Nr. 146. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Breishiste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. für Vorwürts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Naum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 80 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett gedruckte) Wort 20 Bfg., jebes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf ftellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Kolonialfchwindel. " Mittwoch, den 27. Juni 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Petersburg, 26. Juni. General Rennenkamp hielt bei einem ihm zu Ehren gegebenen militärischen Festmahl eine bemerkens werte Rede, in welcher er erklärte, er fühle sich glücklich, zum Kommandanten der sibirischen Armee ernannt worden zu fein. Er betrachte es als eine Ehre, seine Soldaten im fernen Osten auf den nicht mehr fernen Krieg vorzubereiten. Offenbar hofft der gute Rennenkamp, sich im Kampfe mit der gelben Raffe die Lorbeeren zu verdienen, die seinen Kameraden jüngst im Stampfe gegen Japan so schmählich versagt blieben. Eine Mitteilung aus London vom 26. Juni gehört hierher. Sie lautet: Nach einer Meldung des„ Daily Telegraph" aus Tokio hat Rußland die Verhandlungen wegen der Mandschurei bis zum Herbst verschoben. Die Beziehungen zu China seien durchaus keine herzlichen. Die Reichsduma. Petersburg, 26. Juni. Die auf der Tagesordnung stehende Interpellation betreffend die Unterdrückung der Presse ruft eine lange Debatte hervor. Eine große Zahl von Rednern richtet in heftigen Worten Angriffe gegen die Regierung. Gamartelli( Staukasus) spricht feine Genugtuung über die Bewegung aus, welche sich in der Armee geltend mache. Fiodorowsky weist dies zurüd; die Armee müſſe außerhalb der Politik bleiben, sonst würde Rußland eine ganze Reihe von Revolutionen zu überstehen haben, Neue Saiten. verdiente Quittung der Regierung für die unehrliche Politik zurückschrecken, wenn durch ihn nur noch einmal das Unheil vom Haupte dieser Parteien. Wie sollte denn auch die Regierung Respekt des vergötterten Barismus abzuwenden wäre. Unter diesem Gesichts vor Leuten bekommen, die in allen kolonialen Kardinalfragen winkel muß man folgende Depesche betrachten: niemals Ernst bekunden und die ganze Kolonialpolitik- wie Freifinn und Zentrum schlagen zurzeit gewaltigen Lärm das Zentrum schließlich nur als Objekt eines jämmerüber das Verfahren, das die Regierung wegen der in frei- lichen Kuhhandels betrachten! Wie sollte sie eine Partei wie sinnigen und Zentrumsblättern veröffentlichten Indiskretionen das Zentrum ernst nehmen, die zwar heroisch den über den Fall Buttkamer eingeschlagen hat. Sie regen sich Solonialsekretär ablehnt, aber die Regierung zuvor ermächtig darüber auf, daß die Regierung nach den Veröffent- mahnt, ihre Leute ja rechtzeitig auf die Beine lichungen aus den Geheimakten des Kolonialamtes, aus denen zu bringen, um gleichwohl ihre Forderungen das löbliche Bestreben dieses Amtes, auch im Fall Putttamer durch zu drücken! Wie sollte ihr eine Partei wie das wiederum die übliche Taftit des Vertuschens zu üben, sonnen- Sentrum imponieren, deren radikalster, wiederholt partei flar hervorging, nichts vernünftigeres zu tun wußte, als die offiziös desavouierter Kolonialkritiker zwar den ganzen poliStaatsanwaltschaft gegen die Urheber dieser Veruntreuung tischen, finanziellen und moralischen Aberwig unserer Solonialmobil zu machen. Selbst der Germania" ist politik nachweist, dessen flammende Anklage aber schließlich plöglich die Erleuchtung gekommen, daß der Beamte, mit dem nicht mißzuverstehenden Winke schließt, durch Bewelcher zur Entlarvung der Korruptionstaftit des Kolonial- günstigung des fatholischen Missionswesens auch ferneramts beigetragen, im Grunde der guten Sache der Reinigung hin die Unterstügung des Zentrums zu er unferes kolonialamtlichen Augiasſtalles nur einen dankens- schachern! werten Dienst geleistet habe. Und die Regierung, die doch An anderer Stelle unseres Blattes ist heute eine Rede felbft feierlichst gelobt habe, daß im Kolonialamt endlich ein- des Generals Trotha wiedergegeben, die beweist, wie man sich mal ein gründlicher Systemwechsel eintreten solle, löse dies in einflußreichsten Streisen unsere fünftige Rolonialpolitik vorVersprechen dadurch keineswegs ein, daß sie, statt den Ver- ftellt. Nicht als eine Politik ber friedlichen Zivilisierung der tuschungstaktikern zu Leibe zu gehen, jezt diejenigen am Gingeborenen, sondern als eine Politik der blutigen Unterjochung Sragen fasse die aus höherem Pflichtgefühl die unausrottbare der dem kolonialen Ausbeutungssystem Widerstrebenden, als Rorruption öffentlich aufgedeckt hätten. Auch sei es offenbarer eine Politik des rücksichtslosen Rassentampfes, Schwindel, wenn die Kampagne gegen die des Aftenberrats der Vertilgung der widerspenstigen Eingeborenen. Ge- Riga, 26. Juni. Das Kriegsgericht hat acht Bauern aus vermeintlich verdächtigen Unterbeamten von der konservativen neral Trotha prophezeit denn auch eine Aera kolonialer Kämpfe Sturland, die wegen Organisation einer Stampfpartei zum und nationalliberalen Presse so ausgelegt werde, als solle nun in Afrika, gegen die alles bisherige Blutvergießen nur ein Sturze der Selbstherrschaft des Zaren angeklagt waren, frei wirklich mit der Reorganisation des Kolonialamts Ernst gemacht Stinderspiel gewesen sei. Und wer die Zeichen der Zeit zu gesprochen. Dies Urteil erregte großes Aufsehen. werden. Nicht bei den lediglich ausführenden Unterbeamten, deuten versteht, wer das Wesen kapitalistischer Stolonialpolitit sondern bei den leitenden Männern des Kolonialamtes sei die aus ihrer Geschichte tennen gelernt hat, wird die Prophezeiung Fäulnis zutage getreten, gegen sie hätte sich das Verfahren Trothas nicht für allzu pessimistisch halten. Bei einer solchen richten müssen. Lage der Dinge aber muß der Stampf gegen unsere unsinnige und Alle diese Ausführungen der Zentrums- und Freisinns schmachvolle Stolonialpolitik mit prinzipieller Entpresse treffen den Nagel auf den Kopf. Aber dieser ganze schiedenheit geführt werden. Diejenigen Parteien, die Entrüstungssturm wird auf die Regierung nicht den ge- ihre Unterstügung des kapitalistischen Stolonialsystems gleich ringsten Eindruck machen. Das Ende des ganzen Zentrum und Freifinn durch Herumnörgeln und lächerliches ber Golbatenschinberei gehört die wißhandlung geistig Standals wird die Maßregelung gerade der Elemente im Herumquadfalbern an sogenannten„ Auswüchsen" demagogisch Kolonialamt sein, die für die koloniale Storruption am aller zu bemänteln suchen, verhindern durch ihr unehrliches Spiel anormaler Personen. Wie oft ergab sich aus Prozeß wenigsten verantwortlich sind. Die wirklichen Träger des nur die flare Erkenntnis des verbrecherischen Charakters dieses berhandlungen das erschütternde Bild, daß ein Schwachsinniger oder Storruptionssystems welches auch immer ihre Namen sein Systems. Sie machen sich, gewollt oder ungewollt, nur zu gar Geisteskranker von Vorgesetzten und den durch Borgesetzte auf mögen werden bleiben und nach Sträften alle alten und Behlern und Begünstigern aller folonialen Barbareien, die gewiegelten Mannschaften bis aufs Blut gepeinigt und durch eine neuen Standale weiterhin bertuschen. Höchstens eine Fortführung unserer bisherigen Stolonialpolitik unaus- Selbstmord gebracht worden war. Jedesmal erhob sich dann in der folche Behandlung bis zum völligen Zusammenbruch oder zum wird dafür gesorgt werden, daß von diesen Skandalen fünftig bleiblich mit sich bringen muß! Deffentlichkeit die Frage: wie war es nur möglich, daß man die nichts mehr an die Deffentlichkeit durchsichert. Ja, wir werden geistige Minderwertigkeit folcher Unglücklichen nicht alsbald er es wahrscheinlich erleben, daß nach Erreichung dieses hehren tanut, ja daß man derartige bienstumtaugliche Individuen über Zieles fogar Zentrum und Freifinn sich rühmen, durch ihren heldenmütigen Feldzug die Korruption beseitigt zu haben! haupt in die Armee eingestellt hatte! Zentrum und Freifinn treiben in threm Stampfe gegen Die Revolution in Rußland. Der Brand im Heere. Politische Ueberficht. Berlin, den 26. Junt. Eine Selbstanklage des Militarismus. Zu den grauenhaftesten Erscheinungen des abscheulichen Systems Die Petitionstommission des Reichstages hat sich denn auch durch die schauerliche Häufung folcher Mißhandlungsfälle veranlaßt gesehen, dem Plenum folgende Thesen vorzuschlagen: 1. Jm Jnteresse der Rekruten, der Offizier beztv. Unter offiziertorps und der Tüchtigkeit unserer Armee ist dringend zu wünschen, daß bei der Auswahl des Heeresersages an die geistige Beschaffenheit ebenso bestimmte Anforderungen gestellt werden wie an die körperliche Tauglichkeit. 2. Um die Einstellung geistig mindertvertiger Rekruten zu verhüten, ist es notwendig, daß Schul- und Militärbehörden Hand in Hand arbeiten. 3. In Drten, wo Hülfsschulen für Schwachbefähigte bestehen, wird alljährlich seitens der Schulbehörden den Ersatzkommissionen ein Namensverzeichnis der aus diesen Schulen zur Entlassung gee langten Schüler überreicht. 4. Auf dem Lande und in kleinen Städten, wo besondere Sülfsklassen für schwachbefähigte Kinder nicht eingerichtet werden fönnen, wird der Militärbehörde ebenfalls nach der jedesmaligen Schulentlassung ein Berzeichnis derjenigen Schüler überreicht, die das Bildungsziel der Volksschule nicht erreicht haben oder als geistig minderwertig anzusehen sind. 5. Junge Leute, welche in der Zeit nach der Schulentlassung bis zum Aushebungstermin in einen anderen Aushebungsbezirk berziehen, haben bei der Meldung zur Stammrolle außer dem Geburtsschein ihr Schulentlassungszeugnis vorzulegen. Aus Petersburg erhält das B. T." folgendes Privattelegramm die Kolonialstandale ja teinen minder dreisten Schwindel als vom 26. Juni: jezt die konservative und nationalliberale Presse. Müssen Im Lager von Straßnoje Sselo herrschen Unruhen. fie es doch nachgerade begriffen haben, daß die kapitalistische Soldaten halten offene Meetings ab, auf denen eifrig PropaRolonialpolitit ohne schwerste Unterdrückung und Ausbeutung ganda dafür getrieben wird, bei Volksunruhen nicht einguder Eingeborenen, ohne brutales Regiment der weißen greifen, wofür die Mehrzahl der Garderegimenter gestimmt Herrenraffe ganz unmöglich ist. Wenn sie sich gleichwohl ben hat. In höheren Militärfreisen herrscht eine gewisse VerAnschein geben, als glaubten sie, koloniale Ausbeutungspolitik wirrung, zumal das in Peterhof eingetroffene Leibgardebertrage fich mit einer gerechten und humanen Behandlung, Preobraschensty- Regiment neuerdings mit politischen Forde mit wahrhaft ethischer und kultureller Erziehung der Ein- rungen vorgetreten ist. Sonst erscheint die allgemeine Lage geborenen, so machen sie sich damit nur der traurigsten insofern etwas gebessert, als der Bahnstreik beseitigt ist. Da Heuchelet schuldig. Ihr ganzes Auftreten in folonialen gegen wird es unter verschiedenen Arbeiterklassen Petersburgs So traten die Lastfuhrleute der Finnländischen Dingen beweist zudem diese Heuchelei. Ihre geräuschvoll unruhig. reklamehaste Kritik der Puttkamerei und ähnlicher Standale Passagierdampfer in den Ausstand. Optimisten behaupten, tann feinen Klarsehenden darüber hinwegtäuschen, daß Bentrum daß morgen in Peterhof die Entscheidung über das Kabinett und Freisinn bei allen Kernfragen tolonialer Natur Goremykin fallen werde und eine neue Aera beginnen solle. tläglich bersagt haben. Denn was bedeutet die ganze Diese Ansicht enthält jedoch wenig Reales. Buttkamerei schließlich gegen die ungeheuerliche Kriegsführung in Kein Wunder, daß deutsche und österreichische Reaktionäre, die Südwestafrika und Dstafrika! Als die Trothasche Ausrottungs- von den revolutionären Regungen im russischen Heere lesen, strategie bekannt wurde, als die entseglichen Befehle dieses Gelüfte bekommen, dem Zarismus mit einigen Hunderttausend den Mann unter die schlotternden Arme zu greifen. Darum ber Oberstkommandierenden von der Sozialdemokratie an Pranger gestellt wurden, hatten es Zentrum und Freisinn in dienen die Gerüchte durchaus Beachtung, daß beabsichtigt sei, die der Hand, die Ehre der Humanität und des Christentums zu Garnisonen an der österreichisch- russischen sowohl wie an der In der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" retten. Sie brauchten nur jede neue Stritit so lange zu ver- deutsch- russischen Grenze außerordentlich zu verstärken. Man munkelt, beschäftigt sich nunmehr ein mit W. C. zeichnender Verfaffer mit weigern, bis Trotha zurückberufen und das ganze System des über diese Maßnahmen habe sich Wilhelm II. bei seiner Anwesenheit biefen Thesen, beren Tendenz er als durchaus erstrebenswert beKrieges geändert war! Aber diese Parteien überließen der in Wien fürzlich mit Franz Joseph verständigt. zeichnet. Uebrigens beweise ein im Ministerialblatt für Medizinale Das deutsche und das österreichische Wolf wird darüber wachen behörden am 15. März 1906 veröffentlichter Erlaß des Kultus Sozialdemokratie den Protest, sie machten sich zu direkten Mitschuldigen des entseglichen Blutvergießens. Und müssen, daß ihm seine Soldaten nicht wieder zu Henkersknechten ministers und des Ministers des Innern an die Oberpräsidenten, als in Ostafrika der Aufstand ausbrach, als auch und zu Bertretern einer durchaus berechtigten revolutionären Be- wonach dem Vorsitzenden der Ersatzkommission vertrauliche Mitdort die grauenhafte Blutarbeit begann, die noch wegung wie es die russische ist degradiert werden. teilung über die geistige Anormalität Gestellungspflichtiger zu machen jetzt ungemindert fortdauert, dachten Zentrum und Freisinn fei, daß die Regierung nunmehr bemüht sei, bei der Rekrutierung Petersburg, 26. Junt. Die Notvoje Bremja" berichtet über mit der gebotenen Vorsicht zu Werke zu gehen. ebensowenig daran, diesen Metzeleien Einhalt zu tun. Sie protestierten zwar gelegentlich gegen das alberne Märchen, eine Versammlung in Krasnoje Sselo, an der viele Soldaten Das Ungeheuerliche ist nur, daß die Militärbehörden erst durch der ostafrikanische Aufstand sei durch Zauberer" hervor aller Waffen teilnahmen. Feldgendarmen löften die Versammlung die Petitionskommission gezwungen werden mußten, solche Vorsichtsgerufen, statt durch die unerhörte Ausbeutung der Ein- auf und verhafteten einige Soldaten und Zibilisten. Vorgestern maßregeln zu ergreifen! Sätten wir nicht endlich nach langem geborenen, speziell ben standalösen Arbeitszwang bei einer follen fich, wie die Blätter behaupten, Rosaken geweigert haben, auf Sträuben, die leider noch immer allzu beschränkte Entlohnung von 1 bis 1 Bf. pro Tag; aber sie ließen eine von 2000 Arbeitern besuchte Versammlung außerhalb der Re- Deffentlichkeit der Kriegsgerichte erhalten, und wäre durch deren im übrigen die Dinge ruhig ihren Gang fidenz zu feuern!! Verhandlungen das Parlament nicht veranlaßt worden, endlich auf Die Garnison von Batum hat gestern gemeutert. Rofalen Abstellung dieser durch unbegreifliche Fahrlässigkeit verschuldeten gehen. Mögen Hunderte von Millionen verpulvert werden, mögen Zehntausende von Eingeborenen auf der Strecke bleiben schloffen die aufrührerischen Soldaten in ihrer Kaserne ein, ohne auf militaristischen Barbarei zu bringen, so wären nach wie vor dem Zentrum und Freisinn flammern sich an Kleinliche sie zu schießen. Zahlreiche Bewohner Batums fliehen. Der Kaffierer Einzelfälle dieses unerhörten Systems und renom- ber russisch- chinesischen Bant, der 25 000 Rubel bei fich trug, wurde alten brutalen Schlendrian jährlich Hunderte von Menschenschicſalen mieren dann noch im Lande herum, daß sie der Regierung Die von Petersburg nach Kronstadt abgesandte Untersuchungs- Und doch kannten die militärischen Streife ganz genau den endlich das Versprechen abgerungen haben, das Rolonial tommission hat beschlossen, 360 Mann der Besatzung zu verhaften und Umfang des Uebelstandes. Führt doch der Verfasser bes Artikels amt zu reorganisieren! davon 74 zu verschiedenen Straten zu verurteilen. des offiziösen Blattes selbst an, daß z. B. 1901/1902 nicht überfallen und beraubt. " geopfert worden! Daß diese Reorganisation nun in der Maßregelung der- Ach liebsten sähe es die russische Reaktion natürlich, wenn fie weniger als 377 Geiftestrante, 429 Fallfüchtige, 329 Neurastheniker jenigen Unterbeamten bestehen soll, deren Menschlichkeits- den erwachenden Zorn des Heeres ableiten und abfenten tönnte. und 242 Systerische als Refruten zur Einstellung gelangt find. gefühl sich gegen die tolle Mißwirtschaft empörte, ist nur die Selbst vor einem neuen frisch- fröhlichen" Strieg würde sie nicht und unter den 319 Fällen von Selbstmord und Selbste wordversuchcn» die nach der Statistil des KriegZininisteriums in diesem Jahre vorgekommen seien, sei sicher mancher gewesen, der »mit der uiiseligen Handlung lediglich seine abnorme Geistes- Beschaffenheit betätigte". Aber bei der bisherigen Art der Rekruten- einstellung seien solche Mißgriffe leider nicht zu vermeiden ge- Wesen. Auch der tüchtigste Arzt könne bei der flüchtigen Unter- suchung die psychische Beschaffenheit eines Rekruten nicht feststellen, ebensowenig könne bei der Rekrutenausbildung eine individuelle Behandlung stattfinden. Das find aber ganz leere Ausreden. Legte unser MilitciriSmns statt auf den öden und ganz überflüssigen Parade- und Gamaschendrill mehr Gewicht auf jene persönliche Ausbildung, wie sie der moderne Krieg selbst so gebieterisch erheischt, erteilte man selbst den In- struktionSunterricht nur in halbwegs vernünftiger Form, so hätte man sicher die weitaus größte Zahl der psychischen Störungen entdeckt, bevor es zur Katastrophe kam. Aber davon ganz abgesehen: warum hat man jene Vorkehrungsmaßregeln, die die Petitiouskommission borschlägt und die das offiziöse Blatt jetzt für akzeptabel erklärt, nicht längst beobachtet? Weil es unserem Militaris- muS auf ein paar hundert Menschenopfer jährlich mehr oder weniger nicht ankommt, weil er eben eine durch und durch kulturwidrige Institution ist!—_ Tie Sozialdemokratie in Saarabien. Aus dem Reichsland schreibt man uns: Saarabien konnte bisher für unsere Gegner fast als Paradies gelten: denn eS ist dasjenige große Jndiistricgcbict, in dem die Sozialdemokratie und die freie Gewerkschaftsbewegung bisher am wenigsten Eingang gefunden haben. Läng» der Saar bis weit in das Hinterland hinein ziehen sich in Lothringen und i>n südwestlichen Teil der preußischen Rheinprovinz mächtige industrielle Betriebe mit Zehntausenden von Arbeitern. Die großen Kohlengruben des preußischen FiskuS, die Stummschen Werke, die de Wendelschen Unternehmungen usw. fallen alle mit den Betritben der zahlreichen HülfSgewerbe der schweren Industrie in dieses Gebiet. Und trotzdem ist es de» oft wiederholten Anstrengungen unserer Partei nicht ge- langen, hier einzudringen und nennenswerte Resultate zu erzielen. DaS liegt an zwei Ursachen: einesteils am wüstesten, rück- sichtslose st en Scharfmachertum der»Herren im eigenen Hause", die von ihren Proletariern völlige Unterjochung unter ihre Gesetze verlangen, anderenteils an der hinterhältigen Taktik des Zentrums, das durch seine Geistlichen über eine vorzügliche. geradezu natürliche Organisation verfügt. Das Zentrum spielte sich hier als Arbeiterpartei auf und es vcrinochte auch unter der Arbeiter- schaft Saarabiens eine gewaltige klerikale Herrschaft aufzurichten. Diese doppelte Gegnerschaft zu überwinden, war kein leichtes Spiel, und die häufig wiederkehrenden Klagen auf Partcitageir über zu geringe Agitation in der Saargcgend berücksichtigten wohl diese Schwierigkeiten nicht genügend. Allein auch hier bestätigte sich der Satz, daß— trotz aller Hindernisse— der Klassenkampf s e l b st die Sozial- demokratie erzeugt. Die Klerikalen hatten zwar bei der Gründung katholischer Arbeitervereine und christlicher Gewcrkvereine sehr gut, aber doch ohne das Klassenbewußtsein gerechnet, das schließlich auch in den christlichen Gcwerkvcrcinen bei der völlig ab- lehnenden Haltung der Unternehmer erwachen muß, und auch ohne das Klassenbewußtsein der Unternehincr selbst. Denn oll- mählich wurden die Arbeitcrmassen etwas anspruchsvoller und aus der vom Zentrum gestreuten Saat schien eine ganz andere als die erwartete Frucht zu sprießen. Das paßte aber den„Herren im eigenen Hanse" keineswegs, und unter der Führung des ge- lehrigen Schüler Buecks, des Sekretärs der Saarbrücker Handels- kannner, Herrn Dr. Alexander Tille, begannen sie einen wilden Kampf nicht nur gegen die Sozialdemokratie, sondern ganz besonders gegen die von Herrn Dr. Tille„ S o z i a l m o r a l i st e n" verächtlich getauften Sozialpolitiker jeder bürgerlichen Couleur. In diesen Bruderzwist hinein fiel der Krämer-Prozeß und der Verrat des Zentrums bei der Beratung der Berggesetznovelle im preußischen Abgeordnetenhause. So fand denn das ncugegründete saarabische Parteiblatt, die ebenso wacker redigierte, wie mit Pro- zessen gesegnete„Saarwacht", ein reiches und fruchtbares Arbeits- selb, und das Arbeitcrsckretariat in St. Johann hatte eine umfang- reiche Tätigkeit zu entfalten. Die Zahl der den freien Gewerkschaften zuströmenden Mitglieder wuchs unausgesetzt, und auch die Partei- organisation gewann immer neue Anhänger, so daß bei der nächsten ReichStagSwahl sicher ein bedeutender Stiinmenzulvachs, namentlich in Saarbrücken- St. Johann zu verzeichnen sein wird. So ernten Wir eine rote Frucht aus jener Saat des Zentrums. Die klerikale Presse, die selbst nicht mehr bestreiten kann, welche Erfolge die moderne Arbeiterbewegung in Saarabien zu erringen anfängt, hat die naive Ausrede entdeckt, die freien Gewerlschaften kommandierten aus Westfalen usw. hunderte ihrer An- Hänger nach Saarabien ab, um hier Arbeit zu suchen. Als ob die Scharfmacher Bueck-Tillescher Observanz vom Zcntralverband deutscherJndustrieller bisher sich gescheut hätten,„verdächtige Elemente" rundweg zu entlassen oder zu benachteiligen?! Tatsache ist lediglich. daß viele bisher christlich Organisierte und Indifferente gcickonnen worden sind. Es versteht sich aber, daß die klerikale Presse Dasbachs, die ihren Einfluß schwinden sieht, sich wutschnaubend ans Tille stürzt! Eines sei jedoch bei dieser Gelegenheit wieder bemerkt: für das ganze Riesengebiet kann ein Arbeftcrsekretariat in St. Johann nicht genügen t Allein im lothringischen Teil sind drei christliche Rrbeitersekretäre tätig! Das möge die Generalkommisston der Gelverkschasten reiflich überlegen. Und ebenso darf der Partei kein Opfer zu schwer sein, um die »Saarwacht" zu erhalten und auszugestalten. Gerade jetzt! Dann wird sich bald das Beispiel Saarabiens würdig dem des nördlichen Rheinlands, Westfalens und Oberschlesiens an die Seite stellen lassen.