Nr. 149. nbonnementS'Bedlnsangen: fffionnemcntä> Preis»rünumer-mda i Biertcljährl. 330 Ml. monatl. 1.10 Ml. wöchentlich 28 Psg. frei in? Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nimunet mit illustrierter Sonntags, Zlcilage.Die Neue Welt' 10 Pfa. Post- »Ibonncmenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunas, Preisliste. Unter Kreuzband siir Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Mona». Postabonncments nehmen an: Belgien. Dünemarl, Holland. Italien. Luxeniburg. Portugal, Sluinünicti. Schweden und die Schweiz. Wchiim»glich inStr fflontag«. 23* Jahrg. Verlinev Volksblatt. vle lnlerilotiz-Gebllhk Befragt für die sechsgespaltene kolonei- geile oder deren Raum b0 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Bersammlungs. Anzeigen 30 Pfg. „Aiein« Snreigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Ptg. Stellengesuche und Schlas- stellcn-Anzeigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen Bis S Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist BIS 7 Uhr abends geöffnet, Seiegramm-Adresse: „SozialiKnokrit Rtrlia". Zcntralorgan der fozialdcmokratt feben Partei Deutfcblande. Redaktion: 831. 68, Llndenstvasse 69. Jhernfprcefifr: Amt IV, Nr. 1983. Nochmals: IKIanenfcheiduns. Unser Artikel„Klassenscheidung" hat in der Magdeburger ..Volksstimme" Widerspruch gefunden. Wenn auch nicht die Redaktion dieses Parteiblattcs, sondern nur ein F- S. zeich- nender Genosse an unseren Ausführungen Kritik übt, und wenn diese Kritik auch trotz ihrer Länge von Anfang bis zu Ende nur ein einziges tragikomisches Mißverständnis darstellt, so stalten wir es dennoch für ersprießlich, uns zur Klärung der Sache näher mit diesen Mißverständnissen zu beschäftigen. Zunächst einige rekapitulierende Worte über Motive und Absichten unseres Artikels„Klafsenscheidung". Die Tatsache, daß bei einer Reihe von Reichstagsnachwahlen teils nur ein relativ geringes Wachstum, teils sogar ein Rückgang sozial- deniokratischer Wählerstimmen zu verzeichnen war. hat sowohl in der bürgerlichen, als auch in der Parteipresse mannigfache Kommentare erfahren. In der bürgerlichen Presse, aber auch in Parteikreisen, vertrat man die Ansicht, daß der Stimmen- rückgang auf die Streitigkeiten innerhalb der Partei, namentlich auf die erregten Szenen des Dresdener Parteitages zurück- zuführen sei. Das moralische Ansehen der Partei, so sagte man, habe eine.: empfindlichen Stoß erlitten. Zumal zahlreiche Mitläufer der Partei, die zwar nicht überzeugte Sozialdemokraten, aber doch durch mannigfache Bande der Sympathie mit der Partei verbunden gewesen wären, seien durch den„häßlichen Bruder- zwist" zurückgeschreckt worden. Während die revisionistischen Genossen aus dieser Deutung des Stimmenrückganges den Schluß zogen, daß die Partei sich künftig von„theoretischer Kotzerrichterei" freimachen und tolerantere Meinungs- Verschiedenheiten ertragen müsse, erging sich die bürgerliche Presse in Siegesjubel über die Selbstauflösung der Sozial- demokratie. Mit der redinonistischen Zorderuug, die Partei solle end- lich ihre„theoretische Engherzigkeit" abstreifen, haben wir uns schon früher auseinandergesetzt. Wir legten dar, daß die Partei, wolle sie sich durch Preisgabe der prinzipiellen Klar- heit nicht selbst aufgeben und ihre gerade durch die prinzipielle Einheit garantierte Aktion lahmlegen, nun und nimmer diesen Forderungen entsprechen könne. Prinzipielle und taktische Diskussionen seien auch in der Zukunft ganz im- vermetdlich. Etwas anderes sei es mit der Form solcher Auseinandersetzungen, die allerdings im Parteiinteresse in möglichst sachlicher, unverbitterter Weise geführt werden sollten. Unser Artikel„Klassenscheidung" beschäftigte sich dagegen mit dem törichten Siegesjubel der Gegner, die wegen oes Abfalles einiger tausend bürgerlicher Mitläufer bereits von einem Rückgang der Partei faselten und darüber ganz ver- gätzen, daß die Absplitterung an der Peripherie reichlich ivett gemacht werde durch die innere Festigung der Partei, die in der gewaltigen Abonnentenzunahme der Partei- presse und dem rapiden Wachstum der Parteiorganisationen deutlich zutage träten. Wir hatten daun. unter Heranziehung der Acußerungen eines nationalsozialen Politikers, dargelegt, daß der Stimmenrückgang bei den Nachwahlen zum erheblichen Teil auf die Desertion bürgerlicher Mtläufcr zurück- zuführen sei. die sich hauptsächlich durch die seit Dresden immer schärfer hervortretende EntWickelung der Sozialdemokratie zur prinzipiellen Klassenkampfpartei abgestoßen fühlten. So sei im letzten Grunde der Abfall der Mitläufer nur ebenso sehr ein Symptom der sich immer klarer vollziehenden Klafsenscheidung, tvie auf der anderen Seite die unverkennbare Zunahme der Kampfesenergie innerhalb der Partei. Gegen diese Auffassung zieht F. S. in der Magdeburger „Volksstimme" mit mehr polemischem Eifer als überzeugender Logik und ruhiger Sachlichkeit zu Felde. Seine Einwendungen gipfeln in folgenden Gedanken: 1. Der„Vorwärts" begehe einen Fehlschluß, wenn er aus der zunehmenden Klassenscheidung den Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen erkläre. Denn die zunehmende Klassenscheidung müsse sich gerade— entsprechend der Zu- nähme des Proletariates und seiner wachsenden Klassen- erkenntnis— in einer Vermehrung der sozial- demokratischen Wähler äußern. 2. Der„Vorwärts" folgere aus der zunehmenden Klassen- schcidung die Notwendigkeit eines Rückganges der sozialdemo- kratischen Wähler. Wie denke er sich dann aber die„Er- oberung der politischen Macht"? Wie könne die Sozial- demokratie auf einen Steg hoffen,«wenn wir keine neuen Wähler gewinnen"? 3. Der„Vorwärts" irre, wenn er den Rückgang der Stimmen zum guten Teil aus dem Abfall bürgerlicher Mit- läufer erkläre. Der„Vorwärts" widerlege sogar diese seine Ansicht selbst dadurch, daß er dem Nationalsozialen Dr. Katz gegenüber, demzufolge 1903„weite Kreise des Bürgertunis", „Tausende aus den Kreisen von Bildung und Besitz" für die Sozialdemokratie gestimmt haben sollen, entgegenhalte, daß er die Zahl dieser Mitläufer„enorm überschütze''. 4. Der„Vorwärts" täusche sich, wenn er die Ausbreitung der Parteipresse und Parteiorganisationen auf die zunehmende proletarische Klassenerkenntuis zurückführe, die durch den seit Dresden schärfer betonten Klassentampfcharakter der Partei erweckt worden sei. Denn wenn erst hierdurch die indifferenten Elemente auS Lesern der„Mvrgenpost" in„Vorwärts"- Abonnenten verwandelt worden seien, so sei das ein„eigen- .Furcht" zu haben scheinen sich uns die Zeit nicht daraus zu daß man zuwenig artiges Kompliment" den neugewonnenen„Vorwärts"-Lesern gegenüber, denen der„Vorwärts" dergestalt nachsage, sie hätten bis dahin aus„Klassenbewußtsein" nicht den„Vor- wärts", sondern die„Morgenpost" gelesen. 5. Die bürgerlichen Mitläufer könnten durch den schärfer betonten Klassenkampfcharakter der Partei nicht zurückgeschreckt worden sein. Denn, so schließt F. S. seinen Artikel: „Der„Vorwärts"... hat das Thema des Massen- streiks so überaus vorsichtig und ganz von der Ferne her behandelt, daß man auch an solchen Vermutungen irre wird. Die„zunehmende radikale Strömung" im„Vorwärts" ist also keineswegs so beschaffen, daß irgendwer vor ihr brauchte. Und ganz im allgemeinen unangenehnien Ereignisse der letzten erklären, daß man zuviel, sondern „Furcht" vor uns empfindet. Wenn wir es erst' einmal dazu bringen, daß wir der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung ein wahrhast furchtbarer Gegner sind, dann werden uns auch alle die ungeheueren Massen zuströmen, die mit uns an dem Fall dieser Gesellschaftsordnung, an der Er« füllung unserer sozialistischen Forderungen interessiert sind. Wer aber gegenüber den dräuenden Machtmitteln des Klassenstaates durch epie höchst absonderliche und durchaus Programm- widrige Lehre sich selbst und seine Klasse in eine ewige,„gut organisierte" Minorität verbannt. wer die Verminderung der ReichSiagSmandate als ein Zeichen vermehrter„Schlagfertigkeit" ansieht und seinen praktischen Mißerfolg als Sieg der reinen Theorie feiert, wird der kapitalistischen Gesellschaft als Gegner nicht furchtbar, sondern bloß lächerlich." Betrachten wir diese kuriosen Einwendungen der Reihe nach. 1. F. S. meint, die zunehmende Klassenscheidung habe sich bei den Nachwahlen in einer Vermehrung der sozialdemokrati- schen Stimmen äußern müssen, denn das Proletariat habe sich ja ebenfalls vermehrt. Er vergißt dabei nur zwei Kleinig- ketten: erstens den Abfall bürgerlicher Mitläufer, und zweitens den Umstand, daß der Zustrom mindestens aus den Kreisen des industriellen Proletariats, das— i i s zetz t— für das Wachstum der Sozialdemokratie in erster Linie in Frage kam, heute nur noch ein begrenzter sein kann. Kautsky wies bereits 1899 in seiner Schrift„Bernstein und das sozial- demokratische Programm" darauf hin, daß nach den Ergeb- nisscn der Berufs- und Gewerbezählung vom Jahre 1905 in Deutschland nur 3 Millionen industrieller Arbeiterwähler vorhanden seien. Auch Dr. R. Blank hat im vorigen Jahre in seiner im„Archiv für Sozial- Wissenschaft und Sozialpolitik" veröffentlichten Studie über die soziale Zusammensetzung der sozialdemokratischen Wählerschaft in Deutschland auf diese Tatsache hin- gewiesen. Blank berechnete weiter, daß etwa'/» Millionen sozialdemokratischer Wähler nicht industrielle Arbeiter, sondern bürgerliche Anhänger der Sozialdemokratie,„Handwerker, kleine Kaufleute, kleine Beamte, kaufmännische Angestellte" usw. seien. Mit Recht hat zwar Bebel demgegenüber in der „Neuen Zeit". Heft 37. 23. Jahrgang, darauf verwiesen, daß diese Annahme Blanks unrichtig sei, da die Sozialdemokratie auch unter der Landarbciterschaft zahlreiche Anhänger habe; allein die Tatsache einer immerhin beträchtlichen Mit- läuferschast aus bürgerlichen Kreisen bleibt nichtsdestoweniger bestehen. Wurde von diesen Mitläufern aber ein erheblicher Bruchteil fahnenflüchtig, so konnte, trotz eines Zuwachses proletarischer Wähler, ein vorübergehender Stimmen- rückgang nicht ausbleiben. 2. F. S. unterstellt dem„Vorwärts" die geradezu un- sinnige Ansicht, der vorübergehende Stimmcnrückgang (von dem obendrein seit zirka SU Jahren nicht mehr viel zu merken ist. wie unlängst selbst in den„Sozialistischen Monatsheften" ziffernmäßig nachgewiesen wurde) sei fiir alle Zukunft etwas Unabwendbares. Vermöchte sich F. S. nur ein wenig in den Gedankengang der der wirklichen Klaffenkampfauffassung hineinzuversetzen, so würde er begreifen, daß gerade derjenige, der das Haupt- gewicht auf die Gewinnung i>cr proletarischen Wähler legt, an der Gewinnung der Majorität der Nation nicht zu zweifeln braucht. Hat doch gerade der„Vorwärts" wiederholt darauf hingewiesen, daß noch Hunderttausende ultramontaner und fteisinniger Industriearbeiter in die Armee der sozialisüschen Klassenkämpfcr einzugliedern seien, ganz zu schweigen von weiten Rekrutierungsgebiet, das die ländliche Arbeiter- noch für die Partei darstellt. Und sagt doch selbst ernstein in den„Sozialtsrischen Monatsheften"(August- Heft 1905):„In dem Maße daher, wie die s 0 z i a l e E n t- Wickelung der Arbeitertlaffe das Uebcrgewicht im Volke zuschiebt, kann Arbeiterpartei und Volks- Partei identisch werden.— Zu allem Ucbcrfluß sei auch das noch gesagt: Selbstverständlich hat die Sozialdenio- kratie kein Interesse daran, bürgerliche Mitläufer zurück- zustoßen. Aber wenn die unzweideutige Betonung des sozialistischen Klaffenkampfes solche Mitläufer zurück- scheucht, so brauchen wir, angesichts des Wachstums und der Konsolidierung der proletarischen Parteiangehörigen, diesen Abtrünnigen auch keine Träne nachzuweinen. 3. Den angeblichen Widerspruch des„Vorwärts" kon- struiert sich F. S. durch eins jener Taschenfpielerkunststückchen, die in seinem Artikel des öfteren wiederkehren. Zinn Beweise dafür zitieren wir einfach die fragliche Stelle des„Vorwärts": Die„weiten Kreise des BürgeriumS", die„Taufende" aus den. Kreisen von Bildung und Besitz", die rote Stimmzettel abgegeben haben sollen, werden von Dr. Katz dem Expedition: 8M. 68» Lindenstrassc 69. pjernspreelier: Amt IV. Nr. 1984. zweifellos enorm überschätzt; aber daß seit einer Reihe von Jahren, besonders seit dem offenen Auftreten des Revisionismus, ein starker Zu« zug von bürgerlichen Elementen zur Sozial- demokratie stattgefunden hat, ist unbestreitbar. 4. Auch das Gerede von dem eigenartigen Kompliment. das der„Vorwärts" seinen neuen Abonnenten mache, wenn er ihnen„zumute", sie hätten bis dahin aus Klassenbewußt- sein die„Morgenpost" abonniert, ist ein ganz überflüssiges Mätzchen. Gerade weil seit Dresden die prinzipielle Auf- klärung der Arbeiterklasse wieder mehr in den Vordergrund gerückt worden ist. gerade weil man ihr klargemacht hat, daß sie sich völlig auf ihre eigene Kraft verlassen müsse und daß diese Kraft einzig in der Organisation und der proletarischen Schulung liege, machten Organisation und Parteipresse so erfreuliche Fortschritte. Wer einen so schlüssigen Gedankengang nicht zu kapieren vermag, sollte überhaupt auf Parteipolemik verzichten. 5. Der Schlußpassus des Artikels unseres Krifikers beweist geradezu klassisch dessen revisionistisch-Putschistische Verworren- heit. Uni den Beifall von F. S. zu erringen, hätte der „Vorwärts" offenbar zur sofortigen Proklamierung des politischen Massenstreiks auffordern sollen! Doch da wir uns demnächst mit diesem Thema eingehender zu beschäftigen haben, »vollen wir heute nur noch die Anfrage an F. S. richten, wo denn e r eine solche furchteinflößende Propaganda entfaltet hat. Ebenso schenken wir ihm die ja schon erledigten Schlußausfälle gegen unsere„programmwidrige Lehre" mit der vernichtenden Endzensur:„lächerlich". Eine Schlußbemerkung jedoch können wir uns nicht er- sparen. F. S. gehört offensichtlich zu denen, die sich mit Vor- liebe über die„häßlichen Parteizänkereien" und„schlechten polemischen Sitten" entrüsten und einzig den„Parteiskandalen" den Stimmenverlust zuschreiben. Nun ist aber gerade die Polemik des Genoffen F. S. ein abschreckendes Schulbeispiel für die Art, lvie durch Entstellungen, Verdrehungen und allerlei Mätzchen eine Diskussion aus der Bahn ruhigen, fach- lichen Meinungsaustausches gebracht werden kann. Es kann ihm deshalb gar nicht dringlich genug empfohlen werden. zunächst einmal eine gründliche Revision der eigenen Partei- moral vorzunehmen._ Die Revolution in Rntzland. ..." Daö Feuer im Heere schwelt weiter. Samara, 28. Juni. Gestern abend begann im hiesigen Lager eine Bctvcgung des Regiments Buzuluk infolge Verhaftung zweier Soldaten, die ihre Vorgesetzten nicht militärisch gegrüßt hatten. Nachdem Kameraden die Soldaten befreit hatten, traten sie mit Musik zu einer Versammlung zusammen und arbeiteten Forde- rungen aus, insbesondere über Freilassung der Reserve im dritten Dienst. Petersburg, 29. Juni.(B. H.) Aus den meisten Garnisonen deS Reiches kommen Nachrichten über Zunahme der Meutereien. Petersburg, 29. Juni. Aus Wladikawkas wird tele- graphiert, daß Artilleristen am 2ö. d. Mts. das Offizierkasino be- schössen. Das Publikum, das gerade tanzte, floh, wobei eine Dame verwundet wurde. Die Soldaten beschimpften auf dem Boulevard den Gebietschef General RzewuSky. Eine Versammlung, auf der auch alle Truppenteile vertreten waren, beschlossen, den Ausbruch rinrS Pogroms mit Waffengewalt zu unterdrücken. „Laffan" bringt folgende sensationelle Meldung: Die in Peterhof eingeleitete Untersuchung der politischen Agitation unter den Gardisten hat ergeben, daß eS Anhängern sozial-revolutionärer Organisationen gelang, in die PreobraschenSli» und Semenovensktz-Regimenter als Musikanten einzutreten. Zwei von diesen werden als Rädelsführer der Kundgebung im PreobraschcnSti-Regiment vor Gericht gebracht werden. Einige junge Mädchen, die bisher als Bräute der Soldaten galten, sind nun als rührige sozialistische Propagandistinnen idenfiziert worden. Eine Anzahl PalaiSbcamte sind wegen Zuwiderhandlung gegen ihre Vorschriften, indem sie gefährlichen Personen den Einlaß in die Kaserne gewährten, entlassen worden. Warschau, 29. Juni. Heute beginnt in der Zitadelle der Prozeß gegen 5 Offiziere, 8 Sergeanten und 13 Zivilisten, welche angeklagt sind, eine geheime Organisation gebildet zu haben« um unter den Soldaten revolutionäre Schriften zu verbreiten. Die Strafe. Petersburg, 29. Juni.(Meldung der Petersburger Tele- graphenagentur.) Durch kaiserlichen Tagesbefehl vom 28. Juni ist das erste Bataillon des Preobraschenskischen Leib-Gardc-Rc- fiimcntä in ein besonderes Jnfanterie-Bataillon umgewandelt und ind ihm die der Garde zustehenden Rechte entzogen worden. Nikolaus zittert. Wie den„Times" aus Petersburg berichtet wird, kehrt der Hof von Peterhof nach Zarskoje Sselo zurück, weil entdeckt worden ist, daß sich Revolutionäre unter der Palastdienerschaft befinden. Konzess, Suchen. Petersburg. 29. Juni. Die Gesetzsammlung veröffentlicht ein im Mai vom Kaiser bestätigtes Gesetz, nach welchem die aktive Dienstzeit für die Infanterie und die Fußartillerie auf 3. für die Für Personen, die einen bestimmten Bildungsgrad nachweisen« sind Vergünstigungen zugelassen. Im Mai schon bcstäligt und jetzt erst veröffentlicht. Gerade jetzt! Höchst merkwürdig!—- Nachschub. Petersburg» 29. Juni.(Meldung der Petersburger Tel* graphcnagentur.) Nach einer Meldung aus C Harbin vom 27. d. Mts. ist die letzte Staffel der Mandschurei-Armee nunmehr nach Rußland abgegangen. Die in der Mandschurei zurück gebliebene, sehr kleine Zahl von Truppen wird erst im nächsten Jahre allmählich zurückbcfördert werden. Die russische Regierung braucht neue Kämpfer gegen den »inneren Feind"! Wenn sie sich nur nicht täuscht: Die Krieger, die den jämmerlichen Feldzug gegen Japan mitgemacht haben, sind zum Glück nicht gerade das beste Material im Kampfe gegen die Revolution. Die Streiks. Baku, 28. Juni.(Meldung der Petersburger Telegraphen- vgentur.) Auf den Naphtawerken herrscht Ruhe. Auf den Werken zweier Firmen dauert der Ausstand fort. Nach einer Mvldung aus Rostow a. Don sind dort die Hafen- Arbeiter in den Ausstand getreten. Noworossiisk» 29. Juni. Die hiesigen Hafenarbeiter streiken. Die Duma. Petersburg, 29. Juni.(W. T. SS.) Die Duma verhandelte heute über den Gesetzentwurf betreffend das Versammlungsrecht. — Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde eine Erklärung der Sozialisten verlesen, in der diese der Duma ihre Unterstützung im Kampfe gegen das Willkürregimcnt zusagen, die Duma aber nur als erste Etappe auf dem Wege zur konstituierenden Versammlung bezeichnen. Mehrere Redner der Linken sprachen sich gegen den Gesetzentwurf aus, da er wenig liberal und voller Einschränkungen sei, wie sie nur in der deutschen Gesetzgebung beständen. Abgeord- neter Ramischvili verurteilte in langer Rede die von der Regierung gegen Versammlungen der extremen Parteien ergriffenen Masz- nahmen und erklärte, sich an das Zentrum und die Sstechte wendend: Die Sozialiste» sind zwar nicht zahlreich in der Duma, sie haben aber den Trost, daß sie das wahre russische Volk vertreten, das sie unterstützen wird. Alle Versicherungen, daß Rußland einen neuen Weg zum Fortschritt ohne eine Revolution beschreiten könnte, sind falsch. Petersburg. 29. Juni.„Slowo" widerspricht heute einer gestrigen Auslassung der„Nowoje Wremja", in der die Stellung des Kabinetts Goremykin als sehr fest bezeichnet wurde. Mit seinem letzten Vortrage über die Reichsduma, schreibt das Blatt, habe Goremykin Fiasko gemacht. In Peterhof erkenne man an, daß der Ncichsduma die Funktion der höchsten Staatseinrichtung gebühre und daß die Minister verpflichtet seien, sede Interpellation der Reichsdüma zu beantworten. Diese sei befugt, jede Frage zur Er örterüng zu bringen. Goremykin habe sich überzeugt, daß eine Aus lösung der Reichsdüma unter keinen Umständen erfolgen werde. Verblendung. Der Senat beschloß, die Geschäftsordnung der Duma, die ihm zur Veröffentlichung übergeben worden ist, zu einer neuen Redal tion an die Duma zurückzugeben. Der Senat fand, daß die Duma in mehreren Artikeln der Geschäftsordnung ihre Kompetenz über schritten hatte. Hieraus resultiert ein neuer Konflikt mit der Nr gierung. Abgeschnitten! Warschau, 29. Juni. Seit gestern, ist die telegraphische Ver bindung mit Spetersburg und Moskau unterbrochen. Die Aufregung ist groß.. In der italienischen Kammer kam Turati zum Schluß einer Rede auf die russische Revolution zu sprechen. Er widmete den russischen Revolutionären anerkennende Worte, verurteilte auf das schärfste die Grausamkeiten des Zarismus und begrüßte die russische Duma als den Keim des zukünftigen Parlaments eines späteren russischen Kulturstaates. Seine Rede wurde von der Linken und dem Zentrum bis lveit hinein in die Rechte und von den Tribünen mit großem Beifall begleitet. poUrtfehe üeberlicbt Berlin, den 29, Juni. Altena-Jserlohn. Die Nachwahl in Altena-Jserlohn hat. obgleich sich das Stimmenverhältnis seit der letzten Hauptwahl nur wenig ver- schoben hat, eine äußerst interessante politische Situation ge- schaffen, indem dadurch, daß die Freisinnigen 64 Stimmen verloren und das Zentrum 1170 Stimmen gewann, jetzt der Zentrumskandidat. Regierungsrat Klocke. mit unserem Partei- genossen Haberland in die Stichwahl kommt. Das Zentrum hatte, wie so oft, die Kirche in den Dienst der Politik gestellt, und da 26 Proz. der Bevölkerung des Kreises katholisch sind, gelang es dem Zentrumskandidaten von 34188 Stimmen 7774, also 22,7 Proz., zu erobern. Jetzt sind die liberalen Kulturkämpfer, die seinerzeit Lenzmanns Wirken im Alexianerprozeß als eine Kulturtat ersten Ranges priesen, genötigt, sich vor den ultra- montanen Karren zu spannen. Es ist bitter für die armen Freisinnigen, aber sie werden sich in das Unvermeidliche fügen und mit echtem Mannesmut für den Kandidaten eintreten, der jeden Satz des freisinnigen Programms bekäinpft. Würde Richter noch leben, dann würde sicher die Moralpredigt nickt ausbleiben, daß die Sozialdemokraten wieder durch ihre Wahl- beteiligung der Reaktion Vorspanndienste geleistet hätten. Wenn die Freisinnigen in Stichwahlen für ultrareaktionäre Kandidaten eintreten, dann sind nach freisinniger Logik die Sozialdemokraten die Schuldigen, weil ein Freisinniger lieber alle seine Ideale vernichtet sieht, als daß er für einen Sozial- demokraten stimmt. In diesem Wahlkampf hatten sämtliche Parteien andere Kandidaten wie 1903. Unsere Genossen brachten für Haber- land 401 Stimmen mehr auf, als 1903 Genosse Gewehr er- halten hat. Sie stiegen damit von 30,4 Proz. auf 30.9 Proz. der abgegebenen Stimmen. Was wird nun aus all den schönen Schlagworten, mit denen die Nationalliberalen und Freisinnigen im letzten Wahlkampf operiert haben? Da hieß es in den national- liberalen Wahlaufrufen:„Ein Wahlkreis mit 73 Proz. pro- testäntischer Bevölkerung kann und darf nicht durch einen Zentrumsmann im Reichstage vertreten werden." Und die Freisinnigen wiesen rühmend darauf hin, daß an kultur- kämpferischen Taten Lenzmann, der verstorbene freisinnige Abgeordnete des Kreises, allen nationalliberalen Kultur- kämpsern überlegen gewesen ist. indem er in dem Alexianer- prozeß mit kräftiger Faust in das Wespennest gegriffen und der Welt bewiesen hätte, daß unter dem Deckmantel christlicher Nächstenliebe sich ein System abscheulicher Menschenquälerei verborgen hatte. Und nun?— In den nächsten Tagen müssen die freisinnigen und nationalliberalen Freihändler und Kulturkämpfer Wahlaufrufe unterschreiben, in denen sie alle Gegner der Schutzzöllnerei und der Klerikalisierung der Politik auffordern, für den schutzzöllnerischen katholischen Regierungs- rat Klocke zu stimmen. In der schlimmsten Zwangslage ist der Freisinn. Aus eigener Kraft kann er kein Mandat mehr erobern. Er muß in jener Gegend von der Mildtätigkeit des Zentrums leben. Am 19. Juli ist Nachwahl im Nachbarkreise von Iserlohn, in Hagen, wo ein Nachfolger für Richter gewählt werden muß: dort aber hat die freisinnige Volkspartei das Zentrum inso- fern beleidigt, als sie gewagt hat, ohne vorher die Erlaubnis des Zentrums einzuholen, den Oberbürgermeister Cuno von Hagen aufzustellen, der in früheren Zeiten einmal in einer Festrede das Zentrum arg gekränkt hat. Nun droht das Zentrum, welches im Hagener Kreise über rund 4500 Stimmen verfügt, so wie so schon, daß es Cuno durchfallen lassen will Sicher würde das Schicksal des Hagener Mandats für die Freisinnigen besiegelt sein, wenn die Freisinnigen es in Jsev lohn an dem nötigen Eifer fehlen lassen sollten. Diese können also nicht anders, Arm in Arm mit den Kaplänen müssen sie. die Vorkämpfer für Freihandel und bürgerliche Rechte, von Haus zu Haus ziehen, um für ihren Gegner Stimmen zu betteln. Sie müssen es, obwohl noch nicht einmal feststeht, daß sie das Hagener Mandat erlangen. In Hagen wie in Iserlohn sind unsere Genossen tapfer an her Arbeit. Der Iserlohner Kreis ist insofern ungünstig für uns, weil er gar keine Großstädte hat, denn die beiden größten Orte des Kreises, Lüdenscheid und Iserlohn, haben kaum 25 000 Einwohner. Anders liegt die Sache im Kreise Hagen Dort wohnen von den 200 000 Einwohnern 124 608 in Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern, und im selben Verhältnis wie die Großindustrie angeschwollen ist, ist auch unsere Be wegung dort gewachsen. 1903 hatten wir von 36 721 abge gebenen Stimmen bereits 13 870, also 37,8 Proz. So kann es dem Liberalismus passieren, daß er zwei Kreise, die seit Gründung des Deutschen Reiches sein ununterbrochener Besitz waren, innerhalb eines Monats in der Nachwahl verliert. Im Iserlohner Kreise war auch S t ö ck e r auf dem Kampfplatz erschienen, um die Arbeiterstimmen für den christ lichsozialen Rüffer einzusaugen. Die Flugschriften für Rllffer (christl. soz.) waren aus den Flugschriften des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie zusammengesetzt. Wie wenig aber Stöcker und Reichsverband uns schädigen, zeigt die Tatsache, daß unsere Stimmenzahl von 10 146 auf 10 547 stieg. Stöcker und der Reichsverband haben nur bewirkt, daß die Stimmen für den nationalliberalen Kandidaten von 7440 auf 6552 zurück gegangen sind. In Zentrumskreisen wird man Herrn Stöcker für diese Hülfe danken. Wir können mit dem Erfolg der Wahl in jeder Beziehung zufrieden sein, denn wir haben trotz der wüstesten Agitation der Gegner 400 Stimmen gewonnen. Für die Kandidaten der gegnerischen Parteien stellt sich das Ergebnis wie folgt: Letzte Zu- resp. Wahl dlbnahme 7774 6604-f 1170 7673 7737— 64 6552 7440— 888 1637 1457+ 180 haben die Nationalliberalen abge Zentrum.... Freis. Volkspartei Nationalliberal. Christlickikozial.. Am schlechtesten schnitten, deren Blätter noch vor einigen Tagen hofften, mit unserem Kandidaten in die Stichwahl zu kommen. Die„Köln. Ztg." gibt denn auch die Niederlage offen zu, indem sie schreibt: „Das Ergebnis der gestrigen Reichstagswahl ist eine be- schämende Niederlage des Liberalisn, us und ein großer, unerwarteter Erfolg des Zentrunis. Rund 14 300 Stimmen haben die beiden liberalen Parteien zusammen aufgebracht, und doch sollen sie das Mandat, das seit der Gründung des Reiches in liberalen Händen ivar, an das Zentrum abtreten, das nur an 7800 Stimmen für seinen Kandidaten zählen konnte. Deutlicher kann den liberalen Parteien nicht vor Augen geführt werden. wohin der ewige Hader zwischen ihnen führt und wie not eS wäre, gegen die beiden gemeinsamen Feinde: UltramontanismuS und Sozialdemokratie, sich eng zusammenzuschließen, statt sich zu befehden in unfruchtbaren und. wie die gestrige Wahl zeigt, ver- derblichcn. selbstmörderischen Kämpfen." Dennoch, trotz dieser Feindschaft gegen den„Ultramontw nismus", hält es das Blatt für selbstverständlich, daß die Nationalliberalen in der Stichwahl geschlossen für den Zen trumskandidaten eintreten: Bei der Stichwahl erhofft die ZentrnmSpartei des Wahlkreises die glatte Wahl ihres Kandidaten. Schon vor Wochen hat die Leitung der Zentrumspartei dort bestimmt erklärt: komme ihr Kandidat in die Stichwahl und finde nicht die volle Unterstützung der Freisinnigen, dann werde das Zentrum bei der bevor st ehe„den Wahl in Hagen, wo die Frei finnigen das Mandat Eugen Richters in Stich- wähl mit der Sozialdemokratie behaupten wollen, an den Freisinnigen Vergeltung üben. Diese Lage der Dinge in Hagen dürfte in erster Linie die Frei- sinnigen in ihrer Haltung in der Stichwahl in Altena-Jserlohn zugunsten des ZentiumS beeinflussen. Die nationallibe- rale Partei wird tvohl die Parole ausgeben, in der Stichwahl für den Zentrumskandidaten ein- zutreten, denn die Wahl des sozialdeinokrati« tchen Kandidaten muß natürlich unter allen Um- st änden verhindert werden. Noch ein kaiserliches Festspielhaus. Aus Kassel wird uns geschrieben: Außer Berlin. Hannover und Wiesbaden hat auch die. Residenzstadt" Kassel den großen Vorzug, ein königliches Hofiheater in seinen Mauern zu bergen. Das ist der Fall seit nunmehr vierzig Jahren, nämlich seit 1866, seitdem Wilhelm I.. Preußenkönig von Gottes Gnaden. feinen liebwerten Vetter Friedrich Wilhelm. Hessen- Kurfürst von Gottes Gnaden, vom Throne jagte. Bei der Expropriation, die der Preutzenkönig bei dem Expropriateur, dem Hesfenfürsten, vornahm. ging auch das Theater in den Besitz der— wie man zu sagen pflegt:—„preußischen Krone" über. Das Kasieler Hoftheater ist— mit gebührendem Respekt zu bemerken— sozusagen ein alter Kasten. Es soll ein neues Thealer gebaut werden. Nach langem hin und her wurde zwischen den Vertretern der Krone und den Vertretern der Stadt Kassel vereinbart: Das alte Thealer wird auf Abbruch verkauft; zu der Summe, die für das Grundstück bezahlt wird— 2005 000 Marl— soll die Stadt Kassel 600 000 Mark zulegen und für den Betrag von 2605 000 Marl soll das neue Theater erbaut werden. Das Grundstück für den Neubau sollte vom Fiskus gratis ab- gegeben