Nr. 156. Abonnements- Bedingungen: S Abonnements Preis pränumerando! Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Post Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblaff. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1983. Die verfloffene Landtagsfeffion. Sonntag, den 8. Juli 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die Nevolution in Rußland. Bundesrat dahin zu wirken, daß Eingriffe in die Verfassung dem der preußische Landtag sich leiten läßt. Die Arbeiterder Einzelstaaten, insbesondere Preußens, im Wege der Reichs- klasse aber hat es fatt, ihr Geschick länger einer Handvoll gesetzgebung vermieden, jedenfalls nicht ohne Einvernehmen Besitzender anzuvertrauen; sie verfolgt die Tätigkeit des LandEine ungewöhnlich lange Landtagssession liegt hinter uns. mit den Einzellandtagen vorgenommen werden. Dieser Be- tages mit regem Interesse, sie wird aus seinen Taten die Länger als sieben Monate war der Landtag zusammen, nicht schluß ist die Antwort des Abgeordnetenhauses auf die Diäten- Schlußfolgerungen ziehen und sich die Waffen schmieden, deren um Stulturarbeit zu verrichten oder gar um dem preußischen vorlage der Reichsregierung, die den Dreiflassenmännern ein sie bedarf, um energisch und mit Erfolg die Mißwirtschaft in Volfe erweiterte Nechte zu verschaffen, sondern im Gegenteil, Entgegenkommen gegen die Sozialdemokratie bedeutet. Preußen zu bekämpfen. um die Kultur rückwärts zu revidieren und die Die gleiche Reaktion wie auf politischem zeigt sich auf In dem Befreiungstampf des Proletawinzigen Rechte des Volkes noch mehr zu vergeistigem Gebiete. Das Gesetz über die Unterhaltung riats, in seinem Kampf gegen die Dreikümmern. Deutlicher als je hat es sich in der verflossenen der öffentlichen Volksschulen, das Schulver- tlassenschmach bietet ihm der Landtag selbst Seffion gezeigt, welch' tiefe Kluft sich aufgetan hat zwischen pfaffungsgeseh, das nach endlosem Hin- und Herziehen zwischen das wertvollste Agitationsmaterial. dem preußischen Volke und denen, die sich die Vertreter des beiden Häusern endlich zustande gekommen ist, schraubt Volfes nennen, die aber in Wirklichkeit die Vertreter der be- die Kultur um hundert Jahre zurück. Die Volksschule ist den sigenden Klasse und die Todfeinde der Arbeiterklasse sind. Pfaffen ausgeliefert, das Volk soll verdummt werden, damit Als die„ erlauchten, edlen und geehrten Herren von beiden es nicht zum Bewußtsein seiner Klassenlage erwacht, das viel Die Gärung im Heere schwillt weiter. Häusern des Landtages" am 5. Dezember zusammenberufen gerühmte Selbstverwaltungsrecht der Städte wird durch einen bericht aus Petersburg vom 7. Juli:„ Die Ansicht der ruffischen Der„ Berliner Lokal- Anzeiger" erhält folgenden Spezial- Draht wurden, stand das preußische Volt unter dem Zeichen der Federstrich hinwegdekretiert. Eigentlich ist keine Partei durch Generalität, daß die Armee kaisertreu sei und bei einbrechender Wahlrechtsbewegung. Die Sozialdemokratie hatte das Gefeh völlig befriedigt, aber hinter der Absicht, durch Katastrophe ihren Mann stellen würde, läßt sich schwer mit den Tatfich gerüstet, um zu protestieren gegen das elendeste aller die Verpfassung der Volksschule die Sozial- fachen vereinigen, die aus allen Enden des Barenreiches gemeldet Wahlsysteme, um den Massen ihre Entrechtung flar zu demokratie zu schädigen, treten alle anderen Be- werden. Besonders charakteristisch waren die Vorgänge in Odessa. machen und sie zum Kampfe gegen