Nr. 154. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 50 Pig., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ., Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Internationale Fragen. London, 3. Juli. Gleichzeitig mit der Veröffentlichung dieser Zeilen werden auch die Depeschenbureaus das Wesentliche der Diskussionen verbreiten, die im englischen Unterhause am 5. Juli über verschiedene Gegenstände der auswärtigen Politit stattfinden. Wir können indes manches vorwegnehmen, da aus den vorher gegangenen parlamentarischen Debatten und Preßnachrichten einiges über die kommenden Erklärungen des Ministers des Aeußern, Sir Edward Grey, bekannt ist. 1. Der Besuch der englischen Flotte in Kronstadt. Außerordentlich groß ist die Aufmerksamkeit, mit der hier die russischen Vorgänge verfolgt werden. Die zahlreichen Korrespondenten der Londoner Tageblätter und Monatsschriften, die sämtlich gute Verbindungen sowohl mit den Vertretern der parlamentarischen Parteien als auch mit den Vertretern der Regierung haben, berichten von Tag zu Tag Freitag, den 6. Juli 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Nach Fizmaurice sprach Lansdowne:.... Mißerfolge dieses Abkommens. Die Bedeutung eines englischIch stimme russischen Ausgleichs wurde vor ungefähr einem Jahre an ganz den Bemerkungen Lord Newtons bei. Als die Frage im dieser Stelle im Artikel:" Wandlungen der Weltpolitik" aus Jahre 1903 diskutiert wurde, traten wir in vertrauliche Be einandergesetzt. Diese Bedeutung ist für England bei seinem ziehungen zu großen Finanzhäusern, die sich für dieses UnterLatenten Sonflitte mit dem Deutschen Reiche gewiß nicht zu nehmen interessierten, und wir hofften, die Sache so zu arranunterschätzen. Dazu kommt jetzt ein neuer Faktor: England gieren, daß die Linie( ein Teil derselben ist deutsch) von See ist mit Frankreich alliiert. Frankreich ist finanziell zu See internationalisiert wird. Könnte man dies unter entund militärisch an Rußland gebunden. Ein Zusammen- sprechenden Garantien ausführen, so wäre fein Anlaß für bruch Rußlands muß für die innere und die uns, eine obstruktive Haltung einzunehmen, die mein Freund äußere Lage Frankreichs sehr ernste Folgen haben, auf der Gegenbank( d. h. Lord Fizmaurice) für nicht richtig die dann auf England rückwirken können. Englands aus hält." | wärtige Politik rechnet mit Frankreich wie mit einer kon- Aus dieser Debatte geht hervor, daß die liberale Regiestanten Größe; sie fann es also nicht gestatten, daß Frankreich rung doch geneigt ist, ein Uebereinkommen mit Deutschland geschwächt wird, und das offizielle Frankreich ist wie ge- zu treffen, in welchem die Bagdadbahn und die Erhöhung fagt an einer sehr ruhigen Entwickelung der Dinge in der türkischen Finanzen eine Rolle spielen. Es ist möglich, Rußland interessiert. Man sieht, mit welcher diplomatischen daß Sir Edward Grey auch über diese Angelegenheit am Wäre er 5. Juli im Unterhause sprechen wird. Rettenrechnung Sir Edward Grey zu tun hat. einigermaßen sicher, daß das russische Volt siegen wird, dann könnte er den Zaren völlig ignorieren. Wie aber, wenn die Krone Siegerin bleibt? Am 5. Juli spricht er im Unterhause. Seine Rede wird Die Revolution in Rußland. Blinder Zorn. in längeren Depeschen über die Lage oder richtiger über die wahrscheinlich ein Eiertanz sein. Er wird keinen der in Ruß- Petersburg, 5. Juli. Der„ Russfij Inwalid" veröffentlicht einen fortgesetten Wandlungen der Lage. Demnach ist es ungemein land kämpfenden Faktoren vor den Kopf stoßen wollen. Tagesbefehl des Kaisers vom 4. de. Mts., der den Oberkomman schwierig, auch nur vorauszusagen, was der nächste Morgen Dder aber: er wird es dem britischen Volke über- dierenden des Petersburger Militärbezirks und der Garde, Großbringen mag. Einzelheiten vorherzusagen ist immer lassen, die Duma in Schutz zu nehmen und die fürsten Nikolaus auf den Mangel an innerer Ordnung und Diszischwierig, auch wenn die Lage nicht so verwickelt, nicht ganz zum interparlamentarischen Kongreß nach London kommenden plin beim ersten Bataillon des Preobraſchenstischen Leib- Gardeso aus den Angeln ist wie die gegenwärtige Situation in und erhalterie Division und Rußland. Außer stilistisch- schönen Beschreibungen der stürmisch Dumamitglieder enthusiastisch zu empfangen( und der Empfang Regiments aufmerksam macht und dieferhalb Verweise für den Rußland. Außer ſtiliſtiſch- schönen Beschreibungen der stürmisch wird ohne Zweifel über alle Maßen herzlich sein), während Kommandeur des Gardekorps, der 1. Garde- Infanterie- Division und aufgepeitschten Oberfläche des russischen Lebens, außer Meinungen und Ansichten verschiedener hervorragender Männer gibt es er als Minister des Aeußern den garen durch die Entsendung in den Korrespondenzen nichts, was uns bei der Beurteilung des britischen Geschwaders nach Kronstadt ehren wird. der Lage helfen könnte. Aus den verschiedenartigen Eindrücken, Mitteilungen und Betrachtungen läßt sich indes etwa folgendes 2. England, türkische Zölle, Mazedonien und Bagdadbahn. entnehmen: Die Mehrheit der Duma ist entschlossen, die Bauern für sich zu gewinnen und die Arbeiter nicht abzustoßen, um im Stampfe mit dem Absolutismus die Nation auf ihrer Seite zu haben. Sodann ist sie entschlossen, dem Beispiele der deutschen Sozialdemokratie zu folgen: die parlamentarischen Formen und die Loyalität zu wahren. Letztere Erwägung geht aus einem sehr tüchtigen, in englischer Sprache erschienenen Buche Miljutows, The Crisis in Russia"( Die Krisis in Rußland") herbor. Demgegenüber ist die russische Regierung entschlossen, dem Beispiele der preußischen Regierung zu folgen: die Duma zur Dhnmacht zu verurteilen und sie zu einem Diskutierklub zu degradieren. Die Duma soll das Schicksal des Frankfurter Parlaments teilen. Daraus ergibt sich für die Duma die Aufgabe, akademische Diskussionen zu vermeiden, sich in geschäftsmäßiger Weise an die Ausarbeitung einiger der wichtigsten, notwendigsten und agitatorisch wirksamsten Gesegesvorlagen zu machen und der Regierung die Verantwortlichkeit für die Verwerfung dieser Vorlagen zu überlassen. zu retten. Im Oberhaus wurde gestern von Lord Newton, Lord Fizmaurice( Unterstaatssekretär des Auswärtigen) und Lord Lansdowne die Frage der Erhöhung der türkischen Zölle disfutiert, die von internationalem Interesse ist, besonders für Deutschland. Die türkische Bollpolitik steht gleich der chinesischen unter internationaler Aufsicht. Die Einfuhrzölle betragen 8 Prozent und ergeben etwa 40 Millionen Mark. Als es sich im vorigen Jahre darum handelte, die mazedonischen Finanzen, die im Jahre 1904 ein Defizit von ungefähr 14,4 Millionen aufwiesen, unter internationale Verwaltung zu stellen, schlug der Sultan den Mächten vor, die türkischen Zölle von 8 auf 11 Proz. zu erhöhen. Diese Zollerhöhung würde ein Mehr von etwa 15 Millionen Mark bringen, die zur Deckung des mazedonischen Defizits verwendet werden sollen. der 1. Brigade ausspricht. Ein zweiter Tagesbefehl enthält die Berabschiedung des Komman deurs des Preobraschenstischen Leib- Garde- Regiments Generalmajor a la suite Gadon und des Kommandeurs der 1. Garde- InfanterieDivision Generalmajor a la suite Dierow sowie die Enthebung des Kommandeurs des Gardekorps Fürsten Wassiltschikom von seinem Posten unter Belaffung der Würde als Generaladjutant. Das Kommando des Gardekorps erhielt Generaladjutant Danilow, die übrigen freigewordenen Stellen sind mit Offizieren von der Linie besetzt worden. Die findische Wut, mit der hier gemaßregelt wird, ist für Nikolaus und seine Einbläser bezeichnend. Anstatt den Motiven der Gärung und der Unzufriedenheit auf den Grund zu gehen, wird barauf los gestraft und so neue Unzufriedenheit geschaffen. Desto besser für die Sache der Revolution! Uebrigens scheint des Baren Rache" den Betroffenen nicht ge rade sehr zu imponieren. Das B. T." erhielt nämlich folgendes Privat- Telegramm aus Petersburg: " Gestern( Mittwoch) fand in der Nähe der Reichsduma auf offener Straße ein Arbeitermeeting statt, wobei die Arbeiter der in der Nähe liegenden Fabriken mit roten Fahnen und Abfingen revolutionärer Lieder aufzogen. Eine aufgebotene Kompagnie des Leibgarde- Preobraschensti- Regiments weigerte sich, das völlig friedliche Meeting mit der Waffe auseinanderzutreiben, worauf berittene Schußleute eingriffen und hierbei den Dumaabgeordneten Ssedelnikoff verlegten. Der Die britische Regierung wandte sich gegen diesen Vorschlag, da etwa 60 Prozent der türkischen Einfuhrzölle auf britische Waren fallen. Sie sagte, die schlechte Lage der türDie Durchprügelnng des Duma- Abgeordneten, tischen Finanzen sei die Schuld der Pforte, und warum solle von der am Schlusse dieser Depesche die Rede ist, verursachte natür nun England für die Fehler der Pforte büßen? Vor einigen lich am Donnerstag in der Duma große Erregung, umsomehr als Mag diese Auffassung richtig oder unrichtig sein, soviel ist Wochen verbreitete jedoch das Gerücht, daß die britische bekannt wurde, daß Sjedelnikoff von mehreren Polizeibeamten ge sicher, und hier leugnet es niemand, daß der Kampf Regierung geneigt sei, dem Vorschlage des Sultans zuzuschlagen worden war, troßdem er erklärt hatte, er fei Abgeordneter! zwischen Volk und Krone entbrannt ist. Aber wer der Sieger stimmen aus Rücksicht auf die traurige wirtschaftliche Lage Aladjin erklärte namens der Arbeitsgruppe, daß, falls sich ein bleiben wird, weiß man hier nicht. Diese Ungewißheit spiegelt Mazedoniens. Dagegen protestierten mehrere Politiker und derartiger Vorgang noch ein einzigesmal ereigne, die Sozialisten die sich in der englischen Presse und in den politischen Dis- begründeten ihren Protest in folgender interessanten Weise: Minister nicht zu Worte kommen lassen würden. Falls irgend ein fuffionen wieder, und sie beeinflußt den Gang der äußeren Das mazedonische Defizit wurde bisher aus türkischen Abgeordneter von der Polizei geschlagen oder getötet würde, werde Politit; denn seit einem Jahre ist eine englisch- russische An- Reichseinnahmen gedeckt. Jetzt werden die mazedonischen die Arbeitsgruppe für die Sicherheit der Minister, die es wagen näherung höchst wahrscheinlich geworden. Als Manifestation Finanzen sorgfältiger und sparsamer verwaltet, wodurch das würden, vor der Duma zu erscheinen, nicht aufkommen. dieser Annäherung soll bekanntlich ein britisches Geschwader Defizit erheblich reduziert wird. Werden nun die türkischen Abgeordnete ſchloß unter donnerndem Beifall mit den Worten: Wir werden es es dahin bringen, daß die Personen der Kronstadt besuchen. Allein es entsteht die Frage: Wem sich Einfuhrzölle von 8 auf 11 Prozent erhöht, so erhält der Bertreter des russischen Voltes geheiligter find als die Rußland befindet Sultan ein Mehr von 15 Millionen Mark, die er gerade Personen der Minister, die noch nie von der Polizei geschlagen nähern: der Krone oder dem Volke? sich in einer tiefen Umwälzung; der alte formale braucht, um den Deutschen den Bau der Bagdadbahn zu worden sind." Rechtsboden ist erschüttert. Die Frage lautet nicht mehr: erleichtern! Da diese Bahn nun bis zum Persischen Golf Mehrere Abgeordneten schilderten darauf den gestrigen Vorgang Autokratie oder Liberalismus? sondern: Liberalismus laufen wird und auch mit der geplanten Ronstantinopel- wie folgt: Einige Polizisten sprachen Siedelnikoff auf dem Wege zu oder Demokratie? Der Absolutismus ist nicht mehr Mekka- Bahn zusammenhängt also in ihren Endstationen einer Versammlung, die später aufgelöst wurde, barsch an. Er erwiderte darauf:" Ich bin Mitglied der Duma." Trotz dieser ErDie Dezemberschlächtereien in Moskau haben auf britische Interessen stößt so gibt England tatsächlich flärung durchsuchte man seine Taschen. Die Polizei nahm ihm dann ihm nichts genügt. Die große Mehrheit der Duma verlangt den Türken und den Deutschen die Mittel, Englands Inter- den Revolver fort, den er stets bei sich trägt, da ihm die Reaktionäre ein tonftitutionelles Ministerium, eine der Duma entnommene essen zu bedrohen! den Tod angedroht haben. Dann schlugen ihn die Polizisten und Regierung, die also vom Volte gewählt, dem Volte ver- Lord Newton, der die Regierung gestern darüber inter- verwundeten ihn an den Beinen und am Halse. antwortlich ist und fürs VoIt regiert. Es ist im Grunde ge- pellierte, sagte:... Es ist ein offenes Geheimnis, daß in nommen dasselbe Verlangen, das die Liberalen nach dem manchen Kreisen gehofft wird, die Erhöhung des Tarifs werde 30. Oftober 1905 stellten und das die Regierung im Moskauer die Gewährung der filometrischen Garantie für die BagdadBlutbade zu ertränken gedachte. bahn erleichtern. Diese Bahn ist ein rein deutsch es Die Majorität des britischen Volkes wünscht der liberalen Unternehmen, und als es sich im Jahre 1903 um eine britische Mehrheit den Sieg. Sie ist deshalb gegen die Ent- Teilnahme am Bahnbau handelte, erklärte Lord Lansdowne, sendung der Flotte nach Kronstadt, gegen jede offizielle daß die Bahn unter deutsche Herrschaft falle und wir deshalb Aus Odessa, Kursk und Kronstadt. Manifestation einer englisch- russischen Freundschaft, so lange der an ihrem Bau nicht teilnehmen können. Der Bau hat bis Scherl bringt folgende Privatmeldung: Bar den Forderungen der Duma im Wege steht. Die Megeleien jezt geringe Fortschritte gemacht, aber die Aussicht auf eine An einem Meeting, das die Sappeure in Odessa abhielten, von Bialystok haben hier den Unwillen gegen das ancien Bahnlinie vom Bosporus nach Metta fönnen wir nicht mit Offiziere versuchten, die Soldaten zu régime Rußlands erheblich verstärkt. Sowohl im Parlamente wie Gleichgültigkeit betrachten. Jetzt ist die Gelegenheit da, nicht nahmen 1300 Mann teil. in den Versammlungen und Sitzungen der verschiedenen politischen nur mit Deutschland zu unterhandeln, sondern auch mit beruhigen, indem sie ihnen das Wort gaben, daß die Vorgesetzten ihre Forderungen prüfen und nach Möglichkeit befriedigen würden. Die Drganisationen wird der Meinung Ausdruck gegeben, daß die der türkischen Regierung. So lange die türkischen Zölle Soldaten antworteten jedoch:" Sie wissen sehr gut, daß wir nicht allein Entsendung eines britischen Geschwaders nach Kronstadt dem so bleiben wie jezt, haben wir eine Basis, auf der wir unter- unsere Lage beraten, wir beraten die Forderungen ganz Rußlands, vom russischen Volke mit so ungeheueren Opfern geführte handeln können. Werfen wir aber diese Karte fort, so um sie bei der Reichsbnma einzubringen." Die Offiziere sahen fich Kampf nur schaden könnte. Auch der größte weltpolitische schwächen wir unsere Position." infolgedessen gezwungen fortzugehen. So oft sie hatten sprechen Vorteil einer auf diese Art gewonnenen russischen Freund- Lord Fizmaurice antwortete: es sei nicht wahr, daß wollen, mußten sie sich zunächst vom Borsigenden in die Rednerlifte schaft wäre nicht imstande, den Schaden aufzuwiegen, der der England dem Vorschlage des Sultans zustimme; es sei noch eintragen lassen. Auch in der Garnison von Kurst herrscht starke Gärung unter Freiheit zugefügt würde. gar nichts entschieden. Sollte die Regierung aber dennoch dem Militär, besonders bei den ausgedienten Soldaten, deren EntAllein die Diplomatie geht ihre eigenen Wege. Sir zustimmen, so könne sich das Land darauf verlassen: England laffung verzögert wird. Edward Grey hat von seinem konservativen Vorgänger Lord werde Vorsichtsmaßregeln treffen, damit das Geld mazedoni- In Kronstadt hat nunmehr die kriegsgerichtliche Verhandlung Lansdowne das Vermächtnis übernommen, einen Ausgleich schen Reformzwecken und nicht der Bagdadbahn zugeführt gegen den Admiral Roschdjestwensti wegen Kapitulation des mit Rußland herbeizuführen. Der diplomatische Ruf der werde. Uebrigens sei die Angelegenheit eine delikate und es Torpedobootes Bedowy" begonnen. Roschdjestwenski wird sich selbst liberalen Regierung steht und fällt mit dem Erfolge oder werde ihr alle Aufmerksamkeit zugewendet, die sie verdiene, verteidigen. Er trägt noch ein Pflaster auf der Stirn und nimmt Als der Minister des Innern eine Untersuchung und Bestrafung der Schuldigen zusagte, ertönten Rufe:" Demiffionieren!"( Große Unruhe.) Der Präsident bittet die Linke, ruhig zu bleiben und nicht dem Beispiel der Vertreter des alten Regimes nachzuahmen, die ihre Macht mißbrauchen. Die Duma beschließt darauf, eine dringende Interpellation über die zur Bestrafung der Polizei von der Regierung ergriffenen Maßnahmen. " auf einem besonderen Sessel Plaz. Seine mitangeklagten Offiziere bekennen sich unschuldig. Roschdjestwenski sagt, er allein trage die Russendienste. Ausgebeuteten zur Hülfe zu eilen, nicht aber die Niederträchtigkeit der Man schreibt uns: Der russische Student Sypowicz wurde Schlotbarone noch zu unterstützen. Sie wird den Dingen wie's Schuld. Die ihm zugeschriebenen Worte:" Handeln Sie als ob ich am 26. Januar d. J. in Tilsit, in der Wohnung des Deutsch- Litauers scheint noch so lange ihren Lauf laffen, bis die organisierte nicht an Bord wäre," habe er, da er schwer ver..... det war, wannagatis verhaftet, weil er unter dem„ bringenden Verdacht Arbeiterschaft Ungarns die Sache der Bergsklaven in ihre Hand mechanisch gefagt, mithin den Befehl zum Kampfe nicht genügend der Geheimbündelei" stand. Wannagatis ist deutscher Reichs- nimmt. Dann dürften die Behörden und ihre Schützlinge, ausgeprägt. Seine Zustimmung zur Kapitulation habe er angehöriger und vertreibt allerlei in Deutschland erlaubte Schriften. die Scharfmacher, die gebührende Strafe für ihre Gemeinheiten burch mechanisches Kopfniden zu erkennen gegeben. Generalftreik in Tiflis. " Deutfches Reich. Agrarische Zolltreibereien. Den Agrarieru paßt es nicht, daß der Zelltarif einen Unters Die Verhaftung war bestimmt, der Ausgangspunkt zu einem neuen ernten. Geheimbundsprozeß nach Art des großen Königsberger Tiflis, 5. Juli.( Meldung der Petersburger Telegraphen Hochverratsprozesses zu werden. Nur war der Anlaß für die AnAgentur.) Heute wird vor einem Kriegsgericht die Angelegenheit flage noch nichtiger wie damals. der 27 Soldaten des Regiments Mingrelien, die der Teilnahme an Auflehnungen angeklagt find, verhandelt. Einer Gegen den verhafteten Studenten Shpotvicz lag nichts weiter der Angetlagten ist einige Tage vor der Sigung aus dem Hospital bor, als daß er sich in der Wohnung des Wannagatis aufgehalten ausgebrochen. Aus Anlaß der Verhandlung dieses Prozesses hat. Sypowicz war lediglich aus Rußland nach Deutschland geschied zwischen Futter- und Malzgerste macht und für erstere sich der herrscht in der Stadt der Generalausstand: weder Droschten tommen, um sich von hier aus weiter ins Ausland zu begeben. Vertragszoll nur auf 1,30 M. pro Doppelzentner stellt, während er noch Straßenbahnen verkehren. Bäcker und Fleischer haben Die ganze Geheimbundsanklage baute sich auf folgender Grundlage für Malzgerste auf 4 M. festgesetzt ist. Da nun seit Inkrafttreten die Läden geschlossen. An vielen Orten sind in der Stadt Kanonen auf: Im Königsberger Hochverratsprozeß sei festgestellt worden, der neuen Handelsverträge, also seit März d. J., nur wenig Malzund Maschinengewehre batterieteise aufgestellt. Ueberall stehen daß eine„ geheime Verbindung" zum Vertrieb russischer Schriften gerste eingeführt worden ist, schließen sie einfach, daß die fremde verstärkte Piketts. In den Straßen herrscht Ruhe. Gestern abend haben die lokalen Komitees der revolutionären Sozialisten und der bestehe, ein„ Geheimbund", der von russischen Revolutionären in Malzgerste als Futtergerste in das deutsche Zollgebiet eingeht, und Sozialdemokraten Proflamationen ausgegeben, die die Bevölkernug London und Zürich ausgehe. Dort hätten sich die erheben in ihrer Presse das Geschrei nach einer Abänderung der auffordern, einen Protest gegen das Kriegsgericht durch einen russischen Revolutionäre zusammengetan, um ihre Hoch- Zollordnung. Jedem, der den Brauereibetrieb fennt, erscheint die Generalstreit auszudrücken. Morgen erscheinen feine Zeitungen. Der berräterischen Unternehmungen vorzubereiten, und fich mit ganze Schreierei als lächerlich, denn bekanntlich wird im Sommer Prozeß wird einige Tage in Anspruch nehmen; er wird unter Aus deutschen Staatsbürgern„ heimlich" verbündet. Da nun nur ganz ausnahmsweise gemälzt, und außerdem haben fast alle schluß der Deffentlichkeit geführt. Wannagatis folche Schriften vertrieb und da nun Sypowicz ihn be- größeren Brauereien vor dem 1. März große Gerstenmengen Fabrikanten- Uebermut. sucht hat, muß auch Sypowicz, Mitglied diefer geheimen Verbindung" eingekauft. Auch die Krefelder Handelskammer, die, um dem von jein! den Agrariern beabsichtigten Schlag zuvorzukommen, an den ReichsUnserem Genossen Haase und dem Tilsiter Rechtsanwalt schatzsekretär eine längere Eingabe in dieser Angelegenheit gerichtet Dr. Ehrlich gelang es nach vielen Bemühungen, die Aufhebung hat, führt die geringe Einfuhr von Malzgerste auf diese Tatsache des Haftbefehls gegen Sypowicz durchzusetzen. Sie machten mit zurück. Sie schreibt: Recht geltend, daß die Leute, die von London und Zürich aus die Verbreitung der fraglichen russischen Schriften in Rußland planten, nie mals die Absicht hatten, ihr Vorhaben vor der preußischen Regierung geheim zu halten, sondern höchstens vor der ruffifchen. Außerdem aber find in Rußland inzwischen ganz neue Verhältnisse eingetreten; die Personen, von denen im Königsberger Hochverratsprozeß festgestellt war, daß sie in London und Zürich lebten und sich von dort aus um den Vertrieb russischer Schriften in Rußland bemühten, find infolge der Amnestie vom Oftober 1905 längst nach Rußland zurückgekehrt und sind jetzt vielleicht sogar Abgeordnete in der Duma, möglicherweise bald Mitglieder der russischen Regierung. Petersburg, 5. Juli. Die Petersburger Telegraphen Agentur meldet aus Riga: Das hiesige Fabrikantenkomitee erließ an feine Mitglieder ein Rundschreiben, in dem es den Mitgliedern borschreibt, feine Kollektivforderungen der Arbeiter zu bewilligen, ohne die Zustimmung des Komitees eingeholt zu haben. Falls die Arbeiter die Ruhe störten, seien die Fabriten zu schließen und wenn die Schließung einzelner Fabriken nicht die gewünschte Wirkung habe, feien die Arbeiter der ganzen Kategorie, zu welcher die Streifenden gehörten, zu entlassen; bleibe auch das wirkungslos, so werde eine Versammlung der Fabritanten zur Beratung einer allgemeinen Aussperrung einberufen werden. Bestrafte Wahrheitsliebe. Petersburg, 5. Juli.( Meldung der Petersburger TelegraphenAgentur.) Nach einer Meldung aus Bialystok vom 4. Juli ist das Stadthaupt Malinowsky vom Generalgouverneur seines Amtes enthoben worden, weil er beabsichtigte, eine außerordentliche Sigung, der Stadtduma einzuberufen, um den Bericht des Generals von Bader über den Pogrom zu widerlegen. Sympathiekundgebung. Paris, 5. Juli.