicht zu öffnen, in einem ist ein ehemaliges Fenster(Loch im Dach) und in vielen Stuben gerade so große Lücke, daß man nur den Kopf rausstecken kann. 6 dieser Wohnungen sind dunkel und 4 feucht. Reinigung des Wohnraums erfolgt trocken täglich 1 mal in 14 Fällen wöchentlich 2„„ 2„ alle 4 Wochen 1"" 1 Falle, den Gesellen bleibt die Reinigung überlassen in 1 Falle, feucht aufgewischt loerden 7 Räume wöchentlich und 20 solcher Wohnungen niemals. In vier Fällen stehen die Betten übereinander, weil der Raum zu klein; einmal schlafen Geselle und Haushälter nacheinander in einem Bett; sechsmal wurden bei Gesellen- Wechsel die Betten nicht mit reiner Wäsche versehen; im allgemeinen wird die Bettwäsche gewechselt alle Monate in zwei Betrieben, alle drei Monate in dreizehn und in sieben Bäckereien ist schon seit länger als einem Vierteljahr die Bettwäsche nicht gewechselt. Der Wohnraum der Gesellen wird noch benutzt einmal zum Kartoffellager, einmal zum Pfannkuchenbacken und zweimal zum Aufbewahren von Backutensilien. Ein Tisch im Wohnraum ist vorhanden in 16 Fällen, in 11 Fällen ist er unbekannt; in neun Wohn- räumen fehlt jeder Stuhl; ein Kleiderschrank ist viermal nicht vorhanden und die vorhandenen sind acht- mal nicht verschließbar. Wegen mangelhaftem Verschluß von Schrank und Wohnraum wurden schon achtmal die Gesellen bestohlen. Spucknäpfe sind in eineni Betriebe vorhanden und in allen übrigen sind solche im Back- und Wohnräume unbekannte Dinge. Wie sehr der Eckel über die traurigen Bäckcreizustände bei den Gesellen zutage tritt, zeigt eine kleine B l ü t e n l e s e der auf den Fragebogen gemachten besonderen Bemerkungen. 1. Bei uns gibt's Mäuse, Schwaben und Franzosen in Massel 2. In der Backstube am Wasserkessel sind Maden l 3. Im Arbejtsraum wimmelt es von Schwaben und Franzosen, im Schlafraum Ivieder Wanzen! 4. Der Schlafraum steht in so enger Verbindung mit dem Schweinestall, daß der einströmende verpestete Dunst für uns beim Schlafen unerträglich wird. 5. Im Schlafraume befinden sich Natten, die in den Betten rumkrauchen; auch Wanzen, daß man überhaupt nicht schlafen kann. Die Backstube ist überm Ofen so niedrig, daß man mit dem Kopf an die Decke stößt. 6. Der Schlafraum ist unterm Dach zwischen Balken, niedrig und schmutzig. Der Arbeitsraum ebenfalls schmutzig und die Wände schwarz verräuchert. 7. In der Bäckerei befinden sich sämtliche Würmer und Schwaben; im ganzen Arbeitsraum krauchen sie rum. Die Schwaben sind auch im Wasserkessel und in den Beuten. Der Meister kommt des Abends in Unterhosen in die Backstube, dann schlägt er die Schwaben tot, daß es knallt. 8. Der Eingang zum Schlafraum ist auf dem Backofen und liegt der Raum zum Teil über dem Ofen; wegen des einströmenden Dunstes sehr ungesunde Luft und Hitze. 9. Der Schlafraum ist so klein, daß man nicht einen Schritt gehen kann. 10. Im Sommer ist es der großen Hitze wegen im Schlafraum unerträglich. 11. Unser Wohnraum ist, kurz gesagt, die reinste Rumpelkammer; da ist alles drin zu finden. 12. Ungeziefer hat's in der Bäckerei und Schlafstube so viel, daß man sich kaum erwehren kann; die Wanzen lassen uns nicht ruhig schlafen. In der Backstube machen sich's die Schwaben in und um den Wasserkessel gemütlich. Diese Resultate der in Thorn aufgenommenen Statistik, die für andere Städte kaum ein günstigeres Ergebnis zeitigen dürste, zeigen, wie dringend notwendig ein erhöhter gesetzlicher Schutz der Gehülfen im Bäckereigewerbe und des Publikums ist. Sie rufen aber auch den der gclvcrkschaftlichen Organisation noch fernstehenden Bäcker- gesellen den Mahnruf zu, schleunigst ihrer Organisation beizutreten, um durch gewerkschaftlichen Zusammenschluß und die Gesetzgebung eine Besserung der Verhältnisse zu erzielen. Der Vcrlinnd württeuibergischer Konsumvereine hielt, wie uns geschrieben wird, am Sonntag in Stuttgart seine Landesversamm- lung ab. Nach dem Tätigkeitsbericht der Geschäftsstelle gibt es in Württemberg 51 Vereine mit 55 212 Mitgliedern. Davon waren der Landesorganisation 44 Vereine mit 49718 Mitgliedern angesckilossen. Das Wachstum der beitragleistenden Vereine betrug von 1904 bis 1905 1900, von 1905 bis 1906 6692 Mitglieder. Der II m s a tz der angeschlossenen Vereine betrug im letzten Jahre(ab- züglich von 5 Vereinen mit 446 Mitgliedern, von denen der Nach- weis fehlt) 12 966 121 M. im eigenen und 3 674 165 M. im Lieferanteugeschäft. Der Reingewinn betrug 1905 1 457 336 M. oder pro Kopf des Mitgliedes etwa 27,39 M. Der Eigen- p r o d u k t i o n s w e r t der württembergischen Konsumvereine wird auf 2 154 724 M. im Jahr, das sind 16,6 Proz. des Umsatzes im eigenen Geschäft, berechnet. Eue Induftric und ftandel Wo sind die Fleischwucherer? Die Händler und Schlächter haben bei der vorjährigen Vieh- tenerung recht kräftig in das agrarische Horn geblasen. Nachdem die Viehpreise aber schon längst erheblich gesunken sind, versuchen die Schlächter trotzdem die Preise auf dem Teuerungsniveau zu halten. Sie dürfen daher ruhig den Agrariern die Hände reichen, sowohl was Preiswucherei anbetrifft, als auch in bezug auf Ab- neigung gegen hohe Löhne. Aber auch die in Entrüstung gegen wuchernde Agrarier durchaus nicht sparsamen Händler hassen an- scheinend Preistreiberei nur dann, wenn sie selbst solche nicht inszenieren. Aus agrarischen Kreisen wird der Vorwurf erhoben, daß die Händler aus dem Lande umHerreisen, zu möglichst niedrigen Preisen den Landwirten ihre Schweine abkaufen, aber sie den Schlachtvieh- Märkten vorenthalten. Gleichzeitig wird aber in den nämlichen Kreisen Stimmung dafür gemacht, daß die Landwirte ihre Schweine jetzt überhaupt nicht verkaufen, sondern sich abwartend verhalten sollen. Das wäre ein planmäßiges Vorgehen, um weiteren Preis- rückgang zu hintertreiben, ja, die Preffe sogar wieder in die Höhe zu drücken. Und die Erscheinungen am Viehmarkte lassen die agrarischen Behauptungen nicht von der Hand weisen. Die Land- Wirte treiben also dieselbe Politik, natürlich zu ihren Gunsten. Wer der schlimmste Wucherer ist. kann nicht ohne weiteres entschieden werden, aber der Konsument wird geschröpft. Daß man mit Erfolg bestrebt ist, den Auftrieb zurückzuhalten, ergeben folgende Ziffern: Der Schweineauftrieb an den wichtigeren deutschen Viehmärkten betrug: 1904 1905 1906 Anfang Mai... 46 562 43 238 33 288 Mitte'Mai.... 51 407 33 525 38 141 In der agrarischen Presse wird in den letzten Tagen immer wieder betont die deutsche Landwirtschaft sei nicht nur in der Lage. den heimischen Bedarf zu decken, sie könne sogar noch an das Aus- land abgeben. Und der Landwirtschaftsminister v. Podbielski glaubte auf Grund dieser von ihm übernommenen Behauptung Lossprechnng von dem bewußten Optimismus, mit dem er vor neun Monaten der Fleischnot eine Lebensdauer von nur fünf Wochen zusprach, geltend machen zu können. Die obigen Ziffern lassen zweierlei Möglich- leiten zu: entweder es ist nicht wahr, daß die deutsche Landwirt- schaft die heimischen Bedürfnisse decken kann, oder aber sie produziert tatsächlich genug, aber die Ware wird in wucherischer Absicht vom Markte ferngehalten. Dabei sind die Schweinepreise aber auch jetzt noch, trotz des von der agrarischen Presse rcklamehaft verkündeten Preisnachlasses, erheblich hoch, sie sind noch lange nicht auf das Niveau von 1904 zurückgegangen, wie die nachstehende Zusammen- stellung ausweist. An den verschiedeneu deutschen Märkten kosteten 50 Kilogramm Lebendgewicht: Mitte M a i 1904 1906 Berlin.. 41—48 53—60 Breslau.. 42—48 46—56 Chemnitz.. 45—52 60— 66 Hamburg. 41— 48 50— 58 Dortmund. 47—52 60— 65 Stuttgart. 44—53 57—67 Köln... 42—53 60—67 Düsseldorf. 43-51 66—65 Tatsache und ziffernmäßig zu belegen ist also, daß der Schweine- auftrieb noch lange nicht auf seiner normalen Höhe angelangt ist und der Preisabschlag, den die letzten Monate brachten, hat wohl schon bewirkt, daß die Spannung gegenüber 1905 bedeutend nach- gelassen hat und die Preise unter den vorjährigen stehen, aber im Vergleich zu 1904 sind die Preise vorläufig noch recht hoch. Jeden- falls kann die Oeffentlichkeit nicht früh genug auf Vorgänge hin- gewiesen werden, die leicht dazu führen können, die einsetzende Ver- billigung des Schweinefleisches gleich bei ihrem Beginn wieder zu unterbrechen._ Etwas umschrieben. Der deutsche Botschafter in den Vereinigten Staaten, Herr Speck v. Sternburg, hat bekannilich kürzlich Wilhelm II. als den größten Techniker, als den Hauptförderer industrieller Ent- Wickelung gefeiert. Gegen dieses geschmackvolle Lob haben die Eisen- Hüttenleute aus ihrer ani 29. April in Düsseldorf stattgefundeuen Hauptversammlung lebhaft demonstriert. In einem wiederhol! von stürmischem Beifall und großer Heiterkeit unterbrochenem Referat führte Dr. Beumer, nachdem er die Bedeutung der Wissenschaft für die Industrie betont hatte, unter anderem noch folgendes aus: Nun höre man aber bezüglich der Wirkung der Wissenschaft auf die Eniwicklung der Eisenhllttenindustrie und der ganzen Industrie in Deutschland eine ganz neue Lehre aus dem Munde des deutschen Botschafters in den Vereinigten Staaten, des Herrn Speck v. Stern- bürg. Dieser, das Deutsche Reich in den Vereinigten Staaten von Amerika vertretende Herr habe neulich ausgeführt, daß die Eni- Wickelung der deutschen Industrie in erster Linie den Professoren und der Materialprüfungsanstalt in Groß-Lichterfelde zuzuschreiben sei. Das sei eine ganz neue Lehre, die freilich in einer Zeit wie der unsrigen, wo man so viel Verrücktes erlebe, nicht überraschen könne. Auf die übrigen Uebertreibungen, die in der Rede enthalten seien, wolle er (Redner) nicht eingehen; der Behauptung, daß gerade in der Materialprüfungsanstalt in Groß- Lichterfelde die Wiege zur Blüte der deutschen Industrie gestanden habe, werde niemand beitteten. Wenn der Manu noch lebte, der unter den Eichen des Sachsenwaldes ruht, würde er vielleicht Veranlassung nehmen, den Herrn Speck von Sternburg nach einer solchen Rede nach Hause zu rufen.— Die Rede des Botschafters war eine alles bisherige auf diesem Gebiete übertreffende Lobeshymne auf Wilhelm II. Wenn Dr. Beumer trotzdem die Person des Kaisers ganz aus dem Spiele ließ, so ist die Abficht nicht zu verkennen. Allerdings die unter anderer Adresse abgegebene Aufforderung und die Desavouierung wird auch genau mit demselben Zartgefühl behandelt werden, wie die Ablehnung, den Kaiser als größten Techniker zu bettachten, und Speck von Steniburg wird weiter reden. Handelskammerschmerzen. In den Handels- und Jndusttielreisen von Wilmersdorf ist eine Agitatton eingeleitet zur Klärung der Frage, ob der Ort nach seiner bevorstehenden Stadtwerdung der Berliner oder der Potsdamer Handelskammer angegliedert werden solle. Bisher gehörte Wilmersdorf der Potsdamer Kammer an, und diese Korporation ist eifrig bemüht, den leistungsfähigen Ort auch künftighin ihrem Verbände zu erhalten. Der Vorstand der Kammer hatte die wahlberechtigten Firmen um die Erklärung ersucht, daß nach ihren Wünschen Wilmersdorf auch für später bei der Pots- damer Kamnier verbleibe. Zu diesem Vorgehen nahm eine Ver- sammlung Stellung, zu der die Potsdamer Kammer verschiedene Vertreter entsandt hatte. Dagegen war Berlin nicht vertteten unter der Begründung, daß es sich in diesen Stteit nicht einmischen wolle. Die Versammlung nahm schließlich gegen zwei Stimmen folgende Resolution an: „Der Vorsitzende wird beauftragt, mit dem Lorstande der Berliner Handelskammer in Verbindung zu tteten und diesen zu ersuchen, die erforderlichen Schritte zu tun, damit Wilmersdorf der Berliner Handelskammer angegliedert werde." Dividenden. Die Gas- und Elettrizitätswerke A.-G. in Bremen schütten diesmal 10 Proz. aus.— Nur 6 Proz. fließen den Aktionären der Gesellschaft„Sanitas" zu.— 18 Proz. gegen 16 Proz. im Vor- jähre dürfen die glücklichen Besitzeenden der Königsberger Zellstoff- fabrik einheimsen. „Victoria", Allgemeine BersicherungS-Aktiengescllschaft. Der letzt- jährige Ueberschuß belief sich auf 24 594 020 M. gegenüber 22 570 869,39 M. im Vorjahre. Von dem Ueberschuß erhalten die Aktionäre eine bare Dividende von 300 M. pro Aktie, und die mit Gewinnanteil Versicherten zusammen 22 870 731,84 M. Die Gesamtzahl der in allen Abteilungen eingereichten Versicherungsanträge betrug 485 931. Die Gesamteinnahme an Prämien und Zinsen betrug 113 709 398 M. und zeigt gegen das Vorjahr eine Ver- mehrung von 3 235 931 M. In der Unfall- und Haftpflicht- Ver- sicherungsbranche betrug die Prämien- und Zinseneinnahme 12 193 599 M. Die Gesamtreserven ans allen Abteilungen betrugen 534 742 792 M. und die gesamten Aktiva erreichten die Höhe von 544 269 453 M. Der Hypothekenbestand hob sich um 52 876 034 M. auf 466 390 810 M. In der Lebensversicherungs-Abteilung belief sich der Gesamtversicherungs- bestand Ende 1905 auf 2 897 176 Policen über eine Milliarde und 286 155 909 M. Versicherungssumme. Die Vermehrung des Ver- sicherungsbestandes gegen das Vorjahr 1904, der reine Zuwachs, be- trug 205 593 Policen über 93 132 520 M. Versicherungssumme. Diese Summen umfassen auch das Ergebnis der Volksversicherung. Die Ergebnisse der Sterblichkeit in der Lebensversicherungs-Abteilung waren, wie in den Vorjahren, sehr günsttg. Aus der Minder- sterblichkeit erwuchs ein Gewinn von 3 357 279 M. Zugunsten der mit Gewinnbeteiligung bei der Victoria Versicherten sind als Di- videndenfonds Ende 1905 einschließlich der aus dem Jahresüberschuß entnommenen Zuweisungen 105 377 811,34 M. zurückgestellt. Deutsch-llcbcrsecische Elektrizitätsgesellschaft, Berlin. Nach dem vorliegenden Rechenschaftsbericht für 1905 beläuft sich der Betriebs- Überschutz der Elektrizitätswerke auf 6 946 703 M.(im Borjahre 5 704 884 M.), derjenige der Straßenbahn auf 546 316 M.(213 644 Mark), der Gewinn im JnstallationS- und Verkaufsgeschäft auf 216 729 M.(180 963 M.). Pacht für den Tranvia- Metropolitana 102 077 M.. Kursgewinn 32 335 M.(22 407 M.). hierzu Gewinnvortrag auS 1904 mit 77 679 M.(65 974 M.), so daß sich ein Bettag von 7 921 840 M.(6 302 486 M. i. B.), ergibt. Bon dem verbleibenden Ueberscbuß in Höhe von S.734 157 M. <2 842 709 Dt.) werden 2 269 227 M.(1 069 303 M.) zu Rücklagen und Abschreibungen verwandt, so daß ein Reingewintt»orrB.4S4 030 Mark(1 773 394 M.) verbleibt, von welchem eine DiyU�nde von 9 Proz.(3 Proz.) verteilt werden soll. Der ordentNchcn General- Versammlung wird die Erhöhung des Akttenkapftals um 86 000 000 Mark auf 72000000 M, vorgeschlagen, 113 Mlllionc» Dollar haben nach Zusammenstellungen der .N. D. H.-Ztg/' die Versicherungsgesellschaften für die Feuerschäden ut San Francisco zu zablen. Davon entfallen 18 044 000 Dollar auf New Jorker, 44 827 490 Dollar auf andere amerikanische und 49 670 096 Dollar auf ausländische Versicherungen� Hus der Frauenbewegung. Schenkendorf. Eine namentlich von Frauen gut besuchte öffent- liche Versammlung tagte am Sonntag bei Pätsche� Genossin Thiel sprach über:„Die Frau im politischen Kampfe. Nednerin entledigte sich ihrer Aufgabe unter lebhaftem Beifall der Versammelten. Als Rednerin die Lage der Frau als Mutter und Erzieherin ihrer Kinder schilderte, ihre Entrechtung im wirtschaftlichen und politischen Leben in scharfen Umrissen zeigte, sah man in der Versammlung deutlich die tiefe Erschütterung, die ihre Worte hervorriefen. Die Genossin Bäumler ergriff in der Diskussion das Wort und empfahl mit warmen Worten den Frauen, sich der Frauenbewegung anzuschließen. Ferner beteiligten sich an der Diskussion»och die Genossen Braun und Schönfeldt. Die Genossin Fengler wurde als weibliche Ver- trauensperson für Schenkendorf und Umgegend aus der Mitte der Versammlung vorgeschlagen und einstimmig gewählt. denkbar."