das Breitlassen- denken zurück. Die Nationalliberalen, die einst das Volk Dort wurden während des Streits der Besatzungen der Handelsschiffe wahlsystem auf die Schanze zu rufen. Aber die Männer mobil gemacht hatten gegen den Zedlihschen Schulgesetz- weitgehende Konzessionen von der obersten Behörde gemacht. des Dreiklassenparlaments fümmerten sich nicht um entwurf, schlossen mit den beiden konservativen Parteien das Trozdem wollten die Mannschaften von teinem Entgegen die Forderungen der Arbeiterklasse; wohl sahen sie schmählichste Kompromiß, das sich denken läßt, sie gingen Arm tommen etwas wissen. In derselben Zeit hielten die Soldaten in ein, daß sie zu Unrecht ihre Mandate ausübten, die sie einzig in Arm mit den Dunkelmännern und übten schimpflichen buma vorgelesen wurden, in denen unter anderem gesagt wird, Odessa ein Meeting ab, wobei Interpellationen an die Reichsund allein einem verrotteten Wahlsystem verdankten. Aber Verrat an den heiligsten Gütern der Nation. Ja, so eilig die Reichsduma solle an alle Teile der Armee ihre Kommissare entsie hatten nicht den Mut, das, was sie im Innern fühlten, hatten es die nationalliberalen Verräter, ihre Beute fenden, um die elende Lage des Militärs tennen zu lernen. Speziell offen zu bekennen, sie fühlten sich hinter dem Wall des Drei- einzuheimsen, daß sie sich sogar über die Verfassung wandten sich die Interpellanten an die Arbeitsgruppe der tlassenwahlsystems zu sicher, als daß sie sich auch nur zu den hinwegfetten. Abgesehen von den Polen, die sich Reichsduma, die auf volle Unterstützung durch das Militär bei Durchallergeringsten Konzessionen herbeigelassen hätten. Mit aller von nationalpolnischen Erwägungen leiten ließen, und drückung ihrer demokratischen Forderungen rechnen könne. CharatSchärfe betonten die Vertreter der Mehrheitsparteien wieder einigen Zentrumsleuten, denen die konfessionellen Be- teristisch sind auch die Militärunruhen in Samara im Busuluschen holt bei der Etatsberatung, daß sie entschlossen seien, das ſtimmungen des Gesetzes noch nicht genügen, stimmte nur Offiziere zu grüßen. Sie wurden arretiert, wogegen die übrigen MannRegiment. Dort weigerten sich zwei betrunkene Soldaten, ihre Dreitlassenwahlsystem zu verewigen. Und die das fleine Häuflein der Freifinnigen dagegen. Die Proteste schaften des Regiments protestierten. Die Arretierten wurden gewaltRegierung, die von jeher Vertreterin der Befißenden gewesen der Arbeiterklasse blieben unbeachtet. Wenn irgend etwas, sam befreit. Sofort wurde eine Versammlung einberufen. Die ist, war ihnen auch diesmal zu willen, sie unterbreitete dem so beweist der Verlauf der Verhandlungen über das Schul- Soldaten verlangten dazu die Regimentsmufit und sangen rebo Landtage zwei Gesezentwürfe, die das Proletariat angesichts gesetz den unaufhaltsamen Niedergang des bürgerlichen Libe- Iutionäre Lieder. Zum Schlusse wurden noch 20 Schüffe abgefeuert, der innerpolitischen Lage geradezu als Fauftschlag ins Gesicht ralismus in Preußen. glücklicherweise ohne jemand zu verlegen. Auf der Versammlung empfinden mußte, die Entwürfe über die Teilung ein- Was der Landtag sonst noch an positiven Leistungen auf- wurden sowohl ökonomische wie politische Fordernngen ausgearbeitet, zelner Landtagswahlbezirke und über die zuweisen hat, ist an den Fingern einer Hand herzuzählen. Das die dem Kommandeur übermittelt wurden, der alle ökonomischen Aenderung einzelner Vorschriften des Wahl- Einkommensteuergesez ist in