Nr. 18d. Bbonnements-Bcdingungcn: «BonncmcntS> PrciZ prünumeranlo! Lierleljährl. 3.Z0 MI., monatl, 1,10 MI,, wöchenllich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 3 Pfg, Sonntags. wunmcr mit illusiriertcr Sonntags. Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfa. Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS. BrciSIiste. Unter Kreuzband für Drulfchland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PoftabonnenientS nehmen an: Belgien, Dänemark. Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. S3. Jahrg. CridKlnt täglich auBtr tnontaai. Verlinev VolkSblakk. Die Tnfertlons'GebQltr Beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Raum b0 Pfg., für politisch« und gewerkschaftliche Bereins- und Vcrsammlungs. 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Aus dem Königreich Sachsen läßt sie sich schreiben: „Im Anschluß an die Berliner Ausstellung von Heim- arbeiten, auf welcher die traurigen Lohnverhältnisse bei dieser gewerblichen Tätigkeit klar zum Ausdruck gebracht wurden, ist von der Reichsregierung eine Kommission mit Erhebungen über die Lage der Heimarbeiter und zur Ausarbeitung von Ver- besserungsvorschlägcn eingesetzt worden. Die Herren Kom- missionsmitgliedcr haben inzwischen u. a. auch das sächsische Erz- gebirge, einen der Hauptsitze der Hausindustrie, besucht und mit Geistlichen, Lehrern, Bezirksärzten, Fabrikanten und anderen Sachkundigen eingehend die Frage erörtert, auf welche Weise man den industriellen Heimarbeitern zu einer Verbesserung ihrer traurigen Lage verhelfen könne. Es ist das ja alles ganz gut und schön, aber ich muß sehr stark bezweifeln, ob dabei ein praktischer Erfolg herauskommen wird. Eine wirklich wirksame Besserung könnte aber andererseits sehr leicht herbeigeführt werden, wenn sich diese so sehr beklagten Leute oder ihre Nachkommen- schaft von Jugend auf dazu verstehen wollten, bei uns Landwirten in Arbeit zu treten. Der Arbeiter- mangel ist hier zurzeit ganz besonders groß, namentlich weib- liche Arbeitskräste sind fast gar nicht mehr zu erhalten, trotzdem die Löhne für Mägde schon auf 24l) bis 300 M. neben völlig freier Wohnung und guter reichlicher Verpflegung gestiegen sind. Wäre es nicht zweckmäßiger gewesen, wenn die Herren der Unter- suchungskommission den notleidenden Heimarbeite- rinnen den Rat gegeben hätten, sich der gesunden, gut gelohnten Landarbeit zuzuwenden, anstatt in ihren meist dumpfen, ungesunden Wohnungen so schlecht bezahlte Heimarbeit für die Spielwaren- und Tabakindustrie zu verrichten oder Spitzen zu klöppeln usw., wobei sie dahinsiechen und in großer Zahl der Schwindsucht zum Opfer fallen?" Die Zuschrift beklagt alsdann, daß die Landwirte„ver- gebens nach den notwendigsten Arbeitskräften Umschau halten und froh sind, wenn sie wenigstens einige vielfach z e r- lumpt ankommende(!) Ausländer mit großen Kosten herbeischaffen können," und behauptet, daß eine Besse- rung für beide Teile(Landwirte und Heimarbeiter) leicht wäre, wenn letztere sich der Landwirtschaft zuwenden wollten. In einer redaktionellen Schlußnotiz stimmt die„D, T." den Ansichten des Einsenders durchaus bei, bezweifelt aber,„daß irgend ein diesbezüglicher Rat bei den industriellen Heim- arbeitern Gehör und Nachachtung finden würde. Diese Leute werden leider nach wie vor lieber als Heimarbeiter hungern und an der Schwindsucht sterben, als als gut genährte und entlohnte Landarbeiter leben wollen." Unsere Agrarier sind praktische Leute ohne störende schöne Gefühle: das grauenhafte Elend der Heimarbeiter löst bei ihnen nichts weiter aus als den Wunsch, es zum eigenen Vorteil zu benutzen, Profit daraus zu ziehen. Im übrigen enthält, rein inhaltlich genommen, die obige agrarische Aus- lassung nichts neues- An Hunderten von Beispielen haben wir ebensogut wie zahlreiche andere Parteiblätter nachge- wiesen, wie es mit der„gesunden, gutbelohnten Landarbeit" und mit den„gut genährten" Landarbeitern in Wirklichkeit bestellt ist. Eine Wiederholung dieser Beweise erübrigt sich, denn unsere Genossen wissen Bescheid und die„Deutsche Tageszeitung" nebst ihrer Gefolgschaft-- weiß ebenfalls Bescheid und wird von ihren falschen Behauptungen deswegen doch nicht ablassen. Indessen wird zu gleicher Zeit ein Aufruf veröffentlicht. den ein ruthenisches Auswanderungskomitee erlassen haben soll und der sich wie folgt an die ruthenischen Landarbeiter wendet: „Statt bei den polnischen Gutsherren für einen elenden Lohn zu fronden, möge jeder Ruthene, der Arbeit sucht, nach Deutschland gehen, wo er gut bezahlt und als freier Mensch behandelt wird. Das Komitee kann 1000 00 Ruthenen Arbeit in Deutschland verschaffen, und wer kein Reisegeld hat, wird auf Kosten des Komitees bis zum Arbeitsort befördert. Wer nur über den Sommer in Deutschland arbeitet, bringt sicherlich einige hundert Kronen als Ersparnis nach Hause." Gegen diese geradezu planmäßige Irreführung der Oeffcntlichkeit erscheint es uns angebracht, mitzuteilen nicht etwa, was Sozialdemokraten, sondern was konservative M ä n n e r, die es mit der Wahrheit ernst nehmen, über die wirkliche Lage der Landarbeiter in Deutschland festgestellt haben. Zur Reichstagswahl 1903 ist ein kleines Werk erschienen. das sich betitelt:„Landwirtschaft und Sozial- demokratie" von Herr mann Köhler zu Nieder- lößnitz bei Dresden. Ueber den Zweck der Schrift läßt der Verfasser keinen Zweifel. Er schreibt im Vorwort: „Auf die Landagitation sind alle Anstrengungen der sozial- demokratischen Partei gerichtet. Material und Ge. brauchsanweisung zu liefern zur Abwehr, ist der Zweck der Schrift..." � „Am liebsten würde ich die Schrift in den Händen von Geist. lichen und Lehrern auf dem Lande, besonders aber gebildeter Landwirte sehen, denen die Pflicht obliegt, der Einwirkung sozialdemokratischer Agitation aus Gesinde. Tagelöhner und kleine Besitzer entgegenzutreten..." Sozialdemokratischer Neigungen wird der Verfasser hier- nach wohl schwerlich geziehen werden können, wie denn auch der zweite Teil seiner Schrift, der insbesondere das Tatsachen- Llllterial enthält, den anheimelnden Untertitel führt:«Die sozialdemokratische Landagitation und ihr sittlich anstößiger Charakter."— Jedennoch, die Hoffnung des Herrn Köhler, sein Buch würde in der konservativen und agrarischen Wahl- agitation reichliche Verwendung finden, hat sich nicht erfüllt. So sehr wir auch spähten und blickten— im ganzen Wahlkampf des Jahres 1903 und selbst späterhin haben wir in der konservativen Presse noch nicht einmal den Namen des Buches erwähnt gefunden und auch sonst von seiner Verwendung nichts gespürt. Ein Wunder ist das nicht. Wendet man sich dem Inhalt des Buches zu, so versteht man leicht, weshalb die Konserva- tiven und Agrarier allen Anlaß hatten, seine Existenz mög- lichst zu verheimlichen. Mag nämlich Herr Köhler durch Schlußfolgerungen und Urteile noch so sehr die Sozialdemo- kratie in Grund und Boden„beweisen", so enthält das Buch doch außer diesen seinen persönlichen Meinungsäußerungen auch T a t s a che n, und zwar gerade d i e' Tatsachen, welche unsere Ordnungsstützen im Interesse der Staatserhaltung stets wegzuleugnen bemüht sind. So z. B.(Seite 55—57) erbost sich der Verfasser über die„Verhetzung", welche die sozialdemokratischen Blätter an- geblich treiben, indem sie die bei den Agrariern üblichen B e- schimpfungen der Arbeiter aufzählen. Und am Schluß bemerkt er ganz harmlos: «Gleichwohl mutz ich, um der Wahrheit die Ehre zu geben, hinzufügen: Es fehlt den sozialistischen Schriftstellern, die sich mit ländlichen Angelegenheiten befassen, doch meistens an gründ- lichcr Kenntnis und Erfahrung. Derartige Verzeich- nisse würden sich aus dem Sprachschatz un- serer Landwirte mit Leichtigkeit vervoll- ständigen lassen. Aber es ist, wenn auch des Guten mit- unter zu viel geschieht, allermeist nicht so böse gemeint, wie es klingt. Der Landwirt läßt sich nicht gern das Recht nehmen, sich dann und wann mit seinen Leuten auszusprechen, und— sie �erstehen einander." Wie hieß es doch oben? In Deutschland wird der Land- arbeiter„als freier Mensch behandelt". Herr Köhler aber weiß, daß es„der Landwirt" liebt, sich mit„seinen" Leuten „auszusprechen". Das genügt vollständig. Wir sind über- zeugt, nicht nur die Landarbeiter, sondern jeder vernünftige Mensch wird das richtig verstehen-— Doch weiter. Auf Seite 59 heißt es: „So findet sich z. B. im„Ostpreutz. Landboten" 1S01 Nr. 1 ein zwischen einem Gutsbesitzer(folgt genauer Name und Adresse) und seinen Arbeitern geschlossener Arbeitsvertrag, der allerdings mit Recht die Ueberschrift trägt:„Ein richtiger Sklaven- vertrag." Maßt sich doch der Arbeitgeber darin die volle un- beschränkte und ausschließliche Verfügung an über die Arbeits- kraft von Mann, Weib und Kind, die nur noch willenlose Ma- schinen in seiner Hand sind." „Unter der Rubrik:„Die Not der Gutsbesitzer" bringt der „Ostpreutz. Landbote" vom 1. Januar 1902 eine Schilderung von der glänzenden Einweihung eines neuen Konzertsaales im Schlosse Kapkeim des notleidenden Rittergutsbesitzers Heubach. Dem prächtigen Bilde wird sofort ein anderes gegenübergestellt, nämlich das der Arbeiter desselben Herrn, die ihm davonlaufen, weil das Essen, das er ihnen liefert, ungenießbar ist." „An anderer Stelle wieder desselben Blattes(1901 Nr. 14) wird mit Behagen die allerdings etwas lange Speise- und Weinkarte vom Stiftungsfest des Landwirtschaftlichen Vereins Zoppot von der Ochsenschwanzsuppe bis zum Käse und vom Zeltinger bis zum Sekt abgedruckt.. Man muß gestehen,� es ist etwas absonderlich, der- artige Dinge zur Agitation gegen die Sozialdemokratie verwenden zu wollen. Immerhin sind das nur Einzelheiten. Doch auch was der konservative Verfasser über die Gesamt- läge des deutschen Landarbeiters anführt, ist höchst lesenswert. Zum Beispiel: (Seite 75)„Auf Grund unanfechtbarer Berichte können sich Leute, die nicht von vornherein für die Interessen des Groß- grundbcsitzcs eingenommen und ihnen zu Liebe Bedürfnisse und Rechte des arbeitenden Standes zu unterschätzen geneigt sind. der Erkenntnis nicht verschließen, daß selbst in den gesegneten Provinzen Schleswig-Holstein, Hannover, Sachsen wie in Braun- schweig, Anhalt usw. die Landarbeiter zu nicht ge- r i n g e m Teil ein klägliches Dasein fristen." Es wird dann mitgeteilt, daß die berühmten Mediziner von Voit und von Pettcnkofer festgestellt haben, was zur täglichen Ernährung eines erwachsenen Menschen aller- mindestens nötig ist, und weiter heißt es, daß dies bei den Tagelöhnern selten zu finden sein wird: „Nicht einmal bei den Arbeitern der unter Verwaltung der königlichen Ansiedelungskommission in Posen stehenden Güter, wo laut Küchenzettel vom 26. März 1900 für die TageS- nahrung eines Mannes ganze 40 Pfennige an- gesetzt sind, während das Voit-Pettenkofersche Menü, dem das kaiserliche Gesundheitsamt im„Gesundhcitsbüchlein"(Berlin 1895) ausdrücklich zustimmt, unter 60 Pfennig nicht zu beschaffen ist. Welche Tagelöhncrfamilie aber, die nur von der Hände Arbeit lebt, kann solche Summen für die Ernährung aufwenden! Die Höhe des„ortsüblichen Tagelohnes",... der den ganzen Verdienst in Geld und Naturalbezügen umfaßt, steigt nur ganz ausnahmsweise, z. B. im bremischen Landgebiet, über 3 M.. während er in Ostpreußen, Posen, Schlesien an einzelnen Stellen für männliche Arbeiter auf eine Mark, für weibliche auf 55 Pf. herabsinkt. Für Kinder beläuft sich der Durchschnitt etwa auf die Hälfte. Erwägt man, daß auf die Mitarbeit der Frauen und Kinder nicht immer zu rechnen ist, so wird bei einer Zahl von 250 bis 300 Arbeitstagen die Annahme, daß unter normalen Ver- Hältnissen ein Tagelöhner mit Frau und drei bis vier Kindern über eine Gesamtjahreseinnahme von 500 bis 750 M. zu ver- fügen hat, durchschnittlich wohl zutreffen. Dann kann aber von vollwertiger Ernährung gar keine Rede sein... Was nach Ab- zug der Kosten für Kleidung, Schule usw, zum Ausipänd für Essen und Trinken noch übrig bleibt, ist leicht nachzurechnen. Zeiten langer Krankheit und Arbeitslosigkeit dürfen nicht vor- kommen, sonst nimmt das Elend überhand." In der Tat, die Rechnung ist einfach: zum bloßen nackten Sattessen sind für eine Familie von Mann, Frau und drei Kindern(die Kinder zu 30 Pf. gerechnet, was sicherlich zu mäßig ist) täglich 2,10 M., d. h. im Jahre 766,50 M. erforder- lich. Das gesamte Einkommen beträgt aber, hoch ge- rechnet, 750 M. Wie stimmt das wohl mit den dreisten Be- hauptungen der„Deutschen Tageszeitung"?— Nebenbei wirft das auch ein scharfes Licht auf die Lage der städtischen Arbeiter. Wir möchten selbst in der Stadt den Arbeiter sehen, der bloß für Essen und Trinken 766 M. jährlich aufzuwenden imstande ist! Aber weiter, immer weiter. Auf Seite 77 lesen wir: „Von allen Nöten auf dem Lande die schwerste ist die Wohnungsnot. Die Zustände, wie sie z. B. durch die so- genannte Pastorenenquete aufgedeckt sind, spotten aller An- forderungcn der Hygiene(Gesundheit) und Sittlichkeit, von Komfort(Behaglichkeit) und Aesthetik(Schönheit) ganz ab- gesehen, in empörendster Weise... auch das letztere(das Bild ländlicher Wohnungsnot) dankt seine unheimlichen Züge zum großen Teil dem Geiz, der Menschcnverachtung und Rücksichtslosigkeit... Solche Notstände aber bilden für die. sozialdemokratische Agitation eine unerschöpfliche Fund- grübe und geben ihr eine gewisse sittliche Berechtigung. An haarsträubenden Beispielen von Wohnungen oder vielmehr Höhlen und Ruinen, die auf dem Lande armen, besonders alten Leuten zur Benutzung überwiesen werden, ist kein Mangel, auch nicht an solchen zeitweiser vollständiger Obdachlosigkeit.... ... Seit dem(Wort des Kaisers über den Viehstall und die Arbeiterwohnungen in Cadinen) kommt nun(in der sozial» demokratischen Landagitation) das Thema„Arbeiterwohnungcn und Schweineställe" vollends nicht zur Ruhe. Und ich wieder- hole: mit vollem Recht." Hiermit ist eigentlich alles zugegeben, was die bösen Sozialdemokraten über die Lage des Landarbeiters jemals behauptet haben. Und auch das„väterliche" Verhalten de» Gutsherrn zu„seinen" Leuten muß nach Herrn Köhlers Er- fahrungen sonderbar aussehen. Sonst würde er sich wohl nicht(S. 98—99) zu folgendem beweglichen Appell veran- laßt sehen: „Gebt und verbürgt dem Landarbeiter durch nicht ermüdende aufrichtige Fürsorge die Hoffnung auf bessere Zeiten,... helft ihm zu einer menschenwürdigen Wohnung, nehmt euch in Krank- heit seiner wie seiner Familie kräftiger an, gewährt ihm bei der Arbeit sorgsameren Schutz für Leben und Gesundheit, vor allem aber macht ihn frei von dem drückenden Bewußtsein, ein Arbeiter zweiter Klasse und dem Industriearbeiter nicht gleichberechtigt zu sein. Dann wird er Zölle und indirekte Steuern leicht ver- schmerzen(!) und dann wird es der Landwirtschaft an willigen Arbeitern nicht fehlen. Die Leutenot wird schwinden in dem Maße wie auf feiten der Arbeitgeber daS Verständnis zunimmt für die Not der Leute, und zwar nicht bloß die materielle, sondern die vielleicht noch schwerer drückende soziale." Wie ist uns denn? Wird nicht in der agrarischen Presse fort und fort behauptet, daß auf dem Lande, dank der patriarchalischen Fürsorge der Gutsherren, die Arbeiter ge- wissermaßen zur Familie gehören und daß für sie gesorgt werde wie für die eigenen Kinder? Wird nicht gerade dies immer als Beweis dafür angeführt, daß die Aufhebung der Gesinde- ordnung und des Landarbeitergesetzes von 1854 nicht nötig sei? Und nun muß ein konservativer Schriftsteller sich mit so beweglichen Worten an die„gnädigen Herren" wenden, um sie zu bitten, das alles erst einzusühren? Da muß es doch wohl bis jetzt noch nicht bestehen! Und also erweisen sich auch hier die agrarischen Behauptungen als Schwindel- An der Hand der hier angeführten Tatsachen aus einem konservativen Buche kann man ermessen, welche Dreistigkeit dazu gehört, solche Aufrufe zu erlassen, wie die eingangs er- wähnten. Nicht ein Wort davon ist wahr, und die Behauptung von der„gesunden, gut gelohnten Landarbeit" erweist sich als ein frecher Hohn auf die Arbeiter und zugleich als eine nichtswürdige Menschenfalle für ausländische Arbeiter. Die Revolution in Rntzland. Bialystok. Allmählich lichtet sich das Dunkel, das noch immer über den Greueln von Bialystok lagert. Man darf sich nichts darauf ein» bilden, vorhergesehen und vorausgesagt zu haben, daß die offiziell» offiziösen Darstellungen erstunken und erlogen waren. Nun stellt es sich unwiderleglich heraus, daß die Behörde» schon vier Tage vor dem Judenschlachten davon Kenntnis hatten, daß etwas im Anzüge sei. In geradezu klassischer Weise tritt das in einem Schreiben her» vor, das ein Berliner von einem seiner Geschäftsfreunde erhielt und das die„Voss. Ztg." zu veröffentlichen in der Lage ist. ES lautet: „Bialystok, 14. Juni. Während ich diese Zeilen schreibe, be» finden sich mehrere Freunde in meinem Hause, die zu mir ge- kommen sind, um sich vor dem Feinde zu verbergen. Als am Montag der Polizeimeister und ein Polizist am lichten Tage aus der Straße ermordet wurden, entstand daS Gerücht, daß die Polizei eine Rache dafür vorbereite, und daß nnnmrhr Plünderungen bei den Juden erfolgen werden. Der Offizier, der mit mir in demselben Hause wohnt, hat sogar der Wirtin gester» angeraten, Bialystok für den heutigen Tag zu verlassen. Heute ist Gründonnerstag, und die Christen werden in kirchlicher Prozession durch die Straßen ziehen. Während der Prozrssion soll jemand einen Schuß abgeben, und das soll dann daS Zeichen zur Plünderung sein. Daß wufften wir schon vorgestern, und jetzt hören wir, datz der Plan bereits ausgeführt ist, daß schon viele Menschen tot auf den Straßen liegen und daß die jüdischen Ge- schäfte eben jetzt geplündert werden. AuS den Fenstern unserer Wohnung sehen wir Christen mit kleinen Paketen, wohl geraubte Waren enthaltend, vorbeigehen, Nachschrift vom 16, Juni, 6 Uhr morgens: Die ganze Nacht hindurch hörten wir viele Schüsse. Christen werden in die Stadt hineingelassen, Juden dürfen sich nicht auf der Straße zeigen. Die ganze Lindenstraße ist zerstört. Es waren nicht mehr als etwa hundert Plünderer an der Arbeit. Uebernll, wo sie zu plündern begonnen, bewachte» die Soldaten das HmiS ringsum mit schußbereitem Gewehr und drohte» jeden, der den Juden Hülfe bringen wollte, zu erschießen oder mit den Bajonetten nieder- zustechen. Christen wurden überall von der Wache durchgelassen, damit noch mehr Pöbel sich an der Plünderung beteilige. Sechzehn Kompagnie» Militär verhindern die jüdische Sclbstwchr an der Verteidigung. Nachts war ein Brand in der Stadt zu sehen, es regnete aber so stark, daß der Brand dadurch gelöscht wurde. Wie man sagt, war der Gouverneur gestern hier und erklärte, daß die Hetze drei Tage lang dauern werde. Die meiste» Toten sind Opfer der Soldaten." Daß in der Hitze des„Gefechts" auch viele Christen ihr Leben lassen mußten, versteht sich am Rande. Die Anzahl der Toten ist noch nicht festgestellt: Angaben und Schätzungen schwanken zwischen 50 und 60011 Daß die Berichterstattung über die Schmach von Bialystok wieder einmal in echt russischer Weise funktioniert hat, geht am besten aus folgendem Telegramm vom Sonntag hervor: Der Gouverneur von Grodno erließ heute eine Bekanntmachnna, in der die gestrige von der Petersburger Telegraphen-Agentur als offiziell bezeichnete Depesche, welche in gehässigster' Weise die Nachricht verbreitete, daß die Ausschreitungen der jüdischen Be- völkerung den Progrom in Bialhstok veranlaßt hatten, absolut erlogen jei. Der Gouverneur erklärt, daß die beiden religiösen Prozessionen, die eine der Katholiken, die andere der Orthodoxen ungestört verlief, daß dabei kein Geistlicher und kein Kind, wie behauptet wurde, Schaden gelitten hätte. Minister S t o l y p i n gab heute auf eine an ihn gerichtete Anfrage zu, er wisse nicht einmal, von wem jene erlogene ossizielle Darstellung ausgegangen sei. Aber auch er müsse jene offizielle Depesche als erlogen bezeichnen. Dieser geheimnisvolle Ursprung der offiziellen Depesche über- engt unsere politischen Kreise davon, daß auch diesmal eine un- ekannte Hand die Ereignisse in Bialystok geleitet hat. ES handelt sich um jene reaktionäre Nebenregierung, die die Politik der Oktober- tage fortzusetzen beginnt. Der Kriegszustand ist in Bialystok erklärt worden. Trotzdem dauern auch unter dem Kriegszustand die Judenmetzeleien fort. Das noch unverbürgte Gerücht tritt auf, daß auch in Grodno ein Progrom ausgebrochen sei, oder daß man doch am Vorabende eines Progroms stehe. Die Stimmung der Arbeiter und Beamten der verschiedensten Eisenbahnen ist nach Nachrichten aus dem Lande außerordentlich erregt. Neue große Wirren scheinen bevorzustehen. Die Petersburger Telegraphen-Agentur, deren Glaubwürdigkeit oben charakterisiert worden ist, meldet: Petersburg, 18. Juni. Amtlicher Mitteilung zufolge ist in Bialystok völlige Ruhe eingetreten; der Gouverneur hat strenge Weisungen zur Aufrechterhaltung der Ordnung erlassen. Aus Warschau kommt am gleichen Tage folgendes Telegramm: Wie die Blätter melden, sind auch in den zum Gouvernement Grodno gehörigen Ortschaften Zabludow, Ossowiec und Goniondz Judenverfolgungen ausgebrochen. Und das Bureau Herold berichtet aus Odessa: Wegen der Judenmassakres beginnt auch hier die jüdische Bevölkerung panikartig zu flüchten. Ebenso wird aus Minsk, ProSkow und Berditschew gemeldet, d.rß sich eine Bewegung be- merkbar macht, welche Exzesse gegen die Juden befürchten läßt. Aus Sewastopol und Warschau laufen Nachrichten ein, die be- sagen, daß die Behörden umfassende Maßnahmen träfen, um Juden- Metzeleien zu verhindern. In Warschau hat nach der Mitteilung eines Privatkorrespondenten der Erzbischof sogar die sebr verständige An- ordnung getroffen, daß die für Sonntag geplant gewesenen Fron- leichnams-Prozessionen unterblieben I— Diese Matzregel beweist, was man in hohen kirchlichen Kreisen Rußlands den„Schwarzen Hundert", den Huligans und ihren hohen Protektoren zutraut! Daß man in hohen weltlichen Kreisen Rußlands keinen Deut anders denkt, davon legt folgendes Telegramm Zeugnis ab: Petersburg, 18. Juni.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Der Minister des Innern richtete an die Gouverneure und Stadthauptleute ein Rundtelegramm, in welcher er ihnen vor- schreibt, ihren Untergebenen im Hmblick auf die Ausschreitungen in Bialystok die strengste Pflichterfüllung vorzuschreiben, sowohl Agrar- Unruhen wie den Ausschreitungen gegen die Juden vorzubeugen und entstehende Unruhen im Keime zu unterdrücken. Die Unterlassung dieser Vorschrift und die Untätigkeit der Amtspersonen würden strengstens geahndet werden. Streikbeweguug und Unruhe allenthalben. Petersburg, 17. Juni. Es bereitet sich ein Eisenbahner- «nöstand vor. Für den 21. Juni erwartet man den Ausstand auf der Nikolaibahn, der sich schnell auf andere Linien aus- breiten dürfte. Die Stimmung in den Arbeitervierteln wird immer drohender. Aus der Provinz liegen zahlreiche Meldungen über beginnende Ausstände vor. Die Proklamation des Generalstreiks ist nicht ausgeschlossen. Größere Hotels wurden in Kenntnis gesetzt, daß sie bei eintretenden Unruhen mili- tärische Besetzung erhalten würden. Da die Bäcker vorgestern in den Ausstand getreten sind, ist frisches Brot nur aus der Umgegend zu beschaffen. Die Blätter melden eine lange Reihe von Arbeiteransständen und� Bauermmruhen aus den Provinzen. In Bachmut(Gouverne- ment JekaterinoSlaw) sind die Arbeiter der Eteinkohlengrubcu'in den Ausstand getrvten, im Gouvernement Wvronesch sollen überall Bauermmruhen ausgebrochen sein. Petersburg, 17. Juni,(Bon einem Privatkorrespondenten.) Für heute sind in den Bororten, auf den Bahnhöfen und in den zentralen Teilen der Stadt die militärischen Wachen sehr verstärkt worden. — Aus Moskau wird von zahlreichen Versammlungen be- richtet, die im Innern der Stadt und in den Vororten abgehalten wurden, bei welchen politische Reden gehalten und revolutionäre Lieder gesungen wurden. Ernste Konflikte mit der Polizei sind nicht vorgelommen.. Petersburg, 17. Juni.(Laff.) Zwei Regimenter Infanterie und eine Batterie Artillerie wurden heute nach Kronstadt geschickt; sie bleiben in der Umgebung der Festung stationiert. Die Garnison von Peterhof wurde vurch mehrere Regimenter Kavallerie verstärkt. Diese Maßnahmen lassen die Spannung erkennen, die durch die Ausstände in Petersburg und Moskau von neuem hervorgerufen worden ist. Petersburg, 13. Juni.(Von einem besonderen Korrespondenten.) Ungeachtet dessen, daß gestern etwa 80 von Tausenden von Menschen besuchte Versammlungen in den äußeren Stadtteilen stattfanden, ver- lief der Tag ruhig. Auf diesen Versammlungen wurde fast überein- stimmend der Beschluß gefaßt, die Duma zu unterstützen. Der Ausstand der Bäckergesellen dauert auch heute noch fort. Nach zuverlässigen Privatmeldungen aus Kronstadt nehmen die Dinge dort eine bedrohliche Gestalt an. Das bestätigt auch die bentiae Meldung eines hiesigen Blattes, die besagt, daß die Gärung unter den Matrosen, Arbeitern und Festungstruppen im Wachsen be- ariffcn ist so daß allgemein eine Wiederholung der Oktoberimruhen befürchtet'wird. Die wohlhabenden Bürger flüchten. Aus Kraßnoje Sselo sind zwei Garderegimenter und zwei Batterien mit 12 Schnell- feuergeschützen und 22 Maschinengewehren nach Kronstadt entsandt worden. Aus Eholm und Kutno im Gouvernement Warschau werden Postberaubungcn gemeldet, bei denen drei Postillone und zwei Soldaten getötet wurden. Die Nachrichten aus dem Kaukasus lauten ungünstig. Im Gouvernement Eriwan nehmen die blutigen Zusammenstöße zwischen verschiedenen Teilen der Bevölkerung größeren Umfang an. Moskau, 18. Juni. Da heute zahlreiche revolutionäre Ver- sammlungen abgehalten wurden, wurden die militärischen Bor- kehrungcn wesentlich erhöht. Die Straßen durchziehen Kavallerie- patroriillen. Alle wichtigen Punkte der Stadt sind militärisch besetzt. Wilna, 17. Juni. Im hiesigen Gerichtsgefängnis haben die Gefangenen revoltiert. Sie steckten ihre Strohsäcke, Tische und Bänke in Brand. DgS einschreiiende Militär machte von der Feuer- waffe Gebrauch. Mehrere Gefangene wurden erschossen, viele er- litten schwere Arandirnniden. * �* Petersburg, 18. Juni.(Von einem besonderen Korrespondenten.) In dem eine Viertelstunde von Petersburg entfernten Badeorte Terrijoki fand gestern eine Versammlung von Dnmaabgeordneten und Vertretern der sozialdemokratischen, sozialrevolutionären, anarchistischen und sinnländischen extremen Parteien statt, in der drei Resolutionen einstimmig zur Annahme gelangten. Die erste davon betont die Notwendigkeit eines energischen, selbständigen Vorgehens der Arbeitsgruppe der Duma, die zweite befürwortet, dem Volke die Verantwortung für die Tilgung der jüngsten Anleihe abzunehmen. Während die dritte sich gegen die Regierung richtet als Urhehcrin der Unruhen in Bialystok und zur Organisation einer Bolksmiltz aufruft.— Nach Schluß der Versammlung zogen die Teilnehmer unter Borantragung roter Fahnen und unter Ab- singung revolutionärer Lieder von der Polizei unbehelligt zum Bahnhof. Die Absicht der nach Petersburg zurückgekehrten Teil- nehmer, auch dort im geschlossenen Zuge vom Bahnhof in die Stadt zu ziehen, konnte wegen der von der Polizei getroffenen Borsichts- maßregeln nicht zur Ausführung gebracht werden. Tue Zahl der Teilnehmer belref sich auf 10000. Kostbare Konterbande. Riga, 16. Juni.