— Gegen das kammergerichtliche Urteil hatte die Klägerin Revision eingelegt. Der VI. Zivilsenat des Reichsgerichts hielt die Entscheidung des Vorderrichters jedoch für zutreffend und erkannte auf Zurückweisung der Revision. Gerichts- Zeitung. Hat der Staat oder der Landarmenverband für die Berpflegnngskosten von Zuhältern aufzukommen? Die Berliner Polizei hatte 25 Zuhälter der Korrigenden- anstalt zu Rummels bürg zur Nachhaft überwiesen, woselbst sie Von Dezember 1001 bis August 1002 verpflegt worden sind. Die Stadt- gemeinde Berlin klagte nun gegen den preußischen Fiskus auf Tragung eines Teiles der Verpflegungskosten in Höhe von 150l M. Der beklagte Fiskus bestreitet, daß er zur Tragung dieser Kosten ver- pflichtet sei, da die Landarmenverbäude die Kosten aller Korri- genden ohne Unterschied zu tragen haben; auch für die hier in Rede stehenden Zuhälter; denn es bleibe sich gleich, ob eine Ueberweisung der Hästlinge nach§ 181 a des Str. G. B. oder eine solche nach§ 361 Nr. 3—8 Str. G. B. statt- gefunden habe. Die Klägerin behauptet dagegen, daß nach Z 38 des Ausführungsgesetzes vom 8. März 1871 zum Gesetz über den Unter- stiitzungswohnsitz vom 6. Januar 1870 den Landarmenverbänden nur die Kosten für die Verpflegung derjenigen Personen auferlegt seien, die nach§ 361 Nr. 3— 8 des Strafgesetzbuches überwiesen ivürden. Eine verallgemeinendere Auslegung dieses Spezialgesetzes sei nach den Regeln der Gesctzesanslegung unzulässig. Lan dgericht und Kammergericht Berlin traten der Ansicht des Fiskus bei und erkannten aus Abweisung der Stadtgemeinde. Die in Betracht kommenden Eutscheidungsgründe des Kammergerichts sind:„Es ist mit dem Vorderrichter davon auszu- gehen, daß auch, wenn die Bestimmung des angezogenen K 38 nicht existierte, die strittigen Kosten der Klägerin zur Last fallen würden, weil das Korrigendenwesen als ein Teil der Armenpflege erscheint und deren Kosten im allgemeinen von den Kommunalverbändeu zu tragen sind... Der Gedanke, daß diese Regelung für alle Zeiten aus die Korrigenden aus Z 361 Nr. 3—8 des Strafgesetzbuches beschränkt sein, sich also auf solche Personen nicht he- ziehen solle, deren Ueberweisbarkeit erst durch spätere Ergänzungen des Strafgesetzbuches ausgesprochen werden würde. hat sicher dem Gesetzgeber fern gelegen; er hat nichts anderes sagen wollen, als daß diese Vorschrift alle„auf Grund des Strafgesetzbuchs überwiesenen Personen" betreffen solle. Irgend ein veriu'insliger Grund, warum die Kosten für die aus Z 181 Strafgesetzbuchs Uebertvieseneu anders be- handelt werden sollen, als die der sonstigen Korrigenden, ist nicht Die Schadenersatzpflicht des Buchdruckmaschinenmeisters. Der Maschinenmeister G. hatte eines Morgens im Buchdruck- betriebe von Drewitz zwei Maschinen zu bedienen. Bei der einen hatte der Hülfsarbeiter vergessen, den'«tift hineinzustecken, der den Reibzylinder hält. Der Maschinenmeister übersah das und setzte die Maschine in Bewegung. Sie lief erst richtig, trotz jenen Fehlers, so daß sich G. zur zweiten Maschine begab, um diese ein- zunicken. Inzwischen verrückte sich aber die entsprechende Ein- richtung der ersten Maschine mangels jenes Stiftes und fuhr sich fest. Hieraus entstand der Firma ein Schaden lReparaturkostcn) von 63 M. Mit Rücksicht darauf, wurden G. bei Lösung des Ver- hältuisscs 5,60 M. vom Lohn einbehalten. Er klagte beim Gewerbe- gericht auf Zahlung des Lohnes und Drewitz, der Betriebsinhabcr, erhob Widerklage gegen G. auf Erstattung des Schadens von 63 M. Drewitz machte geltend, der Kläger als der Maschinenmeister hätte, bevor er die Maschine zum Betrieb einrückte, sich davon überzeugen müssen, ob sie betriebsfähig war oder nicht. Er hätte dann ge- sehen, daß der Stift nicht durchgesteckt gewesen sei.— Der Kläger G. bestritt, für den Schaden haftbar zu sein, und berief sich auch darauf, daß er noch eine zweite Maschine bedienen mußte. Wenn er hätte bei der ersten Maschine bleiben können, dann wäre nichts passiert. Er würde gleich beim Beginn des fehler- haften Ganges der Maschine, die bei seinem Weggehen ganz korrekt lief, sofort am Geräusch eine Ordnungswidrigkeit entdeckt haben, und er hätte die Maschine dann sogleich angehalten, che etwas passierte. Das Gewerbe gericht sprach dem Kläger G. den rück- ständigen Lohn zu, weil eine Schadenaufrechnung gegen verdienten Lohn nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch nicht statthaft sei. Kläger wurde aber auf die Widerklage des ehemaligen Ehcfs v e r u r- teilt, diesem für den Schapen in Höhe von 63 M. Ersatz zu leisten. Dazu führte der Vorsitzende begründend aus: Nicht in Betracht kämen hier die Bestimmungen des Tarifs darüber, in- wieweit der Maschinenmeister für die Arbeit hafte, die die Maschine geleistet habe. Denn hier handele es sich nicht um eine Bc- schädigung am Arbeitsquantum, sondern um eine Beschädigung der Maschine selbst. Darüber enthalte der Tarif nichts. Das sei nach dem allgemeinen bürgerlichen Recht zu beurteilen. Da bestimme nun§ 823 des Bürgerlichen Gesetzbuchs:„Wer vor- sätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersätze des daraus entstehenden Schadens verpflichtet." Fahrlässigkeit erblicke nun das Gericht in dem Verhalten des Klägers. Möge er noch so viel Maschinen in Gang zu bringen haben: indem er die einzelne, bestimmte vor sich habe und in Bewegung setze, stehe er dafür, daß bei ihr alles betriebsfertig, alles in Ordnung sei. Er hätte den Fehler bemerken müssen und ihn auch bemerken können, wenn er darauf geachtet hätte. Es frage sich nun, ob etwa§ 254 Absatz I des Bürger- lichen Gesetzbuches in Betracht käme:„Hat bei Entstehung eines Schadens ein Verschulden des Beschädigten mitgewirkt, so hängt die Verpflichtung zum Ersätze sowie der Umfang des zu leistenden Ersatzes von den Umständen, insbesondere davon ab, inwieweit der .Schaden vorwiegend von dem einen oder dem anderen Teile ver- ursacht worden ist." Nach Annahme des Gerichts könne aber diese Bestimmung hier nicht zugunsten des Klägers und Widerbeklagten angewendet werden. So wäre z. B. nicht anzunehmen, daß Be- klagter sich vorliegend durch Uebertragung einer zweiten Maschine an G. ins Unrecht gesetzt oder den Schaden mit verursacht hätte.— Versammlungen. Tie Angestellte» der Firma Jändorf». Ko. nahmen in Vitt Betriebsversammlungen Stellung zu ihrer Bewegung zwecks Ver- kürzung der Arbeitszeit. Da die Warenhäuser Wertheim und Tietz ihre Geschäfte um 8 Uhr schließen, versuchten die kauf- männischen Angestellten der Firma Jandorf, die im Zentral- verband der Handlungsgehülfen organisiert sind, durch die Organi- sation ebenfalls den Achtuhr-Ladenschlutz zu erringen. Diese Forderung lehnte Herr I a n d o r f mit Rücksicht auf seine Kon- kurrenz ab. Die Organisation kam ihm entgegen und wollte sich mit einem umschichtigcn Frühschluß begnügen, d. h. dergestalt, daß die Hälfte des Personals um 8 Uhr und die andere Hälfte um ö Uhr entlassen würde. Diese Forderung lehnte Herr Jan darf nicht nur ab, sondern er schrieb sogar, daß er Forderungen überhaupt nicht bewillige, weil er nur ent- scheide. Wegen der Hervorkehrung dieses krassen Unternehmer- standpunktcs wollte der Zentralverband der Handlungsgehülfen an die Solidarität der Arbeiter appellieren. Es sollten Flug- blätter verteilt werden und vier Volksversammlungen stattfinden. Da überlegte sich Herr I a n d o r f die Sache. Er knüpfte von neuem Unterhandlungen mit der Organisation an und bewilligte den geforderten umschichtigen Frühschlutz.— In der Diskussion zeigte es sich, daß das Personal mit der errungenen Verkürzung der Arbeitszeit nicht zufrieden war. Nach eingehender Aussprache. an der sich besonders die Hausdiener beteiligten, erklärte sich das kaufmännische Personal mit dem Erreichten als einer E t a p p c zum vollständigen Achtuhr- Ladenschlutz ein- verstanden. Das Personal sah ein, daß es vielmehr errungen wie die Verkürzung der Arbeitszeit. Dieses Moment war ja seit dem Briefe des Herrn I a n d o r f mehr in den Hintergrund getreten.— Anerkennung der Organisation, die Aussicht für fernere friedliche Verhandlungen— das ist der Erfolg, den die Angestellten der Firma A. Jandorf u. Ko. einzig und allein dem solidarischen Zu- sammenstehen der Arbeiter zu danken haben. In der Gencralversamnilung des Verbandes der Porte- feuiller gab Hauptmann den Bericht der Ortsverwaltung. Die Verwaltung erledigte ihre Geschäfte in 11 Vorstands- und 3 Delegiertensitzungen. Ferner fanden 3 Branchcnversammlungcn statt. In letzteren wurde der Bericht über den Stand der Arbeiten der Tarifkommission gegeben und wurde nun. da es den einzelnen Branchen nicht möglich war, den Tarif zur festgesetzten Zeit fertig- zustellen, bei der Schlichtungskommission eine Fristverlängerung nachgesucht, welche auch bis zum 1. September bewilligt wurde.— Den Bericht des Kassierers gibt H e n n i g. Danach bilanziert die Zentralkasse mit 3255,80 M. Die Lokalkasse hatte eine Einnahme von 1323,73 M. und eine Ausgabe von 1087,06 M., so daß ein Ucberschuß von 236,67 M. verblieb.— Hauptmann unterbreitete einen Beschluß der Ortsverwaltung, einen wöchentlichen Lokalzuschlag von 5 Pf. zu erheben. Dieser wurde jedoch nach langer Diskussion mit großer Mehrheit abgelehnt. Ein Antrag von Schönfeldt, den Antrag nach dem Verbandstage wieder aufzunehmen, wurde angenommen.— Als besoldeter Angestellter wurde H e n n i g cinstinimig wiedergewählt. Das Gehalt desselben wurde auf 36 M. erhöht. Auch wurde dem Angestellten zur Pflicht gemacht, sich in die Untcrstützungsgcnossenschaft der Gcwerkschafts- bcamten anzumelden. Die Hälfte des Beitrages soll von der Organisation gezahlt werden.— Schäskelvitz wurde einstimmig als Revisor gewählt.— Den Bericht der Rechtsschutz- kommission gab H e n n i g. Die Hülfe der Kommission wurde von 5 Kollegen in.Anspruch genommen. In zwei Fällen wurde auf dem Gewerbegericht zugunsten der Kollegen entschieden. Ein Prozeß endigte mit einem Vergleich, und bei einem anderen wurde die Klage zurückgezogen. Unerledigt blieb die Angelegenheit L a d e w i g. Bei der Neuwahl der Kommission wurden H e n n i g, Haupt, n an n, Gonpertzky/Pech und G r a a tz cn bloc einstimmig wiedergewählt. 6, Wahlkreis. 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Modehaus Hei*l11«illll VsindsbllPgeP Modehaus Friedrichstraße 7 D> Turmstraße 30a. in Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.:Th. Glocke» Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Büchdruckerei u. Berlägsanstalt Paul E-inger Sc Co.. Berlin LW- Hr. 124. 23. Z. Kkilszc des ,Ar«ck" Knlim Msdlck. Dovilerstag, 31. Mai 1906. Gerichtsorganifation für Berlin und Bororte. Mit dem 1. Juni tritt für Berlin auf Grund des Gesetzes vom tS. September 1830 eine neue Genchtseinteilung in Kraft, die ins- besondere für alle Zivilsachen von Wesentlichkeit ist. An Stelle der heute bestehenden beiden Landgerichle Berlin I(für die Stadt) und Berlin II lfür die gesamten Alchenbezirke) treten drei Landgerichte. Außerdem ist die Einteilung, Zahl und Bezeichnung der Amtsgerichte eine wesentlich andere. Nachstehend geben wir ein Bild der Gerichtsorganisation, wie sie mit dem 1. Juni in Kraft treten wird. Berlin und seine Vororte werden in drei Landgerichte mit der Bezeichnung Landgericht I, Landgericht II und Landgericht III ein- geteilt. Das Landgericht I befindet sich Neue Friedrichstraße 16/17, und Grunerstr. 3. Die Strafsachen werden nach wie vor Alt- Moabit 11/12 und Turmstr. 73 abgeurteilt. O e r t l i ch zuständig ist das Landgericht I für den Bezirk, der fortan den Bezirk des Amtsgerichts Berlin-Mitte(siehe unten) bildet, sowie für Beschwerden und Berufungen gegen die vom Amis- gericht Berlin-Mitte gefällten Entscheidungen. Das Landgericht II(Zivilabteilungen HallescheS Ufer 29/31, Strafsachen: Turmstraße) ist örtlich zuständig für den Bezirk der Amtsgerichte Berlin-Schöneberg, Berlin-Tempelhof, Köpenick, Groß-Lichtcrfelde, Königs-Wnsierhausen, Mittenwalde, Rix darf, Trebbin und Zossen. Das Landgericht lll befindet sich in Charlottenburg am Tegeler Weg, Ecke Osnabrückerstraße(beim Bahnhof Juitgsernheide). Es ist örtlich zuständig für den Bezirk der Amtsgerichte Alt-Landsberg, Berlin-Wedding, Bernau, Charlottenburg, Kalkberge-Riidersdorf, Lichtenberg, Liebenwalde, Nauen, Neu-Weißensee, Oranienburg, Pankow, Spandau und Strausberg. Ramcn und Zuständigkeit der Amtsgerichte. 1. Das Amtsgericht Berlin-Mitte(Neue Friedrichstraße 12/15 und Molkenmarkt 2) ist örtlich zuständig für: diejenigen Teile Berlins und der Kreise Niederbarnim und Teltow, die begrenzt werde»: im Norden und Osten durch die äußere Grenze der Berliner Ringbahn von dem Charlottenburger Vcibindungs- kanal bis zur Spree bei Treptow, im Süden durch das linke Spree- ufer von der Eisenbahnüberführung bis zum Austritte des oberen Freiarchengrabens, durch das Südufer dieses Grabens und weiterhin durch das Südufer des SchiffayrtSkanals bis zu dessen Mündung in die Spree, im Westen durch das Westufer des Charlottenburger VerbindungSkannlS. Zu welchen anderen Amtsgerichten die übrigen Stadtteile Berlins gehören, ergibt die Anführung bei den nach- folgenden Amtsgerichten. Für die sachliche Zuständigkeit des Amtsgerichts Berlin-Mtte ist hervorzuheben, daß diesem Gericht die gemeinsame Führung der Güterrechts-. Handels-, Genossenschafts-, Binnenschiffs-, Muster«, Börsen-, Wassergenossenschasts-Register für die Amtsgerichte Berlin- Mitte-Schöneberg-Tcmpelhof. Charlottenburg, Rixdorf zufällt. 2. DaS Amtsgericht Bcrlin-Tempelhof liegt HallescheS Ufer 29/31 und HallescheS Ufer 26. Es ist zuständig für den Teil von Berlin, der südlich des Schiffahrtskanals, östlich der Berlin-Aitbalter Eisen- bahn belegen ist, ferner für die Amtsbezirke: Tempelyof. Blanken- felde(mit Ausschluß des Gemeinde- und des Gutsbezirks Rangs- dorf), Mahlow(mit Ausschluß deS Gemeinde- und des Gutsbezirks Diedersdorf), Mariendorf(mit Ausschluß des Gemeindebezirks Lank- »sitz); ferner für den Gemeinde- und Gutsbezirk Jühnsdorf des Amtsbezirks Groß-Schulzendorf und für den Gutsbezirk Hasenhcide. 3. Das Amtsgericht Berlin-Schöneberg liegt in Schöneberg (Wartburgplatz. Grnnewaldsttaße). Oertlich zuständig ist es für die Gemeinden Schöneberg, Friedenau und Steglitz und ferner für den südlich des Schiffahrtskanals belegenen Teil von Berlin (Potsdamer Vorstadt), soweit er nicht zu dem Amtsgericht Berlin- Tcmpelhof gelegt ist. 4. Das Amtsgericht Berlin-Wedding(Brunnenplatz) ist örtlich z u st ä n d i g für den nördlich des Nordrings und westlich der Prenzlauer Allee belegenen Teil Berlins(Vorstadt Wedding und Schönhauser Vorstadt) sowie für die Amtsbezirke Wittenau, Reinickendorf. Tegel, also für die Gemeinden Wittenau(Dalldorf), Borsigwalde, tzermsdorf, Lübars, Heiligensee, Plötzensee, Reinicken- dorf und Tegel. 5. Das Amtsgericht Charlottenburg(Kantstraße) ist zuständig für den Stadtkreis Charlottenburg und für die Amtsbezirke Deuffch-Wilmersdorf, Grunewald, Schmargendorf, Spandauer Forst(die Gemeinden Wilmersdorf. Schmargendorf, Kolonie und Forstbezirk Grunewald, Dahlem und Ruhlebcn). 6. Das Amtsgericht Groß-Lichterfclde(Ringstraße) ist zuständig für: Groß-Lichterfelde, Lankwitz, Zehlendorf mit Schlachtensee und Nikolassee, Teltow, Schönow, Osdorf, Ruhlsdorf, Heinersdorf, Groß- und Klein-Beeren. Diedersdorf. 7. Das Amtsgericht Lichtenberg(Magdafttaße) ist zuständig für: Lichtenberg, Hohenschönhausen, Wilhelmsberg, Marzahn. Hellers- dorf, Friedrichsselde. Biesdorf, Kaulsdorf. Mahlsdorf. Rummelsburg. Ettalau(mit Ausnahme der zu dem Amtsgericht Berlin-Mitte ge- legten Teile). 3. Das Amtsgericht Neu-Weißensee(Ecke Park- und verlängerte Große Seestraße) ist zuständig für den nördlich des Nordringes. östlich der Prenzlauer Allee belegenen Teil Berlins(Prenzlauer Vorstadt), sowie für Weißensee. Heinersdorf, Malchow(nicht für Carow), Wartenberg, Falkenberg. Lindenberg und Ahrensfelde. 9. Das Amtsgericht Pankow(Kissingerstraße) ist zuständig für die Amtsbezirke Blankenfelde, Nieder-Schönhausen, Pankow, Schönerlinde, Schönwalhe, sowie für den Amtsbezirk Französifch-Buchholz mit Ausschluß von Heinersdorf und für die Gemeinde Carow. 10. Das Amtsgericht Rixdorf(Berlinerstr. 64/69) ist zuständig für den Stadtkreis Rixdorf sowie für Britz, Baumschulenweg, Rudow, Buckow, Groß- und Klein-Ziethen, Schönfelde, WaSmannsdorf, Selchow und Treptow(mit Ausnahme des zu dem Amtsgericht Berlin-Mitte gelegten Teiles). An Stelle einer Zentralisierung tritt also eine zu arger Kon- fufion führende Dezentralisierung. Die Einrichtungen fallen wie ersichtlich, vielfach, insbesondere für die Stadt Berlin, nicht mit der Gemeindegrenze zusammen. Wegen deS Umzuges ersucht der Kammergerichtspräsident, in den ersten Tagen des Juni alle gerichtlichen Akte, die nicht besonders eilbedürftig und dringend sind, tmtlichst zu unterlassen oder doch auf daS notwendigste zu beschränken. Die unbequeme, kostspielige und ohne Rücksicht auf die Be- dürfnisse deS Publikums vom Gesetzgeber geschaffene neue Gerichts- organisation Berlins wirft schon ihre Schatten voraus. Die Flucht Hennigs vor Gericht. Bor der vierten Strafkammer standen gestern die Kriminal- schutzleute Johann Gottlieb Petschack und Wilhelm Wölk unter der Anklage, als Beamte durch Fahrlässigkeit die Eilt- weichung eines Gefangenen lHenitig), dessen Begleitung ihnen an- vertraut war, erleichtert zu haben. Unter den Zeugen befindet sich H e n n i g. Der Angeklagte Petschack erklärt: Ich bin seit dem Jahre 188S Kriminalschutzmann. Seit mehreren Jahren bekleide ich den Posten eines ersten Kriminalbeamten in dem 17. Polizeirevier in der Wörtherftr. 1. Am 6. Februar, kurz vor dem Abendappell teilte ihm nun Wölk mit, daß sich in der Chorinerstr. 