unwesentlichen Punkten Forderungen zu erfüllen versprach. Am nächsten Tage war tein Dienft. verfahrens, Entwürfe, die nach der Erklärung der abgeändert worden, vor einer durchgreifenden Reform hütete ziehen. Sie befreiten mehrere politische Gefangene und forderten Die Soldaten beschlossen, mit Musik und Fahnen durch die Stadt zu Regierung lediglich das Zustandekommen gefeßmäßiger man sich, weil ja sonst die Besitzenden möglicherweise etwas auch die Offiziere auf, an ihrem Umzuge teilzunehmen. Die Wahlen auch in großen Wahlbezirken sichern sollten. Das war stärker herangezogen werden könnten. Die Reform des Kreis- Offiziere willigten schließlich darin, nur um nötigenfalls unheil zu die Antwort der Regierung und der herrschenden Klassen auf und Provinzial. Abgabengesetes interessiert berhüten. Es gelang ihnen, die weitere Befreiung politischer Gedie Forderungen des Proletariats, eine Antwort, die eine der das Proletariat nicht allzu sehr, ebenso das Gesetz über die fangenen zu verhindern, indem sie diese als augenblicklich zwedlos niederträchtigsten Verhöhnungen der Arbeiter Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst, bezeichneten. In den letzten Tagen war ferner im Dtstomer Inbedeutet. Sogar von nationalliberaler Seite wurde diese das in früheren Jahren wiederholt gescheitert war. Die fanterie- Regiment eine fo starte Gärung bemerkbar, daß allen Wahlreform" als Flickgesetz allergeringsten Grades bezeichnet. Novelle zum Berggesetz( Aenderung der Bestimmungen Bibilisten nicht nur der Eintritt in die Kasernen, sondern Aber die Regierung erreichte ihren Zweck, der Landtag nahm über die Knappschaftsvereine) erfüllte auch nicht die be- Die Offiziere des Regiments wurden entlassen. Unter den Soldaten ist auch das Vorübergehen an diesen Gebäuden verboten wurde. ihre Gefeßentwürfe an und trug dadurch bei zur Konservierung scheidensten Wünsche der Bergarbeiter. Keine Partei hat sich die Lektüre radikaler Blätter an der Tagesordnung, ebenso werden aufdes Dreiklassenwahlsystems, eines Systems, das, um mit dem ernstlich der Interessen dieser Proletarier angenommen, die rührerische Broschüren und Proklamationen heimlich in die Kaserne geAbg. Broemel zu reden, von allen uninteressierten und vor den übrigen Proletariern nur das eine voraus haben, daß schmuggelt. Bählt man zu diesem allen noch die Gärungen unter den sachkundigen Kreisen politischer und wirtschaftlicher Art mehr sie im Dienste des Staates ihre Knochen zu Markte tragen Soldaten in Kurst, Poltawa, Kronstadt, Njäsan, Tomst, Batum, und mehr als ein Ronglomerat von Unsinn und dürfen. Wladivostok und endlich sogar im Lager von Krasnoje Sselo, so Ungerechtigkeit angesehen wird. Mit aller Entschiedenheit Der preußische Staat als Arbeitgeber tut sich viel auf nimmt sich die Behauptung der russischen hohen Offiziere über die lehnten Regierung und Mehrheitsparteien die Einführung des feine Wohlfahrtseinrichtungen zu gute, er ist stolz darauf, daß unerschütterliche Kaiſertreue der Truppen etwas fonderbar aus. allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts ab, er auch in der verflossenen Session wieder einige Millionen Gegen den Dumadeputierten Aladjin, den Führer der Arbeitspartei, hat die Petersburger Gouvernementsgendarmerieverwaltung eine ja sogar gegen eine Neueinteilung der Wahlkreise nach der zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse geheime Untersuchung eingeleitet wegen Beteiligung an der Agitation Bevölkerung