Nr. 134. Abonnements- Bedingungen: S bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Post Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene stolonel. geile oder deren Raum 50 ẞfg., fülr bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ., Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Big., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Koloniale Kriegs- Statistik. Mittwoch, den 13. Juni 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. tun, so kommt ihr schwarz- weiß- rot lackierter Schutzheiliger und einen die öffentliche Ruhe und Sicherheit un macht ihnen mit Kleinkalibrigen und Maschinengewehren mittelbar gefährdenden Charakter annimmt". Dies Klar, daß der Versuch, sich einem so fürsorglichen Schutz zu ist ein Kautschukparagraph schlimmster und berüchtigtster Sorte, der entziehen, ein folossales Verbrechen ist. die Willkür der Polizei sozusagen zum Prinzip erhöht und selbst im reaktionären preußischen oder sächsischen Versammlungsrecht seinesgleichen sucht. Wenn die Versammelten der Aufforderung des Bes amten, sich zu zerstreuen, nicht Folge leisten, so können, wie die K- D. fich vorsichtig ausdrücken, Zwangsmittel" angewendet werden. Alle Redner, die in ihren Ausführungen sich gegen das Strafgesetzbuch vergangen haben, auch hier muß insbesondere wieder des berüchtigten§ 129 gedacht werden sowie alle Breßsünder gehören vors Gericht, aber beileibe nicht vor die Geschworenen, sondern vor die durch ihre" Unabhängigkeit" so rühmlichst bekannten Kronrichter! Die Nevolution in Nußland. Aus der Duma. Die Kolonialwirren des Deutschen Reiches haben besonders in den letzten Jahren einen solchen Umfang angenommen, daß ohne Führer und Wegweiser ein Durchfinden beinahe unmöglich wird. Die Regierung und die kolonialfreundlichen Parteien haben auch ein lebhaftes Interesse daran, daß diese Unklarheit und Unübersichtlichkeit gewahrt Petersburg, 12. Juni.( W. T. B.) Die Sigung wird um 11 Uhr bleibt, denn je klarer das Bild unserer Kolonialfämpfe wird, 40 Minuten eröffnet. Nach Berlesung mehrerer Anträge betreffend je genauer ziffernmäßige Belege darüber an die breite Deffentlich- Interpellationen an die Minister und des Antrages, die Redezeit feit gelangen, je stärker muß die Empörung über die Regiererei ber einzelnen Abgeordneten in der Agrarfrage auf 10 Minuten werden, mit der hier Millionen über Millionen in das Faß Haus zur Beratung der Agrarfrage über. Die Liste der Redner entherabzusetzen, und nach Ablehnung des legteren Antrages geht das der Danaiden geworfen werden. Wiederholt ist denn auch hält noch 117 Namen. eine solche Statistik der deutschen Kolonialfämpfe gefordert worden, aber bisher stets ohne Erfolg. Jetzt endlich ist eine halbwegs zuverlässige ans Licht gefommen, wenn auch auf dem Umwege des Militärpensionsgefeßentwurfes. Im Laufe der Beratung über die Agrarfrage macht der Abg. Tatarinow den Vorschlag, man solle auf das Reden verzichten! Die Nation sei ermüdet und könne nicht länger warten. Trotzdem diefer Vorschlag mit anhaltendem Beifall begrüßt wird, dauert der Nedefluß ungemindert unter allseitiger Abspannung fort. Gerechtigkeit widerfahren lassen: Sie sagen offen heraus, daß der Aber in einer Beziehung wenigstens muß man den K.-D. ganze Maulsperrapparat nur des Proletariats wegen projektiert ist; denn für fich fordern fie ungestörte Agitationsmöglichkeit: Die von Regierungsbehörden und den der lokalen Selbstverwaltung angehörenden Personen einberufenen Versammlungen dürfen- laut dem Gesetzprojekt der K.-D. unter feinen Umständen aufgelöst werden. Das setzt dem Werke die Krone auf! Für die Bourgeoisie, für die Ein neuerlicher, von 35 Mitgliedern eingebrachter Antrag, die K.-D. volle Versammlungs- und Breßfreiheit, für das Proletariat BuchtRedezeit der einzelnen Deputierten auf 10 Minuten herabzusetzen, haus und Zwangsarbeit, Nagaila und Säbelhiebe, Auflösung der wird wieder abgelehnt. Ein von Winawer eingebrachter Antrag: Bersammlungen nach dem Belieben eines ungebildeten, rohen der Agrarfrage den ersten Teil der Sizungen zu widmen und in Polizeimannes, schändlichste, unverhohlenste Klassenjustiz nach dem zweiten Teile die übrigen gesetzgeberischen Fragen zu ver- sächsischem Muster! So sieht es mit der Freiheit für alle" nach handeln, wird angenommen. Die Agrardebatte dauert fort. dem Sinne der K.-D. aus! Der Mantel der Boltsfreundlichkeit, den sie sich umhängen, ist doch zu fadenscheinig, um den Pferdefuß der bourgeoisen Arbeiterfeindlichkeit zu verdecken. Immunität!" In den Anlagen zum Bericht der Reichstagskommission, die über die Militärpensionsgesetze zu beraten hatte, befindet sich nämlich neben allerlei anderem Lehrreichen auch eine Zusammenstellung der kaiserlichen Erlasse, die die Zahl und die Dauer der im Sinne des Pensionsgesetes als Krieg anzu fehenden Unternehmungen in den deutschen Kolonien festsezen. Es liegt hier also eine offizielle Zusammenstellung der Kämpfe vor, die in den deutschen Kolonien zwischen Schuhtruppen und Eingeborenen statt- Petersburg, 11. Juni." Nowoje Bremja" meldet, die Regierung gefunden haben. Sie ergibt zur Genüge, daß die Kolonien habe beschloffen, gegen 14 Mitglieder der Reichsduma wegen eines überhaupt nicht zur Ruhe kommen. Nebenbei sieht man von ihnen an die Arbeiter gerichteten Aufrufes, in welchem eine der Zusammenstellung auch die Unordnung an, die in den Aufreizung der Bollsmassen zu erblicken sei, das gerichtliche VerKolonien herrscht. Nicht einmal in der Benennung der fahren einzuleiten, der Inmunität der Abgeordneten wegen aber Unternehmungen herrscht Gleichmäßigkeit. Bald ist von einer davon abzusehen, die 14 Abgeordnete in Untersuchungshaft zu Strafexpedition die Rede, dann von einem Strafzug; bald nehmen. wird von Expeditionen gegen den und den Stamm, dann von Zügen im gleichen Sinne gesprochen; dann gibt es abwechselnd Feldzüge, Kriegszüge, Kriege. Vielleicht herrscht auch die Absicht, die ewigen Operationen mit dem Schießeifen durch häufiges Wechseln der Titulaturen harmloser erscheinen zu lassen. Die Dumawahlen im Kaukasus. Die„ Nascha Schisn" berichtet: Die Wahlen der Wahlmänner für die Reichsduma sind fast Absonderung der Arbeitsgruppe von der K.- D.- Partei. äußerst rührigen Arbeitsgruppe und der K.- D.- Partei haben sich die Zwischen der erst seit einiger Zeit in der Reichsduma bestehenden Verhältnisse in den letzten Tagen derart zugespitzt, daß man in den Wandelgängen der Reichsduma schon jetzt von einer bevorstehenden Absonderung der Arbeitsgruppe von der K.- D.- Partei spricht. Die Anhänger der Arbeitsgruppe geben sich bei jeder Gelegenheit und bei der jetzigen Beratung der Agrarfrage erst recht-- die größte Mühe, fich nicht nur von dem Einfluß der„ Kadetten" zu befreien, fondern auch überall, wo es nur angängig ist, gegen die K.- D.beendet und die politische Physiognomie der Abgeordneten nimmt sich Bartei zu arbeiten. So hat sich jetzt die Mehrzahl der Arbeitsfolgendermaßen aus: Im westlichen Teil( Gouvernements Tiflis, russischen Minister Obstruktion zu veranstalten, trotzdem die„ Kadetten" gruppe dahin geeinigt, gegen die in der Reichsduma auftretenden Kutais und Batum), wo die Revolution sich am stärksten entfaltete, Die Tabelle für Deutsch- Ostafrika, die die erste ist, führt gehört die Mehrheit den Sozialdemokraten. Im Gouvernement Kutais bearbeiten die Führer der Arbeitsgruppe diejenigen ihrer Mitglieder, fich ganz entschieden dagegen aussprachen. Mit besonderer Energie auch die Wißmann- Züge kurz an. Wir lassen sie außer acht wurden schon drei Sozialdemokraten gewählt( ein Arzt, ein Rechts- bie so sehr unter dem Einflusse der K.- D.- Partei stehen, daß sie es anwalt und ein Dorfschullehrer). Die" Kadetten" sind in der bei der Lösung einer jeden Frage nach wie vor für notwendig erund wenden uns allein den von der kaiserlichen Minderheit. Somit wird wohl der westliche Kaukasus mit Schuttruppe unternommenen Operationen zu. In einem sieben bis acht Sozialdemokraten vertreten sein. In östlichen Teil achten, zu empfehlen, fich zunächst mit der K.- D.- Partei in VerZeitraum von 12 Jahren( 1891-1903) wurden ausgeführt: tommen auch die" Kadetten" in Betracht. bindung zu setzen und eine Verständigung mit ihr herbeizuführen. 9 Straferpeditionen, 7 Expeditionen gegen Häuptlinge, Die Unzufriedenheit der Arbeitsgruppe mit der K.- D.- Partei Der Fortschritt der Sozialdemokratie hat seinen Grund in dem Stämme 2c., 4 Kriege und Feldzüge, 3 Züge gegen Häupt- dort herrschenden Regime: Jede Aeußerung der gesellschaftlichen geht so weit, daß man jezt fogar den Reichsdumapräsidenten Muromzet der Parteilichkeit bezichtigt und ihm heftige Vorwürfe darüber linge 2c., 30 Gefechte, 4 Einnahmen und 5 Erſtürmungen von Tätigkeit hart verfolgend, sich gegen die Volksbildung, Land- und macht, daß er die„ Kadetten", so scharf sie auch sprechen mögen, Dertlichkeiten und ein Angriff. Damit ist es aber noch nicht Stadtfelbstverwaltung fträubend, beständige„ außerordentliche Maß- weder zur Drönung ruft noch unterbricht, während er bei den Rebnern genug, denn die Zusammenstellung bezeichnet manchmal regeln" ergreifend, hat die russische Regierung das ganze Gebiet der Arbeitsgruppe und den„ Wilden" fichtlich eine andere Lattik mehrere Gefechte und Zusammenstöße mit einem Namen revolutioniert. und trägt sie nur als ein Ereignis vor. So wird z. B. ist hier noch geringer als die der„ Kadetten". Die Bedeutung der nationalistischen Parteien und der„ Radikalen verfolgt. Gin derartiges Verhalten des Reichsdumapräsidenten aber, Die Bedeutung der nationalistischen Parteien und der„ Radikalen" so behaupten die Mitglieder der Arbeitsgruppe, wirft terrorisierend unter Nr. 49 von Gefechten bei Kwa Towera, die zwei auf die Reichsdumamitglieder der Bauernpartei, die sich schon öfters Zage währten, und unter Nr. 53 von kriegerischen Zusammendahin geäußert haben, daß sie sich vor den Rügen des strengen Präsidenten fürchten. stößen bei der Watumbi- Expedition gesprochen. Die Henker an der Arbeit. Die K.