Nr. 125. BtonncmentS'Bcdlngungen: kwonncmcnts< PreiZ pränumerando i Vierteljährig Z.M Mt� monallg>,l0 Md. wöchemlich 28 Pjg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. Nummer mit wuslriertcr Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psgg Post» «bonnemcnt: l.tll Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitungs. Vreislisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mar! pro Monat. PostabonncnlentS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, " rteti, Schweden und die Schweiz. 33. Jahrg. CrIAdnt tlallit au&tr montags. Vevlinev Vollislrlnkk. Die lnterHon$'Gcbül)f detrügt für die fechSgefpallenc Kolonel» zeile oder deren Raum bll Psg., für politische und gcwerlschastNche Vereins« Und VcrsanimIungS. Anzeigen 30 Pfg. „Klef»- Snrelgen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg� jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf« slellen.Anzeigen das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 3 Pfg. Worte über >5 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis B Uhr nachmittags in der Expedition «hgegeben werden. Di- Expedition ist vis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: „Sozialdemokrat Berlin". Zcntralorgan der Ibzialdcmokrati fchen partes Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68, Llndcnstrasac 69. fsernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, ben 1. Juni 1906. Expedition: 8 LI. 68, Lindenstraeae 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Duma und„Kadetten". 11. Im Rausche des Sieges, fortgerissen von den re- bolutionären Phrasen während der Wahlkampagne, inmitten revolutionärer Wähler gingen die Kadetten zu weit. Sie merkten nicht, das; hinter ihrem Rücken eine neue Macht er- wuchs, die sie in den Kampf stieß. Sie übersahen vollständig, daß der von ihnen errungene Sieg gar nicht ihr Sieg war, daß sie vielmehr die Besiegten waren. Auf einen solchen Sieg waren die Liberalen nicht ge- faßt. Er übertraf alle ihre Erwartungen. Die Hälfte der Mitglieder der Duma gehört zu ihrer Partei, die andere Hälfte besteht aus den verbündeten Bauern— eine erdrückende Majorität. Allein, wie erwähnt, sie waren nicht darauf vor- bereitet. Nachdem der erste Siegestaumel sich gelegt hatte, und sie sich der Wirklichkeit Auge in Auge gegen- über sahen, zeigte es sich, daß die Lage durchaus nicht so erfreulich war, wie es im ersten Rausch der Wahlsiege er- schien. Die Partei sah sich als Waffe in der Hand von jemandem hinter ihrem Rücken, und schon auf dem Parteitag zeigte es sich, daß in ihre Mitte ein fremder, seinem Wesen nach feindlicher Geist eingedrungen war. Der Sieg,, den die Kadetten so gefeiert hatten, erschien schon nicht mehr als Parteisieg, und die von der Partei der Volksfreiheit er- rungenen Mandate erwiesen sich schon nicht mehr als g e- wöhnliche Mandate, sondern als solche mit einer besonderen Mission, hinter der ein kate- gotischer Jmpemttv stand. Die Kadetten fühlten sich durch irgend etwas gebunden: sie fühlten, daßeinekolossa l e, ihnen unverständliche Gewalt sie stößt und treibt, und sie griffen krampfhaft nach den Stützpunkten der Wohlgesinntheit und Loyalität, um nicht rettungslos in den Abgrund zu stürzen, dem ihr Schicksal sie entgegentrieb.... Zu spät begriffen sie, wer sie in das Parlament geschickt hat, wer ihnen das Mandat mit dem kategorischen Imperativ ge- geben und ihnen die Rolle aufgedrängt hat, die sie mehr als alles fürchteten, und gegen die sie sich aus allen Kräften ge- wehrt hatten: die russische Revolution, die sie ausgesandt hatte, um ihr den Weg zu ebnen— die russische Nation, die die Kadetten als Mauerbrecher, als Sturmbock benutzte, um die neue Bresche in die Mauer des Absolutismus zu schlagen, deren Stärke sie dann nicht mehr mit Hülfe der Kadetten, sondern der breiten Volksmassen im Stunne nehmen wird. Und obendrein mußten auch noch diese Bauern- deputierten da sein, von denen niemand wußte, daß sie so extrem in ihren Forderungen seien! Ein einmütiges Kadetten- Parlament ohne eine so starke Gruppe der sozialistischen Bauern hätte noch hingehen können: man hätte sich der re- voluttonären Aufgabe irgendwie entledigt, hätte jede wahre Handlung in einer Flut schöner Reden ertränken können. Und das hätte alles leicht und loyal eingerichtet werden können, zugleich auch schön und effektvoll, um so mehr, als die Grundgesetze die Duma von jeder Verantwortlichkeit be- freien und ihr von vornherein alle Macht nehmen. Man konnte sich auf Resolutionen und Projekte beschränken, sich im äußersten Falle bis zum Ministerium vordrängen, die kon- stitutionelle Monarchie befestigen, die Revolution mit kleinen Zugeständnissen beschwichtigen, das Werk der Reformen bis in die Unendlichkeit hinziehen und schließlich sein Ziel er- reichen und einen bürgerlich-liberalen Parlamentarismus einführen... Ja, wenn nur diese Bauern nicht wären! Blicken wir jetzt genauer hin, so werden wir finden, daß die Bauern- Partei sich bereits abgehoben hat: sie schmiedet die Bauern immer mehr zusammen und zieht sie zu sich heran. Sie hat sich bereits als sozialistisch erklärt, und sie ist bereits mit der proletarischen Leitung, in Gestalt des Arbeitslosenkomitees, des 100 000 Köpfe zählenden Petersburger Proletariats in Verbindung getreten.. �. Die„Parlamentarische Gruppe der Arbeit", wie sich diese Partei der durch die intelligenten Kreise verdorbenen Bauern nennt, diese revolutionäre Mnschikspartei besitzt die Kraft des Stieres und die Furchtlosigkeit des Bären, die Aus- dauer des Bauern und den Fanatismus der Sektierer. Und diese Bauern gedenken bei jedem Schritte jener, die sie in das Parlament geschickt haben: voll Miß- trauen blicken sie auf die Partei der liberalen Herren, ver- folgen mit gespannter Aufmerksamkeit deren Taktik, fühlen hinter sich die Macht der„schwarzen Grde", empfinden die Unterstützung des Millionen zählenden, geknechteten, aber bereits erwachten Volkes: und diese Volksvertreter sprechen es frei und offen aus, daß siedie Abgesandtender Revolution sind. Sie betrachten sich nicht nur als Abgeordnete, fondern als Delegierte, als Parlamentäre einer kriegführenden Partei, die gekommen sind, ihre letzten Forderungen zu nennen, das Ultimatum zu überbringen. Und diese Männer werden vor nichts zurückschrecken. Bei ihnen fühlt man den Hauch bevorstehender Agrarunruhen und Bauernrevolten, einer altrussischen Schreckenszeit, wie zu Zeiten Pugatscheffs, die das ganze russische Reich erfassen und all die Millionen geknechteter, entrechteter Bauern auf- rütteln und mit sich fortreißen wird. Und die Hälfte aller Deputierten gehört ja bereits den Bauern, so daß sie eine starke Partei bilden, mit vorzüglichen Führern an der Spitze und einem festen, einigen Kern. Und sie haben schon ihr Wort gesprochen, all die Anikin, Aladjin, Pustowoitoff, Nasarenki usw. Die Revolution hat auf ihren Schultern nicht nur die Kadetten in die Duma getragen, fondern sie hat auch jenen„Berg" geschaffen und jene„Bergpartei", die sich auf kein Kompromiß einlassen wird. Die Revolution ist selb st in der Duma vertreten. Arme Ka— betten, ihr russischen Girondisten, die ihr zwischen Hammer und Amboß geraten seid, zwischen die Bajonette der Regierung, und die Revolution des Prole- tariats und der Bauern! Nicht umsonst haben sie, die Kadetten, so schmählich ihren roten Aufputz zu verstecken begonnen und die großen Losungs- Worte beiseite getan. Nicht umsonst haben sie auch von ihren Gefühlen für den Monarchen zu sprechen begonnen, von den kaiferlichen Vorrechten. Die Lage wird ernst. Die Regierung fpaßt nicht, und mit bloßer Hand wird man nichts erreichen. Aber die Revolution, die die Kadetten in die Duma entsandt hat, spaßt nicht, und sie wird ihnen den Verrat nicht ver- zeihen: sie wird die Feiglinge nicht schonen, die eine re- volutionäre Rolle auf sich genommen und den Mut verloren haben. Auf der eigen Seite steht der Absolutismus, auf der anderen die Revolution. Was werden die Kadetten tun?— Die Revolution in Rutzlaud. Duma, Ministerium und Kamarilla. Da8„Prestige" der Duma soll nach einer Meldung auS Petersburg seit dem Mißtrauensvotum gegen das Ministerium im ganzen Lande außerordentlich gewonnen haben. Es ver- lautet, daß eine größere Anzahl von Organisattonen, die ursprünglich der Duma nicht günstig gesinnt waren, nunmehr ihre Bereitwilligkeit erklärt hätten, die Duma zu stützen, falls sie fortfahren würde, der Regierung radikale Opposition zu machen.— Der offenbar nicht ungeschickt geleitete Kadettenklub trägt dieser Strömung sofort Rechnung. Er hat am letzten Mittwoch beschloffen, die Duma solle durch Interpellationen die Tätigkeit der Regierung ans Tageslicht bringen, um sie im Lande und vor ganz Europa zu diskreditteren I— Trotz alledem wird das Ministerium, wie die„Now. Wr. und das„Zwanzigste Jahrhundert" übereinstimmend berichten, vorläufig nicht demissionieren, sondern die Ausarbeitung von Gesetzesvorlagen weiter betreiben. Goremykin soll nach der denkwürdigen Sitzung vom 13./27. Mai nur(seine Lieblings- Phrase!) gesagt haben:„Geduld, es wird sich schon machen". In Pcterhof aber, besonders in den Kreisen der«Sternpartei", soll man über das Vorgehen des Reichstages sehr aufgebracht sein, einen Bruch aber doch nicht riskieren. Zur Strafe für die Widerspenstigkeit der Duma aber sei der bereits fertige Amnestieerlaß wieder zurückgezogen worden l! Die Duma selber läßt sich in ihren Beratungen nicht stören. Gestern(Donnerstag) beschäftigte sie sich mit dem Antrage betreffend Abschaffung der Todesstrafe. Nabokoff schlug vor, die Kommission, die den Entwurf betreffend die Unverletzlichkeit der Person bearbeitet, auch mit der Aus- arbeitung eines die Abschaffung der Todesstrafe be- treffenden Gesetzentwurfes zu betrauen.— Lednitsky führte aus, die Regierung begehe politische Morde, fie sei ein wahrer Moloch, der immer neue Opfer fordere.— Aladin führte aus, die Duma könne sich nicht an den Kaiser wenden, ohne daß die Zwerge, die die Regierungsgewalt ausübten, sich dazwischen legten und sie verspotten. Mit der Komödie der Interpellationen müsse man aufhören. Die Duma fei ohnmächtig, sie habe diese lächerlichen Minister nicht zu sich ge- beten, diese aber seien stärker als sie, weil sie die Kanonen be- sitzen I Die Nation dürfe die Duma nicht anklagen, sondern sie folle wissen, wer die Schuldige» sind.(Beifall.)— Priester P 0 y a r k 0 f f sagte, die Regierung achte nicht auf die Duma, sie sei ihr zu dreist. Man müsse den Kaiser bitten, die Todes- strafe abzuschaffen, sonst wäre eS besser, von Petersburg fort- zugehen und nicht anständig dazubleiben und die Diäten zu erheben!— Im weiteren Verlaufe der Sitzung rief der Präsident den Abgeordneten O y e r s ch 0 w zur Ordnung, weil er sagte: Die Hinnchtungen in Riga bedeuten eine Ohrfeige für die Dnma.— Abg. Prof. Kusmin Karavaiew legt dar, welch vergebliches Bemühen eS fei, die polittschen Morde mit der Todessttafe in Verbindung zubringen; man müsse die Epidemie der politifchen Morde bekämpfen durch Beseittgung ihrer Ur- fachen, deren eine eben die Todesstrafe sei.— Nach einer Rede des Abg. Gredeskul Roditschew nimmt die Duma einen Auttag Nabokow an: eine Kommission zu ernennen mit dem Aufttage, innerhalb fünf Tage« einen Gesetzentwurf zur Abschaffung der Todessttafe auszuarbeiten. Um 1li2 Uhr wurde die Sitzung auf eine Stunde unter- krochen. Selbstmord eines Dnma-MitgliedeS. Petersburg, 31. Mai. Der Bauerndeputierte Andnanow hat durch Selbstmord geendet, weil er unter dem Einfluß der zaren- treuen Bauern die Duma-Adresse als zu scharf verutteilt hatte und seiner späteren Gesinnungsänderung lein Glauben mehr ge- fcheult wurde. Gerücht oder Wahrheit? Petersburg» 31. Mai. Mehrere dem Kaiser sowie dem Staat gehörige große Ländereien» darunter solche in der Röhe von Peterhof, wurde» an ausländische Gesellschafte» verkauft, um auf diese Weise die Forderung auf Brrtrilnng von Ländtreien unter dir Bauern zu vereiteln. Ausbeutung der Auswanderung. Petersburg, 31. Mai. Die starke Ausbreitung der russischen Emigranten veranlaßte den Handelsminister, eine Kommission einzusetzen zwecks Nutzbarmachung der einheimischen Handels- schiffahrt für die Auswanderung durch Begründung direkter Linien- Dienstbotenstreik. Unter dem weiblichen Dienstpersonal St. Petersburgs macht sich gegenwärtig eine Bewegung zugunsten einer Verbesserung ihrer ökonomischen Lage bemerkbar. Die Forderungen, welche bereits im November des verflossenen Jahres ausgearbeitet, aber noch nicht geltend gemacht worden sind, sollen jetzt bekannt gegeben werden. Falls die Frau vom Hause auf die Forderungen nicht eingehen sollte, beabsichtigen die tveiblichen Dienstboten, den Dienst zu quittiere». Gelindere Saiten. Das Ministerium der Volksaufklärung hat erläutert, daß. weit» ein Lehrer verhaftet worden ist, bloß ivcil er im Besitz illegaler Literatur oder von Waffen war, er. nach seiner Entlassung aus der Haft, nicht aus dem Dienst entlassen, sondern nur auf einen anderen Platz versetzt werden soll. politische(lebersickt. Berlin, den 31. Mai. Die große liberale Einigung. Die sogenannten entschieden liberalen Parteien bemühen sich neuerdings, ihren seit Jahren in der Presse erörterten «Einigungsgedanken" zu verwirklichen, jedoch in einer Form, die mit Sicherheit voraussehen läßt, daß schließlich das unter krampfhaften Wehen erstandene Erzeugnis des dreieckigen Liebesverhältnisses zwischen dem männlichen, dem weiblichen Freisinn und der süddeutschen Volkspartei nichts anderes fein wird, als eine bedauernswerte Spottgeburt. Nicht in den Gegenden beginnen die Fteisinnigen der verschiedenen Nuancen mit ihrem großen Einigungswerk, wo sie einen größeren Einfluß besitzen und durch ein festes Zusammen» halten bei den Reichstagswahlen tatsächlich gegenüber den reaktionären Parteien gewisse, wenn auch bescheidene Erfolge erzielen könnten, sondern in den Landesteilen, wo sie nur eine kaum in Betracht kommende Anhängerschaft haben, und diese schon bisher gewöhnlich bei den Hauptwahlen, fast stets aber bei den Stichwahlen zusammenging—, so daß an dem Ver» hältnis der Parteien zu einander also wenig oder nichts ge- ändert wird. Die erste dieser Einigungen, deren Bedeutung oder viel» mehr Unbedeutendheit wir bereits kritisiert haben, ist in Ost- Preußen erfolgt. In gleicher Richtung wird in Stettin ge» arbeitet, wo kürzlich der Vorstand des Liberalen Wahlvereins und des Wahlvereins der Freisinnigen Volkspartei sich ver» einigt haben, um den Anstoß zu einem engeren Zusammen- schluß aller wirklich liberalen Männer im Stettiner Wahlkreis. zu geben: eine Einigung, die für Stettin von vornherein wenig Zweck hat, da dieser Wahlkreis zum festen Besitzstand unserer Partei gehört. Als drittes Gebiet für ihr Einigungswerk haben sich die Freisinnigen Westfalen ausersehen. Wie liberale Blätter melden, soll dort bereits in verschiedenen Kreisen der Beschluß gefaßt worden sein, bei den nächsten Reichstags» Wahlen gemeinsame Kandidaten aufzustellen. Von diesem Vorgehen versprechen sich die Herren einen großen Erfolg; tatsächlich ist jedoch, wie die„Deutsche Tageszeitung" mit Recht ausführt, daran kaum zu denken. Bekanntlich besitzt die Freisinnige Volkspartei in Westfalen bloß zwei Kreise, die sie aber auch nur in der Stichwahl mit Hülfe der National» liberalen, die in der Hauptwahl den Freisinnigen an Stimmen» zahl nur wenig nachstanden, erobert hat. In allen übrigen Kreisen aber, die teils von unserer Partei, teils vom Zen» trum, den Konservativen und den Nationalliberalen vertreten sind, haben die Parteien, die sich jetzt„vereinigte Liberale" nennen, 1903 keine oder nur verhältnismäßig wenige Stimmen erhalten. So hat im Kreise Tecklenburg Dr. Barth 362 gegenüber 18 566 Zentruinsstimnten, im Kreise Münster der Volksparteilcr 106 gegenüber 18 418 Zentrumsstimmen. im Kreise Minden der Volksparteiler 3967 gegenüber 8638 konservativen Stimmen, im Kreise Olpe der Volksparteiler 93 gegenüber 15 568 Zentrumsstimmen, im Kreise Dortmund der Volksparteiler 1100 gegenüber 21 117 nationalliberalen Stimmen, im Kreise Hamm der Volksparteiler 3203 gegen- über 10 461 nationalliberalen Stimmen und im Kreise Lipp» stadt der Volksparteiler 115 gegenüber 11 971 Zentrums» stimmen erhalten. In den Kreisen Borcken, Lüdinghausen, Herford, Bielefeld, Paderborn, Warburg, Siegen und Bochum aber erhielten die in Betracht kommenden Parteien bei den letzten Reichstagswahlen überhaupt keine Stimmen. Von irgend welcher größeren politischen Bedeutung ist also der Beschluß der„vereinigten Liberalen" Westfalens nicht. Zudem aber regt sich, obgleich die ganze Einigungsbewegung noch in den allerprimitivsten Anfängen steckt, schon die Eifer« sucht zwischen den beteiligten Parteien. Kürzlich hat der „Landesausschuß des freisinnigen Landesvercins für das Groß- erzogtum Hessen" eine aus männlichen und weiblichen Freisinnigen, Nationalsozialen und hessischen demokratischen Volksparteilern bestehende Vereinigung, sich sür einZusammen' gehen der entschieden liforcilen Elemente Bei den Wahlen ausgesprochen und zugleich gewagt, die von dem„Wahlausschuß der vereinigten Liberalen" bei der Darmstädter Reichstags- ersatzwahl ausgegebene Stichwahlparole zu billigen. Solche Vermessenheit geht der„Fr. D. Presse" und ihren Hinter- männern gegen den Strich. Herr Müller-Sagau erläßt des- halb in seinem Organ einen Ukas, in dem er erklärt, daß für das Verhalten der Freisinnigen Volkspartei zu den anderen Parteien die Meinungen des hessischen„freisinnigen Landes- Vereins" absolut bedeutungslos sind: „... Ein„freisinniger Landcsvcrein für das Großherzogtum Hessen" ist kein Glied der Organisation der Freisinnigen Volks- Partei, sondern kennzeichnet sich selber als aus„Angehörigen der drei linksliberalen Parteien", auch der Freisinnigen Ver- einigung und der Deutschen Volkspartei, zusammengesetzt. Matz- gebend für die Haltung der Freisinnigen Volkspartei zu anderen Parteien sind die Beschlüsse der Parteitage, vornehmlich des Parteitages zu Wiesbaden, dem zuwider die Darmstädter einen nationalsozialen Kandidaten auf den Schild erhoben haben. In dem Beschlutz des Wiesbadener Parteitages heitzt es:„Der Parteitag hält ein Zusammenwirken mit na t i o na l s oz i a l e n Elementen für eine poli- tische Unmöglichkeit, gleichviel, welcher politischen Gruppe sie sich anschließen." Was soll da erst werden, wenn es sich nicht nur bloß um nichtssagende Beschlüsse, sondern um die Aufstellung gentein- samer Kandidaten und um gemeinsame Arbeit handelt. Viel- leicht erleben wir noch die hübsche Komödie, daß in einigen Wahlkreisen die männlichen Freisinnigen sich mit der Frei- sinnigen Vereinigung, in einem anderen mit den National- liberalen„vereinigen", und daß dann beide Gruppen, ähnlich wie bei der Darmstädter Stichwahl, gegen einander in- trigieren.— Landtagsferien. Gestern sind auch die beiden hohen Häuser des Landtages, das Forussische Dreiklassenparlament und das edle Haus der Fossilien, in die Ferien gegangen, das Abgeordnetenhaus auf unbestimmte Zeit, das Herrenhaus bis zum 15. Juni. Redlich haben sich die konservativen Herren beider Konfessionen mit Unterstützung der nationalliberalen „Staatsmänner" bemüht, die ihnen von der Regierung vorgelegten reaktionären Gesetzesvorlagen zu verschlechtern, und unter Aufwand ihrer von den Vätern ererbten Weisheit ist ihnen das, wie anerkannt werden mutz, bei den meisten Vorlagen, besonders bei dem Schul- verpfaffuugs- und dem Knappschastsgesetz, auch vortrefflich gelungen. Selten hat bisher eine Tagung der westkalmückischen Duma gleich Wertvolles auf dem Gebiet der reaktionären Bestrebungen geleistet' und es ist daher begreiflich, datz die hohen Herren hinausstreben nach Misdroy und Heringsdorf, nach Baden-Baden oder nach dem feudalen Heiligendamm, um sich von den im Dienste der vaterländischen In- teresien überstandenen Hirnstrapazen zu erholen. ES war denn auch den beiden hohen Hänsern vergönnt, in dem beendeten SesstonSabschnitt eine recht stattliche Anzahl von Gesetzen zu verabschieden, nämlich: 1. den Enttourf betreffend die Abänderung des Einkommen- und Ergänzungssteuergesetzes, 2. das Knappschastsgesetz, 3. den Entwurf über die Befähigung zum höheren Ver- waltungSdienst, 4. den Entwurf betreffend Einsetzung von Bezirks- eisenbahnräten, 5. die Hereynia-Vorlage, 6. das Sekundärbahngesetz. 7. den Entwurf betreffend Verbefferung der WohnungSverhältniffe staatlicher Arbeiter, 8. die Wahlrechtsreformvorlage(Schlutz- abstimmung im Herrenhause steht noch rus), S. die Lotterieverträge mit Thüringen und Reuh, 10. den Staatshaushaltsetat. Vom Herrenhaus erledigt, im Abgeordnetenhaus aber noch un« erledigt geblieben sind: 1. der Entwurf betreffend Anlegung von Spar« kasienbeständen in Jnhaberpapieren, 2. der Entwurf betreffend die Zulassung einer Verschuldungsgrenze für land- und forstwirtschaftlich genutzte Grundstücke, 3. der Entwurf gegen die Verunstaltung von Ortschaften, 4. der Entwurf betreffend Abänderung des hannoverschen Gesetzes über die Zusammenlegung der Grundstücke, 5. der Entwurf zur Deklarierung des Kommunalabgabengesetzes. Vom Abgeordneten- Haus erleb igt, im Herrenhaus aber unerledigt geblieben sind: 1. der Entwurf betreffend Gewährung von Geldmitteln für die Vorflutverhältnisse an der Oder; 2. der Staatsvertrag wegen der Mainkanalisierung; 3. die Sckulvorlage. Von beiden Häusern unerledigt bleiben die Entwürfe über die Ausübung des JagdrechteS und der Entwurf über die Wander- arbeitsftätten. Der vom Abgeordnetenhause angenommene Entwurf über Aenderung des Kommunalabgabengesetzes sZuschutz der Betriebs- gemeinde an die Wohnortsgemeinde zu Schul- und Armenlastrn) ist vom Herrenhause geändert worden, mutz also vom Abgeordneten- hause nochmals beraten werden. Rechnet man dazu die vielen KommisiionS- und FraktionS- sitzungen sowie die anstrengenden„gesellschaftlichen Verpflichtungen" aller Art, so haben die Herren beider Häuser entschieden Bedeutendes an Arbeit zum Wohl des preußischen Volkes, vornehmlich natürlich seines„edelsten" Teiles, geleistet.— Nach den Wahlen. Man schreibt uns aus Brüssel: Die Kompliziertheit der Berechnung beim Proportional- System bringt es mit sich, daß die Feststellung der Ergebnisse der Sonntags-Wahlen erst am Dienstag morgen zu ermöglichen war. So erübrigte es sich denn auch, über die neue politische Lage in Belgien vorher etwas zu sagen. Die Wahl erstreckte sich auf die eine Hälfte des Landes, nämlich auf die Provinzen Brabant, Antwerpen, Namur, Luxemburg und West-Flandern. Von den 85 Kammer-Mitgliedern, deren Mandate erledigt waren, gehörten 54 der klerikalen, 20 der liberalen, 10 der sozialdemokratischen und einer der christlich-demokrattschen Partei an. Die Wahlen brachten den Katholiken nur noch 50, den Liberalen aber 23 und den Sozialdemokraten 12 Sitze! Damit ist die Mehrheit der Ultramontanen von 20 auf 12 Stimmen gesunken, und die neue Kammer wird bestehen aus: 89 Katho- liken, 46 Liberalen, 30 Sozialdemokraten und einem christlichen Demokraten. Da die beiden Oppositionsparteien nun verstärkt ins Parlament einziehen, könnte man sich leicht versucht fühlen, den Sieg der Liberalen und der Sozialdemokraten zu über- schätzen. Man muß aber folgendes bedenken: Vor den Wahlen schien der Sturz der Reakttonsrcgierung besiegelt, denn die Katholiken waren nicht nur durch ihre nun 22 Jahre dauernde Oberherrschaft, sondern auch durch persönliche und prinzipielle Uneinigkeiten in den eigenen Reihen geschwächt, sie hatten kein zugkräftiges Rcgierungsprogramm für die Zukunft. Und> s o traten sie vor die Wähler I Hingegen hatte die Opposition alle guten Chancen für sich: Die liberale Partei war durch den Beitritt der sogenannten „gemäßigten" Elemente gekräftigt, ihr und der Sozial- demokratcn Programm war im ganzen Lande populär; denn die drei Reformforderungen: Allgemeines Wahlrecht, allgemeine Schulpflicht, allgemeine Hcerespsticht nebst Verkürzung der Dienstzeit sind allen nichtklerikalen Belgiern seit Jahren ge- läufig. Zur Eroberung dieser Reformen und mit dem Ziele. die Mängel des belgischen Proportionalsystcms zu beseitigen, schien das liberal-sozialdemokratisch-christlich-demokratische Kartell aufs beste präpariert: den Katholiken die Majorität zu entreißen. Diese Hoffnungen haben sich leider nicht erfüllt. Mcr- dings sind die Liberalen schließlich, wenn man die Stimmen- zahlen in Betracht zieht, noch besser fortgekommen als die Sozialisten. Sie gewannen zum Beispiel in Brüssel 27000, die Sozialisten nur 300 Stimmen. Aber darüber kann uns immerhin die Tatsache hiuwegtrösten, daß die für die Kandidaten der Arbeiterpartei abgegebenen Stimnien diesmal wenigstens als„reine" sozialisttsche Stimmen angesprochen werden dürfen. Hat die Partei trotzdem keinen Sitz eingebüßt, sondern sogar zwei erobert, so gibt das uns für zukünftige Kämpfe immerhin nicht unerfreuliche Aussichten auf den Weg. Die Regierung ist mit dem Wahlergebnis recht unzufrieden. Zwar ist die Uebermacht der Schwarzen für zwei weitere Jahre garantiert, aber der Niedergang ihrer Majoritätsziffern macht sie doch ängstlich und bedxnklich. Schon verkündigen die Vor- sichtigen unter ihnen, man müsse sich mit dem Gedanken ver- traut machen, dem Volke einige Konzessionen zu gewähren, ihm einige seiner Forderungen zu ersüllen. Die schwarze Reaktions-Srlppe soll also in Zukunft ein wenig verdünnt werden. Wir werden uns redliche Mühe geben, unseren Klerikalen bei den Wahlen 1908 gehörig in ihre saure Suppe zu spucken.