Nr. 129. Abonnements- Bedingungen: 3 Abonnements Preis pränumerando: Vierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 0 Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Geträgt für die sechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 50 Bfg., fülr politische und gewerkschaftliche Vereinss und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erfte( fettgebrudte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Der Anarchismus in Spanien. II. Jm wesentlichen lassen sich heute drei anarchistische Richtungen in Spanien unterscheiden: Donnerstag, den 7. Juni 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Es gehört deshalb die ganze liberale" Borniertheit des ehrsamen Berl. Tageblatt" dazu, im gestrigen Morgenblatt zu schreiben: „ Es ist selbstverständlich, daß man gegen solche blutgierige Bestien in Menschengestalt, mögen fie immer ihren Verbrechen einen politischen Anstrich zu geben versuchen, die strengsten Maßnahmen ergreifen muß, um sie unschädlich zu machen. Vielleicht sieht man jetzt, wo eine englische Prinzessin das Ziel der Bombe war, auch in England deutlich ein, daß die Ges währung des Asylrechts solchen anarchistischen Mordbuben gegenüber übel angebracht ist. So wenig man es billigen könnte, wenn die politische Ueberzeugung in irgend einer Weise gefnebelt würde, so muß man gerade im Interesse einer gefunden poli tischen Entwickelung fordern, daß die Anarchisten der Tat als gemeine Verbrecher angesehen und demgemäß auch behandelt werden." hältnisse Spaniens. Der Anarchist sagt: Freie Geseze nüzen in Spanien nichts, denn sie werden einfach von den torrumpierten Machthabern nicht befolgt. Deshalb ist das Bestreben des Sozialisten, Einfluß auf die Legislative zu gewinnen und die Arbeiter zum Wählen zu veranlassen, nichts als Volksbetrug, nichts als eine Frreführung der Massen. Keine WahlDie zwar nicht der Zahl, aber ihrem Einfluß und ihrer beteiligungen, kein Parlamentarismus! Absolute politische Energie nach wichtigste Richtung ist die der individua- Abstinenz! Nur die Politica demoledora"( die DemolierungsListischen" Anarchisten. Ihre Anhänger refrutieren sich politik) vermag zu helfen, die Entfesselung der revolutionären vornehmlich aus der verarmten Intelligenz, besonders der Voltsenergie, die Einschüchterung der Herrschenden, die Verliterarischen Boheme und dem Lehrerproletariat. Daneben nichtung der Staatsgewalt." finden wir vielfach kleine Kunsthandwerker und erbitterte frei- Der Sozialist hingegen sagt: Allerdings stehen in Spanien denkerische Gegner der spanischen Priester- und Drdensherr viele Geseze nur auf dem Papier; aber weshalb können sich schaft in ihren Reihen. Die eigentlichen Arbeiter, speziell die die Kaziken und Cliquen ungeniert ihre fortgesetzte NichtbeachIndustrieproletarier, spielen in diesen Vereinigungen nur eine tung gestatten? Weil es in Spanien an einer öffentlichen höchst bescheidene Rolle. Es ist die über die Misere des spanischen Meinung fehlt, weil kein öffentliches Rechtsbewußtsein, Lebens, die schamlose Korruption, das örtliche oligarchische Cliquen- teine Volkskontrolle hinter den Gesezen steht. Dieser wesen( Razitentum" nennt es der Spanier), die Frechheiten der Mangel des spanischen Lebens wird aber durch die sogenannte verschwinden, wenn die Korruption, die Cliquenwirtschaft, Priesterschaft, die Rückständigkeit der Lebens- und Erwerbs- politische Abstinenz nur bergrößert. Es gilt vielmehr, das die Ausbeutung des Landes durch den Klerikalismus verberhältnisse aufs äußerste erbitterte Intelligenz, die sich in den Volksbewußtsein zu wecken, die Arbeiter zur Anteilnahme am schwindet wenn die Arbeiterklasse zum selbständigen anarchistischen Vereinen und Logen" dieser Richtung zu öffentlichen Leben zu bewegen, ihr Eigenbewußtsein als Klasse politischen Leben erwacht, sich in einer großen sozialistischen sammen findet und sich dort in einem halbromantischen, halbPartei organisiert und rücksichtslos die Korruption aufdeckt. nihilistischen Revolutionarismus Luft macht. Als Mittel zur Diese Lösung der Anarchistenfrage" dürfte allerdings den Erreichung ihres Zieles gelten dieser Richtung die stetige BeHintermännern der Kreuzzeitung" und Deutschen Tages. unruhigung der Regierungsgewalt und der sie stützenden zeitung" viel weniger passen, als der Erlaß einiger neuen Institutionen durch fortgesette kleinere und größere GeneralAnarchistengesetze, denn es sind ihre ehrenwerten" Geistes. streifs, Straßendemonstrationen, Putsche, teilweise auch durch und Gesinnungsverwandten, die durch ein solches Vorgehen gewaltsame Unschädlichmachung hochstehender, das gegenwärtige der spanischen Arbeiterklasse getroffen würden. Regime stützender Personen. Die zweite Richtung, die tollettibistisch- anarchistische", fann gewissermaßen als die anarchistischgewerkschaftliche Gruppe bezeichnet werden, denn ihr gehören fast alle Handwerker und Arbeiterfachverbände der anarchistischen Föderation der Arbeitervereine des spanischen Landes" an, während die sozialistischen Gewerkschaften in der Allgemeinen Arbeiter- Union" organisiert sind. Die kollektibistischen Theorien spielen heute nur noch in wenigen dieser anarchistischen Gewerkschaften eine Rolle. Wie die individualistischen Anarchisten predigen auch sie die Abschaffung des Staates und die politische Abstinenz( die jedoch keineswegs von ihnen konsequent durchgeführt wird), umsomehr propagieren sie den allgemeinen" und" lotalen" Generalstreit und die öffentliche Demonstration. Die dritte, schwächste Gruppe, die der sogen. ,, kommunistischen" Anarchisten steht den kollektivistischen Anarchisten nahe, bertritt aber die Auffassung, daß die Grundlage der zufünftigen Wirtschaftsgruppen oder Wirtschaftskommunen das Gemeineigentum an Boden und an den Produktionsmitteln ( Fabriken, Bergwerken, Maschinen usw.) sein muß. Es zeugt demnach von einer trassen Unkenntnis der anarchistischen Bewegung, wenn man sie inhaltlich mit der fozialistischen Arbeiterbewegung identifiziert und nur allenfalls eine gewisse Verschiedenheit der Taftit anerkennt. Nicht nur die Tattit, die ganze Auffassung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, der historischen Bedingungen der heutigen Gesellschaftsordnung und ihrer Entwickelungsrichtung ist eine grundverschiedene. Dem Sozialisten, und zwar dem spanischen nicht minder als dem deutschen, gilt als die Grundlage der heutigen Gesellschaftsordnung das bestehende tapitalistische Wirtschaftssystem, und demnach richtet sich sein Ein neuer Polizeibeitrag für unfere Partei- Kaffe. In unserer Nummer vom 4. März erließen wir folgende Aufforderung: Bei unserer Geschäftsstelle liegen zur Abholung Zweihundert Mark welche am 24. Februar bezw. 3. März von dem Kriminalbeamten Guftav Neumann Oldenburgerftraße 11 a IV zwecks Verrats von Parteigenoffen und Parteibeschlüffen gezahlt wurden. Diese 200 Mart tönnen nach vorheriger Mitvon der teilung über die Zeit der Abholung politischen Polizei nach Ausweis über die Identität der Persönlichkeit des Abholers und seines amtlichen Charakters gegen Quittung von unserer Geschäftsstelle: Lindenstraße 69, 2. Soof II, abgeholt werden. ,, Vorwärts" Da das Geld bislang nicht abgeholt worden ist, so hat die Geschäftsleitung des Vorwärts" nunmehr die Summe von 200 Mart der ParteiKaffe zu Bänden des Genossen Gerisch übermittelt. Bestreben darauf, dieses System durch ein höheres, durch das zu schärfen, sie über thre Rechte und die spanische Storruption sozialistische bezw. kommunistische zu ersetzen. Die wichtigsten aufzuklären. Aufstände haben unter den heutigen Umständen Richtungen des spanischen Anarchismus stehen dagegen auf teinen Zweck, denn die Ursachen der Misere werden dadurch dem Boden des Systems der heutigen kapitalistischen Waren nicht beseitigt. Selbst wenn das heutige Regime gestürzt produktion; sie wollen wohl, wie es in dem oben würde, vermöchte doch das neue Regime fich nicht zu halten, genannten Barcelonaer Manifeste heißt, die Auswüchse denn es fehlen die politisch aufgeklärten Massen, die es tragen bes heutigen Systems, die großen Monopole und wirtschaft- und stützen können." Der Anarchismus wird erst dann von Spaniens Boden " Die Revolution in Rußland. Duma. Petersburg, 6. Juni. In der Heute mittag eröffneten Sigung wurden die Debatten über die Agrarfrage ausgefeßt, da ein Abänderungsantrag zu verschiedenen Artikeln über die gefeggeberische Zuständigkeit der Duma vorlag. Bei Besprechung der allgemeinen Lage im Lande hielten die Abgeordneten Anifin, Aladin und Roditscheff heftige Reden gegen die Regierung. Die Abgeordneten Graf Heyden, Levin und Binawer wiesen darauf hin, daß die Duma nur den Weg von Gesezentwürfen beschreiten dürfe. Die Duma erklärte sich dann damit einverstanden, den oben erwähnten Abänderungsantrag an eine Kommission zu verweisen. Die Sizung wurde un 1 Uhr 45 Minuten auf eine Stunde vertagt. Die Zeichen der Agrarunruhen. Wenn die russische Regierung im Augenblick überhaupt etwas fürchtet, so den Ausbruch von Agrarunruhen. Zu ihrer Korruption, ihrer ungeheuerlichen Verschuldung, ihrem Mangel an Fähigkeit, die Situation ungetrübten Auges zu schauen, ihrer Furcht vor neuer Rebellion im Heere tommt jezt als größte Sorge hinzu, daß die Bauernschaft von Tag zu Tag mehr zum Bewußtsein ihrer Lage tommt. Wer Rußlands Bauern auch nur oberflächlich kennt, wer ihr Reden und ihr Verhalten in der Duma vom ersten Tage an beobachtet hat, der weiß, daß Rußland reif ist zum modernen Bauernkriege. Und der Mißwachs in einer großen Bahl von Gouvernements trägt das Seinige dazu bei, biele neue Millionen von ihnen, die sich bisher wohl noch apathisch berhielten, zur Erfenntnis dessen, was ihnen not tut, zu erwecken. Kein Tag ohne neue Hiobsposten aus bäuerlichen Gegenden. Selbst der offiziöse Wolffsche Draht fann sie nicht verschweigen. So 3. B. in folgendem Telegramm: Petersburg, 6. Juni. In den letzten Wochen blieb taum ein Gouvernement von Agrarunruhen verschont, die besonders in den Gouvernements Saratow, Woronesch und Grodno einen be drohlichen Charakter annehmen. Aus verschiedenen Orten gehen Meldungen darüber ein, daß die Bauern den Beschluß gefaßt haben, das Land der Gutsbesitzer aufzuteilen, falls die Reichsduma die Regelung der Agrarfrage nicht durchzuseßen bermag. Wie die Blätter melden, hat die Regierung anderthalb Millionen Desjätinen Kronland auf dem rechten Wolgaufer im Gouvernement Samara bermessen lassen, damit diese landlosen Uebersiedlern aus den südlichen und zentralen Gouvernements augeteilt werden sollen. Einer unserer eigenen Korrespondenten schreibt uns über bie Agrarunruhen: bon Gutsland" usw. berichtet. lichen Privilegien vernichten; die Grundlage des heutigen Es sind also grundverschiedene Welt- und Entwickelungs. Wirtschaftssystems, den Privatbesitz an Produktionsmitteln, auffassungen, die hier aufeinanderstoßen. Der spanische tasten sie jedoch nicht an. Anarchismus steht demtonsequenten Liberalis. Demnach ist denn auch die Stellungnahme der Anarchisten mus weit näher, als dem Sozialismus; er ist zu den heutigen Versuchen, die Großindustrie in Spanien ein- nichts als die auf die Spike getriebene Idee des Laisser zuführen, eine ganz andere als die der spanischen Sozialisten. faire, laisser aller. Gemeinsam mit dem radikalen LiberalisLettere gehen von der Ansicht aus, daß, sollen die spanischen mus hat er die Ueberschätzung der Individualität, die Ueber- Aus verschiedenen Gegenden der Gouvernements Rjäsan, Tula, Halbfeudalen Verhältnisse eine Besserung erfahren, zunächst die ordnung der Rechte des Individuums über die der Gesellschaft, Sfaratow Sfamara und vielen anderen wird von mehr oder weniger wirtschaftliche Rückständigkeit des Landes durch die Entwicke- die Hochschätzung des individuellen" Eigentums als Garantie bedeutenden Uebergriffen" der Bauern, eigenmächtiger Aufteilung lung der großkapitalistischen Wirtschaftsform überwunden der persönlichen Freiheit, die Ansicht, daß sich aus dem Viele Gutsbesiger des Südwestgebietes habender Not. Mr." werden muß. Erst über diese hinweg führt der Weg zum Spiel der freien wirtschaftlichen Sträfte von selbst eine natür zufolge fich an Bermittelungsbureaus mit dem Ersuchen gewandt: Sozialismus. Deshalb unterstützt die spanische Sozialdemo- liche Harmonie ergibt; mur ist er in Verfolgung dieser legten ihre in den Gouvernements Wilna, Minst und Grodno belegenen tratie die Bemühungen, dem Großindustrialismus in Spanien These tonsequenter, als der bürgerliche Radikalismus, indem Güter fast zum halben Preise gegen Ratenzahlung im Laufe bon Eingang zu verschaffen nicht um des Kapitalismus willen, er aus ihr die Folgerung zieht:„ Wenn sich die natürliche 50 Jahren an die Bauern zu verkaufen! sondern weil nach ihrer Ansicht die heutige wirtschaftliche Harmonie von selbst einstellt, bedarf es nicht der Reglementation Auch die Regierung sucht den Bauern Konzeffionen zu machen, Stagnation die Storruption des gesamten Staatslebens durch den Staat, darum weg mit ihm!" und zwar hat sie, wie die Metod" meldet, folgendes Agrar begünstigt, weil der Uebergang zur modernen groß- Der spanische Anarchismus ist die natürliche Reaktion des programm" ausgearbeitet: Die Krone tritt aus ihrem Landbesitz 4 Millionen Desjätinen urbaren Landes und 2 Millionen kapitalistischen Wirtschaftsweise Vorbedingung der Ueberwindung Intelligenz- und Handwerkerproletariats gegen die trostlose Desjätinen Wald ab. Außerdem werden der Krone von Privatder heutigen sozialen Mifere und zugleich der politischen spanische Versumpfung und Korruption, und deshalb auch großgrundbefizern 3 Millionen Desjätinen zum Kauf angeboten. Drganisierung der spanischen Arbeiterklaffe ist. Dagegen ver- burch alle sogenannten Repressivmaßregeln nicht zu unter- Aus diesen Ländereien soll ein Agrarfonds gebildet werden, der halten sich die Anarchisten gegen diese Versuche, die natürlichen brüden. Die Machthaber Spaniens haben es im Laufe der durch Vermittelung der Bauernbank an die Bauern verkauft wird.... wirtschaftlichen Reichtümer Spaniens industriell auszunuzen, letzten dreißig Jahre wahrhaftig nicht an brutaler, blutiger Wie wenig aber die urplögliche Fürsorge" der Regierung auf nicht nur passiv, sie begünstigen vielfach sogar die kleinbürger- Unterdrückung fehlen lassen. Hunderte, Tausende von An- die Bauern wirkt, das beweist uns folgende Mitteilung: liche, handwerksmäßige Produktion, da sie der Ansicht sind, archisten sind eingekerfert, gefoltert, niedergemetelt, hinüber den Stouflift mit dem Kabinett telegraphisch Bericht erstattet, Die bäuerlichen Deputierten haben bekanntlich ihren Wählern daß der Kleinbetrieb eine beffere Entfaltung der Individualität gerichtet worden viele völlig unschuldig; aber immer über den Konflikt mit dem Kabinett telegraphisch Bericht erstattet, und daraufhin haben die Bauern überall Versammlungen abgehalten. gewährleistet, als der Großbetrieb mit seiner Herunterdrückung wieder erstanden aus dem Schlamm der der spanischen Nun treffen bereits die Antworten der Wähler ein. Eine Ver des Einzelnen zur Arbeitsmaschine. Stagnation neue Erbitterte, neue Verzweifelte, neue fammlung von 1500 Einwohnern der Pokrowstaja Sfloboda( Gou Ferner unterscheidet den Anarchismus vom Sozialismus Rächer meist teineswegs die schlechtesten Elemente der vernement Saratow) fandte ihrem Vertreter im Reichstage nach feine ganz andere Auffassung der heutigen politischen Ver- spanischen Nation tehendes Telegramm: Mit dem Gefühl tiefster Enttäuschung in die Nnlwort der Minister und die Ablehnung der Befriedigung der vom Reichstage aufgestellten Fragen aufgenommen worden. Die Hoffnungen auf eine friedliche Lösung sind vernichtet l" Daß unter diesen Ilmständen die russische Regierung schüchterne Annäherungsversuche an die Bauern zu inachen beginnt, ist schließlich kein Wunder. Je weiter nämlich die Reichsdumadebatten über die Agrarfrage geführt werden, um so nervöser wird man in den russischen Re- gierungZkreisen, zumal die Reichsdumamitglieder der Bauernpartei ja »nit bewunderungswürdiger Zähigkeit an ihren Forderungen festhalten und trotz aller Hindernisse, die ihnen seitens der Regierungs- organe in den Weg gelegt werden, ihre Mitteilungen an ihre Wähler auf dein flachen Lande übermitteln. Vergebens bemühen sich die Post-, Telegraphen-, Gendarmerie- und sonstigen Beamten, die an die Reichsdumamitglieder der Bauernpartei gerichteten Sympathiekundgebungen und die für die Bauern bestimmten Auf- klärungen zurückzuhalten oder gar zu unterdrücken. Die Bauern bedienen sich jetzt der sogenannten clrocloki(„Boten"), die von der- schiedenen Dorfgemeinden nach Petersburg entsandt werden, um so eine ununterbrochene und ungestörte Verbindung zwischen der Reichs- duma und dem flachen Lande aufrecht, zu erhalten! Da aber der rnssischeir Regierung an einer Annäherung an die Bauern und vor allem an einer baldigen„Ver- ständigung" mit ihnen sehr gelegen ist, so werden jetzt verschiedene Versuche gemacht,, darunter auch solche, die nach dem alten russischen Rezept ausgeführt werden und lediglich ein negatives Resultat ergeben können. Es tauchen nämlich in den Wandelgängen der Reichsduma verdächtige Personen auf, die sich in ziemlich plumper Weise an die Reichsdumamitglieder der Bauern- Partei herandrängen, diese in ein Gespräch ziehen, sie von der „Zwecklosigkeit ihrer Agrarbestrebungen zu überzeugen und sie für die von der russischen Regierung zur Durchführung beabsichtigten «Agrarreform" umzustimmen suchen. Da diese Agitatoren immer zudringlicher werden,— besonders ein gewisser Jefremow(Ministerial- beamter)— so wollen einige Reichsdumamitglieder der Bauernpartei sich beim Reichsdumapräsidenten beschweren. Wittes Misfiou. Von Graf Wittes Sendung ins Ausland haben wir bereits Mit- leilung gemacht. Dieser Tage erhielt das russische Finanzministerium von Witte eine Depesche, über deren Inhalt augenblicklich noch der Schleier des Geheimnisses gebreitet wird.