-D. an der Arbeit. Da die Arbeitsgruppe gerade in den letzten Tagen schon mehrfache Siege davongetragen hat und ihr Ansehen in der Reichsduma immer mehr wächst, so würde ihre Absonderung von der K.- D.Bartei einen ziemlich harten Schlag für diese bedeuten. Die Arbeitslosigkeit. Man schreibt uns aus Moskau: Petersburg, 12. Juni. Da das Kriegsgericht in Riga neuer Nun zu Südwestafrika! Hier reicht die Zusammenstellung bings fieben Personen, darunter den Provisor Rubinstein, zum Tode von 1893 bis zum Hereroaufstand( 1904). Zunächst sind die verurteilt hat, wurde unter den Dumamitgliedern ein Aufruf verteilt, Kriege Leutweins mit Witboi( 1893 und 1894) summarisch, in welchem dieselben aufgefordert werden, eine Adresse zu unteralso ohne die Nennung einzelner Ereignisse angeführt, dann schreiben, welche an den Baren gerichtet werden soll. In dieser werden von Ende 1894 bis Ende 1901 vier Feldzüge, neun Bevölkerung beizutragen, von seinen Herrscherrechten Gebrauch machen Adresse wird der Bar gebeten, er möge, um zur Beruhigung der Gefechte, eine Erftürmung und ein Aufstand verzeichnet. Ende und die Bollstreckung der in der legten Zeit gefällten Todesurteile November 1903 begann der Aufstand der Vondelzivarts und bis zu dem Augenblide verschieben, wo die Reichsduma mit der Ne sich ein Arbeitslosenrat. Am 8. Juni fand ein Meeting von mehr Hier verbreitet sich die Arbeitslosigkeit immer mehr. Es bildete daran anschließend der Aufstand der Hereros. Der Aufstand organisation des russischen Strafsystems auf Grund des Volts- sich ein Arbeitsloseurat. An 8. Juni fand ein Meeting von mehr als 1000 Arbeitslosen statt, auf dem folgende Resolution gefaßt der Hottentotten ist nicht erwähnt. Warum, weiß man nicht. gewissens und der russischen Rechtswissenschaft den Anfang macht. wurde. 1. Die Stadtverwaltung ist verpflichtet, unverzüglich an die Vielleicht will man von dieser Bombenblamage möglichst Organisation der öffentlichen Arbeiten zu schreiten. 2. Die Stadtwenig reden. verwaltung ist verpflichtet, ein Lokal für Arbeitslosenversammlungen Endlich zu Kamerun! Die Tabelle reicht von 1891 bis Die schönen abstrakten Grundsätze des kadettischen Programms einzuräumen. 8. Die Stadtverwaltung muß den Bevollmächtigten 1903. Einzeln sind aufgezählt: 10 Strafexpeditionen, beginnen nun eine greifbare Gestalt anzunehmen; aus dem Stadium des Arbeitslosenrates in allen Stadtkommissionen wegen der Arbeits17 Expeditionen gegen Stämme usw., 3 Kriegs- und Feldzüge, vielverheißender Worte treten sie ins Stadium von Gesezesprojekten, lofenfrage eine entscheidende Stimme gewähren. 4. Die beschäftigten die der Duma zur Beratung vorgelegt werden. Aus den langen Arbeiter müssen für Verkürzung der Arbeitszeit und gegen die Üleber10 Gefechte, 2 Unternehmungen gegen Stämme, ein Ueberfall. Reihen der trodenen Baragraphen tritt uns der" Kadett" in seiner stunden einschreiten. Außerdem wird kurz von militärischen Unternehmungen des ganzen Lebensgröße, wie er leibt und lebt, entgegen. Zwei Seelen Gouvernements in den Jahren 1891, 1892, 1893, 1894 ge- wohnen, ach in seiner Brust: die eine schwärmt für Freiheit, die Die Gärung im Heere. sprochen. Wie viele Straferpeditionen, Expeditionen, Kriegszüge, andere für Buchthaus und Zwangsarbeit. Die eine haßt die Petersburg, 12. Juni.( B. H.) Verschiedene Duma Gefechte in diesen Unternehmungen steden, ist nicht ersichtlich. Selbstherrschaft, die andere das Proletariat. Die Gefeßesprojekte mitglieder sind informiert worden, daß unter dem Regiment Ferner sind fünf Monate dauernde Kämpfe gegen den Emir über Breß- und Versammlungsfreiheit legen davon beredtes Zeugnis Veles, welches in Poltawa garnisoniert, eine Meuterei ausZuberu von Yola und seine Verbündeten eingetragen. ab. 1 lautet ſtolz:" Die Preſſe iſt frei!" Aber weiter beißt es: gebrochen sei. Die Artilleriebrigade des Regiments Sersky § 129 des Strafgesetzbuches erhält folgende Fassung:" Wer sich durch habe eine Abordnung nach Veles gesandt, um den Meuterern Auch sind zweimal mehrere Gefechte unter einer Wort oder Schrift der Anstiftung 1. zu verräterischen oder auf ihre Sympathie auszudrücken. Die Ordnung wurde wieder Nummer und einem Namen erwähnt. In Kamerun, rührerischen Handlungen, 2. zu widerstand gegen wo der würdige Herr v. Buttkamer im Berein mit seiner ge- ein Gefeß oder eine gefegliche Verordnung oder hergestellt, nachdem den Truppen in verschiedenen Punkten, die fälligen Cousine das Deutsche Reich im allgemeinen und seine Befehl der Behörden, 3. zu einem anderen schweren Verbrechen zu Klagen Anlaß geboten hatten, Genugtuung gegeben war. Junker im speziellen so herrlich vertrat, sind für das Jahr schuldig macht wird mit 8uchthaus bis zu drei 1901 nicht weniger als 12 Expeditionen usw. gegen eingeborene Jahren oder... mit Zwangsarbeit bis zu acht Jahren bestraft. Verhaftete Offiziere in der Peter- Paulsfestung. Stämme aufgeführt. Die Absicht, die Arbeiterpresse au tnebeln, tritt mit ge- Wie„ Dwadz. Wet" mitteilt, sind folgende Offiziere in der Im ganzen füllt die Zusammenstellung der kriegerischen nügender Klarheit zutage. Die verschwommene Fassung des Para Peters- Paulsfeftung interniert worden: der Oberst des GeneralUnternehmungen in Deutschostafrita, Südwestafrika und Kamerun graphen erleichtert diese edle Aufgabe ungemein; kann denn nicht stabes Nowizki, der Kapitän des Gardeartillerieſtabes Gervais, Graf jeder Aufruf zum Kampf für den Sozialismus als Anstiftung zu Manteuffel und Leutnant Ssurowzew vom Regiment Garde zu 4 Seiten von der Größe des Formats der Scherlichen Woche. einer„ berräterischen oder aufrührerischen Handlung" gegen die Pferde, Graf Toll vom Manenregiment, Kapitän Sybin, Oberst Der Gedanke, daß eine Reihe dieser Expeditionen, Strafzüge usw. bürgerliche Gesellschaft, fann nicht jede politische Demonstration, leutnant Schubecki u. a. von Leuten wie Wehlan, Leist, Peters, Buttkamer usw. angeordnet jeder politische Streit als Widerstand gegen ein Gesetz oder eine wurden, macht einen schaudern. Man erinnere sich ferner gesetzliche Verordnung gedeutet werden? an die Auspeitschungen, die die Eingeborenen erdulden müssen, Berichtigung. Im Artikel„ Die Agrarfrage und die Sozial an die Art und Weise, auf der sie oft- siehe Hereroaufstand- Borgeschmack von der Versammlungsfreiheit", die sie der Arbeiter- demokratie" in der gestrigen ersten Beilage( Spalte 1) find ein paar durch betrügerische Händler und Wucherer um Hab und Gut lasse gnädigst gewähren wollen. Nicht nur, daß das Recht, Straßen- Worte ausgefallen. Es muß im zweiten Abfazz, Beile 15 ff. heißen: gebracht und damit zum Aufstand getrieben werden. Wie ein meetings und Umzüge abzuhalten ein Recht, welches das" Als Marimalforderung gilt die Uebergabe aller Kron, Fistus, Kirchen- und Klösterländereien sowie des Privatgrundbesizes mit Proletariat trot unzähliger Opfer zu behaupten verstanden hat blutiger Hohn flingt es, daß das Deutsche Reich Länder, in unter dem Vorwande der„ Aufrechterhaltung des Straßenverkehrs" Ausnahme des fleinen in die Hände der auf demokratischer Basis denen es folche Zustände teils herbeiführt, teils duldet, zuschanden gemacht werden soll, werden auch die Versammlungen gewählten Selbstverwaltungsorgane." Schutzgebiete nennt. Die Eingeborenen möchten sich mit auf Gnade und Ungnade der Polizeiwillfür ausgeliefert: Eine VerRecht für einen solchen Schutz" bedanken. Wenn sie es aber sammlung tann vom Beamten sofort aufgelöst werden.„ Wenn fie Aber die„ Breßfreiheit" der K.