— m Oeutlckes Reich. Sauf-Prämiierung. Einen Borschlag zur Abwälzung der Brausteuererhöhung auf die Konsumenten leistet sich das Berliner Fachorgan„Deutsche Brau- industrie". Obgleich bekanntlich selbst für die allergrößten Brauereien die Steuererhöhung nur ungefähr 1,15 M. pro Hektoliter Bier be- trägt, plädiert das Vlättchen dafür, daß die Brauereien sämtlich ihren Preis um 2 M. erhöhen sollen. Damit aber nun nicht die Gastwirte die Benachteiligten sind, sollen diese den Preis für jedes erste Glas Bier, das ein Gast bei ihnen trinkt, um 5 Pf. erhöhen. Wörtlich schreibt das Blatt der„notleidenden" Groß- brauereien: Die norddeutschen Bierbrauereien sollten sich mit den Gast- Wirten auf folgendes Vorgehen einigen: 1. Die Brauereien erhöhen den Preis für untergäriges Bier in ganz Norddeulschland gleichmäßig um 2 M. pro Hektoliter. 2. Die Gastwirte fordern für das erste Glas Bier zwanzig Pfennig, für jedes weitere 15 Pf, wie bisher. Bei 200 Glas zu V10 Liter macht der Gastwirt noch ein gutes Geschäft, denn em Mehr kommt schon durch daS erste Glas zu 20 Pf. heraus. Das Publikum hat es dabei vollständig in der Gewalt, die ihm durch den Reichstag und Bundesrat auferlegte Verbrauchs- abgäbe zu tragen oder abzulehnen. Wer fünf Glas Bier trinkt, hat die für das erste Glas Bier mehr gezahlten 5 Pf, wieder eingebracht: wer inehr trinkt, hat schon einen Vorteil gegenüber dem weniger Trinkenden. Und der Wirt.hat außerdem seßhaftere Gäste, denn mancher, der ge- wohnt ist, die Lokale mehrmals zu Wechsel», wird dies unterlassen, weil er im neuen Lokale für das erste GlaS wieder 20 Pfennige zahlen muß. Die AiuialkoHoliker kommen dabei aber am wenigsten auf ihre Rechnung, denn der Biervcrbrauch wird nicht zurückgehen, sondern eher steige». Es wirh dann gewissermaßen ein Trinken stattfinden um die„Prämie von fünf Pfennig" bei fünf Gläsern Bier." Der Vorschlag erscheint als ein fauler Witz; er ist aber tat- sächlich ernst gemeint, wie denn auch hinterher das edle Brauorgan in komischer sittlicher Entrüstung über die„Hetze" der Tageszeitungen gegen die Brauereien zetert. Für die Wirte dürfte sich allerdings die vorgeschlagene Methode, wenn sie sich durchführen ließe, als recht profitabel erweisen; denn es gibt genug Leute, die es in der Trink- festigkeit noch nicht bis zum sechsten Seidel gebracht haben, sondern sich mit einem oder zwei Seidel begnügen. Für diese würde der Auffchlag nicht weniger als 33'/, bezw. 162/s Proz. bettagen.— Aus dem Reichstagswnhlkreise Rinteln-HofgelSmar, der infolge des Ablebens des Grafen Reventlow vor einer Ersatzwahl steht, wird uns geschrieben: Schon jetzt treten die Genossen Rintelns in die Agitation ein. Sie sammeln die gelesenen Parteizeitungen und den„Wahren Jakob" und der Genosse Lambrecht verbreitet sie in den Dörfern der Umgegend. Am Dienstag kam er in das Dorf RolfShagen. Der Bürgermeister hielt ihn auf der Straße an und forderte ihn auf, mit in die bürgermeisterliche Wohnung zu gehen, uin seine Person festzustellen. Der Bürgermeister erNärte, er habe vom LandratSamt zu Rinteln die Anweisung bekommen, wenn in seinem Orte sozialdemokratische Schriften verbreitet würden, sie zu beschlagnahmen. Er nahm daher dem Genosien Lambrecht den Rest seines Agitationsmaterials, etwa 40 Nummern des Parteiblattes und 20 Exemplare des„Wahren Jakob", ab. Man muß annehmen, datz das Oberhaupt der Gemeinde Rolfs» Hägen die Verfügung des LandratsamteS falsch verstanden hat, denn es ist nicht recht denkbar, datz dieses eine solche wider daS Gesetz verstoßende Anordnung ergehen ließ. Solche bürgermeisterlichen Irrtümer find aber für die Genossen jetzt bei Beginn der Wahl- kampagne sehr unangenehm und deshalb werden sie durch un- gesäumte Beschwerde dafür sorgen müssen, daß das Landratsamt den Dorfoberhäuptern unzweideutig mitteilt, daß das Verbreiten von Druckschriften, und seien sie noch so sozialdemokratisch, in ge- schlossenen Räumen ein gesetzliches Recht des preußischen Staats- bürgers ist und daß nach offizieller Anberaumung und Verbindung des WahlterminS— die für Rinteln-Hofgeismar allerdings noch nicht stattfand— sogar die öffentliche Verteilung auf Straßen und Plätzen durch Reichsgesetz gewährleistet ist.— Ein preußisches Kulturdokument. In Lägerdorf, einem, größeren Fabrikort in der Nähe von Itzehoe tSchleswig-Holstein), haben unsere Parteigenossen schon seit Jahren in der Gemeindeverttetung die Sitze der 3. Klasse beinahe unbestritten inne. Durch ihren selbstlosen Eifer und ihr kommunal- politisches Verständnis haben sich die sozialdemokratischen Vertreter längst auch innerhalb der Gemeindevertretung eine sichere Position errungen. ES herrscht im allgemeinen ein gutes Einvernehmen zumal zwischen den Vertretern der 2. und 3. Klasse und häufig gehen bäuerliche, kleinbürgerliche und proletarische Ge- meindeverordnete Hand in Hand, wenn eS gilt, gegenüber der privatkapitalistischen Jnteressenpolitik der„erstklassigen" Ver- tteter, zur Hauptsache Angestellte und Direktoren der großen Zement- fabriken, das Wohl der Allgemeinheit wahrzunehmen. Aber auch die Fabrikdireltoren haben auf neuttalem Gebiete schon wiederholt Gelegenheit gehabt, der Stellung unserer Genossen Anerkennung zu zollen, und so war es durchaus nichts Ueberraschendes, als vor einiger Zeil bei der Wahl de? Schulvorstandes unter anderem auch der Kandidat der dritten Klasse, unser altbewährter Genosse H i n s ch e, einstimmig als Schulvorsteher gewählt wurde. Der Aufsichtsbehörde scheint die Einmütigkeit dieser Verttauens- kundgebung weniger gefallen zu haben, denn sie weigerte sich, die Wahl zu bestätigen. Genosse Hinsche versuchte vergeblich, im Instanzenweg die Anerkennung seiner Wahl durchzusetzen und er hat nunmehr von der obersten Stelle, dem preußischen Unterrichts- Ministerium, folgenden Bescheid von wahrhaft kulturhistorischer Be- deutung erhalten: Ihre gegen unseren Bescheid vom 2. Januar 1903 gerichtete Beschwerde vom 22. Januar 1906 hat der Herr Unterrichts- m i n i st e r uns mit dem Auftrage übersandt, sie in seinem Namen ablehnend zu bescheiden. Der Herr Minister ist gleich uns der Ansicht, daß bei Ihrer ausgesprochenen staatsfeindlichen Stellung mit Sicherheit anzu« nehmen ist, daß Sie das Amt als Schulvorsteher, falls man eS Ihnen übertragen hätte, dazu benutzen würden, den staatlichen Bestrebungen zur Förderung der Schule geradezu entgegen zu arbeiten. Sie haben Ihre sozialdemokratische Gesinnung unzweideutig betätigt. sich an dem Kampfe gegen die Grundlagen der bestehenden Rechts- und Staatsordnung beteiligt und sich damit in bewußten Gegensatz zu den Aufgaben der Schule gestellt, in die Herzen der ScbülerFrönimigkeit, vaterländische Gesinnung und Königstreuc zu pflanzen. Auch haben Sie durch Ihren politischen Lebens» Wandel öffentlich Aergernis bei denen erregt, welche die zu Recht bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung hochhalten und die Erziehung ihrer Kinder zu gottesfürchtigen und vaterlandsliebenden Menschen erstreben. Ihre Bestätignng als Mitglied des Schulvorstandes würde daher den staatlichen' und Schulinteressen zuwiderlaufen. Königliche Regierung in Schleswig. Man sieht, die preußische Regierung wittert in dieser Aera der Schulverpfaffung Morgenluft. Sozialdemokratische Schulvorstands- Mitglieder sind in allen Landestcilen ja auch bisher regelmäßig nicht bestätigt worden. Aber eine Begründung von solch reaktionärem Zynismus konnte doch wohl erst ün Kielwasser des allerjüngsten Vennuckerungskurses sich hervorwagen. Das Mach- werk im einzelnen zu glossieren, ist überflüssig— eS spricht in jedem Worte beredt für sich selber und ist besonders an d e n Stellen, wo eS die Ziele der Volksschule nach preußischen Regierungsgrundsätzen formuliert: Frömmigkeit, vaterländische Gesinnung und Königstreue, von wahrhaft klassischer Prägnanz, Nur darauf sei hingewiesen, datz die Regierung sich mit den Tatsachen in einem geradezu klaffenden Widerspruch befindet, ivenn sie in ihrem Schreiben sich auf Eltern beruft, denen die Wahl des Sozial- denrokraten anstößig sein könnte. Die Behörde kann ganz Läger« dorf mit sämtlichen Leuchten des Kultusministeriums absuchen, und sie wird keinen einzigen uubeantteten Schwurzeugen für ihre Be- hauptung auftreiben.—_ Wie notwendig die Entschädigung unschuldig Verhafteter ist, schreibt die Mainzer„VolkSzeiuing", zeigt folgender Vorfall, der sich vor mehreren Wochen hier abspielte. Ein auf der Reise befindlicher Metzgergeselle stagte bei einem Metzgermeister nach Arbeit und erhielt von ihm, da keine Beschäftigung vorhanden, nach altem Brauch eip Geschenk. Nach Verlassen des Ladens wurde der Geselle von einem Schutzmann verhaftet und nach dem dritten Bezirk verbracht, wo er ganz entschieden bestritt, gebettelt zu haben. Aber alle Beteuerungen halfen nichts. Nach vierzehn« tägiger Untersuchungshaft stand Verhandlung vor dem Schöffengericht an. Als Zeuge ttat hier der Metzger- meister aus und sagte aus, daß der Geselle nicht gebettelt, sondern nur um Arbeit nachgefragt habe. Nicht wenig erstaunt war der Meister, als ihm ein Protokoll vorgelesen wird mit ungefähr folgender Einleitung:„Auf Borladung erscheint der Meygermeister X und giebt folgendes an usw.", nämlich daß der Geselle gebettelt habe. Auf die Frage deS Richters, wie er dazu komme, auf dem Revier den Bettel des Gesellen zuzugeben, erNärt der Meister, gar nicht auf dem Revier gewesen und nicht von de« Kommissar vernommen worden zu sein. Er könne sich nur entsinnen, daß um fragliche Zeit ein Schutzmann bei ihm gewesen und ein Schreiben zur Unterschrift vorgelegt habe. Da er aber gerade mit Arbeit überhäuft gewesen, habe er das Schreiben nicht durchgelesen und seinen Namen darunter gesetzt. Hätte ihm der Schutzmann den Inhalt des Schreibens mitgeteilt oder wäre er aus dem Revier ver- nommen worden, würde er nicht unterschrieben haben. Der An» geschuldigte wurde daraufhin auf freien Fuß gesetzt; 14 Tage war er unschuldigerweise seiner Freiheit beraubt, ohne daß schließlich ein Hahn danach ttäht.... Eine Untersuchung soll nach dem Blatte eingeleitet sein, doöh verlautet bis jetzt nichts über ihr Ergebnis. Die Polizeipraxis, die der Bericht enthüllt, läßt sich mit parlamentarischen Worten gar nicht kennzeichnen.—______ „Blamage" und Blamage. Herr Dr. Wilhelm Kronsbein, Chefredakteur der„Post", hat es sich nun einmal in sein Köpfchen gesetzt, partout zu beweisen, daß man studiert, ja sogar einen Doktortttel er- worden haben kann, ohne über eine allzu große und allzu ergiebige Gehirnmasse zu verfügen. Am Donnerstagabend reitet Sancho Pansa- Kronsbein wieder auf der„Paßblamage der Sozialdemokratie" herum. Es ist kein Ruhm, ihn aus dem Sattel zu heben; doch müssen wir uns leider mit seinen Reitkünsten noch einmal beschäftigen— einfach zur Steuer der Wahrheit, zur Ehre der Logik und des menschlichen Mitgefühls. Eine ehemalige russische„Untertanin" hat die deutsche Staatsangehörigkeit erworben. Sie wirkt in Deutschland in einer Weise, die der russischen Regierung arg mißfällt. Nach deutschen Gesetzen ist ihre die Hirne revoltierende Tätigkeit nicht sttafbar— von einigen Fällen abgesehen, die denn auch prompt zur Bestrafung der„Sünderin" führen. Nach russischen Gesetzen oder richtiger: nach russischer Willkür steht auf dieselben„Verbrechen", die in Deutsch- land mit ein paar Mark oder geringer Gefängnisstrafe „gesühnt" werden, jahrzehntelange Kerkerhaft. Zwangsarbeit, Sibirien k Von ihrer Familie abgeschnitten, von all' denen getrennt, die ihrem Herzen die Nächsten sind, auS ihrer früheren Heimat verbannt, die gerade in den Gcburts- wehen einer großen Zeit zu kreißen beginnt, bedient sie sich des Mittels, dessen sich unzählige Exilierte vor ihr bedient haben: sie benutzt einen Patz, der ihr„legaler" Weise nicht zukommt I Benutzt ihn, um in Rußland nicht ver- hastet und bestraft zu werden für„Verbrechen", die in Deutschland begangen, nach deutschen Gesetzen nicht sttafbar oder längst gesühnt sind, in Rußland aber zu Will- kiir-Akten bekannter Art ausgenutzt werden können. Benutzt ihn ohne jede Absicht, irgend etwas Sttafbares, irgend etwas selbst nach russischen Gesetzen Verbotenes zu begehen! Wen schädigt sie damit? Wen betrügt sie?— Herr Schöne ist ein einflußreicher Beamter im Deutschen Reiche. Herr v. Brockhusen steht in Diensten dieses Beamten. Die Regierung des Deutschen Reiches steht nach den offiziellen Erklärungen im besten, schönsten Einvernehmen mit der russischen Regierung. Deutsche Beamte geben sich dazu her, einem russischen Staatsangehörigen einen falschen Patz ver- schaffen zu helfen zu dem ausgesprochenen Zweck, die russische Regierung zu bespitzeln, ihr Geheimnisse abzuhorchen, diese der deutschen Regierung zu überbringen, damit sie unter Umständen gegen Rußland verwendet werden können! Wen fugten diese Paßfälscher zu schädigen? Wen wollten sie be- trügen?— Diese Fragen stellen heißt: sie beantworten. Die„Paß- Blamage der Sozialdemokratie" bedeutet ein formelles Ver- gehen, eine sogenannte„Kontravention", die diktiert ist durch Gefühle, die nur ein Kronsbein als unedel zu bezeichnen im- stände ist. Die Paß-BIamage der deutschen Regierung be- deutet den skandalösen, von einem hohen deutschen Beamten begünstigten Versuch, einen russischen Staatsangehörigen zu ehrloser Treulosigkeit gegen das eigene Vaterland zu kaufen. Wer diesen faustdicken Unterschied nicht begreifen kann, der ist geistig blind, oder ihm mangelt jedes Fäserchen jenes echten, wahren Ehrbegriffs, der nicht an das Gesetzbuch gebunden ist. Und damit basta!—_ Kon Airaham Morris, dem Anfiihrer der Hottentotten, mutzte der diplomatisch verunglückte Oberst von Deimling jüngst im Reichs- tage zu erzählen, datz er der Sohn eines Rabbiners sei, der in der Nähe von Posen sei. Die seltsame Mär erklang von vornherein etwas deimlingisch-hottentottisch und tatsächlich weitz denn auch jetzt der„Tag" vou„unterrichteter Seite" zu berichten: „Abraham und sein gleichsalls öfter erwähnter jüngerer Bruder Eduard Morris sind die Söhne eines alten schottischen Händlers Morris und einer Hottentottin. Auf eine Erbschaft hin kehrte dieser in seine alte Heimat zurück, ohne sich weiter um seine Sprötzlinge zu kümmern. Ein Verwandter der Mutter, Abraham Steyer in Warmbad, zog die Knaben auf. Meines Wissens sind sie auch dort getauft und konfirmiert worden. Bei Errichtung einer deutschen Eingcborencn-Polizeitruppe in Warmbad wurde erst Eduard und später Abraham Morris eingestellt. Sie waren in- telligente gewandte Burschen, sprachen gut holländisch sowie etwas deutsch und englisch und waren als vorzügliche Jäger bekannt. Den Feldzug gegen die Aftikaner-Hottentotten im Jahre 1837 machten sie auf deutscher Seite mit. Abraham konnte sich nicht recht in die deutsche Disziplin fügen und schied bald aus der Polizeitruppe aus, der fügsamere Eduard gehörte ihr dagegen zwei bis drei Jahre an." Chronik der MajcstStöbelcidignngsProzesse. Von der Straß kommer in Köln war der Kaufmann Daniel David wegen Zu- hälterei zu einer erheblichen Gefängnisstrafe, verbunden mit nach- herigem Aufenthalte in der Zwangsarbeitsanstalt, verurteilt worden. Er versuchte vergebens, seine Unschuld versichernd, den Prozeß neu zur Verhandlung zu bringen. Er glaubte nun, wie er angibt, sein Ziel zu erreichen, wenn er eine Majestätsbeleidigung begehe. Vor der Sttafkammer wurden drei Briefe verlesen, in denen er die deutschen Bundessürsten beleidigt haben soll. Der Gefängnisarzt erklärte in einem Gutachten, datz bei dem Angeklagten der§ 51 Str.-G.-B.(Straf- steiheit wegen Unzurechnungsfähigkeit) nicht Anwendung finden könne.� David stamme allerdings aus einer geistig nicht einwandfreien Familie und habe sich einmal selber eines Mordes bezichttgt, doch sei die Untersuchung ergebnislos geblieben. David sei ein Phantast, ein Degenerierter erster Klasse und halte sich auch für einen Grafen- söhn. Ferner habe David große gelehrte Abhandlungen, namentlich über die Lex Heinze, geschrieben und schwermütige Gedichte verfatzt. Der Staatsanwalt beantragte neun Monate.„Mir egal, und wenn eS neun Jahre sind I" rief der Angeklagte. Das Gericht er» kannte auf fünf Monate Gefängnis gegen einen Menschen, der in eine Heilanstalt gehört. Die ostafiatische Bcsatzungsbrigade. Der Dampfer„Neckar" des Norddeutsch?n Lloyd traf heute früh mit den Truppen der ostasiatischen Besatzungsbrigade, bestehend aus 120 Offizieren und 1800 Mann in Bremen ein. Generalleutnant v. Versen begrüßte die vor der Lloydhalle angetretenen Truppen. Mittags wurden die Truppen mittels Extrazuges nach dem Lockstädtcr Lager gebracht. Huetand. Oesterreich. Auf dem toten Punkt. Dio Kabinettsbildung geht denn doch nicht so einfach von statten, wie der alte Kaiser es sich gedacht haben mochte, als er Hohenlohe nach Haufe schickte.— Zwar gibt sich ja Freiherr von Beck redliche Mühe, ein Ministerium zusammen zuhudeln, aber es läßt sich leicht denken, daß dies in der äugen blicklichen Situation und nach den Erfahrungen, die das kurz lebige Kabinett Hohenlohe mit Franz Josef machen mußte, noch schwieriger ist als sonst. Am energischsten stemmen sich bis jetzt noch die Tschechen dagegen, ins neue Ministerium einzutreten, wenn ihnen nicht gewisse ihrer nationalen Forde- rungen garantiert werden. Aber da der Kaiser den Wunsch geäußert haben soll, das Kabinett noch vor Pfingsten traulich vereint zu sehen, so dürften wohl auch die tschechischen Wider- stände besiegt werden. Desgleichen die der Christlich-Sozialen, die sich auch noch ein wenig zieren. Sollte das Parteigemengsel-Ministerium nicht zustande kommen, so wird man sich bis auf weiteres wohl mit einem Beamten-Kabinett begnügen. Doch so oder so: Unsere österreichischen Parteigenossen sind auf der Hut. Sie treffen ihre� Vorkehrungen. Kein Ministerium wird sie überraschen, kein Kabinett ihnen das allgemeine Wahlrecht versagen können, dessen Zipfel sie fest- halten und nicht mehr freigeben.— Frankreich. Paris, 31. Mai. Die Fraktion der geeinigten Sozialisten kon- stituierte sich gestern in der Kammer. Sie beschlotz, um ihre Un- abhängigkeit zu bewahren, keinen eigenen Kandidaten für das Prästdium der Kammer aufzustellen und einen sofortigen Amnestie- antrag einzubringen. Gngland. Die Schulvorlage. London, 29. Mai. Nach einer ganzen Woche lebhafter Kom- missionsberatungen— in England werden Regierungsvorlagen vom ganzen Hause als„Kommission" beraten— wurde gestern der erste Paragraph mit 353 gegen 169 Stimmen angenommen. Dieser Paragraph ist vor etwa 14 Tagen von uns als der wichtigste be- zeichnet worden. Der Unterrichtsminister Mr. Birrell nannte ihn „daS Rückgrat deS Entwurfs". Er bestimmt, datz alle Volksschulen, die aus öffentlichen Mitteln erhalten werden, einen allgemein christ- lichen Religionsunterricht(einfaches Lesen bestimmter Bibelkapitel ohne Katechismus) haben sollen. Die konfessionelle Schule wurde also von der Kommission verurteilt. Der von den Arbeiterabgeordneten gestellte Antrag auf Aus» schaltnng der Religion aus der Schule wurde mit 477 gegen 63 Stimmen verworfen. Ein Antrag Chamberlain, der sich als Zusatz zum Arbeiterantrag charakterisiert, den Staat von den Pflichten des Religionsunterrichts befteien und diese Pflichten den verschiedenen religiösen Konfessionen überttagen wollte, lourde mit 367 gegen 172 Stimmen verworfen. Die Debatten über die Schulvorlage werden die ganze Session ausfüllen. Aber die übrigen Paragraphen sind zum Teil nur Aus- führungS», zum Teil Ausnahmebestimmungen zum ersten Para» graphen.—_ Der Tiger als Affe. (Eigener Bericht des„Vorwärts".) Genosse Kressin hatte als verantioortlicher Redakteur der„Leip- ziger Volkszeitung" gestern abermals vor der Leipziger Strafkammer auf Einladung der Staatsanwaltschaft zu erscheinen. Die ungeheure Blamage, die sich die herrschende Klasse mit den Rüstungen zum 21. Januar zugezogen hatte, wurde in einem, mit „Tiger als Affe" überschricbenenLeiiarttkel der„Leipziger Volkszeitung" vom 22. Januar besprochen. Die Signatur des 21. Januar— so hieß es darin— sei gewesen: Ncberfüllte Versammlungen, ruhige Haltung der Arbeiter, wahnsinnige Angstvorstellungen des Bürgertums,... Vorbereitungen des Militärs und der Polizei. Der Wert des 21. Januar liege gerade darin, datz er die herrschende Klasse zur Demaskierimg gezwungen habe. Und das Medusenhaupt, das hinter dieser MaSke hervorkam, wird noch jahrelang alle Herzen mit Ekel, Empörung und Entsetzen er- füllen. Die wahrhast ruchlosen, schändlichen Vorbereitungen zum Massaker der Arbeiter hätten die Unversöhnbarkeit der sozialen Gegensätze Heller beleuchtet, als es tausend„Hetzreden">md„Hetz- artikel" je vermöchten. Es sei das böse Gewissen, das die Herr- schenden Klassen zu den Vorbereitungen getrieben habe i für sie sei dieser Tag ein solcher der tötenden Lächerlichkeit, der Schmach und Schande geworden. Die ruhige, überlegene Art der Sozialdemo- kratie habe der Bewegung Hunderttmisende neuer Anhänger zugeführt, den Büttelstaaten Preußen und Sachsen Hunderttausende entschlossener und erbitterter Feinde geschaffen, Die Leipziger Anklagebehörde erwirkte vom preußischen und sächsischen Kriegsministeriuin und den Ministerien des Innern die Antragstellung ans Strafverfolgung gegen die„L. V." wegen dieses Artikels, Der Anklagebeschlntz erachtete den Genossen K r e s s i n hinreichend verdächtig, durch den Artikel öffentlich Beamte und Mit- gliedcr der bewaffneten Macht in Beziehung auf ihren Berns be- leidigt zu haben, speziell die Angehörigen der preußischen und sächsischen Armee und der Zivilverwaltung, insbesondere die Polizei- organe, die bei den Maßregeln zur Unterdrückung etwaist ent- stehender Unruhen bemtgestanden hätten, sowie die, die die An- ordnung gegeben hätte». In der Verhandlung gegen den Genoffen Kressin vor der dritten Strafkammer des Landgerichts stand weniger der Inhalt des Artikels als die„Tendenz" der„L. V." zur Verhandlung. Ein Vor- gang ans der Verhandlung ist für unsere Justizzustände und für die Schutzlosigkeit des Angeklagten besonders bezeichnend. Oberstaatsanwalt Böhme erlaubte sich von einer „handwerksmätzigen" Beschäftignng des Angeklagten in der Redaktion zu sprechen. Diese Behauptung des Oberstaatsanwalts ist haltlos, ohne eine Spureines tatsächlichen Anhalts auf» gestellt!, unwahr, steht mit der Sache selbst inkeinerlei Zusammenhang und ist nach Forin und Inhalt lediglich geeignet, den Angeklagten zu kränken und zu beleidigen. Das Gericht, dem keine Disziplinar» gewalt gegen den Staatsanwalt zusteht, schritt gegen dies empörende Verhalten nicht ein. Genosse Kressin wies den staatsanwaltlichen Anwurf mit Nachdruck zurück und hob mit vollem Recht hervor, datz man viel eher von einer handwerksmäßigen Beschäftigung deS Staatsanwalts sprechen könne. Das Gericht belegte den Genoffen Kressin hieraus mit einer Ordnungsstrafe von zwei Tage» Hast! Diese völlig unberechtigte Strafe für eine in Wahrnehmung berechtigter Interessen vor- genommene Zurückweisung einer zum allermindesten groben Un» gebührlichkeit des Staatsanwalts zeigt, wie weit dies Leipziger Gericht von der Möglichkeit einer objektiven Beurteilung entfernt ist. Vor vierzehn Jahren hat dieselbe Oderstaats» an waltschaft ihre Stellung dazu mißbraucht, den leider ver- storbenen Genossen Albert Schmidt vor der Chemnitzer Strafkammer als„gewerbsmäßigen Ehrabschneider" zu bezeichnen. Sie mutzte sich die Entgegnung gefallen lassen, datz wenn überhaupt im Gerichts- saale nur eine Person sich befindet, auf den die Behauptung eines gcwerbs- oder berufsmäßigen Ehrabschneiders zutreffend sei— das sei der amtlich nach dem GerichtSverfassmigSgesetz sogar zu Ver- leumdungen verpflichtete Vertreter der Staatsanwaltschaft. Der General st aatsan Walt Held rügte das Verhalten des Ober- staatsanwalts Böhme als unsachlich von AmtSwegen im Aufsichts- Wege und hängte diese Rüge im Reichstage niedriger. Man sieht, das hat nichts genützt- Heute diktiert sogar daS Gericht dem Ange- klagten, weil er sich gegen den leichtfertigen Vorwurf des Ober- staatsanwalts verteidigt, eine Haftstrafe zu. ES bekennt damit, datz eS von dem Recht des Angeklagten und von den Aufgaben eines verantwortlichen Redakteurs eine ebenso beschämend falsche Ansicht wie der Oberstaatsanwalt besitzt. In der Sache selbst verurteilte das Gericht den Genossen Kresstn wegen Beleidigung der sächsischen und preußischen Armee und der PolizcivcrwalUmgcn zu 10 Wochen Gefängnis. Die Beleidigung erblickte das Gericht darin, datz die vermeintlich Beleidigten durch den Artikel lächerlich gemacht und mit Tieren verglichen seien. Die gegen Kressin verhängte Ordnungsstrafe enthält eine so grobe Verletzung der Rechte des Angeklagten und eine so offensicht- »che Unkenntnis über das Wesen und die technische Herstellung der Presse, datz wir eine Aufhebung des Urteils durch daö Reichsgericht erwarten, wiewohl unS dessen Abneigung gegen Aufhebung von Strafen gegen Pretzsünder und Sozialdemokraten nicht un- bekaimt ist._ kommunales. tat. Stadtbcrordnctcn-Vcrsammlung. 