— Nach„Informationen", die trotzdem— wie gewöhnlich— durchgesickert sind, soll Witte in jener Depesche dringend vor einem Konflikte mit der Duma ge- warnt haben, ,da— sonst alle» russischen Papieren und Werten eine Katastrophe drohe! Ferner soll der so liebreich um den Kredit seiner Regierung besorgte Mann empfohlen haben, in der Agrarfrage auf jeden'Fall eine Verständigung herbeizuführen.-- Gärung in der Armee! Petersburg, 6. Juni.(B. H.) In der Kaserne der Whborgschen Festungsartillerie wurden mehrere Soldaten wegen revolutionärer Umtriebe verhastet. Pobjedonoszew. Die Meldungen über Pobjedonoszew erinnern nun bald an die Gapon-Komödie. Erst hieß eS, der alte Knabe wolle sich jetzt— nach seinem Li). Geburtstage—„bestimmt" ins Privatleben zurückziehen und die schöne Krim mit seiner holden Anwesenheit beglücken. Jetzt heißt es ivieder, Pobjedonoszew bleibe„einem Wunsche höheren Ortes entsprechend" in der Nähe von Petersburg! Sollte man„höheren Ortes" wirklich so naiv sein, zu glauben, daß man den alten Sünder„für vorkommende Fälle" doch noch einmal gebrauche» könnte?— Herr Struve! Wie wir der„Lodzer Zeitung" und anderen russischen Blättern entnehmen, hat„Freund Struve" kürzlich einen wenig feinen Streich gegen die russische Sozialdemokratie geführt. Bekanntlich hatte der Petersburger Stadthauptmann unseren Genossen dort eine kurze Zeit lang erlaubt, Versammlungen abzuhalten. Daraufhin hatte P. Struve in seinem Blatte „Duma" einen Artikel gebracht, in dem er darauf hinwies, daß der Stadthauptmann„den friedfertigen Kadetten gegenüber ungerecht Verfahren" sei und ihre Versammlungen stets zu verhindern gesucht hätte, während er den S.-D. gegenüber, die die Revolution wünschten, sich viel kulanter verhalte. Nun, die Freude mit der Veranstaltung von Versamm- lungen in Petersburg hat nicht lange gedauert. Aber die kleine Episode charakterisiert so recht den Kanipf, den unsere Genossen drüben noch mit Herrn Struve, dessen„Duma" und «Kadetten" auszusechten haben werden.— politiscde Ckberßcht. Berlin, den 6. Juni. Ei» Sommernachtstraum. In diesen sonimerlichen Zeiten, wo die Hitze mählich zu steigen und der bürgerlichen Presse der Kopf zu schwinden beginnt, werden allerlei Träume wieder ernsthaft zu nehmen versucht, die man wirklich längst als abgetan betrachten zu können meinte. In den letzten Tagen spukt so wieder einmal die„ A b r ü st u n g s f r a g e" in der Presse. Nun hat diese„Frage" zwar in dem wachsenden Wahnsinn der Rüstungen und in den ihn: parallel laufenden Bairfrotten der StaatSfinanzcn einen sehr realen Hintergrund, und die Macht dieser Tatsachen beginnt je länger je mehr sehr deutlich zu sprechen, so daß' selbst in einigen Parlamenten in letzter Zeit energischer wie früher über diese Frage diskutiert lvurde, vor kurzem im englischen llnterhause und gestern im schweizerischen Nationalrat. Hier regte nach einer Meldung der„Voss. Ztg." Dr. Gobat(Bern) an, der Bundesrat solle Schritte tun, damit die Abrüstungs- frage auf die Geschäftsliste der zweiten Haager Friedens- konferenz gesetzt werde. Der Bundespräsident Forrer antwortete, die Schweiz müsse die Sache reiflich überlegen; an einer Abrüstung wäre die Schweiz allerdings schon insofern. in- teressiert, als durch Verminderung der Militärlasten das Schutzzoll- system geschwächt würde. Die Abrüstungsfrage auf die Tages- ordnung der zweiten Haager Konferenz zu setzen, ist auch sonst in diesen Tagen in der bürgerlichen Presse wiederholt angeregt worden. Nichts charakterisiert nun das neue Abrüstungsgeschrei der bürgerlichen Welt besser als dieser letzte Wunsch. Man braucht nur daran zn erinnern, wie gerade auch die erste Haager Konferenz von dem„Friedenszaren" einberufen wurde, um über die—.Abrüstung zu beraten und wie diese Puppe ans dem Throne dann in den russisch-japanischen Krieg hineintanzte. Es ist nützlich, sich an die Dokumente jener Zeit zu erinnern.— In der Note vom 24. August 1898 hatte Graf Murawiew im Namen des Zaren gesagt, es sei vor allem nötig, nach den wirksamsten Mitteln zu suchen, um„der fortschreitenden Entwickelimg der gegenwärtigen Nüstnilgen ein Ziel zu setzen." Dann hieß eS weiter: „Da die finanziellen Lasten eine steigende Richtung verfolgen und die Volkswohlfahrt an ihrer Wurzel treffen, so werden die geistigen und physischen Kräfte der Völker, die Arbeit und das Kapital zum großen Teile von ihrer natürlichen Bestimmung ab- gelenkt und in unproduktiver Weise aufgezehrt. Hunderte von Millionen werden aufgewendet, um furchtbare Zerstörnngsinaschinen zu beschaffen, die heute als das letzte Wort der Wissenschaft be- trachtet werden und schon morgen dazu verurteilt sind, jeden Wert zu verlieren, infolge irgend einer neuen Entdeckung auf diesem Gebiet. Die uatioüale Kultur, der wirtschaftliche Fortschritt, die Erzeugung von Werten sehen sich in ihrer EntWickelung gelähmt und irregeführt. Daher entsprechen in dem Maße, wie Rüstungen einer jeden Macht anwachsen, diese immer weniger und weniger dem Zweck, den sich die betreffende Regierung gesetzt hat. Die wirtschaftlichen Krisen werden zum großen'Teil hervorgerufen durch das System der Rüstungen bis aufs äußerste, und die ständige Gefahr, die in dieser Kriegsstoffansammlung ruht, macht die Armee unserer Tage zu einer erdrückenden Last, welche die Völker mehr und mehr nur mit Mühe tragen können. Es ist deshalb klar, daß, wenn diese Lage sich noch weiter so hinzieht, sie in verhängnisvoller Weise zn eben der Katastrophe führen würde, die man zu vermeiden wünscht und deren Schrecken jeden Menschen schon beim bloßen Gedanken schaudern machen. Diesen unaufhörlichen Rüstungen ein Ziel zu setzen und die Mittel zu suchen, dem Unheil vorzu- beugen, das die ganze Welt bedroht, das ist die höchste Pflicht, die sich heutzutage allen Staaten aufzwingt." Auch in der Note vom 11. Januar 1899 bezeichnete es Graf Murawiew als die wichtigste Aufgabe der Konferenz,„ohne Verzug nach Mitteln zu suchen, den fühlbar fortschreitenden Rüstungen zu Wasser und zu Lande ein Ziel"zu setzen". Man sieht an Worten hat eS auch damals schon nicht gefehlt. Gerade in den inzwischen verflossenen sechs Jahren aber hätten selbst die bürgerlichen Preßsöldner so viel lernen können, den neuen Worten jetzt erst recht nicht größeren Wert als schönen Träumen beizulegen. Die Abrüstung wird so lange ein Traum bleiben, als die Kapitalisten die Machthaber der politischen Gewalt sind, und die wirtschaftliche Konkurrenz das entscheidende Moment internationaler Beziehungen bleibt; es ist völlig verkehrt, die internationalen Rüstfragen bor- wiegend als Bestandteile der auswärtigen Politik zu be- trachten und zu beurteilen, ihre entscheidenden Wurzeln stecken in der inneren Politik der feudal-kapitalistischen Staaten. Nur die energische Demokratisierung der inneren Politik und die Wirt- schaftliche Stärkung der Arbeiterklasse könnten es dahin bringen, die Abrüstungsfrage aus dem Reich der Träume dem Reich der Wirklich- keit zu nähern.—_ Eduard von Hartmann f. Die moderne bürgerliche Philosophie hat wieder einen ihrer fähigsten Köpfe verloren. Eduard von Hartmann, dem weiteren Publikum vornehmlich als„der Philosoph des Unbewußten" bekannt, ist vorgestern in Groß-Lichterfelde bei Berlin gestorben. Er war 1342 in Berlin geboren, trat 1853 in das Garde-Artillerieregiment ein und wurde 1869 Offizier; infolge eines nervösen Kineleidens mußte er 1865 seinen Abschied nehmen und widmete sich nun wissenschaftlichen Studien. Im Jahre 1369 erschien seine„Philosophie des Unbewußten", die seinen Weltruf begründete und es heute über zehn deutsche Auflagen gebracht hat. Später hat er sich dann eigentlich so gut wie init allen Fragen beschäftigt, auch mit der sozialen und vielfach auch für Wochenschristen ständig gearbeitet. Seine Philosophie war zunächst ein Ausläufer der großen klassischen Periode und insofern im Gegensatz zu der jetzigen bürgerlichen Eintagsphilosophie wohltuend systematisch; in ihrem Wesen aber blieb sie in den bloßen„Ideen" völlig stecken, als sie der Welten Lauf aus dem Widerstreit von Wille und Vorstellung als den beiden Attributen der „unbewußten" Substanz zu erklären suchte. Daneben hat sich Hart- mann freilich nicht unweserrtliche Verdienste in der Kritik der Nichts- alS-Naturwtssenschastler erworben, im besonderen in seiner Kritik des Darwinismus, ein Verdienst, das man ruhig an- erkennen kann, ohne ihm damit in allen diesen Fragen recht geben zu sollen. Bei seiner Tendenz, Schapen- Hauer mit der Naturwissenschaft, diesen mit Hegel und diesen wieder mit Nitzsche zu verbinden, ist eS kern Wunder, daß er in starke eigene Widersprüche geraten mußte; aber er sah weder diese noch diejenigen in der ihm umgebenden politischen Außenwelt. Hier versagte er völlig, weil er weder die immanenten Kräfte des Wirtschaftslebens noch ihre positiven Vertreter in der Politik richtig bewerten konnte; auch hier blieb er Jahrzehnte zurück und über einen seichten Nationalliberalismus ist er in der Politik niemals Hinausgekommen.— � � Dcutlchcs Reich. Vom württembergischcn Landtag. Stuttgart, 5. Juni.(Eig. Ber.) Die Zweite Kammer des württembergischen Landtags vollzog in der abgelaufenen Woche die zweite Lesung des Gesetzentwurfs betr. die Errichtung von Gewerbe-'und Handelsschulen für Arbeiter unter 18 Jahren in gewerblichen und kaufmännischen Be- trieben. Die Dauer der Schulpflicht soll drei Jahre umfassen. Bei der Beratung des Artikels 1 kam es zu einer ausgedehnten Debatte über den Kreis der Arbeiter, für die die neu zu errichtende Schule zuständig sein soll. In dieser Debatte vertrat für die Sozialdemo- kratie der Abg. Keil den Standpunkt, daß die Schulen eigentlich für alle Arbeiter, nicht nur für die gewerblichen respektive gelernten Arbeiter, sondern auch für Hülfs- arbciter, Landarbeiter usw. da sein sollten. Er sprach sich im all- gemeinen gegen die auf dem Gebiet der Fortbildungsschulen be- stehende und durch das vorliegende Gesetz noch geförderte Zer- splitterung aus. Anstatt eine neue Spezialschule einzurichten, solle mau die bestehende allgemeine Fortbildungsschule ausbauen, den Tagcsunterricht bei ihr einführen usw. Dieser Anregung lvurde in- dessen keine Folge gegeben. Ebensowenig gelang es, die Schul- geldfreiheit, für die unsere Genossen S ch ä f f l e r und Keil eintraten, gesetzlich festzulegeu. Festgesetzt wurde, daß der Unterricht in 28t)Jahresstunden und zwar Werktags bis spätestens 7 Uhr abends zu erteilen ist. Doch kann auch Sonntags ein zweistündiger Zeichenunterricht erteilt werden. Der Antrag unserer Parteigenossen, den Unterricht am Sonntag ganz auszuschließen, wurde leider mit allen gegen unsere Stimmen ab- gelehnt. Zu einer ausgedehnten Debatte führte ein Antrag des Zentrums, auch den Religionsunterricht in den Lehrplan der neu zu errichtenden Schulen aufzunehmen. Dem Argument des Zentrums- redners, der diesen Antrag begründete, wonach der Geistliche der geeignete Mann sei, um die jungen Leute auf höhere und ideale Ziele hinzuweisen, trat in großer und eindrucksvoller Rede von unserer Seite der Abg. Blunr Hardt entgegen. Weder der Schule, noch den Schülern, noch der Religion selbst, so führte er aus, würde mit der Annahme des Zentrumsantrages gedient sein. Entschieden lvcndete sich Blumhardt, der bekanntlich früher selbst Pfarrer war, gegen die enge Auffassung, als ob n u r der Geistliche die einzige religiös-sitt- liche Erscheiimng in der Welt sei. Jeder Lehrer müsse in gleicher Weise sittlich auf die Jugend einwirken. Schon die Volksschule habe einen gefährlichen Schwanz am Religions- und kirchlich-konfessionellen Unterricht. Der werde so erteilt, tvie die Kirche ihn brauche, und da werde bis zum 14. Jahre schon zur Genüge im Einpauken kirchlicher Dogmen geleistet. Das sei dann wohl Erziehung zum religiösen Kultus, aber nicht zur Religion, zur Sittlichkeit. Die religiös-sittliche Anschauung, die hellte auf der Kenntnis der Wirklichkeit, auf der Kenntnis der Naturwissenschaften beruhe, ziehe er Lei weitem der Anschauung sener früheren Zeiten bor. wo die Religion im Sinne des Zentrums die ganze Gesellschaft beherrschte, und wo doch eine Verrohung und Entsittlichung bestand, vor der wir heute Grauen empfinden und deren Wiederkehr unsere ganze Kultur vernichten würde. Die sittlich-religiöse Empfin- dung sei unabhängig vom konfessionellen Zwang und sie spreche, auch wenn sie auf dem Boden der Naturwissenschaft und der modernen Weltanschauung beruht, gerade so des Menschen Herz an, wie kirchliche Lehren. Wenn es außerhalb der Kirche keine Religion geben könne, müßte man an der Religion überhaupt verzweifeln. Eines aber sollten sich unsere Gegner vor allem merven, daß auch derjenige, den sie nicht in ihrer Hand, unter ihrer Gewalt haben, eine sittlich-religiöse Er- scheinung sein kann. Der Geist der Wahrheit, von dem unser geistiges Leben getragen sein müsse, werde vomLaien oft in schönerer und größerer Weise vertreten als vom Gei st liche n. Und darum bekämpfe er den Antrag besonders, weil er den Geistlichen und somit die konfessionelle Trennung in die Schule einführen wolle. Im weiteren Verlaufe der Debatte sprach von unserer Seite noch Abg. Hildenbrand, der nachwies, daß der Antrag nur dem Streben nach Machterweiterung des Zentrums dienen solle. Der Antrag des Zentrums wurde schließlich in namentlicher Abstimmung nnt 53 gegen 22 Stimmen abgelehnt. Dagegen wurde mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokratie und Volkspartei ein Antrag angenommen, wonach die Schulvorstände den„freiwilligen Veranstaltungen zur sittlich-religiösen Förderung" ihrer Zöglinge ihre Unterstützung leihen sollen. Bei der weiteren Beratung gelang es, gegen den Widerspruch des Kultusministers, den Städten ein Vorschlagsrecht bei der An- stellung der Lehrkräfte zu sichern. Das Zentrum versuchte sodann noch, den Ortsschulinspektor, der stets ein Geistlicher ist, zum obligatorischen Mitglied des Gewerbeschulrats zu machen, fand aber auch hierbei keine Gegenliebe.— Eine„Informationsreise" des Erbprinzen zu Hohenlohe. Der stellvertretende Kolonialdirektor Erbprinz zu Hohenlohe trägt sich, nach dem„Tag", mit der Absicht, eine Informationsreise nach den afrikanischen Schutzgebieten zu unter- nehmen,„um sich, wie eS in der inspirierten Notiz heißt, auf Grund eigener Anschauung ein Urteil über den gegenwärtigen Stand der Entwickelung und über die Aussichten dieser unserer wichtigsten Kolonialgebiete zu bilden." Was aus solchen zeitig genug annonzierten und lediglich von interessierten Beamten unterstützten„Informationsreisen" schließlich herauskommt, ist seit den Zeiten des seligen Potemkin und seiner Dörfer hinlänglich erwiesen.— Die preußische Sechandlung als agrarische Pumpstation findet eine neue amtliche Bestäsigung in einem Erlaß des preußischen Finanzministers, den er als Erwiderung auf Monita der Oberrechnungskammer soeben veröffentlichen läßt. Es heißt darin über diese preußische Staatsbank u. a.: „Es entspricht durchaus ihrer Aufgabe als Staatsinstitut, wenn fie beispielsweise bei den früheren Meliorations- darlehcn niedrigere Zinssätze bewilligte, als sie bei ihren sonstigen Geschäften erzielen konnte und erzielte, wenn sie m neuerer Zeit dieselbe Politik befolgte und fortgesetzt befolgt bei den Darlehen, die sie in Mißjahren— wie im Jahre 1901— an notleidende Kreis« gewährt hat, oder mit denen sie ergänzend mit ihren eigenen Fonds bei dem Zwischenkredit für Rentengutsgründungen eintritt.. Das heißt aber nichts anderes, als daß dieses Finanzinstitut. das aus allgemeinen Mitteln der gesamten preußischen Steuerzahler erhalten wird, in erster Linie für agrarisch- junkerliche Pumpvorsuche zur Verfügung zu stehen hat. auch wenn es dabei auf Kosten der übrigen Staatsbürger sehr zweifelhafte oder direkt verlustbringende Geschäfte macht I— Schutz der weißen Autorität! Zur Haftentlassung der Kameruner Häuptlinge erfährt die„Tägl. Rundsch.", daß es sich keineswegs um eine Einstellung des Ver- fahrens handelt. Die Untersuchung gegen„Kmg Akwa" und seine Freunde sei überhaupt noch nicht geschlossen. Für die Gründ» lichkeit, mit der der neue Richter, Assessor Dr. Hetzel, die ganze An- gclegenheit behandele, spreche der Umstand, daß die Erhebungen über die Beschwerden der Häuptlinge nunmehr bereits zwei Monate dauern, ohne zum Abschluß gelangt zu sein. Die Haftentlassung sei lediglich deswegen verfügt, weil das bisherige Ergebnis der Unter- silchimg erwarten lasse, daß für die Verleumdungen und Be- leidigungen, deren sich die Häuptlinge schuldig gemacht haben, eine geringere Bestrafung für ausreichend erachtet werden dürfte, als das erste Verfahren sie erkannt hatte. Also soll JeSko noch ein Pflaster bekommen; eine geringere Bestrafung der Häuptlinge. Denn sonst ginge ja die Autorität flöten und Jesko und Brauchitsch wären allzusehr blamiert.— Der BrcSlauer Handabhackcr ist noch immer nicht gefimden, tvohl aber ist die Justiz fleißig an der Arbeit, um die Anklage gegen die angeblichen Exzedenten zusannWnzustellen.