werden. Soweit so gut. Nun entstand aber eine Streit- frage wegen des Platzes, auf dem das neue Theater errichtet werden ollle. Die verschiedensten Vorschläge wurden gemacht. Schließlich entschied der Kaiser sich für einen Platz, der nach der Ueber- zeugung sehr vieler Menschen unter keinen Umständen geopfert werden dürfte: den Friedrichsplatz. DaS ist einer der größten Plätze Deutschlands, einer der schönsten, zweifellos aber der eigenartigste aller uns bekannten Plätze. Er ist 324 Meter lang, 152 Meter breit. Im Nordwesten wird er begrenzt von der Haupt- traße Kassels, der Kriegsstraße; an der nordöstlichen Längsseite stehen nebeneinander: zwei Schlösser aus kurfürstlicher Zeit, das Museum, die Kriegöichule und die katholische Kirche. Dieser imposanten Front gegenüber' stehen Geschäfts- und Privathäuser. Die besondere Eigenart des Platzes stellt der Abschluß im Südosten dar. Hier steht das Auetor, ein niederes, zierliches, von zwei kleinen Wachthäufern flankiertes Tor aus rotem Sandstein, durch das man das berühmte Karlsaue, den Kasseler Tiergarten, betritt. Da nun der Friedrichs- platz wesentlich höher liegt als die Karlsaue, so sieht man von allen Seiten des Friedrichsplatzes durch und über das Tor hinweg über die Karlsaue und das entzückende Fuldatal hinaus nach den fernen Höhen- zügen— Söhre und Meißner. Das ist ein wahrhast entzückendes Bild. Zweifellos ist der Friedrichsplatz mit dem offenen Auetor- abschluß die schönste Perle unter den vielen berühmten Stadtbildem Kassels. Man kann sich denken, welche Auftegung in weiten Kreisen Kassels entsta>rd, als der Kaiser bestimmte, daß das Auetor zu beseitigen und an seine Stelle das neue Theater zu bauen sei. Daß die Kasseler Stadtverordneten, unter denen bei der entscheidenden Abstimmung nur e i n Sozialdemokrat sich befand, bis auf einen Vertreter, dessen Gefühl für Schönheit sich entsetzt sträubte, sämtlich umfielen, jede Opposition unterließen und den kaiserlichen Willen devot zu beachten beschlossen, wird die Leser dieser Zeilen nicht überraschen, wenn festgestellt wird, daß diese Stadtväter liberal sind.... Allmählich hat man sich in Kassel mit dem Gedanken verstaut gemacht, daß demnächst das Auetor mitsamt der herrlichen Aussicht verschwunden und der Friedrichsplatz an jener Stelle durch einen Theaterbau zugemauert sein wird: daß aus dem prächttgen Unikum, das der Friedrichsplatz bisher darstellte, ein Dutzendplatz ge- worden sein wird. Man nahm allgemein an. daß die Platzverschande- lung bald losgehen werde. Da kommt wie ein Blitz aus heiterem Himmel eine Nachricht, die den ehrsamen Spießern in Erinnerung ruft, daß „Plötzlich" noch immer Trumpf ist. In einem der vier„unpolitischen" Blätter, die in Kassel erscheinen, wurde mitgeteilt: „Wie wir hören, hat sich bei einer Nachprüfung des Karstschen Projekts herausgestellt, daß, wenn es in voller Opulenz unter Anwendung der neuesten innertechnischen Errungenschaften ausgeführt wird, sich Mehrkosten von einer Million ergeben. Die Krone hat sich nun bereit erklärt, von dieser Summe noch 200000 M. zu übernehmen, wenn sich die st ä d t i s ch e n Behörden entschließen, für den Rest aufzukommen und die entsprechenden Mittel zu den bereits zugestandenen zu bewilligen. Wir würden aber dann auch ein Thealer von seltener Schönheit erhalten, das vorbildliw werden dürste. Es liegt im Plan, das königliche Theater unter diesen Voraussetzungen zu einer Musteranstalt zu machen. Ferner soll die Absicht bestehen, all- jährlich im August während der Residenz des Kaisers aus Wilhelmshöhe Musteraufführungen ähnlich wie die Maifestspiele in Wiesbaden zu ver- anstalten. Es liegt auf der Hand, daß bei Durchführung dieser Pläne ein außerordentlich wirksames Mittel für die Förderung des Fremdenverkehrs in Kassel gegeben wäre." Die bürgerlichen Blätter— alle bürgerlichen Blätter in Kassel nennen sich parteilos und suchen sich gegenseitig an Katz- buckelei zu übertreffen— haben das vor Monaten vom Kaiser für gut befundene Theaterprojekt des Herrn Karst in den höchsten Tönen gepriesen. Kaum ist jetzt der neue Wunsch, in Kassel ein F e st s p i e l h a u s zu errichten, durchgesickert— von welcher Seite der„Wunsch" ausgeht, steht nicht in Frage—, da finden dieselben Blätter, daß dieser Wunsch geradezu bewundernswert sei. Daß die Stadtverordneten sofort über den Stock springen, ist ganz selbst- verständlich, man ist dort, wie bereits angeführt, liberal. Ueber kurz oder lang wird also das herrlichste Stadtbild Kassels zerstört und an seiner Stelle ein Prunkbau entstanden sein, der würdig ist, alle Jahre wenige Musteraufführungen zu erleben. Lio volo, eio jubso! W �» Deutfchea Reich. Auö dem Kolonialsumpf. Die„Koloniale Zeitschrift" entrüstet sich über die Anmaßung deS Zentrums, die Kolonialpolitik der klerikalen Konstolle unterstellen zu wollen. Hinter dem Vorgehen deS Zentrums in der Kolonialpolitik stecke nichts, als das kirchliche Interesse der Partei. Das ist an sich ganz richtig, ändert aber nicht das geringste an der Berechtigung der noch viel zu schonenden Zentrums- kritik. Die„Köln. Volksztg." hält übrigens höhnisch dem kolonial- freundlichen Blatte folgendes ihm selbst entnommene Zitat unter die Nase: „Der Reichskanzler hat ein schönes Programm für die Reform in unseren Schutzgebieten von der Tribüne des Reichstages herab verkündet. In der Denkschrift über die EntWickelung der deutschen Schutzgebiete wird, wenn man von den Ausgaben für Südwest- afrika absieht, dargelegt, wie prozentualster die eigenen Einnahmen im Verhältnis zu den fortdauernden Ausgaben gestiegen sind. Woher soll aber das Vertrauen zu diesen amtlichen Aus- lassungen kommen, wenn seit Jahren ein solches, möchte man sagen, systematisch zerstört worden ist? Die langen Berichte in den Zeitungen über die gemachten Fortschritte lesen sich wunderhübsch, wer aber fortdauernd hinter die Kulisse geblickt hat, der weiß, mit welcher Vorsicht gerade diese Mitteilungen aus den Kolonien aufgenommen werden müssen, der weiß, wie mit den öffentlichen Geldern in wenig angemessener Weise gewirtschaftet worden ist. Gott ist groß und der Gouverneur ist weit: in sinngemäßer Weise kann das russische Sprichwort recht wohl auch auf unsereKolonien angewendet werden." Auch die nationalliberale„Dortmunder Ztg." bringt pikante Indiskretionen. So behauptet ein Berliner Korrespondent de« Blattes ent« gegen der am 22. Mai veröffentlichten offiziösen Erklärung, der Erbprinz habe„lediglich eine Remuneration in Höhe des etatsmäßigeen DiensteinkommenS des Direktors der Kolonialabteilung bezogen," daß Erbprinz Hohenlohe seit Jnnehabung des Kolonialdirektor- anstes außer dem Gehalt des Kolonialdirektors von 20 000 M. jährlich»ine Zulage von 24000 M. auS dem kaiserlichen DisposittonssondS erhalten haben soll, ebenso soll seine Berliner Wohnung in der Hohenzollernstraße am Tiergarten mit weiteren 20 000 M. aus dem Dispositionsfonds bestritten worden sein. Diese Extravergütungen an den Erbprinzen seien angeblich vorläufig dem Teil des DisposittonSfondS entnommen worden, der zur Unterstützung von Offiziers witwen und-Waisen bestimmt, aber nicht völlig verbraucht worden sei. Und im Zu- sammenhang mit den C h i c a g o e r F l e i s ch s k a n d a l e n, die doch angeblich der preußischen Regierung„längst be- kamst" gewesen sind, registriert die„Dortmunder Zeitung" die Behauptung, daß„seit vielen Monaten regel- mäßig große Sendungen von solchem amerikanischen Corned Beef nach Südwestafrika gehen und dauernd einen Hauptbestandteil der Verpflegung unserer Truppen bilden.„Noch im Monat Mai sind mehrere tausend Kisten C o rn e d B e e f amerika- Nischen Ursprungs nach Lüderitzbucht verschifft worden."— AuS der württembergischen Landespolitik. Stuttgart, 28. Juni.(Eig. Ber.) Das wichtigste, über das zu berichten ist, ist die Stellung- nähme der Ersten Kammer zur VerfassungS- e v i s i o n. Zwar hat das Plenum der Ersten Kämmer noch nicht gesprochen, sondern nur erst die Kommission, aber man ist nach der bisherigen Erfahrung berechtigt, darin bereits den Willensausdruck der gesamten Kammer zu sehen. Diese Kommissionsbeschlüsse er- weisen nun. daß die Erste Kammer offenbar willens ist. das Zu- standekommen der Verfafsungsreform ihrerseits wirklich zu fördem und vor allem den aufaiias allgemein erweckten Eindruck zu ver- trifäen, als oB ihrer Stellungnahme eine in übertriebenem Egoismus wurzelnde Halsstarrigkeit zugrunde läge. In einer Reihe von Differenzpunkten kommt die Erste Kammer der Zweiten entgegen. So gesteht sie vor allem die 17 Proporzabgeordneten zu, durch welche die aus der Zweiten Kammer ausscheidenden Privilegierten ersetzt werden sollen. Nur wünscht die Erste Kammer, daß das Land bei dieser Wahl nicht einen einzigen Wahlkreis bilden, sondern in zwei annähernd gleich große Kreise geteilt werden solle. Ebenso konzediert die Erste Kammer die Vorschrift, daß die S t a n d e S h e r r e n. um ihr Gesetzgeberprivileg ausüben zu dürfen, einen Wohnsitz in Deutschland haben müssen. Des weiteren erklärt die Erste Kammer jetzt ihr Einverständnis mit dem Beschluß der Zweiten, wonach das passive Wahlrecht nicht erst mit dem 30. sondern bereits mit dem LS. Lebensjahr be- ginnen sollte. In bezug auf die Zusammensetzung der Ersten Kammer will sie nur je zwei Vertreter der Handels« und Landwirtschafts- kammern und einen der Handwerkskammern zugestehen, während das andere Haus den beiden ersten Kategorien je drei Vertreter bewilligt wissen wollte. Auf daS erst mit Emphase geforderte königliche Ernennungsrecht weiterer erblicher Mitglieder der Ersten Kammer aus dem standes- herrlichen oder ritterschaftlichen Adel, soweit derselbe über schuldenfreien Fideiiomnns mit mindestens 20000 Mark jährlicher Rente verfügt, hat die Erste Kammer ver- z i ch t e t. Dagegen verlangt sie das Recht der königlichen Er- nennung weiterer lebenslänglicher Mitglieder, soweit die Sitze der Standesherren durch Aussterben einzelner Familien eine Verminde- ruug erfahren. So unberechtigt auch diese Forderung ist, so fehlt ihr doch der widerwärtig egoistische Charakter der früheren, die un- verhüllt erkennen ließ, daß die Standesherren ihr Gesetzgebcrprivileg ausschließlich zur Wahrung der materiellen Interessen des feudalen Großgrundbesitzes ausnutzen wollten. Da die„Lebens- länglichen" nicht aus den Kreisen des Hochadels, sondern aus den höheren Verwaltungsbeamtcn des Landes ge- nommen zu werden Pflegen. so hastet der jetzigen Forderung nicht mehr ein so metallener Beigeschmack an wie der zuerst formulierten. Die wichtigste Differenz zwischen beiden Kammern liegt wie bisher in der Abgrenzung des Budgetrechts der beiden Kammern. Die Erste Kammer lehnt den Beschluß der Zweiten ab. wonach die Erhebung einer Steuer mit festen Sätzen für eine Finanzperiode auf Beschluß der Zweiten Kammer und ohne Zu- stimmung der Ersten Kammer unterbleiben kann, wenn auch ohne diese Steuer und die Erhöhung anderer Steuern sowie unter Zugrundelegung der von der Regierung vorgeschlagenen Erträge der Steuern und des Kammerguts die etatsmäßigcn Ausgaben ihre Deckung finden. Dagegen verlangt sie, daß das bei der Verabschiedung der Steuerreform ihr zugestandene Recht der gleichberechtigten Mitwirkung bei der Festsetzung der Einkommen« steuersätze jetzt auch ausdrücklich in der Versassungsurkunde festgelegt werden soll. Dafür verzichtet sie auf den zuerst gleichfalls er- hobenen Anspruch, bei einer zukünftig etwa zu beschließenden Ver- mögenssteuer in gleicher Weife wie bei der Einkommensteuer mit- wirken zu dürfen. Das sieht bescheidener auS, als eS ist. Wird daS auf die Ein- kommensteuer bezügliche Recht der Ersten Kammer in die Verfassung aufgenommen, dann bedarf eS zu einer etwaigen Beseitigung oder Abänderung dieser Bestimmungen stets einer Dreiviertel-Majorität in beiden Häusern des Landtages, während jetzt nur eine einfache Majorität dazu erforderlich ist. Außer in der Berfassungsreform schweben noch Differenzen zwischen den beiden Kammern wegen der noch immer nicht ver« abschiedeten Gemeindereform. Die Kammer der Standes- Herren hat die Novelle nunmehr abermals erledigt. Den Haupt- streitpunkt bilden immer noch die Anstellungsverhältnisse der Ortsvorsteher. Der Abschaffung der Lebensläuglichkeit der Schultheißen, jenes württeinbergischen Erbübels, das den Fall Hegelmaier und so diele andere Mißstände in den Gemeinde- Verwaltungen gezeitigt hat, will die.Erste Kammer nicht mehr widersprechen. Dagegen lehnt sie es ab, dem Beschluß der Zweiten Kammer zuzustimmen, wonach die Abschaffung der Lebens- länglichkeit irgend eine rückwirkende Kraft in bezug auf die bereits amtierenden Ortsvorsteher haben solle. Trotz dieser und noch einiger anderer Differenzen dürfte aber das Zustandekommen der Reform kaum mehr in Zweifel stehen. Die dritte landcspolitische Angelegenheit von größerer Be- deutung ist die Auseinandersetzung zwischen Landtag und Regierung über die bevorstehenden Portoerhöhungen für Postkarten im Orts- Verkehr. Wenn Württemberg ebenso wie das Reich das Porto der Postkarte im Ortsverkehr von 2 auf 5 Pfennig erhöht, dann wird die Karte teurer als der Brief, der im Ortsverkehr nur 3 Pf. kostet. Wiedas vermieden werden soll, ließ der Minister V.Weizsäcker noch offen. Vielleicht erhöht man den Preis der Postkarte nur von 2 auf 3 Pf. Aber das würde wieder nicht das gewünschte finanzielle Ergebnis zeitigen. Die Auseinandersetzung gestaltete sich zu einer scharfen Polemik der linken Parteien mit dem Zentrum und den Nationalliberalen. Die Angelegenheit wurde schließlich der Finanzkommission über« wiesen, die einen Ausweg suchen soll.— Die Eiscnbahngemeinschaft in der vadische» Volkskammer. Karlsruhe, den 28. Juni.(Eig. Ber.) Die badische Volkskammer hat die Eisenbahntarif-Gemeinschaft am Donnerstag genehmigt. Der Minister des Verkehrs, v. Marschall« Bieberstein, gab die Erklärung, die ihm am Sonnabend nicht über die Lippen kam, nachträglich schriftlich ab. Die Regierung erklärte sich damit einverstanden, daß die Main-Neckarbahn keine andere Be- Handlung im Tarif erfährt, als die übrigen noch nicht der preußischen Betriebsgemeinschaft unterstehenden badischen Bahnen. Nun fiel der Alb von den Herzen der beiden wetteifemden Regierungsparteien. Nationalliberale wie Ultramontane bekannten sich in der nament- lichcn Abstimmung zu dem die Tarifgemeinschaft billigenden Antrage der Budgetkommission, der mit b0 gegen 17 sozialdemokratische und dsmokratische Stimmen angenommen wurde. Mit demselben Stimmenverhältnis lehnte die Kammer den Antrag der Linken ab, der zugunsten deS ZweipfennigtarifeS auf der badischen StaatSbahn spricht._ Wie in Hannover vom Reichsverband gearbeitet wurde. Die Korrespondenz des„Reichsverbandes" erzählt in ihrer letzten Nummer, in welcher Weise der Reichsverband bei der letzten Aachwahl in Hannover den Kampf gegen unsere Partei organisiert hat. Sie schreibt: „Auch in Hannover zeigte sich, wie noch stets bisher, wenn der „Reichsoebband" eingriff, daß Organisationen der bürgerlichen Parteien entweder nicht oder in unzureichendem Maße vorhanden sind oder wo sie da sind, schlecht oder gar nicht funktionieren, jedenfalls die Wahltechnik nur ganz mangelhaft beherrschen. Während also die Organisation der Sozialdemokratie bereits fix und fertig zu sein pslegt. muß der„Reiäisverband" die Gegen- Organisation der bürgerlichen Parteien immer erst wenige Wochen vor der Wahl zuweilen aus dem Nichts heraus schaffen. In einer kurzen Spanne Zeit aber war es gelungen, einen bedeutenden Nahlfonds zu sammein und eine mustergültige Vertrauens- männerorganisation ins Leben zu rufen. JnHannoverund Linden waren nicht weniger als 104 fliegende Wahlbureaus eingerichtet, etwa 1000 national gesinnte und opferbereite Männer hatten'sich zusammengefunden, die sich in nicht hoch genug anzu- erkennender Selbstlosigkeit den fliegenden Wahlbureaus als Ob- mann, Schlepper usw. zur Verfügung stellten. Im Hauptwahl- bureau selbst waren etwa 100 Angestellte tätig, um alles bis aufs Kleinste für die Wahlschlacht vorzubereiten. Tag und Nacht wurde gearbeitet, die Beamten des„Reichsverbandes" waren bis zum Umsinken unermüdlich auf den Beinen, in den letzten Tagen kaum zwei Stunden Schlaf finoendl" Trotz alledem war bekanntlich der Erfolg der Anstrengungen recht mäßig. Bei einer allgemeinen Reichstagswahl lassen sich aber überdies derartige Maßnahmen nur in wenigen Wahlkreisen durch- führen. Ueberall die Sozialdemokratie in dieser Weise zu be- kämpfen, wird dem Reichsverband unmöglich sein, selbst wenn er seinen Beamtenstab verzehnfachen wollte.—- Bezirkstags- und LandeSauSschusswahlen in Elsaß-Lothringen. AuS Straßburg wird uns geschrieben: Am 1. August läuft das Mandat eines Drittels der auf neun Jahre gewählten Bezirkstagsmitglieder ab, so daß in kurzem für 12 Kantone im Bezirk Unterelsaß, für 8 Kantone im Bezirk Ober- elsaß und für 11 Kantone im Bezirk Lothringen Neuwahlen stattfinden werden. Von sozialistischen Mitgliedern scheidet Genosse B ö h l e in Straßburg-Ost aus, während im Oberelsaß das Mandat von Markirch erledigt ist. dessen bis- heriger Inhaber der 1900 auS der Partei ausgeschlossene Ex-ReichstagSabgeodnete B u e b war. In Markirch, dessen Eroberung außer Zweifel steht, wird Genosse E m m e l« Mülhausen kandidieren. Außer diesen beiden Wahlkantonen kommen noch mehrere für unsere Partei in Betracht, wenn auch die Aussichten nicht allzu günstig sind. Es ist leider außerordentlich schwer, bei den Wahlen zu den Bezirks- tagen die politischen Gesichtspunkte an die erste Stelle treten zu lassen, obgleich doch die Bezirkstage allein über die Hälfte der LandeSauSschußmandate aus ihrer Mitte besetzen. An und für sich ist die Sachlage ja günstig, da daS Gemeindewahlrecht gilt, das abgesehen von einigen auf die Ansässigkeitsdauer u. dergl. bezüglichen Beschränkungen allgemein, gleich, geheim und direkt ist. Viel schlechter steht die Sache bei den Wahlen zum LandeSaußschuß, soweit eS sich nicht um die von den Gemeinderäten der vier großen Städte vorgenommenen handelt. Dabei sehen wir noch von den 34 von den Bezirkstagen zu wählenden Abgeordneten ab. Aber auch in den 20 Landkreisen ist jede Agitation unmöglich. Hier wählen die Gemeinderäte je nach der Bevölkerung die Wahlmänner, die dann die Wahl der Ab- geordneten vornehmen. Zur Wahl stehen in den vier Städten die Abgeordneten Riff(lib.), Blumenthal(Dem.), E m m e l(Soz.) und Heister(lib.). In den Landkreisen sind zu erwähnen die Ab- geordneten H a u ß(kler.), Höffe!(kons.), Götz(lib.), W e t t e r l e (klerikal) und W i n t e r e r(kler.). Zweifelhaft ist die Wiederwahl der Abgeordneten Riff(gegen den sozialdemokratischen Kandidaten) und Hauß(gegen den liberalen Kandidaten). Aber das Muster- Parlament selbst wird kein anderes Gesicht erhalten, so lange nicht ein anderes Wahlrech t�gilt. Ein„demokratisches Parteiführer. Mülhausen i. Elf., 24. Juni. Am 8. d. M. standen vor dem Schöffengericht die beiden Redakteure der„Mülhauser Volks- zeitimg", Genossen Jean Martin und August Wicky, als Angeklagte in einem Privatllageverfabren, das der Vorsitzende der„Demo- kratischen Partei Mülhausens" und Führer der demokrati- schen Fraktion des Gemeinderats, Geometer Georg Simonet, gegen sie augestrengt hatte. In einein Artikel der„Volks- zeitung" war dem demokratischen Parteichef der Vorwurf des Amtsmißbrauches zu seinem privaten Vorteil gemacht. Herr Simonet erhielt gegen Ende 1904 von der zweiten Kommission des Gemeinderates den Auftrag zur Erwerbung eines großen Boden- komplexes außerhalb der Stadt. Simonet nahm diesen Auftrag an, teilte später mit. daß der Eigentümer an die Stadt nicht verkaufe, und erwarb dann einen nach dem neuen, der Oeffentlichkeit noch nicht bekannten Bebauungspläne besonders wichtigen und wertvollen Teil jenes Terrains für sich. Für das Blatt zeichnet seit etwa Jahresfrist Ge- nosse Wicky verantwortlich, der Demokratenhof swengte aber die Klage auch gegen den leitenden Redakteur Martin an, der der Verfasser des Artikels sein sollte. Zur Erhärtung hatte er drei Personen aus dem Betriebe der„Mülh. VolkSztg." als Zeugen vor Gericht laden lassen. Die drei Zeugen, darunter der Metteur(!) des Blattes, lehnten jedoch die Auskunft in der Sache ab, und Genosse Martin wurde freigesprochen. Da der Wahrheitsbeweis nicht in vollem Umfange gelang(es waren in dem Artikel einige formelle Irrtümer unterlaufen) verurteilte das Gericht nach ein- gehender Beweisaufnahme den verantwortlichen Redakteur Wicky zu einer Geldstrafe von 100 M. In der Urteilsbegründung über das Strafmaß, die nun schriftlich vorliegt, wird der demokratische Parteiführer jedoch derart mitgenommen, daß er mit dem Ausgange des Prozesses nichts weniger als zuftieden ist und gegen das Urteil auch Berufung eingelegt hat. Es heißt nämlich darin, daß die Handlungsweise des Privallägers,„wenn sie auch keinen Miß- brauch seinen Amtes darstellt, doch als undelikat und unfair zu de- zeichnen" ist. Das Verfahren zweiter Instanz, das dieser demokratische„Führer" in dem Bewußtsein herbeiführt, daß seine politische Rolle ohnehin schon mit diesem Urteil ausgespielt wäre, so daß er nichts mehr zu verlieren hat, wird unseren Parteigenossen Gelegenheit geben, die Beweisführung über das gemeinschädliche Treiben eines Parteiführers der Demokratie, die die„Frankfurter Zeitung" vertritt, noch zu erweitern. Weder dieses Blatt noch die„Mülh. Bürger- zeitung", noch die„Elsaß-Lothringische Volkspartei" des Reichs- und LandeSausschuß-Abgeordneten Blumenthal haben leider kein Wort der Mißbilligung für das Gebaren des Parteivorsitzenden in Mül- Hausen gehabt!— Eine seltsame Campagne soll, wie wir vernehmen, die Berliner Polizei planen. Der ehemalige Redakteur der„Königsb. Volks- zeitung", Genosse Julian Borchardt, hat seit Anfang April in Treptow bei Berlin Wohnung genommen. Wie sich daS von selbst versteht, hat er bei seiner Tätigkeit als Redakteur auch verschiedene Bestrafungen erlitten. Dieser Tage erhielt nun Genosse Borchardt eine Vorladung zum Polizeiamt«zwecks Feststellung seiner Be- strasungen". Auf dem Ann wurde ihm eröffnet, daß er als be- strafter Mensch— seine Ausweisung auS Berlin und Umgegend zu gewärtigen habe I Das Berliner Polizeipräsidium habe deshalb die Feststellung seiner Strafen eingefordert.«Er wisse zwar nicht'— so meinte der ihn vernehmende Beamte—„ob die Ausweisung erfolgen werde, er glaube es aber; die Entscheidung liege beim Berliner Polizeipräsidium". Die Nachricht erscheint so seltsam, daß wir bis auf weiteres an- nehmen möchten, der Amtsvorsteher zu Treptow habe die Absichten des Berliner Polizeipräsidiums nutzverstanden. Der Trauring des Baptisten. Weil er von seinem Trauring nicht lassen wollte, wurde, wie das„Berl. Tgbl." berichtet, der See- soldat der Reserve Czopitzky gestern in Kiel kriegsgerichtlich zu 43 Togen GMngnls verurteilt,.Czopitzky ist Japfift, Der SWervijt hatte im Kieler Arrestgebaude einsÄ Tag Mittelarrest zu berbüßeff. In üblicher Weise forderte der Auffeher, ein Feldwebel, den Einge« lieferten auf, den Tascheninhalt abzugeben. Czopitzky tat dies. Als aber die. Forderung an ihn gestellt wurde, auch den Trauring aus- zulicfern, weigerte sich der Baptist entschieden und erklärte, er sei kirchlich getraut, und seine Frau liege krank danieder. Der Feld- webel machte ihn auf die Folgen seiner Handlungsweise aufmerk» sam. Der Baptist beharrte auf seiner Weigerung. DasKriegs- gericht verurteilte ihn wegen ausdrücklicher G e» horsamsverweigerung zu 43 Tagen Gefängnis. Höher noch als Religion und Kirche steht selbstverständlich im preußisch-deutschen Militärstaat die heilige militärische Disziplin.—- Prof. Dr. Kropatscheck, der frühers Chefredakteur der..Kreuz« Ztg.", ist in vergangener Nacht gestorben. Am 11. Februar 1847 zu Nahhausen bei Königsberg i. d. N. geboren, studierte er seit 1866 auf der Universität Halle Geschichte und Philologie. 1873 wurde er Lehrer am Gymnasium zu Wismar, 1878 in Branden- bu>rg, 1883 trat er in die Redaktion der„Kreuz-Ztg.", deren Chef- redakteur er seit 1. April 1896 war. 1879 wurde er für Branden- burg-Westhavelland-Zauch-Belzig in das preußische Abgeordneten- Haus, 1884 in den Reichstag, dem er bis 1903 angehörte, gewählt.—- Fahrkartensteuer. Der Bundesrat hat betreffs der am 1. August in Kraft tretenden Fahrkartensteuer Ausführungsbestimmungen erlassen. Danach gelten zusammengestellte Fahrscheinhefte, Buch- karten und ähnliche Fahrtausweise, bei denen die einzelnen Scheine über Teilstrecken einer Reise lauten, als eine Fahrkarte. Dasselbe gilt für die Kilometerhcfte, Monats- und Zeitkarten, nicht aber für zusammengestellte Fahrscheinhefte von Reise-Unternehmern, wenn ihnen die einzelnen Scheine ohne Preisermäßigung von den Eisenbahnen überwiesen sind. Betreffen die zur Fahrt in einer höheren Wagenklasse berechtigten Scheine nur ausländische Strecken, so findet lediglich der Steuersatz für die niedrigere Wagenklasse Anwendung. Wenn die zu einem Heft, Block oder in sonstiger Weise vereinigten Einzelfahrscheine alle auf dieselbe Strecke lauten, so ist von jedem Schein die Stempelabgabe dann besonders zu entrichten, wenn die Scheine vom Käufer selbst aus der Verbindung gelöst und die einzelnen Scheine ohne Vorzeigung des Umschlages verwendet werden dürfen. Fahrkarten zum halben Preise sind auch dann steuerpflichtig, wenn nur der ganze Fahrpreis 60 Pf. betragen würde. Stempelpflichtig sind also Kinderkarten zu 30 Pf. Zu- schlagskarten zu 1 und 2 M. sind nicht stempelpflichtig. Zuschlags- karten, die neben der Eisenbahnsahrkarte gelöst werden, um statt der Eisenbahn das Dampfschiff benutzen zu können oder umgekehrt, werden nicht als Zusatz-, sondern als stempelpflichtige Hauptkarten angesehen. Es ist unzulässig, an Reisende bei der Abfertigung an Stelle einer Fahrkarte höherer Klasse zwei Fahrkarten niedriger Fahrklassen auszugeben. Vom Stempel befreit sind u. a. Frei- karten und Freifahrscheine, Militärfahrscheine, Schülerkarten, Ar- beitetkarten, Beförderungsscheine für Begleiter von Tieren oder Gütern. Zusammengestellte Fahrscheinhefte unterliegen der Be- steuerung vom 1. August 1906 an auch dann, wenn sie im Ausland ausgegeben werden oder Scheine über Strecken vog inländischen nach ausländischen Orten enthalten.—, Hueland« Frankreich. Zur Lösung des DreyfusgeheimnisseS. Paris, 28. Juni.(Eig. Be*.)' Der. Wert der Verhandlung, die sich jetzt vor dem Kassation?» Hof abspielt, liegt nicht in der Absicht, dem Opfer eines Justiz« mordes moralische und materielle Genugtuung zuteil werden zu lassen— denn das Schicksal des ehemaligen Hauptmanns hat seit der Begnadigung stark an Interesse verloren und mag vornehmlich als Deckmantel nationaler Interessen der jüdischen Bourgeoisie dienen—, sondern in der Aufdeckung der Zustände, die im General, stab herrschten und unter denen sich— dank dem Zusammenwirken von Schurkerei, Fanatismus und Gewissenlosigkeit— die Affäre entwickelt hat, die der Ausgangspunkt einer politischen Krise ge- worden ist. Der Wert der nunmehrigen Feststellung wird durch die für Moralisten sicher nicht erbauliche Erkenntnis nicht ber- mindert, daß in diesem Falle der Gerechtigkeit der Sieg nur darum gelungen ist, weil sie zufällig einen Rückhalt an Geld« mächten fand. Die Drehfusaffäre hat den gegen den Militarismus wirkenden Kräften einen solchen Antrieb gegeben, daß ihre Folgen! den besonderen Fall des jüdischen Hauptmanns weit überdauern werden. Sie war auch nicht das Werk einer vereinzelt dastehenden. allein aus Rassenhaß angezettelten Jntrigue, sondern die Frucht eines Systems, das seine Wurzeln im militärischen Kastentum selbst hat. Außergewöhnliche Umstände haben bewirkt, daß diesmal der Schleier von Dingen gehoben wurde, die sonst profanen Augen streng verborgen gehalten werden, und daß die Bürger das heilige Gut des Kriegsheeres einmal von innen besehen dürfen. Darum ist der jetzige Prozeß der Aufmerksamkeit durchaus wert. Es ist nicht nötig, den spitzfindigen Ausführungen, die der Berichterstatter, der Staatsanwalt und der Verteidiger machen, in ihre Winkel zu folgen und auf die prozessualen Feinheiten ein» zugehen, mit denen sie aus den gleichen Voraussetzungen ver, schkedene Anträge ableiten und identische Anträge ver, schieden begründen. Um so interessanter ist eS. das wahre! Wesen der Vorgänge zu betrachten, die die Drehfusaffäre in ihren! mannigfaltigen Stadien beherrscht haben.— Man weiß heute nicht nur, daß Drehfus unschuldig verurteilt worden ist, sondern man kennt auch die verbrecherischen Mittel, die dazu geholfen haben und die Methoden ihrer Anwendung. Zu den Dokumenten, die in Rennes als„Beweise" gegen den Angeklagten gedient haben, gehört vor allem der berühmte Brief:„Diese Kanaille D...." Der Brief ist echt, aber der Buchstabe D. ist gefälscht! Die Untersuchung, die Andre auf Betreiben JaureS hat anstellen lassen, führte zur Auffindung von zwei Abschriften in den Archiven, die den Buchstaben P. statt des D. aufwiesen, Die Fälschung hat der Oberst Henry im Jahre 1896 begangen, zurzeit, da der„Matin" seine Kampagne für Drehfus begann, Anstifter war der Oberst Sandherp, ein halb verrückter Fanatiker, der wohl an die Schuld Drehfus' geglaubt hat und darum nicht zögerte— um den Angeschuldigten nicht entschlüpfen zu lassen—, ein falsches Zeugnis gegen ihn auszuspielen. ES ist auch kein Geheimnis mehr, wer die„Kanaille P." gewesen ist. Der Spion war ein rumänischer Offizier, der der hiesigen Gesandtschaft seines Staates zugeteilt war und die Er, laubnis erwirkt hatte, den Artillerieversuchen, die man damals an» stellte, beizuwohnen. Die Rolle dieses Menschen war der General» stabsclique— vor allem dem General Mercier— nicht un- bekannt. Nicht genug damit— General Mercier ist auch für die Vorlegung des geheimen Dossiers verantwortlich, das dem ersten Kriegsgericht ohne Wissen des Angeklagten vorgelegt worden ist. Diesen Geheimakten, die tatsächlich ohne Bedeutung waren und sich gar nicht auf den Angeklagten bezogen, war ein Kommentar beigefügt: das Werk D u Paty de Clams. Mercier war sich der Ungesetzlichkeit seines Vorgehens so gut bewußt, daß er hernach alles tat, um die Spüren dieses Aktes zu verwischen. ja daß er sogar den Kommentar vernichten ließ! Der Staatsanwalt B a u d o u i n hat vorgestern erklärt, daß diese Vernichtung eines Gerichtsakts unter denjenigen Paragraphen falle, der Zwangs, arbeit verhänge! Nicht besser kommen in der Rede des Staats- anwalts General Ganse, Archivar G r i b e l i n, Oberst G u e r i n weg, die mit ihren Zeugenaussagen noch in Rennes defl Betrug gedeckt haben- i. Die VetuNeilung in RenkieZ ist die bekannt namentlich twf Grund des sogenannten BordereauS erfolgt. Seither hat Esterhazy eingestanden, der Verfertiger diese» angeblich zwingenden Beweisstück» gewesen zu sein. Auch hier war Sandherr der Anstifter. Da» Bordereau rührt, wie jeder Fachmann erkennen muß. von keinem Artilleristen her.