oder unter Berücksichtigung der Bevölkerung der staatlichen Arbeiter und gering besoldeten Beamten zur unter dem ersten Bataillion des Preobraschensti- Regiments." erflärten sie sich, obwohl ein solche Neueinteilung bereits 1860 Verfügung gestellt hat. Wenn man aber bedenkt, daß der verheißen war. Staat dadurch ausgesprochenermaßen die Arbeiter zu politischen Die Eröffnung der Gerichtsverhandlungen über die Tätigkeit Und nicht genug damit, daß der Landtag dem Volte Heloten degradiert, daß er sie zu willfährigen Werkzeugen seine ihm zustehenden Rechte vorenthielt, versuchte er auch, es des Klassenstaates machen will, so erscheinen solche Wohlfahrts. bes bekannten Arbeiterdelegiertenrates veranlaßte eine große Anzahl mehr und mehr zu Knebeln. Was sonst bedeuten die fort- einrichtungen als Wohlfahrtsschwindel, zumal da die Ne- Fabrikarbeiter und die fortschrittliche Presse, sich mit dem Arbeiter2500 Arbeiter berwährenden Aufforderungen zum Einschreiten gegen gierung sich auf diese Weise ihrer Aufgabe einer durchgreifenden delegiertenrat solidarisch zu erklären. schiedener Fabriken des Rayon Wassilj Ostrow und Wyborg bedie Sozialdemokratie, die sich wie ein roter Faden Wohnungsgesetzgebung zu entziehen sucht. durch die Etatsdebatten zogen? Was sonst die Interpellation Erwähnen wir noch die Gesetze betr. den Eriverb des schlossen, sich an den Staatsanwalt zu wenden mit der Bitte, fie einiger Herrenhäusler, welche Maßnahmen die Regierung zu Stalisalzbergwerts der Gewerkschaft Hercynia für den auch als Angeklagte zu betrachten, da der Arbeiterrat in ihrem Der Verband der Buchhalter und ergreifen gedenkt, um der Sozialdemokratie den Staat, das Sekundärbahngesez, die Alenderung des Auftrag gehandelt habe. Garaus zu machen? Das durchaus gesetzmäßige Vor- Kommunalabgabengesetes und das agrarischen Kontoristen", der ebenfalls in dem Arbeiterrat vertreten war, hat gehen der Sozialdemokratie sollte die Regierung, wenn es Sonderinteressen dienende Gesetz über die Festsetzung einer eine Resolution angenommen, in der er sich mit dem Arbeiterrat nach dem Wunsche der Scharfmacher gegangen wäre, durch Verschuldungsgrenze für land- und Forst- folidarisch erklärt. Petersburg, 7. Juli.( W. T. B.) Gestern wurde hier im Gewalt beantworten. wirtschaftlich genugte Grundstücke, so ist die Wyborger Stadtteile eine Versammlung abgehalten, die von 6000 Kampf gegen die Sozialdemokratie! Unter positive Tätigkeit des Landtages im wesentlichen erschöpft. diesem Zeichen begann der Landtag seine Tätigkeit, unter Die allgemeine Situation am Schluß der Session läßt Personen besucht war. In dieser wurde als Ausdrud des Protestes diesem Zeichen beendete er sie. Von diesem Gesichtspunkt aus sich dahin zusammenfassen, daß zwischen Regierung gegen den dem Arbeiterdeputiertenrat gemachten Prozeß die Refind alle seine Maßnahmen zu betrachten, von dem Ruf nach und Landtagsmehrheit eigentlich überhaupt solution angenommen: so schnell wie möglich einen neuen Arbeitereinem neuen Ausnahmegeseze und den erfolgreichen Auf- teine nennenswerten Meinungsverschieden- deputiertenrat zu wählen. Entweder forderungen an die Justizverwaltung zum Einschreiten gegenheiten bestehen. Stets ist die Regierung einer Mehrheit für Sozialdemokratische Preßsünder bis herab zu jener Selbst- ihre voltsfeindlichen Pläne sicher. Auf die konversativ- Petersburg, 7. Juli.