Mr. 133. nbonncments«ßedInguii9«n: NbonnementZ- Preis prSnunierando! Wiertcljährl. S.ZV Witt., monall. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags» nununer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg� Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterrelch. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnemcnts nehmen an: Belgien, Däncmnrt, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Numämcn, Schwe' , Schweden und die Schweiz. A3. Jahrg. CtldKlnt UillA außtf niontjgi, Vevlinev Volksblstt. Die Tnfertlons'GettQbr betrügt für die sechsgespaltene Kolonel» zcilc oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerlschaslltche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen W Pfg. „Uletn, Snresgen", daS erste fseti- gedruckte) Wort 20 Pfg. jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf» ftellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg., jede? weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zühlen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Zelegramm» Adresse: „S»ÄgIlI«lb»l«»I«tri!»". Zentralorgan der fozialdcmoliratifcbcn Partei DeutCchlanda Redaktion: 8 AI. 68, Lindenetraose 69 Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Expedition: 8 öd. 68» Lindenetraesc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Die baltischen Barone an der Iftenkerarbeit. AuS Riga wird uns geschrieben: Die blutigen Zahlen aus der Chronik der„B e r u h i g u n g S a r b e i t" in den Ostsee- Provinzen, die die Interpellanten in der Reichsduma vor- brachten, haben auf die deutsche bürgerliche Presse— die in- und ausländische— ebenso wenig Eindruck gemacht, wie die sechs Monate andauernde Blutwirtschaft der deutschen Barone in den Ostseeprovinzen. Man vernimmt kein einziges Mißbilligung»- wörtchen, nicht einmal aus dem Lager der„Liberalen", gegen die Henkerwirtschaft deS Zarismus und seiner adeligen Helfershelfer in den baltischen Landen? Es ist nicht übertrieben, wenn wir be- behaupten, daß die bürgerlichen Blätter, von der„Kreuz-Zeitung" und„Staatsbürger-Zeitung" bis zur„Frankfurter Zeitung" ein- geschlossen, den wilden Hercros in Afrika mehr Teilnahme be- wiesen haben, als den Kämpfern um Menschenrechte an den nörd- lichen Gestaden der Ostsee. Gerade in den letzten Tagen, als die gesamte russische liberale Presse die Amnestiefrage behandelte und die Vor- läge in der Reichsduma befürwortete, ist das Geheul der deutschen bürgerlichen Presse über„Greueltaten" und„Bedrückung der Deutschen" in den Ostseeprovinzen besonders stark geworden. Die deutsch-preußische Junkerpresse fabriziert aus den Depeschen der „Nowoje Wremja" und der russischen Telegraphenagentur Leit. artikel, und die„Frankfurter Zeitung" läßt sich vom 3. Juni aus Riga d'e plumpsten Unwahrheiten schreiben. Der Korrespondent soll wiederum Fahnen mit der Inschrift:„Tod den Deutschen!" gesehen haben und die Revolutionäre, oder, was in den Augen des Korrespondenten dasselbe bedeutet, die Letten hätten sich sogar mit der Regierung versöhnt, um die Deutschen umzubringen! Die deutsche bürgerliche Presse will weder sehen noch verstehen, daß wir es in den Ostseeprovinzen nicht mit einem Nationalitäten- kämpf der Deutschen mit den Letten und Esten zu tun haben, sondern daß die ökonomische Unterdrückung und die politische Rechtlosigkeit eS sind, die daS lettische und. soweit eS vertreten ist, auch das deutsche, russische und estnische P r 0 l e- t a r i a t und die Bauern gegen ihre Ausbeuter in den Kampf auf Leben und Tod getrieben haben. Wenn die baltische Junkerpresse den Kampf in den Ostsee- Provinzen als einen Rassenkampf, als die Empörung der„niederen Kultur" gegen die„höhere", der Letten, die in ihrem niedrigen Kulturzustande verharren wollen, gegen die Deutschen, die„einzigen Träger der Kultur", hinzustellen versucht, so hat sie ihre guten Gründe. Sie rechnet auf die Sympathien der S p r a ch genossen jenseits der russischen Grenzpfähle, auf die Sympathien des ganzen deutschen Bürgertums. Dann fließen die Bei- träge den„Hülfsausschüssen für die deutschen Not- leidenden", deren Mittel von Anfang an zur Unterdrückung der Revolution benutzt wurden, reichhaltiger zu. Was die Kulturarbeit der deutschen Barone in den Ostseeprovinzen betrifft, so ist sie der Bauernschaft noch auS der Zeit der Leibeigenschaft gut im Ge- dächtniS, und wir können mit Sicherheit behaupten, daß die schönen Erinnerungen aus den goldenen Zeiten der Frondienste eS waren, die viel dazu beitrugen, daß die Bauern im vorigen Jahre so willig dem Kampfcsrufe deS Proletariates folgten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Verhalten der bürger, lichen Presse in Deutschland nur noch die Blutgier der baltischen Junker steigert. Als zum Beispiel im vorigen Jahre ein deutscher Baron. O. v. Schilling, in der„Düna-Zeitung" für jeden er- schossenen..Ehrenpolizisten" i la Bistram die Aufknüpfung eines Dutzend KalningS und OsolingS verlangte, da fanden sich sogar unter den Vertretern deS sogenannten EdelgeschlechteS einige Stimmen, die solche Mittel für unangebracht erklärten. Jetzt wimmeln die„Düna-Zeitung" und die anderen deutschen Blätter von solchen Vorschlägen. Spaltenlange Artikel werden abgedruckt, die die TodeS- und Körperstrafe verherrlichen, den Kriegszustand verteidigen und sich mit der Frage befassen, wie man der Haupt- agitatoren am besten habhaft werden könnte. Täglich werden von deutscher Seite der Regierung Ratschläge erteilt, wie man von den Gefangenen Aussagen und„reuige Geständnisse" erpressen kann. Jeder, der„Mißgriffe" der Strafexpchitionen aufdeckt und gegen die Durchpeitschung unschuldiger Kinder und Greise oder gegen die Todesstrafe oder Feldgerichte schreibt, der wird„sentimentalen HumanitätsduselS" beschuldigt. Jetzt soll nicht der Tod eines jeden Ehrenpolizisten oder Dragoner? mit dem Aufhängen eines Dutzend KalningS gesühnt werden, sondern für einen jeden dem Adel ge- hörenden abgesägten Telephonpfosten sollen ganze Gemeinden bluten. So wurde vor einigen Wochen zum Beispiel der Gemeinde- Verwaltung von M e s 0 t h e n(Kurland) vorgeschrieben, für einige auf dem Gute deS Fürsten L. umgestürzte Telephonpfosten von jedem Gemeindemitgliede VV Pf. beizutreiben, widrigenfalls Erschießungen angedroht wurden. Die Straf- cxpeditionen bleiben nicht bei diesen Drohungen, sondern verwirk- lichen sie auf Schritt und Tritt. Ganze Familien sind hingerichtet worden; wo man den Sohn nicht fand, da hat man den Vater hingeschlachtet oder die Schwester gezüchtigt. Wir haben Dutzende von Photographien, die die Folgen dieser bestialischen Tätigkeit veranschaulichen: dem einen fehlt die Nase, der andere kann nicht mehr aufrecht gehen. dem dritten ist da« Gesicht bis zum Nichterkennen verstümmelt 4..... x> ifi. k;« worden.... DaS ist die„Kulturarbeit" de« baltischen Adels Einer der Oberhenker hat eben eine Serie der adeligen Teil- nehmer seiner„Expedition"— jedenfalls nicht zur Freude dieser Bestien— veröffentlicht. Wir zählten darunter �.etwa fünfzehn Pom Edelgeschlechte! Seit dem Moment, wo in Petersburg die Amnestiefrage be» handelt wird, sind die Rigaischen Henker ihrer Beute nicht mehr ganz sicher. Man hat deshalb in der letzten Woche den zum Tode verurteilten acht Personen nicht erlaubt, einige Tage länger zu leben, bis ein Bescheid von Petersburg kommen konnte. Die acht Unglücklichen sind teilweise schon vor der Voll st reckung des Todesurteils in fürchterlicher Weise um- gebracht worden. Alle Einzelheiten dieser Katastrophe sind noch nicht bekannt. Genossen aus dem Zentralgefängnis Rigas teilen uns nur mit, daß sich Szenen im Gefängnis abgespielt haben, die sich nicht beschreiben lassen und in vielem an die Katastrophe erinnern, die sich in Kara abspielte. Die Redaktion des„A t b a l S" hat von den Verteidigern dieser acht Unglücklichen folgendes er- fahren:„Auf dem Wege zur Festung Dünamünde— hier sollten die Helden erschossen werden— haben zwei von ihnen den Ver- stand verloren, einer hat einen Soldaten gebissen und ist buch- stäblich erschlagen worden, ein vierter hat Selbstmord begangen und ein fünfter ist im Gefängnis von der Treppe gefallen(?) und ist sofort tot gewesen." Soviel haben die Verteidiger nach- träglich erfahren. Daß dieses nicht der Wahrheit entspricht, könnte man schon ohne die obigen Nachrichten schließen; jetzt wissen wir mit Bestimmtheit, daß fünf sowieso die Begnadigung nicht erlebt hätten, wenn sie auch„zeitig" angekommen wäre.— Die Ver- Handlungen gegen die 38„Mitglieder der Kampfesorganisation" sind am zweiten Verhandlungstage vertagt worden, weil der An- geklagte Mark im Gerichtssaalc plötzlich erkrankte und es sich herausstellte, daß ein anderer schon vor mehreren Tagen gestorben war. Nach der Annahme des Verteidigers Grusen- berg droht dieses Mal 2 5 Personen die TodeS st rafe. Unter den Angeklagten sind zwei ISjährige Schülerinnen, die Ge- schwister F. Der politische Gefangene Skading wurde dieser Tage vom Wachtposten durchs Fenster seiner Zelle erschossen. Die Mit- gefangenen wurden aus unbekannten Gründen aus der Zelle ge- holt und als sie in sie zurückkehrten, lag Sk. tot am Boden. Er war der Beteiligung am Uebersalle auf den Baron Bistram be- schuldigt und seine Sache sollte am L3. Mai vor dem Bezirksgericht in Mitau verhandelt werden. Die Unschuld Sk.S stand fest. Die Verteidiger Grusenberg und Sokolow aus Petersburg hatten um Vertagung des Prozesses gebeten, weil es sich herausstellte, daß einige Zeugen von dem örtlichen Adel gekauft waren und daher das Vorladen neuer Zeugen nötig erschien. So entledigt man sich bei uns jetzt seiner politischen Feinde! Wenn wir schweigen würden, so würden die Steine nach Rache schreien...! IMenftreik in Licht. Aus Wie» wird uns vom 10. Juni geschrieben: Die optimistischen Hoffnungen auf das neue parlamen- tarische Kabinett sind rasch verflogen, und die Wahlreform ist in die kritischste Situation gerückt. Nicht als ob es der neuen Regierung an dem redlichen Willen fehlte, das Werk zu Ende zu führen; daran ist nach den drei Reden, die der Minister� Präsident in den zwei ersten Tagen seines parlamentarischen Mrko,~ mm Zirkens zur Wahlreform hielt, nicht zu zweifeln. Der Wille' ist sicherlich vorhanden. Anders aber steht es mit dem Können der Regierung, die zwar über dte nicht aber über die Parteien verfügt, welche sämtlich ehr ostentativ ihre„stete Hand" beteuern. Nun verfügen zwar die— wenn das Wort nicht zu ehrlich klingt: „prinzipiellen" Gegner(die Großgrundbesitzer. All- deutschen und Klerikalen) im Ausschusse nur über neun Stimmen, aber ihnen gesellen sich die Feinde aus allen Par- teien zu: Volkspartei, Fortschrittler, wilde Tschechen, Polen und Slovencn, kurz die abgehausten und das gleiche Wahlrecht fürchtenden Mandatsjäger aus allen Gruppen, so daß die neun ausgesprochenen Gegner selbst aus denjenigen Parteien Zuzug erhalten, deren Führer im Wahlrefoi-mmintsterium sitzen! Bei der entsetzlichen Verlogenheit, die den österreichischen Parteivorhältnissen nun einmal eigentümlich ist. tritt diese Feindschaft natürlich nicht offen auf, verschanzt sich viel- mehr hinter„nationalen" Vorwänden und läßt überhaupt die eigentliche VcrschlepPungSarbeit von dem berüchtigten„All- deutschen" Stein besorgen.(Dieser Mensch, der das Recht der Arbeiter am heftigsten befehdet, war selbst Arbeiter!) Zwar hat der WahlrcformauSschuß seit Ernennung des neuen Kabinetts erst eine Sitzung gehalten, aber schon in dieser ist es betrüblich klar geworden, daß der Regierung mit den fünf Parlamentariern die Kraft mangelt, die wider- spenstigen Feinde zu meistern und die Verhandlung energisch fort- und weiter zu fiihren.— Der Ausschuß tagte am Freitag- abend, und die ganze Sitzung wurde mit formalen, mutwillig aufgeworfenen Fragen verzettelt, ohne daß die Regierung— fünf Minister waren anwesend— ein einziges Mal eingegriffen hättet So wurde denn Adlers Antrag, die nächste Sitzung am Montag— einem sitzungssteien Tage abzuhalten, abgelehnt— abgelehnt mit Stimmen der im Ministerium vertretenen Parteien. In dte ohnedies schon aufs höchste ge- spannte Situation fiel dieser offenkundige VerschleppungS- beschluß wie der Funke ins Pulverfaß! Worauf die Feinde spekulieren. daS ist die Zeit! Die Legislaturpertode läuft nämlich am 11. Dezember ab, dem Hause stehen also nur noch sechs Monate zur Verfügung. Nun hat heute in Wien die Tagung der Delegationen begonnen. dte gut einen Monat dauern wird und zur Erledigung des nächstjährigen Budgets(durch die ungarische Krise ist wieder einmal alles verspätet) noch einmal tagen muß! Obwohl es zulässig wäre, daß der Reichsrat neben der Delegation Sitzung hält, so ist daran nicht zu denken; vielmehr geht von dem Monat die Hälfte verloren, um für die Delegation Platz zu machen. Die nächste Delegation muß aber nach Budapest, das raubt also noch mehr Zeit. Wenn das Haus nun gar die sechs Monate bis zum Dezember ununterbrochen versammelt bliebe— was ja seine Schwierigkeiten hat, immer- hin aber denkbar wäre— so ist es dennoch möglich, die Ver- Handlung eines vielparagraphischen Gesetzes und einer Wahl- kreiseinteilung für 494 Mandate auch ohne WW. deklarierte Obstruktion so in die Länge zu ziehen, daß alle Tagung ver- gebens bleibt und die Verhandlung irgendwo und irgend- wann auf den toten Punkt gerät. Zumal in einem Parlament, das in der Woche nur vier Tage Sitzung hält und jeden Tag durch einen unvorhergesehenen„Zwischenfall" aus der Bahn geworfen werden kann! Es ist also klar: Die Wahlreform kann nur vorwärts« gehen und ans Ziel gelangen, wenn eine entschlossene Regierung eine entschlossene Mehrheit zu sammeln vermag und die Sache in einem Zuge zu erledigen sucht. Die nach der Situation unerläßliche Kraft hierzu scheint der Regierung Beck aber trotz der unleugbaren Intelligenz ihres Chefs allzu- zusehr zn fehlen. In unserer Partei ist man sich darüber einig, daß eS s 0 nicht weiter geht, daß also die Energie des Proletariats ein- setzen muß. Die Stimmung in der Arbeiterschaft ist zum Reißen gespannt, und die Partcivcrtretung erntet bereits Vor- würfe, daß sie das„Signal" nicht geben will. Der Vorstoß der Wahlreformfeinde im Ausschuß hat jetzt aber allem Ueber- legen ein Ende gemacht: Die österreichische Arbeit er- schaft steht vielleicht unmittelbar vor dem Massenstreik! Die Gesamtparteiverstetung erläßt heute folgenden Austuf: Parteigenossen, Ardeiter, Ardelterinne« in ganz Oesterreich! arbeitet. Man scheint zu glauben, daß die Arbeiter sich damit ab- gefunden haben, die Vereitelung der Wahlreform ruhig, geduldig und ohne Kampf über sich ergehen zu lassen. Es wird immer wahrscheinlicher, daß wir genötigt sein werden, zu beweisen, daß das Gegenteil wahr ist ..... tc Arbeiter, ihr könnt darüber beruhigt sein, daß eure Ver- trauenSmänner die Augen 0 ff en h a b en und eu ch nicht den richtigen Zeitpunkt verpassen lassen werden. Leider scheint es. daß es ohne große Opfer nicht ab- gehen wird. Sie möglichst zu vermindern, ist eine unserer wichtigsten Pflichten. Darum hat die Parteivertrctnng beschlossen. zunächst ein W a r n u n g s s i g n a l zu geben, nur im äußersten Notfall den allgemeinen Majsensti äuperiten Notfall den allgemeinen Mafsen streik anzuordnen. Darum wird— falls die Dinge weiter gehen wie bisher— in den allernächsten Wochen eine dreitägige Ardeitsruhc in Wien und nur in Wie» eintreten. Wien ist daS Zentrum, ihm obliegt die Ehre und die " ht. voranzugehen. An die Arbeiter aller Gewerbe in allen Ländern außer- halb Wiens ergeht hiermit die Mahnung, sich, mag in Wien was immer geschehen, unter gar keinen Umständen in einen Masse» streik einzulassen, bevor die kompetenten Instanzen daS Zeichen gegeben haben. Dieses erste— und letzte-» Warnungssignal soll ausschließlich von der Wiener Arbeiterschaft besorgt werden. Wenn die Herren im Wahlreformausschuß zu arbeiten sich weigern, um das Recht deS Volkes zu vereiteln, so werden die Arbeiter die Arbeit stehen lassen, um daS Recht des Volkes zu erobern. Wir werden sehen, wer eS länger anshält. Provinzen klarzumachen, daß sie sich während des Wiener Streiks ruhig zu halten haben und daß sie mit strengster Disziplin daran fest- halten müssen, daß außerhalb Wiens vorläufig weiter gearbeitet werden wird. halten haben und daß sie mit strengster Disziplin daran "ilssg Parteigenossen allerorts, ziigelt eure Ungeduld und wartet ruhig. bis die Reihe an euch kommt! Den Arbeiter» Wiens brauchen wir heut« kein Wort der Ueberredung zu sagen: Sie>0 e r d e n freudig das Opfer ihrer halben Arbeitswoche bringen und ihreKampfpflicht in vollem Maße erfüllen, dessen sind wir gewiß! Die Arbeiter Oesterreichs werden sich durch schmutzige In« trigen nicht um ihr Recht betrügen lassen. Mag die Krone es dulden, daß eine kleine Bande von Junkern, Advokaten und Lumpenprolstariern ihren Willen. der diesmal mit dem Willen und dem Rechte des Volkes eins ist, mißachtet, die Regierung zusehen, daß ihre� schönen Reden mag und" Beteuerungen verhöhnt werden, dir Arbeiter werben sich dem Privilegiengesindel nicht beugen und werden für das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht kämpfen, mit allen Mitteln und bi« zum äußersten! Genossen, ihr wißt nun, was wir zunächst von euch erwarten; tut eure Pflicht! Wien, 9. Juni. Ferdinand Skaret Anton Nemec Jgnaz DaSzhnSki für die Gesamtexekutive der Sozialdemokratie in Oesterreich. Anton Hu eber, Gewerkschaftssekretär. E. Per«erst orfer. Obmann des Verbandes der sozialdemokratischen Abgeordneten. " Daß die dreitägige Arbeitsruhe" in Wahrheit der als er sich vom Militär verfolgt fah, Selbstmord verübte, indem er Maffenstreit einer halben Woche- wenn sich die Dinge nicht sich mit einem Messer den Leib aufschlitte. rasch wenden, ungesäumt durchgeführt werden wird, Aus der Notiz geht leider und wahrscheinlich sehr abfichtlich unterliegt keinem Zweifel. Für Donnerstag, den 14. d. M., nicht hervor, wo sich der Vorfall genau abspielte und ob hier nicht ist eine Konferenz der politischen und der gewerkschaftlichen wieder eines jener infamen Grenzverbrechen vorliegt, durch welche die Landesvertrauensmänner sowie aller Abgeordneten einberufen, russischen polizeilichen und militärischen Bluthunde schon so viel die über die weiteren Maßnahmen insbesondere in edles Menschenleben in den Tod getrieben haben. Böhmen beschließen wird. Die Situation steht also auf des Messers Schneide! 〃 Politische Uebersicht. Berlin, den 11. Juni. Eine Prämie von jährlich 12 000 Mark! Für die verrohte Gesinnung der deutschen bürgerlichen Presse den russischen Revolutionären gegenüber ist es charakteristisch, daß sie diesen graufigen Vorfall zum Teil einfach registriert als Harakiri eines Sozialisten". " Ị Herr zu werden. Sat man denn an den Katastrophen von„ Bo russia"," Werne"," Courrières" usw. noch nicht warnende Lehren genug? Man muß wirklich die Zuversicht und Sorglosigkeit der Behörden bewundern, mit der sie das Weiterarbeiten gestatten. Sz muß ganz energisch verlangt werden, daß die Bergbehörde die Koblenproduktion und damit das Anfahren der Belegschaft unte sagt, bis der Brand gelöscht ist. " Soeben wird bekannt, daß gegen den Betriebsführet Rüter von Zeche Borussia" wegen des großen Massenunglüds Strafverfolgung eintreten wird. Die Anflage lautet auf fahrlässige Körperverlegung und Uebertretung einiger Bergpolizeiverordnungen. Wirklich eine merkwürdige Körperverletzung, die 40 Menschen das Leben kostete Bei dieser Anklage kann Herrn Rüter wirklich nichts Schlimmes passieren. Wir glauben kaum, daß sie ihm mehr wie drei Monate Gefängnis eintragen wird, wenn überhaupt eine Berurteilung era " Hansa" ist ein sprechender Beweis dafür. Müssen wir wirklich folgt. Unter solchen Umständen kann an eine Besserung der Verhältnisse nicht gedacht werden. Der neue Grubenbrand von Zeche erst ein Courrières haben, ehe es besser wird? Der Nachfolger des prämiierten Buttkamer. Gegen die Ernennung des Dr. Seiz, Geheimen Legationsrats in der Kolonialabteilung, zum Gouverneur bon wir hatten vor kurzem die durch die Presse gehende Mitteilung se a me run als Nachfolger Butttamers wendet sich energisch die wiedergegeben, daß der biedere Jesto von Butttamer mit schlichtem Abschied für alle seine Heldentaten und Verschuldungen hältnisse im Schutzgebiet Kamerun, welche unter dem Regime Germania". Sie würde es im Interesse der Gesundung der Verbestraft" worden sei; wir hatten ein energisches Dementi der des Gouverneurs v. Buttkamer so schwer gelitten haben, sehr Regierung erwartet. Weit gefehlt! Im Gegenteil: die bedauern, wenn sich das Gerücht bewahrheiten und Dr. Seiz Germania" bringt jetzt die folgende sensationelle Enthüllung: an die Spitze der Kolonie Kamerun gestellt würde. Ein Flugblatt des„ Simplicissimus" über die Breslauer Herr v. Puttkamer ist nicht mit einfachem Abschied ent- Die Verhandlungen im deutschen Reichstage, sowohl in Polizeischlacht, das vor einigen Tagen erschien, ist von der lassen, sondern regelrecht pensioniert worden und zwar mit dem der Budgetkommission wie auch im Plenum, hätten, wie das Blatt Breslauer Polizei beschlagnahmt worden. vollen Ruhegehalt eines Gouverneurs von mehr als 12000 Mark mit Recht sagt, den Nachweis erbracht, daß Dr. Seiß nicht die Die Festnahme" eines solchen Flugblattes ist freilich eine weit Man wundert sich ja zwar in Preußen- Deutschland seit langem geeignete Person ist, in finanzieller Hinsicht Wandel zu schaffen leichtere und bequemere Sache, als beispielsweise eine Polizeibestie über nichts mehr, weder über Reden, noch über Telegramme, noch und Ordnung zu halten. Schon bei einer früheren Gelegenheit, als festnehmen, die einem friedlichen Bürger die Hand abhackt!-über Gerichtsurteile, noch erst recht nicht über irgendwelche Kolonial- Dr. Seit als Nachfolger Buttkamers genannt wurde, ſei ſein Ver- Zur Nachwahl in Beuthen- Tarnowit wird uns aus dem Wahls ereignisse, aber für Taten, wie sie Herr Jesko begangen hat, noch halten den Eingeborenen gegenüber gekennzeichnet worden und ein treise geschrieben: Dienstag, den 12. Juni, soll sich entscheiden, ob mit über 12000 m. Jahresrevenue belohnt zu werden, das sollte Blatt habe damals von einer Aeußerung der Duala- Eingeborenen das Zentrum für den Rest der Legislaturperiode den Wahlkreis berichtet: Lieber zehn Butttamer als einen Dr. Seiz." Beuthen- Tarnowitz, den es seit einem Vierteljahrhundert besessen man ſelbſt bei uns für unmöglich halten dürfen! Das ist nichts wie Dr. Geis in seiner Eigenſchaft als stellvertretender Gouverneur hat, behält oder ob es ihn an ſeine früheren Freunde und jeziger anderes als eine Prämie auf ungefeßlich feiten! Aber das Unbegreifliche wird begreiflicher und auch wieder noch in Duala und Buea gewirkt hat, darüber könnten Kolonialbeamte erbitterten Feinde, die Polen, abgeben muß. Denn diese, nicht die toller, wenn man die in der Affäre sicher gut unterrichtete schwerwiegende Aussagen machen. , Germania" weiter hört: jährlich.“ wollte." " bus genommen hat. " Sozialdemokraten, werden vorläufig die Erben des sterbenden ober schlesischen Zentrums werden, wahrscheinlich schon jetzt, sicher bei den nächsten allgemeinen Wahlen, wo sie nicht nur den Wahlkreis Zur Strecke gebracht. " Daß die Untersuchung der gegen Herrn v. Butikamer Beuthen- Tarnowitz, sondern auch noch 3-4 andere oberschlesische erhobenen Anschuldigungen Die Gerechtigkeit in den deutschen Landen ist nicht Wahlkreise dem Zentrum abnehmen werden. Das Zentrum wehrt feinen Anlaß zur Einleitung überall gleich vorhanden eines Disziplinarverfahrens gegen ihn ergeben habe, wurde Gedichte der Peter Schlemihl des„ Simpliziffimus". Die Wahrheit verfangen nicht mehr, die Arbeiterschaft will vom Zentrum nichts fingt in einem seiner saftigsten sich allerdings verzweifelt, aber alle bisher so wirksamen Mittel schon in einzelnen Blättern berichtet nicht aber die geradezu ungeheuerliche Tatsache, daß der Referent in der seiner tiefsinnigen Betrachtung wird auffällig bestätigt durch den mehr wissen. Das hat besonders deutlich der Verlauf einiger Angelegenheit die Unterlassung des Disziplinar Donnerstag vor der ersten Strafkammer des Landgerichts Kott- gezeigt. Keiner der früher so einflußreichen Geistlichen konnte dent Ausgang, den, der sogenannte Siegestümmelprozeß am Tezten Wählerversammlungen des Zentrums in unserem Wahlkreise berfahrens unter anderem auch damit befürwortet hat, daß Herr Buttkamer selbst die Einleitung des Verfahrens als nicht anLärmen, den Protesten und Schimpfworten standhalten, mit denen Seit November 1904 ist die Märkische Volksstimme" wegen die zahlreich erschienenen polnischen Arbeiter die Redeversuche der gebracht bezeichnet habe! Es scheint, als sei die falsche Nachricht der„ Siegestümmel" notiz von Staats- und Reichsanwälten mit Herren Pfarrer wie des Zentrumskandidaten Muschallik beant von der einfachen Verabschiedung Buttkamers die es, nebenbei bemerkt, gar nicht gibt von gewisser Seite gefliffentlich verbreitet wechselndem Glücke verfolgt worden. Zuerst kam der Prozeß im worteten. In höchster Wut schleuderte daraufhin in einer dieser worden, und zwar deshalb, weil man die Erregung, die das Be- März 1905 vor die Strafkammer zu Sorau, wo unser Forster Versammlungen ein Zentrumsgeistlicher, der Abgeordnete Glowadi, Parteiorgan seinen Gerichtsstand hat. Hier machte der angeklagte den Versammelten das Wort„ Hacharen" entgegen, eine Bekanntwerden des wahren Sachverhalts wecken mußte, hintanhalten verantwortliche Redakteur, Genosse Berner, geltend, daß erstens zeichnung, die man in Oberschlesien sonst nur den verkommensten Wie der Westfäl. Merkur" schließlich noch mitteilt, habe sich falsch aufgefaßt werde. Die Notiz, welche nur wenige Zeilen um- Entrüstungssturm fegte die Versammlung auseinander, die polnische die Notiz von den Strafantragstellern und dem Staatsanwalt ganz Bagabunden und Wegelagerern widmet. Der darauf ausbrechende Anlaß zu disziplinarischem Einschreiten auch deshalb nicht ergeben, faßte, stellte das echt menschliche Empfinden der Japaner beim Presse aber verkündet jetzt Tag für Tag, daß vom Zentrum die weil die Hauptbelastungszeugen in der( für Buttfamer) Empfang von Siegesnachrichten in Vergleich zu den aller Christlich- polnischen Wähler als" Bacharen" beschimpft werden. Nicht nur in glücklichen Lage waren, sich bei der langen Zeit" auf nichts teit" Sohn sprechenden Ausschreitungen der deutschen Sieger( hier ben Orten mit großer Arbeiterbevölkerung, sondern selbst in den besinnen zu können. Frau von Germar, die historische war der inkriminierte Ausdruck gebracht) bei Sedanfeiern. Wenn ländlichen Orten des Kreises Tarnowit machte sich in den Versamm Cousine", war zudem noch ausdrücklich darauf hingewiesen worden, aber die Anklage behaupte, daß durch die Notiz alle Teilnehmer lungen lebhafte Opposition gegen das Zentrum geltend. Auch von anderer Seite ist dem Zentrum gefährliche Gegners daß sie von dem Rechte der Zeugnisverweigerung an Sedanfeiern als„ Siegeslümmel" beschimpft worden seien, so sei Gebrauch machen könne. Der Erbprinz zu Hohenlohe soll durchaus zweitens auch der Strafantrag nicht als berechtigt anzusehen, denn schaft erwachsen. Ist es nämlich den Polen nicht polenfreundlich der Kreis der„ Sedanfestteilnehmer" sei so umfassend und un- genug, so ist es den Hakatisten immer noch viel zu polenfreundlich. für ein energisches Durchgreifen gewesen sein, aber er ist gegen begrenzt, daß die zum Begriff der Beleidigung nötige abgeschlossene zu wenig deutsch- patriotisch. Die Hakatisten, zu denen die meisten über höheren Einflüssen unterlegen, weiß das zuletzt Personenmehrheit darunter nicht verstanden werden könne. Das der großen Gruben- und Hüttenbarone gehören, wollten das Zengenannte Blatt zu berichten. Sorauer Gericht schloß sich dieser letteren Auffassung des An- trum nur dann unterstüben, wenn es einen ganz einwandfreien, geklagten an und erkannte auf Einstellung des Verfeiner Hinneigung zu den verhaßten Polen verdächtigen Kandidaten fahrens. Der Staatsanwalt legte Revision ein und erzielte die aufstelle. Man hatte dabei den Amtsgerichtsrat Antez- Tarnowis Aufhebung des freisprechenden Urteils. Das im Auge, der schon 1903 der Kandidat des deutschen Zentrums Reichsgericht stellte fest, daß nicht die Zahl der beleidigten Personen flügels" war und als solcher fast 8000 Stimmen erhielt, meistens für den Begriff der strafbaren Beleidigung entscheidend sei, sondern von der sog.