— Der letzte Arbeiter muß vom Zentrum losgerissen werden!— ••• Deutfched Reich. DaS Bekenntnis zum Konquistadorentilm. Ueber die Abschiedsfeier zu Ehren des Generals Trotha, hie diesem von den Hemm der Kolonialverwaltung bereitet worden war, haben wir bereits gestern berichtet. Wir hoben bereits die bemerkenswerte Tatsache hervor, daß dabei der Kolonialprinz Hohenlohe-Langenburg. von dem Zentrum und Linke eine Humanisiernnz unserer von Blut und Schmutz triefenden Kolonialpolitik erwarteten, eine Lobeshymne auf die„ehrenvollen Taten" des Generals Trotha angestimmt hat, dessen südwestafrikanische Hunnen- erlasse in der Kolonialgcschichte neben den Taten der spanischen Konquistadoren fortleben werden. Nun lesen wir in einem Blatte, daß auch General Trotha selbst seine Krieg- führung in einer Rede verteidigt hat, die überaus charaktenstisch ist, nicht nur für den Kolonialstrategen Trotha selbst, sondern auch für die Auffassung von unserer Kolonialpolitik, wie sie in den sicher nicht unmaßgeblichsten Kreisen verbreitet zu sein scheint. Der ehemalige südwestasrikanische Generalissimus sagte: „Ich bin der älteste deutsche Offizier und einer der ältesten Beamten der Kolonialabteilung und trage den Khakirock irnd den Tropenhut in verschiedenen Formen und mit einigen Unter- brechungen seit t2 Jahren. Daß dieser Rock auch mein Sterbe- Hemd werden würde, dessen war ich mir bewußt, als ich zum dritten Male im Mai 1304 hinausging. Aus welchen Gründen er dies nicht geworden ist, zu erörtern, liegt außerhalb von Zeit und Ort des Augenblicks. Mir genügt mein Bewußtsein, als Soldat und Beamter meine Schuldigkeit getan zu haben, und das sichere Empfinden, aus allen drei Phasen meiner überseeischen Lausbahn mit weißer Weste zurückgekehrt zu sein. Die Gr- schichte wird sprechen, ob ich das Richtige traf. Die Geschichte wird vielleicht einmal auch ohne Indiskretionen meine Berichte vom Jahre 1897 und die der l e tz t v e r f l o s s e n e n Jahre zur Veröffentlichung bringen und es beweisen, daß ich fast alles so vorausgesagt, wie es gekommen und wahrscheinlich auch noch kommen wird. Die Geschichte wird darüber ihr Urteil fällen, ob ich grundlos der grausame Kriegs führ« war und ob dieser Krieg auf andere Weise endgültig zu beendigen ist. ES ist und bleibt ein Raffenkampf, an dem alle Völker der Erde interessiert sind, die das schwarze Erbe wirtschaftlich an- zutreten bereit sind. Bor Beendigung dieses Krieges die Pflugschar anzulegen, ist vergebliches Bemühen. Das lehrt uns das Studium der Kolonialgeschichte aller Völker. Die f ü n f z i g I a h r e. die diesem Rassenkampf vorausgingen, waren nur das Präludium, das das schwarze Volk brauchte, um sich der W i r k l i ch- keit bewußt zu werden. lieber die Berechtigung dieser Wirklichkeit nach der einen oder anderen Seite zu polmsieren oder zu polemisieren, ist ein eitles Unterfangen. Tie Entwicklung der Erde und ihrer Staatenbildung wird weiter vor sich gehen, und das eiserne Rad der Zeit wird die Redner und Volkstribun e mit ihren Parteiinteressen zer- malme n. Solche Jahre aber, wie die verflossenen 190-1 und 1905, durch- lebt unter Hunger und Gefahr, triefend von Schweiß und Blut, schaffen neuen Kitt zwischen den Mitarbeiter», der nicht mehr bricht, und der auch allen Animositäten gegenüber standhält. So fühle ich mich mit Ihnen verkittet und verbunden, Ihr Glück ist mein Glück, Ihre Zukunft ist die meine. Ich leere mein Glas auf Deutschlands Kolonien, auf deren Leiter und auf seine Truppen." Mag man über Trotha und seine Kolonialmoral denken, wie man ivill: er hat wenigstens den Mut, sich zu seinen Taten zu bekennen und zu dem entsetzlichen System, dem sie entflossen. Er leugnet nicht, der„grausame Kriegs- f ü h r e r" gewesen zu sein, der im Stile des 16. Jahr- Hunderts Rassenvcrttlgung getrieben hat. Er verteidigt seine furchtbare Strategie lediglich mit der vermeintlichen Tatsache, daß eine afrikanische Kolonialpolitik nur möglich sei n a ch blutiger Austilgung der schwarzen Rasse, die zum Bewußtsein zu erwachen beginne, daß auf ihrem Heimatboden nur Raum sei für eine Rasse. Und gegen diesen Rassenvertilgungskrieg, so versichert Trotha, werde die schauerliche Blutarbeit der bisherigen afrikanischen Kolonialpolitik nur ein Präludium, ein harmloses Bor- spiel sein! Trotha hat auS dieser Auffassung, die er bereits in Be- richten aus dem Jahre 1897 niedergelegt hat, also niemals ein Geheimnis geniacht. Und trotzdem ging er als Oberst- kommandierender nach Südwestafrika! Man weiß nun. wie einflußreiche Kreise über unsere afrikanische Kulturmission denken. Werden nach dieser Ent- hüllung Zentrum und Freisinn noch den Mut haben, für eitie solche Kolonialpolitik auch uur»och eiucn rote» Heller zu bewilligen?!—_ Menschenopfer. Der jetzt ungefähr 2'/, Jahre dauernde Kolonialkrieg in Süd- Westafrika hat bereits unter den dort kämpfenden deutschen Truppen gewaltig aufgeräumt. Gar mancher durch patriotische Phrasen hinübergclockte kräftige, lebensfrische Mann ist auf dem sogenannten „Felde der Ehre" gefallen oder in dem Lazarette vom Fieber hinweg- gerafft worden. Nach der auf Grund der amtlichen Meldungen von einer hiesigen Korrespondenz vorgenommenen Zusammenstellung be- trägt der Gesamtvcrlust an Menschen einschließlich der ermordeten Zivilbevölkerung 2342 Mann. Die militärischen Verluste vom Beginn des Bondelzwarts- aufstandcS(Dezember 1903) bis jetzt belaufen sich auf 2120 Man n, d a v o n sin d to t 1322, verwundet 798 Mann. Krank heimgeschickt wurden bisher etwa 1000 Mann, ebenso viel liegen krank in den Lazaretten Südwestafrikas. Letztere Zahl hat sich in den letzten Wochen sehr vermehrt, eS ist etwas viel, lvenn der fünfzehnte Teil einer Feldtruppe er- krankt ist. Der Grund hierfür sind schlechte Verpflegung infolge der mangelhaften Vcrkehrsverbindungen, Wassermangel und Ueber- ansttengung. Der GefechtSvcrlust der Truppe beläuft sich auf 1356 Mann(Tote 591, Verwundete 765), davon 133 Offiziere. Vor dem Feinde gefallen sind an Offizieren, SanitätS- offizieren und höheren Beamten 63, an Unteroffizieren 102, an Mannschaften 426. Verwundet wurden Offiziere-c. 88, Uiiter- offiziere 148, Mannschaften 529. Nach der offiziellen Phraseologie haben diese Männer ihr Blut für die Ehre und das Wohl des„deutschen Vaterlandes" verspritzt, in Wirklichkeit jedoch für die Handelsinteressen und daS Anlage- bedllrfnis des Großkapitals.— Berlin, 26. Zstini. Amtliche Meldung. Am 20. Juni nördlich Warnibad gefallen: Reiter Paul H ä n s e l, geboren am 23. 3. 81 zu Seidau; Reiter Karl Kirchhoff, geboren am 4. 11. 83 zu Berlin. Am 20. Juni 1906 zwischen Kalkfontein-Süd-Warnibad als Rclaisreiter gefallen: Reiter Karl S ch u r m a, geboren am 4. 12 81 zu Klein-Zyglin. Ferner Gefreiter Julius Wichmann, geboren am 1. 3. 81 zu Läutern am 22. Juni 1906 in der Krankensannnelstelle Kubub an Herzschwäche gestorben. Kasernenfreudcn. Die Soldatenquälereien mehren sich. Vom Ende März bis Ende Juni 1906 wurde die gerichtliche Bestrafung von 52 Soldaten- quälern bekannt. An Strafen wurden ausgesprochen: 8 Jahre 8 Monate 3 Tage Gefängnis, 4 Monate 22 Tage mittlerer Arrest, 1 Monat 9 Tage gelinder Arrest, 1 Monat 29 Tage Stubenarrest, 7 Degradationen. Der Freiheitsentzug beträgt im ganzen 9 Jahre 4 Monate 3 Tage. Auf Preußen treffen: 6 Jahre 11 Monate 3 Tage Gefängnis, 3 Monate mittlerer Arrest, 9 Tage gelinder Arrest, 1 Monat 29 Tage Stubenarrest, 5 Degradationen(37 Soldatenmißhandler); auf Sachsen 2 Jahre 9 Monate Gefängnis, 1 Monat 22 Tage mittlerer. 1 Monat gelinder Arrest, 2 Degradationen(15 Soldaten- mißhandler). In diesem Bierteljahre mußten zwei preußische Hauptleute wegen Soldatcnmißhandlung gerichtlich bestraft werden. Leider wurden ihre Namen nicht genannt. Der eine gehört dem Lauen- burgischcn Jägerbataillon an und erhielt 17 Tage Stubenarrest; den anderen zu besitzen hat das preußische Grcnadierregiment Nr. 12 das Glück. Ihm wurden 42 Tage Stubenarrest diktiert. Wenn sogar Hauptleute mißhandeln, so schweigen alle Flöten. Würden die Herren Kriegsminister die Soldatenschiudereien mit Energie bekämpfen, so würden die Herren Hauptleute Mißhandlungen hübsch bleiben lasten, denn sie wüßten dann, daß ihnen Soldatenquälereien unnachsichtlich die Verabschiedung eintrügen. Im ersten Halbjahr 1306 wurde die gerichtliche Be- strafung von 91 Soldatenquälern bekannt, die einen Freiheitsentzug von 19 Jahren 6 Monaten und 17 Tagen erlitten. Besonders auffallend ist das Ueberhandnehmen deS„Schäftens" der jungen Mannschaften durch die alten. Auch hier fehlt es anscheinend den Kriegsministerien an Energie. Gerade in diesen Fällen hätten sie ein durchgreifendes Mittel, nämlich die Versetzung in eine Arbeiterabteilung, in der Hand. Sie brauchten nur an die kommandierenden Generäle die Anweisung ergehen zu lasten, daß Mannschaften, die sich am„Schäften" beteiligt haben, in eine Arbeiterabteilung zu versetzen sind. Zu hart wäre die Maßregel gewiß nicht, denn eS ist nichts Feigeres und RohereS denkbar, als diese Ueberfälle auf einen Wehrlosen.— Abrüstung in Sicht! Aus London meldet der Draht: Der Lordmayor gab heute zu Ehren der Vertreter der deutschen Presse ein F r ü h st ü ck, das einen glänzenden Verlauf nahm. Es ivaren etiva 150 Gäste anwesend, unter ihnen der deutsche Botschafter Graf Wolff Metternich, Botschaftsrat Freiherr v. Stumm, Graf zu Stolberg-Wernigerode. Sir Edward Malet, der Chefsckretär für Irland Bryce, Unterstaatssekretär Fitzmaurice. die Lords Avebury und Kennaerd und mehrere Parlamentsmitglieder, viele Heraus- geber der englischen Zeitungen und die ersten städtischen Beamten. Der Lordmayor brachte ein Hoch auf König Eduard aus und entbot den Gästen ein herzliches Willkommen. Dr. Fitger gab das Antwort-Telegramm auf das gestern aus Schloß Windsor an den König gerichtete Danktelegramni bekannt. Unter lebhaftem Beifall brachte der Lordmayor einen Triukspruch auf Kaiser Wilhelm aus, in dem er sagte: Der deutsche Kaiser ist einer der, luftige, wir sehen ihn beinahe als unsere» LandSiliann an. — Bryce ließ die deutschen Gäste hochleben. Wenn die Verbrüderungsstimmung anhält, übermittelt uns heute nacht am Ende noch der Draht den Vorschlag eines deutsch-englijchen Monarchenaustauschcs I—_ Im Wahlkreise Altena-Iserlohn findet morgen die Reichstags- ersatzwahl für den verstorbenen Abg. Lenzmann statt. Unsere Genossen haben noch in den letzten Tagen angestrengt gearbeitet und mehrere stark besuchte Versammlungen abgehalten. Kandidat unserer Partei ist Karl Haberland-Barmen. Ihm stehen als Kandidaten der Freisinnigen Volkspartei Oberlandes- gerichtsrat Müller, als Kandidat der nationalliberalen Partei Justtzrat Haarmann, als Kandidat der Christlich-sozialen Arbeitersekretär Rüffer-Hagen und als Kandidat des Zemunis der Regierungsrat Klocke gegenüber. Bei der Hauptwahl 1903 er- hielten Gewehr(Soz.) 10 146, Lenzmann(frs. Vp.) 7737, Nölle (nattonalliberal) 7440, Schiffer(Zentrum) 6604, Behrens(christlich- sozial) 1457 Stimmen. In der Stichwahl siegte Lenzmaun mit 13171 über Gewehr mit 11029 Stimmen.— Die„Staatsbürger-Zeitung" entwickelt sich immer mehr zum unfreilvilligen Witzblatt, und zwar in einem Maße, daß sie auf diesem Gebiete bereits jede Konkurrenz schlägt. Sie veröffentlicht jetzt, nachdem alle anderen Zugmittel versagt haben, unter der Rubrik „Kleine Pfeile" politisch-philosophisch-literarische Betrachtungen— anscheinend zu dem Zweck, ihren Gegnern kleine Nadelstiche zu der- setzen. Von welcher Qualität diese Betrachtungen sind, zeigt folgendes Beispiel: Romane haben zweimal tief in Amerikas Geschicke eingegriffen. Einst war eS„Onkel Toms Hülle" des Grafen Harriet- Beecher-Stowc. Jetzt ist es„das Gestrüpp" von Sinilair. Nicht nur der Fleischtrust, auch der Petroleumtrust bekommt die Folgen zu spüren. Man erwacht in Amerika aus der Anbetung vor dem Golde, in der man auf deutschen Regatten immer noch versunken ist. Solches Erwachen ist gut. Aber sonst ist die Parallele nicht zum Vorteile Amerikas: einst erbarmte man sich der verachteten schwarzen Sklaven, wenn man auf den zu Tode gequälten Onkel Toni schaute. Jetzt denkt man nur an den eigenen Bauch, der Natten und krepierte Schweine verdauen mußte. Man hüte sich vor dem Preise der Herrlichkeit, zu der wir's gebracht haben,! Die Worte„Onkel Toms Hülle" statt„Onkel Toms Hütte", „Sinilair" statt„Sinclair" usw. mögen Druckfehler sein; aber daß die keifende„Staatsbürgerin" die amerikanische Lehrerin und Schrift- stcllerin Harriet Beecher-Stowe zu einem männlichen Wesen macht und diesem obendrein in antisemittscher Generösität den Grafentitel beilegt, ist allzu putzig. Sollte das Blatt Graf Pückler als Redakteur für diese Rubrik engagiert haben?— Doppelzüngig. In der„Deutschen T a g e S z t g." lesen wir: „Der Preis der Muttersprache. In Klausenburg (Siebenbürgen) ist ein rumänischer Advokat von der dortigen Advokatenkammcr zu einer Geldstrafe von 200 Kronen verurteilt worden, weil er sich bei der gerichtlichen Verhandlung einer gegen ihn gerichteten Verleumdungsklage seiner Mutter spräche bediente. Die Anklage, die mit Ge- nehmigung des obersten Gerichtshofes erfolgte, wurde in dem Strafantrag damit begründet, daß der Delinquent durch den Gebrauch der rumänischen Sprache„die Würde der ungarischen Advokaten verletzt habe". Das un- aarische Gesetz läßt die Verteidigung vor Gericht in der Mutter- spräche ausdrücklich zu und verlangt sogar vom Richter, daß er die Verhandlung unter gewissen Umständen in dieser Sprache führe. In der Praxis kostet die Einhaltung des Gesetzes 200 Kronen!" Es bedarf keiner besonderen Versicherung, daß wir die Ent- rüstung teilen. Aber die„D. T." entrüstet sich nur, weil die Magyaren in diesem Falle die Unterdrücker sind und noch dazu in Siebenbürgen. Stände Siebenbürgen unter deutscher Herrschaft, so würde sich das Agrarierblatt ebenfalls furchtbar ent- rüsten, jedoch nur über den Advokaten, der es wagte, eine andere als die deutsche Sprache anzuwenden. Beweis: die wüste Hetzerei desselben Blattes gegen die Polen. Dänen, Franzosen, die innerhalb des Deutschen Reiches wohnen.— Die badische VermSgensstcuer. Wir haben schon berichtet, daß der badische Landtag ein Ver- mögensstcucrgcsetz gegen die Stimmen der Sozialdemokraten an- nahm. Von unserem Karlsruher Mitarbeiter wird uns nun noch zu dieser Sache geschrieben:. Es wird gewiß nicht oft vorkommen, daß Sozialdemokraten, Anhänger der direkten Besteuerung, gegen ein Gesetz über direkte Besteuerung des Vermögens stimmen. Wenn es hier geschah, so nur deswegen, weil der agrarische Einfluß im badischcn Landtag stark genug war, selbst eine direkte Steuer zum Instrument agrarischer Bereicherung zu gestalten.— Wir haben seinerzeit schon berichtet, daß die Vermögenssteuer nur eine Ablösung einer Anzahl Sondersteuern sein soll; an Stelle einer besonderen Grund-, Häuser-, Gewerbe- und Kapitalrentenstcuer tritt eine gemeinsame Vermögenssteuer! Durch die bisherige Grund- und Häuscrstcuer ist das Liegenschaftsocrmögen besonders begünstigt worden, weil diese Vermögen nicht nach dem gegenwärtigen Zeitwert, dem so» genannten Verkehrswert, sondern nach einem vor einem halben Jahrhundert festgestellten und immer nach gleichen Grund- sätzen fortbercchaeten Ertragswcrt zur Veranlagung heran- gezogen wurden. Es liegt auf der Hand, daß bei dem gesteigerten Wert der Grund- und Häuserbesitz seit vielen Jahren weit weniger Steuern gezahlt hat, als er hätte zahlen sollen. Als schwacher Aus» gleich für diese Steuerbegünstigung war ein Schuldcnabzug unzu- lässig. Als ftün die Reaieruiig i�re VermogenSsteuerborlaye machte, Blühte sie wohl für vcn Liegenschaftsbesitz auch den Zeitwert zu» gründe legen, was eine M e h r e i n s ch ä tz u n g der Waldungen um 126,28 Proz., der landwirtschaftlichen Grundstücke um 65,76 Proz. und der Häuser um 144,28 Proz. zur Folge hatte. Aber sie entschädigte den Grundbesitz, indem sie©chuldabzug bis zur Hälfte des Vermögens zuließ und das landwirtschaftliche Betriebskapital: Vieh, Maschinen, Getreidcvorräte usw. überhaupt vom Beizug zur Steuer freiließ. Dagegen sollte beim Gewerbe aller vorhandene Besitz in Anrechnung kommen und von 5V 666 M. ab eine erhebliche Progression eintreten. Der Stcuerfutz, der gegenwärtig bei Grund», Häuser- und Gewerbesteuer 15 Pf. auf 166 M. Steuerkapital beträgt, würde bei der neuen Vermögenssteuer vermutlich auf 16 Pf. pro 166 M. herabgesetzt werden können. Das Ergebnis der Regierungsvorlage wäre gewesen: bei allem Vermögen eine Entlastung von Proz.; bei dem Grund- und Häuserbesitz dafür eine Neu- belastung, die der Wertsteigerung entsprach, welche sich durch Fest- ftellung des Verkchrswertes ergab und bei dem Gcwerbekapital von über 56 666 M. eine Ncubelastung infolge der beabsichtigten Progression. Die Neubelastung der Landwirtschaft wird indessen völlig weit gemacht durch den neu zugelassenen Schuldabzug. Der Steuer- anschlag des landwirtschaftlich genutzten Geländes belief sich auf rund 1267 Millionen Mark und ist infolge der Neuschätzung gestiegen auf 2156 Millionen Mark— also eine Zunahme von 853 Millionen Mark. Die Verschuldung der badischen Landwirtschast wird auf 566 Millionen Mark geschätzt und es sollen sich die Schulden im einzelnen fast durchgängig innerhalb der abziehbaren Grenze «(Hälfte des Gesamtvermögens) halten, so daß nur noch ein Mehr von zirka 356— 166 Millionen Mark gegen die frühere Schätzung vorhanden ist. Diesem Mehr steht nun die voraussichtliche Steuer- ermäßigung von einem Drittel, das sind rund 766 Millionen Mark der neuen Schätzungswerte, gegenüber und so hat man statt einer Mehrbelastung eine Entlastung der Landwirtschaft durch die Vermögenssteuer. Die Nimmersatten Zentrumsagrarier waren damit noch nicht zufrieden, sie verlangten gesetzliche Bindung des Steuerfußes auf 16 Pf. pro 166 M. und 26 Proz. Abschreibung am Steuerwert des landwirtschaftlichen Geländes, was den Abstrich von weiteren 436 Millionen Mark Steuerkapital bedeutet hätte; der Ausfall sollte durch schärfere Heranziehung des Gewerbes zur Steuer gedeckt werden. Selbstverständlich wandten sich die Sozialdemokraten gegen eine solche Liebesgabenpolitik und auch die Nationalliberalen schienen Widerstand leisten zu wollen. Aber der Widerstand war nur von kurzer Dauer. Die Nationalliberalen machten„Kompromiß"- Vorschläge, die bei Lichte besehen noch agrarischer waren als die Zentrumsanträge. Natürlich wurden sie angenommen. Das Ge- setz ist nun dahin abgeändert, daß zwar das landwirtschaftliche Be- tricbsvermögen in die Bestimmung einbezogen wurde, aber erst von 26 666 M. ab, an den Betriebsvermögen von über 26 666 bis 56 666 Mark wurden stufenweise 26 bis 66 Proz. vom Werte abgeschrieben. Ferner tritt eine degressive Abschreibung vom Werte der land- wirtschaftlich genutzten Grundstücke ein, die bei einem Schätzungs- wert von 86 666 M. mit 16 Proz. beginnt und bei einem Schätzungs- wert von 15 666 M. und weiter abwärts mit 25 Proz. endigt. Bei dem Gewerbesteuerkapital ist dagegen die Progression, über den Regierungsvorschlag hinaus erhöht worden; sie endigt jetzt bei Gkwerbesteuervermögen über 6 666 666 M. mit einer Erhöhung des Steuerfußes um 86 Proz., so daß bei einem normalen Steuerfuß von 16 Pf. pro 166 M. die Gewerbetreibenden, deren Vermögen über 666 666 M. beträgt. 18 Pf. pro 166 M. zu zahlen haben. Außerdem wurde der Schuldabzug bei dem Gewerbe insofern ein- geschränkt, als sie laufende Geschäftsschulden nur so weit abziehen dürfen, als sie sich auf vorhandene Barmittel und Außenstände aufrechnen lassen. Auf vorhandene Warenvorräte, wie eS eigentlich selbstverständlich ist, dürfen laufende Schulden dagegen nicht ab- gezogen werden. Um dem Gesetz den einheitlich agrarischen Charakter zu nehmen und um dem Prinzig der Vermögens jteuer mehr zum Durch- bruch zu verhelfen, bei dem nicht nach der Rentabilität der verschiedenen Vermögen, sondern einfach nach der Tatsache des vorhandenen Vermögens zu fragen ist, beantragte die sozialdemo- kratische Fraktion, alles Vermögen unter 3666 M. steuerfrei zu lassen und eine allgemeine Progression des Steuer- fußes(für gewerbliches, landwirtschaftliches und sonstiges Vcr- mögen gleich!) einzuführen. Alle diese Anträge fielen und so wurde der rein agrarische Cha- rakter des Gesetzes gewahrt. Das bestimmte nun aber die Sozial- demokratie, gegen das ganze Gesetz zu stimmen. In der Ersten Kammer dürfte versucht werden, noch etwas mehr agrarischen Einschlag in das Gesetz zu bringen, es ist aber, wie die Dinge liegen, nicht zu zivcifeln, daß die Zweite Kammer auch daS noch schluckt.—_ FuchSmühl. In München ist dieser Tage der eigentliche Urheber der FuchSmiihler Bauernschlächterei, der königliche bayerische Kämmerer, und Rat am Obersten Landgericht Freiherr v. Zoller an einem Schlaganfall gestorben. Dieser Inhaber des Krohnlehens Fuchsmühl hatte.jahrelang die Bauern aufs unverschämteste um ihr Recht zu prellen versucht. Die bayerische Re- gierung hinderte sein Treiben nicht. Im Gegenteil: als die Bauern hülfesuchend sich an das Finanzministerium wandten, dem die. Forst- Verwaltung untersteht, brauchte dieses nur ein Jahr zu seiner abweisenden Antwort. Als durch die Vorgänge in Fuchsmühl die uuwiderleg- lichen Feststellungen einer in mehreren hundert tausend Exemplaren verbreiteten sozialdemokratischen Broschüre und die Landtags- Verhandlungen die menschlichen Oualitäten dieses Lehensmannes der Krone Bayerns weltbekannt geworden waren, verfiel er allgemeiner Verachtung. Am Hofe hingegen scheinen die FuchSmiihler Vorgänge wie so manches andere unbekannt gebliebe» zu sein. Denn Shylock- Zoller stand nach dem Bauernmord noch hoher in Gunst als vorher.