Nr. 186. RtMMKffienlS'BtdlDglltwn: HBonnementS- Preis prünumerand«! SierteljShrl. SfiO SRt, monall. 1,10 MI., »vSch entlich 28 Pfg. frei WS Haus. einzelne Nunimer S Pfg. Sonntags. Nummer mit illustrierter Sonntags« Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. Poslaboimemems nehmen an: Belgien, Diinemark, polland. Italien, Luxemburg, Portugal. nSnien, Schweden und die Schweiz. S3. Jahrg. CrHWBt tZgll» auBtr IRMliSt. Vevlinev Volksblcrlk. Die TnTerttont'GebQIir Betragt für die sechsgespaltene Kolonel« zcilc oder deren Rauni 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Berein». und Bersammlungs-Anzeigen SO Psg. „Kleine Hnzeigtn", da» erste(fett. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis ä Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. relegramm-Adresset „SozIaliKnsknt Bull#". Zentralorgan der fozialdcmohrati fchen Partei Deutfchlands. Redahtion: SCO. 68, Lindcnstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. ISSZ. Freitag, den 15 Juni 1906. Expedition: 6CQ. 68, Lindenatraase 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1V84. Die reichslänMchen klerikalen und das Zentrum. Straßburg, 12. Juni. Die elsaß-lothringische Zentrumspartei veröffentlichte zu Anfang des Monats in allen klerikalen Tageszeitungen des Reichslandes einen Aufruf an die Bevölkerung, sie möge sich „unter der Fahne des Zentrums" zusammenscharen. Dieses offene Hervortreten der er st fünf Vereine umfassenden Partei ist bedeutsam. Vor zwölf Jahren sprach man in Elsaß-Lothringen zum erstenmal vom Zentrum. Gai schüchtern wurde auf eine engere Verbindung der jungdeutschen Klerikalen mit der großen altdeutschen Bruderpartei hingewiesen. Dieser erste Ruf verhallte jedoch wirkungslos, und wo er ein Echo zu erwecken vermochte, antwortete ihm ein Schrei der Entrüstung. Was liegt aber zwischen 1894 und 1906? Und wie konnte diese kurze Periode eine solche Aenderung hervorbringen? Nach dem Kriegsjahre beherrschte der Protest das politische Denken und Fühlen in Elsaß-Lothringen. Das politische Fühlen, weil die Bevölkerung sich mit der brutalen Annexion, mit der rohen Losreißung von Frankreich, mit dem sie eine jahrhundertelange Geschichte und die Tradition eng verbanden, nicht abfinden konnte. Das politische Denken, weil die Verschiebung der Zollgrenze vom Rhein an die Vogesen nicht zuletzt in Anbetracht der entschie- denen Schutzzollpolitik Frankreichs Handel und Gewerbe in Elsaß-Lothringen von ihrem bisherigen Absatzgebiet mit einem Schlage abschnitt und damit eine Störung im Wirt- schastsleben des Landes zur Folge hatte, die seine Interessen aufs empfindlichste schädigte. Die starke Auswanderung nach Frankreich findet ihre Ursachen nicht nur in den nationalen Gesinnungen der Elsaß-Lothringer, sondern zum guten Teil auch in diesen besonders für die elsässische Industrie sehr schwierigen Verhältnissen. Zahlreiche Betriebe gründeten Zweig- Niederlassungen auf französischem Boden, und viele sagten der Heimat völlig Lebewohl. In dieser ersten Periode gab es nur zwei politische Parteien: einerseits Protestler, andererseits Gouvernementale. So konnten sich in jeder der beiden„Parteien" Leute zusammenfinden, deren tieferes politisches Denken einander völlig fremd war. Und was sich später trennen mußte, was heute sich wild bekämpft, lebte damals unter dem Bande des Protestes einträglich zu- sammen. Die Textilarbeiter des Oberelsaß standen auf einem Plane mit ihren Ausbeutern— die über die Sozialdemokratie höhnte, ein solches„Berlinerisches Produkt" werde es im Elsaß nie geben— und in Colmar z. B. waren die heute schroff geschiedenen Gegner Blumenthal, Pretß und Wetterle ein Herz und eine Seele. Der Protest hatte aber keine allzulange Lebensdauer. Er war entstanden aus Motiven des nationalen Gefühls und des wirtschaftlichen Interesses. Ganz so starb er nicht. Vielmehr ist es sehr interessant und lehrreich festzustellen, daß es zwar wieder wirtschaftliche Momente sind, die ihm den Garaus machten, daß sie sich aber durchsetzten entgegen den nationalen Gefühlen, trotz ihrer. und daß sie sich stärker erwiesen als alle Tradition und Er- Ziehung. Ja. man kann noch viel weiter gehen und sagen: die Wandlung im Wirtschaftsleben hat auch eine Wandlung in dem polittschen Gefühlsleben hervorgerufen. Nicht als ob die Elsaß-Lothringer nun begeisterte deutsche Patrioten würden. Dazu dürste es wohl nicht kommen. Aber das stühere protestlerische Empfinden ist einer Revision unterzogen und den ökonomischen Interessen anbequemt worden. Wenn die Verschiebung der Zollgrenze nach dem Vogesen- kämm die Loslösung des Elsasses und Lothringens von seinem Kundenmarkt zur nächsten Folge hatte, so bewirtte sie anderer- seits allmählich einen engeren Anschluß an Altdeutschland. Die bereits vorhandenen geschäftlichen Verbindungen wurden ausgebaut. neue wurden geschaffen und die so geknüpften Bande wurden immer enger und enger gezogen. Die wichttgsten Produkte des Reichslandes, wie namentlich Baumwolle, gehen jetzt fast ausschließlich über den Rhein. Handel und Industrie, deren Ruin noch 1877 und 1879 von Bezan?ou und Charles Grad festgestellt wurde, blühten auf. und schon 1895 konnte die Berufszählung konstatieren, daß nur noch 38 Proz. der Bevölkerung in dem bislang durchweg kleinbäuerlichen Gebiete Landwirtschaft betrieben. Die nationalen Gegensätze, die im Wirtschaftsleben verschwunden waren. verschwanden nun auch aus der Politik, es entstanden die neuen Parteien: der Protest !U 0 Wie rasch diese EntWickelung, zuerst selbstverständlich in den Großstädten, vor sich ging, beweisen folgende Zahlen: bei der Reichstagswahl im Jahre 1893 wurde Bebel in Straßburg gegen einen Gouvernementalen mit der Unter- stützung der Klerikalen gewählt. 1894 forderte ein klerikales Blatt zum Anschluß an das Zentrum auf, bei der Reichstagswahl im Jahre 1898 wurde gegen die Sozial- demokratie desÄartell aller Ordnungsparteien gebildet! Seit 1890 wurde in Mülhausen der sozialdemokra- tische Kandidat als Protestier gewählt. 1900 siegte das auch hier gegründete Kartell der Ordnungsparteien l Diese EntWickelung ist im Grunde genommen der Boden, auf dem sich auch der Anschluß der einmal existierenden klerikalen Partei an das altdeutsche Zentrum vorbereiten und vollziehen konnte und mußte. In der ersten protestlerischen Zeit war diese Angliederung begreiflicher- weise unmöglich, wie das Straßburger Zentrumsorgan, der „Elsässer" in seiner Würdigung des Aufrufs der Zenttums- Partei zutteffend ausführt: UebergangSzeitm stehen eben unter dem Zeichen des Gemüts. Unter den damaligen Konjunktmen war es nicht leicht, gewissen maßgebenden Kreisen beizubringen, daß eine gesunde Real- Politik, die sich nicht in leeren, wirkungslosen Demonstrationen ergehen will, sondern praktische Erfolge und wirksame Ver- tretung unserer Rechte erstrebt, auf dem Boden des Zentrums am besten erreicht wird. Aber bald darauf, sowie der Protest als solcher auf gegeben war, konnte nur noch die Angst vor der Wählermasse den auftichttgen Uebergang in das Zentrumslager verzögern. Bis dahin war die Abneigung gegen das Zentrum eine Folge der politischen, auf rein nattonale Empfindungen gestimmten A u s f a s s u n g e n. Jetzt wurde die Beibehaltung der bis- herigen Parteigestalt zu emer Frage der polittschen Taktik. Und wenn der Aufruf der elsaß-lothringischen Zenttumspartei auch in der Zeitangabe übertreibt, so hat er doch grundsätzlich recht, wenn er erklärt: Für Wahrheit, Freiheit und Recht I Auch in Elsaß-Lothringen haben seit Eröffnung deS ersten deutschen Reichstages bewährte Parlamentarier im Sinne dieses Wahlspruches gewirkt, wenn fie auch nicht dem Namen nach zur Zentrumspartei gehörten. In allen wichtigen Fragen sozialer und kirchcnpolitischer Natur fand man sie vereint mit den Abgeordnete» des Zentrums. Seither handelten die Debatten innerhalb des reichs- ländischen Klerikalismus auch nur noch um die Opportunität des Anschlusses an das Zentrum, und die Zahl der zu der neuen Taktik Bekehrten wuchs täglich an. Als der erste Zentrumsverein 1902 in Straßburg ins Leben gerufen wurde, setzte es zuerst manchen harten Strauß innerhalb des Vereins ab, und später wollte der„Colmarer Kurier" die Gründung von Zentrumsvereincn nur da für angebracht halten,„wo für die katholische Sache ohnehin nichts mehr zu verlieren sei". Dem Straßburger Verein folgten aber im Laufe der nächsten Jahre weitere Gründungen in Colmar, Mülhausen, Metz und Schlettstadt. die jedoch sämtlich die Existenz der klerikalen„elsaß-lothringischen Landespartei" nicht tangierten. Auch von Altdeutschland her klang der lockende Sirenensang. Im verflossenen Jahre wurde um des guten Zweckes willen der Katholikentag in Straßburg abge- halten, dessen Glanz und Pracht nach der Ansicht der Ver- anstalter so verführerisch auf das rcichsländische Publikum wirtten, daß sein Vorsitzender, der Erbprinz zu Löwenstein- Wertheim, bei der Schließung die Hoffnung aussprach, die Katholiken im Elsaß möchten einen Entschluß fassen, der dem Herrgott im Himmel und allen deutschen Katholiken die lebhafteste Freude bereiten werde. Und nun- mehr sind wir ja zu der offenen Entfaltung des schwarzen Zentrumsbanners gelangt, wenn auch freilich immer noch die Namen einiger bekannter klerikaler Führer unter dem Aufruf fehlen. Aber die völlige Aufsaugung der„elsaß-lothringischen Landespartei" durch die„elsaß-lothringische Zentrumspartei" ist unvermeidlich. Die EntWickelung des reichsländischcn Kleri- kalismus zum altdeutschen Zentrum kann als abgeschlossen erachtet werden. Der Anschluß an das Zenttum ist eine Tat politisch«! Klärung. Er vereinfacht die Situation und gibt der wirklichen Lage einen ehrlicheren Ausdruck. Seine Ursachen aber stempeln ihn zu einem charakteristischen Teil des allgemeinem politischen Werdeganges des Reichslandes. politische deberftcht Berlin, den 14. Juni. Freisinnige Muster. Unsere neuliche Zurückweisung des blöden AnwurfeS der „Voff. Ztg." gegen unser Leipziger Bruderorgan über dessen Artikel anläßlich deS Attentats in Madrid hat einer gewissen Sorte von Preßbanditen wieder Gelegenheit gegeben, im Polizeistil den„Vor- wärts" und die Partei der Uebereinstimmung mit dem Anarchismus und seiner Kampftaktik anzuklagen. Da solche Anklagen wie chronische Krankheiten nach jedem beliebigen Attentat regelmäßig wiederkehren, wir mögen dazu sagen was wir wollen, so würde es sich nicht lohnen, mehr als einmal zur Abwehr solchen Blödsinns darauf zu- rückzukommen, wenn nicht eine fromme Schivester der alten Tante Boß in Breslau diese noch nachträglich in einer Art und unter Berhältniffen mit einem Anwurf zu übertrumpfen suchte, der als freisinniges Musterbeispiel der Lüge und Verleumdung niedriger gehängt werden muß. Auf unsere kurze Erklärung, daß nicht bloß mit Recht die „Leipz. Volksztg.". sondern wir und die ganze Partei es ablehnten, anläßlich des Madrider Attentats in die Hculmeierei der bürgerlichen Presse einzustimmen, die an dem kapitalistischen Mord von Millionen Proletarier achtlos vorübergehe, antwortet nämlich die„ B r e s- auer Zeitung", das schlesische Hauptblatt der Frei« innigen BolkSpartei. wörtlich folgendes: »Diese Erklärung ist ganz außerordentlich wertvoll, wenn auch nicht neu. Kenner der Sozialdemokratie wußten längst, daß diese Banden nur auf eine Gelegenheit lauern, mit Mord und Gewalt ihren Znkunftsstaat einzurichten, und daß nur die Ohnmacht sie davor bewahrte, ihren Neigungen freien Lauf zu lassen. Man war im Bewußtsein dieser Ohnmacht meist auch so vorsichtig, diese Neigungen nach außen nicht zuverraten, ja— namentlich in gerichtlichen Verhandlungen— wurden sie direkt abgeleugnet. Seit den letzten ReichtagS- Wahlen aber ist dieser Revoluttonspartei der Kamm so gewaltig ge- schwollen, daß sie vielfach glaubt, sich keine Zügel mehr anlegen zu brauchen und stei von der Leber wegreden zu können. DaS ist hier nun wieder einmal geschehen, und' wir haben hier einen wertvollen, unanfechtbaren Beweis, daß die deutsche Sozial- demokratie eine Partei ist, die Mord und Aufruhr als berechtigte Mittel zur Erreichung ihrer politischen Zwecke offiziell anerkennt. Daß diese Kundgebung weitere Folgen haben muh, liegt auf der Hand." Das ist so ziemlich das verleumderischste und schäbigste, was die bürgerliche Presse jemals gegen die Sozialdemokratie gebracht hat. Diese Verleumdungen und Gemeinheiten haben aber in diesem Falle wenigstens einen pikanten Beigeschmack. Unser BreSlauer Bruderorgan nämlich, die»Volkswacht", gibt folgenden Kommentar zu dem Unrat der«Bresl. Ztg.": „Wenn der Chefredakteur der«BreSlauer Zeitung" ein ehemaliger Staatsanwalt wäre, könnte man diese Auslaffung begreifen. Aber daß uns Neigung zu Mordtaten gerade von einem Manne nachgeredet wird,'der selber einen Menschen über den Haufen ge- schössen hat, daS ist doch ein bißchen stark. Dieser Duellmörder Ochlke weiß recht gut, daß wir uns stetig mit Staatsanwalt und Gericht herumschlagen müssen, weil diese zum Schutze der bestehenden Gesellschaftsordnung eingesetzten Behörden nun absolut nicht unsere Bestrebungen verstehen können und wollen. Wenn er als ehemaliger Vorsitzender des deutschen ournalistenbundes trotzdem diese erbärmliche enunziation vom Stapel läßt, so zeigt das nur, wie ver- w a h r 1 0 st der Mensch ist, der berufen ist. das offizielle Blatt der Freisinnigen Volkspartei und außerdem den Breslauer Fort- schrittsverein zu leiten." Ebensowenig wie die„Voff. Ztg." bis heute auf unsere neuliche Ohrfeige irgend eine Erwiderung gefunden hat, hat die«BreSl. Ztg." bis jetzt auf diese Keulenschläge der„VolkSwacht" etwas zu erwidern versucht. Beides hat eben gesessen, und es bleibt dem edlen Geschwisterpaar fnur�der Ruhm, heute ßvon der--«Konservativen Korrespondenz" und ähnlichem Gelichter den wohlverdienten Bruder- schmatz zu erhalten! Ilabeant sibi!—_____ Verfassungsreform in Württemberg. Stuttgart, 13. Juni.(Gig. Vor.) Der letzte Akt hat begonnen, die Szene ist dramatisch bewegt. Es ist bekannt, wie brüsk die Kammer der Standes« Herren mit dem Entwurf der Verfassungsreform umgegangen ist. den die Zweite Kammer geschaffen hatte. Sie hatte die 17 Proporz- Abgeordneten gestrichen, durch die die aus der Zweiten Kammer ausscheidenden Privilegierten ersetzt werden sollten, sie verlangte für den König das Recht der Ernennung weiterer erblicher Mit- glieder der Standesherrenkammer, verweigerte die Verpflichtung der Standcsherren, einen Wohnsitz in Württemberg zu haben, und verlangte ein weitergehendes Budgetrecht, als es die Erste Kammer bis heute besitzt. Die Debatte war in der Ersten Kammer während der ganzen Verhandlung über den Revisionsentwurf in einem so anmaßenden und herrischen Tone geführt worden, daß am Schluß dieser Verhandlungen die Aktien der Reform auf Null gesunken schienen. Gleich nach Beendigung der öffentlichen Verhandlungen setzte nun eine von der Regierung geführte VermittelungS- tätigkeit zwischen den beiden Kammern ein, die es vielleicht doch noch fertig bekommt, die Reform diesmal in den sicheren Hafen zu bugsieren. Der Bermittelungsversuch strebt an, die Erste Kammer zu bewegen, die 17 Proporzabgeordneten zuzugestehen und auf daS königliche Ernennungsrecht weiterer erblicher Mitglieder der Standes» herrenkammer zu verzichten, während dafür die Zweite Kammer in der Frage des württembergischen Wohnsitzes der Standes- Herren nachgeben und in der Frage des BudgettechtS die Forde» rungen der Ersten Kammer zwar nicht ganz erfüllen, aber ihnen doch sehr weit entgegenkommen soll. Das ist in der Hauptsache der Inhalt der gegenwärtig noch schwebenden Verhandlungen. Am DienStag früh begann die Zweite Kammer mit ihrer Erledigung. ES wurde am gestrigen Tage nicht mehr viel devatttert, da- gegen fanden neun wichtige namentliche Abstimmungen statt. Mit 75 gegen 5 Stimmen beharrte die Kammer auf den 17 Proporzabgeordneten und beschloß mit 63 gegen 17 Zentrumsstimmen, den! sogenannten Landes» proporz, bei dem das ganze Land«wen einzigen Wahlkreis bildet. Dann ging man über zu der Zusammensetzung der Ersten Kammer. Mit 60 gegen 7 Stimmen der Vertreter des ritterschaftlichen Adels wurde das Kronrecht auf Ernennung weiterer erblicher Mitglieder der ErstenKammer abgelehnt. 16 Zentrumsabgeordnete enthielten sich der Stimme. Die Zweiseelentheorie des Zentrums zeigte sich dabei in ihrer ganzen Widerwärtigkeit. DaS Zentrum hatte sich, obgleich es nur einen kleinen Teil deS Volkes hinter sich hat, schon eingeredet, von wirklich ausschlaggebender Bedeutung in der württembergischen Landespolitik zu sein. Höhnisch hatte Gröber vor zwei Jahren, als die Protestbewegung gegen die Standcsherren einsetzte, den anderen Parteien zugerufen:«So machen Sie doch eine VerfaffungSreform ohne uns— wenn Sie können!" Und nun steht die von Gröber geführte Zentrumsfraktion deS württembergischen Landtages vor der Möglichkeit emer eklatanten Niederlage in dieser politisch wichtigsten Frage des Landes. Oberlandesgerichtes in dieser Sache werden wir später zurüd-| verwunden oder vernichten. | Ebenso wenden wir uns aber auch Seine jezige Tattit entspricht auch völlig der Sackgassen- tommen. gegen jene, die sich über das Attentat wohl entrüsten, sich andererSituation, in die es sich verrannt hat. Es weiß weiß nicht Specky Ehrendoktor. Die Politik der Liebenswürdigkeiten für feits aber nicht genug tun können, die Attentäter möglichst qualvoll zu richten und die um nur recht viele Schuldige zu finden recht, auf welche Seite es fich werfen soll. Mit den Uncle Sam hat dem Deutschen Reich schon wieder einen Erfolg ge- auch Unschuldige mißhandeln. Obwohl wir die größten Gegner Standesherren, deren gegenwärtige Majorität ihm stets treue Schild- bracht. Der deutsche Botschafter in New York, Speck v. Stern der Anarchisten sind, verurteilen wir es doch, daß man sie wie wilde Knappendienste leistete, darf es sich nicht überwerfen, ihre Forderungen burg, ist zum Ehrendoktor der Universität Urbana im Tiere hetzt, statt nur diejenigen zu bestrafen, die wirklich Verbrechen muß es daher befürworten; die anderen Parteien aber muß es be- Staate Ilinois ernannt worden. Bei einer Feier dieser begangen haben. Und diese Stellung nehmen wir ein, nicht nur, kämpfen, foste es was es wolle, und wäre es selbst das Opfer des Universität hat Specky eine schöne Rede gehalten über die weil es die Humanität verlangt, sondern eben so sehr im Namen Beziehungen einer guten Bildung zu einer guten Regierung und politischen Intellekts. So tritt es den anderen Parteien in den Weg. über die geistigen Bande zwischen Amerika und Deutschland. Db/ ie des Landes, das nicht als ein barbarisches gelten will." die Ernennung nach dieser schönen Rede oder vor ihr erfolgt ist, geht aus der Meldung nicht hervor. Bucb, über dessen spurlofes Verschwinden wir neulich berichteten, hat Der seit Jahren nicht mehr zur Sozialdemokratie gehörige Herr etwas von sich hören lassen, und zwar an die„ Oberels. Landesztg.", die darüber also berichtet: weil sie den Standesherren in der Ernennung der erblichen Mitglieder nicht entgegenkommen wollen und es bekämpft sie bei der Frage des Budgetrechts darum, weil sie den Standesherren zu weit entgegenkommen und daher Boltsrechte preisgeben". Das Zentrum in die demokratische Toga gehüllt, dasselbe Zentrum, welches seit Jahren sein sehnlichstes Ziel darin erblickt, dem württembergischen Bolte die reine Volkskammer vorzuenthalten und die politische Macht" Der frühere Sozialistenführer Bueb kann nicht, wie in der in den Händen von einem Dutzend Bertretern des feudalen Hoch- Stadt erzählt wird, auf der Fahrt nach Amerika begriffen sein, denn abels zu belassen das ist ein politischer Zirkusscherz ersten Ranges, er sendet uns aus einer ruhigen Ecke" mit dem Datum vom letzten der auch in der württembergischen Kammer die gebührende Heiterfeit Sonntag durch Boten ein Schreiben, das eine Berichtigung der Herborrief. Zeitungsmeldungen von seinem„ Durchbrennen" enthält. Herr Bueb Die Frage des Wohnsizes der Standesherren gibt an, durch seine seit Monaten hochgradige Nervosität genötigt worden zu sein, sich eine Zeitlang aller Geschäfte zu entschlagen. wurde dahin erledigt, daß von dem Verlangen eines Wohnsizes in Durch Ruhe, Einsamkeit und frische Luft hofft er binnen wenigen Württemberg mit 73 gegen 10 Stimmen( 7 Sozialdemokraten und Wochen„ wieder auf dem Damm" zu sein. Dann würden auch alle, 3 Bauernbündler) Abstand genommen und die Verpflichtung eines welche von ihm etwas zu fordern haben, wenn vielleicht nicht auf Wohnsizes in Deutschland mit 63 Stimmen, bei 21 Stimm- einmal, so doch bis zum letzten Pfennig befriedigt werden. Nur diese enthaltungen( 18 Bentrum und 3 Bauernbündler) angenommen tröstliche Hoffnung Interessenten zu vermitteln, haben wir von dem Schreiben des Herrn Vueb hier Notiz genommen." wurde. 3 Bes Das Fiasko der Kornhäuser. Als der Zusammenbruch des Halleschen Kornhauses in der Oeffentlichkeit bekannt wurde, bemühte sich die agrarisch- konservative Presse kühn und dreist zu beweisen, daß von einem Fiasko der preußischen Kornhäuser, dic mit den Groschen der Steuerzahler subven tioniert werden, gar keine Rede sein könne; die Kornhäuser florierten" nach wie vor, nur die antinationale und aufhebende Bresse könne solche" falschen Nachrichten" in die Welt hinaus pojaunen. Wer das" Gedeihen" der Kornhäuser öffentlich in Abrede stellte, wurde mit Berichtigungen und Klagen bedroht. Jetzt läßt nun die fönigliche Eisenbahn- Betriebsinspektion zu Halle a. S. befannt machen, daß die auf fiskalischem Grundstücke erbauten 8 Kornfilos auf Abbruch öffentlich verkauft werden. Ob nun die Agrarpreffe von dem Gedeihen der Kornhäuser noch weiter faselt? * Mit diesen Auslassungen des Zentralorgans unserer spanischen Wochenschrift„ El Adalid", die herausgegeben wird vom ParochialBruderpartei vergleiche man folgendes Zitat aus einem„ Hochzeit und Bombe" überschriebenen Artikel der ſpaniſchen katholischen Wochenschrift" El Adalid", die herausgegeben wird vom Parochialgeistlichen Calderon in Torrelavega. Es heißt da: „ Die Anarchisten wollten während der königlichen Hochzeit ihre pyrotechnischen Fähigkeiten glänzen lassen. Es ist bekannt, daß solche Spielereien, aus der Ferne gesehen, sich sehr schön ausnehmen. Die Zeitungen sind voll von Protesten und blähen sich förmlich vor Entrüstung.„ El Adalid" protestiert nicht, noch entrüstet er sich. Wenn man das Leben der Anarchisten garantiert, wenn die Regierung ihre Lehre und ihre Propaganda gestattet, so ist es nicht der Anarchist, der die verderbenbringende Bombe geschleudert hat, sondern die liberale Regierung! Und darum protestiert„ El Adalid" nicht. Dagegen protestiert er gegen die liberale Verfassung und gegen die liberalen Regierungen, die Urheber und Züchter der Anarchisten und Sozialisten, der Gottlosigkeit und Unfrömmigkeit. Es lebe die Freiheit des Guten! Tod der Freiheit des Bösen!" England. Ans den Kolonien. Für die in Natal gegen die aufständischen Eingeborenen kämpfenden Truppen sind in Regierungsarsenalen Handgranaten angefertigt worden. Die Wurfgeschosse bestehen aus einer Stahlhülle, die mit Schießbaumwolle gefüllt ist. Bei der Explosion richten die Granaten in einem weiten Umkreise Die Handgranaten haben sich beschwere Verwüstungen an. sonders im Matabele- Kriege gut bewährt! Der heutige folgenschwerste Tage war der Budgetrechtsfrage gewidmet. Es kam zu sehr ausgedehnten und lebhaften Redelämpfen. Der Vermittelungsvorschlag, der hierzu borliegt, befagt:" Diejenigen Steuern, deren Sätze im Wege der ordentlichen Gesetzgebung fest bestimmt sind, werden außer im Falle der Ablehnung des Etats im ganzen, in diesen Sägen so lange und insoweit forterhoben, als nicht beide Kammern in der Ablehnung der Steuer oder in der Ermäßigung des Steuersatzes einverstanden sind. Die Erhebung einer solchen Steuer für eine Finanzperiode kann jedoch vom 1. April 1911 ab ohne 3u stimmung der Ersten Kammer unterbleiben, wenn Nach einer Meldung der„ Morning Post" aus Lagos sind im auch ohne diese Steuer und ohne Heranziehung anderer Steuern zu einem höheren Steuersatz, als in dem legztvorangegangenen Etatsfüdlichen Nigeria politische Unruhen ausgebrochen, und der Gehülfe des Kommissars im Himerland von Asaba ist von Eingeborenen erjahr, für den Staatsbedarf bei Zugrundelegung der von der Eine britische Abteilung von 200 Mann, die mit Regierung im Entwurf des Haupifinanzetats vorgeschlagenen Erträge Die Verkürzung der Militärdienstzeit ist nötig. Die Königs- mordet worden. des Kammerguts und der einzelnen Steuern volle Deckung berger Volkszeitung" teilt mit: Am Sonntag, den 27. v. M., feierte größter Beschleunigung zur Bestrafung der Schuldigen entsandt borhanden ist. Eines übereinstimmenden der Königsberger Kriegerverein im Tiergarten bei Restaurateur wurde, hat diese geschlagen und die Verfolgung aufgenommen, so daß Benter ein Fest. Da zu derartigen Festen in der Regel eine Menge weitere Kämpfe zu erwarten find. schlusses beider Kammern bedarf es, wenn eine Steuer, Bedienungspersonal gebraucht wird, so freute sich schon vorher eine für welche in einem Steuergesetz ein fester Steuersatz bestimmt ist, Anzahl Kellner auf einen guten Tag. Allein ihre Freude wurde zu in einem höheren Betrage erhoben werden soll." Wasser. Am Festtage trat eine erhebliche Anzahl Soldaten von der Es geht hieraus hervor, daß die Erste Kammer in bezug auf 1., 2. und 3. Kompagnie des 43. Infanterieregiments an, welche die Gestaltung der etatsmäßigen Einnahmen des Staates die Bedienung der Gäste besorgten. Amsterdam.