( B. H.) Der Generalrat des Seinedepartements hat unter Vorbehalt der Zustimmung des Seine- Präfetten mit 41 gegen 22 Stimmen beschlossen, dem russischen Bolt eine Sympathie kundgebung zu übermitteln. Gleichzeitig wird darin der Wunsch ausgesprochen, daß Schritte zur Verhinderung weiterer Judenmaffaters unternommen werden möchten, da derartige Vorgänge Rußland entehrten. Politische Uebersicht. " Berlin, den 5. Juli. " Am 29. Juni wurde dann endlich der Haftbefehl gegen Sypowicz aufgehoben, weil kein dringender Verdacht" seiner Beteiligung an einer geheimen Verbindung besteht. Die Agrarier weisen darauf hin, daß im März und April d. J. faſt ausschließlich" Futtergerste" " Futtergerste"( 1900 000 Doppelzentner), Malzgerste hingegen nur in geringen Mengen( 7000 Doppelzentner) eingeführt worden sei und folgern hieraus, daß auch Malzgerfte weit überwiegend zu dem lediglich für die andere Gerste vorgesehenen niedrigen golfsatz von 1,30 M. pro Doppelzentner abgefertigt worden sei. Die geringe Einfuhr von Malz gerste erklärt sich indes für den Sachkenner auf andere Weise. Alle Mälzereien beendigen ihre Betriebszeit im Laufe des Monats April und liegen bis Dftober still; es gibt gewiß feine einzige Brauerei oder Malzfabrit in Deutschland, die heute noch Braugerste mälzt. Insofern ist jetzt kein Bedarf für Malzgerste vorhanden. Dazu kommt, daß, nachdem schon ein Jahr vor dem 1. März dieses Jahres bekannt geworden war, daß der Zoll für Malzgerste sich an dem genannten Zeitpunkt von zwei Mart auf vier Mart pro Doppelzentner erhöhen würde, alle Verbraucher sich bereits Doch wurde Sypowicz, tros Aufhebung des Haftbefehls, lange Zeit vorher soweit als möglich versorgt haben, so daß schon nicht freigelassen!! Jetzt wurde nämlich auf Verlangen der Staatsdeswegen nach dem 1. März d. J. ein erheblicher Bedarf an aus anwaltschaft die Haft aufrechterhalten, weil ländischer Malzgerste nicht vorliegen konnte. Schließlich haben lieferungsverfahren gegen den russischen Studenten schwebt. auch die fremden Braugersteländer vorher derart mit Malagerste geräumt, daß jezt fast gar kein Material für den Export mehr Der deutsche Konsul in Kowno hat auf Betreiben des dortigen übrig ist. Gouverneurs den Auslieferungsantrag bei der Staatsanwaltschaft Die Agrarier werden natürlich trotz aller Widerlegungen nach gestellt. Das schamlose Verlangen des russischen Gouverneurs nach ihrem altbewährten Bundesrezept weiter schreien. der Auslieferung beruht darauf, daß Sypowicz nicht etwa von einem russischen Gericht, sondern von der Polizeibehörde seiner Heimat im administrativen Verfahren als Agitator" bezeichnet und deshalb zu drei Monaten Haft„ berurteilt" ist! An den preußischen Justizminister ist eine Beschwerde abgegangen v. Schorlemer Liese, Oberpräsident der Rheinprovinz, und und das Verlangen nach sofortiger Entlassung des in so unerhörter Weise verfolgten russischen Studenten gestellt. ein AusZur Stichwahl in Altena- Iserlohn. Die nationalliberale Parteileitung hat nicht nur für die Stichwahl in Altena- Iserlohn die Parole ausgegeben, daß sämtliche nationalliberalen Wähler am Stichwahltage für den Zentrums- Selbst nach dem ungeheuerlichen preußisch- russischen Auslieferungskandidaten zu stimmen haben, die nationalliberale Presse richtet vertrag ist es nicht zulässig, auf Grund einer solchen„ administrativen", auch unter Aufgebot der furiofesten patriotischen Phrasen an nicht einmal von einem russischen Richter ausgehenden Verdächtigung " alle" Liberalen des Wahlkreises, an die Nationalliberalen wie einen Russen den Schergen des Baren auszuliefern. Noch schmachtet an die Freifinnigen, die ernst e" Mahnung, am 10. Juli Mann der Unglückliche im Gefängnis. Noch harrt er eines Spruches für Mann für Klocke anzutreten, damit der Sieg des Umstürzlers" darüber, ob man trotz aller Erklärungen im Reichstage es so weit verhindert werde. Den Anlaß zu diesen Mahnungen bietet die treiben wird, ihn den Barenknechten auszuliefern. Mitteilung einiger freifinniger Blätter, daß ein Teil der freis Dieser neueste preußische Zarenliebesdienst ist so ungeheuerlich, finnig vollsparteilichen Wählerschaft wenig Neigung verspürt, daß in allen zivilisierten Ländern der Ruf des Deutschen Reiches für den Zentrumskandidaten zu stimmen. Solche Prinzipienfestigkeit noch weiteren Schaden erleiden wird. erscheint natürlich einem echt nationalliberalen Gemüt als etwas höchst Verwerfliches, und so leistet sich denn die National- 8tg." folgenden Appell an die rädständigen Prinzipienreiter, die in der Erinnerung an die einstigen liberalen fulturkämpferischen Della mationen gegen die„ päpstlichen Jesuitenzöglinge" immer noch zögern, die Stimmenabgabe für den Sentrumskandidaten als baterländische Tat zu begreifen: Vom europäischen Kongo. Wenn Minister reisen. Aus Duisburg- Ruhrort schreibt man uns: Die Rheinschiffahrtskommission mit den Herren dem Handelsminister Delbrüd an der Spize fuhr am 3. Juli den Rhein hinunter von Düsseldorf nach Krefeld und schließlich be fichtigte fie die Hafenanlagen von Duisburg- Ruhrort. Die Fahrt galt der Frage einer weiteren Rheinvertiefung im sogenannten Aufenthalte in der Stadt der Tanzhusaren fuhr die Kommission nach Binger Loch zum Zwecke der Rhein- Seefahrt. Nach zweistündigem Aufenthalte in der Stadt der Langhusaren fuhr die Kommission nach Duisburg- Ruhrort weiter. In den Duisburg- Ruhrorter Hafenanlagen und an den Ufern war wochenlang vorher gearbeitet worden, um alles vorher in Stand zu sezen. Selbst für den Laien war es unschwer zu bes obachten, wie man die krampfhaftesten Anstrengungen gemacht hatte, jahrelangen Schmutz und Unordnung zu beseitigen. Unzählige Wimpel, Flaggen und Embleme sorgten dafür, daß das Auge von den Dingen profaner Alltäglichkeit abgewendet wurde. Um die Komödie zu vervollständigen, war alles aufgeboten worden, um der Kommission ein Bild regster Tätigkeit im und am Hafen zu liefern. Noch niemals haben sich die Scharfmacher Ungarns so glüdlich Der Kaiserhafen und das neue Hafenbecken, welche befahren wurden, gefühlt wie eben jetzt unter dem Regime der„ nationalen Demo- wimmelten von Fahrzeugen, welche eigens jedenfalls zu dem Zwede fratie"; denn sie sind sich gewiß, daß die große" Regierung ihnen Schiffer und Hafenarbeiter ihrer Beschäftigung ob. dorthin bugsiert waren. In beinahe Festtagsgewändern lagen jedwede Niedertracht sanktioniert, ja sogar die Schüßer der Ordnung" Leben und Treiben wie es sonst wohl nie wieder geboten wird. Es war ein Gendarmerie und Heer, ihnen jederzeit bereitwilligst zur Verfügung Und doch sollen die maßgebenden Behörden ein flares Bild von Von den freisinnigen Wählern in Altena- Jferlohn wird der stellt. Am meisten haben unter diesen Zuständen natürlich die der Wirklichkeit des Alltagsgetriebes bekommen? Sozialdemokrat Haberland, der den ultramontanen plus christlich- Sklaven des europäischen Kongogebietes, die ungarischen Feldarbeiter, Nun, wer sich die Rundfahrt mit allem, was drum und dran fozialen Stimmen immer noch von vornherein um fast 1200 Stimmen voraus ist, sicher eine erhebliche Anzahl Stimmen erhalten. Und 3 leiden. Das gleiche Los trifft übrigens auch die Kohlenbergwerk- hing, angesehen hat, ist eines anderen belehrt worden. Interessant wenn die bitterböse Stimmung, die in verschiedenen, aus gut arbeiter, denen die Möglichkeit, sich zu organisieren, bislang nicht war es zu beobachten, wie sich die Unternehmer der Holznationalliberalen Streifen des Reiches an uns gelangten Bu- gegeben ist. So ist es denn kein Wunder, daß die Arbeiterschaft branche, d. h. die großen Firmen, welche Lagerpläge und Säge iverte unterhalten, aus der Patsche gezogen hatten. Die Arbeiterfchriften zum Durchbruch kommt, wenigstens teilweise auch iegt so oft und so energisch zur Waffe des Streits greift. im Wahlkreise Altena- Iserlohn herrschen sollte, womit man Augenblicklich stehen in folgenden Komitaten an mehreren schaft der betreffenden Holzhändler usw. streift bekanntlich schon seit Wochen. Die Tätigkeit an den Holzplägen war gleich nach einer Mitteilung der Köln. 8tg." ernstlich rechnen muß, Stellen die Feldarbeiter im Ausstand: Torontal, Temes, Ghör, Null. Für den Nachmittag nun hatte man allerhand dann stünde zu befürchten, daß ein( wenn auch geringer) Teil der Csonarad, Arad und Veszprem. Wie verhalten sich nun die Be- Gefindel, denen man es von weitem ansah, daß sie nicht nationalliberalen Wählerschaft sich vielleicht gleichfalls nicht ent- hörden? Diejenigen Feldarbeiter, die nicht mehr für Hungerlöhne dorthin gehörten, als Holzträger engagiert, um den Ministèrn schließen kann, den Klerikalen in den Sattel zu setzen. Allein arbeiten wollen, tommen einfach hinter Schloß und Riegel, die auch in diesem Zweige des Duisburger Handels ein lebendiges auch Stimmenthaltung würde in diesem Falle ührer der Bewegung werden unter Assistenz der Gendarmerie Bild regster Tätigkeit liefern zu können. Die italienischen Unterstügung der Sozialdemokratie bedeuten. Das möge die" Düsseldorfer Beitung" bedenken, wenn sie schreibt: abgeschoben! Die Brutalität der Gendarmerie geht bereits so weit, Hafenarbeiter, welche man als Nausreißer zu verwenden gedachte, Unseres Erachtens ist die Parole der Stimmenthaltung daß im Torontaler Komitat der Verbandsanwalt, obwohl er sich waren wieder abgereist. Etwas anderes ist es aber noch, was den schärfsten Protest bom nationalen Standpunkt aus das einzig richtige und legitimieren fonnte, festgenommen wurde. herausfordert: Von einer Holzfirma waren sieben salehrliche, mögen die beiden antinationalen Parteien sehen, wie Die grenzenlose Macht der Agrarier hat auch die Kohlenbarone Mann der 8. Kompagnie des Infanterieregiments. sie den Kampf selbst austragen. Eine Unterstüßung der aus dem Häuschen gebracht, deren Spiel noch niederträchtiger ist, Nr. 57 aus Wesel engagiert worden, um Streit. Sozialdemokratie halten wir selbstverständlich für aus- da fie die ohnedies korrupte bürgerliche Bresse mit enormen brecherdienste zu berrichten! Man hatte sie in der geschlossen." Summen bestechen und so Nachrichten aus dem Gebiete ihrer Werte Restauration von Rumpf in der Mülheimerstraße einquartiert und Die logische Konsequenz dieser Schlußbemerkung muß doch selten oder verspätet- und dann natürlich voller Lügen bekannt ließ sie feste in Feldmüze und Drillichanzug arbeiten. Auf Befragen wohl sein, daß die Sache der Sozialdemokratie auch nicht indirekt durch Zuhausebleiben am Entscheidungstage gefördert gegeben werden. Die Bergarbeiter der Salgotarjaner Kohlenbergwerts- gaben sie an, daß sie vom Regiment zur Heuernte nach Ruhrort abkommandiert seien. Von einer Beschäftigung im Hafen als Holzwerden darf. Auch ein führendes freifinniges Blatt des Westens, Attiengesellschaft und der Oberungarischen Bergwerks- Aktiengesell träger sei ihnen nichts bekannt. Weiter sagten sie, daß in den bie„ Barmer Zeitung", hält übrigens einen überraschenden zu schaft z. B. stehen bereits seit dem 24. Juni im Ausstand, was jedoch nächsten Tagen weitere 20 Mann kommen würden, welche ebenfalls wachs der Sozialdemokratie nicht für ausgeschlossen; sie ber erst am 3. Juli bekannt wurde, obwohl die Zahl der Streifenden sicher zum Holztragen bei den verschiedenen Firmen Verwendung öffentlicht eine Buschrift aus Lüdenscheid, in der es heißt: über 4000 Mann beträgt! finden würden. Wer die Verhältnisse und die Stimmung in unserem Wahl- Salgotarjan und die Umgebung ist völlig belagert von Gen Seitens der gesamten Arbeiterschaft in den Hafenanlagen war freise fennt, muß sich sagen, daß ein Sieg der Sozialdemo- darmerie und Militär, die aus ganz Oberungarn zusammengezogen man empört über eine derartige Parteinahme der Militärbehörde kraten unter den gegebenen Verhältnissen nicht ausgeschlossen wurden. Die Abhaltung einer Bersammlung wurde den Streifenden resp. des betreffenden Regimentskommandeurs zugunsten der UnterSeift, auch wenn die Parteileitung der Freifinnigen und der nicht gestattet. Wenn sie ihre traurige Lage besprechen wollen, so find fie nehmer. Der Vorsitzende des Duisburger Gewerkschaftskartells legte Schwelm die Parole ausgibt, für das Zentrum zu stimmen. gezwungen, nach den verborgenen Tiefen der Berge zu ziehen; denn Wesel ein. Wenn auf diesen Protest hin nicht sofort die ZurüdHier dürfte ein Teil die Gefolgschaft versagen, entiveder durch nur auf diese Weise kann ein Blutbad bereitelt werden. Die Ge- nahme des Militärs erfolgt, soll Beschwerde beim Kriegsministerium gänzliches Fernbleiben oder durch Abgabe von weißen Stimm- fängnisse sind überfüllt; viele Streifende werden einfach aus dem erhoben werden. zetteln bei der Wahl." Gebiete der Werke ausgewiesen. Und weshalb wird gestreift? Die So verlief der Tag, an dem Duisburg- Ruhrort zwei Minister Arbeitszeit dauert von morgens 6 bis abends 6 Uhr ununterbrochen, und eine Unzahl sonstiger Größen des Geldjads und der Blutokratie fodaß das Mittagsmahl nur während der Arbeit verzehrt werden innerhalb seines Weichbildes gesehen hatte, für die Arbeiterschaft darf! Ein Hülfsarbeiter fann einen täglichen Verdienst von höchstens mit einem grellen Mißton. Daß man den Herren Potemkinsche 80-100 Hellern erzielen. Dörfer vorgegaufelt hatte, darüber beluftigten sich die Eingeweihten Tatsachen Soldaten dazu gebraucht worden waren, anstatt die Heuhöchstens, daß aber sogar zum Zwecke der Vorspiegelung falscher ernte mitzumachen, Streitbrecherdienste zu verrichten, konnte die Arbeiter nur erbittern.Wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben, daß troß diefer Prophezeiung bei der erdrüdenden Mehrheit der liberalen Wählerschaft von Altena- Iserlohn schließlich falte Berechnung über heißblütige Leidenschaft fiegen möge. Hier gilt es nicht für den Augenblick, sondern auch für eine weitere Zukunft zu sorgen." Um so höher werden die Strafgelder bemessen: Von einer Krone Wie sich doch die Zeiten ändern! Einst dichteten die national bis zu 10 Kronen!! Jm Salgotarjaner Werke find in einem Jahre liberalen und fortschrittlichen Barden Kampfaufrufe gegen die allein 31 000 Stronen an Strafgebühren eingegangen. Doch mit dieser ,, infamen Jünger Loyolas", und die liberalen Zeitungen bewiesen Ausbeutung begnügt sich die Gesellschaft noch nicht. Der Arbeiter muß mindestens jede Woche ein dugendmal, daß die dee des Ultra- von seinem fargen Verdienste noch folgende Auslagen bestreiten: Das Wutgeheul der Scharfmacher. Die vom Genossen Schulz ge montanismus" unvereinbar sei mit dem deutschen Geiste und der nötige Brennöl taufen, zirka 5 Proz. feines Verdienstes an die Knapp- gebene und von uns unterstützte Anregung, aus Parteimitteln eine Zukunft des deutschen Vaterlandes, heute Betteln sie mit der gleichen schaftsbude abgeben; verschiedene Steuern bezahlen usw., mit einem Striegsschule" zu schaffen, wird von den Scharfmachern mit ergög So zetert die Konservative lichem Wutgeheul begrüßt. Wahrhaftigkeit um liberale Stimmen für einen Kandidaten jener Worte: wenn die Woche herum ist, bleibt den Arbeitern faum etwas Korrespondenz Ultramontanen. Nichts tennzeichnet besser den jämmerlichen Nieder- mehr als gar nichts. Durch die Einführung der Reichstagsdiäten ist die Sozialgang des deutschen Liberalismus als dieser Wechsel. demokratie instand gesezt, ihre Kriegsschule zu errichten und zu unterhalten. Tausende in dieser Drillanstalt Dieses Elend darf die Gesellschaft mit Hülfe der Regierung aufrechterhalten! Es wäre natürlich die Pflicht der Regierung, den " zu.gediegen gebildeten" Agitatoren wird die Umsturzpartei bei lünftigen Wahle!» auszusenden haben; abgesehen davon, das; dieses in einem Vierteljahr ein- gepaukte„Bildungsfuudament" unter der Arbeiterschaft sich empfindlich breit„rächen wird. Das alles ist der Ein- führung der Reichstagsdiäten zu verdanke it." Das„Reich" ist durch das Projekt derart aus dem Häuschen geraten, dasj es sogar nach dem Polizeibüttel schreit: „Man darf gespannt sein, waS die Behörden zu diesem neuen Institut sagen werden, wenn man den Versuch machen wollte, es zu verwirkliche n." Wie das„Reich" aus unserem heutigen Parteinachrichtenteil ersehen kann, wird der unerhörte„Versuch" voraussichtlich schon im Nächsten Herbst unternommen werden. Hoffentlich begibt sich die Redaktion des„Reich" nunmehr sofort iu eine Kaltwasserheilanstalt!— Wie man's macht, ist's nicht recht. Dem Beispiel der„Post" folgend, druckt ein Teil der bürgerlichen Prcffe folgende Historie ab: „Im Reichstage hatte Herr Bebel im Jahre 1897 einen Hauptmann der Garde wegen Misthandlungen Untergebener unter Namensnennung denunziert. Es stellte sich heraus. dost die Denunziation falsch war, und Bebel wurde seitens des Kriegs- Ministers aufgefordert, seinen Gewährsmann zu nennen. Er tat das. Es war ein Gutsbesitzer aus Akennuschken, also kein Genosse, der die Geschichte von seineni Bruder, einem ehemaligen Einjährigen hatte. Der„Vorwärts" schrieb damals:„selbstredend nannte Bebel seinen Gewährs- mann." Ter Einjährige floh ins Ausland vor der Strafe, der Gutsbesitzer erhielt mehrere Monate Gefängnis. Bebel ging natürlich frei aus, ihn deckte die Redefreiheit des Parlaments. So wurde also der Gewährsmann genannt, weil er nicht Genosse, sondern Gutsbesitzer und Arbeitgeber war. Da erscheint es der Sozialdemokratie als verdienstvolles Werk, eine derartige Familie zu schädigen oder zu ruinieren." Bei dieser Mitteilung verschweigt die betreffende Presse, dast Bebel seinem Gewährsmann vorher mitgeteilt hatte, er werde ihn als solchen nennen müffen, falls die Angaben bestritten werden sollten. Dast der Gewährsmann Behels von seinem eigenen Bruder im Stich ge- lassen wurde, dafür kann doch Bebel nicht verantwortlich gemacht werden. Hätte Bebel sich geweigert, seinen Gewährsmann zu nennen, dann wäre natürlich erst recht ein grostes Geschrei entstanden. Dann hätte es geheisten: Seht da. unter dem Schutz der Redefreiheit er- hebt er Anklagen, aber wenn die Richtigkeit derselben festgestellt werden soll, verweigert er die Angabe seines Gewährsmannes. Wie also immer ein Sozialdemokrat es macht, seinen Gegnern ist'S nie recht. Lassen wir also die Möpse bellen. Die im Schlustsatze obiger Notiz enthaltene perfide Verdächtigung mnst man, da sie zum täglichen Brot der betreffenden bürgerlichen Presse gehört, mit Verachtung übergehen.— Von Prügelpädagogik, so wird uns aus Kassel geschrieben, darf man auch dann nicht sprechen, wenn man sich mit einem Lehrer beschäftigt, der auf disziplinarischem Wege schon wiederholt er- mahnt worden ist, den Stock vorsichtiger zu handhaben, das Züchtigungsrecht„mit größter Ruhe und Besonnenheit auszu- üben". Unser Genosse Ernst Müller in Kassel, der vor Jahr und Tag verantwortlicher Redakteur des„Volksblattes" in Kassel war, hat das zu seinem Schaden wiederum erfahren müssen. Müller hatte im„Volksblatt" berichtet, daß der Lehrer Schäfer in dem Kasseler Vorort Bettenhausen zu viel prügele. Er hatte in Verbindung mit den angeführten Tatsachen auch von„Prügel- Pädagogik", von„einem prügellustigen Lehrer" und dem„modernen Jugenderzieher Schäfer" gesprochen. Auf Antrag des Lehrers erhob die StaatSar.waltschaft Klage. Bei der Verhandlung schnitt der Lehrer aber sehr schlecht ab. Etwa 20 Ieugen bekundeten, daß ihre Kinder mit sehr deutlich sichtbaren Prügclspuren wiederholt heimgekommen seien. Auch ein Arzt hatte Atteste ausgestellt, in denen von„fingerbreiten Streifen", die sich an den Beinen, auf dem Gesäß und dem Rücken der Kinder befunden hatten, gesprochen wurde. Einzelne Väter sagten aus, daß ihre Kinder blau und schwarz„von den Knien bis auf den Rücken" gewesen seien. Kurzum, die Situation, in der der Lehrer Schäfer sich vor Gericht befand, war keine beneidenswerte. Das Urteil der Kasseler Straf- kammer lautete auf Freisprechung. Dem Angeklagten wurde Z 193 zugebilligt, beleidigt habe er nicht, dagegen sei ihm für seine tatsächlichen Behauptungen der Beweis der Wahrheit gelungen! Gegen dies verständige Urteil, das in der ganzen Bevölkerung große Befriedigung erweckte, legten Staatsanwalt und Schäfer als Nebenkläger Revision beim Reichsgericht ein. Dieses gab dem Revisionsantrage statt, erklärte die Zubilligung des Z 193 als rechtsirrtümlich und verwies die Sache zu erneuter Verhandlung vor das Landgericht in Marburg a. Lahn. Der ganze Apparat wurde ncchmals in Bewegung gesetzt, die Zeugenaussagen lauteten genau so, wie in Kassel, aber das Urteil entsprach den Erwartungen des Reichsgerichts: die Zubilligung deS§ 193 wurde jetzt versagt und Müller auf Grund der$$ 185 und 186 zu 150 Mark Geldstrafe perurteilt.— Heissa und Horridoh! Ein„ Ech r e n z e u g n i S' für unsere südwestafrikanischen Truppen entnimmt die„OrdnungS'presse einem Gefechtsbericht des„Fränk. Courier". Der Bericht erzählt, wie die Truppen trotz mehrtägiger Strapazen und Entbehrungen der Hotten- tottenbande unter Morenga ein erfolgreiches Gefecht lieferten. In dem aus der Feder eines Offiziers stammenden Bericht heißt es: „Nun gab's eine förmliche Jagd, ein herrliches Gefecht, viel- leicht das schönste, überhaupt in letzter Zeit. Als die Hottentotten sich umstellt sahen, feuerten sie. was aus den �Gewehren herausging. Hui, wie die Kugeln um die Ohren Pfiffen I Ich erhielt einen Schuß durch den linken Rockärmel. Und nun ging's drauf und dran! 25 Hottentotten schössen wir ab, mir selbst gelang es dann noch mit vier Reitern, den Ausreißern den Weg zu verlegen, einen nahm ich selbst gefangen." Fünstmdzwanzig Menschen wurden also„abgeschossen." Man sieht, der koloniale Knegssport entwickelt eigenartige stilistische Fein- heiten!— Persanentarif in Württemberg. Die wllrttembergische Kammer der Abgeordneten hat heute, wie telegraphisch aus Stuttgart ge- meldet wird, nach dreitägiger Beratung über die Denkschrift der Re- gierung betreffend die Personentarifreform den Antrag des Abg. von Wollarth mit 42 gegen 33 Stimmen angenommen. In diesem Antrag wird die Regierung ersucht, eine weitere Wagen- klaffe mit einem Fahrpreis von 2 Pfennig für den Kilometer in den Personenzügen und den be- schleunigtenZügen einzuführen. Die„große Reinigung". Den ,M. 91. N." wird aus Berlin berichtet, daß der Reichskanzler auch nach den im wesentlichen auf Mitteilungen in der Budgetkommission des Reichstages zurück- greifenden Feststellungen der„Nordd. Allg. Ztg." hinsichtlich der Fälle Tesch, Fleck, Woermamt-FondS und Versicherungsverträge weitere Untersuchungen angeordnet hat, und zwar ohne Rücksicht auf Persönlichkeit und Stellung. Das genannte Blatt führt �azu weiter aus: Es wird damit aufö neue erhärtet, daß der Reichskanzler— und wir können hinzufügen, ebenso der Staatssekretär des Aus- wärtigen und der Leiter der Kolonialabteilung— kein ihm zu Gebote stehendes Mittel unversucht lassen wird, um reinen Tisch in der Kolonialverwaltuug zu schaffen. Selbst wo es sich nur um I n- korrektheiten. um 9iachlässigreiten und Versehen handelt, wo also mala üäss ausgeschlossen ist. wie dies unzlveifelhaft für die Fälle Tesch, Fleck, Woermann-Fonds zutrifft, muß eingeschritten werden, um volle Klarheit und Sicherheit für die Zukunft zu schaffen. Eö find also jetzt vier Untersuchungen im Gange: 1. Das ErnnttelungSverfahren gegen die pflichtvergessenen Beamte», die unter Bruch der Amtsverschwiegenheit Seheime Aktenstücke an die Oeffentlichkeit gebracht haben; hier walten ntersuchungsrichter und Staatsanwalt ihres Amtes, Vernehmungen und Haussuchungen haben stattgefunden, näheres ist begreiflicherweise nicht bekannt. 