22. Sitzung vom Donnerstag, den 31 nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher Dr. Langerhans eröffnet die Sitzung um 5� Uhr. Zunächst findet unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters K i r s ch n e r eine gemeinsame Sitzung des Magistrats und der Stadtverordncten-Versammlung statt zur Wahl von Mit- gliedern und Stellvertretern für den Bezirksausschuß. Durch Zuruf werden die ausscheidenden Herren wiedergewählt. In den Ausschutz für die Vorberatung der zu revidierenden Grund- und Umsatzfteuer-Ordnung sind unter anderem auch die sozialdemokratischen Stadtverordneten Arons, Borgmann Heimann, Singer deputiert. Eine lange Liste von Urlaubsanmöldungen wird zur Kenntnis gebracht. Die Wahl des Stadtv. LeiS(A. L.) ist in letzter Instanz vom Ober-Verwaltungsgevicht entgegen der Entscheidung des Be zirksausschusses für gültig erklärt worden. Ueber die Vorlagen betr. 1. den Bau einer Fuhgänger- brücke oberhalb der im Zuge der E i s e n b a h n st r a tz e über die Spree führenden Brücke und 2. den Austausch einer städtischen Fläche des Plänterwaldes gegen das zur Ver- längerung der Eisenbahnstrahe erforderliche Stratzenland hat ein Ausschuß in zwei Sitzungen beraten und � auch eine Lokalbesichtigung vorgenommen. Für die Brücke sind 36 000 M. angefordert. Die Plänterwaldfläche ist auf 353 805 M.(11798% Meter a 30 M.), die dem Fiskus gehörige auf 518 400 M.(1965 Meter a 264 M.) abgeschätzt; die Kosten für die erwähnten Bauten sind mit 7400 M. veranschlagt, so datz die Stadt im ganzen noch 171 995 M. zuzuzahlen hätte. Die Mehrheit des Ausschusses hat die fiskalische Offerte schließlich zu akzeptieren empfohlen, aber nur unter der Bedingung, daß auf der abzutretenden Plänterwald- Parzelle am Spreeufer nur Baulichkeiten für UebungSzwccke des Garde-Pionier-Batallons mit nicht über 6 Meter Höhe errichtet werden dürfen und daß bei Wegfall der Benutzung des Grundstücks als Wasserübungsplatz des Bataillons der Stadt Berlin das Rück- kanfsrecht zum Verkaufspreise zugestanden, sowie daß für die Be- Nutzung militärcigenen Geländes durch die Hülfsbrücke an der Eisenbahnstrahe ein besonderes Entgelt nicht gefordert wird. Referent ist der Stadtv. Stapf(A. L.). Stadtv. TolkSdorf(Soz.): Für Verkehrserleichterungen und -Verbesserungen sind wir stets da; in diesem Falle können wir aber nicht zustimmen. Die Eisenbahnbrücke ist ein alter Verkehrs. weg, Gleise und Brücke sind seit langem vorhanden; es handelt sich also eigentlich nur um abzutretendes Wegeland. Der ge- forderte Preis von 264 M. pro Quadratmeter ist ganz entschieden zu hoch. Wie kommt der Militärfiskus zu dieser Schätzung? Warum sollen wir bis 139 M. pro Quadratmeter mehr bezahlen als wir selbst in jener Gegend, am Schlestschen Tor, bekommen? Ueberdies steht die alte Kaserne schon über ein Jahr leer. Viel besser und für die Stadt günstiger wäre es also, das Terrain zu enteignen. Und nun sollen wir sogar noch eine Parzelle deS Plänterwaldes abtreten I Wer den SchiffahrtSverkchr und die Entwickelung der Industrie dort sieht, mutz diesen Gedanken Weit abweisen. Wir würden ja beide Augen zudrücken, wenn wir auf die Zukunft keine Rücksicht nähmen. Sollen wir selbst uns eine neue Schwierigkeit schaffen? Magistratsrat Dr. Franz tritt als Magistratskommissar für die Vorlagen ein. Die Abtretung der Plänterwald-Parzelle würde gerade verhindern, daß sich in unmittelbarer Nähe dieser schönen Anlage Fabriken usw. ansiedeln. Gegen die von dem Ausschuß beantragten Vorbehalte würden wohl weder der Magistrat noch der Fiskus etwas einzuwenden haben. Stadtv. Schulz II(Soz.): Wir wollen den Fiskus nicht im Plänterwald haben, denn sobald er sich da festgesetzt hat, werden wir ihn nie wieder los. Das haben wir schon vor zwei Jahren ausgeführt, und heute bereits stellt sich diese Vorhersage als zu- treffend heraus. Vcriaulen wir ihm jetzt die Parzelle, so wird er nach einigen Jahren das ganze Terrain bis nach oben den Kanal entlang fordern. Jetzr ist ein wunderbar schönes Wassergrundstück dort vorhanden. Es ist doch unser Grund und Boden, wir selbst werden ihn doch nicht verkaufen, um Fabriken hinbauen zu lassen. (Sehr richtig!) Der Fiskus holzt doch aber vielfach das ganze Terrain ab und baut seine Baracken hin. Die Spitze am Kanal bei der Kunheimschcn Fabrik haben wir doch erst erworben, um dort eine gerade Fläche zu erlangen. Heute wird das alles für Unsinn erklärt; sobald eben der Militärfiskus kommt, duckt sich der Magistrat jedesmal und macht einen krummen Buckel.(Der Vor- st e h e r rügt diese AusdruckSwcise.) Die Stadt könnte doch ein so schönes Terrain später selbst anderweit verwerten. Ich beantrage die Ablehnung der zweiten Vorlage und die Enteignung des Terrains für die Fußgängerbrücke. Das Beispiel des Viktoria- speichers ist eine dringende Warnung. Wie steht eS denn übrigens mit der Kanalisierung der Kaserne in Treptow, wofür die Stadt doch eine auf den Brückenbau bezügliche Gegenleistung gefordert hatte? Magistratsrat Dr. Franz: Der Magistrat duckt sich nicht vor der Miutärbehärde, darum handelt es sich gar nicht. Was die Stadt seinerzeit erreichen wollte mit der Kanalisierung der Kaserne ist eben nicht erreicht worden. Der FiskuS hat gar nicht geantwortet. Der Polizeipräsident verlangt jetzt von uns die Entfernung eineS Grundpfeilers der Eisenbahnbrücke, die ein Hemmnis für die Schiff« fahrt ist. Dem müssen wir nachkommen. Eine neue Fahrbrücke zu erbauen ist bereits Beschluß der städtischen Behörden. Eine Notbrücke ist notlvcndig. Dazu brauchen wir ein Stück fiskalischen Landes, das wir leicht bekonrmen können, wenn wir uns auf den Tausch einlassen,(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Hnberland(A. L.) hält den geforderten Preis für an- gemessen. Man werde bei der Enteignung nicht billiger wegkommen. Fast durchweg müsse die Stadt im Enteignungswege mehr zahlen, als vorher gefordert worden war. Die Brückenangelegenheit müsse endlich in Ordnung kommen. Die Plänterwaldfläche sei kein Be- stand des Parkes und der dafür geforderte Preis ebenfalls an- gemessen. Stadtv. Borgmann(Soz.): Gleichviel waS daS Enteignungs- gefetz vorschreibt, in so strittiger Sache ist die Enteignung immer vorzuziehen. Ich will lieber die Brücke im Zuge der Eisenbahn- straße vermissen, um nur recht schnell zu der Brücke im Zuge der Manteuffelstraße zu kommen.(Zustimmung.) Dem Verkehrs- bedürfnis wird nur durch diese letztere Brücke genügt, nicht durch das Surrogat im Zuge der Eisenbahnstraße. Die Plänterwald- parzelle sollen wir nun noch als eine Art Kompensation in Kauf geben, und sie ist tatsächlich nur ein Teil dessen, was der Fiskus später noch weiter von uns verlangen wird. Die Garnison ist ja gar nicht Berlin, sie ist Treptow. Berlin hat also gar keine Ver- pflichtung, dem Fiskus irgendwie entgegenzukommen. Soll der wunderschone Wasserweg, den Berlin dort geschaffen hat, auf diese Weise Schaden erleiden? Verweisen Sie die Vorlage in Pen Aus- schuh zurück! Stadtv. Golbschmibt(N. L.) schließt sich letzterem Antrage an. Der vom Fiskus verlangte Preis scheine tatsächlich zu hoch; anderer- seitS werde Berlin von der einmal verkauften Plänterwald- Parzelle, so lange Deutschland steht, nichts wiedersehen. Stadtv. Haberland entgegnet dem Stadtv. Borgmann, daß er mit seinem Vorschlage die so wünschenswerte Ausführung der Brückenbauten nur verzögere. Stadtv. Paul(N. L.): Die abzutretende Parzelle ist gar lein Bestandteil des eigentlichen Plänterwaldes(Widerspruch); der bleibt in seiner Schönheit durchaus erhalten. Die Zurückverweisung an den Ausschuß wird abgelehnt, die AuS- schußvorschläge gelangen mit schwacher Mehrheit zur Annahme. Der Antrfcg Arons u. Gen.(Soz.), den Magistrat zu er- suchen, datz in Zukunft ebenso wie für die 1. und 2. Abteilung auch für die 8. Abteilung 16 Wahlbezirke für die Stadtverordnetenwahlen gebildet werden, ist seinerzeit vom Aus- schütz mit allen gegen 2 Stimmen abgelehnt worden. Am 18. Januar cr. verwies die Versammlung den Ausschutzbericht mit einem Antrage Deutsch,„im Interesse der Gleichmäßigkeit der Wahlen für die 1. und 2. Abteilung je 43 Bezirke zu bilden", an den Ausschuß zurück, der am 3. Mai neuerdings beraten hat. Der Antrag Deutsch ist einstimmig, der Antrag Arons gegen 3 Stimmen abgelehnt worden; dagegen hat der Ausschuß folgende Re- solution einstimmig angenommen:„Den Magistrat zu ersuchen, baldmöglichst, spätestens aber bis vor den Wahlen Ende 1909, eine Neueinteilung der Wahlkreise der 3. Abteilung entsprechend der veränderten Wäblerzabl bor- zunehmen." Referent ist Stadtv. Licbenow(A. L.). Von den s o z.° s o r t s ch r i t t l. Mitgliedern Marggraff u. Gen. ist beantragt, die Neueinteilung auch auf die Wahlbezirke der 1. und 2. Abteilung mit zu erstrecken. Stadtv. Deutsch(soz.-fortschr.): Mir liegen Daten vor, welche für die 1. und 2. Abteilung womöglich noch größere Ungleichheiten in der Wählerzahl nachweisen als in der dritten.(Redner teilt einige Zahlen mit.) Will man eine Ungerechtigkeit beseitigen, so beseitige man sie in der 1. und 2. Abteilung auch! Stadtv. Borgmann: Wir haben gegen den Antrag nichts ein- zuwenden, wenn uns auch die I. und II Abteilung naturgemäß nicht so am Herzen liegt. Unseren ursprünglichen Antrag haben wir heute nicht wieder eingebracht bei dessen völliger Aussichtslosigkeit. Die Darlegungen der Mehrheit des Ausschusses sind keineswegs sachlich fundiert. Es besteht keine Gefahr, datz wie 1882 der Ober- Präsident einem auf Grund unseres Antrages gefatzten Beschlüsse wider- sprechen würde, denn in der Zwischenzeit haben sich die Verhältnisse sehr verändert. 1832 durfte nicht in Unterabteilungen gewählt werden, heute ist daS gesetzlich zulässig, es wird ja heute in manchen Be- zirken in zehn Unterabteilungen gewählt. Das wichtigste bei unserem Antrage aber ist die Tatsache, datz dann die betreffenden Wähler alle zivei Jahre sämtlich an die Wahlurne geführt werden und da- durch ein viel größeres und lebhafteres Interesse für die öffentlichen Angelegenheiten in diese Kreise getragen wird,, als es bei dem jetzigen sechsjährigen Turnus»röglich ist. Wir haben doch alle gleiche Ursache, die Wählerschaft mehr als bisher für die kommunalen Verhältnisse zu interessieren. Die Wahlbeteiligung wird nicht geringer werden, denn die Analogie der I. und II. Abteilung kann doch nicht herangezogen werden. Prozentual ist übrigens in der I. Abteilung die Beteiligung manchmal größer als in der dritten. Jedenfalls bitten wir heute um die Annahme der Resolution des Aus- schusses. Damit, datz wir Anträge gestellt haben, um eine Verbesserung deS Wahlverfahrens herbeizuftihren, wollen wir natür- lich keineswegs dieses Wahlverfahren als ein gerechtes anerkennen, unsere Bemühungen werden vielmehr stets und immer auf die Be- seiligung desselben gerichtet bleiben und wir laden Sie ein, dabei kräftig mitzulvirken, daß wir auch in der Gemeinde das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht bekommen 1(Beifall). Eine weitere Diskussion wird nicht beliebt. Der Referent sucht die Einwurfe der Vorredner zu entkräften. Er plädiert dabei auch eiftig gegen den Antrag Deutsch, der dem Ausschüsse gar nicht vorgelegen hat. Stadtv. Deutsch sieht darin einen„Mißbrauch' der Referentenfunktion, nimmt diesen Ausdruck aber auf Vorhalten des V o r st e h e r s zurück. Die Anträge Arons und Deutsch werden abgelehnt, der Aus- schußvorschlag sindet eine große Mehrheit. Die versuchsweise Errichtung eines DüngerbansenS auf dem Viehhofe, der 11 LA) M. kosten soll, hat der niedergesetzte AuS- schuß abgelehnt. Dagegen soll der Magistrat ersucht werden, der Vieh- und Schlachthofsverwaltnng aufzugeben, den frischen Dünger sobald als möglich zu verkaufen und eventuell durch einen Unternehmer jede Tagesration sofort abfahren zu lassen. Die Versammlung beschließt nach kurzer Debatte gemäß dem Ausschußantrage. Stadtv. Cassel(91. L.) berichtet hierauf über die bisherigen Ver- Handlungen des Ausschusses für die Neuwahl eines Stadt- schulrates und eines unbesoldeten Stadtrates. Die Stadtfchulratsstelle soll mit 12 000 M. Gehalt ausgeschrieben werden; Meldungen sind bis 15. Juli einzureichen. Die Versammlung stimmt den Ausschußanträgen zu. Die Gestellung von 16 Aktenwagen für die städtische Ver- Waltung soll auch für die drei Jahre vom 1. Oktober 1906 bis 30. Sep- tember 1909 wie bisher dem Fuhrwerksbesitzer N i e h o f f. Greifs- walderstraße 200, übertragen werden. Der Metspreis pro Wagen wird von 2200 auf 2250 Mark erhöht und die Zahl der Wagen um drei vermehrt. Stadtv. Sasscnbach(Soz.): Die Firma Niehoff zahlt ihren Kutschern Löhne bis zu 18 M. herunter. Ein solcher Lohn entspricht weder dem durchschnittlichen Tagelohn, noch dem Mindestlohn städtischer Arbeiter. Wir wollen keinen Antrag stellen, sondern nur betonen, daß wir es für das Recht und die Pflicht der Kommune halten, auch bei der Vergebung von städtischen Arbeiten für angemessene Entlohnung der Arbeiter zu sorgen. Ich bitte den Magistrat zu versuchen, einen höheren Lohn für die Kutscher zu er- langen, und auch in künstigen Fällen seine Bemühungen in dieser Richtung aufzuwenden. In den abzuschließenden Verträgen dürfen diese Fragen nicht nebensächlich behandelt werden, sondern sie haben die Hauptrolle zu spielen. Der Magistratsantrag wird angenommen. Von dem alten Wasserwerksgrundstück vor dem Stralauer Tor sollen fünf Parzellen mit etwa 5044 Quadratmeter an der Naglerstraße und am Warschauerplatz zum Preise von 125 M. pro Quadratmeter an die Firma„Berliner Mörtelwerke' Gebr. Tabbert und den Kaufmann Albert Tabbert verkauft werden. Die Vorlage wird angenommen, nachdem auf Antrag des Stadtv. Schlüpke(A. L.) die Bedingung hinzugefügt ist, daß spätestens in drei Jahren mit der Bebauung begonnen werden muß. Die Uebcrlassung des F e st s a a I e s deS R a t h a u s e S an die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft für einen Be- grüßungsabend gelegentlich ihrer 20. Wanderausstellung Mitte Juni 1906 und für den Enipfang des Vereins Deutscher Ingenieure am 9. Juni aus Anlaß seiner 47. Haupwersamm- lung wird genehmigt. Der Magistrat hat der Versammlung jetzt seine Vorschläge be- treffs anderweitiger Festsetzung der Grundsätze für die Auf- n a h m e in die städtischen H e i m st S t t e n unterbreitet. Im wesentlichen folgt er den Beschlüssen, welche die eingesetzte gemischte Deputation im Dezember 1905 für diese Revision gefaßt hat. Da- nach sollen hinfort I. in die Heinlstätten für Genesende(zurzeit Blankenburg und Heinersdorf) 1. hier wohnende und hier unter- stützungswohnsitzberechtigte Personen aufgenommen werden, welche nach einer überstandcnen Krankheit oder zur Ver- hütung einer zu befürchtenden Krankheit zwecks schnellerer Wieder- erlangung ihrer Gesundheit oder ihrer Erwerbsfähigkeit der Ruhe und Pflege bedürfen und diese in ihrer eigenen Häuslichkeit nicht finden können; 2. Wöchnerinnen mit ihren Kindern. Ausgeschlossen von der Aufnahme sind Epileptische, Schwind- süchtige, Syphilitische und Alkoholiker. II. In die städtischen H e i m st ä t t e n für Brustkranke (z. Z. Blankenfelde, Malchow, Gütergotz und Buch) unter den gleichen Voraussetzungen Brustkranke, bei welchen der Krankheitsprozeß zu einem gewissen Stillstand gekommen ist, die kein Fieber haben und Herstellung einer Erwerbsfähigkeit erwarten lassen. Ausgeschlossen sollen neben den oben genannten Kategorien auch Schlverkranke sein. Der Vorsteher Dr. Langerhans beantragt die Verweisung der Vorlage an einen Ausschuß. Stadtv. Dr. Weyl(Soz.): An sich hätten wir nichts gegen eine nochmalige Erörterung, aber ich gebe doch zu bedenken, daß die Sache schon in gemischter Deputation aufs eingehendste erörtert und eimnütig gegen eine Stimme, allerdings die unseres verehrten Vor- stehers, im Sinne der Vorlage entschieden worden ist? Es wäre also eigentlich erneute Ausschuhberatung unnötig. Gegen 3 Stimmen wird der Antrag Langerhanö abgelehnt; die Vorlage gelangt fast einstimmig zur Annahme. Schluß gegen 8 Uhr. Gcwerkfcbaftllcbea. Und wieder UnternehmerterroriSmnö. Auch in Dortmund ist wieder ein solcher Fall zu ver- zeichnen, wo augenblicklich die Dachdeckergehülfen streiken. Verschiedene Meister erklärten sich sofort bereit, die Forde- rungen zu bewilligen, es wurde also bei diesen weiter ge- arbeitet. Der Streik stand somit recht günstig, zumal eine christliche Strcikbrccherorganisation am Orte nicht vorhanden ist. Nun hat aber, wie in Königsberg, die Unternehmer- organisation einen Gewaltstreich gegen jene Meister ausgeübt. die das„Verbrechen" begingen, die Forderungen der Gehülfen zu bewilligen. Nähere» darüber besagt folgender Brief, der bei der Organisation der Dachdeckergehülfen eingegangen ist. Der Brief lautet: Dortmund, den 26. Mai 1906. Einschreiben. An den Dortmunder Dachdeckergehiilfen-Verband z. H. des Herrn H. Manz Dortmund Restauration zur Körnereiche. Hierdurch muff ich Ihnen zu meinem Bedauern die Mitteilung machen, dast ich die in der Lohnfrage mit ihnen getroffenen Ver- einbarungen bezw. meine Unterschrift zurückzuziehen genötigt bin, da mir durch das Vorgehen des Arbeitgeberverbnndes und der Dachdcckermcister- Vereinigung im anderen Falle in der Materiallieferungsfrage usw. derartige Schwierig- leiten bereitet werden, daß ich eventuell ge- zwungen bin, mein Geschäft aufzugeben. Ich mußte daher meine Gehülfen heute abend wieder ent- lassen, verspreche Ihnen dagegen, in den in der Lohnfrage statt- sindenden Versammlungen für die geforderte Lohnerhöhung auf das wärmste einzutreten. Hochachtungsvoll H. Friedrich. Daß hier eine direkt strafbare Handlung vorliegt, kann gar nicht in Zweifel gezogen werden, aber trotzdem darf man nicht erwarten, daß der Staatsanwalt einschreiten wird. Wenn die Streikenden gegen Arbeitswillige in gleicher Weise vorgehen würden, dann wäre es freilich etwas anderes. Die„Deutsche Tageszeitung" bezeichnet das Vorgehen der Königsberger Tischlcrincister als„nachahmenswertes Bei- spiel". Wie man an obigem sieht, handelt es sich gar nicht um ein„Beispiel", um ein vereinzeltes Vorkommnis, sondern um eine ständig geübte Praxis des Unternehmertums. Der Unternehmer ist el�n nicht„Herr im Hause", sondern bei der jetzigen EntWickelung der Verhältnisse Sklave des Scharf- machertums. Der„Deutschen Tageszeitung" ist freilich jede Sklaverei recht._ Berlin und Um gegen d. Die Berliner Mitgliedschaft des Verbandes der Buchdrucker nahm in ihrer letzten Versammlung nach dem„Korrespondent- folgende Resolution an: „Die am 16. Mai im Gewerkschaftshaus tagende Versamm- lung des Berliner G�nes erblickt in dem Nichterscheinen eines Maifestartikels im„KvRespondcnt" einen den Prinzipien der modernorganisierten Arbeiterschaft zuwiderlaufenden Willkürakt der Redaktion, spricht derselben ihre entschiedene Mißbilligung ans und verwahrt sich ganz energisch gegen eine solche Stellungnahme, die einem Arbeiterblatte zur Unehre gereicht und geeignet ist, die deutschen Verbandskollcgen der vorwärts strebenden klaffen- bewußten Arbeiterschaft gegenüber als rückständig erscheinen zu lassen." Wenn nun auch von einer Seite als Erklärung für das Ver- halten der Redaktion angeführt wurde, daß sich diese doch in einer recht eigentümlichen Lage befände, wenn sie für die Feier des I.Mai agitieren solle, der Verband aber die hieraus sich ergebenden Kon- sequenzen ablehne, so kam dem gegenüber die Ansicht zum Ausdrucke, daß man es doch gern gesehen und mit Freuden begrüßt hätte, wenn gerade jetzt, angesichts der bevorstehenden Tarifrevision, in einem Maiartikel der Prinzipalität die Notwendigkeit der Verkürzung der Arbeitszeit demonstriert worden wäre. Achtung, Kleber und Bauhanbwerker! Die Sperre über die Firma Linke, Rigaerstr. 109— Bau Friedenau, Frege- und HolsteinischestraßeN-Ecke—, besteht für die bei uns organisierten Kleber nach wie vor. Die Aufhebung der Sperre seitens der Achtzehnerkommission, weil der Unternehmer Linke den Tarif„anerkannt" habe, geschah nach unserer Ansicht nicht rechtmäßig. Herr Linke hat auch unserer Organisation mitgeteilt, daß er den auf diesem Bau beschäftigten Klebern den Tarif bewillige, aber daß die Tarifpreise tatsächlich bezahlt werden, bestreiten wir so lange, als wir keine Kontrolle darüber haben. Der Unternehmer Linke hat nach gepflogenen Unterhandlungen vor.Verhängung der Sperre der Kommission gegenüber erklärt, daß er den Bau in Lohn fertig stellen lasse. In Wirklichkeit hat er den Kollegen ganze 2 P f. pro Rolle zu den 2 5,40 und 5 0 P r o z. unter den Tarif- preisen betragenden miserablen Akkordpreisen zulegen wollen, während sie der Kommission erklären sollten, sie arbeiten i n Lohn! In Konsequenz dessen verhängten wir die Sperre und verlangten nun von dem Unternehmer nicht nur eine„An- erkcnnung" des Tarifs, sondern forderten, daß der Unternehmer bei eventuellen Klagen den Tarif für sich als verbindlich an- erkennen solle, die 9lrbeitswilligen zu entlassen und von unserem Arbeitsnachweis mindestens zwei Kollegen einzustellen habe, um kontrollieren zu können, ob die Tarifprcise auch wirklich bezahlt werden. Diese unsere Forderungen halten wir auch jetzt noch aufrecht. Der Vorstand der Freien Vereinigung der Tapezierer. Bureau: Schützenstr. 