( Eig. Ber.) Bei einer Ersazwahl, die am 8. d. M im wesentlichen der Zweiten Rammer gleichberechtigt Es werden nicht nur Soldaten als Kellner benutzt, für den Amsterdamer Gemeinderat im III. Wahlkreise stattfand, sein soll und daß letztere in der Hauptsache mir über die Gestaltung sondern unsere Brüder im bunten Rock müssen auch bor den Toren siegte Genoffe W. H. Vliegen schon im ersten Wahlgange mit des Ausgabenetats selbständig verfügt. Namens der bürgerlichen der Stadt als Landarbeiter tätig sein. Der Herr Bachstein aus der 3709 Stimmen über den liberalen und den christlichen Gegner, die Altroßgärter Predigerstraße beschäftigt auf seinem Grundstück vor es auf 1973 bezw. 1163 Stimmen brachten. Gegenüber der letzten Mehrheitsparteien begründeten für die Volkspartei Abg. Friedrich dem Noßgärter Tor fünf Soldaten mit landwirtschaftlichen Arbeiten. Wahl vor einem Jahre stieg unsere Stimmenzahl um 585. Dieſe Hausmann und für die Nationalliberalen Abg. Prof. Hieber leber Mangel an Personal hat der Mann anscheinend nicht zu klagen, Ersatzwahl hatte infolge der Mandatsniederlegung des Genossen den Vergleichsvorschlag in eingehenden Ausführungen. Für die denn er hielt es in der vorigen Woche noch für nötig, seinen Faktor Henri Polat stattzufinden, der wegen seiner Ernennung zum VorSozialdemokratie sprach gegen das 8ugeständnis zu entlassen. Diese Beobachtung, daß Leute entlassen und Soldaten fizenden des Niederländischen Gewerkschaftsverbandes neben seinen an die Erste Kammer der Abg. Keil, der scharfe Kritit beschäftigt werden, haben wir schon oft machen können. bisherigen Funktionen in der Amsterdamer und internationalen an dem steuerpolitischen Egoismus der Standesherren übte, die sich Diamantarbeiter- Organisation sowie wegen eines Ohrenleidens sein nicht gescheut hätten, auszusprechen, daß sie als große SteuerMandat nicht mehr gehörig und seinem Wunsche gemäß erfüllen konnte. zahler persönlich an der Mitwirkung an der Steuergesetzgebung interessiert seien. Ausland. Frankreich. Die armen Reichen! In der Rolle des Lohgerbers, dem die Felle wegschwimmen, befanden sich die Sprecher des Zentrums, die Abgg. Gröber und Paris, 14. Juni.( W. T. B.) In einem heute abgehaltenen Rembold Gmünd. Verzweifelt war die Dialettit namentlich Ministerrat wurde über die allgemeine Politik verhandelt. Die Redes letteren Redners, der vom Hundertsten ins Tausendste tommend, gierung beschäftigt sich mit dem Plan einer internationalen Konferenz sogar die schlechte Bezahlung von Konsumvereinsangestellten und des zur gegenseitigen Unterdrückung von Defraudationen in allen Ländern, alten Liebknecht(!) als Argument gegen die zukünftige Gestaltung in denen eine Einkommen- und Erbschaftssteuer in irgend einer Form des Budgetrechts ins Feld führte. Das Ganze machte den Eindruck besteht! des Versuchs einer berunglückten Obstruktionstaftit. Während dieser Rede ereignete sich ein Zwischenfall ähnlich dem, der jüngst im Reichstage paffierte. Der Hauptberichterstatter Friedrich Hausmann, der sich in den letzten Wochen wohl sehr überarbeitet hatte, erlitt einen tiefen Ohnmachtsunfall und mußte bewußtlos nach dem Saal getragen werden. Die Sizung wurde für 20 Minuten unterbrochen und Hausmann im Sanitätswagen nach Hause gefahren. Italien. Aus Nasis Königreich. Rom, 14. Juni.( B. H.) Die Unruhen in Trapani sind be= endet, die Stadt ist von einer starken Truppenabteilung besetzt, welche jede Zusammenrottung berhindert. Die Polizei verhaftete mehrere Anarchisten und Agitatoren, welche herbeigeeilt waren, als die Nachrichten von den Unruhen bekannt wurden. Bürger der Stadt haben ein Komitee ernannt, welches beauftragt ist, Mittel und Wege ausfindig zu machen, um Protestkundgebungen gegen die Bei der Abstimmung wurde der Vergleichsvorschlag Ablehnung der Wiederwahl des früheren Minister Nasi zu organiin der Frage des Budgetrechts mit 59 gegen fieren. 28 Stimmen angenommen. Der Kampflustige Papst. Dann folgte die Schlußabstimmung über das ganze Gesetz, das mit 64 gegen 23 Stimmen( 20 Zentrumsabgeordnete und 3,, Ritter") Rom, 14. Juni.( B. H.) Im Laufe einer Audienz, die der Papst französischen und fremden Pilgern gab, erklärte er, daß er das angenommen wurde. Die schwere Arbeit ist fürs erste wieder beendet. Noch einmal Trennungsgesetz ablehne und daß er feineswegs bereit sei, irgend ein Kompromiß anzunehmen. Er erklärte sich als Anhänger des geht der Zwischenaltsvorhang nieder. Wenn er wieder aufgeht, Widerstandes und drohte die Mitglieder von Kultusgemeinschaften, wird die Szene in der Kammer der Standesherren welche sich entgegen seinem Willen bilden sollten, zu erkommunispielen und zeigen, ob sie wirklich gesonnen ist, den ihr angebotenen zieren. Baft abzuschließen. Darüber wird man vermutlich sehr bald Klarheit haben. Spanien. Das Attentat und die spanischen Sozialisten. Niederlande. Gemeindewahlfiege. Am selben Tage wurde in dem Amsterdam benachbarten ländlichindustriellen Kotao Städtchen Weesp Genosse G. A. Vader als erster Sozialdemokrat in den dortigen Gemeinderat gewählt, nach bem bereits elfmal um diesen Siz gekämpft worden war. Amerika. wie aus Gegen die Einwanderungsbeschränkungen werden Atlanta und Houston in Tegas telegraphisch gemeldet wird an bielen Orten in den amerikanischen Südstaaten Protestversamm lungen abgehalten. Australien. Richard Seddon. London, 12. Juni.( Eig. Ber.) Bor zwei Tagen starb Mr. Richard Seddon, der Bremierminister von Neuseeland. Seddon war das Muster eines sozialen Imperialisten. einigermaßen reklamehaften Verteidiger. Aber er sah im britischen Der britische Reichsgedanke fand in ihm einen leidenschaftlichen und Reiche das Mittel, die britischen Arbeiter vor Not zu schüßen und ihnen die Gelegenheit zu geben, sich allseitig zu entfalten und der britischen Rasse Ehre zu machen. Nur ein freies Land kann solche Imperialisten erziehen. Seit Seddon war im Jahre 1846 in Lancashire, England, geboren. Sein Vater war Arbeiter, und auch Richard ging nach Absolvierung der Volksschule in eine Maschinenfabrik, um da als„ Engineer" zu lernen. In seinem 18. Lebensjahre verließ er seine Heimat und wanderte nach Australien aus, um Goldgräber zu werden. Er hat also die große Schule des Liberalismus, durch die die englische Arbeiterklasse in den sechziger Jahren hindurchging, nicht mitgemacht. Ohne diese intensive liberale Kultur jener Jahre wären Ueber die Meutereien in Südwestafrika schweigt die„ Nord- Die Tat des Morales brachte der internationalen Scharf, die meisten englischen Arbeiter sozial- imperialistisch geworden. Als Kolonist in Australien und Neuseeland wurde Seddon macherclique wieder eine willkommene Gelegenheit, gegen die Sozial. deutsche Allgemeine Zeitung" weiter. demokratie zu heben und von den Regierungen den Erlaß von Aus- nach und nach Sozialreformer, Schutzöllner und Imperialist. Schwurgericht und Presse in Bayern. Die Korrespondenz Hoffnahmegeseßen zu fordern. Was nüßt es den Sozialdemokraten, 1893 bekleidete er das Amt des Premierministers. Er führte die mann" dementiert halbamtlich die Meldung, daß man sich wenn sie sich noch so scharf und deutlich gegen die sinnlose Tat aus verhältnismäßig tiefen und umfassenden Reformen durch, die Neuim bayerischen Justizministerium mit dem Gedanken trage, dem sprechen, was nüßt es ihnen, daß ihre Literatur ungezählte Beweise seeland zu dem am weitesten vorgeschrittenen Lande der Welt Landtage eine Vorlage zu machen, durch welche Predelitte dafür erbringt, daß sie die Propaganda der Tat auf das ent- machen: Allgemeines Wahlrecht für Männer und Frauen zu allen gegen den§ 166 des Reichsstrafgesetzbuches tünftig der Zuständigkeit schiedenste verwirft! Die Heber stellen sich so, als ob sie an einen Körperschaften, Alterspensionen, strenge Fabrikinspektion, furze der Schwurgerichte entzogen werden sollen und daß ein Zusammenhang zwischen sozialistischer und anarchistischer Analle diese und Gesezentwurf schon in Vorbereitung sei. Die Nachricht sei voll schauung glaubten. In Wirklichkeit haben die spanischen Anarchisten Arbeitszeit, progressive Grund- und Bodensteuer ständig aus der Luft gegriffen und eine derartige Absicht habe bei feinen größeren und erfolgreicheren Gegner als die spanischen andere Reformen, die das Leben des Arbeiters erleichtern, wurden der Justizverwaltung zu feiner Zeit bestanden. Hoffentlich folgt Sozialisten. Das bringt ein spanisches bürgerliches Blatt" El Pais" dort in den letzten vierzehn Jahren in Angriff genommen und durch diesem halbamtlichen recht bald das offizielle amiliche in einem Artikel jetzt eben recht deutlich zum Ausdruck. geführt. Dementi. Im Gemeinderat von Madrid hatte man bekanntlich unseren Seddon ist bis zu seinem Lebensende einfach geblieben, und Wahlrechtsbewegung in Altenburg. Am Sonnabend und Sonntag Genossen Pablo Iglesias, als er sich zum Attentat äußern es lag ihm viel daran, mit den Arbeitern ungestört zu verkehren. halten unsere Altenburger Genoffen an die 40 große Demonstrations- wollte, nicht zu Worte kommen lassen. Dies tadelt das genannte Er lehnte deshalb den ihm angebotenen Adelstitel ab. Er wollte versammlungen für das allgemeine, gleiche Wahlrecht zum Land- Blatt und es schreibt dann weiter: tage ab. zum ber= " " Die sozialistische Partei ist diejenige, die am meisten Ein- nicht Sir" Richard heißen, sondern kurz und populär:„ Did". fluß besitzt, um mit Ruhe und Geschlossenheit und unter Ver-( Dies ist die englische Koseform für Richard.) Nichtsdestoweniger meidung des Tagesgezänts vorzugehen; sie hat noch stets die war er ein strammer Jingo und für den Krieg gegen die Boeren; Attentate verurteilt und sich dadurch den grimmigsten Haß der denn er vermochte es nicht zu fassen, wie jemand an der britischen Anarchisten zugezogen. Noch nie haben die Sozialisten ein Atten- Regierungsweise Anstoß nehmen könnte! Er selbst war zu alt, um tat gutgeheißen, nicht einmal damals, als Mac Kinley einem in den Krieg zu ziehen, aber seinen Sohn schickte er hin! Bei allesolchen zum Opfer fiel, während die( spanische) Bourgeoisie da- dem war er ein großer Gegner der Chineseneinfuhr nach Transrüber jubilierte! Auch den Bombenwurf des Moral verurteilen vaal. Nach seiner etwas altmodischen Theorie ging England die Sozialisten, und sie bedauern die Opfer desselben herzlicher nämlich in den Krieg, um den Briten zu helfen; deshalb und aufrichtiger als es diejenigen tun, welche sich an StierEile und Weile des Reichsgerichts. Genosse Kressin von der Leipziger Volkszeitung" wurde am 1. März zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt; seine gegen das Urteil eingelegte Revision ist von Reichsgericht bereits am 12. d. M. verhandelt und worfen worden. Das ist die Eile des Reichsgerichts. Genosse Ullenbaum in Elberfeld, der wegen des Wahlrechtsflugblatts angeklagt war und am 19. Februar freigesprochen wurde, muß bis 2. Oftober d. J. warten, um zu ers fahren, was das Reichsgericht mit der von dem Staatsanwalt gegen das Urteil eingelegten Revision zu tun gedenkt. Nach der δας Begründung des Urteils durch Elberfelder Landgericht ist kaum anzunehmen, daß die staatsanwaltliche Revision Erfolg hat und da hält es das Reichsgericht zur Abwechselung mit Soweit das bürgerliche Blatt, dessen vernünftige Haltung sich der Weile. Diese Weile" ist insofern auch noch von materieller Bedeutung, als die etwa 100 000 Exemplare beschlagnahmter Flugblätter unsere deutschen Scharfmacherorgane zum Muster nehmen können. fich noch immer in dem sicheren Verwahr der Elberfelder Staats- Die erste Nummer des„ El Socialista", des Zentralorgans der anwaltschaft befinden. Das Landgericht hatte in einem besonderen sozialistischen Partei Spaniens, die nach dem Attentat erschienen Beschluß ausdrücklich die Freigabe der Flugblätter verfügt, aber das ist, beschäftigt sich ebenfalls mit demselben. Wie alle Welt" Oberlandesgericht in Köln hob auf Beschwerde des Staatsantvalts so heißt es da u. a. so verurteilen auch wir Attentate wie das diesen Beschluß auf. Auch den völlig haltlosen Standpunkt des vom 31. Mai, die der Allgemeinheit nichts nüßen, dagegen einzelne fämpfen und dergleichen belustigen. Die Haltung der Sozialisten, fo meinte er sollten englische Arbeiter zu hohen Löhnen in die bei aller Gegnerschaft wider das monarchische Prinzip das den Goldgruben beschäftigt und müßte dort eine britische Bes Attentat gegen das junge Königspaar verwerfen, sticht vorteilhaft völkerung geschaffen werden. Als die englische Regierung doch die ab von dem verwerflichen Beginnen, das Verbrechen in eigen- Chineseneinfuhr nach Transvaal gestattete, war Seddon tief entnüßiger Weise politisch auszubeuten." täuscht und glaubte, er sei vom Mutterlande betrogen worden! Er tonnte von da an den Gegnern des Boerenkrieges nicht mehr so selbstbewußt wie vorher entgegentreten. England hat viele solcher Charaktere wie Seddon, besonders unter den Arbeitern: einfach, geradezu, stark, stolz auf ihre politischer Leistungen, etwas verbohrt und hartköpfig, aber wohlmeinend un durch Umstände und Argumente belehrbar. Aus der Partei. Erhöhung für die Charité im Mätz 6. J. verfügt hat. Der Magistrat fürchtet ohne entsprechende Erhöhung die alsbaldige die damalige Erhöhung der Säße der Charité um je 50 Pf. zu der Ueberfüllung der städtischen Krankenhäuser, wie er auch 1899 durch gleichen Maßnahme sich genötigt sah. Schulräumen andauernd die allergrößte Sorgfalt zuzuwenden, und entledigt sich desselben unter ausdrüdlicher Betonung, daß es ihm fern liege, das bisher Geleistete zu bemängeln. Ein Parteitag der Sozialdemokratie Meiningens fand am Sonntag Stadtbaurat Hoffmann: Bei jeder neuen Schulbauabnahme ist in Themar statt. Außer der Parteileitung, dem Reichstags- Abuns lebhafter bezeugt worden, daß die Ansprüche an die Helligkeit geordneten Reißhaus, dem Verlag und der Redaktion des Parteiblattes, Stadtv. Dr. Weyl( Soz.): Wir stimmen gegen diese Vorlage, der Räume voll erfüllt waren; wir werden aber selbstverständlich Sem„ Boltsblatt" in Saalfeld, dem Parteisekretär Abg. Baudert waren schon weil uns die angegebenen Motive nicht stichhaltig erscheinen, weiter uns in dieser Richtung noch Vollkommeneres zu leisten aus 25 Drten 44 Delegierte anwesend. Beschlossen wurde, für die beiden aber auch aus einer Reihe anderer Gründe. Die vom Magistrat bemühen. Meininger Reichstagswahlkreise eine einheitliche Organisation zu schaffen. gegebene Motivierung anzuzweifeln habe ich keine Ursache; aber die Stadtv. Hellriegel( N. 2.) fonstatiert, daß das Ergebnis bei Der monatliche Beitrag soll mindestens 20 Pf. betragen. Ein er- erwähnte„ Befürchtung" gibt doch zu eigentümlichen Betrachtungen der Abnahme des Baues in der Putbuserstraße ein ganz ausfreulicher Aufschwung der Presse, die ihren Abonnentenstand inner- Veranlassung. Es steht fest, das Kinderkrankenhaus und die gezeichnetes gewesen ist. halb furzer Zeit von 3900 auf zirka 6000 erhöht hat, wurde kon- Pavillons für Kinder in den anderen städtischen Krankenhäusern Die Entwürfe werden genehmigt. statiert. Mit dem Verhalten der Landtagsfraktien im allgemeinen sind schon jetzt fast stets gefüllt oder überfüllt.( Redner führt den Für die städtischen Gaswerte soll auf dem Grunde und der Ablehnung der geplanten Erhöhung der Beamten- bezw. von uns mitgeteilten Fall an, wo eine Frau mit einem kranten stück der ehemaligen Waisenkirche an der Waiſenbrücke und Lehrergehälter erklärte sich der Parteitag einstimmig einverstanden. Kinde vergeblich einen ganzen Tag von Krankenhaus zu Kranken- auf dem anstoßenden städtischen Grundstück Stralauerstraße 57 ein Nach einem interessanten Vortrag des Abg. Hofmann- Saalfeld haus eilte und schließlich vor dem letzten mit einem toten Kinde eigenes Verwaltungsgebäude errichtet werden. An Kosten über die Thüringer Eisenbahnschmerzen nahm der Parteitag eine landete.) Es handelt sich nach der Meinung weiter Kreise jedenfalls sind überschläglich 1718 000 m. ermittelt. Resolution an, in der ein gemeinsames Vorgehen aller sozial- auch darum, den Stadtsäckel auf diesem Wege zu füllen. Diese demokratischen Landtagsfraktionen in Thüringen in den Eisenbahn- Soffnung dürfte eitel sein. Nach dem jüngsten Verwaltungsbericht aber Ausschußberatung für nötig, um noch Spezialien der beabsich Stadtv. Stapf( A. L.) ist mit dem Projekt einverstanden, hält talamitäten gefordert wird. Als Delegierter zum Parteitag in haben in dem Kinderkrankenhaus im ganzen 64 253 Verpflegungs- tigten Raumberteilung zu erörtern. Mannheim wurde Genosse Seige- Pößneck gewählt. tage stattgefunden; als Erstattung sind aber nur 34 000 m. einBiertes internationales Arbeiterfest in den Alpenländern. Die gegangen. Steigert man die Kosten um 25 Proz., so würde diese legte Delegiertenversammlung der an den Bodenseeuferstaaten be- Summe rechnerisch um 8000 M. steigen, aber wohl niemand hier nationale Arbeiterfest in Dornbirn( Vorarlberg) stattfinden soll. in der Luft schweben. Alles in allem würde das mögliche Plus Die Genossen Dornbirns haben als Festtag Sonntag, den 20 000 M. betragen, vorausgesetzt, daß für dieselbe Zahl von kranken 29. Juli, festgesetzt. Der Vorarlberger Arbeitersekretär Genosse Kindern statt 2 M. 2,50 M. gezahlt werden. Aber das wird nicht Ed. Ertl wird am Vormittag in der Delegiertenversammlung eintreten, denn je höher die Säße, desto geringer die Erstattungen. referieren, nachmittags auf dem Festplage in der Enz werden die Was die Krankenhausverwaltung eventuell mehr einnähme, würde Genossen Reichsratsabgeordneter Ignaz Daszinsky aus Krakau beim Armenetat wieder verausgabt werden müssen. Es muß hier und Paul Pflüger, Pfarrer in Zürich, als Festredner sprechen. ganz besonders an das Verantwortungsgefühl der Versammlung appelliert werden. Noch im vorigen Jahre haben wir Maßnahmen Eine Gemeindevertretung mit sozialdemokratischer Mehrheit ist beschlossen und finanziell unterstüßt, die die Kindersterblichkeit verdie von Klein- Leubusch in Schlesien. Dort besigen unsere Genossen mindern sollen; tritt nun eine solche Erhöhung der Säße für tranke die dritte Klasse und drei Size in der zweiten Klasse, so daß das Kinder ein, so steht das doch zu jenen verständigen sozialen MaßGemeindeparlament jetzt aus sieben Sozialdemokraten, zwei Kon- nahmen in direktem Widerspruch. Unsere werktätige Bevölkerung servativen und drei Freisinnigen besteht. Bei der Wahl am 8. d. M. sieht sich doch auch aus Rücksicht auf das einzige wichtige politische haben 97 Proz. aller Wähler abgestimmt. Die Mehrheit ist also Recht, das Wahlrecht, verhindert, ihre kranken Kinder den Krankennicht Zufallsmehrheit, sondern redlich erkämpft. häusern zuzuführen, wenn sie nicht sofort die Gebühren erlegen kann. Bisher hat man diesen Gewissenskonflikt nicht lösen können; die Annahme der Vorlage steigert den Konflikt zu noch größerer Schroff heit und Heftigkeit, und dafür wird der Magistrat und die Mehrheit der Versammlung die Verantwortung hoffentlich nicht tragen wollen. Die richtige Antwort auf das Vorgehen des Medizinalministers wäre die Beschleunigung der Errichtung eines weiteren städtischen Kinderkrankenhauses gewesen. Vor mehr als 2 Jahren hat Stadtrat Straßmann ausdrücklich den Notstand auf diesem Gebiete anerkannt. Dieser Notstand besteht bis heutigen Tages in gleicher Schroffheit weiter; aber noch hört man nichts vom Bau des neuen Krankenhauſes, für das doch die Gelder längst bewilligt find. Vielleicht bringen diese Ausführungen es dahin, daß der Magistrat etwas mehr Dampf hinter die Sache setzt. Totenliste. In Düsseldorf fand der Genosse Runte, Vorstandsmitglied vom sozialdemokratischen Verein, einen jähen Tod. Bei Ausübung seines Berufes als Stuffateur stürzte der Bedauernswerte vom Gerüst. Er war fofort tot. Genoffe Runte war Familienvater und ein eifriges Mitglied der politischen wie gewerk schaftlichen Organisation. Zum Barteisekretär in Bremen wurde der Genosse Wilhelm Pied gewählt. Auch eine geistige Waffe. Eine Schmähschrift gegen die Sozialdemokratie, betitelt" Bom Sozialisten zum Christen", wird gegen wärtig in Schönebeck a. d. E. verbreitet." Der Verfasser", schreibt die Magdeburger Volksstimme"," wagt es nicht, sein armseliges Produkt mit seinem Namen zu decken, verlegt wird es in der Missionsbuchhandlung von P. Ott in Gotha. Dem Stile nach könnte es von einem Mitglied der Heilsarmee geschrieben sein. Wer das Ganze zu Ende liest, kann des Gebrauches eines Brechmittels oder des Rizinusöles für einige Zeit entraten." Polizeiliches, Gerichtliches ufw. " Stadtrat Weigert: Wenn die Meinung in der Bevölkerung vorhanden sein sollte, daß die Vorlage finanziellen Erwägungen ihre Entstehung verdankt, so weiß ich nichts davon; auch ist es doch nicht üblich, jemandem Motive unterzuschieben, zu denen er sich nicht selbst bekennt. Wir sind notgedrungen zu dieser Vorlage gekommen, weil, wenn wir nicht mit der Erhöhung mitgehen, eine Ueberfüllung Die heilige Leg Heinze. Die von uns schon gestern telegraphisch eintreten muß; sie ist also bloß ein Att der Notwehr. Die Krankengemeldete Beschlagnahme der Dienstagnummer der Mannhausdeputation hat die Frage im Gegenwart des Vorredners beraten heimer Volts st imme" ist vollständig unverständlich. Das und da hat er kein Wort der Gegnerschaft geäußert.( Sört! hört!) Gedicht ist eine Verspottung der Ler Heinze, die es doch noch nicht ein- Der angeführte Fall beweist nur, daß in Zukunft die betreffende mal zur Staatseinrichtung gebracht hat. Zudem hat die Welt a. M." Frau nur zu uns und nicht auch zur Charité gehen, die Gefahr das Idyll" bereits vor etwa 14 Tagen zum Abdruck gebracht, ohne also, daß das Kind überhaupt teine Unterkunft findet, noch größer daß es der Berliner oder einer anderen preußischen Staats- fein würde. Der Umbau des Kaiser und Kaiserin Friedrich- Kinderanwaltschaft und die Preußen sind in Pressachen bekanntlich sehr frankenhauses wird eifrig betrieben und es bedarf da einer beempfindlich, bemerkt die Mannheimer„ Boltsstimme" eingefallen sonderen Anregung nicht; die Pläne sind in der Ausarbeitung bewäre, etwas dagegen zu unternehmen. Es bleibt abzuwarten, wie griffen, sie können nicht von heute auf morgen fertig werden. Auch der neue Mannheimer Preßkurs bei den Richtern und in legter wenn wir noch so viel Kinderbetten haben, werden wir immer Linie vor den Geschworen en bestehen wird. genötigt sein, bezüglich der Preise auf gleichem Niveau mit der Wie unser Mannheimer Parteiblatt noch mitteilt, wurde die Charité zu bleiben. Von Plusmacherei ist keine Rede. Beschlagnahme und Haussuchung im Auftrage des kürzlich nach Mannheim bersetzten Ersten Staatsanwalts Junghans vorgenommen. Der Herr nahm die Sache sehr ernst, am Mittwochmorgen mußten die Polizisten die Wirtschaften nach den Nummern absuchen. Was die Haussuchung in der Redaktion sollte, ist auch dunkel, da die Redaktion die Quelle des Poems deutlich angegeben hatte. Wenn der Herr Erste Staatsanwalt etwa geglaubt hat, diese Quellenangabe sei falsch, so hat ihm die Redaktion am Mittwoch den Beweis der Nichtigkeit ihrer Angabe geliefert. Stadtv. Dr. Nathan( foz.- fortschr.): Die Vorlage scheint mir fehlerhaft zu sein, insofern über die auswärtigen Kinder nichts gesagt ist, aber sicher besteht die Absicht, für diese den Satz auf 3 M. zu erhöhen. Die Erklärung des Magistratsvertreters war ja insofern erfreulich, als er jede Absicht der Plusmacherei bestreitet. Gin böses System solcher Art besteht allerdings in der Charité. Aber wenn für uns die finanzielle Frage ausscheidet, müssen wir denn der Charité nachfolgen? Ich glaube nicht. 1899 Handelte es sich um die gesamte Bettenzahl der Charité, jetzt nur um 183 Kinderbetten. Wir aber verfügen schon jetzt über 600, und mit den Das Wochenschriftchen„ Nach Feierabend" hat gegen die„ Königs- 200 im Virchow- Krankenhause über mehr als 800 Kinderbetten. Berger Boltszeitung" eine Privatbeleidigungsflage angestrengt, weil Die Ueberfüllungs" theorie ist nicht bewiesen; man hätte doch fie auf Grund eines gerichtlichen Urteils, das gegen den Reichstags- mindestens nachweisen müssen, daß seit dem 1. April, wo die Charité abgeordneten, früheren Arbeitersekretär und Redakteur J. Giesberts den höheren Satz erhebt, schon eine Ueberfüllung stattgefunden hat in München- Gladbach gefällt worden war, den Arbeitern sagte, oder die Einstellung weiterer Kinderbetten eine Unmöglichkeit wäre. sich mit dem Wochenblättchen, das seine Abonnenten gegen Mindestens wären statistische Unterlagen zu beschaffen, und wir Unfall versichert, auf nichts einzulassen, da bekannt geworden ist, beantragen daher Ausschußberatung. Mit jeder Erhöhung der Kurdaß die Versicherung sich gern um die Auszahlung fällig und Verpflegungskosten verringert sich die Neigung der Bevölkerung, werdender Summen drückt. Durch die letztere Bemerkung sowie überhaupt ihre Angehörigen ins Krankenhaus zu geben; damit durch die Ausdrücke auf Gimpelfang ausgehen“ und„ Käseblättchen" wächst die Gefahr von Epidemien. Daneben spielt das Argument fühlt sich das Schriftchen beleidigt und der Verleger Bernhard des Wahlrechts natürlich mit. Meyer- Leipzig will sich jetzt wie in Gladbach wiederum bestätigen laffen, daß sein Unternehmen eine Spekulation auf die Massen sei." So hieß es nämlich damals in dem Urteil gegen Giesberts. Da wurde auch noch gesagt, daß es dem Privatkläger im Grunde genommen nicht so sehr um die volksfreundliche, großartige Wohlfahrts einrichtung zu tun ist, sondern nur, um unter dem Deckmantel der fozialen Tat zum größten Teil seinen eigenen Vorteil wahrzunehmen. Diese vernichtende Kritik tann wiederum gefällt werden, da es der ,, Volkszeitung" noch vor wenigen Tagen möglich war, einen Fall mitzuteilen, wo ein Arbeiter, der einen Unfall erlitten hatte, mit seinem Anspruche unter allerlei nichtssagenden Redensarten abgewiesen wurde. Durch die Gerichtsverhandlung fann wenigstens festgestellt werden, um was für ein sauberes Blättchen es sich handelt. Kommunales. Stadtverordneten- Versammlung. 