� Die Justiz- aktion hat ihre ganz besonderen Schönheiten. Die„Breslauer Zeitung" weiß, anscheinend vom Justizrat Mamroth inspiriert, zu berichten, daß in den Reihen der Verteidiger der Angeklagten große Mißstimmung darüber herrscht, daß ihnen vom UntersuchungS- richter Firle der Verkehr mit ihren Mandanten ganz un- gemein erschwert wird. Nach wie vor ist es den Verteidigern verwehrt, die Angeklagten, welche sich in Untersuchungshast befinden, unter vier Augen zu sprechen, trotzdem beim gegenwärtigen Stand der Untersuchung ein Grund für diese Maß- nahnien kaum mehr erfindlich sein dürste. Daß gegen B i e w a l d bereits Anklage erhoben sei, soll nicht zutreffen; er hat nur seine verantwortliche Vernehmung gehabt. Was die Entschädigungsfrage betrifft, so hat der Magistrat der Stadt Breslau. welcher gemäß der Bestimmungen des preußischen„TumultgcsetzeS" vom 11. März 1850 eventuell zum Schadenersatz verpflichtet sein würde, auf das diesbezügliche Anschreiben des Anwalts erwidert, daß er vorläufig zu der Angelegenheit keine Stellung nehmen könne. weil die Akten noch dem Untersuchungsrichter vorlägen und er daher der materiellen Grundlagen für seine Entscheidung entbehre. Da jedoch Biewald der nötigen Existenzmittel bedarf und andererseits das Gesetz zur Geltendmachung derartiger Ansprüche eine gewisse Präklusivfrist vorschreibt, wird in Kürze gegen den Magistrat Klage auf Zahlung einer lebenslänglichen Rente und einer namhaften einmaligen Entschädigung an Biewald eingereicht werden. Der„Volkswacht" wird noch mitgeteilt, daß am Morgen des Pfingstsonntages bei Biewald zwei Kriminalbeamte erschienen, die ihn ftagten, ob er Mütze oder Hut trage. Als Biewald erklärte, er trage beides, nahmen sie die vorgewiesenen Kopfbedeckungen, ohne zu sagen zu welchem Zwecke und in wessen Auftrage, an sich, und nur einen Hut ließen sie ihm auf seinen Protest hin. Danach scheint man doch immer noch nach irgend welchen Anhaltspunkten zu suchen, um auch Biewald auf d« Anklagebank zu bringen. Als Zeuge würde er danach natürlich ausscheiden. Dem Verbände der Handelshülfsarbeiter hat Lnstizrat Mamroth übrigens mitgeteilt, baß seine anderweitigen Ermittelungen sich Wort für Wort mit der Biewaldschen Darstellung des Herganges bei seiner Verwundung decken.—_ Zur Reichstagswahl in Hannover. Herr Matthias Erzberger hat dem hannoverschen Zentrums- tvahlkomitee mitgeteilt, daß es ihm unmöglich sei, unter den gegebenen Verhältnissen die Kandidatur in Hannover anzunehmen. In völliger Uebereinstimmung mit dem Vorstand der Zentrumsfraktion des Reichstages müsse er vielmehr dem dringenden Wunsche Ausdruck geben, wie es ganz natürlich ist, daß die Zentrnmswähler in Hannover ihre Stimme sofort in, ersten Wahlgange auf den Kandidaten der deutsch-hannoverschen Partei, Herrn v. Dannenberg, abgeben. So meldet die„Germania", die am 31. Mai auch die Mit- teilung brachte, daß Herr Erzberger die ihm angebotene Zähl- kandidatur für den 8. hannoverschen Wahlkreis angenommen habe! Beides, solvohl die An n ah me als die jetzt erfolgte Ab- l e h n u ii g der Kandidatur erfolgte unter Zustimmung des Vorstandes der Zentrumsfraktion. Der plötzliche Umschwung hat seine guten Gründe. Als bekannt wurde, daß Herr Erzberger die Kandidatur annehmen wolle, erklärten die welfischen Abgeordneten im Reichstage dem Zentrum, daß sie dann aus der Zentrumspartei, der sie als Hospitanten angehörten, austreten würden. Die protestantischen Welsen sind bekanntlich für das Zentrum als Parteianhang deshalb wichtig, weil sie den Charakter der kon- fessionellen Partei etwas verwischen helfen. Inzwischen hat aber das Zentrnmswahlkomitee bereits Wahlversammlungen abgehalten, auch ein Flugblatt— das alle bisher üblichen Verleumdungen gegen die Sozialdemokratie uberbietet— für Erzberger der- breitet. Darin heißt es:„Heran vor allem ihr Katholiken des Wahlkreises! Keiner bleibe zurück! Bedenket, was das Zentrum für euch getan hat in den schweren Tagen des Kulturkampfes! Windthorst euer glorreicher Führer ruft euch von seinem Grabe in der Marienkirche!" Die Kornackersche Zeitung in Hildesheim rüffelt nun Herrn Erzberger, und nennt sein Verhalten wenig taktvoll. Wie sich die hannoverschen Zentrumslcute verhalten werden, ist abzu- warten. Der Zentrumskandidat war ihnen nur im Kampfe gegen die Sozialdemokratie wichtig, da sie sicher sind, daß die katholischen Arbeiter statt den welfischen Baron und Rittergutsbesitzer doch lieber den sozialdemokratischen Arbeiter wählen. Im übrigen kann der Streit zwischen Zentrum und Welsen uns nicht im geringsten schaden, wir bauen auch darauf nicht die mindeste Hoffnung. Die Wahlagitation der Sozialdemokratie wird rüstig und eifrig weitergeführt und der 22. Juni wird beweisen, daß der Wahlkreis Hannover der Sozialdemokratie nicht entrissen werden kann.— Bor der rechten Schmiede. Der Baum der sächsischen Justiz zeitigt von Tag zu Tag wunderbarere Blüten. Da begehrt der Untersuchungsrichter in Leipzig gar, daß der anzuklagende Redakteur Anklagemoterial beschaffe und Jnsterburger Richter stellen an die Leipziger Richter das Ersuchen, ihnen zu bescheinigen, daß sie keine Klassenjustiz üben! Es erhielt �nämlich der Redakteur der„Leipziger Volkszeitung", Genosse F. S e g e r, der auch den politischen Teil der„Altenburger Volkszeitung", ein Kopfblatt der„Leipziger Volkszeilung", verantwortlich mitzeichnet, zum letzten Dienstag eine Vorladung auf das Amtsgericht, um sich da über den in Nr. 98 der„Altenburger Volkszeitung" befindlichen Artikel„Deutsche Klassenjustiz" vernehmen zu lasten. Auf der Vorladung war das Verlangen gestellt, der Re- dakteur solle weiteres Anklagematcrial zu den Akten überreichen. Denn es hieß dort: „Sie werden ersucht, die Nummer der„Leipz. Volkszeitung". in der jener Artikel enthalten war, zu den Akten zu überreiche n." Die erste Frage des vernehmenden Richters an den Genossen S eger war:„Haben Sie die„Leipz. Volksztg." mit. wo daS drin steht?" Auf die verneinende Antwort Segcrs wurde erwidert:„Ja, ich habe Ihnen doch geschrieben, daß Sie sie mitbringen sollen! Steht denn überhaupt der Artikel drin?" Auf die als Antwort ge- gebene bescheidene Anfrage des Genossen Seger:„Hat man hier wirklich geglaubt, daß ich die„Volkszeitung" mitbringen werde. damit die Anklage auch darauf ausgedehnt werden könne?" folgte beredtes Schweigen. Es wurde Genossen Scger nun eröffnet, daß er durch den Ar- tikel„Deutsche Klassenjustiz" die Richter einer Strafkammer des Jnsterburger Landgerichts beleidigt haben solle, weil an einen Bericht, wonach ein GutSinspektor, der einen Arbeiter erschossen hat, freigesprochen wurde, eine kritische Frage angehäiigt wurde. Ein Urteil gilt als„wissenschaftliche Leistung". Die an daS Jnsterburger Urteil geknüpfte Frage enthält ein tadelndes Urteil über den Jnsterburger dem Rechtsbewutztsein widersprechenden Freispruch. Mithin kann dies Urteil nach§ 193 St.-G.-B. keine Beleidigung sein. Fühlen sich Jnsterburger Richter dennoch beleidigt, so kritisieren sie selbst ihre Leistung dahin, daß sie keine wissenschaftliche Leistung sei. Wird ihr damit der Charakter einer rein handwerksmäßigen Leistung aufgeprägt, so bleibt das tadelnde Urteil über solche einer gewerblichen Leistung gleichgestellte Freisprechung doch immer im Rahmen des§ 193 St.-G.-B.. kann also keine Beleidigung sein. Kurios ist es, daß just die Leipziger Richter ein Urteil über wissen- schastliche oder handwerksmäßige Leistungen und über Klassenjustiz fällen sollen._ Freiherr Hehl zu Herrnsheim, M. d. R., schreibt uns: „In Nr. 123 des„Vorwärts" vom 30 Mai d. I. finden sichln einem Artikel„Geistige Waffen der Ordnungsparteien" die Worte: ...„der Journalist Hauncmaun, Vertreter der„WormserZtg." inDarm- stadt, also Soldknappe des Freiherrn von Hehl"... Im Interesse des durch die Bezeichnung Soldknappe in seiner Be- rufsehre herabgesetzten Herrn Hannemann sehe ich mich zu der Erklärung veranlaizt, daß derselbe weder direkt noch indirekt in irgend welchem Abhängigkeitsverhältnis zu mir sich befindet und seine journalistische Tätigkeit ohne jegliche Einwirkung von meiner Seite ausübt. Für die in dem angezogenen Artikel gegen Herrn Hannemann angewendete geringschätzige Bezeichnung fehlt daher jede tatsächliche Unterlage. Ueber den Fall Bcrthold selbst ist mir außer durch ihren Artikel nichts bekannt geworden." Der Rcichstagsabgeordnete für Worms schickt uns dieses Schreiben als Berichtigung auf Grund des 8 II des Preßgesetzes. Wir hätten daher nicht nötig gehabt es zu veröffentlichet, denn Frhr. v. Hehl zu Herrnsheim ist nicht befugt, für Herrn Hanneniann zu berichtigen. Wir veröffentlichen indes das Schreiben, weil es uns scheint, daß eS dem Herrn v. Hehl weniger um die Ehre des Herrn Hannemann zu tun ist, als darum, darzutun, daß er mit dem Bubenstück gegen den Genoffen Bcrthold nichts zu tun habe. Uns ist es übrigens sehr gleichgültig, ob der Hannemann direkter Angestellter des Wormser Lederkönigs ist. Durch die Bezeichnung Soldknappe des Freiherrn v. Hehl haben wir lediglich ausdrücken wollen, daß er für das Blatt arbeitet, das das Organ des Freiherrn v. Hehl ist. Und diese Tatsache wird nicht bestritten.— Für Herrn Oberstaatsanwalt Böhme- Leipzig. Das Bureau des„Deutschen Redakteurtages"(eine Vereinigung bürgerlicher Journalisten) teilt uns folgende Resolution mit, die auf der Tagung der Vereinigung gefaßt wurde: „Der Pfingsten 1906 in Braunschweig versammelte 5. deutsche Redakteurtag(auf dem zirka 1490 Stimmen vertreten waren) be- dauert, daß der Herr Oberstaatsanwalt Dr. Böhme in Leipzig sein Plaidoher dazu benutzt hat, das verantwortungsrciche Amt eines Redakteurs herabzusetzen, indeni er von einer„bloß Hand- werksmäßigen Tätigkeit" des Angeklagten gesprochen hat. Dagegen hält der„Rcdakteurtag" die Abwehr des Redakteurs Zerxn K.refsin, daß er seine angebliche handwerksmäßige Tätig- keit zum mindesten so hoch einschätze, wie die handwerksmäßige Tätigkeit des Herrn Oberstaatsanwalts, für durchaus angebracht und spricht ihm für die im Interesse der Standesehre gebotene Er- widerung seine Anerkennung aus."—■ Husland. Schweiz. Die sozialdemokratische Partei bcs Kantons Bern tagte am Pfingstsonntag in Thun. Der Vorort wurde von Jnter- laken nach B ü m p l i z, einer Vorgemeindc von Bern, verlegt. Die Berichterstattung aus den verschiedenen Kantonsteilen ergab, daß unsere Bewegung trotz aller Hetzereien von feiten der Bour- geoisie auch in ländlichen Gegenden anfängt zu wachsen. Nach einem Referat des Genossen Horrisberger- Bern gegen das Lebensmittelgesetz, das am 10. Juni dem Schweizervolk zur Ab- stimmung vorgelegt wird, wurde einstimmig dessen Verwerfung beschlossen. Einem Antrag der Sektion Ostermundigen(bei Bern) auf Schaffung geeigneter Agitationsbroschüren wurde nach einer lebhaften Diskussion zugestimmt und eine fünfgliedrigc Spezial- kommission eingesetzt, die populär gehaltene Schriften zur Massen- Verbreitung ausarbeiten soll. In diese Kommission wurden gewählt die Genossen Altherr, Baumgartner, Münch und Scherz in Bern und Tschabold im Bümpliz. Als Delegierte ins schweizerische sozialdemokratische Partei- komitee wurden ernannt die Genossen Gemeinderat G. Müller in Bern und Tschabold in Bümpliz. Als Delegierte für den schweizerischen sozialdeinokratischen Parteitag wurden 10 Genossen aus den verschiedenen Kantonsteilen gewählt. Gegen die Lex Silvestrelli wurde eine scharfer Resolution ge- faßt; in derselben wird hervorgehoben, daß dieses angeblich gegen die Anarchisten, in Wirklichkeit aber gegen die ganze moderne Arbeiterbewegung gerichtete Schandgesetz von der schweizerischen Arbeiterschaft mit aller Kraft bekämpft werden müsse. Nach Annahme dieser Resolution brachte Genosse Altherr einen Antrag ein, dem eine allgemein schweizerische Bedeutung zu- kommt. Dieser Antrag ging dahin, die Geschäftsleitung der schweizerischen sozialdemokratischen Partei zu ersuchen, bei Re- fcrendumskampagnen je drei Wochen vor Abschluß der Unter- schriftensammlung jede Woche über die bis zu dem betreffenden Datum eingegangenen Unterschriften in der Parteipresse Bericht zu erstatten, damit die Parteigenossen über den Stand der Unter- schriftensammlungen genau orientiert sind und notwendigenfalls noch in den letzten Tagen die fehlenden Unterschriften beibringen können. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Beim letzten Nationalbankrcferendum z. B., wo nur zirka 1000 Stimmen zum Zustandekommen- einer Volksabstimmung fehlten(29 000 anstatt 39 900), wäre es ein leichtes gewesen, die Unterschriften auf die notwendige Zahl zu ergänzen, wenn man über den Stand der Sammlung vorher Klarheit gehabt hätte. Bei Befolgung jenes Beschlusses dürsten unserer Partei in Zukunft derartige Blamagen erspart bleiben. » Sonntagsruhe in der Schweiz. Der Bern er Stadtrat hat entgegen den Anträgen des Ge- meinderats den Beschluß gefaßt, daß Spezerei- und Kolonialwaren- sowie Zigarrenhandlungen und Friseurläden an Sonntagen ganz- l i ch geschlossenTbleiben.— In Basel ist den Bäckcrgehülfen eine je 24stündigc Ruhezeit an den fünf hohen Festtages Weihnachten, Ostern. Pfingsten, Karfreitag und Himmelfahrt zugestanden worden. Der Ruhetag hat an den V o r a b e n d e n der genannten Festtage zu beginnen. Krankreich. Die unruhige Marine. In Brest veranstaltete die Mannschaft des Panzerschiffes „Admiral Aube", das dieser Tage nach Norwegen abgehen soll, am Dienstag aus VerdrnA darüber, daß sie seit der Rück- kehr des Schiffes aus Amerika keinen Urlaub erhalten hat, gegen den Kommandanten eine lärmende Kundgebung, bei der die Internationale gesungen wurde. Die Rädelsführer sind in Arrest gesetzt worden.— Slm selben Tage veranstalteten in Brest die Mannschaften des Panzerschiffes„Jeanne d'Arc" lärniende Kundgebungen. 32 Matrosen waren ohne Erlaubnis an Land gegangen und weigerten sich, an Bord zurückzukehren.— Schließlich wurden noch auf dem Kreuzer„La Marseille", der sich auf der Fahrt von Tonlon nach Brest befand, 50 Mann wegen Unbotmäßigkeiten verhaftet.— Paris, 6. Juni. schädiguug zu leisten, die in entsprechender Weise festgesetzt werden soll, wie es im Falle des Franzosen Pouzet geschehen ist, der im Jahre 1901 ermordet worden ist und dessen Familie hunderttausend Frank erhalten hat. Förmliche Entschuldigungen sollen ferner in der herkömmlichen Weise ausgesprochen werden. Endlich wird ge- fordert, daß an der Mordstelle ein Gelände an Frankreich abgetreten und ein Denkstein auf demselben errichtet wird.— Frankreich sieht sich veranlaßt, in der Angelegenheit Charbonnier eine weitergehende Genugtuung zu fordern, als sie für die Ermordung des Franzosen Pouzet und des Deutschen Dr. Genthe zugestanden worden ist, da Charbonnier in einem Teile der Küste ermordet wurde, von dem anzunehmen war, daß er für die Europäer jede Sicherheit biete, während Pouzet und Genthe sich auf Gebiet gewagt hatten, welches noch nicht unterKorsen war.— Natal. Die Kolonien! Der„Standard" meldet aus Durban, man befürchte dort, daß Dinizulu mit 600 Anhängern sich den Aufständischen angeschloffen habe.—_ Soziales* KSiehe auch 1, Beilage)'. Strafgesetzbuch einer großen Firma. Ein eigentümliches Strafgesetzbuch kam dieser Tage bor dem Berliner Kaufmannsgericht zur Sprache. Der Verkäufer Erich M. wurde am 16. September v. I. von der Firma P. Raddatz u. Co. gegen ein tägliches Gehalt von 4 M. zur Probe engagiert. Im Januar wurde das Probeengagement in ein festes Verhältnis um- gewandelt: es wurde die Frage des Kündigungsmodus dabei nicht berührt. Eines Tages kam M, fünf Minuten zu spät, bei welcher Gelegenheit khm der Personalchef mitteilte, daß er 30 Pf. Strafe verwirkt habe. Als M. seinem Erstaunen darüber Ausdruck gab, da ihm vorher nie etwas von Strafgeldern ge- sagt wurde, händigte ihm der Vertreter des Chess eiir Exemplar des Geschäfts-Strafgesetzbuches der Firma Raddatz u, Co. aus und wies ihn auf die in dem Buche einzeln aufgeführten Strafbestimmungen hin. Das Buch i st achtzehn'Seiten stark und enthält 32 Paragraphen. Am 28. Februar wurde M. zum 1. April gekündigt, womit ersterer sich jedoch nicht einverstanden erklärte, da eine vierwöchent- liehe Kündigungsfrist nicht vereinbart sei. Der Kläger M. verlangt nun das Siestgehalt. In der Verhandlung vor dem Kaufmanns- gericht wies der Vertreter der beklagten Firma auf den§ 26 ihres Strafgesetzbuches hin, in welchem es heißt:„Die Kündigung hat nur dann Geltung, wenn sie schriftlich mit vierwöchentlicher Kündigungsfrist erfolgt," Der Kläger behauptete demgegenüber, daß ihm bei Aushändigung des Strafgesetzbuches nicht ein Wort davon gesagt wurde, daß auch der Küudigungsmodus darin enthalten sei. Der Vorsitzende vcranlaßte den Vertreter des Beklagten, sich mit dem Chef, Herrn Ritter, telephonisch ins Einvernehmen zu setzen. Ritter erklärte per Telephon, er könne beschwören, daß er niit dem Kläger vierwöchentliche Kündigungsfrist vereinbart habe. Das Ge- richt beschloß, die Sitzung auf eine Stunde auszusetzen, um dann Herrn Ritter zu hören. Nach Wiederaufnahme der Sitzung erschien der Vertreter— allein. Ritter könne nicht kommen, er hätte„zu viel zu tun", da er„nach dem Orient fahren müßte". Nach kurzer Beratung beschloß das Kaufmannsgericht, auf Vernehmung und evcn- tuelle Eidesleistung des Ritter zu verzichten, dagegen den Kläger zu vereidigen und nach erfolgter Eidesleistung die beklagte Firma zur Zahlung von 250 M. zu verurteilen. Ein so wichtiger Paragraph wie der KündigungSmodus dürfe nicht im Rahmen einer 28 Seiten umfassenden Geschäftsordiimig an einer versteckten Stelle, mitten in 32 Paragraphen, untergebracht werden; er müsse viel- mehr an hervorragender Stelle und durch Sperr- schrift hervorgehoben, stehen, um Geltung zu haben. Wenn die Handlungsgehülfen in größerer Zahl die Verpflichtung einsehen würden, sich der Organisation der Handlungsgehülfen, dem „Zentralverband der Handlungsgehülfen und-Gchülfinnen Deutsch- tands"(Bureau in Berlin Neue Friedrichstraße 20) anzuschließen. so würden zaristische Strafgesetzkodexe für Handlungsgehülfen bald unmöglich sein.