N». 130. nbonncmentS'Bedlnaungtn: MonnnnentS- Preis prSnumer»: PierlcljShrl. 3L0 Mi. monall. I.lv Wl, wSchmtlich 28 Pfg. frei WS HauS. Tinzelne Nummer S Pfg. GonntagS- Nummer mit illuflrierlcr ConnIagS- Beilage.Die Neue Well' 10 Pfg. Poj»> Abonnement: l.lo Mark pro Monat. eingetragen in die Poft.ZeiwnaS. PreiSIifle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Postabonnement» nehmen an: Belgien, Dünemart, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. CrfittlBt lZgll» asBtr montaai. S3. Jahrg. ys* V, Berliner Volksblnlk. vle Insertion,-Ledllhr beträgt für die sechSgefpallene Kolonet- »eile oder deren Raum«0 Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Verein»- und versammlungS-Anzeigen 80 Pfg. „Kleine Bnttlgcn", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jede» weitere Wort>0 Pfg. Stellengesuch« und Schlaf- slellen-Anzelien da« erste Wort 10 Pfg., jede» weitere Wort b Pfg. Wort» über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen diS 5 Uhr nachmittags in der Txpedition abgegeben werden. Die tkxpedNton ist dt» 7 Uhr abends geäffne». Telegramm- Adresse: uSszUIdtlMliNl Rirlia". Zentratorgan der(ozialdemokratircben parte! Deutschlands. Redaktion t 8CQ. 68, Lindenstraesc 69. Kernsprecher: Amt IV. Nr. l»«». Freitag, den 8. Juni 1306. Expedition: SM. 68» iUndenstrasse 69» Kernspr-Äer: Amt IV. Nr. 1»84. Quittung. Im Monat Mai gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Altona, Extrabeitrag dcS sozialdemokr. Vereins für den 8 und 10. schlesw.-holst. Wahlkreis KXX),—. Grob-Berlin a Konto seiner acht Wahlkreise 15n dem er den Wunsch ausdrückt, die Duma möge das von ihr unternommene politische und soziale Werk erfolgreich zu Ende führen._ poUtifcbe Qcberficbt Berlin, den 7. Juni. Die schöne Leiche. Der deutsche Kaiser ist auf seineu vielverschlungenen Reisen zur Abwechslung jetzt in Wien bei dem alten ehrlichen Franz Joseph. Dieser Abstecher wird in der bürgerlichen Presse von der einen Seite als völlige Privatsache, von der andere» als welthistorisches Er- eignis bewertet. Wir nnsererseitS haben keinen Anlaß, uns in diesen, beinahe hnndstägigen Streit zu mischen, weil die deutsche Politik in diesem Falle wirklich nicht von einer Reise mehr oder weniger abhängt. Indessen ist es nun gestern von Wien ans wieder zu einem Depeschen Wechsel gekommen, der diesmal die Originalität aufweist, daß zwei an einen gedrahtet haben. Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Joseph haben nämlich an den König von Italien gemeinsam ein in französischer Sprache abgefaßtes Telegramm gerichtet, das in deutscher Ueber- setzung lautet: „Zu zweien vereinigt, senden wir unserem dritten treuen Ver- bündeten den Ausdruck unserer unveränderlichen Freundschaft. Wilhelm. Franz Joseph." Die ebenfalls in französischer Sprache abgefaßte Antwort- depesche des Königs von Italien, die an Kaiser Franz Joseph ge- richtet war, hat folgenden Wortlaut: „Ich teile die Befriedigung Eurer Majestät und Seiner Majestät des Deutschen Kaisers über Ihr Zusammensein und bitte die beiden Verbündeten, mit meinem Dank für Ihre liebenswürdige Depesche die Versicherung meiner treuen und unverbrüchlichen Freundschaft entgegenzunehmen. Viktor Emanuel." Man wird zunächst nicht fehlgehen, wenn man die schrift- stellerische Leistung für das erste, stark persönlich-familiäre Tele- gramm der Eigenart Wilhelms II. zuschreibt. Die Antwort des Viktor Emanuel bewegt sich demgegenüber, fast prononziert, in dem üblichen formalen Kurialstil. Dieser äußerlichen und notwendigerweise auffallenden Gegensätzlichkeit der beiden Telegranime entspricht auch durchaus ihr verschiedener innerer und politischer Wert. Wie auch die bürgerliche Presse hervorhebt, spricht der König von Italien nur von„den beiden Verbündeten", nicht von„seinen" beiden Verbündeten, er verzichtet auch darauf, sich, was nach dem ersten Telegrammstil doch so nahe gelegen hätte, ausdrücklich als Dritter im Bunde zu bezeichnen. Viel Staat ist also mit dieser Antwort wirklich nicht zu machen und nun gar, wie ein Teil der bürgerlichen Presse es übereifrig tut, den ganzen Telegrammwechsel als eine neue offenkundige gegen- seitige Belräftigung des Dreibundes hinzustellen, dazu gehört entweder eine unglaubliche Naivität oder eine offiziös bezahlte Ge- schäftigkeit. Bestenfalls könnte man das erste, das Doppeltelegramm als den Versuch einer Revokation der berühmten„Sekundanten- depesche" an Goluchowsky auffassen. Aber auch als solche hat sie, wie Figura zeigt, ihre Absicht nicht erreicht. Der Telegrammwechsel ändert also nicht das geringste daran, daß der durch die Veränderung der weltpolitischen Lage längst über- rannte Dreibund bleibt, was er seit Jahren ist: eine schöne Leiche.—_ Eine neue„Koalition"? Aus Wien wird der„Franks. Ztg." vom 7. Juni telegraphiert: Wie verlautet, ist in den Gesprächen Kaiser Wilhelms und Kaiser Franz Josephs sowie GoluchowslyS und V o n Ts ch i r s ch ky s die innere Situation Rußlands berührt worden, da man es nicht für ausgeschlossen hält, daß die Dinge in Rußland einen unerwünschten Einfluß auch außerhalb ausüben könnten. Im Jahre 1731 ward zu Pillnitz in Sachsen die erste Koalition zwischen Preußen und Oesterreich wider die französische Revolution geschlossen. Den Lauf der großen Bewegung hat aber weder diese Koalition noch die anderen, die ihr gefolgt sind, aufhalten können.— Der neue Herr im österreichischen Abgeordnetenhaus. Am Donnerstag stellte sich Ministerpräsident Freiherr v. Beck dem österreichischen Abgeordnetenhause in einer längeren Rede vor, deren Bedeutung nicht verkannt werden darf. Wie sehr die Mehr- heit des Hauses mit Becks Rede einverstanden ist, geht daraus hervor, daß ein Antrag: in die Debatte über die Regierungs- Erklärung einzutreten, abgelehnt wurde I Aus der Rede des Ministerpräsidenten ist folgendes herbor- zuheben: Zunächst entwickelte er unter allgemeiner Aufmerksamkeit das Programm der Regierung,„welche nicht die Regierung einer Partei, aber auch nicht eine Regierung gegen irgend eine Partei" sei, sondern die Konzentration von Kräften der Arbeit darstelle, die teils den großen parlamentarischen Parteien, teils dem Beamtenstande entnommen seien. Die Regierung glaube daher das ehrende Beiwort einer parlamentarischen Regierung in Anspruch nehmen zu dürfen. Dem Parlamente biete die Mitwirkung der Vertrauensmänner der großen Parteien im Schöße der Regierung eine Bürgschaft dafür, daß er beruhigt der Führung der Regierung 'olgen könne. In und mit dem Parlamente werde die Regierung die Kraft finden, die ihr gestellte schwere, verantwortungsvolle Aufgabe zu lösen. Auf das Verhältnis zu Ungarn übergehend, erklärte der Minister- Präsident: Während die diesseitige Regierung die Ansicht vertritt, daß nach erfolgter Ratifikation der Handelsverträge im Sinne der früher mit Ungarn getroffenen Vereinbarungen der Zolltarif als gemeinsamer Tarif gesetzlich zu artikulieren ist, steht die ungarische Regierung auf dem Standpunkte, daß seit 1833 der Zu- stand des selbständigen Zollgebietes bereits eingetreten ist. Infolge dieser Anschauung ist der sachlich allerdings gleichlautende gemeinsame Zolltarif als selbständig für Ungarn geltender Zolltarif dem ungarischen Abgeordnetenhause vorgelegt worden. Oeslerreich hat sich durch den für das gemeinsame Zollgebiet erfolgten Abschluß von Handelsverträgen und durch die im Rahmen derselben für die Gemeinsamkeit gebrachten Opfer einen wohlerworbenen, teuer erkaufte» Anspruch auf die bündnisinäßige Aufrechterhaltung des gemeinsamen Zollgebietes und Zolltarifs für die Dauer der Handelsverträge ge- sichert. Ungarn aber versagt uns jenen Gegenwert und macht die Nichtanwendung des ungarischen Zolltarifs auf die Herkünfte aus Oesterreich von der Einhaltung der Reziprozität abhängig. An die Stelle der Stabilität vertragsmäßiger Vereinbarungen setzt somit Ungarn einseitig die Labilität der Reziprozität. iLebhafte Zustimmung.) Oesterreich könnte daher schon jetzt grundsätzlich die Berechtigung zu selbständigen Verfügungen beanspruchen.(Zwischen- rufe: Nicht könnte, sondern muß!) Da aber die ungarische Regierung erklärt, die verfassungsmäßige Behandlung des Zoll- tarifs nicht eher fortzusetzen, als bis die Verhandlungen mit der österreichischen Regierung beendet sind. steht die österreichische Regierung nicht an, zu erklären, daß sie zunächst zur Ver- ständiguiig bereit ist. Die Verhandlungen müssen jedoch den gesamte» Komplex der Ausgleichsfragen umfassen, mit Loyalität und Entschiedenheit geführt werden, eine voll- kommen klare, jede Beeinträchtigung ausschließende Sicherheit gewähren und eine dauernde Grundlage der lvirtschast- lichen Entwickelimg schaffen.(Allgemeine Zustimmung.) Sollten die Verhandlungen nicht z» einem u»S befriedigenden Ergebnis führen und die Verhältnisse uns zwingen, unser Hans selbst zu bestelle», so werben wir dies mit Ruhe und Ernst und der gebotenen Entschiedenheit tu». Die Regierung erbittet die kräftigste Unterstützung des Hauses und steht dafür ein, daß dem legitimen Einfluß des Parlaments kein Abbruch ge- schieht, daß keine Entscheidung in Sachen, die uns betreffen, gefällt wird, ohne uns I(Lebhafter Beifall.) Die Regierung erachtet gerade im Hin- blick auf die mögliche Gestaltung der Dinge in Ungarn die Fort- setzung und Durchführung der Eifnbahnverstaatlichnngsaltiou für geboten.(Zustimmung.) Die möglichst baldige Verabschiedung der Nordbahnvorlage ist ein dringendes Bedürfnis. Nicht minder geboten erscheint die demiiächstige Regelung des Fluß- und Sceschiffahrt- verlehrs." Der Ministerpräsident betont dann die Notwendigkeit einer baldigen Erledigung der Gewerbenovelle und erklärt:»Die Re- giernng befindet sich gegenüber der Wahlreformvorlagr in der Lage eines Universalerben: Sie tritt die Erbschaft ohne Vorbehalt an und will die Borlage entschlossen zum Ziel bringen. Eine Verständigung in der Wahlreformvorlage muß gefunden werden. Die Regierung, die weiß, wie unerläßlich eine baldige gedeihliche Lösung dieser im Interesse der Modernisierung der staatlichen Ein- richlunge», der Verjüngung und Stärkung des Parlaments gelegenen Aktion ist, wird alles daran setzen, um die parlamentarische Erledigung der Wahlreform herbeizuführen und zu beschleunigen. Diese wird auch ge- fingen, wenn die Verständigung im Gerste der Einmütigkeit, Gerechtigkeit und Billigkeit und mit starkem Wollen gesucht wird. Wenn wir be« reit sind, mit kleinen Opfern eine so große Errungenschaft zu er- kaufen, dann wird die Wahlreform als Emanation der großen Ge- meinsamkeit des Enipfindens aller Völker Oesterreichs erscheinen und das Werk des nationalen Friedens fördern. Dieser für die Völker Oesterreichs heiligen Aufgabe wird die Regierung ihre ganze Kraft und ihr bestes Können weihen. Die Regierung würde ihre Kräfte überschätzen, wenn sie glaubte, daß der Streit der Nationalitäten alsbald gänzlich tilgbar sei, aber sie hegt die zu- verfichtliche Erwartung, daß es ihrem unablässigen Bemühen ge- fingen wird, wenigstens eine Milderung und Abschwächung des Streites, die Vorbereitung einer Schlichtung der weiteren Fragen zu erzielen. Da die Vertrauensmänner der im Streite verfangenen Parteien an der Regierung Anteil nehmen, ist der Ministerrat der Boden geworden, auf dem die Verständigung an- gebahnt werden soll. Die Regierung sieht mit festem Vertrauen dem Werke der nationalen Friedensstiftung entgegen, für dessen Gelingen alles aufzubieten sie entschlossen ist. Sie wird zunächst bemüht sein, das Milieu für die Behandlung dieser großen Fragen zu schaffen, und wird im richtigen Augenblicke auch vor kritischen Fragen erster Ordnung nicht zurückweichen, wie vor einer Anbahnung der Lösung der Sprachenftage in Böhmen, oder der mährischen Universitätsfrage:(Lebhafte Zustimmung.) denn auch für diese Fragen muß es eine befriedigende Lösung geben. Diesem ereignisreichen, schicksalsschweren� Augenblicke, der den stärksten Schutz für die gemeinsamen Interessen der Völker Oesterreichs erfordert, ist nur eine unerschütterliche Einigkeit zwischen Regierung, Parlament und den Völkern Oesterreichs gewachsen. Diese ist jetzt unsere allererste und höchste Pflicht."(Lebhafter Beifall.) Der Telegraph meldet noch aus dieser Sitzung eine bezeichnende Episode, die wir unfern Lesern nicht vorenthalten wollen: Von der ersten Galerie wurden Zettel in den Saal geworfen, des Inhalts, daß die Bergarbeiterschaft in letzter Stunde vor Ver- schleppung der Wahlreform warne und dringend die soziale Reform fordere.— ••• Veutlckes Reich. RussenauSwcisungen und Zigarettensteuer. Von neuen Russenausweisungen aus Berlin wird gemeldet: Sie haben diesmal ein besonderes Charakteristikum. Sie betreffen die Russen(daneben auch einige andere Ausländer), die in Zigarettenfabriken arbeiten. In einer großen Fabrik im Norden Berlins sind an hundert Ausgewiesene zu verzeichnen, in anderen fünfzig usw. Die Regierung scheint hier zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu wollen. Außer der Beseitigung„lästiger Elemente" will sie anscheinend eine Milderung der verheerenden Wirkungen der Zigarettensteuer erreichen. Das böse Gewissen sagt ihr, daß die Steuer Elend und Arbeitslosigkeit für viele Arbeiter der Zigarettenbranche im Gefolge haben wird und so sucht sie die Schar der Betroffenen vor Inkrafttreten der neuen Steuer möglichst zu verringern. Natürlich hat diese un- bedeutende Verringerung so gut wie gar keine praktische Bedeutung. Die Regierung wird durch solche Maßregel weder die äußere noch die innere Schmach verdecken, weder die Schmach der Ausweisungen noch die Schmach der Steuerpolitik auf Kosten der Schwachen I �_ Hetze gegen die Genossin Luxemburg. Der den Schöne- v. Brockhusen sehr nahestehende Hintermann der„Post" hatte bekanntlich vergeblich versucht, die im Reichstage aufgedeckten, mit Zuchthausstrafe bedrohten Verbrechen der Urkunden- fälschung und der Bestechung eines Russen zum Landesverrat gegen Rußland in eine harmlose, mit Geldstrafe bedrohte Uebertretung der Benutzung eines fremden Passes„zwecks besseren Fort- kommens" umzudichten. Der eifrige Mitarbeiter der„Post" suchte die Aufmerksamkeit von den im Reichstag niedriger gehängten und selbst von der Regierung nicht verteidigten Schöne- v. Brockhusenschen Taten durch feige Verunglimpfungen der Genossin Luxemburg ab- zulenken. Mit diesen aus polizeilicher Quelle stammenden An- griffen gegen Genossin Luxemburg verfolgte der Hintermann der „Post", der auch andere� Quellen versorgt, noch einen anderen Zweck. Dieser Zweck'geht dahin, die Hastentlassung der Genossin Luxemburg, die zurzeit noch in der Warschauer Zitadelle interniert ist, gegen die aber nicht das geringste Anklagematerial vorliegt, durch unwahre Behauptungen zu verzögern. Nach dieser Richtung registrieren wir folgende Tatsachen: Der Hintermann der „Post" hat neu behauptet, die Genossin Luxemburg sei zur Be- gehung strafbarer Handlungen nach Rußland gereist, und zwar habe sie zu diesem Zweck einen Sekretär mitgenommen. Diese Behauptung der„Post" ist von Anfang bis zu Ende erfunden: Genossin Luxemburg hat weder einen Sekretär gehabt, noch ist sie mit einem Sekretär nach Rußland gereist. Weshalb brachte die „Post" plötzlich diese albernen Unwahrheiten? Um dieselbe Zeit als die„Post" ihre Enten aufflattern ließ, war in der«Danziger Ztg." mitgeteilt, das Verfahren gegen die Genossin Luxemburg habe zu dem Ergebnis geführt, daß ibr lediglich die Benutzung eines Passes eines andern zur Last gelegt werden könne. Dem gegenüber be- hanptete die„National-Zeitung", das Verfahren gegen die Genossin Luxemburg sei noch keineswegs beendet, die deutsche Regierung habe übrigens anerkannt, daß Genossin Luxemburg auch russische Staatsangehörige geblieben sei. Daß in der Tat ein solches Anerkenntnis seitens der deutschen Regierung abgegeben ist, möchten wir lebhaft bezweifeln, zumal solchen staatsrechtlichen Unsinn höchstens ein Gutachter behauptet haben könnte, der jenem Gutachter gleicht, welcher die preußische Behörde in dem bekannten Königsberger Hoch- Verratsprozeß mit den größten Albernheiten bedient hat. Aber mag dem sein wie ihm wolle— wie sollte denn die deutsche Regierung überhaupt dazu gekoinmen sein, über diese Frage ein Gutachren ab- zugeben? Der Schlüssel für das neue Kesseltreiben gegen Genossin Luxemburg liegt in folgendem: Die Untersuchung gegen die Genossin Luxemburg hat m der Tat nicht das geringste nach russischen Gesetzen Gravierende gegen sie ergeben. Just um die- selbiT Zeit, wo die Warschauer Behörde zu diesem Ergebnis gelangte, unternahm der polizeiliche Hintennann der„Post" die neue Attacke gegen die Genossin Luxemburg. Allein diesem Zweck dient das in der„Post" geipounene Lügengewebe. Erbärmlich ist dieS Treiben der polizeilichen Hintermänner. Wir haben zu der Annahme Grund, daß auch die russischen Be- Hörden die Lügen und den Zweck des Hintermannes der„Post", der einen Russen zunr Landesverrat gegen Rußland gegen große Summen anzustiften suchte, durchschaut haben.— Baltische Junker als preußische Hakatisten. Wie uns von zu- verlässiger Seite ans Riga gemeldet wird, beabsichtigen die baltisch- deutschen Qsroßgrinidbesitzer. im Falle der zwangsweisen Expropriation ihrer Güter insgesamt nach Preußen auszuwandern und sich der A n s i e d e l u» a S l o in m i s s i o n in den Ostmarlen zur Verfügung zu stellen.— Diese Absicht wird um so leichter verständlich, als die baltischen Junker den preithischen durchaus kongenial sind und des- halb ausgezeichnet zu einander passen werden!— Steigende Pensionen— sinkender Diensteifer. Die verhältnismähig enorme Erhöhung der Offizierspensionen in den neuen Militärpensionsgesetzen wird die Neigung der Offiziere, sich pensionieren zu lassen, zweifellos erheblich steigern. Je höher die Pensionen steigen, desto tiefer sinkt der Diensteifer der Herren Offiziere. Diese alte Erkcnntnis bekommt jetzt so starke neue Belege, daß die„Rhein.- Wests. Ztg." schon in heilloser Angst bei- zeiten eine milttärfreundliche Abwiegelung loslassen zu müssen glaubt. Sie schreibt:„Nach Verabschiedung der Militärpensions- gesetze darf sür die nächste Zeit auf eine Verjüngung des Offizier st andes gerechner werden. Es dürfte aber falsch sein, den Umfang derselben sich größer vorzustellen, als durch bestverstandene Rücksichten des Dienstes gerechtfertigt erscheint. Auch um desWille» wird der vielleicht vielfach hervortretenden Neigung von Offizieren, sich pensionieren zu lassen, nachdem die Bezüge der Pensionäre eine Aufbesserung erfahren, nicht über den Rahmen des Bedürfnisses hinaus Folge gegeben werden, weil daraus sofort sich eine Belastung des Mtlitäretats ergäbe, welche außer Verhältnis stände zu dem Matze der Erfordernisse, die be- friedigt werden müssen. wenn die Heereseinrichtungen in ihrer Brauchbarkeit und Leisttingsfähigkeit nicht zurückgehen sollen." Diese Warnung an die Offiziere, ihren sehr durchsichtigen Pensio- nierungseifer zu zähmen, ivird natürlich wenig fruchten, aber da das genannte Blatt seine Pappenheimer kennt, wird diese indirekte neue Bestätigung alter Erfahrungen auch für weitere Kreise nicht ohne Interesse sein.—_ Ein Zentrumsvorstoß gegen ein Bolksrecht. Süddeutschland hat bekanntlich in seiner Gerichlsverfassung vor Norddeutschland die sehr wertvolle Bestimmung voraus, daß Preßvergehen nicht von Berufs- richten:, sondern von Geschworenen abgeurteilt werden. In München ist nun dieser Tage in einem Prozesie wegen Religionsvergehen der Redakteur der einstigen„Südd. Montagszlg". von den Geschioorenen freigesprochen worden. Er hatte die katholische Kirche heftig angegriffen. Ob er recht hatte oder nicht, kommt hier nicht in Betracht; der Freispruch ist unter allen Umständen zu begrüßen als Zurückweisung eines Versuchs, die freie Kritik zu unterbinden. Das Zentrum aber ist ob der Freisprechung sehr erbost und in blinder Wut haut es auf das wertvolle süd- deutsche Reservatrecht der Zuständigkeit der Schwurgerichte für Preß- vergehen los. Der„Bayrische Kurier" schrieb: „Es wird allmählich ein dringendes Bedürfnis, die K o m- petenz der Schwurgerichte für Preßdelikte ein- zuengen und nur politische Prozesse den Geschworenen zu unterbreiten, alle übrigen Delikte aber Benifsrichtern". Und in einem Artikel eines anderen bayrischen Zentrumsblatts wird gesagt: .Die Aburteilung von Preßdelikten ist nur aus politischen Gründen den Schwurgerichten überantwortet worden; die po- litische Freiheit, die Sicherung einer ungehemmten politischen Ent- Wicklung soll diese Kompetenzordnung verbürgen. Daran darf nicht gerüttelt werden. Daß jedoch auch die Zotenfexe und Religionsschänder von dieser Freiheit Profit haben für ihr volksverderbendes Treiben, ist kein Postulat der politischen Entwicklung. Im Gegenteil, es besteht aller Anlaß, dieser Gesell- schaft ordnungsgemäß das Handwerk zu legen." Das Zentrum erklärt sich also in aller Form bereit, von einem wertvollen Volksrecht ein Stück abbröckeln zu lassen. Die Be- schränkung des Rechts auf rein politsche Reate ist natürlich in sich ganz ungerechtfertigt, der Kampf auf dem Gebiete der religiösen Anschauungen und der Kunst(mit den„Zotenfexen" ist deutlich auf den.Simplicissimus" usw. angespielt) bedarf genau derselben Meinungsfreiheit, wie der politische Kampf. Das Zentrum, diese angebliche Volkspartei, enthüllt hier wieder einmal fem reaktionäres Inneres. Unsere süddeutschen Genoffen werdend ihm ankreiden. Entschädigung unschuldig Berhafteter. AuS Hessen wird uns im Anschluß an den in Nr. 125 ge- brachten krassen Fall der grundlosen Verhaftung eines wandernden Metzgersellen in Mainz geschrieben: Die Frage der Entschädigung unschuldig Verhafteter, die im Reichstag zuerst durch den sozialdemokratischen Antrag Frohme und Genossen aufgerollt wurde, hat schon mehrmals den hessischen Land- tag beschäftigt und es waren fast immer unsere Genossen, die diese Frage aufrollten. Schon im hessischen Landtag stellte Genosse Ulrich den Antrag, einen Gesetzentivurf vorzulegen betreffs Entschädigung unschuldig Verhafteter sowohl bei UntersuchungS- wie bei Strafhaft. Dieser Antrag wurde von der Zweiten Kammer angenommen, von der Ersten Kammer aber abgelehnt. Im 32. Landtag wurde von Zentruins- seite ein Antrag eingebracht, der die Regierung ersuchte, im Bundes- rat für baldige Vorlage eines Gesetzentwurfs wegen Entschädigung unschuldig Verhafteter an den Reichstag vorstellig zu werden. Auch hierbei zeigte die Erste Kammer ihre bekannte Rückständigkeit, in- dem sie auch trotzdem dieser Antrag von der Zweiten Kammer ein- stimmig angenommen war, denselben ablehnte. Die Zweite Kammer blieb aber bei ihrem Beschluß. Inzwischen wird ja von Reichs- wegen durch Gesetz vom 14. Juni 1904 diese Materie teilweise ge- regelt. Da aber diese Regelung keine vollauf befriedigende loar, so stellten unsere Genossen jetzt erneut einen Antrag in der Zweiten Kammer, der eine landesgesetzliche Regelung auch in den Fällen vorsieht, wo es sich um eine Entschädigung für un- schuldig erlittene Untersuchungshaft handelt, die infolge st a a t s- anwaltschaftlicher Verfügung beendet wurde. Die Re- gierung hat dem Zweiten Ausschuß, der den Antrag vorberiet, er- klärt, daß sie eine Ausdehnung der Entschädigung auf die im Antrag betonten Fälle wohl zu würdigen verstehe, aber eine endgültige Stellung zu dieser Frage noch nicht nehmen könne, da sie mit der noch nicht spruchreifen Frage der Gestaltung des Vorverfahrens im engen Znsammenhang stehe. Das hat»un aber den Ausschuß nicht abgehalten, dem Antrag Ulrich zuzu- stimmen. In seinem Bericht an das Plenum sagt der Ausschuß u. a.:„Es wird niemand verstehen, warum der- jcnige Verhastete, gegen den so wenig vorlag, daß die Staats- anwaltschast ohne weiteres das Ermittelungsversahren eingestellt und ihn freigelassen hat, keine Entschädigung erhält, während der mehr Verdächtige, gegen den nach Ansicht der Staatsanwaltschaft und des Gerichts Anlaß zur Einleitung einer gerichtlichen Voruntersuchung und selbst zur Eröffnung des Hanptverfahreiis gegeben ivar, ent- schuldigt wird," Als Instanz, die über die Frage der Entschädigung zu entscheiden habe, könne entweder der AintSrichter fungieren, der den Haftbefehl erlassen, oder die Straskammer, Die Zweite Kammer wird dem Antrag sicher zustimmen, die Herrenlammer aber wohl die Regierung in ihren Bedenken unterstützen. Uebrigens fei hier noch angefügt, daß vor einiger Zeit auch vor dem Offenbacher Schöffengericht ein ähnlicher Fall wie der Mainzer aufgerollt wurde. Ein norwegischer Buchdrucker, der organisiert war und daher sein Reisegeld auch in Deutschland bezog. hatte in Isenburg bei Frankfurt einen Metzgerladen aufgesucht, um Wurst zu kaufen. Der Schlächtermeister hatte den nur schlecht deutsch sprechenden WanderSmann nicht verstanden und hatte ihn stehen lassen. Ein Schutzmann hatte den Fremden den Laden verlassen sehen und später sich nochmals bei dem Ladenbesiyer vergewissert, daß er dort geivesen. Die Folge war die Lechafttmg des Buchdruckers wegen Betlelns. Wie kann denn auch im Kopfe eines übereifrigen Ordnungshüters auch nur ein anderer Gedanke auftauchen. Damit war aber der Verhaftete keineswegs einverstanden und so mußte das Schöffengericht entscheiden. Besondere Vorladung des Metzger- meisters und— Freisprechung des„Bettlers". Zehn Tage hatte der nordische Gutenbergsjünger schuldlos deutsche Haft- Verhältnisse kennen gelernt. Die Eindrücke des Fremden von den Zuständen im herrlichen großen Deutschen Reiche müssen dabei recht erhebende gewesen sein.—- Die Arbeiterkammern in der Zweiten hcsiischcn Kammer. In der Mittwochsitznng der Kammer erklärte die Regierung zu dem Antrag Ulrich und Genossen, betreffend Errichtung von Arbeiterkammern, daß sie nach wie vor den Standpunkt vertrete, daß die Angelegenheit durch Reichsgesetz geregelt werden müsse. Ministerpräsident Braun wies darauf hin, daß ohnehin im Reiche eine Vorlage über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine in Aussicht stehe; er persönlich sei für Arbeiterkammern, man solle aber die rcichsgesetzliche Regelung abwarten.— Ein Vorstoß gegen den Treueid. Aus Darmstadt wird vom 7. Juni gemeldet: Die Zweite Kammer ist heute wieder zusammengetreten. Es sollte zunächst die Vereidigung des nengewählten Abgeordneten Finge stattfinden. Da dieser erklärte, als Mennonit keinen Eid zu leisten, trat an Stelle des Eides die Gelobung mit Handschlag. Abg. Ulrich sSoz.) gab hierauf die Erklärung ab, daß er in Zukunft auch für seine Partei diese neue Form der Vereidigung in Anspruch nehmen werde. Der Präsident versprach zu prüfen, ob es sich hier um ein Novum handle.