Dr. 148. RbonnemtntS'Bedlnguwn: BJomifinfnl«■?>Tri} DtänimttranhoS Sifrtcljfifitl. 3,30 Bit, tnonatl. 1,10!Kt., »»öcheiillich 28 PIg, frei int Haut. Einzelne Numincr 5 PIg, SonnIagS- Nummer mii illuslrierler Tönnings» Beilage.Die Neue Well' 10 Pfa. Post- «bonnemenl: 1,10 SRatl pro Monat, Singctragen in die Post.ZeiwngS. Preisliste. Unier Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn S Marl, für daS übrige Ausland 8 Marl pro Monat, PostabonncmentZ nehmen an: Belgien, Diincinarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, vuntäitien, Schweden und die Schweiz. Otttigt UaiiA US« ciMtosw Vevlinev VolksblÄkk. 33. Jahrg. VIe InlerNsnz-eedilhk belrSgt für die sechtgefpaltene Kolonel» geile oder deren Raum b0 PIg, für politische und gewerlschaslliche Verein?» und Versammlung?. Anzeigen SO Psg. „Kleine ZSnreigen", das erste(sclt- gedrulkte) Wort 20 Pfg„ jede» weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlaf- slellen'vnzcigcn da? erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 8 Psg. Worte über 15 Buchstaben jühlen für zwei Worte. Inserate für die niichsle Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse! „Z»»l»läio«llni BcrllB". Zentralorgan der foziatdemokrati fchen Partei DcutfcMands. Rcdahtfon: SRI. 68, Ltndcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. I»8Z. Freitag, den Ä9. Jnm 1906. Bxpedition: SRI. 68, Lindenstraase 69* Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. VMMche KolonialpolltiR. II. Die Erfolge des Imperialismus. Die aus den blutarmen Javanern herausgepreßten Gelder verwendet das Gouvernement vor allem dazu, seine Herrschaft aufrecht zu erhalten und da�, Kolonialgebiet durch fort- währende Kriege zu vergrößern. Dadurch eröffnet es dem Kapital immer wieder neue Gegenden zur Ausbeutung. Die holländische Kolonialpolitikist wie jede andere eine Politik der Ausdehnung, d. h. des fortwährenden Eroberungskrieges; und wie jeder andere Krieg, in dem nicht das Interesse der Kriegführenden und der öffentlichen Meinung dazu zwingen, gewisse Regeln, wie z. B. die Schonung der Nichtkombattanten und ihres Eigentums inne zu halten, wird auch dieser Krieg mit maßloser Grausamkeit geführt. Ganze Gegenden werden vernichtet, ganze Bevölkerungen ausgerottet. Im Jahre 1814 umfaßte das holländische Kolonialgebiet außer Java nur einige kleine Inseln und Niederlassungen an den Küsten, und heute, wo ein Gebiet Mmal größer als das Mutterland von diesem abhängig ist: ein Gebiet, das zu regieren und zu koloni- sieren die Kräfte Hollands weit übersteigt, ist der Landhunger noch immer nicht gestillt. Als in den letzten Jahrzehnten der Krieg auf Atjeh alle Kräfte in Anspruch nahm, war man zwar gezwungen, sich zu beschränken, kaum aber war man einiger- maßen zu Atem gekommen, als die Militärexpeditionen auf Borneo, Celebes, Sumatra, Neu-Guinea, die schließlich immer auf Ausdehnung des Kolonialgebietes hinauslaufen, wieder von neuem begannen. Nach wie vor verschlingen die AuS- gaben für Krieg und Marine fast ein Drittel des Budgets. Für 1906 sind sie auf 46 Millionen Gulden. gleich 29 Proz. der Totalsumme, geschätzt. ES ist ein trauriger Ruhm, den die niederländifch-indische Armee aus diesen Expeditionen heimbringt. Das Los eineS jeden, Ironisierenden Staates ist es ja, die„Zivilisation"�, die et'�u unterbreiten unternimmt, damit zw beginnen, daß er alle Greuel des modernen Krieges gegen verhältnismäßig Wehrlese heraufbeschwört. Und je tiefer die wohlbewaffneten Soldaten in die Binnenlander eindringen, desto größer wird die Kluft zwischen ihren modernen Feuerwaffen und den Lanzen und alten Vorderladern der Eingeborenen, desto mehr artet jede Schlacht zu einem einseitigen Schlachten auS. Als Beispiel eines solchen Schlachtens kommt vor allem die viel erwähnte Expedition nach dem Innern Sumatras in Betracht, die voriges Jahr stattfand. Die Truppen bestanden anfäng- lich aus nur 11 Offizieren und 229 Soldaten: und diese metzelten in wenigen Wochen 3148 Feinde. darunter 1866 Frauen und Kinder nieder. In einem Fall wurden vom Gipfel eines ErdwalleS, der den Unglücklichen als Festung diente, 313 Männer, 189 Frauen, 59 Kinder erschossen, 20 Frauen und 21 Kinder verwundet. Nur 2 Frauen und 61 Kinder blieben unverletzt. In einem anderen Dorfe wurden 344 Männer, 180 Frauen und 130 Kin- der getötet. Von der ganzen Bevölkerung blieben nur 28 Kinder am Leben. Die.Truppe erlitt dagegen nur ganz unbedeutende Verluste. Sie wurde aber mit zahlreichen(nicht weniger wie 188) Orden und Ehrenzeichen für den erwiesenen„Heldenmut" belohnt. In Atjeh kostete die„Pacifikation" im Jahre 1900 612, in 1901 1815, in 1902 2582, in 1903 2853, in 1904 4726„Böswilligen", wie der technische Ausdruck lautet, das Leben. Alle diese Mordtaten, die Unterjochung immer neuer Stämme und Völk. chen werden von den Steuergeldern der einheimischen Bevölke- rung bezahlt. Sie muß die Mittel für die Unterjochung ihrer Stammesverwandten aufbringen. Holland ist das einzige Land, das die Infamie hat. die Kosten seiner Kolonialkriege Völlig auf die Eingeborenen abzuwälzen. In Jahre 1897 verkündete Genosse van Kol zum ersten- mal m der Kammer den drohenden ökonomischen Z u s a m m e n b r u ch I a v a S. Die Gründe der unaufhalt- famen Verarmung seiner Bevölkerung sind nach den obigen Ausführungen leicht zu begreifen. ES ist. wie auch in Englisch- Indien und Rußland die gleichzeitige Aussaugung durch die Staatsmaschinerie und durch den ausländischen Kapitalismus, die die Bevölkerung dieses fruchtbaren Landes zu Bettlern macht. Es kommt dabei indes noch ein anderer Umstand in Be- lracht. Java ist überwiegend Agrarstaat. Von den 5.5 Millio- nen erwachsenen Männern leben 3,7 Millionen oder 67 Proz. nur von der Landwirtschaft. Sie ernährt mindestens drei Viertel bis vier Fünftel der Bevölkerung.� Diese beträgt 12 000 Einwohner pro Ouadratmeile, fast ein Drittel mehr als in Holland, das 8466 Einwohner pro Ouadratmeile hat. Dabei nimmt Javas Bevölkerung noch immer zu. Es ist nicht möglich, daß eine so dichte Menschenmenge von der Landwirt- fchast existieren kann, am allerwenigsten wo diese noch mit verhältnismäßig primitiven Mitteln betrieben wird und ihr Ertrag so gering ist wie in Java. Deshalb ist es eine Lebens- frage für Java, sich vom Agrarstaat zum Industriestaat ent- wiaeln zu können. Schon seit vielen Jahren geht diese Verarmung vor sich. wie manche Zeichen beweisen. Die Ausdehnung der besseren Reisfelder hat keinen Schritt gehalten mit der Zunahme der Bevölkerung. Diese wuchs in 15 Jahren um 30 Proz., die besseren Reisfelder nahmen aber im gleichen Zeitraum nur um 5,7, die schlechteren um 9.3 Proz. zu. Das Zugvich der- minderte sich von 1890 bis 1900 um 8 Proz., die Pferdezahl im doppelten Zeitraum um 20 Proz. Die Einfuhr verschie- dener Artikel des täglichen Bedarfs ist entweder gesunken, wie z. B. die von Baumwollwaren, oder die Zunahme ist ganz unbedeutend, wie bei Glas- und Erdwaren, und bleibt hinter der Bevölkerungssteigerung weit zurück. Die große Masse der Bevölkerung steht hart an der Grenze der Not. Bei dem geringsten unglücklichen Zwischen- fall, z. B. einer schlechten Ernte, wird diese Grenze über- schritten, und es kommt, wie in den Jahren 1901 und 1902, in großen Distrikten Javas zur Hungersnot und zu Hunger- krankheiten. Doch auch in normalen Zeiten ist von einer einigermaßen sicheren Existenz keine Red? mehr. Braucht der arme javanische Bauer Geld, so muß er es entweder zu Wucherzinsen(der gewöhnliche Zins ist 50 Proz. für ein halbes Jahr) leihen oder aber feinen Acker verpfänden, den er später fast niemals einzulösen vermag. Was der Javaner bei den Kulturen für den europäischen Markt und bei der Zucker- industrie zu verdienen vermag, fällt kaum ins Gewicht. Die Zuckerkultur entzog den Eingeborenen ihre besten Reisfelder, der Verdienst aber, den sie ihnen bietet, ist nur ein höchst dürftiger. Zudem haben die Fabrikanten sich seit dem Beginn der Zuckerkrise beeilt, die Löhne herabzusetzen. Seit 1885 sind diese im allgemeinen um ein Sechstel, in. manchen Gegen- den um ein Drittel gefallen. Die früheren blühenden einheimischen Handwerke wie die Weberei und Steinmetzerei, die von großer Kunstfertigkeit zeugten, haben sich gegen die Massenprodukte der kapitalisti- schen Industrie nicht behaupten können. Auch die einheimische Schiffahrt(die Javaner waren in früheren Zeiten kühne See- fahrer, die die indischen Meere bis Madagaskar durchzogen) hat der Dampfschiffahrt weichen müssen. Unzweifelhaft ist die lange Knechtschaft und Unterdrückung der nationalen Energie sehr nachteilig gewesen. Wenn aber heute die holländische Bourgeoisie, die sich vom Schweiß der Eingeborenen mästet, doch jede Sorge für Berieselung, für Unterricht, für ärztlich? Hülfe gründlich vernachlässigt hat,— wenn heute diese Bourgeoisie den Verfall der„Faulheit", der„Energielosigkeit", des„Mangels an Entwickelungsfähigkeit" der Javaner zu- schreibt, so ist dies nur eine ekelhafte Heuchelei. Seit Jahren vertritt die sozialdemokratische Fraktion im holländischen Parlament die Interessen der unterjochten, auS- gebeuteten, mißhandelten Eingeborenen. Seit Jahren erhebt vor allem Genosse van Kol seine Stimme und dringt auf daS Aufgeben der Eroberungspolitik, die Einschränkung des Mili- tariSmuS, einen ehrenvollen Frieden mit Atjeh, menschliche Behandlung der Kulis, Verbesserung des UnterrichtSwesens usw.; und seit Jahren spottet die bürgerliche Presse, wenn der Kolonialetat behandelt wird, über die sog.„Kraftwörter" vanKols und schäumt vor Wut, wenn er darlegt, in wie hohem Maße die Fürsorge des Staates mit der Wahrnehmung der Interessen der großen Kapitalisten verwachsen ist. Den unermüdlichen Anstten- gungen van Kols ist es nicht zum wenigsten zu verdanken, wenn die Regierung sich seit einigen Jahren entschlossen hat. dem ver- armten Java zu Hülfe zu kommen und für ökonomische Maßnahmen zur Hebung der Lage der Bevölkerung jährlich die Zinsen von 30 Millionen Gulden, das heißt eine Summe von 1,7 Millionen Gulden zur Verfügung zu stellen. Diese Hülfe ist aber unter den heutigen Umständen nach der jähr- zehntelangen Ausraubung und Vernachlässigung gänzlich un- zureichend. Das Aufgeben der imperialistischen Polittk ist die erste Vorbedingung der Errettung Javas vorm Untergang. Es kann aber diese Vorbedingung vom bürgerlichen Parlament nicht erfüllt werden. Alle bürgerlichen Parteien sind überzeugt von der„traurigen Notwendigkeit" der Blut- und Mordpolittk— auch bic- bürgerliche Demokratie, die einen der besten Kenner Indiens, Dr. van Deventer, in die Kammer entsandte, der dort aber nichts Eiligeres zu hm hatte, als die Notwendigkeit der militärischen Expeditton zu betätigen und die Möglichkeit einer Einschränkung der militärischen Ausgaben zu leugnen. Außerdem kam unsere Fraktion bei der Beratung des letzten Etats mit einem anderen wichttgen Vorschlage: der Ertveckung einer indischen Industrie, mit inländischem Kapital betrieben, dessen Gewinne im Lande bleiben. Vielleicht ließe sich diese Industrie kooperattv aufbauen, wenn man bei den kooperattv betriebenen Arbeiten der Eingeborenen(der Landwirtschast) einsetzte. Der Vorschlag wurde jedoch von den bürgerlichen Parteien mit Mißfallen aufgenommen. So geht denn Java immer mehr seinem ökonomischen Untergang entgegen. Ein prächttger Erfolg der holländischen Kolonialpolitit. Politische Ueberftcbt Berlin, den 28. Juni. Der koloniale Schlammvulkan. Der Krater der kolonialen Korruption scheint sich nimnier erschöpfen und leeren zu können, so gewaltige Schlammassen er auch schon ausgespien hat. So muß jetzt wieder der ZenttumSabgeordnete Erzberger geradezu fulminante An- klagen gegen die Kolonialverwaltung erheben. Lange genug hat das Zentrum mit dem ihm zur Verfügung gestellten Material vor der Ocffentlichkeit zurückgehalten. Es hat erst alle Mittel diplomatischen Drängens erschöpft, um der Re- gierung die Schmach vor dem Lande zu ersparen. Da nun aber alle Vorltellmigea'nichts gefruchtet haben, da sich die Regierung, statt wenigstens in den schlimmsten Fällen auch nur einigen guten Willen zu beweisen, nicht scheut, ihr System unehrlicher Ableugnung und Vertuschung fortzusetzen, ist Herrn Erzberger endlich die Galle übergelaufen. Hinzukommt, daß Herr Erzberger nicht ohne Grund vermutet, daß das ihm be- kannte Material von anderer Seite verwertet werden könnte. falls das Zentrum aus bekannter Rechnungsträgerei auch diesmal wieder versagen sollte. All diese Momente erklären die Rücksichtslosigkeit, mit der Herr Erzberger jetzt unserem total korrumpierten Kolonialsystem auf den Leib rückt. So erging sich Herr Erzberger unlängst in einer im Wahlkreise Altena-Iserlohn abgehaltenen Wähler- Versammlung in Ausführungen, für deren Ton und Inhalt folgende Stelle kennzeichnend ist, die die„Nat.-Ztg." dem Berichte der„Lüdenscheider Zeitung" entnimmt: ..Redner teilte mit, daß von den Liebesgaben für unsere Afrikakrieger Unterstützungen an Berliner Beamte und Offiziere zur Teilnahme an dem Kolonialfeste gezahlt worden seien, daß aber viele unserer Aftikakriegrr von Liebesgaben nichts gesehen hätten. Die Geschichte von der Cousine des Herrn Puttkamer stehe hinter anderen Fällen weit zurück. ES sei festgestellt, daß O f f i z i e r e und Beamte in Kamerun sich auf Kosten der deutschen Steuerzahler Kabinen für Konkubinen hätten bauen lassen. Wenn die Regierung eS abgelehnt habe, ein Disziplinarverfahren gegen Herrn v. Putt- kamer einzuleiten, nur weil dieser es nicht wünsche und weil es ihm unangenehm sei. so würde der Reichstag am besten handeln, wenn er sich selbst dieAkten geben ließe und selbst den Mißständen nachforschte. Der Reichstag habe sich vielleicht zu wenig um die Kolonien gekümmert. Er, Redner, werde mit allen Kräften daran arbeiten, von den verlangten Mitteln für die Kolonien so viel wie möglich abzustreichen." Noch kräfttgerer Akzente bedient sich ein Arttkel im „Anzeiger vom Oberland", der tn Biberach. der Hauptstadt des Erzbergerschen Wahlkreises, erscheint, und dessen Autorschaft Herrn Erzberger um so mehr zuzuschreiben sein dürfte, als der Arttkel mit E. gezeichnet ist. In diesem Arttkel heißt es: „Wie steht eS mit den Unterschleifea in Südwestafrila? Tat- fache ist, daß in Argenttnien ganz neue soldattsche BekleidungS- stücke, Gewehre, Tornister und alles Mögliche verkauft worden sind. Zu Spottpreisen setzte man alles an dortige Farmer ab. Die Regierung antwortete auf die Anfragen nach diesen Vorkommnissen mit einer Strandräubergeschichte; danach sollten diese Gegenstände von den Eingeborenen aus einem gestrandeten Schiffe geraubt worden sein! Diese Mitteilung an den Reichstag— sie war allerdings nur eine Vermutung der Kolonialobteilung— ist unrichtig; nach unserer Jnformatton hat da? gestrandete Schiff gar nicht jene Bekleidungsstücke an Bord gehabt, die man in Argentinien kaufen tonnte. Also muß sich die Sache auf eine andere Weise abgespielt haben. Erbprinz Hohenlohe sagte zu, daß -ine genaue Untersuchung geführt werden würde. Schon im Dezember 1905 hat sich dies vollzogen, nachdem im Sommer zuvor ein nunmehr glücklicherweise ausgeschiedener Kolonialbeamter den Vertreter einer kolonialen Zeitschrift gebeten hatte, doch nichts über die Sache zu bringen. Wir stagen deshalb jetzt: Wie steht eS mit der Untersuchung? Jedenfalls wird sich der Reichstag noch eingehend mit diesen Dingen zu befassen haben." Von den Zuständen in Südwestafrika entwirst der Artikel folgendes Bild: Daß die Truppe ernartet, ist selbstverständlich I Müßig- gang ist aller Laster Anfang, besonders wenn noch die hohe Be« soldung hinzutritt! Was dort unten an All-hol verbraucht wird, ist kaum faßbar! Die Schnapswirte machen die besten Gr« schäste und das internationale Dirnentum ebenso. Die Gefäng- nisse sind überfüllt, und zwar nicht mit Schwarzen. sondern mit Weißen. Im Rausche begehen die Soldaten vielfach Dinge, die sie für ihr Leben unglücklich machen. So auch die Meutererl Was vielfach an Offizieren nach Südwestafrika sich meldete und abgeschoben wurde, ist nicht besser. Das Geld der deutschen Steuerzahler wird auch in böser Weise dort verschwendet. Da» gesamte Rechnungswesen ist total zusammengebrochen:«ine geordnete Abnahme der Lieferungen findet vielfach nicht mehr statt. Die Wechsel auf die Reichs- Hauptkasse werden und müssen ausgestellt werden; sie werden auch hier eingelöst, aber eine Kontrolle darüber, ob diese Waren auch allesamt geliefert wurden, fehlt vollständig. Kapländer sind durch den Krieg Millionäre geworden. Durch da» unsinnige Hin- und Herjagen der Soldaten und die daraus entstehenden Schwierigkeiten der Verpflegung gibt man nur den Aufftändischen neue Lebensfrist; die letzteren find eS, die jeden Weg kennen, die deutschen Transporte einfach wegstehlen, sie an die Engländer verkaufen und dann wieder Munition erhalten. Sobald sich unsere Soldaten au» dem Süden zurückziehen und in einigen festen Plätzen konzentrieren, hört der Aufftand auf, weil die Hottentotten einfach verhungern. Der Krieg wird uns noch 100 Millionen Mark tosten! Hoffenilich aber bleibt der Reichstag fest und bewilligt einfach keine Gelder mehr; dann müssen die Soldaten zurück. Die Kolonialabteilung selbst mußte zugestehen, daß von den gesammelten Geldern deutsche Beamte in Berlin Unterstützungen erhalten haben! Bt» März 1906 waren 92 000 M. gesammelt worden, davon sind insgesamt nur 42 000 M. ausgegeben worden. was mit dem Rest geschieht, weiß niemand. Die Kolonialobteilung hatte bisher bestritten, daß auch Offiziere au» diesen Liebes- gaben Geld erhalten haben, und doch ist es so! Freilich nicht auS dem TippeltkirchfondS. aber auS dem W ö r m a n n- fand» sind an fünf Offiziere Unterstützungen gegeben worden. Alle» in allem! Die«erhältnisse in Südwestafrika sind so, daß nur ein schleuniger Rückzug de» größten Teils der Truppe» un» vor noch Aergerem bewahren kann, die deutsche Ehre steht tatsächlich auf dem Spiele. Herr Erzberger wird nicht umhin können, diese Angriffe im Reichstage zu wiederholen und mit dem ihm offenbar zur Verfügung stehenden reichen Beweismaterial zu belegen. Höchst fraglich erscheint es uns ireilich, ob das Zentrum wirklich die Konsequenz ziehen wird, die er heute für unbe- dingt geboten erklärt: nämlich die kategorische Forderung zu erhebe» und durch seine parlamentarische Machtstellung auch durchzudrücken, daß das Gros der Südwestafrikatruppen sofort zurückgezogeu wird! Noch mehr: Wäre es dem Zentrum wirklich darum zu tun, der von Erzberger gegeißelten Südivestafrika-Korruption ein rasches Ende zu bereiten, so müßte es mit allem Nach- druck die Forderung der unverzüglichen Einberufung des Reichstags erhebe»! Zu einer solchen Forderung vermag sich aber bis jetzt noch nicht einmal Herr Erzberger selbst aufzu- schwingen, obwohl der Anlaß dazu angesichts der Erzberger- schen Enthüllungen noch weit dringlicher wäre, als im vorigen Sommer, als die Zentrumspresse wegen der Etats- Überschreitungen die gleiche Forderung erhob I Schon hieraus ersieht man, daß die Taten des Zentrums zu dem Rededonner des Herrn Erzberger in einem schreienden Widerspruch stehen!— Zum Zcntrumsskandal in Dortmuud. Dortmund, 27. Juni.(Eig. Ber.) Das Bezeichnendste an den von uns geschilderten Dortmunder Vorgängen innerhalb des Zentrums ist, daß sie von der bürgerlichen Presse einfach totgeschwiegen werden. Das angegriffene Organ des Zentrumskapitalisteu Lensing hat von der Rebellion der christlichen Arbeiter n o ch i m m e r mit keiner Zeile berichtet. ebensowenig die nationalliberale„Dortmunder Zeitung", das freisinnige„Dortmunder Tageblatt" und der„Generalanzeiger". Eine wunderbare Solidarität, die in dem schon mehrfach erwähnten Mandatsschacher für die nächste Reichstagswahl ihren Grund haben dürfte. In Dortmund flammt's lichterloh, und durch das Tot« schweigen will man verhüten, daß der Brand weiterfrißt. Wahr- scheinlich werden aber die Hintermänner der„Tremonia" das Gegenteil von dem erzielen, was sie mit ihrer Tot- schweigetaktik zu erreichen gedenken. Die Stimmung der christlichen Arbeiter wird nur um so erbitterter, wie das in manchem Eingesandt an die Dortmunder„Arbeiter-Zeitung" zum Ausdruck kommt. Können die christlichen Arbeiter durch die bürger- liche Presse nichts mehr erfahren, so greifen sie einfach zur„Arbeiter- zeitung". Die christlichen Arbeiter erblicken in der Totschweigetaktik mit Recht eine Vergewaltigung. Vielfach haben es die ZentrumSarbeiter gründlich satt, sich noch fernerhin als bloßes Stimmvieh benutzen zu lassen. Den Schacher zwischen Zentrum und Nationallibcralen um die Reichstags- Mandate in Dorlmund, Bochum, Essen und Duisburg wollen sie nicht miwrachen, wie auch jetzt manche über den Kuhhandel bei den beiden letzten Wahlen enipört sind, nachdem sie naher hinter die Kulissen gesehen haben. Andererseits ist aber auch der bis- herige Zentrumskandidat für Dortmund Lambert Lensing durch die Vorgänge der letzten Zeit unmöglich geivorden. Lambert Lensing kann sich als abgesägt betrachten, die christlichen Arbeiter sind mit ihm fertig. Wie die Dortmunder„Arbeiter-Zeitung" aus Arbeiterkreisen des Zentrums erfahren hat, gedenken diese mit einem eigenen Kandidaten aufzutreten, dessen Name auch schon genannt wird. Was in Dort- mu»d vorgeht, sind nicht einfache Differenzen, das ist der Klassen- kämpf.—_ Kricgervereine und Streiks. Die Kriegerbereine scheinen sich vor der sozialdemokratischen Durchsetzung nirgends sicher zu fühlen. Auch im Goethe-Ländchen hat es der„Großherzoglich Sächsische Krieger- und M i l i t ä r v e r e i n s b u n d" für notwendig befunden, diesem Ge- fühle Ausdruck zu geben. Der dieser Tage in O st h e i m abgehaltene Abgeordnete»tag genehmigte einige die Organisarion, Der- waltung und finanzielle Stärkung der Vereine und des Bundes be- treffende, vom Bundesvorstand aufgestellte Grundsätze. Nach einem dieser Grundsätze erwächst jedem VereinSmitgliede die Pflicht, den Ausschluß von s o l ch e n M i t g l i e d e r n, die sich als Anhänger der staatsfeindlichen und revolutionären Parteien, be- sonders der Sozialdemokratie, erweisen, ohne Zaudern und Zagen zu bewirken. So einfach kam aber den Abgeordneten die Sache nicht vor. Man wußte nicht recht, wo die revolutionären und staatsfeindlichen Bestrebungen anfangen und wo sie aufhören. Nach dem Bericht der Zeitung«Deutschland" frug in der Diskussion ein Herr Stock- Kranichfeld an, ob Streiks als sozialdemokratische Bestrebungen anzusehen seien. R e d S l o b(Bundes- Bor- sitzender) antwortete darauf, eS komme bei Beurteilung dieser Frage immer auf die besonderen U m st ä n d e an, und darüber Klar- heit zu schaffen, müsse den Gruppenvorständen überlassen werden. Herr Krause- Neustadt wies auf die heimischen Streiks und den Konsunwerein hin und meinte, der Bundesvorstand möchte Direktiven geben, wonach sich die Gruppenvorstände in ihrer Beurteilung richten könnten. K l i tz s ch- Weida erklärte diese Frage für eine Verhältnis- mäßig einfache. Wenn Streiks nicht den Tendenzen der Krieger« vereine, nicht der Treue zu Kaiser, Fürst und Vaterland zulvider seien, dann sei kein Anlaß zur Ausschließung des Betreffenden vor- handen. Diese Aeußerung fand lebhaften Beifall. Geklärt ist durch diese Erklärung deS Herrn Klitzsch die Frage keineswegs; denn gar manche der Protektoren und Vorgesetzten der Kriegervereine werden finden, daß jeder Streik der„Treue zu Kaiser, Fürst und Vaterland" widerspricht, da nach einer bekannten ministeriellen Behauptung hinter jedem Streik die„Hydra der Re- volution" lauert und jeder Streik die von„Gott gewollte Ordnung" stört.—_ Staatsbetriebe und Koalitionsrecht. Der Tanziger Ober-Werftdirekto, v. Basse ist durch einen nicht- adeligen Kapitän zur See Derzewski ersetzt. So wie das Re- giment v. Wietersheim in praktisch unmerklicher Ablösung durch die Aera v. Basse ersetzt wurde, so wird den Arbeitern der kaiser- lichen Werst auch dieser Beamtenwechsel nicht durch besondere Re- formen fühlbar werden. Dringend zu wünschen wäre aber, daß die ominösen, geheimen, im Reichstage wiederholt stharf verurteilten und trotzdem nicht abgeschafften Polizeiakten„Ge- sinnungsvorstrafcn der Staatsarbeiter" endlich in den Orkus wandern möchten. Ebenso wie es hohe Zeit ist, daß auch die Staats- arbeiter nicht länger mehr an der Ausübung des gesetzlichen Koalitionsrechtes gehindert werden. Unter dem Regiment v. Basse konnte diese Respektierung des Gesetzes leider n i ck) t konstatiert werden. Noch in der letzten Zeit wurden mehrere für den Feuer- Wehrdienst eingestellte Arbeiter ohne Angabe eines Grundes Plötz- lich entlassen. Und einer von ihnen erhielt wieder von einem Polizeikommissar die hier leider nicht mehr neue Auskunst: er solle eine Bescheinigung darüber beibringen, daß er nicht mehr Mitglied des Deutschen Metallarbeiterverbandes sei! Der Mann soll dem Verbände vor längerer Zeit einmal vorübergehend an- gehört haben! Und das geschieht, obgleich der Vertreter des Reichs- Marineamtcs, HarmS, im Jahre 1904 im Reichstage feierlich durch Ehrenwort versicherte,„daß sich das Amt nicht um die Organisations- Zugehörigkeit kümmert und keinerlei Gesinnungsschnüffelei treibt"! Wir wünschen dringend, daß den Arbeitern der kaiserlichen Werft unter der Regierung des neuen„O.-W.