________ Hus der parteu Gilt sonderbares EiiicigiiungSvctfahren versuchte man in Halls an dem Genossen Kretschmann, dem Bevollmächtigten des zu Pfingsten eröffneten VolkSpartcs. Das Schicksal will eS, daß unser Grundstück vis-a-vis dem Grundstück eines„Mitbürgers", des KommerzienratS Lehmann, liegt. Da Herr Lehmann als der wohlhabendste Mann Halles gilt, forsches Mitglied des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie ist, und da im Volkspark der größte Saal Halles erstehen soll, in dem die„Umstnrzideeit" propagiert werde» sollen, so dürfte Herrn Lehmann sein prächtiges Gegenüber nicht allzugroße Freude bereiten. Mag schon sein, daß die Herren Reichs- verbändler sich beunruhigt fühlen, wenn sie bei ihren Beratungen immer die Hydra der Revolution vor Augen haben.— Es fiel uns daher nicht auf, als sich kürzlich ein unbekannter Herr an unseren Genossen Kretschmann heranmachte und sich erbot, ihm unser Grund- stück mit einem riesigen Preisaufschlag abzukaufen. Unser Genosse sollte„nur" 100 000 M. dabei„verdienen". Natürlich ging er auf den Verrat nicht ein. Der Unbekannte hatte eS abgepaßt, unseren Genossen unter vier Augen zu sprechen. Als sich aber' unser Genosse bemühte, die Personalien des sonderbaren Käufers zu ermitteln, da verschwand der Unbekannte.. Das 25 jährige Jiibiläum seines Bestehens feierte am 3. Juni der B r ü ii n e r„ V o l k S f r e u n d", der an diesem Tage deS Jahres 1881 zum erstenmal erschien. Aus dem unscheinbaren, monatlich zweimal erscheinenden Blättchen ist ein auch von i-cn Gegnern respektiertes Arbeiterblatt geworden, das zurzeit zweimal wöchentlich erscheint und das auf dem besten Wege ist, zu einem Tageblatt zu werden. Die prächtig ausgestattete Jnbiläumsnummer bringt ein herrliches Titelbild von Walter Crane und literarische Beiträge von früheren und jetzigen Mitarbeitern, denen sich auch Grüße von auswärts anschließen. Solche senden Bebel, Kautsky, KeirHardie, Robert Seideln, a.— Die sozialistische Fraktion der französischen Kamincr hat sich konstituiert und die Genossen Dejcante, Deroze und Groussier zu ihren Sekretären, den Genossen Delory zum Kassierer und Archivar ernannt. In den Nationalrat der Partei werden entsandt: Allemane, Brousse, Custano, Groussier, Guesde, Jaurös, Pressense, Rouanet, Sembat, Vaillant, Veber, Willm.— Beschlossen wird, die Regierung zu interpellieren über ihre allgemeine Politik, insbesondere über ihre Haltung zur Arbeiterklasse. Der Nation al rat hat zu Pfingsten eine Vollversammkung in Paris abgehalten, zu der die Vertreter der Föderationen in der Zahl von 150 erschienen waren; auch der englische Genosse Mac- donald wohnte der Sitzung bei. Nachdem die Delegierten Bericht über die letzten Wahlen gegeben, wurde die Wahl zweier Kom- Missionen vorgenommen; die eine hat die Taktik der Partei zu bis- kutieren und eine Prinzipienerklörung auszuarbeiten, die andere er- hielt den Auftrag, die Organisationsverhältnisse im Loiregebiet zu mitersuchen, wo zwei verschiedene Parteifraltionen den Eintritt ru die geeinte Partei fordern. 61nc TagcSzcUung der englischen Arbeiterpartei wird, wie wir der„Justice" entnehmen, vom 26. Juni ab in London heraus gegeben werden. Herausgeber und Chefredakteur soll der Journalist Mortimer Holden werden. Holden war bei den letzten Wahlen Kandidat der Arbeiterpartei für Accrington; früher leitete er 17 Jahre lang die„Lancashire Arbeiterzeitung" und war jetzt der parlamentarische Korrespondent für Arbeiterfragen für die„Daily Mail". Seitdem er vor 20 Jahren zum erstenmal Hyndman und Morris in einer Versammlung hörte, gehört er der Arbeiterbewegung an; da er ein begabter Journalist ist, scheint er der richtige Mann zu sein, um ein so schwieriges Unter nehmen zu leiten.„The Majority"— Die Mehrheit, wie das neue Blatt Heisjen soll, wird, um mit dem großkapitalistischen Zeitungsuntcrnehmen konkurrieren zu können, auf breitester Grund läge errichtet. Die englischen Sozialisten und Gewerkschafter sollen durch Gewinnbeteiligung an dem Unternehmen interessiert werden Für 1000 Leser der„Majority" soll dem Parlamentarischen Fonds der Arbeiterpartei 1000 M., für 100 000 Leser 100 000 M. zugeführt werden usw. Gelingt eS dem neuen Organ, die englische Arbeuer schaft auch unabhängig von der kapitalistischen Presse— ob kon- fervativ oder liberal— zu machen, so wäre das ein immenser Fortschritt zur Selbständigkeit der Arbeiterklasse. poliretlickes» 0ertcbtUcheo ulw. Mißglückte Staatsrettung. In Danzig hatte der Genosse Voßl Danzig ein Strafmandat von 50 M. nebst 8 M. Kosten— billiger macht man es in Danzig nicht— erhalten, weil er im Monat Januar in einem Dorfe eine geheime Versammlung abgehalten haben sollte. Voß war jedoch von seiner Unschuld so fest überzeugt, daß er gerichtliche Entscheidung beantragte, und vor dem Schöffengericht wurde durch die Zeugenaussage die ganze Haltlosigkeit der An schuldigung bewiesen. Der Gastwirt, in dessen Lokal das Verbrechen begangen sein sollte, bekundete, daß er dem Boß das Lokal verboten habe. Der Sozialdemokrat sei auch sofort gegangen. Der Gendarm. der die Anzeige gegen Voß erstattet hatte, mußte dem Gericht sagen, daß er aus eigener Kenntnis nichts wisse, sondern nur durch Hören- sagen s!!) etwas erfahren habe.(Da sieht man, wie Strafmandate zustande kommen.) Natürlich mutzte der Genosse Boß auf Grund solcher Aussagen freigesprochen werden. GetverKIcbaftlicKes. Zur BuchbinderauSsperrung liegt ein Dokument vor. das so charakteristisch sowohl wahren Absichten der Arbeitgeber als auch die Natur die des heutigen Klassenstaates widerspiegelt, daß es verdient, im vollen Wortlaut wiedergegeben zu werden. Dasselbe lautet C. H. Schwabe Buchbinderei Stuttgart. Telephon Nr. 3. Stuttgart, den 30. Mai 1906. Tübingerstr. 83. Herrn(folgt Name und Ort). Höflich bezugnehmend auf Ihr Geehrte? vom 27. er. an die Vereinigung der Arbeitgeber der Buchbindereien Stuttgarts teile ich Ihnen hierdurch mit, daß Sic sowie Ihre zwei Kollegen s o« fort in meine Großbuchbinderei eintreten können. Wegen des Streiks brauchen Sie keine Sorge zu haben, denn erstens arbeiten sowieso einige Leute schon bei mir, 2. habe ich für den nötigen Schutz(durch Polizei) gesorgt, 3. werden die Rädelsführer unv Hetzer(Agitatoren) in allen Städten (Stuttgart. Berlin. Leipzig) nicht wieder eingestellt. Sie haben also von diesen nichts zu befürchten! Die Hauptsache ist die, daß Sie sich von den Streikposten nicht abhalten lassen; dann haben Sie in meinem Geschäft, wenn sie gute Arbeiter sind, bestimmt dauernde und gutbezahlte Beschäftigung. Fahrgeld 3. Klasse vergüte ich gerne, sobald Sie 4 Wochen lang in n, einem Geschäft sind. Sollten Sie also geneigt sein, bei mir eintreten zu wollen, so bitte ich Sie um gefälligen sofortigen Bescheid. Achtungsvoll C. H. Schwabe. Glück hat ja Herr Schwabe mit seinem heißen Werben „licht gehabt, köstlich ist aber die Naivität, mit welcher er über die Polizei zum„nötigen Schutz" für die Streikbrecher verfügt. „Meine Herren! Wir arbeiten ja nur für Sie"— sagte bekanntlich Herr v. Bötticher, weiland preußischer Minister, zu den Unternehmervertretern im Reichstage. Ganz so rechnet Herr Schwabe auch auf die Polizei in Stuttgart und verrechnet sich bei solcher Kalkulation durchaus nicht. denn vor allen Aussperrungsbetrieben in Stuttgart steht stramm ein Schutzmann— der Unternehmerinteressen— kann man hinzufügen. So gebietet es das„Staatsintercsse". In der Stadt der abgehackten Hand das vergebliche Suchen nach dem„uim sichtigen" Schutzmann und in Stuttgart, Berlin und Leipzig die Schutzwachen vor den Aussperrungsbetrieben, damit die „Rädelsführer. Hetzer und Agitatoren nicht wiedereingestellt zu werden brauchen." Und der Kollegenschaft in der„Provinz" wird die un- würdige Rolle zugedacht, als Verräter ihrer Berufsangehörigen schimpflichen Streikbruch zu verüben. Das alles wird und soll den Herren aber nicht ge° lingen!_ Ein neuer Ulitcrnehmer-Trutzverband. Der in Göttingen tagende Hannoversche Handwerkertag faßte sine Resolution, überall die Bildung von Arbeitgeber-Fachverbänden vorzunehmen zwecks Gründung eines allgemeinen Schutzverbandes gegen Streiks. Wenn die Herren ihre Aufgabe so anffaffen, daß sie durch Eni- gegenkommen gegenüber berechtigten Arbeitcrforderungen Streiks verhindern wollen, dann werden Erfolge die Früchte ihrer Wirksam- keit sein. Berlin und Umgegend. Die Aussperrung der Lithographen und Steindrucker. Am Mitt- woch waren die Berliner Ausgesperrten im Gewerkschaftshause per- sammelt, um den Bericht über den Stand des Kampfes entgegenzunehmen. Der Referent Bartels kennzeichnete die gegenwärtige Lage folgendermaßen: Noch vor kurzem gaben die Unternehmer und deren Organe kund, daß 8-, 10-, ja 16 000 Berufsangehörige in Deutschland ausgesperrt werden sollten. Auch jetzt noch spricht das Organ des Unternehmerverbandes von 5000 Stcindruckern und Lithographen, die zurzeit ausgesperrt sein sollen ohne die Streikenden, die außerdem noch hinzugerechnet werden müßten. Nach einer von den Arbeitnehmern gemachten Aufnahme, die sich auf alle in f frage kommenden Städte erstreckt, kann dagegen festgestellt werden. aß gegenwärtig in ganz Deutschland 2790 Berufsangehörige aus- gesperrt sind. Dazu kommen noch 8S0, die schon vor der jetzigen Aussperrung im Streik standen oder ausgesperrt waren, so daß die Zahl der Streikenden und Ausgesperrten insgesamt 3610 beträgt. Das ist etwa ein Fünftel aller organisierten Lithographen und Stein- drucker. Dieso Zahlen beweisen, daß die Aussperrung bei weitem nicht den Umfang angenommen hat. den sie nach den Absichten der Scharfmacher annehmen sollte. Auch in Berlin hat die Zahl der Ausgesperrten bei weitem nicht die erwartete Höhe erreicht. Während man damit gerechnet hatte, daß am Sonnabend 1500 Arbeit- nehmer in Berlin ausgesperrt werden würden, sind nur 330 Lithographen und 400 Stcindrucker von der Aussperrung betroffen. 20 Firmen sind an der Aussperrung beteiligt. In einer Anzahl von Lohndruckereien und bei Privatlithographen ist es zu Arbeits- einstellungen gekommen, weil die Arbeiter verhüten wollten, daß in diesen Betrieben Streikarbeiten für die aussperrenden Firmen an- gefertigt werden. Es ist aber bereits in den meisten Fällen eine Verständigung darüber erzielt worden, daß alles, was als Streik- arbeit zu betrachten ist, zurückgestellt wird und nur einwandsfreie Arbeiten angefertigt werden.— Unter den bei den aussperrenden Firmen beschäftigten Kollegen herrscht volle Einmütigkeit. Bis auf einzelne Abtrünnige hat keiner sich den Bedingungen der Unter- nehmer unterworfen. Einmütig haben die Kollegen die Betriebe verlassen. Die wenigen, die sich den Unternehmern unterworfen haben und stehen geblieben sind, können den Kampf nicht zuun- gunsten der Arbeiter beeinflussen. In Augsburg und in Elberfeld haben die Unternehmer die Kündigungen zurückgezogen, dort ist also keine Aussperrung erfolgt. In Heilbronn, Solingen und Dresden hat je eine Firma den Aus- sperrungsbeschluß nicht ausgeführt,— Die Lage des Kampfes ist nach alledem für die Arbeiter äußerst günstig, sie können deshalb mit der Gewißheit deS Sieges dem weiteren Verlauf der Dinge entgegensehen. Oeutfehes Reich. Der Lohnsklaven Empörung. Druck erzeugt Gegendruck! Das erleben nun auch die Swmmlinge im Saarrevier. Hier glaubt man in altgewohnter Willkür den ungezügelten Herrenstandpunkt aufrecht erhalten zu können. Nicht einmal die den Harmoniestandpunft Per- tretende christliche Organisation fand vor den Herrschern in Saarabien Gnade. Und lange, lange Zeit waren die Berg- und Hütten- sllaven geduldig und gehorsam jedem Machtgebot. Aber schließlich mußte die verhaltene Wut. der in der Tiefe wirkende Groll gleich einem Naturgesetz in offene„Widersetzlichkeit" sich geltend machen. Und das ist geschehen. Unterm 6. Juni wird aus Saarbrücken gemeldet: Eine stark besuchte Versammlung der Burbacher Hüttenleute be- schloß die Arbeit niederzulegen, nachdem den Arbeitern vom Direktor der Hüttenwerke ihre Forderungen abgelehnt worden waren. So wurde den Arbeitern unter anderem die Erlaubnis verweigert, dem christlichen Metallarbeiterverband beizutreten. Infolgedessen werden 1300 Hüttenarbeiter heute die Arbeit niederlegen. Wie auch diese Widersetzlichkeit gegen Unternehmerwillkür- Herrschast auslaufen mag, der Bann ist gebrochen, der Anstoß zu einer weitergreifenden Belvegung ist gegeben. Einmal zum Bewußt- sein der Menschenwürde, der Gleichberechtigung und der Kampf- fähigkeit erwacht, werden die Lohnsklaven in das alte Joch nie mehr sich zurechtfinden._ Dekorierte Streikposten. Bei der Aussperrung der Lithographen und Steindrucker sind in Dresden einige ältere Arbeiter mit auf die Straße gesetzt worden, die das von der sächsischen Regierung gestiftete Ehrenzeichen für Treue in der Arbeit haben, das nach 30jähriger ununterbrochener Arbeitsdauer bei einer Firma verliehen wird. Die für ihre Treue in der Arbeit jetzt ausgesperrten Arbeiter wollen die Medaille bei dem Streikpostenstehen tragen, um so zu veranschaulichen, wie das Unternehmertum Treue in der Arbeit lohnt. Kampf im Baugewerbe. In Düren(Rheinl.) hat der Arbeit- geberverbaud für das Baugewerbe am 2. Juni zirka 100 Maurer und BauhülfSarbeiter ausgesperrt, um die Aufhebung einer Sperre zu erzwingen, die verhängt war, weil von den Maurern Putzerarbeit (Streikarbeit) verlangt wurde. Die organisierten Maurer und Hülfs arbeiter beschlossen, bei allen Unternehmern, welche jetzt die im rühjahr aufgestellten Forderungen nicht bewilligen, gleichfalls die lrbeit einzustellen. Dadurch kam es bereits zu weiteren Arbeits- niederlegungen. Die Zahl der Ausgesperrten resp. Stteikenden hat bereits 150 überschritten. Die Arbeitgeber wollten am Sonnabend. den 2. Juni, den Stukkateuren die Forderungen bewilligen. Diese Genossen haben jedoch die Aufnahme der Arbeit von dem Kampfe der Maurer und BauhülfSarbeiter abhängig gemacht. In einer Tarifbcwegung stehen die in den Kunstanstalten usw. beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen der Buchbinderbranche Nürnbergs. Eine Kommission erhielt den Auftrag, die Tarif- Vorlage für Nürnberg und Fürth möglichst einheitlich zu gestalten und demnächst einer Versammlung vorzulegen, die dann definitiv Stellung nehmen soll. Die Aussperrung in den gesamten Betrieben der dem Verbände deutscher Kachclofenfabrikanten angeschlossenen Unternehmer ist mit dem 2. Juni perfekt geworden. Bis jetzt sind der Zentralleitung 41 Orte gemeldet, in denen die Aussperrung proklamiert worden ist. Der Verband der Töpfer hat den Kampf mit frischem Mute aufgenommen. Ii« unterstützen sind mit den im Streik befindlichen Kollegen zirka 1700 Mann. Der Verband ist imstande, diesen Machtkampf völlig aus eigener Kraft führen zu können. Eine Beendigung der Aussperrung ist nur möglich, wenn der Stteik in Breslau beendet wird. Eine am 1. Juni kurz vor Tores- schluß in Breslau stattgefundene Sitzung vor dem dortigen Gewerbegericht verlief völlig resultatlos, da den Breslauer Unternehmern durch das schneidige Eingreifen des Ofen protzentums jetzt der Kamm geschwollen ist. Die Herren waren in jener Sitzung sogar so fr— ivol, da? Ansinnen zu stellen, daß die Breslauer Töpfer jetzt zu ungünstigeren Bedingungen die Arbeit aufnehmen sollten, als vorher von ihnen bereits zugestanden Unter solchen Verhältniffen war eine Beendigung des Kampfes un- möglich. Es soll nun am 11. Juni ein Schiedsgericht zusammen- treten, zusammengesetzt aus je drei Vertretern der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Diesem Schiedsgericht sollen auch die Vorsitzenden des Fabrikantenverbandes und des Zentralverbandes der Töpfer an- gehören. Der Schiedsspruch soll nicht bindende Kraft erhalten. Möglich, daß diese Verhandlung den Frieden bringt. Dieser aber ist nur möglich, wenn das Unternehmertum den Arbeitern in weitgehendem Maße entgegenkommt. Der Verband der Töpfer ühlt sich stark genug, den Kampf auf der ganzen Linie führen zu können. Zustatten kommt, daß die beiden Arbeitgeber� Organisationen im Töpfergewerbe sich einander nicht grün sind, andererseits haben viele Fabrikanten dem Aussperrungsbeschlusse nur in der Hoffnung zugestimmt, daß aus der Aussperrung nichts wird. Diese leiden nun an Warenmangel und haben große Geschäfts- einbüßen. Ein erheblicher Teil der Fabrikanten gehört der Organi- sation nicht an und hat gar nicht ausgesperrt.— Weiterhin brennt den Breslauer Unternehmern der langwierige Streik bereits stark auf den Nägeln. Andererseits ist die Haltung der Breslauer Streikenden sowohl wie die der Ausgesperrten einfach mustergüttig. Wie ein Mann halten die Stteikenden fest, wie ein Mann haben die Ausgesperrten die Betriebe verlassen! Unter solchen Umständen kann der Organi- ätion um den Erfolg nicht bangen. Sie steht einig und geschloffen da und wird dem brutalen Machtspruch der Kachelprotzeu zu be- gegnen wissen I Aussperrung. Die Maschinenfabrik Recke in Rheydt hat von ihren Arbeitern, da die Arbeiter der Maschinenabteilung im Streik beharren. 