2. Das von dem Gouvenieur v. Puttkamer gegen sich be- antragte Disziplinarverfahren, das von der Regierung eingeleitet worden ist und vor der zuständigen Disziplinarkammer geführt wird. 3. Die gerichtliche Klage gegen den„Anzeiger im Ober- land" wegen eines mit K gezeichneten Artikels, als dessen Ver- fasser allgemein in der Presse der Abg. Erzberger genannt wird. 4. Die i n t e r n e U n t e r s u ch u n g in der Kolonialabteilung wegen der oben angeführten Fälle. Bülow scheint danach von dem Gewicht des offiziösen Dementis der„Ztordd. Allgem. Ztg." selbst nicht allzusest überzeugt zu sein. Ilebrigens koiiferiert zurzeit der Zcntrumsabgeordnete Prinz Aren- b e r g mit dem Reichskanzler, wahrscheinlich um die Kolonial- differenzen gütlich einzurenken.— In den Haaren liegen sich beide. Im Sinne ihrer derzeitigen Parole„Heraus aus dem Turm" hatte die„Köln. Vollsztg." kürzlich geäußert: „Das Zentrum ist gar keine konfessionelle Partei; folglich kann auch keinem Katholiken als solchem der Beitritt zum Zentrum zur G e w i s s e n s p f l i ch t gemacht werden, so verständig auch jeder Katholik handelt, wenn er sich dem Zentrum anschließt." Die„Schlesische Bolkszt g.", das Blatt des schlesischen Zentrums, rüffelt ob dieses DiktumS das rheinische Zentrumsorgan im Tone geistlicher Bruderliebe also ab: „Die„Köln. Volksztg." scheint es nachgerade zu ihrer Spezialität auszubilden, den Feinden des Zentrums, lseien es die polnischen H e tz a p o st e l in Oberschlesien, seien es die Herren Hakati st en) Waffen in die Hand zu liefern. Die„Schles. Ztg." hat ganz recht, wenn sie die neueste Leistung unserer Kölner Kollegin ihrer Redaktionsmappe einver- leibt. Wir aber protestieren im Namen der geradezu empörten schlesischen Zentrumspartei ganz energisch gegen ein solches unqualifizierbares Gebaren des rheinischen Zentrums- blattes. Ist es denn Aufgabe der Zentrumspresse und entspricht es ihrer Würde, stlr die Herren Polen in Oberschlesien, die das Zentrum so nichtswürdig wie nur möglich behandeln, i n alle Wege allerlei Entschuldigungsgründe herbeizuschleppen?!" Kusch Dich' In der„Korrespondenz des Bundes der Land- Wirte" findet sich eine bemerkenswerte Absage an den„Reichs- verband gegen die Sozialdemokratie". Die Korrespondenz führt gegen das„übertriebene Selbst« gefühl", welches sich in den publizistischen Kundgebungen des Reichsverbandes„gewohnheitsmäßig geltend zu machen" pflege, die scharfe Antwort inS Feld, die im„Hannov. Courier" von„zu- ständiger Seite" dem Sozialistentöter-Berband gegeben wurde. Diese „zuständige" nationafliberale„Seite" hatte das Selbstlob des Verbandes, erst er habe in Hannover mit der Lottcrei aufgeräumt, als eine„ganz hohle Renommage, eine„blanke Unwahrheit" zurückgewiesen. Dieser Abwehr gegen die reichsverbändlerischen Anmaßungen schließt sich die„Korresp. des Bundes der Landwirte" durch folgende, gesperrt gedruckten Liebenswürdigkeiten an: „Ob sich die publizistischen Vertreter des Verbandes diese Atteste über ihre Wirksamkeit und ihr politisches Verständnis wohl in die vorhandenen Rahinen der selb st geflochtenen Lorbeerkränze einfügen und so in ihren Arbeits- räumen aufhängen iv erden? Das könnte ihnen für ihre fernere polittsche Entwickelung nur ebenso nützlich sein, w i e es kalte Wasfer strahlen in den Hundstagen für durch Eitelkeit und Selb st gefühl überhitzte Köpfe sind." Den Kettenhunden deS Reichsverbandes wird also ein barsche? „Kusch" zugerufen. Welche Anmaßung auch von diesen journalistifchen und rednerischen Kulis, sich noch ihrer Taten rühmen zu wollen! Es ist Ehre genug für sie, für die Ordnungsparteien kläffen und den Roten an die Waden fahren zu dürfen, dafür bekommen sie ihr Futter. Machen sie sich aber durch täppische Freudensprünge un- bequem, so bekommen sie die Hundepeitsche!— Husland« Oesterreich. Die Wahlreform. Der Ministerpräsident Freiherr von Beck hat dieser Tage in der Konferenz der Klubmänner die bestimmte Erklärung abgegeben, die Regierung halte es für ein Gebot der Notwendigkeit, daß die Wahl- rcform noch vor den Sommcrferien im Ausschuß erledigt und im Abgeordnetenhause selbst in zweiter Lesung wenn nicht völlig ab- geschlossen, doch mindestens soweit geführt werde, daß all« größeren Schwierigkeiten überwunden sind. Diese Erklärung ist vom Ministerpräsidenten mit allem Nachdruck abgegeben, so daß man hoffen kann, die Regierung werde nun ihre volle Kraft einsetzen, um das durchzuführen, was sie als Notwendigkeit erkannt hat. Noch besser wäre es freilich gewesen, die Regierung hätte die Herren Abgeordneten mit dem Bewußtsein erfüllt, daß sie ihre Arbeit ganz getan haben müssen, bevor sie sich dem Genüsse der wohl- verdienten Ferien hingeben können. Wird die Reform indessen bis zu dem vom Ministerpräsidenten in Aussicht genommenen Punkte durchgeführt, so ist zu hoffen, daß weitere Versuche, sie zu ver- schleppen, ohne Erfolg sein würden. Die österreichische Arbeiterschaft wäre so der Notwendigkeit ent- hoben, noch einmal einen schweren Kampf zu führen für das, was bereits längst ihr gesichertes Recht sein müßte. Es ist zweifellos, daß die energischen Vorkehrungen, welche die Wiener Arbeiterschaft und mit ihr die, ganz Oeslerreichs getroffen hat, um— wenn nötig— sich ihr Recht durch den Generalstreik zu erringen, auf die Entschlüsse der Regierung und der Parteien durchschlagenden Ein- fluß geübt hat. Die klassenbewußten Arbeiter Oesterreichs werden jetzt natürlich noch nicht abrüsten, sondern sie werden so lange Gewehr bei Fuß stehen bleiben, bis das Ziel ihres langjährigen Kampfes vollständig gesichert ist.— 4 Schweiz. egen die Lex Silveftrelli ist gescheitert. Am 3. Juli lief die Referendumsfrist ab. Statt der 30 000 für die An- bahnung einer Volksabstimmung erforderlichen Unterschriften sind nur 29000 zusamniengekoinmen! So tritt denn das scharfmacherische Ausnahmegesetz gegen die„Verherrlichung von Verbrechen" in Kraft!— Die„freie, schöne Alpenrepublik" erniedrigt sich immer mehr zum servilen, charakterlosen Knechte monarchisch-despotischer Regierungen. Der schweizerischen sozialdemokratischen Partei kann der Vor- Wurf nicht erspart werden, daß sie die ReferendumSbewegung nicht mit der nöttgen Energie durchgeführt hat. Die Geschästsleitung tat zwar ihre Pflicht, aber die lokalen Organisationen haben bis auf wenige Ausnahmen vollständig versagt. Dabei hat der Kanton Zürich fast die Hälfte aller Unterschriften, nämlich 13000, aufgebracht, davon die Stadt Zürich allein 9000. Der gescheiterte Referendunisfeldzug wird für die sozialdemo- kratische Partei hoffentlich gute Früchte tragen, und zwar in Hinsicht auf Sammlung und Einigung. Die inneren Parteizwistigkeiten in- bezug auf Antiinilitarismus, feste Haltung gegen die Anarchisten usw. haben eine gewisse Zerfahrenheit hervorgerufen. Deren Beseittgung aber ist um so nötiger, als die Kantonsregierungen womöglich noch reaktionärere Maßnahmen gegen die organisierte Arbeiterschaft er- greifen als der Bundesrat. So hat der zürcherische Regierungsrat bereits größere Truppenauftzcbote in Aussicht gestellt, um bei den verschiedenen StreilS in Zürich, die gegenwärtig geführt werden, dem Unternehmertum Schergendienste zu leisten. Frankreich. Ehrliche und unehrliche Mandate.— Abgedankte Pfaffendiener. Paris, 3. Juli.(Eig. Ber.) Die Kammer berät jetzt über die Wahlproteste. Daß sie dabei vollkommen unparteiisch verfahre, läßt sich nicht eben behaupten. Wer die französische Demagogie und besonders die ländlichen Wahlsittru kennt, der weiß, daß hier innerhalb und außerhalb dex Mauern reichlich gesündigt wird. Die reckti-märe Presse erhebt nun ein großes Geschrei, weil die Majori'ät den gemäßsten Parteien teils durch Anerkennung zu Recht b itrittener republikanischer Mandate, teils durch Kassier�; ehrlich erkämpfter oppositioneller Mandate in unredlicher Weise Schaden getan habe. Besonders die Ungültigkeits- erklärung des Mandates des bekannten monarchistischen Radau» Politikers Boni de Castcllane hat wütende Proteste hervorgerufen. Daß die Voreingenommenheit der Radikalen jedenfalls nicht immer der Linken zugute kommt, hat aber die Bestätigung des radikalen Dissidenten Leboucq erwiesen, der in Paris gegen den ehemaligen sozialistischen Vertreter Cardet gewählt worden ist und dem eine Menge unerlaubter Wahlkniffe nachgewiesen wurde.— Mit einer argen Blamage hat der Versuch der Rechten geendet, das Mandat Jaures wenn nicht zur Kassierung zu bringen, so doch wenigstens zu diskreditieren. In der reaktionären Presse waren — besonders auch aus destaKeder des Marquis Solages, des Gegen- kandidaten unseres Genossen— die ungeheuerlichsten Geschichten über den angeblichen sozialistischen Terrorismus und über Un- regelmäßigkeiten bei der Wahl zugunsten des Sozialisten veröffent- licht worden. Noch selten aber hat Jaures in der Kammer einen so überwältigenden persönlichen Triumph gefeiert wie bei der schlichten und doch bezwingenden Rede, in der er zeigte, daß alle Anklagen, die gegen die Sozialisten von Carmaux erhoben worden waren, ver- stärkt auf die Ankläger selbst zurückfielen. Jaures legte unter dem Beifall der ganzen Linken eine lange Reihe schwerer Ungesetzlich- leiten und unerlaubter Praktiken der Klerikalen bloß und schloß: „Was Sie wollen, das ist, mir Ekel davor einzuflößen, dort unten zu bleiben. Ihre Freunde erweisen mir die Ehre, zu sagen, daß ich wohl der Kammer nützlich sein kann, aber daß ich nicht für C a r m a u x geschaffen bin. So, wie Sie das Bergwerk be- herrschen, wollen Sie die Gewissen beherrschen. Ich aber streite sie Ihnen ab, ich werde sie Ihnen immer abstreiten zum Wohle der Republik und der Freiheit."— Der Eindruck dieser Rede geht am besten aus der Tatsache hervor, daß bei der Abstimmung 415 gegen 31 Stimmen das Mandat Jaures' bestätigten! Auch gegen Herrn Clemenceau, den gefeierten Sozialistentötcr von neulich, ergießt sich jetzt der Zorn der reaktionären Presse. Der Minister des Innern hat den Präfcktcn des Departements Finistere und den Unterpräfekten von Brest zur Disposition gestellt. Beide sind wütende Klerikale und ihr gehässiges Vorgehen gegpn die Arbeiter hat zur Verschärfung der Konflikte in dem genannten Kriegshafen erheblich beigetragen. Bei den Wahlen haben sie auch ihren Einfluß zugunsten des gelben Bietrh geltend gemacht und seinen Stichwahlsicg über den Genossen Goude ermöglicht. Kein Wunder, daß jetzt die kapitalistische Presse schreibt, die beiden Beamten seien den Sozialisten geopfert worden und der Rest werde der Anarchie ausgeliefert! In Wirklichkeit entledigt sich die Regierung nur zweier Beamten, die mit den Antirepubli- kanern zusammen operiert und antiklerikale Lehrer verfolgt haben. Daß die Zustände in Brest unhaltbar> raren und daß den Gehässig- leiten gegen die Arbeiter dieser Stadt endlich ein Ende gemacht werden mußte, scheint die Regierung allerdings eingesehen zu haben. Denn es wird aus Brest gemeldet, daß die im Zusammenhange mit der Maibewegung verhafteten Mitglieder der dortigen Arbeitsbörse auf freien Fuß gesetzt worden sind.— Kein Pardon! Paris, 5. Juli. Die Regierung hält ihre Beschlüsse bezüglich der abgesetzten Post- und Telegraphen-Unterbeamten aufrecht und lehnt es ab, ihnen Amnestie zu gewähren. Natal. Englands Kolonialkrieg. Durban, 5. Juli.(W. T. B.) Der Kommandierende dee Nataltrupen berichtet, daß Mangel an Führern einen vollständigen Zusammenschluß der den Kraal des Häuptlings Mesini umgebenden britischen Truppen verhindert hat, so daß die Operationen weniger erfolgreich waren, als sie es hätten sein können. Eine Anzahl Aufständische wurden abgeschniten. Insgesamt sind 444 von ihnen gefallen.— Durban, 5. Juli.(S8. H.) Eine englische Kolonne wurde drei- mal hintereinander von Eingeborenen angegriffen. Hierbei wurden 40 Eingeborene getötet.— Amerika. Der Kongreß der Bereinigten Staaten hat seine Session am Sonnabend geschlossen, nachdem er im Fiskaljahre, endigend mit dem 30. Juni 1906, Bewilligungen in so hohem Betrage gemacht hat, wie sie nur einmal vorgekommen sind, nämlich in dem Jahre nach dem Kriege mit Spanien, als der Aufstand auf den Philippinen Ricscnsummen verschlang. Es wurden jetzt 893 000 000 Dollar als Ausgabcposten des Bundes bewilligt, nur zwei Millionen weniger als damals. DaS Fleischbeschau- und das Eiscnbahnratengesetz sind erledigt worden, ebenso die Vorlage über die Neubildung zweier Staaten. Oklahoma und Jndianerterritorium sollen den Staat Oklahoma, Arizona und Neu-Mexiko den Staat Neu--Mexiko bilden, wenn diese beiden Territorien sich durch eine Volksabstimmung damit einverstanden erklären. Ist das der Fall, so würde der Bund dann aus 47 Staaten bestehen.— Hus der Partei. Der heutige Leitartikel des„Vorwärts":„Mehr in die Tiefe' veranlaßt uns, den Parteigenossen mitzuteilen, daß der dort er- örterte Plan der Einrichtung einer höheren Bildungsschule bereits seit Monaten im Vorstande Gegenstand von Beratungen war, die in der nächsten Woche ihren definitiven Abschluß finden. Danach dürfte im nächsten Herbst der erste Kursus eröffnet werden. Nähere Mit- teilungen folgen. Hieran knüpfen wir die weitere Mitteilung, daß im Laufe dieses Monats auch die vielfach in der Partei gewünschte Parteikorrespondenz ins Leben tritt, deren Aufgabe es ist, der Parteipresse und den zu der Leitung und Betreibung der Agitation bernfeiien Genossen laufend Agitationsmaterial zu liefern. Die Redattion der Korre- spondenz liegt in den Händen der Genossen Dr. Erdmann-Düssel- dorf, M. Grunwald und W. Schröder-Berlin, Expedient ist der Genosse Geithner. Alles weitere Ivird den Organisattonen und be- teiligten Genossen durch Rundschreiben mitgeteilt werden. Berlin, den 5. Juli 1906. Der Partrivorstand. Ein sozialdemokratischer Bürgermeister wurde in Hagöfeld bei Karlsruhe gewählt. Während auf den bisherigen Bürgermeister 109 Stimmen fielen, erhielt der Genosse Wurm 177 Stimmen. Für den Rgitationsbezirk Kassel wurde im Einverständnis mit dem Parteivorstand Genosse Oskar Folge in Kassel als Partei- selretär gewählt. Der bayerische Sozialdemokrat„von Rechtswegen". In dem be- kannten Prozesse des Schuhmachermeisters Johann Hierhager, der gegen den Sozialdemokratischen Verein München vor dem Land- aerichte München I FeststellungSklage erhoben hatte, daß der Aus- schluß des Klägers aus der iozialdemokratischen Partei zu Unrecht erfolgt sei, erließ die Zweite Zivilkammer des Landgerichts München jetzt Endurteil, wonach der Klage vollinhaltlich stattaegebcn wurde! Die Sache kommt nun an das Oberlandesgericht. GewcrfefchaftUches* Eine neue Unteruehmerorganisation. vertrauliches Rundschreiben ist auf den Redaktions itisch eines Parteiblattes geflattert. Da sein Inhalt für mehrere Arbeitergruppen verwandter Berufe, die sich bis jetzt L ch w e r oder gar nicht organisieren ließen, von aller- größter Bedeutung ist, sei dies Schriftstück nachstehend wieder- gegeben. Es lautet: Betreff: M ü n ch e n. den 26. Juni ISOS. Vereinigung der deutschen > Glasmalereien. Vertraulich! / Wie Ihnen vielleicht bekannt geworden ist. sind die Blei- glaser der meisten hiesigen Glasmalereien in eine Lohnbewegung eingetreten, welche die Nicderlegung der Arbeit in verschiedenen hiesigen Betrieben zur Folge hatte. Die hierdurch betroffenen Glasmalereien Münchens haben sich infolgedessen zu einem Lokalverbande zusammengeschlossen, welchem es gelungen ist. in wirksamer Weise den unbegründeten Ansprüchen der Arbeit- nÄhmer entgegenzutreten. Die in dem Verbände vereinigten Glasmalereien haben sich jedoch nicht bloß auf ein gemeinschaft- Ilches Vorgehen in der Lohnfrage beschränkt, sondern verfolgen den Zweck, die gemeinschaftlichen Jntei-fsen der deutschen Glas- Malereien auch in sonstigen Beziehungen zu vertreten und her- vortretende Uebelstände abzustellen. Als derartige gemeinschaft- liche Interessen haben insbesondere zu gelten: die Frage der Vergütung für die zeichnerischen Skizzen, die Stellung der Staatsreg,erung zur Verwendung von Glasmalereien in öffent- lichen Gebäuden und Kirchen, Fragen der auswärtigen Handels- und Zollpolitik(insbesondere Abschluß eines Handelsvertrages mit den Vereinigten Staaten von Amerika) und verschiedene andere unsere Branche berührende Angelegenheiten der Gesetz- gebung, des Eisenbahn- und Postwesens usw. usw. Die Unter- fertigten sind nun der Anschauung, daß. wie dies in sämtlichen übrigen Gewerbszweigen der Fall ist, der Zusammenschluß der Brancheangehörigen eines einzelnen Platzes nicht genügt, um in wirksamer Weise die gemeinschaftlichen Interessen zu ver- folgen, daß vielmehr hierzu eine Vereinigung der gesamten ein- schlägigen Kunstbetriebe Deutschlands erforderlich ist. Zu diesem Zwecke richten wir hiermit an Sie die Anfrage ob Sie grundsätzlich der Schaffung einer derartigen, über das ganze Reich sich er st reckenden Vereinigung zw stimmen und ihr beizutreten gewillt wären. In der Annahme, daß Sie gleich uns von der Notwendigkeit der Schaffung des angeregten Verbandes überzeugt sind, bitten wir Sie, die anliegende Erklärung zu unterzeichnen und bald- gefälligst an die Freie Vereinigung der Münchener Glasmalereien zu Händen ihres Vorsitzenden, des Herrn Hofglasmalereibesitzers Anton Ostermann, München, Schwanthalerstr. 88. einzusenden. Mit vorzüglicher Hochachtung I. P. Bockherni, Hofglasmalerei.— Gg. Boos, Glasmalerei. Karl de Bauche, kgl. bayer. Hofglasmalerei.— Otto de CrigniS, GlaStechnische Kunstanstalt.— Ludw. Kirchmeir, Kirchliche Glasmalerei.— Mayersche kgl. Hofkunstanstalt.— Ostermann u. Hort- wein, kgl. bayer. Hofglasmalcrei.— Steinicken u. Lohr, Kunstgew. Werkstätte und Glasmalerei.— G. van Treeck, kgl. bayer. Hofglas- Malerei.— Karl Ule, Anstalt für Glasmalerei, Verglasung und Glasmosaik.— F. I. Zettler, kgl. bayer. Hofglasmalerei. Da dies Rundschreiben außer den Glasmalereien auch noeb den Glasätzereien, Schleifereien und Sand bläsereien zugegangen sein wird, weil ja vielfach alle Zweige der Glasdekoration in einem Betriebe vereinigt sind, so kommen die Interessen folgender qualifizierter Ar beiter in Frage: Glasmaler, Glasätzer, Glasschleifer, Ar beiter für Sandgcbläse, Aetzmaler, Schildermaler, Vergolder, Bleiglaser, Anmacher, Zeichner für Schrift, Ornamente und Grabplatten, sowie die verschiedenen Hülfsarbeiter, deren Positionen durch die fortgeschrittene Spezialisierung innerhalb dieses Kunstgewerbes geschaffen worden sind. Den Zeich- n e r n und Glasmalern insbesondere sei die Lektüre des Rundschreibens warm empfohlen. Betrachten doch heute noch nicht wenige sich als K ü n st l e r, die der Verpflichtung ent- hoben seien, sich einer modernen Arbeiterorganisa- t i o n anzuschließen. Die geplanten Maßnahmen der Glas- malereibesitzer müßten den organisationsfeindlichen Ange- hörigen dieser Berufe nun doch endlich zum Bewußtsein bringen, daß es nicht länger angeht, zwischen den Klassen schweben zu wollen. Die künstlerische Befähigung der im Kunstgewerbe tätigen qualifizierten Arbeiter hat zwar erheblich dazu beigetragen, der modernen Glasdekoration ein spezifisches Gepräge zu verleihen, sowie dem Unternehmer, der vielfach gar nicht einmal Fachmann ist, Ruhm, Ehre und Hoflieferanten-Wappen einzutragen: aber— die Wertung der künstlerischen Produktion qualifizierter Arbeiter unter- liegt denselben ökonomischen Gesetzen wie die eines jeden an- deren Arbeiters auch. Die in Glasmalereien und verwandten Berufen tätigen Künstler mögen sich sträuben dagegen, den Lohnarbeitern zu- gezählt zu werden: die neu geschaffene Kampforganisation der Arbeitgeber wird sie zwingen, sich zu vereinigen, ehe es zu spät ist. Was die Bleiglaser heute, kann die Glasmaler morgen angehen. Beider Tätigkeit ist auf das engste verbunden. Mögen es auch ihre Interessen sein, jetzt und in Zukunft. Darum hinein in die Fachvereine. Ihr seid gewarnt. Haupt nicht vor. Jeste Personen— meist Oberdrucker, Ober lithographen und Prinzipale— waren offenbar nur die Geschobenen der Unternehmer. Hat doch der neue Senefelderbund bewiesen, daß er in jeder Hinsicht seine Pflicht erfüllt und überall für Ver- bcsserung der Lebenslage seiner Mitglieder sorgt, so daß die Unter- nehmer sich schon veranlaßt fühlten, die Schaffung eines Reichs- tarifes anzubieten, der dann freilich an dem erbärmlichen Minimal- lohn von 16,56 Mark scheiterte. Die Absicht der Unternehmer, der Gehülfenschaft den jetzigen Kampf durch Lahmlegung ihrer Finanz- kraft unmöglich zu machen, ist bekanntlich an der Solidarität der gesamten Arbeiterschaft zerschellt. Der neue Bund kann den Kampf auch ohne Freimachung des alten Vermögens noch auf lange Zeit fortsetzen. Gleichwohl ist es selbstverständlich ein Vorteil, wenn diese Gelder flüssig gemacht werden. Sie sollen nicht in die Kasse des Bundes fließen, sondern lediglich für den gewerkschaftlichen Kampf freigemacht werden.