(Bon einem Privatkorrespondenten.) Bei dem Gepäck eines Passagiers des heute in den hiesigen Hafen ein- gelaufenen Dampfers„Leander" wurden 26 Gewehre und Revolver und ölXM) Patronen gefunden. Der Passagier ist entflohen. Die Duma. Petersburg. 18. Juni. Die Plätze in der Duma sind neu ver- teilt worden. Auf der äußersten Linken sitzt die Arbeitsgruppe; ihr schließen sich die konstitutionell-demokratische Partei und ein Teil der Autonomistengruppe an. Im Zentrum haben diejenigen Ab- Sieordneten Platz erhalten, die keiner Partei angehören. Weiter rechts itzen die Polen und der andere Teil der Autonomisten. Die rechte Seite ist von den Gemäßigten besetzt. Die Reichsduma beendete heute die Debatte über die Agrar- frage. Der Entwurf betreffend die Einsetzung einer Agrarkommiffion wurde einstimmig angenommen. Die Partei der konstitutionellen Demokraten erörterte die Frage, ob die Duma ihre Tagung für die Sommerferien unterbrechen soll oder nicht. ES wurde einstimmig beschlossen, den ganzen Sommer durchzuarbeiten.— Die Meldung der„Nowoie Wremja, daß die Partei der konstitutionellen Demokraten ein viel schärferes, ja sogar revolutionäres Programm aufzustellen beschlossen habe, wird als un- richtig bezeichnet. Ein derartiger Beschluß könnte nur von einem nationalen Parteikongretz gefaßt werden. Aufgeschoben. Riga, den 17. Juni. Infolge Einspruches der Verteidiger hat der Generalgouverneur die Vollstreckung der letzten vom hiesigen Distriktsgericht gefällten Todesurteile gegen 9 Mitglieder der Kampf- Organisation einstweilen sisttert. politische(Übersicht. Berlin, den 18. Juni. Zu den Meutereien in Südtvestafrika. In welches Wespennest wir mit unseren neulichen Mitteilungen über Meutereien unter den deutschen Truppen in Südwestafrika ge- stoßen haben, zeigt sich jeden Tag mehr. Jeder neue Tag bringt nämlich neue Beispiele. Wir haben am Sonntag schon den neuen Fall wiedergegeben, den die„Neue Militär. Korr.", ein offiziöses Organ, an dieOeffent- lichkeit gebracht hat. Jetzt wird uns aus Stuttgart gemeldet, daß das dortige Zentrumsblatt, das bekanntlich dem Abg. Erzberger sehr nahe steht, zu unseren Angaben aus eigenem hinzu- fügt, daß tatsächlich große Unzufriedenheit unter den Truppen in Südwestafrika herrsche und daß auch wirtlich„schlimme Dinge" vor- gekommen seien. Der Kolonialabteilung selbst sei, wiedasBlatt wisse, mitg e teilt w o r d en, daß am 1. Mai deutsche Schutztruppensoldaten die rote Flagge gehißt haben und den Abgeordneten Bebel hochleben ließen. Diese Mitteilung stamme von ganz zuverlässiger Seite, nämlich von einem Offizier der Schutztruppe selb st. Weiter lassen sich die. auch vielfach offiziös bedienten „Münchener Neuesten Nachrichten" aus Berlin tele- graphieren:„Man stellt hier an amtlichen Stellen nicht in Abrede, daß einige ernste Fälle von Insubordination, D i e b st ä h l e u. a. m., wie sie bei jeder größeren Truppe in Friedens- wie in KriegSzeitcn vorkommen, sich in Südwestafrika ereignet haben und mehrere Soldaten deshalb mit schweren Freiheitsstrafen belegt und nach Deutschland»US Gefängnis geschickt worden sind. Von eigentlichen Meutereien aber sei, so wird uns versichert, nichts bekannt." WaS die„amtliche Stelle" nun eigent- lich noch unter„Meuterei" versteht, bleibt dunkel; für die Zu- geständnisse dieser Quelle ist auch, wie neulich bei der„Voss. Ztg.", interessant, daß sie sich für alle Reinfälle durch ein„u. a. m.": u n d anderes mehr reserviert. Darunter läßt sich ja in der Tat wie Hei dem köstlichen„usw." der„Voss. Ztg." auch später das Erstechen eines Offiziers registrieren. Der„R e i ch s- A n z e i g e r und die„N o r d d. A l l g. Ztg." aber schweigen weiter.—_ Jesko wünscht kein Disziplinarverfahren. In einem der lustigen RimelS Fritz Reuters kommt ein feudaler Mecklenburger vor, der bei einer Festlichkeit den geschmeichelten und staunenden Kleinbürgern entrüstet erzählt, daß ihn daS Gericht zur Auszahlung eines ansehnlichen GehaltsresteS an seinen entlassenen Hauslehrer verurteilt habe, obgleich er doch mehrfach auf die gerichtlichen Vorladungen mitgeteilt habe, daß er einen Prozeß gar nicht haben wolle. An diesen mecklenburgischen Junker, der nicht begreifen kann, daß ein Gericht einen Prozeß gegen ihn annehmen kann, den er doch gar nicht haben will, erinnert in gewisser Weise Kameruns gewesener Gouvemeur, JcSko v. Puttkamer. Auch er will einen Prozeß nicht haben. Von jenem Mecklenburger des Reuterschcn RimelS unterscheidet ihn aber zu seinem Vorteil der sehr wichttge Umstand, daß er mit Behörden zu tun hat, die seine Abneigung gegen den Prozeß für beachtenswert halten, die eS nicht über sich sich bringen, ihn vor Gericht zu stellen, wenn er eS nun einmal nicht mag 1 In der Kolonialabteilimg ist man eben weiter, als die Richter im Lande deS Ochsenkopfes zur Zeit Fritz Reuters waren. Die„Freis. Ztg." bringt einige neue Mittekkungen über die Pensionierung JeskoS au» guter Quelle, die im allgemeinen die An- gaben der„Germania" bestätigen. Vor allen Dingen bestättgen auch sie, daß in dem Bericht der Kolonialabteilung an den Reichs- kanzler der schöne Satz vorkommt, die Nichteinleitung eines Disziplinarverfahrens gegen Herrn v. Puttkamer sei auch deshalb gerechtfertigt, weil Herr v. Puttkamer selbst die Ein- leitung eines Verfahrens als nicht angebracht be- zeichnet habe. Die„Freis. Ztg." macht über diesen interessanten Bericht, den der Geh. Legationsrat Rose erstattet hat, folgende Angaben: Geheiinrat Rose hat in dem Bericht an den Reichskanzler, der aus Norderney— wohl mit Bezug auf die Erwähnung des Falles Puttkamer in der letzten Neichstagssipung— unvermutet an« gefragt hatte, wie es mit dieser Sache stehe, das Folgende aus- geführt: Es sei bisher nicht nachgewiesen, daß Herr v. Puttkamer den Paß absichtlich unrichtig ausgestellt habe; aus der Untersuchung gehe nur die Gutgläubig- kcit hervor. Weiter wird gesagt,»ach einem Bericht des Gouvernements sei Herrn v. Puttkamer laut anliegender Nachweisung lediglich ein Reisepaßformular mit dem Stempel des Gouvernements zugestellt worden. Gegen Herrn v. Puttkamer dürste ein Disziplinar- verfahren nicht einzuleiten sein, da es nicht im öffentlichen Interesse liege und es Herr v. Puttkamer selb st nicht für erwünscht halte. Indessen müsse seine Hinaussendung unterbleiben, da er anscheinend die Esser- scheu Gesellschaften zu sehr begünstigt habe. Schließlich wird in dem Bericht mitgeteilt, es iei Herrn v. Puttkamer nahegelegt worden, sein Entlassungsgesuch einzureichen. Dieses Gesuch sei eingegangen und es solle ihm ent- sprochen werden unter Zubilligung der Pension. Ucber die Pension teilt die„Freis. Ztg," noch mit, daß sie nicht ganz so viel betrage, wie die„Germania" angebe, sondern ein paar hundert Mark weniger. Gegen 12 000 M. würde sie immerhin aus- machen. Also an 12000 M. für einen Menschen, der solcher Dinge be- schuldigt ist wie Herr v. Puttkamer. Daß diese Beschuldigungen klargestellt werden vor der Oeffentlichkeit, daS ist nach der Kolonialabteilung nicht im öffentlichen Interesse I Die Oeffentlichkeit hat also nach der Logik dieser Behörde kein Interesse daran, Aufklärung darüber zu erhalten, ob etwa ein der Urkunden- fälschung Bezichtigter an 12 000 Mark Pension aus Reichs- Mitteln erhält I Denn daß Herr v. Puttkamer bei der Aus- stcllung des Paffes gutgläubig gehandelt habe, das wollen selbst die stärksten Männer außerhalb der Kolonialabteilung nicht ohne weiteres glauben. Und wir meinen. Herrn v. Puttkamer müßte daran liegen, seine Gutgläubigkeit zweifelsfrei darzutun. Aber er hält die Ein- leitung eines Verfahrens nicht für wünschenswert und die gutmütige Kolonialabteilung mag ihn nicht ärgern 1 Es ist zu rührend 1 Was ist's denn aber mit der Begünstigung der Efferschen Gesell- schaften durch Herrn v. Puttkamer? Geschah die auch im guten Glauben? Auch darüber wäre daS deutsche Volk schließlich wohl be- rechttgt, Auskunft zu verlangen I Selbst wenn Jesko nicht mag 1... Dentfcbes Reich, Kaiserliche Sorgen und Ballinsche Vorurteilslosigkeit. Der Kaiser war Sonntag zu einem großen Pferde- rennen nach Hamburg geautelt. Nebenbei hat er dort dann auch auf einem Kasernenhofe an dreitausend alte Gardisten begrüßt und sie dabei ermahnt, „sie möchten dessen immer eingedenk sein, daß sie in Treue zu Gott und Vaterland und in Ehrfurcht vor der Religion als christliche deutsche Männer einstehen, wenn cS nötig sei, für die Sicherheit des Vaterlandes und die Aufrechterhaltung der Ordnung und der Gesetze!..." Danach scheint der Kaiser wieder einmal kein unbegrenztes Vertrauen zu den Gesetzen und der Polizei zu haben. Von dem, was sich sonst in Hamburg Sonntag ereignete. interessiert nur noch, daß der Kaiser an Deck einen, doch wohl evangelischen Gottesdienst selbst leitete, dem auch der in konfessionellen Sachen so weitherzige Herr V a l l i n beiwohnte. Wird er sich nun endlich taufen lassen?— Herr v. Tirpitz auf dem Aussterbe-Etat. In einer angeblichen zuverläsfigen Mitteilung der„Hamburger Nachrichten" und anderer Blätter werden die Gerüchte, daß Admiral v. Tirpitz demnächst aitS' dem Amte scheiden werde, als nicht unbegründet bezeichnet. Es sei aufgefallen, daß der Staatssekretär nach Erledigung deS Flottengesetzes vom Kaiser keinen Dank und keine Anerkennung erhalten habe. Er habe tat- sächlich sein Abschiedsgesuch eingereicht, und es sei fraglich, ob der Kaiser es nicht annehme. Als sein Nachfolger werde in Marinekrcisen Vizeadmiral v. Ahlefeld. stellvertretender Bevoll« mächtigter zum Bundesrat, genannt. ES ist in der Tat aufgefallen, daß vom Kaiser nur Biilow und Stengel durch allerlei Ehrungen nach Annahme der Steuergesetze ausgezeichnet wurden, während Herr v. Tirpitz leer ausging, ob« wohl doch die von ihm vorgelegte und von der ReichStagSmehrhett angenommene neue Flottenvorlage eine große Millionenvorlage war. Minister v. Fcilitzsch und die bayrische Kammer. München, 18. Juni.(Pribatdepesche deS„Vorwärts".) In der bayrischen Abgeordnetenkammer begann heute nach Beendigung einer wenig aufregenden Generaldebatte die Spezial- bcratung des Etats des Innern. Die Stelle eines Zentral- wohnungsinspektorö wurde gegen die heftige Opposition der bündlerisch-ultramontan-agrarischcn Elemente erledigt. Dann brachte der Zentrumsabgeordnete Dr. Hei m einen Vorgang zur Sprache, der, wenn er sich wirklich so abgespielt hat, den Minister Graf Feilitzsch auf das schlverste kompromittieren müßte. Dr. Heim erklärte:„Vor einigen Monaten ist eine Deputation von Apothekenbesitzern zum Minister gekommen, die mit dem Entwurf einer neuen Apothekenordnung.für Bayern unzufrieden war. Die Deputatton hatte bemerkt, daß sie sich mit einer Petition an die Abgeordnetenkammer wenden wolle. Darauf hat der Minister er- widert:«Ich rate Ihnen, gehen Sie nicht an die Kammer. Wenn Sie mit den Abgeordneten reden, versprechen sie Ihnen alles, wenn es aber in der Kammer darauf ankommt. reden sie ganz anders. Ich kenne meine Kammer und warne Sie." In diesen Worten liegt eine schwere Beleidigung der Ab- geordnetenkammer, gegen die ich für meine Person entschieden protestieren muß. Ich Gabe nicht durch einen Bertrauensbruch Kenntnis von der Sache bekommen, sondern bin autorisiert, die Sache zur Sprache zu bringen." Der Minister erwiderte, er könne sich nicht mehr genau an den Wortlaut seiner Unterredung erinnern. Er habe der Deputation nur bemerkt, in der Abgeordnetenkammer bestehe Stimmung für eine Erweiterung der Landapotheken, um es zu ermöglichen, daß jeder Apothekergehülfe zu erschwingbarem Preise eine Apotheke erwerben kann. Deswegen müsse er den Herren raten, sich nicht an die Kammer zu wenden, da ihre Petitton nicht aus- sichtsreich fei. Ferner habe er bemerkt, es sei ein großer Unterschieb, ob ein einzelner Abgeordneter Unterstützung zusage oder ob die Kammer als solche über eine Sache entscheidet. Von seiner Kammer hake et natürlich nicht geredet, das wäre ein Unding, sondern er habe vielleicht gesagt:»Ich kenne die Kammer und ihre Anschauung, ich warne Sie." Dr. Heim blieb demgegenüber bei seiner Mitteilung stehen und teilte noch mit, daß seine Informationen von Herren stammten, die der liberalen Partei angehörten. Namens der liberalen Partei erklärte Dr. Müller- Meiningen, in einem solchen Falle sollte man unter allen Umständen Klarheit schaffen, selbst unter Anrufung de? Gerichts. Die Doppelzüngigkeit müsse auf alle Fälle zurückgewiesen werden und er müsse sagen, unvorsichtiger habe sich wohl noch kein Minister über daß Parlament geäußert. Auch Genosse Timm verlangte vollständige Aufklärung über diesen Vorgang. Es müsse zu unhaltbaren Zuständen führen, wenn sich der Minister erlauben könne, die Tätigkeit der Abgeordnetenkammer und die Charaktereigenschaften einzelner Abgeordneten in einer der- artigen Weise herabzusetzen. Wie man erfährt, hat Abgeordneter Dr. H ei m von seinem Bor- gehen gegen den Minister seiner Fraktion vorher nichts niitgeteilt. Er beabsichtigt, wie er auch in einem Zuruf bestätigte, am Dienstag- abend in einer öffentlichen Versammlung seinen Vorwurf gegen den Minister zu wiederholen, um diesen zur Klage zu zwingen.—-__ Der heilige Paasche auf dem Rückzüge. Wir hatten Herrn Paasche neulich doch zu viel Erkenntnis zu» getraut, als wir nach dem Bericht der„National-Zeitung" meldeten, er habe in Kiel gesagt, unsere Kolonien seien„Abladestellen für verkrachte adelige Existenzen". Das will er nun nicht gesagt haben, nachdem er sieht, wie diese richtige Erkenntnis ihm in der Presse der Linken gutgeschrieben wird. Er will jetzt nur gesagt haben, ..daß man die besten Kräfte, die Deutschland unter seinen Beamten habe, hinausschicken solle, um den Verdächtigungen der Kolonialgcgncr den Boden zu entziehen, als ob die Kolonien die Abladestelle für verkrachte adelige Existenzen seien". DaS ist also so ziemlich das Gegenteil von dem, was ihn die ihm doch gewiß sehr nahestehende„National-Zeitung" zuerst sagen ließ. Wir nehmen von der Erklärung übrigens um so lieber Notiz, als es unS sehr peinlich wäre, Herrn Paasche so ganz ohne Grund mehr Er- kenntnis und Einsicht zugetraut zu haben, als er selbst ein- gestandenermatzen besitzen will.— Ein halbes Entgegenkommen. Aus Bremen wird telegraphiert: Die Schuldeputation der bremischen Bürgerschaft sprach sich in einem Bericht an den Senat gegen die von den bremischen Bolksschullehrern angeregte Abschaffung des Religionsunterrichts in den Schulen aus, da dies eine schwere Schädigung der Kinder sowohl für die geistige Bildung, als auch in erzieherischer Hinsicht zur Folge haben würde. Der Senat erklärte sich mit der in dem Bericht vertretenen Auf- fassung sowie mit der darin kundgegebenen Absicht einverstanden, baldigst eine Revision der für den Religions- Unterricht in den bremischen Schulen geltenden Lehrpläne herbeizuführen, die sich auch auf eine Prüfung der im Unterricht benutzten Lehrbücher zu erstrecken haben wird. Also statt Abschaffung des Religionsunterrichts wird eine Reform dieses Unterrichts versprochen. Es bleibt abzuwarten, wie sie aussehen wird. Sie kann auf keinen Fall das Uebel beseitigen.— Zentrumsarbeiter und ZentrumSkapitalistcn. Zu einem bösen Konflikt ist es im Dortmunder Zentrum aus Anlaß des(inzwischen erfolglos beendigten) Straßenbahner st reiks gekommen, und zwar platzten in der Stadtverordnetensitzung die Geister wuchtig auseinander. DaS brutal., ablehnende Verhalten der Stadtverwaltung hatte unserem Parteiorgan, der„Arbeiter- Zeitung", zu heftigen Angriffen Anlaß gegeben, deshalb hielt eS der Zentrums- stadtverordnete Lambert Lensing, der in Dortmund die erste Geige spielt, im Interesse seiner Partei für geboten, den Magistrat über sein Verhalten gegen die Streikenden zu interpellieren. Aber Lensing war ein sonderbarer Interpellant. Er hatte sich sehr bald„überzeugt". daß die Hauptbeschwerden der Straßenbahner der Begrün- dung entbehrten, daß die Forderungen der Streikenden zwar materiell berechtigt feien, daß sie aber trotzdem unrecht daran getan hätten, in ven Ausstand zu treten. Zu verurteilen sei ja auch der Inspektor Bianchi, der den Leuten gesagt:„Nehmen Sie die Knochen zusammenl" Wenn so etwas passiere, brauche man sich bei der fortgesetzten Hetzarbeit der Sozialdemo- kratie nicht zu wundern, daß es zum Streik gekommen sei. Tat- sächlich habe die Sozialdemokratie einen großen Teil Schuld an dem Streik. Die streikenden Leute seien zwar keine Sozialdemo- kraten, aber zwei Genossen seien doch darunter. und wenn die richtig hetzten, könnten sie tausend Leute verführen. So redete der brave„Arbeiterfreund" Lensing den Straßenbahnern niehr zum Schaden, als zum Nutzen. Noch bösartiger geberdete sich der Zentrumsabgeordnete Rechts- anwalt Mehlhoff, der erklärte, man müsse auch den Mut haben, nach untenhin die Wahrheit zu sagen. Der Streik der Straßenbahner sei geradezu eine Erpressung. Wenn schon die arbeiterfeundlichen Zentrumsgrößen einen solchen Ton anschlugen, dann kann man sich denken, wie der Magistrat antwortete. Oberbürgermeister Schmieding, der be- kannte Aufsichtsrat der Harpener Bergbaugesellschaft erklärte, m i t den Streikenden zu verhandeln, führe doch zu nichts, es sei unwahr, daß die Leute aus Not streikten, s i e hätten einen durchaus auskömmlichen Lohn ge. habt. Der Direktor Petersen der Straßenbahn drückt sich ähnlich aus; der Inspektor Bianchi habe auch durchaus recht ge- habt, wenn er den Mitgliedern der Deputation zugerufen habe, sie sollten die Knochen zusammennehmen, er selb st würde genau so gehandelt haben! In der Deputation sähe ein Mann, der die S ch w i n d s u ch t habe und der nur aus Gnade bisher mit durchgeschleppt worden sei. Der Mann lohne Wohlwollen mit Undank und könne nicht wieder eingestellt werden. Ebenso werde ein anderes Mitglied der Deputation nicht wieder eingestellt, weil es schon vordem wegen Ungebühr gegen einen Vorgesetzten bestraft worden sei. Die Hetzer würden überhaupt nicht wieder eingestellt, die Disziplin müsse gewahrt werden. Im Interesse oer Dis- ziplin sollten eigentlich nur„gediente" Leute eingestellt werden. Schuld an dem Streik habe auch der tentrumsabgeordnete Gronowski, der als Mitglied der städtischen itraßenbahnkommission den Straßenbahnern in einer Versamm- lung erzählt habe, was in der Kommission über die Straßenbahner beschlossen worden sei. Gronowski, ein noch verhältnismäßig recht junger Mann, hat auf der Jesuitenschule in M.-Gladbach seine Ausbildung er- balten, wurde von Lensing protegiert und in Dortmund als„christ- sicher Arbeitersekretär"(lies Zentrumsagitator) angestellt. Bei diesem jungen Manne scheint der Ehrgeiz zu erwachen. besonders seitdem er als Kompromißkandidat des Zentrums und der Nationalliberalen zum Stadtverordneten gewählt worden ist. Ein stillschweigendes Unterordnen gibt es nicht mehr, und auf das „gute Einvernehmen" scheint er zu pfeifen. AIS richtiger Dema- goge griff er. im Gegensatz zu seinen Fraktionsgenossen, in heftiger Weise den Magistrat an. Der Streik sei durchaus berechtigt, möchten die Leute auch formell nicht richtig gehandelt haben, so seien sie doch zu entschuldigen, weil sie daran gehindert worden seien, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Man müsse sich s ch ä m e n, daß es um solcher Forderungen halber zum Streik kommen mußte. Oberbürgermeister Schmieding sei gar Vicht kompetent zu beurteilen, ob der Lohn der Straßenbahner ein auslömwlicher fei; niemals in feinem LebkN habe er sich mik einem solchen Lohn van 80 oder 90 M. im Monat behelfen müssen. Wenn gesagt werde, die Hetzer sollten hinausgeworfen werden, bann sollte man auch die Inspektoren Bianchi und Lembke entfernen, denn diese seien die schlimm. st e n Hetzer. Man solle auch nicht so viel reden von der Gefähr- lichkeit der Sozialdemokratie, mit der er wohl fertig werden wolle. Als während dieser Rede, die Gronowski zweiOrdnungS« rufe einbrachte, ihm vom Vorsitzenden untersagt wurde, die„per- sönlichen Verhältmsse Schmiedings zu erörtern, erwiderte er: „Wenn den Herrschaften die Erörterung dieser Dinge unangenehm ist, dann lasse ich sie sein." Die Rede rief einen wahren Sturm der Entrüstung herbor, seine ZentrumSkollegen waren rot bis hinter die Ohren ge- worden. Der ultramontane Führer Lensing bezeichnete die Rede seines Parteigenossen als tief bedauerlich. Gronowski sei noch viel zu jung, um über alle Sachen mitreden zu können. Fast noch brutaler war der Angriff des ultramontanen Stadtverordneten Rechtsanwalt Westhaff auf Gronowski. Er bezeichnete dessen Rede als eine grobe Ungehörigkeit. Aus dieser Rede erkannte der Vor- sitzende, daß er dem Granowski eigentlich noch hätte«inen dritten Ordnungsruf erteilen müssen. Gronowski blieb dabei, daß er recht habe. Seine Jugend sei ein Fehler, der mit jedem Tage abnehme; zudem habe sich doch auch Lambert Lensing als junger Mann zum Führer in Dortmund aufgeworfen. Er beantrage, daß am folgende Tage sämtliche Streikenden wieder eingestellt und die Forderungen bewilligt würden. Der„freisinnige" Stadtverordnete Suhrmann erklärte den Streik für unberechtigt und fügte hinzu, daß er au« der städtischen Straßenbahnkoknmission austreten werde, wenn Gronowski noch fern er ihr Mitglied bleibe. Der Antrag Gronowski, sämtliche Streikenden wieder einzustellen, wurde dann mit allen gegen zwei Stimmen abgelehnt. Sämtliche Zentrums- Mitglieder stimmten gegen den Antrag ihres Fraktionskollegen. Das Resultat dieser Stodtberordnetensitzung ist nicht bloß eine unsägliche Blamage der Stadtverwaltung, sondern mehr noch der Zentrumspartei. Man darf übrigens mit Bestimmtheit erwarten, daß dieser Zusammenstoß der Führer noch ein Nachspiel in der Zentrumspartei haben wird._ Stöckerklatsch. Die Stöckerschen Organe„DaZ Reich" und die„Staatsbürger- Zeitung" verzapfen in ihrer Sonntagsnummer folgenden Hahne- vüchenen Unsinn: „Bor einigen Jahren tauchte die Behauptung auf, Genosse Stadthagen, bekanntlich zur Zeit der Zolltarifkämpfe einer der widerlichsten.Brotwucher"schreier. habe sich fortgesetzt an den ge- wagtesten Terminspelulationen in Getreide beteiligt. Die Tat- fache wurde Stadthagen in Volksversammlungen, wie im Reichs- tage vorgehalten— Stadthagen mußte die Getreide-Termin- spekulation zugeben." Vielleicht macht der ehrenwerte Pastor a. D. Stöcker das Maß seiner christlichen Nächstenliebe dadurch voll, daß er die Daten dieser erfundenen Vorhaltungen und Zugeständnisse, insbesondere daS Datum der stenographffchen Reichstagsberichte angibt, auf die die Stöckerblätter hinweisen und läßt die ReichStagsverichte auch dahin fälschen: Stadthagen gab zu, daß er silberne Löffel gestohlen habe und daß Herr Stocker ein wahrheitsliebender Mann sei.--- Huöland, Oesterreich. „Der Entscheidungskampf für die Wahlreform" fo lautete der Titel des Vortrages, der am Sonntag Tausende und Abertausende von Arbeitern und Arbeiterinnen zur Massenversammlung in die Volkshalle des neuen Wiener Rathauses zog. Um 9 Uhr morgens begann die Riesendemon- stration, bei der die Genossen Adler, Daszynski, Ellenbogen, Resel, Rieger, Schumeier und Seitz das Wort ergriffen. Wir geben den Bericht wieder, den die„Voss. Zeitung" über die gewaltige Demonstration veröffentlicht: Wien, 18. Juni.(Eig. Drahtber.) Mit der Tagesordnung „Der Entscheidungskampf für die Wahlreform" veranstaltete gestern die sozialdemokratische Partei in und vor der Volkshalle des Rathauses eine Massenversammlung, wie sie gleich groß in Wien bisher kaum gesehen wurde. Mehr als 50 000 Personen füllten die Halle und den Rathausplatz. Alle Redner wandten sich in heftigsten Ausdrücken gegen jene parlamentarischen Parteien, welche die Wahlreform zu verschleppen suchen. Abg. Schumeier wies auf den bekannten Ausspruch deS Kaisers hin, daß eine Neuwahl des Parlaments auf Grund des alten Wahlrechts undenkbar sei, und fügte hinzu:„Die Arbeiterschaft von ganz Oesterreich ist zum Generalstreik bereit. Abg. Dr. Adler, der im Wahlreformausschuß sitzt, braucht nur an das Fenster zu treten, vor dem wir. warten, und der Streik bricht loS." Abg. DaSzynski sagte:„Sie sollen eS wagen, nach einer Wahl nach dem alten Rechte sich zur Beratung zu setzen: nicht fünf Minuten wird ein Parlament beraten, das nach dem alten Wahlrecht zusmnmengeschwindelt wäre. DaS moralische Recht ist stärker, als selbst die bewaffnete Macht, und sollen um jeden Preis Opfer fallen, das versprechen wir, dann nicht nur auS unseren Reihen!" Das Schlußwort hatte Dr. Adler. „Vom Kaiser bis zum Proletarier", rief er aus,„sieht jeder in dem Mißlingen der Reform den Untergang des Staates. In diesen drei Monaten des Sommers kann allerhand passieren. Deshalb dürfen diese Herren nicht nach Ischl und Karlsbad gehen, ehe sie ihre Pflicht er- f ü l l t h a b e n. In Galizien wird es keine ruhige Ernte geben, wenn die ruthenischcn Bauern ihre Wahlreform nicht haben. Die Industrien werden die günstigen Konjunkturen nicht ausnutzen können, wenn man uns unser Recht nicht gibt. Ich hoffe noch immer, daß das Aeusterste vermieden wird, aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende." Die Versammlung faßte folgende Entschließung: „Das arbeitende Volk Wiens erklärt, daß eS die Ver- schleppung der Wahlreform nicht ruhig mitansehen werde, sondern diesem Verbrechen gegen Volk und Staat mit allen Mitteln und unter allen Opfern einen Kampf entgegensetzen werde, dessen erster Schritt der dreitägige Massenstreik in Wien sein wird." Dem„Berliner Tageblatt" drahtet ein geistreicher Korrespondent unter anderem: „Von dem dreitägigen Wiener Streik und dem öfter- reichischen Generalstreik als Pressionsmittel war aber heute keine Rede- Dies scheint ausgegeben zu sein." Der gute Mann scheint auf den Ohren gesessen zu haben, falls er überhaupt der Versammlung, über die er hier be- richtet, beigewont hat. Im übrigen ist er gerecht genug, anzu- erkennen, daß die Demonstration„trotz massenhafter Beteili- gung in größter Ordnung verlief, im Gegensatz zu den beiden letzten Massenversammlungen der christlich-sozialen Partei, in- dem bei der ersten die Rampe des Reichstagsgebäudes ge- stürmt und bei der zweiten vor der ungarischen Delegation exzediert worden war. Die Arbeiter kamen morgens in großen Zügen aus allen Stadtbezirken zum Rathaus, per- mieden aber die Hauptstraßen, da in denselben heute die katholische Fronleichnamsprozession in allen Bezirken statt- fand, um nicht mit dLO Geistlichkeit oder den Christlich. sozialen in Konflikt zu kommen. Jeder Bezirksorganisation wurde eine rote Fahne mit der Inschrift„Hoch das allgemeine Wahrecht!" vorangetragen. Auf dem Rathausplatz wurden zwei koloffale breite Standarten ausgestellt mit den In, schrisien„Heraus mit Bern allgemeinen Wahl, recht!" und„Wir verlangen unser Recht!" Der Reichsrat war rings von einer Polizeiwache zu Fuß und zu Pferde eingeschlossen. Sonst sah man auf dem ganzen Platze keine Polizei. Die sozialdemokratischen Parteiführer sprachen zuerst in der Volkshalle, dann auf der Freitreppe vor dem Rathaus. Sie betonten die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Durchführung der Wahlreform ohne Verzögerung und kündigten die Kampfbereitschaft ihrer Partei a n." � Schweiz. Russische Spitzel in Zürich? Zürich, 16. Juni.