90 Proz. ausgesperrt. Zum Straßenbahncrstreik in Dortmund. Nicht Uebermut hat die Leute zum Streik gettieben, sondern die bittere Not. Sie waren immer sehr bescheiden und„gesiimungStüchtig". fie wachten ängstlich darüber, daß jeglicher äußere Einfluß von gewerkschaftlicher Seite ferngehalten blieb. Bisherige Organisationsversuche waren noch immer vergebens. So war's, bis das Regiment Schmieding anbrach. h. bis die Sttaßenbahn in städttsche Regie überging. Verlänge- mng der Arbeitszeit, rigorose Strafen und eine fast unmenschliche Behandlung hat nun die Leute zu dem verzweifelten Schritte des Streiks getrieben, nachdem die Verwaltung auf die Beschwerden der Leute mit Maßregeln geantwortet hatte. Daß es soweit kommen mußte, ist einfach ein Skandal. Die Forderungen der Leute sind so bescheiden, daß kein Mensch den ablehnenden Bescheid der Verwaltung begreifen wird. Damit sich die Welt überzeugen kann, in welch bescheidenen Grenzen sich die Forderungen der Straßenbahner bewegen, seien sie hier angeführt. Sie sind geteilt in s) allgemeine Forderungen, b) Lohnforderungen. Allgemeine Forderungen: 1. zehnstündiger Arbeitstag; gemachte Ueberstunden werden mit dem Lohnsatz gleichgestellt; 2. angefangene Stunden müssen voll bezahlt werden; 3. als Ruhetag ist jeder achte Tag anzunehmen; 4. das Kleidcrgeld soll fortfallen; 5. den Wagenführern müssen Regen- mäntel kostenlos gestellt werden: 6. die Kilometergelder sollen nach dem früheren Satz bestehen bleiben, anfangend nach einem halben Jahre; 7. die einbehaltenen sechs Schichten müssen zurückgezahlt werden; 8. die Tage, welche durch den Streik verloren sind, müssen nach- gezahlt werden. Lohnforderungen: Anfangsgehalt 95 M.. nach einem halben Jahre 100 M.. nach einem Jahre 105 M.. nach zwei Jahren IlOM. und dann von zwei zu zwei Jahren um 5 M. steigend bis zum Höchstgehalt von 1600 M. Ferner wünscht das Personal die Einrichtung einer Pensionskasse. Die Verwaltung hat die Forderungen abgelehnt und damit den öffentlichen Skandal heraufbeschworen. Die sonst so bescheidenen Straßenbahner besannen sich auf ihre Menschenwürde und legten voller Enttüstung die Arbeit nieder. Sie ernteten damit den ungeteilten Beifall der Arbeiterschaft Dortmunds. Der Betrieb ruhte auf allen Linien, die Verwaltung suchte jedoch baldmöglichst Ersatzlräfte heranzuziehen. Zum Teil haben sich solche in den Werkstattarbeitern der Straßenbahn gefunden, außerdem fungierten eine Anzahl Schutzleute als Fahrer. Trotz aller Bemühungen ist es aber nicht gelungen, mehr als 13 Wagen fahren zu lassen, während sonst an gewöhnlichen Wochentagen etwa 70—75 Wagen verkehren. Der Unwille der Bürgerschaft ist bedenklich hoch gestiegen, was der Verwaltung aber gänzlich gleichgültig zu sein scheint. Denn anstatt eine Verständigung mit den Leuten zu suchen, hat sie am Sonnabend sämtliche Streikende entlassen. Die Straßenbahner selbst bezeichneten die Ankündigung der Eni- lassung als einen Schreckschutz und beschlossen, nur die Arbeit ans- zunehmen, wenn die Forderungen anerkannt würden. NichtSdesto- weniger muß das brutale Verfahren der Verwaltung vor aller Welt gebrandmarkt werden. Es mutz auch festgenagelt werden, daß solche Zustände in einer Kommunalverwaltung möglich sind, wo zwar die Nattonalliberalen die Mehrheit haben, das Zentrum aber infolge eines Kompromisses entscheidenden Einfluß ausübt. ZZusland« Eine« glänzeuden Sieg haben die Jnnsbr ucker Tischler errungen. Nach einem Vertrag, der durch Vermittelung deS Statt- Halters zwischen ihnen und den Meistern nach voraufgegangenen Streik zustande kam. ist folgendes festgelegt: Neunstundentag mit l�stiindiger Mittagspause und 6 Uhr abends Arbeitsschluß; Minimallohn von 3 Kronen 40 Heller(3 Mark) und vom 1. Juli ab 3 Kronen 60 Heller. Die Niederlage der Scharfmacher drückt sich aber noch deutlicher aus in dem Umstand, daß sich die Meister ge- zwungen sahen, von Organisation zu Organisation zu verhandeln. Die von den Scharfmachern des Baugewerbes inszenierte allgemeine Bauarbeiteraussperrung mußte schon nach 14tägiger Dauer wieder aufgehoben werden. Die Aussperrung der Wiener Bauarbeiter wächst sich zu einer allgemeinen Aussperrung aller in den Barigewerben beschäftigten Arbeiter, als Stukkateure, Tischler, Schlosser, Dachdecker, Anstreicher, Maler, Bildhauer, Steinmetzer, Glaser usw., aus. Wenigstens haben die Baumeister den Unternehmern dieser Branchen, mit denen sie zu- sammen den„Zentralverband der Baugewerbebetriebe" bilden, diese Order gegeben. Dadurch glaubt man die Bauarbeiter und Maurer mürbe zu machen. Ob sich dem Befehl der Scharfmacher die Mehr- zahl der Meister fügen wird, bleibt freilich abzuwarten. Bis jetzt läßt sich der Umfang der Aussperrung noch nicht genau feststellen. Ein Zimmererstreik in Holland. Die Zimmerer in Leiden find vor ungefähr acht Tagen in den Streik getreten. Anfangs beteiligten sich nur 34 Mann; inzwischen ist die Zahl der Streikenden auf 200 an- gewachsen, so daß der Stteik sowohl in der Stadt selbst wie in der Umgebung allgemein ist. Gefordert werden statt des 11 stündigen der 10 stündige Arbeitstag und 23 Cent Stundenlohn. Die Arbeitskammer sucht zu vermitteln. Letzte ffJacbricbtcn und Oepelcben. Sympathie für die Duma- Parks, 6. Juni.(Privatdepesche unseres Pariser Karre- spondenten.) Tie sozialistische Kammergruppe bereitet eine Sympathiekundgebung für die russische Reichsduma vor. In- dessen hat die Fraktion noch nicht darüber entschieden, ob sie auch die Kammer zu solcher Kundgebung veranlassen wird. Streikfortsetzung. Breslau, 0. Juni.(W. T. B.) Die ausständigen Former und Gießer sowie die ausgesperrten gewerkschaftlich orgamsierten Metallarbeiter haben in einer heute vormittag abgehaltenen Ver- sammlung beschlossen, weiter im Kampf auszuharren, da die Ver- Handlungen mit der Breslauer Maschinenbauanstalt wegen Bei- legung des Former- und Gicßerausstandes dortselbjt ergebnislos geblieben sind. Die russischen Agrarunruhen. Petersburg, 6. Juni.(B. H.) Nach hier eingetroffenen Mel- düngen sind in fast allen Gouvernements Agrarunruhen ausgc- brachen. In verschiedenen Orten kam eS zu Zusammenstößen, wobei viele Personen verletzt wurden. Bom internationalen Bergarbelterkongreß. London, 6. Juni.(W. T. B.) Ter internationale Berg- arbeiterkongrcß nahm in seiner heutigen Sitzung einen Antrag der deutschen Delegierten an, wonach die Beschäftigung von Kindern unter 14 Jahren im Bergwerlsbrtriebe gesetzlich verboten werden soll. Die englischen und französischen Delegierten enthielten sich der Abstimmung, da sie von ihren Verbänden keinen Auftrag hatten. Erdbeben. Tanger, 6. Juni.(W. T. B.) Ein Erdbeben in Fez am I. Juni wurde in dem deutschen Konsulat um 3 Uhr 29 Minuten morgens örtlicher Sonncnzeit durch einen starken Stoß wahrge- nommen. DaS HauS schwankte zwei- bis dreimal von Südwesten nach Nordosten und zurück. In der tiefer gelegenen Altstadt wurde das Beben weniger, dagegen in der oberhalb des Konsulats ge- legenen Judenstadt stärker verspürt. Der Stoß soll dort so stark gewesen sein, daß Kinder umfielen, Türen aufsprangen und Wanduhren stehen blieben. Eingeborene versichern, daß em leiser Stoß etwa um 2 Uhr nichts vorangegangen sei. Anarchistendeportatio». New Jork, 6. Juni.(B. H.) Hiesigen Blättern zufolge ist der Negierung der Plan unterbreitet worden, eine Insel zur Jnter- nierung gefährlicher Anarchisten aller Länder herzugeben. Diese soll von Kriegsschiffen bewacht werden, welche ein Entweichen der Internierten unmöglich machen. Lerantw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärts Bucht r. u. VcrlagSaustalt Paul Singer& nnt der Matzgabe genehmigt, datz diele Genehmigung nur für die Dauer der kommunalen Zustimmung bis 1919 erteilt wird. Die von der Strombehörde beabsichtigte Errichtung einer offent« lichen Ladestelle vor Hallesches Ufer 23 wurde abgelehnt. Ei» Diner im neuen Krimiualgerichtsgebäude. Eine bemerkens» werte Neuerung bezw. Verbesserung stellen zwei von dem„Verein sür Kaffeestuben und ErsrischungSkarren" eingerichtete Büfetts dar. die gestern in dem neuen Gerichtsgebäude eröffnet wurden. An Stelle eines Automaten- Büfetts, wie es im alten Gebäude ein- gerichtet war. find nunmehr in de» Zimmern 205 und 604 in der ersten bezw. dritten Etage zwei Erfrischungsräume eingerichtet. In diesen werden Bouillon. Kaffee. Kakao. Limonaden sowie mehrere andere alkoholfreie Getränke zu mätzigen Preisen verschenkt. Besonders angenehm dürste es aber für die- jenigen Zeugen u. a. fein, die ohne„einen warmen Löffelstiel" im Magen zu haben, stundenlang auf den Korridoren warten müssen, datz nunmehr auch die Einrichtung getroffen ist, warme Speisen an das Publikum verabfolgen zu können. Es wird von gestern ab auf vorherige Bestellung sogar ein ganzes Diner zu sehr billigem Preise verabfolgt. Ein Goulasch kostet z. B. nur 30 Pf., ein Kotelett mit Kartoffeln 50 Pf.. Wurst mit Salat 25 Pf. Rumsteak und Schnitzel 60 Pf. usw.— Die Küche befindet sich im Kellergeschoß, von dort werden die Speisen mit einem elektrischen Fahrstuhl an die Ausgabestellen geschafft. Eine weitere Neu- einrichtung, die insbesondere bei den zahlreichen dienstlich beschäf- tigten Personen im Gerichtsgebäude grossen Beifall finden wird. besteht darin, datz die Küche telephonisch mit den Bureauräumen verbunden ist. Die bestellten Speisen werden durch einen hierzu bestellten„Boy" an Ort und Stelle geschafft. Trotz dieser erfreu- lichen Einrichtung dürfte es in den Räumen der Justitta viele geben, denen der Appetit dort von vornherein vergeht. Der volle Betrieb auf dem Teltowkanal wird kaum vor Anfang nächsten Jahres aufgenommen werden köimen. Am weitesten zurück sind noch die Arbeiten für den Zollhafen in Tempelhof, woselbst jetzt erst die Ouaimauern, welche gleichzeitig die Grundmauern für den 80 Meter langen Zollschuppen bilden, fertig gestellt find. Gleich- zeitig mit den Ausschachtungsarbeiten für den Keller des großen Zollschuppens werden auch die Erdaushebungen für den neuen Zoll- Hafen vorgenommen und gefördert. Die PlanierungSarbeiten sür den neuen Zollbahnhof, welcher zwischen dem Güter- schuppen und der Mariendorferstratze in Tempelhof angelegt wird, sind bereits beenoet. Vor kurzem ist auch mit der GleiS- Verlegung des Anschlußgleises von der Mittenwalder Bahn nach dem Zollbahnhof begonnen worden. Autzerdem ist aber noch der Bau einer zweiten Anschlußbahn an der Südseite deS Kanals in Aussicht genommen, welche den direkten Güterverkehr nach der Görlitzer Bahn ermöglichen soll. Die Ländereien an den beide» Ufern des Teltowkanals in der Gegend des ZollhafenS find im Besitze von Terraingesellschasten. welche dort die Anlage grosser Güterschuppen planen, die ebensallS an die Mittenwalder Bahn und durch diese an die StaatSbahn angeschlossen werden sollen. Die Schiff- fahrt auf dem Kanal ist zurzeit noch autzeroroentlich schwach, lltur wenige Kähne fahren von Grünau aus in den Per- bindungskanal ein. um Lasten nach den am Kanal belegenen Fabriken oder nach der englischen Gasanstalt zu befördern. Die volle Durch- sahrt durch den Kanal wird voraussichtlich kaum vor Ende August oder Ansang September möglich sein, da die Ausschachtungsarbeiten an der noch fertig zu stellenden Strecke bei Grotz-Lichterfelde erheb- liche Schwierigkeiten bieten. Der Boden ist an dieser Stelle in hohem Matze morastig, so datz zur Festlegung der Böschungen noch immer Erdnachschüttungen erfolgen müssen. Dagegen ist der Stich- kanal, welcher die Verbindung des Teltowkanals mit der Spree bei Baumschulenweg herstellen soll, jetzt fertig und auch die Anlage für die elektrische Treidelei durchgefiihrt. Die Schleusenanlage bei Machnow sah am Dienstag schon einen ernstlichen Schiffsunfall. Nachmittags um Vi® Uhr explodierte auf dem von der Schleuse nach Kohlhasenbrück abgehenden Motorboote kurz nach der Abfahrt der Benzinbehälter unter laMem Knall, und die Flammen schlugen aus der Maschine hervor. Die Fahrgäste �etwa 120) wurden von einer Panik ergriffen, sie waren alle köpf- los. Selbst die Bemannung des Bootes wutzte sich nicht zu helfen und löschte daS Feuer viel zu spät. Die meisten Männer sprangen über Bord und kletterten auf die Böschungen. Die Frauen und Kinder wurden an Land getragen. Einige Passagiere haben leichte Verletzungen davongetragen. Der Materialschaden ist bedeutend. Zwei BootSunfälle fanden vorgestern resp. gestern auf dem Müggelsee statt. Am Montagnachmittag kenterte daS Boot eines Berliner SeglerklubS, in welchem sich der Besitzer deS Fahrzeuges, der Bankbeamte B., mit drei Freunden befand. Alle vier Personen wurden gerettet und nach dem Restaurant Seebad Bellevue gebracht. Einer der Verunglückten, der Techniker K., war bei dem Unfall mit dem linken Fuss zwischen das Tauwerk des Seglers geraten und hatte infolgedessen eine erhebliche Verletzung am Schienbein erlitten, die seine Ueberführung nach Berlin notwendig machte.— Gestern nachmittag kenterte ein von den Schuhmachergesellen Bilder und Lenke geführtes Ruderboot, vermutlich infolge Unachtsamkeit eines der Insassen. Der deS Schwimmens kundige B. vermochte sich allein zu retten, während sich L. an dem Fahrzeug festhielt, bis Hülfe zur Stelle kam. Immer wieder der Unfug mit Schußwaffe«. Das unvorsichtige Spielen mit Teschings haben wieder zwei Personen schwer büßen müssen. Der 35jährige Briefträger Hermann Kaiser, Salzuser 2 wohnhaft, hantierte in einer Laubenkolonie in Charlottenburg so unvorsichtig mit der Waffe, datz sich dieselbe entlud und ihm die Ladung in den rechten Unterschenkel drang.— Ebenfalls schwer verletzt wurde durch das unvorsichtige Umgehen mit der Schutzwaffe der 28 jährige Schuhmacher Walter Lukas aus der Weimarerstratze 31. Er erhielt einen Schutz in den linken Unterarm. Beide Verunglückte fanden die erste Hülfe auf der Unfallstation XI. Ein neues Kabelwerk in Obcr-Schöneweide. In nächster Zeit wird Ober-Schöneweide ein zweites Kabelwerk erhalten. Eine Ge« sellschaft in Mühlheim a. Rh. wird ein solche? errichten und fie hat bereits in der Tabbertstratze ein ausgedehntes Terrain angekauft. Mit dem Bau des Kabelwerkes wird noch in diesem Jahre begonnen werden. Eine bemerkenswerte Amtsniederlegung hat sich in der ersten Sitzung des Ausschusses der Bäcker-Jnnungen zur Regelung der Frage de» Hefekartells vollzogen. Der frühere Obermeister der Bäcker-Jnnung„Germania" erklärte seinen Austtitt aus dem Aus- schütz und begründete denselben mit den gegen ihn gerichteten ge- hässigen Angriffen. Er schlug vor, an seinerstott den stellvertretenden Vorsitzenden des„Germania"-Verbandes, Obermeister Milledille, zu wähle».— AuS den Beratungen ist von besonderem Interesse der Beschlutz, nach welchem dem Hefesyndikat im Einverständnis mit den Bezirksvereinen die Lieferung von Mischhefe oder Hefe an Waren- Häuser und zu Festzeiten an Kolonialwaren« und Vkehlhandlungen untersagt werden kann. Dagegen müssen die Bäcker die Verpflichtung übernehmen, eine gleiche Quantität Hefe abzunehmen wie sonst Warenhäuser resp. Mehlhändler beziehen würden. Ueber ungesunde Zustände in zwei Gemeindrschulen wird folgende» berichtet: Unerträglich sind seit einiger Zeit die hygienischen Ver« Hältnisse in der 135. und 137. Gemeindeschule in der Friedenstratze. Lehrer und Schüler werden oft von Unwohlsein befallen, und die Lehrer tragen sich ernstlich mit dem Gedanken, zu streiken, wenn nicht bald AbHülse geschaffen wird. Die Unzufriedenheit ist auf die der Schule benachbarte Knochenmühle von O. Cramer zurückzuführen, Diese Anstalt für Abfallverwertung tierischer Rohprodukte verpestet We ganze Umgegend. Deshalb müssen die Klassenfenster jener Schulen stets geschlossen bleiben, weil Lehrer und Schüler sonst durch die penetranten Gerüche von Uebelkeit befallen werden. Wie unangenehm und gesundheitsschädlich aber namentlich bei heißen Tagen der Aufenthalt in der stickigen Luft der Schulräume ist und wie die unterrichtlichen Erfolge hierunter leiden, bedarf keines Be- weises. Der Kreisarzt Sanitätsrat Dr. Jacobsohn und ein Mitglied der Gewerbeinspektion haben nach erfolgter Untersuchung die Miß- Stände anerkannt und darüber an die Sanitätskommission berichtet. äe die Beschwerde an den Bezirksausschuß weitergegeben hat. Auf der Knochemnühle arbeitet ein starker Motor, der das angrenzende Schulhaus in ständiger Vibration hält. Auch hierunter haben Lehrer und Schüler stark zu leiden. Der Schularzt Dr. Semmler und der praktische Arzt Dr. Heß haben übereinstimmend begutachtet, daß Kinder mit schwachen Nerven durch die fortwährenden Erschütterungen dauernden Schaden an ihrer Gesundheit erleiden können. Daß hier schleunigst Abhülfe geschafft werden muß. liegt auf der Hand. Das Polizeipräsidium verweigert zwar grundsätzlich die Genehmigung zur Errichtung derartiger Anlagen im Innern der Stadt, stoßt aber hierbei oft auf den Widerspruch des Bezirksausschusses, wie es auch in diesem besonderen Falle geschehen ist. Hoffentlich nimmt sich die Berliner Schulverwaltung der Angelegenheit in der Jriedenstraße energisch an._ KirchenauStritt und Richter. Durch die im Flusse befindliche AuStrittsLewegung aus der Landeskirche werden die Anitsgerichte erheblich in Anspruch ge- nommen. Fast täglich finden Termine statt, in denen die Austritte vor dem Richter zu Protokoll erklärt werden. Im allgemeinen wickelt sich dieses formale Geschäft glatt ab, über daS hiesige Amtsgericht sind unS wenigstens erhebliche Beschwerden nicht zugegangen, obwohl in einigen Fällen auch Schwierigkeiten gemacht wurden. Anders scheinen die Dinge in R i x d o r f zu liegen. Ueber das dortige Amtsgericht wird ständig Klage geführt, daß alle möglichen Scherereien gemacht würden. Jetzt wird uns folgender Fall berichtet: Zwei Arbeiter aus Baumschulenweg zeigten dem Amtsgericht ihre Austrittserkläruug an, worauf sie die übliche gerichtliche Zuschrift erhielten, innerhalb einer gewissen Zeit sich zur persönlichen Erklärung auf dem Amts- qcricht einzufinden. In der gerichtlichen Benachrichttgung steht zu lesen, daß der Austretende seine Erklärimg in der Zeit vom 2.— 12. Juni von 10—12 Uhr beim Amtsgericht Nixdorf zu Protokoll geben könnte. Gesagt, getan! Am 5. Juni begibt sich der Arbeiter nach dem Rixdorser Amtsgericht, um seine Erklärung abzugeben, er wurde aber damit zurückgewiesen, weil nur die Montage und Donnerstage zu diesem Zwecke festgesetzt seien. Dagegen protestiert der Genosse unter Hinweis auf die amtliche Aufsorderung, vom 2.