— Nach der Aufforderung zur Tis- kussion meldete sich nur ein Redner zum Wort, und dieser sprach für den Antrag. Die Abstimmung erfolgte, da der Saal die Menge der Versammlungsbesucher nicht zu fassen vermochte, in zwei Ab- teilungen. Der Antrag wurde beide Male einstimmig angenommen. Glück und Glas, wie leicht bricht das! Große Pläne sinds, mit denen sich die gläsernen Sperr l i n g e tragen. In ihrer, allerdings nur schwach besuchten Ver sammlung am Donnerstag verkündeten sie als ihr vornehmstes Ziel: die Zertrümmerung des Glaserverbandes. Min- bestens sechs Wochen wollen sie aussperren, um, wie Herr R ö h l i ch meinte, bie Berliner Glasergesellen derartig auszu- hungern, daß sie ihren Meistern„aus der Hand fressen" und zu den Lohnsätzen arbeiten, die ihre Arbeitgeber für angemessen erachten. Der verderbliche Einfluß der Gesellcnorganisation müsse ein für allemal gebrochen werden. Allerdings sei dies nicht leicht, meinte der Herr Vorsitzende des Arbeitgeberverbcmdes, die Situation sei sogar für die Arbeitgeber außerordentlich ernst und schwierig. Doch es sei jetzt eine Ehrenpflicht der Glasereiunternehmer, das einmal begonnene Werk auch zu Ende zu führen. Der Arbeitgeber müsse unter allen Umständen Herr im Hause bleiben. So und ähnlich ließen sich auch die übrigen Glas- männer aus. Alle seine Kollegen übertrumpfte dabei der bekannte Herr Stampehl aus der Brunnenstrahe, der sich noch besonders damit rühmte, daß er als ehemaliger Leiter der Gesellenorganisation deren innere Einrichtungen und Schwächen ja zur Genüge kenne. Dieser gute Mann scheint vergessen zu haben, daß er vor zwei Jahren die Arbeitgeber mit ähnlichen Worten scharf machte, schließ lich aber doch gezwungen war, den Tarif mit anzuerkennen. Ihren innersten Herzenswünschen gab die Meisterversammlung folgenden Ausdruck: Die Herren wollen die Aussperrung mindestens sechs Wochen aufrecht erhalten. Organisierte Gesellen sollen ein für allemal nicht wieder in den Betrieben eingestellt werden. Uebcr diejenigen Meister, die jetzt noch organisierte Glaser beschäftigen, soll die Materialsperre verhängt werden. Wenigstens wollen sie auf die Verkaufsgenossenschaft und die Glashandlungen einwirken, den taristreuen Meistern nichts zu verkaufen. Nicht einmal Kitt sollen die Aermsten erhalten. Ferner gedenken sie mit den un- organisierten Gesellen und Kleinmeistern eine Streikbrecher- organisation nach dem Muster der„gelben Gewerkschaften" zu gründen. Besonders den Kleinmeistern suchten die Herren Honig um den Bart zu schmieren, indem sie ihnen ausmalten, wie vorteil- hast es für jene doch sei, wenn sie jetzt mit den„kapitalkräftigen Firmen" Hand in Hand gingen. Als ganz besondere Belohnung wurde den etwas ungläubig dreinschauenden Kleinmeistern dann die Ausführung von— Flick, und Reparaturarbeiten für die Großen in Aussicht gestellt. Endlich sind sich die Herren schlüssig geworden, bei ihrer Kundschaft, sowie bei allen Baubehörden, Baugeschaften und Architekten um A u f s ch u b der liegengebliebenen oder übernommenen Arbeiten vorstellig zu werden. Zu diesem Zweck haben sie ein Zirkular zusammengekittet, worin sie über die Ur- fachen der Aussperrung förmlich das Blaue vom Himmel herunter- sobeln. So sagen sie darin dreist und gotteSfürchtig:„Als am 15. Juni uns der neue Lohntarif bekannt gegeben wurde, war gleich- zeitig der Befehl von der Organisation erteilt, daß sämtliche un- verheiratete Glaser Berlin zu Verlasien haben, was tatsächlich auch geschehen ist." Die Wahrheit ist, daß heute noch einige Hundert un- verheirateter Glaser in Berlin sind. Erst zirka 80 sind abgereist, und davon nur rund 26 vor der Aussperrung. Ferner stellen es die Herren so dar, als hätte die Gesellenorgamsation eine s o- f o r t i g e Lohnerhöhung von 65 bis auf 85 Pf. gefordert. In Wahr- heit lautete die Forderung auf eine dreijährige Vertrags- dauer mit einer Lohnsteigerung auf 75 Pf. im ersten, auf 86 Pf. im zweiten und auf 85 Pf. im dritten Jahre. Wenn zudem noch be- hauptet wird, die gegenwärtigen Löhne seien bereits höher, als die der anderen Bauherufe, so genügt ein einziger Hinweis auf die Löhne der Maurer, Zimmerer, Putzer usw., um solche Flunkereien auf ihren wirklichen Wert zurückzuführen. Zum Schluß wurde der Vorstand des Arbeitgebcrverbandes dann einmütig beauftragt, der Polizeibehörde die bedrängte Lage der tarifbrüchigen Glas krauter zu schildern und um den wirksamsten polizeilichen Sckmtz während der Dauer der Aussperrung zu bitten. Nun, diese Bitte hätten sich die Herrschasten jedenfalls sparen können; der polizeiliche Schutz ist ihnen auch ohnehin sicher. Trotz aller dieser liebevollen Maßnahmen werden die Ausge- perrten der EntWickelung der Dinge mit kühler Ruhe entgegensehen. Einstweilen hat die Verbandsleitung der Glaser beschlossen, auch den unverheirateten Ausgesperrten Streikunterstützung zu zahlen, da Geldmittel in genügendem Maße vorhanden sind, so daß es des jüngst geleisteten freiwilligen Verzichts der Unverheirateten auf Unterstützung nicht mehr bedarf. Die Herren Ausspcrrer aber dürften bald einsehen, daß nur diejenigen Meister Freude an der Aussperrung haben, die klugerweise ihre Gesellen behielten und nicht tarisbrüchig wurden._ Berlin und Qmgegend. Achtung! Bauhandwerker! Wegen Nichtbewilligung der Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung des Stundenlohnes sind am Montagfrüh sämtliche bei Berliner Firmen arbeitende B a ck of e n m a u re r in den Streik getreten. Etwa die Arbeit aufnehmende Maurer er- suchen wir. auf obiges aufmerksam zu machen und der Verbands- leitung der Maurer, Engelufer 15, gefl. von solchen Fällen Mit- teilung zu geben. Verbandsleitung der Maurer Berlins und Umgegend. Der Kampffonds der Lithographen und Steinbrucker. Am Mittwoch fand in den Arminhallen eine sehr zahlreich be- suchte Versammlung der Mitglieder des alten Verhandes der Litho- graphen und Steindrucker statt, um über die Verwendung deS alten Verbandsvermögens zu beschließen. Es lag ein Antrag der bei der Auflösung des alten Verbandes auS dessen Hauptvorstand und Aus- schuß zusammengesetzten Liquidationskommission vor, das Vermögen für den Zweck flüssig zu machen, für den es von vornherein bestimmt war, und das ist der gewerkschaftliche Kampf. Hierzu sollte die Versammlung der Liquidationskommission die Vollmacht erteilen. Zu dem gleichen Zweck waren Versammlungen der alten Verbandsmitglieder über das ganze Reich einberufen worden. Der Referent Barkel schilderte kurz die bekannten Quer- ireibereien der winzigen Gruppe von 31 Mitgliedern des alten Bundes, die schließlich gerade als die Unternehmer zur Aussperrung griffen, jene Verfügung erwirkten, durch die das Vermögen der Gehülfenschaft für den ihr aufgezwungenen Kampf lahmgelegt wurde. Der Sturm der Entrüstung, der in der ganzen Gehülfen- schaft Deutschlands über diesen Streich ausbrach, ist es offenbar gewesen, was die 31 Personen veranlaßte. nun das Vermögen frei- zugeben. Ob sie. nachdem eine gerichtliche Verfügung vorliegt, dazu ein Recht haben, ist ja zweifelhaft. Irgend ein triftiger Grund für den Protest gegen die Verwendung des Vermögens lag ja über- Die Aussperrung in den„Norddeutschen Stahlwerken" zu Ober- Schöneweide ist durch Vergleich beendet worden. Am Mittwoch fanden in dieser Angelegenheit zwischen Vertretern des Metallarbeitervcrbandes und der Metallindustriellen Verhandlungen im Borsighause zu Berlin statt. Die Einigung erfolgte auf nach- tehender Grundlage: Dem Arbeiterausschuß wird eine Former- kommission angegliedert, welche die Spezialinteressen der im Werk beschäftigten Former zu vertreten hat und besonders bei der Festsetzung der Akkordpreise gutachtlich zu hören ist. Ferner wurde bie Wiedereinstellung von drei gemaßregelten Formern zugesichert, auch ist abgemacht worden, daß weitere Maßregelungen nicht statt- änden dürfen. Damit waren die ursprünglichen Forderungen der Former, wegen deren die unverständliche Aussperrung erfolgte, im wesentlichen erfüllt. Mit diesem Einigungsvorschlage er- klärte sich denn auch eine Versammlung der Ausgesperrten ein- verstanden. Demnach hätte die Wiederaufnahme der Arbeit bereits gestern morgen erfolgen können. Da der Direktor jedoch abwesend war und sein Vertreter keine Vollmacht zur Betriebsöffnung hatte, ö mußten die Arbeiter unnützerweise den Einfällen des etwas nervösen Herrn noch einen halben resp. einen ganzen Tagesverdienst opfern. Erst im Laufe deS gestrigen Vormittages konnte mit dem Direktor auf Grund deS oben erwähnten Vergleichsvorschlages ver- einbart werden, daß die HülfSarbeiter am Donnerstag nachmittag und die übrigen Arbeiter des Werkes am Freitagmorgen die Arbeit wieder aufnehmen sollten. Damit dürfte die eigenartige Differenz ihre Erledigung gefunden haben. Die Firma Schmalisch u. Below sendet uns folgende Zuschrift: Auf Grund des§ 11 des Reichsgesetzes über die Presse vom 7. Mai 1864 ersuchen wir Sie, folgende Berichtigung in die nächste Nummer Ihrer Zeitung aufzunehmen: In Ihrer Nr. 145 vom 26. Juni 1966 bringen Sie einen Ar- tikel, der durchaus unwahr ist. Insbesondere ist eS unrichtig, daß immer mehr Christliche eingestellt würden, andere Leger aber, trotz- dem sie von der Firma vorgemerkt waren, nicht benachrichtigt wurden, daß die Firma Leger gebrauche." Wahr ist vielmehr, daß wir in den letzten vier Wochen vor der Arbeitsniederlegung 22 freiorgani- .sierte Arbeiter eingestellt haben und bei einem Arbeiterbestand vsn 97 Mann nur 7 Christliche Arbeiter bei uns arbeiteten. Auch hatten wir mit dem Arbeitsnachweis der freien Organisation, August Kirsch, vormals Baberschke, Petersburgerstraße 81, ausdrücklich vereinbart, daß uns etwa vorhandene arbeitslose Fliesenleger sofort zugeschickt werden und haben zwei uns zugeschickte Leute auch tatsächlich einge- stellt. Ferner schreiben Sie in Ihrer Nr. 156 vom 1. Juli 1966:, „In der Sitzung am 21. Juni, in der die Vertreter der Arbeiter sich nur in ungenügender Weise über die Angelegenheit auslassen konnten, wurden die Mitglieder der Vereinigung der Fliesenleger, welcke hei der Firma Schmalisch u. Below die Arbeit ausgaben, für tarifbrüchig erklärt." Die hierin enthaltene Behauptung, daß die Fliesenleger sich nich� genügend äußern konnten, ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß der Vertreter der Organisation, Puttlitz, seitens des Gewerberichters wiederholt befragt wurde, ob ihm die beabsichtigte Arbeitsnieder» legung und der Grund derselben bekannt gewesen sei. Er erwiderte darauf, daß er von der Arbeitsniederlegung erst durch unseren Brief vom 11. Juni Kenntnis erhalten habe und dieselbe zu seinem Bedauern nicht verhindern konnte. Unwahr ist es auch, wenn in der Zuschrift behauptet wird, daß festgestellt sei, daß die Arbeitsnieder» legung nicht wegen der christlichen Arbeit» erfolgt sei. Wir hatten, um eine Erklärung herbeizuftihren, 15 Arbeiter von den Tarif- brüchigen laden lassen. Von den Erschienenen vermochte jedoch niemand irgend etwas vorzubringen, was gegen den Tarif verstößt, vielmehr brachten nur drei Arbeiter Beschwerden gegen den Werk- meister bor. Wie auch aus dem amtlichen Protokoll hervorgeht, wurde seitens der Schlichtungskommission lediglich die Entscheidung gefällt, daß bei unserer Firma keine Akkordarbeit stattgefunden hat und daß auch sonstige Verstöße gegen den Tarif nicht festgestellt seien. Schmalisch. u. Below. Veutfcbes Reich. Bei der Singer-Nähmaschinen-Aktiengesellschaft in Köln sinkt die Einkassierer in den Ausstand getreten, nachdem während der Kündigungsfrist eine Einigung nicht zustande kam. Der Ausstand bei der Kölnischen Baumwollspinnerei und -Weberei ist erledigt. Es wurde die Verkürzung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde erreicht. Bei der Zeiver Eisengießerei und Maschinenbauanstalt in Köln-Ehrenfeld sind infolge Maßregelung des Fabrik- ausschusses ernste Differenzen ausgebrochen. Ausland. Nach 14 monatiger Lohnbewegung haben die schweizerischen Brauereiarbeiter einen Erfolg errungen, der zunächst in dem seit zehn Jahren erstrebten Abschluß einer Tarifgemeinschaft, sodann der Ein- ührung des Neunstundentages im Winterhalbjahr, des Minimal- lohnes für alle Arbeiterkategorien(bisher war er auf die gelernten Arbeiter beschränkt) und der Aufstellung der Bestimmung besteht. daß auf je 2566 Hektoliter Ausstoß ein gelernter Brauer beschäftigt werden müsse. Wegen dieser Bestimmung gab es hartnäckige Kämpfe, ö daß schließlich die organisierte Arbeiterschaft Basels den Boykott über das Bier der Baseler Brauereien in der ganzen Schweiz be- öhloß, worauf die Bierbarone einlenkten und die definitive Ver- (tändigung erzielt wurde. Die mit dem Bierbohkott von 1896 ge. machten Erfahrungen waren demnach solche, daß die Bierbarone eine Wiederholung derselben nicht wünschten. Und wie haben sie damals über ihren„Sieg" gejubelt I So birgt eine Niederlage der Arbeiter den zukünftigen Sieg in sich. 3000 Maurer und Handlanger in Zürich fordern den Neun- tundentag und 76 Rappen minimalen Stundenlohn. Kommen )ie Bauunternehmer nicht entgegen, so wird die Arbeit ein» gestellt._ Letzte l�achnchten und Dcpcfchcn» Selbstmordversuch. Einen großen Auflauf verursachte gestern ein junger Selbstmordkandidat am Wörtherplatz. In dem Nestau- rant von Karge, am Wörtherplatz gelegen, erschien gegen 8 Uhr abends ein junger Mann und bestellte einen Schnaps und ein Glas vier. In die ihm gereichten Getränke goß er heimlich eine Flüssig- keit. Der Geruch von Lysol machte sich im Lokal bemerkbar, die anwesenden Gäste verhinderten den Lebensmüden, die Getränke zu ich zu nehmen, worauf dieser in ein anderes Lokal(Köhnke) ging. Aber auch hier erreichte er seinen Vorsatz, das Lysol einzunehmen, nicht. Seine Geschwister und Mutter ließen den Lebensmüden durch den Reviervorstand festnehmen. Der Vater des jungen Mannes verübte vor 14 Tagen Selbstmord; es liegt die Vermutung nahe, daß der Sohn erblich belastet ist. Der Straßenbahnerstreik in Rom. Rom, 5. Juli.(Privatdepesche unseres römischen Korrespondenten.) Die Situation. des Streiks ist un» verändert. Die Straßenbahngescllschaft bot den Streikenden Gehaltsaufbesserungen im Gesamtbetrage von 72 000 Lire pro Jahr an. Die Streikenden lehnten jedoch die gebotene Ausbesserung als unzulänglich ab. Die Gesellschaft versucht, Streikbrecher von auswärts heranzuziehen. Die Stimmung unter den Streikenden ist vortrefflich. Folgenschwere Explosion.> Donauwörth, 5. Juli.(B. H.) Durch vorzeitige Entladung einer Sprengmaschine würde hier ein entsetzliches Unglück herbei-. geführt. Zwei Ingenieure und ein Werkmeister und ein Arbeiter wälzten sich in ihrem Blute. Sie erlitten am ganzen Körper ent. setzliche Verletzungen._ MinisterkrisiS in Spanien. Madrid, 5. Juli.(W. T. B.) In dem heutigen Ministerrats traf der König noch keine Maßnahmen zur Lösung der KnsiS. Er nahm die Darlegungen der Minister übor die Notwendigkeit der Auflösung des Parlaments entgegen und erklärte den Vorschlag in Erwägung ziehen zu wollen. Madrid, 5. Juli.(W. T. B.) Das Mimsterium hat seine Ent- lassung eingereicht. Der König hat den General Lopez Dominguex mit der Kabinettsbildung beauftragt. Die Duma. Petersburg, 5. Juli.(W.T.B.) Arakantseff verliest den von den nach Bialystok entsandten Abgeordneten verfaßten Bericht über den dort stattgehabten Pogrom mit allen Einzelheiten der schreck- lichen Szenen. Der Redner richtet Anschuldigungen gegen die Re» gierung und erklärt, er erwarte nichts von der gerichtlichen Unter- suchung. Das russische Volk begünstige niemals Pogroms, es er- laude allen Nationalitäten im Frieden mit den Russen zu leben. Nur die Regierung sei schuldig; diese habe bereits die Armee ver- darben, das teuerste Gut, das die Russen besaßen. Aber die Armee werde erwachen, wenn sie das ganze Unheil sehe, welches sie ge- zwungen worden fei, anzurichten: Wehe denen, ruft der Redner, welche sie verderben und sie zu einer Masse wilder Tiere machen. Der Redner schlägt vor, sich zu Ehren der gemordeten Opfer von Bialystok zu erheben. Die ganze Versammlung erhebt sich von ihren Sitzen._ 22 Gefangene entflohen. Petersburg, 5. Juli.(B. H.) Aus dem Gefängnis in Schaulen flüchteten 22 politische Gefangene, nachdem sie den Wächter ent» waffnet hatten._ Wieder ein Attentat. Petersburg. 5. Juli.(B. H.) Auf den Stadthauptmann von Moskau, General Rimbot, wurde ein Attentat verübt, Einzelheiten fehlen noch.< Kedakteuk: Hans Weber. Berlin, Inseratenteil veraMwu Tt.GIpcke.Brrlm. Druck u. Verlag: LdrwärttBuchdr.u. VerlagSanstaltkaul Singer LiEo„BerlMLW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsblglt |lr. 154. 23. IchlMg. 1. Sdliijt des Dmilrls" Kcrüm WUlsM Freitag, 6. Juli 1906. Parteivorftand und Mafseustreik. Das Bochumer„Volksblatt" druckte am Montag die tn der Sonntagsnummer des„Vorwärts" enthaltenen Erklärungen vom Parteivorstand und Gcneralkommission ab und fügte dann folgende Bemerkung hinzu: „Nach dem elegischen Schlüsse der Vorstands- erklärung scheint der Parteivorstand also den m i tz g l ü ck t e n Versuch einer Verständigung mit der General'kominission jetzt aufgegeben zu haben. Wir werden von der freundlichen Er- laubnis des Parteivorstandes, uns selbst unser Urteil zu bilden. Gebrauch machen und in der nächsten Nummer die vielen Unbegreiflichkeiten dieser-Aktion an der Hand der offiziellen Erklärungen einer kritischen Prüfung unterziehen." Dieser Ankündigung kommt das Blatt dann in seiner Dienstags- nunmier nach, in der es dem Gegenstande einen 2'/z Spalten langen Artikel widmet. Wir geben aus demselben die uns am wesentlichsten erscheinenden Stellen wieder: I. Nach dem Protokoll der Generalkoni Mission. 1. Der Parteivorstand hat nicht die Absicht, den politischen Massenstreik zu propagieren, sondern wird, soweit es ihm möglich ist, einen solchen zu verhindern suchen. 2. Wenn dennoch ein solcher Streik ausbrechen sollte, so müßte derselbe von der Partei geftihrt werden und die Gewerk- schaften hätten sich offiziell nicht daran zu beteiligen. II. Nach der Erklärung des Parteivorstandes. 1. Der Parteivorstand hat nicht die Absicht, gegenwärtig den politischen Massenstreik zu propagieren, sollte derselbe aber pro- pagiert werden müssen, so wird sich der Parteivorstand mit der Generalkommisfion zuvor ins Benehmen setzen. 2. Wenn dennoch ein solcher Streik ausbrechen sollte, so müßte derselbe von der Partei geführt werden und die Gewerkschaften hätten sich offiziell nicht daran zu beteiligen. Wollte man Scherze machen, so konnte man wohl gar sagen, die G e n e r a I k o m m i s s i o n bezw. ihr Schriftführer Silberschmidt hätten aus logischen und g r a m m a t i k a- lifcheu Gründen die Formulierung gewählt, die sie in ihr Protokoll aufgenommen haben, denn logisch und gram- m a t i k a l i s ch reiht sich bei ihr der zweite Satz zwanglos an den e r st e n. während das in der Bebelschen Fassung nicht der Fall ist. Indessen ist uns die Angelegenheit zu solcher scherzhaften Behandlung viel zu ernst.... „Unsere Frage in der Sonnabendnummer, ob der Parteivorstand kein Protokoll bekommen habe, klärt sich nun dahin auf, daß er es wohl bekommen, aber nicht gelesen habe. Große Wichtigkeit scheint er der ganzen Angelegeubeit also nicht beigelegt zu haben, was wir sehr bedauern. Aber noch merkwürdiger ist uns folgendes: An der Sitzung der Gewerkschaftsvertreter, in welcher Silberschmidt> referierte und über welche das Protokoll aufgenommen wurde, sind eine große Personenzahl beteiligt gewesen, darunter mehrere Parteigenossen, die in Jena auf dem Parteitage gewesen sind und dort für die Bebelsche Resolution gestimmt haben. Wie aus den Protokollauszügen in der„Einigkeit" hervorgeht, haben einzelne dieser Genosser. sehr großes Erstaunen über Silberschmidts Mit- teilungen geäußert, eS geschah, wie man zu sagen pflegt, ein all- gemeines Schütteln des Kopses. Unter den Erstaunten befinden sich auch Reichstagsabgeordnete. Haben diese Genossen, so fragen wir weiter, angenommen, daß die Möglichkeit eines solchen außerordentlichen Ansichtswechsels bei Bebel vor- liegt, haben sie nicht den Gedanken eines Mißverständnisses gefaßt und haben sie serner in der ganzen Zeit keinen Anlaß gefunden, mit Bebel über die merkwürdigen Berichte Silberschmidts zu sprechen? Oder haben sie der ganzen Massenstreik- geschichte, die wenige Monate vorher die Partei in ihren tiefsten Tiefen aufgeregt hatte, so wenig Beachtung geschenkt, daß es nicht lohnte, darüber zu reden?... „Der Parteivorstand hält also die Möglichkeit oder Notwendigkeit der Propagierung des Massenstreiks in irgend einem u n- bestimmt zukünftigen Zeitpunkte für vorhanden. Gegenwärtig jedoch nicht. Propagierung ist be- kanntlich noch nicht Proklainierung des Massen- st r e i k s. Nun ist eS eines der wichtigsten und am häufigsten gebrauchten Argumente in dem vorjährigen großen Streite um den Massenstreik gelocsen, daß solch ein Kampfmittel nicht einfach dekretiert werden kann, daß wir eS vielmehr sehr gründlich diskutieren müßten, um die organisierten Arbeiter damit vertraut zu machen, damit sie dann, wenn es einmal Zeit sei, auch bereit seien. Es bedürfe dazu, so hieß eS, vieler Zeit. Gerade vom Standpunkte derer, die die sofortige Anwendung des Massenstreiks für unmöglich erklärten, wurde die Diskutierung und Propagierung als unumgänglich be- zeichnet. Vertagung der Propaganda für den Massenstreik auf die Zukunft setzt also die Annahme voraus, daß jetzt die politische Situation dem Proletariat noch andere Mittel zur Er- kämpfung seiner Rechte oder zur Abwehr von Attentaten auf be- stehende Rechte zur Verfügung stellt oder daß weder solche Attentate bevorstehen, noch die Erkämpfung neuer Rechte dringend sei. Daß die Erkämpfung neuer Rechte nicht dringend wäre, da- gegen spricht unsere Agitation für das gleiche LandtagSwahl- recht und der gegenwärtige Stand dieses Kampfes spricht sehr für die Notwendigkeit der Verstärkung unserer Kampfmittel. Die Gefahr der Attentate auf bestehende Rechte hat Bebel in Jena selbst trefflich gezeichnet. Wenn sich seitdem etlvas geändert hat, so nicht zu unserem Vorteil. Also: Dürfen ivir nach alledem wirklich noch er- warten, daß der Parteivorstand tveiß, was die politische Situation zu tun gebietet und daß er im rechten Augenblick das Rechte tun werde?" Die Magdeburger„ V o l k s st i m m e" sagt unter anderem: „Die Erklärungen der Mitglieder des Partcivorstandcs und der Gcneralkommission der Gewerkschaften Deutschlands über die eventuelle Anwendung oder, besser gesagt. Nichtanwendung des politischen Massenstreiks haben begreiflicherweise großes Aufsehen erregt. Die bürgerliche Presse ist voll davon. Es ist bei uns nicht üblich, a»f ihre Meinungsäußerung Gewicht zu legen, und wir unter- lassen eS daher, Proben davon zu geben, wie bürgerliche Organe die Erklärungen kommentieren. Nur die eine Bemerkung sei uns gestattet. daß alle, von der demokratischen Presse bis zu den Scharfmacher- blättern, darin übereinstimmen, daß vom Partei« vorstand bei den Unterhandlungen mit der Generalkommission die in Jena fe st gelegte Auf- fassung über den General st reik preisgegeben worden sei." Der Karlsruher.Volksfreund" erklärt: „Wir haben den Eindruck, daß die Generalkommission zu« treffend berichtet und daß somit der von uns abgedruckte Be- richt der„Einigkeit" durchaus zutreffend berichtet. Genosse Bebel sich also so ausgedrückt hat. wie mitgeteilt ist, und daß daran weder die Erklärung Bebels noch des Parteivorstandes etwas ändern kann."