18/19. Tel. I 8282. Oeutfches Reich. DaS Ende einer Tragikomödie. Die Scharfmacherpreffe bringt folgende Mitteilung: „In der Sitzung des Vorstandes des Gelamtverbandes Deutscher Metallindustrieller vom 29. Mai d. I. wurde festgestellt, daß die streikenden Gießereiarbeiter der Bezirksverbände Braun- schweig, Breslau. Dresden und Hannover ihre Forderung nach Mindestlöhnen zurückgezogen und sich damit abgefunden haben, daß die Arbeitgeber eine Verhandlung mit Vertretern der Arbeiter- organisationen ablehnen. Demzufolge beschloß der Vorstand, daß die auf den 2. Juni d. I. festgesetzte Aussperrung nicht zur Ausführung kommen soll." » Die Situation war für das Unternehmertum so brenzlich ge« worden, daß ihm Logik und chronologischer Sinn abhanden ge- kommen sind. Man beachte: Am 29. Mai hob der Verband der Metallindustriellen nach seiner eigenen Mitteilung die Aussperrung auf, weil die Arbeiter zu Kreuze gekrochen seien. Am 30. Mai erst— einen Tag später i— kam in Hannover die Einigung der beiden Siebenerkommissionen zustande I Affr 31. Mai erst beschlossen die Former Hannovers, sich mit diesen Bedingungen einverstanden zu erklären! Damit ist der gewaltige Kampf zu Ende, an dem das stetige Zurückweichen der Scharfmacher die bemerkenswerteste Erscheinung ist. Anfangs erklärten sie, überhaupt nicht verhandeln zu wollen, später waren sie dazu bereit mit„ihren Arbeitern", d.h. in jedem Be- triebe einzeln, und zuletzt mußten sie in Hannover, wo der Abschluß, mit einer Siebenerkommission für alle Betriebe ge- m e i n s a m verhandeln. Genau so lag eS mit der Lohnfrage. Protzig lehnten sie zu Beginn des Kampfes jede Erörterung der Lohnfrage überhaupt ab, dann wollten sie jedem einzelnen BetriebSinhaber eine Lohnaufbesserung überlassen und schließlich mußten sie die inodifizierte» Forderungen der Arbeiter doch noch bewilligen. Wenn auch das Erreichte für die Metallarbeiter mcht den ur- sprünglichen Forderungen entspricht, so ist es doch ein großer Erfolg, daß die Organisation der Arbeiter daS brutalste Scharf- machertum niedergerungen hat! Roch am Mittwoch voriger Woche erklärten die Unten, ehmer Hannovers, was sie blS jetzt bewilligt hätten � damals war noch gar keine Lohnerhöhung zugesagt— sei daS Aeußerste der Zugeständnisse. Höhnisch brachen sie die Verhandlungen ab. Und als die Arbeiter dann er- klärten, sich nicht zu beugen, da kamen die Scharfmacher selbst zu den Arbeitern, luden die Kommission zu neuen Verhandlungen und machten Zuge st änd- nisse bezüglich des Lohnes! Darin liegt der bedeutendste Erfolg des Kampfes und ein Kommissionsmitglied der Arbeiter sagte den Arbeitgebern auch am Schluß der Verhandlungen, daß die Arbeitgeber, wenn(ie mit dem Metallarbeiter- Verbände gleich in Verhandlung getreten wären, dies alles ohne Aussperrung erreichen konnten. Dem pflichteten einige Arbeitgeber vollkommen bei; sie haben das eine als Erfahrung gewonnen, daß weder die erfolgte, noch die an- g e k ü n i g t e 9l u S s p e r r u n g auf die Arbeiter Eindruck ge- macht hat._ Die durch den Verband deutscher Kachelofenfabrikanten an- gekündigte Aussperrung wird mit dem 2. Juni perfekt. Bis jetzt sind im Hauptbureau des Verbandes der Töpfer 35 Orte gemeldet, in denen zum„heiligen" Pfingstfeste die Llrbeiter aufs Straßen- Pflaster geworfen werden. Außer den in einigen Orten im Streik befindlichen Töpfern kommen für den Verband noch zirka 2600 Kollegen in Frage, die unterstützt werden müssen. Die Organi- sation verfügt indes über die erforderlichen Mittel, um diese brutale Aussperrung genügend lange Zeit aushalten zu können. Durch Verdoppelung der Verbandsbeiträge der in Arbeit ver- bleibenden Verbandsmitglieder ist die Organisation außerdem im- stände, noch extra Kampfmittel aufzubringen. Die Organisation der Töpfer kann also den Aussperrungskampf mit frischem Mute aufnehmen. Beleuchtet übet mag Kerben die Ursache, Keshalb die .Kachelprotzen zur Aussperrung greifen. Seit dem 1. April befinden sich die Breslauer Töpfer und Ofensetzer im Streik. Dieser ist ein völlig gerechtfertigter, da die meisten P r o v i n z st ä d t e Schlesiens einen höheren Lohntarif aufweisen, als die schlesische Haupt st ad t. 9lllerdings kamen die Unternel'mer entgegen; die Brosamen aber, die sie geboten haben, sind völlig ungenügend. Deshalb wird der Breslauer Kampf nach mehreren vergeblichen Verhandlungen bis zum heutigen Tage weitergeführt. 9luch das Eingreifen der Leitung des Fabrikanten» Verbandes erwies sich als nutzlos, nutzlos vor allem deshalb, weil der Vorsitzende dieser Organisation, der Herr Polko-Meißen, nicht zu vermitteln suchte, sondern im Gegenteil die Breslauer Unter- nehmer scharf machte. Eine am 18. Mai abgehaltene Fabrikanten- Versammlung förderte sodann gegen eine Stimme den bekannten Aussperrungsbeschluß zutage. Tie fast einstimmige Annahme deS Aussperrungsantrages zeigt, daß viele Fabrikanten die Sache nicht ernst genommen haben, in der Erwartung, daß der Verband der Töpfer bei der mit Pauken und Drommeten verkündeten Aus- sperrung wie ein Taschenmesser zusammenklappen und den Bres- lauer Streik beenden würde. Die Herren haben sich aber gründlich getäuscht. Ter Verband ist genügend vorbereitet, um den Kampf mit aller Kraft auch auf der ganzen Linie aufzunehmen. Darob enttäuschte Gesichter bei einem Teile, z. B. den Veltener Fabrikanten. Auch kommt der Beschluß der Ofenfabrikanten den Ofensetzmeistern sehr ungelegen, da auch sie durch die Aus- sperrung in Mitleidenschaft gezogen werden, weil an vielen Stellen auf Bauten Warenmangel in Aussicht steht. Auch sind die Ofen- setzmeister entrüstet, daß sie bei dem Aussperrungsbeschluß seitens der Fabrikanten nicht gehört worden sind. Im Töpfcrgewerbe existieren nämlich zwei Organisationen der Arbeitgeber, der Deutsche Kachelofenfabrikanten-Verband und der Verband Deutscher Töpfer- und Ofensetzmeister. Letzterer, eine respektable Organisation, ist aber bei dem folgenschweren Be- schluß des Fabrikantenvcrbandes gar nicht eingeladen und gehört worden, da beide Organisationen gewisser Geschäftsfragen wegen sich nicht grün sind. Darob nun große Entrüstung eines Teiles der Ofensetzmeister. Der Organisation der Töpfer kann dies alles gleichgültig sein. Ihr Weg ist klar vorgezeichnet. Von einer Wiederaufnahme der Arbeit zu den gebotenen Bedingungen kann und darf in Breslau nicht die Rede sein. Deshalb nimmt die Organisation der Töpfer den hingeworfenen Fehdehandschuh ohne Zaudern auf. Die Ver- hältniffe liegen so, daß dieser seitens der Unternehmer brutal vom Zaune gebrochene Gewaltakt zugunsten der Organisation aus- fallen wird. In der Lampenfabrik von C. A. Kleemann zu Erfurt sind Differenzen ausgebrochen. Wir ersuchen. Zuzug von Drückern. Drehern. Gürtlern. Monteuren. Mctallformern und-Schleifern fernzuhalten. MaurerauSsperrung in Düren(Rheinland). Der Arbeit- geberverband für das Baugewerbe hat alle organisierten Maurer in Düren ausgesperrt, weil sie bis zum 30. Mai die Arbeit an dem Neubau der evangelischen Volksschule nicht wieder� auf« genommen haben. Kürzlich haben die Unternehmer des Tischler- gewerbes in dem nämlichen Düren die organisierten Tischler- gehülfen ausgesperrt, lediglich weil sie Lohnforderungen gestellt hatten. Düren ist eine Hochburg des Zentrums, und bei beiden 9lussperrungen kommen vorwiegend Mitglieder der Zentrums- Gewerkschaften in Betracht. Letzte J�achncbten und Depefchen, Nachwehen der Eisenacher Wahl. Eisenach, 31. Mai.(Privatdepesche des„Vorwärts"./ Wegen Auflauf und Ruhestörung am Stichwahltage standen 21 Angeklagte vor der Strafkammer. � Nach zehnstündiger Verhandlung wurden 18 Angeklagte zu insgesamt 32 Wochen Gefängnis, 1 Woche Haft, 115 Mark Geldstrafe verurteilt. Drei Angeklagte sind freigesprochen. Feuersbrunst. Freiburg(Schweiz). 31. Mai.(W. T. B.) Seit 1 Uh« mittags brennt bei heftigem Südwestwind das 15 Kilometer süd, östlich von Freiburg belegene Dorf Plaffeien nebst dem Weiler Ried. Bis 2 Uhr standen ungefähr 59 Gebäude in Flammen. Amnestie in Frankreich. Paris, 31. Mai.(W. T. B.) In dem heute vormittag ab, gehaltenen Ministerrat wurde im Prinzip beschlossen, der Deputiertenkammer nach ihrem Wiederzusammentritt einen Ent- wurs für eine allgemeine Amnestie vorzulegen, die auf alle wegen Vergehens bei den Jnventuraufnahmen, bei Aufständen und im Zusammenhange mit der antimilitaristischen Propaganda sowie wegen Verstoßes gegen das Preß- und das Versammlungsgesetz Verurteilten Anwendung finden soll. Hochzeits-Bomben. Madrid, 31. Mai.(W. T. 59.) Auf dem Rückwege nach dem Schlosse wurde in der Calle Major auf den königlichen HochzeitSzug nahe bei dem Wagen» in dem der König saß» eine Bombe ge- worfen. �„. Madrid, 31. Mai.(W. T. SB.) Die gegen den königlichen Hoch. zeitszug geschleuderte Bombe war in einem Blumensträuße ver- borgen. Ter Wagen des Königs ist stark beschädigt. Das Haus. vor dem der Anschlag ausgeführt wurde, ist durch Gendarmerie abgesperrt worden. Der Minister des Innern, der Zivilgouverneur. die Staatsanwaltschaft erschienen sofort an der Stelle. Es sind zwei Personen verhaftet worden; der eine est Ausländer, der andere Spanier. Der letztere, der sich sehr niedergeschlagen zeigt, ist an- geblich Student und achtzehn Jahre alt. Die Agrarforderungen der Duma. Petersburg, 31. Mai.(W. T. B.) Rcichsduma. Die Sitzung wird um 3% Uhr wieder eröffnet. Die Duma geht zur Debatte über die Agrarfrage über. Abgeordneter Prosesior Petrajitsky er- geht sich in längerer Rede über das Programm der Enteignung von privatem Landbesitz und setzt die Notwendigkeit einer der- artigen Enteignung vom Gesichtspunkt deS öffentlichen Wohles auseinander. Er sieht jedoch Gefahren voraus bei der Reform, die imstande sein würde, die Ausbreitung der Kultur und Zivili» sation in der Zukunft zu beeinflussen, indem sie Rußland zu einem Bauernstand par excellence machen würde. Die Debatte wird sehr lebhaft. Professor Herzenstein, Abgeordneter für Moskau, hält eine lange Rede, die häufig von tosendem Beifall unterbrochen wird, in der er die finanzielle und wirtschaftliche Politik der Re- gierung kritisiert, gegen die Angriffe auf die Bildung der Bauern protestiert und auf Dänemark, das Land der Bauern, hinweist, wo es hundert Volkshochschulen gebe. Redner kommt zu dem Schlüsse, daß an dem Grundsatz der Zwangsenteignung für ganz Ruhland nicht gerüttelt werden dürfe, wenn auch die Ausführung im einzelnen eine verschiedene sein könne.(Anhaltender Beifall.). Die Sitzung schließt um 7 Uhr abends. Perantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.l Zh. Glocke, Berlin. Krück u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer äcCo., Be rlin 2 W. Hierzu2Beilagen u.Unterhaltun'>'ilatt Nr. 125. 23. IahrMg. 1. KilM ks.Amiirts" Ktllim Wksblck. Freitag,!. Juni 190k. Eue der Partei. Genosse Goldstein und der sächsische Etat. Genosse Reichstags- und Landtagsabgeordneter Goldstein-Zwickau gibt zu der freisinnigen Meldung, daß er im sächsischen Landtag für de» Etat gestimmt habe, im„Sächsischen Volksblatt" folgende Erklärung ab: Ich habe in der Tat dadurch, daß ich bei der Abstimmung irrtümlich sitzen blieb, anstatt dagegen aufzustehen, für den Etat gestimmt. Im Reichstage findet bekanntlich der umgekehrte Ab- stimmungsmodus statt. Konsequenzen daraus lassen sich jedoch nicht ziehen, da sich das nicht wiederholen wird, weil ich ebenfalls auf dem Standpunkte stehe, daß der sächsischen Klassenregicrung kein Vertrauensvotum durch die Zustimmung zum Gesamtetat ge- geben werden darf. H. Goldstein. ES handelt sich also um ein Versehen, daraus die Gegner, wenn sie anständig kämpfen wollen, kein Kapital schlagen können. Ob sie das wollen, das ist allerdings die Frage. Für die Partei ist jedenfalls die Sache mit der Erklärung GoldsteinS er- ledigt. Vom Wachstum der Presse. Seit dem l. Februar hat der Braunschweiger.Volksfreund" über 1(100 neue Abonnenten ge- Wonnen. Die Steigerung dauert fort. Die Frage der Reichstagskandidatur beschäftigt zurzeit die Ge- Nossen des Wahlkreises Sorau-Forst. Eine Kommission war eingesetzt, um Vorschläge zu machen. Bevor sie Bericht erstatten konnte, haben nun die OrtSvercine in Sacra und Eulo, deren jeder etwa 20 Mitglieder umfaßt, beschlossen, ihre Delegierten zur General- Versammlung des Kreisvereins zu beauftragen, den Genossen Marek- Wald als Kandidaten vorzuschlagen. Die Kommission wendet sich in einer Erklärung in der„Märk. Volksstimme" gegen dies Verfahren, daß die Arbeiten der Kam- Mission nach außen und nach innen schädigen müsse. Die Kommission erwartet, daß die übrigen Ortsvereine sich dem verfehlten Vorgehen von Sacra und Eulo nicht anschließen, sondern von bestimmen Vor- schlügen zur Kandidatur solange absehen, bis die Kommission ihren Bericht erstattet habe, der spätestens zur Generalversammlung des Wahlvereins erfolgen solle. Die Ortsvererne von Eula und Sacra antworten mit einer Er- klärung, daß mit der Wahl der Kommission das in unserer demo- kratischen Organisation jedem Parteigenossen zustehende Recht, auch seinerseits Vorschläge zu machen, nicht erlösche. „Wieder ein gcmaßregelter sozialdemokratischer Redakteur." Unter dieser schönen Spitzmarke geht durch die Ordnungspresse folgende aus der„Freien Deutschen Presse", dem freisinnigen Organ ent- nommene Notiz: „Der langjährige Redakteur der sozialdemokratischen„Bergischen Arbeiterstinune" rn Solingen, Otto May, war kürzlich dieser Stellung enthoben worden, weil er seine geistige Unabhängigkeit nicht gänzlich unter den Willen einiger örtlichen Parteidiktatoren hatte beugen wollen. Es hieß, daß ihm seitdem das Elberfelder sozialdemokratische Organ„Fr sie Presse" in seiner Redaktion Unterkunft geboten habe. Das ist nun, wie wir erfahren, nicht geschehen, wohl aber hat man den akademisch gebildeten Mann, der die geistigen Interessen seiner Partei seit fast zwei Jahrzehnten vertritt, an der genannten Zeitung zum—„Annoncen-Acquisiteur" gemacht." Unsere Leser wissen, daß Genosse May seine Stellung in Solingen selbst aufgegeben hat, und daß seine Kündigung nicht mit irgend welchem Angriffe auf seine«geistige Unabhängigkeit' zusammenhängt. Wie frech die»Freie Deutsche Presse" draufloslugt, zeigt nebenbei der Umstand, daß May, den sie als„akademisch gebildeten Mann" prä- sentiert, gelernter Buchdrucker ist. Der Parteitag der polnischen Sozialdemokratie Oesterreich?, der dieser Tage zu Lemberg tagte, nahm nach einem Referat des Genossen Reichsratsabgeordneten D a s z y n s k i über die Wahl reform nach unerheblicher Debatte einstimmig folgende Rcsw lution an: „Der zehnte Kongreß der polnischen sozialdemokratischen Partei erklärt, daß das vorliegende Wahlreformprojekt der Regierung die Basis für die Bestrebungen zur Erringung des allgemeinen Stimm- rechts abgeben könne. Obwohl der Kongreß nicht verkennt, daß diese Vorlage eine Reihe von Mängeln enthält, erklärt er doch, daß er sie akzeptiert, da sie die Kurien abschafft und alle Versuche der Feinde des Projektes, die auf eine Verfälschung des allgemeinen Wahlrechtes durch Einführung des Pluralitätswahlrechtes, einer längeren Seßhaftigkeit, der Wahlpflicht usw. hinauslaufen, zurück weist. Konform mit den Beschlüssen der kürzlich in Wien statb gefundenen Tagung der Gcsamtexekutive der Partei fordert der Kon« fteß endlich sowohl die industriellen wie die ländlichen Arbeiter auf, ichfürden Massen streikbereit zu halten, um ihn eventuell sofort bei einer wirklichen Gefährdung der Wahlreform beginnen zu können." Die Partei in Japan bemüht sich, trotz aller Verfolgungen und Unterdrückungen ihrer Schriften, festen Fuß zu fassen. Nippon Shakwpi-To ist der Parteiname und das Bureau befindet sich in 1—3 Chome, Misakicho, Kauda, Tokio. Die Leitung liegt in Händen eines Komitees von 13 Mitgliedern, die von den Genossen gewählt wurden. Parteisekretäre sind Sakai, Morichka und Nishilalva. T. Sakai war früher Redakteur am„Uocozu Choho". der beliebtesten und gelesensten Zeitung Japans; er gab seinen Posten auf. als die Zeitung sich für den Krieg mit Rußland erklärte. Morichka war früher Regierungsbeamter, verlor aber seiner sozialistischen Ge« sinnung wegen seinen Posten und betreibt jetzt in Tokio einen Milchladen. Nishikawa war Mitredakteur an„Heinnin Shimbeu" und„Chokagen", zwei fortschrittliche Blätter, die von der Regierung unterdrückt wurden. Eine neue Monatsschrift,„Studium des Sozialismus" fgl Seiten) ist in Tokio erschienen; außerdem besteht noch eine Halbmonatsschrift,„Das Licht", japanisch„Hikari". polizetUcbeSt OcrichtUchcs ulw. Der glaubwürdige Polizist und der unglaubwürdige Bürger. Zu oer Verurteilung des Genossen S ch olle von der. D ü s s e l- dorser Voltszeitung" wird uns noch des näheren ge- meldet: Der inkriminierte Artikel behauptete, ein Polizeibeamter, dem ein schroffes Wesen eigen sei und der sich schon durch schneidiges Vor- gehen gegen Streikende ausgezeichnet habe, habe in betrunkenem Zu« stände einen auf der Straße spielenden Jungen schwer mißhandelt. In der Verhandlung beschwor der Polizeibeamte, daß er nicht betrunken gewesen und dem Jungen, der Unfug auf der Straße verübt, nur einen leichten Klaps gegen den Kopf gegeben habe. Ein Teil der Zeugen bestätigte, daß der Polizeibeamte geschwankt habe, während einige erklärten, gesehen zu haben, wie der Beamte dem Jungen Ohrfeigen verabreichte. Der Arbeiter Bomm, der den Borfall von Anfang an beobachtet hatte, schilderte denselben genau so, wie er in der„Volkszeitung" wiedergegeben war. Vom Vorsitzenden darauf aufmerksam gemacht, daß seine Aussagen mit den- jenigen des Beaniten in Widerspruch ständen, erklärte er, daß er die Wahrheit gesagt habe. Der �Staatsanwalt beantragte, die Aussage des Bomm zu protokollieren, ein Antrag des Verteidigers, weitere Zeugen zu laden, die die Auslassungen des Bomm bestätigen sollten, wurde abgelehnt, dem Antrag deS Staats- anwalts aber stattgegeben. In seinem Plaidoyer behauptete der Staatsanwalt. Bomm habe unter Eid die Unwahrheit gesagt. Er forderte seine Verhaftung; für Scholle hielt er eine Geldstrafe nicht für angebracht, denn sie würde doch von anderer Seite bezahlt, er hielt aber 14 Tage Gefängnisstrafe für ausreichende Sühne. Das Gericht ging über den Antrag hinaus, Scholle wurde zu einem Monat Gefängnis verrirteilt und Bonrm wegen dringenden Verdachts des Meineids verhaftet. Das ist der neueste Kurs in Düsseldorf. Gegen Scholle schweben noch fünf Prozesse. Aber nicht allein gegen die Parteipresse beliebt die dortige Polizei und Justiz ein schneidiges Vorgehen, nein, auch ein paar harmlose Leute, die sich Anarchisten nennen, werden mit Verfolgungen bedacht. Seit dem 18. März finden bei den Leuten fortgesetzt Haussuchungen statt, so noch in den letzten Tagen. Viel kommt dabei nicht heraus, nur einige Broschüren über den General- streik waren bis zetzt die Beute. Der staatSgefährliche Schlips. In Sachsen ist kein Ding un- möglich. Das bewies eine Schöffengerichtsverhandlung in Leipzig, in der über einen„Staatsverbrecher", einen 17 jährigen Arbeits- burschen, geurteilt werden sollte. Der junge Menfch besucht die Fortbildungsschule in Gautzsch, und der Herr Direktor H. hatte ihm aufgegeben, künftig nicht in einem unsauberen Sweater zum Unter- richt zu kommen, sondern in einer angemessenen Kleidung. Da er- schien er am Abend des 27. Februar in Weste und Vorhemdchen und trug auch einen roten Schlips. Den Direktor schien darob der Rot- koller zu befallen, denn er forderte ihn auf, die Krawatte abzulegen. Als der junge Mann sich weigerte, bot man die Polizei auf, damit nicht mehr Unheil geschehe und der Schutzmann nahm den roten Schlips als Korpusdelikti mit und erstattete Anklage. Daraufhin Anklage wegen„Tragens republikanischer Abzeichen", auf Grund jenes famosen Paragraphen, der als Zopf aus der Beustschen Reaktrons- epoche unter den vielen anderen Zöpfen dem sächsischen Staat hinten hängt. Der Angeklagte entschuldigte sich, er habe, da er selbst einen Schlips nicht besitze, den seines Bruders benutzt, der Mitglied eines Arbeiterwruvereins sei. Das Gericht gelangte zur Freisprechung, weil dem Angeklagten noch die Erkenntnis der Strafbarkcit seiner Handlungsweise gefehlt habe. Das Stückchen kann auch nur in Sachsen passieren I Strafkonto der Presse. Wegen angeblicher Beleidigung einiger Polizeibeamten durch die angeblich falsche Behauptung, daß sie einen Arrestanten inhuman transportiert hätten, wurde vom Schöffengericht zu Hannover der Genosse Hans Donath vom„Volkswillen" zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Der verräterische Name. In Laer bei B o ch u m ist dieser Tage der Vorsitzende des Arbeitergesangvereins„Vorwärts" mit einem Strafmandat über 15 M. bedacht worden, weil er, fußend auf den nichtpolitischen Charakter des Vereins, das Ein- reichen einer Mitgliederliste verweigert hatte. Ein Antrag auf richterliche Entscheidung war ohne Erfolg, das Gericht beließ es bei der Strafe, indem es sich den Ausführungen des Amtsanwalts an- schloß, der mangels anderen Beweismaterials den politischen bezw. sozialdemokratischen Charakter des Vereins mit seinem Namen „Vorwärts" bewies.„Vorwärts" heiße das Zentralorgan der Sozialdemokraten und„Vorwärts" heiße auch die Losung der Sozialdemokraten. Mit Recht bemerkt das„Volksblatt" für Bochum zu dieser salomonischen Beweisführung: Also weil der Verein„Vorwärts" heißt, mithin denselben Nanien führt wie das sozialdemokratische Zentralorgan und weil die Losung der Sozialdemokraten«Vorwärts" lautet, deshalb ist der Verein ein politischer, der auf öffentliche An- gelegenheiten einwirkt. Der Norddeutsche Lloyd hat kürzlich ein Schiff auf den schönen Namen„Vorwärts" getauft. Dieses Schiff wirkt demnach auch auf öffentliche Angelegenheiten ein und ist viel- leicht gar sozialdemokratischen Charakters. Soziales. Die Amerika-Linie und die guten Sitten. Am 1. Mai begingen auch die Hafenarbeiter dieser Weltlinie das in den Augen aller Scharfmacher schwere Verbrechen, das Werk zu stoppen und sich an der Demonstration zugunsten der Forderungen de? Proletariats zu beteiligen. Das durste nicht ungerochen bleiben. Herr Ballin faßte den Entschluß, dem„Unfug" ein für allemal ein Ende zu machen durch Statuierung eines Exempels; getreu seiner alten Devise:„Die Masse muß es bringen," beauftragte er die Direktoren v. Grumme, Flügeladjutant des Kaisers a. D., und Dannenberg, gegen 142 feste Schauerleute eine Schadensersatzklage in Höhe von 12 000 M. beim Gewerbegericht anhängig zu machen, das sich am Mittwoch mit dieser Angelegenheit befaßte. In der Klagebegründung wird unter anderem hervorgehoben, die Beklagten hätten am 1. Mai vertragswidrig die Arbeit eingestellt und seien deshalb wegen Kontraktbruchs von der Klägerin mit Recht sofort entlassen worden. Daß ein ohne zwingende Notwendigkeit und noch dazu lediglich zu Demonstrationszwecken erfolgter Kontraktbruch gegen die guten Sitten verstoße, könne nicht zweifelhaft sein. Der Verstoß sei um so gröber, als das Verlassen der Arbeit durch die Beklagten gleichzeitig und gemeinschaftlich geschehen sei. Es sei ohne weiteres klar, daß die Befolgung solcher Verabredung den Stauereibetrieb der Klägerin für den 1. Mai nahezu lahm legen und das ganze klägerische Unternehmen aufs schwerste schädigen mußte. Was nun die Höhe des Schadens anlange, so könne derselbe nicht nur auf den 1. Mai beschränkt werden. Die schädlichen Folgen des Kontraktbruchs und der dadurch notwendig gewordenen Entlassung erstrecken sich vielmehr auf Wochen und seien noch jetzt bemerkbar. Eben weil die festen Arbeiter den Grundstock der Ar- beiterschar darstellen, konnte die Neuschaffung solcher Grundlage nur langsam erfolgen. Unter Hinweis auf die Unmöglichkeit der Beschaffung von Ersatzkräften am Orte wird weiter ausgeführt: Die Klägerin war gezwungen, Arbeitskräfte von auswärts herbei- zuschaffen. Der Transport, die Unterbringung, die Verpflegung und die höheren Löhne der fremden Arbeiter machten erhebliche Kosten, während das beschaffte Arbeits Material natur- gemäß minderwertiger war. da nur die minder- wertigen Kräfte, die in ihrer Heimat keine Arbeit finden, zu erlangen und außerdem hier nicht ein- gearbeitet waren. Die in aller Welt bekanntgewordene Arbeitsstockung der hiesigen Reedereibetriebe lenkte den Verkehr von Hamburg ab und entzog den zahlreichen von Hamburg aus- gehenden Linien der Klägerin ungeheueren Frachtvcrdienst." Den Schaden beziffert Klägerin aus Hunderttausende. „Mit Rücksicht ans die Vermögenslage der Beklagte» und die Uneinwcibbarkeit größerer Kapitalien. will Klägerin aber nur einen kleinen Teil des Schadens, nämlich 12 000 M. unter Verzicht auf den Rest gegen die Beklagten geltend machen. Es bedarf auch keines BewesteS, daß der Schaden auch dann noch diesen Betrag um das vielfache überstiegen hätte, wenn alle anderen Schauerlcute der Klägerin am 2. Mai wieder gearbeitet hätten und nur die Beklagten, also der Kern, für den 1. Mai und die Folgezeit gefehlt hätten." Klägerin führt nur einen einzelnen Schadensfall an:„Der Schnelldampfer„Blücher"(12 334 RegistertonS) sollte fahrplanmäßig am 3. Mai abgehen. Ueber die zur Fertigmachung des Dampfers erforderliche Zeit war genau disponiert, was bei dem Werte eines solchen Dampfers und den großen täglichen Unkosten auf der Hand liegt. Da nun am 1. Mai mangels hinreichend ge- fchulter Arbeitskräfte nur wenig gearbeitet wurde, konnte der Dampfer schon allein um deswillen erst am 4. Mai abfahren, ganz abgesehen davon, daß auch am 2. und 3. Mai nicht genügend ge- 'chulte Arbeitskräfte zur Stelle waren, und die Expedition große Mühe und Extrakosten erforderte. Wären die Beklagten nicht kontraktbrüchig geworden, so hätte schon allein mit ihrer Hülfe der Dampfer rechtzeitig abgefertigt werden können. Der Schaden, welcher durch die verspätete Abfahrt des„Blücher" entstanden ist, beträgt 11 549,02 M." Klägerin beantragt: 1. prinzipaliter die Be- klagten als Gesamtschuldner zur Zahlung von 12000 M. nebst 4 Proz. Zinsen zu verurteilen, 2. eventuell die Beklagten zur Zahlung von je 84,50 M. zu verurteilen. Die Beklagten bezeichnen die Darstellung der Klage al? entstellt; sie hätten, und zwar jeder einzelne für sich, ohne daß eine diesbezügliche Vereinbarung zwischen den Beklagten getroffen war, den Wunsch gehabt, am 1. Mai an der Maifeier teilzunehmen, ohne jedoch zu beabsichtigen, den mit der Klägerin getroffenen Arbeits- vertrag zu brechen und kontraktbrüchig zu werden, vielmehr war es den Beklagten durch jahrelange Uebung von der Klägerin freigestellt, jederzeit einen oder eventuell sogar mehrere Tage von der Arbeit fernzubleiben. Von diesem Rechte hätten sie auch am 1. Mai Ge» brauch machen wollen. Uebrigens hätten sie gar nicht freiwillig die Arbeit verlassen, sondern ein Beauftragter der Klägerin habe sie am Morgen des 1. Mai um 4 Uhr, nachdem sie, abgesehen von einer Mittagspause, ununterbrochen 22Stunden gearbeitet hätten, gefragt, wer mit nach Hamburg wolle(der„Blücher" lag bei Stade) und hinzugefügt, der solle sich ans den Begleitdampfer „Hansa" begeben. Sie feien alle nach Hamburg gefahren, wo sie um 6 Uhr eintrafen und bis 7 Uhr auf weitere Orders warteten, hätten aber keinen Auftrag zur Verrichtung weiterer Arbeit erhalten und seien dann fortgegangen. Wenn die Klägerin Schaden erlitten haben sollte, so müsse sie diesen selbst tragen, weil sie die Beklagten am 2. Mai, als sie ans Werk zu gehen beabsichtigten, nicht mehr beschäftigt habe. Die Beklagten wären bereit gewesen, auch die Nacht zum 3.Mai durchzuarbeiten, so daß die am I.Mai fertigzustellende Arbeit von denBe- klagten sicherlich nachgeholt worden wäre. Daß der Dampfer„Blücher" länger auf der Unterelbe lag, habe an den nicht rechtzeitig fertiggestellten Bunkerarbeiten(Laden der Maschinenkohlen) gelegen, welche Arbeit aber nicht Sache der Beklagten war.