Ur. 138. nbonnemenfS'Bedingunsen: Abonnements■ Preis prnnumeranbo! Biertcljährb A.30 Mb, monatb l,l0 Mb, wöchentlich 23 Psg, frei inS Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' lll Pf-u Post- Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunas- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnemcnts nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 33. Jahrg. Crfttdot täglich aus«f rnontags. Verlinev Volltsblettk. Die TnfertiönS'Gebflbr beträgt für die sechsgespaltenc kkolonel- zeile oder deren Raum bll Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersammlungs, Anzeigen 30 Psg. „Kleine Pinreigen", das erste(sett- gedrulkte) Wort 20 Pfg, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jede? weitere Wort 5 Psg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer uiüssen bis»Uhr nachmittags inder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sozialdtmokrat Berlin". Zentralorgan der fcztaldemottrattrchen Partei Deiitfcblands. Redaktion: Sffl. 68, Lindenstrasse 69. Kernivrechcr: Amt IV, Nr. 198.1. Sonntag, den 17. Juni 1906. Expedition: 6Al. 68, Lindenstrasse 69. Kernsprccher: Amt IV, Nr. 1984. Oer 17. internationale Kergarbeiteriwngrek. Matt schreibt uns aus London: Wer die Bergarbciterbewegung der letzten Jahre verfolgte und Gelegenheit hatte, dem eben stattgefundencn internatio- ualcn Kongreß beizuwohnen, wird sich nicht verhehlen können, daß etwas Neues im Werden begriffen ist, daß die mächtig heranwachsenden nationalen Verbände anfangen, ihre seit 17 Jahren bekundete Gesinnung allen Ernstes durch die Tat zu bekräftigen, Dinge, die bis vor kurzem noch in weiter Ferne zu liegen schienen, gewinnen durch die Verhandlungen und speziell durch den Geist, der die Verhandlungen beseelte, greisbare Formen, und die internationale Aktion, die gerade für die Bergarbeiter so vielversprechend ist und die schon im vorigen Jahre durch die Gründung eines von den Deutschen vorgeschlagenen und zuerst von vielen Seiten mißbilligten internationalen Komitees einen kräftigen Anstoß bekanl, scheint jetzt der Wirklichkeit näher zu rücken. Allgemeine Befriedigung über den guten Anfang, den das Komitee gemacht hat. und Hoffnung auf seine künftige Wirksamkeit gab sich kund. Der Geist des Internationalismus und des Sozialismus trat in allen Debatten scharf hervor. Der Sozialist, der vor etlichen Jahren einen internationalen Berg- arbeitcr- Kongreß besuchte und die zuweilen sehr kurz- sichtigei und engherzigen Ansichten der älteren englischen Berg- arbciterführer hören mußte, wird diesmal angenehm über- rascht gewesen sein über die Sympathie und das Verständnis, das die jetzigen maßgebenden Leiter der englischen Berg- arbeiter den neuen Ideen entgegenbringen. Jedenfalls hat die Taff Vale-Entschcidung und der noch wichtigere, kürzlich schließlich doch zugunsten der Gewerkschaft entschiedene Fall, bei dem 3 000 000 M. an Gewerkschaftsgeldern auf dem Spiele standen, sehr heilsam auf die hiesigen Gewerkschaftsführer ein- gewirkt. Als vor einigen Monaten die Arbeiterpartei in London eine große Versammlung abhielt, um den eben errungenen glänzen- den Wahlerfolg zu feiern, erklärten die Gewerkschaftsmitglieder des L. R. C., daß sie, die bis jetzt nur das Gewerkschafts- Wesen verstanden hätten, nun, da sie mit Sozialisten zu einer Partei vereinigt seien, von diesen auch einen weiteren Blick fiir das ökonomische und politische Leben zu lernen hofften. Nun gehören zwar die Bergarbeiter zu dem rechten, dem liberalen Flügel der Arbeiterpartei; aber es war auf diesem Kongreß doch nicht zu verkennen, daß sie sich besonders von den Deutschen und Amerikanern, die auf dem Kongreß durch die als Sozialisten wohlbekannten Führer vertreten waren, sehr beeinflussen ließen und daß sie sich stets be- mühten, den prinzipiellen Anschauungen der Sozialisten entgegenzukommen. Was weiter für die Jdeenentwickclung, die sich zurzeit in den Reihen der englischen Bergarbeiter vollzieht, bezeichnend ist, war die Anwesenheit von dreizehn Abgeordneten des englischen Unterhauses, welche sämtlich Beamte der Bergarbeiter sind oder doch waren. Der Gedanke einer stärkeren parlamentarischen Aktion, die schon vor einigen Jahren auf dem internationalen Bergarbciterkongreß zu London von der englischen Delegation eifrig diskutiert wurde, hat tiefe Wurzeln geschlagen und wird notwendigerweise zum Sozialismus führen, was schon aus den Debatten des neuen Parlaments deutlich zu erkennen ist. Ucbrigcns sind schon nianche der fähigsten und einflußreichsten Köpfe der englischen Bergarbeiterbewegung, wie Smillie, Whitefield und andere, recht tüchtige Sozialisten. Das überraschendste Ereignis war wohl das Erscheinen der Vertreter der deutschen christlichen Bergarbeiter. Den Engländern, besonders den organisierten englischen Arbeitern, ist die Religion eine so selbstverständliche Privatsache, daß man es ihnen wohl verzeihen mutz, wenn sie bei dem Namen„Christliche Bergarbeiter" unwillkürlich an jene angenehmen Zöglinge eng- lischer Kapitalisten, an die sogenannten„freien Arbeiter", d. h. die organisierten Streikbrecher, dachten. Bei den Deutschen, die jahraus jahrein die Quertreibereien dieser Christen durchge- macht haben, niußte ihr Erscheinen auf einem Kongreß, bei dem mehr wie jemals der internationale und sozialistische Gedanke zum Ausbruch kam, von dem einstimmig eine warme Sym- pathiekundgebung für die russischen Revolutionäre angenommen wurde, die sonderbarsten Gedanken erregen. Was ist aus den staatserhaltenden, Sozialisten fressenden, königstreuen Arbeitern geworden?! Handelte es sich um einen plump ausgeführten Versuch, auf die vermeintliche Borniertheit der Vcrbändler bauend, eine Szene zu provozieren, um darau? Agitations- Material gegen den Verband zu schöpfen, oder war es nur eine Probeleistung des modernen Proteus, der allein selig machenden Kirche, den Teufel durch Beelzebub auszutreiben? Vielleicht haben sich die Christen die Tragweite dieses Schrittes gar nicht überlegt. Jedenfalls wird erst der nächste inter- nationale Bergarbeiterkongreß entscheiden können, inwieweit diese unverhofften Gäste die Beschlüsse des Kongresses in Ge- danken und Tat befolgt haben, und von dem Resultat dieser Untersuchung ihre Zulassung abhängig machen müssen. Beim Thema Achtstundentag wurde die erfreuliche Tatsache betont, daß vor kurzem im englischen Parlament die zweite Lesung des Gesetzes, durch das der Achtstundentag für Grubenarbeiter festgelegt wird, nnt großer Majorität an- genommen wurde. Der Eifer, mit dem nicht nur liberale. sondern auch konservative Parlamentsmitglieder in der letzten Zeit der Arbeitersache dienen wollen, sollte dem noch halb schlummernden englischen Riesen die Augen öffnen über die Macht, die in ihm ist. Die Debatte legte auch wieder das un- erquickliche Verhältnis bloß, das zwischen den Häuern und ihren jugendlichen Hülfsarbeitern in den beiden nördlichen Grafschaften Englands existiert. Man weiß, daß die Grubenarbeiter der beiden Grafschaften Northumberland und Durham(bei den letzteren findet übrigens eine Wendung zur besseren Einsicht statt) gegen den gesetzlich festgelegten Achtstundentag sind, und die Miners Fedcration führt mit Recht diese Opposition auf die Tatsache zurück, daß, während die Häuer in den Gruben Nord-Englands nur fft/z, 6 und 6V2 Stunden arbeiten, ihre jugendlichen Hülfs- arbeiter 10 Stunden arbeiten müssen. Dieses klassische Beispiel proletarischer Kurzsichtigkeit und der Wahrnehmung engherziger Kasteninteressen sollte eine Warnung für jene sein, die das hohe Lied von der rein gewerkschaftlichen Organisation singen. Von den Deutschen und Oesterreichern wurde auf dem Kongreß der Antrag gestellt, den internationalen Kongreß in Anbetracht der häufigeren Zusammenkünfte des internationalen Komitees nur alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. Der An trag wurde aber abgelehnt mit der Begründung, daß es für die internationale Bewegung von großem Vorteil fei, wenn sich die Vertreter der verschiedenen Nationen einmal im Jahre begegneten und in allen das Wohl und Wehe der Bergleute betreffenden Fragen persönliche Fühlung nähnien. Ohne Zweifel war es von großem Vorteil für die deutsche Dele- gation, einmal nach England zu kommen und sich ein wenig im Lande umzusehen. Dieser Besuch war den meisten der Delegierten ein„oyB-oxener"(wörtlich; Augen-Oeffner), wie die Amerikaner sagen.„Was werden meine Kameraden sagen", meinte ein Bezirksleiter aus dem Ruhrgebiet, „wenn ich ihnen von der Freiheit im öffentlichen Leben, die hierzulande herrscht, erzählen werde! Sie werden mich einen Aufschneider nennen, wenn ich ihnen darlege, was ich mit eigenen Augen gesehen habe. Denken Sie, sie würden mir Glauben schenken, wenn, ich ihnen berichte, daß sich irgend jemand an eine Straßenecke oder auf einen der großen Plätze in den zahlreichen Londoner Parks aufstellen und frei über alle Dinge in der Welt, über Religion und Politik, Philosophie und Wissenschaft reden, Sozialismus predigen oder das Vater- unser beten kann, ohne die Polizei um Erlaubnis zu fragen? Sie werden ungläubig lächeln, wenn sie erfahren, daß die Hauptarbeit der hiesigen Polizei darin besteht, den riesigen Verkehr zu regulieren. Kinder und schwache Personen über die durch das starke Getriebe gefährlichen Straßenkreuzungen zu geleiten und die Kutschen der feinen Welt aufzuhalten, damit die Demonstrationszüge der Arbeiter am ersten Mai und bei sonstigen Gelegenheiten ungehindert auf ihrem Wege nach dem Hyde Park die fashionabeln Viertel des Londoner Westens durchziehen können!"— Es tritt klar zutage, daß solche Delegaftonen einen großen erzieherischen Wert besonders für den Deutschen haben, der so in recht an- schaulicher Weise den Unterschied zwischen der bedrückenden Schwüle eines Polizeistaates und der freien Luft eines Landes mit demokratischen Einrichtungen kennen lernt. Einige solcher Delegationen deutscher Arbeiter würden unendlich mehr zu unserem Verständnis des englischen Volkes und zur Eintracht zwischen beiden Nationen beitragen, als alle die Bürgermeister und Journalisten, die doch nur zurückkehren mit Erinnerungen an die zahlreichen Festessen, nicht aber mit Eindrücken, die in der Berührung mit dem Charakteristischen dieses Landes ge- Wonnen sind, durch die Anschauung der großartigen englischen Rede- und Versammlungsfreiheit, deren Fehlen in unserem Vaterlande den Deutschen mehr in den Augen der Engländer herabsetzt, als alle unseren nationalen Schwächen und Un- tugenden. Die Revolution in Rußland» Daö Judenschlachten z« Bialystok. Die weiteren Meldungen der Petersburger Telegraphen-Agentur über Ursache und Verlauf der entsetzlichen Vorkommnisse in Bialystok sind so läppisch, daß man am besten tut, diese„Informationen" ganz unbeachtet zu lassen. Nur e i n Beispiel für den hohen Grad von Naivität, den die famose� Petersburger Telegraphen-Agentur europäischen Lesern nicht- antisemitischer Couleur zutraut: Die faustdicke Lüge, daß die Bialystoker Juden— die sicher froh sind, wenn man sie ungeschoren läßt und sich hüten lverden, Streitigkeiten vom Zaune zu brechen— die Lüge also, daß diese Inden am Donnerstag in die FronleichnamS-Prozession Bomben geworfen haben sollen, mag den berufsmäßigen Verteidigern und Bemäntlern aller Auswüchse des Zarismus zur Not noch hingehen. Aber zu dumm- dreist und unverschämt ist doch die neue Lüge: die Juden von Bialystok hätten— wahrscheinlich aus dem sehnlichen Wunsche heraus, noch mehr Glaubensgenossen anS Messer zu liefern— am Freitag„abermals mehrere Bomben geworfen"! Man tut gut, aus anderen Quellen zu schöpfen, wenn man über die scheußlichen Metzeleien glaubwürdigere Nachrichten haben will. Den, Hülssverein der deutschen Juden sind folgende Telegramme auS Bialystok zugegangen: Die Metzeleien in Bialystok dauern im verstärkten Maße fort. Das Militär hält noch immer die Stadt umzingelt und die Hooligans morde««nd plündern. Nach dem Walde Geflüchtete wurden vom Militär eingeholt und ermordet. Augenzeugen erzählen, ein Offizier habe auf dem Bahnhofe zwei Durchreisende ohne jeden Anlaß mit seinem Revolver erschossen. Außer den in Bialystok liegenden vier hol Ge Regimcutern und den kommandierenden Kosaken ist ein Regiment aus Brest Litcwsk zur Assistenz bei den Metzeleien hinzugezogen worden. Allgemeine Panik ergreift auch die Nachbarstädte. Von Bialystok nach Grajewo zurückgekehrte höhere Zoll- beamte erzählen, sie hätten selbst gesehen, wie Poilzeibeamte den Mordbanden vorangingen. Die Christen waren vorher gewarnt und aufgefordert worden, in ihre Fenster Heiligenbilder zu stelle». Russische Offiziere teilen mit, daß niemand während der Prozession eine Bombe geworfen habe, vielmehr habe die Prozessioiisnienae Feuerwerk explodieren lassen, was die Polizei als Signal zur Metzelei benutzte. Durchreisende wurden wieder- olt ans dem Zuge herausgeschleppt und in Gegenwart der endarmeu nnd Soldaten von Hooligans totgeschlagen. Juden werden aus Bialystok nicht herausgelassen. Die Vorgänge sollen jeder Beschreibung spotten. Sofortige Schritte beim Ministerium hatten zwar die bcruhiaendsten Versicherungen zur Folge, tatsächlich aber sind keine Maßregeln zum Schutze der Bevölkerung ergriffen worden. Soeben telegraphiert der Stationschef von Bialy- stok an die Warschauer Eiscnbahnverwaltung in Petersburg, daß die Militärbehörden die Station ohne Schutz gelassen hätten. Banden von Plünderern überfielen die im Passagier- zug Ankommenden und Vorbeifahrenden. . Ein Telegramm des Hülfsvereins an die Kommerzbank in Bialystok: ob die Metzeleien noch fortdauern, wurde am Sonnabend früh 4 Uhr 50 Minuten mit„ja" beantwortet. Ein etwa 8 Stunden später in Grajewo aufgegebenes Telegramm meldet: Hier ist die Nachricht cingelanfe», daß Bialystok in Flammen stehe. Eine Bestätigung von zuverlässiger Seite aus Bialystok selbst steht noch aus. Das„Berliner Tageblatt" erhielt folgende zwei Privat- Telegramnie: Bialystok, 16. Juni, 2 Uhr 40 Minuten nachmittags. DaS Plündern und Morden dauert auch heute fort. Die hiesige und einige benachbarte Garnisonen haben die Stadt eingeschlossen nnd beschießen sie unausgesetzt. An verschiedenen Stellen der Stadt ist Feuer ausgebrochen. Die Lage ist trostlos. Nur wenige Juden vermochten nnter hohen Geldopfern aus der Stadt zu ent- kommen. Petersburg, 16. Juni. Gestern waren zwei Duma- abgeordnete, Jakubso» und Scheftel, bei dem Minister deS Innern, um die Ergrcifniig außerordentlicher Maßnahmen zwecks Been- digung der Judcnhetze in Bialystok zu erbitten. Minister Stolypin erklärte den Abgeordneten, daß den letzten ihm zugegangenen Depesche» zufolge eine Beruhigung der Bevölkerung bereits eingetreten sei. (Bergleiche das obige Telegramm! Red.) Der Kriegszustand sei verhängt. Diese Antwort befriedigte die Abgeordneten nicht. Jakubson erklärte, er werde selber»ach Bialystok reisen, um alle Nachlässigkeiten der Administration festzustellen. Einzelne Juden ans Bialystok haben sich an Berliner Bankiers um Hülfe gewandt. Man spricht von 20 Toten und über 150 Verwundeten. Der Materialschaden soll ungeheuer sein. Die„Vossische Zeitung" bringt folgenden Eigenbericht: Eine einem Juden gehörende Apotheke wurde vernichtet, das ganze Personal erschlage»; am Leben blieb nur ein etwa zwei- jähriges Kind, das man später auf dem Boden entdeckte. In dem Hause, aus welchem man auf die orthodoxe Prozession geschossen hat, wurden 22 Personen verhaftet. Man fand dort 8 Getötete. Weder Polizei noch Militär machte gegen die Mörder und Plünderer von der Waffe Gebrauch. Unter anderem wurden ermordet: der Fabrikant Lapides mit Tochter und zwei Söhnen; zwei Töchter sind verwundet: der Angestellte der Stussischen Transportgesellschaft Frejdkin mit zwei Söhnen. Beraubt wurden hauptsächlich Juwe- lier-, Uhrmacher-, Tabak- und Kolonialwarenläden. Die Kaufleute Grützmann, Babisch, Hertzke, Fejge, Gebr. Jonas Suraski sind gänzlich zugrunde gerichtet. Die Straßen sind mit zerbrochenen Möbeln, HauSgerät und dergleichen bedeckt. Die Staatsbank und alle Privatbanken, sowie auch Läden, die verschont blieben, sind geschlossen. Es verbreitet sich das Gerücht, daß Juden außerhalb der Stadt einige Christcnmädchen erniordet haben, was neue Er« bitterung hervorruft. Eine Abordnung von 40 Juden erschien bei dem Polizenneister und verlangte die Bewaffnung des Selbst» schutzes, den die Polizei neuerdings entwaffnet hatte. Der Polizeimeister verwies sie auf den Gouverneur. der ab- wcscnd ist. Heute wurde auf eine Patrouille eine Bombe geschleudert. Auf der Nikolausstraße beraubte eine Bande von 100 Leuten einige große Magazine und überfiel das Bankhans Goldberg. Militär erschien, umzingelte die Leute und führte sie ab, ohne ihnen Leid zu tun. Etwa M00 Juden flüchteten sich in die benachbarten Wälder; man schickte ihnen Dragoner nach. Wozu? Man erfährt, daß der Gouverneur Kisker am Dienstag einer jüdischen Abordnung, die bei ihm wegen der beunruhigenden Gerüchte erschienen war, versichert hat, daß er den geringsten Versuch zu einer Judenhetze„rücksichts- los niederschlagen" werde, und daß die jüdische Bevölkerung dieserhalb vollständig ruhig sein könnte. Die Untersuchung wird von einem Staatsanwalt und drei Untersuchungsrichtern geführt. Einer der letzteren meinte,„daß man den Bombenanschlag keineswegs„kategorisch" den Juden in die Schuhe schieben dars, denn eine böswillige Herausforderung ist nicht absolut auSge- schloffen". Und die„B. Z. a. M." erhält folgende Depesche aus Paris: Eine hohe russische Persönlichkeit hat einem Vertreter der „Petite Röpublique" erklärt, nach seiner Ansicht habe nicht ein Jude, sondern ein Spitzel der Polizei von Bialystok die Bombe ver- fertigt und aus die Prozession geworfen. Schon vor einem Jahre sei von der Polizei und dem Militär ein Blutbad unter den Juden von Bialystok organisiert worden. Das diesmalige Blutbad sei die Rache für das Attentat der Revolutionäre auf den Polizeipräfekten. Im vorigen Jahre sei es nicht gelungen, die Bevölkerung in genügender Weise aufzuhetzen, weil Bialhsto! eine Industriestadt und deshalb fozia- listisch sei. Diesmal aber habe die Polizei besser gearbeitet, indem sie das Boll in seinen religiösen Gefühlen verletzt habe. Uebrigens sei Bialystok eine fast jüdische Stadt und die verfolgende Menge setzte sich vornehmlich aus den Bauern der Umgegend zusammen, , unterstützt von Truppen, die ihnen ihre Waffen liehen. Zum Schlüsse registrieren wir noch folgende Lassan- Depesche: Aehnliche Judenmetzcleien wie in Bialystok drohen in Hömel, Odessa, Cherson, Nikolajew und Kiew. Die Lage der Juden ist verzweifelt. Der Minister des Innern sandte ein scharfes Tele- gramm an den Gouverneur von Bialystok mit der Aufforderung, der Judcnhetze Einhalt zu tun. Der Minister erließ ferner an die anderen Gouverneure ein Zirkulartelegramm, öhnliche Borkommnissc in ihren Bezirken zu verhindern. Unter den Bauern. Die Charlotver Zeitung„Charkowskaja SchiSrtj' meldet, daß der Kampf zwischen den Bauern und Gutsbesitzern des Gou« vernements Kiew und Podolien neue Formen annimmt. Die Bauern bereiten einen General st reik während der Ernte vor. Es werden Streikkomitees gebildet und Tarife für verschiedene land- wirtschaftliche Arbeiten ausgearbeitet. Die Stimmung unter den Bauern ist eine gehobene. AuS dem Gouvernement Mogilew schreibt man, daß dort die Gutsbesitzer sehr beunruhigt sind. Die größeren unter ihnen organi- sieren auf eigene Kosten eine Schutztrupve aus Angehörigen der kaukasischen Stämme und tvandeln ihre Gutshöfe in wahre Festungen um. Die Regierung mobilisiert auch ihre Kräfte und verteilt kleine Abteilungen in allen Dörfeni. Die Dnma-Ferien. „Slowo" schreibt:„In Regierungskreisen will man unter keinen klmständen die Lteichöduma länger als bis zum 1ö. Juni(russ. Stil) tagen lassen. Zu diesem Termin wird die ReichSdmna durch ein allerhöchstes Dekret in die Ferien entlassen werden." Auch die „Birsh. Wcd." wollen von bestinformiertcr Seite erfahren haben, daß die Duma zwischen dem 10. und 12. Juni in die Ferien gehen werde. Um dieselbe Zeit soll über alle irgendwie unruhigen Gebiete des Reiches der Kriegszustand verhängt werden. Die Re- gierung wäre fest entschlossen, um jeden Preis die Ordnung aufrecht zu erhalten.— Dazu paßt folgende Meldung aus London: Von einem Mitglieds des ReichSrateS erfährt der Petersburger Korrespondent der„Tribüne", der Hof habe beschlossen, die Duma am 23. d. MtS. zu schließen und den Großfürsten Nikolaus Nikolaje« Witsch zum militärischen Diktator zu erklären. Nun hat die parlamentarische Fraktion der Partei der Volks- freihcit am Freitag beschlossen, darauf hinzuarbeiten, daß für die Duma keine Sommerferien eintreten.— Die Negierung scheint sich darüber klar zu sein, daß eS bei gewaltsamer Ferialisierung der arbeitsfrcudigen Reichsduma sehr leicht zu schweren Konflikten— in erster Linie am Tagungsorte der Duma: in Petersburg— kommen könnte. Die ehrenwerte Regierung erfindet daher bereits Vorwände, um schon jetzt ihre Borbercinmgen zu treffen, ohne deren Ziel und Zweck vorläufig zu entschleiern. So läßt sie z. B. folgende Meldung in alle Winde drahten: Wegen des immer bestiinmter auftretenden Gerüchtes von einem drohenden Streik ist die Zahl der Truppen in den Fabrik- vierteln Petersburgs erheblich verstärkt worden.--- AuS Moskau. Telephonische Berichte aus Moskau besagen, daß dort eine sehr erregte Stimmung herrsche. Fast täglich kämen Straßendemonstrationen vor: ernste Zusammenstöße mit der Polizei seien jedoch bisher nicht eingetreten. politische(lebersicbt. Berlin, den 16. Juni. Die Herrenhäusler. Das Herrenhaus hat am Sonnabend die allgemeine Be- sprechung des Volksschulgesetzentwurfes beendet und die Vor- läge einer Kommission überwiesen. Die Debatte blieb mehr als belanglos. Uebcrraschend war lediglich das Auftreten der Oberbürgermeister, in deren Namen die Herren Struck- mann- Hildesheim und Bender- Breslau sprachen. Die Prophezeiungen: die Oberbürgermeister würden ihre Stellung im Herrenhause benutzen, um gegen die durch den Entwurf herbeigeführte Beschränkung des Selbstverwaltungsrechtes der Gemeinden geharnischten Protest einzulegen, erwiesen sich als falsch. Nur an Einzelheiten haben diese Repräsentanten des Bürgertums etwas auszusetzen. im großen ganzen aber sind sie mit der Fassung, die die Vorlage im Abgeordneten- hause erhalten hat, einverstanden. In dem Verhalten der Oberbürgermeister spiegelt sich so recht deutlich der Verfall der Bourgeoisie wieder. Das Bürgertum hat nicht mehr die Kraft, sich der Regierung zu widersetzen; es ist für jede noch so reaktionäre und kulturfeindliche Maßnahme zu haben; es schließt mit der Regierung Kompromisse über Kompromisse und merkt nicht, wie es bei jedem Kon, promiß von neuem übers Ohr gehauen wird. Wenn das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden heute nur noch ein Märchen aus alten Zeiten ist, so haben die Vertreter der Städte im Herrenhause ihr redlich Teil zu der Vernichtung dieses einst so hoch geschätzten Rechts beigetragen. Mit der Regelung der konfessionellen Fragen, wie sie das Gesetz beabsichtigt, ist ein Teil der„Linken", in deren Namen der Berliner Oberbürgermeister Kirschner sprach, nicht ein- verstanden. Dagegen legten sich für die Konfessionsschule besonders Professor Bierling, der Vertreter der Universität Greifs- wald, und Freiherr v. Durant ins Zeug. Professor Bierling bezeichnete die Konfessionsschule als„die natürliche Form der Schule" und machte die Entdeckung, daß der wissenschaftliche Charakter der Konfessionsschulen höher stehe als der der Simultanschulen, da sich keine Wissenschaftlichkeit erzielen lasse, wenn man immer zwischen zwei verschiedenen Änschauungen lawieren müsse. Hiernach wären also die, die da glauben, nicht nur seelig, sondern auch von wissenschaftlicher Bedeutung. Nennenswerte Aenderungen dürste die Kommission an dem EntWurfe kaum vornehmen, wenn auch nicht zu erwarten ist, daß sie der Fassung des Abgeordneten- Hauses ihre Zustimmung gibt. Voraussichtlich wird also der Entwurf nochmals an das Abgeordnetenhaus zurückgelangen, so daß die Session sich noch bis in die ersten Tage des Juli hinziehen kann. Vor der Beratung des SchulunterhaltungSgesetzes hatte das Haus eine Reihe kleinerer Vorlagen ohne Debatte er- ledigt und— gleichfalls ohne Debatte— in der durch die Verfassung vorgeschriebenen nochmaligen Abstimmung die Gesetzentwürfe betreffend Aenderung des Wahlgesetzes an- genommen I Die„Reform" ist also ohne Schwierigkeiten glücklich unter Dach und Fach gebracht.