_______ Dntler Nttbandslag der Tapemrer. Zweiter Verhandlungstag. (Nachmittags-Sitzung.) In der Diskussion wünscht B ro ß w i tz. Danzig die Anstellung eines GjauIeiterS für den Oftgau, der seinen Sitz in Belsin haben � könnte. Von P i e t s ch- Breslau und Wels- Berlin wird der An- k trag bekämpft. Sander- Berlin und Becker- Hamburg machen 'auf die Schwierigkeit der Anstellung eines Gauleiters für Ostpreußen und Schlesien aufmerksam; doch verspricht Sander namens des Aus- schusses, die Sache im Auge behalten zu wollen. Vorläufig müsse es beim alten bleiben. Nachdem noch verschiedene Redner lokale Schmerzen vorgebracht haben, wird Schluß der Debatte über diesen Punkt beschlossen. Von F r i e d r i ch- Köln ist der Antrag gestellt worden, den Sitz des rheinischen Gauleiters von Düsseldorf nach Köln zu verlegen. Der Antrag wird in seiner prinzipiellen Be- dcutung abgelehnt, formell dem Hauptvorstand zur Nachprüfung überwiesen.' Es folgt die Erörterung über die Press e. Referent ist Ge- schäftsführcr und Redakteur Becker- Hamburg. Zu dieser Sache sind mehrere Anträge gestellt worden. Osnabrück, Rostock und Darm, stadt beantragen: Das Verbandsorgan erscheint alle acht Tage. Berlin beantragt: Das Vcrbandsorgan erscheint dreimal monat- lich. Leipzig beantragt: Die Redaktion wird beauftragt, nicht nur die wirtschaftlichen und politischen Dagcsfragcn im Kor- respondenzblatt zu besprechen, sondern vor allem auch die Grund- sähe und die Theorie aller ökonomischen und sozialen Wissenschaft als Grundlage der modernen Arbeiterbewegung im weitesten Maße zu erörtern. Der hierzu notwendige Raum soll dadurch geschaffen werden, daß erstens das Korrespondenzblatt regelmäßig acht Seiten stark erscheint und zweitens die Versammlungsberichte noch mehr als bisher eingeschränkt werden. Becker führt dazu aus: Man dürfe an die Gewcrkschaftspresse nicht den Matzstab der Arbeiterpresse legen. Insofern gehe der Leipziger Antrag viel zu weit. Es ist nicht möglich, daß ein Redakteur, der auch noch ein gut Stück VerwaltungS- tätigkeit vollbringen mutz, Zeit genug hat, im Sinne der Leipziger Antragsteller ein Gewerkschaftsblatt zn redigieren. Was den Ber» liner Antrag betrifft, so gebe er zu bedenken, daß das Fachorgan dann wohl auch nicht früher in die Hände der Mitglieder kommt. Noch weiter geht der Rostocker und Osnabrücker Antrag. Er be- dingt, daß noch ein weiterer Beamter angestellt' wird, der dann die Expedition des Blattes besorgen müßte. Im übrigen ist dem Wunsche der Mitglieder, das Blatt achtseitig erscheinen zu lassen, jetzt schon nach Möglichkeit Rechnung getragen worden. Wenn aber einmal die Notwendigkeit nicht vorliegt, eine Nummer achtseitig erscheinen zu lassen, ja warum sollen wir dann nicht sparen? Selbstredend müssen wir das Blatt fortwährend auszugestalten suchen, und das liegt in unserem und im Interesse der Mitglieder. In der Diskussion gibt Wels- Berlin seiner Freude Ausdruck über die prinzipielle Haltung des Verbandsorgans; insbesondere freut er sich über die taktvolle Haltung des Blattes im„Vorwärts"- Konflikt. Den Leipziger Antrag erklärt er für zu weitgehend. Wenn unter den Gewerkschaftlern ein Mann wäre, der den Anforderungen der Leipziger entspräche, so würde ihn wohl die Parteipresse sofort okkupieren(Beifall); denn in der Parteipresse herrscht bekanntlich ein Mangel an tüchtigen journalistischen Kräften. Wir können mit unserem Blatt vollauf zufrieden sein. Nur sollten wir im Interesse der Aktuellität unseres Blattes darauf dringen, daß es häufiger er- scheint; dann könnte es auch agitatorischer wirken. Aus acyta- torischen Gründen empfehle ich Ihnen die Annahme des Berliner Antrages als Etappe zum achttägigen Erscheinen. Vesper schließt sich den Ausführungen Wels an. Auch er spricht seine Anerkennung über die Haltung des Blattes aus; höchstens dürfen die Versamm- lungsberichte noch etwas mehr beschnitten und von allem unnützen Beiwerk gesäubert lverden. Er empfiehlt den Osnabrücker Antrag, das Blatt achttägig erscheinen zu lassen. Wenn wir schon einen Schritt vorwärts tun wollen, dann ist es besser, das Blatt gleich achttägig erscheinen zu lassen. Ich bin aber auch zufrieden, wenn der Berliner Antrag angenommen wird. B r o tz w i tz- Danzig schlicht sich den Ausführungen der beiden Vorredner an. Auch er wünscht im Interesse einer schnelleren Berichterstattung, daß das Blatt öfter erscheint. Er erklärt sich für den Antrag Vesper. Ste ig erWald- Frankfurt sprickst ebenfalls der prinzipiellen Haltung des Blattes seine Anerkennung aus. Weiter empfiehlt er der Redaktion, in der Bcschneidung der Versammlungsbcrichte noch viel rigoroser vorzugehen. Regel« Wiesbaden wünscht, daß die Entscheidungen des Reichsversicherungsamtes, soweit sie den Beruf betreffen, mehr berücksichtigt werden. Die Anträge Leipzig und Osnabrück hält er für zu weitgehend; sie übersteigen unsere Kräfte. R ö h l e r- Leipzig befürwortet den Leipziger Antrag. Man sei bei Stellung des Antrages von dem Gesichtspunkte ausgegangen, für die Redaktion eine volle journalistische Kraft anzustellen. Was wir für die Presse ausgeben, geschieht im agitatorischen Interesse und macht sich später sicher bezahlt. Er erklärt sich für den OSnabrücker An- trag. Nitz- Hamburg erklärt sich gegen den Leipziger Antrag, ebenso gegen die Osnabrücker und Berliner Anträge. In den Ver- sammlungsberichtcn sollten wenigstens die Beschlüsse der Filialen regelmäßig wiedergegeben werden. S p l i c d t- Hamburg erklärt, Versammlungsberichte ganz entbehren können wir heute noch nicht; aber die Berichte sollten kürzer und präziser gehalten werden. Bezüglich der Acnderung der Erscheinungsweise des Blattes erklärt er sich für den Osnabrücker Antrag. Freilich sollten dabei nicht die daraus entstehenden Kosten auS dem Auge gelassen werden. Dem Verband wird dadurch eine Mehrausgabe von 80/» und l/z2 Uhr aus der Schule gekommen war, sie hätten dann sofort Mittag gegessen. hierauf wäre der Angeklagte gegangen. Kurz nach 7 Uhr kam Iordy zurück. Er habe ein Stück Zeitungspapier aus der Tasche geholt und dieses sofort ins Feuer geworfen.— Vors.: Was lvar denn das für ein Stück Papier, war es vieUeicht blutig oder beschmutzt?— Zeugin: Das weiß ich nicht.— Vors.: Weshalb hat er denn das Papier verbrannt, ein Stück Zeituugspapier ist doch in einer Wirtschaft ein ganz nützliches Möbel und wird zu allen möglichen nützlichen Zwecken benutzt.— Zeugin: Was es war, weiß ich nicht.— Vors.: Zeugin, erzählen Sie mal weiter, was hat der Angeklagte dann weiter gemacht?— Zeugin: Er ließ sich zum Abendbrot Schabe- fleisch holen. In der Zwischenzeit wusch er sich unter der Wasser- leitung die Stiefel ab, wie er es schon öfter gemacht hatte.— Bert.: Frau Iordy, fiel Ihnen etwas in dem Wesen ihres Neffen. des Angeklagten auf?— Zeugin: Nein, Max war so ruhig wie immer, mir ist absolut nichts aufgefallen. Hauptbelastungszeugin. Es wird nunmehr Frau Anna Maier als Zeugin aufgerufen, die den Angeklagten kurz vor dem Morde am 3. Februar in un- mittelbarer Nähe des Jordyschen Grundstückes gesehen haben will. Vors.: Frau Maier, es kommt sehr viel auf Ihre Aussage an, Sie haben den Zengeneid geleistet und müssen sich sehr überlegen, was Sie jetzt ausjagen wollen. Haben Sie sich es reiflich überlegt?— Z e u g i n: Ja, sehr oft schon.— Vors.: Also: als der Mord bekannt wurde, haben Sie sich sofort gemeldet?— Zeugin: Ich selbst habe mich nicht gemeldet, sondern es wurde am Tage nach dem Morde auf der Treppe erzählt, Max Iordy sei schon seit acht Tagen ver- reist. Ich sagte sofort, das kann ja nicht sein, denn ich habe ja den Iordy erst gestern gesehen.— Vors.: Erzählen Sie uns nun ein- mal Ihre Begegnung mit Iordy.— Zeugin: Es war am Sonn- abend, den 3. Februar. Ich»oartete auf meinen Mann, der zum Mittagessen kommen sollte. Ich war schon ärgerlich, daß er sich ver- spätete, und trat an das Fenster heran. Ich bemerkte an der HauS- ecke einen Mann stehen, der trotz des schönen Wetters einen aufgespannten Schirm trug. Plötzlich hob der Mann den Schirm hoch und sah sich um und zwar nach der Richtung des Jordyschen Grundstücks. Ich erkannte den Max Iordy ganz genau. Er ging dann auf den Weg hinaus; ich mußte nach dem Fuhrwerk sehen und ging auf die Straße hinaus. Ich sah Iordy nochmals, er ging über das Kleinbahngleis hinweg und nahm dann seinen Weg quer über das Feld. Iordy trug einen braunen Paletot, eine dunkle Hose und einen schwarzen steifen Hut.(Eine derartige Bekleidung hat der Angeklagte tatsächlich getragen.)— Vorsitzender: Angeklagter, was sagen S»e zu dieser Aussage?— Angekl.: Die Zeugin irrt sich, es ist ganz ausgeschlossen, ich bin nicht dort gewesen.— Die Zeugin bleibt auf mehrfache Vorhaltungen des Vorsitzenden und des Verteidigers dabei, daß sie den Angeklagten ,ganz genau erkannt habe.— Rechtsanw. Dr. Löwenthal glaubt Bedenken gegen die Glaubwürdigkeit der Zeugin geltend machen zu müssen, weil diese vor neun Jahren mit dem An- geklagten l'/g Jahre verlobt gewesen ist. Die Verlobung sei von dem Angeklagten aufgehoben worden. Me Zeugin soll hierbei gesagt haben: Dem werde ich's noch auf andere Weise anstreichen. Die Zeugin bekundet dagegen, daß sie die Verlobung aufgehoben habe. weil Iordy immer noch nach ihrem Zusammensein abends weitev gegangen wäre. Die ihr in den Mund gelegte Aeußerung stellt sie mit aller Entschiedenheit in Abrede. Staatsanwalt Tolki stellt fest, daß die Zeugin noch niemals vorbestraft ist. Die Zeugin stellt auch auf Befragen des Verteidigers in Abrede, daß sie einen an die Kriminalpolizei gerichteten anonymen Brief geschriebm habe' oder ihn habe schreiben lassen. Eine zweite Augenzeugiu.s Zeugin Eva Grcischoweit, welche in dem MeyKtfchen HvUse. wohnt, hat auch den Mann mit dem Schirme gesehen. Es fiel ihr auf,' daß er bei schönem Wetter den Schirm aufgespannt hatte. Als am Tage nach dem Bekanntwerden des Mordes, also am 4. Februar, der Augeklagte nach dem Amte gebracht wurde, hat sie ihn sofort als den Mann mit dem Schirme erkannt, obgleich sie gar nichts davon merkte, daß dieser Mann von Beamten transportiert wurde.— Der An- geklagte behauptet, daß bei seinem Erscheinen die Zeugin erst durch die Frau Meyer angestoßen worden sei.— Dies wird von beiden Frauen entschieden bestritten. Frau H o f f m a n n hat den Angeklagten am 1. oder 2. Februar auf dem Bahnhof Rosenthal gesehen, von wo er um 3� Uhr nach Verlin fuhr. Der Angeklagte bestreitet auch dieses und behauptet, daß es eine Woche vorher ge- wesen sei. Frau Schräder, Aufwartefrau bei Frau Iordy, weiß, daß der Augeklagte am 2. Februar sich den Finger verletzt und mit dem Taschentuch umwickelt hatte. Als er am S. abends kam und nach seiner Frau fragte, hat die Zeugin an ihm irgend- welche Aufregung nicht bemerkt. ES werden dann zwei Portiers vom Warenhaus Tietz am Alexanderplatz vernommen. Der Angeklagte behauptet zum Beweise seines Alibis, daß er am 3. Februar nachmittags gegen 6 Uhr dort nach Arbeit nachgefragt habe. Man habe ihm aber geantwortet:„Lieber Mauo, es find schon 20 Leute entlassen worden!"- Die beiden Beugen: tönnen sich dieser Begegnung nicht erinnern. Die weiteren wenig erheblichen Zeugenaussagen ziehen sich bis zum späten Abend hin. Heute sollen noch einige Zeugen und die Sachverständigen vernommen werden. Dann beginnen die Plaidoyers. Gerichts- Zeitung. Ein ,, Arbeitswilliger". Wegen Verbrechens gegen§ 173 des Strafgesetzbuches( Blutfhande) wurde der Arbeitswillige Rongen aus Neuß verhaftet. Rongen hatte, obwohl er verheiratet ist, ein Verhältnis mit seiner Schwester unterhalten, das nicht ohne Folgen blieb. Der„ Musterarbeiter" war in der Lederfabrik von Schleifenbaum in Neuß als Rausreißer beschäftigt, den im Streit befindlichen Arbeitern fiel er in den Rücken. Noch kürzlich trat er vor der Düffeldorfer Straffammer als Zeuge in einem Prozesse gegen unseren Genossen Rinke auf. Rinte sollte die Staatsstüße in feiner Arbeitswilligenehre gekränkt haben und wurde auch bestraft. Der Staatsanwalt, der damals so lebhaft für den Schutz des Arbeitswilligen eintrat, ist jetzt genötigt, sich desselben auf eine andere Weise liebeboll anzunehmen. So sehen die„ nüglichen" Elemente aus. Aus der Frauenbewegung. ( Siehe auch 2. Beilage.) Der Stein der Weisen. Das Mittel zur Lösung der sozialen Frage ist entdeckt. Der Entdecker heißt Dr. Friedrich Schomerus, und wenn er in übergroßer Bescheidenheit sein Mittel vorläufig auch nur gegen einen Teil der sozialen Krankheit, nämlich gegen die SäuglingsSterblichkeit anpreist, so kann es doch, wie der geneigte Leser alsbald sehen wird, genau so gut in allen übrigen schwierigen Fällen" Anwendung finden. ausgeschaltet. Daß diese Bustände zum Himmel schreien, daß| nicht die blasfeste Ahnung? Werehrteste A. P., die vernünftige Abhülfe dringend nottut, ist jedem Denkenden flar." Erwägung", die Einsicht" ist bei den Arbeiterfrauen längst borMan sieht, A. P. meint es gut. An ihrem ehrlichen Mitleid handen. Sie müssen die Arbeiterfrauen für sehr dumm halten, zu zweifeln, liegt kein Anlaß vor. Daß sie nur dasselbe sagt, was wenn Sie glauben, sie hätten sich diese einfachen und selbstverständdie Sozialdemokratie seit 40 Jahren unablässig verkündet hat, sei lichen Dinge nicht längst selbst gesagt. Aber der Kapitalismus nur nebenbei bemerkt; man kann zur Erkenntnis dieser Dinge auch fragt verflucht wenig nach ihren vernünftigen Erwägungen". fommen, ohne Sozialdemokrat zu sein. Aber nun kommt die heikle mit der bloßen Neigung" der Arbeiterfrauen für die HalbtagsFrage der Ab hülfe. Was soll geschehen, um diese zum Himmel schicht ist es leider nicht getan. Freilich, von dem Verhalten der schreienden" Zustände zu ändern? Und alsbald zeigt sich, daß Kapitalisten hat ja A. P. auch die sonderbarsten Vorstellungen. A. P. den Begriff denken" so eng faßt, wie wir oben sagten. Der Angesichts der Tatsache, daß die Arbeiterinnen um keine lumpige " Dentprozeß" geht etwa folgendermaßen vor sich: Schuld an der halbe oder ganze Stunde Arbeitszeitverkürzung überall die schwersten Säuglingssterblichkeit trägt die Ueberlastung der Fabrikarbeite- und erbittertsten Kämpfe führen müssen, bekommt A. P. es fertig, rinnen; also muß diese gemindert werden; wie das machen? zu schreiben: Einfach die Fabritarbeit verbieten? Geht nicht, denn und das muß man wieder wörtlich genießen: ,, einmal braucht die deutsche Industrie, um konkurrenzfähig zu bleiben, die Frauenhände; zum anderen braucht die Mehrzahl der verheirateten oder verwitweten Fabritarbeiterinnen den Arbeitsverdienst, um leben zu können." Freilich wäre es notwendig, daß die Fabriken die Halbtagsschicht nicht nur formell einführen, sondern auch aus einem höheren Gesichtspunkte heraus Gewicht auf sie legen, die Arbeitsfrauen zu ihr erziehen, an sie gewöhnen, kurzum, die Einführung forzieren. Die Industrie( will sagen die Fabrikantem] muß sich der Verantwortung bewußt werden, die sie auf sich nimmt, wenn sie die Veranlassung ist, daß Hunderttausende deutscher Söhne und Töchter der arbeitenden Klasse ohne Mutter aufwachsen. ,, Allerdings wird diese Forderung den Industrien( will sagen den Fabrikanten) manche Unbequemlichkeiten, aber durchaus keine unerschwinglichen Opfer auferlegen. Selbst wenn für die Halbtagsschicht etwas höherer Lohn gezahlt Die Fabrikanten müssen den Weg dazu suchen, und die öffentliche Meinung muß verlangen, daß sie ihn gehen und so der Verwüstung der Volkskraft ein Ziel gesetzt werde.' würde... Punktum. Damit ist diese Seite der Sache abgemacht. Natürlich, mehr hat ja im„ Berliner Tageblatt" nie darüber ge= standen, folglich braucht A. P. auch weiter nichts darüber zu wissen. Daß nicht die Industrie, d. h. die Herstellung der Gebrauchsgegenstände, sondern der Kapitalismus, d. h. die Erzeugung von Profit es ist, welcher die Frauenhände braucht" und die Ueberlastung der Arbeiterinnen verursacht, darüber hat A. P. nie etwas gelesen, folglich kann sie auch nichts darüber„ denken". Und ebensowenig beschwert es sie, daß die verheirateten Arbeiterfrauen sehr gern auf die Fabritarbeit verzichten würden, wenn nur die Männer so viel Lohn bekämen, daß Frau und Kinder davon gut ernährt werden könnten. Unbeschwert von diesen und anderen Rücksichten, denkt" A. P. weiter: Da die Frauenarbeit nicht verboten werden kann, muß sie wenigstens verkürzt werden. Auf 10 Stunden? Das langt nicht, es muß schon mehr sein. Halt, ich hab's: die Halbtagsschicht muß für verheiratete Fabrikarbeiterinnen eingeführt werden. Und ganz bergnügt berichtet A. P., daß ihr diesen Gedanken" ein anderer schon vor- willen gedacht habe, nämlich der oben genannte Dr. Friedrich Schomerus, der das Ergebnis seiner nachmittäglichen Verdauungspause sogar in Leipzig bei Felix Dietrich als Broschüre hat erscheinen lassen. Man mißverstehe uns nicht. Selbstverständlich ist uns der Gedanke einer möglichst weitgehenden Arbeitszeitverkürzung außerMan sollte es wirklich kaum für möglich halten, was für naive, ordentlich sympathisch. Aber damit fängt doch die geradezu findliche Anschauungen über die soziale Frage von bürger- Schwierigteit erst an! A. P. und ihr Dr. Schomerus lichen Schriftstellern in die Oeffentlichkeit gebracht werden. Leute, glauben offenbar, durch ihre großartige Entdeckung, daß bei Halbdie es ganz gut meinen, weil ihnen das Leid ihrer Mitmenschen tagsschichten von 5 Stunden die Frauen Zeit genug befämen, sich wirklich zu Herzen geht, glauben, sie könnten so zwischen dem um Familie und Haushalt zu bekümmern, und durch die öffentliche Mittagessen und dem Kaffee, in ihrer Verdauungspause, die Arznei Verkündigung dieses Gedankens sei die Frage bereits gelöst. ausdenten, die das ganze Volt gesund und glüdlich machen werde; Sie sehen nicht, daß ihre Forderung durchaus wesensgleich ist der tieferes Studium, Erkenntnis der sozialen und wirtschaftlichen Bu- alten sozialdemokratischen Forderung auf Verkürzung der Arbeitsfammenhänge, ja selbst nur Kenntnis der tatsächlichen Zustände zeit, daß sie also nichts Neues enthält, was man nicht schon vorher daß dergleichen nötig sei, davon haben sie nie gehört. gewußt hätte, und sie wissen nicht, daß die Schwierigkeit eben Wöchentlich einmal beglückt das„ Berliner Tageblatt" die Welt gerade in der Ausführung liegt. Sie bilden sich ein, alle mit einer Frauen- Rundschau", die geradezu eine Fundgrube Welt habe sich, gleich ihnen, den Kopf zerbrochen, wie der Säuglingsfolcher sozialpolitischen Kurpfuscherei darstellt. In einer ihrer sterblichkeit entgegengetreten werden könne, aber keiner habe es letten Nummern liest man einen A. P.( Anna Papprib) gezeichneten herausfinden können; nun aber, da ihnen die Lösung des Rätsels Artikel, welcher gar beweglich über das Los der verheirateten gelungen, werde alle Welt freudig zugreifen und alle Not ein Ende Fabritarbeiterinnen flagt. Unter den 1005 500 Arbeiterinnen, die haben. Geradezu rührend ist es nämlich, wie A. P. sich die Eine im Jahre 1903 in Deutschlands Fabriken beschäftigt waren, seien führung denkt. Zunächst von seiten der Arbeiterinnen: mehr als 300 000 verheiratet gewesen. Diese Mutter des Voltes" Natürlich tritt er( Dr. Schomerus) nur für eine fatulhabe in der Fabrik täglich 10 bis 11 Stunden zu arbeiten, und tative Halbtagsschicht für verheiratete, geschiedene und berdaneben ihre Hausfrauen- und Mutterpflichten zu erfüllen. witwete Fabritarbeiterinnen ein; wer einen vollen Arbeitstag in der Fabrik arbeiten will und muß, der soll es auch in Zukunft fönnen. Es wird immer eine Anzahl Frauen geben, die die Not dazu zwingt, aber vernünftige Erwägung, Rücksicht auf das Wohl ihrer Familie und ihre eigene Gesundheit würden die Frauen bald für die halbtagsschicht geneigt(!) und diese für die Verheirateten zur Sitte machen. " ,, So dauert ihr Arbeitstag meist 17 Stunden, und dazu soll sie noch die neue Generation hervorbringen, Kinder gebären, fäugen und aufziehen. ... " Brennendes Mitleid und heiße Scham überkommt un s gutgestellte Frauen, wenn wir darüber nachdenken, welche Lasten unseren armen Schwestern aufgebürdet werden." Dann folgt ein kurzer Hinweis auf die Säuglingssterblichkeit und auf die mangelhafte Erziehung der Acbeiterkinder, denen die Mutterfürsorge, ja häufig genug, wenn sie in" Biche" gegeben werden, selbst die Bekanntschaft der Eltern entzogen wird. " So lockern sich die heiligsten Familienbande, die Eltern bleiben dem Kinde fremd, der Einfluß der Mutter wird völlig Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Gardinenhaus Große Frankfurter. ftraße 9, parterre. 1+ Die Frauen namentlich die, die nur zuverdienen müssen, würden bald einsehen, daß es rationeller für fie ist, mit dem halben Lohn sich zu begnügen und dafür den halben Tag in der eigenen Wirtschaft tätig sein zu können." Ist es zu viel behauptet, wenn wir sagen: Wer das hat schreiben können, hat von den Tatsachen des Wirtschaftslebens auch Kann man solche Aeußerungen, die doch nur von vollkommener Unkenntnis zeugen, überhaupt noch ernst nehmen? Wenn wir sie ausführlich besprechen, so geschieht es nicht um ihres Gehaltes denn der wäre es nicht wert, sondern einmal um zu zeigen, was ein beim liberalen Bürgertum hochangesehenes Blatt feinen Lesern vorzusehen wagen darf, und dann, weil die Denkart, die aus ihnen spricht, typisch ist für denjenigen Teil des Bürgertums, der überhaupt sozial denkt. Das Bürgertum setzt sich be= tanntlich aus atvei Kategorien zusammen, aus brutalen Scharf das sind die klaren Köpfe, die bei jeder Verbesserung machern der Lage der Arbeiter den Angriff auf den Profit deutlich sehen das sind z. B. ,, wir gut und aus humanen Menschenfreunden gestellte Frauen", die„ brennendes Mitleid und heiße Scham" empfinden beim Elend ihrer Schwestern. Diese Menschenfreunde tun das, was man von jener Seite uns Sozialdemokraten immer fälschlich nachsagt: sie denken sich einen Bukunftsstaat" aus, einen idealen Zustand, in welchem die jetzt herrschenden lebel nicht vorhanden sind, und empfehlen dann den Menschen, dieses Produkt ihrer Dichtkunst gefälligst einzuführen". Das ist der Stein der Weisen, mit dem die ganze soziale Frage spielend gelöst werden kann: die Menschen müssen nur einsehen, daß es nötig ist, dann werden sie es tun. So konnten A. P. und Dr. Schomerus zu der Utopie ge= langen, man könne durch bloße Ueberredung nicht nur einen fünfstündigen Marimalarbeitstag für Frauen durchsehen, sondern auch noch die Fabrikanten veranlassen, den Weg dazu zu suchen, und fogar höheren Lohn dafür zu zahlen! Die Sozialdemokratie geht einen anderen Weg. Sie ist längst über den Kinderglauben hinaus, daß das Elend der Arbeiterklasse vom guten oder bösen Willen der Kapitalistenklasse abhänge. Sie weiß, daß nur der Kampf gegen den Profit den Arbeitern, weiblichen wie männlichen, Befferung bringen kann. Deshalb führt sie diesen Kampf ohne Rücksicht auf den bösen und ohne Hoffnung auf den guten Willen der Kapitalisten. Freilich weiß sie auch, daß dieser Kampf auf die Dauer den Umsturz der herrschenden Wirtschaftsordnung herbeiführen muß. Aber das will sie gerade, denn der Zustand, den sie erstrebt, soll es den Frauen ermöglichen, nicht nur ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechend an der Gesamtarbeit des Menschengeschlechts teilzunehmen, sondern zugleich sich der jungen Generation zu widmen. Und das alles ohne Ueberlastung. Das aber fann nur in einem profitlosen, sozialistischen Gemeinwesen geschehen. Kleine Anzeigen 6,00-10,00 gutgeschrieben erhält 16398* Teilzahlung. Anfertigung ele Selbsttäufer einer Nähmaschine ohne ganter Herrengarderobe. Marcus, Anzahlung, Woche 1,00, gebrauchte Landsbergerstraße 75. 12,00. Postkarte genügt. KöpeniderStraße 60/61, Große Frankfurter straße 43, Prenzlauerstraße 59/60. Nähmaschinen. Bahle bis 12,00, Herrenfahrrad, Damenfahrrad, wer Teilzahlung fauft oder nach wie neu, 45,00. Holz, Blumenweist. Sämtliche Systeme. Woche ftraße 36 b. 16688* 1,00. Poftlarte. Brauser, Tilfiter Fahrräder, Teilzahlungen. Bergstraße 90. + 32* ftraße 28, Staligerstraße 40. 1663* Steppdecken billigst Febril Große Frankfurterstraße 9, parterre.+1 Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten 50 Pf. die Zeile. ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt- Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Achtung! Vermietungen. Arbeitersekretär- Fliesenleger! Wohnungen. Stube und Küche zu vermieten Bubenerstraße 6. Gesuch. 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Meldungen Die ehemaligen Meister Paul sucht sofort Dirigenten. 138/ 8* 1,50 an, Gebrodanzüge von 12,00 Telephon Amt 4, 6958. bei Restaurateur Glaßmann, Straß- Hilprecht und Ludwig König arbeiten an, Frads von 2,50 an, sowie für Teile Freunden und Belannten burgerstraße 32. 453 weiter. torpulente Figuren. Neue Garderobe mit, daß ich in der Pallasstraße 3 ein Die Arbeit wird nicht eher aufge austaunend billigen Preisen, aus Pfand- Bigarrengeschäft übernommen habe. Verkäuferin für Kolonialwaren- nommen, bis öffentlich durch die leihen verfallene Sachen fauft man Bitte mich in meinem Unternehmen branche fann sofort eintreten. Non Verbandsleitung be fanntgegeben wird, ami vorteilhaftesten bei Naß, Mulad zu unterstützen. Achtungsvoll: Carl such- Genossenschaft Adlershof, Haden daß die Differenzen beigelegt sind. 28045* bergstraße 29. 