„ Grubenpartei". Die Wahlkreisleitung der Zentrumsder Umstand, ob die beleidigte Personenmehrheit genügend erkennt partei lehnte aber diese Zumutung in der Furcht vor dem völligen Die Sozialdemokratie hat es mit den Herren vom Evan- lich gemacht sei, und das sei hier durch den Ausdruck„ Sedanfeiernde" Abfall der polnischen Bentru.nswähler ab und veranlaßte damit die gelisch Sozialen Kongreß verdorben, wie die Berichte der Fall. Der Prozeß kam zur erneuten Verhandlung im Juli 1905 Satatiftengruppe zur Aufstellung eines eigenen Kandidaten in der über die Jenaer Tagung gezeigt haben. Herr Harnack hat ans Landgericht Guben. Person des Generaldirektors der Zinkhütten„ Silasia" in Lipine, ihr auf der Jenaer Tagung die tiefste sittliche Entrüstung über Wenn dieses auch durchaus der Entscheidung des Reichsgerichts Bergrat Remy. Der Herr nennt sich nationalliberal, ist tatsächlich ihren Lebenswandel fundgetan! folgte, so gelangte es doch abermals zu einem Freispruch, und aber stramm fonservativ, was die oberschlesischen Freisinnigen" Nun wissen wir ja, daß die Sozialdemokratie bei gewiffen Leuten zwar, weil jetzt der Verfasser der Notiz, Genosse Wittrisch, als nicht abhält, mit" Begeisterung" für den liberalen deutschen Kans schon durch ihre bloße Existenz„ empörend" wirkt und wundern uns 3euge auftrat und glaubhaft angab, daß er die Notiz ohne Perners didaten" einzutreten. Wissen und Willen ins Blatt gebracht habe. Das Gericht sah damit deshalb auch gar nicht, daß Herr Harnack über uns entrüstet ist; Sie Nichttäterschaft Berners als erwiesen an, zumal dieser selbst blättern und in Versammlungen führen, müssen Polen und Sozial was ihm aber gerade in letzter Zeit an uns so schrecklich gewesen und ein anderer Zeuge Wittrische Angaben bestätigten. Gegen ist, daß er es sich zur besonderen Heldentat anrechnet, trotz Wittrisch konnte nicht mehr vorgegangen werden, denn gegen ihn dem noch für Sozialreform zu reden, und daß er alle deutschen war Verjährung eingetreten. Männer ohne Vorbehalt absolviert, die angesichts unserer Der Staatsanwalt in Guben aber ließ nicht locker. Er legte Verderbtheit nichts mehr von Sozialreform wissen wollen, das wissen wir nicht! Empört etwa Herrn Harnack, daß die preußischen und sächsischen Arbeiter das gleiche Wahlrecht zu den Landtagen fordern? Dder empört es ihn, daß sie ihren russischen Brüdern die Freiheit und den zarischen Bluthunden den Untergang wünschen? Uns scheint, daß er dann am Dreiklassenwahlrecht und am Barismus bessere Objekte seiner Entrüstung finden würde. Nach allem wächst sich jetzt diese Puttkamer- Affäre zu einem Kolonialstandal aus, daß man sie den Fällen Peters, Leift, Wehlan getrost wird an die Seite stellen dürfen. Empörte Gönner! nochmals Revision ein und erreichte wiederum die Aufhebung des Urteils, weil das Gubener Gericht die Frage, ob Berner etwa fahrlässig gehandelt, nicht genügend geprüft hatte. Während Zentrum und Hakatisten ihre Agitation mit Flugs demokraten von der mündlichen Agitation mangels Versammlungs lokalen ganz absehen. Den Sozialdemokraten steht in dem ganzen, in zahlreichen größeren und kleineren Orten fast eine halbe Million Einwohner zählenden Wahlkreise nur ein einziges, etwa 200 Per sonen fassendes Versammlungslokal in einem bei Beuthen liegenden Industriedorf zur Verfügung. Während aber die Polen mehrere in vielen tausend Exemplaren gelesene Zeitungen im Kreise haben, Nun kam der Prozeß vor die Kottbuser Straffammer. ist die sozialdemokratische Presse, polnische wie deutsche, nur in Obgleich diesmal die Beweisaufnahme noch überzeugender als einigen hundert Exemplaren verbreitet. Unsere Agitation fann in der vorigen Verhandlung die hohe Wahrscheinlichkeit dafür ergab, also nur durch Verbreitung von Flugblättern ausgeübt werden, daß Berner von der Aufnahme der Notiz nichts gewußt hat, obwohl und dieser Verbreitung wissen Polizisten, Pfaffen und Werksbeamte der Verteidiger, Rechtsanwalt Heine Berlin, die staatsanwalt- die allergrößten Schwierigkeiten zu bereiten. Ungefeßliche Beschlags Doch das sind Dinge, über die wir uns mit einem Angehörigen schaftliche Auslegung der Notiz wie auch den Verdacht eines hinter- nahme der Flugblätter, Verhaftung der Verbreiter sind sehr häufig, der herrschenden Klasse nicht einigen werden. In einer anderen Welt listigen Komplotts zwischen Angeklagten und Entlastungszeugen ebenso unternehmen es Steiger und andere Beamte durch als jene Herren leben die Proletarier, und reden eine andere meisterhaft zerpflückte, obwohl der Angeklagte selbst sich entschieden Drohungen, und wenn diese nicht helfen, durch körperliche Angriffe Sprache und wissen, daß sie auf dem rechten Wege sind, wenn sich gegen die Anzweifelung seiner Glaubwürdigkeit verwahrte, indem auf die Verbreiter diese von den zu den Gruben und Hütten jene entrüsten. Wir erwähnen die Harnacksche Rede nicht, um ein- er auf sein stets offenherziges Auftreten vor Gericht hinwies, fand führenden Wegen zu verjagen und so die Verteilung an die Arbeiter gehender nachzuweisen, wie wenig Berechtigung sie hat; das ist das Richterkollegium, dessen Vorsitzender Buchholz und dessen zu vereiteln. Der Kampf wird natürlich trotzdem von der kleinen unnötig. Wir verzeichnen sie nur als Beweis dafür, wie verschieden erforderlichen Gründe. einflußreichster Beisitzer Meyer heißt, doch die zur Verurteilung tapferen Schar Genossen unentmutigt weiter geführt und wir Gs erklärte einfach, der Angeklagte dürfen hoffen, daß der 12. Juni trok aller Hindernisse und Ges die Anschauungen über die Sittlichkeit bei Herrschenden und Unter- und die Entlastungszeugen feien unglaubwürdig, fahren, trotz der gegen uns wirkenden nationalen Hochspannung drückten sind. Und wir verzeichnen sie zweitens, weil sie den Kon- weil es menschlich begreiflich sei, sich und andere doch einen Erfolg für die Sozialdemokratie bringen wird. greß der Evangelisch- Sozialen fast erschöpfend charakterisiert. Wollten vor Gericht herauszulügen. Damit wolle das Gericht wir uns ethisch entrüsten wie die Kongreßler, wir könnten ihnen aber keineswegs der Ehrenhaftigkeit des Zeugen Wittrisch und des ( 11) Nebenbei scheint auch sagen, daß sie des Bibelwortes gedenken möchten vom Verschlucken Angeklagten Berner zu nahe treten. der Kamele und Seihen der Mücken! der zarte Wink des Staatsanwalts, man müsse den Angeklagten mit für den gesamten Ton der sozialdemokratischen Bresse büßen lassen. Als Gönner und Zensoren des Proletariats fühlen sich diese bei den Richtern Verständnis gefunden zu haben, denn das Urteil ethischen Sozialreformer. Sie wollen für die Arbeiterschaft etwas fiel noch härter aus, als es selbst die erfahrenen Kenner dieser erreichen, und schmeicheln sich, daß sie etwas ausrichten, und sagen Straffammer erwartet hatten. Drei Monate Gefängnis zu gleicher Zeit, daß die Arbeiter das Recht auf Reformen durch wurden über Genossen Berner verhängt wegen eines Wortes, das ihr empörendes Verhalten verscherzt haben und das, vor nahezu zwei Jahren eine künstlich gemachte Entrüstung in der tas fie an Reformen erhalten, als Geschenk bekommen. felben Striegervereinspresse hervorgerufen hatte, die jahraus, jahrein Die Herren fönnen sich beruhigen! Die deutsche Arbeiter uns Sozialdemokraten mit den unflätigsten Beschimpfungen überKlasse hat noch keine Geschenke von der herrschenden Klasse häuft. Außerdem soll nun der zweimal Freigesprochene und schließ erhalten, was sie erreichte, das eroberte sie durch politischen und gewerkschaftlichen Kampf, und das war bislang nur ein winziger Teil dessen, was sie zu fordern hat! lich doch noch Verurteilte die gesamten Kosten tragen, also für die angeblichen Rechtsirrtümer der freisprechenden Instanzen mit auffommen. Die Gerechtigkeit" in den deutschen Landen treibt wunderliche Blüten! Neue schwere Südwestafrika- Opfer. Amtlich wird gemeldet: Major v. Freyhold war am 28. Mai vom Fischfluß her in Haib eingetroffen und hatte durch Patrouillen festgestellt, daß die Hottentotten in Stärke von etwa 250 Gewehren die Pad Haib- Warmbad nach Süden zu gekreuzt hatten. Am 30. Mai erhielt die Patrouille des Leutnants v. Abendroth in der Gegend westlich Norschab Feuer. Major v. Freyhold sett den Vormarsch auf der feindlichen Spur fort und erreichte am 3. Juni abends den Gegner westlich Gaobis. Noch am Abend wurde der Feind von den nächsten Höhen vertrieben. am folgenden Tage wurde der Angriff fortgefeßt. Nach heftigem Feuergefechte gingen die Hottentotten im Laufe des Nach mittags 3 urüd, und am Abend des 4. Juni befanden sich unsere Dieser floh in westlicher und südwestlicher Richtung. Noch in der Truppen im Besiße der bisher vom Feinde besetzten Wasserstelle. Nacht vom 4. bis 5. Juni marschierte Major v. Freyhold nach dem Orange. Oberstleutnant v. Estorff traf mit der Abteilung des Majors Sieberg am 5. Juni früh von Warmbad her auf dem Gefechtsfeld ein und wird die Verfolgung fortseßen. In diesen Gefechten sind gefallen: ein Oberleutnant, ein Leutnant und 8 Reiter. Es wurden 3 Reiter schwer, 7 Reiter leicht verwundet. Zehn Tote ob dieser Verlustziffer ein, wenigstens nach bürgerlichen Begriffen, entsprechender Erfolg gegenübersteht, wer Das Spiel mit dem Bergmannsleben. Seit Pfingsten schon brennen auf der Beche„ Hansa" zu Huckarde den ausführlichere Meldungen erst ausweisen müssen. bei Dortmund die Flöße B und C. Obschon die größten An- Auf der Tagung der Deutschen Kolonialgesellschaft zu strengungen gemacht wurden, gelang es bisher nicht, den Feuerherd Königsberg, über die wir schon berichtet haben, rief im Laufe abzudämmen, weil das Hangende zum großen Teil eingestürzt und der weiteren Verhandlungen ein Antrag der Abteilung Darms außerdem die stark auftretenden stickigen Brandgase das Vor- stadt, den Reichskanzler zu ersuchen, der Frage der Depors nach dringen erschweren. Das Befremdliche an der Sache ist tation bon Strafgefangenen geeigneten Punkten der nur, daß trok des Grubenbrandes der Betrieb Kolonien näher zu treten, eine lebhafte Erörterung hervor, nicht eingestellt ist, sondern die Belegschaft wie in der die meisten Redner einen ablehnenden Standpunkt vertraten. Grenzhete. Wie wir der bürgerlichen Presse entnehmen, be- bisher anfährt und an der Kohlenproduktion Schließlich wurde der Antrag, da die Frage noch nicht genügend gebeschäftigt wird. In der bürgerlichen Breffe wird ausge- flärt erscheine, borläufig zurüdgezogen. Hur einstimmigen Annahme richtet der„ Gefellige", daß in Wladislawow( Neustadt) bei führt, man lasse die Belegschaft weiterarbeiten, weil die brennen gelangte ein Antrag Dessau, den Angehörigen der Schutztruppe in Schirwindt an der preußisch russischen Grenze ein den Flöße von den Hauptbetriebspunkten isoliert lägen. Aber was Südwestafrika und Ostafrika den Dank der Kolonialgesellschaft zu Litauischer Sozialist, der in einer geheimen Versammlung revolutionäre will das heißen? Sobald es in der Grube brennt, ist Gefahr vor- übermitteln. Reden gehalten hatte und bei der Bolizei denunziert worden war. I handen, und der Betrieb sollte ruhen, bis es gelungen, des Feuers Aber sehen wir doch einmal zu, was diese Gönner, die uns Ein Erfolg des Kaiserbesuches in Wien. Dem Staatsunfittlich zensieren wollen, denn an Geschenken bringen! Einen fetretär des Auswärtigen Amtes v. Tschirschty und Maximalarbeitstag? D, beileibe nicht! So revolutionär werden sie Boegendorff ist der Kronenorden I. Klasse verliehen nicht sein! Den Frauen volle Gleichberechtigung? D, beworden. wahre, wie fönnten sie solchen Umsturz begehen! Nicht Halbheiten einmal find's, was sie bieten! Und dafür foll die Arbeiterschaft auf ihr politisches Erstgeburtsrecht berzichten, damit sie solcher Wohltaten würdig werde und in den Augen der Harnack und Kollegen sittlich gereinigt dastehen! Wir danken! Mögen die Herren ihre Geschenke behalten! Deutsches Reich. Damit schloffen die Beratungen. Sand in die Augent. Spanien. Der preußische Handelsminister Herr Delbrüd hat bekannt- Madrid, 10. Juni. Das neue Kabinett ist folgendermaßen zus lich am 30. Mai im Herrenhaus eine Rede gegen den christlichen fammengesezt: Präsidium Moret, Inneres Quiroga Ballesteros, Bergarbeiterverband losgelassen. Darin teilte er unter anderem Aeußeres Herzog von Almodovar, Finanzen Salvador, Krieg General mit, daß er wegen der" Agitationsweise" genötigt(!) gewesen sei, de Lugue, Marine Admiral Concas, Unterricht Sammartin, Justiz eine Anzahl von Arbeitern( im Saarrevier) zu ent- Cellerualo, Handel und öffentliche Arbeiten Gasset. Jassen. Er schloß dann mit der Flostel: " Ich werde ihnen( den christlichen Gewerkvereinen) nicht einen Stein in den Weg legen, aber ich muß verlangen, daß ihre Agitation, ihre Art zu arbeiten, ihre Art zu fordern, sich England. Militärische Einschränkung. mit ihm und möchten ihn nur bitten, das Urteilen tom petenteren Stellen zu überlassen. den er uns macht. Geithner kennt kaum einen einzigen der unterVollkommen sinnlos ist auch der Vorwurf der Cliquenbildung, Allgemeinheit nicht abgeben, ohne Beweis für jeden Klub beizeichneten Klubs, fann infolgedessen ein sachliches Urteil in solcher " zubringen. Für jeden Einsichtigen ist es klar, daß es dem Genoffen Geithner in seinem Artikel nicht um eine fachliche Einschätzung der Diskutierklubs tun war. Sonst könnte er nicht schreiben( 3. Absatz seines Artikels, 1. Gaz ff.): auf einem Boden bewegt, der sich mit den Grundsäßen folge hat die englische Regierung die Absicht, vom Bau des fahren( Cliquenbildung London, 11. Juni.( W. T. B.)„ Daily Telegraph" zu- Der betreffende Artikel( Kofiol) zeigt, daß die Ge= des preußischen Staates verträgt." und eingebildete Vielwisserei) Also der Herr Minister will allergnädigst eine staatserhaltende" einen im diesjährigen Flottenprogramm vorgesehenen Panzers wirklich vorhanden sind." Den Kofiolschen Artikel als Beweis für Agitation gestatten; sobald aber die von Ihm allerhöchst festgesetzten vom Dreadnought- Typus Abstand zu nehmen." Standard" die Cliquenbildung der Diskutierklubs auszugeben, ist schon nicht Grundsäße des preußischen Staates" verletzt werden, d. h. auf gut teilt mit, der Striegsminister Haldane habe sich entschlossen, mehr„ Gedankenlosigkeit", das ist entweder Gedankenverwirrung deutsch: sobald die Agitation sich über leeres Gerede erhebt und die Infanterie um 10 000 Mann und wirklich etwas für die Arbeiter fordert, kommt die Hungerpeitsche 48 Batterien zu verringern. Die irreguläre Artillerie soll da- Ansichten polemisiert, uns aus dem Spiele zu laſſen. die Artillerie um oder aber Borniertheit. Wir raten dem Genossen Geithner, wenn er gegen Kosiol sche zur Anwendung. Wie die„ Germania" mitteilt, hat der christliche Bergarbeiterverband, Bezirk Saarrevier, eine Antwort auf diese gegen verstärkt werden. Der Bund der sozialdemokratischen Lese- und Diskutierklubs. Ministerrede veröffentlicht. Die Antwort ist echt christlich". Nach einer anderen Meldung sollen außer den oben er- Wilhelm Liebknecht"," Moabit"," Süd- Ost"," Demosthenes",„ Emil Anstatt sich jede Bevormundung in Sachen der Agitations weise wähnten noch folgende Abstriche gemacht werden: 20 Train- Rosenow"," Mehr Licht"," Wedding"," Eintracht"," Vorwärts", zu verbitten und den Minister zu fragen, ob er den Inhalt der kompagnien, eine Abteilung Belagerungsartillerie. Die Er- Johann Jakoby"," Freie Zujammenkunft"," Karl Marg", Forderungen als berechtigt anerkennt oder nicht, beeilt sich der sparnis würde sich auf viele Millionen pro Jahr belaufen. " Heinrich Heine", Motteler". Bezirksvorstand, seine vollständige Artigkeit zu beteuern und bittet zum Schluß den Minister, seine Versammlungen Grubenbeamte überwachen zu lassen!! Da werde er sehen, wie durch Iammfromm der Verband sei. Und so etwas nennt sich Gewerkschaft! Die„ Germania" aber übertrumpft noch diese Selbstentmannung. Sie läßt sich von anderer Seite dazu schreiben: Uebrigens vermissen wir sehr, daß die Bezirksleitung in ihrer Erklärung die Worte des Ministers zugunsten der christlichen Gewerkschaftsbewegung nicht erwähnt. Der Minister sagte zum Schlusse, er sei bereit, die christlichen Gewerkschaften soweit es möglich sei, zu fördern", er ,, werde ihnen nicht einen Stein in den Weg legen." Das ist unseres Wissens die erste Auslassung von der höchsten, für die Saarbergleute in Betracht kommenden Stelle, durch die die christliche Organisation anerkannt wird. Die Saarbergleute wissen jetzt, woran sie sind. Gegenüber dieser grundsätzlichen Erklärung des Ministers fallen die tadelnden Bemerkungen über einzelne Gewerkvereinsversammlungen wenig ins Gewicht." Wie oben gezeigt, handelt es sich bei den„ tadelnden Bemerfungen" um teine Kleinigkeiten noch auch um leere Drohungen. Eine Anzahl Arbeiter ist bereits entlassen worden! Auch der gesamte Inhalt von Herrn Delbrücks Rede läuft auf den Satz hinaus: Die christlichen Gewerkvereine dürfen vorhanden sein, aber sie dürfen nichts fordern. Und das alles soll wenig ins Gewicht fallen", weil der Minister wie zum Hohn die Redeblüte angeführt hat, er werde den Gewerkvereinen keinen Stein in den Weg legen. Uebrigens auch nur dann, wenn sie das tun, was er will. Die Germania" beweist so wieder einmal, daß die Zentrums presse wie die Zentrumsgewerkschaften nur den einen Daseinsawed haben: dem Volke Sand in die Augen zu streuen. Wegen Beleidigung des Kronprinzen wurde der Arbeiter Franz Wistuba aus 8 Iz von der Straffammer zu Neustadt i. Oberschles. zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt. Ausland. Desterreich. Antisemitische Radauhelden. Auch aus Frankreich verlautet: Marineminister Thomson, bung tritt so bestimmt auf, daß die französischen Sozialisten plane Einschränkungen in den Flottenausgaben. Diese Melbereits den Entschluß gefaßt haben, im Laufe der nächsten Interpellationsdebatte über die allgemeine Politit des Kabinetts auch die Abrüstungsfrage in nachdrücklicher Weise zur Sprache zu bringen. Soziales. J. A.: Adolf Buhl.* ( Siehe auch 1. Beilage.) Nach dem Verbot des Streiks Verbot einer Kritit. Aus 3 widau wird uns geschrieben: " In deutschen Regierungskreisen zerbricht man sich den Kopf, wie die nächsten Mehrforderungen für Heer, Flotte und behörde von 3 wickau den dortigen Maurerſtreit einfach für beendet Solonien unter Dach und Fach zu bringen sind. Finnland. Die neue Volksvertretung. In Nr. 130 des Vorwärts" wurde berichtet, daß die Polizeierklärte, das Streiffomitee auflöste und dem Wirt des dortigen Barteilokals Belvedere" berbot, den Streifenden in seinem Lotale Unterschlupf zu gewähren. Als Antwort auf diesen schweren Angriff gegen das Koalitions recht durch die Polizei hatte das Zwickauer Gewerkschaftskartell Landtages die Vorschläge zur Einführung des allgemeinen gleichen nach dem„ Belvedere" ein berufen. Diese Versammlung wurde Nachdem in der vergangenen Woche die vier Stände des für Sonnabend eine große öffentliche Protest versammlung Wahirechts für Männer und Frauen und den Ersatz der Stände von der Polizei verboten; ba das Verbot erst in letter vertretung durch das Einfammersystem unverändert angenommen Stunde erging, war es nicht mehr möglich, eine dahingehende Behaben, ist es Tatsache geworden, daß Finnland ein Parlament er- fanntmachung an die Versammlungsbesucher zu erlassen. als das der meisten anderen Parlamente Europas. Das Wahlrecht riesige Anzahl nach dem Versammlungslokal. halten wird, das auf einer mehr demokratischen Grundlage beruht Gegen 9 Uhr abends strömte eine für Zwickauer Verhältnisse ist zwar an die Bezahlung einer persönlichen Steuer gebunden, jedoch kommt dies wenig in Betracht, da sie pro Jahr nur zwei Uniform und Zivil aufgeboten. Die Polizei von Zwickau hatte alle nur verfügbaren Kräfte in finnische Markt für Männer und nur 1 Mark( 88 Pf.) für Frauen beamten wurde in bestimmter Weise erklärt: Wollen Sie den Dem anwesenden Polizeibeträgt. Gewählt wird nach einem Proportionalsystem. Das Land Saal öffnen lassen oder nicht? Wir lehnen jede wird in 16 Wahlbezirke eingeteilt, die im ganzen 200 Abgeordnete erantwortung ab, für das was eventuell ent wählen. Die erste Wahl nach dem neuen Gesez soll Juli 1907 statt- fte bent tann!" Darauf wurde der Saal geöffnet: 1200 Werfinden. Nach der Stärke, die die sozialdemokratische Partei Finn- fammlungsbesucher nahmen im Saale Blaz. ungefähr 50 Mandate im neuen Landtage. lands gegenwärtig schon erreicht hat, rechnen unsere Genossen auf Australien. Sydney, 11. Juni.( W. T. B.) Der Premierminister von Neufeeland, Seddon, ist hier gestern an Bord des Dampfers, auf dem er von Australien nach Neuseeland zurückkehren wollte, gestorben. Aus der Partei. Die Die Frage des Reichstagskandidaten hat im Wahlkreise Sorau Forst zu bedauerlichen Zwistigleiten geführt. In einer am Freitag Als am Sonntag nachmittag die ungarische Delegation im abgehaltenen Vereinsversammlung zu Forst wurde die Angelegenheit ungarischen Ministerpalais zu Wien Sigung hielt, erschienen Teil zur Sprache gebracht. Die Kommission erklärte, daß sie der Kreisnehmer einer im Rathause veranstalteten christlichsozialen Volks- fonferenz den Genossen Koblenzer vorschlagen werde. versammlung, in der Ehren- Lueger die Anwesenden„ christlichsozial" meisten Redner aus der Versammlung aber forderten die Aufstellung fanatisiert hatte, bor dem Gebäude. Sie warfen sämtliche Fenster des Genossen Redakteurs Mardwald. mit Steinen ein. Durch ein offenstehendes Fenster wurde ein Genosse Koblenzer erklärte in der Diskussion: offenes Messer geschleudert, das dicht am Kopfe des Chefs des ungarischen Preßbureaus, Ministerialrats Abranyi, vorbeiflog. Auf der Straße wurden Reden gehalten. Man hängte eine Puppe im ungarischen Nationalkostüm und mit der Aufschrift„ Kossuth" an einen Laternenpfahl! Der österreichische Ministerpräsident, Freiherr v. Beck, hat dem ungarischen Ministerpräsidenten Weterle sofort sein Bedauern über den Vorfall ausgesprochen. Ungarn. Nach dem Eindruck, den er von der bisherigen Diskussion gewonnen, halte er es für zweckmäßig, daß sich die Versammlung erst über die Kandidatur Marchwalds einige, und erst für den Fall, daß dessen Kandidatur abgelehnt werde, tämen andere Personen in Frage. " Das von der Polizei erlaffene Versammlungsverbot zeugt von der geradezu bodenlosen Ungeniertheit, welche auf der Zwidauer Polizeiwachtstube herrscht. Es heißt in dem behördlichen Schreibebrief u. a.: Der Zwidauer Maurerstreit ist nach den stattgehabten behördlichen Ermittelungen als beendet zu erachten gewesen und deshalb die Streifleitung aufgelöst worden, um der willkür lichen Agitation einer geringen Anzahl Maurer, welche notorisch die Arbeit nicht wieder aufgenommen haben, um die Agitation fortseßen zu können, ein Ziel zu sezen. Gegen diese Entscheidung der Behörde stand dem bisherigen Streifleiter der Weg des Returfes zu und er ist von dieser Seite beschritten worden. Die oberbehördliche Entscheidung steht noch aus. Diesen gefeßlich vorgeschriebenen und gewährleisteten Rechtsweg hat auch die Allgemeinheit zu beschreiten. Nicht aber kann es zugelassen werden, daß in Versammlungen die Maßnahmen der Behörde kritisiert, verächtlich gemacht werden und zum Widerstand gegen dieselben aufgefordert werde, wie dies in der am 7. d. M. im Belvedere" stattgefundenen Versammlung geschah." " Die Polizei irrt sehr, wenn sie annimmt, eine Kritik ihrer Maßnahmen könnte diese verächtlich machen. Die Maßnahmen wirken ohne Kritik. Die schärfste Kritik der Maßnahmen selbst liegt in dem Verbot der Kritik, da ja danach die polizeilichen Anordnungen Wir wollen noch besonders bemerken, daß der Maurerstreik in Zwickau fortdauert und geradezu glänzend steht. Streifbrecher sind so gut wie nicht vorhanden. Der übergroße Teil der Streifenden ist abgereist. Die Polizeiutafe haben die Reihen der Streifenden um so fester zusammenLandarbeiterkongreß in Böhmen. Genosse Mardwald führte unter anderem aus: Da nach polizeilicher Ansicht unter Kritik sein sollen. ihm außer den Beschlüssen der zwar kleinen Vereine von Dieser aufgelöste" Maurerstreit, das Verbot der ProtestEulo und Sacro von vielen Seiten, von zahlreichen Forster versammlung und der Kritik haben eine geradezu immense Barteigenoffen mitgeteilt worden ist, die zweifellose Mehrheit agitatorische Wirkung ausgeübt. Die Ernte davon werden die wünsche seine Kandidatur, habe er aus diesem Grunde nicht von organisierten Arbeiter in Zividau einheimsen. Der politische Waffenstreit im Jnteresse des allgemeinen Wahlrechts. vornherein verzichtet. Denn wenn es wahr sei, was freilich noch Solange die Koalition als Opposition galt, nahm sie den Wahl- festzustellen wäre, daß wirklich die große Mehrheit seine Kandidatur lampf mit lauter populären Forderungen auf. Jetzt aber, wo die wünsche, habe er sich auf den Platz zu stellen, auf den die Partei Koalition die Macht in Händen hat und sich auf eine überwiegende genossen in ihrer Mehrheit ihn stellen wollen. Er wies die ihm im Majorität im Parlament stügen kann, liegt ihr weniger daran, ihre Bezirksverein I gemachte Unterſtellung zurück, als würde er im Falle Versprechungen zu erfüllen, als vielmehr die einst so sehr gehaßte wies auf Abmachungen hin, die mit der Breßfommission zu vereinseiner Wahl die Märkische Volksstimme" finanziell schädigen, und geschloffen. Korruption des früheren libernalen Regimes unter dem Deckmantel baren wären. , nationale Demokratie" auch weiterhin aufrechtzuerhalten. Genosse Redakteur Perner trat seinem Kollegen entgegen. An den beiden Pfingstfeiertagen fand in Prag der zweite Das forrupte politische Gebaren der Koalition überrascht wahr- Als Berner nochmals das Wort ergriff, um gegen Marcivalds Kongreß der landwirtschaftlichen Arbeiter Böhmens statt. Die Bes lich niemand, denn Prinzipien von dieser grundreaktionären Sipp- Kandidatur die Geschäftslage der Märkischen Voltsstimme" geltend wegung der landwirtschaftlichen Arbeiter ist noch sehr jung. Der fchaft zu fordern, δας wäre doch zu naib, ins zu machen, entstand großer Lärm, der den Redner am Weitersprechen erste Kongreß war im vorigen Jahre in Pilsen. In diesem einen besondere jetzt, wo sie es eben ihrer Gesinnungslosigkeit ver- fäuflich ist, habe ich nichts mehr zu sagen!" Bum Schluß zeigte fid mals gab es 30 Organisationsorte mit 338 Mitgliedern, heute berhinderte. Auf Zurufe schloß Perner: Nun, wenn das Mandat Jahre hat die Bewegung ganz kolossale Fortschritte gemacht. Da dankt, daß sie die Zügel der Macht in die Hand bekam. Was steht jetzt dem ungarischen Volke bevor? Die Lasten des aus- als Gast anwesende Redakteur Genosse Wittrisch sich zum Wort Auf dem Kongreß find 84 Delegierte anwesend, die 59 Orte verAbspannung und Erregung, die ihren Höhepunkt erreichte, als der sind es bereits 98 Organisationsorte mit nahezu 3000 Mitgliedern. gebeuteten Landes werden sich weiter mehren; denn der Moloch des meldete. Da viele Teilnehmer die verspätete Versammlung schon treten. Militarismus fordert das. Sehr teuer wird das ungarische Volt verlassen hatten, wurde sie ohne Abstimmung geschlossen. Die Berichte der Delegierten gaben ein Bild von der den vom deutschen Kaiser an Weferle verliehenen hohen Orden Not, in der die Landarbeiter leben. Die Arbeitszeit beträgt bezahlen müssen. Die Koalitionspresse allerdings wetteifert im Die Sonnabendnummer der„ Märkischen Volksstimme" enthält vierzehn bis achtzehn Stunden, selten bloß zehn bis zwölf Stunden. Jubeln; dieselbe Bresse, die noch vor kurzem die tollsten Angriffe anschließend an den Versammlungsbericht zwei Erklärungen. Die Der Lohn übersteigt nahezu nie eine Strone täglich, meiſt iſt er gegen Deutschland geschleudert hat. Aber auch das allerneueste erste lautet: noch niedriger. Nur in der Hochsaison erreicht er zwei Kronen. ungarische Regime hat keine großen Chancen, denn solange das Mit Ende dieser Woche stellt der unterzeichnete wegen der tief- Ganz besonders beklagt sich der Delegierte aus Schüttenunverfälschte allgemeine Wahlrecht nicht Gesetz wird, hat die Re- gehenden Meinungsverschiedenheiten, die sich zwischen ihm und dem hofen, der Grafen Taaffe Choter, gierung in Ungarn feinen festen Boden. Ob die reaktionäre Sipp- Genossen Mardwald in der gestrigen Versammlung ergeben haben, der Barone Heneberg und Pelitan, des Fürsten Lambert schaft noch zeitig genug zur Besinnung gelangen wird, das ist die bis auf weiteres seine Tätigkeit an der„ Märkischen Volkſtimme" ein. und des Abgeordneten Schreiner find. Hier werden Löhne von R. Perner. 