Nr. 126. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pranumerando: Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10., wöchentlich 28 Bfg. frei ine Haus. Einzelne Numuner Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich, Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luremburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 50 Big., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 80 Pfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf. stellen- Anzeigen das erste Mort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Von Königsberg bis München. Sonnabend, den 2. Juni 1906. hervorrufen. Aber die Lehrer brauchen diesen Sturm nicht zu fürchten. Lieber den geifernden Zorn der Reaktion auf sich bis München. heraufbeschwören, als die hochmütige Geringſchäßung, mit Die deutsche Lehrerschaft rüstet sich, um in der bebor stehenden Pfingstwoche in München die alle zwei Jahre stattfindende deutsche Lehrerversammlung abzuhalten. Vor zwei Jahren fand diese Versammlung im äußersten Nordosten Deutschlands, in Königsberg, statt und zu entscheiden hatte sie über die allgemeine Volksschule, über die Schulaufsichtsfrage und über die Lehrerbildungsfrage. Wir haben uns damals nicht ohne Einschränkung für die Beschlüsse der Königsberger Lehrerversammlung aussprechen können; fie trugen durchweg den Charakter der Halbheit und der Rechnungsträgerei an der Stirn und gingen mit zu ängstlicher Vorsicht den harten und unbeugsamen Grundsäßen aus dem Wege. Nur in der Frage der Universitätsbildung der Lehrer gelang es einem stürmischen Draufgänger, der für die demokratischen und proletarischen Instinkte der deutschen Volksschullehrer die richtigen Worte zu finden wußte, die„ maßvollen" Leitfäße des Referenten, die zugleich die Leitsäße der leitenden Persönlichkeiten des Lehrervereins waren, über den Haufen zu rennen und durch grundsägliche Forderungen zu ersetzen. Inzwischen sind zwei Jahre ins Land gegangen, zwei Jahre, die für die preußische Volksschule und damit für die deutsche Volksschule überhaupt von großer und einschneidender Bedeutung sind. Kurz vor den Königsberger Tagen war das konservativ- freifonservativ- nationalliberale Schulkompromiß, mit dem segnenden Zentrumsengel im Hintergrunde, bekannt geworden. Kurz vor den Münchener Tagen hat das preußische Abgeordnetenhaus das auf der wadeligen GrundLage jenes Kompromisses mit Mühe und Not zusammengeflicte Schulverpfaffungsgeset definitiv verabschiedet, und kurz nach den Münchener Tagen wird das Herrenhaus seinen Segen dazu geben. In Königsberg haben die Lehrer in unbegreiflicher Indifferenz verabsäumt, ihre Meinung zu der geplanten Konfessionalisierung der preußischen Volksschule zu fagen; ob fie in München auch vergessen werden, über die nunmehr gesetzlich festgelegte Schulverhunzung in Preußen ihr fachmännisch bedeutsames Urteil zu sprechen? der sich die Lehrerschaft jetzt abfinden muß. Außerdem braucht die Regierung die Lehrer sehr nötig, der Lehrermangel wird immer größer, die neueste Schulverpfaffung wird den Zudrang zum Volksschullehrerberuf nicht erhöhen, die Konjunktur liegt also für die Lehrerschaft gar nicht so ungünstig. Die Bremer Lehrer werden in Gemeinschaft mit ihren Hamburger Kollegen die Frage der Weltlichkeit der Schule vor die Münchener Lehrerversammlung bringen und eine Entscheidung darüber herbeiführen. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein. Es wird einen wertvollen Einblick in die Psyche des deutschen Volksschullehrerstandes gestatten. 6737 Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. schöpferischen Arbeit befassen. Die progreffive Frauenpartei appelliert an das Gerechtigkeitsgefühl der russischen Boltsvertreter und spricht die Hoffnung aus, daß die russischen Frauen unver züglich politische Rechte erhalten und aus rechtlosen Sklavinnen bollberechtigte Bürgerinnen werden." Streit! Warschau, 1. Juni. Die Angestellten der Straßenbahn sind heute in den Ausstand getreten. Die Straßenbahn hat infolgedessen den Verkehr eingestellt. Roschdjestwenski! agentur.) 3wei zum Stabe des Admirals Roschdjestwensti gehörende Petersburg, 1. Juni.( Meldung der Petersburger TelegraphenOffiziere sind vor das Marinekriegsgericht gestellt worden, weil sie am 28. Juni 1905 zur tampflofen Uebergabe des Torpedobootes Bjedowy" an die Japaner angeregt, neun Offiziere, weil sie die uebergabe zugelassen hatten und endlich Admiral Roschdjestwenski felbst, der sich schwerverwundet auf dem Torpedoboote befunden hatte, weil er nichts zur Verhinderung der Uebergabe getan habe. Und Pobjedonoszew!! " An zweiter Stelle wird in München über die Lehre rinnenfrage berhandelt werden. Auch die Erörterung dieses Themas stellt die deutsche Lehrerschaft vor eine Probe. Sie wird zu zeigen haben, ob sie sich bis zur Anerkennung der Gleichberechtigung von Mann und Frau aufschwingen kann; ob sie reif genug geworden ist, um diese Frage weder Der am 3. d. m. 80 Jahre alt werdende Pobjedonoszew, der vom Standpunkte des Ronkurrenzneides, noch der spießbürger- feine Memoiren über seine Tätigkeit unter vier Baren( 1846-1906) lichen Vorurteile, sondern allein vom Standpunkte der beendet hat, will Petersburg für immer verlassen und sich in der fozialen Entwickelung aus zu beurteilen und zu entscheiden. Krim ansiedeln. Die Thesen des Referenten atmen rückständigen Geist, aber Dem alten Sünder gefällt's nicht mehr in Petersburg, weil er zum mindesten werden auch in dieser Frage wiederum die nicht mehr wie früher nach Belieben mit Sinute und Katorga schalten Bremer Lehrer eine fortschrittliche Stellung vertreten, wie und walten kann. aus den vom Bremischen Lehrerverein angenommenen Thesen Interpellation bezüglich der Strafexpeditionen nach den zur Lehrerinnenfrage hervorgeht. Ostseeprovinzen. So darf man der Münchener Tagung mit einigem Inter- Die Reichsdumamitglieder der Dftfeeprovinzen beabsichtigen, der effe entgegensehen. Die Arbeiterschaft verfolgt die innere Reichsduma eine Interpellation bezüglich der Straferpeditionen nach Entwickelung der Volksschullehrer mit großer Anteilnahme. den Ostseeprovinzen zu unterbreiten. Zu diesem Zwecke wird den Sind es doch die Kinder der Arbeiter, die von den Volksschul- Reichsdumamitgliedern rechtzeitig reichhaltiges Material unterbreitet, Lehrern unterrichtet werden! Je mehr sich darum die Lehrer in das fich auf amtliche Bekanntmachungen sowie auf peinlichst zusammender Richtung des tapferen und unermüdlichen Vorwärts- gestellte Angaben völlig einwandfreier Zeugen stützt. Besonderes Interesse erwecken die Mitteilungen über das Vorgehen der Strafe drängens, des Kampfes gegen alten Schulschlendrian und expedition des berüchtigten Generalmajors Drlow, den die russische gegen bererbte Vorurteile weiterentwickeln, um so mehr dürfen Regierung aus gewiffen Gründen fürzlich aus den Ostseeprovinzen fie fich dabei der Zustimmung und der tatkräftigen Unter- abberufen, mit hoher Auszeichnung bedacht und vorläufig in Neustützung durch die Arbeiterschaft, versichert halten. Peterhof zurückgelassen hat. Die Leistungen der Straferpedition unter der Leitung dieses Schurken waren allein im Zeitraum von Mitte Dezember vorigen Jahres bis Mitte Februar dieses Jahres wie folgt: Die Revolution in Rußland. Wertvoller freilich noch als eine bloße Entrüstungsresolution wäre es, wenn aus den Verhandlungen und Beschlüssen der Münchener Lehrerversammlung deutlich die erzieherische Wirkung der nationalliberalen Schulberräterei und des konservativ- klerifalen Sieges über die alten liberalen Schulprinzipien heraus zu spüren wäre. Barte Anzeichen dafür, daß die Lehrer keine Lust mehr haben, sich fürderhin bon der liberalen Schönrederei nasführen zu lassen, liegen bereits vor. Die Pädagogische Zeitung" kommt in einem Artikel über die zweite Lesung der Schulvorlage zu einigen der Agrarfrage über. Schlußfolgerungen, die durchblicken lassen, daß die Lehrerschaft des trockenen Tones der liberalen Landtagsabgeordneten nun satt ist und andere, rücksichtslosere und lebendigere Töne berlangt; daß sie ferner aber auch allmählich hinter die legten Ursachen der nationalliberalen Schulverräterei, hinter die wirtschaftlichen Beweggründe zu kommen beginnt. " Die Duma. 18 Personen erhängt, 621 Personen ftandrechtlich erschossen, 320 Personen von den Soldaten getötet. Insgesamt also wurden 959 Berfonen ins Jenseits gebracht. Darunter befanden sich Petersburg, 1. Juni. Die Sigung der Reichsduma wurde er 13 Volksschullehrer( 2 erhängt und 11 erschossen), 4 Schreiber, öffnet unter dem Vorsitze des Fürsten Dolgoruch. Nachdem mehrere 2 Studenten, 1 Apotheker, 1 Buchhändler, 29 Bandbesizer usw. usw. Wahlen für gültig erklärt waren, überwies das Haus drei Anträge auf Interpellation des Ministers des Innern wegen in mehreren törperlich bestraft wurden 251 Personen, darunter 2 Frauen. Brovinzen vorgenommener Berhaftungen und wegen des freiraum wie folgt: Niedergebrannt sind 97 Bauernhäuser, 4 Schulen, Das Berstörungswerk äußerte sich in dem obengenannten Zeitwilligen Hungerns politischer Gefangener im Gefängnis zu 2 Amtshäuser, 3 Kommunalgebäude sowie 22 Privathäuser. Obwohl Jekaterinodar an eine Kommission und ging sodann zur Beratung diese aus der Fülle des gesammelten Materials Herausgeriffenen Im Laufe der Beratung führt Fürst Lw off aus: Der der Reichsduma borgelegte Entwurf Angaben schon an und für sich erschreckend wirken, so können die Reichsdumamitglieder der Ostseeprovinzen durch Vorlegung des ihnen sehe dieselbe bureaukratische Willkürherrschaft vor wie diejenige, unter zur Verfügung stehenden Materials ein noch traurigeres Bild vom ber Rußland so sehr gelitten habe. Wenn ber Entwurf unter Außer Wirten ber aütgellofen Soldatesta in den Dstseeprovinzen entrollen. achtlassung der tatsächlichen Berhältnisse verwirklicht werde, sei es unmöglich, das ganze Land im Sinne der von Petersburg aus angegebenen Richtung zu reformieren.- Prof. 2ocot, Bertreter der Arbeiterpartei, verlangt in sehr langer Rede, daß alle Ländereien Es wäre sehr zu wünschen, daß die Münchener Lehrer- unter die Bauern verteilt werden sollten. Die erste Reichsduma bersammlung diese neue Entwickelungsbahn förderte. Gelegen werde die Agrarfrage nicht lösen tönnen, aber fie müsse tun, was heit bietet sie dazu. Wir haben schon vor längerer Zeit an in ihren Kräften steht. Der Präfident der Reichsduma teilt mit, dieser Stelle die wichtigste Frage, die auf dem Münchener daß fich 98 Redner zum Wort gemeldet hätten; trozdem wird ein " 35 Redner in die Lifte eingetragen. " Politische Ueberlicht. Berlin, den 1. Juni. Für die Reaktion reklamiert. Unsere Agrarier find hartschädelige Leute, die wissen was sie Kongreß zur Verhandlung gelangt, behandelt, die Simulantrag auf Schluß der Rednerlifte abgelehnt und es werden no wollen, die ihren materiellen Vorteil verstehen und ihn rücksichtslos tanschulfrage. Die Debatte und die Beschlußfassung Die Duma arbeitet also unverzagt ihr Pensum herunter. verfechten, ohne sich um entgegenstehende ideale Güter" zn über diese Angelegenheit kann zum denkbar schärfsten Protest Ginstweilen wenigstens noch. Indessen wäre es wohl nicht fümmern. Wie sie Feinde des Hakatismus sind, wo er ihnen gegen die preußische Schulverpfaffung werden, aber nur ausgeschlossen, daß sich allerlei unliebsame Störungen von den Gebrauch billiger slawischer Arbeiter erschwert, wie diese dann, wenn die Lehrerversammlung im Sinne der Bremer innen wie von außen her bemerkbar machen. Folgendes Patrioten hier die nationale Sache nicht respektieren, wo sie und Hamburger Lehrerschaft entscheidet: weder Konfessions- allerdings wenig glaubwürdige Telegramm verdient borerst ihrem Gewinn entgegensteht, so ist ihnen auch jede Bestrebung und noch Simultanschule, sondern rein weltliche Schule und dem einmal Beachtung: Unternehmung gleichgültig oder auch verhaßt, bei der ihr besonderer nach Abschaffung des Religionsunterrichts aus den Schulen! Petersburg, 1. Juni. Die Arbeiterpartei der Reichsduma Borteil nicht gewahrt ist. Die Sozialistenvernichtung ist sicherlich Solange die Lehrerschaft nicht den Mut hat, die alten aus- erließ einen Aufruf an die gesamte Arbeiterschaft Rußlands, in eine Sache, die im allgemeinen ihre wärmste Sympathie hat. getretenen Gleise der bankerotten liberalen Schulpolitik zu welchem mitgeteilt wird, daß die Arbeitergruppe, da fie fich über- Aber auch dabei wollen sie ihr Schäfchen vorerst geschoren wissen. berlassen, solange wird sie sich bei den Junkern und Pfaffen zeugt habe, daß ihre weitere Mitwirkung in der Duma nuslos fei, wenn alle bürgerlichen Barteien gleichmäßig davon profitieren, fo befchloffen habe, bie Duma zu verlassen. Gleichzeitig werden die freut fie die Sache nur halb. Die Tendenz des bekannten Reichsfeinen Respekt verschaffen. Sage mir, mit wem Du umArbeiter zu Waffenkundgebungen aufgefordert. Die Stimmung verbandes zur Sozialistenvernichtung fagt ihnen gewiß zu, aber die gehst..." Der Liberalismus hat äußerlich und moralisch unter der Arbeiterschaft ist äußerst erregt. so total abgewirtschaftet, zumal in Preußen, und er wird Des weiteren verdient ein Gerücht Beachtung, demzufolge Ausführung seiner Absichten minder. Sie möchten den Verband für dort von den herrschenden Parteien so en canaille behandelt, Ministerpräsident Goremykin bereits sein Entlassungsgesuch fich allein ober doch wenigstens nur für die schutzöllnerischen Ordnungsdaß die Lehrer sich nicht wundern dürfen, wenn es ihnen nicht eingereicht haben und auch der Justizminister Sichtscheglowitow parteien arbeiten laffen. Sie reklamieren ihn für die offene Reaktion. biel besser ergeht. Geradezu abstoßend muten die sentimentalen liberalen Klagen über die Behandlung an, die sich die geneigt sein soll, von seinem Posten zurückzutreten. Dem würde eine dritte Meldung anzufügen sein, nach der Landwirte" hatte es daher sehr übel vermerkt, daß der Reichsverband liberalen Redner bei der Beratung der Schulvorlage im Nikolaus der Unberechenbare urplöglich durch die Geschicklich bei Beginn der Wahlkampagne im Reichstagswahlkreise Darmstadt Plenum des Abgeordnetenhauses gefallen laffen mußten, be- feit, mit der Muromzow, der Präsident der Duma, die Ver- auch dem Kandidaten der vereinigten Linksliberalen, dem ehemals ziehungsweise gefallen lassen haben. Man hat sie zwar reden handlungen leitet, so bezaubert sein soll, daß er ihn liebevoll nationalsozialen Pfarrer Korell seine Hülfe angeboten hatte, allerLassen, weil man dazu geschäftsordnungsmäßig gezwungen in fein zarisches Herz geschlossen hat, so liebevoll, daß bings vergeblich, denn die Darmstädter Linksliberalen hatten war, aber man hat sie dabei völlig unter sich gelassen. Wer Goremykins Rat und Einfluß im Augenblick bei Nikolaus so- soviel Reinlichkeitsgefühl, die Hülfe der zweifelhaften Geſellſchaft aber von der Junkermehrheit sich zufällig im Saale aufhielt, der dämpfte nicht einmal die Stimme bei seinen Privat- gar mehr gelten foll, als der Trepows und der ganzen der Reichsverbändler abzulehnen. Die Korrespondenz des Reichs. reaktionären Sippe!? unterhaltungen. Der Liberalismus hat freilich wegen seines feigen Verhaltens gegen die konservative Reaktion faum eine bessere Behandlung verdient. Die Lehrerschaft wird ihren schulpolitischen und pädagogischen Forderungen erst dann wieder den nötigen Respekt verschaffen, wie sie fie auf eine neue Basis stellt und das kompromittierende Verhältnis zum alt und lahm gewordenen Liberalismus löst. Dazu gehört die Abkehr von der liberalen Halbheit der Simultanschule und die Aufstellung der Forderung der weltlichen Schule. Wohl wird eine solche Forderung einen Sturm der Entrüstung bei den Junkern und Pfaffen Die Frauen! Die progressive Frauenpartei", die ihren Siz in Petersburg hat, faßte folgende energische Resolution, die von der Duma sicherlich nicht unbeachtet gelaffen werden kann: Im Namen des Wohles des russischen Bolles protestiert die progreffive Frauenpartei gegen irgend welche gesetzgeberische Tätigkeit der Reichsduma, so lange aus den Meihen ihrer Mitglieder die Frauen ausgeschlossen find. Sie besteht darauf: die Boltsvertreter müssen vor allem dafür Sorge tragen, daß die gefamte Bevölkerung des russischen Reiches, darunter auch die Frauen, das Wahlrecht erhalten, und sich erst dann mit der Das Drgan der Agrarier, die Korrespondenz des Bundes der berbandes hatte den Tadel der Bundeskorrespondenz" zurückgewiesen. Diese dient dem Reichsverbande in ihrer letzten Nummer nun mit folgender Erwiderung: Nach dem ganzen politischen Vorleben des Pfarrers Korell, der von vornherein als nationalsozialer" Randidat galt, durfte es keinem Zweifel unterworfen sein, daß er nie bafür zu haben sein würde, seine Anhänger zur Bekämpfung einer des Sozialdemokraten bei etwaigen Stichwahl aufzufordern. Wir müssen deshalb dabei bleiben, daß es in Zukunft im Interesse des Reichsverbandes ratsam sein dürfte, nicht allein Männer mie Naumann, Barth und Konsorten von seinem Wohlwollen und seiner Unterstügung auszuschließen, sondern einen erheblichen Die Germanisation im Reichslande. Straßburg, 31. Mai.( Eig. Ber.) weil Schritt weiterzugehen, damit eine derartige Ablehnung machen. Gleichzeitig wählten in der benachbarten Stadt Lörrach wie bei Herrn Pfarrer Korell nicht wieder die Liberalen eine sozialdemokratische Gemeindevertretung, um die passieren tann. Wir sind nicht dazu berufen, dem Reichsberbande gute Lehren zu erteilen oder ihn mit Rat zu unter- Seit einiger Zeit hatte sich die Regierung des Herrn freisinnige Bourgeoisie zu stürzen. Ueber eine sowohl für Partei- wie Gewerkschaftskreise hochstüßen, müssen ihn aber doch darauf hinweisen, daß der Reichs. b. Stöller den Anschein gegeben, als wolle sie auf die berband von dem rein mechanischen Prinzip der Unter- bisherige Zwangsgermanisation wenigstens insofern verzichten, interessante Angelegenheit wurde am Dienstag in der Königsberger Stadtverordnetenversammlung verhandelt. Am 22., 28. und 24. Ot ftügung aller nicht sozialdemokratischer Kandidaten doch in einer als sie ihre albernsten Aeußerungen zurückwies und der unteren tober v. J. fanden in Königsberg die Gewerbegerichtswahlen nach weniger schematischen Weise als bisher Gebrauch Verwaltungsbehörde aufs Konto sette. So machte sie durch dem Proportionalwahlsystem statt. Der Magistrat hatte solche machen möchte, schon allein aus dem Grunde, daß ihm keine Ab Verordnung des Unterstaatssekretärs für Justiz und Kultus mangelhaften Vorrichtungen zur Wahl getroffen, daß Hunderte lehnung tvie in Darmstadt paffiere. der Praris der Gemeindebeamten ein Ende, in die Standes Personen von ihrem Wahlrecht feinen Gebrauch machen fonnten. Die Ferner aber müssen wir den Reichsverband auch mit aller amtsregister nicht die von den Eltern angegebenen Namen Wahl( bei der 9 Beisitzer von den freien Gewerkschaften und zwei von Entschiedenheit darauf aufmerksam machen, daß in den weitesten Kreisen des Bundes der Landwirte die Meinung vorherrscht, daß französischen Klanges, sondern deren lateinische Ueber dem christlich- nationalliberalen Kartell gewählt wurden) wurde von eine wirksame Bekämpfung der Sozialdemokratie fegung einzutragen, wo ein deutscher Name nicht besteht! Diese den freien Gewerkschaften angefochten, und der Bezirksausschuß er nicht allein durch Unterstigung nationaler eigenartige Praxis wurde damit gerechtfertigt, daß die Standes- flärte die Wahl auch für ungültig und zwar deshalb Männner bei den Wahlen, sondern auch durch wirt- amtsregister in deutscher Sprache geführt werden sollen. Auf der Magistrat die Wahl mangelhaft vorbereitet und den Wahlausschuß nicht genügend besetzt hatte. Da durch die Schuld schaftspolitische Stellungnahme zu der wirtschaftlichen und sozialen diese Weise wurde aus Marcel Marcellus, aus René Renatus, aus des Magistrats die Wahl ungültig war, beantragte unser Gewert Gesetzgebung und durch Wahl der nötigen Wege und richtigen Mittel Germaine Germania usw.! Mit diesem Unfug ist, wie gesagt, schaftstartell, der Magistrat möge ihm die Kosten für die Wahl zur Stärkung der national- bedeutsamen Be aufgeräumt worden, weil die Regierung der energischen, allerjezen. Doch der Magistrat wollte davon nichts wissen und so rufsstände bewirkt wird. Alle Verwässerungsfeits wandte sich denn das Kartell an die Stadtverordnetenversammlung. politit, die dahin führt, Männer in den Reichstag zu wählen feits geübten Stritit nachgeben mußte. Daß sie aber feineswegs gesonnen ist, ihr hakatistisches Am Dienstag wurde darüber verhandelt. Zuerst wurden allerlei auf ihr Bekenntnis hin, daß sie Gegner der Sozialdemokratie feien, tann nicht dazu dienen, die SozialdemoVorgehen auch im Reichsland wirklich aufzugeben, beweist der formale Bedenken gegen den Antrag des Startells erhoben. Es hieß, tratie wirtschaftlich zu befämpfen, und infofern hat Gifer, mit dem neuerdings, wieder die Inschriften über das Kartell sei keine juristische Person und könne keine Anträge der Vorstand des Bundes der Landwirte gegen diese Ver- wacht werden. Im Grenzland Elsaß- Lothringen sind nämlich stellen. Deshalb wurde der Antrag als" Petition" angesehen. Gefordert wurde ein Betrag von 629,50 M. und zwar auf Grund der wässerungspolitit stets warnend seine Stimme erhoben. französische Inschriften streng berpönt und die Polizei sorgt§§ 839/41 des Bürgerlichen Gesetzbuches, wonach Behörden Das heißt auf gut Deutsch: der Reichsverband darf nur den dafür, daß dieses Verbot nicht übertreten werde. So muß den durch Verlegung ihrer Amtspflicht entstandenen Schaden Agrariern genehme Kandidaten, also Wucherzöllner, unterſtügen, das welsche„ coiffeur" regelmäßig dem teutonischen Friseur" Dritten zu erfegen haben. Bon sozialdemokratischer Seite wurde be sonst ist's mit der Sympathie der Notleidenden" vorbei. An der weichen, so darf kein Geschäftsmann die Bezeichnung Nou- antragt, die Summe zu bewilligen, da es ein Aft der Billigkeit sei, Wahl von Mitgliedern solcher Ordnungsparteien, die nicht, nationale veautés", die in ganz Deutschland üblich ist, der Deffentlichkeit die Kosten zu decken. Der Magistrat habe selbst anerkannt, daß er Wirtschaftspolitit" treiben, ist den Junkern verteufelt wenig gelegen. preisgeben. Nun ist auch einem Solmarer Staufmann unter die Wahl mangelhaft vorbereitet habe, und deshalb müsse SchadenDer arme Reichsverband! Das Zentrum hat er sich zum er fagt worden, das im Elsaß durchweg gebräuchliche Reklame- erfaz geleistet werden. Die Behauptung, daß der Magistrat mit der bitterten Feinde gemacht durch jenen unglückseligen Brief, der an wort" Bigaretten faites à la main" zu führen und ein Mül- Wahl nichts zu tun gehabt habe, sei hinfällig, da das Gewerbewurde bon unferer Seite die falsche Adresse gelangte, der einem Zentrumsmann mitteilte, daß hauser wurde vor den erhabenen Stuhl der Polizei zitiert, gericht eine Einrichtung der Kommune sei und von ihr auch der Verband schon an die Zentrumsbekämpfung gehen werde, wenn weil er sich„ antiquaire" und nicht nach deutscher Art Anti- angeführt, daß das Gewerkschaftskartell als solches eine gerichtliche er nur erst das dringlichere Werk der Sozialistenvernichtung besorgt quar" nannte. Klage wegen der Summe nicht anstrengen fann; das müßten habe. Nun stellen ihm die Agrarier auch noch die Alternative, ents Man fragt sich vergeblich, welchen Zweck solche Scherze die einzelnen Mitglieder tun und das würbe weder auf sie oder auf die reichen freisinnigen Börsenmänner zu verfolgen? Bisher hat diese ganze Methode offizieller Germa- einen Monsterprozeß abgeben. Deshalb sollten dem verzichten, die ihm den Beutel füllen müssen. Und daß das Bündler- nisation die Bevölkerung provoziert und feinesfalls zu deutsch- Kartell die Stoften bewilligt werden. Doch alle diefe Gründe übten auf die liberal- freisinnigen organ dabei nachweist, daß der Reichsverband, wenn er konsequent freundlichen Stimmungen erzogen. Wenn trotzdem in Elsaß mannen feine Wirkung aus: fie stimmten für Uebergang zur Tagessein will, der reinen Reaktion dienen muß, das ist fast ebenso fatal Lothringen eine Annäherung zwischen Eingeborenen und ordnung, nachdem der Führer der Freifinnigen Boltspartei, wie vor etwa Jahresfrist die eigenhändige Enthüllung vor dem Eingewanderten stattgefunden hat, so liegt der Grund in dem Justizrat Lichtenstein, die Petition" mit aller Entschiedenheit beengen wirtschaftlichen Zusammenhang, der kämpft hatte. und Reich nunmehr verbindet. Das Bündlerorgan ist übrigens zu besorgt um den Reichs- Reichsland Die Ein Dem Berdienste seine Krone. Der nationalliberale Landtags verband, wenn es ihm von der Unterstügung freisinniger Kandi- heitlichkeit der ökonomischen Interessen einerseits baten abrät, damit er teine weiteren Ablehnungen feiner Angebote Bourgeoisie, andererseits des Proletariats hüben und abgeordnete, Landgerichtsrat Schiffer- Magdeburg ist zum Kammergerichtsrat in Berlin ernannt worden. erfahre. Die Ablehnung der Darmstädter Linksliberalen war eine brüben hat weit mehr germanisierend gewirkt, als alle Herr Schiffer hat sich um das Zustandekommen der Schule Ausnahme- in Bayern hat z. B. der freisinnige Volksparteiler beabsichtigte Germanisation. Im Gegenteil, sie hat die verpfaffungsvorlage eifrig bemüht! Barbeck fich gern diese zweideutige Hülfe gefallen lassen und nach der protestlerischen Wirkungen dieser Germanisationspolitit aufWahlschlacht hat er dem Reichsverbande öffentlich gedankt. Und das brächten zweifellos noch viele freifinnige Bollsparteiler fertig. Zentrum. gehoben und überwogen. Deutsches Reich. der Weiter unterhalten werde. # Bermuderung auf Umwegen. Aus Stuttgart wird vom 1. Juni gemeldet: Die Kammer der Abgeordneten hat heute bei Beratung des Gesetzentwurfs betreffend die Gewerbe und Handelsschulen einen Antrag des Zentrums auf Einführung des Religionsunterrichts als obligatorisches Fach für gewerbliche Fortbildungsschulen mit 58 gegen 22 Stimmen abgelehnt, dagegen einen Antrag des Prälaten v. Berg ( frs. Vg.), in dem die Regierung erfucht wird, die Vorstände der gewerb lichen Fortbildungsschulen anzuweisen, den freiwilligen Veranstaltungen zur fittlichen und religiösen Förderung der aus der Schule entlassenen männlichen Jugend ihre Unterstützung zu leihen, mit 46 gegen 28 Stimmen angenommen. Allerdings find solche Vorfälle bezeichnend für das VerDie freisinnigen Boltsparteiler haben nach ihren letzten Ent- ständnis preußischer und unterpreußischer Regierungen in widelungen auch allen Anlaß, die Hülfe des Reichsverbandes zu nationalen Fragen! beanspruchen. Vielleicht löst sich das grause Dilemma, in das der Reichsverband durch die Beschwerde der, Landbündler geraten wird, in Bälde in Wohlgefallen, indem sich unter Einschluß der freifinnigen Volksparteiler und des rechten Flügels der freisinnigen Der unauffindbare Handabhacker von Breslau. Vereinigung die eine reaktionäre Masse bildet, deren Glieder gleiche Aus der schlesischen Hauptstadt wird gemeldet, daß Justizrat Rechte auf die Verleumdungsarbeit des Reichsverbandes haben. Mamroth, der juristische Beistand Bie walds, nachdem ihm Die wenigen wirklichen Liberalen, die dann noch übrig bleiben, das Polizeipräsidium die Erfolglosigkeit seiner Der offene Vorstoß des Zentrums ist abgelehnt, aber der Re wird der Reichsverband ja dann wohl unter seiner Klientel ente cherchen mitgeteilt hatte, nunmehr bei der Staatsanwaltschaft gierung Anweisung wird genügen, die Schulvorstände zu veranlaffen, behren können. die Einleitung eines Ermittelungsverfahrens und die mit aller Kraft die fortbildungsschulpflichtige Jugend den freiwilligen eidliche Vernehmung aller Schuyleute vor dem Richter beantragt. Ob dem Antrage stattgegeben wird? Welches Interesse haben Sie daran...?" Eine Verurteilung des Kamerun- Buttkamers. Aus Altona wird vom 1. Juni telegraphiert: Gestern ist aus Duala( Kamerun) die Nachricht eingetroffen, daß King Atwa und die Häuptlinge, die in Untersuchungshaft gesessen hatten, freigelassen wurden. Die Freilassung erfolgte bereits am 2. Mai. Der Richter des sogenannten unparteiischen Gerichts war Dr. Hozzel. Ein ungeheuerliches Urteil ist also aufgehoben, ein schreiendes Unrecht rückgängig gemacht worden. Und was wird nun mit dem durch diese Urteilsumstoßzung indirekt Verurteilten, mit EhrenButtfamer geschehen? Ein Konzil im 20. Jahrhundert. 9 Von Mittwoch bis Freitag tagte in Paris eine Kardinals, Erz Bischofs- und Bischofs- Konferenz. Der Papst hat den Teilnehmern dieses Konzils strengstes Stillschweigen über die Verhandlungen auf erlegt, ja jogar für Indiskretion die Strafe der Erkommunikation angedroht. Trogdem oder vielleicht gerade beshalb wird die Deffentlichkeit durch die Zeitungen sowie durch die offtziösen Depeschen Bureaus ziemlich gut über die Beratungen und Diskussionen auf dem Pfaffentage unterrichtet. Kein Wunder: Hat man doch die Deffentlichkeit durch Enthüllung allerlei pikanter Einzelheiten mit Fleiß gar zu neugierig gemacht. So z. B., indem man durchfickern ließ: der Erzbischof von Paris, Kardinal Richard, habe vom Papste ein versiegeltes Schreiben erhalten, das die Aufschrift trug: Erst in der Vollversammlung der Bischöfe zu öffnen!" u. dergl. m. Es handelt sich um das Trennungsgesetz, das den Herrschaften gar zu schwer im Magen liegt. Der Papst selber soll flug genug gewesen sein, seinen französischen Bischöfen keinerlei Weisungen über Annahme oder Ablehnung des Trennungsgesetzes zu geben. Er soll die Herren nur ermahnt haben, die ihnen vorgelegten Fragen aus. schließlich vom höheren Gesichtspunkt der Seelsorge und des Interesses ihres Vaterlandes zu prüfen." Die Bischöfe beantworteten den Brif des Heiligen Vaters" mit folgendem feineswegs geheim gehaltenen Telegramm: " Der Soldat sei Junkerknecht! An die Landwirtschaftskammer in Westpreußen. Bermuderungsveranstaltungen zuzuführen. Der Kampf um die wasserlosen Einöden unserer prächtigen füd westafrikanischen Kolonie hat wieder eine Reihe hoffnungsvoller junger Menschenleben hinweggerafft. Ein Telegramm aus Windhut meldet: Am 23. Mai d. J. im Gefecht westlich Springpüß gefallen. Sergeant Otto Boas, geboren am 10. 2. 78 zu Radith, Gefreiter Adolf Schröder, geboren am 2. 1. 83 au Neuklofter, Gefreiter Albert Radice, geboren am 80. 4. 82 zu riezen. Aus Ostpreußen wird uns geschrieben: Es ist nicht zu leugnen, daß in den östlichen Provinzen in der Landwirtschaft eine sogenannte Leutenot besteht. Wir haben aber auch schon an hunderten Beispielen bewiesen, daß die Junker allein Schuld an dieser Kalamität sind. Sie treiben die heimischen und Schwerverwundet: Leutnant Ulrich v. Kaldreuth, ges sogar die ausländischen Arbeiter durch Hungerlöhne, brutale Be- boren am 19. 1. 81 zu Berlin, Schuß rechte Ferse, Brellschuß linken handlung und menschenunwürdige Wohnungen von ihren Besigtümern Fuß; Unteroffizier Leopold Weber, geboren am 9. 8. 81 au Reun fort, um dann nach Staatshilfe zu schreien. firchen, Knochenschuß linken Oberarm; Unteroffizier Karl Droste, ges Auch der Landwirtschaftliche Verein„ Eichenkranz" zu Graudenz boren am 28. 12. 82 zu Bersmold, Schuß linken Oberschenkel und beschäftigte fich in seiner Sigung am legten Sonnabend mit der Unterleib; Gefreiter Karl Lehwald, geboren am 20. 7. 81 zu Groß Frage der Arbeiternot in Westpreußen. Es kam folgende Resolution Bestendorf, Schuß rechte Wade; Steiter Karl Friedrichsen, geboren zur Annahme: am 6. 5. 81 zu Schleswig, Schuß in den Unterleib; Reiter Heinrich Brück, geboren am 8. 8. 82 zu Aßlar, Schuß linte Schulter; Reiter Gerhard Bielle, geboren am 4. 11. 82 au Neutomischel, Schuß Unterleib; Reiter Johannes Springwald, geboren am 6. 8. 86 au Bartenstein, Schuß rechten Unterschenkel; Seiter Robert Mehl, gea boren am 12. 2. 85 au Sulzfeld, Schuß linke Hüfte; Reiter Franz Myrezid, geboren am 4. 4. 88 zu Laffen- Strzebin, Schuß linkes Knie, Leichtverwundet: Unteroffizier Start Ilfe, geboren am Wilhelm Springer, geboren am 26. 12. 81 zu Borgstedl, Schuß Gründe: Wie höheren Drts nicht unbekannt sein dürfte, Tinte Wange; Gefreiter Alfred Dummel, geboren am 8. 6. 83 zu sind in diesem Jahre Saisonarbeiter sowohl von Rußland wie auch Arlen, Schuß rechte Hand; Gefreiter Friedrich Kirch, geboren am von Desterreich- Ungarn nur in geringer Bahl über die Grenze 19. 1. 83 zu Ehrenbreitstein, Schuß rechten Ringfinger; Reiter gekommen. Ein Teil dieser Arbeiter ist außerdem nach Schweden Felig Schubert, geboren am 8. 8. 88 au Gera, Schuß rechten zu Landarbeiten exportiert worden, einen anderen Teil hat die in Oberarm. In der heute in Rehfrug abgehaltenen Sigung unseres Vereins ist einstimmig beschlossen worden, den Vorstand der Landwirtschaftskammer zu bitten, umgehend bei den Reichsmilitärbehörden und dem Herrn Kommandierenden General bahin borstellig zu werden, daß Soldaten als Landarbeiter schon jetzt in ausreichender Bahl unter Beschränkung der Uebungen beurlaubt und daß dahingehende Anträge von ländlichen Befizern möglichst 17. 2. 82 zu Opperode, Schuß rechten Oberschenkel; Unteroffizier sofort berücksichtigt werden. Am 15. Mai d. J. bei Nutais: Schwerberwundet: Gefreiter Baul Howey, geboren am 28. 4. 88 zu Burg, Kopfschuß. Leichtverwundet: Leutnant Georg Bollenkopf, geboren am 14. 1. 81 zu Bittau, Schuß linten Unterarm, rechter, vierter und fünfter Finger; Reiter Paul Beyer, geboren am 11. 3. 83 au Stargard, Schuß linken, äußeren Knöchel; Reiter Friedrich Boffetet, geb. am 6. 7. 88 zu Sausleszowen, Streiffchuß rechten Fuß; Reiter Gottlieb Gläser, Streiffchuß rechten Oberschenkel. gestorben. diesem Jahre übermäßig beschäftigte Industrie absorbiert, so daß Am 23. Mai d. J. bei Dataib: 2eichtverwundet: für die ländlichen Arbeiten nicht die genügenden Hülfskräfte bor- Bizefeldwebel Alexander Eschberger, geboren am 12. 11. 79 au handen sind. Es ist infolgedessen nicht möglich gewesen, die Coswig, Streiffchuß linte Hand; Unteroffizier Baul Gödel, geboren Frühjahrsbestellung schon zu beenden. Da ferner die Raub zu futterernte über Erwarten groß zu werden verspricht und zu deren am 11. 1. 81 au Burg, Steinsplitter linkes Stnie. Bewältigung außerordentliche Hilfskräfte erforderlich sein werden, und da endlich auch die Getreideernte voraussichtlich auch große Stroherträge( mur Stroh? D. R.) geben wird, die ohne Zuhülfe nahme von Hülfsträften nicht zu bewältigen sein werden, so fehen wir in der Gestellung von militärischen Hülfskräften die einzige Möglichkeit, dieser Leutetalamität einigermaßen abzuhelfen " In dem Augenblicke, wo die Bischöfe Frankreichs sich ver- und den Staat, die Provinz und die Landwirtschaft bor un fammeln, um in vollständiger Freiheit über die Bedürfnisse der geheuren Verluften zu bewahren. Wir schlagen vor, die AbDen Wunden erlegen: Reiter Karl Friedrichsen, geboren gegenwärtigen Zeit zu beraten, beeilen sie sich, zu den Filßen haltung größerer militärischer Uebungen einzufchränken, wenn am 6. 5. 81 au Schleswig, infolge der im Gefechte bei Springpüh Euerer Heiligkeit die Huldigung ihrer findlichen vollen Ergebenheit nicht ganz aufzugeben und soviel als möglich militärische Hülfs- erhaltenen Verwundung am 25. Wai d. J. auf dem Transport nach niederzulegen und die Versicherung auszusprechen, daß sie, was fräfte der Landwirtschaft zur Verfügung zu stellen." Die Selbstverständlichkeit, mit der in dieser Resolution aus boren am 26. 7. 82 zu Altgolfen, am 23. Mai d. J. in Utamas an dem Lazarett Kalkfontein gestorben; Gefreiter Eduard Globig, geimmer auch fich ereignen werde, ebenso unerschütterlich den Interessen des Glaubens wie der Größe und der Wohlfahrt des gesprochen wird, daß die Arbeitskraft der Soldaten der„ notLandes treu bleiben werden, das sie heiß lieben und dem sie mit leidenden Landwirtschaft" gehört, ist erfrischend. Uns ist" biese Derzschlag gestorben; Reiter Georg Treufchel, geboren am 7. 2. 77 Eifer dienen wollen." Der Kern der bischöflichen Verhandlungen war eine Auseinander- fogenannte patriotische Männer die Berkürzung der Dienstzeit der Resolution aber auch deshalb von Wert, weil sie beweist, daß auch 8 Wangen, am 28. Mai d. J. km Lazarett Karibib an Typhus Nationale Ehrlichkeit. Das Fälscherkunststückchen der„ Leipziger feßung darüber, wie man auf Schleichwegen und durch Hinter- Soldaten für möglich halten. Und wenn sie möglich ist, so muß fie pförtchen den Schlingen des Trennungsgesetzes entschlüpfe. eintreten, im Intereffe des Reichsfädels schon, vor allem aber im Beitung", das wir in unserer Donnerstags- Nummer angenagelt Unter anderem fiel das Wort: Man werde schon dafür sorgen, Intereffe des deutschen Volkes im allgemeinen und der zum Militär- haben, hat durch ein Versehen statt der beabsichtigten Marke dienst Verpflichteten im besonderen. " Nationale Ehrlichkeit" die Ueberschrift Nationalliberale Ehre daß die neuen Kultusvereinigungen wie früher lichkeit" erhalten. Es ist selbstverständlich, daß eine Zeitung der der tirchlichen Autorität abhängen! Natürlich wurde der Stlave tros des freien Wahlrechtes. In der Badischen Stadt fächsischen Regierung fonservativ ist und deshalb ihre Ehrlichkeit springende Bunkt der Geldpunkt- nicht vergessen. Wo Pfaffen Schopfheim i. 23. fand in der vorigen Woche eine Bürger- wohl unter die Rubrik national, nicht aber unter die Bezeichnung zusammenkommen, versteht sich das von selbst. Mehrere Bischöfe ausschußwahl statt, über deren Ergebnis im„ Borwärts" berichtet nationalliberal paßt. wiesen denn auch darauf hin, daß man das Trennungsgeseß schon wurde. Sie hatte ein Nachspiel für den Genossen Bitsch, den Das ist nur etwas für Kenner. Eine gediegene" Berteidigung um deswillen nicht ablehnen dürfe, weil ja zur Errichtung von dortigen Vertrauensmann der Maurer. Dieser wurde am Sonntag führte am Donnerstag vor dem Halleschen Landgericht der AntiPrivat Gottesdiensten viele Millionen nötig sein würden! Dieser gemaßregelt. Nach einer Mitteilung des Bollsfreund" tann femitenredakteur Schröder, der wegen Beleidigung des ChefGrund scheint durchgeschlagen zu haben; denn so gern diese Sippe biefe plögliche Kündigung nur barin ihre Erklärung finden, redakteurs der„ Saalezeitung". Otto Sonne angeklagt war. Schröder auch nimmt und nochmals nimmt, vom feligeren Geben mag fie daß der Gefelle Bitsch dem Maurermeister Brüderlin hatte in seinem Winkelblättchen unter der Spigmarke„ Eine kritische als Kandidat bei der Gemeindewahl gegenüberstand. In diesem Sonnenbetrachtung", zwei Artikel veröffentlicht, in denen er fagte, So wird es denn also nicht zum Konflikt zwischen der Kirche Städtchen ist die Grausamkeit der bürgerlich- liberalen Scharfmacher Herr Sonne protegiere als Stunfttrititer folche Sängerinnen, die flassisch. Der als Vertreter unserer Partei gewählte Sattler fich ihm gegenüber gefällig" erwiesen. Unter anderen geschlechtund der französischen Regierung kommen. Es wird der Regierung I. II er ist im Frühjahr von seinem Meister, bei welchem er lichen Anspielungen wurde gesagt, Sonnenstiche brächten Sonnen erspart bleiben, die Kirchen zu schließen und die Priester zu ver- feit vielen Jahren zur größten Zufriedenheit arbeitete, auf Betreiben flede mit sich; der Theaterbirektor folle der Sonne" den treiben, und beide Teile werden mit dieser Lösung der Dinge höch der liberalen Scharfmacher entlassen worden, weil er Leiter der Butritt zum Theater verweigern. Eine bekannte Opernfängerin, die lichst zufrieden sein.ifozialdemokratischen Organisation ist. Müller mußte sich selbständig l ebenfalls angegriffen worden war, tröstete sich damit, daß die Ber nichts wissen. bon «ngllmpfungen nur in einem antisemitischen Schmutz- und Revolver- blatt, das kein anständiger Mensch lese, gestanden hätten. Der Anti- semitenredakteur verkaufte die Nummern pro Stück mit SV und SV Pf. Als man ihn aber wegen Beleidigung an den Kragen ging, verriet er erstens den Verfasser der Artikel in der Person des Kunst- kritikers Martin Frey und dann behalchtete er. er habe.keine Idee" gehabt, wer mit den Artikeln getroffen werden sollte. Als Frey ihn, die Artikel gebracht und Beklagter gefragt habe, auf wen sie gemünzt wären, habe Frey entgegnet:„Wissen' Tie, das ist nur ctwaS für Kenner I" Gutgläubig als Redakteur habe er. nachdem man ihm die F r e m d w ö r t e r k l a r g e m a ch t, die Artikel ohne Bedenken veröffentlicht. Gegen Frey schwebt ein besonderes Verfahren und der.gutgläubige" Antisemitenredakteur wurde mit 500 M. bestraft.- Gin VcrmSgeuSsteucrgeseh hat die Zweite b a d i s ch e Kammer am Freitag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des Abg. Schmidt(Bund der Landwirte) angenommen.— Die Sozialdemokratie stimmte natürlich wegen seiner Unzulänglichkeit gegen das Gesetz. Tie Zentrumsfraktian hat beschlossen, daß jeder Abgeordnete von seinen Diäten Ivv M. an den Parteifonds zu bezahlen hat.— Huöland, Frankreich. Eilt„Unifizierter" für die Bl-cktaktik! Paris, 29. Mai.(Eig. Ber.) In der„Petite Republique" veröffentlicht der Deputierte Breton,_ der der geeinigten Partei angehört. einen Artikel über die sozialistische Partei und die Delegation der Linken. Breton, der schon in der vorigen Kammer zu den eifrigsten Anhängern der Blocktaktik gehörte, vertritt in seinem Artikel die Meinung, daß die sozialistische Partei sich nicht zum „intransigenten Dogmatismus" verleiten lassen dürfe, worin sie„gc- wisse Angehörige der Partei" isolieren möchten. Breton beruft sich auf die glänzenden Resultate, die die Blocktaktik unter den, Ministerium Combes ergeben habe. Er erklärt sogar, daß die sozialistische Partei, wenn sie der Delegation der Linken fernbleibe, die Verantwortung für die mögliche Resultatlosigkeit der beginnenden Gesctzgebungsperiode tragen werde. Der Artikel Bretons leidet an zwei falschen Voraussetzungen: Vor allem handelt es sich szar nicht um einen Wieder eintritt der Sozialisten in die Delegation. Die jetzige sozialistische Fraktion ist mit der aufgelösten und der Parteieiuigung zufolge mit den ehemaligen Revolutionär- Sozialisten verschmolzenen.parlamen- tarischen" Fraktion nicht identisch. Wie jedermann weiß, ist die Parteieinigung nur möglich geworden, weil die«Parlamen- tarischen" sich zum Austritt aus dem Block bereit fanden. Selbst- verständlich behält jedermann in der gceinigten Partei da? Recht, die eingehaltene Taktik zu kritisieren und eine andere zu beantragen, aber man müßte„ich, nur die neueste Parteigeschichte, sondern die allgemeine politische Geschichte geradezu verschlafen haben, um den Augenblick für gekommen zu halten, die vor ein paar Monaten auch von der alten.parlamentarischen" Fraktion als überflüssig auf- gegebene Blocktaktik wieder auszunehmen. Wenn sich die politische Situation geändert hat, so sicher nicht in dem Sinne, daß «ine Meinungsänderung bei den Genossen vom ehe« maligen revolutionären Flügel anzunehmen wäre. Nicht nur die jetzige Regierung, sondern auch die radikale Partei hat gegen die organisiert- Arbeiterschaft die Bourgeoisinteressen mit größter Rück- sichtslostgkeit vertreten. Mai, erinnere sich nur an die Abstimmung anläßlich des Briefträgerstreiks, wo sich die Bourgcoisradikale» mit den Reaktionären verbanden und der„parlamentarische" Sozialift der maßregelnden Regierung sogar das Vertrauensvotum stilisierte I Dazu kommt aber auch, daß die Gründe, die unter dem Mi« nisterium Combes für ein Zusammengehen mit der bürgerlichen Linken sprachen, fortgefallen sind. Damals handelte eS sich um p o l i t i s ch e Reformen, die im Interesse aller republikanischen Parteien lagen. Jetzt ist die Reihe an diesozialen und wirtschaftlichen Reformengekommen, und es gehört schon ein demokratischer Köhlerglaube dazu, zu meinen, daß sich auch hier die Linke vertrauensvoll von den Sozialisten führen lassen werde. Ist doch sogar im Schöße der radikalen Partei das Mißtrauen gegen die Absichten der Regierung und die Konzessionen an die gemäßigten Parteien im Wachsen. Die.Lanterne" greift den Finanzminister Pomcarö, der in Commercy eine programmattsche Rede gehalten hat, heftig an, weil er als Haupteigenschast der künfsigen Einkommensteuer bezeichnet hat, daß sie„weder inquisitorisch noch vexatorisch sein" dürfe, da« heißt, daß sie dem Steuer- betrug der Bourgeoisie Tor und Tür offen lassen wird. Auch soll sie nicht alle, sondern nur.gewisse" direkte Steuern ersetzen. Bergleicht man die S p a r s a m k e i t, die ber Finanzminister für notwendig hält und die er sicher vor allem bei der Sozialreform wird in Anwendung bringen wollen, mit dem ungeheueren Flotten- budget, das der Marineminister Thomson angekündigt, so läßt sich ungefähr ermessen, wie die Pläne der herrschenden Bourgcoisieclique aussehen, zu deren Mitverantwortung sich die Sozialisten nach Bretons Ansicht drängen sollen.— Im„Matin" verficht heute Pelletan dieselbe Ansicht über die vollständige Wiederherstellung de« Blocks. Er meint aber, die Sozialisten seien ein notwendiges Gegengewicht wider die ge- mäßigten Elemente der Majorität, wogegen Breton geltend macht, daß die Radikalen mit den Sozialisten allein eine genügende Majorität bilden würden. Er meint. daß das Fernbleiben der Sozialisten vom Block die Radikalen zwingen werde, ihre Majorität bei den gemäßigten Elementen zu ergänzen. Aber dieses Argument hebt die ganze Beweisführung auf. Wenn eine radikale Majorität möglich ist, wozu ist dann eine Delegation der ganzen Linken notwendig? Würden sich die Radikalen aus eine ihrem Programm entsprechende Reformpolitik verpflichten, so ließe sich ein Zusammenarbeiten der Sozialisten mit ihnen wohl denken. Bleibt die beginnende Legislaturperiode in dieser Beziehung wirklich un- fruchtbar, so tragen die Radikalen selbst die Verantwortung und nicht die Sozialisten.—_ Keine Blockpolitik. Paris. 30. Mai.(Eig. Ber.) Die Parlamentsfraktion der geeinigten Partei, die sich heute fonstituiert hat. ist in der Frage der parlamentarischen Taktik zu einem unzweideutigen Beschluß gelangt. Sie hat, um ihre Selb- ständigkeit gegenüber dem bürgerlichen Radikalismus kundzugeben, beschlossen, für die Präsidentschaft und für die Bureau» der Kammer keinen Kandidaten aufzustellen I Der Antrag Bretons— ent- sprechend seinem von unS gewürdigten Artikel in der»Petite Röpublique": die Delegation der Linken wieder zu beschicken, wurde durch einfachen Ucbergang zur Tagesordnung erledigt. Die von der Fraktion angenommene Resolution lautet: »Der parlamentarische Verband der Sozialisten beschließt, um gleich am Beginn der Legislaturperiode die absolute Un- abhängigkcit seiner Politik und seiner Aktion zu kennzeichnen. daß er von den anderen Parteien keine Vertretung im Bureau verlangen wird. Er erklärt außerdem, daß er die Aufstellung eigener Kandidaten für diese Aemter aus dem Grunde unter- läßt, weil er entschlossen ist. sofort nach Konstituierung der Kammer seine Klassenpolitik deutlicher und stärker als durch eine geheime und debattelose Abstimmung kundzugeben." Der Sinn dieses Beschlusses wird deutlich, wenn man sich er- mncrt. daß über die abwechselnde Aufteilung der parlamcntari- schen Aemter ehemals eine Vereinbarung der Linksparteien bestand und daß JanreZ seine Vizepräsidentschaft auf diese Art erlangt hat. Die motivierte Ablehnung einer eigenen Kandidatenliste für das Bureau hat Bezug auf einen Antrag, den GueSde in. der Sitzung eingebracht, ober schließlich zurückgezogen hat. Praktisch bedeutet sie. daß die Sozialisten an der demonstrativen Wahl BrissonS teilnehmen werden-\ Genosse C o n st a n S wurde beauftragt, eine Amnestie für alle politischen Delikte und Streikvergehen zu beantragen. Genosse Thivrier soll die Aufhebung der„lois scfilärates" beantragen. d. h. der Ausnahmegesetze gegen die Anarchisten, die die Staats- anwälte auch unter der jetzigen radikalen Regierung sich nicht ent- blödet haben, gegen die Arbeiterbewegung in Anwendung zu bringen. Die Beschlüsse der Fraktion sind von dem sichtlichen Bestreben getragen, das Band der Einigung fester zu knüpfen. Die Bereit- Willigkeit der Angehörigen der alten.parlamentarischen' Sozialisten- Partei, den Anschauungen des linken Parteiflügels entgegenzu- kommen, verdient uneingeschränkte Anerkennung. Allerdings— die jetzige politische Situation und das Programm der radikalen Re- giernng, das vor allem eine ungeheure Vermehrung des Militär- budgets in Aussicht stellt, sind wirklich nicht danach angetan, die Sozialisten dazu zu verführen, eine Regierungspartei zu werden.— Brisson wurde gestern sFreitag) von der Kammer mit 398 von Svv abgegebenen Stimmen zum provisorischen Präsi- deuten gewählt.—_ Görault-RichardS Winidcruiigen. Paris. SV. Mai.(Eig. Ber.) Die«Petite Röpublique" wandelt sich immer weiter. Seit ein paar Monaten nennt sie sich nicht mehr„sozialistisch". Jetzt hat sie auch ihren Chefredakteur Görault-Richard abgesägt, der als letzte Säule von verschwundener sozialistischer Pracht zeugte. Der Herausgeber der„Petite Republique", Herr D e j e a n— ehedem auch„Genosse" hat loährend der langen Abwesenheit Görault- Richards, da dieser auf Guadeloupe räuberroiuantische Wahlagitation trieb, entdeckt, daß das Geschäft auch ohne die politischen Glossen seines alten Redakteurs geht l Und so wurde denn beschlossen, die überflüssige Honorarausgabe zu ersparen.— Mit Politik hat die Verabschiedung Gerault-RichardS nichts zu schaffen. Sein rosen- wässeriger Sozialismus— auf seine polemische Art soll der Vergleich nicht ausgedehnt werden— tat längst niemand mehr wehe. Der verabschiedete Chef der„Petite Rvpnblique" hat übrigens schon ein neues Brettel gefunden. Er ist von der„Aurore" engagiert worden, dem Blatte C l ö in e n c e a n s, der sich jetzt finanziell restauriert haben dürfte. Politischer Chef dieses Blattes ist gegen- wärtig der Radikale R a u c. Bei der„Aurore" sind auch sozallstische Redallenre tätig, die dort einen zieinlich freien Spielraum haben. Man darf immerhin neugierig darauf sein, wie sich Görault-Richard in das neue Milieu finden wird.