28. Sigung vom Donnerstag, den 14. Juni, nachmittags 5 Uhr. Stadtv. Borgmann( Soz.): Wir können auch das Projekt an sich nicht billigen. Muß denn eine einzelne Verwaltung sich ein eigenes großes Verwaltungsgebäude errichten? 1898 haben wir den ist dies nicht einmal fertig, und da kommt man mit dieſem neuen Projekt! Genügt der Bau an der Jüdenstraße nicht, so muß doch einmal zunächst das Raumbedürfnis überhaupt gründlich und umfassend erörtert werden. Für eine Stadt wie Berlin ist es ohnehin nicht besonders repräsentabel, wenn sie ihre Verwaltungen so zersplittert unterbringt womit ich nicht etwa der Vergeudung von Mitteln der Steuerzahler für Lurusbauten das Wort reden will. Das zweite Gebäude an die Jüdenstraße zu stellen, war vielleicht ein Fehler; der ist nicht mehr gut zu machen. Aber in unserer nächsten Nähe, auf dem Terrain, wo die zwei ungeheuren unschönen Schornsteine aufragen, wäre vielleicht die Möglichkeit einer Grweiterung des Rathauses gegeben. Stadtv. Ladewig( N. L.) widerspricht dem unausführbaren Ges danken, eine Verwaltung vom Umfang der Berliner in einem Gebäude unterzubringen. Stadtv. Mommsen( Fr. Fr.): Ein eigenes Gebäude braucht die Verwaltung der Gaswerke unbedingt, aber ob es durchaus auf diesem bevorzugten Plaze stehen muß, ist eine andere Frage, die im Ausschusse zu prüfen wäre. Die Vorlage geht an einen Ausschuß, den der Vorstand ebenfalls sofort ernennt. Der Hülfsausschuß für die notleidenden Deutschen Rußlands hat den Magistrat um einen Beitrag ersucht; das gleiche ist erfolgt seitens des Deutschen Hülfskomitees für die durch den Ausbruch des Vesuv geschädigten Anwohner. Der Magistrat schlägt vor, 10 000 bezw. 5000 m. von Stadt wegen zu spenden. In der Motivierung des ersteren Antrags wird ausgeführt:„ Die Unruhen in Rußland, die am Ende 1905 mit den bekannten Judenverfolgungen begannen, haben in ihrem weiteren Baufe auch einen erheblichen Teil der in Rußland lebenden etwa 2 Millionen Deutschen in größte Bedrängnis gebracht. Namentlich gilt dies von einer großen Anzahl der etwa 175 000 Deutschen, welche in den baltischen Provinzen Livland, Kurland, Esthland leben. hier, wo in jahrhundertelanger Kulturarbeit Gewerbe, Handel und Wissenschaften durch deutschen Fleiß zu hoher Blüte gelangt waren, haben irregeleitete Scharen durch Stadt und Land in schreckenerregender Weise gegen Leben, Gesundheit und Eigentum der deutschen Bewohner gewütet. Dadurch ist insbesondere eine große Zahl von deutschen Aerzten, Pastoren, Lehrern, Angestellten und Arbeitern, Förstern, Inspektoren, Müllern, Gärtnern ihres Eigens tums und ihrer Erwerbsquellen beraubt und dadurch in große Not Auch in den übrigen Teilen des russischen Reiches sind geraten. viele der dort wohnenden Deutschen, wobei es sich namentlich um industrielle Angestellte, Arbeiter, Wertmeister u. a. handelt, durch die Handel und Wandel unterbindenden Unruhen schwer geschädigt. Eine große Anzahl Deutscher, besonders aus vielen Industrie= orten Russisch- Polens, mußte fliehen, ist nach Deutschland zurückgekehrt und hofft hier Unterstüßung und Gelegenheit zu Arbeit und Erwerb oder die Mittel zu erhalten, nach eingetretener Beruhigung nach ihrer Arbeitsstätte und zu ihren Familien zurückzukehren. Weiter wird noch u. a. bemerkt, daß die Geldmittel des Hülfs= ausschusses in feiner Weise Angehörigen der baltischen Ritterschaft zufließen. Stadtv. Stadthagen( Soz.): Für die 5000 M. nach Italien werden wir stimmen. Anders stehen wir zu der ersten Forderung, deren Begründung wir aufs entschiedenste zurückweisen müssen. Zunächst, was haben wir als Stadt überhaupt mit den russischen politischen Verhältnissen zu tun? Wenn sie uns etwas angehen, dann haben wir doch zu prüfen, für wen etwas gegeben werden soll. Die Vorlage spricht von„ Deutschen". Meint sie Leute, die die deutsche Nationalität haben oder die deutsche Reichsangehörige sind? Es wird uns nur gesagt, daß die baltische Ritterschaft nicht mits bedacht werden solle. Die Angehörigen dieser Ritterschaft gehören nicht zu den deutschen Reichsbürgern; sie sind gerade die Träger der Unkultur gewesen. Es ist auch nicht richtig, daß die Wirren und die Judenverfolgungen erst Ende des vorigen Jahres begonnen hätten. Die schwarzen Hundert, diese von der Regierung bezahlte Bande, die sind viel länger schon auf dem Plan, und für diese Bande, scheint es, werden hier 10 000 m. verlangt! Die Schädigung sei bewirkt durch irregeleitete Scharen". Meint der Magistrat damit die Kofaten, die schwarzen Hundert, diese Bande, die aller Greuel sich schuldig gemacht hat? Wenn die Zeitungsnachrichten über die Verhandlungen der sog. gesetzgebenden Duma" richtig sind, so hat man da am 1. Juni über die Greueltaten gerade in diesen baltischen Landen verhandelt. Der Generalmajor Orlow hat als Straferpedient von Mitte Dezember 1905 bis Mitte Februar 1906 18 Leute erhängt, 621 erschossen, 320 von Soldaten bestialisch ermorden lassen, und eine große Anzahl, wesentlich Deutsche, törperlich mißhandeln lassen. Daneben wurden in furzer Beit eine Unmasse amtlicher und privater Gebäude heruntergebrannt. Die Vorlage datiert vom 7. Juni; will sie diesen Opfern der Kosaken, der baltischen sog.„ Edelleute" helfen, von denen in der Duma am 1. Juni die Rede war? Insbesondere von diesen sich deutsch nennenden, aber russisch seienden Edelleuten ist in der bestialischsten Weise vorgegangen worden.( Redner verliest die Ausführungen aus der Dumaversammlung; der Vorsteher ermahnt ihn, nicht zu weit in die Details einzugehen und nicht vorzulesen; Redner erwidert unter Heiterkeit der Versammlung, daß er nur turze Auszüge gebe, da es viel länger dauern würde, wenn er die Dinge frei behandeln müßte. Professor Herzenstein hat den größten Beifall ausgelöst durch seine Darlegung, daß gegen die Schandwirtschaft der Barone und gegen ihre Henterarbeit endlich eingeschritten werden müsse. Und nun will der Magistrat 10 000 M. Die Vorlage wird nach kurzer Erörterung angenommen. für die deutschen angeblichen Handwerker usw. haben, die geschädigt Für Gemeindeschulzwecke will der Magistrat das sein sollen! Es handelt sich hier um keinen Nationalitätenkampf! Grundstück Union straße 5 im nördlichen Moabit erwerben. Es Die Junterkaste allein kommt in Betracht, mit dem Kampf gegen handelt sich um zirka 7141 Quadratmeter zum Preise von 95 M. die Rechtlosigkeit der dortigen werklichen Bevölkerung haben wir pro Quadratmeter. es zu tun. Haarsträubende Berichte von Schändungen, von MißDie Stadtvv. Brake( N. 2.) und Friederici( A. L.) handlungen von Frauen, von brutalster Unterdrückung der dortigen Stadtv. Wallach( A. L.), mit allgemeinem Oho! empfangen, bemerkt: Ich verzichte!( Heiterkeit.) Stadtv. Dr. Weyl( Soz.): Herr Wallach ist gewissermaßen der Schöpfer dieser Vorlage, denn er hat bei der Statsberatung dem Magistrat einen entsprechenden Wint gegeben.( Widerspruch des Stadv. Wa IIa ch.) Ich habe in der Krankenhausdeputation allerdings geschwiegen, aber mein Freund Singer hat ausdrücklich vor der Abstimmung erklärt, daß wir der Maßregel nicht zustimmen fönnten, und ich hoffe von der Loyalität des Stadtrats, daß er das bestätigen wird. Ich habe außerdem ausdrücklich erklärt, daß ich dem Magistrat keine anderen Motive unterlege, als die Vorlage angibt, aber in weiten Schichten der Bevölkerung ist eben jene andere Meinung vertreten.( Große Unruhe und Widerspruch.) In den Kreisen, die wir die Ehre haben zu vertreten, besteht diese Auffassung und wir haben alle Veranlassung, ihr entgegenzutreten dadurch, daß wir den Magistrat zur Bekämpfung einer derartigen Mißstimmung in der Bürgerschaft auffordern. Wir müssen hier darauf hinweisen, da uns das Abgeordnetenhaus verschlossen ist, daß der preußische Staat an der Krankheit armer Kinder sich bereichert. Für den Antrag Nathan werden wir natürlich eintreten. Dieser Antrag wird jedoch abgelehnt und die Vorlage anDie Grundstücke Neue Roßstraße 14 und 10 follen zum Zweck der Verbreiterung der Wallstraße zwischen Neue Grün- und Inselstraße freihändig erworben werden. Der Kaufpreis für Nr. 14 ist auf 450 000 M., für Nr. 10 auf 720 M. pro Quadratmeter ermäßigt worden. Der Vorsteher Dr. Langerhans eröffnet die Situng gegen genommen. 26 Uhr. Die Besetzung des Saales ist eine äußerst dürftige. Die Uebernahme der Wohlfahrtspolizei in Berlin auf die Stadtgemeinde gehört seit langem zu den frommen Wünschen der städtischen Behörden. Vor mehr als 9 Jahren hat die Verfammlung in einer Resolution die Uebertragung der polizeilichen Funktionen auf allen Gebieten, deren sonstige Verwaltung der Stadtgemeinde obliegt, auf die Stadtgemeinde" verlangt und Klarstellung der Sachlage nach der rechtlichen und verwaltungstechnischen Geite gewünscht. Dem letteren Begehren kommt eine umfassende Denkschrift entgegen, welche der Magistrat der Versammlung zur Angesichts der Tragweite des Gegenstandes und des Umfanges der Denkschrift ist von den Stadtvv. Antrick u. Gen.( Soz.) und von anderer Seite Absetzung dieses Punktes von der heutigen Tagesordnung bezw. Vertagung der Angelegenheit auf den September beantragt. Kenntnisnahme vorlegt. Ohne Debatte wird demgemäß beschlossen. Vom 1. Juli cr. ab soll der Sah der Kur- und Verpflegungskosten für Kinder in den städtischen Krantenanstalten von 2 auf 2,50 M. erhöht werden. Danach würde vom gedachten Tage ab der Tariffab für Erwachsene und Kinder der gleiche sein. Veranlaßt ist der Vorschlag durch das Vorgehen des Kultusministeriums, das dieselbe R wünschen Ausschußberatung. Ihnen schließt sich Stadtv. Borg- Urbevölkerung, der Esthen, Liven, Sturen und besonders auch der mann( Soz.) an, der zwar den großen Schulnotstand in jener Gegend, wo 63 Klassen in Mietsräumen bezw. Baraden stecken, voll anerkennt, aber auch bezweifelt, ob das sehr ungünstig geschnittene Grundstück genügen wird, und 95 M. als Preis für den Quadratmeter reines Hinterland für ungemein hoch ansieht. Die Vorlage geht an einen Ausschuß, den der Vorstand sofort ernennt. Die speziellen Entwürfe zum Neubau von Gemeinde doppelschulen an der Greifenhagener, Sonnenburger-, Driesener-, Böboto- und Christburgerstraße und die bez. spezifizierten Kostenanschläge. Stadtv. Jacobi( A. L.) hat den Auftrag von seiner Fraktion, den Stadtbaurat zu ersuchen, der Frage der Lichtzuführung zu den = Juden ließen sich zitieren. Baron von Osten- Sacen ließ Juden drei Tage in einer Synagoge einschließen und verlangte ungeheure Summen Lösegeld. Später ließ er ihnen erklären, er sei für sie Bar und Gott, verlangte ihre Revolver und Flinten und nahm fünf von ihnen als Geiseln mit. Die auferlegte Strafe mußten sie zahlen, einige ließ er berhaften und prügeln, nicht weniger als 10 Frauen wurden geschändet und ebensoviel verprügelt.( Ruf: Pfui!) Wie kann der Oberbürgermeister eine Vorlage bringen, die bon der Großmut der baltischen Ritterschaft spricht, weil sie auf etwas verzichtet, was ihr eigentlich gebührt, und daß sie die Kultur dort hingebracht habe! Und haben wir nicht in Deutschland genug Not und Elend zu lindern, wo es sich um rechtschaffene Leute handelt? Für diese Henkersknechte und Bluthunde der Reaktio ToBen wir etwas vewilligek? ES wäre ein« Schande für die Stadt, diese Bewilligung auszusprechen!(Beifall bei den Sozialdemokraten, l Oberbürgermeister Kirfchner: Ich kann sehr kurz sein:»Was gehen uns die Gewalttaten, die Zustände in Rußland an?" fragte der Vorredner. Hätte er nur danach gehandelt! Die von ihm vor- gebrachten Tatsachen können wir nicht kontrollieren. Der Magistrat ist überzeugt, oaß eine Reihe von Deutschen, deutscher Abstammung, gleichviel ob deutsche oder russische Staatsangehörige, durch die Wirren in sehr bedrängte Verhältnisse gekommen sind. Diesen Not- leidenden soll eine Unterstützung gewährt werden. Vorsichtshalber ist noch hinzugefügt, daß die baltischen Barone von der Unterstützung ausgeschlossen sind. Der Hülfsausschutz hat bereits 2700 Personen unterstützt, zum großen Teil dadurch, daß ihnen die Mittel zur Rückkehr in die Heimat gewährt worden sind; Arbeiter, Handwerker, Lehrer befinden sich darunter. Daß diese Leute, unverschuldet oder verschuldet, jetzt hülfsbedürftig sind, kann nicht bezweifelt werden Daß es auch in Deutschland Unterstützungsbedürftige gibt, trifft zn aber daö gute Herz der Berliner hat sich noch immer dann bewährt, wenn gerade solche ungewöhnlichen Notstände vorliegen. Stadtv. Dinse(N. L.): Ich will selbstverständlich Herrn Stadb Hägens Ausführungen nicht beipflichten, aber der größte Teil meiner Freunde hat sich entschieden, gegen die 10 000 M. zu stimmen. Stadtv. Kämpf(A. L.): Ich werde keine politische Rede halten Wir bedauern, daß diese Vorlage erst jetzt kommt; vor 3 Monaten hätte dieselbe Summe eine weit größere Wirkung gehabt. Trotze dem werden wir für beide Forderungen stimmen. Stadtv. Dr. Nathan(soz.-fortschr.): Für meine Glaubens genossen in Rußland habe ich selbst schon größere Sammlungen ver> anstattet. Ich war auch selbst in Rußland und kenne die Not dort aus eigener Anschauung. Es handelt sich um keine politische Vor� läge. Ich halte es für geboten, für die Familien deutscher Ad stammung zu sorgen, die aufs schwerste gelitten haben.(Beifall.) Stadw. Stadthagen(Soz.): Der Oberbürgermeister hat be- stätigt, daß alle Deutschen, ob deutsche Staatsbürger oder deutscher Abstammung, getroffen werden sollen, daß also die baltischen Edelinge in erster Reihe dazu gehören würden, wenn sie nicht frei willig verzichtet hätten. Entscheiden soll das baltische Notstands komitee. Hand aufs Herz: wo haben wir jemals unS eingemischt bei Notständen im Auslande, hervorgerufen durch innere Unruhen? Die Stadt und die Versammlung als solche darf kein politisches Votum aussprechen. In Rußland sind Millionen, die Hunger leiden, jahraus, jahrein gewesen; jetzt geht dort die Saat früherer Zeiten auf. Die heutigen 10 000 M. sind lediglich nach der politischen Seite zu bewerten. Nicht Linderung einer Not, sondern Parteinahme innerhalb eines Kampfes ist der Gegenstand. Die Frage, wer die „irregeleiteten Scharen" sind, hat der Magistrat nicht beantworten können. Wer sind die Herren vom Hülfskomitee? Ich bitte Sie nochmals dringend, diese Vorlage abzulehnen. Hier in Berlin allein sind mehr als 10 000 M. notwendig für Hunderte und Aber- hunderte von Notleidenden; denken Sie doch nur an die eben be- schlossene Erhöhung der Krankenhauskostcn für Kinder! Will man menschlich sein, Humanität beginnt im eigenen Hause. Wir aber sollen das Geld hergeben für diejenigen, die dos Unglück verschuldet haben, für die, die die Konterrevolution und die Reaktion führen! (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Sonnenfeld(A. L.): Es handelt sich eben tatsächlich nur um einen Akt der Humanität, den die internationale Courtoisie geboten erscheinen läßt; wir nehmen damit keineswegs Stellung in dem politischen Kampfe zugunsten einer politischen Partei. Nicht den Kosaken, nicht den Helfershelfern der Regierung soll etwas zu- gewendet werden, sondern den Opfern der dortiaen Zustände!(Zu- stimmung.) Damit schließt die Diskussion. In n a m e n t l i ch e r Abstimmung wird die Spende von 10 000 M. für Rußland mit 46 gegen 34 Stimmen bewilligt; ein erheblicher Teil der Versammlung verläßt vor der Abstimmung den Saal. Einstimmig werden dann die 5000 M. für Italien votiert. Das spezielle Projekt für eine Feldbahn auf dem Rieselgute Buch wird genehmigt. Schluß der öffentlichen Sitzung gegen 8 Uhr.; 6cwerkrcbaftUcbc9« Ein Dokument der Scharfmacher-Ehre. Unter welchen Umständen und mit welchem Menschen- Material die Metallindustriellen die streikenden Schlosser in Berlin niederringen»vollten, erhellt aus einem Revers, den man Streikbrechern zur Unterschrift vorlegte. Ein solches Dokument liegt uns im Original vor, es lautet also: Verband der Metalliudustriellrn im Bezirk Leipzig. Diö Arbeitsnachweisstelle befindet sich M a t t h ä i k i r ch h o f 2. Fernsprecher 2477. Leipzig, den 14. Mai 1900. Revers! Wir Endesunterzeichneten verpflichten uns zur Reise nach Berlin gegen freie Fahrt in IV. Wagenklasse und 1 M. Zehr- gelb. Nach Ankunft in Berlin verpflichten wir unS, die uns überwiesenen Arbeiten bei der Firma, welche uns durch den »Bund der Arbeitgeber-Verbände Berlins" nachgewiesen wird. auf 4 laufende Wochen anzunehmen und auszuführen. Ferner sind wir davon in Kenntnis gesetzt, daß bei der Firma, in welcher wir Arbeit nachgew, csen erhalten sollen, z. Zt. gestreikt wird resp. Aussperrung besteht. Wir bekennen außerdem, daß unS, falls wir die Arbeit in Berlin freiwillig bor Ablauf der angegebenen 4 Wochen, vom Tage des Antritts an gerechnet, niederlegen, das verauslagte Reisegeld vom Lohn zu kürzen ist. Zur Sicherung dieses Unternehmens haben wir laut Verzeichnis unsere Legitimationspapiere abgegeben, sind vollständig mit den dortigen Verhältnissen und den uns gewordenen Verpflichtungen vertraut gemacht und in allen Punkten einverstanden, erklären außerdem, daß wir auS vollständig eigenem Antriebe die Arbeit in Berlin annehmen. Auch sind wir davon in Kenntnis gesetzt, daß der Stundenlohn in Berlin sich auf 45—00 Pf. steht. ' Unterschrift, Quittung.' Bescheinige hiermit den Empfang einer Fahrkarte nach Berlin IV. Wagenklasse 3 M. 50 Pf. sowie 1 M, Zehrgeld und 1 M. für Benutzung der Droschke in Berlin, Unterschrist. Damit die Herren Rausreißer nicht ermüden, stellt man ihnen sogar eine Droschke zur Verfügung. Wie human l Oder hatte die Fürsorge einen anderen Zweck? Etwas der- missen wir in dem Dokument. Es ist in dem Revers den Metallindustriellen nicht bestätigt worden, daß sie von den Herren Arbeitswilligen als gleich ehrbare, staatstreue und nützliche Elemente anerkannt werden. Wir meinen, solche Be- stätigung hätte sich doch auch noch erlangen lassen. Berlln und Omgegenck. Die Vernichtung des Luchvinder-BerbandeS ist jetzt offen als Ziel des Verbandes der Buchbindereibefitzer pro- klamiert worden. In einem von Ueberhebung zeugenden Briefe des bekannten Herrn Fritzsche an den Vorstand des Buchbinder- Verbandes wird nach Empfang der von letzterem eingereichten Tarifvorlage erklärt: »Wir halten aber nicht nur die Entwürfe für ungeeignet für den Abschluß einer neuen Tarifgemeinschaft, sondern wir halten sogar Ihren ganzen Verband für ungeeignet, mit uns eine neue Tarifgemein. fchaft einzugehen' ..Begründet' wird diese Auffassung mit de« Hinweis, daß eS dem Deutschen Buchbinder-Verband nicht gelungen ist, einen all- gemeinen Tarif in allen Buchbindereibetrieben Deutschlands ein- zuführen. Demnach müßte auch der Buchdrucker-Verband als „ungeeignet" für eine Tarifgemeinschaft befunden werden, da auch bei ihm Unterschiede in der Entlohnung bis zu 25 Proz. statt- finden, und zwar gemäß des auch von den Prinzipalen anerkannten BuchdruckertarifS. Außerdem wird dem Buchbinder-Verband der Vorwurf gemacht, daß er„hinter dem Rücken seines Kontrahenten", also des tarifbrüchigen Buchbindereibesitzer-Verbandes,„agitiere", weil er— man höre und staune— Sondertarife mit einzelnen Firmen, unter Umgehung de? Buchbindereibesitzer-Verbandes, jetzt abzuschließen versuche. Wirklich köstlich! Derselbe Unter- nehmerverband, der unter der„glorreichen Führung" des königlich sächsischen Kommissionsrates Fritzsche den Tarif erst gebrochen, dann gekündigt und zur Durchdrückung seiner unlauteren Zwecke nahezu 4000 ehrliche Arbeiter und Arbeiterinnen aufs Pflaster geworfen hat. verlangt noch Vertragstreue von den so miß- handelten Arbeitern und ihrem Verbände! Aber Herr Fritzsche hat sich nicht damit begnügt, solchen Brief zu schreiben, sondern hat ihn auch, bevor er an den Empfänger ab- ging, in einem Flugblatt veröffentlicht, das er von seinen Helfern an die Streikenden verteilen ließ. In diesem Flugblatt sind auch die Ausgaben des Buchbinder-VerbandeS angegeben, angeblich nach dem Jahresbericht von 1905. Die Zahlen sind entweder plumper Schwindel oder der Verfasser ist komplett unfähig. In Fettdruck heißt es dann weiter in diesem„wahrheitS- getreuen" Flugblatt: „Wir erkennen Ihren Verband nicht mehr a n."—„Unsere Mitglieder geben den Mit- gliedern Ihres Verbandes keine Stellung in ihrem Betriebe." Unterzeichnet ist das Flugblatt:„Verband deutscher Buch- bindereibesitzer." Damit ist auch die Bahn klar für den Deutschen Buchbinder- Verband und er wird den Kampf so weiter zu führen wissen, daß die gegen ihn geschmiedeten Pläne zuschanden werden. Der große„Taktiker" Fritzsche aber wird seinen Verband zu derselben„Blüte" emporführen, wie das von ihm geleitete Unter- nehmen. Und zu spät werden die von Herrn Fritzsche geführten Buchbindereibesitzer erkennen, daß sie die Angeführten sind. Der Streik im Töpfergewerbe beendet. Aus Breslau wird telegraphiert: Vor dem Einigungsamte ist heute durch eine gemeinsame Kommission von Arbeitgebern und Arbeitnehmern deS Töpfergewerbes eine Einigung zustande gekommen, indem die Arbeitnehmer die ihnen bewilligte Lohnzulage von 7 Proz. an- genommen haben. Sowohl in den Breslauer wie in allen übrigen deuffchen Ofenfabriken soll Anfang nächster Woche die Arbeit wieder aufgenommen werden. Ein Ausstand in der LnznSpapierbranche. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Buchbindereiabteilung der Luxuspapierfabrik von Schloß in der Alexander st raße befinden sich seit Dienstag im Ausstand. Dieser Konflikt steht in einem gewissen Zusammen- hang mit der Maifeier. Wegen Beteiligung an der Maifeier ver- uchte die Firma am Tage darauf eine Arbeitsordnung durchzusetzen. )ie den Arbeitern unannehmbar war. Das führte zu einem kurzen Streik, der mir der Zurückziehung der Arbeitsordnung endete. Zu Pfingsten aber wollte sich die Firma in anderer Weise für die Mai- eier rächen und den Arbeitern und Arbeiterinnen die bisher für die Feiertage gewährte Entschädigung von 3 und 2 M. nicht mehr zahlen. Bald daraus wurde der Vertrauensmann der Buchbinderei- abteilung entlassen. Eine Werkstattsitzung, die hierzu Stellung nehmen sollte, suchte die Firma dadurch zu vereiteln, daß sie an dem Abend die Arbeiterinnen um 5 statt um 0 Uhr Feierabend machen ließ. Um dem Plan entgegen zu wirken, machte auch ein Teil der Arbeiter nach Rücksprache mit dem Geschäfts, oder Werk- ührer um 5 Uhr Feierabend. Dafür wurden sie ausgesperrt. Ver- Handlungen mit der Geschäftsleitung führten zu keiner Einigung. Der Streik, der die Folge jener Matznahmen war, umfaßte gestern bereits 15 Arbeiter und 45 Arbeiterinnen. Herr Gastwirt BaukuS, Rixdorf, Allerstr. S/9, ersucht uns mit- zuteilen, daß in seinem Lokal kein Unberufener Leute serviert habe. 'i*r Betreffende(ehemalig selbständig) sei nachweisbar gewerk- chaftlich und politisch organisiert. Die Unterstellung, als ob er jüt arbeiterfeindliche Unternehmen sein Lokal zur Verfügung stelle, weise er mit Entschiedenheit zurück. Deutfrsiea Reich. AuS dem Saarrevier. Da der Streik auf der Burbacher Hütte täglich an Umfang zunahm, war die Hütte an demselben Tage, an welchem sie die bürgerliche Presse mit Berichtigungen überschüttete, in welchen sie den Ausstand als unbedeutend hinzustellen suchte, gezwungen, die noch beschäftigten Arbeiter zu beurlauben. Die Arbeiter schlössen sich auf die versprochene Unterstützung hin in Scharen dem christ- liehen Metallarbeiterverband an, dem es bei seiner notorischen Geld- kalamität sehr unheimlich dabei werden mochte und einen baldigen Frieden auf alle Fälle herbeisehnte. In der Not frißt der Teufel Fliegen, und in höchster Not ersuchte die Streikleitung den nationalliberalen Reichstagsabgeordneten Boltz um Vermittelung. Dieser gab seine Zusage. Die Verhandlung fand ohne Hinzu- ziehung von Arbeitern statt und wurde das Resulmt in einer am Sonntag stattgehabten Versammlung bekannt gegeben. Die Rede des Abgeordneten Boltz war ein einziges Loblied auf die Burbacher Hüttendirektion. Der christliche Sekretär WeneruS winselte bei- nahe um Gnade; er sand den Mut zu folgender Erklärung: „Wir gestehen der Hütte zu. daß wir voreilig gehandelt haben, nehmen aber für uns in An- spruch, daß wir in gutem Glauben gehandelt haben."— In den letzten Wochen und Monaten drehte sich der Kampf ausschließlich um das Koalitionsrecht. Die Hütte hat den Arbeitern in Burbach die Lokale abgetrieben, so daß diese sich nach Saarbrücken und St. Johann flüchten mußten. Sie hat einen Hüttenverein gegründet, welcher als Ableiter dienen sollte. Die von der Hütte direkt oder indirekt gespeiste„Burbacher Zeitung" hat die Organisation und deren Führer in der unflätigsten Weise mit Schmutz beworfen. Der Krämer-Prozeß hat seinen Ausgangs- punkt in der Verweigerung deS Koalitionsrechtes genommen und daS ganze saarabische System steht und fällt mit der Frage des Koalitionsrechtes. Daß ein Arbeiterführer nach all diesen Vor- kommnisien den Mut finden kann, die Hütte zu entschuldigen und sich selbst als den schuldigen Teil zu bekennen, ist wahrlich ein starkes Stück. Erklärlicherweise wurde dadurch die Direktion in ihrer Hartnäckigkeit bestärkt und die Arbeiter haben den Schaden. Nicht- Wiedereinstellung der vor dem 1. Juni entlassenen Arbeiter, welche die Kerntruppe der Organisation bilden, Verlust deren Knapp- schaftsrechte, bedingungslose Unterwerfung, die Neubesetzungen von Posten werden in keinem Falle rückgängig gemacht. Das sind die Bedingungen, unter denen die Arbeit wieder aufgenommen werden mußte.„An diesen Kleinigkeiten," so sagte Herr WeneruS.„stoßen wir unS nicht." Sie werden aber den von der Hütte erstrebten Erfolg haben, eine Zersplitterung der Arbeiter herbeizuführen. Somit gestaltet sich der ganze Ausstand zu einer kompletten Nieder- läge der Christlichen, die sich ein zweites Mal die Finger nicht wieder verbrennen werden. Diese Niederlage ist herbeigeführt durch die Unfähigkeit der christlichen Führer, welche die Situation durchaus nicht beherrschten. Die Arbeiter werden aber einsehen, daß sie klüger gehandelt hätten, wenn sie anstatt dem christlichen Verbände dem Deutschen Metallarbeiter-Verbande beigetreten wären, der sicher nicht die schmachvollen Bedingungen der Hütte akzeptiert haben würde. WaS verabsäumt wurde, muß jetzt schleunigst nachgeholt werden. Neue Kämpfe in der Dresdener Metallindustrie. Die Vereinbarungen, die schließlich zur Beendigung der Metallarbeiteraussperrung in Dresden führten, enthielten auch den Passus, daß die Arbeitsbedingungen nach Wiederaufnahme der Arbeit nicht verschlechtert werden dürften. Daran haben sich aber einige Firmen, vor allem die Eisengießerei Louis Paul in Radebeul nicht gekehrt. Sie nahm Lohnreduktionen vor und als dieses ver- tragsbrüchige Verhalten von der„Sächsischen Arbeiterzeitung" fest- genagelt wurde, maßregelte sie zwei Arbeiter. Darauf haben die Arbeiter der Firma am Tonnerstag mit einmütiger Ar- beitsniederl egung geantwortet. In den ersten Wochen der Metallarbeiteraussperrung erklärten die Metallindustricllen in Dresden durch große Plakate, die zur Irreführung des Publikums dienen sollten, sie könnten mit den organisierten Arbeitern keine Vereinbarungen abschließen, weil der Mctallarbeiterverband keine Gewähr für Einhaltung der Verträge biete. Jetzt hat sich gezeigt, daß der Mangel an Gewähr für Vor- tragseinhaltung bei den Unternehmern zu suchen ist. Der Maurcrstreil in Bayreuth verschärft sich. Die Unternehmer wollen, dem Beispiele ihrer Kollegen in Hof folgend, Streikbrecher aus Italien kommen lassen. Es scheint, daß die Unternehmer sich schon lange auf den Streik vorbereitet hätten, um sich von ihrem im vorigen Jahre gegebenen Versprechen, in diesem Frühjahr die Löhne freiwillig aufzubessern, zu drücken. Aus einem unserem Bayreuther Parteiblatt zugewehten, an einen dortigen Bauunternehmer gerich- teten Schreiben eines italienischen Streikbrecheragenten geht hervor. daß die Herren sich schon vor längerer Zeit wegen der Heranziehung italienischer Arbeitskräste bemüht haben. Husland. Der Neunstundentag auf dem Bormarsche in der Schweiz. Fu den Malern und Gipsern haben nun auch die Tapezierer in Zünch den Neunstundentag errungen, ebenso ein Teil der Zimmerer, während etwa 100 derselben noch im Kampfe stehen. Werter haben in Zürich den Neunstnndentag die Buchdrucker(in der Grütli- druckerei die 8�/, stündige Arbeitszeit), die Anschläger, Steinhauer und Schreiner. Auch in St. Gallen haben dieses Jahr schon die Tapezierer den Neunstundentag errungen.— Nun hat auch die Gotthardbahn den Neunstundcntag in ihren Werkstätten eingeführt und müssen die Bundesbahnen, die von dem radikalkapitalistischen Klüngel beherrscht werden und die noch immer den Zehnstundentag haben, in aller Kürze nachfolgen. Massenstreik. Am Montag findet in Reichenberg (Böhmen) eine Versammlung sämtlicher Fabrik- und Werkstätten. Vertrauensmänner statt mit der Tagesordnung: Die Vorbereitungen zum Massenstreik. Letzte Nachrichten und vepefcben. Internationaler Arbeiterschutz. Bern, 14. Juni.(W. T. B.) Der Bundesrat beschloß heute, die an der Internationalen Konserenz für Arbeiterschutz vertreten gewesenen Staaten zu einer neuen diplomatischen Konferenz einzu- laden; dieselbe soll in der zweiten Hälfte des September in Bern zusammentreten und sich mit der Frage der Aufstellung eines inter- nationalen Vertrages betreffend Verbot der Nachtarbeit der Frauen in der Industrie zu befassen. Die Konferenz wird vom Bundesrat Deucher eröffnet werden.— Was das Verbot der Verwendung des gelben Phosphors betrifft, so hat man für den Augenblick davon ab- gesehen, ein internationales Abkommen vorzuschlagen: da die von verschiedenen Staaten gestellte Bedingung, nämlich Zustimmun? Japans zu den Beschlüssen, nicht erfüllt wurde. Zur Auslieferung des Ingenieur Rutenberg. Bern, 14. Juni.(Meldung der Schweizerischen Telegraphen. agentur.) Im eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement hat man keine Nachricht von einem AuSlieserungsbegehren gegen den Ingenieur Nutenberg, daS der„Nowoje Wremja" zufolge gestellt worden sein sollte,„ Dir Duma. PetrSburg, 14. Juni.'(W. T. B.) Reichsdunra. Nach Wieder- aufnahm« der Verhandlungen beschließt das Haus, einem Antrage auf Ausschluß des Abgeordneten Ulianow, der Redakteur eines ge- richtlich unterdrückten Blattes ist, nicht stattzugeben. Die Sitzung wird in der Folge geradezu stürmisch; der Oberprokurator im Kriegsministerium, General Pawlow, erklärt, die Todesstrafe könne von dem Kriegsininister nicht abgeschafft werden; dieser habe nicht da« Recht, sich den Entscheidungen der Gerichte in den Weg ztr stellen.(Rufe: Mörder! Henker!) Der Präsident droht, die Sitzung zu schließen. Die Abgeordneten Kusm, Laravaeff und LeduSley halten heftige Reden unter lärmenden Beifall; sie richten Angriffe auf die Regierung und lenken die Aufmerksamkeit aus die Berzweiflung, die sich des ganzen Landes bemächtige und zu fürchterlichen Geschehnissen führen könne. Der Priester Asanassiew erinnert an den Namen deS Leutnant Schmidt in Sebastopol. den er als Freiheitskämpfer feiert. Redner schließt damit, der Zorn Gottes werde aus die Uebcltiiter niederfallen und sie würden bei dem Gesetz keinen Schutz finden, wenn das erbitterte Volk aufstehen werde. dt Differenzen zwischen Rumänien und Griechenland. then, 14. Juni.(Meldung der Agence Havas.) Die diplo- masischen Beziehungen zwischen Griechenland und Rumänien sind oftiziell abgebrochen. Rußland übernimmt den Schutz der griechischen Untertanen in Rumänien mit Ausnahme von Braila, wo dies der französische Konsul tut. Me griechischen Konsuln in Rumänien sind abberufen worden. Kampf zwischen Griechen und Türken. Konstantinopel, 14. Juni.(Meldung des Wiener k. l. Korre. spondenz-BureauS.) Wie aus Monastier telegraphisch gemeldet wird, fand am II. Juni in Kaza Florina ein heftiger Kampf statt zwischen einer 150 Köpfe zählenden griechischen Bande und türkischen Truppen. Die griechische Bande verlor zwanzig Mann, achtzehn wurden gefangen genommen. Nach anderer Meldung beläuft sich der Verlust der Bande auf 25 Tote, 20 Verwundete und 5 Ge- fangene, der der Türken auf 3 Tote und 5 Verwundete. Kämpfe in China. Tientsin, 14. Juni.(D. H.) Die Kämpfe der Chinesen gegen die Tschungusen verlaufen auch weiterhin unglücklich. Die Tschun- gusen hielten einen Zug an und erbeuteten 3000 an den Tartaren- general Bhao gesandte Gewehre mit Munition. Der Verlust bei den Kämpfen auf feiten der Regierungstruvpen beträgt 00 Mann. verantv. Redakteur: San» Weber. Berlin. Inseratenteil veraytv.I i». Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: LorwärtSBuchdr.u.B-rlagSurg, 14. Juni. Hiesigen Blättem zufolge lvird die Reichs� Duma längstens bis zum 28. Juni beisammen bleiben und sich dann vertagen. Nach der Vertagung soll auch der Rücktritt des Kabinetts Goremylin erfolgen und dieses durch ein liberales Kabinett ersetzt werden. Petersburg, 14. Juni. In der heutigen Sitzung der Duma der- zichteten mehrere Abgeordnete unter lebhaftem Beifall auf das Wort, während einige andere lange Rede» hielten. Man erwartete eine Erklärung des Oberprokurators im Kriegsministerium, General leutnants Pawlow über die Todesstrafe. Pawlow hat heute den Krieasminister um die Erlaubnis gebeten, der Duma den Bericht schriftlich zu überreichen und ihn nicht persönlich zu verlesen. Die Agrarfrage. Petersburg, 14. Juni.(SB. T. B.)(Von einem besonderen Be- richterstatter.) In einer gestern unter dem Vorsitz des Profesior Petrazycki abgehaltenen privaten Beratung sprachen sich die b ä u e r-- lichen Duma-Abgeordneten bestimmt gegen die Bildung eines Landfonds zur Verpachtung an landarme Bauern und für die Ueberlasiung von durch Enteignung verfügbar zu machenden Landes aus Privatbesitz an die Bauern als volles Eigentum aus. Zur Lage. Die Lage in den Häfen des Schwarzen MeereS ist sehr bedenklich. In Sewastopol hat jeder Verkehr zur See auf- gehört. In Odessa streiken alle Hafenarbeiter, Matrosen, Heizer und auch Köche. Bis jetzt gingen noch die Nikalajewer Dampfer, doch nun haben auch sie ihre Fahrten eingestellt. Der Verkehr mit Nikolajew muß per Bahn erfolgen, was statt 8 Stunden Fahrt— 36 Stunden, statt 3 Rubel Kosten 17 Rubel bedeutet. Noch schlimmer ist es mit C h e r s o n. das per Dampfer sonst in acht Stunden, jetzt erst in 36 Stunden zu erreichen ist. Zugleich laufen Gerüchte von einem belvaffneten Aufstande und von Attentaten ein. Viele Einwohner verlassen die Stadt. Unter den Matrosen und Soldaten herrscht große Unzufriedenheit. Gerüchtweise verlautet auch von einem bevorstehenden Eisenbahnerstreik, der Sewastopol völlig abschneiden würde, da der Dampferverkehr mit Odessa und anderen Schwarzen Meer-Häfen infolge des Streiks bereits eingestellt ist. Auch in Petersburg gärt es. Die Schiffer auf den Barken, welche Bau-, Nutz- und Brennholz, Kohle und andere Materialien nach Petersburg und in die Umgegend liefern, sind in den Ausstand getreten. Die Schiffer verlangen von den Prinzipalen Er- höhung des Arbeitslohnes um 25 Prozent nicht nur für sich, sondern auch für die ihnen unterstellten Arbeiter, deren Zahl sich auf 2000 beläuft. Infolge dieses Streiks sind gegenwärtig die Preise für Holz und Kohle bereits bedeutend gestiegen. Wie die„Dwadzaty 28el" meldet, herrscht auch in Kronstadt unter den Matrosen Erregung, weil in der vorigen Woche zwei Matrosen vom Panzerkreuzer „Gromoboi" von einer Kavalleriepatrouille mit Nagaiken geschlagen wurden. Die Matrosen hatten einem Offizier die Ehrenbezeugung verweigert. Die Matrosen halten Massenmeetings ab. Auf den Schiffen sind Vorsichtsmaßregeln getroffen, auf eimgen find die Ver- schlüsfe der Geschütze entfernt worden. Auch die Bauern scheinen mit den Reden in der Duma nicht befriedigt. Wie die.Birschewija Wjedomosti" meldet, wurden im Gouvernement Poltawa Proklamationen verbreitet, in denen die Bauern aufgefordert werden, nicht in den Wirtschaftsgebäuden der Gutsherren zu schlafen, da diese den Flammen gelveiht sind. Auch aus den anderen Gouvernements kommen ähnliche Nach- richten, wie z.B. aus Kasan, Woronesch nndSaratow. In Balaschow ist ein GutshauS niedergebrannt worden. Im Gouvernement Kasan, wo die Notlage sehr groß ist, vereinigen sich arbeitslose Bauern zu Banden und plündern Herrengüter. Dort hat ein Bauernkongreß stattgefunden, auf dem die Ideen der Sozialrevolutionäre siegten. Im Kreise Sadonsk im Gouvernement Woronesch sind die Guts- Herren in die Stadt geflüchtet. Aus Charkow ivird gemeldet, daß im Kreise Sumy seit Dezember 1100 Bauern verhaftet worden sind. Verhaftungen unter den Truppe«. Wie die„Ketsch"(„Kadetten"-Organ) erfährt, sind in der Zeit vom 24. bis zum 27. Mai in den Petersburger Truppenteilen zahl- reiche Verhaftungen erfolgt. So wurden z. B. im Chevaliergarde- regiment drei Unteroffiziere verhaftet. Im 18. Sappeurbataillon wiederum sind zwei Unteroffiziere und im Preobrashenski-Regiment mehrere Unteroffiziere verhaftet worden.— Die Regierung läßt indes alle Meldungen über angeblich im Heere aufgetretene Meutereien als falsch bezeichnen. Die Regierung könne sich unbedingt auf die Armee verlassen. Demnächst würden 600 000 Mann nach dem Süden gehen und die Ruhe wieder herstellen. Die Arbeitslosen auf dem flachen Lande. Die Gouverneure haben dem Ministerium des Innern Berichte über die große Ansammlung von Arbeitslosen in den Dörfern ein- geschickt, welche auS den Restdenzen und den Gouvernementsstädten ausgewiesen sind. Den Arbeitslosen fehlt es an jeder Möglichkeit. Arbeit zu erhalten, und sie fallen in der Prodinz ihren ohnehin darbenden Angehörigen zur Last. Besonders macht sich daS in den Wolgagouvernements geltend, wo die Stimmung der Arbeitslosen eine sehr gefährliche ist und Agrarunruhen erwartet werden. In einigen Kreisen an der Wolga ist infolge des Hungers der Skorbut ausgebrochen und hat furchtbare Dimensionen angenommen. Ei» AuSlieferuugsautrag Väterchens. Petersburg, 14. Juni. Der„Nowoje Wremja" zufolge hat Rußland bei der schweizerischen Regierung beantragt, daß der R e- volutionär Ingenieur Rutenberg, der sich nach der Schweiz geflüchtet hat, als gemeiner Mörder ausgeliefert werde, nachdem die Untersuchung ergeben habe. daß der ehe- m a l i g e Priester G a p o n von Rutenberg und zlvei Helsem desselben ermordet worden. Die Angaben der russischen Behörden über die Täterschaft SiutenbergS verdienen natürlich das intensivste Mißtrauen. Auf alle Fälle ist eS eine unverschä in te Frechheit, daß die Inspiratoren der„Schwarzen Banden", Kreaturen, die schlimmer sind als gemeine Mörder, einen politischen Mord zum gemeinen Mord zu stempeln wagen._ Allgememer Fürs orgeerziehungstag. In der heutigen zweiten und letzten Sitzung führte der Ober- Präsident Graf v. Zedlitz und Trützschler in einer Be- grüßungsrede u. a. miS: Ich will nicht verhehlen, daß ich die sanguinischen Hoffnungen, die an daS Gesetz vielfach geknüpft wurden, nicht geteilt habe. Dazu sind die Schäden in unserem Volks- und gesellschaftlichen Leben zu tief. Ich halt« eS aber jeden- falls für dringend notwendig, den Versuch zu machen, eine Besserung durch das Gesetz herbeizuführen. Erfolge sind meiner Meinung nach aber nur zu erzielen, wenn der Ausführung des Gesetze» reiche praktische Erfahrungen zur Seite stehen. Ihre Beratungen, der Aus- tausch ihrer Erfahrungen bildet auch eine Stufe auf dem Wege zur Besserung der auf dem Gebiete des jugendlichen Fürsorgewesens vorhaiwenen Schäden. Deshalb tviiuscht die königliche Staats- regierung Ihren Beratungen den besten Erfolg und ist bereit, Ihren I Bestrebungen jede Unterstützung zuteil werden zu lasten. Soweit t ich persönlich dazu imstande bin, können Sie auf meine volle Unter 1 stützung rechnen. v Der Erziehungstag beschäftigte sich danach mit der Frage: Fürsorgeerziehung oder Gefängnis? Anstaltsvorsteher Wicher(Wohlau) faßte seine Ausführungen in folgenden Leitsätzen zusammen: 1. Die Bestrebungen der Neuzeit, Verbrechen vorzubeugen und die gefährdeten Jugendlichen vor dem sittlichen Verfall zu be- wahren, sind mit großer Freude zu begrüßen und zu unterstützen: doch kann durch alle diese Maßnahmen, selbst durch eine ideal gedachte Handhabung des Fürsorgeerziehungsgcsetzes nicht immer verhindert werden, daß ein Teil der Minderjährigen der sittlichen Verwahrlosung und dem Verbrechertum anheiinfällt. 2. Fürsorgeerziehung und Gefängnis stehen darum häufig in Wechselbeziehung zu einander. Die jugendlichen Uebeltäter wandern bald aus dem Gefängnis in die Fürsorgeerziehungsanstalt oder umgekehrt.„„ 3. Aeltere Fürsorgezöglings ziehen manchmal daS Gefängnis der Fürsorgeerziehungsanstalt vor und begehen Verbrechen, nur um ins Gefängnis hineinzukommen. 4. Die Ursachen dieser unnatürlichen Erscheinung sind mannig- faltig. Sie sind zu suchen: a) bei de» Zöglingen selbst, b) in der Art der Rechtsprechung. c) in der Art deS Strafvollzuges und ä) in der Organisation und der Verwaltung der Gefängnisse und der Erziehungsanstalten. 6. Dem Uebelstande, der Furcht der gefährdeten Jugendlichen vor der Fürsorgeerziehung und den Erziehungsanstalten muß nach Kräften entgegengearbeitet werden, und zwar: a) durch eine angemessene Erziehung und Belehrung der gefähr- deten Jugendlichen, besonders durch Weckung des in ihnen schlummernden Ehrgefühls, b) durch Vermeidung von gerichtlichen Anzeigen bei kleinen Ver- gehen der Jugendlichen, welche durch die Erziehungsfaktoren wie Eltern, Lehrer, Vormünder und dergleichen geahndet werden können, durch häufigere Anwendung des§ 1, Abs. 1 deS Fürsorgeerziehungsgesctzes bei der Bestimmung der Jugendlichen zur Fürsorgeerziehung, durch Einführung von besonderen Gerichten für Jugendliche und durch häufigere An- Wendung des gerichtlichen Verweises statt der Verurterlung zu kurzen Haft- und Gefängnisstrafen. o) durch ausgiebigere Auivcndung der Aussetzung der Strafvoll- streckung und der bedingten Begnadigung, ä) durch Unterbringung der jugendlichen Uebeltäter, wenn eS durchaus sein muß, in Gefängnisse für Jugendliche und Schaffmig einer besonderen Hausordnung für diese Straf- anstalten, v) durch Beseitigung des Gefängnischarakters einzelner Er- ziehungsanstalten wie durch Vermehrung aller Maßnahmen. welche die Erziehung der jugendlichen Verwahrlosten fördern können. 6. Im Interesse der verwahrlosten Jugend ist der Unter- bringung derselben in Fürsorgeerziehung vor der Jnternierung in ein ArinenhauS, Korrektionshaus oder Gefängnis der Vorzug zu geben. 7. Die Fürsorgeerziehung darf nur in seltenen Fällen durch Verbüßung von Gefängnisstrafen unte»brochen werden, da sie da- durch nur ungünstig beeinflußt wird. 8. Alle maßgebenden Faktoren, Behörden, Anstaltsleiter und Anstaltsbeamte werden auf Mittel und Wege sinnen müssen, die Fürsorgeerziehung im Sinne des Wortes zu handhaben. Die Zöglinge müssen mit Liebe, Geduld und Nachsicht und vor allem unter Berücksichtigung ihrer Individualität behandelt werden; dann wird die Furcht vor der Fürsorgeerziehung aus den Köpfen der jugendlichen Verwahrlosten schwinden. Sie werden das Ge- fängnis nicht aufsuchen und der Zweck des Fiirsorgeerziehungs- gesetzes wird sicherer erreicht werden. Gefängnisdirektor H ü l s b e r g- Wohlau: Der Prügelstrafe werde niemand das Wort reden wollen. Man habe in früheren Jahren mit der Prügelstrafe nichts erzielt. AlS internes Disziplinar- inittel bei ganz außergewöhnlichen Roheiten wäre die Prügelstrafe für jugendliche Gefangene vielleicht wünschenswert. Eine betrübende Erscheinung sei es, daß aus der Fürsorgeanstalt Entwichene auf ihrer verbotenen Wanderschaft Straftaten begehe», um nicht zurück in die Erziehungsanstalten, sondern ins Gefängnis zu kommen. Fast bei jeder Neueinlieferung erlebe man es, daß die Burschen auf die Frage nach dem Grunde ihres EntlaufenS und ihrer Straftat in freimütig frivoler Weife erklären: Ich wollte ins Gefängnis, in die Erziehungs- anstalt bringt mich keiner mehr hinein. Allerdings sei dies die Hefe der Zöglinge. Ein großer Ucbelstand sei, daß ein sehr großer Teil der Knaben viel zu spät in die Fürsorgeerziehung komme, oft- mals wenn sie schon ein- oder mehrere Male im Gefängnis waren. Oftmals haben ihn, jugendliche rückfällige Verbrecher erklärt:„Wenn mir das erste Mal die Strafe erlassen worden und ich dafür gleich in eine Erziehungsanstalt gekommen wäre, so wäre ich jetzt ein ordentlicher Junge, hätte etwas Tüchtiges gelernt und wäre vielleicht nie mehr vor den Strafrichtcr gekommen." Es empfehle sich auch, jugendliche Strafgefangene»ach Verbüßung ihrer Strafe, anstatt in eine Erziehungsanstalt in eine geordnete Familienpflege bei einem Bauer oder Handwerker unterzubringen. Die Furcht der Jungen vor der Fürsorgeerziehung sei selb st ver- ständlich eine unnatürliche Erscheinung. Wir müssen uns vielleicht sagen, daß die Für- sorge für unsere verbrecherische Jugend nicht immer in der rechten Weise gehandhabt wird, daß Mängel und Schäden zutage getreten sind, die eine dringende Abstellung, eine gründliche Re- form erheischen. Heute, wo die Familienverhältnisse in breiten Schichten mehr oder minder zerrüttet, die Familicnbande gelockert seien, zumal in den Städten und großen Industriezentren, wachsen viele Kinder ohne Liebe, ohne Pflege, ohne Lebensfreude auf. Da müssen sie dem Vater alltäglich das nötige Ouantum Schnaps holen, werden oft auf Bettel und Diebstahl ausgeschickt, da hören sie stets schimpfen auf jegliche Autorität, auf die Obrigkeit, Kirche und Schule. Die konfirmierten Knaben treten nur zu einem geringen Teil in die Lehre; die meisten gehen bloß auf Arbeit und werden gewöhnlich Fabrikarbeiter. Als solche sind sie vollständig Herren über ihre freie Zeit, allen schlechten Einflüssen preisgegeben. Da gilt es frühzeitig den Hebel der Bewahrung und Rettung anzusetzen, ehe die Ver- brecherlaufbahn beschritten wird. Die strafunmündigen Kinder müssen einer sorgfältigen, geordneten Erziehung zugeführt, die aus der Schule entlassenen in Fortbildungsschulen zusammengehalten, in Jünglings- vereinen gesammelt werden. Errichtung von Jugendgerichten. Unbedeutende Vergehen von Schulkindern dürften nicht auf ge- richtlichem Wege, sondern auf dem der Schulzucht geahndet werden. Wahrlich, eS tut mir jedesmal rn der Seele weh, und ich finde es allen pädagogischen Anschauungen ins Gesicht geschlagen, wenn Bürschchen, die kaum über den Tisch sehen können, aus der Schule heraus- gerissen, ins Gefängnis eingeliefert werden. Sie schauen gewöhnlich fröhlich drein, als hätten sie auch nicht im geringsten etwas verbrochen, als müßte es so sein, daß sie einmal zur Abwechselung hinter Schloß und Riegel kominen. Oftmals weinen sie jämmerlich, daß sie in die einsame Zelle wandern und fortan ans Monate der Anflicht von Vater und Mutter ent- behren sollen. Fürwahr, eS ist eine Härte, solchen un- gezogenen Jungen, die vermöge ihres unklaren Sittlichkeits- vewußtseins und ihrer �bestimmbaren.Charakterbildung! leicht be» stimmbar sind, wegen geringfügiger Bergehen für ihr ganzes Leben den Stempel von Verbrechern aufzudrücken. Und welche Gefahr erwächst aus der Rückkehr eines Knaben aus dem Gefängnis in die Schule seines Heimatortes für seine Kameraden? Es ist dringend notwendig, daß der Richter von dem§ 56 des Strafgesetzbuches, dem sogenannten Einsichts-Paragraphen, den weitesten Gebrauch mache. lI 56 Str.-G.-B. besagt: Ein Angeschuldigter, welcher zu einer Zeit, als er das zwölfte, aber nicht das achtzehnte Lebensjahr vollendet hatte, eine strafbare Handlung begangen hat, ist frei- zusprechen, wenn er bei Begehung derselben die zur Erkenntnis ihrer Strafbarkeit erforderliche Einsicht nicht besaß). Es empfiehlt sich nach dem Vorbilde anderer Staaten die Einrichtung von Jugend- geeichten, auch für Jugendliche von 14 bis 18 Jahren bei- erstmaligem Fehltritt. Jugendliche müssen nach Möglichkeit vor dem Gefängnis verschont und lieber der Strafe der Zwangserziehung überwiesen werden. Die Feststellung de? Vorhandenseins oder Fehlens der Einsicht ist eine der schwierigsten Aufgaben. Die heilsamen Folgen der Bekämpfung des Verbrechens durch Erziehung zeigen sich in England. Während dort die Zahl der jugendlichen Verbrecher im beständigen Sinken begriffen ist, wächst sie bei u»S in geradezu gefahrdrohender Weife. Fast 5000 Jugendliche werden jährlich bestraft, das sind 9 Proz. aller Gesetzes- brecher überhaupt. 24 Proz. sind bereits ein- oder mehrere Male vorbestraft. Als Strafverbüßungsanstalten für Jugendliche dürfen selbstverständlich nur solche Gefängnisse in Frage kommen, die ent- weder ausschließlich für Jugendliche bestimmt sind, oder eine Jugend- abteilung aufweisen, in der die Insassen von jedem Verkehr mit er- wachsenen Verbrechern ausgeschlossen sind. Die wichtigste Frage im Strafvollzug an den Jugend- lichen ist: WaS soll mit den Entlassenen geschehen? Er versuche es mit der Unterbringung in einer Dienst« oder Lehrstelle. Jungen, die sich im Gefängnis gut geführt und fleißig gearbeitet haben, sollte man nicht nachträglich, gewissermaßen als Nachkur in eine Erziehungsanstalt bringen. Zum mindesten sollte man vorher ein Gutachten der Gefängnisdirektion über ihr Verhalten einholen. „Kein Willckum". Sehr zu empfehlen sei es, die Zöglinge in den Erziehungs- anstalten so zu behandeln, daß sie zu der Einsicht kominen, die Anstalt wolle ihnen das Vaterhaus ersetzen. Es müsse den Jungen gesagt werden, daß ihnen beim Eintritt in die Anstalt kein „Willekum"(Prügel) winkt. Gänzlich falsch sei, Zöglinge zur Straf- verbüßung ans der Erziehungsanstalt ins Gefängnis zu führen. Es müßten Einrichtungen getroffen werden, kurze Gefängnisstrafen in den Anstatten abbüßen zu lassen. Durch solches Eintreten für die Zöglinge wachse ihr Vertrauen, und sie gewinnen die Anstalt und ihren Leiter lieb. Letzterer müsse überhaupt in engster Beziehung zu den Zöglingen stehen, so daß sie zu ihm aufblicke» wie zu einem Vater, dem sie zu jeder Zeit alle ihre großen und kleinen Sorgen und Wünsche ohne Scheu vortragen. Zu letzteren gehört auch die Befriedigung ihres gewöhnlich kolossalen Appetits. Lassen wir die Jungen sich ruhig einmal den Magen überladen, wir haben es auch früher manchmal getan.(Heiterkeit.) Allerdings müsse der Leiter der Anstalt auch für HülfSkräfte sorgen, die nicht meinen, mit Schimpfen, Fluchen und heimlicher Verabreichung von Püffen werde die beste Erziehung getrieben, die vielmehr durch väterliche, wohl- wollende, wenn auch ernste und strenge Behandlung zeigen, daß sie mit den Zöglingen fühlen und ihr Bestes im Auge habe». Wenn die Erholungszeit der Zöglinge nicht zu knapp bemessen werde, wenn mit den Zöglingen größere Spaziergänge unternommen, tägliche Turnübungen und Bewegungsspiele, bei festlichen Gelegenheiten thcatra- tische und inusikalische Aufführungen veranstaltet werden, wenn ihnen gute Unterhalluugsbücher und Spiele zur Verfügung stehen, kurz, wenn die Zöglinge in allen Einrichtungen und Veranstaltungen sehen, daß man ihnen das Elternhaus möglichst ersetzen wolle, dann werden sie die Anstalt als ihre zweite Heimat ansehen.(Lebhafter, lang- anhaltender Beifall.) Pastor Roth- Gr.-Rosen: Die JungenS ziehen das Gefängnis der Erziehungsanstalt vor, weil in dem ersteren genau die Dauer bemessen sei. Es müsse auch Verbitterung hervorrufen, wenn ent- gegen dem Grundsatz:„No bis in idorn", die JungenS nach der Strafverbüßung noch in eine Erziehungsanstalt kommen. Pastor E i ch b e r g- Groß-Strchlitz: Man solle in erster Reihe eine Besserung jugendlicher Verbrecher ins Auge fassen. Gefängnis- oder Zuchthausstrafen tragen aber keineswegs dazu bei, dafür sprechen die vielen Rückfälligkeiten. ES empfehle sich daS Apostel- wort bei den jugendlichen Verbrechern:„Glaube, Liebe. Hoffnung, diese drei, und die Liebe ist die größeste unter ihnen", praktisch zur Anwendung zu bringen. Oberlehrer B l u n k- Ohlsdorf bei Hamburg: In Hamburg habe man noch niemals gehört, daß Fürsorgczöglinge den Aufenthalt im Gefängnis der Erziehungsanstalt vorziehen. Der Redner trat im weiteren für Errichtung von Jugendgerichten nach dem Vorbilde von Nordamerika ein.