— Diätenzulagcn gibt es in Baden. Die Zweite badische Kammer hat am Mittwoch die Novelle zum badischen Diäten- gesetz nach den Kommissionsbeschlüssen angenommen. Danach er- halten auch die in Karlsruhe wohnhaften Mitglieder der Ersten und Zweiten Kammer, mit Ausnahme der Prinzen des großherzoglichen Hauses und der Häupter der standesherrlichen Familien, eine Tages- gebühr von 9 M. Ferner wird den Kammermitgliedern für die Datier der Tagung der Ständeversammlung eine Freikarte auf allen badischen Staatsbahnen gewährt.— Erziehung zum WafferpntriotismuS. Aus Kiel wird vom 6. Juni gemeldet: Etwa 399 Schüler höherer Lehranstalten aus der Gegend von Kiel trafen heute abend hier zur Besichtigung des Kriegshafens ein.— Anständige Behandlung eines Prcßsiinders. In Duisburg besteht eine Filiale der„Rhein.-Westf. Ztg.", des bekannten Scharf- macherorgans der rheinisch-westfälischen Jndustriebarone. Diese Duisburger Filiale wurde geleitet von einem gewissen Herrn Garp- Heide. Vor mehreren Wochen wurde diese Ordnungssäule plötzlich verhaftet, wie es heißt: wegen Unterschlagung von 5999 M. Der Duisburger„General-Anzeiger" weiß nun mitzuteilen, daß dem Journalisten Garpheide— der sich übrigens bereit erklärt haben soll, den Betrag zu ersetzen— die Erlaubnis erteilt ist, während der Untersuchungshaft die Redaktion der„Felkezeitschrift", deren Leiter er sei, fort- zusetzen!— Diese Behandlung entspricht dem Gesetz. Wir erinnern aber daran, daß sozialdemokratischen Preßsündern, denen in der Ver- tcidigttttg edelster Bestrebungen die Feder ein wenig ausgleitet, in der Untersuchungshaft sogar wiederholt erst auf Beschwerde die Lektüre einer Zeitung gestattet, ja daß den in Strafhaft Befindlichen auch gar Stuhlflechten und dergleichen angesonnen ist— die Aus- Übung ihrer Redaktionstätigkeit ist unseres Wissens noch nie einem sozialdemokratischen Untersuchungsgefangenen gestattet. Wenn staatserhaltenden Federhelden, die wegen Verwechslung von Mein und Dein in Untersuchungshast genommen sind, die Ausübung ihrer redaktionellen Tätigkeit in der Uittersuchungshaft gestattet wird, so wollen wir dagegen nichts einwenden. Wogegen ivir un§ wenden, ist, daß Preßsünder, die als Preßsünder in Haft genommen werden, und gar sozialdemokratische Pteßsitnder, durck Behinderung ihrer redaktionellen Tätigkeit schlechter behandelt werden als wegen Eigen- tuntsdelikts verhaftete Kommis der Scharfmacher.— Verhinderter Fortschritt im Schulwesen. AuS Stuttgart wird voin 7. Juni berichtet: Der Bürger- ausschuß hat in der heutigen gemeinschaftlichen Sitzung der bürger- lichen Kollegien den vom Gemeinderat angenommenen Antrag auf Einführung der Lehrmittelfreiheit an den hiesigen Volks- schulen mit 15 gegen 9 Stimmen abgelehnt.— Anarchistenricchcn in Bayern. Der.Franks. Ztg." wird aus Erlangen folgende schier unglaub- liche, aber nur allzumögliche Geschichte berichtet: „Das Objekt des polizeilichen Mißgriffes ist ein Post- expeditor a. D., der vor einigen Jahren freiwillig wegen Krankheit austrat und seit über Jahresfrist Philosophie studiert. Obwohl er in den ersten Gesellschaftskreisen verkehrt und öffentlich gar nicht hervortritt, vermutete die Behörde einen Anarchisten in ihm und ließ amtliche Erhebungen anstellen. Diese Nach- forschungen in dem Privatleben des Postexpeditors a. D. und stuck, pbil., der zum bayerischen Kriegsminister und zum Komman- deur der 6. Division in einem Verwandtschaftsverhältnis steht, wurden in so plumper Weise geführt, daß die Familie des„Verdächtigen" Kenntnis davon erhielt und es infolge von Mißverständnissen sogar zu Zerwürfnissen kam. Sonderbar ist, daß die gleichfalls befragte Postbehörde von dem Schriftwechsel in der Sache Abschrift genommen haben soll, obwohl sie der Mann gar nichts mehr angeht. Der „Verdächtige" hat bereits den Beschwerdeweg gegen das Ver- fahren, dessen Quelle und Beweggründe noch nicht ganz klar sind, beschritten." Unser Nürnberger Parteiblatt, die„Frönt Tagespost", bemerkt treffend dazu: „Anstatt Verbrechen zu verhüten oder Ordnung in der polizeilichen Verwaltung zu schaffen, weiß die Hochmögliche immer noch nichts Besseres zu tun, als Gesinnungsriechereilzu betreiben und die Staats- bürger, die mit Recht oder Unrecht im Gerüche stehen, anders zu denken als das Polizeigehirn, zu beschnüffeln. Die Folgen davon sind dann schön angelegte Personalakten, in denen die welterschütternden Schand- taten des betreffenden Objektes polizeilichen Spürsinns vermerkt werden, z. B. in welchem WirtShause es verkehrt und nach welcher Maß es hinauszugehen pflegt. Was für Unfug damit angerichtet wird, zeigt wieder der Erlanger Fall. In einem Lande, in dem sich die Bewohner wirklich bürgerlicher Freiheiten und Rechte erfreuen, wäre so etwas undenkbar. Oder aber dem verantwortlichen Beamten würde Gelegenheit gegeben, seinen Mitmenschen auf nützlichere Weise zu dienen. Von einer saftigen Schadenersatzklage ganz abgesehen. In Bayern wird nichts dergletchen geschehen. Darüber kann der Beschwerdeführer ganz beruhigt sein."—_ Der Abgeordnete Dr. Müller-Sagan läßt gegenüber den Kam- mentaren, die in der Presse an den Einspruch des KreiSausschusies von Sagan gegen die Führung seines parlamentarischen Namens auch im Privatleben geknüpft worden sind, durch die„Fr. D. Pr." folgendes erklären: „Abgeordneter Dr. Müller-Sagan hatte vor Jahr und Tag in einer finanziellen, für ihn bedeutsamen Grundeigentumssache sich an die Reichsverwaltung gewandt, um Schwierigkeiten wegzuräumen, die daraus resultierten, daß anstatt seines Familiennamens sein parlamentarischer Name Dr. Müller-Sagan versehentlich, ohne sein Wissen und Wollen, in ein ausländisches Grundregister eingetragen worden war. Die Reichsverwaltung zeigte sich sofort bereit, zu tun, was nötig war, um diese Schwierigkeiten zu beseitigen. Seitens des Abg. Dr. Müller-Sagan selbst ist in dieser Sache weder ein Antrag gestellt, noch sonst ein anderer Schritt als der obenbezeichnete getan worden." Zu dieser stark mystischen„Aufklärung" macht die freisinnige „Berl. Bolksztg." mit Recht die einfache Bemerkung, daß bei dieser Sachlage doch ivohl das einfachste und nächstliegendste gewesen wäre, das Grundbuchregister verändern zu lassen und nicht den ollen ehrlichen Namen Müller— wenn eben nicht die geschwollene Eitelkeit gewesen wäre! Die Arbeit der lothringischen Reichstags- Abgeordneten. Mit dieser Ueberschrift bringt die„Lothr. Volksslimme" tabellarisch die Beteiligung der vier Vertreter Lothringens im Reichstage zur An- schauung. Danach wäre bei 29 namentlichen Abstimmungen vom 27. März bis 26. Mai ein einziges Mal ein einziger Abgeordneter sv. Jaunez) anwesend gewesen, neunzehnmal habe er gefehlt, die drei anderen sLabroise, Merot, de Schmid) alle zwanzigmall— Die ReichstagSersatzwahl in Rinteln-Hofgeismar findet, wie neuerdings gemeldet wird, nicht am 19., sondem erst am 2 9. Juli statt.— Südwestafrika-Opfer. Ein Telegramm aus W i n dh u k meldet: Am 24. Mai bei Tsamab gefallen: Leutnant Karl Fürbringer, ge- boren am 4. 3. 82 zu Jena, früher im Husaren-Rcgiment Nr. 5; Unteroffizier Wilhelm Schwarz, geboren am 19. 11. 79 zu Liersberg, früher im Trainbataillon Nr. 14; Unteroffizier Wilhelm Thelen, geboren am 6. 4. 81 zu Bitburg, früher im Husaren-Rcgiment Nr. 11; Gefreiter Ernst Schnalle, geboren am 14. 11. 82 zu Rattwitz, früher im Pionier-Bataillon Nr. 6; Reiter Julius Heder, geboren am 16. 7. 83 zu Straßburg, früher im Grenadier-Regiment Nr. 199; Reiter Oskar Krause, geboren am 14. 2. 84 zu Altenau, früher im Jnfanterie-Regiment Nr. 47; Reiter Fritz Prochnow, geboren am 11. 12. 86 zu Greifswald, früher im Grenadier-Regiment zu Pferde. Am 23. Mai im Gefecht westlich Springpütz gefallen: Reiter Clemens Seufert, geboren am 23. 11. 78 zu. Raunungen, früher im königlich bayerischen 2. Feldartilleric-Regiment. Verwundet: Gefreiter Wilhelm Jaax, geboren am 18. 5. 82 zu Düsseldorf- Lierenfeld, früher im Jnfanterie-Regiment Nr. 69, leicht. Fleisch- schütz rechten Oberschenkel.— Ein amtliches Telegramm attS Windhuk vom 7. Juni meldet weiter: Am 24. Mai 1996 bei Tsamab gefallen: Reiter Emil Rothe, geboren am 6. 12. 81 zu Sondershausen, früher im Füsilier- Regiment Nr. 36; Reiter Wilhelm Setzkorn, geboren am 15. 1. 82 ztt Neustrelitz, früher im Grenadier-Regiment Nr. 89. Ferner Reiter Ferdinand Schmidt, geboren am 11. 11. 79 zu Rappoldtsweiler, früher im Füsilier-Regiment Nr. 89, atn 1. Juni 1996 im Feldlazarett Bethanien an' Herzschwäche nach TyPhuS gestorben. Ge- sreiter Karl Ballinger, geboren am 19. 12. 77 zu Saargemünd. srüher im Ulanen-Regiment Nr. 11, am 3. Juni 1996 im Lazarett Windhuk an Typhus gestorben. Hiiöland. Frankreich. Verständige Stadtväter. An anderer Stelle berichten wir über die Sympathie- kundgebung des Pariser Gemeinderates an die russische Reichsduma. An dieser Stelle haben wir einen Beschluß des Pariser Stadtrates zu erwähnen, der von außergewöhnlichem sozialen Verständnis zeugt: Die„Vossische Zeitung" bringt am Donnerstagabend eine Privatdepesche aus Paris, die meldet, der Pariser Stadtrat habe fast einstimniig beschlossen: die Regierung zu ersuchen, daß sie den 1. Mai für einen gesetz- lichen Feiertag erkläre!! Wie man sich nicht einmal in der Phantasie ausmalen kann, daß etwa eine preußische Stadtverwaltung der Duma in ihrer jetzigen Zusammensetzung ein Sympathietelegramm sende, so darf man erst recht nicht daran denken, daß in ab- sehbarer Zeit ein preußischer Magistrat oder ein preußisches Dreiklassen- Stadtparlament in seiner Majorität dem Welt- feiertage der Arbeiter gegenüber aus freien Stücken eine so verständige Haltung einnehme wie der Pariser Stadtrat. Aber der Gedanke der Maifeier wird marschieren und eines schönen Tages auch in Deutschland Vorurteile niederschmettern — wie jetzt in Paris.—_ Regicrungs-Programm. Die Regierung beabsichtigt, wie es heißt, das Defizit von 1997 zu decken durch Erhöhung namentlich der Erbschaftssteuer und der Steuern auf Likörweine und Apöritifs sLikör-Schnäpse). Außer dem Programm der vorzunehmenden Reformen Ivird die Erklärung der Absicht der Regierung Ausdruck geben, die Initiative zu dem Erlaß einer allgemeinen Amnestie zu ergreifen. Es heißt, daß die Regie- rttng sich auch für den teilweisen Erwerb gewisser Eisenbahnlinien aussprechen wird.—_ Vergebliches Sträuben. Paris, 7. Juni. lW. T. B.) Aus Rom wird gemeldet, daß entgegen der in Frankreich verbreiteten Anschauung der Papst jetzt keineswegs geneigter sei, das Trennungsgesetz hinzunehmen; man wolle das Gesetz ignorieren und vorgehen, als wenn es nicht vor- handen wäre. Dem„Matin" zufolge sei auch die Mehrheit der französischen Kardinalkommission der Ansicht, daß das TrennungS- gesetz durchweg zu verwerfen sei. Eines der versöhnlichsten Mitglieder dieser Kommission erklärte, man habe vergeblich versucht, einen Allsgleichsvorschlag bezüglich der Kultusvereinigungen zu finden; das TrennungSgesetz verstoße aber in allen Punkten zu sehr gegen das kanonische Recht, so daß es trotz des besten Willens in seiner Gesamtheit und in den Einzelheiten abgelehnt werden müsse. Die Weisungen, welche der Papst den französischen Bischöfen erteilen werde, dürften denn auch in diesem Sinne abgefaßt sein.— Spanien. Vom Attentat. Madrid, 6. Juni. Auf Antrag der Staats« anwaltschast wurde heute der Republikaner Rakens, Herausgeber des Blattes„El Motin" verhaftet, der beschuldigt wird, dem Mateo Morral nach dem Bombenanschlag die Flucht aus Madrid erleichtert zu haben; in einem Schreiben, das er vor seiner Verhaftung an die „Correspondencia de Espana" richtete, nimmt NakenS selbst die Verantwortlichkeit dafür, daß er Morral Hülfe geleistet habe, auf sich, indem er den Sachverhalt folgendermaßen darstellt: Er, Rakens, befand sich am 31. Mai gegen 4 Uhr nachmittags in den Geschäftsräumen seines Blattes, als ein junger Mann eintrat und ihn fragte, ob er Rakens sei. Auf seine bejahende Antwort habe der Besucher ihm das Ehrenwort abgenommen, daß er über das, was er ihm jetzt sagen werde, kein Wort verlauten lasse, und habe ihm sodann erklärt, daß er soeben eine Bombe gegen den König in der Calle Mayor geworfen habe. „Ich glaube", habe er gesagt,„der König ist nicht getroffen, aber andere Leute".— In diesem Augenblick trat ein Unbekannter ins Zimmer und fragte, ob Rakens schon wisse, daß eine Bombe geworfen worden sei.„Dieser Herr hier hat es mir eben gesagt," antwortete Nakens, auf den Anarchisten zeigend. In- zwischen kam ein Freund Nakens und teilte ihm mit, daß seine Tochter, als sie die Explosion hörte, einen Nervenanfall bekontmen habe. Nakens eilte zu seiner Tochter und kam nach einer halben Stunde zurück. Nachdem er von Morral erfahren, aus welchem Wege er hierher gekommen und welche Personen ihm unterwegs begegnet seien, war ihm klar, erzählt Nakens weiter, daß man jeden Augenblick kommen konnte, um Morral zu verhaften. Er hieß ihn deshalb mit ihm kommen und ging mit ihm durch die Calle dt* Divino Pastor zur Calle de Fuencarral, wo sie eine Straßenbahn bestiegen und nach dem Vorort Cuatro CaminoS fuhren. Als sie dort an einer Wirtschaft vorbeikamen, wurde Nakens von einigen in derselben sitzenden poli- tischen Freunden erkannt, die ihn einluden, ein Glas Bier mit ihnen zu trinken. Nach und nach kamen noch andere Bekannte, die sich anschlössen. Später fuhren Nakens und Morral mit der Eisenbahn nach Ciudad Lincol, wo sie spät abends ankamen und mit der Straßenbahn nach dem Vorort Ventas fuhren. Dort traf Nakens einen Freund, dem er sagte, sein Begleiter sei ein von der Polizei ver- folgter Journalist, der befürchte, bei den Nachforschungen nach dem Urheber des Bombenanschlages entdeckt zu werden. Der Freund erklärte sich auf Ersuchen Nackens bereit. Morral die Nacht über in seiner Wohnung zu beherbergen. Morral erklärte sich damit einverstandeit, mit dem Hinzufügen, morgen werde er schon einen Ausweg finden: am meisten habe er diese Nacht gefürchtet. Nakens trennte sich von den beiden und erftthr am nächsten Tage, daß Morral gegen 19 Uhr bor- mittags seinen Freund verlassen habe.— Nakens erklärt zum Schlub, daß et alle Verantwortung fßt seine Handlungsweise übernehme. Er habe gehandelt als Mann von Ehre, als Feind jeder Angeberei und getreu seinen, gegebenen Worte. Er habe den um seinen Beistand bittenden Anarchisten nicht einmal nach seinem Namen gefragt. König Alfons hat zum Dank für seine Rettung am Mittwoch ein Dekret unterzeichnet, durch das zahlreiche politische und militärische Verurteilte begnadigt werden sollen. Finnland. Revue der„Roten Garde" in HelfingsorS. lieber eine Revue der„Roten Garde' in HclsingforZ entwirft «in Berichterstatter das nachfolgende Stimmungsbild: „Auf dem Senatplatze zu Helsingfors hat sich eine Menschen- menge versammelt: wohl zehn- bis siinfzehiitausend Personen. In den hellen Strahlen der Lenzessonne glänzt in schönen Farben die Feslkleidung der Frauen, schimniern bunt die roten Fahnen, Banner und Abzeichen durcheinander. Die Banner tragen Inschriften, die der Bedeutung des Tages entsprechen:„Nieder mit den Klassen- Privilegien!"„Der Wille des Volles ist Gesetz I'„Das Wahlrecht allen, die das 21. Lebensjahr erreicht haben!" usw. An allen vier Seiten ist der Platz von der„Roten Garde" eingeschlossen, die in mehreren Reihen Aufstellung genommen hat. Finnische Typen, mit finsteren, Gesichtsausdruck, aber von verborgener Kraft, mit stolzem Selbstbewußtsein ihrer Menschen- und Bürgerrechte. Hier ist auch eine Abteilung finnischer Amazonen, ein Frauenbataillon der „Roten Garde". Die finnische Frau hat ja schon längst das Attest der Biirgerreife erhalten. Nicht umsonst ist sie durch ein neues Gesetz im Wahlrechte den Männern gleichgestellt und sie hat das Recht, nicht nur zu wählen, sondern auch gewählt zu werden. Inmitten der lebenden Mauer erheben sich etwa zehn improvi- sierte Tribunen. Dort erklingen flammende politische Reden, denen die Menge lautlos und aufmerksam lauscht. Nur zeitweise wird die Stille durch Rufe„Eljakken!" �finnisches„Hurra I") oder durch die von dem Bläserchor gespielten Weisen des Arbeitermarsches, der Marseillaise oder der Internationale unterbrochen. Um eine rote Fahne mit russischer Aufschrift hat sich eine Gruppe von 300—400 Russen geschart, bunt zusammengesetzt aus Fabrikarbeitern, Gärtnern, Steinmetzen, Handlungsgehülsen usw. Einige von der Intelligenz sind auch darunter. Das ist die russische Abteilung der organisierten Arbeiter in HelsingforS. Diese Gruppe hört andachtig dem Redner zu, der klar und eindringlich die Bedeutung der Demonstration er- läutert. Auf den anliegenden Straßen und auf dem Platze selbst hinter den Reihen der„Roten Garde" geht das Großstadtleben seinen gewohnten Gang, klingeln die Elektrischen, rasseln die Egui- Pagen. Ans den TrottoirS bewegt sich eine dichte Menge, die eleganten Repräsentanten derjenigen Klasse, der die stärksten Angriffe von der Tribüne gelten. Polizei ist nicht zugegen; nur vereinzelt läßt sich abseits der Helm eines Schutzmanns blicken. Der Herr Polizeimcister bewegt sich zwischen den Gruppen, spricht und scherzt mit einzelnen Manifestanten." 6ewerfcrcbaftUcbc8s Frömmigkeit und Arbeitsausnutzung. Die Seifenfabrik von Herrmann(Inhaber Stobwasser u. Co.), Zossenerstraße, hat ein neues Fabrikgebäude errichte» lassen, dessen Fassade in goldenen Feldern mit allerlei frommen Sprüchen geziert ist. Ganz oben liest man: Bete und arbeite. Etwas weiter unten: An Gottes Segen ist alles gelegen. Dann folgt der Dichtervers: Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis; ehrt den König seine Würde, ehret uns usw. Dann weiter: Rast ich— r o st ich. Am inneren Eingang der Fabrik prangt der Spruch: Gott mit uns. Für das Seelenheil der Arbeiter sorgt der Besitzer noch ganz be» sonders dadurch, daß er an den Vorabenden der Festtage die Kur- rende auf dem Fabrikhof singen lägt. Allen Arbeitern und Ar- bcitcrinnen wird dann gütigst gestattet, sich aus dem Fenster zu lehnen und den Gesang andächtig mit anzuhören. Hin und wieder wird auch den Arbeitern ein Teeabend gegeben, auf dem fromme Erbauungsreden gehalten werden. Kürzlich wurde auf einem dieser Abende einem Arbeiter feierlichst daS Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. Man sollte nun meinen, daß in diesem inniglich-fronrmen, patriarck)aliscl�n Fabrikidhll„Gottes Segen" den Arbeitern in Gc- jtalt guter Lohn- und Arbeitsbedingungen recht reichlich zu teil würde. Doch weit gefehlt. Der Wochenlohn beträgt bei zehn- ständiger Arbeitszeit durchschnittlich ganze 18 M. Leute, die zehn Jahre und länger bei dieser frommen Firma tätig sind, müsse» sich für einen Höchstlohn von sage und schreibe 22 M. abplagen. Da- rüber hinaus geht„Gottes Segen" nun einmal nicht. Die Arbeiterinnen erhalten einen Durchschnittstagclohn von 1,63 M» oder 10 Mark wöchentlich. Ilcbcrstuiidcn sind an der Tagesordnung, so daß die regelmäßige Arbeitszeit dadurch häufig auf 12 bis 14 Stunde» verlängert wird. Natürlich drängen sich die Leute zur Ileberstundenarbeit. da sie bei der elenden Entlohvung darauf bedacht sein müssen, durch längere Arbeitszeit noch einige Groschen mehr zu verdienen. Aber die Firma zeigt den Arbeitern auch, daß sie sozialpolitisches Verständnis besitzt. Sie hat einen Arbeiterausschuß geschaffen; allerdings ist derselbe nicht von den Arbeitern gewählt, sonder» vom Besitzer ernannt worden. Die vornehmste Tätigkeit der Ausschußmitglieder besteht nun darin, daß sie ihre Arbeitskollegen beim Verlassen der Fabrik einer Leibes- Visitation unterziehen müssen. Jeder Arbeiter muß es sich gefallen lassen, von oben bis unten wie ein Verbrecher betastet zu werden. Genau so ergeht es den Arbeiterinnen, nur daß die Visi- tation hier von einer Frau vorgenommen wird. Der fromme Bc- sitzer scheint demnach in beständiger Besorgnis zu schweben, daß „seine" Arbeiter von„Gottes Segen" noch etwas aus der Fabrik nach Hause mitnehmen könnten, weil sie mit beten und ar- b e i t e n bei den geringen Löhnen nicht auszukommen vermögen. Es läßt sich denken, daß der Besitzer unter solchen Umständen auch von einer heillosen Angst vor einer„Vergiftung" seiner Arbeiter durch Ideen der modernen Arbeiterbewegung bescffen ist. Wer Gc- werkschaftLversammluiigen bestickst oder gar Mitglied einer Organ!» satio» ist. wird entlassen. Trotzallcdem hat die Organisation in letzter Zeit auch in diesem Betriebe recht erfreuliche Fortschritte ge- macht, so daß demnächst die Firma energisch ermahnt werden dürfte, auch einmal an den Spruch zu denken: JederArbeiter ist seines Lohnes wert! Berlin und Nmgegenck. Die Steindnickcrei- Hülfsnrbeitcr nnd Arbeiterinnen sind an der AllSsperrung der Steindrucker und Lithographen mir in Verhältnis» mäßig geringem Maße beteiligt. In einer Versammlung der Hülf«- arbeiler und Arbeiterinnen, die am DonnerStagvormittag tagte, teilte der Referent A u st mit, daß von den 20 Firmen. welch« Lithographen und Steindrucker aussperrten, nur 9 Firmen sind, welche die Aussperrung auch auf daS HülfSperfonal ausdehnten. Das mag, wie der Redner ausführte, darin seinen Grund haben, daß gegenwärtig Mangel an HülfSperfonal herrscht, so daß es den Entlassenen leicht wird, andere Arbeit zu finden. Von den Aus« gesperrten— es sind im ganzen etwa 190— haben bereits viele Arbeit in anderenBranchen gefunden. Die Unternehmer hatten erwartet. daß daS tzülfspersonal ohne weiteres mit den ausgesperrten Stein« druckent den Betrieb verlassen werde. Diese Taktik hat die Or- ganisation nicht für angebracht gehalten, und so haben die Unternehmer den Hülfsarbettenr den Lohn solange weiter zu zahlen, bis auch deren Entlassung erfolgt. Mit dem Senefelderbund hat sich die Organisation der Hülfsarbeiter dahin geeinigt, daß auch da wo Steindrucker im Betriebe verblieben sind, also die Rolle von Streikbrechern spielen, das Hülfspersonal einstweilen auch in diesen Betrieben nicht freiwillig die Arbeit niederlegen wird. Selbst- verständlich werden die Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen alle? tun, um diesen Kampf zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Die Situation ist für die Hülfsarbeiter, auch wenn sie noch in größerer Zahl in die Aussperrung hineinbezogen werden sollten, äußerst günstig, besonders deshalb, weil die Nachfrage nach Hülfspersonal in Buchdruckereien so stark ist, daß die aus den Steindruckereien austretenden Hülfskräste ohne Schwierigkeit in Buchdruckereisn unter- gebracht werden können. Die Maschinisten und Heizer der Brauereien Berlins und Um- gegend hielten am Donnerstag in den„Rittersälen" zwei Bersamm- lungen(Tag- resp. Nachtschicht) ab, um zu dem neu abzuschließenden Lohntaris Stellung zu nehmen. Sie verlangen Berücksichtigung ihrer Forderungen und sind ungehalten darüber, daß sie bisher nicht zu den Beratungen zugezogen wurden. Die Verhältnisse, unter denen sie arbeiten müssen, sind dringend reformbedürftig. Sie fordern einen Anfangslohn von 36 3)1. für sechs Schichten achtstündiger Arbeitszeit, der nach einem Jahre auf 33 M. steigen soll. Zugleich verlangen die Kohlenarbciter und Abfchmicrcr unter denselben Bedingungen einen Anfangslohn von 34 M.. der auf 36 M. nach einem Fahre steigen soll. Für Ueber- stunden, Sonntags- und Feiertagsarbeit werden SO Proz. Zuschlag verlangt. Nebenarbeiten sollen von dem Maschinen- und Heizpersonal auS GesundheitS- und Sicherheitsrücksichten nicht mehr geleistet werden und die Wechselschicht soll Sonntags stattfinden. Ferner wird die Vertretung im Einigungsamt und im Kuratorium des Arbeitsnachweises verlangt. Andere Forderungen sind die Urlaubsbewilligung und die Anerkennung der Maifeier. Zur Ver- tretung dieser Forderungen wurde eine Kommission von drei Mann gewählt, die dafür einzutreten haben, daß dem Verlangen der Maschinisten und Heizer in dem neuen Lohntarif der Brauereiarbeiter Rechnung getragen werde._ Kupferschmiede und Klempner! Der Streik der Kupferschmiede und Treibziseleure bei der Firma Beck u. Friede, Holsteiner Ufer, dauert unverändert fort. Wegen Maßregelung des Bremsenführers ist über die Firma Alex Müller, Banitberstr. 8. ebenfalls die Sperre verhängt. Die Filialverwaltung des Verbandes der Kupferschmiede Deutschlands. Die Sperre über die Berliner Elektromobil- Droschken- Aktien- gesellschaft„Bedag", Chausseestr. 121, ist ausgehoben. Verein der Berliner Droschkenführer. Zur Aussperrung der Buchbinder und Buchbinderciarbeiterinnen liefert die löbliche Polizei ständig Stoff. Man könnte damit Spalten des„Vorwärts" füllen. Besonders toll war es aber am Mittwoch- abend in der Handelsstätte Belle-Alliance, Friedrichstr. 16, welche, wie ausdrücklich hervorgehoben werden mag, ein öffentlicher Durch- gang ist. Als die arbeitswilligen Elemente ihre Arbeitsstätten ver« ließen, wurden die SchutzmannSposten erheblich verstärkt und inner- halb einer Stunde waren nicht weniger als 3 Sistierungen von Streikposten vorgenommen. Die Chefs, Geschäftsführer und Faktors nebst kaufmännischem Personal belagerten die Höfe und denunzierten beim Schutzmann jeden ihnen bekannten Arbeiter, ob er nun Streikposten stand oder nur zufällig den Durchgang be- nutzte. Besonders glaubte sich der Faktor Mutschler der Firma Sperling hervortun zu müssen. Derselbe lies den Streikposten bis zum Belle-Allianceplatz nach und rief fortwährend laut nach der Polizei, was bei den Passanten allgemeines Aufsehen erregte. Man wußte ja nicht, was für eine staatserhaltende Tat der Herr vor- hatte, indem er friedliebende Bürger, welche lediglich von ihrem gesetzlich gewährleisteten Recht des Streikpostenstehens Gebrauch machten, verhaften fassen wollte. Aber auch der Herr JablonSki, Mitinhaber der Firma Blei« stein, Friedrichstr. 