—, Wcinn das Herrenhaus wieder zusammentreten wird, das hängt von dem Verlaufe der ArbeUen der Schulkommission ab.— Die Meutereien in Südwestafrika. lieber die von uns gemachten spezialisierten Angaben sich endlich zu äußern, haben wir die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" jetzt jeden Tag ausdrücklich und nachdrücklich auf- gefordert. Die„Nordd. Allg. Ztg." aber schweigt, sie schweigt des Morgens und des Abends.— Wir können warten, aber die Regierung darf nicht glauben, daß' wir vergessen. Es gibt noch andere Stellen, wie sie weiß, wo wir unsere Fragen wiederholen können, und wo das Schweigen die Zustimmung bedeuten würde. Nachdem wir nun vor einigen Tagen in den blauen Dunst, den die Scherlblätter und die—.Vossische Ztg." in trautem Verein in dieser Sache zu machen versucht hatten, so kräftig hineingeblasen hatten, daß beiden Organen bis heute kein einziges Wort der Er- widerung möglich wurde, versucht eS jetzt eine andere, mitunter offiziöse Kloale, den Sachverhalt zu verwirren, wenn nicht abzu« leugnen. Es ist die„Neue Milit. Korr.", die--- wie üblich„auf Grund zuverlässiger Informationen"— mitteilt: „Gänzlich falsch ist die Meldung, es sei ein Offizier erstochen worden. An der Meldung über Ausschreitungen einem Wachtmeister gegenüber ist so viel richtig, daß auf einer Etappenstasion im Windhuler Distrikt neu hin« aus-gekommene Reiter bei einem. Trinkgelage und unter dem Einfluß übermäßigen Alloholgenusses einen Portopee- Unteroffizier bedroht und ihn gezwungen haben, mit ihnen e i n Hoch auf die Sozialdemokratie auszubringen. Die Beteiligten— junge, unerfahrene Leute— sind vor ein Kriegs- gericht gestellt und zu schweren Freiheitsstrafen ver- urteilt worden. Der Fall steht aber ganz vereinzelt da. Im übrigen kann die Truppe mit Stolz gerade auf das ausgezeichnete, vom Geiste der Kameradschaft getragene VerhälwiS zwischen den Offizieren und den Unteroffizieren und Mannschaften hinweisen." Zerlegen wir diese Angaben ein wenig: all 1. Erstechung eines Offiziers; die Meldung hierüber soll falsch sein. So lange das von einer nicht ver- antwortlichen Stelle aus erklärt wird, können wir darauf ver« zichten, solche einfache, kostenlose„Widerlegung" gebührend zu beantworten. Die Regierung wird wissen, warum sie eine solche ableugnende Erklärung nicht durch ihre anerkannten Organe wie „ReichSanzeiger" oder„Nordd. Allg. Ztg." abgeben läßt... ad 2. Verprügelung eines Wachtmeisters; das wird nicht geleugnet, sogar noch weit mehr zugegeben. Die von der„Neuen Milit. Korr." nämlich zur Abwehr jetzt veröffentlichte Affäre ist gar nicht die, um welche eS sich in unseren Bc- richten handelt I Wir haben es also mit einem weiteren, bisher nicht gekannten Fall von Meuterei zu tun I Durch diese Mitteilung hat sich die genannte Korrespondenz also immerhin einiges Verdienst erworben, das wir willig anerkennen. Aber von dem Fall, den w i r meinten, hat sie danach keine blasse Ahnung. Das mag sie sich gesagt sein lassen. Was nun diesen von der offiziösen Korrespondenz mit- geteilten Fall betrifft, so müssen wir offen gestehen, daß, wenn er an uns direkt gemeldet wäre, wir ihn nicht für m ö g l i ch gc- halten hätten, es sei denn, wir hätten zugleich absolut vollgültige Beweise dafür bekommen. Also: ein Portepeeunteroffizier läßt sich von„jungen, unerfahrenen' Leuten, die noch dazu b e- zecht sind, zwingen,„ein Hoch auf die Sozialdemo- kratie auszubringen"! Wir fragen: wie hoch schätzt das offiziöse Organ de» Mut derjenigen Portepeeunteroffiziere ein, auS deren Reihe dieser Mustermensch stammte, der sich von jungen und bezechten Leuten zwingen läßt, auf die Sozialdemokratie ein Hoch auszubringen?!— Mit der Verwirrung unserer Mitteilungen durch die„Neue Milit. Korr." war eS also auch nichts; wir warten weiter auf offizielle Erklärungen durch den„ReichSanzeiger" oder die„Nordd. Allg. Ztg."-_ ReichSland oder Bundesstaat. Straßburg, 13. Juni.(Eig. Bcr.) Seit einigen Jahren ist die früher nur sporadisch behandelte elsaß-lothringische Vcrfassungsfrage von der politischen Bildsläche nicht mehr verschwunden, und jetzt scheint sogar, nach glaubhaften Meldungen,«ine Lösung bevorzustehen. Allerdings ist es ja auch durchaus begreiflich, daß in der ersten Zeit der schroffen nationalen Gegensätze zwischen Einheimischen und Eingewanderten die staats- rechtliche Sonderstellung Elsah-LothringenS im Deutschen Reich nicht lastig empfunden wurde, während sie heute weit unangenehmer auffallen muß, wo im ganzen Wirtschaftsleben und auch im Geistes- leben enge Verbindungen zwischen Alt- und Neudeutschland geknüpft worden sind. So sind denn auch in den Parteiprogrammen an Stelle der früher lakonisch gefaßten Forderung„Gleichstellung Elsaß- Lothringens mit den deutschen Bundesstaaten" konkrete Vorschläge getreten, denen durchweg freilich der Mut der Konsequenz fehlt. Das zeigt sich namentlich in den im Reichstag niedergelegten Anträgen der klerikalen Abgeordneten P r e i h und Wetterle, die an Halb. heit nichts zu wünschen übrig lassen, und schließlich auch in den Absichten des Bundesrats, wie sie vor kurzem hier bekannt ge- worden find. Elsaß-Lothringen ist geblieben, was eS 1871 war: eine den ge- samten verbündeten deutschen Staaten abgetretene Provinz und als solche Reichsland. An der Spitze der Landcsverwoltung steht als Vertreter des Reichskanzlers der Statthalter, dem gleich- zeitig landesherrliche Befugnisse vom Kaiser übertragen sind, und ihm zur Seite eine Art Reichsamt, das M in i ste r i u m für Elsaß- Lothringen, tvs von einem Staatssekretär g-leitet wird und in vier Abteilungen gegliedert ist. Die LandeSgesetzc in Elsaß-Loth- ringen sind naturgemäß Reichsgesetze und sie können daher, wie alle Reichsgesetzc, vom Reichstag und vom Bundesrat festgestellt und vom Kaiser publiziert werden. An Stelle des Reichstags tritt regel. mäßig seit 1877 der Landesausschuß für Elsaß-Lothringen. Von ihm abgelehnte Gesetzentwürfe können aber jederzeit vom Reichstag angenommen werden. So ist im Jahre 1887 das sogen, Berufsbürgermeistergesetz gegen den Willen des Landesausschusses zustande gekommen. Hierauf und auf die Aushebung dieses Gesetzes im Jahre 189S ist freilich die Tätigkeit des Reichstags als gcsetz- gebender Faktor für Elsaß-Lothringen seit dem Bestehen deS Landes- auSschusses beschränkt geblieben. Trotzdem wird von den meisten bürgerlichen Parteien am hef- tigstcn für die Ausschaltung deS Reichstags plädiert, während die Mitwirkung des Bundesrats bei der Gesetzgebung und besonders die Ernennung des Statthalters, des Staatssekretärs und der Unter» staatssekretäre durch den Kaiser weniger Gegenstand von Angriffen sind. Auf diese einzig« Forderung der Umgestaltung des Landes- ausschusses in einen vollberechtigten Landtag reduziert sich nament- lich der schon angedeutete Antrag der Abgeordneten Preiß und Wetterle im Reichstag. Für die klerikale Partei ist diese Re. form der erste Schritt. Dagegen hat dt».�Sozialdemokratie schon vor Jahren einen ganz entgegengesetzten Ständpunkt eingenommen, den später auch linksstehende bürgerliche Elemente, wie Blumenthal, sich zu eigen gemacht haben. Die ganze Verfassungsfrage ist keine Frage von sehr großer Bedeutung. Ob der Bundesrat oder ein« elsaß-lothringische Regierung neben dem Parlament Faktor in der Gesetzgebung ist, kann uns ziemlich gleichgültig sein. Dagegen lehnen wir die Ausschaltung beS Reichstags ab, so lange nicht auch zum Landesausschuß das all. gemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht besteht. Diese Reform muß Voraussetzung der ersten sein, da diese sonst ein Nachteil und kein Vorteil ist. Die Klerikalen denken anders, wie gesagt, und auch der Bundes- rat. Wenigstens hat neulich in der hiesigen Sozialwissen. schaftlichen Vereinigung der der klerikalen Partei nahe ftehead« Herr SBrorn die bisher eicht dementierte Mitteilung ge. Macht, der Bundesrat gedenke zuerst den Reichstag auszuschalten, sodann die„W a h l r e f o r m" in dem Sinne vorzunehmen, daß die drei Bezirkstage allein die Abgeordneten zum Landtag wählen. Freilich bestritt die liberale„Stratzburger Zeitung" die Genauigkeit dieser Angabe und erklärte, so viel sie wisse, sollten die Bezirkstage selb st den Landesaus- s ch u ß bilden. Das jetzige Wahlsystem ist, das sei vorausgeschickt, möglichst reaktionär: 4 Abgeordnete iverden von den Gemeindcräten der Städte Straßburg, Mülhausen, Colmar und Metz gewählt, 20 durch die Wahlmänner der Gemeinderäte des in 20 Kreise zer- fallenden Landes und 34 durch die Bezirkstage(10 im Oberelsaß, 13 im Unterelsah und 11 in Lothringen). Demnach könnte eine einigermaßen annehmbare Volksvertretung gewählt werden, da das Gemeinde- und Bczirkswahlrecht nicht ungünstig ist, wenn nicht, abgesehen von den Städten, bei diesen Wahlen politische Moments trotz aller Anstrengungen von unserer Seite immer zurückgedrängt würden. Deshalb bedeutete auch die Entfernung der Geiyxindcräte als Wahlkörperschaften die Unmöglichkeit für, die Sozialdemokratie. in das Sändesparlament einzudringen. Hat jedoch die„Straßburger Zeitung" recht, so kann man sich mit den Absichten des Bundesrats schon eher befreunden, da es dann wohl gelingen würde, den Bezirks- togswahlen— die Bezirkstage sind heute lediglich Verwaltung?- körper wie die Provinzialausschüsse in einigen Bundesstaaten— einen politischen Charakter zu geben. Das jetzt bestehende Wahl- recht ist allgemein und enthält nur„Kautelen" bezüglich der An- sässigkeitsdauer und der Veranlagung zu einer direkten Staatssteuer. Zwei Aenderungen wären dann noch unvermeidlich: die heute 9 Jahre betragende Wahlperiode müßte verkürzt werden, ebenso müßten die Wahlen allgemein sein statt der jetzt bestehenden teil- weisen Erneuerung. Jedenfalls muß die Sozialdemokratie jede Verfassungsrevision ablehnen, die das allgemeine Wahlrecht nicht zusichert. Die Solidarität der Reaktion. London, 16. Juni. Wie die„Times" aus Petersburg meldet, ist dort ein Gerücht im Umlauf, die Regierung verhandele mit Deutsch- land und Oesterreich über ein gemeinsames Vorgehen im Falle einer Erhebung in den westlichen Provinzen. Der Besuch de» Großfürsten Wladimir in Berlin stehe mit diesen Verhandlungen in Verbindung. Wahrscheinlich wird das Gerücht, wie so manches ähnlichen In- Halts, die ihm voraufgingen, dementiert werden. Wir halten es aber doch für nötig, die Meldung zu registrieren, da die Versuchung zu solchen Abmachungen jedenfalls vorhanden ist. Daß der Jnter« nattonalität der Reaktion ihr Gegenstück in der Jnternationalität der Unterdrückten gegenübersteht, mögen aber die Herrschenden nicht vergessen. « Die Wiener„Allgemeine Korrespondenz" läßt sich aus PeterS- bürg berichten: In den Hoskreisen verlautet mit Bestimmtheit, daß auf der Nordlandsreise des Kaisers Wilhelm in diesem Sommer eine Begegnung desselben mit dem Zaren in den finnländischen Gewässern stattfinden werde. Es wäre dies eine Erwiderung des vorjährigen Besuches des deutschen Kaisers im Hasen von Björlö.— DeutFeheo Reich. Vom Danziger Freisinn. AuS Danzig wird uns geschrieben: Das liberale Kartell, das für Ostpreußen als funkelnagelneue Attraktion gepriesen wird und der politischen Welt Wunderdinge zeigen soll, bestand in Danzig schon seit langer Zeit. Der männliche und der hier besonders weibische Freisinn gingen schon seit jeher, eng verbündet mit den Nationalliberalcn, den gleichen Krebsgang. Deshalb bezeichnete sich diese wunderliche Mischung, die tatsächlich schon mehr Breisinn als Freisinn war, auch nur allgemein als „liberal" und vermied peinlich die sonst übliche Parteibczeichnung. Neuerdings ist diese liberale Durchfallsversicherung sogar in Hin- ficht auf die nächste Reichstagswahl schon zum allgemeinen ..Ordnungskartell" ausgebaut worden, ohne daß indes in der Oeffentlichkeit über diesen oberfaulen Eründungsschwindel die Sicgesfanfaren geblasen werden, die vor kurzem aus Ostpreußen erschallten. Nach dem Tode RickertS fiel es hier allgemein auf, daß der sonst vom engherzigsten Lokalpatriotismus triefende Mischmasch- liberaliSmus keinen Danziger Kandidaten aufstellte, sondern sich den ausgesuchtesten Börsenreaktionär aus Berlin holte. DaS Mandat RickertS, der doch wenigstens noch etwas liberale Ideologie besaß, wurde dein politischen Charakterhelden Bankdirektor Mommsen, der sich mit Hand und Fuß gegen die Anerkennung eines Pro- gramms sträubte und die politische Programmlosigkcit als die liberale Haupttugend proklamierte, ausgeliefert. Die„Königs- berger Volks-Zeitung" konnte schon 1903 des Rätsels Lösung durch die Feststellung enthüllen, daß der einzig als Kandidat in Betracht kommende hiesige Kommerzienrat Münsterbcrg deshalb in die Ecke gestellt wurde, weil er-- Jude war! In der unvermeidlichen Stichwahl mit"der Sozialdemokratie fürchtete man, für ihn die Stimmen der antisemitisch gefärbten Konservativen, Zentrunislcute und selbst gewisser— Nationalliberaler nicht erlangen zu können I Der sonst gepriesene Musterbürger erster Klasse wurde deshalb gesinnungstüchtig ins alte Eisen geworfen und für ihn der tadcl- lose Arier und Börsenmann Mommsen zum Liquidator der liberalen Konkursmasse bestellt. Nun hat es aber der„Berliner Unglücks- mensch", wie sich der arische Bankdirektor in der Erinnerung an gewisse interessante Vorgänge hinter den freisinnigen Kulissen im Jahre 1903 öffentlich selbst betitelte, verstanden, sich selbst mit der unbeschränkten politischen Bedürfnislosigkeit der Tanziger Auch» liberalen so gründlich zu überwerfen, daß man mit ihm bei dem Vorrücken der Sozialdemokratie auf einen weiteren Wahlsieg nicht mehr hofft. In der Erkenntnis, wie sehr das einst als unbesiegbar gerühmte„liberale Bollwerk" schon schwankt, proklamierte der stets unentwegte KommerzienratS-Liberalismus die berüchtigte Soli- darität aller Ordnungsparteien und kroch schon im Jahre 1904 vor dem Zentrum und den Konservativen hündisch zu Kreuze. Damals kam der Ordnungskompromiß zustande, nach welchem die„Frei- sinnigen" den ganz schwarzen Reaktionären bei den Stadt- verordnetenwahlen nicht nur eine Reihe von Sitzen ohne Schwert- streich auslieferten, sondern sich sogar dazu verstehen mußten, selber für ihre politischen Todfeinde zu stimmen! Wie tief die unsägliche Würdelosigkeit des flottcnschwindlichen Demagogen- freisinns schon gesunken ist, beweist wohl die unerhörte Tatsache, daß selbst der krasseBrotwucherpolitiker und persönlich unangenehmste- Gegner der hiesigen Liberalen, der konservative Redakteur Brunzen der hochagrarischen„Danziger Allgemeinen Zeitung", mit freisinniger Hülfe in das Rathaus gewählt ist! Nach dem schmäh- lichen Kompromißvertrage haben jedoch die Zentrümler und Konservativen in Aussicht gestellt, dem„Juden" Münsterberg für die fatale Beschneidung gnädigst Absolution zu erteilen. Und so soll denn das„freisinnige" Tanzig bei der nächsten Reichstagswahl wieder die„Genugtuung" haben, mit einem„echten" Sohn des nordischen Venedig und nicht mit einem„schnoddrigen Berliner" auf den politischen Bauernfang zu gehen. So ganz schmerzlos scheint sich aber der große Mommsen doch nicht abhalftern lassen zu wollen. Wenigstens war er am 26. April in einer unter dem Ausschluß der Oeffentlichkeit tagenden Versammlung seiner Un- getreuen offen genug, ihnen die Pille zu applizieren, daß Danzig wegen der Diäten bei der nächsten Wahl einen heimischen Kandidaten aufstellen werde! Dieser nicht ganz schlechte— Witz erscheint wahrhaftig nicht weniger bissig im Lichte der Tatsache, daß Münsterbcrg bloß— Millionär ist! Wenn nicht alles trügt, soll nun Münsterberg nicht bloß in der Stichwahl, wie Mommsen, als„Kandidat aller nichtsozial- demokratischen Wähler" paradieren, sondern schon gleich bei der Lputztwatzl, uatcc völliger Ausschaltung jeder Parteilandidatur, bM vereinigten kapitalistischen Ordnungsbrei als Sündenback dienen. Da ihm das Odium des Zollwuchers, das Mommsen wegen der Zustimmung zu den Mitzhandlungsverträgcn unauslöschlich anhaftet,� persönlich noch fehlt, und er den Schwarzen wegen der Mittäterschaft bei der Kompromihmogclci zum preußischen Vollsschulgesctz sehr sympathisch ist. so erhoffen„freisinnige" Scher von dieser Kandidatur ganz besonders den bekannten Aufschwung des«entschiedenen Liberalismus". Um politische Grundsätze ist hier nun allerdings der Wahl- kämpf vom Molluskenliberalismus noch niemals geführt worden. Die niedrigste Spekulation auf die Selbstsucht und Denkunfähigkeit unaufgeklärter Arbeiter durch die maßlos demagogische Aus- Nutzung des»goldenen Flottenscgens". das war bisher schon das einzige Programm, nach dem der hiesige Liberalismus zum grau- samsten Hohn auf seine sogenannten Grundsätze die Wähler über den Löffel barbierte. Die verlogenste Flottendemagogie und die reaktionär, te Kirchturmspolitik sollen nun bei der nächsten Wahl nicht nur den Freisinnsplunder, sondern die gesamte Reaktion zum Siege führen. Der nun auch von der ehrlichen Reaktion aller- gnädigst absolvierte«jüdische Kommerzienrat" sucht sich denn auch schon nach Kräften seiner hohen Aufgabe würdig zu erweisen. Er ging sogar zu den Hirsch-Dunckerschen und lehrte diese, die offenen Mundes den neu gewachsenen kommerzienrätlichen Radikalismus bestaunten, daß der Streik das vornehmste Recht der Arbeiter ist. wenn es auch besser— nicht ausgeübt werde! Sehr hübsch macht sich diese sonntägliche Streiktheorie des großen Holzmillionärs an- gesichts der Tatsache, daß gerade M. beim Streik der Weichsel- Holzarbeiter im Jahre 1900 die bescheidenen Forderungen mindestens ebenso rücksichtslos ablehnte, wie seine viel weniger „sozialliberalen" Mitkapitalisten. Gerade Münstcrberg hielt es damals mit den Grundsätzen der«Partei der Gerechtdenkenden" für vereinbar, den Streik nicht als aus der Not geborenem freien Entschluß der Arbeiter anzuerkennen, sondern ihn nach bekannter Scharfmacherart als das Produkt gewisser Terroristen zu denun- z,erenl Und die schwarzen und konservativen Agrarier haben ganz sicher nicht ihren pfiffigen Kuhhandel bereut, als M. im Herbst 1905 nach einer Rede über den Fleischwucher sogar von einem Gesinnungsgenossen öffentlich gesagt werden mußte: einen besseren Vertreter hätten sich die Agrarier gar nicht wünschen können! Dafür schillert der ungemein vielseitige Kommerzienrat neuerdings aber auch wieder von der hohen Tribüne der preußischen Gcldsacks. kammer sozialpolitisch als Schwärmer für Damenrechte und pro- duz,ert sich als wortreicher Bekämpfer der polizeilichen Drang. salicrung der Prostitution. Nach freisinniger Logik ist es deshalb aber naturlich noch lange kein Widerspruch, daß derselbe warm- herzige Münsterberg als unbestrittener Oberhüuptling des hier regierenden Kommunalfreisinns noch nicht den kleinsten Erfolg in der wirksamen Bekämpfung deS entsetzlichen Danziger Wohnungselendes aufweisen kann. Dafür hat aber der große Sozialpolitiker der städtischen Subventionierung der Gläubiger und Spekulanten der hier mit Regierungshülfe gegründeten neuen Ostmarken. Industrie, trotzdem diese künstliche Jndustriemache von Anfang an unrettbar verkracht war, noch stets seinen Segen und die Steuern der Arbeiter in der Höhe von ungefähr 500 000 Mark gegeben! An politischer Reklame läßt es also der neuerwählte gemein- same Reaktionskandidat des Danziger Ordnungsbreies nicht fehlen An der Danziger' Arbeiterschaft wird es nun liegen, dafür zu sorgen, daß der liberal-freisinnige Bankrott trotzdem nicht unnüd in die Lange gezogen wird.— Kolonialanleihea und Kolonial-, FriegSiahnen". Einer der freiwilligen Regierungskommissare im Zentrum ist aUf eine zwar recht alte, aber deswegen noch immer geniale Idee heruntergekommen: er will das auch von seiner Partei abgelehnte Kapital für neue Bahnen durch Kolonialanleihen aufbringen, deren Verzinsung vom Mutterlande garantiert werden solle. Wir würden selbstverständlich energisch gegen solche Methode protestieren, halten aber zunächst dafür, daß dieser Vorschlag so wenig enist genommen werden dürste, baß wir zur eventuellen Begründung unseres Protestes noch reichlich Zeit haben dürften. UebrigenS dürften sich die Herren auch sehr darin irren, daß die deutschen Kapitalisten ihr eigenes Geld durch Anlage in solchen Anteilen«ufs Spiel setzten; die deutschen Kapitalisten sind nur so lange für die Kolonialpolitik, als sie aus dem Säckel der gesamten Steuerzahler bezahlt wird und damit fast ausschließlich aus den Taschen der Armen und Aernisten, den Hauptzahlern der indirekten Steuern. Ueber eine andere, weit gefährlichere, weil wahrscheinlichere Idee laufen auch allerhand Mitteilungen durch die bürgerliche Presse. Es er- hält sich nämlich hartnäckig das Gerücht, die vom Reichstage abgelehnte Verlängerung der Eisenbahn Lüderitzbucht— Kubub, nach Keetmannshop hin, würde nunmehr als Kriegsbahn gebaut werden, d. h. als eine Bahn auf militärischen Be- fehl, deren Mittel nicht einer besonderen Bewilligung durch den Reichstag bedürfen, sondern einfach aus den Fonds für allgemeine militärische Ausgaben genommen werden würden. Amtlicherseits wird das Gerücht allerdings bestritten und als unerheblich hingestellt. und wir würden ihm auch nicht viel Glauben schenken, wenn nicht die«Berl. Neuesten Nachrichten', die es wissen können, jetzt folgendes mitteilen: «Festzustehen scheint vorläufig, daß die F t r m a L e n z. die . den Bahnbau bis Kubub übernommen hat. nicht damit rechnet, ihr Arbeitspersonal im Herbst— den, Zeitpunkt für die Fertigstellung der Dllnenbahn— zurückzu- ziehen. Es liegt daher nahe, daß eine Vermessung der Strecke von Keetmannshop und Festlegung der Trace, also die Vor« arbeiten für den Bau, inzwischen von der Truppe ausgeführt werden.' Die Regierung wird sich über diese sensattonelle Meldung und Vermutung sofort äußern müssen, denn eine sogenannte„Kriegsbahn' gegen den ausgesprochenen Willen der Reichstagsmchrheit wäre ein Unternehmen, daö selbst unserer durch die Reichstagsmehrheit gewiß versicherten Regierung schließlich schlecht bekonimen könnte.— Schönhusen in der„Post". Der Polizeigönner der«Post'— nennen wir ihn Schönhusen— wird von Tag zu Tag über die Vergeblichkeit seiner Versuche auf- gebrachter, an maßgebender Stelle die Spuren der im Reichstage enthüllten Verbrechen der Urkundenfälschung, versuchten Bestechung zum Landesverrat und Veranlassung zu unnchtigen Zeugenaussagen zu verwischen. Der.Post' werden von Tag zu Tag neue Faseleien und Lügen ein geblasen, die die.Post'-Esel dann getreulich wiedergebm. In welch' dummer und stecher Art der Einflüsterer der„Post" von der Erlaubnis, weiter zu lügen, Gebrauch macht, dafür ein Beispiel aus der gestrigen„Post'. Wir hatten gestern den neuen Schwindel der„Post" enthüllt. Sie hatte behauptet, die famosen Briefe des Kriminalschutzmannes Hemker Nr. 0844, die uns aus Brüssel zugegangen tvaren, seien von einem Briefträger unter- fchlagen und uns zugestellt, der arme Mann fei von uns ins Un- glück gestürzt, säße in Haft usw. Wir hatten demgegenüber fest- gestellt, daß die vollkommene Schuldlosigkeit des Mannes er- wiesen und er deshalb bereits am 29. Mai aus_ der Haft entlassen ist. Femer hatten wir mitgeteilt, daß derselbe allerdings wegen eines gänzlich unbedeutenden Versehens, das selbst nach Annahme der Anklagebehörde in keinerlei Beziehung zu irgendeiner Zeitung oder Partei steht sNichtbestellung einiger offener, gedruckter Preisofferten einer Verkaufsfirma), unter Anklage steht. Das gibt der Polizeilügner der.Post' in folgender Weise wieder:«Der„Vorwärts" bestätigt heute unsere gestrige Mit- teilnng l' femer: Der.Vorwärts' verkünde selbst seinen Lesern. „daß vor wenigen Tagen d i e Anklage gegen den Briefträger er- hoben worden»st'. Und da« setzt Herr Schönhusen noch in Gänse- füßchen, um glauben zu machen, er zittere wörttich. Herr v. Stumm sprach nach ahnlichen Leistungen seine Kulis als«Esel' an. Der Mann hatte recht. Die„Post" will von uns durchaus wissen, wie es um den von ihren, dummen Hintermann erfundenen«sozialdemokratischen Geheim- dienst" stünde. Wir wollen es ihr verraten: Tag und Nacht ist ein Geheimtelcphon und ein Gcheiiiiphouograph für uns tätig. Die Apparate funllionieren vortrefflich. Sie berichten uns eben: die in der„Post" und in anderen Zeitungen für die„Post" ver- breiteten, für jeden Menschen von gefunden fünf Sinnen als Dichtungen und Verleumdungen erkennbaren Mitteilungen stammen aus einer ganz gleichen Quelle wie die Ver- brechen der Urkundcnfälfchung, der versuchten Bestechung zum Landesverrat und der versuchten Verleitung zu unwahren Zeugen- aussagen, welche die„Post" so lebhaft und tölpelhaft durch ihre An- pöbelungen, Narreteien und Verleumdungen zu begünstigen sucht; es ist raisam, die.Post" weiter gewähren zu lassen; denn weder einem„Post'-Esel noch einem Polizei-Ochsen, der da drischt, soll man nach dem 5. Buch Mose, Kapitel 2ö, VerS 4, das Maul ver- binden.