Nr. 140. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 2, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebrudte) Bort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg. jebes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müffen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werben. Die Expedition ift bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sozialismus und Arbeiterpolitik. Man schreibt uns aus London: Die Gesellschaft der Fabier- eine Vereinigung von sozialistischen Praktikern und gebildeten Sozialreformern bespricht in einer soeben veröffentlichten Broschüre Socialism and Labor policy" („ Sozialismus und Arbeiterpolitik") den Sieg, die Bedeutung und die Aufgaben der neuen Arbeiterpartei. Mittwoch, den 20. Juni 1906. gesunde Wohnungen gebaut werden; meilenweite Streden von Land gilt es der Kultur zurückzugewinnen und die Küste zu schüßen. Ganze Armeen von Arbeitern könnten da Beschäftigung finden. Der erste Schritt Schritt hierzu hierzu ist die ist die Ermächtigung an die jeder Distriktsrat ein Komitee für Ackerbau haben. Gemeinden, derartige Arbeiten zu unternehmen. Ebenso müßte macht werden. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. auf den Hauptstraßen vollständig tahl ausgeplündert. Nebenstraßen meistens verschont, wo weniger Militär, wodurch es der jüdischen Selbstwehr gelang, die Hooligans zu vertreiben. Grenzenloser Jammer, unzählige Witwen, Waisen, unglückliche Krüppel. Dringend fofortige Hülfe notwendig. Ein noch schrecklicherer Pogrom wird in den Nebenstraßen gedroht, endlose Panit. Handel, Erwerb für unabsehbare Zeit völlig gelähmt. Maffenemigration bevorstehend. Man appelliere an das europäische Gewissen zweds Vorbeugung in Zukunft solch bestialischer Greueltaten. Die Zahl der Toten in Bialystok beträgt annähernd hundert. Die hiesige jüdische Presse berichtet manche Einzelheiten, die an die Kischinewer Greueltaten erinnern. So wurden der Familie des jüdischen Lehrers Wollstein, bestehend aus dem Lehrer, seiner Frau, zwei Söhnen und einer Tochter, Nägel in die Köpfe geschlagen und hierauf alle in Stücke geschnitten. Auf einigen Hausböden wurden jüdische Mädchen, die sich dort versteckt hatten, vergewaltigt, dann wurde ihnen der Bauch aufgeschlitt. Viele wurden gefoltert, alsdann getötet und von den Mördern sofort vergraben. Man befürchtet weitere Judenhezen in Homel, Grodno und Wilna. Wenn Deutschland nicht das Land der Gemütlichkeit, " Reform ist hier die- Abschaffung aller Armengefeße. Eine Die Armengesetzgebung bedarf dringend der Reform. Die beste neue Klassifikation der Armen muß vorgenommen werden: die Daß die Mordbuben von Bialystok in der Tat viehische Wenn man auch nicht mit allen Theorien und politischen Auf- Arbeitsunwilligen Pläge in Aderbaufolonien, wo sie unter Aufsicht richten hervor, die allmählich über die Einzelheiten der drei Alten erhalten Alterspensionen, die Schwachen Krankenpflege, die Bestialitäten begangen haben, geht aus all den vielen Nach faffungen der Fabier übereinstimmen kann, so muß man doch nichts gebildeter Männer und Frauen wieder zu anständigen Bürgern ge- blutigen Schreckenstage Licht verbreiten. destoweniger zugeben, daß sie für die sozialistische Praris viel Ein Privatgetan und die öffentliche Meinung Englands zugunsten des Korrespondent weiß zum Beispiel dem B. T." folgendes zu Besondere Aufmerksamkeit verdient das Schulwesen. Die Kinder berichten: Sozialismus beeinflußt haben. Die Webb, Shaw usw. werden in der Geschichte der englischen Sozialreform denselben Platz ein- sollen in der Schule nicht nur geistige, sondern auch materielle nahmen, den die Bentham, James Mill usw. in der Geschichte der ständiger Umgebung, ist wichtiger für die Kinder als Dezimalbrüche." Nahrung erhalten.„ Geeignete Nahrung, eingenommen in anliberalen Reform Englands sich errungen haben. Die franIn bezug auf Arbeitsbedingungen verlangen die Fabier die zösischen Jakobiner hätten ihre englischen Zeitgenossen sicherlich als Einrichtung Girondisten verurteilt, ebenso wie die Sozialdemokratie die Webb Der Staat soll die Pflicht haben, über die Streitigkeiten zwischen bon obligatorischen Schiedsgerichten. und Shaw verurteilt, aber dies darf uns nicht verhindern, von ihren Arbeit und Stapital zu entscheiden. Selbstverständlich nehmen die wichtigeren Leistungen Notiz zu nehmen. an, in dem die Die Fabier betrachten den Sieg der 29 selbständigen Arbeiter- Fabier einen demokratischen Staat Arbeiter eine Macht im Staate find und einen tiefen bertreter als das wichtigste politische Experiment, das die Lohn- Einfluß auf die öffentliche Meinung ausüben, so so daß arbeiter Großbritanniens je unternommen haben. Aber aus dem fie es nicht mehr mit einem einseitigen tapitalistischen Klassenstaate das Land wäre, in dem das schöne Wort geprägt wurde: Experimente muß nunmehr etwas Festes, Bleibendes gemacht wwerben! Die Arbeiterpartei muß in der nahen Zukunft eine zu tun haben. Obligatorische Schiedsgerichte und industrielle Ston- Ruhe ist die erste Bürgerpflicht", so würde es sich vielleicht flikte können nur dann einigermaßen unparteiisch funktionieren, wenn auch einmal zu einem flammenden Protest aufraffen gegen große Partei und in der fernen Zukunft die herrschende der Staat sich bereits in den ersten Stadien der Sozialisierung be- das verbrecherische Zarenregime. Einstweilen hört man nur Partei werden. Dies kann mur geschehen, wenn sich die Fraktion findet. Noch wichtiger ist nach Ansicht der Fabier die gefeß aus England und aus Frankreich die Stimme des Kulturso benimmt, daß sie das Vertrauen der ausgebeuteten Klassen liche Festlegung eines Lohnminimums. Ohne ein solches Minimum gewissens herüberschallen. So können wir der Nachricht über gewinnt. Zu diesem Zwecke muß sie eine luge und zugleich wird es den unteren Arbeiterschichten nicht möglich sein, mit dem Sie englischen Proteste, von denen wir bereits gestern meldeten, traftvolle Politik führen. Eine fluge und kraftvolle Politit allgemeinen sozialen Aufstieg Schritt zu halten. Auch dem geringsten noch hinzufügen, daß Morning Post"," Tribune" und" Daily besteht nicht nur im Aufstellen eines flaren Programms Arbeiter muß deshalb ein Minimum anständiger Nahrung, Behausung News" jetzt kategorisch fordern, daß im Hinblick auf die gesetzgeberischer Pläne und in der Begeisterung durch hohe Ideale, und Bekleidung gefeßlich zugesichert werden. sondern sie verlangt auch Initiative, ritit und Oppo= in Bialystok begangenen Grausamteiten der Besuch der britischen Flotte in Stronstadt unterbleibe; sie erklären, es sei fition. Die Arbeiterklasse ist heute wesentlich angreifend; unmöglich, daß England mit der gegenwärtigen ruffischen Reihre Politik ist die Attacke. Das Ziel ihrer Feindschaft ist das fapitalistische Monopol in allen seinen Formen, um für die Arbeitergierung eine Verständigung abschließe. Daily Telegraph" sagt, tlasse jeden Pfennig zu gewinnen, der jetzt in die Taschen der mehr Geldmittel zu erlangen. man dürfe der russischen Bureaufratie nicht gestatten, noch Müßiggänger fließt. Durch Vertuschung, Vorwand und Reserve wird nichts gewonnen, aber viel verloren. Die Arbeiterpartei ist Und sogar die früher stets russenfreundliche fran gegen den Grundherrn und gegen den Kapitalisten." Die Partei wird gegenwärtig im Parlament mit überschießender Höflichkeit Repräsentanten des staatlich- organisierten Menschenmordes zösische Presse ist am Ende ihrer Nachsicht gegenüber dem darf sich nicht auf Arbeiterinteressen beschränken, sondern sie muß die behandelt, da man sie noch nicht fürchtet! Intereffen des ganzen Reiches ins Auge faffen. Auf jede Frage, muß tommen, wo sie gehaßt und gefürchtet wird. Aber die Zeit angelangt. Der Temps" erklärt, die russischen Behörden die der Durchschnitts- Wähler stellt, muß fie eine Antwort geben Grenzen der liberalen Konzeffionen werden bald erreicht sein. vollkommen unfähig. Er bedauert, daß der Zar das MiniDie hätten entweder die Mezeleien selbst organisiert, oder sie seien Der liberal- labor- man( liberale Arbeiterabgeordnete) ist nur fterium Goremyfin, das ein Ministerium bureaukratischer Der erste Punkt, der die Aufmerksamkeit der Arbeiterpartei verein vorübergehendes Phänomen, und dient, ist die Finanzreform. Das liberale Gerede von Sparsamkeit ist, wird der Sturm losbrechen. er verschwunden Mittelmäßigkeiten sei, noch wirtschaften lasse und sagt:" Die darf uns nicht berühren. Die Höhe der Staatsausgaben ist das und Vorwand sind schädlich und töricht. Sophisterei, Vertuschung gegenwärtige Politik der russischen Regierung ist die wahnFür einen Sozialisten ist diejenige Revolution die Lage der Arbeiter in vitaler und dauernder Maß der Zivilisation. Da nur eine sinnigste, die sich erdenken ließe." Regierung die beste, die viel ausgeben kann. Nur müssen die Aus- Weise verbessern tann, so ist es eine ökonomische Umwälzung, die welches zeigt, daß auch in Desterreich das Kulturgewissen Kurz vor Redaktionsschluß läuft noch ein Telegramm ein, gaben richtig aufgebracht und richtig verausgabt werden. Eine die Arbeiter anstreben und Revolution bleibt Revolution, auch wenn wach ist. Das Telegramm lautet: sozialistische Regierung wird auch einen großen Etat haben, sie sich in Jahren, ja in Jahrzehnten vollendete.. nur werden die Etatsposten anders sein als bei einer nichtsozia- Im Laufe einer Revolution muß jemand leiden. Aber dank listischen Regierung. Die einzige Politik ist hier: die Reichen zu unserer konstitutionellen Freiheiten können wir die Revolution vollbesteuern, besonders diejenigen, die ihren Reichtum nicht selbst er ziehen, ohne diejenigen leiblich und finanziell zu schädigen, die worben haben; nur auf diese Weise wird es möglich sein, die Armen der Revolution feindlich gegenüberstehen.. zu entlasten. Selbstverdiente Einkommen bis zu 5000 Pfund Sterling Arbeiter ist die des Sozialismus; jeder neugewählte Arbeiter( 100 000 Mart) sollen zahlen: 0,85 m. pro Pfund Sterling( 44 abgeordnete ist ein Nagel zum Sarge des Kapitalismus. Die Siege Brozent); über 5000 Pfund Sterling 1,75 M. pro Pfund Sterling der Arbeiterpartei haben nur insoweit Wert, als sie im Geiste des ( 8 Proz.). Unverdiente Einkommen bis 5000 Pfund Sterling Sozialismus errungen wurden. Dank der Arbeit der letzten Jahre mögen zahlen: 1,75 M. pro Pfund Sterling; über 5000 2,50 m. pro fönnen wir in Wahrheit sagen: Obwohl der Stapitalismus noch nicht Pfund Sterling( 12 Broz.). Nach der Einkommensteuerstatistit bom tot ist, so sind doch die Füße der Totengräber bereits im britischen Jahre 1903/04 würde eine solche Einkommensteuer 30 750 000 Pfund Parlament sichtbar." Sterling( 615 Millionen M.) bringen, ein Mehr von 16 850 000 Pfund Sterling( 887 Millionen Mark). fönnen. Die Erbschaftssteuer soll nach ähnlichen Grundsägen reformiert werden; sie würde eine Mehreinnahme von etwa sechzig Millionen Mark bringen.„ Diese Vorschläge sind konfiskatorischer Natur. Eben deshalb empfehlen wir sie der Arbeiterpartei." D Die Eisenbahnen und Schiffslinien find zu verstaatlichen. unfer internationaler Handelsverkehr muß so eingerichtet sein, daß er den Frieden und nicht- wie jest den Krieg fördert. Arbeitervertreter find taum mehr als Bioniere in dem Feldzuge Zum Schluß heißt es in der Broschüre:" Die bereits gewählten der Arbeit gegen das Kapital.... Die Agitation in den Wahlfreisen darf feinen Stillstand erleiden... Die Arbeiterfraktion um Wien, 19. Juni.( Abgeordnetenhaus.) Breiter brachte in der heutigen Sigung eine Interpellation betreffend das Verhalten der österreichisch- ungarischen Regierung gegenüber den Mezzeleien in Rußland ein. Er fragte an, was die Regierung unters nommen habe, Die Politik der die Schadloshaltung der österreichische ungarischen Staatsangehörigen anläßlich der borjährigen Mezeleien in Rußland zu erlangen; und was die Regierung zum Schutze der österreichisch- ungarischen Staatsangehörigen in Ruß land zu veranlassen beabsichtige. Am Schlusse der Sigung fragte Graf Sternberg an, ob der Präfident geneigt sei, nach dem Bor bilde des englischen Parlaments im Hause Proteftfundgebungen gegen die Judenmezeleien in Rußland zu veranstalten. Die Streitbewegung. Die Revolution in Rußland. maßnahmen zu treffen. Ueber partielle Streits in verschiedenen Geschäftszweigen liegen Meldungen vor aus Brest- Litowst, Strementshug, Ddeffa, Kaluga, Jekaterinoslaw, Shitomir, Radom, Ustjug und Saratow. Diese Broschüre ist ein wichtiges Dokument der Fabiergesellschaft. Petersburg, 19. Juni. Der Bäckerstreit in Petersburg dauert Noch vor einem Jahre wäre eine so revolutionäre Kundgebung der fort; auch heute ist die Mehrzahl der Bädereien geschlossen. Gestern Fabier nicht möglich gewesen. Wie schwer war es noch vor den find die Erdarbeiter und Steinseher in den Ausstand eingetreten. letzten Wahlen, die leitenden Fabier zu überzeugen, daß die Selb- Der Streit auf der Syszan- Wjasma- Eisenbahn hat den Blättern ständigkeit der Arbeiterklaffe- d. h. der politische Klaffen aufolge eine Gärung unter den Eisenbahnarbeitern des Petersburger lampf- die richtige Politik ist! Aber die Siege bei den letzten Maschinisten der Nikolaibahn für morgen einen Streit angekündigt, Bahntnotens erzeugt. Wie die Nowoje Wremja" erfährt, haben die Eine Erhöhung der verschiedenen Spirituofen- Lizenzen würde ein Wahlen waren so schlagend, daß auch die Skeptiker gewonnen falls ihre Forderungen nicht erfüllt würden. Die Gendarmerie und Mehr von 150 Millionen Mark bringen. Ferner muß das Verhältnis wurden.„ Nothing succeeds like success":" Nichts ist so die Bahnverwaltung erhielten Weifung, umfassende Vorsichtszwischen Staats- und Gemeindeſteuern umgestaltet werden: Schul- erfolgreich wie der Erfolg. wesen, Armenunterstügung, Hauptstraßen und Polizei, deren Lasten fast ganz auf die Schultern der Gemeinde fallen, sind doch ebenso gut Staats wie Gemeinde Sache und müßten von beiden zu gleichen Teilen getragen werden. Im ganzen würden wir durch die beantragte Finanzreform folgende Mehreinnahmen haben: Eintommensteuer 16 850 000 Pfund, Erbschaftssteuer 3 100 000, Lizenzen 7 500 000, insgesamt 27 450 000 Pfund Sterling( 549 Millionen Mark). Diese Mehreinnahmen würden benutzt werden zur Herabsetzung der noch bestehenden Lebensmittelzölle um 10 300 000 3fb., sodann zur Erhöhung der Staatszuschüsse an die Lokalverwaltung um 4 Millionen Pfd., so daß noch 13 150 000 Pfd. Sterling übrig bleiben, die in Verbindung mit einer Mehreinnahme aus der Erhöhung der Grund- und Bodensteuer in einen Alterspensionsfonds fließen könnten. der des Bialystok. Auf Umwegen erhielten wir gestern das folgende bon Benfur unterdrückte Privattelegramm des Zentralfomitees Bundes": Aus Kronstadt. matrosen und Truppen der Garnison von Kronstadt nimmt immer Petersburg, 18. Juni. Die Agitation unter den Arbeitern, Matrofen und Truppen der Garnison von Kronstadt nimmt immer größeren Umfang an. Abteilungen der Garde sind nach Kronstadt abgegangen. Wir haben festgestellt, daß das Signal zum Massaker durch die Petarde eines Provokateurs gegeben wurde. Die ersten Schüsse städter Artillerieregiment wegen versuchter Meuterei, an welcher sich Kronstadt, 19. Juni. Der Festungskommandant hat das 2. Kron fielen aus der Mitte der Prozession. Häuser und Geschäftslotale 14 Offiziere beteiligten, entwaffnen und in den Kasematten interwurden von einem Häuflein Hoolegans demoliert. Militär beschoß nieren lassen. Häuser und mordete straßenweis fämtliche Juden.- Eisenbahner, von Gendarmen ermuntert, mordeten durchreisende Juden. Der Gouverneur hat die hoolegans freundlich angesprochen! Der Die Duma. Der Regierung scheint nun doch flar geworden zu sein, daß ste Nach der Finanzreform kommt das Problem der Arbeitslosigkeit. Selbstschutz wurde vom Militär niedergemehelt. Näheres folgt. gut tut, mindestens der Duma.gegenüber ihren selbstherrlichen Willkür Hier hilft nur die Anerkennung des Rechts auf Arbeit. Das Zionistische Zentralbureau stellt uns folgende De- gelüften zurzeit effeln anzulegen. Wenigstens hört man, daß die ursprüngliche Abficht aufgegeben sei, die Duma gegen ihren Willen " Jedermann soll das gesetzliche Recht haben auf Arbeitsgelegen- pesche zur Verfügung:( Der Absender wohnt in Bialystok und nach Hause zu schicken oder gar im Falle der Widergefeßlichkeit" gegen die Zwangs- Ferialisierung aufzulösen. heit, auf die Möglichkeit, sein Leben zu gewinnen; aber feiner soll ein sehr zuverlässiger Mann sein.) soll das Recht haben, nur solche Arbeit zu verlangen, die seinem Geschmack und seinem Temperament paßt. Jeder von uns muß bereit sein, diejenige Arbeit zu leisten, die die Gesellschaft braucht, oder aber er muß die Konsequenzen der Ablehnung tragen." Es ist genug Arbeitsgelegenheit für alle in England vorhanden. Die Shims( ungesunde, baufällige Häuser) müssen abgebrochen und neue, Das schwarze Hundert. Proftten, 18. Juni, 11 Uhr 25 Min. mittags. Antwortlich Ihrer Depesche: In Bialystok veranstaltete Behörde und Militär mit Hülfe niederer Boltsschichten, einer Anzahl Fabritarbeiter, Die provinzielle Bresse bringt immer neue Enthüllungen darüber, auch verkleideter Schuljungen einen beispiellosen Bogrom, wüte te wie die bekannten„ patriotischen" Adressen, die noch bis dato in den drei Tage, 14., 15., 16. Juni. Gegen hundert gräßlich Ermordete Regierungsorganen gedruckt werden, zustande kommen. liegen im jüdischen Hospital, außer vielen in Häusern und um- Jm Gouvernement Pensa wurde die von dort aus geschickte liegenden Feldern. Verwundete zahllos. Fast sämtliche Geschäfte Adresse von einem Polizeibeamten unterzeichnet, gegen den unlänait eine Genchtsuntersuchung eingeleitet wurde, da er während der Wahlen zur Vossudarstwennaja-Duma die Bauern-Wahlmäuner betrunken zu machen suchte. In Astrach'an wurde die patriotische Adresse von 70 Mit fliedern der örtlichen monarchistischen Presse unterzeichnet. Jetzt er- heinen in der lokalen Presse Konterproteste, die von Hunderten und Tausenden von Bürgern unterzeichnet sind. Ein Protest ist z. B. von 14 000 Bauern unterschrieben I Es finden sich sogar Mitglieder der lokalen monarchistischen Partei, die gegen die Adresse ihrer Parteigenossen protestieren und ihren Austritt aus der Partei öffentlich erklären. In dem kleinen Städtchen P i n s k konnte man beobachten, wie auf Anordnung des SemSki Natschalnik(Landchef) die Bauern zu einem Teehaus geführt wurden, wo ihnen der Natschalnik eine politisch-patriotische Rede hielt. Er erzählte ihnen, daß die Ne- gierung den Bauern Land geben wolle, die Polen und die Juden es aber in der Duma verhinderten.—— Nachher sandte der Natschalnik ein im Geiste des Schwarzen Hunderts verfaßtes Tele- gramm nach Petersburg und unterstnch in ihm, daß es auf einer Versammlung von 2000 Bauern verfaßt worden sei. In Wirklichkeit waren es nicht mehr als 100 Mann.— Man sieht, welchen Wert die„patriotischen' Kundgebungen des„Schwarzen Hunderls" besitzen. Bestrafte Bolksschullehrer. Das Verzeichnis der für„revolutionäre Vergehen' bestraften lettischen Lehrer wird von der„Atbalss" fortgesetzt. Nach demselben sind im Wolmarschen Kreise Lehrer aus 32, im Wendenschen Kreise aus 24 und im Rigaschen Kreise aus 13 Volksschulen bestrast worden Erschossen sind im ganzen 21 lettische Bolksschullehrer, erhängt: zwei 1 1_ poUtifchc Gcberficht Berlin, den 19. Juni. Die Entscheidung im Z�alle Puttkamer. Unter obigem Titel bringt das Stuttgarter Zentrumsorgan soeben weiter einige Mitteilungen, die sich völlig mit dem decken, was wir gestern nach der„Freis. Ztg.' hier wiedergaben. Das Blatt fordert sodann mit Recht, daß sich der R e i ch s t a g das gesamte Untersuchungsmaterial vorlegen lassen solle, und stellt für diesen Fall folgende besondere Fragen in Aussicht: Ist der frühere Stationsleiter Leischner von Buna vernommen worden, ebenso der Kameruner Bnreauvorstand Schubkegel, ebenso die beiden expedierenden Sek re- täre Schumacher und G r y g e r in der Kolonialabteilung? Ueber den im Reichstage auch gegen Puttkamer erhobenen Vorwurf der Urkundenfälschung finde man in der Vor entscheidung gar nichts. Nun die Paßgeschichtel Der Reisepaß sei in diesem Fall nicht von den zuständigen Beamten ausgefertigt worden. Putt kamer ließ sich vielmehr ein vorher abge stempeltes Formular geben und trug selb st den Namen v. Eckardtstein ein. Wie er bei der Anmeldung in das Anmelderegister die Eintragung eigenhändig besorgte und der Gouverneur somit Sekretärgeschäfte übernahm, so auch beim Abschied. Dabei verstieß er auch gegen die sonst üblichen Bestimmungen. Ueber den Antrag auf Ausstellung eines Passes wurde stets ein Protokoll aufgenommen, über die ausgestellten Pässe wurde ein Register geführt, in dem unter fortlaufender Nummer die ausgestellten Pässe genau vermerkt Ivurden. Alles dies sei im Falle der Eckardtstein nicht geschehen. Unter der laufenden Nummer 3 des PaßregifterS stehe von der Hand des damaligen Gouvernementssekretärs G r y g e r die B l e i st i f t n o t i z, daß ein gestempeltes Paßformular dem Gouverneur übersandt worden sei. Alle diese Dinge seien in der Kolonialabteilung bekannt und trotzdem die lächerliche Einrede der Gutgläubigkeit! Die Geschichte mit den E s s e.r s ch e n G e s e l l s ch a f t e n, die unS beinahe einen Aufstand gebracht hätte, liege schon mehrere Jahre zurück und jetzt endlich komme die Kolonialabteilung zu der Einsicht, daß Puttkamer deshalb nicht mehr zurückkehren könne! Also weiter! Im offenen Widerspruch zu dem Reichsbeamtengesetz lege mannun dem Gouverneur nahe, sein Entlassungsgesuch einzureichen.§ 34 des ReichSbeamtengesetzeS spreche von dauernder Unfähigkeit zur Ausübung des Dienstes, von körperlichen und geistigen Gebrechen usw. Nichts von alledem! Herr v. Puttkamer erhalte feine Pension auch ohne diese gesetzlichen Voraussetzungen. Das Blatt erinnert daran, daß der Abg. Roeren einmal in bezug auf T o g o daS Wort angewendet habe: Eine Krähe hackt der anderen die Augen nicht aus I und frägt, ob dies vielleicht auch für Puttkamer zutreffe? Weiß er zu viel! Könnte er plaudern und auch andere mitsichher unterreißen, die es noch schlimmer trieben als er? Weiß Putt- kamer auch, daß in der Gehaltsgeschichte deS Erbprinzen trotz alle r offiziösen Dementis nicht alles klappt? Der Reichstag müsse sich diese Sache näher ansehen und auch sorgen, daß nicht aus dem Dispositionsfonds Gehaltsteile bezahlt werden! Das Matt schließt; Wahrlich, diese erste Entscheidung von einiger Bedeutung, die unter dem neuen Regime fällt, ist nicht sehr vielversprechend für die Zukunft. Die Konsequenzen könnten auch nicht aus- bleiben.—_ Die Stellung des Zentrums zur BerfassungSrefprm in Württemberg. Stuttgart, 13. Juni. schreibung der Betriebs- und Lagerräume, sowie der damit in Ver- bindung stehenden oder unmittelbar daran angrenzenden Räume vorzulegen. Zigarren-, Rauchtabak- und Kautabakfabrikanten, die nebenbei Kleinhandel mit Zigaretten betreiben, haben ebenfalls eine Be. schreibung ihrer Kleinverkaufsräume dem Steueramt vorzulegen. Ferner haben sowohl die Hersteller wie auch die Verkäufer und Händler ein Verzeichnis der am 1. Juli d. I. in ihrem Besitz befind- liehen Vorräte an Zigaretten, Zigarettentabak. Zigarettenhülsen und Zigarettenblättehen unter Angabe deS Kleinverkaufspreises des Zigarettentabaks und der Zigaretten, sowie der Stückzahl der Hülsen und Blättchen aufzustellen und spätestens bis zum 7. Juli ebenfalls in doppelter Ausfertigung der Steuerbehörde cinzu» reichen. Für die Anzeigen und Anmeldungen ist ein bestimmtes For. mular nicht vorgeschrieben.—_ Folgen des ZigarettensteuergesetzeS. Die Zigarettenfirma Lipp- stadt u. Co. in Frankfurt a. M. hat am Sonnabend mit Ausnahme von einem Arbeiter und zwei Arbeiterinnen sämtlichen Ar» b e i t e r n und Arbeiterinnen zum I.Juli gekündigt. weil sie das System der Regierung dazu zwinge. Aus anderen Städten liegen ähnliche Nachrichten vor. Die Klassenkirche. Wie neuere Meldungen ergeben, hat Pfarrer K o r e l l wegen der Stichwahlparole für die Sozialdemokratie im Wahlkampse zu Darmstadt-Großgerau vom hessischen Oberkonsistorium einem Verweis erhalten. DaS Oberlonsisiorium verspricht, in Bälde eine offizelle Darstellung ddzu zu aeben. Man darf be- begierig darauf lein, wie die kirchliche Behörde die Parteinahme der Z rche für die Reaktion rechtfertigen wird. Die Sozialdemokratie wird auf jeden Fall Nutzen daraus ziehen. Den„schlimmsten polnischen Hetzer" sollte der Generalsekretär deS OstmarkenvereinS Dr. S ch o n I tz in Schöneberg bei Berlin den Erzbischof von Posen, Dr. v. Stablewski in einer Versammlung zu Krefeld genannt haben. Schänitz hatte sich deshalb am Dienstag zu Krefeld vor dem Strafrichter wegen Beleidigung des Erzbischofs zu verantworten. Er bestritt, daß er die inkriminierte Wendung auf }en Erzbischof angewendet habe, der Bericht des Zemrumsblattes .Niederrheinische Volkszeitung", der ihm das sagen lasse, sei un- richtig. Der Redakteur des Blattes, der den Bericht verfaßt hatte. war als Zeuge geladen. Nach mehrstündiger Verhandlung, über die noch kein Bericht vorliegt, erfolgte Freisprechung des An- geklagten.— Oberpräsidentenwechsel. Offiziös wird jetzt bestätigt, daß der Oberpväsident von SchleAwig-Holstein, Freiherr v. WilmowSki an Stelle des scheidenden Oberpräsidcnten von Sachsen nach Magdeburg geht. Oberpräsident von Schleswig- Holstein wird der Regierungspräsident v. Dewitz, bisher in Frankfurt a. O. An dessen Stelle wird Regierungspräsident der bisherige vortragende Rat im Zivillabinett Geheimer Oberregierungsrat v. Valentini. Der letztere wird durch Geheimen Regierungsrat v. Eisenhardt. Rothe ersetzt. Welcher bereits vortragender Rat im Zivilkabinett war.— Südwestafrika-Opfer. Die amtliche Verlustliste enthält am 16. Juni folgende Angaben: Am 12. Juni 06 verstorben: Gefreiter Robert Ließ, gebore» am 21. 12. 85 zu Flölevstein. ZMez; im Grenavier-Reglment Nr. 2, in der Kranfensammelstelle Holoög an Nieren- und Lungenentzündung. Reiter Peter Roß, geboren am 23. 9. 84 zu Pfeddersheim, früher im Dragoner-Regiment Nr. 24, im Feldlazarett Lüderitzbucht an Typhus. Am 18. Juni wird gemeldet: Reiter Josef Beitzer, geboren am 18. 3. 883 zu Jutting, früher im königlich bayerischen 16. In- fanterie-Regiment, am 13. Juni 1996 im Feldlazarett Kalkfontein an Typhus gestorben.— Hustand. Ungarn. Die BolkSbetrüger. AIS die.illegale" Regierung FsjerphrhS zur Zeit dem Parlament das Budget vorlegte, hat die damals mächtige Koalitionsopposition das ganze Kabinett mit den unverschämtesten Schmähworten über- häuft. Inzwischen haben sich jedoch die Zeiten geändert: Die Koalitionsführer bilden die heutige Regierung, und die mächtige Koalitiousopposition wurde zur Regierungspartei. Man hätte demnach unbedingt erwarten müssen, daß diese Mischmaschpartei ihren Traditionen treu bleiben und heute, wo es ihr obliegt, das Interesse des Landes zu wahren, ihre Versprechungen ohne weiteres erfüllen wird. Doch welche Enttäuschung I Die„nationale Rc- gierung" Weierles hat für das Jahr 1996 dasselbe Budget vorgelegt, das beim Kabinett Föjervary bekämpft wurde 1 1 Kein einziger Äoalitionsmaulheld hat sich bislang gefunden, der dagegen auch nur die leiseste Einwendung gemacht hätte. Die Staatsverwaltung fordert kein geringeres Opfer als 1399 Millionen. Diesen horrenden Betrag wird wieder nur das ausgebeutete Volk erschwitzen müssen, dasselbe Volk, welches bereits am Bettelstab ist, so daß jährlich mehrere Hunderttausende das Land zu verlassen gezwungen sind, damit den Zurückgebliebenen das Fort- kommen erleichtert werde. Demgegenüber sehe man sich nur die Personalausgaben an l Allein an PensionierungSgcbühren sollen 23'/o Millionen gezahlt werden— ein Mehrbetrag von 1 399 999 Kronen gegen das Jahr 1994. Noch rüstige Beamte wurden gezwungen, den Abschied zu nehmen, weil die„nationale" Regierung so manchen Koalitions- maulhelden für seine Bubenstreiche oder sonstigen Dienste doch hono- rieren mußte I Zur Deckung der gemeinsamen Ausgaben und für die Armee werden rund 169 Millionen benötigt; hingegen für das Budget des Kultusportefcuilles bloß 45 Millionen gefördert. Für die Vermehrung der Gendarmerie und Polizei bedarf man 18 899 999 1 1 Für das Sanitätswesen bloß 5 Millionen I Zur Unterstützung verschiedener Kirchengemeinden werden 5 Millionen vergeudet, hingegen für Arbeiterinstitutionen, deren Ins- lebentreten stets versprochen wird— kein einziger Hellerl Es wird mit den Millionen nur so herumgeworfen ohne daß man zu der Ueberzeugung gelangen kann, daß man eS mit einer „neuen Epoche" zu tun hätte. Im Gegenteil: Die„nationale Re- gierung" fordert noch mehr Opfer als die bisherigen Regierungen. Als sie noch auf den Oppositionsbänken faß, hat die heutige Regierungspartei ganz andere Versprechungen gemacht. Sie ver- sprach die Einführung der Progressivsteuer, allgemeinen Wohlstand und Bernichtimg der Korruption I— Im Versprechen war die mächtige Koalitionspartei wahrlich groß. Daß die„große Regierung" aber es noch immer wagt, von „nationaler Demokratie" zu sprechen, das ist geradezu unverständlich, da doch ihr bisheriges Verhalten vielmehr als«nationaler Schwindel" gebrandmarkt werden muß.— Frankreich. Klassenjustiz in Frankreich. Paris, 18. Juni. Die Amnestie steht vor der Türe, aber die Justiz der Bourgeois- republik nützt auch die letzte Frist noch aus, um dem Proletariat fühlbar zu machen, daß die Gleichheit der Bürger aufhört, sobald die Interessenten des Kapitals ins Spiel kommen. Vor ein paar Tage» hat das Appellgericht das Urteil bestätigt, das 14 Arbeiter wegen des Versuches, die in einer Werkstätte tätigen Kameraden zum Verlassen der Arbeit zu bewegen, zu sechs Monaten Gefängnis verdonnert. Unter den Verurteilten befinden sich blutjunge Leute, denen die Bourgeoisrichter gleichwohl nicht die bedingte Ver- urteilung zuerkannt haben. Das Empörendste aber ist, daß man die Verurteilten, noch ehe ihre Strafe rechtskräftig war, in S t r ä f- lingskleider gesteckt und wie gemeine Verbrecher be» handelt hat. Sie erhalten eine scheußliche Kost, ein von Würmern wimmelndes Brot, dürfen nur einmal wöchentlich ihren Angehörigen schreiben und zweimal halbstündige Besuche in Anwesenheit eines Aufsehers empfangen. Eine Gruppe s o z i a- listischer Gefängniswärter bestätigt heute in einer an die„Humanitö" gerichteten Zuschrift die Mitteilungen. die die im Gefängnis der„Petite Roquette" eingekerkerten Ge» fangenen in die Oessentlichkeit haben gelangen lassen und lveist gleichzeitig auf die Vorzugsbehandlung hm, die ein bei den Kircheninventuren verhafteter Studiosus aus„guter Familie" in eben demselben Gefängnis genossen hat. Aber auch anderswo zeigt die Behandlung der inhaftierten Arbeiter eine skandalöse Parteilichkeit. In einzelnen Fällen hat das Eingreifen der„Liga der Menschenrechte" Wirkung gehabt und den Minister des Innern veranlaßt, die ärgsten Unbilligkeiten abzustellen, aber es bleibt genüg zurück, um im Gedächtnis der französischen Arbeiterklasse die Erinnerung an ihren ersten Vorstoß zur Erringung des Achtstundentages mit der an die erbarmungsloseste Gewalttätig- keit und Parteilichkeit der Bourgeoisjustiz zu verbinden.— Courriäres in der Kammer. PariS, 19. Juni. In der Kammer wurde gestern die Diskussion der Interpellation des Abg. Basly betreffend die Katastrophe von CourridreS begonnen. BaSly beschäftigte sich zunächst mit der Lohn- frage und deckte dann die von der Gesellschaft gemachten Mißbräuche durch verschiedene Paragraphen bei Abschluß der Verträge mit drn Arbeitern auf. Minister Barthou erklärte, Mißbräuche seien der Gesellschaft nicht nachzuweisen.— Dreyfus. Paris, 19. Juni. Die heutige Verhandlung im Drehfusprozeß fand vor einem zahlreichen Publikum statt. Der Berichterstatter setzte die gestern begonnene Verlesung seines Referat» fort. Er be- schäfligte sich hauptsächlich mit der Aufdeckung der Ungesetzlichkeiten in den früheren Dreysusprozessen und bemühte sich haupffachlich, zu beweisen, daß die Fälschungen daS Werk Henrys und Esterhazys ge- wesen seien. Nachdem er die Aussagen der Generäle Mercier und Pellieux hervorgehoben, erinnerte er daran, daß Mercier in seinem Abschiedsgesuch erklärt habe, er sei das Opfer ehrloser Leute ge- worden. Die Mehrzahl der Noten, welche in dem Dossier enthalten sind, könnten nicht einen Artillerieoffizier als Verfasser haben.— Spanien. Madrid, 19. Juni.(23. H.) Die genaue und offiziös« Zahl der letzten Attentatskatastrophe beträgt: 15 Tote und 66 Verwundete. In dem Körper des von der Bombe getöteten Pferdes hat man 28 Sprengstücke gefunden. Schweden. Klassenjustiz gegen den Antimilitarismus. Wegen einiger Aeußerungen in einer antimilitaristischen Ver- sammlung, die Anfang April im Volkshause zu Stockholm stattfand, hat das Stockholmer Rathausgericht am Freitag den Sozialisten Hinke Bergegren zu zehn Monaten Gefängnis und femen Mit- angeklagten A. Holmström zu drei Monaten verurteilt.— Die beiden sollen in jener Versammlung versucht haben, zu Ungehorsam gegen Gesetz und gesetzliche Behörden zu verleiten. Die Verurteilung geschah auf Grund des alten Strafgesetzes— die kürzlich vom schwedischen Reichstag beschlossenen schärferen Strafbesiimnmngen waren hier noch nicht matzgebend. Diese Verurteilung ist ein Be- «eis dafür, daß«» bisher keineswegs an einer Handhabe fehlt«, um gelegentlich mit der ganzen Brutalität der Klassenjustiz gegen anti- militaristische Agitatoren vorzugehen, die Verschärfung des Straf- gesetzes also überflüssig war.— Indien. Die industrielle EntWickelung Indiens geht nur sehr langsam vor sich. Nach einer Aufstellung, welche«Daily News" veröffentlicht, sind in den zlvölf Hauptindustriezweigen insgesamt nur etwa drei Viertel Millionen Menschen beschäftigt. Die größte Zahl hier- von entfällt auf die Bauniwollindustrie, nqmlich 282 999. Dagegen sind in den Häfen nur 19 999, in Papierfabriken nur etwa 4999 Personen industriell beschäftigt. Bei einer Bevölkerung von etwa 399 Millionen lassen diese Zahlen auf eine sehr geringe gewerbliche und industrielle Tätigkeit schließen. England tut nichts, um das Land zu heben; ei begnügt sich, das indische Volk nach Möglichkeit auszupressen.—_ Die Kolonialpolitik. Durdan, 19. Juni.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) In vergangener Nacht ist das Vorratslager südlich Mapaulo von den Aufständischen angegriffen worden, wobei von dem dortigen Personal c i n Mann getötet und zwei verwundet worden sind. Die Auf- ständischen haben heute morgen in der Nähe von Otimati, 7 Meilen von Mapaulo, auch einen Wagenzug angegriffen und weggenommen. Von den Begleitmannschaften mein Mann verwundet, em anderer wird vermißt. Antwerpen, 13. Juni. Aus dem Kongostaate hier eingetroffenen Nachrichten zufolge befinden sich die Eingeborenen im Kwango- Distrikt in vollem Aufruhr. Mehrere Faktoreien seien geplündert, ein Weißer getötet, ein anderer verwundet. Zur Unterdrückung des Aufstandes sind Truppen entsandt worden. GewerkfchaftUcbcö. Schande über die Deutschen. Wenn die„Deutsche Arbeitgeber- Zeitung" die Quellen ihrer ethischen Gefühle öffnet, dann findet der Leser erquickende Labung an der sich offenbarenden teutschen Gemütstiefe. Aber auch stolze Genugtuung löst das Organ für Arbeitertrutz bei Spießern und Scharfmachern aus. Es entflammt zu rührendster Selbstlosigkeit, zu gewagtester Opferfreudigkeit, wenn es in sittlicher Entrüstung den Schleusen seiner nationalen Empfindungen freien Lauf läßt. Mit grimmig gewaltigen Schlägen wird zerschmettert, wer die hochgewertetcn teutschen Volksideale verletzt. Und unberührt von zedem selbstsüchtigen Nebengedanken, nur in Wahrnehmung eines hohen Wächter- amtes, im Eifer, zu schützen des guten Wrgers zarteste Blüte aus dem Kulturgarten teutonischer Ideale. fällte das edle Organ gegen einen Vaterlandsverräter folgendes zcr- schmetternde Urteil: „In London hat der internationale Bergarbeiterkongreß ge- tagt, und während die Vertreter der Arbeiter aus den übrigen Staaten sich noch eines maßvollen Tones befleißigten und höchstens an den freundschaftlichen Verkehr zwischen den Genossen der ver- schiedenen Nationen erinnerten, tat sich der deutsche Reichstags- abgeordnete Sachse dadurch hervor, daß er mit Emphase für die Ausdehnung der. internationalen Bewegung unter den Arbeitern eintrat. Schande über die Deutschen, die so unrühmlich ihre Nasionalitätspflicht verleugnen I" Wir enthalten uns jeder Kritik über diesen Gefühls- ausbnich, wir/ unterbreiten der„Arbeitgeber-Ztg." nur das Folgende zur gefälligen Notiznahme und gefälligen Verwen- dung. Die Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände teilt den Mitgliedern in einem Rundschreiben vom 7. Juni 1906 aus der am 27. Mai 1906 stattgefundenen Sitzung des Aus- schusses u. a. folgendes mit: „Bemerkenswert ist, daß daS Ausland den Rat der Haupt- stelle vielfach bei der Begründung von Arbeitgeberverbänden er- beten hat, besonders ist dies in Rußland geschehen. Hier haben wir nach Petersburg. Moskau und Riga unser Material gegeben und mehrfach die Mitteilung erhalten, daß auf Grund unserer Satzungen dort Arbeitgeberverbände gegründet sind. Weiter ist in Oesterreich eine Hauptstelle der österreichischen Arbeitgeber- organisation gegründet worden. Diese Hauptstelle wünscht mit uns in nähere Fühlung zu treten. Die Geschäftsführung hat erwidert, daß die dortigen Bestrebungen als notwendig und richtig anerkannt werden, daß wir es auch für zweckentsprechend halten, wenn sich die beiden großen Organisasionen bezüglich ihrer Bestrebungen auf dem Laufenden erhalten; wir haben damit durch Uebersendung unserer Drucksachen den Anfang gemacht. Auch gegen den Abschluß von Kartellvertrögen zwischen benachbarten Verbänden sind Emwendonge« nicht zu erheben, dagegen halten wir es nicht für angezeigt, etwa schon jetzt zu einem Kartell- Verhältnis internationalen Charakters zu gelangen." Arme Sünder, verhüllet das Haupt, zweifellos wird euch nun der Zorn der in ihren heiligsten Gefühlen getroffenen „Arbeitgeber-Zeitung" in Grund und Boden verdammen. Christliches. Von christlichen Streikbruchgeschichten kann man bald jeden Tag berichten, heute wollen wir ein Musterexemplar eines christlichen Denunzianten aufmarschieren lassen. Der brave Mann wohnt in Essen-West, also in der Gegend, wo die Christen „zu Hause" sind. Der christliche Denunziant schrieb an einen dortigen Bauunternehmer folgenden Brief: � Essen West 7. 5, 1906 Miteilung. Ich mutz Ihnen miteilen daß auf der Baustelle Essen West Hegemann. Da ist wären der Arbeitzeit am 1. Mai 3. Mai ge- sungen und schnappz geholt worden wo daß im Tage mehrmal geschehen ist die Zeugen sind Nolte JohS. Der Polier ist voll- ständig damit einverstanden geweßen Am 3 Mai saßen die Arbeitr auf dem Dage und sangen die Sozil Litischen Lieder was kein Sachen find von ein Polier welcher der Freipartei angehört. Wären der Arbeitszeit Rangen die Maurer Cigarrten dieselben Uhrbahn Joseph Rötger und sämtliche Maurer der Freiverbandes die meinen Sie könnten alles tu und laßen. Wo soll die Firma von bestehen können wenn eS so weiter geht näheres wird noch mit geteilt würden. Achtungsvoll Joh St Maurer Den Mann, dem eine solche gemeine Gesinnung anerzogen ist, könnte man beinahe bedauern. Indessen kann man eS auch nur zu gut begreifen, wenn die frciorganisierten Arbeiter sich gelegentlich weigern, mit solch Lumpengesindel zusammen zu arbeiten. Dann aber wird über Tcrrorismus geschrien. Nach Szmula sind ja die bedürfnislosen Galizicr, die weder lesen noch schreiben können, zentrümliche Jdealarbeiter. Wir zweifeln nicht daran, daß Zentrumsdemagogen mit Joh St. aus Essen-West sehr zufrieden sein werden._ Berlin und Omgegrnd. Die Aussperrung i» de» NileS-Werkeu zu Ober-Schöneweide ist gestern nach eintägiger Dauer wieder beendet worden. Ihre Ur- fache hatte die Aussperrung in der willkürlichen Entlassung des Arbeiters G r u S n i ck von der Metallarbeiter-Vereinigung. Die eigen« artigen Umstände, unter denen die Entlassung erfolgte, mußten die Arbeiter der Preßluftabteilung zu der Ueberzeugung bringen, daß eS sich hier um eine Maßregelung handelte, die sich gleichzeitig als eine Durchbrechung der erst jüngst mit der Firma getroffenen gegen- seitigm Vereinbarungen qualifizierte,«l» solche wurde sie auch vou sämtlichen Arbeitern deS Werkes betrachtet. MS daraufhin von da Preßluftabteilung die Arbeit niedergelegt wurde und infolgedessen am selben Tage die Aussperrung der übrigen Arbeiter erfolgte, hatten gestem die gesamten Arbeiter des WerleS Stellung dazu zu nehmen, ob sie die Ursache deS Streil» für gewichtig genug hielten, eine vielleicht längere Aus» sperrung deswegen auf sich zu nehmen oder nicht. Zu der zu diesem Zweck abgehaltenen Versammlung hatten sich gestern morgen fast die gesamten Arbeiter des Betriebes im„Wilhelminen- Hof" eingefunden. Auch die zum„Weiterarbeiten" bestellten Leute waren bis auf zwei Mann in der Versammlung erschienen. Die Versammlung entschied nun zunächst auf Vorschlag Cohens, daß eine Dreiviertel-Majorität erforderlich sein solle, um den Streik im ganzen Werk zu beschließen. Bei der geheimen Abstimmung er» gab sich jedoch nicht einmal eine Zweidrittel-Majorität für den Streik. Damit war der Eintritt in den Gesamtstreik abgelehnt. Nach diesem Ergebnis verhandelte der Arbeiter-, auSschuß deS Nachmittags mit der Direktion wegen de� Wiederaufnahme der Arbeit. Da die Zusicherungen der Direktion beftiedigende waren, so beschloß eine am Nachnnttag abgehaltene Werksversammlung, die Arbeit in allen Abteilungen am Mittwoch morgen wieder aufzunehmen. Die Inhaber der Kartonfabrik A. Lesser, Krautstraße 36, scheinen eine sonderbare Auffassung von Tarifverträgen zu haben. Trotzdem das Schiedsgericht der Branche(drei Arbeitgeber und drei Arbeitnehmer) einstimmig einen Tarifbruch konstatiert hat, halten sich die Herren nicht verpflichtet, den Bestimmungen des TarifeS auch nur annähernd nachzukommen. Ihre Abneigung gegen den Tarif geht so weit, daß sie nicht nur Arbeitswillige emstellen und dadurch den ersten Tarifbruch wiederholen, sondern sie lehnen auch jede Verhandlung mit der Organisation ab. Diesem Verhalten gegenüber muß denn doch erklärt werden, daß nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Prinzipale verpflichtet sind, anerkannte Tarifverträge einzuhalten. Ehe dieses nicht auch bei der Firma Lesser der Fall ist, muß die Firma für jeden Arbeiter und jede Arbeiterin gesperrt bleiben. Deutscher Buchbinoerverband.(OrtSverwaltung Berlin.)! Arbeiter! Parteigenossen! Da wir mit Einverständnis des Ausschusses des Berliner Gewerkschaftskartells in die Lohnbewegung eingetreten sind und unsere Forderungen die dem Verbände der Friseurgehülfen vollständig gleichen, ist es ganz selbstverständlich, daß unsere Plakate rot mit grünem Querstrich und der Unterschrift Schulze-Baumgart sowie die Kontrollkarte weiß mit der Unterschrift Baum gart dieselbe Gültigkeit haben, wie die vom Verbände der Friseurgehülfen. In der Sache betreffend die fliegende Barbierstube Allerstraßc» Ecke Weisestraße. Rixdorf, Restaurant Aller-Burg, teilen wir mit, daß selbige tatsächlich bestanden hat und wir den Wahrheitsbeweis dafiir antreten. Verband deutscher Barbier«, Friseur-, und Perrückenmachergehülfen Berlins. H. Schulze. Achtung, Kurbelstickcr! Die Stickereiinhaber in London ver- suchten wiederholt, nach dort Kurbalsticker zu engagieren. Wir weisen nochmals darauf hin. daß uns noch keine Nachricht zugegangen ist, daß die Differenzen beigelegt sind. Aus diesem Grunde und ferner, da es in London sehr viel Kurbelsticker gibt, es also nicht an Arbeits- kräften fehlt, warnen wir die Kollegen, nach dort zu machen. Es handelt sich augenscheinlich darum, möglichst viel Arbeitskräfte nach dort zu ziehen, um nachher desto mehr auf die Löhne drücken zu können. Also Vorsicht! Zentralverband deutscher Textilarbeiter. Filiale Berlin. Die„Vereinigung der Metallarbeiter"(früher Metallarbeiter- Gewerkschaft) befaßte sich am Montag in einer Generalversammlung erneut mit der A u s s ch lu ßa ng e le gen heit der an der Maifeier nicht teilgenommcnen Arbeiter deS A. E.- G.- W e r k S B r u n n e n st r a ß e. In der vorigen Gene- ralversammlung war bekanntlich der Beschlutz gefaßt worden, die für die Vereinigung in Frage kommenden zirka 59 Mitglieder aus der Organisation auszuschließen. Da nun inzwischen eine Konferenz von Partei- und Gewerkschaftsvertretern stattgefunden hat, in welcher laut gemeinsamer Resolution wohl eine scharfe Rüge, nicht aber der Ausschluß jener Arbeiter empfohlen wurde, so hielt die Vereinigung ei für geboten, zu der Sache noch einmal Stellung zu nehmen. Ge- stützt auf das Protokoll der gemeinsamen Konferenz empfahl Schröder in längeren Ausführungen, den vorigen Generalver« saminlungsbeschluß aufzuheben und die Angelegenheit einer Kam- Mission zur nochmaligen Prüfung zu überweisen, denn auch er habe jetzt die Ueberzeugung gewonnen, daß den Nichtfeiernden mildernde Umstände zuzubilligen seien und sich infolgedessen der Ausschluß nicht rechtfertigen lasse. Die Diskussion hierüber nahm fast den ganzen Abend in Anspruch. Fast sämtliche übrigen Redner sowie auch die Versammlung selbst stellten sich entschieden auf den Standpunkt Schlenkers, der befürwortete, den vorigen Beschlutz aufrecht zu erhalten. Wohl sei zugegeben, daß bei der Inszenierung der Mai» feicr im Werk Brunnensteatze vom Metallarbeiterverband Fehler ge- macht worden seien. Doch wenn den Nichtfeiernden auch aus diesen Gründen wegen ihres Verhaltens am 1. Mai mildernde Umstände zugebilligt werden könnten, so doch nie und nimmer wegen ihre? Verhaltens am 2. Mai. Dort, als die Direktion des Werks die Feiernden zur Strafe für ihre Beteiligung an der Feier aussperrte und 1599 Mann rücksichtslos auf die Straße warf, da sei es sofort Pflicht der Nichtfeiernden gewesen, mit den Ausgesperrten gemein- same Sache zu machen. Auch nicht einen Augenblick länger durften sie da in dem Betriebe bleiben und ruhig zusehen, wie ihre Feiern« den wochenlang zum Vergnügen des Unternehmertum? daS Pflaster treten mutzten. So viel Solidaritätsgefühl hätten sie als teilweise langjährig organisierte Arbeiter unter allen Umständen haben müssen. Wären sie zur Unterstützung ihrer ausgesperrten Kollegen am 2. Mai einmütig mit auS dem Betriebe gegangen, so hätten sie dadurch ihre Verfehlung am 1. Mai noch wieder gut machen können. Da sie aber ruhig weiter arbeiteten, ohne sich um ihre hinausgeworfenen Kollegen auch nur im geringsten zu kümmern, so gebiete eS die gewerlschast- liche Ehre der Vereinigung, ihren Schild rein zu halten und die Ge» meinschast mit jenen Leuten zu brechen.— Gegen eine Stimme wurde hierauf eine Resolution angenommen, die besagt, daß der frühere Beschluß aufrecht erhalten wird und die nichtfeiernden Mitglieder der Vereinigung aus ein Jahr aus der Organisation ausgeschlossen werden. Nach diese» Zeit kann bei einwandsfteier Führung ihre Wiederausnahme zu» gelassen werden. Bureauangestellte» wahret Euere Interessen! Der Reichstag hatte im vergangenen Jahre auf Betreiben deS unterzeichneten Verbandes zum wiederholten Male von der Re- gierung die Ausdehnung des gesetzlichen Schutzes der HandlungS» gehülfen auch auf die Bnreauangestellten der Rechtsanwälte und Notare, der Krankenkassen, Bcrufsgenoffenschaften und Ber» sicherungSgesellschaften gefordert. Dvch was tut die Regierung?. Sie stellt Erhebungen an. Sie ersucht die Anwaltskammern, die gesetzliche Interessenvertretung der Anwälte, zu begutachten, ob eine gesetzliche Regelung für die Angestellten notwendig ist! Hört recht, Kollegen, nicht die Angestellten, um deren Interessen eS sich doch handelt, nicht sie hört man. nein, diejenigen, die eben unsere Rechtlosigkeit nicht beseitigt wissen wollen, weil sie ja gerade den Nutzen daraus ziehen, die Arbeitgeber werden gefragt!. Und deren Antwort? Sie lautete übereinstimmend: Für die Bureau, angestellten ist ein gesetzlicher Schutz nicht erforderlich! Kollegen! Wollt Ihr wirklich, daß Euere Rechtlosigkeit auf» neue besiegelt wird? Wenn Ihr das nicht wollt, so erscheint voll» zählig in der öffentlichen Protestversammlung aller Bureau» angestellten von Berlin und Umgegend am 21. Juni er« abend» Uhr, jg den Jndustriefestsälen, Beuthstraße 29. �eotralverej» tss Bttreauangestcötea Deutjchlaodss. Zu der Berichtigung der Firma Schmalisch u. Belolv bemerken wir folgendes: Nach Aussage der betreffenden Fliesenleger wurde ans dem Bau Langnick, Berlinerstraße, Ecke der Straffe 12k, die Arbeit in Akkord ausgeführt, trotzdem in dem mit den Geschäften abgeschlossenen Ver- trage Akkordarbeit ausgeschlossen ist. Daff die Arbeit im Laufe der jetzigen Sperre aufgegeben wurde, ändert jedenfalls an der Ursprung- lichen Sachlage nichts. Der Vorstand des Zentralverbandes der Maurer Deutschlands. Ziveigverein Berlin. Dentfches Reich. Zur Buchbinder- Aussperrung. Immer verzweifeltere An- strengungen machen die Terroristen der Buchbinderciunternehmcr, Arbeitswillige zu ködern und die Ausständigen niederzuzwingen. Jetzt wird die Oeffentlichkeit durch ein Plakat in Erstaunen gesetzt, worauf eine sogenannte Rechtsbelehrung über die„ungesetzliche Unterstützungsauszahlung an die Streikenden" der staunenden Mit- toelt verkündet wird. " Ein drastischer Beweis dafür, wie die Unternehmer in der Tinte fitzen, ist folgende Notiz der„Post":„Wegen des Streiks in den Leipziger Buchbindereien wird in den nach st en Wochen die Ausgabe der„Sonntags- Zeitung für Deutschlands Frauen" nicht recht- zeitig erfolgenkönnen.... Postamt 10..." Zur Aussperrung der Lithographen und Steindrucker. Die Situation ist unverändert geblieben. Die Stimmung unter den Ausgesperrten ist beim Beginn der dritten Woche ebenso vorzüglich wie am ersten Tage, trotz aller Bemühungen der Unternehmer und der mit ihnen verbündeten Gehülfen des Rechtsschutzvereins. Die Verfügung, die das Frankfurter Landgericht auf Antrag der letzteren gegen den Sencfelderbund erlassen hat, ist auf den Geist, die 5kampfesfreudigkeit und die Siegeszuversicht der Gehülfenschaft voll- kommen einflußlos geblieben, obwohl sich die Unternehmer alles von ihr versprachen. Der Parole des„Vereins deutscher Stcindruckerei- bcsitzer" an seine Mitglieder, sich der durch den„Schutzverband" ver- anlafften Aussperrung anzuschließen, ist nur eine Firma in Leipzig mit etwa 17 Gehülfen und die„Weltfirma" Walter Peeck in Berlin mit vollen 7 Gehülfen nachgekommen. Die übrigen blieben besonnen genug, sich nicht durch Befolgung der Parole zugunsten der groß- industriellen Hauptscharfmacher des Schutzverbandes ruinieren zu lassen, trotzdem man ihnen einzureden versucht hatte, die nachtrug- liche Aussperrung ihres Personals sei nach der Sperrung der Gc- Iverkschaftskasse des Bundes durch die erwähnte Verfügung mit keinerlei Risiko mehr verbunden I Diese Sperrung hat auf die Aus- zahlung der Unterstützungen an die Ausgesperrten nicht den gering- sten Einfluß ausgeübt und sie wird ihn auch in Zukunft nicht aus- üben können, da sich die Solidarität der gesamten deutschen Arbeiter- schaft und der internationalen Kollegenschaft auf das glänzendste bewährt. Nachdem den Unternehmern also ein Hoffnungsstrahl nach dem anderen so schnell wieder erloschen ist, beginnt die Stimmung im gegnerischen Lager recht gedrückt zu werden. Es ist für die Herren aber auch wirklich zum„aus der Haut fahren I" Trotzdem jedem, der sich den Spaß macht, auf eine Chiffre-Annonce zu ant- Worten, goldene Berge, Lebensstellung usw. usw. versprochen werden, fanden sich bei den annähernd 800 Berliner Ausgesperrten ganze drei Mann als Streikbrecherl Und was für welche! Und aus den Privatlithographien und Lohndruckereien kommt jetzt immer ein Posten Steine nach dem anderen, und Auflage nach Auflage zurück, weil die Gehülfcn der Lohndruckereien und Privatlithographien es mit ihrer Ehre nicht vereinbaren können, die Arbeit ihrer ausge- sperrten Kollegen den Unternehmern zuliebe zu machen. Daß dieses Fehlschlagen aller Bemühungen für die Herren zum verzweifeln ist, verstehen wir vollkommen. Aber sie haben es ja nicht anders ge- wollt! Weil die Firma Hagelberg Arbeitsaufträge, die sie am Tage abzuschieben versuchte, nirgends anbringen konnte, hat sie jetzt dafür die Nacht zu Hülfe zu nehmen versucht. Sie hatte dabei allerdings den Eifer der Gehülfenschaft außer Betracht gelassen, die ihr durch ihre nächtliche Wachsamkeit auch diesen schönen Plan versalzen hat. — Erwähnen wollen wir noch, daß auch auswärtige Firmen in Berlin lithographieren und drucken lassen wollen, was ihnen, so- fern sie ausgesperrt haben, ebenfalls nicht gelingt. Erst neuerdings sandte die Barmener Firma Hyll u. Klein Kisten mit Steinen für Reklamekarten an die hiesige Anstalt Heine u. Jönk, ferner die Hallcsche Firma E. Warncckc zwei Steinkisten und Originale von Sericnkarten�und Weihnachtspackungen für David Söhne, Aktien- Gesellschaft, Schokoladenfabrik in Halle, an Berliner Anstalten. In Wien will der Drucksachenagent Emanuel Heller deutsche Arbeiten gemacht bekommen, was ihm bei der bekannten Solidarität der inter- nationalen Kollegenschaft nicht gelingen wird. Achtung! Arbeitsuchende! Die Glasreiniger(Fenster- putzer) in Dresden befinden sich wegen Maßregelung mehrerer Vertrauensleute im A u s st a n d. Da sich in Dresden trotz aller Anstrengungen keine Arbeitswilligen finden, versuchen die Unternehmer mittels Agenten unter Deckadressen Leute als Streikbrecher zu kapern. Es ist bereits festgestellt, daß unter anderen für eine„F a h r r a d wc r k st ä t te" Arbeiter gesucht wurden, die in Dresden als Arbeitswillige für die Reinigungs- Institute gebraucht werden sollten. Wir richten deshalb an alle Ar- heiter, welche Arbeit nach Dresden annehmen, das dringende Er- suchen, Vorsicht zu gebrauchen und Engagements als Fensterputzer (Glasreiniger) strikte abzulehnen. Die Situation ist für hie Streikenden bis jetzt sehr günstig, wir er- lparten daher von allen Kollegen, den Zuzug nach Dresden streng fernzuhalten. Eventuelle Auskunft er- (eilt gern: C. Knöner, Berlin LO. 16, Engelufer IS, Zimmer 13. Zentralverband der Handels- u. Transportarbeiter. Sektion Fensterputzer. „Verbrecherische Neigungen". Vor dem Schöffengericht in Alten- bürg stand in der vorigen Woche ein Bergmann, der wider eine Strafverfügnng, die er vom Aintsvorsteher in Rositz erhalten hatte und laut welcher er drei Mark in die Staatskasse zahlen sollte wegen Uebcrtrctnng einer Wegpolizeivcrordnung, Berufung ein- belegt hatte. Die Uebertretmig bestand nach Angabe des die An- zeige erstattenden Gendarmen darin, daff der Bergmann einmal mit andern während des vor kurzer Zeit beendeten Bergarbeiterstreiks beim Ansichrigioerdeii des Gendarmen„übermäßig laut geschrien" habe. Was geschrieen wurde, das konnte der Gendarm mit Be- stimmtheit nicht angeben, und nur der Umstand, daff der Jnkulpat dem Gendarmen persönlich bekannt war, brachte diesen auf die Anklage« bank. Der arme Sünder bestritt, geschrien zu habe», den Gendarm habe er gar nicht gesehen, es sei zwar in seiner Nachbarschaft geschrie» worden. doch wisse er nicht, wer geschrien habe. Der Gendarm behauptete dagegen, gesehen zu haben, wie der Angeklagte � die Haud am Munde gehabt habe und das beweise, daß er auch der Schreier sei. Das Gericht kam denn auch zur Ueberzeugung, daff der Angeklagte geschrien hat und erkannte auf eine Woche Haft. Bei der Urteilsbegründung führte der Richter aus, daß in solchen Zeiten wie bei Streiks die Arbeitswilligen und die Organe des Staates be- sonders geschützt werden müßten. Der Angeklagte habe durch seine Handlungsweise die Autorität der Gendarmerie zu untergraben ge- sucht und habe dadurch und durch sein Verhalten verbrecherische Neigungen bekundet. Bei der Kölner Baumwollspinnerei- Aktiengesellschaft haben die Arbeiter und Arbeiterinnen die Kündigung eingereicht, unr nach deren Ablauf in den Ausstand einzutreten. Sie fordern Verkürzung der elsstündigen Arbeitszeit um eine Stunde. Der Streik der Former»nd Gicßereinrbeiter bei der Firma Kieserling u. Albrecht in Solingen ist heute nach vorausgegangenen Unterhandlungen beendet. Der Streik hat über ein Vierteljahr ge- � Nerantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil peiantwu dauert und wurde ein fast vollständiger Erfolg erzielt. Die„nützlichen Elemente" müssen entlassen werden und haben zum Teil schon den Ort verlassen. Der Kampf im Baugewerbe zu Düren(Rheinland) dauert mit unveränderter Heftigkeit fort. Es ist Zuzug von Maurern, Stukka- teuren, Tischlern und Bauhülfsarbeitern fernzuhalten. Erfolgreiche Lohnbewegung der M a u r e r u n d Z i m m e r e r von Hamburg und Umgegend. Die Baugewerksinnnngen von Hamburg-Altona-Wandsbeck haben in ihrer gestrigen Ver- sammlung der Forderung der Maurer- und Zimmerergeselle» auf Erhöhung des Stundenlohnes von 7ö auf 80 Pf. stattgegeben, wie sie in einem Schreiben den in Betracht kommenden Arbeiter- organisationen mitteilen. Der neue Tarif soll ab Montag, de» 25. Juni, in Kraft treten. Bezüglich der Nebenforderunaen, die hauptsächlich sanitäre und Unfallverhütungsvorschriften betreffen, soll am Mittwoch zwischen den Vertretern der Innungen und der Arbeiterorganisationen eure Aussprache erfolgen. Arbeitseinstellung der Hamburger Klempner. Am Montagmorgen stellte ein Teil der in größeren Betrieben und Werlstätten beschäftigten Klempner die Arbeit ein, weil die Unternehmer einen Stundenlohn von 70 Pf. nicht bewilligen wollen. Ein neuer Sieg des Bcrgarbeiterverbanbes. Die Aeltesten des deutschen Bergarbeiterverbandes im Al l- gemeipen Knappschaftsverein in Bochum halten hier tüchtig Kehraus mit dem Zcchenge werkverein. Der Knappschaftsverein hielt am Sonnabend, den 16. Juni, im Hotel „Viktoria" zu Bochum seine diesjährige Hauptversammlung ab. Als Tagesordnungspunkte waren vorgesehen: I.Ersatzwahl des Vorstandes. 2. Anträge auf Abänderung der Satzungen. Es waren zu wählen fünf ordentliche Vorstands- Mitglieder und fünf Ersatzmänner mit einer Amtsdaucr bis zum 1. Juli 1912, drei ordentliche Vorstandsmitglieder und zwei Ersatz- männer mit einer Amtsdauer bis zum 1. Juli 1908 und noch drei Ersatzmänner mit einer Amtsdauer bis zum 1. Juli 1910. Sämt- liche Mandate fielen dem Verbände zu mit je 186 Stimmen, gegen 124 resp. 126 Stimmen, die auf die Zechengewerkvereinskandidaten entfielen. Nunmehr sitzen noch fünf Zechengewerkvereinler im Vorstand. Bisher hatte der Verband fünf und der Gewerkverein zehn Vorstandsmitglieder, jetzt ist das Verhältnis umgekehrt. Damit ist die Macht des Zechengewerkvereins im Knapp- schaftsvor stände gebrochen und werden die Herrschaften nunmehr Wohl selbst einsehen, was sie mit ihren damaligen einseiti- gen Handlungen bezweckt haben und wie es nicht gut ist, auch bis jetzt den rein christlichen zechengewerkvereinslichen Standpunkt gewahrt zu haben.— Die Behandlung des zweiten Punktes der Tagesordnung brachte eine Ueberraschung für die be- teiligten Aeltesten. Die Werksvertreter hatten hierzu folgende Er- klärung eingebracht: „In Erwägung, daß der vom Landtage verabschiedete Gesetz. entwurf betr. Abänderung des 7. Titels des Allgemeinen Berg- gesetzes in allernächster Zeit Gesetz wird und dieses Gesetz zum 1. Januar 1908 in Kraft tritt, daß bis zu letzterem Zeitpunkte— also innerhalb eines Zeitraumes von l£j Jahren— eine gründliche Aenderung der Satzungen sämtlicher preußischen Knappschaftsvercine, also auch derjenigen des Allgemeinen Knappschaftsvereins, unbedingt erforderlich ist, daß auch der Allgemeine deutsche Knappschaftsverband ein N o r m a l st a t u t ausarbeiten läßt, welches bestimmt ist, den einzelnen Vereinen als Richtschnur für die erforderlichen Aenderungen der Satzungen zu dienen, daß der Inhalt der zu der heutigen Gene- ralversammlung angemeldeten Anträge mit den Vorschriften des neuen Gesetzes zum großen Teile unvereinbar sind, so lehnen die Werksbesitzer heute eine Statutenänderung ab. Die gestellten Anträge, welche von dem Vorstande überhaupt noch nicht geprüft sind, dürften diesem vorzulegen sein. Der Vorsitzende, Herr Dr. Wcidtmann, wies nach Verlesung dieser Erklärung auf die Statutenbestimmung(§ 51 Absatz 2) hin, wonach bei Abweichung der Erklärungen beider Teile— Werks- bezw. Arbeitervertreter— der in Frage stehende Antrag als abgelehnt gilt. Herr Weidtmann schloß hierauf sofort die Generalversammlung, ohne daß auch nur einer der anwesenden A rbeitervertreter zu Worte kam. Wenn uns eine derartige Behandlung der Knappschaftsältesten und somit auch der Knappschaftsmitglieder nicht gleichgültig sein darf, so hat uns die Stellungnahme der Werksbesitzer wenigstens gezeigt, wohin die Reise gehen soll. Und die Knapp. schaftömitglieder sowie deren Aelteste werden zur gegebenen Zeit auf dem Posten sein. Der Deutsche Metallarbeiterverband hatte sich seiner Mitglieder in der Deutschen Apparatebauanstalt in Düsseldorf etwas energisch annehmen müssen, weil dort Zustände eingeriffen waren, die einer Aenderung bedurften. Seit der Zeit war der Direktion der Verband ein Dorn im Auge und suchte sie nach Mittel, ihre Arbeiter aus demselben herauszulotsen. Endlich glaubte sie es gefunden zuhaben; sie machte bekannt, daff jeder Arbeiter, der ein halbes Jahr bei ihr in Diensten stehe, in Krankheitsfällen mit 3 M. pro Woche unterstützt werde, das Krankengeld soll durch diese Unterstützung nicht berührt werden. Bei längerer Dienstzeit steigt die Unterstützung bis zu einer Höhe von 12 M. Von dieser Vergünstigung seien aber die Mit- glieder des Deutschen Metallarbeiterverbandes ausgeschlossen. Die Direktion irrt sehr, wenn sie glaubt, durch solche Mittel dem Metall- arbeiterverband Mitglieder abtrünnig zu machen. Nach einem vierwöchentlichen Streik haben die Holzarbeiter in Königsberg den Sieg davongetragen. Nach langen Ver- Handlungen ist endlich eine Einigung zustande gekommen, so daff am Montag die Arbeit wieder aufgenommen werden kann. Die Arbeitszeit ist um zwei Stunden pro Woche herabgesetzt worden. Eine Erhöhung der Akkordsätze ist im Bautarif um 7>/z Proz. und in der Möbelbranche um 8—9 Proz. erzielt worden; in der Sarg« brauche ließen sich nicht alle Forderungen durchsetzen, hier mußten sich die Tischler mit mäßigen Ausschlägen zufrieden geben. Der Stundenlohn ist für da« erste Jahr um drei, für da§ zweite und dritte Jahr um einen Pfennig erhöht worden. Ebenso konnte eine Einigung betreffs der Sicherung des Lohnes bei Akkordarbeiten erreicht werden. Der Vertrag ist aus mehrere Jahre abgeschlossen. Diesen Erfolg haben die Holzarbeiter nur ihrer zirka 1000 Mann starken Organisation zu verdanken. Versammlungen. Berichtigung. In dem Bericht über die GastwirtSgehülfen- Versammlung in Nr. 137 des„Vorwärts" soll eS nicht heißen „Hofjäger", Hascnheide, sondern„Hofjäger-Restaurant", König- grätzerstraße, Jnh. Häller. Eingegangene Druchrchnften. Lischnewsko, Maria. Die geschlechtliche Belehrung der Kinder. Zur Geschichte und Methodik des Gedankens. 3S Seiten. Preis: 50 Ps.— Meyer, Prof. Bruno. Zum Kulturkamps um die Sittlichkeit.(Sonder- Abdruck auS.Mutterschutz", Zeitschrift zur Reform der sexuellen Ethik. H. g— 11. 38 Seiten. Preis: 50 Pf. Franksurt a. M. I. D. Sauer. ländcrS Berlag. „Bolkswtrtschaftliche Blätter�. Organ des Deutschen Volkswirt, schastlichcn Verbandes. Schristleiter Hcrm. Edw. Krüger. Karl HehmannS Verlag, Berlin Vf. 8. Erscheint monatlich zweimal. Preis: Halbjahr 4 M. Tarlehnsichwindler. Broschüre zur Bclämpsung aller unlauteren DarlehnSgeschäsle. 30 Seiten. I. M. Kochs Verlag, Gera(Reuh). NcchenschaftSbericht des Verbandes Deutscher Buchdrucker(1S05) Gau Rhcinland-Wesisalen, 101 Seilen. Selbstverlag, Der Arbeitsmarkt, Nr, 18. Halbmonatsschrift der Zentralstelle für Arbeitsmarkiberichte.(Herausgeber Prof, Dr. I, Jastrow, Berlin. Verlag von G. Reimer.) Dr. Ernst Harmening. Die Bodenresonn, 31 Seiten, Preis 45 Pf, Verlag B, VopeliuS, Jena, Saalbahnhosstr, 3. Letzte JVachncbtcii und Depefeben. Eine Kaiscrrede. Kuxhaven, 19. Juni.(W. T. B.) Bei dem heutigen Festmahl an Bord der„Viktoria Luise" brachte Dr. Mönckeberg-Hamburg das Hoch auf den Kaiser aus. Hierauf erwiderte der Kaiser mit einer Rede, welche lautete:„Mit herzlichem Dank quittiere ich die freundliche Begrüßung, die mir soeben hier namens des Nord- deutschen Rcgattavcreins zuteil geworden ist. Es ist mir eine hohe Freude, daß wir uns wieder zu diesem nämlichen Tun haben zu- sammcnfinden können. Wie schon konstatiert worden ist, hat sich ja auf dem Wasser das deutsche Baterland entwickelt, daß man es nur mit Staunen vernimmt. Langsam folgt unsere Flotte de« Riesen- schritten, mit denen die Handelsflotte vorausgeht. Zu solcher Ent- Wickelung im Wettbewerb auf dem Meere, das die Länder verbindet. ist als erstes aber notwendig der Friede. Gott hat uns den Frieden erhalten, den Frieden in Ehren, den er uns auch weiter schenken möge. Derjenige aber, der die größte Arbeit in diesem Friedens- werk geleistet hat, der erste Ratgeber des Reiches, den wir alle in den vergangenen Wochen mit unseren Segenswünschen und Gebeten verfolgt haben, befindet sich, wie ich Ihnen zu meiner Freude mit- teilen kann, und wovon ich mich gestern persönlich überzeugt habe. im vollsten Wohlsein und bester Gesundheit und wird in der Lage sein, wieder im vollen Umfang als mein erster Ratgeber im Lenken des Reiches zu wirken."_ Prügelnde Christen. Köln, 19. Juni.(W. T. B.) Wie die„Kölnische Volkszeitung" auS Jerusalem von heute meldet, wurde am Sonntag nachmittag dort eine sakramentale Prozession durch blutige Ausschreitungen ge- stört. Junge, katholische Araber, durch eine angebliche Unterdrückiing ihrer Sprache erbittert, warfen dem Bischof Piccrada unter Schmähungen ihre Kerzen vor die Füße. Hierauf entstand eine Schlägerei. Zwei Araber wurden verwundet. Der Tatort war der Korridor des Patriarchats._ Eine Sozialistendebatte. Paris, 19. Juni.(W. T. B.) Depuliertenlammcr. In der heutigen Sitzung setzt der Minister des Innern Clemenceau seine gestrigen Ausführungen fort und hält Jaures entgegen, der Arbeit suchende Arbeiter habe das Recht auf Beschäftigung; der Arbeiter aber, der seine Arbeit verlasse in der Hoffnung, einen höheren Lohn zu erhalten, kämpfe für die Verbesserung seiner Lebenshaltung, nicht aber für sein Leben selbst.(Beifall. Zwischenrufe bei den Sozialisten.) Im weiteren Verlauf seiner Rede erklärt Clemenceau, es sei berechtigt, daß der Arbeiter seine Lage zu verbessern suche; aber der Arbeiter habe nicht das Recht, Berufsgenossen, die Familien- lasten zu tragen haben, zum Feiern zu nötigen. Der Minister geht sodann auf das Programm oer Sozialisten ein, welches nach seiner Ansicht ein durchaus bürgerliches Programm sei. Jaures habe ihm dieses Programm entnommen: den achtstündiagen Arbeitstag, die progressive Einkommensteuer und die Verstaatlichung der großen Monopole.(Beifall bei den Sozialisten.) Aber, fügt der Minister hinzu, man könne doch zunächst mit dem Ankauf eines einzelnen Eisenbahnnetzes beginnen, sowie mit der Vorbereitung eines Ge- sctzes über den Arbeitsvertrag.(Erneuter Beifall bei den Sozia- listen.) Clemenceau führt weiter aus, er werde Jaures' Vorschläge über die Enteignung prüfen, wenn dieser sie formuliert haben werde. Der Minister spricht indessen die Meinung aus, das individuelle Eigentum werde noch lange Zeit Aenderungen durchmachen; übrigens gebe cS noch zahlreiche andere sozialistische Gedanken über diese Frage. Clemenceau führt einen Artikel des Sozialisten Bern- stein an, in welchem gesagt ist, die Bewegung in der Richtung der sozialen Gerechtigkeit sei alles, das Ziel sei nichts. Der Redner fügt hinzu, die Theorien der französischen Sozialisten seien von den Deutschen entlehnt. Der Minister erinnert Jaures daran, daß auch Christus die Menschheit habe erneuern wollen, aber daß Gewalt- tätigkeit und Blutvergießen nicht aus der Welt verschwunden seien. icht die Form der Gesellschaft, sondern den Menschen müsse man bessern; der bester gewordene Mensch werde seinen Gesellschafts, kreis zu wählen wissen. Auf Antrag Maujan beschließt die Kammer mit 365 gegen 78 Stimmen, die Rede Clemenceaus öffentlich an- schlagen zu lassen. Paris, 19. Juni.(W. T. B.) JaureS erwidert auf die Dar- legungen des Ministers Clemenceau. Er erklärt, die Sozialisten seien bereit, zusammen mit der Regierung das Reformwerk weiter- zuführen. Entgegen Clemenceau, der das Individuum von der sozialen Umgebung isolieren wolle, sei der Meinung, daß das In- dividuum und die soziale Umgebung gleichzeitig reformiert werden müßten. Er verlange völlige AktionSfreiheit für das Proletariat, die Sozialisten wollten nicht die soziale Heuchelei mitmachen; er erinnere an die 14llv Leichen von Eourrieres, die Opfer des Kapitalismus seien. Erstaunlich sei, daß man so spät daran gehe, die Schuldigen zu verfolgen. Minister Borthou protestiert gegen die Ausführungen des Vorredners und sagt, nicht die Regierung, sondern die Bergwerksgesellschaft sei verantwortlich. Wilm(Sozia- list) fragt, ob es wahr sei, daß, wie der Untersuchungsrichter in Bethune erklärt habe, eine Persönlichkeit, die Streikgeldcr nach dem Departement Nord gesandt habe, einstmals auch Geld an Clc, menceau geschickt habe.(Große Unruhe.) Jaures sagt, die Re- gierung werde nach seiner Meinung die nötigen Kräfte nur um sich scharen können, wenn sie mit viel fortschrittlicheren Gesetzentwürfen hervortrete als denen, die in der Regierungserklärung angekündigt seien. Die Sozialisten würden sich aktiv oder passiv an der Reform- tätigkeit beteiligen, aber die Regierungscntwürfc müßten ernst sein. Ein Antrag der Sozialisten Dejeante und Allcmanc. auch die Rede Jaures öffentlich anschlagen zu lassen, wird mit 223 gegen 139 Stimmen abgelehnt und die Fortsetzung der Debatte sodann auf Donnerstag vertagt._ Bergarbeiterdcmonstration in Rußland. Petersburg, 19. Juni.(Meldung der„Petersburger Telegraphen- agentur".) In dem im Zentrum des Kohlenreviers belegenen Orte Jusowka, im Gouvernement JekaterinoSlaw. dessen Gruben sich im Besitze von englischen und belgischen Gesellschaften befinden, zogen heute etwa 8000 Bergleute mit Gesang und Fahnen nach der dortigen Bahn- station, um dort eine Bersammlung abzuhalten. Militär, das dorthin beordert worden war, wurde mit Hurrarufen empfangen, die von de» Truppen erwidert wurden. Die Versammlung nahm einen ruhigen Verlauf. Der TruppcnbefehlShabcr hat durch Anschläge bekannt gegeben, daß Versammlungen in Räumen und unter freiem Himmel verboten sind und mit bewaffneter Hand zerstreut werden. Die Lage ist beunruhigend._ DaS hungernde Ruhland. Petersburg, 19. Juni.(W. T. B.) Die Duma beschloß, eine Kommission von 12 Mitglieder zu wählen, die über die Mittel beraten soll, wie der hungerleidendcn Bevölkerung zu helfen sei, Strcikbcendigung. ColumbuS(Ohio). 19. Juni.(W. T. B.) Nachdem der Be trieb in den Bergwerken zwei Monate geruht hat, ist eS nunmehr zu einer Berständigung zwischen den Bergarbeitern«nd den Berg- Werksbesitzern gekommen. 35 000 Bergarbeiter haben von der Ar- beitervcrcinigung die Weisung erhalten, die Arbeit wieder aufzu- nahmen._ rj. Blicke« Berlw. Druck u.Lsrlag: Lartvürt» PuKdr. u. Vttiagtansialt Kaul Singcr Verlin 5 W. Hierzu 2 Beilagen u. yntcchaltungSbkIt Nr. 140. 23. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse genossenschaftlicher Arbeiter. der Achtuhrladenschluß in 611 Vereinen. Doch finden hiervon meist an bestimmten Tagen, bei einigen Vereinen auch für die ganze Sommers oder Winterszeit Ausnahmen statt. 307 Vereine, die aber zirka drei Viertel aller Lagerhalter repräsentieren, geben Sommerferien, gewöhnlich in der Dauer von 8 Tagen. Der Zentralverband deutscher Konsumvereine hat für das Arbeitsverhältnis der in Konsumbereinen tätigen Personen den Abschluß von Tarifverträgen mit den Genossenschaftsverbänden an- unter 50 m. gebahnt. Diese Verträge sind für die einzelnen Genossenschaften 50-99 nicht absolut bindend, aber ihr Vorhandensein bedeutet doch einen 100-124 ,,*) starten Druck auf die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse in dieser 125-149 Nichtung. 150-200 " Anfangsgehalt Vereine Lagerhalter Höchstgehalt Vereine Lagerhalter 12 13. 1 171 340 35 42 221 495 57 127 57 333 60 246 " 16 106 54 450 " über 200 99 4 111 5 1292 3 22 210 888 **) Der erste Tarifvertrag wurde im Jahre 1905 mit dem Verband ber Bäder und Berufsgenossen abgeschlossen. Die wesentlichen Bestimmungen desselben sind folgende: Arbeitszeit in fontinuierlichen Betrieben 8 Stunden inklusive einer Essenspause von 20 Minuten, in nicht kontinuierlichen 9 Stunden; pro Woche sechs Schichten. Jährlich eine Woche Sommerferien unter Fortzahlung des Gehaltes. Kost und Wohnung außerhalb des Hauses. Löhne im Minimum 21 m. wöchentlich für Gesellen; für Schichtführer das Höchstgehalt 376 Vereine mit 718 Lagerhaltern nicht angegeben. **) Das Anfangsgehalt hatten 47 Vereine mit 52 Lagerhaltern, 3 M. mehr. Hierzu treten Drtszuschläge von 22 bis 25 Prozent. Summen( 100, 125 M. 2c.) zu der nächst höheren Gehaltsgruppe *) Die vom Bearbeiter angewandte Einteilung, die die runden zieht, ist nicht empfehlenswert. Mittwoch, 20. Juni 1906. " Der 15. Verbandstag protestiert gegen die Aus. legung der Beschlüsse der Konferenz der Zentralvorstände vom 25. Januar 1904 seitens des Verbandes der Handels- und Transportarbeiter, wonach die Bierfahrer und Stalleute dieser Organisation zugewiesen sein sollten. der Der 15. Verbandstag betrachtet nach wie vor den Brauerei arbeiterverband als die Organisation aller im Braugewerbe tätigen Personen, als welche der Verband ausgebaut und von Generalkommission anerkannt ist. Zum mindesten erwartet der Verbandstag, daß der Handels- und Transportarbeiterverband dem Konferenzbeschlusse vom 25. Januar 1904 Rechnung trägt. Der Delegiertentag fordert die Kollegen allerorts auf, die Bierfahrer und Stalleute auf die Schädlichkeit der 8 splitterungsbestrebungen für die Gesamtheit der Brauereiarbeitkr hinzuweisen und mit aller Energie in loyaler Weise nach ne bor die Agitation unter dieser Kategorie von Arbeitern zu bes treiben." Nach dem Bericht über die Generalversammlung des Brauerei Ueberstunden erhalten entsprechende Mehrvergütung. Einwandfreie In etwa der Hälfte aller Fälle erhalten die Lagerhalter außer- arbeiterverbandes( in Nr. 138) soll ich gegen die Beitragserhöhung technische und sanitäre Einrichtungen sollen vorhanden sein. Ge- dem Wohngeldentfchädigung oder freie Wohnung, deren Wert auf gewesen sein, für den Extrabeitrag zum Streitfonds jedoch gestimmt Zur Schlichtung von Differenzen tritt ein paritätisch zu wählendes hat außerdem noch eine besondere Umfagprovision oder sonstige noch 4 Delegierten der Berliner Hülfsarbeiter( Sektion II) für Legenheit zum täglichen Gebrauch der Badeeinrichtung ist zu geben. 55-240 W. angegeben wird. Eine größere Zahl von Lagerhaltern haben. Das ist nicht richtig, ich habe bei der namentlichen Abstimmung über prinzipielle Beitragserhöhung in Gemeinschaft mit Schiedsgericht mit einem Mitglied des örtlichen Gewerkschaftskartells Extraeinnahmen, die das Gehalt nicht unwesentlich erhöhen. als Vorsitzenden in Kraft. Die Lagerhalterinnen arbeiten im allgemeinen unter dieselbe gestimmt. Robert Neumann. Man vergleiche nun die hier vereinbarten Arbeitsbedingungen den gleichen Bedingungen; jedoch steigt hier das Gehalt nicht mit den in Privatbäckereien üblichen. Wir brachten ja erst vor kurzem so hoch. ( 31. Mai 1906) die Ergebnisse einer in Thorn aufgenommenen Von besonderem Interesse sind die Ergebnisse der Enquete hin Statistik über die Verhältnisse in den dortigen Bäckereien. Es fichtlich der Verhältnisse der Bäder, weil hier bereits eine Tarifwurde da eine durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von vereinbarung vorliegt, über deren Durchführung wir sonach Auf89 Stunden in 7 Schichten a 124 Stunden festgestellt. Der Durchschluß erhalten. Wir geben in nachstehendem die Mitteilungen schnittslohn betrug unter Umrechnung des allgemein üblichen Kost bezüglich der Bäcker gesellen wieder, gegenüber denen die Bäckerund Logis in Geld: 17,80 m., also 20 Pf. pro Stunde. Dazu die meister ja kaum ins Gewicht fallen. Es handelt sich dabei um geradezu unerhörten sanitären und Reinlichkeitsverhältnisse, die 101 Vereine, die 708 Gesellen beschäftigen. Die Arbeitszeit derebenso die Konsumenten des Brotes wie die Gesellen tangieren. selben betrug: Der Abstand ist ein recht frasser. Auch mit den taufmännischen Angestellten wurde eine Vereinbarung getroffen, durch die den Vereinen der Achtuhrladenschluß, der achtstündige Arbeitstag für die Kontor- und Lagerangestellten, Sonntagsruhe und Ferienwoche für alle Angestellten empfohlen wird. Mit den Lagerhaltern liegt erst eine Abmachung bezüglich der Einsetzung von Schiedsgerichten vor. Dagegen ist mit dem Verbande der Handels-, Transports und Verkehrsarbeiter ein Lohn- und Arbeitstarif ausgearbeitet, der voraussichtlich die Zustimmung des in dieser Woche stattfindenden Zentral Stunden Gruppe Ia Gruppe IIa Gruppe IIIa wöchentlich Vereine Gefellen Vereine Gesellen Vereine Gesellen 45-483/ 4 14 50-60 290 93 22 152 20 68 8 10 61-70 71-80 4 22 28 1 1 3 12 10 10 43 476 39 199 14 21 69559 *) 5 Vereine mit 12 Gesellen gaben die Arbeitszeit nicht an. berbandstages finden wird. Dieser Verbandstag soll außerdem Es ist hier die Gruppeneinteilung der Vereine beibehalten, weil über die Schaffung eines Tarifamtes beschließen, das der daraus ersichtlich wird, wie wiederum die größeren, leistungsDurchführung und Weiterbildung der geschlossenen Verträge fähigeren Vereine es sind, die die tariflichen Bedingungen erfüllen dienen soll. oder ihnen doch sehr nahe kommen, während es bei den kleineren Um für die Verhandlungen, die zum Abschluß weiterer Vorträge noch sehr damit hapert. Es ist insbesondere gegenüber der sonst in führen sollten ,, eine praktische, einwandfreie Grundlage zu schaffen, Bäckereien herrschenden Arbeitszeit recht erfreulich, daß von 696 von wurden im Herbst 1905 von seiten des Verbandssekretariats ein- den Konsumvereinen beschäftigten Bädergesellen 603 eine Arbeitszeit gehende statistische Erhebungen bei den Verbandsvereinen von 60 Stunden und darunter, und 383 sogar eine solche von unter veranstaltet. Die zu beantwortenden Fragen erstreckten sich einmal 50 Stunden, also den Achtstundentag haben. Etwa 85 Proz. aller auf die allgemeinen Verhältnisse, unter denen der Verein arbeitet Bäckergesellen erhalten Sommerferien. ( Größe der Stadt, ortsübliche Tagelohn, Größe und Betriebsintensität des Vereins usw.), andererseits auf die speziellen Arbeitsberhältnisse der einzelnen Angestelltenfategorien( Arbeitszeit, Ueberstunden, Sonntagsruhe, Ladenschluß, Ferien, Anfangs- und Höchstgehalt, Mantovergütung u. a. m.) Die ausgegebenen Fragebogen wurden von 774 Vereinen mit 8611 Angestellten ausgefüllt, während sie bei 32 Vereinen mit nur 99 Angestellten, also einer ganz belangLosen Minorität unbeantwortet blieben. Anfangsgehalt Vereine Lagerhalter unter 50 m. 50-74 75-99 100-124 125-149 über 150 1 1 • 7 10 " 48 181 " 39 504 " *) 95 676 Höchstgehalt Vereine Lagerhalter 22831 47 1 2 55 347 22 41 468 das Höchstgehalt 55 Vereine mit 241 Gesellen. *) Das Anfangsgehalt gaben nicht an 7 Vereine mit 12 Gefellen, Erfte Konferenz der Kartonnage- Arbeiter und-Arbeiterinnen. Limbach i. S., 17. Junt. bad"( Gewerkschaftshaus) die Konferenz abgehalten. Im Anschluß an den Buchbinder- Gautag wurde im Johannes Folgende Tagesordnung wurde angenommen: 1. Die wirts schaftliche Lage der in der Kartonnageindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. 2. Agitation und Taktik bei Lohnbewegungen. 3. Verschiedenes. Die Kollegen Lohr Wurzen und Reichel. Chemnitz hatten das Referat über den ersten Beratungspunkt übernommen. Lohr gab seine Ausführungen an der Hand einer Statistik, die sich über die Betriebe von 23 sächsischen Orten erstrecte. 315 Betriebe mit 4907 Beschäftigten tamen hierbei in Betracht. Eine Musterkarte, wie sie buntscheckiger nicht gedacht werden kann, bietet das statistische Material bezüglich der Lohn-, Arbeitszeit- und anderen Verhält nisse. Es arbeiten in den 23 Orten männliche Arbeiter zu Wochenlöhnen von 4(!!) M.( Klingental) bis 33 M.( ganz bereinzelt), weibliche von 2(!!) M.( Wurzen) bis 20 m. Die Kinder ausbeutung ist noch in einer Reihe von Städten an der Tagesordnung. 4-7 Stunden pro Tag während der Ferienzeit 13 Stunden werden die Kinder beschäftigt. An Lohn erhalten fie 5-6 Pf. die Stunde, 30 Pf. den Tag, 1,50-3 m. pro Woche. Die Schußbestimmungen scheinen für manche Ausbeuter nicht vorhanden zu sein. Die Arbeitszeit schwankt zwischen 8½ und 13(!) Stunden täglich. An anderen Mißständen ist in Martonnagebetrieben kein Mangel. Die Reinlichkeit läßt viel zu wünschen übrig. 8-14 Tage bergehen mitunter in manchen Betrieben, ehe gefegt, ja ehe die Papp und Papierabfälle beseitigt werden. Die Abort- und die Ventilationsverhältnisse spotten zum Teil jeder Beschreibung. Waschgelegenheit und Garderoberäume sind oft nicht vorhanden oder mangelhaft. Ueberstunden- und Sonntagsarbeit wird von den Unternehmern nicht selten verlangt, auch kommt es vor, daß Mehrbezahlung für diese Arbeitszeit nicht gewährt wird. Für einige Glas Bier oder ein Abendbrot verlangen Unternehmer Ueberzeit arbeit und, was das schlimmste ist, erhalten dieselbe auch geliefert. Heimarbeit kommt vor, die teilweise noch geringer als dieselbe Arbeit in der Fabrik entlohnt wird. Die Ergebnisse dieser Statistit liegen nunmehr, vom Verbands. fekretär H. Kaufmann bearbeitet, in einem stattlichen 494 Seiten starken Bande vor, dessen Titel wir unserer Arbeit voransetzten.*) Dieses Buch ist für alle Sozialpolitiker von hohem Werte: gibt es doch in einer sonst selten zu findenden Detaillierung die ArbeitsHier ist ein Vergleich mit den Tarifbedingungen nicht so leicht Redner beleuchtete noch durch die Ausfuhrziffern die Beschäftigten Personen wieder; es ist den Arbeiter-, insbesondere den Ortszuschlag berücksichtigt werden müßte. verhältnisse von mehreren Tausend in Arbeitsunternehmungen be- angängig, weil bei jedem einzelnen Verein der in Frage kommende deutung der Kartonnagebranche Deutschlands, in der im Reiche Gewerkschaftsbibliotheken als eine reiche Quelle der Belehrung, leberwiegen der Gehälter in der Lage von 100 bis 124 M., daß fundheitlichen Nachteile, die die übergroße Anstrengung und AusImmerhin zeigt das gegenwärtig etwa 25 000 Berufsangehörige beschäftigt find. Kollege Reiche I beleuchtete die volkswirtschaftlichen und gea Drientierung und unter Umständen- als nicht zu unterschätzendes der tarifliche Mindestlohn( 21 M.) meist überschritten ist. Koft und beutung der Kollegenschaft einbringt. Das rücksichtsloſe UnterWaffenarsenal zu empfehlen. Statistit zu ermöglichen, sind die berichtenden Vereine je nach Größe gehen der vorliegende Raum verbietet, weisen in ihrer Mehrheit müsse Aufgabe der Kollegenschaft sein um ihrer selbst willen. Um eine bessere llebersicht und Beurteilung der Ergebnisse der Logis wurde nirgends verabreicht. nehmertum ebenso rücksichtslos zur Respektierung der ArbeiterAuch die übrigen Angestelltenkategorien, auf die näher einzuschußgeseke zwingen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln, das und Betriebsintensität in sechs Gruppen geteilt. Die maßgebenden das Bestreben der deutschen Konsumvereine nach, in bezug auf die Kriterien waren dabei: das Vorhandensein einer im Hauptberuf Behandlung ihrer Angestellten an der Spitze des Fortschritts zu Orte, durch die das von den Referenten gezeichnete betrübende Bild tätigen Leitung, eines Bentrallagers und einer umfangreichen Eigen- marschieren. Mit dem Anschluß immer größerer Arbeitermassen an noch mehr verdüfteri wurde. Es folgten die Einzelberichte der Delegierten aller vertretenen produktion. Die Gruppen Ia und Ib entsprechen dabei etwa den die Bewegung und damit der wachsenden Leistungsfähigkeit der Vereinen mit über 300 000 m. Umjaz, IIa und IIb folchen mit Vereine, wächst für sie auch die Pflicht und die Möglichkeit, immer 100 000-300 000 m., und IIIa und IIIb solchen mit unter mehr fich zu sozialen Musterinstituten zu entwickeln. 100 000 M. Umsatz. In den einzelnen Gruppen sind nun wieder die Vereine zusammengezogen, die in Drten mit dem gleichen Ortszuschlag nach dem Buchdruckertarif exiſtieren. Es stehen also diejenigen Bereine beieinander, die unter den gleichen inneren und XV. Generalversammlung des Verbandes der Brauereiäußeren Bedingungen arbeiten, eine sehr praktische Einteilung! Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, im Rahmen eines furzen Artikels eine auch nur allgemeine Uebersicht über die Ergebnisse der Statistik zu geben. Handelt es sich doch um nicht weniger als und zu besprechen. Arbeiter. Es gelangten zwei Resolutionen zur Annahme, in denen es u. a. heißt: Um die wirtschaftliche Lage der Kartonnagearbeiter und-Arbeiterinnen zu heben und die gröbsten Mißstände zu beseitigen, bezeichnete die Konferenz als erstrebenswertes Ziel zunächst: 1. Eine den gesteigerten Lebensmittelpreisen und der Arbeitsleistung entsprechende Erhöhung der Löhne. 2. Verkürzung der Arbeitszeit auf höchstens 9 Stunden. Köln, den 17. Juni. 3. Beachtung der Arbeiterschutzgesetze und Einrichtung besserer 20 verschiedene Angestelltenkategorien. Wir müssen uns daher darauf streitigkeiten" zur Erörterung. Das Referat hat Bauer. In der heutigen Schlußsizung steht nur noch der Punkt„ Grenz- fanitärer Werkstattverhältnisse. Er 4. Die Errichtung einer provisorischen Zentralstelle, der die beschränken, einige besonders wichtige Berufsgruppen herauszugreifen führt aus, daß schon 1892 in Braunschweig beschlossen sei, a Ile Aufnahme einer das Deutsche Reich umfassenden Statistik über die Die der Zahl nach und auch in sonstiger Beziehung bedeutungs- Auch schon der erste Gewerkschaftskongreß habe sich mit der Ein- Sammlung von allem zur Beurteilung der wi aftlichen Lage Arbeiter in den Brauereien in einem Verbande zu vereinigen. Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Kartonnagebranche sowie die bollste Angestelltenkategorie ist die ber ag erhalter. Hier ist richtung von Indust tieverbänden befaßt. Als dann 1897 geeigneten Material zu übertragen ist, um damit die nötigen infolge der Eigenartigkeit der Verhältnisse die Arbeitszeit oft noch der andels- und Transportarbeiterberband ge- Unterlagen für eine allgemeine Kartonnagebranche- Konferenz zu eine recht lange. Besonders trifft das auf Kleinere Vereine an gründet sei, habe dieser die Kutscher und Flaschenkellerarbeiter für schaffen. fleinen Orten zu, die weitgehende Rücksicht auf die schlechten Orts- sich beansprucht und so der Agitation und Organisation der An gefeßlichen Maßnahmen forderte die Konferenz: gewohnheiten der frühen Eröffnung und einen späten Laden Brauereiarbeiter Schwierigkeiten bereitet, so daß schon 1900 eine Kindern unter 14 Jahren, c) Einführung eines Marimalarbeitsa) Berbot der Heimarbeit, b) Berbot der Beschäftigung von schluß nehmen zu müssen glauben. einzige oder doch verantwortliche Verkaufskraft muß da natürlich habe. Die Streitigkeiten seien indes geblieben, da der Handels- tages von 10 Stunden für Arbeiterinnen. die ganze Zeit über gegenwärtig sein. So kommen Arbeits- und Transportarbeiterverband seine Tattit beibehalten habe. Am Bezüglich der Lohnbewegungen wird in einer angenommenen ist demgegenüber 25. Januar 1904 habe dann weiter eine Konferenz unter Hinzu- Resolution gesagt, daß zunächst die örtlichen Verhältnisse durch mildernd angeführt, daß in solchen Verkaufsläden fast nichts zu tun ziehung der Generalfommission nach langen Auseinandersetzungen statistische Erhebungen untersucht und bei Einreichung der Fordeist, daß die Wohnung des Lagerhalters meist hinter dem Laden liegt, eine Resolution angenommen, in der festgelegt sei, daß die rungen nach genügender Stärke der Organisation gegenseitige Verin die er sich zurückziehen kann, daß ihn bei Ausgängen seine Frau Sülfsarbeiter in den Brauereiarbeiterberband ständigung mit den Unternehmerorganisationen behufs Schaffung vertreten könne usw. Aber als befriedigend kann eine solche Arbeits- gehörten und daß der Handels- und Transportarbeiterverband seine tariflicher Verhältnisse versucht werden soll. zeit feineswegs bezeichnet werden. So sehr einzelne Konsumbereine Agitation unter dieser Kategorie von Brauereiarbeitern einzustellen Durch angenommene Anträge sprach sich die Konferenz für die gezwungen sein mögen, den örtlichen Umständen vorübergehend in habe. Da bezüglich der Bierfahrer teine Einigung zu erzielen ge- Einführung von Staffelbeiträgen im Deutschen Buchbinderverbande etwas Rechnung zu tragen, so wenig tann eine solche Länge ver- wesen, so sei den beiden in Betracht kommenden Organisationen aus, um auch den schlecht entlohnten Berufsangehörigen den Beiantwortungsvoller Arbeitszeit als berechtigt anerkannt werden. empfohlen, in liberaler Weise nebeneinander zu arbeiten. Redner tritt zu ermöglichen, ferner sprach sie sich aus gegen die LehrlingsEbenso soll und kann durch eine mindestens zweistündige Mittags- feht nun eingehend auseinander, daß der Handels- und Transport- züchterei und für die Schaffung von Lohnausschüſſen. pause eine volle Arbeitsunterbrechung erzielt werden. arbeiterverband sich um diese Resolution in der Praxis nicht fümmere. zeiten bis zu 15 Stunden bor. Die wöchentliche Arbeitszeit der Lagerhalter beträgt: 40-50 Stunden in 6 Vereinen mit 67 Lagerhaltern 51-60 62 " 388 61-70 , 175 " 600 71-80 , 161 " 286 " 81-90 53 " 75 " 96 1 " 1 " 458 1417 Die längsten Arbeitszeiten finden wir, wie gesagt, meist bei den fleineren und fleinsten Vereinen. Doch tommen auch in größeren noch Verhältnisse vor, die unbedingt einer Reformierung bedürfen. Mittagspausen bon 1-3 Stunden( gewöhnlich 1-2 Stunden) sind eingeführt in 506 Vereinen, der Sonntagsladenschluß bei 322 Vereinen, *) Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse genossenschaftlicher Angestellten und Arbeiter. Verlag des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine. Hamburg 1906. Eine größere Anzahl Delegierter liefert weiteres Beschwerde. Bezirkskommandeur Major a. D. v. Zander u. Genoffen material und fordert ein Einschreiten der Generalfommission. Krieg stellt aus dem„ Courier" in einer ganzen Anzahl von Artikeln oder Berichten fest, daß der Handels- und Transport arbeiterverband selbst für den Zusammenschluß zu großen Industrieverbänden eingetreten sei. 9% Uhr. vor den Geschworenen. ( Telegraphischer Bericht.) 3weiter Tag der Verhandlung. Kube( Vertreter der Generalfommission) berbreitet sich in Breslau, den 19. Juni. längeren Ausführungen über den Gegenstand und sucht die Stellung der Generalfommission zu rechtfertigen. Im Prinzip sei es Landgerichtsdirektor Studem und eröffnet die Situng um zweifellos richtig, daß geschlossene Industrieverbände eine größere Macht bildeten, da indes bei unseren heutigen technisch- wirtschaft b. Zander nach Schluß der Berhandlung im Gefängnis zu unterVors.: Die Herren Aerzte haben den Wunsch geäußert, Frau lichen Verhältnissen keine engen Grenzen zwischen den einzelnen suchen. Frau v. Bander, sind Sie damit einverstanden?- An Industriezweigen gezogen werden könnten, so sei die Ansicht des geflagte b. 8ander: Jawohl. Handels- und Transportarbeiterverbandes, daß die Bierkutscher zu ihnen gehörten, nicht von der Hand zu weisen. " Die Debatte über die Grenzstreitigkeiten" endet schließlich in der Annahme folgender Resolution:. Beweisaufnahme. Als erster Zeuge wird Rechtsanwalt Grothe- Hannover, ein naher Berwandter des Angeklagten, aufgerufen: Er habe dem Angeklagten in, Jahre ISS? 8000 M. geliehen Und diese, da fr sie nicht zurückerhielt, eingeklagt. Sein verstorbener Vater, Rechts- anwalt Grothe I, habe dem Angeklagten bedeutend mehr geliehen. Was und wieviel sein Bater zurückerhalten habe, entziehe sich seiner Kenntnis. iiir Frau v. Zander normal? Auf Befragen eines Geschworenen erklärt der Zeuge: Seit vielen Jahren sei in der Familie die Vermutung geäußert worden, daß Frau v. Zander nicht normal sei. Auf Befragen des Prof. Lesser erklärt der Zeuge, man habe Frau v. Zander deshalb nicht für geistig normal gehalten, weil sie ungeheuere Ausgaben für alle möglichen Gegenstände, deren sie nicht bedurfte, gemacht hat. Man sah sie als eine Verschwenderin an.— Vors.: Kennen Sie noch andere Tatsachen, vielleicht Wutausbrüche?— Zeuge: Rein.— ES wird danach ein Schriftstück verlesen, aus dem hervor- geht, daß in der Familie der Frau v. Zander Geisteskrankheiten vorgekommen sind. Der Bater sei ein fanatischer wclfischer Agi- tckihr gewesen. Da ihm eine Anklage wegen Majestätsbeleidigung drihte, sei er nach Genf geflohen. Dort ist er 1887 gestorben. Frau v. Zander soll einmal für 1000 M. Sachen für den Weihnachtsbaum auf Rechnung entnommen haben.— Staatsanwalt: Herr Zeuge, der Angeklagte v. Zander hat Ihnen mehrfach Zahlungen versprochen, sie aber nicht geleistet.— Zeuge: Ja.— Angekl. v. Zander: Ich wäre niemals in die Lage gekommen, Geld zu leihen, denn ich kam mit meinem Gehalt vollständig aus. Ich war stets einer der sparsamsten Menschen. Ich rauchte nicht und bc- suchte niemals ein Restaurant. Plötzlich erfuhr ich, daß meine Frau die unsinnigsten Schulden machte, Waren kaufte, die sie nicht brauchte und auf dem Boden versteckte. Ich war aber aktiver Offizier und deshalb verpflichtet, die von meiner Frau gemachten Schulden zu bezahlen. Aus diesem Grunde war ich genötigt, Darlehne aufzunehmen. Selbstverständlich nahm ich zuerst meine Verwandten in Anspruch. Daß ich die Zahlungstermine nicht ein- halten konnte, ist natürlich. Die Bandelschen Gelder. Hierauf wird Amts rat Hoppenstedt, Verwalter des Bandelschen Vermögens, als Zeuge aufgerufen: Aus eigener Wissen- schaft kann ich nicht sagen, ob der verstorbene b. Bändel die an Zander gezahlten Gelder als Darlehne oder zur Entschädigung für geleistete Dienste gegeben hat. Frau v. Bändel sei der Meinung. daß eö Darlehne gewesen seien. Wenn aber der Angeklagte sage, eS seien keine Darlehne gewesen, so habe er keine Veranlassung, daran zu zweifeln.— Angekl. Lüttich: Ich kann mitteilen, daß Herr v. Bändel durch die Kenntnisse des Herrn v. Zander an Kaliaktien Millionen verdient hat.— Angekl. v. Zander: Das Kaliwerk Hercynia steht neben dem Grund und Boden meiner Eltern. Mir war bekannt, welche Schätze in dem Werk steckten. Auf meine Veranlassung hat Bändel große Posten Kaliaktien zu niedrigen Kursen gekauft, deren Kurs dann sehr bald ins Un- gemessene stieg, v. Bändel hat dabei Millionen verdient. Daß ich gute Kenntnisse hatte, beweist auch die Tatsache, daß der Staat die Hercynia angekauft hat, und zwar für 31 Millionen Mark, ob- wohl das Werk auf fiskalischem Grund und Boden steht und daS- selbe im Jahre 1SLS dem Staate kostenlos anheimgefallen wäre. Die Käufe der Frau v. Zander. ES wird hierauf Zeuge Stube vernommen, der äugen- blicklich zu einer militärischen Uebung eingezogen ist. Der Zeuge erklärt, er sei Vertreter der Firma H. C. Hahn in Berlin. Frau v. Zander habe schriftlich einen großen Posten Porzellan, Sekt- gläser. sowie einen großen Kriftallkronleuchter bestellt. Er sei auf Grund der Briefe der Frau v. Zander zu der Ueberzeugung ge- kommen, daß die Familie zahlungsfähig sei.— Angekl. v. Zander: Als ich nach Hause kam und daS Porzellan und den Kronleuchter sah, war ich sehr erstaunt. Ich wollte die Sachen sofort zurückschicken, denn ich hatte damals Mühe, das Nötigste für den Haushalt zu beschaffen. Ich wurde aber von der Firma verant- wortlich gemacht, und da ich eine gute Stellung in Aussicht hatte, glaubte ich, eS würde mir möglich sein, zu zahlen.— Frau v. Zander: Ich habe die Sachen in der gleichen Voraussetzung bestellt.— Vors.: Es fehlte Ihnen aber doch in jener Zeit an» Notwendigsten. In solcher Lage trinkt man doch keinen Sekt. Wozu bestellten Sie die Sektgläser?— Angekl.: Die mußten wir haben, weil wir oft Besuch bekamen.— Angekl. v. Zander: ES verkehrte bei uns keine Katze, wir bekamen keinen Besuch. Es tritt hierauf eine kleine Pause ein. Nach Wiedereröffnung der Sitzung erzählt die Angeklagte Frau v. Zander ihren Lebenslauf. Sie sei mit 16 Jahren Hofdame der Prinzessin Friederike Henriette von Hannover geworden und habe mehrfach die Prin- zessin nach England begleitet. Sie sei schließlich aus' dem Hof- dienst geschieden, da die Prinzessin ihrem Wunsche, ihrem Vater eine staatliche Anstellung zu verschaffen, nicht nachkam. Sic habe sich in dieser Beziehung selbst an den Minister Windthorst, aber ohne Erfolg, gewandt.— Vors.: Vor dem Untersuchungsrichter haben Sie erklärt, über die Ursache Ihres Ausscheidens aus dem Hofdienst verweigerten Sie die Auskunft.— Angekl.: Ich wollte überhaupt nicht, daß der Name der Prinzessin in der Verhandlung zur Sprache käme.— Vors.: Nachdem aber die Sache einmal be» kannt war, konnten Sie doch auch dem Untersuchungsrichter die entsprechenden Angaben machen.— Angekl.: Herr Vorsitzender. die moralischen Peitschenhiebe, die ich von dem Herrn Untersuchungs- richter erhielt, konnte« mich nicht bestimmen, auf seine Fragen Rede und Antwort zu stehen.— Auf Befragen des Verteidigers B i e gibt die Angeklagte zu, daß sie dem Baron v. Ramingen Stoff zu einem Roman geliefert habe. Sie habe dem Baron die Erlebnisse ihres VaterS, der zuerst Feldpropst war, sodann ihre Erlebnisse aus den Hofkreisen Englands mitgeteilt.— Vors.: Lebte die Prin» zessin sehr opulent?— Angekl.: Die Irinzessin hatte jährlich 60 000 M. zu verzehren. Sie hielt eine zahlreiche Dienerschaft. Mir selbst standen zwei Zofen und ein Diener zur Verfügung. Es ist daS keineswegs etwas Außergewöhnliches. In anderen Schlössern Englands wird ein noch größerer Aufwand getrieben, besonders wenn es sich um Schmucksachen handelt. Auf weiteres Befragen des Vorsitzenden erklärt die Angeklagte, nach ihrem Ausscheiden aus dem Hofdienst« habe sie längere Zeit im elterlichen Haufe zugebracht. Alsdann sei sie zu Verwandten nach Moskau gekommen. Diese hatten ein jährliches Einkommen von 80 000 Rubel zu verzehren. Dort habe man sehr opulent gelebt. Als sie sich mit ihrem Mann verlobte, sei ihr Bater bereit» tot ge- Wesen. Ihr Onkel, Rechtsanwalt Grothe I-Hannover, habe ihr die Ausstattung gekauft und 3000 M. gegeben. Verlesung von Briefen. ES wird hierauf eine Anzahl von Briefen verlesen, die Frau v. Zander an ihren Gatten gerichtet hat. Der Vorsitzende bemerkt, er wolle aus den Briefen feststellen, daß die Eheleute sich über ihre Vermögensverhältnisse klar sein mußten.— Vors.: In Magdeburg haben Sie gleich für 700 M. Gardinen gekauft.— Angekl.: Ich war über den Gardinenkauf ganz erstaunt und habe auch meiner Frau Vorwürfe gemacht.— Vors.: Sie konnten doch die Gardinen zurückschicken.— Angekl.: Das könnte ich als Offizier nicht machen.— Vors.: Das verstehe ich nicht. Auf Befragen des Verteidigers Mamroth erklärt der Angeklagte, seine grau habe längere Zeit in der Klinik gelegen und sei auch operiert worden. Das habe sehr viel Geld gekostet. Die Rech- nungen feien sämtlich bezahlt worden. Auch eine Operation seines kleinen Sohnes habe viel Geld verschlungen. Aus weiteren Briefen geht hervor, daß die Eheleute sich in sehr bedrängten Verhältnissen befunden haben. Der Angeklagte v. Zander klagt darin über den großen Aufwand, den seine Frau treibe. In einer der Aufzeichnungen deS Angeklagten heißt es: Ich war heute genötigt, mir von meinem Feldwebel 50 M. geben zu lassen. Die Angekl. V. Zander erklärt auf Befragen. eS sei ihr hMvßt gewesen, daß sie einen armen Offizier geheiratet habe.--- Vors.: Dann hätten Sic auch danach leben müssen. Wußten Sie denn nicht, daß ein preußischer Offizier keine Schulden haben darf? — Angekl.: Ich habe in preußischen Offizierskreisen nicht vcr. kehrt.— Vors.: Das weiß aber doch ein jeder.— Angekl.: Mir war eS nicht bekannt, außerdem glaubte ich, daß mein Mann außer- gewöhnliche Einnahmen haben würde.— Der Staatsanwalt stellt fest, daß das Ehepaar 1897 13 000 M. Schulden hatte. AuS wetteren Tagebuchaufzeichnungen geht hervor, daß die Angeklagten sehr gut gelebt haben. Sie haben Austern gegessen und Wein getrunken. In einer Aufzeichnung heißt es: Marie hat sehr gutes Essen bereitet. Es gab Kraftbrühe, Fisch. Braten, Gemüse und einen vorzüglichen Wein. Eine andere Notiz lautet: Da ich auf den Zug so lange warten mußte, kaufte ich mir kurzerhand ein Fahrrad. Um SV* Uhr wird die Verhandlung auf Mittwoch, vormittag 9 Uhr, vertagt._" Huö der Partei. In alter oder neuer Gesellschaft? Ein außerordentlich charakteristisches Beispiel dafür, welche merk- würdigen Verbindungen vorkommen zwischen Journalisten, die sich zu unserer Partei zählen, und offen gegnerischen Journalisten, geht eben wieder mit Behagen durch die bürgerliche Presse. Hat da ein Haufen gutbürgerlicher englischer Journalisten die Idee bekommen, ein Rendezvous englischer und deutscher Zeitungs- schreiber zu veranstalten, um erstens die englisch-deutsche An- Näherung zu fördern, dann aber auch und vor allem, um„nach persönlicher Bekanntschaft, wie eS wörtlich im osfiziellen Einladungsschreiben heißt, später„die Erörterung politischer Fragen mit weniger Bitterkeit zu führen". Da außer dieser sehr durchsichtigen Absicht bei diesem Rendezvous auch von deutscher Seite die verbrecherischsten Scharfmacher und die gemeinsten Verleumder der Sozialdemolratie die Hauptflöte spielen, überdies offizielle Empfänge und Fressereien in Aussicht standen, so war kein Zweifel bei uns, daß. ebenso wie die Redakteure des„Vorwärts" auch alle anderen parteigenösfischen Journalisten, die auf sich und die Partei etwaS hielten, diese Ein- laduug mit einer unzweideutigen Absage beantworten würden. Wir haben uns leider getäuscht! Eine Journalistin, die sich zur Sozialdemokratie rechnet, macht die Mcerfahrt der Scharfmacher und Verleumder der eigenen Partei mit: Lily Braun. Sie befindet sich nach dem Bericht der„Köln. Ztg."*) u.a. in der guten und wahr- scheinlich nicht mehr„neuen Gesellschaft" der Liman(„Leipz. Neueste Nachr."), Kronsbein s„Post"), Lange(„Deutsche Ztg."), Müller-Fürer(„Kreuz-Ztg."> und Konsorten. Ueber den persönlichen Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten und am wenigsten mit der Frau Heinrich Brauns nach dem Dresdener Parteitage und dem Harden-Techtelmechtelchen, aber die Partei hat da» Recht zu verlangen, daß Leute, die sich zu ihr rechnen, mit ihrem persönlichen Geschmack wenigstens in öffentlichen Veranstaltungen nicht dem elementarsten Parteigefühl ins Gesicht schlagen; das aber geschieht, wenn sich Parteigenossen öffentlich bei politischen Anlässen Arm in Arm mit Leuten vom Schlage der Liman, Kronsbein und ähnlichem Gelichter der bürger- lichen Presse zeigen. DaS darf sich die Partei verbitten. Dieser bitteren und ernste» Seite fehlt aber auch nicht die Satire, wenn man nämlich in dem offiziellen Programm unter- streicht, wo die Biedermänner„enipfangen" und gefüttert werden. Wir geben im folgenden dieses Programm wörtlich, aber unter- strichen wieder: „Am 20. Juni werden Vertreter des Empfangsausschusses die deutschen Gäste in Southampton begrüßen und nach London be- gleiten, wo diese im Hotel Metropole ab st eigen. Am 21. Juni beginnen die Besichtigungen. Mittag» findet ein Früh- stück im Unterhause zufolge einer Einladung des Vorsitzenden des Handelsministeriums, Lloyd- George, statt. Dann folgen die Gäste einer Einladung des Sprechers mid wohnen der Eröffnung einer Sitzung bei. Alsdann werden sie dem Oberhause einen Besuch abstatten, vom Lordkanzler empfangen werden und . den Tee auf der Terrasse als Gäste des Kriegsministers H a l d a n e einnehmen. Abends um?>/, Uhr wird in den Whitehallsälen unter dem Vorsitz von Lord Aveburh«in großes Bankett stattfinden, wozu der Lordkanzler und andere Mitglieder der Regierung sowie frühere Minister erwartet werden. Am 22. Juni wird in Dullvich Herr Evan Spicer, Vorsitzender deS Londoner GrafschaftsratS, die Besucher zum Frühstück bewirten. Abend» wird zu Ehren der Gäste die Londoner Presse ein Essen in der österreichischen Ausstellung in EarlS Court veranstalten. Um 11 Uhr abends wird Lord V u r n h a m sie im Gebäude deS„Daily Telegraph" in Fleet Street empfangen. Am 23. Juni findet"ein Ausflug nach Windsor statt, wo nach den Meldungen cnglischer Blätter König Eduard die deutschen Journalisten zum Frühstück empfangen will. Am 24. Juni gibt ihnen Herr Tree in HiS Majesty's Theater ein Festmahl. Der 25. Juni ist der Erinnerung Shakespeares in Stratford-on-Avon gewidmet. Am 26. Juni findet ein Frühstück beim Lordniayor inLondon und abends Festmahl im Ranelagh Klub auf Einladung von Herrn C. Artnr Pearfon statt. Am Mittwoch wird der Universität Cambridge ein Besuch abgestattet und abends ist Empfang bei der Herzogin von Sutherland. Am 28. Juni veranstaltet die„Daily NewS" einen Ausflug auf der Themse. Abends gibt Herr Alfred de Rothschild zu Ehren der Gäste in seinem Privathause ein Frftmahl, bei dem unter anderen der Kriegsmrnlster Haldane anwesend sein wird." Danach können die Leutchen also neben ihrer Gesinnungs- tüchtigkeit auch ihre Magentüchtigkeit auf eine gute Probe stellen. Der 17. Gautag der Pfälzer Sozialdemokratie hat am Sonnabend und Sonntag in Neustadt a. H. getagt. Am Sonnabend wurde in nichtöffentlicher Sitzung über die Presse beraten. Der Geschäfts- bericht, der sich auf 10 Monate bezieht, eraiebt einen Abonnenten- zuwachs von 2771. Anträge auf Vergrößerung deS Blatte», die au» Ludwigshafen und Pirmasens kommen, werden abgelehnt, nachdem der Geschäftsleiter Genosse Gerisch erklärt hatte, daß eine Ver- mehrung des UmfangeS auf regelmäßig 8 Seiten eine Erhöhung de» Abonnenientspreifes um 10 Pf., eine Vermehrung auf regel- mähig 6 Seiten eine Erhöhung um 5 Pf. bedingen würde. Am Sonntag war die öffentliche Sitzung. Die Mandats« Prüfungskommission meldete 116 Delegierte aus 73 Orten. Der Gautag beschloß die Anstellung eines Gau- sekretä rs und nahm das O r g a n i sa ti o n S st at u t in der vom Gauvorstand beantragten Fassung(25 Pf. Mitgliedsbeitrag) an. In der Nachintttagssitzung wurde das Referat E h r h a r t S über die L a n d t a g S iv a h l e n entgegengenoinmeu. Von einer Debatte darüber wurde abgesehen und eine entsprechende Resolution ein- stimmig angenommen. Der Punkt: Die Reform der pfälzischen Gemeindeordnung wurde wegen der vorgeschrittenen Zeit auf den nächsten Gautag verschoben. Als Ort deS nächsten GautageS wurde G r ü n st a d t bcslimnU. Für die Rachwahl im ReichStagSwahlkreife Rinteln-Hofgeismar hat«me Konferenz der Kreisorganisation den bisherigen Kandidaten, Genossen Vetterlein, einstimmig wieder aufgestellt. Dir Zwistigkeitea in Sora»- Forst. Wir erhalten folgende Er- klärung: „Die Kritik des„Vorwärts* an meiner.Gelbstveweihräucherung" wäre mehr als berechtigt, wenn ich wirklich den Unsinn gesprochen *) Der„Köln. Ztg.