— Pfarrer Peters(Plötzensee bei Berlin) betonte in längerer Rede die Notwendigkeit, sich zu entscheiden, ob Erziehungsanstalt oder Gefängnis. BormimdschastSgerichte. Pastor Seifert- Strausberg befürlvortete folgenden Antrag>. „Der allgemeine Fürsorgeerziehungstag spricht den Wunsch aus, daß die Straffachen gegen Jugendliche, soweit eS irgend möglich ist. demselben Richter wie die Vormundschaftssachen überwiesen werden und daß für eine zweckmäßige Schulung dieser Richter Sorge ge- tragen wird." Anstaltsvorsteher K a u d e r- Grottkau teilte eine Reihe von Eittweichungen mit. Trotzdem befürwortete er nicht gefängnisartige Einrichtungen, sondern liebevolle Behandlung.— Frau Rcgierimgs- rat Weg» er-Breslau: Ganz besonders für Mädchen empfehlen sich Jugendgerichte. Mädchen werden von den Strasitichteru oftmals in einer Weife ausgefragt, daß, wenn sie noch nicht ganz verdorben feien, sittlich gefährdet werden. Die Rednerin beantragt im weiteren, zu beschließen, an zuständiger Stelle vorstellig zu werden, daß das Strasinündigkeitsalter auf das sechzehnte, die bedingte Zurechnung?- fähigkeit aus das 21 sie Lebensjahr heraufgesetzt werde. RegierungSaffessor Dr. K n a p p e- Brannschwcig teilte mit. daß in Braunschweig bereits Bestimmungen für den Strafvollzug Jugend- licher getroffen sei. Fräulein Cäcilie Sachs(Breslau) rügte es. daß die Unter- bringung Jugendlicher in die Fürsorgeanstalten oftmals wegen des Streites, ob Staat oder Gemeinde d,e Kosten zu tragen haben, eine ganz ungebührlich lange Verzögerung erfahren. Pastor Backhausen(Hannover) befürwortete folgenden An- trag: „Der Allgemeine Fürsorgeerziehungstag richtet an den Herrn Justizminister die Bitte, die Strafrichter anzuweisen, daß ein Jugendlicher, wenn er in die Fürsorgeerziehung überwiesen ist, wegen derjenigen Vergehen, die seine Ueberweisung in die Für- sorgeerziehung herbeiführten, nicht auch zugleich bestrast wird, fondern das Verfahren gegen ihn einzustellen ist, falls die Art deS Vergehens es irgendwie zuläßt." Auf Antrag des Oberlehrers B l u n k- Ohlsdorf wurde be- schloffen, sämtliche Anträge dem Vorstände zur Berücksichtigung zu überweisen. Diesem Antrage wurde zugestimmt. Pastor B I o ch w i tz- Frankfurt a. O. sprach über: Die Schwierigkeit der Erziehung der älteren weiblichen Fürsorge» zöglinge, insonderheit der Prostituierten. Der Redner legte seinem Vortrage folgende Leitfäden zugrunde: 1. Die Größe der Schwierigkeit wird offenbar, wenn dos Ziel der Aufgabe, die Zöglinge zu religiös-sittlichen Persönlich- reiten«u erziehen, mit dem Zustand religlös-sittlicher Verkommen« heit verglichen wird, in dem die Mädchen den Erziehungsanstalten zugeführt werden. 2. Die sittliche Verkommenheit der Zöglinge hat meist in der Verderbtheit aller sittlichen Anschauungen ihren Grund und tritt in dem lügenhaften, heuchlerischen, trägen und ungehorsamen Wesen der Zöglinge zutage. S. Grosie Schwierigkeit für die Erziehung bieten die Verderb- lichen Einflüsse, die von sittlich verkommenen Familienangehörigen auf die Zöglinge ausgehen. Auch können diese unter sich einen Verderblichen Emflufz auf einander ausüben. 4. Sofern die Fehler der Zöglinge nicht auf krankhafter Natur- anläge beruhen, ist eine Besserung durch Erziehungsanstalten mög- lich und erfahrungsgemäß bei der größeren Zahl der Zöglinge eingetreten. Mit den üblichen Danlesreden wurde der Erziehungstag ge- schlössen. Der nächste im Jahre 1908 abzuhaltende Fürsorgeerziehungstag soll in Südwestdeutschland stattfinden. Verbaudstag der Schuhmacher. Nürnberg, 13. Juni. Dritter Verhandlungstag. Der erste Vorsitzende Simon teilt mit, daß ein sehr tätiges und fleißiges Mitglied der Zahlstelle Nürnberg, der Kollege Philipp, im städtischen Krankenhause verstorben ist. Der Vorstand wird bc- auftragt, bei der Beerdigung einen Kranz im Namen der General- Versammlung am Grabe niederzulegen. Zu Ehren des Verstorbenen erheben sich die Versammelten von den Sitzen. Dann erhält der Vertreter der Gencralkommission, K n o l l, das Wort. Er bemerkt, die gestrigen Auseinandersetzungen zwischen Ausschutz und Vorstand hätten ihm bewiesen, daß das Verhältnis zwischen den beiden wichtigen Körperschaften nicht ein solches sei, wie es erforderlich wäre, wenn ein gedeihliches Zusammenwirken im Interesse der Gewerkschaft zustande kommen solle. Wenn man Reibungen in Zukunft vermeiden wolle, so müsse man sich'dazu ent- schließen, an dem Statut eine organische Operation vorzunehmen in der Weise, daß der Ausschuß nicht als Kontrollorgan für den Vor- stand, sondern als Bcschwcrdeinstanz eingesetzt wird. Darauf erhalten die Berichterstatter das Schlußwort. Der erste Vorsitzende Simon geht aus die verschiedenen Bemängelungen, die in bezug auf Maßnahmen des Vorstandes vorgebracht wurden, ein und sucht dessen Haltung in verschiedenen Angelegenheiten zu rechtfertigen. Schließlich verwahrt sich Redner nochmals dagegen, daß der Vorstand bei Anstellung von Gaubeamten nicht von fach- lichen Gründen, sondern von persönlichen Gefühlen geleitet worden sei. Endlich weist er die Bemerkung Haupts zurück, daß er, Simon, in der Sache Schaumburg den Kollegen Göller als Sprachrohr benützt habe. Er habe mit Göller über den Fall Schaumburg über- Haupt nicht gesprochen. Haupt- Magdeburg verteidigt in seinem Schlußwort zum Ausschuhbericht die Entscheidungen des Ausschusses. Er habe nichts dagegen, wenn in Zukunft der Ausschuß bei Anstellungen nicht mehr mitreden dürfe. Gegenüber den Ausführungen Knolls bemerkt er, es sei tatsächlich richtig, daß Reibungsflächen zwischen Vorstand und Ausschuß vorhanden sind, aber es sei nicht richtig, den Ausschutz bloß als Beschwerdeinstanz bestehen zu lassen. Er müsse als Kontrollinstanz schon in Rücksicht auf die Revisionen der Kasse be- stehen bleiben. Daß das Verhältnis zum Fachblatt bleibt, wie cS jetzt ist, so lange Bock an der Spitze desselben steht, dagegen habe er nichts, zu der Anregung, daß verschiedene Punkte vertraglich festgesetzt werden, sei er nur durch verschiedene Umstände gekommen, da die Ausgaben für Expedition plötzlich gestiegen seien usw. Zum Schluß erklärt er, wenn er den Verlauf der Verhandlungen an sich vorüberziehen lasse, so müsse er sagen, er sei herzlich froh, daß der Ausschuß seine Entscheidungen so getroffen hat, wie geschehen. Bock- Gotha bemerkt nochmals, daß ein Vertrag wegen des Fachblatts schon existiert. Mit dem Verband werde über alle Aus- gaben genau abgerechnet. Die Erhöhung der Ausgaben für die Expedition rühre daher, daß früher die Expedition des Fachblatts von der Expedition des Gothaer„Volksblattcs" mit versehen wurde. Als die Auflage noch klein war, zahlte der Verband einen kleinen Teil des Gehalts des Expedienten; die Auflage sei aber inzwischen so gestiegen, daß zur Expedition eine Arbeitskraft vollständig ab- sorbiert wird, deshalb habe der Verlag des„Volksblatt" gefordert, daß der Verband das volle Gehalt des Expedienten zu bezahlen habe. Nach einer kurzen Diskussion entscheidet sich die Versammlung für die Anstellung eines zweiten Kassierers. Dem Vorstand und Ausschuß wird Entlastung erteilt. Alsdann erfolgt die Spezialdiskussion und Abstimmung über die allgemeinen Anträge. ES wird zunächst der Antrag angenommen, wonach der Vorstand die Rückzahlungen nicht unter„sonstige Einnahmen", sondern als Rückzahlungen zu buchen hat. Hammacher- Berlin tritt für Anstellung eines Gau- bcamten für die Provinzen Ost- und Westpreußen ein, welcher der polnischen Sprache mächtig sein soll. Das Gleiche befürwortet F r o h n- Stettin. Ebenso tritt Knoll-Berlin als Vertreter der Generalkommission für Anstellung eines polnisch sprechenden Be- amten ein. Es handle sich darum, der großpolnischen Agitation in diesen Gegenden wirksam entgegenzutreten. Simon- Nürnberg weist auf die Schwierigkeiten der Agitation in diesen Gegenden hin. Die Schuhindustrie habe in letzter Zeit dort sehr an Ausdehnung gewonnen. Er empfiehlt ebenfalls die Anstellung eines Beamten für diese Gegend. Der Antrag, aus Berlin und seinen Vororten einen eigenen Gau zu bilden, wird abgelehnt. K u r f e ß- Tuttlingen tritt für Anstellung eines Ortsbeamten für Tuttlingen ein.— Haupt- Magdeburg macht den Vorschlag, die Zahlstellen, in denen Ortsbcamte notwendig sind, sollen für Vcr- waltungs- und Agitationszwecke einen Lokalzuschlag von 5 Pf. pro Mitglied und Woche einführen. Unter dieser Voraussetzung wird die Anstellung eines Ortsbeamten für Tuttlingen gutgeheißen.— Ucber die Anträge, gegen den übermäßigen Alkoholgenuß eine bc- sondere Agitation zu entfalten, wird zur Tagesordnung über- gegangen. Diese Bekämpfung wird für selbstverständlich erachtet.— Tie Anträge,»die auf Errichtung und Förderung von Arbeitsnach. weisen hinzielen, werden dem Vorstand zur Berücksichtigung über» wiesen. Weilers- Erfurt tritt für die Anstellung eines Gau- beamten in Thüringen und Provinz Sachsen ein mit dem Sitz in Erfurt. Unter den heutigen Verhältnissen könne von einer plan- mäßigen Agitation nicht die Rede sein. Für diesen großen Gau sei ein selbständiger Gaubeamtcr notwendig. Schilling- Magdeburg und Haupt- Magdeburg unterstutzen den Antrag, beide erklären sich icdoch dafür, daß der Sitz der Gauvcrwaltung nach Halle verlegt werde.— Dietrich-Erfurt wünscht, daß der Sitz der Gauleitung in Erfurt belassen werde. Die Anstellung eines Gäubeamten für Thüringen und Provinz Sachsen wird beschlossen, doch kommt der Sitz nach Halle. XV. GtNtrlllvtrsammlnng des Verbandes der Vrauerei- Arbeiter. tli. Köln, den 13. Juni 1906. (Erster Verhandlungstag.) Nach Eröffnung der Sitzung durch H o d a p p- Berlin werden zunächst geschäftliche Angelegenheiten erledigt. � Den Bericht des Hauptvorstandes erstattet Bauer. Die Kämpfe der letzten zwei Jahre haben viel Arbeit gebracht. Allein 22 Angriffstreiks seien notwendig gewesen. Die Aussperrungen und Matzregelungen haben 62 Abwchrstreiks erfordert. In 679 Be- trieben mit 27 000 Arbeitern sind bessere Lohn- und Arbeits- bedingungcn errungen. Bei der Massenarbeit habe leider der Vor- stand nicht immer genügend Unterstützung gefunden. Die Anstellung pon Gaubeamten sei ein sehr glücklicher Beschlutz gewesen. Ohne- dem hätte man den vielen Angriffen der Unternehmer nicht stand» halten können, noch viel weniger eine genügende Agitation treiben können. Zwar seien nicht alle Erfolge auf die Tätigkeit der Gau- bcamten zu setzen, aber immerhin hätten sie sich bezahlt gemacht. Seit 1904 ist die Zahl der Zahlstellen von 163 auf 224 und die Mitgliedcrzahl von 18 000 auf 26 000 gewachsen. Die vom letzten Verbandstage beschlossene Statistik über Sonntagsarbeiten habe nicht ausgeführt werden können, weil nur zirka 20 Zahlstellen die Frage- bogen ausgefüllt haben. Der Aufruf des Vorstandes zu dem Protest gegen die Braustcuer sei nicht genügend beachtet. Die starke Fluk- tuation der Mitglieder beweise, daß immer noch mehr zur Erhal- tung des Mitgliederbestandes getan werden müsse. Die Bestimmung über die Gewährung von Sterbegeld werde vielfach mißbraucht. Die Rechtsschutzansprüche sind von 90 auf 246 Fälle gewachsen und die dafür verwandten Ausgaben von 3520 M. auf 10 791 M. Redner kritisiert es ferner, daß sich einzelne Zahlstellen nicht dem neuen Wahlmodus unterworfen haben und daß einzelne Delegierte mit gebundenen Mandaten kommen. Da das Fundament einer Organi- sation eine gute Kasse sei, möge die General-Bersammlung für Stärkung des Kriegsfonds Sorge tragen. Auch weist der Redner darauf hin, daß sich die weitere Anstellung von Gaubeamten not- wendig mache. In mancher Hinsicht seien dem Vorstand zu sehr die Hände gebunden. Kager! gibt den Kassenbericht. Die Ein- nähmen sind auf mehr als das Doppelte gestiegen, aber auch die Unterstützungsansprüche sind erheblich gewachsen. Zu beklagen sei die saumselige Abrechnung vieler Zahlstellen. Die erhebliche Mehr- arbeit erfordere eine Reformierung des Kastenwesens. Die Bilanz am Jahresschluß weist eine Einnahme von 436 278,04 M. und eine Ausgabe von 426 411,81 M. auf. Der Bestand beträgt zurzeit 142 000 M.— Krieg gibt einen kurzen Bericht über die Re- daktionstätigkeit des Fachorgans. K a st n e r- Berlin ist mit der Haltung des Fachorgans zum 1. Mai nicht einverstanden. Ein Gedicht von vier Strophen sei keine Propagierung der Forderungen, wie sie am 1. Mai von der gesamten klassenbewußten Arbeiterschaft vertreten würden. Wenn eine Fachzeitung noch so klein sei, ein Leitartikel für die Klassen- forderungen am 1. Mai müsse von jeder Arbeiterzeitung gefordert werden.(Sehr richtig I) Die weitere Diskussion dreht sich fast immer um dieselbe Materie. Teilweise sollen die Leistungen der Beamten den Erwartungen nicht entsprechen; von der großen Mehr- heit der Delegierten wird jedoch die Tätigkeit der Gaubeamten an- erkannt und eine Vermehrung der Gau- und Lokalbeamten ge- fordert.— Seitens des Kassierers Kager! wird gefordert, daß die Gaubcamten für eine pünktliche Abrechnung der ihnen unter- stellten Zahlstellen verpflichtet werden sollen, auch wünscht Redner, daß den Zahlstellen ein bestimmter Satz von etwa 20 Proz. am Orte verbleibt. Bezüglich der statistischen Berichte verweist Redner auf die Berichte der Generalkommission. A m b o r n- Erfurt macht u. a. den Delegierten des Verbandes zum Kölner Gewerkschaftskongreß Vorwürfe, weil sie nicht für die Resolution Glocke eingetreten sind.— In seinem Schlußwort reka» pituliert Bauer nochmals die Stellung des Hauptvorstandes.— Auch Kager! vertritt nochmals die Reformvorschläge bezüglich der Kassenführung.— K r i eg sucht ebenfalls die gegen die Re- daktion des Fachorgans erhobenen Vorwürfe zu entkräften. Redner wundert sich, daß man ihm erst jetzt Vorwürfe macht wegen des Fehlens von Maifeierartikeln im Fachorgan, er habe schon seit fünf Jahren dieselbe Praxis geübt und befinde sich dabei in guter Ge- scllschast, nämlich in der des„Correspondenzblatt" der General- kommission. Es scheine wohl, als ob die jetzige Strömung auch auf die Verbandskollegen eingewirkt habe. Erst wenn offiziell der Gewerkschaftskongreß eine andere Haltung einnehme wie bisher, sei diese Frage spruchreif. Wenn die„Braucr-Zeitung" für die Propagierung der Arbeitsruhe am 1. Mai eintrete, könnten durch Ruhenlassen der Arbeit Kosten entstehen, die dann vielleicht an anderer Stelle sehr fehlen würden.(Ohorufel) Die„Brauer- Zeitung" solle mehr Politik treiben— was denn für Politik? In bezug auf die Vertretung von Arbeiterschutz habe das Fachorgan mindestens dasselbe geleistet wie andere Gewerkschaftsblätter. In» deß werde er dennoch dem Wunsche nach einem Mai-Leitartikel in Zukunft gerecht werden. Bezüglich des gewünschten Ausbaues der „Braucr-Zeitung" müsse von vornherein mit der Anstellung eines zweiten Redakteurs oder mit einer Entlastung seiner(Kriegs) Person in anderer Hinsicht gerechnet werden.— Es wird darauf dem Hauptvorstande Decharge erteilt.— Jakob- München berichtet für die Mandats-Prüfungskommifiion, daß alle Mandate ein- wandsfrei und daß auch die beiden Proteste hinfällig seien. Die Mandate werden anerkannt, und die Beschwerden gegen den Aus- schluß mehrerer Mitglieder einer fünfgliederigen Beschwerdekommis- sion überwiesen. Richter. Berlin erstattet hierauf den Bericht des Ausschusses, woraus zu ersehen, daß Vorstand und Ausschuß mehrfach ver- schiedener Meinung gewesen sind. Die strittigen Punkte werden auf Antrag Tröger-Amborn einer fünfgliederigen Kommission zur Vorheratung überwiesen. Soziales* Bon der gesicherten Stellung der Forparbeiter in Lychen. Für die selbstherrliche Stellung der Polizeigewaltigen, die fast rechtlose Stellung der Arbeiter und die soziale Rückständigkeit der Verhältnisse auf dem platten Lande und in den kleinen Städten Ost- elbienS ist folgender Bericht kennzeichnend, der uns aus Lychen, einem kleinen Städtchen im Kreise Templin(Provinz Brandenburg) zugeht. Der 63 Jahre alte städtische Arbeiter Fritz Hoffmann in Lychen war 25 Jahre lang Forstarbeiter, in den letzten fiinf Jahren Vor- arbeiter. Seine Arbeit hat er zur vollsten Zufriedenheit ausgeführt. Das besagt nachfolgendes ihm vom Stadtförster über die letzten acht Jahre im Oktober 1905 ausgestellte Attest: „Hiermit bescheinige ich dem Fritz Hoffmann auS Lychen, daß derselbe unter mir in der Zeit vom Oktober 1892 bis 9. Oktober 1905 als Waldarbeiter in der Stadtforst Lychen beschäftigt war, und zwar in den ersten drei Jahren als Arbeiter, in den letzten fiinf Jahren als Vorarbeiter. Der Fritz Hoffmann hat sich in dieser Zeit stets als ein nüchterner, be- scheidener. fleißiger, zuverlässiger, ehrlicher Mensch gezeigt." Hoffmann ist jetzt obdach- und beschäftigungslos. Weshalb? Weil er eine vom Bürgermeister Bachhuber gegen seinen Sohn ge- richtete Beleidigung(„Du grüner 16 jähriger Junge") nicht ruhigem« stecken wollte. Der Fall liegt wie folgt. Hoffmann bewohnt seit 18 Jahren in Lychen gegen einen viertel- jährlichen Mietszins von 13,50 M. eine Wohnung im städtischen Armenhause zu Lychen. Im Oktober 1905 wurde bei seinem Sohn von dem Bürgermeister Bachhuber und dem Polizeidiener Stimm eine Haussuchung abgehalten. Hierbei fiel die oben wiedergegebene Apostrophierung des Sohnes durch den Bürgermeister. Gegen diese wendete sich begreiflicherweise der Vater. Der wegen dieser Be- leidigung angestellte Sühneversuch blieb erfolglos. Das zwecks An- strengung der Beleidigungsklage gegen den Bürgermeister und Polizeiverwaltcr erbetene Armenattcst wurde von der Polizei- Verwaltung in Lychen verweigert. Eine Beschwerde beim Landrat deS Templiner Kreises wutde mit der Begründung zurückgewiesen, daß Hoffmann bei einem Verdienst von— 2 M. bis 2,25 täglich „sehr wohl in der Lage sei, die durch Inanspruchnahme der Rechts- hülfe erwachsenden Kosten zu tragen" I Nach der Beleidigung deS 16jährigen Sohnes de? Hoffmann durch den Bürgermeister wurde dem Hoffmann die Wohnung zum 1. Januar 1906 gekündigt. Ferner setzte der Bürgermeister durch. daß dem alten Manne, der einBierteljahrhundert laug vorwurfsfrei für die Stadt seine Arbeits- kraft verwendet hatte, feine Stellung als Forst« arbeiter gekündigt wurde. Aber damit nicht genug. Hoffmann erhielt am 1. Januar keine Wohnung. Er blieb des- halb m feiner Mietswohnung im Armenhause wohnen. Die Stadt- gemeinde zog auch in der ersten Hälfte des Januar die Vierteljahrs« miete ein. Kurz darauf wurde dem Hoffmann die Miete zurück- gezahlt, weil die Einziehung versehentlich erfolgt sei und— der Bürgermeister strengte gegen Hoffnmnn die Exmissionsklage an. Im Verhandlungstermin machte ihn der Richter darauf auf- merksam. daß die Klage wohl abgewiesen werden müsse. Daraus schloß er mit Hoffmann vor Gericht einen Vergleich dahin, daß der Bürgermeister sämtliche gerichtlichen und außergerichtlichen Kosten übernehme, während Hoffmann sich verpflichtete, die Wohnung am 1. April zu räumen. Der durch die plötzliche Entlassung aus städtischen Diensten arbeitslos gewordene Hoffmann vermochte auch zum 1. April keine Wohnung zu finden. Bereits am Mittag deS 2. April wurde Hoff- mann aus dem Armenhause auf Grund des erwähnten Vergleichs ernüttiert. seine Habseligkeiten wurden auf die Straße gesetzt, zwei Schinken stör die im Januar gezahlte und zurückgezahlte Miete retiniert. Die Sachen wurden schließlich in der Cholerabaracke und auf dem Hospitalhof untergebracht. Hoff- mann war es unmöglich. eine Wohnung zu erhalten. Auf sein dringendes Ersuchen um Obdach wurde ihm und seiner Familie eine kleine Arrestzelle angewiesen, deren Fenster mit schwarzem Kasten abgedeckt ist. In dieser Verbrecherzelle blieb Hoffmann nicht. Seine Frau ging auswärts zu Verwandten, er selbst nächttgte mal bei einem seiner Schwiegersöhne, mal im Freien. Die bescheidene Wohnung im Armenhause, aus der Hoffmann nach 18 jährigem Mietsverhältnis so hartherzig exmittiert ivurde. ist jetzt an einen siebenmal wegen Diebstahls vorbestraften Mann ver» mietet. Alle Gesuche Hoffmanns an die Stadtverordneten- Ver- samnilung sind erfolglos geblieben. Nach 28 jähriger Arbeit aufs Pflaster geworfen, exmittiert, ohne Besitz seiner Habseligkeiten— das ist das LoS eines Forstarbelters in dem Lande, in dem nach bekanntem Ausspruch für den Arbeiter bis an sein Lebensende gesorgt sein soll. Dies für ostelbische Verhältnisse typische Vorgehen des Burger- Meisters und des Landrats hat in Lychen und Umgegend recht re- volutionierend gewirkt. Möge es auch darüber hinaus in derselben Weise wirken. Mit Worten loird die.Sozialreform" Deutschlands gepriesen, in der Tat steht Ostelbien voran in bornierter absolu- listischer und antisozialer Betätigung. Wer nicht selbst durch Eintritt in die politischen Vereine der Sozialdemokratie gegen diese Wirtschaft einttitt, macht sich zum Mitschuldigen solcher Zustände._ Unsere Genossen im Templiner Kreise können den Behörden für ihre un- bewußte rastlose Agitation zur Unzufriedenheit und damit zum Nachdenken und zum Anschluß an die sozialdemokratischen Organi- sationen dankbar sein. Bei der nächsten Reichstagswahl soll dieser Dank urkundliche Bestättgung in Form sozialdemokratischer Stimm- zettel finden._ Warnung an Landarbeiter! Die Landivirtschaftskammer der Provinz Brandenburg benutzt den amtlichen Teil der Kreisblätter, um die Landwirte zu ersuchen, möglichst bald wegen Besorgung von Wanderarbeitern für dieses Jahr sich an da? Arbeitsamt in der Koppenstraße und an die in der Provinz befindlichen Arbeitsamtsnebenstellen zu wenden. An einer anderen Stelle des amtlichen Teils macht die Landivirtschaftskammer bekannt, welche.Kontraktbruchsfälle" in den Monaten März und April 1906 zu ihrer Kenntnis gelangt sind. Sie teilt unter Anführung des Standes und Namens, Alters und Geschlechts dann die Namen von 33 landwirffchastlichen Arbeitern mit, gibt den jetzigen Auf- enthalt der Kontraktbrüchigen, soweit dies der Kammer möglich ist (das ist in 4 Fällen), bekannt und veröffentlicht, daß in 2 Fällen eine Bestrafung(zu 5 bezw. 15 M.) erfolgte, in 2 weiteren Fällen die Strafverfolgung eingeleitet ist. Zum Schluß ersucht die Land- wirtschaftSkamnier,„geeignete Maßnahmen zur Ermittelung der 29 Personen mit unbekanntem Aufenthalt zu tteffen" und richtet an die Landwirte die Bitte, fernere Fälle des KonttaktbrucheS ihm mit- teilen zu wollen. Diese steckbriefähnliche Verfolgung wird von der Landwirffchafts- kammer ständig getrieben. Sie maßt sich damit eine Verrufserklärung von Arbeitern an, zu der weder sie, noch die Arbeitgeber berechtigt sürd, die sie mit Mitteilungen versorgt haben. Bon den vielen, teilweise ge- richtlich festgestellten Fällen des KonttaktbrucheS durch Arbeit g e b e r teilt die Landwirtschaftskannner wohlweislich keinen mit. Sie unter- läßt es auch, die Gründe anzugeben, weshalb die Arbeiter—- von den 33 nainentlich Aufgeführten sind 23 Ausländer (14 Galizier, 8 Russen, 1 Ungar) ihre Arbeitsstätte verlassen haben. Man ist Ivohl berechtigt anzunehmen, daß gute Be- Handlung, hoher Lohn und Mangel an Arbeit die Arbeiter zum Verlassen des Dienstes nicht veranlaßt haben. Die Steckbriefe der Landwirtschaftskammer find ein beredtes Zeugnis ftir die jammervolle Lage der Landarbeiter. Leider wird bei den Steck- bliesen weder der Name der Arbeitgeber noch durchweg das Gut namhaft gemacht. Als„Ort, an welchem Kontraktbmch verübt wurde" wird angegeben: aus dem Kreise Ober-Barnim: Kersten- bruch in 4 Fällen. Herrenwiese in 1 Falle, Wölstckendorf in 4, Wegendorf in 2 Fällen, aus dem Kreise Teltow: Stangenhagen und NotziS in je 2 Fällen, auS BeeSkow-Storkow: Klein Eichholz in 1 Falle, aus Ost Havelland: Lobeofsund in 2 Fällen, aus dem Kreise L e b u s: Heinersdorf in 1 Fall, JakobS- dorf in 4 Fällen, aus dem Kreise Nieder-Barnim: Mahlsdorf in 4, Blumberg in 3, Nieder-Schönhausen in 2 Fällen. Aus nur einigen dieser Ortsangaben ergibt sich der Name des Gutes. Nur in diesen wenigen Fällen können ländliche Arbeiter die gegen ihre Arbeitskollegen gerichteten Steckbriefe als Warnungen auffassen. in den genannten Gütern in Arbeit zu treten. Ebenso mögen sie nach dem Vorstehenden von der Arbeitsvermittelungsstelle m der Koppenstraße sich fernhalten. Ein durchgreifendes Vorgehen gegen die Achterklärungen der Landwirtschaftskammer wird freilich erst durch eine Organisatton der ländlichen Arbeiter ermöglicht werden. Sie zu einer starken zu machen, ist jeder ländliche Arbeiter in der Lage. Sie sind für den Besitzer vielfach unentbehrlicher als er für sie. Mögen die Steckbriefe der Landwirtschaftskammer die ländlichen Arbeiter zu noch engerem Anschluß an die polittschen und gewerk- schaftlichen Vereine treiben. Gerichts-Leitung. Verpflichtung zur Aushändigung der Papiere bei Auflösung des Arbeitsverhältnisses. Als der Kassenbote L. aus seiner Beschäftigung bei der Berliner Filiale der Kyffhäuserhütte austrat, konnten seine Jnvalidenversiche- rungskarte und sein Krankenkassenbuch ihm nicht ausgehändigt werden, weil der Expedient, der sie verwahrte, abwesend war. Er hatte beides gefordert. Er kam nicht wieder und der Filialchef vergaß die Angelegenheit. Erst nach Wochen erhielt L. Ver- sicherungSkarte und Buch, nachdem er bei der Zentrale in Artern schriftlich vorstellig geworden. Durch Klage beim Gewerbe- gericht verlangte L. eine Lohnentschädigung, weil er mangels der Karte und des Buches keine andre Stellung habe antreten können. Die Kammer 5 des Gewerbegerichts verttat gegenüber den Einwänden des Filialinhabers den Standpunkt, daß Beklagter dem Kläger die Papiere hätte zusenden müssen und wegen der Ver- säumung dieser Pflicht für den daraus dem Kläger entstandenen Schaden haftbar sei. ES wäre der Arbeiter, der bei Beendigung der Vertragszeit seine Papiere nicht erhalte, nicht verpflichtet, wieder zu kommen, um sie sich abzuholen. Daß der Kläger ohne die Papiere anderweit keine Stellung bekommen habe, wäre anzunehmen.