16, nebst seinem Anhang(unter anderem der ehe- malige Genosse und Kollege Jahnke aus Tempelhof) genierten sich nicht, die SchutzniannSposten hin und her laufen zu lalsen, friedlich ihres Weges gehende Arbeiter ohne jeden Anlaß anzu— sprechen nnd mit Verhaftung zu drohen. Jedoch alle Provokationen dieser und anderer Herren vermögen nicht, dem ausgesperrten und kämpfenden Personal der Berliner Buchbindereien den frischen frohen Kampfes- mut zu rauben. Oeutrehes Reich. Gärung im Saarrevier. Das Saarrebier ist zurzeit der Schauplatz von Ereignissen, deren weittragende Bedeutung im Moment nicht übersehen wird. Der freiheitliche Zug. der durch alle Gauen unseres Baterlandes geht, hat auch im Saarrevier das Eis gebrochen und trotz aller Drohungen nnd Versprechungen lassen sich die Arbeiter nicht mehr als willenlose AuSbeutungsobjekte mißbrauchen. Noch unendlich viel ist nachzuholen, bis die Saar-Arbeiterschaft in ihrer Mehrzahl als gleichwertige Klassenkämpfer ihren Brüdern anderwärts an die Seite gestellt werden kann. Doch will eö scheinen, als als ob die einzelnen EntwickelungspHasen sich schneller und intensiver vollziehen und der Zeitpunkt, wo von ernsten Klassenkämpfen geredet werden kann, in greifbare Nähe gerückt ist. Wir haben bereits früher berichtet, daß die christlichen Gewerkvereine eine intensive Agitation entfalten, die sich durch die Unterstützung der Geistlichkeit auch erfolgreich gestaltet. Lokale stehen ihnen auf Empfehlung dieser allenthalben zur Verfügung, deren Fehlen für uns bekanntlich ein großes Hindernis in der E»t- Ivickeliing der freien Gewerkschaften bedeutet. Gestützt auf diese günstigen Voraussetzungen hat auch der christliche Metallarbeiter- verband bei den Arbeitern der Burbacher Hütte eingesetzt, und wenn man der Zentrumspresse Glauben schenken darf, mit gutein Erfolg. In den massenhaft abgehaltenen Versammlungen wurde stets ein sehr radikaler Ton angcichlage». Dein ScharsmacherUim, das durch den viclbekannten Dr. Alex. Tille beraten»st, war die christliche Organisation, obwohl sie sehr in PatriotismllS mackst, alle ihre Versammlungen mit KaiserhochS er- öffnet, ein Dorn im Auge. Nach Meiiinng des Scharfmacherlums hat der Arbeiter kein Recht zur Organisation und nach Dr. Tille „gehört das Geschwätz von Menschenrechten in die Rumpelkammer". Jeder der christlichen Organisation angehörende Arbeiter wurde, sobald es der Werksleituug bekannt wurde, aufs Straßen- Pflaster geworfen. Von diesem Schicksal wurden Leute betroffen. die schon mehr als 23 Jahre als Mehrer des Profites auf dem Werke beschäftigt waren, Leute. die noch in, vorigen Jahre „für treu geleistete Dienste" mit einer goldenen Uhr beehrt wurden. Das Schreckmittel der Eiitlajsung hatte jedoch die gegenteilige Wirkung gezeitigt als die Hütte erhofft hatte. Statt zu Kreuze zu kriechen, wurden die Arbeiter re- bellischer und gingen schließlich dazu über, dem Direktor die Fenster seiner Villa einzuwerfen. Die Folge dieser Handlung war. daß die Direktion, das in diesem Jahre geplante Fest de« SOjährigen Be« stehenS der Hütte absagen ließ und zwischendurch kamen immer weitere Entlassungen vor. Als in voriger Woche wiederum zwei Mann von diesem Schicksal betroffen wurden, stellten 48 Mann der betreffenden Abteilung da» Ersuchen, die Kündigung rückgängig zu machen. Erfolg: sofortige Entlassung I Als dann weitere dreißig Mann opponierten, wurden auch sie sofort ent« lassen— wegen KontraklbrucheS. Do unheimlich es dem christlichen Verband bei seiner notorischen Geldkalamität nun auch werden mochte, er mußte die Sache zur Entscheidung bringen. Man wählte eine Kommission, welche bei Direktor Weisgerber vor- stellia werden sollte. Von dieser wurde jedoch nur ein Mann vor« gelassen, da die übrigen nicht mehr in Arbeit stehen und„man" mit „kontraktbrüchigen" Arbeitern nicht verhandeln wollte. Die„Ver- Handlung" endete denn auch mit der Erllär»iig. daß die Hütte kein Jota von ihrer Entschließung abgehe. Als dieser Beschluß a», Dienstag bekannt wurde, legten sofort etwas über 600 Arbeiter die Arbeit nieder und verließe» das Werk. Nach einer halben Stunde bereits war ein großes Aufgebot von Schutzleiiten. darunter ein Polizeileutnant hoch zu Roß, erschienen, um die„Ordnung" aufrecht zu erhalten. Die Feuerspritzen der Hütte— die bekannten geistigen Waffen der Hütteildirektion— wnrden aufgefahren, die Straßen waren ungemein belebt, so daß das Straßenbild an den nahen Aus- bruch einer Revolution gemahnte. Am Abend fand eine überfüllte öffentliche Volksversammlung statt, welche sich mit den Ereignissen des Tage» beschäftigte. Das Resultat dieser Versammlung war, daß e i n st i m m» g der Beschluß gefaßt wurde, am Mittwoch Morgen nicht wieder zur Arbeit zu gehen und so lange aus- zuhalten, bis die Direktion das Recht zur Organisation zugegeben habe. Dieser Beschluß wurde von den Anwesenden nicht nur ge- halten, sondern man vermochte auch noch eine große Anzahl andere Arbeitsgenossen zum Mittiii, zu veraillasscn, so daß jetzt zirka 2000 Mann am Streik beteiligt sind. Das berühmte saarabische System geht zu Ende._ Hanau o. M.(Unternehmermanieren.) Die VerwaltungZ- stelle des Metallarbeiter-Verbandes schreibt uns: Ein nobler Arbeitgeber scheint der Silberwarenfabrikant Hofmann, Türkische Gärten hier, zu sein. Vor einem balben Jahre versprach er seinem Personal, wenn eS pünktlich zur Arbeit käme, erhielten die Arbeiter »in die Pfingstzeit jeder acht Tage Ferien. Auf dieses Anerbieten gingen die Arbeiter ein. indem sie dem Versprechen dieses Herrn Glauben schenkten. Jetzt, wo die Sache in die Wirklichkeit umgesetzt werden soll, erklärte er. er habe nicht genügend verdient in diesem Jahre, es gäbe keine Ferien, Bemerkt muß werden, daß eS in der Edelmetallindiistrie hier allgemein Sitte ist, daß ö Minuten»ach der Zeit ang>:faiigen wird. Herr Hofinann hat also für diese Zeit von iedem Arbeiter pro Woche>/,z Stunde Arbeitszeit extra in der Tasche und versucht nun obendrein, sich seinem Versprechen auf diese noble Weise zu entziehen. Außerdem will er die Frühstücks- und Vesperpanse nicht mehr zahlen. Zu gleicher Zeit hat er mit Lohnabzügen bei einzelnen Leuten begonnen und versucht dies bei allen durchzilsühren. Infolge dieses unnoblen Verhaltens ist es heute ziim sofortigen Verlassen der Arbeit gelonunen. Es kommen 12 Arbeiter in Betracht, die alle organisiert sind. Da Hosmann Unterhandlungen mit seinen Leuten ablehnte und erklärte, keinen organisierten Arbeiter mehr einzustellen, auch die durch Unter- schrift seinerzeit bewilligten Prozente für Ueberstiiiiden nicht niehr zahlen will, ist Vorsicht bei Arbeitsangeboten von seiner Seite sehr geboten. Kellner, Kellilcriilnen und sonstiges Gasthofpersonal haben alle Ursache, Nürnberg zu meiden, da in den Nestaurationen der dortigen LandesmiSstelliiiig die Konflikte nicht ausgehen. Durch die Ver- mittelinig des famosen Genfer Verbandes sind viele Hunderte von Kellnern usw. nach Nürnberg zur Ausstellung gelockt worden, sie haben aber bittere Erfahrungen gemacht. Die Löhne wurden durch den vom Genfer Verband ckbgeschlosienen Vertrag im allgeineinen auf 23 Mark für Kellner und 10 Mark für Kellnerinnen monatlich seftgesetzt, aber schon nach der ersten Aus- stellungswoche wurde der- Verlrag vielfach umgestoßen und den Kellnern einfach erklärt, daß sie nur 13 M. bekommen und außerdem jeden Abend noch 23 Pf. an die Oberkellner abzugeben haben. Am schlechtesten sind die Verhältnisse in der Hauptrestaiiration, wo etwa 300 Personen beschäftigt sind. Die Kost ist gänzlich unzureichend; die Leute bekommen öfter das zu essen, Ivos die Gäste auf den Tellern liegen lassen. Ein Kellner, der aus Hunger ein kleines Stückchen Gänsebraten, das ein Gast liegen ließ, verzehrte, wurde auf der Stelle entlassen und mußte erst durch das Gewerbegericht die Zahl einer Entschädigung erzwingen. Die Einnahmen aus Trinkgeldern find sehr niinimal, da die zugeteilten Service nur klein sind, die Behandlung ist die nn- würdigste, die man sich denken kann. Fortwährend kommen die rigorosesten Entlassungen vor und da§ Gcwerbegericht hat sich in jeder Sitzung mit Klagen von Kellnern zu befassen. Dabei enthüllte sich der wahre Charakter des Genfer Verbandes durch die Tatsache, daß der Placeur desselben wiederholt vor dem Gericht als Vertreter der Unternehmer gegen die klagenden Kellner austrat. Unter den Leuten herrscht eine große Erbitterung, und schon wiederholt standen sie vor dem Streik, der bis jetzt nur durch die fehlende ge- werkschaftliche Schulung vermieden wurde. eS kann aber jeden Tag zu einer plötzlichen Arbeitsniederlegung kommen. Der Verbands- placeur sucht für die zahlreichen Angestellten, die täglich auf die Straße geworfen werden, Ersatz in ganz Deutschland, es liegt aber im eigenen Interesse der Kellner, daß sie solchen Lockungen nicht Folge leisten. Die Klempner in Bremen sind am Mittwoch morgen in den Ausstand getreten. DaS geringe Entgegenkommen, das die Meister bei den eingeleiteten Verhandlimgen zeigten, veranlaßte die Gesellen, die Arbeit niederzulegen. HuaUncl. Ein Sieg der Metallarbeiter in Bulgarien. Der am 20. Mai in der Maschinenfabrik Struz in Sofia auSgebrochene Streik, der von der zentralistischen Mctallarbeiter-Gewerkschaft geleitet wurde, fand seinen Abschluß durch Vereinbarung eines Tarises. Dieser setzt die Arbeitszeit ans neun Stunden fest, gegen früher zehn Stunden. Außer den Sonntagen werde» noch 23 Feiertage— inklusive Maifeier— für die ArbeitSrnhe festgelegt. Ueberstunden werden mit 30 Prozent Aufschlag bezahlt. Jeden, Arbeiter wird nach fünf- jähriger Praxis ein Minimum von 2l/i Frank zugesichert. Die Kündigungsfrist dauert 14 Tage. Akkordarbeit ist ver- boten. Nur von der Gewerkschaft überwiesene Leute dürfen ein- gestellt werden. Bei Streitigkeiten entscheidet ein gleichmäßig von Arbeiter» und Unternehmern besetztes Einigimgsamt, das sich einen unparteiischen Vorsitzenden wählt. Der Vertrag gilt bis Mai 1907. — Das ist bisher der schönste Erfolg, den die Metallarbeiter Bulgariens errungen haben. Der norwegische Gesetzentwurf über Staats- und Gemeinde- beitrüge zur ArbeitSlifenunterstützung, der vom OdelSthing an- genommen wurde, ist vom Lagthiug in der vorliegenden Form mit 16 gegen 12 Stimmen abgelehnt worden. Dem OdelSthing wurde anheimgegeben, den Entwurf der Regierung zu überweisen. Die ein- zelnen Paragraphen des Entwurfs wurden mich vom Lagthing bis auf einen gutgeheißen, und zwar bis auf den Paragraphen. der besagt, daß unorganisierte Arbeiter Mitglieder der Arveitslosenkassen der Gewerkschaften werden können, dann aber kein Recht haben, an der Verwaltung der Kassen teilzunehmen. und außerdem durch Erhöhung der Beiträge zu den Verwalfiings- kosten herangezogen ivcrden können. Diese beiden Bedingungen verkehrte das Lagthing in ihr Gegenteil. Der Enttvurf geht nun an das OdelSthing zurück. Hält dieses Thing seine Beschlüsse aufrecht, so wird das Storthing in gemein- samer Sitzung über den Entwurf entscheiden. Letzte JVachrlchtcn und Dcpclchcn. Dir Bauarbeiteraussperrung in Wien. Wien, 7. Juni.(W. T. B.) Der Bürgermeister beabsichtigt, in der Angelegenheit der Gcneralaussperrung der Arbeiter des Bau- gewerbeS im Interesse der Arbeitswilligen Verhandlungen anzu- bahnen. Mit den HülfSarbeitern dürften rund 48009 in der Baubranche beschäftigte Arbeiter ausgesperrt sein. Ueberschwemmung. Lemberg, 7. Juni.(W. T. B.) Mehrere Flüsse in Galizien find ausgetreten und überfluten stellenweise die Usergemeinden. Das Städtchen Sokolaw ist überschwemmt. Ter Bahnverkehr zwischen Dolina— Wygoda und Delatzin— Kolomea ist eingestellt. Eine Stadt durch Unwetter zerstört. New A-rk. 7. Juni.(W. T. B.) Nach einem Telegramm aus tzillsboro(Kansas) ist die Stadt Gössel, die eine deutsche meno- nitische Niederlassung ist, durch einen Sturm vollständig zerstört worden, etwa 89 Personen wurden verletzt. Berantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantv.: Tj. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer LcCo., Berlin ZW. Hier,« s Beilagen"--terhaltungsblatt Hr. 130. 23. 1. KnlM des Jorräts" Knlim lolMIntt. Freitag, 8. Juni IM. Arbeiterbildung und ihre natürlichen Orgattifationsformen.*) Alle Klagen der einsichtigen Parteigenossen über mangelhafte theoretische Schulung der großen Masse der Arbeiterklasse bleiben so lange unfruchtbar, bis der Nachweis gelingt, daß die historische EntWickelung selbst die Möglichkeit seiner Beseitigung erzeugt. Wir wissen, daß die schnell anwachsende Arbeiterbewegung große Anfor- derungen an die Arbeitskraft einer großen Zahl ihrer Mitglieder stellt. Aus diesem Bedürfnis heraus erklärt sich der Trieb der Gewerkschaftsorganisationen einzelnen ihrer Mitglieder, die sich aus irgend eine Weise, durch Aufopferung, Fleiß und Befähigung, aus der großen Zahl der anderen hervorgetan hatten, die Möglich- keit zu geben, ihre ganze Arbeitskraft dem Interesse und der Ent- Wickelung der Organisation zu widmen. Eine ganze Reihe be- soldcter Beamtenstellungen wurden geschaffen. Sowohl durch die organisationsfördernden Tendenzen der wirtschaftlichen EntWicke» lung, durch die größere Propaganda für die genossenschaftlichen Organisationen, zum Teil mit ermöglicht durch die Anstellung von Beamten, als auch durch die gewaltige EntWickelung des Unter- stützungswesens in den Gewerkschaften, erlangten diese eine Aus- dehnung, die selbst dem größten Pessimisten Freude bereiten muß. Aber je größer die Organisation, je mehr Vorteile sie dem einzelnen Berufskollegen gewähren kann, um so gewaltigere Anziehungskraft übt sie auch ganz selbsttätig auf die Indifferenten aus. Gleichzeitig werden aber auch die stets anwachsenden Verwaltungsarbeiten von einem stets größer werdenden Beamtenheer erledigt, und so wird durch die Entlastung der Berufskollegen für diese die Möglichkeit gegeben, auch andere als nur„praktische Arbeir für die Organisation zu leisten. Die Möglichkeit, eingehendere Studien über die Begründung und Voraussetzungen des wlssenschaftlichen Sozialls. muS zu treiben, ist damit für einen größeren Teil des proletarischen Nachwuchses geschaffen. Obgleich aber wohl fast jede moderne gewerkschaftliche Organisation es mehr oder weniger als eine ihrer Aufgaben betrachtet,„die geistigen Interessen" ihrer Mitglieder „durch Aufklärung und Bildung zu„mehren" und zu„fördern", so ist das doch eine Aufgabe der sie weniger direkt als indirekt gerecht zu werden vermag. Ein weitergehendes Bedürfnis nach wissenschaftlicher Bildung kann weder eine politische, noch eine gewerkschaftliche Kampf organisation be- friedigen. Von dieser selbstverständlichen Voraussetzung ausgehend, ist auch die Arveiterklasse dazu über- gegangen, Organisationen zu schaffen, die die für den CmanzipationSkampf deS Proletariats so wichtige Aufgabe der gründlichen Schulung der Kämpfer nicht als Nebenzweck, sondern als ihre Hauptaufgabe haben. Das sind die Arbeiterbildungsschulen, Bildungsvereine usw. Auch Berlin hat sich solch eine Bildungs- stätte in der Arbeiterbildungsschule geschaffen. Als Anfang der 00er Jahre das Sozialistengesetz siel, ergriff der eben erst nach Berlin übergesiedelte Gen. Liebknecht die Initiative zur Gründung der „Schule". Eine Reihe kleiner Organisationen, sogenannte DiS- kutierklubs, lösten sich zugunsten der Schule auf, in der sie ihre natürliche Zentralisation sahen. Sie selbst konnten ja doch dem BildungZvedürfniZ der Arbeiterschaft nicht im mindesten gerecht werden. Tie Begeisterung der Berliner Arbeiter für die Schule war groß, allein in den ersten beiden Geschäftsjahren wurden M zuerst 6, später s Schulen gegen 4500 Schüler unterrichtet. Das Programm war durchaus vielseitig und wies folgende Unterrichtsfächer auf: Deutsch in drei Stufen tober. mittel, unter). Log,k, Geschichte(alte, mittlere, neue), National-Oekonomie, Gesetzeskunde, Physiologie, Anatomie. Chemie. Mathematik und mathematische Geographie. Rechnen und Buchführung. Die Einnahmen betrugen in diesen 2 Jahren über 81 000 M., darunter waren allerdings fast 7000 M. Geschenke, und über 3100 M. wurden durch freiwillige Sammlungen aufgebracht. Aber so schnell die Begeisterung ent- flammte, so schnell war sie wieder verglommen. Es gelang der „Schule" nicht, sich auf dieser breiten Basis finanziell selbständig zu machen. Eine schwere, jahrelang andauernde Krise brach herein, in der es nur mit äußerster Mühe gelang, die Schule in erheblich beschränktem Umfange, durch Abstoßung alles überflüssigen Ballastes, am Leben zu erhalten. Im Jahre 1805 waren zwar noch 2 Schulen, aber nur noch kaum 200 Schüler vorhanden, und trotz erheblicher Geschenke f 1358,20 M., über 25 Proz. der Gesamteinnahmen, dem nur 1277,60 M. eigentliche Beiträge gegenüberstanden), ergab sich am Jahresschluß ein Defizit von mehr als 000 M. Die Teilnehmer, zahl an den einzelnen Kursen schwankte zwischen 12 und 27 Per- wnen. Seitdem ist ein ständiges, wenn auch langsames Steigen der Tätigkeit der Schule und der Zahl der Teilnehmer an den Kursen zu vermerken. Im ersten Quartal 1006 wurden an 624 Hörer 785 Hörerkarten ausgegeben. Trotzdem entspricht aber dieses langsame Anwachsen in keiner Weise der Bedeutung der Schule und der Be- deutung und dem Wachstum der Berliner Arbeiterbewegung. Nun find in der letzten Zeit in einigen Städten, so in Bremen. Kiel usw. als Ersatz für die dauernde Einrichtung einer Schule Versuche mit Unterrichtskursen vor einer größeren Anzahl Parteigenossen, zum Teil mit Lehrer» der Berliner Arbeiter-Kildungsschule, gemacht worden. Ich bin der Meinung, daß derartige Kurse in keiner Weise den Bedürfnissen nach Vertiefung der Bildung gerecht zu werden vermögen. So werden jetzt z. B. in Berlin zirka 1200 Billetts ausgegeben für einen Cyklus historischer Vortrage, der vom„Ver- band der sozialdemokratischen Wahlvereine" veranstaltet wird. Nun frage ich, wie soll da der betreffende Lehrer einen nachhaltigen pädagogischen Einfluß auf seine Hörer ausüben können? In den Volkchchulen verlangen wir. daß auf eine Lehrkraft nicht mehr als zirka 30 Schüler entfallen, und hier gibt es Leute, die sich wirklich, trotz der 1200 Hörer, nachhaltige Erfolge versprechen! Wir haben keine Ursache. unS über die Wirkung derartiger Ver- anstaltungen Illusionen hinzugeben, wenn auch anzuerkennen ist. daß es immerhin einen Fortschritt bedeutet, wenn überhaupt etwas getan wird. Wer aber glaubt, daß durch das Anhören einiger Wissenschaft. lichex Vorträge das gesteckte Ziel erreicht werden kann, der gwt sich einer gründlichen Selbsttäuschung hin. So leicht darf man sich die Sache denn doch nicht vorstellen, es bedarf einer gründlichen, fach. männischen Einführung und einer eifrigen Lektüre, angestrengtester Arbeit, um zu halbwegs annehmbare» Resultate» zu kommen. So im Vorbeigehen erlangt man keine wissenschaftliche Bildung. So, wie wir uns die Geschichte als Lehrmeisterin dienen»assen sollen, so sollen un» auch die praktischen Erfahrungen, die wir im Laufe der Jahre gesammelt haben, eine Richtschnur für unser Handeln geben. Wenngleich ich auch nicht die Schwierigkeiten verkenne, die dem intelligenten Proletarier, der nach diesem hohen Ziele strebt, ent- gegenstehen, so bin ich trotzdem der Meinung, daß eigentlich in keiner Alasse so die historischen Voraussetzungen zum Verständnis der in der Gesellschaft wirtenden Gesetze vorhanden sind als beim modernen Proletariat. Es gibt ja leider auch in unseren Reihen Akademiker, die der bescheidenen Meinung sind, daß es eigentlich. «in Privileg der akademischen Inzucht sei. wissenschaftliche und theoretische Fragen zu verstehen. Im Grunde genommen läuft diese Vorstellung auf den gutgemeinten, aber spießbürgerlichen Rat hin- auS:„Schuster bleib bei deinem Leisten". Es kann an dieser Stelle nicht unsere Aufgabe sein, die weitgehendsten Forderungen der Arveiterbildung»iner erschöpfenden Besprechung zu unterziehen, aber einem Projekt, das kürzlich in der„Neuen Zeit" einen Befür- Wörter gefunden, möcht» ich doch noch eine kurze Besprechung widmen. In dem Artikel wird der Partei empfohlen, Geld flüssig zu machen zur Unterstützung bestehender und zur Gründung neuer *) Dieser Artikel wurde länger« Zeit zurückgestellt, weil wir im besonderen w ä h r e n d der Vorträge des Genossen Maurenbrecher eine Diskusston über den pädagogischen Wert derselben nicht für nützlich Zielten- Die Redaktio«. � Diskutierklubs— und zwar, weil diese angeblich„der Partei die gröbste Arbeit abnehmen, und die bildungsfreundlichen Elemente der sozialdemokratischen Arbeiterschaft wenigstens zusammenhalten". Eine recht wunderliche Illusion, nach der es nicht der Partei- organisation bedarf, um die„bildungsfreundlichen" Elemente der Partei zusammenzuhalten, sondern außerhalb der Partei bestehender Klubs. Ich bin dagegen der Ansicht, daß es die Aufgabe der be- stehenden Parteiorganisation ist, die„bildungsfreundlichen" Elemente der Partei zusammenzuhalten, die jüngeren Genossen in die Ge- dankengänge des wissenschaftlichen Sozialismus einzuführen und Diskussionen über das Erfurter Programm oder die praktischen und politischen Tagesfragcn anzuregen. Es ist notwendig, ein regere» geistiges Leben in die bestehenden politischen Organisationen hinein- zutragen. Der Passus unserer WaUvereinsstcrtuten„Vorträge und Diskussionen über politische, wirtschaftliche und Wissenschaft- liche Fragen" zu veranstalten, muß verwirklicht werden. Auf diese Weise werden auch alle die hätzlichen Neben- erscheinungen, die solchen Miniaturorganisationen wie den Klubs an- haften, nämlich die Bildung von Cliquen und eingebildete Vielwisserei, aufhören. Jeder soll und mutz sich als Mitglied der großen politischen Organisation fühlen, in deren Interesse er zu wirken hat und die kleinlichen und persönlichen Interessen der kleinen Clique werden ver- schwinden. Die einzige Aufgabe, die der Verfasser des Artikels m der „Neuen Zeit" für die Klubs reklamiert,„den Mitgledern durch Aus- tausch der Ansichten über irgend ein vorgetragenes oder vorgelesenes Thema, ihre Meinung zu klären suchen, und noch dies oder jenes Neue dazu lernen zu wollen", ist die ureigenste Aufgabe der poli- tischen Organisation. Um dieser Aufgabe aber entsprechend gerecht werden zu können, ist es notwendig, die befähigten Kräfte in geeig- neter Weise auszubilden. Das bewirkt aber kein„Auswusch der Gedanken", lost genug auch der Gedankenlosigkeit), sondern das kann nur erreicht werden, wenn unter tüchtiger, fachmännischer Leitung etwas Tüchtiges gelernt wird. Für Berlin ist eS aber einzig die Arbeiter-Bildungsschule, die das zu bewerkstelligen ver» mag. Es sollte deshalb auch den Parteifunktionären und Bezirks- führern mehr als bisher zur Pflicht gemacht werden, sich dort die nötigen Kenntnisse für ein erfolgreiches Wirken in der Organisa. tion zu beschaffen. Die DiSkutierklubS sind eine historisch längst überholte Organisationsform und die Partei hat kein Interesse daran, Leichen zu galvanisieren. Wenn der Artikel in der„Neuen Zeit" weiter kein Verdienst hat, so hat er wenigstens das. Ge- legenhcit gegeben zu haben, den Berliner Arbeitern die ganze Bedeutungslosigkeit dieser Organisationen zu zeigen. Aber er hat trotzdem noch ein anderes Verdienst, und das ist. an einem drastischen Beispiel die Gefahren solcher Vereinsmeierei offen- zulegen. Ich wie? schon oben auf die Cliquenbilbung und eingebildete Vielwisserei, zu der solche KlubS führen, hin. Der betreffende Artikel zeigt, daß diese Gefahren wirklich vorhanden find. Der Verfasser macht da eine Swtistik auf und erklärt, daß kaum 10 Proz. der Genossen einige Kenntnis der marxistischen Ge- dankengänge besitzen, diese 10 Proz. setzten sich wieder aus solchen zusammen, die Marx nur halb und deshalb mißverstanden haben, und aus solchen, die sich nur an einige„wirkungsvolle Sätze", soll heißen Schlagworte klammern. Woher nimmt denn der Genosse solche Kenntnis von den 10 Proz.? Und über die 34 Schüler der Berliner Arbeiter-Bildungsschule, die das Verbrechen begangen haben, sich die Marxschen„Theorien über den Mehrwert" an- zuschaffen, Schüler, die sicher zum Teil schon jahrelange Hörer deS nationalökonomischen Kurses sind, und nun die dort empfangenen Anregungen und Kenntnisse durch eifriges Studieren der Quellen ergänzen wollen, gibt der Berfaffer jenes Artikel» zu verstehen, daß sie die„Marxschen Lehren" so zu handhaben verständen,„wie der Eingeborene Australiens die erste Feuerwaffe, die ihm in die Hände gerät". Dabei ist aber noch zu erwähnen, daß andere Schriften, wie zum Beispiel KautskyS„Marx' ökonomische Lehren", schon früher verkauft worden waren. Und in einem der Schlußsätze heißt eS:«Bei diesen(DiS- kussionen um die theoretischen Probleme) handelt eS sich lediglich um eine Begründung oder um wktische Fragen deS Klassenkampfes, die heute die Masse der Parteigenossen nur in ihrer Rückwirkung auf den praktischen Kampf interessieren." WaS soll das heißen? Ist überhaupt irgend eine Wissenschaft um ihrer selbst willen da und nicht vielmehr wegen ihrer Rückwirkung auf daS Leben? Man er- kennt hier die Früchte der„Vielseitigkeit des dargebotenen Lehr stoffeö... bei bürgerlichen Bildungsinstituten". Otto Geithner. 17. Evangelisch-sozialer Kongreß. Jena, den 6. Juni. Der 17. Evangelisch-soziale Kongreß trat heute vormittag 0 Uhr im Volkshause zusammen. Nach dem üblichen Gesang und Gebet erösftiete Professor Adolf Harnack die Verhandlungen mit folgender begeistert aufgenommenen Ansprache: Mein erstes Wort ist ein Wort des Danke» und zugleich ein Ausdruck des Vertrauens. Tankbar erkennen wir es an, daß das Rcichsamt des Innern und sein verehrter Chef in wahrhaft sozialem Geiste die großen Fragen der Gegenwart würdigt. Wir haben sehr selten gedankt. Um so bedeutungsvoller ist es, wenn wir eS heute tun. Wir sind uns aber bewußt, daß an der Stelle ein Mann steht, der die kaiserliche Botschaft vom Jahre 1890 nicht vergessen hat. (Lebhafte Zustimmung.) 2. Wir erklären, daß wir unS auch durch die Entwickelung der Sozialdenwkrati», namentlich in ihren Aussprachen der letzten Jahre, durch all das Empörende, das wir erlebt und noch erleben, in unserer sozialen Haltung nicht irre machen lassen.(Bravol) Wir können es wohl begreifen, wenn national und sozial gesinnte Männer sich voll Ekel abwenden und kein Wort vgn neuen sozialen Forderungen für die nächste Zeit mehr hören wollen, Wir begreifen das, aber wir können es nicht billigen.(Beifall.) Wir beklagen tief, aber wir vermögen es nicht zu ändern, daß die Sozialdemokratie durch ihr unpatrioftschcS und negatives Verhalten das alte Regime zu ihrem Teile nur gestärkt und eine Situation geschaffen hat, in der den Arbeitern als Geschenk gegeben werden mutz, was sie in gemeinsamer Arbeit mit uns erringen könnten. Wer an diesem Zustand sind lediglich die schuld, die sich als einzigen Vertreter der arbeitende» Klasse aufspielen mächten.(Lebhafter Beifall.) 3. Wir halten unerschütterlich daran fest, bah soziale Dinge und soziale Fragen nicht, wie mm in einem herben Realismus gesagt hat, lediglich Fragen der Futtermenge und deS FutterplatzeS sind, sondern im höchsteil Sinne humane und sittliche Fragen. Hinter jeder Frage steht der fühlende Mensch, der Mensch, der«Nie Ehre hat. Die Forderung, daß kein Mensch eine bloße Ziffer, ein bloßes Mittel sei, zerstört den Wahn derer, die das Gewebe der arbeitenden Gesell« schaft in ein rein materielles Gewebe verwandeln wollen. Daher sind wir Sozialisten upd Individualisten zugleich, und sind das eine, weil wir das andere sind.. 4. Wenn wix uns evangekisch-sozial nennen, so denken wir dabei an das Evangelium und nicht an irgend welche» Konfessiona- lismus oder vielmehr nur an jenen protestantischen Konfessionalis- muS, der eine unerschütterliche Weitherzigkeit bedeutet und ei» Zeichen von Kraft ist. Es kann in deutschen Landen nicht besser werden, wenn nicht ein großes Gebiet nach dem anderen dein Bann. kreise eines engherzigen Konfessionaliömus entrissen wird.