— Neue„Erfolge" in Dcntsch-Ostafrika meldet ein Telegramm des dortigen Gouvernements. Wie Major Johannes und Frhr. v. Wangen- heim berichten, sind die Operationen gegen die Landschaft Mgcude am 11. Juni erfolgreich beendet worden. Der Gesamtverlust der Gegner betrug 36 Tote und 546 Gefangene. Diesseits fielen 5 ÄskariS und 15 Farbige wurden verwundet. Die Auf- ständischen wurden in zwei Gruppen zersprengt, die Unter- werfung hat begonnen. Oestlich verfolgen Frhr. v. Wangen- heim. v. Schönberg und Graf v. Seyboltstorff. westlich verfolgen mit Schabruma und Anhang Major Johannes und Oberleutnant V. d. Marwitz. Freiherr v. Wangenheini sollte nach Einrichtung des Postens bei MpoNda nach Mahenge zurückkehren, uin die dortige Station zu übernehmen. Styx, der am 17. Juni im Köndo-Jrangi eintraf, stellte die Verbindung mit Freiherrn v. Reitzenstein her. Amtliche? Ergrlnis der ReichStagSnachwahl in Hannover. Nach anrtlicher Ermittelung wurden bei der am 22. Juni stattgehabten ReichStagscrsatzwahl insgesamt 62 39S Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf den Redakteur August Brey-Hamiyver(Soz.) 31 863 Stimmen, auf Senator Fink-Haunover(natl.) 16 265, Rechtsanwalt v. Dannenberg-Hannover(Welse) 11633. Redakteur Erzberger- Berlin(Z.) 2412. Hofbesitzer Holzgrefe-Eldayien(B. d. L.) 182, Schriftsteller ChociSzewöli-Gnesen(Pole) 74 Sliinmen, zersplittert waren 20 Stimmen. Husland. Schweiz. „SoziakPoNtik' in der Bundesversammlung. 8««, 25. Juni.(Eig. 8er.) Seitdem durch den brutalen WahlrechtSraub der herrschenden und gewalttätigen Radikale» an- läßlich der Rationalratswahltn im Herbste 1965 die sozial- demokratische Vertretung im Natipnalrat von 6 aus 2 herabgedrückt und die Genossen Greulich und Dr. Studer au§ dem Parlament sozusagen hinauSgemaßregelt wurden, ist es in ihm unheimlich still ge- » worden, so still wie ganz früher, da die BourgoiSvertreter unter sich waren und ungeachtet der Parteiunterschiede immer auf die Interessen der besitzenden Klassen bedacht blieben. Der neue Nationalrat hält nun seit dem 6. Juni seine dritte Session ab, aber für das arbeitende Volk hat er noch nicht das mindeste geleistet, dagegen das agrarisch-wucherische Lebensmittel- gesetz und die reaktionäre Lex Sylvestrelli geschaffen. Nun hat er sich doch an zwei Tagen, am 21. und 22. Juni, end- lich auch mit etwas Sozialpolitik beschäftigt. Es lagen zwei Anträge vor, der eine von dem bekannten Sozialistentöter und Maschinenfabrikanten Sulzer-Ziegler in Winterthur, betreffend die Schaffung von Arbeiterausschüssen in den Bundes- betrieben, der andere vom sozialdemokratischen Regierungsrat Scherrer- St. Gallen betreffend die Schaffung von Einigungsämtern. Mit seinem Antrag bezweckt Sulzer- Ziegler nichts anderes, als die Desavouierung und Aus- schaltung der Organisationen der Bundesarbeiter und Angestellten bei der Vertretung ihrer Interessen gegenüber der Verwaltung. Es ist ein Danaergeschenk, das er den Eisenbahnern, Postlern:c. bringen will. Diese Kommissionen sollen nur beratenden und petitionierenden, aber nicht beschließenden Charakter haben, also das Personal hübsch in rechtloser Sklaverei erhalten. In der Diskussion leistete sich Sulzer wiederum einen seiner blöd- sinnigen Angriffe auf Karl Marx, von dem er absolut nichts versteht und dessen Lehre er daher für alles Unglück in der Welt verantwort- lich macht. Er setzt seine Hoffnung auf die„Revisionisten", deren Einsicht siegen möge. Aus dem Fiasko mancher Produltivgenossen- schaften zieht er den Schluß auf die Unentbehrlichkeit und Nützlich- keit des einzelnen Unternehmers. Den Schiedsgerichten steht der Sulzer„wegen der damit in Australien gemachten Erfahrungen" skeptisch gegenüber! Für das eidgenössische Arbeitsamt erklärte er sich jedoch. Wie lange das eidgenössische Arbeitsamt, da§ auch wir begrüßen würden, wohl noch auf sich warten lassen wird?— Frankreich. Aristide Briaud, der Bekenner. Paris, 25. Juni.(Eig. Ber.) Aristide Briand, der in der Kammer harwäckig schweigt, hat gestern in Roanne bei einem politischen Bankett eine Rede gehalten, die in ihrer wiederholten Bezugnahme auf die große Kammerdebatte der letzten Woche die Absicht des Unterrichtsministers kund- gibt, seine eigene spezielle Sorte von„Sozialismus" zu präsentieren. Er verteidigt natürlich die Blockpolitik, doch gibt er zu, daß die Majorität zu groß sei, um wirklich republikanische und demokratische Politik zu machen. Er rechnet sich nach wie vor zu den Sozialisten. Seine jetzigen Ministerkollegen, so sagt er, hätten ihm nicht den Schimpf angetan, ihn mit dem Angebote eines Portefeuilles vergessen machen zu wollen, was die„Ehre seines Lebens" sei. Er verstehe vollkommen, daß maßgebende Führer der sozialistischen Partei sich nicht mit ihm hätten solidarisieren wollen, ihr Parteigeift hätte ihnen das geboten; aber seine, BriandS, Auffassung fei, daß sich der Sozia- lismus nicht isolieren dürfe. Das politische Leben sei ein ewiger Austausch von Gedanken und gemeinsamen Anstrengungen.„Die Isolierung in den Wolken, über dem Leben, kann den Ruhm eines Mannes,' aber nicht das Leben eines Landes schaffen." Man sieht— eine Anspielung auf JauröS, ganz im Jargon Clemenccaus. Briand beteuerte noch, daß er den Sozialismus um seiner Menschlichkeit willen liebe. Er erinnerte daran, daß in der Zeit des Dreyfusprozesscs die sozialistische Partei für die Sache der Menschlichkeit eingetreten sei, trotzdem manche Sozialisten da von einer Bourgeoissache gesprochen hätten, die die Arbeiter nichts angehe. — Diese Erinnerung ist immerhin eigentümlich, wenn sie aus dem Munde Briands kommt, der sich während der Dreyfuskrise wirklich nicht besonders engagiert hat. Briand entwarf auch ein soziales „Programm": Zwei Grundsätze seien aufgestellt worden: die Expro- priation mit oder ohne Entschädigung und die Verallgemeinerung des Eigentums. Er aber glaube, daß sich das Eigentum und das Lohnsystem gleich allen anderen Dingen entwickle. Dem Landmann müsse man Land zum Besitz geben. Um den gewerblichen Arbeiter aber i» den Besitz der Produktionsmittel zu setzen, dazu be- dürfe es der Aenderung des Arbeitsvertrages.„Warum sollte der Arbeiter nicht in den Berwaltungsräten vertreten sein und warum keine Gewinnbeteiligung genießen?"— Dieses„Warum nicht?" als Quintessenz eines sozialistischen Denkens ist von erquickender Origi- nalität. Schließlich appellierte Briand an die Opferwilligkeit der Bourgeoisie; denn bei allseitigem Verständnis und gutem Willen werde es dazu koinmen,„daß sich Kapital, Arbeit und Produktion gegenseitig durchdringen und zur Harmonie einer methodischen und gesetzlickien Entwickelung gelangen".—-- Aristide Briand hat in seiner Rede auch von der„Verwerflichkeit des Demagogentums" gesprochen:„Ich habe die Demagogie immer wie die abscheulichste und widerwärtigste aller Sachen geflohen. Ich habe niemals die Arbeiter betrogen und ihnen immer— auf die Gefahr hin, ihnen nicht zu Gefallen zu sprechen— gesagt: Wenn ihr eine bessere Gesellschaft wollt, befreit euch zuerst selbst durch Arbeit und Erkenntnis." Vom General st reik, den er ehemals als das einzige Mittel der sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft ausgegeben hat, sprach er diesmal nicht.__ Französische Steuerpolitik. Paris, 25. Juni./zstündigen Arbeitszeit erklärt. Die Versammlung fand in derselben Stadt St. Galle« statt, in der seit Wochen die Spenglergehülfen von den Spengler- meisteni ausgesperrt sind, weil diese nicht unter den Zehnstundentaz herabgehen wollen. Es ist übrigens noch nicht so lange her, daß alle großen und kleinen Unternehmer die Einführung des Zehnstuuden- tages als unmöglich erklärten, weil er der Ruin des Handwerks und der Industrie sein würde. Das„unmöglich" und„niemals" imponiert denn auch den Arbeitern nicht, die vielmehr durch ihren zähen und ausdauernden Kamps die Herren zu allem Möglichen er- ziehen, schließlich auch zu der ganz friedlichen Einführung des Acht- stundentages und des MinimallohneS von 8 Fr. Die Urabstimmung im Schweizerischen Gewerkschaftsbund über die Frage, ob der Monalsbeitrag pro Mitglied 4 oder 3 Rappen be- wagen soll, hat mit 6719 gegen 2267 Stimmen für den höheren Satz entschieden. Der Turiner Textilarveiierstreik. Rom, 24 Juni. Dieser Streik, der den Anlaß zu dem bekam, ten brutalen Vorgehen der Polizei und dadurch zum letzlen Generalstreik gegeben hat, geht nunmehr seinem Ende entgegen. Wie erinnerlich streikten etwa 1666 Arbeiterinnen der Weberei Poma, deren Forderungen in der Folge von allen Textilarbeiterinnen Turins aufgestellt wurden. Kurz vor� Ausbruch des Generalstreiks bewilligte» alle Fabriken den Zehnstundentag unter Beibehaltung des bisherigen Lohnes. Die Firma Poma kam aber nach erfolgter Arbeitsaufnahme den eingegangenen Bedingungen nicht nach, weshalb die Arbeiterinnen sofort wieder in den Ausstand traten, in dem sie nun seit 46 Tagen verharren. Soeben hat eine Abstimmung über die Fortführung des Streiks stattgefunden, die folgendes Resultat ergab: für die Fortführung 968, dagegen 46. Da bis jetzt 16 666 Lire an Streikunterstützung verteilt worden sind und Geld natürlich nicht hinreichend zur Verfügung steht, sind die Arbeiterinnen entschlossen, auswärts Arbeit zu suchen. 266 sind dieser Tage für die Firina R i z z i nach L e g n a n o(Lombardei) angeworben worden, die auch mehrere streikende Maschinisten der Firma Poma angestellt hat. Morgen werden die 266 Abreisenden von den Organisationen auf die Bahn begleitet, wo der Abgeordnete Genosse M o r g a r i eine Ansprache halten wird. In Mailand werden sie von einer Vertretung der Lrbeitskammer empfangen und zum Besuch der Ausstellung geführt werden. Am Montag nehmen sie die Arbeit in Legnano aus. Ein Industrieller aus Racconizi hat gleichfalls unr 166 Arbeiterinnen an die Arbeitskammer ge- schrieben. Schließlich wird eine neue Firma Occella im Laufe des Juli weitere 566 in einem Vorort Turins anstellen. So dürfto binnen kurzem für alle gesorgt sein. Dieser Sachlage gegenüber hat die Firma Poma beschlossen, ihre Fabrik definitiv zu schließen. ••• Trambahnerstrcil in Rom? Nach dem siegreichen Streik vom August 1964 erklärten die hiesigen Trantbahner, bis zum Ablauf des Pachtvertrages der Tramgesellschaft(1926) keine neuen Forderungen geltend zu machen, eS fei denn, daß besondere unvorgesehene Umstände einträten. DaS Personal ist nun der Ueberzeugung. daß diese besonderen Umstände durch die ungeheuere Verteuerung aller Lebensmittel sowie die Steigerung der MictSpreise in Rom ein- getreten seien und macht neue Forderungen geltend, die die Besser- ftellung deS Anshülfspersonals und Lohnerhöhung aller Kategorien bezwecken. Heute erhalten nur wenige Angestellte 4 Lire oder 3,66 Lire täglich, die übergroße Mehrheit 2,66 bis 3 Lire. Da in Italien kein Trinkgeld gegeben wird(die Organisation erachtet daS Annehmen von Trinkgeldern als Grund zur Ausschließung), befinden sich die Trambahner, die Familie haben, außerstande, fie nur halb- wegS menschenwürdig zu erhalten, Aus die Forderungeu des Personals hat die römische Tram- bahngesellschaft geantwortet, sie sei bereit, 66 606 Lire jährlich an Prämien au die tüchtigsten Angestellten zu verteilen. Die Organi- sation hat dieses Anerbieten zurückgewiesen mit dem Bemerken, diese Form der Lohnaufbesserung sei unwürdig, auch sei die Summe bei einem Personal von über 1660 Plann lächerlich klein. Die Verhandlungen dauern fort. Sollte sich die Gesellschaft nicht zu annehmbaren Forderungen verstehen, so ist der Streik wahrscheinlich. Die Entscheidung dürste ain Donnerstag fallen. Aussperrung im Rotterdamer Hafen. Die Hafenarbeiter in Rotterdam, die, ohne fest angestellt zu sein, bei der Löschung von Schis feil tätig sind, haben oft darunter zu leiden, daß sie tagelang warten und vergeblich nach dem Hafen wandern müssen, ehe sie mit der Arbeit, für die sie angenommen sind, beginnen können, und zwar teils weil ihre Auftraggeber nicht für die nötigen Gerätschaften gesorgt haben, teils auch weil die Abnehmer der Waren die Transportboote nicht rechtzeitig zur Ver, fügung stellten. Tie Arbeiter aber, die in Akkord beschästigt werden. erhielten bisher keinerlei Entschädigung für die Wartezeit. Vor kurzem aber verlangten die Arbeiter zunächst an einem Schiffe eine solche Entschädigung, und sie wurde ihnen denn auch nach kurzem Streit gewährt. Gleich darauf wurde dieselbe Forderung an einem anderen Schiffe gestellt. Nun befaßte sich jedoch die Organisation der Stauereiunternehmer mit der Angelegenheit und nahm eine allgemeine Aussperrung vor, die sich sogleich auf ungefähr 26 Schisse erstreckte. Besonders handelte es sich hierbei um Getreideschiffe aus Südamerika. Die fest angestellten Arbeiter erklärten sich mit den Ausgesperrten solidarisch. Ende voriger Woche haben nun Ver- Handlungen zwischen der Unternehmer- und Hofenarbeiterorganisa- tion stattgefunden. Zu einer einheitlichen Regelung, wie sie von den Arbeitern schon seit Jahren angestrebt wird, ist es jedoch noch nicht gekommen.________ Letzte JVachnchtcn und Oepelcben. Heimkehr aus unseren„herrlichen" Kolonien. Hamburg, 26. Juni.(W. T. B.) Mit dem Dampfer„Ger- trud Woermann" trafen heute abend von der Scbutztruppe für Süd- wcstafrika hier ein 9 Offiziere und höhere Militärbeamte, 266 Unter» offizicre und Mannsckxtften, darunter 24 Genesende und 3 Ber- wundrte. Leutnant Cleve ist unterwegs an Typhus gestorben. BergmannSloS. Linden(Ruhr), 26. Juni. Auf der Zeche„Baakermulde" ge- rieten heute abend Bergleute unter hereinbrechende Kohlen. Bis jetzt wurden zwei Bergleute schwer verletzt in das Krankenhaus ein- geliefert._ Ein verdächtiges Dementi. Petersburg, 26. Juni.(W. T. B.) Die Petersburger Tele« graphenagentur bezeichnet als völlig grundlos die Nachricht PeterS- burger Matter, daß die Mannschaft des Kreuzers„Gromoboi" eine Versammlung an, dem Schiffe abgehalten und die Abkomniandic- rung der in Kronstadt liegenden Dampfer verlangt, sowie daß aus diesem Grunde die Mannschaft aus alle Häfen dcS Baltischen MeercS verteilt worden sei.___ Ei» russischer General als Brandstifter. Petersburg, 26. Juni. In der heutigen Sitzung nahm di« Duma die Dringlichkeit einer Interpellation über mehrere Fälle von Broudsiistinigen an. die in dem Bezirk Tschernigow auf Befehl des ChefS der Gendarmerie Generals Rudaff verübt worden seien. Der hierüber verlesene Bericht ruft große Bewegung im Hause hervor. Verantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: TH. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer LcCo., Berlin L W. Hierzu 2 Beilagen«.Unterhaltungsilatt Nr. 146. 23. Iftljrpig. Mmch. 27. Itiui 1906. Ten Ausführnngsbestimmnngen zum neuen Zigarettensteuergesetz, das bekanntlich am 1. Juli in Kraft tritt, sind noch folgende Vor- schriften zu entnehmen: Als Steuerzeichen dienen für die verschiedenen Steuer- klaffen der Zigaretten und Zigarettentabake Papierstreifen in matt- grüner, mattblauer, mattroter, grauer, brauner und violetter Farbe, für Zigarcttenhüllen in orange. Die Steuerzeichen werden von der Reichödruckerei hergestellt und sind durch die Landesregierungen gegen Erstattung der(vom Reichsschatzamt festzustellenden) Her- stellungSkosten zu beziehen. Sie sind vor ihrer Anbringung um die Packungen und zwar derart, daß der Inhalt ohne Zerreitzen der Steuerzeichen nickt entnommen werden kann, dadurch zu entwerten, datz Firma und Sitz des Herstellers oder(bei eingefiihrten Erzeug- nissen) des Beziehers handschriftlich mit Tinte oder durch Stempe- lung oder Druck mit licht- und wasserbeständiger Farbe auf dem dafür vorgesehenen Felde des Steuerzeichens vermerkt wird. Nach- trägliche Aenderungen dürfen an dem Entwertungsvermerk nicht vorgenommen werden. Die Umschlietzungen von Zigaretten und Zigaretten- tabak dürfen aus Holz. Zellstoff, Gelatine, Pappe, Papier, Zinn- folie oder sonstigem Metall, diejenigen der Zigarettenhüllen nur aus Papier oder Pappe bestehen. Sie müssen ihren Inhalt voll- ständig umgeben und so eingerichtet sein, datz sie ohne wahrnehm- bare Verletzung nur an einzelnen, als zur Oeffnung bestimmt er. kennbarcn Stellen geöffnet werden können und datz der Inhalt nur nach Oeffnung dieser Stellen entnommen werden kann. Die Verpflichtung zur Anmeldung der Betriebs- und Lagerräum« erstreckt sich auch auf die von einem Fabrikanten etwa beschäftigten Heimarbeiter. Den Inhabern tabakverarbeiten» der Betriebe ist der Kleinverkauf von der Zigarettensteuer unterliegenden Waren nur in einem von dem Fabrikationsraum völlig getrennten Räume gestattet. Die der Zigarettensteuer unter- liegenden Waren sind, nachdem sie die für den Kleinverkauf be- stimnite Verpackung erfahren haben, in die für die Lagerung an- gemeldeten Räume zu verbringen. Wenn für die Lagerung keine besonderen Räume bestimmt sind, müssen die Teile der BetriLbs- räume, wo die Lagerung erfolgen soll, durch besondere Aufschriften: „Lagcrstellc für Zigaretten",„Lagerstelle für Zigarettentabak" oder „Lagerstelle für Zigarcttenhüllen" kenntlich gemacht werden. lieber den Zugang und Abgang von der Zigarettensteuer unter- liegenden Erzeugnissen sind Betriebsbücher zu führen, in denen am Schlüsse mindestens einer Woche sämtliche während dieser Zeit hergestellte, sowie sämtliche aus der Erzcugungsstätte entfernte versteuerte Erzeugnisse, und zwar getrennt nach Steuerklassen, nach- zuweisen sind, desgleichen die am Tage des Inkrafttretens des Ge- setzes in der Fabrik befindlichen Erzeugnisse. Bis auf weiteres haben die Hersteller von Zigarettentabak und Zigaretten auch über den zur Verarbeitung bezogenen Tabak und die Hersteller von Zigarcttenhüllen über das zur Verarbeitung bezogene Zigaretten- Papier Bücher zu führen. Täglich mindestens einmal ist durch einen Oberbeamten der Bestand an der Zigarettensteuer unterliegenden Erzeugnissen festzustellen und mit den abzuschlietzenden Betriebs- büchern zu vergleichen. Fabrikanten�, die Heimarbeiter beschäftigen, haben ein besonderes Buch(Heimarbeitsbuch) zu führen, in dem, für jeden Heimarbeiter gesondert, jede Abgabe von Tabak oder Zigarcttenpapier und die Rücklieferung der daraus hergestellten Er- Zeugnisse einzutragen sind. Bis auf weiteres ist in allen Verkaufs st ätten für Zigaretten, deren Inhaber nicht ausdrücklich auf den Einzel- verkauf verzichten, ein Aushang erforderlich, der folgende Vor- fchriften zu enthalten hat: 1. datz auf jeder Packung Zigaretten der Kleinverlaufspreis oder die Preisgrenzen der Steuerklasse angegeben sein müssen, 2. datz jede Packung ein unverletztes Steuerzeichen tragen mutz, 3. datz die Zigaretten einzeln nur aus den zugehörigen, mtt dem Verkaufspreise bezeichneten und mit Steuerzeichen beklebten Umschlietzungen verkauft werden dürfen, 4. datz eröffnete, ganz oder teilweise geleerte Packungen mit Zigaretten nicht nachgefüllt werden dürfen und nach völliger Entleerung zur Wiederverwendung als Zigarettenpackung nach Entfernung des Steuerzeichens unbrauchbar zu machen und aus der Verkaufsstelle zu entfernen sind. Die Angeklagten sind in der Hauptsache geständig. Rundt will auf Zureden des Burmestcr die Fälschungen begangen haben. Sein Gehalt bei der Baudeputation betrug 220033?., sein Anfangsgehalt bei der Baugcwerks-Berufsgenossenschaft 3000 M. Als er von seiner bevorstehenden Verhaftung Kenntnis erhielt, habe er sich töten wollen, um, da er noch Mitglied der Staatsbcamtenpensionskasse war, seiner Familie die Pension zu sichern. Leider sei die Ver- letzung keine tödliche gewesen. Die Verhandlung dauert fort und dürfte erst morgen zum Ab- schlutz gelangen. » Hamburg, den 26. Juni.