(Die Bunkerleute beteiligten sich ebenfalls an der Maifeier.) Zur Ein- stellung der fremden Arbeitskräfte nach dem 2. Mai habe gar keine Veranlassung vorgelegen. Ein Verstoß gegen die guten Sitten liege nach keiner Richtung vor. Im Gegenteil. Treffend führten die Vertreter der Beklagten aus, daß gerade bei der Arbeits- Methode im Hamburger Hafen eine Beteiligung der Hafenarbeiter an der auf Verkürzung der Arbeitszeit abzielenden Maifeier dringend vonnöten fei. Die Beklagten bemerken, daß sie durch das Verhalten der Klägerin teilweise 14 Tage lang irgend welchen Arbeitsverdienst nicht hätten erhalten können, weshalb sie sich die Geltendmachung ihrer Schadenersatzfordcrung ausdrücklich vorbehielten. Der Vcr- treter der Anierika-Linie, Inspektor Kapitän a. D. Theile, meinte kühl, die Arbeiter hätte» sich vor der weiteren Arbeit am 1. Mai gedrückt. Der Dampfer„Blücher" hätte durch das Verhalten der Beklagten keine Ladung mitnehmen können, wodurch der Schaden noch größer geworden sei. Die festen Leute hätten durch Verlassen der Arbeit den übrigen ein schlechtes Beispiel gegeben. Vorsitzender(Amtsrichter Dr. Boysen): „Eine zehntägige Aussperrung scheint mir doch etwas zu lang." Theile: Früher sperrte der Arbeitgeberverband drei Tage aus. Da wir bisher nicht unter der Maifeier gelitten haben, berührte uns die Sache weniger. Jetzt müssen wir abschreckend wirken, denn eine willkürliche Unterbrechung der Arbeit dürfen wir nicht dulden, da- gegen müssen wir die schärfsten Mittel anwenden. Wir sind jetzt noch mit unseren Arbeiten im Rückstände. Der eingeklagte Schadenersatz- anspruch bezieht sich nur auf die verspätete Expedition des„Blücher". Die Vertreter der Beklagten weisen entschieden zurück, für den durch andere Faktoren verursachten Schaden materiell und moralisch verantwortlich gemacht zu werden, zumal man diesen Schaden durch Einstellung von anderen Hafen- arbcitern Hamburgs(Hülfsleute) hätte abwenden können, wenn man die festen Leute nicht wieder sofort anstellen wollte. Von den Be- klagten könnte doch nur ganz eventuell aus Grund§ 124 b der G.-O. vorgegangen und ein Schadenersatz von 18 M.— der ortsübliche Tagelohn mal sechs— verlangt werden, und zwar von jedem einzelnen der Beflagten, ohne daß eine Verurteilung derselben als Gesamtschuldner erfolgen könnte. Vorsitzender (zu dem Vertteter der Amerika-Linie):„Von dem einzelnen werden Sie doch keine 12 000 M. erhalten(Heiterkeit), deshalb wäre eS richtiger, wenn Sie Ihren Anspruch auf 18 M. pro Kopf erniäßigten. Der Prozeh würde sicher noch andere Instanzen beschäftigen und mindestens l'/z Jahre dauern. Eine dreitägige Aussperrung wäre nach Lage der Sache wohl genügend gewesen. Bei der Amerika- Linie komme es doch weniger auf Geld an, als auf die Wahrung des Prinzips und den moralischen Erfolg nach außen hin.(Nach einigem Ueberlegen.) Ich rate Ihnen, sich mit 10 Dl. pro Kopf zu- frieden zu geben." Das Gericht niacht einen diesbezüglichen Vcr- gleichsvorschlag und gibt beiden Parteien bis zum 20. Juni Bedenkzeit. Das Vorgehen der Amerika-Linie ist ein unerhörtes. Gegen die guten Sitten verstößt es. einen Arbeiter abzuhalten an der Maifeier teilzunehmen. Auch die Nichtteilnahme an der Maifeier verstößt gegen die guten Sitten, da sie gegen die von den Arbeitskollegen betätigten und für gerechtfertigt erachteten Sitten. Nicht das Ver- halten der Beklagten ist ein Verstoß gegen die guten Sitten, wohl aber die Arbeitsmethode und die Schadenswertung der Amerika- Linie. Im Binnenlande dürfte man es kaum für möglich halten, daß es eine Arbeitsmethode gibt, wonach die Unterbrechung der Arbeit nach 22stündiger angestrengtester Tätigkeit als Kontrakt- bruch mit der Hungerpeitfche geahndet werden könnte. Wie unS mit» geteilt wird, hätte die Arbeit auf dem„Blücher" noch den ganzen Tag in Anspruch genoinmen, so daß die Schauerleute dann ununter- brachen mindestens 36 Stunden gearbeitet hätten. Wir lassen hier noch die Arbeitszeit eines Schauermanns der A.-L. in der Zeit vom 1. Januar bis 31. März folgen. Gearbeitet hat der Mann außer insgesamt 69>/z vollen Tagen, 17 volle, 13 halbe Nächte, zwei Sonntage, 25 Ueberstunden des Abends und 10 Ueber- stunden des Morgens zwischen 4 und 6 Uhr I UeberdieS aber zeigt ja die A.-L. durch die von ihr angestellte Rechnung, daß der Vortrag mit den im Verhältnis zum Profit der A.-L. inini- malen Löhnen gegen die guten Sitten anstößt. Ist es wahr, daß die für einen Tag geleistete Arbeit, wie die Klage doch behauptet, weit über 12 000 M. wert war, so ist die Vereinbarung eines Entgelts von wenigen Mark für die weit über 12 000 M. werte Arbeitskraft eine gegen die guten Sitten verstoßende Ausbeutung der Arbeitskraft des Mitmenschen. Die A.-L. hat ihr soziales Empfinden durch die Klage selbst tiefer charakterisiert als dies die schärfste Krittk ver- möchte._ Die GewervegerichtSwahlen in Stuttgart fanden zum erstemal nach dem Proportionalwahlsystem statt. Das Ergebnis der Wahl war: Es wurden im ganzen bei den Arbeit- n e h m e r n 9484 Stinimen abgegeben, von denen die vereinigten ordnungsliebenden Arbeiter ganze 824 aufbrachten. Es entfallen mithin auf sie 3 Sitze. Bei der Wahl der Arbeitgeberbeisitzer entfielen von 807 Stimmen 155 auf die Liste der selbständigen Parteigenossen. Diese eroberten dadurch 6 Sitze. Da auch die AuSschußwahlen in Stuttgart nach dem Proporz geregelt sind, so wird aus die Ge» nossen neben allen Arbeitnehmersitzen auch ein Arbeitgebersitz im Ausschutz entfallen._ Huö Industrie und Handel. PrciSiiberspannung. Die Klagen über die steigende Tendenz der Eisenpreise mehren sich. AuS Kreisen, die sonst die Erhöhungen verteidigen, werden nuu Stimmen laut, aus denen, wenn auch nur schwach klingend. die Befürchtungen z» vernehmen sind, daß die sprunghaften Preis« steigerungcn das Konjunkturgebäude ins Wanken bringen können. Andererseits wird aber wieder darauf hingewiesen, daß die äugen» blicklichen Preise immer noch unter dem Niveau von 1900 stehen. Das ist richtig. Man darf atier nicht bergessen, dost die damaligen Preise, die übrigens teilweise nur für ein Semester in Geltung waren, einen Fieberzustand darstellten, der den WirtschaftS- körper m seinen Funktionen vollständig störte, und der Krisis folgte ein ziemlich andauernder Schwächezustand der Rekonvaleszenz. Liistt man jene Höchstpreise unberücksichtigt, dann ergeben sich heute Preise, vre weit über dem Stand der letzten zehn Jahre stehen. Nach rfu« sammenstellungen der Zeitschrift„Stahl und Eisen" betrugen die Handelspreise in Mark per Tonne im April(für 190g im Mai): Thomas« Gießerei- Thomas roheisen eisen I Blöcke .. 47—- .. K)— Knüppel Träger 1895 1896 1897 1898 1899 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 60,50 60,60 72,00 90,20 58 57,50 57,50 68 67 69 93 93 61 75 84 83 87 125 85 82,50 77,50 77,50 77,60 92,50 wir uns 73 84 93 93 97 135 97 95 90 90 90 105 Wieder 95 105 108 140 110 105 105 105 78 92,50 105 130 Mit den Preisen für 1906 nähern wir uns wieder bedenklich vm krisischen Ziffern, die teilweise erst in Wirksamkeit traten, als bereits eine ganz erhebliche Abschwächlina der Nachfrage eingetreten war. Allein die Ankündigung der erhöhten Preise hatte zur Ab- schreckung der Spekulation genügt und die Herrlichkeit war zu Ende. Und noch ein anderer Umstand mutz berücksichtigt werden. Damals waren die Spannungen zwischen den Preisen der zu verarbeitenden Materialien und denen der Erzeugnisse grötzer als hente. Die Spannung zwischen Blöcken und Stabeisen z. B. betrug dantals 65 M., jetzt nur 80—37 M. Die Preise zwischen Knüppeln mid Draht differierten 1900 ebenfalls um 60 M., jetzt nur um 32 M. Damals kosteten Blöcke 125� M., Grobbleche 200 M., die Spannung betrug 75 M., heute beträgt sie nur 42— 47 M. Wollten die Verbraucher von Halbzeug die damalige Spannung herzustellen versuchen, also mit den Erzeugnissen auch nur so weit von dem PreiShöchslstand zurückbleiben, wie die Halbzeugpreise sich halten, dann würde sowohl ans dem Innen- als auch auf dem Autzcnmarkt jeder Begehr abgeschreckt. Ein Vergleich mit den dainaligen Preisen als Matzstab der mög- lichen Belastungsprobe ist daher auch nicht akzeptabel. Diejenigen, die in jeder weiteren Preissteigerung die Krise näher rücken sehen, sind jedenfalls keine übertriebene Pessimisten. Jnteressen-Harmonie. Wie eS aussieht mit den Interessen zwischen Kapital und Arbeit, daS zeigt, der Geschäftsbericht der Riebeckschen Montanwerke A.-G. in Halle. Die Hannonie geht hier auf in der Formel: Mehr Gewinn, weniger Lohn I Die Gesellschaft verteilt für das letzte Geschäftsjahr 12 Proz. Dividende. Der Fabrikatsgewinn überragt den des Glanzjahres 1900/01 noch um 75 000 M. man diesmal aber 261 926 M. mehr zu Abschreibungen verwendete, blieb die Divi- dende um 2Vz Proz. hinter der damaligen zurück. Zu den erhöhten Abschreibungen haben— verkürzte Löhne beitragen müssen. Die Zahl der Beschäftigten ist um elf gesunken, die gezahlte Lohnsumme aber um 60 000 M. Aus den Kopf den Belegschaft entfällt in 1904/05 1905/06 Gewinn.... 780 M. 835 M. Lohn..... 1100, 1089„ Aus den Arbeitern wird pro Kopf 55 M. mehr Gewinn heraus- geholt, dafür kürzt man die Löhne um UM. Das ist Harmonie I— Die LndwigShafencr Walzmühle beklagt für das abgelaufene Ge- schäftsjahr die Erhöhung des LohnlontoO um 11 197 M. Das hat aber nicht gehindert, einen um 314000 M. höheren Reingewinn herauszuschlagen und den Tantiemenempfängern 70 735 M. mehr zuflietzen zu lassen, sodatz die Aufsichtsräte fast gerade soviel be- ziehen, als die Aktionäre. Die zchnprozentige Dividende, die nur 22 Proz. des Reingewinns darstellt, beansprucht 200 000 M., an Tantiemen werden verteilt 184774 M., oder pro Aufsichtsrat 30 800 M. Auf jeden Aufsichtsrat entfällt eine größere— Lohn- steigerung als auf die Gesamtheit der Arbeiter. Auch eine Harmonie l— Erheblicher Mehrgewinn— keine höhere Dividende. Wie wenig oft die Höhe der Dividende als Matzstab für den erzielten Ueber- schütz bewertet werden kann, ergibt der Bericht der Deutschen Eisen- bahn-A.-G. Wie seit 1902 für jedes Jahr, so erhalten die Aktionäre auch für 1905 5 Proz. Dividende. Die Summe deS letztjährigen Reingewinnes ermöglichte aber die Ausschüttung einer Dividende von mindestens 14 Pro�. Man hat von dem 629 721 M. betragenden Reingewinn, neben erhöhter Ueberwcisung an die ordentliche Reserve, 300 000 M. zur Bildung einer Spczialreserve benutzt und nur 35 Proz. des Reingewinnes werden als Dividende verteilt. So wird die Größe des Gewinnes verschleiert. Bedcimmcher. Der Aktien-Bauverein Unter den Linden, Berlin, hat von 1899 bis 1905 folgende Dividenden verteilt: 2, 3, 4, 5, 6, 7 und 8 Prozent. In den Dividenden kommt aber nur ein Teil der erzielten Gewinne zum Ausdruck. In der Bilanz figurieren Grund- stücke und Gebäude mit 8'/, Millionen Mark— die innere Ein- rickitung ist vollständig abgeschrieben—, der gerichtliche Taxator ver- anschlagt den Wert der Grundstücke und Gebäude jedoch auf II'/,« Millionen Mark. ES ist aber nicht ausgeschlossen, daß der Verkaufswert noch höher ist, sodatz die Aktienbesitzer tatsächlich noch mehrere Millionen Mark Gewinn in Reserve haben. Das ileuc venezolanische Berggesetz. In dem neuen venezolanischen Berggesetz vom 5. Seplcmber 1905 wird bestimmt, daß fremde Personen oder Gesellschaften, welche ein Bergwerkseigentum in Venezuela erwerben wollen, dortselbst einen Wohnsitz begründen, in bezug auf die Konzession sich der venezolanischen Jurisdiktion unter« werfen und darauf verzichten müssen, eine diplomatische Jnterventton oder die Einbringung von Reklamasionen auf Grund einer eventuell verliehenen Bergiverkskonzession zu veranlassen. Hotel auf Aktien. Die Hotelbetriebsaktiengesellschaft Konrad Uhls Hotel Bristol— Zentralhotel, Berlin, erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Bruttogewinn von 2 433 338 M.(gegen 2006352 Mark im Vorjahre). Die Abschreibungen betragen 624 707 M.(im Vorjahre 394 976 M.). Die Verwaltung schlägt eine Dividende von 20 Proz. vor auf das Aktienkapital von 7 Millionen M. Die vor« jährige Dividende betrug auch 20 Proz., aber bei nur 5% Millionen Aktienkapital. Trotz der größeren Ansprüche für Dividenden konnten dem Reservefonds aus dem Betriebsergebnis noch Beträge überwiesen werden. Der Fonds ist jetzt auf 4°/,« Millionen Mark angewachsen und schließlich bleiben»och 339 284 M. übrig zum Vortrag auf neue Rechnung. Vom Flcifchtrust. Wie die„Frankfurter Zeitung" auS New Uork von heute meldet, untersucht das dortige SanitätSamt die New Aorker Schlachthäuser, in denen zum Teil die gleichen Zustände wie in Chikago herrschen sollen. Neueren Enthüllungen zufolge habe der Fleischtrust Agenten ausgesandt, um fehlerhaftes Vieh zu kaufen und habe im letzten Jahre 160 000 Stück für den inländischen Konsum geschlachtet. Erster Jahresbericht. Die Hohenlohe-Werke-A.-G., die aus dem Bergwerks- und Hüttenbesitz deS Fürsten Christian Kraft zu Hohen- lohc-Oehringen hervorgeggngen sind, legt ihren ersten Geschäfts» bericht vor. Dieser ergibt, daß die dem Vorbesitzer zufallende Bar« entschädigung auf 44 Mill. Mark, also auf Aktienkapital zu- züglich Reservefonds, festgesetzt wurde, und daß ihm jährlich 3 Mill. Mark an Rente zufließen. Trotz dieser Lasten wurde ein günstiges Resultat erzielt. Nach Absetzung der Rente von 3 Millionen Mark, Abschreibungen von 4,2 Millionen Mark und einer Rückstellung von 150 000 M. verbleibt noch ein Reingewinn von 4�/z Millionen Mark, woraus 10 Proz. Dividende verteilt werden. Der Aufsichtsrat erhält 140 273 M. Diese Summe wird verteilt unter fünf Personen, es sind die Herren: Bankier Fürsten- berg, Kommerzieurat Fr. Fciedländer, Bankier Rathenau, Direktor Knöpflmacher und Bergrat Behrens. Dividenden. Die Waldauer Braunkohlenindustrie Aktiengesellschaft erzielte 740 109 M. Ueberschutz. Daraus werden 407 172 M. zu Abschreibungen verwandt. Aus dem verbleibenden Reingewinn von 240 773 M. gelangen 12 Proz. Dividende zur Verteilung.— �Die Aktiengesellschaft für Kohlen« destillation'zu Bulmke, die im vorigen Jahre 8 Proz. brachte, wird diesmal 12 Proz. ausschütten.— Wiederum 7>/� Proz. Dividende gewährt die Spreng st off-Aktiengesellichaft Carbonit in Hamburg.— Die Aktionäre der L a h m e y e r- Werke, Mülheim, genehmigten sich 10 Proz., das sind 2 resp. 5 Proz. mehr als in den drei Vorjahren.— 12 Proz. erhalten die Papicrarbeiter der Hedwigshütten-Aktiengesellschaft in Stettin._ Versammlungen. Der Verband der„Freien Gast- und Schankwirte" hielt am Dienstag in Kellers Festsälen eine von zirka 2000 Wirten besuchte öffentliche Protestversammlnng ab, zu welcher auch die Vertreter der Brauereien geladen waren. Referznt war Rcichstagsabgeord- neter L i p i n s k i, der oftmals von lautem Beifall sowie Pfuirufen unterbrochen wurde. Die Leiter der Ringbrauereien hätten die Steuer benutzt,— führte er aus— um auch ihrerseits noch einen bedeutenden Mehrnutzen herauszuschlagen und die Preise für das Bier um mehr wie den doppelten Betrag der Steuer heraus zu schrauben. Es wäre nun Pslicht der Wirte, einmütig gegen die Gelüste der Ringbrauereien energisch Front zu machen.— Trotz der Ausforderung des Vorsitzenden, es sollten sich Vertreter der Brauereien zum Wort nielden, um ihren Standpunkt zu begründen, nahm niemand von diesen das Wort. Es wurde darauf folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die an- 29. Mai d. I. in Kellers Festsälcn, Koppenstr. 29, tagende, von zirka 2000 Personen besuchte Versammlung der Gast- und Schankwirte von Berlin und Umgegend erhebt schärfsten Protest gegen den Versuch der Brauereien, den Preis des Hckto- liter Bier um 2,50 M. zu erhöhen. Dieses Vorgehen steht im schneidendsten Widerspruch mit den früheren Erklärungen der Brauereien, die aus dem Zolltarif ent- stehenden Mehrtosten allein und die erhöhte Brausteuer zur Hälfte tragen zu wollen. Die erhöhte Brausteuer beträgt für Berlin pro Heltoliter Bier 1,15 M., rechtfertigt also in keiner Weise die Mehrforderung von 2,50 M. Der Hinweis der Brauereien auf die erhöhten Produktions- und Betriebskosten rechtfertigt ebenso wenig eine Mehrforderung, da infolge günstiger Ernten die Preise für Hopsen und Gerste so niedrig wie noch nie in den Jahren stehen. Die Versammlung kann deshalb in dem Vorgehen der Brauereien nur den Versuch erblicken, die Brausteuer zur all- gemeinen Erhöhung der Bierprcise zu benutzen und aus der Steuer noch ein lukratives Geschäft zu machen. Die Versammelten weisen diesen Versuch entschieden zurück, und beauftragen das Bureau der Versammlung mit den mittleren und kleinen Brauereien den Abschluß kulanter Bierlieferungs- Verträge herbeizuführen." Hierauf ergriff L i t f i n daS Wort zur„Eisfrage". Derselbe führte an, daß die beiden größten Brauereien von Berlin ihre Dividenden, die Schultheiß um 2 Proz., die Patzenhofer um 3 Proz., erhöht hätten; trotzdem erklärten sie, sie könnten das Eis nicht mehr gratis liefern, wenn sie konkurrenzfähig bleiben wollten. Redner macht den Berliner Wirten den Vorwurf, daß sie sich von den Ringbrauereien in der Flaschenpfandfrage haben das Fell über die Ohren ziehen lassen. Folgende von Genossen Litsin beantragte Resolution wurde einstimmig angenommen: «Die heute im großen Saale von Kellers Etablissentent tagende, von Tausende von Gastwirten besuchte Versammlung protestiert gegen die Maßnahmen der Berliner Ringbrauereien in bezug auf die Gratisverabfolgung von Eis. Tie Versammelten erblicken in dieser Maßnahme eine schwere Schädigung des Wirtegewerbes. Die Versammelten sind der Ueberzcugung, daß nichts andereZ als eine starke Organisation in der Lage ist, in energischer Weise den prosit- und dividendenjagcnden Herren vom Großkapital zu Leibe zu gehen. Die Versammelten erklären, alles daran zu setzen, um in den Reihen der Gastwirte für den Anschluß an die Organisationen der Gast- und Schankwirte zu wirken. Die Versammelten fordern die Vorstände aller Gastwirtsvereine auf, von neuem Schritte und Wege anzubahnen, um den Wirtcstand zu seinem Recht zu verhelfen." Mt einem Hoch auf den Wirtestand, in welches die Anwesenden begeistert einstimmten, wurde die Versammlung geschlossen. Für den Julialt der Inserate überuiuimt die Mcdaktiou dem Publitui» gencuüber keinerlei Berantivortniig. UKeater. Freitag, 1. Juni. Ansang VI, Uhr: Opernhaus. Der Ring des Nibe- lnngen. Siegsricd. Ansang 7 Uhr. Tchanspielhaus. Der Schwur der Treue. Neues Overntheater. Fra Diavolo. Deutsches. Der Kausmann von Venedig. Neues. Orpheus in der Unterwelt. Ansang 8 Uhr: Westen. Geschlossen. Schiller<».(Wallner-Theater.) Der Militärstaat. Nachm. 4 Uhr: Jhsen-GedSchlnis- feler. Schiller Ji.(Friedrich Wilhelm- slädtischeS-Theater). Das Lumpen» gesindel. Lessiug. DaS LebenSsest. tlleiues. Ein idealer Gatte. Berliner. Die lustige Witwe. Komische Oper. Hossmanns Er- zählungen. Residenz. Geschloffen. Zentral. Die FledennauS. Lustspielhans. Das Fest dertzand- iverkcr. Vorher: Die Verlobung bei der Laterne. Trianon. Geschlossen. Thalia. Hochparterre links. Mrtropol. Aus ins Mctropol. Deutsch- ZlmerikanischeS. Arme Mädchen. Apollo. DaS blaue Blld. Spezia- litäten. Carl Weist. Der Weg des Mär- threrS. Hansa. DaS Wunderkind. Familie Bernstein. Bellc-Zlll iaiice. Abends nach Neune. Wintergarten. Tortajada. Speziali- täten. Passage. Spezialitäten. NeichShaNe». Stettiner Sänger. Ilrnnin. Tanbenitrasie 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngst« Ausbruch des Vesuv. Sternmarte, Juvalidenstr. 57/62. Zentral=Theater. (Operette). 8 Uhr: Die Fledermaus. I-ustspivIKsus. Zum ersten Male: Das Fest der Handwerker. Vorher: Die Ber- lobvnz bei der Laterne. Ferdinand Bonn» Berliner Theater. Gastsp. des Neuen Operetten-ThcatcrS auS Hamburg(Direktor Max Aionti). Freitag, Sonnabend: Die lustige Witwe. Psingstsomitag und Pfingstmontag! Die lustige Witwe. Ans. 8 Uhr. Heues Theater. Ansang 71/, Uhr. Orphens in Per IM. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Ei« iknlrr GM. Morgen: Ein idealer Gatte. »«IhRIter. Soklllor-7ho»ior0.(Wallner-Theatcr). Freitag, nachm. 4 Uhr: Id�en-Kedilolitniakeier. Freitag, abends 8 Uhr: Per IUliIltttr«t»at. Sonnabend, abends 8 U h r: Jugendliebe. Hieraus: Die Dienstbaten. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Roinca nnd Jnlla. So n u tag, abends 8 Uhr: Zapfenstreich�_ Tiieater. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wiih.Th.) Freitag, abends 8 Uhr: Da» Lninpengeslndel. Tragikomödie in 3 Auszügen von Ernst v. Wolzogen. Sonnabend, abends 8 Uhr: Da» Lunipeneeslndel. Sonntag, na chm. 3 Uhr: Hofennat. Sonntag, abends 8 Uhr: | Flachamann ala Erzieher. Schweizer Harten. Am KönigStor— Am Friedrlchshain 29/32. Von Pfingsten ab täglich: Iliules-Vlllstölliilig, SpezisWön und Ball. IlViÄ Jröh-Konzerte-»-> Vorstellungen. Ansang srüh 5 Uhr, nachmittags 4 Uhr. Enwee 30 Pf. An den Feiertagen ist die Kaffeeküche geichlossen."WP Enirce am 2. Feiertag nachmittags 50 Ps. (Station Zoolog. Garten), Kantstr. 12, Freitag, Sonnabend geschlossen. Sonntag nachm. 3Uhr, halbe Preise: Der Waitenschniieli. Abends 8 Übe: Der Zigeunerbaron. Vollstüml. Preise. Montag nachm. 