(Eig. Ber.) Der Polizeioberleutnant Lochner und der Bundesanwalt Kronauer-Bern sind wahre Zierden der schweizerischen Eid- genossenschaft. Dieser Tage veranstalteten sie in Zürich morgens 3 Uhr unter Massenaufgebot von etwa 56 Geheim- Polizisten bei hier wohnenden Russen eine Razzia nach Bomben und anderen Revolutionswerkzeugen, weil irgend ein ver- lumptes Subjekt verborgene Anzeige erstattet und geschwindelt hatte, da und dort würden Bomben fabriziert. In ihrem blinden Eifer und mit der altbewäbrten Dummheit fielen Bundesanwaltschaft und Züricher Polizei hinein. Sie rissen nach russischem Muster zahlreiche Russen, darunter ganze Familien, aus ihrer Nachtruhe und arretierten 9 Personen, von denen sie einige zurückbehielten, um so den Schein zu er- wecken, sie hätten wirklich richtige Funde gemacht und den Zarismus wie die Eidgenossenschaft vor Bombenanschlägen gerettet. In Wirklichkeit haben sie ein schmähliches Fiasko erlebt, ja es wird sogar angenommen, ein boshafter Mensch habe nicht den Russen Ungelegenheiten, sondern her Polizei einen ordentlichen Reinfall bereiten wollen. Es liegt aber doch die Annahme nahe, daß es sich hierbei um das Werk russischer Spitzel handelt. Sei dem jedoch wie immer, es muß gegen eine derartige freche Verhöhnung und Verletzung des Haus- rechtes und der persönlichen Freiheit in der demokratischen Republik auf das nachdrücklichste protestiert werden. Ver- schiedene Raub- und Lustmörder, die die ganze Bevölkerung aufs höchste erregten, laufen noch in der Freiheit herum; sie zu entdecken, ist die Polizei nicht klug genug. Zum nächtlichen Ueberfall auf ehrliche Leute dagegen besitzt sie die nötige Schlauheit und Energie.— Krankreich. DreyfuS. Paris, 18. Juni.(Kassationshof.) Die Revisionsvcrhandlung deS Prozesses DreyfuS beginnt um IL Uhr 5 Minuten. Der Präsident Ballot-Beaupre führt den Vorsitz. DreyfuS wohnt der Verhandlung nicht bei. Der Berichterstatter Moras verliest den Eröffnungsbeschluß; er betont, daß die Angelegenheit jetzt das Gebiet der Politik verlassen habe und zu einer reinen Sache der Rechtspflege geworden sei. Moras wirft dann einen Rückblick auf den Verlauf der Angelegenheit bis zur Stellung des RevisionS» antrages. Er hebt die Punkte hervor, auf die der Justizminister den Kassationshof aufmerksam gemacht hat; dieselben stellten, führt er aus, drei neue Tatsachen dar; er glaube, diese hätten, wenn sie damals bekannt gewesen wären, die Meinung der Richter von RenneS ändern können. Berichterstatter MoraS bespricht sodann die von Dreyfus' Ver- teidiger, Mornard, eingereichte Revisionsschrift, welche Kassierung deS früheren Urteils ohne RückVerweisung fordert, und bemerkt dazu, der schriftliche Antrag deS Generalstaatsanwalts halte von den 13 Revisionspunkten der Verteidigung nur S aufrecht, die übrigen Punkte stellten nur eine Bestätigung dessen dar, waS dem Gericht zu Rennes schon bekannt war. Die sechs aufrecht erhaltenen Revisionspunlte sind folgende: 1. Auffindung eines am 5. Januar 1805 von Guerin an daS Gouvernement von Paris gerichteten Telegramms, in welchem der angeblichen Geständnisse DreyfuS' in keiner Weise Erwähnung getan wird. S. Im KricgSministerium ist das Konzept des Kam- Mandanten Bayle über die Verwendung der schweren Artillerie aufgefunden worden, von dem im Prozesse zu Rennes behauptet worden war, daß Dreyfus es an daS Ausland ausgeliefert habe. 3. und 4. Die die Aussagen CernuskyS und ValcarloS betreffenden Zwischenfälle. 5. und 6. Die Fälschung der Dokumente Nr. 28 und 871 des geheimen Dossiers. Der Berichterstatter stellt dann fest, daß der Staatsanwalt Aufhebung des Urteils von RenneS, und zwar ohne daß Berufung zulässig sein soll, beantragt. Der Berichterstatter gibt dann einen Rückblick auf die in RenneÄ stattgehabten Prozcßverhandlungen und kommt zu dem Schlüsse, daß die ganze DreyfuS-Affäre eine Mystifikation ist! Hierauf wird die Sitzung aufgehoben. Bus der Partei. Zu einer FrauenkonfcrAiz im Anschluß an den Mannheimer Parteitag ruft in der„Gleichheit" die Vertrauensperson der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands, Genossin Ottilie Baabe»Berlin auf. Die Kouferenz soll Sonnabend, den 22. Sep« tember, morgens 9 Uhr. zusammentreten und nötigenfalls noch Sonntag nachmittag tagen. Als provisorische Tagesordnung wird vorgeschlagen: t. Bericht der Zentralvertrauensperson; a) Agitation, d) Presse; 2. Frauenstimmrecht; 8. Agitation unter den Landarbeiterinnen: 4. Die Dienstbotenbewegung; 5. Fürsorge für Schwangere und Wöchnerinnen. Als Referentinnen sind Genossinnen in Aussicht genommen, die sich mit den betreffenden Fragen eingehend beschäftigt haben: so für Punkt 2. Frauenstimmrecht, Genossin Zetkin; für Punkt 3 Ge» nossin Zietz; für Punkt 4 Genossin Grünberg; für Punkt 6 Genossin Duncker. Das Lokal ist noch nicht bestimmt. Anträge sollen bis zum 20. Juli an Genossin Baader eingesandt werden. Eine Ehrung gefallener Freiheitskämpfer fand am Sonntag in Kirchheinlbolanden(Pfalz) statt. Eine Anzahl Genossen aus Rheinhessen und der Pfalz fanden sich zusammen, um das Andenken der am 14. Juni 1849 Gefallenen zu ehren. Der süddeutsche Liberalismus in seinen verschiedenen Färbungen hat diese Toten vergessen oder schämt sich ihrer und ihrer Taten; die Sozialdemo« kratie hat auch hier die Aufgabe übemommen, die der Liberalismus verraten hat. UDie Zwistigkeiten im ReichötagSwahlkreise Sorau-Forft. Die Parteiversammlung, die am Freitag in F o r st stattfand, war von 700 Genossen besucht. Entgegen den Borschlägen des Vorsitzenden wurde nicht erst der Bericht der Preßkommission entgegengenommen über die Gründe, die sie zur Kündigung deS Genossen Marckwald geführt hatten, sondern sofort die Diskusston über einen Antrag eröffnet. Marckwald zum ReichStagSkandidaten zu machen. Es lvurde nur einem Redner für und emem gegen die Kandidatur Marckwald für je zehn Minuten das Wort gegeben. Der Genosse Perner, der gegen die Kandidawr redete, wurde häufig durch Lärm und Schlußrufe unterbrochen. Dann wurden die Stimmzettel auS» geteilt und ausgefüllt, und während nun eine Kommission die Stimmen zählte, wurde der Bericht der Preßkommission über die Kündigung Marckwalds erstattet. Die Forster KommisstonSmitalieder scheinen nach dem Bericht der„Märkischen Volksstimme" auf dem Standpunkt zu stehen, daß die Kündigung zu Unrecht erfolgt sei, daß mir persönliche Animosität gegen Marckwald vorliege. Einer von ihnen beantragte eine Kommission einzusetzen, die die gegen Marckwald erhobenen Beschuldigungen prüfen solle. Vor dem Gen. Mardwald nahm darauf das Wort und erflärte, er es in der vorliegenden Frage weder in der Redaktion des Vorwärts" ,, allem ein Mitbestimmungsrecht bei der Festsegung der Affordpreise Babe die Abstimmung nur zugelassen, weil er von sehr vielen Ge- noch in den Kreisen derjenigen Arbeifer, die ihr Klasseninteresse und der Verteilung der Affordarbeit, Erst vor einigen Tagen haben nossen bestürmt worden sei. Den Leuten, die die Situation geschaffen, richtig begriffen haben, eine Meinungsverschiedenheit geben kann. die Emaillierwerke Deutschlands wieder eine Erhöhung der Vermüsse die Meinung der Genossen im Ortsverein Forst gezeigt werden. Nach Die Gewerkschaftsbewegung würde ja zu einer bloßen Vereins- taufspreise beschlossen, welche sie u. a. mit erhöhten Arbeitslöhnen feiner Erklärung in der Preßkommissionssißung müsse er aber spielerei herabsinken, wenn es jedem, der mit der einen oder anderen motivieren. In den Düsseldorfer Emaillierwerken sucht man trotzdem die Kandidatur, so ehrenvoll sie für ihn sei, Einrichtung einer Organisation nicht zufrieden ist, oder der sich noch fortwährend die Affordpreise zu drücken. Emaillierwerksarbeiter, ablehnen. Aber wenn er mun Forst verlassen müsse, so hoffe durch die Instanzen der Organisation in seinen Rechten getränkt welche von auswärts zuziehen, sind immer schwer enttäuscht. Wir er, daß mit diesem System der Meinungsunterdrückung im eigenen fühlt, gestattet sein sollte, eine neue Organisation zu gründen. ersuchen deshalb um Fernhaltung des Zuzuges. Hause aufgeräumt werden wird. Private Aeußerungen feien Wer Mängel und Mißstände innerhalb seiner Organisation ge- Die Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes. entstellt worden, um ihm einen Strick zu drehen. Sein Privat- funden hat, der hat erst recht die Pflicht, innerhalb der OrganiEin Angriff auf das Koalitionsrecht. Die Schäffler( Böttcher). leben, die fleinen Schwächen, die jeder Mensch habe, hätten fation für Abstellung der Mängel und Mißstände zu wirken. in München haben den Unternehmern einen Tarifentwurf vorherhalten müssen, um einen Mann zu verderben. Eine Reineswegs kann ihm das Recht zugesprochen werden, mit der Kommission folle gemeinsam mit dem Parteivorstande in Berlin Gründung einer neuen Organisation hervorzutreten, die not- gelegt, um die denkbar schlechtesten Lohn- und Arbeitsverhältnisse in alle Beschuldigungen untersuchen und prüfen, ob er der Ehr- wendigerweise mit der bereits bestehenden Organisation heftige diesem Berufe wenigstens einigermaßen zu verbessern. Einigungsamt wurde auf der Basis von Mindest- Wochenlose sei, als der er hingestellt worden sei. Er wolle mit reinem Bruderzwistigkeiten auszufämpfen hat zur Freude der UnterEhrenschild vor die Königsberger Genoffen treten. Er schließt:„ lud nehmer und zum schweren Schaden der Interessen der gesamten öhnen verhandelt, die Unternehmer lehnten aber in einer Verwenn ihr untersucht habt und gefunden, daß ich euch nicht nur be- Arbeiterschaft. Aus diesem Grunde kann der leider nunmehr ge- sammlung die provisorisch festgelegten Vereinbarungen ab, worauf die Gehülfen der Werkstätte von Gözfried u. Seibold die Arbeit nuzt habe, um emporzuklimmen, so werdet ihr auch des Mannes gründete Allgemeine deutsche Metallarbeiterverband, dem ja einst niederlegten. Die Faßfabrikanten und Schäfflermeister faßten hierauf gedenken, der euch den Jdealismus ins Herz gepflanzt hat, dann weilen nur Berliner Rohrleger angehören, nur als eine, die ge- den Beschluß, sämtliche organisierte Schäffler auszusperren werdet ihr gegen die auftreten können, die die Berleumdungen und werkschaftliche Bewegung der Metallarbeiter zersplitternde rund diejenigen Gehülfen, die auf eine Weiterarbeit reflektierten, Lügen gegen mich erhoben. Es gilt für euch, aufzuräumen mit ganisation angesehen werden. diesem alten System, dann den Daumen aufs Auge, das Knie auf Hoffentlich tommen die Anhänger Wiesenthals, da ihre Or. durch unterschrift zu berpflichten, die Brust!"( Langanhaltender Beifall.) ganisation auf Anerkennung in der modernen Arbeiterbewegung 3entralverein der deutschen Böttcher auszu nicht rechnen kann, doch noch zu der Einsicht, daß es in ihrem treten und die Streitenden in feiner Weise zu eigenen Interesse liegt, den Schritt, den sie in vielleicht berechtigter unterstügen. Wie im vorigen Jahre die Metall- und BauErbitterung getan haben, wieder zurückzugehen. Nur die einheit- arbeiter, so haben auch die organisierten Schäffler die ihnen gestellten liche Organisation der Arbeiter ist in der Lage, den Kampf mit Bumutungen einmütig zurückgewiesen, worauf sämtliche organisierten Schäffler aus gesperrt wurden. Von der Ausdem Unternehmertum erfolgreich zu führen. Bisher hat leider der Verband nichts getan, um der Absperrung wurden Arbeiter betroffen, die 15 bis 27 Jahre in ein Zuzug von Böttchern nach splitterung vorzubeugen, Vermittelungen wurden zurückgewiesen und demselben Betriebe arbeiteten. und bereitelt. Dadurch ist zweifellos die Neugründung erleichtert München ist strengstens fernzuhalten. worden, mit der man rechnete wie mit einer unabwendbaren Tat- Der Streik der Klempner in Hamburg, der gestern dort aussache. Die Frage ist wohl berechtigt: Wie ist so etwas möglich? gebrochen ist, hat sofort eine große Anzahl Bewilligungen der Wie uns Sandelt es sich für den Verband wirklich bloß um eine Kleinig- Arbeiterforderungen gebracht. eine Privatdepesche keit, mit der zu rechnen man nicht nötig hat? meldet, arbeiten zu den neuen Bedingungen 534 Mann, während 641 Arbeiter sich im Ausstand befinden. In die Kommission zur Untersuchung des Konflikts werden die Genossen Noad, Klein, Hartmann, Bonad und Hoffmann gewählt. Das Resultat der Abstimmung über die Kandidatur Mard wald, das nun verkündet wurde, lautete: Gültige Stimmen 683, ungültig 18. Mit Ja haben 538, mit Nein 145 gestimmt. Ein Antrag auf Entlassung Buders und Beschlagnahme der Geschäftskasse wurde mit Heiterkeit abgetan. Nachdem von Bonad und Mardwald noch darauf hingewiesen wird, daß die Genossen die Animosität gegen die" Boltsstimme", ihr eigenes Unternehmen, fallen lassen sollen, da die Sache von der Person getrennt werden müsse, wird zum Schluß folgende von Noack eingebrachte Resolution einstimmig, angenommen: Die heutige Versemmlung protestiert gegen den Beschluß der legten Breßkommissionssizung, die ohne jegliche Gründe den Redakteur Marckwald aus seiner erfolgreichen Tätigkeit verbannte. Die Versammlung spricht dem Gen. Wardwald ihre Anerkennung aus und verurteilt das Verhalten des Geschäftsführers Buder und des Redakteurs Berner ganz entschieden." H... Da nur ein Drittel der Rohrleger in der konstituierenden Verfammlung anwesend war, ist die Hoffnung berechtigt, daß der größere Teil doch in letter Stunde noch zur Besinnung gekommen ist. Hoffentlich sorgt der Verband dafür, daß diese Kollegen den Anschluß an die Organisation leicht wiederfinden. Berlin und Umgegend. Zur Buchbinderaussperrung. Mit was für Elemente sich die Arbeitgeber abgeben, um ihr ausgesperrtes Personal zu ersetzen, zeigte sich drastisch am gestrigen Tage. " aus dem Einen außerordentlich schweren Kampf haben die Maler und Am 1. April wurden sie Anstreicher in Königsberg durchzumachen. von den Meistern ausgesperrt und heute ist noch nicht abzusehen, wenn der Kampf beendet sein wird. Möge der Zuzug strenge fern gehalten werden, da die Maler alles daransehen müssen, um nicht Sonderbar berühren muß den Unbeteiligten an der Rede des zu unterliegen. Die Arbeitgeber verlangen nichts mehr und nichts Genossen Marcwald die Selbstbeweihräucherung in dem Saze: weniger als den Eintritt in die von ihnen gegründete christliche" so werdet ihr auch des Mannes gedenken, der euch den Idealismus Streitbrecherorganisation. Wer diesem Verbande" nicht angehört, ins Herz gepflanzt hat..." Glaubt Genosse Markwald, daß vor erhält keine Arbeit. Es gelang den Malern über 200 Arbeitskräfte feiner Tätigkeit kein Jdealismus in der Forster Arbeiterschaft war? Erschien da auf dem Bureau des Vorstandes des Buchbinder abzuschieben. Jetzt versuchen die Unternehmer, diese Leute brotlos verbandes ein Tscheche namens F. J. Fiala, angeblich wohnhaft bei zu machen, um sie als Arbeitswillige zu gewinnen. Es soll nämlich Die Märk. Boltsstimme" bringt in derselben Nummer, die den Frau Warnde, Schöneberg, Koburgerstraße 12, der behauptete, ein Unternehmerverbandstag einberufen werden, um die ProvinzVersammlungsbericht enthält, folgende Notiz: von der Firma Wübben u. Co., Großbuchbinderei, beauftragt zu meister zu veranlassen und wenn möglich durch eine KonventionalDie sozialdemokratischen Stadtverordneten fein, Streitbrecher in Böhmen anzuwerben. Ihm sei dies auch strafe zu verpflichten, teine Königsberger Gehülfen sehen sich infolge der Vorgänge in der Forster Partei veranlaßt, gelungen, indem 24 bis 26 Exemplare dieser„ nüßlichen" Menschen- mehr zu beschäftigen. darüber zu beraten, ob sie es noch mit ihrer Ehre vereinbaren spezies in Prag bereit ständen, auf telegraphischen Wink nach können, für die Forster Partei eine ehrenamtliche Tätigkeit aus Berlin überzusiedeln. Er würde dann 250 M. Provision von der zuüben. Sie werden am Sonntag in einer Fraktionssigung über Firma Wübben u. Co. bekommen, wolle sich aber dies" Sünden Mailänder Ausstellung sind in den Ausstand getreten. Streit in der Ausstellung. Die Arbeiter und Angestellten der eine gemeinsame Mandatsniederlegung Beschluß faffen. geld" nicht verdienen, weil er selbst organisierter Buchbinder sei. Personalien. Zum leitenden Redakteur der Königsberger Man möge ihm aber die gehabten Untoften in Höhe von 70 bis Boltszeitung" wurde Genoſſe Mardwald aus Forst i. 2. 80 Wt. seitens des Buchbinder wirtlich einen Brief von der gma Letzte Nachrichten und Depefchen. M. Buchbinderverbandes Beglaubigung ſeiner Angaben zeigte er auch Firma Wübben u. Co. vor, um schneller in den Besitz der 70 bis 80 M. zu tommen. gewählt. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. " Allein, man hupfte nicht so schnell auf den Leim, sondern fühlte dem Burschen etwas näher auf den Zahn, wobei er sich so in Widersprüche verwickelte, daß man zur authentischen Feststellung einen Schußmann herbeirief, der anfangs keine Lust zu haben schien, den Gentleman mit auf die Wache zu nehmen, es aber auf Drängen des Vorsitzenden des Verbandes schließlich doch tat. Rechtlich geschützte Schimpffreiheit für den Amtsblattredakteur bedeutet der Ausgang des Prozesses, in dem, wie wir dieser Tage meldeten, Genosse Joos vom Gothaer Volksblatt" zu 300 M. Geldstrafe verurteilt wurde. Genosse Joos hatte den inkriminierten Ausdruck Hundsfott" nämlich zur Charakterisierung einer wirklich hundsföttischen Anpöbelung gebraucht, die das Amtsblatt gegen die in den Kerkern des Baren befindliche Und das war gut so, denn auf der Polizeiwache entpuppte sich Genossin Luxemburg gebracht hatte. Der Amtsblattredakteur der„ edle Kollege" nicht nur als angeblicher Zimmerpolier, sondern hatte amtliche Strafverfolgung im öffentlichen Interesse" verlangt auch als gesuchter Junge, mit dem die Polizei anscheinend noch ein und, nachdem die Staatsanwaltschaft abgelehnt und ihm bedeutet Hühnchen zu pflüden hat. hatte, daß ihm eigentlich nur geworden, was er zu erwarten hatte, durch eine Beschwerde bei der Oberstaatsanwaltschaft auch erreicht. Die Firma Schmalisch u. Below sendet uns folgende Berichtis So war er gegen eine Widerklage des Genossen Joos gesichert. Die gung: Beschimpfung von Sozialdemokraten muß also nach staatsanwalt- Auf Grund des§ 11 des Reichsgesetzes über die Presse vom licher und richterlicher Logik im öffentlichen Interesse" geschützt 7. Mai 1874 ersuchen wir Sie, folgende Berichtigung in die nächste werden. Es ist dieselbe Justiz, die wir bei der Klage des Ordnungs- Nummer Ihrer Zeitung aufzunehmen: retters Liman bewundern durften. Der Sozialdemokrat darf nicht schimpfen, aber der Ordnungsmann. Klassenstaatsgerechtigkeit! Die Beschlagnahme der Mannheimer Boltsstimme" ist durch Verfügung vom 18. Juni durch das Mannheimer Amtsgericht be stätigt worden, da das Scholzsche Gedicht„ Blumenidy" in der beschlagnahmten Nummer 158 den Tatbestand des§ 184, Biffer 1 des Reichs- Strafgesetzbuchs begründe. Dieser Paragraph bedroht mit Geldstrafe bis zu 300 M. oder mit Gefängnis bis zu sechs Monaten die Verbreitung unzüchtiger Schriften". Wo die Unzüchtigkeit in dem Scholzschen Boem steckt, das werden wohl nur fittliche Normalmenschen" im Sinne der unseligen Leg Heinze herausfinden können. " Gewerkschaftliches. Metallarbeiterverbandes deckt. " In Ihrer Nummer 135 bom 14. cr. bringen Sie einen Versammlungsbericht, in welchem sich die Behauptung befindet, daß bei unserer Firma Affordarbeit angefertigt wird und daß aus diesem Grunde unsere Firma gesperrt sei. Diese Behauptung ist unwahr! Wir erklären hiermit, daß bei unserer Firma seit langen Jahren Affordarbeit nicht mehr ausgeführt wird, sondern die Entlohnung ausschließlich gemäß den vor dem Gewerbegericht abgeschlossenen Tarifverträgen erfolgt und daß eine Beschwerde wegen angeblicher Affordarbeit bei uns niemals eingegangen ist." Husland. Die letzte Hoffnung versagt. Petersburg, 18. Juni.( B. S.) Auf den Befehl des Ministers des Innern, Truppen zum Schuße der Landgüter abzusenden, antwortete der Gouverneur von Boltawa, dies sei unmöglich, da die Truppen unzuverlässig seien und die ernste Gefahr bestehe, daß dieselben mit den Bauern gemeinsame Sache machen würden. Es wird nun aus anderen Gouvernements, wo verläßliche Truppen sind, Militär entfandt werden. Unruhen. Petersburg, 18. Juni.( B. H.) Nach Meldungen aus Chartow mußten von dort Dragoner nach Kupjansk entsandt werden, wo ernste Unruhen ausgebrochen sind. Dies Kind, kein Engel ist so rein... Petersburg, 18. Juni.( W. T. B.) Die Petersburger Telegraphenagentur ist ermächtigt, die in Petersburger Blättern enthaltene Meldung von einer gestern in Peterhof abgehaltenen außer gewöhnlichen Sizung und von den in dieser Sizung gefaßten Beschlüssen für gänzlich falsch und böswillig erfunden zu erklären. Nach diesen Meldungen sollte in dieser Sizung eine endgültige Entscheidung bezüglich der Reichsduma getroffen und bereits seit längerer Zeit ein kaiserlicher Ukas zur Auflösung der Duma ohne Tatum erlassen sein, zu dessen Ausfüllung der Ministerpräsident ermächtigt sei, sobald er den Zeitpunkt dafür als gekommen bea trachte. Die Opfer der Megeleien. Deutscher Buchbinderverband( Zahlstelle Berlin). Am Sonnabend fand eine Versammlung der ausgesperrten Buchbinder statt, in der Kollege Klar mitteilte, daß die Prinzipale es abgelehnt haben, Bjelostok, 18. Juni.( W. T. B.) Heute hat die Beerdigung mit den Ausgesperrten in Verhandlungen vor dem Gewerbegericht von 79 bei den letzten Unruhen getöteten Personen stattgefunden. einzutreten. Ebenso ist ein Einigungsversuch, angeregt vom Gesellenausschuß und der Innung, gescheitert. Scharfe Kritik erfuhr das von den Unternehmern herausgegebene und an die AusgesperrDas Das englische Unterhaus und die ruffische Megeleien. Eine Sonderorganisation der Metallarbeiter hat sich, un- ten versandte Flugblatt. Als Antwort darauf ist eine Extraausgabe London, 18. Juni. Unterhaus. Thorne( Arbeiterpartei) geachtet unserer Abmahnung, die wir in der Sonnabendnummer der Buchbinder- Zeitung" erschienen. Die Unternehmer haben fragt an, ob, ehe eine britische Flotte zu einem offiziellen Besuche des Vorwärts" an die Beteiligten richteten, am Sonntag fonstituiert. Die Versammlung, die zu diesem Zweck einberufen schwarze Listen herausgegeben, auf denen alle Ausgesperrten ver- nach Kronstadt geschickt würde, und ehe weitere Schritte in bezug worden ist, war von 600 bis 700 Personen besucht. Sie gab der Beichnet sind. Ein Antrag wurde der Ortsverwaltung überwiesen, auf bestimmte, freundschaftliche Abmachungen mit Rußland unterworden ist, war von 600 bis 700 Personen besucht. Sie gab der neuen Organisation den Namen" Allgemeiner deutscher Metall- des„ Vorwärts" sind, die Zeitung während der Dauer des Ausstandes des Auftretens von Beamten gegen das russische Volk erhoben neuen Organisation den Namen" Allgemeiner deutscher Metall- worin berlangt wird, daß den Ausgesperrten, soweit sie Abonnenten nommen würden, Vorstellungen bei der russischen Regierung wegen arbeiterverband( Sib Berlin)" und nahm ein Statut an, welches unentgeltlich überwiesen wird. Auch die Maßnahmen der Polizei werden sollten. Als der Staatssekretär des Auswärtigen erwidert, sich in allen wesentlichen Punkten mit dem Statut des Deutschen wurden gegeißelt. Alle Strafmandate lauten übereinstimmend auf daß er nicht in der Lage sei, derartige Vorstellungen zu machen, 30 M.! So tariftreu wie die Polizei sind die Prinzipale nicht! Mit stellt Thorne die Frage, welchen Zweck denn die Entsendung der Ob die abweichenden Bestimmungen, welche man in das Statut aufgenommen hat, die gewünschte Wirkung haben werden, einem Hoch auf die Organisation schloß die gutbesuchte Versammlung. britischen Flotte nach Stronstadt verfolge, und ob Sir Edward Grey Kenntnis davon habe, daß in Riga Knaben und Mädchen hingerichtet falls dem neuen Verband eine längere Lebensdauer beschieden sein Metallarbeiteraussperrung in Ober- Schöneweide. geworden seien. Keir Hardie stellt dann an Grey die Anfrage, ob follte, das braucht hier nicht erörtert zu werden, denn wir halten famte Personal der Niles werte in Ober- Schöne er in den Zeitungen das von fünf Mitgliedern der Duma unterdie Neugründung, wie wir bereits am Sonnabend deutlich genug weide in einer Anzahl von zirka 1000 ist seit dem gestrigen Tage zeichnete Telegramm gesehen habe, nach dem die Judenmebeleien in fagten, für eine Schädigung der Arbeiterinteressen und wünschen ausgesperrt worden. Den Anlaß zu dieser Aussperrung er- Bialystok noch fortgesetzt werden sollten und diese offiziell von der ihr deshalb keine Lebensdauer. Zum ersten Vorsitzenden des neuen Verbandes wurde natürlich gaben Differenzen, die zwischen den Arbeitern der Breßluftabteilung ruffifchen Regierung begünstigt würben, und ob das nicht Grund ( girka 40 Mann) und der Direktion ausgebrochen waren. Am genug für seine Amtsstelle sei, um ihren Einfluß bei der russischen Wiesenthal gewählt. Wir hatten erwartet, die unzufriedenen Mitglieder des Metall- 1. Juni schon tam es zwischen dieser Abteilung und der Fabrik- Regierung geltend zu machen, daß solchen Verbrechen gegen die Zivilisation Einhalt getan würde. Sir Edward Greh erwidert, arbeiterverbandes würden doch schließlich der ruhigen Ueberlegung leitung zu Differenzen, die jedoch durch Zugeſtändnisse der daß er die Depesche in den Zeitungen gelesen habe, aber keine amtfolgen und von einer Neugründung absehen. Ueber die Frage, ob Firma beigelegt wurden. Leider wurden diese Abmachungen liche Kenntnis irgendwelcher Art davon besitze. Was den Flottens man die Gründung eines neuen Verbandes für notwendig halte, seitens der Firma nicht eingehalten und waren die Arbeiter der besuch anbelange, so beabsichtige die Admiralität, im Sommer eine diskutierte die Versammlung am Sonntag überhaupt nicht mehr. Breßluftabteilung gezwungen, gestern in den Streit zu treten. Flotte zu einer Kreuztour nach der Ostsee zu schicken, in deren Eine Kommission hatte einen Statutenentwurf ausgearbeitet, eine Daraufhin wurde den Arbeitern des Werkes bekanntgegeben, daß Verlauf nach den bisherigen Festfeßungen diese Flotte schwedische, Vorschlagsliste für die Vorstandswahl aufgestellt, und die Vor- alle Arbeiter ausgesperrt seien. Von der Aussperrung nicht betroffen deutsche und russische Häfen besuchen solle. Es dürfte verfrüht schläge der Kommission gingen auch ohne erheblichen Widerspruch werden sollten die Arbeiter, denen durch ihre Meister weitere Arbeit fein, anzunehmen, daß Greignisse eintreten würden, die die Admiralität veranlassen würden, Aenderungen an diesen Disposi Wiesenthal, der zu Beginn der Versammlung einige einleitende augesichert sei. Ausführungen machte, erwähnte zwar unsere Aeußerung vom Eine gestern abend abgehaltene Versammlung der Ausgesperrten tionen bgrzunehmen. Als Keir Hardie dann weiter fragt, ob im Sonnabend, ohne jedoch näher auf sie einzugehen. Er glaubte viel beschloß, daß von den bestellten Arbeitern, von denen in der Ver- alle der Fortdauer der Mezeleien Befehl zum Nichtbesuch russischer Häfen als Zeichen der Mißbilligung Englands gegeben werden mehr, über unsere Warnung vor einer Organisationszersplitterung fammlung 108 gezählt wurden, gleichfalls niemand weiter arbeiten würde, erwidert Greh, daß er seiner bereits erteilten Auskunft leichten Herzens hinweggehen zu können, indem er sich und seine solle. Heute morgen 8 Uhr findet eine Versammlung der Aus- nichts hinzufügen könne. Zuhörer damit beruhigte: Die Aeußerung in unserer Sonnabendnummer ſei wohl nur veranlaßt durch einen Artikel in der letzten gesperrten statt, in der weitere Beschlüsse gefaßt werden. durch. " Deutfches Reich. Eine englische Intervention? London, 18. Juni.