— Drehfus gehörte bekanntlich dieser Truppengattung an. Es enthält aber auch so wertlose Dokumente, daß ihre Auslieferung gar keinen Hochverrat darstellt Nicht ander» verhält es sich mit dem sogen,«geheimen Dossier", das den Richtern in Nenne» vorgelegt wurde und das angeblich Dokumente enthalten haben soll, deren Bekanntwerden das Land in die schrecklichsten Gefahren stürzen konnte. Außer dem wähnten Briefe:.Diese Kanaille... enthielt eS aber nur wertlose Stücke, die ebenfalls auf den Angeklagten keinerlei Bezug hatten und nur mittels frecher Fälschungen für ihren Zweck präpariert worden waren. Ueber dos Ganze war auf Anordnung des Generals B i l l o t ein Bericht gemacht worden. Redigiert hat ihn der Schwiegersohn BillotS, Wattinne, unterzeichnet hat ihn General Gonse, geprüft und mit dem Visum versehen hat ihn General BoiSdeffre. Mitarbeiter war Oberst Henry Dieser Bericht nun war aus dem Kriegsministerium v e r schwundeni Das Ministerium erfuhr jedoch, daß sich e i Exemplar— vielleicht daS Original— im Besitze des Generals Billot befinde. Nicht ohne Mühe wurde dieser dazu gebracht, das Dokument, das er als sein.Privateigentum" ansprach, herauszu geben. Also: alle die genannten militärischen Chefs— und mit ihnen noch viele andere hier nicht genannte— haben schwere Verbrechen begangen, um Dreyfus' Verurteilung zu sichern. Nun bleibt allerdings noch die Frage nach den Motive diese» Vorgehen?. Der Aerger der klerikalen und der antisemitischen Offiziere, zum ersten Male einen Juden im Generalstab zu sehen reicht doch schwerlich zur Erklärung au». Vermutlich hat die Furcht mancher Offiziere vor der Spürnase des von ihnen gesellschaftlich Boykottierten stark mitgespielt. Daß im Generalstab manch un sauberer Winkel zu finden war. unterliegt keinem Zweifel. Hinter der unentwirrbaren Buchhaltung de» Archivar? Grtbelin scheinen allerlei dunkle Geschäfte versteckt zu sein. Man hat den Einbruch daß von manchen Offizieren de» Generalstabs ein schwunghafter Exporthandel mit militärischen Dokumenten getrieben wurde, für den der Titel der„Konterspionage" auf alle Fälle Deckung bot Man braucht dabei nicht gleich Hochverrat anzunehmen. In der Spionage lassen sich auch Geheimnisse minderer Qualität und oft bedeutungslose Indiskretionen zu Geld machen. Andererseits lassen sich auch für die Konterspionage Spesen ohne eigentliche Kontrolle verrechnen!— Wie sich nun mit der Angst der in diesem Punkte schuldigen Offiziere der Neid anderer, der blinde Rassenhaß, das Vorurteil und allgemeine politische Interessen verbunden haben, um den Hauptmann Dreyfus inS Verderben zu stürzen, das wird im einzelnen wohl niemals aufgedeckt werden können.— Amerika. Auf den Philippiuen brechen fortgesetzt Unruhen gegen die Amerikaner aus. Einzelne Stämme im Innern der Jn,eln be kämpfen die Eindringlinge, indem sie Raubzüge und Ueberfälle wage» und sich schnell wieder in unznaängliche Gegenden zurückziehen, sobald die Amerikaner die Verfolgung aufnehmen Am»leisten gefürchtet sind die sehr kriegerischen und wilden Maro» der Schrecken der Pflanzer. Nun finden bald die Wahlen für die erste Philippinen-Legislatur statt, durch die ein parlan, entarisches Regiment auf den Inseln ein« geführt ivird. Die politischen Parteien der Filipinos haben einen regen Wahlseldzug«ingeleitet. Di««inen stehe» auf feiten der Amerikaner, die andern streben nach unbedingter Unabhängigkeit. Dann sindm>chdie.Gemäßigten"da,zudencnvieleKaufleuteundProfessioinsten gehören. Die GlückSsvielftage wird von allen Führern der Ei» geborenen lebhaft erörtert. Die Amerikaner wünschen näm- lich ein Regierungsverbot gegen die Veranstaltung von Hahnenkämvfen, he auf de» Philippinen sehr beliebt find.— Die wichtigen Zollfra�en dagegen werden in den Hinter grund gedrängt; in den Pereinigten Staaten ist man sehr ungern und mit bedingungsweise zu einem Entgegenkommen in der Zost Politik bereit.— Gewcrhlchaftlichca. " Die Kellner der landwirtschaftlichen Ausstellung haben Aicht nur durch den„Vorwärts" ihren„natürlichen" Schutz gefunden, wie der„Deutschen Tageszeitung" zur— Beruhigung mitgeteilt werden kann, sondern es gab noch eine aMre In« stanz, welche sich berufen fühlte, sich der schamlos Ausge- beuteten anzunehmen, und diese war— der Verband Deutscher Gastwirtsgehülfen. Der Verband hatte es ermöglicht, kurz nach Eröffnung der Ausstellung die daselbst beschäftigten Kollegen zu einer nichtöffentlichen Nachtversammlung zusammen zu rufen, welche von zirka 100 Personen besucht war und in der sich etwa die Hälfte der Anwesenden sofort dem Verbände Deutscher Gast wirtsgehülfen anschloß, weitere Anmeldungen sind in den nächsten Tagen noch zahlreich genug eingelaufen. Was sagt nun die„Deutsche Tageszeitung" dazu, daß ein sehr, sehr großer Teil der jedenfalls„konservativen" Aus stellungsbesucher von Anhängern und Mitgliedern des„roten" Verbandes der Gastlvirtsgehlllfen bedient worden ist?— Schauderhafter Gedanke! Doch es ist hier wie überall: die Vertreter des Ver bandes hätten unter den sonst schwer zugänglichen Kellnern einen so bedeutenden Erfolg gar nicht erzielen können, wenn nicht die Unzufriedenheit einen Höhepunkt erreicht hätte, den sie nur durch dos iin„Vorwärts" treffend geschilderte Aus- beutungSsystem erreichen konnte und erreichen mußte. SerUn unck Umg«g-enck. Die Aussperrung der Buchbinder. '' Die ausgesperrten Buchbinder und Buchbindereiarbeiterinnen hatten sich am Freitag vormittag wiederum zahlreich im Gewerk- schastshause versammelt. Ueber den Stand des Kampfes berichtete K'l a r. Im Ausstand befinden sich jetzt noch LS7 verheiratete Ge- hülfcn und 187 Ledige, 41 Arbeiterinnen mit eigenem Haushalt und 308 Ledige, also im ganzen 880 Personen. Die Zahl der Au«. ständigen hat sich seit Beginn deö Kampfes bedeutend vermindert und vermindert sich fortdauernd, nicht etwa, weil Ausständige ab- trünnig geworden wären, sondern weil in vom Ausstand betroffenen Betrieben immer mehr Arbeitskräfte verlangt worden. Die Aus- ständigen halten ausgezeichnet zusammen, obwohl sich die Unter- nehmer alle mögliche Mühe geben, sie zum Verrat an ihren Kampf- genossen zu verleiten. Werkführer kommen den ausständigen Buch- bindern»n» HauS gelaufen, suchen auf die Frauen einzuwirken und ihnen einzureden, die Familie würde Hunger» sterben, wenn der Mann nicht sofort die Arbeit wieder aufnimmt. Gelingt e» wirklich einmal, einen einzigen auf diese Weise abtrünnig zu machen, so tut man. al» wären ein Dutzend Streikbrecher ein- gefangen worden. Oft sind freilich die Frauen ebenso oder noch besser auf dem Posten al» ihre Männer. So wies kürzlich eine BuchbinderSfrau dem Werkführer die Tür mit den Worten:.Ich leide eS nicht, daß mein Mann an feinen Kollegen zum Lumpen wird." Während einige Firmen die Ausständigen persönlich in ihren Wohnungen belästigen, schicken andere ihnen Briefe in» Hau». Aber das eine ist so erfolglos wiö da» andere. Die Hoffnung, die die Unternehmer jetzt wieder auf den bevorstehenden MietStag setzen, wird natürlich wieder ebenso zuschanden werden wie am 1. Juni. Die Organisation hat bereits für einen außerordentlichen Mietszuschuß gesorgt. Wie sehr es den Unternehmern jetzt an brauchbaren Arbeitskräften mangelt, geht auch daraus hervor, daß Kleinmeister, JnnuugSmeister, in den Betrieben ihrer großen Konkurrenten arbeiten, um diese aus der Patsche zu helfen. Große Verlagsbuchhandlungen empfinden die Verluste, die ihnen durch die Aussperrung, welche, ohne daß man sie gefragt hätte, durchgeführt worden ist, recht bitter. Einige Ver- lagSsirmen haben ihre Arbeiten schon an andere, an der Aus- spcrrung nicht beteiligte Firmen übertragen. Ist auch für den Verlagsbuchhandel die Hauptsaison noch nicht eingetreten, so wird doch eine große Menge Reiseliteratur gebraucht, die noch im Laufe deS Sommers abgesetzt werden soll.— Bedenkt man, mit welchen Mitteln die Unternehmer kämpfen und wie rührend die Polizei sich ihrer annimmt, so ist die Ausdauer der Ausständigen um so bewunderungswerter. Ueber das Verhalten der Polizei wurden in der Versammlung wiederum verschiedene Mitteilungen gemacht. So wurde berichtet, daß in der Mirbachstrahe zwei Streikende in einer Wirtschast verhaftet wurden, weil sie eine arbeitswillige Frau angesehen hatten. Aber diese Frau und ihr Ehemann hatten die Streikenden beleidigt.„Sie" hatte den Wirt auf- gefordert, die Streikenden auö dem Lokal zu weisen, und der Ehe- mann hatte gedroht, ihnen„den Buckel voll zu hauen". Man forderte den Schutzmann Nr. 1099 auf, den Namen der Frau fest- zustellen; das tat er jedoch nicht. Tagegen mußten die Streikenden wegen deS„Ansehens" der Frau mit zur Wache. Das geschah am Dienstag. Am folgenden Tage ersuchten die Streikenden in der Leipzigerstraße den Schutzmann Nr. 2798, den Namen jener Person festzustellen. Er schien auch gewillt dazu. Da kam ein Buchhalter der Firma Lüderitz u. Bauer dazu und sagte zu dem Schutzmann: „Das sind Streikende." Diese Worte genügten, daß der Schutzmann nunmehr die Feststellung deS Namens ablehnte und statt dessen die Streikenden zur Wache brachte. Hier erfuhren sie dann allerdings auch den Namen der Dame, die sie beleidigt hatte. In Rixdorf folgte ein Streikender, durchaus nicht auffällig, einer jugendlichen Arbeitswilligen, um zu sehen, wo sie wohnte, und dann mit ihren Eltern Rücksprache zu nehmen. Da kam der Vater mit einem Schutzmann, behauptete steif und fest, seine Tochter wäre belästigt worden, und obwohl der Streitende kein Wort zu ihr ge- sprechen lptte. wurde er verhaftet.— Die Streikleitung hat über die verschiedenen polizeilichen Belästigungen und grundlosen Ver- Haftungen von Streikposten eine Beschwcrdeschrift an das Polizei- Präsidium gesandt; eine Antwort ist bis jetzt nicht eingetroffen. Der ganze Verlauf der gestrigen Versammlung bewies, daß der KampfeLmut der Ausständigen in keiner Weise nachgelassen hat. Heiterkeit erregte eS, als ein Diskussionsredner mitteilte, daß eine große Firma 14 Streikbrecher entlasten mußte, weil ihr Auftrag- geber den erbärmlichen Patz, dcn diese Leute zusammengebaut hatten, nicht abnehmen wollte. Tie Auszahlung der Unterstützung findet heute, Sonnabend, vormittags von%li Uhr ab, in den Streiklokalen statt. Zur Aussperrung im Ltthographicgewerbe. Die Situation am Schlüsse der vierten Aussperrungswoche ist noch unverändert. Die Gehülfcnschaft steht nach wie vor fest wie ein Mann. Sie wird alle Hossnungen, die die UltterneHmer in den OuartalSwechsel setzten, ebenso zuschanden werden lassen, wie die Erwartungen, die in die gerichtliche Verfügung und alle anderen gegen die kämpfende Gchülfenschaft geschmiedeten Pläne gesetzt worden sind. Auch die MictözahlunA, die der OuartalSwechsel mit sich bringt, wird keinen Ausgesperrten veranlassen können, de- und wehmütig zu Kreuze zu kriechen und den übrigen in den Rücken zu saüen. Denen, die sich in einer gewissen Notlage befinden, wird durch Gewährung von Darlehen die Mietszahlung erleichtert. Der bisher geringe Ertrag der Berliner Sammlung berührt den Lauf der Bewegung schon um deswillen nicht, als ja die Samm- langen sich über ganz Deutschland erstrecken und von zirka 490 Ge- wcrkschastSkartellen ausgeschrieben sind. Trotzdem wäre es sehr er- wünscht, ivenn sich auch die Berliner Arbeiterschaft etwas reger an den Sammlungen für die ausgesperrten Lithographen und Stein- drucket, die anderen im Kampf stehenden Berufen gegenüber immer weitgehendste Solidarität und regsten Sammeleifer bewiesen haben, beteiligen möchte. Wenn die Unternehmer gesehen haben, daß auch der Quartals- Wechsel den guten Geist der Zusammengehörigkeit und die Sieges. Zuversicht in keiner Weise zu brechen vermock>te, dann müssen sie sich zum Entgegenkommen und zur Nachgiebigkeit veranlaßt sehen, denn verschiedenen brennt das Feuer schon unter den Nägeln. Der Lei- hingen einiger größerer Anstalten hat sich schon eine starke Nervosi- tät bemächtigt, da alle ihre Bemühungen. Auflagen in Lohndrucke- reien gemacht zu erhalten, fehl geschlagen sind. Nur in vier der- artigen Betrieben, und zwar bei Borisch u�Comp., Schäfer, Kühn u. Mahler und Hallwachs u. Kumm, sind 6 Schnellpressen im Gange, die fast durchweg von den betressenden Prinzipalen selbst bedient werden. Kein organisierter Eehülfe leistet Streikarbeit l Ein 40 Folioseiten mit je zwei Spalten umfassendes eng- gedrucktes Verzeichnis der Ausgesperrten, daS der Schutzverband als „schwarze Liste" herausgegeben hat, ging uns von einem Prinzipal nN, der nicht aussperrte. Wenn alle darin genannten GeHülsen tändig auf den Index gesetzt sein sollten, dann würde wohl manche Druckerei bald Pleite gemacht haben, denn die Prinzipale selbst sind doch schließlich die schwere Gehülfenarbeit nicht so gewöhnt, um so und so viele Gehülfen selbst ersetzen zu können. Die Sache der Gehülfenschaft steht also vorzüglich. Die Ar- beiterschast wird ebenfalls mehr als bisher ihre Pflicht und Schuldig- keit tun. Die Ausgesperrten können also ebenso unverzagt und zu- versichtlich dem Kommenden entgegensehen wie bisher, auch wenn die Aussperrung noch einmal so lange dauern sollte, wie sie jchon gedauert hat._ In den AileSlvcrken zu Ober-Schöneweide ist die vor einigen Wochen in Aussicht gestellte Verbesserung der Lohn- und Arbeits bediligimgen jetzt zur Einführung gelangt. Im Mai kam es zu Differenzen bei der Finna, die durch Verhandlungen zwischen dem Metallarbeiterverband und den Metallindustriellen unter dem Vorsitz deS KommerzienratS Borsig dahin geregelt wurden, daß sich die Direktion der NileSwerke verpflichtete, innerhalb vier Wochen die ge- wünschten Lufbesierungen vorzunehmen. DaS ist jetzt geschehen. Die zirka 278 in Frage kommenden Lohnarbeiter erhalten eine so- orlige Zulage von 7�/, Prozent, die vom 1. Januar kommenden Jahres ab um weitere 2>/z Prozent erhöht werden soll. Auch wurde die tägliche Arbeitszeit von 10 auf Ö'/j Stunden verkürzt. Außerdem sind noch einige andere Forderungen des ArbeiterauSschuffeS bewilligt worden. Damit hat die Firma ihr seinerzeit gegebene» Versprechen erfüllt; die Angelegenheit ist also zur Zufriedenheit der Arbeiter erledigt, waS auch am Donnerstag in einer vollzählig be- 'uchten Werksversammlung konstatiert wurde. Zur LoHniewegung der Frlfeurgehülfen. Zurzeit liegen 660 Bewilligungen vor. Bei den in Bettacht kommenden Meistern arbeiten 520 Gchülfen mit der Kontrollkarte lweiß mit rotem Rand und der Unterschrift Paul Liere). Die in Köpenick gettoffenen Vereinbarungen find heute von sämtlichen Arbeitgebern zurückgezogen worden. Damit treten die Gehülfen dort in eine Lohnbewegung ein, welch« sich auf die Nachbarorte ausdehnen wird. Die Innung, unter Führung be» Herrn Obermeisters Leopold, Adalbertstr. 21, versendet un dortigen Bezirk folgende» Zirkular: Barbier-, Friseur- und Perrückenmacher-Jmiimg. Obermeister: H. Leopold. Adalbertstr. 21. Ich EndeSunterschriebeiier erkläre hiermit, daß ich zum.... ...... Mitglied der Barbier-, Friseur- und Perrückemnacher- Innung werden will und die bon der genannten Innung Test» gesetzten Minimalpreise(Rasieren 18, Haarschneiden 36 Pf. usw.) in meinem Geschäft eingeführt sowie für mich bindend anerkenne. Ich verpflichte mich außerdem. Plakate über Gehülfenbrwilli- gungen usw., soweit sie nicht von seilen der Innung ausgehen, weder innerhalb noch außerhalb des Geschäfts auszuhängen. Berlin, den........ (Name)»»......- (Wohnung)........ (Dieser VerpflichttmaSschein ist dem Jnnungsvorstande zm Aufbewahrung zu übergeben.) Diese» Schriftstück beweist am besten, mit welcher Hartnäckigkeit die Arbeitgeber die Forderungen der Gehülfen, insbesondere da» Verlangen nach Beseitigung des LogiS, bekämpfen. Arbeiter, Parteigenossen I Auf unseren Antrag beschloß der Aktionsausschuß und die Berliner Gewerkschaftskommission den Boykott über diejenigen Geschäfte, welche die Forderungen nicht be« willigen. Wacht Euch diesen Beschluß zu eigen. Die Geschäfte, welche bewilligt haben, sind kenntlich durch weiße Plakats mit rotem Rand und Schrift. Verband der FriseurgeMfen Deutschlands. Zweigverein Berlin und Vororte. Achtung, Kleber. Gesperrt sind die Bauten: Straße 29a Nr. 13 und 14. Unternehmer Knof, Petersburgerstr. 13. Kameruner- ftraße 12, Ecke Togostraße. Unternehmer Masten. Rixdorf, Boddin- straße 48, Unternehmer Wald. Rixdorf, Jonasstraße 33, Unternehmer Grund.— Aufgehoben ist die Sperre: Bau Schievelbeiner- straße 26. Unternehmer Munkewitz und Bau Straße 16, Ecke See- straße, Unternehmer Mirsch. Ueber letzteren Bau war die Sperre verhängt, weil den Konttolleuren der Zuttitt und die Konttolle in schroffer Weise versagt worden war. Die Achtzehner-Kommission. Die von der Achtzehner-Kommission verhängte Sperre über den Bau Kettlitz. Unternehmer Mirsch, Sttaße 16, an der Seestraße, ist für unsere Mitglieder aufgehoben, da wir durch unsere Konttolle als auch Vorzeigung der Wochenzettcl uns überzeugt haben, daß die Tarifpreise gezahlt werden. Der Vorstand der Freien Vereinigung der Tapezierer Berlins und Umgegend. Oeutkcfieo Keick. „Christlich" organisierte Streikbrecher. Die Former und Gießerciarbeiter der Firma Mongen in M ü l- heim a. Rhein streiken seit acht Wochen. Der„christliche" Metallarbeiter-Verband liefert dem Unternehmer Arbeits- willige, die er aus verschiedenen Gegenden Rheinland-Westfalens zu- sammentrommelt. Darüber liegen urkundliche Beweise vor. In Aachen mußten die Bauarbeiter ihren Streik an den Bauten der Firma Bertling aufgeben, iveil der, ch r i st l i ch e" Bauhan diverker-Berband sür Ersatz der Streikenden durch Arbeitswillige sorgte._ Die Bürstenmacher streiken in Köln bei den drei Firmen: ManS, Lucas und Tappermann. Die Polizei verhindert das Stteik- postenstehen, indem sie den Ausständigen den Aufenthalt in den Straßen verbietet. Weil sie keine Lohndrücker sein wollen haben siebzig kroatische Arbeiter der Firma Blaß in E u S k i r ch e n, die in den Eifelorten Mechernich, Roggendorf und Strempt eine Wasser- leitung bauen sollten, plötzlich die Arbeit eingestellt. Sie sahen sich den einheimischen Arbeitern gegenüber durch geringeren Lohn be- nachteiligt. Die Samtwebcr in Krefeld find in eine Lohnbewegung ein- getreten; ihre Löhne sind seit dem großen Samtweberstreik im Jahre 1889 ganz gewattig reduziert worden. Die Forderungen gehen jetzt dahin, das frühere Verhältnis wieder herzustellen. Den Webern wurde damals ein sogenannter Ergänzungslohu von 10 Ps. pro Meter zugestanden, welcher aber von den Unternehmern ganz oder teilweise im Lause der Jahre wieder abgezogen wurde. Diese 10 Pf. fordern die Weber in erster Linie, dann fordern sie weiter Entschädigung für geleistete Siebenarbeiten und eine Erhöhung deS MeterlohneS auf Doppelspulerwebstühle um 13'/» Proz. Die Fabrikanten kürzten sofort nach Einfühnuig deS DoppelspulsystemS den Lohn um sie stellten sich auf den Standpunkt, daß ein fleißiger Weber um V» mehr Samt fabrizieren könne. Da der auf diese Weise hergestellte Samt um keinen Pfennig billiger verkauft wurde, so machten die Samtbarone ein gutes Geschäft. Von den Webern wurde besttitten, daß die Produltton auf einem Stuhle sich um'/» vermehre, sie wollten sich deshalb mir einen Lohnabzug von 20 Proz. gefallen lassen. Wegen des Arbeiterüberangebots konnte man damals mit der Forderung nicht durchdringen, jetzt aber, wo Arbeitermangel herrscht und sich ein wahrer Goldregen über die Terttlbranche ergießt. erheben die Weber die Forderung: Erhöhung der Meterlöhne um IS'/ß Proz. Die Unternehmer haben sich bis jetzt noch ablehnend verhalten, sie wollen wohl die kleineren Nebenforoerungen bewilligen. von einer Lohnerhöhung wollen sie nichts wissen. Der Fabrikanten- verband stellt sich auf den Standpunkt, daß es bei der damaligen Lohnreduzierung um 33'/» Proz. bleiben müsse. Die Verhandlungen zwischen Arbeitern und Fabrikanten sind zwar noch nicht abgebrochen, doch scheint eS, als ob die ersteren, wen» sie die Forderungen durch- setzen wollen, zum letzten Mittel, zur ArbeitSemstellung. greisen müssen. ZZuslanck. Trambahnerstreik in Rom. Rom, 20. Juni.(Privattelegramm deS„Vorwärts".) Gegenüber geringfügigen Zugeständnissen der Tramgesellschaft beschlossen die Trambahner heute nacht fast ein- stimmig den Streik. Die Solidarität ist vollkommen. Von Schutz- lenten geführt, zirkulieren wenige Wagen ohne Glasscheiben. Viel Militäroedeckung ist aufgeboten. Der Verkehr dieser Wagen wird als Provokation geradelt. Letzte JVacbnchtcn und Depefcben« Durch Blitzschlag zerstörte Kirche. Brandenburg o. H., 29. Juni.(W. T. B.) Bei einem schweren Gewitter fuhr heute der Blitz in den Kirchturm von Bagow im Kreise Westhavelland. Der Turm und die Kirche wurden vollständig eingeäscheci._ Schmiedestrcik in Posen. Pose», 29. Juni.(Privatdcpcsche dcS.Vorwärts") Eine heute stattgehabte Versammlung der Schmiede hat den Streik beschlossen. Nachwehen vom Sprcmberger Eisenbahnunzlück. Leipzig, 29. Juni.(W. T.«.) DaS Reichsgericht hat die Revision de» Stationsassistenten StullgyS und deS Weichenstellers Schmidt, die am 23. Dezember v. I. vom Landgericht KottbuS Ivegen Verschuldens des Eisenbahnunglücks bei Spremberg, ersterer zu 1 Jahr und 4 Monaten, letzterer zu 1 Monat Gefängniö ver- urteilt worden sind, verworfen._ Eine Kaiftrinsel? PcterSturg, 29. Juni.(B. H.) Die kaiserliche Behörde hat beschlossen, in der Nähe von Petersburg Ländereien zur. Errichtung von Befestigungen anzukaufen, um Petersburg gegen einen Angrifl zur See zu schützen. Auf Befehl dcS Zaren hat man ein Terrain von 240 Acres bei dem Dorfe Oranienbanm gegenüber von Kronstadt, 8 Kilometer von Peterhof belegen, zu diesem Zwecke angekauft. Lerantw- Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil perantw,: Tj. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.verlagSanstalt Paul Singer LcTo.. Berlin LVV. Hierzu ZBeilagenu.NnterhaltuugSblatt Nr. 149. 23. IahrMg. 1 ßtilM des Jonsöttf Kerlim lolMU. Zovnabevd. 30. M 1906. Der Gelvallßreich gegen die Nemscheider Ortskraukell- küsse vor GeriG. Unsere Leser entsinnen sich auS der Mitteilung im.Vorwärts' dom 6. und 11. Februar d. I. und aus den im Reichstage ge» pflogenen Verhandlungen, datz am 1. Februar der freisinnige Ober- bürgermeister der Stadt Remscheid formell und materiell rechtswidrig den Vorstand der Remscheider Ortskrankenkasse seines Amtes entsetzte. Die.Freisinnige Zeitnng', damals noch auf Wunsch des Ab- geordneten Richter„Freie Deutsche Presse' genannt, damit die ' Zeitungsartikel nicht ihm zur Last gelegt würden, behaupteten, eS fei durch den Oberbürgermeister amtlich die schlimmste Korruption dort festgestellt usw. Das unter halbamtlicher Flagge segelnde Lügenschisi der.Freisinnigen Zeitung' lud seinen Unrat auch in frei- sinnigen, nationalliberalen, ultramontanen und selbstredend auch in konservativen Blättern ab. Die schamlosen zwecks Beseitigung der Selbstverwaltung und zwecks Unterstützung organisatorischen Vor- gehens kontraktbrüchiger Aerzte ausgestreuten Verdächtigungen wurden bereitwilligst aufgenommen. Die Remscheider Kassenmitglieder— Arbeitgeber und Arbeitnehmer— widerlegten Punkt für Punkt der von der bürgerlichen Presse kolportierten Unwahrheiten. Die„Frei- sinnige Zeitung' verblieb trotzdem bei ihren Anwürfen. Im Reichstage spendete gar der freisinnige Abgeordnete Eickhoff am 8. Februar dem Remscheider Oberbürger- meister für seinen Eingriff in die Selbstverwaltung begeisterte Lobsprüche. Auch im Reichstage tvurde Punkt für Punkt der von dem Oberbürgermeister ausposaunten, von der bürgerlichen Presse nachgebeteten.Enthüllungen' über die„Mihwirtschaft' der .sozialdemokratisch geleiteten' Kasse widerlegt. Die bürgerliche Presie verblieb bei ihren schamlosen Lügen; nur vereinzelte bürgerliche Organe verwiesen darauf, dah die Gerichtsverhandlungen ja die Wahrheit enthüllen tvürden. Nlm hat am 27. d. Mts. die Elberselder Straf- kammer in erster Instanz ihr Urteil über die schwerste Be- schuldigung des Bürgermeisters gesprochen: Es lautet vernichtend gegen den von Herrn Eickhoff in Schutz genommenen Arzt und gegen den Oberbürgermeister. Dieser hat eine Niederlage erlitten, wie sie schlimmer nicht gedacht werden kann. Als das schlimmste Vergehen hatte der Oberbürgermeister w Slr. 6 seiner denkwürdigen Amtsentsetzungsverfügung behauptet: .Zum Vorteil des Verwandten eines Vorstandsmitgliedes ist dieser Verwandte auf Kosten der Kasse sowohl über die statutew mätzige Zeit hinaus kassenärztlich behandelt und mit Heilmitteln der Kaffe versehen worden, als auch noch vom 2. Januar bis 13. Februar 13!)S im hiesigen städtischen Krankenhause unrecht- mätzig auf Kosten der Kasse behandelt und verpflegt worden. Wegen dieser rechtswidrigen Verwendung von Kassengeldern zum Nutzen des Verwandten eines Vorstandsmitgliedes ist die Einleitung des Strafverfahrens wegen Untreue in Gemätzheit des § 42 des Krankenversicherungsgesetzes, unabhängig von der in- zwischen erforderten und erfolgten Rückerstattung des Betrages an die Kasie, beantragt worden." Ueber diesen Punkt ist in Elberfeld am 27. d. MtS. verhandelt. Bereits in der Voruntersuchung mutzte die Anklage gegen den Vorsitzenden der Kasie fallen gelassen werden. ES kam zu einer Anklage gegen das ehemalige Vorstandsmitglied Zeil und gegen den Rendanten Röttger. Beider völlige Schuldlosigkeit wurde erwiesen. Der Sachverhalt war genau der von uns berelts am 11. Februar mitgeteilte. Neu war, datz sich herausstellt», daß Dr. W e i n e r t der Denunziant war. Aus de» Verhandlungen fei einiges hervorgehoben. Inhalt der Anklage. Den Angeklagten wurde zur Last gelegt, datz sie veranlatzt hätten, datz zum Borteil emeS Verwandten des Angeklagten Ferd. Zeil Äasiengelder rechtswidrig verwendet worden waren. Im Jahre 1904 soll Zeil den Kasienarzt Weinert angehalten haben, seinen Neffen nach Ablauf der statutenmäßigen Unterstützungsfrist noch weiter zu verbinden. Hierbei sollen Verbandmaterialien der Kasse verbraucht worden sein. Ferner soll der Patient vom 2. Januar bis 18. Februar unrechtmätzig auf Kosten der Kasie im hiesigen städtischen Krankenhause behandelt und verpflegt worden sein. Der Rendant hatte hierzu den Garantieschein an das Kranken- hauS ausgestellt. Aussage« der Verdächtigten. Angeklagter Zeil: J�ch gebe zu. daß mein Nesie auch nach Ablauf der UnterstützungSfrlst von den Herren Dr. med. Stier und Weinert verbunden wurde. Unter dem System der beamteten Kasienärzte wurden die Kranken auch nach Ablauf der Unter- stützungSzeit von den Aerzten behandelt, wie dieses in Hunderten von Fällen nachzuweisen ist. Es war den Aerzten aber verboten, für diese Pattenten Arznei und Heilmittel zu verordnen. Wenn nun Verbandsstoffe der Kasse von den beiden Aerzten bei der Behandlung meine? Neffen gebraucht worden find, so ist dieses gegen meinen Willen geschehen; ich wußte, datz mein Neffe selbst Verbandstoffe besaß. Bezüglich der Behandlung im Krankenhause sprach ich vorher privatim mit Röttger und er- zählte ihm, daß mein Neffe wieder ins Krankenhaus gehen müsse. Da aber die Pflegekosten im voraus zu zahlen seien, müsse ich mich an die Armenverwaltung wenden. Röttger erklärte, wenn ich mich verpflichte, die Kosten baldigst zurückzuerstatten, sei dieses nicht nötig. er wolle dann die Behandlung auf Kosten der Kasie übernehmen. Ich habe dann am b. März Herrn Nötiger die Pflegekosten in Höhe von 73 M. gezahlt. Angeklagter Röttger bestätigt im wesentlichen die Aus- führungen des Mitangeklagten Zeil und erklärt auf Befragen des Vorsitzenden: Die monatlichen Rechnungen des Krankenhauses er- halten wir am Schlüsse des nächsten Monats. Dieselben werden dann erst geprüft und nach kurzer Zeit bezahlt. Noch bevor die Rechnung beglichen worden, war das Geld von Zeil ein- gezahlt. Ich buchte den Betrag nicht sofort, weil eS mir klar wurde, daß ich nickt ganz korrekt verfahren hatte, und legte das Geld zu den unaufgeklärten Beiträgen, die am Jahres- schlusie in Einnahme gestellt werden, um es mit diesen zu buchen. Zeil lvar zweifellos in der Lage, die Kosten zu decken. Keineswegs habe ich unter dem Drucke des Vorstandes gestanden. Aussagen der Aerzte. Dr. med. Stier hat den Neffen mehrmals verbunden und schätzt den Wert der verbrauchten Verbandsstoffe auf zwei Mark, weiß aber von den an der Kasie vorgenommenen Unregelmätzigleiten nichts. Zeuge prakt. Arzt Paul Weinert swelcher die Sache bei der Regierung denunzierte): Ich hatte mit dem Vorstand Differenzen und bin auch zeitweife mit meinen Berufskollegen in Streit ge- raten. Im Kasienlokal wurde ich von feiten Röttger und Zeil an- gehalten, den Neffen von Zeil zu behandeln. Ich wußte, daß die UnterstützungSfrist abgelaufen war. Später habe ich nnt Röttger wegen der Verbandsstoffe gesprochen, welcher mir sagte, ich solle die Sachen der Klasse gebrauchen, dieselben mögen wohl einen Wert von 4 bis 6 Mark betragen haben. Verteidiger Rechtsanwalt Schweitzer: Wie kam es. datz Sie in diesem einzelnen Falle anfragten? Ihnen hielt es doch sonst so genau nicht. Sie haben doch in einer ganzen Reihe von Fällen für Ihre Privatpatienten die Verbandsstoffe der Kasse gebraucht, ohne sich hierüber Gewissensbisse zu machen.