04 ein Mensch unter verdächtigen Umständen un- angemeldet aufhalte. Ich teilte dieS dem Polizeileutnant Wolter mit, der mir und Wölk dem Aufttag gab, nachzusehen, was an der Sache sei. Wir sollten uns vorher beim Hauswirt über die Persönlichkeit deS Unbekannten erkundigen. An irgend einem Zusammenhang mit der Hennigschen Mordaffäre dachten wir nicht. Am Sonntag zuvor war uns in einer Versammlung der Kriminalbeamten vom Kommissar WannowSki an der Hand einer Photographie von Hennig, die 13 Jahre alt ist, eine Personal- beschreibung gegeben. Der Hauseigentünier der Chorinerstraße 54, frühere Schutzmann Loest, hatte zu Walk geäußert, der Unangemeldete habe eine Aehnlichkeit mit Hennig. Wir gingen zu Loest. Der Frau Loest legte ich das Bild Hennigs vor und fragte, ob es eine Aehn- lichkeit mit dem Unbekannten habe. Sie konnte aber sich darüber nicht bestimmt aussprechen. Besuch bei Hennig. Wir gingen dann hinauf zu Frau Schöler, wo der Unangemeldete wohnte und klopften an. Von innen rief eine Sttmme:.Wer ist denn da?' und nachdem ich geantwortet hatte:.Machen Sie auf l" öffnete nach einigen Minuten ein angekleideter Mann, zu dem ich sagte:„Sie wohnen hier unangemeldet; wo kommen Sie denn her?" Er sagte, er komme aus Hamburg, wo er sich einige Zeit aufgehalten, und sei der Kaufmann Alfred Heiden. Ich sagte ihm, das kann jeder sagen, ich brauche Ihnen das nicht zu glauben. Darauf meinte er:„Wenn Sie das nicht glauben, so komme ich mit und werde mich auf der Polizei legitimieren." Ich sah ihn mir an und fand mit der Photographte absolut keine Aehnlichkeit. Sein ganzes Auftteten war das eines anständigen, gebildeten Menschen, er zeigte auch gar keine Angst, sondern ging ruhig und gelaffen mit. Vorher trat er noch vor den Spiegel, drehte sich(einen Schnurrbart, zog den Ueberzieher an, und auf dem Korridor sagte er noch zu Frau Schöler: Halten Sie den Kaffee bereit, ich komme in einer halben Stunde wieder. Sistierung. So verließen wir die Wohnung. Heiden ging zwischen uns. Auf der Straße ging der Mann sehr ruhig wie der harmloseste Mensch. Als wir vor der Wache ankamen, ging ich mit dem Un- bekannten, der links von mir ging, etwas voraus und Wölk kam gleich hinter uns. Ehe man an die Tür des Polizeibureaus kommt, hat man eine Flurtür zu passieren, die zur einen Hälfte fest und zur anderen Hälfte beweglich ist. Flucht. MS wir an dem Podest ankamen, wo die Tür sich befindet und ich diese öffnete, drehte sich der Mann plötzlich um, haute drauf los, sprang blitzschnell die acht Stufen in einem Sprung herunter, fiel zuerst, raffte sich auf und lief fort. Ich rannte hinterher. Er rannte in das Haus Schönhauser Allee 28 und wurde verfolgt. Plötzlich schrie jemand: Er geht über die Grenz- mauer nach den, Hause Wörtherftr. 48, ich lief dorthin und plötzlich hieß eS:„er läuft über die Dächerl" Angeklagter Wölk erklärt, er fei feit zwölf Jahren bei der Berliner Schutzmannschaft und seit drei Jahren in dem 17. Polizei- revier in der Wörtherstraße als Kriminalschntzmann angestellt. Er schildert die Ereigniffe von der mißglückten Festnahme wie der An- geschuldigte Petschack. Er betont insbesondere, es habe sich um Fest- stellung einer Meldelontravcntion. nicht um Festnahme Hennigs ge- handelt. Beweisaufnahme. Zeuge H a u s b e f i tz e r L o e st: Ms ich in der Zeitttng das Bild Hennigs sah, faßte ich und meine Frau sofort den Verdacht, daß der bei Frau Schöber zugezogene und noch nicht angemeldete Mann der Mörder Hennig sei. Ich wollte meine Wahrnehmung dem Revier mitteilen. Auf dem Wege dahin traf ich den Angeklagten Wölk und teilte ihm mit, daß nach meiner Ueberzeugung, nach dem Bilde und nach dem Anzug usw. der Kerl der Mörder Hennig sei. Wölk übernahm eS, beim Reviervorstand Meldung zu machen. Am anderen Tage kamen die beiden Angeklagten und sagten, sie wollten sich weiter dqnach umtun. Petschack, so fährt der Zeuge fort, zeigte nur die von ihm mitgebrachte Photographie und ich sagte ohne wetteres: Ja, das ist er. Ich kann mir nicht helfen, Herr Präsident,'es tut mir leid, hier das sagen zu müssen, aber ich muß doch bei der Wahrheit bleiben I— Präs.: Na gewiß, Herr Zeuge, Sie werden sich doch nicht aus Mitleid mit den Angeklagten zeit- lebens unglücklich machen wollen.— Der Zeuge erzählt weiter, daß auch seine Frau sofort gesagt habe, daß eS Hennig sein müsse. Der Verdacht war um so gerechtfertigter, als in der Personalbeschreibung auch ein kleiner, schwarzer Hut und ein Stock mit silberner Krücke als Kennzeichen angegeben waren und der Fremde, der diese Beschreibung wohl ge- lesen haben mochte, danach gleich mit einem Zylinder und ohne Stock mit silberner Krücke ausging, während er vorher diese in der Beschreibung angeführten Sachen gehabt hatte. Der Zeuge hat den Angeklagten gesagt, sie sollten sich doch den Mann einmal ansehen, indem sie vorschützten, das Zimmer mieten zu wollen. Die Ange klagten sagten aber:„Das ist nicht nötg, der ist so wie so unser Mann I" Richtig ist, daß Hennig beim Weggehen mit den Beamten der Frau Schöber zugerufen hatte:„Bitte, in einer halben Stunde Kaffee I" Diese Dreistigkeit hat den Zeugen in seiner Ansicht wieder schwankend gemacht. Die Frau Loest und Frau Schöber bestätigen die Aussagen diees Zeugen. Hennigs Lernehmung. Der zum Tode verurteilte Zeuge Hennig bleibt während seiner Vernehmung gefesselt. Unnütze Borsicht. Zwei Gefängnisbeamte mußten ihn auf Anordnung des Präsidenten an den Armen festhalten, zwei hinter ihm Posto fassen. Er erzählt den Vorfall wie folgt: Anfangs Februar mietete ich mir bei der Frau Schöber ein Zimmer. Ich hatte den Plan, nur fünf Tage dort zu wohnen. Nach drei oder vier Tagen klopfte es eines Morgens an der Tür, ich lag noch im Bett und sagte den draußen Wartenden, sie müßten warten, da ich mich erst anziehen wolle. Der ältere Beamte(Petschack) kam auf mich zu und sagte:„Sagen Sie mal, Sie wohnen unangemeldet hier." Ich antwortete:„Ja. es ist aber erst der dritte Tag." Der Beamte fragte mich:_„Haben Sie Legitimationspapiere?" Worauf ich antwortete:„Nein, die sind bei meinem Chef in Hamburg." Der Beamte sagte darauf:„Na, dann bedauere rch, dann muß ich Sie zur Wache mitnehmen."— Vors.: Haben Sie bemerkt, daß einer der Beamten eine Photographie hervorzog?— Hennig: Jawohl, der ältere(Petschack) nahm eine Photographie hervor und verglich sie mit mir.— Vors.: Hennig, stimmt das auch?— . ennig: Ja, ich weiß eS ganz genau. Der Beamte steckte die Photographie jedoch ohne weiteres wieder ein. er mußte mich wohl nicht für den Hennig halten.— Vors.: Sie sollen eine große Narbe am Halse haben?— Hennig: Jawohl, wenn die Beamten darauf sehen wollten, hätten sie mich im ganzen Leben nicht gekriegt. — Vors.: Haben die Beamten nach Legitimationspapieren gesucht? — Zeuge: Nein. ES lag doch keine Veranlassnng vor. zu re- vidieren. Einer guckte ja mal unters Sofa, sonst aber geschah nichts. Sie hätten ja bloß in die Paletottaschen fassen branchen, da waren ja alle Papiere drin. Vors.: Erzählen Sie nun den Transport zur Wache.— Zeuge: Wir gingen dann ein Stück die Chorinerstraße entlang und kamen durch einen Durchgang in der Tre�ckowstraße wieder heraus. Die Beamten hatten mich vorschriftsmäßig in ihre Mitte genonimen und wendeten auch, wie ich sah. eine gewlffe Aufmerk- samkeit an.— Vors.: Merkten Sie. daß Sie von den Beaniten be- obachtet wurden?— Zeuge: Jawohl. Auf der Straße hatten eS die Beamten nicht an Sorgsalt fehlen lafsen. Erst auf dem Flur der Polizeiwache war es anders. Der ältere Beamte ging vorauf und öffnete die Flügelttir. Vors.: War der eine Flügel fest?"— Zeuge(lachend): DaS habe ich nicht weiter untersucht.— Mso, als der Beamte gerade die Tür öffnete, zog ich meinen Revolver hervor und legte auf den zwei Stufen tiefer stehenden Beamten an.— Vors.: Haben Sie los- gedrückt?— Zeuge: Das hätte ja gar keinen Zweck gehabt, der Revolver war gar nicht geladen. Als der zweite Beamte vor Schreck die Hand vorhielt, stieß ich ihn einfach beiseite und lief davon. Hennig wird, nachdem ihm die Feffel abgenommen worden ist, nunmehr vereidigt. R.-A. Arndt: Ich bitte, in Gegenwart des Zeugen einmal die über ihn erschienene Personalbeschreibung zu verlesen, um sich über- zeugen zu können, inwieweit sie zuttifft.— Dies geschieht.— R.-A. Arndt: Meinen Sie nun, daß diese Beschreibung auf Sie paßt?—Hennig: Wer mich nach der veröffentlichten Photo- graphie suchen sollte, hätte mich im Leben nicht finden können. Hierauf wird der Zeuge unter denselben Sicherheitsmaßregeln wie bei seinem Hertransport wieder in das Untersuchungsgefängnis zurücktransportiert. Zeuge Kriminalkommissar Wanowski ist mit der Bearbeitung der Hennigschen Mordsache betraut gewesen. Er bekundet unter anderem, er habe außerdem eine Runddepesche an alle Reviere er- lassen, daß von allen wichtigen Meldungen in dieser Affäre ihm so- fort telegraphische Nachricht nach seinem Zimmer auf dem Polizei- Präsidium, wo er sich zu jener Zeit Tag und Nacht aufhielt, gegeben werden sollte. Auf Befragen des Rechtsanwalt Arndt bestättgt der Zeuge, daß er durch Rundschreiben vom 23. Februar, als Hennig noch nicht gefaßt war, die Reviere aufgefordert habe, die Anschläge in Sachen Hennig zu entfernen, da das Bild desselben diesem nicht mehr ähnlich sei. Polizeileutnant Wolter, der Rebiervorstand ans der Wörther st raße, gibt zu. daß er das letztere Rundschreiben gekannt, es aber so aufgefaßt habe, daß damit nur das Zimmer be- zeichnet werden sollte, wo der Kommissar Wannowski zu finden sei, ohne daß die Boten erst nöttg hätten, lange nach dem Zimmer suchen zu müssen. Als ihm am 5. Februar der Angeklagte Wölk die Meldung von der ihm gewordenen Mitteilung des Hauseigenttimers Loest machte, war bloß davon die Rede, daß nach Ansicht deS letzteren die „Möglichkeit" vorlag, daß der unangemeldet bei Frau Schöber wohnende Mann Hennig sein könnte. Er habe sich die Sache überlegt und sich gesagt, daß in solchen Fällen, wo durch die Presse daS Publikum zur Mithülfe zur Ergreifung von Kapital- verbrechen, aufgerufen wird, so viele Meldungen einzulaufen pflegen, daß man nicht jede gleich als große Sache auffassen kann. Dazu kam noch, daß daS Bild, nach welchem sich Herr Loest die„Möglichkeit" konstruiert hatte, 13 Jahre alt war, daß eS sich um ein anständiaes Haus und eine anständige Familie handelte und Raubmörder in solche im allgemeinen nicht zu ziehen pflegen, sondern sich andere Unterkunstsorte aussuchen. Er hielt jedenfalls diese Meldung noch sehr der Nachprüfung für bedürftig. Er hielt es für zweckmäßig, wenn es sich Ivirklich um Hennig handelte, bei diesem keinen Verdacht zu erregen, sondern an ihn des Morgens heran- zukommen, zn einer Zeit, wo er noch schläft. Auf den Appell am nächsten Morgen habe er dann den Angeklagten gesagt, daß bei Frau Schöber ein verdächtiger Mann zugezogen sei und eine geringe Mög« lichkeit vorliege, daß es Henmg sein könnte. Er habe die beiden Angeklagten dann beaustragt, zu Frau Schöber zu gehen und sich nach den. Manne zu erkundigen und nach seiner Legitimation zu fragen. Wenn er geglaubt hätte, daß es sich wirklich um Hennighandelte, dann hätte er nicht dieberden Beamten geschickt, sondernwäreselb st mitanderen Beamten hingegangen. Der Staatsanwalt beantragt gegen Petschack 50 M., gegen Wölk 30 M. Geldstrafe. Die Verteidiger legten dar, daß keine Fahr- läsflgkeit vorliege. Die Behandlung der ganzen Meldung auf dem Revier und andere Umstände hätten das Entweichen bewirkt. Der Gerichtshof kam zu einer Verurteilung der Angeklagten. Er war der Meinung, daß sie bei der ganzen Sachlage und bei der ziemlich bestimmt ausgesprochenen Vermutung, daß eS sich um den Raubmörder handelte, doch ganz grob fahr- lässig gehandelt haben, als sie ihn in so Vertrauens- seliger, bei einen, vermeintlichen Raubmörder gewiß ganz unangebrachter Weise zum Polizeibureou begleiteten. Nur mit Rücksicht darauf, daß sie altgediente Beamte seien, die sich bis dahin nichts haben zuschulden kommen lassen, habe der Gerichtshof eine Geldstrafe gewählt und diese gegen Petschack auf 300 Mark event. 60 Tage Gefängnis, gegen Wölk auf 100 Mark event. 20 Tage Gefängnis festgesetzt. 4. des Nerbandes Arbeiter. Mainz. 29. Mai. Dritter BerhandlungStag. Die Debatte über den Bericht des Vorstandes wird fortgesetzt, sie bewegt sich im wesentlichen in denselben Bahnen, wie gestern. Ein Schlutzantrag wird angenommen. Die Mitglieder des Haupt- Vorstandes beschäftigen sich eingehend mit den erhobenen Einwen- düngen, ebenso der Vertreter des Ausschusses. Hierauf Mittags- pause. Grenzstreitigkeiten und Organisationsform. In der Nachmittagssitzung referiert Mohs über Grenz- streit ig leiten. Die Gemeindcarbeiter sind stets bestrebt, die Reibungen nach Möglichkeit zu vermeiden. Das besagt nicht, daß sie zu Kreuze kriechen, sondern sie wollen auf dem Wege der Gleichberechtigung mit den übrigen Gewerkschaften ihre Angelegen- heiten ordnen. Die Eigenartigkeit der kommunalen Betriebe bringt die Notwendigkeit eineS einheitlichen taktischen Vorgehens mit sich, was wiederum dazu führt, daß die Leute sich zu einem B e. triebsverband zusammenschließen, um gemeinsam vorgehen zu können. Da nun die verschiedensten Berufe sich hier zusammen- finden, so muffen die Gegensätze aufeinanderplatzen. Hier kann nur in der Form Abhülfe geschaffen werden, daß man Kartell- Verträge abschließt mit den beteiligten Gewerkschaften, die alles zu regeln haben. Dies schließt in sich, daß die Leistungen der Kartellteilnehmer einigermaßen gleickstvertig sind. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Was entstanden ist, verdankt seine Existenz der Notwendigkeit und deshalb wollen und müssen wir damit rech- nen. Auf dem Wege der Organisation der Staats-' und Gemeinde- arbeiter in Betriebsverbänden, gegliedert in Berufssektionen auf lokaler Grundlage, verbunden mit Einigung auf dem Kartellwcgc ist die Wahrung der Interessen aller Arbeiter ebenso wie auch der Friede gesichert. Der Vertreter des Verbandes der Steinsetzer erklärt, daß gar mancherlei Differenzpunkte vorhanden sind. Er betont, daß in Teutschland rund 600 Pflasterer in Gemeinde- und Staats- betrieben vorhanden feien, die, falls nicht im Steinsetzerverband organisiert, der Einführung deS längst projektierten allgemeinen Lohntarife für ganz Deutschland im Wege ständen. Den Vor» schlagen des Referenten stimmt er zu. Der Vertreter des TranSportarbeiterverbandeS, Hempel, stimmt den Vorschlägen des Referenten gleichfalls zu. Werde dieser Weg eingeschlagen, dann dürste eine Einigung wohl nicht schwer sein. Den Gemeindearbcitcrn stehen nur zwei Wege' offen: entweder sie anerkennen die Resolution der Konserenz der Vorstände, oder eine Aetriebsorganisation der.Gemeindegrbeiter zu bilden. Im letzteren Falle sei aber der Anschluß an die Generalkommission unmöglich. Der Transportarbeiterverband ist gerne bereit, die Gasarbeiter, die ihm angeschlossen sind, dem Ver- bände der Gemeindcarbeiter zu überweisen. Er kann allerdings die Leute, die freiwillig nicht gehen, nicht ausschließen. Bezüglich der Straßenbahner stehen die Transportarbeiter auf dem Stand- Punkt, daß diese zu den letzteren gehören. Wird ein Beschluß ge- faßt, der der Resolution der Vorstände zuwiderläuft, d. h. be- anspruchen Sie ohne weiteres die Arbeiter in gewerblichen Be- trieben und den Verkehrsanstalten, so müssen Sie eben selbst die Folgen übernehmen. Wir sind gerne bereit, mit Ihnen in Frieden zu leben, aber es sind auch Konzessionen Ihrerseits nötig. Tun Sie das, was Ihr Vorsitzender von Ihnen verlangt und der Friede ist gesichert. Der Vertreter des Verbandes der Gärtner steht auf dem- selben Standpunkt wie der Vorredner. Das moderne Organi- sationsprinzip ist das der Berufsorganisation, woraus sich ergibt, daß die gewerblichen Arbeiter, also auch die Gärtner, ihren je- weiligen Berufsorganisationen angegliedert werden müssen. Die Art und Weise, wie gegen andere Gewerkschaften recht oft gekämpft wird, namentlich seitens einzelner Beamten der städtischen Ar- beiter, ist recht unfein. Handeln Sie also versöhnlich vor allem. L e g i e n- Berlin erklärt, Grenzstreitigkeiten gibt es wohl überall und im einzelnen wurde die Frage bisher noch nicht be- handelt. Es handelt sich bei den städtischen Arbeitern weniger darum, wohin diese oder jene Arbeiterkategorie gehört, sondern wie das Verhältnis der einzelnen Organisationen zu einander ist. Die Gründung Ihrer Organisation erfolgte unter Voraussetzungen, die heute von Ihnen gänzlich außer Acht gelassen werden. Es bestand der Grundsatz, daß nicht einander widerstrebende Organisationen in dem Verbände vereinigt werden, ein Grundsatz, der auch für den Anschluß an die Generalkommission entscheidend war. Man glaubte damals, der Verband bleibe das, was er war. Dies ist aber keineswegs der Fall. Ihr Verband hat seine Grenzen immer weiter hinausgeschoben, bis er schließlich einigen anderen Organi- sationen hart in die Flanke geriet. Ehe wir genötigt werden, von der Berufsorganisation abzugehen, die heute noch die Grundlage bildet, werden wir politische Verhältnisse haben, die das Arbeiten dieser Organisationen ohnedies in ganz andere Bahnen lenken, d. h. wir haben den Sozialismus. Sie beanspruchen für sich das Recht, alle kommunalen Arbeiter zu organisieren. So leicht geht denn doch die Sache nicht. Die Kommunalisierung einer Menge von Betrieben macht stetig Fortschritte und die bestehenden, er- probten Verbände haben auf diese gewerblichen Arbeiter Rechte, die Sie achten müssen. Das geht nicht an, daß Sie ohne weiteres dekretieren, Sie müssen sich in den Rahmen des Ganzen fügen. Der Redner greift scharf die Denkschrift an, die an den Oberbürgermeister von Berlin seitens des Verbandsvorstandes ge- richtet wurde. Zwei Jahre lang besteht sie jetzt zu Recht, niemand hat sich dagegen gewehrt. Sie gehen mit dem Ver- werfen des Streiks in dieser Denkschrift noch viel weiter als die Christlichen. Halten Sie da ran fest, dann müssen Sie denselben Weg gehen, den Jhr ehemaliger Vorsitzender P o e r s ch gegangen ist. Ihr Weg führt dann mit Sicher- heit ins Hirsch-Dunckers che Lager, und in den Reihen der freiorganisierten Arbeiter ist kein Platz mehr für Siel Der Weg liegt sehr klar vor Ihnen. Wählen Sie, ob Sie rechts oder links gehen wollen.