206/3 196/ 18* Die Verbandsleitung. ftraße 14. * 28055* Soern, Tischler. * 27966 Wienecke, Grünauerstraße. Pieper, Bernauerstr. 80. Für Klavierarbeiter: Bell, Andreasstr. 32 u. Grüner Weg. Für Korbmacher: Stralauer Glashütte. Für Bürstenmacher: Der Jnnungsnachweis, Brunnenstraße 154. Für Parkettbodenleger Die Firma Pompluhn, 3wischenmeister Petsch, Bau Niebuhr: straße 76, Sieboltstrake, Barzelle 2. 85/ 1* Gesperrt find für Einseker die Bauten der Firma Schubert, Kreuzbergstr. 8. Tempelhof: Bait Andrzewski, Schönburgstr. 3, Friedrich Wilhelmstraße( Ede Moltkestraße). Bau Wallrath, Schönburgstr. 7, Moltkestraße. Bau Kelling, Ringbahnstr. 5. Bau Lolath, Ringbahnstr. 43. Mariendorf: Bau Schmidt, Chausseestr. 23b. Halensee: Bau Gronau und Graul, Joachim Friedrichstr. 4. Berlin: Dranienftr. 24( Ausbau). Charlottenburg: Bau Manheimer, Neue Stantstr. 3. Suzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung des Holzarbeiterverbandes. Deutsch. Buchbinderverband ( Zahlstelle Berlin). Folgende Firmen haben, weil das Personal nach der Beendigung der Aussperrung nicht reumütig und bedingungslos in die Betriebe zurüc fehrte, weiter respektive erneut auss gesperrt: G. Wübben& Co., Wilhelmstraße 9. H. Sperling, Friedrichstr. 16. D. Bleistein, Friedrichstr. 16. Lüderitz& Bauer, Mauer straße 80. Fritsche- Baumbach, Schö neberg, Bahnstraße. H. Reiß, Lügowstr. 107/8. H. Schubert, Wilhelmstr. 121. C. Metschke& Co., Zimmer straße 94. A. Schoß, Buttkamerstraße 19. A. Schoß, Dessauerstraße. Schneider& Ziegler, Ritterstr. 76. Rickmann, Wilhelmstr. 121. Ad. Ludwig, Elisabeth- Ufer 5/6. Fleck Nachf., Rügowstr. 87. Kämmerer, Kochstr. 67. C. F. Walter, Wallstr. 16/17. Rich. Gahl, Chaujjeeftr. 20. Agthe, Wilhelmstr. 119/20. Lotze& Sieler, Kochstr. 3. Ad. Wittenburg, Wilhelms straße 16. Xaver Kölle, Reichenberger. straße 36. Alle Genossen und Freunde der Organisation, machen wir darauf daß die Heimarbeit aufmerksam, ( Bogen falzen von Streifarbeit) in übermäßiger Weise Plaz gegriffen hat Wir bitten, die Hausbewohner auf das Berwerfliche ihres Tuns auf merksam zu machen. Die Ortsverwaltung. Kartonarbeitern. Arbeiterinnen! Kartonnicter! In der Kartonfabrik von Ad. Lesser, Krautstraße, sind tarif liche Differenzen ausgebrochen. Diese Betriebe find gesperrt! Die Firma Aloys Suk, Reander. straße 4( Neanderhof) ift für Galanteriearbeiter und Arbeiterinnen wegen Differenzen gesperrt. Die Ortsverwaltung. 24/12 Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber- Berlin. Für den Inseratenteil berenti.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag; Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. " Nr. 154. 23. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Partei- Angelegenheiten. " Freitag, 6. Juli 1906. entgegengebracht werden, da sie oft von irreführenden einen schweren Schaden an seiner Gesundheit genommen habe. Die Fehlern aller Art wimmelten. Etliche Male sind diese Fehler, Polizei verhielt sich aber ablehnend und erklärte, daß keine Ursache als sie in der Stadtverordnetenversammlung von sozialdemokratischer zu einem Einschreiten vorliege. Darauf wurde am 26. Juni der Man sollte Stralau. Der sozialdemokratische Wahlverein hat für Sonntag, Seite zur Sprache gebracht wurden, vom Magistratsvertreter als Striminalpolizei in Wilmersdorf von der Angelegenheit Mitteilung den 8. Juli, ein Volksfest veranstaltet. Das Programm ist ein reich- Druckfehler" bezeichnet worden( was übrigens gar nicht mal immer gemacht, die bisher noch keine Antwort erteilt hat. meinen, daß die Polizei alle Ursache hat, die Leute, die sich über die haltiges; neben Konzert und Tanz wirken die Arbeitervereine zutraf). Das„ Verschwinden“ der nun glücklich wiedergefundenen Mißhandlung des Arbeiters Wendler aufgeregt haben, zu beruhigen, Gefangverein Frohsinn", Ruderklub Vorwärts", sowie Schule erklärt sich nicht aus einem Druckfehler, sondern aus einer denn sie appelliert doch oft an das Publikum um Withülfe, wenn Mitglieder vom Radfahrerbund mit. Außerdem finden Verlosungen Liederlichkeit, die im Rathause selber verschuldet worden ist. es gilt, einen mysteriösen Fall aufzuklären. Liegt in diesem Falle, und Kinderbeluftigungen statt, ein jedes Kind erhält eine Stock- Der Gesundheitszustand in Berlin war in diesem Frühjahr wo es sich doch um den Tod eines Menschen handelt, die wirkliche Laterne. Karten sind in den bekannten Lokalen zu haben. Anfang günstiger als in dem vorigen. In den Monaten März, April, Sachlage für die Polizei vollständig klar, ist sie von der Unschuld 3 Uhr nachmittags. Zahlreicher Besuch ist erwünscht. Der Vorstand. Mai starben( ohne die totgeborenen Kinder) diesmal nur 2786, 2709, fo follte sie auch eine Erklärung den Leuten geben, wodurch die des Hausbesizers Naffin überzeugt, wie man wohl annehmen muß, Schildow- Blankenfelde. Bezirk Nieder- Schönhausen. 2812, zusammen 8307 Personen, während im vorhergehenden Jahr Die fällige Wahlvereinssigung für obige Orte findet am Sonntag, 2838, 2871, 2961, zusammen 8670 Personen gestorben waren. Der selben befriedigt werden und ein etwaiger Verdacht zerstreut wird. den 8. Juli, nachm. 3 Uhr, in Mönchsmühle" statt. Tagesordning: Unterschied wird noch deutlicher, wenn man die inzwischen ein- Britz- Buckow. Vortrag des Genoffen 23. Miethke- Berlin. Diskussion und Ber- getretene Zunahme der Bevölkerung berücksichtigt. Die Sterbefälle In der am Dienstag stattgefundenen Generalversammlung des schiedenes. Die Schönhauser Genoffen treffen sich pünktlich 1/21 Uhr( ohne Totgeburten) der Monate März, April, Mai waren im vorigen Wahlvereins erstattete zunächst der Vorstand Bericht für das verbei Dücker, Eichenstr. 70. Rege Beteiligung erwartet Jahre 16,73, 17,49, 17,41 Promille der gleichzeitigen Bevölkerungs- flossene Vierteljahr. Danach fanden statt fünf Vorstandssigungen, Der Vorstand. zahl, dagegen in diesem Jahr nur 15,97, 16,05, 16,08 Promille. drei Vereinsversammlungen, zwei Volksversammlungen und drei Bezirk Oranienburg. Sonntag, den 8. Juli, nachm. 3 Uhr, findet im Lokal„ Sanssouci", Schützenstr. 50, eine Volksversammlung statt, in welcher der Genosse Georg Freiwaldt- Pankow einen Vortrag über„ Kapital und Arbeit" hält. Die Parteigenossen werden ersucht, eifrig für diese Versammlung zu agitieren. Der Einberufer. Berliner Nachrichten. Der Vorwärts" in Krankenhäusern. " " " 1 " " um um Das Versammlungswesen zeigt alljährlich zu Beginn des Sommers Handzettelverbreitungen. Die Maifeier ergab bei einer Einnahme einen starken Rückgang. Schon mit dem Eintritt des Frühjahrs von 78,20 M. und einer Ausgabe von 54,30 M. einen Ueberschuß schwächt es sich ab, diesmal aber war es in Berlin gerade in den von 23,90 m. Die Quartalsabrechnung zeigte eine Einnahme Frühjahrsmonaten besonders lebhaft. In den drei Monaten von 263,85 M., die Ausgaben betrugen 71,10 M., es verblieb somit März, April, Mai wurden in diesem Jahr 561, 440, 546, zusammen nach Ablieferung von 175,90 M. an die Zentraltasse ein Bestand 1547 öffentliche Versammlungen abgehalten, dagegen waren in dem- von 16,85 M. ant Drte. Den Bericht von der Generalversammlung selben Zeitraum des vorhergehenden Jahres nur 506, 388, 449, zu- des Zentralwahlvereins gab Genosse Händel. Eine längere sammen 1343 öffentliche Versammlungen gezählt worden. Das Mehr Debatte zeitigte der vom Genossen Weniger gegebene Bericht der beläuft sich für das eine Vierteljahr auf reichlich zweihundert Ver- Gemeindevertreter. Von allen Rednern wurde lebhaft bedauert, daß fammlungen. unsere Vertreter einem Vertrage mit der Großen Berliner StraßenEine Vermehrung der Verbindungskabel zwischen den Fernsprech- schieden eine Verkehrsverschlechterung bedente. Auch wurde das Vers Fernsprech- bahngesellschaft ihre Zustimmung gegeben haben, der für Britz entIn Berlin gibt es Krankenhäuser, in die kein Vor- ämtern hat sich in den letzten Tagen als dringend notwendig heraus- halten des Gemeindevorstehers bei der Abstimmung über diesen wärts" hineingelassen wird. Wenn einer der in gestellt. Wohl infolge der Erhöhung des Ortsportos für Postkarten Vertrag aufs schärfste verurteilt. diesen Anstalten liegenden Kranken, für den der Vorwärts" wird der Fernsprecher seit Anfang dieses Monats in derartigem Beim Genossen H. Vogt, Bürgerstr. 67 a, ist ein beim Sommerfest bisher die gewohnte Lektüre war, sich unser Blatt von seinen Maße in Anspruch genommen, daß die Abfertigung der um VerAngehörigen nachbringen läßt, so muß er es sorgfältig vor bindung nachsuchenden Teilnehmer zeitweise nicht mit der wünschens- des Wahlvereins gefundenes Portemonnaie mit Juhalt in Empfang werten Schnelligkeit erfolgen tann. Die nach den einzelnen Aemtern zu nehmen. den Augen des Wartepersonals, der Pflegeſchwestern und der geforderten Verbindungen sind so zahlreich, daß mitunter minuten- Köpenick. Aerzte verstecken. Er riskiert sonst, daß ihm die gefährliche lang die sämtlichen Verbindungsleitungen besetzt sind und einzelne In der letzten Stadtverordneten- Versammlung wurden zunächst Lektüre kurzerhand weggenommen wird. Teilnehmer sich vielleicht viertel- bis halbstundenlang vergeblich die neugewählten Genossen Tauchert und Lier eingeführt. Eineur Zu diesen Krankenhäusern gehört vor allem die Charité. bemühen, ein zweites Amt zu erreichen und ein Gespräch zustande Dringlichkeitsantrage des Magistrats, in der 5. Gemeindeschule die Sie ist eine staatliche Anstalt nennt sich„ königlich" da zu bringen." Klassenzimmer 1-5, die Turnhalle und die Amtszimmer mit Gastann man es schließlich begreifen, daß die Verwaltung sich für Tödlicher Bauunfall. Auf bedauerliche Weise ist gestern der beleuchtung zu versehen, stimmte die Versammlung zu. Die Kosten verpflichtet hält, ihre Räume vor Entweihung durch 23jährige Zimmergeselle Gustav Karl aus der Brunnenstr. 57 ums in Höhe von 1717,50 W. werden aus den Ersparnissen des Schulein sozialdemokratisches Blatt zu bewahren. Leben gekommen. S. war auf der obersten Balkenlage des Neu- neubaues in der Kaiser Friedrichstraße gedeckt. Die LuftbarkeitsDie Sozialdemokraten selber müssen freilich hineingelassen baues Selchowerstr. 14 mit dem Anbringen von Stirnbrettern für steuer, die vom Etatsausschuß geprüft worden ist, wurde dem werden. Wo sollte auch, wenn man sozialdemokratische Kranke Klempnerarbeiten beschäftigt. Plötzlich verlor er das Gleichgewicht Magistrat zur weiteren Beratung überwiesen. Zuletzt stand das zurückweisen wollte, das Krankenmaterial herkommen, an dem und stürzte kopfüber in die Tiefe. Mit zerschmetterten Gliedern höhere Schulwesen auf der Tagesordnung. Die gemischte Deputation hierüber empfahl der Versammlung folgende Vorschläge: Errichtung in der Charité die werdenden Aerzte lernen, wie man Stranke blieb der Unglückliche auf dem Hofe liegen und starb bald darauf. einer Oberrealschule unter Beibehaltung der Vorschule und der dret zu kurieren versucht! Eine wichtige Eisenbahnverbindung zwischen der Wann Gymnasial- Nebentlassen. Die Kommission erkennt die Notwendigkeit Diefelbe Bevormundung der Kranken im Bunft der see, Stadt- und Ringbahn soll durch den Bau einer an, daß, sobald ein Bedürfnis vorhanden ist, die Gymnasial- NebenLektüre findet sich auch in jenen Anstalten, über die nicht der neuen Vollbahn zwischen dem Südringe und der Wannseebahn über Klaffen zu einem Progymnasium auszubauen find. Außerdem schlägt Staat, sondern die Gefolgschaft der Kirche kommandiert. Das ein Projekt ausgearbeitet, daß eine Eisenbahnverbindung durch das Turnhalle für die Mädchen- Mittelschule, in der Dammvorstadt ein Bilmersdorf- Dahlem- Zehlendorf geschaffen werden. Es ist bereits fle bor, in der Freiheit ein zwölfflafsiges Schulhaus nebst Krankenhaus Bethanien ist eine von ihnen. In Südwestgebiet von Wilmersdorf, die Dahlemer Gemartung und den achtzehnklassiges Gemeindeschulhaus nebst Turnhalle und, sobald das Bethanien, wo nicht nur der kranke Leib gepflegt, sondern von zwischen dem Grunewald und der Potsdamer Provinzialchauffee ge- Bedürfnis vorhanden ist. für die Kietzvorstadt noch ein weiteres Geden Schwestern samt zwei Pastoren auch für das Seelenheil legenen Teil von Zehlendorf vorsieht. Ihren Ausgang soll die meindeschulgebäude zu errichten. der Kranken gesorgt wird, duldet man keinen Vor- Strecke von Ringbahn Wilmersdorf- Friedenau nehnien. Am Rastatter Nach längerer Debatte wurden die Vorschläge der Kommission wärts". Wer ihn sich bringen läßt und ihn öffentlich liest, plaz tritt die Bahn von Wilmersdorfer auf Dahlemer Gebiet angenommen. dem wird alsbald mit unzweideutigen Worten auseinander- über, um dann über die Podbielski. Allee und die Königin LuiseDie Versammlung beschloß, in den Monaten Juli und August gesetzt und klar gemacht, daß an dieser Stätte so etwas nicht straße westlich vom Teltower Kreiskrankenhause bis nach Zehlendorf keine Sigungen abzuhalten. weitergeführt zu werden. An dem dortigen Westbahnhof erfolgt die erlaubt ist. Kürzlich hat dort ein seiner Genesung entgegengehender Wilmersdorf und auf Dahlemer Gebiet je zwei vorgesehen. Einmündung in die Wannseebahn. An Haltestationen sind in Weißensee. Aus den Berichten der Weißenfeer Schulärzte ist zu entnehmen, Rranter, gegen den man sich diese Bevormundung erlauben wollte, es vorgezogen, den Staub Bethaniens von seinen Ein Schiffszufammenstoß fand am Mittwoch zu später Abend- daß, wie im Vorjahre so auch 1905/06 sämtliche in die 3. Gemeindes Als der Schleppdampfer„ Hulda" schule neu aufgenommenen Schüler und Schülerinnen kurz nach Füßen zu schütteln. Das ist recht schade. Es wäre interessant stunde auf der Oberspree statt. gewesen, einmal zu sehen, was die Gottesfurcht der Schwestern See in die Spree einfahren wollte, tam ihm der vollbesetzte wurden. Wegen ihrer schlechten Entwickelung wurden nur einige gewesen, einmal zu sehen, was die Gottesfurcht der Schwestern gegen 11 1hr mit einem leeren Kahn aus dem Nummelsburger Schulanfang ärztlich auf ihre Störperbeschaffenheit hin untersucht gegen diesen Pflegling bezw. seine Angehörigen unternommen Bersonendampfer Woltersdorf" entgegen. See Das Signal des Kinder auf ein halbes bis ein Jahr zurückgesetzt, da die meisten hätte, wenn er sich nach wie vor den Vorwärts" hätte bringen Schleppers Rechts vorbeifahren" wurde von dem Vergnügungs- schwachen und kranken Kinder bereits durch Hausärztliches Zeugnis Lassen. Gibt es Krankenhäuser, in denen solche Widerspenstig dampfer zwar befolgt, doch scheint dieser den geschleppten Stahn nicht auf fürzere oder längere Zeit befreit waren. Größer war die Anteit zu den„ Uebertretungen der Hausordnung" gerechnet wird, beachtet zu haben, denn mit einem furchtbaren Strach fuhr der zahl derer, die unter ärztliche Kontrolle gestellt waren. Hier handelte die eine Ausweisung aus der Anstalt rechtfertigen? Woltersdorf" dem Schleppkahn in die Seite, ihn am Vorderteil bis es sich in der Mehrzahl der Fälle um start strophulöse, mit LungenVielleicht ist einer unserer Leser in der Lage, aus eigenen zum Boden durchschneidend. Es entstand eine entsegliche Aufregung katarrhen( akuten und verdächtigen) behaftete Stinder, in selteneren unter den Fahrgästen, alles schrie und rannte durch einander, bis Fäffen Herzfehler oder allgemeine Körperschwäche. Erfahrungen uns diese Frage zu beantworten. Es soll übrigens niemand glauben, daß die betfreudigen festgestellt wurde, daß der Dampfer, der tief in den Kahn hinein- Wöchentlich und zwar Mittwochs von 8 bis 10 Uhr wurden gefahren war, weiterfahren konnte. Der Führer des Personen die Schulflaffen nacheinander zum Teil besucht und die Schwestern des Krankenhauses Bethanien zu jenen zurück- dampfers fuhr, als er von dem Kahn freigekommen war, davon und Kinder auf Augen- und ansteckende Krankheiten untersucht. gebliebenen Menschenkindern gehören, die eine Zeitung über- überließ das sinkende Schiff seinem Schicksal. Dieses wurde dann Es zeigte sich, daß die Eltern mur in wenigen Fällen von den Rathaupt für Lurus halten. Klatschblätter, wie der„ Lokal- Anzeiger", von dem Schleppdampfer neben dem Bootshause des Berliner schlägen des Arztes Notiz nahmen und die Kinder dem Hausarzte oder der Klinischen bezw. poliklinischen Hülfe zur wirklichen Bedie„ Morgenpost" usw., sind in Bethanien erlaubt. Und wer Rudervereins auf Grund gesetzt. handlung der verfchiedenen Leiden zuführten. Welche Gründe zu gar Verlangen trägt, sich an dem Stöckerblatt ,, Das Gegen die Buchmacher geht die Kriminalpolizei jetzt mit ganz Reich" zu erbauen, der braucht das nur merken zu lassen besonderer Schärfe vor und beschränkt sich nicht nur auf die Ueber dieser Nichtbeachtung der Natschläge vorlagen, ist in dem Bericht nicht erwähnt. Die größte Anzahl der konsultierten Kinder bestand - dann wird dafür gesorgt, daß es täglich in seine Hände wachung der Rennbahnen, sondern richtet ihr Augenmerk auch speziell aus bleichfichtigen, schwächlichen und strophulösen, die über Kopfgelangt. Gelegentlich jetzt sich wohl gar eine Schwester in den auf Gastwirtſchaften, die von den Buchmachern besucht werden. So schmerzen, Augenschwäche, Seitenstechen, Atembeschwerden usw. klagten. Saal und liest der ganzen Gesellschaft daraus vor. So wird wurden dieser Tage in einem start frequentierten Lokale in der auch denen, die den Wisch sonst nicht anfassen würden, der Rosenthalerstraße sieben Buchmacher abgefaßt, als fie Rennen auf Beschwerden, die sich meist auf ihre vorhandene schlechte Körperbeschaffenheit zurückführen ließen. Weiterhin wurden dann öfter auch denen, die den Wisch sonst nicht anfassen würden, der legten". Sie wurden verhaftet und das bei ihnen vorgefundene Magenleiden, Zungenkatarrhe bezw. Schwindfucht in den ersten Genuß dieser Erzeugnisse aus Stöckers Sudelfüche zuteil. Geld, mehrere Tausend Mart, mit Beschlag belegt. Insgesamt sind Stadien und Herzleiden bei der Untersuchung festgestellt. Wir haben hier noch eine andere Frage, die wir gern in dieser Saison bereits über vierzig Buchmacher ermittelt, die Eine ganze Anzahl Anzahl Kinder wurde ihrer Leiden wegen beantwortet fähen. Wer in Bethanien den Vorwärts" lesen Wetten angenommen haben oder gegen Annahme von Vermittelungs- längere Zeit vom Turnen vom Turnen und Handarbeitsunterricht befreit. will, muß erwarten, daß er daran gehindert wird. Was ge- gebühren sich zum Belegen des Totalisators verpflichteten. In der 2. Gemeindeschule wurden im Schuljahre 1905/06 189 neu schieht denen, die etwa der vorlesenden Schwester zu verstehen Durch ein verkehrtes Bravourstück hat gestern der 25 jährige aufzunehmende Schüler auf ihren Gesundheitszustand untersucht. geben, daß sie kein Verlangen nach dem Reich" haben und Bauarbeiter Baul sein Leben auf's Spiel gefeßt. P. war auf dem Auf ein halbes Jahr zurückgestellt wurden fünf Kinder wegen allge sich durch die Vorlesung belästigt fühlen? Arbeitsplatz an der Ede der Brandenburgischen- und Paulsborner- meiner Schwäche und sonstiger förperlicher Leiden. Die allgemeine straße in Wilmersdorf beschäftigt und hatte dort mit einem Arbeits- geistige Beschaffenheit war bei 167 Stindern gut, bei 17 schlecht. Die „ Eine verschwundene Gemeindeschule". Den Stadtverord- follegen gewettet, in einem Zeitraum von zehn Minuten einen Liter allgemeine förperliche Beschaffenheit war bei 119 durchschnittlich, bei Schnaps zu trinken. Er tat dies auch und gewann so die Wette. 32 gut bei 33 schlecht. Bei der Untersuchung wurden folgende förperneten war in ihrer letzten Sigung die neueste lebersicht Bald mußte er aber seinen Leichtsinn mit dem Tode büßen. In- liche Fehler und Gebrechen gefunden: Rachitis und deren Folgen über die Gemeindeschulfrequenz vorgelegt worden. folge des übermäßigen Alkoholgenusses erlitt B. einen Gehirnschlag bei 19, Herzklappenfehler bei 2, Mandelvergrößerung bei 15, SprachUnser Genosse Arons unterzog diese Vorlage des Magistrats einer und starb daran. Die Leiche ist polizeilich beschlagnahmt worden. störungen bei 3, Augenleiden bei 17, Ohrenleiden bei 4 Kindern. eingehenden Besprechung und erwähnte schließlich nebenbei, daß in Die Kinderspiele, die der Arbeiter- Turnverein" Fichte" Stonfultationen fanden während der Sprechstunden 125 statt. Es ihr eine Schule, die 55. Schule in der Chorinerstraße, über- veranstaltet, finden statt am Sonntag, 8. Juli, sowie an den wurden hierbei 16 Schüler und Schülerinnen vom Turnen ganz haupt nicht zu finden sei. Stadtschulrat Michaelis antwortete, die folgenden Sonntagen in den Vormittagsstunden auf den Spiel- oder teilweise dispensiert: 2mal wegen Bruchs( Hernia), 13mal Bom SingSchule bestehe noch, in der Vorlage müsse sich ein Fehler ein- plägen: 1. Treptower Part, 2. Friedrichshain, 3. Behmstraße, wegen Herzleiden, imal wegen Lungenerfrantung. geschlichen haben, den er nicht sofort aufklären könne. Inzwischen 4. Jungfernheide. Treffpunkte find: 1.. Oberfreiarchen Brücke. unterricht mußten wegen Luftröhren- und Lungenleidens 2 be hat Herr Michaelis, wie wir jetzt erfahren, unseren Genoffen Arons 2. Landsberger Tor( Kriegerdenkmal), 3. Bahnhof Gesundbrunnen, freit werden. Vorübergehend wurden vom Schulunterricht zurückbrieflich benachrichtigt, daß die Schule tatsächlich doch in der Vor- Brüde etwas früher). Ende etwa um 12 Uhr. Willkommen ist jeder frankungen, teils infolge von Hautkrankheiten. Die sonstigen in den brieflich benachrichtigt, daß die Schule tatsächlich doch in der Vor- 4. Bahnhof Beusselstraße. Abmarsch um 19 Uhr( von Oberfreiarchen- gestellt 25 Schüler und Schülerinnen teils wegen fieberhafter Erlage mitaufgeführt ist, aber freilich nicht als 55. Schule, sondern als Anabe und jedes Mädchen auch solcher Eltern, die nicht Turner find. Sprechstunden zur Untersuchung gekommenen Krankheitsfälle waren: Filiale der 171. Schule. Warum sie so bezeichnet wurde, ob ver- Beteiligung selbstverständlich kostenlos. achtmal allgemeine törperliche Schwäche, zwölfmal Augen- und sehentlich oder abfichtlich, darüber schweigt der Herr Stadtschulrat. Ohrenleiden, siebenmal Hautausschlag, dreiunddreißigmal unbedeutendere Leiden: Kopfschmerz, Magenbeschwerden, Seitenstechen, In der Vorlage steht: 171. Gemeindeschule, Kastanien- Allee 81", Erkältungen usw. Hausbesuche waren in neun Fällen notwendig. und gleich darunter liest man: Filial der 171. Gemeindeschule". Weiter werden in den Berichten nochmals einige Wünsche wiederholt, Hinter diesem Filial", für das in der Vorlage fein besonderes die schon im vorigen Jahre einer Kritik unterzogen wurden, jedoch Schulhaus angegeben ist, verbirgt sich, wie gesagt, die alte 55. Schule. Halensee. findet man bei unserer Verwaltung bislang nicht das nötige VerWir wollen hier feststellen, daß für sie die Bezeichnung Filial" Eine grobe Mißhandlung hatte der Maurer W. Wendler einen ständnis für soziale Fortschritte auf dem Gebiete des Voltsschulwesens, falsch ist. Sie hat Ostern einige ihrer Klassen auflösen und die Tag vor seinem Tode von dem Töpfermeister und Hausbesitzer Naffin find doch auch die Schulärzte nur ein notwendiges Uebel und eine freigewordenen Räume an die neue Oberrealschule geben müssen, in Halensee, Karlsruherstr. 