( W. T. B.) Das Reutersche Bureau erfährt, daß im Auswärtigen Amte ernste Vorstellungen wegen der Ereignisse in Bjelostok erhoben werden. Lord Rotschild hatte heute nachmittag eine Unterredung mit dem Minister des Auswärtigen Sir Edward Grey. Nummer der Metallarbeiter- Zeitung", der eine Stellungnahme des„ Vorwärts" in dieser Sache erwartete. Der Vorwärts"-Artikel Hannover, den 18. Juni. Die Arbeiter der Hannoverschen meinte Wiesenthal ebenso richtig" weiter sei ja nicht von der Redaktion unterzeichnet, er gebe also nicht die Meinung der Gummiwarenfabrik haben heute sämtlich die Arbeit niedergelegt, Redaktion, sondern nur die Ansicht eines einzelnen Redakteurs wegen Ablehnung der gestellten Forderungen. wieder. In dem Emaillierwerk von W. Hiby in Düsseldorf haben die Genosse Wiesenthal tönnte eigentlich wissen, daß Aeußerungen Arbeiter der Stanzerei die Kündigung eingereicht. Trotz guter Konim Vorwärts", die nicht ausdrücklich als Ansichten eines einzelnen junttur und Lebensmittelteuerung wurde der Verdienst immer gekennzeichnet sind, als Meinung der Redaktion betrachtet werden schlechter. Differenzen wegen ungenügender Attordpreise waren an müssen. Um hierüber bei den Mitgliedern des neuen Verbandes der Tagesordnung. Einige Planierer waren schon, des ewigen teinen Zweifel aufkommen zu lassen, sei ausdrücklich erklärt, daß Feilschens müde, von selbst gegangen. Die Arbeiter verlangen vor Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud v. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Sieran 2 Beilagen u. Unterhaltungsblats Kassiertes Mandat. London, 18. Juni.( W. T. B.) Das Mandat des liberalen Parlamentsmitgliedes für Bodenin, Robarts, ist wegen Wahlumtriebe für ungültig erklärt worden. Nr. 180. 23. laljrpiij. 1. KW Ks, Amiirls" Krlim KIKsMi Dienstag, 19. Juni 1906. Jaurvs� Rede über den Zuknnftsstaat. Paris, 15. Juni. Die Wahlen haben die radikale Partei ans Rpdcr gebracht und damit die bürgerliche Demokratie vor ihre Schicksalsfrage gestellt. Sie muh entweder ihr Reformprogramm durchführen oder vor den arbeitenden Massen ihren politischen und moralischen Bankrott be- kennen. Welche von diesen beiden Möglichkeiten wünschenswert und wahrscheinlich ist, darüber ist in der sozialistischen Partei in der letzten Feit lebhaft diskutiert worden. In jedem Falle ist für die Sozialisten die Zeit gekommen, dem Lande nicht nur die In- konsequenz und die Unredlichkeit der Radikalen, sondern auch die Unzulänglichkeit der bourgeoisradikalen Lösungen selbst dar- zulegen und die weiter tragende Kraft des sozialistischen Pro- jjramms zu erweisen. Dieser Aufgabe hat sich JaursS unterzogen, der in einer den gröhten Teil zweier Parlamentssitzungen ausfüllenden Rede, deren rhetorischer Glanz nanientlich in ihrem zweiten Teile dem ganzen Hause Bewunderung abzwang und deren polemische Schärfe den Regierungsmännern— vor allem Herrn Clömenceau— sichtlich unangenehm wurde, mit dem Regierungsradikalismus ab- rechnete und seine Auffassung von der Verwirklichung der sozio- listischen Ziele darlegte. Die Reaktionäre, zu denen diesnial— bei dem sozialökonomischen Thema— nicht nur die Klerikalen und die Monarchisten gehörten, versuchten JaureS nnt höhnischen Zwischen- rufen aus dem Konzept zu bringen, aber ihre Heiterkeit hatte keinen echten Klang., Jaures legte besonderes Gewicht auf die Frage, ob die Ver- gesellschaftung der Produktionsmittel mit einer Entschädigung der Kapitalisten verbunden werden könne. Man mag diese Frage viel- leicht nicht von drängender Aktualität finden, aber in den Tagen, da die Duma die Landzuteilung au die Bauernschaft vermittelst einer Expropriation in grohem Stil berät, erscheint das Problem der Expropriation der Expropriateure vor der internationalen Bourgeoisie in einer unheimlich greifbaren Gestalt. Für die ganz besondere lln- wissenheit der französischen Bourgeoispolitiker in ökonomischeu Dingen ist es übrigens charakteristisch, dah die törichte Ein- lvendung eines Reaktionären, dah die entschädigten Kapitalisten ihr Einkommen zu neuerlicher Profitmacherei ausnützen würden, so ziemlich von der ganzen bürgerlichen Presse als eine schlagende Wiedcrlegung der von JaursS vertretenen Auffassung behandelt wird! Der Rentierverstand des französischen Normalbürgers hat eben keine Ahnung davon, dah aller Profit aus der Ausbeutung der Lohnarbeit stammt und dah das schönste .Kapital" nichts nützt, sobald die kapitalistische Mehrwertsproduktion aufhört. Jaurös begann mit einer scharfen Kritik der arbeiterfeindlichen Haltung der Regierung während der Streikbewegung: Man mag darüber streiten, ob die Arbeitskonföderation richtig vorgegangen ist, aber darum bleibt das Unternehmen der Arbeiter, durch Vereinigung ihrer Gewerkschaften eine selbständige Kraft, eine wahre Organi- sation der ganzen Arbeiterklasse zu errichten, von höchster Bedeutung. Doch die Regierung hat sich gegen diese Bewegung in einer Art verhalten, dah heute in der ganzen Arbeiterklasse das Gefühl herrscht, dah ihre Freiheit, ihr Streikrecht verletzt wurde. Die Re- gierung ist mit Unredlichkeit und Geivalt vorgegangen. Sie hat die Leiter der Konföderation verhaften lassen, gerade am Vorabend des grohen Kampfes und sie nachher wieder auf freien Fuh gesetzt, ohne dah sie bis heute wissen, wessen sie eigentlich angeklagt find. Der Zweck aber war erreicht: Die Bewegung war desorganisiert und beinahe entehrt durch den Verdacht einer Verbindung mit den Reaktionären, den man auf die Arbeiter hatte fallen lassen. Wahrlich, die Arbeiterklaffe hat ein Recht darauf, unter der Republik, um die sie sich immer in der Zeit der Gefahr geschart hat, anders behandelt zu werde». Die Haltung der Regierung hat zwei Gründe. Der erste war die feige Rücksicht auf die Panik, die die Reaktionäre künstllich erregt hatten. Der zlveite aber ist die Unfähigkeit: für die soziale Frage, die die Bewegung der Gewerkschaften vor dem Lande in ihrer ganzen Gröhe aufgerollt hatte, eine Lösung zu finden. Der Minister des Innern ist ein Meister in der negativen Kritik, aber die Zeit der blohen Kritik ist heute vorbei. Doch so lange als die Majoritäten keine Lösung des sozialen Problems gesunden haben, werden die Regierungen in ihrer Ratlosigkeit immer geneigt sein, ihr Mihvergnügen durch eine über- mähige Verwendung von Polizei und Militär auszudrücken.„Geben Sie acht: die heutige Gesellschaft, die Sie wohl zu kritisieren, aber nicht zu ersetzen wissen—"(Eine Stimme im Zentrum:„Sie ebenso wenig I)—„ja, glanben Sie, dah ich auf die Tribüne gestiegen bin, um auch nur einem einzigen Problem aus- zuweichen? Ich sage Ihnen: die heutige Gesellschaft niht nicht auf breiten Grundlagen. Ich bestreite nicht, dah in der französischen Miltelklaffe eine gewisse Akkumulation von Kapital vor Händen ist, und man wird m der Tat bei der Umgestaltung der Gesellschaft diese Znteressen schonen und für Entschädigungen sorgen müssen. Aber wissen Sie, was die vom Finanzministerium ver- öffentlichten Erbschaftsstatistiken über die wirkliche Verteilung des Eigentums im Lande aussagen? Es ist wahr, dah die Hinterlassenschaften von 1000 bis 10 000 Frank ein Kapital von 23 Milliarden repräsentieren, dah ferner die Hinterlassen- schaften von 10 000 bis 100 000 Frank, die einer Bevölkerung von 1 800 000 Menschen entsprechen, 50 Milliarden darstellen. Aber während jährlich in Frankreich 800 000 bis 900 000 Menschen sterben, erreicht die Zahl der Nachlaherklärungen nicht 400000. Rechnet man die Minderjährigen ab, so bleiben noch immer 300 000 Per- fönen pro Jahr, die im ganzen eine Zahl von 15 Millionen re- präsentieren. 15Millionen Franzosen gehen also nach einem Leben voll Mühen dahin, ohne einen Centime zu hinter- lassen. 221 000 Individuen aber— nicht einer mehr— besitzen 105 Milliarden von den 170, die sich nach der Statistik als Gesamtvermögen der 30 Millionen Franzosen ergeben! Woher kommt nun der ungeheure Abstand zwischen dem riefen- haften Reichtum der einen und dem Nichts der anderen? Woher sonst, als von dem endlosen Tribut, den die Besitzer des Kapitals von der produktiven Arbeit der Millionen Bürger erheben. Wir� aber rufen Ihnen zu: Wollen Sie die produzierenden Menschen dazu verdammen, unter dieser Eigentumsform zu leiden? Und wäre eine Gesellschaft, in der alle Arbeitsmittel, die Erde, die Werkstätten, die Bergwerke, die Werften nicht mehr von einer Minderheit von Kapftalisten, sondern von der Gemeinschaft der vereinigten Produzenten besessen würden, nicht besser, gerechter, menschlicher? Antworten Sie, ehe Sie verdammen I Jawohl, diese Umgestaltung—"(Marquis v. D i o n ruft:„Nein, diese Expro- priationl")„nun ja, diese Expropriation ist cS, die die Sozialisten fordern. Wenn Sie aber, trotz ihrer Vorurteile, trotz der billigen Ironie, die ja angesichts neuer Gesellschaften so leicht ist, anerkennen müssen, dah jene Gesellschaft gerechter wäre, dann hüten Sie sich I Denn wenn Sie sie trotzdem für unmöglich erklären, dann verkünden Sie offen den Bankrott der menschlichen Vernunft. Aber diese Umwandlung ist möglich, möglich nach Ihren eigenen Gesetzen und nach den erkannten Gesetzen der menschlichen Natur. (Höhnisches Gelächter und Widerspruch rechts und im Zentrum.) Es ist mir nichts Neues, dah derjenige, der das Bild einer neuen Gesellschaft entwirft, auf Hohn und Spott stöht. Aber nicht die Versammlungen von heute find es, an die wir uns wenden, sondern dos allgemeine Stimmrecht von morgen! Doch da Sie mich drängen. Ihnen im voraus den Plan der neuen Gesellschaft zu entwerfen, die das Proletariat errichten wird, wenn es die Macht erlangt haben wird, habe ich das Recht, Ihnen zu sagen, unter welchen Bedingungen die Definition dieser neuen Gesellschaft möglich ist. Sie dürfe» nicht verlangen, daß man Ihnen die histo- 1 tischen Details dieser Umwandelung varhersagt. Um mir ein Bei» spiel zu nennen, ist es unmöglich, zu wissen, ob die allgemeine Expropriation des bürgerlichen und kapitalistischen Eigentums mit einer Entschädigung verbunden sein wird oder nicht. (Wütender Widerspruch.) Ah, meine Herren, welches lehrreiche Beispiel! So lange man Minister und Regierungen angreift: Stille und Aufmerk- samkeit l Aber sobald man sich an das wesentlichste Problem wagt, sobald man auf dieser Tribüne das Eigentum aufs Tapet bringt, dann geraten alle Fibern, die ganze Substanz der Menschen in Er- regung."— Der Redner weist an der Hand der sozialistischen Literatur nach, dah die bedeutendsten Vorkämpfer der Arbeiterklasse einer Ent- schädigung der Kapitalistenklasse zugestimmt haben. Er beruft sich auf'Marx, Kautsky, Vandervelde, Liebknecht. Er fügt aber hinzu:„Ich bin nicht so eitel und unbillig, der Arbeiterklasse im vorhinein Bedingungen stellen zu wollen. Ich erkläre das Recht der Arbeit für souverän, und ich werde in jedem Falle mit ganzem Herzen und mit meinem ganzen Geiste an dem notwendigen Werke der Umwandlung teilnehmen."— Im weiteren führt Jaurös die Ansicht aus,'ah sich die allgemeine Ex- propriation auf Grund der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen, aus dem Titel des.öffentlichen Nutzens" beschliehen lasse. Dann spricht er über die Aufgaben, die die sozialistische Gesellschaft nach der Vergesellschaftung der Produktions- mittel zunächst zu erfüllen haben werde. Er saht vor allem dreierlei ins Auge: Die Errichtung gesunder Wohnungen sowie die Unterstützung der genossenschaftlich vereinigten Kein- b a u e r n, zweitens eine ausreichende Versicherung nicht nur der Lohnarbeiter von heute, sondern auch der heutigen Mittelklasse gegen die Gefahren de? Lebens, endlich eine un- mittelbare Erhöhung des Arbeitsentgelts. Der Redner veranschlagt die Höhe der Summe, die für die ge- nannten Zwecke frei würde, auf reichlich 7 bis 8 Milliarden Frank jährlich. Im weiteren bespricht er die Notwendigkeit der fortschreitenden Demokratisierung der Staatsverwaltung, die EntWickelung autonomer Körperschaften. Dann fährt er fort:„Sie können unsere Lehre verurteilen, sie für eine Utopie erklären, aber Sie sind verpflichtet, uns zu sagen, wie Sie die soziale Eni Wickelung auffassen." Jaurös erinnert an die Versprechungen der radikalen Partei in der Zeit, da sie noch eine machtlose Minderheit war.„Im Jahre 1885, als die sozialistische Partei kaum über ein Häuflein Propagandisten verfügte, erlichen die radikalen Blätter „Rappel",„Radical" und„Justice"— der Herausgeber dieses Blattes war damals Herr Clämenceau— einen Aufruf, worin es hieh:„Wer heute kein Sozialist ist, ist auch kein Republikaner."— Heute aber sind Sie an der Macht, Sie verfügen über eine parlamentarische Majorität und über die Regierung. Und nun frage ich Sie: Was wollen Sie tun, um die Proletarier von der Lohnknechtschaft zu erlösen und— nach der politischen Republik— die soziale zu verwirklichen? Sprechen Sie nicht von der Fehlbarkeit der menschlichen Vernunft! Das haben die Männer der grohen Revo- lution auch nicht getan, als sie System gegen System setzten und im Hochflug kühner Gedanken eine neue Welt schufen. Und nun ist auch für uns, für unsere Gesellschaft die Stunde gekommen, das Geheimnis zu enthüllen, wie sie ihren Traum von Gerechtigkeit verwirklichen will. Wir haben gesprochen unter unserer Verant- Wartung und auf unsere Gefahr. Sprechen Sie nun l" Der Eindruck von JaursS' Rede, die auch rein als oratorische Leistung eine auherordeutliche parlamentarische Begebenheit darstellte, war sehr bedeutend. Man nahm an, dah Clsnienceau, der bei JaursS' Angriffen eine große Nervosität an den Tag gelegt hatte, sich erheben würde, um sich und die Bourgeoisdemokratie, deren glänzendster Sprecher er ohne Zweifel ist, zu verteidigen. Vorläufig wich er indes dem mit großer Spannung erwarteten Duell auS. Er wird erst in der nächsten Woche das Wort ergreifen. Dafür war der Kammer gestern eine andere„Sensation" be- schieden: Herr Bistry, der Gelbe, hielt seine— wenn man das Wort bei diesem prostituierten Klopffechter anwenden darf—„Jungfernrede". Die Rechte belohnte sein mit ziemlicher Mundfertigkeit und viel Frechheit vorgebrachtes Geschwätz mit demonstrativem Applaus, und die reaktionäre und gemäßigte Presse preist die Rede als Offen- darung von Weltweisheit. Bistry rühmte sich seines Verdienstes, den Gewerkschaften bei ihren Kämpfen in den Rücken gefallen zu sein und Arbeiterorganisationen zur Verteidigung des Kapital- Profits ins Leben gerusen zu haben. Der Wackere stellte sich als Wortführer einer„Partei" vor, die— im Gegensatz zum Sozialismus— auf die Verallgenieinerung des Privateigentums hinstrebe. Nickt der einfältige Inhalt der Rede, sondern der Widerwille gegen die unsaubere Persönlichkeit des Redners rief bei den Sozialisten stürmische Kundgebungen hervor. Aber auch bei den anständigen Leuten aller Parteien trat der Unwille über die un« appetitliche Episode dieses sick ernst geberdenden Hanswurstes zutage. die in die Diskussion der größten Frage der Menschheit einen lächer- lichen und widerwärtigen Mißton gebracht hatte. XV. Gtnerlllvkrsammlung des Derbaudes der Krauerei- Arbeiter. Köln. 16. Juni. Vierter Verhandlungstag. Nach Eintritt in die Tagesordnung wird in der Beratung der vorliegenden Anträge fortgefahren. Angenommen werden zunächst verschiedene Anträge formaler Natur, die mit der Ablehnung eines weiteren Ausbaues des Unterstützungswesens zusammenhängen. Weiter wird ein Antrag angenommen, bei Arbeitslosigkeit eine Kontrolle der Arbeitslosen einzuführen. Wer die ihm angewiesene Arbeit nicht annimmt oder die von der Organisation anerkannten Arbeitsnachweise nicht benutzt, soll der Unterstützung verloren gehen. Eine lebhafte Debatte ruft ein Vorstandsantrag hervor, die Gematzregeltcnunterstützung in Höhe der Streikunterstützung festsetzen zu können. Der Antrag gelangt schließlich mit 24 gegen 15 Stimmen zur Annahme. Unter„Rechtsschutz" wird beschlossen, in allen Streitfällen, die sich auf die Arbeitsloscnversichcrungs- gesetze beziehen, den Mitgliedern den erbetenen Rechtsschutz zu gewähren.— Eine mehrere Stunden lange Debatte rufen dann die Anträge hervor, die sich auf das Verwaltungswescn(Anstellung von mehr Gauleitern, Lokalbeamten und dergleichen) beziehen. Angenommen wird schließlich folgender von H ä h n l e i n» Hannover begründeter Antrag:„Der Verbandstag beschließt, daß der Hauptvorstand in Verbindung mit dem Ausschuß berechtigt ist, an solchen Orten und Bezirken Beamte anstellen oder Agitations- Zuschüsse gewähren zu können, wo sich dies notwendig macht".'DeS ferneren wird dazu beschlossen, den Sitz des Gaues I von Posen nach Schlesien zu verlegen, und auf Antrag Erfurt, alljährlich Gau- konfcrenzcn abzuhalten.— Ein weiterer Antrag, der besagt, daß die Zersplitterung der Berufsgenoffen durch Bildung von Sektionen innerhalb einer Zahlstelle verhindert werden soll, wird nach recht lebhafter Debatte in dem Sinne angenommen, daß die Forderung m ö g l i ch st zur Jnnehaltung empfohlen wird. Sodann wird ein Antrag T r ö g e r- Berlin, der daS viel kritisierte, vom Vorstande eingeführte Wahlrcglemcnt für un- gültig erklärt wissen will, mit 21 gegen 20 Stimmen a b g e- lehnt.— Angenommen wird ein Antrag, zu den Generalver» sammlungen auf je 500 Mitglieder einen Delegierten zu wählen.— Eine Urabstimmung zur Einberufung von außer- ordentlichen Verbandstagcn soll in Zukunft oann stattfinden, wenn ein Drittel der Vcrbandsmitglicder dies beantragt. Zur Verhandlung steht dann weiter die„Fachpresse". Zu- nächst Wild dazu beschlossen, den bisherigen Namen«Brauer- Zeitung" in„Brauereiarbeiter-Zeitung" umzu- ändern. Ueber den Inhalt des Fachorgans entspinnt sich eine leb- hafte Debatte nach der Richtung, daß sämtliche Redner mit der Haltung und dem Inhalt der„Brauer-Zeitung" unzufrieden sind. Jakob- München will die ellenlangen Versammlungsberichte eingeschränkt und korrekter gefaßt wissen. Für den gewonnenen Platz sollen wirtschaftlich-belehrende Artikel aufgenommen werden. A m b o r n- Erfurt kritisiert es, daß das Fachorgan sich nicht zu der vorjährigen Kölner Gewerkschafts-Kongreß- angelegenheit-geäutzert habe. Auch zu der wichtigen Mai» feierfrage, dem vielerörterten Generalstreik und sonstigen allgemein interessierenden Fragen habe die„Brauer- Zeitung" sich nicht geäußert. Wenn der Redakteur sich aus Zeit- mangel nicht mit derartigen Sachen befassen könne, möge man einen zweiten Redakteur anstellen.— W i t t i ch- Frankfurt kritisiert, daß das Verbandsorgan jede Polemik vermissen lasse. Um mehr Raum zu gewinnen, liegt ein Antrag vor. die Zeitung sechs. seitig erscheinen zu lassen.— Kager! befürchtet, daß auch bei sechs Seiten die Mißstände nicht beseitigt werden, wenn nicht die „Tarifwürmer" und langen Versammlungsberichte auf ein Minimum beschränkt werden. Beschlossen wird schließlich, die Quartalsabrechnungen in besonderen Beilagen bekannt zu geben, die Tarifabschlüsse nur in kurzen Auszügen zu veröffentlichen und die Versammlungsberichte auf das allernotwendigste einzuschränken. Unter diesem Gesichtspunkte wird die Vergrößerung abgelehnt. Die weitere Debatte dreht sich fast ausschließlich um ver- waltungstechnische Angelegenheiten.— Ein Antrag, die BesoldungS- Verhältnisse nach festen Grundsätzen zu regeln, wird in folgender Weise einstimmig angenommen:„Die Mitglieder des Hauptvorstandes werden mit 2000 Mk. angestellt, steigend in jährlichen Raten bis 2700 M. Der Vorsitzende Bauer erhält.eine sofortige Zulage von 300 M., die beiden anderen Mitglieder des Hauptvorstandes erhalten Zulagen von je 240 M.— Das Gehalt der Gauleiter wird auf 1800 M. Anfangsgehalt festgesetzt, steigend bis 2400 M. Die Gauleiter erhalten eine sofortige Zu- läge von je 180 M.— Sämtliche Verbandsbeamte werden en bloc einstimmig wiedergewählt. Sitz des Vorstandes bleibt Han» n o v e r. Sitz des Ausschusses Berlin. Als nächster VerbandStag wird Straßburg i. Elf. bestimmt. Der Punkt„G r e n z st r e i t i g k e i t e n" soll in einer Extra- sitzung behandelt werden. Derbandstilg der Schuhmacher. Nürnberg, den 16. Juni.> Sechster Verhandlungstag. Der zweite Vorsitzende G ö l l e r gibt bekannt, daß die heutige Sitzung eine geschlossene ist, daher frenide Personen ihr nicht bei- wohnen dürfen. Der 5. und 0. Punkt,„Die Tarifbewegung in unse. rem Berufe" und„Unsere Taktik bei Streiks und Aussperrungen" wird in einen Punkt zusammengezogen und miteinander verhandelt. Gleichzeitig werden die vorliegenden Anträge zum Streikreglement mit zur Diskussion gestellt. Ein Antrag, gelegentlich des im nächsten Jahre nach Stuttgart berufenen internationalen Arbeiterkongresses dortselbst auch einen internationalen Schuhmacherkongretz stattfinden zu lassen, wird von Simon begründet. Redner bemerkt, daß wir bereits mit der dänischen, schweizerischen und österreichischen Schuhmacherorgani- sation Verbindungen haben, nur mit der englischen nicht. Redner hofft, daß mit den französischen Kollegen, die bisher nur in lokalen Organisationen vereinigt sind, ebenfalls eine Verständigung statt- finden werde. Der Antrag wird angenommen. Ein weiterer An- trag, wonach die Delegierten zu den Gewerkschaftskongressen von den Mitgliedern gewählt werden sollen, und zwar mit der Maßgabe, daß auf je 5000 Mitglieder ein Delegierter entsendet werden darf, wird ebenfalls angenommen. Dieser Beschluß soll auch für die Beschickung des nächsten internationalen Kongresses in Stuttgart Geltung haben. Zur Frage der Mstifeier wird folgende Resolution gegen fünf Stimmen angenommen: „Die elfte Generalversammlung des Zentralverbandcs der Schuhmacher Deutschlands erblickt in der Arbeitsruhe am ersten Mai die würdigste Form der Maifeier und verpflichtet die Mitglieder, überall da, wo in einem Betrieb der Beschäftigten organisiert sind, mindestens vier Wochen vor dem ersten Mai hierzu Stellung zu nehmen. Wenn in dieser Betriebsversammlung die Arbeitsruhe mit % Majorität beschlossen wird, so haben die Mitglieder diesen Be- schluß zur Durchführung zu bringen. Der Gauleitung ist sofort von diesem Beschluß Kenntnis zu geben. Wird unter dieser Voraus- setzung die Arbeitsruhe durchgeführt, so treten bei eventuellen Aus- sperrungen oder Maßregelungen die Bestimmungen des Streikreglements in Kraft." Gau 2 stellt zur Unfallstatistik folgenden Antrag: „Es sind an die Ortsverwaltungen einheitliche Fragebogen auS- zugeben, welche von denselben bei eventuellen Unfällen gewissenhaft auszufüllen und an die zuständige Gauleitung zwecks Auftiahme einer Statistik einzusenden sind. Im Fragebogen soll enthalten sein: Name der Firma und des Verunglückten, Alter desselben, ob ge- lernter oder ungelernter Arbeiter, Art der Verletzung, Dauer und Grad der Erwerbsunfähigkeit, an welcher Maschine passierte der Un- fall, war Schutzvorrichtung vorhanden, ob der Arbeiter in Zeit» oder Akkordlohn beschäftigt war, Tag und Tageszeit des Unfalls usw." Der Antrag wird angenommen. Es folgt der letzte Punkt„Wahlen?. Von der bisherigen Ver. waltung werden Simon als erster Vorsitzender und Reuß als Haupt» kassierer per Akklamation einstimmig wiedergewählt. Für den Posten des Sekretärs Herrmann-Dresden und Weise-WeifoenfelS bestimmt. Für den neuen Posten des zweiten Kassierers wird König-Köln ge» lvählt. Ein Antrag, den Ausschuh nach Frankfurt a. M. zu verlegen, wird abgelehnt, als Vorsitzender dos Ausschusses wird Haupt- Magdeburg gegen eine Stimme, als Fachblattredakteur Bock-Gotha einstimmig wiedergewählt. Simon danlt im Namen der'GewähltLjx für daS Vertmuen der Kollegen. Nachdem G ö l l e r- Frankfurt den Verlauf der Ver- sammlung kurz skizziert und die Delegierten ermahnt hat, in ihren Zahlstellen im Sinne der gefaßten Beschlüsse zu wirken, nimmt der Vertreter der dänischen Schuhmacherorganisation, Jörgensen» Kopenhagen, das Wort, um in kurzen Zügen eine Darstellung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse und der Organisation der dänischen Schuhmacher zu geben. Seine Ausführungen gipfeln darin, daß der dänische Perband außerordentliche günstige Tarifverträge durch- gesetzt hat mit hohen Minimallöhnen, daß die Ueherstunden voll- ständig abgeschafft sind usw. Diese Vorteile waren nur dadurch zu erzielen, daß die dänischen Schuhmacher als eine geschlossene Masse auftreten konnten, da im ganzen Lande nur zirka 500 Schuh. macher noch nicht der Organisation angehören. Er wünscht den deutschen Kollegen die gleichen Erfolge. Simon weist in seinen Schlußbetrachtungen ganz besonders auf die vorstehenden Ausführungen hin und wünscht, die Dele- gierten möchten daraus den Ansporn schöpfen, in ihren Zahlstellen mit verdoppeltem Eiser zu wirken, damit in absehbarer Zeit auch die deutschen Schuhmacher von sich sagen können, daß die Zahl der Indifferenten unter ihnen verhältnismäßig gerade so gering ist, wie in Dänemark. Erfreulich sei auch, daß der Verband auch diesmal wieder sich auf den Standpunkt gestellt habe, daß er in erster Linie eine Kampforganisation sei. Redner hofft, daß dieser Standpunkt auch bei späteren Generalversammlungen nicht verlassen werde. Nachdem er noch mitgeteilt, daß von der österreichischen Bruder. organisation ein Dankschreiben für die geleistet« finanzielle Hülfe durch Bewilligung eines Darlehens von 10 000 M. eingelaufen fei, schließt er die Generalversammlung mit einem dreifachen Hoch auf den Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands und auf die internationale Arbeiterbewegung. KtMökWWudeur Major a. D. v. Jandet v. Etttosselt vor Geslhworellen. Breslau, IS. Juni. Schon lange vor Beginn der Verhandlung drängt ein ungemein zahlreiches Publikum nach dem Zuhörermum des Schwurgerichts- saalcS. Weit über 200 Zeugen, zumeist Kaufleute und Grotz- mdustrielle aus Nord» und Süddeutschland sind geladen. Angellagt sind der Bezirtskemmandeur Major a. D. v. Zander nebst Gattin. Sie werden beide des Betruges in etwa 70 Fällen, deS wissentlichen Meineides, der falschen eidesstattlichen Versicherung, des einfachen und betrügerischen Bankrotts, Major v. Zander autzerdem der Untere schlagung und der Untreue beschuldigt. Als dritter muh Ritter- gutSbesifeer Lüttig wegen Beihülfe zum betrügerischen Bankrott auf der Anklagebank Platz nehmen. Major v. Zander war Bezirks- kommandeur des 6. Hommerschen Infanterieregiments v. Dönhoff in Gnesen, zuletzt Bezirkskommandcur in Wohlau. DaS v. Zander. sehe Ehepaar soll weit über seine Verhältnisse gelebt und, da die Mittel hierzu nicht reichten, Waren aller Art in großen Mengen in den verschiedensten Städten Deutschlands unter Vorspiegelung falscher Tatsachen auf Borg