16 Kreuzern bis höchstens 35 Kreuzer gezahlt. Arg ist auch die Frage. Doch eines steht fest: Unsere ungarischen Genossen werden Ausbeutung auf den Gütern des Fürsten jeden Angriff auf ihr elementarstes Recht ebenso tapfer zurück- Die zweite, deren erster Teil von minderer Wichtigkeit ist, Schwarzenberg und auf den kirchlichen Gütern. schlagen wie die österreichischen Brüder. Der politische Massenstreit schließt also: Etwas besser sind die Verhältnisse bloß in der nächsten Umgebung Im übrigen werde ich dem Parteivorstand und, da die Redaktions- von Prag, in Laun, Rakoniz und Schlan. Die Delegierten führten im Interesse des allgemeinen Wahlrechtes wurde als legtes Mittel führung jetzt erschwert ist, dem Vorsitzenden der Preßkommission sofort ganz besonders Klagen über die brutale Behandlung durch die bom diesjährigen Parteitag, der Pfingsten stattfand, einstimmig be- meinen Standpunkt flarlegen. Soweit es an mir liegt, werde ich Schaffer. So erzählte der Delegierte aus Krufchowiß einen Fall, wo schloffen, und es ist nunmehr Sache der Regierung, ob dieser Beschluß mich bemühen, so lange ich verpflichtet bin, in Forst als Parteigenosse der Schaffer des Fürsten Fürstenberg einen Arbeiter an zur Ausführung gelangen muß oder nicht. und Redakteur tätig zu sein, meine Pflicht nach bestem Wissen und die Gurgel faßte und würgte. Die Wohnungen der Dienstboten Gewissen zu tun. Jedem Nat, der einen für unsere Partei befriedigenden Ausweg aus der durch die ergebnislos verlaufene Bern, 11. Juni.( Privattelegramm des„ Vorwärts".) Bartelversammlung geschaffenen Situation zeigt, werde ich bereit H. Mardwald. Unsere Befürchtung ist eingetroffen. Das eidgenössische Lebens- willigst folgen. mittelgeset wurde in der gestrigen Sonntagsabstimmung mit etwa 238 000 gegen 145 000 Stimmen, also mit einer Mehr- In Nr. 130 des Vorwärts" polemisiert Genosse Otto heit von ungefähr 93 000 Stimmen, angenommen. Von den Geithner gegen den Artikel des Genossen Alexander Kosiol, 22 Kantonen haben 17% für, 41, gegen das Gesetz gestimmt. Der in Nr. 28 der Neuen Zeit" veröffentlicht war. Diese Polemit Die freihändlerisch gesinnten großen Städte stimmten gegen benutzt Geithner zu einem absolut ungerechtfertigten Ausfall das Gesetz. Nur Bern gab 3326 Ja" und 1948,, Nein" ab. auf die Lese- und Diskutierklubs. Biel 947 Ja", 1429 Nein". Zürich 7972 Ja“, 9308,, Nein" usw. Schweiz. Italien. Die Stichwahl. " Erklärung. wo die Güter und sind standalös. So erzählte der Delegierte aus Cunetiz, daß dort ein Arbeiter die längste Zeit im Schweinestall wohnte und ein anderer in einer Hütte, deren Decke zur Hälfte eingestürzt war. Der Organisation werden überall die größten Hindernisse bereitet. So wurde beim Fürsten Schwarzenberg einmal Sonnabend abends nicht ausgezahlt, weil am Sonntag in dem Dorfe eine Versammlung stattfand. Die Landarbeiter sollten auf diese Weise verhindert werden, in das Gasthaus zu gehen. Es wurde beschlossen, die Gründung eines eigenen andarbeiterblattes anzustreben, vorläufig aber dafür zu wirken, daß das Kreuzerblatt der Partei Bat" eine Beilage für die Landarbeiter herausgebe. Ein Resolution verlangt Einführung der Kranten, Unfall, Alters- und Invalideuversicherung für die Landarbeiter sowie die Abschaffung der Dienstboten ordnungen. Die unterzeichneten, dem Bunde der sozialdemokratischen Lese- und Diskutierklubs" angeschlossenen Klubs protestieren auf das allerentschiedenste gegen diesen Angriff. Will Genosse Geithner sich über den pädagogischen Wert der Diskutierklubs aussprechen, so mag er dies tun. Weiter darf er aber nicht gehen, denn er hat bisher noch durch nichts bewiesen, daß er die geeignete Person ist, Ferner wurde beschloffen, überall Distrittsagitationskomitees zu Rom, 11. Juni.( Privattelegramm unseres römischen die die Resultate der erzieherischen Tätigkeit einer parteigenössi schaffen, denen die Leitung der Agitation obliegen soll. Der Korrespondenten.) Bei der Stichwahl ist Rigola unterlegen, schen Organisation als eingebildete Vielmisferei und Gedanken Organisationsbeitrag soll von 60 auf 80 Heller monatlich erhöht Tasca gewählt. Die Niederlage des einzigen Arbeiters im Tofigkeit bezeichnen fann. Aus seinem Artikel ist ohne weiteres werden, wovon 10 Heller dem Dispositionsfonds zufallen. italienischen Parlament ist ein schwerer Schlag für die zu ersehen, daß sein Artitel von sehr wenig Sachkenntnis be- Schließlich wurde noch beschlossen, sich mit der Parteivertretung der Partei.einflußt ist. Wir verzichten deshalb auf eine fachliche Distuffion flovakischen Sozialdemokratie in Breßburg ins Einvernehmen zu fegen, damit die flobalischen Landarbeiter nicht als 2ohnbrüderjlernt. Es wurde weiterhin am Schluffe des Schreibens nochmals fiert. Eine christliche Streifbrecherorganisation, die den Meistern nach Böhmen kommen. wiederholt, daß ein Antrag auf Einleitung des Aausschlußverfahrens hätte zu Hülfe fommen können, ist am Orte nicht vorhanden. Die Laubarbeiterorganisation macht demnach recht erfreuliche gegen ein Mitglied nur dann Aussicht auf Erfolg hat, wenn er ge In Priswalf( Ostprignis) befinden sich die Tischler im Fortschritte in Böhmen. In Desterreich wie in Deutschland schreitet nügend begründet ist. Die Form unserer Antwort vom 13. Dezember Streit. Von den Meistern wurde zwar die Verkürzung der die Aufklärung auf dem Lande rüstig vorwärts. Der Pfingsttongreß ließ ohne jeden Zweifel erkennen, daß der Vorstand der Einleitung Arbeitszeit von 11 resp. 10% Stunden auf 10 Stunden bewilligt, der böhmischen Landarbeiter möge eine gute Vorbedeutung für ben eines Ausschlußverfahrens nichts in den Weg legen würde, wenn die geforderte Lohnerhöhung von 5 Proz. sowie der Akkordausschlag von uns ausführlich berichteten Plan einer Organisation der Land- der Antrag statutengemäß ausreichend begründet ft. In einer arbeiter in Deutschland unter Zusammengehen der gewerkschaftlichen anderen Sache wurden von derselben Kommission, wie sie in ihrem von 8 Proz. jedoch abgelehnt. Darauf legten die Tischler die Arbeit und politischen Richtung sein. Schreiben ausdrücklich erklärte, dem Unterzeichneten keine BeGewerkschaftliches. Sächsische Tegtilbarone an der Arbeit. nieder. nur zu antworten. Die schwerde, sondern bestimmte Fragen zur Beantwortung vorgelegt. Hannoversche Baumwollspinnerei und Weberei. Die in der Diese Fragen wurden von einer vom Vorstand eingesetzten Kom- Water- Spinnerei genannter Fabrit beschäftigten Arbeiterinnen hatten mission geprüft und sachgemäß beantwortet. Da aber diese Kom- sich nach erfolgloser Rücksprache mit dem Obermeister am Mittwochmission feststellte, daß bei der ganzen Sache das Verhalten der nachmittag zu einer Besprechung zusammengefunden. Das fort„ ausgeschalteten" Agitationskommission der Rohrleger nicht forrekt währende Sinken des Arbeitslohnes, die übermäßig lange ArbeitsWir sind in der Lage, über eine Vorstandssigung der sächsischen war, wurde das vom Vorstand gerügt. Die ausgeschaltete" Agita- zeit, fowie sonstige Mißstände im Betriebe hatten die Arbeiterinnen Textilindustriellen berichten zu können, die am 25. Mai in Chem- tionsfommission der Rohrleger hat zwar die Rüge und die Ab- berart erbittert, daß eine Katastrophe zu befürchten war. Auf Anniz stattgefunden hat. Anwesend waren die Herren Kommerzienrat weifung ihrer Beschwerde durch Beschwerde beim Ausschuß an raten der Vertreter des Verbandes deutscher Tertilarbeiter nahmen Start Chemnis, Direktor Hertle Leipzig, Morib gegriffen, aber nicht einmal deren Entscheidung abgewartet. Dies die Arbeiterinnen die Arbeit heute morgen, nachdem ihre Wünsche Burmann von der Firma Solbrig Söhne- Chemnis, der Sachverhalt. der Direktion schriftlich übermittelt waren, wieder auf. Nach beKommerzienrat Wenzel- Leipzig und Lucas SchmidtWir halten uns zur Klarstellung unseren Mitgliedern in Berlin fannter Manier maßregelte die Direktion die Haupträbetsführerin". Crimmitschau. Herr Kommerzienrat Start berührte die gegenüber verpflichtet und bemerken dazu, daß wir auch heute, Darauf stellte die Organisation im Auftrage der Spinner und Beröffentlichungen des Berichts der diesjährigen Hauptversammlung ebensowenig wie damals, irgend welche Veran Spinnerinnen folgende Forderungen an die Direktion: 1. Wiederund intimer Aeußerungen des Herrn Geheimrat lassung noch die Absicht haben, der Einleitung einstellen der gemaßregelten Arbeiterin. 2. Einführung der zehnBogel am 26. Februar im" Tegtilarbeiter" und in der des Ausschlußverfahrens gegen irgend ein Mit- stündigen Arbeitszeit. 3. 15 Proz. Lohnerhöhung für sämtliche Boltsstimme". Es wird beschlossen, in Zukunft glieb, es fei wer es jei, aufeinen ausreichend be- Arbeiter und Arbeiterinnen. 4. Hinzuziehung des Spinners beim einen Saal für die Versammlungen zu wählen, gründeten Antrag hin entgegenzutreten. der fremden hörern feine Gelegenheit zum Stuttgart, im Juni 1906. Stenographieren bietet. Herr Kommerzienrat Start hat in Sachen der Streifunterstüßungsfrage eine Zusammenkunft mit den Herren Bued, Regierungsrat Leibig, Dr. Tänzler, Dr. Lehmann, Dr. Stresemann am Sonntag, den 20. Mai, in Berlin gehabt. Es ist dabei in Aussicht genommen worden, daß die Verbände, welche zu Aachen gehören, einzeln in den Streit abwehrverband der Hauptstelle eintreten sollen, um einen Anfang zu machen. Der Verband Sächsisch- Thüringischer Webereien und der Fabrikantenverein in Forst haben sich noch ausgefchloffen, da ihnen die Beiträge zu hoch sind. Die Juteindustriellen bleiben als wirtschaftlicher Verband unter sich, werden aber in Zukunft sich den Die Arbeit niedergelegt haben am Sonnabend auf dem Neubau fequenzen aufmerksam gemacht, kam einmütig die Antwort: lieber Ortsgruppen des Verbandes von Arbeitgebern der Sächsischen Textil- der Firma Jandorf am Wittenbergplak 60 Hülfsarbeiter wochenlang entbehren, als unter diesen jammervollen Arbeitsindustrie anschließen und nur an den Verwaltungslosten dieser ber Firma Thyssen u. Co., von welcher die Eisenkonstruktion bedingungen weiterarbeiten. Die gewählte Kommission wurde Ortsgruppen partizipieren. Herr Kommerzienrat Statt legt bie an jenem Bau ausgeführt wird. Die Ursache der Differenz liegt in vorftellig, die Direktion zeigte nicht das geringste Entgegenkommen. Sabungen des Verbandes Sächsischer Industrieller für Streifver- ber plöglichen Entlassung einiger Arbeitsfollgegen, darunter eines Sämtliche Spinner und Spinnerinnen reichten darauf die Kündigung sicherung vor, der darin erklärt, daß er die Streitversicherung der Vertrauensmannes vom Transportarbeiterverbande. Eine Verein. Da die Fabrikleitung versuchen wird, von auswärts ArbeitsTextilindustriellen in Sachsen dem Verband von Arbeitgebern der ständigung konnte mit der Firma bisher noch nicht erzielt werden. fräfte heranzuziehen, werden die arbeiterfreundlichen Blätter gebeten, Sächsischen Textilindustrie überläßt. Herr Kommerzienrat Start auf die Differenzen hinzuweisen. berliest ein Telegramm des Herrn Dr. Stresemann, der im Der Streif in der Englischen Gasmesserfabrik zu Mariendorf, Husland. Zentralverband deutscher Industrieller in Berlin den Antrag stellen der eine Folge der in dieseni Werke vorgenommenen Maiaus. wird, die Vereinigung des Vereins der Arbeitgeberberbände mit der Sperrung war, ist beendet. Ein Erfolg konnte nicht mehr Die amerikanischen Buchdrucker stehen seit September 1905 Hauptstelle in der Streifunterstützungsfrage zu beschließen. Herr erzielt werden, da sowohl durch den katholischen Arbeitsnachweis im Kampfe um den Achtstundentag und schreiten seit dem 1. Januar Kommerzienrat Star berichtete über die Korrespondenz mit der in der Kaiserstraße, als auch sonst Arbeitswillige in genügender 1906 siegreich vor. Es handelt sich nur um die Akzidenzdruckereien, Kammgarnspinnerei Weise jr. u. Co., Langenfalza. Die Bahl gestellt wurden. Der Direktion war es dadurch möglich geFirma soll geschützt werden, wenn die Arbeiter trop der unter Zu- worden, die ursprünglich geplante Aussiebung von 73 Arbeitern denn bei den Zeitungen ist längst die Forderung bewilligt. Bei stimmung des Verbandes gemachten Zugeständnisse in den Streit noch zu erweitern, so daß die Zahl der endgültig wegen Teilnahme einer Gesamtzahl von 50 000 Mitgliedern des Verbandes stehen treten, vorausgesetzt, daß der einzufezende Streifausschuß die Nichts an der Maifeier Entlassenen jezt 140 beträgt. An der Aussiebung noch 4500 Mann auf der Streikliste, die ausreichend unterstützt berechtigung des Streites ausspricht. Herr Lucas Schmidt be- beteiligte sich als Ratgeber ber Direktion besonders der Arbeiter werden. Mit einer überwältigenden Majorität, die einer Einrichtete über die Stimmung unter den Werbauer Textilindustri- Paul Schend aus Rigdorf. der bisher dem Metallarbeiter stimmigkeit nahe kam, beschlossen die Verbandsmitglieder, den ellen bezüglich einer Reduktion der Arbeitszeit, wie sie Crimmitschau verband wie auch dem Rigdorfer Wahlverein angehörte. Für diese zehnten Teil ihres wöchentlichen Arbeitslohnes in die Streitkasse seit 19. April d. J. eingeführt hat. Der Vorstand nimmt Kenntnis treuen" Dienste ist er von der Direktion denn auch prompt in eine von der Verkürzung der Arbeitszeit in Crimmitschau auf Aufsichtsstellung befördert worden. Uebrigens gewährt die Direk zu zahlen, so daß es an Munition für den Kampf nicht fehlt. Ueber 10% Stunden unter Ausgleichung der Löhne. Von der Baummoll. tion allen ihren Arbeitern, die am 1. Mai nicht mitgefeiert haben, 700 000 Dollar wurden bereits seitens der Seher berausgabt, um weberei Mittweida ist die Forderung des zehnstündigen Arbeits- zur Belohnung für ihre Treue" jetzt besondere Extravergünsti- die alte Forderung diesmal auf der ganzen Linie durchzusehen. tages gemeldet. Der Vorstand begrüßt den Mittweida gegebenen gungen. So erhält jeder diefer Braben eine außerordentliche Gratis Rat, von der Freigabe des Sonnabendnachmittags abzusehen, mit filation von 25 M. und 14 Tage Sommerurlaub, während früher Freuden, da diese nur zur Herabdrückung der Arbeitszeit unter mur denjenigen Arbeitern ein achttägiger Urlaub gewährt wurde, 60 Stunden, beziehungsweise bei Einführung des Behnstundentages bie über 5 Jahre im Betriebe beschäftigt waren. Nun, die Direktion Abwiegen des abgelieferten Arbeitsquantums. 5. Feststellen der Tara der Körbe und Kisten bei jedesmaligem Abliefern des Garnes. Der Vorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes. 6. Bezahlen des sogenannten Abfalles mit 50 Proz. des eigentlichen Lohnbetrages. 7. Stellen eines Aufsteckers für jeden Selfaktor. Erfolgreiche Werkstattstreits sind gegenwärtig von den Holz 8. Bezahlen der Weblöhne nach Metern. Die Direktion hat arbeitern in der Möbelfabrik von Brandt, der Bautischlerei sich nicht gemüßigt gefehen, auch von Leibe und der Korbmöbelfabrik von Franke beendet lang aufgespeicherte Erbitterung fam in der am Freitag, den worden. Bei den beiden erstgenannten Betrieben, die nicht Ver- 8. Juni abgehaltenen Versammlung zum Durchbruch. Einmütig tragsfirmen sind, wurde eine Erhöhung des Lohntarifs durchgefeßt, beschlossen die versammelten Spinner und Spinnerinnen, am Sonnund in der Korbmöbelfabrik erfolgte eine Berkürzung der wöchent- abend noch einen Verfuch zwecks gütlicher Beilegung der schwebenden lichen Arbeitszeit um fünf Stunden, außerdem wurde eine sieben- Differenzen zu machen und wenn der Erfolg ausbleibe, die Künprezentige Lohnerhöhung errungen. digung einzureichen. Seitens der Verbandsleitung auf die Konauf 55 Stunden führen müffe. Den Mittweibaer Webereien foll bie bes Werks mag diesmal bank der Indifferenz so vieler Arbeiter Letzte Nachrichten und Depefchen. Bedauern bemerkt wurde. Ein neuer Aufstand. Ein wenig mehr Breßfreiheit. Beobachtung dieses Punttes nochmals vorstandsseitig empfohlen noch über die Maifeiernden triumphieren. Vielleicht wird sie schon werden. Herr Kommerzienrat Start berichtete über den gegen im nächsten Jahre zur Freigabe des 1. Mai gezwungen. wärtigen Stand der Streifflausel. Herr Kommerzienrat Wenzel Die Asphalteure hatten fürzlich den Unternehmern Tarifforde= Berlin, 11. Juni. Nach einem Telegramm des kaiserlichen wird, sobald der Wortlaut der Bedingungen seines Verbandes fest- rungen eingesandt und um Rüdäußerung ersucht. Die den Untersteht, diefen einsenden. Herr Kommerzienrat Stark wird den Text nehmern gestellte Frist ist nun abgelaufen, sie haben jedoch, bis Gouvernements von Deutsch- Ostafrika meldete die Station Moschi gleichzeitig mit dem im Zentralverband deutscher Industrieller be- auf eine Firma, gar teine Antwort auf die Forderungen erteilt. am Kilimandscharo, daß in der Landschaft Iraku Unruhen aus schlossenen unter den Vorstandsmitgliedern zirkulieren lassen. Tros Eine am Sonntag abgehaltene Versammlung der Asphalteure und gebrochen sind. Ein treuer Häuptling wurde berjagt und der MeruDer Wichtigkeit der Tagesordnung waren von dem Gesamtvorstand Bappdachdecker beschloß mit Rüdsicht auf die augenblickliche Lage, Ansiedler Uffert von 500 bis 1000 Aufständischen aufgehalten und nur 4 Herren Mitglieder desselben erschienen, was von diesen mit einstweilen feine weiteren Schritte in der Lohnewegung zu tun, bedroht. Der Stationschef Abel rückte am 5. Juni von Moschi ab sondern dieselbe bis zum Eintritt der Hochkonjunktur im August Die sächsischen Arbeiter wiffen also, was sie von den Herren aufzuschieben. Die Leitung der Organisation soll den Bersuch mit 2 Europäern, 40 Astari, 1 Maschinengewehr und 100 Maffai. Scharfmachern des sächsischen Textilindustriellenverbandes au er machen, mit den Unternehmern persönlich zu verhandeln. Es wurden konzentrisch gegen Iraku vorgeschoben Abteilungen von warten haben. Ein foaliertes Unternehmertum steht ihnen gegen über, das seine wirtschaftliche Macht und auch die der Vereinigung Achtung, Arbeiter! Die organisierten Arbeiter der Attien- Mpwapwa aus über Jrangi, von Kilimatinde über Mtalama, sowie rüdsichtslos den Forderungen der Textilarbeiterschaft, und mögen brauerei vormals Gebr. Schönbeck, Neuruppin, legten die Arbeit die in Tabora stationierte fünfte Kompagnie, fie noch so bescheiden und berechtigt sein, entgegenstellt. Besonders nieder, weil von Ihnen verlangt wurde, aus dem Zentralverband ift es die von der Arbeiterschaft berlangte Verkürzung der Arbeits- deutscher Brauereiarbeiter auszutreten. Eine am Sonnabend, den zeit, die diese Herren so lange als nur irgend möglich hintanhalten 9. Juni er., in Neuruppin stattgefundene öffentliche Versammlung Hamburg, 11. Juni.( W. T. B.) Bei den heutigen Verhand wollen. Und wie die Textilproben in Sachsen, fo find auch die im erklärte sich mit den Brauereiarbeitern solidarisch und verhängte den fungen des Delegiertentages des Berbandes deutscher Journalisten. Reiche brauf und bran, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln Boykott über das Bier der vorm. Schönbeckschen Brauerei. Ge- und Schriftstellervereine wurden folgende von Rechtsanwalt Armerdie Arbeiterschaft so lange als nur irgend möglich ins Joch au nannte Brauerei hat in Berlin NW., Stephanftr. 15, eine Nieder- Breslau aufgestellten Leitfäge angenommen: Es soll bahin gewirkt spannen, fich feine Minute Arbeitszeitverfürzung abtroßen zu laffen. lage unter der Firma Aktiengesellschaft zum Betriebe von Braue werden 1. daß die Zuständigkeit der Schwurgerichte ausgebehnt wird Da muß auch dem blödesten Arbeiter Klar werden, daß durch eine reien. auf Bergehen, die durch den Inhalt einer im Inlande erscheinenden periodischen Druckschrift begangen werden; 2. daß§ 7 der Strafprozeßordnung dahin abgeändert wird, daß auch bei Verfolgung im Wege der Privatflage der Erscheinungsort der Drudschrift als lung fontraftbrüchig geworden ist. Die Arbeiter waren deshalb von alleiniger Gerichtsstand anzusehen ist und der fliegende Gerichtsder Beachtung des Kontrakts entbunden. Weiter wurde erwiesen, stand der Verbreitung beseitigt wird; 3. daß das Privatklagever= daß die Arbeiter außerordentlich langmütig gewefen sind. Herr fahren ausgedehnt wird auf die Verfolgung wegen Nichtaufnahme bezeichnet. Die Lederarbeiter haben auf Grund des ihnen zuer Korreferenten Giesen Frankfurt a. M. angenommen, in dem fannten Rechts die Arbeit wieder aufgenommen. Da die eigentliche namentlich gefordert wird, daß die Aufnahme von Berichtigungen, Differenz erst in dem vom Einigungsamt für den 18. Juni anderen unwahrheit nachzuweisen ist, zurückgewiesen werden tann gesetzten Termin seine Erledigung findet, ist vorläufig Zuzug von und in dem die Forderung der Einführung einer Verjährungsfrist für den Berichtigungsawang erhoben wird. Lederarbeitern nach Berlin noch fern zu halten. starfe, schlagfertige Organisation die gerade in der Textilindustrie Zum Konflift in der Lederfabrik Emanuel Meyer. Am 5. Juni herrschende lange Arbeitszeit und andere Uebelftände beseitigt fand vor dem Einigungsamt eine Verhandlung statt, in der feit werden müffen. Darum: Sinein in den Zegtilarbeitergestellt wurde, daß Herr Meyer durch eine vorgenommene Maßregeberbandl Berlin und Umgegend. Der Hauptvorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes sendet Meyer hatte u. a. die Leiter der Organisation als" bumme Jungen" einer Berichtigung. Mit lehterem Leitfake wurde ein Antrag des uns folgende Buschrift zur Veröffentlichung: An unsere Mitglieder in Berlin! Erklärung. dorf, Albertstraße, Ecke Weisestraße. im Restaurant Aller- Burg" errichtet worden. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß nur die jenigen Geschäfte als frei" zu betrachten find, in denen die roten Blafate mit weißem Duerftrich aushängen und die Gehülfen die weißen Karten mit der Unterschrift" Baumgart" vorzeigen können. Deutfches Reich. Bergiftung durch Fleisch. Hannover, 11. Juni.( B. H.) Nach Genuß bon rohem Fleisch erkrankte die Familie des bei den Egesdorfer Salzwerken beschäftigten Kutschers Kraimaier. Eine Tochter ist bereits geftorben. Kraimaier Schade um den Bauut Innsbruck, 11. Juni.( W. T. B.) Wagen Nr. 146 der Ser tomer- Konkurrens fuhr in der Nähe von Gillian im Bustertal einen Baum an. Die Jufaffen flogen aus dem Wagen. Der Lenker wurde am Kopfe verlegt. In einer am Mittwoch, den 30. Mai 1906, abgehaltenen Ber. fammlung eines Teils der Rohrleger und Helfer von Berlin, in der am Schluffe die offenbar langerhand vorbereitete Gründung eines Zum Kampf im Barbiergewerbe. Der Verband deutscher neuen deutschen Metallarbeiterverbandes formell genehmigt wurde, Barbiere, Friseure und Perückenmachergehülfen macht darauf auf wurde unter anderem auch, vom Referenten wie verschiedenen Dis- merksam, daß seitens der Gehülfenschaft fliegende Barbierstuben nicht kussionsrednern, dem unterzeichneten Vorstand der Vorwurf gemacht, eingerichtet sind. Wo sich solche zeigen, handelt es sich um Privatbaß er die Situation mitverschuldet habe. Da aus den Berichten unternehmen, die die augenblickliche Bewegung zur Erzielung von ber Presse nicht hervorgeht, inwieweit dies geschehen sei, anderer- Sondervorteilen ausmusen wollen. Eine fliegende Barbierstube, mit und die anderen Kinder liegen fchwerkrank danieder. feits aber dem Unterzeichneten nur eine Beschwerde der Rohrleger der die kämpfenden Gehülfen nichts zu tun haben, ist z. B. in Rirborlag, stellen wir hiermit fest, daß diese Beschwerde von uns aus rein statutarischen Gründen abgewiesen werden mußte. Der Sachberhalt ist furs folgender: Die Agitationskommission der Rohrleger und Helfer Berlins, die sich neuerdings als ausgeschaltete gi tationsfommission bezeichnet, hatte an die Ortsverwaltung Berlin einen Antrag eingereicht, gegen die Mitglieder Cohen, Horn und Wücke das Ausschlußverfahren auf Grund des§ 27 des Verbands Zuspigung des Konfliktes im Saarrevier. Von verschiedenen statuts einzuleiten. Begründet wurde der Antrag damit, daß Cohen wiederholt in Zusammenkünften der Mitglieder die Unwahrheit ge- Seiten war gemeldet worden, infolge der Bermittelung des Abg. fagt und damit die Verbandsintereffen geschädigt haben follte. Horn Bols fei der Ausstand beendet. Das ist nicht richtig. Wohl waren und Wücke sollten durch ihr Betragen in einer Generalversammlung die Arbeiter geneigt, auf Grund der gepflogenen Verhandlungen die der Verwaltungsstelle Berlin gegen die Verbandsinteressen verstoßen Arbeit wieder aufzunehmen, aber nicht sich jeder Bedingung zu haben. Die Einleitung des Ausschlußverfahrens wurde von der Ortsverwaltung Berlin wegen mangelhafter Begründung abgelehnt, unterwerfen. Die Direktion glaubte aber wohl gewonnenes Spiel weil das Statut ausdrücklich vorschreibt, daß einem angeschuldigten zu haben. Sie forderte von den Arbeitern, daß diese neue An Budapest, 11. Juni.