— Mit dem Wechsel in der Leitung des Vorstandes scheint es. als ob im Ge- meindearbciterverband eine Wendung zum besseren eintreten wollte und es muß sich zeigen, wie sich die Generalversammlung dazu stellt. Nach dieser Tagung muß Klarheit herrschen, denn sonst sind die an den Grcnzstreitigkciten beteiligten Organisationen ge- zwungen, die Sache zur Entscheidung zu bringen, und Ihr Ver- band wird ohne Zweifel der Leidtragende sein. Glauben Sie, das Ausscheiden aus dem Rahmen der gesamten Organisationen sei so leicht? Noch eines: Glauben Sie, die parlamentarische Vertretung in den Stadthäusern auch nach Ihrem Absplittern noch zu haben, wie bisher? Wie denken Sie sich denn einen Kampf, der Ihnen auch nicht erspart bleiben wird, durchzuführen, ohne die Gesamt- heit? Ihre Aufgabe kann nur sein, bestimmte Berufsgruppen zu organisieren. Wenn Sie sich entschließen, hier klipp und klar zu erklären, daß es Ihnen ernst ist mit dem Friedenhalten, dann be- steht kein Zweifel, daß die gemeinsame, neben- und miteinander geleistete Arbeit von Erfolg begleitet sein wird. Diese Ausführungen der Organisationsvertreter rufen eine sehr lebhafte Debatte hervor, an der sich eine Reihe von Rednern beteiligt. Die Debatte wird am Mittwoch fortgesetzt. Versammlungen. Der Zweigverein Berlin des Zentralverbandes der Maurer hielt am Freitag im Gewerkschaftshause eine Generalversammlung ab, in der die Abrechnung vom ersten Quartal vorgelegt und über die Bautenkontrolle vom 24. April berichtet werden sollte. Es kam jedoch nicht dazu. Auf Beschluß der Versammlung wurde zunächst über einige Unterstützungsanträge beraten. Ein Antrag, den an der Bausperre bei dem Unternehmer Rothenburg in Weißensee beteiligt gewesenen Kollegen für weitere 3 Wochen Maßregelungsunterstützung zu bewilligen, wurde angenommen; ebenso ein Unterstiitzungs antrag der auf einem Bau in der Ackerstatze gematzregelten Kollegen. Die Unterstützungen müssen innerhalb vierzehn Tagen abgehoben werden. Ein Unterstützungsgesuch von Kollegen, die sich auf einem Bau in Rixdorf wegen der Maifeier für gematzregelt erachteten, wurde von der Versammlung gegen wenige Stimmen abgelehnt, nachdem man zu der Ueberzeugung kam, daß die Polizei am 1. Mai die Genehmigung zur Weiterführung des Baues versagt hatte und dies die eigentliche Ursache der Arbeits stockung war. Nach Erledigung dieser Anträge war die Zeit soweit vorgeschritten, daß die übrigen Punkte auf eme innerhalb Tagen einzuberufende neue Generalversammlung vertagt wurden. Es wurde noch erwähnt, daß die Baukonjunktur in diesem Frühjahr in Berlin so daniederliegt, daß es wünschenswert erscheine, den Zuzug von auswärts fernzuhalten. Andererseits wurde bemerkt, daß aus ver- schiedenen Teilen des Reiches Klagen über Mangel an Arbeit im Baugewerbe einlaufen. Ueber die Lage der deutschen Hotel- und Restaurantangestellten im Auslande sprach Gastwirtsgehülfe Baumeister aus London am Dinstagnachmittag in einer stark besuchten öffentlichen Versamm- lung von Angestellten im Gastwirtsgewerbe, die der Deutsche Gast« wirtSgehülfenverband einberufen hatte. Den Ausführungen des Re- ferenten zufolge gehen alljährlich Tausende von jungen Kellnern aus Deutschland nach der Schweiz und Südfrankreich, um in dortigen Hotels und Restaurants als Volontäre in Stellung zu gehen. Die jungen Leute haben die Absicht, in solchen Stellungen die französische Sprache zu lernen, um dann in erstklassigen deutschen Häusern gute Stellungen, welche Sprachkenntnisse erfordern, besetzen zu können. In den großen Gasthäusern in Südfrankreich und der Schweiz sind mehr als die Hälfte aller Angestellten solche Volontäre, die nicht nur keine Entschädigung erhalten, sondern noch Geld dazu zahlen, um als Volontär unterzukommen. Da in den betreffenden Häusern die Mehrzahl der Angestellten Deutsche find, so kann dort ein deutscher Kellner natürlich nicht französisch sprechen lernen, desto mehr mutz er aber arbeiten, ohne seinen Zweck, sich weiter auszubilden, zu er- reichen. Die Volontäre aus Deutschland werden planmäßig nach der Schweiz und Südfrankreich vermittelt, früher nur von Genf aus, jetzt aber auch durch ein Bureau, welches eine christliche Kellncrorganisation in Cannes eingerichtet hat.— Aehnliche Ver- Hältnisse herrschen in London, wohin sich ebenfalls Tausende von jungen deutschen Kellnern wenden in der Absicht, die englische Sprache in dortigen Stellungen zu erlernen. Die Ankommenden fallen in der Regel Landsleuten in die Hände, welche die Unerfahrenen den Stellenvermittlern zuführen, die den Stellungsuchenden hohe Gebühren abnehmen, ohne die verlangten guten Stellungen besorgen zu können. Mehr als 6000 derartige Vampyre ziehen Jahr für Jahr glänzende Einnahmen aus der Unerfahrenheit der deutschen Ankömmlinge. Nach langem vergeblichem Suchen nach guten Stellen sind die jungen Leute schließlich froh, wenn sie irgend eine ganz minderwertige Stellung bekommen, die ihnen den notdürftigsten Lebensunterhalt gewährt. Von der erhofften Fortbildung ist natürlich keine Rede, die Betreffenden kehren enttäuscht heim, wenn sie nicht, wie es leider oft der Fall ist, so tief ins Elend geraten, daß ein Emporkommen nicht mehr möglich ist.— In seinen weiteren Ausführungen schilderte der Redner die elende Lage der Gastwirtsgehülfen im allgemeinen, er besprach die Organisations- Verhältnisse und zeigte, daß der Genfer Verband, ebenso wie der Deutsche Kellnerbnnd und die christlichen Kellnerorganisationen nicht in der Lage sind, die Interessen der Angestellten wahrzunehmen. In der Diskussion kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen Vertretern der verschiedenen Organisationen, besonders waren es Angehörige des Gastronomischen Verbandes, die gegen den Verband deutscher Gastwirtsgehülfen auftraten, von den Vertretern des letzteren aber durch Anführung von Tatsachen gründlich wider- legt wurden. Hauptsächlich drehte sich die Debatte um die Arbeits- vermittelung, die vom Verband deuttcher Gastwirtsgehilfen un- entgeltlich geführt wird, während andere Organisationen in der einen oder anderen Form den Arbeitsuchenden mehr oder weniger große Ausgaben auferlegen.— Besonderes Interesse hat ein Vorkommnis, welches ein Vertreter des Gastronomischen Verbandes mitteilte. Der Verein deutscher Ingenieure feiert am Sonntag. den 10. Juni d. I., ein Fest im hiesigen Zentral- Hotel. Der Arbeitsvermittler des Genfer Verbandes ist ersucht worden, zu diesem Feste 180 Kellner zu stellen. Es wurden pro Mann 15 M. Lohn gefordert, man einigte sich auf 10 M., aber da der Genfer Verband nur 80 Kellner stellen kann, so wandte sich der Verein deutscher Ingenieure an das Kaufhaus Rudolph Hertzog mit dem Ersuchen, dem Verein für sein Fest lOOHertzog'sche Hausdiener gegen einen Lohn von 6 M. zur Verstigung zu stellen. Die Firma Rudolph Hertzog scheint auch darauf eingegangen zu sein, denn einer der Hausdiener fragte bei seiner Gewerkschaft an, ob er durch Annahme des Angebots vom Verein deutscher Ingenieure nicht etwa den Kellnern in den Rücken falle. So wird hoffentlich durch das Eingreisen des Vereins Berliner Hausdiener die vom Verein der Ingenieure beabsichtigte Lohndrückerei vereitelt werden, denn die erforderlichen 100 Kellner sind in Berlin gegen entsprechenden Lohn jederzeit zu haben.— Nach Schluß der Debatte nahm die Ver- i'ammlung eine Resolution an, welche sich für die Organisierung des gesamten gastwirtschastlichen Personals in einem einzigen großen Jndustrieverband, wie ihn der Verband deutscher Gastwirtsgehülfen darstellt, ausspricht. Ferner beschloß die Versammlung einstimmig, daß der seit einer Reihe von Jahren bestehende besondere Lohntarif für die an den Pfingstfeiertagen benötigten Aushülsskräfte auch in diesem Jahre streng innezuhalten ist. Hiernach erhalten Aushülfskellner außer dem Fahrgeld einen Tagelohn von 5 M. an jedem der beiden ersten Feiertage und 3 M. am dritten Feiertage. Der Berein der Droschkenführer Berlins beschäftigte sich in seiner am Freitag abgehaltenen Versammlung mit der Frage des Anschlusses an den Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter. Den einleitenden Vortrag hielt Gewerkschafts- sekretär Ritter. In der Diskussion nahm auch der Vorsitzende des Zentralverbandes der Handels-, Transport- und Verkehrs- arbeiter, Genosse Schumann, das Wort. Er bemerkte unter anderem, vor drei Jahren habe der Verein der Droschkenführer den Anschluß an den Verband abgelehnt, weil die eigenartigen Ver- Hältnisse des Droschkengewerbes eine besondere Organisation der Droschkenführer notwendig mache. Inzwischen sei nun im Droschken- gewerbe die kapitalistische EntWickelung fortgeschritten, besonders habe die Einführung und immer weitere Verbreitung der Kraft- droschke die bisherigen eigenartigen Verhältnisse im Droschken- gewerbe schon zum Teil aufgehoben und die EntWickelung des Droschkengewerbes zum Großbetriebe angebahnt. Unter diesen Umständen sei auch für die Droschkcnführer die Zeit gekommen. wo es in ihrem Interesse liege, sich dem Jndustrieverband ihres Berufes anzuschließen.— Die meisten Diskussionsredner, darunter auch Vorstandsmitglieder des Vereins der Droschkenführer, traten für den Anschluß ein. Nur einzelne Redner sprachen gegen den- selben. Die Versammlung setzte eine Kommission ein. welche mit dem Vorstande des Zentralverbandes der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter wegen des Uebertritts verhandeln soll. Gewerkschaftlicher Frauenverein. In der Vereinsversammlung, die am 23. Mai bei M. Damm, Schützenstr. 18/10 stattfand, rc- ferierte Genossin Jeetze über:„Die Frau im Kampf um Brot und Recht". Ihren mit Beifall aufgenommenen Ausführungen folgte eine rege Diskussion. Hierauf wurde von der Vorsitzenden, Frau Müller, Bericht erstattet über den 7. Kongreß der Freien Vereini- gung deutscher Gewerkschaften, und man erklärte sich mit deren Wirken als Delegierte einverstanden. Ferner wurde die Namens- änderung des Vereins vollzogen und heißt derselbe jetzt: Freie Ver- einigung erwerbstätiger Frauen und Mädchen. Mit dem Wunicve. daß der Verein unter dem neuen Namen wachsen und gedeihen möge, wurde die Versammlung geschlossen.> (Wiederholt, weil nur in einem Teil der AuflageFs Verein der Lehrlinge, jugendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen Berlin» und Umgegend. Abt. VI. Donnerstag, den 31. Mai, 8 Uhr, im Lokal« von G. Schmidt, JaSmunderstr. 4. Vortrag über.Das Organi- sationsprinzip der Arbeiter". Rescrent: Kollege Hellmut Lehmann. Gäste willkommen. Lese- und Diskutierklub„Süd-Lst". Heute abend 8'/, Uhr bei Tolksdors, Görlitzersw. S8._ Eingegangene Druchfcbriften. Ludwig Lessen. Die Perlenschnur der Adria. Ein Liederkranz 45 E. E. Piersons Verlag, Dresden. PreiS 80 Ps. F. L. RhodeS praktisches Handbuch der HandelS-Korrespondenz und deS GeschästSstilS in deutscher, sranzösischer, englischer, italienischer und spanischer Sprache. Neu bearbeitet von Gustav Röhrig, E. Seure, John Mackenzie, Ugo Parenti(vollständig in 21 Lieserungen a 50 Ps.), Frank» surt a. M., I. D. SauerländcrS Verlag. Nelly Wolsfhcim. Zur Geschichte der Prügelstrase in Schule und Haus. 71 Seiten. Verlag E. Frensdorfs, Berlin SW. 11. Für den Inhalt der Inserate überniiiimt die Ncdattion dem Piiblitui» gegenüber keinerlei Beraiitivvrlung. Zhcater. Donnerstag. 31. Mai. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Der Waffenschmied. Anfang 8 Uhr. Schauspielhaus. Die OuitzowS. Neues Operntheater. Martha. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Neues. Orpheus in der Unterwelt. Ansang 8 Uhr: Westen. Die vier Grobiane. Schiller O.(Wallner-Theater.) Jugendliebe. Schiller S.(Friedrich Wilb-Im. slädtischeS-Theater). DaS Glück im Winkel. Lessing. Das Lebcnssest. Kleines. Ein idealer Gatte. Berliner. Die lustige Witwe. Komische Oper. Do» Pasquale. Nesidenz. LiebeSkunst. Zentral. Die Geisha. Lnstipielhaus. Die von Hochsatlel. Teiano». Loulou. Thalia. Hochparterre links. Slietropol. Aus ins Metropol. Deutsch- Ziniertkanisches. Arme Mädchen. Zlpollo. DaS blaue Bild. Spezia- litäten. Carl Weist. Der Weg des Mär- tyrers. Hansa. Das Wundcrlind. Famllie Bernstein. Belle-Zllliance. Abends nach Neune. Wintergarten. Tortajada. Speziali- tülelf. Passage. Spezialitäten. Reichshalle». Stettiner Sänger. Urania. Ta»beui»ras»e Abends 8 Uhr: Der jüngste Aus- bruch des Vesuv. Stcruivarte. Jnvalidcnstr. 57/62. Zentral-Theater. (Operette). 8 Uhr: Die Geisha« Ferdinand Uonns Berliner Theater. Gastsp. des Neuen Operetten-TheatcrS aus Hamburg(Direktor Max Monti). Donnerstag, Freitag, Sonnabend: Die luftige Witwe. Psiiigstsonntag und Pfingstmontag: Tie lustige Witwe. Ans. 8 Uhr. Heues Thealer. Ansang?>/, Uhr. Ii! Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Ei« iknlct GM. Morgen: Ein idealer Gatte. Komische Bner. Abends 8 Uhr: Don Pasquale. Freitag: Beginn der Sotnrnerspielzeit: Hoffmanns Erzählungen. Sommerprelae."MU Üesidenz-Ttteater. Direktion: Richard HUjcander. Ansang 8 Ubr. Heute zuui Schluß der Saison zum 34. Male: I�iebeskunst» Komödie in 3 Sllten v. Löon Zlamof und Michel Carrs DeutscIt-AiMikaniscIies Theater. Köpenickerstr. 67/68. �4« „Arme ftfödchen." Von Adolf Philipp. Anfang 8 Uhr 15.-ME Schiller- Schiller-Theater 0.(Wallner-Thealer). Donnerstag, abe n dS8Uhr: Jngendllcbc. Lustspiel von Adois Wilbrandt. Hieraus: IHe Dienstboten. Lustspiel von Stoberich Benedix. Freitag, nachm. 4 Uhr: Ibuen-t-edttehtniafeler. Freitag, abendS 8 Uhr: Der«IllUtlrntaat. Sonnabend, abends 8 U b r: lugend liebe. Hieraus: vie Dienstboten. Theater. Schiller-Theater N.(Fricdr.-Wilh.Th.) Donnerstag, adendSSUHr: Das Glück Im Winkel. Schauspiel in 3 Akten von Hermann Sudcrmann. Freitag, abends 8 Uhr: Das Lompengeslndel. Sonnabend, abends 8 Uhr: Das Lampengesindel. Im Garten tägl. gr. Militär-Konzert. OOHOOOW Freie Tolksbühne. Sonntag, den 3. Juni, nachmittags 21/, Uhr: 18. Abteilung Carl Weiß-Theater. Der Meisler. Hermann Bahr. 13.114. Abteilung und Montag, den 4. Juni, nachmittags 21/, Uhr: 15./16. Abteilung Mcfropol-Theater. Die Frau vom Meere Henrik Ibsen. Dienstag, den 5. Jani, abends S'l, tlhr, 4 /5. Abteilung im Carl Weiß-Theater: Emilia Galotti. Trauerspiel in 5 Aufzügen von G. E. Lessing. 229/2 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Andreasstr. 26. Andreas-Garten. Andreasstr. 26, Den geehrten Vereinen und Freunden empfehle meine Räume zu Ber- sammluugen und Festlichkeiten. Gute Küche, solide Preise. Aus- ichank von echtem Münchener Bier. Kegelbahn. Garten. Fremdenlogis. � Jeden T* A M � bei freiem � Sonntag AxVlvXrf Entree.— 12482» Franz Jlerkowskl. (Station Zoolog. Garten), Kantstr. 12. Donnerstag 8 Uhr: 30. Vorstellung als DienStagS-Zlbonnement: Die»ier Grobiane. Volle Preise. Freitag, Sonnabend geschlossen. Sonntag nachm. 3 Uhr, halbe Preise: Der Aallenschrnied. AbendS 8 Uhr: Der Zigeunerbaron. VolkStüml. Preise. Montag nachm. 3 Uhr, halbe Preise. Der Troubadour. AbendS 8 Uhr: Die Tledermaua. Volkstümliche Preise. Iteues kgl. Operntheater (Kroll). Anfang 71/, Uhr. Heute: Gastspiel Werner Alberti: Martha. Freitag: Gastsp. Bella Alten von der Conried-Melropolitan Opera New York und Dr. Otto Briesenieitter: Fra Dlavolo. V orverkauf im Kgl. Opernhaus, Schalter H, A. Wertheim und Invalidendank. j Passage-Theater. Ansang 8 Uhr. Henfe letzter Tag! Das Mai-Programm 1 4 erstklassige Spezialitäten Neu! Hochinteressant! Belehrend! Die Visitkarte des Verbrechers! sesselnder Projek- tionS-Bortrag in C. Gabriels Volks-Museum für Anatomie. 