— Zeuge: Ich tat dies wegen der Revision, welcher die Arznei- und Heilmittel- kosten unterworfen waren.— Verteidiger Rechtsanwalt Lande: Sie dursten doch die Verbandsmaterialien der Kasse nicht verwenden, auch wenn Kvttger Ihnen das sagte.— Zeuge: ES kam mir selb st nichtsovor, datz ich etwasUnrechteStat.— Verteidiger Rechtsanwalt Lande: Haben Sie denn niemals dem Koch gesagt, er solle sich Verbandsstoffe mitbringen? Dieses war doch naheliegend, da Sie doch keine Sachen von der Kasie brauchen durften.— Zeuge: Nein. Leumundzeugnisse über Dr. Weinert. Dr. M i t t e r: Weinert hat die Stellung an der Kasie miß braucht, entweder lag er im Wirtshaus oder zu Hause und hat ge- soffen. Weinert ist ein Mensch von geringem Pflichtgefühl, beim er hat sich den Pflichten der Kasse gegenüber entzogen. Eine Zeitlang führte er den Doktortitel, bis es herauskam, datz er denselben nicht besaß. Vor dem Ehrengerichtshof in Berlin hat er wisienv lich die Unwahrheit gesagt. Den Vorstand habe er gequält, daß er einen langfristigen Vertrag erhalten habe, und einige Wochen später habe er die Sprengung des Systems der beamteten Aerzte inszeniert. Im übrigen halte er Weinert für eine Person, die es mit der Wahrheit nicht genau nehme. Demgegenüber sagt Dr. H i l l a r aus, daß er Weinert als einen wahrheitsliebenden Kollegen kenne. Rechtsanwalt Lande beantragt, den Zeugen Weinert nicht zu vereidigen, weil er mitschuldig sei. DaS Gericht beschließt demgemäß. Der Staatsanwalt beantragt. Zeil freizusprechen und Röttger zu zwei Tagen Gefängnis zu verurteilen. Beide Verteidiger beantragen Freisprechung und die Kosten der Verteidigung der Staatskasse zur Last zu legen. Nach langer Beratung kommt das Gericht zu der Ansicht, daß beide Angeklagten sich der Untreue nicht schuldig gemacht haben. Weil aber Röttger den Kassenarzt Weinert dazu bestimmt hat, weiter Verbandsstoffe bei Koch zu ge« brauchen, habe er sich der Anstiftung zur Unterschlagung schuldig gemacht, jedoch bei dem ganz geringen Wert der Sache sei eine geringe Geldstrafe als ausreichend zu erachten gewesen und wird Röttger in eine Geldstrafe von 2l) M. genommen. Der Angeklagte Zeil wird freigesprochen und die Kosten des Verfahrens werden der Staatskasse auferlegt. Voraussichtlich wird jetzt gegen Dr. Weinert Anklage wegen Unterschlagung erhoben. Hus der Partei. Zur Frage des Massenstreiks. Auf den Wunsch der General kommission hin wurde der Abdruck der Erklärungen der General- kommission und des Parteivorstandcs bis morgen verschoben. Erklärung. In der am Sonntag, den 24. d. M., stattgefundenen General» Versammlung de? Metallarbeiterverbandes hat der Genosse Cohen nach dem Bericht des„Vorwärts' u. a. folgendes ausgeführt: „Die 80 000 M.. die den MaiauSaesperrten von der Partei gewährt lourden, seien durchaus nicht so„ohne weiteres und.stillschweigend' hergegeben worden. Bis zum 11. Mai waren überhaupt noch keine Gelder von der Partei eingegangen. Da aber bereits in der Presie stand, daß die Partei Geld geben wolle, so wurden die Ausgesperrten eben ungeduldig und ver- langten nun auch endlich den Draht. Da gab es denn die ersten 40 000 M., wobei aber gleich gesagt wurde, daß man sich .einrichten' möge! Die zweite Rate von 30 000 M. hat man aber„erst nach einigen Klimmzügen' erhalten. Dannt sollte Schluß sein. Schließlich habe man noch 10 000 M. als letzte Rate losgemacht, und damit war die Herrlichkeit zu Ende. Also nicht 100000 M.. wie anfänglich in Aussicht gestellt, habe die Partei„bereitwilligst" und.stillschweigend' gegeben, sondern nnr 80 000 M. und die auch er st nach verschiedenem hin und her.' Mehreren Anregungen folgend, wollen wir hierzu erklärm, daß wir für die Berliner MaiauSgesperrten bisher eine Unterstützung im Betrage von 90000 M. bewilligt haben. Die Rechnung Cohens stimmt deshalb nicht mit der unsrigen überein, weil nicht mit der„losgemachten" dritten Rate„die Herrlichkeit zu Ende' war, sondern von uns anstandslos auch noch eine vierte Rate im Betrage von 10 000 M. bewilligt und bereits am IS. Juni dem Genossen Körsten ausgehändigt wurde. Der Genosse Körsten, mit dem wir alle diesbezüglichen Ver- Handlungen geführt haben, hat uns auf Anfrage auch be- st ätigt, daß feine Anträge von un« glatt erledigt wurden, so daß durchaus nicht behauptet werden kann, das Geld sei.erst nach einigen Klimmzllgen' oder.erst nach verschiedenem hin und her' gegeben worden. Vor dem 11. Mai konnten wir schon deshalb keine Gelder ab- führen, weil erst am 11. Mai durch Schreiben der Ortsverwaltung des Metallarbeiterverbandes der erste UnterftützungSanttag bei uns einlief. Vielleicht kann sich auch der Genosse Cohen dessen noch er- mnern; denn das Schreiben trägt seine eigene Unterschrift. Berlin. 29. Juni 180L. _ Der Parteivorstand. Genosse Cohen sendet uns zu der Erklärung der Preßkommission eine längere Zuschrift, aus der wir mitteilen, datz Genosse Cohen erklärt, ihm sei bis heute ein Beschluß der Preßkommission über die endgültige Sperre deL„Vorwärts' für die neue Organi- satton nichr bekannt. Seine unwahre, von der Preß- kommission zurückgewiesene Behauptung, die Preßkommission habe nicht aus eigener Initiative den.Vorwärts' gesperrt, da» sei erst auf Veranlassung des MetallarbeiterverbandeS geschehen, nimmt Cohen nicht ausdrücklich zurück. Er hat die un- wahre Behauptung am 24. Juni öffentlich aufgestellt, obwohl in der Ausschußsitzuug am 3. Juni festgestellt wotden ist. datz die Preß- kommission auS eigener Initiative gehandelt hat. Cohen begnügt sich in der Hauptsache damit, jetzt zu erklären, daß auch der Verband sich an die GewerkschaftSkommiision gewendet habe— wann sagt er aber nicht. In der ganzen Erklärung Cohens, auch in ihrem weiteren Teile, drückt er sich um den springenden Plinkt mit Eleganz Herilm. Franz MorawSkiS Begräbnis gestaltete sich, wie un» auS K a t l o w i tz berichtet wird, zu einer erhebenden, für Oberschlesien ganz unerhörten öffentlichen Kundgebung der Sozialdemokratie. einer Kundgebung, die durch das unerhörte Vorgehen der Polizei gegen den Trauerzug eine besondere, ganz oberschlesische Charakterisierung ersuhr. Am Nachmittage deS Mittwoch hatten sich vor dem Trauerhause etwa tausend Leidtragende eingefunden, während viele Hunderte Zu- schauer die Straßen bis zum Friedhof umsäumten. Da dem Kattowitzer Blumengeschäft von der Polizei verboten war, die die Kränze schmückenden Schleifen im Schaufenster auszustellen, konnte man annehmen, daß die Polizei auch gegen daS Mitführen von roten Kranzsckleifen im Zuge Einwendungen erheben würde. Genosse Bruhns ging daher am Vormittage des Begräbnistages zum Ersten Bürgermeister Pohlmann— beiläufig ein den„Links- liberalen' zugehörender Mann— um ihm zu erklären, daß er eS als sein Recht ansehe, einen Kranz mit roter Schleife im Trauerzuge zu tragen und daß er einer polizeilichen Aufforderung, die Schleife zu entfernen nicht Folge leisten, sondern erst der Gewalt weichen werde. So wle er würden aber auch die anderen Kranz- träger wohl denken, er weise daher auf die Gefahren einer solchen polizeilichem Störung des Zuges hin und bitte, von kolchen Maß- nahmen, falls sie geplant sein sollten, abzusehen. Der Bürgermeister wollte zunächst Rücksprache mit seinem Polizeiinspektor nehmen und versprach baldigen Bescheid. Beim dann folgenden Besuch des Bürgermeisters erklärte dieser, eS tue ihm leid, aber er müsse nach anderer Seite Rücksicht nehmen und werde daher die roten Schleifen nicht passieren lasse». Der wiederholte Hinweis auf die möglichen Folgen ließ den Herrn Kommunal- und Pölizeichef kalt, auch der Vorschlag, die Schleifen passieren zu lassen, wenn sie in schwarzen Flor gehüllt seien, fand keine Gnade vor seinen Augen. Er über- lasse alles dem Taktgefühl feines Polizeiinspeltors, erklärte der „liberale' Mann und dabei blieb eS. Als sich der Zug ordnete, nahmen die Kranzträger vor dem Leichenwagen Aufstellung, doch fand die Polizei nichts wegzunehmen, da die vorhandenen Schleifen nicht rot waren, die meisten Kränze aber ohne Schleifen waren. An der Spitze deS Zuges gingen die Träger der vom Vorstand der polnisch-sozialistischen Partei, vom Vorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands und der polnisch-sozialistischen Partei Rußlands gewidmeten Kränze. Diesen folgte» die Kränze der Berliner und Bremer polnischen Genossen, des polnischen Frauenvereins in Berlin, des sozialdemokratischen Vereins in Breslau und dann in bunter Reihe die Kränze der polnischen und deutschen Genossen aus einer ganzen Reihe ober- schlesifcher Orte, darauf die Kränze der oberschlesischen Gewerkschafts- kartelle und vieler einzelnen Gewerkschaften usw. Mehr wie fünfzig prächtige Kränze wurden dem Sarge so vorangetragen. Kaum hatte der Zug einige Schritte zurückgelegt, als plötzlich an allen Kränzen im glühe nd st en Rot prangende Schleifen flatterten. Doch da stürzten sich auch schon von allen Seiten andringende uniformierte und„zivile' Polizisten auf die Kranz» träger. Man fordert die ersten drei, die Genossen Biniszkiewicz, BruhnS und Trabalski, auf. die Schleifen zu entfernen, und da sie sich dessen entschieden weigern, reißt man sie ihnen gewaltsam herunter, die anderen Kranzträger werden aar nicht gefragt, sondern die Kränze werden gleich gewaltsam deS Schmuckes entledigt. Die kostbaren Seidenschleife» werden zusammengeballt in die Polizei- taschen gestopft,„beschlagnahmt'. Eine furchtbare Aufregung erfaßte die Teilnehmer am Zuge, und auch ganz unbeteiligte Leute aus bürgerlichen Kreisen sprachen entrüstet von der Schändung eines Leichenzuges. Dann ging es weiter, bald aber ent- deckte die Polizei, daß Genosse Bruhns an dem vo» ihm getragenen Kranz des deutschen Parteivorstandes wieder eine große rote Schleife habe und als er der Aufforderung zur Ent- sernung derselben nicht Folge leistet, wird ihm von Polizeibeamten die Schleife und mit ihr ein Teil deS Kranzes gewaltsam entrissen. Als dann auch Genosse Adamek sich weigert, die an dem von ihm getragenen Kranze der Kattowitzer polnischen Genossen plötzlich wiedererstandene Schleife abzunehmen, packt ihn ein Polizeibeamter und zerrt ihn mit Gewalt aus den Reihen der Leidtragenden heraus. Ein vielhundertstimmiger Pfuiruf begleitet diese rohe Handlung. Der Zug stockt von neuem und wer weiß, was bei der leichten Erregbarkelt der oberschlesischen Arbeiter geschehen wäre, wenn der Beanite unseren Genossen nicht wieder losgelassen hätte, während die den Zug fiihrenden Genossen zur Kaltblütigkeit ermahnten. Auf dem Friedhofe war daS Redenhalten und ein Grabgesang streng verboten, ja der Vertreter des Pfarrers machte sogar den Versuch, den Kranzträgern zu verbieten, beim Niederlegen des Kranzes auf das Grab die Spender zu nennen. welcyeS Verbot allerdings nicht beachtet wurde. Als die am Grabe harrende nach mehreren Tausenden zählende Menge darüber aufgeklärt wurde, wes- halb man den braven FranziSzek MorawSki sang- und klanglos in die Grube senken müsse, brach die Empörung über solche Ungerechtig- keit in scharfen und bitteren Worten über die staatlichen und kirch- lichen Machthaber aus. Die denkenden klassenbewußten Arbeiter Oberschlcsiens werden sich die Lehren dieses Begräbnisses ins Herz schreiben und im Sinne des unvergeßlichen Toten weiter kämpfen für unsere gemeinsame große Sachet Der Zentralivahlverew für den Wahlkreis Züllichao-SchwieduS« Sommerfeld hielt am Sonntag in Züllichau feine diesjährige Kreiskonferenz ab. Der Vorstandsbericht wie die Berichte der Delegierten lassen eine günstige Entwickelung erkennen. Hinder- nisse bereiten der Ausbreitung der Oraanisatton die schikanösen Polizei- lichen Verfolgungen und die unsäglich erbärmlichen Löhne. Wurde doch aus Sommerfeld berichtet, daß dort die Textilarbeiter, die übrigens jetzt in der Streikbewegung stehen, mitunter bei vierzehn- stündiger Arbeitszeit nur 4—6 M. wöchentlich verdienen. Erheblich besser als die politische sieht die gewerkschaftliche Organisation. So sind in Sommerfeld 104 Maurer rm Verbände organisiert, von denen aber kein einziger dem Wahlverein angehört. Aehnlich sieht es in den anderen Orten und auch in anderen Berufen aus. Zum neuen OrganisationSentwurf für die Provinz Brandenburg gab die Konferenz ihre Zustimmung. Als ReichStagSkandidat wurde Genosse Grauer. Gemeindevertreter m Lichtenberg, proklamiert. Gemeine Verleumdungen und gehässige Verdrehungen sind dieser Tage wieder in den Ordnungsblättern wider mehrere Genossen ver- breitet worden, die in der sozialdemokratischen Stadtverordneten« fraktion zu Mülhausen sElsaß) sitzen. Zum Teil sind die Verleumdungen alten Datums und schon früher von unserem Mülhauser Parteiblatt als Lügen gekennzeichnet worden, zum Teil sind sie neu zusammengeschwindelt. Um einmal an dem Verleumdergefindel ein Exeinpel zu statuieren, beschloß die sozialdemokratische GemeinderatSfraktion von Mülhausen in ihrer Sitzung vom 20. Juni, daß ihre Mitglieder gegen die betreffenden Zeitungen die gerichtliche Klage anzustrengen haben. Zunächst sollen die„Stratzburger Post", die„Mülhauser Bürgerzeitung" und der „Expreß" durch Gerichtsurteil zunr Widerruf gezwungen werden. später kommt auch das übrige bürgerliche Preßgesindel dran. In der Sitzung wurde betont, daß die Prozesse lediglich anS politischen Gründen geführt werden sollen. Der ArbeiterbildungSvcrein„Eintracht" in Zürich hat soeben in Form einer Broschüre seinen Jahresbericht für 1905 veröffentlicht, nach dem er 747 Mitglieder zählte. 1060 durchgereiste Genossen wurden in der Speisegenossenschast des Vereins gepflegt. Sie hatte am Schlüsse des Berichtsjahres 172 Mitglieder. Bei 74 374,44 Frank Urnsatz erzielte sie nur einen Ucberschuß von 276,49 Frank, gibt also die Kost zum Selbstkostenpreise ab. Die Einnahmen des Hauptvereins betrugen 11085,36 Frank, der Ueberschuß 301,69 Frank. Im Lese- zimmer liegen 54 in- und ausländische Zeitungen auf. Vorttäge über verschiedene ThemataS wurden 11 gehalten. Die Adresse des Vereins ist Neumarlt 5. polrzeiUcbco, OtrCchtUcbto uftv. Dortmunder Justizakttoneu. Die Dortmunder„Arbeiterzeiwng" soll durch ihren Maifeierartikel, in dem für den Völkerstirden Propa- ganda gemacht worden war, öffentlich beunruhigt und dadurch groben Unfug verübt haben. Angeklagt war aber nichr nur der verantwort- liche Redakteur Genosse Franke, sondern auch der Genosse Becker als Drucker. Und wirklich wurden auch beide verurteilt. Der Genosse Franke erhielt 90 M„ der Genosse Becker 30 M. Geldstrafe. Der AmtSanwalt hatte sür beide 6 Wochen Gefängnis beantragt. Der Herr meinte in bezug auf den Genossen Becker, wenn er die Arbeitergroschen einstreichen wolle, müsse er auch mitverantworten, was in der Zeitung stehe,. Und das Gericht erachtete es als Pflicht deS Drucker a daß er sich vor dem Jndruckgehen der Zeitung davon ül jeugen müsse, ob auch nichts Strafbares in derselben entha ei. Gegen die Verurteilung wird selbstverständlich Berufung e? bei gelegt.! v-i Weiter haben eine Anzahl Dortmunder Genossen amtSgerichilich bei Strasbefehle in Höhe von je 30 M. erhalten, weil sie sich am 1. an einer nicht genehmigten Versammlung un freiem Himmel beteiligt haben sollen. Tatsächlich bat Endlich hat der Genosse Frante als verantwortlicher Redakteur der Arbeiterzeitung" noch zwvei Anflagen erhalten, weil er zwei Strafbefehle zum Abdruck gebracht hat, ehe sie bezahlt waren. Man ficht, die Dortmunder Staatsanwaltschaft läßt es wahrlich nicht an Gifer fehlen... Straftonto der Presse. Wegen Beleidigung eines Kaplans in zwei Fällen wurde im Privatllageverfahren der Genosse Emil Maier von der Mannheimer„ Voltsstimme" zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. Der Herr Kaplan hatte einen Schulknaben derart geprügelt, daß er im März von der Strafkammer wegen Mißhandlung zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt worden war. Die„ Voltsstimme" hatte ihm deshalb verdientermaßen die Wahrheit gegeigt und der Herr Kaplan wagte trotz seiner Bestrafung beleidigt zu sein. Und schließlich hatte er gar nicht so unrecht, denn die„ Voltsstimme" ist schlechter weggekommen, als der Mißhändler. Der Staplan hatte 20 m. Geldstrafe für seine rohe Tat erhalten, der Redakteur der„ Volksstimme", der diese rohe Tat kritisierte, 50 M. Geldstrafe, weil er nach Ansicht des Gerichts dabei zum Teil rohe Ausdrücke gebraucht haben soll. Bestrafte Innungsdeunnzianten. gar leine Versammlung unter freiem Himmel stattgefunden. Die trug in diesem Falle das Gericht dem Voltsempfinden Rechnung, in 1 Reish- Avis. Genossen hatten fich lediglich durch Zufall auf dem Wall zusammen dem es die Angeklagte fostenlos freisprach. Der Amtsantvalt Die Herren Eisenbahnminister Breitenbach und Handelsminister gefunden und wollten gemeinsam mit den anderen Genossen der selbst beantragte die Freisprechung; er sprach auch seine Ueber- Delbrück befahren am nächsten Dienstag( 3. Juli) den Rhein. Sie Stadt den Maiausflug mitmachen. Aus diesem zufälligen Busammen- zeuging aus, daß die Unternehmer den Wert der Federn bedeutend wollen bei dieser Gelegenheit die Ruhrhäfen bei Duisburg und Ruhrort treffen wird mm eine nicht genehmigte Versammlung unter freiem übertrieben haben. Eigentlich gehörten die Unternehmer auf die besichtigen und kommen sonach unmittelbar an der von uns gestern Himmel" gemacht. Es wird gerichtliche Entscheidung beantragt und Anklagebant, die durch Bezahlung solcher Schundlöhne zum Dieb- geschilderten Gegend mit ihren Seuchenherden und den himmelanman darf wohl als sicher annehmen, daß diese Justizaktion ins stahl verleiten. stinkenden Zuständen in den neuerbauten Kolonien des Herrn Thyssen Wasser fallen wird. von Zeche„ Deutscher Kaiser" vorbei. Dieselbe Fahrt macht am Montag darauf der Minister des Innern v. Bethmann- Hollweg. Dieser Wir hatten seinerzeit über die Beleidigungsflage eines Kieler Herr, welcher sich auf einer Informationsreise durch Rheinland- WestSchuhmachermeisters gegen Mitglieder der dortigen Schuhmacher- falen befindet, will nach einer Hafenrundfahrt in Duisburg- Ruhrort innung berichtet. Der Kläger, Meister Hamer, hatte im Laufe des Hamborn, Brudhausen, Oberhausen, Mülheim a. d. Ruhr Schuhmacher streits im Jahre 1904 die Forderungen der Ge- und Essen sich ansehen. Die beregten Gebiete liegen also direkt in fellen bewilligt und war infolgedessen imstande gewesen, seinen seinem Reiseplan. Er hat somit die schönste Gelegenheit, sich ganz Betrieb aufrechtzuerhalten, während seine halsstarrigen Kollegen gründlich zu informieren. Oder geht auch diese Informationsihre Buden schließen mußten. Darüber erbost, richteten eine Anzahl reise" auf in Festessen, fröhlichen Gelagen und schwungvollen Reden, Schuhmachermeister eine Eingabe an die Kommandos der 1. Torpedo- wie die be- rühmte Reise der Untersuchungskommission nach dem der sie Hamer der Begünstigung der Sozialdemo abteilung, der 1. Matrosendivision sowie des 1. Seebataillons, in Ruhrkohlengebiet zwecks Feststellung von Mißständen? fratie bezichtigten. Der Streit der Gesellen, heißt es bach- Delbrück- Bethmann- Hollweg einigermaßen Jedenfalls darf man auf die Besuche des Dreigestirns Breitens. gespannt sein. in dem Schriftstück, sei sozialdemokratische Ma che mit den Aufräumungsarbeiten, Scheuern, Tünchen und Ausbessern und H. sei, da er die Forderungen der Ausständigen bewilligt habe, an den Hafenanlagen ist bereits begonnen worden. Hoffentlich zeigen nicht mehr würdig, für taiserliche Behörden zu die Inspekteure, daß sie die deutsche Volkswirtschaft etwas weitarbeiten. Der schäbige Streich hatte auch wirklich zur Folge, fichtiger auffassen, als vom Standpunkt der Hausinteressen einiger daß dem H. sämtliche Militärlieferungen entzogen wurden, und daß Juduſtriedynastien. geschäftlichen Schaden erlitt. Eine Klage wegen Beleidigung und er seine ganze Offizier- Kundschaft verlor, wodurch er beträchtlichen unlauteren Wettbewerbs, die H. gegen die Unterzeichner der zufällig Trotz der gewagtesten Anstrengungen der Interessenten, trotz der Die feinfühlige ungarische Gendarmerie. Der Genoffe Josef zu seiner Kenntnis gelangten Denunziation anstrengte, hatte zwar Interventionskäufe und der Schwindelberichte über Rußlands wirtTakacs, Redakteur des Budapester Parteiblattes" Nepssava", vor dem Schöffengericht Erfolg, wurde aber in der Berufungsinstanz schaftliche Lage will das Zutrauen zu russischen Werten" nicht stand dieser Tage vor den Schranken des Gerichtes. Er hatte in abgewiesen. einem Artikel, der den Erntestreit von 1905 behandelte, u. a. ge- Nummehr beschritt H. den Weg der Zivillage und machte wieder zurückkehren. Da soll nun wohl die hohe Politik" helfen. schrieben, daß der Gendarm für einen Tagelohn von einem Gulden gegen die Schuhmacher- Innung, die Freie Vereinigung der Schuh- Die hülfsbereite Preſſe will graulen machen vor einem franzöſiſchund einigen Kreuzern, wenn es sein müsse, selbst seinen eigenen macher von Kiel und Umgegend, sowie gegen zwölf einzelne Meister englisch- österreichisch- spanisch- italienischen Bündnis gegen Deutschland, Vater mit Salvenfeuer empfängt. Die königlich ungarische Gendarmie Schadenersazansprüche geltend, zunächst für die Zeit vom in das man auch Rußland hineinzuziehen versuche. Die treibende fühlte sich beleidigt und strengte gegen unseren Genossen wegen 1. Juli 1904 bis zum 1. September 1905. Den ihm infolge der Kraft soll die englische Eifersucht auf die industrielle Entwickelimg öffentlicher Verleumdung den Breßprozeß an. Bei der Ver- Denunziation in dieser Zeit erivachsenen geschäftlichen Verlust berechnete Deutschlands sein. In den Tagen der Verbrüderungs- Festessen handlung wurde eine Beweisführung nicht zugelassen, die er auf 7381 M. Die Zivilkammer III des Kieler Landgerichts hat jetzt macht sich solche Heze ganz ausgezeichnet. Doch man höre mur, Geschworenen sprachen ihr Schuldig aus und der Gerichtshof ver- nach eingehender Beweisaufnahme die Ansprüche Hamers was weiter folgt und man merkt die Absicht. Wegen der Deutschurteilte Takacs zu 8 Tagen Gefängnis und 60 Kronen Geldstrafe. als berechtigt anerkannt. Nur die Klage gegen die Freie land drohenden Gefahren, sei die Absicht der Regierung, mit Rußland Sonderbure Käuze, diese ungarischen Gendarmen. In Deutsch- Vereinigung wird abgewiesen, da diese als juristische Person nicht land gilt es bekanntlich als ganz selbstverständlich, dem Kommando anzusehen sei, während die Innung als öffentlich- rechtliche Körper- sich auf freundschaftlichen Fuß zu stellen, sehr zu begrüßen. Komme unbedingt zu gehorchen und so ist es unter Umständen durchaus schaft und die zwölf namhaft gemachten Meister für die Verrufs eine Annäherung zustande, dann werde auch Desterreich vorziehen, möglich, daß der Gendarm oder Soldat auf Vater und Mutter zu erklärung, die die Eingabe an die Marinebehörden darstelle, sich nicht auf die Seite Englands zu schlagen. Wenn das Publikum schießen hat, und den deutschen Soldaten ist ja bekanntlich einmal in 5aftbar zu machen seien. Der Einwand, daß die Beklagten die für solche Gedanken suggeriert ist, dann wird nach einigen Tagen einer Rede diese Eventualität in besonderer Weise dargelegt worden. Folgen ihres Handelns nicht voraussehen konnten, sei für das Gericht die Schlußfolgerung kommen: Ohne erneuten Kredit für Rußland Und in Ungarn regt man sich hierüber auf. Muß wohl ein wildes unwesentlich, da es lediglich darauf ankam, festzustellen, ob das wird Deutschland die Freundschaft Rußlands nicht erwerben, es wird Land sein dieses Ungarn. Schutzgesetz von ihnen in schuldhafter Weise übertreten sei. Letzteres fich eventuell an England verkaufen; darum rettet Deutschland und Soziales. sei erwiesen. Russenpolitit. Der Kläger wird nun auch für die Folgezeit seine Ansprüche macht für Rußland den Säckel auf. Ob die Mendelssohns wirklich geltend machen, und so kann den pfiffigen Jnnungskrautern ihre glauben, mit solcher Politik den Zarismus schüßen und weitere Patentidee, den roten Lappen zu Zweden der unlauteren Stonkurrenz Millionen auf Kosten des deutschen Stapitals einstreichen zu können? zu verwenden, noch teuer zu stehen kommen. Das Kommando der ersten Torpedoabteilung wird über die Vertrauensseligkeit gegenüber den Herren vom Seonkurrenzleisten und über die hierdurch dem Mittelstand zugefügte Schädigung wohl im Reichstage Auskunft zu geben haben. Sollte als Grundsatz aufgestellt werden, von Sozialdemokraten angefertigte Waren benutzt das Militär nicht, so dürfte das Militär bald im Adamskostüm, allenfalls mit Monokel bewaffnet, herumlaufen müssen. Die leidige militärische Kleiderordnung wäre dadurch auf das einfachste gelöst. Aus Induftrie und Dandel. Jedem das Seine! Textilindustrie sind in den letzten Tagen zwei Darlegungen erUeber die Verhältnisse innerhalb der rheinisch- westfälischen schienen, die aneinandergestellt eine aufreizende Sprache führen. Der Rheinisch- Westfälischen Zeitung" wird geschrieben: " Deutsche Anleihen in Frankreich. Die deutschen Großbanken haben vor einiger Zeit ein Abkommen getroffen, nach welchem den deutschen Kommunen auf Anleihen zu 32 Proz. feine Offerten mehr gemacht werden sollen. Dadurch kamen zahlreiche Gemeinden in eine Zwangslage und mußten sich dazu verstehen, 4prozentige Anleihen aufzunehmen. Damit, daß das Ausland die Abmachung durchfreuzen würde, rechneten die Großbanken nicht. Sie sind daher einigermaßen durch das Vorgehen der Stadt Frankfurt a. M. erstaunt, der es gelungen ist, eine 31/ prozentige Anleihe zu plazieren, allerdings nicht in Deutschland, sondern in Frankreich, wo die freien Kapitalien lange nicht so start vom Industriemarkt in Anspruch genommen werden wie zurzeit in Deutschland. Eine Pariser Bankgruppe hat 151/2 Millionen Mart 3½ proz. Anleihe der Stadt Frankfurt übernommen. Der Vorgang wird von den führenden Banken so zu erklären versucht, daß es sich um einen Ausnahmefall handle, hervorgerufen dadurch, Rothschild sei. Diese Vermutung ist recht wenig stichhaltig. Man daß Frankfurt a. M. die Vaterstadt des mächtigen Bariser Hauses wird erst abzuwarten haben, ob dem ersten Geschäft nicht noch weitere folgen. Jedenfalls wird es nicht an Bemühungen der anleihebedürftigen Kommunen fehlen, zu versuchen, ob sie nicht doch nach wie vor beim 3 proz. Anleihetypus bleiben können. Der hohe Binsfuß im laufenden Jahre ist eine Ausnahmeerscheinung und darum eine Erhöhung des Binsfußes auf 4 Proz. für städtische Anleihen keineswegs begründet. Bur Kinderausbeutung in der Landwirtschaft. Nach§ 154 Absatz 3 der Gewerbeordnung sind seit dem 1. Januar 1901 die Schutzvorschriften, die für Beschäftigung von Kindern, jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen in Fabriken gelten, auch auf Werkstätten mit Motorbetrieb anwendbar. Zuwiderhandlungen sind durch die§§ 146, 146 a der Gewerbeordnung mit Strafe bedroht. Wegen Verstoß gegen diese Vorschrift hatte sich am Mittwoch der Bauerngutsbesiger Wilhelm Bree aus Velten vor dem Spardauer Schöffengericht zu verantworten. Er ist beschuldigt, den am 22. Juni 1894 geborenen, also 12 Jahre alten Schulknaben Ignatz Zielinski in seiner Motorwerkstatt als Arbeiter beschäftigt zu haben. Die Angelegenheit ist dadurch zur Kenntnis der Behörde gekommen, daß der Knabe am 27. September v. J. mit der rechten Hand in die Häckselmaschine geriet und sich diese Hand derartig berletzte, daß sie ihm amputiert werden mußte. Bei der Verhandlung handelte es sich im wesentlichen darum, ob Bree als Gewerbetreibender oder als Landwirt anzusehen sei. Der als Zenge und Sachverständige bernommene Gewerberat, sowie der Anitsvorsteher Giese halten einen Gewerbebetrieb für vorliegend. Bree habe einen siebenBei dem starken Kaufandrang, der schon jetzt eine gute Bepferdigen Motor zum Betriebe seiner Dresch-, Häcksel- usw. Maschinen schäftigung bis zum Jahresschluß gewährleistet, sind die Preise natür aufgestellt, er verarbeite nicht nur selbstgewonnenes Getreide, sondern lich durchaus fest.... Auch die Kanımgarnspinnereien haben gut auch solches, das er kaufe und verkaufe nachher den geschnittenen Hädsel. Der Knabe Zielinski sagt aus, daß seine Mutter und er bei zu tun; die Preise ziehen langsam weiter an. DasBree beschäftigt gewesen seien. Seine Mutter erhalte als selbe kann auch von den Stoffſpinnereien in Viersen und Düllen gemeldet werden, welche die Nachfrage taum befriedigen können und Bezahlung eine Ermäßigung der Wohnungsmiete mit Ausnutzung aller Betriebskräfte arbeiten, soweit Ein Riesenprojekt. Daily Chronicle" weiß von einem von der und Essen. Er wurde teils mit Botengängen, teils zur Hülfe in der Mangel an Arbeitern zuläßt. Dieser Mangel Chartered South Africa Company unterstügten riesigen elektrischen der Scheune an der Häckselmaschine beschäftigt und erhielt a Is Be Arbeitern und Arbeiterinnen bildet auch für die Baumwoll- Projekt zu melden. Die genamite Gesellschaft hat eine Interessen zahlung Sonnabends manchmal 10 Pf., manchmal auch 20 Pf. und webereien eine große Kalamität. Viele Weber ziehen es vor, in den Gemeinschaft mit dem African Conzessions Syndikat, welches ein Abendbrot.