entnommen, außerdem sich gegen Wechsel große Summen geliehen haben. Für Beschaffung des erblichen Adels- titels an einen Amtsrat erhielt v. Zander 300 000 M. Dieses Geld verwandte er nicht zur Bezahlung seiner Schulden, sondern kaufte sich das im Kreise Wohlau belegene Rittergut Schmogerle, in der Absieht, ein Majorat für seinen Sohn zu errichten. Da die Gläubi- ger drängten und Pfändung beantragten, soll er zum Schein das Rittergut an den Rittergutsbesitzer Lüttig mit dem Recht deS Rüek kaufs verkauft haben. In diesem Verkauf erblickt die Staatsanwalt� schaft den betrügerischen Bankrott, v. Zander hat beschworen, daß der Kaufvertrag kein Schcinvertrag war? dadurch und bei Leistung mehrerer Offenbarungseide soll er und seine Gattin sich des wissent- lichen Meineides schuldig gemacht haben. Nachdem er seine» Ab- schied genommen, war er AufsichtSratsmitglied mehrerer Industrie- gesellschasten. In dieser Eigenschaft soll er sich der Untreue und der Unterschlagung schuldig gemacht haben. v. Zander ist am 30. Januar 18S3 als Sohn eines Regierungs» assesiors in Königsberg in Preußen geboren. Er hat das Abiturienten- examen bestanden und dann Jura studiert. Er ist Ritter zahlreicher hoher Orden. Frau Mari« v. Zander ist am 25. Oktober 1862 zu Pees«, Kreis Gifhorn geboren. Lüttig im am 12. Dezember 18S1 geboren. Er ist Hauptmann der Landwehr und ebenfalls Inhaber mehrerer Orden. Er macht den Eindruck eines ehrbaren Land- Pastors. Vernehmung des Angeklagten. � Der Angeklagte v. Zander, der einen krankhaften Eindruck macht, bemerkt auf Befragen des Vorsitzenden mit sehr leiser Stimme, so daß man ihn am Berichterstattertisehe kaum verstehen kann: er sei bereit, Rede und Antwort zu stehen, bitte aber Rücksicht zu nehmen. Er habe durch die dreizehnmonatliche Untersuchungshaft geistig und körperlich gelitten, so daß ihm das Reden schwer falle. ES werde ihm auch kaum möglich sein, die einzelnen Tatsaehen aus- einander zu halten, daher werde er möglicherweise in einzelnem etwas konfuse Angaben maehen. Er werde sich aber bemühen, klar und er- schöpfend zu sprechen. Es falle ihm schwer, etwas gegen seine eigene Frau sagen zu müssen. Er habe es als Offizier stets als seine Pflicht angesehen, gegen Damen große Nachsicht zu üben, und er habe kaum noeh notwendig, zu versichern, daß esihmbesondersschwer falle, seine eigene Frau zu belasten. Aber wenn er nicht blind gewesen wäre, dann hätte er schon in den ersten Jahren nach seiner Vermählung sehen müssen, daß seine Fau g?istig nicht normal sei. Kurz vor der Hoehzeit habe er erfahren, daß seine Frau noch eine große Rechnung in Genf zu begleichen habe. Dies wäre beinahe die Ursache gewesen, daß die Heirat überhaupt nicht zustande kam. Nach der Verheiratung habe er erfahren, daß seine Frau noch eine ganze Reihe weiterer Schulden habe. Schlecht« Behandlung durch den Untersuchungsrichter. (Mit erhobener Stimme): Ich muß von vornherein bemerken, daß ich von dem Untersuchungsrichter in ganz furchtbarer Weise be- handelt worden bin. Der Untersuchungsrichter hat mich mit Hohn überschüttet. Ich bin 33 Jahre Offizier und habe mir niemals das geringste zuschulden kommen lassen. Ich bin aber vom Unter- suchungsrichter nicht wie ein anständiger Mann, dem die Schuld erst bewiesen werden muß, behandelt worden, sondern wie ein des Mordes Verdächtigter. Sobald ich eine Einwendung maehen wollte, sagte er: „Führen Sie oder ich das Protokoll? Recht Sie, ich habe zu be- stimmen, waS da hineinkommt." Ich bin aus tiefstem Herzen Deut- scher, ich habe einige 30 Jahre die Uniform meine« Königs in voller Ehre getragen, ich hätte es nie für möglich gehalten, dast ein Unter- fuchungsgefangener in Preußen so behandelt werden könnte. Ich bin von dem Untersuchungsrichter geradezu mit grinsendem Hohn be- handelt worden. Alle meine Entlastungsanträge wurden mit grinsendem Hohn zurückgewiesen. Erst in den letzten drei Tagen konnte ich etwas für meine Entlastung tun. Verteidiger Justizrat Mamroth: Ich muß be- merken, daß mir als Verteidiger der Einblick in die Akten sieben Monate lang verweigert worden ist. Ich habe ferner den An- geklagten nur in Gegenwart deS Untersuchungsrichters, des Herrn Landgerichtsdirektor» Firle, sprechen können. Ich werde deshalb genötigt sein, noch in der Hauvtverhandlung Anträge zu stellen. Der Angeklagte v. Zander erklärt weiter: Als Leutnant habe ich zehn Jahre ohne Zuschuß gelebt. Ich habe keine Schulden gemacht, ich habe keine Bedürfnisse und bin an eine spartanische Lebensweise gewöhnt. Da aber entdeckte ich, daß meine Frau un- sinnige Schulden hatte. Nach der Geburt des ersten Kinde« bestellte sie für 3200 M. Erstlingswäsche. Als ich die« dem Untersuchungs- richter sagte mit dem Bemerken, daß ich an der geistigen Zu- rechnungsifähigkeit meiner Frau zweifle, sprach er von falscher Erziehung oder moralischer Minderwertigkeit. Sie können sich denken, daß eine solche Bemerkung über meine Frau, die ich über alles liebe, mich furchtbar erregte.— Vors.: Herr v. Zander, so kommen wir nicht weiter. Die geistige Zurechnungsfähigkcit Ihrer Frau wird später Gegenstand der Verhandlung sein. Ich muß Sie bitten, mir jetzt Rede und Antwort zu stehen, anderenfalls muß ich die Verhandlungen mit Ihnen abbrechen.— Angekl.: Ich muß doch zunächst die Behandlung schildern, die mir vom Unter- suchungsrichter zuteil wurde. Ich werde kaum noch in der Lage sein, meine Verteidigung zu führen, ich bin vollständig fertig.— Vors.: Wünschen Sie, daß aus diesem Grunde die Verhandlung vertagt wird?— Angekl.: DaS wünsche ich nicht, ich habe an der langmonatigen Untersuchungshaft vollauf genug.— Vors.: ES sollte mir leid tun. wenn ich gegen Sie Maßnahmen treffen müßte, aber wenn wir weiter kommen wollen, müssen Sie mir schon Rede und Antwort stehen. Nach einer kurzen Pause hält der Vorsitzende dem Angeklagten vor, daß er sich im Jahre 1897 von einem Freunde 6000 M. ge- liehen, sie aber nicht zurückgezahlt habe.— Angekl.: Ich muß bemerken, daß ich mich damals tatsächlich von meiner Frau getrennt hatte. Meine Frau war ein halbes Jahr in England. Ich habe ernstlich erwogen, ob ich mich von ihr scheiden lassen soll. Die 6000 M., die ich von meinem Freunde Bändel für eine Gefälligkeit erhielt, habe ich zur Bezahlung,von Schulden meiner Frau ver- wandt. Ich habe, während me,ne Frau in England war, sehr sparsam gelebt und nicht einmal im Kasino gegessen. Der Bursche mußte Mir ein paar Kartoffeln kochen. Einen Dienstboten habe ich mir nicht gehalten. Der Angeklagte erzählt weiter in sehr um- ständlicher Weise, sein Freund habe durch ihn Unsummen an Kali- werten verdient, dafür habe er ihm die 6000 M. geliehen. Jedes Jahr 6000 Mark Zulage. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung hält der Vorsitzende dem Angeklagten vor, er sei 1894 als Kompagniechef in das Magde- burgische Infanterieregiment Nr. 66 versetzt worden. Er hatte in Magdeburg in der Nähe der Jnfanteriekaserne eine Wohnung zum MictSprcise von 1300 M. und versteuerte ein Einkommen von jährlich 3981 M.— A n g e k l.: Ich hatte dSNÄS Mi iöMej xige jZulq« von MkLA MV W» J Die Schulden beb Angeklagten. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten bor, daß er im fahre 1897 laut Tagebuch eine Schuldenlast von 10 000 M. hatte. r habe vielfach sogar seinen Feldwebel angeborgt. Auf ferneres Vorhalten der Tagebuchaufzeichnungen bemerkt der Angeklagte, er sei ein paarmal vom Pferde gestürzt und habe eine starke Gehirn- erschütterung davongetragen. Er habe sogar öffentlich erklärt, er sei gar nicht verheiratet. Die Beschaffung des Abelstitels. Auf Befragen des Vorsitzenden erzählt der Angeklagte, er sei eines Tages nach Wilhelmshöhe eingeladen worden. Bändel habe den Wunsch geäußert, im Interesse seiner Söhne den erblichen Adel sich zu erwerben. Er sei darauf nach Berlin gefahren und habe auf dem Heroldsamte gehört, daß jährlich mindestens 1000 folcher Gesuche eingingen, von denen im Durchschnitt sechs entsprochen würde. Von irgend einer Beeinflussung könne keine Rede sein. denn die letzte Entscheidung hänge von Sr. Majestät dem Kaiser ab. Er sei dann von Freunden an einen hervorragenden Schrift- steller empfohlen worden, der sich gegen ein sehr hohes Honorar bereit erklärt habe, die Erledigung der notwendigen Formalien zu übernehmen.— Der Vorsitzende hält dem Angeklagten dann noch vor, daß er 2000 M., die seiner damals zweijährigen Tochter auS einem Vermächtnis zugefallen waren, zur Bezahlung seiner Schulden verwandt habe. Der Angeklagte erklärt, er habe die 2000 M. zur Erziehung seiner Kinder erhalten. Darauf wird die Verhandlung auf Dienstag, vormittag 9 Uhr, vertagt._ Soziales* Der Zwickaucr Polizeiukas gegen das Koalitionsrecht aufgehoben. Die KreiShanpt», annschaft hat die wunderliche Auflösung deS Streikkomitees der Maurer seitens des Polizeiamtes aufgehoben. Am Sonnabend vormittag»st dem Maurer Z i t t e l, dem Vorsitzenden des Streikkomitees folgende Verfügung der Kreishauptmannschaft zu- gestellt worden: Zwickau, am 14. Juni 1906. Die königliche Kreishauptmannschaft, in kollegialer Zusammen- setzung, hat dem Rekurse, welcher von dem Maurer Hermann Zettel und Genossen in Zwickau gegen die Verfügung des Polizeiamtes vom S. dieses Monats, betreffend die Auflösung deS Maurer- streikkomitees in Zwickau, Bl. 12 fg. der Polizeiakten Nr. 2401, XIV, am 7. dieses Monats erhoben worden ist, Beachtung nicht zu ver- sagen vermocht. Es kann zunächst dahingestellt bleiben, ob bet dem gegen» wältigen Stande d e r G e s e tz g e b u n g dieBehörden überhaupt berechtigt sind, ein Streikkomitee deshalb polizeilich aufzulösen, beziehungsweise die Auflösung durch Zwangsmaßregeln zu er- zwingen, weil der Streik beendet sei. Jedenfalls kann der angefochtene» Verfügung schon deshalb weitere Folge nicht gegeben werden, weil die tatsächliche VoranSsetzung, auf der sie beruht, nach Ansicht der Kreishaiiptmannschaft nicht zutrifft. DaS Polizeiaint geht von der Annahme aus, daß der Streik erloschen sei. Diese Annahme ist irrig. Denn, wie aus den Akten des Polizeiamtes selbst zu ersehen ist, hat eine Einigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehinern hinsichtlich der Höhe veS Stueiden« lohnes und der Dauer der täglichen Arbeitszeit noch nicht herbeigeführt werden können, vielmehr sind die Verhandlungen hierwegcil noch im Gange. So lange aber eine Einigung nicht erfolgt ist, auch die Mehrzahl der in den Ausstand getretenen Ge- wcrbetreibenden in ihr früheres Arbeitsverhältnis noch nicht wieder zurückgekehrt ist, kann von einer Beendigung oder einem Erlöschen leS Streiks nicht die Rede sein. Auch auf dem platten Lande, auf welches sich der Streik mit erstreckt, dauert derselbe, wie die Er- örterungen»ach Gehör der hiesigen AmtShauptmannschast ergeben haben, noch fort. Demgegenüber kann dein Umstände allein, daß ein großer Teil der bei hiesigen BaugeschäftSinhabern beschäftigt gewoenen Maurer abgereist ist, worauf daS Polizeiamt seine Maß- nähme hauptsächlich stützt, ausschlaggebende Bedeutung nicht beigemessen werden. Die Rekurrenten sind entsprechend zu bescheiden. Königliche Kreishauptmannschaft. (gez.) Dr. Forker-Schubauer. Die an den Genossen Julius Seifert, den Wirt vom Belvedere", erlassene Verfügung betr. Ueberlassung von Räumlich- keiten, ist ebenfalls am gleichen Tage, als der kreishauptmannschaft- liche Entscheid erging, zurückgezogen worden. Der Bescheid ist von lakonischer Kürze. Er lautet: Es wird Ihnen hierdurch eröffnet, daß die an Sie am ö. d. Mts. ergangene Verfügung wegen Ueberlassung von Räum- lichkeiten für das Maurerstreikkomitee zurückgezogen wird. DaS Polizeiamt der Stadt Zwickau. Die Kreishauptmamischast läßt in ihrem Bescheide„dahingestellt". ob die polizeiliche Auflösung eines Streikkomitees zulässig ist. Nach Lage der Gesetzgebung ist eine solche Auflösung zweifelsohne rechts- widrig. Es wäre angebracht, daß das Zwickauer Polizeiamt zivil- rechtlich und strafrechtlich wegen des rechtswidrigen Erlasses in Anspruch genommen würde. Hat das bisherige Verfahren gezeigt, daß die Hüterin der Gesetze rechtswidrige Erlasse ergehen läßt, die lediglich dem Interesse der Unternehmer zu dienen geeignet find, so mag das weitere Verfahren zur Aufklärung der Frage dienen, ob polizeiliche Eingriffe in gesetzlich gewährleistete Reckte der Arbeiter- llasse in Sachsen so sehr an der Tagesordnung sind, daß eine Ver- antwortlichkeit für rechtswidrige Polizeiukase undurchführbar wäre. Eine schnurrige Rechtsordnung, in der den einfachsten Bürger Un- kenntnis der Gesetze nicht schützt und Beamte, die der besonderen Beachtung der Gesetze ihre Aufmerksamkeit zu schenken verpflichtet iind, ohne jegliche tatsächliche Verantwortung gegen Gesetze fehlen können._ Ein Beitrag zum Bureaukratismus der Fürsorgeerziehung. AuS einem Dorf bei Königsberg wird uns von zuverlässiger Seite folgender kaum glaubliche Fall berichtet: Eine im Landkreise Königsberg wohnende Familie, zu der sechs unerzogene Kinder gehörten, hatte ein acht Jahre altes Kind, das etwas schwach im Kopfe war. In der Schule kam es mit den anderen Kindern nicht recht mit. Eines Tages, als die Frau krank war. kam der Ortspfarrer zu Bestach und redete der Frau zu, das schwach- eistige Kind in eine Anstalt zu geben. Anfangs sträubte sich die Ikutter. Denn die Leute sind nicht ganz arm und glaubten ihr Kind. trotzdem es etwas zurückgeblieben, m der Familie gut aufgehoben. Als aber be» späteren Besuchen )er Pfarrer immer wieder darauf drang, das Kind in die Anstalt zu geben, willigte die Mutter schließlich ein. AIS dann auf Ver- anlasiung des„Ost preußischen Provinzialvereinü für innere Mission" später daS Kind fortgeholt werden sollte. weigerten sich die Eltern nun doch, ihr Kind fortzugeben, da sie in- zwischen gehört hatten, daß die Kinder in der Anstalt eS nicht gut �aben sollten. Nun wandte man aber das Recht der Zwangserziehung an. Der Gendarm kam hin und drohte mitGewalt. Schließlich kam eineSTageS der Exekutor und holte daSKind gewaltsam aus der Wohnung der Eltern, um es in die Jdiotenanstalt nach Rastenburg zu bringen. Die Eltern setzten nun alles mögliche dran, um ihr Kind wieder aus der Anstalt heraus zu bekommen. Aber erst nach einem halben Jahre wurde hierzu die Genehmigung erteilt. Das Kind konnte nun ins Elternhaus zurückkehren, aber nicht, wie es dasselbe unfreiwillig verlassen hatte, als leibliches Kind seiner Eltern, sondern als ein den..... scheu Eheleuten vom „Ostpreußischen Verein für innere Mission" überaebenen Fürsorge- zögling. DaS wurde den Leuten urkundlich in folgendem Schreiben mitgeteilt: „Nachdem der Herr Landeshauptmann genehmigt hat, daß Ihr Kind zu Ihnen in Erziehung und Pflege gegeben werde, übersenden wir Ihnen beifolgend den abzuschließende» Vertrag mit dem Sr» suchen, nachdem Sie den Vertrag unterschrieben haben uns denselben zurückzusenden zur Bestätigung durch den Herrn LaiideShauptmann." Nach einigen Wochen folgte dann der unterschriebene Vertrag mit einem Schreiben des Vereins für innere Mission, daß nun die Unterbringung deS FllrsorgezöglingS... bei den... schen Eheleuten die Bestätigung des Herrn Landeshauptmanns gefunden habe. Der Z 2 des oben genannten Vertrages lautet:..Der...... verpflichtet sich, den Fürsorgezögling in religiös-sittlichem Sinne zu erziehen und ihn in seine Familie aufzunehmen. Die folgenden Paragraphen enthalten Vorschriften über die Kleidung, Beköstigung und Schlafstätte des Fürsorgezöglings. Der 8 7 schreibt vor, daß die Pflegeeltern denselben zu regelmäßigem Besuch der Kirche an- zuhalten und zum Konfirmationsunterricht zu schicken haben. Zur Ueberwachung der Erziehung und Pflege des bei dieser Familie untergebrachten Zöglings wird vom Landeshauptmann ein Fürsorger bestellt. So der Bericht. An und für sich ist cS möglich, daß ein Für- sorgezögling den eigenen Eltern zur Fürsorge(unter Ueberwachung eines Fürsorgers) übergeben wird. Aber nach der Schilderung des Falles liegt nicht der geringste Grund zur Einleitung des Fürsorge- Verfahrens vor. Das Fürsorgeverfahren kann nur eintreten: 1. Wenn das geistige oder leibliche Wohl des Minderjährigen gefährdet ist und die Gefährdung auf Mißbrauch des Rechts der Sorge für das Kind, ans Vernachlässigung des Kindes oder auf ehrlosem oder unsittlichem Verhalten der Eltern beruht. Das ist der Fall zum Beispiel bei Verleitung zu strafbaren Handlungen, bei Mißhandlungen, bei übermäßigen Anstrengungen, bei Mangel an Sorgfalt in der Beköstigung, Bekleidung, Erziehung. 2. Wenn das Kind in noch nicht strafmündigem Alter eine strafbare Handlung begeht und eine Zwangserziehung zur Ver- hütung weiterer sittlicher Verwahrlosung erforderlich ist, oder 3. Wenn die Fürsorgeerziehung wegen Unzulänglichkeit der erziehlichen Einwirkung der Eltern oder sonstigen Erzieher oder der Schule zur Berhütlmg des völligen sittlichen Verderbs der Minder- jährigen notwendig ist. Von diesen Fällen könnte lediglich die unter 3 angeführte Boraussetzuna in Betracht kommen. Auch tu diesem Falle hat aber daS Gericht zu entscheiden. Die betroffene Familie wird fich voraussichtlich nun an das Gericht zur Aufhebung der Zwangserziehung wenden. Bei dieser Gelegenheit mag aus Anlaß vieler nachtraglicher Klagen von Eltern über die mit ihrer Zustimmung erfolgten Zwangserziehung dringend gewarnt werden, ohne ganz eindring- tichste Kenntnis der Fürsorgeanstalt in Zwangserziehung zu willigen. Leider führt die Zwangserziehung in sehr vielen Fällen zu dauernder Schädigung des geistigen und körperlichen Wohls der Kinder. Em Industrie und Handel Ein Urteil über die Konjunktur. Die von der Großindustrie ge- speiste und für erfolgreiche Be—„kämpfung" der Sozialdemokratie von den Stummlingen ausgehaltene„Post" schreibt über die Kon- junktur folgendes: „Es mehren sich jedoch die Anzeichen von Tag zu Tag, daß die gegenwärtige gute Geschäftslage in fast allen Gewerben ihren Höhepunkt überschritten hat. Es war eine der sogenannten kleinen Konjunkturkurven, die mit dem Jahre 1904 einsetzte und aller Voraussicht nach mit Ablauf dieses Jahres zu Ende sein wird." Allerdings steht das nicht im Handelsteil des Blattes, sondern nur in seinem politischen Teile. in einer Hetznotiz gegen den Buch- drucker-Berband, als Argument gegen Lohnausbesserung. Aber das Argument paßt doch so schlecht zu dem vor einigen Tagen vom Stahlwerksverband in die Welt gesandten Konjunkturbild, daß die „Post"- Intelligenzen sich für diese Leistung wohl einen Nasenstüber holen werden. Jedenfalls haben sie selbst die Aussicht auf Lohn- zulage verwirkt und man hatte es doch so gut gemeint— für den Geldsack I— Vom Holzmarkt berichtet die.Arbeitsm.-Korresp": Nechtunbesttmmt war in letzter Zeit die Preistendenz am Holzmarkt. Während noch Ende Mai sowohl am nordwestdeutschen als auch am rheinischen Holzmarkt der Berkehr rege war und demgemäß ziemlich leicht höhere Preise erzielt werden konnten, ließ im Juni diese Lebhastig- keit nach, so daß auch die Preise als unbefriedigend bezeichnet wurden. Die sinkende Preistendenz übte auf die Sägemühlen, die bisher dem Rundholzmarkt starke Posten entnahmen, eine zurück- haltende Wirkung aus, da sie auf weitere Preisnachlässe rechnen. Trotz der regen Tätigkeit, die die einheimische Sägemüllerei in den letzten Monaten aufwies, nahm doch noch der Bezug ausländischen Bau- und Nutzholzes zu. Nachdem schon im März eine kräftige Mehrversorgung stattgefunden hatte, war auch im Aprit wieder die Einfuhr bedeutend höher als in den Vorjahren. Seit 1903 betrug nämlich die April» einfuhr von Bau- und Nutzholz in Doppelzentnern: 1903 1904 1905 1906 1555579 2 969 681 2 699 725 8 389 410 Eine Regelung der Preisverhältnisie herbeizufiihren. ist auch der Zweck einer Vereinigung der Sägewerksbcsitzer und Holzverarbeitungs- werke für das gesamte Harzgebiet, die Anfang Ju»» aus einer ve- trächtlichen Anzahl größerer Sägemühlenbesitzer und Holzindustriellen gebildet worden ist. r Löhne werden im rheinisch-tvestsälischen Industriegebiet So behauptet die bürgerliche Presse. Und wer das nicht unbesehen glaubt, ist natürlich ein Hetzer, ein Staatsfeind usw. Selbstverständlich werden in einzelnen Branchen zurzeit etwas höhere Löhne gezahlt und das Ueberzeitarbeiten steigert das Einkommen, Was man aber selbst in dem rheinisch-westfälischen Eldorado heute noch Facharbeitern zu bieten wagt, das illustriert ein Lohnangebot der Gute Hoffnungshütte-Oberhausen. Diese sucht für ihre Ab- teilung Brückenbau, Austreichergehülfen und bietet gesunden, arbeits» fähigen Gehitlfen einen Stundenlohn von 30 bis 32 Pf. Das sind horrende Löhne— im Königreich der Jndustriemagnaten. Hohe Kohlenpreise. Aus dem Ruhrrevier berichtet eine Kor- respondenz: Da die Kohlenknappheit im Ruhrkohlengebiet anhält, nehmen die Preise seit einiger Zeit eine steigende Tendenz an. Falls nicht feste Verträge vorliegen und namentlich wenn es sich um eilige Lieferung handelt, erzielen die Händler und Großhändler höhere Preise. Auch beim Absatz im Landdebit gelingt es den Zechen, gegenüber den bisher üblichen Preisen einen merklichen Aufschlag durchzuführen. Das rheinisch-westfälische Kohlensyndikat erzielt für Lieferung von Kohlen und Koks, soweit sie die vertraglich ab- geschlossenen Mengen überschreiten, höhere Preise als die im Früh- jähr festgesetzten Richtpreise. Jedoch kann das Syndikat diesen Mehr- verbrauch gar nicht oder doch nur im geringen Umfange behändigen, da es schon mit seinen vertraglich festgelegten Lieferungen im Rück- stände ist. Der Kohlenmangel macht sich immer mehr fühlbar, und täglich laufen beim Syndikat Mahnungen der Verbraucher ein, denen dasselbe nicht nachkommen kann. Wenn daS Syndikat über die vertraglich verpflichteten Mengen hinaus auch nur kleine Posten abgeben kann, dann stimmt es nicht mit der Behauptung, es bleibe mit seinen Lieferungen im Rückstände, weil die Zechen nicht genug lieferten, oder aber es werden einige Abnehmer zugunsten anderer benachteiligt, das heißt, das Syndikat wird kontraktbrüchig, um höhere Preise zu erlangen. Die Fleischtnist-Angelegenheit scheint sich zu einem erbitterten Kampf bis aufs Messer zwischen dem Präsidenten Roosevelt und den Beefbaronen ausgestalten zu»vollen. Präsident Roosevelt. so nimmt man allgemein an, wird, wenn nötig, eine Sondersitzung des Kongresses einberufen, um den Kampf gegen den Fleischtrust erfolgreich durchzuführen. Der Präsident des Senates Cannon, der beim Präsidenten war, versuchte vergeblich, diesen zur Annahme eines Kompromisses zu belvegcn. Dazu schreibt die„Netv Aork World":„Ein republikanischer Führer, der durch seine amtliche Stellung maßgebenden Einfluß' auf die Sefetzgebung hat, erklärt:»Der Präsident ist von Ohren- bläsern umgeben, die ihn falsch unterrichtet haben. Wenn ich es daß es genige, wenn sich die Eltern pflichtgemäße Mühe gäben, ein. Es wurde ein Käufer für dasselbe gesucht und schließlich wurbe auch bedauern würde, in dieser Sache gegen die vollziehende Gewalt einen anderen ausreichenden Religionsunterricht zu beschaffen.- mit der Angeklagten Gallantin, die damals in der Jägerstraße ein auftreten zu müssen, so hat doch der Kongreß die Macht, und, falls Das sei aber hier ausreichend festgestellt. Bu beachten wäre, Restaurant mit Damenbedienung, Haselnuß" genannt, betrieb, ein das Haus nicht feiger ist, als ich glaube, werden daß die Kinder erst nach dem Austritt der Eltern aus der Kauf- und Mietsvertrag abgeschloffen. Die Anflage behauptet num, wir beschließen, was was wir als das beste für die Inter- evangelischen Kirche geboren seien. Glaubens- und Gewissens- daß der Angeklagte Frl. Gallantin durch die Vorspiegelung betrogen essen aller Beteiligten betrachten. Wir werden tun was freiheit der Eltern sollten nach der Vorentscheidung nicht habe, daß sie ohne weiteres auch die Konzession für das Kellertvir können, um einen Kampf mit dem Präsidenten zu berührt sein durch die Frage der Erziehung der Kinder. Das geschoß erhalten würde, während er wußte, daß die Kellerräume vermeiden, aber, wenn er uns dazu zwingt, wird er finden, daß sei ein Trugschluß. Gerade auf diefem Gebiete vollzögen sich die eigentlich nicht konzessionsfähig waren und er selbst die Konzession nur wir doch ebensogut schlagen können wie er." In der Presse ist be- Gewissenstämpfe auf das allerschärfste. Die Gewissensfreiheit des versehentlich erhalten hatte. Die Angell. Gallantin, die für diese reits eine leichte Schwenkung zugunsten des Fleischtrusts zu be- Baters werde auf das erheblichste verlegt, wenn das Kind zur Er- Räume eine Konzession tatsächlich nicht erhielt, würde nach ihrer merken. Die" New York Evening Sun" und die New York Post" ziehung in einer Religion gezwungen werde, der der Vater abhold Versicherung unter diesen Umständen nimmermehr die stipulierte der er tetem, bie besprechen die Veröffentlichungen englischer Blätter über die Chikagoer lei. Wenn§ 78 II Allgemeinen Landrechts sage, den Eltern, die Miete von 30 000 M. gezahlt haben. Nachdem der Vertrag mit ihr Enthüllungen und geben dabei, um deren Wert herabzusetzen, der sich einig feien darüber, in welcher Religion ihr Kind erzogen werden zustande gekommen, hat der Angeklagte den zu zahlenden Ansicht Ausdruck, die ausländische Presse suche nur Sensationen. folle, dürfe tein Dritter hineinreden, so tönne mit dem Dritten nicht Staufpreis in einer Reihe von Teilzessionen gediert. Die Anklage 2. T.