(Beifall.) 5. Wir weisen wie bisher den Vorwurf zurück, als sei unser Kongreß einseitig nur für die Arbeiterfrage interessiert. Aber wir haben gelernt, daß die weitaus größte Zahl dieser Probleme, wenn man sie schließlich bis in die Tiefe verfolgt, auf die Arbeiter, und auf die Ärbeitssrage zurückgehen..(BravftQ, Und endlich 6.„Ihr seid ein unverantwortlicher und unfrucht- barer Debattierklub in zufälliger Zusammensetzung", rufen uns unsere Gegner zu. Selbst das wäre noch nicht das Schlimmste. Wären wir doch damit wenigstens über die Trägheit, Indifferenz und Gedankenlosigkeit hinweg, die in allen idealen Fragen die schlimmsten Feinde, ja die eigentlichen Verbrechen an der Gesellschaft sind. Aber unfruchtbar sind wir nicht. Das beweist der Anteil, den diese Kon- gresse direkt oder indirekt an außerordentlich zahlreichen Schöpfungen der sozialen Fürsorge haben. Aber vor allem ist das Wort, welches unsere Kraft und unsere Waffe ist, noch immer wie in den Tagen der Vorzeit das vornehmste, ja im gewissen Sinne das einzige Mittel, die Herzen zu entflammen und die Gesinnungen zu stählen. Als numerisch klemer Verein mit hohen Zielen werden wir bleiben, bis wir überflüssig geworden sind, bis wir uns selbst überflüssig gemacht haben. Einsttveilen sind wir noch da und so begrüße ich Sie herz» lich und warm und wünsche dieser Tagung Kraft, Fülle und Frieden. (Stürmischer Beifall.) Nach einem Kaiserhoch HarnackS hielten dann Prof. Dr. Link. Prorektor der Universität Jena, Oberbürgermeister Singer- Jena, Geh. Kirchenrat Oberhofprediger v. Spinner im Namen der Landeskirche, Prof. D. Thümmel als Dekan der theologischen Fakultät der Universität Jena, Superintendent B r a s ch als Re- Präsentant der evangelischen Gemeinde Jena, Begrüßungsreden. Darauf nahm Pfarrer O. Rittclmeyer-Nürnberg das Wort zu seinem Vortrage über: Der Jenseitsglaube und die soziale Arbeit. Er begründete folgende Thesen: 1. Eine entschlossene soziale Tätigkeit ist nicht nur ohne Jenseits- glauben möglich, sondern der große Aufschwung der sozialen Arbeit fällt zeitlich und ursächlich mit dem Zurücktreten des Jenseits- glaubcns zusammen. Der Jenseitsglaube enthält in seiner vulgären Form starke kulturhemmende Elemente. 2. Die theoretisch ablehnende Stellung der Sozialdemokratie zum Jenseitsglauben ist mit praktischen Zugeständnissen an denselben verbunden und trägt die Keime weiterer Auflösung in sich. 3. Bis jetzt ist eS noch keiner Ethik gelungen, ein wirklich be» friedigendeS innerweltliches Kulturideal aufzurichten. Es gibt keine Kulturarbeit ohne Transzendenz, d. h. ohne versteckte Jenseits- gedanken. 4. Der christliche JenseitSglaube geht nicht aus solchen Erwägungen hervor, auch nicht aus dem egoistischen Wunsch nach Er- Haltung der eigenen Persönlichkeit, sondern aus einem religiösen Erleben der höchsten Werte und Ziele, das im engsten Zusammenhang mit dem Gottesglauben steht. 5. Durch die gegenwärtig« Krists, in die er eingetreten ist, wird der JenseitSglaube allerlei Umbildungen erfahren, unter denen die Einsicht von einem irgendwie bestehenden organischen Zusammenhang zwischen Diesseits und Jenseits die wichtigste ist. 6. Erst dann wird der JenseitSglaube die in ihm vorhandenen soziale» Kräfte ungehemmt entfalten, besonder? indem er die sitt- liche Kraft des Einzelnen stärkt und seine Achtung bor den anderen aufrechthält und hebt, während die soziale Gesinnung ohne Jenseits- glauben starken Erschütterungen entgegengeht. An den Vortrag deS Pfarrers Dr. Rittelmeyer schloß sich eine längere theologisch-philosophische Debatte über Hemmung und Föroerung der sozialen Arbeit durch den Jenseitsglauben: eS sprachen unter vielen anderen Prof. v. Rathgen- Marburg, Prof. V. Mendt- Jena, Prof. Dr. Harnack« Berlin und Privatdozent Dr. Hermann Türck-Jena. Nach einem kurzen Schlußworte des Referenten wurde dieser Gegenstand ohne Beschlußfassung ver- lassen. In der Nachmittagssitzung sprach Privaidozent Dr. Bernhard Harms über den Maximalarbeitstag. Er legte feinem Bortrage folgende Thesen zugrunde: I. Die tägliche Arbeitszeit der in den Fabriken und ihnen gleich. stehenden Anlagen beschäftigten unselbständigen Personen ist in deu letzten Jahrzehnten mehr und mehr verkürzt worden; auch läßt sich eine ausgesprochene Tendenz zu weiterer Verkürzung der Arbeitszeit nicht verkennen. n. Aus sozialethischen und sanitären Gründen ist eS dringend erwünscht, diese Tendenz so zu beeinflussen, daß die Verkürzung der Arbeitszeit nicht nur allgemein, sondern vor allem in gesundheitS, schädlichen Industrien, sowie für jugendliche und weibliche Arbeiter Platz greife. Besonders dringend ist die Perkürzung der Arbeitszeit für verheiratete, geschiedene und verwitwete Fabrikarbeiterinnen, und zwar in dem Umfange, daß eS ihnen möglich ist, in größerem Maße als bisher ihren Pflichten als Hausfrau und Mutter ob« zuliegen. nr. Wirtschaftliche Rücksichten können für die Verkürzung der Arbeitszeit in besonders gesundheitsschädlichen Industrien und für jugendliche Arbeiter nicht ausschlaggebend sein. Hingegen ist die Verkürzung der Arbeitszeit Erwachsener in hygienisch einwandfreien Betrieben unter allen Umständen unter dem Gesichtswinkel ihrer ökonomischen Wirkung zu beurteilen. Hierbei wird man von dem Grundsatz ausgehen müssen, daß die Verkürzung der Arbeitszeit weder den Unternehmern eine Schmälerung ihrer Rente, noch den Arbeitern eine Kürzung ihre» Lohnes bringen darf. Dies ist nur dann denkbar, wenn die Arbeitsintensität so steigt, daß trotz der verkürzten Arbeitszeit das Quantum der Produktion nicht zurückgeht. In dem Maßeal» dies geschieht, kannbte Arbeitszeit unbedenklich verkürzt werden. IV. Die Frage, ob auf die Verkürzung der Arbeitszeit innerhalb deS volkswirtschaftlich möglichen Rahmens der Staat einen Einfluß ausüben soll, ist verschieden zu beantworten. Unerläßlich ist die Mitwirkung des Staates bei der Verkürzung der Arbeitszeit in gesundheitsschädlichen Industrien. Desgleichen kann auf gesetzliche Bestimmungen, welche die tägliche Beschäftigungsdauer der lugendltchsn Arbeiter beschränken, nicht verzichiet werden. Ii» einzelnen ist erwünscht, daß: 1. der Bundesrat von dem ihm auf Grund deS§ 120« der Gewerbeordnung zustehenden Recht der Normierung eine» hygienischen MaximalarbettStageS in größerem Umfange Gebrauch macht als e» bisher geschehen ist, besonder» mit' Rücksicht auf die grauen. 2.§ 135 der Geweroeordnung dahin abgeändert wird, daß für „jugendliche" Fabrikarbeiterinnen, deren Schutzalter auf 18 Jahre zu erhöhen ist, und für jugendliche männliche Arbeiter der neunstündige Raximalarbeitötag festgelegt wird. Auch bei der Regelung der Arbeitszeit erwachsener Frauen ist die Mitwirkung des Staates erforderlich; nur muß hierbei die richtige Mitte geholten'werden zwischen dem sozialpolitisch Er- wünschten und dem volkswirtschaftlich Möglichen. Der zehnstündige Maximalarbeitstag für Frauen ist im ganzen spruchreif, doch bedarf ig bei seiner Einfuhrung weitgehender und langfristiger Uebeogang«. bestimmungen, vor allem für die Textilindustrie, und Ausnahme, bcftimmungen für du Saisongewcrbc. Dringend erwünscht ist die internationale Einführung deS lOstündigen Raximalarbetts« tage? für Frauen. Eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit erwachsener Männer i» hygienisch einwandfreien Betriebe»' empfiehlt sich nicht. Des, gleichen ist eine gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit verheirateter Krauen über die der ledigen hinau» nicht erwünscht; hingegen ist energisch aus die Einführung der fakultativen Hakitag« s ch i ch t für Verheiratete, verwitwete uwd geschiedene Frauen hinzu- arbeiten. Im einzelnen führte Harms auS: Der Normalarbeitstag für die deutschen Fabrikarbeiter sei setzt durchschnittlich der Zehnstunden- tag, die Einführung des Achtstundentages noch immer ein Ereignis Aber die Tendenz der Verkürzung lasse sich nicht leugnen. Gleich- Wohl sei ein Eingriff der Gesetzgebung herbeizuführen. Nur niedrig stehende Arbeiter seien gegen die Geistlosigkeit der modernen Fabrik- arbeit unempfindlich.- Neben dieses sozialethische Moment trete das sozialpolitische Moment des Gesundheitsschutzes. Die Gefahren der Fabrikarbeit für die über 900 000 in der deutschen Industrie be schitstigten Frauen seien oft übertrieben worden. Die ledige Fabrik arbeiterin sei keineswegs daS überlastete Arbeitstier; nur auf geringen Lohn und schlechte Ernährung feien bei diesen die höheren Krankenziffern zurückzuführen. Viel größer seien die sittlichen Ge- fahren der Fabritarbeit für die Frau. Hier liege eine der gefähr- lichsten Wirkungen des JndustrialiSmuS; denn weite Kreise der Jndustriearbeitcrinnen empfänden den vorhandenen Mangel an sittlicher Kraft bereits als den natürlichen Zustand. Das seien die Kinder der 390»öS verheirateten Fabrikarbeiterinnen, die durch wirtschaftliche Not gezwungen seien, ihre Kinder unerzogen auf- wachsen zu lassen. Hier müsse die bessernde Hand rasch und kräftig zugreifen. Hingegen dürfe die Arbeitszeit für erwachsene männliche Arbeiter nur dann vermindert werden, wenn es gesundheitlich not- wendig sei oder sich infolge von intensiverer Arbeit im Preise nicht bemerkbar mache. Das sei unmöglich, wenn eS sich nur um die Bedienung einer automatischen Maschine durch den Arbeiter handle, z. B. in der Textilindustrie, die danach den relativ längsten Arbeits- tag haben müsse. Bom Staate fei ein allgemeiner Maximalarbeitstag nicht zu fordern. Für eine generelle Regelung seien die Unterschiede der einzelnen Industrien und zwischen den Arbeitern zu groß. Man müsse entweder durch Beseitigung der„letzten Stunde" der Kon- kurrenzfähigkeit der minder leistungsfähigen Unternehmungen und der minder tüchtigen Arbeiter einen schweren Stoß versetzen, oder den Maximalarbeitstag— unwirksam— nach den Verhältnissen der Untüchtigsten festsetzen. Weitere Gcgengründe seien die Saisonarbeit, die notwendige Ueberstundenfreiheit und das mit dem Maximalarbettstag verbundene polizeiliche Spionagesystem. Biel wertvoller sei sozial- politisch eine Arbeitszeitverkürzung, die sich die Arbeiter durch ihre eigenen Organisationen errängen. Im Kampfe der beiden radikalen Elemente werde sich als Ergebnis der rechte Mittelweg schon heraus- finden. Was der Staat den Arbeitern geben könne und müsse, sei Uur zweierlei: Volle Koalitionsfreiheit und gesetz- liche Interessenvertretung. Auch die Arbeits- zeitregelung für die erwachsenen unver- heirateten Frauen müsse auf die Wirtschaft- lichen Interessen gebührend Rücksicht nehmen. Den verheirateten- Frauen müsse die private Einführung der Halb- tagsschicht die Hülfe bringen. In diesen Vorschlägen hofft der Referent, eine geeignete Grundlage für die Diskussion gegeben zu haben.(Beifall.) Professor Dr. E. Franke-Bcrlin, Herausgeber der„Sozialen Praxis" und Sekretär der Gesellschaft für Soziale Reform, dankt zunächst dem Kongreß für seine Mitarbeit an der Gewinnung der gebildeten Klassen für die Sache der Sozialreform. Der Zehn- stundentag für Arbeiterinnen werde bald kommen und mit kurzen UebergangSfristen und ohne Ausnahmebestimmungen. Einen all- gemeinen, generellen, schablonenhaften MaximalarbdtStag wünsche aber auch er nicht. Jedoch in der Tarifbcwegung liege ein großes Kulturinvmcnt, sie bringe die notwendige Arbeitszeitverkürzung, die dem Arbeiter erst die Möglichkeit gebe,„seine Seele zu suchen". Wenn jetzt mißleitete Unternehmer des Saarreviers alle diese ge- werblichen Friedensinstrumente zerschlagen wollen, so sei das eine Frivolität, die an Wahnsinn grenze.(Beifall.) Viel eingrekfender müsse die Gesetzgebung gegen die gesundheitsschädlichen Betriebe, insbesondere gegen die unvermutet zahlreichen Gewcrbegifte, vor- gehen. Beste Schutzmittel gegen sie seien kurze Arbeitszeit und lange Pausen. So rechtfertige sich die Forderung des Achtstunden tages für die Bergleute. Redner schließt: Wir treiben Sozialpolitik aus Staatsnotwendigkeit. Nach einem Worte John Ruskins wird die Nation im Wettkampfe der Völker siegen, die am meisten hell- äugige und breitbrüstige Menschen habe. Hoffentlich wird es die deutsche sein. Dazu aber kann auch die Verkürzung der Arbeitszeit beitragen.(Lebhafter Beifall.) Professor Adolf Wagner-Berlin(mit Händeklatschen begrüßt): Ich habe mich nicht völlig überzeugen können, daß nicht auch für den männlichen erwachsenen Arbeiter ein nach Berufszweigen abge- stufter Maximalarbeitstag von Staats wegen eingeführt werden solle. Noch haben wir kein völlig freies Koalition s- recht und es ist mir fraglich, ob wir es sobald wirksam erreichen werden. Denn ich kenne den Wider st and großer, be. sonders rheinischer Industriellen, die sich selbst in Kartellen und Syndikaten übermächtig or- ganisiert haben, aber den Arbeite rorgani- sationen aufs äußerste widerstreben, und dabei wohl auch die stillschweigende Billigung maß- gebender höherer Potenzen finden. Die Aeußerungen der Presse, die dienstwillig die Interessen dieser Kreise wahrnehmen, über die Krankheit des„Sozialmoralismus" sind ja sehr charaite- ristisch. Hat doch Herr Kirdorf sogar gemeint, die christlichen Ge- werkschaften seien ihm unsympathischer als die sozialdemokratischen. Aber von dieser Frage hängt die Zukunft unseres ganzen Volkes ab. Nicht die Steigerung unserer Genüsse, die wir auch entbehren können, ist der Fortschritt unseres Maschinenzeitalters, sondern daß die Masse der Bevölkerung in eine günstigere Lage kommt. Zum ersten Male in der Geschichte hat sich auch über die Masse des Volkes die Sonne erhoben, scheint auch für sie der Tag gekommen. Ohne die Verkürzung der Arbeitszeit aber muß unser Volk degenerieren, muß auch das naturwissenschaftliche Zeitalter ohne dauernden Segen für das Volk bleiben.(Stürmischer Beifall.) Prof. Bernhardt-Posen: Einst schien es, als wollte es um die Frage des Maximalarbeitstagrs, die blutigrote Forderung von Karl Marx(Heiterkeit), zum entscheidenden Kampfe zwischen der Arbeit und dem Kapital kommen. Aber inzwischen hat man die Entdeckung genracht, daß eine stillgelegte Grube rentabler sein kann, als eine im Betrieb befindliche(Heiterkeit), und daß es profitabler sein kann als Waren umzusetzen eine Gesellschaft von Unternehmern zu gründen, die das Volk knapp hält.(Erneute Heiterkeit.) Welch ein sozialpolitischer Fortschritt! l Auch hat man nach 80 Jahren In- dustriezeitaltcr die epochemachende Entdeckung gemacht, daß ein aus- geschissener Mensch mehr arbeiten kann als ein müder. Auch die Zukunft, das sind unsere automatischen Maschinen, wird von diesem Gesetz nicht befteit sein. Der Maximalarbeitstag hat also seinen Schrecken verloren, und wenn das Zentrum den schtvarzen Kugeln seiner Klerikalpolitik wieder einmal eine weiße Kugel der Sozial- Politik nachwerfen will, so kann es wohl der MaximalarbeitStag sein. �(Stürmischer Beifall und Heiterkeit.) Aber in den modernen Bankbilanzen, einem diskreten Institut '(Heiterkeit), habe ich gelernt, mißtrauisch zu sein, wenn plötzlich die Spannung verschwindet. Dann sind nämlich die Schwierigkeiten nur anders plaziert.(Heiterkeit.) Nicht mehr Arbeitszeit und Arbeits. lohn sind so sehr entscheidend, sondern die Organisation, die Ver- billigung des Arbeitsprozesses, die Löhnullgsmethod«, die Konirolle der Einzelarbeit. An Stelle der Brutalität ist das unheimlich« Wohl- wollen der Macht getreten. Der Arbeiter, der heute solch ein Aus- seher wird, wird ein Lump— man braucht nicht an Bestechung zu denken, nicht einmal an Diäten(Große Heiterkeit), sondern nur an die unheimliche Sicherheit des Kapital» über jeden, der in seine Nähe kommt. Als den Berliner Börsianern ein RezierungS- kommissar eingesetzt wurde, sagte ein kluger Bankdireftor mit ruhigem Blut:„Entweder ist er dumm, dann merkt er nichts; oder wir haben endlich den Bankdirektor, den wir brauchen"(Schallende Heiterkeit.) Diesen Dingen stehen wir wortlos gegenüber. Wie soll das enden?? Ich weiß es nicht; aber eine Fragestellung ist manchmal fruchtbarer als eine definitive Antwgrt.(Stürmischer, minutenlanger Beifall.) Arbeitersekrctär Erkelenz- Düsseldorf protestiert als Arbeiter gegen die Argumente, mit denen Harms den gesetzlichen Maximal- arbeitstag bekämpft habe. Keines sei unter 30 Jahre alt. Wie solle in der ländlichen Industrie oder in der Großeisenindustrie der Ar- beiter durch Selbsthiilfe die Arbeitszeit verkürzen? Eine gesetzliche Festlegung der zulässigen Arbeitszeit für die einzelnen Industrien sti sehr wohl möglich.(Beifall.) Nach einer kurzen Erwiderung des Referenten schließt die Debatte. Vorsitzender Harnack stellt drei Punkte fest, in denen sich völlige Uebereinstimmung ergeben habe. 1. Daß die Verkürzung der Arbeitszeit wünschenswert sei, 2. daß ein genereller staatlicher Maximalarbeitstag sich nicht durchführen lasse, 3. daß die Halbtagsschicht für verheiratete Frauen zu er- streben sei. Die Weiterberatungen werden auf Donnerstag vertagt. Siebellter Nerbandstag des Ientralverbandes der Konditorgkhülfen, Pfeffer- und FtbKöchler und vermudten Kerufsgenoffeu. Hamburg, 6. Juni. Dritter Verhandlungstag. In der gestrigen Sitzung wurde noch die Frage„Die Gemäß- regeltenunterstützung" usw. erledigt. Der Verbandstag erklärt sich im Prinzip für den A u S b a u der Arbeitsnachweise, wie dies aus der zur Annahme ge- langten Resolution ersichtlich ist:„Der Verbandstag hält unter den jetzigen Verhältnissen die paritätische Form des Arbeitsnachweises für erstrebenswert. Wo wegen der Schwache der Organisation dies noch nicht möglich ist, da muß bei allen jetzt bestehenden Nachweisen mit aller Energie an dem Ausbau derselben gearbeitet werden, weil sie immerhin ein erhebliches, wenn auch nicht ausschlaggebendes Mittel zum Ausbau der Organisation find." Ueber die Schäden der Heimarbeit entspinnt sich eine rege Debatte. Hervorgehoben wird, daß namentlich Marzipanarbeit mit nach Hause genommen und„nach Feierabend" fertiggestellt wird gegen äußerst miserable Entlohnung. Von Stuttgart wird bc- richtet, daß die Heimarbeit dort in hoher Blüte steht. In Berlin und Hamburg mache sich die Heimarbeit weniger be merkbar, in Dresden mehr. Von einigen Delegierten wird die Sucht vieler Kollegen, auf die geschilderte Weise nach Feierabend noch etwas hinzuziiverdienen, scharf gerügt. Die durch die Heimarbeit gezeitigten sanitären und sonsttgen Uebelstände müßten durch die Presse dem Publikum bekannt gegeben werden. Ein Delegierter wünscht die Schaffung statistischen Materials, ein anderer das gesetzliche Verbot der Heimarbeit. In Anbettacht der hervorgehobenen Gefahren beschließt der Verbandstag, mit aller Energie für die Beseittgung der Heimarbeit einzutreten. Ferner wird die Sammlung von Material auf dem Gebiete der Heimarbeit verlaimt, das in geeigneter Weise verwertet werden soll Der Punkt„Maifeier" wird sehr lebhaft erörtert. Mehrere Redner verlangen eine schärfere Durchführung der ArbeitSruhe; andere wenden sich gegen diese Ansicht, weil der Verband noch zu chwach sei. Einig ist man sich jedoch darin, daß überall dort, wo die Möglichkeit der Arbeitsruhe vorhanden ist, die Arbeit zu ruhen habe. Das Verhalten der Nürnberger Kollegen zur Maifeierfrage ivird scharf gerügt. Ohne Nachteile zu erfahren hätten sich die Nürnberger an der Maiseier beteiligen können, haben es aber nicht etan. Es sei sogar zu verzeichnen, daß die Arbeitgeber ihren lrbeitern zu verstehen gaben, daß sie sich an der Maifeier beteiligen könnten, aber die Arbeiter wollten nicht„verstehen". Die Aussprache fand ihren Abschluß mit der Annahme einer längeren Resolution, welche lautet: „Der Verbandstag erklärt: Die würdigste Form der Maifeier ist die ArbeitSruhe. Er macht allen Verwaltungsstellen zur Pflicht. stets in diesem Sinne zu wirken und verlangt von jedem Mitgliede, daß er an dieser Demonstration teilnimmt, sobald die Mitgliedschaft durch Generalversammlungsbeschluß mit Zweidrittelmehrheit be schlössen hat, daß unter bestimmten Bedingungen ArbeitSruhe empfohlen wird. Allgemeine Voraussetzung ist, daß die Organi sation am Orte eine genügende Stärke erreicht hat, um etwaige Maßnahmen der Arbeitgeber ohne wesentlichen Schaden zu tragen. In den Betrieben selbst müssen mindestens Zweidrittel der Berufsarbeiter dem Verbände sechs Wochen angehören. Der Beschluß muß, wenn es sich um Fabrikbetriebe handelt, bis zum 20. April von zwei Drittel der im Betriebe beschäftigten Kollegen in geheimer Abstimmung mit Vier- fünstel-Mehrheit gefaßt und der Lokalverwaltung schnellstens mit- geteilt worden sein. Wenn eS sich um Backgeschäfte handelt, hat eine Branchenversammlung unter gleichen Beftiinmungen zu ent- scheiden. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, so hat sich die Minorität den gefaßten Beschlüssen zu fügen. Durch Aussperrung oder Maß- regelung betroffene Mitglieder erhalten, wenn sie vollberechtigt sind, vom 5. Mai ab die Streikunterstützung auf die Dauer von sechs Wochen, alle anderen, die mindestens sechs Wochen dem Ver- bände angehören, Arbeitslosenunterstützung auf die gleiche Dauer, sofern sich die Betreffenden auch wirklich an den von der Organisation beschlossenen Demonstrationen beteiligt haben. Arbeitslose Mitglieder, die ohne triftigen Grund der Demonstration fernbleiben, verlieren für die betreffende Periode ihre Unterstützungs- ansprüche. Ohne Genehmigung deS ZenttalvorstandeZ dürfen Maßregelungen seitens der Organisationen nicht mit Gegenforderungen beantwortet werden." Dritter BerhandlungStag. Hamburg. 7. Juni. In der gestrigen Schlußsitzung befaßte man sich mit der Frage der Grenz st re,tigkeiten. Nach langer Aussprache wurde der Beschluß gefaßt, daß der Zentvolvorstand die Gcneralkommission er- suchen soll, eine Konferenz der Vorstände der in Betracht kommenden Gewerkschaften einzuberufen zwecks Regelung der strittigen An- gelegenheit. Die Posten der beiden Gauleiter sollen ausgeschrieben und die Wahl durch den Zentralvorstand vorgenommen werden. Der Sitz des Verbandes verbleibt in Hamburg, als Sitz des AuSschuffeS wird Nürnberg bestimmt. Zum Verbandsvorsitzenden wird Volk- Hamburg wiedergewählt, sein Gehalt wird von 2000 auf 2200 M. erhöht. Angeregt wurde, die VerbandStage nicht mehr zu Pfingsten. sondern zwischen Ostern und Pfingsten stattfinden zu lassen. Ein diesbezüglicher Antrag fand Annahme, Das Protokoll soll in Broschürenform den Mitgliedern gratis zugestellt werden. Damit sind die Arbeiten des VerbandStageS beendet, der nach dreitägiger Dauer mit einem Hoch auf denselben geschlossen wird. Euq der Partei. Ein Arbeiter- VersammlungShanS im Junkerrevier. Der Kreis Königsberg in der Neumark gehört zu denen, wo die Junker ihre Macht in rücksichtslosester Weise ausüben. Nicht ein einziges Lok«! stand unseren Genosien bei der letzten«ahl zur Ver« fSgiing. sämtliche Versammlungen unter freiem Himmel wurden verboten: die Agitatton war auf gelegentliche Verbreitung von Flug- blättern beschränkt. Da die Saalabtreiberei auch nach der Wahl fortgesetzt wurde, reifte unter den Genossen in den Oderranddörfern Zellin. Blessin, Alt-Litzegöricke, Zäckerick und Güstebiese der Plan, für diese Orte ein eigenes VereinShauS zu errichten. In einer Versammlung verpflichteten sich 9ö Genossen, allwöchentlich 1 M. zum Baufonds beizusteuern, gelviß ein großes Opfer; aber sie haben es durchgeführt, denn am zweiten Pfiugstfeiertage konnte in Güstebiese der Bau, allerdings mit Hülse von Berliner Freunden, seiner Be- stimmung übergeben werden. Weit über 600 Personen füllten den schönen Saal, ans Nah und Fern, auf Leiterwagen und sonstigen Gefährten, bekränzt mit Girlanden und Fahnen, waren die Ge« nossen herbeigeeilt, um an der Einweihung teilzunehmen. Der Gesangverein der Berliner Putzer erhöhte die Feststimmung durch Vortrag stimmungsvoller Lieder. Den Fcstvortrag hielt unter großem Beifall der Kandidat des Kreises, Stadtverordneter Genosse B o r g m a n n- Berlin. Den Bau selbst haben die Genossen in eigener Regie aus- geführt. Jeden Sonntag haben sie, sie. die in der Woche in Berlin arbeiten, 1ö, 20, 30 Mann, von morgens 4 Uhr ab gearbeitet, um ihr Bereinshaus hoch zu kriegen.