( Der ist gewiß eine billige Arbeitskraft.) Allerdings Burtins- und Kammgarnwebereien zu arbeiten, da dort die Löhne Abkommen mit der Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft schließt. habe ihm nur immer der Sohn des Angeklagten den Auftrag ge- etwas höher find. Trot flotter Beschäftigung der Baumwoll- Demgemäß soll die Allgemeine Elektrizitäts- Gesellschaft für eine geben, an der Hädselmaschine zu helfen. Am 27. September 1905 weißwebereien steht daher in manchem Betrieb eine Anzahl Web neue Gesellschaft Debentures im Betrage von 625 000 Pfd. Sterl. habe er nun, weil er zu klein sei, auf einem Klotz an der Häcksel- stühle still. Man hat mehrfach angeregt, Weber und zu einem Emissionspreis von 95 Proz. ausgeben und bekommt maschine gestanden und gearbeitet. Bei einer Bewegung sei der Weberinnen aus Rußland heranzuziehen, doch sind 1 250 000 Pfd. Sterl in bar, wofür fie die nötigen Anlagen und Kloz umgetippt und er wäre mit der rechten Hand in die Kamm- die nach dieser Richtung hin angestellten Versuche anscheinend erfolg- Maschinen liefert. Dieses Projekt steht im Gegensatz zu einem Plan räder geraten, über welchen an diesem Tage teine Schutzvorrichtung los gewesen. gewesen. Nach seiner Verlegung habe er noch gehört, wie der Sohn der Aussichten auf weitere Preiserhöhungen, in mit Elektrizität von Vereeniging zu versehen, welcher Plan eine Die Bestellungen auf Winterstoffe find infolge der bekannten füdafrikanischen Firma Lewit u. Marks, den Nand des Angeklagten dem Knecht zurief, er solle schmell die Schuß den Burlin, Kammgarn- und Cheviotwebereien, bereits derart Geldersparnis bedeuten soll. Ein großer Interessenkampf wird borrichtung über die Kammräder legen. Der Amtsanwalt zahlreich eingegangen, daß die Webereien schon für mehrere Monate erwartet. beantragte 3 Monate Gefängnis. Er führte aus, daß Grubenverstaatlichung. Der Bergarbeiterkongreß nahm einen der Angeklagte unglaublich nachlässig gehandelt, indem er sich gar nicht Dasselbe Unternehmertum, das gegenwärtig reiche Ernte hält, Antrag an. die Gruben zum Nationaleigentum zu erklären und fie darum gefümmert, was bei ihm vorgehe und daß ihm fahrlässige hat erst zu Anfang dieser Woche 600 Arbeiter in Euskirchen aufs durch die verschiedenen Bergarbeiterverbände ausbeuten zu lassen. Körperverletzung zur Laft gelegt werden müsse. Der Verteidiger Straßenpflaster geworfen, weil sich die Arbeiter eines Betriebes nicht Der Gewinn soll zum Besten der Arbeiter Verwendung finden. wies darauf hin, daß der Angeklagte nur wegen Vergehen nach willenlos ihrem Ausbeuter unterwerfen wollten. Nach Rußland flott zu tun haben." es ant § 154 Absatz 3 angeklagt, man ihn also nicht wegen fahrlässiger sendet man Menschenhändler, um Ausbeutungsobjekte heran zu locken Körperverlegung verurteilen könne. Er plädiert im übrigen auf und sie im Eventuell fall als schwarze Banden gegen die unzufriedenen Freisprechung, da kein Gewerbebetrieb vorliege. Das Gericht heimischen Arbeiter zu mißbrauchen. hielt den Angeklagten für schuldig, sich gegen§ 154 Abjag 3 der Zum Elend in der Heimindustrie. " Aus der Frauenbewegung. Sehen wir nun welcher Gewinn" den Arbeitern zuteil wird! Gewerbeordnung vergangen zu haben und verurteilt ihn dieserhalb Darüber gibt uns der Jahresbericht der Sektion VI der Rheinischzu 100 Mart Geldstrafe. Der bedauerliche Erfolg des Verlustes Westfälischen Textilberufsgenossenschaft Kunde. Nach dem Jahres- Ein neuartiger Unterricht ist, wie man aus Chicago meldet, der rechten Hand konnte bei der Strafabmessung nicht berücksichtigt bericht für 1905 umfaßt die Sektion in 343 Betrieben 24 567 Arbeiter. in den dortigen Höheren Mädchenschulen eingeführt worden. Die werden, da der Angeklagte nicht wegen fahrlässiger Körper- Die Zahl der Betriebe hat sich im Berichtsjahr um 2 vermindert, Schülerinnen erhalten jekt Unterweisung, wie sie im Falle der Verberlegung angeklagt sei. Es steht dem Verletzten frei, seinen Schaden- die Zahl der Arbeiter dagegen um 800 vermehrt. Bon 632 Un- heiratung eine aus fünf Köpfen bestehende Familie mit 20 M. erfaz im Zivilprozeß geltend zu machen. Nach der Strafprozeßfällen( 9 mehr als 1904) schieden 13 als Nichtbetriebsunfälle aus; wöchentlich verpflegen sollen. Sie lernen den Nährwert- billiger ordnung hätte nach Aufhellung des Sachverhalts, der fahrlässige von den bleibenden 619 wurden 479 in den ersten vier Wochen Nahrungsmittel und ihre appetitliche Zubereitung fennen und erKörperverlegung erkennen läßt, das Gericht sich für unzuständig er also zu Kosten der Krankenkassen- geheilt; weitere 63 wurden halten ferner Anleitung für den Einkauf sowie für die Unterklären und die Sache dem Landgericht überweisen sollen. Auch jest von der fünften bis dreizehnten Woche wieder hergestellt. Hier zahlte scheidung zwischen naturreinen und verfälschten Lebensmitteln. tann und sollte noch eine Nachtragsauflage erhoben werden: Die die Berufsgenossenschaft nur den geringen Unfallzuschlag. Als Diejenigen Mädchen, die der Heiratsfrage tein Interesse entgegenFahrlässigkeit vieler ländlicher Besizer ist grenzenlos und hat be- entschädigungspflichtig verblieben 77 Unfälle. Die Zahl der Renten- bringen, erhalten Anleitung zur Führung eines billigen Penſionats. kanntlich zu lebhaften Klagen Anlaß gegeben, denen der König von empfänger stieg von 670 auf 723. Gegen die Rentenfestsetzung der Berufs- Ferner werden alle Schülerinnen im Benehmen bei Tisch und in Preußen in der Sigung des Landesökonomiekollegiums vom genossenschaft wurde in 68 Fällen Berufung an das Schiedsgericht den Pflichten der Wirtin unterwiesen. 11. November 1890 beredten Ausdruck gab. Seit diesen Klagen hat erhoben, in 17 Fällen Rekurse an das Reichsversicherungsamt. Die Soweit die Nachricht. Der Unterricht wird, wie man sicht, sich die Fahrlässigkeit ländlicher Befizer vermehrt, die Zahl der Ver- Bahl der Berufungen und Rekurse hat sich gegen das Vorjahr nur in den Höheren" Mädchenschulen erteilt. Allerdings, für legungen im Landwirtschaftsbetriebe ist mehr als sechsmal so hoch mehr als verdoppelt, von 34 auf 68 bezw. 8 auf 17. In Arbeiterkinder in Deutschland und vermutlich auch in Amerika als sie vor 16 Jahren war, geworden. den 20 Jahren des Bestehens der Genossenschaft ist die Zahl der hätte es wenig Wert, so lange man ihnen nicht das Geheimnis Betriebe von 312 auf 343, die der Arbeiter von 20 475 auf 24 571 lehrt, erst mal 20 m. wöchentlich zur Verpflegung der Familie und die Jahreslohnsumme von 13 972 551 M. auf 18 977 076 M. zusammenzubringen. Doch davon abgesehen, zeigt die unscheinbare Die ledige Heimarbeiterin Seiz in Nürnberg war wegen Dieb- gestiegen. Die Verwaltungskosten betrugen 9500 m., also nahezu Notiz mit seltener Schärfe eines der Grundübel, an denen unser stable angeklagt. Sie hatte für die Firma Vydra u. Rudolph Christ- 10 Proz. der ausgezahlten Renten. ganzes Unterrichtsweser trantt. Es hat sich schon lange äußerlich baumschmuck aus Gänsefedern hergestellt. Trotzdem sie von früh Aus den Zahlen ergibt sich, daß im Aachener Bezirk das für die bemerkbar gemacht, aber dennoch fährt man im altgewohnten 6 Uhr bis Mitternacht und zuweilen noch länger arbeitete, verdiente Arbeitgeber fo goldreiche Jahr den Textilarbeitern einen durchschnitt- Gleise fort. Seit Jahren nämlich, ja eigentlich schon seit Jahrsie durchschnittlich nicht mehr als drei bis vier Mart in der lichen Jahreslohn von 772,70 M. oder pro Woche 14,88 M. gebracht zehnten klagt man allgemein über zu starke Belastung Woche. Manche Woche hatte sie nur einen Verdienst von 1,20 m. hat. Von 1903 bis 1905 ist der Wochenlohn der Aachener Textil- der Schulkinder. Die Kinder lernen eine Unmenge EinzelDie Heimarbeiterinnen erhalten die Gänsefedern, die in der Fabrit arbeiter um ganze 43 Pf. gewachsen. Damit kann er nicht einmal heiten, zum großen Teil Dinge, die sie später im Leben gar nicht weggeworfen werden, zur Bearbeitung. Da die Seiz ein die gestiegenen Brot- und Kartoffelpreise decken. An die Fleisch- brauchen können und deshalb nach Beendigung der Schulzeit Irantes Kind hatte, war es ihr nicht möglich, mit diesem preise, die Kosten für Schuhe und Kleider, die Wohnungsmieten, die ziemlich schnell vergessen. Man hat ja verschiedentlich Anläufe Gelde auszukommen. Nebenbei hatte sie auch mitunter die alle samt und sonders gewaltig gestiegen sind, ist dabei gar nicht zu genommen, das Schulprogramm von einem Teil dieses unnötigen immer usw. im Betriebe auszuräumen, und einer denken. Der Bericht zeigt uns deutlich, daß die Lage der Textil- Wissens zu befreien, aber viel ist dabei nicht herausgekommen. ichen Gelegenheit nahm fie auch einmal einen Sad guter arbeiter des Aachener Bezirks bei der geringfügigen Lohnsteigerung Auf der anderen Seite jedoch erweitert sich täglich der Kreis dessen, dern mit, dessen Wert von den Unternehmern auf 50 M. an- fich verhältnismäßig bedeutend verschlechtert hat. was der erwachsene Mensch verstehen und können muß. Nicht etwa, egeben wurde. Vor Gericht gab die Angeklagte zu ihrer Ver- Das Unternehmertum erzielt glänzende, steigende Gewinne, die daß nun jeder einzelne alles tennen muß. Aber die Schule foll eidigung an, daß sie die Federn nur deshalb mitgenommen habe, Arbeiterschaft erfreut sich steigender Unfallziffern und bei scharf an ihre Böglinge fürs Leben vorbereiten, und da nun möglicherweise weil es gute waren und sie sie verarbeiten wollte, um etwas mehr ziehenden Lebensmittelpreisen verschlechterter Lohnverhältnisse. So ieder einen anderen Beruf ergreift und die Schule vorher nicht u verdienen und für ihr frantes Kind Arzt und Apotheke bezahlen zu gelangt jeder Teil au dem Seinigen- wie es die göttliche Welt- wiffen kann, welchem Beruf sich jeder einzelne später zuwenden men. Wenn sie hätte stehlen wollen, so hätte sie oft andere, ordnung will. wird, so erblickt sie ihre Aufgabe darin, allen aus allen Wissens. tvollere Gegenstände mihiebmen tönnen. In seinem Urteil gebieten möglichst viel darzubieten. Dann glaubt sie, das nötige er. " " 21 " = gefan zu haben, um den Zöglingen das Fortkommen in jedem auf die Redaktion gekommen seien und mitgeteilt hätten, daß ein| Einer der Stadtväter referierte über die Benennung neuer Straßen Beruf zu ermöglichen. Protokoll erschienen sei, in dem für die Arbeiterschaft wichtige, ihr und führte aus, daß sich die Aerzte sehr geehrt fühlen würden, Mit einem Wort: das herrschende Schulsystem kann dem täg- aber vorenthaltene Dinge ständen. Selbstverständlich habe man sich wenn drei Straßen die Namen Behring, Koch- und Röntgenstraße lichen Fortschritt dessen, was das Leben erfordert, nicht anders nach- dann ein solches, bei Singer n. Co. gedrucktes und von Legien ver- erhalten würden. Unter stürmischer Heiterkeit führte hierauf ein folgen, als durch stetige Vermehrung dessen, was die Schüler lernen legtes Protokoll verschafft. Die 31 Gewerkschaftsmitglieder, die anderer Stadtverordneter aus, daß alle drei Straßen Zugangs sollen. dann den Auszug aus diesem Protokoll veröffentlichten und mit straßen zum Friedhof bilden und es daher sehr zweifelhaft sei, ob Wohin aber muß man auf diesem Wege notwendig gelangen? ihrem Namen unterzeichneten, hätten sich diesen Schritt ge- fich die Aerzte durch die vorgeschlagenen Benennungen besonders Za wohin ist man zum großen Teil heute schon gelangt? Dahin, meinsam reiflich überlegt, es aber für ihre Pflicht baß die Schüler den ungeheuren ihnen täglich zuströmenden Wissens- achtet, fo er- geschmeichelt fühlen würden. zu handeln. Mit seiner Infamie" Notiz habe ftoff einfach nicht mehr in sich aufnehmen können. Irgend einmal der Vorwärts" eine ebenso große Torheit begangen, wie Die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten in diesem ist die Grenze erreicht, wo es heißt: bis hierher und nicht weiter. seinerzeit mit dem Wirrnis"-Artikel über die Feenpalast- Versamm Fiskaljahr wird auf über eine Million geschäßt. Bis zum 1. Juni Wenn man den Kopf des Schulkindes sozusagen als einen leeren lung. Ebenso unzutreffend sei es, wenn Bebel von„ plumper In waren es 870 000. Am stärksten ist Desterreich- Ungarn vertreten, Sack betrachtet, in den alles, was es möglicherweise im Leben diskretion" rede. Handele es sich doch um eine Sache, die gedruckt dann folgen Italien und Rußland. Daß nicht wenige zurückgewiesen brauchen wird, mit Hülfe des Gedächtnisses einfach hineingestopft vorlag und um Verhandlungen mit dem Parteivorstand, zu denen wurden, erkennt man daran, daß allein im Mai 1753 Personen die wird, so kommt natürlich einmal der Augenblick, wo der Sack voll sie, die Vertreter der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften", Landung verweigert wurde. 31 Proz. der Einwanderer gaben New ist. Und will man mit Gewalt noch mehr hineinpressen, dann plazt nicht geladen waren. Beide, sowohl die Redaktion des„ Vorwärts" ort als Reiseziel an, 20 Proz. Pennsylvanien, 7 Jllinois und Sind doch Selbstmorde und Fälle von Wahnsinn heute schon wie der Genosse Bebel, hätten wohlweislich verschwiegen, daß es sich Massachusetts, 5% New Jerſey und Ohio. Wenige gehen nach dem eine, wenn auch noch seltene, so doch regelmäßige Erscheinung unter nicht um einen Artikel der Redaktion der„ Einigkeit", sondern um fernen Westen und noch weniger nach dem Süden. Ein EinwanderungsSchulkindern. eine von 31 Parteigenossen unterschriebene Erklärung handelte. bureau für die südlichen Staaten ist neuerdings in New York erAber viel früher schon ist der Moment erreicht, wo das Hirn Diese Parteigenossen hätten aber ausdrücklich nur unter dem Vor- richtet worden; man braucht noch viele billige Arbeiter in den zwar noch neuen Wissensstoff aufnimmt, jedoch nicht mehr behalte:" wenn die Angaben Silberschmidts auf Wahrheit beruhen," Fabriken im Süden, und verlockend sind die Verhältnisse dort nicht, geistig verarbeitet! Dann lagert all das aufgenommene von einem Gesinnungswechsel Bebels geschrieben. Sonderbar sei es, am wenigsten für deutsche Arbeiter. Wissen als toter Gedächtnistram im Schädel; das Kind weiß daß die vom Genossen Bebel formulierten Thesen nicht richtig dann wohl diese Dinge natürlich auch nur so lange, bis es wiedergegeben sein sollten und daß weder Bebel noch ein anderer Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen sie bergißt aber es hat für die Entwickelung seines Könnens, der beteiligten Genossen gegen das gedruckte Protokoll Ein- Markthallen- Direttion. Rindfleisch Ia 65-68 pr. 100 Bfund, Ila 58-64, seines Verstandes keinen Nuzen daraus gezogen. wendungen erhoben habe, bis die Einigkeit" die Dinge ver- IIIa 53-56, IVa 46-51, engl. Bullen- 0,00, dän. Bullen- 0,00. Dazu ist ja angesichts des täglich neu herandrängenden Stoffes öffentlichte. Dies aber habe die Einigkeit" nicht getan, um IIa 70-75, holl. Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 100-110, Ia 80-85, nicht einmal Zeit genug vorhanden, abgesehen davon, daß die Ge- dem Staatsanwalt oder den Behörden Material zu liefern. Hier Schweinefleisch 61-67. Kaninchen per Stück 0,00. Hübner, alte, Stüd IIIa 57-68. Hammelfleisch Ia 72-76, IIa 62-70. dächtnismethode darauf auch gar nicht abzielt. habe es sich nur darum gehandelt, der Arbeiterschaft die Augen zu 1,50-2,00, junge, per Stück 0,50-0,80. Tauben, junge 0,35-0,52, alte Man muß nun nicht etwa glauben, daß unsere Schul- öffnen über Personen, die das Gegenteil von dem täten, was der 0,35. monarchen" diesen Mangel ihres Systems ganz und gar nicht merken. Parteitag beschlossen habe. Der Redner schloß mit den Worten: 2,25-2,90. Enten, prima, per Stück 1,75-2,00, Hamburger, junge, per Stüd Gänse, junge, per Pfd. 0,55-0,65, per Stüd 3,00 bis Bum mindesten fühlen sie ihn instinktiv. Das ist einer der Gründe, „ Wir wollen der Arbeiterschaft die volle Wahrheit sagen. Die 4,25. echte 100-101, groß 0,00. Schleie 70-76. Bleie 00. Pale, groß 122-134, weshalb fie mit so großer Zähigkeit an veralteten Unterrichtsfächern faktischen und moralischen Folgen tragen wir gern. Es fragt sich mittel 105-108, flein 74, unf. 82-106. Blögen 0,00. Flundern, vomm. I, festhalten, die das praktische Leben nicht braucht. Was hat man noch, wer am schwersten darunter zu leiden hat." Er verlas sodann b. Schod 3,00-640. Sticler, Stiege Ia 4-6, do. mittel per stifte 2-4, 3. B., um einen ganz krassen und deshalb deutlichen Fall zu wählen, eine Erklärung, die sich mit seinen Ausführungen deckte, und Stralsunder 4-5,50. Aale, groß p. Pid. 1,10-1,30, mittel 0,80-1,00, fl. 0,50 bis do. Klein per Stifte 0,00. Bücklinge, engl. per Wall 0. Sieler 2,00-4,50, über die lateinische Grammatik gescholten. Und dennoch hat man empfahl sie der Versammlung zur Annahme und zur Veröffentlichung 0,60. sie nicht beseitigt. Warum nicht? Nun, weil man entweder klar im Vorwärts".*) Sprotten, Stieler, 2 Wall 0,00, G16- per Stifte 0,00. Sardellen, einsah oder instinktiv empfand, daß die lateinische Grammatik so 1902er, per Anfer 85,00, 1904er 85,00, 1905er 80,00. Schottische Vollhevinge In der Diskussion sprach zunächst Theodor Fischer. Er 1905 0,00, large 40-44, full. 36-38, med. 35-42, deutsche 37-44. ziemlich der einzige Gegenstand ist, an dem unsere Gymnasiasten fand, daß die vorgeschlagene Erklärung zu lang sei, und wünschte, Heringe, neue Matjes, per/ To. 60-120. Hummern, IIa, 100 fb. denken lernen! Gewiß tönnen auch andere Fächer so be- daß sie erst dem Ausschuß und der Geschäftskommission zur bis 00,00, Galizier, mittel 0,00. Eier, Land-, per Schock 3,15, frische 0,00. 0,00. Streble, per Schod, mittel 11, fleine 3,50-5, unsortiert 0,00 handelt werden, daß der Schüler an ihnen denken lernt, aber es Prüfung überwiesen werde. Die Angelegenheit selbst sei noch Butter per 100 Pfund, la 109-112, Ila 103-106, IIIa 100-103, ab. geschieht nicht; im Rahmen des herrschenden Systems ist es auch nicht genügend geklärt. Man könne nicht möglich. Und deshalb klammern sich die Verteidiger des Alten ruhig abwarten, fallende 95-100. Sauve Gurten, Schock 4,00-4,25. Pfeffergurten 4-4,50 M. was Parteivorstand und an die lateinische Grammatik in dem Gefühl: geben wir die auch würden. Generalkommission dazu. erklären Kartoffeln per 100 Bid. magn. bon. 2,25-2,40, rote Dabersche 2,10-2,25, Auch andere Diskussionsredner noch auf, so schwindet das letzte Gegengewicht gegen den bloßen die Erklärung fürzer gefaßt sein meinten, daß runde weiße 1,80-2,10, Malta 0,00, Sommer- Malta 00-00,00, ital. und Gedächtnistram, das letzte Mittel einer wirklichen Gymnastik" des gründliche Beratung darüber notwendig sei. daß eine 3,50,-5,00, ung. 3,50-4,50. Neue, hiesige per 100 Pfund 3,50-4,50. 5,00-8,00. Im übrigen Spinat, per 100 Bjund Starotten per Schock 2,00 bis Geistes. Natürlich liegt es una fern, etwa unsererseits deshalb die lung beschloß dann einstimmig, sich mit dem Vorgehen der 31 Genossen Salat, per Schod 1.00-1,25. Spargel I per Bid. 0,20 0,30, II 0,10 bis äußerten sich die Redner im Sinne des Referats. Die Versamm= 2,50. Stohlrabi, per Schock 0,75-1,25. Rettig, bayr., per Schod 2,40-4,80. Rhabarber, Hamb., per 100 Bd. 0,00. Radieschen, per Schock- Bd. 0,60-1,25. Erhaltung veralteter Unterrichtsfächer zu fordern. Aber der eigent und ihrer Erklärung in der„ Einigkeit", sowie mit der Haltung der 0,16, III 0,05-0,08, Beeliger I 0,30-0,40, II 0,20-0,28, III 0,5-0,12. liche Sitz des Uebels und folglich der Weg der Heilung wird dadurch Redaktion der„ Einigkeit" einverstanden zu erklären. Um endgültig Bruchspargel 0,00. flar. Man muß mit der Gedächtnismethode Bohnen( grüne), per 100 Pfd. 30-60. Schoten, grundsäglich brechen. Den Kindern muß- und zwar der Angelegenheit Stellung zu nehmen, soll in nächster Zeit eine nicht nur in den Gymnasien, sondern in allen Schulen. öffentliche Versammlung stattfinden. wirkliche„ Ghninastit" des Geistes geboten werden. Was sie lernen müssen, ist nicht ein mehr oder minder großes Quantum von Einzelheiten, sondern sie sollen lernen, ihren Verstand zu gebrauchen. Sie sollen denken und urteilen lernen, sie sollen Anstelligkeit, Gewandtheit, Geschicklichkeit lernen, sie sollen mit einem Wort in der Schule eine solche geistige wie förperliche Grundlage erhalten, daß sie nachher im Leben imstande sind, die Einzelheiten an Wissen, welche die Praris erfordert, sich selbst anzueignen. Das ist der Zweck, und die einzelnen Unterrichtsfächer aber auch alle!- müssen Mittel zu diesem Zweck sein. Dazu genügt sehr viel weniger Wissensstoff als heute geboten wird, wichtig ist aber dessen eigene geistige Verarbeitung durch den Schüler. Es ist eine Utopie, wenn man fich einbildet, man könne dem Schüler auch nur annähernd eine genügende Grundlage des Einzelwissens geben, das heute in allen möglichen Berufen erforderlich ist. Deshalb muß die Schule auf solch unfruchtbares Streben ein für allemal verzichten und statt deffen sich das Ziel Tegen, Geist wie Körper des Schülers so vorzubereiten, daß er imstande ist, sich auf jedem Gebiet des praktischen Lebens, auf welches ihn das Schicksal verschlagen möge, traft seiner eigenen Fähigkeiten schnell zurechtzufinden. Verfammlungen. eine " tönnte Genossen Kater gegenüber stellen wir hiermit fest, daß wir von einem angeblichen Protokoll sprachen, weil wir vom Vorhandensein eines solchen über die genannte Sigung teine Kenntnis hatten. Das betreffende Protokoll ist im Buchhandel nicht zu haben, auch uns nicht zugegangen. laffung eines Protokolls gewandt und behalten uns vor, auf den Wir haben uns nunmehr an die Generalkommission um UeberJuhalt desselben zurückzukommen. Die Redaktion. Heute Sigung im Gewerkschaftshause, Zimmer 16. Sozialdemokratischer Disfutterklub Freie Zusammenkunft". Gurland über:" Sozialreform oder Sozialrevolution?" 2. Diskussion. Vortrag des Genossen Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 1. Juli cr., vormittags 88%, ühr im Rathause( Eingang Jüdenstraße), Saal 109: Bersammlung. Freireligiöse Vorlesung. Bormittags 10%, Uhr in der Schulaula, Kleine Frankfurterstr. 6: Vortrag des Herrn M. H. Baege über:" Der Ursprung des Lebens auf der Erde." Gäste, Herren und Damen, sehr willkommen. Vermischtes. Unwetter- Nachrichten hiesige, per 100 Bfd. 6-12. Pfefferlinge per Bfb. 0,30-0,40. Mohrrüben per Schock- Bd. 2,00-2,50. Blumenkohl per Wandel 1,50-2,50. Wirsingkohl per Mandel 1,00-2,00. Steinpilze per Pfd. 0,33. Teltower Rüben per Pfd. Gubener 0,00, Werdersche 0,22-0,25. Stachelbeeren 100 Bfd. 12-18. Stirschen, ital., 100 Pfd. 0-0, 0,00, schlesische 0,00, Natten, Werdersche 22-24. Blaubeeren per Bid. 0,10-0,18. Erdbeeren, holl. per 100 Bfd. 25-30, franz. per Pfd. 0,00, Beclizer per Pfd. 0,00, Werderfche per Pfd. 0,00, Bald- per Bib. 0,15-0,29. Pflaumen, ital. runde, per Pfd. 0,10-0,11. Dresdener Wald per Pfd. 0,00, Dresd. Garten per 100 Bfd. 0,00, hiesige Zitronen, Messina, 300 Stück 12,00-15,00, 360 Stüd 10,00-12,00, 200 Stüd 7,00-12,00, 420 Stüd, flein 7,00. Weintrauben, Brüsseler, per 100 Bfd. 0,00 Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet wochentaglich von 7 bis 9½ Uhr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Wierkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. G. S. 22. Das Mädchen tann am Sonnabend ziehen. 2. 31. Polizei, Fundbureau. Schlesien 58. Ihr gerichtlich Ihnen eingeräumter tsiz geht keineswegs durch Zeitablauf oder Abwesenheit verloren. H. Sch. 86. Machen Sie Ihren Anspruch bei dem Gewerbegericht geltend. K. B. 2. Da die Kündigungsfrist für Laden usw. eine längere ift, fo fönnten Sie diesen nur zum nächsten Termin tündigen. Fran B. Ja: fie hätte bis am 3. April zum 1. Juli fündigen fönnen. Da diese ausnahmsweise für Erben geltende Frist verstrichen ist, gilt die des Vertrages. H. N. Jedes Regiment tann hierüber besondere Vorschriften treffen. B. u. 100. Eine Grenze der Pfändung ist bei Alimentenbezügen ehelicher Kinder nicht vor fommen auch aus den verschiedensten Teilen des Reiches sowie des geschrieben. S. 53. 1. Wenn deshalb Chescheidung erfolgt, ja. Auslandes. 2.- 4. Nein, das wäre Bigamie, die mit Zuchthaus bedroht ist. 5. u. 7. Nein. J. Sch. 30, Weißenfels, 29. Juni. Gestern abend hat ein heftiges Hagel- 6. Nur wenn gerichtliche Scheidung ausgesprochen wird. wetter im Saaletal von Weißenfels bis Korbetha und Roßbach der Inhalt Ihres Vertrages entgegensteht, Beseitigung des Mißstandes ver 7. 2. 31. Sie fönnen nur und auch dies mur, soweit nicht etwa großen Schaden angerichtet. In Weißenfels sind besonders die langen, eine Frist hierfür androhen und nach fruchtlosem Ablauf der Frist Samengärtnereien und Baumschulen davon betroffen. Ein Bliß- den Mißstand selbst durch einen Stammerjäger auf Kosten des Wirtes be schlag hat in Cleben drei Gebäude in Brand gesetzt. seitigen lassen und die Kosten einklagen. D. G. 77. 1. Schwerlich. Sprottau, 29. Juni. Gestern nachmittag gingen mehrere schwere 2. Naturalisation, ja. P. P. 300. Die Kündigung ist gültig. Gewitter nieder. In der Stadt hat der Bliz an mehreren Stellen 1000 K. Sie haben zu spät gekündigt, weil Sie unseren Hinweis über in seiner Wohnstube vom Blig getötet. In Ebersdorf wurde eine find, bunch Gerichtsbeschluß festseßen und dann beitreiben lassen. Sch. 30. eingeschlagen. In Dittersdorf wurde der Stellenbefizer Schmiedchen rechtzeitige Kündigung im Lotalen vom 27. Juni' unbeachtet gelassen haben. 100 O. 2. Sie müssen die Kosten, die Ihnen vom Gegner zu ersehen Besißung eingeäschert. Die Wichelsdorfer Feldflur ist durch Hagel Dioréß. schlag start beschädigt. Breslau, 29. Juni. Schwere Gewitter und wollenbruchartige Regengüsse haben gestern wieder in verschiedenen Teilen Schlesiens sehr bedeutenden Schaden angerichtet. Zahlreiche Gebäude wurden durch Blitzschläge eingeäschert, und mehrere Menschen sind vom Blitz erschlagen. Das Gewerkschaftskartell für Berlin und Umgegend hielt am Donnerstag bei Wilke in der Brunnenstraße eine Vorstände und Delegiertenversammlung ab, in der zunächst der Bericht des Ausschusses über das Jahr 1905 gegeben wurde. Daß dies erst jetzt möglich war, ist wie der Obmann Theodor Fischer ausführte eine Folge von Ueberlastung der Ausschußmitglieder mit Freien Vereinigung der Gewerkschaften fam. Auf die Herausgabe eines anderen Arbeiten, wozu auch noch die Abhaltung des Kongresses der fchriftlichen Berichtes ist diesmal verzichtet worden. Statt dessen enthält die neueste Nummer der„ Einigkeit" einen Bericht über die seit der Gründung des Kartells verflossenen sechs Jahre. Im Jahre 1899 war die Zahl der dem Kartell angeschlossenen Organisationen 25 mit 11 312 Mitgliedern, im Jahre 1905 waren es 24 Organisationen 10 675 Mitgliedern. Es sind im Laufe der Jahre verschiedene Organisationen ausgetreten oder ausgeschlossen worden, andere dem Startell beigetreten. Die Ausscheidung jener Organisationen ist, wie der Referent ausführte, hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß sie nicht begriffen hatten, welche Pflichten mit der Zugehörigkeit zum Kartell verbunden sind oder daß sie sich nicht fähig zeigten, diefe Pflichten zu erfüllen. Das Vermögen der angeschlossenen Organifationen ist, obwohl sehr große Summen für Streifunterstüßungen Posen, 29. Juni. Posen und Umgebung wurde gestern abend verbraucht wurden, bon 68 533,78 M. auf 117 900,92 m. gestiegen. von fünfstündigen, überaus heftigen Gewittern heimgesucht, wobei Im Jahre 1905 hat der Ausschuß des Kartells 14 Sigungen ab der Bliz an etwa zwanzig verschiedenen Stellen zündete und Gegehalten, außerdem 4 Sizungen gemeinsam mit der Geschäfts- bäude einäscherte. Das Wasser drang in die Kellerwohnungen ein. tommission. Vorstands und Delegiertenversammlungen fanden 10 Der Hagelschlag vernichtete vollständig die Halm- und Obsternte. statt. Die bedeutendsten Streits und Aussperrungen, für die Asch, Böhmen, 29. Juni. Die hiesige Stadt und Umgegend durch das Kartell Unterstügung aufgebracht wurde, waren die der wurde gestern abend von einem furchtbaren Gewitter, verbunden Kürschner, der Rohrer und der Metallarbeiter. Die Fliesenleger mit Wolkenbruch, heimgesucht. Viele Häuser stehen unter Wasser, schloffen einen Tarifvertrag mit den Unternehmern ab und wurden mehrere Straßen wurden aufgerissen. Die Flüsse traten über die des Inhalts dieses Vertrages wegen von den im Maurerverbande Ufer und rissen Brücken ein. In mehrere Häuser hat der Bliz organisierten Fliesenlegern heftig angegriffen. Das Startell befaßte eingeschlagen. sich mit der Sache und kam zu dem Ürteil, daß die Vereinigung der Fliesenleger richtig gehandelt habe. Ferner erwähnte der Redner die Feenpalast Versammlung und die Ereignisse und Auseinandersetzungen, die sich daran tnüpften. Bamberg, 29. Juni. Durch Hagelschlag sind gestern die Ortschaften Staffelbach, Stettfeld, Rosstadt und Lautergrund sowie die Landschaft Mainaufwärts bis Mainleus schwer betroffen worden. es fielen Hagelstüde in der Größe von Hühnereiern. Die Feldfrüchte sind zum größten Teil vernichtet. 2. M. 26. 1. Lehnen Sie Raten- oder sonstige Zahlung ab. Ob Sie zahlen oder nicht, ist für die Tatsache, daß bis Dezember 1906 3hr Wahl. recht ruht und dann wieder auflebt, unerheblich. 2. Lehnen Sie Zahlung ab. M. K. 50. 1. Hohenzollernstr. 3. 2. Das ist möglich.- K. Dz. 70. Sie können mit Aussicht auf Erfolg beim Amtsgericht auf Herausgabe der Bapiere usw. und Lohn bis zum 12. April flagen. Ein weiter gehender Anspruch hat leider wenig Aussicht auf Erfolg. R. N. 13. Wenden Sie sich an den Vorsitzenden der Kaffe, Hinz, Prinzenstr. 66. Das uneheliche Stind Ihrer Frau, dem Sie Ihren Namen beigelegt haben, 5. 6. 12. trägt nur Ihren Namen. Es hieße also z. B. Schulze, und nicht: Schulze genannt Müller. 2. Anmeldepflicht besteht. Gewerbesteuer ist zu zahlen, wenn die Anlagekosten 3000 oder der Jahresverdienst 1500 M. übersteigt. S. 5. 1. Mein. 2. Gerichtliche Schäßung wäre maßgebend, eventuell müßte Subhastation teilungshalber stattfinden. 23. K. G. 34. 1. Jn Bolbap und Lößen. 2. Am 1. Juli. M. S. 100. Slagen Sie auf Reparatur auffordern, ihm androhen, nach fruchtlosem Ablauf einer Frist Reparaturherstellung und Schadenersatz. Sie können auch den Wirt zur die Reparatur selbst auf seine Kosten vornehmen zu lassen und die Drohung ausführen. Sagt Ihr Vertrag nichts Gegenteiliges, so wären Sie zur Kürzung und Einbehaltung der Miete berechtigt. G. 100. 1-5. Sind die Erben einig, so fönnen Sie so wie Sie wollen die Erbschaft regulieren. Zur Bestübertragung eines Grundstückes ist gerichtliche Auslassung oder notarieller Bertrag erforderlich. Die Kosten be tragen in Ihrem Fall etwa 100. 