-B. meldet in dieser Sache aus Washington: Es besteht Schulze oder Müller gemeint sein, sondern die Behörde, der Staat. behauptet, daß die Gesamtsumme dieser Bessionen, für welche die nur eine geringe Opposition gegen die von dem Präsidenten ge- Diese haben nicht drein zu reden. Gallantin zum Teil hat einstehen müssen, 20 000 m. betragen habe, wünschte Streichung der Verfügung, welche die Packerfirmen in den Der erste Straffenat des Sam mergerichts verwarf die das heißt zirka 6250 W. mehr, als der von der Gallantin zu Stand setzt, gerichtliche Entscheidung gegen die Weigerung des Land- Revision mit folgender Begründung: Die Landesrechtlichen Bezahlende Kaufpreis 13 750 02. überhaupt betrug. Die wirtschaftssekretärs anzurufen, Bescheinigungen für Fleischprodukte Stimmungen über Kindererziehung seien nach§ 134 des Bürgerlichen Gallantin foll ferner außer 12 500 M. Miete und 1750 M. an den zu erteilen, die, weil künstlich konserviert, als gesundheits- Gesetzbuches bestehen geblieben. Das Kammergericht verbleibe bei Lieferanten der Kücheneinrichtung noch 2550 M. an Reimann selbst schädlich verworfen sind. Aber der Präfident wünscht auch, feiner im letzten Jahrzehnt vertretenen Auffassung. Gewiß sei nach und 375 M. auf die von der Firma Max Schulz u. Co. gelieferten daß der Landwirtschaftssekretär die Macht haben solle, die§ 78 II Allgemeinen Landrechts von anderer Seite nichts ein- Möbel gezahlt, Neimann diese Summe aber anderweit verwandt endgültige Entscheidung bezüglich der Inspektion und Gesundheit zuwenden, wenn sich, wie vorliegend, die Eltern einig darüber seien, haben. Der Gallantin wieder wird vorgeworfen, dem Kaufmann der frischen Produkte zu treffen. Es wird hervorgehoben, daß die in welcher Religion das Kind erzogen werden soll.. Aber die Falkenberg, von dem sie ein Darlehn von 10 000 m. aufgenommen Beseitigung der erwähnten Verordnung und die Einfügung der legt- Bestimmungen des zwölften Titels, Teil II Allgemeinen Land- hatte, als Sicherheit für dieses Darlehn mit Zustimmung des Anbeschriebenen die Packerfirmen jedes Rechts berauben würde, gegen rechts setzten voraus, daß jedes Kind in irgend geklagten St. das gesamte von Max Schulz u. Co. gelieferte Mobiliar das Landwirtschaftsdepartement die gerichtliche Entscheidung anzu einer Religion nach den Gesezen des Staates berfauft zu haben, obwohl sie gewußt, daß Schulz u. Co. das Eigen rufen, außer auf Grund der Beschlagnahme von Eigentum. Es erzogen werden müsse. Wollten Angeklagter und seine tumsrecht vorbehalten war. Schließlich wurde dem Angeklagten noch besteht ferner eine, wenn auch unentschiedene, Opposition unter den Frau die jüdische Religion für ihre Kinder wählen, so hatten eine betrügerische Transaktion zum Vorwurf gemacht, indem er, Mitgliedern des Landwirtschaftsausschusses gegen den Vorschlag des fie für den Unterricht zu forgen. So lange ihnen das nachdem er am 11. Februar 1905 einen Vertrag mit der Präsidenten, daß alle Büchsen mit Fleischprodukten ein Etikett mit nicht gelang, solchen Unterricht zu beschaffen, so lange Gallantin zum gemeinschaftlichen Betriebe der Restaurationen Jägerder Angabe des Tages der Herstellung tragen sollen. hätten die Kinder den Religionsunterricht in straße 68 abgeschlossen, das gesamte Inventar und Mobiliar abermals an ben von ihnen besuchten Schulen( hier den evangelischen) den Weinhändler Brandt und den Opernsänger Lieban für mitnehmen müssen. Gleichgültig sei es, daß die Eltern 20 000 m. verkauft hat. Der Angeklagte Reimann bestritt in schon aus der Kirche ausgetreten waren, als die Kinder geboren jedem Falle seine Schuld und suchte durch Darlegung der äußerst wurden. berwickelten rechtlichen und tatsächlichen Verhältnisse nachzuweisen, daß er keinesfalls dolos gehandelt und keinerlei persönliche Vorteile erstrebt oder erzielt habe. Nach langwieriger Verhandlung wurde die weitere Verhandlung zwecks Beweisaufnahme auf Mittwoch vertagt. Gerichts- Zeitung.T Dissidentenkinder und Religionsunterricht. und " Aus der Frauenbewegung. Versammlungen Veranstaltungen. Bau- und Grundstücksschwindeleien. Bekanntlich hat das Kammergericht vor einer Reihe von Jahren feinen früheren freiheitlichen Standpunkt bezüglich der Frage des Agathon Reimann ist unter den Berliner Bauarbeitern als Religionsunterrichts von Dissidentenkindern aufgegeben und ent- ein besonders gefährlicher Strohmann der Strohmann- Familie Neimann ſchieden, daß jedes Kind, auch das eines Diffidenten, bekannt. Er nennt sich Architekt und hat jahrelang eine erin einer Religion nach den Gefeßen des Staates erzogen werden hebliche Rolle als vorgeschobener vermögensiofer Unternehmer" Das muß. Sorgt er nicht für einen derartigen Unterricht in seinem gespielt. hiesige Gewerbegericht hat fein gemein Hause, dann hat nach dieser neuen Pragis des Kammer- gefährliches Treiben dadurch unterbunden, daß es seine gerichts, die sich auf Gestern die sich auf das Allgemeine Landrecht beruft, intermänner als eigentliche Unternehmer verurteilte. das Kind am Religionsunterricht in der Schule teilzunehmen. war Agathon Reimann der Hauptangeflagte in einem Strafprozeß Berlin. Mittwoch, den 20. d. M.( 6. Kreis) nach Gieshoit, InselDer Restaurateur Zieß zu Berlin, der gleich seiner Ehefrau vor der vor der ersten Straffammer, bei dem die Schicksale des Hauses Restaurant, Plößensee. Kaffeekochen. Geburt seiner Töchter aus der evangelischen Kirche aus- Jägerstr. 68 und der feinerzeit darin betriebenen Restaurants Wall Charlottenburg. Mittwoch, den 20. Juni, 8 Uhr, Rosinenstr. 3: getreten und seitdem Dissident ist, hatte die Mädchen vom Hall" und" Falstaffkeller" eine Rolle spielten. Neimann Vortrag H. Giebel: Wie entstand die Unterjochung der Tehrplanmäßigen Religionsunterricht in den Volksschulen fern hat sich wegen Betruges der Anstiftung zur UnterFrauen?" die wegen Unterschlagung gehalten und sich sehr bemüht, Gelegenheit zur Teilnahme schlagung, wegen Schantwirtin Marie Mariendorf. Mittwoch, den 20. Juni, 81, Uhr, bei Reichardt, Beram jüdischen Religionsunterricht für sie zu finden. Es Gallantin zu verantworten. Die Verhandlung entrollte linerstr. 16. Vortrag des Genossen Schulz: Die Volksschule". gelang das auch eine Beitlang in einer Gemeindeschule. Als dort eine Reihe verworrener Schiebungen bei den verschiedensten Phasen Treptow- Baumschulenweg. Donnerstag, 21. Juni," 81 Uhr, Speers fein jüdischer Religionsunterricht mehr erteilt wurde, genossen die der Eigentumsverhältnisse und Konzessionserwerbungen, die bei dem Festfäle. Vortrag H. Störmer: Wie stellt sich die Frau dem Kinder wieder längere Zeit feinen Religionsunterricht. Bieg hatte genannten Hause und dem darin betriebenen Restaurationsgeschäft Versicherungsgesetz gegenüber?" der Schulbehörde gegenüber erklärt, daß er bereit sei, die Kinder am in Frage kamen. Der Angeklagte Reimann, der im Jahre 1904 den Adlershof. Sonntag, den 24. Juni: Ausflug nach Haffelwerder. jüdischen Religionsunterricht teilnehmen zu lassen, wenn ihm die Ge- Dffenbarungseid geleistet hat, hatte im Jahre 1908 das Haus JägerTreffpunkt bei Beher, Bismarckstr. 10, nachmittags 2 Uhr. legenheit dazu nachgewiesen werde. Er wandte fich ferner an die Straße 68 erworben, umgebaut und das Erdgeschoß und den Keller Bankow. Donnerstag, den 21. Juni, 29 Uhr( öffentliche Versammjüdische Gemeinde um Auskunft, in welcher der Schulen die Töchter für Restaurationszwecke eingerichtet. Am 10. März 1904 verkaufte er lung) bei Großfurt, Berlinerstr. 27. Vortrag des Genossen jüdischen Religionsunterricht erhalten könnten. Der Rabbiner das Haus für 670 000 M.( an Hypotheken standen zirka 667 000 m. Störmer: Die Gleichberechtigung der Menschen in Theorie und Dr. Warschauer erteilte ihm den Bescheid, daß dies überhaupt nur darauf) an die Firma„ Becker u. Reimann", die aus einem mittelPragis". dann denkbar wäre, wenn das Kind zur jüdischen Religion übertreten lofen Staufmann Beder, einem guten Freunde des Angeklagten Mei sollte. Wäre das nicht der Fall, so würde sich wohl auch kein mann, und des letzteren ebenfalls mittellofer Ehefrau bestand. Eingegangene Druckfchriften. jüdischer Privatlehrer dazu finden. Schließlich erhielten die Kinder Vorher hatte Reimann für sich die volle Konzession, auch für den bom November 1905 an wieder jüdischen Religionsunterricht in der vollen Nachtbetrieb und für Abhaltung von Gesangs- und Allgäu, Vorarlberg und Westtirol nebst den angrenzenden Ges Volksschule in der Straußbergerstraße. Seitdem find sie behörd- Deklamationsvorträgen, in den Restaurationsräumen sich zu verbieten der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung des Bodenseegebietes, licherseits von der Teilnahme am Religionsunterricht in den für sie schaffen gewußt. Die Rechtsverhältnisse wurden alsdann immer Bregenzerwaldes und der Arlbergbahn. Von A. Waltenberger. Zehnte, und unflarer. Die Firma 11. „ Becker Rei bis auf die allerjüngste Beit ergänzte Auflage, bearbeitet von Eugen Balten zuständigen Schulen entbunden. Wegen der Nichtteilnahme seiner verwickelter Kinder am Religionsunterricht in der Volksschule während der mann" betrieb das Restaurationsgeschäft, dessen Konzessions- berger. Mit einer Uebersichtskarte und 15 Spezialtarten. Preis geb. 4 M. der Angeklagte 8eit, wo sie auch teinen jüdischen Religionsunterricht inhaber erhielten, wurde Bieg vom Landgericht als der Berufungsinstanz und seinen Bruder Theoder N. als feine Konzessionszu einer Geldstrafe berurteilt. Das Landgericht ging hierbei Stellvertreter" an, er selbst erhielt von Becker und seiner Chefrau aus von dem oben erwähnten Standpunkt des Kammergerichts und Generalvollmacht zur Vornahme aller möglichen Rechtsgeschäfte. Es berief sich auf dessen Urteil vom 17. April 1893. wird ihm zur Last gelegt, daß er durch Vorspiegelung falscher Tatsachen Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht legte für den Ange- die Möbelfirma Max Schulz u. Co. zur Lieferung des Mobiliars für flagten Revision beim Kammergericht ein. Unter anderem führte er die beiden Mestaurationen im Hause Jägerstraße 68 bewogen und aus: Nach§ 11 II 13 Allgemeinen Landrechts könnten Kinder, die in schließlich durch Nichterfüllung seiner Verpflichtungen um 14 500 m. Die Firma Mag Schulz u. Co. hatte sich einer anderen Religion, als welche in der öffentlichen Schule gelehrt wird, geschädigt habe. an Eigentumsrecht ben Möbeln borbehalten. Das nach den Gefeßen des Staates erzogen werden sollen, dem das Religionsunterricht in der Boltsschule beizuwohnen nicht angehalten Restaurationsgeschäft der Firma Beck u. Reimann reüffierte bericht bes Gewerkschaftskartells daselbst.( 1905.) 23 Seiten. Selbstverlag werden. Dies erzogen werden sollen" heiße nun doch offenbar, aber nicht und stellte am 1. Juli 1904 den Betrieb ganz des Arbeitersekretariats, war. Er meldete den Becker Das Bayrische Hochland mit dem Allgäu, das angrenzende Tirol und Salzburg nebst Salzkammergut. Von Th. Trautwein. Zwölfte, bis auf die jüngste Beit revidierte und ergänzte Auflage, bearbeitet von Anton Edlinger und Heinrich Heß, mit 27 Starten und Plänen. Geb. 4 M. Berlag A. Edlinger, Innsbruc Die. Gaunersprache. Gesammelt und zusammengestellt aus der Praxis für die Praxis von Ernst Rabben, Polizeikommissar. 168 Seiten 8°. Breis geb. 2 M. Verlag von Breer& Thiemann, Hamm i. W. Zeitschrift für Sozialwissenschaft Heft 6. Herausgeber: Dr. J. Wolf. 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Juni, nachmittags 4%, Uhr, vom Strankenhause Friedrichshain( Eingang Birchowstraße) aus nach dem Bentralfriedhofe in Friedrichs. felde statt. Um rege Beteiligung ersucht 87/15 Die Ortsverwaltung. Beerdigungsverein Berliner Zimmerleute. Am 16. d. M. starb nach langem Leiden unser Mitglied, Bimmerer Karl Mann. Ehre seinem Andenken! der am Die Beerdigung findet Dienstag, den 19. d. M., nach mittags 51% Uhr, von der Leichenhalle des Dorotheenstädtischen Kirchhofes in Reinickendorf- West, Scharnweberstraße 1-2, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 24806 Der Vorstand. Kassenbäder febert AugustaBad", Röpenideritr. 60. | Am Sonnabend, den 16. Juni, entschlief sanft infolge Schlaganfalles im 81. Lebensjahre unfer guter Bater, Schwiegervater und Großvater, der Buzer Friedrich Schulze. Tief betrauert von den Hinterbliebenen. Beerdigung: Mittwoch, den 20. d. M., nachmittags 5 Uhr, von Danksagung. Neuerscheinungen. 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Hierdurch die Mitteilung, daß unser werter Sangesbruder Max Kirsch nach langem Reiden entschlafen ist. Sein Andenken werden wir in Ehren halten. Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 24836 Der Vorstand. Für die liebevolle Teilnahme und bielen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Auguste Thiem fage ich allen Verwandten und Bekannten, besonders dem Chef und Kollegen der Firma W. Beschlow, den Kollegen von Kuttner u. Hanf, sowie dem A.-G.-B." Georgina" meinen besten Dant. Georg Thiem, 15682 Falckensteinstr. 38. Dr. Simmel, Str. 41, PrinzenSpezialarzt für 110/9 Haut- und Harnleiden. 10-2,5-7. Sonntags 10-12, 24 Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. 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Partei-?Zngelegenkeiten. vever die Parteibewegmig vom Jahre 1860—1891 wird Genosse Alatow heute im Lokale von Boeker, Weberstr. 17, referieren. Schöneberg. Die Parteigenossen werden nochmals auf die heute abend S'/g Uhr Bei Obst, Meiningerstr. 8, stattfindende Versammlung des Wahlvereins aufmerksam gemacht. Die Wichtigkeit der Tages- ordnung erfordert vollzähliges Erscheinen. Der Vorstand. Treptow-Baumschnlenweg. Die Parteigenossen werden noch ein- mal auf die heute abend 9 Uhr bei Preutz, Neue Krug-Allee 69, stattfindende Generalversammlung des Wahlvereins aufmerksam ge- macht. Die Genossen treffen sich in ihren Bezirkslokalen, von welchen um 8>/z Uhr der gemeinsame Wmarsch erfolgt. Der Vorstand. Reinickendorf-West. Die Parteigenoffen werden nochmals auf die heute abend S'/a Uhr im Lokale von Franke, Eichbornstratze 18, stattfindende Volksversammlung aufmerksam gemacht. Recht zahl- reiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Friedenau. Heute abend 8'/a Uhr: Mitgliederversammlung bei Grube, Kaiser-Allee. Tagesordnung: 1. Vortrag über„Austritt aus der Landeskirche". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Parteigenossen, die noch kein neues Mitglieds- buch haben, können dasselbe in Enipfang nehmen. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Köpenick. Heute Dienstag findet die Wahlvereinsversammlung beim Genossen Karl Seidel statt; auch werden dort die übrigen neuen Mitgliedsbücher ausgegeben. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. berliner jVadmcbteii. I i i 1 1, n i i Wenn Jungen auf der Straße Ball schlagen. Die Lehrerschaft will nicht viel davon hören, daß sie sich auch ein bißchen darum kümmern soll, was die Kinder außerhalb der Schule treiben. Taucht irgendwo der Vorschlag auf, man möge diese oder jene Untugend der jStraßenjugend durch die Schule zu bekämpfen versuchen, dann wird das in der Lehrerprefse gewöhnlich mit Hohngelächter aufgenommen. In Berlin halten es viele der an Gemeinde- schulen tätigen Herren und Damen für zweckmäßig, möglichst nicht in der Nähe ihrer Schule zu wohnen, damit nicht auch noch am Nachmittag ihr Blick auf die Kinder zu fallen braucht, Mit denen sie am Vormittag„sich herumärgern müssen". Doch es gibt auch Ausnahmen. Wenn bei der Schule eine Beschwerde einläuft, daß der oder der Junge auf der Straße iUnfug getrieben habe, dann erwacht bei manchem unserer Pädagogen das Verantwortlichkeitsgefühl. Aber die Für- sorge, die er dem Irrenden zuteil werden läßt, besteht dann zumeist darin, daß er ihm eine tüchtige Tracht Prügel verabreicht. Das Verfahren ist sehr bequem. Nur werden unwissende Laien dabei die Frage auswerfen, wo- jher eigentlich die Schule das Recht nimmt, Kinder für die zur Schule in keiner Beziehung stehenden Uebertretungen zu strafen, wenn sie selber sich sonst so wenig darum kümmert, was die Kinder außerhalb der Schule treiben. Im übrigen werden Lehrer, die in solchen Fällen einem Wink von außen folgen und zum Stock greifen, sich nicht wundern dürfen, wenn sie den Eltern in der Rolle des Büttels erscheinen. In der Rosenthaler Vorstadt hat ein Schulrektor d i e Schule sogar in den Dien st der Polizei ge- st e l l t. In dem 89. Polizeirevier(Gegend der Stralsunder- straße, Wolgasterstraße usw.) hat die Polizei einen Feldzug gegen die Straßenjugend eröffnet, die sich am Ballspiel ver- gnügt. Nach§ 90 der polizeilichen Straßenordnung für Berlin ist untersagt„das Werfen mit Bällen, Schnee usw., das Schießen mit Armbrüsten und Blasröhren auf öffentlicher Straße, sowie das Aufhocken auf Fuhrwerke, welche sich in Fahrt befinden-" Zwar ist das den meisten Leuten ebenso- wenig bekannt wie all die anderen Dinge, die durch besagte Straßenordnung verboten sind. Aber das braucht die Polizei nicht zu hindern, gelegentlich mal gegen die jugendlichen Ball- fpieler mit ihrer bewährten Forsche vorzugehen. Im 8 9. Revier sind wiederholt Jungen, die auf der StraßeBallfchlugen, von Schutzleuten aufgeschrieben worden, und in mehreren Fällen sind hinterher Straf- Mandate gekommen, die bezahlt werden mußten. Selbst in der Stralsunderstraße, die aus einer Mittelpromenade, zwei Fahrdämmen und zwei ungewöhnlich breiten Bürgersteigen besteht, ist die Polizei in dieser Weise gegen Ballspieler ein- geschritten, weil sie der Ansicht war. daß Passanten„belästigt" werden könnten. Einer der uns bekannt gewordenen Fälle ist dadurch interessant, daß der betreffende Junge von seinem G e- meindefchulrektor.den die Polizei von dem genannten Frevel in Kenntnis gesetzt hatte, geprügelt worden ist. Der Herr wird gewiß überzeugt gewesen sein, daß das nicht nur sein Recht, fondern sogar seine Pflicht sei. Aber noch etwas anderes sollte er für seine Pflicht halten. Er sollte dafür Sorge tragen, daß alle Kinder seiner Schule hin- reichend darüber belehrt werden, welchen Gefahren sie sich aussetzen, wenn sie auf der Straße Ball schlagen. Ist in dieser Schule allen Kindern diese Belehrung rechtzeitig zuteil ge- worden? Wenn nicht, so fei der Herr Rektor hiermit öffent- jich daran erinnert, daß er das schleunigst wird nachholen müssen. Es handelt sich um Rektor L a u t h von der >132. Schule in der D e m m i n e r st r a ß e. Die Lehrer- presse wird wahrscheinlich wieder ausrufen: Was nicht alles von der Schule verlangt wird! Aber wenn Lehrer sich nicht für zu schade halten, auf Grund polizeilicher Anzeige ihre Schüler auszuhauen, dann werden sie wohl auch dazu nicht zu schade sein, ihre Schüler über polizeiliche Vorschriften zu bc- lehren. Allen Freunden der Jugend sollte dieser Feldzug der Polizei gegen die Ballspieler ein Anlaß sein, erneut mit Energie darauf zu dringen, daß den Kindern mehr Spielplätze zur Verfügung gestellt werden. Vor allem müßten nun sofort sämtliche Schulhöfe den Kindern frei- gegeben werden, und zwar nicht nur für die Ferien, sondern das ganze Jahr hindurch. Den Gemeindeschulrektoren paßt jdas zwar nicht, aber das kann nicht maßgebend sein- In allererster Linie empfehlen wir schleunigste Freigabe des Vofes der 132. Schule, auf dem Herr Rektor Lauth wohnt. Was soll eigentlich ein Berliner Junge auf der Straße treiben, wenn das Verbot„mit Bällen zu werfen" streng durchgeführt wird? Was bleibt ihm denn da noch viel übrig? Darf man sich wundern, wenn er dann müßig umherlungert oder Unfug stiftet? Uebrigens zeigt sich bei dieser Angelegenheit aufs neue, daß unsere Berliner Schutzleute zwar vieles, aber doch nicht alles bemerken. Das 89. Polizei- bureau befindet sich in der Wolgasterstraße. Kurz vor einer der von uns erwähnten Sistierungen ballschlagender Jungen war unmittelbar unter den Fenstern des Polizeibureaus ein Ballspiel getrieben worden, das vielleicht auch manchem Passanten lästig gewesen sein wird. Die Ballspieler waren zwei Mädchen, ein großes und ein kleines— das Dienstmädchen des Polizeileutnants und seine Tochter. Was wird der Herr Leutnant sagen, wenn mal ein Schutzmann diesen Frevel bemerkt und zur Anzeige bringt? Die Tagesordnung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag, den 21. Juni, ist wiederum eine äußerst reichhaltige, sie enthält u. a. folgende Punkte: Berichterstattung über die Vorlage betreffend den Erwerb einiger zur Verbreiterung der Wallstraße zwischen Grün- und Jnselstraße erforderlichen Flächen im Eni- eignungsverfahren; Berichterstattung über die Vorlage betreffend die in den Etat für 1996 aufgenommenen neuen oder abgeänderten Gehaltsskalen; Vorlage zur Beschlußfasfung betteffend die Herstellung des Anschlusses des Gasthausgrundstückes in Treptow an die Kanalisationsanlage; Vorlage betreffend den Entwurf zum Neubau einer Gemeinde-Doppelschule in der Brombergerstratze, Vorlage betreffend den Vorentwurf zum Neu- bau einer Turnhalle auf dein Grundstück der 31. Gemeindeschule, Alt-Moabit 23, Vorlage betreffend die Bewilligung von Mehrkosten für die Herstellung einer direkten Entwässerungsleitung von dem Schwimmbassin des Volksbades Dennewitzstraße nach dem Land- Wehrkanal, Vorlage betreffend den Generalkostenanschlag einschließlich des Hauptinventarans chlages für den Neubau des Rudolf Virchow- Krankenhauses, Vorlage betreffend die Herstellung eines Berichts über die Gemeindeverwaltung für die Etatsjahre 1991— 1995, Vorlage betreffend den speziellen Entwurf für die Heimstätte für weibliche Genesende in Blankenburg; Vorlage betreffend den Vor- entwurs zum Neubau einer Fleischvernichtungs- und Verwertungs- anstatt bei Rüdnitz, Kreis Ober-Barnim; Vorlage betteffend den Verkauf eines Grundstücks in Boxhagen-Rummelsburg an die Ver- waltung des Krankenhauses in Rummelsburg; Vorlage betreffend die Uebernahme eines Teiles der bei dem Bau von Familien- Wohnhäusern für die Werksarbeiter in Rüdersdorf entstehenden Baukosten; Vorlage betreffend den Erwerb von Ländereien in Ladeberg und Großbeeren zur Einlegung von Kanalisationsdruck- röhren; Vorlage betreffend mehrere Kostenanschläge für den Neubau der Anstalt für Hospitaliten in Buch; Vorlage betteffend die An- nähme der letztwilligen Zuwendung des RentterS Karl Emil Aichard Schmidt; Vorlage betreffend die Aufnahme zweier neuer Straßen in die Abteilung X» des Bebauungsplanes, sowie den Erwerb eines Schulgrundstückes in der Schöningstraße; Vorlage betteffend das Ortsstatut II vom 7./19. März 1877; Vorlage betreffend die Zahlung einer Entschädigung für Entwertung des Grundstücks Neue Grünsttaße 26 durch den Neubau der Grün- straßenbrücke; Vorlage betreffend die Zahlung eines Beitrages zu dem Bau der Chaussee von Gütergotz nach Philippsthal, Austausch von städtischen Ländereien in der Potsdamer Forst gegen fiskalisches Gelände in der Gemarkung Gütergotz und Abschluß eines Verttages wegen Pachtung bezw. Regulierung eines Entwässerungsgrabens in der Potsdamer Forst. Wie Berlin gewachsen ist, das zeigt die Zunahme des Geschäfts- Bereiches der Berliner Feuersozietät,-zu der ja jeder Hauseigentümer Berlins gehören muß. Im Jahre 1995, über das jetzt die Ver- waltung der Feuersozietät ihren Bericht erstattet, stieg die Zahl der versicherten Grundstücke auf 25 968 und die gesamte Versicherungs- summe auf reichlich 4i/z Milliarden Mark, genauer: 4594 Millionen Mark. Dagegen beliefen sich, wie die Vergleichung mit den früheren Jahren ergibt, die Grundstückszahl und die Versicherungssumme vor 19 Jahren aus 22 965 mit 3595 Millionen Mark, vor 29 Jahren auf 19 385 mit 2286 Millionen Mark, vor 39 Jahren auf 16 919 mit 1492 Millionen Mark, vor 49 Jahren auf 13 991 mit 787 Millionen Mark. In den letzten vierzig Jahren erhöhte sich die Zahl der Grundstücke auf das Doppelte.(Dabei ist zu beachten, daß Berlin seit fünfund- vierzig Jahren keine Eingemeindung von Belang mehr gehabt hat.) In denselben vierzig Jahren wuchs die Versicherungssumme sogar auf das Fünfundeinhalbfache. Daß sie um so viel stärker zunahm als die Zahl der Grundstücke, das erklärt sich zwar nicht lediglich, aber doch hauptsächlich daraus, daß in Berlin heute die Grundstücke im Durchschnitt bedeutend umfangreicher sind als in früheren Jahr- zehnten. Die durchschnittliche Versicherungssumme pro Grundstück belief sich im Jahre 1996 auf 177 999 M., vor zehn Jahren auf 153 999 M., vor zwanzig auf 118 900 M., vor dreißig auf 91 000 M., vor vierzig Jahren auf 69 090 M. Die Arbeitervillctts, die von einigen Firmen an„ihre Arbeiter" zum Besuch der landwirtschaftlichen Ausstellung abgegeben werden und von denen in unserer Sonntagsnotiz:„In der landwirtschaft- lichen Ausstellung" die Rede war, scheinen dem Druckfehlerkobold noch zu teuer zu sein, denn er setzte den Preis derselben einfach auf 30 Pfennig fest, während sie mit 50 Pfennig abgegeben werden. Beschreibung des ersten Fernsprechamtes nach dem neuen System. Das neue Fernsprechamt Berlin-Charlottenburg erweckt als erstes nach dem neuen Berliner System besonderes Interesse. Es sind dort alle Vorbereitungen getroffen, um die Uebertragung des Be triebes in der Nachl vom Montag zum Dienstag in wenigen Stunden durchzuführen. Die Leitungen der Teilnehmer gabeln sich bei der Einführung in das neue Amt. Der Weg zur neuen Ein- richtung ist durch Holzstöpsel unterbrochen. Man braucht diese einfach herauszunehmen, um den Weg zum alten Amt ebenso zu versperren, eine Arbeit, die etwa um MiHer nacht beginnt und um 3 Uhr beendet sein dürfte. Das alte Amt ist erst seit dem 19. Juli 1993 im Betrieb. Bis zum 19. Juni 1906 wird es also nur 35 Monate in Betrieb gewesen sein. Es war aber an der Grenze seiner Aufnahmefähigkeit angelangt. Statt eines kostspieligen Erweiterungsbaues für kurze Zeit hat man vorgezogen, gleich ein neues Amt nach der Art zu errichten, wie sie ganz Berlin erhält. Die Hauptneuerung besteht in der Verlegung der Sttomerzeugung zum Sprechen wie zum Rufen nach dem Amte. Es bringt dies den Vorteil größerer Gleichmäßigkeit und Sicherheit des Betriebes. Für die Erzeugung des Sttomes sind umfangreiche Maschinen- und Schaltanlagen notwendig, die den Eindruck eines Elektrizitäts- oder Kraftwerkes machen. Der Strom wird als Drehstrom von 3990 Volt von dem städtischen Elektrizitätswerk geliefert. Er wird ans 129 Volt Gleichstrom ge- bracht und damit bei einer Spannung von 7,2 bis 16,6 Volt und 499 Ampöre, 12 Sammlerzellen zu je 2 Volt Gleichsttom geladen. AuS dieser Zentralbatterie, die an die Stelle der kleinen Batterien bei den Teilnehmern tritt, wttd der gemeinsame Rufsttom, der Strom für die Speisung der Lampen sowie für die Prüfung- und Schlutzzeichen-Einrichtung entnommen. Für die Betätigung der Glocken beim Anrufen erzeugt eine besondere Rufmaschine Tag und Nacht ununterbrochenen Wechselstrom von 52 Volt. Der Antrieb erfolgt ebenfalls durch Drehstrom aus dem städtischen Werk. Zur Sicherheit sind alle Einrichtungen doppelt vorgesehen. Die eigentliche Vermittelungsstelle konnte in demselben aroßen Saale des Amtes untergebracht werden. Von der zuletzt verwendeten Anordnung in Tischform ist man zur Schrankform zurückgekehrt. Nimmt ein Teilnehmer den Hörer ab, so leuchtet eine kleine Lampe beim Amte auf. Die Gehülfin schaltet sich ein, meldet sich und stellt die gewünschte Verbindung her. Hängen die beiden mit einander sprechenden Teilnehmer den Hörer wieder an den Haken, so leuchten die beiden Kontrolllampen, die durch die Verbindung erloschen waren, wieder auf. Ohne Zwischenfragen sieht die Gehülfin jederzeit, ob das Gespräch beendet ist oder nicht. Das Amt Charlottenbnrg hat jetzt insgesamt 9599 Anschlüsse, von denen 6489 Hauptanschlüsse sind. Beim neuen Amt werden 7389 Leitungen in Bettieb ae« nommen. Es ist für eine erste Belegung mit 15 399 Anschlüssen ausgebaut. Seine Anlagen ermöglichen einen weiteren Ausbau aus 29 999 Anschlüsse. Diese ungeheure Zahl von Verbindungen ist an jedem Schrank auf einen so engen Raum zusammengedrängt, daß sie von jeder Gehülfin erreicht werden kann. Ein Fehlgriff erscheint so begreiflich. Zur Verbindung mit Berlin stehen allein 1199 Ver- bindungsleitungen, d. i. ein Fünftel der Teilnehmeranschlüsse, zur Verfügung, ein Verhälwis, wie es sonst nie wieder vorkommen dürste. Zur Bedienung des Amtes sind etwas über 299 Telegraphen- gehülfinnen angestellt, von denen bei Tag etwa die Hälfte gleich- zeitig im Dienst ist._ Säuglings-Fürsorgestellen. Die städtische Waisendeputation macht bekannt: Wir haben einen Teil des Bezirks der Säuglings-Fürsorge- stelle II abgezweigt, daraus den Bezirk der neuen Säuglings- Fürsorgestelle V gebildet und diese neue Fürsorgestelle Anfang Mai dieses Jahres im Hause Pankstr. 