(Privattelegramm.) Es wurden verurteilt: Rundt zu 5 Jahren Zuchthaus, Burmester zu 3, Küchen- meister zu 2(4 Jahren Gefängnis. Außerdem erhielt jeder 600 (Mark Geldstrafe und 5 bezw. 3 und 3 Jahre Ehrverlust, Der bemogelte Hamburger Fiskus. Als bor einigen Monaten in der Hamburger Volksvertretung bom Genossen Paeplow Andeutungen über Unregelmähigkeiten bei der Baudeputation gemacht wurden, erhob sich ein wahrer Ent- rüstungssturm ob dieser unerhörten„Verdächtigungen" und wütend verlangten die„Entrüsteten" Beweise. Bald mutzte man aber klein- laut zugeben, datz auch in der Republik Hamburg manches faul ist. Inzwischen hatte sich nämlich ein früherer Beamter der Baudepu- tatum eine Kugel in den Kopf gejagt, aber der Schwerverletzte wurde wiederhergestellt. Kurz darauf geriet auch ein anderer Be- amter der Baudeputation, ein Architekt, in Hast, der ebenfalls mit Unternehmern unter einer Decke gespielt haben soll, um den Ham 1906 bei der Hanseatischen Baugewerks-BerufSgenossenschaft als Bureauvorstcher fungierte, sind die Geschäftsführer Burmester und Küchenmeister angeklagt wegen wiederholten Betrugs, qualifizierter Urkundenfälschung und Verbrechen im Amte bezw. Beihülfe dazu. Durch recht geschickte Fälschungen haben Rundt und Burmestcr es verstanden, in einem Jahre den Hamburger Staat um 18 500 M. zu prellen. Rundt und Küchenmeister haben dieselben Schwindeleien zwei Jahre lang betrieben, wobei ihnen 26 400 M. in die unsauberen Hände fielen. Rundt war als Assistent bei der Baudcputation, Jngenieurabtcilung la, beschäftigt, während die Mitangeklagten als Geschäftsführer von zwei Baumaterialienfirmen Sandlicfcrungen für die genannte Abteilung besorgten. Als Rundt am 1. Januar d. I. seine amtliche Stellung verlietz, um den besser dotierten Posten bei der Baugewerks-Berufsgenossenschaft anzu- treten, entdeckte sein Nachfolger die Betrügereien. Datz dies nicht früher geschehen ist liegt daran, datz keinem der revidierenden Be- amtcn die Höhe der gefälschten Summen aufgefallen ist. Mit der ZHengc des nicht gelieferten Sandes hätte nämlich nutzer Hamburg noch halb Preußen versorgt werden können. Im Jahre 1901 geriet Burmester infolge Reinfalles bei einer Submission in Zahlungsschwierigkeiten. Um wieder flüssig zu werden kamen er und der ebenfalls verschuldete Rundt übercin, datz dieser die über Sandlieferungen emgereichten Rechnungen durch Erhöhung der Beträge fälfchen und Burmestcr die erhöhten Beträge von der Hauptstaatskasse erheben sollte. Vor die Zahl der auf- tragSgemätz zu liefernden Kubikmeter Sand und vor den Rech- nungsbetrag wurden eine oder zwei Zahlen gesetzt, so datz beispiels- weise aus einer Rechnung über 37,5 Kubikmeter zum Preise von 07,75 M. eine Rechnung über 2097,75 M. wurde. Zunächst fälschte Rundt nur die Unikatsrechnungen und die Rechnungsvcrzeichnisse, später aber auch zum Teil die Duplikatsrechnungen. Einige der letzteren hat er zu fälschen unterlassen. Ebenso fälschte er die RechnungSbücher. Als er sich mit B. bei der Teilung der Beute entzweite,„arbeitete" er in analoger Weife mit Küchenmeister. Die Angeklagten B. und K. haben sich dadurch der Bcihülfe zur Urkundenfälschung schuldig gemacht, datz sie dem Rundt mst ihrer Unterschrist versehene Blankorechnungen einhändigten und ihm so die Fälschungen erleichterten. K. hat noch zwei Vollmachtsurkunden seiner Firma gefälscht, um die angewiesenen Summen bei der Hauptstaatskasse erheben zu können, damit seine Firma von der Erhöhung der Rechlungen leine Kenntnis erhalte. Em der Partei. Zur Frage des Massenstreiks. Die plumpe Indiskretion der„Einigkeit", die dieselbe in ihrer Nummer vom 23. d. Mts. aus dem Protokoll einer Konferenz der Vertreter der Zentralverbände der Eewerlschaften begangen hat, nötigt mich zu einer Erklärung. Auf jener Konferenz, die im Februar dieses Jahres stattfand, nahm Genosse Silberschmidt auf eine Besprechung bezug, welche die Gcneralkonrmission auf Einladung des Parteivorstandes in der ersten Hälfte Februar mit diesem gehabt hat. Diese Besprechung hatte den Zweck, eine Aussprache herbeizuführen über die Stellung der Gewerkschaften zu einem Massenstreik, falls sich die Notwendigkeit eines solchen im Wahlrechtskampf in Preußen herausstellen sollte. Wie die Fragestellung für diese Verhandlungen zeigt, hatte der Parteivorstand die Möglichkeit eines Massenstreiks ins Auge gefaßt. ES ist also schon von diesem Gesichtspunkt aus eine grobe Eickstellung der Tatsachen, wie es die„Einigkeit" und ihr folgend ein Teil der bürgerlichen Presse tut. allerdings gestützt auf die irreführenden Dar- legungen des Genossen Siwerschmidt in der erwähnten Konferenz der Vertreter der Zentralverbände, mir bezw. dem Parteivorstand zu unterstellen, datz wir unseren Standpunkt in der Frage des Massenstreiks verlassen und uns in Gegensatz zu meinem Referat in Jena und den dort angenommenen Resolutionen gesetzt hätten. Ich konstatiere also, datz das in dem Protokoll über die Konferenz der Zentralverbände wiedergegebcne Referat des Genossen Silberschmidt über die Verhandlungen zwischen Generalkommission und Parteivorstand voll von Mitzverständnissen ist und namentlich die von mir während der Verhandlungen skizzierten sechs Punkte. die Silberschmidt dem Sinne nach wiedergegeben habe» will, stark entstellt wiedergegeben find. ES bedarf nicht erst der Versicherung, daß sich meine Rede ein- schließlich der formulierten sechs Punke ganz im Sinne meines Jenaer Referats und der dort angenommenen Resolutionen hielt, andernfalls wäre mein Verhalten nicht nur eine unbegreifliche und unverzeihliche SelbstdeSavouierung gewesen, eS würde auch seitens meiner mitanwesenden Kollegen ouS dem Parteivorstand eine ent- sprechende Zurückweisung erfahren haben. Ich habe nicht das Recht, mich über unsere Verhandlungen mit der Generalkommission, die streng vertrauliche waren. auSzu- lassen. Der Zweck derselben: für den Fall eines Massenstreiks in bezug auf die innezuhaltende Taktik zwischen der sozialdemokratischen Partei und den Zentralverbänden der Gewerkschaften die möglichen Grundlagen zu einer Verständigung zu schaffen, wurde erreicht. Freund und Feind mag sich getröstcn. datz der Parteivorstand einschlietzlich meiner Person weitz, was gegebenenfalls die Situation ihm zu tun gebietet. Schöneberg-Berlin» 26. Juni 1906. A. Bebel. Zum Parteitag beginnen die deutschen Genossen allmählich zu rüsten. Die Organisation des Wahlkreises Weimar III beruft ihre Generalversammlung zum 8. Juli ein. Auf der Tagesordnung steht u. a.:„Deutscher Parteitag."— Der erste weimarische Kreis Apolda-Jlmenau-Weimar, desgleichen der Kreis Hersord-Halle tritt am 22. Juli zusammen. Auf beiden Konferenzen werden die Ge- Nossen zum Mannheimer Parteitag Stellung nehmen. Auch in anderen Kreisen im Reiche beginnt es sich zu regen. Mögen unsere Genossen ihre Organisationsarbeiten stets lieber zu zeitig als zu spät erledigen. Zum Segen und zur Freude für die Partei, zum Aerger der Gegner. Bom Kampfe gegen die Jugendorganisation in Königsberg i. Pr. Kurze Zeit nach feiner Gründung wurde der Verein der Lehr- linge und jugendlichen Arbeiter polizeilich geschlossen. Es war dem Verein, dessen Bestehen unter den Handwerkskrautern ungeheure Aufregung hervorrief, nicht möglich, auch nur eine Versammlung abzuhalten. Entweder wurden die Versammlungen von der Polizei verboten oder aufgelöst. Der Vorsitzende der Jugendorganisation wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, weil er auf einem Handzettel, der zu einer Versammlung einlud, die Königsberger Polizei beleidigt haben sollte. Die Königsberger„Volkszeitung", die das Verhalten der Polizei gegenüber der Jugendorganisation kritisierte, hat ebenfalls eine Aicklage wegen angeblicher Beleidigung der Polizei erhalten. Am 20. Juni er. standen fünf Vorstandsmitglieder des Vereins für Lehrlinge und jugendliche Arbeiter vor der Königsberger Straf- kammer als Berufungsinstanz. Die fünf„Verbrecher" waren vom Schöffengericht verurteilt worden, und zwar der Vorsitzende der Jugendorganisation zu 10 Mk. und die anderen zu je 3 M., weil sie nach der Gründung des Vereins die Mitgliederliste und das Statut nicht in der gesetzlich festgelegten Zeit eingereicht hatten. Gegen dieses Urteil legten sowohl die Angeklagten als auch der Staatsanwalt Berufung ein. In der Vcrhmvblung bestritten die Angeklagten die Verpflichtung, die Mitgliederliste und das Statut des Vereins der Polizei einreichen zu müssen, da der Verein nicht auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken gedenke; das gehe klar und deutlich aus dem Vereinsstatut hervor. Das Gericht kam trotz- dem zu einer Verurteilung und erhöhte sogar die Strafe dem Antrage des Staatsanwalts entsprechend für den Vorsitzenden auf 30 Mk., für die zwei über 18 Jahre alten Angeklagten auf je 15 M. und für die beiden unter 18 Jahre alten Angeklagten auf je 10 M. Gegen den Vorsitzenden des Verein« fand am 25. Juni er. wiederum eine Verhandlung vor dem Königsberger Schöffengericht statt. ES handelte sich um Vorgänge nach einer polizeilich auf- gelösten Versammlung de» Vereins der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter. Räch der Auflösung hatten die Versammlungsteilnehmer sofort den VersammlungSfaal verlassen. Damit war die Polizei nicht zufrieden; sie verlangte, datz die jungen Leute auch den Garten, in dem der Saal gelegen ist. verlassen sollten. Dem Vorsitzenden des Vereins schien das denn«doch zu weit zu gehen, und er meinte, die Besucher der Versammlung sollten ruhig im Garten bleiben. Er wurde daraufhin zur Polizeiwache geführt und mit einem Strafmandat von 10 M. bedacht wegen—„groben Unfugs". Hiergegen beantragte er gerichtliche Entscheidung. Im Termin hob das Gericht die Polizeiftrafe'auf.' Es nahm an, datz es sich hier nicht um eine Uebertretung, fondern um ein Ver- gehen handle, für das die Polizei nicht zuständig sei,- und datz des- halb die Sache zur weiteren Verfolgung dem Staatsanwalt zu überweisen sei!! Endlich fand— ebenfalls am 25. Juni— eine weitere Verhandlung in Sachen der Jugendorganisation gegen den Vorsitzenden des Vereins und noch einen Genossen statt. Der Tatbestand war hier folgender: Am 24. Februar cr. sollte im Abstinentenhetm eine Versammlung des Vereins für Lehrlinge und jugendliche Arbeiter stattfinden. Die Polizei hatte die Versammlung verboten. Da dem Vorstand des Vereins nicht mehr Zeit genug.blieb, die Mit- glieder von dem Verbot zu benachrichtigen, so waren diese in ziem- licher Anzahl erschienen. Um den Erschienenen statt der verbotenen Versammlung wenigstens etwas zu bieten, wollte ein Genosse zur Unterhaltung einige Gedichte von Freiligrath und Herwegh vorlesen. Doch plötzlich trat ein Schutzmann ins Zimmer und löste die„Versammlung" auf, trotzdem ihm auseinandergesetzt wurde, daß gar keine Versammlung stattfinde. Der Schutzmann will in der„Versammlung", wie er vor Gericht aussagte, die Worte gehört haben:„Revolution"—„Freiheit des Volkes"— stürmte da? Volk"—. Trotz des Irrtums, in dem der Schutzmann sich befand, verließen die Aickvesenden den„Versammlungssaal" und begaben sich ins Lesezimmer des Abstinentenheims. Als die Polizei auch die Räumung des Lesezimmers verlangte, weigerten sich die Besucher, diesem Wunsche der Polizei nachzukommen. Darauf wurden vier Schutzleute geholt, die den Vorsitzenden des Vereins und den Genossen, der die Gedichte vorlesen wollte, mit Gewalt aus dem Lesezimmer entfernten. Die beiden bekamen Strafbefehle über je 15 M. Es wurde gerichtliche Entscheidung beantragt. Die Strafkammer verurteilte den Vorsitzenden des Vereins und den „Referenten" zu je 30 M. Geldstrafe. So zieht man in der Stadt der„reinen Vernunft" gegen den Bildungsdrang der Arbeiterjugend zu Felde. Die Königsberger„Bolkö-Zcitung" teilt mit, daß Genosse Marckwald letzten Montag seine Tätigkeit als leitender Redakteur des Blattes aufgenommen hat. IZiis Industrie und Kandel. Eisenbahneinnahmen. Eine Zusammenstellung der Einnahmen von Eisenbahnen und Transportunternehmen(nach unter„Vor- behalt" von den verschiedenen Verwaltungen für 1905 gegebenen Monatsausweisen) im Jahre 1905 gegenüber 1904 gibt folgendes Bild: Einnahmen in Mark Eisenbahnen � 1905 w 1903� Aussig-Teplitz..... 13286608 Böhmische Nordb.... 10 397 396 Braunschweigische L.-E.. 1 37b 79g Broelthaler..... 791 607 Buschtiehrader.... 24 802 798 Creselder...... 775 631 Eutin-Lübeck..... 665693 Gotthardb....... 19 054 842 Graz-Köflach..... 2 966 840 Halberstadt-Blankenburg. 1 040 650 Halle-Hettstedter.... 861 902 Hildesheim-Peine.... 129 460 Königsberg-Cranz... 311 293 Liegnitz-Rawitsch.... 724561 Liibeck-Büchener.... 6580823 Mecklenburgische Friedrich Wilhelm...... Niederlausitzer..... Northern Pacific.... Baltimore-Ohio.... Prignitzer...... Paulin enaue-Neuruppin. Raab-Oedenburg.... Reinickendorf-Liebenwalde. Süddeutsche E,-G.... Verein. Araber u. Csanader Westdeutsche...... Wcstsizilianische.... Zschipkan-Finsterwalde.. Aachener Kleinb..... Altenaer Schmalspur.. Schlesische Kleinb.... Allg. Lokal- u. Stratzenb.. Barmen-Elberfelder Str.-B. Große Berliner Stratzenb. Allg. Berliner OmnibuS-G. Elektr. Hoch- u. Untergr.-B.: Hochbahn...... Flachbahn..... Braunschweig. Stratzenb.. Breslauer Stratzenb... Creselder Stratzenb.... Danziger Stratzenb.... tamburger Stratzenb... önigsbcrger Stratzenb.. Gr. Leipziger Stratzenb.. Leipziger Elektr. Stratzenb. Magdeburger Stratzenb.. Rostocker Stratzenb.... Elektr. Stratzenb. Breslau Große Casseler Stratzenb.. Erfurter Elektr. Stratzenb. Hamburg-Altonaer Zentral- bahn....... Hannoversche Strahenb.. „ Omnibus.. Niederwaldb...... Posener Stratzenb.... Stettiner Stratzenb.... Würzburger Stratzenb... Marienborn Kleinb.... Oesterreichische Staatsb.. Prince Henri..... 4 334 054 Oesterreichische Südb... 114 004 124 Kanadische Pacific... St. Louis- u. South-Western Orientb., Hauptlinie... „ Skobelevo- Nova Zagora.. , Mazedonische E.. Haidar Pascha-Angora.. Eskischehir...... Homidie-Hador.... 298332 364 890 203 428 124 273 834 120 410 810 252 013 2347 562 409 757 5 521 313 4 102 290 3 873 668 1 309 497 713 559 1268 237 328 233 2 020 417 5 651 849 861 830 30 878 878 5 234 231 3 935 366 214 690 907153 2 622 884 858 168 1 181 626 12 603 456 262 935 4 805 646 1 923 005 2 128 594 145 924 633 234 072 095 306 571 1 542 372 3 300 246 126 648 123 355 783 928 1163001 249 494 136032 65 995139 202 255 200 366 484 800 11 679 377 1905 14 107 476 10 959 050 1542 770 828 701 2„37 187 817»7.1 697 130 20242674 3 283 640 1 075 760 861 902 142 170 339 348 629 655 6 624 212 852 900 386 100 230 233 277 301 379 400 486 730 265 994 2 429 159 468 283 5 005 280 4 281 415 4344006 1 354 305 736 033 1 356 243 383 841 2 167 055 6 143 267 897 082 83 259 229 6 265 641 4 280 882 214 690 930 131 2 681 045 949 192 • 1255 273 18 474 557 286 633 5 113 670 2 085 945 2 291 582 185 854 963 981 1081332 461 666 1 566 276 8 711 056 132 440 119 800 792 532 1 288 611 258 209 156 683 67 814 778 4 699 499 119 080513 227 375 400 382 040 400 11258347 820 808 161 654 162 972 37 094 968 389 42 240 81432 -- 1 188 332 316 791 35110 12710 28 053 94 906 143 389 54 568 21 210 --26 805 163 27 545 280 ■ 75 920 • 13 981 . 81 597 53 526 ■ 383 917 ■ 179 125 • 470 423 c-i 44 808, • 22 474 ■ 88 206 ■ 55 608 • 140 638 . 491 408 • 35 252 -f 2380 351 -- 1 031 410 + 845 516 82978 58 161 01 624 73 647 871 101 23 698 808 024 162 940 102 988 89 930 80 747 109 237 65095 23 904 410 810 5 792 4 055 58 604 125 610 8 715 20 651 -j- 1 819 639 -- 365 444 -- 5 076 389 --25 120 200 4-15 555 600 421 030 267 038 285 914+ 18 876 1 766 453 1 737 406— 29 047 6 264 473 5 747 971+ 483497 1967 570 2886 478 4" 868 908 94244 86140— 8104 Die Einnahme der aufgeführten Eisenbahnen belief sich im Jahre 1905 auf 1 557 504 141 M. oder 116 101 366 M. mehr als im Jahre vorher. Nur 4 Gesellschaften hatten im letzten Jahre eine geringere Einnahme als im Jahre vorher, das Minus belies sich auf 462 236 M. Deutschlands KohkenprodurtioN Im Jahre 1906. Die auhcrordentlich gesteigerte Produktionstätigkeit in der deutschen Industrie tritt recht deutlich in den Fürderziffern der Kohlengruben in Erscheinung. Die Kohle ist das Brot der Industrie. der Grad des VrotkonsumS kann daher auch als Maßstab der industriellen Tätigkeit bewertet werden. In der Zeit von Januar bis Mai wurden in Deutschland gefördert 1905 1903 1�06 mehr Steinkohlen...... 47288218 56916583 9628366 Braunkohlen...... 21 308 086 22 583 892 1 275 806 Koks........ 5 197 403 8141713 2 944 250 Briketts und Preßnaßsteine 5122 911 5 814 725 091312 Bei Steinkohlen beträgt die Steigerung über 20 Proz. und das �anze Mehr entfällt auf Preußen. Besonders bemerkenswert ist die ProduktionSsteigcrung bei Koks, sie beträgt über 56 Proz. Diese Steigerung, die eine erhebliche Vermehrung der bei der Koks- Herstellung beschäftigten Arbeiter bedingt, lassen die Unternehmer. wenn sie nach berühmtem Muster die Arbeiter zu verleumden für nötig erachten,, ganz außer Berechnung. Wir wiesen darauf schon in verschiedenen Notizen hin, hier hat man eine neue zahlenmäßige Bestätigung für den von Unternehmerblättern getriebenen Unfug. Leider kein Generalstreik. Zu den Gesellschaften, die in den letzten Jahren ungünstig abgeschlossen haben, gehört auch die Aktiengesellschaft für Fabrikation von Bronzcwaren Spinn u. Sohn. Sie verteilte in den letzten Jahren O Prozent. Eine Sanierung, die die Gesellschaft vor- genommen hat, ermöglichte für das letzte Jahr die Ausschüttung einer Dividende von 3 Prozent. Es ist daher verständlich, wenn ein Aktionär das Ergebnis als durchaus nicht befriedigend be- zeichnete. Eine Anfrage über erzielte Preise zu beantworten, lehnte der Vorstand unter der Begründung ab, das sei Geschäftsgeheimnis. Man scheint da etwas zu verbergen zu haben. Es ist klar, daß wenn die geplante Aussperrung perfekt geworden wäre, das Unternehmen auch für das lausende Jahr eine große Einbuße erlitten hätte, die der Gesellschaft verhängnisvoll werden konnte. Trotzdem sprach die Direktion ihr Bedauern darüber aus, daß es nicht zu der Aussperrung gekommen sei(1). Man bedurfte wohl eines Borwandes, den man vorschieben konnte, um die Aufmerksamkeit vdn anderen bei der Verwaltung liegenden Ursachen der schlechten Ergebnisse abzulenken. Lindernder Balsam. Der„lange Möller" ist wieder Aufsichtsrat. Die Generalversammlung der A.-G. für Kohlendestillation, zu deren Gründern der Exministcr gehört, wählte diesen wieder in den Aufsichtsrat. Da es sich um ein lukratives Unternehmen handelt, wird die Wahl die Schmerzen des Sturzes wohl etwas lindern. Für das letzte Jahr wurden verteilt: auf Vorzugsaktien 17 Prozent, auf gew. Aktien 12 Prozent und auf Genußscheine pro Stück 5Ziis der frauenbewegung. Der„Weibliche Arbciterverband in Dänemark", die allgemeine Organisation der dänischen Arbeiterinnen, hat vor kurzem seinen dritten Verbandstag abgehalten. Obwohl dieser Verband noch nicht die EntwickelungSstufe der Gewerkschaften der männlichen Arbeiter Dänemarks erreicht hat, leistet er doch schon viel zur Verbesserung der Lebenslage seiner Mitglieder. Wie ans dem Geschäftsbericht über die seit dem vorigen VerbandStag verflossenen 3 Jahre hervor- ging, haben während dieser Zeit Loh tbewegungen in dreizehn ver- schiedenen Berufen stattgefunden, und überall wurden hier Tarifverträge erzielt. Die Lohnerhöhungen, die errungen wurden, nmchen eine Summe von 30000 Kronen im Jahre aus. FürStreikS undAuSsperrungen gab der Verband in den 3 Jahren 14 726 Kronen aus. Gegen 21 Arbeite- rinnen, die Streikunterstützungen von 59 bis zu über 200 Kronen bezogen hatten, dann aber Streikbruch verübten, strengte der Ver« band einen Prozeß an; sie waren laut Statut zur Rückzahlung der empfangenen Summen nebst Zinsen verpflichtet. 10 der Streik- brecherinnen sind auch bereits dazu verurteilt worden; über die anderen 11 ist das Urteil noch nicht gesprochen, es wird aber jeden- falls ebenso zugunsten des Verbandes ausfallen. Der Verbandstag befaßte sich hauptsächlich mit inneren An- gelegenheiten. Unter anderem wurde die Gründung einer Sterbe- lasse beschlossen. Die bisherige Verbandsvorsitzeilde, Frau Olivia Nielsen, wurde einstimmig wiedergewählt. Gerichts-Zeitung. § 193 Str.-G.-B. In zutreffender Werse ist der Z 193 St.-G.-B. bei einem Straf- falls in Anwendung gebracht worden, der gestern die Strafkammer des Landgerichts II als Berufungsinstanz beschäftigte. Der An- geklagte, Rechnungsrat a. D. Alfred Schneider in Fichtenau, Kreis Niederbarnim, hatte in einer Eingabe an die Oberpost- direktion in Potsdam die Absetzung• des• Postagenten Schaub von seinem Posten für notwendig erklärt, weil er diesen für unwürdig erachtete, dieses Amt weiter zu führen. Als Grund dafür gab er an, daß Sch., der als Kaustumin mit Kohlen handelt, seinen Konkurrenten Räder zu Unrecht schlecht gemacht habe. Er habe nämlich eine in Fichtenau neu zugezogene Frau, welche Waren bei ihm einkaufte, geftagt. wo sie denn ihre Feuerung beziehe, und als diese den Namen Räder nannte, habe er davon abgeraten, bei diesem zu kaufen, weil dieser bei seinen Brikettlieserungen immer 2—300 Stück zu wenig abliefere.-Herr R. hatte wegen dieser tatsächlich gefallenen Aeußerung die Privatklage eingereicht, es war aber, zu einem Vergleich gekommen. Auf die Eingabe an die Ober- postdirektion erhielt der Angeklagte den Bescheid, daß keine Ver- anlassuug vorliege, den Postagenten seines Amtes zu ent- heben. Darauf richtete der Augeklagte eine Beschwerde an das Reichspostamt und bezeichnete darin die Hand- lungsweise des Herrn Sch. als eine infame, die ihn unwürdig mache, ein solches öffentliches Amt zu bekleiden. Nunmehr stellte die Oberpostdirektion den Strafantrag. Das Schöffen- g e r i ch t billigte dem Angeklagten den Schutz des Z 193 zu und erkannte auf Freisprechung. Der Staatsanwalt legte B e- rufung ein und beantragte 20 M. Geldstrafe, da durch An- Wendung des Wortes„infam" doch die Absicht der Beleidigung zweifellos dargetan werde und die Schutzgrenzen des§ 193 daher überschritten seien. Das Gericht erkannte auf Ver- werfung der Berufung. Der Vorsitzende führte aus, daß der An- geklagte als Bürger berechtigt sei, sich über Mißstände zu beschweren und daß daS Wort„infam" von iHrnA wohl nur angewendet fei, weil es ihm dem Gefühl zu entsprechen schien, dem er Ausdruck geben wollte, ohne daß dabei ohne weite»eS ans eine beleidigende Absicht geschloffen werden müsse.'' Die zutreffende Anwendung deS§ 193 Str.-G.-B. ist allmählich insbesondere gegen Arbeiter und gegen die Presse so selten geworden, daß seine Anwendung in einem Fall wie dem vorliegende» aus- drücklich registriert zu werden verdient. Heimarbeiter vor dem Strafrichter. Der seltene Fall, daß eine von der Staatsanwaltschaft zn- Ungunsten eines Angeklagten eingelegte Berufung dem letzteren zu- gute kommt, ist aus der 0. Strafkammer des Landgerichts I zu be- richten. Wegen Hausfriedensbruchs bezw. Körperverletzung Hatto das Schöffengericht die Schneider Eduard F o r k a u schen Eheleute und den Arbeiter Hermann F o r k a u zu je 10 bezw. 5 M. Geldstrafe verurteilt. Die schöffengerichtliche Verhandlung gestattete einen Einblick in die trübe soziale Lage- der Heimarbeiter. Die Forkauschen Eheleute erwerben sich durch Heimarbeit mühselig ihren Lebensunterhalt. wobei ihnen Hermann Forkau nach Beendigung seiner Arbeit»och hilft. Alle drei Angeklagte arbeiteten für einen sogenannte» Zwischenmeister, der seinerseits erst mit den großen Konfektionsschneidern in Verbindung sieht und auch den Haupiberdienst hat, während sich die eigentlichen Heimarbeiter mit einem mehr als kärglichen Lohn begnügen müssen. Die F.'schcn Eheleute erhielten z. B. für das Zusammennähen eincS Beinkleides, eine Arbeit, die eine gute Stunde erfordert, den„Lohn" von 15 Pfennigen. Eines Tages lieferte Frau F. drei fertige Beinkleider ab und wollte die 45 Pfennige in Empfang nehmen. Die Zahlung wurde jedoch verweigert, da die Beinkleider nicht so peinlich genau genäht waren, wie eS verlangt wurde. Es kam zu einem Streit, bei welchem Frau F. von dem Zwischcnmeister auch noch ge» schlagen sein will. Eine Stunde später erschien Frau F. nochmals in Begleitung der beiden Mitangeklagten und forderte den Lohn. Es kam wiederum zu einem Streit, bei welchem sich alle drei des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht haben sollen.— Das Schöffengericht hatte nur einfachen Hausfriedensbruch angenommen, während die Staatsanwaltschaft davon ausging, daß gemein- scha f tl i chcrHausfriedenSbruch vorliege, bei dem dasMindeststrafmaß eine Woche Gefängnis beträgt. In der gestrigen Verhandlung beantragte der Staatsanwalt auch diese Strafe, während der Verteidiger auf Freisprechung der F.schen Eheleute auf Grund des selten angewandten§ 343 St.-P.-O. plädierte. Diese Vorschrift gibt die Möglichkeit, auf ein jedes zuungunsten der An- geklagten von der Staatsanwaltschaft eingelegte Rechtsmittel eine günstigere Entscheidung herbeizuführen, obwohl von den Beschuldigten selbst leine Berufung eingelegt war, weil diese sich bei dem ersten Urteil beruhigt hatten. Das Berufungsgericht nahm das Vorliegen eines Hausfriedensbruches nicht an, da die Angeflagten glauben konnten, zwecks Enipsaiignahme des Lohnes die Wohnung betreten zu können, und erkannte auf Freisprechung. Hermann Forkau wurde wegen Körperverletzung zu 20 M. Geldstrafe ver- urteilt. Wird nun der Staatsanwaltschaft gegen den Zwischenmeister wegen der in der Vorenthaltung des Lohnes liegenden Nötigung vorgehen?_ Grsundheitsgrfährlicher Fisch. Einen groben Verstoß gegen die Gesundheit seiner Mitmenschen hatte sich der Fischhändler Wilhelm S a n d o w aus Charlottenburg zuschulden kommen lasse», welcher sich gestern unter der Anklage des Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz vom 14. Mai 1879 vor der 1. Strafkammer des Landgerichts II verantworten mußte. Der Angeklagte betreibt außer seinem festen Geschäft den Handel mit Fischen im Umherziehen und zwar besucht er die ver- schiedenen Wochenmärkte in der Umgegend Berlins. Am 16. Februar dieses Jahres hatte S. auf dem Wochen- markt auf dem Savignyplatz einen Verkaufsstand inne. Als die Witwe Henschke einen Schellfisch kaufen wollte, teilte ihr der An- geklagte mit, daß er sämtliche Schellfische schon verkauft habe. Als sich die vor seinem Stand drängende Menschenmenge verlaufen hatte, rief er die noch unschlüssig dastehende Frau H. zurück und bot ihr einen Schellfisch zum Kauf an,„den er zufällig noch gesunden habe". Da der Fisch etwas„gequetscht" war, ließ ihn der Angeklagte der Frau H zu einen: billigeren Preise wie sonst. Als Frau Henschke mit dem guten Kauf in die Wohnung ankam, machte sich bald ein peftilenzialischer Geruch bemerkbar. Nunmehr erst bemerkte sie, daß der Fisch im Innern bereits in Verwesung übergegangen war. Sie übergab den Fisch der Polizei, die ihn noch an demselben Nach- mittage dem Kreistierarzt Dr. I e ß übermittelte. Dieser kon- statierte, daß der Fisch vollständig in Fäulnis übergegangen war und bereits das so gefährliche Fischgift enthielt.— Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 150 M. Der Gerichtshof hielt den Angeklagten jedoch eines wissentlichen Nahrungsmittel- Vergehens für überführt und erkannte, da sich S. eines groben Ver- stoßes gegen das Leben und die Gesundheit seiner Mitmenschen schuldig gemacht habe, auf zwei Wochen Gefängnis und Publikation durch die Preffe._ Unberechtigte landrätliche Beanstandung eines KreisauSschuß- BeschlnsseS. Nach einer Polizeiverordnung der Stadt Marggrabowa sind Haus- und Grundbesitzer, die nicht in der Stadt wohnen, sowie grundbesitzende Behörden und Gesellschaften verpflichtet, zuverlässige Vertreter zu ernennen, die haftbar gemacht werden könnten für die Befolgung polizeilicher Vorschriften, und die etwaige, den Grundbesitz betreffende polizeiliche Verfügungen entgegenzunehmen hätten. Der KreisauSschuh wurde nun auf Grund dieser Verordnung von der Ortspolizeibehörde aufgefordert, wegen des in Marggrabowa befindlichen Kreiskrankenhauses und der land- wirtschaftlichen Schule des Kreises eine derartige Person zu bestimmen. Der Kreisausschutz lehnte dies ab, indem er geltend machte, die fragliche Polizeiverordnung wäre ungültig. Der L a n d r a t beanstandete dann den Beschlutz des Kreisausschusses, durch den die Weigerung festgelegt worden war, weil er die Gesetze verletze. Diese Beanstandung focht der KreiSauSschuß durch Klage an. Der Bezirksausschuß wies die Klage ab, das Ober- verwaltu nasgericht hat jedoch jetzt das Urteil deS Bezirksausschusses aufgehoben und die Beanstandungs- Ver- fligung des Landrats außer Kraft gesetzt. Gründe wurden zwar nicht publiziert, es ist aber klar, daß daS Ober- Verwaltungsgericht gleich dem Kammergericht eine solche Polizeivorschrift wie die hier in Frage kommende für ungültig hält. DaS Kammergericht hat nämlich eine derartige Polizei- Verordnung seinerzeit für ungültig erklärt mit der Begründung, daß sie weder im§ 10 II 17 Allgemeinen preußischen Landrechts, noch im Z 6 deS PolizeiverwaltungSgesetzeS ihre Stütze finde. Es geht davon aus, daß diese Verordnung nur der Polizei den Dienst er- leichten: wolle, und daß Polizeiverordnungen, die lediglich diesen Zweck verfolgten, unzulässig seien. Aus dem Prozeß gegen den Bezirkskommandeur, Major a. D. v. Zander. Der Breslauer große Betrugsprozeß wird voraussichtlich noch eine Woche in Anspruch nehmen. Tatächlich werden große Betrugs- fälle gegen den Bezirkskommandeur und seine Frau vorgeführt, deren Verhandlung eme große Zeit in Anspruch nimmt. Wir werden die einzelnen Fälle im Zusammenhang bringen. Aus der gestrigen Sitzung ist ein Zwischenfall bemerkenswert. Von der Geschworenen- bank wurde gegen eine allzu lange Ausdehnung der Beweis- aufnähme protestiert. Der Vorfall spielte sich wie folgt ab. Der Verteidiger Bie führte, als eine Reihe Betrugsfälle aus dem Jahre 1903 zur Erörterung gelangen sollten, aus: Könnten wir unS nicht eine große Zahl von Zeugenvernehmungen ersparen? Die Angeklagte hat noch nicht in einem einzigen Falle den Versuch gemacht, ihre Bestellungen abzuleugnen. Ein Geschworener: Im Namen sämtlicher Mitgeschworcnen habe ich dieselbe Bitte an den Herrn Vorsitzenden zu richten, die sogenannten BetrugSfnlle möglichst zusammenzufassen und dadurch die Verhandlung abzukürzen. Die ewigen Briesverlesungen bringen doch nichts Neues mehr.— Vors.: Das ist ein Verzicht auf etwas, was Sie noch nicht kennen.— Ein Geschworener: Wenn noch etwas ganz Prägnantes darunter wäre I Aber im allgemeinen kennen wir schon die Bemühungen des Angeklagten, durch seine fleißigen Unternehmungen etwas zu verdienen. Wir kennen die unsinnige Lust der Frau v. Zander an kostspieligen Be- stellungen und ihre Unfähigkeit, über Geld zu verfügen. Da bieten die Zeugenvernehmungen und Briefverlesungen weder psychologisch noch strafrechtlich etwas Neues. lGroße, anhaltende Bewegung.) Vors.(rasch einfallend): Aber, Herr Geschworener, das ist doch etwas, lvas Sie später im Beratungszimmer hinter geschlossenen Türen erwägen sollen. Sie können ja gar nicht wissen, wie sich Ihre Meinung noch ändert.— Staatsanwalt(sehr ärgerlich): Ich muß übrigens so wie so zu jedem einzelnen Falle Stellung nehmen. Es bietet jeder Punkt viel Charakteristisches. Aber vielleicht genügen aus jeden: Briefe einige Stellen.— Angeklagter v. Zander: Nach der Wahl des Staatsanwalts einzelne Stellen herauszureißen, das kann ich mir nicht gefallen lassen.— Staats- anwalr: Es handelt sich ja hier um sogenannte Vorbetrugsfälle, die gar nicht mit unter Anklage stehen und nur beivelsen sollen, daß diese Art von Bestellungen schon jahrelang so gemacht worden sind. ' Es werden sodann eine Reihe gleichartiger Betrugsfälle der Reihe nach verhandelt, die Zeugen werden gehört und dazu wird der Briefwechsel verlesen._ Bestrafung straflosen StreikPosteiistehenS. �wttblichen ES ist bekannt, wie entgegen dem Gesetz daS Recht � sowie dem Postenstehens durch„juristische" Konstruktionen, die in Wal �ercm sur weiter sind als krasse Vergeivaltigungen des durch Reichs � � gesprochenen Koalitionsrechts, die Ausübung deS Koalr a insbesondere des Streikpostenstehens, illusorisch zu machst h�ziich- wird. Hunderte von ungerechten gegen Streikposten erlast adFlch, verschanzen ihren Angriff gegen das reichsgesetzlich gen.Icrstete Koalitionsrecht, wie wir wiederholt dargelegt haben und im Reichstage anerkannt ist, in Preußen hinter der vom Kammergericht aufgestellten. gegen dasReichsgesetz verstoßendenFiktion: im Interesse der öffeiitlichen Sicherheit und Ordnung erlaffenen Polizeianordnungen haben Streik- Posten nachzukommen, auch wenn die Anordnung weder der Sicher- heit noch der Ordnung diente; ob die Sicherheit oder Ordnung ge- sährdet war, hat das Gericht nicht zu prüfin. Klarer als die'e juristischen, im Grunde völlig willkürlichen und haltlosen, dem Kern der Sache ausweichenden Floskeln ist folgender Rechtssatz, der un- bewußt zu diesen Gestaltungen die dem werktätigen Leben und dem Kampf der Arbeiter um Anteilnahme an der Kultur fernstehenden Richter geleitet hat:„Das Interesse deS Unternehmertums und die im Interesse des Unternehmertums begangenen Polizeihandlungen sind die Seele des Staates, dies Interesse allein hat im Klassenstaat die Grundlage aller sogenannten Rechtsprechung zu bilden." Die Landgerichte in Köln, Königsberg, Berlin, Magdeburg usw. haben sich allmählich, wenn auch vielfach nach lebhafter Gegenwehr, dieser das Recht vernichtenden Rechtsprechung des obersten preußischen Gerichts gefügt. Auch in den anderen deutschen Bundesstaaten wird nach der vom Kammergericht gebilligten Anschauung der Polizei des Unternehmertums das Reichsgesetz und Recht unter dem Scheine de? Rechts zu korrigieren gesucht. Diese Rechtsprechung ruft dringend »ach reichsgesetzlichem wirklichen und wirksamen Schutz deS KoalitionS- rrchts. Ein besonders lehrreiches Beispiel für die Versuche der Bestrafung einer Ausübung deS gesetzlich gewährleisteten Koalitionsrechts spielte sich dieser Tage in München ab. Die Polizeidirektion München hat an die Schutzmannschaft: die Weisung ergehen lassen, alle Streikposten ohne weiteres. vom Platze zu weisen und gegen sie event. mit Anzeigen wegew. Uebertretung straßenpolizeilicher Vorschriften vorzugehen. Der Bier- brauer Georg G r u b e r wurde zur Anzeige gebracht. weil er der Aufforderung eine? Schutzmannes, den Platz zu ver- lassen, keine Folge leistete. In der s ch ö f f e n g e r i ch t-. l i ch e n Verhandlung nahm der Schutzmann auf seinen Eid,. daß das Verhalten Grubers, der sich auf Zurredestellung sofort als Streikposten bezeichnete, nicht geeignet war, die öffentliche Ordnung oder den öffentlichen Verkehr zu beeinträchtigen. Er habe aber den. Gruber vom Platze gewiesen, weil er hierzu von der Polizeidirektion beauftragt war. Das Schöffengericht erkannte auf Frei- s p r e ch u n g mit der Begründung, daß das Streikpostenstehcn g e- fetzlich erlaubt sei. DaS Landgericht hob dieses Urteil auf und verurteilte den Gruber zu einer Geldstrafe von 3 M. mit der Begründung, daß der Angeklagte die Aufforderung des Schutzmanns hätte befolgen müssen, vorbehaltlich seines Be- schwcrderechtcS bei der Polizeidirektion. Auf die Revision des Angeklagten hin hob das ober st e bayerische Landes- gericht dieses Urteil auf, weil in der Feststellung der landgericht- lichen Strafkammer ein Wid erspruch enthalten sei. In der neuerlichen landgerichtlichen Verhandlung meinte der Vor- sitzende Landgerichtsdirektor Kühlmann: Die Sache ist vom obersten Landesgerichte zurückverwiesen worden, so daß wir das Vergnügen haben, nochmal verhandeln zn müssen! Und die Kühlmann-Kammer verurteilte den Arbeiter neuerdings in eine Geldstrafe von 3 Mark wegen� Uebertretung straßenpolizeilicher Vorschriften mit der Begründung, daß der Schutzmann möglicherweise durch das Verhalten deS Gruber eine Verkehrsstörung befürchten mußte(die er aber nach seiner eidlichen Aussage tatsächlich nicht„befürchtet" hat!), weshalb er die Pflicht hatte, den Angeklagten von seinem Standorte weg- zuweisen. Gruber hätte deshalb der Aufforderung Folge leisten: müssen, hätte aber das Recht gehabt, falls er sich durch die Weg» Weisung beeinträchtigt gefühlt hätte, bei der Polizeidirektion gegen die Anordnung des Schutzmanns Beschwerde zu führen. Der Rat, sich zu beschweren, hat mit der Aburteilung der Sache durchaus nichts gemein; der Landgerichtsvorsitzende ist um seinen Rat nicht gefragt. Sein Rat ist noch wertloser als der. den Teufel beim Beelzebub zu verklagen, da ja der Schutzmann lediglich den Befehl der Polizeidirektion ausgeführt hatte. DaS Gericht hat nicht: darüber zu entscheiden, ob die P o l i z e i d i r e k t i o n die Aus- Übung des Koalitionsrechtes gestatte, sondern ob das Gesetz dies gestattet und ob die Polizeidirektion widerrechtlich handelte, wenn sie solche Befehle erteilte. Gegen das den Arbeiter wegen Streikposten- stehens wieder verurteilenoe Erkenntnis ist beim Oberlandesgericht abermals Revision eingelegt. Solche Urteile wie die land« gerichtlichen sind geeignet. auch den zur Justiz noch vertrauensseligsten Arbeiter davon zu überzeugen, daß zu einer Gerechtigkeit an Stelle einer Klassenjustiz ausübenden Rechts- instanz„gelehrte" ernannte Richter unfähig sind und daß an ihre Stelle aus dem Volke und von dem Volke gewählte Richter treten müssen. Bis zur Erfüllung dieser Forderung werden Ivir es noch oft erleben. daß„gelehrte Richter" eine der Grundlagen der heuttgen Gesellschaftsordnung, das Koalitionsrecht, durch ihre falsche Rechtsprechung untergraben. Und dies ist für die Arbeiter. die wegen Ausübung ihres Rechts„bestraft" werden, ein Trost, der sie von recht häufigen Wiederholungen strafloser und darun, be- strafter Ausübung des Koalitionsrechts keineswegs abhalten wird. Die Ausübung des Streikpostenstehens bleibt ein gesetzlich erlaubtes Recht, auch wenn noch tausendmal juristische Maulwurfsarbeit es in sein Gegenteil zu verkehren sucht. Gäbe eS eine wirkliche Verantwortlichkeit von Bcamkeir in Deutschland, so würden diejenigen verurteilt, die solche Urteile fällen. BrUfbaftcn der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet wochcntägltch von 7'U biS v /, Uht abeudS statt,(«cöstnet? Uhr. SonnabeudS beginnt die Sprechstunde nur st Uhr. Jeder Anfrag« ist ein Buchstabe und eine Zahl olö Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. A. B. 33. Sie leben auch ohne Vertrag außerhalb der Gütergemein» fchaft, wollen Sie aber das Vermögen Ihrer grau sicher stellen, fo schließen Sie einen Ehevertrag in gerichtlicher oder notarieller Form, indem Sie aus das VcrwaltungS- und Nutznießungsrccht verzichten und daS Eigentum Ihrer Frau anerkennen. Ein Beispiel für einen solchen Vertrag finden Sie Seite 225 Nr. 23 des dem.Arbeiterrecht" beigefügten Führers. DaS Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken auS.— A.®. 33. Die Sachen können Sie zurückverlangen und können aus Rückgabe klagen. Einer Ehefrau steht nur dann ein Unterhaltsrecht außerhalb der Ehewohnung zu, wenn Sie mit Einwilligung des Ehemannes außerhalb der Ehcwohnung lebt. — H. F. 29. Am 20. Juli.—©eil. Franz. In dem von Ihnen geschilderten Fall ist die Frau an den Mietsvertrag gebunden. — St. P, 78. Durch Ihr Versprechen zur Zahlung sind Sie in dem vor- getragenen Fall zahlungSpslichtig geworden; ohne ein solches hätte eine Zahlungspflicht nicht bestanden.— 29 jähr. Abonueut. 1. HandlungS- gehülfinnen steht ebenso wie HandlmigSgchülscn die scchSwöchcntliche Kündigung zum 1. des Quartals zu. Durch Vertrag kann die KündigungS- srift aus einen Monat herabgesetzt werden. Das scheint in dem von Ihnen erwähnten Fall vereinbart zu sein. 2. Ja. 3. und 4. Nein.— M. M. 94. Sie müßten beim Amtsgericht auf Abnahme deS Kleides gegen Zahlung der Kosten die Bestellerin verklagen. Die Höhe der Kosten richtet sich nach der Höhe deS Objekts.— D> 99, Naunynstraste. Nein. M. P. 1. Nein. 2. Falls Ihre Frau keine Mittel besitzt, die über daS hinausgehen, waS zum eigenen standesmäßigen Unterhalt crsorderlich ist, ist sie gesetzlich zur Unterstützung ihres Vaters nicht verpflichtet.— Heirat. Das Ausgebot kann an dein Wohnsitze der Braut oder dem Wohnsitze deS Bräutigams erfolgen. DaS Ausgebot muß mindestens 14 Tage lang aushängen. In der Regel verstreichen zwischen Aufgebot und HeiralS- terms» vier bis sechs Wocheir Eine sechsmonatliche Warlcsrist oder eine Meldung au die Kirche ist keineswegs crsordcrlich. Für den Inhalt der Inferate übernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Berantwortung. Cheater. och, den 27. Juni Anjang 7%, Uhr: Gene perntheater. Cavalleria cana. Der Bajazzo. Deutsch.8. Der Kaufmann von Benedig. Nenes. Orpheus in der Unterwelt. Anfang 8 Uhr: Berliner. Cymbelin. Leffing. Die lustige Wittwe. Schiller 0.( Wallner Theater.) Mortik- Oper: Der Freischüß. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Heiratslustig. Kleines. Ein idealer Gatte. Romische Oper. Hoffmanns Er. zählungen. Zentral. Der luftige Strieg. Lustspielhaus. Das Fest der Hand. werker. Borher: Die Berlobung bei der Laterne. Thalia. Bis früh um Fünfe! Metropol. Auf ins Metropol. Apollo. Das blaue Bild. Spezia litäten. Carl Weiß. Sündige Liebe. Wintergarten. Tortajada. Urania Taubenstr. 48/49. Täglich abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. Sternwarte Invaliden OOLOGISCHER Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr. Bilh. Th.) Morwitz- Oper. mitto, abends 8 Uhr: Der Freischütz. Mittwoch, abends 8 Uhr: Heiratslustig. Schwank in drei Akten von Maurice Champagne. Achtung! Fliesenleger! Achtung! Donnerstag, den 28. Juni, abends 8%, Uhr: Versammlung Große Oper in 4 Atten v. G. M. v. Weber. Donnerstag, abends 8 Uhr: der Sektion der Fliesenleger des Manrerverbandes str. 57/62. Donnerstag, abend 38 Uhr: Der Trompeter von Säkkingen. Z CARTEN Heute nachmittag 5 Uhr: Gastspiel d. Musikk.d. Leih- Gren.- Rgts. No. 8 Kgl. Staatshoboist W. LebedeFrankfurt a. 0. Eintritt 1 M., b. 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Nur noch wenige Tage! Arme Reiche. Lebensb. m. Geſ. b. Otto Leibold. Dazu die erstklassigen Spezialitäten. Anfang 6 Uhr. Staffeeküche v. 3 Uhr. Bei schlecht. Wett.: Borstell. im Saale. Sonnab. 30.6.06: Benefiz für C. Reich. Freitag, abends 8 Uhr: Die Afrikanerin. Heiratslustig. Freitag, abends 8 Uhr: Heiratslustig. Im Garten tägl. gr. Militär- Konzert. im Gewerkschaftshause, Engel- llfer 15( Saal 3). Tages Ordnung: 1. Die letzten Vorkommnisse im Berufe. 2. Gewerkschaftliches. 3. Berschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Bahlreichen Besuch erwartet 144/14 Der Sektionsvorstand. J. A.: Hermann Pufahl. Schweizer Garten. Konsumverein Charlottenburg. Am Königstor Am Friedrichshain 29/32. Täglich: Zur Beachtung für unsere Mitglieder! Bom Sonntag, den 1. Juli, sind unsere Berkaufsstellen bis auf weiteres 205/ 19* Theater- Vorstellung, Spezialitäten und Ball. tags gefchloffen. Bum Schluß: Elternlos. Max Kliems Sommer- Theater. Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Weffage. Willy Brager. Guegialit. Bernhard Rose- Theater Täglich: Gr. Konzert, Theater Meichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Besuv. Gesundbrunnen, Badstraße 58. Täglich: Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Die Gauklerin. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Gaftspiel v. Maria Pospischil. Cymbelin. Ausstattungsstüd mit Gesang u. Tanz in 7 Bildern v. Schwarz- Reiflingen. Außerdem: Das großartige Juni Spezialitäten: Programm. Jm Saale: Gr. Ball. Anfang 42 Uhr. Eröffnung 2 Uhr. Entree 30, numerierter Plaz 50 Pf. und Spezialitätenvorstellung Jeden Montag: Sommerfest. Kinderfeste. Jeden Mittwoch: die beliebten Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Diez'. Spezialitäten- Theater. Landsberger Allee 76/79( Ringbahnstation). Rom. Schauſp. i. 5 Akten v. Shakespeare. Saisonkarten haben Gültigkeit. Ob schön! Im herrlichen Garten oder Saal: Ob Regen! Anfang 8 Uhr. Donnerstag: Medea. Anf. 7. Neues Theater. Anfang 7 Uhr. WINGI BARTH Täglich: Gr. Konzert, neue Spezialitäten und Ball. Das größte und beste Programm Berlins. 1. a.: La Matschiche! merikanischer Tanz, ausgeführt vom besten Tanzduett Jeanette und Vallis. Robert und Bertram, das berühmte Grotest- Duett. Josefine The Orpheus in der Unterwelt. Großer Erfolg! Petree Burtons uns Great Harry and Olly Smith, Kleines Theater. Tortajada, Spanische Tänzerin Ein idealer Gatte. Anfang 8 Uhr: Mittwoch und folgende Tage: Ein idealer Gatte. Neues kgl. Operntheater ( Kroll). Anfang 7, Uhr. Mittwoch, den 27. Juni: Cavalleria rusticana. Der Bajazzo. Donnerstag: Gastspiel Henri Albers: Don Juan. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und Invalidendank. Komische Oper. Sommerspielzeit 1906. Hoffmanns Erzählungen. Sommerpreise. ( Reine Vorverkaufsgebühr.) Anfang 8 Uhr. Zentral- Theater. ( Operette.) 8 Uhr.( Halbe Preise!) Der lustige Krieg. Lustspielhaus. Täglich 8 Uhr: Das Fest der Handwerker. Borher: Die Verlobung bei der Laterne. Apollo- Theater. Letzte Woche! Letzte Woche! MIB Carma, Transformat. Tänzerin. Duo Paulus, holländisches Duett. Humpsti- Bumsti, erzentrische Kreation. Das blaue Bild v. Paul Lincke. La Matschiche. Meritanischer Tanz. Solo: Annette Savary. Hochzeitsfeierlichkeiten in Madrid. Metropol- Theater Anfang 8 Uhr. Szene im Restaurant. Kaffeeküche. Volksbelustigungen aller Art. Catherine Bartho a. Lydia Anfang 4 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf., Sonntags 30 Pf. Redega, Ungarische Tänze. Die Maningos, Handakrobat. Avis! 01 bis 16 Löwen die größte Sensation und Paulinetti& Piquo, Reckturner. Frank Kern m. Hund, Bolzen". Creo Bros, komische Akrobat. MIB Orford mit ihren dressierten Elefanten. Lola Lloyd, Soubrette. Mlle. Farfalla, Paris.Soubrett. Imro Fox, Illusionist. Die Sleedes,„ Das geheimnisvolle Haus". La Bérat, Phantasietänzerin Der Biograph. Passage- Theater. Anfang 8 Uhr. Das glänzende Juniprogramm. Willy Prager = 14 erstklassige Spezialitäten. Kottbuser Sanssouci.Straße 4a. Der Garten ist eröffnet. Sonntg., Montg.Donnerst. und Sonnabend: Hoffmanns Nordd. Sänger und Tanzkränzchen. Franz Fanther ins. Glanzn. Entr. 30 Pf., num.BL. 50 Bf. 30. Juli: Im Salon des Löwenbändigers. Brauerei Groterjan N., Schönhauser Allee 130. Oekonom Ernst Stein. Täglich A. Diez. Großes Konzert Anfang: Wochentags 7 Uhr. Schwarzer Friedrichsberg. Fernsprecher Nr. 8. Sonntags 4 Uhr. Adler Frankfurter Chaussee 5. 12382* Restaurant und Festsäle. Jeden Mittwoch: Humoristische Soiree der Willy Walde- Sänger. Stad ber Familien- Kränzchen. X Bond haben Jeden Sonntag: Spezialitäten-Vorstellung. Borstellung: Gültigkeit. Gebr. Arnhold. Jm Saale: Großer Ball. Dounerstag, den 28. Juni: 4. Garde- Regiment unter Zeitung des tgl. Musikdirektors Schrader. Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allee 148. Sonnt. Beg. 5, Bochent. 81. Täglich: Konzert, Theater, Im Borgart.: Freikonzert. Spezialitäten, Ball. wie es lebt u. liebt. Welt- Ausstellungs- 15ttraktionen ersten Ranges 15. Biograph-( St. Louis) Boltsstud in 3 Atten von Lindener. Theater lebender Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf. Photographien mit Volksgarten- Theater. abwechselndem Badstr. 8( Behm- u. Bellermannstr.) Abnormitäten- Progr. Täglich: Verbindung mit größter Films- Konzert, Theater u. Spezialitäten. Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Jed. Mittwoch: Gr. Kinderfreudenfest. Den ganzen Tag Vorstellung. Jed. Donnerst.: Gr. Brill.- Feuerwerk. Voltsbeluftigungen aller Art. Otto Pritzkow, Münzstr. 16. Die Staffeeküche ist v. 1 Uhr an geöffnet. ! And- in's Metropol! Ostbahn- Park Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen überall gestattet. Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Anfang 8 Uhr. Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr.71 Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater- und Sündige Liebe. Spezialitäten- Vorstellung. Familientragödie in 4 Aften v. H. Rolf. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Spezialitäten- Vorstellung. Anf. 5 Uhr. Im Garten: täglich Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Täglich im Garten bezw. in den unteren Sälen Gottschalk Freikonzert 1329L* Sofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle Reste! Mocquetts. Plüsch Satteltaschen. Muster b. näh. Angabe franko. Mittwoch u. Sonnabend: Freitanz. Emil Lefèvre, Berlin, 158. Oranienstr. Reichshallen. Stettiner Sänger. ( Meysol, Pietro, Britton, Böhmo, Böckmann, Walden, Seidel, O. u. R. Schrader) Anfang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Prater- Theater Kastanien- Allee 7/9. Täglich: Amor von heute. Wehling, Humor. Varadi- Duett. Derrington- Family, Kunstrad fabrer. Livèrs, Drahtseil. Die Einbrecher von New York, Bant. The Piccad. Konzert. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Platz 50 Pf. Neue Welt. 114. Hasenheide 108-114. Mittwoch, den 27. Jnni: Großes Kinder- Fest Gratisverlosung. Kinderbelustigungen jeder Art. Konzert u. Spezialitätenvorstell. Anfang 4 Uhr. Entree 0,15 M. Morgen Donnerstag: Gr. Brillant- Feuerwerk. Zähne Ausfeld, Turmſtr. 8. ähne zieht vollständig schmerzlos Zugelassen bei den Krankenkassen des Gewerkskrankenvereins. Die besten Fahrräder und Fahrradzubehörteile zu enorm billigen Preisen finden Sie wieder bei 290/ 8* Ernst Machnow, Berlin N., Arkonaplatz 1, Filiale: Kaiser Wilhelmstr. 18R. Abteilung für Motorfahrzeuge: Wollinerstr. 11-12. Neue hochelegante Fahrräder 45.-, 50.-, 52.-, 55.-M.us Für meine weltberühmten Arfonaräder übernehme bis 6 Jahre Garantie. Luftschläuche 1.50, 2.-, 2.50, 3.50 M. Laufmäntel 2.50, 3.20, 4.50 M. Nähmaschinen 28.-, 36.-, 42.-.- Neue Katalog gratis und franko. Allright Motorzweiräder 400 M. 2c. * Vom 2. bis 4. Juli find sämtliche Marken von einer Mark aufwärts in einem in den Berkaufsstellen zu habenden Briefumschlag verschlossen und ausgefüllt mit dem Mitgliedsbuch an den Lagerhalter abzugeben. Kleinere Marten sind vorher gegen größere umzutauschen. Kohlenbestellungen wollen die Mitglieder möglichst bald unter Angabe der Lieferungszeit vornehmen. Der Vorstand. Achtung,- Vereine! Für Sommer- und Kinderfeste empfohlen! Stocklaternen, Fadeln, Schärpen, 16 Kopfbedeckungen, Illuminat.- Laternen, Dekorations Girlanden, Verlosungs- Artikel. Harten, Sensen, Keglerpreise, Jur- u. Scherzartikel, Feuerwerk, Festabzeichen. Große Auswahl, billige Preise, kulante Bedienung. Pohl& Weber Nachf., Berlin C. Am Spittelmarkt 4/5 I Inh.: Otto Oeser. Kataloge gratis und franko. Alexanderstr. 51/52 Juh.: Ernst Herbst. Versand nach außerhalb. Auf der Stelle getötet werden alle Wanzen samt Brut durch Reichel's Verstärktes Wanzenfluid". Einziges Spezialmittel von unfehlbarer Wirfung, schützt dauernd gegen jede Wiederkehr. Fl. 50 f., 1,-, 2,-, 3-, Literfl. 5,-. Spurlos verschwinden sofort alle Schwaben mit ihrer Brut bei Anwendung von Reichel's Schwabenpulver ,, Poudre Martial" 50 Pf., M. 1,-, 2-, Bid. 4,-. Echt und garantiert wirksam nur mit Marte Tod und Teufel. Sprühapparate 50 Pf. Erhältlich in Drogerien, wo Plakate mit Tod u. Teufel u. bei Otto Reichel, Berlin SO. 43, Eisenbahnstraße 4. Telephon- Amt IV 646, 3190, 4562. Neuer Wasserturm b. Grünan. Von dem unmittelbar angrenzenden Terrain, nur zirka zehn Minuten vom Bahnhof entfernt, sollen Parzellen von zirka 45 bis 80 Quadratruten zu billigen Preisen, je nach Lage, von M. 1,45 an pro Quadratmeter netto Bauland zu günstigsten Zahlungsbedingungen( event. Baugeld) verkauft werden. Geordnete Verhältnisse. Ansiedelungsrecht erworben. Straßenland bereits an die Gemeinde abgetreten. Auskunft nachmittags( Sonntags 3-6, Wochentags 4-6) nur Straße am Faltenberg 19/20 im Restaurant. BRENNSPIRITUS 14462* Brennspiritus Marke ,, Herold" Original30 Pf. ca. 90 Vol.- Proz. Liter33 Pf. ca. 95 Vol.- Prozexkl. Glas. flasche Ueberall erhältlich. Centrale für Spiritus- Verwerthung G. m. b. H., Berlin W. 8. Getreidepreise steigen! Wer sich für die Preisbewegungen an den Produktenmärkten interessiert, verlange Proestler's Broschüre: ,, Das Wirtschaftsbild der Gegenwart und der Zukunft". Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.( Romm. Otto Weber, Leipzig). Vollständige Ausgabe M. 2.-. Teil und Volksausgabe 60 Pfg. Nur Qualität! Telephon: Amt III. 6949. Jeder verwöhnte Raucher raucht Spree- BlumeΔ Δ Δ Zigaretten Δ Δ Δ Nur Qualität! ( gesetzlich geschüzt.) 961L* Berlin N. 28, Swinemünderstr. 66 I. H. Preuß, Zigarettenfabrik ,, Spree- Blume" teppdecken billigst direkt in der Fabrik 72. Wallstr. 72, Portieren Spezialität!( ca. 200 Genre). Einz.Garnituren spottbill. gratis u. franko. Spezial- Katalog( ca. 600 Illustr.) Toppiches Emil Lefèvre Spezialhaus Oranienstr. 158 Berlin S. das einzig sicherwirkende Mortal Spezialmittel gegen Flöhe, zerstört im Fußboden niftende Brut von Grund aus, so daß nicht die geringste Spur übrig bleibt und ist ein Radikalmittel ohne gleichen gegen jeglich. Ungeziefer der Haustiere, speziell auch der Hunde. Man nehme nur ,, Mortal" mit Marke ,, Tod und Teufel" und nichts anderes! Flasche 50 u. 75 31.. erhältlich in Drogerien und bei 43, wo auch alte Steppdeden aufgearbeitet Otto Reichel, Eisenbahnstr.4. werden. Bernhard Strohmandel, Berlin Ks. Juftr. Katalog gratis. Lieferant für Armee und Marine Teleph.- Anschl. IV 646, 3190 u. 4562. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Zahlstelle Charlottenburg. Verwaltungsstelle Berlin. Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. Donnerstag, 28. Juni, abends 8%, 1hr, im Volkshause, Haupt- Bureau: Engel- User 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Rosinenstr. 3, großer Saal: Außerordentliche Achtung! Schlosser! Donnerstag, den 28. Juni, abends 8%, Uhr: Achtung! General- Verfammlung. Allgemeine Versammlung Zages Drbnung: Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berliner Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am Sonntag, den 24. d. M., verstarb unser Mitglied, der Bauarbeiter Danksagung. Sage allen Verwandten, Bekannt dem Verbande der bauglichen Hülfsarbeiter Deutschland sowie dem Sozialdemokratischen Wahlverein für den zweiten Berliner Reichstagswahl. freis für die Teilnahme bei der Be erdigung meines geliebten Mannes Ernst Mudrich meiren herzlichften Dant. Paula Midrich, August Willer 26275 Fidizinjt Swinemünderstr. 40. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute 1. Die auf dem Berbandstag eingeführte Strantenunterstügung und die der Schlosser Berlins und Umgegend Trauerbause aus nach dem Friedamit verbundene Beitragserhöhung. 2. Gewerkschaftliches und Verschiedenes Es ist Pflicht eines jeden Kollegen zu erscheinen. 88/7 Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. Die Ortsverwaltung. Zentralverein der Bildhauer Deutschlands. Verwaltung Berlin. Donnerstag, den 28. Juni 1906, abends pünktlich 8%, Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15, Saal 1: Versammlung. Zages Drdnung: 1. Geschäftliches, darunter Bericht über die Konkurrenz für ein Titelblatt unferer Jubiläumsfestschrift. 2. Statutenberatung, Anträge zur General bersammlung und Ausstellung der Kandidaten. 3. Verschiedenes. Bahlreichen Besuch erwartet 20/15 Der Vorstand. im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, großer Saal. Zages Drdnung: 1. Die Gleichberechtigung der Menschen in Theorie und Pragis. Referent: Genoffe Stürmer. 2. Diskussion. 3. Wahl der Schlichtungskommission. Ausgabe der Tarifvorlagen für diejenigen Betriebe, die nicht der Innung angehören. Donnerstag, den 28. Juni, abends 8%, thr: Branchen- Verfammlung der Metalldrücker Berlins ut. Umgegend in Frankes Festfälen, Sebaftianstraße 39. Zages Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Wollheim über: Luft und Leben".. 2. Distuffion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Bahlreiches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. 121/15 Fachverein der Tischler Deutscher Holzarbeiter- Verband. Berlins und Umgegend. Achtung! Tischler und Möbelpolierer! Mittwoch, 27. Juni, abends 8 Uhr, bei Zöls, Köpeniderftr. 137/138: Mitglieder- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Vortrag des Genoffen Kater über:" Die deutsche Gewerk: fchaftsbewegung unter besonderer Berücksichtigung der General ftreitsidee." 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. 186/9 Um zahlreiches Erscheinen aller Mitglieder ersucht Der Vorstand. Ginger Malt Ale ( Ingwer- Malz- Brause) Bester Ersatz für Bier alkoholfrei, erfrischend, nahrhaft, 15 Flaschen 1,50 M. frei Haus. Pfaltz& Bonardell, SW. 11, Amt IX, 5165. Wichtig für Gastwirte. 1621L* Zahlstelle Berlin. Donnerstag, den 28. Juni, abends 8% Uhr: Branchen- Versammlung der Stellmacher im Rosenthaler Hof, Rosenthalerstraße 11/12( großer Saah). Zages Ordnung: 88/6 1. Vortrag des Genoffen Redakteurs Karl Wermuth über:„ Voltsberdummung durch Schule und Kirche". 2. Diskussion. 3. Wahl mehrerer Kommissionsmitglieder. 4. Branchenangelegenheiten. 5. Berschiedenes. Vollzähliges Erscheinen erwartet Die Kommission. Raucht KiosZigaretten. Kleine Kios 2. Spezialmarke: pro Stück 2 Pf. 1151L Hauptniederlage der Zigarettenfabrik„ Kios", Dresden. H.& P. Uder, Tabakgroßhandlung u. Tabakfabrik, Engel- Ufer No. 5. Amt 4. 3014. Kufeke's Kinder Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Gardinenhaus Große Frankfurter Straße 9, parterre. 1+ Fahrräder, Zeilzahlungen. BergStraße 28, Staligerstraße 40. 15098* Teppiche!( fehlerbaite) in allen Größen für die Hälfte des Bertes im Teppichlager Brünn, Hadescher Martt 4, Bahnhof Börse. 263/3 dens- Kirchhof in Nieder- Schönhausen- Nordend statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß der Kollege Paul Röhr am am 24. b. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 27. Juni, nach mittags 3 Uhr, auf dem St. Sebastian- Kirchhofe in Reinicken dorf, Humboldtstraße, statt. 134/7 Die örtliche Verwaltung. Todes- Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Genossen die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, Allgemeine Orts Krankenkasse Spandau. Am 5. Juli 1906, abends 8 Uhr: General- Versammlung im Viktoria- Garten. Tages- Ordnung: 1. Statutenänderung( Erhöhung der Beiträge). 2.Ersazwahl eines Borstandsmitgliedes ( Arbeitnehmer). 3. Berschiedenes. Der Vorstand. A. Kleinart, Borsigender. 274/16 Konsum- Verein Friedenan und Umgegend. E. G. m. b.. General- Versammlung Donnerstag, den 5. Juli, abends 8 Uhr, im Lotal von Grube, Kaiser- Ace 86. Tages Ordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Lagerhalterfrage. 3. Statutarische Neu- und Er gänzungsmahlen. 4. Verschiedenes. 205/20 Der Aufsichtsrat. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für 110/9 Haut- und Haralelden. 10-2,5-7. Sonntags 10-12, 2-4 meine gute Mutter, unfere Hebe Dr. Schünemann Schwester und Schwägerin Berta Jacobi geb. Damm nach schwerem Leiden am Sonn abend, den 23. Juni, abends 9, Uhr, verstorben ist. 26325 Um stilles Beileid bitten Albert Jacobi Else Jacobi( Tochter) Geschw. Damm. Die Beerdigung findet am Spezial- Arzt für Hant- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 11hr. Von der Reise zurück Dr. Max Dresel 135/ 13* NW., Beußelstr. 15. Donnerstag, den 28. d. M., nach Krankenfahrstühle all. Systeme mittags Uhr, non der Leichenhalle des Friedrichshagener Gemeinde- Friedhofes aus statt. Friedrichshagen, 26. Juni 1906. täuflich von 25 M. an, auch leihteise unter toulantesten Bedingungen. Koppsche Krankenwagen, Elsasserstraße 95. 116/4 Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei und leiden nicht an Verdauungsstörung. L60LL mehlo Hervorragend Brechdurchfall, Darmkatarrh, Diarrhoe etc. het bel Kleine Anzeigen Nähmaschinen. Bable bis 12,00, wer Teilzahlung fauft oder nach tveist. Sämtliche Systeme. Woche 1,00. Bostlarte. Brauser, Tilsiter ftraße 90. + 31* Steppdecken billigst Fobri! Große Frankfurterstraße 9, parterre.+1 Damenkleider, hochelegante, wenig getragen, spottbillig. Engels, Brunnenitraße 3. 2640b Zimmer. Teilnehmer zum möblierten Borderzimmer, Dresdenerstraße 58 III rechts. 26106 15,00 möbliertes Zimmer Fürstenftraße 17, Duergebäu de I, Stibbe. Schlafstellen. Brandenburgstraße 30/31, IV lints, schmudes Stübchen als Schlafstelle vermietbar. 26306 Bigarrengeschäft umständehalber verläuflich. Näheres Stralauer Allee 47. Gastocherhaus! Einlochgastocher! Gutgehendes Restaurant, Bor Möblierte Schlafstelle für Herrn 0,75. Bweilochgastocher! 3,00. Ge- garten, Saal, Vereinszimmer, günstig fchloffene Spargastocher! 5,00. Bas- für Barteigenossen, wegen Strantheit mit feparatem Eingang vermietet bügelapparat, Gasplätteisen spott- der Frau zu verkaufen. Miete 1800. Luchs, Mustauerstraße 26, Hof I. billig! Bronzegastronen! 6,00. Gas- Erfragen bei Feld, Adolfstraße 15, Ihren! 1. Bohlauer, Wallnertheater Kinderwagen, Gummiräder, ver Straße 32. 16495* tauft billig. Schöneberg, Haupt+103 Gelegenheitstänfe: Baletots, An- ftraße 9, Euen. süge, Hofen, Stoffer, Revolver Betten, Stand 11,00, zweischläfrig Zeschings, Uhren, Goldsachen, Keffel 16 Mart, Gubenerstraße 3, Pfand +31 fbottbillig. Lude, Dranienstraße 1381 leihe. Reifegläser, Operngläser, Reiß- Tadelloser Kinderwagen, Sport zeuge, Regulatoren, Freischwinger, wagen. Edeling, Gubenerstraße 54. Harmonitas, Geigen, Bithern, Bilder, Fahrrad, fast neu, 36,00, berkauft Zeppiche, spottbillig. Rude, Dranien umständehalber 8hdek, Bu ener ftraße 131. 26076* ftraße 21. +31 Taschenfofa verkauft Rein berg, Prostauerstraße 34 vorn II.+31 Teppiche milFarbenjehlern Fabrit niederlage Große Frankfurterstraße 9, parterre. +1 Näderverleihung. Zandems, Drei fizer, Große Frankfurterstr. 14.+ 31* Gelegenheitsfäufe! Berschiedene außergewöhnlich billige Teppiche und Deden mit fleinen Fehlern nur turze Beit bei Bien, Rosenthalerstraße 56. Lauben Baumaterialien, neue und gebrauchte, wie: Stantholz, Bretter, Latten, Leisten, Züren, Fenster, Linoleum, Dachpappe usw. billigft. Früher Kottbuserdamm 22, jekt Hafen heibe 2( am Hermannplat). 12366* Nähmaschinen, ohne Anzahlung, wöchentlich 1,00. Warschauerstraße 67, Wienerstr. 1-6, Aderstraße 111. Frische Milch Liter 15. Wedding halle, Stand 157. Verschiedenes. Möblierte Schlafstelle. Hecht, +127 Graunstraße 1, born I. Möblierte Schlafstelle, einen Herrn Manteuffelstraße 68, Süller. Freundliche Schlafftelle für Herrn Snitter, Manteuffelstraße 82, born III. Schlafstelle, fauber, allein. Nutsch, Stöpenickerstraße 79. 26256 Schlafstelle für Herren mit Bad inklusive Staffee 13,00. Dorau, Allen steinstraße 5. +141 Schlafstelle für Herrn vermietet Bitwe Ravenstein, Reichenberger ftraße 115a, Cuergebäude I+5 Genosse findet Schlafstelle. Nau mann, Laufigerstraße 2, born IV, 7 Uhr abends. +5 Kunststopferei von Frau Rotosty, Charlottenburg, Goethestraße 84, I. Mietsgesuche. Pfandleibe, Brinzenstraße 63, täglich 8-8, Sonntags bis 2. 1429* Junges Ehepaar sucht zweiBatentanwalt Bessel, Gitschiner- fenftriges möbliertes Bimmer, in ftraße 94a. 21726* feftenfrei, Gegend Schlesischer Bahnhof. Offerten mit Preisangabe Kleiderspind, gebraucht, tauft +62 K. 500, Boftamt 16. Berwalter, Balisadenstraße 95. Bahngebiffe, Goldfachen, Silber, Freundliches, einfach möbli ertes Uhren taust Schneider, Brunnen. Bimmer, möglichst separat, Nähe straße 137, Eingang Bernauerstraße, Müllerstraße. Offerten W. I, Boft Laden. 26356 amt 65, * +79 26236* Bücher und Lerika jeder Art Auständiges junges Mädchen * sucht faubere Schlafftelle, Nähe Müller Achtung! Neue Stettiner Boll- tauft Beher, Dranienstraße 138. heringe empfiehlt billigst Berch, Aufpolsterung. Matrage 4,00, straße. Offerten W. I, Boftamt 65. Wollinerstraße 21. + 90* Sofa 5,00. Rolle, Neue KönigParteilokal, einziges am Drte traße 2. mit Saal, Garten, sofort preiswert zu bertaufen. Bu erfragen Deutsche Bierbrauerei, Alt- Moabit 60. +137 Krautstraße 50, Saalfeld, Möbelspetcher, verkauft spottbillig, meil tein Laben, Möbel, Spiegel, Polsterwaren. Besichtigung ohne Staujawang. 26296 + 141* Vermietungen. Wohnungen. Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Blinder Stuhlflechter bittet um Arbeit. Stühle werden abgeholt und zurüdgeliefert. A. Gläjer, Mulad straße 27. Stellenangebote. 14685 Automobilführer! Jedermann ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt- Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. wird schnellstens zu erstklassigem Deutsch. Buchbinderverband Chauffeur ausgebildet. Lehrpläne fostenlos. Glänzendste Erfolge. Automobiltechnifum, Spichernftr. 11/12.* Schloffergesellen auf Baubeschlag verlangt Blume, Charlottenburg, Schillerstraße 97. 1650S* Schloffer, tüchtige, für Eisentonstruktionen, Fenster- und Blechtreppen bau, sowie für Jalousiefabrit sofort gesucht. Druckenmüller, Schöneberg, Tempelhofer Weg 46/47. 26265 Suche einen Zimmerpolier, der selbständig Arbeiten ausführen kann. Bostlagernd Post- Amt 113, A. B. 100. Farbigmacher auf geschweifte Gardinenstangen verlangt Schröder, Gollnowstraße 13. 26315 Grundkocher verlangt Kristan, Charlottenstraße 7. 26345 Plätterin verlangt Schüßen ftraße 33. 26286 Tüchtige Belegerin gesucht Gold leiftenfabrit Reichenbergerstraße 88. 100 Mamfells auf Sportröde. Deege, Frankfurter Allee 181.+ 129* Zeitungsfrauen finden dauernde und lohnende Beschäftigung. Tour Wilhelmstraße und Leipzigerstraße. Meldungen Schüßenstraße 22. 135/ 11* Botenfrauen finden lohnende und dauernde Beschäftigung Sorauers 134/ 15* ftraße 20. Jm Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen fosten 50 Pf. die Zeile. Kunftfchloffer. ( Zahlstelle Berlin). Luisenplay, Ede Kaiser Friedrichstraße, Bau Haase. Sadowaitr. 10, Bau Hollmann. Barbarossastraße. Rigdorf, Donauftr. 83, Bau Berndt. Folgende Firmen haben, weil das Berlinerstraße, Ede Straße 12k, Bau Bersonal nach der Beendigung der Langnid und Bau Lang. Aussperrung nicht reumütig und Bismardstraße, Bau Schlüffelburg. bedingungslos in die Betriebe zurüd- Giesebrechtstraße, Bau Herold. tehrte, weiter respektive erneut aus Tegeler Beg 105. gesperrt: G. Wübben& Co., Bilhelmstraße 9. Flotomstraße, zwei Bauten Bunning. Birchow- trantenhaus, Seestraße. Freisingerstraße, Bau Nötte. H. Sperling, Friedrichstr. 16. Schwäbischestraße, Bau Bander. D. Bleistein, Friedrichstr. 16. Berchtesgadenerstraße, Bau Straat. Lüderitz& Bauer, Mauer- Friedrichsberg, Müggelftunße, Ede der straße 80. Fritsche- Baumbach, Sjö neberg, Bahnstraße. H. Reiß, Lüzowstr. 107/8. H. Schubert, Wilhelmstr. 121. C. Metschke& Co., Bimmer ftraße 94. A. Schoß, Buttlamerstraße 19. A. Schoß, Dessauerstraße. Schneider Scharnweberstraße. Bormjerstr. 10. Es ist Pflicht jedes organisierten Kollegen, diese Bauten streng zu meiden. 144/ 11* Die Sektionsleitung. Annahme- Stellen & Ziegler, für„ Kleine Anzeigen". Nitterstr. 76. Rickmann, Wilhelmstr. 121. Naucksche Buchdruderei, Stall fchreiberstraße 5. Ad. Ludwig, Elifabeth- Ufer 5/6. Fleck Nachf., 2ütomftr. 87. Kämmerer, Kochstr. 67. C. F. Walter, Ballstr. 16/17. Rich. Gahl, Chausseestr. 20. Agthe, Wilhelmftr. 119/20. Lotze& Sieler, Stochstr. 3. Ad. Wittenburg, Wilhelm Straße 16. Xaver Kölle, Reichenberger. ftraße 36. Kartonarbeitern. Arbeiterinnen! Kartonnieter! In der Kartonfabrit von Ad. Lesser, Krautstraße, find tarif. liche Differenzen ausgebrochen. Diese Betriebe sind gesperrt! Die Firma Aloys Suk, Reander Wir suchen einen tüchtigen selbstftraße 4( Neanderhof). ständigen Kunstschmied, erste Straft, ist für Galanteriearbeiter und mit Schmieden von Gittern, Blumen Arbeiterinnen wegen Differenzen und Blättern jeder Stilart vollständig vertraut. Bet Konvenienz 24/12 Die Ortsverwaltung. bauernde Stellung. Eintritt fann gesperrt. jojort erfolgen. Reisevergütung. Achtung! Beugnisabschriften, Angabe des Alters und Verdienstes zu richten unter S. H. 3886 an Rudolf Mosse, Stuttgart. 134/ 8* Fliesenleger! Gürtelarbeiterinnen, Gürtelarbeiter Differenzen find fämtliche Bauten der Wegen Altordarbeit und anderer Firma und funge Täschnergesellen, Schmalisch& Below die Glacé und Rindledergürtel zu schneiden tönnen, finden lohnende, dauernde Beschäftigung. 26415* gesperrt. Die Bauten find: Osten: Wengels, Nüdersdorferstr. 3. Gustav Vogel, Koppenſtr. 83. Nordosten: 2. Zucht, Seibelstr. 42. J. Neul, Barnimitr. 42. Norden: 5. Naschke, Aderstr. 36. F. Trapp, Rügenerstr. 24. Karl Mars, Lychenerstr. 123. Karl Weiße, Wiefenftr. 41/42. 2. Dechand, Ruheplatstr. 24. 5. Bogel, Lorgingstr. 37. . Tiek, Invalidenstr. 124. Nordwesten: Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. W. Schrolle, Gozłowsthstr. 29. Südwesten: H. Werner, Mittenwalderstr. 80. Schröder, Streuzbergstr. 15. Süden: St. Frih, Prinzenstr. 31. F. Gutschmidt, Rottbuser Damm 8 Südosten: Paul Böhm, Laufizer Blak 14/15. P. Horsch, Engel- Ufer 15. Charlottenburg: G. Scharnberg, Sesenheimerftr. 1. Friedrichsberg: D. Seitel, Stronprinzenstr. 50. Rixdorf: M. Heinrich, Bring Handjerhstr. 7. Conrad, Hermannstr. 50. with.Bäumter, Martin Lutherstr. 51. Schöneberg: Weißensee: 23. Neste, Sedanstr. 105. Jul. Schillert, König- Chauffee 89a. Nieber Schönhausen, Beuth, Hochvornehme Herrenhosen aus Körner, Schillerstraße( am Straßen. feinsten Maßftoffen 9-12 Mart. bahnhof) moderne Vorderwohnungen Bertauf Sonnabend und Sonntag. 2 und 3 Zimmer von 324 und 450 Bersandhaus Germania, Unter den Mart an. Näheres Nieder- SchönLinden 21. Keine Filialen. 15088* haufen, Körnerstraße 34. Berantwortlicher Bedakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Zh. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u Berlagsanstalt Baul Singe:& Co., Berlin SW 2 Detacheure verlangt Gebrüder Gürtelfabrik A. Nitke obftr. 38 und 39, Bau Tschöpke. 130/ 5* Altenbergs Färberei, Weißensee. Haynau in Schleffen. Neue Santstr. 1, 2 und 3 sowie der Bau Lange. Reinickendorf: P. Gurfch, Provinzstr. 108. |lr. 146. 23. Jahrgang. 2. KilM des.Amiirls" Kerlim UslIrsbIM. MitttMch. 27. Inn! 1908. Partei- Ungelegenkeiten. Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereius Nieder-Barnim am Sonnabend, den 3V. Juni, abends 8 Uhr, in Nummelsburg im Restaurant Weigelt, Türrschmidlstraße 49. Tages-Ordnung: t. Bericht des Kreisvorstandes. a) Abrechnung des Vorsitzenden. d) Abrechnung des Kassierers. o) Bericht über die Agitation im Kreise. 2. Ersatzwahl für einen ausgeschiedenen Beisitzer des Kreis- vorstandes. 8. Anträge: a) für den Kreis. b) für die Generalversammlung Groß-Berlins. I. A.: Georg Freiwaldt, Pankow. Zur Lokalliste. Auf wiederholte Anfragen teilen wir mit, daß das Lokal„Waldpark". Inhaber Michelmann, Hubertusbader- und FranzenSbaderstraße, zu Schmargendorf gehört und nicht, wie irrtümlich angenommen wird, zu Grunewald. Herr Michelmann stellt uns sein Lokal nicht zur Verfügung und ist genannter Herr den Mitgliedern unserer Lokalkommission ganz besonders unhöflich entgegengetreten. Die organisierten Kutscher eriuchen wir besonders, die im selben Hause befindliche Kutscherkneipe besonders streng zu meiden. Das nächste freie Lokal ist ,C a f ü Pein", Hubertusbaderstr. 8, gegenüber der Kutscherkneipe. Die Lokalkommission. Wcißcnscr. Heute abend 8'/z Uhr: Oeffentliche Kommnnal- wähler-Versammlung im Lokal des Herrn Tzschentschler, LanghanS- straße 108. Auf der Tagesordnung steht u. a. Aufstellung eines Kandidaten. Zahlreiche Beteiligung der Genossen ist daher not- wendig._ Berliner IHacforlcfoten. Zum Achtuhrladeuschluß. Die Mitteilung des Polizeipräsidenten, daß der vor Jahresfrist gestellte Antrag auf Einführung des Achtuhrladen- schlusses für alle im Landespolizeibezirk Berlin(einschließlich Charlottenburg, Schöneberg, Rixdorf) gelegenen offenen Ver- kaufsstellen von einem Drsttel aller beteiligten Geschäfts- inhaber unterstützt worden ist. hat die Gegner dieser ver- ständigen Maßnahme sofort wieder auf'den Plan gerufen, und es werden alle alten Argumente wieder hervorgeholt, um gegen den Achtuhrschluß Stimmung zu machen. Nach dem Gesetz muß über die Einführung des Achtuhr ladenschlusses eine Abstimmung der beteiligten Ladeninhaber herbeigeführt werden; diese Abstimmung, welche mündlich oder schriftlich beim königlichen Polizeidirektor Maurer zu erfolgen 5ar, wird nunmehr in der Zeit vom 25. Juni bis zum 4. Juli vor sich gehen. Ergibt diese Abstimmung eine Zweidrittelmehrheit für die Neuerung, so wird der Achtuhr ladenschlutz zwangsweise für alle in Betracht kommenden offenen Verkaufsstellen eingeführt werden. Bei dieser Ab stimmung kommt es aber nicht darauf an. daß zwei Drittel aller in Betracht kommenden Geschäftsinhaber sich für die Verkürzung der Verkaufszeit aussprechen, sondern nur zwei Drittel derjenigen, welche sich an der Abstimmung beteiligen, In Rücksicht auf die eben begonnene Abstimmung erhalten wir vom Ausschuß der vereinigten Ladeninhaber und Gchülfen zur Herbeiführung eines einheitlichen Achtuhrladenschlusses folgende Mitteilung: „Die Abstimmung über die Einführung des Achtuhrladen schlusseS in Berlin, Charlottenburg, Schöneberg, Rixdorf mit Aus nähme des Sonnabends und unter Ausschluß der Lebensmittel- Kolonialwaren-, Drogen-, Seifen-, Zigarrenhandlungen kann gemäß der Anordnung des Polizeipräsidiums auch schriftlich er- folgen. Der hiesige Laoenschlußausschuß, dem neben Gehülfen auch Ladeninhaber der verschiedensten Geschäftszweige angehören, hat Absttmmungskartcn mit einem Anschreiben an die in Betracht kommenden Geschäftsinhaber versandt. ES dürfte sich empfehlen. die in dem Anschreiben gegebenen Weisungen zu befolgen imd die Karten nicht direkt abzusenden, sondern zu warten, bis sie von Bevollmächtigten deS Ausschusses abgeholt werden. Personen, die keine Auswciskarte des.Ausschusses der vereinigten Laden- inhaber und Gehülfen zur Herbeiführung eines einheitlichen Achtuhrladenschlufseö" vorzeigen, übergebe man die Abstimmungskarte nicht. Der Verein Berliner Schuhwarcnhändler hat sich in der in der vorigen Woche abgehaltenen, zahlreich besuchten Mitglieder- Versammlung einstimmig für den Achtuhrladenschluß ausgesprochen, die Vereine der Eisenwaren- und Goldwarenhändler haben vor einiger Zeit einen gleichen Beschluß gefaßt. Das Bureau des Ausschusses befindet sich Breitestr. 22." Zu dieser Angelegenheit geht uns aus Kreisen der An gestellten eine Zuschrift zu. die wir im Jntereffe der Agitation für den Achtuhrladenschluß veröffentlichen. In dem Schreiben heißt es: Die Angestellten rufen das kaufende Publikum zu Hülfe! Wiederum ist die Möglichkeit für uns Angestellte kleinerer und größerer Ladengeschäfte, unsere dreizehnstündige Arbeitszeit um eine Stunde verkürzt zu erhalten, in greifbare Nähe gerückt. Der Herr Polizeipräsident macht bekannt, daß die Herren Geschäfts- inhaber sich bis zum 14. Juli er. schriftlich oder mündlich erklären sollen, ob sie für oder gegen den Achtuhrladenschluß sind, um bei Zweidrittel-Majoruät dafür, denselben gesetzlich einzuführen. Nun wissen wir. daß eine ganze Anzahl von Geschäftsinhabern und nicht zuletzt solche. welche wenig oder gar kein Personal beschästigen, sich arund- sätzlich ge�e» den Achtuhrladenschluß erklärt haben. Diese Herren führen lerder nicht mit Unrecht an, daß gerade in der letzten Stunde, von 8 bis 9 Uhr abends sich das Hauptgeschäft abwickelt und ist dies eine tatsächlich immer wieder beobachtete Erscheiming. Besonders deutlich tritt dieS in der Zeit vor Weihnachten, in der bekanntlich die Geschäfte bis 10 Uhr geöffnet sind, zutage. Während sonst der Gang des Geschäftes zwischen 8 und 9 Uhr am lebhaftesten war. war dann der Andrang zwischen 9 und 10 Uhr am größten. Es wird dadurch doch immer wieder auf das schärfste klargelegt, daß das kaufende Publikum, sei es aus Bequemlichkeit oder aus irgend einem andern Grunde, immer erst kurz vor Schluß der Verkaufs- zeit in Scharen in den Laden strömt und ost noch über die vor- geschriebene Zeit hinaus den Inhaber oder seine Vertreter ver- leitet, gegen daS Gesetz zu verstoßen, indem ihnen noch nach der vorgeschriebenen Zeit Ware verkaust wird. Darum richten wir nunmehr an daS kaufende Publikum die Bitte, sich so einzurichten, daß die Einkäufe bis 8 Uhr abends er- ledigt find. Zeigen Sie dadurch, daß eine zwölfftündige Kauf- gelegcnheit vollständig ausreicht I Zwingen Sie dadurch den noch schwankenden Geschäftsinhaber feine Stimme zugunsten des Acht- uhrladenschlusses abzugeben und viele Tanscnde weiblicher wie mäunlicher Angestellter werden Ihnen Dank wtsien! Wir leben in einer Zeit, in der durch Zusammenschluß großer Massen und durch gemeinsames entschlossenes Vorgehen gewaltige tÄ.. aufgehoben. Resultate erzielt werden. Seien Sie sich daher einig in dem Bestreben, den Ladenangestellten den Dienst zu erleichtern, geben Sie Verwandten und Bekannten die Parole aus: „Kauft nichts mehr uach 8 Uhr abends!" Hoffen wir, daß die diesmalige Bewegung zugunsten des Achtuhrladenschlusses in Berlin den Erfolg hat, den sie in einer ganzen Reihe Städten schon erzielt hat und daß endlich auch die Handelsangestellten eine Verkürzung ihrer ohnehin langen Arbeitszeit erreichen. Arbeitgeber und Fortbildungsschule. Ueber den Widerstand. der der Pflichtfortbildungsschule noch immer durch das „ehrsame Handwerk" bereitet wird, hatten wir kürzlich berichtet. Wir teilten mit, daß von den Innungen alles, was sie gegen die Pflicht fortbildungsschule auf dem Herzen haben, in einem Bericht der Hand werkskamnier niedergelegt worden ist und daß in einer außerordent- lichen Versammlung des Jnnungsausschusses die Handwerksmeister auch in mündlicher Aussprache den Vertretern der Fortbildungsschule deputation des Magistrats sowie den Direktoren der Pflichtfortbil- dungsschulen den Umstand klar gemacht haben. Ihr hauptsächlichster Wunsch ist, daß der Unterricht mindestens bis 8 Uhr abends dauern darf und für die meisten Berufe nicht vor 5 Uhr nachmittags zu beginnen braucht. Da ist eS nun interessant, zu sehen, wie weit diese Wünsche schon in dem laufenden Sommerhalbjahr berücksichtigt werden. Die Fortbildungsschuldeputation veröffentlicht jetzt die Stundenpläne der Pflichtfortbildungsschulen für dieses Halbjahr. Man ist überrascht von der Häufigkeit der Fälle, in denen der Unterricht so gedacht ist, daß er erst 8 Uhr abends endet. Bei den Bauhandlverkern dauert der Unterricht in der Mehrzahl der Fälle von ö bis 8 Uhr, in der Minderzahl von 4 bis 7 Uhr; bei den Metall arbeitern liegen die Verhältniste ganz ähnlich; für die Gruppe Ge werbliche Arbeiter wird fast nur von 6 bis 8 Uhr unterrichtet; und so weiter. Die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung hatte bei der Beratung des Ortsstatuts für die Pflichtfortbildungsschnle dem Anttage der sozialdemokratischen Fraktion, daß der Unter- richt spätestens um 7 Uhr abends enden müsse, ihre Zussimmung versagt. Sie hatte sich aber dahin ausgesprochen, daß die Ausdehnung bis 8 Uhr abends nur eine Ausnahme sein dürfe. Was aber erleben wir jetzt? Die biederen Handwerks meister, die ihre Lehrlinge„nicht entbehren können", haben kaum noch Grund, sich über die Fortbildungschuldeputation zu beklagen. Sie hat schon jetzt so viel für sie getan, daß ihr zu tun fast nichts mehr übrig bleibt. Wie lange wirds noch dauern, dann wird der Unterrichtsschluß um 8 Uhr abends nicht eine„Ausnahme" sondern die Regel bilden. So wird die Pflichtfortbildungsschule rück wärts„re formiert". Diese Beeinträchtigung der Lehrlinge zugunsten der Arbeitgeber wäre sehr viel wcmger leicht möglich gewesen, wenn durch das Ortsstatut selber, wie die sozialdemokratische Fraktion das vorschlug, der Untcrrichtsschluß auf 7 Uhr abends festgesetzt worden wäre. Die freisinnige Mehrheit der Stadtverordneten wußte, warum sie dem nicht zustimnien durfte. Sie ließ eine Hintertür offen, die zum Notausgang für die Arbeitgeber jener Berufe wurde, in denen die Lehrlinge bis 5 oder gar 6 Uhr abends„ganz und uneut behrlich" find. Und über diese Hintertür hängte man den Vorhang der„wohlwollenden" Erklärung, daß eS sich nur um eine„Aus- nähme" handeln solle.___ Die neue Portotaxe. ab w erden,'wie wir bereits mitgeteilt haben, die �.PachbUMsttlkehr bestehenden Ausnahme I«IV Drucksache». Geschäftspapicre und Warenproben diesen, Zeitpunkt ab sind die bezeichneten Ver sendungSgegenstände deS Orts- und Nachbarortsverkehrs nach der Ferntaxe zu flankieren. Nur der Brief bis zu 250 Gramm kostet im Orts- und Nachbarortsverkehr frankiert 5 Pf., unfrankiert 10 Pf. Der besseren Orientierung wegen fügen wir hier im Zusammen- hange die vom 1. Juli ab geltenden Portosätze an. Die Taxe beträgt: a) bei Po st karten im Frankierungöfalle 5 Pf. für die einfache Postkarte oder für jeden der beiden Teile der Postkarte mit Antlvort, im NichtfrankierungS- falle das Doppelte; d) bei Drucksachen biS 50 Gramm einschließlich... S Pf., 50, 100,„... S„ 100„ 250„„... 10, , 250„ 500„„... 20„ , 500 Gramm bis 1 Kilogramm einschließlich 30„ c) bei Geschäftspapieren bis 250 Gramm einschließlich.. über 250„ 500.„.. 500 Gramm bis 1 Kilogramm einschließlich. d) bei Warenproben biS 250 Gramm einschließlich.. über 250„ 350„ e) bei Vereinigung von Drucksachen, Geschäfts- papieren und Warenproben bis 250 Gramm einschließlich... 10 Pf., über 250.. 500 ,.„... 20„ , 500 Gramm bis 1 Kilogramm einschließlich 30, Im weiteren wird vom 1. Juli ab die Gebühr für außer- gewöhnliche Zeitungsbcilagen für je 25 Gramm jedes einzelnen Beilageexcmplars von 1U aus'/z Pf- erhöht. Die blauen Postkarten können unter Aufkleben von Freimarken zu 3 Pf. weiter verwendet werden. Gegen die Auflösung der 42. Gemcindeschule hat eine Gruppe von Bewohnern des Südostens ein Gesuch an die Stadt- verordnetenversammlung gerichtet. Die 42. Schule liegt in der Nauntmstraße und ist von der Schuldeputation zur Auflösung be- stimmt worden, nachdem die Absicht einer Auflösung der am Lausitzer- platz gelegenen 4g. Schule an dem Widerstand der Eltern gescheitert war. Bei der 40. Schule sollte zunächst nur die Aufnahmeklaste be- seitigt werden, und die anderen Klassen sollten dann eine nach der anderen gleichfalls herankommen. Bei der 42. Schule hat man es vorgezogen, von vornherein einen anderen Weg einzuschlagen.Man hat hier kürzeren Prozeß gemacht und diese Schule sofort auf die Hälfte ver- k l e i n e r t, so daß sie bereits jetzt nur noch einen traurigen Ueberrest darstellt. Im Winterhalbjahr bestand sie aus 15 Klassen mit mehr als 700 Schülern, jetzt im Sommerhalbjahr hat sie nur noch 8 Klassen niit weniger als 400 Schülern. Genommen hat man ihr nicht nur eine der beiden achten Klassen, um die Zu- sührung neuer Schulrekruten zu hindern. Auch eine der beiden vierten Klassen, beide drttte Klassen, beide zweite und die erste sind sofort beseitigt worden. Wo sind die Kinder geblieben. die in diesen mittleren und oberen Klaffen saßen? Natürlich sind sie anderen Schulen zugewiesen worden, damit deren Räume „besser gefüllt" würden. Gemeindeschulkinder haben ja bekanntlich kein Anrecht darauf, bei der Schule zu bleiben, zu der sie bisher gehörten. Dieses Recht kommt nur den„höheren" Schülem und Schülerinnen zu, den Kindern der Besitzenden. Die Kinder der Besitzlosen, denen nur die Gemeindeschnle offen steht. müssen sich hin und her schubsen lassen und werden bald in diese, bald in jene Schule hineingesteckt— etwa wie man das Vieh bald in dielen, bald in jenen Stall pfercht. Wir finden, daß die Eltern, die von der bevorstehenden Auflöstmg der 42. Schule betroffen werden, sich eigentlich ein bißchen spät zum Widerstand aufgerafft haben. Im„Vorwärts" über 10 Pf.. 20. 30„ 10 Pf.. 20„ war bereits Ende März mitgeteilt worden, was dieser Schule bevor- steht. Die Stadwerordnetenversammlung hat nun in ihrer letzten Sitzung das Gesuch dem Magistrat zur Verfügung überwiesen. Was wird der Magistrat„verfügen"? Wird er dafür sorgen, daß schleunigst auch die andere Hälfte der Schule beseitigt wird? Lesesaal der Stadtbibliothck. In den provisorischen Räumen der Berliner Stadtbibliothek, Zimmerstr. 90/91, soll nach einem Beschlutz, den das Kuratorium für die Stadtbibliothek in seiner gestrigen Sitzung gefaßt hat, am 1. Oktober 1907 ein Lesesaal und eine B ü ch e r a u s g a b e für die gesamte Bürgerschaft eingerichtet werden. Beide Neueinrichtungen, die dankbar zu begrüßen sind, sollen von 9 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends ununterbrochen ge- öffnet sein. Um einen Zusammenstoß zn vermeiden, Hai sich der Straßen- bahnfahrer Eggert, welcher auf dem Bahnhof X der Großen Berliner Straßenbahn angestellt ist, erhebliche Verletzungen zugezogen. Er fuhr gestern einen Motorwagen der Linie 24(Nettelbeckplatz-Groß- Görschenstraße), als in der Potsdamerstraße nahe der Lützowstratze eine Droschke unmittelbar vor dem Straßenbahnwaggon auf die Schienen bog. Um einen Zusammenstoß zu verhindern, war Eggert genötigt, die Gefahrbremse in Anwendung zu bringen und dies geschah in so energischer Weise, daß der Zug auf kaum drei Meter Entfernung zum Stehen kam. Allerdings wurden die Fahrgäste zum Teil von ihren Plätzen geschleudert und auch Eggert flog mit der Brust gegen die vordere Plattformwand. Trotzdem der Wagen- führer sofort heftige Schmerzen empfand, führte er den Straßen- bahnzug noch bis zur Endstation und begab sich von dort aus zu einem Arzt, welcher feststellte, daß E. eine Rippenquetschung er- litten hatte. Der Verletzte mußte sofort nach seiner Wohnung gebracht werden. � Ein neues Verfahren zur Ermittelung von Dieben bringt eine hiesige Speditionsfirma zur Anwendung, der kürzlich ein Wagen mit 24 Kollis im Gesamtwerte von 20 000 M. gestohlen worden war. Der Wagen wurde schon nach anderthalb Stunden ohne Ladung am Weidenweg aufgefunden. Die bestohlene Speditions- firma läßt nun den betreffenden Wagen, an welchem große rote Plakate befestigt sind, durch die Straßen Berlins fahren. Auf den Plakaten ist die Mitteilung von dem Diebstahl und die Zusicherung einer bedeutenden Belohnung für den Ermittler der Diebe ent- halten. Vor allen Kaschemmen hält das eigenartige Fuhtwerk an, um den in diesen Lokalen verkehrenden Verbrechern Kenntnis von der ausgesetzten Belohnung zu geben. Diebstähle während eines GroßfencrS. Ueberraschende Ent- deckungen hat die Tegeler Polizeibehörde gelegentlich des Groß- feuers im Strandschlosse in Tegel gemacht. Bei Ausbruch des Brandes waren mehrere Bewohner des Strandschlosses nicht an- wesend, und diese Gelegenheit haben dreiste Diebesgesellen dazu benützt, um die Zimmer aufzubrechen und Wertgegenstände daraus zu rauben. Obwohl die betreffenden Behausungen gar nicht in Feuersgefahr schivebten, sprengten die Verbrecher, welche sich den Anschein freiwilliger Feuerwehrleute gaben, die Türen. In einem Falle hat der Dieb die entwendeten wertvollen Schmucksachen auf der Treppe verloren. Infolge der großen Aufregung, welche durch daS Großfeuer hervorgerufen wurde, gelang es den Räubern, un- beachtet mit ihrer Beute zu entschlüpfen. Auch am Tage nach dem Brande wurde das Strandschloß noch von einer Reihe von Dieben heimgesucht. Das rätselhafte Verschwinden eines Rentiers beschäftigt die Polizeibehörde in den östlichen Vororten. Der in der Villenkolonie Hohenbinde bei Erkner wohnhafte 76jährige Rentier Posselt hatte vor wenigen Tagen einen kurzen Spaziergang nach dem nahen Walde unternommen und ist bisher zu seinen Angehörigen noch nicht zurückgekehrt. Es wird angenommen, daß der Greis einem Unfall oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Eine Ab- suchung des Forstes durch Polizeibeamte und zahlreiche Schüler war erfolglos. Der Verschwundene ist von großer hagerer Figur und trägt graumelierten Vollbart. Durch eine stürzende Ausladebriicke zum Krüppel geworden. In der Tresorbaufabrit von Ade in der Demminerstr. 7 hat sich am Montagnachmittag ein bedauerlicher Unglücksfall ereignet. Auf dem Fabrikhofe waren Arbeiter mit dem Aufladen von Geld- schränken beschäftigt und hatten dazu eine Ladebrücke aufgestellt. Die Brücke stand zu dicht an der EingangStür, und als der 10jährige Lehrling Willi Kaiser aus der Anklamerstraße 33 auf den Hof hinaustreten wollte, versuchte er das Bauwerk etwas fort- zuschieben. Die Brücke stürzte jedoch ein und K. wurde darunter begraben. Schwer verletzt mußte er in das Lazarus-Krankcnhaus gebracht werden. U. a. war ihm der rechte Unterschenkel mehreremal gebrochen worden. Mcnschenschutz. Zu unserer gestrigen Notiz unter vorstehender Spitzmarke ist zu berichtigen, daß der Laufbursche der Firma Klippel den Schaukasten nicht nach der Jüdenstraße, wie infolge eines Druck- fehlerS zu lesen war, sondern nach der Junker st raße tragen sollte. I» seiner Wohnung erhängt vorgefunden wurde gestern der Vor« arbeiter Boris in der Memelerstr. 74/75. B. war 34 Jahre am Schlesischen Bahnhof beschäftigt und vor kurzem Knall und Fall entlassen worden. Seit Sonntag wurde er vermißt, bis er gestern ani Türpfosten seiner Wohnung tot vorgefunden wurde. Aus dem Feuster des vierten Stockwerkes gesprungen ist gestern die 24 jährige Eheflau des Bäckermeisters Jahnke, Fehrbelliner- straßc 35. Die junge Frau hatte einen Ehczwist mit ihrem Mann gehabt und geriet in cme derarttge Aufregung, daß sie plötzlich an daS Fenster sprang, die Flügel aufliß und sich mit einein Aufschrei in die Tiefe hinabstürzte. Der Ehemann war noch schnell hinzu- gesprungen, um seine Frau vom Fensterbrett zurückzureißen, aber es war bereits zu spät. In bewußtlosem Zustand» wurde die Unglückliche nach der Rettungswache in der Kasianirm-Llllee gebracht, Ivo der Arzt schwere innere und äußere Verletzungen feststellte. Frau I. wurde in daS LazaruS-Krankenhaus gebracht, starb jedoch bereits auf dem Transport dorthin. Em größerer Dachstuhlbrand kam am Dienstag nachmittag in der G a r t e n st r. 39 zum Ausbruch. Das Feuer entstand auf dem Boden deS Hanfes und wurde erst bemerkt, als gegen 4 Uhr plötzlich Flammen durch das Dach schlugen. Bei Ankunft der Wehr brannte dann schon ein erheblicher Teil des Dachstuhles mit seinen Bodenkammern. Es mußte fast eine Stunde mit zwei Schlauchleitungen Waffer gegeben werden, un, die Gefahr zu beseitigen. Ueber die Entstehungsurfache des Feuers ist noch nichts ermittelt. Der Verband der Brauereiarbeiter ersucht uns um Aufnahme folgender Notiz: Das Mitgliedsbuch des Zentralverbandes deutscher Brauereiarbeiter Nr. 33 707, auf den Namen Paul Fellenbcrg lautend, ist dem Inhaber gestohlen worden. Es wird gebeten, das Buch event. anzuhalten und der Ortsverwaltung Berlin I des BrauereiacbcttervertandeS. Linicnstr, 191 Nachricht zukommen zip lassen. Am 105. Bcobachtiingsabend des„Vereins von Freunden der Treptoiv-Sternwarte E. V." Mittwoch, den 27. Juni, abends 8% Uhr spricht Direktor F. S- Archenhold über„Die Er- cberung des Kosmos". Zur Vorlegung gelangt eine interessante Prismensammlung aus dem Nachlasse von Tornow-Frankfurt a. M., die vom Haupt- mann KrimSki der Treptow-Sierittvarte geschenkt worden ist. Die Gedichte und Autogramme, welche von Herrn Johannes Trojan. Gerhard Hauptmann. Fräulein Drstinn. Fräulein Gerald! ne Farrar, Iran Lilli Lehmann, Herrn Dr. Ludwig Fulda eh";tv.ct sind, wie auch die Spenden« welche von ersten FiMcu = Vermischtes. geftiftet sind, werden besichtigt, und das Festprogramm für die insgesamt auf 25 000 2. Belaufen, erstattet. Durch Gemeindes Behn Jahresfeier der Treptow- Sternwarte, die am Sonn- beschluß vom Jahre 1904 ist die Fortbildungsschulpflicht mit der abend, den 30. Juni, stattfindet, bekannt gegeben. Mit dem großen Maßgabe eingeführt, daß zunächst die in Charlottenburg wohnhaften Explosion in der Kaserne. Fernrohr wird beobachtet: Mond von 9-11 Uhr nachts oder und in Charlottenburger Gewerbebetrieben beschäftigten männlichen Sternhaufen im Herkules von 11-12 Uhr nachts. gelernten Arbeiter verpflichtet sein sollen, die städtische Fortbildungs- dem zur Kaserne des 73. Artillerie- Regiments gehörigen Fahrzeugs Allenstein, 26. Juni. Die Allensteiner Zeitung meldet, daß in Gäste sind willkommen. schule zu besuchen. Maßgebend für diese Einschränkung war der Feuerwehrbericht. In der Nacht zum Dienstag tam im Ver- Umstand, daß damals in Berlin und Schöneberg noch fein Fort- hause gestern gegen Abend aus bisher unaufgeflärter Ursache die waltungsgebäude des städtischen Krankenhauses am Friedrichshain bildungsschulzivang bestand. Man befürchtete daher große Schwierig Explosion mehrerer Artilleriegeschoffe erfolgte. Zwei Artilleristen Feuer aus. Dort