( B. H.) Der Bischof von Wilna richtete schändung, die das Abgeordnetenhaus in einer seiner letzten nationalliberale Mehrheit kann sie sich bei ihren Angriffen auf an die Geistlichen seiner Diözese, welche Duma- Abgeordnete sind, Sigungen dadurch an sich verübte, daß es entgegen jedem die Rechte des Voltes, auf die tonservativ- tleritale Mehrheit, die Aufforderung, entweder dem Priesterstande zu entsagen, oder bisherigen Brauche die Ermächtigung zur strafrechtlichen Ver- der sich neuerdings auch die Nationalliberalen zugesellen, bei aber auf ihr Mandat zu verzichten. folgung einiger fozialdemokratischer Redakteure erteilte. ihren Angriffen auf die kulturellen Errungenschaften verlassen. Mittel Solidarität. oder. Politifche Ueberlicht. Berlin, den 7. Juli. Landtagsschluß. Daß derselbe Landtag, der fort und fort in die Reichs- Für ihre unsinnige Polenpolitit, für die Millionen und gesetzgebung einzugreifen sucht, sich gegen vermeintliche Ein- Abermillionen zwecklos vergeudet werden, findet sie im Landtag griffe des Reiches in die Verfassung Preußens eine Stüße, ihre polizeilichen Schifanierungen zur Wehr setzt, ist charakteristisch. Schon seit Jahren betrachtet werden vom Landtag gebilligt, wie die Debatte über die sich der preußische Landtag als Gegengewicht gegen den Ausweisung russischer Staatsangehöriger Am Sonnabend hielten beide Häuser des Landtages vor deutschen Reichstag. Sein Streben geht dahin, die Reichs- zur Genüge gezeigt hat. Der Landtag stellt der der gemeinsamen Schlußsigung noch geschäftliche Sigungen ab. gesetzgebung möglichst ganz auszuschalten, er will das Regierung sogar die zur Verfügung, die Das Herrenhaus trat um 12 Uhr zusammen. Es nahm Sturmfignal zur allgemeinen Reaktion in Deutschland es ihr ermöglichen, Spigel zu züchten. Für alle Heldentaten den Gesetzentwurf betreffend Festseßung einer Verschuldungsgeben, der größte deutsche Bundesstaat soll die Attentate gegen der politischen Polizei in Preußen trägt der Landtag in erster grenze für land- und forstwirtschaftlich genutzte Grundstücke in Ses Volfes Rechte und Freiheiten, die der Reichstag abwehrt, Linie die Verantwortung. der Fassung des Abgeordnetenhauses an und überwies eine vollbringen, die anderen Bundesstaaten sollen das preußische So bietet denn die verflossene Session genau das gleiche Petition der Charlottenburger Haus- und Grundbesizer um Beispiel nachahmen. Nur so ist die Aufforderung des preußi- Bild wie die voraufgegangenen. Nichts für das Volt! Vermehrung und Gehaltsaufbefferung der Charlottenburger schen Abgeordnetenhauses an die Regierung zu verstehen, im Alles gegen das Bolt! Das ist der Grundsak, von Polizeimannschaften der Regierung als Material, Hierauf beschäftigte sich das Haus nochmals mit dem Schulunterhalwngsgesotzentwurf. Das Resultat der Debatte war die Annahme des Entwurfs gemäß den Beschlüsse» des Abgeordnetenhauses unter Ablehnung einiger Abänderungs- antrage. Es ist also nunmehr eine Uebereinstimmung zwischen beiden Häusern erzielt. Die Annahme erfolgte mit großer Mehrheit. Zur Minderheit gehörten neben den Oberbürger- meistern K i r s ch n e r- Berlin und S ch u st e h r u s- Char- lottenburg mich einige Konservative, die nichts davon wissen wollen, daß auch die Gutsherren Lasten zu tragen haben sollen.