6. Ja. 9. 3. Nein. A. B. 44. Wenn Ihr Vertrag nichts Gegenteiliges enthält und wie die meisten Berliner Verträge die Aufrechnung ausschließt, dann können Sie gegen die Miete aufrechnen. 9. St. 100. Jn Strasburg. Köpenick 1906. 1. 7000 Meter. 2. bis 4. Ueber private Gesellschaften Auskunft zu erteilen, müssen wir ablehnen. H. F., Nixdorf. Ein Gastwirt ist zum Verkauf seiner Waren nicht verpflichtet, doch kann in der Art der Ablehnung eine Beleidigung liegen. 5. B. 100. Nein, nur berechtigt. F. W. Bei dem Zollamt( Pachos) erhalten Sie Auskunft. Witterungsübersicht vom 29. Juni 1906, morgens 8 hr. Stationen Barometer fland mm Wind. richtung Windstärke Better Wien, 29. Juni. Ueber die Stadt und die Umgebung ging gestern abend ein wolfenbruchartiger Gewitterregen mit Hagel nieder und überflutete alle Straßen, Felder und Gärten mit stellenweise meterhohen Wassermassen. Der Schaden ist bedeutend; Bei den Gewerbegerichtswahlen in den Vororten haben die Mit die diesjährige Ernte ist zum größten Teil vernichtet. glieder der Kartellgewerkschaften, nachdem es nicht gelungen war, die Madrid, 29. Juni. Die furchtbare Hiße, die vielfach von hefZentralverbändler zur Anerkennung von Kartellfandidaten zu vertigen Gewittern begleitet ist, hält überall in Spanien an. anlassen, sich der Stimme enthalten, mit Ausnahme der Wahl Casasola, Provinz Zamora, erschlug gestern der Bliz einen Bauernin Schöneberg, wo sie eigene Kandidaten aufstellten und für diese knecht. Zwei Maultiere und zwei Schnitter erstickten vor Hitze. stimmten. In Arevalo, Provinz Avila, wurden zwei Arbeiter vom Blik ge= An den Bericht schloß sich eine furze Diskussion. Dem Ausschuß tötet, ein Schnitter starb durch Hikschlag. Ein Zyklon zerstörte wurde für seine Tätigkeit einstimmig Decharge erteilt. Eine Streit einen Teil des Städtchens Mebinaceli, Provinz Soria. Ein heffache der Barbierorganisation wurde dem neu zu wählenden Aus- tiges Hagelwetter tobte in Logrono. Die Körner waren bis zu einem schuß zur Prüfung überwiesen. Die Wiederwahl in den Ausschuß halben Pfund schwer und zerschlugen sogar Dachziegel. Die ganze Swinemde. 757 GSD 3wolfig lehnten der bisherige Obmann Fischer und der Kassierer Westfal Umgegend ist verwüstet. Der in der Stadt allein angerichtete Hamburg 756 GD wegen Mangel au Zeit ab. Gewählt wurden in den Ausschuß: Schaden wird auf zwei Millionen Pesetas geschätzt. In Madrid Berlin 757 N Hermann Buttlig( Fliesenleger), Alfred Schröder( Metallarbeiter), waren gestern 36 Grad Celsius im Schaften. Der Universitäts- Frantj.a.M. 759 SW Arnold Kamenz( Musikinstrumentenarbeiter), Hermann Lange professor Fernandyo Brieva mußte einer Jrrenanstalt überwiesen München 761 SW ( Isolierer) und Imhoff( Maurer). Als Revisoren wurden Schmidt werden. ( Bimmerer), Norgel( Bauarbeiter) und Holzivart( Fliesenleger) ge- London, 29. Juni. Schwere Regengüsse bei starkem Sturm wählt. haben in bergangener Nacht ganze Distrikte im Norden von London Nachdem sich der Ausschuß konstituiert hatte, wurde bekannt ge- unter Wasser gesetzt, so daß der Straßen- und Vorortbahnverkehr geben, daß die Aemter im Ausschuß wie folgt verteilt sind: Ob- zeitweise eingestellt werden mußte. In den Garten und den Feldmann Buttliv, dessen Stellvertreter Lange, Schriftführer Kameng, marken der Umgebung von London ist erheblicher Schaden anBeijißer Schröder und Imhoff. gerichtet worden. Eine lustige Szene Im folgenden Punkte der Tagesordnung:„ Kartellangelegenheiten" tam sodann die in der„ Einigkeit" unter dem Titel„ Ein Blid hinter die Kulissen" erschienene Veröffentlichung zur Sprache: spielte sich dieser Tage in einer Sigung des Stadtverordneten Der Referent Rater führte hierzu aus, daß Gewerkschaftsmitglieder kollegiums der industriereichen Kreisstadt Hagen in Westfalen ab, Wien 2 bedeckt Temp. n. C. 5° E. 4° N. Stationen Barometer. stand mm Wind richtung Windstärke Better Temp. n. G. 16 of Do? 308 21 Haparanda 745 S 4 heiter 12 18 Betersburg 5 Gewitt. 17 Scilly 764 NNW 765 NW: 4'wollig 13 3 heiter 9 18 3 bedeckt 20 Aberdeen 5 heiter 22 Baris 758 SW 5 wolkig 760 29 1 wolfen! 24 Wetter- Prognose für Sonnabend, den 30. Juni 1906. Zunächst tühler, vorherrschend wolkig mit leichten Regenfällen und mäßigen nordwestlichen Winden; später wieder ziemlich heiter. Berliner Wetterbureau. Wasserstand am 28. Juni. Elbe bei Auffig+0,60 Meter, bei Dresden-0,86 Meter, bei Magdeburg+1,43 Meter. Unstrut bei Straußfurt+1,40 Meter. Oder bei Ratibor+ 1,47 Refer, bei Breslau Oberpegel+5,14 Meter, bei Breslau Unterpegel 0,26 Meter, bei Frankfurt+2,21 Meter.- Beifel bei Brahemünde+ 3,64 meter. Barthe bei Bojen+ 1,10 Meter. Partei- Speditionen: Berlin Zweiter Wahlkreis: Hermann Werner, Mittenwalder Straße 30, v. part. Dritter Wahlkreis: St. Friz, Brinzenstr. 31, Sof rechts part. Vierter Wahlkreis 0.: Robert Wengels, Rüdersdorferstr. 3, am Stüftrinerplat. SO.: Baul Böhm, Lausitzer GesundSchönAltplay 14/15( 2aden). Fünfter Wahlkreis: 2co 8ucht, Seibelstr. 42 ( Laden). Sechster Wahlkreis( Moabit): Start Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding: Karl Weiße, Wiesenftraße 41/42. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Hermann Rasch fe, Adferstr. 36, Eingang Antlamerstr. brunnen:. Trapp, Rügenerstr. 24, born part. links. hauser Vorstadt: Karl Mars, Lychenerstr. 123. Glienicke: Reinhold Schulz, Rudowerstr. 83. Charlottenburg: Gustav Sharnberg, Sesenheimerstr. 1, Ede Goethestr., b. I.- Wilmersdorf- Halensee: Georg Feese, Berlinerstr. 46, Laden.- Lichtenberg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg, Boxhagen, Stralan u. Rummelsburg: Otto Seifel, O. 112, Stronprinzen ftraße 50, I. Grünau:. Bluhme, Biktoriaftr. 2. Rixdorf: M. Heinrich, Prinz Handjerystraße 7, im Laden. Schmargendorf: Guftab Samins fy, Cunostraße 2. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Tempelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. Schöneweide: Julius Grunow, Edisonstr. 10, I. Schöneweide: Bonatowsky, Hasselwerderstr. 1 d.- Johannis. thal: Franz& ünold, Bismardstr. 7. Adlershof: Erich Steuer, Roonftr. 8, I.- Königs Wusterhausen: Friedrich Baumann, Luckenwalderstr. 4b.- Köpenick: Friedrich Woid, Grünstr. 4. Friedenau- Steglitz- Südende: g. Bernsee, Schloßftr. 115, Gartenhaus I, in Steglik. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstr. 8, u. Fr. Schellhase, hornstr. 15 a.- Mariendorf: Hermann Reichardt, Chauffeestraße 16. Baumschulenweg: Stod, Ernststr. 2, II.- Treptow: Rob. Gramenz, Kiefholzstraße 412, Laden. Neu- Weißensee: W. Reste, Sedanstr. 105, parterre. Reinickendorf- Ost, Wilhelmsruh und Schönholz: P. Gursch, Provinzstraße 108, II. Tegel, BorsigOberNiederwalde, Wittenau, Waidmannslust, Hermsdorf und Reinickendorf- West: Paul Kienaft, Borsigwalde, Schubart ftraße 43. Pankow- Niederschönhausen: G. Freiwaldt, Mühlenstr. 78. Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankels Ablage: Alfons Grät, Eichwalde, Kronprinzenftr. 82, I.- Teltow: Hermann Krüger, Neueftr. 2. Nowawes: Wilhelm Iappe, Friedrichstr. 1. Spandau: Röppen, Jagotoftr. 9. Außerdem ist sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen Berte dort zu haben. Auch werden Inserate für den Vorwärts" entgegengenommen. Bitte ausschneiden. W. Zapel, Hut- Fabrik, Skalitzerstr. 131. Größtes Spezial- Geschäft für Seiden- und Filz- Hüte. Größte Auswahl in Strohhüten. Lager in Schirmen und Mützen. Rauchf 12642 Kios- Zigaretten. Kleine Kios 2. Spezialmarke: pro Stück 2 Pf. 1151L* Hauptniederlage der Zigarettenfabrik Kios", Dresden. H.& P.Uder, Tabakgroßhandlung u. Tabakfabrik, Engel- Ufer No. 5. Amt 4, 3014. Zuckerpreise steigen! Wer sich für die Preisbewegungen an den Produktenmärkten interessiert, verlange Proestler's Broschüre: Das Wirtschaftsbild der Gegenwart und der Zukunft. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.( Komm. Otto Weber, Leipzig). 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H. Schubert, Wilhelmstr. 121. C. Metschke& Co., Bimmer straße 94. A. Schoß, Buttkamerstraße 19. A. Schoß, Dessauerstraße. Schneider& Ziegler, Ritterstr. 76. Rickmann, Wilhelmstr. 121. Naucksche Buchdruderei, Stallschreiberstraße 5. Ad. Ludwig, Elisabeth- Ufer 5/6. Fleck Nachf., Lühowstr. 87. Kämmerer, Stochstr. 67. C. F. Walter, Ballstr. 16/17. Rich. Gahl, Chauffeeftr. 20. Agthe, Wilhelmstr. 119/20. Lotze& Sieler, Rochftr. 3. Ad. Wittenburg, Wilhelm. ftraße 16. Xaver Kölle, Reichenbergers ftraje 36. der Organisation, machen wir darauf Alle Genossen und Freunde aufmerksam, daß die Heimarbeit ( Bogen falzen von Streifarbeit) in übermäßiger Weise Plaz gegriffen hatt Wir bitten, die Hausbewohner au das Berwerfliche thres Tuns auf. merksam zu machen. Die Ortsverwaltung. Kartonarbeitern. Arbeiterinnen! Kartonnieter! Möblierteszimmer 10,50.Schulze, Dresdenerstraße 96, born IV. 26825 Tüchtiger Maßwäscher gesucht. Möbliertes Zimmer, separater Max Fischer, Inhaber B. Gumpel, Gingang, bei Seewald, Schmid- Chemische Waschanstalt, Beißenfee, 26786 Friefitestraße. Tüchtige Barodvergolder und Bersilberer finden dauernde Be Gut möblierte Schlafstelle für zwei schäftigung bei A. Rechtenbach, Gold Herren Nostoderstraße 12, born I leiftenfabrit, Stendal. ints. + 71* Perfekte Werkzeugmacher und Möblierte Schlafstelle an Herrn Revolverdreher, nur solche, verlangt Andreasstraße 3, Quergebäude II, Rähmaschinenfabrik Herrmann, Grüner Es ist Pflicht fedes organisierten ist für Galanteriearbeiter und +32 Beg 117. Schönfeld. 136/11 Stollegen, diese Bauten streng zu Arbeiterinnen wegen Differenzen Möblierte Schlafstelle Dranien Botenfrauen finden lohnende Be- meiden, 144/11 gesperrt. ftraße 6, Seitenflügel III, Bergfeld. schäftigung Prinzenstraße 41. 136/ 7* Die Sektionsleitung. 24/12 Ausverkauf. Möbel aller Art tolossal billig nur Chauffeestraße 42. 2689b ftraße 10. 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Die Firma Aloys Suk, Reander straße 4( Neanderhof) Die Ortsverwaltung. Dr. 149. 23. Mgülig, 2. Stil« Ks Jotiüiirlü" Scrlim lolMIttt. Zonmbeüd, 30. Inni 1906. Füvtzkhll Illhre Kampf nnd Sieg der Manrerbemegang. Der Zentralderband der Maurer Deutsch- I a n d s kann am 1. Juli d. I. auf ein ISjähriges Bestehen zurück- blicken. Freilich die ganze Geschichte der deutschen Maurer- bewegung beschränkt sich weder auf diese fünfzehn Jahre, noch auf den Zentralverband. Er hat seine Vorgänger gehabt. Der All- gemeine deutsche Maurervercin, der Allgemeine deutsche Maurer- und Steinhaucrbund, die Fachvereine der achtziger Jahre haben vor ihm bestanden und haben vor ihm gewirkt. Aber diese Organi- sationcn haben es nie auch nur annähernd zu der Bedeutung des heutigen Maurerverbandes bringen können. Wer die Geschichte der Arbeiterbewegung kennt, weitz, daß das kein Vorwurf sein soll und kein Vorwurf sein kann. Was der Maurerverband heute ist, das ist er geworden als Glied der gesamten deutschen Arbeiter- bewegung: ein Produkt der allgemeinen wirtschaftlichen Eni- Wickelung und ein Erfolg der Aufklärungs- und Aufrüttelungs- arbeit, die von und in der Arbeiterschaft allgemein geleistet worden ist. „Als die Zeit erfüllet war", als das Ausnahmegesetz gefallen war, da traten in den Pfingsttagen des Jahres 1891 die Delegierten der Fachvereine in Gotha zusammen, um den alten Geist in neue, festere und bessere Formen zu gießen, um den Zusammenschluß aller Maurerfachvereine in einem Zentralverband der Maurer Deutschlands zu bewirken. Auch die Fachvereinsbewegung hatte schon ganz ansehnliche Mitgliederzahlen aufgebracht, auf dem Kongreß zu Gotha waren rund 84 000 organisierte Maurer vertreten, während die Gesamtmitgliederzahl nach einer von der da- maligen„Gcschäftskommission" veranstalteten Umfrage 33 447 be- tragen sollte. Der Gothaer Kongreß ward seiner Aufgabe gerecht, er beschloß am 12. Mai mit 94 gegen 6 Stimmen die Gründung des heutigen Zentralverbandes. Ende Mai erließ der Vorstand einen Aufruf zur Bildung von örtlichen Verwaltungsstellen und fab bekannt, daß der Anschluß an den Verband am 1. Juli er- olgen könne. An diesem Tage ist denn auch die Konstituierung des Verbandes mit zirka 50 örtlichen Verwaltungsstellen erfolgt. Die Kämpfe, die damals innerhalb der Maurerbcwegung um das ZentralisationSprinzip ausgefochten wurden, sind heute längst ver- gessen, der Streit ist längst zugunsten der zentralisierten Form entschieden. Aber in den ersten Jahren deS Verbandes hatte er eine große Bedeutung; er stellte an vielen Orten der Organisation manches Hindernis entgegen. Die ersten Jahre des Verbandes waren nicht nur für die Maurer, sondern für die gesamte Bauarbeitcrschaft schwierige Zeiten. Handel und Wandel lag danieder, die Arbeitslosigkeit war bei den baugewerblichen Arbeitern eine chronische Massen- erscheinung. So kann es nicht wundernehmen, wenn wir in diesen Jahren absolut keinen Fortschritt in der Organisation sehen. Am Schlüsse des ersten Geschäftsjahres zählte der Verband in 153 ort- lichen Mitgliedschaften 13 515 Mitglieder, in den folgenden Jahren sank sie sogar auf 10 600 herab. ES hatten sich bei weitem nicht alle Fachvereine dem Verbände angeschlossen; so traten z. B. von den 33 Vereinen der Provinz Brandenburg im ersten Jahre nur 10 zum Verbände über. Auch mit finanziellen Schtckierigkeiten hatte der Verband arg zu kämpfen. Der Beitrag betrug in jenen Jahren 10 Pf. pro Woche und in den sechs Sommermonaten noch geringfügige Extrabeiträge, aber trotzdem war die Klage über die„hohen Beiträge" das Haupthindernis in der Agitation� Nur langsam überwand der Verband diese Schwierigkeiten. Vom Jahre 1895 an machte sich die Besserung bemerkbar: im Hoch- sommer zählte er 17 800 Mitglieder.daS Jahr 1896 schloß bereits mit 28 600 Mitgliedern ab. Nun ging eS in raschem Tempo auf. wärt?. In demselben Maße wie die Zahl der Mitglieder wuchs, besserten stch auch die Finanzen und erhöhte fich damit die Kampf- "raft der Organisation. Die folgende Tabelle gibt Wachstum und Airken des Verbandes in gedrängter Kürze wieder: In dieser Zeit hat der Verband dem Unternehmertum viele und oft ungeheuer hartnäckige Kämpfe geliefert. AuS den früheren Jahren ist besonders der Kampf der Leipziger Maurer zu erwähnen, der im Jahre 1897 vom 15. Juni bis zum 10. Oktober dauerte. Die Maurer vertagten darauf den Streit und im Dezember des- selben Jahre? boten die Unternehmer von selbst Verhandlungen an. und die Forderungen wurden bewilligt. Zwei Jahre später war die Aussperrung in Berlin, die 14 Tage dauerte und mit dem Abschluß eines Tarifvertrages endigte, der in hervorragender Weise werbend für die Tarifsache wirkte. Im Jahre 1902 handelte es sich um die Niederzwingung deS Hamburgischen Bauprotzentums, da? zur Aussperrung gegriffen hatte. Nacht achtwöchigem Kampfe waren die Innungen matt gesetzt. Im folgenden Jahre waren be- sonders Hannover und Kassel der Sckiauplatz harter Zusammenstöße; beide Kämpfe endeten nach langer Dauer mit dem Siege der Arbeiter. DaS Jahr 1904 brachte außer den heftigen Konflikten in Bremen und in den Unterweserorten die Aussperrung im Maingau, die mit der Niederlage der Unternehmer nnd Abschluß von Verträgen endete. Im letztvergangenen Jahre traten besonders die Aussperrungen in München und>m rheinisch-westfälischen Industriegebiet hervor. In beiden Fällen mußten die Unternehmer, die ausgezogen waren, um die Organisation zu vernichten, wesentliche Konzessionen machen. Das find natürlich nur die wichtigsten, die am meisten hervor- getretenen Kämpfe. Was im ganzen während der 15 Jahre auf dem Gebiet der Lohnbewegungen erreicht ward, ist in dem Rahmen diese? Artikel« auch nicht im entferntesten wiederzugeben. Eine An- deutung findet e» in den folgenden Angaben: Der Durchschnitts- lohn für die Maurer im gesamten Deutschen Reich betrug pro Stunde in, Jahre 1890... 33«/. Pf. 1900... 41'/. Pst 1905... 4« Pf. Wa? in dieser Beziehung im Jahre 1905 geleistet wurde, geht aus einer Publikation des Verbandsvorstandes in der Nr. 26 des „Grundstein" hervor. Danach kamen bei der Lohnbewegung ins- gesamt 583 Lohnbezirke in Betracht. Die nachgesuchten VerHand- lungen wurden in 407 Fällen von den Unternehmern gewährt, in 176 Fällen abgelehnt. Bon den Verhandlungen hotten 152 keinen, gl nur teilweiien Erfolg. Diese 349 Fälle von Differenzen wurden folgendermaßen erledigt: Ja 67 Fällen wurden eine Verbeflerung der Lohn- und bedingunge» gewährt ohne Unterbandlungen und Streik: i 41 Fällen wurde die Forderung in Rücksicht auf ungünstige Verhältnisse zurückgezogen; 67 Fällen kam eS zur Aussperrung; : 161 Fällen kam es zum allgemeinen Streik und „ 23 Fällen zum partiellen Streik. Die Lohnbewegung wurde demnach erledigt in: 301 Lohnbezirken durch Entgegenkommen der Unternehmer; 41 Lohnbezirken durch Zurückziehen der Forderung; 241 Lohnbezirlen durch allgemeinen resp. partiellen Streik oder Aussperrung. Von 241 allgemeinen resp. partiellen Streiks resp. Aussperrungen hatten 212 vollen resp. teilwcisen Erfolg. Somit endete die Be- wegung in 513 Wohnbezirken mit Erfolg, und zwar in 206 mit vollem und in 317 mir teilweisem Erfolg. In 70 Lohnbezirken war ein Erfolg nicht zu verzeichnen. Erreicht wurde in: 310 Lohnbezirken eine Erhöhung deS Stundenlohnes; 197 Lohnbezirlen eine Erhöhung des Stundenlohnes in Verbindung mit Verkürzung der Arbeitszeit; 1 Lohnbezirk Verkürzung der Arbeitszeit ohne Lohnerhöhung; 5 Lohnbezirken andere Verbefierungen der Arbeitsbedingungen; Tarifverträge wurden 139 abgeschlossen. Dieselben umfassen 269 Lohnbezirke. Die Verkürzung der Arbeitszeit in den 198 Lohnbezirken erstreckt sich auf 975 Orte mit zirka 32571 Maurern. Daran sind beteiligt: 16 300 Maurer mit Ve Stunde pro Tag 16271,„1„.. Für die Lohnerhöhung kommen in den 507 Lohnbezirken 3589 Orte mit zirka 106 761 Maurer in Betracht. Ist nun auch nicht jede« Jahr so fruchtbringend gewesen wie das Jahr 1905, so geht doch aber aus den oben mitgeteilten Durch- schnittSziffern hervor, daß die Bemühungen des Verbandes in dieser Beziehung immer von gutem Erfolge begleitet gewesen sind. Von den Genossen, die bei der Gründung deS Verbandes schon an leitender Stelle standen, sind gegenwärtig nur noch drei im Der- bände tätig. Nämlich I o h. S t a n i n g k, der Verleger deS Grundstein"; er ist schon in den siebziger Jahren im Allgemeinen Deutschen Maurerverein und im Maurer- und Steinhauerbund agitatorisch hervorgetreten und kann somit auf eine mehr als dreißig- jährige Tätigkeit in der Arbeiterbewegung zurückblicken. Dieselbe Ehre dürfen für sich in Anspruch nehmen Genosse August D a e h n e- Verlin, der ununterbrochen Borsitzender des Verbands- ausschusseS ist, und I o h. K ö ft e r. der auf dem ersten ordentlichen Verbandstag, Kassel 1892, als Verbandskassierer gewählt wurde und seit dieser Zeit dem Vorstand angehört. « Am Tage deS fünfzehnjährigen Bestehens deS Verbandes kann fein Organ„Der Grundstein" eine andere frohe Kunde ins Land tragen: seine Auflage hat die 200 000 überschritten! Er feiert dies Ereignis in einem schwungvollen Leitgcdicht „Empor!" von Karl Frohme und in einem Artikel, der die 13 Jahre Verbandsarbeit würdigt. Mit den Maurern freut sich die ganze organisierte Arbeiterschaft des Erfolges und Wünscht ihnen weitere Erfolge und Siege hinzu! Sericlrts- Leitung. „Starke Fühlung mit der Sozialdemokratie." Diese schwere„Beleidigung" wurde dem loyalen und hoch patriotischen Verein deutscher Kapitäne und Offiziere der Handel? marine Hamburgs abfeiten der Woermann-Linie gemacht, weil er es gewagt hat, eine Enquete über die Wohnungseinrichtungen an Bord der Hamburger Schiffe für Kapitäne und Offiziere zu veranstalten. Das paßte der Woermann-Linie nicht, die folgenden UkaS erließ: „An unsere Kapitäne und Offiziere I Die Richtung des Vereins deutscher Kapitäne und Offiziere der Handelsmarine Hamburgs zeigt in letzter Zeit starke Fühlung mit der Sozialdemokratie. Wir halten eine derartige Tendenz dieses Vereins mit der Würde unserer Kapi täne und Offiziere unvereinbar und können auch unsererseits keinerlei Einmischung in interne Angelegenheiten unserer Reederei dulden. Wir sind daher gezwungen, wenn der Verein seine jetzige Haltung nicht aufgibt, unseren Kapitänen und Offizieren die Mitgliedschaft in diesem Verein zu untersagen, was wir hiermit zur Kenntnis bringen, gez. Die Woermann-Linie." Ein zweiter„Befehl" untersagt den Kapitänen und Offizieren die Beantwortung der Fragebogen. „Etwaige Wünsche unserer Kapitäne und Offiziere sind stets direkt an uns zu richten und werden wir niemals eine Einmischung des Vereins anerkennen." Eine solche Sprache belieben ja kaum die Oberscharfmacher(jegcn ihre Arbeiter, deren Koalitionsrecht sie»üt süßsaurer Miene nicht anzutasten wagen. Aber den bisher in Demut und Loyalität ersterbenden„höheren Kulis" gegenüber glauben sie solche Töne anschlagen zu können. Um eine Aussprache über die „schweren Mißverständnisse und falschen Gerüchte" herbeizuführen, wandte sich der Verein der K. u. O. durch seinen Vorsitzenden. Kapitän Freyer, Reserveoffizier der Marine, an die W.-L., die antwortete: „Wir haben keinen Anlaß, mit Ihnen über die innere Einrichtung unseres Dienstes zu verhandeln." Der Verein derKapitäne und Offiziere beschritt gegen die W.-L.(Kommanditisten: Adolf und Eduard Woermann, R. F. Peltzer und A. H. Amsinck) den Klageweg und zwar beantragte er, der Beklagten unter Festsetzung einer an- gemessenen Geldstrafe für jeden Fall der Zuwiderhandlung zu der« bieten, die Behauptungen:»Die Richtung des qu. Vereins zeigt in letzter Zeit starke Fühlung mit der Sozialdemokratie" und „wir halten eine derartige Tendenz dieses Vereins mit der Würde unserer Kapitäne und Lffizicre unvereinbar' uslv." aufzustellen und zu verbreiten. Diese Klage gelangt vor der Zivilkammer IV des Landgerichts Hamburg zur Verhandlung. In der Klagebegründung weist der Verein der K. und O. die ihm unterschobene„Tendenz" weit zurück, hebt seine Beteiligung und Mitarbeit bei der Prüfung und Beratung von Entwürfen auf dem Gebiete der Seegesetzgcbnng und von nautischen Einrichtungen her- vor und schildert die Notwendigkeit deS korporativen Zn- sammenschlusscs der Kapitäne und Offiziere.„Der Verein hat zu leiner Zeit parteipolitischen Bestrebungen nachgegeben, seine Leitung und seine Mitglieder haben in der Betätigung ihrer un- erschütterlichen Treue für Kaiser und Reich ihr politisches Glaubens- bekenntnis zum Ausdruck gebracht". Und solche guten Leute werden sozialdemokratischer Gcsimmng verdächtigt, die an anderer Stelle ausführen:„Selbstverständlich will der Kläger nicht der Beklagten das Recht bestreiten, ihre» Kapitänen und Oifizicren die Auskunft- erteilung an den Verein zu untersagen." Diese geradezu klägliche Anschauung wird in demselben Atemzuge unter Hinweis auf das sozialpolitische Interesse der Enquete abzuschwächen gesucht, worauf in längeren juristischen Ausführungen betont wird, daß die Be- hanptung. der Verein unterhalte in letzter Zeit eine starke Fühlung mit der Sozialdemokratie, beleidigend sei und den Mitglieoerstand de» Vereins gefährde. Als ein Verstoß gegeu die guten Sitten wird die Drohmrg der W.- L. bezeichnet, eventuell ihren Kapitänen und Offizieren die fernere Mitgliedichaft w dem Verein der Kapitäne und Offiziere untersagen zu wollen. Wie aus der Klagebegründung hervorgeht, spiegelt sich m de» Köpfen derKapitäne und Offiziere die Welt kaleidoskopartig wieder. Die Herren fühlen wohl die Schmach der ihnen abseilen bei protzigen ReedertumS zu teil gewordene Behandlung, aber ihr„Standesbewußtsein" recto Standesdünkel— läßt es nicht zu, die Dinge beim rechten Namen zu nennen. Deshalb glauben sie. durch Hervorhebung ihrer loyalen Gesinimug und durch weites Abrücken von der Sozial- demokratie um gut Wetter blasen zu sollen. Eine solche Gesellschaft wird von ihren Arbeitgebern nicht gefürchtet. Kühl wies die W.-L. jeden BergleichSvorschlag zurück, indem sie einfach sagte:„In unsere Matznahmen lassen wir unS von unseren Angestellten nicht hineinreden." Vielleicht sührte diele Behandlung dazu, daß die Herren Kapitäne und Offiziere einmal ernsthast über das Ver- hältnis zwischen Kapital und Arbeit nachdenken. Das Gericht fällte folgendes Erkenntnis: Die Bellagtcn werden bei Meidung einer Geldstrafe von 500 M. für jeden Fall der Zuwiderhandlung verurteilt, die Aufstellung und Verbreitung der Be- hanptung, die Richtung des Vereins deutscherKapitäne und Offiziere usw. zeige in letzter Zeit starke Fühlung mit der Sozialdemokratie, zu unterlassen. Den Beklagten werden die Kosten des Verfahrens auf- erlegt. Die Woermann-Linie bleibt trotz alledem der„Herr", dem die Kapitäne und Osfiziere gerade durch diese Klage bewiesen haben, wie weit von wirklicher politischer Selbständigkeit sie entfernt sind. Ein innerlich freier Mensch strengt wegen der Behauptung, daß er eine Gesinnung habe, keinen Prozeß an. Oesfentliche Angelegenheiten. In einer Versammlung von Metallarbeitern der Zeche„Rhein- baben" hatte der Referent Hirziefer vom christlichen Verband aus Grund des ihm schriftlich unterbreiteten Materials über die Arbeits, Verhältnisse der Metallarbeiter jener Zeche gesprochen und zum Schluß den Eintritt in den Verband empfohlen, damit eS besser werde. Der Einbcrufer und Leiter Watenphul, der wegen Nicht- anmeldung einer zur Erörterung öffentlicher Angelegenheiten be- stimmten Versammlung angeklagt worden war, wurde in zweiter Instanz freigesprochen. Das Landgericht meinte, daß es sich hier um keine Versammlung im Sinne des Z 1 des Vercins- gesetzeS handele.— Das Kammergericht hob am 23. Juni das Urteil auf und verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurück. Es wäre ein Rechts- irrtum, wenn das Landgericht. davon ausgehe, daß niemals durch eine Erörterung der Arbeitsverhältnisse in einem bestimmten Betriebe öffentliche Angelegenheiten erörtert, würden. Der Fall sei sehr wohl denkbar, daß eine Erörterung lokaler Verhältnisse die Oeffentlichkeit berühre. Dann sage das Landgericht, die Erörterung allgemeiner Verbandsangelegenheiten beziehungsweise öffentlicher Angelegenheiten wäre jedenfalls nicht von vornherein beab- sichtigt gewesen und schon deshalb könne der Einbcruser und Leiter nickst bestraft werden. Auch daS wäre bezüglich des Leiters nicht richtig. Allerdings sei eine Versammlung nach § 1 des Vereinsgesetzes nur anuieldepflichtig, wenn in ihr öffent- liche Angelegenheiten erörtert oder beraten werden sollten. In- dessen könne eine an sich nicht anmeldepflichtige Versammlung in ihrem Verlaufe durch ungehinderte Erörterung öffentlicher Angelegenheiten den Charakter einer zur Erörterung öffentlicher Angelegenheiten bestimmten Versammlung annehmen, das heißt zu einer anmeldepflichtigen Versammlung werden. Der Leiter einer zuerst nicht anmeldepflichtigen Versammlung, der jenes nicht verhindere(im Notfalle durch Schließung), mache fich strafbar nach§§ 1 und 12 des Vereinsgesetzes, falls eben die Ver-. sammlung nicht angemeldet sei.— Bei der nochmaligen VerHand- lung soll das Landgericht diese Rechtsauffassung berücksichtigen.— Nach diesem Urteil müßten die Kammergerichtsräte selbst angeklagt Werden, wenn sie in einer juristischen Gesellschaft soupierten und beim Souper über die„Arbeitsverhältnisse" der Richter sich unter- hielten, falls dies Gespräch auf die Erörterung der Notwendigkeit sich erstreckt, den Landtag oder die Justizverwaltung zwecks Minde- rung der„Arbeitslast" oder zwecks Erhöhung der Gehälter anzu- gehen. Zu solch unsinnigen vermeintlichen Folgen der Gefetze ge- langt der Richter, der nach dem Schema arbeitet:„Gibt es keine Möglichkeit, in diesem Falle zu strafen?" und dem zur Grundlage seiner sogenannten Gründe und Erwägungen Schattenbegriffe an Stella dem wirklichen Leben entnommener Vorstellungen macht. Bon einer kaum glaublichen fllesühlSroheit zeugt die Tat. welche gestern den Möbelpolicrer Alfred B a r t e l d t unter der Anklage des Rückfalldiebstahls vor die 2. Strafkammer des Landgerichts I führte. Der 24jährige Angeklagte lernte am 1. November v. I. den Tischler Otto Noah kennen, der ihn zu einem Glase Bier einlud. Beide be- gaben sich in ein Schanklokal in der Straußbergerstrahe, in welchem eifrig gezecht wurde. Mitten in der Unterhaltung begriffen zog Nc-ah, der Gewohnheitstrinker war, vermutlich von einer plötzlichen Geistesumnachiung befallen, einen Revolver hervor und schoß sich, ehe eS jemand verhindern konnte, eine Kugel in den Kopf. Es ent- stand in dem Lokal ein großer Tumult, alles schrie nach einem Arzt und nach der Polizei, während der Angeklagte sich um Noah. den der Schutz sofort getötet hatte, als barmherziger Samariter be- mühte. Seine Handlung war jedoch nicht etwa die Sorge um den Unglücklichen, der blutend am Boden lag, sondern stellt sich als eine unglaubliche Habgier und GeflihlSroheit dar. Der Angeklagte benutzte nämlich die Gelegenheit, um dem Toten das Portemonnaie auS der Tasche zu ziehen. Dies war jedoch beobachtet worden. Der Angeklagte wurde festgehalten und der Polizei übergeben, die sofort feststellte, daß er noch ein größeres Schuldkonto zu begleichen hatte. Aus der Strafanstalt Plötzensee vorgeführt, stand Barteldt nunmehr gestern vor dem Strafrichter. Der Staatsanwalt beantragte neun Monate Gefängnis. DaS Gericht erkannte auf eine Zu- satzstrafe von 6 Monaten Gefängnis. Wegen zweier Knabcnmorde zum Tode verurteilt. DaS Kottbuser Schwurgericht sprach vorgestern abend nach vier» tägiger Verhandlung den Bergarbeiter Max Koblitz aus Höditzer Flur bei S e n f t e n b e r g schuldig des Mordes begangen an zwei Knaben. Das Gericht verurteilte den leugnenden An- geklagten darauf zum Tode. Die Verhandlungen entrollten ein entsetzliches Bild eines homosexuellen, aber nach dem übereinstimmenden Gutachten der Aerzte nicht geisteskranken Mannes, der ein sehr bewegtes Loben hinler sich hat. Zur Last ist dem Angeklagten gelegt, daß er am 1. Mai vergangenen Jahres im Drachower Walde den 12 jährigen Sckmlknaben Max Zilinski und am 17. Juni dieses JahrcS den 14 jährigen Schulknaben Paul L o h m a n n aus Meura er- mordet hat. Im Lauf« der Verhandlungen stellte sich heraus, daß der Angeklagte auch eines dritten noch unaufgeklärten Mordes, begangen an dem 15jährigen Arbeitsburschen Stab ock verdächtig ist. Beide ermordeten Knaben hat der Angeklagte, der viel mit Knaben sich abgab, an sich gelockt nnd scheint vor der durch Erwürgen vorgenommenen Ermordung Sittlichleitsverbrechen an seinen Opfern begangen zu haben. Vorlebe» des Angeklagten. Der Angeklagte ist im Jahre 1873 in Hundsfeld bei Breslau geboren. Vom Schulbesuch ist er als Junge von seiner Mutter ab- gehalten worden, die ihn zum Schnapsholen gebraucht hat. Eben- falls war der Vater dem Trünke ergeben und sehr oft mit dein Strafgesetz in Konflikt geraten. Der Angeklagte kam dann in eine Erziehungsanstalt in Gr.