3 Uhr, halbe Preise. Der Treudaileur. Abends 8 Uhr: Dia Fledermaus. Vollslümüche Preise. Neues kgl. Operntheater (Kroll). Anfang 71/, Uhr. Freitag: Gastsp. Bella Alten von der Conried-Metropoiitan Opera New York und Dr. Otto Briesemeister: Fra IMavolo. Vorverkauf im Kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und Invalidendank. Komische Oper. Sommerspielzeit 1906. Sonimerprclae. (Keine Vorvcrkaussgebühr.) Anfang 8 Uhr. V. Noaeks Theater. Direktion! Reb. Olli. Brnnnenstr 16. Heute: Cleacbloasen. Sonntag, den 8. Juni: Eröffnung der Sommer-Saison.- Konzert, Theater, Spozlalitätcia. Anjaog Srmsi. 5 Uhr, wochmt. 6 Ufr. jsutscIi-Amerikanisches Theater. Köpeniokerstr.67/68. is; 35.»s „Arme Jftädehen." Von Adolf Philipp. IplU Anfang 8 Uhr 16."HWY Apollo-Tiieater. Heute: Deits der neuen Spezialitäten! U. a.: Miß Carma, Transs.-Tänzerin. Dazu: Oaa blaue Bild von Paul üncke. Prolongiert: Humpstl- Bumsti, ausgeführt v. Recb u. Privost. Prolongiert: Ein Abend In einem amerikanischen Tingel-Tangel. Prolongiert: La Matsohiche, mexikanischer Tanz, Solo: Annette Savary. Reichshallen. Stettiner Sänger. Emqunrtlttlmg. Miüt Humor, v. Mepscl Slnjcmg WochenIagS « Uhr, Sonntags ? Uhr. Hetropol-Thealer Anfang 8 Chr. _-iuV. Groüe Jahresrevne mit Gesang n Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen überall gestattet Carl Weiß-Theater. Kr. Frantsurterftr. 132 Heute und morgen geschloffen. Sonntag und Montag abends 8 Uhr: Der Weg des Märtyrers. 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Hin und zurück 1,90 M. Am 3. Feiertag. 1. Nach Woltersdorfer Schleuse. Abfahrt 8 Uhr vormittags, hin und zurück 75 Ps., und 2'/. Uhr nachmittags. Hin und zurück 59 Ps. 2. Nach Neue Mühle. Abfahrt 9 Uhr vormittags. Hin und zurück 75 Ps. Abfahrt in Berlin an der Stralauerbrücke, Ecke Waisenbrücke» ab Cafö Alfen st« Stunde später. H. Hertzer, Schlesischestr. 10/11 L. Kahnt, Stralau, Tunnelstr. 34 Teleph. Amt 4. 6718. Teleph. Amt 7. 589.* Carl Stier Fabrik für Herren- und Knaben-Garderobe Berlin SO. Oranienstr. 166. Berlin W. Potsdamerstr.USa. Potsdam, Näuenerstr. 23. Jackett-Inzfige von streng modern gemusterten Stofien, schicker, vornehmerForm und eleganter Machart, 13,50, 15, 17,50, 39. 33,50, 85, 30, 85 bis 66 M. Vorrätig in allen Größen und Weiten. Berücksichtigt sind dabei normale, als auch schlanke, untersetzte und extra starke Figuren. Röek-inzQge einreihige, schicke Form, von modern gemusterten Buckskin-, Cheviot- oder Kammgarnstoffen, 35, 40, 45, 50 u. 55 M. 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Allen Verwandten und Bekannten, sowie der Verwaltung des Gewerk- fchastshauses, dem Verbände der Handels- und Transport-Arbeiter, dem Gesangverein„Neu erwacht", den Kollegen und Genossen des vierten Berliner Reichstags-Wahlkreiscs, be« sonders aber Herrn Kastler, für die herzliche Teilnahme und Kranzsstenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes meinen aufrichtigsten Dank. JE. llittner, geb. llentsch. „Berliner Arbeiter- Radlahrer-Verein" Mitglied des Arbeiter- Radsahrer-Bundes „Solidarität*. Gauausfahrt nach Zehdenick, Sonnabend abend 7 Uhr, 4. Feiertag früh 5 Uhr. Starts Oderbergerstr. 30 (Genossenschast). 1. Feiertag, srüh Kst, Uhr, nach Bernau. Einholen der Stettiner Bundesgenossen. Zahlreiches Erscheinen notwendig. Start: Wille, Brunnenstr. 188. 8. Feiertag, srüh 6 Uhr, nach dem Werl« See. Start Küstriner Platz. 13/1 3. Feiertag, nachm. Ist, Uhr, nach Summt. Start Oderbergerstr. 30 (Genossenschast). Fahrräder! Billig! 48.—, 55.—, 60.—, 65.—, 70.—, 85.—, bis 180.— M. p. 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Ksoigllch Preussischca Klassenlcitcrle findet etat! am 0. und 10. Juli IMS Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlln. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsansralt Paul Singer& Co., Berlin SW. ir. 125. 23. 2. KkilM des„öoraärts" fitrlintr loMliitt Freitag, l.|ttml906. Mevdtpunlite der«ellereu deutschen Geschichte. K. Das Kaisertum des Kapitalismus(1830). Dem Vortrage, womit Genosse Maurenbrecher am Mon- tag den Vortragszyklus beendete, lag folgender Gedankengang zu- gründe: Die Bewegung, welche um 1750 mit der Vertretung neuer Ideen einsetzte, und das. was auch nach bürgerlicher Auffassung die Höhepunkte der deutschen Geschichte bedeutet, trägt den Charakter einer antidynastischen Bewegung, einer Opposition, die der Fürsten- souveränität die Menschenwürde, den Menschheitsadel entgegensetzt. Die Gedanken, die durch Schiller, Kant und andere Zeitgenossen der- treetn wurden, sind heute noch Zukunftsideale für uns. Auf diesen, in der klassischen Literatur und Philosophie niedergelegten Gedanken fußte auch die Patriotenbewegung der Jahre 1810 bis 1815. Auch sie richtete sich gegen die kleinstaatliche Zerrissenheit Deutschlands und trat ein für eine, allerdings monarchische, deutsche Zentralgewalt. Dies müssen wir uns vergegenwärtigen, wenn wir die EntWickelung im Ig. Jahrhundert verstehen wollen. Ein eigen- artiges Verhängnis ist es. daß trotz aller Opposition gegen die Fürsten diese doch schließlich den Vorteil aus dem tatsächlichen Verlauf der Bewegung zu ziehen wußten.— Im Zusammenhang mit der napoleonischen Revolution ist zwar die Zahl der deutschen Souveräne bedeutend herabgesetzt worden, aber weil diese Um- wälzung von außen kam und im Dienste einer antinationalen Politik stand, so kam es, daß die damals noch übrig gebliebenen Fürsten fester denn zuvor im Sattel saßen.— Die Aera Bismarck hat ja der Souveränität der Einzelstaaten viel genommen und es der Kompetenz des Reiches übertragen, aber die Einzelstaaten sind gleichzeitig in der zufälligen Abgrenzung, die sie damals hatten, versteinert. Sie bleiben für absehbare Zeiten die Form, in der sich die deutsche Politik abspielt. Ein einheitlich zentralisiertes Staatswesen kann Deutschland nicht werden, so lange die heutige Reichsverfassung besteht, die das Reich zu einem Bunde souveräner Einzelstaaten macht. So sehen wir, daß aus dem Sturm und Drang, mit dem die neue deutsche Geschichte einsetzt, nur ein sehr mageres Ergebnis hervorgegangen ist.— Das Bürgertum ist in der Vertretung seiner Ideale erlahmt, noch mehr aber in dem Bestreben, die souveräne Macht der Monarchen zu brechen. Das Bürgertum hat sich dem Sieger gefügt und sich damit abgefunden. daß es mehr politische Macht nicht erreichen kann. In allem, was einst das Bürgertum vertrat, ist die Arbeiterklasse sein Erbe ge- worden. Als nach der Gründung des Norddeutschen Bundes die national- liberale Partei entstand, sprach sie aus, daß sie eine Oppositions- Partei bleiben wolle, welche sich zwar auf den Boden der Bundes- Verfassung, als des zunächst erreichbaren stellen, aber die Ver- fassung im Sinne der Freiheit und Einheit weiter ausbauen wolle. In einer Erklärung, welche 94 liberale Mitglieder des preußischen Abgeordnetenhauses im September 1866 veröffent- lichten, um ihre Bewilligung der Indemnität zu rechtfertigen, heißt es, das Band zwischen Nationalliberalen und Linksliberalen solle auch in der Zukunft bestehen bleiben, denn trotz des Ver- trauens. Welches man der auswärtigen Politik Bismarcks ent- gegenbringe, sei das Vertrauen zu seiner inneren Politik noch nicht hergestellt, die nationalliberale Partei werde deshalb eine loyale aber wachsame Opposition treiben.— In einem Aufruf zu den Reichstagswahlen von 1867 sagte der Vorstand der nationalliberalen Partei: Die Verfassung sei das. was man zur Zeit bekommen konnte, aber die konstitutionellen Rechte seien weder in ihrem Umfang noch in ihrer Durchführung befriedigend.— Auch noch im Jahre 1871, als die Verfassung des eben gegründeten Deutschen Reiches beraten war, erklärte der nationalliberale Landesausschuß: Es sei nun die Aufgabe des neuen Reichstages, die anerkannten Mängel der Reichsverfaffung zu beseitigen, die Zentralgewalt des Reiches zu stärken und die freiheitliche EntWickelung ununter- brachen fortzubilden. Mit diesem Programm traten die Nationalliberalen in das Parlament des neuen Deutschen Reiches ein. Ihr Schicksal aber wollte es, daß sie bei jeder Frage, die auf die Verwirklichung dieses Programms Bezug hatte, der Regierung gegenüber nach- geben mußten. Immer war die Regierung stärker als die National- liberalen. Schon 1867 im Norddeutschen Reichstage haben die Nationalliberalen Bismarck gegenüber nachgegeben und für die Beseitigung gewisser Grundrechte aus der Verfassung gestimmt. Nur die Gewährung von Diäten an die Abgeordneten haben sie gegen Bismarcks Willen in die Verfassung aufgenommen. Als aber Bismarck, der durch die Diätenlosigkeit die Arbeiterklasse aus dem Reichstage fernhalten wollte, drohte, er werde die ganze Ver- fassung scheitern lassen, falls man auf den Diäten bestehe, da krochen die Nationalliberalen zu Kreuze und strichen bei der dritten Lesung die Diätenforderung.— Ebenso nachgiebig zeigten sich die Nationalliberalen bei dem Streit um den Militäretat. Bismarck wollte eine bestimmte Summe für Militärzwecke ein für allemal in der Bundesverfassung festgelegt wissen, so daß also dem Reichs- tage das Recht der alljährlichen Bewilligung des Militäretats ent- zogen wurde. Die Nationalliberalen erklärten, sie würden die ganze Verfassung ablehnen, wenn die Militärsorderungen in die- selbe hineinkämen. Es kam aber nicht zur Ablehnung, sondern zum Kompromiß. 1867 wurde unter Zustimmung der National- liberalen ein dreijähriges Provisorium für Militärausgaben be- willigt. Dasselbe ist dann 1870 auf weitere drei Jahre ausgedehnt worden. Nach Ablauf des Provisoriums kam es nochmals zu einem Konflikt wegen des Militäretats, aber die Nationalliberalen waren zu schwach, den Konflikt durchzukämpfen. Wieder schlössen sie mit der Regierung ein Kompromiß, dessen Ergebnis das Septennat, die Bewilligung des Militäretats für sieben Jahre auf einmal, war, dem dann seit 1833 die fünfjährigen Perioden des Militärctats folgten.— Diese Beschneidungcn des Budgetrechts widersprechen dem, waS die Nationalliberalen am Anfang des Norddeutschen Bundes glaubten vertreten zu können. Trotzdem stimmten sie dem zu.— Aber auch gegen die Höhe der militärischen Ausgaben haben sich die Nationalliberalen anfangs gewandt. In einem Aufruf. den sie 1867 veröffentlichten, heißt es. mit dem Ablauf des Provi- soriums müsse man zu der so notwendigen Sparksamkeit eines wirklichen Militärfriedensctats kommen.— Aber in der Folge- zeit haben die Nationalliberalen jede Vermehrung der Militär- forderungen bewilligt und sich dabei mit dem Glorienschein des Patriotismus umgeben. Die Nationallibcralen haben niemals die Kraft gehabt, die Opposition gegen Bismarck zu halten. Daß sie diese Kraft nicht hatten, dies erklärt sich aus den sozialen Verhältnissen dieser Partei. In der Konfliktszeit noch eine Oppositionspartei, die zum Ministerium Bismarck kein Vertrauen finden konnte, wirkte jeder Nachwuchs, den die Partei bekam, dahin, daß die alte Garde ge- schwächt wurde und neue, weniger entschiedene Elemente die Führung bekamen. Schon bei den Wahlen im Herbst 1867 begann diese Entwickelung nach rückwärts. Während die Nationalliberalcn in den altpreußischen Provinzen durch amtliche Wahlbceinslussung zugunsten der Konservativen bekämpft wurden, erschienen sie in den neuprcutzischen Provinzen als Regierungspartei, für die die amtliche Wahlagitation gegen die partikularistischen Parteien (Welsen, Dänen usw.) in Bewegung gesetzt wurde. Hierdurch kamen etwa 30 Nationalliberale mehr in den konstituierenden Reichstag, als ohne amtliche Wahlbeeinflussung gewählt worden wären. Zu diesen gehörte in erster Linie Bennigsen. Diese durch Unterstützung der Regierung als Regierungspartei gewählten Ab- ordneten konnten der Regierung natürlich keine entschiedene Lppo- sition machen.— Derselbe Fall, der 1867 spielte, hat sich bei den Aeichstagswahleo 1871 Niederholt, In UorddcuWlgnd verloren die Nationalliberalen 30 Mandate an die damals entstandene Zentrumspartei. Aber was sie im Norden, namentlich im Rhein- land, verloren, das gewannen sie im Süden, wo sie von der Re- zierung gegen die partikularistischen Kandidaten unterstützt wurden. So verloren sie wieder die Möglichkeit, der Regierung gegenüber stark und fest zu sein. Durch diese Verhältnisse war der national- liberalen Partei trotz ihres liberalen Namens das Schicksal be- schieden, daß sie mehr und mehr nach der. konservativen Seite rücken mußte. Dazu kommt noch ein anderer Grund. Von 1870 bis 1873 hatten wir in Deutschland eine Zeit ungeheuren kapitalisti- schen Aufschwunges. Diese Gründerperiode, ebenso die spätere Schutzzollära von 1879 bis heut hat den Kapitalisten bewiesen, daß die Regierung, wenn sie auch keine politischen Konzessionen machen wollte, doch über die wirtschaftlichen Bedürfnisse der ver- schiedenen kapitalistischen Gruppen mit sich reden ließ.— Leute wie Kardorff, Bennigsen, Miguel, die in der Gründerzeit glänzende Geschäfte machten, konnten natürlich nicht Opposition treiben, denn, wie sich schon anfangs der 5ver Jahre gezeigt hatte, sind der Bourgeoisie die politischen Verhältnisse gleichgültig, wenn sie nur gute Geschäfte macht.— Die Wahlhülfe der Regierung ist der äußere, die glänzende Geschäftslage der innere Grund, weshalb die nationalliberale Partei ihre Richtung änderte. Als die Macht der Nationalliberalen im wesentlichen zu Ende war, traten die Zentrumspartei in Verbindung mit den Links- liberalen(Fortschritt, Deutschfreisinnige), welche zusammen die Mehrheit im Reichstage hatten, als entschiedene Oppositionsparteien auf. Unter Führung Windhorsts wurden in den Jahren 1881— 1887 leidenschaftliche Kämpfe der bürgerlichen Opposition gegen die Re- gierung geführt, die das Ziel hatten, die Rechte des Parlaments zu stärken. Die Zentrumspartei ging darauf aus, der Regierung die unkontrollierbaren, ständig wachsenden Einnahmen aus der Steuerreform zu sperren und das Reich finanziell nur auf die Matrikularbeiträge der Einzelstaaten zu stellen. Die Liberalen hofften auf den damaligen Kronprinzen, späteren Kaiser Friedrich, von dessen Regierung sie eine liberale Aera erwarteten. Sie wollten die Finanzreform bewilligen, wenn eine wirklich kon- stitutionelle Regierung an die Stelle des Ministeriums Bismarck getreten wäre. Man sollte meinen, daß nach dem Sturze Bismarcks im Jahre 1890 Gelegenheit gewesen wäre, die Reform der Reichsverfassung durchzusetzen, welche Zentrum und Liberale anstrebten. Aber nichts derart ist geschehen. In großen wie in kleinen Fragen haben die ausschlaggebenden Parteien, Zentrum und Liberale, der Regierung nachgegeben. Selbst die größte bisher dagewesene Steigerung der Reichseinnahmen durch die letzte Steuerreform ist von den bürger- lichen Parteien nicht benutzt worden, um konstitutionelle Garantien zu fordern. Daß die bürgerliche Opposition so jäh zusammenbrach, das hat seine Ursachen in dem plötzlichen und schnellen Wachstum, welches die Sozialdemokratie in den Wahlen 1884, 1887 und 1890 zeigte. Solches Wachstum einer Partei hatte die deutsche Geschichte noch nicht gesehen. Nun war erwiesen, daß jede entschiedene Opposition der Sozialdemokratie zugute kommen mußte. 1393 bei Gelegenheit der Caprivischen Militärvorlage hat Eugen Richter noch einmal den Versuch gemacht, dem Liberalismus einen Ruck nach links zu geben, aber dieser Versuch hatte nicht den gewünschten Erfolg. Von 70 Liberalen wurde in der Hauptwahl keiner, in der Stichwahl nur 25 gewählt. Dieser Mißerfolg hat für Eugen Richter den Aus- schlag gegeben, die Reste des Liberalismus den rechtsstehenden bürgerlichen Parteien anzuschließen. Es hat sich gezeigt, daß jede radikale Politik, für welche die Liberalen eintreten, der Arbeiter- Partei neue Anhänger zuführt, weil diese doch die entschiedenste Oppositionspartei ist. Seitdem sind den Liberalen und dem Zentrum die Flügel gebunden, und von da an datiert die klägliche Haltung des Reichstages gegenüber der Regierung. Alle bürger- lichen Parteien haben auf den Machtkampf gegen die Regierung verzichtet. Die Arbeiterpartei ist die einzige, welche den Kampf gegen die immer noch absolute Regierung führt. Denselben Entwickelungsgang, den wir an der deutschen Frei- heitsbewegung sehen, können wir auch an der deutschen Einheits- bewegung bemerken. Auch in dieser Hinsicht forderten die National- liberalen im Jahre 1867. daß die parlamentarischen Funktionen möglichst vollständig in den Reichstag verlegt werden und die Land- tage der Einzelstaaten hinter den Reichstag zurücktreten, und sich schließlich mit der Rolle von Verwaltungskörperschaften begnügen müßten. Also, der Boden, auf dem die deutsche Nation politisch in Aktion tritt, soll der Reichstag des allgemeinen Wahlrechts fein. Das war nationalliberales Programm im Jahre 1867.— Heut dagegen ist es die Tendenz der Regierung und der bürgerlichen Parteien geworden, heikle Fragen dem Reichstage zu entziehen und sie in den preußischen Landtag zu verlegen, weil man dort nicht den Vertretern der Arbeiterklasse Rede und Antwort zu stehen braucht.— Der erste Akt von größerer politischer Bedeutung, wo Bismarck, der als Gründer des Deutschen Reiches gefeiert wird, den Partikularismus wieder hervorkehrte und sich hinter den preußischen Landtag verkroch, spielte sich 1885 ab. Zentrum. Frei- sinnige und Sozialdemokraten, die zusammen die Mehrheit im Reichstage hatten, wandten sich gegen die Ausweisung russisch- polnischer Staatsangehöriger aus Preußen, womit die Regierung ihre Polengesetzgebung einleitete. Eine von Windhorst begründete Interpellation wurde von der Regierung nicht beantwortet. Bis- niarck erklärte, das sei eine Angelegenheit Preußens.— Dann wurde dem preußischen Landtag 1892 das Schulgesetz und 1897 die Verschlechterung des Vereinsgesetzes vorgelegt. Dies war das letzte Mal, wo sich die Nationalliberalen der Regierung entgegenstellten und dagegen auftraten, daß eine Frage, die der Rcichsgcsctzgcbung untersteht, im preußischen Landtage zum Austrag gebracht werde. Später haben dann die Nationalliberalen mit dem Zentrum und den Konservativen zusammen den Landtag mehr und mehr aus der Versenkung hervorziehen helfen, so daß neuerdings das Berg- arbeitergesetz, die Ausweisungspolitik und das Vorgehen der Bres- lauer Polizei im Landtage behandelt werden konnten. Gegenüber dem Abschwenken der bürgerlichen Parteien und der Regierung zum Partikularismus steht als einzige wirklich demo- kratische Partei die Sozialdemokratie auf dem Boden des aus dem allgemeinen Wahlrecht hervorgegangenen Parlaments. Die Klasscnlage des Arbeiters weist ihn auf den Freiheitsstaat hin. Die Arbeiter sind in Deutschland das fluktuierende Element in der Bevölkerung. Die Großindustrie hat dafür gesorgt, daß die Lebenslage wie die gesamten Verhältnisse der Arbeiter in allen Teilen Deutschlands nahezu die gleichen geworden sind. So haben wir in der Arbeiterklasse eine Vereinheitlichung, eine Gleich- sörmigteit des sozialen Lebens, wie wir sie früher in der Be- völkerung nicht hatten. Das Klasscnintercsse der Arbeiter drängt deshalb nach einer Vereinheitlichung der staatsbürgerlichen Rechte. — Während in früheren Zeiten die unter dem gleichen Druck leidenden Volksschichten kein Bewußtsein ihrer gemeinsamen Interessen hatten, ist das Klassenbewußtsein in der Arbeiterklasse in allen Teilen Deutschlands rege und breitet sich immer weiter aus. Die Arbeiterklasse hat mit Bewußtsein die großen Mächte des modernen Verkehrs in ihren Dienst gestellt, sie hat sich ein- heitlich über ganz Deutschland organisiert. Auf dieser Macht, die heute hinter der Arbeiterklasse steht, beruht die Hoffnung, daß sie die Aufgabe löfen kann, die in früheren Jahrhunderten gestellt wurde, aber nicht gelöst werden konnte: Durchführung der Demo- kratie und als Boraussetzung dazu: Stärkung der Zentralgewalt des Reiches gegenüber dem Partiknlarismus, den die Regierung und die bürgerlichen Parteien stützen, weil er ihr letztes Bollwerk gegen die Arbeiterpartei ist. Mit der Parole:»Durch Einheit zur Freiheit" ist der All- gemeine deutsche Arbeiterverein 1867 in die Reichstagswahl ein- getreten. Dieselbe P�ple stellten Marx und Engels Während der deutschen Revolution auf. Was die bürgerlichen Literaten und Philosophen erträumten, was die Patriotenbewegung wollte, was 1848 der Kern der Volksbewegung war, das durchzuführen wird jetzt in immer stärkerem Maße die erste Aufgabe der Arbeiterpartei, die das Erbe der ganzen deutschen Vergangenheit angetreten hat, soweit dieselbe groß und erhebend war. Genosse L i e p m a n n, der den Vorsitz in der Versammlung führte, sprach sich anerkennend über die Vorträge Maurenbrechers und das lebhafte Interesse, mit dem sie entgegengenommen wurden, aus und bemerkte, der Vorstand von Grotz-Berlin habe die Absicht, im Herbst wieder ähnliche Vortragszyklen, vielleicht über National- Ökonomie und Naturwissenschaft, halten zu lassen. Partei-?Zngelegenbeiten. Treptow. Die Parteispedition befindet sich vom 1. Juni an beim Genossen Rob. Gramenz, Kiefholzstraße 412 im Zigarrengeschäft. Köpenick. Die Genossen werden ersucht, sich zu der heute Freitag stattfindenden Flugblattverteilung für die Stadtverordneten-Wahlen in den bekannten Lokalen einzufinden. Der Vorstand. berliner IVacbricbten. Aus der Stadtberorducten-Versammlung. Wenn Fiskus mit der Kommune Berlin ein für ihn profitables Geschäft machen will, so findet er in der Stadt- verordnetenverfammlung immer eine Mehrheit, die ihm den Gefallen tut. Ja und Amen dazu zu sagen. Diesmal ist es der Militärfiskus, dem die freisinnige Stadtverordnetenmehrheit sich dienstwillig erweist. An der Eisenbahnbrücke fall die Stadt den Landstreifen, den sie zum Neubau der Brücke braucht, dem Militärfiskus teuer abkaufen. Dafür soll sie dann im Plänterwald ein Trcnnstück, das der Militärfiskus als Pionierübungsplatz haben will, ihm billig verkaufen. Die sozialdemokratische Fraktion forderte Zurückverwcisung der bezüglichen Vorlagen des Magistrats an den Ausschuß, dessen Mehrheit diesen Plan gutgeheißen hatte. Unsere Genossen Tolksdorf, Schulz und Borg- mann empfahlen Enteignung des Landstreifens an der Eisenbahnbrücke und warnten vor dem Verkauf des Trenn- stückes, das dem Plänterwald genommen werden soll. Als Genosse Schulz dem Magistrat vorwarf, daß er sich vor dem Fiskus ducke, mahnte der Vorstand:„Das dürfen Sie nicht sagen I" Die Abstimmung ergab, daß auch die Mehr- heit der Stadtverordneten„sich vor dem Fiskus duckte". Der Antrag über die Einteilung der Kommunal- Wahlbezirke dritter Abteilung, den die sozial- demokratische Fraktion im Herbst vorigen Jahres gestellt hatte, ist zweimal in einem Ausschuß beraten worden, aber das Er- gebnis war beide Male die Ablehnung des Antrages. Der Freisinn weiß, daß er nur dann in einzelnen Bezirken der dritten Abteilung sich noch auf einige Zeit behaupten kann, wenn die Bezirke so klein sind, daß er hier und da noch auf eine Zufallsmehrheit rechnen darf. Darum wurde gestern auch vom Plenum der Standpunkt des Ausschusses gebilligt und der Antrag unserer Genossen ab- gelehnt. Genosse B o r g m a n n, der ihn noch einmal ver- teidigte, hob hervor, daß das Interesse der Wähler dritter Abteilung für die kommunalen Angelegenheiten sich steigern würde, wenn sie auf nur 16 Bezirke verteilt und dann alle zwei Jahre zur Wahl zusammen berufen würden. Das ist zweifellos, auch für den Freisinn. Aber schon deshalb muß die freisinnige Stadtverordnetenmehrheit wünschen, daß es bei dem bisherigen Zustande verbleibt; denn eine Steigerung des Interesses der Wähler dritter Ab- teilung würde den Freisinn nur noch rascher aus der dritten Abteilung herausfegen. Der gleichzeitig gefaßte Beschluß, die Bezirke der dritten Abteilung neu abzugrenzen, ist eine felbstverständliche Anstandspflicht, die sehr wohl noch vor 1909 erfüllt werden könnte., Die Frage, ob die Stadtgemeinde sich auch ein bißchen um die Arbeits- und L o h u v c r h ä l t n i s s e der Arbeiter solcher Unternehmer kümmern soll, die f ü r die Stadt liefern, wurde von unserem Genossen Sassenbach erörtert aus Anlaß der geplanten Neuver- gebung der Aktenwagengestcllung. Der Fuhrherr, der die Aktenwagen bisher gestellt hat. zahlt seinen Kutschern ganz miserable Löhne. Damit er sich dazu herbeiläßt eine Kleinig- keit zuzulegen, wird ihm die Stadt künftig eine höhere Ver- gütung zahlen._ Bon den Acndcrunge» im Berliner Bcrkchrslelie» zum 1. Juni sind wichtig die zahlreichen neuen Anschlußbetricbe der Großen und der Charlottenburger Straßenbahn, die gleichzeitig mit der neuen Gcrichtscinteilung vielfache Verbindungen mit dein zur Er- öffnung kommenden Landgericht III herstellen. Neu eröffnet wird eine Linie 18 Charlottenburg(Bahnhof Jungfernheide, Land- gericht III) bis Görlitz« Bahnhof. Sie geht in Berlin wie Linie 12, dann Beussclstraße, Kaiserin Augusta-Allee, Osnabrückerstratze und Tegeler Weg. Verlängert werden: 8 Gesundbrunnen— Luisenplatz bis zum Amtsgericht Charlottenburg; 54 Schönhauser Allee— Savignyplatz bis zum Landgericht III; 64 Landsberger � Allee— Zoologischer Garten bis zum Luisenplatz; 80 und 81 Schlesischer Bahn- Hof und Zentralviehhof— Amtsgericht Charlottenburg bis zum Straßenbahnhof. Mit lautem Bumbum und schmetterndem Trara zogen am Donnerstag die Siegimenter der Garnison Berlin hinaus aufs Tempelhofer Feld, um dort die übliche Frühjahrsparade über sich ergehen zu lassen. Selbstverständlich konnte auch wieder die liebe Neugier nicht fehlen. Das Spalier, das die Trottoirs der Paradestraßen säuinte, setzte sich zusammen aus Schulkindern, die lvieder auf höheren Befehl frei bekommen hatten, aus Frauen, für die es daheim nichts Wichtigeres zu tun gab, und schließlich auch aus einzelnen Männern, die der Meinung waren, daß sie in diese Gesellschaft hineinpatzten. Wer sich für zu schade hielt, die Rolle des müßigen Gaffers zu spielen, aber durch seine Berufs- und Er- werbstätigkeit genötigt tvar, die Paradestraßen zu passieren, der mußte wieder mal die altgewohnten Freuden der A b s p e r r u n g e n voll auskosten. Bei solchen Gelegenhenen'.kriegt maiüs immer wieder zu spüren, daß der Vorzug, Bewohner der königlich preußischen Haupt- und Residenzstadt zu sein, so ganz umsonst denn doch nicht zu haben ist. Die städtische Fcuersozietät hat im vergangenen Jahre 710945 M. Brandentschädigungen vergütet, gegen 817 390 M. in 1904 und 840 062 M. in 1903. Trotz der Zunahme der Brände in Berlin, der Bebauung und der Bevölkerung ist danach ein be- merkenswertes Sinken der Brandschäden zu verzeichnen. Diese Abnahme ist in der Hauptsache auf die Zunahme der Feuersicherheit in Berlin aus Maßnahmen der Feuerwehr zur Vergütung von BrZnden und dann auf die andauernde Verlegung von feuergefährlichen Betrieben nach außerhalb zurückzuführen. Die Zahl der Zabrikbetriebe, besonders der großen, sowie die Zahl der Holz- und Kohlenplätze und der alten feuergefährlichen Bauten mit uralten Feuerungsanlagen usw. nimmt ständig ab und damit auch die Feuersgefahr. Die meisten Brandentschädigungen verursachen jetzt die Dachstuhlbrände. Die Zentraltelegraphenstation hat im vergangenen Jahre(1905/6) 854112 Depeschen befördert. Davon entfielen 804 383 auf den Polizcidienst, 37 700 bezw. 65 329 auf die Feuerwehr und 12 029 au den Magistrat. Der Depeschenverkehr der Polizei hat gegenüber 1904/5 um 37 110 und der des Magistrats, soweit die Zentralstation in Betracht kommt, zugenommen, während bei der Feuerwehr die Depeschen um 1409 abgenommen haben. Bauprojekte in Buch. In der letzten Sitzung der städtischen Hochbaudeputation unter dem Vorsitz des Stadtrats Na ms lau legte Stadtbaurat Ludwig Hoffmann die Entwürfe für die An- läge eines Zentralfriedhofs für Buch vor. Das kleine Dorf Buch, das infolge der Errichtung zahlreicher städtischer Anstalten, wie z. B. einer großen Heimstätte, einer großen Zentrale für die Beschastung von Licht, Heizung und Wasser, sowie elektrischer Kraft, einer Apotheke, einer Siechenanstalt, zweier Irrenanstalten, einer Bäckerei usw., von wenigen hundert Einwohnern zu einer „Stadt" von.zirka 6000 Bewohnern mit allen modernen Ein- richwngen sich auSwachsen wird, soll nunmehr auch einen neuen Friedhof erhalten, dessen geschmackvolle Bauten und Anlagen nach den Entwürfen des Stadtbaurats L. Hoffmann den Beifall der Deputation fanden. Die Kosten in Höhe von 177 600 M. wurden bewilligt. Ferner genehmigte die Deputation den Entwurf mit Kostenanschlag in Höhe von 71000 M. zu einem Bierfamilienhause für Angestellte und zwei Assistenzärzte der städtischen Anstalt Wühl- garten. Graf Pückler hat am Mittwochabend im„KöSliner Salon" eine Abschiedsvorstellung gegeben, denn er hat noch einige Wochen in der Festung Weichselmünde abzumachen. Diesmal wetterte er gegen die Parlamente. In unseren verlumpten Parlamenten, führte er aus, sitzen nur Esel und Schafsköpfe. Es sind ganz unfähige Lümmels, die Heu und Stroh in ihren Schädeln haben und nie auf einen guten Gedanken kommen. Ein vernünftiges Gesetz kriegen sie nicht zustande. Da haben sie nun drei bis vier Monate an den sogenannten Steuergesetzen rumgewurstelt und was dabei rausgekommen ist, das sieht man. Unsere Staatsmänner sind auch Strohköpfe. Die auswärtige Politik ist ganz jammervoll; Marokko beweist eS. Hier war die beste Gelegenheit, einen frisch- fröhlichen Krieg anzufangen.— Das Berliner Tiergartcnviertel ist besonders verfault. Dort geben sich die raffiniertesten Spieler im „Klub des Westens" Rendezvous. Viele Existenzen, auch solche von Gardeoffizieren, werden hier durch die jüdischen Spieler zugrunde gerichtet. Wo aber die Juden ihre Hand im Spiele haben, versagen die Behörden. Da sucht man heute immer nach neuen Steuern. Hätte ich was zu sagen, so würde ich jedem neugeborenen jüdischen Kinde zurufen:„Komm' her, Cohnchen, Rebekkchen— weil Ihr die Unverschämtheit habt, im Deutschen Reiche geboren zu werden, habt Ihr sofort je 10 000 M. in die Staatskasse abzuladen." Auf diese Weise könnte man mit Leichtigkeit Hunderte von Millionen einheimsen und dadurch den Arbeiter von Steuern entlasten. In diesem Tone polterte der Redner weiter. Bei der darauf folgenden Diskussion entstand eine solche Unruhe, daß die Versammlung kurzerhand geschlossen werden mußte. Bollständig mit Fernbruckern ausgerüstet ist jetzt die Stadt- ielegvaphie von Berlin. Wir hatten vor mehr als Jahresfrist be- richtet, daß das Reichs- Postamt die Herstellung eines' Systems von Ferndruckern für den inneren Dierfit der Telegraphie angeordnet habe. Sämtliche Rohrpostämter mit Bestellbezirk sind nunmehr mit einem Ferndrucker ausgerüstet. Alle Aemter, 67 an der Zahl, sind unmittelbar an das Haupttelcgraphenamt angeschlossen. Tort ist eine Vermittelungsstelle, durch die sie, wie Fernsprechstellen, in beliebiger Weise miteinander verbunden werden können, so daß jedes Telcgraphenamt unmittelbar mit jedem beliebigen anderen durch den Fernschreiber sprechen kann. Stadttelcgramme verschickt der Berliner verhältnismäßig viel. Sie wurden bisher abgeschrieben und mit der Rohrpost befördert. Diese Stadttelegramme gehen jetzt ausschließlich auf telegraphischem Wege mit Hülfe der Fernschreiber, wodurch eine wesentliche Beschleunigung in der Beförderung der Telegramme erzielt wird. Soweit die Beamten und Leitungen zur Verfügung stehen, sollen auch Ferntelegramme durch den Fern- drucker zum Haupttelegraphenamt gegeben werden. Die Speisung der Sammlerbatterien, deren man zum Betrieb des Ferndruckers bedarf, ist den 5 Fernsprechämtern 1, 3, 4, 6 und Charlottenburg übertragen. Beim Haupttelcgraphenamt wird die Sammlerbatterie unmittelbar aus dem Starkstromnetz gespeist. Die neue Anlag« ist lediglich für den inneren telegraphischen Dienst bestimmt, während eine zweite Vermittelungsstelle in der Zimmerstraße besteht, an die jeder Private auf' Wunsch angeschlossen werden kann. Eine Sperrung des Tegeler Schloßparks für die Berliner Ausflügler soll dieser Tage vorgenommen werden. Der Schloßpark ist Privatbesitz der Familie v. Heinz, der Nach- kommen Wilhelm v. Humboldts, und in ihm befinden sich auch die Gräber der Brüder Alexander und Wilhelm v. Humboldt. Der Grund zu dieser Matzregel soll zu suchen sein in dem Ueberhand- nehmen der Unsitte vieler Ausflügler, Stullenpapier, Speisereste, Glasscherben usw. in den Anlagen und Wegen liegen zu lassen. Am Tage nach jedem Sonn- und Feiertag habe der Park von zahlreichen Arbeitern gereinigt werden müssen. Ein anderer Grund, den Park zu sperren, soll sein, kundzugeben, daß die Besitzerin des Schlosses das Recht habe, den Park zu schließen. Wer den Park benutzen will, von dem soll in Zukunft ein Eintrittsgeld von 10 Pf. erhoben werden, eine Maßregel, die einer Sperrung gleichkommt. Die Besitzerin hat gewiß das formale Recht, mit ihrem Eigen- tum zu machen, was sie will, es kann sie niemand daran hindern. Bei dem Mangel an öffentlichen Erholungsorten und Parks um Berlin wird diese Maßnahme von den Berliner AuSflüglern sehr hart empfunden werden. Was die Gründe anlangt, die zu der Sperrung Veranlassung gegeben haben, so kann natürlich der Unfug, der mit dem Weg- werfen des StullenpapiereS usw. getrieben wird, nur allgemein ver- urteilt werden. Wir haben erst dieser Tage darauf hingewiesen, daß dieser Unsitte entschieden entgegengearbeitet werden mutz. Allein deshalb den Park plötzlich zu sperren für viele Tausende von Er- holungsuchenden scheint uns denn doch nur ein gesuchter Grund zu sein. UnS will vielmehr der andere plausibler erscheinen, nämlich der, daß die Besitzerin wieder einmal feststellen will, daß sie das Recht dazu habe. Dieses Recht> durch eine Sperre des Parks festzustellen, ist aber doch ein sonderbares Beginnen. Ob diese Maß- nähme dem Geiste der im Parke ruhenden Humboldts, den Vor- fahren der jetzigen Besitzerin, entspricht, ist sehr zu bestreiten. So wird ein Park nach dem andern dem öffentlichen Verkehr entzogen. Hier zeigt sich wieder in voller Deutlichkeit, wie schädlich der Privatbesitz an Grund und Boden ist. Von Gemeinintercsse keine Spurl Es ist nur guter Wille, wenn ein Park- oder Wald- besitzer erlaubt, daß„Fremde" durch seine Besitzungen gehen dürfen. Der Staat handelt nicht viel besser. Die Erholungsstätten in der Umgebung Berlins werden Terrainspekulanten zu BebauungS- zwecken verkaust und die schönen Bäume müssen der Axt weichen. So wird der Schönholzer Heide der GarauS gemacht und im Grüne- wald geht'S nicht besser. Der Fiskus ist hungrig und braucht viel Geld. Was kümmert es auch den Staat, ob für Erholungsorte ge- sorgt ist. Die Angehörigen der besitzenden Klasse regen sich darüber auch nicht weiter auf. Wollen sie Erholung, so haben sie die Mittel, sich entweder selbst in den Besitz von Wohnstätten zu setzen, in denen sie alle Bequemlichkeiten haben, oder aber sie setzen sich auf die Bahn und besuchen die Orte, wo sie alles finden. Die Angehörigen der arbeitenden Klasse dagegen können standen, was brauchen die Erholung l Für diese heißt es heute nur Werte schaffen, nicht aber an den Kulturgenüssen teilnehmen und seien dieselben noch so bescheidene wie die Erholung in Parks und Wäldern. Bei dem Gewitter am Mittwochbormittag hat der Blitz im Norden Berlins bedeutenden Schaden verursacht. Durch Blitzstrahl wurden Telephon- und Telegraphenleitungen der Post bei Birken- Werder und bei Löwenberg zerstört. In Oranienburg traf ein kalter Schlag das Haus des Eigentümers Gericke. Das Dach des Ge- bäudes wurde zerstört und ein Giebel völlig in Trümmer ge- legt. Bei dem Gewitter am Dienstagmittag ist ebenfalls erheblicher Blitzschaden an verschiedenen Stellen der Umgebung Berlins herbeigeführt worden. Ein Blitzstrahl traf das Haupt- gebäude des Korteschen Restaurants in Wernsdorf, in welchem sich eine Anzahl Gäste befanden. Ein Lokomottv-Führer erlitt Brand- wunden am Rücken, ein Eisenbahnschaffner Verletzungen am rechten Arm und Bein, während ein dritter Gast gelähmt wurde. Alle drei Personen befinden sich außer Lebensgefahr. In Hennickendorf wurde eine strohgedeckte Scheune vom Blitz getroffen, wobei zwei in der- selben befindlichen Schweine getötet wurden. In Groß-Schönebeck wurde die Mühle des Besitzers Graste vom' elettrischen Funken in Brand gesetzt und total eingeäschert. Vom elektrischen Strom der Straßenbahnleitung getroffen. Zur allgemeinen Warnung sollte ein schwerer Unglücksfall dienen, der sich Mittwoch nachmittag in der Hardenbergstraße am Bahnhof Zoologischer Garten ereignete. Der 45jährige Kutscher Ludwig Ried, Rheins- bergerstraße 36 wohnhaft, hatte eine Ladung Heu zu transportieren und sich hoch oben auf den Wagen gesetzt. Bei der Uebersührung der Stadtbahn am Bahnhof Zoologischer Garten kam er mit dem Kopf mit der elettrischen Leitung der Straßenbahn in Berührung, wurde von einem Starkstromschlage getroffen und stürzte betäubt auf die Straße hinab. Dem Bedauernswetten wurde der rechte Oberschenkel sowie die linke Hand gebrochen. In besinnungslosem Zustande brachten ihn Passanten nach der Unfallstation am Zoologischen Gatten, und nach Anlegung von Notverbänden wurde R. dem Augusta-Hospital zugeführt. Beim Baden in der Spree erstunken ist gestern nachmittag der 8 jährige Sohn Otto des Schuhmachers Karl Liebe aus der Ohm- straße 8. Der Knabe badete mit noch mehreren Schuljungen an einem an der Spree gelegenen Hinterhause der Stralauerstraße. Otto, der des Schwimmens unkundig war, hatte sich zu weit in die Mitte gewagt, sodaß er den Boden unter seinen Füßen verlor und in den Wellen verschwand. Alle Rettungsversuche mit Stangen waren vergebens und nach längerem Suchen fand man seine Leiche. Die Revierpolizei ließ die Leiche nach dem Schauhause bttngen. Zwei jugendliche Ausreißer find gestern auf einer Reise von Berlin nach dem„Süden" in Klein-Glienicke festgenommen worden. Die beiden im 13. Jahre stehenden Jungen hatten sich verabredet. gemeinsam nach Italien auszuwandern. Vorsichttgerweise hatte einer derselben die gesamte Barschaft der Eltern eingesteckt. So tippelten die jugendlichen Auswanderer bis Klein-Glienicke und baten in dem dorttgen Restaurant. Waldstieden" um Arbeit, sowie um Nacht- quartier. Da ihnen beides versagt wurde, schlichen sie sich auf den Heuboden und machten sich's dort bequem. Durch eine telephonische Anfrage in Berlin erfuhr der Wirt, daß die beiden daheim aus- gerückt waren. Die zwei Reisenden waren nicht gerade angenehm überrascht, als sie gestern morgen von einem Gendarm aus dem Schlafe gerüttelt und zur Wache gebracht wurden. Als Kautionsschwinbler schlimmster Sorte hat sich der Redakteur K l ä h r e entpuppt, der in der Fasanensst. 44 zu Wilmersdorf wohnte und dort seit einigen Jahren die Monatsschrift„Kunst und Kunstwissenschaft" herausgab. Er führte sich gern als früherer Hof- sänger von Weimar auf und kam dadurch in enge Beziehungen zu Musik- und Theaterkreisen. Obgleich er sehr gute Einnahmen hatte, reichten diese doch zur Befriedigung seiner Extravaganzen nicht hin. Zuletzt verlegte er sich auf Kautionsschwindeleien, indem er Buch« Halter, Bureaupersonal, Reisende usw. engagierte und sich Kautionen von mehreren Hundert Mark stellen ließ. Am 23. Mai sollte er in einer Betrugssache vor Gericht erscheinen, doch hatte er sich vor» her aus dem Staube gemacht. Nach seinem Verschwinden erschienen in seinem Bureau noch verschiedene Perjonen, die engagiett worden waren gegen Kaution und nun ihre Stellen ansteten wollten. Vor seiner Flucht hat Klähre noch drei Schreibmaschinen, ein Har- monium, ein Pianino und andere Gegenstände, die er erst kurz vorher auf Abschlagszahlung entnommen hatte, schleunigst verkauft, so daß er nicht ohne Geldmittel ist. Warnung vor Wechselschwindlern. In altgewohnter Weise treiben seit einiger Zeit zwei gefährliche Wechselschwindler in den Vororten ihr Unwesen. Die Gauner kaufen in den Geschäften Kleinigkeiten ein und geben dann Zehnmarkstücke in Zahlung. In geschickter Weise verstehen sie es nun, den Verkäufer abzulenken und das Goldstück samt dem Wechselgeld unbemerkt an sich zu nehmen. Erst zu spät werden die Geschäftsinhaber gewahr, daß sie einem dreisten Schwindelmanöver zum Opfer gefallen sind. Der eine der Bestüger ist etwa 25 Jahre alt, von mittlerer Figur und trägt schwarzen Schnurrbart. Der andere zählt etwa 40 Jahre, hat volles Gesicht und ist bartlos. Ei» Opfer seiner Schwerhörigkeit. Ein schwerer Verkehrsunfall hat sich gestern morgen in der Jnvalidensstaße zugestagen. In der Nähe des Stctttner Bahnhofes schtttt der 70jährige Invalide Heinrich Pfitzner, Jnvalidensstaße 129 wohnhast, über den Fahrdamin und gewahrte infolge seiner Schwerhöttgkeit nicht das Herannahen einer Automobildroschke. Der Greis wurde von den Rädern erfaßt, auf den Straßendamm geschleudett und überfahren. Schwerverletzt brachte ihn ein Schutzmann nach der Unfallstatton IX und von dott in das Krankenhaus Am Friedttchshain. Ein großer Wäschebiebstahl ist in der gestrigen Nacht in dem Hause Karlsgartenstr. 2 verübt worden. Eine Bande von„Flatter- fahrern" drang auf den Boden und erbrach fast sämtliche Verschlüge. Ueberall fielen ihnen größere Posten Wäsche zur Beute. Die Ein- brecher packten die geraubten Wäschestücke in große Bündel zu- sammen und entkamen unbemertt. Einem seltsamen DieieSspezialisten ist gestern daS Handwerk ge- legt worden. Der wohnungslose Max Polowski befaßte sich mit Einbrüchen auf Neubauten und stahl dann dit dort befindlichen wertvollen Baumaterialien. Bei einem Diebstahl auf einem Neubau in der Pfarrstraße wurde P. von seinem Schicksal ereilt. Mehrere Arbeiter hatten ihn beobachtet und so lange festgehalten, bis zwei hinzugerufene Kriminalbeamte erschienen. Bei einer Leibesvisitation wurden mehrere große Pakete von Nägeln bei dem Verdächtigen vor- gefimden. P. gab zu, auch auf einer ganzen Reihe anderer Bauten ähnliche Diebstähle ausgeführt zu haben. Er wurde in das Unter- suchungsgefängnis eingeliefert. Dir Leitung der Milchzentrale hatte zu Mittwochabend eine außerordentliche Generalversammlung nach den Germaniasälen ein- berufen, deren hauptsächliche Aufgabe sein sollte, die von der- chiedenen Seiten angefochtenen Beschlüste der letzten General- Versammlung vom April d. I. zu wiederholen. Nachdem in der vorigen Generalversanunlung mehrere Vertreter von Untergenosten- chasten aus dem Saal gewiesen worden waren, hat sich diesmal eine größere Anzahl von Untergenossenschasten entschlossen, der Generalversammlung grundsätzlich fernzubleiben und ihre Rechte auf Grund der statutenmüßig vorliegenden Beschränkungen durch nachträgliche gerichtliche Anfechtung, der gefaßten Beschlüsse zu wahren. Die vorgestrige Generalversammlung stimmte durchsteg den Anträgen des Vorstandes und Aufsichtsrats zu. Es wurden ins- besondere die Beschlüsse der vorigen Generalversammlung auf Er- höhung der Geschäftsanteile und Hastsummen von ursprünglich 1 M. guf L6g M- MgenvWmev, und dje»Berichtigung" der früheren Bilanzen für die zurückliegenden Geschäftsjahre genehmigt, auch die auf der Tagesordnung stehende„Wahl des Hauptmanns Graven«. stein in den Vorstand" programmmäßig vollzogen. Für die Oppo- sition waren nach einheitlichem Beschluß 12 Vertreter anwesend, die im Interesse aller dissentierenden Genossen bei jedem einzelnen Punkt der Tagesordnung durch den Rechtsanwalt Dr. Flatau, Lehrer Francke und Müller den abweichenden Standpunkt festlegten und am Schluß der recht tumultuarisch verlaufenden Generalver-- sammlung Proteste zu Protokoll gaben. Den Protesten dieser 12 Vertreter schlössen sich aus der Versammlung noch verschiedene andere Genossenschafter an. Von der Opposition wurde insbesonders darauf hingewiesen, daß die Beschlüsse, insoweit sie sich gegen die ausgeschiedenen Genossenschafter richten, ein Schlag ins Wasser seien, da die sogenannten„Berichtigungen" der früheren Bilanzen in Wahrheit nur neue Unrichtigkeiten in die schon von vornherein falsch ausgestellten Bilanzen hineinbrächten, und daß kein aus- geschiedener Genossenschafter an die von der Generalversammlung genehmigten Bilanzen gebunden sei. Auf den Linien der Sstaßenbahn Siemens u. Halske werden bei günstiger Witterung am 1. und 2. Pfingstfeiettaze folgende Früh- zllge eingestellt werden: 1. LinieBehrenstraße— Treptow ab Hollmannstraße(Ecke Lindenstraße) von früh 4.30 Uhr an, ab Behren- straße von ftüh 5 Uhr an. in Abständen von 10 Minuten.— 2. Linien Mittel st raße— Pankow— Nieder-Schön- Hausen ab Pankow, Betriebsbahnhof Damerowstraße, von 4 Uhr an. ab Mittelstraße(Ecke Friedttchstraße) von 4.40 Uhr an, in Ab- ständen von 10 Minuten. Feuerwehrbericht. Wegen eines größeren Wohnungsbrandes wurde die Feuerwehr nach der Wattstr. 3 gerufen. Möbel usw. standen dott in Flammen. Der 3. Zug mußte kräfttg Wasser geben, um eine weitere Ausdehnung zu verhüten. Drei weitere WohnungS-- brände beschäfttgten die Wehr in der letzten Nacht in der Elsasser- straße 73, Bergstr. 2 und Gr. Frankfutterstr. 63, wo Betten, Gardinen. Kleider, Möbel usw. brannten. Heute früh um 4 Uhr hatte der 16. Zug in der Reinickendorfersst. 206 zu tun, wo Kohlen und anderes in einem Keller brannten. Zu dem Brande im Hause Bergsst. 2 wird uns von einem Be- wohner des Hauses mitgeteilt, daß das Feuer gegen 10 Uhr abends ausbrach. Als eine Anzahl Bewohner des Hinterhauses, die schon im Schlafe lagen, durch den Ruf Feuer I erschreckt, halbbekleidet schreiend und klagend die Treppe hinabstürzten, drehte plötzlich der Portter das Gas aus, wodurch die Panik erheblich vergrößert wurde. Glücklicherweise ist kein größeres Unglück herbeigeführt worden. Vorort- JVaebriebten* Schöneberg. Eine gründliche Abfuhr wurde den der Hausbesitzerstaktton an- gehörenden Schöneberger Stadtverordneten in einer am vergangenen Sonnabend in der Schloßbrauerei stattgefundenen, von nahezu 1000 Beamten besuchten, öffentlichen Versammlung erteilt. Die Redner der Versammlung übten eine scharfe Kritik an dem Treiben der Stadtverordnetenmehrheit, die mit der sogenannten„Unab- hängigen Vereinigung' identisch ist. Namentlich wandten sie sich gegen die von dieser Seite geübte fortgesetzte Bekämpfung der von den städtischen Beamten vorgebrachten Wünsche um Ausbesserung ihrer Gehälter. Auch der an der Versammlung teilnehmende, der„Unabhängigen Vereinigung" angehörende Stadtverordnete Schüler wurde heraus- gefordert das Wort zu ergreifen. Dieser suchte nun die Beamten von ihrem Vorgehen abzulenken, indem er anführte, daß die„Un- abhängige Vereinigung" ja eigentlich nur gegründet sei, um ein festes Bollwerk gegen das Vordringen der So-- zialdemokratie zu schaffen.(IlR Bei anderen Gelegenheiten erklärten die Herren aber wieder, daß sie es mit den Sozialdemokraten gar nicht so böse meinen, sondern nur die radikalen bürgerlichen Stadtverordneten bekämpfen wollen; ganz wie es ihnen in den Kram paßt.) Der Redner suchte oen Versammelten auch plausibel zu machen, daß sie weit mehr er- reichen, wenn sie sich nur ihnen recht anvertrauen und nicht den nach der Tttbüne liebäugelnden Stadtverordneten der Linken. Nach Beendigung seines Klageliedes zog es der Herr dann vor, sofott zu verschwinden, um sich das Anhören der Gegenreden zu ersparen. Die Versammelten nahmen schließlich folgende Resolution ein- st i m m i g an:„Die Versammlung erkennt in den heuttgen Grund- und Bodenverhältnissen mit ihrer schrankenlosen Spekulattons- freiheit den Hauptgrund der ständigen Verteuerung der Woh- nungen. Da durch die steigenden Mieten und durch die in den letzten Jahren stattgefundenen erheblichen Preissteigerungen an Nahrungsmitteln die wirtschaftliche Lage der Beamten fortgesetzt verschlechtert worden ist, bittet die Versammlung die gesetzgebenden Körperschaften: 1. den Wohnungsgeldzuschuß der Beamten und Lehrer Schönebergs den gesttegenen Mietspreisen entsprechend zu erhöhen; 2. zur Schaffung günstiger Wohnungsverhältniste eine eingreifende Wohnungsreforn, durchzuführen, welche die spekulative Verteuerung des Grund und Bodens möglichst verhindert, und welche die natürliche Wertsteigerung des Grund und Bodens durch Einführung der Zuwachswertsteuer der Gesamtheit nutzbar macht; 3. das dem modernen Städtewesen zuwider- laufende Hausbesitzerprivilegium abzuschaffen. Die Versammlung fordert sämtliche Beamte Schönebergs auf, bei künftigen Abgeordneten- wählen nur solchen Kandidaten ihre Stimme zu geben, die gesonnen sind, für die drei genannten Forderungen einzutreten. In bezug auf die Schöneberger Verhältnisse fordert die Versammlung alle in Schöneberg wohnhaften Beamten auf, bei zukünftigen Stadt- verordnetenwahlen den Kandidaten der»Unabhängigen Vereinigung" nicht ihre Stimme zu geben." Man könnte eigentlich seine Genugwung darüber aussprechen, daß endlich auch die Beamten eingesehen haben, was sie von der Mehrheit der Stadtverordneten-Vcrsammlung zu halten haben, wenn man nicht zu genau wüßte, daß es weiter nichts, als ein augenblick- licheS Wetterleuchten ist. Die Herren von der„Unabhängigen Ver- einigung" können sich beruhigen, bei den nächsten Stadtverordneten- wählen wird der größte Teil dieser Beamten genau so wie stüher für die bürgerlichen Kandidaten der„Unabhängigen Vereinigung" ttmmen und werben, wenn es sich darum handelt, die Sozial- demolratie zu bekämpfen. Partei und Gewerkschaft lautete da? Thema, über welches Genosse Block in der letzten Wahlvereinsversammlung refetterte. Ausgehend von der Behandlung dieser Frage auf dem Kölner Parteitag 1893 schildctte Referent das ungeahnte Wachstum der Gewerkschasts- und politischen Organisationen. Des weiteren legt er den engen Zu- ämmenhang der gewerkschaftlichen und politischen Tätigkeit dar, die eS an sich schon geboten erscheinen läßt, jeden Gewerkschastsgenossen zum klassenbewußten Arbeiter zu erziehen. An der Diskussion be- teiligten sich die Genossen Däumig, Müller und Gempel, die zum Teil darauf hinwiesen, daß die Zahl der politisch organisierten Genossen noch in keinem Verhälttns zu der Zahl der gewerkschaftlich organi- jierten Arbeiter stände; auch müsse eine viel intensivere Agit'atton in den Gewerkschaften für die sozialdemostatische Presse entfallet werden.