— Auf die Belehrung durch den Gerichtshof zahlte Beklagter im Vergleichswege 85 Mark an den Kläger. Die vom Gewerbegericht dargelegte Ansicht stimmt mit dem Gesetz und der überiviegenden Rechtsprechung des Gewerbegerichts überein. Im Gegensatz hierzu wurde kürzlich von dem Ge» Werbegericht in Lichtenberg in der Klagesache deS Maurers Kubanz auS Lichterfelde wider den Bauunternehmer Wagenknecht in Lichtenberg(unter Vorsitz des Gerichtsassessors Arter und Beisitz des Direktors Steinhardt, Bäckermeisters Werkmeister. Schriftsetzers Welk und Korbmachers Kummer) die irrige Ansicht vertreten, der Arbeiter sei verpflichtet, am folgenden oder einem späteren Tage die Karte zu holen. Der Kläger wurde deshalb abgewiesen. Die Urteils- gründe dieses Urteils machen ohne Angabe von Gesetzesstcllen die durchaus hinfällige mit dem Gesetz unvereinbare Bemerlung:„es mußte als genügend angesehen werden, daß der Polier des Be- klagten dem Kläger sagte, am nächsten Morgen stehe ihm die Karte zur Verfügung." Es ist vielmehr gesetzliche Pflicht des Arbeitgebers. sofort bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses die in seinem Gewahrsam befindlichen Karten, Legitimalionspapiere, Papiere usw. dem Arbeiter herauszugeben. Die Nichtinuehaltung dieser gesetz- lichen Pflicht macht nach übereinstimmender Ansicht aller Kommentatoren den Arbeitgeber regreßpflichtig. Pole oder Sozialdemokrat— also strafbar. Der obenstehende Satz scheint in den verschiedensten Varianten als„Rechtsnorm" Gerichten zu gelten. Das zeigt auch folgende Gerichtsverhandlung. Wegen Uebertretung des Vereiusgesetzes und wegen Beleidigung des Gendarmen Schauland, war der Ziegeleibesitzer SzydlowSki vom Landgericht Lissa zu Geldstrafen verurteilt worden. Die Uebertretung des Vereinsgesetzes wurde darin gefunden, daß er auf seinem Ziegcleihofe in Storchnest ein Gauturnen der Sokolvereine des 8. Gaues ihres Verbandes geduldet und auch vorher dazu eingeladen habe. obwohl die Polizei- liche Genehmigung zu einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel nicht vorlag. Das Gauturnen wurde als eine solche Ver- fammlung angesehen, zu der nach§ 9 des Vereinsgesetzes eine polizeiliche Erlaubnis erforderlich sei. Bezüglich der Beleidigung des Gendarmen führte das Gericht anS: Am Nachmittage desselben Tages habe aus Anlaß des GauturnenS im Gasthof ein Vergnügen statt- gefimden. Als gegen 8 Uhr der Bürgermeister erschien, habe SzydlowSki, der angeblich die Festleiter hier vertrat, ihn zum Verlassen des Saales aufgefordert. Viele Menschenumdrängten ihn. Dann sei der Gendarm Schanland hinzugekommen. Szydlowsli habe sofort gerufen: „Ich fordere den Gendarm zum Verlassen des Saales auf. zum ersten, zweiten, dritten und vierten Mall" Dabei habe Angeklagter den Gendarm, der in amtlicher Eigenschaft erschien, an den Bermel gefaßt. Es sei als festgestellt anzunehmen, daß er den Gendarm angesichts der versammelten Menge, habe verhöhnen und in der Ehre herabsetzen wollen. Zweifellos habe er das Bewußtsein gehabt, ihn zu beleidigen. Der Angeklagte legte Revision ein und betonte besonders, daß es ihm nicht eingefallen sei, Schauland zu beleidigen. Er habe zur fraglichen Stunde die Auf- ficht im Saal gehabt und sich für berechtigt gehalten, Bürgermeister und Gendarm hinauszuweisen. Diese hätten seiner Meinung nach nichts im Saal zu tun gehabt, da es eine geschlossene Veranstaltung gewesen sei, und so habe er nur in Ausübung seines Hausrechts ge- handelt. Daß er den Gendarm an den Arm gefaßt habe, bestreite er nach wie vor. Das Kammergericht verwarf jedoch dieser Tage die Revision mit der Begründung, daß ohne Rechtsirrtum sowohl eine Beleidigung des Gendarmen, als die Abhaltung einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel festgestellt sei.— Borge» als Entlassungsgrund. Der Inhaber eines technischen Bureaus, Herr Landü, hatte mit dem Schreibmaschinenschreiber R. gewisse Erfahrungen gemacht. Deshalb ließ er sich einen ganz spezialisierten Vertrag von ihm unterzeichnen, als er ihn zum zweitenmal in Arbeit nahm. Mit Entlassung wurde darin unter anderem für den Fall gedroht, daß R. jemanden aus dem Hause, wo sich das Bureau befindet, oder auch jemanden, der mit dem Chef in Beziehung trete, anborgt. Nach- dem R. demnächst wieder entlassen worden war, llagte er gegen Lands beim Gewerbegericht auf Lohnentschädigung wegen unberech- tigter Entlassung. Die Kammer lU wies jedoch die Klage ab. weil Kläger dadurch Grund zur Entlasiung gegeben habe, daß er entgegen den Pflichten aus dem neuen Vertrage die— Wirtschafterin des Beklagten mit öS M. anborgte. Hua Indurtm und Handel. Erhöhte Produktionskosten, mehr Dividende! Nach den Berichten der bürgerlichen Presse behauptet die Verwaltung der Niederlausitzer Kohlenwerke in ihrem Jahresbericht für 190ö/06, die Gestehungskosten hätten sich nicht unwesentlich gesteigert. Die gleichzeitig mit- geteilten Ziffern über die Betriebsergebnisse lassen solche Behauptung doch etwas sonderbar erscheinen. Es wird nämlich ausgewiesen eine Förderung von 12 22S 832 Hektoliter gegen 10 389 207 Hektoliter im Jahre vorher, mithin eine Produktionssteigerung von 17,7 Proz. Der erzielte Brtriebsüberschuß beträgt 844 90S M. gegen 634 000 M. im vorhergehenden Jahre. Das ist eine Steigerung um 33 Proz. Der Ueberschuß ist also viel mehr gestiegen als die Produktion und es können diesmal bei erhöhten Abschreibungen 8 Proz. Dividende verteilt werden, gegen nur S Prozent im Vorjahre. Wenn trotzdem die Gestehungskosten gestiegen sein sollen, dann müßten in dem Vorjahre besondere Rückstellungen und Verwendungen aus den Bctriebsergebnissen das Resultat außerordentlich beeinflußt haben. Ob in diesem Jahre Ueberweisungen für Reserven zc. aus den Betriebsergebnissen erfolgten, ist in den vorliegenden Berichten nicht augegeben. Jedenfalls hat man darauf verzichtet, da dem Reserve- sonds ein bei Ausgabe der neuen Aktien erzieltes Agio von 200000 Mark zugeflossen ist. Auf jeden Fall dürfen die Aktionäre zuftieden sein, wenn für sie bei Steigerung der Gestehungskosten eine erhöhte Dividende abfällt. Sinken der Leistungen. Mit seltener und sicher wohlberechneter Hartnäckigkeit wird seitens der Unternehmer immer wieder das Märchen verbreitet, die Leistungen der Bergarbeiter seien gesunken. Solche Betrachtungen dienen mancherlei Zwecken, in der Hauptsache aber wohl dem, gegen die Arbeiter Stimmung zu machen. Das„B. T." bringt einen Artikel„Vom rheinisch-westfälischen Kohlenmarkt", in dem es heißt: „Im Zusammenhange damit steht das Steigen der Löhne und die Zunahme der Selbstkosten. Letztere sind auf manchen Zechen erheblich gestiegen, da einmal die Preise für Materialien höher geworden und zum anderen die Leistungen der Arbeiter (pro Mann und Schicht) gegen früher beträchtlich ge- funken sind. Für das finanzielle Ergebnis kommt im Ver- gleich mit dem Vorjahr als Ausgleich in Betracht, daß die Preise am 1. April erhöht worden sind. Jedoch ist auf eine Umftage in den verschiedenen Revieren die Antwort erteilt worden, daß die höheren Preise bei den meisten Zechen durch die erhöhten Selbst- kosten aufgewogen werden." Vorläufig wollen wir nur darauf hinweisen, daß die Behauptung von der beträchtlich gesunkenen Leistung auf Schwindel beruht. Eine niedrigere Leistuugsquote wird ermittelt, indem man die gesamte Belegschaft auf die Fördermenge verrechnet. Man läßt zunächst ganz unberücksichtigt, daß in der letzten Zeit eine große Zahl ungeübter Arbeiter eingestellt worden sind. Das beeinflußte natürlich die Durchschnittsleistung. Aber was wichtiger ist, es tverden zurzeit viele Arbeiter bei Neuaulagen, Koksöfenbau usw. beschäftigt, aber auch diese Arbeiter rechnet man der kohlcusördernden Belegschaft zu. lind weiter! Die Erzeugung an Nebenprodukten und Koks wird jetzt ganz besonders forciert. Im Mai d. I. z. B. ist die Kokserzeugung auf 96,13 Proz. der Beteiligung gestiegen, gegen nur 79,35 Proz. im Mai v. Jahres. Auch das bedingte wieder eine starke Ver- mehrung der Arbeitskräfte bei diesen Arbeiten. Aber wie bemerkt, die gesamte Belegschaft wird auf die Kohlenförderung verrechnet und der gutgläubige Spießer bekommt Gelegenheit, sich über die faulen Bergarveiter zu entrüsten._ Krisis in der Großindustrie Rußlands. Unter dem überaus nachteiligen Einfluß der anhaltenden Un- ruhen in Rußland haben jetzt selbst größere Geschästsunternehmen eine überaus schwere Krisis durchzumachen, die nun dahin führt, daß solche Firmen vielfach aus einer Hand in die andere gehen. Dabei kommt es gar häufig vor, daß so manche russische Großfirma noch während der sich in die Länge ziehenden Unterhandlungen ihren Geschäftsbetrieb einstellen, den Konkurs anmelden und so das ganze Geschäft zum Spottpreis an einen anderen übergehen lassen muß. Zu solchen Opfern der jetzigen Krisis in der Groß- industrie Rußlands gehört die sibirische Firma N. D. Stachejew, die seit Jahren in fast allen größeren sibirischen Städten etabliert war, mehrere tausend Augestellte beschäftigte und einen nach vielen Millionen zählenden Jahresumsatz hatte. Um nun dieses Handels- unternehmen vor dem Ruin zu bewahren, entschloß sich Herr N. D. Stachejew, seine Firma für etwa vier Millionen Mark an die Moskauer Gesellschaft A. F. Wtorow u. Söhne abzutreten. Kaum war diese Transaftion beendet, da wurde bekannt, daß die Administration in den Angelegenheiten einer der größten Kattun- fabriken Rußlands, der in Jwanowo-Wosnesensk etablierten Firma N. N. Nowikow, sich gezwungen sah, diese an den Moskauer Baum- wollfabrilanten D. G. Burygin zu verkaufen, um die Gläubiger vor noch größeren Verlusten zu bewahren und nicht Tausende von Arbeitern brotlos zu machen. Haben selbst die Groß- firmen für Lebensmittel und Hausbedarf schon unter den wuchtigen Schlägen der revolutionären Bewegung in Rußland zu leiden. so nimmt es nicht wunder, wenn die Grubengesellschaften und sonstige Firmen der bearbeitenden Industrie ins Wanken kommen. In dieser Beziehung sind bereits eine ganze Reihe von Firmen be- kannt, die mit den Verhältmssen auf das furchtbarste ringen und schon demnächst gezwungen sein werden, ihren Betrieb zum Teil oder ganz einzustellen. Selbst eine solche Firma wie„Platin", die die im Uralgebiet liegenden reichen Platinfelder des Moskauer Handelshauses A. Kolli ausbeutet, muß jetzt trotz deS gewinnbringenden Geschäftes liquidieren. Bei der sich immer mehr jju- spitzenden Situation in Rußland ist ein Ende dieser Geschäftskrffis nicht abzusehen._ lieber Japans Industrie macht der Kommerzial-Agent Kanadas in Japan interessante Angaben, die in Ottaway, Kanada, ver- öffentlicht wurden. Während des Jahres 1904 betrug danach der Wert der aus Japan ausgefiihrten Fabrikwaren 35 700 000 Dollar, der Wert von Erzengnissen, die nur in Teilen fertiggestellt tvaren, 72 350 000 Dollar und der Wert der ausgeführten Rohprodukte 19 750 000 Dollar. Verglichen mit den Verhältnissen vor zehn Jahren ist der Export der Fabrikwaren um 216 Proz. im Werte ge- stiegen, der der Halbzeuge usw. um 172 Proz. und der der Roh- Produkte um 92 Proz. Die Zahl der Fabriken im Lande wird auf 8274 angegeben, davon haben 3741 Motoren im Betrieb. Elektrische Motoren hat man erst in 86 Fabriken, sie kommen aber immer mehr in Auf- nähme, mit Wasser als Kraftquelle. Die Einführung moderner Maschinen nimmt einen immer größeren Umfang an; man lernt ihre Wichtigkeit immer besser schätze». Ueber die Zahl der in den Fabriken angestellten Arbeiter und Arbeiterinnen wird folgendes an- gegeben: Insgesamt wurden zuletzt gezählt 484839 Angestellte, davon 182 404 männliche und 302 435 weibliche. Von den männlichen waren 173 820 iibcr 14 Jahre und 8584 darunter. Von den weiblichen waren 269 051 über 14 Jahre und 32 384 darunter. Die Mehrzahl der weiblichen Angestellten arbeitet in Spinnereien und Webereien, die unter den Industrien Japans an der Spitze stehen. )Zus der Frauenbewegung. Auflösung eines Frauen- und Mädchcnvereins. In Velbert (Rheinland) hat in den letzten Jahren die Polizei einen äußerst staatsretterischen Drang gezeigt. Der Kampf zwischen dem Metall- arbeiterverband und der Polizei ist so gut wie ununterbrochen. Trotz aller Schlappen, welche die Polizei in diesem Kampfe schon erlitten hat, werden den unteren Polizeiorganen in ihrer übereifrigen Be- tätigung der Staatsretterei keine Zügel angelegt. Auf die Berichte der die Versammlungen überwachenden Polizeibeamten ist jetzt auch die Auflösung des Vereins für Frauen und Mäd- chen der Arbeiterklasse zurückzuführen. Der Verein ist vor etwa 1l4 Jahren gegründet worden und hatte sehr hübsche Fort- schritte zu verzeichnen. Die Schließung des Vereins ist auf Grund der§§ 8 und 16 des Vereinsgesetzes erfolgt, d. h. der Verein soll sich mit politischen Angelegenheiten beschäftigt haben. Wie die Velberter Polizei Schlußfolgerungen zieht, ergibt sich z. B. daraus, daß sie schlankweg behauptet, die wiederholt stattgefundenen öffentlichen Versammlungen für Frauen, in denen sozialdemo- kratische Redner auftraten, seien durch den Frauenverein einberufen worden. Das ist selbstverständlich nicht der Fall. Natürlich lassen sich die Mitglieder des geschlossenen Vereins die Polizeitat nicht stillschweigend gefallen: sie haben sofort eine öffentliche Protest- Versammlung einberufen und werden auch den Beschwerde- weg beschreiten. Zur Beachtung! Von jetzt ab tverden die Versammlungen der Frauen« und Mädchen-Bildungsvereine nur noch alllvöchentlich in der Dienstag« und Freitag-Nummer unter nachstehender Ucberficht bekanntgegeben. Versammlungen— Veranstaltungen. Pankow. Sonnabend, 16. Juni. UnterhaltungSabend. Mitwirkende: Herr Walkotte und Frau. Entrce 20 Pf. Berlin. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Sonntag, den 17. Juni: Ausflug nach Potsdam. Abfahrt 8.10 ab Potsdamer Hauptbahnhof(Vorortzug bis Neu- Babelsberg). Besichtigung des Parks Babclsbcrg, Neuer Garten, Pfingstberg, Sanssouct, BrauhanSberg, WackermannShöh.— Proviant mitbringen I Lichtenberg. Montag, den 18. Juni, 8>lz Uhr bei Gebr. Arnhold, Frankfurter Chaussee 5: Vortrag. Referent: H. Rühl. Charlotteuburg. Mittwoch, den 20. Juni, Rosinenstr. 3: Vortrag H. Giebel:„Wie entstand die Unterjochung der Frauen?" Adlershof. Sonntag, den 24. Juni: Ausflug nach Hasselwerder. Treffpunkt bei Beyer, Bismarkstr. 10, nachmittags 2'/z Uhr. Versammlungen. Arbeiter-Sängerbund Berlins und Umgegend. In der AuS» schutzsitzung am 10. Juni wurde das Ersuchen an die Delegierten gerichtet, für die Folge zeitiger zu erscheinen; die Sitzung soll als- dann pünktlich beginnen und um 12 Uhr geschlossen werden; es wäre so den Delegierten die Möglichkeit gegeben, sich noch an der Uebungsstunde zu beteiligen.— Eine längere und lebhaftere De- batte entspann sich nach der vom Vorsitzenden verlesenen Mai- f e ier- S t a t i st i k, speziell wegen des bei einzelnen Vereinen bemerkten schwachen Besuchs seitens der Mitglieder. Hierbei wurde von fast allen Rednern die Ansicht geäußert, daß infolge der Be- Handlung, die den einzelnen Gesangvereinen von feiten der Partei- genossen bei der Maifeier zuteil wurde, eine gewisse Unlust, bei der Maifeier zu singen, eingerissen zu sein scheint; es sei dies auch zu verstehen. Ist es doch vorgekommen, daß das Podium, von dem auS gesungen werden sollte, völlig unzureichend war und dadurch viele Sänger von der Beteiligung am Gesänge ausgeschlossen blieben. Weiter wurde Beschwerde gefuhrt darüber, daß auf einzelnen Pla- katen von Gesangaufführungen überhaupt nichts erwähnt war, wohl aber auf diesen Maifeier-Plakaten Ankündigungen von Kasperle- Tbeatcr und dergleichen mehr standen. Es zeuge dies von einer Zurücksetzung des Sängerbundes, was mit aller Schärfe zu rügen sei. Ebenso wurde Beschwerde geführt über die mangelhafte Auf- ftellung des Programms zur Mäifeier, und es. wurde geklagt über die Rücksichtslosigkeit vieler Teilnehmer der Feier bei den Gesangs- aufführungen: die geringe Aufmerksamkeit, die den Sängern zuteil werde und durch die die Leistungen derselben gar nicht zur Geltung kommen, verleide es diesen beinahe, sich an der Maifeier noch durch Gesemg zu beteiligen. Es sei nötig, daß endlich einmal dazu Stellung genommen werde; denn so, wie bisher, dürfe es nicht weiter gehen; es würde anderenfalls der Maifeier der würdevolle und ernste Charakter genommen tverden. Diesen Beschwerden wurde von anderen Rednern entgegen« gehalten, daß die Partei wegen der Mängel nicht verantwortlich zu machen sei; sollten die angeführten Mißstände vorhanden sein, so würde es sich empfehlen, daß die Sänger in den einzelnen Wahl- vereinen darauf hinwirken, daß die Maifeier in einer Weise arran- giert werde, die allen Wünschen und speziell der Bedeutung der Maifeier gerecht werde. Es sei aber auch den Sängern nicht der Vorwurf zu ersparen, daß sie höchstwahrscheinlich nicht genügend Fühlung suchten in den Wahlvereinen; wäre dies der Fall, so könnte eine so rücksichtslose Behandlung, wie sie in einzelnen Lokalen den Sängern zuteil wurde, niemals vorkommen. Durch Nicht- b c t e i l i g u n g werde nichts erreicht; es sei das Fehlen der Sänger aufs schärfste zu rügen. Es sei auch bedauerlich, daß der Vorstand des Sängerbundes sich nicht v o r der Feier mit den Vorständen der Wahlkreise verständigt habe, manch unliebsames Vorkommnis wäre dann vermieden worden. Von fast allen Rednern wurde aber auch der Hoffnung Raum gegeben, daß für die Folge durch die Reorganisation der Partei in Berlin, durch den Aktionsausschuß die Maifeier einen solchen Charakter erhalten würde, daß alle Be- schwcrden verstummen und die Würde der Feier gewahrt bleibe. Der Vorsitzende verwahrte den Vorstand dagegen, daß er irgend etwas versäumt habe. Der Vorstand müsse fordern, daß sich die Vereine und die Mitglieder des Bundes am 1. Mai auch dort ein- finden, wohin sie seitens des Vorstandes delegiert tverden. Ord- nung müsse im Bunde herrschen. Der Vorstand bedauere es aufs lebhafteste, daß einzelne Vereine sich so schwach an der Feier be- teiligten, und er verlange entschiedene Stellungnahme des Aus- schusses gegenüber diesen Vereinen. Ebenso ersucht der Vorstand um Vollmacht dazu nach, daß er mit dem Aktionsausschuß in Ver. bindung trete, um für die Folge die angeführten Mängel unmöglich zu machen. Folgender Antrag wird sodann mit allen gegen drei Stimmen angenommen: „Allen Vereinen, die am 1. Midi so mangelhaft und l e ich t« fertig das Bundesintcresse vertreten haben, spricht der AuS- schuß die schärfste Mißbilligung aus. Bei Wiederholung solcber Vorkommnisse behält sich der Ausschuß schärfere Mittel vor." Der Vorschlag des Vorstandes, mit dem Aktionsausschuß zwecks Wschaffung der Mißstände in Verbindung zu treten, wird zum Antrag erhoben und angenommen., Der Vorsitzende teilt noch mit, daß die Statistikkarten, sobald die Vereine sie� erhalten, sofort ausgefüllt zurückzusenden seien. Zum Provinzial-Sängersefte in Rathenow, am 15. Juli, wird er» wähnt, daß zum guten Gelingen desselben alles geschehen sei; eg hätten sich bis jetzt schon gegen 600 Sänger zur Beteiligung gemeldet- — Ein Aufruf der„Thpographia".Wien, der zur Sammlung süE ein Scheu-Denkmal auffordert, wird erwähnt, und die Vereine werden ersucht, den Beitrag, den sie zu geben gewillt seien, in der nächsten Ausfchußsitzung durch ihre Vertreter in eine Sammelliste! zeichnen und abliefern zu lassen., Lese- und Diskntierklnb„Norden". Sitzung heute, Freitag, abend 81/, Uhr, bei Korff, Elisabeth-Kirchstr. 18. Vortrag des Genossen Guttmann: Was kümmert uns Darivin?— Gäste willkommen. Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlin» und Umgegend. Abteilung Pankow. Heute im Lokale von Abendroth. Mühlenstraße: Versammlung. Vortrag des Kollegen Schulz-Wcißcnste über „Jugendorganisation". Diskussion. Deutscher Holzarheiter- Verband. Vereinigung der Zimmerer Deutschlands. Heute Freitag, abends 8% Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Sonntag, den 17. Juni 1906, vormittags 10 Uhr, in den„ Industrie- Sälen", Benthstr. 20: Sonntag, den 17. Juni, vormittags 10 Uhr: Bezirksverfammlung für Moabit im Lokale der Brauerei Turmftr. 25-26. Tages Drdnung: 1. Wahl des Bezirksleiters, des Schriftführers und der beiden Beitrag fammler für die Zahlstellen 9 und 26. 2. Wie stellen sich die Kollegen zu Versammlung des Vereins der Zimmerer Berlins und Umgegend. Zages Drdnung: ..Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein'" Mitglied des Arbeiter. Radfahrer- Bundes " Solidarität". Touren 13/5 zum Sonntag, den 17. Juni: Früh 4 Uhr gemeinsame Tour für fämtliche Abt. nach Lübben. Start Schlesische Brücke. 1. Abf. früh 6 Uhr nach GrabowNachm. 1% Uhr nach Stolpe ( Bergemann) Starts Bülowstr. 59. 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Bortrag des Genossen Miethke über„ Kapital und Kirche". 3. Dis fee. fuffion. 4. Verschiedenes. 257/5 Der Vorstand. J. A.: A. Juppenlatz. den Bezirksversammlungen? 3. Berbandsangelegenheit. 4. Berschiedenes. Zentral- Kranken- und Sterbekasse der Maler u. verw. Berufsgen. Deutschl. Bautischler! Montag, den 18. Juni, abends 8 Uhr: Vertrauensmänner- Versammlung für sämtliche Bezirke im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal 4). Zages Drdnung: 1. Bericht von der Sizung am 17. Mai zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern betreffend die strittigen Küchenfenfter. 2. Stellung der Kommission zur Werkzeugfiage. 3. Berschiedenes. Kollegen! In dieser Versammlung fommen die Nachträge zum Zarif zur Austeilung, es ist daher Pflicht, daß jede Werkstatt vertreten ist. Der Branchenleiter: Karl Reiche. 2. Abt. früh 6 Uhr nach Beelitz. nachm 1 Uhr nach Wannsee( Bayer. Hof Starts Urban- und Tempel Herrenstraßen- Ece. 3. Abt. früh 4 u. 5 Uhr nach Freienwalde. Nachm. 1, Uhr nach Pferdebucht. Starts Mariannenpart. 4. u. 5. 26t. Spreewald- Tour Andreasplaz. 4. Abt. nachm. 1 Uhr nach Tegelort( Stielezki). 5. Abt. nachm. 2 Uhr nach Teufelssee. Start Elysium. Sonntag, den 17. Juni, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause: Starts Sonnabend abend 7 u. 9 Uhr Kombinierte Versammlung 6. Abt. früh 5 der Mitglieder sämtlich. Verwaltungsstellen v. Berlin sowie Rixdorf u. Friedrichsberg. bergam, 1%, Uhr nach BaumTages Ordnung: 1. Die Verschmelzung obiger Verwaltungsstellen auf Grund des§ 15 des Statuts bezw. Errichtung einer Tageskaffe und Anstellung von zwei Beamten. 2. Wahl der Beamten sowie der gesamten Verwaltung. 3. Berschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 125/10 Der Vorstand. J. A.: R. Gehlert, 1. Vorsitzender. Zentralverband der Dachdecker Deutschlands. Krankenfahrstuhle all. Systeme Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, den 17. Juni, vorm. 10 1hr, bei Feind, Weinstr. 11: Verband der Hafenarbeiter u verw. Berufsgen Versammlung. Deutschlands. Mitgliedschaft Berlin. Sonntag, den 17. Juni, vormittags 10%, Uhr, im Königstadt- Kafino, Holzmarktstr. 72: Mitglieder- Versammlung. 19/4 Zages Drdnung: 1. Berbands- Angelegenheiten und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Jahresbericht des Delegierten der Gewerkschaftskommission. 3. Berschiedenes. Deutsche Der Vorstand. Metallarbeiter- Gewerkschaft 54/13 Tages- Ordnung: = 1. Bericht vom Gautag. 2. Verbands Angelegenheiten. Bahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Gruppe: Zementierer. Sonntag, den 17. Juni, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer Nr. 15, Saal I: Gruppen- Verfammlung. Zages Drdnung: 1. Bericht über das Ergebnis der Bautenkontrolle vom 23. Mai 1906. 2. Aufhebung der Gruppen- Versammlungen. 3. Verschiedenes. Der sehr wichtigen Tagesordnung wegen ist es dringend notwendig, daß jeder Kollege der Zementbranche zu dieser Versammlung erscheint. Der Gruppenvorstand. Bureau u. Arbeitsnachweis Rosenthalerstr. 57( 2. Eingang: Gormannstr. 28). Geöffnet von 9-2 und 4-8 Uhr. Telephon: III, Nr. 1296. Sonntag, den 17. Jnni, vormittags 10 1hr, im totale Wohlfahrt, 144/ 10* Rosenthalerstr. 57( of): Allgemeine Versammlung der Rohrieger Verband der haugewerblichen Hülfsarbeiter und Helfer. Tages Ordnung: 280/13 1. Vortrag des Stollegen Schröder über Unfere Neu- Organisation". 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. Montag, den 18. Juni, abends 8%, Uhr, im„ Nosenthaler Hof", Rosenthalerstraße 11/12: Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Die Vorgänge bei der Maibewegung des A. E.- G.- Werkes( VoltaStraße) und unsere Stellung dazu. 2. Anträge. 3. Gewerkschaftliches. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Mittwoch, den 27. Juni, abends 8, 1hr, im Rosenthaler Hof", Rosenthalerstraße 11/12: Allgemeine Schloffer- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zu diesen Versammlungen erwarten zahlreiches und pünktliches Erscheinen Ortsverwaltung und Branchenleitungen. Vergolder. Filiale Berlin. Montag, den 18. Juni 1906, abends präzise 8 Uhr: Mitglieder- Versammlung in den Arminhallen", Kommandantenstr. 20( großer Saal). Tages- Ordnung: 1. Rezitation des Schauspielers Herrn E. Walfotte:„ Die größte Stinde". 2. Berschiedenes. Da der Vortrag präzise 8 Uhr beginnen soll, wird erfucht, pünktlich zu erscheinen. Die Kollegen, welche im Befit von Bibliothelbüchern find, werden ersucht, dieselben vor Beginn des Bortrages, behuss Revision, an die Bibliothet abzuliefern. Am Sonnabend, den 23. Junt 1906, findet in der„ Neuen Welt", Hafenheide 108/114, bas diesjährige Sommer- Fest statt, bestehend in Konzert ber 40 Mann starken stapelle des Musikdirektors Herrn Bothe. Große Gala- Spezialitäten- Vorstellung des gesamten Künstler- Ensembles. Abends 11 Uhr: Pracht- Feuerwerk. 