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Hasenheide 13—15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich; Gr. Konzert, Theater u. Spezialitäten-Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten Mnderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. Die Knsseeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 hochelegante Kegelbahnen. Würsclbuden, Konditorei, Blumenstand:c. In den Sälen: SsrOL«!'«all. Straßenbahn: Nr. 1. 2. 4. 17. 59. 52, 53, 74. Am Königstor. Am Friedrichs- Hain. Pfingsten: Beginn der Haxtptfaifon. ».Fei-rwg- Trüh-Jtonzert und Vorstellung. f�cuc Spezialitäten und Chcater-Torrtellung. _ Von Pfingsten ab tägliche Vorstellungen._ 13012* Apollo-Theater. 9';. Uhr Vti Uhr Musik von Paul JLincke. W�lvUhr: Ein Abend in einem amerihanisltj.Tingtl-Tavgel. Vorher 8 Uhr die glänz. Spezialitäten. Uhr: Garten-Konzert. Reichshallen. Stettiner Sänger. Einqllartierung. MUit. Humor, v. Meysel. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. PHanon-'I'deatvi-. Ansang 8 Uhr: Lonlon. Das Theater bleibt vom 1. Juni bis 31. Juli geschlossen._ TORTAJADA Spanische Tänzerin u. Sängerin. Narrow Bros., komische Radfahrer. Desroches-Bianca, französ. Duett. Die Hartleys, Springer. Brösina, Pariser excentr. Sängerin. Patty Frank-Truppe, Akrobaten. König Dollar, englisches Ballett. Imro Fox, Illusionist Die Brittons, Neger-Sänger und Tänzer. De Dio, Phantasie-Tänzerin. Die Perseus. Kugelspieler. Oer Biograph. V. Noacks Theater. Direktion: Roh. Dill. Brunn enstr. 16. Heute: GcschloHsen. Sonntag, den 3. Juni: Eröttnung der Sommer-Saison. Konzert, Theater, Spezialitäten. Ansang isonnt 5 Uhr, wochent. 6 Uhr. Lustspielhaus. Allabendlich 8 Uhr: Die von Hochsattel. ldorltzplatz. Täglich im Garten bezw. ► in den unteren Säle»-4 Carl Weiß-Theater. Gr. Franksurlerstr. 132. Täglich 8 Uhr: Der Weg des Märtyrers. Schauspiel in 5 Akten v. K. Remling._ Accumulatoren- und ElectricitäTs-Werke-Actiengesellschatt Mittwoch u. Sonnabend: Freitanz. vormals W. A. Boese& Co. Der von der ordentlichen Generalversammlung unserer Aktionäre für da? Jahr 1905 festgesetzte Gewinnanteil aus die Gewinnanteilscheine unserer Gesellschaft gelangt von heute ab mit Mark 8,— pro Jahresschein XSV» in Berlin bei der Kasse der Gesellschaft oder bei einer der nachbenanntcn Stellen: m Berlin bei der Dresdner Bank, in Perlin bei den Herren F. W. Krause«. Co., Bankgeschäft, in Berlin bei der Commerz- und Disconto Bank, in Frankfurt a. M. bei der Dresdner Bank, in Frankfurt a. M. bei der Pfälzische» Bank, in Frankfurt a. M. bei der Bank für industrielle Unternehmungen, in Frankfurt a. M. bei dem Bankhause Bast«. Herz, in Stettin bei dem Bankhause Wm. Schlutow, in Hamburg bei der Commerz- und Diseonto-Bank zur Auszahlung. B e r I i n, 28. Mai 1905. Accumulatoren- und Electricitäts-Werke-Actiengesellsctaaft vormals 23. A. Boese u. Co. Möbelfabrik„Voran" Eingetragene CienoHBenschaft mit bcschr. Haftpflicht. Berlin O., Boxhagencrstr. 16a. Bilanz für das Geschäftsjahr 1905. Aktiva. Kassa-Bestand..... 85,06 Wechsel-Konto..... 89,— Bant-Konto...... 324,25 KautionS-Konto.... 260,— Maschinen-Konto..., 1 959,66 Werkzeug-Konto.... 2 915,36 Utensilien-Konto.... 434,04 Materialien-Konto.... 10 438,39 Dcbitorcn-Konto.... 9436,41 M. 25 942,17 Passiva. Geschästsanteil-Konto.. 390,— Darlebn-Konto..... 18 918,65 Akzepten-Konto.... 661,10 Reserve-Konto..... 126,15 Kreditoren-Konto.... 5 520,83 Gewinn- und Verlust-Konto 325,44 Mitgliederzahl am Ansang des Geschäftsjahres 12 Eingetreten_ 1 Mitgliederzahl am 31. Dezember 1905 13 Gesamtgutbaben M. 390,— Gesamthasisumme„ 390,— Ter Vorstand. E. Kehding. E. DieBner. M. 25 942,17 205/13 fillluppIlfiiLSttiniitiite! Freitag, den 1. Juni, abends 8 Uhr: Oeff entliehe Versammlung in Kellers Festsälen, Koppenstr. ÄS: Tages-Ordnung: i. Der Deginn des Kampfes. 2. Diskussion. Vollzähliges Erscheinen ist in Anbetracht der gegenwärtigen Situation dringend notwendig. 281/12_ Die Verwaltungen. Deutscher Holzarbeiter-Verband. = JftodcUtlfchlcr*= Donnerstag, 31. Mai, abends S1,� Uhr, in Schmidts GesellschaftshauS, Gartenstr. 0: Bpanchen-Versammlung der Modell- und Fabrihtischler sowie Modelldrechfler. Tages-Ordnung: 1. Bericht über den VerbandStag. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Ver- schiedencS. 86/10 Hie Kommission. Verband der Friseurgehülfen Deutschlands Zweigverein Herlin und Vororte. Bureau und kostenloser Slrbeitsnachweis: Rosenthalersw. 57. Geöffnet 9—12, 2—4 Uhr. Telephon: Amt 3 Nr. 1296.___ Jlu]lerordentIiche Generalversammlung Donnerstag, den 31. Mai, abends 9'/, Uhr, Rosenthalcrstr. 11/1S. Tagesordnung: Geschäftliches.— Stand der Lohnbewegung und Beschlußfassung zum Streik.- Diskussion.- Gcwerlschasllichcs. Mitgliedsbuch legitimiert. Kein Mitglied darf fehlen. 281/13_ Der Borstand. I. A.: P. Ziere. Landes-Ausstellungs-Park. Neu erbaut: Festsäle, Cafe n. Konditorei, gedeckte Gartenhallen, Fontaine Inniinense. Dejeuners von 2,50 Mark an bis 2 Uhr nachmittags. Diners von 3,50 Mark, Soupers von 4 Mark an. Täglich: Doppel-Konzert. 20. Ziehung 5. KI. 214. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom SO. Uai 1906, vormllliga. Kur die Ge*.nno über HO Mark sind den belreffenden Mummera in Klammern betgekUgt. |Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten. 54 249 301 riOOO] 468 608 787 s 10001 809 SO 994 1192 261 BOO] 571 651 � uSjü] 71 94 13O00I 769 883.[3000 88 2192 15001 275 flOOOl 382 722 821 26 929 34 15001 3036 470 539 83 606 I5o0] 30 47 730 51 UüpOl 839 110001 966 4016 59 127 71 335 71 417 581 653 745 82 86 98o 5205 582 039 96 889 930 6158 79 81 429 �9001 81«> 519 938 110001 7302 l 10001 ö67 800[30001 17 42 900 «577 734 92 802 15001 9009 107 15001 26 83 222 5o7 10039 54 256 62 73 460 652 78 1 5001 817 81 11752 69 12091 104 610 II 795 904 13053 121 253 57 67 371 647 66 651 710 84 15001 14169 1 30001 517 630 71 706 47 110001 940 15001 15261 486 708 808 46 978 1 6031 100 6 94 337 468 90 788 929 45 1 7036 15001 255 319 427 507 71 613 110001 751 77 942 1 8013 15001 25 386 15001 460 726 812 1 9287 634 708 20071 77 328 417 24 99 526 89 663 706 854 2 1084 393 468 76 82 712 41 55 916 26 2 2300 478 539 627 30 93 110001 922 55 2 3403 97 15001 561 747 1 5001 65 975 93 34035 60 172 256 409 623 703 10 18 28 945 25086 157 63 369 517 15001 89 791 26006 110001 156 96 11000 1 281 350 463 597 059 85 15001 27243 439 40 635 79 2 8054 148 15001 50 346 405 536 40 71 11000] 810 15001 29091 '136 469 s 10001 549 93 „ 30035 138 274 92 15001 839 998 15001 3 1034 81 108 384 1 10001 612 715 130001 938 3 2372 598 639 777 893 99 964 98 33294 304 441 516 150001 26 650 130 OOOj 67 3 4042 88( 30001 160 357 412 31 74 505 19 24 613 835 35025 366 652 748 835 954 3 6098 141 461 683 837 41 37142 300 90 98 523 732 56 15001 99 898 907 51 3 8246 48 15001 90 412 82 565 84 694 786 864 945 39132 (10001 201 74 82 654 706 40815 949 110001 4 1295 786 875 991 42017 15001 92 108 212 38 732 46 64 817 906 11 43131 50 224 66 tO 336 483 529 61 608 750 4 4386 15001 425 537 89 607 50 838 903 28 15001 83 15001 45028 418 69 513(.500! 42 49 806 953 4 6008 188 306 527 656 777 96 821 32 55 915 34 47028 63 78 164 270 529 932 42 130001 83 48086 149 495 508 110001 608 802 904 4 9008 18 86 103 1500 1 81 15001 235 59 375 449 64 68 11000) 703 802_ 50140 59 241 474 533 743 81 909 5 X063 171 408 693 783 834 47 907 52108 25 241 85 340 I50U1 413 30 603 738 851 945 110 0001 53028 36 119 200 35 461 518 720 988 96 5 4076 178 233 462 512 638 44 784 963 9/ 55108 271 339 511 734 38 949 5 6753 I 500| 878 86 943 80 670ZJ 302 431 599 712 31 981 58050 158 401 6 53 547 616 84 732 832 939 59 5 9021 93 208 484 86 616 774 847 60111 429 92 555 651 71 6 1327 468 543 603 88 62019 54 56 59 98 224 59 308 15 39 406 589 812 44 970 63168 317 32 553 820 43 6 4479 584 909( 500 1 45 65096 130001 100 271 367 1500 1 441 565 778 98 829 66117 322 521 61 67369(5001 503 29 747,826 15001 49 003(5001 25 65 68050 91 150 424 722 69010 208<7 335 64 675 754 flOOOl 92 130001 843 60 70065 228 315 50 63 478 509 794 930 95 71141 76 228 330 79 440 619 730 7 2261 412 534 796 931 1 10001 40 65 7 3031 246 347 467 639 7 4086 729 826 953 7 5124 41 15001'50 275 571 82 785 ,893 928(5000( 52(500 64 7 6230 332 37 489 508 sSOOl 51 621<6( 5001 940 77129 76 201 80 387 405 25 769 830 7 8243 318 414 522 54(30001 69 603 1500 1 7 988 7 9521 60 608 76 79 793 837 SOO�m�&l 509 740 97[5001 81001 29 155 284 392[30O0I 415 545 KlOOü! 6�1 5X11 82031 13 MR tt04 704 20 883 83015 21o 42d 63 584 84-312 637 48 61 92 856 902 85044 Stj l 50 931 39 86048 51 119 08 99 �27 48 327 8 7 641 701 7 28 85 811 27 87108 ßüOI 319 502 84 762 825 62 901 4 65 88044 1 5001 182 504 I 5000 1 614 949 dd 800o8 157 lSOOl 281 317 427 542 627 99 736 90013 45 66 102 62(5001 212 624 709 888 91046 547 661 848 81 916 97100 72 W2 538 628 97? 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Nachdruck verboten. 332 67 431 504 652[30001 57 760 1111 28 33 206 508 751 941 2105 204> 5001 45 343 487 581 062 ,15 OOOJ 98 3075 339 588 661 885 90U 4185 204 61[10001 309 28 44 489 626 833 49 5022 634 72 781 6013[500] 123 24 31 570 874 7049 58 SO 95 362 77 772 79 808 971 [3000] 8017 253 468 945[3000] 9074 156 258 310 502 776 824 55 933 93[500] 10036 309 48 524 48 57 97 613 15 798 1 1058 134 268 421 555 15001 714 940 1 2071|50ü| 236 502 54 743 967 1 3045 100 268 349 587 861 14028 174 78 283 373 711 891 15013 19 115 46 77 410 38 77 004 73 930 46 16213 57 500(10001 57 637 85 800 2[5001 65 999 17007 210 316 30( 5001 449 684 953 59 1 8006 60 127 311 601 717[5001 45[1000] 19070 271 351 777[500] 90 948 20022 159 233 568 732 843 21116 64[500] 515 628 44 750 94 836 983 89 2 2045 64 141 410 593 750 62 86 975 81 23150 61 262 372[1000] 525 902 8 27 2 4430 [ 1000 1 585 962'25029 42 73[10001 219 342 90 556 693 855 958 2 6221 399 2 7008 16 89 108 324[10001 401 18 579 657 776 90[10001 846 63 2 8084 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779 908 73 2 1 2200 573 86 755 63 870 2 1 3355 788 945 2 1 4045 50 419 724 2 1 5143. 413 513 659 897 2 1 6101 472 624 730 827 984 2 1 7225 453 97 752 90 flOOOl 218174 80 282(10001 504 35 79 957 219153 353 723 844 22O0Ü5 135 220 399 516[5001 26 70' 618 92 770 80 221095 119 31 690 758 819 222160 214 32 51 34« 68 683 791 842 69( 5001 89 2 2 3056 94 97 288 440 1500] 719 54 963 1500] 2 2 4034 64 87 151 250 330 492 (10001 588 609 73 753 822 949 50 2 2 5027 63 70 J 30001 215 55 444 500 670(5001 865 2 2 8039 113 66 344 94 Al 44 15001 94 546 720 23 2 27102 222( 5001 25 48« 850 913 228088 268 444 543 93 642 229155 1500| 216 312 486 722 999 230175'282 372 417 590(10001 798 844 231106 92 327 78 493 1500] 593 677 79[5001 831(500( 931- 232002 193 425 43 flOOOl 97.030 878 87 2 3 3029 576 647 58 2 3 4044 47 60 570 656 724 861 907 235209 568 827 2 3 6043 45 87 170(10001 219 57 1 10001 537 838 23 7079 190 287 402 76 2 3 8090( 30001 270 73 337[ 407 546 64 83 700 900 52 2 3 9014 18 96 101 1500] 64 73 418 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Wilhelm Reimer. Wegen Vorbeveitung zum Pfingstfeft: Geschloffen 1. und 2. Feiertag: Graste Extra-Soiree» v. Koffm. Nordd. Sängern. Durchw. neues Kol.-Progr. 3. Feiertag: Theaterabend. 2. u. 3. Feiertag im großen Theaters.: TanzkrSnzchen. Neu eröffnet! felt-Änsstelliings- Biograpli-(8t. touis) Theater lebender Photographien mit Verbindung mit größter Films- Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. Otto PHtzkow, Münzstraße 16. Gustav Behrens Spezialitäten- liieater Frankfurter ___ Allee 85. Bas vorziiglieiie Mai-Programin! Auftreten Partei- Speditionen: Herlli» Zweiter Wahlkreis: Hermann Werner, Mittenlvalder straße 30, v. hart.— Dritter Wahlkreis: St. Fritz, Prinzen str. 31, tos rechts Part.— Vierter Wahlkreis O.: Robert W e n g e l s, üdersdorferstr. 3, am Küstrinerplatz.— 8D.: Paul B ö h m, Laufitzer- platz H/IS(Laden).— Fünfter Wahlkreis: Leo Zucht, Keibeljtr. 42 (Laden).— ttechster Wahlkreis(Sloabit): Karl Anders, Salzwedelcrftr. 8, im Laden.— Weckülns: Karl Weiße, Wiesen- ftraße 41/42.— Ikesenthaler und Oranlenbnrger Vorstadt: Hermann Raschle, Ackerstr. 36, Eingang.Anklamerftr.— Ctesnnd- brnnnen: F. Trapp, Rügenerstr. 24, vorn Part, links.— 8ehvn- hanser Vorstadt; Karl Mars, Lychenerstr. 123.— Alt- Clllenlcke: Reinhold Schulz, Rudowerstr.83.— Cbarlottenbnrg: Gustav Schernberg, Sescnheimerstr. 1, Ecke Goethe str., v. I.— Wilnzers- dorf-Halensee: Georg F e e s e, Berlmerftr. 46, Laden.— Diehten- berg, Frledrlchsfelde, W'ilheliusberg, Boxhagen, Stralan u. Knimnelsburg: Otto Seilet, O. 112, Kronprinzenstraße 50, I.—<*rünan: H. B l u h m e, Viktoriaftr. 2.— Blxdorf: M. Heinrich, Prinz Handjerhstraße 7, im Laden.— Sehniargen- dorf: Gustav K a m i n s k y, Cunostraße 2.— Sehtfneberg: Wilhelm B ä u m l e r, Martin Lutherstr. 61, im Laden.— Vempelhok: M. Müller, Berlinerstr. 41/42.— Qber- Schünewelde: Julius G runolv, Edisonstr. 10, I.— Xiedcr- Schönewelde:BonakowskH, Hasselwerderstr. Id.— Johannisthal: Franz Hünold, Bismarckstr. 7.— Adlershof: Erich Steuer, Roonstr. 8, I.— KUnigs-W'nsterhanscn: Friedrich B a u m a n n, Luckenwalderstr. 4b.— ItSpenlek: Friedrich W o i ck, Grünstr. 4.— Friedenau-Steglitz-Südende: H. Bernsee, Schloßstr. 116, Gartenhaus 1, in Sieglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mo hr, Düppclstr. 8, u. Fr. Schellhase, Ahornstr. 16 a.— Marie n- dorf: Hermann Reichardt, Chausseestraße 16.— Bannlsehnlen- weg: Stock, Ernststr. 2, II.— Treptow: R. Voigt, Elsenstr. 37, vorn ID l.— Xen- Welfiensee: W. ReSle, Sedanstr. 105, Part. — Belnlckendorf- Ost, Wllhclmsrnh und Schönholz: P. G u r s ch, Provinzstraße 108, D.— Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waidmannslust, Hermsdorf und Reinickendorf- West: Paul Kicnaft, Borfigwalde, Schubart- straße 43.— Fankow-Xiedersehönhausen: G. Freiwaldt, Mühlenstr. 73.—£ich walde, Zeuthen, M iersdorf und Ilankels Ablage: Alfons G r ä tz, Eichwaldc, Kronprinzcnstr. 82, 1.— Teltow: "ermann Krüger, Neuestr. 2.— Xowawes: Wilhelm I a p p e, '' richstr. 1.— Spandan: Köpp en, Jagowftr. 9, Außerdem ist sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen Werte dort zu haben Iluch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegengenommen. Bitte ausschneiden. tiermit die traurige Nachricht, meme liebe Frau, unsere gute I Mutter Eterta Nagel geb. Dunkel am Montag, den 28. Mai, nach kurzem, schwerem Leiden im Alter von 36 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Donnerstag nachmittag 5'/, Uhr von der Leichenhalle des Philippus- Apostel-Kirchhoses, Müllerstr.44/4S, aus statt. 21S5b Robert Xagel, Putlitzstr. 10. Miir Frauen uaiiMättal ----- der Äriieiterllasse.= Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, Frau Berta Nagel Putlitzstr. 10 gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3t. Mai, nach- mittags 5'/., Uhr, von der Leichen- Halle des Philippus-Zlpostel-Kirch- Hofes, Müllerstr. 44/46, aus statt. Um rege Beteiligung bittet 86/14 Der Vorstand. SliziaIden!MAIi.Mverein l&ixdorf. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Tischler Julius Bark verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Donnerstagnachmittag 5'/, Uhr von der Leichenhalle des Neuen Nixdorser Kirchhofes,'Marien- dorfer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Dr. SchUnemann Spezial-Arzt sür ♦ Bant- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schützcnstr- 10—2, 5—7, Sonnt, iv— iL Uhr. lönttgl-Vösbgnd der Ziflimerer Deutschlands. (Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 10.) Allen Kameraden hiermit zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied Tdeoöor Brüggener am 28. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute nachm. 51/, Uhr von der Leichen- Halle des Neuen St. Pauls-Kirch- Hofes am Plötzensee aus statt. I Um rege Beteiligung ersucht 254/13 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und überaus zahlreichen Kranzspenden von nah und sern bei der Beerdigung meines in der Blüte gestandenen und so jäh aus dem Leben gerissenen heißgeliebten und Herzens- guten Mannes, Vaters, Sohnes, Bruders, Schwagers und Schwieger- sohnes Otto Müller sagen wir allen lieben Verwandten, Freunden und Bekannten und den werten Sparbrüdern des Sparvereins „Hand in Hand", sowie den Kollegen der Firma Wübben u. Co. und dem Deutschen Buchbindernerbande(Zahlstelle Berlin) unseren ausrichtigsten Dank. 1410L Ww.WilhelmineMailer,ge&.Neugebauer nebst Tochter. •§• Hygienische Bedarlstrnkel. Neuest. Katalog CD. Empfshl.viol.Aerzte u.Prof. grat. n.fr H. ünger, GDmmiwarenfabriä Berlin NW.. Friedricbsixassf*0*. Danksagung. Allen Verwandten und Bekannten, sowie dem Zentralverband der Zimmerer und den Genossen des vierten Wahlkreises, Görlitzer Viertel, sagen wir sür die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meine? lieben Mannes unseres guten Vaters unseren ausrichttgslcn Dank. Witwe Hensel webst Kindern. � Marienbad= Konzert-Harten u. Theater. Bringe hiennit den geehrten Ver- cwen und Gewerkschaften meine Lokale in empfehlende Erinnerung, mache daraus besonders ausmerffam, daß im Juni und August noch einige Sonn- abende frei sind. 2166b Hochachtend Hellmuth Kiek«, Direktor. Phänomen Cigaretten Phänomen Phänomen Phänomen Phänomen Phänomen1 -Cigaretten sind aus echten türkischen Tabaken hergestellt ■Cigaretten sind garantiert Handarbeit -Cigaretten sind nach ägyptischer Art hergestellt ■Cigaretten übertreffen Importen Cigaretten sind überall zu haben Stück Ä, 3, 4 und 5 Ptg. -Fabrik„Hamkopl" Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. 