brannten um 1 Uhr in der Werztestube Sofa, feiten in der Ausübung des Einschulungs- und Kontrollverfahrens. wurden schwer, ein Unteroffizier und ein von ihm begleiteter Arrestant, Fenster u. a. Die Gefahr konnte zum Glück schnell beseitigt werden. Insbesondere fiel der Umstand ins Gewicht, daß widerstrebende Ar- die an dem Schuppen vorübergingen, leicht verlegt. Zweimal wurde der 20. Zug nach der Roßstraße 33 gerufen, wo beiter, namentlich ungelernte, ihre Stellung, Beschäftigung und ihren Einem hiesigen Blatte wird über das Unglück berichtet: nachmittags um 6 Uhr und nachts um 1 Uhr in einem Keller trolle erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht worden wäre. Diese wittkowski und Böttcher in der Waffenmeisterei der Artilleriefaserne Wohnort oft und schnell hätten wechseln können, wodurch die Kon- Allenstein, 26. Juni. Gestern nachmittag waren die Kanoniere Dienstag früh um 4 Uhr in der Böttcherstraße 19 zu tun, wo durch Bedenken beſtehen gegenwärtig nicht mehr, da Berlin die Fort mit Füllen von Kanonenschlägen beschäftigt. Plöglich erfolgte ein Selbstentzündung von Preßkohlen ein größerer Brand ausbildungsschulpflicht für alle daselbst beschäftigten männlichen Arbeiter gefommen war. Auch in der Gr. Frankfurterstraße 142 mußte ein eingeführt hat und Schöneberg im Begriff steht, diesem Beispiel zu weit über die Stadt in die Umgebung hinaus wahrnehmbarer Knall. gefährlicher Brand, der in einem Keller entstanden war, gelöscht folgen. Falls die Verhandlungen mit den Staatsbehörden über den Ein beiseite gelegter gefüllter Kanonenschlag war explodiert. Die werden. Späne und Hausrat brannten dort in Verschlägen unter Staatszufchuß nicht einen weiteren Aufschub notwendig machen, soll genannten Kanoniere erlitten an Kopf, Gesicht und Händen Vergroßer Qualmentwidelung. Ferner hatte der 20. Zug längere Zeit die Neuerung bereits am 1. Oktober dieses Jahres in Charlottenburg legungen und mußten sofort aus der Waffenmeisterei in die Kasernen in der Mollersgasse 3 mit der Löschung eines Kohlenbrandes zu in Kraft treten. Von der Ausdehnung des Fortbildungsschulzwanges stuben getragen werden. Durch den infolge der Explosion hervortun. Weitere Preßtohlenbrände beschäftigten die Wehr in der auf die weibliche Jugend will der Magistrat leider auch jezt noch gerufenen Luftdruck wurden die Fenster der Waffenmeisterei zerRathenowerstraße 21, Utrechterstraße 9 und auf mehreren Bahn- Abstand nehmen. höfen. Der 16. Bug wurde nach der Sauerstoffabrik in der Groß- Lichterfelde. Tegelerstraße 15 gerufen, wo Wasser in den Gasometer der Anstalt eingedrungen war, das ausgepumpt werden mußte. Salzsäure mußte vom 1. Zug in der Neuen Königstraße 71 entfernt werden und Bienen in der Fürstenwalderstraße 17. Petroleum und Möbel brannten Wadzedstraße 20, Kleider und Möbel in der Schönleinstraße 12, Sträucher in der Schönhauser Allee 141. Einer Feuermeldung nach der Ede der Bärwald- und Wilmsstraße lag anScheinend ein Unfug zugrunde. Der Feuermann Brümmer Löschte gestern, während er dienstfrei war, mit Unterstützung von Hausbewohnern noch vor Eintreffen der Wehr einen Kellerbrand in der Hahnauerstraße 9, Stroh, Körbe u. a. waren dort in Brand geraten. Außerdem wurde die Feuerwehr nach der Rostockerstraße 15 u. a. Stellen gerufen. Schöneberg. Vorort- Nachrichten. Jm Teltowkanal ertrunken ist gestern in der Nähe der Armenhaus brücke bei Groß- Lichterfelde der achtjährige Sohn des Schuhmachermeisters Schelter aus der Schillerstraße in Groß- Lichterfelde. Der Kleine hatte mit einem anderen Knaben am Teltowkanal gespielt und später auch gebadet. Sch. wagte fich zu weit in den Kanal hinaus und mußte diese Unvorsichtigkeit mit dem Tode büßen. Er konnte nicht mehr zurüdwaten und ertrant, ehe Hülfe hinzukam. Die Leiche wurde bald darauf gelandet. Lankwiz. trümmert, ebenso diejenigen der unmittelbar danebenstehenden Schmiede, ferner die nach der Straße führende Tür und ein Stück der Wand nach außen geschleudert. Dort ging in dem Augenblick der Explosion der Artillerieunteroffizier Kordowski mit dem Kanonier Röser vorbei. Beide wurden durch die umberfliegenden Stücke ebenfalls am Kopf und Gesicht verletzt. Alle vier Verletzten sind bald. darauf nach dem Kasernenlazarett gebracht worden. Hier erwies sich die Verlegung des Stanoniers Röſer als nicht bedeutend; er wurde daher, nachdem er vom Blut gereinigt war, in das Revier gebracht. Dagegen sind die Verlegungen der übrigen drei schwerer. Welches die Ursache der Explosion sein mag, und wer die Schuld an dem Unfall trägt, dürfte die eingeleitete Untersuchung ergeben. auf dem Lankwizer Bahnhofe eine zirka 30jährige Frau ihrem Leben Auf schreckliche Weise machte gestern in der achten Abendstunde ein Ende. Die dem Arbeiterstande angehörende Frau geberdete sich Ueber ein Dampferunglück wird aus Magdeburg berichtet: auf dem Bahnhofe etwas aufgeregt, was zwar einigen auf den Zug Vor der hiesigen Hauptbrücke ist ein Kettendampfer mit einem wartenden Passagieren auffiel, ohne daß diese weiter davon Notiz Dampfer zusammengestoßen, der 450 Schulkinder mit ihren nahmen. Als der Zug in die Station einlief, schleuderte Lehrern trug. Unter den Passagieren entstand eine Vanit; sie sie blitzschnell Schirm und Handtasche von sich und warf sich selbst fonnten aber alle von den Mannschaften vorbeifahrender Schiffe quer über die Schienen. Die Unglückliche wurde auf diese Weise vom gerettet werden. Der Dampfer konnte ohne Hülfe das Ufer erreichen, Die Stadtverordnetenversammlung erledigte in ihrer letzten elettrischen Strom fofort getötet und ihr Körper doch ist sein Hinterteil gesunken. Sigung, die sich bis nach Mitternacht ausdehnte, den Nachtrags- in Stüde gerissen. Die Lokomotive wurde sofort aus dem etat betreffend die Neutegelung der Besoldungsverhältnisse der Verkehr gezogen und der Staatsantvalt telegraphisch herbeigerufen. städtischen Lehrer und Beamten. Der Etatsausschuß war teilweise Man fand bei der Toten nur ein Zehnpfennigstück, sonst aber nicht noch über die vom Magistrat vorgeschlagenen Erhöhungen hinaus den geringsten Anhalt für den Nachweis der Identität. Selbst die gegangen, andererseits hatte er aber die weitergehenden sozial- Wäsche war nicht gezeichnet. Da ein Selbstmord außer allem demokratischen Anträge um Besserstellung der Gemeindeschullehrer Zweifel steht, so wurde die Leiche nach dem Schauhause gebracht. und der Beamten in den beiden unteren Besoldungsklassen ab- Weißensee. gelehnt. Die von dem Ausschuß abgelehnten Anträge wurden Schwere Gewitter sind im Rhein und Moselgebiete niedergegangen. In Leidenborn traf ein Blizstrahl den Kirchturm, der vollständig abgedeckt wurde. Balkenstücke und schwere Steine wurden umhergeschleudert, der in der Kirche Anwesenden bemächtigte fich eine gewaltige Erregung. In den verschiedensten Orten find Bauernhöfe mit gefüllten Scheunen in Flammen aufgegangen. Bei Baerl wurde eine Ackersfrau durch einen Blitzstrahl getötet. Aus Wien wird unterm 26. Juni telegraphiert: Gestern nachmittag haben schwere Gewitter verbunden mit Wolkenbruch in Steiermark, Ober- und Nieder- Desterreich großen Schaden an Gebäuden und Kulturen angerichtet. Mehrere Personen würden vom Blizz erschlagen. Abgestürzte Touristen. -OO 24 Pfennig Entree. In Weißensee ist bereits eine Vergnügungsin der Bersammlung wieder aufgenommen. Nach den Beschlüſſen ſteuer zur Einführung gelangt, durch welche Eintrittskarten zu Berdes Etatsausschusses wird eine Mehrforderung von 152 000 m. erforderlich sein und es soll diese Summe aus dem Ueberschußfonts gnügungen versteuert werden, wenn der Preis 25 Pfennig und mehr gedeckt werden. Der Kämmerer gab die Erklärung ab, daß die beträgt. Ein hiefiger Verein hielt fürzlich in Schloß Weißenfee sein Finanzlage der Stadt eine günstige fei; nach der bisherigen Weber- Stiftungsfest ab, zu welchem früher ein Entree von 25 Pfennig er ficht tönne hoben wurde. Diesmal wurde jedoch der Eintrittspreis mit Rückman bestimmt damit rechnen, daß die In Zürich, 26. Juni. Der fünfundzwanzigjährige Elektrotechniker des Ueberschußfonds nicht anspruchnahme des ficht auf die Bergnügungssteuer auf 24 Pfennig festgesetzt, wodurch notwendig der Verein an jeder Eintrittskarte 2 Pfennig verdiente. Die Steuer und bekannte Alpinist Marli aus Bern ist auf einer Hochtour vom werde. Im wesentlichen zugestimmt wurde den bom Stockhorn abgestürzt und tot liegen geblieben. Genf, 26. Juni. Ausschuß vorgeschlagenen Säßen für die Lehrpersonen an den höheren beträgt nämlich bei 25 Pfennigbilletts pro Billett 3 Pfennig. Von zwei jungen deutschen Angestellten, die gestern den bei der Schulen. Danach erhalten die Gymnasialdirektoren ein Anfangs- Reinickendorf. Einmündung der Rhone in den Genfer See gelegenen Berg gehalt von 6500 M. und ein Endgehalt von 8000 M., die Direktoren Nicht weniger als drei Explosionen von Spiritusglühlampen er Grammont besteigen wollten, ist einer, Albert Baptist Stramer aus an der Realschule 6000-7500 W., die Oberlehrer 3800-7100 m., eigneten sich am Sonntagabend auf dem Vorortbahnhof Reinicken- Saarbrücken, geboren am 21. Juni 1882, abgestürzt. Eine von Berh die Vorschullehrer 2450-4700 m., die Elementarschullehrer an der dorf- Rosenthal. Der Schalterbeamte Alter, Reinickendorf, Kopen- aus abgegangene Führerkolonne fand abends den Verunglückten als Realschule 2550-4800 M., die akademisch gebildeten Oberlehrerinnen hagenerstr. 71 wohnhaft, erlitt dabei sehr schivere Brandwunden. Leiche am Fuße des Biffeurfelsens gegenüber dem Dörfchen Novelles 3000-4750 M. und die ordentlichen Lehrerinnen 2250-3600 M. Obgleich bis zu dem Reinickendorfer Vorortbahnhof die Reinicken- an einer im Boltsmund Deutschengrab" genannten gefährlichen Für die Lehrpersonen an den Gemeindeschulen waren seitens der sozialdorfer Gasleitung liegt, hat die Eisenbahnverwaltung fich immer Stelle, an der fast alljährlich sich Unglüdsfälle ereignen. Der Ber demokratischen Fraktion und der Liberalen Anträge auf eine weitergehende noch nicht entschließen tönnen, den Bahnhof Reinickendorf- Rosenthal unglüdte war Angestellter des Bürgermeisteramtes Lesplanches bei Erhöhung gestellt worden. Es wurde beschlossen, das Grundgehalt für die mit Gas zu versorgen, sondern die alten Spirituegliglampen in Montreug. Rettoren festzusetzen auf 2450 M., Lehrer 1450 m, wissenschaftliche Gebrauch gelaffen, obgleich die Stallon, von Hermsdorf abgefchen, ben Lehrerinnen 1250 M. und technische Lehrerinnen 1000 M. Gegen größten Verkehr auf der Nordbahn aufweiste am Sonntagabend der Ein Millionär erschossen. Aus ew York wird gedrahtet: die Stimmen der Hausbesitzerfraktion wurde darauf die Miets Schalterbeamte Alter im Dienstraum die Spirituslampe anzünden Im Madison Square Garden- Theater wurde gestern der Architekt entschädigung um je 50 M. über die Vorschläge des Ausschusses wollte, explodierte diese plöglich, und der brennende Spiritus ergoß Stanford White, ein bekannter Millionär, während der Vorstellung hinaus erhöht. Es erhalten somit die Nektoren eine Miets- sich über die Kleidung des Beamten. Alter erlitt auf dem ganzen von dem Millionär Harry Thaw erschossen. Man bringt die entschädigung von 1000 Mt., die Lehrer 750 M. und die Lehrerinnen Körper schwere Brandwunden. Die Ursache der Explosion stand noch Frau Thaws, die früher ein ihrer Schönheit wegen berühmtes Modell 550 M. Für die sonstigen städtischen Beamten hatte der Ausschuß nicht fest, sie kann aber nur in dem veralteten Lampensystem liegen, war, zu dem Vorgang in Beziehung. folgende Säße vorgeschlagen: Kasse Ia: 5000 bis 6500 M., Klasse I: denn am selben Abend find am Ende des Bahnhofes noch zwei 3900 bis 5700 m., Staffe II: 2700 bis 5000 M., Klasse III: 2300 weitere Spiritusglühlampen explodiert. Auch der Bahnsteig der bis 4200 M., Klaffe IV: 1900 bis 2950 M. und Klasse V: 1800 bis Station Reinickendorf- Rosenthal ist mit denselben Lampen versehen. 2600 M. Das Anfangsgehalt in Selasse III wurde jedoch wäre eine der dort stehenden Glühlampen explodiert, so hätte, weil auf 2400 Mark erhöht. Zu Klasse IV und V beantragten der Bahnsteig gewöhnlich von Hunderten von Menschen besegt ist, die Sozialdemokraten ein gleichmäßiges Anfangsgehalt von 2000. das größte Unglück geschehen können. Die Versammlung stimmte mit einer fehr geringen Majorität für Klaffe IV dem sozialdemokratischen Antrage zu, lehnte denselben aber für Klasse V ab. Für die Beamten der letzteren Klasse wurden fodann 1850 M. bewilligt. Die Versammlung erklärte sich mit einem Antrage einverstanden, nach welchem der Magistrat diese Er kann also an derselben keine Aenderungen vornehmen, sondern gesamte Besoldungsordnung als eine einheitliche zu betrachten habe. muß, wenn er dies will, die ganze Vorlage zurückveriveisen. Bei den Kanalisationsausschachtungen an der Oranienburger Chaussee, die von der Firma Seydlipz u. Bachert in Rigdorf ausgeführt werden, ist heute ein bedauerlicher Unfall passiert. Wie uns berichtet wird, soll die Ausschachtung entgegen den gesetzlichen Bemassen wurden zwei Arbeiter verschüttet, von denen einer erhebliche Stimmungen nicht abgesteift sein. Durch zusammenstürzende ErdVerlegungen erlitt. Nach Beendigung der zweiten Beratung erhoben mehrere Stadt Mühlenbeck( Bez. Nieder- Schönhausen). verordnete der Hausbesizerfraftion, die schon durch die angenommenen Erhöhungen in Aufregung geraten waren, Widerspruch gegen die Der Wahlverein hielt am legten Sonntag seine regelmäßige sofort vorzunehmende dritte Beratung. Der Vorsteher glaubte nach Mitgliederversammlung bei Baersch ab. Nachdem auf die Wichtigder Geschäftsordnung diesen Widerspruch unterstüßen zu müssen, feit der Kreisfonferenz hingewiesen, wurde der Genosse Albert Beez Ueber die Lokalfrage entspann sich eine wurde aber von mehreren Mitgliedern überführt, daß in der Ge- als Delegierter gewählt. schäftsordnung gerade das Gegenteil von seiner Auffassung steht. lange Debatte, weil einzelne Genossen sich nicht scheuen, in geFolgende Resolution wurde ein In der dritten Beratung stimmte dann die Versammlung den fest- sperrten Lokalen zu verkehren. gelegten Sägen zweiter Lesung mit unwesentlichen Aenderungen zu. ftimmig angenommen: Die heutige Wahlvereinsversammlung verEin dringlicher Antrag des Magistrats, für den Bau des urteilt ganz energisch die Handlungsweise einzelner Genossen, die die Theaters auf dem Platz Y eine Anleihe in der Höhe von 1090 000 m. Lokalsperre durchbrechen, ste verpflichten sich, sich streng nach der Lokalzu 33/4 Proz. aus der städtischen Sparkasse zu entnehmen, wurde liste zu richten und dafür Sorge zu tragen, daß auch in Mühlenbeck angenommen mit dem Ersuchen, dem Platz möglichst bald einen in der Lokalfrage bessere Verhältnisse geschaffen werden. Namen beizulegen. Eberswalde. Verfammlungen. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen- Direktion. Rindfleisch Ia 65-68 pr. 100 Bfund, a 58-64, la 53-56, IVa 46-51, engl. Bullen- 0,00, dan. Bullen, 55-58 holl. Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 100-110, Ia 80-85, IIa 70-75, IIIa 57-68. Hammelfleisch Ia 73-76, IIa 62-70. Schweinefleisch 61-67. Staninchen per Stüd 0,00. Hübner, alte, Stüd 1,60-2,00, junge, per Stüd 0,40-0,90. Tauben, junge 0,32-0,35, alte Enten, prima, per Stüd 2,00, Hamburger, junge, per Stüd 0,20. 2,50-3,10. Ganse, junge, per Bfb. 0,55-0,65, per Stüd 2,75 bis p. Schod 3,00-6,50. Stieler, Stiege Ia 4-6, do. mittel per stifte 2-4, 4,25. echte 90-105. Schleie 63-71. Bleie 00,00. Aale, groß 125-130, mittel 105-109, flein 0,00, uns. 75-95. Plögen 0,00. Flundern, pomm. I, do. flein, per Rifte 0,00. Büdlinge, engl. per Wall 4-4,50. Stieler 2,00-5,00, Stralsunder 4-5. Aale, groß b. Bfd. 1,10-1,30, mittel 0,80-1,00, fl. 0,50 bis 0,60. Sprotten, Kieler, 2 Ball 0,00, Elb- per Siste 0,00. Sardellen, 1902er, per Anfer 85,00, 1904er 85,00, 1905er 80,00. Schottische Bollheringe 1905 0,00, large 40-44, full. 36-38, med. 35-42, deutsche 37-44. Heringe, neue Matjes, per To. 60-120. Summern, IIa, 100 Bfb. 95,00 bis 100. Krebse, per Schod, große 0,00, mittel 13,50, fleine 4,00-5,00 unfortiert 6,00-9,50. Eier, Land-, per Schod 3,30, frijdje 3,20-3,30. Butter per 100 Bfund, Ia 109-112, IIa 103-106, IIIa 100-103, ab, fallende 95-100. Saure Gurken, Schod 4,00-4,25, Bieffergurten 4-4,50 ,. Startoffeln per 100 Bfd. magn. bon. 2,25-2,40, rote Dabersche 2,10-2,25, runde weiße 1,80-2,10, Malta 0,00, Sommer- Malta 10,00-11,50, ital. 4,50-6,50, ung. 3,50-4,50. Neue, hiesige per 100 Pfund 4,50-5,50. Spinat, per 100 Pfund 5,00-8,00. Karotten per Schod 2,00 bis 2,50. Kohlrabi, per Schod 0,75-1,25. Rettig, bahr., per Schod 2,40-4,80. Rhabarber, Hamb., per 100 Bd. 4-4,50. Radieschen, per Schod- Bd..0,60-1,25. Salat, per Schod 0,75-1,25. Spargel I, per Bfb. 0,20-0,30, II 0,10 bis 0,15, III 0,05-0,10, Beeliger I 0,30-0,35, II 0,15-0,25, III 0,08-0,12. Bruchspargel 0,00. Bohnen( grüne), per 100 pfd. 70-100. Schoten, biofige, per 100 Bfb. 14-15. Pfefferlinge per Bfb. 0,35-0,40. Mohrrüben per Schock- Bd. 2,00-2,50. Blumenkohl per Stopf 0,15-0,25. 2irfingfohl per Steinpilze per Bfd. 0,33. Teltower Rüben per Pfd. Wandel 1,50-2,00. 0,22-0,25. Stachelbeeren 100 Bfd. 10-13. Stirschen, ital., 100 Bfd. 10-20, Gubener 12-20, Werdersche 18-30, schlesische 6-14, Natten, Werdersche 25-35. Blaubeeren per Pfd. 0,10-0,14. Erdbeeren, holl. per 100 Bfd. 25-35, franz. per Bfd. 0,00-0,00, Beeliger per Pfd. 0,20-0,34, Werdersche per Bfd. 0,18-0,30, Dresdener Bald per Pfd. 0,50-0,60, Dresd. Garten per 100 Pfd. 30-50, hiesige Wald- per Pfd. 0,25-0,67. Pflaumen, ital. runde, per fd. 0,10-0,11. Bitronen, Messina, 300 Stud 12,00-15,00, 360 Stüd 10,00-12,00, 200 Stüd 7,00-12,00, 420 Stüd, flein 7,00. Weintrauben, Brüffeler, per 100 pjd. 60-100. Am kommenden Freitag findet noch eine außerordentliche Auch der Bachsee bei Eberswalde hat vorgestern ein blühendes Sigung der Stadtverordnetenversammlung statt. Menschenleben gefordert. Die achtzehnjährige Verkäuferin Anna Die Schöneberger Gewerkschaftskommission beschäftigte sich in Manzel aus Friedrichshagen hatte mit einem Konditorgehülfen einen ihrer Sigung vom 22. Juni mit dem städtischen Arbeitsnachweise. Ausflug unternommen und wollte im Bachsee ein erfrischendes Bad Bekanntlich sind durch denselben Arbeitsuchende nach solchen Betrieben nehmen. Kaum war das junge Mädchen im Wasser, so stieß es vermittelt worden, welche der Maifeier wegen ausgesperrt hatten. einen Schrei aus und verschwand in den Fluten. Der Begleiter Genosse Däumig als Deputationsmitglied legte dar, daß den ein- sprang fofort zur Rettung nach, doch erst nach längerer Zeit gelang gereichten Beschwerden sofort entsprochen worden sei, indem Stadtrat es ihm, den Körper der M. zu fassen. Alle Wiederbelebungsversuche Walger die Deputationsmitglieder zu einer Sigung zusammenberufen blieben bei dem jungen Mädchen erfolglos. habe. Redner verwies darauf, daß in der Geschäftsordnung des Zentrals arbeitsnachweises der Passus enthalten sei, wonach der Arbeitsvermittler verpflichtet wird, bei Arbeitsvermittelungen auf etwaige Differenzen aufmerjam zu machen. Der Schöneberger Arbeitsnachweis habe, als dem Zentralarbeitsnachweis angeschlossen, nach diesen Bestimmungen zu Jm Bericht über die Generalversammlung von Teltow- Beeskow Handeln. Redner rügt des weiteren, daß seit fünf Jahren feine muß es in der Wiedergabe der Aeußerungen des Genossen Eisner Sigungen mit der Deputation stattgefunden haben. Es feien aber in zum Vorstandsbericht heißen: Es müßte doch einem erfahrenen diefer Zeit trotzdem Alenderungen in der Geschäftsordnung vor- Genossen mehr Freude machen, in Martgrafpieste 5 Genossen zu Nicht Stallonen genommen worden, auch sei der Nachweis vom Rathause nach der gewinnen, als in Berlin 5000 Genossen zu erhalten." Sauptstraße verlegt worden. Nachdem verschiedene Delegierte ihre unterhalten, wie der Druckfehlerteufel ben Genossen Eisner Mißbilligung hierüber zum Ausdruck gebracht hatten, tourde vom fagen läßt. Obmann noch auf den Boykott der Barbiere und die ausgesperrten Lithographen und Steindrucker, sowie für letztere bestimmten Sammellisten verwiesen. Einzelne Delegierte monierten die späte Ausgabe der Sammellisten. Es fehlte der Vertreter der Töpfer. Charlottenburg. • Witterungsübersicht vom 26. Juni 1906, morgens 8 Uhr. Barometer. stand mm Wind. richtung Bindstärke Beller 4'wollig Temp. n. C. 6° C.= 09. Stationen BarometerBind Windstärke richtung Beller Zemp. n. G. Wo Do? 4 halb bb. 15 15 1 wolfenl 3bedeckt 2 heiter 15 14 17 Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub Heinrich Heine". Stoinemde. 763 23 18 Haparanda 754 S 17 Petersburg 756 NND 765 WS 3 bedeckt 18 Scilly 764 SS Sigung Mittwoch 19 Uhr im Lokal Boze, Rodenbergstraße 8. Tages Damburg 764 BSW 4 bedeckt ordnung: Vorlesung aus Der Zukunftsstaat von J. Stern. Diskussion. Berlin 31voltig 17 Aberdeen Frankf.a.M. 768 SW 756S Gäste haben Zufritt. 768 Still heiter 18 Baris 768 Still wollent Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub„ Sokrates". München 767,23 4 halb bd. 19 Sigung Mittwoch, den 27. Juni bei Biez, Warschauerstraße 61. Tages Bien Wetter- Prognose für Mittwoch, den 27. Juni 1906. Die Fortbildungsschulpflicht soll nunmehr auch in Charlotten ordnung: Vortrag des Genoffen Dr. Babet über„ Die Proletarierkrankheit." burg auf die ungelernten Arbeiter ausgedehnt werden, ferner ist ihre Gäste willkommen. Sunächst ziemlich heiter, etwas wämer bei schwachen südwestlichen Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub„ Eintracht". Ausdehnung auch auf die auswärts wohnhaften gelernten Arbeiter mittwoch, den 27. Juni, abends 8, Uhr, Bersammlung bei Dörrwald, Binden; später wieder zunehmende Bewölkung, etwas Regen und Gewitter. Berliner Wetterbureau. beabsichtigt. Voraussetzung für diese Aenderung des Detsstatuts Stralauer Allee 17E. Bortrag über„ Młoderne Stindererziehung". Referent neigung. liber die Verpflichtung zum Besuch der Voltsschule ist, daß die Nes Genosse Liehr. Diskussion. Berschiedenes. Das Erscheinen der Frauen ist gierung den vierten Teil der hierdurch entstehenden Kosten, die sich notwendig. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inferatenteil verantip.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlaa: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlaasanstalt Baul Singer& Co.. Merlin SW.