— Das Abgeordnetenhans begann seine Sitzung um 3 Uhr; es erledigte nur Petitionen. Den noch auf der Tagesordnung stehenden Bericht der Wahlprüfungskommission über die Wahl des Abg. Iber hoff(fk.) brauchte es nicht erst entgegen- zunehmen, da Herr Jderhoff, um der Ungültigkeitserklärung zuvorzukommen, sein Mandat im letzten Augenblick nieder- gelegt hatte. Um 4 Uhr wurde der Landtag in gemeinsamer Sitzrmg beider Häuser geschlossen. Altena-Iserlohn. Die freisinnige Parteileitung des Wahlkreises Altcna-Jserlohn hat mit Billigung der Berliner Parteileitung für die am tl). d. M. stattfindende Stichwahl die Parole:„Für den Zentrums- k a n d i d a t e n" ausgegeben. Von vornherein haben wir nichts anderes erwartet. Selbst wenn die Freisinnigen nicht vom Zentrum vor die Alternative gestellt worden wären, entweder in Iserlohn für den ultramontanen Kandidaten einzutreten oder auf die Unter- stützung des Zentrums in Hagen zu verzichten, würde die freisinnige Parteileitung schwerlich eine andere Stellung eingenommen haben, denn die fähigeren politischen Köpfe, die einst in den besseren Jugendtagen der„Fortschrittspartei" sich dieser angeschlossen hatten, sind längst gestorben oder aus dem politischen Parteigemengsel, das an deren Stelle getreten ist, ausgeschieden; und was unter Eugen Richters Regime an neuen Kräften entstanden ist, das sind„Kapa- zitäten" von der Qualität der Herren Müller-Sagan— Mugdan: politische Eintagsfliegen, für die nur der Tagcserfolg ohne Rücksicht auf Mittel, Zweck und Ziel gilt. Wir haben deshalb für selbstverständlich gehalten, daß trotz der einstigen Kampfaufrufe des großem Dichters Albert Träger und anderer kulturkämpferischer freisinniger Barden die freisinnige Volkspartei ihre Mannen für Klocke an die Wahlurne entbieten würde; und wir entrüsten uns deshalb auch über ihre Stichwahl- Parole nicht im mindesten, denn man soll von Parteien wie von Individuen nichts fordern, was über ihre psychischen Kräfte hinaus- geht. Würde deshalb die freisinnige Presse einfach erklären:«Wir treten für den Zentrumskandidaten ein, weil wir ihn für das kleinere Uebel halten und die Unterstützung der Zentrumswähler in Hagen nicht verlieren möchten", dann würden wir diese Stellung- nähme in Anbetracht der EntWickelung, die der einstige Fortschritt genommen hat, für durchaus natürlich halten. Die Freisinnigen, und zwar die Richtung Müller-Mugdan-Kopsch, wie die Richtung Pachnicke-Mosse, begnügen sich jedoch nicht mit dieser Begründung. Um sich vor dem kleinen Teil ihrer Anhänger zu rechtfertigen, der noch an den alten kulturkämpferischcn Neigungen hängt, greifen sie allerlei gegen die Sozialdemokratie gerichtete niederträchtige Ver- dächtigungen der konservativen Blätter und des„Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie" auf. darunter auch die, die sozial- demokratische Parteileitung hätte im Wahl- kreise Altena- Iserlohn 1b00 sozialdemo- kratische Wähler zur Stimmabgabe für den Zentrumskandidaten Klocke abkommandiert, um dadurch zu erreichen, daß dieser und nicht der freisinnige mit dem sozialdemokratischen Kandidaten in die Stichwahl käme. So schreibt z. W. das Mosscsche„Tageblatt": „Wir nehmen keinen Anstand, es unverblümt auszusprechen, daß uns keine politische Partei in ihrer agitatorischen und politischen Betätigung so unsympathisch ist wie die der„Genossen". Nichtsdestoweniger könnte man im Zweifel sein, ob man es nicht lieber sähe, wenn die Liberalen in Altena-Jserlohn ihre Stimmen dem Roten gäben statt dem Schwarzen. Diese Zweifel werden jedoch beseitigt durch verschiedene Erwägungen. Zunächst ver- gegenwärtige man sich, welche Rolle die Sozialdemokratie bei der Hauptwahl in Altena-Jserlohn nach der bisher unwidersprochen gebliebenen Mitteilung der„Deutschen