( Meldung des Ungarischen KorrespondenzMitgliede durch vorherige Mitteilung der Ausschlußgründe Gelegen nahmescheine unterschreiben und sich von den Aerzten neu unter- bureaus) Staiser Franz Josef hat heute in Wien den ungarischen heit zur Rechtfertigung au geben ist und daß der Beschuldigte unter fuchen laffen sollten. Man hoffte wohl, auf diese Weise etwas Ministerpräsidenten Dr. Weferle in Audienz empfangen und seiner Mitteilung der Ausschlußgründe in gedrängter Zusammenfaffung fieben" zu können. 500 Arbeiter fommen hierbei in Frage. Nur Entrüstung über die gestrige Demonstration vor dem ungarischen vermittelst Ginschreibebrief mindestens acht Tage vor Stattfinden ein kleiner Teil fügte sich den Bedingungen, die meisten gingen nach Ministerpalais Ausdruck gegeben. Der Kaiser sagte: sa etwas des Termins vor eine Untersuchungsfommission zu laden ist. Die deswegen an den Vorstand gerichtete Beschwerde der ausgeschalteten" Agitationstommiffion gegen die Ortsverwaltung fonnte von una Der Dachdeckerstreit in Dortmund wurde am Sonnabend be= aber nicht berücksichtigt, sondern mußte abgewiefen werden. In endigt. Die Gehülfen erzielten einen vollen Erfolg; u. a. erhalten Budapest, 11. Juni.( B. S.) Die sozialdemokratischen Arbeiter unserem Antwortschreiben vom 13. Dezember wurde besonders auf fie für dies Jahr eine Erhöhung des Stundenlohnes um 5 Bf. und die ftatutarischen Bestimmungen hingewiesen, diese zitiert, und auch nächstes Jahr eine abermalige Erhöhung um 3 Bf. Auch sonst Ungarns beschloffen, falls die Regierung den Verband der landwirtdarauf aufmerksam gemacht, daß selbst vor den ordentlichen Ge- enthält der Zarif noch eine ganze Anzahl günftiger Bestimmungen. fchaftlichen Arbeiter Ungarns auflösen und ihre Vereins- und Verrichten der Angeklagte, ehe er zum Termin erscheint, in der Anklage. In der Hauptsache verdanken die Gehülfen den Erfolg ihrer straffen fammlungsrechte weiterhin einschränken sollte, mit einem politischen schrift die zu seiner etwaigen Berurteilung führenden Gründe tennen Organisation. In Dortmund find 99 Proz. der Gehülfen organi. Massenstreit zu antworten. Hause. Revolutionäre Offiziere. Petersburg, 11. Juni.( B. S.) In den letzten Tagen wurden wegen Teilnahme an einem geheimen militärischen Verbande acht Offiziere der hiesigen Garnison verhaftet. darf nicht vorkommen. Franz Josef ist entrüstet. Maffenstreit in Ungarn. Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 183. 23. IahrMg. L Knlize te " ßctlintt MlksdlM Dienstag, 12. Juni 1906. Die Revolution in Rutzland. Aus der Duma. Petersburg, 11. Juni. Zu Anfang der Sitzung ereignete sich ein kleiner Zwischenfall. Der Deputierte Vozovik nahm das Wort zur Tagesordnung und beantragte, daß die Duma ihre Sitzungen nicht schließen solle, bevor sie nicht ein Agrargesetz, ein Gesetz über die bürgerliche Gleichberechtigung, die Freiheit des Wortes und die Abschaffung der Todesstrafe angenommen habe. Der Präsident er- klärt, dieser Antrag könne auf dem von der Geschäftsordnung vor- geschriebenen Wege eingebracht werden, aber nicht zur gegenwärsigen Tagesordnung. Der Redner verläßt hierauf, ohne feine Rede zu beenden, die Tribüne, und das Haus geht, ohne eine Entscheidung zu treffen, zur Fortsetzung der Wahlprüfungen über. In einer Debatte über das Reglement der Duma erhebt Graf Heyden Einspruch gegen die Ausführungen des konstitutionellen Demokraten Professor Schtschepkin, der darzutun versucht habe, daß die Parlamentsmehrheit stets das Recht habe, die Minderheit zu unterdrücken. Graf Heyden sagt, die Mehrheit sei veränderlich; er verspreche, wenn seine Partei stärker sei, humaner gegen Schtschepkin sein zu wollen. Er erinnere an die römische Geschichte. Es sei immer jemand aufgetreten, der den Triumphator getadelt habe, damit er sich nicht zu sehr brüsten konnte. Verschiedene kon- slitutionelle Demokraten erklären namens ihrer Partei, sie würden niemals die Minderheit zu unterdrücken versuchen, sondern deren Rechte achten.— Die„Freiheiten" der Duma. 1. Da seit dem Beginn der Agrardebatten in der Reichsduma zwischen den Reichsdumaabgeordneten und ihren Wählern ein ge- steigerter Depeschenverkehr in ziemlich freier Sprache stattfindet, so erließ der russische Minister des Innern an alle Chefs der Tele- graphenämter ein Geheimzirkular,.revolutionäre" Depeschen an Reichsdumamitglieder nicht anzunehmen und umgekehrt solche an die Bauern zurückzuhalten!!— 2. Auf Anordnung des Ministers Stolypin werden die 14 Reichs- dumamitalieder der Arbeiterpartei, die kürzlich den bekannten Auftuf erlassen haben, scharf überwacht.— Die Agrarfrage«ud die Sozialdemokratie. Die Agrarftage in Rußland ist vorwiegend die Frage des Bodenmangels der Bauern. Ihr Ursprung dosiert noch vom Jahre 1861, dem Jahre der„großen Reform", die den Bauer zwar persön- lich befteite, aber seinen Bodenbesitz um mehr als ein Fünftel reduzierte. Seit der Zeit aber hat sich die bäuerliche Bevölkerung mehr als verdoppelt, und so kommt eS, daß der größte Teil der Bauern nicht einmal genug Boden zur bloßen Ernährung hat und eS als Glück preisen muß, wenn ein benachbarter Gutsbesitzer zu einem horrenden Pachtzins ein Stückchen Boden zur Verfügung stellt. Drückende Steuerabgaben, hoher Pachtzins, äußerst niedriges Niveau landwirffchaftlicher Technik, Viehmangel, hohe Parzellierung usw. lassen oas Hauptübel— den Bodenmangel— noch schärfer hervortreten, und so wird er die Quelle des Hungers und der Ver- elendung von'/« der Bevölkerung. Demgemäß nimmt die Agrarfrage in den Programmen aller politischen Parteien— von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken— einen hervorragenden Platz ein. Auch die Sozialdemo- kratie beschäftigt sich längst eingehend mit dieser Frage, und auf dem kürzlich abgehaltenen sogenannten„Vereinigungsparteitag" war die Agrarfrage der Gegenstand lebhafter Diskussionen. Das aus ihnen hervorgegangene Agrarprogrannn zerfällt seinem Inhalte nach in drei Teile: Der erste Teil betrachtet die soziale und die positische Lage des russischen Bauern und verlangt die Abschaffung aller jener halbfeudalen Zustände, die den Bauer dem Gutsbesitzer gegenüber zum halben Hörigen machen und eS verschulden, daß der Bauer unter den rechtlosen russischen Untertanen der rechtloseste und am brutalsten niedergedrückte ist. Der zweite und dritte Teil, die das eigentliche Agrarproblcm behandeln, stellen sozusagen Maximal- und Minimalfordcrungen auf. Als Maximalfordcrung gilt die Uebergabe aller Krön-, Fiskus-, Kirchen- und Klösterländereien in die Hände der auf demokratischer Basis gewählten Selbstverwaltungsorgane. Die Durchführung dieser Forderung ist an die Bedingung einer durchgreifenden Demokratisierung des Staates geknüpft, mit anderen Worten: an den Sieg der Revolution. Die Minimalforderung verlangt Aufteilung zwischen den Bauern, und zwar Austeilung desjenigen Teiles des Privatbesitzes, der jetzt schon So laoto von ihnen bebaut wird. Dieses hier in kurzen Worten wiedergegebene Programm hat nun nicht ungeteilte Zustimmung in allen Kreisen der Sozialdemo- kratie Rußlands gefunden. Der Rahmen unseres Blattes gestattet eS nicht, alles wiederzugeben, was in dieser wichttgen Frage für und Wider vorgebracht wird. Wir beschränken uns daraus, diejenigen Gründe anzudeuten, die am häufigsten gegen die Munizipalisation als solche ins Feld geführt werden. Deren Gegner betonen vor allem: die Munizipalisation des Bodens werde der Bourgeoisie, die in den neugeschaffenen Selbstverwaltungen zweifellos das Uebergrwicht haben werde, eine neue mächtige Stütze in ihrem Kampfe gegen das Bauerntum und das Proletariat verleihen, was eine Gefahr'für den Demokratismus bedeute. Ferner könne das Verpachten des munizipalisierten Bodens das Vordringen des landwirtschaftlichen Kapitalismus nicht verhindern, und der kleine Parzellenbauer würde gezwungen sein, um mit dem wirtschaftlich stärkeren Kapitalisten konkurrieren zu können, den an die Munizipien zu entrichtenden Pachtzins bis an die äußersten Grenzen seiner eigenen Leistungsfähigkeit hinaufzuschrauben. Auf diese Weise würde er bei der ganzen Bodenreform nichts gewinnen, da eS ihm ja schließlich gleich- gültig sein könne, w e m er den hohen Pachtzins zu bezahlen habe: dem Gutsbesitzer oder den Munizipien. Wenn man auch von diesen und anderen theorettschen Bedenken absieht, so ist doch noch sehr fraglich, ob daS Prinzip der Munizi- palisation unter der Bauernschaft festen Fuß fassen wird. Derjenige Teil, der daS Privateigentum verficht, wird dafür nicht zu haben sein; diejenigen aber, die den Grundsatz:„Die Erde gehört niemandem" vertteten, sprechen sich einssimmig für das einfachere, leichter faßliche Prinzip der Nationalisation auS. Hat die russische Sozialdemokrasie auch noch keine ganz unver- •ückbare Richtschnur für ihr Verhalten gegenüber der Agrarfrage finden können, so darf man doch sagen: Die vorwärtsschreitende ökonomische Entwickelung Rußlands wird ihr dazu verhelfen, die bei einem so schwierigen und komplizierten Problem— wie die Agrar- frage in Rußland— geradezu unvermeidlichen Unklarheiten und Inkonsequenzen zu beseitigen und ihre richtige Lösung herbeizuführen. Unruhen allenthalben. Bei den Warschauer Unruhen am Sonnabend wurden K Personen getötet und 18 verwundet. Das Kriegsgericht verurteilte 1 politische Gefangene zum Tode.. In Bjalystok wurde der Polizewmster auf der Straße erschösse», in Siedlec wurden dar Bürgermeister und der Vorsteher der Kanzle» de« Gouverneurs lebensgefährlich verwundet. In beiden Fällen sind die Täter entk..- Riga, 10. Juni.(B. H.) Der Baron Pinne lourde in der Nähe von Bunske von Revolutionären ermordet. Die intellektuellen Be- völkerungskreise Kurlands haben die Absicht, eine Depesche an den Zaren zu senden, welcher gebeten werden soll, die Behörden an- zuweisen, nunmehr rücksichtslos gegen die Revolutionäre vorzu- gehen. „Nekrolog." Man schreibt uns: Zu den unbekannten„Größen" des„Gottes- ländchens" gehört unzweifelhaft der am 3. d. M. in Windau auf offener Straße lieben den, Polizeipräsidium von einem Unbekannten erschossene Kreischef Braun. Sein tragisches Ende wird jedem Menschenfreunde einen tiefen Seufzer— der Erleichterung ent- locken und dürfte den zahlreichen überlebenden scharftuachenden„echt russischen Patrioten' von baltischem blauen Blute ein lautes warnendes mewento mori zurufen. Treu den Weisungen der Ritterschaft bekämpfte der Verstorbene in seinem umfangreichen Dienstbezirk mit allen ihn» zu Gebote stehenden gesetzlichen und ungesetzlichen Mitteln die sreiheitliche Be- wegung, in welcher er eine Untergrabung der feudalen Privilegien der Freiherren erblickte. Dank seiner unmenschlichen Strenge wurden von der entfesselten Soldateska in diesen» sonst blühenden und ruhigen Kreise im Laufe weniger Wochen auf Befehl der Barone und der sogenannten„Feldgerichte" mehr als 200 unserer Genossen ermordet und zirka 280 Personen(darunter schwangere Frauen und Kinder!) bis zur Besinnungslosigkeit von den Kosaken geprügelt. Diesem Manne unheilvollen Andenkens haben es die durch Steuern und Kontributtonen verarniten Bauern des Dondangenschen Kirch- spiels zu verdanken, daß 60 ihrer besten Höfe von den Ulanen ihrer Majestät unter Führung des scheußlichen Barons Sievers durch Artilleriefeuer den, Erdboden gleich gemacht wurden. Man niuß gestehen, solche„Heldentaten" sind nicht vielen unserer Generale im letzten Kriege gelungen. Nicht umsonst rieben sich die blut- dürstigen Barone vergnügt die Hände und sangen spaltenlange Hymnen dem schneidigen rücksichtslosen Borgehen des Herrn Braun in ihrem berüchtigten Leiborgane, der sauberen„Düna-Zeitung". Man braucht wirklich kein verblendeter Anarchist.zu sein, uin die baltische„Kanipsesorganisation" zu diesem voll gelungenen Akt .u beglückwünschen. Jeder Einsichtige wird eben einsehen, daß es sich ier durchaus nicht um einen bloßen Racheakl für begangene Verbrechen gegen das Volk handelt, sondern lediglich um einen notwendigen Schritt der Notwehr und des Selbstschutzes in einer Zeit, wo jeder andere Schutz gegen Beamtenwillkür versagt und Leute von dein Schlage des Gerichteten mit dem Leben der armen Bevölkerung nach Belieben spielen können. Nicht die Freiheitskärnpfer sind es. sondern die Regierung ist es, die das Land terrorisiert und jeden Begriff von Recht und Gesetz illusorisch gemacht hat. Als die Staatsregieruna die Peiniger der Spiridonowa trotz der Proteste der Gesellschaft nicht nur nicht besttafte, sondern noch auszeichnete, mußten die Freihcitskäinpfer die Funkttonen der strafenden Nemesis übernehmen und die Gewalttäter beseisigen. Dieselbe Mission hat iin Falle Braun die Kanrpfesorganisation vollführt zum Segen des schwer geprüften Windauschen Kreises. Möge dieser Akt den Machthabern Kurland? Wenning dienen! Die Bestialität der Reaktion wird in neue grelle Beleuchtung gerückt durch einen de» die Moskauer Rote Kreuz-Gesellschast an die ani 11. Juni zu Gens zu- sanimenttetende internationale Konferenz der Ber- treter vom Roten Kreuz richtet. In diesem Appell, der sich speziell auf die Moskauer Borgänge be- zieht, wird eine ganze Reihe von Tatsachen aufgeführt, wie das Rote Kreuz- zeichen seitens der russischen Triippen und Administrativpersonen nicht nur nicht respektiert, sondern im Gegenteil stets mit besonderer Er- bitterung beschossen wurde. Die Abteilungen vom Roten Kreuz, die sich der Verwundeten auf den Straßen annahmen, waren immer besonders die Zielscheibe für Gewehr- und Artilleriefeuer, und die Mitglieder der Roten Kreuz-Gesellschast wurden bei ihrem Samariter- werk von der Polizei und Gendarnierie verhaftet. Ueberhaupt wurde jeder Versuch der freiwilligen Roten Kreuz- Organi- satton, auf dem Felde des revolutionären Kainpfes beiden Parteien Hülfe zu leisten, gänzlich paralysiert, während die Vertreter der offiziellen Roten Kreuz-Gesellschast nur den Militär- und Administrativpersonen halfen. Dadurch kam eS, daß nicht nur Leichen, sondern auch schwerverwundete Revolutionäre wie unschuldige Passanten, die verwundet waren, mehrere Tage auf den Straßen liegen blieben. Um solche Mißstände in Zukunft zu venneiden, wird die internationale Konferenz aufgefordert, die Tätigkeit der frei- willigen Abteilungen vom Roten Kreuz während der inneren Konflikte im Lande zu regulieren. Alltägliches. Wir enwehmen der„Nascha Schisn" einige alltägliche Bilder aus dem russischen Leben während der„Konstitution". In Lodz durchzieht die Mkolaistraße ein Trupp Soldaten mit einem Musilorchester. Wie in aller Welt, läuft auch hier ein großer Haufe von Knaben mit und ist in hellem Entzücken von dem kosten- losen Schauspiel. Plötzlich— eine Salve I ES entsteht eine Panik. ein Entsetzen, ein Rennen. Einige fallen sofort. Unter ihnen Kinder. Es erwieS sich, daß eine Kosakenpatrouille mit einem Schutzmann an der Spitze in die Menge geschossen hat. Er dachte, daß er eine Demonstration vor sich hätte, und verfügte ohne weiteres, in den Haufen zu schießen. In dem Dorfe Passin des Witebsker Gouverneinents überfielen Dragoner eine jüdische Synagoge beim Beginn des Gottesdienstes, da sie diese Versammlung für ein revolutionäres Meeting an- nahmen. Ein Teil der Dragoner umringte die Synagoge, der andere drang in sie hinein und begann ein wüstes Treiben, schlug mit den Säbeln nach allen Seiten um sich usw. Die Frauen sprangen von ihrer oberen Abteilung nach unten. Wie der„Narodni Westnik" berichtet, gab es eine Menge Schwerverwundeter und Verstümmelter. »»» Im Flecken Jagotina versamnielten sich in ihrer Bibliothek friedliche Zionisten. DaS Gebäude der Bibliothek wurde sofort von einem Revieraufseher und von Kosaken umringt; sie begannen die Versammelten zwecks Aussagungen herauszurufen und stellten einen Kosaken als Posten an die Tür. Als erste wurde die Tochter des Kaufmanns Manilowitsch gerufen. Sie wurde von einer Nagaika begrüßt. Auf Befehl des RevierauffeherS schlug ein Kosak ihr dreimal mit derselben auf den Kopf. Die anderen beschlossen deshalb, nicht hinauszugehen. Der Revieraufseher schrie:„Ich werde zu schießen befehlen." Die Antwort war:„Entfernen Sie den Kosaken und ivir ver- lassen die Bibliothek." Der Revieraufseher wiederholte noch einmal seinen Ausruf und gab dann den Befehl zu schießen. Die Kosaken erfüllten sofort den Befehl. DaS Resultat ist nach den Nachrichten deS„Kolokol": 2 Tote, 4 Schwer- verwundete und 4 Leichtverwundete. »* In Saratow gingen auf der Nikolaistraße um 10 Uhr abends zwei junge Mädchen. An der Ecke der Sawodskisttaße sitzt ein Wächter und ein Schutzmann. Als die Mädchen vorbeigehen wollen, fragt der Schutzmann den Wächter: „Soll man sie anschießen?" „LoS damit!" Der Schutzmann erhob sich und gab einen Schuß ab. Die Kugel durchdrang den Aermel der Bluse und verwundete die Hand. Das Schicksal der Matrosen deS„Potemkin". Wie wir der„Nascha SchiSn" enwehmen. erhält sie folgende Auskünfte über die Matrosen, die im vorigen Jahre in Odessa auf dem Panzerschiffe„Fürst Potemkin- TawritscheSki" meuterten: 60 von den Matrosen kehrten zu verschiedenen Zeiten nach Rußland zurück und wurden dein Gericht als Meuterer überliefert; gegen 800 Matrosen sind auf englischen und rumänischen Handelsschiffen in Dienst getreten, ein Teil der Matrosen übersiedelte nach Amerika, einige gingen nach der Schweiz, zwei Matrosen dienen beim eng- lischcn Konsul in Galatz und die übrigen, 300 an der Zahl, arbeiten auf dem Lande, in Fabriken und großen Werkstätten. Zurzeit wird von den Mattosen des„Potemkin" eine genossenschaftliche Kasse ge- gründet, die alle arbeitslosen Matrosen unterstützen soll. Verdächtiges Dementi. Mit verdächtiger Geschäftigkeit werden die Meldungen über die geplante Aufnahme einer neuen russischen Auslandsanleihe dementiert. Mit ebenso verdächtiger Geschäftigkeit wird offiziell abgeleugnet, daß der russische Staatskredit von ausländischen Bankiers abfällig be- urteilt werde. Man iveiß, was man von solchen„Dementis" zu halten hat. Ein internationaler Arbeiterkongreß. London, 9. Juni.(Eig. Ber.) Am dritten Kongreßtage präsi- dierte Sachse, an» vierten der Anierikaner White. Im Namen des britischen Verbandes stellte Ouions folgenden Anttag:„Der Kon- greß ist der Ansicht, daß das Prinzip eines Mini mallohnes von allen Ländern angenommen werden soll." In England bestehe bereits seit 1893 ein Minimallohn, und seit den letzten Jahren auch in Schottland und Wales. Die Bedeutung des Minimallohnes zeige sich besonders in Zeiten der Depression. Früher konkurierten die Unternehmer in Zeiten des Gcschäftsniederganges auf Kosten der Arbeiter, deren Lohn reduziert wurde. Heute sei diese Konkurrenz unmöglich. Durch die Festsetzung und Aufrechterhaltung eines Minimallohnes werde den Bergleuten jährlich eine Lohnsumme von 6 Millionen Pfund Sterling gerettet. In England beträgt der Mintnwllohn der Bergleute 6,60 M,, in Schottland 5,50 M. Der deutsche Delegierte Krause brachte einen ähnlichen An- trag ein und erklärte, der Durchschnittslohn der deutschen Bergleute sei 3,75 M.; es gebe auch Distrikte, wo der Wochenlohn zwischen 12 und 16 M. schwanke. Dazu komme die Erhöhung der Lebens- mittelzölle, die die Existenz der Arbeiter noch erschwere. Die Franzosen hatten einen ähnlichen Antrag gestellt, nur wollte» sie den Minimallohn gesetzlich festlegen, während die Deutschen und Briten ihn durch Uebereinkommen zwischen Arbeitern und Unternehmern festlegen wollten. Die Franzosen ließen sich nach einiger Diskussion herbei, das Wort gesetzlich zu streichen, worauf alle drei Resoluttonen angenommen wurden. Der amerikanische Delegierte stellte den Antrag auf Ein- führung von Einheitskarten, so daß eS den Mitgliedern möglich wird, bei Auswanderung nach einem fremden Lande sich da ohne weiteres der Gewerkschaft anzuschließen. Diese Einheits- karten sollen denjenigen Mitgliedern ausgestellt werden, die entweder auf den zwei letzten internationalen Bcrgarbeiterkongressen ver- treten waren oder für mindestens ein volles Jahr Beiträge gezahlt haben. Gegen diesen Antrag sprach Effert, der Delegierte der Christ- lichen, da die Annahme dieses Antrages seinen Gewerkverein aus zwei Jahre hinaus entrechten werde. Das Auftreten Efferts gab gleichzeitig dem Kongresse Gelegenhett, sich über das Wesen des christ- lichen Gewerkvereins zu informieren, wobei es sich zeigte, daß ihr Abgesandter, der nach CourrivreS geschickt war, um die Bergleute zu unterstützei», dort mit den„gelben" Gewerkvereinen in Ver- bindung getreten ist. Efferts erklärte sodann, daß der Abgesandte gegen die Jnstrukttonen gehandelt habe, die ausdrücklich lauteten, die„Gelben" zu meiden. Schließlich wurde der Antrag der Ameri- kaner gegen die Stimmen der Christlichen angenommen. Die französische Delegation stellte den Antrag auf Einführung von Alterspensionen. In den französischen Departements des Nordens und des Pas-de-CalaiS bestehen Alterspensionen seit dem Jahre 1903; ein Bergmann, der dort 30 Jahre arbeite und 55 Jahre alt werde, erhalte eine Pension von 440 M. jährlich; in den andereil Teilen Frankreichs sei die Pension geringer, so daß der Staat 800 000 M. Zuschuß leiste. Die Resolution wurde an- genonimen. Der belgische Delegierte Maroille stellte den Anttog auf Ber- staatlichung der Minen. Der deutsche Delegierte Schlosser unterstützte den Anttag und fügte hinzu, daß die Verstaatlichimg allein nicht genüge; es müsse die Demokratisierung der staatlichen Einrichtungen hinzukommen, um den Arbeitern die Wohltaten der Verstaatlichung zukommen zu lassen. Der christliche Delegierte Effert erklärte, der von ihm verttetene christliche Gewerkverem sei in bezug auf diese Frage nicht einig. Die Behandlung, die den 70000 staatlichen Bergleuten zu teil werde, wirke nicht ermuttgend auf den Gedanken der Verstaatlichung. Deshalb werde seine Delegation sich der Abstimmung enthalten. Ebenso enthielt sich die amerikanische Delegation, da sie keine Jnstruktton hat. Die übrigen Delegierten stimmten für die Resolution. Der deutsche Delegierte Hoffeld stellte den Anttag auf Aus- dehining der Versicherimgsgesetze, um jedem in seinem Berufe in- valid gewordenen Arbeiter eine genügende Pension zu gewähren. Der Anttag wurde angenommen. Die Schlußsitzung am Freitagnachmittag war geheim. Sie be- schäftigte sich mit der Regulierung der Kohlenausbeute, besonders mit den ausländischen Kohlenlieferungen nach einem Lande, wo die Bergleute sich im Streik befinden. Es wurde ein Antrag angenommen, daß es die Pflicht der Bergleute sei, alles zu unterlassen, was einen Streik brechen könnte. Die Einladung der österreichischen Delegation, den nächsten Kongreß in Salzburg abzuhalten, wurde angenommen. Elfte Gtneralvtrsmmlullg des Zeutralvelbandes der Schuhmacher Deutschlands. Nürnberg, 11. Juni. Im Bürgersaale zu Nürnberg traten heute, am 11. Juni, die Delegierten des Zentralverbandes der Schuhmacher Deutschlands zu den Verhandlungen der elften ordentlichen Generalversammlung zusammen. Angemeldet sind 76 Delegierte; der Vorstand ist vertreten durch den ersten Vorsitzenden Simon und den Hauptkasfierer Reuß (der Sekretär Kölle ist kurz vor der Generalversammlung aus dein Bureau ausgetteten), der Ausschuß durch Haupt-Magdeburg, das Fachblatt durch Bock-Gotha. Der Generalversammlung liegt ein ausführlicher Bericht des Vor- standeS und der Gauverwaltungen gedruckt vor. Bezüglich der Lohnbewegungen und Streiks wird bemerkt, daß, von einer zweitägigen Aussperrung in Dresden abgesehen, der Ver- band in den zwei Berichtsjahren von Aussperrungen verschont ge- bliebeu ist. Lohn- und Streikbewegungen fanden an 239 Orten in 1137 Be- trieben statt, an denen 14 547 Personen beteiligt waren. 155Bewegungen mit 7725 Beteiligten wurden durch Verhandlungen ohne Sttcil erledigt, während eS in 84 Orten mit 6824 Beteiligten, die sich aus 552 Bettiebe verteilten, zum Streik kam. Bei diesen Stteiks wurden 268 247 M. Streikunterstützung ausgegeben. Erreicht wurden fü, 2318 Personen 12 474 Stunden Arbeitszeitverkürzung und fül 3551 Personen 6191 M. Lohnerhöhung pro Woche, das ergibt pro Jahr, das Jahr zu 50 Woche» gerechnet, 623 700 Stunden Arbeitszeitverkürzung und 309 550 M. Lohnerhöhung. Jeder der Beteiligten hat somit im Durchschnitt pro Jahr 26g Stunden «rveitSzettvttkürzung imb 87 M. 17 Pf. LohnerhöSung mit Hülfe seiner Organisation erzielt, ein Beweis, daß die Opfer für dicselüe Vicht umsonst gebracht werden. Die EntWickelung des Verbandes hat sich sehr günstig gestaltet. HM Schlüsse des letzten Quartals 1903 waren in 259 Zahlstellen 26 926 Mitglieder vorhanden, am Schlüsse des Jahres 1995 in 28 546 Mitglieder. Infolge der Beitragserhöhung schieden aus oder wurden ausgeschlossen 2760, der reine Zuwachs beträgt aber trotzdem gegen Ende 1903 2250 Mitglieder. Von den Mitgliedern sind 26 065 männliche und 3481 weibliche. Erstere haben sich ,n der Berichtsperiode um 1758(7,49 Proz.), die weiblichen uni 13,12 Proz. vermehrt. Uebertritte aus anderen Organisationen er- folgten 606. Für die verschiedenen Unterstiitzungseinrichtungen wurden »67 140,71 M. ausgegeben, gegen die vorherige Berichtsperiode ein Mehr von 170 441,37 M. Auf Streiks allein entfällt e,ne Mehrausgabe von 111737,51 M. In Befolgung eines Auftrages der letzten Generalversammlung hat der Vorstand eine Statistik über den Umfang des Fourniturenwuchers herausgegeben, die m Broschürenform veröffentlicht und auch dem Reichstag als f etition übersendet wurde. Die Statistik erstreckt sich auf 331 Fa- riken in 99 Orten. Festgestellt wurde, dast die Fabrikanten sich in einzelnen Fällen bis zu 100 Proz. und mehr höhere Preise, als die Selbstkostenpreise sind, bezahlen lassen. _ J Ferner wurde eine Statistik über die Zahl der in den einzelnen Orten beschäftigten und organisierten Kollegen aufgenommen. Diese Statistik wurde auch noch ausgedehnt auf die Zahl der fabrik- und handwerksmäßigen Betriebe. In den Orten, wo Zahlstellen existieren, sind 1190 Schuh- und Schäftefabriken mit 37 011 Ar- beitern und 16 741 Arbeiterinnen vorhanden. Außerdem waren für diese Betriebe noch 3708 Arbeiter und 4372 Arbeiterinnen auf Heim- arbert tätig. Hierzu werden noch für Berlin 900 männliche und 1100 weibliche Heimarbeiter hinzllzurechnen sein, so daß in dieseil 1199 Fabriken insgesamt 63 832 Personen beschäftigt sind, wovon 18 009(28,21 Prozent) der Organisation angehören. Kleinmeister� wurden 33 271 festgestellt, wovon aber nur 11688 Gehülfen beschäftigen. Schnellsohlereien mit Maschinen- betrieb wurden 363 gezählt, die 897 Gehülfen beschäftigen. Wenn man die in Schnellsohlereien beschäftigten Arbeiter den Schoß- arbeitern zuzählt, und die Einzclmitglieder nicht in Betracht zieht, so setzt sich die Organisalio» aus etlva 7000 Schoßarbeitern und 21 500 Fabrikarbeitern zusammen. Der Kassenbericht der Hanptkasse verzeichnet eine Einnahme von 750 761,23 M. inklusive Kassenvortrag von 150 855,07 M. und eine Ausgabe von 435 616,14 M.. das Verbandsvermögen beträgt Der Hochverrat gegen Rußland wiederum vor deutschen Richtern. (Telegraphischer' Bericht.) Sarau. 