„Bis Pfingsten muß der Bau fertig iverden", war die Losung, und ob sie auch manchmal fast verzagten, sie haben's geschafft. Jetzt steht der Bau als schönster im ganzen Orte da, der Eck- ttirm mit dem„Lug ins Land", von dem man die Lande weit überblicken kann, ist ein Wahrzeichen für die Entrechteten und Unter- drückten, für die der Bau geschaffen. Wir sind überzeugt, die Genossen in den Oderdörfern werden ihre Burg zu behaupten wissen. Bom preußischen Bersammlungsrecht. Für den ersten Pfingst- feiertag war nach Maria-Höfchen bei Breslau eine Versammlung aller in Fabriken und Ziegeleien beschäfttgten Arbeiter und Arbei- terinnen einberufen und beim Amtsvorsteher ordnungsgemäß an- gemeldet worden. Als aber der Einberufer kam, sich die AnmeldungS- bescheinigung zu holen, erklärte ihm der Amtsdiener:„Müßt Ihr denn alle acht Tage eine Versammlung abhalten? Habt Ihr nicht das letzte Mal genug gehetzt?" Und der Amtsvorsteher von Klein- Gandau war der Meinung, daß die Heiligkeit des 1. Feiertages durch die Versammlung gestört würde, deshalb verweigerte er, ent- gegen den gesetzlichen Bestimmungen, sogar die Bescheinigung über die ordnungsmäßig angemeldete Versammlung zu erteilen. Erst den Bemühungen des Einberufers beim Landrat gelang es, die Ab- Haltung der Versammlung möglich zu machen. Kurz vor 11 Uhr ging der Bescheid ein, daß das Verbot aufgehoben worden ist. Ruhige Zeiten in Sachsen. In Neunitz bei Grimma soll Genosse Hentsch eine unangemeldete„politische" Versammlung abgehalten haben. Das Gericht diktierte ihm 10 M. Geldstrafe zu, wobei es ihm als mildernden Umstand anrechnete, daß„ruhige Zeiten" seien. Parteitag der ungarischen Sozialdemokratie. In B u d a p e st trat am 5. Juni der Parteitag der ungarischen Sozialdemokratie zu- sammen. Vor dem Eingehen in die Tagesordnung erteilte der Vorsitzende Genosse Garbai dem Delegierten der sozialdemokratischen Partei Oesterreichs, Abg. Eduard Rieger das Wort. Genosse Rieger be» grüßte den Parteitag und sagte dabei: Die Arbeiterschaft Oester- reichs und Ungarns ist in der Lage, zwei Vaterländer ihr eigen zu nennen; denn die beiden Länder sind durch staatsrechtliche und wirt- schaftliche Interessen aneinander gebunden. Jetzt wird allerdings in jedem Lande gegen das andere agitiert. Das Proletariat der beiden Länder hat sich schon lange brüderlich die Hände gereicht, und wenn auch in naher Zukunft das Bündnis der beiden Länder Sielockert werden wird, wenn auch die beiden Länder keine gemein- ame Armee und ihre Soldaten keine gemeinsamen Abzeichen tragen werden, daS Proletariat der beiden Länder hat sich schon längst ein gemeinsames Abzeichen gewählt: die rote Fahne(Beifall) und wird es auch in aller Zukunft diesseits und jenseits der Leitha mit Stolz und Treue tragen(Lebhafter Beifall), und es wird auch in der Zukunft im Kampfe für das allgemeine und gleiche Wahlrecht in einer Linie marschieren. Die Arbeiter Oesterreichs wünschen und sind davon überzeugt, daß die Proletarier Ungarns auch in der Zukunft mit revoluttonärem Eifer den Wahlrechtskampf fortsetzen werden. (Allgemeiner Beifall.) Sodann wurde in die Tagesordnung eingegangen. Zunächst werden die Berichte über die Entwickelung der Partei und der Partei- presse verhandelt. Aus dem Bericht des Sekretärs geht hervor, daß in Ungarn 71000 Arbeiter organisiert sind, deren Organisationen über ein Vermögen von einer Million Kronen verfügen.. Nachher wurden Anträge verhandelt. Am ersten Tage erfolgte auch die Wahl der Parteileitung. In die Parteileitung wurden gewählt: Desider Bokanyi, Samuel Buchinger, Alexander Csizmadia, Erves Doram, Alexander Garbai, Max Großmann, Josef Düna, Jakob Karposch. Franz Klarik, Johann Vonsal und Jakob Weltner. Das Wachstum der dänischen Sozialdemokratie. Nachdem im Jahre 1878 der Sozialdemokratische Verband gegründet worden war. beteiligten sich unsere dänischen Parteigenossen an den Folkethings- wählen des folgenden Jahres mit einem Kandidaten. Er erhielt nur 767 Stimmen. Bei den nächsten Wahlen, 1881, kandidierten Sozialdemokraten in zwei Kreisen und erhielten 1689 Stimmen, aber keiner wurde gewählt. Im Jahre 1884 stieg die sozialdemo- krattsche Stimmenzahl auf 6806 und von den 3 aufgestellten Kandi- baten wurden 2 gewählt. Seitdem ist die Zahl der sozialdemo- kratischen Stimmen von Wahl zu Wahl beständig gewachsen. Die drei letzten Folkethingswahlen hatten folgendes Ergebnis: 1901 wurden auf 30 Kandidaten 42 972 Sttmmen abgegeben, gewählt wurden 14; 1903 auf 53 Kandidaten 55 593 Stinnnen, gewählt 16; und nun, 1906, haben 62 sozialdemokratische Kandidaten 76566 Stimmen erhalten und die Zahl der Gewählten ist auf 24 gestiegen. Im ganzen wurden bei der Wahl am 29. Mar 299 763 Stimmen abgegeben. Die Sozialdemokrntie hat also davon 25>/z Proz. er» hatten. Für die Regierungspartei wurden 91 879 Stimmen oder Proz. der Gesamtzahl abgegeben, für die Rechte 57 636 oder 19 Proz., für die Radikalen 41 473 oder 14 Proz., für die Mode- raten 20 516 oder 7 Proz., und dann folgen konservative Wilde mit 3 Proz. und andere Wilde mit 1 Proz. der Gesamtzahl der Stimmen. Bestände in Dänemark eine gerechte Wahlkreiseinteilung und wären die Mandate nach dem Verhältnis der für die Parteien ab- gegebenen Stimmen verteilt, so müßten aus die Sozialdemokratie statt 24 29 kommen, auf die Regierungspartei statt 55 nur 34. auf die Radikalen statt 11 17 und aus die Rechte allerdings statt 12 21 Mandate. Die Rechte, die Konservativen haben jedoch keine Ursache, sich über die Benachteiligung zu beklagen, denn sie haben eine über Gebühr starke Vertretung im LandSthing, wo die Sozial- demokratie nur einen einzigen Abgeordneten hat. Bestände für beide Häuser des dänischen Reichstages ein ge- rechtes Wahlsystem, so müßte die Sozialdemokratie durch 45 Ab- geordnete vertreten sein, die Konservativen hätten statt 41 nur 84 Mandate, die Regierungsliberalen statt 77 nur 54. die Radikalen aber statt 11 25 Mandate inne. Die Ungerechtigkeiten der Wahlgesetze können selbstverständlich den Forlschritt der Parier nicht hindern. Die sozialdemokratische Gefahr" rückt den herrschenden Klassen immer näher auf den Leib. DaS konservative„Agrardagblad" schreibt: „Die Wahlen zeigen mit zweifelhafter Sicherheit das beständige und reißend schnelle Wachstum der Sozialdemokratie. Tag für Tag rückt die Gefahr näher, und es nützt nichts mehr, sie als etwas Fernes anzusehen, dem gegenüber man in ruhigem Gleichmut die Hände in den Schog legen kann. Als die nächststärlste Partei im Folkcthing darf ihre Bedeutung nicht unterschätzt werden, und mit der Disziplin und Energie, womit sie, niemals das Ziel aus den Augen verlierend und niemals die Zeit mit unnötigen Abschweifungen vergeudeud, ihre Sache vorwärts führt, wird sie innerhalb nicht langer Zeit im Folkelhing dominieren können; noch ein paar Wahlen wie diese und sie wird die größte Partei sein." Jubiläum deS Gentcr„Boornit". Die sozialistische Genossenschaft„Pooruit" in Gent feiert am 22, Juli d. I. ihr 25 jähriges Jubiläum. In einem EinladungS» schreiben, das der Vorstand und die Verwaltung der Genossenschaft an sämtliche Gruppen der belgischen Arbeiterpartei richtet, heißt es: „Der„Vooruit" hat als erster den Sozialismus mit der genosien- schaftlichen Arbeit verbunden und stets dem Ziele nachgestrebt, das seine Begründer im Auge hatten: die arbeitende Klasse zu organi- sieren, sie verständig und stark machen, um ihren großen Befreiungs- kämpf mit Erfolg führen zu können. Diesem Ziele ist der„Vooruit" treu geblieben, und die arbeitende Klasse von Gent ist mit seinem Wachstum und Gedeihen auch an Macht und Ansehen gewachsen. Der„Vooruit" war ein Vorbild, er hat Nachfolger gefunden in ganz Belgien. Seine Kinder sind groß geworden, einige sind ihm über den Kopf gewachsen, und der„Vooruit" sieht das mit Freuden."— Das Fest wird voraussichtlich alles übertreffen, was die Stadt Gent bisher in dieser Hinsicht erlebt hat. Den Mittelpunkt wird ein großer Festzug zur Verherrlichung des„Vooruit" bilden. Die geschichtliche Emwickelung der Genossenschaft wie des Parteiorgans, das denselben Namen trägt, und die verschiedenen Wirkungsgebiete des„Vooruit" sollen in allegorischen Bildern dargestellt werden. Gäste werden in großer Zahl aus allen Teilen Belgiens erwartet; man rechnet auf mindestens 10 000 auswärtige Genossen. Sozlakd* Polizeiliche Aufhebung des Streiks«nd des Koalitionsrechts. Die Polizei ist die Seele des Staats. Sie kann alles, ja mehr als alles. Konnte ein Angestellter der preußischen politischen Polizei eS unternehmen, Juden in Christen umzuwandeln und zu landeö- verräterischen Handlungen gegen eine befreundete Nation anzureizen, Urkunden fälschen usw., so hat eine sächsische Polizeibehörde noch Höheres vollbracht. Sie hat einfach einen Streik poli- »zeilich wegdekretiert. Ueber diesen sächsischen Schwaben- streich wird uns aus Zwickau geschrieben: Großer Jubel wird herrschen im Lager aller Scharfmacher, denn vorbei ist die Zeit der gewaltigen Titanenkämpfe, wo eine, oft nach Hunderttausenden von Köpfen zählende Arbeiterschaft in oft aus- sichtslosem Kampfe rang um mehr Lohn und verkürzte Arbeitszeit. Die garstigen Zeiten sind gewesen, sind nicht mehr, denn sächsische P o l i z e i t ü ch t i g k e i t hat ein neues Universalheilmittel entdeckt: Man erklärt von Polizeiwegen den Streik für beendet, und um ganz sicher zu gehen, sucht man auch noch die Streikbude auszuräuchern. In Zwickau ist dieser geniale Mann erstanden, der unserem Unter- liehmertum als ein segenverkündender Messias erscheinen wird. Herr Stadtrat Wille von Zwickau, Dezernent des Polizei- Wesens, hat am Mittwoch, den ö. Juni, vormittags, an unseren Parteigenossen, den Wirt von Belvedere folgenden UkaS erlassen: Zwickau, den S. Juni 1906. An den Gast Wirt Julius Seifertl Nach den neuerdings gepflogenen Erhebungen ,ind die am 28. April dieses Jahres und in den folgenden Tagen in den Ausstand getretenen Maurer hiesiger Baugeschäftsinhaber zum frößten Teil abgereist. Ein weiterer erheb- icher Teil der ortsanwesenden Maurer ist wieder in Arbeit getreten und eine große Zahl Maurer ist überhaupt nicht ausständig geworden, so daß gegenwärtig nur noch die Führer der Maurer die Beschäftigung nicht aufgenommen haben. Danach hat die unterzeichnete Behörde die lleberzeugung gewonnen, daß der Streik der Maurer Hierselbst erloschen ist und kein Anlaß vorliegt, daß die Streikleitung und das sog. Streikbureau in Tätigkeit bleibt. Es wird des- ?alb und weil durch die ungebührliche Fort- etzung der Agitation für den tatsächlich er- loschenen Streik eine allgemeine Beunruhigung aller in dem Baugewerbe, sowie in den mit dem- (elben in Beziehung stehenden Berufen be- chäftiaten Arbeiter h er b e, g ef ü h rt worden, die Streikleitung und das im hiesigen Gast Hause zum Belvedere(jr richtete Streikbureau aufgelöst. Sie werden hiervon in Kenntnis gesetzt und bedeutet, daß Sie Geldstrafe bis 150 Mark oder Haftstrafe bis zu 14 Tagen zu gewärtigen haben, fiallS Sie Ihr Haus der bisherigen Streikleitung zu anderen Zwecken als zur Streikabrechnung überlassen. Der Rat der Stadt Zwickau. Wille. Doch damit ist Herr Wille, der Polizeigewaltige von Zwickau, noch nicht zufrieden, er ließ seine Schreibmaschine weiter spielen und dekretierte also: An den Maurer... ... Als gegenwärtigen Leiter des hiesigen Maurer st reiks wird Ihnen hiermit eröffnet, unter der gleichzeitigen Bedeutung, daß Sie in jedem Einzelfalle Geldstrafe von 100 M. oderHaft von 14 Tagen zu gewärtigen haben, falls Sie und die sog. Streikleitung, sowie alle sonst von Ihnen zur Agitation für die bisherige Ausstands- bewegung verwandten Personen, diese Agitation fortsetzen, namentlich Berufsgenossen von der Annahme von Arbeit oder deren Fortsetzung irgendwie abzuhalten suchen oder durch irgend- welche Ankündigung die unwahre Behauptung eines fortbestehenden Streikes noch weiter ver- breiten. � � Diese Verfügung tritt mit dem Tage der Zu- Diese beiden Zwickauer Polizeiukase hängen wir vollinhaltlich niedriger, um nichlS von dem Glorienschein zu nehmen, welcher darob daS Haupt des sächsischen Polizeigewaltigen nach Ansicht des Unternehmertums umstrahlt. Wie ist der Erlaß solcher gesetzwidriger Ukase möglich? Im Zwickauer Stadtparlament waltet als Vorsitzender ein Baumeister Wolf seines Amtes. Wolf ist der Scharfmacher des Unter- nehmerklüngcls im Baugewerbe und so manche„Kleine" ist auch finanziell von ihm abhängig. Natürlich ist der Manu eine städtische F r e i s i u n s l e u ch t e. Wolf ist ein Unternehmer, der jeder, auch derZkleiuste» Verbesserung der Lebenslage der Arbeiterklasse lebhaftesten Widerstand entgegensetzt. Dieser Mann ist der eigentliche Vater deS polizeilichen Schwabenstreiches. Seit dem 28. März stehen die Maurer im Streik. Was noch vor zwei Jahren unmöglich schien, ist zur Wahrheit geworden, alle Zwickauer Maurer sind organisiert und die frühere unsägliche Indolenz unter ihnen ist vollständig geschwunden. Zurzeit sind nahezu 400 Maurer abgereist und so gut wie keine Streikbrecher vorhanden. Die meisten Bauten stehen still und wo gearbeitet wird, find die Forderungen der Streikenden bewilligt. Die'kleinen Bauunternehmer wanke», werden aber durch eine hohe Konventionalstrafe gehindert, die Forderungen zu bewilligen. Wolf und Konsorten stieg das Wasser bis zur Kehle. Als am PfingstdienStag wiederum die Bauten wie seit Wochen still und öde lagen, bekamen cS die Herren mit der Ver- z w e i f l u n g zu tun. sie rannten zum Heurr Stadtrat W i l k e: Hilf Samuel, hilf! Und Herr Wirke half. Erließ auf feiner Schreibmaschine die beiden Schriftstücke an da? Streikkomitee und an den Gastivirt Seifert abtippen, dekretierte, der Streik ist beendet und fertig ist die Laube. Daß sich Stadtrat Wille von den Baumeistern hat miß- brauchen lassen, wird ihm erst später zum Bewußtsein kommen, wenn er sich von der Wahrheit der Tatsachen über- zeugt hat. Auch aus diese neuesten Zwickauer Polizeiukase trifft Ben AbikaS: „Alles schon dagewesen" zu. Im Jahre 1839 erklärte die Zwickauer Polizeibehörde den Streik der Maurer für beendet und sperrte das Streiklokal. Im Jahre 1899 löste die Zwickauer Polizeibehörde das Streik- komitee auf. Und Hohngelächter, unsterbliches Hohngelächter ertönt in den Reihen der gesamten organisierten Arbeiterschaft, wenn jetzt im Zeitalter der Millionen- starken Organisationen der Arbeiter die Polizei mit derartigen Krähwinkeleien aus wartet. Die Zwickauer Arbeiterschaft wird es ihrem Polizeistadtrat jedenfalls beibringen, daß wir das Jahr 190S schreiben, und das, was in den Jahren 1889 und 1899 noch e r n st h a f t genommen werden konnte, heute als daS erkannt wird, was es ist. Die Ukase der Zwickauer Polizei sind widerrechtliche Versuche, daS Koalitionsrecht aufzuheben. Eine auch nur handwerksmäßig arbeitende Strafverfolgungsbehörde hat die Pflicht, zu untersuchen, ob der begangene Amtsmißbrauch ein strafbarer ist. Die Ukase selbst werden und brauchen die Arbeiter selbstverständlich nicht befolgen._ Hiid Induftrie und F)andeU Starke Ueiertrribung. In der bürgerlichen Presse wird fort- gesetzt Klage geführt über großen Wagenmangel, durch welchen an- geblich die' Kohlenförderung in ganz eminenter Weise eingeschränkt wird. Der„Börsen-Courier" spricht gar von einer Wirkung gleich eine», Elementarereignis, ganze Industriezweige würden dazu gedrängt, ausländische Kohle zu beziehen, die Wagen würden den Zechen nicht annähernd in gewünschter Anzahl gestellt. Der Wagenmangel ist natürlich eine Kalamität, aber die offenkundigen Uebertreibungej, müssen doch stutzig machen. Nach den amtlichen Ausweisen sind im Ruhrrevier in der Woche vom 16. bis 22. Mai 133 625 Wagen angefordert worden, gestellt wurden 131 822 Wagen, mithin haben gefehlt 2680 Wagen gleich 2 Proz. DaS ist weniger als im Vor- jähre zu derselben Zeit. Damals wurden pro Arbeitstag 531 Wagen weniger gestellt als angefordert wurden, diesmal belauft sich die Fehlziffer nur auf 447. Da die Zechen bei den Anforderungen eine gewisse Prozentziffer aufschlagen werden, ist die tatsächliche Fehlziffer jedenfalls nicht so groß, um die in die Presse lanzierten Schilde- rungen von ttef eingreifenden Wirkungen durch den Wagenmangel zu rechtfertigen. Die Sttmmungsbilder sollen den Glauben an weiteren Aufstieg unsereStWirtschaftslebenS stärken. Je höher dadurch die Kurse steigen, desto schärfer nachher der Krach. Die Bereinigten deutschen Nickelwerke in Schwerte verteilen für das letzte Jahr 14 Proz. Dividende gegen 10 Proz. im Vorjahre. So genießen die Aktionäre den Segen der guten Konjunktur, von dem die Arbeiter wenig oder gar nichts zu spüren bekommen. Die Verhältnisse auf den Nickelwerken sind besonders unrühmlich bekannt. Wegen der billigen Arbeitskräste in Schlesien hat die Firma einen Teil ihrer Produktion nach dort verlegt. Staatliche Gewinnbeteiligung beim Kalibergbau. Im Fürstentum Lippe-Detmold vermutet man reiche Kalilager. Die Lipper können Geld brauchen und da lag der Gedanke nahe, durch staatliche AuS« beutung der Lager der Landeskasse eine ergiebige Geldquelle zu er- öffnen. Zunächst dachte man denn auch daran, das Schürfrccht ftir den Staat dauernd zu reservieren. Das behagte natürlich dem Privatkapital, nicht und' da der Wille deö Unternehmertums weit reicht, ließ man den Plan des staatlichen Schürfmonopols wieder fallen. Jedoch eine anständige Beteiligung am Reingewinn soll dem Staate gewahrt bleiben. Zunächst war in einem Entwurf ein Anspruch des Staates von 10 Proz. am Reingewinn vorgesehen, ietzt ist der Landtag einberufen zur Beratung eines Ver- träges, der für die Landeskasse 15 Proz. vom Reingewinn vorsieht. Der Reingewinn ist zu verstehen als das Erträgnis vor Absetzung von Zinsen, Dividenden und Tanttemen. Außerdem hat der Unter- nehmer 30 Proz. von der ihm vom Kalishndikat zufließenden Eni- schädigung an die Landeskasse zu überweisen. Dem Staat soll ferner das Recht vorbehalten sein, innerhalb eines Zeitraumes von fünf Jahren 12 Prozent der Bergwerksanteile zu den tatsächlichen Ge- stehungskosten zu übernehmen. Setz: der Staat diesen Anteil vor Beginn der Förderung auf höchstens 5 Proz. herab. so hat der Uuteriiehnier dem Staate einen Gewinnanteil von mindestens 50000 Mark zu garantieren. Mit solchem Vertrage ist ja der Landeskasse ein immerhin ansehnlicher Anteil an dem Gewinne gesichert, aber wie steht es mit den Arbeitern? Unter den obwaltenden Umständen dürften sie die Zeche zu zahlen haben. Es ist notwendig, daß in dem Vertrage auch eine gewisse Richtlinie über daS Verhältnis des Gewinnes zum Lohne festgelegt wird. So gut wie der Staat einen Anteil am Bolksvennögen für sich reserviert, kann er auch die Rechte der Arbeiter wahrnehmen, und es ist seine Pflicht, das zu tun. Staat und Privatunternehmertum als Eisenbahnunternehmer. Die japanische Regierung beabsichtigt, nach einer Meldung des Rcuterschen Bureaus, die von ihr in der Mandschurei erworbenen Eisenbahnen in ein Unternehmen umzuwandeln, welches in den gemeinsamen Besitz der Regierung und einer Gruppe von Finanz- leuten übergehen soll, unter Aufwendung eines Kapitals von 15 Millionen DenS, das zu gleichen Teilen von den Vertragschließenden aufzubringen ist. Die Enthüllungen über die Zustände in den Betrieben deS amerikanischen RindfleischtrustS haben zunächst die Wirkung gehabt, daß im ganzen Lande der Verbrauch von Erzeugnissen des Trusts erheblich zurückgegangen ist und infolgedessen die Preise stark ge- fallen sind. Die Trustfirmen setzen infolgedessen der Veröffentlichung der kommissarischen Berichte keinen Widerstand mehr entgegen, da sie der Ansicht sind, die Sttmnmng im Lande könnte doch nicht ver- schlimmert werden. Einen gewalttgen Aufschwung hat bezeichnenderweise der Vegeta- rismus genommen. Es wurden bereits mehrere neue vegetarische Lokale in New Aork eröffnet. Die Erzählungen, daß Menschen in die Siedekessel der Chicagoer Fleischdersaudhäuser gefallen und mit zerkocht worden seien, werden von Mr. A. M. Simons, einem höheren Beamten des Verbandes des Chicagoer WohltättgkeitSvereine, bestättgt. Mr. Simons war drei Jahre lang unter den Arbeitern in den Chicagoer Packhäusern tätig. In dieser Zeit kamen, wie er sagt,_ zwei derartige Fälle direkt zu seiner Kenntnis. Ein Knabe, der seinem Vater Frühstück ins Siede- Haus brachte, fiel in einen mit kochender Masse gefüllten Schmalz- kessel und konnte nicht mehr gerettet werden. Nachdem der Dampf abgelassen worden war, wilrden nur einige Knochen heraus- gefischt. Einige Wochen später fiel der Vater deS Knaben in den- selben Kessel und erlitt daS gleiche Schicksal. Beide Male wurde der Inhalt des Kessels, als ob nichts geschehen wäre, in Büchsen gefüllt und verkauft. Die großen Fleischversandfirmen in Chicago tun ihr AeußersteS, um der Wirkung der Enthüllungen über die Schmutzereien und Scheuß- lichkeiten in ihren Betrieben entgegenzuarbeiten. Vor allen Dingen hat sich ihrer plötzlich ein ungewohnter Trieb zur Reinlichkeit be- mächttgt. In den Schlachthäusern werden die Fußböden gereinigt, die Wände abgekratzt und ftisch gestrichen, bessere Beleuchtung und Lüftung eingeführt und auch die Verhältnisse, unter denen die Arbeiter tätig sind, verbessert. Neue Waschstellen und andere sanitäre Einrichtungen werden angelegt, und Plakate fordern die Vorarbeiter auf, dafür zu sorgen, oaß da» Fleisch rein gehalten wird und die Arbeiter sich der Sauberkeit befleißigen? wer nicht vor und nach der Arbeit sich die Hände wäscht, soll mit Entlassung bestraft werden. Tabak ist in allen Betrieben verboten. Während sich der Fleischtrust so rührt, herrscht im Repräsentantenhause eine bemerkenswerte Apathie. Die Botschaft und der Bericht des Präsidenten wurdm mit bedeutsamem Schweigen aufgenommen. Zahlreiche Mit- glieder des Hauses unterstützten unter Führung des Sprechers offen den Fleischttust und erklären die vom Präsidenten Roosevelt ge- machten Mitteilungen für unverbürgt. Das Publikum läßt sich jedoch weder durch die vom Trust eingeführten Reformen noch durch die Haltung der Volksvertreter beeinflussen, und weist die Chicagoer Er- zeugnisse zurück. Auch eine gemeinsame Erklärung von acht Chicagoer Firmen, worin versichert wird, der Präsident und die Zeitungen hätten die Fleischpacker verleumdet und die Tatsachen ent- stellt, macht keinen Eindruck. Die allgemein herrschende Ueber« zeugung, daß die in den Blättern erschienenen Schilderungen nicht übertrieben seien, ist nun einmal nicht zu erschüttem. Em der frauenbewegung» Der große- kleine Tag! Die Finsterlinge und Reaktionäre in Deutschland haben Glück. Was der Münchener Lehrertag ihnen an einem Tage in den Weg rollte, das machten die Männer-Lehrer weit am nächsten Tage durch eine unglaublich reaktionäre Stellungnahme in bezug auf den Einfluß der Lehrerinnen auf den Gesamtunterricht. Die Kundgebung in der Frage: Simultan- oder Konfessionsschule war eine herrliche Demonstratton gegen die Bermuckerung und Verdummung der Volksschule, es war eine Herzerftischende Tat, die in den weitesten Kreisen freudige Zustimmung auslöste. Mit ihrem Eintreten für Geistesfteiheit in der Volksschule haben die Lehrer der Kultur einen Dienst erwiesen, der hoch, sehr hoch bewertet werden kann. Umso peinlicher berührt ihre Stellungnahme in der Frage der Gleichberechttgung der Lehrerinnen im Lehrkörper. Man erkannte der Lehrerin die volle Gleichberechtigung ab, weil sie von Natur aus nicht genügend qualifiziert sei. Da zeigt sich die Macht der Klasseninteressen! Daß alle vorgeschützten Gründe nur einen durchsichttgen Schammantel für das Klasseninteresse darstellen, das hier im Kampfe gegen die weibliche Konkurrenttn in Erscheinung tritt, ist leicht zu erkennen. Daß man sich der Schwäche der Position gegenüber dem„schwachen" Geschlecht bewußt war, trat schon äußerlich in Erscheinung. Zu dem hochwichtigen Thema, bei dem es sich um die Gleichberechttgung beider Geschlechter im Lehr- körper handelte, bestellte man zwar einen Referenten, der die Frage verneinte, aber denen, gegen die man angriffsweise vor- ging, wurden nur zehn Minuten Redezeit gestattet. Allerdings einer längeren Diskussion waren die Argumente, durch welche den Lehre- rinnen und damit dem weiblichen Geschlecht Qualitätsmangel zu- gesprochen werden, die die Aberkennung der Gleichberechtigung be- gründen, nicht gewachsen. Die ganze Argumentation bewegte sich in dem engen Rabmen: der Mann hat besondere Eigenheiten, die Frau hat besondere Eigenheiten. Die besonderen Eigenheiten befähigen den Mann zur Erziehung der Knaben und Mädchen, die besonderen Eigenheiten der Frau befähigen nur zur Unterrichtung von kleinen Mädchen, daher, deshalb usw. Irgendwelche beweiskräfttge Tatsache hat man nicht vorgebracht. Das war auch nicht möglich, denn die Behauptungen widersprechen sich selbst. Wenn die besonderen Eigenheiten der männlichen und weiblichen Natur so stark sind, daß ein Ausgleich ausgeschlossen ist, wie dürfen Männer dann in der subtilsten Frage, der der Erziehung und der Geistes- und Herzensbildung der Mädchen, eine überlegene Fähigkeit für sich reklamieren? Der Kampf gegen die Konkurrentin faltete die Binde, die die Lehrer in der weltbewegenden Frauenfrage vor die Augen nahmen. Voll« ständig blind muß man gewesen sein, um die Wirkung' solchen Vor- gehens ganz zu übersehen. Die Einheitlichkeit des Widerstandes gegen die Volksschulfeinde hat man gestört, Zersplitterung und leiden« schaftliche Kämpfe in die eigenen Reihen hineingettagen, die Sympathien weiter Volkskreise hat man mindestens stark abgeschwächt. Kräftigung erfährt, die Reaktion sowohl gegenüber den berechtigten Bestrebungen der Frauen, wie auch im Kampfe gegen die Volks- schule. Den Ausgang des großen-kleinen TageS kann man nur auf« richtig bedauern._ Zur Beachtung t Bon jetzt ab werden die Versammlungen der Frauen- und Mädchen-BildungSvereine nur noch allwöchentlich in der Dienstag- und Freitag-Nummer unter nachstehender Uebersicht bekanntgegeben. Versammlungen— Veranstaltungen. Reinickendorf. Dienstag, den 12. Juni, abends 8'/g Uhr. im Vereins« lokal: Vortrag. Borsigwalde-Tegel. Mittwoch, 13. Juni, abends 8'/, Uhr. bei Kube, Ernststt. 8: Vortrag._________ Sozialdemokratischer Lese, und Diskntierklub„vorwärts-. Freitag abend 8>/, Uhr bei Knötsch, Hirtenstr, tv. Vortrag des Genossen A. K o s i o l über: ZluS der EntwickelungSgeschichte der Familie I— Gaste sehr willkommen. Berein der Lehrlinge, jugendlicher Arveiter und Arbeiterinnen Berlin» u. Umgegend. Abt. Charlottenburg. Sonnabend, den S. Juni, abends 8 Uhr, im Volkshause, Rosiuenstt. 3: Versammlmig. Tagesordnung t 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Vermischtes. Zu der Bluttat in Bornstedt bei Potsdam wird uns berichtet, daß es sich nach Lage der Sache um keinen Mord, sondern um einen Todschlag Handelt. Hetsch, der einmal vorbestraft ist, hat aöend» gegen 8 Uhr den Zigarrenhäudler Vierkant mit einem Stock der- maßen über den Kopf geschlagen, daß der Bedauernswerte bald darauf verstarb. Der Pastor v. Bodelschwingh, der erst kürzlich die Kolonie Hoffnungstal gründete, wird auch in der Provinz Brandenburg ein Asyl für Arbeitslose ins Leben rufen und zwar in der Kunersdorfer Forst im Kreise Zauch-Belzig in der Nähe deS Schmerberges. DaS in Aussicht genommene Terrain wurde dieser Tage von ihm und einigen höheren Regierungsbeamten besichttgt. DaS erste Opfer der Herkomer-Fahrt. Der Kontrolleur, der, wie wir bereits meldeten, in der Nähe von EmSsirchen an einer Kurve aus dem Wagen geschleudert wurde, ist bald nach dem Unfall infolge eines Schädelbruchs verstorben. Der Verunglückte ist der Direktor Schloer. der in München ansässig ist. Ein Pauoramabrand hat in Rathenow stattgefunden. Im Hanse Fehrbcllinerstraße 40 war seit einiger Zeit ein„Panorama tnter- nationale" als Filiale des Berliner Kaiser- Panoramas etabliert, das aber mit Eintritt der wärmeren Witterung geschloffen wurde. Durch das Herabfallen der Petroleumlampe von der Brüstung des drehbaren Apparats entstand nun. während der Besitzer deS Pano- ramas schlief, ein Brand in dem Saal, der schnell um sich griff und daS ganze Institut einäscherte. Der Schaden ist ein beträchtlicher. da auch einige Serien der glasstereoskopischen landschaftlichen"Auf- nahmen mit verbrannten. Da die Feuerversicherungen eS meistens ablehnen, derartige Panoramen zu versichern, dürste ihn der Besitzer allein zu tragen haben. Eingestellte Bergungsarbeiten. Kiel, 7. Juni. Nachdem an der Unfallstelle des Torpedobootes ,8 126' noch zwei Leichen, die des Torpedoobermatrosen Gronau auS Königsberg und des Torpedo- Matrosen Waltcmathc aus Rumbeck an der Weser, geborgen und weitere Leichen nicht entdeckt worden sind, sind die Bergungsarbeiten nunmehr als abgeschlossen eingestellt worden. Der Schrecken de» BesiwS. Im Innern des Vesuvs finden neue heftige Einstürze statt, die neuen Aschenregen verurs«chen. Unter den Beivohnern der umliegenden Ortschaften herrscht große Panik. Gleichzeitig wurden in Calabrien Erdstöße verspürt. Die Pest. Konstantinopel, 6. Juni.(Meldung de» Wiener K. K. Telegr.-Korr.