-D. gibt nur einen schwachen * # Politische Ueberlicht. Berlin, den 12. Juni. Menterei unter den deutschen Truppen in Südwestafrika? Vom Ende April werden uns eine Reihe Briefe deutscher Südwestafrika Rämpfer zur Verfügung gestellt, die übereinstimmend bestimmte Andeutungen über ernste Fälle von Meutereien unter den deutschen Truppen machen. So wird unter anderem auch ein sehr ernster Fall mit geteilt, bei dem es sich darum handelt, daß von Soldaten ein Wachtmeister blutig gehauen und ein Offizier erstochen worden sein soll. Die Meuterer seien Soldaten gewesen, die ihre Zeit, für die sie sich freiwillig nach Südwestafrika gemeldet hätten, nach ihrer Ansicht längst abgedient hätten und trotzdem nicht in die Heimat entlassen worden wären; im Gegenteil seien sie start von den Offizieren schifaniert worden. Ueberhaupt wird in den uns vorliegenden Briefen viel über Soldatenmißhandlungen der Vorgesetzten geflagt, die zum Teil auch schon ihre Ahndung durch Pensionierung und arreſtliche Ueberführung nach Deutschland gefunden hätten. Ueber diese Verhältnisse ist ja auch sonst schon in der deutschen Presse und im Reichtstage Verschiedenes bekannt geworden. Es wird Sache der Regierung sein, die allein die Möglichkeit und die Pflicht dazu und doch auch wohl Interesse daran hat, diese positiven Andeutungen Klarzustellen. Wir selbst können, aus sehr naheliegenden Gründen, nur angeben, daß die Ereignisse vom April dieses Jahres datieren. Ueber die übrigen zahlreichen Mitteilungen, die in den Briefen über die Dualen der deutschen Soldaten, über ihre schlechte Behandlung und Verpflegung, über die allgemeine Kriegsführung und im besonderen über die Behandlung der freien oder gefangenen Eingeborenen gemacht werden, läßt sich nur sagen, daß sie für alte Erfahrungen neue zahlreiche Belege bringen. Ein erzieherisches Beispiel aber, das mitgeteilt wird, dürfte den Neiz der Neuheit haben. Als danach in Swakop mund schwarze Gefangene eingeliefert wurden, die eine deutsche Familie ermordet haben sollten, wurde ihre Strafe: Hinrichtung durch den Strang, nicht etwa von den Deutschen egekutiert, sondern die schwarzen Gefangenen mußten einen Kreis bilden und zwei Schwarze mußten das Aufhängen vornehmen! Staat und Privatkapital gegen die Selbstverwaltung der Gemeinden. Aus Bremerhaven wird uns geschrieben: Schon seit geraumer Zeit befindet sich die Stadt Bremerhaven im Konflikt mit der Straßenbahn- Aktiengesellschaft. Es handelt sich 10064 Sachsen in die städtische Selbstverwaltung muß in der ent- 1 schiedensten Weise Front gemacht werden. Deutfches Reich. Der heilige Paasche auf dem Kriegspfade. Die Böcke, die im Stall die friedlichsten sind, sind im Freien die wildesten; das ist eine ebenso alte Erfahrung wie die, daß bürgerliche Politiker dort, wo sie politische Macht besitzen und anwenden können, in reaktionärer Ruhe verharren, während sie an anderen Orten, wo sie nicht verantwortlich sind und keine direkte Macht haben, etwas durchzusetzen, sich sehr beweglich zeigen und auch in der Kritik einigen Mut zeigen. So hat fürzlich der heilige Paasche, der im Reichstage be kanntlich zu den geriebensten Einpeitschern jeder reaktionären Vorlage gehört, auf dem nationalliberalen Parteitag für SchleswigHolstein eine lange Rede gehalten, die beinahe oppositionellen Klang und wenigstens in zwei Punkten unsere volle Zustimmung findet. Das eine Mal stimmen wir mit Herrn Paasche in dem überein, was er über die weltpolitische Lage Deutschlands sagte: „ Auch dürfe man sich darüber nicht täuschen, daß trotz aller heißen Bemühungen, vielleicht gerade wegen dieser Bemühungen, die augenblickliche Lage Deutschlands mit einer splendid isolation biel Aehnlichkeit habe. Daran ändere auch der Wiener Besuch und der jüngste Depeschenwechsel nichts... " kenntnis. Auch das Urteil über unsere gloriose kolonialMan sieht: ein verhältnismäßig hoher Grad politischer Erpolitit läßt sich hören: „ Das Facit der Kolonialpolitik sei ein trauriges. Zwei große Mißstände hätten unendliche Opfer au Blut und Gut gefordert und das Ende sei noch nicht abzusehen. Es sei Zeit, daß man endlich aus der Vergangenheit lerne, daß in den Kolonien eine fonzentrierte wirtschaftliche Arbeit die bureaufratische Verwaltung ablöse und die Absatzgebiete nicht weiterhin die Ablagerungsstätte für verkrachte adlige Existenzen sei. Das Zuviel- Regieren, das ewige Kommandieren, der häufige Wechsel der Beamten habe das Erziehungswerk der Eingeborenen erschwert." Was diese beiden Urteile betrifft, so kann man nur wünschen, daß Herr Paasche sie auch dort vertritt und in die Pragis umfeßt, wo er mehr oder weniger etwas zu sagen hat, also zum Beispiel innerhalb seiner Frattion. Der Moloch. Angeklagter: Jene Greueltaten, die Sie, Herr Vorsitzender, meinen, find nicht von den Revolutionären verübt worden, sie haben zu Urhebern die Schwarzen Hundert", jene von der Regierung zu Provokationen gedungenen Horden, die auch seinerzeit die Juden mezeleien ins Werk gesezt haben. " Borsigender: Wenn nun ein einfacher ungebildeter Arbeiter zugehört hat, dann wird er doch sicherlich die Worte: Eine Grenze hat Tyrannenmacht, sich eingeprägt haben. Angeklagter: Der ungebildete" Arbeiter weiß ja gar nicht erst, was Tyrannen sind.( Seiterkeit im Zuhörerraum. Der Vorfigende gebietet Ruhe.) Zeuge und Sachverständiger über Wesen und Ziele der Sozialdemo Professor So mbart sollte auf Antrag der Verteidigung als tratie Auskunft geben. Er gab an, daß er sich die Untersuchung der Arbeiterfrage zur Lebensaufgabe gemacht habe. Zur Sache könne er natürlich nur auf die programmatischen Schriften der Sozialdemokratie hinweisen. Danach ist das Wesen der heutigen Sozialdemokratie ein reformistifches, evolutionistisches. Die Idee des plöblichen Gewaltstreichs ist im Prinzip fallen gelassen worden. Das politische Testament Engels, des Mentors der gesamten internationalen Bewegung, hat im Prinzip sich ausdrücklich von der Gelutionären Umstürzler, am besten bei unserer Gesetzlichkeit gedeihen. walttheorie losgesagt, indem er ausgeführt habe, daß wir, die revoBei der Frage, weshalb die Arbeiter den 1. Mai feiern, fam es zu einer bemerkenswerten Episode, über die die„ Volkswacht" folgendermaßen berichtet: Sombart:" Der erste Mai soll laut Beschluß des triernationalen Arbeiterkongresses von 1889 eine Demonstration zur Erringung des achtstündigen Arbeitstages in allen Stulturländern sein." Vorsitzender:„ Aber die Arbeiter haben doch längst den Achtstundentag in den meisten Ländern!" Sombart( erstaunt lächelnd):„ Aber nein!" Vorsitzender:„ Aber doch in vielen Ländern?" Sombart: Nein, nein! Im Gegenteil. Der demnächst von bürgerlicher Seite nach Genf einberufene internationale Arbeiterschutztongreß muß erst noch den elf stündigen Arbeitstag als Marimal arbeitstag fordern!" Vorsitzender:„ So?" Welch' unbekannte Welt den meisten deutschen Richtern die Arbeiterbewegung ist, das zeigen die Aeußerungen des Vorsitzenden mit unübertrefflicher Klarheit. Der Staatsanwalt hielt eine verhältnismäßig gelinde Nede wir sind wenigstens von Leipzig, Erfurt und Magdeburg andere Leistungen gewohnt geworden, beantragte aber immerhin drei Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte auf drethundert Mart Geldstrafe und zwar wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Geseze(§ 111, Absatz 2); den Kautschukparagraphen Wie rafch heutzutage Kriegsschiffe ihren Gefechtswert ver- 130, Aufreizung zum Klassenhaß, fand man nicht anwendbar, da lieren, davon ist nach dem„ Army and Navy Journal" die britische nach Ansicht der Richter der Angeklagte nicht zu Gewalttätigkeiten Marine ein beweiskräftiges Beispiel. Nach einer am 15. Mai dem gegen die besigende Klasse, wohl aber zum Widerstand gegen Organe englischen Parlament zugegangenen Zusammenstellung sind seit des Staates, vor allem gegen die Polizei aufgereizt habe. Diese 1902 aus der Flottenliste gestrichen worden: 8 Schlachtschiffe, Feststellung haben die Richter aus dem famosen„ Stenogramm" und vor allem aus dem Hinweis auf Rußland gezogen. Von seiner 10 Panzerkreuzer, 3 geschützte Kreuzer. In der gleichen Gefängnisstrafe sei auch diesmal noch" abgesehen worden, weil Beit wurden 3 Schlachtschiffe, 16 geschützte Streuzer in die Klasse Albert sich in Aufregung befunden und unter den Einwirkungen einer niedrigsten Gefechtswertes zurüdgesezt. Dafür aber be- nervösen Erfrantung gestanden habe. gann in diesen selben vier Jahren die Admiralität den Bau von Die Kritik des Prozesses ist in dem enthalten, was wir zu all 13 modernen Schlachtschiffen, 18 Panzerkreuzern, den neuerlichen Aufreizungsprozeffen fagen mußten. Wir brauchen 4 geschütten Kreuzern. nicht zu betonen, daß die Verurteilung wegen Aufforderung zum fam Von der sächsischen Justiz. Leipzig, 12. Juni.( Telephonischer Bericht.) Das Reichsgericht Diese ungeheuer schnelle Verpulverung von Hunderten von Ungehorsam gegen die Gefeße ein nicht minder großer Rechtsirrtum um den Abschluß eines neuen Vertrages zwischen Stadt und Gesell millionen durch Außerdienststellung von Schiffen ist wie in England ist, wie jene waren, die wegen Aufreizung zum Klassenhaß erfolgten. zession bis zum Jahre 1939 und zwar für alle drei Unterweserorte. bekanntlich auch in Deutschland eine notwendige Erscheinung. von Gerichten des Klassenstaates auch kaum verlangen. Sie will nun, was bei der Ausdehnung der brei Drte, die nach Hand in Hand mit ihr geht durch die sich förmlich überſtürzenden von Gerichten des Klassenstaates auch kaum verlangen. Vollendung der neuen Hafenbauten noch schnelleres Tempo annehmen Entdeckungen der Marinetechnik die Erscheinung, daß Entwürfe, die wird, auch sehr notwendig ist, den elettrischen Betrieb an die Stelle eben noch eine neueste Errungenschaft bedeuten, nach ihrer Ausdes Pferdebetriebes segen. Dazu bedarf es eines neuen Vertrages und führung schon wieder überholt und damit völlig unbrauchbar sind. Auch sonst ist die moderne militärische Technik eine Schraube berwarf die Revision des Genossen Stressin, der am 1. März bom Auch sonst ist die moderne militärische Technik eine Schraube Leipziger Landgericht wegen Beleidigung des sächsischen nichts war natürlicher, als daß die drei Gemeinden alles daran ohne Ende, deren Wirkungen nach unendlichen Seiten ausstrahlen. König zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Gerade jetzt bringt die Presse auch die Nachricht, daß durch die Die Beleidigung war gefunden worden in der Beilage„ AlberGrößensteigerung der Schlachtschiffe eine Erweite- tinische Profile", die der Nr. 16 vom 20. Januar beigelegen rung des Nordostseekanals geplant sein soll, die angeblich das nette hat. Das Landgericht hatte seinerzeit in der Urteilsbegründung Sümmchen von 200 Millionen Mark erfordern wird! " setzten, Bestimmungen in den neuen Vertrag hineinzubekommen, die die argen Mißstände beseitigen, die bisher im Straßenbahnwesen