11. Juni. Unter den Preßprozesscn gegen sozialdemokratische Redakteure. dw an die Demonstrationen des roten Sonntags anknüpfen, ragt durch den Untergrund der Anklage und durch den eigenartigen Vfrlaufdes bisherigen Verfahrens der gegen den Redakteur der ..Markischen Volksstimme" Richard Perner in Forst weit hinaus. Untersuchungshaft und Zeugniszwang haben in diesem Strafverfahren eine eigentümliche Rolle gespielt. er C21? 21. Januar erschien in der„Märkischen Volksstimme" ein Aufruf zu den Massendemonstrationsversammlungen unter der Ueberschrift: „Eine Grenze hat Thrannenmacht." Er erinnert zunächst an Ursprung und Erfolge der russischen Revolution.„Die Gewalt zeugte Gewalt und durch Massenstreiks und Aufstände vernichtete das revolutionäre Proletariat den Abso- lutismus."„Der Diener des russischen Zaren, der russisch-deutsche Reichskanzler" habe im Königsberger Prozeß ein Urteil des höchsten deutschen Gerichtshofes provoziert, nach dem es in Deutschland er- laubt sei, den gewaltsamen Kampf gegen das Zarat vorzu- bereiten und zu unterstützen. „Darum auf zum Hochverrat gegen Rußland." „Um Eure Sache handelt es sich hier. Wir müssen Waffen schmieden, damit sich einst auf den Trümmern des moskowitischen Kaisertums das demokratische Rußland erhebt." Der Artikel geht dann zum preußischen Dreiklassenwahlshstenl über.„Mit Hülfe seines gesetzlichen Rechtes könne das preußische Volk erzwingen, daß es künftig nicht mehr so schamlos und grau- sam, so frivol und infam wie jetzt durch die verbrecherische Treiklassenschmach" mißhandelt werde, die eine Handvoll Pfaffen, Schnapsjunker und Schlotbarone zu Alleinherrschern in Preußen mache. Mit Gewalt, mit dem Polizeisäbel und Bluturteilen habe man den Willen des Volkes zu ersticken gesucht. Aber„mit gesetzlichen Mitteln" könne eine unwiderstehliche Volksbewegung zugunsten des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts entfesselt werden. Wegen dieses Aufrufs wurde Perner am 24. Januar d. I. verhastet mit der Begründung, daß eine hohe Strafe zu erwarten sei und somit Fluchtverdacht vorliege. Das Landgericht Guben hielt den Haftbefehl trotz Angebots einer Kaution in beliebiger Höhe auf- recht und erst am 8. Februar ordnete das Kammergericht die Haft- cntlassung Perners gegen eine Kaution von 5000 M. an. Am 16. Februar wurden sodann der Metteur und drei Setzer der „Märkischen Volksstimme" in Zcugniszwaiigshaft genommen und erst nach Verlauf von 17 Tagen auf erhobene Beschwerde in Frei- heit gesetzt. Heute hat sich nun Genosse Perner, der eben wegen des SiegcSlümmelprozesses zu 3 Monaten Gefängnis Verurteilte, wegen dieses Aufrufes vor der dem Sorauer Amtsgericht beige- gebenen Strafkammer zu verantworten. Die Verhandlung, die auf 9 Uhr vormittags angesetzt war, be- gann erst nach llVs Uhr im alten Tanzsaale des königlichen Schlosses. Den Vorsitz im Gerichtshof führt Landgerichtsrct B r i c n i g k, die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Häver- l i n, die Verteidigung liegt in den Händen des Genossen Rechts- anwalt Wolfgang Heine- Berlin. Zunächst wird der inkriminierte Artikel verlesen, durch den der Angeklagte zum Klaffenhaß aufgereizt haben soll.— Vors.: Sind Sie bereit, den Verfasser zu nennen?— Angekl.: Nein.— Vors.: Ist es wahr, daß sich die Auflage der„Märkischen Volksstimme" in der letzten Zeit auf 10 000 gehoben hat?— Angekl.: Diese Zahl ist bereits überschritten.— Vors.: Mit der Nummer vom 21. Januar hat es eine besondere Bewandtnis?— Angekl.: Die Zusammenlegung der Erinnerungsfeier an den blutigen Sonntag in Peters- bürg und der Demonstration für das gleiche, geheime Wahlrecht entsprang Zweckmäßigkcitsgründcn und der Uebereinüimmung der Ziele, nicht der Mittel. �— Vors.: Es wird in dem?lrtikel wieder- holt von den gesetzlichen Mitteln gesprochen, aber zwischen den Zeilen läßt sich doch das Gegenteil herauslesen.— Angekl.: Wenn ich nur entfernt an die Möglichkeit gedacht hätte, daß der Artikel von irgend jemand als Aufforderung zur Gewalttätigkeit hätte auf- gefaßt werden können, dann hätte ich ihn sofort geändert.— Vors.: Die Ausdrücke: eine Handvoll Pfaffen. Schnapsjunker und Schlot- barone" beweisen doch ein Maß von Gehässigkeit, das beinahe an Verblendung grenzt. Eine tollere bewußte Unwahrheit kann doch gar nicht in die Massen hineingetragen werden.— Angekl.: Es ist doch aber Tatsache, daß kein einziger Vertreter der Arbeiterschaft in b-t: preußischen Landtag hat gewählt werden können.— Verteidiger Rechtsanwalt H e in e: Es handelt sich doch um alltägliche Ausdrücke der politischen Agitation. Schnappsjunker bedeutet konservativ, Pfaffen Zentrum und Schlotbarone nationalliberal. Das ist doch cb-n so wenig eine Aufforderung zum Klassenhaß, wie wenn man uns eine Rotte Menschen, nicht wert, den Namen Deutsche zu tragen, oder rote Hetzer nennt.— Vors.: Der Vergleich mit den russischen Zuständen legt doch nahe, daß der Eindruck erweckt werden soll, unsere Zustände seien ebenso traurig und erforderten dieselben Mittel.— Angekl.: Nur vom preußischen Landtagswahlrccht ist ge- sagt, daß es noch schlechter sei als das Wahlrecht zur Duma. Es ist aber dabei gesagt, daß wir in Preußen gesetzliche Mittel hätten, es zu verbessern.>— Vors.: Es heißt dann auch in dem Artikel: Deutschland könnte durch friedlichen Klassenkampf gefördert werden, wenn ntc�t die breiten Massen des Volkes entrechtet wären. Da- mit ist doch blw friedliche Klassenkampf einfach negiert.— Angekl. t Nein, nur der ssulturfortschritt in PrelGen. Zeuge Weber S?.0 t h e bestätigt, daß oer Angeklagte am Schluß der Demonstrationsvers�mmlung zu ruhigem Auseinandergehen ermahnt habe.— Staatsa.nvalt: Ist denn das üblich?— Zeuge: Nein, aber es war soviel in den Zeitungen geschrieben worden.— Staatsanwalt: Ach so, wohl noch dem Aufruf in der„Volks- stimme"?— Verteidiger Heine: Oder vielleicht nach den Artikeln in der bürgerlichen Presse?— Zeuge.' Das wohl eher.— Zeuge Polizeiinspektor Off: Die Bevölkerung war vor dem 21. Januar in großer Erregung. Wiederholt sind zum Beispiel Inhaber von Geldinstituten zn mir gekommen und haben gefragt, ob wir daS Nötige vorbereitet hätten. Ein Gummihändler in Sora» hat in diesen Tagen 20 Gummischläuche verkauft.(Heiterkeit.)— Staatsanwalt: Und zwar an-welchc Klassen?— Zouge: Zweifellos an die bürgerlichen Klassen, die sich und ihre Angehörigen schützen wollten. Nach Erscheinen dieses Artikels sprach man in bürgerlichen Kreisen noch mehr als vorher von der Möglichkeit von Straßenkrawallen.— Vert.: So daß die Gummischläuchc wahrscheinlich alle zwischen Sonnabend und Sonntag verkauft wurden.(Heiterkeit.) Fürchteten Sie selbst Stratzenkrawalle?— Zeuge: Ich hatte die Information erhalten, daß plötzlich die alten Versammlungsleiter zurückgetreten seien, weil sie die Ver- antwortung nicht tragen wollten. Zugleich stellten die�Textil- arbeiter Lohnforderungen. Abgesehen davon, habe ich nicht ernst- lich an Stratzenkundgebungen gedacht. Immerhin mußte die Polizei ihre Gcgenmatzregeln treffen.— Bert.: Welche?— Zeuge: Darüber kann ich keine Auskunft geben. Entgegen dem Zeugen Bothe glaubt der Zeuge bestimmt ver- sichern zu können, daß Perner die in der Versammlung An- wesenden nicht crmahnt habe, ruhig nach Hause zu gehen.— Zeuge Arbeitersekretär Kunkel- Forst: Die Versammlung wurde von denselben Genossen geleitet, von denen sie immer geleitet waren. Die Lohnforderungen der Textilarbeiter lagen schon mehr als acht Tage zurück.— Verteidiger H' i n e hält dem Poltzeiinspektor Off vor, daß er bei der polizeilichen Anmeldung der Versammlung selbst gesagt habe, er befürchte keine Ausschreitungen, dazu kenne er die Arbeiterschaft zu genau. Die Aufregung sei nur durch die bürgerlichen Blätter in die Bevölkerung hineingetragen.— Zeuge Off bestreitet diese Aeußerung.— Verteidiger Heine beantragt daher, Zeugen zu laden, durch die die Glaubwürdigkeit des Polizei- inspektors ins rechte Licht gesetzt werden soll.— Nach längerer Beratung beschließt das Gericht, die von der Verteidigung behaupteten Tatsachen ohne weitere Beweisaufnahme als wahr zu unterstellen. Damit ist die Beweisaufnahme beendet. Staatsanwalt Häberlin führt in seinem Plaidoyer aus: Es handelt sich hier weder um Parteipolitik noch um Klassenjustiz, 'andern einfach um die Frage, ob der Angeklagte das Strafgesetzbuch verletzt hat. Wer von dieser Verhandlung etwas Besonderes er- wartet hat, wird nicht auf seine Rechnung kommen: Bei der Be- urtcilung des Artikels darf man sich nicht an die einzelnen Buch- jtaben halten. Tie Parallele mit giußland beweist die Aufreizung zu Gewalttätigkeiten und zur Revolution? das geht aus den mit Fettdruck in den Vordergrund gestellten Worten hervor:„Um Eure Sache handelt es sich." Den Leser möchte ich sehen, der nicht meint, es gelte danach für hier dasselbe wie für Rußland. Das„Hoch- verrat gegen Rußland" soll als Hochverrat gegen Deutschland gelesen werden. AuS dem Satze:„Wenn nicht das Dreiklassenwahlrccht das Volk entrechtete, könnte die Kultur auf friedlichem Wege ge- fördert werden", muß logisch der Appell an die Gewalt deduziert werden. Gewalt erzeugt Gewalt, heißt es mit Bezug auf Rußland. Dann werden die angeblichen Gewalttätigkeiten der deutschen Re- gierungen aufgezählt. So wird mit blutigem Finger immer wieder auf die Revolution hingewiesen und die Revolution nicht nur ver- herrlicht, sondern propagiert. Wohl mag auch schon durch Artikel der bürgerlichen Presse, besonders der„Täglichen Rundschau", in die Bevölkerung Unruhe getragen sein, aber gerade durch diesen Artikel der„Märkischen Volksstimme" ist in ihrem Verbreitungs- bezirk die Aufregung noch gewachsen. Wer in einer solchen Zeit hetzt, ist auch mit besonderem Maße zu mcsseit. Das ist nicht Klassen- justiz, sondern trifft jeden, der sich in gleicher Weise vergeht. Ich beantrage eine Gefängnisstrafe von einem Jahre. Verteidiger Rechtsanwalt Heine: Der Prozeß ist nach meiner Auffassung durchaus sensationell und hat gar kein anderes Jnter- esse als ein politisches. Ich weiß jedenfalls, daß hohe Herren ver- schiedentlich aufgefordert haben, den Reichstag durch einen Gewalt- streich wegzujagen, ohne daß gegen sie Z 130 des Strafgesetzbuches in Anwendung gebracht worden wäre� Das zur Entstehung des Begriffes„Aufreizung zum Klassenhaß". Für die scharfen Worte dürfen Sie nicht den Angeklagten verantwortlich machen? machen Sie lieber dafür die gehässigen kleinlichen Verfolgungen verant- wortlich, denen seine Partei fortwährend ausgesetzt ist. Aus diesen scharfen Ausdrücken eine Aufreizung zum Klassenhaß deduzieren zu wollen, ist ganz künstlich. Wäre wirklich zu. gewaltsamem Umsturz aufgefordert, so läge nicht Aufreizung zum Klassenhaß, sondern Hochverrat vor, und der gehört zur Zuständigkeit eines anderen Gerichts. Der Aufruf richtet sich an alle Entrechteten des preußischen Wahlrechts. Das sind wir alle hior im Saale mit samt dem Grafen Posadowsky. Es ist also gar keine Klasse da. die hätte aufgereizt werden können. Der Staatsanwalt sagt, der Artikel zeige eine Kunst in der Verschleierung. Mit dieser Art der Beweisführung brachte man in den Glaubensprozessen des Mittelalters die Ketzer auf den Scheiterhaufen und bringt man heute noch die politischen Gegner in den Kerker. Der Vergleich mit Rußland soll alle mög- lichcn schlechten Absichten beweisen. Aber auch Bayern und andere Länder, die nicht gerade als ultrarevolutionär gelten, sind an- gezogen. Von dem ersten Satz der ersten Spalte und dem letzten Satz der letzten Spalte hat der Staatsanwalt das Wort„Gewalt" zusammengesucht und daraus dem Angeklagten einen Strick gedreht. So können deutsche Richter unmöglich urteilen. Aus dem Artikel und den begleitenden Umständen folgt ganz klar, daß an nichts anderes gedacht worden ist als an den gesetzlichen Kampf für das gleiche Wahlrecht. Glauben Sie wirklich, daß der Angeklagte morgen die soziale Revolution beginnen wird, während die ganze sozialdemokratische Partei stets auf dem Standpunkt der unbedingte» Feindseligkeit gegen die Gewaltpolitik gestanden hat? An der Auf- regung des 21. Januar trägt ausschließlich der Teil der bürgerlichen Presse Schuld, der die Behörden aufzuhetzen suchte. Wenn einige gute Forster Bürger sich geängstigt haben, so tut das meinem Klienten furchtbar leid, aber es ist nicht seine Schuld. Ein gewalt- famer Kampf konnte unter den heutigen Zeitumständen nur zu einer fürchterlichen, grausamen Niederlage der Sozialdemokratie führen. Weder die Sozialdemokratie noch der Angeklagte sind so hirnver- brannt, das eigene Verderben zu wollen. Deshalb beantrage ich prinzipiell Freisprechung. Bei dem vom Staatsanwalt beantragten Strafmaß steht mir der Verstand still. Selbst wenn es zu einer Verurteilung kommen sollte, würde eine Geldstrafe eine genügende Sühne sein. In seiner Replik führt Staatsanwalt Häberlin aus: Ganz neu sei die Behauptung der Verteidigung, die Sozialdemokratie sehe z. 18. auch die Gelehrten als durch das Landtagswahlrecht entrechtet an. Das sollte man einmal öffentlich den Arbeitern sagen. Er wolle sich nicht auf längere Erörterungen über das Wesen der Sozialdemokratie einlassen, damit nicht seine Ausführungen wieder wie die des Oberstaatsanwalts Böhme durch die ganze sozialdemo- kratische Presse gezerrt würden. Aber wer bürge denn dafür, daß der wirkliche Verfasser des Artikels, den er genau zu kennen glaube, nicht auf eigene Faust ehrgeizige Politik treibe? Der Angeklagte, Redakteur Perner, bemerkt in seinem Schlußwort: Der Stavtscinwalt habe ein Jahr aus seinem Leben streichen wollen, damit er Zeit habe, darüber nachzudenken, wie man eim Arbeiterzeitung redigiere. Er wüßte aber nicht, worüber er sonst nachdenken solle, als darüber, wie man die Arbeiter über ihre Siechte aufkläre oder ihnen die Rechte verschaffe, die einen gewalt- samcn Kampf überflüssig machten. Nach halbstündiger Beratung verkündet der Vorsitzende, Land- gerichtsrat B r i e n i g k folgendes Urteil: In der Schuldfrage habe der Gerichtshof sich ganz den Aus- führungen des Staatsanwalts angeschlossen. Der Artikel sei in feiner Gesamtheit, wie schon die Ueberschrift:„Eine Grenze hat Tyrannenmacht" beweise, ein Aufreizungsmittel. Was das Straf. maß angehe, so sei zwar der Inhalt des Artikels sehr kräftig, aber im Ton doch reservierter als die warfcheinlich dahinter steckenden Ge- danken. Daher fei eine Geldstrafe von 406 M. eventuell 160 Tage Gefängnis als angemessen erschienen. Hud Induftrie und ftandel* Wandlunge» in der Eisenindustrie. Die schwierige Lage, in welcher sich viele„reinen" Walzwerks schon seit längerer Zeit wegen der hohen Halbzeugpreise befinden, hat das Bestreben gezeitigt, diese Werke mehr und mehr in„ge- mischte" umzuwandeln. Eine solche Wandlung hat jetzt auch das Baroper Walzwerk vollzogen; es hat ein Siemens-Martin- Stahlwerk errichtet, in welchem in etwa 3 bis 4 Wochen die Stahl- Produktion aufgenommen wird. Vorläufig sind zwei Martinöfen errichtet, ein dritter soll folgen. Auch sonst wird eine völlige Mo- dernisieruug des Werkes vorgenommen, um jeglicher Konkurrenz be- gegnen zu können. Die vorhandenen völlig veralteten Kesselanlagen und Betriebsmaschinen sollen beseitigt und es soll nurnoch elektrische Antriebskraft benutzt werden. Den ur- sprlluglichen Plan eines eigenen Elektrizitätswerkes hat man aber fallen lassen, nachdem das Rh.-Westf. Elektrizitätswerk(Stinnes) ein günstiges Angebot gemacht hat. ES wurde ein Lieferungsvertrag auf die Dauer von zehn Jahren abgeschlossen. Die Vollendung der umfang- reichen Umbauten wird sich wohl bis Ende dieses Jahres hinziehen. Es hat(längerer Zeit bedurft, um die Schwierigkeiten, welche der Konzessionserteilung zum Um- resp. Neubau entgegenstanden, zu be- seitigen. Bei Nichtlonzessionierung wäre die Absicht, das Werk zu verlegen, wohl zur Ausführung gelangt. Für die beteiligten Ge- meinden war das ein schwerwiegender Punkt umsomehr, als sie schon durch die Zechenlegerei empfindlich gelitten haben. Nachträgliche Information. Bei der Frage der Verstaatlichung der „Hercynia" hat die Regierung ihre Vorlage mit polittschen und wirtschaftlichen Gründen verteidigt, und nun unternimmt der Minister für Handel und Gewerbe eine Informationsreise, um sich über die Verhältnisse in der Kaliindustrie und im Kalishndikat zu unterrichten. Sind dem Minister in den wenigen Wochen die gründlichen Kennt- nisse der Verhältnisse wieder abhanden gekommen, oder...? Ein Schnelligkeitsrekord in der Produktion. In den Pullmann- Eisenbahnwerken bei Chicago wurdel kürzlich in der Herstellung von Güterwagen ein Rekord erzielt, der alle ftüheren Leistungen in den Schatten stellt. Für die Nickel Plate Bahn wurden 1500 Güterwagen in 12 Arbeitstagen hergestellt. Damit wurde die höchste bisherige Leistung um 300 Wagen für dieselbe Zeit übertroffen. Zur Feier des Ereignisses wurde die Arbeit vorübergehend eingestellt, und die Gesellschaft teilte von dem gewonnenen Profit auch den Arbeitern etwas mit, indem— Zigarren zur Verteilung gelangten.— übblosss Obligo!_ Vom rheinisch-westfälischen Kohlensyndikat. Der rechnungsmäßige Kohlenabsatz betrug im April 4 911 516 Tonnen(gegen das Vorzahr pro Arbeitstag mehr 14 773 Tonnen), d. i. 84,14 Proz. der Beteiligung(gegen 78,71 Proz. im Vorjahr). Der Gesamtabsatz betrug 5 788 772 Tonnen,(pro Arbeitstag gegen- über dem vorigen Monat 1,96 Proz. weniger, gegen das Vorjahr 6,69 Proz. mehr). Die Gesamtförderung betrug 5 741 353 Tonnen (gegenüber dem Vormonat pro Arbeitstag 3,55 Proz. weniger, gegen den April des Vorjahres 6,21 Proz. mehr.) Der arbeitstägliche Versand an Kohlen, Koks und Briketts betrug vom Januar bis April 235 233 Tonnen, davon für SyndikatSrechnung 200 086 Tonnen. Der arbeitstägliche Gesamtversand ist gegen- über den ersten vier Monaten von 1904 in Kohlen um 1YM Proz., in Koks um 37,77 Proz., m Briketts um 30,30 Proz. gestlegen. Der Vorstand weist hin auf den Rückgang des Kohlen- absatzes bei anhaltender Nachfrage, was in der Hauptsache aus die geringere Leistung der Zechen zurückzuführen ist. Die hierdurch ent- standene Schwierigleit in der Abwickelung der übernommenen Lieferungsverpflichtnngen wird noch verschärst durch die weftere Steigerung der Kokserzeugung und durch größere Lieferungen der Hütt'enzechen an eigene Werke. Diese Schwierigkeiten blieben auch im Mai bestehen, da die Nachfrage stark blieb und die Förderung nicht wesentlich zunahm, sodaß das Syndikat auf die Lagerbeftände zurückgriff und die Auslandslieferungen teilweise durch Einschiebung englischer Kohle ablöste. Die Eisenbahnabfuhr war im April und Mai fast andauernd durch Wagenmangel beeinträchtigt, namentlich litt der Koksversand. Die Zechenbefitzerversammlung des Kohlensyndikats setzte die Beteiligungsanteile für das 3. Ouartal für Kohlen auf 95 Proz., für Koks auf 95 Proz. und für Briketts auf 90 Proz. fest. Die Arbeitsgelegenheit in San Francisco ist nicht so groß, wie viele Arbeiter glauben. Wenn aus Europa Trupps von Arbeitern nach San Francisco gehen in der Hoffnung, dort mit Leichtigkeit hochbezahlte Beschäftigung zu bekommen, so dürften sie eine bittere Enttäuschung erfahren. Der Staatskommissar für das Arbeitsamt in Kalifornien hat Ende Mai bekannt gemacht, daß in San Francisco mehr Arbeitswillige(in gutem Sinne gemeint) vorhanden sind als Stellungen, die mit ihnen besetzt werden könnten. Es waren 20 000 Mann an der Arbeit, deren Zahl natürlich stetig steigen wird, je mehr die Aufräumungsarbeiten fortschreiten, aber ebenso stesig ist der Zustrom von Arbeitern, und dann sind es hauptsächlich die Baugewerbe, die nach Arbeitskräften verlangen. Im Baugewerbe ist der Lohn ziemlich hoch; so hat z. B. eine Unternehmer- Vereinigung sich einverstanden erklärt, den Lohn der Maurer auf 7 Dollar pro Tag bei achtstündiger Arbeitszeit festzusetzen und auch 4 Dollar für Handlanger zu bezahlen. Das find die von den Gewerkschaften geforderten Löhne, die schon vor dem Erdbeben gezahlt wurden und jetzt formell anerkannt werden. Das klingt verführerisch hoch für den ausländischen Arbeiter, aber die Chancen, solche Löhne zu erlangen, sind nur gering. Er muß den gesteigerten Ansprüchen und veränderten Arbeitsmethoden genügen können und wird meist zusehen müssen, wie die Bauunternehmer den eingeübten amerikanischen Arbeitem den Vorzug geben, die in Massen aus anderen Städten kommen und den augenblicklichen Vorteil wahrzunehmen wissen. Da nun die Auszahlung der VersicherungS- summen nicht so glatt von statten geht, wie man zunächst angenommen hat, schwächen die Hostnungen auf eine intensive Bau- tätigkeit stark ab und damit die Aussichten auf günstige Arbeits- gelegcnheit, aus welche sich in den Vereinigten Staaten selbst große Arbeiterscharen eingerichtet haben. Die Flcischtrustaffärr. Aus Chicago und New Dork werden Ver« giftungen infolge des Genusses von Trustfleisch gemeldet. In der ersteren Stadt sollen 10 Studentinnen schwer erkrankt sein, in New §ork sind sogar, wie berichtet wird, mehrere Personen gestorben. s herrscht die Meinung vor, daß trotz des Feldzuges. den die Fleischmagnatcn gegen Roosevelt inszeniert haben, der Kongreß sich zu energischen Maßregeln gegen den Trust aufschwingen wird. Huö der frauenbewegung« Die Dirnstbotcnfrage liegt bekanntlich den„Herrschaften" schwer am Herzen und manche„gnädige Frau" hat schon viel geseufzt und neiammert über die große Dienflbotennot.»Die Rüdchen wollen nicht mehr dienen', heißt es voll Entrüstung,„sie wollen nicht mehr Untertan sein einer Herrschast, die Gewalt über sie hat; sie streben nach Selbständigkeit I"— Das ist eine internationale Klage, sie tönt durch die ganze Welt. In Australien und in Amerika wird dasselbe Lied angestimmt:„Es gibt keine guten Dienstboten mehr 1' Von« Auslande ans versucht man es manchmal, durch allerlei Lockungen Dienstboten heranzuziehen; dabei werden die gutmütigen deutschen Mädchen vorgezogen. So ging kürzlich durch geitungen in Oesterreich folgende Notiz:„Die amerikanischen Blätter beschäftigen sich eifrig mit der Frage, wie es in Amerika werden soll, wenn dort die massenhafte Einwanderung unverheirateter junger Männer in demselben Verhältnis wie bisher andauert. Neulich brachte zum Beispiel ein französisches Schiff 1S0 männliche Auswanderer und keine einzige Frau nach New Dork. Es wimmelt nun in allen größeren amerikanischen Städten von Heiratsagenturen, die zu festen Tarifen ihren Kunden Bräute nachweisen. Man reißt sich geradezu um gut aussehende fremde Mädche n." Die„New Dorker Volkszeitung" bemerkt dazu: „Unseren europäischen Parteiblättern zur Nachricht, daß die obigen Vehaupiungen auf Lügen und Schwindel beruhen. Es ist hier in Amerika kein Mangel an heiratslustigen Mädchen und die Männer„reißen" sich hier wirklich nicht darum, eine Frau zu be- kommen. Die Zeiten sind längst vorbei, in denen im Osten Amerikas die Zahl der Männer größer war als die der Frauen. Das Gegen- teil ist jetzt der Fall: Viele Frauen können nicht heiraten, weil weniger Männer als Frauen vorbanden sind, und die Heiratslust der Männer ist auch hier nicht größer als drüben. Der Zweck der obigen Notiz ist: weibliche Arbeitskrast von Europa nach Amerika zu ziehen. Man braucht Dienstboten hier, nicht Ehefrauen, und darum veranlaßt man jene Schwindel- anzeigen, wie die oben angeführte eine ist." Die Dienstbotenfrage macht auch unseren Genossinnen viel Kopfschmerzen, aber in einem anderen Sinne, nämlich wie eine gute Organisation, welche die Jntereffen der Dienstboten gegen- über den„Herrschaften" vertritt, herzustellen sei. Die Dienst- boten sind schwer zu gewinnen für eine solche Organisation! sie stehen unter fortwährender Aufsicht ihrer Arbeitgeber, und sie haben über wenig freie Zeit zu verfügen. Aber den wieder- holten Anstrengungen unserer Genossinnen muß es endlich gelingen, auch die Dienstboten zur Erkennwis ihrer Klassenlage zu bringen. Das ist schwer aus dem Grunde, weil die meisten vom Lande herein- kommenden Dienstboten in einem Milieu groß geworden sind, aus dem man die bestehenden Verhältnisse als eine ewige, unabänder- liche Ordnung zu betrachten gelernt hat. Man ist in der Anschauung, in dem Glauben erzogen worden, jedes Streben nach Aenderung der Verhältnisse sei ein Teil des mit ewiger Verdammnis bedrohten Antichristentums, und gar die Sozialdemokratie stellt man sich vor als eine Gesellschaft ausgemachter Teufel und Teufelinnen. Das Leben der Großstadt zerstört solchen Glauben nicht ohne weiteres, aber die Dienstboten merken doch bald, daß sie z. B. als Arbeite« rinnen nicht nur größere Freiheit genießen, sondern auch an den seichten, von ihnen allerdings hoch geschätzten Vergnügungen mehr Anteil haben können. Ihre Anspruchslosigkeit und Rückständigkeit hält sie dann in diesem Milieu leicht gefangen, manche geht darin unter. Die Aufgaben, die da zu lösen sind, sind doppelter Natur. Einmal gilt es den Kampf aufzunehmen gegen die vielfach brutal patriarchalischen Verhältnisse; die Dienstboten müssen wirtschaftlich und rechtlich mit dem gewerblichen Arbeiter gleichgestellt werden. Dann aber auch ist erbitterter Kampf zu führen gegen die Rück- ständigkeit in kultureller Beziehung. Nach beiden Richtungen steht der Sozialdemokratie die herrschende Gesellschaft feindlich entgegen, sie hat ja ein lebhaftes Interesse daran, die Kinder des Proletariats in Bedürftüslofigkeit und Dummheit—„zufriedene Selbstbescheidung" sagt die„Arbeitgeberztg."— zu erhalten. Zur Beachtung! Von jetzt ab werden die Versammlungen der Frauen- und Mädchen-BildungSvereine nur noch allwöchentlich in der Dienstag- und Freitag-Nummer unter nachstehender Uebersicht bekanntgegeben. Versammlungen— Veranstaltungen. Marirndorf. Dienstag, 12. Juni, abends 8'/, Uhr, bei Reichardt, Chausseestr. 16. Vortrag: Die Volksschule. Steglitz. Mittwoch, 13. Juni, abends 8'/z Uhr, bei Wahrendorf, Schloßstr. 