13, zu erdulden. Wendler war von Raffin Einrichtung, die nur durch das fortwährende Drängen der sozialdie Ostern in demselben Hause mit ihren unteren Klassen eröffnet zur Verrichtung von allerlei Hausarbeiten angestellt. So hatte er demokratischen Gemeindevertreter geschaffen wurde. Sache unserer worden ist. Im übrigen aber besteht die 55. Schule vorläufig am 21. Juni Hof und Garten mit Wasser zu besprengen. Das muß Gemeindevertreter muß es ferner fein, sich nicht mir mit der freien weiter, woran ja auch niemand gezweifelt hatte. Sie be- er wohl nicht zur Zufriedenheit des Naffin gemacht haben, weshalb ärztlichen Untersuchung der Kinder zu bescheiden, sondern auch die findet sich noch in ihrem alten Hause in der Chorinerstraße er Wendler grob anfuhr, ihm den Schlauch aus der Hand riß und weitere ärztliche Behandlung sowie die Lieferung der Heilmittel uſw. den Wasserstrahl voll gegen den Arbeiter richtete.. begab sich von der Gemeinde zu fordern. Nur dann hat das Schularztwesen und hat vor allem auch noch ihren eigenen Rektor, da kann sie natürlich noch nicht„ Filial" der benachbarten 171. Schule geworden bollständig durchnäßt in seine Arbeitsbude und dann nach Hause. überhaupt einen Zwed. Einige Arbeiter und die Frau des Portiers hatten den Vorgang Königs- Wusterhausen. fein. Es ist dringend zu wünschen, daß fünftig bei Aufstellung beobachtet und als sie hörten, daß W. am nächsten Morgen tot aufder Uebersichten über die Gemeindeschulfrequenz sorgfältiger gefunden worden war, wurde der Polizei Mitteilung gemacht, denn verfahren werde. Viel Vertrauen konnte diesen Vorlagen niemals Ibie Leute, nahmen an, daß. durch die Wißhandlung irgend " Vorort- Nachrichten. Zwei Petroleumwaggons in Flammen. Auf dem Güterbahnhof in Königs- Wusterhausen gerieten gestern atvei Loren mit Betroleum Versammlungen. Eine Bersammlnnjg der Arbeiter und Handwerker der städtischen Gaswerke tagte am Mittwoch bei Dräsel in der Neuen Friedrich« straße. Reichstagsabgeordneter A. Körsten hielt einen Vortrag über moderne Organisationsformen. Im Laufe seiner AuS- führungen, die im wesentlichen darauf abzielten, die Notwendigkeit großer Zentralverbände und ihrer Taktik darzutun, wandte er sich auch scharf gegen die Lokalorganisationen. Dabei nahm er Bezug auf die letzten Artikel in der„Einigkeit". Die Partei müßte sich mit den Zentralorganisationen in Verbindung setzen, um mit jenen Organisationen aufzuräumen. Zurzeit dürfe die«Einigkeit" noch sogar mit deutlicher Bezugnahme auf den Genossen Bebel sagen: „Wer die Wahrheit kennt und saget sie nicht, ist fürwahr ein er- bärmhicher Wicht." Im weiteren schilderte er die Leistungen der großen modernen Verbände und trat für lebhafte Agitation ein. Der Vortrag wurde mit Beifall ausgenommen. Ueber die Antwort der st äd tischen Gasdirektion auf die Forderungen von Anfang April berichtete Hoffmann. Die Antwort erging unter dem 27. Juni etwa dahin: Was die verlangte Einführung deZ achtstündigen Arbeitstages für alle Betriebsarbeiter und Betricbshandwcrker angehe, so fe: die versuchsweise Einführung des achtstündigen Schichtwechsels der Betriebsarbeiter durch Beschlutz der städtischen Gasdcputation genehmigt worden. Der Versuch finde seit dem l. Oktober 1905 im Retortenhause Greifswalderstraße statt. Die Probezeit sei auf ein Jahr festgesetzt. An eine Verkürzung der Probezeit könne nicht gedacht werden mit Rücksicht darauf, daß gerade während der heißen Jahreszeit die Schwierigkeiten dieser Arbeitsweise besonders hervor- träten. Zur Forderung der Einführung der neunstündigen Ar- beitSzeit für alle übrigen Arbeiter, Handwerker usw. werde bemerkt, daß nach Beschluß der Deputation für die städtischen Gaswerke in Erwägungen über Einführung der Neunstundenschicht erst ein- getreten werden solle, wenn das Ergebnis der Untersuchung betreff? der achtstündigen Arbeitszeit in der Greifswalderstraße festgestellt fei. Zur dritten Forderung: Der Wunsch eines regelmäßigen Wechsels der Beschäftigung der Arbeiter in verschiedenen Zweigen des Betriebes werde schon in den bestehenden Instruktionen berück- sichtigt. Wenn man weiter gehen wollte, würde das crfahrungS- gemäß auf den Widerstand der Arbeiter selber stoßen, und es wäre auch wegen der Ungleichheit der physischen Kräfte der einzelnen, sowie im Betriebsintcresse nicht durchzuführen. Die Entscheidung müsse den Dirigenten überlassen bleiben.— Redner rügte, daß man ziemlich drei Monate gebraucht habe, um zu antworten, und be- dauerte, daß man ein ganzes Jahr brauche zur Feststellung des Resultates der versuchsweisen Achtstundcnarbeit im Retortenhause der Greifswalderstraße. Aber ganz und gar unverständlich wäre es, wieso die Einführung des Neunstundentaaes fürdieübrigen Arbeiter und Handwerker von der Frage abhängig sein solle, ob an die Achtstundenschicht für die Betriebs arbcitcr gedacht werden könne.— Mit dem Wechsel in den Arbeitsarten fei daS so eine eigene Sache. Die Arbeiter und ihre Vertreter hätten bei Auf. stellung dieser Forderung im Auge gehabt, daß die Betriebsarbeiter nicht immer im Betriebe und die Hofarbeiter nicht immer auf dem Hofe arbeiten sollten und daß auch gewechselt werden sollte bei Akkordarbeiten. Jetzt hätten nun allerdings die Dirigenten der- schiedene Spitzfindigkeiten herausgesucht, die den Arbeitern die For- derung verekelten. Man habe zum Beispiel Leute herausgesucht, die gar nicht gemeint waren, wie z. B. die paar Tecrarbeitcr.— Scharfe Kritik übte Redner daran, wie die ArbeiterauSschüsse von den einzelnen Dirigenten behandelt würden. Erhebliche Mängel b.£WM.n such bei Festsetzung to MoM. Es sei gpigejonimen. In Brand. Die Waggon? wurden samt der Ladung ein Raub der Flammen. Die Ortsfcuerwehr wurde zwar alarnnert, sie konnte jedoch nicht in Aktion treten, da zu der fraglichen Zeit keine Mann- schaften nn Orte anwesend waren. Der Brand war durch Selbst- entzündung entstanden. Trebbin(Kreis Teltow). Man muß mit der Zeit mitgehen. In der letzten außerordentlich gut besuchten Stadtverordnetenversammlung entspann sich eine leb- hafte Debatte darüber, auf welchem Platz das neue SchulhauS er- richtet werden soll. Von einem großen Teil der Bevölkerung ist der Wunsch laut geworden. daS neue Schulhaus dort zu errichten, wo die meisten Schulkinder wohnen. Diesen Standpunkt vertraten auch unsere Genossen. Interessant ist die Entgegnung eines bürgerlichen Stadtverordneten, der, als ihm nachgewiesen wurde, daß um das vom Magistrat in Aussicht genommene Bauterrain zwar die meisten Haushaltungen, aber die wenigsten Kinder wohnen, erklärte:„Das liege eben daran, weil die Leute nicht mit der Neuzeit mitgehen, es brauchten ja nicht so viel Kinder da zu sein I" Diese Ausführungen wurden selbstverständlich von unseren Genossen in daS rechte Licht gerückt. Der Antrag, das neue Schulhaus auf dem alten Platz zu errichten, wurde alsdann mit 10 gegen 7 Stimmen angenommen. Die Annahme einer Schenkung von 20000 Mark zum neuen Schulbau wurde vertagt." Spandau. Wegen Erkrankung des Genossen Reinert sind von setzt ab sämtliche für das hiesige Gewerkschaftskartell bestimmten Gelder an den Genossen Reichard, Pichelsdorferstr. 64. abzuliefern. Dortselbst sind auch Sammellisten für die ausgesperrten Lithographen zu habeu.— Hue der frauenbewec|unc[« (Siehe auch 1. Beilage.» Versammlungen— Veranstaltungen. Berlin. Sonntag, 8. Juli, Ausflug nach Saatwinkel, Treffpunkt 8 Uhr Bahnhof Jimgfernheide, bis 9 Uhr im«Waldkater", Tegeler Weg. Nachzügler gehen nach Saatwinkel, Lokal Blums- Hof von Marten. Berhindungen: Nord- und Südring, elektrische Linie 18 vom Görlitzer Bahnhof und 54 von Schönhauser Allee. Gäste sind willkommen. Charlottcnburg. Sonntag, 8. Juli, Ausflug nach Jungfernheide. Treffpunkt 2 Uhr Schloßbrücke. Nachzügler«Waldlater", Tegeler Weg. Lichtenberg. Montag, 9. Juli, Dampferpartie nach Neue Mühle. Treffpunkt morgens 8/48 Uhr ain Bahnhof Frankfurter Allee. Für Nachzügler 1ltü Uhr Dampferstation Stralauer und Waisen- Brücke. Tempelhos-Mariendorf-Marienfeldr. Montag, 9. Juli, Frauen- und Mädchen- Bildungsverein Mariendorf- Marienfelde- Tempelhos, Kaffeekochen bei Reichardt, Mariendorf, Chausseestraße. Weißens«. Montag, 9. Juli, abends 8V2 Uhr, bei Schmutz, König Chaussee 88, Vortrag über«Wohnung und Familienleben" Referentin: Genossin Baader. Wilhelmsruh. Montag, 9. Juli. AuSflug nach Schulzendorf. Treff- Punkt bei Schorsch a/i8 Uhr. Groß-Lichterfelde-Lankwitz. Montag, 9. Juli, bei Link, Kalandrelli- straße 27, Vortrag: Genosse Miethke über»Frauenrechte— Menschenrechte." Schöneberg. 9. Juli bei Obst: Vortrag des Gen. Bäumler über: „Zweck und Ziele der Frauen- und Mädchen-BildungSvereine." Reinickendorf-Ost. Dienstag, 10. Juli, Ausflug nach Hermsdorf. Treffpunkt Gründer, Hoppestr. 24, vormittags 9 Uhr. Abfahrt von Schönholz 9.43 Uhr. Nachzügler, Hermsdorf, Forsthaus bis 2 Uhr. Wilmersdorf. Donnerstag, 12. Juli: Ausflug nach Eichkamp. Treff- Punkt 2l/3 Uhr bei Seile, Brandenburgerftr. 100. Köpenick. Sonntag, 15. Juli: Kaffeepartie nach Kiekemal. Treffpunkt 1 Uhr, Hauptplatz, Abmarsch 2 Uhr. Britz. Sonntag, 15. Juli: FamilienauSflug nach Johannisthal bei Senftleben. Abmarsch l'/z Uhr ab Weniger und 2 Uhr ab Buschkrug. Teltow. 26. Juli bei Pickenhagen. 13. August Stiftungsfest. daß Akkorde, die sowieso schon einseitig ohtte eigentliche Ver- einbarung mit den Arbeitern festgesetzt worden seien, dann noch willkürlich herabgesetzt wurden. So in der Müllerstraße. In der Diskussion wurden von mehreren Rednern noch der- schiedene Mißstände besprochen und betont, daß die Arbeiter- ausschüsse als Knechte der Dirigenten behandelt würden. Kollegen mit Rückgrat lägen nach einiger Zeit draußen. Als unerhört bc zeichnet wurde, daß der Dirigent in der Müllcrstraße Arbeitern, die sechs Wochen krank waren und keinen Dienst leisten konnten, gerade niit Rücksicht darauf den Urlaub verweigert hätte, der ihnen an sich zugestanden habe. Diese Arbeiter brauchten oen Urlaub doch gerolc erst recht zur Erholung.— In der Versammlung herrschte wegen der besprochenen Vorkommnisse und Zustände eine ziemlich erregte Stimmung, die sich mehrfach in Aufmunterungen zu energischerem Auftreten Luft machte. Schließlich wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die Versammelten nehmen Kenntnis von der Antwort der Gasdircktion auf die Eingabe betreffend die Verkürzung der Arbeitszeit auf 8 resp. 0 Stunden. Sie erwarte» bestimmt, daß nach Ablauf der Probezeit, also am 1. Oktober 1906, unverzüglich die achtstündige Arbeitszeit für Betriebsarbeiter und-Hand- werkcr auf allen städtischen Gaswerken zur Einführung gelangt. -Die Versammelten protestieren ganz energisch gegen die Auf- schiebung der Verkürzung der Arbeitszeit auf 9 Stunden für die übrigen Arbeiter. Sie erachten die hierzu gegebene Be- gründung für völlig hinfällig und verlangen die sofortige Ein- führung dieser Arbeitszeit für die beteiligten Personen. Als ganz besonders empörend empfinden die Versammelten das Ver- halten einzelner Dirigenten, welche die Verfügung, daß Ent- lassungen bei Arbcitsmangel nach dem Dienstalter zu erfolgen haben, unter nichtigen Einwänden umgehen. Ebenso die Ur- laubsverweigerung nach überstandener sechswöchentlicher Krank- heit. Auch erblicken sie in dem jetzt beliebten Verhalten der unteren Beamten den Arbeitern gegenüber eine Methode der Unterdrückung und Rechtlosmachung. Die Versammelten er- warten, daß die Direktion der städtischen Gaswerke Veranlassung nimmt, die vorhandenen Mißstände zu beseitigen." Die Ortsverwaltung der Organisation wurde beauftragt, die Resolution der zuständigen Adresse zu übermitteln. Die Putzersektion des Maurerverbandes hielt am Mittwoch in den„Arminhallen" eine Mitgliederversammlung ab, in der das Ergebnis der letzten Bautenkontrolle bekannt gegeben wurde. Kon- trolliert wurden 376 Bauten, auf denen 3744 Putzer arbeiteten. Organisiert waren davon in der Putzersektion 2347, in Berlin II und außerhalb im Zweigverein 772, unorganisiert waren 155, der Rest gehörte anderen Organisationen an. Auf 301 Bauten wurde ohne Träger gearbeitet; es ließ sich jedoch feststellen, daß auch auf weiteren 43 Bauten, von denen die Angabe fehlte, ebenfalls ohne Träger gearbeitet wird. Mit den Baubuden ist es noch immer ziemlich mißlich bestellt. Nur auf 252 Bauten waren solche nach- weisbar vorhanden. Auch hinsichtlich der Nüstungslieserung liehen sich wieder Mißstände feststellen. Die Organisationsverhältnisse dagegen haben sich im Vergleich zu früher wesentlich gebessert. Nach Entgegennahme dieses Berichts hielt Arbeitersekretär Ritter als- dann einen beifällig aufgenommenen Vortrag über:„Die Wirt- schaftlichen Kämpfe der Gegenwart", worin er gleichzeitig die gegen- wältigen Aussperrungen der Lithographen, der Buchbinder und der Glaser erwähnte. Die Besprechung einiger interner Angelegen heiten wurde der vorgerückten Zeit halber vertagt. Zu dem Bericht von der Schlosserversammlung in Nr. 153 des „Vorwärts" ersucht uns Genosse Karl Schulz um Aufnahme einer Darstellung des Vorfalles bei der Firma S. u. H., die von der durch Kupfer und Mahle gegebenen in wesentlichen Punkten ab weicht.— Er schreibt uns: In dem Bericht heißt es unter anderem: „Schulz habe seinerzeit bei der Firma S. u. H. mit mehreren Kollegen in einer Kolonne gearbeitet, hatte mit diesen einen Akkord fertig gemacht, hörte aus und ließ sich die ganze Summe aus. zahlen, ohne seinen Kollegin davon etwas abzugeben." Diese Darstellung ist unrichtig. Ich habe die ganze Summe nicht erhoben und konnte sie nicht erheben, weil die Lohnauszahlung nur auf Grund der vom Kolonnenführer geführten Bücher erfolgt. Der Kolonnenführer war der angeblich geprellte M e n z selbst. Mir wurde bei meiner Entlassung, nicht beim freiwilligen Nieder- legen der Arbeit, ausgezahlt, was e r mir anschrieb. Der Tatbestand ist kurz der: Bei der Firma S. u. H. habe ich mit drei anderen Kollegen in einer Kolonne gearbeitet. Der jeweilige Akkordüberschuß wurde gleichmäßig verteilt. Im Januar 1904 haben nur zwei Mpnn, der Kollege Bienwaldt und ich, einen ANord begonnen, zu welchem der Kolonnen- führer allerdings den Akkordzettel bekam. Kurz vor Fertig- stellung des Akkords wurde Bienwaldt in eine andere Ab- teilung geschickt und hat nun der Kolonnenführer Mcnz mir zirka 1� Tag bei Fertigstellung des Akkords geholfen. Hierfür hat er denselben Akkordverdienst erhalten wie wir(pro Stunde 70 Pf.). Als der Akkord fertig war, konnte ich eine andere Arbeit nicht er- halten, da der Meister Wels nicht anwesend war. Ich habe nun dem Kolonnenführer Menz an seinem Akkord zirka 6 Stunden ge» Holsen, wofür ich keine Bezahlung erhalten habe. Der Vize- meister Wald, den ich um Arbeit anging, erklärte mir, daß er keine Arbeit mehr für mich habe und wurde ich entlassen. Der Kollege Bienwaldt, der dies durch mich erfuhr, nahm darauf ebenfalls feine Entlassung. Am Sonntag nachdem besuchten mich die Kollegen Kupfer und Fischer und teilten mir mit, daß Menz sich beschwert habe, daß wir ihm von unserem Akkord nichts abgegeben hätten. Ich bat. mich zu benachrichtigen, wann die nächste Werkstatt- besprechung stattfinde, und habe ich in derselben dann eine gütliche Erledigung des Falles herbeiführen wollen. Da aber einige Kollegen sich dabei in nicht wiederzugebenden Aeußcrungen er- gingen, bat ich den Kollegen Ncumann, den Obmann der Ver- traucnSleute, die Ortsverwaltung zu ersuchen, Recht in dieser Sache zu sprechen. ES wurde eine dreigliedrige Kommission mit dieser Sache betraut, die nach längerer Beratung entschied, daß ich. um der Organisation in dem Betriebe keine Schwierigkeiten zu machen, dem Kollegen Menz den Teilbetrag zwischen seinem und meinem Verdienst auszahlen sollte. Ob Bienwaldt geladen war. weiß ich nicht. Erschienen war er jedenfalls nicht, und hat auch nie etwas gezahlt. Dem Beschluß der Kommission habe ich mich gefügt. Nun ist dabei zu bemerken, daß ein Kollege W. Juch die 4 M., die Menz beanspruchte, auslegte und, da ich längere Zeit ohne Arbeit war, ihm dieselben erst nach zirka 6 Monaten zurückgeben konnte. DieS die Sachlage, sind darum bin ich nur in der Organi- sation geduldet. _ Karl Schulz. Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Umgegend. Abteilung Charlottenburg. Sonnabend, den 7. Juli, abends 8 Uhr, im Volkshaule, Rosinenstr. 3: Ver- sammlung. Vortrag des Kollegen Schulz über„Religion und Kultur." Vermilektes. der Strecke bis Groß-Wusicke, bemerkte der am Fenster sitzende Otto Nölle, daß sich eine vermummte Gestalt auf dem Trittbrett entlang bewegte. Die Mutter beruhigte das Kind mit dem Hinweis, daß es ein Irrtum sein oder daß es der Zugführer sein werde. Plötzlich aber öffnete sich lautlos hinter der Gardine die Coupetür und mit schlangenartiger Gewandtheit schob sich eine maskierte, bis zu den ?;üßen in eine dunkle Kutte gehüllte Gestalt unter der Gardine crvor ins Coupe. Mit dem Revolver in der Faust fixierte der Räuber i�e vor Schrecken zitternden Passagiere und trat sodann dicht vor Frau Gehcimrat Nölle hin mit den Worten:„Ihr Geld oder Ihr Leben!" Damit hielt er der Dame die Waffe dicht vors Gesicht, bis diese in ihrer Todesangst das von ihr getragene lederne Brustbeutelchen aus den Kleidern herauszog und ihm 300 Mark in neuen Hundertmarkscheinen aushändigte. Er forderte unter fort- gesetztem Drohen noch den weiteren Inhalt dos Geldtäschchens. Eine der Dame gehörige Ledertasche mit hundert Mark, die auf dem Gepäckhalter lag. entging dem Räuber. Hiera'-» hielt er den Re- volver der Gesellschafterin vors Gesicht und-.1 auch ihr alles» was sie hatte, ab. Dasselbe Manöver wie„.. gölte er bei den Kindern. Nachdem er das ganze Geld sorgfältig eingesteckt hatte. ohne ein Zeichen äußerer Bewegung, sagte er:„Ich bin kein Räuber, ich handle nur ans Not, ich werde sogleich wieder ver- schwinden." Daraus kletterte er mit derselben Gewandtheit, mit der er gekommen, wieder aufs Trittbrett hinaus und verschwand im Dunkel der Nacht. Jetzt zog Frau Geheimrat Nölle die Notleine und der Zug wurde zum Stehen gebracht. In der Nähe des Ab- teils, wo die Notleine gezogen wurde, entstand ein dichtes Gedränge von Passagieren, und Frau Geheimrat Nölle glaubte in einem der Umstehenden den Räuber entdeckt zu haben. Sie machte dem in- spizierenden Bahnbeamten sofort Mitteilung davon, und dieser ver- anlaßte die Festnahme. Der betreffende Mann wurde sofort durch- sucht und man fand bei ihm drei Hundertmarkscheine, die aber beschmutzt und schon längere Zeit in Gebrauch gewesen waren. Bei einem nun folgenden Verhöre bestätigten mehrere Passagiere der dritten Klasse, daß der Sistierte die ganze Zeit mit ihnen zusammen ?efahren sei und mit dem Täter nicht identisch sein könne. Darauf- in wurde dieser Passagier freigegeben und der Zug fuhr weiter. Von Stendal und Rathenow wird mitgeteilt, daß das Gelände in der Umgebung des Tatortes ohne irgend welchen Erfolg abgesucht worden ist._ DaS Schicksal des Heidelberger Schlosses. AuS Baden schreibt man uns: Die Budgetkommission der Zweiten Kammer beschäftigte sich heute abend in 4stündiger Sitzung mit dem Antrage der Regierung, das Heidelberger Schloß durch eine Jnnenansbauung zu k 0 n s c r v i e r en. In der Oeffent- lichkeit erfuhr diese Methode heftigen Widerspruch; Finanzdirektor Becker verteidigte sie heute zähe, aber vergebens. Nahezu ein- stimmig wurde beschlossen, durch ein Preisausschreiben eine geeignete Lösung des Problems zu versuchen. Ein Raubanfall im Eisenbahnzuge wurde in der Nacht vom Mittwoch zu Donnerstag zwischen den Stationen Rathenow und Groß-Wusiae auf die Gattin des Geh. Oberfinanzrates Nölle(Grotz-Lichterfelde) verübt. Ueber den Vorfall liegen folgende Meldungen vor:' Frau Geheimrat Nölle war vorgestern nacht um 11,45 Uhr M Begleitung ihrer beiden Söhne Heinz und Otto und ihres fünf-' jährigen Töchterchens vom Lehrter Bahnhof abgefahren. In dem Zuge, dessen Abteile dicht besetzt waren, befanden sich großenteils Sommcrreisende, die nach Norderney und Borkum fuhren. Während der Fahrt hatte man dcn Lampenschirm und die Gardine sowie die vor der Abteiltür befindlichen Vorhänge zugezogen. ES herrschte Dömmsilicht im övuxe. Um.hinter BathigW, etsa a»s de; Witt« ßritfharun der Redaktion. Sit juristische Sprechstunde findet wocheiitiiglich von?>/, bis 9'/, Uhr abend? statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 0 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Noch etwas. Senden Sie nur ein.— A. K., Stettin SS. MS Adresse genügt die von Ihnen bezeichnete Genossenschalt mit dem Zusatz Berlin, Zimmerstrahe.— 97. Der Wirt hätte die Reparaturkostcn zu zahlen, wenn nicht etlva, wie das in Berlin üblich ist, Sie durch Miels- vertrag die Verpflichtung übernommen haben.— Ober-Schöneweide SS. 1. Nein, Sie sind zur Zahlung verpflichtet. 2. Wenden Sie sich an die ArbeiterbUdungsschule, Engel-User IS. 3. Polizeiverwaltung in Gumbinncn. — M. L. 1871. Wird der Auswärterin monatlich gezahlt, so besteht I-ttägige KändigunaSsrist. Kranfenverstcherunzsptlichttg sind Sluswäcterinnen nicht.— Neugierige A. K. I. Wenden Sie sich an die betreffenden selbst. 2. Die IV. Klasse ist von Fahrfartensteuer srei.— M. S. 150. Wenn Sie zu gerichtlichem oder notariellem Protokoll die Baterschast anerkannt haben, so wäre ein Prozeb nutzlos.— B. M. 85. Ja.— Mieze 076. Zur Adoption ist ein gerichtlicher oder notarieller Pertrag sowie gerichtliche Genehmigung des Vertrages erforderlich. Die beiden Eltern mühten zu- stimmen. Die Adoplierung kostet SO M. Sind Sie noch nicht 50 Jahre alt, so mühten Sie bei Gericht um DiSpenS von dem Altercrsordernis ein- kommen.— B. 44. Wenden Sie sich direkt an einen Bildhauer, Adressen ersehen Sie aus dem Adrehbuch.— O. S. 165» Ihre am 20. Mai 183« geborene Grohmutter mühte insgesamt 608 Marten zwecks Erlangung der Altersrente ausweisen können.— X. Rein. — I. St. 17. 1. Unseres ErachtenS hätte die Klage wenig MSstcht aus Erfolg. 2. Wir find nicht berechtigt, emen Anwalt zu stellen. Sie müssen sich mit demselben selbst in Verbindung setzen.— Utrechterstraste. Wird monatlich gezahlt, so ist Schlasleuten bis am IS. zum 1., nicht umgekehrt am 1. zum Ib., zu kündigen.— B. 77. Sie mühten sür die Wäsche aus- kommen._ Berliner Marktpreise. Au» dem amtlichen Bericht der städtischen Markihallen-Dircktion. Rindfleisch In«S—«3 pr. 100 Psund, Ha 58—64, (IIa 53-56, IVa 46-51, engl. Bullen- 0,00, dän. Bullen- 0,00. Holl. Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 106—110,!a 84—90, IIa 74-82, Dia 62-72. Hammelfleisch la 72-76, IIa 62—70. Schweinestiffch 61—67. Kaninchen per Stück 0,50. Hühner, alte, Stück 1,60—3,25, junge, per Stück 0,60—0,90. Tauben, junge 0,35—0,40, alte 0,35. Enten, prima, p. Stück 1,70—2,25, Hamburger, junge, per Stück 2,00—3,00. Gänse, junge, per Psd. 0,55—0,65, per Stück 3,00 bis 4,25. Hechte 85-9«. Schleie 71-7«. Bleie 0,00. Aale, groh 130-136, mittel 114—120, klein 55, uns. 83—104. Plötzen 60—67. Flundern, pomm. I, . Schock 8,00—6,50. Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel per Kiste 2—4, 0. klein per Kiste 0,00. Bücklinge, engl, per Wall 4,50—5. Kieler 2—4,50, Stralsunder 5-6. Aale, groh p. Psd. 1,10-1,30, mittel 0.30-1,00, kl. 0,50 bis 0,60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 0,00, Elb- per Kiste O,0o. Sardellen. 