bestanden. Die Straßenbahngesellschaft lehnte jedoch jegliches Entgegenkommen mit einer geradezu auffälligen Schroffheit ab. Es dauerte nicht lange, so wurde ihr Verhalten erklärlich. Als die gesagt, daß zwar der sächsische König nirgends genannt wäre, daß Gemeindevertretungen sich weigerten, den von der Gesellschaft Die württembergische Verfassungsreform. Aus Stuttgart aber das Motto sowie die Ueberschriften Die polnischen Auguste". vorgelegten Vertrag abzuschließen, steckte die Straßenbahn wird vom 12. Juni durch Wolffs Bureau telegraphiert: „ Der sächsische Ministertyp" usw. zu einem Vergleich mit dem jetzigen sich hinter die staatlichen Machtfattoren und hier fand sie Die Abgeordnetenkammer begann heute die erneute Beratung fächsischen König drängen. Dieser Auffassung hat sich auch heute denn auch ein um so willigeres Dhr. Unter dem Drucke der Verfassungsreform. Sie beharrte, entgegen den Beschlüssen der der IV. Straffentat des Reichsgerichts angeschlossen und die Nevifion der landrätlichen Bevormundung ließen schließlich die beiden Kammer der Standesherren, mit 75 gegen 5 Stimmen auf der verworfen. preußischen Gemeinden Geestemünde und Lehe sich breitschlagen, Zusatzwahl von 17 Abgeordneten auf dem Wege der Verhältniswahl. Gleichfalls verworfen wurde die Revision des Genossen Riem ihre kommunalen Vertretungen nahmen den Vertrag mit der Der hierzu eingebrachte Zentrumsantrag, die Verhältniswahl nicht von der Sächsischen Arbeiterzeitung", der ebenfalls zu Straßenbahn an. Anders in Bremerhaven. Hier ließ man sich nicht im ganzen Lande, sondern nur in vier Streifen des Laudes vorzu- 6 Monaten Gefängnis und außerdem zu 600 M. Geldstrafe verurteilt nehmen, wurde mit 63 gegen 17 Stimmen abgelehnt. Namens der einschüchtern, auch dann noch nicht, als die Straßenbahn mit der Regierung erklärte Ministerpräsident Breitling, die Regierung gebe worden war. Die Verurteilung war ausgesprochen worden wegen Schöppenstedterei drohte, in Geestemünde und Lehe den elektrischen mit schwerem Herzen in der Frage der Zusagwahlen nach, aber vor- Beleidigung der Leitung des Garnisonlazaretts in Dresden und Betrieb einzuführen, in dem zwischen diesen beiden Orten liegenden behaltlich der Entscheidung über die Frage, ob Landes- oder Kreis- wegen Beleidigung der Firma Biesolt u. 2o de in Meißen. Bremerhaven den Pferdebetrieb zu belassen. verhältniswahl, sowie über die Zahl der Zusazabgeordneten. Der Hauptstreitpunkt waren schließlich die Bedingungen bei der eventuellen Erwerbung der Straßenbahn nach Ablauf der Konzession die man übrigens auf 50 weitere Jahre verlängert verlangte- durch die Stadt, um die Aufsichtsbehörde und um den Tarif. Der jezige wird charakterisiert durch den Umstand, daß man in den Unterweserorten im Durchschnitt auf der Straßenbahn sechsmal so teuer fährt als z. B. in Bremen. Die Stadtvertretung hatte ursprünglich die Einführung des Behnpfennigtarifs gefordert, sie begnügte sich schließlich mit dem Zwanzigpfennigtarif für die drei Ortschaften. Die Straßen bahn aber bestand auf Beibehaltung des jetzigen Tarifs. Erst nach zwei Jahren sollte er einer„ Stevision" unterzogen werden, aber auch nicht durch die Stadtvertretung, sondern von der Straßenbahn gemeinsam mit den staatlichen Behörden. Bestimmte Normen für diese Revision waren ebenfalls nicht festgelegt. Im weiteren Verlaufe der Situng wurden die Bestimmungen Kultusdebatte im badischen Landtage. Die zweite Kammer über das Recht des Königs zur Ernennung erblicher Mitglieder Badens begann am Montag die Beratung des Kultusbudgets. der Ersten Kammer mit 60 gegen 7 Stimmen bei 16 Stimm- Abg. Obkircher( natl.) begründete die durch die Kommission enthaltungen abgelehnt, die über die Wahl von acht Rittern vorgenommene Streichung von 15 000 m. als Beitrag für das statt sechs mit 59 gegen 26 Stimmen angenommen, des- theologische Konvikt in Freiburg, von 20 000 M. für die Schuldengleichen die über die Wahl von acht Berufsvertretern statt vier tilgung des theologischen Konvifts und von 6000 M. für Stipendien mit 58 gegen 26 Stimmen. Das Ernennungsrecht der Krone für die Berufsvertreter wurde mit 66 gegen 19 Stimmen angenommen, desgleichen das 25. Lebensjahr für die Wahlberechtigten statt des 30. mit 62 gegen 22 Stimmen. Die Bestimmung, wonach der Wohnfit der Standesherren in Württemberg sein muß, wurde mit 63 gegen 10 Stimmen abgelehnt, dagegen die Bestimmung, daß der Wohnsitz im Reiche sein muß, mit 68 Stimmen bei 21 Stimm enthaltungen angenommen. Be= für die in Heidelberg studierenden Protestanten. Die Mehrheit der Budgetfommission fönne eine Verpflichtung zu dieser Beitragsleistung seitens des Staates nicht anerkennen. Ferner begründete der Redner die Interpellation über die Wahl. umtriebe tatholischer Geistlicher. Diese Tätigkeit sei besonders bei den letzten Wahlen hervorgetreten, sie werde sogar von der Kirchenoberbehörde geduldet. Wohlwollende Mahnungen des Ministeriums an diese Behörde seien erfolglos gewesen. Festgestellt seien Mißbräuche auf der Kangel, im Beichtstuhle und bei Der zweite Maiprozeß der Breslauer ,, Bolkswacht". der Kommunion. Er bitte, daß die Regierung dagegen Einspruch Als die Straßenbahn dann definitiv bei der Stadt Bremerhaven Die Aufreizungsantlage, die gegen den Genoffen Albert von erhebe. Auf die Interpellation antwortete Staatsminister v. Dusch abgebligt war, erhob sie Beschwerde beim Bremer Senat. Und der der Volkswacht" wegen seiner Mairede erhoben worden war und mit einem Rückblick auf die gesetzlichen Bestimmungen betreffend Staat der Reeder und Pfeffersäcke zeigte sich um kein Atom besser die ihnen sogar einige Tage Untersuchungshaft eintrug, wurde dieser die Disziplinargewalt über Geistliche seit 1860 und betont, daß als der Staat der Junker und Pfaffen. Der Bremer Senat stellte Tage vor der Breslauer Straftammer verhandelt. Es war ein großer das gewonnene Belastungsmaterial der Kirchenbehörde mitgeteilt sich vollständig auf die Seite der Straßenbahngesellschaft. Ein Ab- Apparat aufgeboten, 18 Zeugen waren geladen, darunter Profeffor und daß eine entgegenkommende Stellungnahme der Kirchenbehörde gesandter des Senate, ein mit der Machtvollkommenheit eines Werner So mbart, der Redakteur Winkler von der Morgen nicht ausgeschlossen sei. Abg. Stopf( 8.) begründete sodann den auf Aufhebung der gesetzlichen tleinstaatlichen Ministers ausgestatteter Senator erschien in einer zeitung", die Genoffen Klühs und Stadlof von der„ Volks- Antrag wacht", sowie mehrere Teilnehmer der aufgelösten Versammlung und st immung, nach der Geistliche, die bei Wahlen Sigung des Stadtverordnetenkollegiums und erklärte hier kurz der Polizeikommissar Aunert, der sie überwachte und mit einer steno- durch ihre Autorität einzuwirken suchten, mit heraus, der Senat erwarte, das Kollegium werde den Vertrag graphischen Aufnahme der Rede dem Sünder das Feuer heiß machen Geldstrafen von 60 bis 600 m. bestraft werden. in der vorliegenden Gestalt afzeptieren. Geschehe das nicht, so follte. Es war aber nichts. Das Stenogramm erwies fich als ein Diese Bestimmung charakterisiere fich als Ausnahmegesetz, dessen werde der Senat alle Bedingungen mit der Straßenbahn ohne fleines, etwa fünf Minuten in Anspruch nehmendes Referat, Aufhebung im Interesse der Rechtssicherheit und Rechtsgleichheit indem weiteres festseßen, ohne dabei der Beschlüsse der städtischen Kollegien bas Beamte hergestellt hatte, er einige bon zu berlangen sei. Staatsminister v. Dusch erklärte, man solle die zu bedürfen. ihm notierte Stichworte nachträglich aus dem Gedächtnis in einen Entscheidung des Reichsgerichts abwarten, die in dem Konstanzer Das war der langen senatlichen Rede furzer Sinn. An Zusammenhang gebracht hatte, wie er dem Gedankengange eines Bclizei- Urteil angerufen sei. Vor den Entscheidung des obersten GerichtsDeutlichkeit ließ er nichts zu wünschen übrig. Der Senat verficht fommissars entspricht, der aber deshalb nicht der der Rede war, die hofes in dieser Frage sei die Regierung nicht in der Lage, dem die Interessen der profitwütigen Aktionäre und die Intereffen der 35 Minuten gedauert hat. Trotzdem wurde dieses Stenogramm" Antrage zuzustimmen. zur Grundlage der Beweisaufnahme gemacht. Aus der Vernehmung Am Dienstag begründete Genosse Abg. Eichhorn den Gemeinde und der Gemeindeeingesessenen bekommen einen Fußtritt. bes Angeklagten ist interessant seine Erklärung, daß er den gleichen Antrag auf Trennung von Kirche und Staat; fie bedeute VerMit dieser Erklärung war natürlich die Sache auf die Spitze ge- Vortrag in ähnlicher Form vorher schon in sieben oder acht Gewerf- tiefung der Religion und habe die wahre Religion zur Voraustrieben. In der nächstfolgenden Sitzung der Gemeindekollegien schaftsversammlungen gehalten habe, ohne daß ein überwachender seßung. Auch im Interesse der Religion selbst sei die Trennung wurde gegen die Eingriffe in die Rechte der Stadt, gegen die Beamter etwas ungefeßliches darin fand. Er habe die alte Dispo- geboten. Abg. Fehrenbach( 8.) führte aus, eine Trennung Bertrümmerung der kommunalen Selbstverwaltung scharfe Ver- fition benutzen müssen, da er um die Zeit vor dem 1. Mai außer dieser beiden Faktoren sei für dieselben mit der größten Gefahr verbunden. Redner tadelte sodann die Regierung wegen ihrer wahrung eingelegt. Das Anfinnen des Senats, den Vertrag mit ordentlich stark beschäftigt war. Was die Wir heben aus der Vernehmung die folgenden Stellen heraus: unentschlossenen Haltung der