117. Vortrag, Referent Dr. Schütte. Pankow. Sonnabend, 16. Juni. Unterhaltungsabend. Mitwirkende: Herr Wallotte und Frau. Entrce 20 Pf. Soziales. Die Massenkündigung im kaiserlichen Statistischen Amt. Die Pfingstüberraschung, die nach unserer Mitteilung vom 6. d. MtS. 58 Hülfsarbeitern des Statistischen Amts in Form einer Entlassung zu teil geworden ist, ist für den antisozialen Geist, der das Reichsamt des Innern und besonders das Statistische Amt durchweht, charakteristisch. Das geht aus den jetzt veröffentlichten amtlichen Schreiben klar hervor. Es sind noch mehrere Wochen nach Ostern eine Anzahl Hülfskräfte unter der ausdrücklichen Betonung angestellt, daß sie auf länger, schließlich zu etatsmätziger An- stellung führender Anstellung zu rechnen haben. Es heißt in dem «nstellungsschreiben: „Es bietet sich Gelegenheit, Sie in das kaiserlich Statistische Amt als Hülfsarbeiter zu einer Probedienstleistung von sechs- monatiger Dauer einzuberufen. Das Arbeitsverhältnis ist zunächst von beiden Seiten monatlich kündbar... Im Falle bewiesener Tüchtigkeit würde sich an die Probedienstlcistung Ihre Uebernahme in die d i ä t a r i s ch e Beschäftigung anschließen... Das Auf- rücken aus der diätarischen Beschäftigung in die e t a t s m ä ß i g e n Stellen kann sich nur innerhalb der durch den Etat gezogenen Grenzen... vollziehen."... Ich bemerke noch, daß Ihre Bei- bchaltung zur Probedienstleistung davon abhängig ist. daß die bei Ihrem Dienstantritt auf Ihre Kosten<5 M.) stattfindende Untersuchung durch den Vertrauensarzt des Amtes Ihre Dienstfähigkeit ergibt." Ende Mai wurden trotzdem 58 Hülfsarbeiter entlassen. Die Kündigungsschreiben lauten: Der Präsident Berlin W. 10, Lützowufer 6/8, des kaiserlichen Statistischen Amtes. den 30. Mai 1906. J. N. I. A. 284:0. Infolge einer im kaiserlichen Statistischen Amte mit Rücksicht aus die durch den Etat gezogenen Grenzen vorzunehmenden Or- ganisationsänderung muß die Zahl der nicht etatsmäßig an- gestellten Diäiare und Hülfsarbeiter verringert werden. Ich sehe mich aus diesem Grunde veranlaßt, Ihr Arbeitsverhältnis mit dem kaiserlichen Statistischen Amte unter Einhaltung der in_ Ihrem Einberufungsschreiben vorgesehene» monatlichen Frist zu kündigen, so daß Ihr Austritt mit Ende des Monats Juni erfolgen wird. In einem weiteren Schreiben sucht der Präsident des Statistischen Amtes die Ansicht zu zerstteuen. daß an Stelle der Entlassenen weibliche Kräfte eingestellt werden sollen. Der Wortlaut geht dahin: Der Präsident Berlin, den t. Juni 1906. des kaiserlichen Statistischen Amtes. I. A. 2907. Sofort 1 Wie den Herren Personalreferenten bekannt geworden, ist unter den zur Kündigung gekommenen BureauhülfSarbeitern. welche Militäranwärter sind, die irrtümliche Ansicht verbreitet, daß ihre Kündigung mit Rücksicht darauf erfolgt ist. daß in ihre Stellen HülfSarbenerinnen eingezogen werden sollen. Ihre Kündigung ist vielmehr ans Grund deS seitens des Herrn StaatSsekrelärS des Inneren genehmigten organisatorischen Umgestaltung der Handels- statistischen Abteilung und insbesondere im Hinblick darauf ge- schehen, daß die Stellen der entlassenen Militäranwärter durch die in Kraft tretende Reuorganisation tatsächlich in Wegfall kommen und daher von Militäranwärtern im Rahmen des Etats nicht mehr besetzt werden können. Die gegen Tagegeld und tägliche Kündigung zur Einberufung gelangenden Arbeiterinnen sind für solche mechanischen Arbeiten bestimmt, die nur von weiblichen Personen in der Weise geleistet werden können, wie dies nach Quantität und Qualität im Rahmen der neuen Organisation gefordert werden muß. Für diese Art der mechanischen Arbeiten hat sich die Beschäftigeng von männ- lichen Hülfsarbeitern, auch der in letzter Zeit einberufenen Militäranwärter(also steht's in dem amtlichen Schreiben) nicht be- währt. Durch die Einberufung der Arbeiterinnen wird die Zahl der schon bisher den Militäranwärtern vorbehaltenen etatsmäßigen Stellen nicht verringert und daher nicht berührt. Im übrigen gebe ich bekannt, daß ich bemüht sein werde, durch Anfragen bei den dem Reichsamt des Inneren nachgeordneten Aemtern für die gekündigten Militäranwärter, soweit dies möglich sein wird, eine Einberufung zur Beschäftigung zu vermitteln. Den gekündigten Militäranwärtern wird die Notierung beim Amte auf ausdrück- drücklichen Wunsch belassen und es wird darauf Bedacht genommen werden, daß sie im Bedarfsfalle bei einttetenden Vakanzen vorweg berücksichtigt werden. van der Borght. Dieses Schreiben beweist das, was der Präsident des Statistischen Amtes zu bestreiten sucht: ob in die Stellen der Entlassenen leider billigere weibliche Kräfte einrücken oder ob a n Stelle der Entlassenen infolge einer Umänderung in der Organisation weibliche Kräfte zur Beschäftigung gelangen, ist in der Tat Mus wie Mine. Daß neue, weibliche oder männliche Hülfskräste neben den vor- handenen notwendig sind, sollte man bei der Vielgestaltigkeit der Aufgaben des Statistischen Amts annehmen, nicht aber eine Massen- entlassung erwarten. Bei der Bewilligung des Etats des Reichsamts deS Inneren im Mai 1906 ist von der für das Statistische Amt im November 1905 ausgeworfenen Summe nichts gestrichen. Etatsrücksichten können also nicht maßgebend gewesen sein. Mangel an Arbeit liegt auch keineswegs- vor: es ist im Gegenteil auf vielen Gebieten auf die späteren statistischen Erhebungen verttöstet; wir erinnern an das Gebiet der Arbeitslosenversicherung, der Versicherung der Witwen und Waisen, des Schutzes der Heimarbeiterinnen, an die Ausdehnung der Krankenversicherung insbesondere für das platte Land, an eine Darstellung der Lage der länd- lichen Arbeiter und Kleinbauern usw. Die jetzige plötzliche Entlastung von 53 Hülfsarbeitern ist nicht nur gegen die Entlassenen ein Akt größter Unbilligkeit und Härte, sondern ist auch ein bezeich- nender Beitrag dafür, daß im ReichSamt des Inneren ein völliger Stillstand auf allen sozialpolitischen Gebieten eingetreten ist. GerkMs- Reitling. Berechtigte Verweigerung der Teilnahme an den AmtSgcschäften einer VoreinschStzungskommission. Die Stadtverordneten-Vcrsa nr ml ung zu Berlin hatte am 24. März 1904 beschlossen, den Eigentümer Meyhofer für dr ei Jahre des Rechts der Teilnahme an der Verwal- tung undVertretung derGemeinde für verlustigzu erklären und ihn um ein Achtel höher zu besteuern, weil er es grundlos verweigert habe, die Pflichten eines Mitgliedes derVoreinschätzungskommission, als das er gewählt worden war, zu erfüllen. M. focht den Beschlutz durch Klage beim Bezirksausschuß an und rechtfertigte seine Weigerung damit, daß es ihm unmöglich sei, mit dem Barbier Lehmann in derfelben Kommission zusammen zu wirken. Er ver- wies auf einige Bestrafungen L.S(Beleidigung des Klägers hundert Mark, und dreißig Mark wegen strafbaren Eigen- nutzes, begangen gegen den Kläger als seinen Haus- Herrn). Außerdem berief sich Kläger darauf, daß Lehmann einen OffenbarungSeid geleistet habe, als er einem von ihm geschwängerten Mädchen Alimente(100—120 Mark) zahlen sollte.— Der Bezirksausschuß wies die Klage Mey- hoferS ab und führte aus: ES komme hier in Betracht Z 50 Absatz 2 des preußischen Einkommensteuergesetzes, wo bestimmt sei:„Wegen Annahme und Ablehnung der nach den Vorschriften dieses Gesetzes stattfindenden Ernennungen und Wahlen finden die Bestimmungen der§§ 8 und 25 der Kreisordnung vom 13. Dezember 1872 sinn- gemäße Anwendung." Also könnte Kläger die Teilnahme an den Geschäften der Voreinschätzungskommission nur auS den Gründen des§ 8 der Kreisordnung verweigern. Das wären:„Anhaltende Krankheit; Geschäfte, die eine häufige oder lange dauernde Abwesen- heit vom Wohnorte mit sich bringen; das Alter von 60 Jahren; die Verwaltung eines unmittelbaren Staatsamtes; sonstige besondere Verhältnisse, welche... eine gültige Entschuldigung begründen." Der Grund, der den Kläger von den Sitzungen der Kommission und ihren Geschäften ferngehalten habe, bestehe nach Annahme des Gerichts lediglich in den persön- lichen Differenzen mit einem anderen Komnnffionsniitgliede, dein Barbier L., und das falle nicht unter die erwähnten Gründe; auch nicht unter die„sonstigen Verhältnisse, welche eine gültige Entschuldigung begründen". Persönliche Differenzen mit anderen seien damit nicht gemeint. Da eine grundlose Weigerung des Klägers, sein Ehrenamt auszuführen, vorliege, so hätte nach g 25 der Kreisordnung in Verbindung mit§ 50 des Einkommensteuer- Gesetzes durch die Gemeindevertretung(hier Stadtverordneten- Versammlung) über den Kläger jene angefochtene Strafe verhängt werden können. Kläger legte beim Oberverwaltungsgericht Berufung ein. Dieses erhob Beweis durch Einholiung der Akten in Sachen Lehmann. Die Akten bestätigten die schon oben mitgeteilten Tat- fachen. Das Gericht hob darauf dieser Tage das Urteil des Bezirksausschusses auf und setzte den angefochtenen Beschluß der S t a d tv er o r d n et e n- V e r s a m m l u n g außer Kraft. Begründend wurde ausgeführt: Für die Fräße, ob Kläger berechtigt war, als Mitglied der VoremschätzungSkommission seine Tätigkeit in dieser zu verweigern, seien maßgebend die Bestimmungen des Z 8 der Kreisordnung, die noch in Kraft seien und nach'§ 50 des Einkommen- steuergesetzeS hier sinngemäß Anwendung zu finden hätten. In materieller Hinsicht sei aber das Oberverwaltungericht anderer Ansicht als der Bezirksausschuß, indem es die persönlichen Verhältnisse zwischen dem Kläger und einem anderen KommissionSmitgliede Lehmann für eine ausreichende Entschuldigung dafür ansehe, daßKläger sich weigerte, in d i e K o mmi ssi on ein- zutreten. Der Kläger sei, wie die Akten auswiesen, vom Barbier Lehmann grob beleidigt worden, wofür Lehmann die hohe Strafe von 100 M. getroffen habe. Das Gericht halte den Kläger für berechtigt, sich zu weigern, in einer Kom- Mission mit einer Person zusammenzuarbeiten, die ihn so beleidigt habe. Ein abgefaßter CouPSmarder. Am 17. April gegen elf Uhr nachts lungerte auf dem Bahnhof Börse ein junger Mensch umher, der bald die Aufmerksamkeit eines Kriminalschntzmannes der Bahnhofskontrolle erregte. Als ein Zug ein- fuhr, sah der Verdächtige in die einzelnen Coupäs hinein, bis er in einem Abteil einen anscheinend dem Arbeiterstande angehörenden Mann ent- deckte, der sanft in Morpheus Armen ruhte. Im letzten Augenblick sprang der junge Mensch in das Coups hinein, bemerkte hierbei aber nicht, daß der Kriminalschutzmann in ein Nebenabteil eingestiegen war. Als der Zug die Station verlassen hatte, begann der„Fledderer" seine Arbeit. Nachdem er sich durch Kitzeln mit einer Feder über- zeugt hatte, daß sein Opfer den Schlaf des Gerechten schlief, be- gann der Dieb, dem Schlafenden mit einer Schere die Hosentaschen aufzuschneiden. In demselben Moment sprang der„Schlafende" auf, packte den Fledderer an der Kehle und drückte ihn auf die Sitzbank nieder. Zugleich sprang der Kriminalschutzmann aus dem Nebenabteil hinzu und war nicht wenig erstaunt, in dem schlafenden Arbeiter einen Kollegen, den Kriminalfchutzmann Büsdorf, zu entdecken, der in dieser Verkleidung auf den„Fleddererfang" ausgegangen war. Der Festgenommene entpuppte sich als der bereits vorbestrafte Friedrich Walter. Aus der Haft borgeführt mußte sich W. gestem bor der vierten Strafkammer verantworten. Das Urteil gegen ihn lautete aus neun Monate Gefängnis und zwei Jahre Ehrverlust. Von der Haftpflicht der Stadtgemeinde beim Straßenbau. Die Stadtgemcinde Krassen a. O. beabsichtigte im Jahre 1904 die Pflasterung des Fischergäßchens. Im Mai befand sich die Straße in dem Zustande, wie er gewöhnlich vor einer Pflasterung zu sehen ist, und zwar ragte ein Wasserhydrant zirka 10 Zenti- meter über das Straßenniveau hervor. Als diese Straße eines Abends im Mai ein Bürger Schulze durchschritt, kam er über den Hydranten zu Fall und machte daraufhin die Stadtgemeinde für die Folgen der Verletzungen aus diesem Unfall verantwortlich. Die Beklagte wendete ein, daß die betreffende Straße nicht zu den verkehrsreichen gehöre und der Kläger bei einiger Aufmerksamkeit das angebliche Hindernis hätte bemerken müssen. Kläger will im Augenblick des Unfalles auf seine Taschenuhr gesehen haben. Das Landgericht wie auch das Kammergericht zu Berlin nehmen an, daß die Beklagte für den Unfall zu haften habe, nach Z 823 B. G.-B., sofern sie ein Verschulden treffe. Letzteres wird ebenfalls für erwiesen angesehen. DaS Kammergericht führt u. a. aus: In Uebereinstimmung mit dem Vorder- richter ist anzunehmen, daß durch den hervorragenden Hydranten der Verkehr gehindert und gefährdet wurde, und daß die Beklagte, als sie den Zustand schuf, grob fahrlässig gehandelt hat. Der Um- stand, daß die Gaffe noch nicht gepflastert war, entschuldigte sie nicht. Der Wassertopf konnte bis zur Pflasterung niedriger gelegt werden. Wollte sie ihn aber so anlegen, um unnötige Arbeit zu sparen, so mußte sie den Platz umzäunen und abends beleuchten. Ein Mittel wäre die Abdachung durch Bretter gewesen. Die Auf- stellung eines über den Damm hervorragenden Gegenstandes, über den Menschen stolpern oder stürzen können, erscheint als ein hohes Verschulden, bei dem die Unaufmerksamkeit des Klägers, der die Uhr aus der Tasche gezogen hatte und nicht auf ein solches Hindernis zu rechnen brauchte, nicht in Betracht kommen kann. Fahrlässig- keit des Klägers kann nicht angenommen werden und ist somit die Verurteilung der Stadt begründet. Das Reichsgericht erkannte dieser Tage auf Zurück« Weisung der Revision. ßnefbaftcii der Redaktton. Di« juristisch« Sprechstunde findet täglich mit Slusnahme deS Sonnabends von 7ilt bis»>/, Uhr abends statt. Gcöfinct! 7 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und«ine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Brieflich, Antwort wird nicht erteilt. — A. M., Fichtestraste. Sie sprechen am zweckmäßigsten mit dem Rektor der Ihnen zunächst liegenden Schule. Die Lage der Schule ersehen Sie aus dem zweiten Teil des Adreßkalenders.—Reinickendorf 78. 1. Das Umschreiben der Wirtschast aus die Ehesrau ist zulässig. ES geschieht am besten notariell. Wenn die Umschreibung aber ersolgt, wie Sic eS beabsichtigen, um drohende Gläubiger eventuell zu benachteiligen, so ist die Umschreibung, auch wenn sie notariell oder gerichtlich ersolgt, ungültig und kann strafbar sein. 2. Soweit ersichtlich, sind Sie keineswegs zur Er- stattung der von der Arniendircktion ausgestellten Forderung verpflichtet. Rechtlich ist der Sohn erst dann zur Unterstützung seiner Eltern verpflichtet, wenn vieS möglich ist, ohne seinen eigenen und seiner engeren Familie standesmäßigen Unterhalt zu beeinttächtigen. Zur Erstattung von der Armendirektion verauslagter Kosten ist weder der Unterstützte noch sein Ver- wandtcr in Preußen nach zutteflender, aberbestrittcnerRechtsansicht verpflichtet. — A. F. 70. 1. Sie können Ihre Forderungen beim Amtsgericht ein- Nagen. 2. Ja.— O. B. 10. Zu solchen Angaben sind Sie nicht ver- pflichtet. Wieviel zum Lebensunterhalt gelassen werden muß, hat von Fall zu Fall das Gericht zu entscheiden.- F. R. ivt. 3«. t. Ja. 2. Die RellamationSsrist ist wahrscheinlich längst verstrichen. Die Frist und die Behörde, an die zu rcNamieren ist, ist in der Einschätzung angegeben. 3., 4., 5. Nein. Auch wenn über Ihre Reklamation noch nicht entschieden sein sollte oder wenn Sie die Frist versäumt haben, steht es Ihnen srci, eine Eingabe an den Magistrat(Stcuerdeputation) mit dem Antrag zu richten, unter den von Ihnen geschilderten Verhältnissen Ihnen einen Nachlaß oder Ausschub zu gewähren. — Dissident. Hochstrafie. Jede Leiche wird dort angenommen. Der Anspruch der Kirchcngcineindc aus Auskaus ist bestritten.—(P. V. Die betreffenden Gesellschaften finden Sie im 2. Teil des Adreßkalenders.— O. R. 1867. Derartige allgemeine Bestimmungen gibt es nicht. WaS Sie wahrscheinlich meinen, finden Sie im Ouarficrleistungsgesctz und in den Diätats von den Gesängnisverwaltungen.— R. R. 12. Ja.— O. K. 8V. 1. Ist die von Ihnen dargelegte KündigungSsrist vereinbart, so ist die Kündigung der Herrschast verspätet. Sie hat Lohn und Kost zu zahlen. 2. Sollten Sie ani Ersten entlassen werden, so müßten Sie vor der An- strengung der Klage beim Amtsgericht sich an den Amtsvorsteher mit dem Antrage wenden, die Herrschast zu veranlassen, Sie wieder auszunehmen. Erst nach sruchtlosem Aussall des polizeilichen Sühne- Versuches ist der Weg der gerichtlichen Klage einzuschlagen. — A. B. Uns nicht bekannt.— Rat 10. Die Kündigung gilt nach der herrschenden Rechtsprechung, ebenso eine etwaige Steigerung.— C. S. 60. 1. u. 2. Soweit ersichtlich, hat der Chcs recht. Wenden Sie sich an die Krankenkasse des Beschästigungsortes. 3. Wenden Sie sich an die Osten- bacher Krankenkasse, Prinzcnskaße 66, bei Hintz.— H. D. 30. Nein.— Dcmpclhof A. St. Verjährung liegt nicht vor, daher ist zu zahlen.— M. 144. Sie können Strasantrag wegen Verletzung Ihres Gebrauchs- musterrechtes sowie wegen Beleidigung an die Staatsamvalstchast richten. — F. R. 17. 1. Die Frist könnte bis zu 6 Monaten dauern, setzen Sie sich mit dem Standesbeamten in Verbindung. Sind Sie nicht Preuße, so müssen Sic auch ein Zeugnis Ihrer HeiinatSbehörde beibringen, daß Ihrer Heirat nach dortigem Gesetz ein Hindernis nicht im Wege steht. — K. 200. 1. und 2. Ja. 3. Ja, falls aus dem Inhalt des Testaments nichts Gegenteiliges vorliegt.— O. R. Nein. - W. K. 45, F. I. 48. Nein.— F. W. 69. 1. und 2. Nein. Die Schulden eines Minderjährigen, DarlehnSschulden, Bürgschastsschulden und dergleichen sind ungültig, falls sie nicht nach vollendeter Grotzjährigkeit aus- drücklich anerkannt werden. 3. Keineswegs.— F. 62. Falls nicht etwa Ihr Mictsvertrag gegenteiliges enthält, darf Ihrer Amsel das Psciscn nicht untersagt werden.— E» G. 35. Wenden Sie sich an einen Llrzt.— — Ebertystr. 2. Berliner Feuerwehr: 1. Ansangsgehalt 1200 M., alle drei Jahre 100 M. Zulage, Höchstgehalt 1600 M.(nach zwöls Jahren). 2. Bewerber möglichst Bauhandwerkcr, möglichst jung(doch erst nach Militär- dienst). 3. Branddirektor Reichel, Lindenstr. 41.— F. B. 1881. Durch andere eingeworfene Fensterscheiben muß der Wirt wieder einsetzen lassen, sallS nicht der Mietsvertrag das Gegenteil zuungunsten des Mieters be- stimmt. Die in Berlin gebräuchlichen Mietsverträge enthalten solche gegen Mieter ungünstige Vorschrift.— E. Dch. 26. Nein, eS kann nur du» höhere Rente gezahlt werden.— Hammel. Teilen Sie bestimmt mit, welche Sie bctresscndc Frage Sie beantwortet zu sehen wünschen, sallS die allgemeine Auseinandersetzung Ihnen nicht genügte.— H. N. 36. Falls die Unbrauchbarkeit der Zähne vom Gericht angenommen wird, würde der Zahnarzt zur Rückzahlung verpflichtet sein.— Josef Sch. 1. Nein. Beschweren Sie sich bei der Schuldcputation. 2. Leider ja.— W. Nein, — P. L. 12. Wenden Sie sich an den Leiter der Ihnen zunächst gelegenen Fortbildungsschule.— W. D. 769. Ein Rechtsanspruch steht der Frau leider nicht zu.— H. M. K. 001. Der Anspruch bis zum 8. Juni ist bevorrechtigte Forderung. Für die spätere Zeit haben Sie volles Gehalt vorweg zu verlangen. Wird das Gehalt nicht gezahlt, so steht Ihnen wiederum ein Anspruch aus den Rest als bevorrechtigte Forderung und außerdem das Recht zu, wegen Nichtzahlung die Arbeit zu verlasten.— P. O. N. 7. 1. Die Sache ist leider rechtskräftig entschieden, es hätte der Vater innerhalb einer Woche als Nebenkläger austreten und Berufung einlegen müssen. 2. und 3. Eine Klage aus Geldzahlung an Stelle der Naturalien erscheint unter den von Ihnen geschilderten Umständen für den Altsitzer nicht aussichtslos. Zwecks Anstellung der Klage ist es ratsam, sich das Armenrecht bewilligen zu lasten.— R. E. 1. Ja. 2. Es ist eine angemessene Zeit zu bewilligen; über die Angemessenheit ist im Streitsalle vom Gericht zu entscheiden. — W. M. 37. Soweit ohne Einsicht in den Verttag ersichtlich, sind nicht Sie, sondern Ihre Schwägerm Eigentümer geblieben. Aber auch wenn Sie Eigentümer geworden sein sollten, würde eine Klage wenig Aussicht aus Erfolg haben.— Ch. H. B. M. Eine weitere Adresse als New Hort ist uns nicht bekannt.— Bruderbund. Nicht der Verein als solcher, wohl aber die Mitglieder des Vereins könnten vielleicht mit Aussicht auf Erfolg klagbar werden.— F. G. 101. 1. Ja. 2. Nein.— plns ultra. Darüber hinaus gibt es nichts.— K. B.&• D. 300. 1. ES wird weiter gepfändet. 2. Mitbietcn ist m der Regel überslülsig. 3. Sie müßten dem Gerichtsvollzieher eventuell von neuem einen Austrag zur Pfändung erteilen oder den Schuldner zwecks Leistung des OstenbaruugScidcs laden, wenn Sie der Ansicht sind, daß er noch pfändbare Gegenstände hinter sich hat.-» H. N. Pankow. 1. Davon ist uns nichts bekannt. 2. Auskunft über Auswanderungsangelegenheiten erhalten Sie in der amtlichen Auskunsts- stelle Schcllwgstr. 4.— A. I. 91. 1. Ja. 2. An den Magiflrat Wtcilung für Invalidenversicherung, Köllnischcr Park. Sie können den Antrag dort au ch zu Protololl geben. 3. Die Höhe hängt von der Höhe der geleistet Beiträge ab. ' Neues populär- wissenschaftliches Prachtwerk Der Mensch und die Erde $ Die Entstehung, Gewinnung und Verwertung der Schätze der Erde als Grundlagen der Kultur Herausgegeben von Hans Kraemer in Verbindung mit mehr als vierzig der bedeutendsten Fachmänner des In- und Auslandes. Von dem Bestreben geleitet, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung zum Gemeingute des deutschen Volkes zu machen, führt der Verlag in diesem neuen populär- wissenschaftlichen Werke größten Stils die Erde und ihre Schätze im Dienfte der Menschheit den Lesern in fesselnder, reich illustrierter Darstellung vor Augen. Um dieses gewaltige, in ähnlicher Form bisher noch niemals behandelte Gebiet menschlicher Tätigkeit zu erschließen, haben sich bedeutende Fachmänner zur Durchführung des weitschauenden Blanes vereinigt; Meister volkstümlicher Sprache, entwerfen sie in gründlichen Ausführungen ein umfaffendes Bild der praktischen Arbeit des Menfchen von den primitiven Anfängen der Vorzeit bis zu den Höhen der neuzeitlichen Kultur. Was die Erde auf ihrer Oberfläche trägt, was sie in ihrem Innern birgt, was sie in stetem Wechsel täglich aufs neue hervorbringt, und was der Mensch aus diesen in verschwenderischer Fülle gebotenen Schätzen zu schaffen wußte- all dies bildet den Inhalt von„ Der Mensch und die Erde". In seinem Programm umfaßt das Werk demgemäß die gesamten Produkte der Erde: die Lebewelt in Form von Tieren und Pflanzen, die beweglichen Elemente Feuer und Wasser und die starren, im Schoße der Erde gefesselten anorganischen Produkte des Werdeprozesses der Erde, die der Mensch allmählich gelernt hat mit allen Mitteln der Technik aus den verborgenen Tiefen, in denen sie seit Hunderttausenden von Jahren schlummerten, ans Tageslicht zu ziehen, um aus ihnen die stolzesten und wichtigsten Träger der modernen Kultur zu machen. So bietet denn Der Mensch und die Erde" eine auf der Grundlage der Ergebniffe der modernen Naturwiffenfchaften aufgebaute Kulturgeschichte der Menschheit in Wort und Bild. 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Um die durch das ungünstige Wetter angesammelten überaus großen Vorräte nach Möglichkeit zu räumen, beginnen wir bis auf weiteres mit einem Diese Woche: Extra- Preise für Warenhaus. Saison- Räumungs- Verkauf. Kleiderstoffe, Spitzen, Kurzwaren. Doppelte Rabatt- Marken geben wir Dienstag, Mittwoch, Donnerstag. +) Wenige Artikel ausgenommen. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil berantto.: Zb. Glode. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlaasanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 133. 23. Jahrgang. 2. Jriltp»es Jetiuirte" Knlim lolMIntt Dieustag, 12. Juni 1906. Um flüMoch findet für Berlin und Vororte der Zablabend statt. parte!- Angelegenheiten. Fünfter Wahlkreis. Am morgigen Zahlabend wird die Broschüre:»Gegen Volksverdummung" an die Mitglieder gratis verteilt. Köpenick. Laut Beschluß der letzten Wahlvereinsversammlung erhalten diejenigen Vorwärtsleser, welche Mitglied des Wahlvereins und von der Maiaussperrung noch betroffen sind E.-G. und F. Spindler) den„Vorwärts" ab t. Juni gratis zugestellt. Die Aus- gesperrten mögen sich nun beim Genoffen Woik melden. HermSdorf. Zu dem am Mittwoch, den 13. Juni, im ForsthauS stattfindenden Diskutierabend werden die Genossen ersucht, pünktlich und vollzählig zu erscheinen. Zur Ausgabe gelangen die neuen Mitgliedsbücher. Zwecks Kontrolle find die alten Bücher mitzubringen. Der Vorstand Schmargendorf. Die nächste Mtgliederversammlung des Wahl- Vereins findet am Mittwoch, den 13. Juni, abends 8'/, Uhr, im Nestaurant„Wirtshaus Schmargendorf", Warnemünderstr. 6, statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem Vortrag des Genoffen Brückner-Berlin über: Die neue Krankenkaffennovelle. Pünktliches Erscheinen jedes Genossen ist erforderlich. Der Vorstand. Wilhelmsruh. Heute abend 8>/z Uhr bei Barth, Prinz Heinrich- straße, Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Generalversammlung. 2. Wahl emer Schieds- kommisston. 3. Vereinsangelegenheiten, i. Abrechnungen. 5. Verschiedene». 