— 12. Juni seine Erklärung abzugeben. Und was war die Antwort auf diesen Protest? Der Richter erklärte: „Sie holen sich doch sonst vom Wahlverein die A uS k u n f t." Wir halten diese Antwort für eine ganz ungehörige, die mit der Sache gar nichts zu tun hat. Der Richter hat lediglich die Er- klärung entgegenzunehmen, oder wenn er Grund hat, sie zurückzu- weisen; im übrigen aber geht ihm die Parteistellung des seinen Austritt aus der Kirche Erklärenden gar nichts an. Nach der amt- lichen Mitteilung muß jeder vernünftige Mensch ohne weiteres an- nehmen, daß jeder Tag, der in die Zeit des Austrittstermins fällt, für diesen Zweck frei ist. Sind mir Ausnahmetage angesetzt, so müssen diese auf der amtlichen Benachrichtigung vermerkt sein. Jedenfalls aber kennzeichnet sich die Aeußerung des Rixdorser Richters als eine solche, die entschieden gerügt werden muß. Folgende Warnung erläßt der Polizeipräsident: Da mit dem Eintritt der wärmeren Jahreszeit die Pilze wiederum in der all- gemeinen Ernährung eine Rolle zu spielen beginnen, wird darauf hingewiesen, daß auch anerkannt genießbare und bekömmliche Sorten geeignet sein können, die menschliche Gesundheit zu schädigen, sobald sie eine teilweise Zersetzung erlitten haben. Es ist daher beim Einkauf und beim Sanimeln von Pilzen darauf zu achten, daß nur junge, durchaus gesunde Exemplare als Nahrungsmittel Verwendung finden dürfen, während die alten ausgewaschenen, sehr wässerigen oder in Zersetzung befindlichen Pilze zu verwerfen sind. Ein sicheres Merkmal, giftige Pilze von unschädlichen zu unter- scheiden, gibt eS außer der genauen Kenntnis der einzelnen Sorten nicht. Die hierfür empfohlenen Mittel. Eintauchen eines silbernen Löffels, Mitkochen einer Zwiebel oder ähnliche, sind nur geeignet, Irrtümer herbeizuführen und daher zu verwerfen. Es nmß deshalb davor gewarnt werden, unbekannte Sorten von Pilzen zu genießen. Besonders wird darauf hingewiesen, daß in der Umgebung Berlin? ein den: Wiesen-Champignon ähu- sicher Pilz, der„Knollen blätterschwamm", vorkomnit, der stark giftig ist, sich vom Champignon aber durch den am Grunde knollig-verdickten Stiel, das Fehlen des würzigen Geruches und die Farbe der Lamellen unterscheidet. Während diese nämlich beim Champignon in der Jngend rosa, später bräunlich und dunkelbraun gefärbt sind, zeigen sie bei dem Knollenblätterschwamm stets eine weiße Farbe. Da dieser Pilz nur wild wächst, be- steht die Gefahr einer Verwechselung bei den künstlich gezüchteten Champignons nicht. Der vielfach verkaufte„Steinpilz" ist in hiesiger Gegend gefahrbringenden Verwechselungen nicht ausgesetzt, doch empfiehlt es sich, alle ähnlich aussehenden Pilze vom Genuß auszuschließen, sobald sie an der Bruchfläche in kurzer Zeit blau anlaufen. Ferner wird bemerkt, daß die Unschädlichkeit der gelegentlich auf den Markt gelangenden sogenannten„Trüffel", eines nuß- bis kartoffelgroßen, knolligen und ungesttelten, der echten Trüffel ähnlichen Pilzes, der aber außen gelblich-weiß gefärbt und häufig warzig-schuppig ist, noch nicht erwiesen ist, so daß sein Genuß besser unterbleibt. Im allgemeinen kann empfohlen werden, alle Pilze— auch die getrockneten— nach dem Reinigen mit kaltem Wasser zunächst einmal mit Wasser aufzukochen, dieses Wasser fortzugießen und die Pilze alsdann erst weiter zu verarbeiten. Vorzüglich gilt dies für die„Morcheln", unter welchem Namen hier fast ausschließlich die„Lorcheln" verkauft werden, die einen gesundheitlich nicht unbedenklichen, aber durch das Abkochen nach bisherigen Erfahrungen zu entfernenden Stoff enthalten. In einer Schießbude das Auge anSgeschossc». In die königl. Klinik in der Ziegelstratze ist gestern die neunjährige Tochter deS Büdners Hagelmann au» Saiidkrug bei Eberswalde, die einem be- dauerlichen Unglücksfalle zum Opfer gefallen ist. eingeliefert worden. Auf dem Schützenplatze in EberSwalde hatte die Schwester des Schießbudenbesitzerö Linke eine mit einem Bolzen geladene Büchse zum Schusse lveitergereicht. Die Waffe muß wohl nicht gesichert gewesen sein, denn plötzlich entlud sie sich und das Geschoß drang der in der Nähe stehenden K. direkt ins rechte Auge. Mit einem Aufschrei brach die Kleine zusammen. Als das zahlreiche Publikum das schwere Unglück bemerkte und sah. wie sich das bednuernswerte Mädchen in seinem Schmerze wand, erhob sich ein furchtbarer Tumult. Man wollte den Schießbudenbesitzer lynchen und nur mit großer Mühe gelang eS den hinzuspringenden Polizeibeamten, das schlimmste zu verhüten. Die kleine K. wurde nach der königl. Klinik in der Ziegelstraße gebracht. Das rechte Auge ist vollständig ver- nichtet und auch das linke ist sehr gefährdet. Berliner Asylverein für Obdachlose. Im Monat Mai nächtigten im Männerasyl 21 274 Personen,»vovon 10 0S3 badeten, im Frauenasyl 4492 Personen, wovon 1200 badeten. Ein Paket Berdandsbücher vom Verband der Buchdruckerei- Hülfsarbeiter, Ortsverwaltung Berlin II. ist auf dem Wege von der Alten Jakobstraße bis Ackersttaße verloren gegangen. Der ehrliche Finder wird gebeten, dieselben im Bureau, Alte Jakobstraße 5, ab- zugeben. Feuerwrhrlericht. Wegen eines größeren Brandes wurde der 16. Zug nach dem Kohlenvahnhof m der Fennstr. 22/26 gerufen. Dort brannten Kohlen. Die Feuerwehr mußte längere Zeit kräftig Wasser geben, um die Flammen zu löschen. Während der Nacht blieb eine Brandwache von drei Mann auf der Brandstelle zurück. Gestern früh mn 8 tlhr kam in der Großgörschenstr. 33 ein gefährliches Feuer aus. Dort standen bei Ankunft des 12. Zuges Kisten, Holz- wolle u. a. in einem Keller in Flammen. Es gelang, den Brand auf den Keller zu beschränken. In der Demminerstr. 7 war nachts die Strohverpackung eines Wasserleitungsrohres durch Unvorsichtigkeit in Brand geraten und in der Wullenweberstr. 9 früh um 3 Uhr Lumpen lt. a._ Vorort- JVadmdrten» Charlottenburg. Ein Kindesmord ans Rache ist in Charlottenburg verübt worden. Dort hat im Hause Eosanderstraße 26 das 16 Jahre alte Dienst- niädchen Frieda Schütz aus Rache darüber, daß es wegen ver- schiedener Unregelmäßigkeiten seineu Dienst verlassen sollte, das drei Monate alte Söhncheu Kurt des Maschinisten Hegnow mit Zucker- säure vergiftet. DaS Mädchen soll nach anfänglichem Leugnen im Untersuchungsgefängnis ein umfassendes Geständnis abgelegt haben. In der am 30. Mai abgehaltenen öffentlichen Gewerkschaftsversammlung. in der besonders die Bauberufe stark vertreten waren, referierte der Genosse Maurer Emil Lehmann über: „Die Schädlichkeit der Akkordarbeit im Maurergewerbe, die Aus- fperrung der auf dem Neubau des Schiller- Theaters beschäftigt gewesenen 68 Maurer und die Behandlung dieser Angelegenheit in der Stadtverordnetenversammlung am 28. März er." Vor Einttitt in die Tagesordnung gab der Leiter der Ver- sammlung, Genosse F l e m m i n g, bekannt, daß die Herren Direktor Loewenfeld vom Schiller-Theater, Oberbürgermeister Schustehrus, Bürgermeister Matting, Stadtbaurat Professor Schmalz, Stadtbau- inspektor Wintcrstein und sämtliche Stadtverordneten zur Ver- sammlung schriftlich eingeladen worden find, daß aber nur die sozialdemokratischen Stadtverordneten der Einladung Folge geleistet haben. Schriftliche Entschuldigungen sind von den Herren Direktor Loewenfeld, Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Rosenberg und von den Stadtverordneten Otto, Protze, Dr. de Gruyter, Bartsch und Hirsch eingegangen. Die anderen Herren haben es nicht für nötig gehalten, der Sache irgend welche Beachtung zu schenken. In seinen Ausführungen wies der Referent unter anderem nach, daß durch die Akkordarbeit im Maurergewerbe nicht nur das Leben der beteiligten Arbeiter in große Gefahr kommt, sondern auch das Leben der Bevölkerung, die die Häuser bezieht, in erheblichem Matze gefährdet wird. Der Referent führte einige markante Beispiele von Unfällen an: Einstürze von Treppen, Wänden, Bögen usw., die Opfer an Menscheuleben gefordert haben, weiter Fälle, wo die Polizei Häuser, die schon bezogen waren, wegen Einsturzgefahr räumen ließ rcsp. beim Abbruch von Nachbar- Häusern besondere Borsichtsmatzregesil anordnen mußte— wie im Januar d. I. Ansbacherstratze Nr. 15. Diese Beispiele erweckten bei allen Anwesenden die Gewißheit, daß hier die Instanzen, denen die Bauaufsicht untersteht, nicht ihre Schuldigkeit getan haben, aber auch vermöge. ihrer jetzigen Zusammensetzung nicht tun können, da sie nicht praktisch durchgebildete Leute heranziehen, die doch zu einer durchgreifenden Konttolle notwendig sind. Bis zur Regelung dieser Verhältnisse müsse man aber mindestens verlangen, daß auf städtischen Bauten ein Arbeitssystem be- obachtet werde, welches die Gewähr dafür biete, daß das Arbeits- Produkt, das Maurerwerk, an Solidität und Stabilität nichts zu wünschen übrig läßt und daß alle Matznahmen ergriffen werden, um Unfällen gründlich vorzubeugen. Im zweiten Teile seines Referats legte Lehmann folgendes dar: Auf dem Neubau des Charlottenburger Schiller-TheaterS wurden am 10. März dieses Jahres sämtliche Lohnmaurer entlassen und durch Akkordmaurer ersetzt I Die Entlassenen führen ihre Entlassung darauf zurück, daß sie— entsprechend den Anordnungen der Bauverwaltung— gute und saubere Arbeit hingestellt haben und den Wünschen des Unternehmers Baetge: etwas mehr zu leisten,„da es nicht genau darauf ankomme", nicht nachgekommen sind. Daß sie wiederholt an den Unternehmer resp. dessen Beauftragten herangetreten sind wegen Instandhaltung der Rüstung und Jnnehaltung der Unfallverhütungs-Vorschriften, machte ihr Maß noch voll. Fünf erfreulicherweise als leicht zu be- zeichnende Unfälle sind passiert, die alle auf die Mängel der Rüstung, der Schutzdächer und Abdeckungen zurückzuführen waren. Die Organisation der Maurer nahm zu der eigentümlichen Ent- lassung ihrer 63 Kollegen Stellung und verlangte an der Hand einer Resolution die Behandlung der Angelegenheit in der Stadt- verordneten- Versammlung sowie die Entlassung der Akkordarbeiter, von dem Grundsatze ausgehend, daß die Praktiken der Akkordmaurer — unter Außerachtlassung der technischen Vorschriften— nicht dazu angetan sind, eine gute und solide Arbeit hinzustellen. Im Zusammenhange mit diesen Vorgängen hatten die sozial- demokratiichen Stadtverordneten Charlottenburgs in der Stadt- verordnetensitzung am 28. März d. I. folgenden Antrag eingebracht: „Die Versammlung möge beschließen: Der Magisttat wird ersucht, erneut die Frage der Anstellung von Arbeitern als Baukontrolleure in Erwägung zu ziehen." Der Antrag wurde abgelehnt I Zu ver- urteilen ist hierbei daS Verhalten der bürgerlichen Vertreter, ins- besondere das deS Herrn Oberbürgermeisters. Hat dieser doch an der Hand einiger Sachverständigen-Urteile den„Beweis" zu er- bringen versucht, daß die Akkordmaurer auf dem Neubau des„Schiller- Theaters" nur solide Arbeit hingestellt haben! Demgegenüber konnte der Referent mitteilen, daß er selber an Ort und Stelle den mit der Verwaltung betrauten Baumeister auf äußerlich sichtbare Schäden aufmerksam gemacht habe I Auch trat er den Beweis an, daß die Rüstung nicht immer in vorschriftsmäßigem Zustande war. (Bemerkt sei hierbei, daß auch später, und zwar am 4. oder 5. Mai, ein Lehrling abgestürzt und erheblich verunglückt ist!) In der Diskussion sprachen sich Angehörige der verschiedensten Berufe gegen die Akkordarbeit aus und kritisierten die Behandlung, welche die bürgerlichen Vertreter, sowie der Magisttat der Angelegen- heit zuteil werden ließ. Genosse Stadtv. Dr. Borchardt führte unter lebhaftem Bei- fall aus, daß die Arbeiter zum Teil selbst daran Schuld haben, daß ihnen nicht die nötige Beachtung geschenkt wird. Das unentschlossene Vorgehen bei den Wahlen, die Zersplitterung der Arbeiter in ver- schiedene Organisationen ttage dazu bei. Nachdem noch einige auf dem Bau des Schiller-Theaters be- schäfttgt gewesene Lohnmaurer verschiedene vom Oberbürger- meister aufgestellte Behauptungen widerlegt hatten, wurde folgende Resolution angenommen: „Die versammelten protestieren auf das entschiedenste gegen die Beschäftigung von Akkordmaurern beim Neubau des Schiller- Theaters sowie gegen die Behandlung, die die diesbezügliche An- frage der fozialdemokrattschen Stadtverordneten seitens der bürger- lichen Stadtverordneten und des Magistrats erfuhr, insbesondere gegen das Auftreten deS Oberbürgermeisters Schustehrus, der schwere Beschuldigungen gegen die gewerkschaftlichen Führer er- hoben hat. Die Versammelten verpflichten sich, in noch stärkerem Maße als bisher stir die Beseitigung der Akkord- arbeit zu agitieren, ihre Kollegen über die Schädlichkeit dieses Systems aufzuklären und erheben von neuem die Forderung an die Gesetzgebung: Einführung von Bau- kontrolleuren aus den Kreisen der Arbeiter. Sie konstatieren, daß auch bei dieser Gelegenheit die sozialdemokrattischen Stadt- verordneten die einzigen waren, die die Interessen der Arbeiterklasse vertteten haben, und geloben, bei zukünftigen Wahlen alles daran zu setzen, damit die arbeiterfeindlichen bürgerlichen Stadt- verordneten aus dem Parlament vertrieben und durch Sozial- demokraten ersetzt werden." Unter„Verschiedenes" wies Genosse Flemming auf die Lohn- bewegung der Barbiere und Friseure hin und ersuchte, den Boykott gegen die nichtbewilligenden Firmen streng durchzufiihren. Ferner ersuchte er, die Lokalliste streng zu beachten, namentlich die Wilmers- dorfer Genossen in ihrem Kampfs gegen die Saalbesitzer zu unter« stützen. Mit einem Hoch auf die gewerkschaftliche und die politische Be« wegung schloß die sehr gut besuchte Versammlung. Köpenick. Die Stadtverordneten-Ersabwahlen für die ausgeschiedenen Ge- nassen August Rochlitz und Theodor Hüpenbecker finden an folgenden Tagen statt: Für die in der A l t st a d t wohnhaften Wähler am Dienstag. den 5. Juni 1906, nachmittags von 5—8 Uhr, im„Stadt- Theater", Friedrichstr. 6; für die in der D a m m- V o r st a d t wohnhaften Wähler am Mittwoch, den 6. Juni 1 906, nachmittags von 5—8 Uhr, im Restaurant„Schweizergarten", Lindenstt. 4; für die in der K i e tz e r V o r st a d t wohnhasten Wähler am Donnerstag, den 7. Juni 1906, nachmittags von 5— 8 Uhr, im Restaurant Ludwig. Dorotheenstr. 1; für die in der C ö II n i s ch e n V o r st a d t wohnhasten Wähler am Freitag, den 8. Juni 1906, nachmittags von 5—8 Uhr, im Restaurant Scheer, Rudowerstt. 1. Kandidaten sind: Herr August Tauchert, Gastwirt, Müggel- heimerstr. 4, und Herr Karl L i e r, Maurer, Grünauerstr. 30. Am Freitagabend findet eine Wahlvereins- Versammlung im „Kaiserhof" statt, in welcher das Wahlresultat bekanntgegeben wird. Das Wahlkomitee. Wilmersdorf. Fernsprechdicbstahl in Wilmersdorf. Ein neuer Fernsprechdiebstahl ist. jetzt auch in Wilmersdorf entdeckt worden. Am Freitag, den 1. Juni, um 2 Uhr früh sind in der Berlinersttaße daselbst zwischen den Stangen 16 und 18 die Drähte von 92 Fernsprechanschluß- leitungen von Dieben durchschnitten worden. Ehe der Draht auf- gerollt werden konnte, sind die Diebe von Polizisten überrasckt worden. Die Ergreifung der Diebe ist den Polizisten aber nicht gelungen. Für die Ermittelung der Täter hat der kaiserliche Ober- postdirektor wieder eine Belohnung von 300 M. ausgesetzt. Teltow. Zum Ehrendürger der Stadt Teltow ist anläßlich der Einweihung des Teltowkanals Landrat von Stubenrauch ernannt worden. Einen eigenartigen Fund machten gestern Passanten der Groß- Lichterfelder Chaussee. In der Böschung lag in ZeitungSpapier ein- gewickelt die Leiche eines neugeborenen Kindes, welche schon in Ver- wesung übergegangen war. Auf Anordnung der Polizei wurde die Leiche nach der Teltower Leichenhalle gebracht. Gembtö- Zeitung. Antelmannsche Kolonialpraxis vor dem Kaufmannsgericht. Ein kleiner Kolonialskandal rollte sich gestern bor der ersten Kammer des Kaufmannsgerichts ab. Die Verkäuferin Hedwig P. klagte gegen das Deutsche Kolonialhaus Bruno Antelmann wegen Ausstellung eines ordnungsmäßigen Zeugnisses. Im März d. Js. war es im Geschäftslokal wegen geringfügiger Ursache zu einem „Krach" gekommen. Zwei Faß Mostrich sollten herbeigeschafft werden, und da die die Hausdienerarbeit versehenden Neger gerade ausgeschickt waren, so sollte die Klägerin die Arbeit verrichten. Diese weigerte sich jedoch, die schweren Fässer zu holen, und im Verlaufe des sich daraus entspinnenden Stteites verließ sie sofort den Dienst. Der Beklagte stellte nun der Klägerin ein Zeugnis auS, in dem es unter anderem heißt:„Hedwig P. würde unter einer st rengen Leitung ganz brauchbar sein". Die Klägerin, die ursprünglich auch 21 M. Restgehalt einklagte, diesen Anspruch aber fallen ließ, da sie gleich andere Stellung gefunden hat, klagt jetzt nur auf Ausstellung eines anderen Zeugniffes, indem sie ausführt, daß dieses durch seine Fassung geeignet sei. sie unter Umständen in ihrem späteren Fort- kommen zu behindern. Das Kaufmannsgericht war der Ansicht, daß der Beklagte nicht berechtigt sei, die Brauchbarkeit der Klägerin b e- dingungsweise zu attestieren. Ein Zeugnis soll sich nur über Art und Dauer. Führung und L e i st u n g aussprechen; es ist aber nicht dazu bestimmt, dem zukünftigen Chef bestimmte Direktiven für die Behandlung zu geben, die dem Zeugnisempfänger gegenüber am Platze ist. Der Bellagte mußte sich daher zur Streichung der inkriminierten Satzwendung ver- stehen._ Teltower Beschwerderecht. Besonderes Interesse für die Bewohner der Stadt der weißen Rüben bot eine gegen den Fuhrherrn Kegel, den Malermeister Schulze und den Gehülfen Henkel gerichtete Anklage wegen verleumderischer Beleidigung des Polizeiwachtmeisters S i e d o w zu Teltow. Der Strafantrag war vom Landrat v. Stubenrauch gestellt. Zur Verhandlung hatten sich zahlreiche Bewohner der kleinen Provinzialstadt gestern in dem Schöffengerichtssaal des Amts- gerichts Berlin II. eingefunden. Herr Kegel ist ein bekannter Fuhrherr, der u. a. auch den Omnibusbetrieb vom Teltowcr Bahnhofe nach der Stadt unter sich hat. Er hat mit dem Polizeiwachtmeister Siedow Differenzen gehabt, in deren Folge er wegen Beleidigung des Herrn Siedow zu 30 M. Geldstrafe ver- urteilt worden ist. Er hat dann im Verein mit Herrn Schulze eins Eingabe an das Landratsamt gerichtet und diesem verschiedene. die Person des Polizeiwachtmeistcrs Siedow betteffende Behaup- tungen zur Prüfung unterbreitet. Es wurde u. a. behauptet, daß Herr Siedot» eines Abends im August 1904 gegen 11 Vi Uhr. als er mit anderen Polizeibeamten aus Berlin kam, den Omnibus besttegen und mit seinen Begleitern durch lautes Singen und großen Lärm die öffentliche Ordnung gestört habe, daß er einmal so betrunken gewesen sei, daß er die Treppe einer Schauk- Wirtschaft herabgefallen sei und von dem Angeklagten Henkel habe nach Hause gebracht werden müssen, daß er ferner seinen Dienst vernachlässige, da er zumeist in Kneipen sitze und Karten spiele usw. usw. Alle diese Behauptungen sollen nach der Anklage wissentlich unwahre sein. Der Angeklagte Henkel, der dem ersten Angeklagten der Hauptzeuge für die Trunken- heit des Polizeiwachtmeisters sein sollte, mußte als solcher für ihn ausscheiden, da er wegen seiner darauf bezüglichen Mitteilung an Herrn Kegel kurzerhand mit auf die Anklagebank gebracht wurde. Die Angeklagten traten einen umfangreichen Wahrheitsbeweis au, der jedoch nicht alle Behauptungen deckte. Unter anderem wurde von dem früheren Kutscher des Angeklagten Kegel bekundet: er habe eines Abends Herrn Siedow mit anderen Polizeibeamten im Omnibus vom Bahnhof in die Stadt gefahren und dabei hätten die Insassen, die wohl angeheitert gewesen seien, so laut gesungen. daß e r sofort eingelocht worden wäre, wenn er nur halb so viel Skandal gemacht hätte, wie die Vertteter der Polizei. Durch einige Zeugen wurde b e st ä t i g t. daß in der Stadt Teltow da§ Gerede umgehe: der Wachtmeister Siedow liege dem Karten- spiele mehr ob, als sich mit seinem Dienste vertrage, so daß sich seine Frau schon mehrfach anderen Personen gegenüber bitter darüber beklagt habe, daß ihr Mann zu viel Geld beim Kartenspiel verbringe. Der frühere Nachtwächter Hemmerling will ihn eines Nachts in trunkenem Zustandegesehenhaben und derfrühereKutscher des Herrn Kegel sagte aus. daß Herr Siedow. als er nach der er- wähnten etwas lauten Fahrt den Omnibus verließ, etwas chwankenden Schrittes in die Kneipe gegangen fei.