Klosterfrage gegenüber. der Straßenbahn zu akzeptieren, wies das Kollegium mit großer Borsigender: Warum aber zum Schluß der Hinweis Streichung der beiden Budgetposten angehe, so handle es sich um Majorität zurück. Wie der Konflikt nun enden wird, läßt sich heute noch nicht auf das unglückliche Rußland, wo man doch nicht bloß eine direkte Verpflichtung des Staates, welche bei der Forderung Wie der Konflikt nun enden wird, läßt sich heute noch nicht gegen den Barismus gekämpft hat, sondern wo bekanntlich auch für die Heidelberger Theologen nicht vorliege. Die Interpellation sagen. Gegen die immer häufiger werdenden Eingriffe der Fabrikbefizer, Gutsbefizer und Kaufleute, wenn sie die Forderungen des Abg. Obtircher sei einseitig; sie richte sich nur gegen die reaktionären Staatsgewalt und die freie Republik" Bremen zeigt ihrer Arbeiter nicht bewilligten, totgeschlagen worden sind. Warum katholische Geistlichkeit; der Ton ber Regierungserklärung be sich hier genau so reaktionär wie der Bolizeistaat Breußen oder l verweisen Sie da auf die Seldentaten unserer russischen Brüder"? weise, daß der Minister den Kampf nicht anstrebe, Staats der 17 minister Freiherr v. Dusch bedauerte die Streichung der beiden Budgetposten. Der Antrag Eichhorn werde von der Regierung entschieden abgelehnt. Bei den Er- Hebungen des Ministers des Innern habe es sich nur um eine Pflicht der Regierung gehandelt. In der Frage der Klöster habe die oberste Kirchenbehörde in der letzten Zeit einen Standpunkt eingenommen, der eine Verständigung ausschließe. Die Sitzung wurde unterbrochen.— „Wählt mich, danti wird der Schnaps billiger!" Durch die Be- hauptung, er habe also um sein Mandat geworben, fühlt sich der antisemitische Reichstagsabgeordnete B ö ckl e r schwer gekränkt. Er hat daher, wie die„Deutsche Reform", das Organ des Abg. Zimmermann mitteilt, sowohl gegen den nationalliberalen Partei- sckretär Dr. Kipper, der ihm die Zlcutzerung zuerst zugeschrieben hat, sowie gegen die verantwortlichen Redakteure der„F l a t o w e r Zeitung" und der„Freien Deutschen Press e", die diese Aeußerungen übernommen hatten. Beleidigungsklage an- gestrengt, Hustand. Oesterreich. Vor dem Massenstreik. In sieben Riesen-Volksversammlungen vereinigte sich am Montagabend Wiens Sozialdemokratie. Das Thema lautete: »Die Verschleppung der Wahlrefor m." Die Arbeiterschaft der Hauptstadt Oesterreichs gelobte unter un- geheurem Enthusiasmus, auf den leisesten Wiuk ihrer Führer sofort bereit zu sein, den Massenstreik zu beginnen. Wiens Proletariat hat längst bewiesen, daß es gewohnt ist, seinen Worten die Tat folgen zu lassen!— Lügner Lucger. Wien, Juni. In der heutigen Sitzung des Gemeinderates erklärte Bürgermeister Lueger vor Eintritt in die Tagesordnung, daß er die nötigen Erhebungen über die Vorfälle, die sich am Sonntag in der Bankgasse abgespielt haben, angestellt habe. Demzufolge hätten die vorüberziehenden Personen, die an der Versammlung teilgenommen, nicht gewußt, daß Sonntag bort eine Delegationssihung stattfand. Sie seien durch verhöhnende Gesten und Herabspuckcn von dem Gebäude in der Bankgasse in Aufregung geraten. Er, der Bürgermeister, müsse, trotzdem diese bedauerlichen Provokationen zum mindesten ein Entschuldigungsgrund seien, doch diese Vorgänge, die aber keine wie immer geartete politische Spitze hattest, aufs tiefste bedauern und mißbilligen.— Frankreich. Die Prolctarier-Krankheit. Eine Aufsehen erregende Mitteilung machte Grögoire, der Direktor der Pariser Bäckerschule: Er erklärte am Sonntagvormittag in einer Pariser Versammlung, an der mehr als 1200 Bäcker teil- nahmen, daß von den 400000 französischen Bäckergesellen über L800/z Millionen Seelen und der GaSkonsum pro Kopf der Bevölkerung auf mindestens 130 Kubikmeter gestiegen sein wird. DieS würde einen Konsum von 325 Millionen Kubik- meter Gas, d. h. einen um 70 Proz. höheren Gasverbrauch als heute ergeben. Der Uebergang einzelner Zweige der Wohlfahrtspolizei auf die Stadtgemeinde Berlin hat schon mehrfach Magistrat und Stadt- verordneten beschäftigt. Ein Beschluß der Stadtverordneten vorn 11. Februar 1897 verlangt die Uebcrnahme bezw. Uebertragung der„polizeilichen Funktionen auf allen Gebieten, deren sonstige Verwaltung der Stadtgemeinde obliegt, an die Stadtgemeinde" und wünscht die Sachlage nach der rechtlichen und verwaltungstechnischen Seite hin klargestellt zu sehen. Da diese Frage der Uebernahme einzelner Polizeizweige auf die Kommune seit dreiviertel Jahr- Hunderten die Gemeindekollegien fast andauernd beschäftigt, hat der Magistrat eine umfangreiche Denkschrift ausarbeiten lassen, die, von der historischen EntWickelung ausgehend, ausführlich die Rechtslage, dann die verwaltungstcchnische Seite, allgemeine Gesichtspunkte, wie z. B. die finanzielle Seite, die Organisation der städtischen Polizeiverwaltnng, ferner in einem besonderen Teil die einzelnen Zweige der Ortspolizei, die für die Uebernahme in Betracht kommen, behandelt. Hierzu gehören die Feld-, Jagd-, Forst-, Fischerei-, Wasser-, Hafen- und Schiffahrtspolizei, dann die Marktpolizei, die Hochbaupolizei, die Gewerbcpolizet, die Gesund- heitSposize.' und d.'e Verkehrspolizei. Soweit die Uebernahme der Zf'aerwehr, des Nachtwach, und des Straß.-n.reiuigungswesens durch die Gemeinde in Frage kommt, kann eine Wiedergabe der Ver- Handlungen unterbleiben. Denn sie sind nur von historischem Wert. Die Feuerwehr kommt nicht in Betracht, da nicht nur die Feuer- Polizei, sondern das gesamte Feuerlöschwesen von dem Polizeipräsidenten verwaltet wird, nach dem Stadtverordnetenbeschluß aber lediglich die Gebiete zu behandeln sind,„deren sonstige Ver- waltung der Gemeinde obliegt". Der diesjährige Pfingstvcrkehr auf den Eisenbahnen war nach einer soeben abgeschlossenen amtlichen Statistik trotz der ungünstigen WitterungSverhältnisse überall ein sehr starker. Auf den Berliner Fernbähnhöfen z. B. wurden an den Tagen von Mittwoch bis Sonnabend vor Pfingsten 297 584 Fahrkarten, das sind 28 850 (= 9,5 Proz.) mehr verausgabt als an den gleichen Tagen des Vorjahres. Dagegen war der Stadt-, Ring- und Vorort« berkehr an den drei Pfingstfeiertagen schwächer als an den gleichen Tagen des Vorjahres. An den drei genannten Festtagen wurden nämlich im Stadt-, Ring- und Vorortverkehr nur 2 016 262 Fahr- karten(gegenüber 2 473234 an den Pfingstfeiertagen des Vorjahres) verausgabt. Opfer ihres Berufes. Auf dem Stcttiner Güterbahnhof hat sich gestern abend ein schwerer Unglücksfall zugettagen. Der 62jährige Bahnarbeiter Hermann Schulz, Gartenstraße wohnhaft, geriet beim Verladen unter einen Güterwagen und wurde über den Unterschenkel gefahren. Das linke Bein wurde dem Bedauernswerten fast völlig zermalmt. Sch. fand in der Charitö Aufnahme. Beim Fensterputzen abgestürzt ist gestern der 21jährige Fenster- Putzer Wilhelm Wehner aus der Barnimstraße 9. Im ersten Stock- iverk eines Hauses in der Kronenstraße hatte der junge Mann die Fensterscheiben gereinigt und war infolge eines Fehltritts abgestürzt. Er zog sich einen Armbruch, Hüftverrenkungen sowie schwere Kopf- Verletzungen zu und wurde w das Moabiter Krankenhaus ein- geliefert. Hochstapler als Badegäste. Ein Berliner Hochstaplertrio wurde in Swinemünde verhaftet. Hierzu wird folgendes mitgeteilt: Seit einiger Zeit weilten in Swinemünde als„Badegäste" der„Büfettier Hans Baumann nebst Frau Anita und Schwägerin Gertrud Pohler aus Breslau". Sie hatten in kurzer Zeit die Hotels gewechselt, ohne Miete und Zeche zu begleichen. Am 31. Mai zogen sie in das auf fiskalischem Boden liegende Hotel Kaiserpark in der Königs- allee. Hier wechselten sie abermals ihre Namen und nannten sich „Ingenieur Franz Conner nebst Frau Hanna, geborene Waldow und Schwägerin Gertrud Waldow". Hier lebten sie dann über eine Woche herrlich und in Freuden, biS sie gestern von einem Hafen- Polizeibeamten festgenommen wurden. Die Verhaftung, zu der noch zwei Gendarmen hinzugezogen wurden, gestaltete sich schwierig, da die„Herrschaften" die Tür ihres Logierzimmers gutwillig nicht öffnen wollten. Nach den Legitimationspapieren befragt, zeigte der Mann unter anderem einen Entlassungsschein vom Tegeler Straf- tzcfängnis vor, aus dem hervorging, daß sein Inhaber dort 28 Tage interniert und vor kurzem erst entlassen war. Die drei wurden nun nach dem Amt Hafengrund gebracht; bei der Ankunft versuchte der„Herr Ingenieur" die Flucht zu ergreifen, er wurde aber von dem Hafenpolizeibeamten eingeholt und durch mehrere Säbelhiebe unschädlich gemacht. Bei der Vernehmung entpuppte sich der an- gebliche Büfettier Hans Baumann als der„Kaufmann" Franz Connow aus der Französischenstraße 11/12 in Berlin und die„Ehe- frau" als eine aus Königsberg i. Pr. gebürtige Kellnerin Anna Hamann, während die„Schwägerin" mit der Verkäuferin Gertrud Siebert aus Charlottenburg identisch ist. Als die Kellnerin nach ihren Vorstrafen gefragt wurde, erwiderte sie, daß sie mit deren Aufzählung mindestens eine halbe Stunde zu tun hätte. Unglücksfälle im Straßenverkehr. Ein folgenschwerer Zusammenstoß im Straßen- bahnbetricbe fand gestern mittag am Potsdamer Platz statt. An der Einfahrt in die Königgrätzerstratze versuchte der Droschkentutscher Gottlieb Krüger aus den Reuen Hochstraße 36 mit der Droschke Nr. 8381 kurz dar tum SwcheodtchutvePeo Ar. zM tet siimi 11 die Gleise zu kreuzen. Es kam dabei zu einem heftigen Zusammen- stoß, bei welchem K. vom Bock auf die Straße geschleudert wurde. Er hatte sich eine