1962er, per Anter 85,00, 1904er 85,00, 1905er 80,00. Schottische Vollhertnge 1905 0,00, largo 40—44, füll. 36—88, med. 35—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Malje», per'/, To. 60—120. Hummern, IIa, 100 Psd. 0,00. Krebse, per Schock, grotze 25, kleine 3—4, unsortiert 4,50—7. Galizler, mittel 0,00. Eier, Land-, per Schock 3—3,20, frische 0,00. Butler per 100 Psund, la 109, IIa 103—106, lila 100—103, ab- lallende 95—100. Saure Gurken. Schock 4,50—5,00, Pfeffergurken 4,50—5,00. Kartoffeln per 100 Psd. magn. bon. 0,00, rote Dabcrsche 2,10—2,23, runde weihe 1,80—2,10, hiesige blaue 8,25,-3,50, neue hiesige 2,25—3, neue Zerbster 3—3,50. Spinat, per 100 Psund 8— 10. Karotten per Schock 2,50 bt« 4,00. Kohlrabi, per Schock 1,25—1,75. Reilig, bahr., per Schock 2,40— 4,80. Rhabarber, Hamb., per 100 Bd. 0,00. Radieschen, per Schock-Bd. 0,60—0,70. salat, per Schock 1,00—1,23. Bohnen(grüne), per 100 Pfd. 38—43. Schoten hiesige, per 100 Psd. 3—16. Psefferlinge per Psd. 0,30—0,33. Mohrrüben per Schock-Bd. 3,00— 4,00. Blunienlohl per Mandel 1,30— 2,30. Wirsingtohlper Mandel 1,00—2,00. Steinpilze per Psd. 0,33. Teltower Rüben per Psd. 0,22-0,25. Stachelbeeren per Psd. 0,09-0,14. Kirschen, ital., 100 Psd. 0,00. Natten, Werdersche 22—24. Werderiche GlaS» 10—14. Natten, ungar. 00,00, do. 10—12, do. sauere 18—22. Himbeeren, Werdersche per 100 Pfd. 27—30. Blaubeeren per Psd. 0,08—0,12. Erdbeeren, Holl, per 100 Psd. 20—28, Garten- per Psd. 0,33—0,40, Hamburger 0,20—0,23, hiesige 0,13—0,29. Wald- per Psd. 0,30—0,33. Pflaumen, ital. lange, per 100 Psd. 18—30. Zitronen. Messina. 300 Stück 14,00-16,00, 360 Stück 14,00-16,00, 200 Stück 7.00-12,00, 420 Stück, klein 7,00. ffvttterungsüberstcht vom 5. Juli 1006, morgen» 8 Nhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin granff.a.M, München Wien Ii 1= *3« Seiler 761 DSD 762 Still 760 Still 760 3 760 ZW 760 Still 4 halb bd. Dunst wolkig Lbedeat 2 halb bd, sDunst ll Zw hi& Stationen LS " e o 2 « 5 N— if Haparanda 766 ZW Petersburg 767 NW Scilltz» m Slberdeen Paris 763 SSW 764 D 760 SSW Setter 2 heiter 1, wolkig 1 wolkig I bedeckt 1 bedeckt i_,» £ n €»< H 3i 14 16 15 12 15 Wetter-Prognose sür Freitag, de» 6. Juli 1906. Ein wenig kühler, teilweise heiter, aber sehr veränderlich bei schwachen südöstlichen Winden, ctwaS Regen und Gewitterneigung. Berliner Wetterbureall. Wafferftand am 4. Juki. Elbe bet Aussig-st 1,00 Meter, bei Dresden— 1,31 Meter, bei Magdeburg-st 1,31 Meter.— N n st r u t bei Strauhslirt-st 1,30 Meter.— D d e r bei Ratibor-st 1,21 Meter, bei Bi cSlau Dbervcgel-st 3,12 Meter, bei Breslau Uutcrpegel— 0,72 Meter, bei Franfsurt-st 1,68 Meter.— Welchsel bet vrahemünde-st 3,26 Meter. - varthc bei Ppjell-st 0.76 Meter. Für den Juhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 6. Juli. Anfang 7 Uhr. Neues Operutheater. viata. Anfang 8 Uhr. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( 23allner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friebr.- Wilh. Th.) Morwin- Oper. Freitag, abends 8 Uhr: Undine. Sonnabend, abends 8Uhr: Rigoletto. Sonntag, nach m. 3 1 Undine.hr: Sonntag, abends 8 Uhr: Der Rattenfänger von Hameln. La TraBerliner. Sherlod Holmes. Leffing. Die lustige Wittwe. Schiller 0.( Wallner Theater.) Morwig- Oper: Undine. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Das Glück im Winkel. Komische Oper. Hoffmanns Erzählungen. Lustspielhaus. Unsere Stäte. Metropol. Auf ins Metropol. Apollo. Berlin im Omnibus. Das blaue Bild. Spezialitäten. Carl Weiß. Sündige Liebe. Wintergarten. Tortajada. Spezialit. Urania, Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuv. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62 Ferdinand Bonns Freitag, abends 8 Uhr: Das Glück im Winkel. Schauspiel in 3 Aften von Hermann Sudermann. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Sonntag, abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Im Garten tägl. gr. Militär- Konzert. Landes- Ausstellungs- Park. Neu erbaut: Festsäle, Café u. Konditorei, gedeckte Gartenhallen, Fontaine lumineuse. Dejeuners von 2,50 Mark an bis 2 Uhr nachmittags. Diners von 3,50 Mark, Soupers von 4 Mark an. Täglich: Doppel- Konzert. Schweizer Garten. Am Königstor. Am Friedrichshain. Straßenbahn: 1, 2, 4, 17, 59, 62, 63, 74. Täglich: Spezialitäten und Berliner Theater Theater- Vorstellung. Freitag und folgende Tage: Sherlock Holmes. Anfang 8 Uhr. Neues kgl. Operntheater ( Kroll). Anfang 7, Uhr. Freitag: Gastspiel Lilli Lehmann, Georg Maikl: La Traviata. Sonnabend: Gastspiel E. Ischierdo: Cavalleria rusticana. Der Bajazzo. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und Invalidendank. Komische Oper. Sommerspielzeit 1906. Hoffmanns Erzählungen. Sommerpreise. ( Reine Borverkaufsgebühr.) Anfang 8 Uhr. Apollo- Theater. Novität! Täglich: Novität! Berlin im Omnibus. Jm zweiten Bilde: Der Omnibus- Trick unter Mitwirkung der Pantomimens Gesellschaft James Price bom Folies- Bergères in Paris. Dazu: Das blaue Bild von P. Lincke und die Spezialitäten- Attraktionen. Zum Schluß abends 10% Uhr: Elternlos. Berliner Rebensbild in 2 Aften. Bom 1. Juli ab neue Spezialitäten.**** Entree 30 Pt. Sozialdemokratischer Verein im 5. Berliner Wahlkreise. Zur Feier des zehnjährigen Bestehens: Montag, den 9. Juli, präzise 8% Uhr abends: Oeffentliche Versammlung im Alten Schützenhause, Linienstr. 5. Tagesordnung: Aus der Geschichte des 5. Kreises. Referent: Genosse Leopold Liepmann. Gäste erwünscht. Alle Mitglieder, besonders auch die ehemaligen Mitglieder des 245/ 12* Wahlvereins sind zum Besuch dieser Versammlung eingeladen. 10 96Sonnabend, den 14. Juli: Festfeier in den Gesamträumen des Schweizer Garten( Königstor). Konzert X Theatervorstellung Festrede des Abgeordneten Genossen Robert Schmidt -W X Arbeiter- Radfahrer X Spezialitäten X Kinderbelustigungen X Fackelpolonaise usw. Jedes Kind erhält Bons für Karussel und Fackel gratis. Billetts im Vorverkauf 25 Pf.( Kassenpreis 30 Pf.) in der Parteispedition, Keibelstraße 42, in den Zahlstellen und bei allen Bezirksführern. Anfang 4 Uhr nachmittags. Kasseneröffnung 3 Uhr. Rege Beteiligung an beiden Veranstaltungen erwartet Der Vorstand. Täglich von der Michael- Brücke Diez' Spezialitäten- Theater. Reichshallen. Dampfer- Extrafahrten Landsberger Ob schön! Im herrlichen Garten oder Saal: Ob Regen Täglich: 30. Juli: beste Gruppe der Welt: Bom 1. bis 1 Die größte Sensation und 16 Löwen im Salon des Löwenbändigers. Ein Dompteur, eine Tänzerin und eine Dompteuse mit noch nie 11 1hr abends: Fütterung sämtlicher gesehenen Tricks. Bestien aus den Händen des Dompteurs. Defter Salon- Humorist Prinzeß Rajah, Fritz Brand, Galon- gumect die havaiische Schönheit mit neuem Repertoire und das beste Programm Berlins. Kaffeeküche. Volksbelustigungen aller Art. Anfang 4 Uhr. Entree 30 f. Vorzugskarten find gültig. Max Kliems Sommer- Theater. Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Spezialitätenvorstellung Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: die beliebten Kinderfefte. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Urania Tauben Volksgarten- Theater. str. 48/49. Badstr. 8( Behm- u. Bellermannftr.) Täglich abends 8 Uhr: Metropol- Theater Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. Anfang 8 Uhr. ! Auf- in's Metropol! Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen überall gestattet. Täglich: Jed. Mittwoch: Gr. Kinderfreudenfest. A Stettiner Sänger mit Wujik nach dem beliebten, Woltersdorfer Schloß". Fahrpreis ( Meysel, Pietro, Britton, Böhme, Böckmann, Walden, Seidel, O. u. R. Schrader) Anjang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Ostbahn- Park Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr.71 Hermann Imbs. Täglich: bin u. zurüd 40 Bf., Kinder 25 Pf. Abfahrt vorm. 9 Uhr, nachm. 2 Uhr nur von der Michaelbrücke. Auskunft über Vermietungen werden 14962* Holzmarktstr. 50 d im Restaurant erteilt. Waren Sie schon mal in der Berliner Schweiz? A Tägliche Dampfer- Extrafahrten mit Musit nur von Jannowitbrücke. Sonntags früh 9 Uhr und nachmittags 2 Uhr: Reederei Nobiling. Montags Dampfschifffahrtsg. Stern. Reederei Nobiling. 9 Reed. Nobiling, 2 " 9 Reed. Nobiling, 2 " " b D Reed. Nobiling, 2 Reederei Nobiling. " Reed. Nobiling, 2 B 9 " # 2 und nachmittags " Dampfschifffahrtsg. Stern. Mittwochs, 9 Donnerstags 9 Freitags Reederei Nobiling. Sonnabends Reederei Nobiling. Außerdem tägliche Motorverbindung mit Eichwalde- Schmöckwit ( Restaurant Stippekohl) neben Endstation" Stern" sowie der Omnibusse. NB. Das Beſteigen der Gosener Berge, meiner Bachtungen und Bes fizungen, ist nur meinen Gästen gestattet. Jedes Besteigen ohne 27985 Hermann Gärtner, Inhaber und Begründer. Gr. Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. meine Erlaubnis ist verboten. Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Konzert, Theater u. Spezialitäten. Verbindung mit größter FilmsSternwarte Invaliden. Seb. Donnerst.; Gr. Brill.- Feuerwerk. Den ganzen Tag Vorstellung. Die Staffeeküche ist v. 1 Uhr an geöffnet. Otto Pritzkow, Münzstr. 16. Z str.57/ 62. OOLOGISCHER CARTEN Bernhard Rose- Theater Täglich ab nachmittags 5 Uhr: Gesundbrunnen, Badstraße 58. Täglich das SensationsJuli- Programm. Sherlock Holmes, amerikanische Detektivkomödie des besten deutschen VerwandlungsSchauspielers Karl Braun. Präzise 8 Uhr: Die Gauklerin. Ausstattungsstück mit Gesang u. Zanz in 7 Bildern von Schwarz- Neiflingen. Anfang der Vorstellung 5 Uhr, des Konzerts 4%, Uhr. Eröffn. 2 Uhr. Entree 30 Pf., numer. Plaz 50 f. Billettborverkauf 10-1 Uhr. Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Täglich 8, Uhr: Sündige Liebe. Familientragödie in 4 Aften v. H. Rolf. Im Garten täglich: Große Spezialitäten Borstellung. Anfang 5 Uhr. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Wenn schön: im Garten! Wenn schlecht: im Saal! Ein Kind der ersten Liebe. Lebensbild mit Gesang in 2 Bildern von Reiflingen. Dazu die erstklaffig. Spezialitäten. Anfang& Uhr. Prater- Theater Kastanien- Allee 7/9. Tags: Amor von heute. Milardo, Humorift. Varadi- Duett. Rebusa, Dreffurnummer. Die Einbrecher von New York, Bant. The Piccad. Konzert. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Platz 50 f. Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allee 148. Täglich: Konzert, Theater, Spezialitäten, Ball. 15 Attraktionen ersten Ranges 15. Berlin, wie es lebt u. liebt. Boltsstud in 8 Atten von Lindener. Anfang 4 Uhr. Entree 30 f Großes Militär- Konzert. Eintritt 1 M., v. 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Passage- Theater. Heute das glänzende Voltsbelustigungen Beerdigungsverein Berliner Zimmerleute. Sonnabend, den 14. Juli 1906: * Stiftungs- feft in den Gesamträumen Arbeiter- Bekleidung Neues Spezial- Geschäft Kohnen& Jöring Alexanderstr. 12 zwisch.Alexanderpl. u.Jannowitzbr.. Berufskleidung für alle Zweige der Industrie und Gewerke. 4000 M. 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BALL. Reigenfahren v. Bundesvereinen. Auftreten des Artisten- Vereins ,, Sparta", Rixdorf- Britz 1898. Eröffnung der Kaffeeküche 2 Uhr. Konzert- Anf. 4 Uhr.- Billett 20 Pf. Anfahrt aller Bundesvereine von Rixdorf, Bergstr. 151/52, Thiels Festsäle, nachm. 2 Uhr, nach dem Festlokal. Um zahlreichen Besuch bittet 13/13 Der Festausschuß. „ Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des ArbeiterRadfahrer- Bundes " Solidarität“. Touren 18/14 zum Sonntag, den 8. Juli 1906. 1. Abt. früh 6 Uhr nach Teupit. Nachm. 12 Uhr nach Eichwalde. Starts Bülowstr. 59. Ohne Mitgliedsbuch kann niemand wählen. Die Stimmzettel werden am Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Gewählt wird in folgenden Lokalen: Raabes Festfäle, Kolbergerstr. 23. Bernhard Rose- Theater, Badstr. 58. Wernaus Festfäle, Schwedterstr. 23. Bökers Festsäle, Weberstr. 17. Graumanns Festfäle, Naunynstr. 27. Lehmanns Restaurant, Bülowstr. 59. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/48. Thiel Rixdorf, Bergstr. 152. Volkshaus- Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Schellhase- Steglig, Ahornstr. 15. Böhle Spandau, Neumeisterstr. 5. Kaufhold Ober- Schöneweide, Wilhelminenhofstraße 18. Tempel- Rummelsburg, Alt- Borhagen 56. Hellwig- Köpenick, Schönerlinderstr. 5. Schmutz- Weißensee, König- Chaussee 38. Gehlhaar- Tegel, Berlinerstr. 92. 2. Abt. nachm. 1% Uhr nach Bichels- Zentral- Wahlbureau ist unser Bureau werder( Freund). Start Urbanstr. 7. 3. Abt. früh 42 Uhr nach Lehnin. Nachm. 1, Uhr nach Zehlendorf ( Waldeslust). Starts Mariannenplatz. 4. Abt. früh 5 Uhr nach Buckow. Nachm. 1 Uhr nach Rirdorf, von dort nach Treptow. Starts Andreasplaz. 5. Abt. früh 5 Uhr nach Teupit. Nachm. 2 Uhr nach Friedrichsfelde. Starts Elysium. furt a. D. Nachm. 1 Uhr Streifzüge 6. Abt. früh 3 Uhr nach Frank durch den Dsten, Endziel Friedrichsfelde. Starts Oderbergerstr. 30. 8 7. und 8. Abt. Sonnabend abend 2hr nach Treptow. Starts stösliner Uhr nach Budow. Sonntag nam. of, 8. Abt. Start Stephanplatz. 9. Abt. nachm. 2 Uhr nach Friedrichs felde. Start Schillingstr. 22. Sommersprossen entfernt vollständig und gründlich nur mein unsohädliches Spezialmittel nebst Spezialseife u. wissenschaftlichem Ratgeber ,, Die Schönheitspflege" Mk. 2,50 Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbahnstr. 4. Tausende Anerkennungen. Engel- Ufer 15 I. Wahlleiter ist der Kollege Josef Hartmann. Sonntag, den 8. Juli, vormittags 10 Uhr: Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Drechsler Deutschl. E. H. 86. Verwaltungsstelle Berlin D. Am 3. Juli verstarb unser Mitglied 283/20 Otto Neitzel. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 6. Juli, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Zions- Kirchhofes, Nieder- Schönhausen, aus statt. Die Ortsverwaltung. Arh.- Gesangverein Morgenrot Köpenick. Nachruf. Am Mittwoch verstarb plötzlich infolge Unfalls( Verbrennung) unser Sangesbruder Max Helm. Durch sein freundliches Wesen hat derfelbe fich das Vertrauen und die Achtung seiner Sanges brüder erworben und werden wir seiner in Ehren gedenken. 66/4 Der Vorstand. Berliner Wettsegelverband. Zur Nachricht, daß der am Sonntag beim Segeln berunglückte Sportkollege Genosse Franz Wittke am Sonnabendnachmittag 6 Uhr auf dem Kirchhof zu Grünau beigesezt wird. Um rege Beteiligung wird ge beten. 28096 Danksagung. Versammlung der Bauanschläger Für die vielen Beweiſe herzlicher Berlins und Umgegend im Saale I des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer 15. Tages- Ordnung: 1. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 2. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Sonntag, den 8. Juli, vormittags 10 Uhr: Mitglieder- Versammlung aller in den Emaillierwerken beschäftigten Kollegen und Kolleginnen im Saale V des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer Nr. 15. Tages Ordnung: 0 1.„ Die Kämpfe in der Metallindustrie und ihre Lehren. Referent: Kollege Eggert. 2. Diskussion. 3. Bericht der in der letzten Versammlung gewählten Kommission. 4. Verschiedenes. Die Ortsverwaltung. Achtung! Lederarbeiter. Achtung! Sonntag, den 8. Juli, vormittags 8, Uhr, in Marienbad", Am besten übernehmen 2 Reflettanten Dr. Simmel, Prinzen- Badftr. 35/36, Inhaber Nagel vormals Rite, findet unsere einen Wagen. Berliner Automobilhaus- u. IndustrieGesellschaft m. b. H.) Spezialarzt für Hant- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Str. 41, 137/13 Stettin- Skandinavien vermittelst hochelegant mit allem Komfort eingerichteter Schnelldampfer Stettin- Kopenhagen- Christiania( via Frederikshavn) Stettin- Kopenhagen- Gothenburg jeden Dienstag u. Froitag jeden Sonnabend und Mittwoch nachm. 2, Uhr. nachm. 2, Uhr. Prospekte gratis und franko durch 124/ 7* Gust. Metzler, Stettin P. Det Forenede Dampskibs Selskab Kopenhagen. H. Zimmermann Berlin SO. Juwelier Oranienstr. 206 Gold- und Silberwaren- Fabrik, Uhren- Großhandlung. Eigene Werkstatt für Neuarbeit u. Reparatur. Streng reell. 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Bericht von der Gewerkschaftskommission. Referent: C. Heimlich. 2. Bericht des Vorstandes über wichtige Angelegenheiten. 3. Bericht der Fabriksausschüsse über Nichteinhalten des Tarifs. 4. Stellungnahme zur Aussperrung in anderen Berufen. 5. Verschiedenes. Ersuche nochmals alle Kollegen, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen, weil es eine wichtige Versammlung ist. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Der Vorstand der Lederarbeiter Berlin I. J. A.: Constantin Weiß, Borfizender. Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, Bruders, Schwager und Onkels, Paul Brunsch fagen wir allen Freunden und Kollegen, gleichfalls der Freien Hülfs- und Begräbniskasse, der Ortsfrankenkasse und dem Zentralverband deutscher Schuhmacher unseren herzlichsten Dant. Anna Brunsch und Verwandte. General- Versammlung der Krankenunterstützungs- und Begräbniskasse E. H. der Lederzurichter Berlins No. 50. am Sonntag, den 15. Juli 1906, bormittags 10, 1hr, bei Feind, Weinstraße. Tages Ordnung: 1. Rechnungslegung vom zfveiten Quartal 1906. 2. Antrag des Vorstandes: Abänderung des§ 7 des Statuts( Erhöhung der Beiträge). 3. Geschäftliches. 27945 Der Vorstand. J. A.: Gustav Busse. Sozialdemokrat. Wahlverein für den IV.Berliner Reichstagswahlkreis ( Landsberger Biertel.) Bezirk 189g. Todes- Anzeige. Am Dienstag, den 3. Juli, verschied unser treues Mitglied, der Töpfer 244/2 Hermann Malzahn. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 52 Uhr von der Leichenhalle des St. GeorgenKirchhofes in der LandsbergerAllee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Zentralverband der Töpfer Deutschlands, Filiale Berlin. Todes- Anzeige. Am Montag, den 2. Juli, ver starb unser Mitglied Hermann Malzahn im Alter von 57 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 6. Juli, nachmittags 52 Uhr, von der Leichenhalle des St. Georgen Kirchhofes, Landsberger Allee, ans statt. 9 Um rege Beteiligung ersucht 196/19 Der Vorstand. Zentral- Verband der Maurer. Zweigverein Berlin. Am Montag verstarb unser Mitglied Ernst Albrecht im Alter von 52 Jahren an Lungenentzündung. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 22 Uhr von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 144/20 Der Vorstand. Verein d. Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Umgegend. Hierdurch diene den Kollegen zur Nachricht, daß am Dienstag, den 3. Juli cr., nach einem halbjährigen Herzleiden, unser lieber Kollege, der Gürtlerlehrling Franz Dölle Rigdorf, Karlsgartenstraße Nr. 3, infolge eines Herzschlages verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frei tag, den 6. Juli cr., nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der St. Michael284 Außerord. Generalversammlung Semeinde, Nirdorf, HermannKonsum- Verein für Tegel und Umgegend. ( Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.) Am Montag, den 16. Juli 1906, abends 8 Uhr: Ordentliche General- Veriammlung im Saale des Herrn Trapp, Tegel, Bahnhofstraße. Zages Ordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes und Aufsichtsder Sterbe- und KrankenUnterstützungskaffe Nr. 55 am Sonnabend, den 14. Juli 1906, abends 81%, Uhr, in Siemunds Festsälen( Ing. E. Stubn), Linienstraße 8 und Josthstraße 4. Tages- Ordnung: Verfügung der Aufsichtsbehörde betreffend die Erhöhung der Beiträge zur Kranken- Unterstügungsfaffe. 28076 Der Vorstand. Das grüne Kassenbuch legitimiert. straße 191/195 aus statt. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht 27995 Der Vorstand. Sozialdemokratisch. Wahlverein Nowawes- Neuendorf, Montag, den 2. Juli, abends 11 Uhr, verstarb im JosephKrankenhause zu Potsdam unser Mitglied rates. 3. Anstellung eines Geschäftsführers zum 1. Oftober 1906. 4. Bericht Krankenfahrstühle all. Systeme August Eger erstattung vom Verbandstag. 5. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. 206/2 Der Aufsichtsrat. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Hente Freitag, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Zur Beachtung! täuflich von 25 M. an, auch leihweise unter fulantesten Bedingungen. Koppsche Krankenwagen, Elsasserstraße 95. 136/ 2* für Deutschlands Spezialgeschaft grösstes Bettfedern Erste Bettfedernfab. m. elekt. Betriebe Die Zahlſtelle 52 ist von Reichenbergerstr. 54 nach Lausitzerstr. 7 bei Gustav Lustig Warsow verlegt. Sm Bezirk Often find zwei neue Sahlstellen errichtet.: Bahlstelle 59, Liebigstr. 14, Ecke Rigaerstraße, bei Gruß. Bahlstelle 60, Borhagenerstr. 29 bei Kloß. Achtung! Achtung! 88/18 Abonnements auf das Fachblatt werden auf allen Zahlstellen sowie auf dem Verbandsbureau, Engel- Ufer 15, entgegengenommen. Einsetzer!= Sonntag, den 8. Juli, vormittags 9 Uhr: Bezirks- Sitzungen in den bekannten Lokalen. Zugleich Abrechnung der Billetts zur Dampferpartie. Der Obmann. Zahlreichen Besuch erwartet Tischler- Verein&. H. 89. Sonnabend, den 7. Juli, abends 8, Uhr, Melchiorstr. 15: Versammlung. U Zages Ordnung: Bercinsangelegenheiten. Ausgabe der Billetts zum Sommerfest in der ,, Neuen Welt" am Montag, den 23. Juli. 198/19 Der Vorstand. BERLIN S. Prinzenstr. 46 bersendet geg. Nachnahme garantiert neue und gut entſtäubte, gut füllende Bettfedern p. Ptd. M. 0.55-1.00-1.25; prima Halbdaunen M. 1.75; Gänserupffedern M. 2.00; prima weiße Gänsehalbdaunen M. 2.50-3.00-3.50 echt chines. Monopoldannen D. 2.85, echt russisch. Matas dor: Gänsedaunen M. 3.50 Von den Daunen genügen 3-4 Pfd. zum groß. Oberbett.- Gänfefedern ( 3. Reißen) M. 0.60 per Pfund; Gänse: fchlachtfedern, wie fie von der Gans fallen, mit allen Daunen M. 1.50. Proben und Preisliste gratis. Um tausch oder Rücksendung gestattet. Berpackung foftenfrei. Lektjähriger Umsatz über 2000 Zentner Bettfedern, von keinem zweiten Betten- u. Bett: feberngeschäft erreicht. Habe mich als prakt. Arzt Bergstr. 39 ( Wohnung des Dr. Hafemann) niedergelassen. 27695 Dr. Badtke. Restaurant, 18 Jahre bestehend, anschließende Wohnung, Breis 1600,-; Miete 1500,- Pianino, Billard, gute Geschäftsgegend. 138/7 Bigarrengeschäft Thaerstr. 47. im Alter von 39 Jahren. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 6. Juli, nachmittags 5 Uhr statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 284/1 Der Vorstand. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß am Donnerstag, den 28. Juni, nachmittags 5 Uhr, mein lieber, guter Mann, Vater, Bruder und Schwager, der Monteur Franz Kuhnert im Alter von 51 Jahren in Holland plötzlich verschieden ist. Dies zeigt tiefbetrübt, um stille Teilnahme bittend, an Emma Kunert geb. Klinkowski und Sohn. Die Beerdigung findet am Freitag, den 6. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des St. Hedwigs- Kirchhofes, Liesenstraße, aus statt. 17252 Deutscher Holzarbeiter- Verband Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Adolf Krössner am 23. Juni berstorben ist und am 26. Juni zur letzten Ruhe ge bettet wurde. Ehre seinem Andenken! 88/19 Die Ortsverwaltung. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil berantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Sinaer& Co., Berlin SW