— Darüber hinaus ergab die Beweisaufnahme nichts im Sinne der in der Eingabe aufgestellten Behauptungen. Der Polizei- Wachtmeister Siedow selbst bestritt eidlich die Richtig- keit der letzteren und behauptete, daß er keineswegs• eine o große Spielratte sei, sondern nur öfter in seinen freien Stunden ich am Kartenspiel vergnüge— Ivas ihm doch nicht verboten sei— und auch sein Gläschen Bier trinke, wenn er Durst habe. Zu Extra- vaganzen habe er gar keine Zeit.— Der Amtsanwalt hielt den Das Beschwerderecht des Bürgers würde ja geradezu illusorisch, und der Beamtenwillkür stünde Tür und Tor offen, wenn das Beschwerberecht nicht vollen strafrechtlichen Schutz genösse. Wer russische Zustände in vervielfältigter Weise für Deutschland herbeiwünscht, muß freilich dem Beschwerderecht des Bürgers strafrechtliche Fallen zu legen suchen. Bahrheitsbeweis für böllig mißlungen und beantragte, da sechs| wählt. Ein Protest Wilhelmi und Kind, welcher sich gegen| Arbeitgeber oder die Obrigkeit zu gewissen Handlungen oder Bugestände schwere Beleidigungen im Sinne des§ 186 vorlägen, gegen Regel die Entscheidung des Vorstandes richtete, beschäftigte die Ver- nissen dadurch zu bestimmen suchen, daß sie die Einstellung der Arbeit oder einen Monat, gegen die beiden anderen Angeklagten je vier- sammlung längere Zeit. Der Sachverhalt war der, daß die Kol- die Verhinderung derselben bei einzelnen oder mehreren Arbeitgebern ver zehn Tage Gefängnis. Der Verteidiger beantragte die legen wegen Abstellung verschiedener Mißstände und Erhöhung des abreden oder zu einer solchen Verabredung andere auffordern. Es ist also Freisprechung, da die beiden ersten Angeklagten lediglich Lohnes vorstellig wurden. Obgleich das Statut in dieser Be Berabredung, nicht aber eine Aufforderung zur Arbeitseinstellung, welche die di e Verabredung oder die Aufforderung zur Teilnahme an einer solchen das jedem Bürger zustehende Recht ausgeübt hätten, bei ziehung vorschreibt, daß jede Lohnforderung, welche Arbeits- Frage der Berabredung nicht berührt, verboten. Das Koalitionsrecht der einer zuständigen Behörde die Prüfung behaupteter Mißstände zu einstellung zur Folge haben kann, den Vorstande vorher gemeldet andarbeiter ist auf dem preußischen Parteitage behandelt. Lesen Sie das beantragen, ohne daß die Form der Eingabe irgendwie eine bes werden muß, hatten die beiden Kollegen dies unterlassen und selbst- Protokoll nach. E. B. 1890. 1. und 2. Ja. F. E. 999. Nein. leidigende Absicht erkennen lasse. Eigenartig sei es, daß sie durch ständig die Forderungen unterbreitet. Im Verlaufe der Ver--. H. 18. Wenn nichts Gegenteiliges aus dem Vertrage sich ergibt, so Erhebung der Anklage gegen Hentel ihres wichtigsten Beugen be- handlung nun wurde den beiden bedeutet, daß sie entlassen seien. würden Sie für die ganze Mietsdauer haften, falls nicht der Eigentümer raubt worden seien. Der Verteidiger behauptete im übrigen, daß Nachdem der Vereinsleitung von dem Vorgefallenen Mit- mit Ihrer Entlassung aus dem Vertrage und dem uneingeschränkten Ueberder Wahrheitsbeweis voll gelungen sei. Das Gericht schloß sich teilung gemacht wurde, versuchte dieselbe alles, die Kündigung rüd- 1. Ja. 2. Wenn fein Privatvermögen vorhanden ist, so würde eine Pfän gang des Vertrages auf den neuen Käufer einverstanden ist. R. W. dieser Auffassung nicht an und berurteilte Kegel zu 50 M., gängig zu machen, jedoch mit negativem Erfolge. Die beiden dung fruchtlos sein. 3. Nein. Weber 468. Nach§ 630 B. G.-B. tann Schulze zu 30 M., Henkel zu 10 M. Geldstrafe. Stellen sind nun wieder, wenn auch nicht direkt, mit Vereins- bei der Beendigung eines dauernden Dienstverhältnisses der Verpflichtete Das Urteil erscheint uns unhaltbar. Den Angeklagten steht, follegen besetzt worden, da nach Ansicht der Bureaubeamten und von dem anderen Teile ein schriftliches Zeugnis über das Dienſtverhältnis gleichviel ob die von ihnen für berechtigt gehaltenen Beschwerden vor des Vorstandes eine Maßregelung nicht vorlag. Die Diskussion und dessen Dauer fordern. O. 9. 24. Sie können auf vollen Gericht bewiesen sind, der Schutz des§ 193 des Strafgesetzbuches in über diesen Streitfall ergab, daß seitens der Beamten korrekt ge- Schadenersatz und ferner darauf flagen, die Hauseinrichtungen so bollem Maße zur Seite. handelt worden ist und eine Maßregelung nicht vorliegt, und es herzustellen, daß einer ähnlichen Ueberschwemmung vorgebeugt wird. Verein der Freien Banern. Der Beschluß der Mehrheit ist zu wurde ein Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung mit großer Majorität angenommen. Ein Antrag des Vorstandes, die Proto- der einzelnen Krankenkassen. treffend. B. 7. Ja. W. 2. 9. Wenden Sie sich an den Vorstand M. C. 14. Der Antrag fann schriftlich, folle vom 1. Handelshülfsarbeiter- Kongreß in der Anzahl der Mit- er tann aber auch zu Protokoll erklärt werden. V. K., Lausitzerstraße. gliederstärke entsprechend zu entnehmen, wurde einstimmig an- Sie müßten bis zum 15. Dezember warten. A. P. 1. Wenden Sie sich genommen. Ein weiterer Antrag des Vorstandes, an der Kon- an die Reichsbank oder an die Deutsche Bant. 2. Wenn es sich um eine ferenz sämtlicher Lokalorganisationen teilzunehmen zwecks Herbei- Hypothek handelt, so muß notariell beglaubigte Quittung erteilt werden. führung der Einheitsorganisation im Handels-, Transport- und 3. Das Wahlrecht ruht ein Jahr lang nach Empfang der ArmenunterVerkehrsgewerbe, murde auf Beschluß bis zur nächsten Versamm- bruchs die Ehe geschieden ist und der beleidigte Ehegatte Strafantrag stellt. stüßung. W. V. 44. Ehebruch ist dann strafbar, wenn wegen des Ehelung bertagt, da die Reihen sich schon stark gelichtet hatten. Die Scheidungsflage muß innerhalb 6 Monate nach Kenntnis von dem Verband der Friseurgehülfen Deutschlands. Zweigverein Berlin Scheidungsgrund eingereicht werden. Die Ehefrau hat ein Recht auf und Vororte. Heute, Donnerstag, 7. Juni, abends 9, Uhr, Rosenthaler- Alimentation feitens des Ehegatten während der Dauer der Ehe, straße 11/12: Generalversammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. Bahlreiche wenn sie mit Einwilligung des Ehemannes oder mit gericht Der Vorstand. licher Zustimmung Ehemann Beteiligung erwartet getrennt lebt. Sonst steht ihr ein Recht auf Unterhalt nur zu, wenn sie die Ehewohnung teilt. G. B., Neue Mühle. Mangels anderer Vereinbarungen ist in Ihrem Falle eine Kündigung von Bierteljahr zu Bierteljahr zulässig, da jährliche Miete vereinbart und das erste Jahr abgelaufen ist, demnach der Vertrag ist zu unterscheiden, ob es sich um ein Gewerbe mit gewerblichen Gehülfen als auf unbestimmte Zeit geschlossen gilt. F. K. 47. Bon Fall zu Fall oder um ein sogenanntes rein Künstlerisches Unternehmen handelt, das der Gewerbeordnung und dem Gewerbegericht nicht untersteht. Wiederholen Sie die Anfrage. R. K. 1. Ja. 2. Teilweise. 3.§ 26a des Krankenversicherungs- Gesetzes ist entscheidend. Danach ist Kaffenmitgliedern, welche gleichzeitig anderweitig gegen Strankheit versichert sind, das Krankengeld so weit zu kürzen, als dasselbe zusammen mit dem aus anderweiter Bersicherung bezogenen Krankengelde den vollen Betrag ihres durch schnittlichen Tagelohnes übersteigen würde. Durch das Kassenstatut kann diese Kürzung ganz oder teilweise ausgeschlossen werden. Des fürstlichen Diebstahls erster Aft. Gegen den Diener Wilh. Glase, der die Silberdiebstahlsaffäre der Fürstin Wrede in Fluß gebracht hat, ist nunmehr die Anklage wegen versuchter Erpressung formell erhoben worden. Sein Vergehen wird bekanntlich darin erblickt, daß er, nachdem er auf Grund eines in Biarritz mit der Fürstin Wrede gehabten Streites entlassen worden war, an den in Madrid weilenden Fürsten Wrede ein Schreiben richtete, darin auf die im Palais D'orsay, im Kaiserhof", im Hotel Westminster" und im„ Bayrischen Hof" bors gelommenen Silberdiebstähle und deren Verbindung mit der fürstlichen Silberkammer hinwies und die Andeutung machte, daß die Sache mit 50 000 m. aus der Welt geschafft werden könne. Der Angeklagte ist in dem bei dem Landgericht Güstrow gegen das fürstliche Ehepaar eröffneten Verfahren bisher bei seinen bekannten Belastungen verblieben. In seiner eigenen Sache behauptet er, feine Erpressung beabsichtigt, sondern mit seinem Schreiben nur beziveckt zu haben, den Adressaten zu ärgern. Ein vom Rechtsanwalt Bahn mehrmals gestellter Haftentlassungsantrag ist mit Rücksicht auf die Höhe der eventuell zu verhängenden Strafe abgelehnt worden. Verfammlungen. Vermischtes. Ein Automobil- Wettrennen wird wieder einmal veranstaltet, dessen Ausgangspunkt Frankfurt a. M. ist. 150 Teilnehmer sind vertreten. Bei Emskirchen ist schon der erste schwere Unfall passiert. Es handelt sich um den Wagen Nr. 130, Kienle- München, Fahrer Direktor Wiz- Gaggenau. Bei einer scharfen Kurve wurde der Wagen umgeworfen und Kontrolleur Schlör aus München schwer verlegt. Auf offener Straße ermordet. In Bornstedt bei Potsdam wurde in der vergangenen Nacht gegen 1 Uhr eine schwere Bluttat verübt. Der Zigarrenhändler Vierkant, der in der Burggrafenstraße in Potsdam ein Bigarrengeschäft besaß, wurde von einem Tischler Hetsch auf offener Straße ermordet. Der Mörder, der in der Katharinenholzstraße 2b in Bornstedt wohnt, ist ein viel fach vorbestrafter Mensch. Er geriet gestern mit Vierkant in Streit. Als der Bigarrenhändler am Abend durch die Katharinenholzstraße tam, sprang Hetsch plötzlich auf ihn zu und schrie:„ So, nun habe ich Dich unter vier Augen!" Er stieß den leberraschten mit einem Messer nieder und richtete ihn fürchterlich zu. Vierkant war fast auf der Stelle tot. Der Mörder ging dann ruhig nach Hause. Erst nach einiger Zeit wurde der Mord entdeckt und Hetsch durch einen Gendarmen und den Gemeindediener verhaftet. Da der Täter den Ueberfall auf Vierkant vom Nachmittag an geplant zu haben scheint, handelt es sich bei dem blutigen Racheatt um einen Mord. bom Beelitz 18. sei denn, daß der Verkauf im Wege der Subhastation stattgefunden hat. J. B. 30. Berlauf des Hauses hebt den Mietsvertrag nicht auf, es Der von Ihnen geschilderte mündliche Vertrag, der überdies schriftlich von Shnen bestätigt ist, ist gültig, wenn der Sachverhalt sich so verhält, wie Sie ihn mitteilen. 9. 5. 3. 9. Vorstrafen eines 8eugen. Ein Beuge wird in der Regel nicht nach etwaigen Borstrafen( mit Ausnahme einer solchen wegen Meineid es) befragt. Will er aber sicher gehen, daß ihm Fragen, die eine frühere Zeit betreffen, nicht vorgelegt werden, so ist es zweckmäßig für ihn, vor dem Termin an das Gericht eine schriftliche Bitte zu richten, etwa dahingehend:" Zum so und so vielten bin ich in der bin ich bestraft, und zwar im Jahre so und so wegen des Vergehens zu Straffache gegen X.( Aktenzeichen) als Zeuge geladen. Vor vielen Jahren der und der Strafe, im Jahre so und so usw. Eine Nachfrage nach den Strajen wäre mir außerordentlich unangenehm und richte ich daher an das Gericht die Bitte, an mich die Frage, ob ich bestraft bin, nicht richten zu lassen. Abgesehen von den oben angeführten Strafen habe ich Strafen nicht erhalten." In einer Versammlung des Zentralverbandes deutscher Brauer besprach Tröger als Delegierter die einschneidendsten Anträge zum Verbandstage. Hauptsächlich sprach er sich gegen eine Erhöhung der Beiträge aus; es müsse doch erst abgewartet werden, wie sich die jetzige Beitragsleistung bewähre, und ist es daher angebracht, eine ruhigere Zeit verstreichen zu lassen, anstatt immer mit einer Beitragserhöhung zu kommen. Würde aber eine Er höhung beschlossen, dann müsse mit einer Unterstüßungserhöhung gewartet werden, bis der Kampffonds sich erhöhe; Ausnahme könnte stattfinden bei Streits und Maßregelungen. Eine Staffelung der Beiträge ist aus Gründen der hier erwachsenden Mehrarbeit und Rücksichtslose Automobilisten. Ein schwerer Automobilunfall erder Schwierigkeit, bei Unterstützungsauszahlung genau statutarisch eignete sich gelegentlich der Fernfahrt Berlin- Frankfurt a. M. Eiu Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen zu verfahren, nicht zu empfehlen. Dieses System würde mehr Kraftwagen, der an dieser Fahrt teilnahm, überfuhr in vorgerückter Markthallen- Direktion. Rindfleisch Ia 66-70 pr. 100 Bfund, IIa 56-66, Ungelegenheiten bereiten, als Vorteile schaffen. Ferner tritt er abendstunde einen zum Rittergute Denstädt bei Weimar gehörigen IIIa 52-55, IVa 46-52, engl. Bullen- 0,00, dän. Bullen 0,00, für Herabsehung des Eintrittsgeldes ein, um den Minderbezahlten Wagen mit zwei Insassen, von denen der eine am Kopfe fchiver ver- holl. Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 105-120, Ia 90-95, den Beitritt zu erleichtern. Im Unterstübungswesen müsse in Hinsicht legt wurde, während der Wagen völlig in Trümmer ging. Das IIa 75-85, IIIa 60-73. Hammelfleisch Ia 75-80, IIa 67-74. der arbeitslosen Mitglieder eine Form dergestalt gefunden werden, Automobil fuhr in rasendem Tempo nach Erfurt weiter, ohne daß Schweinefleisch 59-66. Kaninchen per St. 0,30-0,60. Hühner, alte, Stüd daß nur diejenigen arbeitslosen Mitglieder ihrer Unterstüßung ver- sich seine Jujassen um den Verletzten kümmerten. Leider ist es nicht 0,00. Enten, prima, per Stüd 0,00-0,00, Hamburger, junge, per Stüd 2,20 1,70-2,50, junge ,, per Stüd 0,50-0.70. Tauben, junge 0,30-0,50, alte Iuftig werden, die im eigenen Berufe lohnende Arbeit nachgewiesen gelungen, die Persönlichkeiten der Automobilisten festzustellen. bis 2,80. Gänse, junge, per Pid. 0,70-0,78, per Stüd 3,50 bis erhalten und diese nicht annehmen. Für einen zu hohen Anteil der Eine unmenschliche Bluttat wurde in der Nacht zum Montag 5,50. echte 126-136. Schleie 122-126. Bleie 00, ale, groß 120--123, Zahlstellen an den Beiträgen verhält er sich ablehnend. Einer Er- von mehreren Soldaten in Hohensalza( früher Inowrazlato) verübt. mittel 114-116, flein 71, unfort. 93-114. Blößen 00. Flundern, pomm. I, höhung der Mitgliederzahl auf einen zu wählenden Delegierten Es wird von dort berichtet: Die unter fittenpolizeilicher Kontrolle bo. flein, per Stifte 0,00. Büdlinge, holl. per Wall 0,00. Stieler 2,00-4,00, p. Schock 3,00-5,00. Stieler, Stiege Ia 4-6, do. mittel, per Stifte 2-4, fann er beipflichten. Sehr notwendig wird eine Regelung des stehende 25 Jahre alte Marie Klimtewicz wurde in der Nacht vom Stralf. 3,00-3,50. Aale, groß, p. Bfd. 1,10-1,30, mittel 0,80-1,00, l. 0,50 bis Diätensatzes in, um eine Einheitlichkeit für alle am Verbandstag Sonntag zum Montag gegen 11 1hr von 15 betrunkenen Soldaten 0,60. Anwesenden zu erzielen. Für ein Verschmelzen der Sektionen kann des Infanterieregiments Nr. 140 aufgesucht. Da das Mädchen ihnen 1902er, per Anter 76,00, 1904er 74,00, 1905er 70,00. Schottische Bollheringe Sprotten, Kieler, 2 Wall 0,00, Elb per Siste 0,00. Sardellen, er sich nicht erwärmen, da ihm das Arbeitsfeld als zu groß er den Zutritt nicht gestattete, erbrachen die Soldaten die Tür mit Ges 1905 0,00, large 40-44, full. 36-38, med. 33-35, deutsche 37-44. scheint; man wäre notwendigerweise gezwungen, eine Teilung vor- walt, drangen in das Haus ein und brachten dem Mädchen mehrere Heringe, neue Matjes, per ½ To. 60-120. Hummern, IIa, zunehmen, beispielsweise bei Versammlungen, um jeder Kategorie Stiche mit dem Seitengewehr in den Unterleib bei. Bereits nach 100 Bfb. 0,00. Strebje, ber Schod, große 31,00, mittel 15-17,50, fleine 00, gerecht zu werden. Entschieden bekämpft er das zu häufige Ab- 10 Minuten starb die Verlegte. Auch ein Zivilist und ein städtischer Nacht- Butter per 100 Bfund, Ia 110-114, IIa 106-110, IIIa 100-106, ab unsortiert 15,00. Eier, Land-, per Schod 3,30, frische 0,00. halten von Gaufonferenzen und eine Vermehrung der Gaubeamten wächter, die dem Mädchen zu Hülfe eilten, find von den Soldaten fallende 96-100. Saure Gurten, Schock 3,50-4 M., Pfeffergurten 3,50-4 M. und bezweifelt, daß sich die Gaubeamten durch ihre Agitations- mit Seitengewehren schwer mißhandelt worden. erfolge bezahlt gemacht haben, was er durch einen zahlenmäßigen Militärbehörde ist sofort eine Untersuchung eingeleitet worden. Seitens der Startoffeln per 100 Bfb. magn. bon. 2,10-2,35, rote Dabersche 2,00-2,20, runde weiße 1,80-2,00, Malta 00,00, Sommer- Malta 11-12, franz. Nachweis näher erklärt. Die Gaubeamten mögen sich in den Großstädten zur Entlastung ihrer Tätigkeit feste Positionen schaffen. Brand eines Dampfers. Venedig, 6. Juni. Der mit Baumwolle 00, ital. 7-10, ungar. 