Gehirnerschütterung sowie eine Quetschung des Unterleibes zugezogen und mußte dem Krankenhause zugeführt werden. Von einem S ch l ä ch t e r w a g e n überfahren und getötet wurde gestern morgen die 57 Jahre alte, aus Templin gebürtige Arbeiterwitwe Karoline Westphal geb. Sabow, die in der Pallisadenstraße 47 wohnte und für den Bäckermeister Scholz aus der Pallisadenstraße 58 Frühstück austrug. Die etwas schwerhörige Frau wollte vor dem Hause 43 den Fahrdamm überschreiten, als vom Weidenweg ein Schlächterwagen kam, der nach der Zentral- Markthalle fuhr. Die Frau hörte den Zuruf des Kutschers nicht und sie geriet unter den Wagen, dessen Räder ihr über Kopf und Brust gingen. Die Verunglückte starb schon auf dem Wege nach dem Kraukenhause. Der Kutscher wurde an der.Ecke der Lebuserstraße angehalten und festgestellt. Schwer verunglückt ist gestern mittag gegen 12 Uhr der Arbeiter Vincenz Ziotka, Christinenstraße 16 wohnhaft. Er wollte an der Stralauer Brücke den Fahrdamm überschreiten und ging an einem dicht an den Straßenbahnschienen haltenden Roll- wagen vorbei, als ein Stratzenbahnzug der Linie 29(Britz-See- stratzc) herannahte. Der Führer des Stratzenzuges konnte den hinter dem Rollwagen hervortretenden Z. erst im letzten Augenblick sehen und nunmehr bei der kurzen Entfernung von kaum einem Meter den Motorwagen nicht mehr zum Stehen bringen. Der Arbeiter wurde zu Boden geschleudert und geriet unter die Vorder- Plattform. Er hatte eine schwere Gehirnerschütterung und stark blutende Kopfwunden erlitten und mußte von der Unfallstatton am Grünen Weg, wo ihm die erste Hülfe zuteil wurde, nach dem Krankenhause Friedrichshain übergeführt werden. Der Revolver hat gestern abend am Nordhafen eine Rolle gespielt. Eine Korrespondenz meldet darüber: Zwei Studierende der Landwirtschaftlichen Hochschule, darunter der 23 jährige Heinr. B. aus der Scharnhorststr. 3, waren am Nordhafen spazieren gegangen. Als sie später in ein nahe gelegenes Lokal einkehrten, wurden sie von mehreren verdächtigen jungen Leuten aufgefordert, einen Schnaps zum besten zu geben. Um des lieben Friedens willen taten sie dies auch. Als die Burschen jetzt jedoch noch nicht befriedigt waren und von den Studenten verlangten, noch mehr zu zahlen, sträubten diese sich. Da die Sache immer ungemütlicher wurde, zogen die beiden es vor, das Lokal zu verlassen. Sie wurden jedoch verfolgt und dicht am Nordhafen überfallen. Mehrere der Burschen stürzten sich auf B., zertrümmerten ihm das Nasenbein und verletzten ihm das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit. In der Notwehr zog der Bedrohte einen Revolver und feuerte mehrere Schüsse aus seine Gegner ab. Eine der Kugeln drang dem Reinhold Thiel aus der Triftstr. 34 in die linke Backe und bohrte sich bis zur Mundhöhle durch. Erst jetzt ließen die Verfolger von ihren Opfern ab. Die Schwerverletzten wurden durch hinzukommende Schutzleute nach der Unfallstation Xi gebracht, wo sie die erste Hülfe erhielten. Mag die Sache liegen, wie sie will: Ein sonderbarer Spazier- gang bleibt eS aber, sich dabei mit dem Revolver zu bewaffnen. Absturz aus der dritten Etage. Ein bedauerlicher Unglücksfall hat sich gestern nachmittag in der Kreutzigcrstraße 11 zugetragen. Die dort in der dritten Etage wohnhaste 26jährige Ehefrau Emilie des Tischlers Gohrke litt in- der letzten Zeit häusig an Ohnmachts- anfällen. Auch gestern nachmittag in der vierten Stunde wurde sie wieder von ihrem Leiden heimgesucht. Unglücklicherweife stand die Bedauernswerte in diesem Augenblick dicht an dem osicustehenden Fenster, sie fiel rücklings auf das Fensterbrett und stürzte, sich einige Male überschlagend, in die Tiefe. Mit zerschmetterten Gliedern wurde die Acrmste davongetragen. Sie wurde nach der Unfall- station in der Warschauerstraße gebracht, wo der Arzt eine schwere Gebirnerschütterung, einen Bruch des rechten Armes und Durch- schueidungen der Sehnen des linken Armes, die jedenfalls durch Scherben de-- zertrümmerten Fensterscheibe herbeigeführt worden waren. festgestellt. In bewußtlosem Zustande kam Frau G. in das Krankenhaus am Friedrichshain. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Feuerwehrbericht. Gesten, früh um 4 Uhr wurde die Feuerwehr nach der Gartenstr. 74 gerufen. Grober Unfug lag der Feuermeldung zu Grande. Der Täter ist leider nicht ermittelt.— Wegen eines gefährlichen Kellerbrandes rückte die Wehr nach der Lothringer- straße 101 aus. Dort stand ein Keller in Flammen, die an Holz reichliche Nahrung gesunden hatten.— E>n zweiter gefährlicher Brand wurde aus der Dresdenerstr. 91 gen.-kdet, wo in einer Destillation Spiritus u. a. brannten.— In der Sckiliemannstr. 23 mußte ein Wohnungsbrand gelöscht werden.— Ferner hatte die Wehr in der Fruchtstr. 42 u. a. Stellen zu tun, wo Schornsteine brannten.— Einem Alarm nach der EharitS, wohin abends sechs Züge ausrückten, lag eine irrtümliche Benützung deS Feuermelders zu Grunde._ Vorort- JVadmcfotcn. Schöneberg. Der Stadtverordneten- Versammlung hat in ihrer am Montag stattgefundenen Sitzung ein Nachtragsetat vorgelegen, in dem die Gehaltsverhältniffe der städtischen Beamten und Lehrer einer Neureguliernng unterzogen werden sollen. Seit längerer Zeit sind die städtischen Körperschaften wiederholt mit der Frage beschäftigt gewesen. Die städtischen Beamten und Lehrer haben oftmals in Petittonen den Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß die Besoldungen den veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen angepaßt werden mögen. Nach der Vorlage des Magistrats sollen nun die Gehälter der gesamten Beamten, mit Ausnahme der Magistratsmitglieder, eine Aufbesserung erfahren und für die Zeit vom 1. April dieses Jahres ab nach- gezahlt werden. Die dadurch für das laufende Jahr erforderlich werdende Mehrausgabe von 126 933 M. soll aus dem Ueberfchuß- fouds genommen werden.— Die Vorlage wurde nach einer kurzen Debatte dem Etatsansschuß überwiesen mit dem Ersuchen, die Sache zu beschleunigen, damit dieselbe noch vor den Ferien ihre Erledigung fiuder. Die sozialdemokratische Fraktion gab die Erklärung ab, daß sie die vorgeschlagenen Aufbesserungen, speziell die Anfangsgehälter der unteren Beamten, Lehrer und Lehrerinnen für viel zu minimal hält, entgegen den der höheren Beamten, und keineswegs damit einverstanden sei. Dein Ausschutz werden dementsprechende Ab- äuderungsanträge unterbreitet werden. Oberbürgermeister Wilde teilte mit, daß der Magistrat sich nicht auf die gemachten Vorschläge als Höchstsätze festgelegt hat und erwartet eine Verständigung im Ausschuß. Der beanttagten Regulierung und Asphaltierung der S e d a n- straße stimmte die Versammlung ohne Ausschußberatung nach einer belanglosen Debatte zu. Die hierzu erforderlichen Mittel in der Höhe von 141 000 M. find bereits vor langer Zeit bewilligt worden. Eine längere Debatte brachte dann die Vorlage des Magistrats zum Beitritt der Schüler des HshenzollerngymnastumS in den „Schüler-Ruderverein Wannfee' 1450 M. zu bewilligen. In nahezu einstündigen Ausführungen suchte Stadtv. Dr v. G o r d o n den Anwesenden die Notwendigkeit eines derartigen Rüde,-Vereins vor Augen zu führen, gleichzeitig darauf hinweisend, daß Schöneberg späterhin sogar an die Errichtung eine» eigenen BootShaufe» für di« Schüler feiner b ödere» Schulen herangehen möge. Stadtv.&of fc mann(@03.) ist prinzipiell nicht gegen Unterstützung der artiger Einrichtungen, beantragt aber vor allen Dingen auch für die Gemeindeschulen etlvas Derartiges zu schaffen. ES wäre eine Un- gercchtigkeit, den Schülern der höheren Schulen, für die ohnehin schon bedeutend mehr aufgewendet wird, hierdurch auch wieder etwas Besonderes zu bieten. Bürgermeister B l a n k e n st e in wendet sich gegen Hoffmann. Seiner Meinung nach sei für die Gemeindeschulen bereits genügend getan. Auch bezahlen die Eltern der Kinder der höheren Schulen bedeutend mehr Steuern als die Eltern der Gemeindeschüler. Stadtv. Küter(SoA.) kann den Standpunkt des Bürgermeisters nicht begreifen. Wer ist es denn, der den Höchst« besteuerten das Geld zusammentrage? Doch nur die Arbeiterschaft. Auch liege gar keine Veranlassung vor, mit de» Einrichtungen der Gemeinde- schulen zu prunken. Das Wenige, das geschaffen sei, geschah doch nur durch fortgesetztes Drängen. Es muh dafür gesorgt werden, die Kräfte der Jugend gleichmähig zu stählen und die Klassenunterschiede in dieser Beziehung zu beseitigen. Auch die Stadtvv. Neinbacher und Zobel(lib.) wenden sich gegen die Ausführungen des Bürger« Meisters, treten aber im übrige» für die Magistratsvorlage ein. Nach Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages wird die Vorlage dann angenommen. Der Schluh der Bersammlung brachte längere, heftige Aus einandersetzungen zwischen der Hausbcsitzerfraktion und den bürgerlichen Stadtverordneten, die nicht dieser Fraktion angehören. Es handelte sich um die Wahl des Ausschusses zur Vorbereitung des Rathaus- Neubaues. Die Stadtverordneten Kutznitzky und Lohauseil lehnten die Wahl in diesen Ausschuh ab. Letzterer wies darauf hin, dah die Mehrheit sich bei früheren AuSschuhlvahlen nicht von Sachlichkeit habe leiten lassen, sondern stets ihren Machtstandpunkt, speziell auch gegen seine Person hervorkehrte. Er habe nicht Lust, sich der geübten Willkür zu fügen und nach der Pfeife der Mehrheit zu tanzen. Seiner Meimmg nach wäre es auch bedeutend richtiger, wenn die»Unabhängige Bereinigung" ihren Namen ändern würde in»unabhängige Lohnstlaven des Kapitals". Von verschiedenen Seiten suchte man nun die beiden Stadtverord neten zu überreden, doch die Wahl anzunehmen. Ja, von einem Juristen, Dr. v. Gordon, wurde sogar der Standpunkt vertreten, dah die Mehrheit einen Stadtverordneten zwingen könne, die Wahl in einen AuSschuh anzunehmen. Andere Juristen vertraten den entgegengesetzten Standpunkt. Schliehlich liehen sich die beiden Stadtverordneten aber doch zureden und nahmen die Wahl an. Gleichzeitig lvar von den liberalen Stadtverordneten gegen drei Mitglieder des Ausschusses, die der»Unabhängigen Vereinigung" angehören, Einspruch erhoben worden und dafür wurden drei Stadt- verordnete in Vorschlag gebracht, die nicht dieser Fraktion angehören. Die vorgenommene Zettelwahl brachte der„Unabhängigen Ver- einigung" eine Niederlage, es wurden mit knapper Majorität die letzteren drei Stadtverordneten gewählt. Der sozialdemokratischen Fraktion hatte man diesmal die ihr gebührende Vertretung zu- gebilligt. Dem Antrage auf Hinzumietung weiterer Diensträume in dem Hause Kolonnenstr. 