-BureauS.) Bis zum 4. Juni sind in Dscheddah 25 Pestfälle vorgekommen, von denen neun tödlich ver« laufen sind. Für den Zuhalt der Injerate Urania Taubenübernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei str. 48/49, Täglich abends 8 Uhr: Berantwortung, Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. Theater. Freitag, den 8. Juni Anjang 7 Uhr: Opernhaus. Carmen. Schauspielhaus. Romeo und Julla. Neues Operntheater. Fra Diabolo. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Neues. Orpheus in der Unterwelt. Anfang 8 Uhr: Schiller 0,( Wallner-Theater.) Helden. Schiller N.( Friedrich Wilhelm flädtisches Theater). Zwei glüdliche Tage Leffing. Die Teufelskirche. Kleines. Ein idealer Gatte. Berliner. Die lustige Bitwe. Komische Oper. zählungen. Ranon Hoffmanns Ere Sternwarte Invallen str. 57/62. JOOLOGISCHER ZCARTEN Vom 6, bis 9. Juni inkl., nachmittags 5 Uhr: Gastspiel des Musikkorps S. M. Jacht ,, Hohenzollern", laisert. Stabshob: Hr. F. Pollinger, Eintritt ab 6 Uhr 50 Pf., Kinder die Hälfte. Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterfte. 132. Läglich 8 Uhr: Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friebr.- Bilh. Th.) Freitag, abends 8 Uhr: Freitag, abends 8 Uhr; Helden. Zwei glückliche Tage. somödie in 8 Aufzügen von Bernard Schwant in 4 Allen von Franz Shaw. Deutsch v. Siegfried Trebitsch. b. Schönthan und Gustav Stabelburg. Sonnabend, abends 8 Ube: Sonnabend, abends 8ubr: Bum ersten Male: Heiratslustig. Jugendliebe. Sierauf: Die Dienstboten. Sonntag, nach m. 8 Uhr: Sonntag, nach m. 3 11 br: Zapfenstreich. Das Glück im Winkel. Sonntag, abends 8 Uhr: Heiratslustig. Sonntag, abends 8 Uhr: Don Carlos. Im Garten tägl. gr. Militär- Konzert. Schweizer Garten. Am Königstor- Am Friedrichshain 29/32. Täglich: Theater- Vorstellung, Spezialitäten und Ball. Zum Schluß: Die Sonntagsbraut. Buttspielsaus. Das gen der Sand. Der Weg des Märtyrers. Diez' Spezialitäten- Theater. merter, Borher: Die Berlobung bei der Laterne. Thalia. Hochparterre links. Metropol. Auf ins Metropol. Dipollo. Das blaue Bild, Spezia litäten. Carl Wein. Der Weg des Marthrers, Wintergarten. Tortajada. Spezialit Baffage. Billy Brager. Spezialit, Deichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngste alus. bruch des Befup. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Gaftip, des Neuen Operetten- Theaters Anfang 8 Uhr. aus Hamburg( Direktor Mag Mont). Die lustige Witwe. Morgen und folgende Tage: o Die lustige Witwe. Neues Theater. Anfang 7%, Uhr. Orpheus in der Unterwelt. Sonntag 6 Uhr( leine Preise): Aus altem Geschlecht. Im Garten täglich: Große Spezialitäten- Vorstellung. Anfang 5 Uhr. W. Hoacks Theater. Direttion: Rob. Dill, Brummenftr. 16. Konzert, Landsberger Allee 76/79( Ringbahn- Station). erstklassige Entree 25 1. Ob schön! Im herrlichen Garten oder Saal: ob Regen! Täglich: Gr. Konzert fowie neue Täglich: Gr. Konzert Spezialitäten und Ball. 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Die Mitgliederversammlung deS Wahl- Vereins findet Sonnabend, den 9. Juni, abends 8]Jß Uhr, in Waidmannslust im„Scbweizerhäuschen" statt. Genosse Kiesel- Berlin referiert über das Thema:.Sind in Deutschland alle Bürger vor dem Gesetze gleich?" Zu Bereinsangelegenheiten stehen mehrere wichtige Punkte auf der Tagesordnung; außerdem findet die Wahl der Delegierten zur Kreisgeneralversammlung statt. ES ist Pflicht aller Mitglieder, pünktlich zu erscheinen. Der Borstand. Köpenick. In der heute(Freitag) im„Kaiserhos" stattfindenden Wahlvereinsversammlung, in welcher das Wahlresultat bekannt ge- geben wird, werde» auch die neuen Mitgliedsbücher ausgegeben. Der Vorstand. Schildow-Blankcnfelde. Am Sonntag, den 10. d. M., nachmittags 3 Uhr, findet für obige Orte die fällige Wahlvereinsversammlung in MönchSmühle statt. Genosse Böhne hält eine Lorleiung über: .Rieder mit den Sozialdemokraten". Die Nieder- Schönhausener Genossen werden ersucht, sich rege daran zu be- teiligen. Treffpunkt: Sonntagmiltags 1 Uhr bei Dü cker, Eichenstraße 70._ Berliner J�aebriebten. Handwerksmeister und Pflichtfortbildnngsschnle. Gegen die Berliner Pflichtfortbildungsschule, die im Mai vorigen Jahres eingeführt wurde, wird jetzt von den Hand- Werksmeistern heftiger als je Sturm gelaufen. Der Wider- stand aus diesen Kreisen hatte das Zustandekommen der Pflichtfortbildungsschule in Berlin lange verhindert, weil durch ihn die Gemeindebehörden in ihrer Lässigkeit bestärkt wurden. Und auch als der Magistrat und die freisinnige Stadt- verordnetcnmehrheit sich endlich dazu bequemten, in diese Neugestaltung des Fortbildungswesens zu willigen, wurden den Handwerksmeistern immer noch allerlei Zugeständnisse ge- macht. Das„organisierte Handwerk" ist durch dieses Ent- gegenkommen nicht zufriedengestellt. Seitdem die Schulen er- öffnet worden sind, haben die Klagen nicht aufgehört, sondern nur noch zugenommen. Die Innungen haben nunmehr ihre Wünsche in einem Bericht der Handwerkskammer zusammengestellt, und in einer außerordentlichen Versammlung des Jnnungs- ausschuffes haben die ehrsamen Handwerksmeister mit Direktoren der Pflichtfortbildungsschulen und mit Vertretern der Fortbildungsschuldeputation debattiert. Der Bericht der Handwerkskammer und das Protokoll der Versammlung sind dem Magistrat und den Stadtverordneten zugestellt worden. und die Rückwärtsrevidierung der Pflicht- fortbildungsschule kann nun losgehen. Vor allem verdrießt eS die Meister, daß die Pflichtfortbildungsschule Nachmittags- Unterricht hat und ihnen dadurch die Lehrlinge entzieht. Die Verlegung des Unterrichts in die Abendstunden und zum Teil auf den Sonntag ist ihre Hauptforderung. Damit aber die Aktion, die sie eingeleitet haben, nicht gar zu sehr nach allerklcinlichster Jntereffenpolitik aussehe, fügen sie noch die Klage hinzu, daß die Pflichtfortbildungsschule den Innungen ihre„bewährten" Fachschulen zerstöre. Der Unterricht soll, nach den Wünschen der meisten Innungen, in der Pflichtfortbildungsschule nicht vor 5 Uhr abends beginnen. Besonders werden die Stunden von 5—8 Uhr bezw. 6—8 Uhr empfohlen. Einige Innungen treiben die Dreistigkeit soweit, sogar 6— 9 Uhr bezw. 7— 9 Uhr vorzuschlagen. Wie richtig hatte doch die sozialdemokratische Fraktion der Stadtverordnetenversammlung die Begehrlichkeit der Innungen taxiert, als sie im Herbst 1904 bei der Be- ratung des Ortsstatuts über die Pflichtfortbildungsschule forderte, man solle in das Statut die Bestimmung aufnehmen, daß ausnahmslos nur bis 7 Uhr unterrichtet werden darf. Der Antrag wurde damals abgelehnt. Aber die Verhand- lungen im Ausschuß wie im Plenum ließen— das wollen wir hier feststellen— deutlich genug erkennen, daß die Meinung und Absicht der Stadtverordnetenversamm- lung wie des Magistrats dahin ging, die Ausdehnung des Unterrichts bis 8 Uhr solle doch nur in Ausnahmefällen zu- gelassen werden. Wenn jetzt die Innungen fast allgemein eine Ausdehnung bis 3 Uhr und zum Teil sogar bis 9 Uhr fordern, so würde der Magistrat, falls er auf solche Wünsche eingehen wollte, der Stadtverordnetenversammlung und sich felber geradezu einen Schlag ins Gesicht geben. Es scheint aber, daß tatsächlich in der Deputation für das Fortbildungs- Wesen und auch bei den Direktoren der Pflichtfortbildungs- schulen viel Neigung vorhanden ist, den Handwerksnieistern nachzugeben. Die Verlegung des Zeichenunterrichts auf den Sonntag, die gleichfalls gefordert wird, widerspräche einem Ministerialerlaß. Doch auch hier geben die Meister sich der Hoffnung hin, ihren Willen durchsetzen zu können. Die Erhaltung der„bewährten" Fachschulen bildet den„idealeren" Teil der Jnnungs- forderungen zur Pflichtfortbildungsschule. Als„ideal" gibt sich diese Forderung, aber bei näherer Betrachtung erkennt man, daß auch sie ein sehr materielles Ziel hat. Die Innungen wünschen, daß ihre Fachschulen möglichst alle als gleichberechtigt der Pflichtfortbildungsfchule anerkannt werden. Damit würde schon einem großen Teil der Schmerzen ab- geholfen, die ihnen die Pflichtfortbildungsschule bereitet. Der Pflichtfortbildungsschule wollen sie den theoretischen Unterricht belasfen, wenn's denn nicht anders sein soll, den Zeichen- Unterricht aber und den praktischen Unterricht möchten sie selber besorgen. Der theoretische Unterricht würde von 5 bis 7 Uhr erteilt, der Zeichen- und praktische Unterricht von 7—9. Eine solche Regelung, so meinen die biederen Lehrlinasbildner, sei durchaus zulässig, weil ja dann die Stunde von 8—9 nicht durch Ortsstatut, fondern durch Jnnungsbeschluß festgesetzt sei. In der Versammlung des Jnnungsauöschnsses jammerten sie, wenn man ihnen nicht ihren Willen tue, so iverde schließ- lich kein Mensch mehr einen Lehrling halten können und wollen. Der brave Rahardt warnte, dann würden später die Gesellen knapp werden und„die Sozial- dcmokratie wird uns dann noch mehr den Daumen aufs Auge drücken." Aber der Stadtschulinspektor Fischer, der in der Versammlung den Stadtschulrat zu vertreten hatte, gab die tröstliche Versicherung, die städtischen Behörden würden sorgen, daß durch die Pflichtfortbildungsschule„das Handwerk, eine der fe st e st en Stützen unserer heutigenGesell- schaftsordnung, nicht geschädigt wird." Eine herrliche Gesellschaftsordnung, deren Bestand davon abhängt, daß die Unternehmer des Handwerks ihre„Lehrlinge" möglichst schrankenlos ausbeuten können! Die Kindersterblichkeit in Berlin hat auch in der dritten Woche deS Mai, über die jetzt die Zusammenstellungen des Berliner Statistischen AmteS vorliegen, eine für diese Jahreszeit ganz un- gewöhnliche Höhe gehabt. Gegenüber der zweiten Woche des Monats ist die Zahl der Sterbefälle von Kindern des ersten Lebens- jahres sogar noch etwas gestiegen. In den beiden Wochen 6. bis 12. Mai und 13.-19. Mai starben 181 und 193 Kinder, während in den beiden vorhergehenden Wochen 22.-28. April und 29. April bis 6. Mai nur 138 und 134 gestorben waren. Auf die Hitzeperiode, die in der zweiten Woche des Mai begonnen hatte, war erst Mitte der dritten Woche wieder ein Temperaturrückgang erfolgt. An einzelnen Tagen dieser Woche ging die Zahl der Sterbefälle von Kindern noch bis 32 und 33 hinauf. Eine volle Million männlicher Einwohner wird Berlin voraus- sichtlich in diesem Monat Juni erreichen. An der Gesamtbevölkerung von mehr als zwei Millionen, die Berlin seit dem Mai vorigen Jahres hat, war das„stärkere" Geschlecht bisher immer noch mit weniger als einer Million beteiligt gewesen, während das„schwächere" schon vor jetzt ziemlich vier Jahren die Million überschritten hatte. Bis Ende April dieses Jahres ist nun die Zahl der männlichen Ein- wohner auf 994 381, die der weiblichen bereits auf 1002 677 ge- stiegen. Der Mai wird eine Zunahme um vier- bis fünftausend männliche Personen gebracht haben(soviel ungefähr hatte das Mehr im Mai vorigen Jahres betragen), mithin könnte noch im Juni die Million auch für die männliche Bevölkerung voll werden. Die bauliche Eutwickelung der Borortgemeinden hat ein ausführ- licher Ministerialerlaß an die Verwaltungsbehörden zum Zweck. Es wird darin ausgeführt, daß die Handhabung der Baupolizei in den kleineren Städren und aus dem Lande nicht immer sachgemäß aus- geführt werde. Insbesondere mangele es häufig an geeigneten Technikern. Die Ortspolizei wäre beim besten Willen meist nicht, imstande, ihre Aufgabe in dieser Beziehung zu erfüllest. Bau- Unternehmer und Bauhandwerker könnten sich naturgemäß von der Rücksicht auf den Wettbewerb selten steimachen. Besonders schäd- lich wirken diese llebelstände in den Vororten größerer Städte, wo die Bautätigkeit besonders rege ist. Weniger tüchtige Bauunternehmer aus der Stadt vermöchten sich dort der schärferen Aussicht zu entziehen. Es genüge aber dort nicht die Entwürfe sorgfältig zu prüfen und ihre Ausführung zu über- wachen. Es wäre auch darauf zu halten, daß die baupoltzeilichen Bestimmungen denen der angrenzende« Stadt entsprächen. Stadt und Vororte sollen ein einheitliches Gebiet bilden. Wenn für die Stadt verschiedene Bauzonen oder Wohn-, Industrie-, Landhaus- bezirke festgesetzt sind, so muß Stadt und Land sich entsprechen. Es darf z. B. nicht ein LandhauSbezirk der Stadt durch die Zulaffung großer Industriebauten auf dem angrenzenden VorortSgebiete in seiner Entivickelung gestört werden. Ebenso sind Landhausvororte gegen städtische Jndustriebezirke zu schützen. Hier sollen Zwischen- zonen vorgesehen werden. Ueberall find einheitliche Baupläne aus- zustellen. Die Verwaltungsbehörden werden angewiesen, aus die kleineren Gemeinden in diesem Sinne einzuwirken und ihnen bei der Aufftellung von Bebauungsplänen an die Hand zu gehen. In den Billetldruckcrcien der Staatsbahnverwaltungen wird an dem Neudruck der vom 1. August ds. IS. ab zu versteuernden Fahrkarten mit Hochdruck gearbeitet. Für die 21 Direktionsbezirke sind zehn„Billctt-Druckereicn" im Betriebe; von diesen hat die B e r- l i n e r naturgemäß die größten Auflagen herzustellen. Dies eraiebt sich schon daraus, daß an den Schaltern der Berliner Fernbahnhöfe im Durchschnitt zirka 3500 Sorten vonFahrkarten aufliegen, an den Schaltern des Bahnhofs.Friedrichstraße", woselbst der West- und Ost-Durchgangsverkehr zusammenflutet, sogar gegen 6000 ver- schiedene Sorten. Man kann sich danach einen Begriff von den Aufgaben unserer Fahrkartenverwaltung machen, welche für jede der in Betracht kommende Stalionen neun Sorten— Schnellzugs-, Personenzugs- und Rückfahrkarten erster bis dritter Klasse— in aus- reichender Menge anzuliefern hat. Dabei ist auch zu berücksichtigen, daß viele Karten doppelt bedruckt werden(auf der Rückseite befindet sich in der Regel die Vorschrift der Reisewege) und daß sie außerdem mit verschiedenen Schalter-Bezeichnungen(�., B, C usw.) versehen werden müssen, um feststellen zu können, an welchem Schalter die betreffende Fahrkarte gelöst worden ist. In der Billettdruckerei, welche sich im Kellergeschoß des Direktionsgebäudes am Hafenplatz befindet, arbeiten gegenwärtig 7S Mann Tag und Nacht. Die 17 Druckmaschinen werden in drei Schichten von je acht Stunden bedient, die Mehrzahl der Maschinen hat elektrischen Antrieb, einige auch Handbetrieb; die letzteren arbeiten aber auch ziemlich schnell, da sie zwei der Pappkärtchen(welche in den verschiedenen Farben fertig zugeschnitten angeliefert werden) gleichzeitig be- druckt. Außer den Fernverkehrs-Karten müssen natürlich auch diejenigen Vorortkarten neugedruckt werden, deren Preis sich auf 60 Pf. und mehr stellt. Und daneben sind noch Hunderttausende von Fahrkarten aller möglichen Sorten, die zum gegenwärtigen Gebrauch noch nachgefordert werden, sowie die Karten für den Stadt- und Ringbahnvcrlehr herzustellen. Für den Feiertagsverkehr wurden an einem Tage mehr als eine Million Fahr- karten gedruckt, die höchste bisher erzielte Tagesleistung. Die fertigen Fahrkarten werden in sinnreich konstruierten Zähl« maschinell, die nach je hundert Spatien ein Glockenstgnal geben, zu Päckchen von je 100 Stück aufgehäuft, wobei der Zähler in dein Nummer-Aufdruck der Karten eine besondere Kontrolle hat. Die Päckchen werden dann verschnürt und in Kisten als Dienstgut an die betreffenden Stationen versandt. Zwei Nollfuhrwerke sind ständig unterwegs, um die Billcttlisten nach den östlichen bezw. West- lichen Fernbahnhöfen zu schicken. Steuerzahler und Sozialdemokraten. Der Haß des freisinnigen Bürgertums gegen die sozialdemokratische Arbeiterbevölterung äußert sich doch manchmal in recht wunderlicher Weise. Unsere verehrlichen Mitbürger freisinniger Couleur halten es zwar für selbstverständlich, daß nur sie geeignet und würdig seien, all' die kleinen kommunalen Ehrenämter in den Armenkommissionen, Schulkommissionen, Waisenratskollegien, Steuercins chätznngskommissi onen usw. zu verwalten, und sie betrachten es als einen dreisten Einbruch in ihre geheiligten Rechte, wenn der Versuch gemacht wird, auch mal einem Sozialdemokraten die Möglichkeit der Mitarbeit in diesen Körperschaften zu geben. Sie sind aber manchmal sehr wenig davon erbaut, daß die Ehrenämter, auf die sie ein Privilegium zu haben glauben, ihnen die Notwendigkeit auf- erlegen, mit allerlei„tiefer" stehenden Leuten und sogar mit den verhaßten Sozialdemokraten in Berührung zu kommen. Einer der biederen Männer, denen es obliegt, das Ein- kommen ihrer lieben Nächsten zum Zweck der Besteuerung zu schätzen, mußte sich kürzlich zu einem Steuerzahler hin be- mühen, der die Schätzung seines Einkommens als zu hoch bemängelt hatte. Dieser Steuerzahler ist zwar selbständiger Fnhrherr, aber nur einer von denen, die ihre eigene und einzige Droschke fahren. Er gehört also nicht zu jenen Steuer- zahlern, vor deren Portemonnaie das honette Bürgertum eine unbegrenzte Hochachtung hat. Der Fuhrherr war nicht zu Hause, als der„Mann von der Steuer" kam; er saß um diese Zeit auf seinem Bock und kutschierte. Der Besucher regte sich nicht tvenig darüber auf, daß er den Steuerreklamantcn nicht selber antraf. Während er mit der Frau verhandelte, r ä s o n- nierte er über die Sozialdemokraten, die nicht zu Hause seien, wenn man in Steuer- angelegenheiten zu ihnen komme. Aber, so fügte er hinzu, ein reines Straßenpflaster und Licht auf der Straße wolle jeder haben. Der Herr ist vermutlich bei dem braven Jakobi in die Schule gegangen, dem freisinnigen Stadtverordneten, der einmal in einer Versammlung seinen wohlhabenden Wählern erzählte, nach den Plänen der Sozial- demokratte solle der Arbeiter alles von der Stadt umsonst kriegen, und dann wolle er noch nicht einmal„danke" sagen. DaS Amüsante ist, daß der kleine Fuhrherr gar nicht Sozialdemokrat ist und oft genug selber auf die Sozialdemo- kraten geschimpft hat, auch auf seinen eigenen Sohn, der zur Sozialdemokratte hält. Der„Mann von der Steuer". dessen Namen wir leider nicht ermitteln konnten, nemt offenbar zu der Ansicht, daß die Steuerzahler der unteren Stufen alle- samt ihre Klassenlage richtig erkannt haben und dann natürlich nur Sozialdemokraten sein können. Bei dem kleinen Fuhr- Herrn trifft das. wie gesagt, nicht zu. Es verdrießt ihn, daß man. nachdem erst sein Einkommen zu hoch taxiert worden ist, nun auch noch seine polittsche-Ueberzeugung falsch eingeschätzt hat. Die Frau hat übrigens sofort den„Mann von der Steuer" über seinen Irrtum aufgeklärt und mit Entrüstung den Verdacht zurückgewiesen, daß er es hier mit einem Sozial- demokraten zu tun habe. Das ist denn auch nicht ohne Wirkung geblieben. Der Sozialdenwkratenhasser beruhigte sich, und schließlich verabschiedete er sich sogar mit fteundlichen und höflichen Worten._ Die dritte städtische Jirenanstalt in Buch hat nach dem in der gestrigen Sitzung der städtischen Hochbaudeputation vorgelegten Generalkostenanschlage 11 161 000 M. gekostet. Die Anstalt ist zur« zeit mit 300 Kranken belegt und kann etwa 2000 Kranke auf- nehmen und unter Hinzurechnung der außerhalb zu belassenden .Kranken können rund 3000 Kranke von der Anstatt ständig beobachtet werden. Mit dem Bau der beschlossenen vierten städtischen Irrenanstalt soll in Buch unweit der dritten Anstalt begonnen werden. Eine Erhöhung deS AbonncmentSpreiseS kündigt auch da«„Reich" an. Vom 1. Juli ab wird das Monatsabonnement um 10 Pfennige heraufgesetzt. Die gewaltigen Unkosten zur Herstellung einer Presse in der Großstadt machen dem Verlag und der Schriftleitung des Blattes diesen Schritt zu einer gebieterischen Notwendigkeit. UnS scheint diese Maßnahme ein Beweis zu sein, daß das „Reich" mehr und mehr mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen bat, denn in der Herstellung dieses Blattes ist w Wirklichkeit keine Erschwerung, sondern sogar eine Erleichterung eingetteten. Vor kurzem ist die„Staatsbürger-Zeitung" in den Besifc..des Verlages des„Reich" übergegangen und seit dieser Zeit gleicht die„Staats- bürgerin" dem„Reich" wie ein Ei dem andern. Für vride Blätter werden dieselben Artikel und Notizen, also derselbe Satz, benutzt und wenn man das„Reich" ans der Hand legt, weiß man auch, was in der„Staatsbürgerin" steht. Wenn trotz dieser Vereinfachung in der Herstellung beider Blätter eine Erhöhung der Kosten eintritt, so wirft das auf den finanziellen Stand dieser Unternehmungen kein günstiges Licht. Diese böse Abonnentenschwindsucht! In welcher Bedrängnis sich das„Reich" befindet, dafür liefert der folgende Stoßseufzer des Blattes einen kleinen Beittag. In einer Abonncmentseinladung heißt eS: „Eine wertvolle Unterstützung erfährt unser Blatt durch seine Abonnenten, wenn diese auf Reisen bei den BahnhofSbuchhändlerir, in den Lesehallen der Badeorte und in den Gasthäusern unser Blatt fordern. ES ist vielfachSitte geworden, nurdie ge- sinnungslose Presse und— das„Berliner Tageblatt" allerwärtS anzubieten. Wir bitten unsere Abonnenten, auf der Reise für ihr Blatt einzutteten I" Interessant auS diesem Notschrei ist der Hinweis auf die ge- finnungslose Presse und das„Berliner Tageblatt". Bekanntlich wird daS letztere im Jargon der„Staatsbürger-Zeitung" alias„Reich" als Judenblatt bezeichnet, deshalb die Wut. Mehr aber ärgert sich das„Reich", daß die sogenannte„gesinnungslose" Preffe überall verlangt werde. Eigentlich ist eS eine Beleidigung der Bahnver- waltung, daß diese der„gesinnungslosen" Presse Vorschub leiste; denn auf den Bahnhöfen werden die zum Verkauf gelangenden Zeitungen sorgfältig auf ihre GesinnungStüchtigkeit geprüft; eine sozialdemokratische Zeitung ist da nicht zu erhalten und nur solche werden von dem Blätrchen als„gesinnungslos" bezeichnet. I» Wirklichkeit ist die sozialdemokratische Presse diejenige, die von Ge- sinnung und Ueberzeugung durchzogen wird, während die bürgerliche Preffe einschließlich deS„Reich" im Dienste gewisser Interessengruppen steht. Aber es freut uns, wenn überall unsere Presse' zu finden sein sollte, denn es ist das für unS ein Beweis mehr, in welcher Weise unsere Bewegung sich allgemeiner Beachtung erfreut. Uns ist daS mir noch zu lvenig, und was an unS und unsere» Freunden liegt, daß unsere Presse in immer weitere Kreise dringt, soll geschehen. Zum Nutzen unserer Sache und— zum Aerger des„Reich". Maffenklagen gegen den„Raiattspamrein deutscher Hausfrauen" bezw. gegen seinen Vorsitzenden Kaufmann Arnecker werden jetzt von geichädcglen Kaufleuten und Mitgliedern eingeleitet. Als Ende vorigen Jahres der Verein einen großen Teil der Sparmarken nicht einlöste und die Presse sich mit dem Fall beschäftigte, sandte der Vorsitzende Arnecker den Zeitungen Zuschriften, in denen er mit dem Ausdruck höchster Entrüstung erklärte, un Frühling 1906 würden alle Ansprüche befriedigt sein, da der Verein über genügend Kapital verfüge. Es warten aber noch sehr viele Sparer vergeblich auf ihr Geld und jetzt treten auch für die Geschäftsleute, die bisher die Marken des Verein« ausgaben, Schädigungen ein. Die von ihnen gekauften Marken sind wertlos geworden, da sie kein Kunde mehr nehmen will. Der Vorsitzende Arnecker weigert sich aber, die Marken gegen Erstattung des Kaufpreises zurückzunehmen. Eine große Zahl von Klagen ist die Folge. Die Geschädigten planen nun ein ac- ineinschaftliches Vorgehen gegen den Rabattsparverein und haben bereits eine Versammlung zur Gründung eines Abwehrverbandes einberufen. Aus der Srlbstmordchronik. Drei Selb st morde resp. Seist Mordversuche werden vom gestrigen Tage gemelder. An« unbekannten Gründen versuchte sich der 16jährige Arbeitsbursche Mcpper aus der Swiiiemünderstraße auf einem Laubenterrain in Lichtenberg zu erschießen. Die Kugel drang oberhalb de« Herzens gegen eine» Rippenknochen und prallte dort ab. In hoffnungslosem Zustande wurde M. nach dem RummelSburger Krankcnhause über- führt.— Heimweh bildete das Motiv zu einein Selbstmord, den gestern die 24jährige Frau des Elektrotechnikers v. S.. in der Gabriel Maxstraße in Rummelsburg wohnhast, verübte. Frau v. S. tvar eine geborene Haniburgerin und lebte bis zu ihrer vor drei Monaten erfolgten Hochzeit ununterbrochen in der Hansastadt. Zu Bekannten hatte die Frau schon mehrfach geäußert, daß sie sich an daS hiesige Leben nicht gewöhnen könne und sich nach Hamburg zurücksehne. Hierzu kamen auch noch pekuniäre Sorgen, welche durch vorübergehende Arbeitslosigkeit des Elektto- rcchnikers herbeigeführt worden waren und die junge Frau zu dem verzweifelten Schritt trieben. Gesten' morgen trank sie Salzsäure und erlag bald darauf der Einwirkung des Gifte«.— AuS Furcht, arbeitslos zu werden, versuchte gestern der Arbeiter Otto Hiller auS Reinickendorf sich zu erhängen. Er wurde in bereits besinnungS- losem Zustande von sewer Frau aufgefunden, die ihn auS seiner gefährlichen Lage befreite. Einem hinzugerufencn Arzte gelang eS. H. wieder in daS Leben zurückzurufen. Infolge schwerer Mißhandlung durch den Maxstraße 9 wohnenden Kutscher Netzbrandt stürzte sich seine Geliebte, die 27jährige Arbeiterin Marke F., zum Fenster ihrer Wohnung auf den Hof hincifr Be sinnungSlos wurde sie nach der Unfallstation in der Lindowerstrajje gebracht, Ivo sie die erste Hülfe erhielt. Es waren ihr beide Arme gebrochen und ausserdem hatte sie schwere innere Verletzungen er- litten. Die Bedauernswerte fand im Krankenhause Moabit Auf nähme, wo sie bedenklich daniederliegt. In der gestrigen Sitzung der Deputation der stSdtifchen GaS werke unter dem Vorsitz des Stadtrats NamSlau legte Stadl baurat Ludwig H o f f m a n n den Entwurf für das geplante neue Verwaltungsgebäude der städtischen Gaswerke vor. Nach diesem Enl Wurf soll das Gebäude an der Waiscnbrücke, Ecke Stralauerstratze mit einem Kostenaufwande von rund 1 700 000 M. erbaut werden Die alte, jetzt nur noch provisorisch zu Schuhswecken benutzte Waisen kirche soll abgebrochen werden. Das neue Gebäude wird drei Fronten erhalten, eine nach der Stralauerstrasje, die Hauptfront nach der Waisenbrücke und eine nach der neuen Uferstraße zwischen Waisenbriicke und Mühlendanim. Der Entwurf fand den Beifall der Deputation. Am Donnerstag erschien ein alter pensionierter Feuerniann au der Armendirektion und erklärte, sein Vermögen, das er in einer Zigarrenkiste bei sich trug, der Armenverwaltung schenken zu wollen er habe das Leben satt und wolle sich das Leben nehmen. Alles Zureden, diese Idee aufzugeben, half nichts, weshalb der Aermste der Polizei zugeführt werden mußte, die auch das Vermögen, be stehend in mehreren hundert Zwanzigmarkstücken und einem Spar kassenbuch über 1000 M., an sich nahm. Der Mann ist offenbar geistig. nicht normal. Einen schweren Verlust hat am 28. Mai eine Witwe erlitten, die am Vormittage dieses Tages den Weg vom Potsdamer Platz nach der Tiergartenstraßc Ecke Mathäikirchstraße zurücklegte. Auf diesem Wege verlor die Frau ihre gesamte Barschaft im Betrage von 94 M., die sich in einem alten, abgenutzten Portemonnaie befand. Aus Furcht, daß ihr in der Abwesenheit von der Wohnung das Geld gestohlen werden könnte, hatte sie es zu sich gesteckt. Sie glaubt, wenn es ein ehrlicher Mensch gefunden hat, bekommt sie es wieder, und bittet den Finder um Abgabe an Frau Burkhardt, Skalitzer straße 117, vorn IV. Gesperrt. Die südliche Umfahrt des Leipziger Platzes von der Leipzigerstraße bis zum Potsdamer Platze wird behufs Ausführung von Kanalisationsarbeiten vom 7. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Waldschutz. An den Eingängen zum Grunewald befindet sich ein Anschlag des Oberförsters Hillenkanip angebracht, der folgenden Wortlaut hat:„An alle Besucher des Grunewaldes richte ich die dringende Bitte, die Verbote des Wegwerfens von Papier, Flaschen usw., des Rauchens, Betretens von Kulturen, Böschungen und Wiesen, der Beschädigung von Alleebäumen, Sträuchern, Jung wüchsen und Holzstapeln, des Reitens und Fahrens auf Touristen� steigen zu beachten. Nur unter der einsichtsvollen Mithülfe aller wird es möglich sein, in geringerem Maße von der Zuhülfenahme polizeilichen Schutzes Gebrauch zu machen, um dem Walde Ruhe, Frieden, Schutz und dasjenige Aussehen zu sichern, das jeder Natur- freund zu schätzen weiß.* Auf der Treptow-Sternwarte spricht Herr Direktor Archenhold am Sonnabend, den 9. Juni, nachmittags 6 Uhr, in einem mit zahl- reichen Lichtbildern ausgestatteten Vortrage über„Ein Ausflug in die Stcrnenwelten", am Sonntag, den 10. d. M., nachm. 5 Uhr. „Entstehen und Alter der Sterne", abends 7 Uhr„Kometen und Sternschnuppen". Das Thema für den Montagvortrag, abends 9 Uhr, lautet„Uranus und Neptun". Mit dem großen Fernrohr wird während der ganzen. Woche nachmittags die„Sonne" oder„Venus", abends ein interessanter„Sternhaufen" gezeigt. Feuerbericht. In der letzten Nacht wurde die Wehr nach der Gartenstr. 103 gerufen, wo Preßkohlen in einem Keller um 1 Uhr in Brand geraten waren. Fast gleichzeitig hatte die Feuerwehr in der Großen Frankfurterstr. 13 und in der Großen Frankfnrterstr. 38 zu tun, wo Schornsteine brannten. Durch Umfahren des Feuermelders Wienerstr. 1, Ecke Skalitzerstraße, entstand blinder Alarm abends um 9 Uhr. Die Feuerwehr wurde gestern nach der Ecke der Blücher- und Bärwaldstraße gerufen, wo ein Schlächterfuhrwerk mit einem Straßenbahnwagen karamboliert und das Fuhrwerk zertrümmert worden war. Der verletzte Schlächtergeselle Lichtblau wurde von der Feuerwehr verbunden. Vorort- JVacbncbtens Die Terrainspckulanten verstehen sich aufs Geschäft. Wir haben erst gestern dargelegt, in welch' offener Weise Vertreter von Terraingesevschaften in der Ge- meindcverwaltung die Geschäfte derselbe» besorgen und möchten heute an einem weiteren Beispiel zeigen, wie's gemacht wird. In mehreren Handelszeitungen wird auf die eigenartig enge Verbindung der Firma Havestadt u. Contag/ die bei der Ausführung des Teltowkanals sehr lebhaft beteiligt ist, mit der Teltower Kanalterrain-Aktiengesellschaft hingewiesen, der nicht weniger als 3100 Meter Kanalftont gehört. ES heißt dort: „Diese Gesellschaft wurde 1905 mit einem Aktienkapital von zirka 7 Millionen Mark begründet und besitzt über 128 Hektar Land. Den größten Teil dieses TerrainS hat einer der Gründer der Gesellschaft, der Baurat Contag, zum Preise von über 5 Millionen Mark inseriert. Herr Contag ist Teilhaber der Firma Hovestadt u. Contag in Wilmersdorf, die zu dem Teltowkanal in sehr engen Beziehungen steht. Ihr war vom Kreise Teltow die Ausführung des BaucS des Kanals über- tragen worden. Die Firma hat auch das gesamte AnssichtS- personal für den Bau gestellt. Ferner hat die Bauverwaltung de» Kanals ihren Sitz im Ateliergcbände der Firma Havcstadt u. Contag in Wilmersdorf. Außerdem ist der Vorsitzende der Teltow- kanalbauverwaltung zugleich Mitinhaber der genannten bauleitenden Ingenieurfirma, so daß. wie Banrat Havestadt seinerzeit ausführte, «ein unmittelbarer persönlicher Verkehr zwischen der Teltowkanal- bauverwaltung und der Bauleitung gewährleistet ist". Dieser unmittelbare persönliche Verkehr ist aber noch weiter zwischen der Kanakbauvcrwaltung und der Terraingesellschast dadurch gewährleistet, daß Bnurat Contag nicht nur Mitbegründer der Teltowkanal-Terrain-Aktien-Gesellschaft, sondern auch Bor- sitzender ihres AufsichtsrateS ist. Eine Handelszeitung kommt da- her zu dem nicht uninteressanten Schluß, daß sich der� Vorbesitzer, Baurat Contag, der somit als Erbauer des Kanals mit den topo- graphischen Verhältnissen genauer und früher vertraut war wie irgend ein anderer, seinen Spürsinn recht gut bezahlen lassen hat." Die„Freie Deutsche Presse" meint hierzu: „Der Reichskanzler hat bekanntlich den» Landrat v. Stuben» rauch aus Anlaß der Eröffnung des Teltowkanals ein sehr schmeichelhaftes Telegramm geschickt, daS wir schon etwas näher gewürdigt haben. Air meinen, wenn dem Fürsten Bülow ver- Hältnisse wie die oben mitgeteilten bekannt gewesen sein würden, dann wäre sein Begrüßnngstelegrannn wohl nm eine erkleckliche Zahl von Graden kühler ausgefallen. ES ist— milde ausgedrückt— kein Ruhmesblatt für die Selbst- Verwaltung des Kreises Teltow, daß bei dem Bau ihre» Kanals derartige» passieren k«nn. Ein.vorbildliche» Beispiel" können wir Parin nun schon gar nicht erkennen." Wir stimmen mit Per„Freien Deutschen Presse' ausdrücklich uberein. daß solche Vorkommnisse kein Ruhmesblatt in der Selbstverwaltung des Kreises sein können, wir gehen nur einen Schritt weiter und meinen, daß man sich bei einem solchen Urteil nicht auf den Teltower Kreis beschränke» soll. In Berlin ist die Sache nicht änderst Tchöneberg. Wie die Terramgesellfchaften aus allen Einrichtungen der Kam munen Vorteile erzielen, ohne nur das geringste dazu beizutragen. erhellt recht deutlich aus einem Bericht über die Schöneberg Friedcnauer Terraingesellschast. In diesem Bericht heißt es:„In der Generalversammlung sprach der einzige außer der Verwaltung anwesende Aktionär den Wunsch aus, daß die Verwaltung mit dem Verkauf der Parzellen sich nicht übereilen möge, da durch die neue Verbindung und das neue Krankenhaus die Terrains erheblich im Wert steig en dürften. Vom Vor- sitzenden wurde ausgeführt, daß der Aufsichtsrat auf hohe Preise halte und halten werde.— Der Abschluß ergibt, wie sich bei einer Nachprüfung herausgestellt hat, nicht einen Reingewinn von 413196 M., sondern nur einen solchen von 412 696 M." Und da schreien die Leute über Vermögenskonfiskation, wenn die Gemeinde von dem unverdienten Wertzuwachs einen Teil für sich reklamiert. Charlottenbnrg. Die Freie Volksbühne Charlottenburg veranstaltet ihre Juni- Vorstellung am Sonntag, den 10. Juni, 3 Uhr nachmittags, im Schiller-Theater dl.. Chausseestr. 25. Gespielt wird„Zapfen- streich". Die Mitgliedsmarken müssen heute, spätestens morgen, 9. Juni, geklebt sein. Gastkarten a 75 Pfennig ebenfalls nur heute und morgen in den Zahlstellen. Rixdorf. Zur Beachtung für alle, welche als Zeuge bor Gericht zn er- scheinen haben, diene eine Verhandlung, welche sich dieser Tage vor dem Schöffengericht in Rixdorf abspielte. Der Steinsetzer Albert W. hatte vor dem hiesigen Schöffengericht als Zeuge fungiert und sich unter der Angabe, daß er an dem be- treffenden Tage nicht mehr arbeiten könne, eine bezügliche Zeugen gebühr auszahlen lassen. Tatsächlich hatte er aber noch zwei Stunden an dem fraglichen Tage gearbeitet. Da er bislang noch unbescholten und mit Rücksicht auf seine Jugend kommt der Angeklagte mit einer Geldstrafe und zwar in Höhe von 10 M. davon. Weißensee. Aus' der Gemeindevertretung. Die Wahl des Kaufmanns Leo Leß ist nun auch für gültig erklärt worden. Leß war Kandidat der Gewerbetreibenden in der ersten Abteilung, in allerletzter Stunde wurde dem Gewerbevereinler ein Gegenkandidat der Hausbesitzer gegenübergestellt. DaS Resultat war." daß Leß 60 Stimmen, sein Gegenkandidat Jung 59 Stimmen erhielt. Die papierenen Voll machten spielten auch hier die Hauptrolle. Ein Protest, eingereicht von den Hausbesitzern, sprach von fingierten Vollmachten, von Ausstellung von Vollmachten gar nicht dazu Berechtigter, Wahl- beeinflussungen im Wahllokal usw., so daß auf Beschluß der Gemeindevertretung eine Untersuchung stattfand, deren Resultat war, daß für Leß 3 Stimmen, für Jung 4 Stimmen als zu Unrecht abgegeben waren, so daß die Stimmen- zahl sich auf 57 resp. 55 herabsetzte, Leß die höchste gültige Stimmen- zahl auf sich vereinigte und die Gültigkeit seiner Wahl beschlossen wurde. Der Herr Töpfermeister Jung wartet schon seit einer Reihe von Jahren auf einen Gemeindevertreterposten: schon glaubte er am Ziele zu sein, als ihn wiederum 3 Stimmen um seine Hoffnungen betrogen.— Die Wahl des Genossen Peukert war nicht beanstandet. er wurde in die Gemeindevertretung eingeführt.— Bei einer Ergänzungswahl für das Kuratorium der höheren Knabenschule wurde unter anderem auch Genosse Taubmann gewählt.— Die neu- angestellten Bauräte beantragten eine Vergütung von Reisekosten entichädigung bezw. Erstattung der noch in ihren ftüheren Aufent- haltSorten zn zahlenden Miete. Beide Anträge wurden abgelehnt. Treptow-Baumschulenwcg. Die Kanalisation soll endlich ansang nächster Woche in Betrieb genommen werden. Die Pumpstation befindet sich in der Kiefholzstraße am Dammweg in der Mitte des Ortes. Von hier auS werden die gesamten Abwässer durch ein 12 Kilometer langes und 500 Millimeter weites Druckrohr durch Treptow, Rixdorf, Britz Mariendorf und Marienfelde in daS Berliner Druckrohr gepreßt und durch dieses nach Osdorf befördert. Die Pumpen sind mit einer gemeinsamen Saugeleitung, welche ihre Anne in die drei 9 Meter im Lichten weiten und 5 Meter tiefen Sammelbassins. die sich in der Kiefholzstraße zwischen Elsen- und Treptowerftratze, an der Pumpstation und am Haidekampweg befinden, verbunden. Die Anlagelosten für das Projekt betragen 2 546 468 M., wozu eine Anleihe von 2 000 000 M. mit 35/s Proz. Verzinsung und 1 Proz. Amortisation aufgenommen wurde. Durch die Kanalisation werden endlich die zum„Himmel linkenden" Zustände, worüber schon wiederholt berichtet wurde, be- eitigt werden. Haben doch viele der Hauswirte die Fäkalien jähre- lang in ihre-Gärren geleitet und somit de» Boden verseucht. Ja sogar in den Schiffahrtskanal sind durch Röhren die Brauchwässer geleitet worden. Diese billige„Kanalisation" hat die Mrte jedoch nicht abgehalten, die Preise für die Wohnungen schon seit Jahren lo hoch anzusetzen, als wenn die Millionen kostende Kanalisation schon vorhanden und von ihnen bezahlt worden wäre. Hinzu kommt noch, daß das Vermieten der dritten Etagen stillschweigend gestattet und voll ausgenutzt wurde, trotzdem vor Eröffnung der Kanalisation dassewe nicht erlaubt ist, wenn an dem betreffenden Grundstück sich kein Bauweg befindet. Trotz alle- dem haben jetzt die beiden Grundbesitzervereme dagegen opponiert, daß die Kommission für die Ausarbeitung des betreffenden Orts- stalutS auf Grund des§ 9 deS Kommunalabgabengesetzes 95 Proz. der Anlagekosten festsetzen wollte, wonach auf den laufenden Meter Straßenfront 50,61 M. entfallen. Sie fordern, daß aus den all- gemeinen Mitteln mehr bewilligt werde. Die Kommission ist dem Verlangen entgegengekommen und beschloß mit allen gegen eine Stimme, nur 90 Proz. zu erheben. Gegen diese Liebesgabe werden unsere Vertreter bei der in nächster Woche stattfindenden Gemeinde- vertretersitzung, in welcher aller Voraussicht nach der Entwurf zur Beschlußfassung vorliegt, Stellung nehmen. Tegel. Eine Petition nm Einführung einer WertzuwachSstener haben Tegeler Einwobner bei den Gemeindekörperschasten des Ortes ein- gereicht. Die Gemeindevertrewng, welche sich demnächst mit der Frage befassen wird, ist der Einführung einer Wertzuwachssteuer um so weniger abgeneigt, als sie einerseits-der Gemeinde eine neue Einnahmequelle erschließt, andererseits hauptsächlich die Berliner Grundstücksspekulanten treffen würde, deren Treiben die Bau- terrains erheblich verteuert und' damit die bauliche EntWickelung Tegels erschwert.- Drei neue Abendzüge von Tegel nach Berlin um 9,34, 10,17 und 11,22 sollen auf Anordnung der königlichen Eisenbahndirektion an Sonn- und Festtagen eingelegt werden. Diese Züge kommen Haupt- sächlich für die Rückfahrt der Berliner Ausflügler in Betracht. während sie den Bewohnern von Tegel, welche>chon seit Jahren um Abänderung des für sie wenig günsttgen Vorortplanes ersuchen und eine dauernde Vermehrung der Züge zwischen Tegel und Berlin eine gleichmäßige Regelung der Abgangszeiten usw. verlangen, wenig Vorteile bieten. Fricdrichsfelde. Die Verlängerung deS Vertrages mit der Continentalen GaS- gesellschaft bis zum Jahre 1948 ist in der letzten Sitzung der Ge- meindevertretung glücklich verhindert worden, und zwar mit 11 gegen 10 Stimmen. Der jetzige Vertrag läuft noch bis 1913. Somit ist Bresche gelegt, alle der Gemeinde zukommenden Einrichtungen Privatgesellschaften auszuliefern. Die Kommission empfahl zwar der Gemeindevertretung die Annahme der Verlängerung. Der Berichterstatter, Baumeister GregoroviuS, pries die Vorzüge des Vertrages in allen Tonarten und warnte in schreckenerregcnder Weise vor Erbauung eines eigenen Gaswerks. Für die Annahme des Ver- traaeS sprachen dann noch die Vertreter Roth, Pechardscheck und Reschle. Gegen den Vertrag sprach sich mit aller Entschiedenheit der Genosse Pinseler auS, nachdem er zubor die Behauptung des Kom« missionSberichterstatters,„die Kommission empfehle einstimmig den Vertrag", zurückgewiesen hatte. Pinseler warnte vor Vertrags- schließung auf so lange Zeit, da gar nicht abzusehen sei, welche Fortschritts die Beleuchtungstechnik noch vor Ablauf des jetzigen Vertrages mache, welche Einwohnerzahl dann vorhanden sei nsw. Der Gcmeindevertreter Gruner zerpflückte unbarmherzig die Be- hauptungen des Baumeisters Gregorovius, so daß mchts mehr davon übrig blieb. Würde Friedrichsfelde wirklich genöttgt sein, sich von Köpenick mit Gas versorgen zu lassen, so würde die Gemeinde noch bedeutend besser weg kommen, als bei Versorgung durch die Continentale Gas-Gesellfchaft. Dagegen sprachen ferner noch die Gemeindevertreter Hinze, Danz und Schöffe Ullrich. Trotz wieder- Holter warmer Befürwortung durch den Gemeindevorsteher erfolgte doch die Ablehnung.— Mit der Eisenbahndirektion ist wegen Ver- legung der Kanalisationsrohre ein Vertrag abgeschlossen worden. welcher so verklausuliert ist, daß der Fiskus alle Rechte hat und die Gemeinde keine. Die Gemeinde ist aber in der Notlage und muß in den sauren Apfel beißen. Ein anderer Vertrag zwischen dem Kreisausfchuß und der Gemeinde betreffend Industriebahn Tegel- Friedrichsfelde stand auch zur Beratung. Der Kreis verlangt un- entgeltliche Hergäbe des erforderlichen Terrains und Garantie- Übernahme bis zur Hälfte des Anlagekapitals anteilig seitens der betreffenden Gemeinden. Für FriedrichSfelde kommen in Betracht zirka 3Vz Morgen Land des Rittergutsbesitzers v. Treskow und l'/a Morgen Kircbenland. Erster er verlangt 2000 M., die Kirche dagegen 5000 M. pro Morgen. Zur Grundwert- steuer sind beide Terrains mit je 2000 M. pro Morgen veranlagt. Der zu erbauende Güterbahnhof soll dicht an der Grenze von Hohen-Schönhausen zn liegen kommen; hiernach wäre der Zweck und Nutzen der Bahn für Friedrichsfelde gleich Null. Genosse Pinseler beantragte Vertagung der Sache, da den Gemeindeverttetern— wie immer— absolut keine Vorlage zwecks Orientierung zugegangen sei. Der Gemeindevorsteher und die Schöffen hatten sich wiederholt mit der Sache„eingehend" be- schäftigt. Die Gcmeindevertreter zu orientteren hielt man nicht für notwendig, diese haben nur„ja" und„Amen" zu sagen. Der Vertrag wird angenommen unter Fortfall der Garantieübernahme. Die Ge- meinde wird also für 15 000 M. Land kaufen zum Vorteile des Herrn v. Treskow, dessen Ländereien dort an Wert gewinnen.— Das Ortsstatut über Bekanntmachungen wird dahingehend geändert, daß der Aushang in den Kästen künftig in Fortfall kommt.— Die Gemeinde Biesdorf hat für das Gelände, welches an der Gemarkung Friedrichsfelde liegt, einen Bebauungsplan aufgestellt und wünscht, daß der Bebauungsplan von Friedrichs felde dem neuen Biesdorfer angepaßt werden möge. Der Antrag wird abgelehnt. Ganz besonders fühlbar machte sich in dieser Sitzung das fehlen einer Geschäftsordnung. Alles ist der Willkür des Gemeinde- Vorstehers unterworfen. Gilt die eine Sache nicht für abgelehnt, wenn von 21 Anwesenden nur 10 dafür stimmen, so doch eine andere, wenn nur 9 dafür stimmen. In der einen Sache erfolgt Gegenprobe, in der anderen nicht. Erfolgt gegen diesen Modus Widerspruch, so erklärt der Gemeindevorsteher Löchert:„Darüber bestiinine ich I' Wie lange wird sich die Gemeindevertretung noch so etwas bieten lassen l Mahlsdorf. Wieder ein Unglücksfall durch Spielen mit einer Schoßwaffe. Mittwochabend gegen 9 Uhr spielte der neunjährige Georg, Sohn des Landwirts Schmidt, und die 11jährige Elise Handle, Gubener- straße 12, im Garten des Schmidt. Plötzlich holte der Knabe ein Desching aus der Laube, legte an und rief: Lieschen, soll ich mal chicßen? In demselben Augenblicke krachte ein Schuß, schwer getroffen sank die Gespielin des Schützen zu Boden. Man brachte ie in die Klinik in der Karlstraße. Nowawes- Neuendorf. Eine Generalversammlung der Ortskrankenkasse für NowaweS- Neuendorf tagte am Donnerstag im Ebelschen Lokale in Neuendorf. Dieselbe beschloß eine umfangreiche Aenderung des bisher geltenden Statuts. Unter anderem wurde ein Antrag auf Einführung einer Schwangeren-Unterstützung genehmigt, wonach Schwangeren, welche mindestens sechs Monate der Kasse angehören, wegen einer durch die Schwangerschaft verursachten Erwerbsunfähigkeit eine der Wöchne« rinnenunterstütznng gleiche Unterstützung bis zur Gesamtdauer von 6 Wochen gewährt wird. Bei Entbindungen und Fehlgeburten, welche ärztliche Hülfe erfordern, soll dieselbe von der Kasse gewährt werden. Eine weitere neue Bestimmung lautet, daß die im Krankenhaus untergebrachten Kassenmitglieder, welche keine Angehörigen haben, zu deren Unterhalt sie verpflichtet sind,>/, des statutarischen Krankengeldes erhalten. Freiwillig Versicherte, welche mit ihren Kaffenbeiträgen im Rückstände sind, sollen in Zukunft erst nach erfolgter schriftlicher Mahnung ausgeschlossen werden. Die Karenzzeit für den Bezug deö Krankengeldes für die ersten drei Tage ist von acht Tagen auf eine Woche herabgesetzt worden. Der Vorstand besteht nach den neuen Bestimmungen ans neun Mitgliedern, welche auf die Dauer von zwei Jahren gewählt werden; der Borsitzende wird von diesen auf ein Jahr gewählt. Die Eintrittsgelder sind um zirka die Hälfte ermäßigt worden. Die Wahl der Arbeitgeberdelegierten zur Generalversammlung soll in der Weise erkolgen, daß jeder Unternehmer, der bis zu 200 Arbeiter beschäftigt, eine Stimme ab- geben kann, für je weitere 200 Arbeiter eine Stimme mehr. Als Publikationsorgan für die Bekanntmachungen des Vorstandes wurde neben dem„Potsdamer Jntelligenzblatt" der„Vorwärts" bestimmt und als ständiges Sitzimgslokal für die Generalversammlungen der Kasse das Ebelsche Lokal gewählt. Gerichte'Zeitung* Die kunstgewerbliche Ausbildung des Lehrling?. Eine Entscheidung über die Ausbildung des Lehrling? fällte gestern das Berliner Gewerbegericht. Der 15 jährige Sohn eines Pförtners trat in den kunstgewerblichen Betrieb von K. in die Lehre ein. Außer einer dreijährigen Lehrzeit übernahm der Lehrherr im Vertrage die Verpflichtung, daß der Jüngling während der Dauer der Lehrzeit im Zeichnen, Malen und Stechen ausgebildet werden sollte. Nachdem nunmehr zwei Jahre Lehrzeit absolviert waren, nahm der Vater den Sohn ans der Lehre, mit der Begründung, er hätte während der zwei Jahre nichts gelernt, und verlangte vor dem Gewerbegericht 600 M. Schadenersatz. Der Junge hätte in der Zwischenzeit längst ein tüchtiger Künstler werden müssen. Daß er es nicht ge, worden ist, das liegt, wie die ältere Schwester gestern als Anwalt ihres Bruders ausführte, einzig und allein am Lehrchef. Dieser sei im Jahre 5—6 Monate verreist und da konnte der Lehrling aller- dings nicht die gediegene künstlerische Ausbildung erhalten. Der Lehrchef gab zu, daß er zirka 5 Monate im Jahre verreist sei, er müsse dies aber im Geschästsiiueresse tun. Die Ausbildung des Lehrling? leide nicht darunter, da sein Atelierchef ihn in jeder Weise zu vertreten geeignet sei. DaS Gewerbegericht wies den Kläger mit seiner Schadener sayforderung ab. Der Lchrckef habe damit, daß er eine geeignete Ersayftaft während seiner Abwesenheit stellte, gegenüber dem Lehrling � seine volle Schuldigkeit getan. Die Tat- a»e eines negativen Resultates nach zweijähriger Lehrzeit könne auch auf die mangelnde Intelligenz und Begabung für das kunst- gewerbliche Fach zurückgeführt und dürfe nicht ohne greifbare Be- weise dem Lehrherrn zur Last gelegt werden. „Professor". Der.Nattirheilknndige' Paul MistelSki war wegen Ver- fehenS geien§ 147,8 der Gewerbeordnung zu 200 Mark Geld- träfe verurteilt worden, weil er durch dre Beilegung des Titels »Professor� in seinen Ankündigungen den Glauben erweckt habe, er sei eine geprüfte Medizinalperson. Der Angeklagte hatte in Ankündigungen über die Heilerfolge seines elcktrophysikalischen n Betrügerisches Darlehnsangebot. " 2. G. 347. Nein. Seilinstituts sich als Profeffor Mistelsti unterzeichnet und| Entführung in ein Kloster ist beabsichtigt gewesen, wenn nicht Be- forgen. Ihre Frau lann Beim Vormundschaftsgericht beantragen, daß das zwar in der Weise, daß hinter dem groß gedruckten Wort Professor nutzung zu unsittlichen Zwecken. Mit der Unterbringung in der Stind ihr zur Erziehung übergeben wird. 2. Ja, falls nicht von und vor dem ebenso groß gedruckten Namen in fleinen Lettern Wohnung der Angeklagten war die Entführung vollendet. In vornherein das Arbeitsverhältnis weniger als eine Woche betragen soll. zwischengeschoben ivar, ,, bon der praktischen Schule für ihrer Revision behaupteten die Angeklagten, fie hätten nicht Marken geflebt sind, zulässig. R. N. 1. 1. Der Flur. 2. Ja, der Antrag ist, wenn mindestens 200 A. S. 21. Wenden Sie sich direkt persön Massage und Magnetismus in Paris." Gegen das schöffen rechtswidrig gehandelt; sie hätten gar nicht die Absicht gehabt, das lich an den Verlag. A. K. 1920. Ja. A. Sch. 06. 1. und 2. Nein, gerichtliche Urteil legte der Angeklagte Berufung ein und Kind dauernd dem Vormunde zu entziehen. Daß sie sich vom Sie tönnen lediglich bei der Polizeiverwaltung den Antrag auf Rückgabe zeigte der 5. Straffammer des Landgerichts I gestern ein Diplom Bolizeikommissar die Erlaubnis geholt haben, spreche doch dafür, des Beils stellen. B. D. Wie weit die Reinigungspflicht lautet, bängt bor, wonach ihm die praktische Schule für Massage und Magnetismus daß sie nicht gegen das Gesetz handeln wollten. Das Reichsgericht von dem Wortlaut der schriftlichen und von dem Inhalt der mündlichen in Paris den Titel eines Honoracprofessors der Pathologie und hob das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht Bereinbarung ab. Das Unterlassen der Reinigung fann eine RäumungsTherapeutik" verliehen hat. Das Gericht erkannte auf Ver zurüd. Als Grund der Aufhebung wurde angeführt: Nicht berück- lage nur nach sich ziehen, wenn dies im Vertrag ausdrücklich vereinbart ist. werfung der Berufung, da durch die gewählte Form der fichtigt ist vom Landgericht, daß der unehelichen Mutter nach dem Sie geboren find, sondern welchem Staate Ihr Bater angehört hat. War G. M. 1. Belchem Staate sie angehören, hängt nicht davon ab, wo Unterzeichnung einer von medizinischen Dingen handelnden Annonce Bürgerlichen Gesetzbuch gewisse Rechte, insbesondere in bezug Ihr Bater Breuße, so sind auch Sie Preuße, auch wenn Sie im Auslande der Glaube erweckt werden sollte, es handle fich um eine geprüfte auf die Erziehung, eingeräumt sind, daß ihr ein Mitbestimmungs- geboren sind. Lerchenborn. 1. Der Antrag ist an den Magistrat, AbMedizinalperson. recht darüber und über den Aufenthalt des Kindes eingeräumt ist. feilung für Invalidenversicherung, am Köllnischen Bart, zu richten. 2. Ja. Unter Würdigung dieser Gesichtspunkte wird zu prüfen sein, ob von 6. C. 80. Der Antrag kann überhaupt erst nach Ablauf einer Entführung im Sinne des Gesetzes hier überhaupt die der 26. Woche gestellt werden. O.. 47. 1. Ja. 2. Nein. D. R. in Straubing. Die Berufung gegen das Urteil hat wenig Die Geschäftspragis des Darlehnsvermittlers Gustav 2011- Rede sein kann. Soweit die Revision der Angeklagten 28. fich höfel unterlag gestern der Prüfung der 5. Straffammer des gegen die Verurteilung wegen Beleidigung richtete, wurde sie als Aussicht auf Erfolg, ist aber nicht ganz aussichtslos, wenn Sie beweisen, daß zu den Obliegenheiten als Bauführer die Ueberwachung nicht gehört Landgerichts I. Ein Regensburger Fabrikant suchte für seinen Bruder unbegründet verworfen. habe. Die Erbringung eines solchen Beweises wäre recht schwierig. ein Darlehn und wandte sich an den Angeklagten 2., der in Zeitungen Es ist in der Tat erstaunlich, wie das Landgericht unter den sommel. Wie wiederholt im Vorwärts" mitgeteilt ist, hitt das Gesez folgendes Inserat einzurüden pflegte:„ Geld- Darlehn jed. Höhe geschilderten Umständen zu einer Verurteilung gelangen konnte. über die Versorgung der Personen der Unterklassen des Reichsheeres usw. fof. zu 3, 4, 5 Proz. an jed., auf Schuldsch., Wechs., Bol., Nach§ 1707 des Bürgerlichen Gesetzbuches steht der Mutter eines sowie das Gefeß über die Pensionierung der Offiziere mit dem 1. Juli 1906 Versich., Hypothet 11. j. Kaution auf Ratenbezahlung. unehelichen Kindes zwar nicht die elterliche Gewalt über ihr Kind in Kraft. Die Verschrift des Entwurfs, daß das Gefez mit Wirkung vom G. Lollhöfel." Der Regensburger Fabrikant erhielt dann von zu. Sie hat aber das Recht und die Pflicht, für die Person 1. April 1905 ab in Straft tritt, ist in der Stommission geändert. Entgegen stehende Anregungen der sozialdemokratischen Vertreter blieben ohne Erfolg. ein Schreiben, in welchem die Mitteilung von Geldangeboten an- des Kindes zu sorgen. D. S. 100. Sie bleiben für die Schuld verhaftet, wenn der Hypothekengekündigt und mitgeteilt wurde, daß L. seine Gebühren mit 5 M. Diese Sorge für die Person des Kindes umfaßt nach§§ 1631 gläubiger nicht die Schuldübernahme genehmigt.§ 416 des B. G. B. findet durch Bostnachnahme erheben werde. Der dann wirklich ein- und 1632 des Bürgerlichen Gesetzbuches das Recht und die Pflicht, Anwendung. G. B. 1885. 