6. Speditionsangelcgenheiten. Vollzähliges Erscheinen ist Pflicht. Spandau. Wir machen die Parteigenossen darauf aufmerksam, daß heut gbend in allen Bezirken Zahlabend stattfindet. _ Der Vorstand. Berliner IVadmcbten. Eisenbahnfahrt vierter Klasse. Wer auf der Eisenbahn noch nie in der vierten Klasse Yuhr, der kann sich schwer eine Vorstellung davon machen, wie weit dort der Mangel an Bequemlichkeit geht und zu welcher Marter eine längere Fahrt in einem Wagen dieser Klasse lverden kann. Es gibt Leute, die es noch niemals nötig hatten, eine Eisenbahnfahrt vierter Klasse zu probieren. Und es gibt andere, die sich noch nie in ihrem Leben etwas Besseres als die vierte Klasse leisten konnten. Diese Viertklassigen haben wieder keinen rechten Begriff davon, wie bequem sich's diejenigen machen dürfen, die in der glücklichen Lage sind, tiefer in ihr Portemonnaie hineinfassen zu können. Schon die dritte Klaffe, deren Wagen wahrlich nicht luxuriös aus- gestattet sind und noch lange kein Uebermaß von Behaglichkeit gewähren, erscheint wie ein Himmel dem. der aus der Hölle der vierten Klasse floh. Das ist der Klassengegensatz auf der Eisen- bahn! Er wirkt wie ein Gleichnis des großen Gegensatzes der Klaffen, der durch die ganze Gesellschaft geht und all unsere sozialen Zustände beherrscht. Die Reisenden der zweiten oder gar der ersten Klasse kennen die vierte Klasse nur von außen. Sie betrachten das Bild, das sie bietet, höchstens mal im Vorbeigehen. Ein plumper Wagen in häßlichem Grau mit einer spärlichen Zahl kleiner Fenster— und dahinter ein sich drängendes Gewimmel von Gestalten aller Art! Es wird dem Betrachter nicht schwer, bei diesem Anblick an einen Stall zu denken, in dem das Schlachtvieh hineingepfercht wurde. Die Zweit- und Erstklassigen wenden sich mit einer flüchtigen Empfindung leisen Grauens ab— oder schütteln wohl auch in stiller Verwunderung den Kops über das, was ihr Auge da drinnen bemerkt. Sie begreifens nicht, wie Menschen „so fahren können". Und so können auch die oberen und obersten Klassen unserer vom Kapitalismus regierten Ge- sellschaft es nicht begreifen, wie die unteren und untersten Klassen„so leben können". Sie schütteln verwundert den Kopf, wenn ein Zufall sie auf den Hof einer vielstöckigen Metskaserne führt. Sie wenden sich voll Grauen ab, wenn sie einmal in die stickige Luft einer Arbeitsstube, in den be- täubenden Lärm einer Werkstatt hineingeraten. „Der Mensch gewöhnt sich an alles!" Damit beruhigen die Glücklichen sich, die„so was nicht nötig baben". Wer eS von 6 oder 7 Uhr morgens bis 11 oder 12 Uhr nachts in einem Eisenbahnwagen vierter Klasse aushalten will, der muß sich allerdings in seinem Leben schon an manches gewöhnt haben. Und bei der Behandlung, die die Eisenbahn- Verwaltungen denr Reisenden vierter Klasse zuteil werden lassen. ist dafür gesorgt. daß der Viertklassige nicht leicht aus der Gewohnheit herauskommt. In dem Pfingst- verkehr, den wir nun wieder hinter uns haben, waren wieder 'mal die zum Personentransport eingerichteten Viehwagen zur Mitbenutzung hervorgeholt worden. Für die Reisenden vierter Klasse sind sie ja immer noch gut genug. Auf dem Schlesischen Bahnhofe wurde ein nach dem Osten gehender Zug, der solche Wagen führte, bei der Abfahrt von den Zuschauern mit spöttischem Muh und Mäh begleitet. Die Insassen hatten vor- läufig noch Humor genug, in diesen Abfchiedsgruß lustig mit einzustimmen. Zwölf Stunden später dürste ihnen anders zu- mute gewesen sein. Ein Freund unseres Blattes, der wohl zu den An- spruchsvollen gehört, schildert uns eine solche Eisenbahnfahrt vierter Klasse, die er nach Pfingsten auf der Rückreise von Allenstem nach Berlin zu erdulden hatte. Dabei erzählt er von einem besonderen Umstand, der vielleicht manchem Unbeteiligten komisch vorkommen wird, von einem im Wagen befindlichen Klosett, dessen Tür— zugenagelt war. Auch die Wageninsassen amüsierten sich zunächst über die für- sorgliche Weisheit, die daS zustande gebracht hatte, aber all- mählich fanden sie. daß das vernagelte Klosett eigentlich sehr wenig komisch war. Unser Gewährsmann fügt hinzu, während der Fahrt seien am Tage und in der Rächt Männer und Frauen samt den Kindern auf die Plattform hinausgegangen. um dort trotz der Gefahr für Gesundheit oder Leben ihre Notdurst zu verrichten. Es fährt sich so gemütlich auf der Eisenbahn, nicht wahr? Vermutlich wird die preußische Eisenbahnverwaltung ant- Worten mit der Frage, wer denn früher auf die Idee ge- kommen sei. für einen Eisenbahnwagen vierter Klasse ein Klosett zu verlangen. Das ist allerdings wahr. Es gab eine Zeit-- da galt so etwas nicht'mal für die dritte Klasse als notwendig. Ja, so sind die Menschen, sie werden immer an- spruchsvoller und wollen alle Klassenunterschiede verwischen. Dir Tagesordnung der Stadtverordnetrn-Sitzung am Donnerstag, den 14. Juni, enthält folgende Beratungsgegenstände: Vorlage zur Kenntnisnahme, betreffend den Uebergang einzelner Zweige der Wohlsahrtspolizei auf die Stadtgemeinde Berlin; Vorlage betreffend die Erhöhung der Kur- und Verpflegungskosten für kranke Kinder in den städtischen Krankenanstalten; Vorlage betreffend den Erwerb der Grundstücke Neue Roßstr. 14 und 10 zum Zweck der Verbreite- rung der Wallstraße zwischen Neue Grün- und Jnselstraße; Vorlage betreffend den Ankauf des Grundstücks Unionstr. 5 für Gemeinde- schulzwecke; Vorlage betreffend den speziellen Entwurf zum Neubau von Gemeindedoppelschulen an der Greifcnhagenerstraße nördlich der Ringbahn, in der Sonnenburgerstraße und in der Christburgerstraße; Vorlage betreffend die Errichtung eines Verwaltungsgebäudes der städtischen Gaswerke; Vorlage betreffend die Bewilligung einer Unterstützung für die notleidenden Deutschen Rußlands und für die durch den Ausbruch des Vesuvs geschädigten Hilfsbedürftigen; Vor läge betreffend das spezielle Projekt einer Feldbahn auf dem Riesel gute Buch. Bei den FrtthjahrSumzügen zwischen Berlin und seinen Vororten ist diesmal wieder noch deutlicher als sonst die Erscheinung hervor- getreten, daß Berlin mehr Bewohner an die Nachbargemeinden abgibt, als es von dort empfängt. In den Monaten März und April, die alljährlich dem Stadtgebiet Berlin einen besonders leb- hasten Bevölkerungsaustausch mrt den Vororten bringen, sind dies- mal snach den eingegangenen Meldungen) zusammen IS 333 Per- sonen von den Vororten nach Berlin zugezogen, aber 22 611 von Berlin nach den Vororten weggezogen. Will man von der Unvoll- ständigkeit der Meldungen absehen, so ergibt sich für diese beiden FrühjahrSmonate ein Wegzugsüberschuß von 727S Personen. Doch dürste diese Zahl noch zu gering sein; denn unvollständig sind be- sonders die Wegzugsmeldungen. Gegenüber denselben Monaten des Vorjahres sind diesmal 662 Personen weniger aus den Bororten zugezogen, aber 6S3 mehr nach dort weggezogen, so daß der Weg- zugsüberschuß sich wieder um 1320 erhöht hat. Im März und April vorigen JahreS waren simmer nach den Meldungen) zu- sanrmen 15 gS8 Personen von den Vororten nach Berlin zugezogen und 21 SS3 von Berlin nach den Vororten weggezogen, so daß der Wegzugsüberschuß sich auf SSSS stellte. Zur Gründung eine» Schwangercnheims, verbunden mit einer Rettungswache für Mütter, erläßt der Bund für Mutterschutz einen Aufruf. Neues Teilnehmerverzeichnis für die Umgestaltung des Berliner Fernsprechnetzes. Von dem Verzeichnis der Teilnehmer an den Fem sprechnetzen in Berlin und Umgegend wird am nächsten Freitag, den 15. Jum, eine neue Ausgabe verteilt. Infolge der Vermehrung der Anschlüsse ist das Buch jetzt auf nicht weniger als 1104 Seiten an- geu.ichsen. In den Vorbemerkungen wird vor allem die Neu- Gestaltung des Berliner Fernsprechnetzes berücksichtigt. In nächster .eit, heißt es darin fettgedruckt und durch Striche hervorgehoben, wird für die VermittelungSanstalten 6, 6a und S ein neues Ver- mittelungsamt 6, Körnerstr. 7—10, und für die VermittelungS- anstalten 7 und 7a ein neues VermittelungSamt 7, Palisadenstr. SV, in Betrieb genommen werden. Die Teilnehmer an den VermittelungS- anstalten 6, Sa und S bezw.Tk und 7a werden unter ihrer bisherigen Anschlußnummer an die neuen VermittelungSämter 6 bezw. 7 geschaltet werden. Es hat sich jedoch aus betriebstechnischen Gründen nicht vermeiden lassen, einer Anzahl die Grund« gebühr zahlender Teilnehmer beim VermittelungSamt 7 nach In- betriebnahme des neuen Amtes andere Anschlußnummern zuzuteilen. In dem neuen Teilnehmerverzeichnis find bei den in Betracht kommenden Anschlüssen beide Anschlußnummem in Bruchform angegeben, und zwar die alte Anschlußnummer über, und die neue An- schlußnummer unter dem Bruchstrich, z. B. 7. Nach Eröff nung deS Betriebes bei dem neuen Bermittelungsamt 7, die noch bekanntgegeben wird, erhalten die unter dem Bruchstrich angegebenen Anschlußnummern Gültigkeit. Oeffentliche Sprechstellen sind neu ein- gerichtet auf den Postämtern 27 und 43 in Berlin sowie bei den Postagenturen Heinersdorf und Borsigwalde. Neue Fernsprech- automaten gibt es beim Telegraphenamt in der Börse sowie bei den Postämtern 33, 113, Westend und Berlin 80 in Wilmersdorf.. Um Selbstentzündungen aufgestapelter Preßkohlen zu vermeide«, müssen die Preßkohlenstapel. worauf das beteiligte Publikum be- sonders hingewiesen wird, auf je 2 Meter Länge VentilattonSkanäle in ihrer ganzen Tiefe und Höhe erhalten. Diese Kanäle lassen sich leicht dadurch herstellen, daß zwer Preßkohlen mit 6 Zensimeter Zwischenraum als Läufer und über dieselben gleichfalls zwei Preß- kohlen mit demselben Zwischenraum als Binder und in der gleichen Weise durch den ganzen Stapel flach hingelegt werden, und zwar dergestalt, daß dadurch nicht nur ein senkrechter Luftkanal, sondern auch zwei sich kreuzende horizontale Kanäle gebildet werden. Die durch letztere stattfindende Lufterneuerung erscheint geeignet, Selbst- entzlindungen der Preßkohlen zu hindern. Bon großem Interesse für daS Publikum dürste eine Neu- einrichtuna sein, die gestern ,n dem neuen Kriminalgericht in Kraft getreten ist. In den: Vorraum des Mittelgebäudes, Hauptportal IV, Turmstr. 91. ist eine Br i e f a n n a h m e st e l l e für d i e L an d- gerichte 1. II und HI und für die Schöffengerichte Berlin-Mitte, Berlin- Tempelhof, Berlin- Schöneberg und Berlin- Wedding ein- gerichtet. Die bei dieser gemeinschaftlichen Annahmestelle abgegebenen Briefschaften, Strafanzeigen, Eingaben zc. werden kostenlos an die betreffenden Behörden weiterexpediert. Eine bemerkens- werte Neuerung. die eine große Bequemlichkeit für das Publikum bedeutet, besteht darin, daß bei dieser Brief- annähme nicht nur wie bisher ausschließlich auf Straffachen bezügliche Briefschaften angenommen werden, sondern auch die für die Zivilabte ilu n gen der erwähnten Gerichte be- stimmten Sendungen. Ausgeschlossen sind hierbei nur Grundbuch- und Testamentssachen. Um diese Zivilprozeßangelegenheiten in kürzester Zeit an die in Frage kommenden Behörden gelangen zu lassen, ist ein besonderer Tilbotenverkehr von dem Moabiter Kriminal- gericht nach den übrigen Gerichtsstellen eingerichtet worden, so daß nun Briefe, die am Vormittag aufgegeben, noch an demselben Tage vorgelegt werden. Briefschaften, die nach zwei Uhr nachmittags ab gegeben werden, gelangen schon am nächsten Morgen vor acht Uhr ? c- ä � l_____ m die Hände der Adressaten. Zwei Kinder»erbrannt. Ein erschütterndes Brandunglück, bei dem zwei Kinder im zartesten Alter den Tod fanden, spielte sich in der Nacht zum Sonn- rag in der C a m p h a u s e n st r a ß e S ab. Dort wohnt seit einem halben Jahre der Restaurateur Oskar B e e r m a n n, der im Border- Hause eine Stehbierhalle betreibt und im ersten Stock des rechten Seitenflügels eine aus Stube und Küche bestehende Wohnung inne hat. Seine Familie besteht aus Frau und vier Kindern im Alter von acht Wochen bis vier Jahren. Während nun die beiden jüngsten Kinder bei den Eltern in der Stube schliefen, hatten der dreijährige Kurt und der vierjährige Albert ihre Schlafftätte in der Küche. Diese beiden Knaben waren gegen 3 Uhr abends gebadet und zu Bett ge- bracht worden. Als um 1 Uhr früh die Schankwirtschast geschlossen war, sah der Bater nach den schlafenden Kindern in der Küche, ohne dabei etwas Verdächttges zu bemerken. Früh 6 Uhr wollte er Küche betreten, doch drang ihm beim Oeffnen der Tür dicker Qualm und starke Hitze entgegen. Hiilferufend eilte er in die Wohnstube zurück und brachte mit Hülfe seiner Frau die beiden jüngsten Kinder zu einer Flurnachbarin. Als dann erschreckte Hausbewohner in die Küche stürmten, bot sich ihnen ein herzzerreißender Anblick dar. Un- mittelbar neben der Tür lag der kleine Kurt halb verkohlt als Leiche. Seine Haut war an zahlreichen Körperstellen geplatzt. Der unglückliche Knabe hatte also noch versucht, der ihm drohenden Gefahr zu entrinnen, hatte aber nicht vermocht. die Tür zu öffnen und war dann, vom Rauch betäubt. niedergesunken. Sein Brüderchen lag im Bett und gab noch schwache Lebenszeichen von sich, weshalb man ihn schleunigst nach dem Urbankrankenhause schaffte. Kurz nach seiner Einlieferung ver- starb er indes auch an der erlittenen Rauchvergiftung. Die in- zwischen herbeigerufene Feuerwehr löschte den Kllchenbrand, der in der Hauptsache den Fußboden und einige Möbelstücke erfaßt hatte, in kurzer Zeit ab. Es wird vermutet, daß das Feuer durch den Schornstein entstanden ist, doch sind die Ermittelungen hierüber noch nicht abgeschlossen. Die beiden Leichen wurden nach dem Schau- hause gebracht.—_ Bon dem zum Tode verurteilten Raubmörder Hennig ist jetzt beim Landgericht zu Potsdam eine 16 Seiten lange Revisions- Recht- fertigungsschrift eingegangen. Hennig hat sich nicht damit begnügt, seinen: Verteidiger allein die Abfassung der Schrift zu überlassen, sondern machte sich im Untersuchungsgefängnis zu Moabit selber dabei, eine solche auszuarbriten. Er arbeitete verschiedene Tage daran und ließ sich dazu mehrere Rechtsbücher kommen. Nachträglich ist Hennig noch eingefallen, daß er einen Punkt nicht ausgeklärt habe und er sandte deshalb noch einen Nachttag an das Gericht ein. Um Gültigkeit zu haben, mußten diese Hennigschen Selbstarbeiten von seinem Verteidiger legalisiert werden. Um das Birchow-Denkmal. Gestern fand im Rathause eine Sitzung der Kommission zur Vorberatung der Entwürfe für daS Birchow-Denkmal statt; es handelte sich dabei um die Äenderung des DenkmalscntwurfeS von Fritz Klimsch. Die Ansichten gingen in der Kommissionssitzung, der unter anderen Oberbürgermeister Kirschner und die Professoren Waldeyer und Posner beiwohnten, sehr auseinander, eine Einigung konnte nicht erzielt werden. So mußte die Sitzung resultatlos vertagt werden. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich Sonntag abend auf dem Gesundbrunnen. Durch die Koloniestraße war eine leere Droschke gefahren und eine größere Anzahl spielender Kinder baten den Kutscher, doch eine Strecke mitfahren zu dürfen. Der Roffelenker wollte den Kleinen eine Freude bereiten und ließ sie in die Droschke Sineinklettern. Als der Wagen überfüllt war. hingen sich noch einige inder hinten und an der Seite fest, um auch mitfahren zu können. Während der Fahrt geriet der zehnjährige Schüler Richard Geißler, Koloniestr. 71, plötzlich mit den Beinen:n die Radspeichen und wurde mehrer« Male mit herumgeschleudert. Auf die Angstrufe der Kinder hielt der Kutscher an und befreite den Kleinen aus der entsetzlichen Lage. G. hatte doppelte Beinbrüche sowie schwere innere Ver- letzungen erlitten und wurde in fast hoffnungslosem Zustande in das städtische Kinderkrankenhaus eingeliefert. Schwere Folgen hat ein Ueberfall gehabt, welchem in der gestrigen Nacht der 21 jährige Zuschneider Paul Schönebeck aus der Greffs- walderstr. 228 zum Opfer gefallen ist. Der junge Mann war am Sonntagabend mit seinem Freunde Gustav Kasche in der Gast- Wirtschaft von Gülle in der Greifswalderstr. 214 gewesen und hatte sich gegen Mitternacht auf den Heimweg begeben. Nicht weit vom Elternhause entfernt wurde Sch. plötzlich von zwei vorübergehenden unbekannten Personen ohne irgend welche Veranlassung an- gerempelt. Als er sich dies höflich verbat, griff einer der Fremden in die Tasche. holte ein Messer hervor und stach die Klinge dem ahnungslosen juugen Menschen ttef in den Hinterkopf. Hierauf entflohen die gefährlichen Burschen. Sch. wurde von seinem Freunde in einer Droichke nach der Unfall- statton in der Keibelstratze gebracht und begab sich, nachdem er dort die ersten Notverbände erhalten hatte, nach seiner Wohnung. Als ihn die Mutter gestern morgen wecken wollte. erfaßten ihre Hände einen erstarrten Toten. Sch. war in der Nacht gestorben. Jedenfalls ist infolge der Schädelverletzung ein Gehirn- schlag eingetreten und hat dem jungen Leben ein jaheS Ende be- reitet. D:e Leiche ist von der Polizei beschlagnahmt worden. In den Tätern ermitteltet« die Kriminalpolizei zwei Brüder und ver- hastete sie gestern nachmittag. Verhaftung von acht Kupferdrahtdieben. Die fortgesetzten Dieb- stähle an Kupferdraht, wodurch sowohl die Postverwaltung als auch Privatgesellschaften schwer geschädigt wurden, haben jetzt wenigstens teilweise ein Ende gesunden. Es:st den Polizeibehörden gelungen, nicht weniger als acht gefährliche Drahtdiebe unschädlich zu machen. Drei Täter entfallen auf Grunewald, deren Verhaftung einem auf der Streife befindlichen Polizeibeamten gelang. Im Besitze der Burschen befanden sich noch große Mengen Metallhülsen, Drähte usio. Man glaubt bestimmt, daß man in den dreien jene Täter fest- genommen hat. die vor einigen Tagen in der Berlinerstraße in Wilmersdorf nicht weniger als 92 Fernsprechleitungen durchgeschnitten haben. Außerdem konnten noch fünf Kupferdrahtdiebe durch die Lichtenberger Polizei verhaftet werden. Es find alles„Gelegenheits- arbeiter" aus Lichtenberg und Rummelsburg, die in letzter Zeit durch Beraubung elektrischer Anlagen, Telcphondraht- und Bleiröhren- diebstähle erheblichen Schaden angerichtet haben. Unangenehme Folgen dürste die Verhaftung der fünf Diebesgesellen noch für mehrere Produktenhändler haben, welche als Hehler in Betracht lommen. Fünf Segel- und Ruderboote kenterten vorgestern nachmittag aus der Südseite des Müggelsees, wobei die Insassen, insgesamt fünf- zehn Personen, in Lebensgefahr gerieten.' Das auf dem Wasser kreuzende, nach Rahnsdorf gehörige Motorboot„Müggelsee" leistete in allen Fällen Hülfe. Es gelang dem Führer und der Be- mannung des Bootes, die fünfzehn Verunglückten zu retten und auch vier der gekenterten Fahrzeuge ins Schlepptau zu nehmen. Die Unglücksfälle sind zun: Te:l durch ungeschickte Segelführung, zum Teil durch die Unvorsichtigkeit der Ruderer herbeigeführt worden. Bei zwei weiteren Bootsunsällen auf der Klemen Müggel griff die Mannschaft der Rettungsstation helfend ein, und auch in diesen fällen gelang es, die sämtlichen ins Waffer Gestürzten zu retten, evor sie ernsteren Schaden genommen hatten. Aus der Selbstmordchronik. Traurige Ueberraschunaen wurden dem Metalldrücker P., Skalitzerstr. 58, und dem Arbeiter L., Kösliner- straße 9, zuteil, als sie am Sonnabendabend heimkehrten. P. fand seine 33 jährige Ehefrau auf ihrem Bette zur Leiche erstarrt vor. Vor dem Bette standen zwei geleerte Bierflaschen und ein Fläschchen, das noch einen kleinen Rest Salzsäure enthielt. Mir dem Bier hatte sich die Lebensmüde zu ihrer unseligen Tat wahrscheinlich Mut an- trinken wollen. Aus Furcht vor dem Arzte war die Unglückliche in den Tod gegangen. Sie war im höchsten Grade nervenleidend und sollte sich deswegen in ärztliche Behandlung begeben. Hiergegen sträubte sich Frau P. jedoch mit aller Gewalt und zog eS schließlich vor, freiwillig aus dem Leben zu scheiden.— Als der Arbeiter lj. au: Sonnabendabend seine Wohnung betrat, bot sich ihm auf dem Korridor ein erschütternder Anblick. Seine Frau hatte sich am Tür- Pfosten erhängt und war bereits tot. Sie hatte sich ebenfalls eines NerbenIeidenZ wegen das Leven genommen.— Eine trauriae Auf� klärung hat jetzt das Verschwinden deS Bauarbeiters Karl Meister gefunden. M. ist gestern ain Nordhafen als Leiche aus dem Wasser gelandet worden. Arbeitslosigkeit hat ihn angeblich in deu Tod getrieben.— Die Leiche eines unbekannten Selbstmörders ist in der gestrigen Nacht an der Fruchtstrahe aus der Spree geborgen worden. Der Tote hat schon längere Zeit im Wasser gelegen und anscheinend den besseren Ständen angehört.— Mit dem Modegift Lysol hat sich in der vergangenen Nacht das 15 jährige Hausmädchen Maria St., das bei einem Frl. Sch. am Lützow-Ufer 36 in Stellung war, das Leben genommen. Als nachts gegen 1 Uhr die Herrschaft des jungen Mädchens heimkehrte, drangen aus dessen Zimmer röchelnde Tone. Die verschlossene Tnr wurde gewaltsam geöffnet und sterbend fand man die St. auf dem Bette vor. Auf Anordnung des von der Unfallstation am Zoologischen Garten hinzugerufcnen Arztes wurde die jugendliche Selbstmörderin in das Elisab'ethkrankenhaus gebracht, starb aber bald nach ihrer Einlieferung. Das Motiv zu der un- seligen Tat ist angeblich auf unglückliche Liebe zurückzuführen. Pferd und W«gen gestohlen wurden dem Gastlvirt Jwert, der eine größere Menge Lebensmittel eingekauft hatte und mit seinem Fuhrwerk an der Köpenickerstratze hielt, um daselbst noch eine Be- sorgung zu erledigen. In der Zwischenzeit wurde das Gefährt ent- führt, und als der Gastwirt eine Viertelstunde wieder die Stratze betrat, war das Fuhrwerk verschwunden. Die sofort be- nachrichtigte Polizei ermittelte Pferd und Wagen am Kottbuser Damm, wo es unbeaufsichtigt auf der Stratze stand. Die Ladung war jedoch eine Bente der Spitzbuben geworden. Gesperrt. Der nördliche Damm der Seestratze zwischen Guinea- und Anirumerstratze wird behufs Umlegung vom 11. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Auf einer Fahrt von Lippehner- bis Hochmeisterstratze ist am Sonntag eine Notenmappe mit vier Liedern des Arbeiter-Sänger- bundes und 100 Billetts des Arbeiter-Sängerfestes in Friedrichs- Hägen(Billettnummern von 7101—7200) in einer Kraftdroschke (Landauer) zurückgelassen worden. Der Droschkenführer wird ge- beten, die Sachen bei Otto Satz, Lhchenerstr. 119, abzugeben. Der Kassierer deS zweite» NcichstagS-WahlkreiseS hat am Sonntag auf seiner Tour in der Steinmetzstratze ein Dameujackett gefunden, das er dem Verlierer gern abgeben möchte. Derselbe soll sich melden bei Gustav Schmidt,' Bülowstr. 52, IV. Ausg. parterre. Orgelkonzert. Mittwoch, den 13. Juni, 7>/z Uhr, veranstaltet der königl. Musikdirektor Bernhard Jrrgang in der St. Marien- Kirche ein Orgelkonzert mit Örchester unter Mitwirkung von Frau Erna v. Storch(Sopran), Herrn königl. Kammermusiker Paul Treff(Cello) und dem Orchester des Brandenburgischen Konservatoriums. Leitung: Herr Bruno Wittel, Musikdirigent am königl. Schauspielhause. Es kommt u. a. das Orgelkonzert in g-moll mit Orcherster von Rheinberger zum Vortrag. Der Eintritt ist frei. Vorort- JVaebriebten. Kriedrichsfelde. Ein nettes Stiickchen hat sich kürzlich unsere Steuerverwaltuug geleistet. Der Rentenempfänger B., ein alter, seit vielen Jahren arbeitsunfähiger Manu, welcher noch seiner ebenso alten vollständig bettlägerigen Ehefrau aufzuwarten hat, hatte schon vor einem Jahre eine Aufforderung zur Steuerzahlung erhalten. Da die Leute Armenunterstützung bezogen, wurde auf erfolgten Einspruch die Steuer niedergeschlagen. Nun hictz es aber, die Leute sollten Ver- mögen haben und deshalb wurde die Arnlcnunterstützung wieder eingestellt. Tatsächlich sollen die alten Leute für ihre eventuelle Be- erdigung sich eine Kleinigkeit zurückgelegt haben, die aber seit einiger Zeit, trotz Unterstützung der Kinder, aufg.'braucht ist. Ein erneutes Gesuch um Arnienunterstiitzung ist bisher nicht beantwortet worden, dafür aber erschien wiederum— der Steuererheber! Natürlich konnte er nichts bekommen, denn wo nichts ist, kann auch der Steuererheber nichts holen. Aber bezeichnend für die Einschätzungsverhältnisse am Ort bleibt dieses Vorkommnis jedenfalls. Reinickendorf. Achtung! GewerbegerichtSwahl! Heute Dienstag, den 12. Juni, nachmittags von 5— 7 Uhr, findet in Reinickendorf die GewerbegerichtSwahl statt. Der 1. Bezirk(Westen) wählt in A. Müllers Restaurant, Scharnweberstr. 14 und der 2. Bezirk(Osten) in A. Leders Schützenhaus, Resi- d e n z st r. 1/2. Wahlberechtigt ist jeder 25 Jahre alte in Reinicken- dorf wohnende bezw. beschäftigte Arbeiter. Als Wahllegitimation dient für die in Reinickendorf Beschäftigten eine Bescheinigung der Ortspolizeibehörde oder die letzte Steuerquittung. Formulare zu diesen Bescheinigungen sind bei den Werkstattvcrtrauensleuten, sowie im Rathaus. Zimmer 11. zu haben. Es ist unbedingte Pflicht. daß jeder in Reinickendorf wohnende bezw. beschäftigte Arbeiter d,e Gelegenheit benutzt, die Rechtsprechung über die aus seiner Be- schäftigung entspringenden Streitigkeiten in die Hände solcher Männer zu legen, die auch volles Vertrauen der Arbeiter ver- dienen. Unsere Genossen haben folgende Kandidaten aufgestellt: Für den 1. Bezirk(Westen): Dreher Karl Näthke, Scharn- weberstr. 134; für den 2. Bezirk(Osten): Klempner Emil Lllders, Nordbahnstr. 33; Maurer Ernst Hirsch, Amendestr. 104; Bauarbeiter Otto Hornburg. Hoppestr. 24. Arbeiterl Parteigenossen! Erfüllt Eure Pflicht, indem Ihr der obigen Kandidatenliste zum Siege verhelft! Wilmersdorf. Das hiesige Lokalblättchen, die„Wilmersdorfer Zeitung" will sich einer Aenderung unterziehen und ein„unabhängiges Lokalblatt für freien Meinungsaustausch" werden. Es gibt offen zu. datz der von ihm bisher gelieferte politische Inhalt zum Teil immer veraltet gewesen sein und um den Wünschen nach Verbesserung Rechnung zu tragen und den lokalen Teil mehr auszubaue», soll das Blättchen nicht mehr täglich, sondern zweimal wöchentlich erscheuien. Sicherlich ein erheblicher Fortschritt! Jetzt wird natürlich, ww jeder Laie verstehen wird, auch der lokale Teil bei einem zweimal, gen Erscheinen in der Woche genau so veraltet sein, als der politische es imnier schon war. Jedenfalls hat das Konsortium, das nach Be- hauptungen, die in einem Lokalverein kürzlich aufgestellt wurden. über den Inhalt des Blattes bestimmte, die Hoffnung aufgegeben. aus dem Blättlein etwas Vernünftiges zu machen. DaS Fell des Bären soll verteilt werden, noch ehe der Bär erlegt ist. Am 22. Juni wollen Delegierte der verschiedenen Vereine Wilmersdorfs zu einer Vorbesprechung der für die Stadtverordneten- wählen zu ergreifenden Matznahmen zusammentreten. Offenbar handelt es sich darum, sich zu verständigen über die ,n Frage kommenden Kandidaten und deren Verteilung auf die emzelnen Be- zirke. Hoffentlich machen unsere Parteigenosien durch eine intensive Wahlaqitation den Herren Gegnern durch ihre Rechnung einen großen Strich, indem sie bessere Erfolge erzielen als bei der letzten Ge- ineindevertreterwahl. Treptow-Baumschnlenweg. Ein trauriger Borfall hat sich am Sonnabendnachmittag in der Kiefholzstr. 188 abgespielt. Nach einem voraufgegangenen Familien- streit hat die Frau des Brauereiarbeiters Wicke versucht, durch Trinken von Schwefelsäure ihrem Leben ei» Ende zu machen. Der zur ersten Hülfeleistung herbeigerufene A»t ordnete die sofortige Ueber- führung nach dem Britzer Kraukeuhanse an, wo die Bedauernswerte hoffnungslos daniederliegt. Lankwitz. Damit die Religion dem«olke erhalten werde, wurde in Lankwitz qesiern vormittag eine Kirche— Dreifaltigkeitskirche ist sie getauft— eingeweiht. Die Frommen mutzten sich diesmal mit der Gegen- wart des Prinzen August Wilhelm aus dem kaiserlichen Hause be- gnügen.. Ober- Schöneweide. Heute nachmittag 6 Uhr findet in der Schulaula eine ö f f e n t- l i ch e Sitzung der Gemeindevertretung statt. Auf der Tages ordnwig steht unter anderem die Interpellation unserer Genossen be treffend das Polizeiaufgebot anläßlich der Maiaussperrnng. Oranienburg. Totgcquctscht. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich Sonw abend nachmittag in der chemischen Fabrik„Germania" in Oranien- bürg. Der 62jährige Arbeiter Barsekow benutzte einen hydraulisch betriebenen Lastenaufzug, um sich nach der zweiten Etage des Fabrik- gebäudes zu begeben, vermochte jedoch, mit der Einrichtung des Fahrstuhls nicht genügend vertraut, denselben nicht wieder zum Stehen zu bringen. Er wurde infolgedessen zwischen der Platte des Aufzuges und der Decke festgeklemmt und erlitt so schwere innere Verletzungen, daß er wenige Minuten später denselben erlag. Potsdam. Die letzte Stadwer-rdneteuversammlniig beschäftigte sich mit der eleuchtung des Luisenplatzes und des Brandenburger Tores, die eine Verbesserung durch Vermehrung der jetzigen zwei elektrischen Bogenlampe» erfahren sollen. Es wird beschlossen, die provisorisch aufgestellten beiden Lichtmasten aus Holz durch eiserne zu ersetzen, deren Kosten zusammen 780 M. betragen. Der zweite Teil dieses Magistratsantrages, der die Vermehrung der elektrischen Bogenlampen in der Umgebung des genannten Platzes(Alte Luisen- stratze und Allee nach Sanssouci) fordert, wird zur näheren Prüfung an die Beleuchtungskominission zurückverwiesen. Da dieKosten(3300 M.) für diese im Interesse des Verkehrs wünschenswerte elektrische Beleuchtungsanlage bis auf 1300 M. bereits bewilligt sind, so handelt es sich hier wohl mehr nm einen kleinen„Kompetenzkonflikt" zwischen den verschiedenen Instanzen. Daß zwei beteiligte Stadt- rätc über eine Magistratsvorlage so verschieden„informiert" sind, datz ihre Ausführungen allgemeine Heiterkeit erwecken, läßt aller- dings auf ein sehr„kollegiales" Verhältnis schließen.— Die hierauf zur Beratung stehende Errichtung einer Volksbadeanstalt wurde auf dem schleunigsten Wege erledigt: Ueberweisung an einer gemischte Kommission. Wenn die Sache so weiter geht wie bis- her, dann kann diese Frage bald ihr 25jährigcs Jubiläum feiern; denn seit 23 Jahren beschäftigt sich die Stadt schon mit diesem Projekt einer Volksbadeanstalt, daS nicht leben und nicht sterben kann.— Schneller wurden die lokalen Klagen über die in „schlechtem Gerüche" stehende Kläranlage in der Neuen Luisenstratze beseitigt. Zur Beseitigung der üblen Ausdiinstungen, durch die sich die in die Havel geleiteten geklärten Abwässer nament- lich an warmen Tagen bemerkbar machen, werden 7000 M. bewilligt. — Die bereits in Angriff genommene Regulierung der Kaiser Wilhelm- und Hohen zollern st ratze wird einer Sonder- kon, Mission überwiesen, die die Projekte für die gärtnerischen Anlagen usw. prüfen soll. In der nächsten Sitzung soll diese Vorlage, die einen Kostenanfwand von 223 000 Mark(inkl. Anliegerbeiträgen) erfordert, endgültig erledigt werden.— Eine längere Debatte zeitigte die geplante Errichtung einer Eis- fabrikationsanlage auf dem Schlachthofe. Die Anregung zu dieser Anlage haben die Schlächter gegeben, die durch die im letzten Winter äutzerst schwache Gewinnung von Natureis ebenso vor einer Kalamität stehen, wie die Gastwirte, Krankenhäuser usw. Die Gesamtproduktion von jährlich zirka 14 000 Zentnern Eis wurde auf die Dauer von fünf Jahren einem hiesigen Unternehmerkonsortium verpachtet. Der Preis beträgt 60 Pf. pro Zentner. Wohl aus Angst vor dem hierbei zutage tretenden„Gemeindesozialismus" führten die Stadtverordneten Herrmann II und Friedrich entgegen einer ganz vernünftigen Anregung des Stadtv. F r o e I i ch(Reichstagsabgeordneter) über Festsetzung der Wiederverkaufspreise durch die Generalvertriebsstelle aus, datz dem freien Spiel der Kräfte der Monopolinhabcr kein Zwang angetan werden solle. Das heilige Recht des unbeschränkten Profits siegte denn auch. Bewilligt wurden dann noch die Mittel zur notwendigen Vergrößerung des Elektrizitäts- Werkes. Die Kostensumme von 350000 M. soll durch Anleihe gedeckt werden.— Ebenso schnell wurde die Vorlage betreffend die Tieferlegung der Kanalisation sheberleitung in der Teltower Vorstadt erledigt. Die Kosten betragen 6500 M. Ferner die Anlage eines W a s s e r d r u ck st ä n d e r s bei der Berliner Brücke, um den dort haltenden Droschkenkutschern usw. das nötige Wasser für ihre Pferde zu liefern. Kosten: 300 Mark. Damit war die ausnahmsweise kurze Tagesordnung der öffent- lichen Sitzung erledigt; sie dauerte nur 1>/z Stunde und zeigte viel- fach schon die ersehnte„Ferienstimmung". Vermischtes. Düsseldorf, 11. Juni. Hier wurde der Polizeisergeant D ö h m e n wegen Verleitung zum Meineid verhaftet. Aus der Untersuchungshaft entlassen wurde der Tischlergeselle Fritz Hetsch aus Bornstedt, welcher am Abend des dritten Pfingst- tages mit dem Zigarrenhändler Max Vierkant aus Potsdam in Streit geriet, im Verlauf dessen er dem Vierkant mit seinem Spazierstock über den Kopf schlug, worauf derselbe tot umfiel. Die Affäre, die verschiedentlich als ein Mord dargestellt wurde, hat bei der gerichtlichen Untersuchung ergeben, datz nicht einmal ein Tot- schlag vorliegt, denn durch die Obduktion wurde festgestellt, datz der Tod Vierkants auch durch starken Alkoholgenutz, der bei dem vorher- gehenden Aerger einen Blutandrang nach dem Kopfe herbeiführte, hervorgerufen sein kann. Die Untersuchung dauert fort. Neber die Herkomerfahrt liegen folgende weitere Unglücksnach- richten vor: Wien, 10. Juni. Bei der Fahrt auf der Semmering- stratze erlitt beim Passieren einer Kurve in der Nähe von Schott- Wien Wagen Nr. 3 Radbruch. Der nachfolgende Wagen Nr. 11 fuhr den Wagen Nr. 3 an und erlitt hierdurch einen Rad- und Achsenbruch. Der nachfolgende Wagen Nr. 51 wollte ausweichen und fuhr in die Böschung. Hierbei erlitt er eine Beschädigung des Vordergestells. Sämtliche 3 Wagen dürften die Fahrt aufgeben. Verletzt wurde niemand. Velden, 11. Juni. Hier wurde ein Mann von einem der an der Herkomerkonkurrenz teilnehmenden Wagen überfahren und leicht verletzt. Innsbruck. 11. Juni. An den gefährlichsten Stellen des Zirler Berges sind von Eisenbahnsoldaten Feldtekephon- apparate aufgestellt worden, um Unfälle, die sich bei der Herkomer- fahrt etwa ereignen sollten, rasch melden zu können. Ueber einen schweren Eisenbahnunfall wird aus St. Goars- hausen amtlich berichtet: Heute früh um 1 Uhr 15 Minuten fuhr der Güterzug 6701 in St. Goarshausen bei der Einfahrt infolge Nichtbeachtung des auf Halt stehenden Einsahrtsignals in den ran- gierenden Güterzug 7258. Ein Bremser des Güterzuges 6701 wurde getötet, ein Zugführer, ein Bremser und ein Lokomotivführer wurden leicht verletzt. Beide Hauptgleise sind gesperrt. 2 6 Wagen sind entgleist und stark beschädigt worden. Zum Teil wurden die Wagen durch Feuer zerstört. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Ueber einen Eisenbahnunfall, der sich am Sonnabend bei Stralsund ereignete, wird amtlich gemeldet: Sonnabend nach- mittag W* Uhr wurden auf Haltepunkt Voigdehagen der Nordbahn der Rottenführer Stoffregen und Fräulein Seeger aus Elmenhorst vom Zuge 228 überfahren. Fräulein Secger war unter der geschlossenen Schranke des Wegeüberganges von Voigdehagen durch. gekrochen, lief kurz vor dem Zuge trotz warnender Zurufe über das Gleis und fiel auf dieses. Stoffregen wollte sie retten und wurde dabei ebenfalls von der Lokomotive erfaßt. Eine Familie vergiftet. In dem Gotha benachbarten Dorfe A p f e l st ä d t. am Nordabhang des Thüringer WaldeS, hat sich der Aufsehen erregende Fall der Vergiftung einer ?:amilie durch Arsenik ereignet. Der Besitzer deS Gast- ofs zum„Weitzen Rotz", namens Ritter, der seit längerer Zeit verwitwet ist, bereitete am Freitag für seine Hausgenossen daS Mittagsmahl bestehend �rbstn und S�in'en. U— d'e Erbse- recht weich zu bekommen, pflegte er ihnen nach bekannter Weise einige Messerspitzen kohlensaures Natron beizumengen. Auch am Freitag fragte er das Dienstmädchen nach dem„weitzen Pulver" und machte davon den gewohnten Gebrauch. Der Knecht des Hauses, der vor den übrigen Hausgenossen sein Mittagessen ein- nahm, verspürte alsbald ein heftiges Unwohlsein, dem aber keine Bedeutung beigelegt wurde. Es setzten sich darauf der Wirt, dessen Bruder, das Dienstmädchen, der Einwohner Härtung aus Apfelstädt und eine am Ort weilende Frau Euchler aus dein Nachbardorf Wölfis zu Tisch. Auch diese fünf Personen erkrankten alsbald an auffälligen Symptomen unter qualvollen Schmerzen. Man rief aus Wandersleben einen Arzt telephonisch herbei. Als dieser am Freitag abend eintraf, fand er den 79jährigen Einwohner Härtung bereits als Leiche. Als am Sonnabend vormittag die Gerichts- kommission aus Gotha eintraf, stand man zunächst vor einem Rätsel. Der Wirt wollte nicht mit der Sprache heraus. Schließlich ließ er sich herbei, das weiße Pulver zu holen, das er in der Meinung, es sei Natron, den Erbsen beigemengt hatte. Die beiden beamteten Aerzte, welche der Kommission angehörten, stellten alsbald fest, datz das Pulver Arsenik war. Am Sonnabend mittag ist auch der 6Sjährige Bruder des Wirtes den Folgen der Vergiftungen erlegen. Die übrigen Personen liegen schwer krank danieder, doch ist Hoff- nung auf Erhaltung ihres Lebens vorhanden. Feuersbrunst. S o u t h a m p t o n, 10. Juni. Eine FeuerS- brunst in den Docks zerstörte ein grotzes Lagerhaus und mehrere Waggons der Eisenbahn, das Dampfboot„Trenn" wurde beschädigt; der Schaden wird auf über eine Million Pfund Sterling geschätzt. Dynamitexplosion. Lancaster(Pennshlvanien), 9. Juni. Heute ereignete sich in einer Dhnamitfabrik bei Pequea eine Explosion, durch welche die Fabrik zerstört, elf Personen getötet und fünf schwer verwundet wurden. Neue Erdstöße werden aus Kalabrien gemeldet. Es liegen folgende Berichte vor: Rom, 10. Juni. In Pizzo, Tropea, Messina und Reggio di Kalabria wurden heute früh Erdstöße wahrgenommen. Monteleone(Kalabrien), 10. Juni.» Letzte Nacht wurden hier zwei starke Erdstöße verspürt, durch die die Be- völkerung veranlaßt wurde, sich ins Freie zu flüchten. Schaden ist nicht entstanden._ Sozialdemokratischer Zcntral-Wahlvereiu für de» Reichstags- Wahltreis Züllichau-Schwiebus- Crossen-Sommerfeld. Dienstag, den 12. Juni, abends 8>/, Uhr, bei Patt, Dragonerstr. 15: Außerordentliche Mitgliederversammlung. Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Verlins und Umgegend. Abtellung I und III. Mttwoch, den 13.' Juni, abend- 8 Uhr: Abteilungsversammlung im Gewerlschastshause(Saal 7). Eingegangene Vrucksckviften. Von der„Reuen Zeit«(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 37. Heft deS 24. Jahrganges erschienen. Das Heft hat folgenden Inhalt: Das Fazit der letzten ReichstagSsession. Von A. Bebel.— Eine ethischästhetische Geschichte der Pariser Kommune. Von K. Kautsky.— Programm der Sozialrevolutionären Partei Rußlands.(Beschlossen aus dem Parteitag im Januar 1906.)— Die belgischen Kammcrwahlen. Von Eamille Huysmans. — Zum Abschluß des Kampfes um die preußische Volksschule. Von Heinrich Schulz.— Organisation sür die theoretische Bildung der Arbeiterklasse. Von I. Stern.— Literarische Rundschau: Inc. Traub, Arbeit und Arbeiter- organisation. Von Georg Weill. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstallcn und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. prc Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Von der„Gleichheit", Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 12 des 16. Jahr- ganges zugegangen. Die Nummer hat folgenden Inhalt: Ausruf der Per- traucnsperson der Genossinnen Deutschlands.— Aus dem Bericht der badischcn Fabritinspektiou sür das Jahr 1305. I. Von g. h.— Henrik Ibsen.— Frauenwahlrecht und Sozialdemokratie in Holland. Von H. Roland- rst.— Sechster Verbandstag des Deutschen HolzarbeiterverbanocS. Bon K.— Vom Kamps um das Frauenwahlrecht in England. Von M. Beer- London.— Der Kampf um die Rente. Von E. G.(Schluß.)— Aus der Bewegung: Von der Agitation.— Jahresbericht der Vertrauensperson der Genossinnen Mannheims.— Genosscnschastliche Rundschau. Von Simon Katzenstein.— Gewerkschaftliche Rundschau.— Notizcnteil: Dienstbotcnfragc. — Konserenz der in Ziegeleien beschästigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Von Luise Zieh.— Frauenstimmrccht.— Gewerkschaftliche Arbeiterinnen- organisation.— Feuilleton: Der Eiscnbahnzug. Von Ferdinand v. Saar. (Gedicht.)— Der alte Jsergil. Von Maxim Gorki.(Fortsetzung.)— Der Ziegelschlag. Von Ferdinand v. Saar.(Gedicht.) Für unsere Kinder: Hammerlied. Von Ernst Klaar.(Gedicht.) — In der Ferienkolonie.— Junge Kätzchen. Von Ludwig Jakobowski. (Gedicht.)— Sepp, der Tunichtgut. Von Anton Fendrich. IV.— Schaf in der Schur. Von Anna Maria Biel.(Gedicht.)— Vom kleinen Wattc- stöckchen. Von Elisabeth Hartmann-Harder.(Fortsetzung.)— Ein Ringel- reihen. Von Anna Maria Biel.(Gedicht.) Die.Gleichheit' erscheint alle t4 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der AbonnementSPretS vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband 85 Pj. Jahresabonnement 2.60 M. Der„Wahre Jacob" hat soeben die 12. Nummer seines 23. Jahr« ganges erscheinen lassen. Aus dem Inhalt erwähnen wir die beiden farbigen Bilder„Väterchens Zukunft' und„Jeder Preuße ist vor dem Gesetz gleich», sowie die weiteren Illustrationen„Die nationale Tat",„Nationale Steuer- Politik".„Die Diebin im Gesängnis und die Kleptomane im Sanatorium", „Der Rosensreund",„Monolog in der Wiener Hosburg",„Die Technik im Dienste des Patriotismus",„Juristische Rechcnausgabe",„Der Konflikt ain Sinai",„Der Fricdensengel aus der Walze",„Der Rattenfänger von St. Petersburg" und„Eine Zurechtweisung". Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte„Ibsen" von Edgar Steiger,„Der Hamburger Bismarck- Roland",.Zentrumslied",„Raub und Recht",„Aus hohem Gerüst" von H. Böttichcr,„An den Oberst a. D. von Wartenberg" und außer zahlreichen kleineren Beiträgen in Poesie und Prosa noch die satirischen Feuilletons „Koloniale Heilstatten" und„Steucrpolitischcs", sowie die Novelle„Webers Honigmonden". Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 10 Ps. Berliner Marktpreise. Aus dem amtliche» Bericht der städtischen Marlthallen-Direktion. Rindfleisch In 64-68 pr. 100 Pfund, IIa 54-64, nia 50-53, IVa 44-50, engl, Bullen- 0,00, dän. Bullen- 0,00, Holl, Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppclländer 105—120, la 85—90, Ha 70-80, nia 60-68. Hammelfleisch la 72-77, IIa 64—70. Schweinefleisch 62—68. Kaninchen per Stück 0,00. Hühner, alte, Stück 1,80—2,80, junge, per Stück 0,60—0,90, Tauben, junge 0,40—0,60, alle 0,35. Enten, prima, per Stück 1,80—3,75, Hamburger, junge, per Stück 2,30—3,25. Gänse, junge, per Psd. 0,60—0,70, per Stück 3,00 bis 4,50. Hechte 118-124. Schleie 120-131. Bleie 0,00. Aale, groß 0,00, mittel 117—122, klein 74, uns ort. 83—98. Plötzen 0,00. Flundern, pomm. I, p. Schock 3,00—6,00. Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel, per Kiste 2—4, vo. klein, per Kiste 0,00. Bücklinge, Holl, per Wall 0,00. Kieler 2,00—4,00, Strals. 3,00-4,00. Aale, groß. P.Psd. 1,10-1,30, mittel 0,80-1,00, ll. 0,50 bis 0,60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 0,00, Elb» per Kiste 0,00. Sardellen, 1902er, per Anker 76,00, l904er 74,00, t 905er 70,00. Schottische Bollheringe 1905 0,00, largo 40—44, füll. 36—38, med. 35—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Maises, per To. 60—120. Hummern, IIa, 100 Psd, 0,00. Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 23,50, kleine 8,00, unsorttert 13,00—14,00, Eier, Land-, per Schock 3,50, frische 0,00. Butter per 100 Psund, la 105—109, Na 100—105, lila 95—100, ab- sallende 90—95. Saure Gurken, Schock 3,75—4,25 M,, Pseffergurkeii 4—4,25 M. Knrtofscln per 100 Psd. magn. hon. 2,10—2,35, rote Dabersche 2,00—2,20, runde weiße 1,80—2,00, Malta 0,00, Sommer-Malta 11—12, franz. 0,00, ital, 6,00—8,00, ungar, 3,50—4. Spinat, per 100 Psd, 12,50—17,50, Karotten 2—4. Mohrrüben, per Schock-Bd. 3—3,50. Kohlrabi, per schock 1,00 bis 1,50, Rettig, bahr., per Schock 2,40—4,80. Rhabarber, Hamb., per 100 Bd. 0,00, Bergedorscr 0,00. Radieschen, per Schock 0.75. Salat, per Schock 0,75— 1.25, Gubener, per Schock 0,00. Spargel I, per Psd. 0,30-0,40, II 0,20-0,25, III 0,05-0,15, Beelitzer I 0,38-0,50, II 0,20 bis 0,30, m 0,10—0,18. Bruchspargel 0,00. Bohnen(grüne), per 100 Psd. 70—110. Schoten, Beelitzer, per 100 Psd. 17—25, Gubener 12—18. Pseftcrlinge per Psd. 0,35—0,40. Kirschen, ital., per 100 Psd. 18—28, sranz. 40—60, Gubener 15—20, Wcrdersche 20—24, schles. 10—16, Heidelberger 0,00. Erdbeeren, per 100 Psd. 30—4,0, stanz, per Psd. 0,45—0,50, Beelitzer, per Psd. 0,30—0,60, Werderschc, per Psd. 0,25—0,50, Dresdener, per Psd. 1,00, hiesige, Wald» per Psd. 0,60—1,00. Zitronen, Messina, 300 Stück 8,00-10,00, 360 Stück 6,75-9,00, 200 Stück 6,50-9,00, 420 Stück, klein 7,00._ Wetter-Prognose für DienStag, den IS. Juni ISva. Ein wenig warn, er, zeitweise heiter, aber noch veränderlich mit leichten Reaewällen und'chwachcn nordöstli-�en Winden, Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. ienstag, den 12. Juni. Anfang 72 Uhr: Opernhaus. Figaros Hochzeit. Schauspielhaus. Wie die Aten fungen. Neues Operntheater. Der Freischütz. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Neues. Orpheus in der Unterwelt. Anfeng 8 Uhr: Schiller 0.( Wallner Theater.) Der Militärstaat. Schiller N.( Friedrich Wilhelm. städtisches Theater). Das Lumpengesindel. Lessing. Die Teufelskirche. Kleines. Ein idealer Gatte. Berliner. Die lustige Witwe. Komische Oper. zählungen. Zentral. Nanon. Hoffmanns ErSchiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Dienstag, abends 8 Uhr: Der Militärstaat. Lustspiel in 4 Aufzügen von Gustab b. Moser und Thilo v. Trotha. Mittwoch, abends 8 Uhr: Heiratslustig. Donnerstag, abends8l5r: Heiratslustig. Dienstag, abends 8 Uhr: Das Lumpengesindel. Tragikomödie in 3 Aufzügen von Ernst v. Wolzogen. Mittwoch, abends 8 Uhr: Jugendlieba. Hierauf: Die Dienstboten. Donnerstag, abends 8 Ubr: Jugendliebe. Hierauf: Die Dienstboten. Im Garten tägl. gr. Militär- Konzert. Schweizer Garten. Am Königstor Am Friedrichshain 29/32. Täglich: Theater- Vorstellung, Spezialitäten und Ball. Bum Schluß: Die Sonntagsbraut. Diez' Spezialitäten- Theater. Landsberger Allee 76/79( Ringbahnstation). Lustspielhaus. Das Fest der Hand. Ob schön! Im herrlichen Garten oder Saal: Ob Regen! werker. Borher: Die Verlobung Täglich: Gr. Konzert, bei der Laterne. Thalia. Bis früh um Fünfe! Metropol. Auf ins Metropol Apollo. Das blaue Bild. Spezialitäten. Carl Weiß. Der Weg des Märs tyrers. Wintergarten. Tortajada. Spezialit. Passage. Willy Brager. Spezialit. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Besub. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns neue Spezialitäten und Ball. Das größte und befte Programm Berlins. u. a.: La Matschiche! merikanischer Tanz, ausgeführt vom besten Tanzduett Jeanette und Vallis. Erich Süßmilch, befter Kunstschüße, Robert und Bertram, das berühmte Grotest- Duett. Josefine Delcliseur, das weibliche Unikum. Die Wunder der Turnkunst: The tree Burtons und The Elrados, fomische Reckturner. Die Teufelsmaler?? Franz Meißner? der vorzügliche Humorist, usw. Kaffeeküche. Volksbelustigungen aller Art. Anfang 4 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf., Sonntags 30 pr. Berliner Theater. Max Kliems Sommer- Theater. Gastsp. des Neuen Operetten- Theaters aus Hamburg( Direktor Mar Monti). Die lustige Witwe. Anfang 8 Uhr. Ab 16. Juni finden die Auffüh rungen von ,, Die lustige Witwe" im Lessing- Theater ſtatt. Sonnabend, 16. Juni: Gastspiel Maria Pospischil. Neues Theater. Anfang 7 Uhr. Orpheus in der Unterwelt. Kleines Theater. Anfang 8 Uhr. Ein idealer Gatte. Morgen: Ein idealer Gatte. Neues kgl. Operntheater ( Kroll). Anfang 7, Uhr. Der Freischütz. Sonnabend, den 16.: Gastspiel d'Andrade, Lilli Lehmann und Bella Alten: Don Juan. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und Invalidendank. Komische Oper. Sommerspielzeit 1906. Hoffmanns Erzählungen. Sommerpreise. ( Reine Vorverkaufsgebühr.) Anfang 8 Uhr. Zentral- Theater. ( Operette). 8 Uhr: Nanon. Operette in drei Akten. Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Großes Konzert, Theater und Spezialitäten- Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest. Kinderfeste. Jeden Mittwoch: Die beliebten Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Die Kaffeefüche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 hochelegante Kegelbahnen, Würfelbuden, Konditorei, Blumenstand zc. Urania Tauben. str. 48/49. Täglich abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. Achtung! Achtung! Bentralverband der Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin. Freitag, den 15. Juni, abends 8 Uhr, bei Keller, Koppenftr. 29: General- Versammlung für sämtliche Bezirke und Zahlstellen der Maurer sowie der Sektion der Putzer und der Gipsu. Zementbranche, gleichzeitig der Gruppe der Fliesenleger. Abrechnung vom ersten Duartal. 2. Beſchlußfaffung über die eingegangenen Anträge auf lenderung des 1. Tages Drbnung: 144/6 Drtsstatuts. 3. Berichterstattung von der am 24. April stattgefundenen Bautenkontrolle. 4. Verbandsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Regen Besuch erwartet Die Zweigvereinsleitung. Fliesenleger u. Hülfsarbeiter! Heute, Dienstag, den 12. Juni, abends 8½ Uhr: ия Gemeinsame Versammlung der Fliesenleger und Hülfsarbeiter Berlins u. Umgegend im ,, Neuen Klubhause", Kommandantenstr. 72. Tages Ordnung: 1. Berichterstattung der Schlichtungskommission von der Verhandlung mit den Geschäftsvertretern vor dem Gewerbegericht. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Butritt. 282/3 Alle Fliesenleger und Hülfsarbeiter, die sich als solche durch Drganisationsbuch legitimieren können, haben Der Wichtigkeit der Tagesordnung entsprechend erwartet recht zahlreichen Besuch Die Schlichtungskommission. J. A.: Herm. Pattlitz. Sanssouci. Kottbuser .Straße 4a. Der Garten ist eröffnet. Sonntg., Montg. Donnerst. Hoffmanns Nordd. Sänger und Tanzkränzchen. Entr. 30 Pf., num. Pl. 50 Pf. Somnt.Beg. 5, Wochent. 81. Im Borgart.: Freikonzert. Bom 16. Juni ab find. auch Sonnab.Soireeabende statt Passage- Theater Ostbahn- Park Anfang 8 Uhr. Sternwarte Invaliden- Das glänzende Junistr.57/ 62. ZCARTEN Heute nachmittag 4 Uhr: Monster- Konzert. 6 Kapellen des Gardekorps. Feuerwerk Illumination. Eintritt 1 M., Kinder die Hälfte. Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Der Weg des Märtyrers. Schauspiel in 5 Aften von Horst Rolf. programm. Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr.71. Hermann Imbs. Täglich: Deutscher Holzarbeiter- Verband. Donnerstag, den 14. Juni, abends 8 Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29: Außerordentl. Versammlung. Tages- Drdnung: 1. Bericht vom Verbandstag in Köln. 2. Diskussion und Verbandsangelegenheiten. 3. Wahl des Ausschusses. Eintritt nur mit Mitgliedsbuch. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet 87/5 Die Ortsverwaltung. Westen und Südwesten. Bergmannstr. 5/7: Gr. Konzert, Theater- und Heute Dienstag, den 12. Junt, abends 8½ Uhr, bei Habel, Spezialitäten- Vorstellung. Vertrauensmänner- Versammlung. Willy Prager Dobersteins 14 erstklassige Spezialitäten. Cristall- Palast, Prinzenstr. 94. Tages- Ordnung: 1. Bericht der Kontrollkommission. 2. Bericht der Vertrauensleute. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. wwwwwwwwwwwwwwwwwzigli: Gefellschafts Abend. Arbeitervertreter- Verein Berlin. Bernhard Rose- Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Täglich das grandiose Juni- Programm. = Entree und Garderobe frei. Jeden Donnerstag u. Sonnabend Damen- Verein. Jeden Sonnabend: Extra- Ball. Paul Coradini. Armin- Hallen Nelly und Theo Alker, Minuten auf dem Meeresgrunde. Phänom. Kunfttaucherleistungen. U. v. a. m. Tel.: Amt I 8985. Große und Festfäle ohne Einladung zur Versammlung am 14. Juni, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal 3. Tages Ordnung: 1. Bericht der Arbeitervertreter im Reichsversicherungsamt. Referent: Sollege Leschhorn aus Pforzheim. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Versammlungen finden jeden zweiten Donnerstag nach dem 1. im Monat statt. Anf. 8 Uhr. Morgen bief, Borſtellg. Die Gauklerin. Theaterbühne, auch Sonnabenbe 53/7 Im Garten täglich: Große Spezialitäten- Vorstellung. Anfang 52 Uhr. Entree 25 Pf. Ausstattungsstüd mit Gesang und Tanz in sieben Bildern v. Reislingen. Anfang 4 Uhr. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brumenftr. 16. Fröbels Allerlei- Theater Wenn schön: im Garten! Wenn Regen: im Saal! Schönhauser Allee 148. Liebeslenz und Herbstesrauschen. Täglid: Konzert, Theater, Lustspielhaus. Singspiel m. Dir. Dill in d. Hauptrolle Täglich 8 Uhr: Das Fest der Handwerker. Vorher: Die Verlobung bei der Laterne. Apollo- Theater. Das große Spezialitätenprogramm: Duo Paulus, Holländisches Duett. MIB Carma, Transformat. Tänzerin. Das blaue Bild b. Paul Lincke. Humpsti- Bumsti, Privost. La Matschiche, Merikanischer Tanz. Ball. Dazu die erittlajfig. Spesialitäten: 15 Attraktionen ersten Ranges 15. Anfang 6 Uhr. Staffeeküche 3 Uhr. Berlin, wie es lebt u. liebt. Boltsstüd in 3 Atten von Lindener. Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf. W 76 H Ein Abend in einem ameri Das neue glänzende kanischen Tingel- Tangel. Metropol- Theater Juni- Programm. Anfang 8 Uhr. ! Auf- in's Metropol! Große Jahresrevue mit Gesäng u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen überall gestattet. Welt- AusstellungsVolksgarten- Theater. Badstr. 8( Behm- u. Bellermannstr.) Täglich: Konzert, Theater u. Spezialitäten. Jed. Mittwoch: Gr. Kinderfreudenfest. Jed. Donnerst.: Gr. Brill.- Feuerwerk. Volksbeluftigungen aller Art. und Sonntage in diesem und im nächsten Jahre frei. 8 Vereinszimmer. 22680* Ausnahmepreise für Juni, Juli. A. B. Koch, 父 Kohlen- Groß- Handlung Berlin 0. 34, Brombergerstr. 15. Fernsprecher Amt 7, 3040. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. 3. A.: Bernhard Jost, Vorsitzender, Fürstenwalderstr. 8. Oeffentl. Versammlung Bellevue" Mittwoch, den 18. Juni, abends 8, Uhr, im 282/5 Königshof, Bülowstr. 37. Berr Reichstagsabgeordneter D. v. Gerlach: Breise für nur la Marken ab Play Die Dienstbotenbewegung bon 10 3tr. an: Prima la Halbsteine( bekannte " " Marten). pr. 8tr. 75 Pf. la Marienglid pr. 8. u. die politischen Parteien". ( 110 bis 120 Std.). 78 Pf. la Diamant( 110 bis 120 Std.) 80 Pf. la Jlse u. Afiv. pr. 8tr. 85 Pf. la Anthrazit Cade 3. 2,10 M. Spar: u.Produktiv- Genossenschaft Gr.- Lichterfelde ( eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung). Woltersdorfer Schleuse. 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Juni zur legten Ruhe gebettet wurde. Ehre seinem Andenken! 87/6 Die Ortsverwaltung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber, herzensguter Mann, der Schantwirt Ernst Höfig am Sonnabend infolge eines Schlaganfalles verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. Juni, nachmittags 5 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Invaliden- Kirchhof in der Scharnhorststraße statt. Um stille Teilnahme bittet die trauernde Witwe Auguste Höfig geb. Rettschlag, 15142 Gartenstr. 62. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und Stranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres lieben Baters, Bruders, Schwagers und Dnfels Albert Köhler sagen wir allen Freunden, Bekannten und Vereinen cwie der Firma Armin Zenner unfern herzlichsten Dant. Bitme A. Köhler nebst Stindern 23365 und Verwandten. PrinzenSpezialarzt für 110/9 Haut- und Harnleiden. 10-2,5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Dr. Schünemann Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. 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