65 wurde zugestimmt. Nixdorf. Großes Nnfschen verursacht in Nixdorf die Verhaftung des Schlächtermeisters R. und des Schlächtergesellen St. Schon seit längerer Zeit hatte der Schlächtermeister Hermann Wilhelm. Friede!- ftrahe 23. die Wahrnehmung gemacht. dah er fortgesetzt bcstohlen lvurde. Tagtäglich verschwanden aus seinem Betriebe grohe Posten Fleisch, Wurstwaren, Häute usw. Dah der bei ihm angestellte Ge- selle St., der das größte Vertrauen genotz. der Täter sein könne, ahnte der Bestohlene keineswegs. Erst als er von dritter Seite darauf aufmerksam gemacht wurde, dah St. abends stets das HauS mit grohen Paketen verlieh, schöpfte der Schlächter Verdacht. Nach längerer Beobachwng der Kriminalpolizei bestätigte sich der Verdacht vollauf. Gestern wurde St. verhaftet und bei einem Verhör stellte sich die überraschende Tatsache heraus, dah er die gestohlenen Waren regelmäßig bei dem in der Weichselstraho wohnenden Schlächter- meister R.„verschärft" hatte. R. hatte den Gesellen, der ein Lands- mann von ihm ist, auch zu den Diebstählen überredet- Er wurde infolgedessen als Hehler und Anstifter gleichfalls verhaftet. Auch einen zweiten bei einem Berliner Schlächtermeister in Stellung be- ftndlichen Gesellen soll R. w gleicher Weise zu Diebstählen verleitet haben. Lichtenberg. Die Gemeindevertretung wird sich am Donnerstag mit dem Bescheide des Ministers über das Verlangen der Gemeinde nach einer städtischen Verfassung zu beschäftigen haben. Wie das nachstehende Schreiben erweist, ist die.EingemeindungS- frage endgültig abgetan, die Stadtwerdung Lichtenbergs aber nur noch eine Frage der Zeit. Das Schreiben lautet: Der Minister des Innern. Berlin, den IS. Mai 1906. IV b 3556. Auf die Vorstellung vom 4. Mai er. Nr. I 4066. Nach Abschluß der eingehenden Ermittelungen, zu denen mir der Antrag vom 31. Januar 1905 Nr. I 1187 Veranlassung gegeben hatte, eröffne ich.d-in Gemeindevorstande, zugleich in Erwiderung auf die Vorstellung vom 4. d. M., ergebenst folgendes: Die Einverleibung Lichtenbergs in die Stadtgemeinde Berlin herbeizuführen muß ich auch nach nochmaliger Erwägung ablehnen. Inwieweit es möglich sein wird, die in zweiter Linie beantragte .Herbeiführung einer anderweiten Verbindung der Gemeinde Lichtenberg und anderer Vororte mit Berlin für gewisse einzelne Verwaltungszweige in Aussicht zu nehmen, läßt sich zurzeit nicht beurteilen, da die Verhandlungen über diese Frage bisher nicht haben abgeschlossen werden können. Auch der Antrag, die Verleihung der städtischen Verfassung für Lichtenberg zu erwirken, mutz gegenwärtig noch als verfrüht angesehen werden. Doch bin ich, nachdem die Bevölkerung der Ge- meinde inzwischen auf nahezu 60 000 Einwohner gestiegen ist und ihre Finanzverhältnisse in den letzten beiden Jahren eine günstigere EntWickelung als vorher genommen haben, nicht abgeneigt, diesen Antrag einer erneuten Prüfung zu unterziehen, sobald die weitere EntWickelung der Gemeinde gezeigt haben wird, daß die beobachtete Besserung ihrer Finanzlage nicht eine nur vorübergehende gewesen ist. sobald ferner die inneren Einrichtungen der Gemeinde auf einen Stand gebracht sein werden, wie er den an einen städtischen Vor- ort der Hauptstadt zu stellenden Anforderungen im wesentlichen entspricht, wozu ich besonder? auch die Vorsorge für die Errichtung und Unterhaltung eines dem Bedürfnisse genügenden Gemeinde- krankenhauseS rechne, und sobald endlich eine zweckmäßige Grund- läge für die Auseinandersetzung mit dem Kreise Niederbarnim ver- einbart sein wird, welche im Falle der Verleihung der städtischen Verfassung an Lichtenberg und des Ausscheidens der Gemeinde als Stadtkreis stattfinden müßte. Dem Gemeindevorstande überlasse ich, sich hiernach bei seinen weiteren Mahnahmen zu richten. gez. v. Bethmann-Hollweg. An den Gemeindevorstand zu Lichtenberg. Die in letzter Zeit von interessierter Seite viel ventilierte Frage der Zusammenlegung Lichtenbergs mit der Nachbargemeinde Rummelsburg-Boxhagen dürste offiziell wohl erst dann zur Er- Srterung kommen, wenn Lichtenberg aus dem Kreise Niederbarnim ausgeschieden ist und Stadtrechte erlangt hat. Weiftensee. Ans der Gemeindevertretung. Die Festsetzung der Baufluchtlinie für die Parkstrahc, welche vom hiesigen Baurat so bearbeitet war, dah diese als erste Prachtstraße für den Ort in Frage kam, wurde von einigen Interessenten vereitelt, weil diese notgedrungen einige Ruten Land opfern sollten. Herr Schöffe Rothe, der vor kurzer Zeit in derselben Straße ein Grundstück mit OOOfachem Verdienst verkauft hat, fand es unerhört, ihm zuzumuten, einen Streifen Land für die Gemeinde zu opfern, seine Haus- und Grnndbcsitzcrkollegen fanden es ebenso unverständlich und man verabschiedete diese Vor- läge in die Tiefbaukomnstssion.— ES wurden ferner die Bauflächen der Straßenzüge der von der Realgesellschast angekauften Ländereien festgesetzt, deren Vorschriften sich der Neuzeit anpassen und deren Durchführung die Garantie bietet, dah geordnete Verhältnisse in bezug auf Verwendung des Materials usw. auf Damm und Vürgersteig herrschen. Die Gesellschaft wurde verpflichtet, der Ge- meinde einen Platz für Schmuckanlagen von einem Morgen, des- gleichen für Schulzwecke einen Platz von 1'/, Morgen aufzulassen.— Eine längere Debatte vcranlahte der Antrag des Jugendfürsorge- Verbandes auf Gewährung einer Beihülfe von 200 M. für die Ferienkolonien. Die Genossen Schmutz und Taubmann verlangten zu diesem Zwecke eine Staatsbeihülfe,»nd dah mit diesen Mitteln die Kommune die Verschickung der Kinder in die Ferienkolonien vornimmt. Bei Aufbringung der Mittel durch private Wohl- tätigkeit werde der Willkür Tür und Tor geöffnet. Herr Rektor Tessel als Unterzeichner der Bittschrift habe durch seine vorgekommenen Mahnahmen Kindern sozialdemokratischer Eltern gegenüber den Beweis erbracht, dah er Unterschiede in der Auswahl solcher Kinder zuläßt. Einem Knaben, welcher von seinen Eltern in die Jugcndabteilung des Turnvereins„Fichte" ge- schickt wird, habe er beföhlen, dem Verlangen seiner Eltern nicht zu gehorchen, wenn er sich nicht seiner Bestrafung aussetzen wolle. Als dem Befehl deS Rektors nicht nachgekommen wurde, muhte von Stunde an der Knabe gesondert am Unterricht teilnehmen. Achnliche Beispiele wurden von beiden Genossen noch mehrere vor- getragen. Den Gegnern schien die offene Sprache nicht zu passen und sie gaben ihrer Verlegenheit durch die Behauptung Ausdruck. die Sozialdemokratie wolle die Wohltätigkeit beseitigen. Ueber die Summe von zweihundert Mark ging man ober trotz- dem nicht hinaus, ste ist auch für die Aermsten der Armen hoch genug.— Der vom KreisauSschuh verlangten Ab- änderung der Hundestcuerordnung, Herabsetzung der Hundesteuer auf 20 M. und der Gebühr für Marken von 1 M. auf 50 Pf. wurde zugestimmt; zum 1. Oktober soll eine neue Hundesteuerordnung beantragt werden. Die Mehrheit hat demnach ihre Gesinnung ge- ändert und ohne weiteres wiederum ein Stück Selbstbestimmungs- recht preisgegeben, denn in einer früheren Sitzung wurde beschlossen, den Beschwerdeweg über den Beschluh des Kreisausschusses bis zur höchsten Instanz zu beschreiten.— Dem Vertrage mit der Kreis- Verwaltung für die Industriebahn von Tegel nach Friedrichsfelde lvurde zugestimmt. Für unseren Ort konnte diesem Vertrage um so leichter zugestimmt iverden, als die in Frage kommenden Ländereien fast ganz zur freien Verfügung gestellt worden sind und durch Aenderung der Trace auch die letzte Schwierigkeit beseitigt werden kann. Die weitere Garantieverpflichtung für eine zwei- prozentige Verzinsung des Anlagekapitals, welche den Betrag von 7500 M. jährlich ausmacht, wurde genehmigt.— In geheimer Sitzung wurde beschlossen, das dem Gärtnereibesitzer Hoffmann ge- hörige,' auf der König-Chaussee belegene 1056 Ruten große Terrain für den Preis von 500 M. pro Rute anzukaufen. Es ist geplant, die Elfahstrahe bis zur Charlottenburgerstrahe durchzulegen, ferner die Realschule und später das Rathaus auf diesem Platz zu errichten. Friedenau. Bei einem Bauuuglück auf dem Gelände des ehemaligen Sport« Parkes Friedenau wurden zwei Arbeiter erheblich verletzt. In der ziveiten Etage eines dortigen Neubaues stürzte plötzlich ein Teil der Decke ein und der Maurerlchrling Paul Pantel, Mauerstr. 