-D." endlich t�is Odium der Staatssklaven und Arbeiter 2. Klasse genommen und ihnen die gesetzlichen Rechte eingeräumt werden, deren Ausübung die Privatarbeiter schon längst als selbstverständlich betrachten.—-- Vom guten Magen der Kirche. Ueber den Peterspfennig hat, so lesen wir in der«Täglichen Rundschau", der Kongregationspräses M e h l e r in Regensburg 1306 ein Büchlein geschrieben. Er kommt nach vielerlei Betrachtungen zu dem Schluß,„baß kein anderes Almosen so gut angewendet und Gott dem Herrn so wohlgefällig ist wie der Pcterspfennig". Jedoch ist eS„eine bedauerliche Tatsache, die von maßgebender Seite schon öfters bestätigt wurde", daß in den letzten Jahren der Peterspfennig „unglaublich" zurückgegangen ist. Ueber den Staatshaushalt des Papstes gibt der Verfasser folgende Ziffern: 1. Zur privaten Verfügung des hl. Vaters S00 MO Lire 2. Für die Kardinäle......... 700 000„ 3. Für die armen Diözesen......... 460 000„ 4. Präfeltur der apostolischen Paläste.. 1 800 000„ ö. Staats sekretariat........ 1 000 000„ 6. Beamtengehalte.......... 1 500 000„ 7. Für Schulzwecke und die Ausgaben der p. Wohl- Tätigkeit............ 1 200 000„ Summa 7 160 000 Lire Der zweite Posten erregt besonders das Mitleid des Verfassers: „Ein anderer Posten von 700 000 Lire umfaßt die bescheidenen Gehälter der in Rom lebenden Kardinäle. Daß diese Summe kaum hinreicht, um den Kirchensürstcn ein standesgemäßes Auftreten zu ermöglichen, ist leicht begreiflich und wird durch die Tatsache bestätigt, daß einzelne Kardinäle nicht imstande sind, sich eine eigene Equipage zu halten." „Bon den 7Vz Millionen sind nur eine Million an Kapitalzinsen vorhanden, so daß 6>/z Millionen durch den PeterSpfennig aufgebracht werden müssen. Diese Summe will aber nicht mehr eingehen. Als Gründe dafür nennt der Verfasser n. a. die„Los- von-Rom"-Bewegilng, der der Ultramontänismus sonst nicht die geringste Bedeutung einräumen will. Im übrigen lehrt die Ans- stellung, daß von den 7Vz Millionen etwa 6 für die pru nk h a f t e Hofhaltung des„Stellvertreters Christi" und seiner Kardinäle dranfgehen." Die„Tgl. Rundschau" hat recht, die Kirche hat einen guten Magen. Aber die welllichen Würdenträger haben keinen minder guten Appetit, als ihre geistlichen Kollegen, das beweisen die Zivil- listen unserer deutschen Fürsten. Und wer es für eine unübertreff- liche Einrichtung unserer göttlichen Weltordnnng hält, daß einige hunderttausend Kapitalisten den Löwenanteil des„National- reichtumS" für sich reklamieren, der sollte doch den frommen Stützen dieser göttlichen Weltordnung zuletzt ihr„standesgemäßes" Auskommen und ihre eigene Equipage mißgönnen!— Im Dienste der Korruptionsvertuschung. Die beiden Beamten der Kolonialabteilung, Geh. expedierenden Sekretäre Götz und Schneider, gegen die auf Veranlassung des Reichskanzlers ein Strafverfahren eingeleitet worden ist, sind, wie die„Freis. Ztg." berichtet, von ihrem Amte vorläufig suspendiert worden. Land- gerichtsrat Schmidt vom Berliner Landgericht I leitet die Unter- suchung mit großem Eifer; so hat er am Dienstag bis zum späten Abend Vernehmungen von Beamten vorgenommen.— Hehler der Kolonialschmach. Die von uns gestern festgenagelte Ungeheuerlichkeit, gegen ostafrikanische Eingeborene die Methode der Raubzeugvertilgung anzuwenden, wird von unserer gesitteten und christlichen Bourgeoispresse mit Stillschweigen über- gangen. Selbst die„fromme Germania" begnügt sich mit der matt- herzigen Aeußerung:„Das können wir trotz aller Barbarei. die die A u f st ä n d i s ch e n. begehen mögen, nicht billigen." Etwas Schwächlicheres konnte das Organ für Pfaffenkultur nicht gut sagen.— Wieder ein Dementi. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht heute eine längere Erklärung gegen die auch von u»S gestern wiedergegebenen Anschuldigungen des„Deutschen Volks- blattes" in Stuttgart. Nach dieser Erklärung soll in allen Fällen, die das Stuttgarter ZentrumSorgan zur Sprache bringt, keinerlei Unregelmäßigkeit vorgekommen sein. Wir werden nach der Ent- gegnung des'„Deutschen Volksblattes" auf die Angelegenheit zurück- kommen.— Ein Svldateuschinder. Der Unteroffizier Schmidt von der 4. Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 60 hat drei Jahre lang die Rekruten in empörender Weise mißhandelt und be- leidigt, ohne daß ihm das Handwerk gelegt worden ist. Bei der geringsten Veranlassung schlug er die Soldaten mit dem Seiten- gewehr, mit stählernen Putzstöcken, warf sie mit Schemeln, ritz ihnen an den Ohren, spuckte ihnen ins Gesicht, trat ihnen gegen den Unterleib, ließ sie bis zum Umfallen Kniebeuge machen und beschimpfte sie in der gemeinsten Weise. Das Kriegsgericht der 16. Division in Koblenz verurteilte den Vertreter der göttlichen Weltordnung zu elf Monaten Gefängnis. und Degradierung. Es ist eine Schmach, daß die Soldaten sich in hündischem Kadavergehorsam diese teuflischen Malträtierungen ohne Gegenwehr haben gefallen lassen. Freilich: hätten sie sich gewehrt, so wären sie auf Grund des Militärstrafgesetzbuches obendrein noch in den Kerker geworfen worden!— Sittlichkeit im Heere. Das OberkriegSgericht des 15. Armee- korps verurteilte den Vizefeldwebel K. vom 4. lothringischen Jnfanterie-Regiment Nr. 136 wegen„Beleidigung eines Unter- gebenen und Mißbrauchs der Dienstgewalt zu Forderungen, welche in keiner Beziehung zum Dienste stehen", zu drei Monaten Ge- fängniS und zur Degradation. Wegen Gefährdung der Sittlichkeit fand die Verhandlung unter Ausschluß der Oeffentlichteit stast. Als Verteidiger fungierte Rechtsanwalt Augsburger. Der AN- geklagte verzichtete auf Einlegung von Revision.— Heilige Lügen. Getreu dem Grundsatz„der Zweck heiligt die Mittel" tischt auch die gottgefällige„Germania" in ihrer Donnerstags- Nummer den Lesern die von der„Morgenpost" in einem Ber- sammlungSbericht über die Vorwärtsdruckerei verbreiteten Unwahr- heiten auf, obwohl der„Vorwärts" bereits am Dienstag die Sach« läge klargestellt hat. Wir wollen die Tatsache lediglich registrieren; wollten wir uns über die„Germania" entrüsten, so- hieße da« ja zu- geben, daß man von ihr überhaupt noch Wahrheit und Objeltwität erwarten könne.— Kundige Thebimer. Die„Frankfurter Zeitung' beunruhigt die politische Welt durch die sensationelle Nachricht, daß die„Neue Zeit" jetzt befürchte, daß durch den über die Englandreise deutscher Journalisten„innerhalb der Sozialdemokratie entbrannten Streit" die Partei leide. Heinrich Braun ziehe nämlich in diesem Sinne in der„Neuen Zeit" das Fazit dieser Episode. Um das durch die Sorge und um das Wohl der sozialdemokratischen Partei offenbar er- schüttelte seelische Gleichgewicht der„Franks. Ztg." wiederherzustellen. wollen wir dem Blatte des Herrn Sonnemann die beruhigende Mitteilung machen, daß wegen der famosen Journalistenreise weder ein Streit innerhalb der Sozialdemokratie entbrannt ist. noch die „Reue Zeit", das Wochenblatt der Partei, zugunsten der»Neuen Gesellschaft" sein Erscheinen eingestellt hat.— Neue blutige Gefechte in Südwestafrika. Amtlich wird heute gemeldet: Die Hottentotten waren vor der verfolgenden Abteilung des Oberstleutnants v. Estorff in die Orangeberge nordwestlich Violsdrift zurückgegangen. Von dort zogen sie in nordöstlicher Richtung an Auros vorbei, überfielen eine Po st Patrouille, und stahlen bei Warmbad und Gabis eine Anzahl Rinder und Maultiere. Oberleutnant v. Stockt mit 70 Mann aus Warmbad und Major Reutet mit einer Kompagnie und zwei Geschützen der Besatzung Kalksontein marschierten dem Feinde entgegen, der nach mehr- stündigem Kampfe wieder in südwestlicher Richtung zurückgeworfen wurde. Major Sieberg eilte mit 2 Kompagnien, 2 Maschinen- gcwehren, 1 Geschütz, auf den Kanonendonner losmarschierend, her- an. Er fand bei der Erreichung des GefeckitsfeldeS den Feind schon im Rückzüge begriffen, hartnäckig von Reutet verfolgt. Sieberg setzte diese Verfolgung fort. Es fielen im ganzen 5 Reiter, Z find verwundet. einer wird vermißt. In den kleinen KaraSbergen über- fiel die Patrouille Genschow eine Werft. Sie fand dabei ein KleidungS» sticd Nahrungsmittelkager, das permchtet wurde. Der Gefangenenbestand ist seit Anfona Februar um 4000 gestiegen und beträgt jetzt 17 000 Köpfe. Die Telegraphenlinie Omaruru— Otjiwarougo— Outjo— Waterberg ist fertiggestellt. Verstorben sind Gefreiter Alfons Vehra, geb. am 14. 5. 70 zu Kirchberg, am 24. Juni 06 im Feldlazarett Lüderitzbucht an T v o h u s. Reiter Wilhelm Z e g g e l, geb. am 18. 9. 32 zu Perle- berg, am 25. Juni 06 im Lazarett Warmbad an Typhus und Skorbut. Man sieht, auch nach dem Ausscheiden Morengas gewinnt der Feldzug gegen die Hottentotten kein anderes Gesicht. Die Ueber- fälle der Proviantiransporte dauern fort; eilen dann Truppen zur Verfolgung der Hottentottcnbanden herbei, so kommt es bestenfalls zu unentschiedenen Rückzugsgefechten, bei denen die Verlust: unserer Truppen meist recht schwere sind. Morenga selbst hat diese Fortdauer des Krieges englischen Interviewern gegenüber vorausgesagt. Sein Sohn, meinte er, werde den Widerstand mit aller Energie fortsetzen und den Deut- scben sicherlich nicht weniger Schwierigkeiten bereiten, wie er selbst. Und wie die letzten Nachrichten vom Kriegsschauplatz beweisen. bleibt in der Tat alles beim alten, trotz des Todes Hendrik Witbois und der Unschädlichmachung Morengas!— Teutsch-spanischcS HandclSprovisorium. Wie telegraphisch auS Madrid gemeldet wird, ist durch Notenwechsel zwischen dem spanischen Ministerpräsidenten und dem deutschen Botschafter das bestehende deutsch-spanische Handelsabkommen, das deutscherseits zum 1. Juli gekündigt worden war, bis Ende dieses Jahres vcr- längert worden. Hierdurch ist bis zu diesem Zeitpunkt für die Wareneinfuhr im Verkehr beider Länder die Meistbegünstigung gewährleistet.— Branntweinsteuer. Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung den Ausschußantrag betreffend Abänderung und Ergänzung der Branntweinsteuer-Ausfuhrbestimmungen sowie den Ausschuß- bcricht betreffend das Abkommen mit den Niederlanden vom 18. Mai dieses Jahres über den Verkehr mit Branntwein an der deutsch- niederländischen Grenze angenommen.— Huslattd. Oesterreich. Ministerscherze über den Dreibund. In der ungarischen Delegation machte der Fmanzminister v. B u r i a n im Auftrage des Ministers deS Aeußeren im Stile Bülowicher Causerien folgende Bemerkungen: „Wenn auch die Diskussion über den Dreibund keine allzu erfreuliche war. konnte der Minister des Aeußeren doch konstatieren. daß das Bündnis als Basis unserer Politik in der Delegation nicht mehr angegriffen wurde. Es wurde viel über die praktische Be- deutung dieses Vertrages in der Gegenwart gesprochen. Möglich, daß die Zeit für die Lobpreisung dieses Ber- träges bereits vorbei ist, doch ist dies ein solches Ding Ivie mit der Ehe: Wenn die Flitterwochen vorbei find, so wird der auf wahre Neigung gegründete Bund dennoch auch ferner stark und dauernd bleiben. Die wahre Bedeutung des Dreibundes besteht auch heute wie von Anfang an darin, daß er die M o n a r ch i e sichert. Wenn nun der eine oder andere Delegierte sich gegen irgend ein Mitglied des Bündnisses feindlich geäußert hat, so kann dies«nur ein weiterer Grund sein, auch fernerhin in dem Bündnisse zu verharren. Wenn ich auf jemand einen Ber- dacht habe, so ist eS doch zweckmäßiger, wenn ich mit dem Verdächtigen unter einem Zeltdachs verbleibe(tzlroße Heiterkeit), damit ich sehen kann, was er tut. In schweren Augenblicken ist es dann auch leichter, Mißverständnisss zu zerstreuen." Ungarn. Bier lokale Generalstreiks. Die Schikanen der ungarischen Provinzbehörden der Arbeiter« schaft gegenüber wollen noch immer kein Ende nehmen. Die ungarische Arbeiterschaft hat in vier bedeutenden Städten zur Waffe deS politqchcn Massenstreiks greifen müssen. Der des mächtigen Gencralausstandes von Temesvär. der bislang seiner kolossalen Beteiligung nach in der ungarischen Arbeiterbewegung einzig dasteht, scheint die Behörden noch immer nicht zur Vernunft gebracht zu haben; denn sonst konnte es nicht dazu kommen, daß die Arbeiterschaft gegen neue niederträchtige Brutalitäten der Provinzbehörden au die Solidarität der Gesamtarbeiterschaft appellieren mußte. Abhülfe seitens der Regierung der feudalklerikalen Oligarchie ist nicht zu erwarten, denn so lange die wichtigsten Portefeuilles Graf Andrössy und Dr. Taranyi in Händen haben, wird nur deq Wille des agrarischen Gesindels zur Geltung gelangen. In Szatmsr streikten die Arbeiter eines Sägewerkes. Sick wurden von der Gendarmerie fortwährend schikaniert. Als sie das Streiklager verließen, wurden sie alle arretiert und ins Gefängnis gesteckt! Man wollte sie mit aller Gewalt zur Wiederaufnahme der Arbeit zwingen, doch jeder Versuch blieb erfolglos. Da beschloß der Herr Stadthaupimann, eine endgültige Abrechnung mit den Streikenden vorzunehmen. Mit 26 Gendarmen ließ er das Streik- lager umzingeln und vor allem den Arbeitersekretär festnehmen. Zwei Gendarmen bewachten ihn. Sie hatten den Auftrag: falls er sich rührt, ihn wie einen Hund niederzuschießen! In dieser Lage mußte er 6 Stunden hindurch verbleiben, bis man ihn endlich ge- fesselt nach der Stadt führte, wo inzwischen infolge dieser nieder- trächtigen Paschawirtschaft der allgemeine Ausstand aus, gebrochen war. Zirka 5000 Arbeiter warteten am Hauptplatze der Stadt auf den Arbeitersekretär, um ihn zu befreien, wozu eS jedoch nicht kam, weil inzwischen der Stadthauptmann die Freilassung des Sekretärs angeordnet hatte. Die bis aufs äußerste gereizte Menge wollte, als sie die von Blut überströmten Hände des Sekretärs sah, sich sofort Genugtuung verschaffen. Daß es nicht zu einem Blutbade kam, ist einzig und allein daS Verdienst des ArbeitersekretärS. Der Generalausstand dauerte zwei Tage und endete mit dem »länzenden Siege der Arbeiter; denn nicht nur die Streikenden des Sägewerkes erhielten Lohnverbesserung, sondern auch Arbeiter anderer Branchen, die erst zufolge der Niederlegung der Arbeit gemaßregelt worden waren. Das schönste Beispiel der Solidarität zeigt der GeneralauS- stand von LugoS und KaränsebeS. In der Nähe von KarsnsebcS liegt das Eisenwerk Nändorhegy(Ferdinandsberg), wo vor einigen Monaten bereits die Gendarmen unter den Streikenden ein Blutbad anrichteten. Neun Tote und viele Verwundete waren das Ergebnis dieser Brutalität. Inzwischen hat das Werk den Denunzianten und Urheber des Blutbades wieder eingestellt, wo- gegen die Arbeiter protestierten. Hierauf wurde der Verband der Metallarbeiter für aufgelöst erllärt und das Beziehen des Streik- lagerS verboten. Der Arbeitersekretär der südungarischen Partei aus Temesvar, der Metallarbeitersekretär der Zentrale auS Budapest und der des KomitatS aus Lugos, die alle nach Nändorhegy eilten, um ein zweites Blutbad zu vereiteln, wurden einfach nicht zugelassen, ja sogar vom Oberstuhlrichter von KaränsebeS„für ewig" auS Nändorhegy ausgewiesen! Auf diese Brutalität des Koalitionshelden war die Antwort der Gesamtarbeitevschaft obige» Städte: die Proklamation des Generalausstandes. Die Arbeiter Nändorhegys errangen einen glänzenden Sieg. Debreczin. Diese urmagyarische Stadt kann sich bereit? eines .Koalitionsaufruhrs" rühmen, da deren Intelligenz" bekanntlich den von der Regierung Fejervärys ernannten Obergespan bei seinem Einzug blutig geschlagen hat, Den Urhebern dieser nieder» ZrZchUgen Tat ist nichts geschehen; Die Arbeiterschaft hat auch hier den Generalausstand zum Zweck der Außerhaftlassung ihres 'Zartcisekretärs proklamiert. Dieser war nämlich in einer Nachbar- emeinde als Referent bestimmt, wohin er auch reiste. Doch bei er Ankunft wurde er sofort festgenommen. Von Sonntag vor- aittag 11 Uhr bis Montag früh 8 Uhr behüteten ihn bewaffnete Gertdarmen und führten ihn dann dem Stuhlrichter vor. Die Arbeiter Debreczins hatten dies inzwischen erfahren und wollten mit aller Gewalt nach Samson ziehen, um den Sekretär zu befreien. Dazu kam es jedoch nicht, da der Sekretär bereits— umzingelt von Gendarmen— auf dem Wege nach Debreczin war. Die Arbeiter scharten sich vor dem Komitatshause zusammen und warteten auf die Ankunft des Sekretärs. Als die Koalitionsmaul- Helden die viele Tausende zählende Menge kampfbereit sahen, wurde der Sekretär sofort freigelassen. Den unverschämten Will- uralt wollte die Arbeiterschaft in einer Volksversammlung brand- arken, doch deren Abhaltung wurde strengstens untersagt. Der inister des Innern, an den sich die Arbeiter beschwerdeführend ndten, hat das Verbot gut geheißen. Der Ausstand hat nun derartige Dimensionen angenommen, ; der Bürgermeister die Abhaltung der Versammlung dennoch aehmigte! Die Tabakfabrik und die Waggonfabrik wuvden aber in zwei Kompagnien Infanterie bewacht. Zu Ausschreibungen kam es nirgend». Der Fall Debreczin ist in der Presse vielfach falsch dargestellt worden. Besonders hat sich wieder der Berliner„Loial-Anzeiger" hervorgetan, dessen Berichtorstatter einfach den offiziellen Bericht der ungarischen Regierung abgeschrieben hat! Die ungarischen Offiziösen können sich aber zurzeit an Glaubwürdigkeit einzig und allein mit den russischen messen.— Schweiz. Die BaSler Universität im Dienste der deutscheu Polizei. Basel, 20. Juni.(Eig. Ber.) Am schwarzen Brett der tluiversität Basel ist folgender Anschlag zu lesen: Strassisurg, den 22. Mai 1906. Wir beehren uns, ergebenst mitzuteilen, daß gegen den stuä. pbarm. Welis tvegen Veranstaltung einer deutschfeindlichen Demonstration und wegen unwahrhafligen Benehmens vor dem Disziplinaramt, sowie gegen den stuä. xbarm. Schneider wegen Beteiligung an einem groben, gegen seine altdeutschen Komilitonen gerichteten Unfuß auf Verweisung von der Universität Straßburg gegen ersteren auf vier, gegen letzteren auf zwei Semester erkannt worden ist. Rektor und Senat der Kaiser Wilhelms-Universität Straßburg. Smend. J.-Nk. 263 Visum C. S ch mi d t d. z. Rektor. Es ist eine schmähliche Rolle, die da die Basler Universität, d. h. die an derselben maßgebenden Herren als Schutztruppe und Handlanger der deutschen Polizei spielen, indem sie die Schweiz zur deutschen Provinz herabdrücken. Sogar die reattionären und scharfmacherischen„Basler Nachrichten" sind von dem Streiche unangenehm berührt, wenn auch offenbar nur darum, weil die Verfolgten„bessere Leute" sind. Eidgenössisch« Abfinth-Jnitiative. Man schreibt uns aus Bern: Seit längerer Zeit ist in der Schweiz eine Bewegung gegen die Abfinthseuche im Gange. Namentlich in der Westschweiz, so in den Kantonen Waadt. Neuenburg und Genf, grassiert diese Sorte Alkohol pest in hohem Maße. Der Absinth ist das alkoholreichste Getränk, und wir Sozialdemokraten müssen«S nicht nur seiner degenerierenden Einwirlungen im allgemeinen, sondern ebensosehr seiner w o lk s- verdummenden Wirkung'-.- wegen in radikaler Weise be kämpfen.?jm Kanton Waadt wurde zuerst gegen den Absinth- teufel mobil gemacht, und zwar unmittelbar nach einem auf ihn zurückzuführenden erschütternden Familiendrama. Eine mit zirka 60 000 Unterschriften bedeckte Petition um Erlaß eines absoluten Absinthverbotes wurde beim Großen Rat dieses Kantons eingereicht. Dieses war vor zirka einem halben Jahre. Unterdessen— in diesem Frühjahr— hatte sich ein größeres schweizerisches Initiativkomitee gebildet. um die Bewegung auf das Gebiet des Bundes zu über- tragen. Das Initiativkomitee, dem auch Sozialdemokraten an- gehören, hat den Wortlaut des der Volksinitiative zugrunde zu legenden neuen Bundesverfassungsartikcls festgesetzt wie folgt: .Fabrikatton, Einfuhr, Transport, Verkauf und Aufbewahrung zum Zwecke des Verkaufs des als Absinth bekannten Likörs in allen Formen sind im ganzen Umfange der Eidgenossenschaft verboten. Vorbehalten bleiben die Verwendung des" Absinths zu pharmazeutischen Zwecken und der Durchgangstransport. DaS Verbot tritt zwei Jahre nach seiner Annahme in Kraft. Die Bundesgesetzgebung wird die infolge des Verbots notwendigen Besttmmungen treffen. Der Bund hat daS Recht, im Wege der Gesetzgebung dasselbe Verbot in bezug auf alle anderen avsinth haltigen Getränke zu erlassen, welche eine öffentliche Gefahr be- deuten." Der von 1200 Mitgliedern besuchte schweizerische Abftinententag am 21. d. M. in La Chaux-de-FondS hat Vorträge über Wesen und Verbot des Absinths angehört von Legrain- Paris und Hercod- Lausanne. Nach der Diskussion hat die Versammlung der Initiative zur Erreichung des Absinthverbotcs einmütig zugestimmt. Anfangs August soll die Unterschristensammlung beginnen. Wir wünschen ihr gute» Erfolg.— Frankreich. JauriS Antwort au Kriand. Auf die Rede, die Briand in Roanne gehalten hat und in der er dem Genossen JauröS einige Seitenhiebe versetzte, antwortet dieser prompt in der„Humanits". Briand hatte u. a. gesagt, der Sozialismus dürfe sich nicht isolieren. GeüKß— so schreibt Jaures— müsse die sozialistische Partei eine Partei voller Leben und Arbeit bleiben.„Auch ich liebe das Leben, die Arbeit und den Kampf, und wenn es uns nicht möglich wäre, im Parlament durch fortgesetztes Arbeiten und Kämpfen von den anderen Parteien und selbst von unseren Gegnern ohne Unterlaß Reformen zu erringen zum Besten der Arbeiterklasse, wenn wir nur— wie die Mönche— in unseren Parlamentsstühlen geheiligte Formeln zu wiederholen hätten oder auf die Tribüne steigen müßten, wie man auf den Altar steigt, dann würde ich für meinen Teil vorziehen, auf dieses sterile Leben zu verzichten, und ich würde anderwärts Eelegeicheit für meinen Tatendrang suchen." Dann setzt Jaures dem ehemaligen Freunde recht deutlich aus- einander, daß die Isolierung nicht die einzige Gefahr ist. Die Denker, Gelehrten. Künstler haben ohne Unterlaß nötig, sich zu er- neuern. ihre Kenntnisse zu bereichern, indem sie äußere Einflüsse auf sich wirken lassen durch die Berührung mit den vielseitigen Lebenserscheinungen. Aber in jener Berührung dürfen sie die Herr- schast über sich selbst nicht verlieren, ihre Ideen, ihre Hypothesen und ihre Auffasiungen und Grundsätze müssen die dominierenden bleiben, in denen sie die von außen kommenden divergierenden Elemente aufgehen lassen. Bleiben sie nicht die zentrale Kraft, um welche die anderen von außen sich gruppieren, so zersplittert und zersetzt sich ihre Persönlichkeit und selbst ihre Ueberzeugung löst sich auf!— Die letzten Worte sind besonder» auf Briand gemünzt, dessen sozialistische„Ueberzeugung" eben nicht stark genug war. um die vielen fremden Einflüsse, die auf ihn einwirkten, ihr unterzuordnen, und dem ei mithin an Festigkeit fehlt. Im übrigen� tut Janrzs mit großer Eleganz und feinem Spotte die neuen Bor- schlüge Briands— wie die Gewinnbeteiligung der Arbeiter bei Altienunternehmen und anderes mehr— ab. Spanien. Eine Protestversammlung der Sozialisten in Madrid. Die Majorität des Madrider Gemeinderats hatte, wie wir seinerzeit mttteilten, unsere Genossen am Sprechen verhindert, als sie sich zu dem Attentat äußern wollten. Weil sie der mords- patriotischen Stimmung, die damals in Spanien ihren Siedepunkt er- reichte, nicht Rechnung tragen wollten, hatte man sie niedergeschrieen und nicht mehr zum Worte gelassen. Gegen diese Vergewaltigung der sozialistischen Stadtberordneten protestierte eine, vergangene Woche in Madrid abgehaltene Versammlung, die sich eines außer- ordentlichen Besuches erfreute. Neben verschiedenen anderen Red- nern sprach auch der Genosse Jglesias.„Als Protest gegen diese Behandlung," so führte Jglesias u. a. aus,«hätten wir ja die Sitzung verlassen können. Damit hätten wir aber unseren Gegnern nur das Feld allein überlassen und ihnen nur einen Gefallen getan! Wenn sich eine sozialistische Minorität aus irgend einer Körper- schast zurückzieht, so darf sie das nicht in einer Weise tun. daß sie sich dadurch lächerlich macht, sondern nur dann, wenn sie durch ihren Rückzug sozusagen eine Art Kriegserklärung abzugeben vermag. Dazu haben wir aber noch nicht die genügende Macht, und so ist es richtiger, auch unter diesen mißlichen Verhältnissen weiter zu kämpfen."— Uebrigens, so führte er weiter aus, sei das Vorgehen der bürgerlichen Parteien gegen sie leicht erklärlich. „Unsere ganze Art, unser Prinzip: nie Vergünstigungen zu er- betteln, unsere Geradheit und Unerschrockenheit kontrastiert gewaltig gegen das Verhalten der bürgerlichen Parteien. Man wird uns noch öfter zum Schweigen zu bringen suchen; denn wir sind im Rate nicht beliebt und nicht erwünscht. Unsere Haltung in diesem Falle ist aber von nationaler Bedeutung gewesen; denn wir haben bewiesen, daß unsere Partei sich auch tatsächlich von allen unterscheidet."— Dann sprach Jglesias die Hoffnung auf die weitere EntWickelung der Partei aus, so daß die Vertreter derselben auch im Rate eine Macht bedeuten, und wies den Weg zum Ziele, indem er den Genosse» vorstellte, wie sie durch Bildung, Tüchtigkeit und Selbstlosigkeit dazu gelangen können, höher zu steigen als irgend eine andere Partei.— Die Reden wurden mit rauschendem Bei- fall aufgenommen, und die Versammlung löste sich in mustlrhafter Ordnung auf, Norwegen. Vom neuen Königtum. Mitten in den großen Festlichkeiten, die der Krönung folgten, ließ die Sorge um die Wohlfahrt des Landes den neuen König von Gottes Gnaden nicht ruhen. Er rief am Sonnabend in seiner Wohnung zu Trondhjem die Minister zu einer Staatsratssitzung zusammen, um eine höchst wichtige Reform zu vollführen. Es galt, den norwegischen St. Olavsorden um einen neuen Grad zu be- reichern I Dagegen war natürlich nichts einzuwenden. Erforderte es doch das Wohl des Staates, daß man die fürstlichen Krönung?- gäste Haakons nicht wie andere verdienstvolle Leute mit den ge- wöhnlichen Sumpf- und Wiesenorden abspeiste, sondern daß man etwas Besseres, Feineres für sie schaffte. Es soll freilich auch Leute in Norwegen geben, die nicht so recht von der Wichtigkeit und Rot- wendigkeit dieser ersten Regicrungstat, die der König nach seiner Salbung vollführte, überzeugt sind.— Mißfallen erregte es, daß der König am anderen Tage 7000 Schulkinder, die man zusammengebracht hatte, damit sie ihm huldigten, mitten im Sonnenbrand vor seinem Schlosse warten ließ, bis einige der Kinder ohnmächtig wurden und bis der Polizei- chcf ihn dringend bat, sich doch endlich blicken zu lassen. Zu seiner Entschuldigung wird angeführt, daß er gerade beim Frühstück saß und daß doch auch ein König bei all seinem Gottesgnadentum der leiblichen Stärkung nicht entratcn kann. Sehr wichtig ist es ja heutzutage auch, daß ein König nach be- rühmtcm Muster zu reden versteht. Von Haakon aber wird er- zählt, daß er. als die Stadt Trondhjem am Sonntagabend ein großes Krönungsbankett gab, mitten in seiner Rede stecken blieb. Hätte die Königin ihm nicht gleich das Manuskript gereicht, wäre er wohl schwerlich mit seiner Rede zu Ende gekommen. Solche kleine Zwischenfälle werden noch mehrere erzählt. Die herrschenden Parteien geben sich jetzt in der Wahrbewegung alle Mühe, den Wählern weiß zu machen, daß, wer gegen die Regierung stimmt, auch gegen das Königtum, damit zugleich aber auch gegen die neue Selbständigkeit Norwegens stimme, also— Vaterlands- feind fei I, Als OSkar II. noch König war, konnte man sich in Norwegen manches erlauben. Wer aber an dem neu bronzierten Königtum mäkelt, dw» möchte man gleich als Verräter brandmarken. kommunales. Stadtverorduetcn-Versammlung. 2v. Sitzung vom Donnersrag, den 28. Juni 1906, nachmittags 6 Uhr. Der Vorsteher Dr. LangerhanS eröffnet die Sitzung nach S'/a Uhr mit einem ehrenden Nachruf für den verstorbenen hoch- verdienten Direktor des städttschen statistischen Bureaus Professor H i r s ch b e r g. Die Versammlung hört die Ansprache des Vorstehers stehend an. Die Ausschüsse für die Vorlagen betr. 1. die Aufnahme zweier Straßen am Schillerpark in den Bebauungsplan, 2. Zahlung eines Beitrages zu dem Chauffeebau Gütergotz- Philippstal und Tausch- geschäfte mit dem FiSluS in der Gemarkung Gütergotz bezw. in der Potsdamer Forst sind gewählt und konstituiert. Für die Ferienmonate Juli und August werden die Geschäfte deS Vorstandes abwechselnd von den beiden Borstehern und den Beisitzern Liebenow und Gericke wahrgenommen werden. Die auf der heutigen Tagesordnung stehende Vorlage betreffend die Erhebung einer Theaterbillett- und einer Lustbarkeitssteuer beantragt der Vorsteher bis nach den Ferien zu vertagen. Stadtv. Singer(Soz.): Ich bitte, dem Vorschlage des Vor- stehers keine Folge zu geben. Die Bürgerschaft ist mit Recht gegenüber dieser Vorlage beunruhigt, und die Sache muß so schnell wie möglich erledigt werden. Eine soforttae schnelle Ablehnung in allen ihren Teilen würde das einzige sein, was nach unserer Meinung dieser Vorlage gegenüber zu geschehen hätte. DaS Be- dauern, daß eine solche Borlage in Berlin möglich ist, ist allgemein; sie wird nur dadurch erklärlich, daß die neue Steuerpolitik deS Reiches auf Berlin abgefärbt bat. Wir halten diese Vorlage auch einer Ausschußberatung nicht für würdig. Stadtv. M-mmsca sFr. Fr.j: So einfach, wie Herr Singer sich es denkt, liegen die Dinge nicht. Es besteht ein früherer Beschluß der Versammlung; ohne eingehende Beratung und Ausschuß- Verhandlung kommen wir nicht zu Rande. Wir wollen aber nicht, daß so wichtige Dinge uns in der letzten Sitzung vorgelegt werden, darum stimmen wir für die Vertagung. Stadw. Jarobi(A. 2.): Wenn Herr Singer eine Extrasitznng beanttagt hätte, so würde ich das verstehen, aber mit der bloßen Ablehnung ohne Debatte geht eS nicht. Die Sache hat aber voll- ständig Zeit bis nach den Ferien. Stadtv. Ewald(Soz.): Versetzen Sie sich doch einmal in die Lage der Gastwirte, die jetzt ihren Etat ausstellen sollen, die ihre Geschäfte auf den Winter jetzt abschließen sollen I(Unruhe.) Stadtv. Mommsen: Geschäftsordnungsmäßig liegt die Sache so. daß die Vorlage nach der ersten Beratung an einen Ausschuß geht. Die Gastwirte sind absolut nicht besser daran, weim wir heute die erste Beratung vornehmen; der Ausschuß, der die An- gelegenheit weiter behandelt, wird doch erst nach den Ferien ge- wählt. Dem Antrage des Vorstehers entsprechend setzt die Mehrheit die Borlage vov der Tagesordnung ab. i Den Ankauf des Grundstückes Unionstr. 5 zwischen Bremer« und Oldenburgerstraße für Gemeindeschulzwecke hat der ein« gesetzte Ausschuß einstimmig abgelehnt. Ohne Debatte beschließt die Versammlung nach dem Ausschuß- antrage. � Die Vorlage wegen Errichtung eines VerwaltungS« gebäud es für die städtischen Gaswerke ist von dem nieder- gesetzten Ausschuß nach länger« Erörterung einstimmig angenommen worden. Danach soll dieses Gebäude auf dem ehe- maligen Waisenhausgrundstück und dem angrenzenden Grundstück Stralaucrstr. 57 errichtet werden. Der Vorentwurf wird vorbehaltlich der Entscheidung über die Kostendeckung ebenfalls zur Genehmigung empfohlen. Gleichzeitig soll die Versamnilung_ den Magistrat um Auskunft ersuchen, welche Bureauräume zurzeit m Mietsräumen untergebracht sind und welche Räume für die Allge- meine Verwaltung in absehbarer Zeit gebraucht werden.� Stadtv. Mommsen(N. L.): Wir stimmen trotz des einstimmigen Votums des Ausschusses in unserer großen Mehrheit gegen die Vor- läge. Das Bedürfnis erkennen wir an. aber in dieser teueren Gegend für ein doch lediglich Bureauzwecken dienendes Gebäude den Bauplatz zu wählen, halten wir nicht für angebracht. Stadtv. R-senow(Fr. Fr.) stimmt dem Ausschiißantrage zu und fragt, wie es mit dem 1898 beschlossenen Bau einer städttschen Zentralbibliothek steht, für die früher einmal dasselbe Grundstück in Aussicht genommen gewesen sei. Stadtv. Jacobi: Die Zentralbibliothek wird seinerzeit im Zentrum der Stadt erstehen, das bezügliche Projekt ist keineswegs vertagt. Das Verwaltungsgebäude für die Gaswerke gehört unbedingt ins Zentrum; der Stralauer Platz ist dafür nicht mehr zentral, da be- züglich der GaZfrage Berlin am Potsdamer Platz aufhört. Nachdem noch Oberbürgermeister K i r s ch n e r eine kurze Be- merkung gemacht hat, die aber für die Berichterstattertribüne im Zu- sammenhange nicht verständlich wird, gelangt die Vorlage mit großer Mehrheit zur Annahme. Den Bericht des Sonderausschusses für den Antrag Körte wegen Erweiterung der Infektionsabteilung des Krankenhauses am Friedrichshain durch Hinzunahme eines angrenzenden Terrainstreifens des letzteren erstattet Stadtv. Dr. Wehl(Soz.). Der Ausschuß hat mit 7 gegen 5 Stimmen beschlossen, der Versammlung vorzuschlagen, den Antrag Körte u. Gen. der Krankeuhausdeputation zu überweisen mit den: Ersuchen, ein Projekt vorzulegen, aus dem endgültig hervorgeht, wieviel Terrain vom Park Friedrichshain an das Krankenhaus Friedrichshain zur Erbauung der notwendigen Pavillons(zunächst zwei Quarantäne-, zwei JsolierpavillonS und ein Masernpavillon) abzutreten er- forderlich ist. Der Referent führsaus, daß die Hoffnung, die widerstrebenden Interessen der Park- und der Krankenhausverwaltung würden im Ausschüsse zur Ausgleichung gelangen, zu schänden geworden ist; eine genaue Angabe, wieviel Terrain benötigt sei, habe von den Mitgliedern der KrankenhauSverwalttmg nicht gemacht werden könnnen. Der Ausschußantrag wird angenommen. Zur Kenntnisnahme liegt vor die Uebersicht_ über die Fr e guenz indenGemeindeschule» am 1. Mai 1906. Stadtv. Dr. Arons(Soz.): Die Vorlage bedeutet eine hervor- ragende Etappe in der Beschränkung der Frequenz der Gemeinde- schulklasien; wir haben jetzt glücklich erreicht, was für gewisse Dorfschulen Gesetz ist: daß keine Klasse mehr als 60 Schüler haben soll. Daß die weiteren Etappen schneller erreicht werden, dazu besteht noch keine große Aussicht, denn in den Aufnahmeklassen haben wir noch immer Frequenzen von über 60, bis zu 63 Schülern. Die Zahl der Schüler gerade in diesen Klassen so hoch steigen zu lassen, ist der schwerste Fehler. der gemacht werden kann. Eine»Reihe von �.Schulen weisen solche überfüllte» Klassen neben gleichzeitigem Vorhandensein mehrerer leerer Klassenzimmer auf. Wir haben schon früher aus- geführt, daß an diesen Schulen nur ein Lehrer mehr angestellt zu werden brauchte. Der Magistrat wandte dagegen ein. es ginge nicht an, eine Klasse von 62 Schülern in zwei von je 31 Schülern zu teilen. Wie aber, wenn nian endlich mit der Trennung der Geschlechter bräche? Das wäre ein ausgezeichnetes Aushilssmittel und auch von großem pädagogischen und sonstigen praktischen Werte. Hätten wir in der Volksschule diesen gemeinsamen Unterricht ein- geführt, so würde auch in der Pflichtfortbildungsschule die Organisatton viel leichter sein, ein Beschluß wie der heute von der Schuldeputation gefaßte, die Errichtung der Pflichtfortbildungsschule hinauszuschieben, überflüssig gewesen sein. In fast allen katholischen Gemeindeschulen werden übrigens bis zur 4. Klasse hinauf Knaben und Mädchen gemeinschaftlich unterrichtet. Bekanntlich haben wir in Berlin trotz der Herrschaft_ der Liberalen nicht die Spur von einer Simultanschule, sondern überall die Kon- sessionsschule. In der Stralauer Allee 25a, ist die 225. Schule, daneben die 231., eine Mädchenschule, wo drei Knaben untergebracht sind, wie ich vermute, au» konfessionellen Gründen! Aehnliche Ver- häldnsse kommen in Berlin noch öfter bor. Auch bei den Ver» setzungen wird, wie ich fürchte, Rücksicht auf die Konfession ge- nommen, und ich möchte die Schuldeputatton bitten, hier einmal nachzuforschen. Ich weise noch darauf hin, daß in der Vor- läge die 55. Schule in der Chorinerstraße vergessen ist. In dieser Schule waren 14 Mädchenklassen vorhanden. Was ist aus ihr ge- worden? Seit Ostern sind in diesem Schulgebäude drei Klassen der neuen III. Oberrealschule untergebracht Liegt hier nur ein Ver» sehen vor? Stadtschulrat Michaelis: Diese Gemeindeschule besteht noch und wenn sie hier fehlt, so liegt da? an einem Versehen, dessen Ursprung ich im Augenblick nicht ausklären kann. Die Oberrealschule nimmt.' nur 4 Räume in Anspruch. Stadtv. Cassel(A. L.): Der Stadtv. Arons hat wichtige Fragen angeregt, auf die aber jetzt nicht eingegangen werden kann, da zur» zeit der Stadtschulrat für die Volksschule fehlt. Unsere Gemeinde-, schulen sind nach unserer Auffassung Simultanschulen; die Re- gierung bestreitet das allerdings. Die Frequenz der einzelnen, Klassen ist von Jahr zu Jahr in dankenswerter Weise weiter herab- gedrückt worden; wir müssen uns aber stets bemühen, hier noch weitere. Fortschritte zu erzielen. Das wind aber nur allmählich zu erreichen sein. Stadw. Arons: Wir sind in der Schuldeputation nicht ver- treten, wir müssen also unser so großes Interesse am Volksschul- wesen hier in der Versammlung bekunden. Wir haben doch tat- sächlich ein starr konfessionelles Schulsystem; bei einer katholischen Schule ist eine„evangelische Abteilung" eingerichtet! Für diq 55. Schule bitte ich um einen Nachtrag. Stadtv. Cassel: Herr Arons hätte uns von seiner Absicht, diese Fragen zu behandeln, vorher verständigen sollen; ohne Einsicht der Akten läßt sich doch darüber nicht debattieren. Stadw. Mommsen: Nicht die Freunde deS Herrn Kollegen Arons qllein haben„das allergrößte Interesse" am Berliner Volks- schulwesen, fondern dieses haben gleichmäßig alle Vertreter der Bürgerschaft.(Lebhafte Zustimmung.) Die Vorlage wird zur Kenntnis genommen. Bei der 3. O b e r r e a l f ch u l e soll eine zweite Sexta und bei den städtischen Realghmnasialklassen für Mädchen eine zweite Klasse VI eröffnet werden. Die Versammlung stimmt zu. Beim Bericht über den Geschäftsbetrieb der Sparkasse bringt Stadw. Jacobi erneut die Mißstände bei der Abfertigung des Publikums und verschicidene Mängel deS zum Teil beraltetcu Statuts zur Sprache. Stadtrat Gehricke stellt für September Mhülfe in Aussicht.■ Bei der Beratung der Vorlage betr. die Einführung des MillenniumlichteL in der Hammelhalle, dem alten Teile der Kälberhalle und in dem Börsensaale auf dem Viehhofe führt Stadtv. Kuhlmann Beschwerde über eigenmächtiges Vor- gehen des Dezernenten Stadtrat Hübner. Ueber die anderweite Bcleuchtungseinrichtung deS Börsensaales sei vom Kuratorium gar nicht Beschluß gefaßt wotldev. obwohl dies m deo Vorlage behauptet tBOKt *** Etadtv. Hiffmann r(€M.)'; Ich kann wich diesen Bemän- gelungen nur anschließen und konstatiere, daß wir auch die bczüg- Cichen Projekte, von denen in der Vorlage die Rede ist, nicht zu sehen bekommen haben. Stadtrat Hübner: Daß die Börsenhalle in die Vorlage hinein- gekommen ist, beruht allerdings auf einem Verschen.(HörtI hört!) Das andere ist aber in dem Kuratorium gründlich beraten worden. Stadtv. Hoffmann: Mitschuldig an der Sache ist auch der Ober- Inspektor Steinte. Auf dessen Vorschlag soll sich das Kuratorium mit gewissen Vorschlägen einverstanden erklärt haben. Davon ist kein Wort wahr, es ist nichts derartiges beschlossen worden. Das ist kein Versehen mehr, das nennt man im Volksmunde mogeln. tGroße Heiterkeit.) Oberbürgermeister Kirschner weist diese Insinuation ganz ent- schieden zurück; der Betreffende sei nach seiner ganzen Vergangen- heit über einen solchen Vorwurf erhaben. Ueber die Situation der Kronleuchter im Börsensaal sei das Kuratorium allerdings nicht gehört worden; vor der Ausführung werde das nachgeholt werden. Stadtv. Knhlmann zieht hierauf seinen Antrag auf Ausschuß- beratung zurück, während Stadtv. H o f f m a n n dabei verharrt, daß über die Börsenhalle kein Beschluß gefaßt werden dürfe, bevor nicht die Sache völlig in Ordnung sei. In getrennter Abstimmung werden darauf die Magistrats- antrage wegen anderweiter Beleuchtung der Hammelhalle, der alten Kälberhalle und auch des BörsensaaleS von der Mehrheit an- genommen. Der Magistrat empfiehlt, einem Projekt der neu begründeten Phönix. Reklamesäulen-Ges. m. b. H."(Stammkapital 500 000 Mark. Geschäftsführer Puttkamer, Direktor der.Normalzeit", G. m. b. H.. und Kaufmann Berg-Düsseldorf) wegen Aufstellung von lZS neuen Reklameuhren unter Beseitigung der vor- handenen 30 Cronbachschcn Uraniasäulen, beizutreten. Die neuen Uhren sollen auf allen 4 Flächen des Kuppelraumes Zifferblätter erhalten. Die jetzigen AspirationSmcteorographen sollen beseitigt und durch Thermometer und Barometer nebst täglicher Angabe des bortägigen Barometerstandes ersetzt werden. In mindestens 30 dieser Säulen sollen Fernsprechzellen zur öffentlichen Benutzung, an mindestens 6 Säulen Briefkasten für sog.„Spätlingsbriefe" an- gebracht werden. Die Leistung der Stadt besteht in der Hergabe des Bodens für die Aufstellung der Säulen auf 25 Jahre; der „Phönix" bietet dafür noch die Zahlung einer jährlichen Grund- gebühr von 10 000 M. auf die ersten 10 Jahre; später soll von 5 zu 5 Jahren je 50 M. mehr für jede Säule gezahlt werden. Die Vermehrung der Säulen soll namentlich den Außenbezirken zugute kommen. Stadtv. Gericke(Fr. Fr.) findet in dem Antrage und in dem Vertragsentwurf viel zu bemängeln und beantragt Ausschuß- beratung. Oberbürgermeister Kirschner: Die Frage der Zeitungskioske, auf die der Vorredner auch eingegangen Ist. gehört zum Ressort des nicht anwesenden Bürgermeisters Reick«; es würde daher später darauf zurückzukommen sein. Stadtrat Fischbeck: Die Gesellschaft„Phönix" ist nicht plötzlich entstanden, sondern nach langen Vorverhandlungen; die Gründung ist allerdings erst vollzogen wooden, nachdem der Magistrat sich für das neue System erklärt hatte. Bloße Uhren aufzustellen ist sehr kostspielig; die Reklame läßt sich nicht entbehren. Das Straßen- bild wird durch die neuen Säulen gewinnen. Von einem„Privileg" für die Gesellschaft kann keine Rede sein. Stadtv. Singer: Auch ich muß in der Verfügung über die Straßen und Plätze Berlins, wie sie in der Konzessionierung der Zeitungskioske liegt, eine Uebergehung des MitwirkungSrechtcs der Versammlung erblicken. Ob die neue Gesellschaft der Stadt ge- nügende Sicherheit bietet, scheint mir zweifelhaft. Prinzipiell sehen wir die Notwertdigkeit, die Kosten für derartig« öffentliche Einrichtungen durch Reklamen und dergleichen wieder aufzubringen, überhaupt nicht ein; die unS aufgemachte Kostenrechnung für bloße Uhren ist ungemein hoch und soll wohl nur als Schreckgespenst wirken. Jedenfalls brauchen wir für eine derartige Einrichtung Nicht die Mitwirkung von Privatgesellschaften Stadtrat Fischbeck hält an seiner Kostenrechnung fest, da nur richtiggehende Uhren Wert hätten und folglich eine dauernde Kon- trolle nötig sei. Stadtv. Mommsen tritt durchweg den Ausführungen Singers bei und bekennt sich mit seinen Freunden als prinzipiellen Gegner der Vorlage. Di« Stadt habe keine Ursache, die öffentlichen Uhren mit irgend welchem Reklamewesen zu verquicken. Stadtv. Michelet(Fr. Fr.) hält auch eine endliche Aufklärung über die Aufstellung der Kioske für notwendig. Es scheine satt, als ob der Bürgermeister Reicke annehme, die Versammlung habe bei dieser Platzfrage nicht mitzureden. Stadw. Cassel hält die Annahme der Vorlage zwar für un- bedenklich, will ober auch für Ausschußberatung stimmen. Es sei gar kein Malheur, wenn die Stadt bei einer solchen Anlage einen Teil der Kosten von einer Privatgesellschaft zurückerlangen könne, die Steuerzahler würden da? nicht übelnehmen. . Stadtv. Dinfe(Nr. L.) steht auf demselben Standpunkt. * Die Versammlung beschließt die Niedersctzung eines Aus« schusse». Die zu Michaelis d. I. und Ostern n. I. erfolgende Ver- ! e g u n g weiterer Klassen des Friedrich-Werderschen Gymnasiums nach Moabit macht die Errichtung einer weiteren Schulbaracke sowie einer Turnhallen- barocke auf dem städtischen Grundstück Bremer st raße 18/20 zum 1. Oktober d. I. erforderlich. Die Kosten(einschließlich der- jemgen für die Aptierung des ganzen Grundstückes) sind auf 68 000 M. veranschlagt. Die Versammlung gibt ihre Zustimmung. Für die spätere Ausführung der Straßenüberführung über den Nordring im Zuge der Putlitzstraße auf die Föhrer- straße zu ist Landerwerb in großem Umfange notwendig. Der Magistrat hat mit den betreffenden Eigentümern Unterhandlungen begonnen und proponiert zunächst den Erwerb der TerrainS der Maschinenfabrik und Eisengießerei C. Hummel(Eigentümer Kom- merzienrat Bialon). Von dem Grundstück(28 580 Quadratmeter) werden 5847 Quadratmeter gebraucht; die Ausscheidung eines Teiles des TerrainS der gesamten Anlage ist indes ohne nachhaltige Störung und Entwertung derselben untunlich. Die Forderung beläuft sich auf 1 548 000 M.. bis zum 1. Oktober hat der Eigen- tümer sich schriftlich gebunden. Stadtv. Wallach bezeichnet die Vorlage als unverständlich, da von einem Beschluß wegen Ausführung der betreffenden Brücke nichts bekannt sei, vielmehr seitens der Versammlung nur erneute Verhandlungen mit dem Eisenbahnfisius und den Interessenten Ende 1004 verlangt seien. Bei dieser Sachlage wäre eigentlich die platte Ablehnung der Vorlage angezeigt; nichtsdestoweniger sollte in einem Ausschüsse die eventuelle Rätlichkeit des Ankaufes geprüft werden. Die Stadtvb. Dlnse unv Kyllman»(Fr. Fr.s erklären Aus- fchußberatung für überflüssig, da die Vorlage aus das gründlichste geprüft und der Preis sehr billig sei. Stadrat Friedet tritt gleichfalls den Ausführungen Wallachs entgegen. Nachdem Stadtv. Wallach abermals betont hat, baß der Ragistrat mit der Vorlage einem Versammlungsbeschluß entgegen handele und eventuell die Versammlung auf unübersehbare Konsequenzen festlege, bemerkt Stadtbaurat Kraus«, daß letzteres keineswegs der Fall fein werde. Die Offerte des Herrn Bialon fei durchaus akzeptabel und ihre Annahme für den Brückenbau keineswegs präjudizierlich. In der weiteren Erörterung tritt Stadw. Cassel für den An- trag Wallach ein. Dieser Antrag wird jedoch abgelehnt und die Vorlage mit Kroßer Mehrheit angenommen. Schluß der öffentlichen letzte» Sitzung bor den Ferien gegen HC Uhr. GewerftfehaftUebes. Sencfeldetbund. Die„Volkszeitung" glaubt noch immer Veranlassung zu haben, sich mit dem Sencfelderbund beschäftigen zu müssen. Da aber der langatmige Artikel nicht einen einzigen Ge- danken enthält, der nicht schon wiederholt wiedergekäut worden ist, so mag sie einstweilen das letzte Wort haben. Der Artikel läuft ja nur auf Rechthaberei hinaus. Eines möchten wir aber dem nur zu gut bekannten Anonymus sagen: Im Hauptvorstand des Sene- felderbundcs ist die Meinung vertreten, daß der wichtige Prozeß mit seiner Vorgeschichte und seinen Begleiterscheinungen� unter Abdruck sämtlicher Aktenstücke, der Allgemeinheit in Broschürenform zu- gängig gemacht werden solle. Wir werden dafür sorgen, daß ER dann ein Gratisexemplar erhält, damit ER später, falls er Lust hat sich weiter an uns zu reiben, wenigstens das Material in den Händen hat. über das ER sich jetzt die Finger wund schreibt, ohne auch nur eine Ahnung davon zu haben. Selbst der„V o l k s z e i t u n g" scheint ja ein Licht über den Wert der Elaborate aufzugehen. Von der anfänglich ersten Stelle des Blattes ist ER schon bedenklich weit abgedrängt worden. Wir fürchten, daß ER, wenn ER weiter so in den Tag hineinredet, bald in der„Humoristischen Ecke" landen wird. Die Resolution 59 des Kölner Gewerkschaftskongresses sei unseren Lesern hiermit in Erinnerung gebracht, damit sie ihren Zweck nicht verfehlt.— Sie lautet:„Der fünfte Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands erklärt: Da die Agitation unter den Barbier- und Friseurgehülfen infolge der rückständigen Verfassung des fraglichen Gewerbes außerordentlich erschwert ist, und der BarbierinnungSbnnd einen„vorzüglichen Erkennungsdienst" unterhält, um den Gehülfen die Ausübung des Koalitionsrechtes zu versagen, ist eS notwendig. daß die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter jede sich ihnen als Kunden der Barbier- und Friseurgeschäfte bietende Gelegenheit zur Ausklärung der Gehülfen benützen und nötigenfalls ihren Einfluß geltend machen, um die Geschäftsinhaber zubewegen, das Koalitions- recht anzuerkennen." Anfragen und Matcrialbestellungen sind zu richten an F. Etzkorn, Hamburg 19, Osterstraße 163. Berlin und Hnigegend. Die Arbeiter der Schuhfabrik von Salli Rosenberg, Dircksenstr. 47, haben sich in den letzten Wochen in einigen Fabrikkonferenzen mit den Lohnverhältnissen einzelner Arbeiterkategoricn beschäftigt. Man kam schließlich überein, zu geeigneter Zeit Forderungen zu stellen. Die Hauptforderung der Zwicker lautete auf Freigabe der Fournituren und einige Lohnerhöhungen auf wenige Artikel. Die Einleister wünschten gleichfalls eine Verbesserung des Lohntarifs, während die Lohnarbeiter eine Erhöhung des Wochenlohnes verlangten. Doch war eS immerhin noch' sehr zweifelhaft, ob diese Forderungen wirklich unterbreitet würden, da gegenteilige Meinungen stark ver- treten waren. In diesem Stadium glaubte der Fabrikant den Arbeitern vorgreifen zu müssen. Er entließ zum Sonnabend unter nichtigen Vorwänden ein Mitglied des Ausschusses. DaS Verlangen, denselben wieder einzustellen, wurde zurückgewiesen. Die Kollegen faßten daraufhin den Beschluß, da der Kampf doch entbrannt ist, nunmehr ihre Forderungen einzu- reichen. Zu diesem Zweck wurde eine Kommisston am Dienstag vorstellig, doch ließ sich der Fabrikant auf nichts ein. und konnten deshalb die Wünsche der Arbeiter nicht unterbreitet werden. Am Ausstand beteiligt sind 100 männliche Arbeiter, die bis auf zwei dem Verbände angehören. ES ist niemand im Betriebe verblieben und wird auch hier der Fabrikant einsehen müssen, daß er durch seine provozierende Matzregelung sich selbst den schlechtesten Dienst er- wiesen hat. Die Ortsverwaltung des Zentralverbandes der Schuhmacher Deutschlands. Achtung. Former und Gießereiarbeiter! In der Metallgießerei der Firma Pohl Nachf. Ledien, Wcberstr. 7, sind Differenzen aus- gebrochen, infolgedessen die Kollegen die Arbeit niedergelegt haben. Wir ersuchen die Kollegen, den Betrieb zu meiden. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. GewerkschaftSbureau. Den Parteigenossen zur Kenntnis, daß die Eröffnung unseres Bureaus in Köpenick am 1. Juli im Hause Schönerlinderstr. 5 l erfolgt.(Telephon Nr. 135.)! Das Bureau ist geöffnet: wochentags 6— 0 Uhr abends, Sonntags 8— 10 Uhr vormittags. Alle unsere Organisation betreffenden Angelegenheiten werden vom genannten Datum ab im Bureau erledigt. Zentralverband der Handels-, Transport-, Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen. Verwaltung Köpenick und Umgegend. Achtung, Gummiarbeiter! Für die Hannoversche Aktien- Gummiwarenfabrik Hannover-Linden werden technische Gummi- arbciter gesucht. Wir ersuchen, Arbeit nach dort nicht anzunehmen. da die dortigen Kollegen sich im Streik befinden. Arbeiterfreund- liche Blätter werden um Abdruck ersucht, Fabrikarbeiterverband, Verwaltung Berlin, Linienstr. 215, Deutsches Reich. Die Unternehmer im Buchbindereigewerbe erlassen an ihre Mit- glieder«in neues Zirkular, das mit den bezeichnenden Worten fce- ginnt:„Schon aus dem Ausbleiben unserer regelmäßigen Aufträge wird Ihnen bemerkbar geworden sein, daß der Buchbinderstreik, der vor 7 Wochen in Berlin, vor 5 Wochen in Leipzig und vor 5 Wochen in Stuttgart ausgebrochen ist, einen größeren Um- fang angenommen hat, als vorauszusehen war." Und nun wird in dem Zirkular, wie schon seit langem, die brutale Aussperrung in einen Streik umge— logen, indem folgendes gesagt wird:„Die Solidarität und Hülfeleistung für unsere Kollegen wurde uns von der Arbeiterschaft übel vermerkt; diese weigerte sich, solche Streik- arbeit auszuführen, da et gegen ihre Ehre sei, ihren notleidenden Kollegen in Berlin in den Rücken zu fallen." Und nun klagen die Scharfmacher nicht bloß darüber, daß mitt- lere und kleinere Betriebe ihnen fern bleiben, sondern veranstalten auch ein Kesseltreiben gegen einen Großbetrieb. In dicken, fetten Lettern nennen sie den Namen dieser Firma Hübet u. Denk in Leipzig, die nicht nur nicht ausgesperrt habe, sondern der Chef und Obermeister der Leipzig» Buchbinderinnung schicke in derselben Zeit 70 seiner Leute mit einer Gratifikation von je 50 bezw. 80 M. in die Ferien. Uno dann schießt das Zirkular sein schioereS Geschütz ab: „Wir haben seit Wochen dem unkollegialischen Verhalten des Herrn Hübel zugesehen. Wir fühlen uns verpflichtet, dies«? Verhalten zunächst zur allgemeinen Kenntnis unserer Lieserauten zu bringen. Wir sind sicher, daß die Handlungsweise des Herrn Hübel bei unseren Lieferanten dieselbe einmütige scharfe Verurteilung finden wird, wie in dem Kreise aller Buchbindcreibesitzer. Ihnen, als unserem Lieferanten, muß ja an einer möglichst baldigen Beendi, gung des Streiks ehenso viel gelegen sein, wie uns. Und gerade Herr Hübel leistet durch sein Verhalten mittelbar wie unmittelbar der längeren Dauer des Streit« in erheblicher Weise Vorschub." Wir haben die Uneinigkeit der Großunternehmer schon oftmals erwähnt, aber daß sie sich bis zu diesem Haß gegen einzelne Unter- nehmer steigern würde, war doch nicht vorauszusehen. Dann aber zeigt sich hier abermals, wie weit der Terroriömus im Unternehmer- lager geht, daß man sich schlankweg über den K 253 hinwegsetzen zu können vermeint. Streik in Sommerfeld. Am Mittwoch war die dierzehntägige KündigungSftist abgelaufen. Da die Unternehmer bisher kein Eni- gegenkommen zeigten, haben fast sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen die Weiterarbeit eingestellt. Die TritilarbeittrauSsperrung in Euskirchen ist keineswegs, wie die bürgerliche Presse fälschlich meldet, mit der Wiederauf» nahm« der Arbeit bei Schiffmann u. Kleinertz erledigt, sondern die von den Unternehmern gekündigten Weber haben den Spieß um- gekehrt: Sie wollen nicht eher die Zurücknahme der Kündigung gelten lassen, bis auch ihre Forderungen erfüllt sind, mit denen sie die Kündigung den Unternehmer» beantwortet haben. Zuzug ist nach wie vor fernzuhalten. Klcmpnerstrcik in Hamburg. In einer von dem Deurfchen Metallarbeiterverbandc einberufenen Mitgliederversammlung zur Beschlußfassung über das Aufhören des Klempnerstreikes teilt der Referent mit, daß die Innungen bereit seien, den geforderten Stundenlohn von 70 Pf. vom l. September ab zu bewilligen, wenn die Gesellen am Donnerstag die Arbeit wieder aufnehmen würden. Nach einer langen Debatte wurde das Angebot verworfen und bc- schloffen, weiter zu streiken. Die Colmarer Holzarbeiter sind nunmehr ausgesperrt, nachdem die Organisation sich geweigert hat, die über eine Werkstätte ver- hängte Sperre aufzuheben. Die Aussperrung betrifft sämtliche große Betriebe, wo keine Kündigung besteht. TiusUrnd. Lohnforderungen schwedischer Eisenbahn». Die schwedischen Staatsbahnen beschäftigen dauernd neben dem fest angestellten Personal eine unverhältnismäßig große Zahl von Angestellten, die, als Extrapersonal bezeichnet, durch keine festen Arbeitskontrakte gebunden find und unter ungeregelten Arbeits- bedingungen zu leiden haben. Einige Distriktsverwaltungen der.Staats- bahnen suchen aber neuerdings ihrem Extrapersonal einen richtigen Sklavenkontrailt aufzuzwingen und sie auch an eine 14tägige Kündigungsfrist zu binden, um sie von einem Streik, der jetzt immer mehr unvermeidlich erscheint, abzuhalten. D» schwedische Eisenbahnerverband hat nämlich am 15. Mai Forderungen zu einer Regelung der Löhne des Extrapersonals eingereicht. Die Distrikts- Verwaltungen»kannten eine solche Regelung wohl als erstrebenswert an, vertrösteten aber das Personal auf das Jahr 1007. da der Reichstag dann über eine neue Lohnregelung für das fest angestellte Personal entscheiden soll. Das Extrapersonal in sämtlichen Ortsabteilungen des Eisenbahnerverbandes hat es jedoch abgelehnt, sich mit dieser Antwort zufrieden zu geben und ein Schreiben an die Distriktsverwaltungen gesandt, in dem verlangt wird, daß unmittelbar mit dem Verband über die Lohnregelung verhandelt werde. Trifft bis zum 17. Juli keine befriedigende Antwort ein, so soll über andere Maßnahmen beraten werden. ES wird den Distriktsverwaltungen hier deutlich genug gesagt, daß das Personal sich nicht mit Versprechmigen abspeisen läßt, sondern entschlossen ist, mit der ganzen Macht der Organisation für seine Forderungen einzutreten, wie das vor kurzem die Angestellten der Privatbahnen in Schonen mit Erfolg getan haben. Ein einziger Verband der Bergardeiter in Frankreich. AuS St. Etienne wird gemeldet: Am Schlüsse des Bergarbeiterkongresses wurden mehrere Kommissionen gewählt, um die behandelten Fragen eingehend zu siudieren. Hauptsächlich wird man über die Mittel zur Schassung einer großen Organisation beraten, welche alle fran- zösischen Bergarbeiterverbände zu einem einzigen verschmelzen soll. Streik der Erdarbeiter. Die Erdarbeiter bei der Untergrundbahn in Paris sind in den Ausstand getreten, sie verlangen einen Lohn- zuschlag von 1 Franl pro Tag und motivieren diese Forderung damit, daß die Arbeiten augenblicklich infolge der Bodcnbefchaffen- heil überaus schwierige seien. Landarbeiterstreik. Das Lemberger ruthenische Streikkomitee hat für den 17. Juli den allgemeinen Agrarstreik i» Ostgalizien be- s-hlossen._ Letzte JVacbricbtcn und Depcfcben., Die Rachwahl in Iserlohn.'<- Altena, 28. Juni.(W. T. B.) Nach vorläufiger Feststellung ist das Gesamtergebnis der gestrigen Ersatzwahl im Reichstagswahl-: kreise Altena-Jserlohn folgendes: Abgegeben sind 34 188 Stimmen, Davon erhielten Haberland(Sozi) 10547, Klocke(Z.>, 7774,. Müller(frs. Vp.) 7873, Haarmann(natl.y 6552 und Rüffer: (christl.-soz.) 1637 Stimmen, zersplittert 5 Stimmen. ES wäre. somit Stichwahl zwischen Haberland und Klocke, Beendigung de» Klempnerstreik» in Hamburg. Hamburg, 28. Juni.(Privatdepesche des„Vorwärts".)� Der Klempnerstreik ist zugunsten der Gesellen beendet. Der Stundenlohn von 70 Pf. tritt am 1. August in Kraft, Die Arbeit wird am Freitag aufgenommen, Unsere Kolonie». � Berlin, 28. Juni. s schickt worden seien. Die Soldatenmcuterei i» KurSk. Wir sind imstande, näheres über die Meuterei des in KurSI Untergebrachten Koslowschen Regiments zu bringen. Die Unruhen begannen unter den unlängst aus der Mandschurei zurückgekehrten Kompagnien des genannten Regiments auf folgende Weise: Die Soldaten verweigerten den Wachtdienst und beriesen eine Bersammlung, an der sich 1000 Mann beteiligten, ES wurden folgende Forderungen gestellt: 1. Erhöhung der MontierungZfummen; 2. unverzügliche Entlastung der Soldaten, deren Dienstzeit schon im Jahre 190o abgelaufen ist; 3. das Recht, in der freien Zeit außer- halb der Kasernen zu verweilen; 4. dnS Recht deS unbeschränkten Besuches von Theater- und anderen Vorstellungen: ö. die Abschaffung der Uebunge» vox und nach dem Wachtdienste: 6. Verbesserung der Truppeuverpflegung.— Ferner wurde beschlossen, die Forderungen der LleichSduma zu unterstützen und für die am 17./30. Oktober versprochenen Freiheiten zu kämpfen. Der Kommandeur des Regiments, Oberst Jcwdokimoff, versuchte das Meeting zu vereiteln und die Redner mit blanker Waffe zum Stillschweigen zu bringen. Sein Versuch mißglückte und hatte bloß zur Folge, daß seine Uniform ein wenig zerknittert wurde. Das Meeting aber dauerte ruhig fort. Darauf wurden Soldaten anderer Regimenter und Kosaken herangezogen, um das meuternde Regiment zum Gehorsam zu ztvingen. E i n st i m m i g weigerten sich die Herbeigerufenen, gegen ihre Kameraden einzuschreiten. Kriegsznstand und„außerordentlicher Schutz". Petersburg, 28. Juni.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Ueber die Stadthauptmamischaft Kertsch Jenikol(Gouverne- meut Tannen) ist wegen der dort herrschenden bedeutenden Unruhen der Kriegsznstand verhängt worden. Petersburg, 28. Juni.(Meldung der Petersburger Telegraphen Agentur.) Der über Bcrditschew, Taganrog, das Dongebiet, Nishnij Nowgorod und die Bahnlinie Moskau�Nishnij Nowgorod sowie über die Stadt und den Kreis Hömel verhängte außerordentliche Schutz ist bis auf weiteres verlängert worden. Die Streiks. Petersburg, 28. Juni. Der Feldarbciterausstand in dem Distrikte von Brest-Litowsk ist allgemein. Im Jndustriebezirk von Juzowski sind 1S0OO Arbeiter eines großen Werkes ausständig. Dragoner- abteilungen sind zur Aufrechterhaltung der Ordnung eingetroffen. Wjera Sassulitsch lebt. Wir lesen in der„St. Petersburger Zeitung": Die von den Blättern gebrachte Mitteilung, wonach Wjera Sassulitsch in Jalta ermordet worden wäre, entbehrt jeder Be- gründung. Wie die»Birsh. Wed" erfahren, ist Wjera Sassulitsch bei bestem Wohlsein; in Jalta hat sie sich überhaupt nicht auf- gehalten. Amerika wagt es. Washington, 28. Juni. Präsident Roofevclt bat sich da mit einverstanden erklärt, daß die von beiden Häusern des Kongresses gemeinsam gefaßte Resolution, in der dem Abscheu des Volkes der Vereinigten Staaten über die Judenmetzeleien in Rußland Ausdruck gegeben ist, dem Staatsdepartement übermittelt und amtlich bekannt gegeben werde. Aus de» Gefäuguisseu. Ueber die in den Moskauer Gefängnissen herrschenden Zustände sind dieser Tage wieder Enthüllungen in die russische Presse gedrungen, die der Gefängnisadministration keineswegs angenehm sein dürften. Es handelt sich um ein offizielles Memorandum, das das Mitglied des Aufsichtsrats des Moskauer Gefängnis-Wohltätigkeitskomitees, Rechtsanwalt Alexejew, dem Gouverneur unterbreitet hat. Man höre: „Soeben habe ich das Gouvernementsgefängnis besucht und Ge- legenheit gehabt, die unterirdischen(I) Karzer in Augenschein zu nehmen. Der Eindruck war ein entsetzlicher. Er veranlaßt mich, Sie sofort von allem Gesehenen in Kenntnis zu setzen. Die Raum Verhältnisse(ll'/aXl'/v Arschin)*) und die Form dieser steinernen Säcke mögen vielleicht gesetzmäßig sein, allein die Karzer befinden sich tief unter der Erde und sind infolgedessen so feucht, daß die steinerne Diele vollständig naß ist und die Röhren der Dampfheizung mit einer dicken Rostschicht bedeckt sind. In diesen unter- irdischen Gräbern müssen die Eingekerkerten auf der nassen Diele sitzen oder liegen; denn Sitzgelegenheiten sind nicht vorhanden, weder Bänke noch TaburettS oder wenigstens ein hölzernes Brett. Zur Nacht erhält der Gefangene eins Strohmatratze, von denen ich eine gesehen habe. Sie war schmutzig und feucht und mußte am Tage z.um Trocknen ausgehängt werden. Nicht einmal einem schlecht gepflegten Hunde könnte man solch einen Sack anbieten. Kopf listen gibt es nicht, nicht einmal Holzklötze zur Herstellung einer Kopfftclle. Das Gesetz bestrast die Verbrecher sogar mit dein Tode, doch gibt es keinen Kodex, nach welchem Verbrechen mit Krankheiten gerächt werden. Das ist aber in den beschriebenen Zellen unvermeid- lich. Im Namen Gottes und der Menschheit muß man sofort außer- ordentliche Maßregeln ergreifen, um diese Karzer aus der Welt zu schaffen. Die Besichtigung habe ich in Begleitung des Prokureur- gehülfen S. M. Kirillow vorgenommen." Kitt was es sich bei der Aussperrung der Kuchbinder handelt! Ueber den Kampf, der seit dem 1. Mai im Buchbindergewerbe tobt und der von beiden Seiten mit äußerster Heftigkeit geführt wird, herrschen die widersprechendsten Ansichten nicht nur in den Kreisen des Bürgertums, sondern auch innerhalb der Arbeiterschaft, so daß es gut sein wird, loenn wir den Grund und die treibenden Kräfte der sich abspielenden Vorgänge hier bloßlegen. Zunächst einiges zur historischen EntWickelung der Tarifgemeinschaft im Buchbindergewerbe. Die Buchbinderei ist erst Ende der sechziger und Ansang der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts m die Reihen der groß- industriellen Gewerbe eingerückt. Die ersten größeren Lohnkäinpse fanden im Jahre 1873 statt, bei denen es in Leipzig zur Schaffung eines Lohn- und Atkordtarifes kam. Das weibliche Element kam zu jener Zeit noch nicht in dem Maße in Betracht wie heute, wurde übrigens von den männlichen Arbeitern nicht für voll angesehen und fand daher damals bei der Festsetzung her Lohn- und Arbxitsbedin- gungen keine Berücksichtigung. Leipzig blieb bis zum Jahre 1890 diejenige Stadt, in der bei jeder Lohnbewegung der Buchbinder der Akkordtarif eine wichtige Rolle spielte, während das gleiche Bestreben in Perlin und Stuttgart weniger in den Vordergrund trat, weil die Akkordarbeit hier nicht die Be'deutung hatte Ivie in Leipzig. Seit dem Jahre 1900 gehören aber die drei genannten Städte einer Tansgemeinschaft an, die zwischen dem Verband deutscher Buchbindereibesitzer und dem Deut- schcn Buchbinderverband abgeschlossen wurde. Als eine ganz ein- heitliche konnte diese Tarisgemeinfchaft freilich niemals bezeichnet werden, indem nicht nur die Stundenlöhne teilweise bedeutende Unterschiede aufwiesen, sondern auch in Berlin Sondertarife für Vorrichter und Arbeiterinnen bestanden, die höhere Preissätze wie in dem allgemeinen Tarif enthielten, wohingegen in Leipzig und Stuttgart Männerarbeiten, die yon Frauen hergestellt wurden, ge- ringer entlohnt werden konnten, als die Sätze des allgemeinen Tarif? zuließen. Diese buntscheckige, ungesunde Vielseitigkeit ent- sprang Verhältnissen, die in der vortariflichen Zeit sich eingenistet hatten und die auf einmal nicht beseitigt werden konnten. Diese offenbaren Mängel sollten bei der diesmaligen Erneue- rung der Tarisgemeinschaft möglichst ausgemerzt und außerdem der Kreiß der Tarisgemeinschaft weiter gezogen werden. Daß dies keine leichte Aufgabe sei, wußten auch die führenden Personen im Buchbinderverband. Sie wußten auch, daß solche durchgreifenden Veränderungen möglichst unter Mitwirkung der Prinzipale zu ge- schehen hätten und sie wandten sich deshalb bereits im Januar d. I. an den Buchbindereibesitzer-Vcrband, um mit ihm in gemeinsamen Verhandlungen die schwierige Materie zu regeln. Leider fand der Buchbinderverband statt eines Entgegenkommens die schroffste "1 1 Arschin--- 71 Zentimeter. Zurückweisung, indem ihm in einer Unterredung mit dem Buch- bindereibesitzer-Verband das Ultimatum gestellt wurde: Die Tarif- gemeinschaft so wie sie besteht auf weitere 5 Jahre gelten zu lassen, ohne daß nur ein Punkt geändert würde; anderenfalls würden die Prinzipale nach dem 1. Mai ihre Maßnahmen treffen. Mit diesen„Maßnahmen" zögerte man auch nicht, und zwar nahm man die Maifeier in Berlin zum Anlaß, um auch den größten Teil der völlig unbeteiligten Arbeiter in Leipzig und Stuttgart aufs Pflaster zu werfen.. Die späteren Vorkommnisse sind ja bekannt: nur so viel sei daher gesagt, daß man den bisherigen Scheingrund für die geschehene Slussperrung, die Maifeier, völlig fallen gelassen hat und offiziell seitens des Vorstandes des Deutschen Buchbinderei- besitzer-Verbandcs brutal, aber wenigstens wahrheitsgemäß, cr« klärt:> „Wir erkennen den Buchbinderverband nicht mehr an.— Unsere Mitglieder geben Mitgliedern Ihres Verbandes keine Stellung in ihren Betrieben." Die Begründung für diese industriefeudalen„Maßnahmen" ist genau so fadenscheinig wie diejenige vor acht Wochen. Dafür, daß der Buchbinderverband ganz gewaltige Opfer gebracht hat, um die Lohn- und Ilrbeitsverhältnisse außerhalb des Bannkreises der Tarif- gemeinschaft zu heben und andere Städte für die Tarifgemeinschaft reif zu machen, während der Prinzipalsvcrband nicht einen Finger krumm gemacht hat, wird ihm noch der Vorwurf zuteil, hinter dem Rücken seiner Tarifkontrahenten Sondextarise abgeschlossen zu haben. Seine„große Unwissenheit in wirtschaftlichen Fragen" soll der Buchbinderverband auch dadurch bewiesen haben, daß er die fluch- würdige Heimarbeit beseitigen wollte, die leider mehr und mehr Ein» gang im Berufe findet. Trotzdem der Bnchbindereibesitzerverband in einem offiziellen Schreiben vom 21. März 1900 unumwunden zugibt, daß„die Kosten der Lebenshaltung des Einzelnen auch in den letzten Jahren weiter gestiegen sind",»erweigert er in demselben Schreiben mit einer ganz unverständlichen Logik,„aus diesem Grunde eine Erhöhung der Minimalstundenlöhne und der Akkordlöhne zu bewilligen." Von einem sozialpolitischen Verständnis oder gar einem Eni. gegenkommen gegenüber berechtigten Forderungen merkt man bei den Arbeitgebern des Buchbindergewerbes nichts. Das unverfälschte Scharfmachertum spielt auch hier die Trümpfe aus, was nicht wunder zu nehmen braucht, wenn man bedenkt, daß der Vorsitzende des Unternehmerverbandes zugleich 2. Vorsitzender des Verbandes säch- sischer Industrieller ist. Er fühlt sich als ein kleiner Stumm, und in swlzer Ueberhebung glaubt er den Buchbinderverband mit Stumps und Stiel ausrotten zu können. Das wird ihm auf keinen Fall gc- lingen. Aber der Kampf ist unzweifelhaft ein sehr schwerer, und es wird nicht nur der ganzen Kraft des Vuchbinderverbandes selbst, sondern auch der Hülfe der übrigen Arbeiterschaft bedürfen, tvenn er aus demselben mit Ehren hervorgehen soll. Braucht man auch keine Furcht wegen der beabsichtigten Ver- nichtung deS Verbandes zu haben, so liegt doch die Gefahr nahe, daß er für die nächste Zukunft für das wichtigste Gebiet seiner Tätigkeit ausgeschaltet wird. Und darum handelt es sich in erster Linie>8 dem dem Buchbinderverband aufgezwungenen Kampf. Hus der Partei. Erklärung. In der Generalversammlung des Metallarbeiterberhandes, die am 24. Juni in der„Neuen Welt" tagte, hat der Genosse Cohen gegenüber einer Erklärung des Genossen Düwell, daß die Preß- kommisflon aus eigener Initiative zu der Neugründung eines Metallarbeiterverbandes Stellung genommen habe, laut Bericht im „Vorwärts" vom 26. Juni folgendes ausgeführt: „UebrigenS sei Düwell bezüglich der Preßkommisston falsch unterrichtet: Erst auf Veranlassung der Ortsverwaltung habe sie dem neuen Verbände den„Vorwärts" gesperrt." Demgegenüber erklären wir: In der Sitzung der Preßkommisston vom 0. Juni beschäftigte diese sich auf Anregung des Genossen Mayer mit der fraglichen Neugründung. ES wurde ausdrücklich fest- gestellt, daß weder die Gewerkschaftskommission, noch der„M.-V." an die Preßkommission mit Anträgen oder Wünschen herangetreten sind. Daraufhin wurde widerspruchslos beschlossen, der netten Organisation den„Vorwärts" zu sperren und an die Gewerkschaftskommission das Ersuchen zu stellen, Einigungsverhandlungen in die Wege zu leiten. Am 7. Juni früh hat der Obmann der Pretzkommission diesen Beschluß der Gewerkschaftskommission telephonisch übermittelt und am 3. I u n i die Mitteilung wiederholt. Am Nachmittag dieses TageS fand dann die Ar�schußsitzung statt, in der über die Sache verhandelt wurde. In dieser Sitzung ist übrigens auch noch konstatiert worden, daß die Preßkommission nicht auf Veran- lassung des Metallarbeiterverbandes, sondern aus eigener Initiative Stellung genommen hat. Die obige Behauptung des Genoffen Cohen ist mithin nach jeder Richtung unwahr. Gleichzeitig sei auch noch festgestellt, daß der Genosse Freythaler in der PreßkommissionSsitzung nicht gegen die Sperrung deS„Vor- wärt«" für die neue Organisation sich ausgesprochen hat, er hat lediglich dafür plädiert, daß Versuche gemacht werden sollten, die Zwistigkeiten innerhalb der Organisation beizulegen. Die Preßkommission. Ein Slrtikel und zwei Opfer. Unter der Spitzmarke:„Im G a r n i s o n l a z a r e t t" ver« öffentlichte die„Sächsische Arbeiterzeitung" Ende Juli 1905 eine Skizze, die in der Hauptsache eine allgemein gehaltene Schilderung des Lebens und Treibens in einem Lazarett war. Die Säle und Gänge einer solchen Anstalt werden geschildert, und schließlich ver- weilt der Verfasser im Saale der Schwerkranken, wo ein Unter- offizier einige Kranke schikaniert und ein Assistent unter cynischen Redensarten in oberflächlicher Weise seines Amtes waltet. Es war eine allgemein gehaltene Abhandlung, die allerdings einige lokale Anklänge hatte; es schien aber ausgeschlossen, daß jemand eine Kritik der Zustände im Dresdener Garnisonlazarett darin er- blicken könnte. Dennoch stellte das Kriegsministerium Strafantrag. weil durch den Artikel das Personal des Dresdener Lazaretts beleidigt worden sei! Vor der bekannten Becker-Kammer kam die Sache zur Verhandlung. Obwohl Professor Dr. Schumann als Sachverständiger pesiandete, es handle sich um eine allgemein ge- haltene Schilderung von künstlerischem Werte, in der ohne Lokali- sierung ganz allgemeine Zustände beim Militär in d e r Weise ge- schildert würden, wie die Beherlein und Frhr. v. Schlicht mehrfach getan hätten, wurde Genosse R i e m zu 6 W o n a t e n Gefäng- niS verurteilt. In dieser iSerhandlung schon kam zum Ausdruck, daß der Land- gerichtSdirektor Becker in dem Genossen Wendel den Verfasser der Notiz vermutete. W. wurde auch als Zeuge vernommen; er ver- weigerte aber, nach der Verfasserschaft befragt, die Aussage, worauf der Vorsitzende erklärte, er überlasse eS der Staatsanwaltschaft, die vötigev Konjezuenzen daraus zu ziehen!— Daraufhin wurde gegen W.. der inzwischen nach Chemnitz «Übergesiedelt ist, das Verfahren eingeleitet, das am Mittwoch Wieder t'or der„Bccker-Kammer", die Genosse W. vergeblich wegen-Befangenheit abgelehnt hatte, zum Austrag kam. Genosse Wendel bekannte sich als Verfasser, bestritt aber entschieden, daß er mit seiner novellistischen Skizze etwas anderes habe geben wollen als Eindrücke, die er als kranker Soldat im Garnisonlazarett zu Straßburg empfangen hatte. Es habe ihm fern gelegen, den Ein druck zu erwecken: die von ihm geschilderten Zustände beständen im Earnisonlazarett zu Dresden. Der Sachverständige, Professor Dr. Schumann, er- klärte, er habe in der Skizze keine Spitze gegen die Dresdener Garnisonverwaltung erblickt, es sei vielmehr eine allgemein gehaltene, künstlerisch aufgebaute Schilderung, in der Wahrheit und Dichtung wie in vielen Novellen zu einem eindrucksvollen Bilde verwoben seien. Es sei nicht anzunehmen, daß die Leser der „Arbeiterzeitung" etwas anderes, etwa eine Schilderung von Zu- ständen im Dresdener Garnisonlazarett, darin erblickt hätten. Da der Vorsitzende bezweifelte, daß die Leser der„Arbeiter- zeitung" für künstlerische Zwecke besonders empfänglich seien, er- klärte der Sachverständige auf Befragen: die Tatsache, daß die Arbeiterzeitungen ihren Lesern durchweg gute und bessere Romane bieten als die bürgerliche Presse, beweise, daß die sozialdemokratische Presse große Anforderungen an daS. künstlerische Verständnis ihrer Leser stelle. Nach einer vorzüglichen Verteidigungsrede deS Genossen Rechts- änwalts Heine-Berlin wurde Genosse Wendel zu 3 00 M. Geld- strafe verurteilt.— Wie schon erwähnt, erhielt derselben Sache wegen Genosse Riem, der die betreffende Nummer der„Sächsischen Arbeiterzeitung" verantwortlich gezeichnet hatte, 6 Monate Gefängnis, obwohl er betont hatte, daß er die Notiz versehentlich vor der Drucklegung gar nicht zu Gesicht bekommen und sie erst gelesen habe, als die Zeitung schon verbreitet war. Genosse Riem wird nach dem Aus- gange dieses Prozesses das Wiederaufnahmeverfahren anstrengen. M.-Gladbach. Auf der Kreiskonferenz der Parteigenossen des M.-Gladbacher Wahlkreises wurde an Stelle des gegenwärtig im Wahlkreis Altena-Jserlohn aufgestellten Genossen Haberland der Genosse Dr. H. Laufcnberg-Düsscldorf zum Reichstagskandidaten nominiert. Bezüglich der Parteipresse nahm die Konferenz nachstehende Resolution an: „Die am 24. Juni in M.-Gladbach tagende Kreiskonferenz des Wahlkreises M.-Gladbach erblickt in einer Verschmelzung der „Niederrheinischen Volkstribüne" mit der„Volkszeitung" einen für die gesamte Arbeiterbewegung am Niederrhcin notwendigen Fort schritt, und zwar aus folgenden Gründen: 1. Eine an Umfang und Auflage große Zeitung ist besser in der Lage, ihre Leser durch wissenschaftliche und aufklärende Artikel zu klassenbewußten Kämpfern zu erziehen. 2. Nur eine große Parteizeitung am Niederrhein ist imstande, der von der Zentrale M.-Gladbach aus betriebenen systematischen Bekämpfung der Partei- und Gewerkschaftsbewegung nachdrücklich und ausgiebig entgegenzutreten. 3. Ferner sind die kleineren Jndustrieorte mit schwacher Arbeiterbewegung kampfesfähiger zu erziehen, wenn sie die Agitationsform der großen Städte mit guter Bewegung lesen und studieren können. 