Dr. 144. RbennmtntS'Btdlngunfitn: B8 orniement«• Preis priinumerand» z NerteljShrl. 3,30 SRI, monafl. 1,10 Mk, WSchentlich 28 Pfg, frei WS HauS. Einzelne Swnuner S Pfg. EonnlagS» Nummer mit illustrierter EonntagS» Beilage.Die Neue Welt' 10 Pw Post» tttonnemenl: 1,10 Marl pro Monat, «wgetragen w die Post-ZeiwnoZ. n—...... iidanfc für 3 Marl pro Monat. PostabonnementZ nehmen an: Belgien. Dänemark Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweig. «fichtigt Lgllch gilZt» M««»«. tmirf 23* Jahrg. Vevlinev Volksblcrtk. vis snlsfNsnz-esdlihf dkirZgt für die fechSgespaltene kolonei- geile oder deren Raum 60 Psg„ für politische und gewerlschaftliche Vereins« und VersammlungS-Nnzeigen 30 Pfg, „Ktclnc Anreisen", da? erste(fett- gedrutklei»ort 20 Pfg., jede» weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- ftellen-vnzeigen da« erste Wort 10 Pfg., jedes weitere»ort s Pfg.»orte über 13 Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnferate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition ghgtgeben werden. Die Expedition ist dt» 7 Uhr abend» geästnet, Telegramm-«dreffe: „SMUUUnsknt Btrlli". Zentralorgan der fozialdem ohrat» f chen Partei Deutfcbtands. Rcdahtion: 8M. 68» Linden Strasse 69 Kernfprecher: Amt IV. Nr. 1S8Z. Live geistige Aerkstätte Zuvg-eogiancks. London. 18. Juni. Das Jahr 1899 wird in der Geschichte der britischen Ärbeiterbewegung denkwürdig bleiben erstens wegen des Be schlusses des Trade- Unionskongresses, eine selbständige Arbeiterpartei zu gründen, zweitens wegen der Eröffnung des Ruskin College(lies: Raskin Kollidsch) für Arbeiter in Oxford, im berühmtesten und ältesten Sitze englischer Gelehrsamkeit. Die Schule wurde auf diesen Namen getauft, da Ruskins Schriften im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts einen großen Einfluß auf das Denken der jüngeren Arbeitergeneration aus geübt hatten. Der Gründer des College ist ein reicher, sozia listisch angehauchter Amerikaner, der aber nach wenigen Jahren die Zusendung von Geldzuschüssen einstellte, so daß es fast ganz auf die Beiträge der 6 werkschaften angewiesen ist. Folgende Trade- Unions haben reichlich zur Erhaltung der Schule beige tragen: Die Enaineers(Metallarbeiter) 28(XX) Mark, die Eisenbahner 6(XX) Mark, außerdem drei Stipendien; die Weber 200) Mark und zwei Stipendien; die Londoner Buch drucker, die schottischen Genossenschaften und zahlreiche andere Arbeiterorganisationen senden von Zeit zu Zeit Unterstützungen. Seit dem Bestände der Schule haben etwa 1800 Arbeiter Unterricht in politischen und ökonomischen Wissenschaften er« halten. Im Schuljahre 1906 befinden sich dort nahezu 40 Studenten, davon 35 Gewerkschaftsmitglieder im Alter von 25 bis 30 Jahren. Die Metallarbeiter sandten 9, die Bergleute 7, die Weber 4, die Kettenarbeiter, Maurer, Docker, Eisenbahner je 3, die Schmiede, Tischler, Kesselschmiede. Bauarbeiter und Tucharbeiter je 1. Die übrigen sind aus Norwegen. Schweden und Dänemark, die teils von den dortigen Gewerkschaften. teils von den sozialisttschen Organisationen empfohlen worden sind. Das College ist eine Art Seminar für begabte Trade« Unionisten, wo sie Unterricht. Kost und Wohnung erhalten Das Schulgeld für das Schuljahr von 11 Monaten beträgt 52 Pfund Sterling(1040 M.); es wird von den Gewerk« schasten aufgebracht und deckt sämtliche Ausgaben. Die Stu« denken verrichten selber die nötigen Hausarbeiten: Reinmachen, Abwaschen, Bettmachen; nur für die Küche muß eine Köchin gehalten werden; die Köchin ist die einzige besoldete Person des College. Die Ernennung der einzelnen Arbeiter zu Studentennach «Oxford geschieht durch die verschiedenen Zweigvereine der Gewerkschaften, die ihre tüchtigsten Mitglieder dem Vorstande der Gesamtgewerkschast zur Berücksichtigung empfehlen. Der Vor« stand entscheidet, worauf sich die jungen Leute an den Rat des College wenden. Sie haben sich keiner Prüfung zu unter- werfen. Nötig sind nur zwei Moralitätszeugnisse und ein Gesundheitsattest. Die Unterrichtsgegenstände sind: Soziologie, EntWickelung (Darwin, Spencer, Huxley uslo.), Logik, Ethik, Aufsatz, Rede- kunst, Volkswirtschaft. Geschichte der Industrie, Geschichte der sozialen Bewegungen, politische und soziale Probleme der Gegenwart, Staatsverwaltung, Schulwesen. Den Studenten wird ferner Gelegenheit gegeben, sich im Rechnen, englischer, französischer, deutscher Sprache und Stenographie zu vervollkommnen oder ihre Elemente zu erlernen. Jeder Student ist verpflichtet, wöchentlich einen Aufsatz über einen der Unterrichtsgegenstände zu schreiben. Der Auf- satz wird vom Lehrer in bezug auf Stil und Inhalt eingehend korrigiert und beurteilt. Und was für Geist herrscht im Ruskin College? Um diese Frage beantlvorten zu können, ging ich heute nach Oxford und verbrachte dort einen halben Tag mit den Studenten und mit dem leitenden Professor Mr. Hird. Ich ließ mir die Aufsätze zeigen und stellte politisch-ökonomische Fragen an die besten Studenten, diskutierte die Werttheorie sowohl vom Standpunkte des Marxismus wie des Jevonismus, unterhielt mich über Sozialismus und Materialismus und im allgemeinen über die englische und deutsche Arbeiterbewegung. Ich habe die Ueberzeugung gewonnen, daß die größte Mehr- zahl der Studenten Sozialisten sind. Der Geist des Ruskin College ist durchaus sozialistisch. Mr. Hird, der leitende Lehrer, war früher Geistlicher, wurde aber Sozialist, und mußte sein Amt niederlegen. Jetzt ist er auch, wie er mir ausdrücklich sagte, „materialistischer Monist". Wir unterhielten uns über die Marxsche Geschichtsauffassung, der er zustimmt. Er sagte mir ferner, daß die meisten Studenten— bei ihrem Eintritt in das College— marxistisch gesinnt seien, aber der Lehrer der Nationalökonomie Mr. Lees-Smith ziehe die Jevonsche Preisthcorie vor. Als Textbuch dient Professor Marshalls „Lrinoipleg ok Economics". Aber auch Marx wird gelesen, da es die Aufgabe des College ist, unparteiisch zu sein und einzig und allein nach der Wahrheit zu forschen. Die Unter- redung mit Hird hinterließ in mir den Eindruck, daß das College sehr glücklich war in der Wahl seines Leiters. Beim Schluß unserer Unterredung bat ich ihn, mir die besten Studenten vorzustellen. Mr. Hird tat dies in zuvor- kommendster Weise und ew Arbeiter namens Leasing wurde mir vorgestellt. Ich lud zu einem Spaziergange ein und nahm noch einen marxistischen Studenten, den Weber Hargrave mit. Keating ist für die Jevonsche Theorie eingenommen, jedoch gelang es uns,— wie er beim Abschiednehmen erklärte — ihn in seiner Auffassung zu erschüttern. Im übrigen be- stätigten mir die Studenten, daß der Unterricht mit gewissen- haftester Unparteilichkeit erteilt wird. Jeden Sonnabend abend haben die Studenten einen social evening: Gesellschaftsabend, der der Unterhaltung gewidmet ist. An dieser Unterhaltung nehmen auch die Universitäts- Hörer der verschiedenen Oxforder Colleges teil. Ebenso werden die Arbeiterstudenten in die„Oxford Union", den berühmtesten Debattierklub Englands, eingeladen, um da Arbeiterfragen zu diskutieren. Eine der letzten Debatten drehte sich dort um die Frage:„Sollen die Kinder in der Schule auch körperliche Nahrung erhalten?" Zwei Arbeiterstudenten sprachen für, zwei Universitätshörer gegen. Bei der Abstimmung erhielten die Arbeiter die Mehrheit. Außer dem Unterricht im College existiert noch eine Ab- teilung für Unterricht durch Korrespondenz. An diesem Unter- richt baben bis jetzt 6500 Arbester teilgenommen. Die Kosten sind gering: 1 M. pro Monat. Den Teilnehmern werdende- bestimmte Textbücher empfohlen, dann Aufgaben für schrift- liche Aufsätze gestellt, die von einem der Lehrer korrigiert und beurteilt werden. Auf meine Frage, wie es kommt, daß die meisten RuSkin- Studenten Sozialisten und noch dazu Marxisten seien, gab man mir folgende Antwort:„Die Gewerkschaften wählen ihre besten und regsamsten Mitglieder als Studenten, und die regsamsten Gewerkschaftler sind in der Regel Sozialisten, be sonders in der jüngeren Arbestergenerasion.".... Die Revolution in Rußland. Der Bialystvker Militär-Pogrom. t Man schreibt uns: Als zu Ostern dieses Jahres die jüdische Bevölkerung Rußlands mit Angst und Bangen jedem kommenden Tage entgegensah, als überall vor den Augen der Behörden, oft unter ihrer Mitwirkung die offenste Agitation zur Niedermetzelung der Juden betrieben wurde — da erwiesen sich Wstte-Durnowo plötzlich als Judenfreunde: Strenge Zirkulare mit Anweisungen, Judemnetzeleien um jeden Preis zu verhüten, regneten auf die Behörden herab, und richtig die Pogrome blieben auSl DaS Geheimnis dieser Judenfteundlichkeit der Regierung ist leicht zu enträtseln: Die Zeit der antisemitischen Agitation fiel ja mitten in die Unterhandlungen über die damals geplante Anleihe, und ein plötzlicher Ausbruch von Judenhetzen— ähnlich, wie sie im Oktober vorigen JahreS stattfanden— hätte die Realisierung de» Riesenpumps vielleicht verhindern können I DaS durfte aber um keinen Preis geschehen, deshalb wurden die Metzeleien nicht aufgehoben, sondern nur bis zu einem geeigneteren Zeit« punkt aufgeschoben. Dieser Zeitpunkt schien der Regierung jetzt ge« kommen zu sein. Die Anleihe ist längst untergebracht, im Lande gärt eS, die Unzufriedenhest des Volkes wächst stündlich— warum da nicht daS alte erprobte Mittel der Judenhetzen gebrauchen, um die Aufmerksamkeit des Volkes vom politischen Boden aus den nationalen und religiösen zu lenken, der vordringenden revo- lutionären Bewegung durch daS Anfachen chauvinistischer Gefühle in den Muffen Einhalt zu tun? Nicht zufällig ward gerade Bialh» stok zum Schauplatz des blutigen Dramas. Bialystok ist eine Stadt mit überwiegend jüdischer Bevölkerung, mit einer äußerst revolutionär gesinnten Arbeiterschaft.— Diese Stadt schien daher so recht geeignet, als erste für das oben gekennzeichnete Experiment erlesen zu werden. Die Fäden dieser schändlichen Verschworung gegen Hunderte von Menschenleben liegen zu klar auf der Hand, als daß eine Täuschung darüber möglich Ware, auf wen die ganze Schuld fällt. Vor etwa zwei Wochen ward der Polizeimeister Derkatschew er» mordet. Wie gewöhnlich wurde diese Tat den revolutionären Organi- sationen in die Schuhe geschoben, obwohl sie ausdrücklich erklärten, sich daran nicht beteiligt zu haben. Vielmehr geht aus vielen Um» ständen hervor, daß dieser Mord von der„Schwarzen Bande' ver» übt wurde aus Rache dafür, datz Derkatschew einen auf den 21. März festgesetzten Pogrom nicht zugelassen hatte. Nach seinem Tode setzte die antisemitische Agitation mit erneuter Kraft ein. An ihre Spitze stellte sich der wegen Erpressung und Bestechlichkeit schwer vorbestrafte Polizeipristaw Scheremetjew, der öffentlich prahlte, keinen Juden am Leben zu lassen! In der Stadt wurden Aufrufe der „Schwarzen Bande verteilt, in den umliegenden Dörfern wurden Hooligan» angeworben und mit Waffen versehen. Auch die Soldaten bearbeitete man in entsprechender Weise. Ein Dollxrt schreibt in der Wilnaer„Volkszeitung":„Der Pogrom ist in den Kasernen vorbereitet worden. Eine ganze Woche vorher wurden die Soldaten gegen die Juden aufgehetzt. ES war befohlen, sich zum Donnerstag bereit zu halten, um auf die Juden loszuschlagen. Sie zu morden und auszuplündern fei die Aufgabe eines Soldaten.' Di« Polizei rührte keinen Finger, um dem verbrecherischen Treiben Einhalt zu tun. Die Bevölkerung war in Schrecken. Eine Abordnung der judischen Gemeinde eilte zum Gouverneur K i st e r mit der Bitte um Schutz. Aber blutiger Hohn wurde ihr zur Ant» wort:„Ich verstehe vollkommen die Lage der Polizeibeamten, die alle Tage erschossen werden. Ich glaube, etwa» jüdisches Blut würde nichts schaden; als man voriges Jahr 40 Juden erschossen hatte, war es nachher ein halbes Jahr lang still."— Der gefürchtete Donnerstag kam heran. Um 1 Uhr zogen die beiden Prozessionen ruhig durch die Straßen.—- Plötzlich— an der Ecke der Jnstitutskaja und Alexandrowflaja— ertönte das Geschrei: Rettet Euch! Jud«'~ Wie gerufen er haben encn Soldaten. Bomben' geworfen! Schlagt siel Aber anstatt die paar Dutzend auf di« jüdischen Häuser stürzten, zu vertreiben. Hooligan», die st_ WWW begannen die Soldaten zuerst in die Fenster in die sich in namenlosem Schrecken flüchtenden Juden zu der Häuser und dann i Von der Alexandrowflaja allein brachte man 14 Tote und 32 Ver- wundete ins Krankenhaus. Während so die Soldaten die Straßen tum Litdea läubecten, aeiflßjkö He HvpllMls He Sppthde Lea 6*peditiom GW. 68» Lindenstrasse 69. flernspreeher: Amt IV. Nr.»SS4. Knobelsdorf und die benachbarten Häuser. Von der Alexandrowflaja breitete sich der Pogrom auf die nächstliegenden Straßen aus. Auf der Jnstitutflaja, Lipowaja, Schossejnaja, Nikolaewflaza wurden alle jüdischen Läden demoliert, die Besitzer, die sich zu verteidige» suchten, ermordete Das Militär stand ruhig dabei und schoß auf jeden, der zum Fenster hinaussah oder sich auf die Straße wagte. Um 6 Uhr kam der Gouverneur aus Grodno. In seiner Anwesenheit hörte das Morden und Plündern auf. Aber kaum war er nach zweistündigem Aufenthalte wieder fort, da griff das Rasen der Hooligans und des Militärs mit erneuter Kraft um sich. So dauerte eS die ganze Nacht fort. Freitag« früh gelang es dem Dr. KajgorodSky, sich mit Lebensgefahr zum Polizeimeister durchzu- schlagen. Er zeigte ihm das inzwischen angekommene Telegramm des Dumaabgeordneten Bramfon: der Minister Stolypin habe be» fohlen, mit allen Mitteln die Ruhe wieder herzustellen. Zynisch erwiderte der uniformierte Henker, indem er auf ein winziges Häuflein Hooligans wies:„Was wollen Sie? Wir sind zu schwach, um mit ihnen fertig zu werden; sie fordern, daß man ihnen erlaube, sich an den Juden zu rächen.' Dabei operierten in der Stadt nicht mehr als ISO Hooligans, auf den Straßen aber befanden sich 12 Kompagnien Infanterie und einige Eskadronen Dragoner. Doch nach der Meinung des Generals BugajowSky bestand die Aufgabe des Militärs nicht im Schutze der Juden, sondern in der Unterstützung der Polizei. Diese aber bsteiligte sich eifrig am Pogrom und wurde somit vom Militär dabei unterstützt. DaS Morden und Plündern dehnte sich nun auf die Vororte aus. Hier wurde die ganze Familie des Lehrers Weinstein ermordet: Vater, Mutter, zwei Söhne und eine Tochter. Ihnen wurden die Hände zugebunden, bei lebendigem Leibe Nägel in den Kopf gejagt. sie wurden mit Messern gestochen, die Frauen wurden geschändet. n derselben Straße beschossen die Soldaten des 12. Mariupoler iegiments die Fabrik von Podljaschuk und töteten dabei 7 Arbeiter, die dort wohnten. Die Sägemühle von Hepper wurde in Flammen gesteckt und 6 Arbeiter, die sich retten wollten, erschossen. Aus dem Bahnhofe spielten sich schreckliche Szenen ab. Alle durchreisenden und ankommenden Juden fielen den Hooligans in die Hände. Am Donnerstag waren 7 Juden mit dem Zuge nach Bjalystok gekommen. unter ihnen ein ehemaliger Soldat, der mit vielen Medaillen und Kreuzen geschmückt war. Dank diesen seinen Dekorationen wurde ihm daS Leben geschenkt. Die sechs anderen aber wurden vor de« Augen der Offiziere mit Steinen geschlagen und mit Stricken ge» würgt. Am Freitag fielen IS Juden in ähnlicher Weise den Sol» baten und den Hooligans zum Opfer. Ein jüdischer Maurer wurde mit Nägeln an die Wand geschlagen und erst dann erschossen! Auch am Sonnabend ging das Gemetzel in der Stadt weiter vor sich.— Die Bevölkerung lag zittemd in geheimen Winkeln der Häuser verborgen, und sie war dem Verhungern nahe: auf der Straße knatterten die Schüsse, schwoll das wilde Geschrei der Hooli« 8 ans. Vergebens suchte der von den revolutionären Parteien organi» erte Selbstschutz, die Bevölkerung zu retten. Nur in wenigen Fallen glückte es ihm. in Straßen, wo das Militäraufgebot gering war, durch einzelne Revolverschüsse ganze Banden von Hooligan» zu zerstreuen. Aber in den meisten Fällen mußte der Selbstschutz der bewaffneten Uebermacht weichen; denn das auf den Straße» postierte Militär hatte sich ja den Schutz der Hooligans zur Aufgabe gemacht, und sowie der Selbstschutz sich auf der Straße zeigte, wurde er von allen Seiten beschossen. Hieraus erklärt sich die Erscheinung, daß gerade d i e Straßen, die am stärksten mit Militär besetzt waren, am meisten gelitten haben und daß umgekehrt die Straßen, in denen lein Militär vorhanden war, beinahe unveisehrt blieben. Merkwürdig ist eS, daß die Surascher Straße, der Mittelpunkt der revolutionären Arbeiterschaft, vom Pogrom unberührt blieb. Aus Furcht vor den Revolutionären wurde sie von den Hooligans und dem Militär ängstlich gemieden I— Erst am Sonntag ward es ruhig in der Stadt. Das beste viertel ist zerstört, die Laden sind ausgeplündert, auf den Straßen liegen zerschlagene Möbel, Waren; das Pflaster ist mit Federn und frischem Menschenblut bedeckt. Die Wagen des Roten Kreuzes bringen die Toten und die Verwundeten ins Krankenhaus. Am Sonntag lagen dort bereits 76 Leichen zur Rekognoszierung ausgestellt. Ein Jammer ohne- gleichen schwebt in der Luft: Hier findet eine Mutter ihr Kind. ein Mann seine Frau, ein Sohn seinen Vater. Die Leichen sind furchtbar verstümmelt, viele nicht zum Erkennen. Da liegt die Familie Weinstein mit Rägelspuren, dort ein junger Mann, dem man einen dicken Stock in den Mund hineingetrieben hat, da ein anderer mit zerschmettertem Kopfe, hier eine Mutter mit ihrem Säugling, beide von Messerstichen getötet. Die meisten haben ihr Leben durch Ba- jonette und Gewchrschüsse eingebüßt. Die verwundeten bieten ein schreckliche« Bild: EinjungerMann ist von mehr«IS 20 Bajonettstichen durchbohrt, einem Kinde sind beide . ände abgehackt, einem anderen die Fützchen durchschossen usw. Die meisten Verwundeten sind dem Tode nahe. Insgesamt hat man bis jetzt an 100 Tote und ISO Verwundete festgestellt. Die wirkliche Zahl ist aber ohne Zweifel viel größer.... Ist es noch nötig, die Frage zu stellen, wer diese Schrecken. diese Greuel, die selbst in der mittelalterlichen Inquisition ihres- gleichen suchen, über die unglückliche Stadt heraufbeschworen hat? Kann man noch darüber zweifeln, in wessen Interesse eS war. die falschen Meldungen von Bombenwürfen gegen die christliche Pro- Zession unter die Masten zu schleudern? Die Reaktion greift zu den letzten Mitteln: sie gibt sich nicht mehr die Mühe, ihre finsteren Ränke im Geheimen zu schmieden, sie verbirgt sich nicht hinter dem Rücken deS fanatifierten Pöbels, sie bedient sich offen des Militärs, um über die wehrlose Bevölkerung herzufallen. ES ist schon kein Pogrom mehr, sondern eine militärische Straf« Expedition. Es ist keine Volkserhebung gegen die Revolution, sondern ein bewaffneter Ueberfall der Regierung auf die Bevölkerung. ES sind die letzten Todeskrämpfe eines Regimes. daS seinem Ende entgegensieht. Schon hört man da? dumpfe Grollen des BolkSzornS, schon wird der Boden, auf dem sich die Selbstherrschaft noch sicher wähnt, von unterirdischen Stößen der Volkserhebung durchzittert— eS naht der Tag des Volksgerichts über die Unterdrucker, und in der endlos langen Reihe der Verbrechen des Zarismus wird auch Bialystok hundertfach vergolten werden l »«» Bon der Streikbewegung. KutaiS, 22. Juni.(Meldung der PeterSbmge« Teleqrvpyen»« Agevtur.) Geltem sind in Tfchiatmg. dem Zentrum dk W-' ßtwinnung, alle Arbeiter, 20 000 an der Zahl, wegen Nichtbewilligung Von Löhnforderungen in den Ausstand eingetreten. Petersburg, 23. Juni.(W. T. B.) Der Ausstand der Bäcker dauert fort; nachden, seit mehreren Tagen bereits die Herstellung von Weizenbrot eingestellt ist. hört von heute ab auf Forderung der Ausständigen auch die Herstellung von Roggenbrot auf. Einige Bäckermeister, die selbst den nötigsten Bedarf für ihre Kundschaft backen wollten, wurden von den Ausständigen gezwungen, den Betrieb einzustellen; daS vorhandene Brot wurde von den Aus- ständigen mit Petroleum Übergossen. Die Militärbehörde hat der Stadtverwaltung die Militärbäckereien zur Verfügung gestellt, doch können diese täglich nur 2000 Pud Brot backen, also etwa 80000 von den l'/z Millionen Einwohnern mit Brot versorgen. Auch der Mangel an Fleisch nimmt täglich zu, die Preise sind m raschem Steigen begriffen. Die Blätter halten die Nachricht von dem Vorhandensein der sibirischen Pest im Petersburger Bezirk aufrecht. Wieweit die Nachrichten richtig sind, entzieht sich nach dem neulichen Dementi der Petersburger Telegraphen-Agentur der Beurteilung. Von allen Seiten werden heute wieder partielle Ausstände, Agrarunruhen und Gärung unter den verschiedensten Truppenteilen im Reiche und in Petersburger Regimentern gemeldet. Petersburg, 23. Juni. Hier steht ein Streik der Polizisten in Aussicht. Behufs Paralysierung des Bäckerstreikes werden Reservisten, welche gelernte Bäcker sind, zur Dienstleistung in den Militärbäcke« reien einbenffen. Petersburg, 23. Juni.(B. H.) Nach hier eingelaufenen Mel- düngen nimmt die Erregung unter der Arbeiterbevölkerung in den verschiedensten Provinzen auf das bedenklichste zu. so daß schlimme Ereignisse befürchtet werden. Baku, 23. Juni. In den hiesigen Naphthagruben wurde der Generalausstand proklamiert. DaS Heer! Scherl bringt folgendes Privattelegramm: Odessa, 23. Juni, 2 Uhr 35 Minuten nachmittags. Die schon seit einigen Tagen in der hiesigen Garnison herrschende Aufregung führte heute zu einem Streik im Lublin-Regiment. Die Soldaten fordern bessere Behandlung und Erleichterungen in ihrer wirtschaftlichen Lage. Auch in anderen Regimentern finden täglich Soldatenversammlungen statt. Bei dem RcichSbumamitglied TeSlja erschien eine 10 Man» starke Militärdcputation, die ihm im Name» der Petersburger Garnison erklärte, dah die meisten Soldaten gern bereit sind, die Reichsduma im Kampfe gegen die russische Negierung zu unterstithcn. Aus dem Kaukasus. Petersburg, 23. Juni.(B. H.) Die letzten Meldungen über die gestrigen Unruhen im Kaukasus besagen, dasi diese einen grosien Umfang annahmen. In Soucha beschofc Artillerie die Stadt und die umliegenden Dörfer. Im Gouvernement KurSl brannten Bauern die Wälder nieder und töteten das Lieh. ?? Petersburg, 23. Juni.(B. H.) Seitens des Zaren stehen wich tige Kundgebungen bevor. Unter anderem wird PobjedonoSzew ein Manifest betreffend die Agrarfrage dem Zaren unterbreiten, das in Bälde zur Veröffentlichung konimen soll. Kattunmaulkörbe für GutSarbeiter. Trotz der drohenden Bauermmruhen fühlen sich manche russische Gutsbesitzer noch so mächtig und selbstherrlich, daß in ihrer Wirt- schaft die rigorosesten Mastnahmen zu finden sind. So herrscht auf den Gütern des bekannten Adelsmarschalls und Reichsrats- Mitgliedes Fürsten Trubetzloj ein Regime, daS bei den jetzigen Verhältnissen in Rußland Erstaunen erregen muß: Der Arbeitstag wird schon seit einiger Zeit auf 21 Stunden be- messen, wobei die Eßpausen mehr als zu knapp berechnet sind und die Beköstigung selbst erbärmlich ist. Ruhepausen gibt eS überhaupt nicht. In den im C h e r s o n e r Gouvernement liegenden Obst- und Weinanlagen dieses Fürsten werden allen Arbeitern Kattunmaulkörbe angelegt, die am Hinterkopf befestigt sind, um einem etwaigen Naschen der Arbeiter einen Riegel vorzuschieben I Dabei ist den Arbeitem strengstens verboten, diese Schutz- Vorrichtungen selbst abzunehmen; vielmehr müssen sie sich jedes mal, sobald sie Durst haben, an den betreffenden Aufseher wenden. vor dessen Augen der Maulkorb alsdann für die Zeit des Trinkens abgenommen wird._ poUtilchc üeberlicbt. Berlin, den 23. Juni. Unser Sieg in Hannover. r Aas Hannover wird uns geschrieben: Die Zusammenstellungen des Wahlresultates durch den sozial demokratischen Wahlverein haben endgültig folgendes Ergebnis ge- zeitigt: 1306 Brey(Soz.) 31053 Fink(natl.) 17 030 Dannenberg(W.) j 10 871 Srzberger lg.) 2 415 Holzgrefe(B.) 194 Zersplittert— 150 1803 29 381 10 941 9 659 2 907 Freis. 727 Natsoz. 188 Zerspl. 64 Zusammen. 62 613 53 867 ES haben also 8746 Wähler mehr gewählt als 1903. Unsere Stimmenzahl ist um 2572 gewachsen, die Nationalliberalen gewannen. da diesmal die Freisinnigen und Nationalsozialen gleich für den Nationalliberalen eintraten, bei Einrechnung der damals ab gegebenen Stimmen 5174. absolut 6089 Stimmen. Der Welse erzielte ein Mehr von 1212 Stimmen, dagegen büßte daS Zentrum 492 Stimmen ein. Betrachtet nian das Wahlresultat rein zahlenmäßig, so ist die diesmalige Zunahme der Stimmen, seit wir das Mandat besitzen, die geringste, da» Wachstum betrug nie unter 3000 Stimmen. Wir erhielten 1834: 8 839, mehr gegen die vorige Wahl 3324 1887: 12 210,. 3371 1890: 15 789,„. 3679 1893; 19538,„.. 8749 1898: 26045,..„... 5507 1903: 29 331...... 4338 •tn 1906: 81953,, 2572 Diese Zahlen beweisen das stetige Fortschreiten der sozial- demokratischen Bewegung, und das allein wird gegen jede Ber- kl�merungssucht der Gegner ausschlaggebend fem. _ Der Sieg in Hannover ist aber nicht zahlenmäßig zu schätzen, sondern zu wägen. Schon der Wahlkampf selbst, über den an dieser Stelle mehrfach berichtet ist, stand in gar keinem Verhältnis zu früheren Kämpfen. Der Kampf am Wahltage selbst war ein bisher in Hannover noch nie gesehener. Auf den Straßen standen eine große Anzahl Leute mit Plakaten, die folgende Aufschrist trugen:.Heute ist ReichStagSwaHl. Sie haben noch nicht gewählt. Geben Sie sofort Ihre Stimme ab für einen bürgerlichen Kandidaten I* Bei der letzten Wahl saßen im Wahllokale nur sozialdemolratische und welfische Listenführer. Diesmal hatte der Bürgerausschuß sich etabliert mit einem Nummernverzeichnis, das zwanzigmal durch- geschrieben werden konnte und olle halbe Stunden von mittags ab im Wahlbureau des Bürgerausschusses gesichtet wurde. Für samtliche Wähler lagen fertige Kuverts da mit Schleppkarten. Wer gewählt hatte, dessen Kuvert wurde herausgenommen, mit. den anderen zog eine Schar von Beamten los, um die Leute zur Wahl zu holen. Trotz dieser gewaltigen Anstrengungen sind etwa 16 000 Wähler zu Hause geblieben I Allerdings ist erreicht worden, daß diesmal statt 73 Proz. 80 Proz. der Eingeschriebenen gewählt haben. Vor nichts schreckte das fanatifierte OrdnungSwählertum zurück. Automobile und Droschken waren in großer Anzahl im Betrieb. Nur einiges sei hier mitgeteilt: In einem Wahllokal in der Stadt Hannover fuhr ein Kranker vor, beziehungsweise wurde vorgefahren: er konnte nicht herauskommen. Man brachte ihm ein Wahlkuvert ans Auto und der Wahlvorsteher kam mit der Wahlurne heraus und ließ das Kuvert einstecken. In einem anderen Lokal erschien ein Backfisch, erbat sich ein Kuvert, da ihr Vater krank sei und nicht kommen könne. DaS Kuvert wurde verabfolgt. Nach einiger Zeit kam daS Mädchen zurück und gab dem Wahlvorsteher daS Kuvert, der es in die Urne warf. Ein anderer Ordnungswähler hielt im Auto auf der Straße vor dem Wahllokal, schickte seinen Diener hinein und ließ den für sich wählen. Ein Dienstmädchen oder die Tochter eines anderen Wählers kam an den Wahltisch; ihr von Rheumatismus geplagter„Herr" oder Vater stand vor dem Wahllokal- eingang. DaS Mädchen ging in die Dunkellammer, steckte den Wahlzettel ins Kuvert und gab es unter Zustimmung ihres„Herrn' oder Vaters dem Wahlvorsteher I Auch dieses Kuvert kam in die Urne I Als unsere Genossen protestierten, sagte der Wahlvorsteher: Nicht emmal Mitleid haben diese Menschen!— Doch genug hiervon. In schreiendem Gegensatze zu diesen Vorkommnissen stand die Behandlung unserer Genossen im Landkreise. In vielen Dörfern wurden die zur Beobachtung der Wahlhandlung beorderten Genossen einfach an die frische Lust befördert.„Wir lassen uns nicht kontrollieren I' war die Antwort der wütenden Wahlvorsteher. Einem anderen Genossen wurde gesagt:„Was wollen Sie hier 1"— Ich bin von der sozialdemokratischen Partei beauftragt——— weiter kam er gar nicht, da erscholl ihm ein wutschnaubyrdes: R r r a u S! dröhnend entgegen. Er mußte sich fügen, wollte er nicht Bauernfäuste verspüren.. Beschwerden waren nutzlos. Der Wahltommissar war auSgeautelt, sein Stellvertreter war nicht zu finden und der Landrat, an den man sich wegen der Exmittierung unserer Genossen wandte, sagte, er habe die Wahlvorsteher angewiesen, jeden Wähler, der sich als Wähler legitimieren könne, im Lokal zu belassen. Eine Kontrolle sei auch nicht nötig, da die Wahlvorsteher vertrauenswürdige Leute seien. Betrachtet man unter diesen Umständen den Sieg unserer Partei, so können wir mit dem Erfolge zustieden sein.„Stichivahl gibt'S unter allen Umständen!' rief der BllrgerauSschuß triumphierend. Als daS.Wahlresultat bekannt war, sagten die Wahlmacher des Bürger� tumS:„Das war ein entsetzlicher Reinfall I' Diesen Prahlhänsen den Mund gestopft zu haben, daS ist ein Nebenerfolg des Kampfes. Mag auch da» zahlenmäßige Ergebnis hinter manchen Erwartungen zurückgeblieben sein, die Niederringnng einer OrdnungSmeute, die, um mit Goethe zu reden, eine Ausgeburt von Dreck und Feuer war, ist ein Erfolg, der unS freuen darf. Mögen andere Wahlkreise den hannoverschen Genossen nacheifern. � � Die bürgerliche Presse ist natürlich äußerst entzückt über den starken Zuwachs der bürgerlichen Stimmen und erzählt ihren gläu bigen Leser, daß es gelungen wäre, eine Stichwahl herbeizuführen, wenn die Weifen nur nicht die Nationalliberalen in so gehässiger Weise bekämpft hätten, denn dann wären noch mehr bürgerliche Wähler zur Wahl geschritten. Aber auch so, versichern sie, sei das Resultat erfreulich und zeige, daß eS einmal gelingen lönne, die Sozialdemokratie zu tverfen. Gönnen wir ihnen die Hoffnung und arbeiten wir weiter. Daß das Wachstum der Bürgerlichen lein organisches ist, daß es nur außerordentlichen Anstrengungen zu verdanken ist. zu denen die Gegner bei einer allgemeinen Wahl kaum imstande wären. ist leicht einzusehen. Die Rechnung auf die Nichtwähler wird fie enttäuschen. ES wird immer ein Teil der Wahlberechtigten nicht wählen, einesteils weil nach Anferttgung der Wählerlisten zahlreiche Personen auS dem Wahlkreise ziehen und andere durch Krankheit, Reisen usw abgehalten sind. Anderenteils aber setzen sich diese Nichtwählenden aus Indifferenten zusammen, die keiner Partei angehören, und die schlechterdings nicht an die Wahlurne zu bringen sind, die deshalb auch nicht als Reserven der Ordnungsparteien gerechnet werden dürfen. Die Enttäuschung der Gegner muß übrigens recht groß sein, denn die OrdnungSblätter haben eine Meldung passieren lassen, die sie bei ruhiger Ueberlegung nicht hätten aufnehmen können Aus Hannover hat ihnen nämlich ein besonders Schlauer tele« graphiert, die Wahl müsse für ungültig erklärt werden, weil die Wählerlisten gar zu mangelhast aufgestellt worden sein. An einzelnen WahlbureauS hätten deshalb bis über 100 Wähler als nicht eingewogen zurückgeschickt werden müssen. In einem einzigen Hause seien zum Beispiel von sechs Wählern fünf nicht eingetragen gewesen. Selbst jahrzehntelang ansäsfige Bürger seien dadurch von der Wahl ausgeschloffen worden. Geg diese von der Polizei besorgte Aufstellung der Wählerlisten werde außerdem Beschwerde beim Reichskanzler und beim Minister des Innern eingelegt werden. Man könnte eigentlich von politischen Blättern so viel Kenntnis des Wahlgesetzes verlangen, daß fie den Unsinn dieser Meldung'selbst erkennen könnten. Mangelhafte Wählerlisten find kein Grund zum Wahlprotest. Wer sich nicht um seine Einwägung bekümmert, der darf sich nachher nicht beklagen, wenn er nicht wählen darf. Diese Hoffnung auf die Umswßung des fozialdemowatifchen Wahlsieges dürfen die Gegner also ruhig begraben. Wie die Hoff- nung auf das Mandat Hannovers überhaupt. „ Biersteuer-Krakeel. BierkrcÄmlle, wie sie einst in Bormärztagen die Ordnung Münchens gestört haben, hat die neue Biersteuererhöhung zwar noch nicht zur Folge gehabt. Aber Unruhe hat sie schon genug verursacht, allerlei Katzbalgereien und Ketzereien. Brauer und Gastwirte suchen jeder die Belastung loszuwerden und sie dem andern zuzuschanzen. und beide zeigen dabei nicht übel Lust. die Steuererhöhung zum Bor- wand einer Extraschröpfung des Publikums, zur Erhöhung ihres Profits auszunutzen. Auf der Tagung der Gastwirte wird der Regierung und den Steuerparteien, den Konservativen, Nationalliberalen und dem Zentrum, furchtbare Rache gc- schworen und entdeckt, daß eS auch Mittelstandspolttiker gibt, die sich nicht genieren, den Mittelstand zu schädigen. Frei- sinnige Blätter treten für das Recht der Großbrauereien auf unbeschränkten Bierwucher ein und ein königlich preußischer Landrat entrüstet sich über die Preissteigerungen und fordert zum tättaen Widerstand gegen unberechtigte Ausbeutung auf. Ein lustiges Durcheinander, wie eS schöner kaum gedacht. werden kann, wobei indes die Zuschauer nicht zur reinen Freude des lachenden Dritten kommen, da sie schließlich die Kosten des Schauspiels zu tragen haben. Auf dem deutschen Gastwirtstage, der dieser Tage zu Essen tagte und dessen Beschluß zur Frage der Biersteuer- abwälzung wir registriert haben, ist es zu einigen heftigen Reden gegen die Reichstagsmehrheit gekommen. Referenten und Diskussionsredner empfahlen dringend, sich bei den nächsten Wahlen„die Kandidaten anzusehen". Die Biersteuer- statteten wurden böse gezaust und besondere Klage darüber erhoben, daß auch Mitglieder der famosen Mittelstands- Vereinigung für die Steuer gestimmt haben, die zur Ber- nichtung eines bedeutsamen Gliedes des Mittelstandes, des Gastwittestandes führen müsse. Wenn nicht einmal mehr auf die Mittelstandspolittker Verlaß ist, wohin soll der Mittel- standsmann dann gehen, etwa zur Sozialdemokratte? Un- denkbar für einen guten Patrioten und begcistetten Verehrer deS Privateigentums, trotz oder gerade weil es vor der Expropriation steht. Glücklicherweise konnte Herr Reichstags- Abgeordneter Froelich wenigstens auf sein Patteichen, auf die Antisemiten, verweisen, die die Mittelstandspolittk nicht durch Zustimmung zur Biersteuer verraten haben. Ob das den abgetttebenen Judenfressergaul wieder auf die Beine bringen wird? Wenn die Gastwirte er- leben wollen, daß ihre Erwählten den Anlaß zu neuen Steuern durch Zustimmung zu allen Heeres-, Marine- und Kolonialvorlagen schassen, so sollen sie nur die Froelich und Konsorten wählen! Groß war auch die Entrüstung der Gastwirte darüber, daß die Brauereien die Steuer nicht tragen und gar noch von den Gastwirten mehr heraus haben wollen als sie die Steuererhöhung kostet. Damit haben sie völlig recht. Die Brauereien haben bekanntlich einen Preisausschlag von 2 M. auf den Hektoliter in Aussicht genommen, während die Steuererhöhung selbst für die größten Brauereien nur etwa 1,23 Mark, im Durchschnitt nicht mehr als 1 Mark bettägt. Nun haben aber inzwischen in manchen Orten, so z. B. in K a s s e l, die Gastwitte beschlossen, es den Brauereien nachzutun. Sie erhöhen den Bwrpreis nicht um den Bettag der von den Brauereien vorgenommenen Erhöhung des BierpreiseS, sondern um das Doppelte, nämlich um 4 Pf. pro Liter. Und die Bierverleger des Kreises Stuhm ver- stehen es noch besser; sie verkleinern das Maß der Bierflaschen bei Festhalten des alten Preises so radikal, daß eine Ber- teuerung des Bieres um das Achtfache der Steuererhöhung herauskommt. Das hat den Landrat von Stuhm zu der famosen Erklärung gegen den Bierwucher und zum Aufrufe gegen die Ausbeutung gebracht, der sich höchst sonderbar aus- nimmt in einer Gesellschaft, in der der größte und erfolg- reichste Ausbeuter es am weitesten bttngt! Die Freisinnige Volkspartei hat bekanntlich gegen die Btersteuer gestimmt; indes nicht der Konsumenten wegen, sondern aus Sorge um die Dividenden der Großbrauer. Dieser kapitalisttsche Hintergrund der fteisinnigen Haltung enthüllt sich jetzt, da die Brauereien auf ihren Fischfang aus- gehen. Die zahlreichen Blätter der Partei. darunter die führenden, die„Freisinnige Zeitung" und die„Vossssche Zeitung", verfechten mit Todesverachtung das Recht der Brauer auf Bierwucher. Einem der wenigen fteisinnigen Blätter mit eigener Meinung, der„Berliner Volks-Zeituitg", hat das dieser Tage zu einem heftigen Angttff auf den Nachfolger Richters Anlaß gegeben. Sie bezeichnetes als höchst bedauerlich für die Freisinnige Volkspattei, daß gerade ans ihren Kreiseu heraus den Großbrauereien und ihren vollständig unmotiviettcn und maßlosen Preissteigerungsgelüsten ein Verteidiger erstanden ist in der Person des Reichstagsabgeordneten für Sagan-Sprottau, Dr. Müller- Groß-Lichterft'lde. „Dieses freisinnige Aufsichtsratsmitglied einer Bierbrauerei- Aktiengesellschaft hat es. wie wir kürzlich mitteilten, zustande gebracht, in verschiedenen freisinnigen Provinzialblättern für die geplante abnorme Erhöhung des Bierpreises durch die Brauereien sich gehöttg ins Zeug zu legen. Verschiedene frei- sinnige Blätter haben diese Vetteidigung der Profitgelüste der Großbrauereien, gegen die sich der gesamte Gastwirtsstand und das gesamte Publikum mit vollem Recht auflehnen, ohne Widerspruch mitgemacht. Von keinem anderen Frakttonellcn ist gegen Dr. Müller wegen seines Vorgehens zugunsten der Brauereien Widerspruch erhoben worden. Darf man sich da wundern, wenn in Gastwirtskreisen der Glaube entsteht, die Freisinnige Volkspattei vettrete in dem Kampf um den Bier- preis lediglich die Interessen der Großbrauereien?" Die Frage ist leicht zu beantworten. Aber wer Aufsichtsratsmitglied einer Aktienbrauerei ist. hat eben Verpflichtungen. Das darf die„Volkszeitung" nicht vergessen. Dem Tantteme- Müller muß das Wohlergehen seiner Aktiengesellschaft doch näher liegen als das seiner Partei. Veutlckes Reich, Ein schlaues Manöver. Die Regierung verfolgt mit ihrer in der gestrigen Abendaus- gäbe der„Nordd. Lllg. Ztg." veröffentlichten Notiz über die Ber- letzung der Amtsverschwiegenheit durch Beamte des Kolonialamtes ersichtlich den Zweck, die Aufmerksamkeit von der Puttlamer-Affäre und den lichtscheuen Mißständen in der Kolonialverwaltung abzu- lenken und statt dessen die ganz nebensächliche Frage des Anitsmißbrauchs in den Vordergrund zu schieben. DeS- halb die mit großem Gelärm vorgenommene und an- gekündigte Durchsuchung der Redaktionsräume der„Freisinnigen Zeitung', deshalb die flammende Enttüstung, mit der in der gestrigen Notiz der„Nordd. Allgem. Ztg.' über das„innere Uebel einer deutschen Behörde", über die staatsanwaltschaftliche„Ver- folgung pflichtvergessener Beamten' philosophiert und eine große Reinigung deS Beamtenkörpers der Kolonialabteilung in Aussicht gestellt wird. Durch diese nach allen Regeln offiziöser Vertuschungs- kunst betriebene Mache soll das Publikum veranlaßt werden, sich zunächst mit ber polizeilichen Haussuchung und dem Strafverfahren „wider Götz und Schneider' zu beschäftigen und über den angeb- lichen Amtsmißbrauch dieser Beamten die weit skandalösere Putt- kamer-Angelegenhest zu vergessen. Daß diese Absicht besteht, ergibt sich deutlich daraus, daß die reaktionäre halb- und vierteloffiziöse Presie aus der Aeußerung der „Nordd. Allgem. Ztg.' nicht jene Stellen hervorhebt, welche die ftüheren Angaben der„Freisinnigen Ztg.' und der.Germania' bezüglich des dem Reichskanzler von dem Geh. LegationSrat Rose erstatteten Berichts bestätigen, sondern die Bemerkungen des RegierungSorganS über die Verletzung der Amtsverschwiegenheit, um an diese dann allerlei Aufforderungen zu energischem Einschreiten gegen den unerhötten Amtsmißbrauch zu knüpfen. So schreiben beispielsweise die„Verl. Neuest. Nachr': „Daß im Bcamtenkörper der Kolonialabteilung'zwei Seelen wohnen, über deren Intrigenspiel und Abwehrkämpfen unsere an sich so unglückliche Kolonialpolitil seit langem grenzenloftn Schaden leidet, ist ein offenes Geheimnis. Man muffte sich nur wundern. dah der Augiasstall der Selbstsucht, Streberei und JndiSziplin so lange seine üblen Dünste durchs Reich und ins hämisch zwinkernde Ausland tragen konnte. Jeder Vaterlandsfreund, der zugleich überzeugter Fürsprecher einer gesunden, großzügigen Kolonialpolitik als einer der Grundfesten der Groffmachtstellung Deutschlands ist, wird es deshalb doppelt freudig begrüßen, daß das vom Kanzler angeordnete Strafverfahren oder die in Aussicht genommene Ver- änderung des Beamtenkörpers hierin Wandel schafft." Und«Das Reich" jauchzt urteutonisch: „Man merkt, daß hier mit eisernem Besen gefegt werden soll. Wir können uns dessen nur freuen. Ob aber der Satz, daß nötigenfalls alle Beamten der Kolonialabteilung entlassen werden sollen, in begreiflicher Erregung nicht doch über das Ziel hinaus- schießt? Wir glauben nicht, daß etwas AehnlicheS schon in der Geschichte des Reiches zu verzeichnen war und warnen vor Nervosität. So bitter das Ganze für unser preußisches Ehrgefühl und für unsere Freunde am Wehen der deutschen Flagge in Afrika auch sein mag: im Grunde ist es ein Zeichen von Gesundheit für den Stamm, wenn ungesunde Aeste schonungslos abgeschnitten werden." Auch die Ankündigung der Negierung, daß der Gouverneur b. Puttkamer selbst zur Aufklärung der gegen ihn erhobenen Vor- würfe die Einleitung einer Disziplinaruntersuchung beantragt habe, scheint nur dazu bestimmt zu sein, die öffentliche Meinung zu beruhigen; denn wie die.Dtsch. Ztg." mitteilt, stützt sich der be- treffende Antrag PuttkamerS lediglich darauf. daß ihm eine Bevorzugung der Esserschen Gesellschaft vorgeworfen wird. Höchstwahrscheinlich soll also nur diese ganz nebensächliche Angelegenheit untersucht werden, während die anderen Vergehen Jeskos, darunter die Paßsache, beim Disziplinarverfahren außer Betracht bleiben. Das könitte dem Herrn Gouverneur paffen. Die Regierung wird aber mit dieser unverständlichen Ein- schränkung des Verfahrens gerade das Gegenteil von dem erreichen, waS sie wünscht, denn jeder wird sich sagen, daß nur die Furcht, Herr v. Puttkamer könnte der Regierung unbequeme Enthüllungen machen, letztere zu ihrer Milde und zarten Rücksichtnahme bestimmt. ZcntrumSarvciter gegen ZcntrumSkapitalisten. AuS Dortmund wird uns geschrieben: Die sim„Vorwärts" schon besprochene) Behandlung des Straffen- bahnerstreiks im Stadlparlament und namentlich das Verhalten der Zentruinsführer Zeitunasverleger Lensing und Rechtsanwalt Westhoff haben den Geist des Widerspruchs bei den christlichen Arbeitern ge- iveckt. Nachdem es eine Woche lang gegärt, ist es jetzt zur offenen Rebellion gekommen. DaL christliche Gewerkschafts- kartell hat den Zentrumskapitalisten den Krieg erklärt und die„Tremonia", das offizielle Organ der Zentrumspartei, auf den Index gesetzt. Mittels Flugblätter wurde zu einer großen Protestversammlung ein- berufen, die Dienstag abend auch getagt hat. Das große Lokal war vollbesetzt. Es herrschte schwüle Stimmung. Zwei Referenten waren bestellt, welche beide schweres Geschütz auffuhren. Der erste Redner erzählte, wie er persönlich wegen des S tr e ikbrech e r- inseratS in der„Tremonia" beim Verleger Lensiiig vorstellig geworden sei. Lensing habe die Ausrede ver- sucht, er habe es aufnehmen müssen, weil er laut§ 10 des Preßgcsetzes(Bekanntmachungen von öffentlichen Behörden) dazu verpflichtet gewesen wäre. Auch würden durch das Inserat keine Streikbrecher, sondern nur Sonntagsschaffner gesucht. Für so dumm, derartige Ausreden zu glauben. solle Lensing die christlichen Arbeiter doch nicht halten. Selbst wenn er zur Ausiiahme verpffichtet gewesen wäre, dann hätte er an anderer Stelle unter Hinweis auf das Inserat eine Warnung erlaffen sollen. Dann habe er, Redner, von Lensing verlangt, daß das Zentrum, welches sich von Arbeitern ins Stadtparlament habe wählen lassen, endlich einmal Stellung nehme und den Magistrat wegen des unerhörten Verhaltens den Straßenbahnern gegenüber den Kopf Zurechtsetze. D i e chri stliche Arbeiterschaft verlan/e, daß im Stadtparlament endlich andere Töne geredet würden. Schon im vorigen Jahre beim Bauarbeiterstreik, wo an städtischen Bauten unter großem, polizeilichen Schutz italienische Streikbrecher beschäftigt wurden, habe das Zentrum feine Pflicht versäumt. Lensing habe auch das beste versprochen. dem Magistrat solle mal gründlich die Meinung gesagt werden. Zum größten Erstaunen aller christlichen Arbeiter habe Lensing aberkein Wort gehalten, sondern einen wahren Eiertanz aufgeführt, er habe den Magistrat angegriffen nach dem Rezept: Wasch mir den Pelz, aber mach ihn nicht naß. Leasings Rede sei mehr eine Zustimmung zu dem vom Magistrat beliebten Verfahren gewesen. Geradezu empörend sei das Ver- halten Westhoffs, der den StreikalS Erpressung bezeichnet habe. Dieser Herr Zcntrumsführcr, der prinzipiell niemals eine Arbeiterverfammlung besuche, sei gar nicht kompetent in Arbeitcrsachcn mitzureden. Der christliche Arbeiter sekretär Gronowski habe geredet, wie er als Arbcitervertreter reden mußte. Wenn Gronowski nicht für'S Zentrum geredet habe, wie sich Westhoff zu erflären erdreistete,, dann aber doch sicher für die chnstlichen Ar- beiter, die hinter ihm ständen. Gronowski habe mit Recht den Oberbürgermeister angegriffen und dafür Ordnungsrufe bekonnnen. Wer dieWahrheit sage und den Nagel auf den Kopf treffe, werde zur Ordnung gerufen. Lensing und Westhoff hätten sich die gröbsten Ungehörigkeiten gegen Gronowski erlauben dürfen, ohne zur Ordnung gerufen zu werden. Damit sei nicht nur Gronowski, sondern auch die hinter ihm stehenden christlichen Arbeiten getroffen. Verurteilen müsse man die drei anderen ich ri st lichen Arbeiter im Stadt- Parlament, die mit keinem Worte Gronowski bei- gesprungen seien. Jetzt sei es an der Zeit, daß die christlichen Arbeiter sich auf sich selbst besännen und gründ- lich Wandel schafften. Mit der Preffe müffe begonnen werden. Die„Tremonia" sei kein Arbeiterblatt mehr und die übrige bürgerliche Presse tauge auch nichts. Das Zenwumsblatt„Tremonia" müsse aus jeder christlichen Arbeiterfamilie verschwinden. Der Kampf müsse konsequent durch- geführt werden. Das christliche Gewerkschaftskartell habe bereits einen Vertrag mit dem ,Volksfreund"»Essen und der„Westdeutschen Zeitung'-Essen abgeschlossen. welche beiden Blätter die„Tremonia" ersetzen sollen. Der„Volksfteund" sei für die katholischen, die„West- deutsche Zeitung' für die evangelischen Arbeiter bestimmt. Schließlich wurde dem Stadtverordneten- kollegium ein Mißtrauensvotum. Gronowski ein Vertrauensvotum ausgesprochen. Lensing, der noch in der letzten Stadtverordnetensitzung sich. gebrüstet, daß er seit 30 Jahren mutig den Kampf gegen die Sozial« deniokratie geführt habe, hatte nicht den Mut gefunden, in dieser christlichen Versammlung zu erscheinen und sich zu verant- warten. Freilich hatten auch die Arrangeure der Versammlung nicht den Mut, sozialdemokratischen Rednern das Wort zu erteilen. Inzwischen treffen Nachrichten ein, daß auch auf den Landorten der Geist des Widerspruchs gegen das Zentrum sich bemerkbar macht. In Kirchlinde tagte eine christliche Bergarbeiter-Versammlung, in welcher ein Ausschußmitglied des Gewerkvereins eine scharfe Protestresolutiongegen die Haltung des Zentrums bei der Knappschaftsreform einbrachte. Die Resolution wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen, jedoch die Abstimmung durch sofortigen Schluß der Versammlung vereitelt.— ' Daß die neuen Handelsverträge schädlich wirken, wird öokl den Blättern der Zollwucherpartcicn sehr lebhaft in Abrede gestellt, weil nicht schon schwer fühlbare Stockungen im wirtschaftlichen Kleben zu jizH, W ffiicä /g{$00/ flil Bt> llüd Industrie, gMZ Mbteinslufft dürch die ZolltthohüllM, sich allgemein in flottester Aufwärtsentwickelung befinden. Von einer Abwanderung industrieller Unternehmungen ins Ausland sei keine Rede, wird erklärt. Und doch wirken die neuen Handelsverträge allmählich so, wie von den Gegnern der ZollerMungen voraus- gesagt wurde. Von der Chemnitzer Handelskammer sind Er- Hebungen angestellt worden über die Frage, in welchem Umfange das Inkrafttreten des deutsch-östcrreichischen Handelsvertrages zur Ansiedelung der Deutschen in Oesterreich geführt hat. Danach haben in Weipert, um den durch die Sätze des neuen österreichi- schen Zolltarifs gefährdeten Export aufrecht zu erhalten, zwei Firmen, die in Buchholz in Sachsen ihren Sitz haben. Fabriken größeren Umfanges für Papier und Prägwaren errichtet. Vier Fabriken Plauener Stickereien haben in Weipert neue Etabliffe- ments angelegt, weil diese Artikel der hohen Zollsätze wegen von Deutschland nach Oesterreich voraussichtlich nicht mehr ausgeführt werden können. Jetzt ist der österreichische Bedarf noch durch Vor- export gedeckt. Eine Chemnitzer Trikotagen- und Herrenwäsche- fabrik hat sich in einer Weiperter Fabrik eingemietet. Als wahr- scheinlich wird es bezeichnet, daß noch weitere industrielle Etablisse- ments in Weipert begründet werden; insbesondere sollen Ver- Handlungen mit deutschen Bronzcwarenfabriken schweben. Ueber die Gründung einer Strumpfwarenfabrik in Schmiedcberg in Böhmen durch einen Chemnitzer Industriellen sind Unterhandlungen im Gange. In Teplitz-Schönau wird unter Beteiligung deutschen Kapitals eine Qucbrachofabrik errichtet. Das sind für den Anfang und für einen kleinen Bezirk voll- auf genügend Beispiele von Auswanderung der Industrie. Dabei läßt sich über die Wirkung der höheren Zölle deswegen noch kein vollständiger Ueberblick gewinnen, weil der sehr starke Vorexport noch nachwirkt.—._ „Die allcrernstcsten Bedenken." Die Stadt Jena hat gegen den Widerstand der Haus- agraricr ein Ortsstatut über die Einführung der G r u n d st e u e r nach dem gemeinen Wert aufgestellt. Dabei gingen die Gemeindebehörden von der Ansicht aus, daß die Grundsteuer nach dem gemeinen Wert ein unerläßliches Korrelat der W e r t z u- wachs st euer bildet. Die letztgenannte Steuer sollte also nach- folgen. Im Hinblick darauf, daß die Steuer bereits in etwa 150 preußischen und sächsischen Gemeinden eingeführt ist. erhoffte man auch von der Regierung des Großherzogtums Sachsen- Weimar die Zustimmung. Die Hoffnung war aber eine trüge- rische. Ging schon im Bezirksausschuß das Statut nur mit einer Stimme Majorität durch, so schleuderte es das Ministerium vollends unter den Tisch. Die Entscheidung hat folgenden Wortlaut: Großherzoglich Sächsisches Staatsministerium, Departement des Aeußern und Innern. Wir sind nicht in der Lage, das von den Gemeindebehörden vorgelegte Ortsstatut über Einführung einer Gemeindegrund- stcucr für die Stadt Jena an höchster Stelle zur Genehmigung zu empfehlen. Abgesehen von Einsprüchen eines Teiles der Steuerzahler und dem Votum der Majorität des Bczirksausschuffes bestehen im Ministerium die allerernstesten Bedenken, so lange noch die Grundsteuer für den Staat erhoben wird, eine Grundsteuer neben dieser in den Städten zuzulassen. Zudem stellt die Grund. steuer, wie sie das vorgenannte Ortsstatut plant, eine Vermögens- steuer dar, die nur einem Teil der Einwohner angesonnen werden soll. In Preußen liegen die Verhältnisse ganz anders und können diese zum Vergleich nicht gut herangezogen werden. Da die Stadt Jena gern andere Einnahmequellen sich erschlossen sehen möchte, kann man nur empfehlen, eine Wertzuwachssteuer in irgend einer Form in Erwägung zu ziehen, wie solches schon früher anempfohlen wurde. Entgegenstehende steuertechnische Schwierigkeiten zu beseitigen, würde wohl möglich sein. Während der Abwesenheit des Departementschefs konnte die Angelegenheit nicht gut erledigt werden, da der«Herr Stellvertreter sie dem Abwesenden vorbehalten zu müssen glaubte. Der unterzeichnete Departementschef ist gern bereit, mit dem Herrn Oberbürgermeister die Angelegenheit mündlich zu erörtern. gez. v. Wurmb. Die Begründung stellt die steuerpolitischen Grundsätze dcS Ministeriums in ihrer ganzen Nacktheit dar. Eine Vermögens- steuer, die nur einem Teil der Einwohner angesonnen werden soll, also in diesem Falle wohl dem leistungsfähigeren Teile, ist unzulässig! Mehr kann man vom Bundesrat auch nicht verlangen. Das Betrübende an der Sache ist weiter, daß diese Entscheidung nicht nur die Stadt Jena trifft, sondern sämtliche Gemeinden des GrotzherzogtumS. Ihnen ist die Möglichkeit genommen, den Grund. besitz entsprechend seinem Werte zu den Gemeindelasten heranzu- ziehen. Von einer Selbstverwaltung der Gemeinden kann nach solcher Entscheidung kaum mehr die Rede sein.— Schon wieder Toaste. Das Wolffsche Bureau meldet: Die englischen Journalisten gaben heute abend in der österreichischen Ausstellung ein Diner zu Ehren der deutschen Pressevertteter. Die Toaste auf König Eduard und Kaiser Wilhelm wurden mit großem Enthusiasmus aufgenommen. William Stead toastete auf England und Deutschland, T. P. O'Conttor sprach namens der englischen Journalisten den deutschen Kollegen herzliche Worte der Bewill- kommnung au«. Redakteur Grunwald von der.Vossischen Zeitung" erwiderte und hob hervor. Ivie sehr der Besuch zur gegenseitigen Beseitigung von Mißverständnissen und zur Erleichterung gegen- seitiger Verständigung beitrage.— Immer Fatzke. Die„StaatSbürger-Zeitung", der Zwillingsfötus de«„Reichs", strebt nach Originalität, zwar nicht im polischen Teil, sondern nur in ihren AbonnementS-Einladungen. Nach dem Muster gewisser Ramschgeschäfte fordert ihre„Geschäftsstelle" in folgenden Worten zum Abonnement auf: Haben Sie schon Ihr Lotterielos erneuert? Ja? Das haben Sie nicht vergessen; weit wichtiger ist es aber, rechtzeitig das Abonnement auf die„StaatSbürger-Zeitung" zu erneuern, weil sie zum 1. Juli sonst nicht bei Ihrem Postamt eintrifft.' Trotz seines angeblichen AriertumS scheint das Blatt sich bereits völlig in den Geschäftspraktiken seiner semitischen Antipoden ver- strickt zu haben. Die Extreme berühren sich.— Eine gefährliche Quelle. Wegen MajestätSveleidigung ist gegen den verantwortlichen Redakteur der Bergischen„Arbeiter- stimme" in Solingen Anklage erhoben worden. Er hatte den Dreibundartikel nachgedruckt, den die„Rhein.-Westf. Ztg." aus Anlaß des KaiserbesucheS in Wien brachte.— Bürgerliche Arbeiterfreunbe. Bekanntlich haben die Verbände der Arbeitgeber eine gegen- seitige Versicherung zur Entschädigung bei Streiks gegründet, und mit derselben Heuchelei, mit der uns immer erzählt wird, die furcht. baren Kriegsrüstungen des Reiches gälten nur der Erhaltung des Friedens, schreibt die„Deutsche Arbeitgeber- Zeitung" über diese neue Kriegsrüstung der Unternehmer: „Erst von jetzt ab kann die auf die Sicherung de» Friedens abzielende Kricgsrüstung der Zentrale als der Sachlage vollauf entsprechend angesehen werden. Der segcns- reiche Einfluß dieses wichtigen Vorganges auf die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse im Reiche dürfte sich der gegnerischen Kritik zum Trotz sehr bald in augenfälliger Weise därtun." Dazu bemerkt die„Soziale Praxis", die sich bekanntlich für arbeiterfreundlich hält: „Der Meinung, daß eine starke Arbcitgcberorganisation zur Befestigung deö sozialen Friedens unerläßlich Uh fini» ttit Mex LWefe� mir MW Isis tos aaditia, sin? qtra neu(unerläßliche Bedingung) hinzuzufügen: bökauz. gesetzt, daß die Leitung dieser Organisation. in den Händen eines seiner sittlichen und volkswirtschaftlichen Verantwortung bewußten weitblickenden und diplomatisch klugen Mannes liegt.' Auch aus dieser Kundgebung, wie aus so vielen anderen der bürgerlichen Sozialreformer, erhellt, daß ihr eigentliches Ziel die Erhaltung und Befestigung„des sozialen Friedens" ist. Das ist im wesentlichen nichts anderes als die Erhaltung der be- stehendenZustände, denn jeder ernstlichen Gefährdung ihres Profits widersetzen sich naturgemäß die Unternehmer, und wer dann nicht den Kampf will, dem bleibt nur übrig, auf die Besserung der Lage der Arbeiter zu verzichten. Damit aber diese ihrerseits Ruhe halten, müssen sie durch einige kleine Konzessionen eingelullt und über ihre wahren Interessen hinweggetäuscht werden. So er- weist sich die unter der Flagge der Arbeiterfreundschaft ausgegebene Parole„Befestigung des sozialen Friedens" in ihrer schlicßlichen Wirkung als noch gefährlicher für die Arbeiter, denn das offene Kampfgeschrei der„Arbeitgeber-Zeitung".— Agrarische Bescheidenheit. Die Agrarier erfinden immer neue „berechtigte" Wünsche. Der ständige Ausschuß des Deutschen Landwirtschaftsrates beschloß in seiner heutigen Sitzung, beim Reichs- kanzler zu beantragen, die Getreidemühlen einer staffelfönnigen Be« steuerung zu unterwerfen, derart, daß die Steuer mit der Höhe der Mahlleistung stufenweise zunimmt.— Freisinnige Opfcrwilligkeit. Die„Freis. Ztg." teilt mit: Für die bevor st ehenden Nachwahlen in Hagen« Schwelm und Altena-Jserlohn empfingen wir für den Parteifonds: Von S. H. 1 M.; I. H. 1 M. Weitere Beiträge nimmt gern entgegen die Expedition der «Freisinnigen Zeitung", Berlin SW. 68.— Zu Unrecht verhängte Zeugniszwangshaft. Vor 14 Tagen wurde von dem Schöffengericht Vl in Hamburg der Arbeiter L. wegen Eidesverweigerung zu einer Geldstrafe von 50 M. verurteilt und zur Erzwingung des Eides sofort in Haft abgeführt, die, weil es sich um eine Uebertretung handelte, bis zu 6 Wochen ausgedehnt werden darf. L. ist Schriftführer der Hamburger Freidenkergesellschaft und soll, wie von dem wegen Uebertretung des Vereinsgcsetzcs angeklagten zweiten Vorsitzenden behauptet wurde, den Auftrag erhalten haben, die Versammlung anzumelden. Zum Beweise dafür hatte der Angeklagte den L. als Zeugen laden lassen. L. verweigerte die Eidesleistung mit der Motivierung, er sei Dissident und Atheist und könne daher keine religiöse Eidesformel ablegen, worauf seine Bestrafung und In- Haftnahme erfolgte. L. wandte sich beschwerdeführend an die Strafkammer IV des Landgerichts, die Strafe und Zeugniszwangs- Haft aufhob, weil L. Vorstandsmitglied der Freidenkergesellschaft sei und somit als Beschuldigter in Frage komme. Nach§ 56 der Strafprozeßordnung hätte er unbedingt vernommen werden müssen. L. hat sich mithin 12 Tage unschuldig in Zeugniszwangs- Haft befunden. Da nur bei unschuldig erlittener Untersuchungs- und Strafhaft, nicht aber bei unschuldig erlittener Zeugniszwangs- Haft ein Anspruch auf Entschädigung besteht, kann L. nur auf zivilrechtlichem Wege seinen Anspruch auf Entschädigung gegen des betreffWtzen Amtsrichter geltend machen,---» Husland. Frankreich. Generalstabsgeschichten. > Paris, 21. Juni.(Eig. Ber.) Der ehemalige Kriegsminister General Andrä veröffentlicht jetzt im„Matin" Memoiren aus seiner Ministerzeit, die über das Treiben der klerikalen Clique, die ehedem die Armecleitung be- herrschte, viel neue Details enthüllen. Die hochinteressante Episode Ändre-Murawiesf haben wir unter der Stichmarle«Echt russische Frechheit" unseren Lesern bereits mitgeteilt. Die reaktionäre Presse ist natürlich wütend über diese Eni- hüllung. Da sie aber fühlt, daß sich die Einmischung des russischen Diplamaten in eine innerpolitischc Angelegenheit Frankreichs sowie seine Anmaßung, über die Heeresleitung Frankreichs ein Aufsichts- recht auszuüben, gerade vom GesichtSpunlte nationaler Würde nicht rechtfertigen läßt, versucht sie, den Blick des Publikums von den Vorgängen selbst abzulenken und schreit über den Verrat vo� Staatsgeheimnissen, den Andre durch seine Veröffentlichungen be» gangen haben soll. Wie die Enthüllung Andres die schmachvolle Knechtschaft zeigt, in der sich die Republik gegenüber dem Zarismus befunden hat, so offenbart der Dreyfus-Prozeh. der sich jetzt vor dem Kassationshofz abspielt, von neuem die moralische Fäulnis, die Gewissenlosigkeit und den Fanatismus der Offizierskreise. Juristisch handelt es sich darum, ob daS Urteil von RenneS einfach kassiert werden oder ob Alfred Drehfus noch einmal vor ein militärisches Gericht der- wiesen werden soll. DaS Material für die Kassation ist ganz zweifellos vorhanden. Das allgemein menschliche Interesse aller- dings, das einst das Schicksal des Gefangenen von der TeufelSinsel in den Mittelpunkt der Zeitbegebniffe stellte, kann durch d i e Frage nicht lebendig gemacht werden, ob dem Hauptmann DlehfuS der militärische Rang wiedergegeben werden soll oder nicht. Schließlich ist es auch gleichgültig, ob ein Gericht Drehfus' Unschuld förmlich verkündet, an die die meisten Menschen ohnehin glauben, die anderen aber doch nicht glauben werden, mag man noch so viel Beweis- dokumente vor ihnen ausbreiten. Aber für die Erkenntnis der moralischen Beschaffenheit des Militarismus ist der jetzige Prozeß vielleicht wertvoller als die„Affäre" in der Zeit ihrer Fieberhitze. da das Gebaren der zweifelhaften Gesellschaft, die sich damals als Garde der Mcnschheitsideale präsentierte, zuweilen fast die Neigung aufkeimen ließ, den Verteidigern des Justizmordes mildernde Umstände zuzubilligen. Aus den sachlichen Verhandlungen vor dem KassationShofe schöpft kein Sensationshändler profitable ethische Ergießungen, aber der nüchterne Katalog der Fälschungen. Wahrheitsbeugungen und Verschweigungcn, die aufgerollten Bilder aus dem hehren Soldaten- dasein gebe» eine unvergleichliche Orientation für den verschlossenen Garten, danft�ine der feinsten Blüten unserer kapitalistischen Gc- sellschaft tvächst> Finnland. Oeffentliche Ehrung eines Attentäters. Zwei Jahre sind verflossen, seit Eugen Schauman den Ver- haßten Generalgouverneur Bobrikoff, den schlimmsten Tyrannen. unter dem Finnland je zu leiden hatte, niederstreckte und sich dann selbst den Tod gab. Das finnische Volk hält SchaumanS Andenken in Ehren. An seinem Todestage, dem 16. Juni, wurde»»«us seinem Grabe zu Borga Kränze in gewaltigen Mengen nicdergctkgt. Mehrere finnische Zeitungen priesen seine Tat als die Einleitung zur Erhebung Finnlands aus der russischen Knechtschaft. Patriotische Feste wurden zu seinen Ehren in HelsingforS und an ,neh«rcn anderen Orten gefeiert.—, Amerika. Ein neues Naturalisationsgesetz ist vom Kongreß angenommen worden, das die Erlangung des Bürgerrechtes in den Vereinigen Staaten etwas mehr erschwert. Das ist schon lange der Wunsch� in gewissen Kreisen. Es stand bisher jedermann frei, amerikanischer Bürger zu werden. Nach zweijährigem Aufenthalte im Lande konnte man das sogenannte„erste Papier" erhalten, d. i. eine Be- scheinigung, daß man seine feste Absicht kundgegeben habe, im Lande zu bleiben und Bürger zu werden. In manchen Staaten konnte man daraufhin schon das Wahlrecht ausüben, und auch bei städtischen Wahlen wurde das„erste Papier" oft als Legiti- mation anerkannt. Nach fünffjährigem Aufenthalt erhielt man dann das„zweite Papier" und war als Bürger anerkannt. In vielen Staaten mußte der Bürgerrechtskandidat erst ein kleines Examen vor dem Richter bestehen, um zu zeigen, daß er den Wert der Vttsaliuvg bet Lexesilllfte» Staaten auch voll zu tvüldigcu tSJjjSi'— A Regelmäßig werden kurz vor den Wahlen die Richter bestürmt, Achtung, Arbeiter! Parteigendffen! Die organisierten jarbeit 2,75 M. Tüchtige Arbeiter finden im Laufe der Bürgerpapiere in Massen ausfertigen zu lassen, und nicht selten Brauereiarbeiter der Aktiengesellschaft zum Betriebe von Zeit Gelegenheit, auch an solche Arbeiten zu kommen, bei denen wird viel Schwindel dabei getrieben. Nach dem neuen Gesez dürfen Brauereien, vormals Brauerei von Gebr. Schönbed in Neu- Ruppin, sich die Tagelöhne durch Prämienzusätze(!) entsprechend der ge in den 30 Tagen vor den allgemeinen Wahlen keine Bürgerbriefe befinden sich im Streit, weil von ihnen der Austritt aus der Orga- leisteten Arbeit noch bedeutend( 1) erhöhen. Für junge mehr ausgegeben werden. Ferner wird ein Naturalisationsbureau nisation gefordert wurde. Am 9. d. M. wurde von einer öffents Burschen( 1) von 16 bis 20(!) Jahren ist der Lohn entsprechend in Washington gebildet, dem alle Gesuche zu unter- lichen Gewerkschaftsversammlung in Neu- Ruppin der Boykott über geringer." breiten sind. Wer Bürger werden will, muß wenigstens das Bier der Brauerei berhängt. Die genannte Firma betreibt in 90 Tage vorher ein Gesuch einreichen, ehe ein zuständiges Gericht Berlin NW., Stephanstraße 15, eine Niederlage.( Siehe auch über das Gesuch entscheidet. Die Kenntnis der englischen Sprache heutige Annonce unter Arbeitsmarkt.). wird verlangt. Ueber die Gründe, welche zur Schaffung des neuen Gesetzes mitwirkten, schreibt die„ New Yorker Volkszeitung": " Die Erschwerung der Naturalisation hängt zusammen mit der Erschwerung der Einwanderung. So sehr auch unserer herrschenden Klasse die Zuwanderung billiger Arbeitskräfte erwünscht ist, so wenig ist ihr der aufrührerische Geist, find ihr die sozialistischen Ideen erwünscht, die diese Einwanderer mit fich tragen und mit denen sie nach und nach auch die amerikanische Arbeiterklasse durch sezen. Sie glauben zum Teil immer noch daran, daß der Sozialismus etwas" Unamerikanisches" ist, daß er von außen nach hier getragen wird, nicht, daß er aus der wirtschaftlichen Entwidelung hier im Lande selbst entspringt. Und das ist einer der Gründe, die die Anstrengungen unserer herrschenden Klasse in bezug auf die Beschränkung der Einwanderung, auf Erschwerung der Naturalisation erklären." Gewerkschaftliches. Butige Stadtväter. Die Gebr. Ellern, Fürth, besigen in dem oberfränkischen Städtchen Stadtsteinach eine Papierfabrik. Die Arbeitsverhältnisse sind traurige ( 12stündige Arbeitszeit bei Löhnen von 1,60 bis 1,80 M.), aber die Herren sind fromm. Und sehr entrüstet war der Herr Kaplan, als er bernahm, die Arbeiter seien unzufrieden. Flugs gründete er einen katholischen Arbeiterverein, damit die Arbeiter nicht dem Teufel Sozialdemokratie verfallen würden. Das konnte der Firma paffen, als aber der Unzufriedenheit nachgebend, die Vereinsleitung etwas crbitten wollte, war's vorbei mit der Gnade. Einem christlichen Arbeiterfekretär, der vorstellig werden wollte, wurde die Tür gewiesen. Die Behörde stellte sich auf Seite der Unternehmer, sogar die getreuen Ehehälften der behördlichen Spigen, die Frau Bürgermeisterin und die Frau Bezirksamtmännin, stellten sich in den Dienst der Unternehmersache, indem sie Streitbrecher zu gewinnen suchten. Schließlich hielt sich auch noch der Stadtmagistrat für bemüßigt, seinen Senf dazu zu geben, indem er in der dortigen Zeitung folgenden Ukas erließ: Erklärung. In Sachen der Streitbewegung der Ellernschen Fabritarbeiter gab die Stadtverwaltung ihre Stellung zu dieser Frage in dem Beschluß vom 27. d. Mits. mit Einstimmigkeit fund. Derselbe lautet: Zwischen der Arbeiterschaft der Ellern'schen Papierfabrik und der Betriebsleitung derselben sind Differenzen entstanden, die vorzugsweise infolge Beeinflussung der Arbeiter von einer Seite, bon der man es am allerwenigsten erwarten sollte, zum Streit eines großen Teiles der Arbeiter führten. Die Stadtgemeindeverwaltung ist der Anschauung, daß die Differenzen auf friedlichem Wege hätten beglichen werden können, audem hier durch Erregung, Unfrieden und Feindseligkeiten in die friedliebende Bevölkerung Stadtsteinach getragen wurde. Zur Bestätigung. Stadtsteinach, den 29. Mai 1906. Die Stadtgemeindeverwaltung. Schübel, Bürgermeister. Durch friedliche Beilegung würde feine Erregung in die Bevölkerung getragen, erstens weil noch nichts beigelegt ist, und veitens die Bevölkerung zweifellos nicht so streitsüchtig ist, wegen cines Friedensschlusses feindselig zu werden. Zudem geht die Stadtverwaltung die Sache nichts an, ihre Anschauung kann sie für sich behalten, mehr ist sie nicht wert. Christliche Flaumacherei. In einer zahlreich besuchten Versamm lung von Arbeitern und Arbeiterinnen der Papierfabrik J. V. Zander in Berg- Gladbach wurde die Antwort der Firma auf die Forderungen Der Arbeiter gegeben. Man hat nicht nur nichts erreicht, sondern die Arbeiter sind von dem frommen Inhaber geradezu verhöhnt und als Waschweiber" bezeichnet worden. Die Arbeiter verlangten nun entfchieben, in den schon beschlossenen Streit einzutreten. Die Führer der christlichen Gewerkschaft rieten von einer Uebereilung ab; wenigstens sollten die Arbeiter von einem Ausstand absehen und nur die Arbeiterinnen streiten laffen! Etwa hundert Arbeiterinnen haben ihre Kündigung unterschrieben. Der in Betracht kommende christliche Hülfs- und Transport arbeiterverband will anscheinend den Zentrumsunternehmer möglichst schonen, oder er hat fein Geld, um einen Kampf durchzuführen. Letzteres dürfte unzweifelhaft sein, mußte doch der Verband, als vor wenigen Wochen 350 seiner Mitglieder im Kampf standen, schon den Bettelsack schwingen. Berlin und Umgegend. Maschinenfabrik ,, Cyklon". Wegen der bei dieser Firma ausgebrochenen Differenzen wird um Fernhaltung des Zuzuges gebeten. Achtung! Schmiede. Seit dem 8. Juni stehen die Schmiede der Landwirtschaftlichen Maschinenfabrik Rud. Sack, Leipzig- Blagwig, im Ausstand. Wir ersuchen unsere Kollegen, in diesem Betriebe feine Arbeit anzunehmen. Die Firma macht erhebliche Anstrengungen, Arbeitswillige zu erhalten, indem sie Inserate in allen möglichen Beitungen erläßt. So befindet sich auch unter anderem in der Nummer 25 der Metallarbeiter Zeitung" ein Inserat der Firma Sad, welches Schmiede bei hohem Verdienst sucht. Wir bitten alle diese Arbeitsangebote nicht zu befolgen. Zentralverband der Schmiede. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Bei der Firma Ravenée, Träger- und Stabeisenhandlung Attiengesellschaft, Sidingenstraße 16/17, Abteilung Stabeisenlager, haben Sonnabend früh 64 Arbeiter, die im Zentralverband der Handels, Transports, Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Deutsch lands organisiert find, wegen Maßregelung des Vertrauensmannes die Arbeit niedergelegt. Der Zentralverband hat sofort versucht, Einigungsverhandlungen anzubahnen, jedoch verhielt sich die Firma stritte ablehnend. Streits und Aussperrung in Kolmar. Die Kolmarer Arbeiterschaft steht zurzeit in einer tiefgehenden Genoffe Cohen teilt uns mit, die von der Morgenpost" er und umfassenden Bewegung, die um so bemerkenswerter ist, als wähnte Vertrauensmännerfizung habe gar nicht daran gedacht, die dortigen Organisationen, wie die meisten im Reichsland, noch in wegen der Rohrlegerangelegenheit eine Kommission zu wählen. den ersten Anfängen der Entwickelung sich befinden. Die Durch Uebrigens fönne man das Abspringen von vielleicht 200 Mitgliedern, führung des Kampfes wird ein Prüfstein für die Kraft der Kolmarer bei einer zirka 60 000 Mitglieder zählenden Verwaltungsstelle, nicht Arbeiterschaft sein. Es scheint auch, daß die Bewegung jetzt noch im als Spaltung betrachten. Alle unrichtigkeiten der Morgenpost" Anfangsstadium ist, und daß sie größere Kämpfe erſt vorbereitet. Die richtigzustellen, berlohne sich nicht, dafür sei das Blatt au be- olzarbeiter verhängten vor einiger Zeit über eine Werkstätte deutungslos. die Sperre; daraufhin beschlossen die Schreinermeister eine allge. meine Aussperrung. Die Zimmerer sind in eine Lohnbewegung eingetreten, da der vereinbarte Tarifvertrag nicht eingehalten wird. Die Weber verlangen eine Erhöhung ihres 2,20 m. betragenden erbärmlichen Tagelohnes um 15 Prozent. Der Verband der Maler und Ladierer fordert eine Aufbesserung des Lohnes um 5 Pf. pro Stunde. Deutfches Reich. Zur Aussperrung im Lithographiegewerbe. Die„ Berliner Volkszeitung" bringt in ihrer Nummer vom 23. Juni einen Leitartikel, der sich mit der gegenwärtig in einem harten Kampfe stehenden Organisation der Lithographen und Steindruder, dem Deutschen Senefelderbunde", beschäftigt. Er führt den Untertitel:„ Ein Wort zur Aufklärung", trotzdem in ihm die Bei den Kesselschmieden der Firma„ Dubuis" in M. Glad. schon zehnmal widerlegten Lügen über die Bergewaltigung der Mit ba ch ist es zu Differenzen gekommen. Die Firma versucht nämlich glieder des alten Senefelderbundes durch dessen Verschmelzung mit die älteren Arbeiter herauszugraulen, weil dieselben darauf bestehen, dem früheren Verein der Lithographen, Steindrucker und ver- einen mit der Firma abgeschlossenen Tarifvertrag zum Aushang zu wandten Berufe", sowie die gerade in lezter Zeit mehrfach zurück- bringen. Unter nichtssagenden Gründen hat man bereits zwei gewiesenen Unwahrheiten über das Wesen der gegen den Bund ältere Kollegen entlassen und um diesem Hinausgraulen" bors erlassenen gerichtlichen Verfügung noch einmal aufgewärmt sind. zubeugen, haben die Kollegen beschlossen, nötigenfalls die Arbeit Der Zweck des Artikels, den in den Kampf gedrängten ausgesperrten einmütig zu verlassen. Zuzug streng verbeten! Lithographen und Steindruckern zugunsten des ihnen gegenüberstehenden Unternehmertum3 Knüppel zwischen die Beine zu werfen, In Euskirchen bei der Firma Stolle find sämtliche Former ist für jeden denkenden Arbeiter so klar ersichtlich, daß es sich überflüssig macht, ausführlich auf ihn einzugehen und alle Lügen noch ausgesperrt, weil sich die Kollegen weigerten, ohne Bezahlung Ueber einmal richtigzustellen. Wir beschränken uns daher auf die kurze stunden zu machen. Die Kollegen arbeiten in Tagelohn 10%, Stunden. Sie haben, weil zu wenig Räumlichkeiten vorhanden waren, ab und Anführung folgender Tatsachen: Die Verschmelzung erfolgte in durchaus einwandfreier Weise zu Ueberstunden gemacht, ohne daß der Tagelohn erhöht wurde. durch Mehrheitsbeschluß, der für alle auf demokratischer Grund- Der Firmeninhaber hatte ihnen nämlich versprochen, daß er bauen lage basierenden Körperschaften maßgebend ist. Auf der Berliner und dann bei genügenden Räumlichkeiten die zehnstündige ArbeitsGeneralversammlung des Senefelderbundes im Frühjahr 1905 zeit bei gleichem Lohne einführen wollte. Die Räumlichkeiten find wurde mit 42 gegen 3 Stimmen der Ausbau des Bundes zu einer fezt vorhanden und die Arbeiter glaubten sich berechtigt, Herrn Stolle freien Gewerkschaft beschlossen, worauf der Verband der Litho- an sein gegebenes Versprechen zu erinnern. Die Kollegen wurden graphen und Steindruder mit allen seinen Mitgliedern zu dem jedoch zurückgewiesen. Die natürliche Folge war, daß sich nunmehr bie Kollegen weigerten, Ueberstunden fernerhin ohne Bezahlung neuen Senefelderbund übertrat. Eine fleine Gruppe alter Bundesmitglieder, unter ihnen zahl zu machen. Darauf erfolgte die Aussperrung. Zuzug ist strengstens reiche Oberdrucker, Oberlithographen, Prinzipale usw., unterordnete fernzuhalten. sich diesem Mehrheitsbeschluß nicht, sondern beauftragte 31 Herren mit der Führung einer Klage gegen den neuen Senefelderbund, in deren Begründung das rote Gespenst den Richtern recht gruselig vor Augen gemalt wurde. Der Bund wurde denn auch in erster und zweiter Instanz durch das Landes- und Oberlandesgericht in Frankfurt a. M. verurteilt, was sich nur daraus erklärt, daß der Prozeß durch den Vertreter der Kläger, Justizrat Wertheim, zu einem politischen Tendenzprozeß gemacht worden ist. Der Streit der Tegtilarbeiter in Bramsche bei Osnabrüd dauert unverändert fort. In den letzten Wochen haben Verhandlungen über Verhandlungen stattgefunden, ohne aber einen Frieden herbeizuführen. Nur von einem der drei im Streit befindlichen Betriebe fann berichtet werden, daß dort eine Einigung erzielt worden ist. Jedoch will diese Firma ihren Betrieb nicht eher aufnehmen, bis bei den beiden anderen Firmen ebenfalls Ginigung erzielt worden ist. Während der Verhandlungen mit den Firmen J. B. Sanders u. Söhne und Gebrüder Sanders bemerkte Herr Johannes Sanders, als die Vertreter der Streifenden darauf bestanden, daß ein Tagelöhner, der über 25 Jahre in dem betreffenden Betriebe beschäftigt ist, mehr verdienen müsse als 1,80 m. pro Tag, er wolle diesem Tagelöhner 20 Pf. pro Tag zulegen, dafür aber seiner Frau, die ebenfalls in dem Betriebe beschäftigt ist, 20 Bf. abziehen. Derselbe Herr meinte, die Textilarbeiter betrieben nur zum Vergnügen neben der täglichen Berufsarbeit noch Acerbau und Viehzucht. Die Diese Verfügung tam am 1. Juni heraus. Am 2. begannen Arbeiter haben in ihrem 19wöchigen Kampfe bewiesen, daß sie nicht die Aussperrungen. Ein einziger Schrei der Entrüstung durchhalte gewillt sind, alles geduldig über sich ergehen zu lassen. In ihren die deutsche Gehülfenschaft des Lithographiegewerbes ob des letzten Fabriksversammlungen beschlossen die Streitenden der Firma Streiches, den ihr eine winzige Gruppe von Auchfollegen zugunsten 3. B. Sanders u. Söhne und Gebrüder Sanders in geheimer Ab. der Unternehmer, die die Verfügung sofort in der weitgehendstenstimmung einstimmig, sich mit den bisherigen Zugeständnissen nicht zufrieden zu geben, sondern weiter zu streiten. Weise, allerdings ohne Erfolg, ausnuten, spielen fonnte. Da durch die Berufung an das Reichsgericht das Urteil noch nicht rechtskräftig wurde, sette man der Wühlerei gegen die neue Organisation der Lithographen und Steinbruder durch die Er wirkung einer Verfügung die Krone auf, die dem Bundeshauptvorstand jede gewerkschaftliche Tätigkeit, die Verwendung der Gelder für Streit- und Aussperrungsunterstüßungen und den Ausschluß von Streifbrechern bei einer Strafe von 1500 M. oder sechs Wochen Haft untersagt. Als die 31 Kläger fahen, wie ihr Heldenstüc eingeschäzt wird, gaben sie großmütig die Gewerkschaftstasse frei. Abgesehen davon, daß sie hierzu gar nicht mehr die Macht haben, ist durch die Freigabe" gar nichts gebeffert, da die Liquidationskommission des alten Berbandes angesichts der Unsicherheit der Sachlage und angesichts der Streiche, die der Organisation gespielt worden sind und noch gespielt werden können, nicht liquidieren kann, wenn sie die Organi fation den skrupellosen Gegnern nicht völlig preisgeben will. Das Gewerkschaftsvermögen bleibt also trotz aller gegenteiligen Behauptungen der Volkszeitung" und ihrer Hintermänner der gegen wärtigen Lohnbewegung entzogen. " Ausland. Das Kesseltreiben gegen den Verband der Feldarbeiter in Ungarn ist auf einem toten Buntt angelangt. Der Minister des Innern hat der Verbandsleitung mitgeteilt, daß das Verfahren eingestellt sei, weil die Untersuchung bezüglich der Tätigkeit des Verbandes absolut nichts Belastendes ergeben habe. Anders stehe es jedoch mit dem Blatte des Verbandes, dem„ Vilaghsabadsag", benn sein aufreizender Ton stehe im Widerspruch mit den Statuten des Verbandes. Der Minister warnt den Verband auf das ernst lichste, die Tendenz des Blattes in den Verband zu verpflanzen, und Die deutsche Arbeiterschaft hat durch die ausgeschriebenen die Verbandsleitung möge alle ihr zu Gebote stehenden Mittel Sammlungen den Lithographen und Steindruckern den Streich, der anwenden, die Arbeiterbevölkerung zu beruhigen. Gleichzeitig wird ihnen durch eine winzige Gehülfengruppe gespielt werden konnte, es dem Verbande zur Pflicht gemacht, seine Zweigvereine zur Bes parieren helfen. Die Hoffnung der Unternehmer, die kämpfende achtung der Statuten anzuhalten und eine strenge Kontrolle zu Gehülfenschaft werde sich ihr durch die Verfügung auf Gnade und üben. Dieser Rückzug des Ministers denn ein solcher ist es Ungnade ergeben müssen, wurde dadurch zunichte gemacht. Nun ist wohl namentlich zurückzuführen auf das energische Eintreten erblicken die Unternehmer durch Ausstreuung solcher unwahrheiten, der gesamten Arbeiterschaft Ungarns für die Feldarbeiter, deren wie sie der Volkszeitungs"-Artikel enthält, ihr legtes Rettungs- Organisation man unter feinen Umständen bernichten lassen wollte. mittel. Sie hoffen, die Arbeiterschaft werde sich dadurch zur Ein- Was die Mahnung anlangt, die Arbeiterbevölkerung zu beruhigen, stellung der Sammlungen veranlaßt sehen. Darin haben sich die so tendet sich der Minister an die falsche Adresse. Nicht die BerHerren gründlich getäuscht! Die Arbeiterschaft durchschaut ihr bandsleitung, sondern des Ministers nachgeordnete Behörden, die Spiel und sie wird nur um fo opferfreudiger tatkräftig an der Stuhlrichter, Gespane usw. find es, welche durch ihre Schikaner Seite der Ausgesperrten gegen das Unternehmertum einstehen! allerart die Arbeiterbevölkerung beunruhigt haben. An die Arbeiterschaft Deutschlands! Stahlarbeiterausstand. In Firminy( Frankreich, Dep. Loire) find 15 000 Arbeiter eines Stahlwalzwerkes in den Ausstand getreten. Die organisierten Abzahlungs-, Nähmaschinen, Versicherungs- Die Ausständigen veranstalteten larmende Kundgebungen vor den und Automatentassierer beschlossen in ihrer letzten Zusammenkunft übrigen Walzwerken. Man befürchtet, daß der Ausstand sich auf zwecks Festigung der Organisation eine Kontrollfarte einzuführen. das ganze Departement ausdehnen werde. Wir erwarten, daß die gesamte deutsche Arbeiterschaft von nun ab nur noch mit modern organisierten Gintassierern und Agenten Geschäfte irgend welcher Art abschließt. Wer nicht im Befihe der vom Zentralverband der Handels, Transport-, Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands herausgegebenen Kontrollfarte ist, dem weise man ohne weiteres die Tür. Hinaus mit den Leuten, die nicht mit uns fühlen, nicht mit uns denken wollen. Kein Unorganisierter darf Butritt zur Wohnung eines organisierten, modern denkenden Arbeiters finden. Ganz besonders bitten wir auf die sogenannten„ Sonntagskassierer" zu achten, einer Kategorie von Leuten, welche die vitalsten Interessen der Arbeiterschaft verleben. Die Karte ist von brauner Farbe und nur dann gültig, wenn dieselbe ordnungsmäßig in jedem Quartal abgestempelt ist. Der Berband der Wäsche- und Krawattenarbeiter und-Ar- Wir richten an Euch das Ersuchen, diesen Aufruf zu beachten beiterinnen, Heimarbeiterinnen der Wäsche, Krawatten-, Blusen-, und streng danach zu handeln. Wir appellieren an Euer SoliSchürzen, Morsett- und Negligeebranche hält die nächste Zusammen- daritätsgefühl. Tunft für Nordost und Ost am Montag, den 25. Juni cr., abends Zentralverband der Handels, Transport, Verkehrsarbeiter und She, bei Renfer, Heidenfeldstraße 17, ab. Vortrag des Kollegen Seller. Für den Norden findet die nächste Zusammenkunft am Dienstag, den 26. Juni cr., abends 8 Uhr bei Bunzel, StralsunderStraße 26, statt. Referentin Fräulein Schaub. Arbeiterinnen Deutschlands. ( Sektion der Eintassierer und Kaffenboten.) J. A.: Friedrich Ludow, Berlin N. 37, Fehrbellinerstraße 3. NB. Alle arbeiterfreundlichen Blätter, insbesondere aber die Zentralverband der Dachdecker. In der Mitgliederversammlung Gewerkschaftspresse, werden um Abdrud gebeten. bom 17. Juni, welche bei Feindt in der Weinstr. 11 tagte, erstattete Kollege Mehrlein Bericht über die Verhandlungen des 6. Gautages. Danach folgte die Neuwahl der Beisiger des Gauvorstandes. GeDie Maurer ift den rheinischen Orten Simmern, Ein Erfolg der Buchdrucker. Aus Lille wird vom 23. Juni bea richtet: Die Buchdrucker haben den von ihren Arbeitgebern an gebotenen Lohntarif angenommen, nach welchem ihnen eine zwei einhalbstündige Verkürzung der Arbeitszeit pro Woche zugebilligt wird. Sie nehmen heute die Arbeit wieder auf. Eingegangene Druckfchriften. Plutus. Kritische Wochenschrift für Volkswirtschaft und Finanzwefen ( Herausgeber: Georg Bernhard). 25. Heft. Abonnements einschließlich der Plutus- Merktafel vierteljährlich per Post und Buchhandel 3,50 M., birett Dr. F. Buomberger, die schweizerischen Fabrikkrankenkassen. 46 Seiten. bom Berlag 4 M. Verlag Berlin- Charlottenburg, Goethestr. 69. Berlag Baßler u. Drerler, Zürich( Schweiz). Straube's Spezialkarte der Umgegend von Strausberg im Maßstabe 1:60 000( 1 Mart) ist soeben im Verlage: Geographisches Institut und Landkarten- Verlag Julius Straube, Berlin SW., Neuenburger straße 15 erschienen. Michael Sinowitz. Weitere Beweise zu dem Schlüffel von Dantes Alighieris Werten. 36 Seiten. Berlag D. Elecner, Zürich. wählt wurden die Kollegen Kühn und Mehrlein. Der Filial- castelaun und Kirchberg find wegen Lohnforderungen in Letzte Nachrichten und Depeschen. borstand stellte an die Versammlung den Antrag, die Kollegen Bein, den Ausstand getreten. Koloniale Spazierfahrt. Hahn und Höt, weil sie Attordarbeit ausgeführt haben, aus der In der Kattunfabrik Siegfeld in Siegburg( Rheinland) Organisation auszuschließen. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt. ist wegen Maßregelung von Mitgliedern der christlichen" Gewert. Hamburg, 23. Juni.( W. T. B.) Mit dem Dampfer Kron Die betreffenden Kollegen behaupteten, über die Tragweite ihrer schaften ein Streit ausgebrochen. Zugleich haben die Arbeiter For prinz" der Deutschen Ostafrikalinie sind heute die Reichstags Handlungsweise im Unflaren gewesen zu sein. Sie erhielten eine berungen gestellt. Kürzlich suchte die Firma Arbeiter zu folgen abgeordneten Brunstermann, Kalthof, Lehmann, v. Massow und Rüge, außerdem wurde Kollege Hahn von seinem Posten als Aus- den Hungerlöhnen:„ Der Grundtagelohn für Männer( 1) Schwarze nach Deutschostafrika abgereist; ihnen werden sich in schußmitglied entbunden. An seiner Stelle wurde Kollege Konopinsti beträgt im Anfang mindestens 2,20 M., bei der fast stets vor Marseille die Abgeordneten Arendt, v. Brockhausen und Dietrich en Ausschuß gewählt. handenen Gelegenheit zu zweistündiger Ueber- lanschließen. Berantw, Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil berantw.: Th.Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Sieran 4 Reilogen, 5t. 144. 23. Jahrgang. 1. KtilM des Jotiüirts" Kerlim WksdlM Sotttttag, 24. Iiwi 1906. Zum letzten Preßprozeß der„Leipziger Volkszeitnng" wird uns vom Genossen Mehring geschrieben: Steglitz. 23. Juni 1906. Nach meiner Rückkehr von einer längeren Erholungsreise, die ich auf ärztliche Anordnung antreten mußte, finde ich in der Nummer des„Vorwärts" vom 2. d.M. einen Bericht über einen gegen meinen Kollegen Kressin in Leipzig geführten Prozeß, worin folgende Aeußerungen des Leipziger LberstaatSanwalts Boehme cnt- hallen sind: Ich habe diesmal zwei politischen Redakteuren der„Leipziger Volkszeitung" und auch dem Außenredakteur Gelegenheit gegeben, sich über die Verfasserschaft zu äußern(nämlich des angeklagten Arnkels: Der Tiger als Affe). Der Außenredakteur hat es abgelehnt, auf meine Anfrage zu antworten... Die beiden hiesigen Redakteure haben er- klärt, den Artikel nicht.verfaßt zu haben, der Chefredakteur in Steglitz hat jede Auskunft verweigert. Und gerade hier erhoffte ich eine Auskunft. Ich war den Redakteuren entgegengekommen. Aber nun muß wieder ein Redakteur die Verantwortung tragen. der den Artikel selbstverständlich nicht geschrieben hat. Andere weigern sich ja, die Verantwortung zu tragen. Die Angabe über die Aussagen meiner Kollegen Lensch und Hönisch ist unrichtig, doch muß ich dahingestellt sein lassen, ob hier ein Irrtum des Berichterstatters oder des Oberstaatsanwalts Boehme vorliegt. Meine Aussage hat dieser Herr korrekt wiedergegeben, und ich brauche keinem Menschen, der von den Anstands- und Ehren- pflichten eines Redakteurs auch nur einen blassen Begriff hat, weit- läusig auseinanderzusetzen, weshalb ich auf eine staatsanwaltliche Anfrage diese Antwort geben mußte, und weshalb ich sie auch dann hätte geben müssen, wenn ich den— vollkommen zu- treffenden— Artikel: Der Tiger als Affe verfaßt hätte. Hat der Oberftaatsanlvalt Boehme darüber andere An- schauungen, so bin ich glücklich, sagen zu können, daß seine moralischen Begriffe nicht meine moralischen Begriffe sind. Dieser Herr hat sich erlaubt, mich auf eine von ihm aus der Luft gegriffene Tatsache hin öffentlichtlich in nicht mißzuverstehender Weise der Feigheit zu beschuldigen, und darauf gebührt ihm um so mehr eine Antwort, als er bei Anwendung der ihm pflichtgemäß obliegen- den Sorgfalt, deren angeblicher oder auch wirklicher Mangel gerichtlich angeklagten Redakteuren stets als schwerster Straf- verschärfungSgrund angerechnet wird, wissen konnte, daß ich den Artikel:„Der Tiger als Affe" nicht geschrieben habe. Erstens nämlich hat Genosse Bebel schon vor Monaten im Reichstage auf eine Jnsinuaiion deS nationalliberalen Schwätzers Bassermann hin erklärt, der Artikel rühre nicht von mir her. Zweitens aber mußte selbst ein Blinder sozusagen mit dem Stock fühlen, daß der Artikel nicht von dem„Cheftedakteur in Steglitz" verfaßt sein konnte, sintemalen er sich bereits in den frühen Nachmittagsstunden des 22. Januar in den Händen der Polizei und Staatsanwaltschaft in Leipzig befand, während er über Tatsachen berichtete und urteilte, die erst sechs Stunden früher durch den Telegraphen bekannt geworden waren. Endlich aber fällt dadurch das letzte Licht auf das Verfahren des Oberstaatsanwalts Boehme, daß er. als er mich öffentlich zu beschimpfen versuchte, wissen konnte, ich würde erst nach Wochen in der Lage sein, mich zu berteidigen- Jch hatte nämlich bei der Steglitzer Polizeibehörde die Ausstellung eines Passes beantragt, da ich für einige Zeit in die Vereinigten Staaten zu reisen beabsichtige. Unter Berufung auf jene„Anftage", die der Oberstaatsanwalt Boehme in dem Prozesse gegen Kollegen Kressin erwähnte, wurde mir der Paß zunächst verweigert, weil erst in Leipzig angefragt werden müsse. Aber am 7. v. M. wurde mir„eröffnet", daß die Leipziger Staatsanwaltschaft nichts gegen meine Reise einzuwenden habe. Ich hatte also sozusagen den Segen des Oberstaatsanwalts Boehme für meine Abwesenheit, was ihn nicht hinderte, mich während dieser Abwesenheit in ehrverletzender Weise anzugreifen. Zur Entschuldigung mag ihm freilich gereichen, daß es die sächsische Justiz als besonderen Tort des lieben Gottes empfindet, bei Schöpfung der Welt so unbequeme Dinge wie Raum und Zeit er- funden zu haben. Der„Vorwärts" berichtete diese Tage darüber, wie der Leipziger Untersuchungsrichter, ein Oberamtsgerichtsrat Meißner, meinen Kollegen moralisch drangsaliert hat, mich als Verfasser zweier Artikel zu nennen, die am 31. Mai in der„Leipziger Volkszeitung" er- schienen sind. An diesem Tage befand ich mich, wie durch die eigen- händige Einzeichnung meines Namens in daS Fremdenbuch des Hotels Keltenbach urkundlich nachgelviesen werden kann, an den Niagarafüllen. Doch will ich gern annehmen, daß in jenen schon von Treitschke so köstlich geschilderten Schulbüchern sächsischer Landes- künde, in denen die Albertiner als eine Reihe herrlicher Lichtgeftalten erscheinen, die Niagarafälle zur höheren Ehre der Rautenkrone WS Rosental verlegt worden sind. Es bleibt mir noch übrig zu sagen, weshalb ich den„Vorwärts" um die Auwahme dieser Zeilen ersuche, statt daß ich sie in der „Leipziger VollSzeiwng veröffentliche. Der Oberstaatsanwalt Boehme, der sich nicht genug daran tun kann, andere Leute der Feigheit zu beschuldigen, bekundet bekanntlich seinen eigenen Heldenmut darin, daß er die von ihm Beschimpften wegen„Ungebühr" einlochen läßt, wenn sie ihm in dem Tone antworten, den er selbst angeschlagen hat. Ich bewundere die schöne Einfachheit, zu der sich die sächsische Justiz also entwickelt hat, möchte aber gern erproben, ob die preußische Justiz schon zu gleicher Kulturhöhe emporgediehen ist. Deshalb will ich zunächst in einem Parteiblatt, das der preußischen Jurisdiktion untersteht, aufs entschiedenste zurück- weisen, daß der Oberstaatsanwalt Boehme in Leipzig seine amtliche Stellung gemißbraucht hat, um mich auf eine angebliche, von ihm leichtfertig aus der Luft gegriffene Tatsache hin der Feigheit in Ausübung meines Berufes zu beschuldigen. In einem früheren Falle hat sich ja gezeigt, daß es gegenüber der sächsischen Justiz noch Richter in Berlin gibt. Sollte sich das geändert haben, so wird es für unsere Sache um so besser sein. F. Mehring. Eue der Partei. Baltische Kulturbilder. Bei Betrachtung und Würdigung des Ursprungs, der Motive, des bisherigen Verlaufs der russischen Revolution haben wir zu wiederholten Malen Gelegenheit genommen, ja nehmen müssen, dem balttschen Teil-Schauplatze der Ereignisse unsere besondere Auf- knerksamkeit zuzuwenden. Einmal, weil sich in den Ostseeprovinzen die Tinge nicht in allen Stücken genau so enttvickelt und abgerollt haben wie im übrigen Rußland, dann aber auch, weil unsere ur- teutsche Lügenpreffe die Schandtaten des sogenannten deutschen Adels im Baltenlande mit verständnisinnigem Solidaritätsgefühl unaufhörlich zu bemänteln, zu vertuschen, aus der Welt zu schioatzen suchte, dagegen die in Notwehr begangenen Handlungen des baltischen Volkes als verbrecherische Schurkentaten charakterisierte. Unsere Artikel, die diese zum Teil bewußt lügnerischen Dar- stellungen bekämpften und widerlegten, haben unserem verantwort- lichen Redakteur schließlich zu der Ehre verholfen, von 24 leibhaftigen baltischen Junkern mit einer Beleidigungsklage bedacht zu werden. Wir sollen also Gelegenheit bekommen, vor dem Forum der Kultur- Welt die Wahrheit über gewisse dunkle Vorgänge in den Ostsee- Provinzen enthüllen zu helfen.— Für heute mag es erst einmal unsere Aufgabe sein, angesichts der notorischen Geschichtsverdrehungen, mit denen jetzt sogar hervor- ragende Vertreter deutscher Wissenschaft— wie Professor Harnack, Professor Schiemann usw.— die Kulturwelt beglücken, nichts weiter zu geben, als einen einfachen geschichtlichen Rückblick, um nach den Zeugnissen bürgerlicher Historiker(und nur solche sind zu dieser Arbeit verwandt), an deren„guter Gesinnung" nicht der leiseste Zweifel erhoben lverden kann, festzustellen, wie denn die Christianisierung der Balten und ihre Segnung mit deutscher Kultur im Lichte der Geschichte ausschaut. Wir können in diesem Rahmen nur wenige historische Streif- lichter geben, doch glauben wir, sie werden genügen, um den ganzen Schwindel, der in letzter Zeit über die Kulturarbeit der Deutschen in den Ostseeprovinzen zusammengeschrieben wurde, aufzudecken. Tie eigentliche Kolonisation jener Länder beginnt mit dem Jahre 1186, wo ein Bremer Augustinermönch Meinhardt mit einer Schar verwegener Abenteurer an der Mündung der Düna landete und zuerst den Boden LivlandS betrat.„Mit diesem Augenblick beginnt die eigentliche Geschichte des Landes, und diese zeigt uns die Liven und Letten, später die Esthen, zuletzt die Semgallen und Kuren von Anfang an in einem ungleichen Kampfe gegen die geistlichen Waffen der katholischen Kirche und bald gegen die eisernen Waffen der geharnischten deutschen Ritter. Die Urbewohner des Landes unterliegen dem mit furchtbarem eisernen Schwerte bewaffneten Christentum, wie drei Jahrzehnte später die Mexikaner und Peruaner demselben auch unterlegen sind."') ') Gesch. der Ostseeprovinzen Liv-, Esth- und Kurland von Otto von Ruthenberg l. Band. Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann. im. Seite 31. Gaukoufereuz des Verbandes junger Arbeiter Deutschlands, Gau Pfalz. Gleichzeitig mit dem Gautag der Pfälzischen Sozialdemokratie fand in Neustadt an der Haardt eine Pfälzische Gaukonferenz des Verbandes junger Arbeiter Deutschlands statt. Sie war von 13 Ortsvereinen durch 20 Delegierte, welche 700 Mitglieder der- traten, beschickt. Außerdem waren vom Hauptvorstand die Genossen Bruno Wagner, Chr. Schmidt, Wilh. Bartmann, sowie der Redakteur der„jungen Garde" Genosie Dr. Frank anwesend, ferner eine große Anzahl Freunde der Jugendorganisatton als Gäste. Der Ver- trauensmann des Gaues Pfalz, Genosse Remmele-Ludwigshafen war in der erfteulichen Lage, konstatieren zu können, daß seit der vorigen Konferenz, zu deren Zeit nur eine Ortsgruppe in der Pfalz bestand, die Gründung weiterer 12 Ortsgruppen erfolgte. Die Mitglieder- zahl der Pfalz beträgt zurzeit 700. Gewiß ein erfreuliches Zeichen unseres Fortschrittes. Genosse Remmele betonte, daß die alten Ge- nassen sowie die„Pfälzische Post" eine sehr gute Agitation für die junge Garde entfaltet haben. Nach Annahme eines Antrages, den Genuß geistiger Getränke während der Tagung auszuschalten, sprach Genosse Dr. Frank Mannheim über„Die deutsche Jugendbewegung". In der Diskussion sprach sich Genosse Ehrhart in sehr anerkennender Weise über die Jugendorganisation aus und versicherte sie der Unterstützung der Alten. Sodann referierte Genosse Rechtsanwalt Ackermann-Frauken- thal über die kapitalistische Ausbeutung jugendlicher Arbeiter. Ein im Anschluß hieran gestellter Antrag Ludwigshafen, der verlangt, daß allerorts Lehrlingsschutzkommissionen ge- bildet werden, die die Jnnehaltung der gesetzlichen Bestimmungen für jugendliche Arbeiter zu überwachen und etwaige Uebertretungen zur Anzeige zu bringen haben, fand nach kurzer Debatte einstimmige Annahme. Dann erstattete der Vertrauensmann der Pfalz sowie die einzelnen Delegierten ihre Berichte. Aus ihnen ist zu ersehen, daß die Organisation der Jugend überall gute Fortschritte macht und daß die älteren Genossen die Bewegung überall tatkräftig unterstützen. Die Zeit, in der jene Ereignisse stattfanden, war zugleich die Zeit der Kreuzzüge. Zum Verständnis aller jener Eroberungszüge ist cs nötig, uns kurz die ökonomische Ordnung der damaligen Gesellschaft zu veranschaulichen. Die Kirche stand als politische Macht aus ihrem Höhepunkt. Sie war die Lehrmeisterin und damit die geistige Führerin der Germanen gewesen, nachdem diese ihre Eroberung des römischen Weltreiches vollendet hatten. Sie hatte diese Völker in die römische Produktionsweise eingeführt. Diese beruhte auf dem privaten Grundbesitz, der die Grundlage der da- maligen Ordnung war. Die ehemalig freien Bauern waren Leib- eigene oder lehnspflichtige Ritter geworden. Die Kirche selbst war die größte Grundbesitzerin mit vielen Leibeigenen und Lehns- Pflichtigen. Mit der wachsenden Macht der Lehnsherren wuchs die Masse der besitzlosen Ritter, verschärfte~ffich die Ausbeutung der Leibeigenen. Die ewigen Fehden vermehrten die Armut. So gab es große, zu Abenteuern aufgelegte Bevölkerungsschichten, die durch Eroberung fremder Länder sich ein besseres Dasein zu schaffen hofften. Es war natürlich, daß die Führung solcher Abenteurer der Kirche zufiel. Ihre wichtigste ökonomische und politische Funktion war ja die Versorgung der Armen, seitdem durch die Auslösung deS germanischen Gemeineigentums die Besitzlosigkeit sich ständig vermehrt hatte. So konnte sich die Kirche ihrer Pflichten auf die billigste Weise entledigen, und der Charakter der Heiden» bekehrung, den sie jenen Raub- und Eroberungszügen verlieh, war nur geeignet, ihre Macht und ihr Ansehen zu vergrößern. Dergestalt also war auch die Kolonisation Liv-, Esth- und Kur- lands, und jene Mord- und Raubzüge, die ja auch durch Sank- tionierung des Papstes den Charakter von Kreuzzügen erhielten, zeigen uns. welchen Kalibers die Träger deutscher Kultur gewesen sein müssen. Leider können wir hier nur ganz wenige Züge ouS der Heldengeschichte jener christlich deutschen Eroberung wiedergeben. Be- trachten wir zunächst die Völker, denen jene Segnungen zuteil werden sollten:„Das ganze preußische litauische Volk wird uns, wie die Slaven überhaupt, in den ältesten Nachrichten als f r i e d- liebend, als unkriegerisch dargestellt; erst die äußerste Not und der Kampf um Glauben und Freiheit haben ihnen einen Helden- m u t verliehen, welchen zu b e w u n d e r n wir im Laufe dieser Er- zählung öfter Gelegenheit haben werden."„Die Hauptbeschäf- tigung der Liven. Letten und Esthen war im zwölften Jahrhundert der Feldbau und die damit verbundene Vi e Hz u cht. Es muß ziemlich große Wohlhabenheit geherrscht haben, denn Heinrich') bc- richtet, daß auf einzelnen Raub- und Kriegszügen der Deutschen bis 4000 Kühe und 2000 Pferde usw. als Beute mitgeschleppt wurden." Auch Bienenzucht, Jagd, Fischerei und Handel wurde getrieben. Zunächst trug die Kolonisation wegen der geringen Streitkräfte der Deutschen einen friedlichen Charakter. Erst im ') Heinrich der Lette, ein Mönch auS dem Stamm der Letten, Chronist, der von Ruthenberg als stets glaubwürdig hingestellt wird und der ja auch in jener alldeutschen Broschüre als der»erste und tkeffliKite ChttM" äitiert wird. Altripp stellte den Antrag, für kommenden Winter einen edezykluS zu veranstalten sowie eine tatkräftige Agitation zu entfalten, waS ebenfalls Annahme fand. Genosse Wagner forderte die Delegierten auf, in ihren Ortsgruppen die A l k o h o l f r a g e zu erörtern und den Alkohol aufs entschiedenste zu bekämpfen. Ganz besonders sei es Pflicht der Ortsgruppe,. Ausflüge und gemeinsame Spaziergänge zu veranstalten sowie für eine rege Beteiligung an den Jugendspielen der freien Turner zu sorgen. � Diesen Ausführungen schloß ficki auch Genosse Dr. Frank an. Eine in diesem Sinne gehaltene Resolution fand einstimmige Annahme. Hierauf ergriff Parteikassierer Genosse G e r i s ch- Berlin daS Wort. In sympathischer Weise begrüßte er daS Leben der Jugend- organisationen. Er versprach volle Unterstützung im Namen deS Hauptvorstandes. Im letzten Punkt wurde von verschiedenen Rednern die Not- wendigkeit einer Reorganisation des Verbandes betont und der Hauptvorstand beauftragt, nachdem deutschen Parteitag eine General- Versammlung einzuberufen. Ferner auf Antrag der Ortsgruppe Speyer die Anschaffung von Liederbüchern beschlossen. Mit einem Hoch auf die internationale Jugendbewegung schloß die anregend verlaufene Konferenz. Ein vlömischer Sozialistenkongreß. Die vlämisch sprechenden Gruppen der belgischen Arbeiterpartei halten am 1. Juli in„OnS Huis" zu Gent einen allgemeinen Kongreß ab. Die Tagesordnung lautet: 1. Die politische Lage. 2. Die sozialistische vlämische Presse. 3. Die Propaganda in Stadt und Land. Ein Manifest der schwedischen Sozialdemokratie. Veranlaßt durch die Ablehnung der Wahlrechtsreform und die Ernennung einer konservativen Regierung, hat der Ausschuß des Parteivorstandes der schwedischen Sozialdemokratie ein Manifest an das arbeitende Volk veröffentlicht. Darin lvird zunächst die ernste Lage geschildert, die durch jene Ereignisse geschaffen wurde und von neuem einen schweren Kampf für daS Wahlrecht notwendig macht. Dann heißt es weiter: „Es schien jedoch nach den Prüfungen des Jahres 1905, als ob unsere schwedische Äönigsmacht aus ihrem Schicksal in Norwegen etwas gelernt hätte und nun entschlossen wäre, für die Zukunft ihre Regierung in Uebcreinstimmung mit der mehr volksgewählten Zweiten Kammer zu bringen. Und' in solchem Falle könnte vielleicht — so glaubten verschiedene Leute— auch die Erste Kammer ver- anlaßt werden, sich im Interesse ihrer Selbsterhaltung nicht länger der Lösung der bereits überreisen großen Fragen zu widersetzen. Der Ministerwechsel vom 25. Mai hat diese Illusionen hinweg- gefegt. Die Königsmacht zog eS vor, ihre Stütze bei den Steuer- gewaltigen zu suchen, entgegen der entschiedenen Mehrheit der Zweiten Kammer. Damit ist es klar geworden, daß für die Zukunft ein Kampf für daö allgemeine Wahlrecht zur Zweiten Kammer nicht mehr genügt. Wenn des schwedischen Volkes Wille im schwedischen Lande ausschlaggebend werden soll, muß darüber hinaus gefordert werden, daß die Gewaltherrschaft der Ersten Kammer ge- brachen werde. In diesem größeren Kampfe, der nun einsetzt, um endlich des schwedischen Volkes Vollmündigkeit und Selbstverwaltung durch- zuführen, kommt es wahrscheinlich dazu, daß im entscheidenden Augenblick die Aufbietung der ganzen lebendigen Kraft, über die die schwedische Arbeiterklasse durch ihre Organisation verfügt, verlangt wird. Die Agitation muh darum sckion jetzt darauf gerichtet sein, die Massen mit dem Gedanken einer solchen äußer st en Kraftanstrengung inner« halb der Grenzen deS natürlichen Rechtes und der Gesetzlichkeit ver- traut zu machen. Zu gelegener Zeit, wenn die Situation den Punkt erreicht hat, wo ein außerordentlicher Parteikongreß die größte Be« deutung für die EntWickelung der Ereignisse in radikaler Richtung gewinnt, soll, unserer Meinung nach, ein solcher Kongreß einberufen werden, um über Mittel und Ziel dieses großen politischen Kampfes das Nähere zu beschließen. Wir fordern darum besonders Euch, Parteigenossen, auf, jetzt schon die Agitation für den neuen Kampfplan zu beginnen. Auf zu energischer Arbeit im ganzen Lande! Das liberale Wahlrechts« Programm von 1906 hat seine Dienste getan; eS ist erschlagen worden durch das Nein der Ersten Kammer. Nun geht es vorwärts auf dem Wege, und wir fordern volles und ganzes all« (lemeines Wahlrecht zur Zweiten Kammer, in Ueberein- timmung mit dem sozialdemokratischen Parteipro» g r a m m. Aber neben dieser unserer Wahlrechtsforderung steht nun Jähre 1200, mit der durch den Erzbischof von Bremen vollzogenen Ernennung Alberts v. Apeldern zum Bischof von Livland beginnen die eigentlichen Raubzüge. Es ist in diesem Rahmen unmöglich, alle jene Begebenheiten anzuführen, darum seien hier nur einige „Kulturbilder" gegeben. Die Liven baten Albert um Frieden, dieser ließ die Aeltesten zu sich kommen und freundlich bewirten.„Nach dem Gastmahl wurde ferner über den Frieden unterhandelt, und Albert verlangte Geiseln zur Sicherheit desselben. Die Aeltesten wollten diese verweigern, sahen aber plötzlich zu ihrem größten Schrecken das feste Haus, in welchem sie sich befanden, von Be» waffneten besetzt, die Ausgänge zu demselben verschlossen. Fn der Furcht, selbst nach Deutschland gebracht zu werden, stellten sie 30 von ihren Söhnen als Geiseln. Es war das der erste von Christen in Livland geübte Verrat, der leider! häufige und schreckliche Nachahmung gefunden!" Bischof Albert gründete dann die Stadt und das Bistum Riga, belehnte eine Reihe jener Ritter von Habenichts mit Gütern in Livland, doch da ihm dieses Lockmittel auf die Dauer zu kostspielig war, die größere Zahl jener Abenteurer aber meist nur einen Sommer blieb, so gründete er im Jahre 1202 die Brüder» schaft der christlichen Ritter, Schwertbrüder genannt, nach dem Vor- bilde jener Ritterorden, die in Palästina gegen Sarazenen kämpften. Mit diesen vereint begann er nun seine neuen Raubzüge, von deren Charakter wir nur noch ein paar Züge geben wollen.„Die Litauer konnten des tiefen Schnees wegen nicht entkommen, wurden überall eingeholt und, nach Heinrichs Ausdruck, wie die Schafe hin» geschlachtet."„Auch die unglücklichen Esthen, welche von den Litauern als Gefangene mitgeschleppt worden waren, wurden, „weil sie den Christen feindlich gesinnt wären", von den Deut- scheu unbarmherzig und mit kaltem Blute ent- hauptet, und nun erst erfolgte der Schlußakt des schrecklichen Dramas, nämlich die Teilung der Beute."„Der Haß der Liven gegen ihre Unterdrücker und V e r t i l g e r aber hatte sich so gesteigert, daß sie ihre Sterbenden mit den Worten zu trösten pflegten: Geh, Unglücklicher, in die bessere Welt, wo die Deutschen nicht mehr Deine Ge- bieter, sondern Deine Knechte sein werden." „Die einzelnen Raubzüge, die noch gegen die Esthen unternommen wurden, glauben wir übergehen zu können, da sich i m m e r nur dieselben Greuel wiederholen, durch deren Aufzählung wir den Leser nur ermüden würden. Einer Episode aus diesen Ver- Wüstungszügen wollen wir noch Erwähnung tun, weil sie im 19. Jahrhundert bei der Nation, die sich gern die gebildetste der Welt nennt, Nachahmung gefunden. Die unglücklichen Esthern hatten sich nämlich weite Höhlen in die Erde gegraben, wohin sie sich selbst, ihre Weiber und Kinder und ihre beste Habe retteten, wenn die christlichen Raubscharen in ihr Land einbrachen. Viele wohnten auch immer unter der Erde, weil sie über derselben keine Wohnungen mehr hatten. Eine solche Höhle entdeckten einstmals die Deutschen. Sie machten ein Feuer an dem einzigen engen Zugange zu derselben an, unterhielten dieses Feuer lange Zeit u»d ließen allen sich daraus entwickelnden Rauch in die Höhle hin« \ nn Vordsrgnwd das tteue Losungswort, heraufbeschworen durch den blinden, ungerechte» Widerstand unserer Feinde: Verfassungsrevision, fort mit der von den Steuergewaltigen gewählten Ersten Kaitimerl" AnS der Partei in den Bereinigten Staaten. Vermittelungsversuche zwischen den beiden Richtungen der amerikanischen Sozialdemokratie wurden letzthin wieder vielfach ge- macht. Die kommenden Herbstwahlen haben es vielen Genossen als nicht nur wünschenswert, sondern als wichtig und dringend notwendig erscheinen lassen, daß nicht zwei sozialdemokralische Kandidatenlisten den Wählern präsentiert werden. In mehreren Staaten kam auf den Parteitagen der„Sozialistischen Partei" die Angelegenheit zur Sprache, ohne die gewünschte Erledigung zu finden. In New Aork, dem wichtigsten Staate, wo die Gegensätze innerhalb der Partei am stärksten sind, wurde ein Versuch auf dem Parteitage abgelehnt und für aussichtslos erklärt, zu einer Einigung zu gelangen. Man wies darauf hin, daß die„Sozialistische Arbeiter- Partei" immer bedeutungsloser geworden sei. Im Jahre 1904 erhielt sie 34 172 Stimmen in den Vereinigten Staaten, während die sozialistische Partei über 430 000 auf sich vereinigte. Es handelt sich zwischen den beiden Richtungen um das Verhältnis der Partei zu den Gewerkschaften, um das Eigentumsrecht an der Parteipresse und um Methoden der Parteileitung. Das einzige tägliche Parteiblatt in englischer Sprache«Daily People", welches in-den Vereinigten Staaten sin New Zorkj erscheint, gehört der Sozialistischen Arbeiter- Partei, dagegen sind die großen deutschen Parteizeitungen, an der Spitze die„New Dorker Volkszeitung", auf feiten der Sozialistischen Partei. Neue Nahrung hat die Sozialistische Arbeiterpartei erhalten durch ihre Verbindung mit dem Gewerkschaftsbund„International Workers of the World", der sich in Gegensatz zu dem großen amerikanischen Arbeiterbund„Federation of Labor" gestellt hat. polfceUtcbes, OerichtHchcs uftv. Die Ehre des Neichsverbändlers. Zu der Verurteilung der Gc- Vossen Leber- �ena und Runknagel- Eisenach wegen Be- ldidigung des ReichsverbandSagitatorS Ermert wird uns noch ge- schrieben: Ermert kam im Herbst 1905 in Gemeinschaft mit noch zwei seiner Kollegen und zwar Komold-Berlin und Sänger-Ersurt nach Eisenach, um bei der Reichstagswahl die Vernichtung der Sozial- demokratie zu besorgen. Das erste Treffen fand am 2. November in einem ländlichen Orte. in Madlungen, statt. Den ganzen Tag über hatten die Ermert und Genossen agitiert, um den letzten Bauer in die Versammlung zu bekommen. Trotzdem der Genosse Leber in seinem Vortrage mit keiner Silbe von den Herren Notiz nahm, die sich in Gemeinschaft mit dem Guts' inspektor Teichert eingefunden hatten, hielt es doch Ermert für not wendig, in der Diskussion die gewöhnlichsten, gemeinsten Lügen gegen die Sozialdenmkratie im Jargon des Reichsverbandes vom Stapel zu lassen. Er bekam von Leber eine Abfertigung, daß er mit seinen Kollegen das Wiederkommen vergaß. Die Herren hatten eS vorgezogen, in keiner Versammlung mehr zu erscheinen, aber sie liefen zum Kadi und verklagten die Genossen Leber und Runknagel wegen Beleidigung. Deik letztere führte in der Versammlung den Vorsitz. Wie gemein die gluize Angelegenheit eingefädelt wurde, geht daraus hervor, daß sich Ermert nur allein„beleidigt" fühlte, während Komold und Sänger, die beiden Kumpane Ermerts, als Zeugen fungierten. Und die beiden letzteren sagten unter Eid die unglaub» lichsten Sachen aus. Unsere Zeugen konnten sich wohl besinnen, daß eS in dieser Versammlung durch das Eingreifen Ermerts etwas erregt zuging, aber Beleidigungen, wie die von den Zeugen des Ermert beeideten,� sind nicht gefallen. Selbst der Belastungszeuge Gutsinspektor Teichert-Madlungen konnte weiter nichts aussagen, als daß er solche Beleidigungen auch nicht gehört habe. Und trotz- dem wurden unsere Genossen zu je S0 M. Geldstrafe und in die Kosten verurteilt. Ermert. gsegen den Widerklage erhoben war und der beleidigt hatte, wie selb st der Amts» lichter zugab, wurde freigesprochen. Eingestellte Strafverfahren. In Braunschweig wurde die Untersuchung gegen Genossen Dr. Jasper wegen Aufreizung ein- gestellt, die er in einem Referat begangen haben sollte, indem er die Schillerschen Verse zitiert hatte:„Und setzt ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein!"— Genosse Däumig in Halle wurde wegen dieser selben Verse bekanntlich vor kurzem zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. In Königsberg wurde ein Verfahren gegen den Genoffen Crispien von der„Volkszeitung" wegen Beleidigung der Brom- berger Polizei eingestellt. Es handelt sich um die Mitteilung, daß am Vorabend des Wahlrechtssonntages zu Bromberg eine Genossin, die Flugblätter verteilte. verhaftet und im Gefängnis gefesselt wurde. Dem Hallcschen Parteiblatte, das wegen dieser Sache an- geklagt war, gelang es bekanntlich, in glänzeuder Weise den Wahr- heitsbeweis zu führen. Es wurde nur einiger Benierkungen wegen zu 400 M. Geldstrafe verurteilt, die nach Ansicht des Gerichts be- leidigend für die Bromberger Polizei sein sollten. Da diese Vc- merkungen in der„Königsberg. Volksztg." nicht enthalten waren, so war eS der Königsberger Staatsanlvallschaft nun nicht mehr möglich, eine Anklage zu erheben. ein. Alles, was Lebendiges darin war, mußte ersticken, und die Christen fanden, als sie endlich in die Höhle eindrangen, mehr als 100 zum Teil schon Tote, zum Teil mit dem Tode Ringende. Die letzteren wurden sofort völlig umgebracht, die sehr reiche Beute aber christlich geteilt. Nach Erzählung dieser Tat fährt Heinrich unmittelbar wörtlich fort:„Die Liven und die Deutschen kehrten heim und lobeten Gott, daß er die stolzen Herzen der Harriensener zu christlicher Demut erniedrigt hatte." Und mit ähnlichen Worten beschließt er die Erzählung jeder der Greueltaten, vor denen ein unbefangenes Gemüt schaudernd zurückbebt." Und nun zum Schluß noch eine Schilderung des Zustandes jener Länder, nachdem die christlich deutsche Kultur ihren Einzug gehalten:„Durch die Menge der Leichen, die unbegraben und un- verbrannt in Wäldern und Sümpfen liegen blieben und die nicht alle von den reißenden Tieren gefressen werden konnten, wurde die Luft verdorben, es entstand neben einer Hungersnot, der not- wendigen Folge der wiederholten Verwüstungen, auch eine pest- artige Krankheit, die das ganze Land weithin entvölkerte und ver- ödete. Städte und Dörfer, die Heinrich als schön und volkreich beschreibt, verschwanden gänzlich, und es legte sich das Schweigen eines Friedhofs über das sonst so lebensvolle Land." Der Schwert- brüderorden hatte für seine Teilnahme an den Kreuzzügen sich den recht irdischen Lohn ausbedungen, jedesmal ein Drittel deS eroberten und noch zu erobernden Landes von dem Bischof von Riga als Lehen zu erhalten. Inzwischen hatte der Orden an Macht bedeutend gewonnen und benutzte seine Stellung zur schamlose st en Ausbeutung der Ein- geborenen. Alle Beschwerden dieser Armen beim Erzbischof waren fruchtlos, denn dieser selbst war gegen den Orden schon ohn- mächtig geworden. Es war natürlich, daß die so unterdrückten Völker nur auf den Augenblick warteten, um von ihren Peinigern abzufallen. So kam es denn, als die Russen unter dem Könige Wladimir von PIcskau in das Land der Letten einfielen— obgleich diese zunächst zurückgeschlagen wurden—, daß sich die Esthen und Oeseler mit ihnen verbanden und es ihnen gemeinsam gelang, im Jahre 1217 die Feste Odenpäh abzunehmen. Bischof Mbert mußte Waldemar, den mächtigen König der Dänen, zu Hülfe rufen. und nun wurde furchtbare,„christliche" Vergeltung geübt. Jetzt beanspruchte Waldemar die eroberten Länder für Dänemark, doch wurde diese Gefahr durch seine Gefangennahme im Jahre 1223 beseitigt; Waldemar mußte, um sich freizukaufen, afle Um EMcpMgen tWdep herausgeben. Der Orden ver- Der Leipziger Parteigenosse Kürschner Richard Stötzner ist in Rötha verschwunden! Er trat am Sonnabend, den 2. Juni, eine Reise nach dem Thüringer Wald an. Vom 2. zum 3. Juni über- nachtete St. in Saalfeld und reiste dann weiter nach Blankenberg. Schwarzburg und Katzhütle. Nachrichten von ihm vom 4., 6. und 6. Juni sind in Rötha eingetroffen. Seitdem fehlt von St. jede Spur. Vermutlich ist ihm ein Unglück zugestoßen. Er trug einen Jackettanzug, braungrau mit grünen KaroS, grauen Sommerüber- zieher mit ebensolchen Karos und Monogramm R. S. St. ist 40 Jahre alt, 1,66 Meter groß, korpulent und gesund. Wer im Interesse seiner betrübten Mutter Nachricht über den Verbleib Stötzners geben kann, wird gebeten, sie schleunigst an die»Leipziger Volksztg." gelangen zu lassen. Soziales. Warnung an Landarbeiter l Zur Warnung an ausländische Arbeiter sei noch folgender Fall von Schutz- und Rechtlosigkeit angeführt, in die sich Ausländer be- geben, wenn sie sich dazu verleiten lassen, in den Gefilden der oft- elbischen Junker in Arbeit zu treten. Durch Vermittelung der oft- preußischen Landwirtschaftskammer erhielt der Gutspächter, Ober- anitmann Besteck in Kutkehmen, Kreis Jnsterburg, Anfang Mai 23 polnisch- russische Arbeiter. Es ist dies dasselbe Gut, auf dem im vorigen Jahre die polnischen Arbeiter, weil sie roh gemißhandelt wurden, fortliefen und ans dem am 27. August v. I. ein ?eimischer Landarbeiter von einem Inspektor er- ch o s s e n wurde, der später von der Jnsterburger Strafkammer freigesprochen wurde. Auch auf die in diesem Jahre dorthin gelockten polnisch-russischen Arbeiter wirkte die dortige Behandlung, das Essen und die lange Arbeitszeit so, daß sie bereits am 20. Mai davonliefen. Sie wurden aber auf dem Bahnhof Norkitten vom Inspektor gestellt, der sie durch Schläge mit seinem derben Stock an der Abreise verhindern wollte. Weil sich andere Reisende und Bahnbeamte der Poleg annahmen, mußte der Inspektor von ihnen ablassen. Nun kam aber zufällig der Pächter selbst an, der sich in den Zug setzte und mit den entlaufenen Polen bis Jnsterburg mitfuhr. Hier angekommen, ver- anlaßt« er auf dem Bahnhofe die polizeiliche Festnahme der polni- schen Arbeiter. Sie wurden nach dem Polizeigefängnis geführt und in Haft genommen. Auf die Aussage des Pächters hin erhielten dann sämtliche Erwachsene drei Tage und ein jugendlicher Arbeiter einen Tag Hast. Da dem Gutspächter bekannt war, wann seine Polen aus der Hast entlassen werden, bestellte er den Inspektor für diese Zeit auf den Bahnhof, um die Flüchtlinge in Empfang zu nehmen. Fünf ließen sich einschüchtern oder durch andere Umstände leiten auf das Gut zurückzukehren, die übrigen erklärten: lieber in den Tod, als zurückgehen. Was nun tun mit der nötigen Feldarbeit, da heimische Arbeiter erst recht nicht zu bewegen sind, auf diesem zur Berühmtheit ge- wordenen„ M u st e r g u t" zu arbeiten. Doch wozu ist denn das Militär da? Seit Montag dieser Woche sind an Stelle der entlaufenen Polen 8 Soldaten von der Jnsterburger Garnison auf das Gut gezogen und verrichten dort landwirtschaftliche Arbeiten. Sie essen und schlafen natürlich auch daselbst. Eine solche Verwendung von Soldaten als Landarbeiter ist eine illoyale Konkurrenz gegenüber freien Arbeitern. Sie steht in keinerlei Zusammenhang mit der Ausbildung des Soldaten und zeigt, daß die zweijährige Dienstzeit eine übermäßig lange ist. Nirgend im Gesetz ist vorgeschrieben, daß es Aufgabe der Soldaten sei, dem Kanipf der Arbeiter um bessere Lebenshaltung in den Rücken zu fallen oder zu helfen, daß die menschen- unwürdigen Lohn- und Arbeitsbedingungen von Großgrund- besitzern von ihnen unterstützt werden. Ein Gesetz, das derlei vorschreiben würde, wäre ein infames, weil es den Soldaten zumutete, infame Handlungen zu begehen oder zu befehlen. Denn infam ist die unpatriotische und bürger- und kulturfeindliche Hülfe zur Senkung der Lebenshaltung des Arbeiters und zur Unterstützung egoistischer, antisozialer, kulturfeindlicher Handlungen Machlhabender. Em solches Gesetz besteht im Deutschen Reich nicht. Und wenn ohne Vorhandensein eines solchen Gesetzes in Fällen. wie dem geschilderten, durch Soldaten Arbeitsdienste ver- richtet werden, so ist zu unterscheiden, ob eine Komman- dierung oder ob eine Beurlaubung zu solchen Arbeiten vorliegt. Liegt eine Kommandierung vor, so ist zu Arbeiten kommandiert, zu denen nach dem Gesetz lediglich zu Zuchthausstrafe Verurteilte wider ihren Willen angehalten werden dürfen. Liegt eine Beurlaubung zum Zweck der Uebernahme solcher Arbeiten vor, so wird durch solche Kommandierung dem Zweck zuwidergehandelt, zu dem nach dem Gesetz militärische Institutionen vorhanden sein sollen. Das Reich soll dem Schutz des innerhalb desselben gültigen Rechts und zur Pflege der Wohlfahrt des deutschen Volkes, nicht seinem Gegen- teil dienen. Das Heer soll dem Schutze deS Reiches in einem eventuellen Kriege, nicht zur Unterstützung des Krieges einzelner Besitzer gegen menschenwürdige Zustände der Landarbeiter dienen. Eine Kommandierung und eine Beurlaubung von Soldaten zu Zwecken wie dem angeführten, widersprechen dem Recht und Gesetz. Freilich paßt den bürgerlichen Parteien ein solcher Mißbrauch militärischer Institutionen, soweit sie wünschen, daß die militärischen Institutionen zn einem Kriege gegen die Arbeiter dienen sollen, in dem für die Interessen der Besitzenden durch Rippenstoßlogit, Arrest einigte sich dann, um seine Macht noch mehr zu befestigen, mit dem Deutschen Orden unter der Hochmeisterschaft Hermann von Salzas. Von jener Zeit ab datieren die endlosen Streitigkeiten zwischen Orden, Bischof und Städten, die zuletzt damit endeten, daß der Bischof und die Städte selbst dem Orden lehnspflichtig wurden. Noch einmal erreichte er den Höhepunkt seiner Macht unter der Hochmeisterschaft von Plettenbergs, dann begann die völlige Demoralisation. Immer Fehden, Verkommen der Geistlichkeit, zu- letzt die vom Gesamtstaate vollkommen unabhängige Stellung, die sich die einzelnen Ritter allmählich verschafften, bewirkten die innere Auflösung. Bei all den inneren Fehden hatten die Ein- geborenen natürlich am meisten zu leiden. Welcher Art ihre, nun- mehr durch keine Oberhoheit beschränkten Gebieter waren, berichtet Albert von Stade, indem er von ihnen sagt:„Diese Schwertbrüder waren vom Bischof Albert gestiftet usw.... ob nun schon dieses Kaufleute sind, dabei reich und ehemals aus Sachsen wegen ihrer Schelmstücke verbannt worden, so haben sie doch schon so viel um sich gegriffen, daß sie glauben, sie können ohne Gesetz und ohne König"leben. Daß diese rohen, zum Teil vom beut- schen Boden ausgestoßenen Männer bei täg- lichem Morden, Brennen und Rauben in hohem Grade verwildern mußten, liegt offen vor jedem un- befangenen Blick."— Auch als in der Mitte des 16. Jahrhunderts die Reformation ihren siegreichen Einzug hielt, vermochte sie an diesen traurigen Zuständen nichts zu ändern. So schreibt Ruthen- berg von jenen armen Völkern:„Sie waren über alle Stufen des Unglücks bis zu dem sch recklich st en Zustande hinabgesunken,.in welchem sie als weiße Negersklaven ein rechtloser Gegen st and des Hasses und der Grausamkeit roher und ge« wissenloser Herren geworden. Diese Herren aber hatten auch ihre eigene Nachkommenschaft zu Jahrhunderte langer Roheit verurteilt, denn die nachwachsende Jugend, die im Anblick solcher Greuel, von einer rechtlosen Menschenklasse umgeben, auf- wuchs, konnte in der Regel nicht anders, als wieder roh und grau- sam und ohne Befähigung für jede höhere Bildung sein." So war eS denn natürlich, daß, als der erste Anstoß von außen kam, das ganze Gebäude elend zusammenfiel, und es brach denn auch im 16. Jahrhundert das Unglück über den Ordensstaat herein, das jene Bluthunde wohl auch verelenden, die Eingeborenen aber bis auf einen Bruchteil ihrer früheren Zahl vernichten und die übrig Gebliebenen in das jämmerlichste Nomaden- und Banden- leben hinabstürzest(ofite t c T- CfäM kolgt.) und Sondergesetze zu willenlosen Werkzeugen umgewandelte Arbeiter in Militäruniforin Verwendung finden sollen. Ausdehnung der Unfallversicherung aus Schutzleute. Rächt» Wächter usw.? Eine offiziöse Korrespondenz spricht davon, daß Verletzungen von Schutzleuten, insbesondere im Fall Hennig, dem Reichsamt des Innern und dem preußischen Ministerium des Innern Ver» anlassung gegeben haben, von neuem die Ausdehnung der Unfall- fürsorge auf Schutzleute, Exekutivbeamte, Nachtwächter usw. in Erwägung zu ziehen. Die Erwägungen dauern schon etwas sehr lange. Die sozial» demokratische Fraktion hatffc vor Jahrzehnten eine Fassung vor» geschlagen, durch die nicht nur die Nachtwächter und andere kom- munale oder staatliche Beamte oder Arbeiter, sondern ein weit größerer Kreis von Personen unfallversichcrungspflichtig gemacht worden wäre. Freilich müßte zum Segen der von einem Unfall Be- troffenen an Stelle des heutigen berufsgenossenschaftlichen Staates im Staate der Boden der territorialen Gliederung betreten werden. Dazu war im Jahre 1881 ein nicht unerheblicher Teil des Reichs- tages bereit. Im Jahre 1894 legte dann das Reichsamt des Innern einen Entwurf vor, der dem sozialdemokratischen Verlangen zum Teil Rechnung trug. Dieser Entwurf verlangte die Unfalloer- sicherung für alle Angestellten„im Reichs-, Staats- und Kommunal- dienst sowie in Anstalten und Veranstaltungen zu religiösen, wohl- tätigen oder gemeinnützigen Zwecken, zu Zwecken der Wissenschaft, der Gesundheitspflege und der Leibesübung". Der Entwurf fand im Bundesrat keine Gnade, weil Preußen lebhaften Widerspruch erhob. Wäre der Entwurf Gesetz geworden, so würden auch die Schutzleute, Nachtwächter, Krankenwärter, Feuerwehrmitgliedcr sowie in Laboratorien, Theatern, zoologischen Gärten, Renn- und Sportplätzen beschäftigte Personen und andere Gruppen, für die ein Bedürfnis zur Versicherung gegen Unfall besteht, jetzt der Unfallversicherung unterliegen und die neuen Erwägungen wären höchst überflüssig. Bei der Beratung der Unfallversichcrungsnovellc im Jahre 1897 und im Jahre 1900 versuchten abermals die Sozialdemokraten eine Erweiterung der Unfallversicherung auf alle Angestellten sowie speziell auch in dem Umfang des Entwurfes des Reichsamtes des Innern von 1894. Die große Mehrzahl des Reichstages und die Regierung meinten aber, das müsse der künftigen Gesetzgebung überlassen bleiben. Wenn nun nach 12 Jahren das preußische Ministerium und das Reichsamt des Innern durch den Schuß, den Hcnnig auf einen Schutzmann in Stettin abgefeuert hat, wieder mal zu Erwägungen veranlaßt sind, so mag diese Anregung, die dem als Raubmörder verurteilten Hennig gebührt, recht dankens- wert sein. Wir möchten aber lebhaft bezweifeln, daß etwas Ge- deihliches aus all den Erwägungen herauskommt, die im besten Falle auf außerordentlich kleinliche Flickarbeit sich erstrecken, an- statt endlich auf die allen Versicherungsbedürftigen gereckte Grundidee zurückzukehren, die die Sozialdemokratie legislatorisch vor 25 Jahren verlangt hat. Wenn die bürgerlichen Zeitungen, insbesondere der konservativen Richtung, sich jetzt die Hände darüber wund schreiben, welch ungeheueres Unrecht zusammenge» schossenen oder verhauenen Schutzleuten oder Nachtwächtern da- durch zugefügt wird, daß in den übermeisten Fällen weder Gc- meinde, noch Provinz, noch Staat, noch Reich zur Linderung der Unfallfolgen gesetzlich verpflichtet sind, so spotten sie ihrer selbst und wissen nicht wie. Sie und die hinter ihnen stehenden bürger» lichen Parteien sind ja an dem heutigen Zustand schuld.** ßnefhaftcn der Rcdahtion, ®le jnristtsibc Sprechstunde findet wochcntäglich von?'/> bl» S>/, Uhr obends statt. Geöfinet 7 Nhr. Sonnabends beginnt die Sprcchftnnde um k Uhr. Jeder Antrage ist ei» Buchstabe und eine Zahl als Mertzetcheu beizufügen. Briefliche Zlntwor» wird uicht erteilt. W. Z. III. In Ihrem Falle ist lediglich daS VerwaltungSstreit« verfahren zulässig. Sie müßten sich an einen Braunschweiger Anwalt wenden, wenn Sie die Sache nicht selbst führen wollen.— F. D. 177. Ein solches Institut ist uns nicht bekannt.— W. 8. 113. Die Gastwirts« taste ist obligatorisch.— Black 1867. Innerhalb einer Woche müßten sie die Versteuerung bei der Steuerdeputation anmelden. Sie können dort Stundung bis zur Entscheidung darüber beantragen, ob der Hund nicht bereits versteuert ist.— Konsum N./,, Millionen Mark Elfenbein) produzieren, bekommen sozusagen nichts— mit Ausnahme von Flintenkugeln. Peitsche und Geißelhäusern. ES ist in der Tat ein profitables Ge- schüft I Im Jahre 1905 machte der Kasai- Trust bei einem Aktien- kapital von Vs Millionen Mark einen Nettoprofit von 6% Millionen Mark. In den Jahren 1903 und 1904 waren die Nettoprofite 7*/$ Millionen Mark, also in drei Jahren 14'/» Millionen bei '/» Millionen Aktienkapital; die Kongo-„Regierung" besitzt die Hälfte der Aktien, ernennt die Direktoren und übt auch sonst die Kontrolle über den Betrieb auS; kein Wunder, daß die Kasai-Aktten im Nenn- werte von 400 M. heute auf 12 000 M. per Aktie stehen. Die 400 M.-Aktien der Sbir-Gesellschast stehen heute auf 4450 M.— sie standen schon einmal(vor dem Besuch der UntersuchungSkommisfion) auf 20 500 M.— per Aktie. Was die Profite der Domains de la Couronne— dem königl. Trust— betragen: nur der Himmel weiß es; auf ihnen ruht der Schleier der Verschwiegenheit. Es ist ein prost- tabler Handel, dieser Kutschuk-Sklavenhandel im Kongo. Etwa 6000 Tonnen dieses Produktes wurden im Jahre 1905 erbeutet. Jemand der in diesem„Handel" tätig gewesen ist, bemerkte uns gegenüber kürzlich in einer Unterhaltung ganz nebenbei, daß nach niedriger Berechnung jede Tonne Kautschuk, die aus dem Kongo ausgeführt wird, zehn Menschenleben koste; wie gemäßigt diese Schätzung ist, zeigen die Ziffern der Entvölkerung und andere Taffachen der letzten zehn Jahre, für die wir Belege besitzen.— Er rechnete dabei nicht den Verlust an Menschenleben durch die LcbenSmittelfteuer- die dem Volle willkürlich auferlegt wird, um die Beamten, die Soldaten und Agenten der Kautschukmaschine zu ver« pflegen, weil es, wie er sagte, schwierig sei dies festzustellen. Wie können es aber im großen ganzen aus dem Bericht der UntersuchungS« iommission ersehen, der die Bevöllerung der großen Lebensmittel« Zenttcn„als rapide aussterbend" bezeichnet. Welch grimmige Ironie, wenn man darüber nachdenkt, daß die Zivilisation sich darauf be» schränkt, müßig zuzuschauen, wie eine ganze Volksrasse dem Tode überliesert wird, zum Vorteil einiger weniger Individuen. Ist es denir nicht möglich, Europa, begreiflich zu machen, was dort im Kongo im Gange ist? Ist es nicht möglich, ihm zu ver» stehen zu geben, daß es nur zu wollen braucht und es würde keinen „Kongostaat" mehr geben, der dieses infame System wie einen Hauch tod- und verderbenbringender Pestilenz durch die Wälder de? AequatorS schleift? I" So die„West African Mail", die sich von den verfügten Rt« formen im Kongostaat nicht viel zu versprechen scheint. 100 Millionen Defizit. Erst nach langem Zögern veröffentlichte das russische Finanz« Ministerium dieser Tage die Kassenberichte für die Monate Januar und Februar 1906, die ein Belveis dafür sind, daß die Verarmung des Landes fortdauert Die ordentlichen Einnahmen für die ersten zwei Monate des laufenden Jahres erreichen eine Höhe von 376 Millionen Rubel, die außerordentlichen 42,335 Millionen Rubel; die ordent« lichen Ausgaben 359 Millionen Rubel, die außerordentlichen 159 Millionen Rubel. Somit wurden die gesamten Ausgaben <518 Millionen Rubel) durch die gesamten Einnahmen(419 Millionen Rubel) nickst gedeckt, und schon in zwei Monaten entstand ein MinuS von 100 Millionen Rubel. Dieses Defizit ist wohl eine Erklärung dafür, daß die Regierung so hartnäckig die Anleihe zu erlangen suchte. Zwar befindet sich unter den außerordentlichen AuS- gaben eine von 85 Millionen Rubel zur Abzahlung der sogenannten Mcndelssohnschen kurzfristtgen Verpflichtungen, aber auch die außer- ordentlichen Einnahmen bestanden nur aus den in Frankreich einge» gangenen kurzfristigen Verpflichtungen. Ein Unterschied ist aber doch vor- Händen, da zur Tilgung der 5prozentigen Obligationen ö'/zprozentige ausgegeben worden sind. Wie vorteilhaft es ist, auf solche Weise Schulden zu bezahlen, braucht man nicht weiter hervorzuheben. Im Vergleich zum Jahre 1905 haben sich die ordentlichen Ausgaben um 33 Millionen Rubel vergrößert. Diese Vergrößerung entfällt Haupt- sächlich auf das Ministerium des Innern und auf den Kampf gegen das Volk. Die ordenilichen Einnahmen überstiegen die ordentlichen AuS- gaben um 17 Millionen Rubel, waS aber nur ein Zufall ist. Mehreinnahmen ergaben u. a. daS Schnapsmonopol(19 Millionen Rubel), Zuckerakzise(13,787 Millionen Rubel) und Zolleinnahmen(13,601 Millionen Rubel). Jedoch sind die Ursachen hierfür nicht etwa in größerem Zuckerverbrauch oder erhöhter Einfuhr vom Auslande zw suchen, sondern darin, daß die russische 9tegierung verschiedenen Fabrikanten im Jahre 1905 die Zuckerakzise stundete, die nun 1906 bezahlt wurde. Was die Erhöhung der Zolleinnahmea betrifft, so ist diese ausschließlich damit zu erklären, daß am 1. März der neue Zolltarif, der bedeutend günstiger für Rußland ist, als der alte, in Kraft trat. Importeure und Spekulanten beeilten sich deö- halb, sich mit großen Vorräten zu versehen. Zeitweise waren so große Warenmengen angehäuft, daß die Zollämter außerstande waren, sie zu räumen, was zu den vielfachen, wenn auch erfolglösen Klagen der deutschen Industriellen führte. Diese Erhöhung der Zoll- einnähme in den ersten zwei Monaten bewirkt naturgemäß ein kolossales Fallen derselben in den folgenden. Bleibt die Erhöhung der Schnnpsmonopoleinnahme. Aber sich darüber �u fteuen ist wohl wenig Ursache vorhanden, denn daS zunehmende Tnnken fördert nicht den Wohlstand eines Volkes, sondern eher dessen Verarmung. Bei den Positionen, die eine Verringerung der Einnahmen ergeben, steht allein die Staatseisenbahn mtt einem Manko von 19 Millionen Rubel. Seit Ende 1905 sind die Bruttoeinnahmen stets im Fallen begriffen. Das ist eine neue Erscheinung und einzig die Folge der politischen und ökonomischen Krisis. Die Verringerung der Bruttoeinnahmen der Eisenbahnen bedeutet aber die Verringerung deS Warenumsatzes überhaupt, d. h. die Ver» kleinerung der Produktion und deS Konsums. Das ist die allgemeine ökonomische Lage Rußlands und die Kassenangaben deS russischen Finanzministeriums bestätigen die schon längst feststehende Tatsache. daß die russische Regierung das Volk hartnäckig dem ökonomischen Abgrund zutreibt. Die Befreiung deS Landes von der Willkür ist nötig zur Rettung des Landes vor der gänzlichen ver- armung.__ Hus der frauenbcwcgung. Kampf für das Franenwahlrecht. Die Forderung des Frauenstimmrechts nimmt in jüngster Zeit in allen Kulturländern das öffentliche Interesse in Anspruch. Groß» artig sind die Wahlrechtsdemonstrationen in England, in Rußlan!» ist in den allgemeinen Forderungen des Wahlrechts dasjenige für die Frauen ausdrücklich mit einbegriffen. Selbstverständlich tritt die Sozialdemokratie grundsätzlich überall für die Gleichberechtigung den Frauen in Staat und Kommune ein. Die Frau, welche als Steuer» zahlerin gleichwertig neben dem Manne steht, will mit Recht auch da ein Wort mitreden, wo ihr die Steuern aufoktroiert werden. Auch die deutsche Frau ist heute nicht mehr das Aschenbrödel von ehedem, das aus seiner engen Häuslichkeit nicht hinauskam, sich um nichts- von dem kümmerte, was in der Welt vorging. Die Gesellschaft selbst sorgt daftir, datz die Frau zur Erkenntnis kommt. Die meisten der Proletarierinnen sind nicht mehr nur Hausfrauen, sondern auch in» dustrielle Lohnarbeiterinnen. Was sich in dem häuslichen Leben- nicht bemerkbar macht, drängt sich der Arbeiterin in der Fabrik, in der Werkstube unter Kollegen und Kolleginnen schnell und sicher auf, Jedoch auch die„NurhauSfraucn" müssen zum Nachdenken gebracht werden, und dafür sorgt zurzeit die künstlich hervorgerufene LebenS- mittelverteuerung., Die Verhältnisse zwingen zum Nachdenken und sie wecken die Schlafenden auf. Ist es da verwunderlich, wenn die Frauen immev- energischer das Wahlrecht verlangen? Die enormen Ausgaben für, Heer und Marine können dank der Agitation in Wort und Schrist den Frauen nicht mehr verborgen bleiben. Die scheutzlichen Soldaten- Mißhandlungen, durch welche Söhne des Volkes oft zu Tode ge- martert werden, den Peinigern aber kaum ein Haar gekrümmt wird, die Greueltaten in den Kolonien und die Kosten der Sandwüstcn reizen auch die Frauen zum Protest auf. Ganz unwillkürlich kommt da der Wunsch, da? ganze System ändern zu helfen. Warum ver- weigert mam aber eigentlich den Frauen has Wahlrecht? Fürchtet man vielleicht, datz es dann mit der llfbaatT d:r jetzt herrschenden Klasse bald ein Ende haben wird? Zllönirzlich über das Frauen- Wahlrecht im Reichstage debattiert wurde, ist nicht ein einziger bürgerlicher Abgeordneter bei der Abstimnwng für dasselbe einge- treten. Einige Abgeordnete, lediglich in. dem Glauben, daß die verhielten sich in "nokratie fürchtet durch die Hand» n und später in rt«s auch allezeit rück- Frauen anfangs mehr nach rechts gehen ihren Reden nicht ganz ablehnend. Die derartige Rückschläge nicht, sie weiß sehr t habung des Wahlrechtes die Frauen geschu Scharen der Partei zuströmen. Uebrigeus 1.� ständige Männer gegeben und trotzdem ist die Partei stetig gewachsen I Von bürgerlicher Seite behandelt man die Frau als minderwertiges Geschöpf. Sie hat sich jahrtausendelang die Herrschaft des Mannes gefallen lassen und sollte nun auf einmal als gleichberechtigt neber» ihm stehen? Mit solchen Gedanken können sich die Herren nicht be» freunden. Ist es denn wirklich wahr, datz die Frau weniger intelligent! ist wie der Mann? Datz dem nicht so ist, zeigt ein einziger Blick im das öjfeMiche Lkdm. Wir ftjfciL wie die ZM der dejMtigte Frauen in der Industrie, im Handel und Verkehr, in der Landwirt- 1 ab 1. Juli 50 Bf. pro Woche. Eine ganze Reihe von Bahlstellen er- Infolge der Maifeier wurden 1007 Kollegen 1 Tag, 86 Kollegen fchaft gewaltig wächst. Sollten nun alle diese Frauen, die es fertig heben schon seit längerer Zeit neben dem Verbandsbeitrag Lotal- 2 Tage, 25 Kollegen 3 Tage, 467 Kollegen 4 Tage, 40 Kollegen bringen, für sich den Lebensunterhalt zu verdienen, ja oft noch beiträge, um den Wünschen der Kollegen am Orte mehr Rechnung 2 Wochen ausgesperrt und 53 entlassen. An Gemaßregeltenunter. Eltern und Geschwister unterstützen, als Witwen eine ganze Familie tragen zu können. So auch die Berliner Bahlstelle, die neben den stüßung wurde für die Ausgesperrten 11 698,15 M. gezahlt. Zum Schluß wurden die Vertrauensleute ersucht, die in Tische ernähren, nicht eben so viel gefunden Menschenverstand befizen wie sonstigen Lokalzuschlägen bei Streits usw. bereits die Krankenunterder Mann? Hat es nicht zu allen Zeiten Frauen gegeben, die geistig stützung eingeführt hat. Da wir nun vom 1. Juli ab einen Beitrag lereien beschäftigten Bildhauer auf ihre Pflicht, sich zu organisieren, den Durchschnittsmann himmelweit überragten? Und diese geistig von 50 Pf. abführen müssen, bleiben bon den 20 Bf. Lotalbeitrag aufmerksam zu machen. Hochstehenden Frauen sollten nicht fähig sein, mit in die Gesetzgebung zur Strantenunterstüßung, die wir seit dem 1. April 1905 erheben, Zentralverband der Konditoren. In der Mitgliederversammlung einzugreifen? Es ist wirklich tief beschämend für die gesamte nur 5 Pf. übrig. Unsere Bahlstelle würde für die Lokaltasse einen vom 21. b. M. wurde durch Weidler das Verhalten der Bäder Frauentelt, so behandelt zu werden. Wenn es sich um die Liebe Einnahmeausfall von rund 41 000 m. pro Quartal haben, wenn wir innungen zu unseren Tarifforderungen bekannt gegeben und auf und Gunst schöner Frauen handelt, besingt man dieselben in allen die Lokalzuschläge in derselben Höhe vom 1. Juli 1906 bis 1. Juli eine Donnerstag, den 28. Juni, stattfindende öffentliche Versammlung Tonarten, nur wenn von Gleichberechtigung die Rede ist, will man 1907 zahlen würden, ohne den Lokalbeitrag zu erhöhen. Die Tat hingewiesen. Bigusch gab den Bericht vom Verbandstage. Die Be nichts von ihnen wissen. Trotz der Mißhandlung, die jeder Frau, ob fache, daß unser Tarif im Januar 1907 abläuft und wir bestrebt schlüsse wurden ohne Debatte genehmigt. Der Vorschlag der Lokal arm oder reich, von feiten der Gegner des Frauenstimmrechtes wider- sein müssen, bei dieser Gelegenheit Berbesserungen zu erringen, berwaltung und der Vertrauensleute, trotz der Erhöhung der Bei fährt, leiften die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen den bürgerlichen beranlaßt uns, Stellung zur Beitragserhöhung zu nehmen, um träge auf 50 Bf. für männliche und 20 Pf. für weibliche Mitglieder Barteien immer noch Gefolgschaft. Früher hat man sie vielleicht unseren Kampffonds nicht zu schwächen, weil wir mit der Wahr- innerhalb der Berliner Mitgliedschaft noch einen Lokalzuschlag glauben gemacht, gegebenenfalls für fie einzutreten. Nach den scheinlichkeit eines Konflikts beim Ablauf des Tarifs rechnen von 5 Bf. pro Woche von den männlichen und 20 Bf. jeden zweiten Tezten Beratungen im Reichstag müssen den Damen die Augen über müssen. Die Verwaltung stellt deshalb den Antrag, den Beitrag Monat von den weiblichen Mitgliedern zu erheben, wurde mit großer ihre wahren und ihre falschen Freunde geöffnet sein. Wenn sie bis zum 1. Juli 1907 auf 90 Pf. pro Woche zu erhöhen, weil wir bis Majorität angenommen, um hierdurch größere Mittel zur Agitation trozdem nicht zur Sozialdemokratie kommen, und somit für lange zu diesem Zeitpunkt die Krantenunterstüßung aus lokalen Mitteln zu erhalten. Für das Verbandsbureau wurde noch eine Hülfstraft Beit auf das Wahlrecht freiwillig Verzicht leisten, ist es nur bürger zahlen müssen. Der Gauvorstand hat mit den Vorortzahlstellen auf halbe Tage in der Person des Kollegen M. Thieme gewählt ficher Dünkel, der sie abhält, mit Proletariern Hand in Hand zu eine Konferenz abgehalten, um für die Zahlstellen, die eng mit Verein Berliner Hausdiener. In der am 21. Juni start be gehen. Berlin verbunden sind, einen einheitlichen Beitrag einzuführen. Wir aber, die wir längst treu zum Sozialismus halten, werden Diesem Vorschlage haben die betreffenden Zahlstellen zugestimmt suchten Mitgliederversammlung des Vereins Berliner Hausbienes hielt Genosse Fülle einen Vortrag über:„ Die Revolution von hielt Genosse Fülle einen Vortrag über:„ Die Revolution von umablässig fämpfen für die Erlösung der Frau aus geistiger und leib- und vorgeschlagen, den Beitrag auf 90 Bf. pro Woche festzusetzen. oben". Dem 1½stündigen interessanten Vortrage des Referenten licher Knechtung. Allerdings bedarf es noch vieler Arbeit, ehe wir Es entspann sich eine äußerst lebhafte Diskussion. Sämtliche die noch fern stehenden proletarischen Schwestern von dem ersprieß- Redner vertraten den Standpunkt, daß wir bei Ablauf des Tarifs zollte die Versammlung starken Beifall. Der Vorstand machte ber Tichen Wirken der Sozialdemokratie überzeugt haben. Doch wir lassen einen tüchtigen Kampffonds haben und auf alles gefaßt sein müssen. tannt, daß seit dem 17. Mai 9 Kollegen gestorben sind. Dass uns die Zeit nicht lang werden, wohl wiffend, daß man bei den Von einigen Kollegen wurde nur darauf hingewiesen, daß es denken der Verstorbenen wurde durch Erheben von den Plätze Frauen, die durch harte Arbeit und Not in Stumpffinn verfallen sind, schwer sein werde, den Beitrag zu erhöhen, weil wir einen großen Für die ausgesperrten Bithographen und Steindruder wurdes Ausdauer haben muß. Wenn nur unablässig agitiert wird, werden Teil von Kollegen haben, die nicht mehr als 24 M. pro Woche ber500 Mark bewilligt. pillün insa wir, sobald wir in den Besitz des Wahlrechtes gelangen, gerüstet das dienen. Von anderer Seite wurde demgegenüber betont, daß es stehen und der Partei unsere Stimme geben, die einzig und allein dann um so notwendiger sei, die Beiträge zu erhöhen, um alles für die Enterbten allezeit eintritt, die auf ihre Fahne geschrieben hat: daran zu sehen, solche unwürdigen Löhne zu beseitigen. Einige Gleiches Recht für alle! Diskussionsredner schlugen vor, den Beitrag auf 1 M. pro Woche festzusehen, während ein Kollege beantragte, die Lokalzuschläge fo weit herunterzusehen, daß die Lokaltasse keine Mindereinnahme 1. Wahl des Gesamtvorstandes. 2. Berschiedene Kassenangelegenheiten. hat. Die Gesamtvertauensmännerversammlung beschloß( unter Ablehnung aller anderen Anträge) gegen etwa 10 Stimmen, den Deutscher Holzarbeiterverband. Eine überaus gut besuchte Beitrag für unsere Bahlstelle auf 90 Pf. pro Woche zu erhöhen und Gesamtvertrauensmännerversammlung befaßte sich am 21. 5. M. dies den Kollegen zur Ürabstimmung zu unterbreiten. Gleichzeitig in Sellers großem Saal mit der Regelung des Lotalbeitrages nach wurde beschlossen, den Beitrag für weibliche Mitglieder auf 30 Pf. der vom Verbandstag beschlossenen Beitragserhöhung. Der Referent, pro Woche zu erhöhen und dafür höhere Lokalzuschläge zu zahlen. Kollege Erner, führte ungefähr folgendes aus: Eine Reihe guter Den Bericht über Lohndifferenzen und Streits gab Sollege Geschäftsjahre und die Verdoppelung der Mitgliederzahl haben zur R. Leopold: Es fanden während der Berichtszeit 15 Streits mit Folge gehabt, daß große finanzielle Anforderungen an den Verband 372 Kollegen statt. In 6 Werkstätten wurden die Differenzen gestellt wurden, indem die Kollegen allerorts bestrebt waren, ihre ohne Arbeitsniederlegung zugunsten der Kollegen erledigt. Von den Lebenslage zu verbessern. Um in Zukunft allen Anforderungen 15 Streits gingen 4 verloren. Bei der Schlichtungskommission entgegenkommen zu können, hat der Verbandstag eine Erhöhung wurden 55 Differenzen gemeldet, bon denen noch 14 schweben. der Beiträge zum Kampffonds und die Einführung der Kranken- Außerdem fand eine erfolgreiche Lohnbewegung der Hutformmacher unterstüßung beschlossen. Demnach beträgt der Verbandsbeitrag statt. Verfammlungen. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber feinerlei Verantwortung. 8291 390 Theater. Sonntag, den 24. Juni of Anfang 7%, Uhr: Neues Cherntheater. Cavalleria rusticana. Der Bajazzo. Montag: Die Fledermaus. Deutsches. Ein Sommernachts. traum. Montag: Der Kaufmann von Benedig. Neues. Orpheus in der Unterwelt. Montag: Dieselbe Borstellung. Berliner. Fedora. Montag: Cymbelin. Anfang 8 Uhr: Leffing. Die lustige Wittte. Montag: Dieselbe Borstellung. Schiller 0.( Wallner Theater.) Mortiz- Oper: Die Afrikanerin. Nachm. 3 Uhr: Der Trompeter bon Säffingen. Montag: Nigoletto. Schiller N.( Friedrich Wilhelm städtisches Theater). Heiratslustig. Nachm. 3 Uhr: Das Glüd im Winkel. Montag: Heiratsluftig. Kleines. Ein idealer Gatte. Montag: Dieselbe Borstellung. Kleines Theater. Ein idealer Gatte. Anfang 8 Uhr: Montag und folgende Tage: Ein idealer Gatte. Neues kgl. Operntheater ( Kroll). Anfang 7, Uhr. Sonntag, den 24. Juni: Cavalleria rusticana. Der Bajazzo. Montag: Die Fledermaus. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und Invalidendank. Komische Oper. Sommerspielzeit 1906. Hoffmanns Erzählungen. Sommerpreise. ( Reine Borverkaufsgebühr.) Anfang 8 Uhr. Zentral- Theater. ( Operette.) 3 Uhr.( Halbe Preise!) Die Fledermaus. Operette in 3 Atten. Abends 8 Uhr: Komische Oper. Hoffmanns Gr. Der luftige Krieg. zählungen. Montag: Dieselbe Borstellung. Zentral. Der luftige Strieg. Nachm. 3 Uhr: Die Fledermaus. Montag: Nanon. Lustspielhaus. Das Fest der Hands werker. Borher: Die Verlobung bet der Laterne. Montag: Dieselbe Vorstellung. Thalia. Bis früh um Fünfe! Montag: Diefelbe Borstellung. Metropol. Auf ins Metropol. Montag: Dieselbe Borstellung. Apollo. Das blaue Bild. Spezia litäten. Montag: Dieselbe Borstellung. Carl Weiß. Sündige Liebe. Montag: Dieselbe Borstellung. Wintergarten. Tortajada. Spezialit. Paffage. Willy Prager. Spezialit. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubeustraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngste Aus. bruch des Besub. Montag: Dieselbe Vorstellung. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Fedora. Schauspiel in 4 Aften v. B. Sardou. Anfang 8 Uhr. Deutsch v. Lindau. Montag: Cymbelin. n. 8ubr. Dienstag: Fedora. BUhr. Operette in 3 Atten mit Mia Werber u. Oskar Braun. Montag( halbe Preise): Nanon. Dienstag: Nanon. Mittw.: Der luft. Krieg. Halbe Pr. Donnerstag: Nanon. Freitag: Der luftige Krieg. Sonnabend: Nanon. Sonnt. 3 Uhr: Fledermaus. Halbe Br. " 8 Uhr: Nanon. Das neue glänzende Juni- Programm. 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Juni: Versammlung in der Kopenhagenerstraße 29 bei G. Degner. Tagesordnung: 1. Vortrag über: Unsere Jocale". Referent Genosse E. Kreplin. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Allgemeine Familien: Sterbekasse. Heute: Bahltag Aderstraße 123 bei Wiesenthal, und Mariannenstraße 48 bei Liebehenschel von 3-6 Uhr. Wasserstand am 22. Juni. Elbe bei Auffig+0,53 Meter, bei Dresden-0,96 Meter, bei Magdeburg+1,70 Meter. Unstrut bei Straußfurt+ 1,60 Meter. Oder bei Ratibor+ 1,64 Meter, bei Breslau Oberpegel+5,18 Meter, bei Breslau Unterbegel bei Frankfurt+2,34 Meter. 23 eich fel bei Brahemünde+ 4,36 Meler, Barthe bei Bosen+1,07 Meter. 0,54 Meter, Urania Tauben Bernhard Rose- Theater str. 48/49. Täglich abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. Sternwarte Invalidenstr.57/ 62. 0OLOGISCHER CARTEN Zi Heute Sonntag 50 PL. Eintritt Kinder unter 10 Jabren die Hälfte. Nachmittags ab 4 Uhr: Militär- Doppel- Konzert. Morgen sowie täglich: Militär- Doppelkonzert. 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Gänsebraten, Kotelett mit Sonntag: Spargel, Aal' grün, Gurkensalat( fleine Preise). ( fleine Großer Mittagstisch reife). Reichhaltige Abend- Speisenkarte. Vorzüglichen Kaffee in Kannen zu 50 Pf. Echt Kulmbacher, Happold Tip- Top. Alte Weiße. Schöner schattiger Garten. Künstliche Zähne 1,50 M. Garantie für guten Siz u. Brauchbar teit. Plomben 1 M. Schmerzloses Bahnziehen 1,50. Zahn- Atelier W. Bokofzer, Prinzenstr. 46, II. Sozialdemokratischer Wahlverein für den IV. Berliner Reichstagswahlkreis Sonntag, den 24. Juni, in Scheruchs Etablissement, Hasselwerder( Nieder- Schöneweide): 1D Großes Sommer- Fest unter Mitwirkung des Rudervereins ,, Vorwärts", Mitgliedern des Arbeiter- Radfahrerbundes ,, Solidarität", Mitgliedern des Arbeiter- Sängerbundes. Konzert unter Leitung der Musikdirektoren Kasperle- Theater.- Kinder- Fackelpolonaise.- Belustigungen aller Art. Großes Brillant- Feuerwerk. Am Eingang erhält jedes Kind eine Marke zur Stocklaterne und eine Marke zur Schaukel oder Karussel gratis. Die Kaffeeküche 619 spillisteht den geehrten Damen sowohl vormittags wie nachmittags zur Verfügung. abrileed Kasseneröffnung morgens 7 Uhr.- Anfang 8 Uhr. Billetts 20 Pf. Das Komitee. 243/15 Sozialdemokratischer Wahlverein für Schöneberg. Alen: Sonntag, den 24. Juni, in Obst's Festsälen: XVII. Stiftungs- Fest. Vokal- und Instrumental- Konzert unter Mitwirkung der Gesangvereine Frohe und Rote Nelke( M. d. A.-S.-B.) offnung Das Konzert wird ausgeführt von Zivilberufsmusikern unter Leitung des Dirigenten Kissel. 15/12 Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr ab geöffnet. Eintritt 20 Pf. Anfang 4 Uhr. 9 Uhr: Kinder Fackelzug, Der Vorstand. Köpenick. Turnverein ,, Eiche( Mitglied des Arbeiter. Turner- Bundes). 10. Stiftungs- felt. Zur Feier desselben: Sonnabend, den 30. Juni, 8 Uhr, im Vereinslokal Scheers ,, Wilhelmsgarten": Festkommers. Sonntag, den 1. Jull, Früh- Konzert im Vereins. 6 Uhr: lokale. nach dem Turnplatz Nachmittags Festzug Bahnhofstraße. 2 Uhr: Daselbst: Schauturnen. Abends: Großer Ball bei Scheer und Seidel. Wir beabsichtigen mit unserem Turnfest für Köpenick ein Volksfest zu veranstalten und laden hiermit die gesamte Arbeiterschaft von Köpenick und Umgegend dazu ein. 283/ 4* Diez' Spezialitäten-Theater. Landsberger Allee 76/79( Ringbahnstation). Ob schön! Im herrlichen Garten oder Saal: Ob Regen! Täglich: Gr. Konzert, nene Spezialitäten und Ball. Das größte und befte Programm Berlins. 11. a.: La Matschiche! megitanischer Tanz, ausgeführt vom besten Tanzduett Jeanette und Vallis. Robert und Bertram, das berühmte Grotest- Duett. Josefine Delcliseur, das weibliche Unikum. Die Wunder der Turnkunst: The tree Burtons und Great Harry und Olly Smith, Szene im Restaurant. Kaffeeküche. Volksbelustigungen aller Art. Anfang 4 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf., Sonntags 30 Pf. Avis! Bom 1. bis 16 Löwen bie größte Senſation und 30. Juli: beste Gruppe der Welt. Jm Salon des Löwenbändigers. A. Diez. G Sonntag, den 24. Juni 1906, im ,, Moabiter Schützenhause" ( Plötzensee): Gaufest des Gaues IX des Arbeiter- Radfahrer- Bundes ,, Solidarität", verbunden mit Doppelkonzert, Gesang, Humoristischen Aufführungen, Spezialitäten und Tanz. Radsportliche Aufführungen durch 8 unserer Bundesvereine sowie Auftreten des Berliner Ulk- Trio und der Volkssängergesellschaft Lewandowsky. Sensationelle Tandemfahrt mit bengalischer Beleuchtung Eintritt 25 Pf. auf einem 20 Meter hohen Seil. Vorverkauf 20 Pf. Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Kinder erhalten an der Kasse 2 Bons zur beliebigen Benutzung des Karussels usw. und zur Stocklaterne Anfangs mittags 12 Uhr. Hierzu ladet freundlichst ein Schwarzer Friedrichsberg gratis! E Ende??? mile Der Gauvorstand. SE Adler Frankfurter Chaussee 5 ( früher 120.) Stadtbahnstation Frankf. Allee. Inh.: Gebr. Arnhold. Fernspr. Friedrichsberg No. 8. Jeden Sonntag: Großes Künstler- Konzert und Spezialitäten- Vorstellungen. Im Königssaal: Großer Ball. Jeden Mittwoch: Willy Walde- Sänger. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Gr. Militär- Konzert. Donnerstag, den 28. Juni: 4. Garde- Regiment unter Leitung des kgl. Musikdirektors Schrader. Diez Seeterrasse, Lichtenberg Max Kliems Sommer- Theater. Röder Straße 6, zwischen Landsberger Allee und Röder- Platz Größtes und schönstes Vergnügungs- Etablissement des Ostens. Fahrverbindungen ab Alexanderplaz Linien 64, 65, 66, 67, 68, 69, 70, 71, 81. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: Gr. Lützow- Konzert in Jäger- Uniform. Erstklassiges Spezialitäten- Theater. Die neuefte und in den größte Sensation Feuer- Todes- Tauchersprung ⚫th See der Welt: ( 11 000 m groß), Blitzfahrt, Kunstfahren im fleinsten Todesring unter Mitwirkung des kleinsten Rennfahrers der Welt. Riesen- Land- und Wasser- Feuerwerk. In zwei Sälen: 15 Ruderboote. Riesen- Kaffeeküche. 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November 1907 bezm, ob der neue infolge eines Streifes der Firma ihrer Behauptung nach aufgezwungene, jedenfalls in einer Not lage aber von ihr anerkannte Tarif bom 1. März 1906 als rechtsungültig zu erachten sei, war von beiden Zeilen das Einigungsamt angerufen worden. Dieses hat in seiner Sigung vom 12. Juni den Parteien nachstehenden Vergleichsvorschlag unterbreitet: Vergleich: 1. Die Parteien willigen in die Aufhebung des Posttarifes bom Dember 1903 bom Arbeitgeber unterzeichneten Minimal tarifes vom 1. März 1906. 2. Im übrigen soll fortan der mit den einzelnen Firmen der Branche abgeschlossene Minimaltaris für die Nieter in der Kartonbranche" bom 1. Januar 1906 für die Parteien Gültigkeit erhalten, jedoch mit der Maßgabe, daß unter der Rubrik " Preise für Affordarbeiten", Nr. 3 Teiletasten, an Stelle der dort auf geführten Lohnfäße die bisher von der Firma gezahlten höheren Preise eingestellt und dementsprechend, wie folgt, gewährt werden sollen: Mit 2 Tellen flachem Deckel bis 30 cm 20 31 tiefem Dedel 30 30 Mit 2 Teilen flachem Dedel, 30-40 cm 25 tiefem Dedel, 35 . 0 Mit 2 Teilen, flachem Dedel, über 40 cm 30 tiefem Deckel 40 40 Mit 1 Teil laut Tarif. 3 Zeilen, flachem Deckel 40 tiefem 3 60 4 " " 4 " flachem tiefem 50 " " 70 " " Für Reiftenpoft, 2 bis 8 goll 15 b. gez. Paul Lucht. A. Körsten. g. it. gez. von Schulz. Aug. Brandt Ad. Ritter. gez. Hermann Kaufmann. Für die Arbeitnehmer( vorbehaltlich der Genehmigung der Versammlung): gea. Paul Schade. Karl Klappenbach. Karl Hübner. Dbigem Vergleichsvorschlage haben die Parteien zugestimmt. Berlin, den 20. Juni 1906. Der Vorsitzende des Einigungsamtes. In Vertretung: gez. Dr. Leo. 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Es handelte sich hier hauptsächlich um den im Die Versammelten ersuchen deshalb die Reichsregierung, eine Sommer vorigen Jahres auf Veranlassung des Geschäftsführers Kommission einzusehen, die auch Auskunftspersonen, die von den Menzel gegen den Lagerhalter Stiller der Verkaufsstelle in der Berufsvereinen der Angestellten bezeichnet werden müßten, hört, Wiclefstraße geführten Prozeß wegen Beihülfe zum Einbruchsdamit die gesetzgebenden Körperschaften ein objektives Bild der diebstahl. Der Prozeß, der für den Angeklagten natürlich viel Ver. tatsächlichen Verhältnisse erhalten. druß und Widerwärtigkeit mit sich brachte, endete bekanntlich, da Da die Reichsregierung unter Berufung auf die einseitigen auch nicht der geringste Beweis zu erbringen war, mit gänzlicher und unzutreffenden Auskünfte der preußischen Anwaltskammern Freisprechung. Der Lagerhalter Stiller schilderte nun, in welcher bereits im Reichstage die Erklärung abgegeben hat, ein Bedürfnis Weise die Anzeige zustande gebracht worden war, sowie den ganzen zur gesetzlichen Regelung der Berufsverhältnisse fönne nicht an- Verlauf des Prozesses. In Uebereinstimmung mit seinen Auss erkannt werden, so erblicken die Versammelten in den jetzt in den führungen wurde auch in der regen Diskussion, die sich daran schloß. übrigen Bundesstaaten veranstalteten Erhebungen nur einen Ver- das Verhalten Menzels in der Angelegenheit scharf verurteilt. such, die vom Reichstage wiederholt geforderte gesetzliche Regelung Stiller, der seinerzeit sofort entlassen worden ist, berlangt nun sein der Berufsverhältnisse zu vereiteln. rückständiges Gehalt. Die Geschäftsleitung hat jedoch eine Gegenforderung für Außenstände und Mantos aufgestellt und bor geschlagen, die Angelegenheit einem Schiedsgericht zu überweisen. Stiller lehnte aber, nach Rücksprache mit dem Bezirksvorsitzenden des Lagerhalterverbandes, diesen Vorschlag ab und hat nun Klage beim Kaufmannsgericht eingereicht. Dieser Schritt wurde auch von der Versammlung allgemein gebilligt, in der Ueberzeugung, daß durch die Freisprechung Stillers die Berechtigung seiner Ge haltsforderung hinreichend bewiesen, und somit ein Schiedsgericht überflüssig sei. Wenn das Kaufmannsgericht sein Urteil gesprochen Von mehreren Rednern wurde darauf hingewiesen, wie leicht bei Diebstählen in den Verkaufsstellen der Konsumvereine ein bat, soll sich die Organisation nochmals mit der Sache befassen. schlimmer Berdacht auf die Lagerhalter fallen kann. wurden verschiedene Mängel der Anstellungsverträge der Lagerhalter erwähnt, die eine einheitliche Regelung durch Verhandlungen zwischen ihrer Organisation und den Vorständen der Genossenschaften notwendig erscheinen ließen. Bevor jedoch weiter zu dieſer Frage Stellung genommen wird, soll erst das Ergebnis des gegenwärtig in Stettin tagenden Kongresses des Zentralverbandes der Konsumbereine abgewartet werden. Die Versammelten bitten deshalb den hohen Reichstag, auf seiner Forderung, auch den Bureauangestellten den in der Gewerbeordnung und im Handelsgesetzbuch gewährten gesetzlichen Schuß zuzubilligen, unter allen Umständen bestehen zu bleiben. Des weiteren bitten die Versammelten den hohen Reichstag, das an die Regierung gerichtete Grsuchen, auch die Arbeitnehmer über die Berufsverhältnisse zu hören, nach Möglichkeit zu unterftüben." Diese Forderung wurde wiederum erhoben in einer öffentlichen Bersammlung, die der Zentralverein der Bureauangestellten für Donnerstag einberufen hatte. Der Referent Ba u er wies darauf hin, daß die Bureauangestellten schon seit einem Jahrzehnt dafür eintreten, daß gesetzliche Schutzbestimmungen, wie sie in der Ges werbeordnung den Arbeitern und im Handelsgesetzbuch den Handlungsgehülfen gewährt werden, auch den Angestellten in Anwaltsund sonstigen Bureaus zuteil werden. Der Reichstag hat bereits im Jahre 1899 einen Beschluß gefaßt, wonach die Regierung ersucht wird, tunlichst bald einen Gesezentwurf vorzulegen, der das Arbeitsverhältnis der Bureauangestellten in der Weise regelt, wie es das Handelsgesetzbuch für die Handelsangestellten tut. Aber noch heute warten die Bureauangestellten, obgleich sie ihre Forderungen mehrfach in Petitionen wiederholten, vergebens auf gefeßlichen Schuß, der doch gerade für diese Berufsklasse eine dringende Notwendigkeit ist, um so mehr, als ein Teil der Arbeitgeber selbst vor der rücksichtslosesten Ausbeutung der Angestellten nicht zurückschreckt. Alles, was die Regierung in der Richtung, die der Reichstag angab, getan hat, ist die Vornahme von Erhebungen über die Lage der Bureauangestellten seitens des preußischen Justizministers. Aber wie und Westenkonfektion hatten am 16. Juni in Dräsels Festsälen eine Die Zuschneider und Zuschneiderinnen der Herren-, Knabenfind diese Erhebungen veranstaltet worden! Nicht die Angestellten öffentliche Versammlung, um über ihre Stellung im heutigen Prohat man über ihre Lage befragt, sondern den Vorstand der Anwalts- duftionsprozeß und die Notwendigkeit der Organisation zu betammer. Die Arbeitgeber also sollten sich darüber äußern, ob die raten. Sabath als Referent schilderte ausführlich die Entvon ihnen beschäftigten Angestellten des gefeßlichen Schubes be- wickelung und das Wesen der Konfektion, sowie die Lage der Zudürfen! Diese Herren gaben ihr Gutachten, wie man es von ihnen schneider und Zuschneiderinnen. Die Arbeitsverhältnisse der Zunicht anders erwarten konnte, dahin ab, daß ein Bedürfnis nach ge- schneider und Zuschneiderinnen in der Konfektion haben sich danach setzlicher Regelung des Arbeitsverhältnisses der Bureauangestellten unter dem Einfluß verschiedener Umstände verschlechtert. Die nicht vorhanden. Gegen diese Art der Erhebungen hat sich bereits Konfektion wird immer mehr Saisongeschäft, der Andrang von im vorigen Jahre die Generalversammlung des Zentralverbandes Zuschneidern nimmt zu, es reißt die Sitte ein, die Zuschneider am der Bureauangestellten gewandt. Jetzt sollen auch in anderen deut- Schluß der Saison zu fündigen, statt sie durchzuhalten über die schen Bundesstaaten Erhebungen vorgenommen werden, bei denen flaue Beit hinweg, wie früher. Abgesehen von Ausnahmen, ist die wieder nur die Vorstände der Anwaltskammern gehört, die Vertreter Entlohnung keine besonders gute; es fommen bei den Männern der Angestellten aber gar nicht beachtet werden! Es ist selbstverständ- Löhne von 25 Mark vor, aber selbst mit 30 bis 36 Mart läßt sich lich, daß solche einseitige Vornahme von„ Erhebungen" kein zu bei dem teueren Leben in Berlin nicht viel anfangen. Der Lohn treffendes Bild von der Lage der Angestellten geben kann. Damit der Zuschneiderinnen sinkt bis unter 12 Mark und steigt bis 20 Mark die Verhältnisse so dargestellt werden, wie sie wirklich sind, fordern und etwas mehr. Für die Errichtung von Pruntpalästen haben die die Bureauangestellten, daß die Erhebungen in der Weise vor sich Könige der Konfektion Geld, nicht aber für die Aufbesserung der gehen, wie sie die Kommission für Arbeiterstatistik über die Lage der Lage ihrer Angestellten. Statt deffen wird eine strenge Kontrolle Arbeiter in verschiedenen Berufen vorgenommen hat. Die öffent- über die Menge des Zuschnittes eingeführt, damit ja mehr zuliche Meinung muß die Regierung zwingen, den Standpunkt aufzu- geschnitten werde als das verlangte Minimum. Ein Hinauftreiben geben, den sie bisher in dieser Frage eingenommen hat. Nach dem der Leistungen greift um sich. Nur eine gute Organisation kann mit allseitigem Beifall aufgenommenen Referat wurde die nach bessernd eingreifen. Die besser gestellten Kollegen dürften dabei stehende Resolution einstimmig angenommen: nicht fehlen. Ebenso müßten die Zuschneiderinnen hinein, die doch Die am 21. Juni bersammelten Bureauangestellten Berlins selbst ein großes Intereffe daran hätten, für gleiche Leistungen protestieren auf das allerentschiedenste gegen die auf Veranlassung den gleichen Lohn wie die Männer zu erzielen, womit dann auch der Reichsregierung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit durch die die Möglichkeit für die Unternehmer wegfiele, die Löhne unter Hin- Swinemde. 761 8 Dem mit großem Beifall auf- Hamburg 763 NNW Berlin 762 WNW Justizministerien der Einzelstaaten veranstalteten einseitigen und weis auf die Frauen zu drücken. Frants.a. M. 764 SW ganz ungenügenden Erhebungen über das Arbeitsverhältnis der genommenen Vortrage folgte eine lebhafte Diskussion, in der alle Anwaltsangestellten durch Befragung der Anwaltskammern. Die Redner den Anschluß an die bestehende Zuschneider- Vereinigung München von den Anwaltskammern erstatteten Auskünfte über die Lage der zu Berlin", der Einberuferin der Versammlung, dringend Bien Angestellten entsprechen nicht den Tatsachen, sie sind lediglich als empfahlen. die Meinung einer Partei anzusehen und diftiert von dem Bestreben, den jebigen, den Arbeitgebern außerordentlich günstigen Zustand völliger Schußlosigkeit der Angestellten so lange wie irgend Reise- Anzüge 36.- 27.- 21.18.- 15.- 10.8 M Mk. 65 Strand- Anzüge 24.- 18.- 15.12.- 10.- 74 Mk. 25 Reise- Joppen 6.- 5.- 4.3.30 2,60 85 Pf. Reise- Mützen 1 Sodann wurde eine Notiz der neuesten Nummer des„ Genossens schafts- Pionier" verlesen, die von der Kündigung des Lagerhalters Girach und von dessen Klage vor dem Kaufmannsgericht in Lichtenberg handelt. Hierzu wurde bemerkt, daß der Redakteur Simon Maßenstein an der Aufnahme der Notiz unschuldig sei. Der Verfasser sei ein Buchhandlungsgehülfe und selbst Mitglied eines Kaufmannsgerichts. Witterungsübersicht vom 23. Juni 1906, morgens 8 1hr. Better Stationen HE Stationen 763 762 Barometer. stand mm Wind Bunipi Windstärke Wetter Temp. n. T. BRAKE.=° R. 17 Haparanda 760 N 14 Petersburg 755 D 15 Scilly 17 2lberdeen 4 heiter 13 1 molfen! 19 4 mollig 1 Mebel 1 moltig 4 bedeckt 2 bedeckt 1 bedeckt 3 bedeckt 16 Baris 761 DSD 764 GSD 764 DND 15 12 2wollen! 18 2 wolfen! 20 Wetter- Prognose für Sonntag, den 24. Juni 1906. Der Verband der Lagerhalter und Lagerhalterinnen Deutsch- Bielfach heiter, am Tage etwas wärmer, bei mäßigen südwestlichen lands, Bezirk Berlin und Umgegend, hielt am Sonntag nachmittag Winden; feine erheblichen Niederschläge. im Gewerkschaftshause eine Versammlung ab, in der die Frage: Reise- Pelerinen 16.- 12.- 10.8.- 6.75 4 MK Mk. 25 5Loden- Havelocks 24.- 21.- 18.15.- 12.- 10.6 Mk. 75 Staub- Mäntel 15.- 9.- 7.50 5,50 4.50 1.75 6.3Mk Reise- Wäsche Mk. 75 Reise- Hüte, Rucksäcke. ORIGINAL SINGER NAHMASCHINE Singer Nähmaschinen. Einfache Handhabung! 3302* Große Haltbarkeit! Hohe Arbeitsleistung! Weltausstellung Weltausstellung Grand Prix St. Louis 1904. Paris 1900: Unentgeltlicher Unterricht, auch in moderner Kunststickerei. Elektromotore für Nähmaschinenbetrieb. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. Berlin W., Leipzigerstr. 92. Filialen in allen Stadtteilen Getreidepreise steigen! 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Kühnes Festfäle, Niederwallstraße 20. un bie Schildermaler und alle in den Schildermalereien beschäftigten Personen: Anmacher, Vergolder, Vergolderinnen, Lackierer, Ausschneider, Klempner, Schlosser, Glasschleifer usw. Berlins n. Umgegend! Donnerstag, den 28. Inni, abends 8% Uhr, bei Dräsel, Nene Friedrichstr. 35( groker Saal): Oeffentliche Versammlung. Zages Ordnung: 1. ,, Zweek und Nutzen der Organisation!" Referent: Gen. A. Ritter. 2. Distuffion. Es ist Pflicht aller in der Schilderbranche beschäftigten Personen, in dieser Versammlung pünktlich zu erscheinen. Ehrensache eines Jeden ist es, für diese Versammlung zu agitieren, damit es eine vollzählige, und unsere Arbeit eine gründliche wird. Wir appellieren nochmals an Eure Solidarität, sämtlich zu erscheinen und alle Säumigen mite Mit Gruß zubringen. Tages Debnung: 1. Bortrag des Genossen Redakteurs Wermuth über:" Die große franzöfifche und 35/105 die russische Revolution". 2. Vorstands- und Kassenbericht. 3. Wahl der Delegierten aur Berbands- Generalversammlung. 4. Anträge. 2. Kreis. Habels Brauerei, Bergmannstraße 5/7. Zages Drbnung: 1. Bericht des Borstandes. 2. Erfagwahl des zweiten Schriftführers. 3. Die Verbands- Generalversammlung. Anträge und Wahl der Delegierten zu berselben. 4. Vereinsangelegenheiten. Bu Punkt 3 find folgende Anträge gestellt: 1. Die einzelnen Kreiswahlvereine Groß- Berlins haben das Recht, an ihre Mitglieder im Laufe des Geschäftsjahres Broschüren von gleichem Gesamtpreise, bis 50 f.( ausschließlich Parteitags- Protokoll), jedoch eventuell von verschiedenem Inhalt, gratis zu verteilen. 2. Die bem Altions- Ausschuß zur Beschlußfassung vorliegenden wichtigen Angelegenheiten müssen auf Antrag der Bertreter von drei Streifen dem Zentralborstande zur Beschlußfassung überwiesen werden. 3. Kreis. Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15. Zeges Drdnung: 1. Bericht des Borstandes. 2. Die Verbands- Generalversammlung und Wahl der Delegierten hierzu. 3. Anträge für Ausschluß von Mitgliedern. 4. Bereinsangelegenheit. 4. Kreis. Kellers Festfäle, Koppenstraße 29. Zages Drdnung: 1. Die Berbands- Generalversammlung und Anträge hierzu. 2. Wahl der Delegierten. 3. Bereinsangelegenheit und Verschiedenes. 5. Kreis. Altes Schützenhaus, Linienstraße 5. Zages Drbnung: 1. Bericht des Borstandes und der Kommission. 2. Wahl der Delegierten zur Verbands- Generalversammlung. 3. Bereinsangelegenheit und Verschiedenes. 6. Kreis. Germania- Säle, Chauffeestraße 103. Zages Drbnung: 1. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung Groß- Berlins. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Anträge. a) Bielepp und andere: Berbilligung des Borwärts" und Wochen abonnement. b) Fiedler: Dem Vorwärts" zweimal wöchentlich eine Beilage speziell zur Aufklärung der Arbeiterinnen beizulegen. Mitgliedsbuch legitimiert. Bahlreichen Befuch erwartet Sozialdemokratischer Wahlverein Rummelsburg. Dienstag, den 26. Juni, abends 8 Uhr. im Saale der Ww. Weigel, Türrschmidtstraße 45: General- Verfammlung. Zages Drdnung: 1. Bericht bes Borstandes. 2. Distuffion. 3. Statutenberatung. 4. Wahl des gesamten Borstandes. 5. Wahl von Delegierten zur KreisGeneralversammlung am 30. Juni. 6. Wahl von Delegierten zur Berbands. Generalversammlung am 29. Juli in Berlin. 7. Vereinsangelegenheiten. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Der Vorstand. 8/7 Zentralorganisation der Steinsetzer und Berufsgenossen Deutschlands. Sonntag, den 1. Juli 1906, vormittags 9% Uhr: Kombinierte Versammlung der Mitglieder fämtlicher Unterbezirke für Groß- Berlin im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal 4). Zages Drdnung: 1. Bericht der Schlichtungskommission. 2. Besprechung der Be ftimmungen bes Tarifes, insbesondere der§§ 8: Leistung-( einwandfreie Arbeit), 9. Lehrlingsstala, 12: Nebst Sternanmerkung ( Polierberein?), 13: Bauarbeiterschutz( Unterkunftsräume). Rollegen! Es muß endlich Klarheit geschaffen werden, um so die Ruhe im Gewerbe zu gewährleisten und ein gedeihliches Zusammenarbeiten auf den Baustellen zu ermöglichen. Der Zentralvorstand. 209/ 8* Die Verwaltung Berlin III der Schildermaler. Stukkateure. Montag, den 25. Juni 1906, abends 8 Uhr, in den Musikerfälen, Kaiser Wilhelmstr. 18m: Außerordentl. Mitglieder- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Fortsetzung der Debatte über Bwved und Nugen der Gewerkschaftsorganisation mit besonderer 173/ 18* Berücksichtigung von Vorfällen in unserer Filiale." 2. Verschiedenes. Die Mitglieder werden ersucht, ihre Beitragsreste auf das geringste Maß zum 1. Juli au beschränken, weil von da ab neue Statuten in Kraft treten. Angesichts der Hochwichtigen Tagesordnung ist es Ehrenpflicht der Kollegen, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Allgemeine Orts Stratentaffe Deutscher Metallarheiter- Verband. für die vereinigt. Gewerbebetriebe Charlottenburgs. Wir bringen hiermit zur öffent. lichen Kenntnis, daß der Bezirks ausschuß II. Nachtrag Staffen statut genehmigt hat. 274/15 Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679, Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. baigais ben 1. ning sum fuit Achtung! Metallarbeiter Rixdorfs! Achtung! Danach betragen die wöchentlichen Versicherungsbeiträge in der Lohnflaffe A 1,02 M., I 0,81 M., II 0,69 M., III 0,57., IV 0,45 M., V 0,30 M. Ferner wird beim Tode der Ehefrau oder eines Kindes eines Kaffenmitgliedes, sofern diese Personen felbst nicht in einem gefeßlichen Ber ficherungsverhältnisse stehen, auf Grund dessen ihren Hinterbliebenen ein Anspruch auf Sterbegeld zusteht, Montag, den 25. Juni 1906, abends 8, Uhr: Bezirks- Versammlung für Rixdorf und Umgegend im Lotale von H. Thiel, Rigdorf, Bergstraße 151-152. Tages Ordnung: 1. ,, Der Kampf zwischen Kapital und Arbeit". Referent: dem Kaffenmitgliede ein Ange- Stadtverordneter Genoffe E. Böske. 2. Diskussion. 3. Verbands. hörigen- Sterbegeld nach näherer Borschrift des Statuten- Nachtrages Angelegenheiten und Verschiedenes. bezahlt. Gedrudte Statuten- Nachträge wer den den Kassenmitgliedern auf Wunsch jederzeit im Staffenlotal ausgehändigt, ebenso erhält jeder Arbeitgeber eine genügende Anzahl davon zur Ver teilung an die bei ihm beschäftigten Kaffenmitglieder. Charlottenburg, den 18. Juni 1906. Der Kaffenvorstand. Wilh. Ahrens. teppdeden billigst direkt in der Fabrik 72. Wallstr. 72, too auch alte Steppdecken aufgearbeitet werden. Bernhard Strohmandel, Berlin Ks. luftr. Katalog gratis. Verband der Sattler. Ortsverwaltung Berlín. Montag, den 25. Juni 1906, abends 8% Uhr, in B. Franke's Festfälen, Sebastianstr. 39: Große Oeffentliche Versammlung aller Militärsattler Berlins. Tages Ordnung: Um zahlreichen Besuch wird ersucht. Montag, den 25. Juni 1906, abends 7, Uhr: Mitglieder- Versammlung für Königs- Wusterhausen und Umgegend im Lotal von Lange, Berlinerstraße 31 in Königs- Wusterhausen. Tages- Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verbands- Angelegenheiten. Bahlreicher Besuch wird erwartet. Dienstag, den 26. Juni 1906, abends 8 Uhr: Allgemeine Uhrmacher- Versammlung in den ,, Arminhallen", Rommandantenstr. 20. Zages Drdnung: 1. Vortrag des Kollegen Karl Schmidt über: ,, Die Arbeiter. bewegung früher und jetzt". 2. Diskussion. 3. Verbands- Angelegen. heiten. NB. Die Kollegen von Siemens u. Schuckert, Allgem. Eleks trizitäts- Gesellschaft, Dr. Paul Meyer, C. P. Goerk und aus den Tarameterbetrieben find speziell hierzu eingeladen. Bahlreichen Besuch erwartet 121/3 Die Ortsverwaltung. Zentralverband d.Schuhmacher Deutschlands. Montag, den 25. Juni 1906, abends 8%, Uhr: Außerordentliche General- Versammlung in den Residenz- Sälen, Landsbergerstraße 31. Zages Drdnung: 1. Bericht der Delegierten von der Generalversammlung in Nürnberg. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Ortsverwaltung. 1. Kündigung oder Verlängerung des bestehenden Tarifs. 2. Die lekten Vorgänge bei der Firma v. Tippelskirch. 144/20 3. Verschiedenes. Kollegen! In dieser Versammlung soll es sich entscheiden, Verband der Kürschner ob die Kollegen der Militärbranche ernstlich gewillt sind, die überans traurige Lage, in der sie sich befinden, zu beffern. Wir erwarten daher, daß jeder einzelne Kollege seine Pflicht erfüllt und in dieser Versammlung anwesend ist. 157/9 Trinkt Brandt alkoholfrei Die Ortsverwaltung. Brounds Brause Brause Berlins und Umgegend. Geschäftsstelle u. Arbeitsnachweis: Gollnowoftr. 5.- Tel.: Amt 7 Nr. 318. Mittwoch, den 27. Juni 1906, abends 8 Uhr, im„ Mten Schützenhause", Linienstr. 5: Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag über: Welchen Wert hat die Konsumgenossenschaft für die Arbeiterklasse?" Referent: Genosse S. Katzenstein. 2. Distusfion. 3. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. Bahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet Wohlschmeckend 102/14 Amt I, 8985. Generalvertrieb für Berlin W., SW. und die westlichen Vororte Telephon: Der Vorstand. KommandantenStraße 20. Armin- Hallen Es ist eine wichtige Bersammlung, kein Mann darf fehlen! V Stabinski, Wilmersdorf- Berlin W., Broße und Kleine Festfäle mit und ohne Theaterbühne auch Sonnabende Mit Berbandsgruß. 3: P. Schenke, Rigdorf, nesebedstraße 2 L Badenschestr. 18. Tel. Amt Wi. No. 444 und Sonntage in diesem und im nächsten Sahre frei. 6 Vereinszimmer. Deutscher Holzarbeiter- Verband. iermit alten Freunden, Bekannten und Partetgenossen zur Nachricht, daß ich Ende Juli bie 25395 - eröffne. Gleichzeitig empfehle ich den geehrten Gewerkschaften und Moabiter Bürger- Säle, Beuffelstr. 9, Zahlstelle Berlin. Achtung! Bautischler! Achtung! Sonntag, den 24. Juni, vormittags 10 Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29: Branchenversammlung der Bautischler. Zages Ordnung: 1. Stellung der Kommission zur Werkzeugfrage und Abstimmung über ben von der Kommission gestellten Antrag. 2. Disfuffion. 3. Verschiedenes. Kollegen! In Anbetracht der wichtigen Tages- Ordnung ist es Pflicht, daß jeder Kollege an dieser Versammlung teilnimmt. Auch werden die Borort- Bahlstellen gebeten, zu dieser Versammlung Vertreter zu schiden. Der Branchenleiter: Karl Reiche. Montag, den 25. Juni, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause ( Saal 3) Engel- Ufer 15: Branchen- Versammlung der Bürsten- und Pinselmacher. Zages Drdnung: 1. Vortrag der Genoffin Kadeit über„ Boltsschule und Kindererziehung." 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. Die in der Freien Vereinigung organisierten Kollegen werden aufgefordert in der Bersammlung zu erscheinen, da die Angelegenheit der Werkstattt Gräbert erledigt werden soll. Die Branchenkommission. Montag, den 25. Juni, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: Branchen- Versammlung der Korbmacher. Zages Drdnung: 1. Bortrag des Kollegen Leopold über„ Rechte und Pflichten des Arbelters im wirtschaftlichen und politischen Kampfe." 2. Diskussion. 3. Die Lohnbewegung der Storbmacher. 4. Berschiedenes. Bahlreiches Erscheinen wünscht Die Kommission. Vereinen meine Säle( zirka 350 und 100 Personen fassend) zu Bersammlungen und Bergnügungen. Für kulante Bedingungen und solide Preise wird gesorgt. Um geneigten Zuspruch bittet J. Kirschkowski, Gastwirt. Wo amüsieren wir uns Sonntags? Im Krug zum grünen Kranze Mittelpunkt der Erde. Ober- Schöneweide, Waldstraße 73/74 beim gemütlichen Wirt 12082* Ernst Höflich. Station Sadowa und Nieder- Schöneweide. Den geehrten Bereinen halte ich mein Lokal bestens empfohlen. BREUERS Festsäle ,, Zur Königsbank" Gr. Frankfurterstr. 117. X Inh. Curt Breuer. X Amt Vila, 8142 Den geehrten Gewerkschaften, Bereinen, Klubs empfehle ich meine Gesamt räume zur Abhaltung von Versammlungen und Festlichkeiten jeder Art zu den kulantesten Bedingungen. Um recht regen Zuspruch bittet[ 3332*] Curt Breuer, Gastwirt. Ank Terrassen- Restaurant Neuer Krug a. d. 6berspree Bahnftation Wilhelmshagen. Mache die verehrten Vereine, Gewerkschaften, Fabriken auf mein herrlich an der Oberspree gelegenes Lotal zur bevorstehenden Dampferpartie auf merkjam. 3 Säle, großer fchattiger Garten, Regelbahn, Staffeeküche 2c. Sonnabende, Sonntage im Juni, Juli, August noch frei. Wilhelm Müller. Fernpr. Amt Ertner Nr. 51. Volkshumorist B Gerhardy, unübertreffl., Wrangelstr 22. Restaurant Lindenhof in Johannisthal, Friedrichstraße 61. Brachtvoller Park mit 100jähr. Baumbestd. Plag f. 3000 Bers. Herzliche Gratulation am heutigen Tage dem Pfarrschen Ehepaar zum 30jährigen Krieg in Sonnenschein und Regen. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der frühere Bauarbeiter Albert Hennowski nach 5 jährigem schweren Leiden am Sonnabend, den 23. Juni, früh 1,5 Uhr verstorben ist. Die Beerdigung findet Dienstag, den 26. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Thomas Friedhofes in Nigdorf, Hermannstraße, aus statt. Die trauernde Witwe Emma Hennowski. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 8. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Todes- Anzeige. Am 23. Juni früh 5%, Uhr verschied nach fünfjährigen schweren Leiden unser Parteigenosse Albert Hennowski im Alter von 59 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Diens tag, den 26. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Thomas Friedhofes in Rig dorf, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung der Ge Der Vorstand. Achtung! Achtung! noffen ersucht Restaurant Café Pein, wald. Hubertusbader- Str. 8/10. Einzig freies Lokal im Grune Schöner schattiger Garten. Familien tönnen Kaffee fochen. Es ladet freundlichst ein 16122 Frau Ww: Pein. in der Mart Jeden Sonntag: Gr. Konzert Obstgrundstück Brandenburg Branche der Kistenmacher.bel freiem Entree. Montag, den 25. Juni, abds. 8%, Uhr, in den AndreasFestsälen, Andreasstraße 21: Versammlung. Zages Drdnung: 1. Sozialreform und Besteuerung. 2. Distusfion. 3. Verschiedenes. Vollzähliges Erscheinen der Kollegen ist notwendig. Der Obmann. Achtung! Kammacher. Achtung! Mittwoch, 27. Juni, abends präz. 8%, Uhr, im Englifchen Garten, Alexanderftr. 270: Branchen- Versammlung der Kammacher und aller in der Zelluloidff. Speisen u. Getränke zu soliden Preis. Kaffeeküche ftets geöffnet. Liter 60 Pf. Boltsbeluftigungen aller Art. * gelegen, zirka 18 Morgen groß, ist billig zu verkaufen. Offerten unter V. 4 Expedition des„ Vorwärts". Paul Zibolski& Co. Teilhaber. Großes Vereinszimmer für Vereine und Festlichkeiten, 50 bis 60 Perfonen faffend, empfiehlt R. Tasche, Rorgingstraße 37. Konditor in reiferen Jahren sucht zwecks Gründung einer Bäderei und Konditorei einen Teilhaber mit etwas Kapital. Referenzen gegeben und ver langt. Müller, Köln, Jabachstr. 4. Krankenfahrstühle all. 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Die Stempelung der Bücher und Empfang der Billetts zur Dampferpartie und Verschiedenes. Der Kollege Schlesinger ist hierzu geladen. Die Kommission. Mittwoch, den 27. Juni, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshause ( Saal 4), Engelüfer 15: Branchen- Versammlung der Brunnenstr. 185, im Laden, zwischen Rosenthaler Tor und Invalidenstraße, empfiehlt sich den werten Arbeitern und Parteigenossen zur Anfertigung von feinerer Herren- Garderobe. Großes Lager fertiger Herren- und Knaben- Anzüge, Sommer- Paletots und Arbeiter- Berufskleidung. Verkauf nur gegen bar! Streng feste Preise! Verband der Buch- und Steindruckerei- Hülfsarbeiter u. Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Zahlstelle II. Todes- Anzeige. Am Freitag, den 22. 6. M. starb nach langem Leiden unser Mitglied und Kollege Paul Lachmann im 45. Lebensjahre. Ein ehrendes Andenken bewahrt ihm Die Zahlstelle II Berlin. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. Juni, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Georgenkirchhofes, Landsberger Allee, aus statt. Deutscher 37/6 Metallarbeiter- Verband Berwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter Paul Domsch verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Nachrut. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Otto Schulz verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 121/13 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichfter Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters Albert Böhme sagen wir allen Freunden, Die Herstellung unserer Fabrikate erfolgt in Stollegen und Bekannten herzlichsten Perlmutter-, Horn- und Steinnuß- Arbeiter. eigenen Werkstätten unter den von der Organisation Zages Drdnung: 1. Die Gesundheitspflege in der Knopfindustrie. Referent: Profeffor. Dr. med. h. Sommerfeld. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegen heit en. 4. Verschiedenes. Die Verbandsbücher find mitzubringen. Kollegen, agitiert für regen Besuch. 88/1 Der Obmann. festgesetzten Lohnbedingungen. Um geneigten Buspruch bittend, zeichnet Achtungsvoll „ Hoffnung“ Berliner Schneiderei- Genossenschaft Die Bibliothek it in den Monaten Jall und Lieferant des Berliner Konsum- Vereins und der August geschlossen. Die Mitglieder werden ersucht, die geliehenen Bücher bis spätestens ben 1. Juli abzuliefern. Die Ortsverwaltung. Jedes Jenensia- Rad ein Meisterwerk deutscher Technik. Teilzahlung! Zwei Jahre Garantie! mit Sozial- Räder. 65.-, Sozial- Luxus-, Freilauf, m. 100.-. Gebrauchte Räder billig! Bitte genau auf Hausnummer 23" zu achten. 23. R. Groskurth, Berlin C., Münzstr. 23. EinbruchUnfallLebens- Versicherung. VICTORIA zu BERLIN. Lebens- Versicherungsbestand: über 1 Milliarde u. 286 Mill. Mk. Gesamt- Vermögen: 544 Millionen Mk. Prämien- und Zinsen- Einnahme in 1905: 113 709 898 Mk. Pro 1905 erhalten die Versicherten 22 870 732 Mark Ueberschuß als Dividende. Volks- Versicherung. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, Sohnes, Brus ders und Schwagers, des Fliesenlegers Karl Baberschke ſagen wir allen Berwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere der Vereinigung der Fliesenleger Deutschlands, Drtsverein Berlin, Abt. I, und dem Sozialdemokratischen Wahlverein im vierten Berliner Reichstagswahltreise, Landsberger Viertel, dem Lotterie berein und Bund unseren herzlichsten Dant. 16112 Die trauernden Hinterbliebenen. Ich wohne jett 208/ 16* Schön No, versenkbar, Danzigerstr. 98, hauser allee. Ohne Preiserhöhung 145.00 Central Bobbin 500 Dr. med. R. Hirsch, pestalarst Bei Barsahlung haber für Haut-, Harn- u Geschlechtsleiden. Rabatt Kinder 7-4000 für Erwachsene 8-100 tadellose saubere Ausführung 3 Mark. Plomben 2 Mark. Schmerzloses Zahnziehen. Zahnziehen, Zähne reinigen, Nervtöten etc. wird bei Bestellung nicht berechnet. Lausitzer Platz 2. Max Guckel, Elsasserstraße 12. 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Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Zentralvorstand. 209/9 Freitag, 22. Juni, verstarb im Krankenhause am Urbari unser braver Genosse und Mitarbeiter Franz Hoch. Wir werden dem Verstorbenen ein treues Angedenken bewahren! Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Drechser Franz Hoch am 21. Juni nach längerem Leiders verstorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am 24. Juni, nachmittags 4 Uhr, bon der Leichenhalle des Krankenhauses am Urban aus nach dem Friedhof Gemeinde, der Freireligiösen Bappel- Allee statt. Um rege Beteiligung ersucht 88/2 Die Ortsverwaltung. Allg. Kranken- und Sterbekasse der deutschen Drechsler u. Berufsgen.( G. H. 86, Hamburg). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied Franz Hoch am 21. Juni berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 4 Uhr, bon der Leichenhalle des UrbanKrankenhauses aus nach dem Friedhofe der Freireligiösen Ge meinde statt. 283/7 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 2. Berliner Reichstagswahlkreis. Am 21. Juni verschied in Dal dorf unser treues Mitglied, der Arbeiter Ernst Mudrich Bezirk 110. Fidicinstr. 9. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 25. Juni, nachmittag 4 Uhr, von der Leichenhalle des Hellig- Kreuz- Kirchhofes, Mariendorf, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 238/18 Der Vorstand. Verband d. baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin a. Umgegend. Bezirk Süd- West. Am 21. Junt verstarb unser treuer Stollege Ernst Mudrich. Die Beerdigung findet am Montag, den 25. Junt, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Kreuz- Kirchhofes in Mariendorf aus statt. 34/20 Um rege Beteiligung ersucht Der Zweigvereins- Vorstand. Sozialdemokratisch. Wahlverein des 3. Berl. Reichstagswahlkreises. Nachruf! Am 14. Juni verstarb unser Mitglied, der Kürschner Johannes Corodonnoff und wurde am Sonntag, ben 17. b. mts. Beerdigt. Ehre seinem Andenken! Der Vorstand. 會員 1361L* Wi ir selbst haben Josetti- Cigaretten einer viel schärferen Kritik unterworfen, als dies je ein Raucher thun würde. Wir haben viele andere Cigaretten geraucht, welche stärker und viele, welche milder waren; und jede hat Josetti- Cigaretten in einem dieser Punkte übertroffen. Diese Punkte sind jedoch nicht Eigentümlichkeiten einer feinen Qualität. JOSETTI CIGARETTEN sind nicht stark, sondern köstlich aromatisch; und haben einen grösseren Gehalt an feiner Qualität als blosse Stärke geben kann. Das köstliche Aroma macht die feine Qualität aus. Josetti- Cigaretten bieten die Stärke des feinsten reifsten türkischen Tabaks dar, aber sie ist so abgestimmt durch harmonische Mischungen niemals früher erreicht in der Herstellung türkischer Cigaretten, dass diese Stärke zur köstlich aromatischen Milde wird. Dies ist die Eigentümlichkeit der Josetti- Cigaretten, die feinste die eine türkische Cigarette besitzen kann. Josetti Juno 10 St. 20 Pfg. Josetti Griseldis 10 St. 30 Pfg. Josetti Teppichhaus Lefèvre S., Berlin Oranienstr. 158 Ersten Spezialhaus für Berlins Innendekoration. Teppiche, Portieren, Tischdecken, Gardinen, Stores, Gobelins etc. soeben Mein neuer, erschienener Pracht- Katalog mit 600 Abbildungen etwa in künstlerischer Ausstattung auf Wunsch gratis u. franko. Das Wunder Berlins 3 Geschäfte sind die bekannten Konfektionshäuser Blitz 3 Geschäfte 80 Chaussee- Straße 80 9 Rosenthaler Straße Ecke August- Straße. Große Frankfurterstr. 9 137 137 zwischen Koppen- u. Fruchtstr. 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Die Lokale der näheren Umgebung von Hasselwerder:„Loreley",„Neptunshain", der„Neue Krug" und„Äyffhäuser". stehen der Arbeiterschaft nicht im Verfügung, worauf wir ganz besonders hinweisen. Auf wieder- doli an uns gerichrete Anfragen wollen wir bei dieser Gelegenheit mitteilen, daß der Inhaber des letztgenannten Lokals„Kyffhäufer", Herr Tismer, gleichzeitig Inhaber der Schiffsreederei„TiSmer" ist sAbsahrrstelle Schillingsbrückes. Wir ersuchen die Parteigenossen, auch dies genau beachten zu wollen. Die Lokalkommission Die Parteigenossen Wilmersdorfs werden aufgefordert, den liamps gegen die gesperrten Lokale„Luisenpark" und ,Biktoriagarten" wie bisher weiter zu führen. Auch er- iuchen wir die Arbeiterschaft der benachbarten Orte, uns in diesem Kampfe zu unterstützen, indem sie obengenannte Lokale streng meidet. ?S unterliegt keinem Zweifel, daß bei strenger Durchführung des Boykotts der Sieg unser ist! Schöuebcrg. Parteigenossen l Wir weisen nochmals auf das Mutige Stiftungsfest hin. Möge zahlreicher Besuch dazu beitragen, um es zu einem schönen, imposanten Fest zu gestalten.„Frohe Hoffnung" und„Rote Nelke" haben ihre Mitwirkung zu- gesagt. Die Mufik wird von Zivilberufsmusikern unter Leitung des Dirigenten Kissel ausgeführt. Gleichzeitig sei mitgeteilt, daß am Dienstag, den 26. Juni, in ?er Schloßbrauerei eine Volksversammlung stattfindet, in der Heichstagsabgeordneter Fritz Z u b e i l referieren wird. Der Vorstand. Lankwitz. Dienstag, den 26. Juni, in Lankwitz, Restaurant Link, salandrellistr. 27; Sitzung des sozialdemokratischen Wahlvereins. Lortrag: Parteiprogramm. Referent: Genosse Groger. Gäste will' ommen. Schmargendors. Die nächste Mitgliederversammlung des Wahl' tereins findet am Dienstag, den 26. Juni, abends 8>/z Nhr im fiestaurant zum Lindenbaum, Kösenerstr. 6, statt. Auf der Tages- wdnung steht unter anderem: Vorttag des Genoffen Brückner über ,Die neue Krankenkassennovelle". Jeder Genosse ist ersucht, pünktlich iU erscheinen. Gäste willkommen. Der Vorstand. Friedrichsfelde. Dienstag, den 26. Juni, abends 8>/z Uhr. indet im Lokal des Herrn G. Schulze, Wilhelmstr. 11, eine General- lersammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Unsere Kreis- Konferenz und Anträge zu derselben. In der Versammlung kommt die Broschüre„Gegen Volks- »irdummung" zur Ausgabe. Reger Besuch erwünscht. Der Vorstand. Pankow. Am Dienstag, den 26. Juni, pünktlich Vs0 Uhr, findet dn Roczycki, Kreuzstr. 3—4, die Generalversammlung des Wahl- tereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes über das :rste Halbjahr 1tK)6. 2. Wahl der Delegierten zur Kreis-General- lersammlung und zur Generalversammlung von Groß- Berlin. !. Neuwahl mehrerer Funktionäre. 4. Verschiedenes. Zutritt nur zegen Vorzeigen des Mitgliedsbuches. Wer noch nicht im Besitz rineS neuen Buches ist. kann sich dasselbe von seinem Bezirksführer rbholen. Da wichtige Beschlüsse zu fassen find, ist das Erscheinen .'Ältlicher Genossen notwendig. Der Vorstand. Reinickendorf und Umgegend. Am Dienstag, den 26. d. Mts., «bendS S'/a Uhr. findet im Restaurant Knöfel(früher Mein- h« r d t),' Reinickend orf-Ost, Hauptstt. 61/52, die Bezirksgeneral- Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht der Funktionäre, 2 Bezirksangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch der Lersammlung erwartet Der Vorstand, Rieder- Schönhausen. Am Dienstag, den 26. Juni, abends >>/, Uhr, findet bei Settekorn, Lindenstt. 1, die regelinätzige Wahl- »ereinsversammlung statt. Genosse Haffner hält einen Vortrag iber:„Das Krankenverficherungsgesetz", wozu zahlreiches Erscheinen gewünscht wird. Gäste willkommen. RowaweS« Neuendorf. Heute Sonntagvormittag von g— 12 Uhr jverdm in den bekannten Lokalen Neuanmeldungen und Beiträge mm sozialdemokratischen Wahlverein entgegengenommen. _ Der Borstand. Berliner JVachnchten» Ei» Erlaß des EifcnbahnministerS, 4« sich auf den Reiseverkehr bezieht, ist dieser Tage er- syienen. Er enthält eine Anzahl Bestimmungen, die wir wieder- «ben möchten. Es heißt darin: Bei dem Beginn der Sommer- 7eisezeit sehe ich mich veranlaßt, den königlichen Eisenbahndirek- nonen wiederholt zur besonderen Pflicht zu machen, für eine platte Abwickelung des Personenverkehrs besorgt ,u sein. Ich verkenne nicht, daß auf manchen Stationen das Lisenbahnpersonal mit Erfolg bemüht gewesen ist. den Reisenden iehülflich zu sein und vorsorglich an die Hand zu gehen. Gleich- oohl erscheint es notwendig, die Zugbegleitbeamten— Zugführer, Schaffner— und» die Stationsbeamten allgemein und nachdrücklich darauf hinzuweisen, daß sie für sie ordnungsmäßige Unterbringung der Reisen- senindenZügen— Abteil- wie Durchgangszügen— unausgesetzt bemüht sein müffen. Mit der Oeffnung der Wagen und Abteile ist der Sorge für die Reisenden nicht genügt. Es verhindert nicht, daß Reisende, wie häufig zu bemerken, an >en Zügen auf und ab hasten, ohne eine Unterkunft zu finden. Sache der Zugführer und Schaffner ist es, sich um d> ünterbringung der Reisenden zu kümmern. Sie müssen sie Besetzung der Züge sorgfältig beobachten, neu hinzukommenden Reisenden geeignete Plätze zuweisen, Familien und Ge- ellschaften, soweit angängig, in demselben Abteil unter- zringen, allein reisende Frauen tunlichst in Abteile weisen, in denen schon Frauen sich befinden. Die Bediensteten müssen sich selbst davon überzeugen, daß in den Frauen- cbteilen nur Frauen untergebracht sind, daß in den Nicht- r a u ch e r abteilen nicht geraucht wixd, und gegen Verstöße ohne besondere Aufforderung aus eigenem An- trieb einschreiten. Zuweit gehende Ansprüche der Reisen- sen sind höflich abzulehnen.— Zur Ausführung dieser Vor- schritten sollen die darauf bezüglichen Erlasse in Erinnerung ge- bracht werden. Auch aus das Verladen des Reisegepäcks nimmt der Mmister Bezug: dasselbe soll mit Sorgfalt geschehen und es wird eine schonende Behandlung der Gepäckstücke an- empfohlen. Zum Schluß bemerkt der Minister, daß eine sorg- fältige Ileberwachung des Zugbegleit- und stationsoersonals durch die Dezernenten der Direktionen. die JnspektiorSvorstände. Kontrolleure und Zugrevisoren unerlätz- lich ist:„Bei stark besetzten Zügen, zu denen regelmäßig lebhafter. Andrang stmtfindet, haben sich die vorgenannten Beamten von Zeit zu Zeit seilst auf den Bahnhöfen einzufinden und sich davon zu überzeugen, daß für eine sichere und bequeme Unterbringung der Reisenden zesorgt wird. Eine scharfe, persönliche Beobachtung des Rciseverkehcs wird die Beamten auch in de» Stand setzen, selbst tztf beurteien, wikweft AeuderuulM M dxr ZojMmensetzung der Züge, etwaige Fahrplanänderungen und dergleichen geboten oder erwünscht erscheinen. Ich vertraue," so schließt der Minister,„daß mit allem Nachdruck die Beachtung vorstehender Bestimmungen durchgeführt und berechtigten Beschwerden der Reisenden über mangelndes Entgegenkommen vorgebeugt wird." Die Bestimmungen lesen sich recht hübsch, ihre Durchführung hat aber bei geringem Personal und bei der vielfach ungenügenden Wagenzahl seine erheblichen Schwierigkeiten. Mit der Kontrolle, daß die Erlasse ausgeführt werden, ist allein auch nichts getan. Stützen der Kirche! Die Pastoren, die orthodoxen und auch die liberalen, zerbrechen sich jetzt die Köpfe darüber, was sie machen sollen, um die Arbciterbevölkerung von dem Austritt aus der Kirchengemeinschaft abzuhalten. Am Freitag wurde in einer öffentlichen Versammlung der„christlich- sozialen" Jünger des edlen Stöcker der Weg gewiesen, der hier allein zum Ziel führen kann. Wie fängt man's an? Man beschimpfte diejenigen, die ehrlich genug sind, auch äußerlich sich von einer Gemeinschaft zu trennen, der sie innerlich längst nicht mehr angehören und vielleicht niemals wirklich angehört haben. Die Versammlung war einberufen worden, damit der Slöckerschülcr Licentiat Mumm vor seinen Getreuen über„die Gründe des Austrittes aus der Landeskirche" orakeln konnte. Nach ihm sollte dann noch Pastor Schwartzkopff die Stadtmission preisen. Mumm führte in seinem recht seichten Vortrag eine Reihe allerdings wunderlicher„Gründe" an, die hier und da mal von Austrittslustigen geäußert worden sind. Schließlich aber gelangte er doch zu dem Ergebnis, daß es sich bei der Masse der Austretenden doch wohl um eine völlige Entfremdung von der Kirche handele. Diese Entdeckung ist nicht gerade neu. In der Einleitung seines Geredes hatte er gesagt, es sei recht und gut. daß Austritte vollzogen werden dürfen; denn nur so werde Wahrheit geschaffen. Er erkannte auch den Trieb zur Wahrhaftigkeit an. der diejenigen erfüllt, die wegen völliger Entfremdung von der Kirche aus ihr aus- scheiden. Aber nachher hob er mit vielsagender Betonung hervor, es seien eigentlich doch immer nur die weniger Ge- bildeten, die sich dieser Bewegung anschließen. Die gebildetere Gesellschaftsschicht halte sich fast gänzlich von ihr fern. Ei gewiß, Herr Mumm. DieKircheistjadieDienerinderdurch Besitz und Bildung ausgezeichneten Klasse, da wird sie doch nicht auch dort noch im Stich gelassen und preisgegeben werden! Mumm beschäftigte sich dann mit den Personen einzelner Vorkämpfer der freireligiösen Anschauung. An dem„Zehngebote. Hoffmann" übte er sein bißchen Witz; daß Hoffmann nicht richtig deutsch spricht und trotzdem im Reichstage sitzt, das vermochte er nicht zu fassen. Auch der zweite Redner des Abends, Pastor Schwartzkopff, regte sich nicht wenig auf. Sein Schimpfen galt aber nicht den gottlosen Leuten, die minder Kirche überhaupt nichts mehr zu tun haben wollen, sondern nur jenen liberalen Pastoren und verwandten Geistern, denen Ehren-Stöckers Stadt- Mission im Wege ist. Schnöde Verleumdung warf er. wenn wir ihn richtig verstanden haben, einigen seiner Amtsbrüder vor. Die Diskussion bot nichts von Belang. Einer von denen, die mitredeten, raste gegen die Verworfenheit, die darin liege, erst bei der Kon- firmation ein Gelübde abzulegen und später dennoch der Kirche den Rücken zu kehren. Er brüllte, ein solcher Mensch verdiene, angespucktzuwerden— unddie„christlich-sozialen" Brüder tobten Beifall. Eine Reueinrichtung im Kriminalgerichtsgebäude ist dem Publikum noch nicht genügend bekannt und verursacht vielen Leuten unnütze Laufereien. Diejenigen, die als Zuhörer einer Verhandlung beiwohnen wollen, seien daher darauf hingewiesen, daß im neuen Kriminalgerichtsgebäude die Zuhörerräume nicht— wie es im alten Gebäude der Fall war— von den Korridoren der Sitzungssäle aus zu erreichen sind, sondern besondere Treppen dorthin führen. die nur durch die Portale II, III, V und VI erreichbar find. An jedem dieser Portale ist ein Beamter postiert, der auf Befragen die erforderliche Auskunft erteilt. Auf den Saalkorridoren dürfen Personen ohne gerichtliche Vorladung nicht verweilen, auch die Zeugen sollen dies nicht, für diese sind vielmehr die geräumigen und lustigen Warteräume bestimmt. Infolge Erhebung der Rrichsfahrkarteusteuer erhöhen sich vom 1. August d. I. ab auch im Berliner Vorortverkehr die Preise der Fahrkarten im Werte von 60 Pfennigen und darüber um den Betrag der Reichsstempelsteuer; für K i n d e r- Fahrkarten wird die Hälfte des um die Reichsstempelsteuer erhöhten Fahrpreises erhoben. Hierzu hat die Königl. Eiscnbahndirektion Berlin soeben die nachfolgende Bekanntmachung erlassen: Für die in Betracht kommenden Verkehrsbeziehungen werden vom 1. August d. I. ab neue Karten ausgegeben. Die im Besitze des Publikums befindlichen, auf Vorrat gekauften Vorortzugfahrkarten zu den bisherigen Preisen sind von diesem Zeitpunkte ab nicht mehr der iv endbar. Die Fahrkartenausgabe stellen sämtlicher Stadt-, Ring- und Vorortstationen nehmen in der Zeit vom I.August bis 8 I.Oktober d. I. diese Karten gegen Erstattung des Fahrpreises zurück. Die Ausnutzung des Personals in der landwirtschaftliche» Ausstellung. Der außerordentliche Erfolg, den die Agrarier mit der land- wirtschaftlichen Ausstellung erzielt haben, wird von diesen a.uch nachträglich noch zu allerhand Reklamezwecken ausgebeutet. Sicher ist, die Herren„Bauern" haben den Beweis erbracht, daß sie ganz geriebene Geschäftsleute sind. Das tritt vor allem auch zutage in der Art und Weise, wie sie bei den Verpachtungen der Nestau- ratwnsbetriebe zu Werke gegangen'sind. Das Hauptrestaurant soll für 60 000 M.. nach anderer Lesart sogar für 80 000 M. ver- pachtet gewesen sein. Für den betreffenden Pächter bedeutete dies ein ungeheueres Risiko. Dafür mußte man sich an den Preisen schadlos halten, die denn auch ganz enorm hohe waren. Aber nicht bloß das Publikum, sondern auch das in der Ausstellung angestellte Personal, namentlich die Kellner, wurden zu den Unkosten des Restaurateurs in erheblicher Weise mit herangezogen. Herr Kölzow, der Oekonom der Unionsbrauerei(Hasenheide), war der General- Pächter der Restaurationsbetriebe in der Ausstellung. Seine zirka 300 Kellner ließ er sich von dem Stellenvermittler Zempter nach- weisen. Dieser edle Menschenfreund forderte von jedem von ihm Vermittelten für die fünftägige Arbeit nicht weniger denn 5 M. Gebühren. Wer nicht zahlen konnte, bekam keine Arbeit. Die Arbeitszeit im Ausstellungsrestaurant ging von morgens 7 bis nachts gegen 12 Uhr. In dieser Zeit gab es nur zweimal zu essen. und zwar von einer Qualität, daß die meisten gezwungen waren, sich selbst zu beköstigen. Für diese zirka 17stündige Arbeitszeit er- hielten die Kellner einen Lohn von 1,50 M. pro Tag. Hiervon wurden aber folgende Abzüge gemacht: 60 Pf. Waschgeld pro Tag für die weißen Schürzen und Jacken, die ihnen geliefert wurden. 20 Pf. pro Tag für die Abräumer. Diese hatten aber Hausdiener» arbetten für Herrn Kölzow zu verrichten, und wenn ein Kellner einen dieser Leute zum Abräumen brauchte, mußte er ihnen noch extra etwas geben. Am ersten Tage mußte selbst das Personal 10 Pf. für die Inanspruchnahme der Bedürfnisanstalt bezahlen. Rechnen wir diese direkten Abzüge sowie die indirekten Unkosten an Fahrgeld, Beköstigung, Gebühren an den Stellenvermittliir usw., so stehen dem Lohn von 1.50 M. Ausgaben in der Höhe von zirka 4 M. gegenüber. Diese mußte der Kellner durch Trinkgelder erst verdienen, ehe ew Pfennig für ihn selbst übrig blieb. Wenn sich unter diesen Umständen unter den Kellnern auch Leute befinden, welche versuchen, auf unreelle Weise das wieder zu verdienen, was raffgierige Unternehmer vorerst aus ihnen her- auspreßten, so brauäst mau sich nicht allzu sehr zu verwundern. Wir Sfiäes domit du MM Mt das PMgüw der MßjteMiLs- kellner entschuldigen, aber wir können auch nicht in den EntrüstungS- ruf mit einstimmen, den in den letzten Tagen eine Anzahl bürger- licher Blätter erhoben, die alle Schuld auf die Kellner wälzten und für den Restaurateur Kölzow nur Bedauern übrig hatten, daß er um diese Zeit bessere Kellner eben nicht habe finden können. Wenn wir uns über etwas entrüsten, so nur über den Jndifferen- tismus der Kellner, die in ihrer Mehrzahl noch immer nicht ein- sehen wollen, daß sie sich organisieren müssen, um derartigen Aus- beutungsgelüsten erfolgreich entgegentreten zu können. So, wie die Dinge liegen, müssen sie sich derartigen, unglaublichen Bedingungen fügen und zu Nutzen und Frommen ihrer„Herren" zu unehrlichen Menschen werden. Werden sie dabei ertappt, so fällt alle Verant- wortung auf sie, der entrüstete Unternehmer wirft sie bei einer eventuellen Beschwerde eines Gastes erbarmungslos aufs Pflaster, und unter Umständen folgt aucb noch eine gerichtliche Bestrafung. Der Unternehmer bleibt unbehelligt. Die Landwirte, die so sehr über die Bcwucherungsgelüste des jüdischen Kapitals schreien, sollten bei ihren zukünftigen Veranstaltungen dafür sorgen, daß eine derartige Ausnutzung des Bedienungspersonals nicht wieder Platz greifen kann. Völlig belanglos, meint das„Berliner Tageblatt", sei die Ver- wechselung, die ihm in seinem Leitartikel:„Ein preußischer Kreis« Haushalt" passiert sei, indem es das Prachtgebäude in der Viktoria« straße, das dem Kreise Teltow gehört, dem Kreise Nieder-Barnim zugerechnet habe, obwohl auf dieser Angabe der ganze Artikel auf- gebaut ist. Wir wollen nicht weiter mit ihm rechten; nur eine Schuld müffen wir eingestehen. Das Blatt stellt fest, daß der gestern von uns erhobene Vorwurf, es habe seine drollige Verwechselung der Kreishäuser von Teltow und von Nieder- Barnim noch nicht eingestanden, unbegründet war. Es hat diese Verwechselung, die es jetzt in gewohnter Bescheidenheit als „völlig belanglos" bezeichnet, bereits berichtigt und zwar sofort in der nächsten Nummer. Uns war das aller- dings entgangen. Das erklärt sich daraus, daß das typographische Aeußere jener Berichtigung, wie wir uns nun überzeugt haben, merktoürdig schlicht vor, so daß man sie in der Tat leicht übersehen konnte. Wir bieten dem„B. T." eine Sühne an. Um das Masse- blatt nicht bei unseren Lesern aufs neue in einen grundlosen Ver- dacht geraten zu lassen, wollen wir fteiwillig konstatieren, daß es bei jener Selbstberichtigung nicht jene Redensart vorgebracht hat, durch deren ständige» Gebrauch eS sich längst der verdienten Lächer- lichkeit überliefert hat. Masses Leute lassen gern durchblicken, daß sie nicht nur alles wissen, sondern sogar alles schon gestern gewußt haben. Das„B. T." hat es sich diesmal versagt, zu schreiben:„Es war nicht so, sondern so— wie wir schon gestern mitzuteilen in der Lage waren." Drei neue Aptheken sollen nach einem Erlasse des Oberpräsi- denten in Berlin angelegt werden und zwar ist für dieselben in Aussicht genommen: die Gegend am Petersburgerplatz, nördlich der Rein ick endorfer straße und die östliche Gegend derLa.ndsbergerallee. Ein Leichenfund, der anfangs den Verdacht eines MordeS nahe legte, beschäftigte die Kriminalpolizei und die Gerichtsbehörden. Der Eigentümer des Hauses Elbingerstr. 12, der 58 Jahre alte frühere Kaufmann JJiobert König, wurde gestern abend in seiner Wohnung im ersten istock seines Hauses mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe tot aufgefunden. Vor einem Jahre starb die Frau Königs. Seit dem 15. März führte ihm eine Arbciterwitwe Anna Loop geborene Behrendt die Wirtschaft. Gestern abend um 8>/h Uhr hörten Leute im Hause einen Schuß fallen. Man fand König im Schlafzimmer vor dem Bett in einer Blutlache. Aus der Schuß- wunde in der rechten Schläfe floß noch etwas Blut. Neben der Leiche lag der Revolver. Der Tote lag mit dem Gesicht auf der Erde. Kriminalinspektor Braun und Kriminalkommissar WannowSki nahmen eine gründliche Besichtigung aller Wohnräume vor. Zwischen 10 und 11 Uhr erschien auch eine Kommission vom Landgericht I, um an der Feststellung des Befundes teilzunehmen. Das Ergebnis war die Feststellung, daß König selbst Hand an sich gelegt hatte. Das Motiv der Tat ist darin zu suchen, daß König mit seiner Wirt- schafterin in intimen Beziehungen gestanden hatte und nun von dieser zur Heirat gedrängt werden sollte.: Kautionsschwindeleien großen StilS sind von dem Inhaber der „Deutschen Vakanzenregistratur". Franz Hoppe, der in der Linien- straße 131 gewohnt hat, in Szene gesetzt worden. In letzter Zeit engagierte er etwa 30 Personen als Buchhalter, Kassierer und HauS- dienet, nahm ihnen die Kautionen ab und verbrauchte das Geld für sich. Insgesamt hat er auf diese Weise 18 000 bis 10 000 Mark seinen„Angestellten" abgeschwindelt. Wenn diese kamen und ihr Gehalt abheben wollten oder ihre Kautionen zurückverlangten, er- klärte Hoppe ihnen kurz und bündig:„Ich habe nichts!" Als er sich vor dem Drängen der Leute nicht mehr zu retten vermochte, erließ er ein„Rundschreiben" an seine„jetzigen und früheren Angestellten", in dem er sie aufforderte, ju einer Aktiengesellschaft zur Einrichtung von Kartoffeln- und Hermgskellern zusanimenzutreten, als deren Direktor er sich betrachten werde. Die Kartoffel- und Heringskeller sollten mit 200 bis 300 Prozent Nutzen verkauft werden. Er, Hoppe, lade zu diesem Zwecke seine„jetzigen und früheren Angestellten zu einer Versammlung zwecks Gründung dieser Aktiengesellschaft ein. Bedingung sei aber, daß sie ihn nicht körperlich mißhandeln würden und er in Freiheit bleiben könne! Verschiedene der Beschwindelten jedoch zogen es vor, Anzeige gegen Hoppe bei der Kriminalpolizei zu erstatten. Darauf verschwand Hoppe nach Stettin. Jetzt fahndet die Polizei nach dem Schwindler., Vom Kahn abgestürzt und ertrunken ist gestern nachmittag im Verbindungskanal bei Plötzensee der 12jährige Sohn des Schiffseigners B. Der Knabe begleitete die Zille seines Vaters und spielte auf dem Deck derselben mit einem jungen Hunde. Das Tier lief dicht am Rande des Kahnes entlang, und als der Knabe nach dem Hunde griff, verlor er das Gleichgewicht, stürzte in die Fluten und geriet unter das Fahrzeug. Die sofort von der Besatzung vorgenommenen Rettungsversuche blieben leider erfolg» los. Erst nach halbstündigem Bemühen konnte der Körper des Knaben gelandet werden. Die angestellten WiederbelebungSber» suche blieben ohne Erfolg. i Ein umgestürzter Möbelwagen verursachte gestern nachmittag in der Alten Jakobstraße eine Verkehrsstörung. Der Wagen fuhr. von der Dresdenerstratze kommend, die Alte Jakobstraße entlang und bog in der Nähe der Sebastianstraße so dicht an das Straßen. bahngleis, daß der Möbelwagen die Seitenwand des voxbei- fahrenden Straßenbahnwagens streifte. Das erstere Gefährt stürzte um und versperrte gänzlich den Fahrdamm. Die in dem Wagen befindlichen Möbelstücke wurden bei dem Umsturz fast voll- ständig zertrümmert, dagegen war dex Straßenbahnwagen unbe- schädigt geblieben. Als ein besonderer Glücksumstand ist eS zu be. trachten, daß bei dem Zustammenstoß Personen nicht verletzt wurden._ U eberfahren. Bon einem Radfahrer überfahren und erheblich verletzt wurde vorgestern in der Reinickendorferstraße der 5jährige Sohn des Arbeiters Linke. Der Knabe stand ans dem Fahrdamm und lief unmittelbar vor einem sich nähernden Automobil zur Seite. Dabei raunte der Kleine gegen einen Radfahrer, welcher nicht mehr in der Lage war. auszuweichen oder sein Rad an- zuhalten, wurde niedergestoßen und überfahren. Der Radler brachte das überfahrene Kind, das anscheinend innere Verletzungen und einen Bruch des rechten Oberschenkels erlitten hatte, nach dem Paul Gcrhardt-Stift. Vor den Augen der Eltern überfahren und schwer ppxsctzt wurde vprgcjtern die 0jährige Schülerin Elisabeth Faströtv LvS Bei Tussitensteaße 38. Die Kleitte Balte gemeinsam mit den Eltern einen Spaziergang unternommen und als sie im Humboldthain am Rosengarten vorübergingen, wurde das Madchen durch einen Radfahrer, welcher an verbotener Stelle gefahren war, umgerissen und überfahren. Dem Kind wurde der linke Unter- schenke! gebrochen und ausserdem hatte es blutige innere Verlegungen erlitten. Der Urheber des Unglücks entzog sich seiner Feststellung durch schleunige Flucht. Die Tat eines Geisteskranken. Seine eigenen Kinder wollte gestern abend der 44 jährige Schuhmacher Richard Bräsecke, Christianiastr. 115, ums Leben bringen. B. war bereits einigemale in der Irrenanstalt Dalldorf interniert und seine Frau hatte ihn dann immer wieder zurückgeholt. Dies war auch kürzlich wieder der Fall. B. ergab sich jetzt dem Trünke und bedrohte in diesem Zustande häufig seine Kinder. Gestern abend kam B. wieder be- trunken nach Hause und er drohte seine Kinder ums Leben zu bringen. Er hatte sich bereits ein Schustermesser zurechtgelegt, doch glücklicherweise etschien jetzt Frau B. und als sie erfuhr, was ihr Mann im Schilde führte, schickte sie ihre Kinder schleunigst aus der Wohnung. Als sie nach einiger Zeit wieder zurückkehrte, war die Korridortür verschlossen und vergeblich klopte Frau B. Man öffnete schliesslich gewaltsam und fand nun den Schuhmacher am Bettpfosten erhängt vor. Es wurde sofort ein Arzt von der Unfallstation XVII herbeigerufen, aber vergeblich bemühte sich dieser eine Stunde hin- durch, B. wieder ins Leben zurückzurufen. Die Leiche wurde poli- zeilich beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Durch eine rollende Biertonne ist gestern mörgen der 2S jährige Bierfahrer Otto Münte, Kastanien-Allee 73 wohnhaft, schwer zu Schaden gekommen. M. hatte in dem Restaurant von Reimers in der Kastanien-Allee 54 eine Tonne Weissbier in den Keller tran-Z- porticrt und war auf der Treppe ausgeglitten. Er stürzte die Stufen hinunter und das nachfolgende schwere Fass rollte über ihn hinweg. Der linke Oberarm wurde dem Bedauernsiverten zerschmettert. Nachdem M. auf der nahen Rettungswache III die erste Hülfe er- halten, wurde er in das Krankenhaus am Friedrichshain eingeliefert. Bei der Explosion eines Spirituskochers schwer verletzt wurde gestern abend der 24 jährige Diener Karl Burbig, der bei dem Ge» heimrat M. am Kurfürstenoamm 24 angestellt ist. Der junge Mann hatte sich auf einem Spirituskocher, den er bereits seit sechs Jahren benutzt, das Abendessen zubereiten wollen, als der Apparat plötzlich explodierte. Die Stichflammen trafen B. im Gesicht sowie an der rechten Hand und verursachten erhebliche Brandwunden. Die ersten Notverbände erhielt der Verunglückte auf der Unfallstation am Zoologischen Garten. Großfeuer in einer HolzbearveitungSfabrik. Die kleine Simeon- strahe erhielt in letzter Nacht dreimal den Besuch der Feuer- wehr. Kurz vor Mitternacht wurde diese nach dem Hause Nr. 12 gerufen, wo sich ein starker Brandgeruch bemerkbar machte. Trotz sorgfältiger Untersuchung konnte aber nirgends ein Brandherd ent- deckt werden, weshalb die Wehr wieder abrückte. Kaum fünf Minuten später erfolgte ein Alarm nach Nr, 13, wo das Tecrdach des Ma- schinenhauscs auf dem zweiten Hofe brannte. Die Gefahr wurde in kurzer Zeit beseitigt. Gegen drei Uhr früh wurde dann die Wehr wierderum nach dem Hause Nr. 13 gerufen, wo die an jenes Maschinenhaus anstoßende Holzbearbeitungsfabrik von H. Vogel- mann u. Schumacher im Erdgeschoß des Ouergebaudes in hellen Flammen stand. Die in dem Fabtikraume lagernden Hölzer brannten wie Streichhölzer und entwickelten eine enorme Hitze. Die Feuerwehr ging von beiden Höfen mit drei Schlauchleitungen vor und konnte das Feuer auf den Fdbrikraum beschränken. Der der- ursachte Schaden ist beträchtlich, weil auch die Motoren und sämtliche Mafchinen unbrauchbar wurden. Anscheinend liegt Selbstentzündung von Holzstaub vor. Ob ein ursächlich* Zusammenhang zwischen den beiden Bränden besteht, ist mit Bestimmtheit noch nicht festgestellt. Der Brand des DachstuhlS der Joftyschen Konditorei am Pots- oamerplatz wird vorauSsichllich noch ein Nachspiel haben. Die Feuer« wehr erschien an der Brandstelle um ll>,13 Uhr, alS der Dachftuhl schon total brannte. Das Publikum hatte mit grosser Ungeduld ihr Eintteffen erwartet, es soll sogar wegen deS späten Eintreffens der Löschzüge zu erregten Auseinandersetzungen gekommen sein. Nach den Angaben der Beteiligten und von einwandsfreien Zeugen soll der Dachftuhl schon um S,45 Uhr gebrannt haben. Danach war« die Feuerwehr freilich viel zu spät erschienen»nd die Ungeduld deS Publikums erklärlich, auch die grosse Ausdehnung des Brandes unterstützt diese Angaben. Die Feuerwehr trifft aber in diesem Fall« nicht die geringste Schuld. Der erste Alarm traf nämlich erst um lOli Uhr auf den Wachen ein, so dass die Züge nur 4 bezw. 5 Minuten bi« zum Angriff und Fertigsein an der Brandstelle ge- braucht haben. Entweder habe» die Nächstbeteiligten eS unterlassen, die Feuerwehr sofort zu alarmieren oder man hat nur die Scheiben des Feuermelders eingedrückt, statt die Kurbel hinter der Scheibe zu ziehen. In Zukunft sollte das Publikum für sofortige Alarmierung der Feuerwehr sorgest, damit diese erscheinen kann. Ein Hindernis für die Schiffahrt befindet sich im Spreebett unter der Ringbahnbrücke bei Treptow. Die ältere Hälfte dieser an- fangS nur für zwei Gleise eingerichteten Brücke war im Herbst 1904 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt worden, der im Frühjahr 1905 fertig wurde. Die neue Eisenkonstruktion überschreitet den Fluß in einer einzigen Spannung— ebenso, wie diejenige der jünge- ren Hälft« der nachmals auf*»« Gleise erweiterten Brücke. Da- durch war eS möglich geworden, den Mittelpfeiler des alten Brückenbauwerkes. der von der Schiffahrt seit langem al» störend empfunden worden war. wegzunehmen. Mit dem Abbruch dieses Pfeiler» wurde im vorigen Jahre begonnen, aber seine Grundmauern sind noch heute nicht beseitigt. Noch jetzt steht unter der Brücke auf breitem Prahm ein starker Greifbagger, mit dem das Mauerwerk herausgehoben wird. Zeitweise sind auch Taucher bei den Abbruchsarbeiten be- schäftigt worden. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania wird der Vortrag „Der jüngste Ausbruch deS Vesuv", welcher mit zahlreichen farbigen Bildern ausgestattet ist und mitten hineinführt in die von der Katastrophe heimgesuchten Ortschaften und das zerstörende Vordringen der glühenden Lava in erschütternder Plastik schildert, in dieser Woche noch allabendlich wiederholt werden. Arbeiter-Samariterkolonnr. Montagabend 9 Uhr. 1. Abteilung. DreSdinerstr. 45. Vortrag über Knochenbrüche— Verrenkungen— Verstauchungen. Daran anschliessend praktische Uebungen. Neue Mitglieder können jederzeit noch eintreten.— Mittwoch: Monats- sitzung der diensttuenden Abteilung. Vorort- J�adrndrten* Schöneberg. Die Beratungen über die Serbefferung der ArbettSverhältnisse der städtischen Arbeiter haben nun endlich, nachdem sich die städtischen Körperschaften auf Drängen der Sozialdemokratie jahrelang damit beschästigten, ihren vorläufigen Abschlnss gefunden.' Wiedervolt waren dir sozialdemokratischen Stadtverordneten genötigt, ihre Anträge zu erneuern, damit die Angelegenheit nicht aus dem Auge verloren wurde. In den Deputationen und Ausschüssen nahmen die dies- bezüglichen Beratungen eine endlose Lange an. und es hatten die sozialdemokratischen Vertreter alles daran zu setzen, um wenigstens etwa« für die Arbeiter zu erreichen. Der Magistrat hat jetzt den von der Stadtverordnetenversammlung am 26. März d. I. be- schlossenen Grundsätzen seine Zustimmung erteilt und sind dieselben teilweise schon in Kraft getreten. Das wesentlichste bei diesen Be- stimmungen ist die Einführung der neunstündigen Arbeits. zeit während früher eine völlig ungeregelte Arbeitszeit bestand. Der s.Z. eingesetzte AuSschuss hatte die Einführung der neunstündigen Arbeits- zeit abgelehnt, im Plenum nahmen unsere Genossen den Antrag wieder auf und hatten damit den Erfolg, dass derselbe mit einer Majorität von vier Stimmen angenommen wurde. Man rechnete wahrschein- ltch damit, daß der Magistrat der Einführung der neunstündigen Arbeitszeit seine Zustimmung versagen würde; das ist mm aber zum grossen Leidwesen unserer Gegner nicht geschehen. Die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung kann eben das, was für die städtischen Beamten recht ist, für die städtischen Arbeiter nicht als billig anerkennen, sie lehnte deshalb auch den weiteren sozialdemokratiichen Antrag, innerhalb zweier Jahre die achtstündige Arbeitszeit einzuführen, ab. Unsere Parteigenossen werden jedoch nicht eher ruhen, bis auch dieser Antrag' eine Mehrheit ,in der Stadtverordnetenversammlung gefunden hat. Aus den weiteren Bestimmungen ist erwähnenswert, dass die Bezahlung der Ueberstunden nach dem Stundenlohn mit einem Aufschlag von 10 Pf. pro Stunde erfolgen soll. Für Sonn- und FeiertagSarbeit bis zu drei Stunden wird der doppelte Stundenlohn gezahlt; währt die Arbeitszeit länger, so tritt für die weiteren Stunden der einfache Stundenlohn mit einem Zuschlage von 20 Pf. in Kraft. In Krankheitsfällen wird die Differenz zwischen Krankengeld und Lohn gewährt und zwar den Arbeitern, die länger als ein Jahr im städtischen Dienst stehen, sechs Wochen und den übrigen vier Wochen. Ferien erhalten die Arbeiter bei einer Dienstzeit von 3 bis 5 Jahren 5 Tage, von 5 bis 10 Jahren 7 Tage und über 10 Jahren 10 Tage. Als dauernd angestellt gelten die Arbeiter, wenn sie eine dreimonatige Probezeit durchgemacht haben. Ueber 45 Jahre alte Arbeiter werden nicht eingestellt. Bei den nichtständigen Arbeitern ist eine beiderseitige tägliche Kündigung vorgesehen. Bei dauernder Arbeitsunfähigkeit oder nach Vollendung des 65. Lebensjahres erhalten die Arbeiter ein Ruhegeld. Dasselbe beträgt nach zehnjähriger Dauer des Arbeitsverhältnisses'/e de? DurchschnittSverdiensteS, steigend mit jedem weiteren Dienstjahre um V«v bis zum Höchstbetrage von»/«. Für die Berechnung des Ruhegeldes ist der Arbeitsverdienst der letzten fünf Kalenderjahre massgebend. Ausserdem wird ein Witwengeld in der Höhe von des dem der- storbenen Arbeiter zustehenden Ruhegeldes gezahlt. Für die hinter- bliebenen Kinder unter 15 Jahren erhält die Witwe ein Waisengeld und zwar Vs des Witwengeldes. Für jede? Kind, falls auch die Witwe stirbt, erhöht sich das Waisengeld auf Wenn nun diese Bestimmungen in vielen Beziehungen auch noch verbesserungsbedürftig find, so sind dieselben doch immerhin schon von Bedeutung gegenüber dem früheren Zustande.— Unerfüllt ist noch die von städtischen Arbeitern vor Jahresfrist gestellte Forderung um Errichtung eines ArbeiterauSschuffeS. Man kann wirklich nicht begreifen, was die städtischen Behörden bewog, diese selbstverständ- liche Forderung so in die Länge zu ziehen. Man hielt es nicht ein- mal für nötig, den Petitionierenden eine Antwort zukommen zu lassen. Hoffentlich geht nach den Ferien auch dieser berechtigte Wunsch der Arbeiter in Erfüllung. Friedenau. lieber„Austritt aus der Landeskirche" referierte iti der letzten Wahlvereinsversammlung Genosse Göhr». Redner verwies auf Ab- sah 6 deS Parteiprogramms, wonach die Religion in der Partei zur Privatsache erklärt sei. Diese Toleranz der Partei, meint Redner, darf jedoch die Genossen Nicht hindern, die Kirche, die sich imNier mehr in den Dienst der herrschenden Klasse stelle, zu bekämpfen. Es sei nicht nur Pflicht derjenigen Genossen, welche bereits innerlich mit der Kirche gebrockien haben, derselben den Rücken zu kehren, sondern auch die religiös veranlagten Genossen hätten alle Ursache, mit solchen Religionsgesellschaften zu brechen. Nach dem mit leb- haftem Beifall aufgenommenen Vortrage wurde ein Ausschlussantkag gegen einen Genossen aus der Partei angenommen. Britz-Buckow. „Der politische Kampf und unsere Agitation" lautete daS Thema eines Vortrages, den Genosse Zubeil in der am IS. Juni statt- gefundenen gut besuchten Wahlvereinsversammlung hielt. Nachdem Redner in klarer und ausführlicher Weise die gegenwärtige Situation gezeichnet hatte, ermahnte er zu unermüdlicher Agitation für die Organisation. Nur die Macht der Organisation könne unsere Gegffrr zwingen, die Forderungen des Proletariats zu erfüllen. In der Dislussion geihelte Genosse Händel scharf die Gleichgültigkeit unter den Arbeitern, welche dem Wahlverein noch fernstehen, er führte an, dass von zirka 90 zum letzten Zahlabend eingsladenen„Vorwärts"« lesern und Gemeindcwählern ganze 3 Personen erschienen waren. Zu der am 24. Juni stattfindenden Generalversammlung des Zentral« Wahlvereins wurde» die Genossen Händel, Sandmann und Bogt delegiert; als Delegierte zur Generalversammlung des Verbandes am 29. Juli wählte die Versammlung die Genossen Händel und Jonas. Zum Schluß entspann sich noch eine äußerst lebhaste Dis- kusston über die Bründung deS„Allgemeinen deutschen Metallarbeiter- Verbandes" zwischen dem Genossen Schröder einerseits und den Ge- nassen Zubeil, Händel und Kimmritz andererseits. Letztere verurteilten diese Neugründung ganz entschieden, weil durch solche Zwistlakeiten die Interessen der gesamten Arbeiterschaft zur Freude der Unter« nehmer schwer gefährdet werden. Pankow. Ein dreister EinbruchSdirbstahl ist in der Nacht in dem Nestau- rant an der Ecke der Breiten- und Lerlinerstraße in Pankow verübt worden. Vom Hof aus drangen die Diebe in den Hausflur und öffneten mittels Dietrichs die Tür zum Lokal. Dort erbrachen sie die Ladenkasse und raubten daran» etwa 100 M. Wechselgeld. Nach« dem sich die dreisten Gesellen an Speisen und Getränken gütlich getan, verließen sie unbemerkt ihr Arbeitsfeld. Reinickendorf-West. Eine hauptsächlich von Frauen besuchte Volksversammlung nahm am Dienstag ein Referat des Genossen Bold über„Die Frauen- bcwegnng" entgegen. Dem mit Beifall aufgenommenen Vortrag folgte eine interessante Diskussion, an der sich die Genossen Kusch- minden und O h l beteiligten. So wurde unter anderm lebhaft für die Gründung eines Frauen« und Mädchenbildungsvereins ein- getreten. Folgende Resolution gelangte cinslimiiiig zur Annahme: „Die am 19. Juni in Franke» Familienheim tagende VolkSversamm- lung erklärt sich mit den Ausführungen deS Referenten einverstanden und verpflichtet sich, mit aller zu Gebote stehenden Kraft für die Ideen des Sozialismus zu wirken. Auch geloben die Anwesenden, so weit die? noch nicht geschehen, die sozialdemokratische Presse zu abonnieren wie der politischen Organisation beizutreten." Ein Antrag, die Tellersammlung nach Schluß der Versammlung fortzusetzen und den Erlös derselben den im Kampf um daS Koalitionsrecht stehenden Lithographen und Steindruckern zur Unterstützung zu überweisen, wurde angenommen. NowaweS. Die Errichtung eine» Gewerbegerichtes stand wieder einmal auf der Tagesordnung der am Mittwoch stattgefundenen Gemeindever- tretersitzung. Der Antrag war von dem hiesigen Orteverband des Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereins gestellt und wurde vom Ge- memdevertreter Dartsch, welcher Mitglied dieser Organisation ist, begründet. Darauf erklärte der Amtsvorsteher, daß er mit dem Neuendorfer Gemeindevorsteher wegen dieser Sache Rücksprache ge- nommen habe, derselbe stehe diesem Antrage ablehnend gegenüber. Auch er— Redner— halte die Errichtung eines derartigen Jnsti- tutS für nicht notwendig, da in den letzten Jahren Differenzen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern in Nowawes-Neuendorf nicht zur Kenntnis der beiden Gemeindebehörden gekommen seien. Gegen diese Ausführungen wandte sich in energischer Weise Genosse Gruhl; er betonte, daß die Gemeindebehörden gar nicht wissen können, ob Differenzen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehen, da diese nicht ihrer Aburteilung unterliegen. Bei der immer mehr zunehmenden industriellen Tätigkeit in unseren Orten sei ein Gewerbegericht unbedingt nötig. Wenn Neuendorf bisher in dieser Frage einen ablehnenden Standpunkt eingenommen habe, so seien die dortigen Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereinler daran mit« fchuldig, indem sie bei den Gemcindewahlen die schärfsten Gegner derartiger Einrichtungen unterstützten. Anschließend an diese Aus» führungen korrigierte der Amtsvorsteher seine ersten Bemerkungen dahin, daß auch er die Errichtung eines gemeinschaftlichen Gewerbe. gerichts für zweckmäßig halte. Sin Beschluß über den Antrag wurde nicht gefaßt, derselbe vielmehr vertagt, bis die Neuendorfer Ber- tretung ihre Zustimmung gegeben hat.(Diese hat in ihrer letzten Sitzung den Antrag ebenfalls vertagt, bis die Finanzkommission hierzu Vorschläge gemacht hat, was wahrscheinlich nicht vor dem St. Nimmerleinstage geschehen wird.) Ferner beschäftigte sich diese Sitzung mit einem Antrage des hiesigen Vereins für Volksbildung um Ueberlassung von Räumen im FortbildungSschulhause für Unter-. bringung seiner Bibliothek und Einrichtung eines Lesesaales, da ihm die bisher innegehabten Räume im Neucndorfer Rathause gekündigt sind. Hierdurch würde der Gemeinde eine einmalige Ausgabe von 500 M. für bauliche Veränderungen deS Schulhauses erwachsen; die Vertretung gab dem Antrage ihre Zustimmung und bewilligte die ge- nannte Summe.— Zum stellvertretenden Armenvorsteher für den 4. Bezirk wurde an Stelle des Klempnermeisters Michaelis, der sein Amt niedergelegt hat, Bäckermeister Haase gewählt- Von Potsdam war ein Vertragsentwurf eingegangen über Entnahme von elektrischem Strom vom dortigen Elektrizitätswerk und Verlängerung der Potsdamer Straßenbahn bis zum Lutherplatz in Neuendorf Dieser Vertrag sollte eine vierzigjährige Gültigkeitsdauer haben und Ivar so verklausuliert abgefaßt, daß Genosse Gruhl die Vertretung ersuchte, demselben nicht die Zustimmung zu geben; er betonte, daß die kurze Strecke, welche die Straßenbahn in Neuendvrf befahren soll, nicht als Verkehrserleichterung bezeichnet werden könne; anderer. seits würden die Vorteile aus dieser Verbindung nach dem vor- liegenden Entwurf nur Potsdam zugute kommen; Viesen Aus- führungen stimmte die Vertretung bei und überwies die Angelegen� heit der Kanalisationskommission.— In der hierauf folgenden nicht öffentlichen Sitzung führte Genosse Zöllner Beschwerde über da starke Staubentwickclung in der Lindenstraße und ersuchte den Amts Vorsteher, hierin Abhülfe zu schaffen. Derselbe erwiderte, daß diese» Uebel hauptsächlich durch den schlechten Zustand der Kreischausse, und des Somerweges verursacht werde, welche in nächster Zeit neu � reguliert werden sollen, worüber der Vertretung vom Kreis bald eim Vorlage zugehen werde. Einem früheren Beschlüsse der Gemeinde- Vertretung, nur den Sommerweg neu zu regulieren, was mit 13 000 Mark veranschlagt war, wozu die Gemeinde ein Drittel zuzahlen wollte, wenn Neuendorf und der Kreis ebenfalls je ein Drittel der Gesammtsumme aufbringen, hat der Kreis wegen der schlechten Be� schasfenheit der Chanssee nicht fankticmiert; wahrscheinlich wird alsc in der neuen Vorlage ein« höhere Belastung der beiden Gemeinder vorgesehen sein. Spandau. Die Stadtvrrordncten-Versammlung am Donnerstag erledigte von den 26 Nummern der Tagesordnung nur vier. Als wichtigst� Vorlage ist Wohl der Ankauf der Straßenbahn zu betrachten. Ge- wissermaßen als Einleitung zrt dieser Hauptvorlage wurde zunächs. über die Vorlage betreffs Aufnahme einer Anleihe von der Kur- uni. Neumärkischen Rittcrschciftlichen TarlehnSkasi« beraten. Es gewinn fast den Anschein, als ob diese Vorlage vor dem Straßenbahnankau gesetzt war, um die Versammlung von letztcrem abzuschrecken. Nack der Vorlage sollen nämlich zur Deckung der lausenden Ausgaben' welche durch die bewilligte Hafenanlage und die Brückenstratzcn-Ver breiterung zum 1. Juli er. erforderlich werden, vorübergehend eir' Darlehen bis zu 35 000 Mark zum jeweiligen RSichsbank-Diskontsaj von genannter Kasse event. von der Kommerz- und DiSkonto-Ba«l mit 1 Prozent über den ReichSbaiikdiskcmtsatz aufgenommen werden Wie vom MagistkatSvertreter erklärt wurde, war«ine 3 Millionen Anleihe zu SMt Prozent nicht unterzubringen, man werde sich zi 4 Prozent entschließen müssen. Da nun aber zum 1. Juli das Gel! gibraucht werde, die Hauptkasse aber leer sei, so Ware man zu de: vorübergehenden Aufnahme gezwungen. Da die RitterschaftSban! aber noch die Zustimmung des BezirkS-AuSschusscs verlange, dieft aber bis 1. Juli nicht mehr eintreffen könne, so empfehle er die Ent- nähme von der Konimerz- und Diskontobank. Genosse Pieck be- zeichnet die Vorlage als einen Beweis der schlechten Füianzwirtschast Man habe sich ohne Hinzuziehung des Käminerers in zu große Unternehmungen eingelassen. Jetzt, wo der Dalles da sei, crschcinc; auch der Kämmerer. AlS Kaufmann wisse er, daß die Stadt zx niederem Zinsfuß als zum Reichsbankdiskont Geld erhalten könnte' Er beantrage deshalb Zurückweisung der Vorlage aq die Finanzkom. Mission. Stadtv. Rupie sprach dann unverhohlen! aus, wie gut ti sei, daß dies« Vorlage vor dem Ankauf der Straßenbahn berater werde, sie werde wohl als Abkühlung wirken. Der Berichterstati« Stadtverordneter Schulze 1 hält vte Lage für nicht so schltmni Man brauche das Geld ja nur vorübergehend, um es nachher aui einer Anleihe zu decken. Er bctauer«, daß man die Finanzlage fr dunkel geschildert. Wenn so etwa» dann in den Zeitungen berichtet würde, vann glaubten wohl verschiedene Leute, Spandau sei pleite, So weit sei«S aber noch lange nicht. Der Not gehorchend, nicht dem- eigenen Triebe, wird dann die Vorlage genchmigt, um zu dev wichtigsten Vorlage, den Ankauf der Straßenbahn seitens der Stadt überzugchen. Auf Antrag de» Vorstandes wird diese Vorlaje ir zwei Lesungen beraten werden. Zur Deckung des Kaufpreise! von 3 500 000 Mark soll eine Anleihe aufgenommen werden, welche mit 3sb biS 4 Prozeirt zu verzinsen und mit 1 Prozent zu tilgen ist Seitens des Berichterstatters Dr. Engelhardt wird die Rentabilität der Bahn, wenn sie in städtischen Betrieb übergeht ind größere Ausgaben erfordert, als wie sie die A. E.-G. hat. daduch nachgewiesen, daß sich die Einnahmen der Straßenbahnen stetig Irr- mehrt haben. Allerding», so bemerkte der Berichterstatter, habe sich>te A. E.-G. noch nicht definitiv mit dem Kaufpreis von 3 350 000 Ma:k einverstanden erklärt, man hoffe aber, daß dies geschehen wir». Stadtv. R u p k e sprach sich als Gegner der Vorlage aus. Er be» zweifelt« die Rentabilität und meint«, die Bilanz der A. E.-G. st wohl etwa» frisiert. Unsere Genossen Pieck und Schmidt I de» traten den Standpunkt, daß die Sozialdemokratie schon von jehc: für eine Uebernahme der Straßenbahn in städtische Regie eingetretc, und daß der Magistrat durch diese Vorlage die Richtigkeit der sozial demokratischen Ansicht selbst zugebe. Von allen Projekten sei keimt so segensreich für die Swdt,»rne gerade dieses. Das Projekt sei ei: werbende» und soll« der Stadt etwa» einbringen. Als direkte Gegner der Vorlage sprechen sich nur aus Stadtverordneter Rupke, Stadt verordneter Seifert und der zuletzt von der dritten Abteilung ge» wählte Betriebsschreiber Tietze. Letzterer meinte, den Sozial demokraten würden die Augen übergehen, wenn sie nachher di» Steuern alle bezahlen sollten. Ueber die Kurzsichtigkeit dieses Ver. treterS der dritten Wählerabteilung kann man nur lächeln. Er be- rechnet nicht, daß bis zum Jahre 1909, wo die Bahn erst in den Be- sitz der Stadt übergeht, auch die neue Bocklinie fertig ist, die dock auch sicher Ueberschüssc abwirft. Er zieht nicht in Betracht, daß alle städtischen Betriebe, wie Gasanstalt, Wasserleitung usw. für die Stadt eine gute Einnahmequelle bedeuten. Wie will denn dieser Stadtverordnete dt« Steuerzuschläge herunterbringen, wenn er der Stadt die Einnahmequellen verschließt und sie lieber Privatgesell. schaften überlassen will. Die Wähler de» Stadtverordneten Tietz« werden ihm später ficher keinen Tank wissen, wenn infolge sein,» Auftreten» au» dem Ankauf nicht» werden sollt«. Die brftnittd« Entscheidung wird ja erst in der Sitzung am nächsten Donnerstag gefällt. Hoffentlich ist die Majorität nicht so kurzsichtig und weist ein« solche Einnahmequelle zurück. Gelegentlich der Vorlagebewilligung d«r Mittel zur Beschickung deS Gas- und Wasserfachmännertages, der durch zwei Mitglieder und den Betriebsleiter der Kanalisation S- und WasscrleitungS. Deputation beschickt werden soll, zieht sich Genosse Pieck eine» Ordnungsruf zu, als er gegen die Beschickung durch die Mitglieder der Deputatton als Laien sprach und hierbei den AuS'wuck von Geld totschlagen gebrauchte. Die Vorlage wurde genehmigt 25 000 Mark soll die Versammlung für die Verlegung eines neuen GaSrohrstrangeS in der PichelSdorferstraße bettilligen. Ge. nosse Pieck beantragte, 40000 Mark zu bewilligen uid da» Rohr bis zum Ende der PichelSdorferstraße zu verlegen. Tein Antrag wurde abgelehnt und die Vorlage angenommen. Die übrigen Nummern wurden vertagt., Der Vortrag der„Freien Gemeinde' findet nicht Helte, londun am Sonntag, den Iv. Juli, statt. Gerichts- Zeitung. Theaterarbeiter wider Ferdinand Bonn. In den seit Beginn des Jahres schwebenden Prozessen der ehee maligen Theaterarbeiter des Berliner Theaters gegen Direktor Bonn wurde gestern durch Teilurteile und einige Bergleiche die Frage der Bezahlung der Ueberstunden erledigt. Wir berichteten feinerzeit, daß der entmündigte Beuge Matull, welcher sich in der Edelschen Nervenheilanstalt befand, nach dem Urteil des Herrn Professor Edel aber vernehmungsfähig war, in der Anstalt im Beisein anderer bereits vernommener Zeugen als Zeuge gehört twerden sollte. Das ist nun geschehen. Herr Matull, der eine Art Direktionsassistent war und den technischen Betrieb leitete, hat etwa folgendes bekundet: Ueberstunden seien bis zur kritischen Zeit immer bezahlt worden. Zwar pflegte Bonn schon vorher zu sagen, er bezahle teine leberstunden, oder auch, en bezahle sie nur, wenn er sie selbst bewilligt habe. Schließlich aber hätte er sie doch bezahlt, meist nach erregten Auseinandersehungen mit den Inspektoren und maßgebenden Personen. Namentlich bei dem französischen Gastspiel hätten Ueberstunden gemacht werden müssen. Es sei dann immer eine Liste aufgestellt worden, die dem Direktor borgelegt wurde. Eines Tages feien Ueberstunden wieder dringend notwendig gewefen und Zeuge habe sich für berechtigt gehalten, sie nach Rüdsprache mit dem Theatermeister anzuordnen. Für ihn hätte gar fein Zweifel bestanden, daß sie zu bezahlen wären. Der Direktor habe aber die Zahlung, als die Liste borgelegt wurde, bera weigert, mit ähnlichen Worten, wie er das schon öfter getan habe. Als Bonn diesmal durchaus nicht habe zahlen wollen, trog Bore stellungen des Beugen, und die Leute die Arbeit niederlegen wollten, Habe Zeuge ihnen versprochen, aus seiner Tasche zu zahlen, wenn es ihm nicht gelänge, Bonn noch umzustimmen. Bonn habe ihn an diesem Tage turz vor der Vorstellung verlassen und ihn für die Vorstellung gewissermaßen verantwortlich gemacht. Um den Streit zu berhindern, habe Beuge verschiedenen Arbeitern Ueberstunden bezahlt, soweit sein Geld reichte. Er habe damit aber nicht etwa die Verpflichtung des Beklagten auf fich nehmen wollen. Beuge habe die Leute nicht für entlassen gehalten, als sie dann doch forte gingen, und er hätte ihnen das auch gesagt. Bifte' A' gefekt werden und dadurch die Möglichkeit erhalten, bon ber Abbüßung der Strafe befreit zu bleiben. Wer ist der Angeklagte? Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. Neues Königl. Operntheater. Sonntag: Cavalleria rusticana. Der Bajazzo. Montag: Die Fledermaus. Dienstag: Rigoletto. Mittwoch: Cavalleria rusticana. Der Bajazzo. Donnerstag: Don Juan. Freitag: Cavalleria rusticana. Der Bajazzo. Sonntag: Mignon. Deutsches Theater. Sonntag: Ein Sommernachtstraum. Mone Dienstag: Cäsar und Cleopatra. tag: Der Staufmann von Benedig. Mittwoch: Der Kaufmann von Venedig. Donnerstag: Erdgeist. Freitag: Ein Sommernachtstraum. Sonnabend: Der Kaufmann von Benedig. Sonntag und Montag: Geschlossen. Hameln. Berliner Theater. Sonntag: Fedora. Montag: Cymbelin. Dienstag: Fedora. Mittwoch: Cymbelin. Donnerstag: Medea. Freitag bis Montag: Unbestimmt. Kleines Theater. Sonntag bis Sonnabend: Ein idealer Gatte. Lustspielhaus. Von Sonntag bis Sonntag, 1. Juli: Die Vers lobung bei der Laterne. Das Fest ber Handwerker. Montag: Unsere Stäte. Neues Theater. Sonntag und folgende Tage: Orpheus in der Unterwelt. Komische Oper. Sonntag und die folgenden Tage: Hoffmanns Erzählungen. Carl Welf- Theater. Sonntag und die folgenden Lage: Sündige Liebe. Sentral Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Fledermaus. abends: Der luftige Krieg. Montag und Dienstag: Nanon. Mittwoch: Der luftige Krieg. Donnerstag: Nanon. Freitag: Der luftige Strieg. Sonnabend: Nanon. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Fledermaus. Abends: Nanon. Montag: Unbestimmt. Gin Doppelleben hat der Tagelöhner Ehrhardt Krug geführt, welcher gestern aus dem Zuchthause in der Lehrterstraße der vierten Straflammer des Landgerichts III vorgeführt wurde. Der Ange flagte ist vielfach wegen Diebstahls, Bettelns und Landstreichens bor bestraft. Im Februar 1898 wurde er von der Straffammer in Dortmund wegen wiederholten schweren Diebstahls zu fünf Jahren ZuchtLeffing- Theater. Sonntag und folgende Tage: Die lustige Witwe. Schiller Theater O.( Morwitz Dper.) haus berurteilt. Diese Strafe verbüßte S. in dem Zuchthause zu Sonntag nachmittag Münster in Westfalen. Am 5. Januar 1901 unternahm der Ange- 3 Uhr: Der Trompeter von Säffingen. Übends: Die Afrikanerin. Montag: Da Rigoletto. Dienstag: Die Jüdin. Mittwoch: Der Freischüz. Donnerstag: flagte einen Fluchtversuch, der auch von Erfolg begleitet war. rug als harmloser Gefangener" galt, wurde er mit Außenarbeiten Der Trompeter von Sättingen. Freitag: Die Afrikanerin. Sonnabend: beschäftigt. Da ihm wegen seiner guten Führung gewisse Freiheiten Bar und Bimmermann. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. eingeräumt wurden, gelang es ihm, von einem Neubau, auf dem er abends: Der Rattenfänger von Hameln. Montag: Der Rattenfänger von arbeiten mußte, zu entfliehen, nachdem er den Aufseher überfallen Schiller- Theater N.( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater.) Sonntag und geknebelt hatte. Hinter dem entsprungenen Zuchthäusler wurde nachmittag 3 Uhr: Das Glüd im Winkel. Abends: Heiratsluftig. Montag sofort ein Steckbrief erlassen, der jedoch unerledigt blieb. Der Ange- bis Freitag: Heiratsluftig. Sonnabend bis Montag: Das Glüd im flagte nannte sich von diesem Zeitpunkte an Tischler und Handels- Winkel. mann Franz a ger". Unter diesem Namen führte K. ein richtiges Doppelleben. Es gelang ihm, jahrelang unter diesem Namen sich der Behörde zu entziehen, während er bei seinen in Westfalen an. sässigen Verwandten hin und wieder unter seinem richtigen Namen auftauchte. Am 10. November 1904 wurde Krug in Spandau festgenommen, als er, den Revolver in der Hand, einen Einbruch berübte. Unter dem Namen Franz ager" ließ sich St. von der Straflammer des Landgerichts II zu einer einjährigen Zuchthaus. strafe berurteilen, die er in der Strafanstalt zu Brandenburg berbüßte. Im Dezember v. J., bald nach seiner Entlassung aus dem Buchthause, wurde Strug bei der Begehung eines neuen Einbruchs in Spandau abgefaßt. In dem dortigen Amtsgefängnis nannte sich der Angeklagte wiederum Hager". Zufällig erkannte der Gefängnisinspektor Bebulla in bem Angeklagten die Nummer 164" aus dem Buchthause in Münster wieder. Es wurden weitere Ermittelungen angestellt, die bas Doppelleben des R. zur Entdeckung brachten. Trot der Photographie aus dem Verbrecheralbum und obgleich elf Beugen den angeblichen Hager als den Tagelöhner Krug refognossierten, Die Kläger blieben in der gestrigen Verhandlung bor der blieb der Angeklagte dabei, der Tischler H. zu sein. Gegen ihn sechsten Kammer dabei, daß sie doch am kritischen 16. Dezember ent- wurde die vorliegende Anklage wegen intellektueller Urkundenlaffen worden jeten. Bonn habe sie hinausgeworfen, weil sie die fälschung erhoben, da er vorsäßlich bewirkt hatte, daß ein falscher Ueberstunden hätten bezahlt haben und Ueberstunden ohne Be Name in die Gefangenenregister eingetragen wurde. Zu der gestrigen zahlung nicht hätten machen wollen. Es sei Bonn, obwohl es kurz Verhandlung war der Bruder des Angeklagten, Wilvor der Vorstellung gewesen wäre, gar nicht darauf angekommen, helm K. aus Hammborn in Westfalen, geladen worden, ber als Beuge denn selbst seinen hervorragendsten Schauspieler habe er bor einer mit Rücksicht auf sein bertandtschaftliches Verhältnis die Aussage Vorstellung hinausgeworfen und die Rolle dann selbst gespielt. berweigerte. Der Angeklagte erklärte, er kenne den Mann" nicht Nach langer Verhandlung anerkannte im Vergleichswege der Ver- und habe auch nie einen Bruder gehabt. Die beiden Brüder wurden treter Bonns einigen Klägern gegenüber, die nur Ueberstunden gegenübergestellt. Auch als Wilhelm. mit Tränen in den Augen bezahlung( nicht Schadenersah) berlangten, die Verpflichtung auf seinen Bruder anredete, blieb dieser beharrlich dabei, den„ Mann" Eisenbahnunfall. Biebrich Mosbach, 23. Juni. Amtliche Bahlung des Anspruchs. In den übrigen Fällen im ganzen gar nicht au fennen. Durch die Beweisaufnahme, insbesondere durch Melbung. Bei Ausfahrt bes Güterguges 6858 aus Gleis vier bes waren 17 Aläger erfannte das Gericht unter Vorfis des das Beugnis des Buchthausbeamten aus Münster wurde er auf bas Bahnhofes Biebrich- Mosbach entgleiste 8 1hr 10 Minuten nachmittags Dr. Wölbling auf Verurteilung Bonne zur Bebestimmteste refognosziert. Der Staatsanwalt beantragte eine Ge= auf noch nicht aufgeklärte Weise die Maschine mit Backwagen und zahlung der Ueberstunden. Das Gericht erachtete auf fängnisstrafe von vier Monaten. Das Gericht erkannte aufnahme den Beklagten zur Ueberstunbenbezahlung für verpflichtet. teit erleichtert war, ein neues Leben zu beginnen, ergab die Ber Grund der Verträge der Parteien und der gesamten Beweis biefem Antrage gemäß.- Dafür, daß bem Angeklagten die Möglich Das Beugnis Natuus, auf das Beklagter bestanden hatte, spreche, handlung nichts. abgesehen von den Bedenken, die mit Rücksicht auf seine Ents mündigung usw. dagegen erhoben werden könnten, nicht zugunsten des Beklagten hinsichtlich der Ueberstunden. Wegen der Ansprüche auf Lohnentschädigung wegen un berechtigter Entlassung wird die Verhandlung bertagt. Es sollen noch zwei Beugen der Kläger gehört werben. Der Bersuchung erlegen. Ein Richter als Angeklagter. Thalia- Theater. Sonntag und die folgenden Tage: Bis früh um Fünfe, Sonntag, 1. Juli, nachmittag 3 Uhr: Gitte Hochzeitsnacht. Belle- Alliance- Theater. Allabendlich: Abends nach Neune. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen Theater. Stettiner Sänger. Metropol Theater. Auf ins Metropol! Apollo Theater. Allabendlich: Das blaue Bild. Spezialitäten. Passage Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Urania Theater. Taubenstraße 48/49. Sonntag bis Sonnabend: Der füngste Ausbruch des Vesuv. Vermischtes. neun beladenen Wagen, welche start beschädigt wurden. Personal fichtlich zehn Stunden. Materialschaden noch nicht festzustellen, neun beladenen Wagen, welche start beschädigt wurden. Personal nicht verlegt. Hauptgleis frei. Dauer der Aufgleisung voraus ebenso die Schäden des Gleises. Giftfleisch. Paris, 28. Junt. In Melun( Departement Seineet- Marne) ist die erste Stompagnie des 81. Infanterie- Regiments in folge des Genusses von verdorbenem Büchsenfleisch unter schweren Bergiftungserscheinungen erkrankt. Der Zustand von 15 Soldaten ist bedenklich. In der Honoratiorenstube eines Gasthauses in Stromberg unterhielt sich, wie wir der Frankfurter Beitung" entnehmen, im November 1904 ber Amtsrichter Schiffers, früher in Stromberg, jebt in Belbert, mit dem Rechtsanwalt und Notar Dr. Golling über die damals brennende Frage der Teilung des Kölner Landgerichts. Aus der allgemein geführten Unterhaltung entstand aber eine Meinungsverschiedenheit zwischen beiden, und Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Durch einen sehr törichten Streich hat sich der Bankbeamte nun wandte sich Schiffers an den ebenfalls anwesenden Dr. med. Markthallen Direktion. Rindfleisch Ia 64-68 pr. 100 Pfund, IIa 54-64, Konrad Wohlgraff, der sich gestern wegen Diebstahls und Ur- Schmitt, um deffen Meinung zu hören. Als diese nicht in a 50-53, IVa 44-50 engl. Bullen- 0,00, dän. Bullen 0,00, holl. Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 105-120, Ia 85-90, fundenfälschung vor der vierten Straffammer bes Landgerichts I zu Schiffers Sinne ausftet, stieß diefer eine Beleidigung gegen la 70-80, Illa 60-68: Hammelfleisch Ia 70-75 IIa 62-68. verantworten hatte, um seine Zukunft betrogen. Der Angeklagte Dr. Schmitt aus, der er bald eine tätliche Mihhandlung Schweinefleisch 61-66. Staninchen per Stud 0,25-0,65. Hübner, alte, Stüd war bei der Diskontogesellschaft feit einer Reihe von Jahren an folgen ließ. Da der Beleidigte einer katholischen Studenten- 1,50-2,25, junge, per Stüd 0,40-0,90. Tauben, junge 0,30-0,40, alte gestellt und wurde als fleißiger, tüchtiger und bescheidener Beamter berbindung angehört, welche das Duell verwirft, so fam es zur 0,00. Enten, prima, per Stüd 1,50-1,80, Hamburger, junge, per Stüd Sort allgemein geschäßt. Er war im sogenannten Emissionsbureau Alage. Das Stromberger Amtsgericht lehnte die Klage wegen Be- 2,00-3,15. Gänse, funge, per Pfd. 0,55-0,67, per Stud 2,70 bis beschäftigt und hatte den Stontrollschlüffel zu einem Schranke in Ver- fangenheit ab und überwies sie an das Kreuznacher Amts. 4,50. echte 74-93. Schlete 51-68. Bleie 00,00. Male, groß 120-124, wahrung, in welchem die Teilquittungen der Argentinischen 6 pro- gericht. Der Angeklagte Schiffers erhob gegen Dr. Schmitt mittel 108-116, flein 00-00, inf. 98-109. Blögen 0,00. Flundern, bomm. I, zentig fundierten Anleihe von 1891 aufbewahrt wurden, fobalb ba iberflage, ebenfalls wegen Beleidigung, die er darin fand, daß p. Schod 3,00-6,50. Stteler, Stiege Ia 4-6, bo. mittel per stifte 2-4, rauf die Obligationen ausgeliefert worden waren. Ein Anrecht auf der Stläger bie Satisfattionsfähigkeit bes Angeklagten bezweifelte bo. Hein, per Stifte 0,00. Büdinge, engl. per Ball 4-4,50. Stieler 2,00-5,00, die Auslieferung von Obligationen entstand, sobald jemand Teil und ihm vorwarf, er habe sein ehrenwörtlich gegebenes Versprechen quittungen, die eine Summe von 20 Pfund Sterling darstellten, vor- wissentlich gebrochen. Die Verhandlung dauerte bon 11 Uhr morgens weisen konnte. Waren die Obligationen daraufhin überantwortet, bis 7% Uhr abends. Die Verteidigung des Angeklagten und die so wurden die Teilquittungen zum Zeichen der Entwertung durch- Beugenbernehmung dauerte bis beinahe 4 Uhr, worauf nach einer Tocht, in Bündel zusammengeschnürt, deren jedes die Summe der einstündigen Pause die beiden Anwälte ihre Plaidoyers begannen. ausgelieferten Beträge durch Aufschrift anzeigte und als Belege in Das Gericht einigte fich bald auf das feftzufetende Strafmaß, da dem betreffenden Schrant aufbewahrt. Durch Jrrtum waren dort selbst der Rechtsbeistand des Angeklagten die Schuld zugab. Bon zwei Teilquittungen hineingeraten, bei denen die Durchlochung ber der gegnerischen Seite wurde gegen Amtsrichter Schiffers eine geffen worden war, obwohl die Obligationen darauf schon erhoben Geldstrafe von 1500 Mark beantragt. Das Gericht erkannte den waren. Diesen Umstand machte sich der Angeklagte zunube. Er war Amtsrichter Schiffers der wörtlichen und tätlichen Beleidigung für seit Jahren mit einem Madchen verlobt und stand unmittelbar vor schuldig, wies aber seine Widerklage ab, da der Kläger Dr. Schmitt der Hetrat. Er hatte bereits eine Wohnung gemietet, seine Erspar in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe. Das Urteil nisse reichten aber zur Beschaffung des Mobiliars nicht aus. Da lautete gegen Schiffers wegen wörtlicher Beleidigung auf 50 Mart, entdeckte er die beiden irrtümlich nicht durchlochten Teilquittungen wegen tätlicher Beleidigung auf 250 Mart, zusammen auf 300 Mart und die Versuchung siegte über ihn. Er nahm die Teilquittungen Geldstrafe oder 80 Tage Gefängnis und Tragung der Koften. an sich und versilberte fie an der Coupontasse in der Charlottenstraße Gegen die geringe Strafhöhe wollen wir nichts einwenden. Aber für 717 Mart, wobei er dem betreffenden Beamten sagte, er habe die doch an die vielen der Strafart und der Strafhöhe enorm höheren Teilquittungen aus einer Grbschaft erhalten und möchte fie gern zu Strafen erinnern, die wegen wörtlicher oder gar tätlicher Be Geld machen. Um die Entnahme aus den Vorräten des Schrankes leidigung dann ausgesprochen sind, wenn die Täter der Arbeiterklasse zu bemänteln, fälschte er zwei andere, schon durchlochte Quittungen, angehörten und aus Anlaß ernster an sich berechtigter Bestrebungen indem er durch Voranstellung einer Biffer 1 ben Betrag um je sich hinreißen ließen. Berechtigt die Anwendung eines burch 10 Pfund Sterling erhöhte. Die ganze Sache wurde balb entdeckt schnittlich weit höheren Strafmaßes Arbeitern gegenüber zur Anund der völlig geständige Angeklagte hat ben Streich mit dem Vernahme einer Klassenjuftia? lufte seiner Stelle zu büßen gehabt, außerdem aber sich die vorliegende Anklage zugezogen. Das Gericht erkannte auf fieben Wochen Gefängnis. Der Angeklagte soll jedoch auf die Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pig. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Gardinenhaus Große Frankfurter ftraße 9, parterre. 1+ 0,60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 0,00, Elb- per Rifte 0,00. Sardellen, 1902er, per Anfer 85,00, 1904er 85,00, 1905er 80,00. Schottische Bollheringe 1905 0,00 large 40-44, full. 36-38, med. 35-42, beutsche 37-44. Heringe, neue Matjes, per ½, To. 60-120. Summern, IIa, 100 pfd. 95,00 bis 100. 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