83 sowie der Steinträger August Güzeck in Schöneberg wohnhaft wurden mit in die Tiefe gerissen. G. hatte bei dem Sturz so schwere ver- letzungcn erlitten, daß seine Ucberführung in das Kreiskrankenhaus Groh-Lichterfelde erfolgen muhte. P. war etwas besser davon- gekommen und erhielt die erste Hülfe auf der Sanitätslvache. Nassenheide. Ein schweres Automodilunglück ereignete sich gestern mittag auf der Oranienburger Chaussee in der Nahe von Nassenheide. Ein Privatautomobll, in dem sich zwei Herren befanden, fuhr gegen 2 Uhr in scharfem Tempo die Chaussee entlang vnd fauste als es einem entgegenkommeiAien Fa�rwerk aussog, mit solcher GentÄl gegen einen Baum,-daß der Stamm geknickr und das Vorderteil des Automobils zertrümmert wurde. Die beiden Insassen stürzten aus dem Wagen, wobei einer derselben anscheinend schwere innere Ver- letzungen erlitt. Der zweite Automobilfahrer kam mit leichteren Kontusionen davon. Die Verunglückten wurden nach Oranienburg und von dort mit der Bahn nach Berlin gebracht. Gerichts-Leitung. Gehelmnisse einer Berliner Polizeiwache. Eine behauptete Mißhandlung auf der Polizei- wache, die sich von Fällen ähnlicher Art dadurch unterscheidet, dah das Strafverfahren durch den Reviervorstand des angeklagten Schutzmannes Max B r i f ch k 0 w s k i veranlaht worden ist, be- chäfttgte gestern die 2. Strafkammer des Landgerichts I. Der An« geklagte ist seit 7 Jahren Schutzmann, hat sich noch nichts zuschulden kommen lassen, scheint aber die Zuneigung des Polizeileutnantö N e st l e r, der erst seit kurzem Borstand des 52. Polizeireviers ge- worden war, nicht zu besitzen. Letzterer schilderte in seiner Strafanzeige den Angeklagten als einen dienstunlusttgen, der unvermeidlichen straffen Disziplin abholden Beamten. Am 29. März gegen Mittag brachte ein Kriminal« chutzmann einen elfjährigen Jungen, der in dem Ver- dacht stand, einige neue Schlüssel gestohlen zu haben, nach dem 52. Polizeirevier. Der Knabe sollte zuerst seinen Eltern zugeführt werden, da diese aber zu Hause nicht anwesend waren, wurde er auf die Wache gebracht. Der in dem Polizeirevier seit etwa einem Jahre beschäftigte Schutzmann BrischkowSki nahm den Jungen in Empfang und brachte ihn in die Zelle. Da die letztere dunkel ist, fürchtete sich der Junge und fing heftig an zu weinen und zu schreien. Infolgedessen schloß der An- geklagte die Zellentür auf, trat auf den Jungen zu und wollte, wie er behauptet, ihn zur Ruhe verweisen. Er be« hauptet, dah der Knabe in höchster Erregung geschrien und mit Händen und Füßen um sich geschlagen habe, während er sich auf die Bank hingeworfen gehabt habe. Da habe er den Knaben am Rock gefaht. ihn aufgerichtet und ihm geboten, ruhig zu sein. Da sei plötzlich der Polizeileutnant auf der Bildfläche erschienen und habe ihm anbefohlen, sofort au» der Zelle herauszukommen. Dann habe ihm der Leutnant gesagt:»Sre haben den I u n g e n g e s ch l a g e ni" und als er dtes entschieden bestritt, habe der Knabe erklärt:»Er hat mich doch geschlagen!" Der Leutnant habe den Knaben dann mit ins Bureau genommen und habe dort die Behauptung desselben aufgenommen, dah ihm der Schutzmann eine Ohrfeige versetzt und am Ohr gezaust habe. Daraus ist das Strafversahren gegen den Schutzmann veranlaht worden. Der Angeklagte bestritt im gestngen Termin die Behauptung des Knaben, die dieser in etwas er- Weiterter Form wiederholte, indem er behauptete, dah er nicht nur eine, sondern mehrere Ohrfeigen erhalten habe. Die vernon,menen Zeugen haben da« Schreien des Knaben gehört, eine Mißhandlung aber nicht beobachtet. Der als Zeuge vorgeladene Polizeileutnant Nestler war nicht zur Stelle, auch erne Entschuldigung war nicht eingegangen. Ein Schutzmann teilte mit. dah Leutnant N. schon seit eintgen Wochen krank sei, worauf der Vorfitzende erwiderte, dah es doch zweckmäßig gewesen wäre, dem Gerichtshöfe rechtzeitig hiervon Mit- teilung zu machen. Der Verteidiger erachtete eine Vernehmung des Leutnant« für entbehrlich. Die ganze Art und Weise, wie der Polizeileutnant Nestler seinen Bericht über den Angeklagten erstattet habe, lasse keinen Zweifel darüber, daß der Leutnant alle», waS dieser zuungunsten des Angeklagten anführen konnte, schon in seinem Bericht mitgeteilt habe, und durch seine Vernehmung man in der Sache keinen Schritt vorwärts koinmen würde. Auf die bloße Behauptung des elfjährigen Knaben hin, der in seinen Angaben auch noch schwankend gewesen sei, könne eine Verurteilung aber nicht er- ««sw« A flij �. tn— i—?_ Cm" folgen. Das Gericht schloh sich diesen Ausführungen an, hielt eine Vernehmung des Polizeileutnants nicht für erforderlich und sprach den Angeklagten frei. Wie soll denn nun eigentlich eine etwaige Verpriigelung deS Jungen bewiesen werden? Wäre Pergament sein Rücken und Tinte jeder Schlag— dann wäre vielleicht die jetzt für überflüssig er- achtete Auslage des nicht vernommenen Belastungszeugen entbehrlich gewesen._ Vermischtes. Heinrich Hart ist in seiner westfälischen Heimat Tecklenburg bei Münster im Alter von 56 Jahren gestorben. Die Autoraserei um den von Professor Herkomer gestifteten Preis hat in München gestern ihr Ende erreicht. DaS Rennen über den Semmering war für die Teilnehmer der Konkurrenz ein arger Mißerfolg. Die neuy Kilometer lange Strecke sieht aus wie ein Schlachtfeld. Mehr als 15 Wagen lagen und standen auf der Strecke. Nur einem ganz besonderen Glücksfalle ist es zu danken, dah nicht Menschenleben zu Schaden kamen. Zuerst stürzten die drei englischen Deimlerwagen, Ivelche bei der schärfsten Kurve in den Graben flogen und zertrümmert wurden. Jede Kurve forderte neue Opfer. Insgesamt find 16 Wagen verunglückt, welche zunteist die Fahrt aufgaben. Weil Prinz Heinrich sich am Rennen beteiligte, gestaltete sich für ihn die Fahrt zu einer stäudigen BegrühungSfahrt. Ansprachen wechselten ab mit Haufen von Blumensträußen, die ihm gespendet wurden. Weil er der Bruder des Kaisers ist, war man recht auf- merksam, und wir finden in jedem Telegramm über die Raserei erwähnt, daß Prinz Heinrich den und jenen Ort berührte, um die und die Zeit eintraf. Da die Geschichte ihr Ende erreicht hat, können wir die Unglücks- liste schließen, denn vom Gesichtspunkte des Sports kann man ernst- Haft die Sache nicht betrachten. Mittel gegen Tuberkulose. Paris, 12. Juni. In der Akademie der Wissenschaften teilte der Leiter des Pasteurschen Institutes in Lille, Professor Calmette, mit, daß es ihm und seinem Mitarbeiter Gucrard gelungen sei, junge Kälber gegen Tuberkulose zu immnni- sieren, indem er ihrer Milchnahrung ein kleines Quantum von Tuberkelbazillen zusetzte. Professor Calmette hält es für möglich, daß auch Kinder auf diese Weise gegen Tuberkulose immunisiert werden könnten. Gekentert. Auf dem Rhein am Eingang zum Südhafen kenterte gestern mittag ein Kahn mit sechs Insassen, die zum Fischen auS- hihren. Dem„Duisburger Generalanzeiger" zufolge sind vier der Bootsinsassen ertrunken. Fricsel-Epidcmie. Paris, 12. Juni. Einem Telegramm des „Matin" zufolge, ist im Departement Charente eine Friesel-Epidemie ausgebrochen, an der etwa 2000 Personen erkrankt und auch mehrere gestorben sein sollen; in einigen Dörfern soll über die Hälfte der Einwohner von der Krankheit befallen sein. Die Regierung hat energische Mahnahmen angeordnet, um einer Weiterverbreitung der Krankheit zu steuern. Das gelbe Fieber. New Orleans, 12. Juni. An Bord eines am Sonnabend von Colon hier eingetroffenen Dampfers sind drei Fälle von Erkrankung an gelbem Fieber festgestellt worden. Die Kranken werden auf dem Schiff„Island" in Quarantäne gehalten. Der Vesuv schreckt wieder. Neapel, 12. Juni. Während der letzten 24 Stunden hat der Vesuv große Mengen von Asche aus- geworfen, was die Bevölkerung in neue Panik versetzte. Tre durch den Auswurf entstandene Säule soll eine Höhe von zirka 1000 Meter erreicht haben. Durch die Asche ist in Ottajano großer Schaden an- gerichtet worden. 15 PttfoMi durch Blitz erschlagen. Madrid. In Sanluear de Barramc'da sind'��UÜWIl�M�.d�e�S�iyer� durch den Blitz erschlagen worden. Es heißt, daß noch viele an�e Personen erheblichen Schaden genommen haben und ebenfalls nouj®e"et' Opfer zu beklagen fem werden.'•w, _ ßnefbaften der Redaktion. C. P. Ja.— 91, W. 5. DI« Auskunft der Lottettcdlrektton mag zutreffen; e» liegt aber kein Druckfehler, sondern ein Fehler bei lieber- Mittelung der Liste vor, der beigefügt ist, das; Gewähr nicht geleistet wird. Lassen Sie sich die amtliche Liste zur Einsicht vorlegen.— Kurt K. Sie müßten sich an einen Billardvertettigcr direkt wenden.—,00 bis 1,25. Rettig, bahr., per Schock 2,40— 4,80. Rhabarber, Hamb., per 100 Bd. 0,00, Bergedorfer 0,00. Radieschen, per schock 1.25. Salat, per Schock 1.25—1,50, Gubener, per Schock 0,00. Spargel I, per Psd. 0,30-0,40, ll 0,16-0,26. III 0.05-0.15. Beelitzer I 0,38-0,52, ll 0,24 bis 0,33, III 0,10—0,20. Bruchspargel 0,00. Bohnen(grüne), per 100 Psd. 70—100. Schoten, hiesige, per 100 Pfd. 17—25, Gubener 0,00. Pfcfferlmge per Pfd. 0,35—0,40. Kirschen, ital. per 100 Pfd. 18-28, franz. 0,00, Gubener 15—20, Aerdersche 20—24, schief. 10—16, Heidel- berger 0,00. Erdbeeren, per 100 Pfd. 30—40, franz.. per Pfd. 0,45-0,50. Beelitzer, per Pfd. 0,30—0,45, Werdersche, per Pfd. 0,25—0,60, Dresdener. per Pfd. 1,00, hiesige, Wald- per Pfd. 0.60—0,80. Zitronen, Mefsina, 300 Stück 8,00-10,00, 860 Stück 6,75-9,00, 200 Stück 6,50-9,00, 420 Stück. klein 7,00. 'Verantwortlicher Redakteur: HenS Weber. Berlin. Für den Jnjercuenteil ver«mUv._ Tb7Mvcke. Lttl:?. Truck u. Verlag: L�watt» Buchdruckerei n. �-�alanstaü Paul Sinzer& C.i, L„rlin SVC