7 eröffnet. Die SäuglingS-Fürsorge« stelle V umfaßt im wesentlichen die Stadtteile Gesundbrunnen und Wedding und besteht aus den Stadtbezirken 254, 269— 263, 275 bis 278, 305—326. Zu ihrem Leiter haben wir den Kinderarzt Dr. Tugendreich ernannt, der seine Sprechstunde wie die Aerzte der anderen Säuglings-Fürsorgestellen wochentäglich von 2—3 Uhr abhält. In der Fürsorgestelle wird jeder unbemittelten Mutter über die zweckmäßige Ernährung und Wartung ihres schwachen oder kränk- lichen Säuglings unentgeltlich Rat erteilt. Liegt das Bedürfnis dazu vor, so wird stillenden Müttern eine Geldunterstützung, nicht stillenden Müttern Milch zu ermäßigten Preisen oder ganz umsonst gewährt. Wir bringen zugleich in Erinnerung, daß sich die älteren vier Säuglings-Fürsorgestellen befinden: Säuglings-Fürsorgestelle I, für das Zentrum, den Osten und Nordosten bestimmt, in der Blumenstr. 78; sie umfaßt die Stadt« bezirke 1—19 und 145—291. Sänglings-Fürsorgestelle II, für den Norden bestimmt, in der Elsasserstr. 27; sie umfaßt die Stadtbezirke 202—263, 255—259, 264-274. Säuglings-Fürsorgestelle m. für den Westen und Nordwesten bestimmt, in der Bugenhagenstraße 7, in der Martthalle am Arminiusplatz; sie umfaßt die Stadtbezirke 11—14, 31—48 und 279—394. Säuglings-Fürsorgestelle IV, für den Süden und Südosten be- stimmt, am Lmsenufer 50; sie umfaßt die Stadtbezirke 16—30 und 49—144. Wir bitten das beteiligte Publikum, die Fürsorgestellen in dem Falle, daß ein Säugling nicht recht gedeiht, aufzusuchen, und bitten die Herren Bezirksvorsteher, Armenkommissions- und Waisenrats- Vorsitzenden, die Mütter solcher Säuglinge auf die Benutzung der zuständigen Fürsorgestellen aufmerksam zu machen. Sonntagsvrrkchr auf der Wannserbahn. Der letzte Sonntag stellte an die Leistungsfähigkeit der Wannseebahn Anforde- rungen, wie sie in dieser Höhe seit dem Bestehen der Bahn noch nicht zu verzeichnen gewesen sind. Es wurden, ab- gesehen von den Abonnenten, rund 399 999(dreihunderttausend) Reisende befördert, von denen allein 168 999 auf die Statton Friedenau(Landwirtschaftliche Ausstellung) entfielen. Der bisher verkehrsreichste Tag war der Oster- Montag dieses Jahres, an dem rund 179 999 Reisende gezählt wurden.— Auch aus den anderen Vorort st ationen, sowie auf der Stadt- und Ringbahn war der gestrige Verkehr ein außerordentlich starker. Zu der geplanten Preiserhöhung für Weißdier hatten wir nach einer uns zugegangenen Korrespondenz mitgeteilt, daß die Erhöhung von 7 M. auf 7,69 M. pro Tonne geplant sei. Das ist, wie uns aus Fachkreisen geschrieben wird, unrichtig, es könne sich nur um den Preis für eine halbe Tonne handeln. Eine Herabsetzung der Fahrgeschwindigkeit der Automobil- Omnibusse ist von der Polizei angeordnet worden. Die Fahrzeit für die Strecke Hallesches Tor— Liefenstraße, welche bei Eröffnung des Automobilbetriebes auf 23 Minuten festgelegt war, ist um drei Minuten verlängert worden. Die Veranlassung hierzu gab einesteils die Tatsache, daß es den Wagenführern zumeist mcht' möglich war. fahrplanmäßig die Endhaltestellen zu erreichen und daß außerdem durch die hohe Fahrgeschwindigkeit eine Gefährdung für den übrigen Verkehr vorlag. Besonders beim Ausweichen schleuderten die Auto- wagen derartig, daß hierdurch mehrfach Zusammenstöße verursacht wurden.— Immerhin ist die Fahrzeit bei der Automobillinie noch sieben Minuten kürzer als bei den Pferde-Omnibussen. Tödliche Unfälle. Ein bedauerlicher Unglücksfall mit tödlichem Ausgange ereignete sich gestern mittag auf dem Neubau-Grundstück an der Ecke der Pariser- und Sächsischenstraße. Dort wollte der 38 jährige Kutscher Karl Führmann, Lllbbcnerstr. 28, mit einem voll- beladenen Bretterwagen auf das Grundstück fahren und stürzte in- folge der heftigen Erschütterung vom Wagen herunter. Er fiel so unglücklich, daß sein Kopf direkt vor das Wagenrad zu liegen kam und überfahren wurde. Mit zerschmettertem Schädel wurde der Bedauernswerte nach der Unfallstatton am Zoologischen Garten gebracht, wo er unter den Händen des Arztes starb. Die Leiche ist polizeilich beschlagnahmt worden. Beim Absturz vom Gerüst tödlich verletzt wurde gestem nach» mittag der achtjährige Sohn Emil des Arbeiters Fischer aus der Koloniestraße 31. Der Kleine war unbemerkt auf dem Nachbar- grundstück auf ein Baugeriist geklettert und dabei heruntergestürzt. Die Mutter, welche ihr Kind lange Zeit vergeblich gesucht hatte. fand dieses später bewußtlos und blutüberströmt auf dem Hofe liegend auf. Der Kleine wurde in das städtische Kinderkrankenhaus nach der Reinickendorferstraße gebracht. Er hatte sich bei dem Sturze einen so schweren Schädelbruch zugezogen, daß das Gehirn bloß- gelegt, wurde. Bald nach seiner Einlieferung starb der Knabe im Krankenhause. Bon einer Slutomobildroschke umgefahren und schwer verletzt wurde gestern in der Königgrätzerstraße der Privatbeamte Luck. Er wollte gegen 9 Uhr abends den Fahrdamm in der Nähe des Branden- burger Tors überschreiten und blieb dicht an den Straßenbahn- schienen stehen, um eine Taxameterdroschke vorbeifahren zu lassen. In diesem Augenblick sauste eine Automobildroschke vorüber und L. versuchte zurückzuspringen. Er konnte jedoch nicht mehr verhindern, daß er vom Schutzblech des Kraftwagens erfaßt und niedergerissen wurde. Der Verunglückte wurde nach der Charits gebracht. Er hatte innere Verletzungen und eine Sehnenzerreitzung des rechten Oberarms erlitten. Einen ungewöhnlichen Verkehr hatten in den Nächten zu Sonn- tag und zu Montag die Berliner Kaffeehäuser aufzuweisen. Sowohl die Deutsche landwirtschaftliche Ausstellung als auch der zurzeit hier tagende Deutsche Jngenieurtag brachte der Hauptstadt einen der- artigen Fremdenzlifluß. daß am Sonnabend abend sämtliche Hotels, Gasthäuser und Privatpensionen voll vermietet woran. Hunderte von Fremden, die mit den Abendzügen hier eintrafen, fanden kein Nachtlogis mehr und waren deswegen genötigt, die Nacht in den Cafss und Nachtrestaurants zu verbringen. Dieselbe Erscheinung machte sich, wenn auch in geringerem Maße, in der Nacht zum Montag bemerlbar._ Hochgradige Entrüstung des Publikums Ijot gestern nachmittag ein Vorfall hervorgerufen, der sich in der Wilhelmstraße abspielte. Dort steht vor dem PalaiZ des Prinzen Friedrich Leopold ein Soldat Posten. Zwischen Va2 und 8/42 Uhr trat ein jedenfalls auf dem Rundgange befindlicher Unteroffizier an den Soldaten heran, kriegte ihn bei der Binde und schüttelte den Menschen, dem offenbar nicht wohl war, einige Male recht kräftig hin und her. Der Soldat stürzte nach hinten, während sein Gewehr in weitem Bogen beiseite flog; er fiel so unglücklich auf das Pflaster, daß er am Hinterkopfe erhebliche Verletzungen davontrug. Während zwei Schutzleute den Verletzten in einer Droschke wegschafften, blieb der Unteroffizier da, einstweilen als Posten die Stelle des Weggeschafften vertretend. Als Passanten ihrer Entrüstung Ausdruck verliehen, trat der Unteroffizier, nach dem Seitengewehr greifend, auf das Publikum zu mit den Worten: Was ist loS? Wie uns versichert wird, hätte jeder Mensch dem Soldaten an- sehen müssen, daß er krank war, denn der Mann war gar nicht im stände, stramm zu stehen, seine Beine hätten gezittert, offenbar des- halb, daß er stundenlang der Sonne ausgesetzt war. Hätte das Publikum sich nicht bemeistert, so hätte es zu schlimmen Szenen kommen können. Wir sind gespannt, was dem Unteroffizier geschieht. Aus der Spree gesunken. Ein schwerer Schiffsunfall, bei dem ein großer Elbkahn mit 6000 Zentner wertvoller Ladung unter- gegangen ist. hat sich auf der unteren Spree unweit ihrer Mündung tit die Havel ereignet. Ein Schleppzug der Berliner Reedereifirma Rothenbücher u. Co. hatte auf der Fahrt von Hamburg nach Berlin das Spandauer Flußgebiet verlassen und war in die Spree gelangt, als ein Fahrzeug des Zuges einen heftigen Stoß erhielt; m dem- selben Augenblick drang mit großer Schnelligkeit Wasser in den Schiffskörper ein. Alles Pumpen erwies sich als vergeblich. Die Bemannung mußte den sinkenden Lastkahn schleunigst verlassen. Dieser wurde noch, damit er kein Schiffshindernis bilde, zum Ufer geschleppt, wo er völlig untersank. Die Untersuchung des Schiffskörpers hat ergeben, daß dieser ein großes Leck hat; es ist durch Auffahren auf den Anker eines anderen Fahrzeuges entstanden. Die Ladung besteht aus Kaufmannsgütern, die mfolge der Nässe nun zum größten Teil verderben. Das Fahrzeug wird, nachdem die Ladung herausgeholt ist, gehoben. Die Unfallstation in der Badstraße ist am Sonnabend und Sonntag in erheblichem Maße in Anspruch genommen worden. In der Nacht zum Sonntag wurde der 36 jährige Schriftsetzer Ernst Bl., als er mit einigen Kollegen über die Millionenbrücke ging, von mehreren verdächtigen Individuen überfallen, zu Boden geschlagen und mit der Faust und einem Schlagring so schwer verletzt, daß er besinnungslos nach der Unfallstation in der Badstraße gebracht werden mußte.— Der in der Swinemünderstr. 34 wohnende Arbeiter Hermann K. erlitt in einem Streite mit seiner Frau und seinem 17 jährigen Stiefsohn so schwere Verletzungen, daß er eben- sallS nach der Unfallstation in der Badstraße und von dort nach dem LazaruSkrankenhause gebracht werden mußte.— Uebel zugerichtet wurde in der gestrigen Nacht der 1v jährige Arbeiter Karl Deichert auS der Biesenthalerstr. 16. In einem Restaurant in der Soldiner- straße hatte D. mit mehreren gleichaltrigen Kameraden bei einem Glase Bier gesessen. ES kam zum Streit und die.Kameraden" fielen über D. her und richteten ihn dermaßen zu, daß er bewußtlos wurde. Sie brachten dann den Schwerverletzten selbst nach der Unfall- station, wo er dre erste Hülfe erhielt. Im Erholungsheim für Arbeiterinnen in Oranienburg sind im Juli und August noch einige Plätze frei. Ausgenommen werden erholungsbedürftige junge Mädchen für den täglichen Pensionspreis von 1 M. Kranke finden keine Aufnahme. Anmeldungen müssen mündlich im Arbeiterinnenheim I, Brückenstr. 8, erfolgen. Zeugengesuch. Am Donnerstag, den 14. d. MtS., ereignete sich an der Kreuzung der Zwingli- und Beuffelstraße ein Unfall, der für die Betroffene schwere Folgen hatte. Eine ältere Frau suchte den Fahrdamm zu überschreiten und wurde von einem Radfahrer, welcher in scharfer Fahrt die Straße daherfuhr— nach Aussage der Frau ohne ein Läutesignal zu geben— umgestoßen, so daß sie einen komplizierten Bruch des rechten Oberannes, sowie eine starke Schwellung des Gesichts und Abschürfungen an den Beinen davon- trug. Die Verletzte mußte in das Krankenhaus in Moabit eingeliefert werden. Da sich die Frau um die Person des Radfahrers sowie um Zeugen nicht bemühen konnte, aber nicht anzunehmen ist, daß dieser Borgang unbemerkt geblieben ist, zumal jene Gegend um die Mittagsstunde, in welcher fich das Unglück abspielte, von Arbeitern stark frequentiert wird, werden Zeugen des Vorganges, welche speziell über die Person des Radfahrers Auskunft geben können, er- sucht, zweckdienliche Mitteilungen an C. Rau, Beusselstr. 22, Stfl. II, gelangen zu lassen. In einer schweren Gefahr befanden sich am Freitagabend unter der Glienicker Notbrücke Passagiere eines Dampfers. Schon lange wird darüber gellagt, daß einige Schiffsführer der Personen- fahrzeuge des Kreises Teltow in wilder Weise darauf loS fahren, wenn es gilt, einen Sterndampfer zu überholen, um auf der Strecke PotSdam-Nedlitz die gemeinsame Landunasbrücke bei der Meieret im Neuen Garten früher zu erreichen oder früher durch die Glienicker Brücke zu fahren. Gegen 6 Uhr abends kam nun von Nedlitz her der Sterndamvfer„Treptow" als erster an der Glienicker Brücke an, hatte also Priorität für die Durchfahrt. Der Schiffsführer be- merkte auf der anderen Seite der Brücke das Personenmotorboot „Britz" von dem Kreis Teltow und gab vorschriftsmäßig das Signal„rechts fahren". Hieran kehrte sich auf dem.Britz" der Scbiffsführer aber nicht, sondern wollte mit voller Dampfkraft die Brückendurchfahrt passieren. Vom Sterndampfer wurden nun unausgesetzt, wohl zehnmal Signale abgegeben, ohne daß diese von dem„Britz" beachtet wurden. Zum Glück hatte der Schiffsführer des Dampfers„Treptow" im letzten Moment das Kommando„Stopp rückwärts!" gegeben, so daß innerhalb des Holmes der Brücke der „Britz" um Handbreite bei dem„Treptow" vorübersauste. Unter den Passagieren desselben, die aufS höchste gefährdet waren, entstand eine große Aufregung, da sie den Zusammenstoß vor Augen sahen. Verschiedene Passagiere boten sich dem Schiffsfllhrer zum Zeugen an. Erst kürzlich hat dasselbe Motorboot einen Holm entzweige- fahren. Einen Kellistmordversuch auf offener Straße unternahm Sonntag am frühen Morgen der 3Sjährige Bildhauer Karl H. aus der Schwedenstr. 11. H. war mit einem jungen Mädchen in Streit ge- raten und deswegen mit ihr auseinander gekommen. Als er sich gestern früh morgens an der Ecke der Bad- und Uferstraße von ,hr getrennt hatte, versuchte er sich sofort das Leben zu nehmen. Er schnitt fich mit dem Taschenmesser die Pulsadern auf und wurde später von Passanten blutüberströmt vorgefunden und in das Lazarus- Krankenhaus eingeliefert. Orgelkonzert. Mittwoch, den 20. Juni, abends>/°S bis >/»0 Uhr, veranstaltet der kgl. Musikdirektor Beruh. Jrrgang m der St. Marienkirche das nächste Orgelkonzert unter Mit- Wirkung von Frl. Anni Böttcher(Sopran), Herrn Karl Rachö lBaryton) und Herrn Armin Lieberniann sCello). Musikdirektor Jrrgang spielt u. a. die große Phantasie und Fuge von Liszt über „Aa hob ad ealutarem im dam". Der Eintritt ist frei l Radrennen zu Steglitz am 17. Juni. Der„Große Preis von Steglitz", ein Dauerrennen mit Motorschrittmachern über 100 Kilometer und 2000, 1500, 1200 und 1000 M. an Preisen aus- gestattet, wurde von dem Amerikaner Rat Butler, dem Fran« zosen PaulGuignard, BrunoDemke(Berlin) und Anton H u b e r(München) bestritten. Leider gestaltete sich das Rennen zu einem höchst irregulären, denn sämtliche Fahrer hatten mehr oder weniger unter dem Versagen ihrer Führungsmaschinen zu leiden, am meisten Huber, der sich gar nicht zur Geltung bringen konnte. Guignard hatte bis zum 24. Kilometer die Spitze, dann aber ging Demke, der ganz vorzüglich fuhr, an ihm vorbei; doch bald ereilte auch ihn das Miß- geschick, daß er ins„Schwimmen" kam, wodurch er wieder auf den zweiten Platz zurückfiel. Guignard konnte bis zum b0. Kilometer die erste Stelle behaupten; dann aber ging Butler, der bis zum 20. Kilometer vierter gewesen, vor, und da seine Gegner wiederholt von ihrer Führung abfielen, behauptete er bis zum Schluß den ersten Platz vor Demke und Guignard. Zum Schluß erhielt auch Huber wieder Führung und er fuhr wacker mit bis zum Ende. Butler legte die 100 Kilometer in 1 Stunde 14 Minuten 14� Sekunden zurück, Demke 4830 Meter und Guignard 6490 Meter zurück. Huber letzter. In der Stunde hatte Butler 80 Kilometer 110 Meter, Demke 75 Kilometer 260 Meter, Guignard 74 Kilometer 130 Meter hinter sich gebracht. Einige Fliegerrennen vervollständigten das Programm;, sie wurden von Theile, Wegener und Techmer gewonnen. Die Fernfahrt Hamburg— Berlin über 257 Kilometer am 17. Juni wurde von 100 Radfahrern bestritten. Erster war der Hamburger O. H ä r t e I in 9 St. 18 Min. 40 Sek. vor Aham Süden(9 St. 29 Min. 533/s Sek.). Der Berliner Otto G ö tz k e, der am Sonntag vorher das„Rennen rund um Wien" gewonnen hatte, belegte trotz zweimaligen Reifenschadens den dritten Platz in 9 St. 30 Min. 57 Sek. Feuerwehrbericht. Preßkohlenbrände beschäftigen jetzt täglich unsere Feuerwehr. Am Sonntag und heute mußte die Feuerwehr u. a. solche Brände in der PrenzlauerAllee 211 und 205, auf dem Nordbahnhof, Anhalter Güterbahnhof usw. löschen. Am Sonntag früh nach 7 Uhr kam aus noch nicht ermittelter Ursache am Köllnischen Fischmarkt 4, Ecke der Roßstratze, Feuer aus. Als der 20. Löschzug an der Brandstelle ankam, brannten dort Geschäftsräume der Teppichfabrik von M. Protzen u. Sohn im ersten Stock. Durch energisches Vorgehen gelang eS die Flammen bald zu löschen, doch hatte die Wehr bis um 11 Uhr zu tun, um jede weitere Gefahr zu beseittgen. Der Schaden ist nicht erheblich, im wesentlichen haben nur das Zwischengebälk im 1. Stock und die Decke von dem Laden des Herrengarderobengeschästs von Bernward Leineweber ge- litten. In der Kl. Alexanderstr. 2a hatte die 1. Kompagnie zu tun. Lumpen waren dort früh in Brand geraten. Fast gleichzeitig brannte in der Amalienstr. 20 ein kleines Gebäude und in der Forsterstr. 53 um Mitternacht ein Keller. Wegen eines Wohnungsbranndes erfolgte ein Alarm nach der Freienwalderstr. 28. Außerdem hatte die Feuer- wehr in ber Lynarstr. 15, Kaiser Wilhelmstr. 17, Lehrterstr. 37 u. a. Stellen zu tun. Vorort- JVadmcbten. Sammellisten für die ausgesperrten Lithographen und Stein- druckcr sind in Schöneberg beim Obmann der Gewerkschafts- kommission Karl Henkel, Prinz Georgstr. 4, Ouergebäude II; in Charlottenburg beim Genossen Joh. Scheibel, Bismarckstr. 35 und in Groß-Lichterfelde beim Obmann des Gewerkschafts- kartells, Genossen E. Ziege, Bahnstt. 31 II, zu haben. Rixdorf. Zwei Kinder unter dem Straßenbahnwagen. Ein auffegender Vorfall, der durch die Geistesgegenwart eines Straßenbahnführers noch ein glückliches Ende fand, spielte sich in der Hermannsttatze ab. Die beiden dreijährigen Kinder Karl Lankhau und Helene Freund. deren Eltern in der Herrfurthstr. 2 wohnen, überschritten Hand in Hand den Fahrdamm der Hermannstraße. MS die Kleinen vorsichtig einem Fuhrwerk auswichen, gerieten sie unglücklicherweise vor einen vorübcrfahrenden Straßenbahnwagen der Linie 94. Sie wurden umgestoßen und kamen unter die Vorderplattform. Durch die Geistesgegenwart des Fahrers gelang es, den Motorwagen noch im letzten Augenblick zum Stehen zu bringen, und als man die Kinder unter atemloser Spannung der Augenzeugen hervorzog, stellte es sich heraus, daß sie völlig unverletzt geblieben waren. Wilmersdorf. Das Schicksal des gestohlenen Hirtenknaben. Der dreiste Dieb- stahl in einer Villa in der Uhlandstraße, wobei, wie wir berichteten. die wertvolle Figur eines Hirtenknaben erbeutet wurde, hat jetzt seine Aufklärung gefunden. Das Kunstwerk war von den Dieben an einen Althändler verkauft worden und wurde dann noch dreimal weiter veräußert. Ein Angestellter des letzten Erwerbers kam nun am Sonnabend mit einem jungen Manne aus der Noackschen Bild- gießerei, auS welcher der Hirtenknabe hervorgegangen war, zu- sammen und äußerte im Laufe des Gespräches, daß sein Chef eine schöne Figur, einen Hirtenknaben darstellend mit dem Noackschen Gießereivermerk, erworben habe. Der Polizei wurde hiervon Mit- teilung gemacht und diese beschlagnahmte die Figur. Tempelhof. Die Tempelhofer Gemeindevertretung genehmigte eine Abänderung des Bebauungsplanes sowie dt« Anlegung einer neuen Straßenbahnlinie durch die Gottlieb Dunkel- Straße. Die Verein- barungen mit dem benachbarten Schöneberg zur Herstellung eines Schmuckplatzes an der sogen.„Blanken Hölle", sowie zur Regulierung der Straße 12a sind noch zu keinem end- gültigen Abschluß gelangt. Die Gemeinde Tempelhof verlangt, daß Schöncbcrg die Hälfte der Kosten trägt, ist aber damit einverstanden, daß Schöneberg allein die erforderlichen Verhandlungen mit dem MilitärfisluS führt, dem ein Teil des in Frage kommenden Geländes gehört. Weihensee. Wie auf'm Dorf! Unser Ort zählt ungefähr 40000 Einwohner. die Grenze von der Metropole des Deutschen Reiches zeigt ein schlvarz-weißer Pfahl mit einem weißen Schilde an, in die Einheits« posttaxe ist er einverleibt, sogar die„Große Berliner" hat den Ort mit dem Zehnpfennigtarif berücksichtigt, und dennoch lebt man wie auf'm Dorf! Hat der Kriegervereinsvorsitzende Geburtstag, dann bekommt er einen Fackelzug mit Musik, ist irgend ein Dorfgewaltiger oder eine sonstige Stütze gestorben, so wird über sein Grab ge- schössen und mit lautem Tamtam wird dann Bereinsfahne oder Banner ins Vereinslokal zurückgebracht, wo man die Taten des Toten„würdig ehrt". Bis vor noch nicht langer Zeit hatten die Rauchklubs und sonsttge Klimbimvereine die Erlaubnis erhalten, mit schallender Musik bei jedem Vergnügen durch die Straßen zu ziehen. In letzter Zeit kam man von diesen Gewohnheiten etwas ab, weil das ewige Einerlei keine Reize mehr bot und man diesem Klimbim keine große Beachtung mehr schenkte. Nun hat sich in allerjüngster Zeit ein Schützenverein gebildet, dem die Allerbesten des OrteS angehören, vom besoldeten Schöffen bis herunter zum patriotisch gesinnten Schuhmachermeister; wer etwa? aus seiner Person machen will, gehört dem Schützen- verein an. Unter der Parole: Ueb' Aug' und Hand fürs Vaterland, reißen die Feste nicht ab; des Sonntags wie wochentags gibt es mal so ein Schießen, da gibt es ein Anschießen, Königsschießen, Gästeschießen und dergleichen Schießerei mehr. Auch am letzten Sonntag war in alle Welt hinausposaunt, daß ein Er- öffnungsschiehen stattfinde, wo die Gäste aus nah und fern herbeisttömen würden. Da die Feier nach den Ver- kündigungen einen„nationalen Charakter" trug, wurden die Herren Hausbesitzer aufgefordert, den Ort im Fahnenschmuck glänzen zn lassen. So nebenbei erwartete man von der Einwohnerschaft, daß auch diese das Schauspiel verschönern helfe, und die nötige Anzahl Gaffer zur Verfügung stelle. Beides ist nun schlecht geraten; das Wetter nahm auf den„nationalen Charakter" des Festes keine Rück» ficht, Fahnenschmuck hatten nur einige Stammkneipen der Herren Schützen angelegt und die Zuschauer hatten ebenfalls kein Jntereffe an dem Festzuge. Nur einige Sttaßenbahnpassanten aus der Groß» stadt legten dem Schauspiel einiges Interesse bei, indem sie köpf« schüttelnd der Meinung Ausdruck gaben: Wie auf'm Dorf. In der außerordentlichen Generalversammlung der Zahlstelle Weißensee des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes gab Kollege Schlemminger den Bericht vom Verbandstag in Köln. Eine Dis- kusfion über den Bericht fand nicht statt. Der Bevollmächttgte brachte alsdann den in der Februar-Versantmlung gefaßten Beschluß, vom 1. Juli einen Beitrag von 90 Pf. zu erheben, sobald auf dem Verbandstage die Krankenunterstützung angenommen wird, in Er- innerung. Auch wurde beschlossen, daß Mitglieder nur dann Unter« stützung erhalten, wenn 13 Marken am Orte geklebt find. Zum Schluß wurde noch auf den Arbeitsnachweis verwiesen und auf« gefordert, das Umschauen zu unterlassen. Pankow. Um sich mit neue« EinbruchShandwerkzeugen zu versehen, verübten Diebesgesellen nachts einen Einbruchsdiebstahl in der Schlofferei- Werkstatt von Sch. in der Breitenstraße. Vom Garten aus drangen die Täter durch die Fenster in die Werkstatt und stahlen dort, waS sie zur Ausübung von Einbruchsdiebstählen nur gebrauchen konnten. Brecheisen, einen Posten Dietriche in den verschiedensten Größen und Stärken, eine große Anzahl Nachschlüffel usw. fielen den Spitzbuben zur Beute. Nowawes- Neuendorf. Eine Handwerks- und GeWerbeausstellung findet gegenwärtig im Klemmschen Lokale in Nowawes statt. Dieselbe ist vom Berein für Handel und Gewerbe arrangiert und soll ein Bild von der gewerb- lichen und industtiellen Tätigkeit in Nowawes-Neuendorf geben. Ein Teil der ausgestellten Gegenstände sind anerkennenswerte Leistungen, jedoch das Gros der Schauobjekte ist Fabrikware ge- wöhnlichster Art, die gar nicht in unseren Orten hergestellt sind; hat sich doch die Mehrzahl der hiesigen Handwerker überhaupt nicht an der Ausstellung beteiligt, denn sonst wäre es nicht möglich gewesen, dieselbe tn einem Tanzsaal unterzubringen. Daß dieses Arrangement dazu beitragen wird, die gewerbliche und industrielle Tätigkeit in Nowawes-Neuendorf zu fördern, dürfte doch stark zu bezweifeln sein. Von der Leistungsfähigkeit der Aus- steller scheint das leitende Komitee selbst keine hohe Meinung zu haben, denn obwohl eine hiesige Buchdruckerei und ein Photograph. welch letzterer sogar Mitglied des arran« gierenden Vereins ist, mit Erzeugnissen auf der Ausstellung ver« treten sind, hat man sowohl den„Führer" in Potsdam drucken, als auch die Aufnahme eines Gruppenbildes durch eine Potsdamer Firma ausführen lassen. Ein großer Schmerz ist dem AuSstellungS- komitee dadurch bereitet worden, daß bei der Eröffnung der so sehn- lichst erwartete Regierungsvertreter ausgeblieben ist, wahrscheinlich, weil er besseres zu tun hatte. Wir wollen nicht unterlassen, die Ar- bester, welche die Ausstellung besuchen, darauf hinzuweisen, daß daS Klemmsche Lokal gesperrt ist, und der Inhaber desselben dadurch zu erkennen gibt, daß er gerne auf die Einnahme von Arbeiter- groschen verzichtet. Die Erdarbeiten für hi« Kanalisation haben nunmehr begonnen, und ist damit der Anfang zu einem Werke gemacht, welches für die Zukunft der beiden Orte von weittragender Bedeutung sein kann; nicht nur, daß dadurch die hygienischen Verhältnisse bedeutend bessere werden, auch die Frage der Vereinigung der beiden Orte ist dadurch wieder mehr in den Vordergrund gerückt worden. Während man in Nowawes längst überzeugt ist, daß die getrennte Verwaltung der Ortschaften schwere Hindernisse für die EntWickelung derselben bietet, hat man sich in Neuendorf, vertrauend auf die guten dortigen Finanzverhältnisse, bisher auf den Standpunkt gestellt, daß eine Verschmelzung der beiden Orte einfach undiskutabel ist. Durch diesen Zustand werden aber der Kanalisationskommission bei ihren Arbeiten so viele Schwierigkeiten bereitet— die natürlich auch auf die Neuendorfer Finanzverhältniffe äußerst ungünstig einwirken. Selbst den verbohrtesten Kirchturmspolitikern muß es klar werden, daß es so nicht mehr lange weiter gehen kann. Hoffentlich wird sich diese Ueberzeugung bald allgemein Bahn brechen, damit in den nächsten Jahren zum Besten der Einwohner beider Orte eine gründ« liche Aenderung oer jetzigen Verhältnisse herbeigeführt werden kann. Versammlungen. Im Arbeitervertretcr-Verein, der am Donnerstag feine regel« mäßige Mitgliederversammlung abhielt, wurde von den Beisitzern der Unfallschiedsgerichte lebhaft eine neue Maßnahme in der Sozial- rechtsprechung kritisiert, die— dem jetzigen Standpunkte von der „gefüllten Kompottschüffel" entsprechend— neue Schädigungen der Unfallverletzten im Gefolge hat. Bisher war es nämlich üblich, Rcntenherabsetzungen nicht unter 10 Proz. eintreten zu lassen, das heißt unter der Voraussetzung, daß eine wesentliche Besserung im Befinden des Verletzten konstatiert war. Besserungen bis zu 10 Proz. wurden als„nicht meßbar" und infolgedessen als nicht vorhanden betrachtet, weshalb solche Anträge der Berufsgenossen« schaffen auf Herabsetzung der Rente in der Regel abgewiesen wurden. In der letzten Zeit ist es jedoch üblich geworden, kleinere Renten um 7% oder 5 Proz., ja um 3% Proz. herabzusetzen! Wurde z. B. der Verlust eines Auges sonst auf 3SVi Proz. Erwerbsunfähigkeit geschätzt, so knappst man jetzt die 3sh Proz. ab und läßt nur 30 Proz. zahlen, weil sich der Verletzte an seinen Zustand„gewöhnt" habe. — Anderen Verletzten, die ohnehin nur eine Rente von 30 oder 25 Proz. erhalten, zwackt man 5 oder 7% Proz. ab. Bei der jetzigen Praxis, die kleinen„SchnapSrenten" nach und nach überhaupt zu beseitigen, ist mit diesem Verfahren die Handhabe gegeben, in kurzer Zeit nacheinander eine mehrmalige Kürzung der Rente unter daS Matz der geheimrätlich fixierten„Schnapsrente" vorzunehmen und dann die Entschädigung damit ganz zu verweigern. Von einer Heraufsetzung der Renten um 5 Proz., falls eine Ver» schlechterung im Zustande des Verletzten eingetreten ist, nimmt man dagegen nichts wahr. Es wurde ausgeführt, daß. wenn die Verletzten in demselben Maße Anträge und Klagen auf Herauf- setzung der Renten um 5 Proz. einbringen würden, wie solche von den BcrufSgenossenschaften auf Herabsehung gestellt werden, dann die ersteren vielleicht noch wegen frivoler Rcchtsver- folgung eine Verurteilung zur Kostenzahlung zu gewärtigen hätten. Die Avbeiterbeisitzcr müßten jetzt fast tagtäglich die Erfahrung machen, daß die Sozialrechtsprechung immer mehr zuungunsten der Arbeiter ausfalle. Gegen die jetzigen Praktiken der Rentenknapserei. wie sie von den Schiedsgerichten und auch vom Reichs-VersicherungS, amt betrieben werden, protestierte die Verfammlung der Arbeiter- Vertreter auf das entschiedenste. Verein der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter«nd Arbeiterinnen Berlin» und Unigrgend. Abteilung Rixdorf- Britz Mittwoch, den 20. Juni er., abends'/.8 Uhr, bei Wllke, Rixdorf, Hermannstr. 