1. und 2. Ja. treffende, mit 5,20 m. belastete Nachnahmebrief enthielt aber das Kind zu erziehen, zu beaufsichtigen und Winkler, Moabit. Duma ohne Rücksicht auf die bekannte Duma nichts weiter als eine Drucksache, in der etwa 50 Adressen feinen Aufenthalt zu bestimmen, sowie ferner das ließe fich wörtlich etwa mit Gemeinde"," Gesellschaft"," Versammlung" von Geldverleihern mit einigen C. V. 9. Ja. A. M. 114. Alfred Liebetrau, Putbuser geschäftlichen Mitteilungen echt, die Herausgabe des Kindes von jedem zu verlangen, der überlegen. C. W. Da die zweijährige Berjährungsfrist längst abangegeben waren. Der Regensburger hatte nach der An- es der Mutter widerrechtlich vorenthält. Diese Rechte können im ftraße 44 IV. nonce geglaubt, der Angeklagte sei selbst Gelddarleiher, er fah Interesse des Kindes durch das Vormundschaftsgericht eingeschränkt gelaufen ist, so können die alten Marken erst dann wieder ausleben, wenn Sie mindestens 200 Marken auf Grund einer Bersicherungspflicht geklebt sich in seinen Erwartungen getäuscht und verlangte sein Geld zurück, oder aufgehoben werden. So lange das nicht der Fall war und so baben. Neiß. Wenn die Wohnung gesundheitsgefährdend ist, so sind Sie widrigenfalls er das Geschäftsgebaren veröffentlichen würde. Als lange nicht etwa die Absicht bestand, das Recht auf das Kind zu berechtigt, auf Aufhebung des Vertrages und auf Schadenersatz zu flagen. er letzteres dann wirklich tat, erstattete 2. gegen ihn Strafanzeige mißbrauchen, kann von einer strafbaren Entführung des eigenen G. K. 39. Eine Klage hätte wenig Aussicht auf Erfolg. Vielleicht hilft 21. K. G. 8. Ein nichtdeutscher wegen Erpressungsverfuchs und Beleidigung, hatte damit aber tein Kindes insbesondere dann nicht die Rede sein, wenn die Polizei eine Eingabe an die Polizeibehörde. Glück. Dagegen wurde gegen ihn die Anklage wegen Be- oder das Gericht davon unterrichtet wird, daß die Mutter die Fort- Ausländer kann ohne Einhaltung irgend einer Frist den Antrag auf Natutruges erhoben. Das Schöffengericht hielt zwar dafür, daß das nahme vornimmt, um nach ihrer Ansicht ihre Pflicht zur Sorge ralisation stellen. Ein Recht auf Naturalisation steht ihm jedoch nicht zu. Die Naturalisation hängt vielmehr von dem Ermessen der Behörde ab. geschäftliche Gebaren des Angeklagten als unreell zu bezeichnen sei, für das Kind zu erfüllen. Wird die Naturalisation erteilt, so sind für die Urkunde 50 M. zu zahlen. bermißte aber die Tatbestandsmerkmale des Betruges und sprach Der naturalifierte Breuße steht dem, der von Geburt ab Preuße ist, den Angeklagten frei. Der Staatsanwalt legte Berufung ein völlig gleich. F. 2. 1. Strafantrag ist innerhalb drei Monaten nach und beantragte die Berurteilung des Angeklagten wegen Betruges Kenntnis von der strafbaren Handlung und von der Person des Täters zu 100 Mart Geldstrafe. Das Gericht erkannte nach dem 2. Pfändung ist zulässig. zu stellen. Das Notdürftige muß aber dem Schuldner gelassen werden. Wieviel das ist, entscheidet von Antrage des Staatsanwalts. Fall zu Fall das Gericht. 3. Das Gericht kann auf Antrag A. Ja. diese Auslagen ersehen, wenn Vermögen vorhanden ist. G. St. 28. Die Ehefrau ist als solche teineswegs verpflichtet, Bechschulden ihres Mannes zu zahlen. Hat fie der Erbschaft nicht entfagt, fo haftet fie für die Schulden als Erbin, nicht als Ehefrau, sofern die Schulden nicht schon verjährt sind. Rad S. 14. War die Vereinbarung jest, so können Sie auf Bahlung gegen Abnahme des Rades flagen. War die Abnahme nur in Aussicht geftellt, so müssen Sie zurüdzahlen. R. O. 100. Ein eigenhändiges Testament ist gültig. Beispiele und Anleitung zu einem folchen finden Sie auf den letzten Seiten des dem Arbeiterrecht" bei gefügten Führers durch das Bürgerliche Gesetzbuch. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus. 5. P. 102. Da die Schuld bezahlt ist, fann sie nicht nochmals gefordert werden. 2., Moabit. 1. Die Handwerkskammer befindet sich Neute Friedrichstr. 47. Anzahl ist nicht vorgeschrieben. 3. Ja. 2. Eine bestimmte tönnen nicht erhöht werden. Sie werden in bestimmter Weise nach MaßF. H. 26. Invalidenrenten gabe der geklebten Marten festgesetzt. Anders liegt es bei Unfallventei. " " Mietshausfreuden. zu Eingegangene Druckfchriften. Das geltende deutsche Arbeiterverfcherungsrecht und das Problem " Maurus Jókai, Schwarze Diamanten. Roman in fünf Bänden. Nr. 4781-4785. Aus dem Ungarischen übersetzt von Eduard Glaz. Geb. 1,50 M. Luise Westkirch. Die Gletschermühle. Novelle. Nr. 4786. Geb. 60 Pf. Paul Lindan, Der Komödiant. Schauspiel in drei abteilungen und fünf Aufzügen. Mit einer Musifbeilage. Mr. 4787. Teo Holder Friede, füße Eintracht. weilte feinesvon Zorn, Offiziersgeschichten. Humoresten. Fünftes Bändchen. Nr. 4788. falls über dem Hause Hermannstr. 225 in Rigdorf, denn zwischen Erläuterungen zu Meisterwerken der Tonkunft. 5. Band. Richard verschiedenen Mietern und der Hausverwalterin bestand ein Ber- Wagner, Der Ring des Nibelungen. Ein Bühnenfestspiel für drei Tage und hältnis wie zwischen Kaze und Hund. Seitens der Mieter wurde einen Vorabend. Vorabend: Das Rheingold. Geschichtlich, szenisch und stets das Gegenteil von dem getan, was die Hausobrigkeit musikalisch analysiert, mit zahlreichen Notenbeispielen von Max Chop. wünschte, während diese sich wiederum in gebührender Weise Nr. 4789. 6. Band: Erster Tag: Die Waltüre. Handlung in bret revanchierte. Als besonders günstiger Zeitpunkt allerlei Aufzügen. Nr. 4790. Szenisch und musikalisch analysiert, mit zahlreichen Kleinen Scherzen" Notenbeispielen von May Chop. Preis jeder Nummer 20 Pf. „ Scherzen" war der Termin Neu der Mietszahlungen erscheinungen der Universalbibliothek Reflam. Verlag in Leipzig. vorgesehen. Dieses schwierige Geschäft wurde von der Haus-„ Die Invasion von 1910". Einfall der Deutschen in England von verwalterin Frau Karoline Wilte versehen, die auf diese Art William Le Dueur. Die Seeschlachtfapitel von Admiral H. B. Wilson. ihren" Mietern ordentlich eins auswischen fonnte, wenn es einmal Ueberlegt von Traugott Tamm. Concordia Deutsche Verlagsanstalt Her mit der pünktlichen Zahlung, haperte. Am 1. Februar d. J. Hatte mann Ghbod in Berlin W. 50. Preis geb. 3 M., geb. 4 M. Frau B., der nebenbei die Treppenreinigung oblag, bei einem feiner Bereinheitlichung. Von Dr. jur. Arnd von Lift, Grunewald- Berlin. faulen" Mieter versucht, den Zins einzuziehen. Dieses Vorhaben 1906. Berlag der Arbeiterversorgung. A. Troschel. 243 S. Preis 3 M. blieb jedoch resultatlos. Brummend und schimpfend über die unBerliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Meyers Kleines Konversations.Legiton. Siebente, gänzlich neu Markthallen- Direttion. Rindfleisch Ia 66-70 pr. 100 Pfund, IIa 56-66, pünktliche Wietszahlung wendete sich Frau W. wieder ihrer bearbeitete und vermehrte Auflage. Mehr als 130 000 Artikel und Nachweise IIIa 52-55, IVa 46-52, Treppenreinigung zu. Von unten engl. Bullen 0,00, dan. Bullen 0,00, herauf tam plöglich der auf 5800 Seiten Zert mit etwa 520 Zustrationstafeln( darunter 56 Farben soll. Bullen- 0,00. Stalbfleisch, Doppelländer 105-120, Ia 90-95, Bodenmeister Mar Kühn, der die Reden der mit Scheuerlappen und brudtafeln und 110 Starten und Blane) und etwa 100 Textbeilagen. Ila 75-85, IIIa 60-73. Hammelfleis Ia 75-80, IIa 67-74. Schrubber amtierenden Dame durch ein paar schallende Ohrfeigen 120 Lieferungen zu je 50 Pf. oder 6 Bände in Halbleder gebunden zu je Schweinefleisch 60-67. Staninchen per St. 0,50-0,60. Sühner, alte, Stüd unterbrach, da er glaubte, die Schimpfereien feien auf ihn gemünzt. 12 M.( Berlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) Die refolute Frau Wilte ließ natürlich die Ohrfeigen nicht auf fich Preis: jährlich 5 M. Einzelheft 2 M. Berlag: G. Fischer, Jena. A. Damaschte. Jahrbuch der Bodenreform. Bierteljahrshefte. 2. Heft. 0,00. Enten, prima, per Stüd 0,00-0,00, Samburger, junge, per Stüd 2,30 1,80-1,95, junge, per Stud 0,50-1,00. Tauben, junge 0,35-0,55, alte figen; fie ergriff ihren Schrubber und versezte dem Angreifer einen bis 3,25. Die franzöfifche Revolution von Thomas Carlyle. Neue illustrierte 4,75. echte 133-147. Schleie 121-133. Bleie. 00, ale, groß 118--123, Ganje, junge, per fb. 0,70-0,75, per Stüd 3,50 bis mächtigen Hieb über den Kopf, daß das Blut sofort aus einer Ausgabe mit fast 500 Illustrationen, Borträts, Karikaturen und Auto- mittel 115-117, flein 0,00 unfort. 0,00. Blögen 0,00. Flundern, bomm. I, großen Wunde herausschoß. Hierüber wütend, nahm Kühn nunmehr die graphen. Herausgegeben von Theodor Rehtwtsch. In 40 Lieferungen zup. Schod 3,00-7,00. Sieter, Stiege Ia 4-6, do. mittel, per Stifte 2-4, recht wohlbeleibte Frau Wilte und warf sie die Treppe hinunter, daß je 50 Pf. Berlag von Georg Wigand, Leipzig und Berlin. do. flein, per ifte 0,00. Büdlinge, boll. per Wall 0,00. Stieler 2,00-4,00, ihr Hören und Sehen verging. Nicht genug damit, der Schrubber Merkbüchlein über das Recht im gewerblichen Arbeitsverhältnis. Stralf. 3,00-4,00. Hale, groß, p. ib. 1,10-1,30, mittel 0,80-1,00, fl. 0,50 bis flog ebenfalls hinterher, sowie die übrigen Utensilien. Es erschien Preis 10 Bf., Berlag von Rich. Lipinski, Leipzig, Reudnißerftr. 11. Sprotten, Rieler, 2 Wall 0,00, E16- per Stifte 0,00. Sardellen, ein Schußmann auf der Bildfläche. Er konnte es jedoch nicht vers Dr. H. Berger, Der ethische Bund, die Großloge zur Tugend; Tat 1902er, per Anfer 76,00, 1904er 74,00, 1905 er 70,00. Schottische Vollheringe hindern, daß es zwischen den beiden Kämpen nochmals zu einem lachen, Betrachtungen und Borschläge. Preis broschiert 1,50 M. Verlag von 1905 0,00, large 40-44, full. 36-38, med. 33-35, deutsche 37-44. B. Johannes Müller, Charlottenburg. Heringe, Ohrfeigenaustausch fam. Dieses fleine Rentonter, welches sich vor zahlneue Matjes, per 3/2 To. 60-120. Arbeit und Natur. Betrachtungen zur fozialen Frage von Ignotus. 100 Bfb. 0,00. Strebje, per Schod, große 00,00, mitte! 00,00, fleine 00,00, Hummern, Ila, reichen ungeladenen Zuschauern abgespielt hatte, führte zu einem gericht 14 S. Preis 25 Pf. Das Ganze halt! Bon Pastor R. Schmidt in unfortiert 12,00-26,50. Eier, Lands, per Schock 3,20, frische 0,00. lichen Nachspiel. Frau Wilte und Herr Kühn verklagten sich gegenseitig Maslow. 34 S. Berlag J. Harrwiz Nachfolger, G. m. b. H., Friedrichstr. 16. Butter per 100 Bfund, la 105-112, IIa 100-105, IIIa 95-100, ab und erzielten damit den Erfolg, daß fie beide, Frau 2. zu Preis 50 Pf. fallende 90-95. Saure Gurten, Schod 3,50-4 M., Pfeffergurten 3,50-4 m. 40 M., Kühn zu 30 M. Geldstrafe verurteilt wurden. Die Liebe und die Frauen. Von Dr. Helene Stöder. Broschiert startoffeln per 100 Bfb. magn. bon. 2,10-2,35, rote Daberfche 2,00-2,20, Während letzterer, der froh war, so billig weggekommen zu sein, 2 D., gebunden 2,50 M. 3. C. T. Brums Verlag, Minden i. W. runde weiße 1,80-2,00, Malta 00,00, Sommer- Malfa 11-12, franz. 00, sich bei dem Urteil beruhigte, legte Frau Wilke Berufung seiner Entstehung, seine Fehler und der Weg zu seiner Verbesserung. Von 3-4. Unser Invalidenversicherungsgesek. Ein Beitrag zur Geschichte ital. 6,50-8,50, ungar. 5-7. Spinat, per 100 Bfd. 10-15, Starotten ein, die nun gestern vor der dritten Straffammer des Land Professor Emil Bitte. Berlag von Ernst Hofmann u. Co. in Berlin W 35. bis 1,50. Mohrrüben, per 100 Pfund 3-4. Kohlrabi, per Schock 0,50 gerichts II. zur Verhandlung kam. Der Verteidiger machte Rettig, bayr., per Schod 2,40-4,80. Rhabarber, Hamb., per Schillers Werke. Jllustrierte Boltsausgabe. Lieferung 41 bis 46. 100 b. 0,00-0,00, Berged. 0,00. Radieschen, per Schock 0,75. Salat, geltend, daß es sich um eine Rauferei handele, die sich so schnell Bon Prof. Dr. H. Straeger. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. per Schod 0,75-1,50, Gubener, per Schod 00,0. Spargel I, per Pfd. abgespielt habe, daß niemand betunden fönne, wer zuerst 0,30-0,40, II 0,18-0,22, III 0,05-0,15, Beeliger I 0,38-0,50, II 0,25 angegriffen worden sei. Jeder glaube in Notwehr zu handeln und bis 0,32, III 0,10-0,24. Bruchspargel 0,0-0,0. Bohnen( grüne), per jeder habe wahrscheinlich auch sein gutes Teil dazu beigetragen, dem 100 Bfb. 70-110. Schoten, Beeliger, per 100 Bfd. 17-20, Gubener 12-18. anderen eins auszuwischen. Bei dem unaufgeklärten Sachverhalt Biefferlinge per Pfd. 0,40-45. Stirschen, ital., per 100 Bfd. 15-22, erscheine eine Kompensation der Beleidigungen und im übrigen die franz. 30-40, Bubener 15-20, Werdersche 18-30, schles. 10-18, Heidel Freisprechung der Frau W. geboten. Das Gericht erkannte auch berger 15-20. Erdbeeren, per 100 Bfd. 50-80, franz., per Pfd. 0,50-0,70, auf Freisprechung unter Aufhebung des ersten Urteils. Be per Bfb. 1,50, hiesige, Wald- per Pib. 0,80-1,00. Bitronen, Messina, 300 Beelizer, per Storb 0,60-0,85, Werdersche, per Pfd. 0,60-80, Dresdener, züglich der Körperverlegung wurde Notwehr angenommen, die Beleidigungen wurden kompensiert. Stüd 8,00-10,00, 360 Stüd 6,75-9,00, 200 Stüd 6,50-9,00, 420 Stud, Briefkaften der Redaktion. 0,60. flein 7,00. 29ttterungsübersicht vom 7. Juni 1906, morgens 8 1hr. Better 9 Stationen 2 wolfen! 15 Haparanda 765 N 3 wolten! 13 Petersburg 767 23 3 wolfen! 13 Scilly Better Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabende von 7 bis 9% Uhr abends ftatt. Geöffnet: 7 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Bahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. P. R. 11. Das betreffende Urteil finden Sie wörtlich abgedruckt in der Nr. 43 des„ Grundeigentum" vom 31. Mai. 8. B. 30. Ja. R. G. 97. Wenden Sie fich direkt an die Oberpostdirektion. 8. B. 100. Zum Recht der Mutter eines unehelichen Kindes. Der Grund ist uns unbekannt. F. N. 17. Unmöglich wäre die Er Wegen Entführung und Beleidigung ist am 29. September v. J. füllung eines solchen Gesuches nicht. Zuständig ist aber nicht die Staatsvom Landgerichte Aachen die verehelichte Maria Wimmer zu anwaltschaft, sondern der König.-D. S. Sie müssen sich an die Gewerkschaft brei Monaten zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden. Die Mit- wenden. Schwedler. Üns nicht bekannt. Spiegel. Eine Stlage Stationen angeklagte Gerichs hat wegen Beihülfe zur Entführung zwei Sie berechtigt, nicht zur Fortnahme des Bettes. wäre leider aussichtslos. P. N. 40. Bum Betreten der Wohnung sind R. 300. Uns nicht Wochen erhalten. Die W. hat vor ihrer Verheiratung eine uneheliche befannt. Tochter geboren, welche zu einer Pflegemutter fam und unter der die Entstehung oder Heilung einer Krankheit zu geben. Hat die ärztliche Eminemde. 769 mm M. S. 8. Für einen Laien ist es unmöglich, Auskunft über Vormundschaft eines Herrn B. steht. Nach ihrer Verheiratung er- Hülfe nichts genugt, so tönnen Sie nicht die Aerzte ohne weiteres verant flärte die Angeklagte W., das Kind habe es bei der Pflegemutter wortlich machen. Keineswegs ist jede Strankheit stets heilbar. Verkehrt ist, Hamburg 770 SO schlecht, und verlangte beim Vormundschaftsgerichte statt an Aerzte fich an Pfuscher zu wenden, die vor den Aerzten absolutefte Frantj. a. M. 768 D Unterbringung des Kindes in einem lo ft e r. Stenntnislosigkeit voraus haben, im Mangel an Berantwortlichkeitsgefühl Während die Sache noch schwebte, gingen beide Angeklagten eines mit schlechten Aerzten fonkurrieren und häufig sonst heilbare Uebel unheilbar Sonntags nach dem Aufenthalte orte des Kindes. Die W. redete Ei. Finden Sie im Adreßbuch. ihre Tochter, welche gerade mit ihren Mitschülerinnen in die Kirche H. S. Für die Noten ist eine bestimmte Unterlage in Gold vorhanden. gehen wollte, an und sagte, sie solle mitkommen. Beide Angeklagten Im übrigen find beide gleichwertig. J. W. 1098. Sie find zum Binden. juchten das Kind mit sich fortzuziehen. Nun trat die Lehrerin der Empfang seitens der Versicherungsanstalt berechtigt. 2. 2. 60. Der Kinder hinzu und verlangte die Herausgabe des Mädchens. Die W. Beleidigungsklage zwischen zwei Personen in derselben Gemeinde muß ein rief ihr aber ein Schimpfwort entgegen und ging mit dem Sühnetermin vorausgehen. Ist der Sühnetermin beim Schiedsmann erRinde auf die Polizei. Dort erlaubte man ihr, das Kind folglos geblieben, so tann der Beleidigte Klage bei dem Amtsgericht er- Wafferstand am 6. Juni. Elbe bei Auffig+0,74 Meter, bei heben. Bestimmte Anwälte, Aerzte usw. zu empfehlen, lehnen wir Dresden eine Stunde bei sich zu behalten. Sie nahm es mit in ihre - 0,82 Meter, bei Magdeburg+1,61 Meter. Unstrut bei Röthen 600. 1. Barten Sie ab, bis eine Ladung Strangfurt+ 1,80 Meter. grundsäglich ab. Wohnung und brachte es dann zurück. Jedenfalls, fo heißt es im oder ein Urteil Ihnen zugestellt wird. Legen Sie eventuell gegen das Breslau Oberpegel+5,12 Meter, bei Breslau Unterpegel Oder bei Ratibor+1,21 Meter, bei 0,76 Meter, Urteil, hatte sich die Angeflagte borgenommen, das Kind dem lektere Berufung ein. 2. Benden Sie sich an die Fortbildungsschule. bei Frankfurt+1,82 Meter. Weichfel bei Brahemünde Vormunde zu entziehen und in ihre Gewalt zu bringen. Dauernde Sch. O. 88. 1. Sie find überhaupt nicht verpflichtet, für das Kind zu+ 2,60 Meter. artbe bei Bofen+0,78 Meter. Teures Fleisch billige Seefische!! Bester Fleischersatz, schmackhaft und durch hohen Nährwert sich auszeichnend! Große Fänge in lebendfrischer Ware sind seeben eingetroffen. Stranten ist stets Pfuscherei. machen. Auskunft in ärztlichen Dingen ohne Untersuchung des Berlin München Wien 769 NO 767 ND 25alb 5d. 10 1wolfen! 11 767 OND 2bedeckt 12 768 NND 767 ND 1 bedeďt 13 1 wolfen! 15 3 wolfen! 15 Aberdeen 4 heiter 11 Paris 762 NW 5 Regen 10 Wetter- Prognose für Freitag, den 8. Juni 1906. 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Juni, vormittags 10 Uhr Versammlung der im Deutschen Metallarbeiterverband( Ortsverwaltg. Berlin) organisierten = Rohrleger und Helfer in ,, Frankes Festsälen", Sebastianstraße 39. Heute Freitag, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- ufer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Zentralverband der Asphalteure und Pappdachdecker.( Ortsverwaltung Berlin.) Sonntag, den 10. Juni, vormittags 10 Uhr, in der Kronenbrauerei, Alt- Moabit 47/48: Grosse Versammlung aller Asphaltenre, Pappdachdecker usw. 1. Die letzten Vorkommnisse in der Rohrleger- Branche. 1. Der Stand unserer Lohnbewegung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zages Drbnung: 2. Diskuffion. 3. Wahl der Agitationstommiffion. Wir machen darauf aufmerksam, daß nur die Kollegen zu dieser Ber jammlung Zutritt haben, welche mit den Beiträgen auf dem Laufenden find, 281/20 Zages Ordnung: Die Ortsverwaltung. Tischler- Verein. E. H. 89. b. H. mindestens die 22. Woche geklebt haben. Die arbeitslosen Kollegen Sonnabend, den 9. Juni, abends 8%, Uhr, Melchiorstraße 15: Tönnen ihre Legitimation von unserem Arbeitsnachweis abholen. Sonntag, den 10. Juni, vormittage 10 Uhr Versammlung der Bauanschläger im ,, Gewerkschaftshaus", Engel- Ufer 15, Saal V. Zages Drbnung: 1. 8weiter Vortrag des Gen. R. Ahrens über: ,, Der gewerbliche Arbeitsvertrag." 120/12 198/17 2. Diskuffion. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. NB. In dieser Versammlung werden die Billetts zu der nächsten Monat stattfindenden Dampferpartie ausgegeben. Mitgliedsbuch legitimiert! Bahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Verband der haugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands. ( Zweigverein Berlin und Umgegend.) Sektion der Fliesenleger- Hülfsarbeiter. Freitag, den 8. Juni, abends 8 Uhr, bei Bareinz, Brüdenstraße 7: Sektions- Versammlung. Sektion der Backofen- Bauarbeiter. Sonntag, den 10. Juni, vorm. 10 Uhr, bei Augustin, Dranienstr. 103: Sektions- Versammlung. Sektion der Dachdecker- Hülfsarbeiter. Versammlung. Tagesordnung: Vereinsangelegenheiten. Ausgabe der Billetts zur Dampferpartie am 8. Juli. Der Vorstand. Friedrichshagen! Sonnabend, den 9. Juni, abends 8, Uhr, im Saale des Gesellschaftshauses, Friedrichstr. 69: Oeffentliche Versammlung der Maurer Friedrichhagens und Umgegend. Tagesordnung: Ist das Bauhandwerk in Gefahr? Referent: Genosse Heinrich Metzke. Der Einberufer. 22545 Arbeiter- Radfahrer- Bund Freiheit" 99 Geschäftsstelle Berlin NO. 43, Weinstr. 3 I. Achtung! 1. Kreis, Bezirk Berlin. Zentralverband Handlungsgehülfenu. Gehülfinnen Deutschl. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Bruno Gruschke nach längerem Leiden verstorben ift. 282/1 Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. Danksagung. Teilnahme und die reichen KranzFür die vielen Beweise herzlicher spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters, des Steinmetz Gustav Kühne fagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, den Kollegen meines Mannes, den vertreten gewesenen Firmen, der kaiserlichen Bauverwaltung und Herrn Pfarrer v. Rante für die trostreichen Worte unseren innigften Dant 14822 Die trauernde Witwe Wilhelmine Kühne geb. Matzel und Kinder. „ Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeiter Radfahrer- Bundes Solidarität“. Touren zum Sonntag, den 10. Juni: 1. Abteilung früh 6 Uhr nach Teupih, nachmittags 1%, Uhr nach Eichwalde. Starts Bülowstraße 59. 2. Abteilung nachmittags i ube nach Mittenwalde. Start Urban Sonntag, den 17. Juni, vormittags 9, Uhr, und Tempelherrenstraßen- Ede. im Lotal von Mann, Strausbergerstr. 3: 3. Abteilung früh 5%, Uhr nach Stücken, nachmittags 1, Uhr nach Mariannenpart. Bezirksversammlung für Groß- Berlin. anniee( Bayrischer Hof). Starts Tages Drdnung: Sonntag, den 10. Juni, borm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshaus, aur Kreisleitung sowie zwei Revisoren. 4. Verschiedenes. Engel- Ufer 15, Saal 7: Sektions- Versammlung. Sektion der Fahrstuhl- Arbeiter. Sonntag, den 10. Jumi, vormittags 10 Uhr, in den Jufel- Festfälen, Inselstraße 10: Sektions- Versammlung. Sektion der Putzerträger. Sonntag, 10. Juni, vorm. 11 Uhr, bei Wernau, Schwedterstr. 23: Seftions- Versammlung. Sektion der Rohrdecken- Arbeiter. 13/5 1. Bezirksangelegenheiten. 2. Agitation. 3. Wahl von drei Beifikern Marg Außerdem mache ich darauf aufmerksam, daß anschließend an diese Bersammlung eine Bezirkstour stattfindet und ersuche ich alle werten Bundesvereine, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Start: nachmittag 2 Uhr Brandenburger Tor. Biel wird am Start bekannt gegeben. Franz Preuß, Bezirksleiter. Stettin- Skandinavien vermittelst hochelegant mit allem Komfort eingerichteter Schnelldampfer Stettin- Kopenhagen- Christiania( via Frederikshavn) jeden Sonnabend und Mittwoch nachm. 2, Uhr. Sonntag, 10. Suni, vormittags 10 Uhr, bei Merkowski, Andreasftr. 26: Stettin- Kopenhagen- Gothenburg jeden Dienstag u. Freitag Sektions- Versammlung. Sektion der Töpfer- Träger. Montag, 11. Juni, abends 8 Uhr, im Rosenthaler Vereinshans, 34/16 Rosenthalerstraße 57: Sektions- Versammlung. Tagesordnung wird in den Versammlungen bekannt gemacht. Der Zweigvereinsvorstand. Achtung! Rohrer! Achtung! Sonntag, den 10. Juni 1906, nachmittags 2 Uhr, bei Fritz Wilke, Brunnenstraße 188: Oeffentl. Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Stadtberordneten Genoffen F. Wilke. 2. Diskussion. B. Bekanntgabe der mit der Unternehmer- Stommission gepflogenen Berhandlungen. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein. Die Kommission. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pig. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Gardinenhaus Große Frankfurter ftraße 9, parterre. 1+ Fahrräder, Teilzahlungen. Berg ftraße 28, Stalizerſtraße 40. 1509st Hochvornehme Herrenanzüge, Sommerpaletots, die aus feinsten Maßstoffen gefertigt wurden, 18 bis 38,00, Herrenhofen 7-12,00 bertauit täglich, Sonntags. Deutsches Ber fandhaus, Jägerstraße 63, 1 Treppe. Herrenfahrrad, Damenjahrrad, wie neu, 45,00. Holz, Blumenstraße 36 b. 15429* Teppiche!( fehlerhafte) in allen Größen für die Hälfte des Bertes Mart! 4, Bahnhof Börse. 263/3 nachm. 2, Uhr. Prospekte gratis und franko durch 124/7 Gust. Metzler, Stettin P. Det Forenede Dampskibs Selskab Kopenhagen. Hammel- Zentrale Hammelfleisch- Verkant nach Pariser Art Dresdenerstraße 17 VIS- a- vis Tamaschke. 538L* 4. Abteilung nachmittags 2 Uhr Familientour nach Tabberts Wald: schlok, bei schlechtem Wetter per Bahn. Start Andreasplak. 5. Abteilung nachmittags 1 Uhr Familientour nach Hantels Ablage ( Seglerschloß). Start Elysium. 6. Abteilung früh 5 Uhr nach Stücken, nachmittags 1%, Uhr nach Steglitz. Starts Oderbergerstr. 30 ( Genossenschaft). 7. Abteilung früh 8 Uhr nach Schmachtenhagen, nachm. 1 Uhr nach Birkenwerder( Paradiesgarten). Starts Rösliner Hof. 8. Abteilung nachmittags 12, Uhr nach Teltow( Bidenhagen). Start Bogłowski- Brüde. 9. Abteilung nachmittags 1 Uhr nach Finkentrug( Hofmeister). Start Brandenburger Tor. Sozialdemokrat. Wahlverein f. d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis ( Köpenicker Viertel.) Todos- Anzeige. Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Lederarbeiter Hugo Kyburg wohnhaft Lübbenerstr. 1, Stadtbezirt 109, gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 8. Juni, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Der Vorstand. 243/12 Verband der Portefeuiller und Ledergalanterie- Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. ( Zahlstelle Berlin.) Am Dienstag, den 5. Juni, morgens starb nach längerem Leiden unser Kollege Hugo Kyburg im Alter von 62 Jahren an der Nierenentzündung. Ehre seinem Angedenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 8. Juni, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des EmmausKirchhofes, Rigdorf, Hermannstraße, 109/6 aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Handels-, Transport-, Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltung Köpenick und Am 4. Juni cr. verstarb unser Kollege Umgegend. Albert Längrich Bezirk Köpenid Broletarierkrankheit. -an der Ehre seinem Andenken! 68/15 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gießerei arbeiter Willi Krebs Montag, den 11. Juni: Vorstandsfitung bei Ostrowski, Schilling straße 24. 13/4 verstorben ist. Gesucht wird für 120/10 Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. Prinzenper 1. Oktober event. auch später fit Dr. Simmel, Str. 41, eine eingetragene Genoffenschaft mit beschränkter Haftpflicht auf ein Grundstüd mit über 400 000 Mart Feuers versicherung eine erste Hypothek in Höhe von 205/ 16* 200 000 Mark. Geft. Offerten unter L. 4 an bie Expedition des" Borwärts" erbeten. Kleine Anzeigen 6,00 gutgeschrieben erhält Selbft täufer einer Nähmaschine ohne Anzahlung Woche 1,00, gebrauchte 12,00. Poftlarte genügt. Köpeniderftrage 43, Prenzlauerstraße 59/60. straße 60/61, Große Frankfurter * Teppiche mitfarbenjehlern Fabril. niederlage Große Frautfurterstraße 9, parterre. Pfandleihe, Bringenstraße 63, täglich 8-8, Sonntags bis 2. 1429* Patentanwalt Bessel, Gitschiner straße 94a. 21725* Kleiderspind lauft Berwalter, Palisadenstraße 95. 130/ 16* Nähmaschinen. Zable bis 10,00, wer Teilzahlung tauft oder nach Wer Stoff hat, fertige Herrenanzug meift. Sämtliche Systeme. Woche ohne Konkurrenz, feinste Zutaten, zwei Für guten Sik befam 1,00. Bofttarte. 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