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Richard 2157b Handstcppdecken- Arbeiterinnen finden außer dem Hause dauernde Betchäftigung bei Schmoller U.Fabian, Rosenjtraße 18. 265/13 Zeitungsfrauen verlangisürPots- damer Viertel Kronenstraße 65.* Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeige« kosten SO Pf. die Zeile. (Zahlstelle Berlin). Folgende Firmen haben, well daS Personal nach der Beendigung der Aussperrung nicht reumütig und bedingungslos in die Betriebe zurück- kehrte, weiter respektive erneut aus- gesperrt: O. Wühhcn A Co., Wilhelm- straße 9. H. Sperling, Friedrichstr. 16. D. Blelztcin, Friedrichstr. 16. I-üderitz A Bauer, Mauerstraße 80. Frltachc-Banntbach, Schöneberg, Bahnstraße. H. Heiß, Lützowstr. 107/8. H. Schubert, Wilhclmstr. 121. C. Hetschke A Co., Zimmer- straße 94. A Schoß, Puttkamerstraße 13. A Schoß, Deffauerstraß«. Schneider A Ziegler, Ritterstr. 76. Rlcknisnn, Wilhclmstr. 121. Xaucksche Buchdruckerei, Stall- schreiberstraße 5. Ad. l-ndwlg, Elisabeth-User 5/6. Fleck Xachf., Lützowstr. 87. Kümmerer, Kochstr. 67. Werner, Lindenstraße 3. C. F. Walter, Wallftr. 16/17. Rieh. Oahl, Chausseestr. 2s. Agthe, Wilhclmstr. 119/20. I-otze A Sieler, Kochstr. 3. Ad. Wittenburg, Wilhelmstraße 16. Xaver Küllo, Rcichcnbcrger- straße 36. Heckcndorlf, Rcichcnbergcr- ftraße 36. Schreiber de Co., Luckauerstr.7. Diese Betriebe sind gesperrti Vor ArbcitSannahme wird gewarnt! Zuzug ist streng sernzuhalien l * Die Ortsverwaltung. Deutseher Holzarbeiter- Verband. Wegen Streik und Lohndiffereuzen find gesperrt: Für Tischler. Polierer und Ma- schinenarbeitcr Franz Schulz, Frankfurter Allee 2«. Für Korbinacher: Stralauer Qla-shütte. Für Drechsler, Tischler, Stellmacher. Polierer, Maschinenarbeiter und Bildhauer Treppengeländerfabrik Joseph Drechsler, Gubenerstr. 33, Nähmaschinenfabrik Frister A Rossmann, Tkalitzerstrafie. Für Stellmacher 35/1 Motorwagensabrik(»Ottschalk in Reinickendorf. Für Bürstenmacher Grübcrt, Rttterftraste 107. und der JnnuugsnachweiS, Brunnen- strafte 151. Für Parkettbodenleger Die Firma Pomplnhn, Zwilchenmeister Petsch, Bau RiebuHr- ftrafte 76, Siebeltstraftr, Parzelle 2. Bau Bernd, Schöneberg, EberSftr. Für Finwetzer sind gesperrt die Bauten der Firma Kirchner in Großenhain(ZwischenmeislerZim- mermann): Marftltnsstrafte 21; Boxhagen.Kopernikusstr. 3 u.6; Kurfürstendamm 178: Ehar- lottenburg, Kaiser Friedrich- straften-Ecke IS k? Tempelhof, Dorfstrafte, Ecke Reinhardtstraße. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung des HolzarbeiterverbaudeS. Deutseber Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Sktxdorf. Die Bautrschleret von RaGtner, Münchenerstrafte 40, ist wegen Differenzen gesperrt. 86s 11* Die Ortsverwaltung. Verantwortlicher Redalteur: Hans Weber, Berliv, Für dm Inseratenteil verantw.: Th. Gltzcke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. sserbwamw Paui Singer& Ca.. Berlin S.W. Ii. 124. 23. Jahrgang. 3, KnlU ilrs Jorngtls" Ittlinn MMM Doaverstag, 81. Mai 1906. Partei- Hngelegenbeiten* Zur SoloIIifie! Auf an uns gerichtete Anfragen teilen wir mit daß das Lokal.Berliner Prater", Kastanienallee, nach beendetem Umbau(Eröffnung S. Juni) uns wieder zur Verfügung steht. Alle Vereine usw., welche Ausflüge nach dem Spreewald unter« nehmen wollen, weisen wir besonders darauf hin. daß in Vetschau unseren Parteigenossen kein einziges Lokal zur Verfügung steht. Das Verkehrslokal ist bei Wilhelm Warmschmidt in Weißagk bei Vetschau, außerdem erteilt jede gewünschte Auskunft gern Ge- nosse Johannes Kersten, Vetschau-Schönebegk, Grüner Weg 34. In Caputh steht das Lokal von Ernst Liesch, Webcrstr. 36, zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. Die Lokalkommisfion. Wahlverein Bezirk Pankow. Am Dienstag, den 26. Juni er., findet im Roczickischen GesellschaftshauS, Kreuzstr. 3— 4, die General« Versammlung des Wahlvereins statt, zu der auch die Französisch- Buchholzer, Schönwalder, Groß-Schönebecker usw. Genossen hiermit eingeladen sind. Anträge hierzu sind bis zum IS. Juni er. schriftlich beim Vorsitzenden einzusenden. Der Vorstand. Berliner)Vacbricbten. Die roten Laternen vor den Lokalen mit weiblicher Bedienung wollen unsere Frommen nicht mehr leiden. Die Kreissynode Friedrichwerder I beschäftigte sich dieser Tage sehr eingehend mit dieser An gelegcnheit. Aus der Jerusalemsgemeinde wurden Klagen laut über das Zunehmen der Prostitution, der sogenannten „Absteigequartiere" und derjenigen Lokale, die durch. ihre vev hängten Fenster und ihre roten Laternen sich als Stätten der Völlerei und Unsfttlichkeit kennzeichnen. Ein Synodale der Dreifaltigkeits- Gemeinde betonte, daß solche Lokale nur eine Form von Bordellen darstellten und beantragte, bei den maßgebenden Behörden dahin vorstellig zu werden daß für den ganzen Stadtbezirk Verlin die bunten Laternen zur Ankündigung von Lokalen mit weiblicher Bedienung ver- boten werden. Ein Vertreter der Jerusalemsgemeinde, ein Prediger, fand es bedauerlich, daß solche Zustände unter den Augen der Polizei bestehen. Aus der Dorotheenstadt wurde geklagt, daß sich in der Mittelstraße, gegenüber dem Pfarr Hause, eine Damcnkncipe aufgetan habe. Aber nicht nur im Zentrum der Stadt treten diese Zustände in Erscheinung. sondern, wie ein Vertreter der Matthäigemeinde mitteilte, auch im Westen, in den sogenannten„guten Vierteln", sei dasselbe wahrzunehmen. Empfohlen wurde, eine Kommission aus verschiedenen interessierten Synoden zu wählen und vielleicht Vertreter der Sittenpolizei heranzuziehen, um über Mittel zur Abhülfe zu beraten. Beschlossen wurde schließlich: „Die Synode bittet das kgl. Konsistorium, bei den maß gebenden Behörden dahin vorstellig zu werden, daß für den ganzen Stadtbezirk Berlin die besondere Kenntlichmachung der Lokale mit weiblicher Bedienung, in denen der Unzucht Vorschub ge leistet wird, durch farbige Laternen, verhüllte Fenster usw. ver- boten werde." Weiter wählte die Synode eine Kommission, welche die Frage der Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit zu er- wägen und Vorschläge zur nächsten Tagung vorzulegen hat. Endlich wurde das Konsistorium gebeten, für die nächsten Synodalverhandlungcn zum Thema zu bestimmen die Frage: Welche Mittel empfehlen die Kreissynoden zur Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit in Berlin. Unsere Frommen sind doch recht sonderbare Käuze. Weil in den Lokalen mit weiblicher Bedienung der Unzucht Vor schub geleistet wird, deshalb sollen diese Lokale nicht mehr durch farbige Laternen kenntlich gemacht werden. Als ob dadurch an dem Charakter dieser Lokale das mindeste geändert würde l Eher wird durch den Antrag das Gegenteil dessen erreicht, was erreicht werden soll. Bisher bilden die bunten Laternen ein gewisses Kennzeichen für solche Lokale. Wird dies bc- scitigt, so werden gerade die jungen Leute, die man von dem Besuch dieser Lokale bewahren will, vielfach ganz unbewußt in diese geraten. Doch das nur nebenbei. Mit Mitteln, wie den vor geschlagenen, wird man der Prostitution, der verkappten wie der offenen, nicht Herr werden.. Die Frage der Prostitution ist innig verquickt mit unseren gesamten gesellschaftlichen Ein richtungen überhaupt und in der bürgerlichen Gesellschaft nicht zu lösen. Alle Vorschläge, die deshalb gemacht werden, werden als ein Schlag ins Wasser wirken. Eindäinmen kann man diesen Auswuchs durch eine systematische Hebung der Lage der Bevölkerung auf ein besseres Lebensniveau, verschwinden kann die Prostitution nur mit Beseitigung der kapitalistischen Ge- sellschaftsordnung, eines Zustandes, in dem alles für Geld feil ist._ Tie Kindersterblichkeit in Berlin hat in den heißen Tagen des Mai sofort eine starke Zunahme gehabt. Die Zusammenstellungen des Berliner Statistischen Amts über die Sterbcfälle liegen jetzt bis zum Schluß der zweiten Woche des Mvi vor. In dieser Woche sind, nach den eingegangenen Meldungen, 181 Stcrbcsälle von Kindern des ersten Lebensjahres vorgekonunen, während aus der vorhergehenden Woche nur 138 Sterbefälle solcher Kinder gemeldet worden waren. Vom 7. Mai an hatte in Berlin mehrere Tage hin- durch eine Temperatur geherrscht, wie sie hier etwa für die erste Hälfte des Juli normal ist. Bei der städtischen Sparkasse hat im letzten Jahre die Zahl der Sparbücher die 800 000 überschritten. Das Jahr löOS schloß ab mit 801 079 Büchern, die am 1. Januar 1906 sich in den Händen der Sparer befanden. Das Jahr hatte ein Mehr von 23 727 Büchern gebracht, das ist ungefähr ebenso viel, wie das Mehr in den letzten der Vorjahre. Der Zugang neuer Sparbücher stellt sich aber all- jährlich auf mehr als 100 000, denen regelmäßig ein sehr bedeutender Abgang infolge völliger Abhebung des Guthabens gegenübersteht. Im Jahre 190v wurden 118 025 Bücher neu ausgegeben und 94 298 Bücher zurückgenommen. Die Zahl der Brände nimmt in Berlin mit der Zunahme der Bebauung und der Bevölkerung von Jahr zu Jahr rapide zu. Während im Jahre 1895/96 nur 7284 Brände gemeldet wurden. 1899/1900 schon 10 035 und 1904/1905 bereits 12 788, wurden im vergangenen Jahre nicht weniger als 14 026 Brände polizeilich Semrldet. Bemerkenswert ist, daß die Feuerwehr im vergangenen ahre weniger alarmiert wurde als 1904/05, uitd daß die bös- willigen Alarme zugenommen haben. Nachgewiesene„böS- willige" Alarme waren nicht weniger als 56 zu verzeichnen und„blinde" Alarme sogar 433. Während im Jahre 1904/05 die Feuerwehr 2045 mal zu Bränden alarmirt wurde, geschah dies im vergangenen Jahre trotz der großen Zunahme der Brände nur 2033 mal. Auch die übrigen Alarmierungen zu Hülfeleistungen bei Wasserrohrbrüchen, GaSrohrbrüchen, Einsturz von Baulichkeiten, Beseitigung von Hindere nisten in den Straßen, Befteiung von Personen und Tieren aus Notlagen, die Samariterdienste, bei Explosionen usw. haben a b genommen. Es pmrden im vergangenen Jahre nur 461 Fälle verzeichnet, trotzdem gerade die Brände und Unfälle von Auto mobilen erheblich gestiegen sind. Die meisten Alarmierungen, nämlich dreiundzwanzig innerhalb kurzer Zeit, fanden am Abend des 2. Juli 1905 infolge eines heftigen Gewitters verbunden mit zahlreichen Ueberschwcmmungen statt. Ohne Alarmierung ver- lief nur e i n Tag. Im Jahre 1904 war es der 16. Juli, an welchem sogar 26 Alannierungen innerhalb kurzer Zeit auf den Wachen ein- liefen. Ohne Alarm verlief 1904/05 kein Tag. Die meisten Brände entstanden durch Unvorsichtigkeit oder Fahrläffigkeit; 318 allein beim Kochen usw. im Haushalt, 162 beim Kochen usw. im Gewerbe, 45 beim Hantieren mit Feuer und Licht, 10 mit feuergefährlichen und explosiven Stoffen, 68 durch das Spielen mit Feuer von Kindern. 31 durch Fahrlässigkeit beim Heizen usw. An der Zu- und Abwanderung nach und von Berlin sind bc> sonders stark die jüngeren Personen beteiligt. Von 164 511 männ- lichen und 123 349 weiblichen Personen, die im Jahre 1905 als nach Berlin zugezogen gemeldet wurden, waren geboren in den Jahren 1890—86, 1885—81, 1880—76: 28 991, 52 632, 31 508 männliche und 28 893, 33 495, 19 014 weibliche. Es vollendeten also im Jahre ihres Zuzuges erst das 15.— 19., 20.— 24., 25.— 29. Lebensjahr: 18 Proz., 32 Proz., 19 Proz., zusammen 69 Proz. aller zuziehenden männlichen Personen und 23 Proz., 27 Proz., 15 Proz., zusammen 65 Proz. aller zuziehenden weiblichen Personen. Fast zwei Drittel aller weiblichen Zugezogenen und über zwei Drittel aller männ- lichen Zugezogenen vollendeten im Zuzugsjahr ihr 15.— 29. Lebens jähr. Aehnlich stark sind die Personen dieses Alters auch an den Wegzügen beteiligt. Von 112 623 männlichen und 94 591 weiblichen Personen, die in 1905 als von Berlin weggezogen gemeldet wurden, waren geboren in 1890— 86, 1885— 81, 1880— 76: 14 103, 33 869, 23196 männliche und 17 987, 24 925. 16 270 weibliche, d. h. 13 Proz., 30 Proz., 21 Proz., zusammen 64 Proz. der männlichen und 19 Proz., 26 Proz., 17 Proz., zusammen 62 Proz. der weiblichen Personew Ei» rätselhafter Leichcnfund ist gestern im Walde in der Nähe von Friedrichshagen, dicht an der Schöneicher Chaussee gemacht worden. Dortselbst wurde die Leiche einer 60 bis 65 Jahre alten Frau entdeckt, welche nur mit Unterrock, Hemd und schwarzen Strümpfen bekleidet war. Alle übrigen Bekleidungsstücke fehlten und konnten trotz Absuchung des WaldeS nicht gefunden werden Die Tote lag mit dem Gesicht auf der Erde, ihr Körper zeigte keinerlei Verletzungen. Es wurde zunächst angenommen, daß die Leiche diejenige der seit acht Tagen auS Grünheide verschwundenen Frau deS Bergarbeiters Grätz sei, doch hat diese Vermutung keine Bestätigung gefunden. Wahrscheinlich handelt eS sich bei dem Leichenfund um eine geisteskranke Frau, welche in den Waldungen in der Umgebung Berlins umherirrte und an Entkräftung gestorben oder verhungert ist. Neue Umstcigrstellen in Charlottenburg. Eine Neuaufstellung deS Verzeichnisses der Umsteigefahrscheine und der Umsteigestellen hat sich notwendig gemacht, daS gleick�eitig mit der Einführung der neuen Anschlußbetriebe am l. Juni zur Einführung kommt und in den Wagen ausgehängt werden wird. Uinsteigestellen sind dann: Straßenbahn Charlottenburg, Luisenplatz Ecke Schloß- und Ecke Derlincrstraße, Wilhclmplatz, Knie, Großer Stern, Wilmersdorfer und Ecke Berlinerst rahe, Ecke der Bismarck» und Wilmersdorfes straße, Kaiser Wilhelm-Gedächiniskirche, Amtsgericht Charlotten� bürg, Wilmersdorfer- und Ecke Kantstrahe, Leibniz. und Ecke Bis- marckstraße, Wichmannstraße Ecke Kurfürstendamm, Auf den zur Verausgabung gelangenden Umsteigefahrscheinen ist die Umsteige stelle mit bestimmten Buchstaben bezeichnet, und zwar am Straßen bahnhof Eharlottcnburg mit Str. B., an der Ecke Schloßstraße und Luisenplatz S. L., am Luiseirplatz Ecke Berlinerstraße Lu Be. am Wilhelmplatz W., am Knie K,, am Großen Stetn 0, St., an der Wilmersdorfer- Ecke der Berlinerstraße W, B, an Bismarck- Ecke Wilnrersdorferstraße B., au Gedächtniskirche G, K., am Amtsgericht A„ an Wilmersdorfer- Ecke Kantstratze Ka Wi, an Leibniz- Ecke Bismarkstraße L. B., an Wichmannstr. Ecke Kurfurstcndamm K. W. Ohne nochmalige Zahlung des Fahrpreises ist den Fahrgästen ge stattet, die Fahrt einmal an den auf den Fahrscheinen angegebenen Umstcigestellen zu unterbrechen und dieselbe von hier aus auf der anstoßenden Linie fortzusetzen. Fahrgäste, welche von diesem Rechte Gebrauch machen, haben den nächsten Wagen der betreffenden Strecke, mit dem ihre Weiterfahrt erfolgen kann, zu benutzen. In Berlin bestehen bekanntlich Umsteigefahrscheine nicht. Wie lange werden die noch auf sich warten lassen? Große Ucberschwemiiiungen sind am Dienstag durch die wieder- holten starken Gewitterregen hervorgerufen worden. In Berlin waren es wieder die tiefliegenden Straßenzüge, welche streckenweise gänzlich unter Wasser gesetzt wurden. Nur mit Mühe gelang eS den Pferden mit den Fuhrwerken durch die Wassermengen hindurchzu kommen. In der Umgebung Berlins hat das Unwetter noch stärker gehaust, als in der Reichshauptstadt selbst. Besonders wurde Groß Lichterfelde heimgesucht. In kurzer Zeit waren dort zahlreiche Straßen vollständig überschwemmt und vielfach drang das Wasser in die Keller und Souterrains, Die Bismarckstratzt glich einem form- lichen See und der Straßenbahnbetrieb stockte zeitweise. Auch aus den östlichen Vororten, vor allem auS Köpenick und Ober-Schönc- weide werden große Ueberschwemmungcn gemeldet. Auf dem Riesel- gut Tasdorf wurde durch Blitzschlag erheblicher Schaden angerichtet. In Erkner, Woltersdorf und Rüdersdorf standen zeitweise ganze Straßenzüge unter Wasser, welches in die Keller drang und die m diesen lagernden Vorräte fast völlig vernichtete. Bedeutenden Schaden verursachte der wolkenbruchartige Regen auf den Feldern, welche teilweise versandeten, zum Teil durch die abfließenden Wasser- Massen zerrissen wurden. Am bedeutendsten war der Schaden, den das Unwetter in den ausgedehnten Spargelplantagen bei Wolters- dorf anrichtete, die teilweise vollständig vernichtet worden sind, Welche ungeheuren Wassermengen am vorgestrigen Tage und in der Nacht