-Rosen. Er erlernte darauf das Schmiede- Handwerk. Sein Lchrberr, her auch dem Trünke ergeben war, ver- brannte dem Zungen die Bücher, durch welche sich dieser weiterbilde» wollte, und weil er ihn schlug, ist der Junge ausgerückt. Er kam »ach Frankreich, Algier, Balavia und Sumatra, wo er die Malaria« krankheit durchmachte. Mit einem Küstenschiff rückte er aus. Durch die Trunksucht der Eltern ist er. wie der Oberarzt Dr. Wörnlcin lSorau) begutachtete, erblich hysterisch belastet. Unterstützt durch einen Unfall in Algier ist längere Zeit eine Lähmung eingetreten, wohei er etliche Tage die Sprache verloren hatte. Ansang der 90er Jahre kam er nach Deutschland zurück und wurde 1 8 9 3 wegen schwerer Diebstähle und Betruges zu fünf- jähriger Zuchthausstrafe verurteilt. Nach Bervllßung der Strafe kam er in die Senitenberger Gegend, wo er anfangs als Bergmann, später in einem Abraunigeschäjt arbeitete und zuletzt ein uuftätes Leben führte. Jm Senftenberger Bezirk suchte er durch sein rednerisches Talent| wir verheirateten Männer einmal über das Geschlechtsleben sprachen, fich mit Erfolg Einfluß beim Bergarbeiterverband zu verschaffen. betam Koblig ein Zittern. Er gab jugendlichen Leuten im Alter von 12 bis 18 Jahren Nach- Vor Gericht gab Angeklagter zu, die Arbeiter beschwindelt zu hülfestunden und Unterricht in Stenographie und Schönschreiben. haben, um bei ihnen Eingang zu finden. Vereinzelt ließ er sich auch dafür bezahlen. Bei Verteilung von gewerkschaftlichen und politischen Flugblättern und Schriften beteiligte er sich lebhaft. Doch wurde ihm bald berechtigtes Mißtrauen entgegengebracht. Geisteszustand des Angeklagten. das Blut ausgesaugt) das Blut aussaugte, ist auch auf eine hysterische Anregung zurückzuführen. Er mied die Frauen und liebte die Knaben, die unverdorbenen Menschen. Es ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß er homosexuell veranlagt ist und eine sadistische Veranlagung( Veranlagung, die beim Zufügen von Schmerz wollüftige Empfindungen auslöft) hat. Geistestrant ist er nicht, Der Angeklagte ist sechs Wochen lang auf Antrag der Verteidi- vielmehr in vollem Umfange zurechnungsfähig. gung in einer Jrrenanstalt auf seinen Geisteszustand hin beobachtet Koblitz hat Revision eingelegt. Er dürfte aber nach dem worden. Die ärztlichen Gutachten gingen überein Gesamtergebnis der Beweisaufnahme mit Recht als Mörder verDer Bergarbeiterfetretär Gürtner in Senftenberg stimmend dahin: Erstaunlich sind die Kenntnisse und das Talent urteilt sein. Die Möglichkeit, daß ein Mensch, ohne geistestrant belundete: Im Jahre 1904 ist Angeflagter dem Bergarbeiterverband des Angeklagten gegenüber der schlechten Erziehung. In der zu sein, so pervers wie der Verurteilte veranlagt sein und so lange beigetreten. Er führte renommierende Neden, weshalb ich Mißtrauen Anstalt benahm er sich vom ersten Tage an flar in seinen Reden, feine Gemeingefährlichkeit verdecken kann, legt erneut den Eltern gegen Koblitz hegte; 3. B. sagte er, als Redakteur der Volkswacht" er hat eine gute Auffassungsgabe. Sein Verhalten war vollständig die Verpflichtung nahe, auf ihre Kinder acht zu haben und sie zu in Breslau habe er ein Jahr Gefängnis gehabt. Auch sei er aus anders als das sonstige Verhalten der Geistestranten. Er sagte u. a. außerordentlicher Vorsicht gegen Fremde zu erziehen. Auf der Desterreich ausgewiesen worden. Er sei in Waldenburg gewesen einmal: Wenn ich Talent hätte zum Verrücktwerden, würde ich es anderen Seite drängt sich die Frage auf: sollte es unmöglich und nannte mehrere sozialdemokratische Reichstags- Abgeordnete, die ichon längst geworden sein". Beim Gewitter zittert er. Er erzählte, gewesen sein, durch zweckmäßige Erziehung einen so veranlagten er persönlich kenne. Auf briefliche Anfragen stellte sich er habe das Aluminium erfunden, ein Apotheker habe ihm dabei Menschen zu einem brauchbaren Mitgliede der Gesellschaft zu ers alles als Schwindel heraus. Wir sagten uns, er muß geholfen. Halluzinationen hat er auch im Krankenbaus gehabt. In ziehen? Bu bedauern ist, daß das berechtigte Mißtrauen der wohl verschiedenes auf dem Kerbholz haben. Die Abschütte- einer Fieberphantasie hatte er die Vision, er werde eine Genossen- Arbeiter nicht schneller zur Aufdeckung der Schwindeleien und zu lung verzögerte sich durch Untersuchungen bis zum Morde. An schaft gründen, die das Aluminium ausbeuten solle. Heftige Gesund öffentlicher Bloßstellung des Schwindlers geführt hat. Welche bem Mördtage erwartete ich ihn um vier nachmittags in heitsstörungen sind bei ihm eingetreten, dies beweise das starke Aus- gemeingefährliche Natur in ihm steckte, fonnten freilich die Arbeiter meiner Wohnung. Er tam aber nicht. Koblih erzählte auch, treten des Schweißes aus allen Poren.. Wunderbar ist nur, daß dem Ge- noch weniger ahnen als die Aerzte der Zuchthäuser und Gefängnisse, daß er verheiratet sei und drei Kinder habe. Seine Frau habe mit fängnisarzt während der 5jährigen Buchthausstrafe des oblig nichts auf in denen Roblig zugebracht hatte, ohne daß die Arbeiter hiervon einem, Lehrer die Che gebrochen. Als ich ihm sagte, wenn er als gefallen ist. Es bestehen bei Koblig hysterische Anlagen auf Grund eine Ahnung hatten. Rebatteur ein Jahr Gefängnis erhalten, so hätten es doch die der Bererbung. Daß er dem Knaben Haupt( diesen hatte er an fich Arbeiter als ihre Ehrenpflicht betrachtet, ihm eine andere Stellung gelockt, ihm gesagt, er sei von einer Schlange gebissen, ihm am zu besorgen, erwiderte er, er wolle das aus Jdealismus nicht. Wenn Oberschenkel mit einem Messer eine Wunde beigebracht und dann Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publitum gegenüber feine: lei Berantwortung. Theater. Sonnabend, den 30. Juni. Anfang 7%, Uhr: Deutsches. Der Kaufmann von Benedig. Neues. Orpheus in der Unterwelt. Anfang 8 Uhr: Berliner. Donna Diana. Lessing. Die lustige Wittwe. 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Bericht der Tariffommission über die mit den Unternehmern gepflogenen Verhandlungen. 2. Unsere Maßnahmen. Nur Mitglieder haben Zutritt. Das Verbandsbuch legitimiert. Unbedingtes Erscheinen aller Kollegen ist erforderlich! Die Kollegen werden ersucht, sofort von der Werkstatt zur Bersammlung au gehen. Mit tollegialem Gruß Der Vorstand. J. A.: C. Jahn. Zentralorganisation der Steinsetzer und Berufsgenossen Deutschlands. Sonntag, den 1. Juli 1906, vormittags 9%, Uhr: Kombinierte Versammlung der Mitglieder sämtlicher Unterbezirke für Groß- Berlin im Gewerkschaftshause, Engel- fer 15( Saal 4). Zages Drbnung:. 1. Bericht der Schlichtungskommission. 2. Besprechung der Be. ftimmungen des Tarifes, insbesondere der§§ 8: Leistung( einwandfreie Arbeit), 9. Lehrlingsskala, 12: Nebst Sternanmerkung ( Wolierberein?), 13: Bauarbeiterschuk( Unterkunftsräume). Kollegen! Es muß endlich Klarheit geschaffen werden, um so bie Ruhe im Gewerbe zu gewährleisten und ein gedeihtiches Zusammenarbeiten auf den Baustellen zu ermöglichen. Es ist eine wichtige Versammlung, kein Mann darf fehlen! Mit Berbandsgruß. 3. 2.: P. Schenke, Rigdorf, Knesebedstraße 2 I. Deutscher Metallarheiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt Bureau: Engel- Ufer 15, Bimmer 1-5. Fernsprecher: Umt IV, 9679. Arbeitsnachweis: Bimmer 34. Amt IV, 3353. Sonntag, den 1. Juli, sollen die durch Beschluß der Generalversammlung vom 24. Juni notwendig gewordenen Erfatz- und Neuwablen bollzogen werden. Die Wahlzeit ist von vormittags 10 bis nachmittags 2 Uhr. Ohne Mitgliedsbuch kann niemand wählen. Die Stimmzettel werden am Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Gewählt wird in folgenden Lokalen: Naabes Festfäle, Kolbergerstr. 23. Bernhard Nose- Theater, Badstr. 58. Wernaus Festfäle, Schwedterstr. 23. Bökers Festsäle, Weberstr. 17, Graumanne Festfäle, Naunynstr. 27. Lehmanns Restaurant, Bülowstr. 59. Kronen- Branerei, Alt- Moabit 47/48. Thiel Rigdorf, Bergstr. 152. Volkshaus- Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Schellhafe- Steglitz, Ahornstr. 15. Böhle Spandau, Neumeisterstr. 5. Kaufhold Ober- Schöneweide, Wilhelminenhofstraße 18. Tempel Rummelsburg, Alt- Borhagen 56. Hellwig- Köpenic, Schönerlinderstr. 5. Schmutz- Weißensee, Stönig- Chaussee 38. Gehlhaar- Tegel, Berlinerstr. 92. Zentral- Wahlbureau ist unser Bureau Engel- Ufer 15 I. Wahlleiter ist der Kollege Josef Hartmann. 121/18 Die Ortsverwaltung. Köpenick. Turnverein ,, Eiche"( Mitglied des Arbeiter 99 Turner- Bundes). ** 10. Stiftungs- felt. Zur Feier desselben: Sonnabend, den 30. Juni, 8 Uhr, im Vereinslokal Scheers ,, Wilhelmsgarten": Festkommers. Sonntag, den 1. Ault, Früh- Konzert in Vereins, 6 Uhr: lokale. nach dem Turnplatz Nachmittags Festzug Bahnhofstraße. 2 Uhr: Daselbst: Schautarnen. Abends: Großer Ball bei Scheer und Seidel. Wir beabsichtigen mit unserem Turnfest für Köpenick ein Volksfest zu veranstalten und laden hiermit die gesamte Arbeiterschaft von Köpenick und Umgegend dazu ein. 283/ 4* Wir reparieren und bügeln jeden bei uns gekauften Gegenstand gratis. bringen wir eine unerreichte Auswahl an = Sommer- Anzügen Sommer Joppen Lüstre Jacketts Schul Anzügen und Knaben Wasch- Anzügen. Unsere Grundsätze: ir verarbeiten nur gute, reelle, ausgeprobte Stoffe. ir haben in sämtlichen Abteilungen enorme Auswahl. ir achten auf tadellose Verarbeitung und guten Sitz. W ir werden stets das Neueste zum Verkauf bringen. ir verkaufen zu billigen, aber streng festen Preisen. Originalentwurf! Nachdruck verboten. ir haben auf jedem Gegenstand den festen Verkaufspreis mit Zahlen vermerkt. LESKE& LEHRER 78 Kottbuser Damm 78 Eigene große Betriebswerkstätte Neue Hobrechtstr. 59-60. Spezialhaus eleganter Herren- und Knabenbekleidung, fertig und nach Maß. Spezial- Abteilung: Bekleidung für jeden Beruf. 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Todes- Anzeige. Am Mittwoch, den 27. Juni, starb unser langjähriges, braves Mitglied Hermann Benkowski ( Bahlstelle Dften). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 30. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Bentral Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 257/16 Der Vorstand. Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. Zweigverein Berlin. Sektion II. Am Mittwoch, den 27. Juni, verstarb unser Mitglied, der Hülfsarbeiter Wilhelm Haake ( Batzenhofer I). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. Juli, nachmittags 4, Uhr, von der Leichen halle des Gethsemane- Kirchhofes in Nieder Schönhausen- Nordend aus ftatt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 41/18 Der Vorstand. Verband d. baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend, Bezirk Rosenthaler Vorstadt, Am 28. Juni berstarb nach längerer Strantheit unser alter treuer Sollege Ernst Böhm. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. Juli, nach mittags 3 Uhr, vom Städtischen Strantenhaus Moabit aus nach dem Kirchhof der Golgatha- Gemeinde, Barfusstraße statt. 35/1 Um rege Beteiligung ersucht Der Zweigvereins- Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Mitteilung, daß unser Rollege, der Stodarbeiter Gustav Pfahl am 26. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 88/9 Die Ortsverwaltung. Am Mittwoch, den 26. Juni, starb nach längerem Leiden mein lieber Mann, der Klaviatur arbeiter Theodor Zimmermann Die Beerdigung findet Sonntagnachmittag 4 Uhr, von der Reichenhalle des neuen Jakobi. tirchhofes aus statt. 23itive Johanna Zimmermann nebst Kindern. Allen Verwandten und Be fannten bie traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, meine gute Mutter Emma Gerhardt am 27. b. M. gestorben ist. Oskar Gerhardt nebst Tochter. Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag 3, Uhr auf dem Rigdorfer Gemeinde- Friedhof, Marien dorfer Weg, statt. 2684b Die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, meine gute Mutter Marie Mille geb. Henschel ärztlich am 27. Juni, vormittags 11% Uhr, empfohlen F150.2M Überall zu baben. In Apotheken, Drogen- u. Delikat.Gesch., steht unt. ständ. Kontrolle des ehem. Laborat. Dr. C. Bischoff. verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 1. Juli, nachmittags 2%, Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus Stirchhofes aus statt. 26885 Julius Mille und Tochter, Ratiborstr. 5. Berantwortlicher Redakteur: Haus Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: 2h. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Nr. 149. 23. Jahrgang. 3. KtilM drs.Amiiits" Klllim WsM Zonnabend. 3V. Inn! IM. Partei- Angelegenheiten. Zar Likalfrage in Wilmersdorf. Die Arbeiterschaft in Wilmersdorf ist obdachlos. Die Inhaber don Versammlungssälen verweigern fortgesetzt ihre Säle zur Ab- Haltung von gewerkschaftlichen und politischen Versammlungen. Das bedeutet für die Arbeiter Wilmersdorfs nichts weniger denn eine Beraubung des Vereins- und Versammlungsrechtes. Das muh anders werden. Die Vorstände der gewerkschaftlichen und politischen Organisationen haben entsprechende Mahnahmen getroffen, die zum Ziele führen können, wenn der über bestimmte Lokale verhängte Boykott pflichtgemäh durchgeführt wird. Die Arbeiter Wilmersdorfs müssen ihre Ehre darin setzen, durch strengste Beachtung des Boykotts sich Säle zu erkämpfen. Vorläufig sind gesperrt: Weidemann, «Viktoria-Garte n", WilhelmSaue 114, und Struh,»Luisen- park", Wilhclmsaue 112. Gegen diese Lokale richtet sich der Hauptangriff. Die gegnerische Presse heult über den Boykott und übt sich in Beschimpfungen unserer Parteigenossen, die nur ihr gutes Recht heischen. In einem solchen Wuterguh pöbelt die »Staatsbürger-Ztg." die Genossen an, die Sonntags den nach Wilmersdorf kommenden Auöflüglern Handzettel überreichen mit dem Hinweis auf die gesperrten Lokale und spricht davon, dah es meist nicht gerade sehr nüchterne Leute feien, die diese Tätigkeit verrichten. Wir wollen auf diese Infamie nicht näher eingehen, der.Staatsbürgerin" ist sie würdig. Wenn eS aber hciht, dah die Inhaber der beiden Lokale gar nicht daran dächten, anständigen Arbeitern den Zutritt zu veaoehren, sich im Gegenteil nur den sozialdemokratischen Machtforderuugen in bezug auf schriftliche Abmachungen über Hergabe der Säle widersetzten, so ist die Fassung dieser Notiz ganz und gar auf Täuschung angelegt. Soll damit der Anschein erweckt werden, dah die Lokalinhaber ihre Säle wohl hergeben würden und dies nur nicht schriftlich tun wollten oder waö soll das sonst heihen? Dah die Lokalinhaber es ganz gern sehen, wenn auch viele Arbeiter ihnen ihr Geld hintragen, glauben wir gern. Aber ein Arbeiter, der etwas auf sich hält, wird das nicht tun. wenigstens nicht eher tun, bis diese Wirte erklärt haben, ihre Säle auch zu sozialdemokratischen Versammlungen her- zugeben. In diesem Kampfe die Wilmersdorfer Arbeiterschaft nach Kräften zu unterstützen, muh und wird sich sicher auch die Arbeiter- schaft Berlins sehr angelegen sein lassen. Wenn mit aller Zähigkeit und Ausdauer an dem Boykott festgehalten wird, wird und kann der Erfolg nicht ausbleiben. Mögen unsere Gegner noch so sehr zetern, dah einzelne Leute geschädigt werden, die Arbeiterschaft wird sich in ihrem gerechten Kampfe nicht irre machen lassen und nicht eher ruhen, bis auch die Wilmersdorfer Saalbesitzer ihre Säle für sozialdemokratische Versammlungen öffnen. Trrptow-Baumschulrnweg. Montag, den 2. Juli, abends 8>/z Uhr findet tn Beylers GesellschaftShauS, Köpenidfer Landstrahe. an der Verbindungsbahn, eine öffentliche Versammlung für Frauen und Männer statt, zu welcher Genosse F. Zubeil das Referat über- nommen hat. Hierzu findet morgen Sonntag früh 7'/, Uhr eine Handzettelverteilung statt. Die Genossen werden ersucht, recht zahl- reich und pünktlich in Treptow bei Schmidt, Kiefholzstrahe 22, bei Preuh, Neue Krug-Allee Sä, in Bamnschulenweg in ihren Bezirks- lokalen zu erscheinen. Der Vorstand. PetSdam. Die Bibliothek des Wahlverein» bleibt zwecks Revision und Neugestaltung während des Monats Juli geschlossen. Es wird deshalb um Rückgabe der noch ausstehenden Buche. r am heutigen Zahlabend(Sonnabend) dringend ersucht, Die Bibliothek-Kommission. berliner IVacbricbten. Berlin unter Wasser. Von einem gewaltigen Unwetter ist gestern morgen in der achten Stunde Berlin und seine Umgebung heimgesucht worden. Dw einzelnen leichteren Gewitter, welche bereits am Abend vorher eingetreten waren, hatten sich im Laufe der Nacht wieder vereint und entluden sich gestern morgen ganz plötzlich. Während um 7 Uhr noch herrliches Motgenwctter herrschte, hatte sich bereits wenige Minuten später tiefe Finsternis über die Reichshauptstadt verbreitet. Mit einem Schlage entfesselten sich dann die Elemente. Ein Blitz zuckte nach dem andern und unaufhörlich rollte der Donner. Bald folgte auch ein gewaltiger Gewitterregen. Trotzdem er höchsten? eine halbe Stunde andauerte, waren so enorme Regen- massen niedergegangen, dah fast ganz Berlin im wahrsten Sinne des Wortes unter Wasser gesetzt wurde. In manchen tiefer liegenden Strahenzügen hatte die Ueberschwemmung eine Höhe von nahezu einem halben Meter erreicht. Die Abflußrohre vermochten die an- dringenden, gewaltigen Wassermengen nicht mehr aufzunehmen und durch die Gullys wurden die Massen wieder zurückgeworfen. Wie jedesmal bei derartig großen Ueberschwemmungcn, so wurden auch gestern morgen wieder die Uork.. Invaliden-, Linien-, Grohgörscben- ftrahe usw. stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Straszenbahn-. Omnibus- und sonstige Fuhrvcrkcbr muhte dort eine Zeitlang voll- ständig ruhen. Einem wahren See glich wieder die �)orkstrahe. Ebenso wie bei der großen April-Ueberschwemmung vor vier Jahren muhten StrahcnpassanteN auf„Mietsfuhrwerten. die von unter- nchmungslustigen Kutschern sofort in Betrieb gesetzt wurden, in Massentranspörten durch die überschwemniten Stellen hindurch. befördert werden. Die Straßenbahn- und Omnibuswagen mußten noch auf lange Zeit hinaus umgeleitet werden und zur Beseitigung der Wassermcngen wurde die Feuerwehr requiriert. Auch in vielen anderen Stadtgegenden mußten die Löschmannschaften helfend eingreifen. Vielfach drangen die Wassermengen auch in Keller- Wohnungen, trieben dort die überraschten Bewohner aus den Betten heraus und richteten erheblichen Schaden an. Apch in den Vororten Berlin? hat dos Unwetter stark getobt. ES gab dort ebenfalls zahl- reiche Ueberschwemmungcn und an vielen Stellen wurde auch durch Blitzschlag Schaden angerichtet. So wurde in dem Forst zwischen Tegel und Eichwalde eine mächtige Buche durch einen Blitzschlag gespalten. In der Laubenkolonie bei Schmargendorf schlug der Blitz in eine Laube und zündete da? Bauwerk an. Ein Opfer des schweren Unwetters wurde der 88jährige Steinträger Wilhelm Schadwill aus der Belzigcrstraße 18. Sch. hatte auf dem Neubau Soldincrstraße 28 Steinlasten getragen. Als er die zweite Etage hinaufstieg, hatte sich dort infolge des starten Gewitterregens Mauerwerk gelöst und Sch. trat ahnungs- loS auf daS Gemäuer. Es brach unter der Last ein und der Stein- träger wurde mit in die Tiefe gerissen. Im ersten Stockwerk fiel er auf ein Schutzdach, brach durch und stürzte dann auf den Erd- bodcn. In besinnungslosem Zustande brachten Arbeitskollegen den Verunglückten nach der Unfallstation 17 und von dort erfolgte seine Ueberführung in dos LazaruS-KrankenhanS. Der Zustand des Echwerverletzten ist fast hoffnungslos. Während de« Gewitter- wurde bor dem Hause Eisenbahn- straße 2V ein älterer Herr vom Schlag« getroffen. Er starb nach kurzer Zeit. Einen eigenartigen Anblick boten die Panke und der in diese fließende Eschengrabcn. Beide glichen Gebirgsbächen, und die Fluten stiegen meterhoch, traten aus den Ufexn und über- schwemmten Feld» und Straßenflächen. So war beispielsweise die IBcrlinerstraße in Pankow durch den Eschengraben überschwemmt, in welchem das Wasser eine Höhe von fast zwei Metern erreicht hatte. An der Löffelbrücke bei Heincrsdorf, auf Gebieten in Pankow sowie in der Pankstraße in Berlin war die Panke ebenfalls aus den Ufern getreten. Das Wasser der Spree stieg innerhalb zehn Minuten um 8 bis 14, im Landwehrkanal um 40, im Spandaucr Schiffahrtskanal um 35 Zentimeter. Stellenweise erreichte eS solche Höhe, daß die Ausflüsse der Notauslässe unter dem Wasserspiegel standen und die Fluten aus den Kanälen fontänenartia empor- schössen. In Mariendorf und Lankwitz waren die Straßen zum Teil in förmliche Flußbette umgewandelt. Durch die abfließenden Wassermcngen wurden ungcpflastcrte Fahrwege ausgehöhlt und unbefahrbar gemacht. Der Teltowkanal hat den ersten Wolkenbruch nach seiner Eröffnung schlecht bestanden. An vielen Stellen sind Damm- rutsche eingetreten. Große Stücke lösten sich infolge der hernieder- prasselnden Hagel- und Regenmengen und stürzten mit Donner- gepolter in den Kanal. Unweit der Lankwitzer Brücke haben sich längs des ganzen Dammes Risse von drei bis vier Meter Breite gebildet. Der durch das Unwetter.hier entstandene Schaden wird auf mehrere tausend Mark geschätzt. Hunderte von Arbeitern sind bereits mit der Wiederherstellung der Kanalufer beschäftigt. Die BerkehrSvcrhältnisse auf dem Bahnhof Gesundbrunnen. Der Eisenbahnminister hat die Beschwerden der Anwohner wegen der mangelhaften Einrichtungen auf dem Bahnhof Gesundbrunnen anerkannt und will nach einem aus dem Ministerium zugegangenen Schreiben auch dem Wunsche, von der„Millionenbrücke" auS einen Zugang zu den Bahnsteigen zu schaffen, entsprechen. Tie Kinderspiele des Arbeitcr-Turnvercins„Fichte", die all- jährliH im Sommer an mehreren Sonntagen stattfinden, nehmen am nächsten Sonntag— 1. Juli■— wieder ihren Anfang. Sie bilden eine notwendige und dankenswerte Ergänzung zu den nicht allzureichlichen Veranstaltungen, mit denen die Stadtgemeinde das Spielbedürfni- der Schuljugend befriedigen zu können meint. Auf die Vorzüge und den besonderen Wert dieser von Turnern und Turnerinnen des Vereins„Fichte" geleiteten Spiele ist im „Vorwärts" oft hingewiesen worden. Sie unterscheiden sich von den Spielen, für die die Schulverwaltung alljährlich in den Sommcrferien eine geringe Anzahl von Schulhöfen an den Wochen- tagen den Kindern zur Verfügung stellt, vor allem durch den sehr wichtigen Umstand, daß die Leiter und Leiterinnen sich nicht mit einer bloßen„Aufsicht" begnügen, sondern durch lebendige Anteil- nähme, durch wirkliches Mitspielen in den Kindern die rechte Spiel- stimmung zu erzeugen wissen. Wir hoffen, daß die„Fichte"-Kinder- spiele auch in diesem Jahre zahlreiche Beteiligung finden werden. Gespielt wird an den sechs Sonntagen vom 1. Juli bis zum 5. August und auf den vier Spielplätzen im Treptower Varl, im Friedrichshain, an der Behmstrahe, in der Jungfernhaioe. Die Teilnehmer treffen sich jedesmal morgens um M>ö Uhr an der Ober- frciarchenbrücke, am Landsberger Tor(Kriegerdenkmal), am Bahn- Hof Gesundbrunnen, am Bahnhof Beusselstraße. Willkommen sind Kinder nicht nur von Turngenossen; auch auf Kinder solcher Eltern, die dem Arbeiter-Turnverein„Fichte" und überhaupt der Turn- fache fernstehen, wird gerechnet.— Die Kinder werden nach Bc- endigung der Spiele wieder an die Sammelplätze zurückgeführt und treffen dort ungefähr um 12 Uhr ein. Im vorigen Sommer>hat der Verein„Fichte" an sechs Sonn- tagen auf vier Spielplätzen eine fröhliche Schar von 1945 Knaben und 2023 Mädchen, zusammen 8968 Kindern um sich gesammelt. Dieser Erfolg war nur möglich, weil zur leitenden Teilnahme an den Spielen sich zablreiche Turngenossen und Turngenossinncn bereit erklärten. An sechs Sonntagen standen auf den vier Plätzen 239 Leiter und 135 Leiterinnen, zusammen 374 Personen, zur Ver- fügung. In diesem Jahre haben die Turner und Turnerinnen des Vereins„Fichte" die Kinderspiele mit noch größerer Sorgfalt vorbereitet. Wir wünschen ihren Bemühungen noch besseren Erfolg als bisher. Möchte auch in den Kreisen der Eltern immer mehr die Er- kenntnis sich Bahn brechen, von wie großer Bedeutung daS zweck- mäßig geleitete Bewegungssviel für die Eutwickelung unserer Kinder ist. Wer unsere Kinoer zu rechtem Spiel anleitet, treibt nicht müßige Spielerei, sondern tut nützliche und notwen- dige Arbeit im Dienste der Arbeiterklasse. Wir können einen Nachwuchs brauchen, der kräftig, umsichtig und willenS- stark wird. In den Nebenklassen der Gemcindeschulen ist die Zahl der darin untergebrachten schwachbefähigten Kinder in diesem Sommerhalb- jähr zum ersten Male über 2000 hinausgegangen. In jetzt 136 Nebenklassen sitzen 2145 Kinder, wieder um rund 300 Kinder mehr als im Sommer, vorigen Jahres, wo in 122 Nebenklassen 1343 Kinder gezählt wurden. Noch vor vier Jahren wurden nicht halb so viel schwachbefähigte Kinder wie jetzt in Nebenklassen unterrichtet, in den fünf Sommern 1902— 06 waren es 1023, 1278, 1586, 1840, 2145. Von den beiden Geschlechtern sind in den Nebenklassen nach wie vor die Knaben weit stärker als die Mädchen vertreten. In den genannten fünf Sommern saßen in den Nebenklassen nur 433, 552, 675. 774, 891 Mädchen, aber 590, 726, 911. 1074, 1254 Knaben. Der Anteil der Knaben schwankte in diesen fünf Sommern nur sehr wenig, er lag zwischen rund 57 v. H. und rund 58% v. H. aller in Nebenklassen unterrichteten Kinder. Die Fahrkarten- und Gepäckschalter sind jetzt in Permanenz erklärt. Da erfahrungsgemäß kurz vor Abfahrt der Ferienzüge Reisegepäck in so großen Mengen aufgeliefert wird, daß trotz aller Vorkehrungen die pünktliche Beförderung in Frage gestellt wird, hat die Staatsbahnverwaltung für die Ferienzeit, und zwar schon von heute bis zum 4. A u g u st die Einrichtung getroffen, daß Fahrkarten schon am Tage vor dem Retseantritt(mit dem Stempel des Reisetages versehen) verkauft werden und daS Reife- acpäck schon am Tage vor der Reise aufgegeben werden kann. Zu dem BeHufe sind die Fahrkartenschalter und Gepäck- abfertigungs stellen der Berliner Fernbahn» Höfe von 8 Uhr früh bis 10 Uhr abend ununtrr- brachen geöffnet. Die königliche Eifenbahndirektion empfiehlt den Reisenden durch Säulenanschlag dringend, möglichst von dieser Einrichtung Gebrauch zu machen und Fahrkartenkauf wie Gepäck. abfertigung schon am Tage vor dem Reiseantritt besorgen zu wollen. Briefe billiger als Drucksachen. Ein eigenartiges Verhältnis ist es. daß geschlossene Briefe u. o. vom 1. Juli an billiger als Drucksachen, Geschäftspapiere oder Warenproben sind. Nach Auf- Hebung der Ortsbrieftaxe kosten Drucksachen von 100— 200 Gramm auch im Orts, und NachbarortSverkchr 10 Pf., als geschlossener Brief aber nur 5 Pf. Man hüte sich also, solche Sendungen offen und mit der früher üblichen Bezeichnung Drucksache zu verschicken. Dasselbe ist der Fall mit allen Geschäftspapicren bis zum Gewichte von 250 Gramm. Diese kosten, auch wenn sie nur wenige Gramm schwer sind, im Ortsverkehr künftig 10 Pf., als geschlossener Brief nur 5 Pf. Ebenso wird man Warenproben besser für 5 Pf. als Brief, denn für 10 Pf. als ausdrücklich so bezeichnete Warenprobe verschicken. Dasselbe ist der Fall für zusammengepackte Druck- fachen, Geschäftspapiere und Warenproben, die als solche 10 Pf., als Briefe im Ortsverkehr nur 5 Pf. kosten. ES wird angenommen. daß die Erhöhung durch die Erörterungen in der Tagcspresse ge- nügend bekannt sei. BahnßofSbriefe sind jetzt in erweitertem Umfange zugelassen worden. Bisher konnten sie nur mit BahnposieN befördert worden, während sie jetzt auch mit Zügen ohne diese durch daS Personal des Zuges oder in geschlossenen Babnvnsw?oZ?n oder geschlossener Wagen- abteilung befördert weri en können. Wird der Bahnhofsbrief auf diese Weise bis an den Bestimmungsort befördert, so geschieht dies nur in dem Falle, daß am Bestimmungsort eine Postanstalt sich entweder am Bahnhofe selbst oder in seiner unmittelbaren Nähe befindet, und daß bei dieser Postonstalt die Bereitstellung dcS Bahn- hofsbricfes zur Abholung sogleich nach Ankunft des Kartenschlusses ohne Schwierigkeit erfolgen kann. Unter BahnhofZbricfen versteht man Briefe, die am Bahnhof unmittelbar nach der Ankunft in Empfang genommen werden. Ter Umschlag mutz einen breiten roten Rand haben und der Brief die Bezeichnung Bahnhofsbrief tragen. Der Empfänger erhält auf seinen Antrag ein Ausweis- schreiben zur Abholung. Die Gebühr dafür beträgt monatlich 12 M., für eine Woche oder einen Teil derselben 4 M. Erhöhung de» MilchpreifeS! Die Milchzentrale hielt gestern(Freitag) in den Germaniasälen, Chausseestraße, eine außerordentliche Generalversammlung ab. in der nach lebhaften Debatten eine Erhöhung des Milchpreises von 12 auf 13 Pfennige beschlossen wurde. Wie der Vorsitzende v. Bredow mitteilte, habe sich der Vor- stand in mehrstündiger Beratung dahin schlüssig gemacht, der Versainmlnng eine Preiserhöhung von 12 aus 12'/, Pfennige pro Liter für die von den Genossenschaftlern an die Zentrale zu liefernde Milch in Vorschlag zu bringen. Gegen diesen Vorschlag machte sich eine. scharfe Opposition geltend. Es liefen Anträge ein, die den Preis auf 13, 13'/, und 14 Pf. erhöht wissen wollten. Selbst Graf von der Schulenburg warnte eindringlichst vor solchem Vorgehen. Er wies darauf hin, daß seit Bestehen einer Erntestatistik die deutsche Land- Wirtschaft noch nie eine so günstige Futterernte wie in diesem Jahre zu verzeichnen gehabt habe. Deshalb sei es auch höchst unklug, gerade diesen Zeitpunkt zu einer Preissteigerung zu benutzen. AuS rein politischen Gründen würde er daher bc- dauern müssen. wenn elne starke Erhöhung beschlossen iverden sollte. Man würde dann nicht mit Unrecht von einer Begehrlichkeit der Landwirte reden können. Es wäre auch nicht recht und billig, wenn wir den Milchhändlcrn die Milch erheblich verteuern wollten. Tatsächlich hätten diese Leute mit so viel Spesen und Unkosten zu rechnen, daß sie eine weitere erhebliche Belastung nicht ertragen könnten. Berücksichtigt müsse ferner werden. daß ein solcher Schritt den Anreiz geben könnte zur Heranziehung von Milch aus entfernteren Gegenden, was sicher nicht im Interesse der Milchzentrale liege. Aus allen diesen Gründen möge man über den Vorschlag des Vorstandes nicht hinausgehen. Er selbst sei eigentlich mit dem Vorsatze gekommen, um für eine Herabsetzung des Milch- Preises einzutreten. Diesen Ausführungen traten verschiedene Redner scharf entgegen. Bei der schließlich vorgenommenen Abstimmung wurde der Antrag, vom 1. Oktober dieses JahreS ab den Literpreis von 12 auf 13 Pf. zu erhöhen mit 95 gegen 60 Stimmen, bei 13 Stimm- enthaltungen, angenonimen. Die Opposition, die sich aus Vertretern von ausgeschiedenen Genossenschaften zusammen- setzte, erhob sofort schriftlichen Protest gegen die Gültigkeit der soeben gefaßten Beschlüsse.