213 i Abtcilungsoersammlung. Bortrag des Kollegen F. Maschke über:„Jugend- sllrsorge". Das pünktliche Erscheinen aller Kollegen ist dringend not, wendig. Vermischtes. Durch einen sechsstündigen«olkenbruchartigen Rege» wurde am Sonntag in K a t t 0 w i tz bedeutender Schaden äst- gerichtet. In den Straßen stand daS Waffer stellenweise 1% Metcp hoch. Die niedrig gelegenen Wohnungen wurden vollftägdig ulgii fchwemmt. Der Verkehr zwischen der Altstadt und der Neustadt Gine heftige Fenersbrunft zerstörte in Glasgow am Sonnabend| Schweinefleisch 62-68. Kaninchen per Stüd 0,50-0,60. Sühner, alte, Stild war völlig unterbrochen und wurde später durch Wagen aufrecht die Eisenbahnwerkstätten. Der angerichtete Schaden dürfte sich auf 1,60-3,30, junge, per Stüd 0,75-1,00. Tauben, junge 0,38-0,55, alte 0,00-0,00. Enten, prima, per Stüd 2,00, Hamburger, junge, per Stüd erhalten. Die Feuerwehr wurde unausgesezt zur Hülfeleistung 150 000 Pfund Sterling belaufen. 2,00-2,75. Gänse, junge, per Pfd. 0,55-0,60, per Stüd 2,80 bis Bleie 00-00. Aale, groß 124-128, herangezogen. In der Nikolaistraße stürzte ein Neubau von zwei Ein schweres Unglück hat sich in einer in der Nähe von Madrid 4,10. Hechte 71-99. Schleie 87-95. Stockwerken Höhe infolge von Unterspülung zusammen. In der gelegenen Grube zugetragen. 16 Grubenarbeiter sind durch Aus- mittel 106-117, flein 0,00, unfort. 75-105. Plöken 0,00. Flundern, bomm. I, Vorstadt Bogutschütz stieg das Wasser so hoch, daß die Peter Pauls- strömen giftiger Gase verunglückt, wovon fünf bereits gestorben. Schod 3,008,00. Stieler, Stiege Ia 4-6, bo. mittel, per Stifte 2-4, Kirche von den Besuchern längere Zeit nicht verlassen werden fonnte. Die Mauern des Gefängnisses wurden unterspült und stürzten teilweise ein. Auf der Eisenbahnstrede Kattomis- Idaweiche entstand ein Dammrutsch, wodurch ein Zug entgleiste, ohne daß jedoch Personen dabei verlegt wurden. Die Reisenden mußten ihren Weg zu Fuß fortsetzen. Der oberschlesische Kleinbahnverkehr ist teilweise unterbrochen. Beuthen O.-S., 18. Juni. Das gestrige Unwetter hat auch hier an verschiedenen Stellen Schaden angerichtet. Während der Nacht stieg das Wasser so hoch, daß es in die Häuser eindrang. Die Bewohner mußten, nur notdürftig bekleidet, flüchten. Auch aus Böhmen werden Ueberschwemmungen gemeldet: Im Sazatva- Gebiete ging über mehrere Gemeinden, darunter Selcan, und Konopischt, ein Wolkenbruch nieder. Ungeheuere Waffermengen überschwemmten ganze Gemeinden, riffen mehrere Brücken fort, verursachten bei mehreren Deichen Dammbrüche und machten ganze Straßen und Bahnstrecken unpassierbar. 7 Personen weden vermißt, 60 Häuser sind vollständig demoliert, die Felder und Baumanlagen sind verwüstet. Eine Menge von Kleinvieh und Geflügel ist zugrunde gegangen. Zur Hülfeleistung ist Militär abgegangen. Ueber ein Eisenbahnunglüd, das sich am Sonnabend zwischen Trzonken und Kessel zugetragen hat, wird folgendes amtlich gemeldet: Heute vormittag entgleifte Personenzug 507 zwischen Trzonken und Kessel auf Strede Johannisburg- Arys. Lokomotivführer und Heizer schwer verletzt. Zwei Reservisten leicht berlebt, so daß sie Fußmarsch nach Arys antreten fonnten. Später wird gemeldet: Der schwer verletzte Heizer Langkeit ist gestorben. 1600 Personen obdachlos. Hudiksvall( Schweden), 17. Juni. Die Vorstadt Avik ist heute nachmittag vollständig abgebrannt. Der Eisenbahnverkehr, die Telephon- und Telegraphenverbindungen sind vollständig unterbrochen. 1600 Personen sind obdachlos. Erdstöße. Der" Sun" zufolge sind am 16. Juni in San Francisko wieder drei Erdstöße verspürt worden, die jedoch Schaden nicht anrichteten.- In Laibach und in der ganzen Krain wurden heftige Erdstöße verspürt. find. " Das japanische Transportschiff Boyoftomi Maru" ist in der Nähe der Bay von Korea auf eine Seemine gestoßen. Von der 62 Mann starten Besabung fonnten nur 12 gerettet werden. Das Schiff ist gesunken. Eingegangene Druckfchriften. do. Klein, per ifte 0,00. Büdlinge, holl. per Wall 0,00. Stieler 2,00-5,00, Stralsunder 5-6. Aale, groß, p. Pfd. 1,10-1,30, mittel 0,80-1,00, fl. 0,50 bis Sprotten, Kieler, 2 Wall 0,00, E16- per Stifte 0,00. Sardellen, 0,60. 1902er, per Anter 82,00, 1904er 80,00, 1905er 00,00. Schottische Vollheringe 1905 0,00, large 40-44, full. 36-38, med. 35-42, deutsche 37-44. Heringe, neue Watjes, per, To. 60-120. Summern, IIa, 100 ßfb. 0,00. mittel 11,50, fleine 6,50-750, Krebse, per Schock, große 24,00, unfortiert 7,50-10,00. Eier, Land-, per Schod 0,00-0,00, frische 0,00. Butter per 100 Pfund, Ia 109-112, IIa 106-109, IIIa 104-105, ab fallende 100-102. Saure Gurken, Schock 3,75-4,25, Pfeffergurfen 4-4,25 M. Startoffeln per 100 Bfb. magn. bon. 2,40-2,60, rote Dabersche 2,25-2,40, runde weiße 1,50-2,40, Malta 0,00, Sommer- Malta 10-11,50, franz. 0,00, Von der Neuen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ist foeben das fal. 4,50-7,00, ung. 3,50-4,50. Spinat, per 100 Pfd. 15-18, Starotten 2 bis Rhabarber, Hamb., per 100 Bb. 4-4,50. Radieschen, per Schock- Bd. 1,25. 38. Heft des 24. Jahrganges erschienen. Das Heft hat folgenden Inhalt: 3,50. Stohlrabi, per Schock 1,00-1,25. Rettig, bayr., per Schod 2,40-4,80. Ginige Fragen der äußeren Politit. Von M. Beer. Die Eisenbahnfrage in Salat, per Schod 0,75-1,25. Spargel I, per Pib. 0,20-0,23, II 0,15 bis den Vereinigten Staaten. Von Lapis. I. Das konstitutionelle Selbst- 0,18, III 0,10, Beeliger I 0,25-0,35, II 0,15-0,20, III 0,05-0,10. herrschertum und die wahrscheinliche Lösung dieses Widerspruchs. Von Bruchspargel 0,00. Bohnen( grüne), per 100 ẞfd. 70-100. . Deborin. Die Wahlen in Dänemark. Von Gustav Bang. Die Bigarettensteuer. Bon Friedrich Geher. Alte und neue Tendenzen hiesige, per 100 Bfd. 25-28. Pfefferlinge per Pfd. 0,25-0,30. Mohrrüben per Schock- Bd. 2,50-3,50. Blumenkohl per Stopf 0,30. Wirsingfohl per in der deutschen Lehrerschaft. Ein Rückblick auf die deutsche Lehrer- Mandel 1,50-2,50. Steinpilze per Pfd. 0,33. Teltower Rüben per Pfd. Von Heinrich Schulz. Literarische versammlung in München. 0,22-0,25. Stachelbeeren 100 Bfd. 10-12. Sirschen, ital., 100 fb. 25-30, Karl Röttger, Gubener 16-24, Werdersche 16-28, schlesische 11-22, Natten, Werderscha Rundschau: Baruch de Spinoza, Ethit. Von J. Stern. Das Leben, die Kunst und das Kind. Von Lea Heiden- Deutschmann. 40-50. Blaubeeren per Pfb. 0,28-0,30. Erdbeeren, holl. per 100 fb. Dr. Ernst Morgenstern, Tarif und Lohn im deutschen Buchdrudgewerbe. 30-40, franz. per Pfd. 0,35-0,40, Beeliter per Pfd. 0,27-0,40, Werdersche Die Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- per Pfb. 0,25-0,40, Dresdener per Pfd. 0,40-60, Dresd. Wald per Pfd. Bfb. 0,10-0,11. Zitronen, Meffina, 300 Stüd 9,00-13,00, 360 Stüd handlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 m. pro 0,60-0,70, hiesige Wald- per Pfd. 0,60-0,80. Pflaumen, ital. runde, per Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Poft nur pro Duartal 7,00-12,00, 200 Std 7,00-12,00, 420 Stüd, flein 7,00. Weintrauben, Brüffeler, per 100 pfd. 60-100. abonniert werden. Das einzelne Heft toftet 25 Pf. Bon ad. br. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Wie wird Fleisch am vorteilhaftesten für den bürgerlichen Tisch zubereitet? Bwei preisgekrönte Arbeiten. 20 Seiten. Preis 30 Pf. Verlag Allgemeine Fleischer- Beitung", Berlin SW. 19. " Jahresbericht des Arbeiterbildungsvereins„ Eintracht" in Zürich( 1841) über seine Tätigkeit im Jahre 1905. 31 Seiten. Verlag Buchdruckerei des " Boltsrecht"( Kasten& Beisberg), Zürich. Schoten, Witterungsübersicht vom 18. Juni 1906, morgens 8 Uhr. Barometer Better Stationen Die neue Frauentracht. Mitteilungen der Freien Bereinigung für Stationen Berbesserung der Frauenkleidung. Herausg. Ella Law. Nr. 6. Monatlich ein Heft. Preis halbjährlich 1,50 M. Verlag G. D. B. Callwey, München. Bibliothek des allgemeinen und praktischen Wissens. Zum Studium und Selbstunterricht in den hauptsächlichsten Wissenszweigen und Swinemde. 764 23 2halb bb. 18 Haparanda 766 NND Sprachen. In Verbindung mit hervorragenden Fachmännern heraus. Hamburg 765 DND 2 Dunst Petersburg 758 N gegeben von Emanuel Müller- Baden.( Erscheint in 75 Lieferungen zu je Berlin 764 NND 1 wollent 19 Scilly 763SS 3 bedeckt Frantj.a.M. 763 ND 19 Aberdeen 767 Still 60 Pf. beim Deutschen Verlagshaus Bong& Co. in Berlin W. 57). München 763 SW 2 bedeckt 18 Paris 766 ND Wien 761 NNW 3halb bd. 20 Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen- Direktion. Rindfleisch Ia 64-68 pr. 100 Pfund, IIa 54-64, IIIa 50-53, IVa 44-50, engl. Bullen- 0,00, dan. Bullen- 0,00, Eine Wasserhofe hat in den Probingen Lugos und Salamanca boll. Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 105-120, Ia 85-90, bedeutenden Schaden angerichtet. IIa 70-80, IIIa 60-68. Hammelfleisch Ia 70-75, IIa 62-68. Für den Inhalt der Injerate Schiller- Theater. übernimmt die Redaktion dem Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, den 19. Juni. Anfang 7, Uhr: Neues Operntheater. Don Juan. Deutsches. Cäsar und Kleopatra. Neues. Orpheus in der Unterwelt. Berliner. Elettra. Iphigenie auf Tauris. Anfang 8 Uhr: Leffing. Die lustige Wittwe. Schiller 0.( Wallner Theater.) Bar und Zimmermann. Schiller N.( Friedrich Wilhelm. ftädtisches Theater). Heiratsluftig. Kleines. Ein idealer Gatte. Komische Oper. Hoffmanns Er. zählungen. Zentral. Nanon. Luftspielhaus. Das Feft der Handwerker. Borher: Die Verlobung bei der Laterne. Thalia. Hochparterre links. Metropol. Auf ins Metropol. Apollo. Das blaue Bild. SpeziaMorwin Oper. Dienstag, abends 8 Uhr: Zar und Zimmermann. Komische Oper in 3 Aften von Albert Lorking. Mittwoch, abends 8 Uhr: Rigoletto.( Herzog und Narr.) Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Trompeter von Säkkingen. Dienstag, abends 8 Uhr: Heiratslustig. Schwant in brei Alten von Maurice Champagne. Mittwoch, abends 8 Uhr: Heiratslustig. Donnerstag, abends8uhr: Heiratslustig. Im Garten tägl. gr. Militär- Konzert. Schweizer Garten. Am Königstor Am Friedrichshain 29/32. Täglich: Theater- Vorstellung, Spezialitäten und Ball. Bum Schluß: Elternlos. Diez'. Spezialitäten- Theater. Landsberger Allee 76/79( Ringbahutation). Carl Weiß. leiht. Der Weg des Mar- Ob schön! Im herrlichen Garten oder Saal: Ob Regen! litäten. thrers. 19 Windstärke Better Zemp. n. 5. B= 38321 4wollent 10 4wolfig Nebel 1wollen! 14 1 molten 18 Wetter- Prognose für Dienstag, den 19. Juni 1906. Warm und vorwiegend heiter bei meist schwachen nordöstlichen Winden; Getpitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. :: Sektion V:: Verband städtischer Arbeiter Straßenreiniger. Sonntag, ben 24. Juni 1906: Großes Sommer- Fest in den Gesamträumen der Arminballen, Kommandantenftr. 20 unter Mitwirkung des Gesangvereins der Putzer ( Mitgl. d. A.S.-B.), der Kostüm- Soubrette Fräulein Felicia Vernè, des Humoristen Willy Weiß und Mitgliedern des Neuen TonkünstlerOrchesters. Der Ueberschuß wird zum Besten XX notleidender Kollegen verwendet. XX Eröffnung 3 Uhr. Eintritt 20 Pf. Anfang 4 Uhr. Die Kaffeeküche steht den verehrten Damen von 3 bis 6 Uhr zur Verfügung.( 1 Liter 80 Pf., 1/2 Liter 40 Pf.) Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Garderobe 10 Pf. Alle Kollegen und Kolleginnen der Filiale Groß- Berlin sowie Freunde und Genossen find herzlich willkommen. 282/17 Das Komitee. J. A.: H. Müller. Berliner Wetterbureau. Urania Tauben. str. 48/49. Täglich abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. Sternwarte Invalidenstr.57/ 62. OOLOCISCHER Z CARTEN Heute nachmittag 4 Uhr: Großes Militär- Konzert. Eintritt 1 M., v. 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Vorletzte Aufführung: Lustspielhaus. Metropol- Theater Der Weg des Martyrers. Täglich 8 Uhr: Das Fest der Handwerker. Vorher: Wintergarten. Tortajada. Spestalit. Täglich: Gr. Konzert, Spezialitäten Die Verlobung bei der Laterne. Paffage. Willy Brager. Spezialit. Meichshallen. Stettiner Sänger und Ball. Das größte und befte Programm Berlins. Urania. Tanbenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngste Aus- u. a.: La Matschiche! meritanischer Tanz, ausgeführt vom besten Tanzduett Jeanette und Vallis. bruch des Besuv. Apollo- Theater. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Robert und Bertram, das berühmte Grotest- Duett. Josefine MIB Carma, Transformat. Tänzerin. Delcliseur, das weibliche unitum. Die Wunder der Turnkunft: Duo Paulus, holländisches Duett. Ferdinand Bonns The tree Burtons und The Elrados, tomische Reckturner. Kaffeeküche. Volksbelustigungen aller Art. Berliner Theater. Anfang& br. Anfang 8 Uhr. Dienstag, Anfang 8 Uhr. ,, Elektra" ,, Jphigenie" Mittwoch: Sappho. Donnerstag: Donna Diana. Anfang 7, Uhr. Neues Theater. Orpheus in der Unterwelt Kleines Theater. Ein idealer Gatte. Anfang 8 Uhr: Mittwoch: Ein idealer Gatte. Neues kgl. Operntheater ( Kroll). Anfang 7, Uhr. Dienstag, den 19. Juni: Gastsp. d'Andrade, Lilli Lehmann a. Bella Alten: Don Juan. Mittwoch: Die Fledermaus. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und Invalidendank. Komische Oper. Sommerspielzeit 1906. Hoffmanns Erzählungen. Sommerpreise. ( Reine Borderlaufsgebühr.) Anfang 8 Uhr. Zentral- Theater. ( Operette). 8 Uhr: Nanon. Operette in drei Atten 4 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf., Sonntags 30 Pf. 30. Jult: Avis! 2016 Löwen te größte Sensation und befte Gruppe der Welt im Salon des Löwenbändigers. Max Kliems Sommer- Theater. Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Taglich: Gr. Konzert, Theater und Spezialitätenvorstellung Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. A Dampfer A Humpsti- Bumsti, Gezentr. Streation v. Recé und Privost. Das blaue Bild b. Paul Lincke. La Matschiche. Solo: Annette Savary. Ein Abend in einem ameritanischen Tingel- Tangel. Passage- Theater. Anfang 8 Uhr. Das glänzende Juniprogramm. Willy Prager 14 Anfang 8 Uhr. ! Auf- in's Metropol! Große Jahresrevue mit Gesäng u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Rauchen überall gestattet. Anf. 8 Uhr. Morgen zum letzt. Male: Der Weg des Märtyrers. Dona nerstag zum 1. Mal: Sündige Liebe. Familientragödie in 4 Aften von Horst Rolf. Im Garten: Täglich Spezialitäten- Vorstell. Anf. 5 Uhr. Musik von Viktor Hollaender. Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allee 148. Täglid: Konzert, Theater, Spezialitäten, Ball. 15 Attraktionen ersten Ranges 15. Berlin, wie es lebt u. liebt. Boltsstück in 3 Atten von Lindener Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf. Volksgarten- Theater. Badstr. 8( Behm- u. Bellermannstr.) Täglich: Das neue glänzende Konzert, Theater u. Spezialitäten. Juni- Programm. erstklassige Spezialitäten. Bernhard Rose- Theater an Vereine und Geſellſchaften Robert Kieck, Capriviftr. 4. erstklassige Spezialitäten. hat billig zu vergeben Wanderausstellung zu Berlin- Schöneberg Station Friedenau( Wannsee- Bahn). von 4 Uhr nachmittags Hauptrestaurant: Dienstag, 19. Juni, bis 11 Uhr abends im Großes Extra- Militär- Konzert ausgeführt von der Regiments- Kapelle des Kegel). Infanterie- Regiments No. 149( Kgl. Musik- Dirigent Eintritt bis 8 Uhr abends für Ausstellung und Hauptrest. M. 1,- pro Person, nach 8 Uhr abends( nur für Hauptrest.) 20 Pf. pro Pers. XXXXXX Festliche Beleuchtung durch Spiritus- Glühlicht XXXXXX Gesundbrunnen, Badstraße 58. Täglich: Das erstklassige Spezialitäten- Programm. Die Gauklerin. Ausstattungsstüd mit Gesang u. Zanz in 7 Bildern v. Schwarz- Reiflingen. Außerdem 10 Attraktionen ut. a.: Nelly and Theo Alker Preis, Kunst- und Wetttaucher. 1000 M. fett Mr. Mker für denjenigen, der seine Leistungen nachmacht. Anf. 4, Uhr. Entree 30, num. BI. 50 Pf. W. Noacks Theater. Direttion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Wenn schön: Wenn Regen: im Garten! im Saal! Arme Reiche. Rebensb. m. Gef. b. Otto Leibold. Revés mysteriöse Liliputaner und andere erstklassige Spezialitäten. Anfang 6 Uhr. Entree 30 Pf. Jeb. Mittwoch: Gr. Kinderfreudenfest. Jed. Donnerst.: Gr. Brill.- Feuerwerk.. Boltsbeluftigungen aller Art. Die Kaffeeküche ist v. 1 Uhr an geöffnet.. Reichshallen, Stettiner Sänger. ( Meysel, Pietro, Britton, Böhme, Böckmann, Walden, Seidel, O. u. R. Schrader) Anfang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Prater- Theater Kastanien- Allee 7/9. Täglich: Amor von heute. Wehling, Humor. Varadi- Duett. Derrington- Family, Kunstrad fabrer. Livèrs, Drahtseil. Die Einbrecher von New York, Bant. The Piccad. Konzert. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Plaz 50 Pf. Kottbuser Sanssouci. Straße 4a. Der Garten ist eröffnet. Sonntg., Montg. Donnerst. Achtung! und Sonnabend: Hoffmanns Nordd. Sänger und Tanzkränzchen. Auftr. d. Komit. H. Krause. Sozialdemokratischer Wahlverein Achtung! für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Portefeuiller. Entr. 30 Bf., mum. BL 50 B. Perband der Portefeuiller und Ledergalanterie- Arbeiter Sonnt.Beg. 5, Wochent. 81. Im Borgart.: Freikonzert. Ostbahn- Park Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr.71 Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. und Arbeiterinnen.( Zahlstelle Berlin.) Mittwoch, den 20. Juni 1906, abends 8 Uhr, in Graumanns Festsälen, Naunynstr. 27: Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Urgeschichte des Menschen." Referent: Genoffe Max Schütte. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. 109/7 Gäste, Damen und Herren, find zu dieser Versammlung freundZahlreiches Erscheinen erwartet Dienstag, den 19. Juni, abends 8½ Uhr: Fünf Versammlungen. 1234 2. 3. 4. 1. Jm Lokal ,, Drachenburg", Vor dem Schlesischen Tor 1/2. ,, Süd- Ost", Waldemarstr. 75. P. Litfin, Memelerstr. 67. ,, Elysium", Landsberger Allee 40. Tagesordnung in den 4 Versammlungen: Referenten find die Genoffen ,, Was fordert die Sozialdemokratie?" Blod, Boeste, Borchardt, Moft. 99 Die 5. Versammlung findet statt bei Boeker, Weberstr. 17. Tages Ordnung: lichst eingeladen. Die Versammlung wird Punkt 9 Uhr eröffnet. Aus der Geschichte der Sozialdemokratie von 1860 bis zur Aufhebung des Sozialiſtengeſekes. Die Ortsverwaltung. nabend, den 23. Juni 1906, in der neuen Welt", Hafenheide 108/114, " Gr. Sommer- Fest= Konzert Referent: Genosse R. Flatow. Gäste willkommen. Bahlreichen Besuch erwartet 243/16 Sozialdemokratischer Der Vorstand. Gala- Spezialitäten und Wahlverein des 6. Berliner Wahlkreises. Verbindung mit größter Films- Gr. Pracht- Feuerwerk. 88 Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. Otto Pritzkow, Münzstr. 16. Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Täglich im Garten bezw. in den unteren Sälen Bei eintretender Dunkelheit: Große Fackel- Polonaise, wozu jedes sind eine Stodlaterne gratis erhält. Bon 8 Uhr ab: Großer Ball im Riesensaale. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Billetts a 25 Pf. find bei den Werkstatt- Vertrauensleuten, in der Versammlung und auf dem Bureau Engel- Ufer 15, Zimmer 24, zu haben. Anfang des Konzerts 4 Uhr nachmittag. Um recht zahlreichen Besuch bittet Die Ortsverwaltung. Gottschalk Freikonzert Lithographen und Steindrucker. Mittwoch u. Sonnabend: Freitanz. Armin- Hallen KommandantenTel.: Amt 1 8985. Straße 20. Ground Fettsäle mit und kleine ohne Theaterbühne, auch Sonnabende und Sonntage in diesem und im nächsten Jahre frei. 8 Vereinszimmer. 99 15482* Mittwoch, den 20. Juni, abends 8 Uhr: Oeffentl. Versammlung in Kellers Feftfälen, Koppenstr. 29. Tages Ordnung: 1. Situationsbericht über den Stand der Aussperrung. Dienstag, den 19. Juni, abends 82 Uhr: Mitglieder- Versammlungen der 11 Abteilungen in folgenden Lokalen: 1. Abteilung: Wernan, Schwedterstr. 23. 2. " " " 5. " " " 8. " 9. 10. 11. " " Berolina- Säle, Schönhauser Allee 28. Brauerei Groterjan, Schönhauser Allee. Wilke, Brunnenstr. 188. Mothes, Husfitenstr. 40. Norddeutsche Brauerei, Chauffeeftr. 58. Moabiter Gesellschaftshaus, Wicleffstr. 24. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/48. Cranz Festsäle, Köslinerstr. 8. Sachon, Müllerstr. 136. Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünderstr. 42. Zages Drdnung: 1. Anfftellung der Delegierten zur Verbands- Generalversammlung. 2. Bortrag: Die Sosial demokratie im Noten Hause". 3. Diskussion. 2. Die internationale Solidarität. Referent: Kollege Mühl. Referenten: Stadtverordnete Genossen Augustin, Basner, Dr. Bernstein, Borgmann, Th. Fischer, Koblenzer, Liebknecht, Leid, Dr. Weyl, Wilke, berger- Wien. Dr. Zadek. Bu zahlreichem Befuch ladet ein 3. Verschiedenes. Vollzählige Beteiligung der gesamten Berliner Kollegenschaft wird bestimmt erwartet. 66 282/16 Bellevue" Woltersdorfer Der Einberufer. Der Vorstand. Die nächste ordentliche Generalversammlung findet statt am Schleuse. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Dienstag, den 26. Juni, abends 8 Uhr, in den Germania- Sälen, Großer Saal für 800 Personen noch an einigen Sonnabenden und Verwaltungsstelle Berlin. Sonntagen für Vereine fret. 1506L Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, 8immer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Das größte Brot für 50 PI. Backware: 6 Stüd 10 Pfennig in Arbeitsnachweis: Bimmer 34. Amt IV, 3353. Mittwoch, den 20. Juni, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer Nr. 15, Saal 4: Albrechts Bäckereien: Allgemeine Versammlung Wrangelstr. 135, Krantstraße 19, dier S, Banner der Klempner Berlins u. Umgegend. Markthalle Püdlerstr., Stand 222/23, Markthalle Andreasstr., Stand 16/18, Beatrale: Boghagenerstr. 13. Bruch- Pollmann empfiehlt sein Lager in Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Stefer. 1. Drts- u. Hülfs- Krankenkassen Berlin C., 69392* 30. Linien- Straße 30. Alle Bruchbänder mit elastischen Belotten, angenehm u. weich am Körper Kranz- und Blumenbinderei von Robert Meyer, Tages- Ordnung: 1. Bortrag: Kriminalrecht und Strafvollzug." Referent: Kollege Pawlowitsch. 2. Diskussion. 3. Verbands- Angelegenheiten. Chauffeeftraße 103. Sozialdemokratischer Wahlverein Charlottenburg Hente, Dienstag, den 19. Juni, abends 8½ Uhr, im Volkshause: General- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Vortrag: Forderungen der Sozialdemokratie. Referent Genosse Thielide- Friedenau. NB. Da unter Verbands- Angelegenheiten wichtige Mittellungen zu 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Wahl der Delegierten zur Generalbermachen sind, ersuchen wir die Kollegen dringend um zahlreichen fammlung von Groß- Berlin. 5. Verschiedenes. und pünktlichen Besuch. Donnerstag, den 21. Juni 1906, abends 8 Uhr, in Frankes Festsälen, Gebastianstr. 39: Branchen- Versammlung der Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Freie Vereinigung der Maurer Deutschlands. Ortsverein Berlin. Elektro- Monteure und Hülfs- Monteure Mittwoch, den 20. Juni, abends 8%, Uhr, im Gesellschaftshaus Berliner Musiker, Berlins und Umgegend. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Saffenbach. 2. Diskussion. 3. Verbands. nur Mariannen- Straße 2. Angelegenheiten. 4. Berſchiedenes. 5. Aufnahme neuer Mitglieder. Restaurations- Grundstück int Pankow ift tegen Aufgabe des Geschäfts billig zu verkaufen. * Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Donnerstag, den 21. Junni 1906, abends 8, Uhr, im Lotale von Gustav Tempel, Alt- Borhagen 56: Bezirks- Verfammlung R.Scheere, Bankow, Florafte.70. für Rummelsburg, Borhagen und Stralau. Seihhaus Berlin, Anklamerstr. 2 Charlottenburg, Friedrich Karlplatz 12. Hohe Beleihung von Gold, Silberfachen u. Kleidungsstüden 2c. DINOL Wirksamster Schutz gegen Schimmelbildung. Sicherstes Mittel zur Trockenlegung Feuchter Mauern, Wände und Kellar Gebrüder Krayer, Mannheim Zu haben in den einschläg. Geschäften. Das älteste Rester- Geschäft des S.-O. von Wilhelm Mühlbach empfiehlt zur Frühjahrssaison Reste zu Damen- und Kindermänteln fowie für Herren- und Senaben- Konfettion zu anerkannt De billigsten Pretsen. Größte Auswahl in fertiger Konfektion. 10 10 Oppelnerstr. 10 Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Eggert über: Welche Lehren ziehen wir aus der diesjährigen Maifeier. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Zahlreichen Besuch erwartet 121/8 Die Ortsverwaltung. Kaiser Wilhelmstraße 18m: Mitglieder- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Vortrag des Genossen Düwell über:„ Kapital und Arbeit." 2. Diskussion. 3. Wahl eines Ausschußmitgliedes. 4. Anträge des Vorstandes und des Ausschusses. Bahlreiches Erscheinen erwartet Achtung! Achtung! Zentralverband der Glasarheiter u. Arbeiterinnen Deutschl. Zentralverband der Steinarbeiter. Ortsverwaltung Berlin. Donnerstag, 21. Juni, abends 8 1hr, in Boekers Festfälen, Weberstraße 17: Branchen- Verfammlung Der Glasschleifer, Polierer und Beleger. Tages- Ordnung: 1. Unser Lohntaris, und welche Forderungen stellen wir? 2. Diskussion und Beschlußfassung über Punkt 1. 73/10 Es ist Pflicht, daß jeder Sollege in dieser Bersammlung erscheint. Die Ortsverwaltung. Schmöckwitz Gasthaus zur Palme am Seddinfee. ( Endstation der ,, Stern"-Dampfer) Hermann Peter. Telephon: Grünau No. 39. 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Deutscher Holzarbeiter- Verband. Donnerstag, den 21. Juni 1906, abends 8%, 1hr: Vertrauensmänner- Versammlung Zugelassen bei den Krankenkassen des Gewerkskrankenvereins. 1329L für sämtliche Bezirke und Branchen Sofastoffe bei Keller, Koppenstraße 29. Tagesordnung: 1. Die Regelung unseres Lokalbeitrages nach der vom Verbandstag beschloffenen Beitragserhöhung. 2. Werkstattstreit und Differenzen. 3. Berbandsangelegenheiten.; Bertrauensmännerkarte nebst Mitgliedsbuch legitimiert. mit Mufik nach dem beliebten ,, Woltersdorfer Schloß". Fahrpreis 50 Pf., Kinder 25 Pf. Abfahrt vorm. 9 Uhr, nachm. 2 Uhr nur von der Michaelbrücke. An Sonnabenden u. Sonntagen find noch Dampfer dortfelbst zu vermieten. 14962* 187/ 12* Jede Werkstatt muß vertreten sein. Die Ortsverwaltung. Riesenauswahl aller Qualitäten. Bolle Reste! Mocquetts. PlüschSatteltaschen, Muster b. näh. Angabe franko. Berlin, 158. Emil Lefèvre, Oranienstr. Rerantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Suferatenteil verantw.: Eh, Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW