Mr. 142. Abonnements- Bedingungen: abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 mt, monatl. 1,10 M., toöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Boft. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsBreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Buremburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Solonel geile oder beren Raum 50 Pig., für bolitische und gelverkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 80 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", bas erste( fettgedruckte) Wort 20 Bfg., jebes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Morte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adreffe: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Ferusprecher: Amt IV. Mr. 1983. Politische Briefe aus Petersburg. ( Von unserem Korrespondenten.) Die Reichsduma. II. Die Gruppe der Landleute hat ebenfalls die Absicht, ein Manifest an das Volk zu veröffentlichen. Unter dem Drange der Arbeiter- und der Arbeitsgruppe, unter dem Druck der Volksmassen wird die Reichsduma gezwungen sein, über kurz oder lang sich ans Bolt mit einem Aufrufe zu wenden, der eine formelle Einigung der Duma mit dem Volfe anbahnen und diesem zeigen wird, daß die Duma allein in ihm die Garantie eines Erfolges im Befreiungstampfe sieht. Noch wird in der Duma die Agrarfrage erörtert: 130 Redner haben sich zum Worte gemeldet. Man kann wohl ohne weiteres behaupten, daß hier jene Klaffengegenfäße noch schärfer und klarer hervortreten dürften, welche die scheinbare Einigkeit der Duma zerspalten und die Position der demokratischen Elemente verstärken werden. Später werden wir uns über diese Debatten weiter unterhalten. Für heute wenden wir uns der Frage nach der Stimmung außerhalb der Duma zu. Trotz aller Hemmnisse und Schwierigkeiten gelingt es den Arbeitern, nicht nur in Petersburg, sondern auch in anderen großen Städten kolossale Versammlungen abzuhalten, in denen lebhaft über die gegenwärtige Lage debattiert wird. Besonders ist das natürlich in der Hauptstadt der Fall, wo bor Beginn oder nach Schluß der Arbeit sozialdemofratische Agitatoren sich in die Fabriken schleichen und improvisierte Versammlungen abhalten. Jezt wird fast überall folgende Resolution des Zentralfomitees der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands besprochen und angenommen: Freitag, den 22. Juni 1906. Erstens haben wir aus den Depeschen und Zeitungen erfahren, daß im Reichsrat die Frage der Amnestie behandelt wurde und daß Sie, Water Antony, sich als deren eifriger Gegner erklärt haben. Sie haben ausgerufen: Und sollte sich mein Bruder im Gefängnis oder auf Swangsarbeit befinden, auch dann würde ich mich gegen die Amnestie aussprechen!" Wir Soldaten können Sie iwirklich nicht verstehen. Christus lehrte, wir wären alle Brüder. Und seine Stellvertreter auf Erden, Sie z. B., Vater Antony, teilen die Menschen in Kategorien ein: sozusagen in eigene und fremde Brüder. Wollen wir annehmen, Water Antony, daß Sie nicht wußten, was Sie sagten. Wollen wir annehmen, daß Sie einen Bruder und einen Sohn haben, denen Sie besonders Glück wünschen. Sind denn Ihre Handlungen nicht die eines Heiden? Lesen Sie doch das Ev. Math. V, 47 durch! Nein, Vater! Christus hat schön von Ihnen gerebet Eb. math. VII, 15 Sie gleichen wirklich einem reißenden Wolfe im Schafskleid. Sie gleichen jenen Pharisäern, bon denen das Eb. Math. XXIII redet. Nur muß man hier in Vers 35 eine kleine Berbesserung einführen, so 3. B. sagen: Von dem Blut an des gerechten Abel bis aufs Blut Leutnants Schmidt, des Kämpfers für die Freiheit! Ist es je erhört, daß derjenige, der Gleichheit, Brüderlichkeit, Verzeihung, Frieden und Gerechtigkeit predigen soll, als Hemmer der heiligen Sache erscheine? Nein! Bisher glaubten wir Ihnen als dem Diener des milden, liebevollen Christus, jetzt aber haben wir berstanden, was Sie eigentlich sind. Sie sind einer jener blinden Blindenleiter, von denen der Erlöser Ev. Math. XV, 14 spricht. Die aber, welche wirkliche Führer waren, welche wirklich die Ideen Christi predigten, die sind jett in Gefängnisse geworfen, mandhe darunter haben Sie selber durch Ihre Heuchelei vernichtet. Gebt uns denn wenigstens diejenigen zurüd, die von Euer Grausamkeit noch verschont geblieben sind. Gebt uns unsere echten Führer zurüd! Heuchler! Stört wenigstens die heilige Sache nicht, die Ihr selbst nicht zu predigen vermögt. Blak ber heiligen Sache, ehe es zu spät wird! Delegierte der Soldaten der Setvastopoler Garnison. ( Folgen Unterschriften.) Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. Kopfsprung, so müssen die Angriffe der sozialdemokratischen und liberalen Bresse auf die Agrarpolitik des Bundes als dreiste Spekulationen auf die Unkenntnis der großstädtischen Leser gelten. Die Deutsche Tageszeitung", das Bundesintelligenzblatt, kleidet diese furiose Folgerung in folgende Säße: " Da die Herren aber gerade am Revidieren" sind und sich Mühe geben, sich selbst und ihre Leser über die Landwirtschaft und das, was sie kann und was ihr frommt zu belehren, und da ihnen die Maschinenabteilung der Ausstellung so ganz besonders imponiert hat, so wäre es vielleicht verdienstvoll, wenn man sich in den Blättern der Herren Levysohn und Mosse, MüllerSagan und Singer in der nächsten Zeit einmal mit den Fragen beschäftigen würde, wieviel gerade der Bund der Landwirte nach der wirtschaftlichen Seite hin für die Belehrung und Besserstellung seiner Mitglieder gewirkt hat; wenn man ferner sich einmal darüber belehren wollte, welche erhebliche boltswirtschaftliche Arbeit die verschiedenen geschäftlichen Abteilungen des Bundes der Landwirte durch ihre Vermittelung von landwirtschaftlichen Maschinen, Saatgut, fünstlichem Dünger usw. geleistet haben; wenn man ferner sich einmal darüber belehren wollte, in welch hervorragender Weise gerade die Mitglieder des Bundes der Landwirte allenthalben auf den großen und kleinen landwirtschaftlichen Ausstellungen als Aussteller und Preisgewinner beteiligt sind; wenn man z. B. seinen Lesern auch mitteilen würde, was jetzt wieder flüglich verschwiegen wird, daß Dr. NoeficeGörsdorf, der Vorsitzende des Bundes der Landwirte, auf dieser Ausstellung wiederum einen ehrenbollen technischen Erfolg er rungen hat, was die gesamte belehrungsfreudige Presse ebenso planmäßig verschweigt, wie sie seit Jahren die bedeutenden Verdienste, die der Bundesvorsitzende, Freiherr von Wangenheim um die deutsche Moorkultur hat, mit feinem Worte erwähnt." Auf diese Epistel einzugehen, lohnt sich nicht der Mühe. Unsere Parteipresse greift nicht die Vermittelungstätigkeit des Bundes der Landwirte an, sondern dessen unverschämte Interessenpolitik, besonders dessen Bollpolitik, und diese wird dadurch, daß einzelne Abteilungen des Bundes auch in befchränktem Maße nüßliche Arbeit leisten oder Herr von Wangenheim fich in seinen Mußestunden mit der Moorkultur beschäftigt, um feinen Deut nüßlicher oder annehmbarer. Für die Berechtigung der agrarischen Raubpolitik liefern die auf der Landwirtschaftlichen Ausstellung hervorgetretenen Fortschritte der deutschen Landwirtschaft, des Acker- und Gartenbaues wie der Viehzucht, nicht den geringsten Beweis, wohl aber für die Absurdität der landläufigen agrarischen Behauptung, die sogenannten Caprivischen Handelsverträge trieben die deutsche Landwirtschaft dem Ruin entgegen. Denn gerade in den letzten 10 oder 15 Jahren, also unter der Herrschaft dieser Verträge, hat sich in der Hauptsache der Fortschritt vollzogen. Wir, Arbeiter der M... schen Fabrik, sind nach Erörterung Dieser Brief, der unter anderem die Stimmung der der politischen Lage zu dem Schlusse gekommen, daß: 1. die Re- Armee charakterisiert, ist nicht eine einzelne Erscheinung, und gierung in ihrer der Duma borgelesenen Erklärung deutlich gesagt man braucht fein großer Prophet zu sein, um zu verkünden, hat, daß, solange die Macht in ihren Händen verbliebe, die Bolts- daß die Bajonette, die jetzt nur noch mit Mühe gegen verforderungen als unerfüllbar betrachtet würden und daß es weder einzelte Streifende gerichtet werden konnten, im Kampfe gegen Freiheit noch Rechte, weder Land noch Amnestie geben werde; 2. daß die Regierung durch die Aufrechterhaltung aller Ausnahmes das gesamte Bolt und gegen die Reichsduma den Dienst gefeße, Kriegsgerichte, Hinrichtungen, Straferpeditionen, Bor- berjagen werden. Die ganze Entwickelung der russischen Revodavon, daß bereitung von Megeleien, Unterbindung der Freiheit des Wortes, lution und der neue Aufschwung zeugen der Presse, der Versammlung und Vereinigung offenbar macht, der Zarismus bald abgewirtschaftet hat. Es wäre gerade die daß sie allen Versprechungen des Manifestes vom 17.( 30.) Oftober richtige Zeit, daß dies auch die europäischen Geldbeutel bezum Troß das Land nach wie vor räuberisch und willkürlich ver- griffen, jene Geldbeutel, die den von Dubassow auf den Mosfauer Barrikaden eine Zeitlang gehemmten revolutionären Im Parlament wie in der Presse haben die agrarischen Brand mit Wagen voll europäischen Geldes gänzlich ersticken Sachverständigen unter Berufung auf ihre angebliche genaue zu fönnen hofften. Davon ganz abgesehen, daß die Völker Kenntnis der landwirtschaftlichen Verhältnisse hundertmal Europas schon von dem Bewußtsein durchbrungen sein sollten, behauptet, die Caprivischen Handelsverträge bedeuteten den daß die Befreiung Rußlands der Beginn der allgemeinen vollständigen Bankrott der deutschen Landwirtschaft und europäischen Befreiung sein wird, müßten die europäischen nun ergibt sich am Ende der vor drei Monaten abgelaufenen Nationen ihren eigenen Interessen zuliebe schon aufhören, die Handelsvertragsperiode ein beträchtlicher Aufschwung, eine Taschen der herrschenden Clique zu füllen, die das ganze Land Vervollkommnung der Technik und Steigerung der Produkeinem Bankrott entgegenführt, der nicht nur Rußland, son- tivität. dern das ganze mit dem Schicksal der russischen Wertpapiere verbundene Europa tief erschüttern wird. walten will. Dies in Betracht ziehend und für die Einberufung einer allgemeinen Verfassungsversammlung fämpfend, welche allein die Grundgefeße feststellen kann, die dem ganzen Volte die Freiheit garantieren, erklären wir, daß in diesem Kampfe fein wirklicher Schritt nach bortvärts möglich ist, solange die Macht in den Händen der Hofclique und des von ihr ernannten Ministeriums verbleibt. In Anbetracht dessen werden wir: 1. Die Duma in allen ihren Schritten unterstüßen, die auf den Sturz des heutigen Ministeriums und auf die Ernennung eines von der Duma abhängigen Ministeriums gerichtet sein werden, da wir in diesem Wechsel einen die Einberufung der Konstituante fördernden Umstand sehen; 2, von der Duma verlangen, daß sie die Voltsforderungen energisch verteidige und angesichts des ganzen Volfes die Verbrechen bloß lege, die die Regierung seit dem 17.( 30.) Oktober begangen hat und bis jetzt noch alltäglich begeht. 3. Das Manifest der Arbeiterabgeordneten der Reichsduma an das Proletariat begrüßend, legen wir ihnen die Pflicht auf, dabin au ftreben, daß die Duma ihren Kampf gegen die Regierung in enger Fühlung mit den Voltsmassen führe." Es ist unmöglich, über alle Meetings und Versamm lungen in St. Petersburg zu berichten. Wir können nur sagen, daß die Duma schon eine ungeheuer revolutionierende Rolle gespielt hat und daß diese ihre Rolle sich immer mehr entwickeln wird. Die Arbeiterabgeordneten treten fast täglich in diesen Versammlungen auf und haben großen Erfolg. Aber auch von der Arbeiterklasse ganz abgesehen, müssen wir auf die rebolutionierende Rolle hinweisen, welche die Duma bezüglich der anderen Volksschichten spielt. Die Duma wird geradezu überschüttet mit Depeschen, Bitten, Forderungen usw., die von allen Eden und Enden Rußlands zusammenströmen. Ihre lezten Groschen kramen die Bauern zufammen, um Boten( Chodofi") an die Duma zu schicken, die der Bauern Leiden darlegen müssen. Die Duma ist das Zentrum aller Wünsche, aller Hoffnungen. Die herrschende Clique fieht das alles, und da sie es fiebt, fo wagt sie nicht das ihr berhaßte Institut auseinanderzujagen. Die Bertreibung der Reichsduma würde einen bisher in der Geschichte unbekannten Ausbruch des Volkszornes hervorrufen. Als charakteristisches Beispiel dafür, wie lebhaft man sich für alles intereffiert, was in der Duma und selbst im Reichsrate geschieht, zitieren wir einen Brief der Sewastopoler Soldaten an den Bischof Antony. Der Brief ist in den Zeitungen erschienen und war die Antwort auf Antonys unwürdiges Eintreten gegen die Amnestie. Das Schreiben lautet: Bater Antony! Wir, Soldaten der Gewastopoler Garnison, ersehen aus den Zeitungen und Depeschen Eure Tätigkeit im Reichsrate. Da der Pastor des Boltes seine Pflicht, seine Bastorentätigkeit berkennt, so halten wir, Soldaten der Sewastopoler Garnison, es für unsere Pflicht, Sie, Water Antony, sozusagen zu rügen. Es ist der Augenblick gekommen, da nach dem Ausdrucke Lassalles das Bolt das verfluchte Regime an der Kehle packen wird. Es naht die Stunde, wo das russische Volk ihm sein mächtiges Knie auf die Brust" setzen wird, und wehe dem, der dann die Erlösung des Landes verhindern will, das die Fahne der Befreiung aller Wölfer vom fapitalistischen Joch erhebt. Wir schließen diesen Brief in der Hoffnung, uns in den nächsten Briefen mit den Debatten und den Verhältnissen in der Duma, mit der Stimmung der Arbeiterklasse und ihrem Kampfe in St. Petersburg sowie in den anderen Städten, endlich mit der Stimmung Rußlands überhaupt beschäftigen zu können. Politische Uebersicht. Berlin, den 21. Junt. Als im März 1894 die erste Beratung des Handelsbertrages mit Rußland im Reichstage stattfand, prophezeite der große Theoretiker der konservativen Partei, Graf von KanitzPodangen, im Reichstage: Ich kann Sie versichern, meine Herren, daß es mit der Landwirtschaft in den östlichen Provinzen jetzt schon beinahe zu Ende ist, daß wir einen weiteren Preisbruck unter feinen Umständen über uns ergehen lassen können. Wir sind dazu beim besten Willen nicht imstande. " Meine Herren, ich bin der Ueberzeugung und ich will auf die weiteren Preisgestaltungen nicht eingehen, um Ihre Zeit nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen daß, wenn diese Verträge noch zehn Jahre lang in Straft bleiben, biele, sehr viele Landwirte dem Ruin verfallen und daß speziell unser Bauernstand in den öftlichen Provinzen so gut wie augrunde gerichtet sein würde. Mag dieser russische Vertrag hinzukommen oder nicht, die Verhältnisse find jest schon berart, daß es rapide mit uns bergab geht." Und eine andere große landwirtschaftliche Autorität, Herr Liebermann von Sonnenberg, sah sogar die Nevolution herannahen und kündete an, er werde sich als moderner Laroche- Jacquelin an die Spitze des Landsturmes in die Wälder der preußischen Vendée werfen. Jetzt haben jene Handelsverträge länger als 10 Jahre bestanden und das Resultat ist ein allseitiger Fortschritt der deutschen Landwirtschaft. Die fach und fachkundige Prophezeiung des großen konservativen Theoretifers hat sich als von gleicher Güte erwiesen, wie die schöne Schweineprophezeiung des Herrn von Podbielski auf dem vorjährigen Kaiserhofdiner. Der Ruin der Landwirtschaft. Die agrarischen Blätter veröffentlichen lange Artikel, in denen sie den großen Erfolg der am Dienstag geschlossenen Landesausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft fonstatieren. Aber sie begnügen sich damit in ihrer Bescheidenheit nicht. Der stetige Fortschritt der deutschen Land. wirtschaft, der auf der Ausstellung hervortrat und fast von der gesamten Bresse anerkannt wird, muß ihnen nicht nur zu einem Beweis der Berechtigung der junkerlichen Agrarpolitik, sondern sogar zu einer Lobeshymne auf den Bund der LandDie Reichstagserfahwahl in Hannover. wirte dienen. Zwar hat der Erfolg der Ausstellung mit der Interessenpolitik der Bündler nichts zu schaffen, doch die Heute, am 22. Juni, findet die durch den Tod unseres Genossen Agrarlogik der fonservativen Blätter bringt das Kunststück Heinrich Meister nötig gewordene Ersatzwahl statt. Aus dem Wahlkreise wird uns geschrieben: fertig, auch hierzwischen einen ursächlichen Zusammenhang, einen Rausalfonner, zu finden. Die Ausstellung, so folgern Das Mandat gehört feit 1884 ber Sozialdemokratie. Damals si, e zeugt von dem Fortschritt der Landwirtschaft; zu diesem wurde es von den Nationalliberalen in der Stichwahl zwischen dem Fortschritt hat aber nicht zum wenigsten der Bund der Land- welfischen Kandidaten und dem Genossen Meister unserer Partei„ überwirte beigetragen, dessen geschäftliche Abteilungen den An- geben". Genosse Meister erhielt 8840 Stimmen, der Welfe fauf von landwirtschaftlichen Maschinen, Saaten, Dünger usw. Brüel 8969, der nationalliberale Kandidat Hornemann brachte es vermitteln. Erweist sich aber diese Bermittelungstätigkeit auf 4890 Stimmen. In der Stichwahl fiegte Meister mit der Bundesleitung als nüglich nun kommt der logische 12 851 Stimmen über Brüel, der 11 791 Stimmen erhielt. Die Söll Stimmen Zuwa chs bei der Stichwahl waren größtenteils von den Nationalliberalen für Meister abgegeben worden, die mit besonderem Eifer für die Sozialdemokratie eintraten. Zwei Tage vor der Stichwahl schrieben die„Nationalliberalen Blätter": „Hat Hannover sich nicht gescheut, neun Jahre einen Brüel zum Vertreter zu haben, dann braucht es sich für d ie n ä ch st e n drei Jahre auch nicht zu scheuen. Mei st er gewählt zu haben. Darum nochmals auf zur Wahl für Meister." Aus den drei Jahren, die die Nationalliberalen uns gnädigst Frist gaben, sind jetzt 22 geworden. 1877 kamen die Nationalliberalen mit den Sozialdemokraten in die Stichwahl und nun waren es die Welsen, die sich entschlossen, halb sozialdemokratisch, halb national- liberalzu wählen, trotzdem offiziell Stimmenthaltung proklamiert wurde. So blieb es bis zur Wahl von 1893, bei der wir 19 538 Stimmen bei der Hauptwahl erhielten. Im Jahre 1898 siegten wir mit 25 015 Stimmen über sämtliche Gegner, die es auf 22900 Stimmen brachten, und bei der letzten Wahl 1903 erhielten die Gegner 24422 Stimmen, unsere Partei dagegen 29 381, also nahezu 5000 Stimmen mehr. 18 128 Wähler hatten von ihrem Wahlrechte keinen Gebrauch gemacht. Auf diesen 18 000 säumigen Wählern ruhen die ganzen Hoff- nungen unserer diesmal im Bürgerausschuß vereinigten Gegner. 4893 bürgerliche Stimmen hätten im Jahre 1903 genügt, um den wahren Volkswillen zum Ausdruck zu bringen, verkünden große Plakate an den Anschlagsäulen den Wählern. Nun, 1903 gründeten die Gegner ihre Hoffnungen auch auf die 15 000 Nicht- Wähler von 1893 und sind damit hineingefallen. Allerdings, einen Wahlkampf wie den mit dem heutigen Tage beendeten hat der 3. hannoversche Wahlkreis noch nicht erlebt. DaS Menschenmögliche an Verleumdungen, Lügen uud Fälschungen, Ver- drchungen und Entstellungen gegen die Sozialdemokratie ist ge- leistet worden. Man hat den schlimmsten Terrorismus angekündigt. Die Nichtwählcr will man veröffentlichen. damit sie nach der Wahl„bearbeitet" werden können, so wird in bürgerlichen Blättern den bürgerlichen Wählern angedroht. Für jeden Wahl- bezirk ist ein bürgerliches Wahlbureau errichtet. Droschken und Autoinobile sind gemietet, um säumige Wähler heranzuholen, und auf den„Schleppkarten", die am Nachmittag den Säumigen ins Haus gebracht werden, stehen die bürgerlichen Kandidaten, V. Dannenberg, Erzberger, Fink und Holzgrefe friedlich neben- einander. Das ist die Schablone des Reichsverbandes, die von dem famosen Bürgerausschuß kopiert ist. Die bürgerlichen Parteien sind sich freilich trotz der gemeinsamen Arbeit im Bürgerausschuß gegen die Sozialdemokratie doch fürchterlich in die Haare gefahren. Offiziell verkünden die Nationalliberalen schon jetzt, daß sie in der Stichwahl nicht für den Welsen stimmen werden, obgleich bei der Begründung des Bürgerausschusses offiziell erklärt ist, daß dies unter allen Uinsländen geschehen werde. Zuletzt ist man auch noch wütend geworden über die Aufstellung des BündlerS. Die Flut von Gemeinheit, die die Gegner unter Leitung des Reichsverbandes von sich gegeben haben, hat die Genossen aufs höchste erbittert. Wir kämpfen tatsächlich gegen eine reakttonäre Masse. Wo man nur Gelegenheit fand, unS zu benachteiligen, ge- fchah eS. Die Gegner schlugen Plakate über Plakate an den An- schlagsäulen an, der Sozialdemokrasie hat man das schroff verweigert. Nichts ist den Gegnern zu schlecht, um unS zu bekämpfen. So prangt an den Säulen die angeblich polizeiliche Erklärung über die Zerstörung der Gasleitung im Kriegerheim anläßlich der Versammlung des ReichöverbaudeS. lieber Nacht ist sie aber eine Erklärung der Verwaltung des Kriegerheims geworden, und das beste ist, sie ist erlogen! Der Monteur der Gasanstalt hat öffentlich erklärt, daß von einer Zerstörung der GaS- leitung durch„ruchlose Hände" keine Rede sein kann. Der Mann. dem die Bedienung der Gasleitung oblag, war verreist, derjenige, der ihn vertrat, war zu ungeschickt, denn er hatte— de» Haupthahn nicht aufgedreht! Dann konnten die Kronleuchter natürlich nicht brennen. Daß man aber trotzdem behauptet, die Sozialdemokraten hätten die Leitung zerstört, ist der Gipfel der Gemeinheit, und daraus ist zu ersehen, mit welcher Sorte Gegner unsere Genossen zu kämpfen haben. Die Wahlarbeit für unsere Partei ist getan. Am Mittwoch war die letzte Heerschau. Zehn Versammlungen, überfüllt von begeisterte» Besuchern, fanden statt. Am Vorabend der Wahl verbreiteten unsere Genossen das letzte Flugblatt, worin mit den Gegnern unbarmherzig abgerechnet worden ist. � � Im Jahre 1903 wurden von 72 000 Wahlberechtigten rund 64 000 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf Meister sSoz.) 29 381, Hurtzig(natl.) 10 941, v. Dannenberg sWelfe) 9347, Maxe»(Z.) 2907, Müller(frs.) 727, Nationalsoziale 188. Diesmal sind die Kandidaten: Aug. Brey(Soz.) Fink(natl.) v. Dannenberg(Welfe) Erzberger(Z.) Holzgrefe(Bündler). Außerdem hat sich noch ein Mann namens Rudolf Siemfen selbst aufgestellt, aus Idealismus! Detitfches Reich. Die Kirche als politische Anstalt. Der Kandidat der entschieden liberalen Partei bei der letzten MeichStagSersatzwahl in Darmstadt, der nationalsoziale Pfarrer Korell, hat, wie wir bereits kürzlich meldete», von dem großherzoglich hessischen Oberkonsistorium einen Verweis erhalten— weil er den sozialdemokratischen Kandidaten dadurch begünstigt haben soll, daß er nicht der Stich Wahlparole seines, des liberalen Wahlkomitees entgegengetreten ist. Die Begründung dieses Verweises, die dieser Tage erfolgte, ist als Beitrag zur Charakteristik der heutigen Kirche und ihres Zweckes als Aufrecht- erhalterin der kapitalistisch-göttlichen Weltordnung vom höchsten Interesse. Es heißt z. B. in dem Aktenstück betreffs der von Korell nach der Hauptwahl erlassenen Danksagung und der von ih», darin ver- tretenen Ansicht, daß das Darmstüdter Mandgt nur von einem Libe- ralismus erobert werden könne, der die Stimmen von links an sich zu ziehen vermöge. Diese Erklärung fand enffprechend der bis dahin stattgehabten EntWickelung der Dinge in den weitesten Kreisen die Auffassung, daß damit ein Nichteintreten für Stein uud ein Eintreten für Berthold empfohlen sein sollte. In der Tat gab nunmehr der„Wahlausschuß der vereinigten Liberalen" die Parole aus. für Bertbold zu stiinmen. Pfarrer Korell hat sich direkt und deutlich hierzu nicht geäußert: wenigstens ließ sich ihm in dieser Hinsicht nichts nachweisen, obgleich ei» sozialdemokratischer Wahlaufruf feine ausdrückliche Stellungnahme zugunsten BcrtholdS als an- geblich erfolgt behauptete... � Pfarrer Korell selbst sagt ,n sc,ncr Vernehmlassung vom 16. d. MtS.: „Da ich weder dem Parteivorstand noch dem WahlauS- fchuffe als Mitglied angehörte, trat ich nach dem 25, April zurück in die Reihe der Wähler und hatte lediglich als solcher meine Entscheidung für die Stichwahl zu treffen. Bei dem Zustandekommen der von dem Wahl- ausschusse gegebenen Parole habe ich in keiner Weise, weder beratend noch be- schließend, mitgewirkt." ES liegen unS keine Beweise vor, die uns erlauben, diese Angabe abzulehnen. Gewiß ist, daß Pfarrer Korell am Tage der Stichwahl von seinem Wahlort abwesend war, also überhaupt nicht wählte. Es muß hiernach angenommen werden, daß er die Wahl Bcrtholds nicht positiv beförderte, aber er hat sie offenbar befördert durch das. was er unterließ, und was er nicht hätte unterlassen dürfen. Es war ihm nicht zuzumuten, daß er zur Stichwahl öffentlich Stellung nehme oder gar, daß er sich für Stein erkläre, aber er mußte als Pfarrer unmißverständlich zeigen, daß er nicht, wie geglaubt wurde und nach der an- gezogenen Sachlage geglaubt werden mußte, die Wahl Bert- holds billige. Dann blieb seinen Wählern immer noch die Möglichkeit unbeeinflußter Entschließung, zum Beispiel auch völliger Stimmenthaltung. Pfarrer Korell hat aber etwas der Art nicht erklärt und hat so Sie Meinung, er sei nunmehr für Bcrtholds Wahl, mittelbar gefördert. Ob er dies wollte, läßt sich nicht nachweisen. Es ist aber anzunehmen, daß er den, Wahl- ausschuß, der seither so umfassend und stark für ihn gewirkt hatte, mit dem er deshalb eng verbunden war und dem er Dank schuldete, nicht die Pläne kreuzen wollte. Man kann ein solches Gefühl ver- stehen: aber wer dies Gefühl hegt und in die Tat überfiihrt, muß wenigstens in der Lage sein, durch eine solche Handlungsweise nicht höhere Pflichten zu verletzen. Pfarrer Korell aber war Geistlicher und deshalb hierzu nicht in der Lage: er hatte solche Pflichten, und er hat sie verletzt.... Pfarrer Korell mußte einsehen, daß seine Berufs- pflichten, so lange er im Amte blieb, seineu ver- meintlichen politischen Parteipflichten vor- gingen.... Gerade die Interessen der evangelischen Kirche sind hier dadurch verletzt, daß durch das gegenüber der Oeffentlichkeit eine Verschuldung in sich schließende Schweigen Korells die Meinung ent- stehen und— unwidersprochen— sich verbreiten konnte, ein Geist- sicher halte den Sieg der Sozialdemokratie trotz ihrer revolutionären, antireligiösen und antikirchlichen Agitation für das„kleinere Uebel" gegenüber dem des Gegenkandidaten. Für Herrn Pfarrer Korell mag das Erkenntnis schmerzlich sein: für die Aufklärung der Arbeiterschaft über den Charatter der heutigen Kirche ist sie jedoch von höchstem Wert. In den protestantischen Lehren wird die Kirche gewöhnlich als ein geistiger Organismus definiert, der den Zweck verfolgt, den christlichen Glauben zu pflegen und rein zu erhalten; in der Begründung des hessischen Ober- konsistoriums aber erscheint sie als eine Anstalt zur Unterstützung der politischen Herrschaft der sogenannten oberen Klassen— eine Auffassung, gegen die wir nicht das geringste einzuwenden haben, das Oberkonsistorium muß es ja wissen.— Heraus mit der Aufklärung über die Meutereien in Südwestafrika! Der„National-Zeitung" wurde eine Zuschrift von„geschätzter militärischer Seite" gesandt, in der es heißt, daß man in patriotisch denkenden Kreisen mit steigender Verwunderung die Entwickelung ver« folgt, die die Angelegenheit der vom„Vorwärts" ge- meldeten Verstöße gegen die Disziplin bei unseren Truppen in Südweslafrika nimmt. Der Verfasser tadelt die„beschönigende Auffassung" der„Mil.-Pol. Korresp." und erklärt, daß, selbst wenn es sich nur um den einen Fall handeln sollte, indem ein Poriepee- Unteroffizier durch betrunkene Reiter bedroht und zum Ausbringen eines Hochs auf die Sozialdemokratie genötigt wurde, so sei das Vorkommnis doch derart ungeheuerlich, daß eine erschöpfende und einwandfreie amtliche Dar- stjellung deS ganzen Vorganges einschließlich der gerichtlichen Urteile unbedingt geböte ir sei. Er legt Weiler dar, daß eS sich nach der Tarstellung der„Mil.-Pol. Korr," um das Verbrechen des„militärischen Aufruhrs" handeln würde, das„nach H 106 des R. M. St. G. B. im Felde mit Ge- 'ängniS nicht unter zehn Jahren und gleichzeitiger Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes bestraft wird. Die„Beteiligten" sollen auch tatsächlich gerichtlich zu schweren Freiheitsstrafen ver- urteilt worden sein". Der Verfasser wirft dann die Frage auf, was mit dem Portepee- Unteroffizier geschehen sei; will wissen, ob er sich energisch mit der Waffe gewehrt habe. Im anderen Falle gehörte er auch bestraft und seiner Stellung enthoben zu werden. Eine Mitschuld mißt der Militär den Kompagniechefs der Slamintruppenteile zu. denen die exzedierenden Soldaten und der Portepee- Unteroffizier an- gehörten. Nur solche Leute hätten die Kompagniechefs für das Expeditionskorps vorschlagen dürfen, die sie als unbedingt zuverlässig kannten. Den Schluß des Schreibens macht ein Ausfall gegen die„sozialdemokratischen Hetzer", die ein vollgerüttelt Maß moralischer Mitschuld an den Vorkommniffen und ihren Folgen tragen sollen, weil sie in die jugendlich unreifen Köpfe der jetzt Verurteilten schon vor deren Zugang zum Militär die Irrlehren ihrer Doktrin eingepflanzt haben.„In Stunden ruhiger Ueber« legung und stiller Selbsteinkehr werde» die im Gefängnis büßenden Betörten erkennen, wer die eigentliche Schuld au ihrem Unglück trägt, und sie werden, gleich ihren bedauernswerten Eltern und nächsten Angehörigen, mit vollen, Recht ihren Verführern fluchen." Wir haben den Inhalt der Notiz natürlich wegkn dieses melo- dramatischen Schlusses wiedergegeben. Eine Prüfung würde wahrschein- sich ergeben, daß die Exzedenten von den„Irrlehren" der Sozial- demokratie nur in der vulgären Verzerrung der Gegner jemals etwas erfahren haben. Aber wär's auch anders, diese„Irrlehren" lehren auf keinen Fall, daß Soldaten ihre Vorgesetzten zu Hochrufen auf die Sozialdemokratie zwingen sollen! Wir habe» den Inhalt des Schreibens wiedergegeben, weil eS zeigt, daß die Affäre nicht die Bagatelle ist, als die einige Blätter sie hingestellt haben, daß sie von ernster Bedeutung ist und daß des- halb unser Ruf nach amtlicher Aufklärung auch schon von mili« tärischer Seite aufgenommen wird! Wenn eine Mitteilung der„Weserzeitung' zutrifft, dann wäre freilich die Kolonialabteilung zurzeit gar nicht in der Lage, Erklärungen zu geben. Nach der„Wcserzeitnng" werden näm- sich augenblicklich von der Kolonialabteilung Erhebungen darüber gemacht, inwieweit Insubordinationen in Südwestafriika vorgekommen sind. Das bisherige Resultat hat ergeben, daß es sich lediglich um leichtere Fälle(?) handelt. Die Kolonial- abteilung ist aber entschlossen, die Untersuchungen bis zu Ende durchzuführen, um ein vollständiges Bild über den Umfang der angeblichen Meutereien zu erhalten! Dieses vollständige Bild hat auch das deutsche Volk zu fordern!—_ Militari«! Dresden, 19. Juni. Im Januar 1905 wurde der Unter- offizier Erl er von der 7. Kompagnie des Schützenrcgiments Nr. 108, ein systematischer Leuteschinder schlimmster Sorte, wegen zahlreicher unerhörter Soldatenmitzhandlungen zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt. Die Gerichts- Verhandlung ergab damals sehr viele Anhaltspunkte dafür, daß die Quälereien des Unteroffiziers von den Vorgesetzten nicht ungern gesehen und stillschweigend geduldet wurden. Tatsächlich wurde bald darauf gegen den Kompagniechef Hauptmann Feller, ein Strafverfahren eingeleitet, das auch mit seiner Verurteilung endete. Allerdings kam der Herr, obgleich man ihn als den wirklich Schuldigen bezeichnen möchte und trotzdem er wegen ähnlicher Ge- schichten bereits vorbestraft war, mit sechs Wochen Stubenarrest davon. Später wurde auch noch Anklage gegen den 1882 zu Würzen geborenen Leutnant v. Lossow wegen vorsätzlicher Unter- lassung der Meldung strafbarer Handlungen eines Untergebenen und mangelhafter Beaufsichtigung Untergebener erhoben. b. Lossow bestritt jegliches Verschulden. Er habe einen schweren Stand gehabt, da er als Fähnrich zur Kompagnie gekommen und erst später Leutnant geworden sei, so daß man ihm nicht den nötigen Respekt entgegengebracht hätte. Er habe zu einem Ein- schreiten um so weniger Anlaß gehabt, als der Kompagnie- chef selbst angeordnet habe, daß die Leute bei lässigem Benehmen durch Gewehr st recken. Knie- beugen und Hinlegen aufgemuntert werden s o l l t en. Von dieser Befugnis habe Erler eben ausgiebigsten Gebrauch gemacht. Nach den Zeugenaussagen hat allerdings der AngeklagteKenntnis von dem ruchlosen Treiben des Unteroffiziers Erler haben müssen. Ist doch der Feldwebel Brendler mehrfach bei ihm deswegen vor st eilig geworden. Der Leutnant ent- gegnete ihm sogar:„Filzen Sie doch nicht, es passiert nicht gleich etwas, die Rekruten werden sich nicht gleich wegen jeder Kleinigkeit beschweren!" Das Kriegsgericht erkannte auf Freisprechung und begründete dies in der Hauptsache damit, daß der Angeklagte sich durch die Anordnung des Hauptmanns, bei Nachlässigkeiten die Leute durch Extraübungen besonders heranzunehmen, für gedeckt habe halten können. Der Gerichtsherr legte Berufung ein, indem er sehr richtig bemerkte, aus dem ganzen Verhalten des Angeklagten gehe hervor, daß er sich hinsichtlich des Tuns des Unteroffiziers Erler nicht im unklaren befunden haben könne. Das Ober» kriegsgericht hat sich indessen nicht zu einer Verurteilung verstehen können, vielmehr die Berufung verworfen, so daß eS bei der Freisprechung sein Bewenden hat. Nationallibcrale Wahlrechtsräuber. AuS Leipzig wird uns vom 21. Juni telegraphiert: Der nationasiiberale Rat der Stadt Leipzig hat gestern abend in seiner Plenarsitzung beschlossen, eine Vorlage an das Stadt- verordnetenkollegium einzubringen, wonach das vor zehn Jahren eingeführte Dreiklassenwahlrecht durch ein noch erbärmlicheres, näm- sich durch ein berufSständisches Wahlrecht ersetzt werden soll!— Der geniale Plan, die nicht vom Reichstage bewilligte Eisen« bahn Kubub— KeetmanShoop als Kriegsbahn zu bauen, soll, wie die „Germania" zu berichten weiß, von dem Geh.LegationsratDr.Seitz aus- gehen, der bekanntlich gerne der würdigeNachfolgcr Jesko v. Putikamcrs, werden möchte, um dessen zivilisatorische Arbeit unter den„Wilden" fortzusetzen. Zugleich erinnert das Blatt daran, daß die Kolonial- abteilung beim Reichstage noch ein Schuldkonto hat, das nicht beglichen ist; nämlich die Summe von 200 000 M. für Vorarbeiten der Linie Windhuk— Rehoboth. Der Reichstag hat einstimmig die Indemnität für diesen Posten verweigert und ihn abgelehnt. Im Herbst soll er in den Rechnungsübersichten als außeretatsmäßige Ausgabe erscheinen.— Kolonialpolitische Jngcnddressur. Mit allen Mitteln wird ver» sucht, der deutschen Jugend Begeisterung für die deutsche Welt- und Kolonialpolitik einzupauken. Die„Deutsche Kolonialgesellschaft" hat, um das Interesse an unseren prächtigen Kolonien bereits in der Schule zu wecken, eine ausgewählte Sammlung von Lesestücken über die deutschen Schutzgebiete herausgegeben und diese Auswahl den Verlegern mit der Bitte zur Verfügung gestellt, bei der Neu» bearbeitung ihrer Lesebücher geeignete Slücke zu übernehmen. Schon in den heranwachsenden Kindern soll der Sinn für das„größere Deutschland" und die Flotienvcnnehrung erweckt werden, damit das kommende Geschlecht eine sogenannte„höhere Auffassung" von dem Beruf des deutschen Vaterlandes erhält und nicht vor den kolonialen Heldentaten eines Peters zurückschreckt, sondern darin die kraftvolle Betätigung deutscher Männlichkeit erblickt.— Bon der Selbstverwaltung. Aas Jena wird uns vom 21. Juni telegraphiert: Dem Ortsstatut der Stadt, das die Einführung der Grund» st euer nach dem gemeinen Wert festsetzt, ist vom Mi- nisterium prinzipiell die Genehmigung versagt worden!— Deutsche Redakteure in England. Kaum haben die vom englisch- deutschen Freundschaflskomitee eingeladenen deutschen Journalisten Englands Boden betreten und schon sehen sie sich, wie vorauszusehen war, genötigt, allerlei Huldigungen vor gekrönten Häuptern als Beigabe zu den Festlichkeiten mit in Kauf zu nehmen. Wie aus Southampton genieldct wird, brachte bei dem Frühstück zu Ehren der deutschen Presse der Präsident der Südwestbahn Sir Charles Scotter, der hierbei den Vorsitz führte, einen Trinkspruch auf König Eduard und Kaiser Wilhelm ans, der enthusiastisch aufgenommen wurde. Er hob die Bedeutung des Eintreffens der Gäste hervor und drückte die zuversichtliche Hoffnung ans, daß ein besseres Verständnis und Freundschaft zwischen den beiden großen Nationen, der deutschen und englischen, Platz greife.—_ Stöckerklatsch. Die Stöckerschen Organe„Das Reich" und die„Staatsbürger- Zeitung" stellen sich in'ihrer gestrigen Nummer darüber entrüstet. daß der von unS niedriger gehängte Klatsch von Slöcker herrühre. Der habe den Unsinn auch erst aus seinen beiden Blätter erfahren. „Reich" und„Staatsbürgcr-Zeitnng" scheinen jetzt ihre Behauptung fallen zu lassen, daß im Reichstage Stadthagen das Verbrechen vor- gehalten sei, Getreidespeknlation verübt zu haben, und daß er di.se Freveltat zugestanden habe. Sie schreiben jetzt nur noch von der Erzählung eines Redners in einer Pückler-Versammlung vom— 8. März 1902, und von angeblichen Wiederholungen in anderen von Stadthagen auch nicht besuchten Versammlungen. Als Beweis für die Richtigkeit der furchtbaren Entdeckung, daß Stadthagen spekuliert habe, führen die beiden genannten Blätter an, daß niemand widersprochen habe. Wir können den edlen Organen von StöckerS- gnaden verraten, daß Stadthagen heute noch spekuliert: erst gestern hat er auf den größten Kanten spekuliert und vorgestern war er so vermessen, darauf wetten zu wollen, daß„Das Reich" und die „Staatsbürgerin" auch einmal etwas Wahres bringen könnten.— Nim, verehrte Klatschblätter, klatscht weiter.— HuQland, Schweiz. «Internationaler Arbciterschutz". AuS den Verhandlungen der Bundesversammlung in der zweiten Woche dieser Session ist zu erwähnen, daß Bundesrat Deucher, der„gemütliche Alte", wie er gemeinhin genannt wird, die Erklärung abgab, das magere Ergebnis der Staatenkonfercnz für internationalen Arbeiterschutz vom Mai 1905(Bern), welches sich auf das Verbot der Herstellung, der Einfuhr und des Verkaufs von Zündhölzern erstreckt, die weißen(gelben) Phosphor enthalten, sei nunmehr von allen Staatsregicrungen sanktioniert worden. Weiter gab Deucher bekannt, daß die Staatenkonferenz für inter» nationalen Arbeiterschutz am 15. September d. I. neuerdings in Bern zusammentreten werde, um das internationale lieberem- kommen betr. das Verbot deS weißen Phosphors zu r a t i f i- zieren und den zweiten Beratungsgegenstand der letzten Kon- ferenz, nämlich das Verbot der gewerblidjen Nachtarbeit der Frauen, seiner Realisierung entgcgenzuführen. Bekanntlich hatte der österreichische Delegierte auf der letzten Konferenz, Sektionschef Hasenöhrl, zu diesem Gegenstande bemerkt, es hieße Eulen nach Athen tragen, wenn man über das Verbot der Nachtarbeit der Frauen noch Worte verlieren wollte! Gleichzeitig erklärte sich Hasenöhrl namens seiner Regierung bereit, einer ununterbrochenen 12stündigen Nachtruhe der Frauen seine Zustimmung zu erteilen. Man darf sich natürlich über die Tätigkeit der Konferenz für internationalen Arbeiterschutz keinen Illusionen hingeben. Wenn im September d. I. die Uebercinkommen betr. das Verbot deS weihen Phosphors uud der Nachtarbeit der Frauen endgültig ratifiziert werden jostten, jo sind feit Anbahnung des inter- 121 Frankreich. Die Sonntagsruhe. wird auf mehr als 150 geschätzt, unter denen sich nur neun Amerikaner| Bemerkungen des Stadtv. Stapf und des Stadtbaurats offe befinden. Kosterlizkh ist jetzt Herr von Cananea und übt ein eisernes mann angenommen. Regiment aus. Kommunales. Stadtverordneten- Versammlung. 24. Sikung vom Donnerstag, den 21. Juni, nachmittags 5 Uhr. Die Verhandlungen werden vom Vorsteher Dr. Langerhans um 5% Uhr eröffnet. Die Vorentwürfe zum Neubau einer Gemeinde doppel. schule in der Brombergerstraße und einer Turnhalle für die 31. Gemeindeschule, Alt- Moabit 23, werden genehmigt. Nachdem für die Errichtung einer städtischen Fleisaj bernichtungs- und verwertungsanstalt in Blankens beabsichtigt der Magistrat nunmehr den Bau dieser Anstalt auf felde die behördliche Genehmigung nicht zu erlangen gewesen ist, einem für Rieselzwecke erworbenen Gelände bei Rüdnik im Kreise Oberbarnim. Die Anlage soll mindestens 1500 Meter von mensch lichen Wohnungen entfernt bleiben. Der Kostenanschlag schließt mit 1 131 000 M. ab. Da der Bau nicht vor dem 1. April 1908 vollendet sein kann, wird bis dahin der Pächter der fiskalischen Abdeckerei, Neudeck, seinen Betrieb unter gewissen, die Stadt bes lastenden Bedingungen fortführen. nationalen Arbeiterschußes gerade 50 Jahre verstrichen, und in diesen 50 Jahren wäre dann als Resultat einzig die Regelung von zwei Punkten erfolgt in einer Materie, die Hunderte von Reformpunkten in sich schließt. Bekanntlich hat ja schon in den 50er Jahren der Elsässer Fabrikant Daniel Legrand zur Förderung der Frage des internationalen Arbeiterschutzes Petitionen an alle europäischen Regierungen gerichtet; diese Petitionen wanderten aber alle in die Archive das Schreckgespenst" der Sozialdemotratie pochte damals noch nicht an die Tore der Ausbeutergesellschaft. Offiziell in einem Parlament wurde die Frage zuerst vom schweizerischen Nationalratspräsidenten und nachmaligen Bundesrat Emil Frey im Juni 1876 in einer Präsidialrede aufgeworfen und Die Tribünen sind überfüllt, der Saal dagegen ist nur mäßig sodann auf dem Wege der Motion im Nationalrat eingebracht, besetzt. worauf diese Behörde am 30. April 1881 den Beschluß faßte, den Zunächst referiert Stadtv. Wallach( A. L.) über die MagistratsBundesrat einzuladen, zur Anbahnung einer internationalen vorlage wegen Enteignung einiger zur Verbreiterung der Fabrifgesetzgebung mit den Hauptindustriestaaten Verhandlungen Wallstraße zwischen Grün- und Inselstraße erforderlichen anzuknüpfen. Im März 1890 tagte dann in Berlin die erste Kon- Flächen. Es wird bezüglich der Grundstücke Wallstraße 28, 29, 30, ferenz, auf private Initiative hin eine zweite im Jahre 1897 in Zürich 34, 35, 78, 79 nach dem Magistratsantrage beschlossen. Stadtv. Wehl( Soz.): Die jeßige Vorlage findet unseren u geteilten Beifall, und wir bitten im Interesse der baldigen Er ( zur Zeit des Sozialistengesetes), eine weitere private im Jahre Für die umfangreiche Vorlage betreffend die in den Etat für richtung von einer Ausschußberatung abzusehen. Unsere Bedenken 1900 in Paris. Die einzige Frucht dieser Kongresse war das inter- 1906 aufgenommenen neuen oder abgeänderten Ge- ästhetischer und hygienischer Art gegen die erste Vorlage kommen nationale Arbeiterschuhamt in Basel, das sich bis heute durch halts stalen referiert ebenfalls Stadtv. Wallach. Der Aus- hier in Wegfall. Allerdings enthält der Vertrag mit dem biss hervorragende Untätigkeit auszeichnet und im wesentlichen sich schuß hat in der Zeit vom 9. April bis 12. Juni fünf Sibungen herigen Abdeckereipächter, auf den wir hier gleichzeitig eingehen dadurch bemerkbar macht, daß dessen Vorsteher( Prof. Bauer) den abgehalten und die Vorlage mit einigen Modifikationen an- sollen, einige bedenkliche, ja blamable Bedingungen. Titel„ Direktor des Internationalen Arbeitsamtes" führt und genommen. Der Herr Nach den Magistratsvorschlägen soll der Gehaltsskala verlangt u. a. die Garantie für die Zahlung einer Gebühr von alljährlich ein ganz anständiges Sümmchen zum Studium" der der Oberstadtsekretäre noch eine oberste Stufe über 6600 M. von 10 M. für Gestellung eines Wagens auch dann, wenn die Forts einschlägigen Fragen verbraucht. 6900 M. aufgesetzt werden. Die Bureaudiätare, geprüfte und un- schaffung des Kadavers usw. nicht möglich gewesen ist. Trotzdem Das wäre also die Sozialreform von„ oben" nach dem Rezepte geprüfte, sollen auf 1600 bezi. 1900. und nach bestandener wird die Stadt sich nach Lage der Dinge diesen harten Bedingungen des seligen Agrar- und Staatssozialisten Rodbertus, der für die Sekretärprüfung auf 2000 bezw. 2400 M., die Bureauanwärter auf nicht entziehen können. Erreichung seines kommunistischen Zieles- 500 Jahre in Aussicht 1600 bis 2000 M., die Bureauhülfsarbeiter in der 3. und 4. Stufe sammlung und der Magistrat; wir haben es 1904 nicht an War Schuld daran ist die Mehrheit der Vernimmt. Wenn der Kommunismus im Krähwinkler Landsturm-( die beiden ersten kommen in Fortfall) auf 1700 bezi. 1900. nungen fehlen lassen, man hatte aber damals dafür nur Spott und tempo des internationalen Arbeiterschutzes verwirklicht werden aufgebessert werden; den ständigen Bureaugehülfen ist in den Hohn übrig. Wir bedauern aufrichtig die damalige furzsichtige sollte, müßte man sogar 1000 Jahre ansehen! Und wenn man ersten drei Stufen eine Erhöhung um je 100 M. zugedacht. Für und engherzige Haltung der städtischen Behörden, unter der jett näher zusieht, so geschähe von„ oben" herab aber auch gar nichts zur die Kanzlisten ist die Erhöhung der ersten Stufe um 150 M. und die Steuerzahler leiden müssen. Hätte man mit größerer UnLösung der sozialen Frage, wenn nicht der stramme Vormarsch der die Aufsehung einer Stufe von 2650 M., nach 17 Jahren zu er- befangenheit unseren Darlegungen Rechnung getragen, so wäre dröhnenden Schrittes daherwogenden Arbeiterbataillone unter der reichen, sowie die Herabsehung des Pflichtpenfums von 9 auf die neue Anstalt schon am 1. April 1907 unter Dach und Fach geFahne der Sozialdemokratie die Regierungen zu Reformen zwingen 8 Bogen vorgeschlagen und nach lebhafter Debatte von der Aus- kommen. Eine berechtigte Schadenfreude dürfen wir darüber würde. Vielleicht würde überhaupt gar nichts getan werden, be- schußmehrheit( 8 gegen 5) ebenfalls genehmigt worden. Für die empfinden, daß in die Vorlage und ihre Begründung unsere fänden sich nicht auch Sozialdemokraten in der Vereinigung, die in Grundstücsaufseher, Bollziehungsbeamten, Ratswagemeister und damaligen Anschauungen zum großen Teil haben übernommen ihr wie Hechte im Karpfenteiche wirken und denen es in der Haupt- Steuererheber ist eine Erhöhung in der 1. Stufe um 100, in der werden müssen. 1904 leugneten die Herren Kollegen Kuhlmann sache zuzuschreiben ist, wenn in dieser bunt zusammengewürfelten 2. um 50 M. vorgesehen, so daß die Stala jetzt von 1600 M. in und Baul, daß üble Dünste diesen Anstalten entweichen könnten, Gesellschaft, die ihre Konferenzen mit Champagner begießt und mit 20 Jahren auf 2700 M. und 300 M. Funktionszulage festgestellt wie denn damals überhaupt die Nase des Kollegen Kuhlmann eine Havannazigarren beweihräuchert, überhaupt einmal ein Resultat werden soll. Auch hier hat die Ausschußmehrheit zugestimmt und Rolle spielte; jetzt wird Ihnen vom Handelsminister dasselbe geerreicht wird. weitergehende Anträge abgelehnt. Im Anschluß daran sind die sagt, und die Vorlage akzeptiert einfach diese unsere Ausführungen. Petitionen der geprüften Magistratssekretäre um Erhöhung Der Gang der Dinge in dieser Frage bringt es vielleicht zuwege, der oberen Stufen, der Titularsekretäre um Erhöhung des End- daß in Zukunft unsere Anregungen in dieser Versammlung weniger gehaltes und Fortfall der Bezeichnung" Titular", sowie der leidenschaftlicher Ablehnung begegnen. Wenn hier durch die In Frankreich ist bekanntlich die gefeßliche Sonntagsruhe noch Bureauassistenten 1. um Erhöhung ihrer Stala unten und oben und Staatsorgane in die Selbstverwaltung eingegriffen ist, so ist in nicht durchgeführt; zurzeit wird aber im Senat ein Gesetz beraten, Berringerung des Dienstalters zur Erreichung der höchsten Stufe, diesem Falle der Eingriff und die Haltung der staatlichen das den Arbeitern einen wöchentlich wiederkehrenden Ruhetag 2. um Aenderung ihres Titels in" Sekretär" beraten und Ueber- Bureaukratie geradezu als eine Erlösung betrachtet worden. fichern soll. Unter Artikel 13 hat der Senat einer Bestimmung seiner gang zur Tagesordnung über sie beschlossen worden. In dem Kommission zugestimmt, wonach in solchen Gewerben, in denen Bericht wird das Petitum der Bureauaſſiſtenten besonders scharf unsere damalige Vorlage decken sich feineswegs mit den ArguNachtarbeit notwendig ist, den betreffenden Arbeitern 13 Ruhetage fritifiert und ihnen namentlich vorgehalten, sie seien„ ſelbſt ſo weit menten, die der Borredner und seine Freunde gegen fie geltend innerhalb dreier Monate zustehen. Diese sollen einzeln oder zu- gegangen, bei unserer Aufsichtsbehörde zu petitionieren, um uns zu gemacht haben. Die Interessen ber nördlichen Vororte und der sammen je rach der Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und zwingen, ihnen höhere Gehälter zu bewilligen". Sie seien damit Heilstätte Blankenfelde haben keinen Einfluß auf die behördliche Arbeitnehmer gegeben werden können. Das Syndikat der Pariser freilich in allen Instanzen abgewiesen worden. Bäckergesellen hat hiergegen protestiert und fordert einen regelmäßig Zur Genehmigung empfohlen werden ferner die beantragten Bernauer Gegend ins Zeug gelegt hat, so übersieht er, daß sein Entscheidung gehabt. Wenn Herr Weyl sich schon damals für die wöchentlich wiederkehrenden Ruhetag. In der Eingabe Erhöhungen für die Stadtbaumeister, die akademisch gebildeten Fraktionsgenosse Stadthagen sich sofort dagegen aussprach mit der wird mit Recht darauf hingewiesen, daß eine Ruhezeit, die erst nach Ingenieure, die Ingenieure bei der Tiefbauverwaltung, die Stadt- Begründung, er könnte sich die Verlegung nach Bernau nur denken, breimonatiger ununterbrochener Tätigkeit eintritt, in sanitärer Be- bauaſſiſtenten und die sonstigen zur Aufbesserung vorgeschlagenen wenn man etwa damit einen neuen Einfall der Hussiten verscheuchen ziehung wertlos ſei. Da in ihrem Gewerbe Kündigungsfrist nicht üblich Beamten der Bauverwaltung; desgleichen für die Schuldiener der wollte.( Große Heiterkeit.). Die erwähnten finanziellen Berist, würden bei der Annahme einer solchen Bestimmung die Gehülfen Gymnasien, für den Direktor der 2. Handwerkerschule, für das ihre Stellung vielfach verlieren; sie würden nach Absolvierung der Lehrpersonal in der Waisenpflege und für die Erziehungsgehülfen pflichtungen gegen den Abdecker in der Zwischenzeit belaufen sich 13 tägigen Ruhezeit von den Meistern einfach nicht wieder an-( Aufseher) am Erziehungshause Lichtenberg, für einige Beamte im nur auf einige hundert Mark; Gewinne bei diesem Zweige der Bereich der Polizeiverwaltung, für den Revieroberinspektor der städtischen Verwaltung stehen überhaupt nicht in Aussicht. genommen werden. Gaswerke und für die weiter in dieser Verwaltung bezw. bei der Verwaltung der Wasserwerke, des Viehmarktes, des Schlachthofes, der Fleischbeschau, der Markthallen, des Urbanhafens und der Kassen der städtischen Werke zur Gehaltsaufbesserung vorgeschlagenen Beamten. Im Bereich der Verwaltung der Kanalisationswerke und Rieselfelder will der Ausschuß, abweichend von der Vorlage für den Betriebsdirigenten und den Obermaschineningenieur, eine gemeinsame neue Stala von 5100-7200 M.( nicht Paris, 21. Juni. Im Gegensatz zu der Aufregung, die vor acht bon 5700-7800 M.) festſeben und empfiehlt, für die AdministraJahren anläßlich der Verhandlung des Dreyfusprozesses herrschte, ist toren die bisherige Stala beizubehalten. Abgelehnt hat der jetzt von einer Erregung nichts zu bemerken. Zwar füllen noch Ausschuß sodann die beantragte Gehaltserhöhung für die Magiimmer Neugierige den Verhandlungsraum, doch merkt man in der stratsbauräte und Stadtbauinspektoren; für die Straßenreinigungsaufseher schlägt er eine abweichende Stala von 1700, 1850, 2000, Umgebung des Justizpalastes nichts von Absperrungen oder sonstigen 2150, 2300, 2400 M. vor, zu erreichen in fünf dreijährigen ZwischenDie Sigung wurde furz nach 12 Uhr eröffnet. Der Bericht- räumen; außerdem folgende Resolution:" Die Versammlung erstatter Moras setzte seine Ausführungen über die graphologische ersucht den Magistrat, für die Aufseher und Oberaufseher der Prüfung des Bordereaus fort und schloß: Die Theorien Straßenreinigung periodisch wiederkehrende dienstfreie Tage einzuBertillons seien unbegründet und unwissenschaftlich und führen." wiesen augenscheinlich auf einen vorgefaßten Entschluß hin. Die Petitionen der Oberkontrolleure und WassermesserEr wies dann noch darauf hin, daß die von der Straf- kontrolleure bei den Wasserwerken sollen dem Magistrat als Material überwiesen werden; die Petitionen der Dirigenten der und aus hervorragenden Gelehrten zufammengesetzte Kommission die Rekonstruktion des Bordereaus, Schoßschließer und Zeichner der Wasserwerke, der Oberaufseher deren sich Bertillon einzig und allein bediente, für falsch und die der Straßenreinigung, der Oberaufseherin und der Aufseherinnen Systeme der anderen Sachverständigen als jeden wissenschaftlichen des Arbeitshauses sind als unbegründet erachtet worden. Wertes bar erklärt habe. Daraus folgere er, daß die graphologische der Gehälter der Oberstadtsekretäre vorgeschlagen und die MehrStadtv. Borgmann( Soz.): Die Vorlage hat eine Erhöhung Prüfung des Bordereaus der Revision kein Hindernis entgegensege. Vielmehr spreche die Prüfung dieses Schriftstückes zu Dreyfus' Gunsten.Das Drängen der franzöfifchen Arbeiter nach einem regelmäßigen Ruhetag ist so groß, daß eine ganze Reihe von Berufsgruppen ihn sich durch den gewertschaftlichen Stampf bereits errungen hat. In der legten Zeit ist dies auch den Barbieren in Paris gelungen. Das Gesetz hinft also auch hier den tatsächlichen Berhältnissen nach. Maßnahmen. fammer ernannte Dreyfus. Norwegen. heit hat dem zugestimmt. Wir müssen die Erhöhung ablehnen. Als diese Kategorie von Beamten geschaffen wurde, sprach man von der unerläßlichen Notwendigkeit, eine Anzahl besonders befähigter und verdienter Sekretäre aus der Gesamtheit herauszuheben. Das Internationaler Polizeischuk. ist damals auch von der Versammlung gebilligt worden. Jetzt Haakon VII. will bekanntlich nicht auf die altmodische Krönungs- heißt es, man könne nicht ganz und gar an dem Dienstalter vorgeremonie in der Domkirche von Trondhjem verzichten. Sie soll heute, übergehen. Damit wird die Basis der Existenzberechtigung für am 22. Juni stattfinden. Seit acht Tagen befindet er sich mit Weib diese ganze Kategorie verlassen, es fönnten jetzt Leute in diese und Kind bereits auf der Krönungsfährt und läßt sich in ver- Kategorie hineinkommen durch gewisse Glückszufälle, durch Beschiedenen Orten huldigen. Darf man den offiziellen Berichten günstigung usw., die nicht da hineingehören. Wir beantragen Glauben schenfen, so hat das norwegische ,, Volk" die mit seiner neuen daher, diese neuerliche Gehaltserhöhung abzulehnen. Königstreuen Gesinnung verbundenen Pflichten schon recht gut begriffen Die beantragte Erweiterung der Gehaltsstala der Oberstadtund seine alten republikanischen Neigungen und Gewohnheiten sekretäre wird hierauf anscheinend abgelehnt. an den Nagel gehängt. Trotzdem ist man in Trondhjem Darauf wird beschlossen, über die Ausschußanträge en bloc abeifrig tätig, Gefahren für Leben und Sicherheit der zustimmen und nur noch über die gestellten Abänderungsanträge neuen Majestät und seiner Gäste vorzubeugen. Das Polizeikorps der zu diskutieren. Stadt ist von 70 auf 100 Mann verstärkt worden. Außerdem Stadtv. Ullstein( Soz.- Fortschr.) beantragt und befürwortet hat man zum Schutze der fremden Fürstlichkeiten eine Anzahl eine Aenderung der Gehaltsstala für die Bureauhülfs= internationaler Detettivs besorgt. Der König selbst arbeiter dahin, daß diese die höchsten Gehaltsstufen von 2600, soll von einem 25 Mann starten Militärtrupp bewacht werden. 2800 und 3000 M. schon nach 20 bezw. 22 und 24( statt 21, 24, 27) Gerüchte erzählen auch von sensationellen Verhaftungen in Trondhjem, Jahren erreichen. Der Antrag wird abgelehnt. sie werden indessen von anderer Seite als völlig aus der um Stadtrat Fischbed: Die Gründe der Regierungsorgane gegen Stadtv. Dr. Paul( N. L.) verharrt bei der Auffassung, daß von einer Geruchsbelästigung bei der Präzision der Arbeit der be treffenden Apparate nicht die Rede sein kann. Stadtv. Kuhlmann( Fr. Fr.): Die Beweihräucherungsrede des Kollegen Wehl hat schon vom Stadtrat die gebührende Abfertigung gefunden. Nicht unsere Mehrheit, sondern gerade Herr Weyl mit feiner Rede ist an der Verzögerung schuld; Herr Wehl hat damals nicht die Geschäfte Berlins, sondern die der Vororte geführt. ( Unruhe und Zustimmung.) Wenn Herr Wehl schließlich sich sogar mit meiner Nase beschäftigt, so gebe ich ihm doch den Rat, seine Nase nicht in Sachen zu stecken, von denen er anscheinend gar nichts versteht. ( Heiterkeit.) Stadtv. Weyl: Mein damaliger Hinweis auf Bernau ist auch im Sinne meiner Freunde gewesen; den Scherz, den damals mein Stollege Stadthagen machte, hat wohl keiner so ernst aufgefaßt, wie heute der Stadtrat Fischbeck. Unter meiner Würde halte ich es, auf die Ausführungen einzugehen, welche sich der Kollege Kuhlmann erlaubt hat. Er machte mir wieder den Vorwurf, ich hätte nicht die Interessen Berlins, sondern die der Vororte vertreten. Ich habe damals ausdrücklich betont, daß die nördlichen Vororte der einzige Ausflugsort sind für die Bevölkerung des Berliner Nordens, und diese Lungen sollten wir uns nicht verpesten lassen. Es hätte nur noch gefehlt, daß Herr Kuhlmann behauptete, ich oder meine Freunde seien Interessenten der Terrainspekulation an der Nordbahn, die Wert verlieren. Die Entscheidung des Kreisausschusses ist mir befürchten müßten, ihre Terrains würden durch diese Anstalt an nicht maßgebend; ganz anders aber liegt es mit den Gutachten der Sachverständigen. Herr Kuhlmann sagte damals, die Luft in der Umgebung der ähnlichen Anstalt bei Köln sei schöner als manchmal hier in unserem Sißungsraum. Diese Aeußerung, die ich der Vergessenheit entreißen muß, gab mir Gelegenheit, heute auf die Nase des Herrn Kuhlmann zurückzukommen. Die Vorlage wird angenommen. Im Jahre 1902 hat die Versammlung sich grundsätzlich mit der Uebernahme des 6. Teils der durch den Bau von Familien. wohnhäusern für die Werksarbeiter in dem Rüders. dorfer Kaltsteinbruch entstehenden Kosten einverstanden erklärt, jedoch unter der Bedingung, daß die Mietsverträge mit dre i monatlicher Kündigung von Quartal zu Quartal abgeschlossen werden. Das Oberbergamt in Halle will jetzt von dem damaligen Beschluß Gebrauch machen, verlangt aber die Zustimmung zu monatlichen Mietsverträgen, so daß spätestens am 15. jeden Monats zum Schluß des Monats gekündigt werden kann. Stadtv. Tolksdorf( Soz.): Dieselbe Bedingung ist 1902 glüd licherweise abgelehnt worden; jetzt wird uns wiederum die Zuftimmung zur monatlichen Kündigungsfrist angesonnen. Nach den bort maßgebenden ländlichen Verhältnissen müßten im Gegenteil Jahreskontrakte Bedingung werden. Wir haben gar keine Ver Luft gegriffen bezeichnet. Immerhin scheint es, daß die herrschenden Vom Stadtv. Buchow( Fr. Fr.) wird befürwortet, bei der anlassung, dem Bergfiskus irgendwie nachzugeben. An der dreiStreise von durchaus unmotivierter Furchtsamkeit ergriffen sind. Betriebsmonatlichen Kündigungsfrist muß im Interesse der Bergarbeiter dirigenten nicht eine mit dem Obermaschinen- festgehalten werden. ingenieur gleiche Stala aufzustellen, sondern das Marimal- Stadtsyndikus Weise: Zu den sozialpolitischen Rücksichten von gehalt für den ersteren auf 7200, das für den letzteren auf 7800 M. 1902 tritt jetzt auch noch die auf die Betriebsnotwendigkeit. Es festzuseßen. handelt sich um eine Belegschaft von über 1000 Arbeitern in einem fleinen Orte. Unser Sozius, der Staat, sorgt durchaus wohlwollend für die Arbeiter; wenn er die dreimonatliche Kündigungsfrist auf keinen Fall akzeptieren zu können erklärt, so müssen wir uns damit abfinden. Die einmenatliche Frist scheint auch uns für die betreffenden Verhältnisse bollkommen ausreichend; die dreimonatige würde die Bewegungsfreiheit des Arbeiters selbst er heblich beschränken. Amerika. Standrechtlich erschossene Streikende. Wir lesen in unserem New Yorker Parteiblatt: In Cananea( Mexiko), wo anfangs Juni 5000 merikanische Bergarbeiter in den Ausstand traten, um eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage zu erzielen, sind seitens der merikanischen Gewalthaber, im Verein mit den amerikanischen Ausbeutern, standalöse Maßregeln ergriffen worden, um die Arbeiter gefügig zu machen. Der megifanische Sozialismus hat seine Bluttaufe erhalten: Acht Führer der Streifenden wurden am Morgen des 3. Juni um 9 Uhr von einer Truppe Milizsoldaten unter dem Kommando des Obersten Kosterligly ftandrechtlich erschossen. Ohne eine Spur von Furcht zu zeigen, rief die kleine, dem Tode geweihte Schar wie mit einer Stimme: Zur Hölle mit der Regierung! Nieder mit Megiko!" Dann gab der Oberst das Zeichen, und die tapferen Freiheitshelden wälzten sich in ihrem Blute, die ersten Märtyrer unserer Sache in Merito. Ueber Cananea ist der Belagerungszustand verhängt worden.„ Jeder, der sich auf der Straße zeigt, wird niedergeknallt", lautete der fategorische Befehl, den der famose Oberst Kosterligty crteilte. Die Zahl der Opfer des blutigen Zusammenstoßes zwischen den merikanischen Arbeitern und ihren amerikanischen Arbeitgebern Kanalisationsverwaltung für den Stadtv. Borgmann schließt sich unter besonderer Anerkennung der Verdienste des gegenwärtigen Obermaschineningenieurs dem Antrage Buchow an. Vom Referenten wie vom Stadtrat Marggraff wird gegen die einseitige Erhöhung des Marimalgehalts für den Ingenieur gesprochen und plädieren diefelben für völlige Gleichstellung der beiden Beamten. Stadtv. Herzberg( Fr. Fr.) tritt dagegen lebhaft für die Heraushebung des so hochverantwortlichen Obermaschineningenieurs auch im Gehalte ein. Der Antrag Buchow wird angenommen. Stadtv. Ullstein nimmt den vom Ausschuß abgelehnten Antrag wieder auf, das Gehalt der Steuererheber in allen Stufen um je 100 M. zu erhöhen. Die Mehrheit lehnt den Antrag ab. Der Rest der Vorlage wird nach den Ausschußborschlägen en bloc angenommen. Diskussion durchweg den Ausschußanträgen gemäß. Bezüglich der Petitionen beschließt die Versammlung ohne Stadtv. Tolksdorf: Gegen den Bau der Arbeiterwohnungen sind wir nicht gewesen, sondern nur gegen die einmonatliche Stün digung. Wir können die dreimonatliche Kündigung hier erreichen, da unsere Zustimmung notwendig ist. Stadtv. Friederici( A. 2.) tritt für die Annahme der Vorlage ein. Stadtsyndikus Weise hebt hervor, daß die Verwaltung des Kaltsteinbruchs dem Fiskus obliege; für Streitigkeiten habe sich die Stadt einem Schiedsgericht zu unterwerfen, das wahrscheinlich nicht zugunsten der Stadt entscheiden würde. Stadtv. Hinge( Soz.): Also man will mit außerordentlicher Härte gegen die Arbeiter vorgehen! Der Arbeiter verliert nicht nur Der spezielle Entwurf für die Heimstätte für weib- gegebenenfalls seine Arbeit, sondern er soll in 14 Tagen auch noch. Iighe Genesende in Blankenburg wird nach kurzen seine Wohnung verlieren; er fliegt also eventuell in 14 Tagen auf bie Straße! Und das soll aus Betriebsrüdfichten notvendig sein! Auch wenn Berlin ganz allein Besitzerin des Kalfsteinbruchs fein würde, so würden wir solchen Verträgen nie unsere Zustimmung geben. Wir bitten dringend, an der dreimonatlichen Kündigungsfrist festzuhalten. Die Vorlage wird angenommen. eines Generalstreils verursache das Bestreben derselben, die bisher| schauen" ist berboten. Soft und gogis beim Meister t bestehenden unpolitischen Arbeiterberbände aufzusaugen nicht stattha ft. Die Freigabe des 1. Mai bleibt freier Vers Die Umwandlung geschah in einer Generalversammlung, die einbarung überlassen. durchaus statutengemäß tagte und wurde dort mit 42 gegen drei Stimmen beschlossen. Die Klage gegen diesen Beschluß war eine ganz unmögliche Sache. herrschende Strömung, darum sein Bestreben, aus dem Prozeß einen Aber der Herr Justizrat tennt die pelitischen Tendenzprozeß zu machen, darum auch der unter anderen Umständen ganz unmögliche Sieg" der Kläger. Auf Antrag der Kläger hat das Landgericht durch die erwähnte Verfügung dem Bundesvorstand bei einer Strafe bis zu 1500 m. oder sechs Monaten Saft untersagt, irgend eine gewerkschaftliche Tätigkeit auszuüben, was natürlich die Sperrung der Gewerkschaftstasse zur Folge hatte. Dies wurde inszeniert, obgleich unsere Kollegen in Deutschland gekündigt, d. h. ausgesperrt waren. " Die Maurer in Landshut( Niederbayern) sind, da ihre Fors Die Stadtvv. Körte u. Gen. beantragen:" Die Verfammin den Ausstand getreten. Die„ chriftliche" Maurerorganisation berungen auf Erhöhung des Stundenlohnes und Verkürzung der Arbeitszeit vom Unternehmertum prozig zurüdgewiesen wurden, Tung wolle den Magistrat ersuchen, für die dringend erforderliche besteht im ganzen aus fünf Mann, vier davon machten Streit Umgestaltung der Jnfettionsabteilung des Krankenhauses am Friedrichshain soviel Terrain von brecher; von diesen konnten noch drei zur Niederlegung der dem anstoßenden Park zur Verfügung zu stellen, wie erforderlich Arbeit veranlaßt werden, während der andere, der Vorsitzende ist um die notwendigen Bauten ohne baupolizeiliche Ausnahmedieser christlichen Aucharbeiterorganisation, weiter schuftet. bewilligungen darauf errichten zu können." Stadtv. Körte( Fr. Fr.): Heute lassen sich in diesem Krankennagenfabriken, Präge- und Kunstanstalten beschäftigt sind, haben Auch die Buchbinder Nürnbergs, die in Buchbindereien, Kartons Hause die Kranten nicht so isolieren, daß jede Möglichkeit der Uebertragung ausgeschlossen ist. Eine Aenderung ließe fich erzielen, sämtlichen Unternehmern einen Minimallohntarif vorgelegt. Die Der Herr Justizrat stellt die Sache so hin, als hätten die Kläger darin aufgestellten Forderungen sind u. a.: neunstündige Arbeitswenn man den Friedrichshain für die Erfazbauten heranzieht, d. h. lediglich die Rechte der anderen. Protestler wahren wollen, die sonst zeit, 20 M. Minimallohn im ersten Gesellenjahr, steigend um jähr= die Umfassungsmauer etwas vorschiebt. Die Parkdeputation hat als Bundesmitglieder ebenfalls mitausgesperrt worden wären. Der lich 1 Mart pro Woche bis zum Betrage von 26 M., Bezahlung der hier leider nicht voll das erwartete Entgegenkommen bewiesen. Dem Herr Justizrat irrt sich. Wir stellen hiermit fest, daß den Protestlern gesetzlichen und vom Geschäft angeordneten Feiertage; für die Arsoll unser Antrag abhelfen. seitens des Schuyverbandes Deutscher Steindruckereibefizer erklärt beiterinnen Wochenlöhne von 7,50 M. beim Eintritt und steigend Stadtv. Weyl beantragt Prüfung des Antrages in einem Aus- worden ist, daß sie nicht ausgesperrt würden. Sollten sie deshalb bis 15 M. innerhalb dreier Jahre, für Spezialarbeiterinnen 10 bis Schuß, um die widerstreitenden Interessen der beiden Verwaltungen wegen Streifbruchs aus dem Senefelder- Bund ausgeschlossen werden, 15 M, Buschläge für Ueberstunden von 25, 33% und 50 Proz., je zu bereinigen. Bürgermeister Dr. Neide: Visher ist die Notwendigkeit der sollten fie gegen den Bund flagbar vorgehen, der Schubverband nach Dauer, Erhöhung der Affordsätze um 15 Broz., Garantierung Deutscher Steinbruckereibesitzer werde die Prozeßtosten bezahlen. Hergabe nicht nachgewiesen. Wir haben schon ein großes Stück des Höchstlohnes für Affordarbeiter, Heimarbeit darf an das Perherzugeben uns bereit erklärt. Inzwischen sollen neue Pläne aus- Bund feine Schwierigkeiten bereiten wollen, so steht andererseits fest, Wenn der Herr Justizrat weiter sagt, die Kläger hätten dem fonal nicht verabfolgt werden, Freigabe des ersten Mai. gearbeitet worden sein; darüber wäre weiter zu verhandeln. So daß die Kläger in der Versammlung vom 12. Mai ausdrücklich von groß find unsere Berliner Barks nicht, daß wir leichten Herzens einem aus ihrer Mitte darauf aufmerksam gemacht wurden, daß der Stücke davon hergeben können. Hat man doch schon ein Stück vom Bund bei Erlaß einer solchen Verfügung in eine mißliche Lage Humboldthain für eine Schule verlangt!( Hört! hört!) fommen fönne, worauf erwidert wurde, daß man darauf keine RückNachdem auch Stadtv. Prof. Landau( A. 2.) für Ausschuß ficht nehmen dürfe. Das war diefelbe Klägerversammlung, in der beratung gesprochen, wird demgemäß beschlossen. Der Ausschuß beschlossen wurde, die Berfügung beim Gericht zu beantragen. Die wird sofort vom Vorstande ernannt. richtet. Kläger haben darüber durch ein Flugblatt vom 15. Mai selbst beAuf dem der Nordpartterrain- Attiengesellschaft gehörigen Gelände östlich der Müllerstraße sollen zwei in den Bebauungsplan X aufzunehmende Straßen 86e und 30a angelegt werden. Von ihrem Terrain an der Schöningstraße hat die Gesellschaft gleichzeitig eine Fläche von zirka 5580 Quadratmeter für 25 M. den Quadratmeter der Stadt zu Schulzweden angeboten, wenn dafür die für die ihr verbleibenden Flächen grundbuchlich eingetragenen Baubeschränkungen daß neue Baulichfeiten zwei Ruten von der Grenze nach der Straße zurüdbleiben müssen und nur Häuser mit höchstens zehn Wohnungen errichtet werden dürfen gelöscht werden. Der Magistrat ist auf das Angebot eingegangen. so Tegtilarbeiteraussperrung in Euskirchen( Rheinland). Die Firma Schiffmann u. Kleiner in Euskirchen hat den ausständigen Webern mitgeteilt, wenn sie bis Sonnabend die Arbeit nicht wieber Euskirchens ausgesperrt. Zugleich zog die Firma die aufgenommen hätten, würden sämtliche Teptilarbeiter bisher gemachten Zugeständnisse zurüd. Die Ausständigen denken nicht daran, sich durch die Drohung beirren zu lassen. nicht daran, sich durch die Drohung beirren zu lassen. In der Eisengießerei von W. Stolle in Euskirchen sind die weigerten, Ueberarbeit zu machen, die nicht bezahlt wurde. Former und Gießereiarbeiter ausgesperrt worden, weil sie sich find sämtlich wegen Lohndifferenzen in den Ausstand getreten. Die Stahlformer der Firma Mönkemöller u. Co. in Bonn Nachdem sie ständen ändert die sogenannte" Freigabe" der Gewerkschaftstasse An den durch die Verfügung des Landgerichts geschaffenen Zunicht das geringste. Die Kasse ist zunächst durch gerichtliche Verfügung gesperrt, und diese Verfügung verliert erst ihre Wirtsamkeit mit der Beendigung des Prozesses. Die Kläger haben unseres Grachtens gar fein Recht, diese Verfügung aus eigener Kraft zu annullieren; meinen sie es wirklich ernst, so haben sie so rasch als sich so ziemlich sämtliche Holzträger im Hafengebiet Zum Streit der Holzträger im Duisburger Hafen. Es haben möglich einen Weg zu suchen, der den Prozeß beendigt. Erst das der Bewegung angeschlossen. Nur ganz vereinzelt taucht würde in Wirklichkeit die Freigabe der Gewerkschaftskasse bedeuten. hier oder dort ein Streifbrecher auf. Die meisten Firmen sind Aber selbst, wenn ihre jebige Freigabe rechtswirksam wäre, so vollständig stillgelegt. Mehrfache Verfuche, Holländer Etadtv. Dr. Arons( Soz.) beantragt Ausschußberatung. Die bewegung gar keinen Einfluß ausüben. Unser Streitfonds bleibt geglückt, als die Leute bis zur Arbeitsstätte tamen. würde das auf die im Gang befindliche Lohn- und Aussperrungs- und Italiener als Streitbrecher heranzuholen, sind nur insofern Gesellschaft würde bei der Löschung dieser Verpflichtungen auch gesperrt. Dieser besteht aus dem Vermögen des alten Verbandes der dann jedoch über den Sachverhalt aufgeklärt waren, machten sie dann noch ein glänzendes Geschäft machen, wenn sie das Schul- Lithographen usw., der sich infolge der Verschmelzung auflöste. Wir gemeinsame Sache mit den Ausständigen. So machte es am grundstück der Stadt schenkte. Man sollte sich nicht auf diese haben in unserem Aufruf vom 16. d. M. schon im Vorwärts" darauf Montag ein Trupp von 60 Jtalienern! Nicht ein einziger davon Röschungen einlassen; Mietstasernen gäbe es im Norden gerade hingewiesen, ebenso haben wir darin schon die" Freigabe" der Ge- blieb. Das Unternehmertum ist denn auch ganz aus dem Häuschen. genug, und den neuen Schillerpark sollte man vollends nicht damit werkschaftstasse erwähnt. Dieser unser Streitfonds befindet sich in Mehrere Firmen haben bereits bewilligt, darunter die größte umgeben. Die Mieten würden damit nicht verteuert werden. den Händen einer Liquidationskommission, die ihn dem Bund unter Firma Maaßen. Wenn der Zuzug" sich weiter so verhält wie Die Vorlage geht an einen Ausschuß. Im März 1902 hatte die Versammlung einem neuen Ortsverbandes übernimmt. Weiter fann fie über das Vermögen nicht sein. der Bedingung übergeben soll, daß er die Aufgaben des aufgelösten bisher, dann wird innerhalb acht Tagen der Sieg ein vollständiger statut betreffend die Anlage bon Straßen und die Heranziehung der Anlieger zu den Kosten der Straßenherstellung ist aber durch das Vorgehen der Kläger dem Bund einstweilen unverfügen, nur zu dem einen Zwed hat sie es in Berwaltung. Nun Husland. zugestimmt, welches das geltende Statut vom März 1877 erfezen möglich gemacht, die statutengemäße gewerkschaftliche Tätigkeit aus- Delegiertenversammlung schweizerischer Buchbruckereibefizer zur EinEin allgemeiner Buchdruckertarif soll nach den Beschlüssen der follte. Noch heute indes, mehr als 4 Jahre nach jenem Beschluß. zuüben, es kann daher die Liquidationskommission nicht liquidieren, führung kommen. Derselbe soll an Stelle des bisherigen Ortstarifs ist das neue Statut nicht in Geltung; die Beanstandung mehrerer denn damit würde sie unseren Streitfonds der Willfür der bürger- treten und die Lohn- und Arbeitsbedingungen der gesamten Bestimmungen durch die Aufsichtsbehörde, den Oberpräsidenten lichen Gerichte ausliefern. Darum bleibt trop der sogenannten Gehülfenschaft einheitlich regeln. Die Verhandlungen, die zwischen und die Reffortminister des Inneren und der öffentlichen Arbeiten, Freigabe" der Gewerkschaftstasse unser Gewerkschaftsvermögen der den beiden Organisationen eingeleitet werden, sollen sich auch erhat zeitraubende Verhandlungen nötig gemacht, deren Ergebnis jebigen Lohnbewegung entzogen. Daran ändert auch die Erklärung streden auf die Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises. eine jetzt der Versammlung vorgelegte anderweite Faffung ist. Nach des Herrn Justizrats nicht das geringste, zumal das drakonische Berder Versicherung der Begründung sind wesentliche Aenderungen bot gegenüber dem Hauptvorstand des Bundes bestehen bleibt. in den neuen Vorschlägen nicht enthalten. Das neue Statut wird ohne Debatte genehmigt. Die Borlage wegen Zahlung eines Beitrags von 20 000 M. zum Bau der Chauffee bon Gütergo nach Philippsthal, Austausch von städtischen Ländereien in der Pots damer Forst gegen fistalisches Gelände in der Gemarkung Gütergok und Abschluß eines Vertrages wegen Bachtung und Regulierung eines Entwässerungsgrabens in der Potsdamer Forst bezeichnet Stadtb. Barth( A. 2.) als sehr unübersichtlich und undurchsichtig. Er beantragt Ausschußberatung. Stadtv. Arons, der den gleichen Antrag gestelt hat, verzichtet aufs Wort. Der Antrag Barth wird angenommen. Die nachträglich auf die Tagesordnung gesetzten VorTagen betreffend 1. den Generaltostenanschlag für den Neubau der dritten Irrenanstalt in Buch, 2. den Ankauf eines Grundstücks in Köpenid, Die Duma. Stimmen aus dem Zukunftsstaat. Die Porzellanfabrik von Schwabe u. Co. in Reichenbach( S.-A.) fuchte jüngst in bet Letzte Nachrichten und Depefchen. Keramischen Rundschau" Schleifer bei gutem Lohn und dauernder der Beschäftigung. Einem Schleifer, der sich auf einen solchen Posten meldete, schrieb die Firma, sie sei nicht abgeneigt, ihn zu engagieren, Petersburg, 21. Juni.( W. T. B.) Das Haus ist start besetzt, er solle ihr aber zuvor mitteilen, welchen Lohn er beanspruche. Als da die Minister des Junern und der Justiz auf Interpellationen der Mann zurüdschrieb, er verlange bei zehnstündiger Arbeitszeit antworten wollen. Der Berichterstatter der Kommission zur Aus25 M. Wochenlohn, ging ihn von der Firma ein Schreiben folgenden arbeitung einer Geschäftsordnung teilt mit, daß er Briefe aus Inhalte zu: " Herrn N. N. in W. Die von Ihnen gestellten Bedingungen find wohl Stimmen aus dem Zukunftsstaat? Wir werden Sie weder im Akkord noch im Tagelohn noch im Wochenlohn anstellen, sondern danken für Ihre Person. Achtungsvoll Schwabe u. Co." 3. die unentgeltliche Abtretung des zum Bau der projek Schade, daß Schwabe u. Co. nicht zugleich mitgeteilt haben, bis tierten Industriebahn Tegel- Friedrichsfelde an welcher Grenze bei ihnen die gegentvartsstaatliche Bezahlung und erforderlichen städtischen Grund und Bodens in den Gutsbezirken Arbeitszeit reicht. Rosenthal und Blankenburg und im Gemeinedebezirk HohenSchönhausen gelangen nach unwesentlicher Debatte zur Annahme. Schluß gegen 8½ Uhr. Gewerkschaftliches. Senefelder- Bund. Herr Justizrat C. Wertheim- Frankfurt sendet uns ein längeres Schreiben, in welchem er versucht, die 31 Kläger des Senefelder Bundes gegen den Vorwurf. die Arbeiterschaft schädigen zu wollen, in Schuß zu nehmen. Es heißt in dem Schreiben u. a.: Berlin und Umgegend. Solidarität. Weil die Firma Schmalisch u. Below versucht, durch Anwerbung christlicher Arbeitswilliger die frei organisierten Fliesenleger ganz aus ihrem Betriebe zu berdrängen, haben gestern fämtliche Bobenleger, Anschläger, Glaser, Einseßer und Zimmerer ber genannten Firma die Arbeit auf dem Bau Mogstraße 38 und 39 eingestellt. umgegend find zwischen den Unternehmern und Arbeitern wegen Achtung, Schuhmacher! In den Geschäfteh in Steglitz und der Lohnfrage Differenzen ausgebrochen. Es wird ersucht, Zuzug fernzuhalten. London und Paris erhalten habe, in denen den russischen Abgeordneten der Vorschlag gemacht wird, eine parlamentarische Gruppe, die für den Vorschlag unter Beifallskundgebungen einstimmig an. Dam internationale Schiedsgerichte eintritt, zu bilden. Die Duma nimmt ergreift der Justizminister das Wort und die Duma hört seinen Ausführungen in tiefem Schweigen zu. Der Minister des Innern Stolypin, der nach ihm spricht, erklärt: Wenn ich auch zugebe, daß einige ungesekliche Akte der Polizeiverwaltung zur Laft fallen, so lieben doch alle Beamte ihr Vaterland.( Nufe: Genug! Genug!) Der Dumapräsident läutet mit der Glode. Die Regierung", fährt der Minister fort, muß handeln und energisch für Aufrechterhaltung der Ordnung sorgen. Die Polizei erfüllt ihre Pflicht. Während der Unruhen sind allein 288 Polizeibeamte getötet und 888 bertvundet worden."( Zwischenrufe: Das ist wenig! Genug! Genug! Dazwischen ertönt Schreien und Pfeifen und Hohngelächter.) Der Präsident erhebt sich und ruft: Die Freiheit des Wortes steht in diesem Saale jedermann zu. Der Minister schließt seine nede mit den Worten: Die Regierung wird handeln wie eine Schildwache, die ihr altes Gewehr nicht fortwerfen darf, bevor sie ein neues erhalten hat.( Pfeifen und Gelächter. Rufe: Genug!) Es herricht große Aufregung. Vinarere, Glaubensbekenntnis auf Megeleien hinausarten. Roditschef und Nabakof halten darauf heftige Reben, Roditschef sagt unter anderem, der Bankerott des Staates werde eintreten, bevor das Bolt beginnen werde, sein Blut zu vergießen. Alle diese Reden veranlassen lärmende Rufe:„ Nieder mit der Regierung!" Nach diesen Reden ergreift unter fortwährenden Rufen: Entlassung nehmen!" nochmals der Minister des Innern das Wort und sagt: Ich werde mich durch Ihr Lärmen nicht irre machen lassen, ich habe ein gutes Gewissen.( Anhaltender Bärm.) Die Minister verTassen unter den Zurufen: Mörder! Mörder!" den Saal. Der Präsident unterbricht die Sizung für eine Stunde. Nach Wiederaufnahme der Sigung befchließt die Duma, die Anträge betreffend die bürgerliche Gleichheit an die Kommission zu berweisen, " widert dem Minister Stolypin und führt aus, die Mezeleien wurden Fürst Urussof, früher Gehülfe des Ministers des Innern, era immer von geheimen Kräften organisiert und es sei unmöglich, Die 31 Kläger hatten dem Rechtsschutzverein gegenüber die Die Firma Hartung ersucht uns um Aufnahme des Folgenden: irgend jemand gegen diese gewissermaßen von der Regierung ausAufgabe übernommen, alle diejenigen Maßnahmen zu treffen, welche Die in Nr. 141 diefer Zeitung gebrachte Darstellung, laut welcher gehenden Vorgänge zu schüßen. Redner führt zahlreiche Beispiele notwendig waren, um die als ungültig bekämpften neuen Statuten- bie Arbeitseinstellung bei der Firma Hugo Hartung deshalb erfolgt wohl Rußlands wirken und gegen Leute kämpfen, die die Eran und schließt, die Duma müsse den Herrscher verteidigen für das bestimmungen betr. den Zwang zum Beitritt zur Gewerkschaftstasse sei, weil die Firma bie bereits bewilligte Lohnerhöhung von 2½ Pfziehung eines Polizeibeamten erhalten hätten und deren politisches außer Kraft zu sehen. Die 31 Kläger haben mit ihrem Begehren bro Stunde zurückgezogen habe, ist dahin zu berichtigen: Auf die von den zirka 80 Hülfsarbeitern geforderte Lohnin zwei Instanzen obgefiegt Diese einstweilige Verfügung, welche darauf gerichtet war, nur erhöhung von 5 Bf. und Sternmachern von 21, Bf. pro Stunde ift die Verfolgung der alten Bereinszwede für zulässig zu erklären, von der Firma eine Durchschnittserhöhung von 21 Bf. pro Stunde schloß natürlich das Verbot in sich, das Vermögen des Senefelder im Vergleichswege bewilligt worden, unter der Bedingung, daß damit Bundes zu den durch die ungültigen Statutenbestimmungen einge- die Differenz gütlich beigelegt ist. führten Zweden zu verwenden. Trozdem haben die 31 Kläger Nachdem dieser Vergleichsvorschlag von den Arbeitern abgelehnt sofort nachdem diese Entscheidung zu ihren Gunsten gefallen war, und der Streit proflamiert wurde, hat die Firma Hugo Hartung einstimmig beschlossen, das Vermögen der Gewerkschaftstasse des ihren Vergleichsvorschlag zurückgezogen." Senefelder- Bundes, abgesehen von den unter Protest gezahlten Ge- Die Glaser Berlins haben ihren Lohntarif zum 1. August 1906 wertschaftsbeiträgen, für Unterstützungszwede freizugeben. Die gekündigt. Die neuen Forderungen wurden den Unternehmern zu31 Kläger haben sich damit begnügt, ihre Pflicht hinsichtlich der ihnen gestellt. Es wird gefordert: ein dreijähriger Tarif, erstes Jahr anvertrauten Interessen zu erfüllen, und gerade die einstimmige 75 Bf. Stundenlohn bei 8% stündiger Arbeitszeit, im zweiten Jahr fofertige Freigabe der Gewerkschaftstasse beweist, daß ihnen nichts 80 Bf. Stundenlohn bei 8 stündiger Arbeitszeit, und im dritten Jahre ferner gelegen hat als die Absicht, ihren Kollegen in dem gegen 85 Bf. Stundenlohn. Außerdem Aufhebung des Innungsnachweises. wärtigen Lohntampf und der Aussperrung Schwierigkeiten zu be- Die Unternehmer befaßen die Dreistigkeit, diese Forderungen mit reiten. Soweit sie dies ohne Preisgebung des von ihnen erwünschten einem wesentlich niedrigeren Lohnangebot als die Sätze im alten Petersburg, 21. Juni.( B. H.) Ju Saratow nimmt die StreitZieles möglich machen fonnten, haben sie auf die ihnen durch das Tarif zu beantworten und begründeten ihr Verlangen mit angeb- und Stullateure sind in den Ausstand getreten und haben die bewegung zu. Die Zimmerleute, Steinmetze, Bauarbeiter, Maler Urteil gewährten Rechte Verzicht geleistet. lichem Rückgang der Leistungen der Gefellen. Solche Beschimpfungen wagen diese Heren der Arbeiterschaft zu bieten, obwohl sie fast sämt- Arbeitswilligen gezwungen, sich ihnen anzuschließen. Ebenso dauert lich in der Lage waren, ihre Geschäfte erheblich zu vergrößern. Unter der Streit der Bäcker fort. Weiter wird gemeldet, daß in der Umallgemeiner Entrüftung nahmen in einer Versammlung am 18. Juni gegend von Sinferopol Versammlungen stattfinden, an denen zahldie Mitglieder des Zentralverbandes Kenntnis von dem Schreiben. reiche Arbeiter, Studenten, Bauschüler und viele Soldaten besonders Die Arbeiter werden zu gegebener Zeit dem Unternehmertum schon regen Anteil nehmen. Die Versammelten fordern Amnestie, Land und die richtige Antwort erteilen. Freiheit. Da meine Auftraggeber annehmen, daß Ihnen diese Verhältniffe, insbesondere die Freigabe der Gewerkschaftstasse unbekannt geblieben sind, so bitte ich Sie, in geeignetes Weise Ihre Bublifation vom 12. Juni 1906 richtigzustellen. Hochachtungsvoll Carl Wertheim, Justizrat. Die Gewerkschaftskommission der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe Deutschlands stellt uns bazu eine Ec Härung zur Verfügung, der wir folgendes entnehmen: " Das neue Statut des Bundes ist in durchaus einwandsfreier Weise zustande gekommen. Es wurde allerdings vom Gericht für ungültig erklärt, da seitens des Herrn Justizrats Wertheim Argumente ins Gefecht geführt wurden, die jeder Beschreibung spotten. So hat er z. B. im Klageantrag ausgeführt: Der Beweggrund für die Aenderung der Sabungen sei ein rein politischer. Die von den Gewerkschaften geplante Beranstaltung Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil berantw.: Deutfches Reich. Revolutionäre Streifs. Schwere Folgen von Unwetter. Erfolg der Organisation. Nach wiederholten Verhandlungen vor Konstantinopel, 21. Juni.( Meldung des Wiener t. 1. Telegr.dem Einigungsamte hat die Verwaltungsstelle München des Zentral- Korr.- Bureaus.) Infolge starker Regengüsse trat in Songuldah am verbandes der Schmiede Deutschlands mit der Zwangsinnung der Schwarzen Meere eine Ueberschwemmung ein. Die Kohlengruben Hufschmiedemeister in München einen Tarifvertrag abgeschloffen, wurden unter Wasser gefest. Zahlreiche Häufer sowie die Kirche in dem eine wöchentliche Arbeitszeit von 57% Stunden und stürzten ein, die Brücken wurden fortgeriffen. Ungefähr 40 Personen, Mindestlohne festgelegt werden. Der von der Gehülfen- zumeist Bergfente, fanden den Tod, zahlreiche Personen werden ver organisation eingerichtete Arbeitsnachweis wird von den Armißt. Auch in Smyrna und Guemleit hat das Hochwasser an den beitgebern anerkannt und benutt. Das sogenannte Um- Weinbergen großen Schaden angerichtet. y.Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 143. 23. Jahrgang. L KilM lies.lorninrts" Krliier KAM Freitag, 23. Juni IM. Die Revolution in Rußland. Bialystok. Für einige Zeit ist die Schmach von Bialystok zu einer ständigen Rudrik in allen Zeitungen des Erdballes geworden, sofern in deren Redaktionen— von Partei-, Religions- und sonstigen Unterschieden abgesehen— Menschen fitzen, denen eS nicht versagt oder—- ver- boten ist, die Stimme des Anstands und Mitgefühls hören zu lassen. Man braucht nur ganz oberflächlich mit den russischen Verhält nisten bekannt zu sein und man wird von vornherein gewustt haben, daß die neue Kulturs cbande von Bialystok nur dadurch möglich war, »ah die korrupte russische Beamtenhorde der schwarzen Bande mit behaglicher Willfährigkeit Hchlerdienfte leistete.— Diese Aufsassnng wird bestätigt durch folgenden Privatbericht, den die»Voss. Ztg.* aus Warschau erhält: Der hiesige„Knrjer Poranny", ein gut geleitetes und, soweit die hiesigen Verhältnisse es zulassen, gut unterrichtetes Blatt. entsandte einen tüchtigen Mitarbeiter, Herrn Wilamowski, nach Bialystok. Dieser sandte von dort eine lange, wenn auch vor- läufig noch unvollständige Liste der ermordeten und der schwer- verwundeten Juden. Wer die Mörder waren, erhellt auS dem Umstand, daß fünf Sechstel der Wunden von Karabinerkugeln und Bajonettstichen herrühren. Die äffend lichc Stimme bezeichnet als die Urheber der Judenhetze den Polizcikommistar Scheremetjew und den ehemaligen Redaktenr des„Bielostockij Listok" Wassiljew, einen Trunkenbold, den die wohlhabenden Juden mehrmals unterstützt haben, bis sie ihm schließlich, als die Betteleien kein Ende nehmen wollten, die Unter- slütznng versagten. Vor zwei Jahren wurde er wegen Diebstahls zu einer Zuchthausstrafe verurteilt, die er erst vor einigen Wochen abgebüßt hatte. Der Berichterstatter der„Korjer Poranny" befragte den Stationsvorstand von Tscharna WeSj, der ersten Station bei Bialystok in der Richtung nach Grodno, um seine Ansicht über die Lage. Auf die Frage, wie sich die Arbeiter der dortigen beiden Fabriken verhielten, antwortete der StationS- vorstand:.Vierzig von ihnen wollten unter Anführung von zwei Sozialistinnen, die erst im vorigen Jahre das Gymnasium beendet haben, nach Bialystok den Juden zu Hülfe eilen, aber es wurde mir untersagt, ihnen Fahrkarten zu verkaufen. Die Kunde von der Judenhetze verbreitete sich schnell in der Umgegend, und Haufen von Bauern zogen nach Bialystok, um.die Juden zu hauen".— .Diesen wurden doch gewist keine Fahrkarten verkauft?"— ,O, auf die erstreckte sich daS Verbot nicht." Ein anderes Beispiel: Am zweiten Tage des Pogroms wollte die jüdische Gemeinde von Bialystok einen Hülferuf an die Duma senden. Aber daS Telegramm wurde auf dem Postamt zu Bialystok nicht angenommen! Die mit der Untersuchung der Bialhstoker Schandtaten beauf. kragte Duma-Kommission beniüht sich folgende Feststellungen zu machen: 1. Untersuchung über die Herkunst der Hooligans. Wer liest sie nach Bialystok kommen, wer zahlte Transportkosten, wer besorgte Beköstigung und Wohnung? 2. Wer gab Soldaten Befehl zum Einschreiten, zur Verteilung von Munition? Selbe Frage für Kosaken und Polizisten. 3. Durch wessen Vermittelung wurden den Holigan« die jüdischen Geschäfte und Wohnhäuser und solche der Christen und Ans- länder ganz genaufzurKennwiS gebracht? 4. Durch wen wurden christ- liche Bedienstete der Juden rechtzeitig veranlaßt, ihre Stellungen wegen Gefahr für Leib und Leben zu verlassen? S. Wer ist Urheber des Befehls, zu morden und zu rauben in Bialystok, und von»em und woher erhielt er Befehl von auswärts? Auf Grund welcher Befehle haben Soldaten, Kosaken und Polizisten nicht nur Hooligans gegen jeden Angriff geschützt, sondern sie zum Morden und Rauben befehligt? S. In wessen Händen befindet sich in diesem Augenblick der mörderische Befehl für das Massaker? 7. Welche Soldatenabteilung, welche Polizisten und Hooligans nahmen an Metzeleien teil? 8. Was taten während der Metzeleien die Ober- und Unterbefehlshaber der Truppen und der Gendarinerie? 8a. Woher erhielten die einzelnen Tnippenteile ihre Instruktionen? g. Zahl der demolierten oder geplünderten Geschäfte und Wohnungen? 9a. Wie hoch ist der Gesamtschaden? 19. Wieviel Menschen fielen? Iva. Wieviel Verwundete, wieviel Krüppel, wieviel Geschändete? 11. Zahl der Obdachlosen und Waisen? 12. Ist Befehl zur Ver- hastung von Räubern, Mördern, Dieben gegeben? 12a. Ist für die Rückerstattung der geraubten Güter gesorgt worden? 12b. Wer hat hierfür die Befehle gegeben? 13. Sind Mörder und Diebe bereits festgenommen? 14. Welche Mastregeln sind zur Verhütung weiterer Katastrophen getroffen? Zu den guten Seelchen, die Abscheu vor den Greueln des JudenschlachtenS mimen, aber.nichts tun" zu können erklären, gesellt sich Herr Roosevelt von Amerika, der schon bei minder empörenden Anlassen zuweilen eine ganz andere.Lippe riskiert' hat. Am Mittwochabend fand nämlich in der Synagoge von New York eine jüdische Trauerversammlung aus Anlast der Metzeleien in Bialystok statt, an der 3000 Personen teilnahmen. Eine große Menge Juden, die das Gebäude nicht mehr aufnehmen konnte. sanunelte sich austerhalb an. In der Versammlung wurde ein Schreiben des Präsidenten Roosevelt zur Verlesung gebracht, in dem es heißt:.Ich werde mich über die Angelegenheit mit dem Staatssekretär Root besprechen. Sie wisien, wie sehr wir Ihre Gefühle teilen, wie ergriffen und entsetzt wir über die Vor- gänge in Rußland sind. Sie wissen aber auch, dost es nahezu unmöglich ist, durch eine Intervention etwas anderes als Unheil an- zurichten."--- Die deutsche Regierung schiert sich bekanntlich den Teufel darum, ob irgendwo in stemden Lande» fremdes Volk gepeitscht, gefoltert, verbrannt, erwürgt wird. Nur wenn Deutsche in Be- tracht kommen, wird kleinen Staaten gegenüber sofort mit dem großen Säbel gerasselt, großen Staaten-- zumal Rustland— gegenüber eilt leises ÄnstandSprotestchen vom Stapel gelassen. So hat denn auch jetzt daS deutsche Auswärtige Amt angesichts der Vor- gänge in Bialystok— wie verlautet—.das dringende Ersuchen nach Petersburg gerichtet, geeignete Mastregeln zu treffen, um deutsche ReichSangehörige und deutsche Unternehmungen, die in Bialystok zahlreich vertreten sind, ausreichend zu schützen. Darauf hat die russische Regierung erwidert, daß sie derartige Mastnahmen getroffen habe. Klagen deutscher ReichSangehöriger über erlittene Schädigungen liegen einstweilen nicht vor." Die Gärung im Heere schwillt. .Nowole Wremja" meldet aus Sewastopol, daß in dem ersten FestungSarttllerie-Bataillon eine Gärung auSaebrochen ist. Einige Untennilitär» verweigerten den Gehorsam! infolgedessen wurde daü ganze Bataillon entwaffnet und eine Untersuchung eingeleitet. Hierauf erklärte sich das zweite Bataillon mit dem ersten solidarisch und be- setzte die nördlichen Küstenbatterien, kehrte aber, als eS von In- fanterie ringsum eingeschlossen wurde, wieder in seine Kaserne zurück. Wie.Dwad Wer auS Rjäsan gemeldet wird, ist auch in dem dortigen Truppenlager eine Gärung im Regiments Bolchow ans- gebrochen. Soldaten feuerten einige Schüsse in die Luft ab. Die Offiziere waren gezwungen, das Lager zu Verlasien. In der Nacht wurde das Zeughaus eingeäschert. Die Soldaten weigern sich, die Wache zu beziehen. Die Zeitung„Duma" benchtet, die von vier Kompagnien des jetzt w Petersburg stehenden Regiments Wiborg gestellten Forderungen seien erfüllt worden, worauf die Mannschaften den eingestellten Wachtdienst wieder aufnahmen. In der Tulaer Garnison ist eine Gärung in vollem Gange, da die von den Mannschaften gestellten Forderungen abgelehnt worden sind. Bald darauf wurde konstatiert, daß aus den dortigen StaatSfabriken zahlreiche Gewehre und Patronen abhanden ge- kommen sind. Die Uurnhe im Lande wächst. „Slowo" meldet ans Riga: Die Lage in Livland, besonder? im Kreise Walk, ist höchst beunruhigend. Dasselbe Blatt meldet aus R y b i n s k. daß der Ausstand der Schiffsarbeiter große Ver- Wickelungen herbeizuführen drohe; auch unter den Eijenbahnarbeitern gäre es. „Slowo" meldet ferner auS Odessa: Das Militärgericht verurteilte drei Personen wegen eines Raubüberfalles zum Tode durch Er- schieben, befürwortete aber Milderung des Urteils. Riga, 21. Juni. Sämtliche hiesigen Privatbanken haben an den Generalgouverneur die Bitte gerichtet, ihnen militärischen Schutz zu gewähren, da die revolutionäre Bewegung neuerdings im Zunehmen begriffen ist. Die Arbeiter der großen Maschinenfabrik Pohle sind gestern in den Ausstand getreten. Kiew, 21. Juni. Der reichste Grundbesitzer OstrustlandS, Kra- sinSli in Belajazerkow, hat� wegen des drohenden Ausbruches von Agrarunruhen eine eigene Sckintzwache von mehreren hundert Mann gebildet und aus England sechs Maschinengewehre komme» lassen. Aus der Duma. Petersburg, 21. Juni. In der VormittagSsttzung wird über die Anträge auf bürgerliche Gleichheit berate». Verschiedene Redner treten für die Gleichberechtigung der Frauen und der Juden ein. Aladjin führchauS, man müsse der Frau die Freiheit geben, bevor sie selbst sich ihre Rechte mit Gewalt nehme I Besondere Auf- merksamkeit erfordere die Lage der zahlreichen mohammedanischen Frauen in Rustland. Redner spricht dann von den Vor- rechten der hohen Würdenträger und erzählt, eine« TageS sei ein Generalleutnant in die Duma gekomnien, habe sich den großen Kronleuchter angesehen und gesagt: dieser eigne sich nicht übel dazu, daß an ihm Aladjin und einige andere Dumamitglieder von der Arbeitsgruppe aufgehängt würden. Leider, so fährt Aladjin fort, könne dieser General nach dem in Rußland bestehenden Gesetz nicht wegen seiner Aeusterung bestraft werden.— Redner verlangt die Abschaffung aller auS einer hohen gesellschaftlichen Stellung sich er- gebende» Borrechte und aller Privilegien des Adels. Die russische Nation achte nur zwei Klassen, die Bauern und die Arbeiter.— Die äußerste Linke nimmt die Rede mit großem Beifall auf.— Graf Heyden wendet sich gegen Angriffe, die im Laufe der Debatte gegen ihn gerichtet worden sind, und erklärt, er sei bereit, für die Verkündigung der bürgerlichen Freiheit einzutreten, es sei aber unmöglich, die Gesetzgebung Rußlands im Handumdrehen zu reformiere».— Der Abgeordnete Lrwin erklärt, eine Judenfrage gebe eS nur in Rumänien. Es sei notwendig, daß Rustland m dieser Angelegenheit Frankreich, England und Deutschland ähnele und nicht Rumänien. Redner schließt mit den Worten:„Ich bin Jude, ich habe nicht das Recht, in der Hauptstadt zu weilen. Ich werde sofort nach Schluß der Sitzungsperiode der Reichsduma davon- gejagt werden."— Die Verhandlungen dauern fort. Wenn der„Rufs. Kur." richtig informiert ist, so macht sich bei einigen Reichsdumamitgliedern der gemäßigten Parteien eine versöhnliche Stimmung gellend. Die«versöhnlichen" Herren wollen sich— wie's scheint— durch ein paar heuchlerische Phrasen der ehrenwerten Regierung betölpeln lassen, die behauptet,„auf- richtig sl) gesonnen zu sein, der Duma weitgehende Konzessionen einzuräumen und Mastnahmen zu treffen, um dle Beruhigung(I) im Reiche schneller herbeizuführen". Zu diesem Regierungsschwindel bildet eine andere Meldung ein hübsches Pendant. Sie besagt, daS Ministerium Goremykin sei er- schüttert und Nikolaus liege' dem biederen Trepow in den Ohren, daß dieser die Kabinettsbildung übernehme. Sollte Trepow tatsächlich beim Zaren wieder Hahn im Korbe sein, so dürfte dazu vielleicht der Unistand beigetragen haben, daß der edle Mann eS verstanden hat, letzter Tage eine sensationelle Nachricht über ein verunglücktes Attentat auf sein kostbares Leben in die Welt posaunen zu lassen.— Den guten Nikolaus aber rührt so etwas; denn er hat bekanntlich ein sehr weiches Herzchen. Und Trepow weiß das.— „Gebt eine Zeitung! Gebt eine Zeitung!" AuS Petersburg wird geschrieben: In der Provinz, unter der Bauernschaft, wird eine ungeheure Nachfrage nach Zeitungen beobachtet. AuS dem Gouvernement P e n s a wird gemeldet, daß dort die Zeitungen jetzt in viel höherem Grade gelesen werden als die Telegramme während des russisch- japanischen Krieges I AuS dem Gouvernement R i a s a n j schreibt man, daß während der letzten Tage dort dasselbe beobachtet wurde, was lvährend des Krieges beobachtet werden konnte: Wenn ein Eil'enbahnzug unweit eines Dorfes passiert, stellen sich der Eisen- bahnlinie entlang die Dorfjungen auf und schreien:„Gebt eine Zeitung l Gebt etne Zeitung!" AuS den Wagenfenstern fliegen ihnen Zeitungen entgegen, und die Kinder schlagen sich um sie, wobei aber die Zeitung selbst auf daS sorgfältigste geschont wird. Sobald einer gesiegt hat, läuft er mit dem gedruckten Blatt Papier nach Hause, um den erwachsenen Bauern die heistersehnte geistige Nahrung zu liefern. In Petersburg in den politischen Klubs und heute auch in den Zeitungen werden immer mehr Stimmen laut, die das Publikum auffordern, eine Organisatton für Gratisversendung der Zeitungen an die Bauern zu schaffen. Je lauter das Verlangen des Volkes zutage tritt, über den Verlauf der Ereignisse im gärenden Vaterlande aufgeklärt zu werden, desto brutaler suchen die Schergen Väterchens den verhaßten Zeitungen zu Leibe zu gehen. So hat— um nur ein Beispiel zu nennen— General Timofojew während seiner viermonatigen Herr- schaft in Tiflis nicht weniger als 23 Zeitungen unterdrückt, wohl die höchste Zahl, die in dieser Beziehung jemals erreicht worden ist. Da aber dte findigen und opferwilligen Journalisten und Drucker in TifliS Mittel und Wege finden, immer wieder neue Zeitungen herauszugeben, so verfährt er in der Ausübung seines eigenartigen Sports jetzt so, daß er alle Personen, die in den Verdacht kommen, „Zeitungsmenschen" zu sein, aus dem ihm unterjochten Gebiete ein- fach ausweist.—__ Die beiden taktischen Auffassungen in der russischen Sozialdemokratie. Der letzte Parteitag der russischen Sozialdemokratie, der so- genannte.Vereinigungsparteitag", hat zwar die beiden einander be- kämpfenden Fraktionen organisatorisch tn den Rahmen einer Partei zusammengefaßt, doch haben sich die takttschen Gegensätze als zu tiefgehend erwiesen, als daß eine Versöhnung derselben möglich ge- weien wäre. Diese Gegensätze wurzeln in einer verschiedenen Auf- fassung der gegenwärtigen politischen Lage, und da der ftit dem Parteitag verflossene Zeitraum noch keiner der beiden Richtungen endgültig recht gegeben hat, so fährt jede von ihnen fort, auf ihrem Standpunkte zu verharren und ihn in zahlreichen Resolutionen. Auf- rufen usw. zu verfechten. In nachstehenden Zeilen wollen wir versuchen, in knapper Form eine objektive Darlegung der beiden taktischen Auffassungen zu geben, da die Bekanntschaft mit ihnen für jeden unerläßlich ist. der sich für den inneren EnlwickelungSgang der russischen Sozialdemokratie interessiert. Die Fragen, die am meisten zur taktischen Scheidung der beiden Fraktionen beitragen und um die sich der ganze Streit dreht, sind: das Verhalten der Sozialdemokratie zur Duma und die Unterstützung der bürgerlichen Demokratie. Diese beiden Fragen sind bei der gegenwärtigen Lage der Dinge in Rußland io eng mit einander verflochten— da ja die Dunra gerade der bürgerlichen Demokratie ihren oppositionellen Charakter zu verdanken hat—, daß ihre ge- trennte Diskussion überhaupt kaum möglich ist; deshalb wollen auch wir hier die beiden Fragen mit einander verbunden behandeln. Wir legen zuerst den Standpunkt der sogenannten„Majorität" dar, deren namhaftester Vertreter Lenin ist; die taktischen Ansichten der „Minorität" unter der Führung PlechanowS können dann leicht durch Gegenüberstellung mit den ersteren klar gemacht werden. Der selbständige Aufmarsch der bürgerlichen Demokratie hat sich unter der Fahne der K.-D.-Partei vollzogen; dieS ist leicht dadurch zu erklären, daß die extremen Parteien dank der Bemühungen Witte-Durnowos von der Wahlbeteiligung ausgeschlossen waren und die„kadettischen" Kandidaten daher die Stimmen derjenigen Ele- mente aus den Reihen der städtischen Kleinbourgeoifie und der Bauern auf sich vereinigt hatten, die unter günstigeren Umständen zweifellos viel, viel radikaler gestimmt hätten. Diese revoluttonär ge- sinnten Mitläufer haben nicht vermocht, der Partei ihren Stempel aufzudrücken; tonangebend bleibt in der Partei der gemästigte Semstwo- und Profesiorenliberalismus; sein Ideal ist eine kon- stitutionelle Monarchie, in der die Macht zu drei gleichen Teilen dem Kaiser, dem Grundbesitz und dem Unternehmertunt in der „Oberen", dem„Volke" aber in der.Unteren" Kammer ge« hört. Gegenwärtig sind sie— wie sie auch in ihrer offiziellen Presse oft genug durchblicken lassen— sogar bereit, sich mit etwa? weniger zufrieden zu geben! So ist ihnen denn jedes Mittel gut, das den revolutionären Kampf des Volkes, der in seiner vollen Eni- faltung die kadettischen Pläne zu nichte machen würde, zum Still- stand bringen kann. Ein solches Mittel sehen sie mit Recht in der Duma. Darin liegt eben die größte Gefahr für die K.-D., daß sie, während in Rustland jetzt der austerparlamentarische Kampf des Volkes uni den wahren Parlamentarismus an der Tagesordnung steht. aus Leibeskräften bemüht sind, die Massen durch Schein konstitutionalismus zu be- tören, sie durch die Verherrlichung konstitutioneller Illusionen vom revolutionären Kampfe unt eine konstituierende Versammlung abzu« lenken. Die erste Pflicht und die vornehmste Aufgabe der Sozial- demokratie ist daher nicht nur die Gekämpfung der konstitutionellen Illusionen selbst, sondern auch die Bekämpfung der Partei, die sich deren Verbreitung als Ziel gesteckt hat, um in Wirklichkeit ihre liberal-monarchischen Kompromißpläne realisieren zu können. Die Weigerung, sie zu unterstützen, ist aber durchaus nicht gleichbedeutend mit einer Weigerung, die bürgerliche Demokratie überhaupt zu unterstützen. Die Sozialdemokratte versagt ihre Unterstützung nur dem rechten Flügel, der einen konsequent durchgeführte» Demokratismus fürchtet und sich an den ScheinparlamentariS- muS klamniert; sie gewährt aber Unterstützung dem linken Flügel — dem städtischen Kleinbürgertum und den Bauern, in deren Interesse ein voller, uneingeschränkter Demokratismus liegt; zwar haben sie für die Kadetten gestimmt, zwar hält sie in bedeuten- dem Maße der Bann der kadettischen konstituttonellen Jllufionen ge- fangen, aber sie werden ihn sofort abschütteln, wenn sie sich aus eigener Anschauung überzeugen werden, dast mit dieser Duma ihr Ziel nicht erreicht werden kann. Aufgabe der Sozialdemokratie ist eS, diesen AbschüttelungSprozeß nach Kräften zu unterstützen und daS revolutionäre Bauerntum und die Kleinbourgeoisie zum gemein- samen austerparlamentarischen Kampfe Hand in Hand mit dem Proletariat aufzurufen. DieS der Standpunkt der.Majorität." Der Standpunkt der„Minorität" ist wesentlich ein anderer. Im Gegensatz zur„Majorität" legt sie der Dunta keine antikonstituttonelle, sondern eine revolutionäre Bedeutung bei. Der Gang der Ereignisse wird sie— mag sie wollen oder nicht— auf revolutionäre Bahnen drängen, aus ihr eine Etappe auf dem Wege zur.kon- stituierenden Versammlung" machen. Es ist daher notwendig, die Duma als s o l ch e, als G a n z e S. zu unterstützen. Ausgabe der Sozialdemo- kratie ist es nur, die Duma auf dem ihr beschiedenen revolutionäre» Wege vorwärts zu treiben. Im Gegensatz zur.Majorität" betrachtet die„Minorität" Kadetten und Arbeitsgruppe als einen kompakten Block der demokratischen Bourgeoisie, ohne einen Unter- schied zwischen ihren verschiedenen Teilen zu machen; daher kommt sie logisch zu dem Schluß, dast die Kadetten in gleichem Maße auf die Unterstützung der Sozialdemokratie Anspruch erheben können. wie auch andere demokratische Schichten der Bevölkerung. Beide von uns dargelegten taktischen Ansichten haben in ge- wislent Grade Recht, sowie sie auch in gewissem Grade Unrecht haben. Ein Fehler, der beiden im gleichen Maße anhaftet, ist, dast sie ihre Taktik nur auf eine Entwickelungsmöglichkeit der Revolution zugcichnitten haben: die„Majorität" auf Volkserhebung, unabhängig von der Duma, die„Minorität" auf die Revolutionierung der Duma, während eS doch in der äußerst verwickelten politischen Lage Rußlands Elemente gibt, die je nachdem die eine oder die andere Lösung der Krise herbeiführen können. Bei der Feststellung der zu befolgenden Taktik müssen daher beide Möglichkeiten im Auge behalten werden. Der Standpunkt der „Minorität" führt sie zu einer Vertuschung des Gegensatzes zwischen dem rechten und dem linken Flügel der bürgerlichen Demokratie, zu einer Ueberschätzung der Duma zuungunsten der Massenaktionen des Proletariats und der kleinbürgerlichen Schichten. Die .Majorität" begeht den entgegengesetzten Fehler, indem sie die Be- deutung der Duma als eines wirksamen Agitationsmittels, das zurückgebliebenen Schichten aufrütteln hilft, außer die politisch acht läßt. ES gibt fassung der richtigere ist jedoch Anzeichen, die dafür sprechen, daß die Auf- Majorität" trotz ihrer Fehler dennoch vielleicht die Die Gärung und die Unruhen, die jetzt erneut im ganzen Lande ausbrechen, legen Zeugnis ab von einem neuen Anschwellen des revolutionären Geistes. Die Duma macht aber keinerlei Anstalten, den Weg zu betreten, sie versumpft im Gegenteil immer mehr im Moraste der„gesetzlichen",„parlamentarischen" Tätigkeit; ihr Ansehen, die auf sie gesetzten Hoffnungen, das ihr entgegengebrachte Vertrauen sinken mit jedem Tage, die Unzuftieden« hcit der Bevölkerung w ä ch st, die Situation spitzt sich immer mehr z», und wenn die Dunia endgültig das Vertrauen verliert, ehe im Lande genug Zündstoff flir die Entscheidung aufgehälift ist, dann wird der einmal zum Durchbruch gelangende revolutionäre Sturm sich nicht mehr der diskreditierten D u nr a als Werkzeug bedienen, sondern achtlos an ihr vorbei seinen eigenen Weg gehen. TIiis der Partei. vom Wachstum der Presse. Seit Anfang dieses Jahres ist die Abonnentenzahl der.Freien Presse" zu Elberfeld- Barmen um über 3000 gewachsen. Totenliste. Ein Parteiveteran starb zu Mittweida(König- reich Sachsen), der Genosse Anton Fischer. Er hat mit an der Wiege der Partei gestanden, in Mittweida war er unter den Gründern der Bewegung. Bis ins Greisenalter hat er für die Partei gewirkt. auch in der Zeit des Sozialistengesetzes hat er tapfer seinen Mann gestanden. Ins Stadtparlament wurde er wiederholt gewählt. In allerletzter Zeit trug er sich noch mit dem Gedanken der Abfassung einer Geschichte der Parteibewegung von Mittweida, zu der er wie kaum ein zweiter berufen gewesen wäre. Weber von Beruf, war er im Leben von Unglück verfolgt und Not und Sorge waren oft bei ihm zu Gaste. Die Zwifligkeiten im Wahlkreise Sorau-Forst. Zu der Erklärung deS Genossen Marckwald in Nr. 140 des.Vorwärts" schreibt uns Genosse Paul P l o t t k e« Forst, Expedient der»Märkischen Bolls« timme, ber ben bon Mardivald angegriffenen Bericht über die leistung für die geit vom 2. Oftober bis zum 24. Des rechnet wird, wurde doch noch ein Ueberschuß bon 1 631 171 m. Forster Parteiversammlung verfaßt hat, daß er seine Wiedergabe der gember von der der Neustadt- Magdeburger Ortskrankenkasse der gegen nur 1 562 923 m. im Vorjahre erzielt. Die Faulheit der Marchwaldschen Rede aufrecht erhalte. M. habe sich wörtlich so Fabrikarbeiter mit 294 m., ja das Bergarbeiter ist der nicht geäußert, habe speziell gesagt:".. ſo werbet shr auch, des Mädchen in dieser Beit nicht ihr Mitglied, jondern Mitglied der wir weiter nach in der„ oth.- Westf. 3tg." Nach ihrem GeſchäftsDie Parteibewegung in Fürth i. B. hat einen so erfreulichen Aufschwung genommen, daß die Geschäfte des Sozialdemokratischen Vereins nicht mehr im Nebenamt erledigt werden können. Es wurde daher beschlossen, einen Parteisekretär mit einem Gehalt von 2000 Mark anzustellen. Als solcher wurde der Genosse 3 orn, der auch der Stadtverwaltung als Gemeindebevollmächtigter angehört, gePersonalien. Von der Kreispreßkommission des Wahlkreises Duisburg- Mülheim- Oberhausen- Ruhrort wurde als Redakteur für bas am 1. Oftober erscheinende Kopfblatt der Genosse Stephan Heise Düsseldorf gewählt. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. wählt. " von 294 M. das das Dresdener Parteiblatt und die Ganleitung der Metall- anderthalbfachen Betrag des Krankengeldes zu geben. " 27 Generalversammlung der Großeinkaufsgesellschaft deutscher " Wirtschaftliche Revolution in Amerika. Ein statistischer Bericht vom Zenius- Bureau in Washington über den großen Industriestaat New Jersey beschäftigt sich mit der industriellen Entwickelung dieses Staates in den Jahren 1900-1905 und zeigt ein bedeutendes Vorwärtsschreiten auf dem Wege industrieller Konzentration. Zusammengefaßt ergeben sich aus dem Bericht folgende Tatsachen: Ein Mehr an Fabriken um 9 Proz. " " " " " 1 " " " 19 " " " Rapital Arbeitern Löhnen Produktion, 40 " 50 25 " " " 35 " " " Mannes gedenken, der Euch den Idealismus ins Herz gepflanzt legteren Kasse gewesen sei, und diese Kasse die eigentlich verpflichtete bericht über das Ergebnis der Gewerkschaft des Stein, hat Daß er diese Stelle der Nede richtig wiedergeben, haben für die betreffende Zeit wäre. Die Neustädter Kasse verweigerte tohlen und Eisensteinbergwerts Karoline be ihm viele Genossen, darunter Freunde Mardwalds, bestätigt. jedoch die Anerkennung des ganzen Anspruchs und erklärte sich nur Holzwickede stieg der Lohn um 1,7 Proz., die Leistung um bereit zur Zahlung des anderthalbfachen Krankengeldes für dieſe 0,012 To. pro Mann und Schicht. Bei Aussehung der 2 StreikZeit( 2. Oktober bis 24. Dezember). Nunmehr flagte die All- monate ergibt sie bei um 3 Personen verminderter Belegschaft eine gemeine Ortskrankenkasse zu Magdeburg gegen sie auf Bahlung Mehrförderung von 8882 Tonnen gegenüber der gleichen Zeit des jedoch die Klage ab, indem er entschied, daß die Beklagte haben! Der Bezirksausschuß zu Magdeburg wies Vorjahres. Da müssen die Bergarbeiter ja fürchterlich gefaulenzt Die Gewerkschaft, Borussia" bei Merten die Neustädter kaffe) nicht mehr zahlen brauche, als sie angeboten erzielte eine Steigerung der Leiſtung pro Mann und Schicht von habe, nämlich den anderthalbfachen Betrag des Krankengeldes für 0,684 Tonnen auf 0,75 Tonnen und einen um 10 Pf. pro Tonne die fragliche Zeitdauer. Der Bezirksausschuß meinte: Eine Kranken- erhöhten Erlös. Es ist eine recht faule Sache, wenn die Scharffasse tönne zwar an Stelle der Leistungen gemäß§ 6 des Gesezes macherhelfer ihren Fleiß für den Nachweis steigender Faulheit bei nach§ 7 freie Kur und Verpflegung in einer Krantenanstalt ge- den Arbeitern verwenden. währen, sei dazu aber nicht verpflichtet. Nach§ 7 stehe dem ertrantten Versicherten ein Recht auf Krankenhausbehandlung so wenig Ein spekulativer Pfarrer. Einer von denen, die wohl predigen, zu, daß die Kasse rechtlich nicht gehindert wäre, auch dann, Du sollst nicht Schätze der Erde sammeln", es aber für geraten wenn sie Strankenhausbehandlung zuerst habe eintreten lassen, halten, nicht nach dem Worte, das aus dem„ Munde Gottes" kommt, Mit dem eigenartigen Delikt„ Aureizung zum Massenbetrug", später zu wechseln und wieder freie ärztliche Behandlung und zu leben, scheint ein Pfarrer aus Köln zu sein, der seine„ schmalen" das die Dresdener Staatsanwaltschaft zum Zwecke der Ver- Arzenei zu gewähren. Das hätte das Oberverwaltungsgericht schon Einkünfte als Gottesmann durch Spekulation in Kuren aufbessern folgung der Sächsischen Arbeiterzeitung" und der entschieden. Die beklagte Stasse hätte eventuell gegenüber der Ella wollte. Aber da die theologische Weisheit für solches Handwerk nicht Dresdener Gauleitung des Metallarbeiter Ver- Lohnmik so handeln können, nachdem diese ihr Mitglied am 2. Dt- ausreicht, wurde er über den Löffel barbiert und lief zur weltlichen bandes konstruieren wollte, ist es nichts gewesen. Die Ation tober wurde; es sei deshalb nichts dagegen zu machen, wenn sie Polizei. Es wird darüber folgendes berichtet: sollte, wie wir seinerzeit berichteten, das Verbrechen rächen, vor Anstrengung der Klage gegen sie erklärte, nur als Ersatz den Der Arzt Dr. E. in H. hatte dem Pfarrer 2. in Köln, als dieser zu einer Kur in seiner Anstalt Aufenthalt genommen, im Jahre 1897 arbeiter angeblich begangen hatten, indem sie vor der Die Allgemeine Drtstrantentasse zu Magdeburg legte Revision brei Kuge der Brauneiſenſteingruben Angelika II, Henriette II und großen Metallarbeiteraussperrung den organisierten Arbeitern beim Oberverwaltungsgericht ein, wo ihr Vertreter Schön- Aennchen verkauft. Auf diese Kure erhielt der Verrieten, die von den Unternehmern geforderten Erklärungen, wonach Wendland sich auf§ 58 Abjaz 2 des Krankenversicherungsgesetzes fäufer niemals einen Gewinnanteil, wurde aber im Jahre 1902 durch sie dem Verbande nicht angehörten, ruhig zu unterzeichnen. Den bezog, wonach Streitigkeiten zwischen Krankenkassen über den Griaß das Landgericht Limburg zur Zahlung von 900 M. Zubußen verUnternehmern sollte so die Möglichkeit genommen werden, die irrtümlich geleisteter Ünterſtügungen im Verwaltungsstreitverfahren urteilt, worauf er die Kure gemäß§ 130 des Berggesetzes der GeDrganisierten von den Unorganisierten zu scheiden, um die ersteren zu entscheiden sind. werkschaft zur Verfügung stellte. 2. behauptete nun im Klagelege, auszusperren. Dieser Schachzug gegen den Terrorismus der Unter- Der dritte Senat des preußischen Ober- von E. argiftig getäuscht worden zu sein, und verlangte vom Bes nehmer erschien der Dresdener Staatsanwaltschaft als ein schweres verwaltungsgerichts hob denn auch die Bor- flagten Rückzahlung von 3000 m. nebst 810 M. Zinsen. Das OberBergehen, das sie ahnden mußte. Bekanntlich wurden Genosse entscheidung auf und verwies die Sache mit folgender Be- landesgericht Köln entschied auf Verurteilung nach dem KlageGrößsch als verantwortlicher Redakteur der„ Sächs. Arbeiterztg." gründung an den Bezirksausschuß zurück: Es handele fich hier um antrage. und Gen. Heldt als Vorsitzender der Gauleitung denn auch verantwort einen Streit im Sinne des§ 58 Abs. 2. Die Klägerin habe etivas bezahlt, So hat die weltliche Polizei die himmlische aus der Batsche lich wegen Anreizung zum Massenbetrug vernommen. Inzwischen muß was sie an sich nach der Betriebsverlegung nicht hätte zahlen brauchen. geholfen. Ob nun der Pfarrer von seinem Reichtum denen gibt, aber die für die Interessen der Unternehmer so sehr besorgte Nun könne die Beklagte nicht kommen und sagen, sie zahle als die nichts haben? Staatsanwaltschaft wohl eingesehen haben, daß dieser Borstoß Ersatz das anderthalbfache Krankengeld und wäre damit von ihrer doch scheitern müsse und so hat sie den Rückzug vorgezogen. Ge- Erfaßpflicht entbunden. Der Bezirksausschuß habe vertanut, noffe Heldt erhielt auf eine Anfrage die Mitteilung, daß das Ver- daß es sich hier um eine Bereicherungsklage handele. fahren eingestellt worden ist. Allerdings sei der Klägerin nicht auf jeden Fall als Ersatz Freigesprochen wurden am Mittwoch die Genossen Riem und alles zuzusprechen, was sie irrtümlich leistete. Es komme viel Wallfisch aus Dresden und Müller aus Görlig von mehr darauf an, was die Beklagte an Stelle der der Anklage, die Polizeibehörde zu Hannover beleidigt zu haben, lägerin der Kranten gegenüber getan haben vor der Strafkammer zu Görli B. Genosse Riem war angeflagt, würde und welche sosten fie dafür aufgewandt als Verantwortlicher der betreffenden Nummer der Görliger hätte. In diefer Höhe wäre die Beklagte der irrtümlich leistenden Volkszeitung", die ein Kopfblatt der„ Sächsischen Arbeiter Klägerin erfagpflichtig. Der Bezirksausschuß habe dies nunmehr zeitung" ist, Genosse Wallfisch als Geschäftsführer der Dresdener festzustellen. Parteidruckerei und Genosse Müller als Verleger des Görlitzer Die enorme Zunahme der Produktion und des Kapitals bei Parteiblattes. Die Straftat Tag zwei Jahre zurück; es einer verhältnismäßig geringen Zunahme der Fabriken zeigt eine handelt sich um einen Bericht über angebliche schlechte Behandlung eines Berunglückten durch hannoversche Polizeibeamte. Die Im Anschluß an den dritten ordentlichen Genossenschaftstag des starte Konzentration der Betriebe. Die Leistung des einzelnen Verantwortlichen verschiedener Parteiblätter, die die Notiz brachten, Zentralverbandes deutscher Konsumbereine fand gestern die zwölfte Arbeiters in der Produktion ist viel mehr gestiegen, aber sein Anteil vor allem der des Hannoverschen„ Volkswillen" find deswegen mit Generalversammlung ihrer Großeinkaufsgesellschaft statt. Nach dem daran, die aufgeführte prozentuale Lohnsteigerung, bedarf noch einer mehreren Monaten Gefängnis bestraft worden. Beim Genossen Niem von Lorenz- Hamburg erstatteten Geschäftsbericht haben sich be- erläuternden Erklärung. Daß der Lohn des Arbeiters erhöht wurde, erklärt das ging das aber nicht an, da er den schlüssigen Beweis erbringen fonders die Einkaufsvereinigungen, die schon älter sind als die Großin New Jersey die konnte, daß er versehentlich als Verantwortlicher auf der betreffenden einkaufsgesellschaft, aber erst durch sie wieder zu neuem Leben er- Philadelphia Tageblatt" damit, daß Nummer der Görlitzer Voltszeitung" angegeben war. Er weilte weckt wurden, in sehr erfreulicher Weise entwickelt. Sie be- Kinderarbeit durch Gesetze eingeschränkt wurde, und infolgeeine außergewöhnliche Nachfrage nach Frauenarbeit damals nämlich als Delegierter auf dem Krankenkassentage zu München. ziehen der Großeinkaufsgesellschaft 3/4 bis 10 ihres dessen Der eigentliche Sünder, Genosse Düwell von der Sächs. Arbeiter- Bedarfs. Die Großeinkaufsgesellschaft selbst hat im abgelaufenen hervorgerufen wurde, wodurch die Frauenlöhne in die Höhe gingen. zeitung", der die Notiz in Druck gegeben hatte, war nicht mehr zu Jahre die Zahl ihrer Gesellschafter von 348 auf 386, der mit ihr Dagegen dürften die Löhne für die männlichen Arbeiter, von den faffen, da längst Verjährung eingetreten war. Die Genossen Wallfisch in Geschäftsverbindung stehenden Vereine von 1366 auf 1895 ge- Bauhandwerkern abgefehen, sich nicht in den genannten fünf Jahren Das steht fest: insgesamt ist die Produktion und Müller mußten natürlich freigesprochen werden, da sie für den steigert. Der Umsatz ist von fast 34 Millionen auf 38 780199 w. ge- verbessert haben. Inhalt der Nummer überhaupt nicht verantwortlich waren. stiegen, der Wert der Warenvorräte von. 1 710 000 9. auf 2 086 000 m. mehr gestiegen als die Lohnfumme. Das bedingt schon einen erhöhten Der Reingewinn, der um 38 000 W. höher ist als im Vorjahre, foll Anteil des Kapitals am Arbeitsertrage. Es sind also auch durchDie Verleumdungen gegen den Reichstagsabgeordneten Genoffen wieder zur Verteilung von 2 Broz. Dividende an die angeschlossenen, gängig die Preise der Produkte gestiegen, die Kauftraft des Geldes Berthold- Darmstadt, die vor einiger Zeit durch die Ordnungspreise von 1 Prozent an die nicht angeschlossenen Vereine dienen. ist geiunken. Die wirkliche Lohuzunahme ist geringer als die gingen und die wir damals gekennzeichnet haben, werden, wie die Der Rest von 139 000 m. foll zu Reserven für verschiedene Fonds nominelle, das bedingt ebenfalls eine Steigerung des auf das Mainzer Volkszeitung" mitteilt, zu einem gerichtlichen Nachspiel zurüdgestellt werden. Der Geschäftsbericht wird genehmigt, die Kapital entfallenden Anteils am Arbeitsertrage. Darum fönnen Veranlassung geben. Der Rechtsbeistand des Genossen Berthold Geschäftsführer entlastet. Die Erhöhung des Stammkapitals von auch trotz gestiegener Lohnfumme erhöhte Dividenden zur Verteilung wird zunächst versuchen eine Offizialklage durch die Staats- auf 1 Million wird gleichfalls nach den Anträgen der Geschäfts- gelangen. Der Bericht gibt ein anschauliches Bild von dem schnellen anwaltschaft zu erwirken, und man darf gespannt sein, wie fibrer beschlossen, ebenso die Errichtung eines Lagerhauses in Fortschritt der kapitalistischen Entwickelung in den Vereinigten Staaten. diese Behörde, die sich dem Abgeordneten Becker gegenüber so Düsseldorf. Die Großeinkaufsgesellschaft hat schon seit langer Warenzeichenräuber. In industriellen Streifen wird darüber ges bereitwillig zeigte, im Fall Berthold stellt. Sollte sich die Staats- Beit ein Grundstück bei Aken a. d. Elbe zur Errichtung einer Seifen- flagt, daß in zunehmendem Maße Warenzeichen für alle nur dent anwaltschaft ablehnend verhalten, wird gegen den verantwortlichen fabrit. Einsprüche der Anlieger und Schwierigkeiten, die von der baren Waren, die der Antragsteller gar nicht führt und nie führen Redakteur des„ Tägl. Anz.", den Journalisten Hannemann, und Regierung bei der Konzessionserteilung gemacht wurden, zogen wird, vom kaiserlichen Patentamt eingetragen werden. Dies führt einige ehrentverte Darmstädter Bürger, die sich besonders bei der den Beginn des Baues lange hinaus, so daß die Groß dazu, daß es immer schwieriger wird, neue Warenzeichen sich einMärchentolportage hervortaten, Privatflage erhoben. Dem Heraus- einkaufsgesellschaft sich entschloß, bei Zerbst ein anderes Grundstück tragen zu lassen, ohne daß man mit dem Inhaber ähnlicher Zeichen geber des„ Tägl. Anz." foll, wie der Mainzer Volkszeitung" mit zu kaufen. Inzwischen ist auch in Aken der Rechtsstreit endgültig in Stollision gerät, welcher man oft nur durch Zahlung von Abgeteilt wurde, die Affäre sehr unangenehm sein wahrscheinlich zugunsten der Großeinkaufsgesellschaft entschieden. Wo nun die auch schon wegen des Abonnentenschwundes aber die in die Fabrik gebaut wird, steht noch dahin. An die eingehenden Dare standsgeldern entgehen kann. Dies wird in vielen Fällen von den sogenannten Warenzeichenräubern ja auch nur beabsichtigt, Welt hinauspofaunten Beleidigungen, nachdem man selbst einsehen legungen der Geschäftsleitung, deren Vorgehen schließlich gebilligt indem sie ihre Warenzeichen für Tausende von Waren eintragen mußte, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort war, wurde, knüpfte sich eine längere Auseinanderseßung. lassen. Andererseits kann die Eintragung von Warenzeichen für viele aus eigener Veranlassung zurückzunehmen, davon ist keine Nede. Eine weitere Aufgabe der Großeinkaufsgesellschaft ist die Er- Waren auf einmal aus reellen Motiven geschehen; es liegt dies sehr Nationalliberale Noblesse! richtung eines Genossenschaftshauses in Hamburg. oft im Interesse des Exporthändlers und auch in solchem renomDieses Genossenschaftshaus soll die Kontore und die Druckerei mierter Industriefirmen, welche fürchten müssen, daß mit ihrem beDas gloriose Beispiel Limans reißt immer mehr gleichgestimmte Seelen zu ähnlichen Heldentaten hin. Dem Strafantrag des Gothaer und Expedition insbesondere des„ Genossenschaftlichen Voltsblattes" fannten Warenzeichen Mißbrauch getrieben wird. Mit dieser AnAmtsblattredakteurs, der zur Verurteilung des Genossen Joos- Gotha beherbergen. Den Bauplan im einzelnen wird aber erst die nächste gelegenheit beschäftigte sich in seiner legten Sigung der Zentral. führte, reiht sich der Strafantrag eines Redakteurs P. G. Müller Generalversammlung prüfen, die voraussichtlich im nächsten Jahre ausschuß biefiger taufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine. Es wurde zunächst beschlossen, ber Beitung für Hinterpommern" zu Stolp an, der ebenfalls in Düsseldorf stattfindet. Schließlich wurde noch ein Antrag des Konsumvereins Büdels- einer Kommission die Angelegenheit zur weiteren Beratung zu überbom, Stettiner Boltsboten" beleidigt sein will. Unser dorf:" Jeder Gesellschafter hat das Recht, einen stimmberechtigten weisen. Stettiner Parteiblatt bemerkt dazu: Die Kosten Ausgerechnet dasselbe Blatt, welches sich andauernd die Delegierten zur Generalversammlung zu entsenden. pöbelhaftesten Angriffe gegen die Sozialdemokratie leistet. Wir hierfür hat die Gesellschaft zu tragen und sind dieselben im Gewinnfritifierten bekanntlich vor einiger Zeit in u. E. schonender Form, berteilungsplan mit zu berücksichtigen", mit großer Mehrheit abdaß die Zeitung für Hinterpommern" wohl einen Angriff gegen gelehnt. den Genossen Flatow in Stolp bringe, sich aber weigere, dessen Berichtigung aufzunehmen. Darob fühlt sich der Herr Redakteur B. G. Müller beleidigt. " 9 " D bon Konsumvereine. Aus Industrie und Handel. Die faulen Bergleute. " 100 Prozent Dividende. Die Berlinische Bodengesellschaft verteilt auf das eine Million Mark betragende Aftienfapital für 1905 eine Dividende von 100 Prozent, gegen 30 Prozent im Vorjahre. Dabei verbleiben aus dem Reingewinn aber noch 222 517 M., die wahrscheinlich auf neue Rechnung vorgetragen werden. Die Spes tulationsgewinne müssen selbstverständlich nachher von den Mietern aufgebracht werden. Bugleich trifft die Meldung ein, daß am Mittwoch in Die Börse hat wieder Festtag, die Bank von England ermäßigte Eisenach der Vorsitzende des sozialdemokratischen Vereins, Genosse Die„ Rhein- Westf. 8tg." tischt auch wieder mal das alte, schon nämlich den Tistont von 4 Proz. auf 3½ Proz. Der Status der Runknagel, und der Kandidat des Eisenacher Kreises, Genosse Leber, zu je 50 M. Geldstrafe verurteilt wurden wegen Beleidigung so oft widerlegte Märchen auf, die Leistung der Bergarbeiter sei Bank hat sich durch reichliche Goldzuflüsse merklich gehoben. Die dreier Agitatoren des Reichsverbandes für zurückgegangen. Dieser Tage haben wir schon auf die verschiedenen Herauffezung des Diskonts von 3% auf 4 Proz. war am 3. Mai d. J. Sozialisten Vernichtung. Die Reichsverbands Rede- Fattoren hingewiesen, die es ganz ausschließen, die Fördermenge als erfolgt, weil man als Folge des Ereignisses in San Francisco eine automaten, die so empfindlich sind, pflegen sich selbst im plumpesten einen Maßstab der Leistungen gelten zu lassen. Das weiß auch das starte Anspannung des Geldmarktes befürchtete. Diese Gefahr gilt Schimpfen und Verleumden keinen Zwang aufzuerlegen. Aber sie Scharfmacherorgan. In den ihm zur Verfügung stehenden Jahres- mun als überwunden. Daß damit aber die politischen Vorgänge in üben sich beide gegen den Umstura! Das ist zu bedenken. berichten des Bergbaulichen Vereins kann es die Bestätigung dafür Rußland an kritischer Bedeutung berlieren, will uns nicht einleuchten. finden, daß es in leichtfertiger Weise die Bergarbeiter beschimpft. Die Freude über das Ereignis wird noch durch viele Wermutstropfen Ausdrücklich wird da bemerkt, es sei ganz unstatthaft, die Förder- verbittert werden. mengen als Gradmesser der Leistungen zu bemessen. Trotzdem erlaubt sich das genannte Blatt folgendes zu schreiben: V Soziales. Zur Erfatpflicht der Krankenkassent. Steinsalz und die mit diesem auf derselben Lagerstätte vorkommenden sonstigen Salze sind von dem Verfügungsrecht des Grundeigentümers ausgeschlossen. Das Recht zur Aufsuchung und Gewinnung dieser Salze bleibt dem Staate vorbehalten." Damit ist den Privattapitalisten ein fetter Brocken entzogen Hamburger Staatsregal auf Gewinnung von Stein- und Kali" Nicht zuletzt muß die schwache Förderung aber auf die ge- falzen. In letzter Zeit haben mehrere Bergwerksgesellschaften mit Um den Ersatz der von einer Krankenkasse irrtümlich geleisteten ringe Leistung der Arbeiter zurückgeführt werden, die in letzter vielen auf Hamburger Staatsgebiet( Nigebüttel) wohnenden GrundUnterstügungen handelte es sich bei einem namentlich für Stranken- Zeit auf fast allen Zechen wegen der günstigen Lohnverhältnisse eigentümern Salzschürfverträge geschlossen, gegen die jetzt auf legisfaffen wichtigen Rechtsstreit der Allgemeinen Ortsfrankenkasse gut zu beobachten ist. Man erhofft hierin zivar Besserung, sobald lativem Wege borgegangen wird, um der weiteren Spekulation borMagdeburg gegen die Ortsfrankenkasse der Fabritarbeiter usw. zu die Nachwirkungen der vielen Sonn- und Feiertage vorüber sind." zubeugen. Die Hamburger Bürgerschaft nahm in ihrer Sigung vom Magdeburg Neustadt. Die Allgemeine Ortskrankenkasse hatte die Das ist ganz ungeschminkt der Vorwurf der Faulheit. Wie sich Mittwoch folgenden vom Senat eingereichten Gefeßentwurf an: jugendliche Ella Lohnmiz, die als Arbeiterin der Firma Reinecke bei einzelnen Gesellschaften die Minderleistung und die ebenso oft u. Ruben ihr Mitglied war, in der Lungenheilstätte Bogelsang unter- behauptete Verteuerung der Produktion für das letzte Geschäftsjahr gebracht, wo sie vom 26. September bis zum 24. Dezember ver- bemerkbar macht, darüber lassen wir hier einige Angaben folgen. Steinkohlenbergwerts blieb. Zwei Aerzte hatten begutachtet, daß das Mädchen an Die Gewerkschaft des einem fpärlichen, aber deutlich erkennbaren Lungenspißenfatarrh othringen in Gerthe bei Bochum erzielte einen Nettoleide, der offenbar auf tuberkulofer Basis beruhe, und daß bei der gewinn von 1830 365 m. oder pro Tonne Förderung 3,281 M. Konstitution des Mädchens, wenn es in der Stadt bleibe, die Ge- gegen 2,812 M. im Jahre vorher. Bei solcher Wirkung der anfahr eines üblen Ausganges bestehe. Eine vierteljährliche Lungen- geblichen Produktionsverteuerung dürfen die Herren Gewerke schon heilstättenbehandlung würde die beste Aussicht bieten, sie vollkommen zufrieden sein. Bei der Gewertschaft König Ludwig" „ Rhein. zu heilen. Da das Arbeitsverhältnis der Kranten zur genannten bei Redlinghausen stieg nach einem Bericht der Firma nicht endgültig gelöst worden war, so wurde sie infolge Westf. 3tg." der Durchschnittslohn um 4 Pf. auf 4,50 M. und die Der bürgerliche Mann spricht gern von der schwachen Fran" Uebersiedelung der Firma nach Neustadt am 2. Oftober Mitglied der Leistung pro Mann und Schicht auf 0,9502 Tommen gegen Ortstrankenkasse der Fabrikarbeiter usw. zu Neustadt- Magdeburg. 0,9178 Tonnen im Jahre vorher. Der Lohn stieg um 0,9 Proz., und ihrer zarten Konstitution, sobald sie als Konkurrentin ihm Trotz der Lohnsteigerung gegenüber auftritt. Seine rührende Fürsorge ist aber zu durchs Gleichwohl zahlte die Allgemeine Ortstrantentasse zu Magdeburg die Leistung um 3,58 Proz. die Kosten der Heilstättenbehandlung bis zum 24. Dezember gingen die Selbstkosten um 4 Pf. pro Tonne zurück und, fichtig, als daß sie nicht bald von der Frau als Heuchelei ermit täglich 8,50 Mart Sie verlangte dann volle Ersatz- obwohl der Ausfall durch den Streit auf 2 Million Mark be- fannt werden würde. So unangenehm es auch dem Mann sein mag. " worden. Aus der Frauenbewegung. Die schwache Frau. Be Frau läßt sich nicht täuschen; fie tveiß, daß er mit seinen Be.| Beutnant die Bersammlung zu lange dauerte und er sich aus dem| stürmischem Beifall mit einem Hoch auf die internationale Ar denken seinen kleinlichen Konkurrenzneid verhüllen möchte, seinen hetzen Saale hinaus in die frischere Frühjahrsluft sehnte. Sein beitersolidarität. Aerger, daß Frauen sich auf ein Gebiet wagen, das er allein be- Auftreten auf der Bühne aber mußte um so komischer wirken, als Der nächste Redner, Müller, teilte mit, daß auch aus herrschen will. Und die Minner, welche für die moderne Entwicke- der Genosse Noraczak, der unmittelbar vor der Rampe stand, so anderen Ländern erfreuliche Sympathiekundgebungen vorliegen. lung der wirtschaftlichen Verhältnisse fein Verständnis haben, ge- außerordentlich laut sprach, daß jedes seiner Worte bis in den ent- Aus der Schweiz ist ein größerer Geldbetrag eingetroffen und die raten in eine fast fomische Wut, wenn sie mit ansehen müssen, wie ferntesten Winkel des Saales drang. Nach Wiedereröffnung der dortigen Kollegen erheben zur Unterstützung der in Deutschland die Frauen sich immer mehr Gebiete erobern und der Mann fast Versammlung sprach er unter allgemeiner Heiterkeit dann aller- Ausgesperrten regelmäßige Extrabeiträge. Aus Schweden und nirgends vor ihnen mehr sicher ist. In den sogenannten höheren dings noch lauter. Der dicht hinter ihm sißende Polizeileutuant Norwegen sind ebenfalls Gelder eingetroffen. Auf Wunsch der Berufen wird der Schrei am lautesten gehört, daß die Frau gewarnt muß ihn dann ja wohl verstanden haben. Wenigstens machte er holländischen Kollegen ist der Verbandsvorsitzende Sillier nach sein möge; sie soll feen bleiben, denn sie fönnte sich sonst leicht sich eifright Notizen und behelligte die Versammlung nicht mehr mit Holland gereist, um ihnen die Lage der Aussperrung zu schildern. Schaden tun". Gie mag waschen, kochen, scheuern und pußen, daß weiteren Störungsversuchen. Zu demselben Zweck wird Sillier auch nach England gehen, ebena sie vor Erschöpfung zusammenbricht; sie mag schwere Landarbeit Mit einem treffenden Hinweis des Genossen Kupfer darauf, falls auf Wunsch der dortigen Kollegen, deren Unterstüßung der berrichten, in Ziegeleien, Bergwerken und sogar auf Bauten arbeiten, daß auch solche Vorkommnisse nur zur Aufklärung der An- Ausgesperrten sicher ist. In Hannover, Bremen, Braunschweig in die Fabrik gehen, als Zeitungsfrau hundertmal treppauf, treppab wesenden dienen könnten, fand die Versammlung ihr Ende. und anderen deutschen Städten, wo die Kollegen im Kampfe stehen, rennen, als Marktweib sich buckeln und plagen, die Nähmaschine Die Versammlung für das Stralauer Viertel fand in Litfins ist die Stimmung und die Situation ebenso günstig wie in Berlin. treten von früh bis spät, das aller kann die schwache Frau Gesellschaftshaus Ostend"( Memelerstr. 67) statt. Der Referent Alles bürgt dafür, daß die Absichten der Unternehmer zuschanden tun. Wenn sie aber als Lehrerin, als Aerztin, als Juristin, als Genosse Boeste wics in der Einleitung seines Vortrages auf die werden. Beamtin oder auch nur als Agentin auftreten will, dann wird sie Bestürzung unserer Gegner angesichts der 3 Millionen sozialdemo gewarnt, daß ihre zarte Konstitution zu sehr angegriffen werde. fratischer Stimmen bei der Reichstagswahl 1903 hin. Wir müßten Man komplementiert sie gern hinaus als galanter Mann; wenn sie zugeben, daß ein Teil davon sogenannte Mitläufer" seien. Aber aber trotzdem nicht gehen will, dann wird man grob, ganz hahne- gerade darum sei es unsere Pflicht, durch unaufhörliche Aufbüchen grob, wie auf dem Münchener Lehrertage. Donne un flärung auch diese zu bewußten Parteigenoſſen zu erziehen. Der ein wütendes und damit das wahre Gesicht und argumentiert Referent ging sodann unser Programm durch und gab zu jeder einmit den dümmsten Gründen. Es hilft aber alles nichts, die Frau zelnen Forderung eine populäre Erläuterung. Der Vortrag wurde drängt unablässig vor und erobert immer mehr Terrain trotz ihrer mit Beifall aufgenommen. zarten Konstitution". Was ist überhaupt Wahres an der Mär von der schwachen Frau? Sie hat durchschnittlich nicht einen so starken, robusten Knochenbau, nicht so feste Muskeln wie der Mann, aber an Zähigkeit, die nimmer nachläßt und aushält bis zum äußersten, an Energie und Beharrungsvermögen und an Aufopferungsfähigkeit steht sie dem Mann sicherlich nicht nach, ja, sie übertrifft ihn vielleicht noch Wian sollte übrigens daran denken, daß es auf die starken Knochen und Muskeln immer weniger ankommt im Zeitalter der Elektrizität, der technischen Fortschritte auf allen Gebieten. Gerade die feineren Arten in menschlicher Kraftäußerung sind es, die immer mehr in Anspruch genommen werden. Bornierte Männer brüsten sich damit, daß sie dem Vaterlande die Krieger stellen, die es beschützen. Aber wer päppelt die Krieger groß, ganz abgesehen von dem schweren Att der Geburt? Das Aufziehen der Kinder in den ersten Lebensjahren. Die stete Pflege Tag und Nacht in unausgesetter Folge, besonders bei Krankheiten, erfordert physische Leistungen, denen ein Mann faum gewachsen ist. Von der Frau werden die großen Anstrengungen mit einer staunenswerten Elastizität überwunden. Und welche Geduld ist dazu erforderlich, welche Selbstbeherrschung, und wie mehrt sich die Arbeit mit jedem Kinde! Da gilt die Frau als die beste Lehrerin und Erzieherin; nur später, wenn die Arbeit verhältnismäßig viel leichter Feworden ist, dann will der Mann allein Lehrer sein unter der Begründung, die Frau werde von der Arbeit zu sehr angegriffen. Wenn die Arbeit sich besser lohnt, wenn sie reichere Früchte trägt und mehr Genuß bringt, dann soll die Frau davon ausgeschlossen werden. Die Männer sollten die psychischen Folgen solchen Verhaltens sich klar machen. Es stärft bei den Frauen ein Gefühl der Erbitterung, die in Haz und Rachelust auswachsen kann. Die schwache Frau entwickelt ihre Kräfte auch gegen den Willen der Männer, und sie erlangt Kräfte, denen der starte Mann vielleicht nicht gewachsen ist, wenn sie sich einmal bewußt gegen ihn richten würden. Die Frauenbewegung ist noch jung; ihre Berechtigung gibt die Gewähr ihres Sieges, der in der Erringung der Gleichberechtigung mit dem Mann liegt. Mit der Kraft der steigenden Flut bricht die Bewegung sich Bahn, und wo ihr gewaltfamer Widerstand entgegengesetzt wird, da sammeln sich die Kräfte mit wachsender Erbitterung, und sicher erringen die Frauen endlich den Sieg auch über hartnädig verteidigte Pofitionen. Versammlungen Veranstaltungen. Berlin. Montag, 25. Juni, 8 Uhr: Generalversammlung. Neues Klubhaus, Kommandantenstr. 72. Adlershof. Sonntag, den 24. Juni: Ausflug nach Hasselwerder. Treffpunkt bei Beyer, Bismarckstr. 10, nachmittags 21 Uhr. Schöneberg. 9. Juli bei Obst: Vortrag Gen. Bäumler leber Zweck und Ziele der Frauen- und Mädchen- Bildungsvereine." Verfammlungen. Vierter Wahlfreis. Die Organisation des Kreises hatte zum Dienstag fünf Verfammlungen einberufen: vier davon mit der Tagesordnung: Was fordert die Sozialdemokratie?" und eine( im Frankfurter Viertel) mit dem Thema: Aus der Geschichte der Sozialdemotratie von 1860 bis zur Aufhebung des Sozialistengesetes". In dieser Versammlung, die in Boekers Saal stattfand, wurden Beiträge zur Geschichte der Sozialdemokratie" gegeben. Wie der Borsigende Bader bemerkte, handelte es sich darum, daß die älteren Genossen angeregt werden sollen, ihre Erfahrungen in der Berliner Parteibewegung auszutauschen und diejenigen, welche in der Lage find, dem Genoffen Eduard Bernstein Material zur Geschichte der Parteibewegung in Berlin zu liefern, dazu zu veranlassen. Genosse Flatom, der das einleitende Referat hielt, besprach aus eigener Kenntnis der Dinge die Zeit vom ersten Auftreten Lassalles in Berlin bis zum Ende des Sozialistengesetzes. Die Ausführungen des Redners wurden dann durch die Genossen Scholz und Peege, die ebenfalls über reiche Erfahrungen in der Partei bewegung verfügen, in interessanter Weise ergänzt. Für das Landsberger Viertel fand die Versammlung im ..Elysium" statt. Genosse Blod referierte. An der Hand des Erfurter Programms erläuterte er in leicht faßlicher Weise die Grundsäße und Forderungen unserer Partei und ermahnte die Anwesenden zum Schluß, den Vortrag nur als eine Anregung zu weiteren Selbst studien auf diesem Gebiete zu betrachten. Den Ausführungen des Referenten wurde lebhafter Beifall zu teil. In der Diskussion versuchte der Genosse Noraczat im Sinne des Referates zu sprechen. Kaum hatte er jedoch einige Säße ges sprochen, da kam es zu einem Zwischenfall, der in seiner Eigenart halb erbitternd, halb komisch wirkte und fast an sächsische Versamm lungsvorkommnisse erinnerte. Der überwachende Polizeioffizier, ein blutjunger Leutnant, stülpte nämlich seine Bickelhaube auf und erklärte schneidig, so tönne er die Weiterführung der Versammlung nicht dulden; denn er tönne den Redner nicht verstehen!! Vom Vorsitzenden, Genossen Kupfer, wurde darauf die Versammlung auf 15 Minuten vertagt. Als die Anwesenden sich von ihrer ersten Ueberraschung erholt hatten, bemächtigte sich ihrer natürlich eine unbändige Heiterkeit. Allerdings wurden auch derbe Rufe des Unwillens über unsere gerühmte preußische Versammlungsfreiheit" laut, die es gestattet, in solcher Art eine Versammlung zu stören. Man hatte unwillkürlich die Empfindung, als wenn dem Herrn LS Teures Fleisch billige Seefische!! Bester Fleischersatz, schmackhaft und durch hohen Nährwert sich auszeichnend! Große Fänge in lebendfrischer Ware sind soeben eingetroffen. 21 Der Versammlungsbesuch hatte unter der großen Hite des Tages etwas gelitten. Die Versammlung für das Köpenider Stadtviertel tagte in der„ Drachenburg" am Schlesischen Tor. Hier referierte Dr. Br. Borchardt. Er legte dar, wie eine Partei mit sozialistischem Biele notwendigerweise innerhalb der heutigen Gesellschaft vorerst einen Kampf um Demokratisierung aller Staatseinrichtungen führen müsse. Dieser Kampf werde bestimmt durch die jeweilige politische Situation. Daneben dürfe aber die rein sozialistische Aufklärung nicht zu kurz kommen. Redner entwickelte dann die Grundzüge der modernen sozialistischen Wissenschaft, deren populäre Darstellung ihm sehr gut gelang.- Der Vortrag, der mit einer Ermunterung zu rühriger Mitwirkung jedes einzelnen im Sinne des sozialistischen deals und der Sozialdemokratie schloß, fand lebhaften Beifall. Es folgte eine kurze Diskussion. Die Versammlung ehrte das Andenken der seit der letzten Versammlung verstorbenen Mitglieder in der üblichen Weise. Die Versammlung im Lokal„ Süd- Ost" in der Waldemarstraße erfreute sich eines ziemlich guten Besuches. Es waren auch einige Frauen erschienen, die aber auf Anordnung des überwachenden Beamten den Saal verlassen mußten. Der Referent Genoffe Most versäumte nicht, diesen Vorgang gleich als Illustration zu seinen Ausführungen über Versammlungsfreiheit und über Frauenrechte zu benußen. Mit großer Aufmerksamkeit folgte die Bersammlung dem zweistündigen Vortrage über das alte und doch immer wieder zeitgemäße Thema. Der Redner schloß mit einem Appell an die Genossen, jederzeit dafür einzutreten, daß das, was wir erstreben, auch verwirklicht werde. Jeder müsse sich genau über unsere Forderungen unterrichten, damit er ein guter Agitator werde, um unseren größten Feind, den Unverstand der Massen, recht bald tödlich zu treffen. Eine Diskussion fand nicht statt und der Vorsitzende schloß die Versammlung, nachdem er die Genossen noch energisch zum Aus tritt aus der Landeskirche aufgefordert hatte. Jm sechsten Wahlkreise Ein in der Versammlung eingetroffenes Sympathietelegramm der ungarischen Kollegen wurde mit Beifall aufgenommen. Der Vorsitzende a ß schloß die Versammlung, indem er ausführte: Die Hoffnung der Unternehmer, daß dieser Kampf, so wie ber vor zehn Jahren, wegen Mangel an Unterſtüßungsgeldern berloren gehen werde, wird nicht eintreffen. Für Geldmittel ist hinreichend gesorgt. Nur die persönliche Schwäche der Kämpfer tönnte eine Niederlage zur Folge haben. Wenn die Kollegen im Kampfe aushalten, und das werden sie, dann ist ihnen der Sieg sicher. Mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung schloß der Vorsitzende die Versammlung. Tarifbewegung der Kontobucharbeiter und Arbeiterinnen. Der im Jahre 1900 abgeschlossene und dann nach Verlauf von drei Jahren mit einigen Verbesserungen erneuerte Tarifvertrag für die Kontobuchbranche in Berlin läuft nun unter der Voraussetzung, daß er drei Monate vorher gekündigt wird, am 30. September ab. Am Mittwoch beschäftigte sich eine zahlreich besuchte öffentliche Versammlung der Kontobucharbeiter und Arbeiterinnen in Feuersteins Festsälen mit der Frage, ob man den Tarif kündigen und neue Vorschläge einreichen solle. Nach einem Referat des Branchenvertrauensmannes Keese und nach kurzer Diskussion wurde beides einstimmig beschlossen. Allgemein war man der Meinung, daß die vor drei Jahren schon reichlich knapp bemessenen Löhne bei der anhaltenden Verteuerung des Lebensunterhalts lange nicht mehr zureichend sind. Sodann wurde über den von der Tariffommission ausgearbeiteten Entwurf zum Lohntarif samt dem Vorwort zu einem Affordtarif beraten. Meinungsverschiedenheiten zeigten sich hierbei hauptsächlich über die vorgeschlagenen Minimallöhne, die mehreren Rednern zu niedrig erschienen. Der Entwurf wurde jedoch schließlich in diesem Tell wie in allen anderen Teilen von der Versammlung gutgeheißen. Die hauptsächlichsten Forderungen sind: Verkürzung der Arbeitszeit von 54 auf 53 Stunden: Sonnabends 8 Stunden, im übrigen wie bisher 9 Stunden täglich; Erhöhung des Minimallohnes für Arbeiter im ersten Jahr nach der Lehrzeit von 41 auf 46 Pf., für die folgenden Jahre von 46 auf 51 Pf.; Erhöhung des Minimallohnes für Presser, Vergolder, Marmorierer, Beschneider und Liniierer von 48 auf 54 Pf.; Erhöhung des Minimallohnes für geübte Arbeiterinnen von 26 auf 31 Bf., des Minimallohnes für die Spezialarbeiterinnen von 37 auf 40 Pf. Dementsprechende Erhöhungen werden auch in den Lohnstalen für die ungeübten Arbeiterinnen im ersten Jahre ihrer Tätigfeit verlangt. Ferner sollen die Zuschläge für Ueberzeitarbeit den Löhnen entsprechend erhöht werden. waren zu Dienstag für die einzelnen Abteilungen des Kreises elf Für die Durchführung eines Affordtarifes waren die Kontobuch Versammlungen für die Mitglieder des Wahlvereins einberufen, in fabrikanten bis jetzt nicht zu haben. Die Tariftommiſſion der denen zunächst die Aufstellung der Kandidaten für die Verbands- Arbeitnehmer hat jedoch unter Mithilfe einer großen Anzahl in den Generalversammlung vorgenommen wurde. Mitglieder unserer verschiedensten Arbeiten ihres Berufes erfahrener Kollegen und Stadtverordnetenfraktion berichteten dann in den einzelnen Ver- Kolleginnen einen Tarifentwurf ausgearbeitet, und außerdem hat fammlungen über die Tätigkeit der fozialdemokratischen Fraktion, die sich die Weihnachten abgehaltene, aus 12 Städten der Kontobuchfich auf Grund unseres Gemeindeprogramms vollzieht. Dieser industrie beschickte Konferenz der Kontobuchbranche ebenfalls mit Tätigkeitsbericht war nichts anderes und konnte nach Lage dieser Frage befaßt. Der Entwurf felbst konnte seines großen Ums der Sache auch nichts anderes fein als eine ständige fanges wegen in der öffentlichen Versamntlung nicht zur Debatte Kritik des Schuldkontos der freisinnigen Mehrheit im Roten gestellt werden. Durch die Annahme des Vorwortes zum AkkordHause. Daß die Sozialdemokratie heute in der Stadtverordneten- tarif, das die grundlegenden Bestimmungen enthält, erklärte sich Bersammlung für Forderungen, die in feiner Weife spezifisch fozia die Versammlung mit der Aufstellung des Tarifes selbst cins listisch sind und früher vom Bürgertum vertreten wurden, ein- verstanden. treten und für dieselben noch erhebliche Kämpfe führen muß, das beweist, wie tief das freisinnige Bürgertum heute schon gefunden ist. In allen Versammlungen zeigte sich ein lebhaftes Interesse für die kommunalpolitischen Angelegenheiten, das auch in der Diskussion feinen Ausdruck fand. Verschiedentlich wurde der Wunsch ausgesprochen, doch öfter derartige Themata zu behandeln, um das Suteresse an den kommunalen Verhältnissen noch mehr zu wecken. Von den übrigen Forderungen sind noch hervorzuheben: eine Verbesserung der Bestimmungen über das Tarifschiedsgericht, daß diefes Gericht nicht von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern selbst, sondern auch von ihren Organisationen angerufen werden kann; ferner die Freigabe des 1. Mai und dann eine Lohnerhöhung von 10 Proz. für die Arbeiter und Arbeiterinnen, die durch den neuen Lohntarif keine Zulage erhalten. Die im alten Tarif festgelegte Bezahlung der Feiertage soll selbstverständlich bestehen bleiben. Die heute versammelten Steinarbeiter sprechen ihren in Bayern fämpfenden Brüdern ihre Sympathie aus und verpflichten sich, dies felben nach jeder Richtung tatkräftig unterſtügen zu Insbesondere verpflichten sich die Anwesenden, jede Streifarbeit sowie auch das Versetzen von Halbfertiger Arbeit bis zur Erledigung der Differenzen zu unterlassen." Mit der Aussperrung der Lithographen und Steindrucker be schäftigte sich am Mittwoch eine sehr start besuchte öffentliche Vers Zum Streit im Muschelkalksteingebiet nahm eine am 15. Juni sammlung, an der sowohl die Ausgesperrten als auch die Ar- stattgefundene außerordentliche Mitgliederversammlung der Filiale beitenden teilnahmen. Barthel, der den Situationsbericht er- Berlin I des Zentralverbandes der Steinarbeiter Stellung. Der stattete, bezeichnete die Lage als durchaus günstig. Die Kampfes- erste Vorsitzende führte ungefähr folgendes aus: An dem jetzigen freudigkeit der Ausgesperrten sei ungebrochen. Die Unternehmer Frontangriff auf der ganzen Linie des Muschelfalfsteingebietes find dagegen befänden sich in einer sehr ungünstigen Lage. Eie laffen zirka 600 Steinarbeiter beteiligt. Das Prinzip des diesjährigen es sich sehr viel Geld und Mühe kosten, um durch Zeitungsinserate Streits sei, das wilde Affordsystem zu beseitigen, Tarifverträge und Agenten Streitbrecher zu werben, aber alles ist vergebens, troß abzuschließen und so stabile Arbeitsverhältnisse zu schaffen. des aufgebotenen großen Apparates haben sich nur drei Arbeits- da zurzeit in Berlin mehrere Bauten aus genanntem Material aufwillige anwerben lassen. Man hat nun auch versucht, einzelne der geführt werden, auch einige größere Firmen in Bayern eigene Ausgesperrten zur Aufnahme der Arbeit zu bewegen, sogar die Steinbrüche besigen, in denen die Arbeiten fertiggestellt werden, so Frauen der Betreffenden hat man veranlassen wollen, ihre Männer haben die Berliner Steinarbeiter das größte Interesse daran, ihren im Sinne der Unternehmer zu beeinflussen, aber vergebens. Alle im Kampfe stehenden Arbeitsbrüdern zum Siege zu verhelfen. Nach Ausgesperrten und alle, die sich mit ihnen solidarisch erklärt lebhafter Diskussion wurde folgende Resolution angenommen: haben, nehmen die Arbeit nicht anders auf als geschlossen. Entweder man stellt sie alle wieder ein oder sie bleiben alle draußen und warten ab, bis der Kampf sich zu ihren Gunsten entschieden hat, was nach Lage der Sache mit Sicherheit zu erwarten ist. Nach dem Referenten erhielt Mühlberger aus Wien das Wort. Unter lebhaftem Beifall führte er aus, daß er hierher gefandt sei, um den deutschen Kollegen in dem ihnen aufgezwungenen Stampfe die Sympathie der österreichischen Kollegen persönlich zu übermitteln. In großen Versammlungen hat die österreichische Kollegenschaft beschlossen, alle Mittel, über welche sie selbst verfügt, den fämpfenden deutschen Kollegen zur Verfügung zu stellen. Ihr Sieg, sagte der Redner, ist auch unser Sieg, und Ihre Niederlage würde auch für uns eine Niederlage sein, darum wünschen wir Ihnen den besten Erfolg, und wir werden alles tun, um Ihnen zum Siege zu verhelfen. Weiter führte der Redner aus, daß die österreichischen Kollegen mit den Zeitungsseßern in Verbindung getreten sind und diese veranlaßt haben, den Eat solcher Inserate zu verweigern, in denen Streitbrecher für die aussperrenden Firmen in Deutschland gesucht werden. Ebenso haben es die Von der„ Neuen Gesellschaft", Sozialistische Wochenschrift, Heraus Wiener Kollegen vermocht, einen dort aus Leipzig eingetroffenen geber Dr. Heinrich Braun und Lily Braun, Berlag Berlin W. 15, Breis Streitbrecheragenten hinter das Licht zu führen, daß er unver- für das Einzelheft 10 Pf., pro Monat 40 Pf., pro Vierteljahr 1,20 M., richteter Sache wieder abziehen mußte. Der Redner schloß unter ist soeben das 25. Heft erschienen. Alsdann gab der Vorsigende bekannt, daß bereits mehrere Kollegen der Firmen Schilling und Kollmeyer ausgesperrt worden sind, weil sie sich weigerten Streitarbeit anzufertigen. Von einer Bautensperre wird vorläufig Abstand genommen. Den aus Anlaß dieses Streits ausgesperrten Kollegen wird pro Tag 1 Mark Ortszuschuß gewährt. Kritisch beleuchtet wurde ein von dem Geschäftsführer der Firma Niggl versuchter Tarifbruch, der dank des einmütigen Vorgehens der Kollegen verhindert wurde. Zum Schluß fordert der erste Kassierer auf, die Beiträge zum 1. Juli zu begleichen, um mit dem alten Material abrechnen zu können. Ein Versuch mit diesen äußerst schmackhaften Fischen ist jeder Hausfrau zu empfehlen. Deutsche Dampffischerei- Gesellschaft Nordsee" Eingegangene Druckfchriften. Großer Schellfisch im Anschnitt 30 Pf., mit Kopf. Cabliau ohne Kopf. Filiale: Berlin C. 2, Bahnhof Börse, Bogen 8-10. Seelachs Zentral- Fernsprecher: Amt Ill No. 8804. Seefisch- Kochbücher gratis. 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Schoß, Dessauerstraße. & Schneider Ritterstr. 76. Ziegler, Rickmann, Wilhelmstr. 121. Naucksche Buchdruckerei, Stall fchreiberstraße 5. Ad. Ludwig, Elifabeth- Ufer 5/6. Fleck Nachf., 2ügonftr. 87. Kämmerer, Rochstr. 67. C. F. Walter, Ballstr. 16/17. Rich. Gahl, Chausseestr. 20. Agthe, Wilhelmstr. 119/20. Lotze& Sieler, Stochftr.& Ad. Wittenburg, Wilhelm. ftraße 16. Xaver Kölle, Reichenberger. ftrage 36. Kartonarbeiter u. Arbeiterinnen! Kartounieter! In der Kartonfabrik von Ad. Lesser, Krantstraße, find tarif. Streuzbergftr. 8. Diese Betriebe find gesperrt! Tempelhof: Schönburgstr. 6/7 und Die Firma Aloys Sak, Neander ftraße 4( Reanderhof Nr. 3; Friedrich Wilhelmstraße ( Ede Moltkestraße); Ringbahn- ift für Galanteriearbeiter und straße. Arbeiterinnen wegen Differenzen Salensee: Joachim Friedrichstraße. gesperrt. 24/12 Suzug it streng fernzuhalten. Die Bauten der Firma Schubert, liche Differenzen ausgebrochen. 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Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. zu Milchgeschäft Näheres Königgräberstraße 62.+110 Motorrad, gut erhalten, 195 Mart. Billi Haußherr, Berlin, Alte Jakob. ftraße 93. 25326 Die Bauten find: Motstr. 38 und 39, Bau Töpke. Neue Santstr. 1, 2 und 3 sowie der Bau Lange. Luisenplay, Ede Kaiser Friedrichstraße, Bau Haafe. Sadowaftr. 10, Bau Hollmann. Barbarossastraße. Die Ortsverwaltung bes Holzarbeiterverbandes. Die Ortsverwaltung. 8r.m. 2B.Wr8..9. Z.§f\[� Jfg MMg" Kttlilltt PolfeMött. �,22.1...(906. Partei- Hngelegcnbeiten* Vierter Wahlkreis. Das diesjährige So in werfest des Kreises findet am Sonntag, den 24. Juni, in A. Schcruchs Etablissement Hasselwerder, an der Oberspree liegend lNieder-Schöneweide), statt. Auf Ersuchen des Vorstandes an die Bahnverwaltung, die Förderung des Verkehrs zum Sommerfest zu erleichtern, wird die Bahnverwaltung Extrazüge zwischen Görlitzcr Bahnhof und Nieder-Schöneweide ein- legen, vom Schlesischcn Bahnhof verkehren die Züge nur wie ge- wohnlich Sonntags. Außerdem ist den Teilnehmern die Möglichkeit gegeben, per Dampfer von der Jannowitz-Brücke und Oberbaiun- Brücke bis Wilhelminenhof zu gelangen; von hier aus ist m fünf Minuten über die Fußgängerbrücke das Festlokal leicht zu erreichen. Fünfter Wahlkreis. Die Parteigenossen der 4. Abteilung der- anstalten am Sonntag einen Familienausflug nach Friedrichsfelde. Abfahrt 1 Uhr. Treffpunkt:.Lindenpark", Wilhelmstr. 11. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Johannisthal. Der Sozialdemokratische Wahlverein hält am Sonnabend, den 23. Juni, abends 8Va Uhr, seine Versammlung in, Lokale von Rau, Parkstraße, ab. Der wichtigen Tagesordnung halber werden die Genossen ersucht, zahlreich zu erscheinen. _ Der Vorstand. ßerliner JVacbricbten. Ans der Stadtverordneten-Versammlung. Eine volle Tribüne mitten im Sommer— das hat man im roten Hause selten erlebt. Gestern hatten Hunderte von städtischen Beamten die Tribüne bis auf den letzten Platz be° setzt, um zu erfahren, wie die Versammlung über die be- kannte Gehaltsvorlage beschließen würde, die einen Ausschuß fünf lange Sitzungen hindurch beschäftigt hat. Fast ausnahmslos wurden die Vorschläge des Ausschusses durch die Versammlung bestätigt. Nur den Oberstadt- fekretären wurde die Kompottschüssel nicht so reichlich gefüllt, wie es geplant war. Gegen die vom Ausschuß vor- geschlagene Skala sprach hier Genosse Borgmann, und sie wurde dann mit ganz geringer Mehrheit(im Bureau stritt man sich, ob's nicht die Minderheit war) abgelehnt. Weitere Aenderungen gab es nicht. Ein Antrag Ullstein. die Gehaltsverhältnisse der Bureauhülfsarbeiter günstiger zu gestalten, fand keine Mehrheit, ebensowenig ein Antrag Ullstein, den Steuererhebern höhere Bezüge zu bewilligen. Eine lange und lebhafte Debatte entwickelte sich aus einigen Bemerkungen, die der Sprecher der sozialdemokratischen Fraktion dem Bauentwurf für die städtische Abdeckerei widmete. In der Sache waren alle Gruppen der Versammlung einig, aber unser Genosse Wey! erinnerte daran, daß die Vorgeschichte dieses Projekts nicht allzu rühmlich für den Magistrat und die freisinnige Stadtverordnetenmehrheit ge- Wesen ist. Stadtrat F i s ch b e ck gab sich Mühe, den Rückzug zu maskieren, den der Magistrat hat antreten müssen. Aber es gelang weder ihm noch seinen Freunden aus der Ver- sammlung, die Tatsache wegzubeweisen, daß der Eingriff in die Selbstverwaltung der Kommune, den wir hierbei schließ- lich wieder erlebt haben, nur der Kurzsichtigkeit des Freisinns zu danken ist. Gegen die Arbetterfürsorge des Fiskus, wie sie im Betriebe des Rüdersdorfer Berg- Werkes beabsichtigt wird, wandten sich unsere Ge- nassen Tolksdorf und Hintze. In dieser An- gelegenheit mitzureden. wurde der Stadtverordneten- Versammlung deshalb möglich, weil die Stadt an dem Ertrage dieses vom Fiskus betriebenen Werkes mit einem Gewinn beteiligt ist und nun auch zu den Kosten der Familien- Wohnhäuser beitragen mutz, die der Fiskus dort für die Arbeiter bauen will. Die freisinnige Mehrheit hatte nichts dagegen einzuwenden, daß diese Arbeiter, sobald sie mal ihre Stellung verlieren, in kürzester Frist ihre Woh- n u n g e n räumen sollen. Sie würde es vermutlich auch in der Ordnung finden, daß die Stadt Berlin, wenn sie noch Besitzerin des Bergwerkes wäre und da draußen zu komman- dicren hätte,„ihre" Arbeiter genau so behandelte. Die Bevölkerungszahl Berlin? zeigt gegenwärtig wieder eine Ab- nähme. Der Juni gehört zu denjenigen Monaten, in denen die Fortschreitung der Bevölkerungszahl einen Rückgang, mindestens aber eine Vcrlangsamung des BevölkcrnngSwachstums zu ergeben pflegt. Für den Juni erklärt sich das meist auS dem Nachlassen der Zuzüge, manchmal aber auch aus einen, frühzeitigen Beginn der sommerlichen Häufung der Säuglingssterbefälle. Deutlicher noch ist die Wachstums- verlangsamung alljährlich im März zu beobachten und ähnlich macht sie sich auch im Dezember bemerkbar. In diesen beiden Monaten fällt be- sonderS die Mehrung der Wegzüge ins Gelvicht. Im März sinkt dann die Bevölkerungszahl gewöhnlich wieder bis auf den Stand vom Januar herab. Der April bringt mit seinen Zuzügen eine starke Auswärtsbewegung, aber von dem gesamten Bevölkerungszuwachs des ganzen Jahres wird in der ersten Jahreshälfte bis Ende Juni doch selten mehr als das erste Drittel und oft noch nicht mal dieses Drittel erreicht. Erst in dem an Zuzügen reichen Herbst pflegt eine so bedeutende Aufwärtsbcwegung einzusetzen, daß die zweite Jahres- Hälfte dann die beiden anderen Drittel des jährlichen Bevölkerungs- zuwachseS herauszubringen vermag. „Die Kirche als Bollwerk des Staates." Ueber die diesjährigen Verhandlungen der Berliner Kreissynode hatten wir in Nr. 138 eine abschließende Betrachtung gebracht, die sich noch einmal mit den dort geführten Debatten über die Zunahme der Austritte aus der evangelischen Landeskirche be- schästigte. Dabei hatten wir unter besonderer Bezugnahme auf den Ephoralbericht der Kreissynode Berlin III die Handlangerdienste er- wähnt, die die Kirche für ihren Kampf gegen die Sozialdemokratie vom Staat erwartet, weil sie selber den Staat in seinem Kampf gegen die Sozialdemokratie Beistand leistet. Ein Mitglied der Krcissynode Berlin III, der liberale Pastor Herr F r a n ck e von der Zi o n s g e m e i n d e, fühlt sich nun da- durch bedrückt, daß wir in diesem Punkt keinen Unterschied zwischen den kirchlich Ortihodoxen und den kirchlich Liberalen zu entdecken vermocht haben. Herr Franckc schickt uns einen Brief, der so beginnt: „Fall» Ihnen etwas an objektiver Orientierung Ihrer Leser liegt. würde ich ergcbenst bitten usw." Er erzählt dann, eS sei„nicht richtig, daß gegen die Ausführungen des Ephoralberichtes, die auf Unterdrückung der Austrittsbewegung durch den Staat anspielen, auf der Kreissynode Berlin III von keiner Seite Widerspruch er- hoben wurde, von den Orthodoxen nicht und von den Liberalen auch nicht."„Im Gegenteil wendete sich," so fügt Pastor Francke Hinz», „die etwa ein Drittel der Synode umsasseirde Linke mit schärfsten Protesten gegen diese und ähnliche Wendungen des Ephoralberichtes. Ein Geistlicher der Linken bezeichnete dieselben als unchristlich und wnevöngelijchz und beinahe die Hauptverhandlung der ganzen Synode drehte sich um die Stellungnahme zu jener keineswegs von der Ge- saintheit geteilten Auffassung." Der Herr Pastor hätte gut daran getan, unfere Betrachtung noch einmal und mit etwas mehr Uebcrlegung zu lesen, ehe er sich hinsetzte und uns seinen Brief schrieb. Ter ganze Artikel läßt von Ansang bis zu Ende deutlich genug erkennen, daß unS an dem Ephoralbericht als das Wesentliche und hauptsächlich Beachtenswerte die anpreisende Versicherung galt, die Kirche sei noch ein Bollwerk der staatserhaltenden Kräfte. Herr Francke sagt nicht, ob er der Meinung ist, daß auch hiergegen die Linke„sich mit schärfsten Protesten gewendet" habe und auch dieser Satz von dem erwähnten Geistlichen der Linken„als unchristlich und unevangelisch bezeichnet" worden sei. Wir glauben kaum, daß je auf einer Synode die Liberalen den Mut finden werden, auch in diesem Punkte von ihren orthodoxen Brüdern abzurücken. Ein Wort schließlich noch über die oben zitierte Einleitung des Franckeschen Briefes. Pastor Francke würde, wenn die Redaktion des„Vorwärts" i h m einen Brief mit solcher Einleitung schicken wollte, das wahrscheinlich für eine Ungezogenheit erklären. W i r rechnen ihm sein zweifelndes„Falls Ihnen usw." nicht als Un- gezogenheit an; das wollen wir hier dem Herrn Pastor öffentlich bescheinigen, um Mißverständnissen vorzubeugen. Wir sehen darin weiter nichts als das ungewollte Bekenntnis, daß der liberale Pastor Francke uns Sozialdemokraten von vornherein mit besonderem Maße mißt— ganz so, wie das auch bei seinen orthodoxen Amtsbrüdern als christlich gilt. Immer langsam voran i Allen Gemeindeschulkindern sollte man alle Lehrmittel, die in der Schule gebraucht werden, ohne weiteres unentgeltlich liefern. Das haben in der Stadtverordnetenversammlung unsere Genoffen seit einer langen Reihe von Jahren immer aufs neue gefordert. Rur so würden endlich einmal die unerträglichen Zustände auf- hören, die sich daraus ergeben, daß nach den jetzt geltenden Bor- schristen die Eltern erst um die unentgeltliche Gewährung zu bitten haben und dann warten müssen, bis die Schulkommissionen den Grad der Bedürftigkeit prüfen und hiernach die Bücher gewähren oder verweigern. Das jetzige Verfahren bringt den Eltern allerlei Scherereien und gelegentlich auch Demütigungen, weil leider nicht alle Inhaber solcher Aemter den wünschenswerten Takt besitzen. Den Kindern aber wird die Teil- nähme am Schulunterricht für die ersten Tage oder Wochen nach Beginn des neuen Halbjahres erschwert, weil die Kommissionen bei der Umständlichkeit des Verfahrens sehr langsam arbeiten. In der Stadtverordnetenversammlung haben unsere Genossen das oft genug geschildert, aber die freisinnige Mehrheit hält an ihrem schäbigen Prinzip fest und entscheidet, daß alles beim alten zu bleiben hat. Wie lange es manchmal dauert, bis ein Kind die nötigen Bücher kriegt, das haben wir kürz- lich sin Nr. 184) an einem Beispiel wieder einmal gezeigt. Heute wollen wir nachtragen, daß inzwischen dem betreffenden Kinde endlich die Bücher ausgehändigt worden sind, um die die Eltern zeitig und vorschriftsmäßig gebeten hatten. Die Mutter hatte erst noch einen Bittgang zu dem Schulkommiffionsvorsteher tun müffen. Dort wurde sie von einer Verwandten des nicht anwesenden Vorstehers dahin belehrt, daß sie schon früher hätte kommen sollen, um nach- zufragen, ob nicht die Bücher schon da seien und gleich mitgenommen werden könnten. Die Dame befindet sich in einem Irrtum. Vielleicht läßt sie sich einmal von dem Herrn Kommissionsvorsteher einen Vortrag darüber halten, was die Eltern zu tun haben und was er zu tun hat. Wir sehen in diesem Belehrungsversuch nichts anderes als eine Art E n t s ch u l d i g u n g, zu der man sich wohl durch den Artikel des.Vorwärts" veranlaßt gefühlt hat. Hinterher ließ man es auch gar nicht zu einer Abholung der Bücher duröb die Mutter kommen. Am andern Tage waren ganz plötzlich die Bücher in der Schule, und dort wurden sie dem Kinde durch den Rektor überreicht, wie das unseres Wissens der Vorschrift entspricht. Jetzt endlich konnte da? Kind regelrecht am Unterricht teilnehmen und regelrecht seine häuslichen Arbeiten anfertigen. Seit Schluß der Osterferien waren acht Wochen ver- gangen— seit Beginn des Sommerhalbjahres, daS in den Gemeinde- schulen diesmal noch vor den Osterferien eröffnet worden war, sogar mehr als zehn Wochenl Sind solche Zustände würdig des Bolks- schulwesenS einer Großstadt? Auf der Flucht aus der Fürsorgeerziehung abgestürzt und schwer verunglückt ist in der gestrigen Nacht der 17 jährige Fürsorgezögling Hermann Schulze. Sch. war seit einiger Zeit in der städtischen Fürsorgeanstalt in Moabit untergebracht, doch sehnte er sich vom ersten Tage an wieder in die goldene Freiheit zurück. Er riskierte einen äußerst verwegenen Fluchtversuch durchs Fenster. In der gestrigen Nacht zerriß er sein Bettuch in lange Streifen und fertigte sich eine Leine an, die von der Höhe der zweiten Etage fast bis auf den Erdboden reichte. Als alles im tiefsten Schlafe lag und Sch. sick unbeobachtet glaubte, verließ er heimlich seine Lagerstätte, band die Leine am Fensterkxeuz fest und ließ sich daran hinab. Kaum war er jedoch bis zur' ersten Etage gekommen, so ritz die Leine und Sch. stürzte in die Tiefe. Da- durch war der Fluchtversuch bemerkt worden; doch Sch. erhob sich, als er Verfolger herankommen sah und flüchtete trotz seiner schweren Verletzungen auf die Straße. Zwei Passanten und ein Schutzmann verfolgten ihn und nahmen ihn in der Beusielstraße fest. Sie brachten den Schwerverletzten nach der Unfallstation in der Huttenstraße, wo bei Sch. ein Knöchelbruch und schwere Ver- letzungen am Kopf und im Kreuz festgestellt wurden. Nach Anlegung von Notverbänden wurde der Äerunglückte nach dem Krankenhause Moabit übergeführt, doch mußte wegen Ueberfüllung sein Transport in das Krankenhaus Am Urban erfolgen. Was die Polizei alles wissen will.' Mancher Versammlungsbesucher mag sich schon gewundert haben, weshalb eigentlich in jeder Arbeiterversammlung, selbst wenn Gegen- stände auf der Tagesordnung stehen, die für die Oeffentlichkeit nicht das geringste Interesse haben, z>vei Polizeibeamte, ein Leutnant und ein Schutzmann, erscheinen, um die Versammlungfzu„überwachen". Was in den Versammlungen gesagt wird, das interessiert die„über- wachenden' Beamten in den meisten Fällen wirklich nicht. Man sieht ihnen denn auch oft an, daß sie sich schrecklich langweilen. Nur auf einen Punkt scheint sich das Interesse der Polizeibeamten in den Versammlungen zu konzentrieren: Sie wollen Namen, Stand und Wohnung der Versammlungsleiter und der Redner wissen.— An diese Wißbegierde der Polizei haben sich die Leiter von Arbeitervcrsammlungcn so ge« wöhnt. daß sie den Beamten hierin viel weiter entgegenkommen als sie nötig haben, denn daß man der Polizei die Personalien der Versammlungsleiter angeben muß. davon steht gar nicht« im Vereinsgeletz. Nur über die Persönlichkeit der Redner können die überwachenden Beamten vom Borsitzenden Aus- kunft verlangen. Doch die Leiter von Arbeiterversammlungen haben ja keine Ursache, ihre Personalien den wißbegierigen Beamten vorzuenthalten, sie machen ohne weitere» die geforderten Angaben, obwohl sie dazu gar nicht verpflichtet sind. ja. sie schreiben das Gewünschte sogar für die Beamten auf und erleichtern diesen da- durch ihre Tätigkeit, um so eines ungestörten Verlaufe» der Ver- sammlung sicher zu fem. Man mag sich mit Recht fragen, weshalb denn eigentlich die Polizei ein so lebhaftes Interesse an den Personalien der Versammlungsleiter und Redner hat. Noch mehr aber muß man sich wundern, wenn man erlebt, daß ein Polizeibeamter sein Verlangen nach Personalien auch auf solche Leute ausdehnt, die die Versammlung nicht leiten, die nicht reden, ja. die nicht einmal in der Versamm- hing anwesend sind, deren Aame aber von einem Redner ge- nannt wird. In der Versammlung der Lithographen und Steindrucker, die am Mittwoch in Kellers Saal tagte, machte der Referent die Mit- teilung, daß jemand, der eben erst Krankenunterstützung und dann Arbeitslosenunterstützung vom Senefelder Bund erhalten hat, ob- wohl er, wenn es streng nach dem Statut gegangen wäre, gar keinen Anspruch auf die Unterstützung hatte, jetzt seinen Austritt aus dem Bunde erklärte, um bei einer der aussperrenden Firmen als Arbeitswillier in Arbeit treten zu können. Die Mitteilung dieser noblen Handlungsweise erregte natürlich den lebhaftesten Unwillen der Versammelten. Man wollte den Namen des Betreffenden wissen. Der Redner nannte ihn und die Versammlung war zufrieden. Aber der Polizeileutnant, welcher die Versammlung„überwachte", war noch nicht zufrieden. Er fiel dem Redner ins Wort und verlangte von ihm, daß er ihm auch die Wohnung des Streikbrechers angebe. Das war zweifellos ein unberechtigtes Vorgehen des Beamten. ES gibt keine gesetzliche Bestimmung, auf die er sein Verlangen stützen kann; denn daß man die Adresse von Personen angeben muß, über die in einer Versammlung gesprochen wird, davon sieht nichts im Vereinsgesetze. Aber man tat dem Beamten seinen Willen, um weitere Störungen zu vermeiden, und schließlich lag ja auch kein Grund vor. der Polizei die Adresse des Streikbrechers nicht zu nennen. Weshalb sie ein so lebhaftes Interesse daran hat, darüber kann ,nan verschiedene Vermutungen haben. Vielleicht will die Polizei dieser Stütze des aussperrenden Unternehmertums ihren ganz besonderen Schutz angedeihen lassen. Vielleicht aber erleben wir es, daß man die bloße Mitteilung der Handlungsweise eines pflichtvergessenen Menschen zum Gegenstand eines Strafverfahrens gegen den Referenten macht. Dazu fehlt zwar jede rechtliche Begründung, aber im Zeitalter des behördlichen StreikbrecherschutzeS ist alles möglich. Keine zweite Fleischerinnung in Berlin. Der seit 1897 schwebende Rechtsstreit der Freien Vereinigung selbständiger Fleischern, eister zu Berlin lvider den Polizeipräsidenten ist jetzt endgültig zuungunsten der Freien Vereinigung entschieden worden, nachdem die Sache mehrfach bis zur letzten Instanz gediehen und immer wieder an den Bezirks- auSschuß zurückverwiesen worden war. Die Freie Vereinigung wollte bekanntlich als Innung anerkannt werden. Der Polizei- Präsident hatte aber mit Rücksicht auf§ 84 der Gewerbeordnung die Genehmigung versagt, da in Berlin bereits eine Fleischerinimng besteht. Der Bezirksausschuß wies, wie schon mehrmals, die dagegen gerichtete Klage wieder ab. als die Sache das letzte Mal an ihn zurückgelangte. Die Gewerbedeputaiion hatte die Ansicht der klagenden Vereinigung geteilt, daß die alte Berliner Schlächter- innung zu wenig für das Lehrlings- und Herbergswesen und zu viel für Repräsentation ausgebe. Dagegen hatten JnnungsauSschuß und Handwerkskammer sich gegen die Errichtung einer neuen Innung ausgesprochen. Der Bezirksausschuß führte auS, er sei auf Grund der umfangreichen Beweisaufnahme zu der Ansicht gelangt, daß die alte Innung bestrebt sei, ihre Pflichten zu erfüllen und etwaige Mißstände zu beseitigen. Die gemeinsamen Interessen der Angehörigen des Berliner Fleischergewerbes würden beim Bestehen von zwei Innungen infolge von Eifersüchteleien dieser beiden Innungen nur geschädigt werden.— Das Oberverwal- tungsgericht verwarf die Revision deS Vorstandes der Freien Bereinigung am 18. Juni alZ unbegründet. Die grobe« Veruntreuungen, welche im letzten Jahre beim Verkauf von altem Eisenbahnmaterial vorgekommen sind, haben dem Minister der öffentlichen Arbeiten Veranlassung gegeben, die Vorschriften, betreffend die Ueberwachung der Alt- Materialien wesentlich zu verschärfen. Danach sollen— neben der schon bestehenden Kontrolle— die im Rechnungsbureau geprüften Materiattenrapporte von Zeit zu Zeit durch Beamte deS RevisionS- bureaus einer Nachprüfung unterzogen und die veräußerten Materialien auf den Materialienbezeichnungstafeln als solche kennt- lich gemacht werden. Die Anträge auf freihändige Ueberlasiung ausrangierter Oberbau- usw. Materialien dürfen von den Bahn- meistereien künstig nicht mehr entgegengenommen werden; Kauflustige sind unmittelbar an die Betriebsinspektion zu verweisen. Für die Uebergabe freihändig veräußerter Altmaterialien setwa im Werte bis zu hundert Mark zulässig) darf auf kleinen Stationen— an Stelle eines mittleren Beamten— ein Unterbeamter abgeordnet werden. der dem Materialien- ver>v alter dien st lich nicht unter st eilt ist. Endlich sollen behufs Erleichterung der Kontrolle der vom Magazinverlvalter geführten Abgabennachweisung bei den verkauften Bahn- und Weichenschwellen die Stückzahl(Länge) und Form angegeben werden. Wer Geld hat und nicht wie die Mehrzahl der Bevölkerung von der Hand in den Mund leben muß, kann sich nach den verschiedensten Richtungen erhebliche Vorteile verschaffen; beispielsweise hat er die Möglichkeit. das zum Lebensunterhalt Benötigte weit billiger einkaufen zu können, als derjenige, der seine Bedürfnisse nur in ganz kleinen Mengen decken kann. Es ist deshalb auch niemand so ans- gebeutet, als der arme Man». Derjenige, der tiefer in die Tasche fassen kann, hat zu», Beispiel in der jetzigen Zeit Gelegenheit, Kohlen, Koks und andere Brennmaterialien zu einem billigeren Preise ein- zukaufen wie im Winter. Erfahrungsgemäß sind die Preise für Kohlen im Juni und Juli am niedrigsten, und wer'S hat, tut gut. seinen Bedarf an Feuerung für den Winter vor dem 1. August zu decken. Mit dem 1. August pflegen die Kohlenhändler die Preise regelmäßig zu erhöhen und, wie allgemein bekannt ist, treten am 1. September die höheren Winterpreise in Kraft. Die aufgefundene Menschenhand. Der mysteriöse Fund einer Menschenhand auf der Dahleiner Chaussee im Grunewald bei Bude I hat noch unmcr keine Aufklärung gefunden. Wenn auch nicht damit gerechnet wird, daß in der nächsten Umgebung des Fundortes ein Verbrechen verübt worden ist, so wird doch angenommen, daß ein solches in der weiteren Umgebung stattgefunden hat und daß der Fund der Menschenhand damit in Verbindung zu bringen ist. ES wird vermutet, daß der Täter die Entdeckung des Verbrechens durch die Verschleppung der Leichenteile zu erschweren versucht. Der Ver- dacht liegt auch nahe, daß bei einem noch nicht entdeckten Selbst- mördcr im Grunewald Leichenfledderei stattgefunden hat und daß der Täter die Hand vom Arme getrennt hat, um in den Besitz eines Armbandes zu gelangen. Die polizeilichen Ermittelungen dürften bald Austlärung m die rätselhafte Affäre schaffen. Ein Stadtbahuflcdderer wurde vorgestern abend in einem Vorort- zuge Berlin-Erlner auf frischer Tat festgenommen. Ein Bahir- bcamter hatte in Kietz-RummelSburg beobachtet, wie ein etwa 30 jähriger Mann sich in ein Wagenabteil begab, in welchen, bereits ein Fahrgast saß und schlief. Der Beamte behielt das fragliche Coups im Auge und begab sich, nachdem sich der Zug in Bewegung gesetzt hatte, in ein Nachbarabteil. Von hier aus beobachtete er. wie der zuletzt eingestiegene Fahrgast dem Schlafenden, wie sich später herausstellte einem Kaufmann aus Friedrichshagen, das Portemonnaie mit 76 Mark Inhalt aus der Tasche nahm. Bei An- kunft des Zuges in KarlShorst wurde der Spitzbube festgenommeil und der Polizei übergeben. Gestern Ivurde der Verhaftete nach dem UntersuchungsgefängmS in Moabit übergeführt, wo in ihm ein Arbeiter Mogel erkannt ivurde, der bereits verschiedene Vorstrafen, unter andern auch Zuchthau» wegen Fleddern», verbüßt hatte. Bei einem Streit lebensgefährlich verletzt wurde gestern der Bäckerlehrling Karl Jänisch, welcher bei dem Bäckermeister Br. in der Wolgasterstr. lS angestellt war. I. war in der Backstube mit einem anderen Lehrling in Streit geraten, welcher bald in Tätlich- leiten ausartete. Durch Schimpfworte gereizt, ergriff der Gegner plötzlich ein Backmesser und stieb es dem I. tief in den Unterleib. Schwerverletzt brach der Getroffene zusammen. In bedenklichem Zustande wurde er in das Lazarus-Krankenhaus eingeliefert. Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Um den Unterricht in Geschichte früher zum Abschluß zu bringen, findet am nächsten Sonnabend abends pünktlich um 8Uhr im Saal VIII des Gewerkschaftshauses Unterricht statt. Schluß- abend am Dienstag, den 26. Juni, in Saal I. Wir machen die Mitglieder hierdurch nochmals auf den am Sonntag, den 24. Juni, stattfindenden Ausflug nach Tegel-Jörs- selbe aufinerksam. Treffpunkt 9 bis 10 Uhr in der Waldschänke zu Tegel, vis-a-vis Schloßreslaurant. Von 12 Uhr ab im Kurgarten zu Jörsfelde lJnhaber: Gumlich). Fahrverbindung: Sckilesischer Bahnhof— Tegel, Charlottenstrabe— Tegel i Stettiner Bahnhof- Tegel früh 7-/z Uhr. Gäste willkommen. Für gute Unterhaltung ist gesorgt. Spiele im Walde. Ueberraschungen aller Art zu Wasser und zu Land(noch nie dagewesen). Gesperrt. Die Negentenstrabe zwischen Tiergarten- und Sigis- mundstraße ist behufs Ausführung von Kanalisationsarbeiten vom 21. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Der Allgemeine Bau-, Spar- und Wohnungsvcrein„Solidarität" (früher Bau- und Sparverein der Gemcindeangestellten) hat am 10. Juni durch Generalversaminlungsbeschluß den„Genossenschafts- Pionier" zum alleinigen Veröffeiitlichungsorgau bestimmt. Gleich- zeitig ist beschlossen worden, daß die Genossenschaft liquidieren soll. Die IbO Mitglieder erhalten ihre Geschäftseinlage vor Beendigung der Liquidation nicht ausgezahlt; das ist gesetzlich auch bei den- jenigen Genossen der Fall, deren Ausscheiden zum 31. Dezember 1903 bereits in die gerichtliche Liste eingetragen ist, denn infolge des Liquidationsbeschlusses gilt nach dem Genossenschaftsgesetz das Aus- scheiden als nicht erfolgt. Die Generalversammlung ist übereingekommen, daß die Vor- standsmitglieder(jetzt Liquidatoren) die Genossen mit anderen Bau- genossenschaften bekannt machen, namentlich mit der„Deutschen An- siedelungs-Gesellschaft" und der an diese angeschlossenen„Freien Scholle". Am Sonntag, den 24. Juni, geht ein Familienausflug zur„Freien Scholle". Abfahrt nach WaidmannSlust vorm. 9 Uhr 30 Min. vom Stettiner Bahnhof. Interessenten können sich anschließen. Nachzügler können später fahren. Feuerwehrbericht. Mit der Zunahme der sommerlichen Wärme häufen sich nach alter Beobachtung auch die Brände. Dies kann man jetzt wieder bestätigt finden. In der letzten Nacht wurde der 7. Zug nach dem städtischen Vieh- und Schlachthofe in der Thaer- stcabe 23/27 gerufen. Dort war in den Deutschen Peptonfutter- werken Feuer ausgekommen. Bei Ankunft der Wehr brannte eine Staubkammer. Durch kräftiges Wassergeben wurde die Gefahr be- seitigt. Eine Brandwache blieb während der Nacht auf dem Platze zurück. Gleichzeitig hatte die Wehr in der Gartenstr. 30 zu tun, wo in einem Stallgebäude Feuer ausgekommen war. Kleider, Schal- decken u. a. wurden dort ein Raub der Flammen. In der Prinzen- allee 13/16 brannten abends Brennmaterialien und in der Weißen- burgerstraße 24 Holzverschläge u. a. Zweimal hatte der 7. Zug auf dem Ostbahnhof zu tun. Jedesmal brannten Preßkohlen auf Eisenbahnwagen, und in beiden Fällen mußte der 7. Zug energisch Wasser geben, um die Flammen zu löschen. Wegen eines Bodenbrandes wurde der 16. Zug nach der Lieben- walderstratze 39 gerufen. Verschlüge brannten dort. Zwei Kellerbrände beschäftigten die Wehr in der Bülowstraße 36 und Wrangelstraße 73. Außerdem wurden noch eine große Zahl Brände polizeilich gemeldet, bei denen die Wehr nicht alarmiert wurde. Vorort- JVacbnchten. Uever die Besuchsziffern der Volksschulen Schönebergs gibt Auskunft die Zusammenstellung, die der Magistrat kürz- lich wieder den Stadtverordneten hat zugehen lassen. Gegen- wärtig hat Schöneberg 14 Volksschulen mit 2 5 7 Klassen, die im April dieses Jahres mit 11883 Kindern besetzt waren. Hierbei sind mitgezählt die auf 3 Schulen verteilten 6 Hlllfsklassen, in denen im April dieses Jahres 144 schwachbefähigte Kinder saßen. Im Durchschnitt kommen auf die Schule 18— 19 Klassen, aber im einzelnen liegt die Klassenzahl zwischen 16 und 25. Auf die Klasse kommen durchschnittlich 46— 47 Kinder(wenn die Hülfs- klaffen, die ja nur schwach besetzt werden dürfen, ausgeschaltet werden). Bei Unterscheidung der einzelnen Klassenstufen stellt sich die Durchschnittsfrequenz der ersten Klaffen auf 46—41, der zweiten Klaffen auf nahezu 43, der dritten Klassen gleichfalls auf 43. der vierten Klaffen auf 47—48, der fünften Klaffen auf 48, der sechsten Klaffen auf 51—52, der siebenten Klaffen auf 51(also etwas weniger als in den sechsten Klaffen.) Im einzelnen geht aber die Klassenfrequenz von 36 bis zu 65. Wie leider üblich, finden sich die höchsten Fre- quenzen in den untersten Klaffen, in denen gerade eine be- sondere Berücksichtigung jedes einzelnen Kindes notwendig ist und darum eine sehr viel geringere Frequenz zu wünschen wäre. Den minder hohen Frequenzen begegnet man nur in oberen und obersten Klaffen. Frequenzenvon66und darüber hinaus bis 65 fallen in einigen sechsten und siebenten Klassen auf. Frequenzen von weniger als 46 sind nur in mehreren dritten, zweiten und ersten Klaffen zu bemerken. Schöneberg will sich nicht nach Berlin richten und hat das am Ende auch nicht nötig, alldieweil ja„Mutter Berlin" in den meisten Dingen ebensowenig wie„Tochter Schöneberg" ein Muster genannt zu werden verdient. Aber eine Ver- gleichung ist doch immer lehrreich. Sie ergibt, daß in Schöne- berg die durrM�rnittliche Klaffenzahl pro Schule etwas höher, die durch�nittliche Schülerzahl pro Klasse etwas geringer ist als in Berlin. Von den einzelnen Klassenstufen haben in Schöneberg die unteren durchschnittlich eine niedrigere Fre- quenz als in Berlin, die oberen durchschnittlich eine höhere Frequenz als dort. Für die oberste Klassenstufe ist hierbei zu beachten, daß in Berlin jetzt das Achtklassensystem, in S ch ö n e- berg aber noch das S i e b e n k l a s s e n sch st e m besteht, bei dem die erste Klasse eigentlich zwei Klassenstufen darstellt. In der Frage„Achtklassen- oder Siebenklassensystem" könnte übrigens Schöneberg doch von Berlin lernen. Als Berlin noch das Sechsklassen- bezw. später eine Zeitlang das Sieben- klassensystem hatte, kamen nicht besonders viele Kinder bis zur „ersten" Klasse, obwohl bei dem Sechsklassensystem Kinder des sechsten, siebenten und achten Schuljahres, bei dem Sieben- klassensystem Kinder des siebenten und achten Schuljahres in die„erste" Klasse hineingesteckt werden mußten. Auch heute rücken in Berlin die Kinder noch nicht so zahlreich bis in die obersten Klassen auf. wie es zu wünschen wäre, aber besser sind die Verhältnisse doch geworden. Unter dem Sechsklassensystem saßen zuletzt in Klasse I rund 13 von je 166 Kindern, unter dem Achtklassensystem sitzen jetzt in den Klassen l, II, III zusammen etwa 24 von je 166 Kindern. Von diesen je 24 kommen auf Klasse III etwa 12, auf Klasse II rund 8, auf Klaffe I rund 4 Kinder. Wie aber sieht es in Schöne- berg aus? Hier sitzen von 11 883 Kindern in Klasse I nur 1668, in den Klassen II. III, IV. V, VI. VII 1328, 1632, 1853, 1923, 1959, 2636 und in den Hülfsklassen 144 Kinder. Auf K l a s s e I, die in Schöneberg Kinder des siebenten und achten Schuljahres enthält, kommen hier von je 166 Kindern nur 8—9, während Berlin in den Klassen I und II zusammen etwa 12 von je 166 Kindern hat. Gibt das nicht zu denken?_ Für die Anlegung des Schönebergcr Stadtparkcs wird nunmehr auf Beschluß der städtischen Körperschaften ein Wettbewerb ausgeschrieben werden. Das Preisgericht besteht aus je zwei Mit- gliedern des Magistrats und der Stadtverordneten- Versammlung und fünf Fachmännern des Gartenbaues. Der Park soll be- kanntlich auf dem sogenannten Fenngelände an der Erfurter- straße hergerichtet werden und den Charakter einer natürlichen Landschaft tragen. Die Parkanlage wird auf Wilmersdorfer Gebiet bis zum Wilmersdorfer See fortgesetzt und insgesamt eine Länge von 1800 Meter haben. Der Schöneberger Teil umfaßt 36 000 Quadratmeter. Er soll von allen Seiten frei zu- gänglich sein und Teichanlagen und Wasserläufe erhalten, die im Winter als Eisbahn benutzt werden können. Größere Spielplätze für Kinder sind leider ausgeschlossen, es ist nur ein kleiner Spielplatz vorgesehen.— Zur Deckung der Kosten des Parkes ist eine Anleihe von etwas, über einer Million Mark auf- genommen. Es hat sich aber herausgestellt, daß ungefähr das Doppelte dieser Summe erforderlich ist. Die betreffenden Grundstücks- besitzer suchen, wie immer in solchen Fällen, ihr Schäfchen zu scheren und haben für das zum großen Teil aus schlammigem und moorigem Untergrund bestehende, zur Bebauung gänzlich ungeeignete Gelände bedeutend höhere Preise gefordert, als sie von der Stadt ursprünglich in Betracht gezogen worden sind. Die Kosten der Her- richtung des Parkes sollen 230000 M. nicht übersteigen. Für die drei besten Entwürfe find Preise zu 3000, 2000 und 1000 M. aus- gesetzt. Charlottenburg. In seiner letzten Bcrsammlnng nahm der Verband der Fabrik-, Land-, Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen den Bericht von der Gau- konferenz entgegen. Als Delegierter zum Leipziger VerbandStag wurde Kollege Pohl und als Ersatzmann Kollege Brandt gewählt. Ein hierauf vom Genossen Flcmming gehaltenes Referat über„die Errichtung eines Arbeitcrsekretariats", der entgegen der ablehnenden Haltung einiger Gewerkschaften die Notwendigkeit eines solchen nach- wies, fand beifällige Aufnahme. Ueber:„Die Forderungen der Sozialdemokratie" referierte in der letzten Generalversammlung des Wahlvereins Genosse Thielicke- Friedenau. Als Delegierte für die Generalversammlung wurden die Genossen Schmidt, Kley und Schütze gewählt. Der seinerzeit schon gestellte Antrag, die proportionelle Vertretung auf der Kreisgeneral- Versammlung betreffend, wurde erneut zil stellen beschlossen. Zur Generalversammlung für Groß-Berlin wurden die Genossen Schmidt, Kley, Müller, Felsmann, Bade, Tatnsch, Rosenthal, Schnell, Richter, Schütze, Schröder, Reinsch, Will, Schmock, Hartfiel. Henschke, Gaebel, Vierk, Weißheit, Habicht, Pasche und Glowinke delegiert. Genosse Flemming forderte alsdann die Genossen auf, zu der am 11. Juli stattfindenden Gewerbegerichtswahl bereits jetzt in die Agitation einzutreten. Auch machte er nochmals auf die von der Gcwerkschafts- kommission für die ausgesperrten Lithographen und Steindrucker ausgegebenen Sammellisten aufmerksam. Ein Antrag des Genossen Löwenberg, der sein Befremden über die von der Redaktion des „Vorwärts" gemachten Bemerkungen anläßlich der Zwistigkeiten in Sorau-Forst ausspricht und das Eingreifen der Preßkommission in dieser Angelegenheit fordert, wurde abgelehnt. Rixdorf. Bon einem Straßenbahnwagen überfahren wurde gestern in der Steinmetzstraße die in der Prinz Handjcrystraße 30 wohnende unverehelichte Helene Schmidt. Sie wollte vor dem Hause Stein- metzstr. 124 den Motorwagen Nr. 1893 eines in der Fahrt befind- lichen Straßenbahnzuges der Linie 94h! besteigen, glitt von dem Trittbrett ab und fiel auf den Fahrdamm. Die Sch. stürzte so unglücklich, daß sie mit den Füßen unter den Schutzrahmen des An- Hängewagens geriet, dessen rechtes Vorderrad der Unglücklichen über den linken Unterschenkel hinwegging. Der Schenkelknochen wurde zersplittert und außerdem erlitt sie eine erhebliche Kopfverletzung. Die Verunglückte wurde nach dem Rixdorfer Krankenhause übergeführt. Gros;-Lichterfelde. Zur Wohnungsfrage. Die für alle Teile unserer Gemeinde mit Ausnahme weniger Straßenzüge an der Peripherie vorgeschriebene landhausmäßige Bebauung wirkt bezüglich der Steigerung der Bodenpreise zweifellos hemmend. Ein Vergleich mit den benach- barten, dem Hochbau preisgegebenen Ortschaften, läßt dies leicht fest- stellen. Wer aber daraus den Schluß ziehen wollte, daß auch die Wohnungsmieten diesen geringeren Bodenpreisen entsprechend billiger sein würden, befände sich in einem erheblichen Irrtum. Die Höhe der Mietspreise steht jenen in den nächsten Nachbar- gemeinden mit Hochbau und selbst denen Berlins kaum nach. Dies trifft insbesondere für kleinere Wohnungen, für die Behausung der arbeitenden Klasse zu. Man kann hierorts nickt nur von einer Wohnungsnot in finanziellem, sozialem und hygienischem Sinne reden, die überall mehr oder weniger die Besitzlosen trifft, sondern von einem ausgesprochenen Mangel an Kleinwohnungen. Der Zuzug nach den westlichen Vororten ist seil Jahren ein beträchtlicher, die Nachfrage nach kleinen Wohnungen eine bedeutende. Dazu kommt, daß die hiesigen Bauunternehmer in der Regel Häuser mit großen Wohnungen herstellen, kleinere eventuell nur im Dach- geschoß und im Keller bei höchstmöglicher Raumausnutzung und oft liederlichster Ausführung. Seit jüngster Zeit werden aber in den Neubauten sogenannte Mansarden-Wohnungen größeren Stils errichtet und zu Preisen ver- mietet, die kein Arbeiter zu erschwingen vermag. 300—700 und 800 M. für solche Wohnungen gelten als normale Preise. Es bleiben daher für die minder bemittelten Volksklassen hauptsächlich die allen Kom- forts entbehrenden, vom hygienischen und sanitären Standpunkt aus bedenklichen Kellerwohnungen. Und unter den Vermietern dieser „Wohnungen" gibt es nichr wenige, die nur Mieter nehmen, deren Kinderzahl das französische Normalmaß nicht überschreitet. Diese für den größten Teil der Ortsbewohner unerwünschte und schädliche EntWickelung wird noch begünstigt durch das Bestreben der Grund- besitzervereine, die Arbeiterschaft möglichst von dem Ruhesitz der satten Bürger fernzuhalten; daher auch in deren Versammlungen der ständige Ruf nach Errichtung von Wohnungen für den sogenannten Mittelstand, da die Gemeinde nun einmal von einer Handvoll Villenbesitzer nicht existieren kann und auf den Zuzug von Steuerzahlern angewiesen ist. Die ganze Misere des Wohnungs- elends kommt in der rapiden Zunahme des Schlafstellen- Unwesens zum Ausdruck, die von amtlicher Stelle durchaus be- fiätigt wird. Es wäre nun Pflicht der Gemeindeverwaltung in bezug auf die Wohnungsfrage reformatorisch einzugreifen. Keine Gemeinde in der Nähe Berlins befände sich bezüglich der Durch- führung der notivendigsten Wohnungsreformen in einer so günstigen Lage wie Groß-Lichterfelde. Aber bei der antisozialen und geradezu arbeiterfeindlichen Haltung speziell unseres Ortsparlameuts ist kauin daran zu denken. Nachdem nun noch der Nachbarort Steglitz seine Kommunal- steuern herabgesetzt hat, wird der edle Konkurrenzkampf zwischen den beiden Gemeinden mehr als bisher entbrennen und noch weniger als bisher werden Mittel für dringende sozialpolitische Forderungen in den rivalisierenden Gemeinden beivilligt werden. In letzterer Beziehung erstreckt sich die Konkurrenz zwischen Steglitz und Groß-Lichterfelde überhauptjnur auf die M i n d e st l e i st u n g e n- Nachdem es der Arbeiterschaft in Groß-Lichterfelde diesmal noch nicht gelungen ist. Vertreter ihrer Interessen in die Gemeindcver- tretuug zu bringen, um von hier aus das soziale Gewissen der bürgerlichen Klaffe zu schärfen, hat der sozialdemokratische Wahl« verein beim Gemeindevorstand und der Gemeindevertretung einen sorgfältig begründeten Antrag eingereicht, dahingehend, den Bau von Wohnungen, speziell von Kleinwohnungen durch die Gemeinde zu beschließen. Vor kurzem� ist nun die Antwort von dem Gemeindevorstande eingetroffen; sie lautet dahin, daß er„vorläufig eine abwartende Haltung" einnehmen müsse und daher dem Antrage nicht entsprechen könne. Dieser Entscheidung ist eine dreiseitige„Begründung" in Maschinenschrift beigegeben. Einer späteren öffentlichen Versamm- lung wird es vorbehalten bleiben, die Gründe des Gemeinde- Vorstandes einer eingehenden und— wie wir glauben— äußerst dankbaren Kritik zu unterziehen. Steglitz. Die Gemeindevertretung erledigte in ihrer letzten Sitzung die Tagesordnung in fünf Minuten. Bemerkenswert ist, daß der Schöffe Engelmann sein Amt niedergelegt hat. Da vor einiger Zeit auch der Schöffe Dr. Kühne seines Amtes müde wurde, so stehen nun- mehr zwei Neuwahlen in Aussicht. Irgend welches Interesse werden diese Wahlen in der Oeffentlichkeit nicht wachrufen, da die HauS- besitzer wieder, wie gewöhnlich, die neuen Herren„ernennen" werden. In geheimer Sitzung wurde der Ankauf der 3373 Quadratmeter großen Grundstücke Südendstr. 12—14 zum Preise von 175 000 M. zwecks Errichtung eines Feuerwehrdepots beschlossen. In der am 29. Juni stattfindenden öffentlichen Gemeindevertretersitzung wird endlich die zur Prüfung der Proteste gegen die Wahlen der dritten Klasse eingesetzte Kommission Bericht erstatten. Wie verlautet, wird die Kommission beantragen, den sozialdemokratischen Protest als unbegründet abzuweisen, trotzdem aber die Wahlen der Herren Templiner und Denckewitz für ungültig zu erklären, und zwar weil letzterem die Grundbesitzerqualifiiation fehlt und ersterer nicht mit dem Sozialdemokraten(der unter dem gleichen Mangel wie Templiner leiden soll), sondern mit dem Kom- munal- und Hausbesitzervereins-Kandidaten Käding hätte in Stich- Wahl kommen müssen. Das waren wenigstens die Protestgründe des Gemeindevorstandes gegen die Wahl, und diesen scheint sich die Kommission angeschlossen zu haben. Wir sind begierig, ob sich wirklich eine Mehrheit finden wird, die trotz der im sozialdemo- kratischen Protest gerügten Verstöße gegen gesetzliche Vorschriften die Wahl des Herrn Häncke für gültig erklären wird. Im übrigen kann uns ein solcher Beschluß sehr kühl lassen; wir werden dann im Wege der Klage die behaupteten Gesetzwidrigkeiten feststellen. Karlshorst. Aushebung einer Spielhölle. In Karlshorst ist in der Nacht ein Spiclernest ausgehoben worden. Die Polizei hatte ermittelt, daß in einem dortigen Restaurant am Bahnhof nachts viel gespielt wurde und daß die Einsätze außerordentlich hohe waren. Um das Nest aus- zuHeben, begaben sich drei Beamte nach dem Restaurant und einer derselben betrat in Zivil das Lokal. Er hatte gerade den richtigen Moment abgepaßt. Die Spieler waren fest beim Jeu und als der Beamte das Bankgeld plötzlich mit Beschlag belegte, fielen die um den Tisch herumstehenden Spieler über ihn her. Es entstand zwischen den Ueberraschten und dem Beamten ein verzweifelter Kampf. In diesem Augenblick erschienen auch die beiden Kollegen auf der Bildfläche, worauf sämtliche Spieler fistiert wurden. Bernau. Die Genossen Bernaus beschloffen in ihrer letzten Wahlvereins- Versammlung, den Vertrieb des„Vorwärts" in eigene Regie zu übernehmen; zu diesem Zweck wurde eine Kommission mit den erforderlichen Vorarbeiten betraut. Die Diskussion über Punkt 10 des Parteiprogramms konnte infolge vorgeschrittener Zeit nicht ge- pflegt werden. Es wurde ferner beschlossen, die Wahlvereins-Ver- sammlungen auf den Sonnabend nach dem 13. jeden Monats und die Zahlabende auf Donnerstag nach dem 1. jeden Monats zu ver- legen. In die Lokalkommission wurde Genosse Jntemann ge- wählt. Bon den Schönower Genossen wurde gewünscht, in nächster Zeit in Schönow«ine Versammlung abzuhalten, um auch dort den sozialdemokratischen Arbeitern die Gelegenheit zum Anschluß an die Organisation zu geben. Pankow. Der Bau des Krankenhauses erfordert, wie jetzt festgestellt ist. die Anlage eines neuen Hauptschmutzwasserkanals durch die Spandauer-, Parkstraße und die Straße 1 am Schloßpark nach dem Krankenhause. Die Ausgaben für diesen Kanal betragen zirka 90 000 M. Der Jahresabichluß für das Rechnungsjahr liegt nunmehr vor, die Ein- nähme beträgt 1 368 130 M., die Ausgabe 1 040 634 M.; eS ist demnach ein Uebcrschuß von 327 318 M. vorhanden. Die Einkommen- steuer hat ein Mehr von 20 131 M.. die Gewerbesteuer 2183 M., die Grundwertsteuer 9220 M., die Bierfteuer 4760 M. und die Umsatz- steuer 350 204 M. ergeben. Als Mehrausgaben kommen in Betracht die einmalige Teuerungszulage an Beamte und Lehrer in Höhe von 23 000 M., die Realschule erforderte 4000 M., die Gemeindeschule 17 000 M., 23 500 M. sind durch neue Lehrer- stellen und für den Straßenbau und 8300 M. für Straßenreinigung mehr verausgabt worden. Das Wasserwerk, welches Ueberschüsje liefern soll, schließt mit einem Defizit von 8800 M. ab. Der Grund hierfür liegt in dem im vorigen Jahre gefaßten unsinnigen und mittlerweile wieder aufgehobenen Beschlusie, den WasserzinS auf 15 Pf. für den Kubikmeter zu ermäßigen. Trotz des günstigen Ab- schlusses betragen die Mehrausgaben insgesamt 74 477'M. Spandau. Eine außerordentliche Generalversammlung deS hiesigen Wahlvereins beschäftigte sich am vergangenen Freitag mit dem Statut des Verbandes der Sozialdemokratischen Wahlvereine der Provinz Brandenburg. Die Versammlung erklärte sich im allgemeinen mit dem Statut einverstanden, nur beschloß sie zu den§§ 2, 3 und 7 folgende Aenderung zu empfehlen: Zu§ 2, Kontrolle der vier Parteiblätter:„Vorwärts",„Märkische Volksstimme",„Branden- burger Zeitung" und„Fackel" durch je eine Preßkommission, zu§3, aus der Agitationskommission, welche von sämtlichen Wahl- kreisen gewählt wird usw. und zu§ 7, alljährlich vor dein deutschen Parteitag findet eine Provinzial-Parteikonferenz statt, jedoch ist der Bor st and verpflichtet, nach Be- darf, solvie auf Antrag von min bestens sechs Wahlkreisen eine Provinzial-Konferenz einzu- berufen usw._ Das Tegeler Strandschloß vom Feuer zerstört. Das den Berliner Ausflüglern bekannte Strandschluß zu Tegel ist gestern von einem verheerenden Feuer heimgesucht worden. Der etwa 50 Meter im Geviert haltende zweistöckige massive Eis- schuppen, der Aussichtsturm des Vorderhauses und der große Tanz- fiial wurden total eingeäschert. Zwei Pferde und zwei Schweine kamen in den Flammen um. Das Feuer entstand aus noch nicht aufgeklärter Ursache im Eisschuppen, in den auch einige Viehställe eingebaut waren. Mit unheimlicher Schnelligkeit griffen die Flammen um sich. Als die Ortsfeuerwehr eintraf, bildete der große Schuppen ein einziges Feucrmeer, das eine enorme Hitze verbreitete. Bald erschien auch die Wehr des Borsigwerkes. der dann die von Reinickendorf, Wittenau, Waidmannslust, Lübars, Hermsdorf und Glienicke ölgten. Aber selbst der vereinte Angriff vermochte dem verheeren- den Elemente keinen Einhalt zu tun. Die Flammen sprangen auf den Aussichtsturm über und gleichzeitig auch auf den parterre liegenden Saal im Ouergebäude. D i e W a fserleitung gab nicht genügenden Druck, und dieser Umstand war be- sonders fatal. Da blieb schließlich nichts anderes übrig, als Berlin um Hülfe anzugehen. Wäre dieses gleich von vornherein geschehen, hätte das Feuer so große Ausdehnung nicht erreichen können. Brandmeister Steiner griff mit dem Löschzuge aus der Pankstraße wirksam ein und trug wesentlich dazu bei, daß das Vorderhaus ge- rettet wurde. Anfangs war das Gerücht verbreitet, daß ein Mann unter einer einstürzenden Mauer verschüttet worden sei, doch stellte sich dieses schließlich als falsch heraus. Dagegen waren zw-i Pferde und zwei Schweine nicht mehr zu retten gewesen. Die vollständige Ablöschung nahm noch die ganze Nacht hindurch eine Brandwache in Anspruch. Vermischtes. Durch einen Zusammenstoß eines Eisenbahnwagens mit einer Oderzille bei Sachsenhausen wurde die Zille zum Sinken gebracht. Dortfelbst war an dem Bollwert eine mit Brettern beladene Lore in Bewegung geraten, rollte nach der Havel hinab und stieß mit voller Gewalt gegen die am Ufer liegende Zille. An dem Lastkahn wurde die Seitenwand eingedrückt und die Kajüte zertrümmert. Das Fahrzeug zog sofort Wasser und konnte nur dadurch vor dem völligen Versinten geschützt werden, daß es durch Ketten an nebenliegende Kähne angeschlossen wurde. dem von Ihnen angezogenen Bericht hervorgehoben. A. Grieger. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Damit fein Gewerbe entsteht, ist es zweckmäßig, auf gemeinschaftliche Kosten Markthallen- Direktion. Rindfleisch Ia 64-68 pr. 100 ẞfund, IIa 54-64, das Betreffende zu besorgen. 2. C. 103. Ja. Kr., Thomasstraße. IIIa 50-53, IVa 44-50, engl. Bullen- 0,00, dän. Bullen 0,00, Da die Sache längst rechtsträftig ist, ist es jetzt nicht mehr möglich, ein holl. Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 105-120, Ia 85-90, Rechtsmittel zu ergreifen. Der Gläubiger ist berechtigt, Pfändungsversuche IIa 70-80, IIIa 60-68. Hammelfleisch Ia 70-75, IIa 62-68. zu wiederholen. E. W. 41. Wenden Sie sich direkt an die Stiftungs- Schweinefleisch 61-66. Kaninchen per Stud 0,25. Hühner, alte, Stüd deputation unter Darlegung der Sachlage. 30711. Besteht für Sie kein 1,75-4,00, junge, per Stüd 0,56-0,80. Tauben, junge 0,30-0,40, alfe Enten, prima, per Stück 1,90-2,10, Hamburger, junge, per Stüd schriftlicher Vertrag und ist nichts weiter vereinbart, so ist Ihre Kündigung 0,30. Gänse, junge, per Pfd. 0,60-0,65, per Stüd 2,70 bis rechtzeitig, wenn sie spätestens am 30. Juni in den Händen des Wirtes ist. 2,00-3,15. Fr. 92. Jst fein Lagergeld verabredet, so steht Ihnen auch solches 4,35. Hechte 67-86. Schleie 00-00. Bleie 00,00. Aale, groß 129-131, nicht zu. H. 2. 32. Etwa 1,25 bis 1,75 Mark werden als angemessen mittel 118-120, flein 78-89, uns. 99-110. Plögen 0,00. Flundern, pomm. I, erachtet. G. F. 4. Wenn, was wahrscheinlich, Ihr Mietsvertrag die p. Schod 3,00-8,00. Stieler, Stiege Ia 4-6, do. mittel per stifte 2-4, Bestimmung enthält, daß Sie für Schäden aufzukommen haben, so müssen do. Klein, per Kiste 0,00. Büdlinge, holl. per Wall 0,00. Stieler 2,00-5,00, Sie auch für den Schaden aufkommen, der die Scheibe getroffen hat. Stralsunder 4-5. Aale, groß p. Pfd. 1,10-1,30, mittel 0,80-1,00, fl. 0,50 bis A. H., Mariannenstr. 31. Tragen Sie den Tatbestand im Termin 0,60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 0,00, Elb- per Stifte 0,00. Sardellen, bor und belegen ihn durch Beweise, dann kann der Kläger abgewiesen 1902er, per Anfer 82,00, 1904er 80,00, 1905er 00,00. Schottische Bollheringe werden, falls nicht etwa Ihr Vertrag eine Einbehaltung für solche Fälle 1905 0,00, large 40-44, full. 36-38, med. 35-42, deutsche 37-44. ausschließt. A. M. 30a. 1. und 2. In den öffentlichen Bibliotheken, Heringe, neue Matjes, per 2 To. 60-120. Hummern, IIa, 100 Bfd. 0,00. mittel 0,00, Der Sittenpolizeistandal in New York, der vor ungefähr einem 3. B. in der Alexandrinenstr. 26, werden Sie die stenographischen Berichte Ktrebje, per Schod, große 0,00, fleine 5,50-6,30, 3. Zwischen Urteil und Bollstreckung unsortiert 0,00-00,00. Eier, Land-, per Schod 0,00-0,00, frische 0,00. Jahre anläßlich der Erschießung eines Zuhälters durch die Französin und die Statistiken einsehen können. Berte Claiche aufgedeckt worden war, hat mit der Verurteilung des liegt stets bei Nichtverhafteten eine Frist. 4. Ja. Der Antrag müßte an Butter per 100 Pfund, Ia 109-112, IIa 103-106, IIIa 100-103, ab die Strafvollstreckungsbehörde gerichtet werden. Exerzierstr. 100. fallende 95-100. Saure Gurken, Schod 4,00-4,25, Pfeffergurten 4-4,50 m. Sittenschußmannes Morton zu einem Jahr Gefängnis vorläufig ein Steineswegs würde einem Antrage des Wirtes wegen Hausfriedensbruch Startoffeln per 100 Bid. magn. bon. 2,25-2,40, rote Daberſche 2,10-2,25, Ende gefunden. Morton wurde überführt, zu der Claiche in Be- Folge gegeben werden; Ihnen steht es frei, wegen der behaupteten Miß runde weiße 1,00-2,00, Malta 0,00, Sommer- Malta 10,00-11,50, ital. ziehungen gestanden und Geld von ihr erhalten zu haben. Er gab handlung Strafantrag zu stellen. 9999. Der Eigentümer des 4,50-6,50, ung. 3,50-4,50. Neue, hiesige per 100 Pfund 6,00-7,50. das zu, versicherte aber, er sei nur ein Sündenbock für viele andere Hundes und die Ausstellungsveranstalter haften in voller Höhe. Spinat, per 100 Pfund 8,00-10,00. Karotten per Schod 2,00 bis Beamte der Sittenpolizei, die weit schwerere Vergehen begangen. H. 59. 1. Sie müssen den Antrag an die Versicherungs- 3,50. Sohlrabi, per Schod 0,75-1,25. Rettig, bayr., per Schod 2,40-4,80. 2. Sie müssen sich an die Expedition wenden. Rhabarber, Hamb., per 100 d. 4-4,50. Radieschen, per Schock- Bd. 1,25. hätten. Die Enthüllungen, die in dem Prozeß über die Zustände in anstalt richten. R. H. 38. Sie fönnen schriftlichen Strafantrag an die Staatsanwalt- Salat, per Schod 0,75-1,25. Spargel I, per Pfd. 0,11-0,25, II 0,08 bis der New Yorker Sittenpolizei gemacht wurden, haben dazu geführt, schaft richten. D. D. 27. Handelt es sich um Steuern, die der Stadt 0,10, III 0,03-0,06, Beeliger I 0,25-0,30, II 0,05-0,25, III 0,05-0,08. daß diese Abteilung des Polizeidienstes in New York so gut wie Berlin geschuldet werden( nicht Dresden), so würde eine nochmalige Ein- Bruchspargel 0,00, Bohnen( grüne), per 100 ẞfd. 70-100. Schoten, ufgehoben" worden ist. gabe an den Magistrat( Steuerdeputation) um Gestattung von Ratenzahlung hiesige, per 100 Bfd. 16-21. Pfefferlinge per Pfd. 0,30-0,35. Mohrrüben Aussicht auf Erfolg haben, event. wenden Sie sich mit einer Petition an per Schock- Bd. 2,50-3,50. Blumenkohl per Stopf 0,30. Wirsingfohl per die Stadtverordneten- Versammlung. Cantianstraße 18. Die an- Mandel 1,50-2,50. Steinpilze per Pfd. 0,33. Teltower Rüben per Pfd. gemessenen Säße schwanken zwischen 6 bis 20 M. und für jeden Besuch 0,22-0,25. Stachelbeeren 100 Bfd. 12-13. Kirschen, ital., 100 Bfd. 18-32, zwischen 1 und 3 M. 2. G. 1. Ungeeignet für den Briefkasten. 2. Alles Gubener 16-20, Werdersche 22-25, schlesische 8-16, Natten, Werdersche Wissenswerte aus dem betreffenden Bericht steht gewöhnlich zwei Tage 40-50. Blaubeeren per Pfd. 0,22-0,26. Erdbeeren, holl. per 100 Pfd. früher im Vorwärts" als im Bericht. W. S. 4, 1. P. 200 Char- 25-35, franz. per Pfd. 0,35-0,40, Beeliger per Pfd. 0,18-0,30, Werdersche lottenburg. Seßen Sie sich direkt mit einer Schokoladenfabrit in Ber- per Pfd. 0,15-0,30, Dresdener Wald per Bid. 0,60-0,70, Dresd. Garten bindung. Hommel. Im Vorwärts" vom 16. Juni, Hauptblatt S. 2 per 100 Pfd.40-60, hiesige Wald- per Pfd. 0,30-0,50. Pflaumen, ital. runde, per legte Spalte, ist ausführlich dargelegt, inwieweit das Pensionsgesetz rüd- Bfd. 0,10-0,11. Bitronen, Messina, 300 Stüd 12,00-15,00, 360 Stüd wirkende Kraft hat. P. B. 15. Eine Klage auf Schadenersatz 10,00-12,00, 200 Stüd 7,00-12,00, 420 Stüd, flein 7,00. Weintrauben, beim Gewerbegericht würde nicht aussichtslos sein; mit voller Sicher Brüsseler, per 100 Pfd. 60-100. heit läßt sich der Erfolg nicht voraussagen. X. y. 3. Nein. Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet wochentäglich von 7 bis 92 Uhr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. M. 100. Das Urteil ist nicht mehr anfechtbar, da Berufungen in Geterbegerichtssachen nur zulässig sind, wenn das Streitobjekt 100 M. übersteigt. Daß leider über die Frage, ob Ersatz für verspätet ausgelieferte Papiere geleistet wird, vom Gewerbegericht verschieden geurteilt wird, ist in Für den Inhalt der Jujerate übernimmt die Nedaktion dem Publitum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 22. Juni. Anfang 7, Uhr: Neues Operntheater. Cavalleria rusticana. Der Bajazzo. Deutsches. Erdgeist. Neues. Orpheus in der Unterwelt. Berliner. Fedora. Anfang 8 Uhr: Leffing. Die lustige Wittwe. Schiller 0.( Wallner Theater.) Mortiz- Oper: Martha, oder: Der Markt zu Richmond. Schiller N.( Friedrich Wilhelm. ftädtisches Theater). Heiratslustig. Kleines. Ein idealer Gatte. Komische Oper. zählungen. Hoffmanns Er. Zentral. Der luftige Krieg. Luftspielhaus. Das Fest der Handwerker. Vorher: Die Verlobung bei der Laterne. Thalia. Hochparterre lints. Metropol. Auf ins Metropol. Apollo. Das blaue Bild. Spezialitäten. Carl Weiß. Sündige Liebe. Wintergarten. Tortajada. Spezialit. Passage. Willy Prager. Spezialit. Meichshallen. Stettiner Sänger. Sozialdemokratischer Wahlverein für den IV. Berliner Reichstagswahlkreis Sonntag, den 24. Juni, in Scheruchs Etablissement, Hasselwerder( Nieder- Schöneweide): Großes Sommer- Fest unter Mitwirkung des Rudervereins ,, Vorwärts", Mitgliedern des Arbeiter- Radfahrerbundes ,, Solidarität", Mitgliedern des Arbeiter- Sängerbundes. Konzert unter Leitung der Musikdirektoren Herren H. Loppe und Jischke. Kasperle- Theater.- Kinder- Fackelpolonaise.- Belustigungen aller Art. Großes Brillant- Feuerwerk. Am Eingang erhält jedes Kind eine Marke zur Stocklaterne und eine Marke zur Schaukel oder Karussel gratis. Die Kaffeeküche Urania. Taubenstraße 48/49. 243/15 Abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Besub. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns steht den geehrten Damen sowohl vormittags wie nachmittags zur Verfügung. Kasseneröffnung morgens 7 Uhr. Berliner Theater. Metropol- Theater Gastspiel v. Maria Pospischil. Zum Fedora. ersten Male: Schauspiel in 4 Alten v. V. Sardou. Deutsch v. Lindau. Anfang 7, Uhr. Sonnabend: Cymbelin. 7/ 2hr Sonntag: Fedora. Anf. 8 Uhr. Neues Theater. Anfang 7 Uhr. Orpheus in der Unterwelt. Kleines Theater. Anfang 8 Uhr. ! Auf- in's Metropol! Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen überall gestattet. Carl Weiß- Theater. Br. Frankfurterstr. 132. Sündige Liebe. Familientragödie in 4 Atten v. H. Rolf. Anfang 8 Uhr. Morgen u. folg. Tage: dies. Borst. Im Garten: täglich Ein idealer Gatte. Spezialitäten Vorstellung. inf. 5 Uhr. Anjang 8 Uhr: Sonnabend: Ein idealer Gatte. Neues kgl. Operntheater ( Kroll). Anfang 7, Uhr. Freitag, den 22. Juni: Der Bajazzo. Cavalleria rusticana. Brunnenstr. 16. W. Noacks Theater. Direttion: Rob. Dill. im Garten: Arme Reidje. Wenn schön: Wenn Regen: im Saal! Lebensb. m. Gef. b. Otto Leibold. Revés mysteriöse Liliputaner und andere erstklassige Spezialitäten. Anfang 6 Uhr. Entree 30 Pj. Sonnabend: Letztes Gastspiel Fröbels Allerlei- Theater Francesco d'Andrade: Rigoletto. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und Invalidendank. Komische Oper. Sommerspielzeit 1906. Schönhauser Allee 148. Konzert, Theater, Täglich: Spezialitäten, Ball. 15 Attraktionen ersten Ranges 15. Berlin, wie es lebt u. liebt. Boltsstück in 3 Akten von Lindener. Anfang 4 Uhr. Entree 30 Bf. Hoffmanns Erzählungen. Berliner Sommerpreise. ( Keine Vorverkaufsgebühr.) Anfang 8 Uhr. Felix Scheuer U Schiller- Theater. Ik- Trio. Stralsunderstr. 1. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater). I Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Morwik Oper. Freitag, abends 8 Uhr: Martha, oder: Der Markt zu Richmond. Romant. Oper i. 4 Att. v. Fr. v. Flotow. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Freischütz. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Afrikanerin. Freitag, abends 8 Uhr: Heiratslustig. Schwant in drei Aften von Maurice Champagne. Sonnabend, abends 8 Uhr: Heiratslustig. Sonntag, abends 8 Uhr: Heiratslustig. Im Garten tägl. gr. Militär- Konzert. Anfang 8 Uhr. Billetts 20 Pr. Das Komitee. Sonntag, den 24. Juni 1906, im ,, Moabiter Schützenhause" ( Plötzensee): Gaufest des Gaues IX des Arbeiter- Radfahrer- Bundes ,, Solidarität" verbunden mit Doppelkonzert, Gesang, Humoristischen Aufführungen, Spezialitäten und Tanz. Radsportliche Aufführungen durch 8 unserer Bundesvereine sowie Auftreten des Berliner Ulk- Trio und der Volkssängergesellschaft Lewandowsky. Sensationelle Tandemfahrt mit bengalischer Beleuchtung Eintritt 25 Pf. auf einem 20 Meter hohen Seil. Vorverkauf 20 Pf. Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Kinder erhalten an der Kasse 2 Bons zur beliebigen Benutzung des Karussels usw. und zur Stocklaterne Anfangs mittags 12 Uhr. Hierzu ladet freundlichst ein gratis! Ende??? Der Gauvorstand. Bildſchön ist ein zartes, reines Gesicht mit rosigem, jugend. frischen Aussehen, weißer, sammetweicher Haut und blendend schönem Teint! Alles dies erzeugt die echte: Steckenpferd- Lilienmilch- Seife von Bergmann& Co., Radebeul- Dresden allein echt mit Schutzmarke: Steckenpferd. à St. 50 Pt. in den Apotheken, Drogerien und Parfümerien. Zentral- Theater. ( Operette). 8 Uhr: Nanon. Operette in breitten mit Mia Werber u. Oskar Braun. Lustspielhaus. Täglich 8 Uhr: Das Fest der Handwerker. Vorher: Die Verlobung bei der Laterne. Urania Taubenstr. 48/49. Täglich abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. InvalidenSternwarter. 57/62. 0OLOGISCHER Z CARTEN Heute nachmittag 4 Uhr: Großes Militär- Konzert. Eintritt 1 M., v. 6 Uhr ab 50 ẞf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Apollo- Theater. MiB Carma, Transformat. Tänzerin. Duo Paulus, holländisches Duett. Humpsti- Bumsti, erzentr. Kreation v. Recé und Privost. Das blaue Bild b. Paul Lincke. La Matschiche. Solo: Annette Sabary. Ein Abend in einem ameris tanischen Tingel- Tangel. WIM DARTEN 5 Das neue glänzende Juni- Programm. Passage- Theater. Anfang 8 Uhr. Das glänzende Juniprogramm. Willy Prager 14 erstklassige Spezialitäten. Bernhard Rose- Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Täglich: Das SensationsJuni- Programm. Die Gauklerin. Ausstattungsstüd mit Gesang u. Tanz in 7 Bildern v. Schwarz- Reiflingen. Außerdem 10 Attraktionen, u. a.: The Alkers, Preis- und Kunsttaucher. Aufforderung z. Wetttauchen um die Prämie von 1000 R., welche Mr. Alter aussett. Anf. 4, Uhr. Entree 30, num. PI. 50 Pf. Jm Saale: Gr. Ball. Billettvorverkauf 10-1 Uhr. Prater- Theater Kastanien- Allee 7/9. Täglich: Amor von heute. Wehling, Humor. Varadi- Duett. KunstradDerrington- Family, fabrer. Livers, Drahtseil. Die Einbrecher von New York, Bant. The Piccad. Konzert. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Platz 50 Pf. Sozialdemokratischer Wahlverein Schweizer Garten. für den 2. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Am Königstor- Am Friedrichshain 29/32 Täglich: Theater- Vorstellung, Spezialitäten und Ball. Bum Schluß: Elternlos. Diez'. Spezialitäten- Theater. Landsberger Allee 76/79( Ringbahnstation). Dienstag, den 26. Juni, abends 8%, Uhr: General- Versammlung in Habels Brauerei, Bergmannstr. 5-7. Zages Drdnung: 1. Bericht des Borstandes. 2. Ersazwahl des zweiten Schriftführers. 3. Die Verbandsgeneralversammlung. Anträge und Wahl der Delegierten zu derselben. 4. Wahl der Delegierten zu der Brandenburgischen Parteifonferenz. 5. Vereinsangelegenheiten. Bu Punkt 3 find folgende Anträge gestellt: 1. Die einzelnen Streiswahlvereine Groß- Berlins haben das Recht, an ihre Mitglieder im Laufe des Geschäftsjahres Broschüren von gleichem Gesamtpreise, bis 50 Pf.( ausschließlich Parteitags- Brotokol), jedoch eventuell von berschiedenem Inhalt, gratis zu verteilen. Ob schön! Im herrlichen Garten oder Saal: Ob Regen! 2. Die dem Attions- Ausschuß zur Beschlußfaffung vorliegenden wichtigen Angelegenheiten müssen auf Antrag der Täglich: Gr. Konzert, neue Spezialitäten und Ball. Das größte und beste Programm Berlins. u. a.: La Matschiche! meritanischer Tans, ausgeführt vom besten Zangduett Jeanette und Vallis. Robert und Bertram, das berühmte Grotest- Duett. Josefine Delcliseur, das weibliche Unifum. Die Wunder der Turnkunst: The tree Burtons und The Elrados, fomische Neckturner usw. Kaffeeküche. Volksbelustigungen aller Art. Aufang 4 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf., Sonntags 30 Pf. 30. Juli: beste Gruppe der Welt. Bertreter von drei Streisen dem Zentralvorstande zur Beschlußfassung überwiesen werden. Bahlreichen Besuch erwartet Mitgliedsbuch legitimiert. 238/ 17* Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Zimmer 34, Amt IV, 3853. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Zimmer 1-5. Amt IV, 9079. Engel- Ufer 15. Unserem Verkehrswirt Paul Kluger zu seinem 45. Geburtstage die herz lichste Gratulation! 15912 Die organisierten Maler Lichtenbergs. Sozialdemokrat. Wahlverein für den IV.Berliner Reichstagswahlkreis Bezirk 190 c. ( Landsberger Viertel.) Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Drechsler Paul Hermann gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet hente Freitagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Gemeinde- Fried hofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 243/9 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die überaus zahlreichen Stranzspenden bei der BeGalvaniseurs Avis! Bomb 16 Löwen bite Sensation und Sonntag, 24. Juni, vorm. 10 Uhr, in der„ Neuen Welt", Hasenheide 108/114: erbigung unseres lieben Sohnes, beg Ju Salon des Löwenbändigers. A. Diez. Max Kliems Sommer- Theater. Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. General- Versammlung. Zages Drdnung: Ernst Schütze sagen wir allen Freunden und Be fannten, insbesondere den Beamten des Deutschen Metallarbeiterverbandes sowie den Chefs, Beamten, Meistern und Arbeitern der Firma Jürst u. Co. Wanderlust" und 1. Kaffenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Neuwahl eines Beifikers. in Adlershof, dem Tambourverein Täglich: Gr. Konzert, Theater Gratz- und Neuwahl von vier Beamten. 4. An die Verwaltung gelangte Anträge. Echo in Nigdorf unſeren herzlichsten und Spezialitätenvorstellung Jeden Montag: Sommerfest. 121/11 Jeden Mittwoch: die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Brauerei Groterjan N., Schönhauser Allee 130. Oekonom Ernst Stein. Täglich Großes Konzert Anfang: Wochentags Uhr. Sonntags 4 Uhr. A Dampfer- Extrafahrten nach Voigts Krampenburg. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. I Sanssouci. Kottbuser .Straße 4a. Der Garten ist eröffnet. Sonntg., Montg. Donnerst. und Sonnabend: Hoffmanns Nordd. Sänger und Tanzkränzchen. Auftr. d. Komit. H. Krause. Entr. 30 Pf., num. Pl. 50 Pf. Sonnt.Beg. 5, Wochent. 8U. Im Borgart.: Freikonzert, Die Ortsverwaltung. Verband der Sattler Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die nächsten Branchenversamm Iungen an nachfolgenden Tagen stattfinden: Geschirrbranche: Mittwoch, den 27. Juni. Taschens, Koffer- und Galanteriebranche: Donnerstag, den 28. Juni. Welt- Ausstellungs- inoleumleger und Teppichnäher: Donnerstag, den 28. Juni. Biograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Wagenbranche: Mittwoch, den 27. Juni. Eisenmöbel- und Lederstuhlpolsterer: Mittwoch, den 27. Juni. Sektion Charlottenburg: Montag, den 25. Juni. Verbindung mit größter Films Achtung! Militär- Branche. Achtung! Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. ♦ Den ganzen Tag Vorstellung. Am Sonnabend, den 23. Juni, vormittags 9 Uhr, Fahrpreis bin und Otto Pritzkow, Münzstr. 16. gurüd 75 Pf., nachmittags 22 Uhr, Fahrpreis hin und zurück 50 Pf. Am Sonntag, den 24. Juni, nachm. 2 Uhr. Einfache Fahrt 50 f. Abfahrt in Berlin an der Waisenbrücke, von Café Alsen 1 Stunde später. Reederei L. Kahnt. Täglich von der Michael- Brücke Dampfer- Extrafahrten Achtung! Achtung! Neues Gesellschaftshaus" Eitel Sub. Aug. Ruter. Schlachtensee, Stig.12. 3 Min. v. Bahnh. Zehlendorf- Beerenstr. Halte mich den Genossen und Gewerkschaften bei Ausflügen bestens empfohlen. Für Speisen und Getränte ist bestens Sorge getragen. Ich wohne jett 14962* mit Mufik nach dem beliebten ,, Woltersdorfer Schloß". Fahrpreis bin u. zurüd 40 Pf., Kinder 25 Pf. lbfahrt vorm. 9 1hr, nachm. 2 Uhr nur von der Michaelbrücke. An Sonnabenden u. Sonntagen find noch Dampfer dortselbst zu vermieten. Verlofungsartikel 2C, 208/16 Des Sommerfeste& wegen findet die Branchen- Versammlung am Montag, den 25. Juni, abends 812 Uhr, D in B. Frankes Festsälen, Sebastian Straße 39, statt. Es ist Pflicht aller Kollegen, diese Branchen- Bersammlungen zu besuchen. Die Ortsverwaltung. Achtung! Kollegen! Bom 1. Juli an( 27. Boche) beträgt der Beitrag für männliche Mit glieder 60 Pf. und für weibliche wie bisher 35 Pf. pro Woche. Wir ersuchen daher die Mitglieder, sämtliche Beitragsreste bis zum 1. Juli zu begleichen. Die Ortsverwaltung. Danzigerstr. 98, de dön. 157/8 haufer Allee. zu Landpartien, te Vereine Dr. med. R. Hirsch, Spezialarzt nur Neuheiten, sowie Lampions, Stocklaternen, Fackeln, für Hauts, Harn- u Geschlechtsleiden. Girlanden, Wimpeln, Fahnen, Schärpen, Scherz Krankenfahrstühle all. Systeme artikel, humoristische Kopfbedeckungen, instrumente, Radausachen, spottbillig Engros- Geschäft unter toulantesten Bedingungen. Andar Cover 0.3, L. H. Gotthilf, Alter Cyber, Koppsche Krankenwagen, Els11614Seydelstraße. an Seydelstraße. jäuflich von 25 M. an, auch leihweise straße 95. Volksgarten- Theater. Stettin- Skandinavien Badstr. 8( Behm- u. Bellermannstr.) Täglich: Konzert, Theater u. Spezialitäten. vermittelst hochelegant mit allem Komfort eingerichteter Schnelldampfer Jed. Mittwoch: Gr. Kinderfreudenfest, Stettin- Kopenhagen- Christiania( via Frederikshavn) Jed. Donnerst.: Gr. Brill.- Feuerwerk. Voltsbeluftigungen aller Art. Die Staffeeküche ist v. 1 Uhr an geöffnet. Reichshallen. Stettiner Sänger. ( Meysel, Pietro, Britton, Böhme, Böckmann, Walden, Seidst, O. u. R. Schrader) Anfang Wochentags 8, Sonntags 7 11hr. Ostbahn- Park Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr.71 Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. jeden Sonnabend und Mittwoch nachm. 22 Uhr. Stettin- Kopenhagen- Gothenburg jeden Dienstag Freitag nachm. 2, Uhr. Prospekte gratis und franko durch 124/ 7* Gust. Metzler, Stettin P. Det Forenede Dampskibs Selskab Kopenhagen. NIEGEDACHT ✓ Deutscher Holzarbeiter- Verband. gente Freitag, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Achtung! Bautischler! Achtung! Sonntag, den 24. Juni, vormittags 10 Uhr, bei Keller, Roppenstr. 29: Dant. Wilhelm Schütze und Frau. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und die reichen Strangspenden bei dem Begräbnis unseres lieben Bruders und Schwagers, des Tischlers Paul Laurischk sagen wir allen Berwandten und Befannten, dem 4. Wahlkreis Dften, den Genossen der Stadtbezirke 160a und 160b, dem Deutschen Holzarbeiter Berband, den Kollegen der Tischlerei bon Bod, und insbesondere dem Gesangverein„ Liedesfreiheit" unferen 15892 innigsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: August Laurischk. Bekanntmachung. Gemeinsame Orts- Krankenkasse für Mariendorf u. Umgeg. Am 29. Juni d. I., nachmittags von 1 bis 8 Uhr, im Restaurant Reichardt zu Mariendorf, Chauffeestraße 16: Ersahwahl von 30 Delegierten der Arbeitnehmer. Zur Aufstellung der Kandidaten für diese findet am 25. Juni, nach mittags 6 Uhr, im Restaurant Borgfeldt zu Mariendorf, Feldstraße 44, eine Mitgliederversamm lung statt. 274/13 Die Wahlberechtigung regelt sich nach § 49 des Statuts. As Legitimation gelten die Quittungsbücher und er fuchen wir die Herren Arbeitgeber ganz ergebenst, diese unseren Mitgliedern aushändigen zu wollen. Mariendorf, den 19. Juni 1906. Der Vorstand. E. Bethke, Borsigender. Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeiter. Radfahrer- Bundes Solidarität". Sonntag, den 24. Juni: Gau- Fest Branchenversammlung der Bautischler. Moabiter Schützenhaus. 2ages Drdnung: 1. Stellung der Kommission zur Werkzeugfrage und Abstimmung über den von der Kommission gestellten Antrag, 2. Diskussion. 3. Berschiedenes. Kollegen! In Anbetracht der wichtigen Tages- Ordnung ist es Pflicht, daß jeder Sollege an dieser Versammlung teilnimmt. Auch werden die Borort- Bahlstellen gebeten, zu dieser Versammlung Bertreter zu schiden. Der Branchenleiter: Karl Reiche. 87/19 Täglich von 4-8 11hr nachm. Zentralverband der Asphalteure findet Probewaschen mit den weltberühmten patentierten Waschmaschinen, Bringmaschinen und Waschpulver, Ruhrperle" von dem größten Spezial Fabrik Geschäft der Welt Kart Stampmann jr., G. m. b. H., Mülheim- Ruhr" ſtatt. Heinrich Lohbeck, Berlin N., Invalidenstraße Nr. 142, Hof, Quergebäude. Beranlaßt durch die in letzter Zeit sehr oft vor. tommenden Klagen über ganz minderivertige Nach 15642* ahmung des Dänischen Etablissement Buggenhagen Kapitän- Kautabak Moritzplatz. Täglich im Garten bezw. in den unteren Sälen Gottschalk Freikonzert Mittwoch u. Sonnabend: Freitanz, weise ich darauf hin, daß derselbe nur echt ist, wenn in jedem Stüd( 5 u. 10 Pf.- Nollen oder Schleifen) der Zettel liegt mit Aufschrift: Dänischer Kapitän-Kantabak( gefett. gefchütt). Gen. Bertr.: C. Röcker, Berlin O., Grüner Weg 112. Amt 7, 3861. Zu haben in den meisten Zigarrengeschäften. u. Pappdachdecker Deutschlands ( Ortsverwaltung Berlin). Sonntag, den 24. Juni, vormittags 10 Uhr: Versammlung im Gewerkschaftshause, Engel- fer 15( Saal 7), Tages Ordnung: 1. Das Krantenlaffengejek einschließlich der Berufs- und Betriebs. faffen". Referent: G. Link. 2. Diskussion. 3. Berbandsangelegenheiten, Berschiedenes, Aufnahme neuer Mitglieder. Es ist Pflicht aller Stollegen, pünktlich zu erscheinen. Auch Nichtmitglieder haben Zutritt. 283/12 Die Ortsverwaltung. J. A.: A. Kleinschmidt. Zentralverband des techn. Bühnen- Personals Sitz Berlin. im 1.- 4. Abt. Start 2 Uhr Bernhard Rose- Theater, Badstr. 58. 5.- 9. 216t. Start 2 Uhr bei Ballschmieder, Badstr. 16. Montag, den 25. Juni: Gor: ftands Situng bei Ostrowski, Schillingstr. 24. Donnerstag, den 28. Juni, abends 8, Uhr, findet die Generalversammlung in den Andreas Festsälen, Andreasftr. 21, statt. Tagesordnung: Bericht der Delegierten vom Bundestag. Erscheinen fämtlicher Mite glieder tst notwendig. 13/9 Der Vorstand. Fahrräder! Billig! . . 55, Mk. 48, 60 70, 85 b. 180 M. per Stück. 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Dampferpartie Bidetts.- Das Witgliedsbuch legitimiert. Regen Besuch Louis Barth, Bruckenstr. 10a pt. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inferatenteil verantw.: Th. Glode. Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW Nr. 142. 23. Jahrgang. 3. Sriliijc ilts Amiirts" Kerlim WksblÄ. Freitag» 22. Inn! MS. 3. ordentlicher Genosseufchaststag des Jentralverbandes dentscher Konsumereine. Der dritte ordentliche Genosscnschaftstag des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine wurde vom 18. bis 20. Juni in Stettin mit folgender Tagesordnung abgehalten: 18. Juni, abends 8 Uhr: Eröffnung des Genossenschaftstages und Begrüßung. Ansprachen der Gäste. 19. Juni, ,-»rgenS 9 Uhr: 1. Eröffnung der Hauptverhand- lungen und Bericht des Vorstanoes.(Referent: Max Radestock« Dresden.) 2. Bericht des Verbandssekretärs.(Referent: Heinrich Kaufmann-Hamburg.) s) Die Vereinbarung eines Lohn- und Arbeitstarifcs mit dem Verbände der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen, und b) Einsetzung eines Tarifamtes des Zentralvcrbandes deutscher Konsumvereine.(Re- serent: Karl Schmidtchcn-Magdeburg.) 29. Juni, morgens 9 Uhr: I. Der weitere Ausbau der Organi- sation des Zcntralverbandes und seiner Rcvisionsverbände.(Re- ferent: Konrad Barth-München.) 2. Der Beitritt der Verbands- vereine zu dem Internationalen Genossenschaftsbund.(Referent: Heinrich-Lorenz-Hamburg.) 3. Bericht des Ausschusses. 4. Ge- nehmigung der Verbandsrechnung und Entlastung des Vorstandes. S. Genehmigung der Voranschläge und Festsetzung der Beiträge zu den Kosten des Verbandes ö. Wahlen: des nach§ 14 des Statuts zu wählenden Vorstandsmitgliedes und der nach§ 19 des Statuts zu wählenden drei Ausschußmitglieder. Reichstagsabgeoudneter Herbert-Stetiin begrüßte die Vcr- sammlung namens des Lokalkomitees. Die Leitung der Verhand- lungen wurde übertragen als Vorsitzenden Radestock-DreSden, Barth-München und Hcrbert-Stettin, als Schriftführern Schmidt- chen-Magdeburg und Aßmann-Braunschweig. Der Vorsitzende be- grüßte hierauf die erschienenen Vertreter der ausländischen und inländischen Freundes-Organisationen, Serwy, den früheren inter- nationalen sozialistischen Sekretär, als Vertreter der belgischen Genossenschaften, Dr. H. Müller und Baumgartner(schweizerische Genossenschaften), Petterson(Dänemark), Staatssekretär Elias (Holland). Äree-London und Cotton-Manchester(englische Groß- einkaufSgesellschaft und Vereinigte Konsumvereine), Nevole und GSrmer(Oesterreich) usw. Die Zentralkommission der deutschen Gewerkschaften vertrat der Redakteur des„CorrespondenzblatteS" Umbreit-Berlin, der GeWerk- und Genossenschaften als die mächtigen Waffen der Arbeiterklasse im wirtschaftlichen Kämpfe feierte, den Reichsverband der landwirtschaftlichen Genossenschaften der konser- vative Abgeordnete Landrat a. D. v. Brockhauscn. Weitere Ehren- gäste sind die Vertreter des Zcntralverbandes ländlicher Genossen- schaften(Raiffeisen-Neuwied) und die' zahlreichen Gewerkschaften, insbesondere der Tabakarbeiter, Lagerhalter, Handels- und Trans- Portarbeiter usw. In der großen Zahl der Begrüßungsreden teilte der dänische Delegierte Petterson mit, daß dort ein Drittel der Gesamtbevölkerung Mitglied von Konsumvereinen sei und der Umsatz der Großeinkaufsgesellschast jährlich 29%. Millionen betrage. Unter den 499— 699 Delegierten bemerkte man u. a. die Reichs- tagsabgeordneten Frätzdorf- Dresden, v. Elm- Hamburg, sowie Bogtherr-Stettin, Frau Dr. David, Frau Stcinbach usw. Den Bericht des Vorstandes erstattet Max Radestock-Dresden, den Bericht des Verbandssekretärs Heinrich Kaufmann-Hamburg. Beide beziehen sich auf das gedruckt vorliegende Jahrbuch von 232 Seiten und ergänzen es zu folgendem Bild:„Die Genossen- schaft ist der Friede". Die erfüllte Genossenschaftsbewegung sei die Beseitigung des wirtschaftlichen Kampfes. Aber vorläufig trenne uns noch vieles von diesem Ziele. Das zu schaffende Tarisamt soll wirksamer, als bisher der Verbandsfekretär konnte, die Tarif. bewcgung fördern und die Zwistigkeitcn zwischen Gcnosscnschafts- angestellten und Genossenschaftsverwaltungen möglichst mindern.— Die Genossenschaften aller Arten verbreiten sich ziemlich rasch. jedes Jahr um ungefähr 6 Proz., die Konsumvereine aber um 9,6 Proz. Betrug die Zahl der Konsumvereinsmitglicder 1994 818 916, so 1996 897 992. Mit Einrechnun� der aus statistischen Gründen nicht mitgezählten Vereine auf Aktien usw. darf die Zahl der Familien, die mindestens einen Teil ihres Bedarfes aus den Konsumvereinen beziehen, auf 1299 999 geschätzt werden. Der Gewinn ist von 1993— 95 von 12 auf 18 Millionen jährlich gestiegen. Der Zentralverband ist dementsprechend gewachsen, nicht auch die Großeinkaufsgesellschaft, da leider immer noch in allen Revisionsvcrbänden große Konsumvereine mit vielen 199 999 Mark fernstehen. Das„Frauenblatt" hat sich sehr verbreitet. Es soll im nächsten Jahre in ein Volksgenossenschaftsblatt umgewandelt werden. Großen Wert legt der Zentralverband auf das friedliche und freundliche Verhältnis zu den anderen Genossenschaften. Der Generalanwalt des Reichsverbandes der deutschen landwirtschafh lichcn Genossenschaften, Geheimrat Haas, hat aufgefordert, in einer paritätischen Kommission der landwirtschaftlichen und konsum- genossenschaftlichen Vertreter die Frage deS direkten Bezuges der Konsumvereine von den landwirtschaftlichen Genossenschaften zu prüfen. Der Vorstand des Zcntralverbandes hat dieser Anregung zugestimmt. Auch mit den Großeinkaufsgesellschaften aller Länder sollen engere Beziehungen geknüpft werden. Welche Perspektiven eröffnen für die Zukunft diese Friedensbedingungen! Einst werde gewiß die Genossenschaft nicht nur mit ihren Arbeitern, sondern auch mit den deutschen Landwirten und den ausländischen Bruder. vereinen Tarifverträge abschließen. AlS Feinde der Genossenschaft werden die MittelstandSbündler, die kurzsichtig die wahren Gründe ihrer Not, die Ueberfüllung des SwafeS und die mangelnde Borbereitung, nicht erkennen, und die Staatsrcgierungen hervorgehoben, die die Ersparnisse der Ge- nossenschaft mit hohen und ungerechten Steuern belegen. Die Debatte bewegt sich hauptsächlich um die Frage des direkten Bezuges von den ländlichen Genossenschaften. Redakteur Ziclowsky-Frankfurt a. M.: Die Genossenschaft sollte der Friede sein, ist aber der Kampf gegen all das Unrecht, das uns umgibt. Krügeri-DrcSden: Die landwirtschaftlichen Genossenschaften stehen unS feindlich gegenüber. Sie verbinden nur äußerliche Gleich- heiten mit uns, aber uns trennt von ihnen, daß wir nach einer neuen Wirtschaftsordnung streben, der jene als unversöhnliche Gegner entgegenstehen. Bück-Hamburg: Wir haben ganz schlechte Erfahrungen mit den landwirtschaftlichen Genossenschaften gemacht. Wenn die Preise an- ziehen, werden sie den Verträgen untreu. Ich verstehe den Optimis- mus des Vorstandes nicht. Ich verspreche mir von diesem direkten Bezug sehr wenig. Feuerstein-Stuttgart: In allen wirtschaftlichen Organisationen gibt es verschiedene Entwickclungs- und ErziehuitgSslufen. Auch die landwirtschaftlichen Genossenschaften müssen einmal über die Politik des ZolltarifeS hinauswachsen.(Sehr gut!) Gegen all« Genossen- schaften führt daö Händlertum den Kampf mit gleicher Schärfe. Nicht aus Liebe und Freundschaft werden wir zu einander kommen, sondern weil das wirtschaftliche Interesse die landwirtschaftlichen Genossenschaften zu den Konsumvereinen treibt, über alle Schranken politischer Voreingenommenheit hinweg. Auf unserer Seite können wir an diesem Erziehungswerk mitarbeiten, wenn wir nicht scheiden zwischen„proletarischen" und„bürgerlichen" Genossenschaften. Tie strikteste Inn« Haltung unserer prinzipiellen Neutralität ist die Vor» auSsetzung eines Erfolges auch in dem Zusammenarbeiten mit den ländlichen Genossenschaften.(Lebhafter Beifall.) Ehrengast Landrat a. D. v. Brvckhauseu: Die ländlichen Produ- zcnten wollen nur ihre Produktionskosten decken und einen kleinen Uederschuß haben; übermäßig hochgetriebene Preise halten auch wir für unzweckmäßig und auch den Produzenten schädlich. Ich werde unserem Generalsekretär, Geheimrat Haas, der bedauert, nicht hier sein zu können, berichten, daß die Mehrzahl von Ihnen in diesem Sinne mit uns zu arbeiten bereit ist.(Beifall.) Generalsekretär Kaufmann: Ich verstehe nicht, wie jemand sagen kann, er verspreche sich nicht viel von dem direkten Bezug. Haben doch schon im vorigen Jahre die Konsumvereine 9 Proz. ibrer Waren— für 19 Millionen Mark— von den landwirtschaftlichen Genossenschaften direkt bezogen.(Hört, hört.) Müller-Leipzig plädiert für Verschmelzung aller Konsumvereine an einem Ort. Nur so werde sicher ein zweites Connewitz vermieden. Biet-Bremerhasew führt Klage über die übermäßige Belastung des dortigen Konsumvereins. An Firmensteuer allein müsse er 1999 Mark zahlen, der große Norddeutsche Lloyd 3999 Mark. Damit ist die Debatte erschöpft. Einstimmig wird ein vom Vorstand und Ausschuß gemeinsam vorgeschlagener Protest gegen die Sonderbesteucrung der Konsumvereine angenommen. Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft den, Abschluß eines Tarifentwurf�s mit dem Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrs- arbeiter und die Schaffung eines Tarifamtes zuv Sicherung seiner Durchführung. Der Tarif sieht eine Maximalarbeitszeit von 63 Stunden wöchentlich für Kutscher und Stalleute, von 63 Stunden für alle übrigen Kategorien vor. Der Mindestlohn beträgt 19 M. mit Ortszulagen bis zu 39 Proz.(z. B. für Berlin und Hamburg). Ueberstunden und SonntagSarbcit sind möglichst zu vermeiden event. mit Lohnaufschlag auszugleichen. Jeder Arbeiter hat Anspruch auf mindestens eine Woche Sommerferien. Bei der Neueinstellung von Kräften soll möglichst der Arbeitsnachweis des Verbandes benutzt werden. Die Kündigungsfrist beträgt 14 Tage. Schon am 1. August d. I. soll der Tarif in Kraft treten. Das paritätische Schiedsamt soll 1. die geschlossenen Tarife durchführen helfen, 2. neue Tarife abschließen helfen und 3. Schiedsgericht bei Streitigkeiten sein. Referent Karl Schmidtchen- Magdeburg gibt einen Ueberblick über die drei Jahre langen Kämpfe, die dem Abschluß dieses Tarifes vorangingen, und empfiehlt seine Annahme als Werk der sozialen Fürsorge der Genossenschaften. Korreferent Schultzki(Vertreter des Verbandes der Handels- und Transportarbeiter) begrüßt gleichfalls das an sich für seine Freunde noch unbefriedigende Werk als Produkt mühevoller Arbeit und ein neues Band des Zusammenhaltes Mischen den zusammen- gehörigen Gliedern der wirtschaftlichen Arbeiterbewegung, Gewerk- schaft und Genossenschaft. Redakteur Umbreit-Berlin überbringt die anerkennende Zu- stimmung der Generalkommission der Geiverkschaftcn und spricht die Erwartung aus, daß die Stettiner Beschlüsse auch durchgeführt werden würden. Josephfohn-Hamburg(Vorsitzender des Zentralverbandes der Handlungsgehülfen und-Gehülfinnen) kritisiert die Mängel und Lücken des Entwurfes und plädiert gegen die Einstellung unorgani- sierter Arbeiter und Gehülfen durch die Genossenschaften. VerbandSdirektor Aßmann- Braunschweig verteidigt die Genossenschaften. Auch die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter stellten oft weitergehende Forderungen, als sie nach dem Tarif dürften. Er legt das Hauptgewicht darauf, daß der Tarif nur als Ganzes vom einzelnen Verein aufgenommen oder abgelehnt werden könne, damit nicht die Vereine, die bessere Arbeitsbedingungen als die hier fixierten teilweise schon hätten, diese beibehalten, auf den anderen Gebieten aber die neuen teureren Einrichtungen bcsckmffen müßten. Eberle-Bremen bittet die Genossenschaften, auch die Tabak- arbeiter durch Bezug von tariftreuen Firmen zu unterstützen. Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten wird der Entwurf in allen Teilen einstimmig angenommen. DaS Tarifamt erhält als Sitz Hamburg, als Vertreter der Genossenschaften v. Elm-Hamburg und Lorenz(Großeinkaufs- gesellschaft), als Stellvertreter Postel(Produktion Hamburg) und Bringmann-Harburg. Der Verbandsdirektor Konrad Barth-München führte über: „Der weitere Ausbau der Organisation des ZrntralverbandeS und seiner Ncvisionsverbände" aus: Die Organisation der Rcvisionsverbände und die ganze regionale Organisation des Zentralverbandes ist noch ungefähr die- selbe, wie Schulze-Delitzsch sie von Anfang an geschaffen und wie sie sich mit ihrer freiwilligen Ehrenarbeit aufs trefflichste bewährt hat. Aber das riesige Anwachsen der KonsumvereinSbcwegung ist nahe daran, die alte Form zu sprengen. Der Berbandsvorsitzende in jedem der sieben Revisionsverbände, die wir haben, ist zu einem Mädchen für alles geworden. Wenn in einem solchen Rcvisions- verband der Vorsitzende nun plötzlich krank wird oder stirbt, stockt die Konsumvereinsbewegung in 299 Orten oder unterbleibt mindestens die Revision. Die Last, die selbst für einen arbcitslustigen Mann heute zu schwer ist, soll auf mehrere Schultern verteilt werden. Es ist nicht die Absicht, die ehrenamtliche Kontrolle in den Rcvisions- verbänden zu beseitigen, aber die Anstellung besoldeter Sekretäre wird sich nicht länger umgehen lassen. Eine zu diesem Zwecke aus- gearbeitete Vorlage des Verbandssekretärs Kaufmann hat bereits die Zustimmung von sechs Revisionsverbänden gefunden, die zu ihrer Durchführung zum Teil sofort die Beiträge bis um 26 Proz. erhöht haben. Tie Lagerhalter, eine Kerntruppe gedienter Genossen- schaftler, haben sich mit überraschender Einhelligkeit für dieses Projekt entschieden. Die notwendigen größeren Mittel können am besten durch den Ueberschuh aus dem Absatz des neuen„Genossen- schafts-Volksblatt" beschafft werden, womit zugleich die genossen- stfoftliche Bildung in immer tvciterc Kreise getragen wird. Ein edler Wetteifer wird dann wohl zwischen den einzelnen Nevisions- verbänden entbrennen, möglichst große Mittel für diesen Zweck, einen Akt der genossenschaftlichen Solidarität und der Unterstützung der kleinen und schwachen Konsumvereine, bereit zu stellen. Das gute föderalistische Prinzip wird beibehalten werden; die Revisionsver- bände sollen selbständige Gruppen bleiben, die Anstellung der Sekre- täre ausschließlich ihre Sache, und die Revisionssckretärc sollen nur den Revisionsverbänden verantwortlich sein. Wir müssen uns streng und stramm organisieren, denn wir haben Feinde ringsum I Noch hat Ihnen der Vorstand kein ausgearbeitetes Staut unterbreitet, sondern nur Grundlinien im VorstandSbericht. Damit wir Ihnen im nächsten Jahre eine Vorlage mit der Aussicht auf einstimmige Annahme unterbreiten können, bitten wir Sie um Annahme folgender Reso- lution:„Der dritte ordentliche Genossenschaftstag des Zentralvcc- bandes deutscher Konsumvereine am 18. bis 29. Juni 1996 in Stettin anerkennt die Notwendigkeit der Anstellung von Verbands- beamten in den einzelnen Revisionsverbänden und beauftragt Vor- stand und Ausschuß, auf der Grundlage der im Vorstandsbericht veröffentlichten„Mitteilungen" dem nächstjährigen GcnossenschaftS- tag eine entsprechende Vorlage zu unterbreiten." In der Debatte über den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag weist Fenerstcin-Stuttgart auf die Ersahrungen mit dem württembergischen Sekretariat hin, die besser seien als alle „Meinungen erfahrener Genossenschaftler". Es habe sich heraus- gestellt, daß ein solcher Sekretär nicht geschäftlich-technische Rat- schlage geben, sondern nur agitatorisch für die Konsumvereine— da allerdings vorzüglich— wirken könne. Der Vorstandsentwurf, der die Bezahlung der Sekretäre durch den Verlag des„Volksblattes" und die Großeinkaufsgesellschast fordere, taste die Selbständigkeit der einzelnen Revisionsverbände an; denn wer zahle, wolle auch drein- reden. kBeifall und Widerspruch.) Viet-Bremerhaven: Alles mußte früher der Verbandsdirektor können. Flugblätter schreiben. Referate halten, die Buchführung einrichten, neuen Konsumvereinen bei der Eröffnung zur Seite stehen usw. Und jetzt auf einmal sollte es solch Universalgenie nicht mehr geben, obwohl wir jetzt zahlen wollen? Unter den praktischen Genossenschaftlern werden wir sie schon finden.— Die Aufbringung der nötigen Mittel sollte auch meiner Ansicht nach durch die Revi- sionsverbände erfolgen. Verbandssekretär Kaufmann-Hamburg: Journalistisch und agitatorisch hat das Stuttgarter Sekretariat noch nicht einmal so- viel geleistet, daß die EntWickelung der dortigen Konsumvereine mit denen in Baden oder Bayern gleichen Schritt hielt.— Den Verbänden die Kosten für die Sekretariate aufzuerlegen, hieße nur, den schwächeren, Brandenburg und Westfalen, die Anstellung von Beamten unmöglich machen.(Sehr gut!) Bauer-Mainz: Der Entwurf des Vorstandes ist zentralistisch, aber das ist ganz gut. Föderalistisch waren wir trn Crügerschen Verbände, weil wir es mußten. Aber jetzt?! Feuerstein-Stuttgart und Kanzlcirat Gauß-Stuttgart wehren sich noch einmal gegen die„Herrschaft der Hamburger Direktive". Abg. v. Elm-Hamburg: Der Vorstand hat feierlich wiederholt erklärt, daß die Revisionsverbände vollständig selbständig bleiben und ihre Beamten völlig für sich und unter sich haben sollen.— Die jungen Verbände können ohne Hülfe des Zentralverbandes gar keine Sekretariate einrichten.(Lebhafter Beifall.) Nach einem kurzen, gleichgerichteten Schlußworte des Referenten wird die Resolution gegen ganz wenige(19) Stimmen angenommen. Zum nächsten Gegenstand der Tagesordnung: „Der Veitritt der Berbandsvercine zu dem internationalen GenossenschaftSbund" führt Heinrich Lorenz-Hamburg, Geschäftsführer der Hamburger „Produktion", aus: Die Zusammenfassung der wirtschaftlich Schwachen in immer größeren Selbstschutzverbänden sei von jeher der Grundsatz der Genossenschaft gewesen. DaS rechtfertige den Beitritt der deutschen Konsumvereine zum internationalen Ge- nossenschaftsbund. Aber wichtig ist vor allem zu wissen, waS wir da sollen und vor allem, was wir da wollen.(Sehr gut!) Das jetzige Statut deS I. G.-B. sieht als seine Zwecke an einmal, die Genossenschaften, wie wir alle wollen, zur Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen zu verwenden, dann aber auch die „Jnteressenverknüpfung von Kapital und Arbeit" zu fördern. Das halten wir für unmöglich, das können wir auch nicht mitmachen. Dem müssen wir modernen Genossenschaftler daS alte Programm der redlichen Pioniere von Rochdale entgegensetzen. Was wollen wir nun international? Moderne Konsumgenossenschaften mit den großen Zielen für Konsum und Produktion haben England(1387 Millionen Mark Jahresumsatz), Deutschland(393 Millionen). Däne- mark(68 Millionen) und Oesterreich(24 Millionen). In allen anderen großen Ländern finden sich nur Ansätze. Da heißt es, unser Programm der Organisation des Konsums der arbeitenden Bevölkerung durch die arbeitende Bevölkerung selbst bei völlig freier und demokratischer Selbstverwaltung der Vereine(Sehr gut!) un- ablässig propagieren. Weiter haben wir einen Unterbau für eine planmäßige genossenschaftliche Eigenproduktion auch international zu schaffen. Unsere gute, unsere richtige Idee der Eigenproduktion ist gut und richtig nicht für die Hunderte unserer Mitglieder, sondern auch für die Millionen und Millionen der werktätigen Be- völkerung in Fabrik und Handwerk, auf Scholle und Asphalt. (Beifall.) Schon hat uns auf dem letzten Genossenschaftstage unser Freund Dr. Hans Müller(Schweiz) trefflich vorgearbeitet, als er sagte:„Dir Genossenschaft muß antikapitaliftisch sein oder sie ist keine Genossenschaft". Auf diesem Wege, in diesem Geiste müssen wir in der internationalen Allianz weitergehen. Wir müssen dabei sein mit unserer Arbeit, unserem Gelde und unseren Stimmen. (Sehr gut!) Und noch eins: Die Arbeiterklasse der ganzen Welt verabscheut den Menschenmord, den Krieg und das Blutvergießen, verabscheut den menschenmordenden, kulturzerstörenden Kampf der Gewalt. Schassen wir auch im internationalen Genossen�chaftsbunv eine neue Friedensgarantie!(Lebhafter Beifall.) Sagen Sie nicht, daß erst späte Generationen die Erfüllung dieser Grundsätze sehen werden. Die genossenschaftlichen Grundsätze sind nicht Schau- stücke, die der gläubigen Menge an besonders feierlichen Tagen gezeigt werden. Sie alle haben die Pflicht, mit aller Kraft für ihre rasche Verwirklichung auch international zu arbeiten.(Stürmischer Beifall.) In der Diskussion erhält zunächst der Präsident des Inter- nationalen Genossenschaftsbundes, Ehrensekretär Gray-London das Wort: Ich habe dem prinzipiellen Inhalt der Ausführungen meines Freundes Lorenz nichts hinzuzufügen. Vor allem hat er recht, daß die Genossenschaft antikapitalistisch sein muß; sie darf keinen Gewinn erzielen. Aber noch wichtiger ist mir, daß der inter. nationale Zusammenschluß eine Sicherung gegen den Krieg ist. Staatssekretär Dr. Elias, Mitglied deS Zentralkomitees der internationalen Allianz: Lassen Sie mich mit zwei kurzen Worten die Idee des internationalen Zusammenschlusses unterstützen: DaS eine sprach Ihr großer Dichter Schiller vorahnend bor 199 Jahren: „Im Bunde werden auch die Schwachen mächtig."(Sehr gut!) Mit dem anderen weihte der Minister- und Kammerpräsident Leon Bourgeois unsere neue Allianz 1897 in Paris ein: „Die internationale Union der Arbeiter wird die Mauern zwischen den Nationen niederreißen." So tragen auch Sie heute einen Stein bei zu dem Gebäude der Völkerverbrüderung und des ewigen Friedens.(Stürmischer, langanhaltcndcr Beifall.) Einstimmig nimmt der GenossenschaftStag folgende Resolution an:„Ueberzeugt von der Notwendigkeit der internationalen Per» einigung und in Erwägung, daß cS, um den weiteren Ausbau und die Ausbreitung der konsumgenosscnschaftlichen Organisationen zu fördern, notwendig ist, daß die für die Organisation des Konsums als richtig erachteten Grundsätze in allen Kulturländern verbreitet und auf deren Anwendung hingearbeitet wird, fordert der dritte ordentliche Genossenschaftstag deS Zentralverbandes deutscher Konsumvereine, abgehalten am 18., 19. und 29. Juni 1996 in Stettin, die Konsumvereine auf, der internationalen Genossen- schaftsallianz als Mitglied beizutreten und im Sinne dieser Reso- lution tätig zu sein." In den Vorstand und Ausschutz werden die ausscheidenden Mitglieder Direktor Barth-München, v. Elm-Hamburg, Professor Stnudinger-Darmstadt und Pobbich-Schedewitz wiedergewählt, Der nächste Genossenschaftstag findet 1997 in Düsseldorf statt. Gericbw-Teitung. KonkurSmassen-Ausverkauf! Wegen unlauteren Wettbewerbes stand dieser Tage der Schuh« warenhändler Moritz Rofenstein vor dem hiesigen Schöffengericht. Im Oktober 1994 geriet der Kaufmann Julius Grimberg, Dresdenerstraße, in Konkurs; dessen Ehefrau kaufte die ganze Masse vom Konkursverwalter Klein für zirka 11999 M. Alsbald machte dieselbe in schreienden Bekanntmachungen einen Konkursmassen« Ausverkauf, welcher bis Mai 1996 dauerte. Am 16. Dezember wurde das Geschäft an den Schuhwarenhändler Moritz Rosenstein, welcher noch ein Schuhgeschäft in Oranienstr. 297 und Wienerstraße hat, verkaust. Mittels Anbringung von mächtig großen Schildern über seinen Schaufenstern, Verteilen von großen Zetteln auf den Straßen ganzer Stadtgebiete usw. veranstaltete dieser wieder einen Konkurs- Massenausverkauf. In den Anpreisungen hieß eS:„GS eilt! Der Ausverkauf auS der Julius Grünbergschen Konkursmasse muß schleunigst geräumt werden. ES geht zu Endolll Der freihändige Ausverkauf der aus der Julius Grünbergschen Konkurs- masse stammenden und anderen Waren usw. usw." Der Restbestand. welcher vom Angeklagten Rosenstein übernommen wurde und noch aus der früheren Konkursmasse stammen sollte, bestand aus minderwertigen. unverkäuflichen Waren, teils unpaarig, teils von der Sonne verbrannt. Alle anderen Waren, für zirka Nachwehen vom Streit der Möbeltransportarbeiter. Lehmann, Bau- und Grundstücksschwindeleien. erlitten habe. Der " Mordversuch gegen die eigene Ehefrau. Es gibt auch milde Richter. " 15 000 Mart, waren nachgeschoben. Aus der Beweisaufnahme| Polizeibeamte, Gutsherren, Gutsinspektoren, Studenten oder russische[ gewann das Gericht die Ueberzeugung, daß Angeklagter Rosenstein Fürsten und Geistliche. Die infolge der milden Bestrafung des Fürsten Kotschoubeh nicht befugt war, einen freihändigen Ausverkauf einer Konkursmasse hervorgerufene Entrüstung scheint weder Russen von Vandalismus zu veranstalten; da eine Konkursmasse, nachdem sie in dritte Hände auch in Deutschland, noch Dresdener Gerichte von auffallend milden übergegangen, feine Kontursmasse mehr ist. Der Angeklagte machte nur die marktschreierische Reklame, um das kaufende Publikum irreDer Prozeß gegen den Architekten Agathon Reimann und Bestrafungen roher Bestialitäten abzuhalten. Das dürfte folgender zuführen, resp. den Anschein beim Publikum zu erwecken, als ob es die frühere Befizerin des„ Haselnuß"-Restaurants Frl. Gallantin Fall beweisen. Der aus Wilna gebürtige, 26 Jahre alte römisch- katholische bei ihm vorteilhaft einkauft. In Wirklichkeit biete jeder reell wegen Betruges bezw. Unterschlagung ist gestern vor der ersten denkende Geschäftsmann mehr als Angeklagter. Der weniger ge- Wie wir schon mitteilten, handelte es sich um Transaktionen, die reise nach Rom vor acht Tagen in Dresden Aufenthalt nahm, das Straffammer nach zweitägiger Verhandlung zu Ende gegangen. Priester Felix Mieszkis besuchte, als er auf der Durchbildete Käufer liest nur„ Konkurs" und„ Ausverkauf" und ist der Sie Eigentums- bezw. Konzessionsverhältnisse der im Hause Jäger- Albertinum. Während er sich in diesem allein glaubte, schlug er Meinung, daß es tatsächlich eine von einer Gerichtsperson verWalhalla" und in drei Revieren von je einer Statue Alexander des Großen", anstaltete Bekanntmachung ist. Deshalb wurde Angeklagter Rosen- Straße 68 ſeinerzeit betriebenen Restaurants Die Beweisaufnahme war infolge Merkur auf der Kugel" und" Der sterbende Fechter" die stein zu 200 Mark Geldstrafe oder 40 Tagen Gefängnis und in die" Falstaff Keller“ betrafen. ab. Er wurde dabei bon einem Kosten verurteilt. der äußerst verwickelten Verhältnisse, die aufzuklären waren. Geschlechtsteile eine sehr umfangreiche. Der Angeklagte Reimann bestritt Aufseher überrascht und erklärte, daß er von einer moralischen Entnach wie vor die Beschuldigung, bei dem Verkaufe des rüstung befallen worden, daß man solche Gegenstände öffentlich ausRestaurants an die zweite Angeklagte diese durch falsche An- st lle. Der Kunstbarbar wurde verhaftet, gegen 200 Goldrubel jedoch Wegen Streifvergebens hatten sich gestern der Arbeiter August gaben über die Konzessionsverhältnisse betrogen oder die Liefe- wieder aus der Haft entlassen. Der ciester hatte sich vorgestern wegen Dielblock und der Möbelträger Gustav Bergmann vor der ranten des Inventars durch Verfügung über das letztere das dem Sachbeschädigung vor dem Dresdener Schöffen 2. Straffammer des Landgerichts I zu verantworten. Im März Lieferanten vorbehaltene Eigentumsrecht verlegt zu haben. Die gericht zu verantworten. Er war geständig. Das Gericht sah dieses Jahres hatten die Arbeiter des Möbeltransportgeschäfts Angeklagte Gallantin versicherte, daß sie sich keinerlei strafbaren von einer Freiheitsstrafe ab und erkannte auf 200 Mart Geld= Der Russe erklärte, daß es sein sittliches Gefühl beA. Schäfer die Arbeit eingestellt. Die Firma hatte den Umzug des Handlung bewußt sei und bei dem ganzen Geschäft lediglich grobeleidigt habe, daß die Figuren des Merkur, Alexanders des Großen Wirkt. Geh. Rats von Bitter von der Klopstockstraße nach der die Ergebnisse. der Beweisaufnahme in der Weise, daß er und des Fechters von Ravenna im Albertinum jo in ihrer weißen Dranienstraße übernommen, sie konnte ihn aber nicht ausführen, da sie keine Arbeiter zur Verfügung hatte, und wandte gegen Reimann ein Jahr Gefängnis, gegen Fräulein gipfernen Nacktheit dastanden und nicht einmal das im Paradies so sich deshalb an die Möbeltransportfirma A. Gallatin vier Wochen Gefängnis beantragte. Nach ein- beliebte Feigenblatt vor hatten. Der Richter empfahl dem Vandalen, sich die es auch übernahm, für die Firma Schäfer dem Umzug zu bewerk gehenden rechtlichen und tatsächlichen Darlegungen der drei Ver- mit der Kunst zu beschäftigen, dann werde er sehen, daß diese durch stelligen. Die Arbeiter der letzteren wollten dies verhindern und teidiger kam das Gericht nach etwa zweistündiger Beratung zur die Darstellung des Nackten nicht unzüchtig wirke. Eine allgemein stellten Streifpoften aus, die den Lehmannschen Arbeitern vorstellten, reisprechung der beiden Angeklagten, da sich nicht klar fest- übliche Anschauung forrigieren zu wollen, zeige von großer Dreistigdaß es doch eine Gemeinheit sei, den Streifenden in dieser Weise stellen ließ, daß die Lieferanten sich dauernd das Eigentumsrecht feit. Besonders auffällig bleibt es aber, daß der Kunstbarbar die in den Rücken zu fallen. Dabei soll der Angeklagte Bergmann vorbehalten hatten und sich andererseits auch ergab, daß die zweite Teile, die er abgehauen hatte, sich fein fäuberlich- einDrohungen und Schimpfworte ausgestoßen und auch Kiel- Angeklagte eventuell auch die Konzeffion für den Keller erhalten stedte! Derartige rohe und schweinische Handlungen mit verlegter block foll in unzulässiger Weise auf die Arbeitswilligen haben würde, mithin in dieser Beziehung der Vorwurf des Betruges Sittlichkeit entschuldigen, ist ein Zeichen einer bodenlosen Heuchelei und raffinierter Spekulation auf das Verständnis ähnlicher Schweinigel eingewirkt haben. Einige Umzugsleute hörten auch auf zu gegen Reimann sich nicht aufrecht erhalten ließ. in Deutschland, deren Unzüchtigkeit so weit geht, daß sie sich über arbeiten und ließen die schon herabgetragenen Möbel auf dem Flur und der Straße stehen, zwei Weiterarbeitende sollen tünstlerische Erzeugnisse entrüstet stellen. besonders stark belästigt worden sein. Es ertönte der Ruf:„ Schlagt In der bekannten großen Chemischen Fabrik von Cassella u. Co. Ein Kulturbild aus dem 20. Jahrhundert entrollte eine Ver= doch der Bande die Knochen entzwei!" Als der Arbeiter Wilhelm in Mainken bei Frankfurt a. M. hatte der 30 Jahre alte Vorarbeiter handlung gegen den Dienstknecht Jakob Anzinger von UnterTiede eine Matratze herunterbrachte, spuckte Bergmann vor ihm Johannes Weidemüller mehrere Arbeiterinnen unter sich. Er ist ein schweinbach vor dem Landgerichte München II. Er hatte sich wegen aus und sagte: Ihr seid das Anspucken nicht wert." Tiede Arbeiter, der sich bis jetzt scheinbar in jeder Beziehung einwandfrei einer Uebertretung der Dienstbotenordnung und eines Vergehens erwiderte, er müsse arbeiten, denn er sei Familienvater und habe geführt hat, von allen seinen Bekannten als ein braver, fünf Kinder zu ernähren. Bergmann soll dann noch die Redens- fleißiger, ruhiger und ordentlicher Mann geschildert wird. gegen die Religion zu verantworten. Die Anschuldigung ging art gebraucht haben:„ Laßt Euch nicht ankommen, Ihr Streif- Seit sieben Jahren ist er verheiratet, hat drei Kinder und lebte dahin, daß er als Dienstbote am 31. März während der Arbeitszeit im Wirtshause zechte, und am Nachbrecher, man müßte Euch die Knochen zerhauen, Ihr seid gar nicht bis vor kurzem in glücklicher Ehe. Die Wendung in seinem Leben mittage des gleichen Tages, der ihm von seinem Dienstherrn zweds wert, daß man Euch Kollegen nennt, Ihr Streifbrecher". Als der trat ein, als er mit den ihm unterstellten Arbeiterinnen auf Abwege Ablegung der Osterbeichte freigegeben wurde, nicht auf den Flur gekommene Wirkl. Geheimrat v. Bitter den An- geriet. Ganz besonders verhängnisvoll wurde für ihn das Ver- zur Erfüllung seiner österlichen Pflicht verwendete, sondern im getlagten Bergmann fragte, was er denn im Hause zu suchen habe, hältnis mit einem jetzt 20 Jahre alten Mädchen, dem er als schönstes Wirtshause zubrachte und dabei in bezug auf die Beichte äußerte: rief ihm Bergmann zu:" Sie oller Vollgefressener, lassen Sie sich Geburtstagsgeschent" im Februar vorigen Jahres versprochen hatte," Die Kapuziner find auch keine gescheiten, ich...... aufs Beichten, man die Betten nicht verlaufen!" Da der Umzug völlig es spätestens nach einem Jahre zu heiraten. Das Mädchen bestürmte ich beichte nicht!" In dieser Aeußerung soll ein Vergehen wider die stockte, wurde. Polizei herbeigeholt, und erst als die ihn nun fast täglich mit Briefen, in denen es aufs überschwenglichste Religion liegen. Einige Gäste nahmen an der Aeußerung derart beiden Angeklagten zur Wache mitgenommen worden waren, immer wieder seine ewige Liebe zu ihm beteuerte, ihn an sein ging die Arbeit weiter vor sich. Bergmann behauptete, sinnlos be- Versprechen erinnerte und seine Freude darüber aussprach, daß Anstoß, daß die frommen Bauern zum Messer gegriffen, um Sühne trunken gewesen zu sein. Dies wurde aber durch Zeugen nicht sie bald einander ganz angehören werden. Der Arbeiter, der 3 fordern für den beleidigten, alleinseligmachenden Glauben, wenn nicht ein Gendarm dazu gekommen wäre Das Landgericht bestätigt. Kielblock bestritt jede ungeseßliche Handlung. Backer inzwischen zu seiner Frau falt und abstoßend geworden war, München II verurteilte den Anzinger lediglich wegen groben UnLubowizky, Vertrauensmann der Arbeiter bei der Firma schwankte offenbar lange. Nach zirka sieben Monaten aber erlag fugs zu 20 M. Geldstrafe oder 4 Tagen Haft, und wegen Zechens Schäfer, befundete, daß den als Streitposten ausgeschickten Mann- er dem Drängen des Mädchens. Im September machte er der An- während der Arbeitszeit zu 10 M. oder 2 Tagen Haft! schaften stets eingeschärft werde, sich jeglichen Erzesses oder ungesetz- tlage zufolge den ersten Versuch, seine Frau zu vergiften. Das Gift während der Arbeitszeit zu 10 M. oder 2 Tagen Haft! licher Handlung zu enthalten. Der Staatsanwalt hielt bei hatte aber die Speise auffallend gefärbt, so daß die Frau stuzzig beiden Angeklagten Vergehen gegen§ 153 der Gewerbeordnung wurde, von dem Essen nichts zu sich nahm, sondern es fortschüttete. und Nötigung für vorliegend und beantragte gegen Kiel Wieder schwankte der Arbeiter offenbar einige Zeit. Im Januar block eine Woche, gegen Bergmann einen Monat dieses Jahres, also vier Monate später, jedoch wiederholte er den Gefängnis. Der Berteidiger hielt die Beugenaussagen Versuch, indem er eine Phosphorlösung in eine Tasse Kaffee tat, Der starke für viel zu unbestimmt und widersprichsvoll, um darauf eine Ver- welche seine Frau für sich eingegossen hatte. urteilung in Gemäßheit des§ 153 zu gründen. Kielblock habe sich Geruch des Phosphors warnte die Frau. dann im nach dem Urteil aller Zeugen ruhig und maßvoll betragen, gegen nächsten Monat wiederum das für die Frau bestimmte Essen Bergmann sei nur eine beleidigende Aeußerung positiv erwiesen, nach Phosphor roch, und als die Frau in einem Schranke ihres Swinemde. 768 N für die eine Geldstrafe angemessen sei. Der Gerichtshof ver- Mannes eine Flasche fand, in der sich fraglos eine Phosphorlösung Hamburg 770 WSW 769 WNW urteilte i el block zu 1 Woche, Bergmann zu 6 Wochen Ge- befunden hatte, da erzählte sie die Sache ihrem Bruder, der sofort Berlin Frankf.a.M. 771 NW fängnis. Die Strafe ist, selbst wenn das Gericht angenommen hat, Anzeige erstattete. So wurde der Arbeiter verhaftet und stand am München alle oben wiedergegebenen, von der Anklage behaupteten Umstände Dienstag vor dem Schwurgerichte in Hanau. Er leugnete zwar, Bien feien erwiesen und die Angeklagten sich demnach Beleidigungen daß er Gift in die Speisen getan habe. Jedoch lagen so viele schuldig gemacht hätten, eine außerordentlich hohe. Man vergleiche Verdachtsmomente vor, daß die Geschworenen ihn des Mordversuches mit der Strafhöhe gegen die Angeklagten, die im schlimmsten Falle schuldig erkannten und das Gericht ihn zu 5 Jahren Zuchthaus und in Erregung bei der Wahrnehmung ihrer Rechte zu weit gingen, die 5 Jahren Ehrverlust verurteilte. Gegen das Mädchen ist das Verenorm niedrigen Geldstrafen gegen beleidigende und mißhandelnde i fahren wegen Anstiftung zu dem Verbrechen eingeleitet worden. ROMA Bibliothes Als Sun ROMAN Bibliothek ROMAN Suntica Suntic Der britte Anika's Brautta Jugendfreunde. Witterungsübersicht vom 21. Juni 1906, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer stand mm Wind. Bunzpa Windstärke Better Temp. n. C. 5°.= 4° 9. 2 halb bb. 19 2 bedeckt 16 Stationen Barometer. stand mm WindHaparanda 761 S Petersburg 758 2 19 Scilly 17 Aberdeen 770 N 767 N 3 heiter 2 wollenl 2 bedeckt 15 Paris 2 moltig 20 772 SS 7663 Bunipp 772 NNO Windstärke 28etter Temp. n. C. o Do 7507 15 17 15 19 1 heiter 1 molten! 1 Nebel 1 heiter 2wolfen! 17 Wetter- Prognose für Freitag, den 22. Juni 1906. Etwas fühler bei ziemlich frischen westlichen Winden und zunehmender Bewölkung, nachher leichter Regen. Berliner Wetterbureau. nlicht ROMAN Jugendfun Otto Marche 1588L Sunlicht ROMAN bat nichts gemein mit jenen auf niedrigem geistigem Niveau Bibliothek stehenden Erzeugnissen billiger litterarischer Fabrikarbeit. Vornehm im Charakter, gediegen in der Ausstattung kann ihr in jedem Familienkreise unbesorgt Hufnahme gewährt werden. 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Wir bitten die Auslagen in unseren Schaufenstern zu beachten! Pf. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.