— Der Milchring unter Führung von Ring und Krause ist pleite, erhöht die Preise für Milch- abnehmcr— wer agrarische Beutezüge und Kriege gegen Kleinbauern nicht unterstützen will, wird sich vor der Ring- milch vorsehen müssen. Unter Berufung auf§ 11 des Preßgesetzes geht uns vom Polizeipräsidenten von Berlin folgende Berichtigung zu: Berichtigung. Die in Nr. 132 und 136 des„Vorwärts", vom 10. und 15. Juni 1906, enthaltenen Ausführungen über die Ab- holung von Fürsorgezöglingen auS der elterlichen Wohnung ent» spricht nicht den Tatsachen. Frau B. wohnt in der Elisabethstraße, ihr Mann verbüßf bis Januar 1907 eine FreihettSstrafe, zwei Kinder befinden sich bereits in der Fürsorgeerziehung, zwei andere sind durch Gerichtsbeschluß vom Oktober v. I. der Fürsorgcerziclmng überwiesen worden. Letztere sollten dem Waisenhause zugeführt werden, nachdem die wiederholten Beschwerden der Mutter vom Königlichen Landgericht und Kammergericht zurückgewiesen worden waren. Schon im März d. I. sollten die Kinder auS der elterlichen Wohnung abgeholt werden, doch entfernte sich daS eine heimlich durch einen zweiten Eingang zur Wohnung, während sich über das zweite, welches noch unbekleidet im Bette lag, die Mutter warf und die Wegnahme zu verhindern suchte. Trotz Zuredens und An- Wendung gelinder Gewalt konnte sie nicht zur Herausgabe be- wogen werden. Da auch ein Schlafbursche eine drohende Haltung gegen den Zivilkleidung tragenden Beamten einnahm, holte sich dieser Hülfe von dem Revier, fand jedoch nach seiner Rückkehr das Kind nicht mehr in der elterlichen Wohnung vor. Die Mutter hielt sodann dl« Kinder verborgen, verweigerte die Angabe ihre» Aufenthaltsortes und erklärte, unter keinen Um. ständen die Kinder freiwillig herauszugeben. Es wurde deshalb ein Strafverfahren wegen Vergehens gegen 8 21 des Gesetzes über die Fürsorgeerziehung Minderjähriger gegen sie eingeleitet. Anfang Juni d. I. wurde sodann ermittelt, daß sich die Kinder wieder bei der Mutter aufhielten und da» jüngere auch die Schule besuche. Der Schulvorstand wurde um Vermittclung gebeten, das Kind aus dem Schulzimmcr ins Amtszimmer gerufen und dem Kriminalbeamten übergeben, welcher es, ohne da» geringste Auf- sehen zu erregen, der Revicrwache zuführte. Sodann begaben sich zwei Kriminalbeamte in die Wohnung der Mutter, um die ältere Tochter abzuholen. Ein uniformierter Beamter, welcher in der Straße Patrouillendienst hatte, wurde außerdem angewiesen, sich zwecks etwaiger Hülfeleistung in der Nähe de» Hauses aufzuhalten. Diese Vorsichtsmaßregel war mit Rücksicht auf da» frühere Verhalten der Mutter getroffen worden und erwies sich auch als nötig. Die Mutter gab auch jetzt nicht das Kind freiwillig heraus. sondern hielt die Kriminalbeamten an den Kleidern fest, so daß sie sich nur mit Mühe und nachdem ihnen der uniformierte Be- amte zu Hülfe gekommen war, von ihr befreien konnten. Sie schrie so laut, daß die Hausbewohner zusammenliefen, auch forderte sie wiederum— wenn auch vergeblich— den Tchlafburschen auf, ihr betzustehen. DaS Mädchen wurde dann der Revierwache und später sodann beide Kinder mittel» Droschke dem Waisenhaus« zugeführt. Letztere» geschah gemäß Verfügung vom 27. Oktober 1903. welche den Transport von Fürsorgezöglingen mit dem Gefangen- Transportwagen verbietet und die Ueberführung mittels Droschke 2. Klasse vorschreibt, fall» solche nicht, ohne daß Fluchtgefahr oder Aufsehen veranlaßt wird, zu Fuß bewirkt Wördes kann. Berlin, den 29. Juni 1906.- Ter Polizeipräsident. B o r r i e». 1214. lV. gen. 06. Di« in Nr. 132 von uns mitgeteilten Tatsachen werde« in der „Berichtigung" nicht bestritten, ja nicht einmal erwähnt. Nachwehe« von der �.Landwirtschaftliche« Ausstellung". Bei den Abbruchsarbeitcn auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Ausstellung in Friedenau hat sich zum Schluß noch eine Einsturz- katastrophe ereignet, wobei mehrer« Personen in großer Lebens« gefahr schwebten, Die Misterscheune brach, u'ähcend bis Arbeiter mit beren Abrüsten beschäftigt waren, plößlich ein. Glücklicher- schwarze Färbung aus, fann aber im übrigen ihre sowie zu der am 29. Juli stattfindenden Verbandsgenerarberjamms tweise gelang es den Arbeitern, sich zu retten, und nur einem der Stammesgenossenschaft mit der Aspis nicht verleugnen. Eine in lung wurden die Genossen Karl Kegler, Koppe, Nollstadt, Waldemar Leute war es nicht möglich, gewesen, den Ausgang zu gewinnen. mehreren Exemplaren mit eingetroffene echte Dfter zieht durch die Schulz, Otto Schulz, Maynhardt, Cehlfing, Bedmann, Bartel, Dieser besaß die Geistesgegenwart, nach den Süden zu flüchten und einzigartige Schönheit des Schuppenfleides die Aufmerksamkeit auf Stüßty, Rosenfranz und Bogasch gewählt. Der Vorſißende gab dann auf diese Weise fam er mit leichteren Verlegungen davon. sich und man muß es doppelt bedauern, daß dieses Reptil unter noch bekannt, daß am Sonntag, den 12. August, ein FamilienausDie Tajchendiebe haben während der Ausstellung anscheinend eine dem gleißenden Aeußern soviel Tücke und Gefährlichkeit verbirgt, flug der Wahlvereinsmitglieder nach dem Lokal von Klugmann, reiche Ernte gehabt. Zur Kenntnis der Polizei find allerdings nur denn in der Bunt- oder Rhinozerosotter( Bitis gabonica) haben Stöpenicker Chauffee, stattfindet. Zum Schluß wurde zum regen Be tvenige Fälle gelangt. So würde dem Grafen 2. E. eine Brief- wir eine der gefürchtetsten afrikanischen Giftschlangen, die nächste such für die am Dienstag, den 3. Juli, im Saale der Wwe. Weigek tasche mit 300 m. Inhalt, einem anderen Besucher die Uhrkette mit Verwandte der südafrikanischen, ebenfalls mit angekommenen Buff stattfindende Frauenversammlung aufgefordert. einem Zwanzigmartstück geraubt. In vielen Fällen haben jedoch otter, vor uns; das Gift dieser neuen Gäste soll durch die Herren die Bestohlenen von einer Anzeige Abstand genommen. Weißensee. Geh. Nat Professor Dr. Brieger und Dr. med. Krause untersucht werden. Vorort- Nachrichten. Bei der gestrigen Erfahwahl zur Gemeindevertretung wurde Von der Berliner Straßenbahn. Uns wird geschrieben: BeTanntlich besteht bei unserer Elektrischen die Einrichtung, daß im Feuerwehrbericht. Von drei verschiedenen Seiten wurde gestern Genoffe Julius Borted mit 271 Stimmen gewählt. Sein Sommer an allen Sonntagen und bei schönem Wetter auch an den abend die Feuerwehr nach dem Bahnhof Butligstraße in Moabit Gegenfandidat erhielt 14 Stimmen. Nachmittagen der Wochentage die Wagen derjenigen Linien, die gerufen, wo ein mit Stroh beladener Eisenbahnwaggon in Bankow. fahrplanmäßig fchon an den Grenzen des Häusermeeres enden, Flammen stand. Der 15. Bug löschte die Flammen mit zwei Die am lebten Dienstag tagende Generalversammlung des weit darüber hinaus bis in die Vor- und Ausflugsorte fahren. Schlauchleitungen. Fast gleichzeitig hatte der 7. Bug beim Bichhof Wahlvereins nahm zunächst den Geschäftsbericht des Vorstandes enta Rejder ist jedoch nicht genügend Fürsorge getroffen, um dem zu tun, wo am Nordring- Bahndamm ein kleines Schwellenlager in gegen. Danach hat der Verein jest 675 Mitglieder, davon 550 int Bublifum die weiterfahrenden Wagen kenntlich zu machen. An Brand geraten war. Um Mitternacht wurde die Feuerwehr bös Pantow. Seit November 1905 haben 29 Versammlungen im Wahlden Seitenschildern ist in den meisten Fällen überhaupt nichts zu williger Weise nach dem Arnswalder Plaz alarmiert. Der Täter vereinsbezirk stattgefunden, auch eine Versammlung in Schönwalde, sehen, sie zeigen nur ihre gewöhnlichen Endstationen. Nur das ist unerkannt entkommen. Nachts um 2 Uhr wurde die Feuerwehr durch die die dortige Organisation wieder aufgerichtet wurde. Neun große Querschild über dem Führerstand zeigt an, wohin der Wagen zum zweiten Male nach dem Moabiter Güterbahnhof, Putlig Flugblätter wurden im verflossenen halben Jahre verteilt, davon in Wirklichkeit geht. Doch auch dabei kommen recht sonderbare straße, gerufen, wo wiederum Stroh auf einem Wagen brannte. 4 sin Pantow, 3 in Französisch- Buchholz, 1 im ganzen Bezirk. Die Dinge vor. Man steht z. B. am Dönhoffplatz und will nach Treptow Auch in der Dolzigerstraße 33 war auf einem Neubau ein Brand Gemeindewahlen in Bankow und Französisch- Buchholz verursachten fahren. Einen Wagen hat man vorübergehen lassen, weil er be entstanden. Lumpen brannten in der Linienstraße 52, Bohnet zusammen 368,85 M. Untoften; aus der Vereinskasse waren 131,45 sept war, ebenso einen anderen, weil er nur bis zur Schlesischen masse in der Voßstraße, Betten usw. in der Kurfürstenstraße 144, Mark zu decken. Die diesjährige Maifeier schloß mit zirka 200 m. Brücke geht. Endlich naht von der Charlottenstraße her ein Wagen ein Klosett in der Stromstraße 30, Möbel u. a. in der Schiebel- Ueberschuß ab. Der Kassenbestand des laufenden Quartals beträgt der Linie 84. Das muß der richtige sein. Doch was ist das? beinerstraße 47, Preßfohlen usw. auf dem Anhalter Güterbahnhof Einnahme mit dem letzten Bestand 920,86 M., Ausgabe 595,85 M., Das vordere Querschild zeigt groß und deutlich die Inschrift: und an verschiedenen anderen Stellen. Wegen der Beseitigung von demnach 325,01 M. In Bankow hat der„ Vorwärts", soweit er durch " Friedrichstraße, Ede Behrenstraße", d. h. diejenige Endstation, leberschwemmungen liefen gegen 30 Meldungen innerhalb weniger bie Parteispedition bezogen wird, eine Auflage von 874, in Niedervon der der Wagen herkommt, aber nicht diejenige, wohin er Minuten ein. Schönhausen von 282, in Französisch- Buchholz von 69, zusammen fährt! Man ist also darauf angewiesen, den Schaffner zu fragen, 1225. Genosse Freiwaldt berichtete alsdann über die Vorarbeiten ob der Wagen bis Treptowo oder nur bis zu seiner offiziellen Endzu einer Zentralspedition für Berlin und die nächsten Vororte und station Schlesische Brücke geht. Und woher die falsche und für flärte die vereinzelt vorgekommenen Verspätungen in der ZeitungsFrenide geradezu irreführende Aufschrift? Der Schaffner erklärt bestellung, über die Beschwerden vorgebracht worden sind, auf. Ein es uns: in Treptow fahren die Wagen am Schluß in einem Kreise auf das andere Gleis, sie werden also umgedreht, und so tommit Stadtverordneten- Versammlung. Der Finalabschluß des Etats Antrag auf Ausschluß eines Genossen wurde zur nächsten Verfemmlung zurüdgestellt. Zu Bezirkslassierern wurder die Genoffen die falsche Bezeichnung nach vorn. Da an der Friedrichstraße die 1905. ist fertiggestellt. Bürgermeister Voigt macht über die Gr- Albrecht, Ehrke, Gorablenfo, Kaiser, Knop, Schön und Walter und Ueberführung auf das andere Gleis vermittelst einer Weiche ge- gebnisse interessante Mitteilungen. Beim Kapitel" Besoldungen" zu Delegierten zu den Kreis- und Verbands- Generalversammlungen schicht, jo regelt sich das wieder, aber natürlich erst bei der nächsten sind 22 600 M. weniger verausgabt worden. Auch in der Armen- die Genossen Gütig, Kühl, Kofz, Laws, Otto, Röber, Sonntag, So sehr ja eine Tour, so daß die Wagen abwechselnd immer zwei halbe Touren verwaltung sind 17 500 M. erspart" worden. Tißmer, Tobler gewählt. Zwei Mandate zu den Generalversammmit richtiger und dann wieder zwei halbe Touren mit falscher Be- vernünftige Finanzwirtschaft anzuerkennen ist, so kann eine zeichnung fahren. Sollte es wirklich so schwer sein, Schilder an- Knauferei an dieser Stelle nicht genug verurteilt werden. An den lungen wurden den Genossen von Französisch- Buchholz zugesprochen. Zu den Differenzen zwischen den Gesangvereinen Eintracht, zubringen, die an der Endstation umgedreht werden und immer für die Aermsten der Armen ausgeworfenen Mitteln darf nicht Flora und dem Wahlverein legte der Vorstand des Wahlvereins eine gespart werden. Für Gebäude find 12 000 M. mehr gebraucht Erklärung des Inhalts vor, daß ihm Mißstimmung oder Abneigung Die Elektrizitätsanlagen haben worden, als vorgesehen war. 7700 m., die Ladestellen 8000 M. mehr gebracht. Die Einnahmen aus gegen die Gefangvereine gänzlich fernliegt, er seinerseits mit dieser den Märkten, waren mit 60,000 M. eingesetzt, sie betragen jedoch Erklärung die Ursache der Differenz, derzufolge die Gesangsauf78 000 m. In welchem Maße sich die Finanzen Rixdorfs bessern, führungen bei der diesjährigen Maifeier unterblieben sind, für begeht aus dem Steuerergebnis hervor. So hat unter anderem die feitigt hält und erwartet, daß die Gesangvereine bei den fünftigen Einkommensteuer den Voranschlag um 50 000 m.( statt 746 000 Parteifesten wieder mitwirken." Folgende von Jügler und Tobler über 790 000 m.) übertroffen. Die Umsatzsteuer hat statt 440 000 borgeschlagene Resolution wurde angenommen:" Die GeneralverMark 625 000 M., die Biersteuer statt 66 000 M. 91 000 M. ergeben. Sammlung protestiert gegen die von den Vertretern der Partei und Der Gesamtüberschuß des Etats beläuft sich auf 461 400 m. Dies der Gewerkschaften angenommene Resolution, die dahin geht, daß Resultat meint der Bürgermeister mit Recht- dürfe man nicht diejenigen Genossen, die am 1. Mai froß gegenteiligen Beschlusses überschätzen; denn die bisher bei Neuaufstellung des Etats immer gearbeitet haben, nicht auszuschließen sind." Es wurde außerdem geübte Praris, den Ueberschuß aus dem Vorjahre vorzutragen, lasse eine von Storte vorgeschlagene und begründete Refolution anDas Ergebnis günstiger erscheinen, als es wirklich ist. Mit diesem genommen, dahingehend, daß das Vorgehen des Genossen Wiesenthal als Gründer und Leiter des neuen Metallarbeiterverbandes Modus müsse deshalb baldigst gebrochen werden. das richtige Biel angeben? Da wir einmal dabei sind, sei noch auf etwas anderes hingewiesen. Ein sehr großer Teil der Berliner Straßenbahnwagen trägt die Seitenschilder in verkehrter Richtung; fährt z. B. der Wagen nach der Mauerstraße, so ist nicht selten das Seifenschild so angebracht, daß an seinem vorderen Ende zu lefen ist: Wiener Brude, Treptow" und umgekehrt. Ebenso bei vielen anderen Strecken. Man wende nicht ein, darauf fäme es nicht an, denn es wisse ja doch jeder, wo der Wagen hinfährt. Es gibt stets biele Taufende von Fremden in Berlin, die das absolut nicht wiffen fönnen, und auch der Berliner selbst tann schließlich nicht alle Teile des ungeheuren Straßennetes so genau fennen. Wir erinnern uns nicht, in irgend einer anderen Stadt den gleichen Fehler bemerkt zu haben, und auch in Berlin war er früher nicht. Gerade weil es eine Kleinigkeit ist, ihn zu beseitigen, sollte man das auch tuni Und noch eins. In einer Gegend, die man nicht durch täglichen Berkehr ganz genau fennt, ist es oft am Tage schwer, am Abend fast unmöglich, die nächste altestelle ohne längeres Suchen zu finden. In Dresden z. B. sind die Haltestellen durch farbige Paternen weithin fenntlich gemacht. Sollte etwas Aehnliches nicht auch bei uns möglich sein? Zu der Liebestragödie auf dem Flakensee wird noch folgendes mitgeteilt: Die Polizeibehörde in Ertner hat die Leichen der beiden jungen Leute gelandet, doch konnte über die Personalien der Toten bestimmtes noch nicht festgestellt werden. Der Name des jungen Mannes ist jedenfalls Keling. Es geht dies aus einer EintrittsIarte zur Landwirtschaftlichen Ausstellung hervor, welche bei dem Toten aufgefunden wurde und die den erwähnten Namen enthält. . dürfte 25-30 Jahre alt gewesen sein. In seinem Befize entdcdte man auch noch eine Medaille mit dem Bildnis des Brautpaares. Das Mädchen heißt jedenfalls Ella Knipser. Es stand im Alter von etwa 20-25 Jahren. Die Verlobungsringe, welche bei beiden vorgefunden wurden, enthalten bei Steling die Eingravierungen E. K. 1905, bei dem jungen Mädchen A. K. 1905. Daß das lebensmüde Liebespaar aus Berlin stammt, ist nach den bisherigen Ermittelungen zweifellos. Die Polizeibehörde in Erfner Rirdorf. Die reichhaltige Tagesordnung, welche einige sehr wichtige entschieden zu berurteilen und beim Altionsausschuß zu beantragen Vorlagen enthielt, wurde von den durch Frienstimmung schon start ist, daß Wiesenthal in der Referentenliste gestrichen wird." Gine beeinflußten Stadtvätern fast ohne Debatte in furzer Zeit erledigt, von den Genossen Koß und Korte an den Vorsitzenden gerichtete Anund zwar im zustimmenden Sinne. So wurden unter anderem frage, welchen Berlauf die Angelegenheit mit dem bisherigen Pandie Neupflasterung der Thomasstraße, die Kosten für die Aushänge- forer Bürgermeister genommen hat, wurde dahin beantwortet, daß fästen der Wetterfarten, der Erweiterungsbau des Rathauses, die die nächste Mitgliederversammlung ausführlich über den Stand der Errichtung weiterer Bedürfnisanstalten einstimmig genehmigt. Dinge unterrichtet werden wird. Ein Antrag auf Unterstützung der Ebenso beschloß die Versammlung die Bauten für die Gasanstalt hier ins Leben gerufenen Jugendorganisation wurde befürwortet. ( ein zweites Retortenhaus und einen dritten Gasbehälter) debatte- Dem Waffermangel, über den wir vor einigen Tagen berichteten, los. Für das Zusammenlegungsverfahren in der Köllnischen Heide soll nun insofern gesteuert werden, als sich nach längeren Ber wurde eine Kommission eingesetzt, der auch die Genossen Conrad handlungen der Berliner Magistrat bereit erklärt hat, Pankow aus und Keil angehören. Die Dringlichkeit der Besetzung der Stadt- der Verlegenheit zu helfen. Berlin will täglich 1500 Rubikmeter bquinspektorstelle für den Tiefbau wurde anerkannt. Bei der letzten Waffer nach Bantom leiten. Die Anschlußarbeiten erfordern eine Aufbesserung der Löhne der städtischen Arbeiter sind insofern Un- Ausgabe von 5100 M., welche von Pankow gezahlt werden. gerechtigkeiten zutage getreten, als die beschlossenen generellen Zu fchläge zur Sonn- und Feiertagsarbeit einigen Arbeitergruppen Reinickendorf. Nachteile brachten, und zwar deswegen, weil für diese Arbeiter Sigung der Gemeindevertretung. Einer Anregung des Ge. vordem höhere Zuschläge üblich waren. Zum Ausgleich dieser noffen Ohl, am hiesigen Realgymnasium Freistellen für Voltsschüler Differenz schlug der Magistrat die Erhöhung der Löhne der un- zu schaffen, will der Gemeindevorstand Folge geben, möchte aber gelernten Arbeiter in der Weise vor, daß die jetzige Lohnstala von bei der Schwierigkeit der Materie feine prinzipiellen Bestimmungen 37-42 Pf. auf 38-43 Pf. pro Stunde festgesetzt wird. Die Stadt- treffen. Genosse Ohl ist damit einverstanden, wünscht aber größte verordneten- Versammlung stimmte diesem Vorschlage zu. Biberalität in der Behandlung der eingehenden Anträge, was auch Für den Erweiterungsbau der städtischen Gasanstalt ist jeßt der zugejagt wird. Ein Antrag des Genossen Ohl, die Entschädigung Entwurf fertiggestellt. Das neue Retortenhaus wird 12 Defen mit der Gewerbegerichtsbeifizer von 5 auf 6 W pro Tag und entsprechend insgesamt 108 schrägliegenden Retorten enthalten, wodurch sich die von 2,50 auf 3 M. pro Halbtag zu erhöhen, wird vom GemeindeTagesleistung der Anstalt um weitere 35 000 Subikmeter erhöhen vorstand bekämpft. Für den Antrag treten die Genossen Ohr, wird. Mit Rücksicht auf die zu erwartende wesentliche Steigerung Schiller und Schilling ein, doch wird derselbe nach lebhafter des Gasverbrauches ist auch der Bau eines dritten Gasbehälters Debatte gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Die ReDie höchste Tagesabgabe betrug 1905 in De- gierung hat erneut die mehrfach abgelehnte Forderung auf AnDer Kundenschuh". Ein ganz eigenartiges Mittel mendet der vorgesehen. Ring der Brauereien an, um die Gastwirte völlig in die Gewalt zember 42 000 Subitmeter, welche sich voraussichtlich im gleichen stellung eines höheren Baubeamten( Regierungsbaumeisters) ge Der Bierlieferanten zu bringen. Der von uns bereits erwähnte Monat 1906 auf 53 000, 1907 auf 67 000 und schließlich 1910 stellt. Da jetzt bei der beginnenden Tätigkeit der Baugesellschaften Bertrag enthält auch eine Bestimmung über den sogenannten auf 110 000 Stubifmeter erhöhen wird. Demgegenüber ist es sehr zu mit einer bedeutenden Zunahme der Bauten gerechnet werden muß, undenschutz, die anläßlich der seit einigen Wochen schwebenden bedauern, daß nach Ansicht des Magistrats die wünschenswerte Auf- fo beschließt die Versammlung einstimmig, dem Drängen nachzuDifferenzen wegen der Gislieferung schon wiederholt in Kraft ge- ftellung eines Behälters von 85 000 Stubifmeter Inhalt wegen des geben und zunächst einen Tiefbaumeister anzustellen. Die febt wurde. Die Brauereien verpflichten sich nämlich gegen hohe Mangels cines genügend großen Grundstückes unterbleiben muß und Heizungsanlage für die erste Gemeindeschule soll bergeben werden. Konventinalstrafe, teinem Gastwirt Bier zu liefern, der bisher man auf den Bau eines. Gasbehälters von mur 25 000 Rubikmeter Genosse Schilling spricht sich gegen die Ausschreibung einer Stunde ciner anderen Ringbrauerei war und wegen des höheren angewiesen ist. Es ist das ein Eingeständnis, das recht bezeichnend Submission aus; es wird beschlossen, die Arbeit freihändig zu ver= Eis- oder Bierpreises von seinem alten Lieferanten abgehen will. ist gegenüber der Behauptung, die Stadt forge genügend für das geben. Bugestimmt wird dem Abschluß eines Vertrages mit WitteEs ist schon vorgekommen, daß ein Gastwirt, der dem Brauerei Bedürfnis an Grundstücken, und der Tatsache, daß städtischer Grund nau, wonach die Oranienburger Chauffee, die durch Neinidendorf vertreter erklärte, er werde von ihm kein Eis und Bier mehr be- und Boden sogar in jüngster Zeit noch veräußert wurde. Das neue mit Reihensteinpflaster versehen ist, auf dem Wittenauer Gebiet in ziehen, an den Hauptgeschäftstagen Sonnabend und Sonntag Retortenbaus wird 590 000 M., der Gasbehälter 281 000 m. Sosten derselben Weise ausgebaut wird. Wittenau zahlt dafür an Reinidendorf 60 000 m. und verzichtet auf seinen Anteil an der Berliner und nirgends Bier befommen fonnte, so daß er von seiner alten verursachen. Kreis- Beihülfe. Zur Erweiterung des Wasserwerks werden die Brauerei bedingungslos weiter kaufen mußte. Kosten für vier neue Tiefbrunnen bewilligt. bittet daher die Angehörigen der jungen Leute, die Leichen zur Refognoszierung in Augenschein zu nehmen. Die Fachausstellung für Wäscherei und Blätterei wird programmäßig am 30. Juni, nachmittags 5 Uhr in der Philharmonie eröffnet. Seinen Wochenlohn und 83 M. Verbandsgelder im Gesamtbetrage. von 115 m. verloren hat am vergangenen Sonntag auf der Stadtbahn zwischen Rummelsburg- Ost und Warschauerstraße ein P. Strauß. Seidenfeldstraße 5. Selbiger bittet den ehrlichen Finder, den Betrag gegen gute Belohnung in seiner Wohnung abzugeben. Arbeiter Bildungsschule. Für die Teilnehmer des Kursus in Gewerkschaftswesen findet am Sonntag, den 1. Juli, noch eine Bufanunentunft statt. Treffpunkt Bahnhof Grunewald 8 Uhr ( Bahnsteig). Schöneberg. Der Jahresabschluß der städtischen Verwaltung in Schöneberg Der Vorstand der Arbeiter- Samaritertolanne ersucht uns, mithat für das Rechnungsjahr 1905 einen Ueberschuß von 306 529,96 Mauteilen, daß die Arbeiter- Samariterfolonne ihre Vergnügungen stets gebracht. Dieser Ueberschuß ergibt sich hauptsächlich daraus, daß in freien Lokalen abhält und nicht, wie es in dem Wahlvereinsbericht an Steuern eine bedeutend höhere Summe vereinnahmt worden ist, der gestrigen Nummer heißt, im„ Seebad Reinickendorf" ihre Festals im Etat vorgesehen war, auch ist der Zuschuß zum Schuletat lichkeiten abhalte. Es könne damit nur die Samariterkolonne vom um 45 000 m. und zum Bauetat um 43 000 M. geringer gegenüber roten Streng" gemeint sein. den gemachten Anfäßen. Im vorhergehenden Jahre betrug der Der Ueberschußfonds von den letzten Ueberschuß 409 703,41 M. bier Jahren hat jetzt die Summe von 1342 000 M. erreicht. Rummelsburg. Einen Spandau. Die Stadtverordnetenversammlung ftand am Donnerstag im Zeichen des Verkehrs. Einstimmig wurde in namentlicher Abstimmung nach poraufgegangener elpa zweistündiger Beratung der Dem Zoologischen Garten ist von Herrn Oberleutnant erfreulichen Aufschwung hat die Parteibewegung Anlauf der Straßenbahn seitens der Stadt beschlossen. Sogar der v. Stegmann eine große Sammlung chinesischer Tiere, Rummelsburgs zu verzeichnen. Die Mitgliederzahl ist von 500 auf Stadtverordnete Tieße, der sich in voriger Sibung als großer die er aus Niantichou mitgebracht hat, zum Gefchent gemacht worden, 850 gestiegen. Dem Tätigkeitsbericht, den der Vorsigende, Genosse Gegner des Anlaufs bekannte, war zu seinem Vorteil umgefallen darunter drei Seeadler, drei hus, drei graue Kraniche, ein Stein- John, in der am letzten Dienstag abgehaltenen Generalversammlung und stimmte für die Vorlage. Die fleinen Anzapfungen im Vorhuhn, viele Kernbeißer und Grünlinge, eine Anzahl fleiner schwarzer gab, ist zu entnehmen, daß in den letzten acht Monaten 16 Bor wärts" scheinen doch ihre Wirkung getan zu haben. Eine zweite Schweine, ein paar Wölfe, ein Fuchs und vier Eichhörnchen. Alle standssitungen, 5 Vereinsversammlungen und 10 öffentliche Ver- Verkehrseinrichtung fand ebenfalls gegen nur eine Stimme die Zudiese Tiere sind in bester Verfassung hier eingetroffen. Der chinesische fammlungen stattgefunden haben. In dem Außenbezirk Rüdersdorf Stimmung der Versammlung, nämlich die Genehmigung des Ber Buffard und Fuchs gehören Arten an, die bisher hier noch nicht ver- ist die Mitgliederzahl von 30 auf 80 gestiegen. Die Russensamm trages zwischen der Stadtgemeinde und dem Kreise Osthavelland be treten waren. Die Tiere sind gegenwärtig den entsprechenden Gruppen lung hat die Summe von 375 M. ergeben. Einwände gegen den treffend den Bau und Betrieb der Kleinbahn Spandau- Böhow mit gingereiht und im Garten verteilt, aber durch die Geschenkschilder Vorstandsbericht wurden nicht erhoben. Den Kassenbericht gab Anschluß an die Kleinbahn Nauen- Belten. In dem neuerdings leicht auffindber. Genosse Schirmer. Die Einnahmen betrugen 1761,87 M., die Aus- vorgelegten Vertragentivurf hat sich Spandau insoweit mehr Vorgaben 710,75 M., somit ist ein Kassenbestand von 1051,12 M. borteile gesichert, als die Stadt zur Hälfte am Reingewinn beteiligt Das Berliner Aquarium ist jetzt in der Lage, den Besuchern eine Henden. Auf Antrag. der Revisoren erteilte die Generalversamm ist und auf die Leitung der Bahn insofern eine Einwirkung hat, Sammlung Gtfchlangen vorzuführen, wie sie noch nie in folcher lung dem Kassierer Decharge. Punkt 2 der Tagesordnung betraf als drei Vertreter der Stadt in die aus 6 Mitgliedern und einem Reichhaltigkeit der Arten hier vertreten war; sie umfaßt Spezies die Beschlußfaffung eines neuen Statuts für den Bezirkswahlberein Borsibenden einzusehende Kommission gesandt werden können. Die aus alten Faunengebieten der Alten und Neuen Welt und Selten Rummelsburg. Das der Versammlung vom Vorstande unter Ansicht, welche unsere Genossen schon seit Jahren vertreten, daß heiten ersten Manges, nachdem vor einigen Tagen eine Anzahl breitete Statut fand ohne jedwede Aenderung einstimmige Annahme. nicht genug Verkehrswege geschaffen werden können, und daß man afrikanischer Giftschlangen hierher gelangte. Aus der Grippe der Die Vorstandswahlen, die sich unter teilweise sehr erregten solche Verkehrsunternehmungen am besten in eigene Regie über. Giftiattern ist zum erstenmal hier bertreten die schwarze Hutschlange Debatten vollzogen, ergaben folgendes Resultat: 1. Vorsitzender Otto nimmt und sie nicht Privatgesellschaften überläßt, scheint sich doch ( Naja nigricollis), eine Gattungsverwandte der schon aus der Ge- John, 2. Borfißender Klecs, 1. Staffierer Richard Schirmer, allmählich auch bei den bürgerlichen Stadtverordneten Bahn zu schichte Mofis belaunten ägyptischen Aspis Uräus 2. Kassierer Brüschke, 1. Schriftführer König und 2. Schriftführer brechen. Die übrigen Vorlagen sind von geringerer Bedeutung. Zu und der indifchen Brillenschlange, die gleichfalls hier vor Stein. Die Revisoren und der Bibliothefar wurden in ihren Aemtern erwähnen wäre noch, daß auch der Pflasterplan für 1906 Annahme handen sind. Die nette Art zeichnet sich durch glänzend- weiter bestätigt. Als Delegierte zur Kreisgeneralversammlung, fand. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchbrucerei u. Verlaasanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. oder