* läuft der Irrtum unter, daß statt Lily Braun ihr Mann Heinrich Braun die Fahrt mitmache.— was übrigens an der Lache nichts ändert und,«vie bekannt, auf dasselbe hinausläuft. hätte, den mich der Bericht der„Märkischen Volksstimme* reden läßt. Ich bezeichnete mich nicht als den Mann, der den Forster Arbeitern den Idealismus ins Herz gepflanzt hat, mithin annahm, daß vor seiner Tätigkeit kein Idealismus in der Forster Arbeiterschaft war. Vielmehr sagte ich gegenüber den vielen persön- lichen Beschuldigungen, die mich trafen, ich könne„ohne Selbst- überhebung" von mir sagen, daß ich„ein gut Teil Jdealis- mus" ins Herz„einer ganzen Reihe" von Parteigenossen gepflanzt habe. Ich dachte dabei hauptsächlich an eine Anzahl siingerer Genossen. Auch sonst ist vieles an meiner Rede falsch wiedergegeben. So sprach ich z. B. nicht von einem System �der „Meinuiigsunterdrückung", mit dem aufgeräumt werden müsse, sondern von einem System der Beberrschung der überwältigenden Mehrheit durch eine kleine Minderheit. AuS dem Bericht geht auch nicht klar herbor, daß auf meinen Antrag einstimmig beschlossen wurde, den Vorstand, der sozial- demokratischen Partei Deutschlands zu ersuchen, zusammen mit der in Forst gewählte» Fünferkommission zu untersuchen, wen die Schuld an dem Konflikt trifft. H. Marckwald. •* # Die„Mark. Volksstimme" bringt eine spaltenlange Erklärung der Preßkommission gegen Marckwald. Wir verzichten vorläufig auf die Wiedergabe: da eine Kommission in Verbindung mit dem Partei« vorstand die Beschuldigungen prüfen soll, erscheint es angebracht, den Bericht dieser Kommission abzuwarten. Der Gememdcwohlsieg in Sliarmund. über den wir in der SoimtagSnummer berichteten, ist nicht, wie wir aus der knappen Meldung irrtümlich schloffen, nach 13 Jahren erfolgloser Wahl- beteiligung unserer Genossen erzielt worden. ES war vielmehr die erste Gemeindewahl im Orte nach 13 Jahrenl 13 Jahre hatte der unglaubliche Zustand geherrscht, baß der Ge- meindcvorsteher einfach keine Wahl anberaumte; die Gemeinde- Vertretung war längst nicht mebr vollständig. DaS kümmerte aber den Gemeindevorsteher nicht»no auch nicht die— Aufsichtsbehörde, bis vor einigen Monaten die Genossen den Landrat auf den nn- gesetzlichen Zustand aufmerksam nmchten. Darauf erfolgte dann die Anordnmiß, daß die gesamte Gemeindevertretung sofort neu zu wählen sei. polireUicbes» ßmchtliclico ulw. Verpuffte Ordnungsrcttungcn. Freigesprochen wurde vom Schöffengericht Dessau der Genosse Pauli ck vom„Volks- b l a t t für Anhalt" von der Anklage, durch eine Notiz über einen Streikbrechcrvermittler„groben Unfug" verübt zu haben. Keine Verächtlichmachung kirchlicher Ein r ich- tun gen fand die Strafkammer II des Landgerichts Schweidnitz in dem seinerzeit in der Breslauer„Volkswacht" und im Langen- bielauer„Proletarier" veröffentlichten Aufruf des Predigers Tschirn zum Austritt aus der Landeskirche. Das Gericht hat deshalb be- schloffen, daS Hauptverfahren gegen den Prediger Tschirn und den Redakteur des„Proletarier", Genossen Franz Feldmann, nicht zu eröffnen. Beschlagnahmte Wahlrechtsflugblätter hat endlich die Staatsanwaltschaft Bochum zurückgegeben. Der Expedition des „Volksblattes" ging folgender Bescheid zu: In der Strafsache gegen den Parteisekretär Paul Runge hier übersende ich anliegende hier asservierte Blätter..Im Austrage: Retkittke. Damit hat die so großartig begonnene Aktion ihren Abschluß erreicht. Eins wie's andere l Nicht wegen groben Unfugs und nicht zu 150 M. Geldstrafe ist der Genosse Muck er vom Schöffengericht zu Würzen verurteilt worden, wie wir dieser Tage meldeten, sondern wegen Uebertretung einer Verordnung der Amtshauptmann- schaft, die Ende vorigen Jahres den Boykott unmöglich machen sollte. Die Strafe, die dem Genossen Mucker wegen der Verletzung dieser Verordnung zudiktiert wurde, beträgt 50 M. Der Bürgermeister als Leumundszeuge. Das Schöffengericht in Neuß(Rheinland) hatte den Genossen Rinke aus Heerdt wegen Beleidigung Arbeitswilliger zu drei Wochen Gefängnis verurteilt, wogegen sowohl der Staatsanwalt als der Angeklagte Berufung angemeldet hatten. Die Strafkammer in Düsseldorf mußte fich infolgedessen mit der Sache befassen. Der Bürgermeister von Heerdt wurde über den Leumund Rinkes vernommen. Er„hatte nichts gegen den Angellagten", nur sei er ein„Hetzer". Nachdem er wegen„Hetzerei" aus der Fabrik entlassen worden sei, hausiere er mir sozialdemokratischen Büchern und Bildern, nur um agitieren zu können. Der Vorsitzende und der Staatsanwalt wollten nun gerne wissen, warum Rinke nicht Heerdt verlasse, da er doch keine Arbeit mehr habe. Die Herren erhielten die treffende Antwort vom An- geklagten, er könne Wohnsitz nehmen, wo es ihm beliebe. Der Staatsanwalt führte in seinerRede aus, der Angeklagte treibe e i n v e r- derbenbringendes Handwerk, die Arbeitswilligen müßten u»ter allen Umständen geschützt werden, eine exemplarische Strafe sei für Rinke am Platze, er beantrage drei Momilc Gefängnis. Das Gericht verwarf die Berufung und beließ es bei der alten Strafe. Rinke wird Revision gegen das Urteil anmelden. Straskonto der Presse. Wegen Beleidigung eines Fabrikanten in Flöha war der Genosse Wendel von der„Chemnitzer Volksstimme* angeklagt. In einer Notiz des Blatte» waren Mißstände in dem Betriebe des Fabrikanten gerügt, die Aborte feien in einem grauenhaften Zustande, der Speisesaal werde gleichfalls nicht gereinigt und der zum Essenwärmen bestimmte Ofen lasse viel zu wünschen übrig. In den Sälen habe die Dampfheizung gefehlt, so daß die Arbeiter den ganzen Winter in kalten Räumen hätten arbeiten müssen. Genosse Wendel hatte eine Anzahl Zeugen aufgeboten. Sie bestätigten im wesentlichen die Angaben des Artikels. In dem neu aufgeführten Anbau der Fabrik habe die Dampfheizung gefehlt. Gegenwärtig sei allerdings eine wesentliche Besserung in den Mißständen eingetreten, aber seit wann, konnten die Zeugen nicht bestimmt aussagen. Da W., dem eS besonders daraus ankam, festzustellen, daß erst die inkriminierte Notiz die Veranlassung zu den Verbesserungen gegeben hat. deshalb mit Fragen in die Zeugen drang, kam es zu einer kleinen Reiberei WS mit dem Vorsitzenden. W. beantragte feine Freisprechung, da doch der Wahrheitsbeweis im vollen Umfange geglückt sei. DaS Gericht war jedoch anderer Meinung, es hielt eine Geldstrafe von 100 Mark für an- gemessene Sühne._ Soziales* Gegen LehrlingSzüchterei im Handclsgewerbr. § 128 der Gewerbeordnung schreibt vor: Wenn der Lehrherr eine im Mißverhältnis zu dem Umfang oder der Art seines Gewerbe- betriebe? stehende Zahl von Lehrlingen hält und dadurch die AuS- bildung der Lehrlinge gefährdet erscheint, so kann dem Lehrherrn von der unteren Verwaltungsbehörde die Entlassung eines ent- sprechenden Teiles der Lehrlinge auferlegt und die Annahme von Lehrlingen über eine bestimmte Zahl hinaus versagt werden. Gegen solche Anordnung findet daS Verwaltiingsstrcitverfahren statt. Ferner können durch Beschluß deö Bundesrats für einzelne GewerbSzweige Vor- schriften über die höchste Zahl von Lehrlingen erlassen werden, welche in Betrieben dieser Gewerbszweige gehalten werden darf. Soweit solche Vorschriften nicht erlassen sind, können sie durch Anordnung der Landes-Zentralbchörde erlassen werden. Diese durch die Gewerbeordnnngsuovelle vom 26. Juli 1897 ge- schaffene Vorschrift zum Schutz gegen LehrlingSzüchterei ist selten zur Anwendung gelangt. Bon der Befugnis zum Erlaß bestimmter Vorschriften hat weder der Bundesrat noch die Landespolizeibehörde Gebrauch gemacht, wiewohl daS Vorgehen des Tarifamtes deS Buchdruckerverbandes gezeigt hat, daß eine Einschränkung der LehrlingSzüchterei durch Vorschriften für einzelne GewerbSzweige sehr wohl möglich und nötig ist. In den letzten Jahren ist im Handelsgewerbe in wachsendem Naße über die Gepflogenheit-eNagt, durch LehrlingSzüchterei die «itSvildung des Lehrlings zu gefährden und die Lohn-- und Arbeits- bedingungen für Hcmdlungsgehülfen zu senken.§ 1391 der Gewerbeordnungsnovelle vom 30. Juni 1900 hat die oben erwähnte Vor- schrist des§ 128 G.-O. aus das Halten von Lehrlingen in offenen Verkaufsstellen sowie in anderen Betrieben des Handelsgewerbes für anwendbar erklärt. Ein Eingriff der unteren Verwaltungsbehörden gegen die Ausbeutung im Handelsgewerbe ist noch seltener als im Gewerbebetrieb. Das ist jetzt vom preußischen Handelsminister an- erkannt. Er hat unter dem 2. Juni folgende Verfügung an die Regierungspräsidenten erlassen: „In mehreren, an den Bundesrat gerichteten Eingaben wird darüber geklagt, daß in vielen kaufmännischen Geschäften die Zahl der Lehrlinge im Mißverhältnisse zu dem Umfang und der Art des Betriebes stehe, und daß die Prinzipale deshalb außerstande seien, den ihnen nach§ 76 des Handelsgesetzbuches obliegenden Ver- pflichtungen hinsichtlich der Ausbildung der Lehrlinge zu genügen. Ein Einschreiten der unteren Verwaltungsbehörden gemäß§ 1391 in Verbindung mit§ 128 der Gewerbe-Ordnung sei aber nur in seltenen Fällen zu verzeichnen. Nach den von mir aus Anlaß einzelner nam- Haft gemachter Fälle ange st eilten Ermittelungen scheinen diese Klagen nicht völlig unbegründet zusein. Es empfiehlt sich daher, die unteren Verwaltungs- behörden auf die ihnen* gemäß§§ 1391 und 128 der Gewerbe- Ordnung zustehenden Befugnisse hinzuweisen und sie zu veranlassen, daß sie der Ausführung jener Bestimmungen besondere Sorg- sali zuwenden. Dabei erscheint es zweckmäßig, die Behörden darauf aufmerksam zu machen, daß zur Erstattung etwa für er- wünscht erachteter Gutachten und zur Aufklärung bestehender Zweifel in den Kaufmannsgerichten paritätisch besetzte Organe zur Verfügung stehen, die für diesen Zweck besonders geeignet erscheinen. Ich ersuche Sie, hiernach das Erforderliche zu veranlassen." Es wird nunmehr Sache der Handlungsgehülfen selbst sein, durch ihre Organisation in vermehrtem Maße auf ein Einschreiten im Sinne deS§ 128 der G.-O. hinzuwirken. Der Erlaß all- gemeiner bundesratlicher Vorschriften über die Maximalzahl von Lehrlingen ftir bestimmte Berufszweige wird durch die mitgeteilte Verfiigung des Ministers keineswegs entbehrlich. Beschäftigung ausländischer Arbeiter. Zu derselben Zeit, wo die Behörden Hunderte von Russen ent» gegen den Handelsverträgen in Preußen ausweisen, wird ebenso bereit» willig Unternehmern gestattet, ausländische Arbeiter als Lohndrücker zu gebrauchen. Auf die Beschäftigung von gegen 300 000 Ausländern als ländliche Lohnsklaven haben wir wiederholt hingewiesen. Daneben haben wir wiederholt über Einstellung von Ausländern als Lohn- drücker gegen industrielle Arbeiter oder als Mittel zum Kampf gegen Arbeiterorganisationen berichten müssen. Wir registrieren nach dieser Richtung heute zwei Tatsachen aus Rathenow und aus West- deutschland. In Rathenow werden bei den Kanalisationsarbeiten 22 aus- ländische(neben 3 inländischen) Arbeiter beschäftigt. Gearbeitet Ivird bis 9 Uhr abends und manchmal noch länger bei einem Stunden- lohn von 30 Pf. Die Heranziehung der zu so niedrigem Lohn ar- bertenden Ausländer ist aus Einwirkimg Rathenower Unternehmer zurückzuführen, die mit ungelernten Arbeitern zu rechnen haben. Sie haben dafür gesorgt, daß möglichst ausländische Arbeiter zu möglichst niedrigen Löhnen für die Kanalisationsarbeiten verwendet werdeu, da andernfalls die Rathenower� Unternehmer infolge der vermehrten Nachfrage nach Arbeitskräften eine erhebliche Steigerung der Löhne befürchteten. Aus Westdeutschland wird gemeldet, daß der Russenimport in die Arbrtsstätten des Glaskönigs Hey fortdauert. Und wie leben die Russen? In ganz dürftigen Einfamilienwohnungen bringt— den einfachsten Forderungen der Hygiene frech hohnsprechend— der vielfache Millionär Hey häufig zwei bis vier Russenfamilien unter, und die Polizei denkt nicht daran, auch nur den leisesten Widerspruch gegen die Anordnungen des Allmächtigen zu wagen, der übrigens auch in anderer Beziehung als unumschränkter Gebieter in Gerres- heim herrscht. Auch in Haardt und Oberkassel bei Düsseldorf sind jetzt zahl- reiche Russen zu sehen. Es herrscht dort ein Former st reik und die sonst so russenscheue Behörde hatte nicht das mindeste dagegen einzuwenden, daß russische Arbeiter als Streikbrecher eingestellt wurden. Ganz im Gegensatz zu der Behandlung.lästiger", von der Polizei auf Schritt und Tritt belästigter Russen in Berlin werden diese Wnssen mit einem höchst fürsorglichen Polizeischutz umgeben; sie dürfen innerhalb der Fabriketablissements wohnen, auf daß kein böser Streikender ihnen ein Haar krümme oder ihre schöne staats- erhaltende Einfalt durch schlimme Aufklärung beeinträchtige. Der Schutz der russischen Streikbrecher und die Aufgabe, durch— in Zivilkleidung erfolgende— Besuche der Streikenden in ihren Privat- Wohnungen, sie mit freundlichem Zureden zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen, nimmt die Zeit und Kraft der Polizei derart in Anspruch,! daß es ihr bis heute noch nicht gelungen ist, die Buben ausfindig zu machen, die vor einiger Zeit einen Streikposten in der brutalsten Weise uberfallen und schwer mißhandelt haben. )Ziis Induftrie und Handel Despotcnvcrdrechcn, kapitalistische Sünden. Trauriger Saatenstand, immer weiter greifende Unterbindung der Produktton, wirtschaftliche Zusammenbrüche, leerstehende Fabriken, Arbettslosigkeit, Streiks, gewaltige Erschütterungen des gesamten Wirtschaftslebens, dazu jetzt umfassende Bauernunruhen, in Aussicht stehende Erntestreiks, von der Polizei organisierte Mordbanden, die die Auftegung im Lande steigern, eine verbrecherische Halsstarrigkeit des kulturfeindlichen Zarismus, die dem Morden, der wirtschaftlichen Zerstörung, den Verbrechen der Polizei und ihrer Organe, der euterei'in der Armee, dem Rauben und Plündern täglich und stündlich neue Nahrung gibt, das sind die Nachrichten aus Rußland, die besonders den kleinen Kapitalisten schrecken, der sein„Erspartes" auf dem Altar des Despotismus opferte, um höhere Zinsen zu müßten heucheln, wollten wir erschütterndes den betrogenen Glücksjägern bekunden. Wer Spiel dem Gewinne nachjagt, hat kein Tränendrüsen der Mitmenschen zu appellieren. ____ Hohn bei der Geschichte: unsere Patrioten opfern Milliarden, um das zarische Regiment zu stütze»— wofür sie natür- lich anständige Provision verlangen—. die zarische Regierung läßt die Milliarden zu einem großen Teile in die Taschen der.Stützen der Gesellschaft" fließen, die dadurch sich immer mehr für den Zaris- mus begeistern, die Reaktion fördern und dadurch den Staats« bankerott, der ihnen ja nachher bei ihren vollen Säcken nicht wehe tut, herbeiführen. In letzter Linie haben die Geldgeber des ZariS- mus sich mit ihrem Gelde um ihr Geld gebracht. Daß Unsummen von den der russischen Regierung geopferten Milliarden verloren sind, daran kann kaum noch gezweifelt werden. Aber nicht au«- geschloffen ist, daß die russische Hochstapelei mit dem Erpreffertttck der Drohung: entweder eine neue Anleihe oder wir machen Pleite, nochmals Glück hat. Und der russischen Hoch- staplergesellschaft steht daS Wasser an der Kehle. Von der voll- ständigen Leere der russischen Kassen zeugt die Nachricht, daß Rußland die Forderung der Japaner für den Unterhalt der russischen Kriegsgefangenen nicht bezahlen will. Angeblich soll sich die ge- forderte Summe aus 300 Mill. Mark belaufen. Nun ist es mit Rußland schon so weit, daß es hinter dem fadenscheinigen Einwand, die Kosten seien zu hoch berechnet, seine Zahlungsunfähigkeit zn ver- bergen sucht. Und es wird noch weiter kommen. Die Finanz- mäimer sollen schon eifrig an der Arbeit sein, für fällige Verbind- lichkeiten Auffchübe zu erlangen und einen neuen Pump aufzu- nehmen. Da ist es wohl angebracht, die Geschichte der russischen Anleihe in Frankreich mitzuteilen, die vom„Cri de Paris" also erzählt wird: Die Pariser Presse wurde bestochen, um das Publikum in eine der garen-Regierung günstige Stimmung zu versetzen oder wenigstens zu schweigen. Eine große Zeitung hat 100000 Fr. schlucken. Wir Mitleiden mit in gewagtem Recht, an die Das ist der erhalten, eine andere 90 000 Fr., zwei je 80 000 Fr., fünf weitere Zeitungen jede von 15 000 Fr. bis 60 000 Fr. Auch die kleineren Blätter wurden bedacht mit Bettägen, die bis zu 60 Fr. herab- gingen. Im ganzen wurden an die französische Presse 1050 000 Fr. Bestechungsgelder gegeben. Von den größeren Blättern war nur die sozialistische„Humanitö" nicht im Dienst des pumpendeit Rußland.— Beiläufig bemerkt das genannte Blatt noch, daß die Pariser Presse noch dazu nach guter russischer Manier bestohlen worden sei, denn es seien drei Millionen zu Bestechungs- zwecken ausgesetzt und verrechnet gewesen, aber beinahe zwei Millionen in den Taschen der„Vermittler" geblieben. In Deutschland ist so etwas natürlich unmöglich, da werden aus reinem Idealismus— für Judenmetzeleien, Betrug der eigenen Volksgenossen usw.— die Geschäfte der Mendelssohns und Wittes besorgt, vielleicht nimmt man gar die schönen, großen Inserate gratis auf!— Wie von offizieller Seite die neuen Punipversuche ein- geleitet werden, kann man sich vorstellen, es bedarf nur der Er- innerung daran, wie bis kurz vor Abschluß der letzten großen An- leihe alles in den schönsten Farben aufgetragen wurde: Herrlicher Saatenstand, pulsierendes gewerbliches Leben, große Ueberschüsse bei den Finanzinstituten und industriellen Erwerbsanstalten. So las man damals. Vor kurzem noch wurde offiziell jede Absicht, irgendwie die Hülfe des ausländischen Kapitals in Anspruch zu nehmen, bestritten. Am 11. April entwarf der russische Finanzminister noch ein glänzendes Bild von der Wirtschaftslage Rußlands. Der „Rußkoje Gossudarstow" berichtete darüber: Auf der Konferenz zur Behandlung der Einkommensteuer am 11. April wies der Finanzminister unter anderem auf die erstaun- liche Kraft und Lebensfülle Rußlands hin, welches wohlbehalten eine Periode der größten Schwierigkeiten überstanden hat. Ende des vorigen Jahres hatte Rußland mit Stillstand des Eisenbahn- und Postverkehrs, mit Kapitalschwierigkeiten usw. zu kämpfen. Die Lage war eine so schwere, daß Klein- mutige schon an einen vollständigen Zerfall deS ganzen Staats- lebens zu denken anfingen. Jetzt nach Ablauf von drei Monaten, ist diese Erscheinung vollständig beseitigt und die Lage verbessert sich zusehends. So betrug z. B. im November und Dezember das Manko der gewohnten Staatseinkünfte 80 Millionen Rubel, während diese Einkünfte jetzt um 23 Millionen Rubel höher sind sind als in derselben Periode des Jahres 1905. Unter dem Einfluß der stattgehabten Eisenbahnstreils wiesen noch im Januar und Februar dieses Jahres die Eisenbahnen allein ein Manko von 19 Millionen Rubel auf, während diese Einnahmen seit Ende Februar ein Plus gegen das Vorjahr zeigen. Die Staats fparkaffen, die während der beiden letzten Monate des vorigen Jahres einen kolossalen Abfluß der Einlagen zu verzeichnen hatten, haben jetzt fast sämtliche Einlagen zurückbekommen. Im allgemeinen konstatierte der Finanzminister eine erstaunliche Ver- besserung der Finanzen und der wirtschaftlichen Lage Rußlands im Vergleich mit den letzten Monaten des Jahres 1905. Heute läßt sich nicht mehr verbergen, daß das ein großarttger Schwindel war. Es wird nicht der letzte Schwindel gewesen sein. Aber die russischen Hochstapler sind nicht die einzigen Schuldigen an den vielen Verbrechen, die bereits geschehen sind und noch geschehen werden. Diejenigen, die jetzt vielleicht hinter ihrem verlorenen Kapital loSjammern, das sie in gieriger Gewinnsucht dem russischen Despottsmus, der zarischen Verbrecherpolittk. den Gaunereien der rusfischen„Großen" opferten, dürfen sich auch noch brüsten, als betrogene Gliicksjäger zu all den russischen Scheusäligkeiten hülfreich die Hand geboten zu haben, mitverantwortlich zu sein für das sich abspielende Weltdrama._ Spitzbubentaktik. Die erfolgreichsten Helfer bei der Durchpreffung deS unheilvollen Zolltarifes waren neben dem Zentrum die Ver- treter der Großindustrio. Jetzt will man die Folgen nicht verant- Worten. Im Jahresbericht des Bergbaulichen Vereins für den Ober- bergamtsbezirk Dortmund liest man z. B. folgendes: „Die Befürchtungen, welche an die vielfachen mit der Neuordnung unserer handelspolitischen Verhältnisse verbundenen Zollerhöhungen in den ausländischen Tarifen geknüpft worden sind, haben sich leider schon in einem gewissen Um- fange durch teilweise Auswanderung deutscher Industrien als begründet erwiesen. Es wird der Aufwendung der ganzen Intelligenz und Energie unserer Industrie- und Handelskreise bedürfen, um die Schädigungen von unserer Volkswirtschaft fernzuhalten, von denen sie sich durch die Zurück- setzung bedroht sieht, welche beim Abschlüsse der Handelsverträge die gewerblichen vor den landwirtschaftlichen Interessen erfahren haben. Ein Erfolg in dieser Richtung steht nur dann zu hoffen, wenn unsere Erwerbsstande in ihrem Bestreben, die wirtschaftliche Welt- stellung des Reiches zu festigen und weiter auszubauen, bei der Re- gierung tatkräftige Unterstützung finden werden, die sich in erster Linie in fördernden Maßnahmen auf dem Gebiete des Verkehrswesens zu erweisen haben würde." Immerhin können sich die zentrumischen Brotwuchrr-Politiker die Auslassung an den Spiegel stecken. Sie müssen sich mit den Groß- industriellen abfinden ivegen des Vorwurfs, die Lebenshaltung der Arbeiter verschlechtert zu haben. Eue der frauenbewegung. Aus der Spielkartenindustrie. Kartenspiel ist für viele Leute eine angenehme Beschäftigung. Der Spießbürger geht des Abends in seine Stammkneipe, um ein Spielchen zu machen, rein zum Zeitvertreib. Es ist das seine— Ueberarbeit. Auch die Herren Offiziere lieben neben Weib. Wein und Gesang das Kartenspiel. Weib und Wein sind sehr kostspielige Vergnügen, und wenn Vaters Geldbeutel nicht weit genug ist, ver- traut der Liebhaber teuerer Vergnügen wohl auf FortunenS Huld. Er spielt mit hohen Einsätzen. Die Karte macht Glücksritter und direkte Lumpen. Die Spieler, welche mit den Karten Unsummen aus einer Tasche in die andere dirigieren, kümmern sich nicht darum, unter welchen traurigen Verhältnissen diejenigen leben, die ihre„Arbeits- instrumente" herstellen. Ob sie es auch nur ahnen, daß bei der Her- stellung derselben die Arbeiterinnen nur kümmerlich ihr Dasein fristen? Wohl kaum! In der Spielkartenindustrie hat sich in den letzten Jahren eine gewaltige Umwälzung vollzogen. Fast sämtliche Arbeiten, die früher von Männern verrichtet wurden, sind m Frauen- Hände übergegangen. In der Uebergangsperiode stellte man junge Arbeitsburschen ein, doch sind auch diese mit der Zeit durch Frauen und jugendliche Arbeiterinnen ersetzt worden. Die Arbeiterinnen er- halten in den ersten Jahren gewöhnlich noch weniger Lohn wie junge Burschen, und gibt man ihnen hernach von Zeit zu Zeit kleine Lohn» aufbesserungen, so sind sie zufrieden. Sie denken nur selten daran, sich andere Beschäftigung zu suchen. Als halbes Kind kommen sie hinein in die Fabrik und alö alte Frau findet man sie noch dort. Und die Maschine verdrängt immer mehr die Handarbeit. Mit nur ganz geringen Ausnahmen werden heute die Karten gedruckt, während vor nicht langer Zeit die guten teuren Arten noch durch Schablonen mit der Hand gemalt wurden. Die Kartenmaler haben verhältnismäßig gut verdient. Es konnten jedoch auch nur tüchtige geübte Arbeiter zu solchen Verrichtungen verwandt werden. Die Moschinen dagegen werden von 14—16 jährigen Mädchen bedient. In der ganzen Druckerei sind nur drei bis vier Männer tätig, näm- lich die Maschinenmeister. Es gebt hier wie überall, die Maschine verdrängt nicht nur durch ihre Ergiebigkeit eine Maffe Arbeiter, auch durch ihre Leichttgkeit, mit der man in die Bedienung derselben ein- geweiht wird, fetzt sie den erfahrenen, gelernten Arbeiter auf die Straße. Von der Druckerei wandert das Papier in die Leimcrei. Hier sind zum Teil noch Männer beschäftigt. In nassem Zustand werden die Bogen zusammengeleimt. Das Anfeuchten ist Frauen- arbeit. Auf ein Brett wird dann soviel, wie ein Mann nur mit Mühe tragen kann, aufgepackt und auf dem Fahrstuhle nach dem Boden transportiert. Hier bestreicht man beide Seiten des Karten- bogen? mit einer Masse, die daS spätere Glätten ermöglicht. Letzteres ist ausschließlich Jrauengrbeit und zwar sehr schwere Frauengrbett. Es ist nicht leicht, vSki gakkzen Tag eine 40 Zentimeter lange Bürste mit dicker Stärkemassc zu hantieren. Jeder einzelne Bogen wird an Haken, die in die Decke eingeschlagen sind, befestigt. Wer das anfangs verrichtet, der fühlt sich des Abends wie zerschlagen. Es ist das eine Arbeit, die dem Organismus des weiblichen Körpers nicht zuträglich ist. Trotzdem gehört es nicht zu den Seltenheiten, daß schwangere Frauen hierbei beschäftigt werden, bei denen ein Ausrecken des Körpers doch unter allen Umständen vermieden werden soll. Frühgeburten sind denn auch die natürlichen Folgen. Einige Sorten von Karten werden nicht mit der Hand gestrichen, sondern durch Maschinen gedreht. Das Aufhängen ist jedoch auch hierbei nötig. Das Bestreichen und Durchdrehen der Karten ist ebenso wie das Leimen recht schmutzige Arbeit. Die feinen Herren und Damen, welche ihr Glück im Kartenspiel versuchen, haben keine Ahnung, unter welchen Verhältnissen die hübschen Bilder, die sie in den Händen haben, entstanden sind. Um die Karten möglichst schnell zu trocknen, werden hohe Tempe- raturen entwickelt. Jur kalten Winter ist es nicht gar so un- angenehm, doch wenn im heißen Sommer schon die Sonne den ganzer* Tag über dem Hause steht, morgens von der einen und nachmittags von der anderen Seite durch die Fenster blickt, dann wird die Arbeit. zur Qual. Die Mädchen sehen demgemäß auch blaß und elend' genug aus. Also getrocknet wandern die Karten zum Kalander, wo sie ge- glättet werden. Die Maschinen werden wiederum von jugendlichen Arbeiterinnen bedient. Dann geht's an's Zerschneiden. DaS Schneiden, früher ausschließlich Männerarbeit, ist jedoch auch längst vermittelst moderner Einrichtungen Frauenarbeit geworden� Sind die fertigen Karten sorttert und verpackt, so treten wieder ein paar Männer in Aktion. Sie fahren damit zum Zollamt, wo das Ab- stempeln vorgenommen wird. In der Industrie, seit Aufblühen der Großbetriebe, haben sich ja verschiedentlich derartige Umwälzungen vollzogen, daß die Männerarbeit immer mehr durch Frauenarbeit verdrängt wird, doch ist es wohl selten in so radikaler Weise geschehen wie hier. Immer neue Berufe erschließen sich für die Frauen, und wenn man das auch im allgemeinen als Fortschritt bezeichnen kann, so machen sich doch andererseits die Fehler und Mängel dieser Umgestaltung drückend bemerkbar. Würde man den Frauen für gleiche Leistung denselben Lohn zahlen wie den Männern, so könnte man im Grunde genommen nichts gegen die Einstellung der Frauen einwenden. Heute aber muß der Mann der Konkurrenz der billiger arbeitenden Frau weichen. Das ist der Fortschritt unserer Zettl Versammlungen— Veranstaltnngen. Britz. Donnerstag, den 21. Juni, bei Weniger, Wcrderstraße 27. Vortrag. Frau Thiel:„Zweck und Ziel der Mädchen- und FrauenbildungSvereine". Treptow-Baumschulenweg. Donnerstag, 21. Juni, 81/, Uhr, Speers Feftsäle� Vortrag. Referent Herr Stadtverordneter Koblenzer (nicht Stürmer, wie gestern irrtümlich angegeben):„Wie stellt sich die Frau dem Versicherungsgesetz gegenüber?" Verein Berliner Üansiliener gegründet 1883. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied 24886 Felix Korn Mirbachstr. 78, verstorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 20. Juni, nachmittags 1 Uhr, aus dem Georgen- Kirchhos, Landsberger-Allee, statt. Rege Beteiligung erwartet »er Verstand. Sozialdernokr. Kreiswablverein für den Reicbstags-Wablkrels Niederbarnim. Bezirk Stralau. Todesanzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse RoM Ralvaß am Freitag, den 15. Juni, in geistiger Umnachtung srelwillig an« dem Leben geschieden ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 20. Juni, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichen- halle zu Stralau aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 222/8_ Der Borstaud. Vereinigung der Maler, Lackierer, Anßreilher und verwandter BerufSgen. (Zahlstelle Charlottenburg.) Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Kollege 125/18 August Schwittey am 17. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 29. Juni, nach- mittags 61/, Uhr, von der Halle des Neuen Luisenkirchhoses aus statt. vi» Orteverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Fnnst Kumme gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. Juni, nach- mittags S Uhr, von der Leichen- Halle deS JerusalemS-KtrchhoscS in der Bergmannstratze aus statt. Rege Beteiligung ermattet 121/v 0io Orleverwellung. Klumen- und Kranftiudem von Aug, Krause WlenerstraBe 7. V r- inskränze, Palmen-ArrangementS, cHmUanden ulw. liejere zu dm billigsten Pietic». er— Allen Freunden, Verwandten und Bekannten die traurige Nach- ri cht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter 2487b Rellmg Lavllei' geb. Usnlob nach kurzem, aber schwerem Leiden sanst entschlasen ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. d. M., nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle de» Lichtenberger FriedhoseS am Krugstege aus statt. »slrar Sander und Kinder. Kildungsverein f. Frauen u. Mädchen Fichtenbergs. Todes- AnMelge. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied, Frau ReMg Sander am Montag, den 18. Juni, ge- starben ist. 222/9 Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. Juni, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- halle deS Gemeinde-FttedhoseS, Krugstege, aus statt. Treffpunkt der Mitglieder dünkt. lich 5 Uhr am Schwarzen Adler. Um recht rege Betemaung er- sucht Der Borstand. Allen Freunden, Verwandten und Bekannten die traurige Nach- richt, daß unsere liebe Mutter«nd Großmutter, die Witwe L49gb üugnsle Sommerau 15. Juni�l906�am Gehlrn- g verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. Juni, nach. mittags 5 Uhr, aus dem Dom- kirchhos in der Müllcrstraße statt. Die trauernden Kinder: Klara Laube, Anna Schliffer, geb. Sommerau. am Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres un- vergcßichen Vaters sagen wir allen Neben Verwandten und Bekannten, besonders dem Gesangverein„Ge- rechtigleit" sowie dem Verein selb» ständiger Kürschner und„Motte", Gcsangabtellung selbständiger Kürsch- ner, unseren herzlichen Dank. 24890 Die Kauernde Witwe Zetta voredennett nebst Kindern. Danksagung. Sage hiermit allen meinen Ver- wandten, Bekannten und Kollegen sür die zahlreiche Beteiligung und reichen Kranzspenden bei der Bcerdi- aung meines lieben unvergeßlichen Mannes Julius Stolzenburg den besten Dank. 15762 Die trauernde Witwe Stolzenburg nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweis« herzlicher Teilnahme«nd vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meine« lieben Mannes und guten Vaters sagen wir allen Verwandten und Bekannten unseren herzlichsten Dank. 15772 Witwe Emilie Aul». Neuerscheinungen. Wir empfehlen unseren werten Lesern folgende in lezter Beit er Schienene Schriften: 234/ 8* Wilhelm Liebknecht Nominal 40000 000 M. Aktien( 40000 Stück über je 1000 M. Nrn. 1-40000) der Hohenlohe- Werke- Aktiengesellschaft zu Hohenlohehütte, Kreis Kattowitz. Auf Grund des im Berliner Börsen- Courier" und in der„ Berliner Börsen- Zeitung" vom 19. Juni 1906 veröffentlichten Prospekts sind auf unseren Antrag Sein Leben und Wirken. 40 000 000 M. Aktien( 40 000 Stück über je 1000 M. Nrn. 1-40000) Unter Benutzung ungedruckter Briefe und Aufzeichnungen herausgegeben von = Kurt Eisner. 8weite erweiterte Auflage mit Por träts und Abbildungen. Preis 60 Pf. In befferer Ausstattung 1,50 M. der Hohenlohe- Werke Aktiengesellschaft zu Hohenlohehütte, Kreis Kattowitz zum Handel und zur Notiz an der Berliner Börse zugelassen worden. Wir legen hiermit einen Teilbetrag von nominal 9 000 000 Mark unter nachfolgenden Bedingungen zur öffentlichen Zeichnung auf: 1. Die Zeichnung findet am Sonnabend, den 23. Juni 1906 Schule, Kirche, Arbeiter. Ein in Berlin bei der Berliner Handels- Gesellschaft, Bortrag von Paul Göhre. Preis 15 Pf. Der preußische VolksschulgesetEntwurf. Materialien zu seiner Beurteilung. Preis 20 Pf. Notleidende Agrarier von Bruno Schmidt. Preis 40 Pf. Egoismus und Sozialismus oder: Das Jch und die Gesellschaft, eine dialektische Plauderei von Karl Hoffmann. Preis 25 Pf. Religion und Sozialismus von Dr. Anton Pannetoet. Preis 30 Pf. Rinderelend. Proletarische Gegenwartsbilder von Otto Rühle. Preis 75 Pf. Fürst Krapotkin, Memoiren eines russischen Revolutionärs. Mit Vorwort von Georg Brandes. Bolksausgabe. Preis 4 M. " " Die Leffing- Legende. Zur Geschichte und Kritik des preußischen Despotismus und der klassischen Literatur von Franz Mehring. Zweite Auflage. Preis 2,50 M. Geb. 3, Marthas Kinder. Fortsetzung von: " Die Waffen nieder" von Berta b. Suttner. Volksausgabe. Preis 1 M. Wie entstanden Weltall und Menschheit? Von Willy Peterson Kinberg. Mit zahlreichen farbigen und schwarzen Tafeln, Karten, Beilagen und Tertabbildungen. Preis 2, M. Geb. 2,80, Ferner empfehlen wir: " Perlen der Malerei". Bildwerke berühmter Meister. Preis pro Blatt-, 50 M. auf weißem Karton 1, " Expedition des„ Vorwärts" Berlin SW. 68 Laden. Lindenstr. 69 Laden. 99 Bank für Handel und Industrie, dem Bankhause S. Bleichröder, " " 99 der Deutschen Bank, 99 Direktion der Disconto- Gesellschaft, Nationalbank für Deutschland, 99 " " Breslan dem Bankhause E. Heimann, 97 Schlesischen Bankverein während der bei jeder Stelle üblichen Geschäftsstunden statt. Vordrucke für Zeichnungen sind bei den Stellen erhältlich. 2. Der Zeichnungspreis beträgt 196 Proz. nebst 4 Proz. Stückzinsen vom 1. April 1906 ab bis zum Abnahmetage. Den Schlußscheinstempel tragen die Zeichenstellen. 3. Bei der Zeichnung ist auf Verlangen eine Sicherheit von 5 Proz. des gezeichneten Betrages in bar oder in der Zeichenstelle genehmen Wertpapieren zu hinterlegen. Jede Zeichenstelle ist berechtigt, die Rückgabe dieser Sicherheit, welche spätestens bei der Abnahme zu erfolgen hat, von der Rückgabe der darüber erteilten Quittung abhängig zu machen. 4. Einer jeder Zeichenstelle ist die Befugnis vorbehalten, die Zeichnung früher zu schließen und nach ihrem Ermessen die Höhe des Betrages, welcher auf jede Zeichnung zugeteilt wird, zu bestimmen. Jeder Zeichner wird sobald als möglich nach Schluß der Zeichnung schriftlich benachrichtigt, ob und in welchem Umfang seine Zeichnung berücksichtigt worden ist. 5. Die Abnahme der zugeteilten Stücke erfolgt gegen bare Zahlung des Preises am 29. Juni 1906. Ist die Abnahme an diesem Tage nicht erfolgt, so ist jede Zeichenstelle zum Rücktritt vom Geschäft dem Zeichner gegenüber befugt. Berlin, im Juni 1906. Berliner Handels- Gesellschaft. S. Bleichröder. Direktion der Disconto- Gesellschaft. Bank für Handel u. Industrie. Deutsche Bank. Nationalbank für Deutschland. Für Säuglinge mit chronischen Darmkatarrhen gibt es kein besseres Nährmittel als Kufetes Kindermehl, welches zuerst ohne Milch, später mit Milch gereicht, die Gärungen im Darm beseitigt und den die Erkrankung verursachenden Mikroorganismen einen ungünstigen Nährboden darbietet, dabei leicht verdaut und vom erkrankten Darme aufgenommen wird. Es tritt bei der Ernährung dieser Kinder mit Stufetes Kindermehl nicht nur ein Verschwinden der Durchfälle ein, sondern auch das Körpergewicht hebt sich in günstigster Weise. Reise- Anzüge 36. 27. 21.18.- 15.- 10.8 MK, 65 Strand- Anzüge 24. 18.- 15.12.- 10.- 7.4 MK. Mk. 25 Reise- Joppen 6.- 5.- 4.3.30 2,60 1.75 85PL. Reise- Mützen Reise- Wäsche Reise- Pelerimen 16.- 12.- 10.8.- 6.75 54 M Mk. 25 Loden- Havelocks 24.- 21.- 18.15.- 12.- 10.6 Mk. 75 Staub- Mäntel 15.- 9.- 7.50 6.5.50 4.50 3M Mk. 75 Reise- Hüte, Rucksäcke. Baer Sohn Spezialhaus grössten Massstabes Chausseestrasse 24a/ 25 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20 Der Haupt- Katalog Nr. 29( Reise- Artikel) wird kostenlos u. portofrei zugesandt. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Gardinenhaus Große Frankfurter. ftraße 9, parterre. 1+ Fahrräder, Zeilzahlungen. Bergftraße 28, Staligerstraße 40. 15098* Gelegenheitsfäufe: Paletots, Anzüge, Hofen, Koffer, Revolver, Zeschings, Uhren, Goldfachen, Keffel, spottbillig. Lude, Oranienstraße 131. Reisegläser, Operngläser, Reißzeuge, Regulatoren, Freischwinger, Harmonitas, Geigen, Zithern, Bilder, Teppiche, spottbillig. Lude, Oraniens ftraße 131. 24716* Kleine Anzeigen Nähmaschinen. Bable bis 12,00, Vier Vereinszimmer, 20-130, wer Teilzahlung kauft oder nach Montage, Sonnabende frei, 10 weist. Sämtliche Systeme. Woche 10 Pfennig. Engel, Seydelstraße 30. 1,00. Bostlarte. Brauser, Tilsiters straße 90. + 30* Teppiche mit Farbenjehlern Fabril. niederlage Große Frankfurterstraße 9, +1 parterre. Vermietungen. Wohnungen. Teppiche!( fehlerhafte) in allen Größen für die Hälfte des Wertes im Teppichlager Brünn, Hadescher Nieder- Schönhausen, Beuth, Martt 4, Bahnhof Börse. 263/3 Störner, Schillerstraße( am Straßen bahnhof) moderne Borderwohnungen Kinderwagen, Bettstelle, feltene 2 und 3 Bimmer von 324 und 450 Gelegenheit, spottbillig, ausnahmsweite Teilzahlung. Hühn, GleditschNäheres Nieder- SchönMark an. straße 48, Winterfeldtplay. hausen, Körnerstraße 34. 130/ 5* 133/ 20* Restauration am Wedding billig zu verkaufen wegen Krankheit. Dfferten 912" Rettigs Annoncenbureau, Fenn straße. 24956 neue Nestauration, gangbar, zu ber taufen. Bu erfragen bei S. Fahrow, Ravenéstraße 6. + 78* Gutgehendes Restaurant, Zahl ftelle, Brauerei im Hause, umzugshalber sofort verkäuflich. Schulzendorferstraße 3, Strause. 24976 Steppbeden billigst Febrit Große Frankfurterstraße 9, parterre.+1 Lauben Baumaterialien, und gebrauchte, wie: Kantholz, Bretter, Latten, Leisten, Türen, Fenster, Linoleum, Dachpappe usw. billigst. Früher Kottbuserdamm 22, jekt Hasenheide 2( am Hermannplay). 12366* Schleunigst elegantes Nußbaumspind, Nußbaumbertito 38,00. Magazinstraße 18b, parterre rechts. 24356 Federbetten, schöne breite, Stand 20 Mart, Dresdenerstraße 38, born II lints. Schlafstellen. Möblierte Schlafstelle, zwei Herren, auch Badebenugung, im ruhigen, anständigen Hause, Gleimstraße 33, born I, Wittkopf. Brandenburgstraße 30/31, IV lints, schmudes Stübchen als Schlafstelle vermietbar. 23826 Möblierte Schlafstelle, 2 Herren, Klaar, Wienerstraße 51 III, Flur eingang. +3 +78 Tüchtige Bolzen- und Muttern preffer sofort gesucht. Reisegeld wird Schrauben, vergütet. Muttern und Nietenfabrit Attien Gesellschaft in Schellmühl bei Danzig. 16345* Schloffergesellen auf Baubeschlag berlangt Blume, Charlottenburg, Schillerstraße 97. Puter verlangt Dräger, Waidmanns. Luft. +78 Werkzeugmacher, der namentlich 2491* ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt- Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Tücht. Versilberer u. Schleifer bei hohem Lohn u. dauernder Beschäftigung verlangt Albert Zander, Tapetenleistenfabrik, Berlin, Schönebergerstr. 27. Die Zahlstelle Berlin des Gewerkschafts- Beamten. mit Card Unstreichen, Schärfen und Zentralverbandes der Glaser Härten Saltfägeblättern vertraut barten bon stigne bottegher as Deutschlands sucht zur baldigen brit bei Berlin gesucht. Gefällige Anstellung einen Offerten mit Angabe bisheriger Tätigfeit, Referenzen u. Lohnansprüchen erbeten sub B. M. 954 an Haasenstein u. Vogler, Berlin W. 8. 208/15 Stepperin, Handnäherin, gute Hofen. Weisbrod, Rüdersdorfer straße 28. +30 Mamfells auf Jacketts verlangt Haupt, Kleine Andreasstraße 16. Redakteur- Gesuch. Für den politischen Teil der„ Märkischen Boltsstimme" in Forst wird zum Im Arbeitsmarkt durch Grünkramgeschäft mit Rolle nebst Holz- und Kohlenhandlung wegen Herr findet saubere Schlafstelle. besonderen Druck hervorgehobene Krankheit der Frau billig zu ver- Schmidt, Muskauerstraße 3, Hof III.+3 Anzeigen kosten 50 Pf. die Zeile. faufen. Rigdorf, Wildenbruchstraße 54. Möblierte Schlafstelle, zwei Ge 133/ 3* Abreisehalber Grundstücsüber- noffen, separater Eingang. Plehn, Nähmaschinen, ohne Anzahlung, nahme, verschiedene beffere Möbel, Gerichtstraße 3, Borderhaus. möchentlich 1,00. Aderstraße 111, 14 Bimmer, billig, Wohnung vermietBarschauerstraße 67, Wienerstr. 1-6. bar, Invalidenstraße 40/41 hochparterre. Monatsanzüge und SommerSelterfabrik für 500 Mart berpaletots von 5,00 an, 1,50 an, Gehrodanzüge von 12,00 an, Frads von 2,50 an, sowie für forpulente Figuren. Neue Garderobe zu staunend billigen Preisen, aus Pfandleihen verfallene Sachen fauft man am vorteilhaftesten bei Naß, Muladstraße 14. rechts. Mietsgesuche. Einfach möblierte Schlafstelle zum Bismardstraße, Bau Schlüsselburg. Giesebrechtstraße, Bau Herold. Tegeler Weg 105. Flotomstraße, zwei Bauten Bunning. Birchow- Krankenhaus, Seestraße. Freisingerstraße, Bau Nölte. Schwäbischestraße, Bau Zander. Berchtesgadenerstraße, Bau Kraak. Friedrichsberg, Müggelstraße, Ede der Scharnweberstraße. Bormferstr. 10. Es ist Pflicht jedes organisierten Kollegen, diese Bauten streng zu 144/ 11* meiden. Die Sektionsleitung. Deutsch. Buchbinderverband Bewerber haben sich über ihre bis( Zahlstelle Berlin). herige Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung sowie über ihre Folgende Firmen haben, weil das Kenntnisse in der sozialpolitischen Ges Bersonal nach der Beendigung der febgebung auszuweisen. Offerten find Aussperrung nicht reumütig und bis spätestens den 28. d. Mts. an bedingungslos in die Betriebe zurüdG. Thilo, Rixdorf, hohen- tehrte, weiter respektive erneut auszollernplag 17, einzureichen. 73/11 gesperrt: Achtung! Fliesenleger! Wegen Affordarbeit und anderer Differenzen find sämtliche Bauten der Firma gesperrt. Die Bauten sind: Hojen von käuflich. Mödernstraße 65, parterre Alleinwohnen zum 1. Juli gesucht, baldigen Antritt spätestens 1. D. Schmalisch& Below 24946 Nähe Lehrter- oder Weddingbahnhof. tober ein tüchtiger Redakteur geSchleunight 5 Bimmer Möbel, Offerten mit Preisangabe unter sucht. Meldungen sind an den VorSteppdeden, Stores, Teppich, Galon P. J. 4 an die Spedition dieses Blattes, fizenden der Preßkommission Paul +71 Rubendunst, Kottbus, Sandower bilder 3,00 Landsbergerstraße 42 II. Salzwedelerstraße 8. Möbliertes Zimmer oder bessere straße 58, zu richten. Schlafstelle für einzelnen Herrn Nähe Bazenhofer Brauerei mit Preisangabe gesucht unter„ Sofort" Postamt 18. 24966* Während des Umbaus Möbel zu außergewöhnlich billigen Preisen. Kleiderspinden 23,-, Waschtoiletten 20,-, Spiegelspinden 18,-, wunderhübsche Garnituren, Sofas 40,- ent züdende Schlafzimmer in allen Arten, wunderhübsche bunte Süchen 60, englische Bettstellen mit Federboden 42,- Kolossale Auswahl. Eigene Werkstätten. Möbelfabrit Hirschowis Stalizerstraße 25. 1595* Gaskocherhaus! Geschlossene Bweilochgastocher! 5,00. Einloch gasfocher! 0,75. Basbügelapparat! 3,00. Dreiflammige Bronzegastronen! 6,00. Gaslyren! 1. Wohlauer, Wallnertheaterstraße 32. Verschiedenes. Bücherrevisor Schaub, Wassertor straße 73. Einrichtung, Fortführung, Revisionen der Geschäftsbücher. Sachverständiger Rat. Buchführung +61 abonnementsweise. 15282* Einstecher, 2493b mit der Goodyear- Einstechmaschine boll bertraut, erhält sofort Stellung als Monteur. Offerte unter T. 4 an die Expedition diefes Blattes. Arbeitsmarkt. 1635 * Mogstr. 38 und 39, Bau Tschöpke. Neue Kantstr. 1, 2 und 3 sowie der Bau Lange. Luisenplatz, Ede Kaiser Friedrichstraße, Bau Haase. Sadowastr. 10, Bau Hollmann. Barbarossastraße. Rigdorf. Donauftr. 83, Bau Berndt. Berlinerstraße, Ede Straße 12k, Bau Langnid und Bau Lang. Partei- Sekretär! G. Wübben& Co., Wilhelmstraße 9. H. Sperling, Friedrichstr. 16. D. Bleistein, Friedrichstr. 16. Lüderitz& Bauer, Mauerstraße 80. Fritsche- Baumbach, Schö neberg, Bahnstraße. H. Reiß, Lüßowstr. 107/8. H. Schubert, Wilhelmstr. 121. C. Metschke& Co., Zimmerstraße 94. A. Schoß, Buttkamerstraße 19. A. Schoß, Dessauerstraße. Schneider& Ziegler, Ritterstr. 76. Rickmann, Wilhelmstr. 121. Naucksche Buchdruckerei, Stall schreiberstraße 5. Ad. Ludwig, Elisabeth- Ufer 5/6. Fleck Nachf., Qizonftr. 87. Kämmerer, Kochstr. 67. C. F. Walter, Wallstr. 16/17. Rich. Gahl, Chausseestr. 20. Agthe, Wilhelmstr. 119/20. Lotze& Sieler, Kochstr. 3. Ad. Wittenburg, Wilhelm ftraße 16. Xaver Kölle, Reichenberger ftraße 36. Kartonarbeitern. Arbeiterinnen! Kartonnieter! In der Kartonfabrik von Ad. Lesser, Krautstraße, find tarifliche Differenzen ausgebrochen. Diese Betriebe sind gesperrt! Stellenangebote. Charlottenburg, Goethestraße 84, I. Kunststopferei von Frau Kolosty, Selbständige Schmiede verlangt für den Regierungsbezirk Magdeburg per 1. Oftober 1906 gesucht. Der Biandleihe, Prinzenstraße 63, Emil Sühne, Kunst- und Bauschlosserei, felbe muß rednerische Befähigung befizen und sämtliche Parteigeschäfte für täglich 8-8, Sonntags bis 2. 1429s Stegliz, Ahornstraße 6. 1631* die zum Regierungsbezirk Magdeburg gehörenden Landkreise erledigen. Patentanwalt Wessel, Gitschiner Tüchtige Hartgummidreher, nur Bewerbungsschreiben mit Angabe über die bisherige Tätigkeit find bis ftraße 94a. 21726* folche, verlangt Cubrystraße 16, Fabrit zum 27. Jnni cr. an den Unterzeichneten zu richten. Platinabfälle, alte Goldsachen, gebäude III. Der Vorsitzende des sozialdemokrat. Bezirksverbandes Magdeburg. Bruchgold, Silber, Gebisse, alte Junge Leute, welche die HartAugust Fabian, Magdeburg, Jakobstr. 49. Uhren, Kehrgold, Brillanten, Berlen, gummidreherei für Elektrotechnik und 281/18 Kinderwagen, Sportwagen, Kinder- sowie sämtliche gold- und silberhaltigen Optit erlernen wollen, tönnen sich Schlosser, bettstellen, gebrauchte, zurückgejezte Abfälle faust Goldschmelze Broh, melden Guvrhstraße 16, Fabrit spottbillig. Schneider, Sturfürsten Wrangelstraße 4. Telephon Amt 4, gebäude III; über 16 Jahre werden selbständige tüchtige Arbeiter, für schweren Geldschrankbau bei dauernder Be- gesperrt. ftraße 172. 132/ 18* bevorzugt. 1636 schäftigung und guten Löhnen verlangt Panzer A.-G., Badstr. 59. 293/8 24/12 Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 1620* 21.766* 6958. Die Juma Aloys Suk, Neander. ftraße 4( Neanderhof) ift für Galanteriearbeiter und Arbeiterinnen wegen Differenzen Die Ortsverwaltung. lt. 140. 23. 2. Snlage des„iforairts" Krlim HoMIntt. Mittlvoch, 20. Juttt 1906. Partei- Hngelegenhelten« Zur Lokalliste! In Adlershof steht das Lokal des Herrn Bläck, Sedanstratze 3, der Arbeiterschaft zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. Die Lokalkommiision. Schöneberg. Heute, Mittwoch, den 20. Juni, abends S'/g Uhr, findet eine öffentliche Versammlung in ObstS Festsälen, Meiningerstraße 8 statt, in welcher der Genosse A. Stürmer über die Gleich- berechtigung der Frauen in Theorie und Praxis sprechen wird. Die Frauen und Männer Schönebergs werden ersncht. in dieser Ver- sammlung recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Die Vertrauensperson. Treptow'Baumschulenweg. Die Parteigenossen werden ersucht, heute abend von 8 Uhr ab sich recht zahlreich in den Bezirkslolalen einzufinden. Alt-Glienicke. Am morgigen Donnerstagabend findet die Mit gliederversammlung des Wahlvereins statt. Außer einem Vortrag des Genossen Rochmann-Berlin über„Sozialismus und Kirche" ist eine reichhaltige Tagesordnung zu erledigen. Es wird deshalb zahlreiches Erscheinen der Genossen erwartet Der Vorstand. Ober-Schönewride. Den Genossen zur Kenntnis, daß heute abend 8'/� Uhr im Krug zum grünen Kranze bei Höflich, Ostende, die Mitgliederversammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins stattfindet. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Düwell über: „Was wir wollen?" Diskussion. Vereinsangelegenheiten. Wir er- warten, daß die Genossen zahlreich die Versammlung besuchen. berliner J�admcbtcn. Frohen Tagen sehen die Delegierten der Fuhrwerksberufsge nossenschaft entgegen, die in der Zeit vom 4. bis 7. Juli nach Berlin kommen und hier die 21. Delegiertcnversamm- lung abhalten werden. Die Fuhrunternehmer Groß-Berlins, die ihren Arbeitern gegenüber sonst recht knauserig siud, wenn es sich um Lobnsragen handelt, wollen sichs ihren Berufs genossen gegenüber etwas kosten lassen. Sie haben für die Beratungen ein Programm aufgestellt, das sie mit vollem Recht ein Festprogramm nennen, denn die festlichen Veranstaltungen nehmen darin den größten Raum ein. Man lese nur: Mittwoch, den 4. Juli, vormittags 10 Uhr: Vorstands- sitzung im Lcmdes-Ausstcllungspark(am Lehrter Bahnhof). Abends 8 Uhr: Empfang der Herren Delegierten, derer Landes-AuSstellungsparks. Zwangloses Zusammensein mit den Berliner Kollegen, deren Damen(und Gästen). Ausgabe der Festzeichen bezw. der Programme(Bekanntgabe weiterer Dis Positionen usw.), Militär-Konzert im Garten. Donnerstag, den S. Juli, vormittags 10 Uhr: Sitzung der Delegierten(im Landes-Ausstellungspark, unterer Saal). Nach Beendigung der Versammlung findet ab 4 Uhr nachmittags eine Galafahrt mit Blume nkorso(in geschlossenem Festzuge) statt.(Für die werten Damen der Herren Delegierten und deren Gäste stehen vormittags ab lOVa Uhr Rundfahrt wagen am Luftgarten— dem Dom gegenüber— zur Verfügung.) Der Festzug setzt sich aus drei Abteilungen zusammen: 1. Abteilung: Vorstandswagen und 39 Delegiertenwagen für die SektionS-Ver- tretungen; 2. Abteilung: JnnungS. und Bannerwagen; 3. Ab- teilung: Verschiedene Wagengattungen, das Berliner Fuhrwesen darstellend. Der Festzug nimmt seinen Weg von der Straße Alt» Moabit nach dem Königsplatz, vorbei an der Siegessäule, durch das Brandenburger Tor, Südseite der Linden bis zum Schloßplatz, vor dem Nationaldenkmal Niederlegung eines Kranzes� Nordseite der Straße Unter den Linden, durch das Brandenburger Tor, nach dem Reichstagsgebäudc bis zum Denk. mal des Fürsten Bismarck, Niederlegung eines Koanzes vor dielem. Blumenkorso auf der Sieges-Allee(zwischen Sieges-Allee und Rolandbrunnen). Fortsetzung des Festzuges durch die Tier- gartenstraße, Hitzigstraße, Kurfürstendamm nach dem Terrassen- Restaurant am Halensee, woselbst im reservierten Teile Konzert und Monstre-Feuerwerk stattfindet. Freitag, den 6. Juli, vormittags 10 Uhr: Fortsetzung der Delegiertenversammlung(im Landes-AusstellungSpark, unterer Saal). Nachmittags 4� Uhr: Gemeinschaftliches Diner der Delegierten sowie der Berliner Kolleg�nschast mit deren Damen und Gästen.(Hierzu sind Karten bei allen Ausschußmitgliedern zu haben.) Nachdem Festessen: Ball.(Arrangements für die verehrten Damen der Herren Delegierten und deren Gäste wie am Vortage.) Sonnabend, den 7. Juli: Aus/ lug per Salon. dampfer um 10 Uhr vormittags mit Musik nach den Havelseen und Potsdam. Jeder Unbefangene, der das Progranim liest, wird sich der Ueberzeugung nicht verschließen können, daß der ernste Teil, weswegen die Delegierten zusammentreten, gänzlich hinter den vielen Festen verschwindet. Damit vergleiche man, in welcher würdigen Weise die Arbeiter ihre Angelegenheiten erledigen. Fast ausschließlich werden auf den Arbeiterkon- gressen ernsthafte Beratungen gepflogen: den Arbeitern ist es lediglich um i h r e S a ch e zu tun. Und wenn die Arbeiter des Ortes, an dem der Arbeiterkongreß tagt, den anwesenden Gästen ihre Gastfreundschaft bezeigen wollen, so geschieht dies in einfacher schlichter Weise und sticht vorteilhaft ab von den „Festprogrammen" der Unternehmertagungen. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan... Wenn ein Arbeiter ein Vierteljahrhundert hindurch gn einer Arbeitsstelle gestanden und„treu und fleißig seine Pflicht getan", wie es in den Jubiläumsreden so schön heißt, so genieren sich manchmal die Arbeitgeber, ihn kurzweg zu entlassen, obgleich sie ihn heimlich oft zum Teufel wünschen und eS„im Geschäftsinteresse" für geboten halten, ihn durch eine jüngere Kraft zu ersetzen. In seltenen Fällen wird ihm eine kleine Pension ausgesetzt, das heißt, nicht etwa aus der Tasche der Arbeitgeber, sondern aus einer PensionSkasse. zu welcher er selbst mit seinen Arbeitskollegen fleißig beisteuern mußte. Manchmal kommt auch ein Herr Regierungsrat daher und überreicht dem Arbcitsjubilar das— allgemeine Ehrenzeichen im Beisein aller Mitarbeiter, denen er als Beispiel zur Nacheiferung empfohlen wird. Gewöhnlich dauert es dann nicht mehr lange und Gevatter Tod holt ihn ab, womit dem Arbeitgeber ein Stein vom Herzen fällt, denn er bekam nach seiner Meinung doch nur das„Gnadenbrot". In einer Anwandlung von Schwäche will mancher gern als humaner Arbeitgeber gelten, aber solchen Luxus gestatten sich nicht viele. In den meisten Fällen herrscht das Prinzip vor. daß alte Arbeiter beizeiten entlassen werden und jüngere an ihre Stelle treten. Schmerzlich empfinden es die Alten, daß sie überflüssig werden, und mit schwerer Sorge blicken sie in die Zukunft, denn für die alten Tage etwas zurückzulegen, dazu reichte der Arbeitslohn nicht aus. Als besonders rücksichtslos muß es aber ein Arbeiter empfinden, der nach seinem LSjährigen Arbeits- jubiläum kurzerhand entlassen wird, nur um ihn los zu sein, weil er dem Arbeitgeber zu alt geworden ist. So erging cS einem Ar- heiter L. bei der Firma R. Schladensky, Schuhartikel und Schäfte- ! fabrik, Krautstraße 50, der am 15. Januar d. I. fein 25jährigeS ( Jubiläum dort gefeiert hatte. In der letzten Zeit wurde ihm nicht ) selten zu verstehen gegeben, daß man ihn nicht mehr brauche, aber er tat. als höre er diese Aufforderungen nicht, machte seine gewohnte Arbeit und gab darin keinen Grund zur Klage. Schließlich wurde dem 55jährigen Mann in grober Weise die Tür gewiesen und er ohne Kündigung kurzweg entlassen. Er ging und klagte beim Ge Werbegericht den Lohn für zwei Wochen ein(er bekam seit letzte Weihnachten 25 M. die Woche), der ihm dann erst ausgezahlt wurde. Daß der so unschön vor die Tür gesetzte Arbeiter sich keiner Schuld bewußt war, geht auch daraus hervor, daß er zuerst darauf rechnete, man würde wieder nach ihm schicken. Er war stets zu verlässig, Küchtern und ruhig und glaubte, daß man nicht so schnell einen guten Ersatz für ihn fände, aber die schwache Hoffnung täuschte ihn und er wurde krank und ist unglücklich.— Das ist ein Beispiel aus vielen. So geht es den Arbeitern, wenn sie alt werden und ihr Leben im Dienste der Unternehmer sich sauer werden ließen. Aber die Kompottschüssel für die Arbeiter ist ja bekanntlich voll, und wenn sie noch mehr verlangen, muß man ihnen energisch entgegentreten". Mit 40 Jahren gilt der Arbeiter in vielen Betrieben schon als verbraucht, und wie er dann weiter kommt/ das ist seine Sache. Vom Unternehmer wird er zum „alten Eisen" geworfen. Verbraucht! Für die Arbeiter mögen aber solche Fälle beweisen, daß sie verlassen sind, wenn sie sich auf ihren Arbeitgeber verlassen. Hier kann nur der Anschluß an die gewerkschaftliche und politische Or- ganisation Besserung bringen, und nur im Kampf mit den Klassen- genossen können bessere Verhältnisse geschaffen werden. Geldschneiderei in der landwirtschaftlichen Ausstellung. Wer eine Ausstellung besucht, weiß, daß er nach jeder Richtung hin gerupft wird. Speisen und Getränke haben in der Regel einen Preis, der den außerhalb der Ausstellung üblichen um ein erklcck- liches übersteigt. Das war auch in der landwirtschaftlichen Aus- stellung nicht anders, denn unsere Agrarier verstehen es aus dem ff, aus allen Blüten Honig zu saugen. Nicht nur, daß sie auf dem Gebiete des Lebensmittelwuchers Meister sind, auch auf anderen Gebieten haben sie zweifellos den Vogel abgeschossen. So werden uns lebhafte Klagen über die Benutzung der Bedürfnis- anstalten in der Ausstellung und der hierfür erhobenen Preise vorgetragen. Die Leidtragenden waren wie immer die Frauen, denen geradezu horrende Preise abgenommen wurden. So hatten Frauen für jedesmalige Inanspruchnahme der Bedürfnisanstalt nach dem in der Anstalt ausgehängten Tarif 20 Pf.» für Mit- benutzung der Waschtoilette sogar 25 Pf. zu entrichten. Auf dies- bezügliche Anfrage erklärte die dort bedienende Reinigungsfrau, daß sie an dem Preis nichts ändern könne, da sie selbst nur an- gestellt sei. Natürlich waren viele Frauen über eine derartige Bewucherung empört und brachten diese Empörung auch unge- schminkt zum Ausdruck. Sollten zum Besuch anwesende kleine Landwirte etwa ihre Frauen mitgebracht haben und diese eben- falls so geschröpft worden sein, so werden sie sicher über die Matz- nahmen der Ausstellungsleitung in ihrer Heimat gewiß keine Lob- lieder singen._ Beim Baden ertrunken ist gestern im Spandauer Schiffahrts- kanal ein etwa 26jähriger, unbekannter Mann, welcher dortselbst, nahe am Jungfcrnsteg, unbefugterweise badete. Beim Betreten des Wassers wurde der Mann anscheinend von einem Schlaganfall betroffen und verschwand sofort in den Fluten. Die Leiche konnte bisher noch nicht gefunden werden. Wer arbeiten will, der findet auch Arbeit! Das sind die Redens- arten unseres satten Bürgertums/ wenn eS bei vollem Tifche sitzt und über Arbeiterfragen kannegießert. Die Hohlheit dieser Spieß- bürgerlogik wird durch folgende Nachricht wieder treffend gekenn- zeichnet: Einen Selb st Mordversuch auf offener Straße verübte in der gestrigen Nacht der 21jährige Möbelpolierer Hermann Semrau aus der Urbanstraße 65. Angeblich wegen andauern- der Arbeitslosigkeit hatte der junge Mensch sich das Leben zu nehmen versucht. Vor dem Grundstück Weichselstratze 31 trank er ein beträchtliches Quantum Schwefelsäure und wurde später von einem Schutzmann bewußtlos aufgefunden und in das städtische Krankenhaus eingeliefert. Sein Zustand ist hoffnungslos. Bezüglich des Nchtuhr-LadenschlusseS erläßt der Polizeipräsident folgende Bekanntmachung: „Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 14. Juli 1S04 bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß nach der auf Grund der§8 2 und 3 der Bundesratsbestimmungen vom 25. Januar 1002 aufgestellten Liste der Antrag auf Verlängerung der Laden- schlutzzeit an den Werktagen, jedoch mit Ausschluß des Sonnabends, für sämtliche im Landespolizeibezirk Berlin, belegenen offenen Ver- kaufsstellen— mit Ausnahme derjenigen für den Verkauf von Lebensmitteln(einschließlich Kolonialwaren), Konfitüren, Zigarren, Lichten, Seifen, Drogen und der offenen Verkaufsstellen der Barbiere und Friseure— von mehr als einem Drittel der beteiligten Ge- schäftsinhaber gestellt worden ist. Ich fordere daher auf Grund des 8 130 k Absatz 2 der Gewerbeordnung hierdurch alle beteiligten Ge- schäftsinhaber auf, ihre Aeußerung für oder gegen die beantragte Einführung der erweiterten Ladenschlußzeit in der Zeit vom Montag, den 25. Juni, bis Sonnabend, den 14. Juli d. I., entweder schriftlich oder mündlich zu Protokoll in den Vormittagsstunden von 8% bis U'/ls Uhr bei deni von mir hierzu bestellten Kommissar, königlichen Polizeidirektor Maurer, Hierselbst, SW. 68, Markgrafenstr. 25 III, abzugeben. Ich bemerke hierbei, daß bei der Feststellung der für die Abänderung der Ladenschlutzzcit erforderlichen Mehrheit von zwei Dritteln nur diejenigen Geschäftsinhaber gezählt werden, welche eine bestimmte Aeußerung für oder gegen die Aenderung innerhalb der vorerwähnten Frist abgegeben haben." Wen» in der obigen Bekanntinachung von der Verlängerung der Ladenschlußzeit die Rede ist, so soll damit gesagt sein, daß es sich darunl handelt, daß der Laden länger geschlossen ist. Es wäre nun durchaus wünschenswert, wenn recht viele Ladeninhaber ihre Er- klärungen im Sinne der Antragsteller einsenden würden, damit wir auch in Berlin endlich zum Achtuhr-Ladenschluß kommen. Aus der Nnglückschronik. Gestern morgen gegen 149 Uhr ver- suchte der 33jährige Arbeiter Julius Tüth, unmittelbar vor einem Straßenbahnzuge der Linie 60(Wcißcnsce— Schöncberg) den Fahrdamm der Prenzlauer Allee, nahe der Fröbclstratzc, zu über- fchreiten. Er wurde niedergestoßen, zur Seite geschleudert und fiel gegen die Bordschwelle der Promcnadcneinfassung. Der Ver- unglückte wurde mit einem komplizierten Schädelbruch nach der Unfallstation des städtischen Asyls für Obdachlose'gebracht, wo er wenige Minuten nach seiner Einlieferung verstarb.— Tic 60jährige Witwe Wilhclmine Beetz, in Tegel wohnhaft, begleitete gestern eine Heuwagcnladung und hatte auf dem Wagen Platz genommen. Als das hochbeladene Gefährt von der Scharn- weberstraße in die Müllerstrahe einbog, verschob sich wohl die Ladung ein wenig, Frau B. glitt ab und stürzte in die Tiefe. Mit gebrochenem Genick blieb die Unglückliche tot auf dem Straßen- Pflaster liegen.— Ein schwerer Auto mobilunfall ereignete sich gestern in der Berlinerstraße in Charlottenburg. Als der Chauffeur Thönies aus der Schulzendorferstraße 25 mit der Automobildrofchke Nr. 3001 in schnellem Tempo nach dem Wilhelmplatz einbiegen wollte, versagte plötzlich die Bremse und das Auto fuhr mit voller Kraft gegen einen den Fahrdamm kreuzenden Straßenbahnwagen der Linie dl. Der Zusammenstoß erfolgte mit solcher Gewalt, daß das Automobil vollständig zertrümmert und der Motorwagen be- schädigt wurde. Th. wurde auf die Straße geschleudert und mußte schwerverletzt in das Krankenhaus Westend gebracht werden. Ein Insasse des Automobils hatte gleichfalls Verletzungen erlsttcy. Großfeuer. FeuerbeiScheringinder Müllerstraße, hieß eS gestern abend gegen 8 Uhr auf allen Feuerwachen und etwa ein Dutzend Löschzüge eilten zur Brandstelle. Glücklicherweise war es nicht in der Fabrik, sondern daneben in der Berliner Maschinen- Treibriemenfabrik von Adolf Schwartz u. Co. Dort stand bei Ankunft der ersten Löschzüge ein zweistöckiges Quergebäude bis oben hin in hellen Flammen. Das Feuer war im Erdgeschoß in einem Fabrikraum ausgekommen, in dem das Leder zugerichtet wird. Große Quantitäten von Talg und Fett, die ebenfalls in diesem Raum lagerten, begünstigten die Aus- dehnung des Feuers ungemein. Die Feuerwehr konnte sowohl vom ersten wie auch vom zweiten Hofe und über Nachbardächer hinweg. von verschiedenen Seiten aus vordringen. Vier Dampfspritzen H waren in Tätigkeit und sandten ungeheure Wassermengen in dtz Glut. Die Gefahr lag nahe, daß das Feuer auf die Scheringsche' Fabrik überspringen würde. Dem umsichtigen Vorgehen der Wehr unter Leitung des Branddirektors Reichel gelang es aber, innerhalb einer Stunde die Hauptgefahr zu beseitigen. Sämtliche Etagen des Qucrgebäudes sind total ausgebrannt. Da in den oberen Etagen große Posten fertiger Waren'(Treib- ricmen usw.) lagerten, so ist der entstandene Schaden ganz er- heblich, lieber die Entstehungsursache des Brandes ist noch nichts Bestimmtes festgestellt. Personen sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen, da das Feuer erst nach Feierabend zum AuS- bruch kam. Einzelne Löschzüge hatten noch bis gegen 10 Uhr Wasser zu geben. Die Aufräumungsarbeiten zogen sich bis in die späten Nachtstunden hin._ Die Unfallstationen wurden auch am gestrigen Tage durch einige Ueberfallene und dabei schwer Verletzte aufgesucht. Der Kellner Adolf B. aus der Rheinsbergerstrahe 23 hatte in dem Restaurant„Zum Versuchsschoppcn" in der Brunnenstraße die Be- kanntschaft eines jungen Mannes gemacht, mit welchem er etwas ausknobelte. Es dauerte nicht lange, so gerieten die beiden neuen Freunde aneinander und als sie gar zu großen Lärm im Lokal verursachten, wurde einer von ihnen hinausgewiesen. B. verließ später das Restaurant und kaum hatte er die Straße betreten, so wurde er von seinem Mitspieler plötzlich überfallen und schwer verletzt. Dem Bedauernswerten wurde der Unterschenkel ge- brachen und außerdem erhebliche Verletzungen am Kopfe zugefügt. Nackdem er auf der Rettungswache in der Kastanienallee die erste Hülfe erhalten, erfolgte seine Ueberführung in das Krankenhaus „Bethanien". Das Opfer eines rohen UeberfalleS wurde gestern der 49jährige Fuhrherr August Wurst aus der Prinzen- allee 28. W. war abends, mit seiner Familie von einem Ausflug kommend, heimgekehrt und da er den Hausschlüssel vergessen hatte, war er mit seinen Angehörigen gezwungen, auf den Nachtwächter zu warten. Währenddes waren drei Rowdies hinzugekommen und verhöhnten und beschimpften W. sowie dessen Frau in der ge- mcinstcn Weise. Als sich der Fuhrherr dies verbat, fielen die rohen Burschen über ihn her und schlugen in der brutalsten Weise mit der Faust und stumpfen Werkzeugen auf ihn loS. Schwerver- letzt wurde W. der Unfallstation XVII zugeführt. Die Täter konnten verhaftet werden. Keine Berbandmittel zur Hand? Schwere Kopfverletzungen erlitt gestern kurz nach der Mittagspause der bei den Asphal- tierungsarbeiten am Vi rchow-K rankenhaus in der Amrumerstraße beschäftigte Arbeiter Otto Hennig. Als derselbe mit zwei schweren Teer enthaltenden Eimern den glatten Fußboden überschritt, glitt er aus und kam so unglücklich zu Fall, daß er mit dem Kopfe auf einen der Eimer hart aufschlug und blutüberströmt liegen blieb. Mittels Droschke wurde der Schwerverletzte nach der Unfallstation in der Lynarstraße transportiert. Ein Notverband konnte dem Verunglückten auf der Unfallstelle nicht angelegt werden, da die erforderlichen Berbandmittel nach Schilderung anderer dort an- gestellter Arbeiter nicht zugänglich gewesen sein sollen. Das wäre allerdings eine musterhafte Einrichtung, die auf Arbeiterfür- sorge schließen ließe, auf einer Stelle, wo im Laufe der langen Zeit des Riesenbaues eine ganze Reihe von Unfällen vorgekommen sind. Gegenwärtig werden am Virchow-Krankenhaus noch zirka 2000 Arbeiter beschäftigt. Gesperrt. Der Große Weg zwischen Fasanerieallee und Char- lottenburgcr Chaussee wird behufs UmPflasterung vom 2. k. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Im Carl Weiß-Theater findet am Mittwoch, den 20. d. M., die 25. Aufführung des Schauspiels„Der Weg des Märtyrers" statt. Donnerstag, den 21. d. M., geht die moderne Familien» tragödie„Sündige Liebe", von Horst Rolf, erstmalig in Szene.. Arbeiterbildungsschule Berlin. Sonntag, den 24. Juni 1906: Ausflug nach Tegel-Jörsfelde. Treffpunkt 9 bis 10 Uhr in der Waldfchänke zu Tegel, vis-a-vis Schloßrestaurant. Von IL Uhr ab im Kurgarten zu Jörsfelde(Inhaber: Gumlich)... Fahr- Verbindung: Straßenbahn Schlefischer Bahnhof— Tegel, Charlotten, stratze— Tegel; Stettiner Bahnhof— Tegel. Zahlreiche löerckllcmug der Mitglieder und Gäste erwünscht.'* trar Bfiud-.'- 1 Vorort- JVachnchtcn. Tchöneberg. In der Stadtverordnetenversammlung gab es am Montag wieder einmal eine Stadtarzt-Debatte. die diesmal den Befür- wortern des Stadtarztes einen Erfolg beachte. Der Magistrat hatte der Versammlung eine Vorlage detreffend den Bau einer Lungenheil statte unterbreitet, die aber von der Stadt Schöneberg nicht selbst errichtet, sondern dem Verein zur Be- kämpfung der Tuberkulose übertragen werden soll. Die von der Stadtverordnetenversammlung vor längerer Zeit anläßlich der be- kannten Silberhochzeitsfeier bewilligten 100 000 Mark werden dem Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose zur Verfügung gestellt, wogegen dieser Verein sich verpflichtet, zu den Baukosten 15 000 Mark beizusteuern und ein passendes Grundstück in der Größe von 80 Morgen zur Verfügung zu stellen. Nach der Vorlage ist die Heilstätte für erwachsene Tuberkulöse, die sich schon im vor» geschrittenen Stadium der Krankheit befinden, gedacht und es sind zunächst 35 Betten vorgesehen. Der Verpflegungssatz soll höchstens 2,80 Mark betragen und wird die Verpflegung und Verwaltung nach den in diesen Heilstätten üblichen Grundsätzen eingerichtet. In der Begründung dieser Vorlage wurde seitens des Magistrats aus- geführt, daß, wenn Schöneberg den Bau einer Heilstätte selbst in die Hand nehmen wollte, die von der Stadtverordnetenversammlung bewilligte Summe mindestens verdoppelt werden müßte. Der Stadt wird jedoch das Aufsichtsrccht eingeräumt und ist in der Lage, jederzeit die An st alt ohne Entschädigung als städtisches Eigentum zu übernehmen. Der Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose berlangt dann noch, daß sich die Stadt Schöneberg verpflichtet, die Anstellung und Besoldung des ärztlichen Leiters zu übernehmen, dem auch die Leitung der sonstigen von dem Verein ins Leben gerufenen Tuberkulose- einrichtungen, insbesondere der Fürsorgestellen zu übertragen ist. — Stadtv. Dr. Marrwitz beantragte, dem ärztlichen Leiter auch die weiteren Aufgaben der Wohlfahrtspflege, vor allem die Säuglings- fürsorgc, zu übertragen, um so diese Stelle mit dem zu schaffenden Stadtarzt in Einklang zu bringen. Auf sozialdemokratischer Seite trat man lebhaft für die Magistratsvorlage ein und empfahl die Annahme des Dr. Marrwitzschcn Antrages. Auch ein Mitglied der Hausbcsitzerfraktion erklärte, daß die von sozialdemokratischer Seite Vor einiger Zeit gegebenen Zahlen über die Tuberkulosesterblichkeit � tt®d53neBera ,hn gu der Ueberzeugu�g gebracht hätten, daß Schoneberg zur Bekämpfung dieser Sterblichkeit mehr wie bisher tun müsse. Nach einem fruchtlosen Versuch des Vorstehers, den Stadw. Dr. Marrwitz zur Zurücknahme seines Zusatzantrages zu bewegen, gelangte dann die Magistratsvorlage sowohl wie der ge- nannte Antrag ohne Ausschußberatung zur Annahme. Zum weiteren Ausbau des Nieselfeldes werden sodann 65 OVO Mark bewilligt. Die Vorlage betreffend den Neubau einer G e» meindedoppelschule am Tempelhofer Weg wurde zunächst einem Ausschuß zur Vorberatung überwiesen. Eine längere Geschäftsordnungsdebatte schloß sich darauf an den von den sozialdemokratischen und liberalen Stadtverordneten gestellten Antrag:„Mit Rücksicht darauf, daß die Beschlutzfähigkeit des mit Erledigung einer sehr wichtigen und dringlichen Vorlage beauftragten Etatsausschusses sehr leicht dadurch in Frage gestellt werden kann, daß einzelne Mitglieder dieses Ausschusses verreist, andere erkrankt sind und einzelne durch Sommerausflüge abgehalten »r'rden können, beantragen wir, in den Etatsausschuß 5 Erfatz- Mitglieder zu wählen."— Der Antrag kam dadurch zu Fall, daß d, r Dringlichkeit seitens eines Mitgliedes der Hausbesitzerfraktion widersprochen wurde. In scharfen Worten verurteilten nunmehr die Antragsteller das Verhalten der Hausbesitzerfraktion, die auch jetzt wieder zu beabsichtigen scheine, durch Fernbleiben ihrer Mit- glieder die Verhandlungen des EtatsauSschuffes beschlußunfähig zu machen und so den Nachtragsetat bis nach den Ferien zu verschieben Die Herren suchten sich gegen diese Angriffe zu wehren, indem sie allerhand Gründe für ihr Fernbleiben ins Feld führten. Eine von dem Vorsteher an die einzelnen Mitglieder des Ausschusses gerichtete Anfrage, ob sie in den nächsten Sitzungen erscheinen würden, ergab, daß auch an die Beschlußfähigkeit dieser Sitzungen sehr gezweifelt werden kann. Geradezu fabelhaft sind mtwnter in den Berliner Vororten die Grnndstückspreise in letzter Zeit in die Höhe gegangen. So haben namentlich in den nördlichen Bororten Grundstücke, die noch im Frühjahr für KV OOO— 70 009 M. gekauft worden sind, jetzt, also wenige Monate später, mit einem Gewinn von 30 000 Mark abermals ihren Besitzer gewechselt. Dieser ansehnliche Mehrertrag ist den Speku» lanten zugefallen, ohne auch nur das geringste dafür geleistet zu haben. Und da wagt man noch öffentlich dieses Parasitentum vor der Wertzuwachssteuer zu beschützen! Rixdorf. Bei einem Fahrraddiebstahl ist der„Artist" Richard Schulz in Rixdorf von seinem Schicksal ereilt worden. Sch. hatte in der Ring- bahnstraße dem Kaufmannslehrling Wilhelm Stoof ein wertvolles Fahrrad gestohlen und wurde gestern in einem Bierlokal von einem Kriminalbeamten verhaftet. Wahrscheinlich hat Sch. auch noch andere Fahrraddiebstähle auf dem Kerbholz. Friedenau. Ein KiudeSmord ist gestern auf freiem Felde zwischen Friedenau und Steglitz entdeckt worden. In der Nähe der Metzschen Baum- schule fanden Spaziergänger in einem Kornfelde eine KindeSleiche, die in ZeitungSpapier eingewickelt war. Der Tod des Kleinen ist gewaltsam durch Erwürgen herbeigeführt worden. Die Mutter konnte noch nicht ermittelt werden. Stralau- Rummelsburg. Zwischen de» Eisenbahnschienen des Bahnhofs Stralan-Rummels- bürg wurde gestern nacht der 23jährige Maler Karl H. mit einer schweren Schädelverletzung aufgefunden. Vermutlich ist der Maler bei dem Versuche, einen in der Fahrt befindlichen Stadtbahnzug zu verlassen, gefallen und mit dem Kopf auf eine Schienenkante ge- schlagen. Er wurde bald darauf von einem Bahnwärter auf- gefunden, der die Ueberführung des Verunglückten nach dem Rummelsburger Krankenhause veranlaßte. Lichtenberg. Den Mitglieder» de? hiesige«„Bildungsvereins für Frauen und Mädchen" hiermit zur Nachricht, daß das Mitglied Frau Sander am Montag, den 13. Juni verstorben ist. Näheres siehe heutiges Inserat. Der Vorstand. Friedrichshagen. Beim Baden in der Oberspree ertrunken ist gestern in der Mittagspause der Arbeiter Schellhas. Er arbeitete mit mehreren Kollegen in der Gartenvilla in der Waldowstr. 1 und wollte ein abkühlendes Bad nehmen. Am Saum des ParkeS, wo die Spree aus dem Müggelsee fließt, sank Sch. plötzlich lautlos bor den Augen der Zuschauer in die Tiefe, ohne wieder an die Oberfläche zu ge- langen. Durch Abfischen der Unfallstelle konnte nur noch die Leiche geborgen werden. Pankow. '' Das Prügeln in den vemeindeschulen nimmt trotz der öffent- lichen Kritik kein Ende. In der 4. Gemeindeschule wurde im vorigen Jahre die 10 Jahre alte Else Nitsche von Berlin nach Pankow eingeschult. Der Rektor der Berliner Gemeindeschule be- fchtinchte, daß dieselbe schwachsinnig sei und eigentlich in eine besondere,.für zurückgebliebene Kinder eingerichtete Klasse gehöre. De�PtpiHmwr Rektor Blaffe nahm hiervon Kenntnis, das Kind wurde: in der sechsten Klasse untergebracht, wo es eine wahre Leidcntzeil durchmachen mußte. Trotzdem der Rektor selbst in einer Unterredung Mit der Mutter betonte, daß Schläge nichts helfen, ist das Kind von der Klassenlehrerin Fräulein Tolksdorf wiederholt lautet folgendermaßen:„Objektiv finde �ich am Kopfe an beiden Schläfen Kindes anscheinend die Mutter erzählt, soll _W» mangelhafter Leistungen in der Schule erfolgt sein.' Da das Kind in der geistigen Entwickelung zurückgeblieben ist. so halte ich eine körperliche Züch- tigung überhaupt nicht am Platze." Als die Mutter mit diesem Attest zu dem Rektor kam. sagt- derselbe:„So schlimm wird eS wohl nicht sein, wenn sie klagen wollen, so machen sie sich nur Unkosten." — Pankow ist stolz darauf, einen Schularzt zu haben, welcher cS sich besonders angelegen sein läßt, die Einrichtungen in hygienischer Beziehung zu verbessern und auch die Kinder in gesundheitlicher tinsicht zu überwachen. Sollte er die geistige Minderwertigkeit des indes nicht gemerkt und diesbezügliche Dispositionen getroffen haben? oder sind die Prügel als Heilmittel in den Pankower Schulen approbiert l Genebte- Zeitung» Kritik der Martinfchen Broschüre. Die verdienstvolle Broschüre, in der der Regierungsrat Rudolf Martin die mißliche Finanzlage Rußlands bespricht, bildete den Ausgangspunkt einer PrivatbcleidigungSklage, welche am Montag vordem königlichen Schöffengericht Abteilung 21 zu Charlotten- bürg unter Borsitz des Amtsrichters Schlichting verhandelt wurde. Angeklagt war der Redakteur Georg Bernhard. PrivatNäger der Regierungsrat Martin. Der Anklage lag ein Artikel in Nummer 35 vom 2. September vorigen Jahres der Zeitschrift„PUttuS" zugrunde, der sich mit dem Martinschen Buch beschäftigt. ES heißt da„Machst du aber den Kommis durch Aeußerungen deS Zweifels ganz wild, so tischt« dir sich» die schon manch anderem angehängte Anekdote auf— der Herr Re- gierungSrat habe sich neulich, als er seine Tischdame bei der Suppe fragte, ob sie noch Geschwister habe, zur Antwort sagen lassen müssen:„Ja bei uns geht es in fünf Teile." Im weiteren Teil des gewiesen. Artikels daß der wird ziemlich deutlich daraus hin Regierungsrat Martin wahrscheinlich nur nach Geld heiraten wolle, und nun„einen echt getauften Regierungsrat im Tiergarten gern als Freier sähe I" Regierungsrat Martin stellte Strasantrag wegen dieses im April IVOS wiederholten Artikels. Der Angeklagte bestritt die Absicht der Beleidigung, denn daS Heiraten nach Geld sei nichts Ehren- kränkendes, den Beweis der Wahrheit für seine Behauptung wolle er aber zunächst in dieser Instanz nicht führen. Seine Arbeit sei eine wissenschaftliche und stehe ihm der§ 193, Wahrung berechtigter Interessen zur Seite. Er nehme als erster für sich in Anspruch, auf den StaatSbankerott Rußlands hingewiesen zu haben, Regierungsrat Marttn sei nur zu diesem Prozeß veranlaßt worden, weil er den geringen literarischen Wert des Buches nachgewiesen habe, durch welches er auch den Unwillen des Reichskanzlers wie des Kaisers erregt habe. Der Vertreter des Klägers führte aus, daß der Angeklagte das Recht der Presie gemißbraucht und persönliche mit sachlichen Motiven vermischt habe, um für sein Blättchen Sensation zu machen und sich dadurch auf Kosten anderer die Taschen zu füllen. Ein Mann in der Stellung des Privatklägers müsse gegen den Vorwurf, als sei sein höchstes Ziel eine Geldheirat im Tiergartenviertel, der noch mit anderen verletzenden Sätzen verstärkt worden, durch eine empfindliche Be- strafung des Angeklagten geschützt werden. Das Gericht schloß sich den letzteren Ausführungen an. Der Presse stehe, so führte der Vorsitzende auS, das Recht zu, berechtigte Interessen zu wahren, aber hiervon könne im vorliegenden Falle keine Rede sein, denn es seien persönliche verletzende Momente in dem Artikel, die als tadelnde Urteile über wissenschaftliche, künstlerische oder gewerbliche Leistungen nicht aufgefaßt werden können. Wer gegen jemand den Vorwurf erhebt, daß er, ohne aus Bildung, Liebe, Zuneigung oder Herzens- bildung zu sehen, nur einer Geldheirat nawjagt. der muß sich mit Recht schwer beleidigt fühlen, umsomehr. wenn dies öffentlich durch Verbreitung einer vielgelesenen Zeilschrift geschieht. Demzufolge wgr der Angeklagte mit dem schwereren Z 186 des St.-G.-B. zu bestrafen. Es erfolgte daher feine Verurteilung z u 14 Tagen Gefängnis. Tragung der Kosten; gleichzeitig wurde die Veröffentlichung des Urteils in der Zeitschrift„Plutus" und im„Berliner Lokal-Anzeiger", sowie die Unbrauchbarmachung der Druckschrift und Platten, die diesen Teil behandeln, angeordnet. Der Buchhandel und die Warenhäuser. Die Frage, ob Bücher unter dem vom Verleger festgesetzten Ladenpreise verkauft werden dürfen, stand am!0. Mai vor dem ersten Strafsenat des RcichsgerickitS zur Entscheidung. Die Ver- kündung des Urteils wurde damals ausgesetzt. Am 13. Juni kam die Sache abermals zur Verhandlung vor dem ersten Strafsenat, Der Sachverhalt war der folgende. Das Warenhaus S ch m o l l e r in F r a n k f u r t a. Dl. hatte zwei Werke aus dem Verlage der „Union" in S t u t t g a r t mit 10 Proz. Rabatt verkauft, einem Rabatt, den kein Buchhändler gewahren darf, wenn er nicht Gefahr laufen will, aus der buckihändlerischen Organisation ausgeschlossen zu werden. DaS Warenhaus hatte diese Werke nicht direkt vom Verlage, sondern auf Schleichwegen bezogen. Auf die Strafanzeige der„Union" hin hatte das Landgericht Frankfurt a. M. am 20. März d. I. den Kaufmann Hermann S ch m o l l e r wegen Verletzung des Urheberrechtes zu 100 M. Geldstrafe und den Kausinann Aron Schmoller wegen Beihülfe dazu zu 20 M. Geldstrafe verurteilt. In den UrteilSgründcn hieß es: Eine Verletzung des Urheberrechtes ist auch möglich, ohne daß ein Nachdruck erfolgt. Der Urheberehand bei enen ein Zwang ganz ausgeschloffen war. Den Schutz des ß 193 hat da» Gericht den Angeklagten versagt. DaS Blatt gehe über« Haupt darauf auS, an allen öffentlichen Angelegenheiten Kritik zu üben(-- 1); R. habe auch nur aus Sensationslust den Artikel verfaßt.— Diese Art der Begründung ging selbst dem Reichsgericht zu weit. Auf die R e V i s i o n der Angeklagten hob das Reichs- gericht am Dienstag das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht Köln: Es sei keine Feststellung getroffen, daß eS sich in dem Artikel lediglich um Beleid, gung und Sensationslust handle. Begnadigung. Der Prinzregent von Bayern hat daS Raubmörder- ehepaar SchelhaaS. welches wegen Ermordung des Rentners Cramm zum Tode verurteilt war. zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt._ Verband deutscher GaftwtrtSaehülfe«. OrtSverwalwng Berlin. Mittwoch, den 20. Juni, nacht« 12 Uhr: Oeffentliche Versammlung aller Angestellten sin Gastwirtsgewerbe in der Victoria- Brauerei, Lützow- slratze 111/112. Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den modernen Groß- betrieben von Berlin V.(Zoologischer Garten, Botanischer Garten usw.). Diskussion. Rcserent: Kollege R. ZelSkc-Bcrltn. Lese- und Tiskutirrklub„Emil Rokenow". Sitzung heute, Mit. woch, bei Kowalzik, Dalldorserstr. S: Vortrag de» Genossen Kosiol: .Materialistische Geschichtsauffassung". Gäste willkommen. Lese- und Diskuttertlub„Süd> Ost". Heute abend 8'/, Uhr bei Tolksdors, Görlitzerstt. 58: Experimentaler Vortrag über:„glüsstge Lust". Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub„Mehr Licht«. Mittwoch, den 20. Juni, abends 8'/, Uhr im Lokale von Knapp, Grün- thalerstraß« S: Sttzung._TagiZordnnng: Vortrag und DiSiussion. Gäste willkommen. Lese- und DiSkutierklnb„Heinrich Heine". Sitzung: Mittwoch, abends 8'/, Uhr, im Lolal Bolze, Rodenbergstr. 8. VennilcKtes. Ein schweres Bauunglück hat sich gestern in Hamburg zu« getragen. Bei einem Neubau in der Eiffestraße brach die Beton« decke der fünften Etage gleichzeitig an mehreren Stellen zusammen und stürzte auf die nächste Etage; infolgedessen stürzte der Neubau ein. Bis jetzt sind fünf Tote, vier Schwerverletzte und einige Leicht- verletzte geborgen. Es sollen noch drei Mann unter den Trümmern begraben sein. Drei Züge der Feuerwehr sind an der Baustelle tätig. Arbeiter um, die im zweiten Stockwerk schliefen; einem vierten Arbeiter gelang es, ins Freie zu kommen, er erlitt aber so schwere Brandwunden, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Man nimmt an, daß die Ursache des Brandes eine von den Arbeitern weggeworfene brennende Zigarre war. Ueter neue Unwetter in Westdeutschland, wo volkenbruchartige Regen und Hagel großen Schaden gestiftet haben, liegen folgende Nachrichten vor:.. München- Gladbach, 19. Juni. Gestern ist hier em wölken- bruchartiger Regen niedergegangen, der einen noch nicht übersehbaren Schaden angerichtet hat. Die Straßen standen ein Meter hoch unter Wasser. Die eindringenden Wassermengen löschten in mehreren Fabriken die Kesselfeuerung aus.— Trier, 19. Juni. In Dillingen a. d. S. ging ein fürchterliches einstündigeS Hagelwetter nieder. Feld- und Baumfrüchte sind bis auf den letzten Halm zer- schlagen. Auch aus dem Moseltal laufen Unwetternachrichten ein. Im Moselweinort Zelttngen richtete daS Wetter schweren Schaden an. Der Bahndamm wurde überschwemmt. In Uerzig erschlug der Blitz den Feldhüter Steilen.— K ö l n. 19. Juni. Das am gestrigen Nachmittag sowie in den Abendstunden über dem Mittel- und Nieder- rhein herniedergegangene Gewitter hat strichweise großen Schaden angerichtet. Unzählige Fernsprechleitungen sind zerstört, auch in einzelnen Weinbergen hat daS Unwetter Spuren der Verwüstung zurückgelassen. In Köln schlug ein Blitzstrahl in eine mit Passanten besetzte Wirtschaft. Die Hausbewohner und Gäste blieben glücklicher- weise unversehrt. Bei der Hochwasserkatastrophe im Sazawag-Gediet sind 37 Wohn« gebäude, eine große Anzahl Wirtschaftsgebäude und mehrere Mühlen zerstört worden, ebenso sind bei neun großen Fischteichen die Dämme zerstört worden. Das Fischmaterial ist fortgeschwemmt. Auch die Parkanlagen deS Konopischter Schlosses des Erzherzog? Franz Ferdinand sind durch einen Dammbruch überschwemmt und schwer beschädigt. Der Schaden zählt nach Hunderttausend«:. 16 Personen, meist Frauen und Kinder, sind ertrunken. In einem Stcinbruchbctrirbe bei Trezzo sull'Adda wurden, wie auS Madrid gemeldet wird, beim Transport eines SteinblockeS durch Abgleite» desselben vier Arbeiter getötet und sechs verletzt. ßritfkaften der Redaktion. Die juriftischc Sprechstunde findet wochentäglich von 7'lt bis O'h Uhr abends statt. Geöffnet? Uhr. Eonnabends beginnt die Eprechftnnde um V Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl alS ivlertjeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Gericht A. W. 8. Wenn der Inhalt Ihres uns nicht bekannten Vertrage« dem nicht widerspricht, so sind Sie berechtigt, vollen Schadenersatz zu verlangen, mäsjig ist der Besuch beider.— A. SU.»8. Site muglen die v iW. ja — Drei sächsische Streithänsc. 1. Nochmalige Eingabe ist ersoroerlich. 2. Ehebruch ist ftrasbar, wenn wegen deS Ehebruchs die Ehe geschieden wird und wenn s e r n e r der beleidigte Ehegatte Strasantrag stellt.— St. H. P. 50. Nach dem Gesetz wäre eine Bestralung unzulässig, anders sieht es in der Praxis aus.— H. 28. 1. Der Vergleich über Alimente eines außerehelichen Kindes ist nur gültig, wenn der Vormund und das VormundschastSgertcht zugestimmt haben. DaS Mädchen kann also Nagen.» 2. Nein. 3. Trotz notarieller Form ist der Bertrag soweit an sechtbar, al» er etwa zur Benachteiligung des Gläubigers unternommen ist- Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion. Rindfleisch la 64—68 pr. 100 Psund, IIa 84—84, nia 50—58, IVa 44—50, engl. Bullen- 0,00, dän. Bullen« 0,00, Holl. Bullen. 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 105—120, I» 85—90, IIa 70—80, lila 60—68. Hammelfleisch la 70—75, IIa 62—68. Schweinefleisch 62—68. Kaninchen per Stück 0,00. Hühner, alte, Stück 1,50—2,25, junge, per Stück 0,50—1,20. Tauben, junge 0,34—0,51, alte 0,25. Enten, prima, per Stück 1,80—2,00, Hamburger, junge, per Stück 2,00—3,25. Gänse, junge, per Psd. 0,60—0,65, per Stück 2,80 bis 4,50. Hechte 77—102. Schleie 78—108. Bleie 0,00. Male, groß 185, mittel 113—119, 5"'"~-------~ Flundern, pomm. I, Kiste 2-4, Nein 0,00, unsort. 77—100. Plötzen 0,00. p. Schock 3,00—8,00. Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel per do. Nein, per Kiste 0.00. Bücklinge, Holl, per Wall 0,00. Kieler 2,00—5,00, Stralsunder 5-6. Aale, groß p. Psd. 1,10—1,30, mittel 0.80—1,00, kl. 0,50 bis 0,60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 0,00, Elb- per Kiste 0,00. Sardellen, l 902er, per Anker 82,00, 1904er 80,00, ItWSer 00,00. Schottische Vollhcrtnge 1903 0,00, largo 40—44, lull. 36—38, med. 35—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Mastes, per To. 60—120. Hummern, IIa, 100 Psd. 0,00. Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 0,00, Netne 0,00, unsortiert 6,00—9,00. Eier, Land-, per Schock 3,30, frische 4,00. Butter per 100 Psund. la 109—112, IIa 106—109, INa 104-105, ab. fallende 100—102. Saure Gurken, Schock 3,75—4,25, Pseffergurken 4—4,25 M. Kartoffeln per 100 Psd. magn. bon. 2,40—2,60, rote Dabcrsche 2,25—2,40, runde wetße 1,60—2,40, Malta 0,00, Sommer-Malta 10,00—11,50, ttal. che», pe WWW Salat, per Schock 0,75—1,25. Spargel I, per Psd. 0,17—0,25," II 0,10 616 0,17, in 0,02-0,08, Beelitzer I 0,25-0,35, II 0,10-0,20, III 0,05-0,10, Bruchspargel 0,00. Bohnen(grüne), per 100 Psd. 70—100. Schoten. hiesige, per 100 Psd. 21—26. Psesserlinge per Psd. 0,25—0,30. Mohrrüben per schock-Bd. 2,50—3,50. Blumenkobl per Kops 0,30. Wirsingkohl per Mandel 1,60—2,50. Steinpilze per Psd. 0,33. Teltower Rüben per Psd. 0,22-0,25. Stachelbeeren 100 Psd. 10-12. Kirschen, ttal.. 100 Psd. 30-36, Gubener 16—24, Werdersche 18—32, schlesische 11—39, Natten, Werderscho 40—50. Blaubeeren per Psd. 0,28—0,30. Erdbeeren, Holl, per 100 Psd. 30—40, sranz. per Psd. 0,35—0,40, Beelitzer per Psd. 0.25—0,40, Werdersche per Psd. 0,25-0,40, Dresdener per Psd. 0,40—60, Dresd. Wald per Psd. 0,60—0,70, hiesige Wald- per Psd. 0,40—0,70. Pflaumen, ttal runde, per Psd. 0,10-0,11. Zitronen, Messtna, 800 Stück 12,00—13.00, 360 Stück t 0,00-12.00, 200 Stück 7.00-12.00. 420 Stück, klein 7,00. Weintrauben, Brüsseler, per 100 Psd. 60-100. «itterungSüberflcht vom IS. Juni ISO«, morgens 8 Ilh». Swwemde. Hamburg Berlin Franffa.M. München Wien 766 NNO 766 SO 766 Sttll 765 N 764 W: 764 N 2 heiter 2 Dunst Ivolkenl 3wolkig 2 halb bd. 1 heiter aranba 7S3N eterSburg 762 NW Sctllh Slberdeen Parts 769 S 768 SSW 763 NNO 4 wolkig 1 halb bd. 1 halb bd. 1, wolkig 2 wollen! Wcttcr.Proguosc für Mittwoch, den SO. Juni 1006. Vorwiegend Heller, trocken und noch ein wenig wärmer bei schwachen nordöstlichen Winden. Berliner Detterborea». LSafferftand am 18. Juni. Slbe bei Aussig-j- 0,74 Meter, be? Dresden— 0,57 Meter, bei Magdeburg+ 1,70 Meter.— U u st r u t be| Straußsurt+ 1,60 Meter.— Oder bei Ratibor+ 2,78 Meter, be BteSlau Oberpegel-p 5,48 Meter, bei Breslau Unterpegel— 1,24 Meter' bei Fransturt+ 2,61 Meter.— Weichsel bei Brahemündt-st 4,90 Meter — Warthe bei Posen-st 1,09 Meter. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feine: lei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 20. Juni. Anfang 7, Uhr: Neues Operntheater. Die Fledermaus. Deutsches. Ein Sommernachtstraum. Nachm. 3 Uhr: Minna von Barnbelm. Neues. Drpheus in der Unterwelt. Berliner. Sappho. Anfang 8 Uhr: Leffing. Die lustige Wittwe. Schiller 0.( Wallner Theater.) Mortiz- Oper: Rigoletto. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches- Theater). Heiratsluftig. Kleines. Ein idealer Gatte. Komische Oper. zählungen. Zentral. Nanon. Hoffmanns ErLustspielhaus. Das Fest der Handmerler. Borher: Die Verlobung bei der Laterne. Thalia. Hochparterre links. Metropol. Auf ins Metropol. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Morwitz Oper. Mittwoch, abends 8 Uhr: Rigoletto.( Herzog und Narr.) Oper in 4 Atten von Verdi. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Trompeter von Säkkingen. Freitag, abends 8 Uhr: Mittwoch, abends 8 Uhr: Heiratslustig. Schwank in drei Akten von Maurice Champagne. Donnerstag, abends8Uhr: Heiratslustig. Freitag, abends 8 Uhr: Heiratslustig. Martha, oder: Der Markt zu Richmond. Im Garten tägl. gr. Militär- Konzert. Vereinigung der Maler, Lackierer, Anstreicher. Melchiorstraße 28. Filiale Berlin. Fernspr. Amt 4. Nr. 4787. Donnerstag, den 21. Juni, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus", Engel- Ufer 15: " Versammlung. Schweizer Garten. odBartz bes Genoffen Ju Am Königstor- Am Friedrichshain 29/32. Täglich: Zages Drdnung: Bortrag des Genoffen Julius Kaliski. Distuffton. Vereinsangelegenheiten. Bezirk Osten. Theater- Vorstellung, Spezialitäten und Ball. Montag, den 25. Juni, abends 8%, Uhr, im Lokale„ Königsbank", Gr. Frankfurterstr. 117: Bezirks- Verfammlung. Bum Schluß: Elternlos. neds Diez' Spezialitäten- Theater. 125/18 Landsberger Allee 76/79( Ringbahustation). Ob schön! Im herrlichen Garten oder Saal: Ob Regen! neue Spezialitäten Apollo. Das blaue Bild. Spesia Täglich: Gr. Konzert, litäten. Carl Weiß. Der Weg des Mär tyrers. Wintergarten. Tortajada. Spezialit. Baffage. Billy Brager. Spezialit. Neichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuv. Sternwarte, Juvalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Gastspiel Maria Pospischil. " Sappho". Trauerspiel in 5 Aufz. v. Grillparzer. Anfang 8 Uhr. Donnerstag: Donna Diana. Freitag: Fedora. Anf. 74, Uhr. Neues Theater. Anfang 7, Uhr. Orpheus in der Unterwelt. Kleines Theater. Ein idealer Gatte. Anfang 8 Uhr: Donnerstag u. folgende Tage: Ein idealer Gatte. Neues kgl. Operntheater ( Kroll). Anfang 7, Uhr. Mittwoch, den 20. Juni: Die Fledermaus. Donnerstag: Gastsp. d'Andrade, Lilli Lehmann u. Bella Alten: Don Juan. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und Invalidendank. Komische Oper. Sommerspielzeit 1906. und Ball. Das größte und befte Programm Berlins. u. a.: La Matschiche! merikanischer Tanz, ausgeführt vom besten Tanzduett Jeanette und Vallis. Robert und Bertram, das berühmte Grotest- Duett. Josefine Delcliseur, das weibliche Unikum. Die Wunder der Turnkunft: The tree Burtons und The Elrados, tomische Reckturner. Kaffeeküche. Volksbelustigungen aller Art. Anfang 4 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf., Sonntags 30 Pf. Avis! Bom 1. bis 16 Löwen beste Gruppe der Welt im Bombs bie größte Sensation und 30. Juli: Salon des Löwenbändigers. Max Kliems Sommer- Theater. Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Spezialitätenvorstellung Jeden Montag: Sommerfelt.- Jeden Mittwoch: die beliebten Kinderfeste.- Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Schwarzer Friedrichsberg. Fernsprecher Nr. 8. Adler Frankfurter Chaussee 5. Restaurant und Festsäle. Jeden Mittwoch: 12382* Humoristische Soiree der Willy Walde- Sänger. aber Familien- Kränzehen. x Bons haben Jeben Sonntag: Spezialitäten- Vorstellung. Borstellung: Im Saale: Großer Ball. Gültigkeit. Gebr. Arnhold. Avis: Morgen, Donnerstag: Gr. Militär- Konzert der gesamten Kapelle der Sehwedter Dragoner. Urania Taubenstr. 48/49. Täglich abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. Sommerpreise. ( Reine Vorverkaufsgebühr.) Anfang 8 Uhr. Zentral- Theater. ( Dperette.) 8 Uhr( halbe Preise!): Nanon. Operette in drei Atten mit Mia Werber u. Ostar Braun. Lustspielhaus. Täglich 8 Uhr: Das Fest der Handwerker. Vorher: Die Verlobung bei der Laterne. Apollo- Theater. MiB Carma, Transformat. Tänzerin. Duo Paulus, holländisches Duett. Sternwarte invalidenstr.57/ 62. Z OOLOCISCHER CARTEN WINDED BARTEN 765 Heute nachmittag 4 Uhr: Das neue glänzende Großes Militär- Konzert. Eintritt 1 M., b. 6 Uhr ab 50 f. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Zum 25. und letzten Male: Humpsti- Bumsti, per Weg des Märtyrers. Erzentr. Kreation v. Recé und Privost. Anf. 8 Uhr. Morgen 3. 1. Male: Das blaue Bild b. Paul Lincke. La Matschiche. Solo: Annette Savary. Sündige Liebe. Ein Abend in einem ameri- Familientragödie in 4 Atten v. H. Rolf. Anf. Uhr. faniſchen Tingel- Tangel. Spezialitäten- Vorstellun 5 ur. Metropol- Theater W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brummenftr. 16. Anfang 8 Uhr. ! Auf- in's Metropol! Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen überall gestattet. Wenn schön: im Garten! Wenn Regen: im Saal! Arme Reiche. Rebensb. m. Gef. b. Otto Leibold. Revés mysteriöse Liliputaner und andere erstklassige Spezialitäten. Anfang 6 Uhr. Entree 30 Bf. Bernhard Rose- Theater Passage- Theater. Gesundbrunnen, Badstraße 58. Täglich: Das erstklassige Juni- Programm. Paul Coradini Nelly and Theo Alker. Japaner- Troupe Naniva. Rivoli, der beste Mimiter. The Wallenos, Jongleure. C. H. Francis, Balancing Act. Außerdem: Die Gauklerin. Anf. 4 Uhr. Entree 30, num. ẞI. 50 Pf. Billeft- Borverkauf von 10 Uhr ab. Anfang 8 Uhr. Das glänzende Juniprogramm. Willy Prager 14=== erstklassige Spezialitäten. Juni- Programm. Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allee 148. Konzert, Theater, Täglid: Spezialitäten, Ball. 15 Attraktionen ersten Ranges 15. Berlin, wie es lebt u. liebt. Boltsstüd in 3 Atten von Lindener. Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf. Volksgarten- Theater. Badstr. 8( Behm- u. Bellermannstr.) Täglich: Konzert, Theater u. Spezialitäten. Jed. Mittwoch: Gr. Kinderfreudenfest. Jed. Donnerst.: Gr. Brill.- Feuerwerk. Voltsbelustigungen aller Art. Die Kaffeeküche ist v. 1 Uhr an geöffnet. Sanssouci. Kottbuser .Straße 4a. Der Garten ist eröffnet. Sonntg., Montg.Donnerst und Sonnabend: Hoffmanns Nordd. Sänger und Tanzkränzchen. Auftr. b. Komit. H. Krause. Entr. 30 Pf., num. Pl. 50 Bf. Sonnt.Beg. 5, Bochent. 81. Jm Borgart.: Freikonzert. Helteftes Teilzahlungs- Geschäft Kein Laden. für Brennabor:: Räder.:: Günstigste Bedingungen. Berlin SO., Louis Barth, Bruckenstr. 10a pt. Vortrag. Zages Drdnung: Diskussion.- Vereinsangelegenheiten. Reichshallen. Stettiner Sänger. ( Meysel, Pietro, Britton, Böhme, Böckmann, Walden, Seidel, O. u. R. Schrader) Anjang Wochentags 8, Sonntags 7.Uhr. Ostbahn- Park Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr.71 Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Prater- Theater Kastanien- Allee 7/9. Täglich: Amor von heute. Wehling, Humor. Varadi- Duett. Derrington- Family, Kunstradfabrer. Livèrs, Drahtseil. Die Einbrecher von New York, Bant. The Piccad. Konzert. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Platz 50 Pf. Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Verbindung mit größter FilmsFabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. ♦ Den ganzen Tag Vorstellung. Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Zentral- Wahlverein für Teltow- Beeskow- Storkow- Charlottenburg. Sonntag, den 24. Juni d. J., nachmittags 1½ Uhr: General- Versammlung in Rixdorf, Hoppes Restaurant, Hermannstr. 49. Zages Drdnung: 1. Berichte des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Ersagwahl eines Vorstandsmitgliedes. 3. Die Aenderung des preußischen Landtagswahlgefeßes und ihre Einwirkung auf den Kreis Teltow Beestow. Referent: Genosse Paul Hirsch Charlottenburg. 4. Anträge. 5. Die Generalversammlung von Groß- Berlin und Wahl der Delegierten dazu. 6. Verschiedenes. Laut Statut ist jeder Wahlberein berechtigt brei Delegierte au entfenden. Die Delegierten müssen mit Mandat versehen sein. Der Vorstand. J. A.: W. Eberhardt. Barteigenoffen haben als Gäfte Zutritt. 202/18 Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Schöneberg. Donnerstag, 21. Juni, abends 8, Uhr, bei Obst, Meiningerstr. 8: Außerordentliche Generalversammlung. Tages Drdnung: 1. Vorstandsbericht und Bericht der Kontrollkommission. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes. 8. Bericht von der Borortkonferenz. 4. Stellungnahme zur Strantenunterstützung und Erhöhung der Belfräge. 5. Verbandsangelegenheiten. Erscheinen dringend notwendig. Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. Die Verwaltung. 87/16 Verband der hangewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands. ( Zweigverein Berlin und Umgegend.) Sektion der Deckenbranche. 34/19 Otto Pritzkow, Münzstr. 16. Donnerstag, den 21. Juni, abends 8 Uhr, im Lokale von Auguftin, Dranienstraße 103: Neu! Hochinteressant! Belehrend Mitglieder- Versammlung. Die Visitkarte des Verbrechers! feffelnder Projettions- Vortrag in C. Gabriels Volks- Museum für Anatomie, Pathologie, Samariterlehre, Bolfstrantheiten 2c. 2c. ca. 2000 Nummern. Friedrichstraße 112a. Nahe Oranienburger Tor. Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Täglich im Garten bezw. in den unteren Sälen Tages- Ordnung: 1. Bericht von der Vertretersizung. 2. Bericht der Schiedskommiffion. 3. Angelegenheit Friedrich Karl- Ufer. 4. Berbands- Angelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Zweigvereins- Vorstand. Vereinigung der Fliesenleger Deutschlands. Ortsverein Berlin, Abt. I. und II. Donnerstag, den 21. Juni, abends 8, Uhr, im Nenen Klubhause, Kommandantenstraße 72: Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag von Frl. Hoffmann über:" Den Frauen die Bahn fret!" 2. Diskussion. 3. Vereins- Angelegenheit. Da in dieser Versammlung Beschlüsse von weittragender Bedeutung für beide Abteilungen gefaßt werden, so wird erwartet, daß alle Mitglieder er[ 282/19[ Der Vorstand. scheinen. Gottschalk Freikonzert Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Rixdort. Mittwoch u. Sonnabend: Freitanz. Donnerstag, den 21. Juni, abends 8, Uhr, bei Thiel, Bergstr. 151/152: Nur Qualität! Nur Qualität! ( gesetzlich geschüzt.) Spree- Blumerancht Jeder verwöhnte Raucher 961L* Telephon: Amt III. 6949. Berlin N. 28, Swinemünderstr. 66 1. H. Preuß, Zigarettenfabrik ,, Spree- Blume" A A A Zigaretten A A A Außerordentliche General- Verfammlung. Zages Drdnung: 1. Bericht vom Verbandstag in Köln. 2. Erhöhung der Beiträge. 3. Verbandsangelegenheiten. Das Erscheinen aller Kollegen ist notwendig. 87/15 Neue Welt. Hasenheide 108-114. Jeden Mittwoch: Großes Kinderfreudenfest Gratisverlosung. Bonbonregen. Fackelzug. Kinematograph usw. Konzert u. Vorstellung. Anfang 4 Uhr. Entree 0,15 M. Morgen Donnerstag: Erstes großes Feuerwerk. Dr. Schünemann Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ede Schüßenstr. 10-2, 5-7, Gonnt. 10-18 Uhr. PrinzenDie Ortsverwaltung. 110/9 Dr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für Haut- und Harnleiden. 10-2,5-7. Sonntags 10-12, 2-4 Theor. u. praktische Ausbildung zum Chauffeur. Programm kostenfrei. Unentgeltlicher Nachweis von tüchtigen Chauffeuren. Technikum Altenburg Sachsen- Altenburg. Jede Dame beachte dieses sensationelle Angebot! Um die übergrossen Be- Damen- Blusen u. Kostüme stände unserer Abteilungen nach Schluss der Saison zu räumen, haben wir diese Läger ohne Rücksicht auf die früheren Verkaufspreise in 5 Serien zum Verkauf gestellt. Wir bieten hiermit unserer werten Kundschaft eine Einkaufs- Gelegenheit ganz besonderer Art. Gruppe I Damen- Blusen 90 1.45 2.35 3.50 4.80 Gruppe II ab Jacket- Kostüme u. garn. Kleider 5.50 7.80 8.75 10.75 12.50 Die hier zum Verkauf gestellten Waren sind ausnahmsweise nicht in unseren Schaufenstern ausgestellt, von unserem Rabatt- System ausgeschlossen und werden an Wieder- Verkäufer nicht abgegeben. A. JANDORF& Co Spittelmarkt Belle Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Brauerei Groterjan N., Schönhauser Allee 130. Oekonom Ernst Stein. Täglich Großes Konzert Anfang: Wochentags 7 Uhr. Sonntags 4 Uhr. Die besten Fahrräder und Fahrradzubehörteile zu enorm billigen Preisen finden Sie wieder bei 290/ 8* Ernst Machnow, Berlin N., Arkonaplatz 1, Filiale: Kaiser Wilhelmstr. 18R. Abteilung für Motorfahrzeuge: Wollinerstr. 11-12. Am Friedrichshain Brauerei Friedrichshain Sonnabend, den 23. Juni 1906: Großes Sommerfest veranstaltet vom Am Königstor 282/ 19* Arbeiter- Rauch erbund Berlins und Umgegend. Von 4 Uhr ab: Konzert und Gesang ausgeführt von Mitgliedern des Zentralverbandes der Zivilmusiker Deutschlands und des Gesangvereins ,, Kreuzberger Harmonie"( M. d. A.-S.-B.) Konzertdirigent: H. Loppe. Gesangsdirigent: Bleil. Kinderbelustigungen aller Art. Sackhüpfen, Topfschlagen usw. Um 9 Uhr: Großer Lampionzug. Im großen Saale: Fest- Ball bei doppelt besetztem Orchester. Billett im Vorverkauf 25 Pfg., an der Kasse 30 Pfg. Es ladet zu zahlreichem Besuch ein Eröffnung 2 Uhr. Bleichsucht Neue Fahrräder 45.-, 50-, 52.-, 55.- M.usw. stockungen etc. beseitigt vollhochelegante Für meine weltberühmten Arkonaräder übernehme bis 6 Jahre Garantie. Luftschläuche 1.50, 2., 2.50, 3.50 M. Laufmäntel 2.50, 3.20, 4.50 M. Nähmaschinen 28.-, 36.-, 42.-M.- Neue Alright Motorzweiräder 400 M. 2c. Katalog gratis und franko. Neuer Waerturm b. Grünau. Bon dem unmittelbar angrenzenden Terrain, nur zirka zehn Minuten vom Bahnhof entfernt, sollen Barzellen von zirka 45 bis 80 Quadratruten zu billigen Breifen, je nach Lage, von M. 1,45 an pro Quadratmeter netto Bauland zu günstigsten Zahlungsbedingungen( event. Baugeld) berfauft werden. Geordnete Verhältnisse. Ansiedelungsrecht erworben. Straßenland bereits an die Gemeinde abgetreten. Auskunft nachmittags( Sonntags 3-6, Wochentags 4-6) nur Straße am Faltenberg 19/20 im Restaurant. 14462* Blutarmut, Nervenschwäche, Blutständig Reichels Malzeisenpulver. Reichlich blutbildend, schwache Nerven stärkend u.enormAppetit anregend. Wirkt bei Kindern Wander! Wahrhaft überraschende Erfolge. Dose 1,25. Uebl. 3 Dosen 3,50, hier frei Haus. Versand nach auswärts. Otto Reichel, Berlin SO. 48, Eisenbahnstraße 4. Raucht Eröffnung 2 Uhr. Der Vorstand. Kios- Zigaretten. Kleine Kios 2. 1151L* pro Stück 2 Pf. Hauptniederlage der Zigarettenfabrik„ Kios", Dresden. Tabakgroßhandlung u. Tabakfabrik, H.& P.Uder, Engel- Ufer No. 5. Amt 4, 3014. Jedes Jenensia- Rad ein Meisterwerk deutscher Technik. Teilzahlung! Zwei Jahre Garantie! Krankenfahrstühle all. Systeme Sozial- Räder. 65.-, Sozial- Luxus-, Freilan Jäuflich von 25 M. an, auch leibweise unter foulantesten Bedingungen. Koppsche Krankenwagen, Elsasserstraße 95. 116/ 4* mit m. 100.-. Gebrauchte Näder billig! Bitte genau auf Hausnummer 23" zu achten. 23. R. Groskurth, Berlin C., Münzstr. 23. Portieren Spezialität!( ca. 200 Genre). Einz.Garnituren spottbill. Spezial- Katalog( ca. 600 Illustr.) Teppichgratis u. franko. Spezialhaus Emil Lefevre Oranienstr. 158 Berlin S. das einzig sicherwirkende Mortal Spezialmittel gegen Flöhe, zerstört im Fußboden nistende Brut von Grund aus, so daß nicht die ge ringste Spur übrig bleibt und ist ein Radikalmittel ohne gleichen gegen jeglich. Ungeziefer der Haustiere, speziell auch der Hande. Man nehme nur ,, Mortal" mit Marte ,, Tod und Teufel" und nichts anderes! Flasche 50 u. 75 Pf., erhältlich in Drogerien und bei Berlin 43, Otto Reichel, Eisenbahnstr.4. Lieferant für Armee und Marine Teleph.- Anschl. IV 646, 3190 u. 4562. Steppdecken billigst direkt in der Fabrik 72. Wallstr. 72, too auch alte Steppdecken aufgearbeitet werden. Bernhard Strohmandel, Berlin Ks. Juustr. Katalog gratis. Berantwortlicher Bebalteurs and Weber, Berlin Bin den Suferatenteil berentip: Th. Glade, Berlin. Drud u. Berlag: Bortvarka Budbruderei u. Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SV