— Ministerrat. Aus den Verhandlungen, die das französische Ministerium in den letzten Tagen pflog, verlohnt es sich, noch einiges nachzutragen: Am Dienstag erklärte Barth ou. Mimstcr der öffentlichen Arbeiten, er werde dafür Sorge tragen, daß in den Minen von Lcns, wo neuerdings ungesetzlicherweise das System der Ueberstunden wieder eingeführt worden sei, die gesetzlichen Bestimmungen Beachtung finden 1 Vielleicht nimmt sich Preußens Handelsminister, Herr Delbrück, daran ein kleines Beispiel und kümmert sich auch mal ein wenig um die Arbeitsverhältnisse in den Bergwerken, wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, Arbeiter zu maßregeln— eine Tat, deren er sich am 30. Mai im preußischen Herrenhause noch selbstbewußt rühmte I Daß der französische Finanzminister Poincarö am Dienstag gegen die Vermehrung der Kriegs- und Marineausgaben energisch Einspruch erhob, haben wir bereits mitgeteilt. Die Möglichkeit, daß ein preußischer Finanzminister unter Wilhelm II. solche Ketze- reien laut auszusprechen wagt, kommt nicht in Betracht. Am Mittwoch beschloß der französische Kabinettsrat unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Sarrien, ein Kriegsschiff nach Tanger zu entsenden, um Genugtuung für die Ermordung des französischen Bankbeamten Charbonnier zu fordern, der vor einigen Tagen bei einem Spazierritt unweit Tanger von bisher mibekamit gebliebenen Uebeltätern erschossen worden ist. Wenn die preußisch-deutsche Regierung mit einer fremden Macht auf so gutem Fuße steht wie Frankreich mit Marokko, so darf die betreffende fremde Macht sich gegen deutsche„Untertanen" schon' sehr viel erlauben, ehe ein Kriegsschiff mobilisiert ivird. Siehe: Rußlands unzählige Uebergriffe gegen deutsche Staatsbürger.— Genugtuung! Tonlon, 1. Juni.(W. T. B.) Der Kreuzer„Galilee" ist heute nach Tanger in See gegangen, um Genugtuung für die Ermordung des Franzosen Charbonnier zu erlangen.— Meuterei! Tonlon» 1. Juni.(W. T. B.) An Bord des Torpedobootes SSV meuterte die Mannschaft. Sämtliche Matrosen verliehen das Schiff während einer UebungZfahrt bei Bonifacio an der Küste von Corsika und kehrten erst nach langem Zureden seitens des Schiffs- kommandoS an Bord zurück.— Spanien. Bom Bomdtnattentat auf den König von Spanien haben wir bereits gestern in zwei kurzen Telegrammen gemeldet. Die mysteriöse Angelegenheit ist— was sich bei der ungeheuren Aufregung, die der Vorfall allenthalben hervorruft, begreifen läßt— noch m keiner ihrer Einzelheiten geklärt. Nur soviel steht fest: eS ist ein Bombenanschlag auf den HochzeitSzug des jungen spanischen KönigSpaareS verübt worden. Alfons und seine Gattin blieben un- verletzt. Sonst aber hat das Attentat entsetzliche Folgen gehabt. Die Bombe— man spricht auch von z w e i Bomben— hat nach einer Meldung 14, nach einer anderen gar 20 Menschcn getötet, außerdem sollen 35, 50 oder gar 100 Personen zum Teil sehr schwere Ver- leyungen erlitten haben. Auch sind die umliegenden Häuser stark beschädigt. Eine Meldung macht darauf aufmerksam, daß genau vor einem Jahre, in der Nacht vom 31. Mai zum 1. Juni 1905 zu Paris da« „Attentat" auf König Alfons begangen wurde. Bekanntlich hat sich das Pariser»Attentat" bald nachher als eine hundsgemeine Polizei- und Spitzelmache entpuppt.-- Ueber den oder die Täter ist noch nichts Sicheres bekannt. Zwar hat man 20 Verhaftungen vorgenommen, doch soll sich der wirklich Schuldige nicht unter den Verhafteten befinden. Die Gerüchte, die umherschwirrcn, sind unzählbar. Da heißt es einmal, ein Katalo- nier namens Manuel Duran, der über viel Geld verfügte, sei der Attentäter. Ihn zu verhaften soll noch nicht gelungen sein. Nach einer zweiten Meldung hat ein Italiener das Attentat begangen. ich aber der Verhaftung durch Selbstmord entzogen I Eine dritte Keldung will gar wissen: Der Täter sei schon verhaftet gewesen, aber wieder entsprungen I Ein Engländer namens Robert soll als Mitschuldiger festgenommen sein usw. usw. Was für ungereimtes Zeug zusammcngcfaselt wird, zeigt u. a. folgendes Telegramm: Madrid, 1. Juni. Hier herrscht die Meinung vor, das Atten- tat habe den Zweck gehabt, bei erfolgreichem Ausgang die Kom- mune zu prollamieren. EL soll der Plan bestanden haben, ein Attentat in der Kirche auszuführen. Die Fäden der Verschwö- rung sollen nach London laufen. Bei dem Anschlage sei man von der Erwägung ausgegangen, mit einem Schlage die in der Kirche anwesenden vielen Angehörigen der königlichen Häuser aus ganz Europa zu vernichten. In der Stadt herrscht ungeheure Aufregung. Der König befahl den Fortgang der Feierlichkeiten. Aus allen fünf Erdteilen laufen Depeschen ein, die daS junge Paar zu seiner Errettung beglückwünschen. Die französische Kammer hat ihrer Entrüstung über das Attentat Ausdruck ver- liehen. Die Presse Spanien» und der ganzen Kulturwelt, allen voran die englische und die amerikanische, schäumt vor Wut über die feige— anarchistische Tat! Ist'S denn wirklich die Tat eines Anarchisten? In Spanien selber— und dort muß man es doch wohl am besten wissen— wird es im AugeM'ck Wch©if vgre schicdencn Seiten bestritten. Ein Telegramm meldet, daß„Times" und„Standard" sofort: wieder die altbekannte Frage aufrollen: Wie dum man derlei anarchistische Attentate in Zukunft verhindern? Wir haben es nicht nötig, unsere Stellung zu Atten'talen bei diesem Anlaß noch einmal des langen und breiten zu erörtern- Wir können der„Times",„Standard" und den anderen Fragern nur antworten, daß es unter kapitalistischem Mrtschaftsshstem stcks wieder Wirrköpfe geben wird, die— den Zusammenhing der Dinge verkennend— Einzel-Individuen für Schäden und Verbrechen ver» antwortlich machen, an denen ganz andere Faktoren die Schuld tragen. Eine Gesellschaft, die Millionen und Abermillionen von jeder Mitbestimmung ausschließt, die in Millionen und Abermilli, onen jedes Gefühl der Menschlichkeit und Menschenwürde gewaltsam erstickt, eine solche Gesellschaft darf sich nicht wundern, wenn ihre Politik Früchte trägt, deren eine wir jetzt wieder in Madrid so bitteren Samen haben hervorbringen sehen.— England. England und Serbien. Die englische Regierung hat schon öfter bewiesen, daß sie von ihren Verbündeten eine gewisse Stnbcnreinheit verlangt. Speziell Serbien gegenüber betonte sie wiederholt, daß sie nichts zu tun haben wolle mit einer Regierung, die den Mördern der vorherigen Dynastie Gunst und Vertrauen schenke. Kürzlich hat Peter von Serbien den allzu deutlichen Wink befolgt und die Herren Königs- mördcr schweren Herzens«im Interesse des Vaterlandes" ehrenvoll verabschiedet. Nunmehr verlautet, die englische Regierung sei bereit, die diplo» matischen Beziehungen mit Serbien wieder aufzunehmen. Indessen wird der serbischen Regierung das Versprechen abverlangt, daß die verabschiedeten Königsmörder nicht etwa in Zukunft wieder eingestellt werden!—_ Immer langsam voran— Der Gegensatz zwischen den Arbeitervertretern und Mister John Burns trat am vergangenen Mittwoch im Unterhause wieder einmal so recht in die Erscheinung. Die Arbcitervertreter beklagten sich über die zögernde Haltung der Regierung bei der Behandlung deS Arbeitslosenproblems. John BurnS hielt eine echte Ministemde: Er verteidigte die Regierung gegen den Vorwurf der Gleichgültig- keit bei der Regelung dieser Frage und erklärte, die Regierung halte sich an die Zusage der Thronrede, ein Gesetz darüber einzubringen. gebunden.~ Hu9 der Partei» Dfts„Schriftenverzeichnis" der Buchhandlung Vorwärts ist so« eben neu herausgegeben. Jeder, der sich für sozialdemokratische Parteischristen und die gelverkschaftliche Literatur, für die grund» legende populäre naturwissenschaftliche, philosophische und volkswirtschaftliche Lektüre interessiert, sollte sich das Schriftenverzeichnis schicken lassen. Insbesondere sollten die Vereinsvorstände nicht ver- säumen, bei Neueinrichtung oder Ergänzung der Vereinsbibliothek das Verzeichnis zu Rate zu ziehen. ES enthält neben den oben bereits genannten Gebieten auch eine reiche, gut ausgewählte Zu- sammenstellung aus der Unterhaltungsliteratur und zahlreiche, von Arbeitern gern gelesene Reisewerke, die zum Teil zu wesentlich herab- gesetzten Preisen geliefert werden können. Sämtliche Parteibuchhandlungen, Kolporteure und Zeitungs- austräger liefern auf Verlangen das Verzeichnis gratis. Bon der Buchhandlung Vorwärts wird es jedennann auf Verlangen gratis und franko zugesandt. Gemeindewahlcn. In dem badischen Dorfe Wieblingen siegte bei der Wahl der Vertreter der Niederstbesteuerten zum Bürger- ansschuß die sozialistische Liste mit 93—102 Stimmen, während sich auf den Borschlag der vereinigten Gegner nur 74—79 Stimmen vereinigten. Bei der Wahl der 3. Klasse in R a st a t t rückte die liberal« sozialistische Vereinigung dem Zentrum, das Sieger blieb, sehr nahe. DaS neue Londoner Heim der Sozialdemokratischen Föderation. L o n d o n. 29. Mai.(Eig. Ber.) Die Sozialdemolratische Föderation beging gestern abend die Einweihung ihres neuen Lokals in 21a Maiden Lane, Strand, London WC. Die leitenden Genossen von London und Umgebung waren bei dieser Gelegenheit zusammen und erzählten ihre Er- fahrungen in der sozialistischen Agitation der letzten fünfundzwanzig Jahre. Manche konnten auch noch über ihre Mitgliedschaft in der „Internationale" erzählen. Genosse H y n d m a n eröffnete die sehr lehrreiche Unterhaltung mit seinen Erinnerungen an Marx, der ihn zu seinem Buche„Englimck kor AU" inspirierte; dieses Buch sei das erste, das über den modernen Sozialismus von einem Engländer geschrieben wurde. Die S. D. F. bete keine Person an, auch nicht Marx, aber sie gebe mit Freuden zu. daß die Grundlinien der ökonomischen Auffassung von Marx sich als wahr erwiesen haben. Die S.D. F. sei während des verflossenen Vierteljahrhunderts ihren Idealen treu geblieben. Sie hatte anfangs mit ungeheueren Schwierigkeiten zu kämpfen; die neuesten Ereignisse zeigten indes, daß diese Kämpfe nicht vergebens waren. Nach ihm sprach Dr. Clark, ein alte« Sozialist, der noch in der„Internationale" tätig war und zwar gegen Marx und für B a k u n i n. Clark lvar, wie er gestern sagte, mehr Anarchist als Sozialist; er strebte nach Freiheit, nach unbegrenzter Freiheit und war erbittert gegen alles, was nach staat« sicher Autorität roch. In den letzten Jahren sei er indes zur Ueber« zcuaung gelangt, daß die Ursache der Lsiicchtschaft nicht im Vor- handenseln des Staates und der Autorität, sondern in der fehler- haften Oekonomie zu suchen sei. Besonders habe ihn eine vor 6 Jahren unternommene Studienreise in den Ver- einigten Staaten von Amerika zum marxistischen Standpunkt gebracht. Marx habe recht gehabt, seine Zergliederung der mensch« lichen Gesellschaft sei die richtige. Dann sprach eine alte Genossin, namens D e sp a r d, eine Schwester des Generals French. Sie sagte, seitdem sie die Wahrheit deö Sozialismus erkannte, habe ihr Leben Wert und Ziel erhalten. In den reichen Gesellschaftskreisen Englands fei bei den besseren Naturen ein Forschen und Suchen zu bemerken; man empfinde die Gegensätze und das Erbitternde der gegenwärtigen Zustände, aber nur sehr wenige mögen die Schlußfolgerung ziehen, daß daS System einer radikalen Umwälzung bedarf, wenn das Heil« mittel nur nicht so„unkonfortabel" wäre! Sie empfinde es als eine große Ehre, zu den Pionieren des englischen Sozialismus sprechen zu dürfen. Es sprachen noch die Genossen Andreas Scheu, ein alter österreichischer Genosse, der aber in England naturalisiert ist und zu den Gründern der S. D. F. gehört, dann Hunter Watts, einer der opferwilligsten und unermüdlichsten Agitatoren deS englische» Sozialismus, schließlich Herbert BurrowS, der den deutschen Genossen bekannt sein dürfte. poUzeUiesies,©crichtUcbco ulw. Wir ruhen nicht und raste» nicht, wir schreiten mit der Zeit." Diesen in Warenhäusern angeschlagenen Sinnspruch scheint sich die H a I l e s ch e Staatsanwaltschaft bei der V e r f o l g u n g der F l u g- bffattverteiler vom 14. Januar zum Vorbilde genommen zu haben. Bekanntlich sind vom Halleschcn Schöffengericht rund zwei Schock Parteigenossen, die durch die Flugblattvertcilung eine öffentlich bemerkbare Arbeil verrichtet Kaben sollten, freigesprochen worden. Gegen diese 120 Urteile — eS ist gegenwärtig in den Strafkammern wenig Arbeit — haben die Ankläger Berufung eingelegt. Die BerusungS- begrllndung, die den vielen Attentätern zugegangen ist, zeugt von „tiefem Mitgefühl" der Anklagebehörden mit den Arbeitern, ES heißt da, daß die Angeklagten sämtlich den arbeitenden Klaffen an- gehören, welche Sonntags zu feiernpflegen. Wenn sie dann Im Interesse der sozialdemokratischen Partei in der Stadt Trepp auf und Trepp ab laufen, so übten sie damit eine gewisse mit Anstrengung verbundene Tätigkeit aus, welche sich als Arbeit darstelle und nicht des Vergnügens ivege» geschehe. Das jene Arbeit auch öffentlich bemerkbar gewesen sei, wird von der Anklage- behvrde daraus gefolgert, das; au einem Sonntag vormittag zu einer Zeit, in der die Ströhen wenig belebt wären, etwa dreihundert Menschen geschäftig umher geeilt waren.(Holle hat bekanntlich über 1S6 000 Einwohner und viele, viele Ströhen.) Auch aus der öffent- lichen Ankündigung der Verbreitimg durch die Zeitung und aus dem Umstände, dah die Angeklagten die Schriften nur der Form wegen„etwas verborgen getragen hätten", wird die„öffentliche Bemerkbarkeit" gefolgert.— Die Begründung ist nicht bloh originell, sondern auch amüsant.— Das Hallcsche Landgericht, das heute zu- nächst an einem der Angeklagten„eine Stichprobe" nahm, zerstörte aber die hübsche Begründung des Staatsanwalts und kam ebenfalls wie das Schöffengericht zur Freisprechung. )?iis Induftm und Handel Automatische Koppelung. Wie wir vernehmen, beschäftigt man sich in interessierten Kreisen intensiv mit der Frage der Einführung der automatischen Koppelung. Man ist der Meinung, der neue Eisenbahnminister stehe der Einführung geneigt gegenüber. Unter seinem Vorgänger ist in der Frage wiederholt ablehnend entschieden worden— aus wirtschaftlichen Gründen. Technisch soll nämlich das Problem vollständig einwandfrei gelöst sein. Aller- dingS würde die Einführung der automatischen Koppelung diverse Millionen beanspruchen, aber es gilt in diesem Falle um Sicherung für Gesundheit und Leben der Eisen- Lahner, von denen alljährlich eine Anzahl bei dem Unterkriechen unter die in Bewegung befindlichen Wagen verunglückt. Wenn nun auch die zu zahlenden Renten an die Verzinsung des für die anto- matische Koppelung anzulegenden Kapitals nicht heranreichten, so darf das als wirtschaftliches Moment allein nicht ausschlaggebend sein. Bei militärischen Forderungen betont man mit Vorliebe die angeb- lichen volkswirtschaftlichen Vorteile, die sich aus der erforderlichen Arbeitsmenge ergeben, bei Forderungen, die der Erhöhung der Betriebssicherheit der Eisenbahn dienen, könnte man solche Argumente mit mehr Recht geltend machen. Der amerikanische Rindfleischtrnst mobilisiert, um die Annahme des Fleischschaugesetzes im Kongreh zu verhindern. Der Trust hat sich bereits die Unterstützung des Sprechers des Kongresses und anderer einflnhreicher Politiker gesichert. Die Agenten des Trusts verbreiten unter den Farmern im Westen und unter den Vieh- züchteni beunruhigende Nachrichten, worin behauptet wird, die Annahme der GcsetzeSvorlage bedeute eine Katastrophe für das amerikanische Fleischgcwerbe und alle damit in Verbindung stehenden Erwerbszweige. Bewrgnng der Löhne im Ledergewerbe. Nach dem soeben er- schienenen Verwaltungsbericht der Lederindnstrie-Berufsgenossenschaft für das Jahr 1905 ist die Lohnsumme in den versicherten Betrieben iin Jahre 1905 um zirka 4 Millionen gegen 1904, nämlich von 07,53 auf 71,49 Millionen Mark gestiegen. Nicht so stark ist der Jahresarbeitsverdienst des einzelnen vollbeschäftigten Arbeiters in die Höhe gegangen: er stieg nur von 962 auf 978 M. Das rührt da- her, dast sich die Zahl der Arbeiter um rund 2000 vermehrt hat, nämlich von 70 537 im Jahre 1904 auf 72 533 im Jahre 1905. Seit 1900 haben sich die Löhne wie folgt entwickelt: es betrug der Durchschnittslohn für eine» Versicherten in Mark: 1900.. 895 1903.. 957 1901.. 915 1904.. 962 1902.. 931 1905.. 978 Im ganzen ist der Loh» in den letzten fünf Jahren um 83 Mark gestiegen: am stärksten war die Steigerung im Jahre 1903; dann folgt das Jahr 1901. Im Jahre 1905 war die Steigerung Ziffern- mästig gleich stark wie 1902. Ein wesentlicher Unterschied gegen damals besteht freilich darin, dast die Kaufkraft des Geldes heute viel schwächer ist als 1902. Daher ist die Zunahme um 16 Mark im Jahre 1905 merklich geringer einzuschätzen als die im Jahre 1902. Schadenersatzpflicht abgelehnt. Nach einer Meldung der„Frank- fnrter Zeitung" aus New Jork haben die amerikanischen Versiche- rungsgesellschaften gemeinsam den endgültigen Beschluß gefaßt, in San Francisco für Schäden nicht aufzukommen, sofern diese er- weislich durch Erdbeben verursacht worden sind; die Zahlung auf- zuschieben, sofern die Gebäude auf behördliche Anordnung nieder- gelegt worden sind; und in allen zweifelhaften Fällen Ver- gleiche anzubieten, insbesondere, wenn es fraglich ist, ob der Einsturz eines Gebäudes durch Feuer oder Erdbeben veranlaßt worden ist._ GewcrkfcbafrUcbcOs An sämtliche Lithographen und Steinbrucker Deutschland»! An die Mitglieder des Senefelder-Bundr»! Kollegen! Die einunddreistig Kläger gegen den Senefelder-Bund haben ihrem Arbeiterverrat die Krone aufgesetzt. Sie haben beim Frank- furter Landgericht eine Verfügung beantragt, durch welche dem Bunde jede gewerkschaftliche Tätigkeit untersagt werden sollte. Dieser Streich, der ganz im geheimen geführt wurde und von dem wir nur durch Zufall Kenntnis erhielten, ist teilweise gelungen. DaS Landgericht hat, getäuscht durch allerlei falsche Behauptungen der Kläger, in Konsequenz der bisher ergangenen rechtsirrtüm- lichen Urteile, dem Bundesvorstand die Wetterführung der gewerk- schaftlichcn Tätigkeit bis zur endgültigen Erledigung des Rechts- ItreiteS unterbunden. Auf die Einzelheiten einzugehen, ist in ncscm Augenblicke nicht möglich; eingehende Informationen er- halten die Kollegen durch die„Graphische Presse". Die heutige Veröffentlichung bezweckt nur, die Kollegen vor gegnerischen Ucber- rumpelungen zu bewahren, denn die Macher des Unternehmer- Schutzverbandcs waren schon im Laufe der letzten Tage von dem geplanten Verrate unterrichtet und werden selbstverständlich alle möglichen Verdrehungen in die Welt setzen. Auf die Lohnbewegungen hat natürlich die Verfügung keinen Einfluh. Es geht alles seinen Gang weiter! Um dies zu ermöglichen, mutzte der Hauptvorstand jedoch einen autzcrgewöhulichcn Schritt tun. Er überträgt die Leitung der ge> samten deutschen Gewerkschaftsangelegenheit der Berliner Kollegen- schaft, welche weitere Schritte tun wird. Kollegen! Die Situation ist ernst, heute beginnt die AuS- sperrung, ein Fünftel der gesamten Kollegenschaft wird heute von einem brutalen Unternehmertum der Arbeitslosigkeit überliefert! Ihr habt bisher in vollstem Maße Eure Pflicht getan! Steht auch weiter fest! Laßt Euch nicht einschüchtern und befolgt in allem die Weisungen, die die Beauftragten der Berliner Kollegen er- gehen lassen! Berlin dl. 23. den 1. Juni 1906. Mit kollegialem Gruß Der Hauptvorstand des Deutschen Senefelder-BundcS. I. A.: O tto S i l l i e r, Anklamerstr. 27, I. Kollegen! Im Anschlutz an die vorstehende Erklärung des Hauptvorstandes teilen wir mit, datz in der heutigen, von 2500 Berliner Kollegen aller Filialen des Deutschen Senefelder-BundeS besuchten Ver- sammlung die unterzeichnete Kommission gewählt und mit der Durchführung der gelverkschaftlichen Aufgaben betraut wurde. Indem wir all die Funktionen übernehmen, die bisher der Hauptvorstand auszuüben hatte, fordern wir von allen Kollegen das unbedingte Vertrauen zur guten Sache, der wir dienen. Der Schlag, den eine kleine Anzahl von Auch-Kollegen im Unter- nchmerinteresse gegen uns geführt hat, wird ein Schlag ins Wasser sein, wenn die Kollegen unbeirrt ihre Pflicht tun. Um jeder Verwirrung vorzubeugen erklären wir, baß alle gewerkschaftlichen Unterstützungen» insbesondere die Streiks- und Maßregelungsunterstützung, weitergezahlt werden. Es bleibt also beim Kampf! Und zwar nun erst recht! Denn wenn irgend etwas geeignet ist, uns die Solidarität der gesamten Arbeiterschaft bei der uns vom Unternehmertum aufgezwungenen Machtprobe zu sichern, so ist es dieser Streich! Sämtliche durch Extrasteuern aufgebrachten Einnahmen sowie die Erträge der zu Streikzwecken unternommenen Sammlungen sind nicht mehr an den Hauptkassierer W. Brall, sondern an den Kassierer der Kommission, den Lithographen Otto Graßmann, Berlin dl., Wichert st ratze 158, zu senden. Sämtliche Streiks und Aussperrungen betreffenden Korrespondenzen sind an den unterzeichneten Kommissionsvorsitzenden zu richten. Kollegen! Es gilt jetzt, der autzergewöhnlichcn Situation gewachsen zu sein. Dazu gehört seitens der Streikenden und Aus- gesperrten nichts weiter als Ruhe und Besonnenheit und seitens der noch in Beschäftigung stehenden Kollegen weitgehendste Solidarität. Weitere Veröffentlichungen erfolgen in der„Graphischen Presse". Berlin, den 1. Juni 1906. Mit kollegialem Gruß Die GetvcrkschaftSkommission der Lithographen, Steindrucker und verw. Berufe Deutschland. I. A.: Hermann Müller, Berlin SO. 16, Engelufer 15 IV. dlL. Die arbeiterfreundliche�Presse wird um Abdruck gebeten. Der gestern abend gewählten Kommission gehören folgende Mitglieder an: Hermann Müller, Lithograph(Vorsitzender), Otto Gratz- mann, Lithograph(Kassierer), Gustav Hoffmann, Steindruckcr, Aug. Malzheimer, Steindrucker, Bernhard Glöckner, Lichtdrucker, Herm. Paetzold, Lithograph, Georg Baumann, Chemigraph. Berlin und Umgegend. In Golm bei Potsdam streiken die Hof- und Maschinenarbeiter der„Deutschen Hausbau-Gesellschaft". Bekanntlich läßt diese Gc- sellschaft, deren Hauptkomplex sich in der Potsdamerstratze zu Berlin befindet, zerlegbare Block- und Gartenhäuser anfertigen. Erst kürz- lich hat sie in Golm einen neuen Betrieb errichtet, und dort ver- weigert sie den Hof- und Miaschiuenarbcitern die neunstündige Arbeitszeit, die sie den Tischlern und Zimmerern gewähren mutz. Ebenfalls hat sie die Forderung der Arbeiter um eine Lohnerhöhung von 35 auf 40 Pf. pro Stunde abgelehnt. Streikbeschluß der Barbiergehülfen. In einer autzerordentlichen Generalversammlung des Verbandes der Friseurgehülfen, die am Tonnerstag im„Rosenthaler Hof" stattfand, wurde von den An- wesenden mit 290 gegen 8 Stimmen beschlossen, überall dort, wo die neuen Forderungen von den Meistern nicht unterschriftlich an- erkannt werden, sofort die Arbeit niederzulegen. Wie in der Ver- samnrlung mitgeteilt wurde, haben bisher nur 432 Meister be- willigt. Die übrigen weigern sich nach wie vor, weil sie von den JicnungSvorständen scharf gemacht werden. Die Herren haben sich zwar dahin geäutzcrt, datz sie wegen der Lohnforderung vielleicht mit sich reden lassen würden, jedoch unterschreiben wollen sie nicht. Aus diesem Verhalten folgern die Gchülfen, datz die etwaige Be- willigung der Lohnforderung von den Meistern höchstens während der Pfingsttage innegehalten, dann aber wieder zurückgezogen würde, wodurch dann wieder der alte Zustand entstehe. Deshalb bestehen sie auf der Unterschrift des Tarifs, weil dadurch wenigstens eine gewisse Garantie für eine längere Jnnehaltung gegeben ist. Es wurde sodann ein dringender Appell an die Ar- beiterschaft gerichtet, die Barbiergehülfen in ihrem Kampf moralisch zu unterstützen, denn gerade in den Arbeitervierteln, be- sonders im Norden, seien die Meister am widerhaarigsten. Be- schlössen wurde ferner, ähnlich wie im Jahre 1901, während der Dauer des Streiks in den verschiedenen Straßen fliegende Barbiersiuben einzurichten, woselbst die streikenden Gehülfen das Rasieren und Haarschneiden usw. be- sorgen werden, damit das Publikum in dieser Hinsicht nicht in Verlegenheit kommt. Achtung! Parteigenossen! Die Friseurgehülfen befinden sich im Streik. Es ist nun Eure Pflicht, uns in diesem so schwierigen Kampfe zu unterstützen. Achtet auf die heutige Annonce! Diffe- renzen sind bei der Firma Putzke, Rüdcrsdorferstr. 43, entstanden. Verband deutscher Barbier-, Friseur- und Perückenmachergehülfcn Berlin, Schillingstr. 15/16, H. Schulze. Achtung! Branereiarbeiter! Der Brauerei Schönbeck in Neu- ruppin, Niederlage Berlin diW., S-tcphanstr. 15, wurde seitens des Brauereiarboiterverbandes ein Tarif eingereicht. Als Antwort hierauf verlangte die Betriebsleitung von den Arbeitern den Aus- tritt aus der Organisation. Als diese verweigert wurde, erhielten sämtliche Organisierten ihre Kündigung. AuS dem Tapezierergewerbe. Vom Obmann der Meister« Vertreter der Achtzehner-Kommission für da? Tapezierergewerbe in Berlin und Umgegend geht uns ein Schreiben zu, in welchen die Verhängung der Sperre über die Firma Linke, Rigaerstr. 109, durch den Vorstand der Freien Vereinigung als durchaus unberechtigt be- zeichnet wird. Herr Linke habe den im Gewerbe bestehenden Tarif unterschristlich anerkannt. Daraufhin sei seitens der Achtzehner- Kommission, der neun Arbeitervertreter angehören, die Sperre über das Geschäft von Linke aufgehoben worden.(Siehe Nr. 124 des „Vorwärts".) Die Freie Vereinigung gehe nun über die Be- ftimmungen des Tarifs hinaus, sie verlange Einstellung von zwei GeHülsen au? ihrem besonderen Arbeitsnachweis, obwohl ein paritätischer Nachweis vorhanden ist. Nachdem die Achtzehner- Kommission die Sperre aufgehoben habe, könne diese nicht von einer Organisation als bindend erneut proklamiert werden. Veutfcbes Reich. Die MetallarbeiterauSsperrung wird in Dresden einige partielle Streiks von großem Umfange im Gefolge haben. Bei den Verhandlungen über die Wiederaufnahme der Arbeit ist es bei den Firmen Seidel u. Naumann, Eschenbach und Grieshouer und Lange zu Differenzen gekommen. Die erstere Firma will die Arbeiter auslesen, die sie wieder einstellen möchte und diese durch Postkarte einladen. Das wäre ein sehr bequemer Weg zu Matz. regelungen und zur Kaltstellung organisierter Metallarbeiter. Aehn- lich will auch die dritte Firma verfahren und bei Eschenbach endlich wurden den Arbeitern verschiedene Verschlechterungen in den Lohn- und Arbeitsverhältnissen beschert. Die Ausgesperrten beantworteten die Matznahmen und Provokationen durch geschlossenes Ver- harren im Kampfe. Die Firmen hatten die ausgesandten Karten vergebens geschrieben. Es meldete sich kein Organisierter zur Ar- beit. An den neuen Kämpfen sind 3500— 4000 Arbeiter beteiligt. Auch bei einigen kleinen Firmen sind noch nicht alle Disferenzpunlte beseitigt. In den meisten Betrieben ging die Wiederaufnahme der Arbeit dagegen glatt von statten. Maifeier-Nachwehen. Seit dem Fahre 1898 versuchen die Ver» eine der Reeder, Makler und Stauer Hamburgs, wenn auch mit wenig Erfolg, die Schauerleute in einen Arbeitsnachweis hineinzu- zwingen. Aus Anlaß der Maifeier 1906 wurden die Schauerleute, die in der Gesamtheit an derselben sich beteiligten, 10 Tage aus- gesperrt. Als die Schauerleute nach dem 10. Mai 1906 die Arbeit anscheinend bedingungslos aufnahmen, glaubten die Arbeitgeber von neuem den Versuch machen zu dürfen, den Schauerleuten einen Arbeitsnachweis im Sinne der Scharfmacher aufzuzwingen. Der Kampf, sich des Arbeitsnachweises zu erwehren, wird erschwert, wenn der Zuzug von Arbeitern aus anderen Städten nicht fern- gehalten wird. Noch jetzt sind die Agenten der Arbeitgeber fort- gesetzt tätig, Arbeiter unter der falschen Vorspiegelung hoher Löhne für den Hafen Hamburg anzuwerben. Es wird deshalb ersucht, den Zuzug von Arbeitern für den Hafen Hamburg fernzuhalten. In Leipzig sind die Stukkateure in den Streik getreten. ES gilt die Erringung der Achtstundenschicht. Zuzug ist fernzuhalten. Die Stukkateure in Leipzig haben gestern den Streik be- schlössen. Sie fordern eine achtstündige Arbeitszeit sowie einen Minimallohn von 6 M. für die Werkstubenarbeiter, 7 M. für Bau- arbeiter und 3 M. Auslagespcsen für auswärts fahrende Arbeiter. Der Ortsverein Forst des Verbandes deutscher Buchdrucker nahm einstimmig folgende Resolution an: „Die heute tagende Versammlung des Ortsvercins Forst ver« urteilt die Nichtbeachtung der Maifeier im„Korrespondent", da dieselbe geeignet ist, die organisierten Buchdrucker immer mehr in der Arbeiterbewegung zu isolieren. Die Nichtbeachtung des 1. Mai ist um so unverständlicher, als der Zentralvorsitzende, Kollege Döblin, auf dem 5. Gewerkschaftskongreß die Annahme der Resolu- tion Schmidt empfahl, die eine prinzipielle Maifeier anerkennt. Sie ersucht den Zentralvorstand, Vorsorge zu treffen, damit die von ihm vertretenen Anschauungen auch im„Korrespondenten" beachtet werden." Straßenbahuerstreik. In Dortmund sind heute— 1. Juni— stüh die Dortmunder Straßenbahner in den Ausstand getreten, der Betrieb ruht auf allen Linien. Zum Frühappell um 6 Uhr war das gesamte Personal erschienen, es stellte sich jedoch nur ein Mann zum Dienst. Die Straßenbahn ist seit dem 1. April dieses Jahres in städtische Regie übernommen worden. Die Straßen- bahner erhofften dadurch auch eine Verbesserung ihrer mißlichen Lage, sie hatten sich aber geirrt; die neue Verwaltung fand, daß in Dortmund geradezu„goldene Verhältnisse" herrschten. Anstatt Ver- besserungen gabs fortwährend Verschlechterungen. Die Straßen« bahner warfen der Verwaltung direkt Kontraktbruch vor. Die Erregung stieg mehr und mehr; sie erreichte den Höhe- punkt, als zum 1. Juni eine neue Dienstordnung bekannt gemacht wurde, durch welche die Mann- schaften zu 14-, ja unter Umständen 17- und 18stün- diger Dien st zeit verpflichtet werden sollten. Das hat dem Faß den Boden ausgeschlagen, in einer Besprechung wurde die Arbeitsniederlegung beschlossen und auch einmütig durchgeführt. Wie immer glaubt man auch jetzt an die Allmächt der Polizei. Als sich in der letzten Nacht die Straßenbahner in einem Lokale zusammenfanden, erschien der Polizeiinspektor Richards auf der Bildfläche und vertrieb die Leute. Sein Bemühen ist nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Bezeichnend ist, daß heute früh die„Tremonia", das Organ des ultramontanen Stadtverordneten Lensig den Streikenden in den Rücken fällt. Das Blatt schreibt, die Leute sollten nicht streiken, nach Pfingsten werde die Soziale Kommission ihres Amtes walten und sehen, was für die Straßen- bahner zu tun sei. Gewiß: Erst soll der Pfingstverkehr nicht gestört werden, und nach Pfingsten würde man schon Matzregeln getroffen haben, die unzufriedenen Straßenbahner durch arbeitswillige Elemente zu ersetzen. Die Straßenbahner kennen die Verrätertaktik der „Tremonia" auch schon zu genau, als daß sie auf den Leim gegangen wären. Aussperrung von Lederarbeitern. Nachdem die Arbeiter in sieben Lederfabriken zu Neustadt a. d. Orla die Arbeit nieder- gelegt haben, sperrten weitere 23 Fabriken alle Arbeiter aus. Von der gelben Gewerkschaft in Nürnberg. Vor einigen Wochen gründeten die Christlichen und Hirsche in den Schuckertwerken zu Nürnberg gemeinsam einen sogenannten„unparteiischen" Fabrik- fonds, der, da er das besondere Wohlwollen der Direktion genoß, von den modern organisierten Arbeitern von allem Anfang an als der Ansatz zu einer gelben Gründung bezeichnet wurde. Die Hirsche und Christlichen waren darüber sehr aufgebracht und gingen sogar gegen die Zeitungen mit Berichtigungen vor. Jetzt haben die Herr- schaften an die Arbeiter des Werkes ein Flugblatt verteilt, in dem unter den heftigsten Ausfällen auf den Deutschen Metallarbeiter- verband aufgefordert wird, dem Fabrikfonds beizutreten. Als Lock« mittel wird die Bemerkung angefügt, daß der Fonds bereits ein Vermögen von 10 000 M. habe. Da der Mitgliederbeitrag monat« lich nur 20 Pf. beträgt, der Fonds nicht viel länger als einen Monat besteht und die Mitgliederzahl nicht sonderlich groß ist, so kann dieses„Vermögen" unmöglich schon aus Beiträgen der Mit- glieder herrühren. Des Rätsels Losung ist die, datz die Direktion der Schuckertwerke das versprochene Geschenk von 10 000 M. bereits an die braven Fridoline abgeliefert hat. Die Arbeiter lassen sich nicht von der Meinung abbringen, daß sich die Direktion durch ihre Freigebigkeit nur eine gelbe Schutztruppe heranbilden will, HusUnd. KohlenarbeiterauSstand in Schweden. In den Sohlengruben der Gesellschaft Hoeganaes-Billesholm-Steinkohlengrubenfelder haben die Arbeiter infolge der Ablehnung ihrer Forderung auf Lohn. crhöhung die Arbeit niedergelegt. Der Ausstand umfaßt 2300 Mann. Letzte JNTadmchten und Dcpcfchcn. Stephanys Verurteilung. Straßburg i. Elf., 1. Juni.(W. T. B.)' Die Strafkammer verurteilte heute den früheren Polizeikommissar Stephany wegen Unterschlagung im Amte zu 3 Monaten Gefängnis und den Kosten de» Verfahrens. Die Untersuchungshaft wird von dem 2. März an in Anrechnung gebracht. Die Unterschlagung wurde in der Einbehaltung eines Briefes gesehen, der Material zu einer Straf. anzeige enthielt und infolgedessen der Staatsanwaltschaft gehörte. Die Lage in Odessa. Bukarest, 1. Juni.(B. H.) Aus Galatz eintreffende Odessaer Meldungen besagen, daß dort eine große Panik herrscht. Alles streikt, auch sämtliche Matrosen der Handels- flotte. Die Polizei habe den Kopf verloren. Man betrachte den Ausbruch der Revolution als unvermeidlich. Die revo- lutionäre Partei beherrscht Odessa. Derb aber deutlich. Petersburg, 1. Juni. Nach Wiedereröffnung der Duma, die sich weiter mit der Agrarfrage beschäftigt, hält Nasarenko (Bauernpartei) eine heftige Rede, in der er alle Debatten für unnütz erklärt. Tie Frage werde durch die Bauern- selbst gelöst werden, für die das Land denselben Wert besitze, wie für die Kinder der Busen der Mutter. Redner bestreitet jedeS Eigen- tumsrecht an Land, auf Grund dessen die Vereinigung ungeheuren Landbesitzes in den Händen einer einzigen Person möglich sei und fordert die Duma auf, ihre Debatten einzustellen und eine Kom- Mission von 33 Mitgliedern mit der Ausarbeitung eines Gesetz- entwurfes zu beauftragen, sonst würden die Bauern die Frage nach ihrem Gutdünken lösen, und dann werde es zu spät sein, daS Uebel wieder gut zu machen. Im weiteren Verlaufe der Sitzung sprachen noch der Ackerbau- minister und der Gehülfe des Ministers des Innern, Gurko. Beide verhielten sich gegenüber den Forderungen der Duma ab- lehnend. Gurko meinte unter anderem: der Entwurf der Duma würde die Bauern der Verarmung preisgeben, man müsse entweder die Unverletzlichkeit des Eigentums anerkennen, oder anerkennen, daß daö Land ein Geschenk GotteS fei, und reiner Sozialist werden und daS Land zu gleichen Teilen an alle verteilen. Bei diesen Worten erhob sich ein dumpfer Lärm des Mißfallens im Saale und zwang den Präsidenten, die Glocke zu gebrauchen. Die Bauern forderten den Moskauer Professor Herzenstein auf, zu antworten. Dieser wendete sich in lebhafter Rede gegen die Minister, ver- spottete ihre Berechnungen und wies die Haltlosigkeit der Bc- hauptungen Stischinskis und Gurkos nach. Die Rede wurde vielfach durch lärmende Beifallslundgebungen unterbrochen. Verant«. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantv.'. TZ. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.BerlagSanftaltUaul Singer LcCo., Berlin LW. Hierzn 3 Leilagenu. Unterhaltungötlatt V Nr. 126. 23. Inljrgniig. 1. KilM des Jotmitls" fittlintr Sollisliltitt. 2. Inni 1906. Der Tiger als Affe. Ueber den Prozeß gegen Genossen K r e s s i n geht uns noch folgender Bericht zu: Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt der Angeklagte K r e s s i n Dre Sozialdemokratie bekämpft niemals einzelne Personen. sondern stets die herrschenden Klassen als solche. Wir Sozialdemo kraten wissen sehr genau, daß einzelne Personen nicht die Tröger des Systems sind und niemals für das System verantwortlich ge- macht werden können. Auch die bürgerlichen Nationalökonomen derlvahren sich mit Recht dagegen, daß sich ihre Kritik gegen einzelne Personen richtet. Jedenfalls hat es mir ferngelegen, in dem inkriminierten Artikel Angehörige der Polizei oder der Armee zu beleigigen. In einem Majestätsbeleidigungsprozcß sagte der Herr Oberstaatsanwalt: In dem Artikel ist der Monarch beleidigt, Iveil dieser die Hauptstütze der herrschenden Klassen ist. Heute sagt der Herr Oberstaatsanwalt: Die Polizei und das Militär sind die Hauptstützen der herrschenden Klassen, also sind diese durch einen Angriff gegen die herrschenden Klassen getroffen. Das ist grundfalsch. Weder damals noch heute hatten wir einzelne Personen, sondern immer nur das System im Auge. Der Kampf der Sozialdemokraten zur Herbei führung besserer Zustände und einer gerechten Gesellschafts- ordnung kann sich naturgemäß nicht gegen einzelne Personen— und mögen diese noch so hoch stehen— sondern immer nur gegen die herrschenden Klassen richten. Ich bin nur allerdings bewußt, daß ich die Herren Richter mit meinen Ausführungen nicht überzeugen werde, weil die Weltanschauung der Sozialdemo kraten bon der der bürgerlichen Gesellschaft eine von Grund aus voneinander abweichende ist. Im Prozeß gegen meinen Kollegen Heinig handelte es sich in der Hauptsache ebenfalls um die Frage, ob die Richter mit der Terminologie und Ansdrucksweise des wissen schaftlichen Sozialismus vertraut sind. Wir stellten damals den Antrag, Sachverständige in dieser Frage zu laden. Das Gericht lehnte damals diesen Antrag ab. Daraus schließe ich, daß man sich über diese Dinge nicht ver st ändigen will. Ich fühle mich hier nicht etwa als armer Sünderl Ich stehehier als Mann, der für seine politische Ueberzeugung einzutreten hat. Sie haben ja freilich die Macht, mich zu verurteilen. Aber ich habe auch noch einen anderen Grund, Ihnen jede Antwort zur Sache zu verweigern. Im Majestätsbeleidignngsprozeß, der vor einigen Wochen gegen mich hier verhandelt wurde, erklärte ich. ich übeniehme die Verantwortung, habe aber den inkiminierten Artikel vor der Drucklegung nicht völlig gelesen. Damals sagte der Herr Staatsanwalt, das ser nur eine Ausrede, die man immer anwende, ich werde den Artikel wohl doch gelesen haben. Gegen diese Verdächtigungen muß ich mich wehren. Der StaatSantvalt hat das Recht, mich anzuklagen, aber er hat nicht das Recht, mich zu beschimpfen und meinen Charakter zu ver- dächtigen. Ich werde Ihnen also keine weitere Erklärung geben. Die Nummer, in der der Artikel gestanden, verantwortlich ge zeichnet zu haben, gebe ich zu und übernehme die Verantwortung. Die Beweisaufnahme beschränkt sich auf die Verlesung der Strafonträge und einen Vortrag des Vorsitzenden. Landgerichtsdirektor Groß, über die Vorfälle in Petersburg am 22. Januar 1M6, in Dresden, Chemnitz und Plauen am 3. De- zember 1902, über einen Artikel der„Leipziger Volkszeitung" vom 23. Dezember 1905, über die Vorgänge in Hamburg am 17. Januar 1906 und über die Demonstrationen am 21. Januar in Deutschland. Der Oberstaatsanwalt Dr. Böhme führt aus: Der zur Anklage stehende Artikel ist eine Musterleistung von Entstellungen und Verdrehungen. In dem Artikel werden die Tatsachen geradezu auf den Kopf gestellt. Die Maßnahmen der Regierung zwecks Auf- rechterhalwng der Ruhe und Ordnung werden in noch me dagewesener Weise verhöhnt. Die Polizei und das Militär werden als Tiger bezeichnet, die sich jedoch, da sie keinen Anlaß zum Blutvergießen hatten, schließlich in Affen verwandelten. Dann geht auch er zu einer Darstellung der Vorgänge vom 22. Januar 1902 in Rußland und der Demonstrationspläne im Januar 1906 in Deutschland über. Er schildert diese Vorgänge, ohne das Atom eines Beweises hierfür anzuführen, in der Entstellung, die die Scharfmacherblätter den Tai fachen angedeihen ließen. Insbesondere behauptet er, der Wahrheit zuwider, ein Blutvergießen sei durch die Maßnahmen der Polizei- und Militärbehörden verhindert, das habe die Sozialdemokraten geärgert I Ausfluß dieses Aergers seien die Beleidigungen. Be- schimpfungen und Verspottungen, die der Artikel enthalte. Dann fährt er fort: Ich habe den Redakteur Kressin nicht beleidigt. Ich habe in einem früheren Prozeß nur hervorgehoben, daß er sich mit der Aus flucht zu entschuldigen suchte, er habe den Artikel vor der Druck- legung nicht gelesen. Im vorliegenden Falle hat ja der Angeklagte die preßgesetzliche Verantwortung zugegeben. Ich habe diesmal zweien politischen Redakteuren der„Leipziger Volkszeitung" und auch dem Außenredakteur Gelegenheit gegeben, sich über die Verfasser schaft zu äußern. Bert. Rechtsanwalt Dr. H ü b l e r: Ich muß doch betonen, daß diese Bemerkung nicht zur Sache gehört.— Oberstaatsanioalt: Das gehört doch zur Sache. Ich habe jedenfalls daS Recht, dies hier vorzubringen. Ich bemerke also: Der Außenredakteur hat cS abgelehnt, auf meine Anfrage zu antworten.— Bert.: Ich beantrage, einen Gerichtsbeschluß herbeizuführen, ob der Herr Oberstaatsanwalt berechtigt ist, der- artige, nicht zur Sache gehörige Ausführungen zu machen.— Oberstaatsanwalt: Ich erkläre wiederholt, daß ich das Recht zu diesen Ausführungen habe. Die beiden hiesigen politischen Redakteure haben erklärt, den Artikel nicht versaßt zu haben, der Chefredakteur in Steglitz hat jede Auskunft verweigert. Und gerade hier erhoffte ich eine Anskunft. Ich war den Redakteuren entgegengekommen. Aber nun muß wieder ein Redakteur die Verantwortung tragen, der den Artikel selbst- verständlich nicht geschrieben hat. Andere weigern sich ja, die Ver- antwortung zu tragen. In dem inkriminierten Artikel sind die Angehörigen der Polizei und des Militärs, allerdings auch weitere Volkskrcise beleidigt. Ich beantrage also gegen den Angeklagten daS Schuldig. Bei der Strafziiuicssunki ist zugunsten des Angeklagten lediglich anzuführen, daß er den Artikel nicht geschrieben hat. Der Verteidiger legt dar: Die Anschauung des Oberstaatsanwalts über die Vorgänge in Rußland und Deutschland ist eine irrige. Ob die Marschbereitschaft des Militärs und das starke Polizeiaufgebot am 21. Januar Ausschreitungen verhindert hat, ist zum mindesten zweifelhaft. Ich bin der Meinung, daß der Minister des Innern nicht berechtigt ist, für alle Angehörigen der Polizei und der KnegSministcr für alle Angehörigen der Armee Strafantrag zu stellen. Da alle Angehörigen der Polizei und Armee nicht in Tätigkeit getreten sein dürften, so können auch alle diese nicht beleidigt sein. Zum mindesten rechtfertigt sich nicht eine hohe Strafe. Es darf doch nicht außer acht gelassen werden, daß eS sich um einen politischen Kampf handelt, der sich in der Hauptsache gegen die herrschenden Klassen richtet. Die herrschenden Klassen sind aber kein juristischer Begriff: ein Strafantrag wegen Beleidigung der herrschenden Klassen ist nicht zulässig. Polizei und Militär sind nach sozialistischer Auffassung nur Werkzeuge der herrschenden Klassen. In diesem Falle entbehren die Strafanträge der gesetzlichen Grund- läge. Der Umstand, daß sich weite Kreise beleidigt fühlen, dürste ein mildernder, nicht aber ein strafschärfender Umstand sein. Ich be- antrage daher grundsätzlich die Freisprechung. Sollte aber der Gerichtshof anderer Meinung sein, dann rechtfertigt sich au§ den von mir angeführten Gründen und dem Umstaude, daß der An- geklagte nur zweimal wegen Beleidigung mit kleinen Geldstrafen bestraft ist, eine Geldstrafe. Der Oberstaatsanwalt entgegnet: Ich will zugeben, daß der Artikel im politischen Kampf geschrieben ist. Aber auch im politischen Kampf darf die Achtung vor Gesetz und Recht und der Respekt vor den Behörden nicht außer acht gelassen werden. Eine Geldstrafe wäre vollständig unangebracht, da eine solche den An geklagten nicht treffen würde. Angeklagter Kressin: Ich verzichte auf jede weitere Verteidigung. Ich will nur bemerken, daß ich meine angebliche handwerksmäßige Tätigkeit in der„Leipziger Volkszeitung" zum mindesten so hoch einschätze, wie die Handwerks- mäßige Tätigkeit des Herrn Oberstaatsanwalts. (Bewegung im Zuhörerraum.) Vorl.(mrt erregter Stimme): Ich weise diese S merkung als ungehörig zurück, das ist eine Beleidigung. Oberstaatsanioalt: Ich beantrage eine Ordnungsstrafe. Nach etwa dreistündiger Beratung des Gerichts wird das von un§ bereits gestern mitgeteilte Urteil durch den Vorsitzenden ver kündet und erklärt: „Der Gerichtshof hat den Angeklagten wegen Ungebühr zu einer sofort zu vollstreckenden Strafe von zwei Tagen Haft verurteilt. Der Angeklagte ist abzuführen." »»» Das Urteil ist schon aus dem formellen Grunde unhaltbar, daß es verkündet ist, bevor über den Antrag auf Ordnungsstrafe be- schloffen und dem Angeklagten nochmals Gelegenheit gegeben war, sich zur Sache zu äußern. Aber dieser formale Verstoß wiegt federleicht gegenüber der gesamten Art der Verhandlung. Uns ist auch aus der sozialistengesetzlichen Zeit keine Verhandlung bekannt, die von einem so klare» Verstoß gegen die elementarsten Grundsätze jedes Gerichtsverfahrens be- herrscht war: an Stelle der Eruierung der Wahr- heit durch Beweisaufnahme ist ein Vortrag des Vor- sitzenden und des Staatsanwalts über ihre historischen und politischen Irrtümer getreten. DaS heißt, an Stelle der durch Beweisaufnahme festzustellenden Tatsachen die politische A n- ficht des_ Gerichts und Staatsanwalts zu setzen. Selbst vor einem Kriegsgerichte wäre solches Verfahren ein ungerechtes Die Verhandlung selbst ist geeignet, neue Scharen der Partei zuzu führen, die für Gerechtigkeit eintritt. Die Zigarettklisteilkr wirst ihren Schatten voraus. Die verheerende Wirkung der kommenden Banderolensteuer soll noch verstärkt werden durch Matznahmen der Zigaretten- sabrikanten. Die Spanne Zeit bis zum Inkrafttreten des Gesetzes, das ist der 1. Juli d. I.. wollen sie dazu benutzen, eine riesenhafte Ueberproduktion zu schaffen. Da nämlich nach dem Gesetz den Produzenten noch eine Frist von einem Monat(das ist bis 1. August er.), den Händlern eine solche von zwei Monaten(das ist bis 1. September cr.) für den Verkauf der angemeldeten Vor- räte vom Inkrafttreten des Gesetzes an gewährt wird, so über- bieten sich die Zigarettenfabrikanten gegenseitig, um durch schrift- liche Zusendungen oder durch ihre Reisenden bei den Händlern Bestellungen zu erzielen, die deren Lager auf Monate hinaus füllen werden. Um nun die dadurch herbeigeführten außergewöhnlich großen Aufträge ausführen zu können, stellen die Zigaretten- sabrikanten übermenschliche Anforderungen an die Arbeiter, indem sie ihnen nicht nur zumuten, in den Fabriken Ueberstunden zu machen, sondern sie auch noch veranlassen, Hausarbeit mitzunehmen, die nach Feierabend und am Sonntage fertig zu stellen ist. Da in der Zigarettenindustrie größtenteils Frauen und Mädchen, sowie, da zur Anfertigung von Zigaretten eine größere physische Kraft nicht nötig ist, auch viele schwächliche und gebrechliche Arbeiter beschäftigt sind, so muß eine derartige Ueberanstrengung der Kräfte furchtbare Folgen haben. Der Kapitalismus schreitet über Leichen, wenn es den Profit gilt. Die Banderolcnsteuer wird die Ware verteuern, und so ist ein Konsumrückgang sicher. Beweis ist unter anderem die Folge der Zoll- und Steuererhöhung auf Rohtabak im Jahre 1879. Zirka 15 000 Tabakarbeiter wurden damals mit einem Schlage brotlos. Und diese Folgen der Banderolensteuer müssen um so verheerender werden, wenn durch die vorerwähnten Manipulationen der Zigarettenfabrikanten die Lager der Händler auf Monate gefüllt werden. Logischerweise wird nachher die Produktion von Zigaretten so lange eingeschränkt werden, bis diese überfüllten Lager wieder geräumt sind. Um dem unverantwortlichen Gebaren der Zigarettenfabrikanten, den Arbeitern neben Ueberstundenarbeit auch noch Hausarbeit nach Feierabend anzufinnen, Einhalt zu tun, wurde eine Kommission des Verbandes der Tabakarbeiter bei mehreren hiesigen Fabrikanten vorstellig. Von allen Fabrikanten, bei denen diese Kommission vor- stellig war, wurde das Versprechen gegeben, ihre Aufforderung zur Ueberarbeit usw. zurückzuziehen. Nur eine Firma glaubte eine unrühmliche Ausnahme machen zu müssen, und zwar die bekannte Millionenfirma I. Garbaty, Schönhauser Allee 56. Diese Firma glaubte es in das freie Belieben eines jeden einzelnen ihrer Arbeiter stellen zu müssen, in der Fabrik Ueberstunden zu machen. Bei dieser Firma wurde zu gewöhnlichen Zeiten von morgens 7 Uhr bis abends Ml Uhr mit einer einstündigen Mittagspause gearbeitet. Jetzt stellt es diese Firma ihren Arbeitern und Arbeiterinnen frei, bis M9 Uhr abends in der Fabrik zu arbeiten. „Um Ml Uhr abends wird das Gitter geöffnet." Die Firma weiß nur zu gut, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen zu dem Unter- nehmer in einem solchen Abhängigkeitsverhältnis stehen, daß sie sich seinen Wünschen nicht entgegenzustellen wagen. Nur solche Arbeiter, die ihre wirtschaftliche Lage erkannt haben, werden um Ml Uhr abends das geöffnete Gitter passieren. Jedoch man glaube nicht, daß damit die Tagesarbeit beendet ist, sondern die bei Garbaty beschäftigten Zigarettenarbeiter und-Arbeiterinnen kleben ihre Hülsen, die sie am nächsten Tage zur Anfertigung der Zigaretten gebrauchen, zu Hause. Dieses Hülsenkleben nachts zu Hause nimmt noch 2 bis 3 Stunden für jeden einzelnen Arbeiter in Anspruch. In den meisten anderen Zigarettenfabriken ist diese Ueber-Ueberarbeit schon abgestellt, d. h. die Arbeiter er- halten dort fertige Hülsen geliefert. Deutscher Tabakarbeiterverband, Zahlstelle Berlin. Hirn der frauenbewegung* Der Frauen„SiegcSzug". Vor kurzem lasen wir in der„Zeit im Wort und Bild" unter obigem Titel, daß die preußische Bahn Verwaltung eine stattliche Anzahl Frauen als Streckenarbeiter beschäftige. An diese Mitteilung war dann noch eine längere Abhandlung geknüpft, die— trotzdem man zugestehen mußte, daß die Frauen weit niedriger entlohnt werden als die Männer— dieses Eindringen der Frau in einen„neuen" Beruf als„Siegeszug" charakterisieren sollte. Diese Fruktifizierung eines Geschehnisses, das sich täglich in allen möglichen Branchen in- ähnlicher Weise vollzieht, ist bezeich- nend für die volkswirtschaftliche Auffassung des bürgerlichen Ver- fasserS jener Notiz. Gewiß ist Billigkeit, neben Gediegenheit, die beste Waffe, die man einer Ware in den Konkurrenzkampf mitgeben kann. Setzt man jedoch den Preis unter die Herstellmigskosten, spricht man im gewerblichen Leben mit Recht von einer Schmutzlonkurrcnz. Und mit Recht spricht auch die klassenbewußte Arbeiterschaft von einer Schmutzkonkurrenz, wenn das Kapital, ob privates oder staatliches, die weiblichen Arbeiter den männlichen gegenüber ausspielt. Sind doch meistens die Löhne der weiblichen Arbeiter so niedrig, daß diese, ohne einen Rückhalt in der Familie zu haben, davon keineswegs anständig leben können. Bergehoch stapelt sich der Tat- fachen Fülle, die beweist, daß der weibliche Arbeiter entweder durch seinen Verdienst nur einen Zuschuß liefert zu seinem Unterhalt— wo entweder es eine verheiratete Frau ist und der Mann Haupt- ernährer, oder wo es ein junges Mädchen ist. das bei den Eltern wohnt— oder er mutz sich mit Logis, Beköstigung, Bekleidung, Ver- gnügen auf das äutzerste einschränken, oft sogar hungern, oder er mutz, wie so oft in den Großstädten, einen Nebenerwerb in der Prostitution suchen. Unter solchen Lohnbedingungen in neue Be- rufe einzudringen, ist wahrlich nicht als„Siegcszug" der.Frau zu bezeichnen, vielmehr als Degradicrung zur S ch m u tz k o n k u r- rentin, zum Arbeiter zweiter Klasse. Unter solchen Verhältnissen leidet zunächst natürlich die Ar- beiterin selbst, die bei schlechter Ernährung,— bedingt durch den niedrigen Lohn— neben intensiver Anspannung und langer Ar- beitszeit, einen unverantwortlichen Raubbau an ihrer Arbeitskrast treibt, Gesundheit und Arbeitsfähigkeit damit frühzeitig unter- grabend. Aber die Arbeiterin ist nicht nur als selbständige Per- sönlichkeit, sie ist auch als Glied eines Ganzen, das heißt. der Arbeiterklasse zu betrachten. Als solches hat sie im persönlichen und im Klasseninteresse und da- mit im allgemeinen'Kulturinteresse dahin zu wirken, daß die Klassenlage der Arbeiterschaft gehoben wird. wird. Eine Zunahme der Frauenerwerbsarbeit unter den obigen Vor- aussetzungcn wird jedoch nicht zur Hebung, vielmehr zur Herab- drückung der Lage der Arbeiterklasse führen. Wenn irgendwo. so tritt hier, bei der Betrachtung der kapitalistisch ausgebeuteten Frauenarbcitskraft, in geradezu klassischer Form der Widersinn unserer Wirtschaftsordnung in die Erscheinung. Warum? Nun, wir wissen, daß die Frau, namentlich die verheiratete, hinausging in die Erwerbsarbcit, um ein besseres, reichlicheres Stück Brot, eine bessere Wohnung usw. erarbeiten zu helfen. Vom Kapital niedriger entlohnt als der Mann, an seine Stelle gestellt als billigere Arbeits- kraft, wird ihre Mitarbeit zu einem Mittel, ihrem eigenen Mann, den Männern ihrer Klaffe das Stück Brot aus der Hand zu schlagen. Wahrlich, eine„herrliche, göttliche Wcltordnung" l Mit Recht legen unsere Gewerkschaften daher in immer größerem Matze besonderes Gewicht darauf, die in ihrem Rekru- ticrungSgebiet beschäftigten weiblichen Arbeiter der O r g a n i- s a t i o n zuzuführen und innerhalb derselben sie zur Mitarbeit zu erziehen. Damit neben anderen wichtigen Aufgaben der Gewerk- schaften auch jene erfüllt wird, die in der Forderung ihren Aus- druck findet:„Gleichen Lohn für gleiche ArbeitI" einer, lei ob Weib, ob Mann die Arbeit leistet. Durch Erfüllung obiger Forderung, durch Einreihung der weiblichen Lohnsklaven in die Ge- werkschaften, wäre der erste Schritt getan, um die üblen Begleit- und Folgeerscheinungen der Frauenarbeit zu mildern. Als Sozialdemokratinnen wissen wir, daß diese üblen Begleit- und Folgeerscheinungen, von denen wir nur die eine herausgegriffen haben, nicht der Frauenarbeit als solcher anhaften, vielmehr eine Folge ihrer kapitalistischen Ausbeutung sind und daher auch erst verschwinden werden mit der Beseitigung des Kapitalismus durch den Sozialismus. Obgleich wir ferner wissen, daß die Frauenarbeit eine wichtige Vorbedingung für die endgültige Befreiung der Frau ist, erstens weil sie die Frau dem Mann« gegenüber wirtschaftlich unabhängig macht, dann aber auch, weil sie Millionen von Frauen aus der Enge des Hauses, des„Nuraschenputteltums", hinausführt in daS wirtschaftliche Getriebe, ihnen den Blick weitet und sie den Ideen der modernen Arbeiterbewegung zugänglicher macht. Dadurch werden sie befreit von dem bornierten Egoismus der meisten„Nurhausfrauen", um dafür sich Klassensolidarität und Bürgertugenden anzueignen. Kurz- um, sie werden eingereiht in das Heer der um Befreiung aus dem Kapitalsjoch ringenden Klassenkämpfer Obgleich wir daS alles wissen, bejubeln wir dennoch nicht jedes Eindringen der Frauenarbeit in nvue Gebiete als einen„Siegeszug", auch dann nicht, wenn gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt wird. Ist die Arbeit eine solche, daß sie den weiblichen Organismus schädigen muß, treten wir für striktes Verbot derselben ein. Wir erachten die Pflicht, die der weibliche Mensch der Gesell- schaft gegenüber zu erfüllen hat, durch Fortpflanzung und Erhaltung der Art, als eine so hoch zu bewertende, daß das kapitalistische P r o f i t i n t e r e s s e vor dem Weib- und Mutter tum unter allen Umständen Halt machen sollte. Nur die bornierteste F r a u e n r e ch t l e re i, die daS Gleichheitsprinzip mechanisch an der Elle mißt, konnte sich gegen diesen Grundsatz wenden unter der Begründung, daß darin eine Beeinträchtigung der BetätigungLmöglichkeit der Frau liege I Eine nette Betätigungsmöglichkeit, die unfehlbar daS einzigste Vermögen des weiblichen Arbeiters, seine Arbeitskraft, feine Arbeitsfähigkeit ihm raubt, indem es seine Gesundheit und die der kommenden Generation untergräbt. Heute sind wir leider noch nicht so weit, daß solch gesundheits- schädliche Arbeiten für die Frau unter allen Umständen verboten werden. Uns erscheinen zudem die Arbeiten eines Streckenarbeiters auf dem Bahnkörper, als da sind: Ausschachtungsarbeiten, das Hantieren mit den schweren Bohlen, Schienen usw. just keine derjenigen Arbeiten zu sein, die dem weiblichen Organismus besonders dien- lich wären. Also auch von diesem Gesichtswinkel aus betrachtet, böte die Beschäftigung der Frauen als Bahnarbeiter keinen Anlaß zum „jubeln". Aber das zeigt dieser Fall uns wiederum, daß, wohin wir auch blicken, überall Brachland vorhanden ist, das der Beackerung harrt, der Bestellung mit dem Samen des Sozialismus. Die Ergebnisse der Agitation, namentlich der letzten Jahre, beweisen, daß die Frauenbewegung marschiert. Sorgen wir, daß das Marschtempo ein immer schleunigeres wird. Das ist unser SiegeSzug! _ Louise Z i e tz. Ein Lob dem Frauenwahlrecht. Am 31. Mai fand im kaiserlichen Palast in Helsingfors ein Empfang der Mitglieder des außerordentlichen Landtags statt, an dem siebenhundert Personen teilnahmen. Der Generalgouvcrneur richtete an die Abgeordneten eine Ansprache, in der er sie beglückwünschte und daran erinnerte, sie hätten vom Pflichtgefühl erfüllt, zahlreiche Proben von Selbstverleugnung im Dienste des Vaterlandes gegeben, unter anderem die früheren Standesvorrechte geopfert. Die Gewährung des Wahlrechts an die Frauen fei ein Belveis für die hohe Stufe der geistigen und so- zialen Zustände des Landes, die das Ansehen der Gattin und Mutter im öffentlichen Bewußtsein auf die ihnen gebührende Stufe gehoben hätte.—_ Gencbtö- Zeitung Milde gegen einen Staatsanwalt. Im Gegensatz zu der Leichtigkeit der Annahme einer Fahr- lässigkeit von Unterbeamten, insbesondere der Eisenbahn- und Post- Verwaltung, ist die Rechtsprechung sehr milde, wenn cS sich um höhere Beamte, insbesondere um Staatsanwälte, handelt. Dies bewies auch folgender am Donnerstag vor dem Reichsgericht ver- handelter Prozeß. § 315 Absatz 1 bedroht mit ZuchihauS einen Beamten, der vor» atzlich eine Strafe vollstrecken läßt, von der er weiß, daß sie über- Haupt nicht oder nicht der Art oder dem Matze nach vollstreckt werden darf. Der zweite Absatz des Z 345 besagt:„Ist die Handlung aus Fahrlässigkeit begangen, so tritt Gefängnisstrafe oder Festungshaft bis zu einem Jahre oder Geldstrafe bis zu 000 M. ein/ Auf Grund des zweiten Absages des§ 345 wurde am 4. Juli| erklärt hatte, es sei schwer, den Respekt vor der Rechtsprechung zu Der Angeklagte verdiene diese eremplarische Strafe trok feiner 6. J. der Amtsrichter Neidert zu 3 M. Geldstrafe ver- bewahren. Des weiteren wurde in dem Artikel von den raf- bisherigen Unbescholtenheit, denn zweifellos habe er die beiden urteilt, während der Staatsanwalt Bauer III von der finiert ausgeflügelten Schuldfragen" gesprochen. Durch beide Arbeitswilligen bedroht, weil sie den 1. Mai nicht mitfeierten. gleichen Anflage freigesprochen worden ist. Der Tagelöhner Buch Artikel soll nun der Redakteur des Boltsblatt", Otto Ried. Gerade in diesem Jahre habe die Maifeier eine besondere Auswurde in Eichstädt wegen Körperverlegung zu 7 Monaten Gelinger, die genannten Geschworenen beleidigt haben. Durch dehnung angenommen. Sogar auf der Straße machte sie sich befängnis und wegen Erregung ruheftörenden Lärme zu einer Woche den letzten Artikel auch den Schwurgerichtsvorsitzenden, der die merkbar. Dem Angeklagten sei es vor allem darauf angekommen, Haft berurteilt. Auf Beranlassung des Angeklagten Bauer ver- Schuldfragen entworfen hatte und in den oben erwähnten Worten Leute in ihrer freien Ueberzeugung zu beeinflussen, die diesen fügte das Amtsgericht Ripfenberg die Abführung des Buch. Durch den Vorwurf der Rechtsbeugung erblickte. Das Landgericht Rummel" nicht mitmachen wollten, deshalb sei die ganze ein Versehen des Gerichtsschreibers Zapf wurde das Formular statt Stade hat Riedlinger seinerzeit berurteilt. Das Reichsgericht Strenge des Gesetzes gegen solche Terrorisierungsgelüfte in Anauf eine Woche auf acht Tage haft ausgefüllt. Der angeklagte hat dann das Urteil wegen eines prozessualen Verstoßes aufgehoben wendung zu bringen. Rechtsanwalt Dr. Heinemann, als Ver Staatsanwalt unterzeichnete das Schriftstück, ohne den Fehler zu und die Sache an das Landgericht Lüneburg verwiesen. Dieses teidiger des Angeklagten, fand es eigentümlich, daß der Staatsbemerken. Buch verbüßte dann diese Haftstrafe von acht Tagen, hat, wie erinnerlich, am 5. Dezember b. 3. den Angeklagten anwalt die Beeinflussung der Arbeitswilligen durch den Angeklagten also einen Tag zu viel. Zur Verbüßung der Gefängnisstrafe stellte wiederum zu zwei Monaten Gefängnis berurteilt. Zum Beweis als strafverschärfendes Moment angesehen wissen wolle, obwohl der er fich freiwillig. Staatsanwalt Bauer war verantwortlich für die dafür, daß die Geschworenen forrett gehandelt haben, werden im Herr Staatsanwalt in demselben Atemzuge die Maifeier als einen richtige Verbüßung der Strafe. Er hatte auch die Kontrolle des Urteile verschiedene Momente angeführt. Es wird u. a. gesagt, Rummel" bezeichne, trotzdem die Feier den organisierten Arbeitern richtigen Vollzuges der Strafe. Aber das Ersuchen um Vollstreckung daß die einzige Belastungszeugin, das Dienstmädchen Ulrich, in eine ernste heilige Sache sei. Der Gerichtssaal sei sicher nicht die der Strafe tam erst später an ihn zurück. Das Formular ist nicht der Hauptverhandlung vor dem Schwurgerichte( die Sache war erst Stätte, um sich in einer derartig abfälligen Weise über die Mais bon Bauer unterschrieben, sondern wie üblich vom ersten Staats- bei der Straffammer anhängig) sich der wesentlichen Tatsachen nicht feier zu äußern. Uebrigens wenn schon von Terrorismus die Rede anwalt. Zur Kontrolle des Amtsgerichts in Berechnung der Straf- mehr erinnern konnte und daß auch die Reproduktion ihrer früheren sein solle, dann sei dieser in erster Linie von denjenigen Arbeits geit hat Bauer fich nicht für befugt gehalten. Dieser Ansicht trat Aussagen durch den Untersuchungsrichter bersagte. Das Landgericht gebern verübt, die ihre Gesellen aussperrten, obwohl sie arbeiten das Landgericht bei und sprach deshalb den Angeklagten hat festgestellt, daß der Angeklagte eine Bloßstellung der genannten wollten. Er beantragte Freisprechung resp. Anrechnung der UnterBauer frei.- Gegen die Freisprechung des Staatsanwalts Personen beabsichtigte und die Geschworenen an den Pranger stellen suchungshaft. hatte die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt. Zur Be- wollte. Berechtigte Interessen habe er nicht wahrgenommen; die anwalts entsprechend auf zwei Monate Gefängnis. Die Das Gericht erkannte dem Antrage des Staatsgründung wurde ausgeführt: Die Mitteilung der Berechnung der Absicht der Beleidigung ergebe sich bei dem zweiten Artikel schon Untersuchungshaft wurde nicht angerechnet. Ebenfalls wurde Strafe war nicht verlangt worden. Wäre der angeklagte Staats- aus dem gewählten Ton. Gegen das neue Urteil rügte die der Antrag auf Haftentlassung abgelehnt, weil anwalt seiner Pflicht nachgekommen, so hätte er die falsche Be- tevision des Angeklagten Verkennung des§ 193 Str. G. B. der Angeklagte Ausländer und als solcher fluchtverdächtig sei. In rechnung bemerkt. Das Reichsgericht erkannte auf Ber- und verwies darauf, daß doch die Frauen, welche an der erwähnten der Urteilsbegründung wurde diese Maßregel mitsamt dem werfung der Revision. Versammlung teilgenommen haben, berechtigte Interessen wahr- egorbitanten Strafmaß noch besonders damit begründet, daß der genommen hätten und daß Berichte über diese Versammlung in Angeklagte durch seine Handlung als Ausländer das deutsche bürgerlichen Blättern unbeanstandelt geblieben seien. Mit Rüd- Gastrecht schwer gemißbraucht habe. Gegen das Urteil ist ficht auf die tatsächlichen Feststellungen, welche einen Rechtsirrtum felbstverständlich Beschwerde und Berufung eingelegt. Wenn nicht erkennen ließen, berwarf jedoch das Reichsgericht die das deutsche Gastrecht von ausländischen Streitbrechern Revision. gemißbraucht wird, träht allerdings kein Hahn danach. Bestrafung wegen Kritik eines ungerechten Urteils. Das Reichsgericht verwarf gestern die Revision des Genossen Ried. linger, Redakteurs des„ Voltsblatt" für Sarburg. Er hatte die ungeheuerliche Freisprechung von vier jungen Kaufleuten fritisiert, welche beschuldigt waren, während einer Kahnfahrt bei Blankenese ein fünfzehnjähriges Dienstmädchen nacheinander ge waltsam gemißbraucht zu haben. Das Mädchen soll während der mit ihr vorgenommenen Handlungen ohnmächtig geworden und in Siechtum verfallen sein. Das„ Boltsblatt" für Harburg hatte nun am 16. Januar 1905 aus dem Hamburger Echo" einen Artikel abgebrudt, in welchem es hieß, die bürgerlichen Geschworenen hätten es fertig gebracht, ein Nichtschuldig auszusprechen; ihre Namen verdienten die weiteste Verbreitung, es feien die Herren( folgen die Namen mit genauer Angabe von Beruf und Wohnung). Arbeiter, so hieß es weiter, die man als Geschworene nicht zulasse, würden nie und nimmer ein solches Urteil gefällt haben. Ob wohl die Altonaer Geschworenen auch auf nichtschuldig erkannt hätten, wenn bier Arbeiter eine Kaufmanns- oder Fabrikantentochter vergewaltigt hätten. In einem zweiten am 9. Februar 1905 vom Harburger Volksblatt" beröffentlichten Artikel wurde über die Boltsversammlung berichtet, in welcher jenes Schwurgerichtsurteil besprochen wurde und in welcher Fräulein Dr. Anita Augspurg Für den Inhalt der Juferate übernimmt die Nedaktion dem Publitum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, 2. Juni. Anfang 7, Uhr: Theater des Westens ( Station Zoolog. Garten), Kantstr. 12. Sonnabend geschlossen. Sonntag nachm. 3Uhr, halbe Preise: Der Waffenschmied. Abends 8 Uhr: Der Zigeunerbaron. Boltstüml. Preise. Montag nachm. 3 Uhr, halbe Breise. Der Troubadour. Abends 8 Uhr: Die Fledermaus. Volkstümliche Preise. Opernhaus. Der Ring des Ribe Neues kgl. Operntheater lungen. Götterdämmerung.( Anfang 6 Uhr.) Schauspielhaus. Nathan der Weise. Neues Operntheater. Unbestimmt. Deutsches. Der Kaufmann von Benedig. Neues. Orpheus in der Unterwelt. Anfang 8 Uhr: Westen. Geschlossen. Schiller 0.( Wallner Theater.) Jugendliebe. Hierauf: Die Dienstboten. Schiller N.( Friedrich Wilhelm. städtisches Theater). Das Lumpengefindel. Leffing. Das Lebensfest. Kleines. Ein idealer Gatte. Berliner. Die lustige Witwe. Komische Oper. zählungen. Hoffmanns ErResidenz. Geschlossen. Bentral. Nanon. ( Kroll). Anfang 7 Uhr. Heute: Gastspiel Werner Alberti: Der Troubadour.. Sonntag: Gastsp. Bella Alten u. Lotte Schloß: Die Fledermaus. Montag: Gastspiel Lotte Schloß: Boccaccio. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und Invalidendank. Komische Oper. Sommerspielzeit 1906. Hoffmanns Erzählungen. Sommerpreise. ( Keine Vorverkaufsgebühr.) Anfang 8 Uhr. Lustspielhaus. Das Feft ber Sand. Lustspielhaus. werker. Borher: Die Verlobung bei der Laterne. Trianon. Geschloffen. Thalia. Hochparterre links. Metropol. Auf ins Metropol. Deutsch Amerikanisches. Mädchen. Arme Apollo. Das blaue Bild. Spezialitäten. Carl Weiß. Der Weg des Martyrers. Das Fest der Handwerker. Vorher: Die Verlobung bei der Laterne. Deutsch- Amerikanisches Theater. Köpenickerstr. 67/68. Zum 36. Male Hanja. Das Wunderkind. Familie Arme Mädchen." Bernstein. Belle- Alliance. Abends nach Neune. Wintergarten. Tortajada. Speziali täten. Passage. Willy Prager. Speziali täten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Von Adolf Philipp. Anfang 8 Uhr 15. E Apollo- Theater. Heute: Abends 8 Uhr: Der jüngste Aus Debuts der neuen Spezialitäten! bruch des Besub. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. 11. a.: MiB Carma, Transf.- Tänzerin. Dazu: Das blaue Bild von Ferdinand Bonns Paul Lincke. Prolongiert: Humpstiv. Berliner Theater. Bumsti, ausgeführt p. Recé u. Privest. Gastsp. des Neuen Operetten- Theaters aus Hamburg( Direttor Mar Monti). Sonnabend: Prolongiert: Ein Abend in einem amerikanischen Tingel- Tangel. ProIongiert: La Matschiche, merikanischer Tanz, Solo: Annette Savary. Die lustige Witwe. Metropol- Theater Bfingftsonntag, Pfingstmontag und folgende Lage: Die lustige Witwe. Anfang 8 Uhr. Neues Theater. Orpheus in der Unterwelt. Anfang 7 Uhr. Kleines Theater. Anfang 8 Uhr. Ein idealer Gatte. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Unverschämte. Hierauf: Hille Bobbe. Abends 8 Uhr: Ein idealer Gatte. Zentral- Theater. ( Operette). 8 Uhr: Nanon. Anfang 8 Uhr. Auf- in's Metropol! Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen überall gestattet. Prater- Theater Kastanien- Allee 7/9. Täglich: Amor von heute. Wehling, Humor. Varadi- Duett. Derrington- Family, Stunftrad fabrer. Livèrs, Drahtseil. Die Einbrecher von New York, Bant. The Piccad. Konzert. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Platz 50 Pf. Der 1. Mai ein strafverschärfendes Moment. Witterungsübersicht vom 1. Juni 1906, morgens 8 the. Vor dem Schöffengericht II hatte sich am Mittwoch der ungarische Schlosser Körösi megen tätlicher Beleidigung und Bedrohung Arbeitswilliger in Verbindung mit§ 153 der Gewerbeordnung zu verantworten. Es ergab sich folgender Sachverhalt: Stationen Anläßlich des jüngsten partiellen Schlofferstreits hatte auch ein Teil der Meister ihre Gesellen ausgesperrt, darunter auch der Meister Gaebel. Für die Ausgesperrten suchte er dann unorganisierte Arbeitswillige. Es fanden sich auch zwei solcher nüßlichen Elemente ein. Zu diesen sagte der Angeklagte am 1. Mai: Wißt Ihr nicht, daß hier Streit ist?" Es tam darauf zum Wortwechsel, in dessen Verlauf der Ungar die beiden Arbeitswilligen anstieß. Die Sache kam zur Anzeige und hatte am 12. Mai die Abführung des Verbrechers" in Untersuchungshaft zur Folge. Er saß also am Verhandlungstage schon seit rund 3 Wochen in Haft. Der Staatsanwalt, ein Assessor, beantragte für die Freveltat des Angeklagten 2 Monate Gefängnis unter folgender Begründung: " Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friebr.- Wilh. Th.) Sonnabend, abends 8Uhr: Sonnabend, abends 8 Uhr: Jugendliebe. Luftspiel von Adolf Wilbrandt. Hierauf: Die Dienstboten. Lustspiel von Roderich Benedig. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Romeo und Julia. Sonntag, abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Montag, nach m. 3 Uhr: Don Carlos. Montag, abends 8 Uhr: Zwei glückliche Tage. Das Lumpengesindel. Tragikomödie in 3 Aufzügen von Ernst v. Bolzogen. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Hofgunst. Sonntag, abends 8 15 r: Flachsmann als Erzieher. Montag, nach m. 3 Uhr: Der Veilchenfresser. Montag, abends 8 Uhr: Das Lumpengesindel. Im Garten tägl. gr. Militär- Konzert. astans Panoptikum Ca Friedrichstraße 165, Schreckenskammer! Berliner Allerlei. 1888* Volkstümliche Musik- und Gesangsvorträge usw. erstklassiger Künstler von nachmittags 6 Uhr an. 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Zentral- Verband der Handels-, Transportund Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin I. Gewerkschaftshaus. Engel- Ufer 15 II, Zimmer 13-17. Telephon: Arbeitsnachweis Amt IV, 3348. Bureau Amt IV, 4747. Morgen, Sonntag, 3. Juni 1906( 1. Pfingstfeiertag) in der Brauerei Friedrichshain vorm. Lipps, Am Königstor: Früh- Konzert ausgeführt von der 30 Mann starken Kapelle des Neuen Berliner Konzert- Orchesters, unter Leitung des Herrn Rudolf Tietz, unter Mitwirkung des Gesangvereins ,, MännerChor der Berliner Handels- und Transport- Arbeiter" ( M. d. A.-S.-B.) unter Leitung des Hrn. Kummer. Bei ungünstiger Witterung findet Konzert und Gesang im großen Saale statt. Kassenöffnung 4 Uhr. Konzertanfang früh 5 Uhr, Programm am Eingang gratis. Billett im Vorverkauf 20 Pf., an der Kasse 25 Pf. Die Kaffeeküche steht von 5 Uhr an zur Verfügung. 1 Lt. 80, 1, 40 Pf. Kaffee auch in Portionskannen. Um zahlreiche Beteiligung bittet Das Komitee. Arbeiter- Radfahrer- Bund Solidarität“ Gau 9. Zehdenick Allen Bekannten und Kollegen die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter Antonie Funke geb. Sieke am 31. Mat, vormittags 21 Uhr, verstorben ist. Karl Funke nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuten Nirdorfer Kirch hofes am Mariendorfer Weg 1463L aus statt. en Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines Mannes, unseres Vaters, sagen wir allen unseren tiefgefühlten Dank, insbesondere den Chefs und den Kollegen der Firma Koch u. Co. sowie der Freien Vereinigung der Musikinstrumenten- Arbeiter Deutschlands und dem Anglerverein„ Bleifinfe". 14612 Die trauernden Hinterbliebenen: Berta Höpfner nebst Kindern. Dobersteins Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Polierer Max Piper am 31. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. Juni, nachmittags um 4 Uhr, bon der Leichenballe des Martus Kirchhofes in Wil helmsberg aus statt Um rege Beteiligung ersucht 86/16 Die Ortsverwaltung. Deutscher Senefelder- Bund Todes- Anzeige. Am 30. Mai 1906 verstarb unser Mitglied, der Steinschleifer Wilhelm Kretzner im Alter von 70 Jahren. Ehre seinem Andenten! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. Juni, abends 6 Uhr, von der Halle des Heilig. 281/15 Cristall- Palast, Streus- Stirchhofes in Marienbor Prinzenstr. 94. Taglish: Gesellschafts- Abend. Entree und Garderobe frei. Jeden Donnerstag u. Sonnabend Damen- Verein. Jeben Sonnabend: Extra- Ball. Früh- Konzert. Lade zum 1. Pfingstfeiertag Freunde und Bekannte ein. Entree frei. Kiefholz- ut. Buderst.- Ecke Anton Seidler, int. b. Berbinder links. Spreeschloß Friedrichshagen, Seestr. 1 am Wasser Inhaber Georg Schereiks. Vereinen, Gewerkschaften empfehle mein Lokal. 13852* aus statt. Segelklub„ Fraternitas" Hierdurch die traurige Nachricht, daß am Mittwoch, den 30. Mai, nachmittags unser Mitglied und Sportgenosse Friedrich Röder plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 2. Pfingstfeiertag, nachmittags 3 Uhr, auf dem Kirchhof der Markus- und Andreasgemeinde in Wilhelmsberg statt. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. A A DampferExtra- Fahrten Am 1. Feiertag. 1. Promenadenfahrten nach dem Müggel- und Langen See. Abfahrt 52 Uhr früh. Hin und zurüd 50 Pf. 2. Nach Neue Mühle und Woltersdorfer Schleuse. Abfahrt 9 Uhr bormittags. Hin und zurück 1,00 M. 3. Nach Krampenburg. Abfahrt 2, Uhr nachmittags. Einfache Fahrt 50 Pf. Am 2. Feiertag. Nach Teupit Tornows Jdyll. Abfahrt 7 Uhr vormittags. Hin und zurüd 2,00 M. Gan 9. 1. 2. Nach Nene Mühle und Woltersdorfer Schleuse. Abfahrt 9 Uhr bormittags. Hin und zurüd 1,00. Pfingst- Gaufahrt nach Zehdenick. Am 3. Feiertag. Sommer- Theater. redit rege an ber fart zu beteiligen. Wir haben teine Wühe und 1. Nach Woltersdorfer Schleuſe. Abfahrt& Uhr vormittags, bin und Paul Schwarz' Sommer- Theater. Lichtenberg, Dorfstraße 25/26. 1. n. 2. fingit Großes Früh- Konzert u. Früh- Vorstellung. An feiertag: Wir bitten die Sportgenossen, da hier alle Vorbereitungen getroffen, Opfer gescheut, den Genossen den Aufenthalt in unserer Stadt angenehm zu gestalten und wünschen, daß jedem die Lenkstange versagt und nicht folgt, falls er eine andere Tour steuern wollte. 13/ 12* Drum rufen wir in den Gau 9 hinaus: Auf nach Zehdenick"! Frisch auf! Das Komitee. en ben bert Beier: Große Gala- Spezialitäten- Vorstellung Deutscher Holzarbeiter- Verband. tagen nachmittags: Mme. Bellverte mit ihren Riesen- Bären. Anfang 4 Uhr. Großer Festball. Anfang 4 Uhr. Kaffeeküche. Kegelbahnen. Volksbelustigungen. Täglich: Konzert, Spezialitäten- Vorstellung, Ball. Eröffnung der Markgrafensäle mit Reftaurant, Kegelbahnen und Garten Markgrafendamm 34 XXX Inhaber: Nathanael Theefs. Biere: Berliner Bockbrauerei, Original Pilsener und Siechen. Weine erster Häuser. Vorzügliche Küche. im großen Saale am zweiten und dritten Feiertag: Achtung! Modelltischler! Achtung! Ausflug am 3. Pfingstfeiertage bon Tegel nach Spandau. Treffpunkt: 8 1hr früh bei Schmidt, Gartenstr. 6. Nachzügler in Tegel bei Geelhaas, Berlinerstr. 92. TeBrows Volksgarten, Hackenfelde- Spandau ( Inh.: Hermann Steinebach). 86/15 Größtes und beſtes Sommerlokal von Spandau. Am 1. und 2. Pfingstfeiertag von 4 Uhr ab: Großes Früh- Konzert. 2. zurüd 75 Bf., und 2, Uhr nachmittags. Hin und zurück 50 Pf. Nach Nene Mühle. Abfahrt 9 Uhr vormittags. Hin und zurück 75 Pf. Abfahrt in Berlin an der Stralauerbrücke, Ecke Waisenbrücke, ab Café Alfen 4 Stunde später. H. Herker, Schlesischestr. 10/11 2. Rahnt, Stralau, Tunnelstr. 34 Teleph. Amt 4, 6718. Teleph. Amt 7, 580. Reederei A Kahnt& Hertzer, A An der Stralauerbrücke 1. Am 1., 2. und 3. Pfingstfeiertage: Große Extra- Dampferfahrt mit Musik nach dem herrlich am ( art). 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Juni 1906. * leider ein störender Fehler stehen. Es heißt dort, daß der KaffenZur Richtigstellung: Im Geschäftsbericht des Vorstandes blieb bestand in der Berichtsperiode um 1 Bf. pro Stopf gestiegen sei. Es handelt sich hier um den separaten Kassenbestand der Verbandszahlstellen. * In der Nachmittagsfißung wurde ein Schlußantrag Schandfleck für die Arbeiterbewegung." Im Schlußwort bittet Die Vertreter der einzelnen Organisationen Bürger, der richtigen Taktik" auch die nötigen Mittel zu ver sprachen noch. Regien beschäftigt sich mit den gegen die Auf- schaffen. Die Resolution wird angenommen. Seit einem Jahrzehnt stehen wir im ernsten Kampf um fassung der Generalfommission erhobenen Einwänden: Die Ge- leber Generalfommission und Gewerkschaftskongreß" spricht die Erringung eines besseren Arbeiterschutzes bei Bauten. Die be- meindearbeiter haben es bislang an dem erforderlichen Entgegen- Mohs. Er stellt fest, daß nach dem Ergebnis der bisherigen scheidenen äußeren Erfolge, welche durch den Erlaß von behördlichen kommen fehlen lassen. Der frühere Verbandsvorsitzende Boersch Debatten teine Beranlassung vorliege, hier besondere Verhandlungen Schutzvorschriften usw. zu dokumentieren sind, haben auf dem Ge- hat am 17. Juni 1904 rundweg abgelehnt, eine Verständigung zu pflegen. Das Verhältnis zwischen Verband und Generalbiete des Unfallschutzes nur in sehr bescheidener Art eingewirkt. mit den anderen Organisationen zu schaffen! Diese ist aber um kommission bleibe, wie es bisher war. Delegierte zum nächsten Und gerade hierbei machen wir die Wahrnehmung, daß jeder mini- so nötiger, weil sie ein ganz neues Organisationsprinzip aufstellt. Gewerkschaftstongreß werden noch nicht gewählt, es wird lediglich male Rückgang der baugewerblichen Unfallzahlen für die Behörden Es ist eine ganz neue Organisationsform, die sich hier bei Ihnen bestimmt, daß ein Vertreter des Verbandsvorstandes und drei und Unternehmer als Argumente benutzt werden, den weiteren Aus- zeigt, und notwendigerweise müssen hier Differenzen entstehen. Delegierte, bei wichtigen Fragen eventuell deren sechs, bestimmt bau des Arbeiterschutzes zu verschleppen oder abzulehnen. Die Es müssen die Grenzen für die einzelnen Organisationsgebiete ab- werden. Hierauf Schluß der Sizung. Unternehmerorganisationen, und hier besonders der Arbeitgeber gesteckt werden, damit eine erfolgreiche Agitation überhaupt möglich bund des Baugewerbes", haben in den letzten Jahren mit Hochdruck ist. Die Dentschrift ist nicht nur Boerschs Werk, sondern sie hat verstanden, die gesetzgebenden Faktoren durch Petitionen und andere dem gesamten Vorstand und auch dem Ausschuß des Verbandes vor Machinationen zu beeinflussen. Ganz besonders richtet sich die Be- der Veröffentlichung vorgelegen. Der Verband ist also offiziell wegung der Unternehmer gegen unsere Forderung in betreff der für die Broschüre verantwortlich zu machen. Gegenüber den Dar Bauarbeiterkontrolleure und des reichsgesetzlichen Bauarbeiter- legungen des Bertreters von Holland ist zu sagen, daß die ver= schutes". Mit frivoler unverfrorenheit wird von den Unternehmern hältnismäßig junge Organisation noch gar nicht so weit gediehen in den Eingaben an die Behörden der Standpunkt vertreten, daß ist, um Grenzstreitigkeiten überhaupt zu haben. In Frankreich die Arbeiter durch Leichtsinn und Gleichgültigkeit selbst die Unfälle ist eine nennenswerte Organisation leider nicht vorhanden. Die herbeiführen und so auch selbst schuld an dem Bestehen der Miß- dortigen Verhältnisse können auf Deutschland gar nicht anstände auf Bauten sind. Zu alledem hat ein Teil der Bundesregie- gewendet werden. In den Ländern mit gut entwickelten Organirungen unter dem Hinweis auf die zu erwartende reichsgefeßliche ſationen wird man immer diese Tendenz der Abgrenzung finden, Regelung des Bauarbeiterschubes ein behördliches Eingreifen vor- wie sie sich in Deutschland zeigt. Zwischen Ihnen und den derhand abgelehnt, und andererseits sehen wir, daß die übrigen differierenden Organisationen muß ein freundschaftliches Verhält= Regierungen sich wenig bemühen, ihren Schuhvorschriften eine wahrnis eintreten. Sind Sie gewillt, hieran mitzuarbeiten, so wird nehmbare Wirkung zu verschaffen. Wenn nun auch hiernach eine der Frieden sicher wieder herzustellen sein." solche oberflächliche Darstellung der Unfallursachen wenig Beachtung den Vorwurf, die Broschüre von Poersch ausdrücklich gebilligt zu Im Schlußwort verteidigt Mohs die Vorstandsbeamten gegen verdient, so darf doch nicht verkannt werden, daß die Unternehmer haben. Zum Schluß erklärt Mohs:„ Entweder wir halten die einen bedeutenden Einfluß auf die Gestaltung dieser Gesetzgebung zur Geltung bringen können. Um so mehr dürfen wir uns dieser Resolution von 1904 aufrecht und scheiden aus der GeneralGinsicht nicht verschließen, wo wir an der Hand der Erfahrungen fommission aus, oder wir sorgen dafür, daß die Dinge sich so gewiffen, welche Folgen ein derartiges Vorgehen der Unternehmer stalten, daß ein Zusammenarbeiten möglich ist. Wer sich über die für die Lebensverhältnisse der Arbeiter haben muß. Um nun dem Lage der Gemeindearbeiter klar ist, der zweifelt nicht daran, daß entgegenzutreten, hat die Zentralfommission beschlossen: eine all- fie ohne die Hülfe der übrigen Arbeiterschaft nicht auskommen gemeine außerordentliche Erhebung über die Mißstände bei den fönnen. Vernünftige Ueberlegung fann hier nicht im Zweifel fein, Bauten in betreff des Unfall- und sittlich- sanitären Schuhe, in der nach welcher Richtung unser Marsch führt." Beit Mit 61 gegen 2 Stimmen wird( bei namentlicher Abstimmung) folgende Resolution angenommen: vom 15. bis 30. Juni dieses Jahres durchzuführen. Die zu diesem Zwecke benötigten Fragebogen werden ben der Zentralfommission unentgeltlich geliefert; desgleichen die Formulare zur Zusammenstellung des Erhebungsresultats. Diese Kontrolle wird in der gewissenhaftesten Art durchgeführt werden müssen, um so mehr wo das Resultat von seiten der Zentralfom= mission in einer übersichtlichen Darstellung der Reichsregierung, den Regierungen der Bundesstaaten und den höheren Verwaltungsbehörden zur Kenntnisnahme übermittelt werden soll. Aber ganz besonders wird es die Aufgabe der Lokalkommissionen und Vertrauenspersonen sein müssen, die behördlichen Bauten zum Gegenstand von Erhebungen zu machen. Die über alles standalösen Borgänge der letzten Jahre bei diesen Betrieben und hier im Vordergrund bei den Bauten von Eisenkonstruktionen( Eisenbahnhallen usw.) erfordern ein derartiges Vorgehen. Es wird hierbei auch zu beachten sein, inwieweit durch den Mangel an Menschenschutz in diesen Betrieben eine Gefahr für den Personen- und Bahnverkehr festzustellen ist. Die ausführenden Unternehmer dieser Submissionsarbeiten, die so durchweg dem„ Eisen- und Stahlsyndikat" angehören, glauben zum Vorteil ihres Profites ein unbeschränktes Monopol zum willfürlichen Verbrauch von Arbeiter- Leben und Gesundheit zu befizen. Dem entgegenzutreten, betrachtet die Zentralfommission als ihre ernste Aufgabe. Arbeitsgenossen! Ueberzeugt von der Bedeutung und dem Wert dieses Vorgehens, werdet Ihr den an Euch gestellten Anforde rungen trop aller Anfeindung der Unternehmer Rechnung tragen. Um die Weiterentwickelung des Arbeiterschutzes im Baugewerbe frei zu machen von berufsgenossenschaftlicher Bevormundung und Unternehmeranmaßung bedarf es immer wieder unseres tatkräftigen Eingreifens und unermüdlicher Arbeit. Im Erfolg liegt der Lohn und Die Anerkennung. Die besseren Arbeitsverhältnisse werden dazu beitragen, das Leben der Arbeiter mit mehr Daseinsfreudigkeit zu erfüllen; das überhaupt muß das unverrückbare Ziel der Bauarbeiterschutzbewegung sein! Hamburg, im Mai 1906. Mit Gruß " Die in städtischen resp. staatlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter und Unterangestellten können ihre wirtschaftlichen Interessen nur durch eine gemeinsame Betriebsorganisation wahren, nicht aber durch Anschluß an die einzelnen Berufsorganisationen. Wollten die einzeln in Frage kommenden Kategorien sich den beruflichen Verbänden anschließen, so würde dies eine erhebliche Schwächung der gemeinsamen Kraft bedeuten und fast jede einheitliche gewerkschaftliche Aktion unmöglich machen. Aus diesen Gründen heraus kann für die städtischen Arbeiter und Unterangestellten nur die gemeinsame Betriebsorganisation in Frage kommen. Daher muß der Verband der in Gemeinde- und Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter und Unterangestellten für sich das Recht in Anspruch nehmen, die zuständige Organisation für die in Gemeinde- und Staatsbetrieben beschäftigten Personen zu sein. In den Fällen jedoch, wo andere berufliche Verbände eine annehmbare Organisation für städtische resp. staatliche Arbeiter geschaffen haben und insoweit ältere Rechte besigen, wird unser Verband diese Rechte respektieren und auf die Zugehörigkeit der fraglichen Personen zu demselben verzichten. Mohs. Fünfter Tag. Es wird die Beratung des Statuts vorgenommen. Dittmer referiert für die Statutenberatungskommission. The die Debatte beginnt, schildert der Vertreter von Dänemark die statutarische Grundlage seiner Organisation. In der General debatte, die die Vormittagssigung auss füllt, spricht eine Reihe von Rednern zu den Vorschlägen des Vorstandes und der Statutenberatungskommission. Der Vorstand will Beitrag von 20 auf 40 Pf. pro Woche erhöht werden soll. Die eine zweiklassige Erwerbslosenunterstützung einführen, wobei der Kommission reduziert den Beitrag auf 35 Bf., während sie die Erwerbslofenunterstüßung in einer( wesentlich reduzierten) laffe beibehalten will. Von den Diskussionsrednern wird darauf hingewiesen, daß die Unterstüßungseinführung nicht so leicht sei wegen der vielfach bestehenden kommunalen Versicherungseinrich tungen. Verschiedentlich taucht der Vorschlag auf, dies auf lokaler Grundlage zu tun. Es ist bemerkenswert, daß die norddeutschen Delegierten fast durchweg für einen hohen Beitrag eintraten zur Schaffung eines Kampffonds, während die süddeutschen gegen eine Erhöhung des Beitrages um mehr als 50 Proz.( also auf 30 Bf.) Abneigung zeigen. Nachmittags machen die Delegierten eine Rheinfahrt mit Ertradampfer nach Aßmannshausen. debatte. Morgen beginnt die Spezial--W Vermischtes. leber ein größeres Schiffsunglück in der Elbemündung wird aus Kurhaven gedrahtet: Der Fischfutter H. F. 152" meldet, daß die legte Nacht beim zweiten Feuerschiff ein Schiffszusammenstoß statt gefunden habe. Von dem Fischdampfer aus wurden Mannschaften gesehen, die Koitwesten anhatten und nach der Nordsee trieben. Es war nicht möglich, die Leute, deren Schiff jedenfalls gesunken ist, zu retten. Zwei Rettungsboote des Feuerschiffes, sowie Schlepper von Rughaven find zur Rettung der Schiffbrüchigen ausgelaufen. Nach einer späteren Meldung find die zusammengestoßenen Schiffe der Geestemünder Schoner Vorwärts" und der Altonaer Fischdampfer Diana". Der letztere ist gesunken, ihr Kapitän und der Maschinist fonnten sich retten. Acht Mann werden vermißt. " Vom einem Güterzug totgequetscht wurde gestern nacht auf dem Mit diesen Organisationen sind entsprechende Kartellverträge Magdeburg, ein Vater von fünf Kindern. Der Zug, den er be Güterbahnhof zu Brandenburg a. H. der Schaffner Jordan aus abzuschließen und eventuelle Differenzen auf diesem Gebiete durch gegenseitige Verhandlungen der in Frage stehenden gleitete, hatte rangiert und wollte eben weiter fahren, als Jordan Korporationen auszugleichen." in der Dunkelheit auf ein Trittbrett sprang. Hierbei sprang er fehl, die Gaubeamten angewiesen werden, mit den übrigen Gewertrm unter Angenommen wird noch eine Resolution Altvater, wonach weil er nicht genügend Halt fand, fiel herab und kam mit einem Räder, während er mit dem Kopf gegen das Geschaften in ihrem Bezirke stetige Fühlung zu halten. Weiter findet länder der hier über den Jakobsgraben führenden Eisenbahnbrücke folgende Resolution Annahme: geschleudert wurde. Eine arge Duetschung am Kopf führte seinen " Die Verbandsfunktionäre sowie die Mitglieder unseres Ver- fofortigen Tod herbei, außerdem wurde dem Aermsten der Brust bandes find verpflichtet, überall da, wo Berufs- oder Industrie- tasten eingedrückt und ein Arm zerquetscht. Man brachte Jordan zwar arbeiter in städtischen Betrieben beschäftigt sind, darauf hinzu- noch nach dem Krankenhaus, wo man aber nur seinen Tod wirken, daß der Minimallohnsab derselben fonstatieren konnte. nicht unter demjenigen der betr. Arbeiter in Von einem schweren Brandunglück ist das Dorf Plaffeien bei den Privatbetrieben steht." Busader. Freiburg in der Schweiz betroffen worden. Das Dorf ist vollständig zerstört. Zweiundvierzig Häuser sind eingeäschert und fünfzig Familien obdachlos. Bei den Brande haben zwei Personen schwere Verlegungen davongetragen. Ueber die Ursache des Unglücks wird berichtet: Von der Bäckerei in Ried waren beim Backen Funken auf zehn andere Häuser in Brand. Ein gewaltiger Südweststurm trieb die Flammen von Ried nach dem 700 Meter entfernten Plaffeien. Die Kirche, die Post, zwei Gasthöfe und das Standesamt sind mit verbrannt. Die Bewohner konnten nur Vieh, sowie einiges Mobiliar retten. Die Zentralfommission für Bauarbeiterschuh. Ueber unsere Tattit" referiert Bürger. Er legt die 3. Efftinge, Maurer. H. Tönnies, Maurer. D. Friedrich, Unterschiede dar zwischen den Arbeitsbedingungen der GemeindeBimmerer. A. Schönfelder, Zimmerer. A. Tobler, Maler. arbeiter und denen der privaten Arbeiter. Die taktischen VerH. Wentler, Maler. D. Werner, Töpfer. H. Homann, Töpfer. schiedenheiten, die hieraus entspringen, werden vielfach mißverCh. Odenthal, Stuffateur. J. Sittenfeld, Stuffateur. G. Behrendt, standen. Als Leitfäße der Taftit beantragt Redner folgende das Schindeldach eines Hauses geflogen, dadurch gerieten dies und Bauhülfsarbeiter. G. Mohn, Bauhülfsarbeiter. 3. Seifert, Resolution: Eteinbildhauer. E. Kühne, Steinmez. N. Dalchow, Glaser. F. Scheller, Tischler. G. Färber, Dachdecker. H. Behr, Dachdecker. A. Brüggmann, Klempner. D. Franz, Klempner. G. Schütt, Steinseher. NB. Alle Briefe und Sendungen usw. für die Zentralfommission find an G. Heinke, Hamburg 7, Besenbinderhof 56, 2. Gt., zu richten. 4. Generalversammlung des Verbandes städtischer Arbeiter. Mainz, 30. Mai. „ Für die Tattit unseres Verbandes follen die Verbandsstatuten, das Verbandsprogramm sowie die Beschlüsse des Verbandstages in den verschiedenen Fragen maßgebend sein. Der Verbandstag erklärt ausdrücklich, daß er sich auf den Boden der in den der Generalfommission angeschlossenen Gewerkschaften geltenden Grundsähe stellt. Die sozialen Forderungen des Gemeindearbeiterverbandes werden von dem Gesichtspunkte aus aufgestellt, daß die Lohnund Arbeitsverhältnisse in den städtischen und staatlichen Betrieben nicht nach tapitalistischen, sondern nach sozialen Grundjäzen zu gestalten sind. Von diesem Gesichtspunkte aus hebt der Verbandstag die Resolution der Beamten- Konferenz vom Mai 1904 auf." Bürger. Die Resolution bon 1904, auf welche hier Bezug genommen wird, verlangt, daß die Gemeindearbeiter in einer gemeinsamen Betriebsorganisation sich zusammenschließen sollen. Der Verband betrachtet sich nach der Resolution bon 1904 als die allein zu ständige Organisation für alle in Gemeinde- und Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter. Mo bereits andere Organisationen bestehen, sollen die älteren Rechte respektiert werden. Unwetterschäden. Nordhausen, 1. Juni. Ein furchtbares Gewitter entlub sich gestern abend und heute nacht über das Helmetal. In Uthleben wurden zahlreiche massive Gebäude durch eine Windhose zerstört. Der Kirchturm wurde in der Mitte abgebrochen. Fast alle Dächer find abgedeckt. Die Obsternte ist völlig vernichtet. Roburg, 1. Juni. Ein gewaltiger nur wenige Minuten andauernder, von Gewittern begleiteter Drtan richtete gestern abend in Koburg und Umgegend großen Schaden an. Hunderte entwurzelter Bäume hindern den Verkehr auf einzelnen Straßen. Die Telephonleitungen sind zerstört. In Neuses stürzte der große Schornstein einer Fabrit um; das Pfarr- und Schulhaus wurde abgedeckt. Bierter Tag. Die Debatte über die Frage der Grenzstreitigkeiten wird fort gefeßt. Dittmer Berlin lehnt jede Verantwortung für die Dentschrift des Verbandsvorstandes ab, Meißner glaubt, daß die Grenzstreitigkeiten meist durch die Beamten hervorgerufen werden, wogegen sich Schäfer Köln wendet. Im weiteren gehen Wollenbruch mit Hagelschlag und Wirbelsturm vernichtete WefteichsMagdeburg, 1. Juni. Ein fürchterliches Unwetter, ein verschiedene Redner auf Einzelheiten ein, und wiederholt wird dem feld. Gebäude wurden umgerissen, Bäume find entwurzelt. Der Verband der Fabritarbeiter der Vorwurf gemacht, sich gleichfalls Schaden beträgt über 100 000 2. nicht an die Resolution der Vorstände betreffend der Grenz regulierung" zu halten. Bürger betont, daß man durch Frankfurt a. M. Ein orfanartiger Sturm hat hier in den Schönberg- Hamburg erklärt, auch jetzt noch ziemlich auf Anlagen viele Bäume entwnrzelt. Namentlich hat der Sturm Drohungen die Gemeindearbeiter nicht einschüchtern könne; sie dem Boden der vielfach angegriffenen Broschüre zu stehen. Zur in der Hanauer Gegend würden troß alledem ihre einmal eingeschlagenen Wege gehen. Frage des Streits erklärt der Redner, daß die Broschüre feineswegs umgerissen und bei Dörnigheim Hunderte von Obstbäumen start gewütet, Telegraphenleitungen Der Vertreter der dänischen Gemeindearbeiter gibt der An- den Streif verdamme, jedoch hervorhebe, daß den Gemeindearbeitern zerstört. schauung Ausdruck, daß die hier, gepflogenen Debatten sich um eine verschiedene Pressionsmittel zur Verfügung stehen, die anderen hausen arg gehaust, Schuppen abgedeckt und Der Wirbelsturm hat auch im Bahnhof GelnKinderkrankheit der Organisation drehen. Es sei atveifellos richtig, Gewerkschaften fehlen. Dies wird in der Broschüre den Tatsachen wagen aus dem Gleis gehoben. Weitere Hiobebotschaften kommen drei Güterdaß die gelernten Gemeindearbeiter sich ihren jeweiligen Fach entsprechend gewürdigt. Schäfer Berlin führt u. a. aus, daß aus Taunus, Wetterau, Rheinhessen und Niedgegend. Das Getreide, organisationen anschließen. Deshalb sei einheitliche Taktik doch auch die Gemeindearbeiter seitens der sozialdemokratischen Ge- namentlich der Roggen, hat durch die anhaltenden Regengüsse start möglich. Alleinstehend könnten die Gemeindearbeiter nicht allzu meindevertreter nicht immer die wünschenswerte Unterstüßung er gelitten. viel erreichen. Die übrigen Arbeiter müssen als Wähler fahren. Mohs steht auf dem Standpunkte, eine Ablehnung des hinter uns stehen. Wo dies fehle, gehe es uns wohl nicht sonderlich Streits sei ein Unding; auch die Gemeindearbeiter seien nicht sicher Ein Erdbeben. Heidelberg, 1. Juni. Heute früh wurde von gut. Im Gegensaz hierzu erklärt der Vertreter der Nieder vor der Notwendigkeit, Streits zu führen. In den letzten zwei dem Seismographen der Sternwarte auf dem Königsstuhl ein sehr lande, daß die einheitliche Zusammenfassung der Gemeinde- Jahren habe sich im Verbande mancherlei geändert. Die Dinge fernes mittelstartes Erdbeben registriert, welches um 6 Uhr 27 Min. arbeiter notwendig sei. Die gleichmäßige Anstellungsart, die eigen haben sich vielerorts so zugespißt, daß es begreiflich werde, wenn begann und 6 Uhr 48 Min. das Maximum erreichte. tümliche Form, die der Verkehr mit den Behörden mit sich bringe, dieser Verbandstag einen Kampffonds schaffen solle. Darin liege erheische auch eine geschlossene Organisation. Denselben Gedanken der befte Ausdruck für die obwaltende Richtung. Kein gewaltsames, gang bringt auch der Vertreter von Frankreich zum Ausdruck. sondern ein erlaubtes, häufig notwendiges Mittel sei der Streik. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 3. Juni cr., vormittags Crispin Königsberg übt Kritik an den Mißgriffen des Vor- Eine Reihe von Rednern wendet sich gegen die den Streit 10% Uhr in der Schulaula, Kleine Frankfurterstr. 6: Festvortrag, gehalten standes. Die Streitigkeiten müssen aus der Welt geschafft werden. verwerfende Tattit. Vielfach wird erklärt, daß mit der Taktit tag) in demselben Lokale: Vortrag von Frl. Ida Altmann über: Des von Herrn Professor Dr. A. Gehrke. Montag, den 4. Juni( 2. FeierDadurch solle keineswegs gesagt werden, daß der Gemeindearbeiter- Broschüre die Mitglieder über den Röffel barbiert wurden, wie heiligen Geistes Werte. verband sich allem zu fügen hat, was von außen her diktiert wird. überhaupt der Vorstand scharf kritisiert wird. Herren und Damen als Gäste sehr willCrispin hält tommen. „ Es ist nicht sonderlich verföhnlich, was die Vertreter der einzelnen die Tattit- Broschüre für derart wirr und tonfus, daß man nicht Sozialdemokratischer Verein für den Wahlkreis Brieg Gewerkschaften gestern ausführten, und wir müssen an dem wisse, was man damit anfangen solle. Die Mitglieder könne man Namslau.( Ortsverein Berlin.) Sonntag nach dem Monatsersten Ber Brinzip festhalten, daß alle Arbeiter, die bei Gemeinden beschäftigt mit solchem Zeug nicht schulen, sondern man müsse ihnen das not fammlung bei Emil Strumbein, Berlin, Stalizerstr. 22, nachmittags 6 Uhr. find, auch in den gemeinsamen Gemeindearbeiterverband gehören. wendige Klaffenbewußtsein beibringen. Es sei doch sicher das Achtung! Lungenkranke! Nachdem der Zusammenschluß der Ver Dies ist recht wohl vereinbar mit dem fonfequenten Standpunt Allerverkehrteste, gegen hartnädige Stadtverwaltungen mit dem eine ehemaliger Belziger, Gütergoßer, Görbersdorfer usw. zu einem Bunde des freien Arbeiters. Nicht dittieren soll man, sondern auf Staßenbudel zu kommen. Als aufrechte Männer treten wir auf und Anfragen an den Vorsitzenden Herrn Paul Hennig, Berlin C., Linienzivecks Bekämpfung der Tuberkulose nunmehr vollzogen ist, sind Zuschristen dem Boden der Gleichberechtigung arbeiten. Wo der größte Erfolg und erzielen sichere Erfolge. Mit der Broschüre aber wird die straße 104, Geldsendungen an den Kassierer Herrn May Neumann, Berlin für die Arbeiter wintt, werden dieselben sich organisieren. mutige Sampfitimmung eritidt, ie, die Broschüre bildet einen ISO., Gifenbahnstr. 17 III, zu richten. Vereinigung der Maler, Lackierer, Anstreicher. Filiale Berlin. Das Bureau der Vereinigung befindet sich vom 7. Juni 1906 ab: Melchior- Straße 28, parterre. Fernsprecher Amt 4, Nr. 4787. Alle Sachen für die Verwaltung, Erfundigungen sowie Beschwerden gegen den Lohntarif sind vom 7. Juni ab nur an obenstehende Adresse zu richten. Das Bureau ist geöffnet von 8-1 Uhr vormittags und von 3-7 Uhr nachmittags. Wegen des Umzuges bleibt das Bureau am 6. Juni geschloffen. 125/6 Achtung! Die Ortsverwaltung. Achtung! Metallarheiter Deutschlands! Alle Anfragen über den neu gegründeten Deutschen MetallarbeiterBerband( Siz Berlin) find an die Adressen der Kollegen Berlin N., Karl Wiesenthal, derstraße 123, und Rixdorf, Karl Ashölter, Renterstraße 52, 81 richten. 127/1 Die Arbeiterpresse Deutschlands wird um Abdruck gebeten. An obige Adressen sind auch für die Zukunft die Anfragen und die Bestellungen von Werkstattbesprechungen der Rohrleger und Helfer Berlins und Umgegend zu richten. Die ausgeschaltete Agitationskommission ber Rohrleger und Helfer Berlins und Umgegend. Arbeiter- RadfahrerVerein Courier 1900 Berlin ( Mitgl. des Arb.- Radf.Bundes ,, Freiheit"). 3. Juni( 1. Feiertag), vorm. 5 Uhr, nach Buckow( Märkische Schweiz). 4. Juni( 2. Feiertag), borm 5 Uhr, nach Kalkberge- Rüdersdorf. Beide Starts: Landsberger Platz. 5. Juni( 3. Feiertag), 1 Uhr, nach Seddin- See. Start: Schlesische Brücke. nachm. 10. Juni, vorm. 6 Uhr, nach Wendisch Buchholz. Nachm. 2 Uhr nach Ostend. 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Der Aktionsausschuß der Partei sowohl wie die Berliner Gewerkschaftskommission haben den Boykott über diejenigen Geschäfte erklärt, welche die Forderungen der Gehülfen nicht bewilligen. Parteigenossen, macht Euch diesen Beschluß zu eigen! Achtet streng auf die Kontrollkarte! Andernfalls meidet die Geschäfte, welche die Forderungen der Gehülfen nicht anerkennen. Folgende Geschäfte haben bewilligt: N. Barbier- und Friseur Genossenschaft " Boran", Banfftr. 32d. Kleeß, Exerzierstr. 11. Leonhardt, 21a. Pöthte, Drontheimerstr. 5. Hohmann, Prinzen- Allee 11. Hübner, 26. Bod, Soldinerstr. 10. Kirsch, 26. Graff, 66. Dtte, Stettinerstr. 39. Kolberg, Grünthalerstr. 11. Willmann, Hochstr. 46. Lasch, Neue Hochstr. 16. Barczynski, Neue Hochstr. 25. Schent, Wiesenstr. 19a. Heinrich, Scheringstr. 12. Borges, Kolbergerstr. 12. Krause, 30. Führbach, Grenzstr. 6. Engel, Gerichtstr. 19. Freihube, 46. Bape, 80. Lange, Weddingstr. 1a. 8. Mary, Boi, Ruheplatstr. 18. Schwanebed, Hochstädterstr. 26. Groch, Fennstr. 48. Flöter, 52. Stappe, Gartenstr. 54. Mohr, Hussitenstr. 45. Lorenz, Usedomstr. 9. Schimming, Wattstr. 18. Ebel, Stralsunderstr. 51. Schobert, Schröderstr. 7. Bankle, Bernauerstr. 43. Stunze, 49. Wirth, Brunnenstr. 92. Sellner, Ramlerstr. 16. Dahlke, 33. Lowad, Putbuserstr. 2. Beiste, 19. Hoffmann, Putbuserstr. 46. Beccard, 47a. Borowski, Ruppinerstr. 24. Ahl, Binetaplah 8. Stier, Fürstenbergerstr. 11. Balm, Bollinerstr. 7. Reimann, 31. Frenzel, Kremmenerstr. 14. Lehmann, Schwedterstr. 48. Goede, Korsörerstr. 12. Berkner, Zionskirchstr. 49. Reihe, Berlichingenstr. 6. Freinid, Buttligstr. 12. Leupold, Wiclefftr. 21. Voigt, Jagowstr. 22. v. Zeddelmann, Wilhelmshavenerft.65. Schleif, Perlebergerstr. 39. Wecke, 42. Markowski, Reuchlinstr. 7. Friedeberg, Lehrterstr. 45. Nordosten. Schrolle, Landwehrstr. 3. Bacharsti, Höchstestr. 41. Rittenbach, Straußbergerstr. 7. Schubert, 35. Liez, Lippehnerstr. 29. Vogel, Liezmannstr. 35. Schröder, Linienſtr. 6. Corbeer, Gormannſtr. 12. 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Opfer des Straßenverkehrs. Berlin, Stettiner Bahnhof,( 6.35 vorm.) in Freienwalde a. D. 3wei Kinder sind gestern nachmittag in der Skalizer. schon 8.06 vorm. eintrifft und auf diese Weise noch den Anschlußstraße, Ecke der Wrangelstraße, überfahren und schwer verletzt an den daselbst 8.09 vorm. abgehenden Personenzug Nr. 464 nach worden. Gegen 3 Uhr lief der neunjährige Schüler Hermann Oderberg i. Mark erreicht. Die an den Anschlagsäulen demnächst Fischer dicht vor einem langsam fahrenden Rollwagen über den Das Lotal Brauerei Groterjan"( Inhaber Ernst erscheinenden Plakate werden danach berichtigt sein. Stein) Schönhauser Allee 130, steht nunmehr der Fürstenberg an den 9.45 vorm. Fahrdamm und rannte gegen eine in der gleichen Richtung Der Zug Nr. 266, Fürstenberg- Templin, der in fahrende Automobildroschke. Der Knabe stürzte und fiel so unArbeiterschaft zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. Schnellzug Nr. 18 anschließt, fährt, im Interesse der Besucher des Kraftwagens geriet und das Hinderrad ihm über das Gesicht Fürstenberg an den 9.45 vorm. von Berlin abgehenden glücklich, daß er mit dem Kopf zwischen Vorder- und Hinterrad In Klein Besten( Kreis Teltow- Beeskow) ist das Lokal des der Heilstätte Hohenly chen, von Lychen bereits 11.49 vorm. hinwegging. F. wurde der Unterkiefer zerschmettert, das NasenGastwirts August Buran frei geworden. Das Lokal„ Waldpart"( Inh. Hermann Michelmann, Schmar- sodann sogleich nach Lychen zurückbefördert und von dort in seinem bem an dem Unfall keinerlei Schuld beigemessen wird, brachte den ab, um in Hohenlhchen 11.54 vorm. einzutreffen. Dieser Bug wird bein gebrochen und die Schädeldecke eingedrückt. Der Chauffeur, gendorf, Hubertusbaderstr. 2-6, steht der organisierten Arbeiter- bisherigen Fahrplan nach Templin weitergeführt. Ferner wird Knaben nach der Rettungswache am Görlizer Bahnhof und von chaft nicht zur Verfügung. Trotz wiederholter Verhandlungen mit der vom 16. Juni bis 14. September verkehrende Schnellzug dort nach dem Krankenhause Bethanien. Gegen 6 Uhr lief der genanntem Herren erklärte derselbe zum Schluß, daß er uns nicht Nr. 39, ab Berlin, Stettiner Bahnhof, 6.40 nachm. nach fiebenjährige Karl Bente beim Spielen mit anderen Knaben gegen brauche. Wir ersuchen daher die Parteigenossen, dies genau zu Heringsdorf, auch in Usedom( 9.38 nachm.) zum Aussteigen einen die Kreuzung der obengenannten Straßenzüge in Schritt Grünau. Frei sind: Wendenschloß, Mandt Karolinenhof, befahrenden, vollbeladenen Rollwagen, dessen rechtes Vorderrad Gravelotte. Verkehrslolale: J. Franz„ Zur grünen Ecke", Köpe- Fünfminutenbetrieb auf der Wannseebahn. Während der großen über den linken Fuß des Kleinen hinwegging. Das Kind, welches niderstr. 88 und Duchauffour, Köpnickerstr. 79. Alle anderen Lokale landwirtschaftlichen Ausstellung in Schöneberg- Friedenau, die vom eine Bersplitterung der Zehenknochen erlitten hatte, wurde ebengesperrt. 16. bis 19. d. M. stattfindet, wird die Eisenbahndirektion auf der falls nach dem Krankenhause Bethanien gebracht. Wannseebahn für die Strede Berlin- Steglitz einen besonderen Ein tödlicher Straßenbahnunfall ereignete sich Fahrplan aufstellen. Es wird ein Fünfminutenverkehr eingerichtet, gestern nachmittag gegen 4 Uhr an der Ecke der Turm- und OttoAle um dem zu erwartenden großen Andrang der Ausstellungsbesucher straße. Gin vierjähriger Knabe, dessen Personalien noch nicht festgerecht zu werden. Da die Station Friedenau keine Rangiergleise gestellt worden sind, lief zur genannten Zeit über den Fahrdamm Alle Vereine usw., welche Ausflüge nach dem Spreewald unter- für das Umleiten der einlaufenden Züge befißt, werden die Trains und betrat unmittelbar hinter einem Lastwagen das Straßenbahnnehmen wollen, weisen wir besonders darauf hin, daß in Lübbenau bis Steglitz berkehren. Der Fünfminutenverkehr wird von vor gleis, auf welchem der Motorwagen Nr. 2252 der Straßenbahnunferen Parteigenossen und Gewerkschaften fein einziges Lokal zu mittags 9 bis abends 9 Uhr aufrecht erhalten werden. linie 9 herannahte. Der Führer des Kraftwagens konnte das Kind Versammlungen zur Verfügung steht. Die Inhaber dieser Lokalierst wahrnehmen, als es, hinter dem Lastwagen hervorkommend, täten( besonders der Wirt Baumgart, Schwarzer Adler") motivieren Frühverkehr an den Pfingstfeiertagen auf der Straßenbahn. sich unmittelbar vor der Vorderplattform befand. Er gab zwar ihr eigentümliches Verhalten damit, daß ihnen bei Hergabe der um dem bei schönem Wetter anläßlich der Frühkonzerte zu er- fofort Gefahrbremse, konnte aber trotzdem nicht verhindern, daß Lokalitäten die Besucher des Spreewaldes aus Berlin usw. fern- wartenden starken Verkehr in den frühen Morgenstunden der der Knabe niedergestoßen wurde und unter den Wagen geriet. Pfingstfeiertage Rechnung zu tragen, haben die Große Berliner Der Körper des Kleinen wurde unter dem Schußrahmen feftDie Verkehrslokale sind: Stadt Berlin und Linde. Außerdem Straßenbahn, die Westliche Berliner Vorortbahn und die Berlin- geklemmt und konnte erst, nachdem der Waggon angehoben worden erteilt jede gewünschte Auskunft gern, auch in Kahnfahrt- Angelegen- Sie verkehren in Abständen von 15 Minuten von folgenden Zeiten Moabit gebracht, wo es kurz nach seiner Einlieferung an den Charlottenburger Straßenbahn folgende Frühwagen borgesehen. war, befreit werden. Das Kind wurde nach dem Krankenhause heiten, Genosse Richard Joachim, Bildhauer, Bergstr. 168. an: 1 Stadtring, 34 Kreuzberg- Gesundbrunnen, 74 Schöneberg- Folgen innerer Verlegungen verstarb. Königstor die ganze Nacht; 3 ab Belle- Alliancestraße über Kottbuser Ein aufregender Straßenbahnunfall trug sich gestern ab Görlizer Bahnhof 4,12; Tor 4,22; 7 ab Rirdorf 5,13, ab Moabit 5,06; 11 ab Moabit 4,52, nachmittag in der Kastanien- Allee zu. Beim Ueberschreiten des 10 Minuten; 23E ab Gesundbrunnen 5,45; 25 ab Tegel 5,30, ab mann aus der Danzigerstr. 73 an den vorüberfahrenden Motor 13 ab tottbuser Tor 5,10 alle Fahrdammes war der 58 Jahre alte Steuererheber Richard WaldCharlottenstraße 6,04; 36E ab Bankower Anee 5,10, ab Inselstraße wagen Nr. 2330 der Linie 51 herangetreten, wurde umgerissen und 6,00; 47E ab Schönhauser Tor 5,00; 57 ab Nieder- Schönhausen zu Boden geschleudert. Unglücklicherweise kam W. unter das Tritt4,48, ab Martin Lutherstraße 4,56; 61E ab Weißensee 5,01, ab brett zu liegen und wurde eine Strecke mitgeschleift. Leipziger Plaz 5,51; 62E ab Rennbahnstraße 5,00, ab Alexander- Straßenbahnwagen zum Halten gebracht worden war, versuchte plak 5,30; 63E ab Danzigerstraße 5,30; 64 ab Landsberger Allee man vergeblich, W. aus seiner qualvollen Lage zwischen Trittbrett 5,07, ab Nollendorfplat 5,28; 66E ab Lichtenberg 4,30, ab Kleine und Straßendamm zu befreien. Erst nachdem durch etwa Frankfurterstraße 5,00; 78E ab Frankfurter Allee, Ringbahnhof 30 Männer der schwere Motorwaggon vorn etwas hoch gehoben 4,50, ab Zoologischer Garten 5,50; 82 ab Ringbahnhof Treptow worden war, konnte W. hervorgezogen werden. Der Bedauerns4,07, ab Zoologischer Garten 5,00; 84E ab Spittelmarkt 4,17; werte hatte inzwischen schwere Quetschungen des Brustkastens, zahl 89E ab Hallesches Tor nach Treptow 4,35, ab Treptow nach reiche Hautabschürfungen und anscheinend auch innere Ver Wilmersdorf 5,09; 98 ab Görlizer Bahnhof bis Zoologischer Garten lebungen erlitten. Er wurde nach der nahen Rettungswache ge4,15, ab Amtsgericht bis Zoologischer Garten 5,00; A ab Link- bracht und erhielt dort die erste Hülfe. straße nach Hundefehle 5,17, ab Halensee 4,35; D ab Steglitz von 4,54 bis 5,54 alle 20 Minuten, dann alle 10 Minuten, ab Zoologischer Garten von 5,42 bis 6,42 alle 20 Minuten, dann alle bleiben würden. Die Lotaltommission. Bezirk Waidmannsluft. Die zu Sonnabend, den 2. Juni 1906, fällige Mitgliederversammlung des Wahlvereins fällt der Feiertage wegen aus. Die nächste Mitgliederversammlung findet am Sonnabend, den 9. Juni, abends 8%, Uhr, in Waidmannsluft im Schweizerhäuschen statt. Gleichzeitig jei noch auf das am 2. Feiertage stattfindende Frühkonzert im Schweizerhäuschen aufmerksam gemacht. Die Genossen werden ersucht, mit den erhaltenen Billetts beim Frühkonzert abzurechnen. Die an diesem Tage nicht abgerechneten Billetts gelten als verkauft. Berliner Nachrichten. Die bedrängte Kirche! Diebstahl im Zeughause. Als der Die Kreissynoden beschäftigen sich eine nach der anderen mit der Massenflucht aus der Kirche. 10 Minuten; F ab Steglitz 4,47, ab Bahnhof Zoologischer Garten verübt worden. Aus dem Zeughause ist gestern nacht ein Ordens- Diebstahl Auf der Kreissynode Berlin Stadt I haben die Herren 5,18 alle 20 Minuten; N ab Straßenbahnhof 5,05, ab KupferPastoren und ihre Getreuen sich die Frage vorgelegt, ob die graben 5,48 alle 10 Minuten; P ab Straßenbahnhof bis Lübow- Wilhelms I. mit Brillanten im Werte von 40 000 M. Es handelt sich bei dem Diebstahl um zwei Orden Kaiser naufhaltsame Zunahme der Austrittserklärungen, die sie plab 4,50, ab Lüßomplag bis Spandauer Bod 5,18, ab Straßen- gangenen Nacht sah ein Posten auf einem Rundgang um das Haus In der ber jekt erleben, zurückzuführen sei auf die Agitation der Sozial- bahnhof bis Dönhoffplay 5,08, ab Dönhoffplak bis Spandauer aus einem Fenster des Obergeschosses einen Strid auf die Straße an demokraten oder auf die eigene Schuld der Kirche. Bod 6,00; Qab Wilhelmplak 4,38, ab Stettiner Bahnhof 5,29; der Wafferſeite herabhängen. Er machte Meldung, und alsbald Es fand sich da ein Pastor, der offen die Meinung aus V ab Wilhelmplatz 4,16, ab Pappel- Allee 5,07. wurde ein großer Diebstahl festgestellt. Der sofort in Kenntnis gesetzte cach, auch die Stirche selber sei nicht ganz ohne Schuld. Sommerfahrplan auf der Oberspree. Der Sommerplan für Kommandant des Zeughauses Generalleutnant à la suite der Armee hm erwiderte ein anderer mit einer bitteren Klage über den die Sterndampfer auf der Oberspree fommt am Pfingstfonntag v. Usedom berichtete über den Vorfall, den Befund und die Maßregeln zur Haß gegen die Kirche, dem er in den Reihen der zur Einführung. Die Dampfer gehen dann täglich von der Ermittelnng des Diebes an den Kaiser. Die Kriminalpolizei nahm noch Sozialdemokraten begegnet sei. Er sprach von seinen Jannowißbrücke nach Grünau 8,30, 10,30, 12,30 und von 2 bis in der Nacht die Feststellungen und Ermittelungen auf. Der Dieb erschütternden Erfahrungen" über die Verwüstungen", die 7,30 halbstündlich. Sonntags gibt es außerdem Dampfer 9,30, hat mit einem neuen Meißel die Säften Nr. 23 und 24 auf der da angerichtet würden. So weit gehe es sogar, daß von 11,30, 1,30 und 8,00 abends. Von der Hochbahnhaltestelle Schlesi- westlichen Seite erbrochen und daraus den Großherrlich türkischen Sozialdemokraten die Beteiligung an Begräbnissen von Ge- Dampfer, die zwischen 1% und 6½ je ½ nach Voll gehen, legen Orden affiliierte goldene Medaille entwendet. Dann ging er in Sozialdemokraten die Beteiligung an Begräbnissen von Ge- sches Tor gehen die Dampfer je eine Biertelstunde später. Die Nischan Imtiaz- Orden mit Brillanten und die dem Imtiaznossen versagt werde, wenn dabei ein Pastor mitwirke. im Spreeschloß, Tabberts Waldschloß und Wilhelminenhof nicht demselben Geschoß nach dem Kuppelbau der Herrscherhalle, nahm " wenn Dieser andere Redner war der Pastor Pfeiffer von an. Von Köpenick nach Grünau gibt es außerdem einen Dampfer das in die Marmorwandung an der Nordseite eingelassen Düppelder Auferstehungsgemeinde derselbe Pfeiffer, den vor zwei 8,56 früh. Von Grünau nach Schmöckwit verkehren Dampfer von Relief bom 18. April 1864 heraus, gelangte durch einen Jahren der Vorwärts" als Trostspender am 9,23 morgens bis 8,23 abends stündlich. Die Dampfer ab Jannowitz- meterbreiten Spalt, den das Bronzerelief berdeckt hatte, zu Grabe" geschildert hat. Am Ende hat der Herr Pastor es brüde 8,30, 10,30, 12,30, 2,30, 4,30 und 6,30 haben in Köpenick An- einem Fenster an der Wasserseite, knotete einen 10 Meter sich gefallen lassen müssen, daß Arbeiter und Arbeiterfrauen, schluß nach dem Müggelsee. Die Rückfahrt von Schmödwiß nach langen neuen Hanfftrick an einer Kramme fest und ließ sich die aus der Kirchengemeinschaft ausscheiden wollten und die Grünau erfolgt erstmals morgens 7,40. Von 9,15 morgens bis durch das Fenster auf die Straße hinab, wahrscheinlich zu er deshalb mit einem Bittgang beehrte, ihn an jene Affäre 9,15 abends gehen die Dampfer stündlich. Sonntags hat der letzte einer Beit, in der ein starter Regenfall fein Unternehmen Dampfer Anschluß nach Berlin, Werktags der Dampfer ab begünstigte. Die Kriminalpolizei richtete ihr Augenmerk zu erinnerten? Wenn er nicht mit Blindheit geschlagen wäre, so Schmödwik 8,15. Von Grünau gehen Dampfer nach Berlin Werk- nächst auf die Herkunft des Meißels und des Strickes, um hätte er gerade an diesem einen Beispiel erkennen können, wie tags 10,30, 12,30, 2,30 und von 4 bis 9,30 halbstündlich. Sonn- dadurch einen Anhalt für die Ermittelung des des ruchlosen fehr manche Bastoren dazu beitragen, die Massen über die tags gehen außerdem Dampfer um 11,30, 1, 30, 3,30 und 10,00 Verbrechers zu finden. Für diejenigen, die durch zweckKirche aufzuflären. abends. Von Grünau nach Köpenid gibt es außerdem einen dienliche Mitteilungen zu seiner Ergreifung beitragen, setzt der PolizeiEin starkes Stück ist es, daß die Pastoren anderen Dampfer 8,25 früh. Die Dampfer ab Grünau 1,30, 3,30, 4,30, präsident eine Belohnung von 1000 m. aus. Das Großkreuz des Leuten den Vorwurf der Und uldsamkeit machen wollen. 5,30, 6,30, 7,30, 8,30 und 9,30 legen in Wilhelminenhof, Tabberts gestohlenen Drdens, das auf der Brust getragen wird, ist von Gold. Sie jammern, daß Sozialdemokraten sich an Begräbnissen Waldschloß und Spreeschloß nicht an. Auch Sadowa wird von Es enthält auf dem Strahlenmuster, durch glatte und matte Stellen sogar von Genossen einigen der Dampfer ausgelassen. nicht beteiligen wollen, hervorgebracht, einen achtstrahligen Stern auf grünem Email mit ein Pastor mitwirkt. Ja, haben denn diese Prediger der Liebe Der Lokalanzeiger hat den Abonnementspreis von 1 M. pro grünem Schild, die vier Arme des Kreuzes und vier Halbmonde ebenvergessen, wie erst die Unduldsamkeit der Stirche und ihrer Monat auf 1,10 9. erhöht. Die Erhöhung wird begründet mit ben falls in grünem Email. Inmitten des Schildes steht in Gold der NamensDiener dazu geführt hat, daß Sozialdemokraten in beständiger Steigerung begriffenen Material-, Herstellungs- und zug des Großherrn, des Sultans. Das Schild ist umgeben von einem Vertriebskosten des Blattes. aus 16 in goldgefaßten Brillanten hergestellten Ringe. Zwischen möglichst darauf berzichten, mit einem Pastor zuden einzelnen Strahlen des Sternes befinden sich Blattpflanzensammen an eine offene Gruft zu treten? Wenn Die neue Polizeiverordnung betreffend den Verkauf von Wein verzierungen, die ebenfalls aus goldgefaßten Brillanten bestehen. rotscheue Pastoren nicht dulden wollen, daß wir Sozial- und Bier vom Faß über die Straße wird soeben amtlich veröffent- Um den Hals getragen wird ein ebensolcher, nur kleinerer Stern demokraten einem verstorbenen Mitkämpfer die letzte Ehre in Baragraphen, welcher den Gast- und Schankwirten an Sonn 18 fleinen Brillanten. Die Blattpflanzenverzierungen zwischen den licht und tritt damit in Kraft. Sie besteht nur aus einem von Gold. Bei gleichem Mittelschild besteht hier der Ring aus der Form erweisen, die uns recht ist, nun so bleibt uns nur und Festtagen übrig, die Hinterbliebenen samt ihrem unentbehrlichen Pastor bestimmten Stunden den Verkauf von Wein und Bier vom Verzierung von grünem Email, am oberen Strahl des Sternes ein außerhalb der für den Hauptgottesdienst Strahlen fehlen. An dem Brillantkreuz befindet sich eine bandartige unter sich zu lassen. Faß über die Straße unbeschränkt gestattet. Jeder Halbmond mit fünfzadigem Stern in grünem Email, darüber eine Die Pastoren sprechen von Haß der Sozialdemokratie andere Verkauf über die Straße unterliegt hingegen den beschrän- goldene Dese, durch die das rotgrüne Band gezogen wird. gegen die Kirche". Soll die Sozialdemokratie vielleicht Liebe tenden Bestimmungen über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe; empfinden zu der modern christlichen Kirche, die ausgenommen ist nur die Lieferung zubereiteter Speisen aus den Der Wasserstand der Spree und Havel, der infolge der sich in den Dienst der besigenden und herr- Küchen der Gast- und Schankwirtschaften in fremde Häuser, welche Trodenheit im Mai bedenklich gefallen war, hat in den letten schenden Klasse gestellt hat? Die Kirche wird heute von unter den Gewerbetrieb der Köche fällt und daher ebenfalls ge- Tagen, besonders nach dem starten Gewitterregen, einen um diese Zeit ungewöhnlich hohen Stand erreicht. Stellenweise sind beide der Arbeiterklasse ganz so behandelt, wie sie's verdient. Die ſtattet ist. Bewegung, die da in Fluß gekommen ist, läßt sich nicht mehr firche ist gestern abend der italienische Schriftsteller Barbaro San schwemmt. Die Sorge der Schiffahrttreibenden auf Erschwerung Schwerer Automobilunfall. An der Kaiser Wilhelm- Gedächtnis- Flüsse aus ihren Ufern getreten und haben Niederungen überaufhalten. Georgino, Potsdamerstraße 56 wohnhaft, bei einem Automobilunfall oder Einstellung der Schiffahrt wegen zu geringen Wasserstandes Die Zunahme der böswilligen Alarmierungen der Feuerwehren vom Kurfürstendamm in die Rantestraße zu kommen und ging zu Schwer verletzt worden. G. freuzte den Augusta Vittoriaplaß, um ist geschwunden. Aus Agentenkreisen wird uns in bezug auf unsere Notiz über in Groß- Berlin hat dazu geführt, die Prämien für die Feststellung dicht an einer entgegenkommenden Automobildroschte vorüber. Dem die falschen Versicherungsagenten mitgeteilt, daß in einer Reihe der Täter zu erhöhen. Berlin zahlt jezt eine Prämie von 30 W. Chauffeur war es nicht mehr möglich, das Auto rechtzeitig anzuhalten von Fällen eine Anzahlung auf Versicherungsabschlüsse geleistet Trotzdem gelang es nur in 13 Fällen, die Täter zu ermitteln und und G. wurde umgeriffen und überfahren. Auf der nahen Unfall- werden müsse; das sei den Agenten in ihrer Instruktion von den zur Bestrafung zu bringen. Ein Möbelpolier M., der mehreremal station am Zoologischen Garten erhielt der Verunglückte, welcher Gesellschaften direkt vorgeschrieben. Von den reellen Versicherungsdie Wehr alarmiert hatte, erhielt 6 Monat Gefängnis, der Haus- einen schweren Unterschenkelbruch, gefährliche Kopfwunden und an- gesellschaften würden nur Leute von gutem Ruf angestellt und mit diener A., der Bruder eines braven Feuermannes, wurde mit sechs scheinend auch innere Berlegungen erlitten hatte, die erste Hülfe und Legitimationstarten versehen, die bei der Entlassung wieder zurückWochen Haft bestraft. Mehrere Wochen Gefängnis erhielten der sodann wurde er dem Krankenhause in Westend zugeführt. gegeben werden müßten. Jeder Antragsteller kann sich die Möbelpolier B., der Arbeiter E. und der Zimmermann K. und er# hebliche Geldstrafen eventuell Gefängnis bezw. Haft ein Hausdiener Schwerer Straßenbahnzusammenstoß. Am Nollendorfplab er- Regitimation vorlegen lassen. Aufnahmen in die Lebensversicherung S., ein Handelsmann 23., ein Kutscher Ct., ein Schlächter B. und folgte gestern abend 8 Uhr ein schwerer Zusammenstoß zwischen feien fostenfrei, auch bei Feuerversicherung stehe es frei, Aufein Arbeiter Sch. Wegen einer ganzen Reihe von Fällen schwebt letzt wurden. Unmittelbar unter der Hochbahn, und zwar im Zuge licher Versicherung, Eisenbahn- und Dampfschiffbersicherung würden awei Straßenbahnwagen, wobei verschiedene Personen bernahmegebühren zu erheben. Bei Antragstellung von lebensläng das gerichtliche Verfahren noch. der Maaßenstraße, befchreibt die Straßenbahn eine scharfe Sturbe, zwei Monatsbeiträge und 1 M. Stempelgebühr erhoben. Natürlich Die städtischen Bureaus und Kaffen werden am Sonnabend bei der schon wiederholt Wagen aus dem Gleise sprangen. Gestern weichen bei den verschiedenen Gesellschaften die Bestimmungen mittags um 1 Uhr für den öffentlichen Verkehr geschlossen. abend flog nun ein Anhänger der Linie 91 an dieser Stelle in hiervon erheblich ab. demselben Augenblick aus dem Gleise, als aus entgegenkommender Wir nehmen von diesen uns gemachten Mitteilungen um so Eine Sitzung der Stadtverordnetenversammlung findet in nächster Richtung ein anderer Gleftrischer bahertam. G8 erfolgte ein lieber Notiz, als uns wohl bekannt ist, daß auch unter den Ver heftiger Zusammenstoß, wobei das Dach des Anhängers vollständig ficherungsagenten zahlreiche Leute tätig sind, die in reeller Weise Fahrplanänderungen auf der Berlin- Stettiner Bahn. Für das abgebedt wurde. Zufällig war es ein Sommerwagen ohne Fenster, ihrer Tätigkeit nachgehen und mit den Schwindlern in diesem Be die Sonntags- Sonderzüge nach Biesenthal, Eberswalde, so daß die Fahrgäste wenigstens nicht durch Glassplitter beschädigt rufe nichts zu tun haben wollen. Freienwalde usw. benutzende Publikum dürfte die Nachricht von wurden. Immerhin aber wurden verschiedene von ihnen durch Interesse sein, daß der Sonntags- Sonderzug Nr. 455 be Holzsplitter perlebt; einige trugen auch Berstauchungen davon. Woche nicht statt. Nicht unbedenklich vericht wurde der Feldwebel Charles Frederik Guillaume Chartron der Berliner Feuerwehr. Bei der Aufstellung von Fahrzeugen in der Zimmerstratze wurde Chartron von einem Privatfuhrwerk von hinten überfahren. Von der Deichsel getroffen, stürzte der Mann aufs Pflaster und mutzte sich in ärztliche Behandlung begeben. Zeugengesuch. Diejenigen, die am Montag, den 14. Mai er., zwischen 2— 2V« Uhr nachmittags, Augenzeugen des Stratzenbahn- Unfalles an der Ecke der Leipziger- und Jerusalemerstratze gewesen sind, werden gebeten, ihre Adressen dem Verlegten, Kürschnermeistcr Klas, Jmmanuelkirchstr. 3t, mitteilen zu wollen. Feuer in einer Versicherungsgesellschaft. Ein umfangreicher Brand kam gestern(Freitag) nachmittag S Uhr in der Behren- stratzc 60/61, und zwar in einem Papicrlagerkellcr der Preutzischen Lebens- und Garantieversicherungs-Aktiengescllschaft„Friedrich Wilhelm" zum Ausbruch. Als der 19. Löschzug eintraf, drang dichter Rauch aus den Kellerfenstern. Brandmeister Sandberg lietz mit einer Schlauchleitung vorgehen. Es dauerte über eine Stunde, bevor das Feuer vollständig gelöscht war, da bei der enormen Oualmentwickelung die Sappeure nur mit grotzer Schwierigkeit an den eigentlichen Brandherd gelangen konnten. Ucber die Entstehungsursache ist noch nichts ermittelt. Auf der„Treptow Sternwarte" spricht Herr Direktor Archenhold am 1. Pfingstfeiertag, Sonntag, den 3. Juni, nachmittags 5 Uhr in einem mit zahlreichen Lichtbildern ausgestatteten Vortrag über „Unser Wissen vom Erdinnern und Erdbeben", um 7 Uhr über „Ein Tag auf dem Monde". Am 2. Feiertag, Montag, den 4. Juni, nachmittags 5 Uhr wird unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder „Die Bewohnbarkeit der Welten" und abends 7 Uhr„Saturn und sein Ringsystem" behandelt. Mit dem großen Fernrohr wird während der ganzen Woche von 2—7 Uhr die„Sonne" oder„VenuS", von 7— S'/i Uhr„Fixstern" und von 8'/4 resp. S'/a der„Mond" beobachtet. Arbeiter-Bildungsschule. Ersten Pfingstfeiertag Ausflug nach Voigts Krampenburg. Abfahrt Bahnhof Friedrichstratze 7,11, Börse 7,14. Alexanderplatz 7,16, Jannowitzbrücke 7,19, Schlesischer Bahnhof 7,23 bis Friedrichshagen. Für Nachzügler bis ü'/z Uhr im Restaurant Rübezahl am Müggelsee. Von 12 Uhr ab Krampenburg. Zu erreichen durch Uebersetzen von Schmöckwitz. Da für Unterhaltung gesorgt. wird zahlreiche Beteiligung von Mitgliedern und Freunden der Schule erwartet. Fciicrbcricht. Ein Brandstifter treibt in der Nähe des Dönhoff- Platzes sein Unwesen und macht der Feuerwehr viel zu schaffen. Der 7. Zug von der Hauptwache wurde gestern nachmittag nach der Kommandantenstr. 64 gerufen, wo Spähne und anderes in einem Keller angesteckt worden waren, und die Feuerwehr hatte stunden- lang zu tun, um die Flammen zu löschen und weitere Gefahr zu verhüten. Alsdann wurde derselbe Zug nach der Krausenstratze 63 gerufen, wo Kisten und anderes im Keller angezündet worden loaren. Fast gleichzeitig wurde die Wehr nach dem Eckhause Leipzigerstratze. Markgrafeustr. 33/84 gerufen, wo ebenfalls in einem Keller Kisten und anderes in Flammen standen. Gleich darauf erfolgte ein vierter Alarm nach der Leipzigcrstratze 80. Dort war in einem Keller- verschlage Feuer ausgekommen. Der Feuerwehr gelang es durch schnelles Eingreifen eine weitere Ausdehnung der Brände zu verhüten. Leider glückte eS aber nicht, des Täters habhaft zu werden. Ein fünfter Kellerbrand beschäftigte die Feuerwehr in der Brückenallee 17, wo Bohnermasse beim Kochen in Brand geraten war. Ferner hatte die Wehr eisten größeren Brand in der Gleditschstratze 46 zu löschen. Dort war in einer Farbenhandlung durch Unvorsichtigkeit Feuer aus- gekommen. Die Inhaberin hatte dabei schwere Brandwunden an beiden Händen und beiden Beinen erlitten und mutzte sich in ärzh liche Behandlung geben. DaS Laboratorium brannte trotz energischen Vorgehens des 12. Zuges fast vollständig aus. Außerdem hatte der t. Zug noch in der Goruiaimstr. 24 zu tun, wo im rechten Seiten- flügel des Ouergcbäudes bei Hoffmann Nutzhölzer, Schaldecken u. a. bei Ankunft der Wehr tn Flammen standen. Vorort- JVachricbteii. Nixdorf. Das Gewerkschaftskartell für Rixdorf beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit der Lohnbewegung der Barbiere. Nachdem der Vertreter der Barbiere einen kurzen Ueberblick über de» bisherigen Verlauf der Lohnbewegung gegeben, wurde beschlossen, über die Geschäfte, welche die Forderungen nicht bewilligt haben, den Boykott zu verhängen. Die Arbeiterschaft Rixdorfs wird nun aufgefordert, sich nicht in Geschäften bedienen zu lassen, welche nicht im Besitze deö Plakates sind, welches vom Verbände der Friseur gehülfen ausgegeben und den Namen Liere trägt. Besonders ist auf die Liste der bewilligten Geschäfte im„Vorwärts" zu achte». Das Gewerkschaftskartell ersucht und erwartet, daß die organisierte Arbeiterschaft die Friseurgehülfen durch Beachtung des Boykotts in ihrem Kampfe um Verkürzung der Arbeitszeit unterstützt. Dem Verbände der Fleischer wird die weitgehendste Unter- stützung in der Agitation für ihre Berufsorganisation zugesagt. Der Bericht der Maler über die diesjährige Lohnbewegung, welchen Genosse Hendrischke erstattet, gab Veranlassung zu einigen kritischen Bemerkungen über das Verhalten der Lokalorgamsation. Ober« Schöneweide. Die Maiaussperrung bei der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft in Ober-Schönewcide. Eine sehr stark besuchte Volksversammlung, die am Donnerstag im Schloßpark Wilhelminenhof zu Ober-Schöne� weide tagte, erörterte die Matznahmen der Allgemeinen Elektrizitäts Gesellschaft vom Standpunkt der Gemeindeinteressen. Zu der Ver> sammlung waren auch die Gemeindevertreter und ganz besonders Herr Peierls in seiner doppelten Eigenschaft als Direktor des Be triebes der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft und Gemeinde verordneter erster Klasse eingeladen. Direktor Peierls glänzte durch Abwesenheit, dagegen waren eine Anzahl von Betriebsbeamtcn der AllgemeinenElektrizitäts-Gesellschaft erschienen. ZuBeginn der Versamm- lung wurde festgestellt, daß Direktor Peierls mit Cohen, dem Bevoll- »nächtigten des Metallarbeiterverbandes, wegen der Ausgesperrten folgende Vereinbarung getroffen hat: Am 10. Mai soll die Auf- nähme der Arbeit beginnen und alle Ausgesperrten bis auf höchstens 600 wieder eingestellt werden. Diejenigen, welche nicht sogleich wieder eingestellt werden können, sollen in den nächsten Tagen in der Haupftache eingestellt werden. Matzregelungcn auS Anlaß der Maifeier sollen nicht stattfinden. Bis zum 31. Mai sollen betriebS« fremde Arbeiter nicht eingestellt werden. Wenn durch irgendwelche Umstände die Einstellung bis zum 31. Mai nicht erfolgt sein sollte, dann soll auch nach dem 31. Mai auf die etwa noch Feiernden zurückgegriffen werden. Der Referent P e s s i e r wies nun nach, daß trotz der bindenden Zusage des Direktors gegenwärtig, also nachdem der 31. Mai bereits abgelaufen ist, immer noch etwa 600 der Ausgesperrten nicht wieder eingestellt worden sind und augenscheinlich dauernd gemäß- regelt bleiben sollen. Diese Gematzregelten sind durchweg solche, welche als Vertrauensleute der organisierten Arbeiter funktionierten. Die Direktion hat also diese Gelegenheit benutzt, um alle Arbeiter, welche sich die Vertretung der Interessen ihrer Kollegen an- gelegen sein ließen, aus dem Betriebe zu entfernen. DaS Versprechen, welches der Direktor Peierls im Beisein dcS zweiten Direktors dem Bevollmächtigten deS Metallarbeiterverbandes gab. ist also gebrochen worden. Die Direktion, ivelche durch„Wohl- fahrtSeinrichtungen" sich als arbeiterfreundlich aufzuspielen sucht, hat die Arbeiter, entgegen den Abmachungen, ohne Grund der Existenz beraubt.— Weiter führte der Referent aus, daß öie Gemeinde ein erhebliches Interesse habe, sich mit den Maßnahmen der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft zu beschäftigen, denn es sei garnicht ausge- schlössen, daß die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft, wie es kapitalistischer Brauch tst, Gelegenheiten wie die gegenwärtige benutze, um alte Arbeiter los zu werden, die dann der Gemeinde zur Last fallen. Zum Beweise dieser Annahme führte der Redner einen Fall an, wo ein Arbeiter, der 16 Jahre im Betriebe der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft beschäftigt war, und zwar zur Vollen Zufriedenheit, wie ihm bei der Entlassung beschemigi wurde, ohne Angabe eines Grundes entlasten worden ist.— Auch das starke Aufgebot von mit Schutzwaffen ausgerüsteten Gendarmen an- läßlich der Maiaussperrung verdiene Beachtung vom Standpunkte der Gemeindeinteressen.— Der Referent schloß mit der Empfehlung der nachstehenden Resolution: „Die öffentliche Einwohnerversammlung beauftragt die sozial demokratischen Gemeindevertreter, Herren Grunow und Dobslaw» den Herrn Gemeindevorsteher in der nächsten Sitzung der Gemeinde verordneten zu interpellieren, in welcher Weise die A.-E.-G. zur Kostendeckung herangezogen werden kann, da dieselbe durch ihre gegenwärtige Taktik der Aussperrungen und Entlassungen einen höheren Arnienetat heraufbeschwört.— Ferner beauftragt die Wer- sammlung die oben genannten Herren, Protest zu erheben gegen die außergewöhnliche Belegung Ober-Schöneweides mit Gendarmen, welche mit weittragenden Schußwaffen versehen find, die bei eventuellem Gebrauch Personen verletzen könnten, die an den wirtschaftlichen Kämpfen völlig unbeteiligt sind, so daß die Gemeinde schließlich zur Kostendeckung für die Geschädigten herangezogen würde. Desgleichen beauftragt die Versammlung die Herren Grunow und Dobslaw, Auskunft darüber zu verlangen, von welcher Seite die Gendarmen bestellt und von welcher Seite die Kosten des Aufgebots derselben bezahlt werden." Die Darlegungen des Referenten über den Wortbruch der Direktion wurden von verschiedenen Diskussionsrednern bestätigt und das Verhalten der Direktion entschieden verurteilt.— Als Ver- leidiger der Direktion fühlte sich Meister Fisch berufen. Erbe- zeichnete das, was über die Zusage des Direktors Peierls an Cohen angeführt worden ist. schlankweg als Lüge und behauptete seinerseits. der Direktor habe zu Cohen gesagt: Nachdem die Arbeiter am 1. Mai gefeiert haben, haben wir 700 neue Arbeiter eingestellt, die können wir jetzt nicht wieder entlassen, wir werden aber bis zum 81 Mai von den Feiernden so viele wieder einstellen, wie wir gebrauchen können. Gegenüber dieser Behauptung bekundete Scharf, der der Unterredung zwischen dem Direktor Peierls und Cohen beigewohnt hat, daß die Zusage des Direktors so gelautet habe, wie sie zu An- fang der Versammlung vorgetragen wurde.— Alle Arbeiter, die einmal irgendwelche Differenz mit Betriebsleitern hatten, befinden sich jetzt unter den Gemaßregelten. Die Versammlung nahm einstimmig die vom Referenten ein- gebrachte Resolution an. Köpenick. Das Gewerkschaftskartell veranstaltet am ersten Pfingstfeiertag im Stadttheater(Inhaber Tugendheim-Otto) eine Matinee zugunsten der ausgesperrten Arbeiter vom 1. Mai. Zur Mitwirkung haben sich sämtliche Arbeitcr-Gesangvereine sowie die Arbeiter-Sportvereine, Turnverein„Eiche" und Kraftturnvcrein„Einigkeit" bereit erklärt. Beginn des Konzerts früh 6 Uhr im Garten, bei ungünstiger Witterung im großen Saale. Entree 30 Pf. Wir erwarten dem guten Zwecke entsprechend seitens der Arbeiterschaft eine rege Be- teiligung. Das Gewerkschaftskartell. Waidmannslust. Durch die Aufmerksamkeit des Bahnwärters Böttcher wurde Donnerstag abend �11 Uhr großes Unglück verhütet. Derselbe ent deckte 60 Schritt vor Station Waidmannslust, daß auS einer Schiene ein Stück von ca. 40 Zentimeter herausgebrochen war. Das Gleise war unfahrbar und mußten teilweise Züge auf falschem Gleise (Berlin-Oranienburg) befördert werden und erlitten bedeutende Ver spätungen. Spandau. Die Tagesordnung der Stadtverordnetenversammluilg am 31.Mai cr. umfaßte vorwiegend Geldbewilligungen für Schulen, die meist debattelos erledigt wurden. Zur Vorberatung einer Aenderung der Umsatzsteuerordnung soll : gemischte Kommission eingesetzt werden, die Versammlung wählt Versammlungen. eine m in diese Kommission 6 Mitglieder, davon sind 4 Hausbesitzer und ein NichthauSbesitzcr. Von der sozialdemokratischen Fraktion wurde kein Mitglied bineingewählt. Die Herren HauS besitzer, darunter auch der Vorsitzende deS Verbandes der Grundbesitzer, Stadtverordneter Justizrat Dr. Baumert, der, beiläufig fiesagt, auch viel Terrain fiir den Umsatz besitzt, werden die Umsatz teuer schon so abändern, daß sie keinen Schaden dabei erleiden. Mit der Anstellung eines RcgierungSbaumeisters als Oberleiter deS Hafenbaues mit einem Einkommen von ca. 5400 M. gegen dreimonatliche Kündigung erklärt sich die Mehrheit der Versammlung'einverstanden. Dem Baumeister soll auch tunlichste Selbständigkeit in.technischer Beziehung zugesichert, ihm auch in Aussicht gestellt werden, daß er bei zufriedenstellender Leistung als zweiter Baurat angestellt wird. Da haben sich die Stadtverordneten in der vorigen Sitzung stunden lang herumgestritten, wie sie am besten die Rechte der Versammlung wahren, und schließlich kam eine nichtssagende Vorlage zustande. Es wird so kommen, wie man vorher schon in verschiedenen Kreisen gemunkelt: Besitzt der neue RegierungSbaumeister ein steifes Nuckgrat, dann ist es auch mit seiner Selbständigkeit und seiner späteren Anstellung vorbei. Gelegentlich der Vorlage betreffend Bewilligung von 3400 M für Erweiterung der Redehalle auf dem Friedhof nahm Genosse Pieck die Gelegenheit wahr, um sich über das große Polizeiaufgebot, bei der jüngst erfolgten Beerdigung des nossen Paul Schwarzer zu beschweren. Der stellvertretende Vorsteher Rechtsanwalt Lüdicke, der die Versammlung leitete, versuchte verschiedentlich, dem Genossen Pieck das Wort afr zuschneiden, weil die Polizeiangelegenheit nicht zur Sache gehöre. Pieck lietz sich jedoch durch diese Versuche nicht beeinflussen und machte seinem Herzen ordentlich Luft. Er gab schließlich die Erklärung ab. daß die sozialdemokratische Fraktion für die Vorlage stimmen werde. wenn man die Zusicherung gebe, daß Redner jeder konfessionellen Richtung in der Redehalle sprechen dürfen. Die Mehrheit nahm gegen die Stimmen der Sozialdemokraten die Borlage auch ohne diese Zusicherung an. Einen etwas komischen Beigeschmack hatte die Vorlage be treffend Bewilligung von 400 Mark für den Anstrich der Ostseite des Rathauses. Berichterstatter dieser Vorlage war nämlich der Malermeister und Stadtverordnete Rupke, der vor einigen Jahren den Anstrich des Rathauses besorgt hatte. Dieser Stadtvater hätte am liebsten gesehen, wenn das ganze Rathaus neu gestrichen würde. Vom Genossen Pieck wurde ihm der Vorwurf gemacht, daß er wohl die damaligen An stricharbeiten nicht so sorgfältig ausgeführt, denn sonst könnte nicht schon wieder ein Neuanstnch erforderlich sein. Die Tagesordnung wurde diesmal verhältnismäßig schnell er- ledigt. Werder. Durch eine Telegramumdresseuverwechselung auf einer Depesche, die aus Deutsch-Südwest-Aftika kmn, wurde vor einiger Zeit die Familie des Schuhmachermeisterö A. Walter in Werder a. H. in arge Beunruhigung über das Schicksal ihres Sohnes versetzt. Er gehörte der Schutztruppe an und stand früher in Wittenberg beim Infanterie- Regiment Graf Tauentzicn Nr. 20. Ans dem Kriegsschauplatz er- krankte er schlver an Typhus und mußte längere Zeit im Lazarett zubringen. Hiervon sollte ein Militärarzt die besorgten Angehörigen telegraphisch benachrichtigen, verwechselte aber die Adresse mit derjenigen der Angehörigen eines anderen Afrikakriegers, so daß die Waltersche Familie in Werder a. H. die telegraphische Mitteilung erhielt, daß ihrem Sohne infolge einer Verletzung die rechte Hand amputiert werden mußte, worüber alle in große Trauer gerieten. Inzwischen wurde der typhuskranke junge Krieger wieder hergestellt und erhielt zur gänz- lichen Herbeiführung seiner Genesung einen längeren Urlaub in die Heimat, wo er jetzt nach t'/z jähriger Abwesenheit eintraf. Ganz unbeschreiblich war nun die Freude der Seinigen, als er in Werder a. H. mit vollständig gesimdc« Gliedmaßen eintraf und sich die Adressenverwechselung herausstellte. Der Vuchbinberverband(Filiale Berlin) hielt am 31. Mai im großen Saale des Gewerkschaftshauses eine gutbesuchte Generalversammlung ab, die berufen war, um über die Erhöhung des Beitrags durch einen Extralokalzuschlag zu befinden. Der Kassierer B i t o m s k i begründete einen Antrag der kombinierten Verwaltung: vorläufig von der 24. bis zur 62. Woche dieses Jahres in Berlin von den männlichen Mitgliedern einen Lokalzuschlag von insgesamt 25 Pf.(Gesamtbeitrag 70 Pf.) und von den weib- lichen Mitgliedern einen solchen von 10 Pf.(Gesamtbeitrag 30Pf.)j pro Woche zu erheben. Die Sammlung für die Zentralvcrbands- lasse(Hauptkasse des Verbandes) soll dadurch nicht berührt werden. Der immer noch währende Kampf in der Buchbinder- brauche, den die Maifeier brachte, hat nach den durch Zahlen ge- stützten Darlegungen des Redners den Antrag notwendig gemacht. — Von anderer Seite kamen andere Anträge, die alle bezweckten, die Mittel trotz der erforderlichen großen Ausgaben auf an- gemessener Höhe zu erhalten beziehungsweise fortlaufend zu er- gänzen. Ein Antrag S i e g r i st z. B. ging dabin, weit höhere, sich nach der Höhe des Verdienstes abstufende Zuschläge zu zahlen und die Hälfte davon der Verbandskasse auszuliefern. Es ent- spann sich eine ausgedehnte Debatte. Schließlich wurde unter ent» sprechender Aenderung der verschiedenen Vorschläge folgendes be- schlössen: Es wird von der 24. Woche des Jahres ab für die Tauer des Kampfes außer den augenblicklichen Beiträgen ein Extra- beitrag erhoben, der sich wie folgt nach dem Verdienste pro Woche richtet:.10 Pf. bei einem Verdienst bis zu 12 M., 20 Pf. bei über 12 bis 15 M.> 50 Pf. bei über 15 bis 20 M., 75 Pf. bei über 20 bis zu 25 Dt., 1 M. bei mehr als 25 bis zu 30 M., 2 M. bei mehr als 30 M. Die Hälfte der Extracinnahme fließt in die Lokalkasse, die andere Hälfte in die Zentralkasse. Die Wahl des zweiten Vorsitzenden im H a u p t v o r st an d des Verbandes, welche die Filiale Berlin statutengemäß vorzunehmen hatte, nachdem K. Schulze von dem Posten zurück- getreten ist, fiel mit großer Mehrheit auf B a e s e l e r. Wegen des augenblicklichen Kampfes wurde durch Annahme einer Resolution beschlossen: dem„Vorwärts"(Verlag und Druckerei) nahezulegen, sämtliche von ihm an Privatbetriebe gc- gebencn Buchbinderarbcitcn zurückzuziehen und in Partei- betrieben herstellen zu lassen. Weiter fordert die Resolution die Delegierten der Gewerkschaftskommission auf, darauf hinzuwirken, daß die der Kommission angeschlossenen Gewerkschaften ihre Buch- Kinderarbeiten nur dem„Vorwärts" übergeben und die bereits an Privatunternehmer erteilten Aufträge zurückziehen, soweit diese Unternehmer ihr Personal ausgesperrt haben. Die Versammlung nahm noch Kenntnis davon, daß dem Ver- bandsvorstande empfohlen wird, zu veranlassen, daß alle streikenden unverheirateten Kollegen unter 30 Jahren binnen acht Tagen Berlin, Leipzig und Stuttgart verlassen, widrigenfalls sie die Ent- ziehung der Unterstützung zu gewärtigen hätten. Tie Kontobucharbeitcr und-Arbeiterinnen hielten am Mittwoch, den 29. Mai in Feuersteins Fcstsälen eine Branchenversammlung ab mit der Tagesordnung: 1. Der Kampf im Buchbindergewerbe. 2. Wie stellen wir uns zur Aufbringung der Mittel. Als Referent war der Gauvorsitzende Kollege L e m s e r erschienen und gab eine kurze Erläuterung über die Entstehung des Kampfes, sowie einen Situationsbericht über den Stand des Streiks und der Aussperrung. Er übte Kritik am Verhalten der Buchbindcreibesitzer, insbesondere dcS Kommissionsrates Fritzsche, der es fertig gebracht hat, auch die Stuttgarter Unternehmer auf seine Seite zu locken. Auch be- gründete er den schon beim Berichte über die Buchbinder- Versammlung erörterten Antrag der kombinierten Verwaltungssitzung, Nach reger Diskussion einigte man sich auf folgende Resolution i „Die heutige Branchenversammlung der Kontobucharbeiter und -Arbeiterinnen spricht den Ausgesperrten und streikenden Kollegen und Kolleginnen der Buchbindcrbranche ihre volle Sympathie a-s und ist bereit, dieselben sowohl finanziell wie moralisch zu nnte,' stützen.�— Zur Aufbringung der Mittel schlägt die Versammlung vor. für männliche Mitglieder einen erhöhten Beitrag von t M., für weibliche von 40 Pf. zu erheben. Da den Unternehmern daran ge- legen ist, unsere Kasse zu schwächen und die Bewegung lahm zu legen, verpflichten sich die Versammelten außerdem, auf die kur- sierenden Listen nach Kräften zu zeichnen." Genosse Wiesenthal sendet uns folgende Berichtigung: In Nr. 125 des„Vorwärts" läßt der Berichterstatter über die letzte Versammlung der Rohrleger und Helfer den Genossen Rams- brock unter anderem sagen: „Bereits vor Weihnachten habe Wiesenthal ihm in einem Privat- gespräch erklärt, wenn er. Wiesenthak, in seiner Ausschlußsache vom Veiband nicht sein Recht bekäme, dann würde er einen neuen Metallarbeiterverband gründen. Damals habe Redner jene Worte nur als eine im Aerger hingeworfene Bemerkung betrachtet, die er nicht ernst genommen habe. Nun er aber sehe, was gespielt werde. müsse er Wiesenthals Verhalten geradezu als einen Verrat an der Arbeitersache bezeichnen." Der Bericht verschweigt meinen sofortigen Widerspruch gegen diese Behauptung. Unter anderem habe ich sofort festgestellt: DaS Privatgefpräch war nicht vor, sondern nach Weihnachten. Ich habe wohl auf den Ernst der Situation hinge- wiesen, auch angeführt, daß von einigen Seiten die Absicht zu Neu- gründungen vorliegt. Ach selbst bin diesen Absichten, wie mir zirka 100 Vertrauensleute bestätigen können, stets entgegengetreten. Ich lehne es ab. ans diesem Privatgespräch weitere Mitteilungen zu machen, da es sich um Beschlüsse der engeren Ortsverwaltung handelt. Ich überlasse den Parteigenossen und Metallarbeitern das Urteil. Berliner Marktpreise. ÜluS dem amtlichen Bericht der städtilchen Markthallen-Direktion. Rindfleisch la 64—68 pr. 100 Pfund, IIa 54—64 lila 50—53, IVa 44—49, engl. Bullen- 0,00, dän. Bullen- 0,00, Holl. Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 105—120, la 85—90, IIa 70— 80, lila 66—68. Hamincliieisch la 68—73, IIa 60—66. Schwelnefleifch 55—63. Kaninchen per St. 0,60—0,90. Hühner, alte, Stück 1,60—2,40, junge, per Stück 0,60—0.80. Tauben, junge 0,30—0,55, alte 0,40. Ente», prima, per Stück l. 30— 2,50, Hamburger, junge, per Stück 220 bis 3,35. Gänse, jung-, per Pfd. 0,70—0,90, per Stück 3,00—5,50. Hechte 100— 114. Schleie 101— 117. Bleie 65—66, Aale, groß 108—115, mittel 106—113, klein 0,00, unfort. 67—78. Plätzen 00,00. Flundern, pomm. I. p. Schock 3,00—6,00. Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel, per Kiste 2—4, do. klein, per Kiste 0,00. Bücklinge, Holl, per Wall 0,00. Kieler 1,50-3,60, Strals. 3,00—3,50. Aale, groß, P.Pjd. 1,10-1,30, mittel 0,80-1.00, kl. 0,50 bis 0,60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 0,00, Elb- per Kiste 0,00. Sardellen 1902er, per Sinter 78,00, lS04er 74,00, 1905er 70,00. Schottische Pollheringe 1905 0,00, large 40—44, füll. 36— 38, med. 33—35, deutsche 37—44. Heringe, neue Masses, per»/, To. 60—120. Hummern, IIa, 100 Pfd. 0,00. Krebse, per Schock, große 22.00—29,50, mittel 16,50—19.00, kleine 8,00—9 00 unsortiert 8,00—11,00. Eier, Land-, per Schock 3,30—3,50, wische 0 00 Butter per 100 Pfund, la 112—116, IIa 108—112, lila 104-108, ab. fallende 100—104. Saure Warte», Schock 3,50—4 M., Pseffergurken 3.50—4 M. Kartossein per 100 Psd. magn. bon. 2,10—2,35, rote Dabersche 2,00—2,20, runde weiße 1,80—2,00, Malta 00,00, Sommer-Malta 11—12, franz. 15—17, ttal. 9—11, ungar. 8,00. Spinat, per 100 Psd. 10—15, Karotten 10—15. Mohrrüben, per 100 Psund 3—4. Kohlrabi., per Schock 0,50 bis 1,75. Reltig, Bahr., per Schock 2,40—4,80. Rhabarber, Hamb., per 100 Bd. 4,00-6.00. Berged. 0,00. Radieschen, per Schock 0.75. Salat, 100 Stopf 0,00, Gubener, per Schock 0,50—0,70. Spargel I, per Psd 0,35-0.53, II 0,20-0,32, III 0,07-0.22, Beelitzer I 0,53-0,68, II 0 32 618 0,45, III 0,15—0,81. Bruchspargcl 0,10—0,12. Bohnen(grüne), per 100 Psd. 70-100. Schoten, Beelitzer, per 100 Psd. 15-20. Kirschen, ital., zer 100 Psd. 50—55, franz. 15—60, Gubener 30—35, Wcrdcrsche, per Pfd. 0,35-0,40. Erdbeeren, biesige, per Korb 0,60—1,60, Holl., per Psd, 0 50 bi« 1,00, stanz., per Pfd. 0,30—0,60, Beelitzer, per Korb 1.10-125, Dresdener, per Psd. 1,00—1.75, Zitronen, Messiiia, 300 Stück 8,00—10.00. 360 Stück 6,75-9,00. 200 Stück 6,50-9,00. 420 Stück, klein 7,00. üSafierftand am 31. Mai. Elbe bei Ausfig-st 0,23 Meter, bei Dresden— 1,14 Meter, bei Magdeburg-st 1,82 Meter.— U n st r u t bei Straußfurl-st 1,85 Meter.—Oder bei Ratibor-st 1,50 Meier, bei Breslau Oberpegel-st 5,12 Meter, bei BreSIa» linterpegel— 0,79 Meter, bei Franljmt-st 2,23 Meter.— Weichsel bei Brahemünde 3,82 Meter.— Warth e bei Bosen- 0.88 Meter. PeimftMrtlichek Redgktegx.: Hanl Webert Nerfto. Für des Lnseratenteft verantw.: Th. Glocke, Verlin. Druck u. Verlag: BorwäriS Buchdruckern u. BerlagsanMt jgaul Ringer& Co., Berlin 5\Y.,