5-7. Spinat, per 100 Pfd. 10-15, Sarotten 3-4. Mohrrüben, per 100 Pfund 3-4. Kohlrabi., per Schock 0,50 Die Versammlung war mit Ausnahme einiger unerheblicher beladene Dampfer Margareta" der Austro- Amerikalinie geriet aus bis 1,50. Rettig, bahr., per Schod 2,40-4,80. Rhabarber, Hamb., per Bunfte im großen ganzen mit der Ansicht des Delegierten einver- unbekannter Ursache in Brand. Erst nachdem 120 Ballen vernichtet 100 b. 0,00-0,00, Berged. 0,00. Radieschen, per Schod 0,75. Salat, standen. Hierauf erfolgte der Kassenbericht vom 1. Quartal 1906. waren, konnte der Brand gelöscht werden. 100 Stopf 0,60, Gubener, per Schock 0,50-0,70. Spargel I, per Bsd. Danach verzeichnet die Einnahme 3989,40 M., die Ausgabe 1847,36 0,30-0,43, II 0,20-0,26, III 0,15-0,19, Beeliger I 0,48-0,52, II 0,30 Mark, so daß an die Hauptkasse 2142,04 m. abgesandt werden bis 0,33, III 0,17-0,38. Bruchspargel 0,0-0,0. Bohnen( grüne), per fonnten. Die Mitgliederzahl betrug 799. An bezahlten Beiträgen 100 Bfb. 70-110. Schoten, Beeliber, per 100 Pfd. 15-18. Stirschen, ital., wurden geleistet 95,6 Broz oder pro Mitglied 12,4 Beiträge. Die per 100 Bfb. 18-25, franz. 30-40, Gubener 15-25, Werdersche, per Pfd. 0,20-0,25. Erdbeeren, hiesige, per 50 Stilo 60-70, Holl., per 50 Stilo 50 Lokalfasse weist eine Einnahme nach von 1455,74 M., eine Ausbis 80, franz., per Pfd. 0,50-0,70, Beelizer, per Storb 1,25, gabe von 1217,62 m., macht eine Mehreinnahme von 238,12 M., Dresdener, per Pfd. 1,75. Zitronen, Messina, 300 Stüd 8,00-10,00, ergibt zuzüglich des Bestandes Ende 1905 ein Vermögen von 360 Stüd 6,75-9,00, 200 Stüd 6,50-9,00, 420 Stüd, flein 7,00. 6675,36 M. Die Abrechnung vom Maskenball liefert einen Ueber= schuß von 213,50 m. Unter Verschiedenem wurde noch das Verhalten des Braumeisters der Löwenbrauerei in Hohenschönhausen, Stößer, einer Kritif unterzogen. Dieser Herr vermehrte sein Einkommen dadurch, daß er sich von einem seiner Aufsicht unterstellten Brauer erst 5 M. pro Woche und später 35 M. pro Monat zahlen ließ. Als die weitere Zahlung verweigert wurde, wurde der betreffende Angestellte alsbald auf die Straße gesetzt. Auch in dem vor kurzem stattgefundenen Bierfaßböttcherstreit hat dieser genannte Braumeister eine traurige Rolle gespielt. " Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends von 7 bis 9% llhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. Jeder Anfrage ift ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Witterungsübersicht vom 6. Juni 1906, morgens 8 Uhr. Ewald 100. Den vollen Schadenersatz sollten Sie einklagen. Zus Können Sie beweisen, daß die Sache sich so verhält, wie Sie sie schildern, ständig ist das Amtsgericht, nicht das Gewerbegericht. E. P. 30. so fordern Sie zunächst den Wint noch einmal unter Segung einer furzen Frist auf, die Streichung vorzunehmen, drohen ihm an, nach Ablauf der Frist würden Sie auf seine Kosten die Streichung bewirken lassen, führen dann Ihre Drohung aus und flagen hierauf die verauslagten Stoften ein. Stationen Zu einem Abzug von der Miete ist nicht zu raten, da Sie wahrscheinlich ein hier übliches Vertragsformular unterschrieben haben. R. B. 25. Die Stlage hätte Aussicht auf Erfolg, zuständig ist das Amtsgericht, ein ärztliches Gutachten würde entscheidend sein. G. S. 33. Ihre Tochter fann mit Aussicht auf Erfolg auf Rüdgabe flagen. F. S. 18. Sie Verein Berliner Hausdiener.( Dritte außerordentliche General- fönnen jederzeit die Stellung aufgeben. Franz Mary. Eine solche EntP. A. 33. Sie find zur Zahlung verpflichtet. versammlung.) Die Kollegen Pantotsch, Rud. Kwader, scheidung besteht nicht. 21. 22. Nein. Johann Knidelberger. Ein solches Gesetz ist nicht Wilh. But und Szolajewski, welche anläßlich der BeA. B. 105. Landarbeiter können streifen. Für sie gilt aber, erlaffen. wegung bei. Jordan Arbeitswilligendienste geleistet haben, wie wiederholt ausführlich dargelegt ist, soweit die älteren Provinzen in ferner der Kollege Gitner, welcher am 1. Mai einem Beschlusse Betracht kommen, das Gesetz betreffend die Verlegung der Dienstpflichten seiner Werkstatt zuwider gearbeitet hat, wurden ausgeschlossen. des Gesindes und der ländlichen Arbeiter. Nach diesem Gesetz werden u. a. Als 2. Rendant wurde öde und als Beisitzer Musch old ge-| Landarbeiter mit Gefängnisstrafe bis zu einem Jahre bedroht, welche die Zentral. Nanon. Neues Theater. Für den Zubalt der Juicrate Lustspielhaus." Das Fest der Sand- Neues Theater. übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feine: lci Verantwortung. Theater. Donnerstag, den 7. Juni. Anfang 7, Uhr: Opernhaus. Cavalleria rusticana. Bajazzi. Schauspielhaus. Die Journalisten. Neues Operntheater. Die Fledermaus. Deutsches. Ein Sommernachtstraum. Neues. Orpheus in der Unterwelt. Anfang 8 Uhr: 0. Schiller werfer. Borher: Die Verlobung bei der Laterne. Thalia. Hochparterre links. Metropol. Auf ins Metropol. Apollo. Das blaue Bild. Spezialitäten. Anfang 7%, Uhr. Orpheus in der Unterwelt. Carl Weiß. Der Weg des Mär- Kleines Theater. tyrers. Wintergarten. Tortajada. Spezialit. Passage. Willy Brager. Spezialit. Abends 8 Uhr: Reichshallen. Stettiner Sanger. Ein idealer Gatte. Irania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Besub. Sternwarte, Juvalidenstr. 57/62. Ein Ferdinand Bonns Morgen: idealer Gatte. Barometer fland mm Wind. Bump Windstärke Better Swinembe. 769 NND Hamburg 771 NNW Berlin 769 NNW Franti.a. M. 770 ND München 2 heiter Wien Temp. n. C. 5°. 4° N. Stationen Barometer. stand mm Wind richtung Windstarte 14 Haparanda 761 N 1 bedeckt 8 Petersburg 763 S 3 wolfen! 13 Scilly 2 wolfen! 12 2lberdeen 770 23 2 bedeckt 8 Paris 764 NNW 4 bedeckt 13 Better Temp. n. C. 2 wolfig 7 1Regen 4 bedeckt 768 D 769 SSW 1wolfig 770 DND 2wolfig Wetter- Prognose für Donnerstag, den 7. Juni 1906. 8 12 11 11 111 Wärmer, vorwiegend heiter und trocken bei schwachen östlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Komische Oper.| Lustspielhaus. Bernhard Rose- Theater Sommerspielzeit 1906. Hoffmanns Erzählungen. Sommerpreise. ( Keine Vorverkaufsgebühr.) Anfang 8 Uhr. Täglich 8 Uhr: Das Fest der Handwerker. Borher: Die Berlobung bei der Laterne. Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Täglich 8 Uhr: Gesundbrunnen, Badstraße 58. Heute: Großer Elite- Tag. Die Gauklerin. Ausstattungsstüd mit Gesang und Tanz in sieben Bildern. Außerdem die großart. Spezialitäten. Zentral- Theater. Der Weg des Märtyrers. The Alkers The Naniva ( Operette). 8 Uhr: Nanon. Operette in drei Akten. Neues kgl. Operntheater Metropol- Theater ( Kroll). Anfang 7%, Uhr. Ballner- beater.) Berliner Theater. Donnerstag: Gastspiel Bella Alten Jugendliebe. Die Dienstboten. Schiller N.( Friedrich Wilhelm städtisches Theater). Helden. Leffing. Das Lebensfeit. Kleines. Ein idealer Gatte. Berliner. Die lustige Witwe. Komische Oper. Hoffmanns Ers zählungen. Gastsp. des Neuen Operetten- Theaters aus Hamburg( Direktor Mar Monti). Anfang 8 Uhr. Die lustige Witwe. Morgen und folgende Tage: Die lustige Witwe. und Lotte Schloß: Die Fledermaus. Freitag: Gastspiel Bella Alten u. Dr. Otto Briesemeister: Fra Diavolo. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und Invalidendank. Anfang 8 Uhr. Auf- in's Metropol! Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen überall gestattet. Schauspiel in 5 Aften von Horst Rolf. Sonntag 3 Uhr: Aus altem Geschlecht. Im Sommergarten täglich: Konzert, Theater u. Spezialitäten- Vorstellung. Anfang 5%, Uhr. Entree 25 Pf. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brumenstr. 16. Konzert, Theater, Spezialitäten. Liebeslenz u. Herbstesrauschen. Singspiel m. Dir. Dill in d. Hauptrolle. Sgr. Francisco, b. fidele Lampenputzer. Anf. 5 Uhr. Entree: 30 bis 75 Bf. Bei schlechtem Wetter Borstell. i. Saal. Kunsttaucher. Japaner- Troupe. Paul Coradini. Anf. 4, Uhr. Entree 30, num. Pl. 50 Pf. Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allee 148. Täglich: Konzert, Theater, Spezialitäten, Ball. 15 Attraktionen ersten Ranges 15. Berlin, wie es lebt u. liebt. Boltsstück in Atten von Lindener. Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr..with. Th.) Donnerstag, abends8Uhr: Donnerstag, abends8uhr: Jugendliebe. Lustspiel von Adolf Wilbrandt. Hierauf: Die Dienstboten. Lustspiel von Roderich Benedir. Freitag, abends 8 Uhr: Helden. Helden. Komödie in 3 Aufzügen von Bernard Shaw. Deutsch v. Siegfried Trebitsch. Freitag, abends 8 Uhr: Zwei glückliche Tage. Sonnabend, abends 8ubr: Sonnabend, abends 8 Ubr: Jugendlieba. Hierauf: Die Dienstboten. Zum ersten Male: Heiratslustig. Im Garten tägl. gr. Militär- Konzert. Freie Volksbühne. Sonntag, den 10. Juni, nachmittags 2, Uhr: 17./18. Abteilung im Metropol Theater: Die Frau vom Meere. Die Vorstellungen finden im nächsten Spieljahr statt im neuerbauten Neuen Schauspielhause am Nollendorfplatz und im neurenovierten Berliner Theater in der Charlottenstraße 90/92. Alle diejenigen Mitglieder, welche auch in der nächsten Saison dem Verein angehören wollen, müssen eine diesbezügliche Erklärung spätestens am 10. Juni in ihrer Zahlstelle abgegeben haben. Spätere Meldungen können nur berücksichtigt werden, soweit in den betreffenden Abteilungen Raum vorhanden ist, auch müssen Beitragsreste bis zu diesem Termine reguliert sein. Desgleichen sind in den Monaten Juni, Juli alle Umschreibungen in eine andere Zahlstelle zu bewirken. 229/3 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Landes- Ausstellungs- Park. Neu erbaut: Festsäle, Café u. Konditorei, gedeckte Gartenhallen, Fontaine lumineuse. Dejeuners von 2,50 Mark an bis 2 Uhr nachmittags. Diners von 3,50 Mark, Soupers von 4 Mark an. Täglich: Doppel- Konzert. Schweizer Garten. Am Königstor Am Friedrichshain 29/32. Täglich: Theater- Vorstellung, Spezialitäten und Ball. Zum Schluß: Die Sonntagsbraut. Deutscher Buchbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Freitag, den 8. Juni, nachmittags 3 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal IV: = Versammlung der ausgesperrten Buchbinder und Buchbinderei- Arbeiterinnen. Tages Ordnung: 1. Der Stand der Aussperrung. 2. Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet 24/10 Die Streifleitung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler August Friese am 2. Juni berstorben ist und am 5. Juni zur letzten Ruhe gebettet wurde. Ehre seinem Andenken! 86/20 Die Ortsverwaltung. Zentral- Verein Arbeiter- Athleten- Bund Deutschlands. der Bildhauer Deutschlands. Sonntag, den 10. Juni 1906, vormittags 10 Uhr, im Lokale von Litfin, Memelerstr. 67: Gemeinschaftliche Uebungsstunde. Erscheinen aller Mitglieder des Bundes erwünscht. Der Vorstand. Sonntag, den 17. Juni, nachm. 2 Uhr, im Englischen Garten", Alexanderstr. 270: Mitglieder- Versammlung. Tages Drdnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Kassierers. 3. Verschiedenes. 281/19 Passage- Theater. Anfang 8 Uhr. Das glänzende Festprogramm. Willy Prager 14 erstklassige Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Sonnabend, den 16. Juni: Benefiz für Paul Britton zur Feier feiner Mitgliedschaft bei d. 25jährigen Stettiner Sängern. Kottbuser Sanssouci. Straße 4a. Dir. Wilhelm Reimer. Der Garten ist eröffnet. Sonntg., Montg.Donnerst Hoffmanns Nordd. Sänger und Tanzkränzchen. Neues intereff. Programm. Sonnt.Beg.5, Wochent.8Uhr Sommerpreise: Entr.30 Pf. numerierter Plaz 50 Pf. Im Borg.: Freikonzert. Der Vorstand. Prater- Theater Rastanien- Allee 7/9. Täglich: Amor von heute. Wehling, Humor. Varadi- Duett. Derrington- Family, Kunstradfabrer. Livèrs, Drahtseil. Die Einbrecher von New York, Bant. The Piccad. Konzert. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Platz 50 Pf. Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Programm. Verbindung mit größter FilmsFabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. Vereinen und Gesellschaften bestens empfohlen. Otto Pritzkow, Münzstraße 16. Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Täglich im Garten bezw. in den unteren Sälen Gottschalk Freikonzert Mittwoch u. Sonnabend: Freitanz. Max Kliems Sommer- Theater. Das Wunder Berlins Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Großes Konzert, Theater Spezialitäten- Vorstellung. Jeben Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfefte. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Die Kaffeetüche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 hodhelegante Kegelbahnen, Würfelbuden, Konditorei, Blumenstand 2c. Urania Tauben. str. 48/49. Täglich abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. InvalidenSternwarte str.57/ 62. OOLOGISCHER CARTEN Vom 6. bis 9. Juni inkl., nachmittags 5 Uhr: Gastspiel 3 Geschäfte sind die bekannten Konfektionshäuser Blitz 3 Geschäfte 80 Chaussee- Straße 80 9 WWE Rosenthaler Straße Das neue glänzende des Musikkorps M. Jacht Juni- Programm. S. ..Hohenzollern", taifert. Stabshob: Sr. F. Pollinger. Eintritt ab 6 1hr 50 Pf., Kinder die Hälfte. 137 Ecke August- Straße. 9 Große Frankfurterstr. 137 zwischen Koppen- u. Fruchtstr. Chones Industrie- Palast Herren- Anzüge, hochelegant. Herren- Paletots, Kinder- Anzüge das Neueste. von in feinsten Ausführungen von Hosen in allen erdenklichen Mustern von 90 M. an ( Verwaltung Berlin.) Am 4. Mai verstarb nach langer Krankheit unser Mitglied, der Steinbildhauer Max Weidemann im Alter von 35 Jahren. Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, nachm. 4 Uhr, auf dem Luisen Friedhof, Bergmannftraße, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 20/14 Der Vorstand. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Sektion Berlin. der Gips- und Zementbranche. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Theodor Newiger am 3. Juni 1906 nadh bierwöchentlichem Krankenlager an lähmung verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 7. Juni 1906, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Martus- Gemeinde, Wilhelmsberg, Berlinerstraße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Sektionsvorstand. Sozialdemokrat. Wahlverein Ober- Schöneweide. Das Mitglied Willi Krebs 202/15 ist nach furzem, schwerem Leiden am 4. Juni gestorben. am Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet 7. Juni( Donnerstag), nachm. 4 Uhr, von der Halle des hiesigen Gemeindefriedhofes aus statt. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Ober- Schöneweide, Der Kollege Willi Krebs ist am 4. Juni nach kurzem, schweren Leiden verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. Juni, nachmittags 4 Uhr, bon der Halle des hiesigen Gemeinde- Friedhofes aus ftatt. 202/16 Rege Beteiligung der Maiausgesperrten wird erwartet. Diefelben treffen sich nachmittags 3 Uhr im Wilhelminenhof. Die Mai- Ausgesperrten. Am 5. d. m. verschied nach langem Beiden meine brave Frau, unsere liebe Mutter Pauline Hitze geb. Staberow. Die Beerdigung findet am Freitag, den 8. d. M., nachmittags 32 Uhr, von der Leichenhalle des Adlershofer Friedhofes aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen Gustav Hitze nebst Kindern. Verein für Frauen und Mädchen in Adlershof. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser tätiges Mitglied Verband der Tapezierer Frau Pauline Hitze ( Filiale Berlin.) Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Rud. Konitzer am 4. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. d. Mts., nach mittags 4, Uhr, auf dem Gethse mane- Stirchhofe in Niederschönhausen( Nordend) statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unferes guten Vaters 1475b Georg Heinemann fagen wir allen lieben Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem fozialdemokratischen Wahlverein Rirdorf, den Gewerbegerichtsbeisitzern, dem Verband der baugewerblichen Hülfsarbeiter, dem Lotterieklub„ Null", den Laubenkolonisten und der Sterbe faffe der deutschen Wagenbauer unseren herzlichsten, aufrichtigsten Dant. Ww. Anna Heinemann nebst Kindern. Nixdorf, Faltstr. 11. geb. Staberow am 5. b. Mts. verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des hiesigen Gemeindefkirchhofes aus statt. 22405 Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme sind zahlreichen Kranzspenden bei der Be erdigung meines lieben Mannes, unferes herzensguten Vaters, fagen wir allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Stollegen der Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft, Aderstraße, dem Deutschen Metallarbeiter. verband und den Kollegen der Gelb gießer unseren herzlichsten Dant. Die trauernden Hinterbliebenen, Witwe Berta Buchwald nebst Kindern. 14762 Danksagung. Für die Teilnahme an dem Bea gräbnis meines Sohnes Max Pieper spreche ich allen Stollegen und Genossen meinen Dank aus. Gustav Pieper, Bater. Berlin SO. 16, H.& P.Uder, Engel- Ufer 5. Tabak- Großhandlung u. Tabakfabrik. Fabrik- Lager sämtlicher gangbaren Kau- u. Schnupftabake. Spezialität: Nordhäuser Kautabak. Ratiborer Schnupftabake: Essegger, Kownoer, Kardinal, Karotten usw. Neu! stets frisch zu billigsten Engrospreisen. Neu! 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