— Die Kirche als Organ der besitzenden Klasse. Aus dem ReichstagSwahlkreise Darmstadt-Großgerau verlautet, daß der Pfarrer K o r e l l. der Kandidat der vereinigten Liberalen, wegen seiner Beteiligung an der zugunsten der Sozialdemokratie ausgegebenen Stich Wahlparole disziplinarisch bestraft worden ist. Tie Neubesetzung des Obcrbürgermcisterpostcns in Offcnbach bildet jetzt nicht nur den Gegenstand einer lebhaften Prcßfchde zwischen dein dortigen Amtsblatt und unserem Parteiorgan, sondern es beschäftigte sich am Mittwoch auch eine Parteiversammlung mit diesem Thema. Genosse Ulrich, der Vorsitzende der sozialdemokra- tischen Stadtverordnetcnfraktion, gab zunächst den Standpunkt der Fraktion bekannt, die am 31. Januar 1907 frei werdende Stelle auszuschreiben, da man nicht willen? sei, den jetzigen Oberbürger- mcistcr Brink wieder zu wählen, weil er sich seit jeher als aus- gesprochener Parteimann gegen die Sozialdemokratie betätigt und seine Eigenschaften als Verwalwngsbeamter keine solche seien, daß seine nochmalige Wahl zu empfehlen sei. Schon seit 1892 datiere der Kampf Brinks gegen uns. Damals war, er die Triebfeder, daß uns ein großes Etablissement entzogen wurde, weil der Sozialdcmo- kratie als einer Partei der Lüge und Verleumdung Tür und Tor verschlossen werden müßte. Tie Zeiten ändern sich manchnial gar wunderbar. Heute hängt die Wahl dieses Herren von der von ihm einst bcschinchsten Partei ab und das seinerzeit vcrtoeigcrte Lokal muhte schließlich die Stadt übernehmen, da die honette Bürgergesellschaft, die früher Eigen- tümcrin war, liquidieren mußte. Heute wäre man froh, wenn die Arbeiterschaft das Lokal über Wasser hielte.(Inzwischen aber hat diese sich ein eigenes Lokal geschaffen. D. B.) Als dann die Sozialdemokratie sich auch eine Vertretung im Stadtparlament er- zwang, suchte der jetzt als ein Muster von Unparteilichkeit von den Bürgerlichen gepriesene Oberbürgermeister unseren Genossen die Gleichberechtigung nach Kräften streitig zu machen. So hat er u. a. mit allen Mitteln zu verhindern gesucht, daß die amtlichen Bekannt- machungen auch unserem Parteiorgan, das sie unentgeltlich auf- nehmen wollte, zugewiesen wurden. Bei einer anderen Gelegenheit sprach es dieser Herr in einer Rekursschrift an das KreiSamt aus, daß man es begreiflich finden werde, wenn er alles aufbiete, da- mit die Leitung der Stadt nicht in eine Richtung gedrängt werde, wohin sie die Mehrheit der Stadtverordneten ld. i. die Sozialdemo- kraten) haben wollen. Daß die vereinigten Bürgerlichen ja bei der letzten Stadtverordnetenwahl vor zwei Jahren selbst das Ende des Regiments Brink voraussahen, sobald wieder eine sozialdemokrattsche Mehrheit durch die Wahl zustande käme, haben sie damals laut ver- kündet, indem sie das ganze Bürgertum zur Rettung dieser bedrohten Position aufriefen; freilich ohne Erfolg, denn die Wähler entschieden gegen sie. Heute freilich, da nun das Erwartete zum Ereignis wird, tun sie entrüstet und überrascht und schwafeln von einer sozialistischen Kabale, der das verdiente Stadtobcrhaupt zum Opfer falle. Wohl war eine Minderheit in der Fraktion vorhanden, die in Anbetracht der zu zahlenden Pension und der Befürchtung, daß etwas besseres nicht nachkäme, den bisherigen Bürgermeister noch weiter wirken und durch die Gegner wählen lassen wollte; für ihn selbst zu stimmen, dazu konnte sich niemand verstehen. Außer zwei Genossen, die ihren Minoritätsstandpunkt erläuterten, sprachen sich unter leb- hafter Zustimmung der überaus zahlreich Versammelten alle übrigen Redner im Sinne des Referenten aus. In einer einstimmig an- genommenen Resolutton fand diese Zustimmung ihren unzwei« deuttgen Ausdruck. Auch wurde die Absicht der sozialdemokratischen Fraktion gebilligt, bei einer in Kürze stattfindenden Beigeordneten- Wahl einen eigenen Kandidaten zu präsentieren und damit die Re- gicrung vor die Entscheidung zu stellen, ob sie einen Sozialdemo- kraten gleichberechtigt, hält bei der Ausübung städtischer Verwaltungs- ämter._ AuS dem Lande des MajestätSkultuS. Wegen Majestätsbeleidigung hatte sich der mehrfach vorbestrafte Arbeiter Wilhelm Putfchkeit aus Schweidnitz vor der Straf- kanwter in L i e g n i tz zu verantworten. Zu der unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführten Verhandlung waren als Zeuge ein Stadt- sekretär und als gerichtlicher Sachverständiger der Kreisarzt geladen. Dieser gab sein Gutachten dahin ab, daß der Angeklagte geistig völlig intakt sei. Das Urteil lautete auf drei Jahre Gefängnis. Drei Jahre Gefängnis—- anscheinend wegen einiger un- flätiger Worte! Und Deutschland soll ein Kulturstaat sein! Wie sein Ansehen durch solch ein Urteil bei Kulturnationen gefördert werden mag I—_ Die wiirttcmbergische Berfassungsreform. Aus Stuttgart wird vom 16. Juni telegraphiert: Die Kammer der Abgeordneten hat heute den Verfassungsreformentwnrs in der Schlußabstimmung mit 71 Stimmen gegen eine Stimme bei einer Stimmenthaltung angenommen. Das Zentrum hat sich also doch schließlich geniert, gegen die Reform zu stimmen.—_ Im Prozeß des Obersten a. D. Hüger wegen Beleidigung ver- schiedener Offiziere, der seit Wochen vor der Strafkammer zu Dortmund spielte, wurde Sonnabend mittag daS Urteil gefällt. Dasselbe lautete auf kostenlose Freisprechung auf Grund deS§ 51 des Strafgesetzbuchs und aus Einziehung der Platten. Der§ 51 des Strafgesetzbuchs lautet: Eine strafbare Handlung ist nicht vorhanden, wenn der Täter zur Zeit der Begehung der Handlung sich in einen, Zustand von Bewußtlosigkeit oder krankhafter Störung der Geistestätigkeit befand, durch welche feine fteie Willens- bestimmung ausgeschloffen war. Nach den, Gutachten der ärztlichen Sachverständigen war dieses Urteil zu erwarten. Wir werden auf den Prozeß zurückkommen.— Heiteres von der Germanisatloii. Die eifrige Staatsanwaltschaft, die das polnische Blatt„Lech' mit einer Serie von Beleidigungs- Prozessen beglückte, erwirbt sich Verdienste um das Kapitel vom un- freiwilligen Humor. Wie die«Leipz. Volksztg.' mitteilen kann, hat die Behörde in einer Aufforderung des„Lech" an die Parochianen der Dreifaltigkeitsgemeinde in Gnesen, deutsch-polnische Beichtzettel bei der Osterbeichte nicht anzunehmen, eine Aufreizung zu Geioalttätigkeitcn erblickt und deshalb gegen das Blatt ein Strafversahren eingeleitet. Noch netter ist der Majestätsbcleidigungs- Prozeß. Die Polizeibehörde in Bukolvicc hatte zwei�Kinder als lästige Ausländer ausgewiesen. Der„Lech' hatte diese Maßnahme kritisiert und der Behörde in Erinnerung gerufen, daß der olle ehrliche HerodeS auss dem Neuen Testament ebenfalls gegen Kinder gekämpft habe und daß ihm das schlecht bekomme» sei. In dieser Bemerkung hat die Staatsanwaltschaft das Delikt der— Majestät»- beleidigung erblickt, � Die teuere» Paraden. Das große Zentrum hat Geldsorgen; seine Paraden, die Katholikentage, kosten ihm zuviel Geld. Die Spenden einzelner reicher ZentrumSlcute wollen entweder nicht mehr ausreichen oder haben nachgelassen. Deshalb will daS Zentrum eine Paradesteuer einführen; es sollen die Katholikentage gesichert werden durch die Schaffung einer ständigen Mitgliederliste, das ständige Mitglied soll für das Recht, sich„Ständiges Mitglied der General» Versammlung der Katholiken Deutschlands" zu nennen, jährlich 7,50 M. zahlen. Die Spekulation ist nicht dumm; was zahlt der deutsche Bürgcrmann nicht für einen Titel I— DaS machen wir in Oberschlesien so. Das Landgericht in Beuthcn verurteilte den Polizcisergeanten Karl M c u s e l aus Königshütte am 11. Oktober v. I. wegen Vergehens im Amte in zwei Fällen zu je 4 Monaten Gefängnis und zog sie dann zu einer ©träfe von 6 Monaten zusammen. In eine Hochzeitsgesellschaft. die in einer Wirtschaft feierte und bei der sich auch Mensel befand, drängten sich einige ungeladene Gäste. Sie wurden etwas energisch hinausgewiesen. Als sich auch Mensel an der Hinausweisung be. tciligte, zogen die Leute schließlich ab. Der Arbeiter Cz. kaufte sich noch schnell eine Flasche Selterswasser, steckte sie ein und wollte sich nun ebenfalls entfernen. Jemand berichtete Mensel, Cz. habe eine Flasche gestohlen, und so hatte Mensel nichts Eiligeres zu tun, als Cz. anzuranzen: Du rotziger Junge, wie heißt Du? Antwort: Wie mein Vater und meine Mutter! Darauf riß Mensel dem Cz. die Flasche aus der Tasche und schlug ihm damit ins Gesicht, daß dem Manne ein Zahn ausfiel. Als ein anderer Arbeiter Mieusel zur Rede stellte, schlug er diesen auf den Kopf, daß er gleich hinfiel. Den Cz. hieb Mensel mit dem Säbel über dey Kopf, wobei er ihn aufforderte, mit zur Wache zu kommen, weil er Widerstand geleistet habe. Auch dem anderen Arbeiter versetzte er noch ein paar Säbel- hiebe. In der Revision machte Mensel geltend, daß er nicht in seiner Eigenschaft als Beamter zum Verlassen des Saales auf- gefordert habe. Selbst wenn dies angenommen werden sollte, sei aber nicht geprüft worden, ob er auch noch nüchtern genug gewesen sei, um wissen zu können, daß er sich nicht in Ausübung seines Be- rufes befunden habe. Das Reichsgericht schloß sich der Auffassung des Reichsanwaltes an, daß das Vergehen im Amte unanfechtbar festgestellt ist.— Von, Wahnsinn unseres StrafrechtcS. Eine entsetzlich harte Sttafe verhängte das Schöffengericht zu S ch w e i d n i tz über einen 13jährigen Schulknaben aus Breiten Hain im Schlesiertal. Der leichtsinnige Junge hatte 43 junge Bänmchen angeschnitten. Der Amtsanwalt beanttagte eine Gefängnisstrafe von einer Woche. Das Gericht ging über diesen Antrag hinaus und verurteilte den Kleinen zu ciiiem Monat Gefängnis!— Der Neservcmann i Der Landwehrmann Hyazinth Pasternak auL Zaborze- Paremba O.-S. war vom Kriegsgericht wegen Ungehorsams z u vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er war bei einer Uebung beim 62. Jnfanterre-Regiment aus den, Glied gc- treten und hatte angettunken die Redensarten gebraucht:„ES ist eine Schinderei, soweit laufen zu müssen, es kommt bei uns noch so weit wie in Rußland". Seine Berufung gegen das Urteil war am Freitag vor dem Oberkriegsgericht in B rje S l a u verworfen.— DaS amtlich» Wahlrcsultat der ReichStagsersatzwahl im Wahl- kreise B e u t h e n- T a r n o w i tz lautet: Es sind im ganzen 47 190 gültige Stimmen abgegeben worden. Davon erhielten Redakteur Napieralsky- Beuthen l Radikalpole) 25 922, Berginspektor Muschallik-Beuthen(Zentrum) 7763, Bergrat Nemy-Lipine(natl.) 7231 und Bergarbeitersekretär Scholtyssek«Beuthen(Soz.) 6260 Stimmen. Napieralsky ist somit gewählt.--- HueUtid« Oesterreich. Bor dem Massenstreik. Die von der Gesamtparteivertrctung zur Organisierung des Massenstreiks einberufene Konferenz hat am Donnerstag einstimmig(es waren 107 polittschc und Gewerkschafts- delegierte aller Nationen anwesend) nach zehnstündiger Tagung folgenden Beschluß gefaßt: „Die Konferenz erklärt sich einverstanden mit dem von der Gesamtcxekutive und der Fraktion am 10. d. M. veröffentlichten Manifest, erklärt sich also einverstanden mit der un- mittelbaren Ankündigung des Massenstreiks, resp. einer eventuell vorausgehenden dreitägigen Arbeits- ruhe in Wien. Die Konferenz fordert die organisierte Arbeiter- schaft aller Branchen in ganz Oesterreich auf, unverzüglich daranzugehen, die letzten Vorbereitungen für den Massen st reik in möglichst großem Umfang zu treffen. Die Vollmacht, die nötigen Anordnungen für den Massenstreik zu ttcffei, und sofort, lvenn eS notwendig ist. die Parole zu seinem Beginn auszugeben, wird einem aus Mitgliedern der Parteivertretung, GeiverkschaftSkommission und Fraktion bestehenden Zentralkomitee in Wien über- tragen. Die Leitung in jedem einzelnen Lande wird in der Hand eines einzigen, ebenso zusammengesetzten Landeskomitees vereinigt, das sich unmittelbar mit den Lokalkomitees in Verbindung zu setzen hat. Die Konferenz legt dem Zentralkomitee die volle Ver« antwortiin g dafür auf. daß der richtige Zeitpunkt nicht versäumt lind daß der Massenstreik trotz aller damit verbundenen Opfer proklamiert wird, sobald eine daS Zustandekommen des Gesetzes ernstlich be- drohende Stockung in der parlamentarischen Behandlung eintreten sollte."— Ungar». „Gesetzgeber"! Was für Elemente das ungarische Parlament beherbergt, beweist folgender Bericht: Bisher hat man nicht weniger als 172 Reichstags-Abgeordncten die Diäten gepfändet. Unter ihnen befinden sich 23 Abgeordnete, bei denen die Pfändung wegen„Wahlschulden" erfolgte, während die übrigen 119 die Pfändungsprozedur wegen alter Schulden über sich er- gehen lassen mußten. Und zwar sind 26 wegen Nichtzahlung von Alimenten an verlassene Ehefrauen, legitime und illegitime Kinder, 20 wegen Spielschulden und 62 Landesvätcr alter Wechselschulden halber, deren Herkunft nicht näher angegeben ist, verklagt! Diese netten Gesetzgeber bilden die Hauptstütze der„natio- nalcn Demokratte" Ungarns.— Frankreich. Der 1. Mai— gesetzlicher Feiertag. Nach dem Beispiel des Pariser hat nun auch der sozla- listische Gemcinderat von Toulon eine Resolution gefaßt, daß der 1. Mai als Feiertag erklärt werde. Zugleich hat er die Abgeordneten des Departements Bar aufgefordert, einen entsprechenden Gesetzentwurf in der Kammer ein- zubringen.—_ Die Untersuchung über die Katastrophe von EourriereS. Drei Monate ist eine doppelte Untersuchung im Gange, eine administrative und eine richterliche, um die für das Unglück von CourriereS Verantwortlichen festzustellen. Und seit drei Monaten warten die Witwen der verunglückten Bergleute mit Bangen auf daS Resultat. Sind sie und ihre Kinder doch in hohem Mgße an bm Ergebnis iliteMiext. Wie wall in Skesku fom polizeilichen Handalchackee nicht zu finden öetnsag, so hier nicht die Schuldigen, obgleich alle Welt sich darüber einig ist. daß allein die Direktion in ihrer maßlosen Profitsucht das entsetzliche Unglück ver- schuldet habe. Desto schneller sucht man aber mit den hinter- bliebenen Witwen über die Renten einig zu werden. Die Dinge liegen in dieser Beziehung nämlich so: Nach dem Gesetz von 1898 haben die Hinterbliebenen verunglückter Bergleute bestimmte Minimumsätze an Rente zu beanspruchen; diese Sätze(für die Witwe 20 Proz., für die Kinder je nach der Anzahl IS— 40 Proz. dcS Lohnes des Getöteten) können aber entsprechend erhöht werden, und zwar bis zur Höhe des vollen Lohnes, sobald ein Verschulden des Unternehnicrs oder seiner Beauftragten nachgewiesen werden kann. Nun suchen die Behörden von Arras und Bethune die Witwen zur Annahme der Minimalrcnte zu veranlassen, wodurch sie für später auf erhöhte Ansprüche verzichten! In diesem Vor- gehen offenbart sich so recht die ganze Heuchelei und Niedertracht der kapitalistischen Gesellschaft und ihrer Organe. Nach dem grausigen Unglück, das das Blut in den Adern erstarren machte, wurden auch in den bürgerlichen Kreisen Ströme von Tränen und von Tinte vergossen. Die Opfer wurden auf das tiefste bedauert, und ihren Hinterbliebenen wurde weitestgehende Unterstützung zu- gesichert als«eine selbstverständliche Ehrenschuld, die die Gesell- schast an die auf dem Schlachtfelde der Arbeit Gebliebenen ab- zutragen habe". Heute— nach kaum drei Monaten— ist all dies vergessen, und man feilscht mit den Hinterbliebenen und sucht die Unwissenden um ihre Rechte zu prellen. Es griffen aber die Bergarbeiterverbände ein und machten die Frauen auf ihre Rechte aufmerksam. Diese haben nämlich nach dem Gesetz während der Dauer des Prozesses um die Rente An- spruch auf provisorische Unterstützung durch die Regierungsbehörden. Auch haben die Hinterbliebenen die Kosten des Prozesses um die höhere Rente auch dann nicht zu zahlen,, wenn sie verlieren; die Rente ist unantastbar. Einige Rechtsanwälte, die der Berg- arbeitcrvcrband den Hinterbliebenen zurseite stellt, werden deren Interesse wahrnehmen. Auch gegen das Hülfskomitec, welches die freiwilligen Samm- lungcn leitete, haben die Hinterbliebenen Veranlassung zu Be- schwerden: Von den zirka 5 Millionen Frank, die zusammenkamen, sind bis jetzt erst 500 000 Fr. verteilt! Anstatt mit vollen Händen zu geben, zeigt sich auch hier Knauserigkeit, übertriebene„Ge- wisscnhastigkcit", langes Untersuchungsverfahren— auch nach der „moralischen" Seite hin(z. B., ob es sich um die Frau oder die„Konkubine" handelt). So wird peinlich darüber gewacht, daß die Hinterbliebenen derjenigen, die ihr Leben für das dividenden- wütige Kapital gelassen haben, beileibe nicht in Ueppigkeit und Wohlleben verfallen können.— Dreyfns. Paris, 16. Juni.(W. T. 33.) In der Dreyfus-Angelegeuheit setzte der Kassationshof in geheimer Sitzung die Prüfung des mili- tärischen Dossiers fort und begann dann mit der Prüfung des diplo- inatischen Dossiers. Spanien. Die Folterungen in den spanischen Gefängnissen. Ans Madrid wird berichtet, daß die Zeitung„Tierra y Libertad" eine Erklärung veröffentlicht hat, die mit achtzig Unterschriften ver- sehen war. Die Unterzeichneten erklärten, das; in allen spanischen Gefängnissen noch immer gefoltert wird. Die Erklärung begnügt sich durchaus nicht mit dieser Behauptung, sie führt vielmehr eine ganze Reihe von Namen gefolterter Gefangenen an, setzt ausführlich die Art der erlittenen Folterung dazu und nennt in jedem Falle das Gefängnis, in dem die betreffende Untat geschehen ist. Der Erfolg der Erklärung war, daß die Zeitung„Tierra t> Libertad"— konfisziert wurde. Gleichzeitig meldeten spanische Telegramme, daß eine große Anzahl von Leuten unter dem Verdacht des„Anarchismus" verhaftet wurde. Wer weiß, ob die gräßliche Mordtheorie in Spanien noch grassierte, wenn es kein Montjuich gegeben hätte und heute»och gäbe. Die spanische Folter, das ist der Anarchismus der Herrschenden, der fpanifche Anarchismus ist die Folter der Mißhandelten. In diesem schauerlichen Reich erzeugen die Ungeheuerlichkeiten der Behörden die Ungeheuerlichkeiten der einzelnen.„Folterst du mich", sagen diese Stierkämpfer des öffentlichen Lebens zueinander,„so foltere ich dich". Der junge Alfonso ist'S sich selber schuldig, die Folter- anklagen vor ganz Europa untersuchen zu lassen. Will er sich und seiner jungen Königin den Frieden der Seele geben, dann muß er vor ganz Europa Licht in alle Finsternisse der berüchtigten spanischen Zuchthäuser bringen. Ist erst die Inquisition dort ausgetrieben, dann wird auch dw spanische Feme schwinden.— England. Der BildUligSgang der englischen Arbeiterabgeordneten. London, 14. Juni. sEig. Ber.) Im laufenden Hefte der„Review of Reviews" finden sich die Ergebnisse einer sehr interessanten und für die Erkenntnis englischer Zustände wichtigen Umfrage. Herr W. H. Stkad, der Redakteur jener Monatsschrift, hatte die parlamentarischen Vertreter der Arbeiterklasse ersucht, einiges über ihren Bildungsgang und ihre Lektüre mitzuteilen. Aus den ein- gelaufenen Antworten läßt sich folgendes ersehen: Alle sind Auto- didakten! In der Volksschule haben sie bloß Lesen und Schreiben gelernt. Nur zwei Abgeordnete sind Ausnahmen von dieser Regel: Genosse W. T h o r n e. der in der Jugend ganz ohne Unterricht blieb, da er schon mit sechs Jahren in die Fabrik mußte; dann Genosse Macphcrson, der neben der Volksschule noch vor einigen Jahren im Ruskin-Kollege zu Oxford etwa ein Jahr zubrachte, um sich eine höhere politisch-ökonomische Bildung anzueignen. sUeber diese Oxforder Arbeiterschule werden wir in den nächsten Tagen ausführ« lich berichten.) Die Mehrzahl der Befragten las fleißig die Bibel und„PilgrimS Progreß'— eine sehr beliebte sittlich-religiöse Allegorie des protestantischen Kämpfers und Handwerkers John Bunyan sgest. 1688). Der Einfluß dieser beiden Bücher auf das englische Leben und die englische Sprache ist so erheblich, daß man ohne ihre Lektüre das englische Volk nicht gut verstehen könnte. Reben diesen Elementareinflüssen haben C a r l y l e und NuSkin einen sehr tiefen und dauernden Eindruck ans fast alle Arbeiterführer hinterlassen. Die sozialistische Kritik und das sozialistische Empfinden der Arbeiterabgeordneten wurden durch jene Autoren geweckt. Nach Earlhle und Rllskin kommt Henry George, dessen Buch „Fortschritt und Armut" die sozialistische Kritik förderte. Also: die Bibel,„Pilgrims Progreß". Carlyle, Ruskin und Henry George waren die Bildner der gegenwärtigen Arbeiterführer Großbritanniens. So entsteht zwar ein ethisch-ästhetischer Sozialismus, dafür aber stehen sie alle im Leben, das sie vorwärts treibt und sie jeden Tag vor politisch-ökonomische Probleme stellt I Nur zwei von ihnen erklären, Marx gelesen zu haben: O'Grady und Thorne. Der erstere hat auch Engels gelesen.(O'Grady ist Katholik. Thorne konfessionslos.) Darwin haben fast alle jüngeren Arbeiter- führer gelesen, ebenso Huxley und Spencer. Manche lasen auch Höckel und Kidd. Webb haben nur wenige gelesen I— Im ganzen zeigt sich folgender Unterschied: Die liberalen Arbeiter- abgeordneten lasen viel von Mill, Mazzini und Macaulay, während die sozialistischen Arbeiterabgeordneten mehr ans Carlyle, RuSkin, George und Robert Blatchford schöpften. In theologischem Sinne religiös scheinen nur sehr wenige Arbeiterführer zu sein. Religion ist bei ihnen hauptsächlich mit sittlich-sozialen Gedanken und Empfindungen vermischt. Aus der schönen Literatur kommen in Betracht: Dickens, Shakespeare, Victor Hugo(besonders„Les Miserables"), Balzac, OumaS, Zola. Von deutschen Autoren— nichts l— Die beliebtesten Poeten waren: Bums, Shelley und Walt Whitman.— Finnland. Zur Revue ber„Roten Garde" in HelsingforS am Pfingst- sonntag, über die wir schon berichteten, wird uns noch gemeldet: Ein langer Zug von ungefähr 10 000 Männern und Frauen mar- schicrte, die„Rote Garde" voran, durch die Straßen der Stadt hinaus nach Tallbacken, wo vier Rednertribünen errichtet waren: zwei für die finnischen, eine für die schwedischen und eine für die russischen und lettischen Redner. Die russische und lettische Sozialdemokratie war bei der Demonstration außerordentlich stark vertreten, und zwar durch ungefähr 500 Genossen. Auch zwei Mitglieder der russischen Reichsduma, die Bauern Solomko und Merkuloff aus dem Gouvernement Kurska, waren anwesend; sie waren gekommen, um an der Arbeitcrdemonstration teilzunehmen, und sie wurden mit stürmischen Hochrufen begrüßt. Von der finnischen Rednertribüne sprach zunächst Genosse M. Paasivudri, zweiter Vorsitzender im Parteivorstand. Er be- merkte unter anderem:„Daß die Arbeiter jetzt das Wahlrecht er- halten haben und daß das Einkammersystem durchgeführt wird, ist uicht das Verdienst der Konstitutionellen; nein, das haben die Ar- beiter nur sich selbst und ihrem unablässigen Fordern zu verdanken. Früher haben die Arbeiter Wahlstreik— Wahlenthaltung— proklamiert. aber das werden sie nun nicht mehr tun; jetzt werden sie nur mit den Mitteln arbeiten, die ihnen zur Verfügung stehen. um in den nächsten Landtag so viele ihrer Vertreter wie möglich hineinzubringen."— Der Redner schloß mit einem dreifachen Hoch auf den Klassenkampf.— Von der russischen Rednertribüne sprach außer russischen Rednern auch ein Genosse schwedischer Zunge in russischer Sprache. Er sagte, daß das Wort„Russe" in Finn- land während der Jahre der Ungesetzlichkeit ein Schimpfwort war, weil das finnische Volk die Russen nur als seine Tyrannen und Unterdrücker kannte. Von dem tapferen, edlen und frcihcits- liebenden russischen Volk hatten die Finnen damals keine Ahnung. Im Laufe der Zeit aber wurden dem finnischen Volk die Augen geöffnet und eS lernte das russische Volk lieben.— Der Redner schloß mit Hochrufen auf die internationale Revolution. Die beiden Dumamitglieder priesen die Freihcitsliebe des finnischen Volkes und erklärten, daß die kühnsten Hoffnungen, die sie für Finnland hegten, nicht fehlgeschlagen seien. Rumänien. Bukarest, 16. Juni.(B. H.) Wegen Abbruchs der diplomatischen Beziehungen seitens Griechenlands werden die Ausnahmebestimmungen gegen Schiffe und Waren aus Griechenland sowie gegen die in Rumänien lebenden Griechen am 1. Juli in Kraft treten. SewerKsebaMicKes. Berlin und vmzegend. Der Zentralverband der Töpfer hielt am 15. JrMi im Ge- werkschaftshause eine Bauvertrauensmännerversammlung ab. Der erste Punkt, Vortrag des Genossen Müller, mußte von der Tages- ordnung gestrichen werden, da der Genosse Müller verhindert war zu erscheinen. Zum zweiten Punkt wurde, nachdem der Kollege Drunsel einige Ausführungen zu der Beilegung der Breslauer Streiks gemacht hatte und die anderen Diskussionsredner sich mit den in Breslau erzielten Erfolgen einverstanden erklärten, folgen- der Antrag angenommen:„Die heutige Vertraucnsmännersitzung nimmt Kenntnis vom Verlauf des Breslauer Streiks und der Aus- sperrung der Werkstubenarbeiter Deutschlands und erklärt sich mit den Verhandlungen einverstanden. Ferner beschließt dieselbe, für die Woche vom 11.— 17. Juni den Extrawochenbeitrag von 65 Pf. zu erheben. Die restierende Prozentmarie von der vorigen Woche ,st strikte nachzuzahlen, widrigenfalls die Bauten im nächsten „Töpfer" bekannt gegeben werden unter Bekanntmachungen der Filialen. Unter Verschiedenem forderte der Vorsitzende die Ver- trauensleute auf, sich recht rege an dem Abonnement und der Ver- breitung der„Hohenzollern-Legende" und„Wider die Pfaffenherr- schast" zu beteiligen. Nach Erledigung einiger unwesentlichen Sachen wurde die gut besuchte Versammlung geschlossen. Vertreten waren 171 Bauten. Putzer, Achtung! Die Herren Arbeitgeber im Baugewerbe lassen es sich etwas kosten, wenn es gilt, den Herrenstandpunkt zu wahren. Dies illustriert recht deutlich ein Fall, welcher sich jetzt in Demmin in Pommern abspielt. Weil die Maurer dort einem von den Meistern stipulierten Vertrag nicht zustimmten, erfolgte am Sonnabend vor Ostern(14. April) ihre Aussperrung. Die Unternehmer behalfen sich bisher notdürftig mit einer größeren Anzahl von Lehrlingen und zum Teil Einsetzung der eigenen Arbeitskraft. Da jedoch mittlerweisc mehrere Bauten putzsertig geworden sind, mußte man sich nach anderen Kräften umsehen. Und Geld spielt dann keine Rolle, die Hauptsache ist: wir sind und bleiben die Herren, welche allein zu bestimmen haben! Man wandte sich nach Berlin, und hier waren die Bemühungen tatsächlich von Erfolg. Der Putzer Albrecht von Schöncberg konnte den verlockenden Verheißungen nicht widerstehen, er übernahm es. den in Demmin in der Klemme sitzenden Unternehmern beizuspringen und ihnen Putzer von Berlin zu vermitteln. Da er bei seinen Werbungen aber den wahren Sachverhalt verschweigt, ist eS nötig, auf den Vorgang aufmerksam zu machen. Hoffentlich nehmen die mit Albrccht in Beziehung stehenden Putzer zu der Sache Stellung. Die Solidarität der Arbeiter muß stärker sein als der Geldbeutel der Unternehmer. Achtung, Schuhmacher! In der Filzlvarenfabrik von Lippmann in Stettin befinden sich die Kollegen seit 11 Wochen wegen Lohn- reduktion im Ausstand. Der Unternehmer versucht in Berlin durch Inserate und Zwischenpersonen Arbeiter nach dort anzuwerben. Wir ersuchen daraus zu achten. Die Ortsverwaltung des Zentralverbandes der Schuhmacher. Die Terrakottafabrik— in Firma Agnes Gladcnbcck— in Friedrichshagen hat den vor einigen Wochen mit dem Personal und dem Verbände der Porzellanarbeiter abgeschlossenen Vertrag gebrochen. Die bis jetzt bestehenden Wochenlöhne will die Firma nicht mehr zahlen und Akkordlöhne einführen. Da sich das Personal weigerte, darauf einzugehen, erhielt die Hälfte der Beschäftigten die Kündigung, worauf die anderen Kollegen sich solidarisch er- klärten. Infolgedessen hat der Verband die Sperre über die Firma verhängt. Achtung, Wäschearbeiter und Arbeiterinnen! Bei der Firma I. Eichenberg hier, Jmmanuelkirchstraße 3— 4, sind Differenzen ausgebrochen, weil die Firma versuchte, von den im Tarif fest- gelegten Preisen Abzüge zu machen. Eine beantragte Sitzung der Schlichtungskommission hat die Firma abgelehnt Da nun zwei Kolleginnen gemaßregelt und ein größerer Teil der Beschäftigten die Arbeit niedergelegt haben, ist Zuzug streng fernzuhalten. Verband der Wäschearbeiter Deutschlands. Die Ortsverwaltung. Zum Konflikt bei der Firma Schmnlisch u. Bclow. Der christ- liche Bauhandwerkerverband behauptet in einer Zuschrift an uns, die Sperre über die genannte Firma fei nicht wegen Akkordarbeit verhängt worden, sondern nur darum, weil die Freiorganisierten mit den Christlichen nicht zusammenarbeiten wollten. Demgegen» über sei festgestellt, daß die freie Organisation wegen der Christ- lichen, deren Verhalten durchaus nicht einwandsftei war, keine Aktion unternommen hat, sie hat die Sperre tatsächlich wegen Akkordarbeit verhängt. Nur nach dieser Richtung hat die Organisation Forderungen gestellt. Bon den Christlichen selbst hängt eS ab, ob die Organisation nicht noch zu einer anderen Stellung- nähme sich veranlaßt sieht. Oeutscsieo Reich. Einen blamablen Zuriickzieher hat die DlkcSdener Staats- anwaltschaft schon jetzt antreten müssen. Gegen die„Sächsische Arbeiterzeitung"»� die Gauleitung des Metalls arbeiterverbandes war eine große Staatsaktion ein- geleitet worden, die mit einer Verurteilung zum Massen- betrug enden sollte. DaS heißt, so wollte es die Staatsanwalt- schast. Es kam aber anders. Der Vorstoß richtete sich gegen einen Auftuf an die organi- sicrten Metallarbeiter, der vor der Metallarbeitcraussperrung in der„Sächsischen Arbeiterzeitung" veröffentlicht wurde und der da- hin ging/ die Mitglieder des Metallarbeitervcrbandcs sollten bei Umfragen ruhig erklären, eventuell auch durch Unterschrift, daß sie unorganisiert und nicht Mitglieder des Metallarbeiterverbandcs seien. Auf diese Weise sollte der Versuch der Metallindustriellen. die organisierten Metallarbeiter vor der Aussperrung von den nicht- organisierten zu sondern, vereitelt werden. Dadurch sollte nun nach Ansicht der Staatsanwaltschaft der Versuch zum Massenbetrug begangen worden sein. Die neue Aktion, mit der man versuchte. den Unternehmern beizuspringen, reizte ja zu einein Lächeln, selbst vor sächsischen Gerichten schien eine Niederlage der Staatsanwalt- schast sicher. Jetzt hat diese vorgezogen, es nicht darauf ankommen zu lassen, denn dem Gauleiter des Metallarbeiterverbandes ging die Eröffnung zu, daß in dieser Sache das Verfahren ein- gestellt sei. Einen vollen Erfolg nach viertägigem Streik haben die organi- sierten Metallarbeiter Dresdens wieder errungen. Die Firma Louis Paul in R a d e b e u l hat v o l l st ä n d i g vor der Macht der Arbeiterorganisation kapituliert. Die Maß- regclungen und die Lohnabzüge sind nicht nur rückgängig gemacht worden, die Arbeiter haben auch noch eine Lohnerhöhung heraus- geschlagen. Die Arbeit ist bereits wieder aufgenommen worden. Güstrow. Infolge eines Streiks der hiesigen Maurer ber- suchen die Unternehmer, von allen Gegenden Arbeitswillige heran- zuziehen. Unter anderem ist eS ihnen am letzten Mittwoch ge- lungeu, 10 Mann in Berlin für hier zu gewinnen. ES wird ersucht, Zuzug fernzuhalten. Lohlibcwcgungc» und Arbeitseinstellungen in Hamburg. In der am Freitagabend stattgehabten, von 1000 Personen besuchten Ver- sammlung der Klempner von Hamburg, Altona und Wandsbek wurde mit 894 gegen 46 Stinimen beschlossen, am kommenden Montag in allen Werkstätten die Arbeit einzustellen, wo bis dahin die im Tarif- entwurf enthaltenen Forderungen nicht bewilligt sind. Die Gesellen fordern einen Stundenlohn von 70 Pf., die Arbeitgeber wollen einen solchen von 65 Pf. bewilligen. Seit 1903 beträgt der Lohn für Vollgesellen 60 Pf. bei neunstündiger Arbeitszeit. Die Maurer von Hamburg und Umgegend haben heute ihre Forderungen— Hauptposition: 80 Pf. Stundenlohn— an die Innungen des VierstädtekoinplexeS abgesandt; sie erwarten Antwort bis Freitag, 22. Juni. Die Zimmerer haben schon vor 14 Tagen ihren neuen Lohntarif eingereicht und arbeiten zum Teil schon zu den neuen Bedingungen. In der Papierfabrik von I. W. Zanders in Berg.�Aladbach bei Köln haben die Arbeiter und Arbeiterinnen, die in dem„christlichen" Verbände der Hülfs- und Transportarbeiter organisiert sind, be- schloffen, die Kündigung einzureichen und in den Streik einzutreten. weil die Firma, deren Inhaber durch ihre Frömmigkeit und ihren „Wohlfahrts"humbug weit bekannt sind, zwanzig Arbeiter und neun Arbeiterinnen wegen Agitation für den christlichen Verband aufs Pflaster geworfen hat. Die Textilarbeiter bei der Firma Kleinertz u. Schiffmann in Euskirchen(Rheinland) stehen im Streik. Die Firma sucht durch Zeitungsinserate Arbeitswillige. Die Lohnbewegung ber Kölner Zement- und Bctonarbeiter ist beendet. Die Arbeiter erzielten: Verkürzung der Arbeitszeit von 10 auf 914 Stunden, Erhöhung des Mindeststundenlohnes der Zementarbeitev sofort von 55 auf 58 Pf. und vom 1. Mai 1907 an auf 60 Pf., für Hülfsarbeiter auf 48 bczw. 50 Pf. lieber-, Nacht- und Sonntagsarbeit, die nur in dringenden Fällen zulässig sind, werden mit 50 bezw. 100 Proz. Aufschlag vergütet. Der Kampf in der sächsischen Stuhlindustrie. Am Mittwoch nahmen in den Geringswalder Stuhlfabriken nach nunmehr Ibwöchentlichem Streik zirka 260 Kollegen die Arbeit wieder auf. Doch muß ausdrücklich festgestellt werden, daß noch längere Zeit verstreichen wird, bevor sämtliche Kollegen wieder untergebracht sind. Es werden die aus dem Streikgebiet abgereisten bczw. ander- weitig in Arbeit getretenen Kollegen ersucht, bis auf weiteres Zu- zug nach dem sächsischen Stuhlindustricgcbiet nach wie vor streng fernzuhalten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Ab- druck gebeten. DaS Streikkomitee. Hannover-Linden. In der Hannoverschen Baumwollspinnerei und Weberei legten die Spinner und Spinnerinnen am Sonnabend wegen Lohndifferenzen die Arbeit nieder. Andere Arbeiterkategorien wurden seitens der Direktion ausgesperrt. Zuzug ist fernzuhalten. Der Malerstrcik in Gelsenkirchen ist beendet, nachdem ein großer Teil der Arbeitgeber nachfolgenden Tarif durch Unterschrist aner- kannte: Die Arbeitszeit beträgt 10 Stunden. Der Minimallohn für 1906 pro Stunde 48 Pf., für 1907 50 Pf. Für Ueberstunden wird 10 Pf., für Nacht- und Sonntagsarbeit 20 Pf. Aufschlag ge- währt. Für Gerüstbau gibt es 5 Pf. pro Stunde mehr. Ausland. sperre. Da» ganze Gebiet.der Schweiz ist für sämtliche in den Brauereibetrieben tätigen Personen gesperrt wegen allgemeiner Lohnbewegung. Die Auszahlung der Wanderunterstützung ist sistiert; Zureisende werden als Verräter betrachtet. Schweizerischer Brauereiarbeiterverband. Alle Arbeiterblätter werden um Nachdruck dieser Notiz ersucht. Letzte JVachricbten und Depefthen. Ein Raubmörder verhaftet. Posen, 16. Juni.(W. T. B.) Die Polizei verhaftete einen von der Wiesbadener Staatsanwaltschaft gesuchten Raubmörder, auf dessen Ergreifung 600 M. Belohnung ausgesetzt waren. Er hatte sich in einem Hotel als Hausdiener vennietet und war verschwunden, als die Nachricht bekannt wurde, daß er mit dem gesuchten Raub« mörder identisch sei. Er wurde heute von der Posener Polizei ver- haftet. Er hatte falsche Papiere auf den Namen Max Heinz bei sich. Zur Entgleisung. Johannesburg,(Westpr.), 16. Juni. Zwischen Trzonkea und Kessel entgleiste heute vormittag der von Johannesburg nach Arys abgehende Personenzug und stürzte die Böschung hinunter. Der Lokomotivführer und der Heizer wurden verbrüht und tödlich verletzt in das Krankenhaus von Johannesburg gebracht; außerdem erlitten mehrere Passagiere leichte Verletzungen. Streik der Bäckergesellen. Petersburg, 16. Juni.(W. T. B.) Heute haben die Bäcker- gesellen von Petersburg den Beschluß gefaßt, in den Ausstand zu treten. Judenmetzeleien. Petersburg, 16. Juni. Werde Gesund! Zeitschrist für VolkSgesundheitSpflcge. Herausgeber Dr. med. G. Liebe. Hcst 6. Monatlich ein Hesr. Preis vierteljährlich 75 Pf. Verlag 3-h. Krisch«, Erlangen. Wahlrcchts-Reform ist der Titel«wer BroWre vom Major a. D. I. Frtedheim, die im Verlag Kontinent, Berlin BW. 13(Preis 60 Ps.) soeben erschienen. Johannes Kcrber. sjähriger Kamps für Gesetz und Recht gegen Bcamtemvillkür in der Rcstdciizstadt Koblenz. 115 Selten. Selbstverlag Koblenz-Lützel. Der Zentralverband deutscher Konsumvereint im Jahre 1905. 223 Seiten. Preis 1 M. Selbstverlag in Hamburg. ,,£m ErfriscHurxgs- Getränk ersten Ranges4* ist nnd bleibt die Viele Tausende Exemplare neuester vornehmer Moden. Knr eigene beste Fabrikation. Unübertroffene Auswahl in reichhaltigsten, hochaparten Ausmusterungen bewährter Erzeugnisse. Ausgeprobt schönste Fassons 50.- 45— 40— 36.- 33— 30— 27— 24— 21— 18— 15 Besondere Gelegenheit! 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Charlotfenburg: Wilmersdorferstr. 122-123. Rixdorf: Bergstraße 30-31. Potsdam: Brandenburgerstr. 54. Achten Sie bitte genau aut Straße und Nummer! BerontoortliSet Redakteure Hau» Weber, Berlin. Für dg, Anstratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlw. Krück u. Verlas: BorwärtSBuchdruckerei u. Berlagsanstalt.Paul.Singer&.Co., Balm SW, Nr. 188. 23. Jahrgang. 2. KeilM ks Jotmirts" gctlintt WMM. Sauntag, 17. Juni 1906. Verbandstag der Schuhmacher. Nürnberg, 15. Juni. Fünfter Vcrhandlungstag. Heute wird in der Beratung der Statuten fortgefahren. Es handelt sich um eine Reihe von Anträgen, die zu den UnterstützungS- einrichtungcn gestellt sind. Bcfchlosien wird, dasi Mitglieder, die ausgesteuert, aber noch krank oder arbeitslos und deshalb von der Beitragspflicht befreit sind, 52 Wochenbciträgc bezahlt haben müsse», ehe sie aufs neue unterstützungsberechtigt werden. Bei Arbeitslosigkeit, die länger als eine Woche dauert, soll die drei- tägigc Wartezeit in Wegfall kommen. Ferner wird ein Antrag Pirmasens angenommen, wonach Mitglieder, die nach überstandener Krankheit arbeitslos sind, vom ersten Tage der Arbeitslosigkeit an Arbeitslosenunterstützung bekonimen sollen, ebenso ein Antrag Leipzig, daß, wenn ein Mitglied innerhalb vier Wochen erneut arbeitslos' wird, eine weitere dreitägige Warltezeiti nicht etzh forderlich ist. Zur Reiseunterstützung wird auf Antrag des Vorstandes und der Zahlstelle Bremen beschlossen, daß reisende Mitglieder, wenn sie zun: Zwecke des Umschaucns nach Arbeit in einer grösseren Stadt Aufenthalt nehmen müssen, eine Aufenthaltsuntcrstützung erhalten. und zwar in Städten von 50 000 bis 100 000 Einwohnern 1 M., in Städten bis zu 200 000 Einwohnern 2 M. und in Städten mit über 200 000 Einwohnern 3 M. pro Tag. Die Reiseunterstützung wird auch an die Mitglieder des schweizerischen, dänischen und östcr- reichischen Schuhmacherverbandes ausbezahlt. Ein Antrag Pir- masens, wonach zureisende Mitglieder, wenn sie nachweisen, dass sie Arbeit bekommen, aber noch nicht sogleich anfangen können, die Aufenthaltsunterstützung bis zur Dauer von acht Tagen be- kommen sollen, gelangt ebenfalls zur Annahme. Eine längere Debatte rufen die Anträge zur Sterbeunter- stützung hervor. Ein Vorstandsantrag will eine grössere Abstufung der Unterstützungssätze in der Weise, daß bei je neun Stufen in zweiter und dritter Klasse 10 bis 30 M., in erster Klasse 5 bis 40 M. bezahlt werden. Die Untcrstützungsberechtigung soll nach dem ersten Jahre der Mitgliedschaft beginnen. Beim Tode der Ehehälfte eines Mitgliedes soll nur die Hälfte der obigen Unter- stützungssätze ausbezahlt werden, die Ansprüche des überlebenden Mitgliedes sollen um den ausbezahlten Betrag vermindert werden. Schlichlich wird die festgesetzte Unterstützungsskala mit 54 gegen 22 Stimmen in namentlicher Abstimmung angenommen. Beim Tode der Ehehälfte eines Mitgliedes wird zwar die volle Unter- stützung ausbezahlt, das betreffende Mitglied gilt aber als aus- gesteuert. Ein Antrag Gciler-Strassburg, wonach der Ausschuss lediglich Beschwerdeinstanz und nicht Aussichtsbehörde über den Vorstand sein soll, wird mit 43 Stimmen angenommen. Zu den Generalversammlungen kann in Zukunft auf je 500 Mitglieder ein Delegierter gewählt werden, doch dürfen aus einer Zahlstelle nicht mehr als 5 Delegierte entsendet werden. Die Diäten der Delegierten werden auf 3 M. pro Tag bemessen, ausser- dem wird eine Arbeitsverdienstentschädigung von 4 M. und eine Teuerungszulage von 2 M. pro Tag gewährt. Das Wort erhält Bock- Gotha zur Berichterstattung über den Amsterdamer Kongreh. Er bemerkte, dass man hier nicht allein zusammen- gekommen sei, um gänzlich in Kleinarbeit aufzugchen, sondern auch die ganze Gewerkschaftsbewegung von höheren Gesichtspunkten aus zu behandeln. Der Amsterdamer Kongreh habe die geistigen Grössen der Arbeiterbewegung zusammengeführt, es feien dort hochbedcut- samc, wissenschaftliche, allumfassende Reden geführt worden, von denen er nur wünsche, dass sie den Arbeitern aller Länder in ihrer Vollständigkeit zugänglich gemacht würden. Besonders auch die wirtschaftlichen Kämpfe seien dort eingehend erörtert worden. Die Unternehmer sind jetzt vorzuglich organisiert, die wirtschaftlichen Kämpfe werden immer schärfer werden. Das Werk der Sozial- gesetzgebung fiel in die Zeit, da die Arbeiterbewegung im all- gemeinen noch keinen bedeutenden Einfluh ausüben konnte. Auf sozialpolitischem Gebiete ist in den letzten Jahren gar nichts ge» schehen. Die reaktionären Parteien beherrschen die Situation. Wenn auch die Arbeiterbewegung 4 Millionen Stimmen und über 100 Mandate bei den nächsten Wahlen erringen würde, so wäre damit die Entscheidung doch noch nicht gefallen. Die gcwerkschaft- liche Bewegung bildet einen Dorn im Leibe des Kapitalismus, daher die grossen Anfeindungen des Koalitionsrechts. Die Gegner würden, wenn sie könnten, nicht nur das Wahlrecht, sondern vor allem auch das Koalitionsrecht abschaffen. An der politischen und ökonomischen Entwickclung hat die kapitalistische� Gesellschaft, das Unternehmer- tum, das gröhte Interesse. Auch die Arbeitcrwelt hat daran das grötzte Interesse. Der Massenstreik ist nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen. Redner wendet sich gegen den anarchistischen Ge- danken des Generalstreiks auf rein ökonomischer Grundlage, der, obwohl er von grossen Geistern, wie Bakunin, Krapotkin u. a. ver- treten wurde und vertreten wird, ein unreifer Gedanke geblieben sei. Wir haben in gewissem Sinne auch schon Generalstreiks gehabt, z. B. den Bergarbeiterstrcik, bei dem leider nicht viel erreicht wurde. Der gewerkschaftliche Zusammenschlutz der Arbeiter wird von Tag zu Tag notwendiger, denn unser Endziel ist die Beseitigung der kapitalistischen Herrschaft. Dass der Massenstreik unbedingt die Revolution bedeute, ist durchaus nicht richtig. Der Massenstreik kommt nicht von heute auf morgen, aber die Regierungen müssen wissen, dass sie den Bogen nicht allzu straff spannen dürfen. Die Gcneralstreikidce ist ausgegangen von Ländern, die bisher mit dem Generalstreik gespielt haben. Wenn man im klassischen Lande des Generalstreiks, in Frankreich, glaubt mit unorganisierten, un- disziplinierten Massen gewaltige Kämpfe durchführen zu können, so ist das durchaus falsch. Redner hat das Vertrauen zur deutschen Arbeiterschaft, dass sie, die bisher alle Kämpfe mit Ruhe und Be- fonncnheit durchgeführt hat, dies auch in Zukunft tun wird. Die Erörterung des Massenstreiks in Versammlungen sei gar nicht gefährlich. Alsdann wendet er sich der Frage der Maifeier zu. Seinem Gefühl entspreche die ArbcitSruhc am 1. Mai am meisten. Die Demonstration am Abend des 1. Mai in Versammlungen sei völlig bedeutungslos. Der 1. Mai habe seine Kraft und seine Be- dcutung gerade in der Demonstration durch Arbeitsruhe, daS, was uns diese Demonstration so wertvoll macht, ist gerade dies, dass die Kraft, die in den Arbeitern steckt, dabei zum Turchbruch kommt. Die Schuhmacher haben von jeher ein starkes Kontingent zu den Demonstrierenden gestellt, das müsse auch fürderhin so sein. Er wünsche und hoffe/ dass die Gewerkschaften im gleichen Masse wie bisher erstarken. Wir sind berufen, eine grosse Kulturaufgabe zu erfüllen, als Träger dieser Kulturbewegung wollen wir zeigen, dass wir unfern Mann stellen, dass wir zu Opfern bereit sind, dann wird der einstige grosse Moment auch kein kleines Geschlecht finden. Die Schuhmacher werden dabei stets in der ersten Kampfreihe stehen. V Ueber den Kölner Gewerkschaftskongrch berichtet Herr- mann- Dresden. Er gibt eine chronologische Darstellung der Kougrcssbeschlüsse und bemerkt am Schlüsse, wenn man mit diesen Beschlüssen auch zum Teil nicht einverstanden fein könne, so müsse man doch immerhin anerkennen, dass er befruchtend auf die G«� werkschaftsbcwegung gewirkt hat.— Von einer Diskussion übee die Referate sieht die Versammlung ab, ein entgegenstehenden Antrag wird nahezu einstimmig abgelehnt. XV. Ceneralversammlullg des Verbundes der Kraverei« Arbeiter. Köln, den 15. Juni, i Dritter V e rha nd l u ng s tag. Die heutige Versammlung dreht sich um die vorliegenden Anträge. Seitens mehrerer Zahlstellen wird beantragt, den Namen des Verbandes in»Zentralverband deutscher Brauerciarbcitcr und vcrtvandter Berufst genossen" umzuändern, wo? dcbaitelos akzeptiert wird.—- Eine äusserst lebhafte, teilweise etwas erregte Debatte rufen die An« träge hervor� die auf Erhöhung der Beiträge, auf Ein» führung der Beitragszahlung nach Lohnklassen und auf das Unter st ützungswesen gerichtet sind.— Die Herabsetzung des Eintrittsgeldes auf 50 Pf. für männliche und 15 Pf, für weibliche Mitglieder wird mit 36 gegen 22 Stimmen be- schlössen.— Bezüglich der Beitragserhöhung begründet Leuschner einen Antrag der Zahlstelle Leipzig, der die Bei» träge auf 60 Pf. bezw. 30 Pf. festlegen soll.»— In der Debatte wird von einem Teile der Mitglieder die Beitragserhöhung befür- wortet mit und ohne Klassenlöhne, während andererseits die Bei» tragserhöhung recht lebhaft bekämpft wird.-— K u b e(Vertreter der Gencralkommission) tritt für die Beitragserhöhung ein. Nach den vorliegenden Jahresabschlüssen hätten feit dem letzten Ver» bandstage die Ausgaben die Einnahmen um 45 518 M. überstiegen. Die Kämpfe würden in Zukunft stärker werden als bisher. Eine Stärkung der Kasse und die Regulierung der Einnahmen gegenüber den Ausgaben sei dringend erforderlich. Die namentliche Abstimmung ergibt Ablehnung deS Antrages auf Beitragserhöhung mit 2 9 gegen 29 Stimmenl Charakteristisch ist es, dass durchweg die Vertreter der HülfSarbeitcr für die Erhöhung stimmen, während die gelernten Brauer, nament» lich die Süddeutschen, in ihrer Mehrheit dagegen stimmen. Mit der Ablehnung der Beitragserhöhung fallen die Anträge betreffs des Ausbaues des Unterstützungswesens. Einesteils lebhafte Heiterkeit und andererseits Unwillen erregt es, als nunmehr von Klippel- Dresden ein genügend unter» stützter Antrag eingereicht und begründet wird, der darauf hinaus- läuft, einen Extrabeitrag von 5 Pf. pro Woche zu erheben zur Schaffung eines„Streikfonds", der zu anderen Zwecken nicht verwandt werden darf. Während für diesen reinen „Kriegsfonds" die Berliner Delegierten T r ö g e r und Neu« mann, sowie W e i g e I- Pfungstadt, die vorher gegen Er- höhung der Beiträge waren, zu haben sind, tritt andererseits W i t t i ch- Frankfurt, der für Beitragserhöhung gesprochen und gestimmt hatte, jetzt gegen die Erhebung eines ExtrabeitrageS auf. — D ö l l i n g e r- Hamburg befürwortet die Erhöhung deS Extra- beitrages auf 10 Pf. pro Woche.— Die Debatte muß wegen Schluß der Sitzung abgebrochen werden. Den Steindruckern und Lithographen! denen in Frankfurt a. M. auf Gcrichtsbeschluss a m Tage vor der AuS» sp c r r u n g das Verbandsvermögen mit Beschlag belegt ist, wird nach kurzer Darstellung des Sachverhalts auf Antrag Bauer eine sofort zu zahlende Unter-' stützung von 5000 M. bewilligt. LEIPZIG ER STRASSE; Montag, Dienstag, Mittwoch Weisses Porzellan ALEXANDER PLATZ Speiseteller gross tief 12pf. nach 10 Pf. Dessertteller diverse Grössen 6 Pf. 8 Pf. Salatieren 1 S-Pf. 22 Pf. 28 Pf. 33 Pf. 60 Pf. Satatieren rund gerippt, gross 24 cm 55 26 cm 65 Pf. Salatieren viereckig gerippt ca. 34 cm 75 Pf. Ko. 1_ 3_ S_ 4 8 8 Bratenschösseln 0Tai25pf. 35 Pf. 42 Pf. 68pf. 110185 Bratenschüsseln nmd 45 Pt 1 2_ 8__ 4_ Compotieren nmd, tief Spi. 15pt 28 Pf. 42 Pf. Ragoutschüsseln nmd, tief, ca. 84 cm 75 Pf. SaUCieren diverse Formen 45 Pf. 85 Pf. Suppenschüsseln ovale Festonform 1 35 KartoffelschÜSSeln mit Deckel, orale Festonform 85 Pf. Kaffeekannen diverse Formen, gross 48 Pf. Kaffeekannen cylinder. Form, gerippt, m. 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Ansang 7'/, Uhr: SchauspielhanS. Die Jungsra« von Orleans« Montan: Geschlossen. Neues Qperntheater. OavaUsri» rnstioana. Der Bajazzo. Montag: Der Freischütz. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Wontag: Ein Sommernachtstraum. Neues. Orpheus in der Unterwelt. Montag: Dieselbe Vorstellung. Berliner. Donna Diana. Montag: Sappho. Ansang 8 Uhr: Lessina. Die lustige Wittwe. Montag: Dieselbe Borstellung. Schiller O. lWallner. Theater.) Der Trompeter von Säkkingen. Nachm. 