niedergegangen sind, beweist das Steigen der Spree, die innerhalb 24 Stunden 15—25 Zentimeter Wuchs erfahren hat. Zwei falsche Bersichcrungsagcnten treiben gegenwärtig in der Umgebung Berlins ihr Unwesen, Die beiden Schwindler schließen Bersichcrungen gegen Feuersgefahr. Unfall, Hagelschlag, Vieh- Versicherungen ,c. ab und stellen so außerordentlich günstige Be- dingungen, daß es ihnen gelingt, eine zahlreiche Kundschaft zu ge- Winnen. Der Versickerte hat sofort eine Anzahlung zu leisten und erhält dagegen eine Quittung, gegen welche ihm angeblich die Police gegen Nackzahlung des Restbetrages der Prämie ausgehändigt wird. Man wartet jedoch vergeblich auf die Ankunft des Kassenboten und zu spät erfahren die Versicherten, daß sie die Opfer eines Betrügers geworden find. Aus der großen Zahl der in der letzten Zeit zur Anzeige gelangten BctrugSmeldungen ist zu entnehmen, daß die Schwindler mit bedeutendem Erfolge in den nördlichen, östlichen und südlichen Vororten arbeiten. Es sei darauf hingewiesen. daß unter keinen Umständen Anzahlungen auf Versicherungsabschlüsse an Versicherungsagenten zu entrichten sind. lieber daS Fahrstuhlunglück in der Neanderstraße, bei dem der Fahrstuhlführer Roscnberg seinen Tod fand, wird uns noch mitgeteilt. >aß der Sturz des R. von parterre in den Keller erfolgte. Ein Kollege von R. war mit dem Fahrstuhl nach einer anderen Etage zefahren, was R. nicht wußte. Als er einen Herrn mit dem Fahr- iuhl befördern und nach Oeffnung der Tür auf den etwa? im Dunkeln gelegenen Fahrstuhl treten wollte, passierte das Unglück, Ob die Tür, die zum Fahrstuhl führte, defekt war oder wie es sonst möglich war, daß diese Tür offen war, wird vielleicht die Untersuchung er- geben. Hätte der Fahrstuhl richtig funktioniert, so hätte er sich beim Benutzen zur Auffahrt schließen müssen und das Unglück hätte nicht geschehen können. Der Verband der Sattler teilt uns mit: Am Sonnabend, den 26. Mai, sind auf dem Wege von der Schützen- und Charlottenstr.» Ecke nach dem Dönhoffsplatz und von da aus nach der Heiligen Geiststraße einem Beitragssammler der OrtSverwalwng Berlin deS Verbandes der Sattler 50 ungestempelte Beitragsmarken dieser Organisation verloren gegangen. Wir bitten den event. Finder der- selben, die Marlen im Bureau der Ortsverwaltung. Engel-Ufer 15 Zimmer 22 abzugeben. Liegen geblieben ist am Sonnabend abend nach 1/M Uhr in einem Stadtbahnwagcn dritter Klasse von Tiergarten über Char- lottenburg ein Paket, eine Zigarrenkiste, Zeichenmaterial enthaltend. Da es sich um unbedingt notwendige Utensilien eines fast mittellosen Schülers handelt, wird der ehrliche Finder höflichst gebeten, irgend welche, auch anonyme Nachricht unter A, B, 100, Charlottenburg. Postamt 4 zu hinterlegen. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der Vortrag„Der jüngste Ausbruch des Vesuv", der mit zahlreichen farbigen Kala- strophenbildern, die Dr. Schwahn in den von Lava und Asche heim- gesuchten Ortschaften machte und die in ihrer lebensvollen Schärfe den vollen Eindruck der Wirklichkeit wiedergeben, ausgestattet ist, in dieser Woche allabendlich wiederholt werden. Fcuerwchrbcricht. In der letzten Nacht kam in einem Neubau in der Gleim-, Ecke Sonnenburgerstraße Feuer auS. Späne und anderes brannten dort. Fast gleichzeitig um 11 Uhr mußte in der Jmmanuelkirchstr. 21 ein Brand geloscht werden, der in einer Wasch- küche ausgekommen war. Ein Kellerbrand beschäftigte die Feuer- wehr in der Frankfurter Allee 27, wo Holzwolle und anderes tn Brand geraten war. Ferner hatte die Wehr noch in der Oderberger- straße 10 und an anderen Stellen zu tun. Arbeiter-Samariter-Kolonne. In der heute abend stattfindenden Uebungsstinide der 3. Abteilung in Lichtenberg, Schamweberstr. 69 bei Piekenhagen spricht Herr Sanitätsrat Dr. Wetzstein über Physiologie. Neue Mitglieder können jederzeit eintreten.— Die Pssngstpartie geht vom Bahnhof Grunewald, Treffpunlt daselbst 8 Uhr früh, nach Schildhorn, Gatow, Kladow, Wannsee. Frühstück in Schildhorn, Restaurant Mitschil. Vorort- JNfodmchteiis Charlottenvurg. Verein Freier Kindergarten. In der'gut besuchten General« versainmlung des Vereins referierte Frau Toni Sußmann über die Ziele der Freien Kindergärten. Aus der darauf folgenden Beschluß- fassung über die Staturen verdient besonders erwähnt zu werden, daß den Eltern der Kinder, welche den Kindergarten des Vereins besuchen, ein weitgehendes Mitbestimmungsrecht insofern eingeräumt wurde, als ihnen Sitz und Stimme in der Generalversammlung zu- stehen soll. Geivählt wurden in den Vorstand Frau Sußmann und Herr S. Katzenstein, in den geschäftsführenden Ausschuß Frau Hirsch, Frau Woldt, Frl. Jannasch, Herr Eicke und Herr Dr. Pappen- heim, Von der Leitung des Kindergartens, Berlinerstraße 86» bei Bauer, iverden in periodischen Abständen kurz und volkstümlich ge- haltene Merkblätter pädagogischen und hygienischen Inhalts an die Eltern der Kinder herausgegeben werden, DaS erste, Ende Mai erscheinende Merkblatt behandelt daS Thema:„Gebt Euren Kindern keinen Alkohol I" und ist von dem überwachenden Arzte des Kindergartens, Herrn Dr, Borchardt, verfaßt. Alle Freunde der schönen Erziehungsziele deS Freien Kinder- gartens werden gebeten, von den Einrichtungen des Kindergartens Kenntnis zu nehmen und sich dem Verein als Mitglieder an- zuschließen. Wilmersdorf. Mit der Stndtwcrdung Wilmersdorfs am 1. April 1907 wird die dortige Polizeiverlvaltung an den Landes-Polizeibezirk Berlin, der außer Berlin noch Charlottenburg, Schöneberg und Rixdorf um- faßt, angegliedert werden. Die drei letztgenannten Städte besitzen eigene Poiizeidirektionen, und auch Wilmersdorf strebt nach einer olchen. Es wird nun aber beabsichtigt, Wilmersdorf mit Schöne- berg zu einem Polizeibezirk zu vereinigen, da dadurch ein besonderer Polizeidirektor und andere Beainte erspart werden. Es haben zu diesem Zwecke bereits mehrfache Konferenzen und Besichtigungen iattgefoiide», es ist aber noch nichts definitiv beschlossen worden. Doch sind sich die Wilmersdorfer Gemeindebehörden schlüssig ge- worden, sich diesem Plane nach Kräften zu widersetzen und darauf hinzuarbeiten, daß Wilmersdorf eine eigene Polizeidirektion erhält. Zur Lokalsperre nimmt in der DienStagSnummer der„WilmerS- dorfer Zetwng" ein Herr Ernst Oehlmann das Wort, um seiner Entrüsnulg darüber Ausdruck zu geben, daß unsere Genosse Zettel in Umlauf bringen, worauf die Lokale vermerkt sind, die der Arbeiter- 'chaft nicht zur Verfügung stehen. Für die Schädigung der Saal- Verweigerer macht der BürgerSmann die sozialdemokratische Presse verantwortlich, deren.niedrige« Motiv es sei. vaterlandstreue Ge- chäftSleute zu schädigen"..Die Hauptschuld trägt die BerlagSanstalt Singer u. Co.. Berlin SW., Lindenstr. 69, denn dort sind die Zettel gedruckt." Wenn sich gescheitelte BürgerSmannen zu ärgern anfangen, haben unsere Genossen Ursache stolz zu sein; in der Regel hat dann ihre Arbeit gefnichtet. Auf die sogenannten„vaterlandstreuen" Ge- sckäftsleute Rücksicht zu nehmen haben die Genossen leine Ursache. Die Arbeiterschaft Wilmersdorfs verlangt nicht mehr und nicht weniger, als al« gleichberechtigter Faktor betrachtet zu werden. Das kann ein BürgerSmann allerdings nicht kapieren, weshalb er in ganz tölpelhafter Weise von wirtschaftlicher Schädigung der Vaterlands- treuen Geschäftsleute durch sozialdemokratische OrganisationSführer nselt. Grost- Lichterfelde. Die in Groß-Lichterfelde und auch in anderen Vororten Herr- chende Unsitte, die Verhandlungen über den Gemeinde-Etat gewisser- maßen unter Ausschluß der Oefsentlichkeit und in erster Linie vor einer Kommission stattfinden zu lassen, beranlaßte den Gemeinde- Vertreter Dr. Jäger, einen Antrag betreffend die geschäftliche Be- Handlung des Etatsentwurfes einzubringen, mit dem sich die Gemeindevertretung in ihrer Sitzung am Montag befaßte. Der Antragsteller kritisierte das bisher übliche Verfahren, den Etats- entwurf erst einer Kommission zu überweisen und nachdem diese den Etat förmlich festgestellt habe, ihn dem Plenum zu unterbreiten. Dies fei ganz unkorrekt und führ« zu unangenehmen Situationen und Mißständen. Bei allen parlamentarischen Körperschaften habe sich zuerst das Plenum mit dem Etat zu be- äffen und eventuell dann die Kommissionen. DaS Schwergewicht der Beratungen müsse in die Oeffentlichkeit verlegt werden. Weiter verlangte der Antragsteller die öffentliche Auslegung des Etats nach den Bestimmungen der Landgeineindeordnung. Femer die recht- zeitige Borlage deS Rechnungsabschlusses über das abgelaufene itaflahr und die Respektierung deS§ 119 der Landgemcindeordnung. nach welchem bei Etatsüberschreitungen vorher die Genehmigung der Gemeindevertretung einzuholen sei.— Gemeindevorsteher Schulz wendet gegen den Antrag ein. daß im Falle''"" ______ seiner Annahme mit der bisherigen Praxis gebrochen würde. Er glaube nicht, daß damit etwas Besseres und Praktischeres geschaffen würde. Auch die Kosten für den Druck des Etats— bisher 3500 Mark— würden sich erhöhen. Was die Etatsüberschreitungen bewejfc s sei fiel größeren Summen stets die Zustimmung der Gemeindevertretung nachgesucht worden. In allen Fällen und speziell bei kleinen Summen lei dies� nicht immer möglich. Man habe es hier mit einer Bestimmung in der Landgemeindeordnung zu tun, die wieder beweise, wie wenig diese auf die Verhältnisse in den Vororten Berlins passe.— Nachdem noch eine Reihe Redner sich gegen den Antrag ausgesprochen, erfolgt dessen Ablehnung gegen 4 Stimmen. Es wird also nach dem alten Rezept weiter verfahren.— Nach Erledigung dieses Punktes lief programmäßig die angekündigte Interpellation des Gemeindevertreters Dr. Souchon:„Wo werden die Lichterfelder in diesem Sommer schwimmen und baden?" vom Stapel. Leider ließ die Begründung dieses außerordentlich dank- baren Antrages durch den Antragsteller sehr viel zu wünschen übrig. llnsere Meinung, die wir bereits vor kurzem dahin äußerten, daß die Gemeindevertretung für solche Zwecke kein Geld habe, wurde durch die Verhandlung durchaus bestätigt.— Schöffe Dr. L e n g n e r führte aus, daß eine Volksbadeanstalt mit Schwimm- bassin zirka 350 CKX) Mark kosten würde. Die Finanzlage der Gemeinde gestatte jedoch nicht eine so hohe Ausgabe. Auch sei die Wasserftage noch nicht geklärt. Nach Fertigstellung des Kanals würde für die Lichterfelder ausreichende Badegelegenheit vorhanden sein. Er beantrage, die in den Etat eingesetzten 10000 M. für Bohrversuche zu verwenden.— Dr. Kübler meint, wenn die Gemeinde schon 10 Millionen Schulden habe, könne sie auch noch weitere für eine Badeanstalt riskieren. Redner empfiehlt, sich an die Einwohnerschaft zu wenden, um die Summe aus Privatmitteln auf- zubringen.— Schöffe Lange verweist auf die Errichtung einer Badeanstalt durch den Kreis in Seehof und schließt sich im übrigen dem Vorredner an, die Gelder von Privaten zu- sammeuzuschnorren. Vielleicht ließe sich auch eine Aktien- g e s e l l s ch a f t gründen I Damit war die Interpellation erledigt und das soziale Gewissen der bürgerlichen Gemeindeverweter an- scheinend beruhigt und erleichtert. Besonders beachtenswert erscheinen uns die Ausführungen des Schöffen Lange. Wenn uns auch die Gründung einer Aktiengesellschaft zur Förderung des öffent- lichen Gesundheitswesens in Groß-Licherfelde etwas banal erscheint, so deutet dieser Gedanke doch ungefähr den Weg an, auf dem unser vornehmer Villenort zu einer Badeanstalt kommen könnte. Wir möchten hier der Gemeindevertretung empfehlen, es einmal mit einer Lotterie zu versuchen. Gewiß ist auch eine Lotterie etwas Alltägliches aber der Zweck um dessentwillen dieselbe veranstaltet werden soll, ist doch so eigenartig und interessant, daß der Erfolg kaum zweifelhaft sein kann. Schon der Titel„Groß-Lichterfelder Reinlichkeitslose" usw. würde auf den Spielteufel eine große Wirkung ausüben. Gelingt das Experiment, dann können ebenso alle anderen Anforderungen auf sozialem Gebiete spielend beftiedigt werden und Groß-Lichterfelde wird dann als Mustergemeinde an der Spitze der Kultur marschieren. Friedrichsfelde. Die Gemeinde FricdrichSfelde hat fast alle bedeutungsvollen Ein- richtungen fremden Händen anvertraut. So liefert das Gas die „Jmperial-Continental-Gas-Association", das Wasser die Gemeinde Lichtenberg und die Elektrizität die Elektr. Werke„Oberspree". Im Vordergrunde des Interesses steht gegenwärtig der Abschluß eines neuen Vertrages der Gemeinde mit der Gas-Gesellschaft. Der Vertrag läuft im Jahre 1013 ab, mit welchem Zeitpunkt die Ge- meinde das Recht hat, das gesamte Rohrnetz innerhalb der Gemeinde zu übernehmen. Vom 1. Januar 1009 ab hat die Gesellschaft an die Gemeinde 5 Proz. der Bruttoeinnahme des hiesigen Gasverbrauchs zu zahlen, sofern der Einheitspreis nicht unter 0,12 M. per Kubikmeter sinkt. Zwischen der Gesellschaft und dem Gemeindevorsteher Löchert schweben seit einiger Zeit Verhandlungen, um den bestehenden Vertrag bis zum Jahre 1948 zu verlängern. Als Aequivalent tritt die Gesellschaft der Gemeinde jetzt schon 5 Proz. der Bruttoeinnahme ab, vom Jahre 1912 ab will sie die Straßenbeleuchtung, dem jetzigen Umfange entsprechend, unentgeltlich ausführen.(Bis dahin müssen die Straßen laut Vertrag mit elektrischem Licht beleuchtet werden.) Die Gesellschaft erwirbt zu gleicher Zeit das Recht, auch über das Jahr 1948 hinaus in sämtlichen Straßen, Wegen und Brücken Rohrleitungen zu legen, ohne dafür Ent- schädigung zahlen zu müssen. Anscheinend ist der neue Vertrag sehr verlockend. Die Gemeinde bekommt Geld und unentgeltliche Straßen- beleuchtung. Bei näherer Prüfung erscheint er aber doch sehr bedenklich. Abgesehen von unserem Standpunkt, derartige Einrich- tungen nicht an Privatkapitalisten anszuliefcrn, sind auch die Bedingungen für eine aufstrebende Gemeinde unannehmbar. So ist eine Festlegung der Gemeinde bis zum Jahr 1948 nichts anderes, als eine willenlose Preisgabe an die Gesellschaft. Auch ist die bedingte Abgabe der 6 Proz. Bruttoeinnahme schließlich eine Schädigung, indem nicht abznsehen ist, welche Verbesserungen auf dem Gebiete der Gaserzeugung in Kürze eintreten können. In letzter Linie hat die Gemeinde gar keinen Anlaß, den bestehenden Vertrag zurzeit abzuändern, da mit Ablauf des Jahres 1908 die 5 Proz. der Bruttoeinnahme der Gemeinde gezahlt werden müssen nnd die Straßen mit Gas vor 1912 nicht beleuchtet werden können. Die aus 6 Personen bestehende Kommission, welche in vorletzter Gcmeindevertretersitzung gewählt wurde, um die Anerbietungen der Gesellschaft näher zu prüfen, beschäftigte sich in mehreren Sitzungen mit dieser Angelegenheit. Hierbei zeigte es sich, daß die ganze Än- gelegcnheit sehr unklar war. Aliffallend war das Bemühen des Gemeindevorstehers, der die Mitglieder für die Vertragsänderung mit den Worten zu gewinnen suchte:„Wir bekommen nie günstigere Bedingungen." Unser Vertreter in der Kommission trat konsequent der erneuten Auslieferung der Gemeinde an eine Privatgesellschaft entgegen und empfahl zum mindesten vier Jahre zu warten, da dann immer noch zwei Jahre bis zum Ablauf des Elektrizitätsvertrages verbleiben; dann könne man vielleicht schon übersehen, welche EntWickelung der Ort nach Fertigstellung der Kanalisation in absehbarer Zeit nehmen wird. Die Mehrheit der Kommission stellte sich aber auf den Standpunkt, nicht zu warten, sondern der Gemeindevertretung den Vortrags entwurf in abgeänderter Form zur Beschlußfassung vorzulegen. Am Freitag steht dieser Punkt an siebenter Stelle auf der Tagesordnung der Sttzung. Ober- Schöneweide. Der polizeilichen Auflösung verfiel die am Dienstag vom Zeutrumsteilkomitee einberufene öffentliche, außerordentlich gut be- suchte Versammlung. Es galt Protest einzulegen gegen die„Un- Wahrheiten", deren sich Genosse Stern am 23. April in einer Volks- Versammlung bedient haben soll. Ein Pastor Renoch bemühte sich das Dasein Gottes zu beweisen, das schien ihm jedoch nicht so glatt zu gelingen, wesbalb er darauf vertoies, daß, wer solche Beweise ivünsche, zu ihm in seine Wohnung kommen solle. Nachdem Genosse Pcssier gesprochen, bemühte sich ein Zentrumsanhänger unter An- Wendung einiger geschmackloser Bemerkungen die Versammlung zu unterhalten, wobei ein großer Tumult entstand und der überwachende Beamte die Versammlung auflöste. Zldlershof. Die Bcrsciinmliingsbcsuchcr, die am 3. Mai in der Volksver- sammlung bei Meißner ihren Austritt aus der Landeskirche schriftlich erklärt haben, werden ersucht, sich am 3. Pfingstfeiertag früh 9 Uhr im Lokal von Wöllstein einzufinden. Der Austritt muß mündlich beim Amtsgericht in Köpenick erklärt werden. Pünktliches Erscheinen erwünscht. Die Fünfer-Kommission. Pankow. Eine vollständige Neubildung der bestehenden Gemeinde- kommissionen wird, wenn die Wahlen zur Gemeindevertretung voll- zogen sind, vorbereitet: eine die Vorbereitungen treffende Kommission ist bereits durch die Gemeindevertretung gewählt. Die vor dem Schulgebäude in der Grunowstraße gelagerten Baustellen, welche der Kirchengemeinde gehören, sollen für den Preis von 480 M. pro Rute zu Schulziveckeir gekauft werden. Stach im vorigen Jahre war die Rnte_ zu 400 M. zu haben. Die Ge- meinde Nieder- Schönhausen verweigert der Gemeinde Pankow die Erbauung eines Jnspektorwohnhauses auf dem Gemeinde friedhofe in der Schönholzer Heide mit dem Hinweis zu dem Ausbau der angrenzenden Straßen 12 und 13. Die Vertretung beschloß, sich an dem Ausbau der Straße 12 zu beteiligen, dagegen für Straße 13 abzulehnen und den Klageweg zu beschreiten. Von der bereits ge nehmigten drei Millionen-Anleihe soll der letzte Teil in Höhe von 1 707 000 zu 3'/. Proz. aufgenommen werden. Die bei dieser Gelegenheit gestreifte Etatsüberschreitung der Druckrohrlegung nach Mühlenbeck in Höhe von 100 500 M. gab dem Genossen Freiwaldt Gelegenheit, darauf hinzuweisen, daß man trotz aller verkehrten Drainageanlagen und anderer Vorkommnisse noch den Mut hat, alles abzuleugnen und mit Klage gegen den„Vorwärts" zu drohen.