888 Bon 8 Uhr ab: Großer Ball im Niesensaale. Beeber Große Fackel- Polonaise, wozu jedes stins eine Stod. eintretender Dunkelheit: Kind laterne gratis erhält. Eröffnung 3 Uhr nachmittags. Anfang des Konzerts präzise 4 Uhr nachmittags. Den Damen steht die Staffeeküche von 3 Uhr an zur Verfügung. Billetts a 25 Pf. find bei den Vertrauensleuten, in den Zahlstellen, sowie bei den Borstandsmitgliedern erhältlich. Programme werden unentgeltlich an der Kontrolle verabfolgt. 225/11 Ferner werden an der Kontrolle für Kinder für 10 Pf. je 3 Marten berabfolgt; jebe Marke berechtigt zur einmaligen Benutzung des Karussels, der Schaufel, der Borstellung des mechanischen Theaters oder zu einer Borstellung der lebenden Photographien( im hinteren Theatersaal). Der Vorstand. Deutschlands. ( Zweigverein Berlin und Umgegend.) Sektion der Backofen- Bauarbeiter. Sonntag, den 17. Juni 1906, vormittags 10 Uhr, bei Augustin: Sektions- Versammlung. Sektion der Brunnenbauer und Hülfsarbeiter. Sonntag, den 17. Juni 1906, vormittags 10 Uhr, bei Augustin: Sektions- Versammlung. schulenweg. Starts Oderbergerstr. 30. 7. Abt.: nach Lübben, vorm. 4 Uhr, Start: Schlesische Brücke, nach Freienwalde, vorm. 5 Uhr, Start: Schlesische Brüde, nach Oranienburg u. Hennigsdorf, nad 12 r, Start: Rösliner Hof. 8. Abt. früh 6 Uhr Tour wird am jäuflich von 25 M. an, auch leihweise Start bekannt gemacht. Nachm. 12 unter foulantesten Bedingungen. Uhr nach Bernau( Elysium). Starts Koppsche Krankenwagen, Elsasser- Stephanplak. 116/ 4* 9. Abt. nachm. 1 Uhr nach Königswusterhausen. Start Schillingstr. 22. Fahrräder! Billig! straße 95. Planino 30. 3. verk. Gerichtstr. 32 PINOL vertilet Ungeziefer aller Art. in Haus u.Hof, Feld u.Garten. GEBRÜDER KRAYER, MANNHEIM. Zu haben in den einschläg. Geschäften. 55, Mk. 48, 60, 70, 85 b. 180 9. per Stück. Freilauf 3 M. mehr. 5 Jahre Garantie. Laufdecken. 1.95, 2.50, 3.-, 4.50 Luftschläuche. 1.50, 2., 2.50, 3.Fußpumpen 0.80, 1.15 Bebale 0.90, 1.50. Sättel 1,60, 2.50 Motorräder 190, 250, 375, 450, 550 Zündkerzen 0.50. Motordeden 9.Reparatur. billigst, schnell, haltbar. Rahmenbrüche 3.50. Emaillier. 3.50 Fahrradkatalog 77 F, Motorradtatal. 77 M. grat. u. frt. Wiedervt. Rabatt. Willi Haussherr, Berlin 77, Alte Jakobstr. 93, an der Seydelstr. Zentralverband der Steinarbeiter Berlin I. Freitag, den 15. Juni 1906, abends 8 Uhr: Mitglieder- Versammlung im Englischen Garten, Alexanderstraße 27c. Zages Drdnung: 1. Der Streit im Muschelfaltgebiet. 2. Berschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreichen und pünktlichen Besuch bittet 172/16 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Bahlstelle Charlottenburg. Sonntag, den 17. Juni, vormittags 10 Uhr, im Volkshause, Rosinenstr. 3: Außerordentliche Sektion der Kunstsandsteinarbeiter. General- Versammlung. 34/17 Sonntag, den 17. Juni, nachmittags 3 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 7: Sektions- Versammlung. Die Tagesordnungen werden in den Bersammlungen bekannt gemacht. Zahlreichen Besuch erwartet Der Zweigvereinsvorstand. Kenner rauchen ZenithZigaretten 11482* Feldschloß- Brauerei Berlin: Telephon: Amt II 196, G. m. b. H. Gr. Lichterfelde: Telephon No. 9, empfiehlt ihre mehrfach prämiierten Tafelbiere in Fässern und Flaschen. Täglich von der Michael- Brücke Zages Drdnung: 1. Bericht vom Verbandstag. 2. Anträge der Drtsverwaltung betreffs Beitragserhöhung. 3. Wahl eines zweiten Bevollmächtigten. 4. Getvert schaftliches und Berschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen zu erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. 87/7 Die Ortsverwaltung. Verband der Lagerhalter u. Lagerhalterinnen Deutschlands. Bezirk Berlin u. Umgegend. Sonntag, den 17. Juni, nachm. 3 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: Versammlung. Zages Drdnung: 1. Wie verhalten wir uns den lekten Vorkommnissen gegenüber? 2. Berbandsangelegenheiten. Gäste willkommen. Zahlreichen Besuch erwartet 294/10 Die Ortsverwaltung. Arb.- Radf.- Verein ,, Rixdorf" Mitglied des Bundes Solidarität".= Den Mitgliedern zur Kenntnisnahme, daß die Tour am Sonntag, den 17. Juni, nicht nach Rahnsdorfer Mühle", sondern nach Baumschulenweg 3m Sportfest stattfindet. Korso daselbst 2 Uhr. Start: mittags 12 Uhr bei Thiel. Der Vorstand. 3. A.: Fr. Richter. 13/7 Jedes Jenensia- Rad ein Meisterwerk deutscher Technik. Teilzahlung! Zwei Jahre Garantie! mit Sozial- Räder R. 65.-, Sozial- Luxus-, eilauf, m. 100.-. Gebrauchte Näder billig! Bitte genau auf Hausnummer 23" zu achten. 23. R. Groskurth, Berlin C., Münzstr. 23. Blitz- Schnell tommt man mit der Hochbahn zu Weingarten, Gitschinerstr. 72, Station im Hause. Empfiehlt: 1 Posten Monats- Anzüge, 1 Posten Monats- Paletots, Waldschlößchen, Neue Mühle bei Königswusterhausen. Dampfer- Extrafahrten A1 Posten Monats- Beinkleider zu staunend billigen Preisen, auch für korpulente Herren passend. Dieselben sind von seinen Kavalieren und Reisenden, die nur einen 5352* Monat ihre Garderobe tragen. Fahrgeld wird vergütet. Bitte auf Hausnummer zu achten. Empfehle mein seit 14 Jahren der Arbeiterschaft zur Verfügung stehendes mit Mufit nach dem beliebten ,, Woltersdorfer Schloß". Fahrpreis Lotal an Bereine und Fabriken noch jeden Tag von Mai bis September hin u. zurüď 50 P., Kinder 25 Pf. Abfahrt vorm. 9 Uhr, nachm. 2 Uhr frei. Mitten im Laubwald und am Wasser gelegen. Großer schattiger nur von der Michaelbrücke. An Sonnabenden u. Sonntagen find Garten. Saal, Stegelbahnen und Stallungen. C. Leiste. noch Dampfer dortselbst zu vermieten. 14962* Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil berantm.; Zh. Glade, Berlin. Drud u. Verlaa: Borwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 136. 23. Iahrgavg. 2. Mze des Joraütte" Krlim DckMM Freitag, 15. Jam 1906. Partei- 5ZngeIegenkeiten. Mahlsdorf. Am Sonnabend, den 16. d. M., abends S'/a Uhr, findet im Lokale von Werneke, Hönowerstr. 6. die Generalversamm- lung des Wahlvereins statt. Der wichtigen Tagesordnung wegen er- sucht um zahlreichen Besuch Der Vorstand. Zossen. Die Genossen werden hierdurch noch einmal auf den am Sonntag, den 17. Juni stattfindenden Ausflug nach Mittenwalde aufmerksam gemacht und um recht rege Teilnahme ersucht. Sanunel- Platz mittags 1 Uhr bei Schimke. Verna». Am Sonnabend, den 16. Juni, abends 9 Uhr. findet im Lokale von Friedrich. Bnrgermeisterstraße, die Wahlvereins- Versammlung statt. 1. Diskussion über Punkt 10 des Programms. 2. Uebernahme des„Borwärts'-Vertriebes in eigene Regie. berliner jVacbricbten* Aus der Stadtverordneten-Versammlung. Die Verteuerung der Krankenpflege macht Fortschritte. Nun hat auch die Erhöhung der Kurkosten für die in städtischen Krankenhäusern verpflegten Kinder, die vom Magistrat für nötig gehalten wird, in der Stadtverordneten-Versammlung eine Mehrheit gefunden. Gegen die Gründe, die der Magistrat für diese Maßregel an führt, wandte sich unser Genosse W e y l. Nachdem die Charitö mit der Erhöhung des Kurkostensatzcs für Kinder vorangegangen ist, müsse die Stadt, so sagt der Magistrat, ihr auf diesem Wege folgen, weil sonst eine Ueberfüllung der Kinderabteilungen der städtischen Krankenhäuser zu erwarten sei. Wehl bemerkte zutreffend, daß in den Krankenhäusern die für Kinder verfügbaren Betten ja ohnedies ständig belegt seien. Der Appell an„das soziale Verantwortlich k e i t s g e f ü h l" der Stadtverwaltung, mit dem unser Redner schloß, blieb natürlich ohne Wirkung. Die Verteuerung� Maßregel, die in der Deputation von einem Manne wie Wallach angeregt worden ist, wurde von der Mehrheit gebilligt. Nicht einmal der Vorschlag des Herrn Nathan, die Angelegenheit doch erst noch in einem Ausschuß zu prüfen. konnte durchdringen. Zu einer bemerkenswerten Debatte führte der Antrag des Magistrats, eine„Unterstützung für die notleiden- den Deutschen Rußlands" zu bewilligen. Die Be gründung, mit der dieser Antrag den Stadtverordneten vor gelegt wurde, ließ deutlich genug erkennen, daß er nicht lediglich aus dem an sich verständlichen Wunsch, zur Linderung fremder Not beizutragen, hervorgegangen war. Durch den Wortlaut der Begründung verriet unser unvorsichtiger Magistrat, daß ihm diese Unterstützungsaktion zugleich eine Kundgebung bedeutete— eine Kundgebnng gegen die tapferen Freiheitskämpfer Rußlands. Daß hiernach die Stadt Berlin sich offiziell auf die Seite der Henkersknechte der russischen Reaktion stellen würde, wenn die Stadtverordneten-Versammlung die in dieser Weise be gründete Unterstützung bewilligen wollte, das wurde von unserem Genossen Stadthagen in einer leiden fchaftlichen Anklagerede dargelegt. Dem Magistrat und der freisinnigen Mehrheit der Versammlung war es offenbar sehr verdrießlich, daß sich unseren Genossen im Berliner Stadt- Parlament eine ganz unerwartete Gelegenheit geboten hatte, auch hier einmal die Schandtaten der russischen Regierung und ihrer Helfershelfer zu brandmarken. Oberbürgermeister K t r s ch n e r wußte nicht viel zu antworten; er vermochte nicht, den Eindruck zu verwischen, daß die Stadt Berlin mit dieser„Unterstützung" Partei ergreift und— er- greifen soll. Die beantragte Summe wurde schließlich be- willigt. Eine Frage drängt sich uns hier auf. Wenn am 21. Januar in BerlindieKanonen losgegangen wären— würden da dieBerliner Gemeindebehörden sich in gleicher Weise der Opfer angenommen haben? Hätte da der Magistrat eine Unterstützung für not- leidende Witwen und Waisen beantragt und hätte die Stadt- verordnetenversammlung zugestimmt? Oder hätten Magistrat und Stadtverordnetenversammlung gefunden, daß das als eine Sympathiekundgebung erscheinen könnte? Die neuen Fernsprechämter Berlin-Charlottenburg und 6 werden demnächst, darauf auch 7 nach dem Berliner System ohne Kurbel und Batterie bei den Sprechstellen eröffnet. Neben der Anleitung zur Benutzung nach der alten Weise enthält das neue Teilnehmerverzeichnis, das am Freitag zur Verteilung kommt, eine ausführliche Anleitung zur Benutzung der Anschlüsse des neuen Systems. Teilnehmer A eines neuen Amtes nimmt den Fern» Hörer von dem Haken und hält ihn mit der Schallöffnung anS Ohr. Hierdurch erfolgt der Anruf der Vermittelungsanstalt selbsttätig; einer Kurbeldrehung bedarf eS nicht! Auf die Antwort der Ver- mitkelungsanstalt„Hier Amt" nennt A die Nummer von B, sosern dieser an dieselbe Vermittelungsanstalt angeschlossen ist, z. B. „Nummer drei". Der Beamte der Vermittelungsanstalt wiederholt die gewünschte Nummer, gibt, wenn diese frei ist. zurück:„Ich werde rufen" und weckt B an. A, der den Fernhörer am Ohr behalten hat. beginnt sogleich auf die Gegenmeldung„Hier B" die Unterredung mit:„Hier A". War der gewünschte Teilnehmer besetzt, so wird wie bisher verfahren. Sind A und B an verschiedenen VermittelungSanstalten. z. B. an 6 und 3 angeschlossen. so nennt A nur die Vermittelungsanstalt. an die B angeschlossen ist sAmt 3). Der Beamte der ersten Vermittelungsanstalt sagt: „Amt 3— Ich werde rufen". Auf den Anruf deS Amts ant- wortet die Vermittelungsanstalt 3 dem Teilnehmer A:„Hier Amt 3", worauf A die Nummer von B nennt. Der Beamte von Amt 3 wiederholt die verlangte Anschlußnummer mit dem Zusätze: „Ich werde rufen" und weckt B an. Uebereinstimmend hiermit wird verfahren, wenn der Teilnehmer A einem der alten Aemter 1. 2, 3, 4(einstweilen auch 7) und der Teilnehmer B einem neuen Amte(6, Berlin-Charlottenburg. später 7) angehört, nur ist dann daS erste Amt in gewöhnlicher Werse mittelst Induktors anzurufen. Nach Beendigung des Gesprächs hängen beide Teilnehmer ihren Fernhörer an den Halen und bestätigen dadurch bei den Ver- mittclungsanstalten 3. 4. S. 7 und Berlin-Charlottenburg die Schlußzeichen. Teilnehmer der Aemter 1 und 2 geben außerdem noch wie bisher ein besonderes Schlußzeichen durch dreimaliges Drehen der Jnduktorkurbel wie unter a. Das Anhangen des Fern- Hörers bei etwaigen kurzen Gesprächspausen sowie daS bloße Niederdrücken des Hakens veranlaßt im Verkehr mit den Ver- mittelungsanstalten 3, 4. K. 7 und Berlin-Charlottenburg vorzeitige Trennung. Sind Unterbrechungen des Gesprächs nicht zu ver. meiden oder wird nach Schluß der Unterredung eine andere Ver- bindung gewünscht, so ist zunächst der Hörer anzuhängen und dann, aber nicht vor Ablauf einer halben Minute, die VermittelungS- anstalt von neuem durch Abnehmen des Fernhörers anzurufen. Klosetts ohne Anschluß an Wasserleitung und Kanalisation sind im Stadtgebiet Berlin zwar immer noch anzutreffen, aber man wird sie höchstens in den noch unregulierten Straßen der Außenbezirke vermuten. Daß auch im Innern der Stadt und in einer der besseren Straßen eine solche Reliquie aus Berlins kanalisationsloser Zeit sich erhalten haben könnte, das wird kaum jemand glauben wollen. Doch es ist eben keine Regel ohne Aus- nähme. In dem alten Hause Charlottenstraße 96 sind im dritten Stockwerke des Vordergebäudes die Inhaber von drei kleinen Wohnungen auf ein gemeinschaftliches Klosett angewiesen, das sich auf dem Treppenabsatz befindet und weder an die Wasserleitung noch an die Kanalisation angeschlossen ist. Dieses Klosett ist noch ganz in der einfach-bescheidenen Art vergangener Tage eingerichtet. Hauptbestandteil ist ein schlichter Eimer, den der Hausbesorger wenn's dunkel geworden ist, auf den Hof hinabträgt, um ihn dort auszuleeren. Für die kleinen Mieter, die da oben wohnen, mag das den Besitzern dieses Hauses als komfortabel genug erscheinen. Wundern mutz man sich aber, daß unsere Polizei, die doch sonst in alles hineinschnüffelt, bisher an dieser duftenden Blüte haus� besitzerlicher Bescheidenheit schonend vorübergegangen ist. Wenn Kinder in Fürsorgeerziehung kommen sollen, wird oft au eine Weise verfahren, die nicht als die zarteste zu bezeichnen ist. Wir teilten erst kürzlich einen Fall mit, aus welchem nach einer Aeußerung eines Beamten zu schließen war, daß sogar solche Kinder mit dem grünen Wagen Bekanntschaft machen müßten und ersuchten die zuständigen Behörden um Auskunft, ob ein solches Verfahren gang und gäbe sei. Bis jetzt ist eine Antwort auf unsere Frage ausgeblieben, obwohl wir sonst in anderen Fällen, in denen es sich um polizeiliche Angelegenheiten handelte, bald eine Berichtigung au Grund des Z 11 des Preßgesetzes erhielten. Da wir von einer derartigen Zuschrift verschont blieben, möchten wir beinahe annehmen. daß eS mit der oben wiedcrgegebenen Aeußerung des Beamten in bezug auf den Transport von Kindern, die in Fürsorge erziehung kommen sollen, seine Richtigkeit hat. Ist das der Fall, so paßt allerdings ganz gut die Art dazu. wie die Kinder aus ihrer Wohnung abgeholt werden. So wird uns jetzt ein Fall ans der Ellsabethstrahe mitgeteilt, nach dem am Dienstag in der Wohnung einer Handelsfrau zwei Kriminalbeamte erschienen, um ein fünfzehnjähriges Mädchen ab- zuholen. Während die zwei Kriminalbeamten in der Wohnung waren, sollen zwei uniformierte Beamte vor der Wohnung Posten gestanden haben. Wenn das sich so verhält, und wir haben keinen Grund, die uns gemachten Mitteilungen zu bezweifeln, so wäre das eine Art und Weise, wie man schlimmer auch keinen Verbrecher be- handeln kann. Hennig gegenüber benahm man sich reservierter. Ein anderes achtjähriges Kind wurde direkt aus der Schule abgeholt und wir müssen wieder die Frage aufwerfen: In welcher Weise werden diese Kinder von der Polizei weiter befördert? Man werfe nicht ein, eS handelt sich ja um verwahrloste Kinder. In vielen Fällen mag dies zutreffen, eS gibt aber auch eine Anzahl Fälle, in denen es sich um Kinder handelt, die nicht das geruigste verbrochen haben und die nur des Lebenswandels der Eltern wegen den Eltern abgenommen werden. Es iväre wirklich an der Zeit, wenn bezüglich der Abholung und des Transportes solcher Kinder, die in Fürsorgeerziehung genommen werden sollen. Grundsätze aufgestellt werden, nach denen es unmöglich ist, daß diese bedauerswerten Geschöpfe von vornherein wie Verbrecher be- handelt werden._ Praktiken der Kleinbahn. Das Fahren auf der Staatsbahn gehört geWitz nicht zu den Annehmlichkeiten für einen, der sich nicht mehr als die vierte Klasse leisten kann und wir sind oft schon in die Lage gekommen, die Reize einer solchen Fahrt in unserem Blatte schildern zu müssen; immer- hin ist aber die Benutzung der Staatsbahn der einer Privatgesell- schaft gehörigen Kleinbahn nach verschiedenen Richtungen hin vor- zuziehen. Aber man kann in manchen Fällen einer solchen Be- Nutzung dei'-Meinbahn nicht aus dem Wege gehen, will man sich nicht gerade auf Schusters Rappen verlassen. Wer zum Beispiel nach Mühlenbeck fahren will, muß sich einer solchen Kleinbahn anvertrauen, und tut er das, so kann er manchmal recht sonderbare Erfahrungen machen. Einer unserer Leser teilt uns eine solche Erfahrung zu Nutz und Frommen weiterer Kreise mit. Am Donnerstag, den 7. Juni, löste er sich am Schalter in Reinickendorf-Rosenthal eine Fahrkarte„nach Mühlenbeck hin und zurück". Er legt ein Zweimarkstück hin und bekommt 1.45 M. zurück. Auf der Karte stand:„7. 06. 06. Reinickendorf-Rosenthal nach Mühlenbcck und zurück 55 Pf." Mit dieser Karte passierte der Passagier die Bahnsteigkontrolle, wurde auf der Hinfahrt im Wagen kontrolliert und zeigte sie beim Ausgang vor. Bei der Rückfahrt mußte er wieder die Kontrolle passieren und quetschte sich, so gut es ging.• den Wagen hinein Als er in Reinickendorf-Rosenthal ausstieg.t der die Fahrkar. unterwegs einsammelnde Schaff- ner dem Ahnungslosen entgegen mit den Worten: Kommen Sie mal hier rein! und als der so Aufgeforderte nicht sofort begreifen konnte, was er denn eigentlich da sollte, wurde er gepackt und es begann ein Hin und Her, bis er schließlich ins Stationsbureau gebracht wurde, wo man ihn als Arrestanten erklärte. Nach Fest- stellung der Personalien r~s um eine Erfahrung auf der Klein- bahn reicher konnte dann �.r so Behandelte seiner Wege gehen. Jeder wird nun fragen: Wie kommen Beamte oazu, ohne weiteres eine Sistierung vorzunehmen? Der Grund ist, wie sich später her- ausstellte, folgender: Dem Passagier ist am Schalter eine so- ?cnannte SonntagSkarte verabfolgt worden und da er es unter- ieß, eine Kontrolle über den Fahrkartenverkäufer auszuüben und ihn über seine Pflichten zu belehren, wurde er das Opfer seiner Naivetät. Denn naiv scheint eS zu sein, sich auf den Fahrkarten. Verkäufer zu verlassen, obwohl man meinen sollte, eS sei Aufgabe der Verwaltung, für Ordnung im Betriebe zu sorgen und nicht für Versehen ihrer Beamten die Passagiere verantwortlich zu machen und ihnen Scherereien zu bereiten. Aus dem Straßengetriebt. VierZufammenstößeimStraßenbahnbetriebe werden vom gestrigen Tage gemeldet. Gegen 0 Uhr morgens fuhr der Straßenbahnwagen Nr. 2216 der Linie 67 an der Ein- mündung der Gertraudtenstratze zum Spittelmarkt infolge falscher Weichenstellung gegen die Vorderplattform des aus entgegengesetzter Richtung kommenden Motorwagens Nr. 1875 der Linie 69. An beiden Waggons wurden die Plattformen beschädigt. Eine in dem elfteren Wagen sitzende Frau Galley, Littauerstraße 12, erlitt eine unerhebliche Kontusion am rechten Arm.— Gegen 11 Uhr vor- mittags fuhr ein Vieh-Transportwagen der Firma Jakobik an der Ecke der Wichmann- und Kurfürsteustraße seitlich gegen den An- Hängewagen Nr. 109 eines Straßenbahnzuges der Linie WilmerS- dorf-Kupfergraben der Cbarlottenburger Straßenbahn. An dem angefahrenen Wagen wuroe eine HoMütze zertrümmert und zwei eiserne Stützen verbogen. Der im Wagen sitzende Student Hans Wolf, Uhlandstraße 40, wurde zu Boden geschleudert und erlitt einen Bruch oes rechten Unterschenkels.— Gegen 4 Uhr nach. mittags fuhr vor dem Hause Friedrichstraße 12 der Automobil- omnibuS Nr. 1308, einem vor ihm fahrenden Pferdeomnibus aus- weichend, gegen die Bordcrplattform des auS entgegengesetzter Richtung kommenden Straßenbahnwagens der Linie 34. An dem Bahnwagen wurde die Vorderplattform eingedrückt, an dem Omnibus die Seitenwand zertrümmert und zwei Scheiben zer» splittert.— Gegen%8 Uhr abends fuhr an der Ecke der Dorotheen- und Universttätkstraße die Droschke 4745 gegen die Seitenwand des Straßenbahnwagens Nr. 261 der Linie T. Der Bahnwagen blieb unbeschädigt, von der Droschke wurden die Scheerbäume zerbrochen. Von einer Droschke überfahren und schwer verletzt wurde gestern abend der 10jährige Sohn Walter des Postbeamten Andreas auS der Schillstraße 4. Der Knabe hatte für die Mutter einen Einkauf besorgt und als er am Lüdow-Ufer den Stratzendamm überschritt, beobachtet- er vor dem Grundstück Nr. 29 nicht das Herannahmen einer Droschke. Der Kleine wurde um» gerissen und so unglücklich auf die Straße geschleudert, daß ihm die Räder der Droschke über den Leib hinweggingen. Mit schweren inneren Verletzungen wurde A. nach der Unfallstation XX. und von dort nach dem Augusta-Hospital gebracht. Unter der Rangiermaschine. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern abend auf dem Tempelhoser Rangierbahnhof. Beim Umleiten mehrerer Güterwagen geriet der 27 Jahre alte Rangierer Emil Bornhoff aus der Monumentenstraße 7 unter die Maschine und wurde überfahren. Der Bedauernswerte erlitt so schwere Ver- letzungen, daß er in bedenklichem Zustande in das Elisabethkranken- Haus eingeliefert werden mußte. Wegen einer Benzin-Explofion wurde am Donnerst:., die Feuerwehr(der 13. Zug) nach der Linienstraße 199a gerufen, wo in einer Fahrradhandlung die Explosion durch Fahrlässigkeit ent- standen war. Die Gefahr konnte schnell beseitigt werden. Der Materialschaden ist nur unbedeutend und die Personen kamen mit dem Schrecken und leichten Verletzungen davon. Die Tat eines Geisteskranken rief gestern in der Chausseestraße eine große Aufregung hervor. Der 38jährige Uhrenhändler Georg Ahrends begab sich gestern in eine Gastwirtschaft in der Chaussee- straße und ließ sich ein Glas Bier geben. Plötzlich zog er einen Revolver hervor, um sich zu erschießen. Einer von den zahlreichen Gästen hatte das Vorhaben des Lebensmüden bemerkt und wollte ihm die Waffe entreißen. Als dies A. sah, schoß er blindlings in das Lokal hinein. Eine Kugel traf den 20jährigen Kaufmann Walter Hopitz aus der Schandauerstraße 17, der erst vor einigen Tagen aus Breslau gekommen war. Die anderen bohrten sich in das Büfett ein. H. brach, am Oberschenkel, dicht am Unterleib ge- troffen, zusammen und wurde nach der Unfallstation in der Lindowerstraße gebracht, wo das Geschoß auf der entgegengesetzten Seite entfernt wurde. Der Zustand des Schwerverletzten ist des- wegen bedenklich, weil auch die Schlagader getroffen wurde. H. fand im Moabiter Krankenhause Aufnahme. A. wurde zunächst nach dem nahen Polizeirevier und von dort nach der Irrenanstalt in Dalldorf übergeführt. Keine Obstreste auf die Straße werfen. Zwei Opfer hat die Unsitte, Obstreste achtlos auf die Straße zu werfen, gestern abend gefordert. Als der 32jährige Schlosser Max Oe., Koloniestraße 37 wohnhaft, gegen 10 Uhr aus dem Heimwege begriffen war, trat er vor der Haustür versehentlich auf einen Kirschstein, glitt aus und stürzte so unglücklich zu Boden, daß er einen doppelten Bruch deS linken Unterschenkels davontrug.— Die 12jährige Schülerin Margarete F., Bellermannstraße 85a, hatte vor dem Elternhause mit anderen Kindern gespielt, war beim Laufen gleichfalls auf einen Kirschstein geraten und zog sich bei dem Sturze emen doppelten Bruch des rechten Unterschenkels zu. Die beiden Verunglückten mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Ueber einen Raubmordversuch, der sich in Summt an der Nord- bahn zugetra�n haben soll, werden verschiedene Mitteilungen ver- breitet. Danach soll der pensionierte Beamte A. v. Eisenwerke nachts im Walde von Wensickendorf und Summt von drei Unbekannten überfallen und beraubt worden sein. In Wirklichkeit soll eS sich um eine Schlägerei handeln, bei der ein Müllergeselle obigen Namens aus Mühlenbeck leichtere Verletzungen erhalten hat. v. E. sei nach dem Auguste Viktoria-KrankenhauS in Weißensee gebracht worden, aus dem seine Entlassung in Kürze erfolgen werde. Bon Dresden nach Berlin übergeführt wurde am Mittwoch der wegen verschiedener Mordtaten verhaftete Max Dietrich. Unter- wegs hat er ein Geständnis abgelegt, die Portierfrau Schurm un- weit Zeuthen ermordet zu haben. Auch zu dem Morde an der Schiffcrfrau Graßnick soll Dietrich zutreffende Angaben gemacht haben. Ein bedauerlicher Bammfall ereignete sich gestern nachmittag in der dritten Swnde auf dem von der Firma Gause ausgeführten Neubau am Pariser Platz. Ein frisch gemauerte? Gewölbe stürzte in ich zusammen und wurde dabei der Maurer Heinemann am Kopfe schwer verletzt, so daß er einem Krankeuhause überliefett werden mußte. Der Unfall soll darauf zurückzuführen sein, daß die Schalung zu ftüh entfernt worden ist. Wie uns die OrganisationS- leitung mitteilt, sind auf dem Neubau nicht weniger als fiinf Poliere in Funttion, die aber mehr auf die Ouantttät als auf die Qualität der Arbeit zu achten scheinen. Ein Kommissionsschwindler auf Uhren hat zahlreiche hiesige Geschäftsleute schwer geschädigt. Der Gauner, der 22 jährige Wilhelni Gedalje, welcher bei einem Wäschefuhrwesen-Untenrehmer in Köpenick beschäftigt war, hatte ein äußerst raffinietteS Betrugs- Manöver ersonnen, um zu Gelde zu kommen. Er fuhr mit einem Geschäftswaaen seines Herrn vor hiesige Uhrengeschäfte vor und log den Inhabern vor, der Wagen sei sein Eigentum. Dann behauptete der Schwindler, er wolle Uhren in Kommission nehmen, um dieselben in Köpenick zu vettreiben. Er bat um Aushändigung von Uhren und wies als Garantie-Unterlage auf fein„Eigentum", auf das vor dem Laden stehende Fuhrwerk hin. Eine ganze Reihe von Geschäftsinhabern fielen auch auf den Schwindel hinein. Sie vertrauten dem jungen Manne oft zehn bis zwanzig Uhren an und warteten vergeblich auf das Wiedereintreffen des„Kommissionärs". Gestern ist dieser aus Veranlassung der Staatsanwaltschaft des Landgerichts II verhaftet und dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. Vermißt wird seit dem 12. d. Ms. der BanNehrling Wilhelm Königstädt, 16. Juli 1886 zu Berlin geboren. Der Vermißte ist 1,72 Meter groß, schlank, hat frische Gesichtsfarbe, Anflug von Schnurrbatt, blondes gekräuseltes Haar; er ist bekleidet mit dunkel» braunem Rock und Hose und weißer Weste, trägt steifen schwarzen Mzhut und Schnürstiefel oder Kuöpfstiefel mit Lackspitzen. Der unge Mann irrt anscheinend umher. Nachncht erbitten die Eltern Georgenkirchplatz 20. geuerwehrbericht. In der letzten Nacht wurde die Feuerwehr nach dem Schiffbauerdamm 3 gegenüber der Weidendammer Brücke >erufen. Dort brannte das elektrisch erleuchtete große Firmen- child einer bekannten Berliner Firma auf dem Dache. Die Feuer» wehr mußte über ein« große mechanische Leiter Wasser geben, um die Gefahr zu beseitigen. Der Brand und seine Löschung lockte eine große Menschenmenge herbei, die dem interessanten Schauspiele zuschaute.— Wegen eines SchaufensterbrandeS wurde die Feuer- wehr nach dem Warenhause von Lachmann u. Scholz in Moabit, Turmstraße 76. gerufen.— Ferner hatte die Wehr in der Lübecker- traße 26 u. a. Stellen zu tun. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Heute abend 9 Uhr: 3. Abteilung in Schöncberg bei Obst, Meiningerstraße 8. Vortrag über Ver» letzungen. Wundbehandlung, Blutstillung. Daran anschließend praktische Uebungen. Neue Mitglieder können noch eintreten. Vorort- jVacbricdten. Charlottenburg. Die Charlottenburger Stadtverordneten- Versammlung nahm am Mittwoch Stellung zu dem am 24. und 25. September in Küstrin stattfindenden Brandenburgischen Städtetag und beschloß, den Bor- tand des StädtetageS zu ersuche», auf die Tagesordnung noch die Fragen zu fetzen:„Wie schafft man Abhülfe gegen die Fleisch- tenenmg?" nnd„Die durck daS neue Volksschulunterhaltungsgefetz geschaffene Lage".— Eine Reihe von Vorlagen, darunter die be- treffend Bewilliguno von Mitteln für Rachhülfeunterricht an Ferien» folontffeit, betreffend die Errichtung eines Ledigenheims und betreffend Beschaffung von Mitteln für die Erweiterung des Elektrizitäts- werles gelangten debattelos zur Annahme. Dagegen wurde die Vorlage betreffend Erbauung einer Wasserfilteranlage auf Gasanstalt H entsprechend dem Ausschußantrage ab- gelehnt. Zu einer lebhaften Debatte gab der Bericht deS Ausschusses über die Vorlage betreffend Erteilung des Zuschlages auf die städtische Müllabfuhr Veranlassung. Einige Hausagrarier versuchten noch in letzter Stunde mit Rücksicht auf ihre Sonderinteressen der Uebernahme der Müllabfuhr in städtische Regie Schwierigkeiten zu bereiten, allerdings vergeblich, die Vorlage wurde schließlich doch mit großer Majorität angenommen. Immerhin hat das Auftreten der Hausagrarier von neuem den Be- weis für die Gemeingefährlichleit des Hausbesitzerprivilegs erbracht, die Herren haben gar keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie ihre materiellen Interessen höher stellen, als die Rücksicht auf die Ge- sundheit der Einwohner.— Die Wahl des 2. Bürgermeisters für die Amtsdauer von zwölf Jahren zeitigte als Ergebnis die Wiederwahl des bisherigen zweiten Bürgermeisters Matting, auf den 46 von den 48 abgegebenen Stimm- zetteln entfielen. »ar die Oeffentlichkeit von hoher Bedeutung war die Be- sprechung der Nichtbestätigung des liberalen Stadt- verordneten Dr. Pen zig als Mitglied der Schul- deputation. Der Regierungspräsident hatte die Bestätigung ohne Angabe von Gründen versagt. Der Fall ist kürzlich bei der dritten Beratung des Volksschulunterhaltungsgesetzes im Abgeordneten- Hause zur Sprache gekomme», dex Vertreter des Ministers erklärte. keine Auskunft erteilen zu können, da sich weder Herr Dr. Penzig, noch die Stadt Charlottenburg über die Nichtbestätigung beschwert habe. Diese Ausführung des Regierungsvertrelers veranlaßten nun den Stadtverordneten Dr. von L i s z t sliberal) den Antrag auf Einreichung der Beschwerde beim Kultusminister zu stellen. Herr von Liszt ließ sich dabei von rein praktischen Ge- sichtspunkten leiten, er erkennt ein Bestätigungsrecht der Regierung für Mitglieder der Schuldeputation nicht an. hält auch die in dem bekannten Bosseschen Erlaß aufgestellten Grund- sätze, wonach Mitglieder der sozialdemokratischen Partei nicht Mit- glieder städtischer Schuldeputationen sein dürfen, für ungesetzlich, rät aber trotzdem zur Einreichung der Beschwerde, weil er auf diese Weise Auskunft von der Regierung zu bekommen hofft. Tatsächlich liegt eine solche Auskunft, wenn auch nicht in offizieller Form, bereits vor. Der Regierungspräsident hatte den Oberbürgermeister zu der Erklärung ermächtigt, daß Herrn Dr. Penzig die Be- stätigung aus dem Grunde versagt ist, weil er Dissident ist und wiederholt in Wort und Schrift für die Entfernung des Religionsunterrichts aus dem Lehrplan der Volksschule eingetreten ist. Die Redner der sozialdemokratischen Fraktion Hirsch und Dr. Borchardt erklärten sich zwar mit den Ausführungen des Stadtverordneten Dr. v. Liszt im wesentlichen einverstanden, kamen aber trotzdem zu dem Schluß, daß man von einer Beschwerde Ab- stand nehmen und einfach Herrn Dr. Penzig nochmals oder aber einen Sozialdemokraten wählen solle. Wenn man ein BestntigungS recht der Regierung nicht anerkenne, dann könne man sich logischer weise doch nicht bei derselben Regierung über eine versagte Be- stätigung beschweren. Die Hoffnung der Liberalen, daß die Re- gierung ihnen eine befriedigende Antwort geben werde, konnten unsere Redner nicht teilen. Die Liberalen beharrten jedoch auf ihrem Standpunkt, und der Antrag des Stadtverordneten Dr. v. Liszt gelangte gegen die Stimmen der Sozialdemokraten zur Annahme. In der am 8. d. M. abgehaltenen Delegiertensihung der Char lottenburger Gewerkschaftskommission berichtete der Obmann, Ge nosse Flemming, über die Stimmung in den einzelnen Gewerk schaften betreffs der Anstellung eines besoldeten Arbeitersekretärs. Da einige größere Gewerkschaften das Projekt des Ausschusses, zur Besoldung des Sekretärs eine Kopfsteuer von 60 Pf. pro Jahr auf- zubringen, abgelehnt haben, falle die Sache in sich zusammen. Der Ausschuß müsse demzufolge einen anderen Weg suchen, auf welche Weise den Auskunftsuchenden gedient werden könne. Namentlich im Hinblick auf die kleinen Gewerkschaften, die noch auf schwachen Füßen stehen, sei dieses außerordentlich notwendig.— Die Genossen Wilde, Ahrens, Schmidt und Scheible stimmten diesem bei und betonten, daß der Ausschuß Mittel und Wege suchen möge, um die Sache in geordnete Bahnen zu lenken.— Zu dem Punkt: „Agitation in den Gewerkschaften für die Genosscnschaftsbewegung" hatte der Genosse Winter das Referat übernommen. Genosse Winter resümierte sich dahingehend, daß die Charlottenburger Ge- werkschaften, analog den Beschlüssen des Kölner Gewerkschafts- kongresses, mehr als wie bisher für den am Orte bestehenden Konsumverein und die Bäckerei-Produktivgenossenschaft agitieren und wirken mögen. Es sei geradezu beschämend, daß in einer Stadt wie Charlottenburg von nahezu 7000 gewerkschaftlich organi- sierten Mitgliedern der Konsumverein Charlottenburg nur 1100 Mitglieder aufweist.— Genosse Flemming ersuchte die Delegierten, in ihren Versammlungen diese Materie zu besprechen und Mit- glieder zu werben. Unter„Gewerkschaftlichem" teilte Genosse Flemming mit, daß im 3. Wahlbezirk eine Nachwahl in Sachen der verunglückten Ge- werbegerichtswahl vom 23. Januar cr. stattfindet. Die Nachwahl findet am Mittwoch, den 11. Juli, statt und hat jetzt der Magistrat für den Abstimmungsbezirk A die Turnhalle der 5/6. Ge- meindeschule in der Kaiserin Augusta-Allee ia als Wahllokal hergegeben. In den beiden anderen Abstimmungsbezirken B und C bleiben die Wahllokale dieselben. Ueber einen Antrag der Handels- und Transportarbeiter:„Die Charlottenburger Gewerkschaftskommission möge sich der Berliner Gewerkschaftskommission als Unterkommission anschließen", ging man, nachdem vom Obmann erklärt wurde, daß hierzu die Vor- bedingungen noch fehlen, zur Tagesordnung über. Unentschuldigt fehlten die Vertreter der Buchbinder, Fleischer und Schuhmacher. Rixdorf. Ein Rencontre mit einem Schutzmann führte den Schrauben- dreher Ruschkowski vor das hiesige Schöffengericht. Am 2. Mai, mittags 1 Uhr, fand eine Versammlung der Metallarbeiter in der „Neuen Welt" statt. Da der Saal bereits vor der festgesetzten Zeit überfüllt war, hielten Schutzleute die Späterkommenden von dem Eintritt in den Versammlungsraum zurück. Als auch dem Schrauben- dreher Gottlieb Ruschkowski der Eintritt verwehrt wurde, soll er gewaltsam versucht haben in den Saal einzudringen. Der Schutz- mann Dörrwald hielt ihn jedoch zurück, indem er ihn beim Arm faßte. Hierfür revanchierte sich R. durch Aeußerungen gegen den genannten Polizeibeamten, die beleidigender Natur sein sollten. Der Amtsanwalt beantragt mit Rücksicht auf das offene Geständnis und die Unbescholtenheit des Angeklagten eine Geldstrafe von 30 M. Das Gericht erkennt unter Zubilligung mildernder Umstände auf 20 M. Geldstrafe. Auf der Suche nach einem Beraubten. In eine seltsame Lage ist die Rixdorfer Kriminalpolizei versetzt worden. Sie hat gestern nachmittag einen dreisten Räuber verhaftet, sucht jedoch vergeblich die Person des Beraubten zu ermitteln. Der 37 Jahre alte„Ge- legenheitsarbeiter" Hermann Thiel. Hohenzollernplatz 17 wohnhaft, hatte sich seit einigen Tagen durch seine große Freigebigkeit ver- dächtig gemacht. Er lebte in Saus und Braus und gab in vielen Lokalen den Gästen Wein und andere Getränke zum besten. Natürlich wunderte man sich über den plötzlichen Reichtum des T., und bald erhielt auch die Kriminalpolizei davon Kenntnis. Die Recherchen führten gestern nachmittag zur Verhaftung des Ver- dächtigen. T. war durch einen Raub in den Besitz des Geldes ge- * kommen. Bei seiner Vernehmung gab er an, am Richardplatz sei ein unbekannter Herr an ihn herangetreten, habe ihm einen Taler in die Hand gedrückt und ihn auch noch zu emem Glase Bier eingeladen. In einem Lokal in der Hertzbergstraße habe ihn der Fremde im Laufe des Gesprächs zwei Porte- monnaies und einen Beutel gezeigt, welche sämtlich große Mengen Geld enthielten. Während der Unterhaltung habe T. seinem Gast- geber unbemerkt die goldene Uhr geraubt, und als der letztere sich einen Augenblick entfernte und eines der Portemonnaies auf dem Tische liegen ließ, habe er es auch an sich genommen und sei dann geflohen. In der Geldbörse fand die Polizei noch 40 M. vor. Auch die Uhr besaß T. noch. Wieviel er von dem gestohlenen Gelde schon ausgegeben hatte, vermag der Verhaftete nicht mehr anzugeben. Die' Kriminalpolizei ist nun bemüht, den beraubten Unbekannten zu ermitteln. Wilmersdorf. Der gestohlene Hirtenknabe. Ein unglaublich dreister Diebstahl ist während der Nachtstunden in Wilmersdorf verübt worden. An der Vorderfront der Görardschen Villa in der Uhlandstraße war als Fassadenschmuck die Figur„des Hirten, die Flöte blasend', ein mehrere Zentner schweres Bildwerk aus Metall, angebracht worden. Die Figur, welche künstlerisch von hohem Werte war und die etwa 5000 M. als Objekt repräsentierte, war auf einem Sockel durch eiserne Schrauben befestigt. Als der Besitzer morgens seine Villa ansah, bemerkte er zu seinem Erstaunen, daß die Figur verschwunden war. Trotzdem der Verkehr an der betreffenden Srelle ein äußerst lebhafter ist, hatten es dreiste Diebesgesellen fertig gebracht, un- bemerkt die schwere Metallfigur vom«ockel loszuschrauben und zu entwenden. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Steglitz. Die Sammellisten für die ausgesverrten Lithographen und Stein- drucker sind bei den Delegierten der Gewerkschaftskommission und bei dem Obmann der Konimission, dem Genossen F. Döring, Steglitz, Hubertusstraße 5, Seitenflügel IV. zu haben. Ueber die einlaufenden Gelder wird öffentlich quittiert. Die Gewerkschaftskommission für Steglitz und Umgegend. Ober- Schöneweide. Die Eltern derjenigen jungen Leute, welche die Schule verlassen haben, werden ersucht, ihre Söhne zu der am Freitag, den 16. Juni, abends 8'/, Uhr, bei Starke, Sicmensstr. 6, stattfindenden Ver- sammlung zu begleiten, welche vom Verein der jugendlichen Arbeiter Berlins veranstaltet ist. Es ist wünschenswert, dahin zu wirken, daß die jungen Leute sich um die Weiterentwickelung und Förderung ihres Wissens bemühen. Der Vorstand. Königs-Wusterhausen. Ein rätselhafter Fund, der auf ein Verbrechen deutet, ist vor- gestern am Rotte-Kanal bei Königs- Wusterhausen gemacht worden. Dortselbst wurden am Ufer eine schwarze Alpakabluse, eine weiß- seidene Bluse, beide schon getragen, ferner ein Korsett und ein dl. T. gezeichnetes Hemd aufgefunden. Das Hemd war total zerfetzt und stark beschmutzt. Wie die polizeilichen Feststellungen nun er- geben haben, sind die Schmutzstreifen am Hemd dadurch verursacht worden, daß sich mit demselben jemand die Stiefel ge- reinigt hat. Die Risse in dem Wäschestück sind frisch und gewaltsam verursacht worden. An der Stelle, wo die Gegen- stände gefunden wurden, war der Erdboden zerstampft, als ob dort ein heftiger Kampf stattgefunden hat. Die gefundenen Sachen können nicht lange an jener Stelle gelegen haben, da sie trocken waren. Die Besitzerinnen derselben— nach den beiden Blusen zu urteilen handelt es sich um zwei Mädchen— konnten bisher noch nicht ermittelt werden. Spandau. Bor dem hiesigen Schöffengericht hatten sich am Mittwoch Frau Anna L i e r s ch, Restaurateur Fr. Bühle, dessen Ehefrau und der Schriftsteller Adorf S tern wegen Vergehens gegen das Vereins- gesetz zu verantworten. Am 16. Januar hatte der hiesige Frauen- Bildungsverein, deren Vorsitzende Frau Liersch ist, eine Versammlung in dem Böhleschen Lokal anberaumt, in welcher der Schriftsteller Stern einen Vortrag über Zweck und Ziele deS Frauenbildungs- vereins. Die Versammlung war selbstverständlich polizeilich nicht gemeldet. Am Versammlungsabend erschien der Polizei kommiffar Wangelin, und trotzdem die Vorsitzende ihn aufforderte, den Saal zu verlassen, blieb er, verlangte von Frau Böhle und von der Vorsitzenden einen entsprechenden Platz und als er solchen nicht erhielt, setzte er sich an das dort stehende Klavier und machte dort Notizen. Bühle selbst war an jenem Abend gar nicht anwesend in seinem Lokal. Bei einer Redewendung deS Vortragenden, bk nach der Aussage des Polizeikommissars etwa gelautet habe:.Es haben sich auch Geistliche zusammengetan, um bessere Gehälter zu erzielen, wenn aber Arbeiter dies tun, dann sind sie elende Sozialdemokraten", löste der Beamte die Versammlung auf. Auf Grund der Notizen, die der Beamte gemacht, war dann auch die Anklage erhoben. Im Verhandlungstermin verlas der Kommissar die von ihm gemachten Aufzeichnungen. Der Angeklagte Stern erwiderte hierauf, daß darin sein Gedankengang nicht wiedergegeben sei. Nach etwa 2>/2stündiger Verhandlung verurteilte das Gericht Frau Liersch und Schriftsteller Stern zu je 16 Mark Geldstrafe. Es hielt als erwiesen, daß Stern öffentliche Angelegenheiten erörtert, woran ihn die Vor- sitzende hätte hindern müsien. Außerdem wäre die Vorsitzende ver- pflichtet gewesen, dem Beamten einen geeigneten Platz anzuweisen. Die Böhleschen Eheleute wurden freigesprochen. Versammlungen. Die ausgesperrte» Lithographen und Steindrucker hielten am Mittwoch wieder eine Versammlung ab, in der Haß den Situations- bericht erstattete. Der Redner bezeichnete die Lage des Kampfes als üheraus günstig. Zu den vor acht Tagen festgestellten Zahlen der�Aus- aesperrten sind nur noch 10 Steindrucker hinzugekommen. Lithographen sind nicht weiter ausgesperrt worden. Die Unternehmer versuchen durch Inserate die Stellen der Ausgesperrten zu besetzen, doch gelingt ihnen das nicht. Ein einziger Streikbrecher ist der Gewinn, den die Unternehmer durch zahlreiche ZeitungSinserate davontrugen. Einen neuen Vorstoß haben die Unternehmer mit einem Flugblatt gemacht, worin sie die Prinzipale, welche bisher nockj nicht ausgesperrt haben, dringend ersuchen, die von ihnen beschäftigten Mitglieder des Senefelder Bundes nunmehr aber zu ent lassen. DaS Ergebnis dieses neuesten Vorstoßes ist, daß eine Berliner Firma mit 7 Gehülfen und eine Firma in Leipzig mit 17 Gehülfen der Mahnung der Scharfmacher Folge leisteten. Die Hoffnung der Unternehmer, daß infolge der Verfügung des Frank- furter Landgerichts die Ausgesperrten nicht hinreichend unterstützt werden könnten, hat sich als trügerisch erwiesen, da durch andere Gewerkschaften Mittel genug zur Verfügung gestellt worden sind, um den Kampf auszuhalten, selbst wenn er noch viele Woche» dauern sollte.— Die 31 Kläger, welche die Verfügung des Frankfurter Landgerichts veranlaßt haben, versichern jetzt in einem Flugblatt, sie hätten die Tragweite ihres Vorgehens nicht voraussehen können, sie würden die Gewerkschaftskasse des Senefelder Bundes fteigeben. Der Referent meinte hierzu, es scheine zweifelhaft, ob dies angängig sei, aber selbst wenn es möglich wäre, die gerichtliche Verfügung soweit aufzuheben, daß die Gelder des Senefelder Bundes frei werden, so bleibe doch immer die Tat- fache bestehen, daß die Verfügung doch die gewerkschaftliche Tätigkeit des Bundesvorstandes lahm lege. Das Vorgehen der 31 Kläger bleibe also nach wie vor ein Streich, der sich als Verrat der Arbeiterorganisation darstelle und der deshalb nicht scharf genug verurteilt werden könne, wenn auch die 31 Kläger, ver- anlaßt durch den Sturm der Entrüstung, den ihr Vorgehen in der ganzen deutschen Arbeiterschaft hervorgerufen hat, ihre Handlung«- weise jetzt in einem weniger ungünstigen Lichte erscheinen zu lassen sich bentühen.— Im Laufe der Diskussion wurden Einzelheiten aus verschiedenen Geschäften angeführt, die erkennen lassen, daß es den Unternehmern nicht inöglich ist, auch nur die notwendigsten Arbeiten durch die ihnen verbliebenen Arbeitskräste fertigstellen zu lassen. Beriand der städtischen Arbeiter. Die Sektion der Straßen- reiniger hielt am 11. Juni eine zahlreich besuchte Versammlung in den Arminhallen ab. Verbandssekretär Dittmer erstattete den Bericht vom Verbandstage. Für das Gedeihen des Verbandes wichtige Angelegenheiten, Grenzstreitiakeiten. Taktik und Statuten- beratung fanden in Mainz eingehende Würdigung. Besonders die von den Mitgliedern geforderte schärfere Taktik gegenüber den Stadtverwaltungen übte ihren Einfluß auf die Beratungen aus. Die Uniänderung der Statuten ergab den weiteren Ausbau der Unterstützungszweige. Außerdem sind Einrichtungen festgelegt für vermehrte Agilation. Alles das bedingte eine Erhöhung der Beittäge von 20 auf 36 Pf., für Berlin einschließlich des Ortszuschlages auf 40 Pf. Den Ausführungen wurde debattelos zugestimmt. Hierauf nahm die Versammlung Stellung zum letzten Flugblatt des Ortsvereins. Diese Hirsch-Dunckersche Abart von Organisation versucht bei s passenden und un- passenden Gelegenheit im Trüben fischen und glaubt die Beitragserhöhung, sowie die Abwesenheit des Obmannes deS Arbeiter-Ausschusses dazu benutzen zu können. Die Gesamtheit, so- wie einzelne Kollegen zu denunzieren, scheint vornehmste Aufgabe jener Auchkollegen zu sein. Die Versammlung protestierte in einer Resolution gegen das Gebaren des Ortsvereinsvorstandes und ver- pflichtete sich durch treue Werbearbeit für den Verband den Hirsch- Dunckerschen Passionen ein Ende zu bereiten. Vermischtes. Gegen die Automobilraserei» wie sie in der eben beendeten Herkomerfahrt zum Ausdruck kam und an der sich auch der Bruder des Kaisers, der Prinz Heinrich beteiligt«, wendet sich die„Deutsche Volkswirtschaftliche Korre- spondenz" wie folgt: „Verschiedene Todesfälle, schwere Körperverletzungen und großer Materialschaden, das sind, wenn die Tageszeitungen wahr- heitsgemätz berichtet haben, die einzigen Ergebnisse der Herkomer- Konkurrenz. Denn darüber sind alle Techniker einig, daß die Automobilindustrie bei ihrem heutigen Stande irgend welcher Massenfernfahrten, mögen sie nun Sicherheits- oder Schnelltg- kcitstouren genannt werden, zur Erprobung ihrer Leistungsfähig- keit nicht mehr bedarf. Vor fünf oder zehn Jahren war es in dieser Beziehung allerdings noch anders, aber jetzt liefert die Industrie betriebssichere Fahrzeuge, wenn sie in den Händen von kundigen und vorsichtigen Fahrern sind. Also, vom technischen Standpunkte aus war die Automobilraserei vollständig zwecklos, wohl aber hat sie den Automobilfeinden, besonders den Reichs- tagsmitgliedern, die ein weitgehendes Haftpflichtgesetz für Motor- wagenbesitzer schassen wollen, neues, schwerwiegendes Material für ihre Anschauungen geliefert, sie hat mit einem Worte den ernsten Automobilismus in der schlimmsten Weise diskreditiert. Betrachten wir nun die Veranstaltung vom sportlichen Stand- punkte, so ist das Resultat kein befferes. Wohl war, worauf der leitende Verein, der Kaiserliche Automobilklub, in verschiedenen Pressenotizen hinwies, die Zahl der Teilnehmer eine Verhältnis- mäßig große, aber qualitativ stand ein Teil derselben auf einem sehr niedrigen Niveau als Sportleute, wie namentlich seitens der ausländischen Mitfahrer sehr scharf hervorgehoben wurde. Auf verschiedenen Etappen trat eine vollständige Disziplin- l o s i g k e i t zutage und bedingte auf Veranlassung einer hohen Persönlichkeit die strengsten Maßregeln, oft noch ohne Erfolg. Durchschnittsgeschwindigkeiten bis zu etwa 70 Kilometer in der Stunde setzten Leben, Gesundheit und Eigentum der Passanten auf den nicht abgesperrten Straßen in die größte Gefahr und forderten tatsächlich unzählige schwere Opfer. Da muß im Jnter- esse der öffentlichen Sicherheit doch entschieden die Forderung aufgestellt werden, daß dergleichen Rennfahrten in Zukunft von den öffentlichen Wegen ferngehalten werden. Wenn die Auto- mobilwüteriche. wie die Gladiatoren in der antiken Arena und die Artisten im Zirkus, ihren Kopf aufs Spiel fetzen wollen, dann mögen sie es tun, aber jeder Staatsbürger kann mit Recht einen hinreichenden Schutz gegen solche Auswüchse des Sportfexentums verlangen. Die dem Bundesrate äugen- blicklich vorliegende Reichsvcrkehrsordnung für Kraftfahrzeuge kann hier leicht Wandel schaffen, sie kann die sportmäßigen Automobil- fahrten in Rennbahnen oder auf vollständig abgeschlossene Straßen verweisen.... Wir können in Veranstaltungen mit den Begleit- erscheinungen der letzten Herkomer-Konkurrenz keinen Nutzen für unsere vaterländische Industrie und kein erfteuliches Zeichen unserer fortschreitenden Kultur erblicken. Wir wünschen vielmehr — und darin wissen wir uns einig mit dem größten Teile der Bürgerschaft und den ernsten Förderern des Automobilismus— entweder eine vollständige Beseitigung derselben oder einen hin- reichenden Schutz für Leben, Gesundheit und Eigentum unserer Mitbürger."— Obs was hilft? Wir machen ein großes Fragezeichen. 10 Matrosen ertrunken. Der Dampfer„Meuse", der von der spanischen Küste kam, ist in der Nordsee gesunken. Es heißt, er ist von einem Kriegsschiff gerammt worden. 10 Mann der Besatzung sind ertrunken, 5 gerettet._ Geheimnisvolle Sterbefälle. In London ist ein Ausschuß ernannt worden zwecks Unter-. suchung über den geheimnisvollen Tod von 16 Personen in Hull. Man svermutet, daß dieselben durch den Genuß von amerikanischem Konservenfleisch vergiftet worden sind. Mehrere 100 Kilogramm Konserven wurden vernichtet. Die Soldaten des ersten Infanterieregimentes, welches in Pakhurst in Garnison steht, haben sich geweigert, amerikanisches Konservenfleisch zu essen. Ihr Beispiel wird von den meisten übrigen englischen Regimentern befolgt werden. Die Soldaten ziehen es vor. kein Fleisch zu essen und verlangen, daß das Kon- servenfkeisch vor dem Gebrauche sowohl von einem Zivil- wie von einem Militärarzt untersucht werde. Wie verlautet, hat der Kriegs. minister beschlossen, den Wünschen der Soldaten Rechnung zu tragen._ Ein gewaltiger Brand wird aus Tripolis, 14. Juni, ge- meldet. Einem Telegramm aus Ben Ghasi zufolge brach dort im Bazar Feuer aus. 140 Läden sind ausgebrannt. Viele Läden wurden, während das Feuer um sich griff, ausgeplündert. Explosion auf einem Schiffe. Liverpool, 14. Juni. An Bord des kürzlich aus Amerika hier eingetroffenen Schiffes„Haber- ford" hat eine Explosion stattgefunden, die meilenweit- zu hören war. Das Schiff, dessen ganzes Deck aufgerissen worden ist, wurde durch die Explosion in Brand gesetzt, doch gelang es, des Feuers Herr zu werden. Man meint, daß die Explosion, bei der neun Per» sonen getötet und etwa vierzig verletzt worden sind, durch eine Höllenmaschine herbeigeführt sein könnte. Lrirfkaltai der Redaktion. Die juristische Tprcchftunde findet wochentäglich von?>/, VIS ö'/a Uh» abends statt. Gcössnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um « Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Winsstr. 47. Sie müssen beim Gewerbegericht entweder beantragen, die Zwangsvollstreckung vorzunehmen oder um Ucbermittelung eines voll» streckbaren Erkenntnisses ersuchen und dann einen Gerichtsvollzieher mit der Pfändung beauftragen. Gesellschaften, wie Sie sie beschreiben, find nicht zu empsehlen: wir müssen eS ablehnen, eine Firma zu nennen.— R. R. 1. Ohne den Bescheid selbst zu kennen, ist es unmöglich, anzugeben, ob die Berechnung zutrifft. 2. Die Klage wäre aussichtslos, da die Berussgenossen- chast nach Ihrer Darstellung eintritt. 3. Ihre Braut wäre zur Anmeldung )eS Gewerbes verpflichtet; die von ihr Beschäftigten sind mvaliden- und krankenverficherungspslichtig.—