— Zu der Angelegenheit der Schloßbrauerei gab Genosse Küter eine eingehende Darstellung. Auf Antrag des Genossen Wollermann wurde die Angelegenheit zu näherer Prüfung der Lokalkommission überwiesen und soll in der nächsten Versammlung Bericht darüber erstattet werden. Genosse Küter gab alsdann die Abrechnung des Ostervergnügens. Einer Einnahme von 167,50 M. steht eine Ausgabe von 185,40 M. gegenüber; das Defizit bettägt somit 17,90 M. Der Vorsitzende wies noch darauf hin, daß vom städtischen Arbeitsnachweis Arbeitsuchende nach Betrieben geschickt werden, welche ausgesperrt haben; so unter anderem nach den Gasmesserwerken in Mariendorf. in die Buch- bindcreieu Fritsch, Bahnstraße, Renß, Lützowstr. 107/08 und Fleck, Lützowstr. 87. Den im Kuratorium sitzenden Arbeiterdelegietten wurde aufgegeben, beim Arbeitsnachweis-Borsitzenden in dieser Sache zu interpellieren, Sharlottenburg. Das rätselhafte Verschwinden zweier Schulknaben wird aus Char- lottenburg gemeldet. Es handelt sich um den 12jähngen Walter Daumann und den ll)jährigen Leonhard Ambos, welche beide in der Kantstr. 76 bei den Eltern wohnten. Am Montag vormittag gingen die Knaben von daheim weg, um wie gewöhnlich die Schule in der Suarczstraße zu besuchen. Sie sind jedoch weder dort eingetroffen noch in die elterliche Wohnung zurückgekehrt. Dagegen wurden ihre Schulmappen in der Nähe der Suarezstraße von einem Gärtner auf- gefunden. Die Nachforschungen nach dem Verbleib der Ver- schwundenen waren bisher vergeblich. D. ist 1,3V Meter groß, hat dunkelblondes Haar, blaue Augen und blaffes Gesicht. Bekleidet war er mit schwarzer Hose, grauer Bluse und schwarzen Schnür- stiefeln. Der verniiszte A. ist 1,25 Meter groß, hat hellblondes Haar, blaue Augen und frisches rundes Gesicht; er trägt blaue Hose und hellgraues Jackett. Wenig erbaut von seinen Gästen scheint der Inhaber der„Hohen- zollern-Festsäle", Herr Schmidt, zu sein. Das Lokal ist bekanntlich für moderne Arbeiterorganisationen gesperrt. Der blaue Verein der Kutscher hat jedoch, wie alljährlich, auch diesmal wieder sein Sommer- vergnügen in diesem Lokal abgehalten. Nun mögen wohl jene Ge- treuen des Guten zu viel genossen haben, denn am Schlüsse des Vergnügens entspann sich eine anständige Keilerei. Der Lokalbesitzer wies hierauf den Gästen, um sein Inventar einigermaßen ganz zu behalten, die Tür. Dieser Vorgang wirft wieder einmal ein eigen- tümliches Licht auf die blauen Vereinsbrüder. In modernen Organi- sationen Pflegen solche Solennitäten einen anderen Verlauf zu nehmen. Würden sich solche Episoden auf Festlichkeiten moderner Arbeiterorganisationen abspielen, die bürgerliche Ortspreffe würde sicher sehr schnell davon unterrichten. Tempelhof. In Tcmpelhof, da? in letzter Zeit mehrfach von großen Bränden heimgesucht worden ist, wurde gestern nachmittag einer Lösch komnrission im Beisein des Bürgermeisters Mussehl und der Ge meindevertreter mehrerer Vororte auf dem Hofe der Feuerwache eine neue Patent-Balance-Drehleiter, sogenannte Kaiserdrehleiter der Nürnberger Feuerlöschgeräte- zc. Fabrik von G. Chr. Braun A.-G., fertig zum Gebrauch vorgeführt und abgenommen. Wegen der zu- nehmenden Bebauung der Vororte, die bis auf Charlotten- bürg und Schöneberg sämtlich der Berufsfeuer- wehren noch entbehren, müssm die freiwilligen Wehren mehr als bisher Bedacht auf große Schlagfertigkeit und gute Ausrüstung legen. Die Braunsche Drehleiter ist nach den Vorschriften der Berlmer Bauordnung konstruiert, hat 26 Meter Steighöhe und wird in 80 Sekunden von zwei Mann bequem aufgerichtet. Sie hat nenn Sitze und sechs Stehplätze für Feuermänner, einen auf geprotzten Schlauchwagen fiir 250 Meter Schlauch und ist mit Patent Musset- Rollenlagern ausgerüstet. Sie bildet mit ihrer übrigen Ausrüstung bestehend aus Standrohr, Strahlrohren, Sprungtuch, Rauchschutzapparaten, Sauerstoffkoffer zur Wiederbelebung von Er- stickten usw. ein ausgezeichnetes Gerät für den ersten Angriff und wird deshalb als erstes Fahrzeug ausrücken. Königs-Wusterhausen. Neber die zehnte Generalversammlung des Zentralverbandes der Schmiede, über welche der„Vorwärts" bereits berichtet hat, re- ferierte in der letzten Schmiedeversammlung Kollege Behnke. Nach lebhafter Diskussion gelangte eine Resolution zur einstimmigen An- nähme, w rin der Generalversammlung zum Vorwurf gemacht wird, daß sie den Erwartungen der Kollegenschast nur in sehr unvoll- kommener Weise entsprochen habe. So sei die eingeführte Erwerbs« losenunterstützung geeignet, die Organisation vom Wege einer Kampfesorganisation abzubringen. Es wird ferner dem Vertreter der Generalkommisfion, dem Genossen Sabath, zum Vorwurf ge- macht, daß er sich mit dem Ausspruch:„Er weine den Hülfskaffen keine Träne nach", in Widerspruch mit der Reichstagsfrakrion gesetzt habe, die im Reichstage gegen die Erdrosselung der Hülfskaffen ein- getreten sei. Teltow. Beim Telkow-Kattalvau ereignete sich gestern nachmittag ein schwerer Unglücksfall. Der bei der Firma Steffens u. Nölle an- gestellte Arbeiter Petermann aus der Knesebeckstraße in Rixdorf war am Hafen in Tempelhof mit mehreren Arbeiten: dabei beschäftigt, das Gerüst von einem Drehkran zu entfernen. P., der auf einem Balken oberhalb der Krananlage stand, verlor plötzlich das Gleich- gewicht und stürzte von dem sieben Meter hohen Gerüst auf das Fundament hinunter, wo er mit zerschmetterten Gliedern liegen blieb. Er wurde, nachdem ihm an Ort und Stelle ein Notverband angelegt worden, mittels Transportwagens nach dem Kreis- krankenhauS in Britz übergeführt, wo sich sein Zustand als lebens- gefährlich herausstellte. Köpenick. Ueber„Geschichtsauffafiung und Geschichtslchre" referierte in der letzten Wahlvereinsversammlung Genosse Schütte. Hierauf erfolgte die Aufstellung der Kandidaten zu den bevorstehenden Stadt- verordneten-Ersatzwahlen. Für den Genossen August Rochlitz wurde der Restaurateur Genosse August Tauchert und für den Genossen Hüpenbecker der Maurerpolier Genosse Karl Lier als Hausbesitzer aufgestellt. In die Lokalkommission wählte die Versammlung an Stelle des Genossen Rochlitz den Genossen Lehmann. Dem Mai- feierbericht ist zu entnehmen, daß sieben Genossen eine Anklageschrift erhalten haben, ivonach sie am 1. Mai an einem öffentlichen Aufzug teilgenommen haben sollen.'In der Versammlung wurde betont, daß ein Genoffe, der gleichfalls angeklagt ist, zur Zeit des angeblichen Umzuges bei der Firma Spindler Streikposten gestanden hat. Auf Beschluß der Versammlung erhalten diejenigen„Vorwärts"leser, welche Mitglied des Wahlvereins und noch von der Aussperrung betroffen sind, den„Vorwärts" vom l.Juni ab gratis. Zum Schluß wurde noch auf das vom Gewerkschaftskartell arrangierte Früh- konzert zum ersten Feiertag aufmerksam gemacht. Da der ließ erschüfe desselben für die Ausgesperrten bestinunt ist, wurde zu reger Be- teiligung aufgefordert._ Gerichts-Zeitung Liebesgefühle eines Amtsrichters vor dem Reichsgericht. Der im Jahre 1866 an das Amtsgericht in Pasewalki.P. versetzte Amts- richter Ernst Henning lernte einen Dr. med. Weiterer soder Pfeiffer). der sich im Jahre 189« dort als Arzt niederließ, kennen und freundete sich ihm innig an. Die Freundschaft blieb auch noch bestehen, als der Doktor einige Zeit später sich mit einer jungen hübschen Dame verheiratete. Sehr bald übertrug Henning die Freundschaft auf die Gattin des Arztes, und inniger als dies dem Ehemann gegenüber möglich war. Schließlich führten eigenartige Liebesbeteuerungen des Herrn Amtsrichters am 15. September 1905 zu seiner Ver- urteilung durch das Amtsgericht Stettin— wegen Bedrohung der Frau Doktor mit dem Verbrechen des Totschlages zu 200 M. Geld- strafe. Gegen dieses Urteil legte Henning nun Revision beim Reichs- gericht ein, die gestern verhandelt wurde. Aus dem Aktenreferat ging hervor, daß Henning mit Frau Doktor ohne weitere Begleitung auch Vergnügungsreisen gemacht hat. So wird gesagt, daß fest- gestellt sei, daß Henning am 25. Mai 1903 seine Geliebte in einem Chambre-separoe in Berlin geküßt, ihren Busen entblößt habe usw. Daß Lieb' mit Leide oft enden muß. erfuhr die Frau Doktor im September 1903. Henning ging am 7. September zu dem mit ihm noch immer befreundeten Ehemann der Frau Doktor, um sich ein ärztliches Zeugnis über seine„Nervosität" ausstellen zu lassen, womit er sich zur Wiederherstellung seiner Gesundheit einen längeren Urlaub verschaffen wollte. Statt des Arztes traf er dessen Frau allein an. H. fürchtete nun, daß sie ihm während seiner Abwesenheit abtrünnig werden könnte und sagte zu ihr, indem er mit einer von der Wand genommenen Pistole spielte:„Komme ich krank zurück und ich sähe, daß Du nur Dein Spiel mit mir ge- trieben hättest, wäre es nicht unmöglich, daß wir die Todesreise gemeinschaftlich antreten werden I" Und auf ihre Erwiderung, daß er dem Kinde doch nicht die Mutter rauben würde, antwortete er: „Ich würde es mir noch überlegen, ob ich das Kind nicht auch noch mitnehmen würde." Die Pistole nach der Geliebten richtend, meinte er schließlich, daß das Erschießen gar nicht weh tue. Vor dieser Art Liebesbeteuerung graute es der Frau Aerztin nun aber doch. Staatsanwalt und Gericht wurden in Bewegung gesetzt. Sie erblickten in der durch Pistole und Hinweise auf eine Reise in das Land, von dem keine Rückkehr möglich, bekräftigten Zu- Neigung eine strafbare Bedrohung mit einem Verbrechen. Mit 200 M., wie erwähnt, kam der Amtsrichter davon. Trotzdem die Strafsache kaum die Höhe der Reisekosten für die Chambre-separöe- Reise erreichten, legte der Amtsrichter gegen das Urteil Revision ein. In seiner Revisionsschrift meinte er, daß er nur Scherz gemacht habe; im übrigen will er sich in einem solch nervös krankhaften Zu- stände befunden haben, daß er nicht mehr Herr seines Willens war. Dies war aber durch das bei den Akten befindliche Attest des Kreis- arztes widerlegt. Das Reichsgericht schloß sich der Vorinstanz an und verwarf die Revision. Versammlungen. Absplitterung der Berliner Rohrleger voiu Metallarbeiter-Berband. Die Branche der Rohrleger und Helfer hielt am Mittwoch in Kellers Saal eine von ca. 2000 Personen besuchte Versammlung ab, in der die Entscheidung darüber getroffen werden sollte, ob die Rohrleger infolge ihrer Differenzen mit der Ortsverwaltung des Metallarbeiter- Verbandes die Mitgliedschaft im Verbände ausgeben und eine neue Organisation gründen wollten oder nicht. Zu der Versammlung waren auch mehrere Mitglieder der Ortsverwallung erschienen, von denen Ra ms brock als erster Redner das Wort erhielt. Auch er ist der Ansicht, daß die Differenzen zur Hauptsache auf die persönliche Gegnerschaft des jetzigen ersten Bevollmächtigten Cohen und des früheren zweiten Bevollmächtigten W i e s e n t h a I zurückzuführen sind. Er glaubt aber, daß diese Differenzen nicht so schwerwiegender Natur seien, als daß sie nicht wieder überbrückt werden könnten. Wenn die Rohrleger trotzdem die Abtrennung vom Verband beabsichtigen, so treffe die Schuld hieran vor allem Wiesenthal. Bereits vor Weih- nachten habe Wiesenthal ihm in einem Privatgespräch erklärt, wenn er, Wiesenthal, in seiner Ausschlußsache vom Verband nicht sein Recht bekäme, dann würde er einen neuen Metall� arbeiter-Verband gründen. Damals habe Redner jene Worte nur als eine im Aerger hingeworfene Bemerkung betrachtet, die er nicht ernst genommen habe. Nun er aber sehe, was gespielt werde, müsse er Wiesenthals Verhalten geradezu als einen Verrat an der Arbeitersache bezeichnen. Redner warnte schließlich vor der Absplitterung fand mit seinen Ermahnungen jedoch so gut wie gar keinen Anklang. Wiesenthal ging nun seinerseits ausführlich auf die Ursachen und die Weiterentwickelung des Konflikts bis zu seiner jetzigen Schärfe ein, wobei er unter heftigen Angriffen gegen den Bevollmächtigten Cohen gleichzeitig eine äußerst scharfe Kritik an der Berliner Ortsverwaltung des Metallarbeiterverbandes übte. Unter der„Cohenschen Mißwirtschaft" sei das Geld der Orgnnisasion in geradezu unverantwortlicher Weise„ver- pulvert"' worden, denn die Cohensche Streiktaksik habe eine Niederlage nach der anderen zur Folge gehabt. Cohen habe nur unter ständigen Kämpfen in der Ortsverwaltung und mit Anwendung von Unwahrheiten seine Herrschaft in Berlin aufrecht erhalten. Die Mehrheit der Ortsverwaltung aber sei nicht Manns genug gewesen, trotz einiger Anläufe, dieser Mißwirtschaft energisch ein Ende zu machen. Immer sei im angeblichen Interesse der Organisation vertuscht und verschwiegen worden. So habe denn ein Fehler den anderen und eine Ungerechtigkeit die >andere nach sich gezogen, unter denen sowohl er persönlich wie schließlich auch die Agitationskommission der Rohrleger mitsamt der ganzen Branche zu leiden hatte. Es sei alles getan worden, um es nicht zum äußersten kommen zu lassen. Doch die Orts- Verwaltung habe sich auf ihre Macht versteift und Unrecht auf Un- recht gehäuft. Da Recht im Deutschen Metallarbeiterverbande nicht mehr zu erhalten sei, so empfehle er auch die Abtrennung vom Verband und Gründung einer neuen Organisation. So sehr er auch ein Befürworter der Einheitsorganisation sei, so sage er doch: Einigkeit und Freiheit müßten zusammenwohnen. Das sei im Metallarbeiterverband aber leider nicht der Fall. Deshalb seien die Rohrleger gezwungen, so lange ihre eigenen Wege zu gehen, bis die Verhältnisse im Metallarbeiter-Verband erst wieder gesundet seien. Dann werde sich auch wieder über eine erneute Ver- einigung reden lassen. sStürmischer Beifall.) Die meisten Dis- kussionsredner stimmten den Ausführungen Wiesenthals vollinhaltlich zu und richteten auch ihrerseits die hefttgsteir Angriffe gegen den Bevollmächtigten Cohen. Eine Besserung der Verhältnisse erwarten sie nur mit der Abdankung Cohens. Büchner warnte hierauf nochmals dringend vor der Absplitterung und empfahl, die Entscheidung zu vertagen; vielleicht finde der Hauptvorstand einen Weg zur Verständigung. Dem Redner wurde jedoch zu- gerufen, der Hauptvorstand sei nicht besser wie die Berliner Orts- Verwaltung.— Es kam sodann zur namentlichen Abstimmung. An derselben dursten sich nur diejenigen Rohrleger und Helfer be- teiligen, die ihr Verbandsbuch bei sich hatten. Das Resultat war, daß'840 für den Austritt aus dem Metallarbeiter-Verband und Gründung einer neuen Organisasion stinimten und 66 dagegen; 47 Sttmmen waren ungültig. Damit war die Absplitterung vollzogen. Um Vs2 Uhr nachts wurde die Versammlung ge- schloffen. Vermischtes. Eine furchtbare Explosion setzte gestern vormittag 11 Uhr die Bewohner von Herbosthai in große Aufregung. Indem Güterschuppen des nur 150 Meter von der Grenze entfernten belgischen Bahnhofs Wedkenraedt war eine mit etwa tausend Dynanntkapseln gefüllte Kiste explodiert. In einem Augenblick stand das ganze etwa 100 Quadratmeter umfassende Gebäude in hellen Flaminen. In der Nähe des Schuppens lagen viele Fässer mit Schießpulver, die in Sicherheit gebracht werden konnten. In kurzer Zeit war das ganze Gebäude eingeäschert. Bisher wurden drei Tote auS den Trümmern hervorgezogen. Starke Gewitter, anhaltende Regengüsse und heftiger Hagelfall haben auch gestern in Schlesien bedeutende Schäden angerichtet. Durch das vorgestrige Hagelwetter wurden im Nordwesten, Norden und Nordosten des Kreises Leobschütz bis zu 75 b. H. der Feldfrüchte vernichtet. In Neu-Brzezinka wurde der Hausbesitzer Schwirgott, bei Beuthen ein Bergmann aus Birkenhain und bei der Feldarbeit zwischen Pristram und Heidersdorf eine Arbeiterin Tschirschke aus Heidersdors vom Blitz erschlagen. Vier andere Arbeiterinnen wurden so betäubt, daß sie noch krank darniederliegen. Lese- und Diskutierklnv„Norden". Sitzung heute, Freitag, abend 8'/, Uhr bei Korff, Elisabethlirchstroße 18. Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Zlgitationsverein für den Wahlkreis Bromberg-Stadt und Land. Sitzung am Freitag, den 1. Lunt, bei Ostrowski, Schillingstr. 24._ Bnefluftcn der Redaktion. F. 13. Sie sind alimentationspflichtig und haben, soweit ersichtlich, keinen Scheidungsgrund.— O. P. C. 99. Jede Postverwaltung nennt Ihnen die Nummer und den Preis.— Wettende 1999. Zu leinem.— iilrnd. 1., 3., 4. Nein. 2. Ja.— G. G. 699. Sie können die Zinsen in voller Höhe pfänden.— H. St. 119. Am 1. Januar 1891.— O. T. 198. Der Offenbarungseid kann durch Hast erzwungen werden. Der Gläubiger hat für die Verhaftung 15 M. und allmonatlich 25 M. Hast« kosten vorzuschieben. Der Schuldner hat durch Leiswng des Offenbarungs- eides keinen Nachteil.— Curt 199. Wenige Wochen oder Monate; Sie mühten das Erforderliche durch den NechtSbeistand des Kindes herbeiführen. — 31. B. Sind Sie verheiratet, so wird wohl das Gesamte für unpsändbar erachtet werden, sonst wären etwa Sofa, Schrank und zwei Stühle pfändbar. — 3l. B. 11. Verjährung liegt nicht vor. Die vierjährige Frist ist an» wendbar.— G. W. 81. Beides.— Pianofabrik. 1. Nein. 2. Noch keine: die Verhandlungen schweben noch.— Neumeister. 1. 1882, 1888 und 1893. 2. Soweit uns erinnerlich 1897.— D. O. W. New. — Kantstr. 6. Tragen Sie die Voraussetzungen eines bestimmten Falles in der juristischen Sprechstunde oder schristlich vor, dann wird Ihnen Ant- wort erteilt. Die Mitteilung allgemeiner Vorschristc» verbieten schon die Raumrücksichten.— H. S. II. In Neubrück ist Wilhelm Lehmann, in Hennigsdorf Brase und Rud. Tesimami srei. Dasselbe besagt Ihnen ein Blick in die Lokalliste.— W. 399. 1. Nein. 2. Beswasung(Geld- oder Freiheitsstrafe) kann nur eintreten, wenn das Vorliegen einer Fahrlässigkeit bejaht würde.— I. 1. 1. Die Vorschriften des alten Verwages sind maß« gebend. 2. Der Vater und die Schwester erben. Sie können bei dem Ämtsgericht für Booken Nachlatzregulierung beantragen, falls Sie nicht eine Einigung erreichen.— Anfrage. Ein Mädchen bedarf von dem zurück» gelegten 21. Lebensjahre ab der Einwilligung des Vaters, der Mutter oder des Vormundes zur Heirat nicht mehr. Die einem jüngeren Mädchen vom Vater oder der Mutter verweigerte Genehniigung läßt sich gerichtlich nur dann ergänzen, wenn das Mädchen für großjährig erklärt ist.— N.®. 43» 1. Die Eltern basten nicht. 2. Ja. 3. Bescheinigung Ihrer Heimatsbehörde, daß nach österreichischem Gesetz Ihrer Heirat nichts entgegensteht. Wenden Sie sich an Ihre Botschast. Berliner Marktpreise.?IuS dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion. Rindfleisch la 64—68 pr. 100 Pfund, Ha 54—64, nia 50-53, IVa 44-49, engl. Bullen. 65—75, dän. Bullen- 0,00, Holl. Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländcr 105—120, la 85—90, Ha 70-80, nia 56-68. Hammelfleisch la 68—73, Ha 60—66. Schweinefleisch 56—63. Kaninchen per St. 0,40—0,84. Hühner, alte, Stück 1,65—3,15, junge, per Stück 0,45—0,87. Tauben, junge 0,35—0,56, alte 0,00. Enten, prima, per Stück 1,60—2,25, Hamburger, junge, per Stück 2,20 bis 3,35. Gänse, junge, per Psd. 0,70—0,78, per Stück 3,00—6,00. Hechte 105—113. Schlei- 113-129. Bleie 55—56, Slale, groß 110—115, mittel 105-112, klein 56—73, unsort. 77—87. Plötzen 00,00. Flundern, pomm. I, p. Schock 3,00-6.00. Kieler. Sttege la 4-6, do. mittel, per Kiste 2-4, do. klein, per Zkiste 0,00. Bückliuae, Holl, per Wall 0,00. Kieler 1,50—3,50, Strals. 3.00-3,50. Aale, groß, P.Psd. 1,10—1,30, mittel 0,80-1,00, kI.0.50btS 0,60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 0,00, Elb- per Kiste 0,00. Sardellen. 1902cr, per Anker 76,00, 1904er 74,00, 1905er 70,00. Schottische Vollheringe 1905 0,00, lar�o 40-44, kull. 36—38, med. 33-35, deutsche 37—44. Heringe, neue Matjes, per'/, To. 60—120. Hummern, Ha, 100 Psd. 0,00. Krebse, per Schock, große 34,50, mittelgroß 16,00, kleine 0,00—0,09, unsortiert 11,00—15,50. Eier, Land-, per Schock 3,20—3,30, frische 0,00. Butter per 100 Psund, la 112-116, Ila 108-112, lila 104-108, ab. fallende 100—104. Saure Gurken, Schock 3,50—4 M., Pfeffergurken 3,50—4 M. Kartoffeln per 100 Psd. magu. bon. 2,10—2,35, rote Dabersche 2,00—2,20, runde weiße 1,80—2,00, Malta 00,00, Sommer-Malta 11—12, stanz. 15—17, ital. 9—11, ungar. 8,00. Spinat, per 100 Psd. 10—15, Karotten 10—15. Mohrrüben, per 100 Psund 3—4. Kohlrabi., per Schock 1,00 bis 1,75. Rettig, bahr., per Schock 2,40—4,80. Rhabarber, Hamb., per 100 Bd. 3,50— 4,00, Berged. 1,50—2,50. Radieschen, per Schock 0,75. Salat, 100 Kopf 0,00, Gubener, per Schock 0,50—0,70. Spargel 1, per Psd. 0,30-0,49, II 0,20-0,35, lll 0,08—0,20, Beelitzer 1 0,40—0,58, ll 0,30 bis 0,45, III 0,15—0,25. Bruchfpargel 0,03—0,09. Bohnen(grüne), per 100 Pfd. 70—100. Schote», Beelitzer, per 100 Pfd. 20—22. Kirschen, ital., per 100 Psd. 35—50, srmiz. 15—60, Gubener 30—35, Wcrderschc, per Psd. 0,35—0,40. Erdbeeren, hiesige, per Korb 0,60—2,00, Holl., per Psd. 0,80 bis 1,00, stanz,, per Pfd. 0,30—0,80, Beelitzer, per Korb 1,10—125, Dresdener, per Pjd. 1,00. Zitronen, Mcssina, 300 Stück 8,00—10,00, 360 Stück 6,75-9,00, 200 Stück 6,50-9,00, 420 Stück, klein 7,00. Wttteriiiigöüberstcht vom 31. Mai 1999, morgens 8 Nyr. Stationen Swwemde. Hamburg Berlin Franki.a.M München Wien s& a-c 754 38 756 38 756 W 759 SO 760 SW 760,38 Setter 3 bedeckt 3 bedeckt 4 bedeckt 2 heiter 4bedeckt 5bedeckt »s; S>! H S- Stationen L! « l a e �"c iüL baparanda 759O Petersburg 753 ONO Scilly elbcrdeen Paris 753 WNW 750WSW 753Still Setter 2Jwolkto bedeckt bedeckt wolkig wölken! «-»eck d S. 15 13 11 12 18 Wetter-Prognose für Freitag, den 1. Juni 1996. Ziemlich kühl, zeitweise heiter, aber veränderlich mit etwas Regen und mäßigen westlichen Winden. Berliner WettecBoriaa Wasserstand am 30. Mai. Elbe bei Aussig+ 0,29 Meter, Bei Dresden— 1,10 Meter, bei Magdeburg-j- 1,94 Meter.— Unstrut bei Straußsurt+ 1,85 Meter.— Oder bei Ratibor-f 1,66 Meter, bei Breslau Oberpegel+ 5,08 Meter, bei Breslau Unterpegel— 0,74 Meter, bei Frankfurt-ff 2,22 Meter.— Weichsel bei Brahemünde -ff 2,82 Meter.— Warthe bei Posen— 0,88 Meter. Teures Fleisch Bester Fleischersafz, schmackhaft und dureb boben Nährwert sieb auszelcbnend! Große Fänge in lebendfrisclier Ware sind soeben eingetroffen. Ein Versuch mit diesen äoOerst scbmackbaiten Fischen ist jeder Hausfrau zu empfehlen Zentral-Fernsprecher: Amt III No. 8804. Seefisch«Kochbücher gratis« Verkaufs-Niederlagen:; Prinzenstraße 80 1 Hadaistraße 22 1 Landsbergerstraße 52-53 (am Moritzplatz).|(im Sohlesischan Balmhol).|(der Kurzenstr. gegenüber). Vom Hai Ma Ansust Isla. Ms 8 Uhr abends, außer Sonnabends, geöffnet. Seefische- Volhsnabrung 1 Gn.Schellfischc.Sispl' Cabliau s 25 rung ll Pf.pr.Pfd. 1 9R 8 im enit Kopf im Ganzen! 29 Pf. 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