(Wir sehen dieser Klage des Rentiers und Gemeindeverordneten Conrad mit Ruhe entgegen, glauben aber, daß der Herr im eigenen Interesse und auch im Interesse der Gemeinde es sich überlegen wird zu klagen. Die Redaktion.)— Der in der Amtsniederlegung des Bürgermeisters Gottschalk so viel genannte königl. Hofmaurermeister Hackrath hat nunmehr sein Amt als Gemeindevertreter nieder- gelegt, nachdem er noch kurz vorher erklärte, es fiele ihm gar nicht ein, wegen dieser Sache sein Amt niederzulegen.— Inzwischen ist eine Angelegenheit sehr delikater Natur bekannt ge lvorden, welche demnächst die Gemeindevertrewng beschäftigen und allgemeines Interesse erregen wird; zweifellos hat diese dem Herrn Hackrath bekannte Tatsache den Ausschlag zur Amtsniederlegung gegeben. Biesenthal. Gegen den Schulgcsehcntwnrf nahm eine am Sonntag auch von Frauen besuchte Volksversammlung Stellung. Nach einem wirkungs- vollen Referat der Genossin Mesch wurde die vorgelesene Resolution einstimmig angenommen. Nieder-Schönhausen. „Sind in Dentschland alle Bürger vor dem Gesetz gleich?" lautete das Thema, über welches Genosse Kiesel in der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins referierte. Hierauf erörterte der Vorsitzende die Verlegung des Versammlungslokalcs. Zugleich ersuchte er, zu der am 10. Juni, nachmittags 3 Uhr, in Mönchsmühle stattfindenden Versammlung für rege Beteiligung Sorge zu tragen. Nachdem wurde beschlossen, einen Sommernachtsball zu veranstalten. Zu der Generalversammlung des Kreiswahlvereins wurden die Ge nosscn Pätzold, Rißmann und Ritsch delegiert. Teltow. Eine Verkchrsspcrrung tritt ein aus Anlaß der am 2. Juni stattfindenden Eröffnung des Teltow-Kanals. Der Havelweg von Waunsee nach der Schleuse, die Straßen brücke über das Unterhaupt der Schleuse und das Schleusenwirts haus werden während der Dauer der Festlichkeit für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Der Zugang zur Schleuse und den Tribünen findet nur von der Stahnsdorfer Seite statt. Die Pcrsonenschiffahrt von Neubabelsberg bezw. Potsdam nach Klein-Machnow fällt an diesem Tage aus._ Vermischtes. Eine Giftmordaffäre erregt in Schlesien großes Aufsehen. Am Freitag vor acht Tagen ist die Straßenwärtersgattin Feige in Gruna» im Regierungsbezirk Liegnitz unter dem Verdacht des Giftmordes, den sie an einer Frau namens Brückner begangen haben soll, verhaftet worden. Die Unter suchung in dieser Affäre hat nun zu einem sensationellen Ergebnis geführt. Es besteht nämlich der dringende Verdacht, daß außer der Frau Brückner noch vier Personen, die in der Feigeschen Wohnung in früheren Jahren plötzlich starben, ebenfalls keines natürlichen Todes gestorben sind, sondern gleichfalls vergiftet worden waren. Die Frau des Schneidermeisters Brückner in Gruna» lebte mit ihrem Manne in Unfrieden und zog daher zu dem Straßenwärter Feige. Die Feigeschen Eheleute haben schon immer alten, nicht unvermögenden Leuten Aufnahme und Verpflegung gewährt. Auch Frau Brückner hatte ein Vermögen von über 1000 M. Im ver- gangenen Winter machte Frau Brückner ihr Testament zugunsten der Feigeschen Eheleute und zwei Tage später starb sie plötzlich. Als sich bei der Testamentseröffnung herausstellte, daß sie ihre Familie vollständig enterbt hatte, gab der Mann der Verstorbenen gegenüber der Staats- anwaltschaft dem Verdacht Ausdruck, daß seine Frau keines natür- lichen Todes gestorben sei. Die Hirschberger Staatsanwaltschaft eröffnete auch sofort die Untersuchung und ordnete die Ausgrabung der Leiche an. Durch Kreisarzt Dr. Steinberg-Hirschberg und Geheimrat Dr. Köhler-Landeshut fand dann die Sezierung der Leiche statt, deren innere Teile Gerichtschemiker Dr. Jeserich in Berlin über- sandt wurden. Dr. Jeserich stellte, wie der„Bote aus den, Riesen gebirge" mitteilt, fest, daß in den Leichenteilen Arsenik in großen Mengen enthalten ist. Daraufhin nahm der hiesige Erste Staatsanwalt sofort eine eingehende Haussuchung bei den Feigeschen Eheleuten vor und beschlagnahmte eine ganze Menge von Fläschchen mit Inhalt. Das Ergebnis der chemischen Untersuchung über den Inhalt dieser Fläschchen ist noch nicht Eis kannt. Allerdings soll Feige, der sich nebenbei auch mit der Kur- pfuscherei beschäftigt, diese Sachen als„Heilmittel" benutzt haben Bei den eingehenden Untersuchungen, die in den letzten Tagen in dieser Giftmordaffäre vorgenommen wurden, ist man nun auf die merkwürdige Tatsache gestoßen, daß bereits vier Personen, die in ftüheren Jahren bei den Feiges wohnten, ebenso plötzlich gestorben sind, wie Frau Brückner, und daß auch in allen diesen Fällen die Feiges größere materielle Vorteile von dem Tode dieser Personen gehabt haben. Der letzte und auch verdächtigste Fall betrifft den Arbeiter Gustav Janitschek. Dieser war nicht unvermögend und lebte etwa ein halbes Jahr bei den Feiges. Im Jahre 1903 starb er ganz plötzlich und die Feiges behaupteten, er sei an„den Folgen des Genusses von verdorbener Wurst" gestorben. Seine über 1000 Mark betragende Hinterlassenschaft ging in den Besitz der Feigeschen Eheleute über. Die Staatanwaltschaft hat auch bereits die Ausgrabung und Sezierung der Leiche des Janitschek angeordnet. Unter ganz ähn- lichen verdächtigen Umständen sind früher die Schwester und Stief- mutier der Frau Feige sowie eine Frau Johanna Koch in der Be- hausung der Feigeschen Eheleute gestorben, lieber diese drei Fälle die bereits längere Jahre zurückliegen, sind eingehende Ermittelungen im Gange. Fast alle Tage finden durch den Ersten Staatsanwalt zahlreiche Zeugenvernehmungen statt. Unwetternachrichten kommen aus verschiedenen Teilen des Reichs. AuS München wird vom 30. Mai berichtet: Ein furchtbarer Orkan hat gestern den Bezirk Eggenfelden heimgesucht. Namentlich die drei Gemeinden Rimbach, Reichenbach und Seemannshausen sind besonders schwer betroffen. Die Straßen sind mit Hunderten ent- wurzelter Bäume bedeckt. Zahlreiche Bauernhöfe sind stark beschädigt, Dächer sind abgedeckt, mehrere Schuppen dem Erdboden gleichgemacht. Der Kuppelturm der Kirche zu Rimbach wurde auf das Feld geschleudert und drei Neubauten sind zu- sammengestürzt. Der Orkan hat fünf Minuten gedauert und war von einem starken Regenschauer und Hagel begleitet. B r e s l a u, 30. Mai. SchwereGewitter und Wolken- bruchartige Regengüsse haben gestern nachmittag wieder in verschiedenen Teilen Schlesiens großen Schaden angerichtet. In Beuthen wurde ein Kutscher mit beiden Pferden vom Blitz er- schlagen.— A u r i ch, 30. Mai. Durch den letzten wolkenbruchartigen Gewitterregen sind bei der Upschörter Schlcuße nahezu 2000 Knbik- meter Sand in den Ems-Jade-Kanal gcschweinmt worden, so daß dieser nur höchstens von den kleinen Binneufahrern passiert werden kann, die nicht mehr als 1/i Meter Tiefgang besitzen. Inzwischen ist ein Emdcner Bagger nach Upschört abgegangen, um das Fahr- tvasser wieder frcizuniacheni Vergiftetes Mittagbrot? Heidelberg, 30. Mai. Der „Pfälzer Bote" berichtet: Eine größere Anzahl Personen, die in einem hiesigen Hotel das Mittagessen einnahmen, sind unter Ver- giftungserscheinungen erkrankt und mußten in das akademische Krankenhaus gebracht werden. Unter den Erkrankten befinden sich die russischen Fürsten Obolenski und Gagarin sowie etwa zwölf Studenten. Auch das Hotelpersonal ist in Mitleidenschaft gezogen. Lebensgefahr besteht für die Erkrankten nicht. Die gerichtliche Unter- suchung ist eingeleitet. Gckcnterter Dampfer. Der nach dem Badeort Dubbeln be- stimmte Dampfer„Vilma", der 75 Passagiere und Ladung an Bord hatte, ist hier unmittelbar nach dem Verlassen der Landuugsbrücke infolge von Ueberladung gekentert. Es find nur 10 Personen ge- rettet worden. Ein Riesenschwindel. In Italien ist man einem Riesenschwindel auf die Spur gekommen, von dem auch deutsches Kapital betroffen wird. Ein ehemaliger Schullehrer in Pavia hat in Verbindung mit einer bedeutenden lithographischen Anstalt in Turin gefälschte Aktten verschiedener Gesellschaften in den Handel gebracht. Die Höhe der Schadensumme wird auf mindestens zwei Millionen Lire veranschlagt. In Berlin sollen bereits 40 gefälschte Stücke ernnttelt sein. Die unechten Aktien sind so geschickt nachgemacht, daß die Kassenbeamten die Fälschung nur schwer feststellen können. Der Fälscher hat sich entleibt, mehrere Komplizen sind verhaftet worden. Ein neues Erdbeben. Wie der„Central News" aus New Jork gemeldet wird, wurden in Fort de France mehrere Erdstöße wahr- genommen, infolge deren sich der Bevölkerung eine Panik be- mächtigte. Ekelhafte Flcischznbereitung. Untersuchung beim amerikanischen Rindfleischtrust haben, wie wir vor einigen Tagen mit- teilten, ergeben, daß bei der Zubereitung Fleisch von krepierten und kranken Tieren verbraucht worden ist. Infolgedessen sind die deutschen und englischen Aufwöge auf amerikanische Fleisch- konserven um ein Drittel zurückgegangen.� Auch ein Auftrag aus Japan, die größte Einzelorder, die der Trust jemals erhalten hatte, wurde zurückgezogen. Die Beamten des Trusts verhehlen ihre Be- fürchtungen nicht, daß die Enthüllungen den Trust zugrunde richten werden, und versuchen alles mögliche, um das Unternehmen zu retten._ BrUfhaftcn der Redaktion. W. II. Wenden Sie sich direkt an die Deputation oder erkundigen Sie sich ans dem Magistratsbureau.— F.«.«0. Nach dem Gesetz wäre nach Lage des gegen Sie ergangenen Erkenntnisses die Versammlung anzumelden und die jungen Leute nicht aufnahmefähig, sosern sie Lehrlinge oder Schüler sind.— H. L. 22. Sind Sie vor der Ziehung nicht ausgeschlossen und enthalten die Statuten nichts Gegenteiliges, so haben Sie Anspruch aus Gewinn.— 525. Wenn gütliche Einwirkung nicht Hilst, so brauchen sie sür Willem nicht zu zahlen. Vielleicht wird der Junge brauchbarer, als Sie anzunehmen schemen.— Jankwiti. Wiederholen Sie die Ansrage unter einer Chiffre.— H. K. 50. Nach der herrschenden Rechtsauffassung: ja.— Huktvib. Ist über Kündigungssttst zwischen Herrschaft und Gefinde nichts vereinbart, so besteht eine sechSwöchentlichettündigungssiist zumQuartalserften. — W. M. 90. Wir müssen ablehnen, Kegel-, Skat- oder ähnliche Fragen zu beantworten. Regeln in Spielsachen müssen die Spieler selbst entscheiden, allgemein gültige Regeln gibt es in Spielsachen nicht.— E. K. Char- lottenburg. Die Voraussetzungen und den Weg sür die Erlangung einer In- validenrente finden Sie Seite 487 bis 495 des in den öffentlichen Biblio. thcken auslicgcnden Arbcitcrrechts.—(9. G. 3. 1. und 2. Ja.— Ad- loff. Schristlichc Antwort wird nicht erteilt. Der Anfrage muß eine Chiffre sür den Brieikasten beigefügt werden.— Hamburg 13. Sie haften nach Ihren Darlegungen sür die Miete während der gesamten Verwagszeit.— F.?)!. 261. Ein Führungsattest ist nicht erforderlich und der etwaige Vermerk einer Verurteilung zu 10 M. unerheblich.— Felix Jacob. Solch Verbot ist nicht erlassen.— W. Z. Treptow. Haben Sie keine ehe- lichen Kinder, so können Sie das Kind adoptieren. Der Verwag ist vor dem Notar zu schließen. Kostenpunkt 50 M.— P. G. Moabit. Ja. — W. B. Die Pfändung ist berechtigt, da fie offenbar aus Grund eineS VersSumnisurteils ergangen ist. Gegen da? Urteil können Sie Einspruch einlegen: nach Ihrer Schilderung der Sachlage wäre derselbe aber zwecklos. — G. K. 27. Nein.— P. II. 100. Ja, aber die Bestrafung wegen der unterlassenen Meldung verjährt in drei Monaten.— Jasmundstraste. Den Text der Gesetze finden sie in den öffentlichen Bibliotheken. Es ist schon s Raumes wegen unmöglich, bestimmte Paragraphen, die einen der Leser eressiercn, hier abzudrucken.— Karl. Ohne Kenntnis des Testaments und des gesamten Sachverhalts ist es unmöglich, Ihnen eine weitere Aus- kunst als die zu geben: Fordern Sie den Haupterben oder den etwaigen Testamentsvollstrecker oder Nachlaßpflcgcr zur Zahlung aus und verklagen Sie ihn evcnwcll.— Artur 41. Ihr Sohn würde bei dem Gewerbegericht mit Aussicht aus Ersolg Klage erheben. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Dircktion. Rindfleisch la 64—68 pr. 100 Pfund, IIa 54—64, lila 50—53, IVa 44—49, engl. Bullen- 0,00, dän. Bullen- 0,00, Holl. Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 105—120, la 85—90, IIa 70— 80, UTa 56—68. Hammelfleisch la 68—73, Ha 60—66. Schweinefleisch 57—64. Kaninchen per St. 0,60—0,80. Hühner, alte, Stück 1,70—3,00, junge, per Stück 0,45—1,05. Tauben, junge 0,40— 0,50, alte 0,30. Enten, prima, per Stück l.50— 2,00, Hamburger, junge, per Stück 2,20 bis 3,25. Gänse, junge, per Pfd. 0,75—0,90, per Stück 4,00—5,00. Hechte 96—113. Schleie 107-121. Bleie 0,00, matt 0,00. Aale, groß 108—113, mittel 108—112, klein 69, unsort. 80—81. Plötzen 00,00. Flundern, pomm. I, Schock 3,00—7,00. Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel, per Kiste 2—4, do. klein, per Kiste 0,00. Bücklinge, Holl, per Wall 0,00. Kieler 1,50—4, Strals. 3,00— 3,50. Aale, groß, P.Pfd. 1,10— 1,30, mittel 0,80— 1,00, kl. 0,50 bis 0,60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 0,00, Elb- per Kiste 0,00. Sardellen, 1902er, per Anker 76,00, 1904er 74,00, 1905er 70,00. schottische Vollheringe 1905 0,00, large 40-44, füll. 36—38, med. 33—35, deutsche 37—44. Heringe, neue Matjes, per To. 60—120. Hummern, IIa, 100 Pfd. 0,00. Krebse, per Schock, große 34,50—44.00, mittelgroß 00,00, kleine 0,00—0,00, unsortiert 10,00—15,50. Eier, Land-, per Schock 3,20—3,50, frische 0,00. Butter per 100 Psund, la 115—119, IIa 113—115, lila 106—108, abfallende 103— 105. Saure Gurken, schock 3,50—4 M., Pscffcrgurken 3,50— 4 M. Kartoffeln per 100 Psd. niagn. bon. 2,10— 2,35, rote Dabersche 2,00—2,20, runde weiße 1,80—2,00, Malta 10,00, Sommcr-Malta 11— 12, franz. 15—17, ital. 9—11, ungar. 8,00. Spinat, per 100 Pfd. 10—15, Karotten 10—15. Mohrrüben, per 100 Pfund 3—4. Kohlrabi., per Schock 1,00 bis 1,75. Rettig, bahr., per Schock 2,40—4,80. Rhabarber, Hamb., per 100 Bd. 3,50— 4,00, Berged. 1,50—2,50. Radieschen, per Schock 0,75. Salat, 100 Kopf 0,00, Gubener, per Schock 0,50—0,70. Spargel I, per Psd. 0,27-0.34, II 0,20—0,26, III 0.08-0,16, Beelitzer I 0,43-0,48, II 0,27 bis 0,34, III 0,16— 0,23, Bruchspargel 0,07—0,09. Bohnen(grüne), per 100 Psd. 70—100. Schoten. Beelitzer, der 100 Pfd. 20—22. Kirschen, Ual.. per 100 Psd. 35—50, sranz. 15—60, Gubener 30—35, Werdersche, per Psd. 0,40. Erdbeeren, hiesige, per Korb 0,60—2,00, Holl., per Psd. 0,80—1,00, sranz,, per Psd. 0,30—0,60, Beelitzer, per Korb 1,10. Zitronen, Messina, 300 Stück 8,00-10,00, 360 Stück 6,75—9,00. 200 Stück 6,50-9,00, 420 Stück, klein 7,00._ Wltleriiiigsiib erficht vom 30. Mal 1906, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde Hamburg Berti» �rankf.a.M. München Wien £ 5 S« »elter 756 W 758 WSW 758 NW 763 W 763 NW 761 NW 3 bedeckt 5Rcgen 4 bedeckt 4 heiter 4 wolkig 2 wolkig =>_3j H Sa Stationen 8>-= Haparanda 1 738 SSW Petersburg 757 O Scilly Aberdeen Pari» 765 SsW 757 ONO 764 NW Setter 2heltcr bedeckt wolkig Nebel 1 2 bedeckt sa s Wetter-Prognose für Donnerstag, de» 31. Mal 1906. Ziemlich kühl, vorherrschend wolkig mit leichten Regensällen mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. 13 12 12 9 13 und Wasserstand am 29. Mai. Elb- bei Ausfig-ff 0,35 Meter, bei Dresden—0,97 Meter, bei Magdeburg-f 2,06 Meter.— U n st r u t bei Straußfurt+ 1,80 Meter.— Oder bei Ratibor-s- 1,47 Meter, bei Jieslau Obcrpcgel-ff 5,12 Meter, bei Breslau Nnterpegel— 0,48 Meter, ei Franlsurt-ff 2,09 Meter.— Weichsel bei Brahemünde -ff 2,82 Meter.— Warthe bei Posen— 0,84 Meter. Vkkantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Lnserateiiteil veranttv.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Verlin SW,