4. Durch die spärlichen Raumberhältnisse eines Kopfblattes ist die Vertretung der Gewerkschafisinteressen nicht in ausgiebiger Weise möglich. Wir fordern deshalb alle politischen Organisationen des Leserkreises der„Volkstribüne" auf, in den Versammlungen Stellung zur Verschmelzung zu nehmen." Die Beschickung des diesjährigen deutschen Parteitages wurde abgelehnt. Ein finnländischer sozialdemokratischer Pressekongreß findet am 8. und 9. Juli dieses Jahres in Abo statt. In der Einladung, die von den Genossen Valpas, Taino, Rissancn und Leppanen unter- zeichnet ist, werden folgende Fragen zur Behandlung vorgeschlagen: Das Verhältnis zwischen unseren Zeitungsorgancn und unserer Partei; die'ökonomischen Verhältnisse unserer Zeitungen; Gründung eines Presseverbandes, dessen Statut und Programm. Jeder sozialdemokratischen Zeitung wird anheimgegeben, einen Vertreter zum Kongreß zu senden; auch der Vorstand der sozial demokratischen Partei wird vertreten sein. Soziales. Künstliche Vermehrung der Leutenot durch den Bund der Landwirte. Einen interessanten Beleg dafür, wie Schlot- und Krautbaron Arm in Arm gehen und wie insbesondere der Bund der Landwirte auf Vermehrung der Leutenot bedacht ist. geben folgende, von unserem Rostocker Bruderorgan veröffentlichte Schriftstücke: Schwerin i. M., den 25. Juni 1006. Aufruf 1 An die Herren Arbeitgeber in den Landwirtschaftsbetrieben in Mecklenburg-Schwerin.• In Schwerin streiken seit acht Wochen die Bauarbeiter in einer Zahl von etwa 400 Mann, weil ihnen der geforderte Lohn von 43 Pf. pro Stunde von den hiesigen Bauarbeitgebern nicht bewilligt wurde.... Nach umlaufenden Gerüchten suchen jetzt die hiesigen streikenden Bquarbciter Beschäftigung auf dem Lande in der Umgegend von Schwerin. ES ist wohl erklärlich, daß bei der bevorstehenden Ernte jeder Sandmann gerne hülfreiche Hände willkommen heißt, anderer- seits wird aber dadurch, daß auf diese Weise die streikenden Bau- arbeiter willig aufgenommen werden, der Streik verlängert und— der Lohn höher getrieben. Die Bitte des unterzeichneten Vereins geht nun dahin, d i J e r r e n Arbeitgeber in den L a n d w i rt s ch a fts- etrieben wollen die hiesigen Bauarbeitgeber in diesem Lohnkampfe unterstütze» dadurch, daß die hiesigen streikenden Leute in den Landwirtschaftsbetrieben k e i n U n t e r k o m nr e n finden. Hochachtungsvoll Arbeitgeber-Verband für daS Bangewerbe im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Eingetragener Verein. Gez.: L. Clewe, Vorsitzender. .» Vorstehende Bitte des Arbeitgeber-Verbandes der Baugewerks- meister in Mecklenburg unterstützen wir auf das wärmste und bitten daher alle Herren Gutsbesitzer, Pächter und Erbpächter in ritterschaftlichen und Domanialämtern Schwerins, keine der streikenden Bauarbeiter Schwerins diesen Somnier in Arbeit zu nehmen. Auch wir stehen auf dem Standpunkte, daß alle Arbeit« geber, den überhandnehmenden Streiks gegenüber, fest zusamineu stehen müssen. Bund der Landwirte. Gez.: H. C. Bock-Gr.-Brütz. Schubart-Gallentin. Der Bund der Landwirte wird selbstredend ebenso wie der Arbeitgeberverband demnächst über den Terrorismuö der— Arbeiter und über Leutenot wehklagen. Solche Vorkommnisse zeigen, wie notwendig der von der fozialdemokratischen Fraktion wiederholt«er- laiigte Schutz der Arbeitskraft ist. Wir möchten, trotzdem Schwerin in Mecklenburg liegt, den durch die Boykottierungeir getroffenen Arbeitern raten, auf diese Aechtuug ihrer Arbeitskraft mit einen» Schadenersatzprozeß gegen den Arbeitgeberverband und den Bund der Landwirte zu klagen. Bilder aus dem BergmattilZleben. Die ebenso heimtückische wie ansteckende Wurmkrankheit ist bekanntlich durch ausländische Arbeiter in die Kohlenbecken Westfalens und Schlesiens eingeschleppt worden. Unternehmertum und staatliche Organe leugneten zunächst die Ein- schleppung und die Gefahr einer'Einschleppung trotz aller lebhaften Remonstrationen der Arbeiter. Nie hätte die Seuche in Deutschland den Umfang angenommen, den sie angenommen hat, wenn die Warnungen und Hülserufe der Arbeiter um ihre Gesundheit die erforderliche Beachtung sofort gefunden hätten. Wie wenig rücksichts- voll trotz aller in der Presse und im Parlament erhobenen Klagen die Untersuchungen auf Wurm auch jetzt noch vorgenommen werden, und wie auch hier dem Arbeiter Lasten aufgebürdet werden, zeigt die nachstehende aus Bergmannskreisen uns zugehende Schilderung: Nach den bergpolizeilichen Vorschriften ist die Untersuchung auf Wurm obligatorisch; d. h. jeder, der beabsichtigt, Grubenarbeit zu verrichten, muß ohne Ausnahme sich der vorgeschriebenen Unter- suchung unterwerfen. Gleichviel in welchem Berufe und an welchem Orte er früher tätig gewesen ist. Da der Wurm hauptsächlich im " nnern der Eingeweide, der Gedärme sich vorfindet, so ist sein iorhandensein nur durch Untersuchung der Ejkremente, des Kotes festzustellen. Der neuangeworbene Bergarbeuer mutz nun zunächst auf die Wurmstation, auf den„Pott", wie die Westfalen fo schön sagen. Was ist nun eine Wurmstation? Ein ganz ordinärer Lokus. Eine„Leimrute", auf der jedermann männiglich seine Notdurft verrichtet I Nur mit dem Unterschiede, daß hier jeder Ein- und Ausgang gewissenhaft registriert wird. In der Latrine mit dem euphemistischen Namen Wurmstation befindet ich im Vorräume des„Allerheiligsten" eben jener Leimrute ein großes Gestelle nach Art der Warenregale in Kaufhäusern. Auf diesem Regale stehen Töpfe mit Deckeln; zirka 1 Liter fassend. Diese Töpfe nun haben die Bestimmung— halten Sie sich bitte die Nafe zu—, die menschlichen Exkremente, den Kot,„wann und frisch" in sich aufzunehmen. Die Bude, in der sich diese sekreten Wichtigkeiten befinden, ist zu der Zeit des Tages, in welcher sie geöffnet ist, ständig umlagert und„besetzt". Nach berggesetzlicher Vorschrift müssen die in Arbeit Gehenden Bergleute sich alle Vierteljahre erneut einer Unter- u ch u n g unterziehen. Daraus erklärt sich die starke Frequenz des Ortes. Jeder hat an drei möglichst aufeinander- olgenden Tagen zu erscheinen. Ein Schreiberbürschchen besorgt mit unnachahmlicher Grandezza und Würde die Kontrolle. Der„Patient" wird zunächst nach Namen und Alter be- fragt, seine Angaben schreibt der Jüngling auf einen Zettel, verinerkt darauf auch, das wievielte Mal der betreffende Mann erscheint, durchbohrt den also beschriebenen Zettel mit seinem Bleistift und händigt ihn mit hoheitsvoller Geberde dem Jnquirierten ein. Dieser nimmt nun einen der dastehenden emaillierten Litertöpfe mit Deckel, heftet den Zettel daran, begibt sich ins Allerheiligste, setzt sich neben die anderen auf die Leimrute und verrichtet— so gut oder so schlecht es eben geht— seine Notdurft. Etwas davon in den Topf. Nachdem die„anziehende" Tätigkeit beendet, der Topf mit angeheftetem Zettel und obligatem Inhalt in das Regal zurück gestellt ist, verläßt der Mann„erleichtert"— in zwiefacher Be� ziehung— die Anstalt, um anderen TageS wieder zu kommen. Man verzeihe mir; die Schilderung des Obigen mit allen Einzelheiten war aber notwendig, weil sie zeigt, wie Profitsucht und brutale Rücksichts- losigkeit dem sittlichen und ethischen Enrpfin den der Arbeiter einen vernichtenden Schlag ver- s e tz t I Man vergegenwärtige sich: Jung und Alt, ergraute Männer und kaum dein Knabenalter entloachsene Jüng- linge nebeneinander auf der„Leimrute" den ominösen Topf hinter sich haltend. Bei einer Beschäftigung, die der Durch- schnittsmensch in stiller Abgeschiedenheit, ohne darüber zu reden, vor- nimmt. Daß die Untersuchung im sanitären Interesse ungezählter Tausende von Volksgenossen eme Notwendigkeit ist, soll nicht be- stritten werden. Aber die brutale, rücksichtslose Art,>v i e man sie vornimmt; wie man dadurch jedes feinere Empfinden ertötet, die Bolksmassen verroht und sie abstumpft, das fordert zu schärfftem Protest heraus. Um so mehr, als es einen lächerlich geringen Kosten- aufwand für die Zechen, in deren Gebäulichkeiten sich die Wurm- stationen befinden, bedeutet, die Wurmstationcn so einzurichten, daß jeder einzelne unbeobachtet von anderen eine Probe seines Darm- inhaltes abgeben kann. Die staatlich angestellten Berginspektionsbeamten haben, soweit mir bekannt, in ihren Berichten für diese Art Untersuchung auf Wurmkrankheit kein Wort des Tadels geftinden. Ein Beweis, wie hoch deren Tätigkeit in bezug auf die soziale Lage der in ihren Bezirken arbeitenden Bevölkerung einzuschätzen ist. Man glaube ja nicht, daß die Bcrgproletarier das Unwürdige und Gemeine aus der Situation nicht herausfühlen; aber sie sind zu abgestumpft geworden, um ihrer Empörung über das geschilderte entwürdigende Verfahren Ausdruck zu geben. Nun zu einer anderen Seite der Frage. Das Kohlengebiet mit seiner sich gigantisch steigernden Produktivität benötigt täglich mehr Arbeitskräfte. Sie holt die Leute aus. allen Richtungen der Winch rose zusammen. Wenn sie nur Kräfte haben und durch die wird schaftliche Misere gezwungen sind, diese für den Kapitalismus zu opfern. Die Leute kommen meist fast gänzlich mittellos an. Nach ihrer Annahme haben sie die dreitägige Wurm Untersuchung über sich ergehen zu lassen, u n b e k ü nr in e r t darum, ob sie jemals Bergarbeit verrichtet haben oder aus welcher Gegend sie kommen. Erst nach- dem die Leute das drittemal auf dem„Pott" gewesen sind, fordert der dienstbare Geist der Wurmstation die Neuangeworbenen auf, mit zum Arzt zu kommen. Die Töpfe mit dem Inhalt der letzten Probe werden mitgenominen. In dem vom Schreiber dieses mitgemachten Fall waren es fünf Mann, die auf das Resultat der ärztlichen Untersuchung warteten. 10 Uhr 40 Min. kam der Arzt zur Untersuchung des KoteS— und 10 Uhr 50 Minuten ließ er alle fünf Mann zu sich herein, präsentierte jedem einen soeben aus- gefüllten Schein und der kostet zlvei Mark! Ohne die sofortige Erlegung des Honorars gibt's keinen Schein. Das Dokument lautet nun im wesent- lichen so: »Allgemeiner Knappschaftsverein zu Bochum Der... geboren... usw. ist von mir auf das Vorhandensein deS Anchhlostoma-Wurms, d. h. der Wnnueier im Kot, mikroskopisch untersucht worden. Ergebnis der Untersuchung am... negativ(positiv).(Das Erstere ist fast immer der Fall. Der Verf.) Demnach darf mit Rücksicht auf die Frage nach vorhandener erfolgen. Dr..... Arzt. Beim Arzt zu leistende Unter> überstanden ist, die Anfahrt erfolgen kann, steht der Mann mittel« los da und ist seinem Unternehmer auf Gnade und Ungnade aus- geliefert. Der Arzt hat pro Kopf drei Mark„verdient". Das solcherart dem Utzternehmertnme ausgelieferte Ausbeutungsobjekt kostet dieses keinen Pfennig. Die Organe des Staates aber können sich in den Strahlen väterlicher Fürsorge und weiser Voraussicht sonnen. Haben sie dock durch das verfügte Obligatorium der Wurmuntersuchungen ein Radikalmittel gefunden, welches die Seuche ein für allemal bannen— soll. Die Arbeiter aber zahlen die Kosten I Die Schilderung läßt klar erkennen, wie das Unternehmertum und der preußische Staat für die durch das Unternehmertum erfolgte Einschleppung der so gefährlichen Seuche den Arbeitern Unbequem- lichkeiten und Kosten aufhalst. In einem nicht vom rohesten Kapi- talismus beherrschten Gemeinwesen würde man diesem oder dem Unternehmertum, das durch seine Anwerbung kranker Ausländer die Seuche nach Preußen gebracht hat, die Kosten der Prophylaxe und Heilung auferlegen. Huö Induftne und Kandel. Mensche» und Volksvermöge» in Gefahr! Auf allen Zechen des rheinisch-westfälischen Industriegebiets wird seit Monaten mit Hochdruck gearbeitet. Die Produktion steigt rapid und die Organe des Syndikats sind voll des Jubels über die er- höhten Werksüberschüsse. Freilich meinen sie, es könne die Pro- duklion noch mehr gesteigert werden, wenn die Belegschaften nicht — paniv streikten! Daran glaubt natürlich kein Mensch, aber AnchylostomiasiS die Annahme ..., den... 06. Auf der Zeche zu leistende Unter schrift deS zu Untersuchenden schrift deS zu Untersuchenden Wie man sieht, erhäld das Dokument durch die dreifache Unter- chrift der Behörde und gegebenenfalls auch der Oeffentlichkeit gegenüber einen immensen Wert. In dem beobachteten Falle waren nun in genau 10 Minuten die fünf Scheine seitens des Arztes ausgefüllt. aber auch die mikroskopische fachmännische Untersuchung des Kotes abgeschlossen!! DaS läßt doch ohne weiteres den Schluß zu, daß die wirkliche mikroskopische" Untersuchung fiir den Arzt mehr Formsache, daß sie— gelinde gefagt— höchst oberflächlich ausgeführt wird(in zehn Minuten fünf mikroskopische Untersuchungen und die Ausfüllung der Scheine I), daß endlich nur in Ausführung einmal erlassener gesetz- licher Vorschriften die Form gewahrt wird. Weiter nichts. Denn es ist bisher kein Fall zu beobachten gewesen, wonach Leute aus Gegenden, die denen man die Wurmseuche nicht einmal den Namen nach kannte, plötzlich mit der Krankheit behaftet gewesen wären. DaS wissen auch die Aerztc, deshalb die laxe Ausübung der Untersuchung. Diese kostet nun aber den Arbeiter zwei Mark, drei Tage ist er obendrein ohne Verdienst, die in zwei Minuten beendigte allgemeine ärztliche Untersuchung kostet auch noch eine Mark und wenn alles eS scheint System in dem Schwindel zu liegen. Der Import von Arbeitskräften nach dem Ruhrgebiet aus aller Herren Länder nimmt geradezu beängstigende Dimensionen an. Wie die Ruhrpresse zu melden weiß, sind augenblicklich wieder Agenten in Schlesien und Posen tätig, um dem Arbeitermangel abzuhelfen. Zunächst liegt die Frage nahe: wohin mit den ungeheueren Menschenmassen, wenn eine plötzliche Stockung eintritt, die zu Be- triebSeinschränkungen und Arbeiterentlassungen führt? Und noch etwas anderes kommt in Betracht: die Frage der öffentlichen Ge- sundheitspflege. Aus der Masseneinwanderung erlvachsen die schwersten Schäden und Gefahren in sanitärer Beziehung. Beweis hierfür bietet jetzt schon das Auftreten der Genickstarre. Im ganzen Ruhrgebiet tritt die Seuche auf und fordert ihre Opfer. So sind in der Bürger- meisterei Hamborn bis jetzt allein über 180 Fälle an Genickstarre gemeldet, wovon über 100 tödlich verlaufen sind. So ziemlich das ganze Gelände gehört mit seinen ungeheuren Industrieanlagen, Kohlenbahnen und Werkskolonien der Magnaten- familie Thyssen. Thyssen hat vermöge günstiger- Geld- und Kreditverhältnisse seine Besitztümer und Kohlenzechen derart erweitert und vermehrt, daß er heute bereits dem Riesenetablissement Krupp überlegen ist. Die Arbeiterhäuser schießen wie Pilze aus der Erde. Straßen- fluchten, Häuserkomplexe, Stadtteile, ja förmliche Städte entstehen gleichsam über Nacht. Kaum sind die Häuser unter Dach gebracht, dann werden sie auch schon bezogen!— Noch ist keine Tür ein- gehängt, keine Fenster in den Höhlen, noch fehlt der Putz, die Ver- schalung, die Treppe, das Nebengebäude, aber die Kolonie-Villa ist fchon bewohnt. Ganze Straßenfronten stehen auf sumpfigem» morastigem Gelände, die Keller stehen bis oben an voll Wasser, keine Straße ist fertig ausgebaut. Die Häuser gleichen in ihrer monotonen Einförmigkeit� riesigen Kasenren— hat man doch schon dazu übergehen müssen, den Häusern einen verschiedenartigen An- strich zu geben, um ein„Verlaufen" seiner Bewohner zu verhindern! Kurz, der Zustand in den Kolonien in und um Hamborn, Marxloh und Umgegend spottet jeder Beschreibung, ist geradezu ein Skandal allerersten Ranges! Was soll man z. B. dazu sagen, wenn die Bewohner einer neugebauten Kolonie, einige tausend Menschen, sich ein Bierteljahr laug ohne Abort haben behelfcn müssen? Die Kolonie gehört zu der 10 000 Mann Belegschaft zählenden Zeche „Deutscher Kaiser", welche Eigentum des Herrn Thyssen ist und sie liegt in unmittelbarer Nähe des Seuchenherdes der Genickstarre. Von einer Kanalisation ist nirgends die Rede. Die Abwässer aus den Häusern gießt man auf die Straße, in den Rinnstein I Dadurch entstehen bei jetziger Jahreszeit Zustände, die geradezu zum Himmel stinken. Schon der aufsteigende Gestank kann Menschen krank machen. Aber es regt sich keine Stadtvertretung, keine Kommunal- Verwaltung, keine Polizei schreitet ein. kein Staatsanwalt erhebt Anklage. Selbst die Aerzte scheinen die„ambrosischen" Düfte, die großen offenen Kloaken, die Brutstätten giftiger, Tod bringender Bakterien vollständig zu übersehen und zu über— riechen. Warum wohl? Weil die Zechenbesitzer die ganze Umgebung beherrschen, weil sie mit ihren Leuten die Verwaltungen der Städte und Dörfer be» herrschen. Sämtliche Verwaltungen sind dadurch mehr oder weniger der Zeche, dem Eisen- oder Hüttenwerk Untertan. Alles öffentliche Leben wird beeinflußt unS beherrscht von den Organen der Zechen- gewaltigen. Darum sind die skandalösen Zustände möglich und werden durch die rapide EntWickelung immer schlimmer, bis dann schließlich eine verheerende Epidemie ausbricht, die Hekatomben von Opfern fordert, das öffentliche Gewissen aufpeitscht, die Regierung endlich zu Taten drängt. Taten? Kaum zu Ankündigungen solcher I Es sei nur an ein Ereignis erinnert. Ungeheueres Aufsehen erregte vor zwei Jahren der Gelsenkirchener Wasserwerksprozeß. Im Verlauf dieses Prozesses wies Professor Pettenkofer schon auf die oben geschilderten Verhältnisse hin. die speziell in den Einscherniederungen außerordent- liche Maßnahmen erforderten, weil die Niederungen teilweise unter dem Niveau des Flußbettes liegen und daher die Rückflut staut, bei Hochwasser die Aborte und Kloaken übertreten, die Wässer in den offenen Gräben faulig werden, die ganze Gegend verpesten. Wie man solche Warnmigen beherzigt, zeigt die behördliche Passivität gegenüber den geschilderten»paradiesischen" Verhältnissen im Reiche der Thyssen und Genossen. Wenn nicht bald etwas geschieht, dann wird möglicherweise eine hereinbrechende Epidemie Massenerkrankungen, Masiensterbefälle und damit auch wirklichen Arbeitennangel herbeiführen. Die An- gelegenheit ist von so weittragender sanitärer und Volkswirtschaft- licher Bedeutung, daß ein energisches Eingreifen der Regierung un- erläßlich ist. Mit jeder Stunde des SäumenS wächst ihre Schuld an dem Verbrechen wider Gesundheit und Leben vieler Tausende von Menschen und der Schäden, die der ganzen Volkswirtschaft durch die skandalösen Zustände erwachsen können. Divideudcn. Die Generalversammlung der Deutsch-Ueberseeischen Elektrizitätsgesellschast genehmigte eine Erhöhung des Aktienkapitals um 36 Millionen Mark auf 72 Millionen Mark. Die Direktion versicherte. daß auf das erhöhte Kapital Dividenden in bisheriger Höhe zu erwarten seien. Für das letzte Jahr gelangen 9 Proz. zur Ver- eilung.— Die Dividenden der Rheinischen Stahlwerke sollen diesmal 12 Proz. betragen gegen 9 Proz. iii� Vorjahre.— Die Aktionäre der Deutschen Spitzcnfabrik Aktiengesellschaft Leipzig erhalten wieder 18 Prozent. Kapitalistische Unverschämtheit. Den Aktionären von Courriöretz genügt es nicht, daß ihrer Profitsucht Hunderte von MenschkiiV gum Opfer gefallen find, es genügt ihnen auch nicht, die Herzlosig-| Besuch der Versammlungen ein sehr reger gewesen und in den letzten Auflauf teilgenommen habe. Erst die zweite Giftierung sei un feit besessen zu haben, schon wieder Kohlen aus denselben Schächten Monaten gegen 200 neue Mitglieder aufgenommen wurden. Nach gesetzlich gewesen; in diesem Falle jedoch habe das Gericht anheraufbefördern zu lassen, in denen noch viele ungeborgene Leichen dem die Kaffiererin ihren Bericht gegeben, wurde derselben genommen, daß der Angeklagte infolge feiner, wie mehrere Zeugen von treuen Knappen modern, sie haben auch jetzt noch die Decharge erteilt. Es entspann sich nun eine lebhafte Debatte über bekundeten, sehr erheblichen Angetrunkenheit nicht mehr gewußt Unverschämtheit besessen, das Organ unserer Liller Partei- die fünftige Gestaltung der Vereinsabende. Der Antrag, einen habe, was er tat, insbesondere sich nicht der Folgen seiner Handgenossen ,, Le Reveil du Nord" zu verklagen. Das genannte 8yklus von Vorträgen mit einem bestimmten Thema zu veranstalten, lungsweise bewußt gewesen war. Eine eigentümliche Argumen Blatt soll die Gesellschaft insgesamt, ferner den Direktor wurde von der Versammlung mit großer Mehrheit angenommen. tation: die haltlose und sinnlose Siſtierung durch einen seiner und einen Ingenieur insbesondere beleidigt haben, indem es, wie Sinne nicht mächtigen Schuhmann sei au Recht erfolgt der alle Welt, gegen sie den Vorwurf der Leichtfertigkeit erhob. Und auch Englische Frauen gegen den Zarismus. sinnlos betrunkene Schußmann muß aber wegen zu großer Bes bei dieser Klage zeigen fich die Herren als tüchtige Geschäftsleute, Infolge einer mitleiderregenden Aufforderung der Frauen zechtheit freigesprochen werden, sobald er selbst nach Ansicht des fie tlagen nämlich, jeder nach seinem Stand, auf eine entsprechende Georgiens macht sich unter den Londoner Frauen eine Bewegung Gerichts rechtswidrige Sistierungen vornimmt. Es ist zu ver Entschädigung, und zwar die Gesellschaft auf 500 000 Frant, der geltend, ein Zentralfomitee zu bilden, welches den Zwed haben soll, wundern, daß nicht die rechtswidrig Sistierten unter Anklage ge Direktor Lavaurs auf 100 000 Frant und der Ingenieur Bar auf eine nationale Protestkundgebung gegen die russischen Greueltaten stellt wurden, weil sie polizeiwidrig nüchtern waren und sich geins Leben zu rufen. Man will eine Frauenkommission nach Tiflis statteten, auf der Straße zu verweilen. Was fagen wir, tüchtige Geschäftsleute"? Nein, edle Menschen entsenden, um die dortigen Umstände zu untersuchen, beztv. die Not find es, die Herren Aktionäre, mitleidig und gut. Die halbe Million, zu lindern. die sie von unserem Parteiblatt einflagen, soll, wie sie mit größt möglichstem Tamtam bekannt machen, den Familien der bei der Katastrophe getöteten Bergleute gegeben werden. Nun soll noch jemand auftreten und sagen, die Aktionäre von Courrières wären nicht großherzige Menschen. 50 000 Frant. Aus der Frauenbewegung. Fortschrittliches und Rückständiges. In Australien haben bekanntlich die Frauen mehr politische Versammlungen- Veranstaltungen. Donnerstag, 12. Juli, Dampferpartie nach Bapenberge. Abfahrt Dampferstation Tegel früh 10 Uhr. Berlin. Sonntag, 8. Juli, Ausflug nach Saatwinkel, Montag, 16. Juli nach Treptow. Nähere Angaben folgen. Rechte als anderswo in der Welt. Sie haben sich einen Staat nach Schöneberg. dem anderen in dem australischen Bunde erobert und legen ein ge9. Juli bei Obst: Vortrag Gen. Bäumler über: wichtig Wort in die Wagschale, wenn über öffentliche Angelegen- Köpenid. Sonntag, 15. Juli: Staffeepartie nach Kifemal. Treffpunkt " Zweck und Ziele der Frauen- und Mädchen- Bildungsvereine." heiten abgestimmt wird. In Tasmanien traten jüngst die Frauen 1 Uhr, Hauptplatz, Abmarsch 2 Uhr. zum erstenmal an die Wahlurne, und an allen Wahlplätzen, Brik. Sonntag, 15. Juli: Familienausflug nach Johannisthal bei Senfileben. Abmarsch 1, Uhr ab Weniger und 2 Uhr ab Buschkrug. Polizeiliches Verbot der nichtgewerblichen Beschäftigung von Kindern. Eine Polizeiverordnung für den Regierungsbezirk Bromberg Friedenau. Dienstag, 3. Juli, 19 Uhr bei Grube Vortrag: Gebom 23. Juli 1896 verbietet die Verwendung von Kindern bei nossenschaftswesen. Referentin: Genossin Frau David. Schaustellungen und theatralischen Vorstellungen. Bei der WohlTegel- Borsigwalde. Mittwoch, 4. Juli, 8 Uhr bei Schmidt in tätigkeitsvorstellung eines Gnesener Vereins waren einige Kinder Tegel Vortrag: Licht und Beleuchtung". Referent: Herr in stummen Rollen beschäftigt worden. Sczanięci und Genossen, B. Borchardt. die deshalb wegen Uebertretung der Verordnung angeklagt worden waren, wurden vom Landgericht freigesprochen. Das Landgericht ging von der eigentümlichen Anschauung aus, die Ver. ordnung sei ungültig, weil die Materie der Beschäftigung von Kindern bei theatralischen Vorstellungen im Reichsgeseh vom Das Kammergericht hob 30. März 1903 erschöpfend geregelt sei. Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurück. Die dieser Tage das Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Begründung führt zutreffend aus: Das Kinderschutzgesetz enthält allerdings in seinen§§ 6 und 15 Bestimmungen darüber, unter welchen Umständen Kinder in theatralischen Vorstellungen ber wendet werden könnten. Daraus folgt aber noch feineswegs, daß das Gesetz Bestimmungen von Polizeiverordnungen, wie der bor liegenden, ganz aufheben wollte. Nach seiner, Ueberschrift und nach den Einleitungsworten seines§ 1 erstreckt sich das Gesetz lediglich auf die Beschäftigung von Kindern in den Betrieben, welche als Die Berdächtigungen gegen die Münchener Drtstrankenkassen- Gewerbebetriebe im Sinne der Gewerbeordnung anzusehen verwaltung vor Gericht. seien. Also wollte das Gesez gar nichts über die gelegentliche Vers Die von Dr. Stubenvoll und dem Verwalter Gottfried wendung von Kindern bei theatralischen Vorstellungen bestimmen, gegen die Verwaltung der Münchener Ortstrantentasse ausgestreuten die nicht Ausfluß eines Gewerbebetriebes find. Somit besteht die Berdächtigungen wurden von der bürgerlichen Preise und den Ber- Verordnung des Regierungspräsidenten, soweit sie die nicht. tretern der bürgerlichen Parteien im Parlamente getreulich nach gewerbliche Benutzung von Kindern bei Theatervorstellungen Wenn es gegen die Schantwirtschaften geht, halten gebetet. Ueber einen Sassenstandal", über sozialdemokratische betreffe, noch in Kraft. Ihre landesgesetzliche Stüße findet sie in englische Frauen immer fest zusammen. Das Trintlaster erscheint Korruption in den Krankenkassen" wurde nach Mugdanschem Muster den§§ 6a und 6f des Polizeiverwaltungsgefetes. ihnen als eins der schlimmsten. Das ist in den Vereinigten gezetert und einer Beschränkung des Selbstverwaltungsrechtes der Staaten genau ebenso. Darum sind auch dort die Saloonkeepers( Wirte) Kaffen unter Berufung auf die Münchener Vorgänge das Wort unversöhnliche Feinde des Frauenwahlrechts. Sie fürchten, es geht geredet. Schließlich haben 23 Kläger gegen die Gewährsleute der ihnen an den Kragen, sobald die Frauen erst mal in der Gesek bürgerlichen Verleumder von Krantentassenverwaltungen geklagt. Der gebung oder im Gemeinderat etwas zu sagen haben. Als vor Prozeß begann am Sonnabend und endete gestern nach einer langen einigen Jahren im Staate Kalifornien ein Amendement zur Beweisaufnahme mit Verurteilung des Dr. Stubenvoll Verfassung der Volts abstimmung unterbreitet wurde, nach und des Herrn Gottfried zu je 100 m. Geldstrafe. Trogdem welchem die Frauen gleiche politische Rechte erhalten werden die haltlosen elenden Verdächtigungen der Kassenverwaltungen sollten, da fehlte nicht viel an einem Erfolge für die Franen. Mit nicht aufhören. einer fleinen Majorität wurde das Amendement abgelehnt. Die Frauenrechtlerinnen, die den Kampf führten, beschuldigten die besonders in der Hauptstadt Hobart, übertraf die Zahl der weiblichen Wähler weitaus die männlichen. Es handelte sich um eine Stellungnahme zu der Frage: Sollen die Gemeinden das Recht haben, die Zahl der Schankwirtschaften zu bestimmen? Und wird die Zahl vermindert, sollen dann die Schankwirte, die ihr Geschäft weiter betreiben, die anderen entschädigen, die das Recht zum Aus fchant verlieren? Jm legten Parlament hatte diese Klausel teine Aussicht auf Annahme gehabt. Jetzt hatten sich die Frauen berpflichtet, nur solchen Kandidaten ihre Stimme zu geben, die beide Fragen rückhaltlos bejahen. Ihre starte Teilnahme an der Wahl brachte ihnen den gewünschten Erfolg. Von 35 Gewählten waren 30 ihre Kandidaten. Gerichts- Zeitung. Schuhmanns Dusel. Schantwirte, ihren nicht unbedeutenden Einfluß gegen die Eine turbulente Szene hat der Schuhmann Amadeus Verfammlungen. Berichtigung. In dem Versammlungsbericht vom dritten Kreise heißt es: „ Zur Begründung wurde ausgeführt, daß, wie jest der Aktionsausschuß zusammengesezt ist, zwei dort so start vertretene Streife wie der sechste und fünfte gemeinsam die Macht haben, die anderen sechs Streise zu überstimmen, und das ein unhaltbarer Zustand sei." Dazu habe ich folgendes zu bemerken: Erstens kann ich nicht Frauenrechte ausgespielt zu haben und die Hauptschuld an der Bibelius verursacht, welcher gestern unter der Anklage der gesagt haben, daß die zwei Kreise die anderen sechs überſtimmten, Niederlage zu tragen. Die Wirte erwiderten nichts, aber fie Freiheitsberaubung und Körperverlegung auf der Anklagebant der da ich die Zahl der Vertreter der einzelnen Streise mitgeteilt habe und daraus zu ersehen war, daß die zwei Kreise die anderen freuten sich der Niederlage, besonders in San Francisco, wo die 7. Strafkammer des Landgerichts I Plaz nehmen mußte. Wie Gesagt habe ich, daß es den Schantsteuer eine sehr niedrige war. der Angeklagte behauptet, habe er am 23. September v. J. inner- sechs nicht überſtimmen können. Wie wenig es übrigens nügt, mit fleinen gefeßlichen Maßregeln halb seiner Familie großen Aerger gehabt, der ihn verleitet habe, zwei Streifen auf grund ihrer starken Vertretung im Ausschuß leichter gelingen wird, Anträge durchzubringen, als in anderen und mit Schifanierungen der Wirte den Alkoholteufel austreiben zu außer mehreren Glas Bier auch zahlreiche Kognats zu trinken. wollen, lehrt die Erfahrung oft genug. Aehnliche Gesezes- Am Nachmittage des genannten Tages bot sich den Bassanten der Kreisen. Zweitens habe ich nicht gesagt, daß dies ein unhaltbarer bestimmungen, wie man sie in Tasmanien wünscht, bestehen in Danzigerstraße ein eigenartiger Anblick. Der Angeklagte, der sich Zustand sei", denn unser Antrag will ja keine andere zusammenViktoria und Neuseeland, aber man hört, daß die nicht aufgehobenen in voller Uniform befand, tortelte im Zidzadkurs vorwärts und ſegung des Aktionsausschusses, sondern der Antrag hat nur den Schankſtätten ein um so größeres Geschäft machen und daß nicht erregte hiermit natürlich in erster Linie die Aufmerksamkeit der Zweck, die Rechte der einzelnen Kreise zu wahren. August Pohl. weniger getrunken wird als vorher. Es ist die Kurzsichtigkeit und lieben Jugend. Bald hatten sich mehrere Kinder an die Fersen der Mangel an tieferem Verständnis für die Ursachen des Schuhmanns geheftet. Plötzlich drehte sich der Angeklagte um nutzung für jedermann, SW., Alexandrinenſtr. 26. Geöffnet täglich von Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Bes der sozialen Krankheiten, daß das Nächstliegende, in diesem Falle also und packte einen kleinen Jungen, der sich einen phantastischen 5-10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9-1 und 3-6 Uhr. die Schantstätten, für die Trunksucht verantwortlich gemacht wird. Indianerkopfputz angelegt hatte, bei den Ohren und zog ihn in einen In den Resesälen liegen zurzeit 515 Beitungen und Beitschriften jeder Art Man findet diesen Mangel aber in den Kreisen der bürgerlichen Hausflur, wo er dem Knaben eine Tracht Prügel berabfolgte. und Richtung aus. Frauen sehr häufig. Dieser Vorfall loďte eine große Menschenmenge herbei, die ihrer Lese- und Diskutierklub„ Norden". Sizung heute, Freitag, abend Im Mutterlande England kommen die Frauen der guten Ge- Empörung über diesen Vorfall in nicht mißzuverstehender Weise 8 Uhr bei Storff, Elisabethkirchstraße 18. Vortrag über: Materialistische sellschaft" übrigens immer mehr in den bösen Ruf, sich dem stillen Luft machte. Nunmehr tam noch ein zweiter Schußmann hinzu, Geschichtsauffassung". Gäste willkommen. Heinrich", dem Trinklaster, heimlich zu ergeben. Das Auftreten der dem Angeklagten kameradschaftlich unter die Arme griff und einer außergewöhnlich hohen Kindersterblichkeit in England wird sich anbot, ihn nach Hause zu bringen. Zibelius wollte jedoch damit in Verbindung gebracht. In einer Londoner Konferenz, die hiervon nichts wissen, sondern ging plöglich auf den Maler Kurt der Fürsorge der Kinder gewidmet war, tam diese Angelegenheit Schneider zu und sistierte ihn. Als dessen Bruder den Angeklagten fürzlich erst zur Sprache. Der Vorsitzende erklärte, daß jährlich gegen um Auskunft ersuchte, weshalb er die Sistierung eigentlich vorhunderttausend Menschenleben durch Nachlässigkeit, Leichtsinn und genommen habe, wurde er statt der Antwort ebenfalls von dem Unwissenheit zugrunde gingen. Es sei namentlich die immer mehr Angeschuldigten festgenommen. Vor Gericht stellte der PolizeiDr. jur. E. Böninger, Demokratie und Zukunft. 300 Seiten. Breis um sich greifende Trunksucht unter dem weiblichen Geschlecht, die leutnant Gottlöber dem Angeklagten das beste Zeugnis aus und 7,50 M. Verlag H. Walter, G. m. b. H., Berlin W. 30. eine der dunkelsten Seiten in dem Volfsleben Englands darstelle. schilderte ihn als einen sonst pflichttreuen Beamten, der sich bisher Bernhard Stern, Die Romanows. Intime Episoden aus ihrem Dies habe eine direkte Zunahme der Sterblichkeit von Kindern im nicht das geringste habe zuschulden kommen lassen. Der Staats- Familien- und Hofleben. Band I. 344 Seiten. Band II. 287 Seiten. Montenegro und sein Herrscherhaus. Zur Geschichte Alter unter fünf Jahren zur Folge und bedeute eine nationale Ge- anwalt hielt den Angeschuldigten im Sinne der Anklage über- Preis 6 M. fahr, der unter allen Umständen begegnet werden müsse. führt und beantragte drei Monate Gefängnis. Der der Montenegrinischen Fürstendynastie. 86 Seiten. Herausgegeben vom Generalfomitee der montenegrinischen Emigranten. Preis 1,50 Mart. Gerichtshof tam jedoch zu einer Freisprechung des An- Berlag Siegfried Gronbach, Berlin W. 57. geklagten. Die erste Sistierung des Kurt Schneider sei nicht zu Unrecht erfolgt, weil Sch. trop wiederholter Aufforderung des Angeklagten ihm mit der Menschenmenge gefolgt sei, also an einem Der Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse hielt am Montag seine gutbesuchte Generalversammlung ab. Die. Vorsitzende gab den Bericht über das verflossene Halbjahr und stellte fest, daß der Teures Fleisch Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter und Arbeites rinnen Berlins und Umgegend, Abteilung Ober- Schöneweide. Freitag, den 29. Juli, abends 8 Uhr: Bersammlung bei Kaufholt, Wilhelminenhofstraße 18. 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Berschiedenes. Eingegangene Druckschriften. Das Luft- und Sonnenbad, oder: Bedeutung und Heilwirkung der atmosphärischen Kur." Von Dr. med. Waljer.( 1,00.) Berlag von Edmund Demme, Leipzig. Ein Versuch mit diesen äußerst schmackhaften Fischen ist jeder Hausfrau zu empfehlen. Deutsche Dampffischerei- Gesellschaft ,, Nordsee" billige Seefische!! Filiale: Berlin C. 2, Bahnhof Börse, Bogen 8-10. Bester Fleischersatz, schmackhaft und durch hohen Nährwert sich auszeichnend! Keine sparsame Hausfrau wird versäumen, mindestens ein- bis zweimal wöchentlich ein Seefisch- Gericht auf den Tisch zu bringen. Zentral- Fernsprecher: Amt III No. 8804. 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Rixdorf: Bergstraße 30-31. Potsdam: Brandenburgerstraße 54. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil berantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin SW. |lr. 148. 23. Jahrgang. 2. Üfilnjt Ks Jotmürls" Knlim Ucksdlsll Freitag. 29. InnilW. Partei-?Zngelegenkeiten. Zur Lokalliste! Am Sonntag, den 1. Juli cr.. veranstalten die Gesangvereine„Bruonia",.Einigkeit 1878",.Sängerkranz 1881", .Süd-West"..Frohsinn", gem. Chor.Thalysia" und.Malmenescher gemischter Chor"(Leitung Dirigent Malmene) unter Mitwirkung der Kapelle des Garde-Kürassier-RegimentS im Etablissement.Süd- ende", Inhaber Waldemar Pielau, ein grobes Gartenkonzert. Wir machen die Parteigenossen darauf aufmerksam, daß in Südcnde sämtliche Lokale gesperrt sind. Man weise daher alle etwa angebotenen Billetts zu obigem Vergnügen entschieden zurück. Die Angestellten und Arbeiter der„Neuen Photographischen Ge- sellschast", Steglitz, veranstalten am Donnerstag, den S. Juli er., eine Dampferpartie nach Werder, Restaurant.Bismarckshöhe". Auch dieses Lokal steht der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung, ist daher streng zu meiden. Die Lokalkommission. Fünfter Wahlkreis. Sonntag, den 1. Juli, macht die siebente Abteilung einen Familienausflug nach Pichelswerder. Treffpunkt S'/a Uhr Bahnhof Grunewald. Abmarsch 9 Uhr durch den Grüne Wald zum alten Freund. Parteigenossen von Karlshorst'. Die Versammlung än Biesdorf findet umständehalber nicht am Sonntag, den 1. Juli, sondern erst am Sonntag, den 3. I u l i. statt. Die Bezirksleitung. ßevluicr JVachncbtetio Aus der Stadtverordnetenversammlung. In der gestrigen Sitzung, die die letzte vor den Sommer- ferien war, wurde den Stadtverordneten der Entwurf einer Steuerordnung für die famose Billett» und Lustbar» keitssteuer vorgelegt, aber es kam noch nicht zu einer Beratung. Die freisinnigen Fraktionen planten Vertagung bis nach den Ferien. Der Wunsch der sozialdemokratischen Fraktion, für die die Genossen Singer und Ewald sprachen, ging auf sofortige Beratung und schleunigste Ablehnung der neuen Steuer, die da den Berlinern aufgepackt werden soll. Doch die Mehrheit setzte die Vertagung durch. Die Freunde der Billett- und Lustbarkeitssteuer haben hiermit eine Frist gewonnen, die sie vermutlidj zu eifriger Agitation de» nutzen werden. Die Uebersicht über dieFrequenzderGemeinde- schulen wurde von der sozialdemokratischen Fraktion auch diesmal wieder einer Kritik unterzogen. Genosse A r o n s zeigte, daß die Stadt Berlin in ihren Bemühungen, die Ueber» füllung der Klassen zu mildern, jetzt ungefähr erst auf dem Standpunkt angelangt ist, der eigentlich als Norm für Dorf- schulen gilt. Aber sogar hier steht für Berlin noch vieles erst auf dem Papier, wie Arons aus den Angaben der Frequenz- Übersicht selber nachwies. Noch zahlreiche Klassen sind stärker besetzt als es die Schulverwaltung selber für zulässig hält. Unser Redner berührte auch die Frage des gemeinsamen Unterrichts der beiden Geschlechter und die Frage der Simul- tanschulen, die beide mit der Frequenzfrage in engerem Zu- sammenhang stehen, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Zu einer rechten Debatte kam es nicht. Herr Cassel wich aus und wies darauf hin, daß der Posten des Schulrats für da? Volksschulwesen augenblicklich unbesetzt ist; er kleidete das in die klassisch schönen Worte:„Da wir leider in der Schul- Verwaltung einer geordneten Spitze entbehren." Aus dem Rest der Sitzung sind zwei Vorlagen zu er- wähnen, bei deren Beratung zur Sprache gebracht wurde, wie eigenartig der Magistrat„regiert". Einige Räume des Vieh» Hofes sollen mit Millenniumlicht beleuchtet werden. Genosse H o f f m a n n stellte fest, daß das, was die Vorlage fordert, noch gar nicht mal alles im Viehhofskuvatorium beraten worden ist. Er nannte das eine Mogelei— zum großen Verdruß des Oberbürgermeisters, der erregt antwortete. Die frei« sinnige Mehrheit trug übrigens kein Bedenken, diese Vorlage in allen Teilen anzunehmen. Ein Vertrag über die Aüf- stcllung neuer Reklameuhren, dem die Versammlung zustimmen soll, gab dem Stadtv. G c r i ck e Veranlassung, sich dagegen auszusprechen, daß der Verkehr in den Straßen noch mehr als schon bisher durch solche Unternehmungen beein- trächtigt werde. Dabei beklagte er. daß die Aufstellung der neuen Zeitungskioske sogar ohne Befragung der Stadtver- ordnetenversammlung genehmigt worden sei. Die Vcrant- Wartung hierfür fällt dem Bürgermeister Rcicke, dem Vor- sitzenden der Straßenbaudeputation, zur Last. Die naive Un- befangenheit, mit der der Herr Bürgermeister hier wieder einmal darauflos dekretiert hat, wurde von unserem Genossen Singer scharf gerügt. Singer vertrat im übrigen den Standpunkt, daß die Stadt es überhaupt nicht einer privaten Gesellschaft überlassen dürfe, öffentliche Uhren aufzustellen. Die Redner der Mehrheit fanden an dem Plan des Magistrats nicht viel auszusetzen. Die Vorlage wurde einem Ausschuß überwiesen. Zur bevorstehenden Abstimmung über den Achtuhr-Ladenschlust verbreitet der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller in Ver- bindung mit dem ZentralauZschuß hiesiger kaufmännischer Vereine ein Flugblatt, in dem die Ladeninhaber aufgefordert werden, gegen den Achtuhr-Ladenschluß zu stimmen. Alle Gründe, die seinerzeit gegen die Einführung des Neunuhr- Ladenschlusses vorgebracht wurden, werden auch in diesem Flugblatt wieder verwendet. Da wird zunächst wieder das Märchen vom Geschäftsrückgang aufgewärmt. Bei den großen Entfernungen und bei dem späten Schlug der Bureaus und Fabriken soll eine Ein- schränkung in der Deckung des Bedarfs großer Massen der Bevölke. rung eintreten, obwohl in demselben Atemzug gesagt wird, daß dem Geschäftsinhaber durch Anstellung von Hülfskräften besondere Kosten entstehenl Mit der Logik stehen solche Ausführungen auf dem Kriegsfüße. Natürlich haben die Einwände der Gegner des Achtuhr-LadenschlusseS keinerlei innere Beweiskraft. Wenn die großen Massen nur das genügende Kleingeld haben, dann werden sie auch bis 8 Uhr Zeit finden, ihre Einkäufe zu machen. So lange die Mittel zur Deckung des Bedarfs vorhanden sind, wird durch einen früheren Geschäftsschluß sicher kein Rückgang im Ver- brauch eintreten. Die besten Beurteiler dieser Frage sind doch sicher- lictr die großen Massen, also die Arbeiter selber. Niemand anders, als die organisierte Arbeiterschaft hat seit Jahren in Versamm- lungen erklärt, daß sie mit Einführung eines früheren Ladenschlusses sehr wohl einverstanden ist, und deshalb ist der Hinweis auf die Arbeiterschaft gänzlich verfehlt. Ja, bei der Beratung des Laden. schlußgcsetzes erklärten die Vertreter der Arbeiter im Reichstage aus. drücklich, daß der Neunuhr-Ladcnschluß nicht als genügender Schutz für die kaufmännischen Angestellten angesehen werden könne, sondern baß der Achtuhr-Ladenschluß gefordert werden müsse. tkk zeugt von einer Kurzsichtigkeit sondergleichen, wenn Ge- schäftsinhaber ernstlich glauben� sie würden durch den Achtuhr- Ladenschluß geschädigt. Die Einführung desselben ist nicht nur eine Notwendigkeit für die Angestellten, sie ist es ebenso sehr für die kleinen Geschäftsleute, die gezwungen sind, selbst bis abends im Geschäft mit tätig zu sein. Chefs sowohl wie Angestellte haben das Bedürfnis, sich eine Stunde länger zu erholen und sich ihrer Familie zu widmen. Und die meisten Ladeninhaber haben auch eingesehen, daß sie vom früheren Ladenschluß genau so viel profitieren wie die Handlungsgehülfen. Die 6 Jahre, die der Neunuhr-Ladenschluß. der anfänglich auch lebhaft bekämpft wurde, besteht, haben gezeigt, daß ein früherer obligatorischer Ladenschluß niemals Nachteile mit sich bringt. Aber auch das Urteil der Ladeninhaber solcher Städte, die in dieser Frage vorangegangen sind, spricht für eine Einführung des Achtuhr-Lademchlusses. Die Geschäftsleute haben eS hier in ihrer Hand, Verbesserungen für das gesamte Handelsgewerbe herbeiführen zu helfen. Hassent- lich benutzen sie recht zahlreich die sich jetzt bietende Gelegenheit und geben ihre Stimme für die Einführung des AchtuhrschlufseS ab. Sache der Arbeiter aber ist es, soweit das in ihren Kräften steht, die Geschäftsinhaber zu veranlassen, daß diese sich für den Achtuhr-Ladenschluß aussprechen. Die im Zentralverband der Handlungsgehülfen und-Gehülsinnen Deutschlands, Bezirk Berlin, organisierten Handlungsgehülfen erwarten, daß kein organisierter Arbeiter bei einem Geschäftsmann kaust, der Gegner des Achtuhr- Ladenschlusses ist._ Zur Eröffnung deS neue» Fernsprechamtes K, nicht auch 7, wie gestern gemeldet wurde, die pünktlich zu dem festgesetzten Termin Freitag früh erfolgt, erhalten die Inhaber von Hauptanschlüssen von 6, Sa und 3, die sämtlich zu 6 kommen, eine kurze Anweisung des Inhalts:..1. Anruf des Amtes: durch Abheben deS Fernhörers. 2. Anruf des gewünschten Teilnehmers: geschieht vom Amte aus. 3. Schlußzeichen: durch Einhängen des Fernhörers(Kurbel nicht mehr drehen). In Gesprächspausen Fernhörer nicht einhängen. Im Verkehr mit dem Amte und darüber hinaus Kurbel überhaupt nicht mehr drehen. Deutlich aber nicht zu laut sprechen! Mund möglichst nahe an die SckMllöffnung des Mikrophons heranbringen!" Eine gelbe Karte belehrt die Inhaber von Nebenanschlüssen, daß der Anruf im Verkehr zwischen der Hauptstclle und den zugehörigen Nebenstellen sowie zwischen diesen durch Drehung der Kurbel er- folgt. Nebenstellen werden nicht mehr vom Amte, sondern nur noch von der Hauptstelle angerufen. Zur Einführung der Kabel in das neue Haus mutzte eine be- sondere eiserne Brücke von 43 Meter Länge gebaut werden, die zu den neuen Sälen in der Körnerstraße empor führt. Sämtliche An- schlüsse sind sowohl an die alten wie an das neue Amt angeschlossen. In der Nacht von gestern zu heute sind etwa 60 Telegraphenarbeiter damit beschäftigt, die alten Verbindungen durchzuschneiden und die neuen einzuschalten. Es handelt sich dabei um rund 12 700 ins Amt eingeführte Hauptanschlüsse. Dazu kommen rund 6000 Neben- anschlüsse, so daß das neue Amt mit etwa 18 000 Teilnehmern er- öffnet wird. Eingerichtet ist eS zunächst für 18 000 Hauptanschlüsse, es kann aber auf ein Fassungsvermögen von 20 000 Hauptanschlüssen erweitert werden. Das Amt wird das größte in Berlin. Die Zurückziehung der Postwertzeichen zu 2 Pfennig, der Brief- marken und der Postkarten, die infolge der Beschränkung der Orts- brieftaxe auf eigentliche Briefe am 1. Juli im Reichs-Postgebiet überflüssig werden, ordnet eine Verfügung des Reichs-Postamtes an, die heute an die Postanstalten ergeht. Die Wertzeichen zu 2 Pf., Marken wie Karten, behalten ihre Gültigkeit bis auf weiteres. Sie können auch künstig verwendet werden. So wird z. B.«in mit fünf Zweipfennigmarken beklebter Brief zu 10 Pf. nicht beanstandet werden. Postkarten zu 2 Pf. können durch Aufkleben einer Marke zu 3 Pf. ergänzt werden. Auch ein Umtausch von Postwertzeichen zu 2 Pf. gegen andere Wertzeichen findet bis auf weiteres statt. Einzelne Marlen oder Karten werden auch gegen Bar zurück ge- nemmen. Ei» Verkauf der entbehrlich gewordenen Postwertzeichen findet vom 1. Juli an nicht mehr statt. Die Verkehrsämter ziehen diese Wertzeichen am 30. Juni nach Dienstschluß von allen amtlichen Stellen, die sich mit dem Verkaufe befassen, einschließlich der Post- agenturen, Posthülfsstellen und Markenverkaufsstellen zurück. Sie iverden vorläufig bei den Hauptkassen oder den Postamtskassen der Aemter III. Klasse aufbewahrt. Die Gesamtbestände sollen genau festgestellt werden und nach Marken, einfachen und Doppelkarten getrennt bis zum 7. Juli den Ober-Postdircktionen mitgeteilt werden. Bis zum 16. Juli machen dann diese eine Zusammen- stellung der ganzen Bestände. Die Postanstalten werden gleichzeitig ausdrücklich angewiesen, in den Schalteraushängen die etwa vorhandenen Tarife für OrtS- und Nachbarortssendungen nach den zum 1. Juli eintretenden Aenderungen rechtzeitig zu berichtigen. Zur Fahrkartrnstcner hat der Bundesrat umfangreiche AuS- führungSbejtimmungen beschlossen, von denen wir die wichtigsten für das Publikum mitteilen. Zufammnegestellte Fahrscheinhefte, Buchkarten und ähnliche Fahrtausweise, bei welchen die einzelnen Scheine über Teilstrecken einer Reise lauten, stellen eine Fahrkarte dar. Dasselbe gilt für die Äilometerhefte, Monats- und Zeitkarten, nicht aber für zusammengestellte Fahrscheinhefte von Reiscunter- nehmern, wenn einem die einzelnen Scheine ohne Preiserinäßigung von den Eisenbahnen überwiesen sind. In diesem Falle wird der einzelne Schein als Fahrkarte behandelt. Betreffen die zur Fahrt in einer lpheren Wagenklasse berechtigenden Scheine nur aus- ländische Strecken, so findet lediglich der Steuersatz für die niedrigere Wagenklass« Anwendung. Wenn die zu einem Hefte, Block oder in sonstiger Weise vereinigten Einzelfahrscheine alle auf dieselbe Strecke lauten, so ist von jedem Scheine die Stempelabgabe dann besonders zu entrichten, wenn die Scheine vom Käufer selbst aus der Ver- bindung gelöst und die einzelnen Scheine ohne Vorzeigung d«L Umschlags verwendet werden dürfen. Fahrkarten zum halben Preis sind auch dann steuerpflichtig, wenn nur der ganze Fahrpreis 60 Pf. betragen würde. Stempelpflichtig sind also Kinderkarten zu 80 Pf. Zuschlagkarten zu 1 und 6 M, sind nicht stempelpflichtig. Zuschlag. karten, welche neben der Eisenbahnfahrkarte gelöst werden, um statt der Eisenbahn das Dampfschiff benutzen zu können oder umgekehrt. werden nicht als Zusatz-, sondern als stempclpflichtige.Hauptkarte an- gesehen. Es ist unzulässig, an Reisende bei der Abfertigung an Stelle einer Fahrkarte höherer Klasse zwei Fahrkarten niedrigerer Fahrklasscn auszugeben. Vom Stempel befreit sind u. a. Freikarten und Freifahrscheine, Militärfahrscheine, Schülerkarten, Arbeiter- karten, Beförderungsscheine für Begleiter von Tieren oder Gütern. Bei Karten über deutsche und autzerdcutsche Strecken ist nur der Fahrpreis für die deutsche Strecke stcmpclpflichtig. Ter SJodenfce ist in diesem Sinne ein ausländischer See. Karten, die aber auch auf den Uferbahnen benutzt werden können, sind stempelpflichtig. Die Nord- und Ostsee gilt als Inland, wenn der Dampfer zwischen in- ländischen Orten verkehrt, ohne im Ausland anzulaufen. Zu- sammengestellte Fohrscheinhefte unterliegen der Besteuerung vom 1. August 1906 an auch dann, wenn sie im Ausland ausgegeben werden oder Scheine über Strecken von inländischen nach auS» ländischen Orten enthalten. Zur Bewältigung deS FerienverkehrS werden nach Mitteilung der kgl. Eisenbahndirektivn Posen auf den Strecken Berlin-Sommer- feld, Berlin-Posen usw. zahlreiche Vorzüge verkehren. von denen wir die folgenden hervorheben: Vorzug 3, ob C h a r- lottenburg vom 30. Juni bis 11. Juli und vom 30. Juli bis 14. August 7.68 vorm. bis Breslau(Kattowitz), Vorzug 6. vom 1. bis 11. Juli und 30. Juli bis 14. August 4.13 nachm. bis Breslau(Kattowitz), Vorzug 221, ab Berlin, S ch l e f. B h f., am 7.. 8. und 9. Juli 7.08 vorm. bis Breslau, Vorzug 223, am 8. Juli 10.65 vorm. bis Liegnitz, Vorzug 229. vom 5. vis 8. Juli 9.06 abends bis B r e S l a u- H.. am 12. und 13. August bis B r e S l a»l- dl. Vorzug 55. ab Charlottenburg, vom b. bis 10. Juli, am 12. und 13. August 9.20 vorm. bis Posen, Vor- zug 201, ab S chles.Bh f., am 1.. 2.. 7.. 8. und 9. Juli 7.56 vorm. bis Ventschen. Vorzug 203, am 7. Juli 6.46 nachm. bis Pose n. Auch in umgekehrter Richtung werden zu verschiedenen Hauptzügen Vorzüge abgelassen werden. Merkwürdige Armenpflege! Die Armenverwaltung hat da» Recht, Rücker st attung der gewährten Unter st ützun» gen zu fordern. Sie darf sich sogar an Invalidenrenten schadlos halten und einen Teil davon einstecken, um wieder zu ihrem Gelde zu kommen. Das tut sie denn auch in sehr vielen Fällen— und zwar mit übertriebener Eile und ohne gebührende Rücksicht auf die Lage der Rentenempfänger. Wir haben dieses Verfahren wiederholt geschildert und als einen inhumanen, bor- nierten Bureaukratismus gebrandmarkt. Hier ist ein neuer Fall— noch skandalöser als alles, was uns bisher über den Einbehaltungseifer der Armenverwaltung bekannt war. Ein ehemaliger Buchhalter, der heute alt und krank ist. bezieht eine Invalidenrente von monatlich 13,60 M. Im Frühjahr sah er sich genötigt, auf einige Tage die Gastlichkeit des städtischen Obdachs in Anspruch zu nehmen. Ganze sieben Tage verweilte er in der Familienabteilung, dann wurde er mit 10 M. Unterstützung entlassen. Jetzt plötzlich im Juni hat man ihm einen Teil seiner Rente mit Beschlag belegt. Bei der Auszahlung am Monatsanfang wurden ihm 4,60 M. abgezogen, und einig« Tage nachher bekam er von der Ver- sicherungsanstakt die Nachricht, daß die Armenverwaltung für die Verpflegung im Obdach sowie für die Mietsunterstützung 13,42 M. beansprucht. Diese Summe werde ihm in'den drei Monaten Juni, Juli, August in Beträgen von 4,60 M., 4,60 M., 4,42 M. von seiner Rente abgezogen werden. Man traut seinen Augen nicht, wenn man das liest. Die Armenverwaltung soll vorhandene Not lindern, beginnende Not abwehren, womöglich die Entstehung von Not im voraus verhüten. Und was tut sie hier?! Sie nimmt einem Mann, der monatlich ganze 13,60 M. Rente bezieht, drei Monate hindurch je ein Drittel dieser Summe. Statt Not zu lindern, abzuwehren. zu verhüten— schafft sie selber eine Notlage. Und das zu dem Zweck, dem Stadtsäckel die für Berlin lächerlich geringe Summe von 13,42 M. wieder zuzuführen! Das Verfahren mag sehr geeignet sein, den Armen Berlins daS städtische Obdach noch mehr als bisher zu verleiden, was ja bekanntermaßen ein Herzenswunsch des im Obdach kommandierenden„richtigen Mannes" ist. Aber für unsere Gemeindeverwaltung sind solche Vor- komm nisse doch geradezu schmachvoll. Nun fehlt nur noch, daß man sogar von denjenigen Obdachlosen, die nur für einzelne Nächte beherbergt werden, die Verpflegungslosten eintreibt. Suppe und Brot, die man ihnen in der Fröbelstraße serviert, kosten iVj Pf. pro Tag und Kopf. Vielleicht versucht man eS mal. ob nicht auch dieser Betrag sich wieder herausschinden läßt. UebrigenS werden die MietSuntcrstützungen doch zum Teil aus einem kleinen Wohltätigleitsfonds gezahlt, der alljährlich auS milden Spenden zusammengebracht wird und den durch Etat bewilligten Betrag er- ganzen soll. Wie konnte man dann da dem Manne den vollen Betrag wieder abfordern? Das Vorkommnis verliert nichts von seiner Bedeutung durch den Umstand, daß der Buchhalter sich gegen die Schmälerung der Rente gewehrt hat und daß auf seine Eingabe die A r m e n v e r- waltung geantwortet hat, sie verzichte auf die 13,42 M. Das hätte sie vorher tun sollen, vorher hätte sie sich erkundigen sollen, ob der Mann das entbehren kann oder nicht. Aber sie hat es für human gehalten, Anspruch auf einen Teil der Rente zu er- heben, sie ihm bereits für einen Monat kürzen zu lassen und nun ruhig zu warten, ob den Mann der Hunger treiben wird, sich zu melden. Erst als der Not- leidende, den die Armcnverwaltung selbst in Not gebracht hatte, kam und bat—, da erst hielt sie es für ihre Pflicht, zu verzichten. Aber auch jetzt wurde die Notlage, die die Armenverwaltung geschaffen hatte, nicht etwa sofort beseitigt. Vom 18. Juni datiert der Brief. durch den der Verzicht ausgesprochen wird, am 22. Juni ging er bei dem Notleidenden ein— und noch am 28, Juni wartete der Mann auf Rückzahlung l_ Zur Schröpfung des biertrinkenden Publikums. Ueber den Inhalt des zwischen den Ringbrauereien ab- geschlossenen Geheimvertrages zur Preiserhöhung für Lagerbier zirkulierten die verschiedensten Gerüchte. Jetzt werden Mitteilungen verbreitet, die beweisen, daß die Bestimmungen dieses Vertrages wesentlich von dem abweichen, was die Brauereien bisher darüber verlauten ließen. Vor allem gilt, der Vertrag nicht bloß bis April n. I., sondern für 10 Jahre. Die Erhöhung des Lagerbierpreises, der bisher 15 Pf. pro Liter betrug, wird wie folgt vorgeschrieben. Brauereien, die 10000 Hektoliter brauen, müssen den Hektoliter mit 16 M. verkaufen, Brauereien, die bis 20 000 Hektoliter brauen, mit 1 6. V 0 M. und bei mehr als 20 000 Hektoliter mit 17 M. Die Preiserhöhung beträgt also 1 M., 1,6 0 M. und 2 M. Darlehen, die den Wirten von den Brauereien bisher zinslos gegeben wurden, müssen künftig mit 4 Proz. verzinst werden, außerdem ist für das von der Brauerei gelieferte Inventar eine Leihgebühr von 10 Proz. zu entrichten, die dem Wirt aber gut geschrieben wird. An Stelle der bisherigen Tonnenberechnung wird die Hektoliterbcrechnung eingeführt, das Spundgeld wird abgeschafft. Bierverleger bekommen das Bier einen Pfennig billiger als die Gastwirte. Inhaber von Gartenlokalen, die das von der Brauerei geliehene Inventar während des Winters nicht bei sich unterbringen können, müssen im nächsten Sommer dieselben Gebühren dafür bezahlen wie neue Kunden.—> Auch die übrigen Punkte des Vertrages bedeuten für die Wirte eine Verschlechterung ihrer Lage gegen früher und für das biertrinkende Publikum eine ganz gewaltige Schröpfung. Berliner Elektrische Strasicnbahn, Aktiengesellschaft. Im Rat- Hause fand gestern vormittag die ordentliche Generalversammlung statt. Nach dem Geschäftsbericht hat die Verkehrssteigerung auf den Linien Behrenftraße— Treptow und Mittelstraße— Pankow— Mendel- straße angehalten, dagegen war auf der Zweiglinie Niedcr-Schön- Hausen der Verkehr gering. Er nahm auch nur sehr langsam zu, doch wird infolge der regen Bautätigleit in Nieder-Schönhausen auf eine günstigere EntWickelung gehofft. Mit den Nebenerträgen, z. B. Erlös aus den Reklamen in den Wagen, Haltestellenanzeiger usw. betragen die Gesamteinnahmen 1 314 331 M.(-1- 91 676 Mi), die reinen Betriebausgaben belaufen sich auf 802 704 M.(— 44 993 Mark). Die Verminderung ist auf die durchgesetzte Befreiung von Staat», und Gemeindesteuern sowie auf Ersparnis an dem Strom- verbrauch zurückzuführen. Die Versammlung genehmigte die vom Vorstande vorgelegte Bilanz nebst Gelvinn- und Verlustrechnung für 1906 und beschloß, von dem Reingewinn von 309 888 M. 6 Proz. Dividende auf das Aktienkapital von 6 Millionen Mark zu verteilen. Der Siemens u. HalSke Aktiengesellschaft werden 12936 M. über. wiesen. Neugewählt in den AufsichtSrat wurden Geheimer Baurat Kyllmann und Stadtkämmerer Steininger. Bei der Musterung vom Tode überrascht wurde gestern der Metallarbeiter Landgraf aus der Steinmetzstraße 66. L. war in dem Ersatz-KommissionSgMude in der Heidestraße zur letzten Stellung erschienen und sollte noch einmal untersucht werden. Des jungen Mannes bemächtigte sich dabei eine so große Erregung, daß er plötzlich vom Schlage getroffen zusammenibruch. Die anwesenden Militärärzte bemühten sich sofort um L., und als der von der Unfallstation in der Eichendorffstraße hinzugerufene Arzt erschien, kennte er nur noch den durch Herzschlag eingetretenen Tob.'e::» statine». Eine recht lebhafte Die Explosion eines Automobilomnibuffes der Linie Chaussee- Eine Aufbefferung der Magistratsgehälter wird jeht im An- feiten im Seebad Reinickendorf( Jnh. Braun) veranstaltet. Da vers fraße- Hallesches Tor erregte gestern abend in der Chausseestraße schluß an die vorgenommenen Erhöhungen der Beamtenbesoldungen sucht wird, die Billetts in Arbeiterkreisen umzusetzen, müssen die Aufsehen. An der Haltestelle Ecke der Liesenstraße war ein geplant. Der Etatsausschuß hat der Stadtverordnetenversammlung selben entschieden zurückgewiesen werden. Chauffeur damit beschäftigt, auf den Motor Benzin zu füllen, als empfohlen, das Gehalt des Oberbürgermeisters von 17 000 auf Debatte zeitigte der Antrag des 4. Kreises, die Philharmonie auch plötzlich unter heftigem Knall der Motor explodierte. Gleichzeitig 19 000 M., das des Bürgermeisters von 11 500 auf 13 000 2. zu für den Einzelverkehr zu sperren. Sämtliche Redner sprachen sich schossen Flammen an dem Vorderteil des Gefährtes hervor. Die erhöhen. Das Anfangsgehalt des Kämmerers soll auf 8500 M., dagegen aus. Es wurde vom Genossen Lorenz folgender Antrag alarmierte Feuerwehr war mit dem 16. Zuge schnell zur Stelle, der beiden Bauräte auf 10 000 m. und der beiden befoldeten Stadt- dazu gestellt: die Philharmonie für den persönlichen Verkehr freis brauchte aber nicht in Tätigkeit zu treten, da es den Angestellten der räte auf 7500 M. festgesetzt werden. Außer dem Oberbürgermeister zugeben und die Delegierten zu beauftragen, in der GeneralOmnibusgesellschaft bereits gelungen war, durch kräftiges Wasser- und den beiden Bauräten sind die besoldeten Magistratsmitglieder versammlung des Kreises und Groß- Berlins dafür einzutreten. aufgießen das Feuer zu erstiden. Das Auto war aber derart be- erst ganz kurze Zeit in ihrem Amte tätig. Die Stadtverordneten Genosse Zechlin stellte hierzu den Erweiterungsantrag, die Philschädigt, daß es aus dem Betriebe gezogen werden mußte. Wie versammlung hat sich in nichtöffentlicher Sizung mit diesen Vor- harmonie auch für die beiden Volksbühnen nicht zu sperren. Beide die Explosion entstanden ist und ob etwa der Führer nicht mit der schlägen nicht einverstanden erklären können, sondern hat die ganze Anträge wurden mit großer Majorität angenommen. Hierauf gehörigen Vorsicht verfahren hat, ist noch nicht festgestellt. Angelegenheit nochmals an den Etatsausschuß zurück verwiesen. erfolgte die Wahl von zwölf Delegierten zur Generalversammlung Durch die Explosion einer Spiritusflasche ist gestern in der Rhein- Groß- Berlins. Der vorgeschrittenen Zeit wegen wurde der Punkt straße 52 in Schöneberg ein schrecklicher Unglücksfall hervorgerufen Bezirksangelegenheiten von der Tagesordnung abgesetzt. worden. In dem dortigen Konfitürengeschäft zur füßen Spende" Zum Schluß richtete der Vorsigende noch den Appell an die hatte das vierzigjährige Fräulein Lorenz auf einen Spiritustocher Versammlung, eifrig für die Partei zu werben und sich im WahlSpiritus zugießen wollen. Dabei muß sie wohl unvorsichtig zu verein recht rege zu betätigen. Werke gegangen sein, denn plöglich explodierte die Flasche und die mächtigen Stichflammen trafen Frl. 2. Am ganzen Oberkörper brennend raste die Unglückliche Hülferufend auf die Straße hinaus. Sofort eilten mehrere Passanten hinzu, denen es auch gelang, die so schwere Brandwunden am Oberkörper, an den Armen und am Fräulein hatte jedoch inzwischen bereits Hals erlitten, daß es fraglich erscheint, ob sie mit dem Leben davon Ein schwerer Automobilunfall hat sich gestern nachmittag an der Ecke der Stülerstraße und der Hofjäger- Allee zugetragen. Der 15jährige Lehrling Otto Pollac, Nürnbergerstraße 70 wohnhaft, hatte auf einem Zweirade die genannte Stelle passiert und war mit der Automobildroschte Nr. 2810 zusammengefahren. Er wurde unter den Kraftwagen geschleudert, dessen Räder ihm über beide Unterschenkel hinweggingen. Der Schwerverlette fand im Kranten haus Moabit Aufnahme. Der rätselhafte Borfall am Dönhoffplak, über welchen wir gestern ausführlich berichteten, hat bereits eine teilweise Aufklärung gefunden. Der Erkrankte ist, wie festgestellt wurde, identisch mit dem als bermißt gemeldeten 76 jährigen Rentier Posselt, der sich in Hohenbinde auf Sommerwohnung befand und dort am Sonntag gelegentlich eines Spazierganges verschwunden war. Wo sich P. die Gehirnerschütterung zugezogen hat, konnte immer noch nicht ermittelt werden. Möglicherweise ist der Greis bei seinem Spazier gange verunglückt, in einem Wahnanfall nach Berlin gefahren und in der Reichshauptstadt umhergeirrt. Die Folgen des Unfalls machten sich dann erst am Montagnachmittag unter Einwirkung der förperLichen Schwäche bemerkbar, indem P. auf dem Fahrdamm am Dön hoffsplatz zusammenbrach. Der Doppelselbstmord eines Liebespaares wird uns aus dem Vorort Erfner gemeldet. Am Dienstagnachmittag mietete ein junger, etwa 19jähriger Mann, der sich in Begleitung eines 15- bis 10jährigen Mädcheng befand, bei einem Bootsverleiher in Woltersdorferschleuse ein Ruderboot, und die beiden fuhren nach dem Flatensee hinaus. Etwa drei Stunden später wurde das Fahrseug führerlos auf dem Wasser treibend aufgefunden. In dem Boote lag der Hut und das Jackett des Mädchens, Hut, Stod und Manschetten des jungen Mannes, sowie verschiedene andere Gegenflände, welche das Liebespaar bei sich geführt hatte. Gestern morgen suchte eine Dame aus Berlin in Ertner nach ihrer Tochter, welche brieflich mitgeteilt hatte, daß sie gemeinsam mit ihrem Geliebten in den Tod gehen wolle. Die Frau erkannte den in dem Boote aufgefundenen Hut als Eigentum des gesuchten Mädchens. Die Leichen des jugendlichen Liebespaares fonnten bisher noch nicht gelandet werden. Ebenfalls auf einen Selbstmord deutet ein Fund, welcher Mittwochmorgen auf dem Tegeler See gemacht wurde. Dort wurde bei der Insel Reiswerder ein Ruderboot angetrieben, in welchem Wie die polizeilichen Ermittelungen ergaben, gehören diese Gegenstände dem 49 Jahre alten mittelungen ergaben, gehören diese Gegenstände dem 49 Jahre alten Kellner Johann Kadler, in Spandau wohnhaft, welcher am 23. d. M. dortselbst ein Ruderboot gemietet hatte und seit dieser Beit als verschwunden gemeldet wurde. Es ist anzunehmen, daß K. Selbst mord verübt hat. Ein Unglücksfall im Straßenbahnbetriebe rief gestern abend in der Müllerstraße große Aufregung hervor. Der Schlosserlehrling Georg Abraham aus der Sprengelstraße 10 war auf einem Zweirade die Müllerstraße zwischen den Schienen entlang gefahren und bor dem Grundstück Nr. 10 fam ein Straßenbahnzug der Linie 29 auf dem Nebengleis vorübergefahren. Durch eine unglüdliche Wendung mit dem Rade geriet A. gegen den Anhängewagen Nr. 1165 und wurde unter denselben geschleudert. Der Verunglückte hatte einen Schädelbruch, Rippenbrüche und andere schwere Verlegungen erlitten und mußte nach Anlegung von Notverbänden auf der Unfallstation VI in die Charité aufgenommen werden. Fener in dem Warenhause von Wertheim, Leipzigerstraße, alarmierte gestern abend gegen 7 Uhr ein großes Löschaufgebot der Feuerwehr. Auf dem Hofe an der Voßstraße hatte sich ein Quan tum Bohnermasse entzündet, wobei dicker Qualm entwickelt wurde. Da auf die Meldung„ Mittelfeuer" innerhalb weniger Minuten ein halb Dußend Löschzüge zur Stelle waren, so gelang es bald, jede Gefahr für das Warenhaus zu beseitigen. tommen wird. Charlottenburg. Vermischtes. Kritiker kontra Schriftsteller. Vor dem Schöffengericht V in Ernst( Schmidt) wegen Beleidigung des Theaterkritikers Anton Hamburg hatte sich gestern der bekannte Hamburger Dichter Otto Lindner zu verantworten. Zur Hundertjahrfeier der„ Hamburger Gesellschaft der Freunde des Schul- und Erziehungswesens" hatte Otto Ernst ein Schulmeisteridyll„ Das Jubiläum" verfaßt. Der Die Charlottenburger Stadtverordneten hatten am Mittwoch, Einafter wurde im Altonaer Stadttheater aufgeführt. Die Kritik der letzten Sitzung vor den Ferien, eine umfangreiche Tagesordnung behandelte das Stück teils günstig, teils ungünstig. Anton Lindner, zu erledigen, es standen nicht weniger als 28 Punkte zur Beratung. der auch für auswärtige Blätter schreibt, äußerte in seiner Rezension Da aber die weitaus meisten Vorlagen debattelos angenommen in der" Neuen Hamb. Zeitung", das Stück habe wohl einen äußeren wurden, nahm die Sigung nicht allzu lange Zeit in Anspruch und Erfolg erzielt, befize aber keinen inneren Wert. Schärfer noch bedie vorsichtigerweise für Donnerstag vorgesehene außerordentliche handelte er das Stüd in auswärtigen Blättern, so in der„ Deutschen Sigung fonnte wieder abgesagt werden. Zunächst erfolgte die Ein- Tageszeitung" und im Düsseldorfer Generalanzeiger", wo es u. a. führung des wiedergewählten Stadtrats Samter, des Leiters des heißt, Otto Ernst fönne auf seinem Schreibtische kein Stüd Charlottenburger Armenwesens. Von den Vorlagen wurde die be- Löschpapier liegen sehen, ohne es nicht bekrigelt in die Welt zu treffend Bewilligung einer Beihülfe an den Verein zur Fürsorge schicken. Mancher Gymnasiast habe sich schon mit größerem Glück bie weibliche Zugens bis nach den Ferien vertagt, weil sich bieber Otto Ernst schrieb darauf Versammlung und auch der Magistrat noch nicht darüber flar sind, ob es sich um einen Verein auf evangelisch- orthodoxer Grundlage handelt. Alle anderen Vorlagen wurden genehmigt, darunter die betr. Aenderung des Drtsstatuts über die Verpflichtung zum Besuche der Fortbildungsschule, betr. Beschaffung der Mittel für den Erwerb der Charlottenburger Wasserwerke, betr. Einführung der Generalbormundschaft, betr. Regulierung mehrerer Straßen und betr. den Bau einer neuen höheren Mädchenschule in der Danckelmannstraße und einer Gemeindedoppelschule in der Spielhagenstraße. Die erste Sigung nach den Ferien findet am 12. September statt. Mariendorf. " darauf an den Verlag und die Redaktion der Neuen Hamb. Zeitung" folgenden Brief:" Hierdurch mache ich Ihnen die Mitteilung, daß Ihr Theaterreferent, Herr Lindner, den unzweifelhaften, von allen anderen Blättern einstimmig fonstatierten Erfolg meines Einatters Das Jubiläum" in mehreren auswärtigen Blättern lügender Weise in einen Mißerfolg gefälscht hat. Ich muß es Ihrer Auffassung von ehrenhafter Journalistit überlassen, ob Sie Herrn Linoner auch fernerhin Schmähartikel über mich schreiben bemerke aber, daß ich bei jeder geeigneten lassen wollen, Veranlassung Ihren Theaterreferenten öffentlich als Lügner tenuzeichnen werde, der er ist." An die Deutsche Tageszeitung" schrieb Otto Ernst einen ähnlichen Brief. Darin heißt es u. a., für Herrn Gestern nachmittag ereignete sich im„ Seebad Mariendorf" ein Lindner sei es bezeichnend, daß er als Jude für antisemitische Blätter trauriger Unglücksfall, dem der im 18. Lebensjahr stehende Karl schreibe. In einer an dasselbe Blatt gesandten Berichtigung verweist Otto Dittmann, Bergmannstr. 13, zum Opfer fiel. Des Schwimmens Ernst auf den ganz unzweifelhaften Erfolg" feines Stückes, denn unkundig wagte er sich doch mit seinen Kameraden ins Schwimm- Verfasser und Darsteller seien am Schlusse desselben fünf- oder und einigen Mitgliedern des Schwimmklubs„ Germania" vor- Blätter, mit Ausnahme der von Herrn Lindner bedienten, hätten bassin, woselbst er unterging und bei den vom Bademeister Hahn sechsmal ohne den leisesten Widerspruch gerufen worden. Alle anderen genommenen Rettungsversuchen in dem großen Schwimmbassin nicht dies fonstatiert. Diese Schreiben bilden den Untergrund der von sobald gefunden werden konnte. Erst nach zirka 20 Minuten konnte Lindner angestrengten Privatflage wegen Beleidigung. Dr. Suse, mit Hülfe des Rettungsnetzes der Körper geborgen werden. Der der den Privatkläger vertritt, will den Beweis dafür erbringen, daß hinzugerufene Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Otto Ernst wiederholt versucht habe, die ihm unbequeme Kritik vers Johannisthal. stummen zu machen, wobei er sich ähnlicher Mittel bedient habe. Eine auch von Gegnern besuchte Volksversammlung beschäftigte sich am 19. d. M. mit der Neuwahl des Gemeindevorstehers. Die Genossen Dühring und Diesener übten an dem Verhalten des Gemeindevorstehers scharfe Kritik und erinnerten namentlich an die ungünstige Festsetzung der Wahlzeit anläßlich der Gemeindewahlen. Auch ging man mit den bürgerlichen Gemeindevertretern nicht in der fanftesten Weise um. Der Schöffe Dr. Rick verteidigte den Gemeindevorsteher in längeren Ausführungen. Wegen eingetretener Polizei stunde mußte alsdann die Versammlung abgebrochen werden. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins wurden die Vorbereitungen der Streisgeneralversammlung sowohl wie auch Erörterungen gab der Punkt Maifeier Veranlassung. Es wurde verder Generalversammlung für Groß- Berlin getroffen. Bu lebhaften schiedenen Genossen der Vorwurf gemacht, daß sie sich nicht den Beüberwiesen. Zum Schluß wies der Vorsigende auf das am 15. Juli schlüssen gefügt hätten. Die Angelegenheit wurde dem Vorstand von den drei Wahlvereinen im Lindenhof, Friedrichstr. 61, arrangierte Sommerfest hin und ermahnte zu reger Agitation für den Besuch desselben. Weißensee. Feuerwehrbericht. Am Alexanderufer am Humboldthafen brannte Heute früh der Bohlenbelag der Eisenbahnbrücke über diesen Hafen. Die Feuerwehr löschte die Flammen. In der Wörtherstr. 13 hatte die Wehr längere Zeit mit der Löschung eines Kellerbrandes zu tun, der durch Unvorsichtigkeit entstanden sein soll. Backmaterial und Während der Abwesenheit seiner Frau erhängt hat sich gestern Riften wurden ein Raub der Flammen. Ein zweiter Kellerbrand abend gegen 1/10 Uhr der 29jährige Tischler Karl Strafe in seiner beschäftigte die Wehr in der Alten Jakobstr. 189. Dort brannten Wohnung Charlottenburgerstr. 144 I. R. ist finderlos. Herbei große Borräte an Stroh usw. der Auer- Glühlichtgesellschaft. Bor gerufene Nachbarn fanden den Lebensmüden am Bettpfosten hängend. Sem Hause Chauffeeſtr. 55 geriet durch Explosion ein Automobil- Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche waren ohne Erfolg und omnibus in Brand, der von der Wehr durch Aufwerfen von Sand fonnte der herbeigeeilte Arzt nur noch den bereits eingetretenen Tod schnell gelöscht werden konnte. Wegen eines Wasserrohrbruches er- fonstatieren. = folgte ein Alarm nach der Kommandantenstr. 29 und wegen eines Heute, in der Zeit von 5-8 1hr, findet im Lokale von Lehmann, Achsbruches an einem Viehwagen wurde die Wehr nach der Ecke der Prenzlauer Chaussee 5-6, die Ersagwahl zur Gemeinde Landsberger- und Kurzestraße gerufen. Mehrere Wohnungsbrände bertretung statt. Kandidat der Sozialdemokratie ist Tischler Beschäftigten die Wehr in der Wallner- Theaterstr. 27, Stoppenstr. 35, Julius Borted. Die Berliner Genossen werden ersucht, ihre Brizerstr. 77, Zwinglistr. 14 und anderen Stellen. Preßkohlenbrände Weißenfeer Kollegen aufzufordern, zur Wahl zu gehen, wie wir wurden aus der Hennigsdorferstraße, Prinzenstraße und verschiedenen es auch von den Weißenseer Genossen erwarten, daß sie dieser Aufanderen Straßen gemeldet. forderung nachkommen. Schöneberg. Vorort- Nachrichten. Zum Wahlbezirk gehören folgende Straßen: Brauhausstraße, Charlottenburgerstr. 44-142, Friefidestraße, Generalstraße, Göbens straße, Goethestraße, Gustav Adolfstraße, Heinersdorfer Weg, Langhansstr. 30-121, Lehderstr. 26-96, Pistoriusstr. 49-111, Udermarkstraße, Rennbahnstr. 70 bis Ende, Rölfestraße, Scharnweberstraße, Streustr. 26-103, Boigt- Rhegstraße. Pankow. Die freie Jugendorganisation macht auch in Pankow erfreuliche Fortschritte. Heute abend ist bei Abendroth, Mühlenstr. 25, Versammlung. Es werden die Genossen ersucht, ihre schulentlassenen Kinder dorthin zu schicken. Tegel.as Die Polizeiattade bei dem Osterbergnügen des sozialdemokra. tischen Wahlvereins, über die wir seinerzeit eingehend berichteten, fcheint jetzt ihren Abschluß finden zu sollen. Man hat nämlich gegen den Genossen Obst, als Lokalinhaber, und gegen den Genossen Däumig die Klage erhoben, weil sie hinreichend verdächtig er scheinen, eine Tanglustbarkeit veranstaltet zu haben, durch welche den gegen die Störung der Sonn- und Festtage erlassenen Anordnungen guwider gehandelt wurde. Der Termin ist auf den 11: Juli bor dem Schöffengericht Berlin- Tempelhof festgesetzt. Auffällig ist, daß Beim Baden ertrunken ist am Mittwochabend im Tegeler See neben den als Zeugen auftretenden Schußmann Prohl und Polizei- der 18 jährige Schlossergeselle Müller, welcher mit einem Kollegen Leutnant v. Hooven auch der Vorsitzende des Wahlvereins als nach Tegel gefahren war, um dort ein Freibad zu nehmen. Die 8euge geladen ist. Im besonderen richtet sich die Anflage gegen beiden jungen Leute, vorzügliche Schwimmer, wagten sich weit in Obst, weil er gewerbsmäßig ohne die erforderliche Genehmigung das Wasser hinein und schwammen bis zur Rohrinsel hinüber. zu der öffentlichen Veranstaltung von beflamatorischen Vor- Als sie wieder nach dem Ufer zurückschwammen, erklärte M. plöglich, trägen und theatralischen Aufführungen, ohne daß ein höheres daß er noch einmal nach der Insel wolle, und wandte sich um. Sein Interesse der Kunst oder Wissenschaft dabei obwaltete, seine Räume Kollege beabsichtigte ihn zurückzuhalten, bemerkte aber zu seinem hat benuten lassen und als Inhaber des Lokals die Veranstaltung Schrecken, daß M. plötzlich in den Fluten verschwunden war. Alle dieser Luftbarkeit auf gemeinschaftliche Rechnung der Teilnehmer seine Bemühungen, den jungen Mann, der vermutlich von einem in seinem Lokal und als Wirt das Verweilen seiner Gäste über die Strampfanfall betroffen und untergegangen war, zu retten, waren gebotene Polizeiftunde geduldet hat. Däumig ist angeflagt, weil vergeblich. Die Leiche konnte noch nicht gelandet werden. Der Schwimmklub Vorwärts", Reinickendorf, bittet mitzuteilen, daß er mit dem Schwimmklub, der am gestrigen Tage in dem gesperrten Lokal Kaiser Friedrich- Garten sein Schwimmfest abgehalten halten hat, nicht identisch ist. Das Vorgehen Otto Ernsts bezeichnet Dr. S. als giftige Schlangenbisse", weil er sich an die Verleger, an die Brotgeber des Klägers gewandt habe, um eventuell dessen Kündigung herbeizuführen. Das Stück hält Dr. S. für literarisch wertlos. Das Hamburger Premierenpublikum sei nun einmal auf Beifall geeicht, das Berliner auf Zischen. Bei Otto Ernst sei es ein pathologischer Zustand, daß er feinen Widerspruch und feine Kritik vertragen könne. Eine Kunstfritik habe doch mit Semitismus und Antisemitismus nicht das geringste zu tun. In Rücksicht auf die Schwere der Beleidigung und auf die üble Nachrede müsse auf eine hohe Geldstrafe erkannt werden, Otto Ernst erwidert, er habe nie auf ästhetisch ungünstige Urteile reagiert, wie andere Dichter, Sudermann, Dreyer usw., ja auch ber Mitteln der Verleumbung greife, durch die seine Interessen ge modernen Kritik" ausgesetzt seien; nur wenn man zu den fährdet würden, habe er es für geboten erachtet, fich zu wehren. zeitung" in Verbindung steht, sondern daß er für ein Breßbureau Festgestellt wird, daß Anton Lindner nicht mit der Deutschen Tagesarbeitet, das selbständig über die eingehenden Arbeiten disponiert. Die Verhandlung endet mit der Verurteilung des Dichters Dtto Ernst wegen Beleidigung und übler Nachrede zu einer Geldstrafe von 100 M. Die üble Nachrede wird in dem Vorwurf erblickt, daß Herr Lindner als Jude für ein antisemitisches Blatt arbeite. Des Beklagten Pflicht wäre es gewesen, hierüber erst Informationen einauziehen. Bom Blik getroffen. Groß- Wardein, 28. Juni. In der Ortschaft Bajda schlug der Blitz während des Unterrichts in das Schulgebäude. Ein Kind wurde getötet, mehrere schwer verletzt. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen 0,00, dän. Bullen 0,00. IIIa 53-56, IVa 46-51, engl. Bullen Markthallen- Direktion. Rindfleisch Ia 65-68 pr. 100 Pfund, Ila 58-64, holl. Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 100-110, Ia 80-85, a 70-75, Ifa 57-68. Hammelfleisch Ia 72-76, IIa 62-70. Schweinefleisch 61-67. Kaninchen per Stüd 0,40. Hühner, alte, Stüd 1,40-1,80, junge, per Stüd 0,50-0,85. Tauben, junge 0,35-0,50, alte 0,00. Enten, prima, per Stüd 2,00-2,50, Hamburger, junge, per Stüd 2,25-2,90. Gänse, junge, per Pfd. 0,60-0,70, per Stüd 2,75 bis 4,25. echte 85-100, groß 0,00. Schleie 55-70. Bleie 55. Male, groß 125-132, mittel 112-120, flein 69, uns. 96-107. Blögen 0,00. Flundern, bonim. I, p. Schod 3,00-6,50. Rieler, Stiege Ia 4-6, do. mittel per stifte 2-4, bo. flein per Stifte 0,00. Büdlinge, engl. per Wall 4. Stieler 2,00-4,50, Stralsunder 4-5,50. Aale, groß p. Bib. 1,10-1,30, mittel 0,80-1,00, fl. 0,50 bis 0,60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 0,00, Elb per Kiste 0,00. Sardellen, 1902er, per Anker 85,00, 1904er 85,00, 1905er 80,00. Schottische Bollheringe 1905 0,00, large 40-44, full. 36-38, med. 35-42, deutsche 37-44. Heringe, neue Matjes, per ½, 20. 60-120. Hummern, IIa, 100 Bfd. mittel 0,00, fleine 5,50, unsortiert 7,50 0,00. Strebie, per Schock, bis 10,50, Galizier, mittel 0,00. Gier, Land-, per Schod 0,00, frische 0,00. Butter per 100 Pfund, Ia 109-112, IIa 103-106, IIIa 100-103, abs fallende 95-100. Saure Gurten, Schod 4,00-4,25, Pfeffergurten 4-4,50 m. Startoffeln per 100 Bid. magn. bon. 2,25-2,40, rote Daberiche 2,10-2,25, runde weiße 1,80-2,10, Malta 0,00, Sommer- Malta 10-11,50, ital. 4,-6,00, ung. 3,50-45,0. Neue, hiesige per 100 Pfund 4,00-4,50. Spinat, per 100 Pfund 5,00-8,00. Starotten per Schock 2,00 bis 2,50. Kohlrabi, per Schod 0,75-1,25. Rettig, bayr., per Schod 2,40-4,80. Rhabarber, Hamb., per 100 Bd. 0,00. Radieschen, per Schod- Bd. 0,60-1,25. Salat, per Schod 1,00-1,25. Spargel I per Pfd. 0,25-0,30, II 0,15 bis 0,18, III 0,05-0,10, Beeliger I 0,35-0,46, II 0,20-0,28, Bohnen( grüne), per 100 Bfd. 30-35. Schoten, Bruchspargel 0,00. hiesige, per 100 Bfd. 10-12. Pfefferlinge per Pfd. 0,30-0,35. Mohrrüben per Schock- Bd. 2,00-2,50. Blumenkohl per Mandel 1,50-2,50. Wirsinglohl per Mandel 1,00-2,00. Steinpilze per Pfd. 0,33. Teltower Rüben per Pid. 0,22-0,25. Stachelbeeren 100 pfd. 14-15. Kirschen, ital., 100 f. 5-8, 0,00, schlesische 0,00, Natten, Werdersche Gubener 0,00, Werdersche 22-24. Blaubeeren per Pfd. 0,10-0,15. Erdbeeren, holl. per 100 Bfd. 25-30, franz. per Pfd. 0,00, Beelizer per Pfd. 0,00, Werdersche per Pfd. 0,00, Dresdener Wald per Pfd. 0,00, Dresd. Garten per 100 Pfd. 0,00, hiesige alds per Bfd. 0,15-0,25. Pflaumen, ital. runde, per Bfd. 0,10-0,11. Bitronen, Messina, 300 Stüd 12,00-15,00, 360 Stüd 10,00-12,00, 200 Stüd 7,00-12,00, 420 Stüd, flein 7,00. Weintrauben, Brüsseler, per 100 Pfd. 0,00. III 0,10. er in dem Botal des Mitangeschuldigten eine Luftbarkeit veranstaltet Reinickendorf. hat, ohne die hierzu erforderliche besondere Erlaubnis der OrtsSchon damals haben wir darauf hinpolizeibehörde zu besitzen. gewiesen, daß es sich gar nichi um eine öffentliche Veranstaltung handelte, sondern es war eine Vereinsfestlichkeit, zu der nur mit alieber und deren Angehörige Zutritt hatten. Wundern muß man Wetter- Prognose für Freitag, den 29. Juni 1906. fich ferner darüber, daß der Genosse Daumig mitangeklagt worden Am Dienstag fand die kombinierte Generalversammlung der Etwas fühler, zeitweise heiter, aber veränderlich mit Gewitterregen und ist, der nicht im mindesten mehr an der Festlichkeit beteiligt oder Wahlvereine Wilhelmsruh und Reinickendorf- Ost und West im Lokale mäßigen westlichen Winden. berantwortlich war, wie jeder andere Festteilnehmer. Berliner Wetterbureau. bon Knebel statt. Aus dem Vorstandsbericht ging hervor, daß die Die feinerzeit von dem Vorstand des Wahlvereins eingelegte drei Vereine im letzten Halbjahr einen ganz erheblichen Zuwachs Wafferstand am 27. Juni. Elbe bei Auffig+0,65 Meter, Bet Beschwerde gegen die an der Polizeiattade beteiligten Beamten ist von neuen Mitgliedern zu verzeichnen haben. Den Bericht der Dresden 0,83 Meter, bei Magdeburg+1,49 meter. 11n strut bet von dem Polizeipräsidenten zurückgewiesen worden, weil die Beamten Lokalkommission erstattete Genosse Lorenz, derfelbe ermahnte die Straußfurt+1,45 meter. Dber bei Ratibor+ 1,66 Meter bei ihrer Instruktion gemäß gehandelt haben, sich also keine Verfeh- Genossen, die gesperrten Lokale streng zu meiden, wogegen hier am Breslau Oberpegel+5,20 Meter, bei Breslau Unterpegel 0,06 Meter, Lungen zu schulden kommen ließen. Drte noch viel gesündigt würde; unter anderem machte derselbe bei Frankfurt+2,39 Meter. Weichsel bei Brahemünde+ 3,88 Meter. Inoch bekannt, daß die Arbeiter- Samariter- Kolonne ihre Festlich-- ar the bei Polen+1,08 Meter. Wir werden abwarten! Für den Inhalt der Juferate übernimmt die Redaktion dem Bublikunn gegenüber teinerlei Werantwortung. Cheater. Freitag, den 29. Juni. Arjang 7, Uhr: Neues Operntheater. Cavalleria rusticaria. Der Bajazzo. Deutsches. Ein Sommernachtstraum. Neues. Orpheus in der Unterwelt. Anfang 8 Uhr: Berliner. Elektra. Leffing. Die lustige Wittwe. Schiller 0.( Wallner Theater.) Morwit- Oper: Die Afrikanerin. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches T beater). Heiratslustig. Kleines. Ein idealer Gatte. Komische Oper. zählungen. Zentral. Nanos. Hoffmanns Er Urania Tauben. Schiller- Theater. str. 48/49. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Täglich abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuvs, Sternwarte Invaliden. str.57/ 62. OOLOCISCHER Zi Z CARTEN Heute nachmittag 4 Uhr: Großes Militär- Konzert. Gintritt 1 M., v. 6 Uhr ab 50 Bi. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill.. Brummenstr. 16. Nur noch wenige Tage! Lustspielhaus. Das Fest der Hand: v. Otto Leibold. werter. Borter: Die Verlobung Arme Reiche. Lebensb. m. Ges. bei der Laterite. Thalia. Bis früh um Fünfe! Metropol. Auf ins Metropol. Apollo. Das blaue Bild. Spezia litäten. Carl Weiß. Sütidige Liebe. Wintergarten. Tortajada. Spezialit. Passage. Willy Prager. Spezialit. Bicichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Besuv. Sternwarte, Juval denſtr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Zum legten Male: Elektra. Bon Sophokles- Wilbrandt. Anf. 8 Uhr. Sonnab.: Donna Diana. 8 Uhr. Sonntag: Medea. Anf. 8 Uhr. Neues Theater. Anfang 7, Uhr. Orpheus in der Unterwelt. Kleines Theater. Morwitz- Oper. reitag, abends 8 Uhr: Die Afrikanerin. Große Oper in 5 Aften v. Giacomo Meyerbeer. o nabend, abends 8 Uhr: Zar und Zimmermann. Sonntag, nach m. 3 11 br, bei halben und ermäßigten Preisen: Der Freischütz. Abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Freitag, abends 8 Uhr: Heiratslustig. Schwank in drei Aften von Maurice Champagne. Sonnabend, abends 8 Uhr: Das Glück im Winkel. Sonntag, abends 8 Uhr: Das Glück im Winkel. Der Rattenfänger von Hameln. 13m Garten tägl. gr. Militär- Konzert. Schweizer Garten. Am Königstor. Am Friedrichshain 29/32. Täglich: Theater-Vorstellung, Spezialitäten. = Bis 8 Uhr und nach 11 Uhr: Damen- Frei- Tanz. Bum Schluß: Elternlos. Lebensbild in 2 Alten. Dazu die erstklassigen Spezialitäten. Anfang 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Staffeeküche v. 3 Uhr. Bei schlecht. Wett.: Borstell. im Saale. Sonnab. 30. 6.06: Benefiz für C. Reich. 7657 Großer Erfolg! Tortajada, spanische Tänzerin und Sängerin. Catherine Bartho u. Lydia Redega, ungarische Tänze. Die Maningos, Handakrobat. Paulinetti& Piquo, Reckturner. Frank Kern m. Hund, Bolzen". Entree 30 Pf. Max Kliems Sommer- Theater. Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Taglich: Gr. Konzert, Theater Spezialitätenvorstellung und Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Diez' Spezialitäten- Theater. Landsberger Allee 76/79( Ringbahnstation). Creo Bros., komische Akrobat. Ob schön! i herrlichen Garten oder Saal: Ob Regen! Im Miß Orford mit ihren dressierten Elefanten. Lola Lloyd, Soubrette. Mlle. Farfalla, Paris.Soubrett. Imro Fox, Illusionist. Die Sleedes,„ Das geheimnisvolle Haus". La Bérat, Phantasietänzerin. Der Biograph. Ein idealer Gatte. Passage- Theater. Anfang 8 Uhr: Sonnabend: Lette Vorstellung vor den Ferien: Ein idealer Gatte. Geschlossen vom 1.- 14. Juli. Neues kgl. Operntheater ( Kroll). Anfang 7, Uhr. Freitag, den 29. Juni: Gastspiel des Hrn. Speemann. Fra Diavolo. Anfang 8 Uhr. Das glänzende Juniprogramm. Willy Prager Sonnab.: Gastsp. Henri Albers: 14 Troubadour. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und Invalidendank. Komische Oper. Sommerspielzeit 1906. Hoffmanns Erzählungen. Sommerpreise. ( Reine Vorverkaufsgebühr.) Anfang 8 Uhr. Zentral- Theater. ( Operette). 8 Uhr: Nanon. Operette in Detten. Täglich: Gr. Konzert, neue Spezialitäten und Ball. Das größte und beste Programm Berlins. La Matschiche! merikanischer Tanz, ausgeführt vom besten 1. a.: Tanzduett Jeanette und Vallis. Robert und Bertram, das berühmte Grotest- Duett. Josefine Delcliseur, das weibliche Unilum. Die Wunder der Turnkunft: The tree Burtons und Great Harry und Olly Smith, Szene im Restaurant. Kaffeeküche. Volksbelustigungen aller Art. Anfang 4 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf., Sonntags 30 Pf. Avis! Bombs 16 Löwen die größte Sensation und 30. Juli: beste Gruppe der Welt: Jm Salon des Löwenbändigers. Brauerei Groterjan N., Schönhauser Allee 130. E Oekonom Ernst Stein. Täglich A. Diez. erstklassige Spezialitäten Großes Konzert 7 Bernhard Rose- Theater Anfang: Wochentags Uhr. Bernhard Rose- Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Borlegtes Auftreten des Sensations. Juni Spezialitäten- Programms. Paul Coradini. Japaner- Troupe Naniva. The Alkers, Taucherkünstler. Francois Rivoli, Mimiker. The Wallenos, Jongleure. Charles Fox, Antipode. Außerdem: Die Gauklerin. Anf. 4%, Uhr. Entree 30, num. Pl. 50 Pf. Volksgarten- Theater. Lustspielhaus. Badstr. 8( Behm. Bellermannstr.) Täglich 8 Uhr: Das Fest der Handwerker. Vorher: Die Verlobung bei der Laterne. Apollo- Theater. Nur noch 2 Tage! MiB Carma, Transformat. Tänzerin. Duo Paulus, holländisches Duett. Humpsti- Bumsti, erzentrische Streation. Das blaue Bild b. Paul Lincke. Ein Abend in einem amerifanischen Tingel- Tangel. Metropol- Theater Anfang 8 Uhr. ! Auf- in's Metropol! Große Jahresrevue mit Gesäng u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen überall gestattet. Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Anfang 8 Uhr. Sündige Liebe. Familientragödie in 4 Alten v. H. Rolf. Morgen: Diefelbe Vorstellung. Im Garten täglich Spezialitäten- Vorstellung. Auf. 5 Uhr. Sanssouci. Kottbuser Straße 4a. Der Garten ist eröffnet. Sonntg., Montg.Donnerst. und Sonnabend: Hoffmanns Nordd. Sänger und Tanzkränzchen. Franz Fanther inf. Glanzn. Entr. 30 Pf., num.Pl. 50 Bj. Somt.Beg. 5, Wochent. 811. Im Borgart.: Freikonzert. Täglich: Konzert, Theater u. Spezialitäten. Jed. Mittwoch: Gr. Kinderfreudenfest. Jed. Donnerst.: Gr. Brill.- Feuerwerk. Voltsbelustigungen aller Art. Die Kaffeeküche ist v. 1 Uhr an geöffnet. Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allee 148. Täglich: Konzert, Theater, Spezialitäten, Ball. 15 Attraktionen ersten Ranges 15. Berlin, wie es lebt n. liebt. Boltsstid in 3 Atten von Lindener. Anfang 4 1hr. Entree 30 Bf. Prater- Theater Kastanien- Allee 7/9. Täglich: Amor von heute. Wehling, Humor. Varadi- Duett. Derrington- Family, Kunstrad fabrer. Livèrs, Drahtseil. Die Einbrecher von New York, Bant. The Piccad. Konzert. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Platz 50 Pf. Britz Sonntags 4 Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger. ( Meysel, Pietro, Britton, Böhme, Böckmann, Walden, Seidel, 0. u. R. Schrader) Anjang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Verbindung mit größter FilmsFabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. Otto Pritzkow, Münzstr. 16. Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Täglich im Garten bezw. in den unteren Sälen Verein der Lederarbeiter. Todes: Anzeige. Am Dienstag morgen verstarb nach kurzem Strantenlager unser langjähriger Stollege Hermann Fellisch im 52. Lebensjahre. Die Beerdigung findet Sonnabend, den 30. d. Mts., nachmittag 4 1hr, vom Moabiter Krankenhause aus nach dem neuen Pauls- Kirchhof statt. Um zahlreiche Beteilgung bittet Der Vorstand des Ortsvereins der bederarbeiter. Berlin I. Danksagung. Für die freundliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, des Tischlers Panl Jeschke, fagen wir allen Freunden und Bekannten herzlichsten Dank. Insbesondere den Kollegen Ser Girma Salzmann sowie dem Deutschen Holzarbeiter- Verband für die schönen Stranzspenden unseren aufrichtigsten Dant. 16562 Marie Jeschke nebst Kindern. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für 110/ 9* Hant- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4 der Reise zurück: Gottschalk Freikonzert Dr. Ed. Palk Frauenarzt, Mittwoch u. Sonnabend: Freitanz. Siegmundshof 14. Spr.Anflamerstr.39. Ostbahn- Park Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr.71 Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Lebuferstr. 13 frei kleine Wohnung ( 22 M.) durch Sack, Hof 1. Achtung! Achtung! „ Neues Gesellschaftshaus" Snb. Schlachtensee, rigſtr.12. Aug. Rüter. Gitel 3 Min. v. Bahnh. Zehlendorf- Beerenstr. Salte mich den Genossen und Gewertschaften bei Ausflügen beſtens empfohlen. Für Speisen und Ges tränte ist bestens Sorge getragen. Was ist Bosco? Beranlaßt durch die in letzter Zeit sehr oft vorkommenden Klagen über ganz minderwertige Nach15642* ahmung des Dänischen Kapitän- Kautabak weise ich darauf hin, daß derselbe nur echt ist, wenn in jedem Stick( 5 u. 10 Pf.- Rollen oder Schleifen) der Zettel liegt mit Ausschrift: Dänischer Kapitän- Kantabak( gefekt. geschützt). Gen. Bertr.: C. Röcker, Berlin O., Grüner Weg 112. Amt 7,3861. Zu haben in den meisten Zigarrengeschäften. Sozialdemokratischer Wahlverein Britz Getreidepreise steigen! :: Sonntag, den 1. Juli 1906: Großes Sommerfest Britz NIEGEDACHT A in Bethges Konzertpark u. Festsäle ( Jnh. Aug. Noster), Chausseestr. 39 Anfang 4.Uhr nachm.- Eintritt 20 Pf. Wer sich für die Preisbewegungen an den Produktenmärkten interessiert, verlange Proestler's Broschüre: ,, Das Wirtschaftsbild der Gegenwart und der Zukunft". Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.( Komm., Otto Weber, Leipzig). Vollständige Ausgabe M. 2.-. Teil und Volksausgabe 60 Pfg. Britz Berlin staunt! Täglich von 4-8 Uhr nachm. findet Probewaschen mit den weltberühmten patentierten Waschmaschinen, Wringmaschinen und Waschpulver ,, Ruhrperle" von dem größten Spezial Fabrit Geschäft der Welt Karl Kampmann jr., G. m. b. H., Mülheim Ruhr" statt. Heinrich Lohbeck, Berlin N., Jnvalidenstraße Nr. 142, Hof, Quergebäude. Täglich von der Michael- Brücke Dampfer- Extrafahrten, mit Musik nach dem beliebten ,, Woltersdorfer Schloß". Fahrpreis hin u. zurüd 40 Pf., Kinder 25 Pf. Abfahrt vorm. 9 Uhr, nachm. 2 Uhr nur von der Michaelbrücke.- Austunft über Vermietungen werden Holzmarktstr. 50 d im Restaurant erteilt. Arb.- Radf.- Bund Gau IX. Solidarität 95 Bezirk IX. Kreis Nieder Barnim. Sonntag, dea 1. Juli, in Mentes Volksgarten, Lichtenberg, Röderstr. 35/36. Nordring: Landsberger Alloe: I. Bezirksfest. 14962* Reigenfabren X Radballspiel X Kunstfahren X Konzert X Spezialitäten X Harb. Sänger X Gr. Ball. Auftreten des Kunstmeisterfahrers und Akrobaten Joseph Müller aus Lucka( S.-A.). Radlers Abenteuer am Ufer des Nils. Kaffeeküche bis 6 Uhr geöffnet. X Stocklaternen. X Samariterkolonne anwesend. TRäder- Aufbewahrung. Billetts: Vorverkauf 20 Pf., an der Kasse 25 Pf. [ 13/ 12*] Das Komitee. Kassenöffnung 2 Uhr. Anfarg 4 Uhr. Zahlreichem Besuch entgegensehend Ausnahme- Tage für Kinder- Anzüge 80 Stück M. 2 80 M. 80 M. Serie I alle erdenklichen Muster Serie II für die Reise... Stück Serie III Serie IV Achtung! 3 Geschäfte 80 fürs Bad Stück 23 M. für Promenade. Stück 480 nur bei Blitz Achtung! 3 Geschäfte Chaussee- Straße 80 9 Rosenthaler Straße Ecke Angust- Straße. 9 137 Große Frankfurterstr. 137 zwischen Koppen- u. Fruchtstr. Chonés Industrie- Palast 20 Zentralverband der Maurer Deutschlands Deutscher Metallarbeiter- Verband. Zweigverein Berlin. Sonnabend, den 7. Juli 1906, in der Brauerei Friedrichshain ( am Königstor): Großes Sommer- Fest zur Feier des 15. Stiftungs- Festes arrangiert vom Zentral- Verband der Maurer ( Zweigverein Berlin.) Konzert. Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Um 11 Uhr: Kinder- Fackel- Polonaise. Jedes Kind erhält ein Geschenk. Im großen Saale von 7 Uhr an: Großer Ball. Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen von 4 Uhr an zur Verfügung. Anfang des Konzerts nachmittags 4 Uhr. Billetts: Herren 50 Pfennige inklusive Tanz. Damen 25 Pfennige. Hierzu ladet alle Freunde, Bekannte und Gönner ein Das Komitee. Billetts sind in den Verkehrslokalen und im Verbandsbureau, Engel- Ufer 15, zu haben. NB. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß das Verbandsbureau nachmittags geschlossen ist. Der Zweigvereinsvorstand. Nach§ 6 der Bibliothekordnung findet im Juli eine Inventur der Bibliothek statt; wir ersuchen deshalb, jedes noch ausgeliehene Buch sofort abzuliefern. Außerordentliche General- Versammlung der Liepnerschen Sterbe- und KrankenUnterstützungskasse No. 23 ant Sonnabend, den 7. Juli 1906, abends 8, Uhr, in Siemunds Festfälen( Inh.:. Kuhn), Linienstr. 8 und Jofthstr. 4. Tages Ordnung: Verfügung der Aufsichtsbehörde Betreffs Erhöhung der Beiträge zur Stranten- Unterstützungskaffe. 26725 Der Borstand. Sassenbuch( blau) legitimiert. Krankenfahrstühle all. Systeme käuflich von 25 W. an, auch leihweise unter foulantesten Bedingungen. Koppsche Krankenwagen, Elsasser116/ 4* straße 95. Baustellen, Rute 4 Mart an, Straußberg, Heegermühle, Fasanenpart. Wohn. Berlin, Gormannstr. 23. LandsbergSoldiner Versammlung 144/15 der hier wohnenden und arbeitenden Genossen aus dem Kreise am Sonn abend, den 30. Juni, abends 8 1hr, Gewerkschaftshaus, Saal 7. T.- D.: Nußen der Landsmannschaft für Wahlkreis! unseren Streis. Ref. R. Kayser- Landsb. 283/10 Einberufer: G. Zimmer. Feldschloß- Brauerei Berlin: Telephon: Amt II 196, Jedes Wort 10 Pfennig. G. m. b. H. Gr. Lichterfelde: Telephon No. 9, empfiehlt ihre mehrfach prämiierten Tafelbiere in Fässern und Flaschen. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Gardinenhaus Große Frankfurter Arage 9, parterre. 1+ Fahrräder, Zeilzahlungen. BergStraße 28, Staligerstraße 40. 1509* Teppiche!( jeblerbaite) in allen Größen für die Hälfte des Wertes, im Zepplager Brünn, Hadescher Markt 4, Bahnhof Börse. 263/3 Bommeriches Bauernbett, Ded bett, Unterbett, zwei Stiffen, 27,00. Großes Laken, Stüd 1,00. Pfandleihe Andreasstraße achtunddreißig. Elet trische nach überall. 1651st Dedbett, Unterbett, Stiffen mit glattrotem Inlett, zusammen 10,50, nur( Pfandleihe) Andreasstraße acht unddreißig. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. Sonntag, den 1. Juli, sollen die durch Beschluß der Generalversammlung vom 24. Juni notwendig gewordenen Erfatz- und Neuwablen vollzogen werden. Die Wahlzeit ist von vormittags 10 bis nachmittags 2 Uhr. Ohne Mitgliedsbuch kann niemand wählen. Die Stimmzettel werden am Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Gewählt wird in folgenden Lokalen: Raabes Festfäle, Kolbergerstr. 23. Bernhard Rose- Theater, Badstr. 58. Wernaus Festfäle, Schwedterstr. 23. Bökers Festsäle, Weberstr. 17. Graumanns Festsäle, Naunynstr. 27. Lehmanns Restaurant, Bülowstr. 59. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/48. Thiel- Rigdorf, Bergstr. 152. Volkshaus- Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Schellhase- Steglih, Ahornstr. 15. Böhle- Spandau, Neumeisterstr. 5. Kaufhold Ober- Schöneweide, Wilhelminenhofstraße 18. Tempel- Rummelsburg, Alt- Borhagen 56. Hellwig- Köpenick, Schönerlinderstr. 5. Schmuh- Weißensee, König- Chaussee 38. Gehlhaar- Tegel, Berlinerstr. 92. Berliner Arbeiter Radfahrer- Verein" Mitglied de 3 Arbeiters Radfahrer- Bundes " Solidarität“. Touren 13/11 zum Sonntag, den 1. Juli 1906. 1. Abt. früh 5 Uhr nach Budow. Nachm. 12 Uhr nach Wt- Landsberg. Starts Bülowstr. 59. 2. Abt. Sonnabend cbend 9%, Uhr nach Neu- Ruppin. Narhm. 12 Uhr nach Schulzendorf. Starts Urbanstraße 7. 3. Abt. früh 5 Uffe nach Beelih. Nachm. 1 Uhr nach Tannsee( Baher. Hof). Starts Marianenplay. 4. Abt. früh 5 1hr nach Grünheide( Fieliz). Nachan. 1 Úhr nach Lichtenberg( Mentes Boltsgarten). Starts Andreasplat 5. Abt. früh 4 Uhr nach Budow ( Schweizerhaus). Fachm. 1 Uhr nach Straußberg( Hungriger Wolf). Starts Elysium. 6. Abt. Sonnabend abend 7 und 9 Uhr Spreewald- Tour. Nachm. 1 Uhr nach Fichtenau. Starts Dderbergerstraße 30, Genosserschaft. 8. Abt. früh 62 Uhr nach Königswusterhausen( Altes Schüßenhaus). Nachm. 1 Uhr noch Eichwalde( Waldschlößchen). Starts Kriminalgericht. 9. Abt. nachm. 11, Uhr nach Schönwalde. Start Schillingstr. 22. 99 Voran II" Produktiv- u. Einkaufsgenossenschaft d. ,, Berlin.Arbeiter- Radfahrer- Vereins" ( Arbeiter- Radf.- Bund ,, Solidarität"). Zentral- Wahlbureau ist unser Bureau Donnerstag, 12. Juli, abds. 9 Uhr: Engel- Ufer 15 I. Wahlleiter ist der Kollege Josef Hartmann. 121/17 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Einsetzer! Alle Kollegen, welche von den Bezirksleitern Billetts zur Dampferpartie entnommen haben, werden ersucht, am Sonntagvormittag 10 Uhr sich in den bekannten Bezirkslokalen einzufinden behuss Feststellung der bestimmten Anzahl von Plägen, mit welchen die Kommiffion auf den Dampfern zu rechnen hat. Kleine Anzeigen 6958. Nähmaschinen. 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Mitgliedsbücher sind mitzubringen. Der Vorstand. 206/1 Herr G. Drendel, Waldstraße 43, erflärt in einem Briefe an die Erpedition, daß er aus der Brauerei Schönbeck in Neu- Ruppin tein Bier beziehe. ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahme stellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis) 12 Uhr, in der Haupt- Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Deutsch. Buchbinderverband ( Zahlstelle Berlin). Folgende Firmen haben, weil daß Personal nach der Beendigung der Aussperrung nicht reumütig uro bedingungslos in die Betriebe zurü lehrte, weiter respektive erneut aus gesperrt: G. Wübben& Co., Wilhelmstraße 9. H. Sperling, Friedrichstr. 16. D. Bleistein, Friedrichstr. 16. Lüderitz& Bauer, Mauerstraße 80. Fritsche- Baumbach, Sö. neberg, Bahnstraße. H. Reiß, Lükomftr. 107/& H. Schubert, Wilhelmstr. 121. C. Metschke& Co., Zimmers straße 94. A. Schoß, Buttkamerstraße 19. A. Schoß, Dessauerstraße. Schneider& Ziegler, Ritterstr. 76. Rickmann, Wilhelmstr. 121. Naucksche Buchdruderei, Stall schreiberstraße 5. Ad. Ludwig, Elisabeth- Ufer 5/6. Fleck Nachf., Lugomstr. 87. Kämmerer, Stochstr. 67. C. F. Walter, Ballstr. 16/17. Rich. Gahl, Chauffeeftr. 2e. Agthe, Wilhelmftr. 119/20. Lotze& Sieler, Rochftr. 3. Ad. Wittenburg, Bilhelm straße 16. Xaver Kölle, Reichenbergerftraße 36. | Neue Kantstr. 1, 2 und 3 sowie der Bau Lange. Luijenplay, Ede Raiser Friedrichstraße, Bau Haaje Sadowastr. 10, Bau Hollmann. Barbarossastraße. Rigdorf, Donaustr. 83, Bau Berndt, Berlinerstraße, Ede Straße 12k, Ban Langnid und Bau Lang. Bismardstraße, Bau Schlüffelburg. Giesebrechtstraße, Bau Herold. Tegeler Beg 105. Flotomstraße, zwei Bauten Bunning Birchow- Krankenhaus, Seeftraße, Freisingerstraße, Bau Rölte. Schwäbischestraße, Bau Zander. Berchtesgadenerstraße, Bau Kraak. Friedrichsberg, Müggelstraße, Ede dez Scharnweberstraße. Wormserstr. 10. Blumeshof 5/6. Es ist Pflicht jedes organisierten Kollegen, diese Bauten streng zu meiden. 144/11 Die Sektionsleitung. Deutscher HolzarbeiterVerband. Wegen Streit und Lohndifferenzen find gesperrt: Für Tischler, Polierer und Ma schinenarbeiter Wienecke, Grünauerstraße. Franz Schulz, Frankfurter Allee 28. Pieper, Bernauerstr. 80. Für Bautischler: Schubert, Kreuzbergstraße. Raabe, Usedomstraße. Für Korbmacher: Alle Genossen und Freunde Stalazer Glashütte. Kreissägeschneider, der in Noh- der Organisation, machen wir darauf daß die Heimarbeit Für Bürstenmacher: leistenfabrit gearbeitet, sucht Wert aufmerksam, meister, Brunnenstraße 194. 26706( Bogen falzen von Streifarbeit) in Der Junungsnachweis, Brunnen straße 154. übermäßiger Weise Platz gegriffen hat? Tüchtiger Naßwäscher gesucht. Mar Wir bitten, die Hausbewohner auf Fischer, Inhaber B. Gumpel, he- das Verwerfliche ihres Tuns auf mische Waschanstalt, Weißenfee, mertjam zu machen. 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Die Ortsverwaltung des Holzarbeiterverbandes.