3 Uhr: Martha, oder Der Markt zu Richmond. Rontag: Di« Asrikanerw. Schiller V.(Friedrich Wilhelm� ftädtischeS-Theater). Heiratslustig. Nachm. 3 Uhr: Fsachsmann als Erzieher. Montag: Heiratslustig. Kleines. Em idealer Hiatte. Nachm. 3 Uhr: Der Unverschämt«. Hille vobbe. Montag: Ein idealer Gatte. " he Oper. Hossmanns Er Zählungen. Montag: Diesew« Vorstellung. Zentral. Nanon. Nachmittags 3 Uhr: Der Zigeuner. baron. Montag: Nanon. Lnftsptelhaus. DaSFest der Hand. werker. Vorher: Die Verlobung bei der Laterne. Montag: Dieselbe Vorstellung. Thalia. Hochparterre links. Nachmittags 3 Uhr; Bis früh um Fünse l Montag: Hochparterre links. Ntetropol." Aus ins Metropol. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apollo. Das blaue Bild. Spezi* . litäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Carl Weist. Der Weg des threrS. Monwg: Dieselbe Vorstellung. Wintergartens Tortajada. SPezialit. Passage. Willy Präger. Svezialtt. itieichöhallc». Stettiner Sänger. ltrania. Taubenstraste 4S/iU. SibenbS 8 Uhr:.Der jüngste Aus» bruch des Vesuv. Montag: Dieselbe Vorstellung. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57/62. Urania S.V.75. Täglieh abends 8 Uhr; Sternwarte Ferdinand Bonn« Berliner Theater. Ans. 8 Uhr. Gastsp.Kaeis pospisobll. Sonntag: Dom»» Diana, Lust» '' B. Horete. Montag: Sappho, irillparzer. Dienstag: picl von Sopholle»- Trauerspiel v. Grillparzer. Diensia ciahtea, Schauspiel von Sophollei Wilbrandt. Jpnigenie, Schauspiel v. Goethe._ Neues Theater. Ansang 7'/, Uhr. VW in der Dotervi. Kleines Theater. 3 Uhr: Oer Unverschämte. Hieraus: Hille Bobbe. > Abends 8 Uhr: Kill idealer Galle. (lirnZI 3 o nntag vsvsllgslz lazzo. Bai Dienstag; Gastspiel d'A ndrade, Lilli Lehnann a. Bella Alten:'Don Juan.■Ververkaui im känigl. Opernhatts, Schalter II, A. Wort- heim und Invalidendank. Komische Opej*. Sommerspielzeit 1906. Sommcrprelse. (Keine Vorverkaussgebühr.) _ Ansang 8 Uhr._ Carl Weiß-Theater. Kr. Franksurterslr. 132. Nur noch biet; Aufführungen: Der Weg des Märtyrers. Auf. 8 Uhr. Donnerstag zum t. Mal: 8iUn«llr« V-Ivd«. Familien- tragödie in 4 Akten von Horst Rots. Im Garten: Neues Programm: Sepie Lperiaiiliten-Vorsteilti« Reichsha| Stettiner� (MeyseW Böhme, Waiden, Seidel, 0. R. Schrad llnsan Wochemi 8,Son' 7" ZnaiOCISCHth GARTEN Heute Sonntag Eintritt so n Kinder unter 10 Jahren die Halste. Nachmittags ab 4 Uhr: Militär-Doppel-Konzert. Morgen sowie täglich! ZIllitMr-DoppvlIeonnSrt. Lerlhter Aparimn Unter den Linden 68a Eingang Sohadow-StraAe No. 14. Heute Senntag; Eintrittspreis ior so Pf.-ve Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc. 133/2 Lustspielhaus. Slatinee 12 Uhr: Etelka GersterS Opernschule. AbendS 8 Uhr:. Das Fest der Handwerker. Vorher: Die Berlobnng bei der Laterne. Zentral»Ttieatei*. (Operette.) 3 Uhr(halbe Kreisel): Her ligeunerdaron. WendZ u. sMontag: r Anfang 8 Uhr. Das glänzende Juniprogramm. erstklassige Spezialitäten. Apollo-Theater. Miß Carma, TranSformat.-Tänzcrin. Duo Paulas, holländisches Duett. Kumpsti-Suinstl, Erzcntr. Kreation v. Rees und Rrlvost. La tdatsohiche. Solo: Annette Savary. Dan hlaa« Dllck v. Raul Llneke. Ein Abend in einem ameri- kanischen Tingel-Tangel. ISetropolTheuler Anfang 8 Uhr. -ii's Große Jahresrevne mit Gesing n Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Raaehen überall gestattet. Das neue glänzende Juni-Programm. M-ÄusstelluBis- Biopph-t««. Louis) Theater lebender Photographien mit abwechselndem .. w Abnormitäten- Progr. 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Juni 1906, im„Moabiter Schützenhause" (Plötzensee):'_ ■ Gaufest des Gaues IX■ des Arbeiter-Radfahrer-Bundes„Solidarität" verbanden mit Doppelbonzert, Gesang, Hnmorlstlschcn AaffUhrnngen, Spezialitäten und Tarn«. Radsportliche AuffOhrungen durch 8 unserer Bundesvereine sowie Auftreten des Berliner Ulk-Trio und der Volkssängergesellsohalt Lewandowsky. Sensationelle Tandemfahrt mit bengalischer Seleuehtung auf einem 20 Meter hohen SeiL Eintritt 25 Pf. Vorverkauf 20 Pf, Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Kinder crbaiten an der Kasse 2 Bons zur beliebigen Benutzung des Karnssels usw. und zur Stocklaterne WWW" gratis!-WW Anfangs mittags 12 Uhr. Hierzu ladet freundlichst ein Ende??? Der Gauvorstand. Wanderausstellung-»«--»»«»»ws _ Station Frlcdenan( W awn«ee-Bahn)._ Sonntag, 17. Juni, ����ch�ahc��" Hauptrestaurant: Großes Extra-Militär-Konzert mit Mandolincn- Vorträgen der fcapeh� des Lehr-Infanteric-Bataillons Potsdam Ä.uwV B?! bis 8 Chr abend« für Ausstellung und Hauptrest. W. pro JCilllU ICC Person, nach 8 Chr abend«(nur für Hauptrest.) 30 Pf. proPers. waidiCBO—* Montag und vtsuatag: > Mllttsn-Kon-oi�> � des Inrantcrlc-Bcglmcnt« Wo. 140(KgL Musikdirigent Kegel). Festliche Belenehtnng durch Bpiritno-Gltthlicht ZZZZXZ1 freunden und'«iimicvu zur Nach. »f riebt, daß ich das Lokal von ranz Unaerberg«anm. hulenweg, Baumschnlenstr. 04 (Ecke Eanner Ehausseri kaustich er. worden habe. Sitte bei AuSsiüoen dasselbe zu berücksichtigen. Großer schattiger Garten nebst 2 ttegewahnen. Warme Speisen zu jeder Tageszeit. Grone Aasteeküche, Liter 60 Pf.* -—■"" früher Berlin SO. M, Forsterftr. 17. Moderne Herren. 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InnitSSS. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, 16. Juni 1606. Elektrizitätsindustrie— Bankpolitik! Eine geradezu lawinenartige EntWickelung ist in der ElekirizitätS- industrke zu konstatieren. Im Jahre 18S3 velief sich das in dieser Industrie in Aktiengesellschaften investierte Kapital, soweit die Papiere an der Berliner Börse gehandelt wurden, auf rund fünf Millionen Mark. Im Jahre 1839 war das in Betracht kommende Kapital auf 22 Millionen Mark und in 1900 bereits auf rund 400 Millionen Mark angewachsen. Im Jahre 1883 wurde eine Durchschnittsdividende von 2,67 Proz. erzielt. Die Durchschnittsdividende für 1389 betrug 6 Proz. Dann aber brach eine Blütezeit an. Die in dem Jahr- zehnt von 1890— 1900 ausgeschüttete Dividendensumme ergibt eine durchschnittliche Verzinsung des Anlagekapitals von 9,36 Proz. Solche glänzende Erfolge lockten natürlich spekulatives Kapital an, weckten die Unternehmungslust, reizten an zu Neugründungen und Betriebserweiterungen. Im Jahre 1904 belief sich das in Aktiengesellschaften in der Elektrizitätsindustrie investierte Kapital bereits auf annähernd 430 Millionen Mark. Diese Ueberspannung erzeugte die Krise, die die Elektrizitätsindustrie dann durchzumachen hatte, von der sie sich aber im allgemeinen durch Sanierungen und Zusammenschlüsse nun wieder erholt hat. Die Bahn ist wieder frei für neue Dividenden- siegeszüge. Neben den Erfordernissen für elektrische Voll- und Straßen- bahnen, winken der Elektrizitätsindustrie auf dem Gebiete der An- läge von Krastzentralen noch reichlich Gelegenheiten zu lukrativer Betätigung. Der Herrscher Konkurrenz, der auch durch die Kartelle nicht ganz entthront wird, zlvingt überall zur Verwendung von Elektrizität als Betriebskraft. Für jeden kleinen Betrieb läßt sich aber naturgemäß keine eigene Krafterzeugung ein- richten. Durch Krastzentralen müssen die hunderte und tausende Kleinabnehmer gespeist werden. Hier eröffnet sich gleichzeitig der kommunalpolitischen Tätigkeit ein weites Feld der Wirksamkeit. Für die Kommmren ist die Frage umsomehr von Be- deurung, als sie selbst hervorragend als Verbraucher elektrischer Energie in Betracht koinmen. Aber nicht einzelne Gemeinden sollten an die Lösung der Frage herangehen; durch Zweckverbände muß das geschehen. Je größer der Kreis der sich zusammenschließenden Interessenten, desto besser. Mit dem Umfange des Betriebes sinken auch die Erzeugungskosten. Selbstverständlich bemüht sich das Privatkapital, diese Gelegenheit, die Konsumenten sich tributpflichtig zu machen, nicht nutzlos vorbeigehen zu lassen. Da sollten die Gemeinden ans der Hut sein und sich die Erfahrungen, die man auf anderen Ge- bieten mit den Privatgesellschaften machte— Straßenbahnen, Gas- und Wasserwerke usw.—, als warnendes Beispiel dienen lassen. Welche Bedeutung man in Unternehmerkreisen dieser Frage zu- wendet, zeigen die Anstrengungen, die seitens der Stinnes-Thysscn- Gruppe im rheinisch-westfälischen Industriegebiet gemacht werden zwecks Erlangung eines von Hainin bis Köln, von der Rrchr bis zur Lippe reichenden, den ganzen Städte- und Gemeindekomplex des JndustrierevierS umfassenden Monopols zur Versorgung mit elekttischer Energie zu Licht- und Kraft- zwecken. Mit einer großen Reihe Städte und Gemeinden hat die Gesellschaft bereits langfristige Lieserverträge abgeschlossen und es ist tatst chlich für die Kommunen nicht leicht, gegenüber dem Privat- unternehmen die Selbständigkeit zu wahren. ES wirken hier besondere Verhältnisse. Da bei dem Privatunternehmen als Kraftquelle die Abgase von Hüttenwerken benutzt werden, stellt sich hier die Benutzung so billig, daß kein �Elektrizitätswerk, das für die Krafterzeugung Kohlen verwenden 'muß, dagegen konkurrieren kann. Um einer Privatgesellschaft das Eindringen in den Bereich von kommunalen Elektrizitätswerken zu verwehren, könnten die betreffenden Kommunen dem Privatunter- nehmen allerdings die Konzession zu Anlagen versagen und damit das Moment der Konkurrenz ausschalten. DaS wäre aber ein gefährlicher Weg. Man hätte mit der Oppositton der Interessenten zu rechnen, bei denen die Billigkeit der benötigten Energie der ausschlaggebende Faktor sist. Um trotz dieser Umstände nicht dem Privatmonopol ausgeliefert zu sein, versuchen nunmehr verschiedene Städte und Gemeinden in Verbindung mit grohindustriellen Unternehmen, die mit den Stinnes- Thyssen-Werken nicht liiert sind, gemeinsam Kraftzentralen zu er- richten. Damit kommt aber auch im allgemeinen die Frage der Errichtung von Elektrizitätswerken in kräftigeren Fluß und die bauenden und Material liefernden Gesellschaften sehen guten Zeiten entgegen. Aber auch für den Antrieb von Kraftmaschinen in den Gruben und den Eisenwerken findet die Elektrizität vermehrten Eingang. In absehbarer Zeit werden alle modernen groß- industriellen Werke nur noch Elektrizität als Triebkraft verwenden. Also auch nach dieser Richtung stehen den Elektrizitätswerken umfang- reiche Aufträge in Aussicht. Und die vorhandenen großen Gesellschaften bereiten sich vor auf reiche Ernte. Sie scheinen nicht Lust zu haben, sich von anderer Seite die verheißungsvollen Gewinnchancen irgendwie schmälern zu lassen. Kürzlich schon wurde in der Generalversammlung einer Maschinenbau- Llltiengesellschaft darüber Klage geführt, daß die großen Gesellschaften es verstehen, durch allerlei Mittel und mit Unterstützung befreundeter Finanzinstitute alle bedeutenden Aufträge an sich zu reißen. In ganz substantiierter Form erhebt nun in einem Rundschreiben die Firma A. Gobiet u. Co. in Kassel dieselben Klagen und Vorwürfe. Daß die drei Grohfirmen in der Elektrizitätsindustrie: die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschast, die Siemens-Schuckert-Werke G. m. b. H. und die Felten-Guilleaume-Lahmeyer-Werke, Preisvercinbarungen getroffen haben, ist ja bekannt, über die Form aber war bisher weniger in die Oeffentlichkeit gedrungen. Die genannte Firma macht nun über die getroffenen Abmachungen Angaben, nach denen Submissionen lediglich nur noch Farce sind. Die 3 Großfirmen einigen sich vorher über alle Bedingungen; vorher ist festgesetzt, wer den respekttven Auftrag erhält, danach werden die Offerten eingerichtet. Was aber als das schwerwiegendste Moment bei der Sache angesehen werden mutz, das ist der Einfluß der Banken, der auch hier hinein- spielt. Bei der Vergebung von Aufttägen sind die Bankverbindungen mit ausschlaggebend, vielleicht sogar alleinbestimmend. Wenn z. B. der Unternehmer A. einen Auftrag zu vergeben hat und A. ist finanziell von der Bank B. abhängig, dann diktiert diese— direkt oder indirekt—, daß A. den Austrag an die Elektrizitätsfirma C., die ebenfalls mit der Bank B. in Verbindung steht, zu erteilen hat. Hier tritt erneut der steigende Einfluß, den die Großbanken auf das gesamte Wirtschafksleben gewinnen, in Erscheinung. Die Banken sind Hauptbeteiligte bei den großen Elektrizitätswerken und als Geldgeber an Industrielle, an Kommunen usw. sorgen sie dafür, daß den Gesellschaften, deren Interesse sich mit ihrem eigenen deckt, die lukrativen Geschäfte reserviert bleiben. Die Elektrizitätsindustrie gibt dem Kapital auch gute Gelegen- heit zu internationalen Geschäften und zwar sowohl in der Form von deutschen Gründungen im Auslande, als auch durch internationale Ver- einbarungen. Es sind bereits mehrere Fabriken im Auslände durch deutsche Gesellschaften gegründet worden. Die drei genannten Unternehmen be- trieben bisher jedes in Rußland selbständig ein Elektrizitätswerk Jetzt haben sich die Gesellschaften auf der Basis geeinigt, das Ge- schüft in Rußland gemeinsam zu forcieren. Dieses Vorgehen dürfte vorbildlich werden für die Zukunft. Die weitere Fusionierung zwischen den bestehenden Elektrizitätswerken wird wohl nicht weit in die Ferne gerückt sein. Damit wird uuter der Mitwirkung der Banken auf diesem Gebiete ein Monopol geschaffen, das kaum eine Konkurrenz zu fürchten hat. Das Kleinkapital wird erdrückt und über das Großkapital herrschen die Banken. Vielleicht wird die Elektrizitätsindustrie auch zuerst zu dem vollständigen Ausbau der internationalen Verständigung, zur Aufteilung deS Weltmarktes, gelangen. Die Vorbedingungen dazu sind vorhanden. Für die ElektüzitätSindustrie ist die Frage der Preisgestaltung auf dem Metallmarkt von wesentlicher Bedeutung. In den letzten zwei Jahrzehnten haben die Preise ganz außerordentliche Schwankungen erlebt. Die Kurve der JahreS-DurchschnittSpreise der verschiedenen Pro- bukte zeigt eine nur wenig gestörte Parallele. Wir greifen die Jahre der höchsten und niedrigsten Preisstände heraus— nach den Zu- sammenstellungen deS statistischen Amtes— und gewinnen dann folgendes Bild: Preis pro Doppelzentner in London in Mark engl. engl, bestes engl. engl. Roh» solsctock- gewöhn!. Block- Blei Kupfer Zink Zinn 1885 23,09 95,68 30,42 179,39 1888 27,93 156,27 38,42 235,33 1894 19,24 85,99 32,35 145,70 1899 30,36 155,36 50,90 254,66 1904 24,25 124,45 46,53 257,94 Kurs im Juni 1906 zirka 35,00 172,00— 360,00 Die Schwankungen sind ganz außerordentlich, besonders bei Kupfer. In dem Jahrzehnt 1883 bis 1899 war der Preis einmal annähernd auf die Hälfte des Höchststandes gefallen, heute aber steht er auf das Doppelte des niedrigsten Preisstandes und überragt den bisherigen Höchstpreis um 16 M. Noch bedeutender ist die Steigerung bei Zinn, einem Metall, das für die Elektrizitäts- industrie aber weniger wichtig ist als Kupfer und Blei. Bei Zinn stieg der Preis gegenüber dem Stande von 1394 um nicht weniger als 146 Prozent. Zweifellos ist die Preisentwickelung für die Elektrizitätsindustrie ein die ProduftionSkosten stark beeinflußendeS Moment. Aber die rapide EntWickelung wird dadurch nicht gehemmt. Die hohen Metallpreise werden ebenso wie die für Baumwolle durch Börsenmanöver erzielt. Diese Tatsache wird jedenfalls die Elektrizitätswerke veranlassen, zu versuchen, die Kontrolle über die Metallgewinnung zu erlangen, so sich frei zu machen, sowohl von den Produzenten als auch von der Spekulation. Die wilde Preistreiberei wirkt beschleunigend auf die E�pansions- und Konzentrationsentwickelung in der Elektrizitätsindustrie. Vorläufig müssen die Konsumenten die hohen Materialpreise in Gestalt höherer Preise für Erzeugilisse zahlen, und wenn die Elektrizitätsindustrie sich von den hohen Materialpreisen frei gemacht hat, dann wird sie die Konsumenten nicht beunruhigen durch— Preisabschläge, sie wird mit dem er- langten Vorteil sich selbst belasten. Das ist der natürliche Gang der kapitalistischen Entwickelung. v. Versammlungen. Gegen die Neberzeit-, Nacht- und Hausarbeit in der Zigaretten- industrie. Der ReichstaBbeschluß übe» die Zigaretitembanderolensteuer hat dazu geführt, daß die Fabrikanten nun innerhalb der kurzen Zeit bis zur Einführung der Steuer soviel Ware wie nur irgend möglich fertig zu stellen und an den Mann zu bringen suchen. Sie haben sich nicht darauf verlassen, daß ihre Abnehmer sich aus eigenen» Antrieb für die ihnen gewährte Gnadenfrist mit der nötigen Menge steuerfreier Ware versorgen würden, sondern die Händler auch schriftlich oder durch ihre Agenten dazu aufgefordert. Dadurch haben Zahl und Größe der Aufträge einen außerordent- lichen Umfang erreicht. Manche Händler haben das Doppelte, viele das Dreifache der sonst von ihnen verlangten Mengen bestellt, ja. es soll sogar vorkommen, daß namentlich Gastwirte— offenbar in Unkenntnis des Steuergesetzcs— zehnfach so große Aufträge geben als sonst. Alle diese Aufträge sollen nun von den Fabrikanten noch vor dem 1. Juli erledigt sein. Das veranlaßt sie, trotz ihres seiner- zeit den Vertretern der Tabakarbeiterorganisation gegebenen Ver- sprcchens, die Hausarbeit nicht weiter einzuführen, sondern ein- zuschränken, von ihren Arbeitern und Arbeiterinnen sowohl Haus- arbeit wie Ueberzeit- und Nachtarbeit zu verlangen. Die Arbeiter- schaft der Zigarettenindustrie hat natürlich kein Interesse daran, sich jetzt in den paar Wochen krank zu arbeiten, um den Markt so zu überfüllen, daß sie nachher bei der furchtbaren Krise ganz und gar am Hungertuche nagen muß. Aus diesem Grunde wandten sich die Vertreter der Arbeiterschaft verschiedener Zigarettenfabriken an ihre Organisation, um gegen die Ueberzeit-, Nacht- und Haus- arbeit einzuschreiten. Die Vertreter der Organisation wurden bei den Fabrikanten vorstellig. Am Freitag befaßte sich mit der Angelegenheit eine Mitglieder- Versammlung der Zahlstelle Berlin des Tabakarbeiterverbandcs, die den großen Saal von Wilke in der Brunnenstraße füllte. Börner berichtete hier nach einer Schilderung der Sachlage über die Verhandlungen mit den Fabrikanten. Alle haben schließlich— mit AuSnahine der Firma Garbaty— die Einwendungen gegen die Ueberzeit-, Nacht- und Hausarbeit als berechtigt anerkannt und auch versprochen, dergleichen Arbeit nicht mehr zu verlangen.— Ob sie dies Versprechen halten, ist freilich bei einigen eine aridere Frage.— Bei Garbath hatte der Werkführer dem ArbeitSpersoiral gesagt, daß daS Fabriktor nun, statt um l47 Uhr, erst um 7 Uhr abends geöffnet werde— so daß also ein Zwang zur Ueberzeit- arbeit ausgeübt werden sollte—, sie könnten aber alle bis%9 Uhr arbeiten. Die Verhandlungen mit der Firma gestalteten sich sehr schwierig. Der Chef selbst war verreist und sein Vertreter, sein Schwiegersohn, zeigte sich sehr aufgeregt. Er leugnete zunächst. daß auch seine Firma den Händlern geschrieben habe, daß sie sich vor dem 1. Juli mit größeren Mengen Waren versorgen sollten, doch stellte sich dann heraus, daß die Reisenden der Firma die Händler mündlich dazu aufgefordert hatten. Er stelle, erklärte er dann, nicht an jeden Arbeiter das Verlangen, jedoch könne jeder bis �9 Uhr arbeiten. Ucbrigcns müsse erst festgestellt werden, ob denn die Arbeiter selbst die Ueberarbeit nicht wünschten. Er könne keine bindende Erklärung abgeben. Der Chef komme Sonnabend von der Reise zurück, dann könnten sie ja am Montag noch einmal anfragen.— Als die Organisationsvertreter die Meinung deS Chefs am Montag erfahren wollten, war er, wie gesagt wurde,. schon wieder verreist. Am Tage darauf beschloß das Arbeits- personal in einer Fabrikbesprechung, daß nur bis Uhr ge- arbeitet werden sollte, und wer dem entgegenhandelte, sollte als Streikbrecher gelten. Da nicht das ganze Personal zugegen gewesen war, wurde der Beschluß anderen TageS vom Vertrauensmann in der Fabrik verlesen. In zwei Sälen gelang die? ohne Schwierig- leiten; im dritten Saal wurde die Verlesung vom Werkführer ver- boten. Dieser holte den Schwiegersohn deS Chefs herbei, und dieser forderte dann die Arbeiter und Arbeiterinnen, die er außer- gewöhnlich höflich mit„Herren und Damen" anredete, auf. doch bis Uhr zu arbeiten, sprach aber auch davon, daß er mit all denen fertig werden würde, die sich dagegen wendeten, und drohte dem Vertrauensmann mit Entlassung. Er führte aber die Drohung— offenbar in der Erkenntnis, daß die Organisation denn doch zu stark in seiner Fabrik vertreten ist— nicht aus. UebrigenS hat die Firma Garbaty die Ueberarbeit auch noch dadurch zu fördern gesucht, daß sie den willfährigen Leuten großmütig ein Geschenk von 2 M. zukommen ließ.— Ferner wurde in der Versammlung ein von einem Korrespondenzbureau stammender, in bürgerlichen Blättern erschienener Artikel erwähnt, der, wie verschiedene Redner meinten, wohl von Fabrikanten herrühre. Wenn darin die Sache so dargestellt werde, als sei infolge der Russenausweisungen in der Berliner Zigarettenfabrikation förmlich eine Stockung eingetreten, so sei das eine Ucbertreibung, da viele Fabriken jetzt mit einem weit größeren Personal arbeiteten als früher. Ebenso töricht sei es, zu behaupten, die einheimischen Zigarettcnarbeiter könnten froh sein über die Ausweisungen; weil die Ausländer meistens geneigt seien, billiger zu arbeiten.,/ lieber- einstimmend wurde von verschiedenen Rednern erklärt, daß Lohn- drücker, Leute, die sich nicht um die Organisation und ihre Be- schlüsse kümmern, sowohl unter den deutschen wie unter den aus- ländischen Arbeitern zu finden sind, daß also die Nationalität hier- bei gar nicht in Betracht kommt.— Die Versammlung nahm folgende Resolution an: „Infolge der am 1. Juli dieses Jahres in Kraft tretenden Banderolensteuer versuchen die Fabrikanten, in der kurz be» messenen Frist möglichst viel Zigaretten herstellen zu lassen. Die Arbeiter haben alle Ursache, dem entgegenzuwirken, da die Ucberfüllung des Marktes eine Arbeitslosigkeit zur Folge haben muß. die noch weit über die Grenzen der Arbeitslosigkeit hin- ausgehen würde, welche so wie so infolge der Banderolensteuer mit Notwendigkeit eintritt. Die Arbeiter sind gewillt, das durch die Steuer hervorgerufene Elend möglichst zu mildern und ver- weigern deshalb die etwa geforderte Ueberzeit-, Nacht- und Haus- arbeit. Jeder Kollege und jode Kollegin, die trotzdem Ueberzeit-, Nacht- oder Hausarbeit leistet, handelt gegen die Interessen der gesamten Kollcgenschaft und ist einem Arbeitswilligen gleich zu achten." H. Greifenhagen Nachf. Brunnen-Strasse 17-18. Veteranen-Strasse 1-2. Saison- Räumungs- Verkauf zu bedeutend herabgesetzten Preisen. In allen Abteilungen haben wir besonders vortheilhafte Qelegenheitsposten ausgestellt Sozialdemokratischer Waktoereiti für den 4. Berliner jteiekstags-Waklkreis. Dienstag, den 10. Juni, abends S'/s Uhr: Fünf Versammlungen. 1. Im Lokal„Drachenborg", Vor dem Schlcsischrn Tor 1/8. L... Wnldemarstr. 7S. Rettin, Mcmclrrstr. 67. 4.„„„filyalum", Landsberger Aller 40. Tagesordnung in den 4 Versammlungen: „Was fordert die Sozialdemokratie?"»..S'SÄl's.SÄ'K.i.. Die 6, Versammlung findet statt bei Boeker, Weberstr. 17. TageS-OrdNUN g: ZvsdttKtschichtederZoMldtMl>Kratitl>ollt8l)ljbiszurAiifhebliiigdtsSl>Mll�!igesetzts. Referent: Genosse N. Flatow. ÄÄsIlleiiiollfZtlseliFMsföllillixiIiiis. Dienstag, den 19. Iam, abends 81g Uhr, in Hoppes Festsälen, Hermannstraße 43—43: Reserent: Genosse Zahlreichen Besuch erwartet Klatow. Gante willkommen. 243/16 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wablverein des 0. Berliner Wahlkreises. Dienstag, den 19. Jnni, abends 8� Uhr: Mitglieder Uersammlnngen der 11 Abteilungen in folgenden Lokalen: 1» Abteilung: Wernau, Schwedterstr. 23. 2.„ Beroltna-Säle, Schönhauser Allee 28. 3.„ Brauerei Groterjan, Schönhauser Allee. 4,„ Witte, Brunnenstr. 188. 5.„ Mothes, Hussitenstr. 40. «,„ Norddeutsche Brauerei, Chauffeestr. 68. ?.„ Moabiter wesellschastshaus, Wicleffstr. 24. 8.„ Kronen-Brauerei, Alt-Moabit 47/48. 9.* Erauz Festsäle, Köslinerstr. 8. 10. Sachau, Müllerstr. 130. 11.„ Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünderstr. 42. Tages-Ordnung! 1. Aufstellung der Delegierten zur Berbands-Geucraliiersammlung. 2. Vortrag:»Die Sozial- demolratle im Roten Hause«. 3. Dislusflon. Referenten: Stadtverordnete Genossen Awanntin, Banner, Dr. Bernstein, Borgmann, Th. Fischer, Koblenzer, Liebknecht, Leid, Dr. Weyl, Wilke, Dr. Zadek. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Torstand. ........... I 1' Die nächste ordentliche Generalversammlung findet statt am Dienstag, den 26. Juni, abends 8 Uhr, in den Germania-Sälen, 848/18««hnnsteestrafte 103._ SigenerHerdistGoldtswert. Landparzellen aus erster Hand, 20 Me-rour, S0 M., geringe Anzablung, tisrellol, am«slil gelegen. ««bin, KI. klndreasstraße 17. TiipfeF- und Zimmermannswagen werden repariert und abgerichtet. L453b G. Sydow. Echönliaujer Allee 63. Zahlstelle Berlin. DienStag, den IS. Juni, aveudS 7>/, Uhr: Oeffentlieke Versammlung aller in Kuchblndtttlel!, Album-, Karton-, Kontobuch-, Etnis-, Feder- und Papiergalanterie- und Luruspapier-Fabribeu beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen tnLoniS Kellers Festsälen, Koppenftrahe 20. TageS-Ordnung: i. Die Vernichtung der Organisation„Deutscher Buchbinder-Verband' � durch den Prinzipalsverband. Reserent: Kollege Kloth. 2. Diskussion. 24/14 Kollegen und Kolleginneu! Dt« Autwort de»»Deutschen Buchbindereibefitzer-verdandes« vom IS. Juni IVOS enthüllt zum erstenmal offen den Plan, welchen der genannte Verband mit der ansspen-nng: befolgt. Die Pflicht unserer Mitglieder und scimtltcher Berufs- angehörigen ist es, in dieser für daS Wirtschaftsleben obiger Branchen wichtigen Versammlung z« erscheinen. Zahlreichen Besuch erwartet Die Bctsrerwattnng:. StrelklcUnng. Yertranenslente. Kartonbranche! Zahlstelle Berlin. Montag, den 18. Juni, abend»'1,9 Uhr, im»Englischen Garten-, Alexanderstraste 87 c: Oeffentl. Versammlung aller in Kartonfabriken beschäftigten Zuschneider, Ritzer -«nd Hülfsarbeiter.- TageS-Ordnung: 1. Was gedmken die Zuschneider, Ritzer und HüIsSarveiter für die Ver- befferung ihrer wtrtichastlichen Lage zu tun? Reserent: Kolleg« Schade. 2. Diskussion und Verschiedenes. Das Erscheinen aller ist Pflicht l Die Vertrauensleute. Achtung! Kontobuch-jlrbeiter! Mittwoch, den 20. Juni, abends 8 Uhr, in Feuerstein» Festsäleu, Alte Jakobstr. 7S(oberer Saal) t Oeffentl. Versammlung aller in Kontobuchfabriken und Liniieranstalten beschäst. :== Arbeiter und Arbeiterinnen.== TageS-Ordnung: 24/13 über Die Kündigung oder Verlängerung des be- 2. Eventuelle Ausstellung der neuen Lohnsorderungen. stehenden TariseS. a, Verschiedenes. Da in dieser Versammlung die Entscheidung fällt, ob wir in diesem Jahre in eine Bewegung eintreten oder nicht, so ist es Pflicht jedeS Kollegen und jeder Kollegin, zu erscheinen._ Die Xartfkommission. ereMst älterer, sucht Mitglieder oder kleine Vereine, die gewillt find, sich zu einem größeren Verein zusammen zu verschmelzen. Sähen» Mittwochs abends 9 Uhr Arkona-Halle», Anklameretr. 29. Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht der Stadtverordneten-Fraktion über ihre Tätigkeit im Stadt- Parlament. 3. Diskussion. 4. Wahl von Delegierten und event. Anträge zur KretS- Generalversammlung. 4. Wahl von Delegierten zur Generalversammlung von Groß.Berlw. 6. Verelnsangclegenhctten und Verschiedenes. In Anbetracht der reichhaltigen TageS-Ordnung wird die Versammlung pünktlich 8'/, Uhr eröffnet! Gäste, auch Frauen, haben Zutritt I■ 232/19 Der Torstand. Achtung! PlltiZd*! Aelitmig! Zentral-Verband der Ktaurer Deutschlands. Zweigverein Berlin.— Sektion der Putzer. Am Mittwoch, den 20. Juni, abends 8 Uhr, findm in sämtlichen Bezirken in dm bekannten Lokalen die = Bezirks- Versammlungen= statt.— Da in denselbe» feie Protokolle der 9. Gaukonferen, sowie die Broschüre.Verbot oder Resorm der Akkord- arbeit»(cw Vortrag d-S Kollegen F. P a e p l o w mit daranschließender Diskussion) zur Verteilung an die Mit- glieder gelangen, ersuchen wir hiermit, vollzählig zu erscheinen. 184/6__ Die örtliche Verwaltung«nd die Obleute. Zentral- Kranken- nnd Sferbekasse der Maler u. nervo. Bemfsgen. Beutsehl Sonntag, den 17. Juni, vormittags 10 Uhr, im Gewerksehaftshanso: Kombinierte Versammlung der Mitglieder sämtlich. Verwaltungsstellen v. Berlin sowie Rixdorf u. Friedrichsberg. TageS-Ordnung: 1. Die Verschmelzung obiger Verwaltungsstellen auf Grund deS st IS des Statuts bezw. Errichtung einer Dageskasse und Anstellung von zwei Beamten. 2. Wahl der Beamten sowie der gesamten Verwaltung. 3. Verschiedene».— Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 126/10 Der Vorstand. I. A.: R. Gehlert. 1. Vorfitzender. Orts-Kraukenkasse der Biidttöiier. Stukkateure und verwandten Gewerbe. Am Montag, den 2S. Juni er., findet im Lokale Annenstraste 10, abends 8'/, Uhr, eine anucrordentllche General-Versammlung statt. 874/12 Tage«. Ordnung: 1. Abänderung de» Statuts(§ 13, Abs. II, IV. Nachtrag). 2. Ersatzwahl eine? Vorstandsmitgliedes sNrbeitnehmer). 3. Geschäftliche Mitteilungen. Berlin, den 16. Juni 1906. Der Vorstand. I.A.: reib«aide, er, Vorsitzender. Montag, den 18. Juni, abends 61/, Uhr, bei Beyer, Schönhauser Allee 33: Milgliedn-Nerslimmlsisig fiir de« Wen. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Neuwahl eineS Beitragsammlers für den Bezirk Norden. 3. Verschiedene». Bollzähiiges Erscheinen der Kollegen ist notwendig. Voranzeige: A- Rezitations-Hbend. Rezitation des DramaS Am Vorabend" von Or. Leopold Kampf durch Herrn E. Walkotte. Rur Mitglieder mit ihren Frauen haben Zutritt. 1�1/15 Der Torstand. Mittwoch, den 20. Juni, abends 8'/,«hr, in den Residenz. Sälen. LandSbergerstr. 31: Kombinierte Kitglieder- Venatntnlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Stern(5. Vortrag):»Kant und seine Nachfolger-. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen, welche einen Sitzplatz in der BelriebSwerkstait für Ball- schuhmacher haben wollen, weiden cvsucht, sich im Bureau zu melden. Die Betriebswerkstatt befindet sich Gr. Franksurtersiraße 137 und ist am 1. Junt«rössnet worden. 169/19 Dt« Ortsverwaltnnc. Achtung! Achtung! Zcntralvcrband der Steinarbeiter. Berlin II. Mittwoch, den 20. Juni 1906. abends S'l, Uhr: Oeffentl. Versammlung im Englische» Garten, Alexanderstr. 27c. TageS-Ordnung: 1. Vortrag be» Genossen Siering:»Warum organisieren wir UNS?- 2. Diskussion. 8, Wahl eines Statistikers. 4. Verschiedenes. Kollegen, bringt Eure Frauen mit.— Um zahlreichen Besuch bittet 172/17' Der Vertrauensmann. I. A.: Durrer. kul Teilzahlung!!! Wöchentlich nur i Mk. Große Answahl in Herren- und Damen-Uhren, Standuhren, Freischwinger, Begnlatenre, Broschen, Ringe, Ketten, Stocke, echte MenzenhauerZithem, Pbono- I graphen, Plattensprechmaschinen, Polyphone, Harmonikas, Mandolinen, Geigen etc. | Verkanf von Platten, echten Edison- n. prima I Bk.-Wulzen. Juhre ft König, SS'KÄ,....... Sozialdemokratisüher Zentral-Wahlverein fürTeltow-Beeskow-Storkow-Gharlottenburg. Sonntag, den 24. Jnni d. I., nachmittags l'/a Uhr: General-Versammlung tn Rixdorf, Hoppes Restaurant, Hermannstr. 49. TageS-Ordnung: 1. Berichte des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Ersatzwahl eines Vorstandsmitgliedes. ö. Die Aenderung deS preußischen LandtagswahlgesetzeS und ihre Einwirkung auf den Kreis Teltow- BeeSkow. Referent? Genosse P a u l H t r s ch- Charlottenburg. 4. Anträge. 6. Die Generalversammlung von Groß-Berlin und Wahl der Delegierten dazu. 6. Verschiedenes. Laut Statut ist jeder Wahlverein berechtigt drei Delegierte zn entsenden. Die Delegierten müssen mit Mandat versehen sein. Parteigenossen haben als Gäste Zutritt. 202/13 Der Vorstand. I. A.: W. Eberhardt. Sozialdemohratiseher Wahlverein fir de» Bezirk Hiehtenberg. DienStag, den 19. Juni 1906, abends pünktlich 8'/3 Uhr: General- Versammlung im großen Saale von Gebr. ArnholdS„Schwarzer Adler", Frankfurter Chaussee Nr. S/S. Tages-Ordnung: 1. Bericht deS Vorstandes. 2. Bericht deS 1. Kassierers. S. Bericht der örtlichen Kommissionen. 4. Neuwohl von Funktionären. 6. Wahl von Delegierten zur Kreis- Generalversammlung am 30. Juni. 6. Wahl von Delegierten zur Verbands- Generalversammlung am 29. Juli in Berlin. 7. Verschiedenes. Genossen I Wir halten es für selbstverständlich, daß jedeS einzelne Mit- glied zu dieser Versammlung erscheint. WM» Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.-MG 14/7__ Der Vorstand. Sozialdemokratischer VahlTerein fttr Schöneberg. DienStag, den 19. Juni, abends 8>/z Uhr, im Lokal von E. Obst: Idif glieder-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag:»Die Hausagrarier in der Kommune-. Reserent: Genosse B. Köter. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegcnheitcn. 4. Wahl der Delegierten zur jkreis-Generalversammlung. S. Verschiedenes. Am 24. Juni findet daS X7. Stiftungsfest in Obsts Festsälen statt. 15/11_ Der Torstand. Schöneberg Mittwoch, den 20. Juni 1906, abends 8>/, Uhr: Uolks- Uersammwng für Ma'lMer und Frauen im Saale des Herrn E. Obst. Meiiiingerstraste Nr. 8. » � TageS-Ordnung: 1. Vortrag über:„Die Gleichberechtigung der Menschen iu Theorie und Praxis". Referent Genosse A. Stürmer. 2. Diskusston. 3. Aussprache über die Raumverhältnisse unter Frauen» Bewegung im„Vorwärts-. 202/17 Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Vcrtrauensperson. Preise Dr. Simmel, JSffj7 Spczinlarzl für 110/9* Bant- und llarnlolden. 10—8, 6—7. Sonntag« 10—12, 8—4 MW. beliebige Deik» zahlung. Oloa Jacobson, S'ho. nr KU Stock- und Zelluloidorbeiter nontag, den 18. Juni 1906, abends /,6 Uhr: Branchen-Wepsammlung im„Englischen Garten"(oberer Saal), Alexanderstr. 27o. TageS-Ordnung: 1. Bortrag.(Referent wird in der Veriammlnng bekannt gegeben.) L. Berichterstattung vom Verbandstag. 3. Wertstattangelegenhett. 4. Bericht chiedStommijsion. 5. Verschiedenes. der Schn 87/8 Branche der Jalousiearbeiter. Donnerstag, den 21. Zuui, abends S1/, Uhr, im GewerkschaftShanse, bngel.Ufer 15(Saal 7) Branchen-Versammlung. TageZ-Ordnung: 1. Wahl des Obmannes und der Kommission. 2. Branchenangelegen- betten. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. ii Mitgliedsbuch legitimiert. Bautischler! Montag, den 18, Juni, abends 8 Uhr: Oertrauensmänner-Versammlung für sämtliche Bezirke im Gewerkschastshause, Eogel-Ufer 15(Saal 4). TageS-Ordnung: 1. Bericht von der Sitzung am 17. Mai zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern betreffend die strittigen Küchensenster. 2. Stellung der Kommission zur Wertzeugs, age. 3. Verschiedenes. MP* Kollegen I In dieser Versammlung kommen die Nachträge zum Tarif zur Austeilung, es ist daher Pflicht, daß jede Werkstatt vertreten ist. Der Branchenletter t Karl Reiche. Sie Wahl des Ausschusses in der Generalversammlung am 14. Juni hatte folgendes Ergebnis: Gewählt wurden: 1. Hubert Schmidt, 2. Hlldebrandt. 3. Kianghanuner. 1 Krtlger. 5. Rennau. 0. Richter. 7. Hammel. 8. Bock. 9. Jal. Schmidt. 10. Honln. 11.«elllng. Charlottenburg. Frauen- u.Hädchen-BildungsTerein Mittwoch, 20. Juni, abends S'/a Nhr, im LollShause, Rofincnstr. 3: Klitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: Vortrag von Herrn v.«lehel über: Wie entstand die Unterjochung der Frauen? 2. Diskusston. 8. Verschiedenes. Gäste, Männer und Frauen, willkommen. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet Der Borstand. Verband der Sattler. Ortöverwaltung ßerUn. Allen Kollegen zur Mitteilung, daß unsere allgemeinen Mitgliederversammlungen nicht mehr wie bisher in den Armin- hallen abgehalten werden, sondern in Zukunft in den Zentral- Festsälen, Alte Jakobstr. 32. Um späteren Irrtümern vorzubeugen, ersuchen wir die Kollegen, diese Abänderung in ihren Versammlungskalender einzutragen. Des weiteren ersuchen wir die Kollegen, der neuen Ein- richtungen wegen sämtliche Beitragsrückstände bis zum 1. Juli zu begleichen. Zur Erleichterung der Beitragszahlung wird das Bureau am Sonnabend, den 23. Juni, während der üblichen Geschäftszeit geöffnet bleiben. i"1"""" Treibrieinenbranek DeS Sommersestes wegen findet sie nächste Branchenversammlung am Donnerstag, den»l. Juni, bei Agthcn, Pflugstraste 5, statt. 157/7_ Die Ortsverwaltung. Achtung! chliing! Rohrer! �htuno! Verein der Rohrer Berlins u. Umgegend. Am Hontag, den 18. Jnnl 1900: Dampferpartie mit Jtfusik »ach Ranchfangswerder.——— Abfahrt?>/, Uhr von der Stralauerbrücke, an der Waisenbrücke(Dampfer- anlezestelle Kahnt u. Hertzer). Hierzu ladet sreundllchst ein �nS Komitee. NR Billetts sind in allen Zahlstellen zu haben._ 145/10 Ittnt ftubertusbaderstr. 8/10. Einzige* freie* Lokal im Grunewald. ES empfiehlt sich bestens 7ra« veno.?ew. Neu! Hochintereesanti Belehrend I Die Visitkarte des Verbrechers l sesselnder Projek- tions-Vortrag in C. Gabriels Volks-Museum sür Anatomie, - Pathologie, Samariterlehre, Bolkslranlheiten ic. tc. ca. 2000 Nummern. FrlcdrlchstraBe 118a. Nabe Oranienburger Tor. rtnin -Kalten 'Kommandanten-#* Straße 20. __ Tel.: Amt I 8985.— G'ls.,? ftfisält"Lr Theaterbühne, auch Sonnabende und Sonntage In diesem und Im nächsten Jahre srei. 15488* JBW" 8 VereinSzimmer. f Restaurant Lindenhof H L w Kot% K Prachtvoller Park mit lOOjähr. Uebers. Losgut| sehr blattig,'/i ümbL 85 Pf. 6 Hermann Heineke,| Brnnnenstr. 194. G ~ Roh-Tabak"! Deü-Decke Nr. 5604 a Pfd. M. 2.50, n. Länge Vollblatt. W. Hermann Müller, Berlin, Magazins tr. 14. 'll X: ps giebt irgend einen Unterschied in der Qualität aller £>4 türkischen Ligaretten. Wenn sie uns jede der mannigfaltigen Sorten bringen wurden, könnten wir Ihnen durch Vergleich mit Josetti-Cigaretten zeigen, in welcher besonderen Eigenschaft sie sich von einander unterscheiden. Einige sind zu stark; andere .dagegen zu leicht. Die Stärke des feinsten türkischen Tabaks,. welcher in der Herstellung von J OSETTI CIGAREXTEN ■"Verwendet wird, ist so vollkommen abgestimmt durch sachverständige Mischungen, dass diese Stärke zum auserlesensten köstlichsten Aroma wird. So vollkommen sind diese Mischungen, dass obwohl der volle Gehalt der Tabakblätter erhalten bleibt, Josetti*Cigaretten in angenehmer Milde unvergleichlich dastehen.. Josetti-Cigaretten stehen in der That halbwegs zwischen übertriebener Stärke und übertriebener Milde ■und stellen das Ergebnis langjähriger Bemühungen gerade den richtigen Punkt zu treffen dar. Dieser Punkt ist feine Qualität, die unterscheidende Eigentümlichkeit der Josetti-Cigaretten. Joselli Jooo 10 Sl. 20 Pfg0�-� Josetti Griseldis 10 St. 30 Pfg. Ä Du EuMqi ifokipbet Tabake Är Kolonie Rintgenhihe, ®tot. Buch, Olüiitflcntal, Zepernick, gesunde Hope Lage.idyll.Um- gebung. grosse Zukunft. Landparz. noch billig o. M. 10,00 s�Rute an. Verkäufer aus dem TerrainTNusk. erteilt «odenberg, kl. 28. siamlorstr. 38.* ßalvanophone -C sy_ 7. und btsierals IM _S �' r s' JS�Laden! J Ppenzlaüepsl:r.ff2 nHof Gelegen lielts-Kanf! Waoh baandeter Saison Pralaherabaetanngr bis an 331 01 3 0 Teppiche- Gardinen T Portieren T- pawia Steppdecken, Tisch- n. Olwen- deeken, Lluter- and MSbelstolla etc. Tepplcb- | Adler 1 | Königstrasse 20-21, Lmhbb a- ck. JtUdanstt'. Trinkt Original Milz- Brause. 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Fiirsorgeerziehnngs- Konferenz. Auf Einladung der Zentralstelle für Jugendfürsorge ist in Verlin eine Konferenz zusammengetreten, um die Erfahrungen auszutauschen, die bisher mit dem Fürsorgeerziehung s- g e s e tz gemacht worden sind, und über Aenderungcn zu beraten, die etwa vorzuschlagen wären. Diese Konferenz hat am Freitag und Eonnabend getagt. Unter den Teilnehmern waren zahlreiche Leiter von Erziehungsanstalten, Vorstände von Fürsorgcvereinen, Vertreter der Lehrerschaft sowie städtischer und staatlicher Behörden. Die Verhandlungen begannen mit einem Referat des Landes- ?ats Gerhard t(Berlin), der über das Thema sprach: Ist eine Senderung des Fürsorgeerziehungsgesetzes und der Armengesetzgebung nötig, um der Verwahrlosung unserer Jugend wirksamer entgegentreten zu können, als es bis •etzt geschieht? Dem Eifer, mit dem in der ersten Zeit nach In- lrafttreten des Fürsorgeerziehungsgcsetzcs Scharen von Kindern und Jugendlichen zur Fürsorgeerziehung überwiesen wurden, hat sehr bald eine Entscheidung des Kammergerichts einen Dämpfer aufgesetzt. Durch dieses Kammergcrichtsurteil wurden die K o m- m u n e n hingewiesen auf ihre Pflicht, bei einer durch Armut der Litern heraufbeschworenen Gefahr der Verwahrlosung der Kinder zunächst mal zu versuchen, ob nicht durch ein Mehr an Armenfürsorge die Gefahr abgewendet und die Fürsorge- «rziehung vermieden werden kann. Den Kommunen war das be- zreiflicherweise ganz und gar nicht angenehm, Weibs ihnen an den Gieldbeutel ging. Auch jene eifrigen Jugendfreunde, die schon vom Fürsorgeerziehungsgesetz allein alles Heil erwartet hatten und sich nicht genug tun konnten in Anträgen auf Ueberweisung zur Für- stirgeerziehung, waren nicht davon erbaut, daß ihnen ihr allzu für- iorgliches Handwerk erschwert wurde. Landesrat Gerhardt be- hauptete in seinem Referat, dah durch jene Rechtsprechung dcS Kammergerichts Schaden gestiftet worden sei. Trotzdem wollte er une Aenderung der Gesetzgebung einstweilen noch nicht empfehlen; dazu sei das Fürsorgeerziehungsgesetz noch zu jung. In der Diskussion wurde von mehreren Rednern empfohlen, schon jetzt eine Aenderung zu fordern. Stadtrat Münsterberg (Berlin) verteidigte die Berliner Armenverwaltung gegen den Ver- dacht, dah sie ihre Pflicht nicht getan habe, aber Amtsgerichtsrat Köhne(Berlin) wies aus den beim Vormundschafsgericht gemachten Erfahrungen nach, dah der Herr Stadtrat wieder einmal Schöw särberei getrieben hatte. Amtsgerichtsrat Kroner(Berlin) tadelte die besonders in der Lehrerschaft hervorgetretene Sucht, alles über den Leisten der Fürsorgeerziehung zu schlagen. Er warf der Lehrerschaft vor, sie wolle die ihr unbequemen Kinder nurloswerden und fordere deshalb weitestgehende Anwendung des Fürsorgeerziehungsgesetzes. Das rief den Berliner Gemeinde fchulrektor Kalischer auf den Plan, der für seine Abwehrrede natür- lich den stürmischen Beifall der Lehrer und Lehrerinnen erntete. Ein Beschluh wurde nicht gefaht; die Konferenz begnügte sich hier wie auch bei den folgenden Verhandlungsgegenständen mit einer blohen Aussprache. ES folgte ein Referat des Amtsgerichtsrats Köhne über die Frage, ob eine Aenderung des Verfahrens in Für- forgeerziehungssachen zu wünschen sei. Er bejahte diese Frage. Das heutige Verfahren sei viel zu langsam, es dauere in kleinen Städten 3— 4 Monate, in grohen ö— 8 Monate. So lange könne das Kind nicht in der Umgebung, von der die Gefahr der Verwahrlosung drohe, belassen werden. Da solle der Richter von dem Recht vorläufiger Unterbingung den weitesten Gebrauch machen, wobei natürlich Mihgriffe nicht zu vermeiden seien und mitunter ein Kind nachher wieder zurückgegeben werden müsse. Eine nicht geradezu schmeichelhafte Schilderung gab Köhne von der Mitwirkung des Schutzmannes, der bekanntlich alles kann und daher auch die geeignetste Persönlichkeit zur Erstattung der ersten Berichte über das angeblich fürsorgeerziehungsbedürftige Kind angesehen wird. Referent wünscht, daß das in Groß- städten meist übliche schriftliche Verfahren durch daS mündlich-e ersetzt werde. In der Debatte wurde der Schutzmann verteidigt durch den Assessor Lindenau, der als Vertreter des Berliner Polizeipräsidiums an der Konferenz teilnahm. Herr Lindenau hpb hervor, daß die Polizei mit den Jugendschutzsachen auch Frauen betraue. Ein Assessor Herrmann, der ein paar Jahre Vormundschaftsrichter für Weißensee und Lichtenberg gewesen ist, bezeichnete diese beiden Orte als die„verrottetsten" Vororte Berlins. Er will dort keine guten Erfahrungen gemacht haben. Welche Erfahrungen mögen die Bewohner Weitzensees und Lichtenbergs mit ihm gemacht Haben? Den Höhepunkt der Verhandlungen bildete der Vormittag des zweiten Tages, der einen sehr beachtenswerten Bortrag des Pastors Platz über die Forderungen, die an die A n st a I t s- b e z w. Familienerziehung zu stellen sind. Platz ist Direktor der .Erziehungsanstalt am Urban", die sich jetzt in Zehlendorf befindet, und hat dort ein Erziehungssystem eingeführt, wie man es bisher in solchen Anstalten nicht gekannt hat. Er verzichtet auf zefängnismätzigen Zwang, auf die Zuchtmittel «es Prügelns, der Fesselung, der Dunkelzellen usw., auf die wirtschaftliche Ausbeutung der Zög- l i n g e. Er erzieht seine Zöglinge nicht nur zur Arbeit, sondern auch zum rechten Gebrauch jugendlicher Lebensfreude. Für die Zwangserzieher alten Stiles ist das ein unfaßbarer Gedanke. Platz gab in seinem Vortrage eine anschauliche Schilderung des in seiner Anstalt geltenden Erziehungssystems, das dem individuellen wie kollektiven Selbstbetätigungsdrange der Zöglinge Rechnung trägt. Er forderte für die Anstalts- erziehung eine sorgfältigere Berücksichtigung der Individualität jedes einzelnen, vor allem auch der zahlreichen Minderwertigen, die sich unter den Verwahrlosten befinden. Nur unter normalen Ver- Hältnissen will er der Familienerziehung den Vorzug geben, doch verlangt er hier Uebcrwachung durch unabhängige Personen, die gegen jeden Mißbrauch und jede Vernachlässigung rücksichtslos ein- schreiten. Die Ausführungen des Direktors Platz wurden von einem Teil der Versammlung mit starkem Beifall aufgenommen, in den sich vernehmliches Zischen der Gegner mischte. Nach ihm sprach zunächst Direktor Müller, Leiter der Anstalt Marienhausen bei Atzmannshausen, dessen Vortrag als Korreferat galt. Müller beklagte, daß nur sehr wenig öffentliche Anstalten vorhanden sind und daß die zahlreichen privaten Anstalten sich oft mit Erziehern von minderer Qualität begnügen müssen. Für die Familienerziehung empfahl er, weder zu reiche noch zu arme Familien zu wählen, da die armen mangelhafte Pflege bieten und die reichen die Pfleglinge meist als Gesinde ver- wenden. In der Diskussion waren die einzelnen Redner bemüht, jeder sein Ideal des Fürsorgeerziehungssysteins zu zeichnen. Das Ideal des Pastors S e i f s e r t(Strautzberg) ist st r e n g st e B e- Handlung. Von der„konstitutionellen Verfassung", die Platz in seiner Anstalt den Zöglingen bewilligt hat. will Herr Seiffert, der Leiter des Strautzberger„Burschenheims", nichts hören. Wir wollen hier konstatieren, daß das„Burschenheim" zu Strautzberg zu denjenigen Anstalten gehört, über die uns schwere Klagen zu Qhrcn gekommen sind, während wiederholt Eltern von Fürsorge- zöglingen uns über die Anstalt des Herrn Platz mit dankbarer Anerkennung berichtet haben. Ein Bundesgenosse erstand Herrn Platz in dem Pastor Backhaus(Hannover), der aus seiner Anstalt bestätigte, daß auch für Fürsorgezöglinge— und selbst für Zöglinge in vorgeschrittenem Alter— eine Erziehung ohne Zwang möglich ist und Erfolg bringt. Aber, so fügte Backhaus hinzu, sie kostet Hingabe der ganzen Persönlichkeit, und eben das wollen die Jungen. Tie Wirkungen des Prügelsystems, wie es bei Herrn Selssert und SeinxFglejchen üblich ist, tvupdpn beleuchtet< durch eine Mitteilung des Sekretärs Gilweit vom„Verein Dienst an Arbeitslose", der oft mit entwichenen Fürsorgezöglingen zu tun kriegt. Als Gilweit eine dieser Prügeleien schilderte, wurden verschiedene der im Saale anwesenden Herrschaften sehr nervös und suchten ihn durch erregte Zwischenrufe zum Schweigen zu bringen. Die Anstalt, um die es sich handelte, wurde nicht genannt, aber ihr Leiter dürfte sich unter den Zuhörern befunden haben. Aus der Debatte verdient noch erwähnt zu werden ein Hinweis des Berliner Gemeindeschullehrers F r a u e n d i e n st auf die g e i st i g minderwertigen Kinder, für die bei ein- tretender Verwahrlosung besondere Anstalten nötig seien. Ihm stimmte bei der Pastor Buschmann, der jetzige Leiter des Magdalenenstiftes Teltow, der die Mißerfolge der Anstalts- erziehung wesentlich auf das Fehlen solcher Zwischenanstalten zurückführte. Der Nachmittag des zweiten Tages brachte noch ein Referat des Geheimrats C r u s i u s zur Frage der„Staatsaufsicht über Fürsorgeerziehungsanstalte n". Der Referent erklärte sich im wesentlichen einverstanden mit dem gegenwärtigen Zustand, während in der Diskussion gefordert wurde, R c v i s i o n s- kommissionen zu schaffen, die die einzige Aufsichtsinstanz bilden sollen. Dabei wurde empfohlen, auch Frauen in diese Kom- Missionen hineinzunehmen. Das Ergebnis der Konferenz wurde vom Vor- sitzenden Pfarrer von Soden in einem Abschiedswort dahin zu- sanimengefatzt, daß das Fürsorgeerziehungsgesetz nicht zu ändern, sondern nur besser anzu- wenden sei. Herr von Soden fügte hinzu, über den Aber- glauben an die Gewalt seien die Erzieher heute hinaus. Das war ein Kompliment, das leider nur ein Teil der Konferenzteilnehmer verdiente. Partei- �ngelegenbeiten. An die Parteigenossen von Berlin, Teltow-Beeskow, Niederbarnim, Potsdam-Osthavelland usw.! Zu der im Juli erscheinenden Lokalliste ersucht die Lokal- kommission, alle Aenderungen resp. Neuaufnahme» an die nach- verzeichneten Kommissionsmitglieder bis spätestens Dienstag, den 2 8. Juni er., gelangen zu lassen: Für den I. Wahlkreis an den Genossen Jakob Ege, Rotzstr. 23. Für den II. Wahlkreis an den Genossen Heinrich Schröder, Kreuz bergstratze 15. Für den Hl. Wahlkreis an den Genossen Karl König, Jahn- stratze 24. Für den IV. Wahlkreis an den Genossen Karl Rott, Straft mannstratze 29. Für den V. Wahlkreis an den Genossen Friedrich Rausch, Winsstrahe 12. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Richard Henschel, Wollinerstrahe 51. Für Teltow-Beeskow an den Genossen Karl Rohr, Rixdorf, Selchowerstr. 22, Quergb. III. Für Nieder-Barnim an den Genossen Robert Rieck, Rummels- bürg, Kantstr. 22. Für Potsdam- Osthavelland an den Genossen Karl Linz, Spandau, Mitlelstr. 13. Für alle übrigen Orte an den Obmann der Kommission. Wir ersuchen die Parteigenossen dringend, die Einsendung der Mitteilungen möglichst zu beschleunigen, damit wir in der Lage sind, eine Liste herausgeben zu können, die auch allen Anspruch auf Vollständigkeit machen kann. Alle nach dem 26. Juni einlaufende Mit teilungen können nicht mehr berücksichtigt werden. Bei dieser Gelegenheit weisen wir auch wiederum darauf hin, dah alle Zuschriften, Mitteilungen, Anftagen usw. stets durch die oben angegebenen Kommissionsmitglieder an den Obmann der Kommission zu richten sind und nicht, wie es leider noch sehr häufig geschieht, direkt an die Redaktion des„Vorwärts", da hierdurch nur unnötige Verzögerungen eintreten, welche eine eventl. Publikation der betreffenden Mitteilungen illusorisch machen können. Alle im Verbreitungsgebiet erscheinenden Parteiblätter werden um Abdruck gebeten. Der Obmann der Lokalkommisfton Richard Henschel. 11.28, Wollinersttatze 51 II. Zur Lokal-Liste. Am 19. Juni er. veranstaltet der Verein der Engros-Schlächtergesellen im Lokal„Hohcnzollerngarten", Lands- berger Allee, ein Vergnügen(Stiftungsfest). Wir machen darauf aufmerksam, daß genanntes Lokal der Arbeiterschaft nicht zur Ver- fügung steht. Die Lokalkommission. Charlottenburg. Wahlvcrein. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß am Dienstagabend 8'/3 Uhr die Wahlvereinsbersammlung statt- findet. Näheres in der Dienstag-Annonce. Der Vorstand. Charlottenburg. 4. Bezirk. Die Parteigenossen werden noch- mals auf den heutigen Besuch der Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt hingewiesen. Treffpunkt mittags 12Vz Uhr, im Bezirkslokal beim Genossen Dörre, Wallstr. 99. Abmarsch Punkt 1 Uhr. Die Partei- genossen der übrigen Bezirke sind hiermit eingeladen. Nach Be- sichtigung der Ausstellung gemütliches Beisammensein beim Genossen Georg Neumann, Fraunhoserstr. 13, Ecke Hertzstratze. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Der Bezirksleiter. Schöncberg. Die Versammlung des sozialdemokratischen Wahl- Vereins findet am 19. d. Mts., abends 8\/z Uhr, bei Ernst Obst, Meiningerstratze 8 statt. Die Tagesordnung lautet:„Die Haus- agrarier in der Kommune". Referent Genosse R. Küter. 2. Dis- kussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Die Wahl der Delegierten zur Kreis-Generalversanimlung. 5. Verschiedenes. Das 17. Stiftungsfest des Wahlvereins findet am 24. Juni im Lokal des Genossen E. Obst statt. Der Vorstand. Zehlendorf. Am heutigen Sonntag, nachmittags 3 Uhr, findet im Lokale des Genossen Rüter, Schlachtensee, Eitel Fritzstr. 12, eine öffentliche Versammlung mit Frauen statt. Auf der Tagesordnung steht das aktuelle Thema: Der Boykott des„Fürstcnhoss". Der Wichtigkeit der Tagesordnung entsprechend, wird auf einen Massen- besuch dieser Versammlung gerechnet. Am Dienstag, abends 8 Uhr, findet im Lokale von B. Mickley, Potsdamerstrahe 25, die Wahlvereinsversammlung statt. Auf der Tagesordnung steht ein Bortrag des Genossen Ed. Fuchs: Die Ge- schichte der Boykottbewegung. Auch hier ist es Pflicht aller Partei- genossen, anwesend zu sein und mit allen Mitteln kräftig für guten Besuch zu agitieren. Gäste willkommen! Britz-Buckow. Dienstag, den 19. Juni, abends'/e9 Uhr, Wahlvereinsversammlung im Lokale des Herrn Karl Schöneberg. Rudower- stratze 66. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Zubeil. 2. Diskussion. 3. Vereinsangclcgenheiten. ft. Ver- schiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen, auch der Frauen, ersucht Der Borstand. Grüna». Der Wahlverein hält am Dienstag, den 19. Juni. abends 8'/, Uhr, in der»Grünen Ecke' seine Mitgliederversammlung ab, in der Genosse Jakobsen über„DaS kommunistische Manifest' sprechen wird. Am 23. Juni hält der Gesangverein„Sangeslust", Grünau (M. d. A.-S.-B.), ein Sommernachtsfest im neuerbauten Saale des Wendenschlotz" ab. Da der Verein die Veranstaltungen der politischen und gewerkschaftlichen Vereine nach besten Kräften stets unterstützt hat, wäre es wünschenswert, wenn die Genossen, Freunde und Gönner durch recht zahlreiches Erscheinen diesen Verein beehren würden. Johannisthal. Am Dienstag, deu 19. Juni, abends 8l/a Uhr, findet im Lindenhof eine öffentliche Versammlung sämtlicher Ein- wohner des Ortes statt. Auf der Tagesordnung steht die Neuwahl des Gemeindevorstehers und die Gemeindevertretung. Freie Aus- spräche. Wir ersuchen die Genossen, sich zahlreich an dieser Versamm- lung zu beteiligen, da dieselbe von unserer Seite einberufen ist. Lichtenberg. Am Dienstag, den 19. Juni, abends 3Vz Uhr, findet im grohen Saale der Gebr. Arnhold die Generalversammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins statt. Die Wichtigkeit der Tagesordnung macht den Besuch dieser Versammlung zur un- bedingten Pflicht jedes Mitgliedes. Mitgliedsbuch ist zur Legitimatton erforderlich. Der Vorstand. Tcmpelhof. Dienstag, den 19. Juni bei M. Müller, Berliner- stratze 41/42, Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen W. Miethke über: Feuerbestattung. 2. Diskussion. 3. Ersatzwahl zum Vorstand und Wahl von Delegierten zur Kreis- Generalversammlung. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. Wir ersuchen die Genossen für regen Besuch dieser Versammlung zu agitieren. Gäste willkommen. Der Vorstand. Maricndors. Am Dienstag, den 19. Juni, abends um 8 Uhr, findet im Lokal des Herrn Borgfeld, Feldstratze 44, eine öffentliche Mitgliederversammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins für Mariendorf und Umgegend statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Kiesel über den politischen Massenstreik. 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten zur Kreis-Generalversammlung. 4. Wahl eines Parteispediteurs. 5. Aufnahme neuer Mitglieder. 6. Vereins- angelegenheiten und Verschiedenes. Gäste, Männer wie Frauen, haben Zutritt. Treptow- Baumschnlenweg. Dienstag, den 19. d. Mts., abends 9 Uhr, findet in Treptow im Lokale von P r e u tz, Neue Krug-Allec 89, eine autzerordentliche Generalversammlung des sozialdemokrattschen Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Statuten- beratung. 2. Anträge und Wahl der Delegierten zur Kreisgeneral- Versammlung und zur Generalversammlung von Grotz-Berlin. Parteigenossen I Sorgt nun dafür, daß auch diese Versammlung in Treptow gut besucht wird. Es ist Eure Pflicht! Der Vor st and. Wcißcnsec. Eine öffentliche Versammlung für Frauen und Männer findet am Dienstag, den 19. Juni, abends 8% Uhr, im „Prälaten", Lehderstr. 122, statt. Genosse Stürmer spricht über: Gleichberechtigung der Menschen in Theorie und Praxis. Frauen und Männer von Weitzensee sind zu dieser Versammlung dringend eingeladen und an die Genossinnen und Genossen ergeht die Bitte, für guten Besuch zu agitieren. Die Verttauensperson. Teltow. Der WahlvereinSborstand hat beschloffen, sämtliche Bierzelte auf dem Schützenplatz für organisierte Arbeiter zu sperren und ersucht die Arbeiterschaft um strenge Beachtung dieses Be- schlusses. ßerUrnr JVacbricbten* In der Landwirtschaftsausstellung. Eintritt 2 Mark und doch ein großes Gedränge an den Kassen während des ganzen Tages! Natürlich, wer's nicht dazu hat, braucht nicht hinzugehen. Und die es dazu haben, fiihlen sich wohler, wenn der„Plebs" fern bleibt. Welche Glückseligkeit auf den Gesichtern, alles schwimmt in Wonne >me die Mastschweine, ein Abglanz agrarischer Herrlichkeit! Die Tierausstellung zieht besonders stark die Besucher an. Da sind Hunde und Pferde, die gehätschelt und getätschelt werden. Staunenswerte Exemplare sieht man unter den Rindern. Mit großem Stolz zeigt der Züchter auf seine Pracht- bullen und stattlichen 5tühe. Nicht nur die Männer weilen da gern, auch die Damen ergötzen sich sehr und schreiten in großer Toilette durch die Gebäude, beschauen sich die fettglänzenden Rinder, greifen ttef in die dicke Wolle der Schafe oder klatschen mit Wollust auf das weißschimmernde Hinterteil der Mastschweine und lachen übermüttg dazu, wenn die Borstenttere ärgerlich grunzen. Ernster nehmen es die Männer, sie fühlen sich überall als Sachverständige und dis- pufferen in Dialekten, die alle Arten von Plattdeutsch sein können oder auch Russisch, Polnisch oder Böhmisch. Der Ber- liner läßt sich aber nicht leicht unterkriegen, er weiß doch schließlich alles besser. „Nu rede hier noch eene Seele von Fleischnot", metnte einer und blickte sich herausfordernd um; er glaubte einen guten Witz gemacht zu haben. In der Geflügelabteilung ging es auch lebhast her. Man war entzückt über die Keinen Mken, die in Massen aus den Brutmaschinen kommen. Man bewunderte die preisgekrönten Fettgänse und bedauerte, daß ihr Schicksal sei. gebraten zn'werden, und ließ sich dann selbst den Gänsebraten gut schmecken im Restaurant. Bei den Vorführungen im großen Ring, bei den Preis- reiten und Preisfahren amüsierte man sich prächttg.— Reich- haltig und interessant ist auch die Ausstellung von Maschinen und Geräten für den Ackerbau und landwirtschaftlichen Betrieb überhaupt. Wenn die Berliner Arbeiter durch diese Aus- stellung eine Wanderung unternehmen könnten, sie würden nicht nur einen reichen Genuß, sondern auch viel Belehrung und Anregung daraus ziehen können. Sie könnten durch eigene Anschauung auch erkennen, welcher Reichtum in der Landwirtschaft steckt. Die ganze Herrlichkeit dauert nur sechs Tage und während der letzten drei Tage ist der Eintrittspreis immerhin noch 1 M., und das ist zu teuer für den Arbeiter. Wohl haben einige Betriebe, die sich als Lieferanten land- wirtschaftlicher Maschinen der Landwirtschaft verpflichtet fühlen, für eine Anzahl Billetts für„ihre Arbeiter" gesorgt; Arbeitcrbillctts, die 30 Pf. kosten und durch den drei- m a l i g e n Aufdruck„Arbeiter" besonders gekennzeichnet sind. Im großen ganzen aber rechnet man weniger mit den Ar- bcitcrn, wenn man auch gern dieselben vor den agrarischen Wagen spannen möchte. In Frage kommen vor allem Jnteresscnkreise und die Leute, die für ein Vergnügen gut zu zahlen bereit sind. In Massen ind Fremde nach Berlin gekommen, um diese Ausstellung zu 'ehen, Gutsbesitzer und reiche Händler, Pferdekenner und In- teressenten, Leute mit groben Gesichtszügen und schweren Uhr- ketten und dicken Ringen an den Fingern, deren Herren Söhne in der Reichshauptstadt beim Militär stehen oder studieren und ehr viel Geld brauchen. Aber die Alten haben es dazu und wenn sie es nicht haben, dann jammern sie über die große Not der Landwirtschast, und dann mutz ihnen geholfen werden. Die Stadt als Erben. Der verstorbene Rentner Karl Emil Richard Schmidt, ein geborener Berliner, hat seiner Vaterstadt Berlin die Hälfte seines Rewnachlasses, der vom Testaments- Vollstrecker auf rund 2M 000 M. geschätzt wird, und außerdem 10 000 SW. für die Armen von Berlin vermacht. Die Hälfte des Reinnachlasses soll zum Bau eines Findelhanses oder zu ähnlichen Zwecken verwandt werden. Der Nachlaß besteht in dem schulden- freien Grundstück Jnvalidenstr. 3S/37, das einen Wert von 650 000 M. haben soll und innerhalb Jahresfrist verkauft werden kann. Die andere Hälfte des Nachlasses erhalten verschiedene Personen, die mit Legaten bedacht sind. Der Magistrat hat die Annahme des Vermächtnisses beschlossen und ersucht die Stadt- verordneteuversammlung um ihre Zustimmung, damit dasselbe zu- gunsten des Säuglingsheims in der Kürassierstraße der Schmidt- Gallisch-Stiftung verwandt werden kann, sobald die landesherrliche Genehmigung erteilt ist. Die geplante FleischvernichtungS- und BerwertungSanstalt der Stadt Berlin dürfte frühestens am 1. April 1808 fertig werden. Bis zu diesem Zeitpunkt wird wohl die alte Abdeckerei, die neue Maschinen erhalten wird, in der Müllerstraße verbleiben müssen. Der Minister des Innern hat seine Einwilligung zu einer Verlange- rung des Vertrages bereits erteilt. Nach statistischen Ermittelungen müssen jährlich 250 Tiere, die in den Straßen Berlins fallen, fort- geschafft werden, außerdem durchschnittlich etwa 80 Stück rotzkranke Pferde. Der jetzige Pächter der Abdeckerei verlangt nun, daß durch Ortsstatut der Preis für die Fortschaffung der Tiere von 6 M. auf 10 M. erhöht wird. Die Kosten hat der Tierhalter zu zahlen. Die neue Anstalt soll übrigens in eine ziemlich entfernte Ge- gend, weit ab von jeder menschlichen Wohnung, errichtet und mit den neuesten Einrichtungen, Maschinen usw. ausgestattet werden. Die Kosten sind um rund 500 000 M. höher als der erste Entwurf, der nicht genehmigt worden ist. Die Stadtverordneten Körte, Landau, Witkowski und Genossen haben der Stadtverordnetenversammlung folgenden Antrag unter- breitet:„Die Unterzeichneten beantragen:„Die Versammlung wolle den Magistrat ersuchen, für die dringend erforderliche Umgestaltung der Infektionsabteilung des Krankenhauses am Friedrichshain soviel Terrain von dem anstoßenden Park zur Verfügung zu stellen, wie erforderlich ist, um die notwendigen Bauten ohne baupolizeiliche AuSnahmebewilligungen dort errichten zu können". Die Kirche als Bollwerk des Staates. Ueber die Agitation zum Austritt aus der Landes- k i r ch e haben die Kreissynoden Berlins, die in diesem Jahre eine nach der anderen dieses heikle Thema zu erörtern hatten, sich in sehr verschiedner Weise geäußert. Neben der kecken Behauptung, daß die ganze Bewegung einen nenneswerten Erfolg bisher nicht gehabt habe und auch nicht haben werde, hörte man das offene Ge- ständnis, daß die Zähl der Austrittserklärungen ganz außerordent- lich gestiegen sei und immer weiter steige. Gegenüber der stolzen Versicherung, man verliere nichts an diesen Leuten, die ja längst mit der Kirche zerfallen seien, wurde die bittere Klage vorge- bracht, daß viele von ihnen wohl noch der Kirche erhalten werden könnten, wenn man sie nur richtig zu behandeln wüßte. Die richtige Behandlung erblickten die einen darin, daß entweder der Stadtmissionar oder der Pastor selber die Abtrünnigen durch freundliche Ueberredung umzustimmen suche, die anderen darin, daß man den verstockten Kirchenfeinden die Schrecknisse des Ver- lusteS der kirchlichen Rechte vor Augen stelle. Uebereinstimmung herrscht eigentlich nur in dem Grimm gegen die Sozialdemokratie, die diese schwere Bedrängnis für die Kirche herbeigeführt habe. Wie die Kirche sich zur Sozialdemokratie stellt, das kam schließlich noch auf der Kreisshnode Berlin III, die diesmal als letzte der Berliner Synoden zusammentrat, mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit zum Ausdruck. Der Ephoralbericht, der dieser Synode vorgelegt wurde, spricht von dem berüchtigten 21. Januar und erzählt, daß besonders seit diesem Tage, infolge„zügelloser" Agitation der Sozialdemokratie in allen Kirchenaemeinden zahlreiche Meldungen zum Austritt aus der Landeskirche eingegangen seien. Die Kirche solle zwar nicht nach StaatShülfe und Staatsschutz rufen, sondern sich selber helfen. Aber der Staat werde doch um seiner selbst willen sich die Frage vorlegen müssen, ob er nicht verpflichtet sei, dieser Agitation ent- gegenzutreten. Für die Sozialdemokratie sei der bloße Austritt aus der Kirchengemeinschaft ganz gewiß nicht der Endzweck. Sie empfinde es, daß die Kirche noch ein Bollwerk der staatserhaltenden Kräfte bilde und daß Monarchie und evangelische Kirche aufs engste miteinander verbunden seien. In der Agitation zum Austritt aus der Landeskirche liege die Auer- kennung, daß erst die evangelische Kirche vernichtet sein müsse und dann mit dem großen Kladderadatsch im Staatswesen begonnen werden könne. So der Ephoralbericht. Gegen diese seine Aus, führungen wurde von keiner Seite Widerspruch erhoben, nicht von den Orthodoxen und auch nicht von den Liberalen. Also nicht die Kirche bittet den Staat um Hülfe, sie gibt viel. mehr den Machthaber des Staates zu verstehen, daß der Staat aus die Hülfe der Kirche angewiesen sei; woraus dann von selber folgt, daß der Staat sich unklug der Hülfe beraubt, wenn er jetzt die Kirche schutzlos im Stich läßt. Gegen diese Beweisführung ist nicht« einzuwenden. Wir haben in der modern-christlichen Kirche nie etwas anderes gesehen als eine Schutzwchr für den Staat, für die Organisation der besitzenden und herrschenden Klasse. Es ist gut, daß das auch drüben einmal offen herausgesagt worden ist. Hier ist übrigens auch der Punkt, an dem die L» beraten mit den Orthodoxen zu, Iammenkommen. Sie wollen ein und dasselbe— einer wie er andere; Uneinigkeit herrscht da nur über das Wie; über den Weg, auf dem das Ziel erreicht werden soll,„dem Volke die Rcli, gion zu erhalten". Auf der Kreissynode Berlin III jammerte ein liberaler Pastor, den Sozialdemokraten seien die liberalen Pastoren ebenso verhaßt wie die orthodoxen und vielleicht sogar noch mehr als diese, weil sie(die Sozialdemokraten) wohl der Ansicht seien, daß die liberalen Pastoren noch eher al» die orthodoxen die Leute an die Kirche zu fesseln vermöchten. Dieser Ansicht sind doch vor allem die Liberalen selber, nicht wahr? Das ist ja ihr sehnlichster Wunsch, weil eben auch ihnen die Kirche nur ein Bollwerk für den Staat, für die besitzend« und herrschende Klasse gegen die be» sttzlose und unterdrückte Klasse ist. Nach dem Bayrlsch-Bier das Weißbier. In der Sitzung der Ver- treter der Weihblerbrauereien und der Gast- und Schankwirte von Berlin ist die Erhöhung der Preise für Weißbier von 7 Mk. auf 7,50 Ml. die Tonn« beschlossen worden und zwar gegen den Protest der Vertreter der Wirte. Eine groß» Ueberschwemmung ist vorgestern— infolge eines Dieb- stahls auf dem Grundstück Wichmannstr. 30 herbeigeführt worden. Dort hat«in Charlottenburger Architekt«inen Neubau errichten lassen, der schon wiederholt von Einbrechern heimgesucht worden war. Die Diebe hatten«» bei ihren nächtlichen Beutezügen auf Blei- röhre, Metallbeschläge usw. abgesehen. Als sie vorgestern wieder auf ihrer„Arbeitsstätte� erschienen, war die Wasserleitung bereits her- gestellt. Dies hinderte die Langfinger jedoch keineswegs, die Leitungshähne und Röhren zu stehlen. Ungeachtet der großen Wassermengen, die sich au« den Oeffnungen ergossen, schraubten sie die wertvollen Messingbestandteile ab und überließen den Bau seinem Schicksal. Bald war überall ein« große Ueberschwemmung herbeigeführt und der hierdurch entstandene Schaden ist ein recht be- trächtlicher. Schin wieder ein Opfer. DaS achtlose Fortwerfen von Kirsch« kernen auf der Straße hat vorgestern nachmittag wieder ein Opfer ge- fordert. An der Ecke der Thomas- und Bergstraße trat die 58jährige Eheftau Medier, Bergstraße 54 wohnhost, aus einen Kirschstein, glitt aus und zog sich bei dem Sturze einen Bruch des linken Unter- schenkelS zu. D«r von Dresden nach Berlin übergeführte, vielfacher Morde be- schuldigte Dittrich ist von einer Gerichtskommisston am Freitag- nachmittag nach Zeuthen gebracht worden, um an Ort und Stell« bis KrhepMgen wegen des Mordes gn der PföMersfrgu ZMxm fortzusetzen. Er zeigte sich mit der Oertlichkeit genau vertraut und führte die gerichtliche Kommission ohne viel Besinnen an den Ort, wo er den Mord verübt hat. Er zeigte auch genau den Weg. den er nach der Mordtat auf dem Rückwege eingeschlagen hatte. In einem Bache wusch er sich die blutigen Hände, reinigte das Mordwerkzeug, ein gewöhnliches Messer, und suchte aus seiner Kleidung jede verdächtige Blutspur zu entfernen. Die sehr eingehen- den Mitteilungen Dittrichs deckten sich fast vollständig mit dem Ergebnisse der seinerzeitigen polizeilichen Erhebungen. Nach der Besichtigung wurde Dittrich in das Gemeindehaus gebracht, wo das Protokoll aufgenommen wurde. Von Zeuthen ging die Ge- richtskommission mit dem Mörder gleich nach E i ch w a l d e, um dort den Ort zu besichtigen, an welchem Dittrich die Schiffersfrau G r a tz n i ck ermordet hat. Die Stelle, an der er die Frau Graßnick am 28. März 1900 ermordet und beraubt hatte, zeigte er der Ge- richtskommission sofort, nachdem er sie vorher genau beschrieben hatte. Er erläuterte auch in vollster Uebereinstimmung mit den Protokollen, wie die Leiche gelegen und wohin er die Pantoffeln der Frau gestellt hatte. Nach der Besichtigung führte Dittrich ebenso wie in Zeuthen die Kommission die Wege entlang, die er nach Verübung der Tat zurückgelegt und die er zum Teile auch schon im Untersuchungsgefängnis aufgezeichnet hatte. Er zeigte auch den Tümpel, in den er das Portemonnaie der Frau Gratznick hinein- geworfen hatte.— Dittrich ist nach Verübung des Mordes von einem Manne gesehen worden, mit dem er gestern konfrontiert wurde und der ihn auch sofort erkannte. Es erscheint also nunmehr nach den eigenen Angaben Dittrichs gewiß, daß man in ihm den Mörder der Frauen der Schurm und Graßnick zu erblicken hat. Dittrich hat übrigens nicht nur diese beiden Mordtaten wieder zugegeben, sondern auch das Geständnis bezüglich jener weiteren sieben Mordtaten wiederholt, zu denen er sich aus eigenem Antriebe in Dresden bekannt hat. In den nächsten Tagen wird er wieder nach Dresden übergeführt werden., Gegen dir geplante Lustbarkeitssteuer hat sich auch der Berein der Saalbesitzer in seiner letzten Versammlung gewendet. Von allen Seiten wurde hervorgehoben, daß eine solche Steuer die Saalbesitzer auf das empfindlichste schädigen würde. Schon jetzt müßten bei Lustbarkeiten auf 100 Quadratmeter Saalfläche bis 11 Uhr nachts 2 M. Steuern und über 11 Uhr hinaus 4 M. entrichtet werden. Es sei deshalb dringend notwendig, daß die Verhältnisse in einer Denkschrift klargelegt und diese dem Magistrat und den einzelnen Stadtverordneten überreicht würde. Die Versammlung beschloß dementsprechend. Besondere Ausstelluiigslimen zum Besuche der Landwirtschaftlichen Ausstellung richtet die Große Berliner Straßenbahn am Sonntag ein. Die Wagen tragen am Stirnschild die Bezeichnung: Deutsche Landwirtschaftliche Ausstellung. Schon am Sonnabend verkehrten einzelne dieser Wagen, z. B. Zoologischer Garten-Ausstellung. Für Sonntag sind folgende Ausstellungslinien vorgesehen: Linie 24, von 1,00 Uhr an ab Nettelbeckplatz, 40 von 1,00 Uhr an ab Ramler- straße, 74 von 7,01 an ab Königstor, 72 von 9,06 an äb Prenzlauer Allee, 51 15 von 12,30 an ab Stettiner Bahnhof, I, und E von 1,00 an ab Bahnhof Zoologischer Garten. Diese Linien verkehren neben den fahrplanmäßigen alle 15 Minuten. Ferner werden die Linien 87 Treptow-�Schöneberg, 88 Schlestsche Brücke— Friedenau. 60 Weißen- see— Friedenau und 61 Weißensee— Schöneberg vollständig fahrplan- mäßig in Abständen von je 7'/2 Minuten bis zur Ausstellung durch- geführt. Eine AuSstellungSlinie ohne Nummer wird endlich ein- gerichtet ab Spittelmarkt in Abständen von 15 Minuten. Die Aus» stellungSwagen ergänzen sich mit den fahrplanmäßigen zu einem ununterbrochenen Betrieb, der geeignet ist, den stärksten Anforderungen zu genügen. Auch für Montag und Dienstag find umfassende Ver- stärkungen, Ausstellungswagen usw. zur Aufnahme deS zu erwartenden großen Verkehrs nach der Ausstellung vorgesehen. Genosse Bebel ersucht uns zu erklären, daß die von der Deutschen igarettenfabrik in Charlottenburg zum Verkauf gebrachte sogenannte ebel-Zigarette diese Bezeichnung ohne seine Zustimmung führe. Er erklärt weiter, daß er bisher in allen Fällen, in denen er ersucht wurde zuzustimmen, daß gewisse Gegenstände mit seinem Namen be- legt würden, dieses abgelehnt habe, auch dann, wenn man das An- erbieten machte, einen gewissen Teil des Reinertrages der Partei- lasse zu überweisen. Wenn trotzdem vielfach hinter seinem Rücken sein Name mißbraucht werde, um Gegenstände mit demselben zu bezeichnen, so trage die Anmaßung der betreffenden Fabrikanten die Schuld. Schadenersatz für verlorene Automatengelder. Eine Neuerung hat jetzt die kgl. Eisenbahnverwaltung eingeführt. Bekanntlich kommt es recht häufig vor, daß die auf den Bahnhöfen aufgestellten Fahr- karten-Automaten nicht funktionieren und vergeblich rütteln die Fahr- gäste an den Apparaten, um zu den Billet» oder wenigstens wieder zu ihrem Beide zu kommen. Die Eisenbahnverwaltung erstattet jetzt die Gelder wieder zurück. Auf vorgedruckten Formularen muß die betreffende Person die Personalien niederschreiben, damit die Schalter- beamten einen bestimmten Anhalt haben. Die Erstattung de? Betrages, den ein nickt funktionierender Automat aufnimmt, ist nicht mehr wie recht und billig und hätte schon längst ersetzt werden müssen. Welche Umstände werden aber in Zukunft gemacht werden, um zu diesem Betrage wieder zu gelangen? Bei dem BureaukratiSmus unserer Eisenbahnverwaltung fürchten wir, daß man sich mehr versäumt und Scherereien macht, ehe man zu seinem Rechte gelangt. Ein schwerer Automobilunfall, bei welchem fiinf Personen verletzt wurden, ereignete sich vorgestern nachmittag in der Nähe deS Machnower Chausseehauses. In schnellem Tempo jagte das einem hiesigen Kauf« mann gehörige Automobil über die Chaussee hinweg und der Chauffeur achtete in der Nähe des Chausseehauses nicht darauf, daß der Fahr- dämm plötzlich frisch aufgeschüttet war. Der Kraftwagen überschlug sich infolgedessen und die Insassen wurden herausgeschleudert. Zwei derselben zogen sich bei dem Sturz schwere Verletzungen zu. während der Chauffeur und zwei weitere Personen mit Kontusionen am Kopf und an den Beinen davonkamen. Die beiden Schwerverletzten muhten in das Kreiskrankenhaus gebracht werden. Verbotene Pücklerverfammlung. Zu Freitag abend wutde durch Berteilen von Flugblättern und durch Säulenanschlag zu einer neuen Pücklerverfammlung nach den Zentral-Jestsälen in der Alten Jakybstraße eingeladen. Die der Einladung gefolgten Anhänger und Neugierige fanden aber bei ihrer Ankunft da« Lokal ge. schlössen und polizeilich besetzt. Ein Plakat zeigt« gn, daß die Versammlung nicht stattfinven dürfe. Ein großer Automobilbrand rief gestern abend in der Belle, vuestraße 13 berechtigte Aufregung hervor. Al» der Chauffeur Merten ein dort untergestelltes Automobil zur Fahrt bereit machte und die Vorderkurbel andrehte, erfolgte eine heftige Explosion, und im Nu stand da» ganze Fahrzeug in Flammen. Der schnell herbei- gerufenen Feuerwehr gelang es in kurzer Zeit mit zwei Schlauch- leitungem die bedrohten Gebäude zu schützen und den Brand ab- zuläschen. Das wertvolle Automobil, das dem Rittergutsbesitzer Richard Israel gehörte, brannte bis auf seine Eisenteile vollständig nieder. Der Chauffeur Merten wurde bei der Explosion durch den Luftdruck gegen eine Wand geschleudert, kam aber glücklicherweise ohne erhebliche Verletzungen davon. Ueber die Ursache der Explo« sion gehen die Meinungen noch auseinander. Bei der Arbelt verunglückt ist am Freitag der Tischler Rinder. mann in der Maschinenfabrik von Flohr in der Chausscestrahe. R. war damit beschäftigt gewesen, Bretter nach der in der vierten Etage liegenden Tischlerei zu schaffen, und da diese Bretter später wieder weitergeschasft werden sollten, blieb gar keine Zeit Übrig. dieselben erst regelrecht aufzustapeln. Plötzlich fiel em Hausen Bretter und Bohlen um und begruben den Tlschler Rindermann unter sich. Sosort eilten hülfsbereite Kollegen hinzu und befreiten den R. au« seiner Lage. Er hatte ein Bein gebrochen und auch wohl innere Verletzungen davongetragen. Die erste Hülfe wurde dem Bedauernswerten auf der UsfÄlftatwo zuteil. Der Unfall soll der über alle Maßen in diesem Betriebe herrschenden Antreiberei geschuldet sein. Unterhaltungsliteratur. Allseitiger Beliebtheit erfreuen sich die vom Verlage der Buchhandlung Vorwärts in Berlin heraus- gegebenen„In Freien Stunden". Mit den in den nächsten Wochen zur Ausgabe gelangenden Heften 25 und 26 schließt der Roman von Hall Caine,„Ter verlorene Sohn" ab. Die Hefte bilden dann, schön gebunden(Einbanddecken liefert jede Parteibuchhandlung in Leinen 0,50 M.. in Halbfranz 1 M.) eine wertvolle Bereicherung der Bibliothek, weshalb wir jedem Arbeiter, jedem Familienvater, allen Vereinen und Gewerkschaften empfehlen, diese billige und gute Unterhaltungsschrist dauernd zu abonnieren. Noch jetzt kan, der Halbjahresband in Heften von Nr. 1 an bezogen werden. Ebenfalls werden schon setzt Bestellungen auf die gediegen ge- bundenen Bände(in Leinenband 3,50 M., in Halbfranzband 4 M.)> entgegen genommen. Lieferung des Werkes übernimmt jede Parteibuchhandlung, jeder Kolporteur und Zeitungsausträger. Auch nimmt die Buchhandlung Vorwärts direkte Bestellungen ent, gegen. Auf der„Trcptom-Sierttnmrte" spricht Herr Direktor Archenhol! am S o n n t a g, den 17. Juni, nachmittags 5 Uhr, in einem mi: zahlreichen Lichtbildern ausgestatteten Vortrage über:„Das groß- Fernrohr der„Treptow-Sternwarte" und um 7 Uhr über:«Das astronomische Museum der Treptow-Sternwarte". Das Thema füi den Montagvortrag abends 9 Uhr lautet:„Planetenartige Begleite, im Kosmos." Außerdem findet am Dienstag, den 19. Juni, abends 7 Uhr ein Vortrag über:„Die Bewohnbarkeit der Welten" statt Mit dem großen Refraktor werden während der ganzen Woche nach- mittags„Sonne" oder„BenuS". abends interessante.Sternhaufen' beobachtet. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Montagabend 9 Uhr: 2. Abteilung Brunnenstr. 154, Vortrag über Verletzungen, Wundbehandlung, Blut- stillung. Daran anschließend praktische Uebungen. Neue Mitgliede, können noch eintreten. Heute nachmittag Ausflug nach Nieder- Schönhausen. Treffpunkt 3 Uhr Restaurant Settekorn, Lindenstr. 1 Vorort- J�acbricbtetis Rixdorf. Stadtverordnetenversammlung. Nur wenige, dafür aber umst wichtigere Punkte standen auf der Tagesordnung. Gleich den erster Platz nahm die Besetzung der neuen Stadtratsstclle ein. In der Reihen der bürgerlichen Stadtverordneten scheint diesmal du Agitation für den einen oder anderen Bewerber ganz besonders lebhaft gewesen zu sein. Hat doch selbst einer der Herren die wohl- vorbereitete Erholungsreise aufgeschoben, um seinem HerzenSkandidater zum Siege zu verhelfen. Umsonst I Es hat nicht sollen sein l DaS wie immer geschlossene Vorgehen der sozialdemokratischen Fraktion hat offenbar manche Hoffnungen zuschanden gemacht. Wenigstens hatte es den Anschein, alS ob nach Feststellung des Resultats die Geschäftsführung des Herrn Borstehers etwas ins Stocken geriet— ob aus Ueberraschung: wer weiß es? I Gewählt wurde mit 25 gegen 10 Stimmen der MagistratSastessor Dr. Glücksmann aus Breslau. Wie das neue Magistratsmitglied seine Pflichten in der Arbeiterstadt Rixdorf auffassen wird, bleibt abzuwarten. Zuin soundsovielten Male sollten serner die Proteste von Krämerseelen und JnnunaSzöpfen gegen die Einrichtung des Sonn- abendniarkteS tn der Schinkestraße die Zeit des SiadtparlamentS mißbrauchen. Und die bürgerliche Mehrheit scheint die Attentats« gelüste der Herren Mittclstandsretter auf die Gewerbefreiheit noch immer nicht satt zu haben, denn sonst hätte die bereits erledigte Sache nicht nochmals aufleben und gar vertagt werden können. Hoffentlich sind die Rixdorf« Stadtväl« Manns genug, ar. ihrem ersten Beschluß festzuhalten. In nicht öffentlicher Sitzung wurde für den 12. Schiedsmanns- bezirk Sekretär Niekamp als SchtedSmannS-Stellvertreter gewählt. Beim Punkt„Angelegenheiten des zweiten RicselguteS" gab es recht heftige Ausemanoersetzungen zwischen Stadtverordneten und dem Magistratsvertreter wegen de« bezüglichen Vertrages und de» Verhandlungen mit der Gemeinde Britz. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag gegen 8 Uhr in der Paimierstraße in Rixdorf. Die dort in de» Janserstraße 8 wohnende Frau des Tischlers W. hatte mit ihrem fünfjährigen Töchterchen Elisabeth einen Straßenbahnwagen de, Linie 94 benutzt, den sie in der Paimierstraße an der Haltestell, an der Weserstraße verließ. Frau W. ging hinter dem haltender Wagen herum und blieb an der Hinterplattsorm desselben stehen um einen aus entgegengesetzter Richtung kommenden Straßenbahnwagen derselben Linie vorbeifahren zu lassen. Das Kind hatte sich jedoch von der Hand der Mutter losgemacht und lief unmittelbar vor dem Motorwagen auf die Schienen. Obwohl der Fahrer sofort die Gefahrbremse anwandte, konnte er doch nicht verhindern, daß das Mädchen unter den Waggon geriet und sein Oberkörper unte: dem Schutzrahmen festgeklemmt wurde. Um die Kleine zu befreien. mußte der Wagen mittel« Winden hochgehoben werden. Wie der ir. der Nähe der Unfallstelle wohnende, sofort herbeigerufene Arzt fest- stellte, hatte die Kleine schwere innere Verletzungen erlitten. Sie wurde nach Anlegung eines Notverbandes„ach dem städtischen Krankcnhause an der Canner Chaussee übergeführt. Die Tragödie eines junge» Ehepaares rief gestern in Rixdorj große« Aufsehen hervor. In der Hermannstr. 232 versuchte der Arbeiter Bruno Hoffmann seine erst Ll jährige Ehefrau Luise sowie sein etwa 2 jähriges Tächterchen zu«schießen. Entsetzt rief die Be- drohte um Hülfe und als daraufhin Nachbarn erschienen, ksnnte H. an seinem Borhaben gehindert werden. Anderen Personen gegen- über äußerte er aber, er werde Frau und Kind doch noch erschießen. Weifiensee. An einem verschluckten Zehnpfennigstück gestorben. Ueber ein trauriges Vorkommnis, welches zu großer Vorsicht gegenüber den Kindern mahnt, wird uns aus Weißensee berichtot. DaS dreijährige Söhnchen des Küsters Verrin von der Bethanienkirche, Gäblerstr. 4Sb wohnhaft, hatte vor wenigen Tagen mit einem Zehnpfennigstück gespielt und dabei die Münze verschluckt. Der Kleine wurde nach dem Auguste-Viktoria-Krankenyause gebracht, wo das Geldstück gestern durch operativen Eingriff entfernt werden sollte. Das bedauernS- werte Kind war jedoch nicht mehr zu retten;«S mußte an den schweren Folgen sterben. Lichtenberg. Kinderspiele. Unter Leitung»Ines Mitgliedes der freien Turner« schaft Stralau-RummelSburg, Abteilung Lichtenberg, finden Kinder- spiele für Kinder von 4 bis 14 Jahren an den fünf Fcrien-Sonn- tagen, vom 10. Juli bis lg. August, auf dem Spielplatz de« Herrn Giersch, Frankfurter Chaussee 129, von vormittags 8—1 Uhr statt. Treffpunkt'/4 8 Uhr an folgenden Sammelplätzen: 1. Frankfurt« Allee, Ecke Blumenthalstraße; 2. Frankfurter Chaussee, Ecke Gürtel- straße. Rege Beteiligung erwünscht. Anftagen sind an Karl Hoff- mann, 0. 112. Blumenthalstr. 7, zu richten. RummelSburg. von einer Tür erschlagen wurde gestern nachmittag der vier- jährige Sohn der DSzalkaschen Eheleute in der Wilhelmstraße in RummelSburg. Der Knabe spielte auf dem Hofe und kam dabei gegen eine zur Vornahme einer Reparatur auf den Hof gestellte, schräg gegen die Wand gelehnte Tür. Diese fiel um und begrub da« Kind unter sich,«l« Hausbewohner den Knaben von der schweren Last befreiten, war eS leider bereit» zu spät. DaS Kind hatte einen Schädelbruch erlitten, dem es erlegen war. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Ober-Tchöneweide. Gemeindevertretung. Der Antrag auf Errichtung eine« G e, werbe, und KaufmannsgerichteS lag der Vertretung zum so und so dielten Male vor. An dem Widerstande der Ver- treter der Fabrikanten scheiterte bisher die Verwirklichung. Auch diesmal wurde der Antrag von Herrn Heegewaldt bekämpft, allerdings in einer Art und Weise, die nur ihm vorbehalten blieb. Das Gewerbegericht sei nur Mittel zum Zweck, und werde nur gefordert, damit die Unzufriedenheit geschürt würde; einem Einigungsamte eines solchen Gerichtes würden sich die hiesigen Fabrikanten nie stellen; im übrigen würden die Fabrikarbciterausschüsse alle Differenzen regeln. Vom Genossen Grunow wurde dem Vertreter des Kühne- männerverbandes klar gemacht, daß die Maßnahmen diese? Verbandes vom Reichsgericht längst als gegen die g u t e n Sitten verstoßend bezeichnet worden sind. Das Schüren der Un» Zufriedenheit gegen solche Tatsachen werde allerdings eifrig be- trieben. Arbeiterausschüsse seien tatsächlich nur Ausschuß- wäre unter solchem Protektorat. Der Antrag wurde auf Vor- schlag des Vorstehers wegen Anschlußverhandlungen mit Nachbar» orten vertagt. Entgegen einem früheren Beschlüsse, die katholische Schule im 3. Schulbau unterzubringen, wird die Schule in der Frischenstraßc hierzu bestimmt. Mitgeteilt wurde noch, daß für die gesperrte Holzbrücke über die Spree seitens der Kreise ein Neubau geplant wird. Groß- Lichterfelde. Der Wahlverein Groß-Lichterfelde wählte in seiner Versammlung als Delegierte zur Kreis-Generalversammlung die Genossen E i S n e r, Wenzel und Ziege Zu einer lebhasten Aussprache führten die infolge der Maifeier-Aussperrung des Allgemeinen ElektrizitStS- Gesellschaftswerles zwischen Partei und Gewerkschaft entstandenen Differenzen und die Gründung eines neuen Metallarbeiter-Berbandes durch den Genossen Wiesenthal. Alle Redner mit einer einzigen Ausnahme sprechen sich dahin aus, daß die Partei alle auf Zer- splitterung der Arbeiterbewegung abzielenden Bestrebungen bekämpfen müsse. Das Borgeben des Genossen Wiesenthal verstoße gegen die Parteigrundsätze. In einer Resolution, die gegen eine Stimme angenommen wurde, gab die Versammlung dieser Meinung Ausdruck und beauftragte ihre Delegierten, evenwell in diesem Sinne Stellung zu nehmen. Nieder- Schönhausen. Seltsame Todesursachen. Ein eigenartiger Unglücksfall hat sich gestern in Nieder-Schönhausen zugetragen. Als der Inspektor Kähne, vom Dienst kommend, seine Wohnung betrat, fand er seine Wirtschafterin, Frau Löwener, im Bett liegend schwer röchelnd bor. Er rief eiligst einen Arzt herbei, welcher jedoch nur noch den bereits eingetretenen Tod der Frau konstatieren konnte. Die Untersuchung ergab, daß der Wirtschafterin beim Schlafen ein künstliches Gebiß tief in den Rachen geglitten war und den Tod der Frau durch Ersticken herbeigeführt hatte.— Der zweite eigenartige Todesfall wird aus W e i h e n s e e gemeldet. Das dreijährige Söhnchen des Küsters der Bethanienkirche hatte mit Geldstücken gespielt und dabei ein Zehnpfennrgstück verschluckt. Der Kleine wurde sofort nach dem Auguste» ViktoOac/KrankenhauS geschafft, wo zur Operation geschritten werden mußte. Das Kind konnte die Folgen der Operation aber nicht ertragen und verstarb gestern nachmittag. Spandau. Die Sammellisten für die ausgesperrten Lithographen und Steindrucker sind bei dem Kassierer des Spandauer Gewerkschafts- kartell, dem Genossen Hermann Reinert, Ackerstrah« S7. ö Treppen, in Empfang zu nehmen. Das Gewerkschaftskartell für Spandau. NowaweS. In der letzten Sitzung des Wahlvereins teilte Gen. Brühl mit. daß am 22. Juli das Sommerfest des Kreises in Steglitz Die hiesige Holzorbeiterorganisation hat unserem Verein jv M. für Bibliothekzwecke überwiesen. Genosse t. Juli sein Amt als Kassierer eines öllner erklärt, daß er am ugenleiden» wegen nieder» 13. legen muß; eine Neuwahl soll in nächster Versammlung erfolgen.— Zu der Kreis-Generalversammlung wurden die Gen. Skurl, Otto Hoffmann und Herm. Lange als Delegierte gewählt.— Unter „Kommunale Angelegenheiten" gab Gen. Gruhl einen detaillierten Bericht der letzten Gemeindevertretersttzungen, der von der Versamm- sammlung mit Interesse verfolgt wurde.— Zur Aufnahme hatten sich 21 Genossen gemeldet. Potsdam. der am r t e i. organtfatton für d t e Provinz Branoenourg und den hierzu vorliegenden Statutenentwürfen von Groß-Berlin und Brandenburg-Westhavelland. Der Vorsitzende begründete die Zweck- Mäßigkeit der Zentralisierung der bisher nur lose zusammen- hängenden Wahlvereine. Genosse S t a a b bringt die beiden Statutentwürfe zur Verlesung und weist die prinzipiellen Unter- schiede eingehend nach. Diese fielen zuungunsten der Provinz aus, da die Berliner mit ihrem bereits bestehenden Verband von Groß- Berlin gegenüber der neuen Provinzorganffation«ine Sonder« stellung einnehmen wollten. Das fei nicht rtchttg. In den B e- zirksverband für die Provinz Brandenburg gehöre auch Berlin. Selbstverständlich würde dadurch die Aktionsfähigkeit Grotz-BerlinS als polltische Zentrale durchaus nicht tangiert. Aber die Provinz müsse auch ht»„gleiches Recht für alle" beanspruchen. Der Redner sp aus, daß es den über das Statut möglich fein werde, eine Form zu Wünsche der Provinz unter Berücksichtigung der Berliner Verhält- nisse erfüllt. In der Diskussion erklärten sich die Redner mit den Ausführungen des Vorsitzenden einverstanden. Gen. Wesen- berg führte auS, daß ihm die von Berlin vorgeschlagene Organi- sationsform wie eine Bevormundung der Provinz vorkomme. Dazu liege keine Veranlassung vor. Um so weniger, als Berlin durch seine günstige wirtschaftliche und politische Lage schon an und für sich ein bedeutendes Uebergewicht besitze. Der Vorstand wurde schließlich beauftragt, die zutage getretene einstimmige Meinung der Versammlung der zuständigen Stelle mitzuteilen. Hierauf wurde die eigenartige politische Agitation der„unpolitischen" Kriegervereine einer scharfen Kritik unterzogen. Nach dem bekannten Rezept des„Reichsver- bandes" versuchen Kriegervereinsführer jetzt ihre„Leute", die sich der Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organi- sation nicht länger verschließen konnten, mit allen erlaubten und noch mehr anderen„Mitteln" aus den„sozialdemokratischen" Ver- bänden zu lotsen, um sie als Zwangsmitglieder der hier seit kurzem vegetierenden„Christlichen Gewerkschaft" zuzuführen. Wir werden aber dafür sorgen, daß die schmutzigen Praktiken der politischen Hochstapler in der zweiten Residenzstadt genügend bekannt werden, um den Kriegervereinsmitgliedern, soweit sie noch zu den denkenden und anständigen Menschen gehören, die eigen- artige„Arbeiterfreundlichkeit" solcher„Führer! zu zeigen. Wüßte man nicht, daß die Herren im„bunten Rock" eine besondere„Ehre" und die Träger der schwarzen Kirchenuniform eine besondere „Moral" haben, so wären die versuchten Schiebungen dieses „christlich-nationalen" Zweibundes schlechterdings nicht möglich. So aber ist es verständlich, daß den hiesigen Machern des„Reichs- Verbandes" die Jesuitenpraxis schon als selbstverständlich gilt. Zum Schluß dieser interessanten Sitzung wurde noch auf den Austritt aus der Landeskirche hingewiesen und dt». Bibliothekverhältnisse einer Besprechung unterzogen. Zwecks Reorganisation derselben wird beschlossen, die Bibliothek während des Monats Juli zu schließen. Oeflentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be, Nutzung für jedermann, LlV., Alexandrincnstr. 2S. Geöffnet täglich von 6*/,—10 Ubr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3— S Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit bis Zeitungen und Zeitschrtsten jeder Art und Richtung auS. Lese- und Diskutierklud„Wilhelm Liebknecht�. Montag, den 18. d. M., bei Heinrich Krüger, Lychenerstr. 8: Wanderversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Biidungöbeswebunaen des Proletariats". Referent: Genosse A. Zacher. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Gäste willkommen. Deutscher Arveiter- Abstinenten- Bund. Ortsgruppe Berlin. den 18. Juni, abends'1,9 Uhr, im Restaurant„Zum roten Meer": Vortrag deS Genossen Kreplin über:„Unsere Ideale". Diskussion. Gruppen angelegcnheiten. Gäste willkommen-�����M�MMM�M��� Bereit» der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins und Umgegend. Abteilung VII- Montag, den 18. Juni: Mitgliederversammlung. Wichtige Tagesordnung. Gäste willkommen. Vermischtes. Eiseniahnunfall. Koblenz, IS. Juni. Oberhalb deS Güter. bahnhofeS Oberlahnstein stießen gestern nachmittag S Uhr drei beim Rangieren entgleiste Güterwagen diS Tragepfeiler der Straßenüber- fllhruiig Oberlahnstein-Braubach um. Die Brücke stürzte ein, wodurch beide Gleise gesperrt sind. Die rechtsrheinischen Schnellzüge werden linlörheinisch geleitet. Die AbröumungSarbeiten werden erschwert, da die ganze zusammengestürzte Brücke demontiert werden muß. Menschen sind nicht verunglückt. Vor heute nachmittag wird kein Gleis frei. Theater v.(Marwitz- Oper.) Sonntag nachmitlag 8 Uhr: Martha. Abend«! Der Trompeter von SälNngen. Montag: Die Afrikanerin. Dienstag! Zar und Zimmermann. Mittwoch- Rigoletto. Donnerstag: Der Trompeter von säkkingen. Freitag: Martha. Sonn» abend: Der Freischütz. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Trompeter von Sälkingen. Abends: Die Asnkanerm. Montag: Rigoletto. Schillrr-Xheater Sl. sFriedrich-Wilhelmstädtisches Theater.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Flachsmann als Erzieher. Abends: Hetratsluftig. Montag und folgende Tage: Heiratslustig._, Berliner Theater. Sonntag: Donna Diana. Montag: Sapvho. Dienstag: Eleklra. Iphigenie aus Tauris. Mittwoch: Sappho. Donnerstag: Donna Diana. Freitag: Fedora. Sonnabend: Cymbelin. Sonntag; Fedora. Montag: Cymbelin..... � Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Unverschämte. Hille Lobbe. Abends: Em idealer Gatte. Montag bis Sonnabend: Die- selbe Vorstellung. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Unverschämte. Hille Bobbe. Abends und Montag: Ein idealer Gatte. Lustspielhaus. Vom Sonntag bis aus weiteres täglich: Die Ver- lobung bei der Laterne. DaS Fest der Handwerker. Nenes Theater. Sonntag und folgende Tage: Orpheus in der Unterwelt._,„ Komische Oper. Sonntag und die folgenden Tage: HvsfmannS Carl Weist-Theater. Sonnlag, Montag, Dienstag und Mittwoch: Der Weg des Märtyrers. Donnerstag und die folgenden Tage: Sündige Liebe. Zeutral-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Zig-unerbaron. Abends: Nanon. Montag, Dienstag und Mittwoch: Dtesewe Vor» stelluug. Donnerstag: Der lustige Krieg. Freitag: Nanon. Sonnabend: Der lustig- Krieg. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der ZIgmnerbaron. Abends: Der lustige Krieg. Montag: Nanon. Thalia-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Bis früh um Fünfe. Abends: Hochparterre links. Montag und die folgenden Tage: Hoch« parterre links.„ Bclle-Alliance-Thcatcr. Allabendlich: Abends nach Neune. Apollo-Theater. Allabendlich: DaS blaue Bild. Spezialitäten. Passage• Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Uranta-Theater. Taubenstratze 48/19. Sonntag biZ Sonnabend! Dt» jüngste Ausbruch des Vesuv. Wintergarten. Spezialltäten. Rcichshallen> Theater. Stettiner Sänger. Metropol'Theater. Aul— in» Metropoll Erzählung- Carl i Briefkasten der Bedaktion. B. A. 8. St- sind zum vollen Schadenersatz verpflichtet, wenn der Richter annimmt, datz der Schaden durch Vernachlässigung der Aufsichts- Pflicht entstanden sei.— M. W. 100. 1. Eine Klage müsite erst aus Rück- kehr gerichtet werde». L. Ja. 3. Sie hätten weiter zu zahlen. 4. Rückgabe der Sachen können Sie verlangen.— R.®, 100, 1. Ohne Einsicht in das Urteil oder den Vergleich ist eine Beantwortung Ihrer Frage un» möglich. 2. Swafbarkeit liegt nicht vor.— Eharlottenburg. M. Nein. Berliner Marktpreise. AuS dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direltion. Rindfleisch la 64-68 pr. 100 Psnnd, IIa 54-64, lila 60-53, IVa 44-50, engl. Bullen- 0,00, dän. Bullen- 0,00, Holl. Bullen. 0,00. Kalbfleisch. Doppelländer 105-120, la 85-90, IIa 70—80, ma 60-68. Hammelfleisch la 72—77, IIa 64—70. Schweinefleisch 62—68. Kaninchen per Stück 0,60. Hühner, alte, Stück 1,75—3,00, junge, per Stück 0,80—1,10. Tauben, junge 0,45—0,43, alte 0,37—0,41. Enten, prima, per Stück 2—2,65, Hamburger, junge, per Stück 2,00—3,25. Mänsc, junge, per Psd. 0.55—0,67, per Stück 3,00 biS 4.90. Hechte 104-110. Schleie 91-110. Bleie 00-00. Aale, groß 124—134, mittel 113— 117, klein 0,00, unsort. 88— 1U, Plötze» 0,00. Flundern, pomm. I, p. Schock 3,00—9,00. Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel, per Kiste 2—4, do. klein, per Kiste 0,00. Bücklinge, Holl, per Wall 0,00. Kieler 2,00—5,00, Stralsunder 6—6. Aale, groß, p. Psd. 1,10-1,30, mittel 0,80—1.00. kl. 0.50 bis 0,60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 0,00, Elb- per Kiste 0,00. Sardellen, 1902 er, per Anker 82,00, 1904er 30,00, 1905er 00,00, Schottlsche Vollheringe 1905 0,00, larxv 40-44, kuU. 36—38. wock, 35-42. deutsche 37—44. Heringo, neue Maises, per To. 60—120. Hummern, IIa, 100 Psd. 0,00. Krebse, per Schock, große 19—70, mittel 23,50—25, klein« 7—8, unsortiert 18,50—18,00. Eier, Land-, per Schock 3,30—3,40, frische 0,00. Butter per 100 Pfund. la 109-112, IIa 102-109, INa 100-102, ab- lallend« 95— 100. Saure Gurken, Schock 3.75—4,25 M., Pseflergurken 4—4,25 M. Kartoffeln per 100 Psd. was», von. 2,40—2,60, rote Dabersche 2,40, runde weiße 2,40, Malta 0,00, Sommer- Malta t 0—11,50, franz. 0,00, ltal. 4,50-7,00, ung. 8,50-4,60. Spinat, per 100 Psd. 16—18, Karotten 2 bis 3,50. Kohlrabi, per Schock 1.00-1,2». Rettia. bahr., per Schock 2,40-4,80. Rhabarber, Hamb., per 100 Bd. 4—4,50. Radieschen, per Schockh,»rau,-,«i |l slügel in. Restnuratton, Destillation, im Milchgeschäft. ult. 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