Tageszeitung" gespielt hat. Danach hat die Sozialdemokratie, wie wir mitgeteilt haben, ISOl) Mann zur Stimmabgabe für den Zentrumstandidaten ab- kommandiert, um so zu erreichen, daß statt des Freisinnigen der Zentrumskandidat in die Stichwahl mit dem sozialdemokratischen Kandidaten käme. Dies ist denn auch geschehen. Das war eine von der sozialdemokratischen Partei- taktik diktierte Perfidie. Die Liberalen in Altena- Iserlohn haben keine Veranlassung, dieser Perfidie, die sich gegen sie selbst richtete, zum Erfolge zu verhelfen. Sie hätten eS auch dann nicht, wenn nicht noch andere, allgemeine wie parteipolitische, Rücksichten gegen eine Unterstützung des Sozialdemokraten in Altena-Jserlohn sprächen.... Wir meinen, in einer Lage, wie es die durch die Ersatzwahlen ln Altena-Jserlohn und Hagen-Schwelm geschaffene ist, in einer Lage, wo einmal durch eine Unanständigkeit des sozialdemokratischen Parteikommandos und zum anderen durch das Stimmenverhältnis ein liberales Mandat verloren und ein anderes gefährdet ist, in einer solchen Lage hat der Liberalismus die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, sich seiner Haut gegen seine Widersacher zu wehren." Eine gemeine Verdächtigung, und zwar wider besseres Wissen; denn wie weit wir auch davon entfernt sind, die GeisteLtalglichte des Mosseschen Redaktionsstabes zu überschätzen, für so gering ver- mögen wir sie doch nicht zu halten, daß wir anzunehmen vermöchten, sie glaubten allen Ernstes an diese konscrvativ-antisemitische Mär. Oder sollten wir vielleicht in dieser Hinsicht doch die Herren über- schätzt haben? Anerkannt muß übrigens werden, daß es immerhin einige wenige wirklich liberale Blätter gibt, die gegen die freisinnige Stichwahlparole protestieren. So erklärt z. B. die„Nation": „Wären unsere speziellen Parteifreunde bei dieser Stichwahl im Spiel, so würden wir keinen Augenblick säumen, ihnen mit allem Nachdruck zu empfehlen, den Zentrumsmann durchfallen zu lassen. Bei unseren elenden Parteivcrhältnissen tritt die Frage, ob durch irgendeine Sckmcherei ein einzelnes Mandat gerettet werden kann, völlig zurück hinter der politischen Erwägung, daß alles geschehen muß, um die Wähler an eine resolute Betätigung ihrer politischen Ueberzeugungcn zu gewöhnen." Und die„Franks. Ztg." schreibt: „Wir können diesen Stichwahlbeschluß nur bedauern. Dte Klügelei betreffs der künftigen Wahl ist so geschraubt, daß man deutlich erkennt, daß sie nur als Hülfsargumcnt für den Haupt- grund7die Hoffnung auf die Zentrumswahlhülfe in Hagen, mit herangezogen ist. Wir sind aber der Meinung, man soll die Wahltaktik nicht über grundsätzliche Fragen entscheiden lassen. Und von grundsätzlicher Bedeutung ist eS doch, ob ein Anhänger einer freiheitlichen Richtung oder ein Reaktionär gewählt wird; die reaktionäre Natur des Zentrum» aber kann heute nicht mehr bestritten werden. Es ist übrigens noch sehr die Frage, ob auch rein wahltaktisch die Parole klug war. Denn zweifellos wird sie eine erhebliche Anzahl von Wählern abstoßen, und die Aussichten für die nächste Neichstagswahl schwerlich bessern. Auf die Dauer lwamt eine rückhaltlose Betonung des frsheitMell StgndLnnttes auch bei den Stichwahlen jedenfalls dem entschiedenen Libekalis mus mehr zugute als derartige wahltaktische Rücksichten mit AugeMiMerfolgen."— Oeutfebes Reich. Sozialdemokratische Doppelmoral. Die„Post" entrüstet sich unter den üblichen Kloakenergüssen über die Doppelmoral der Sozialdemokratie. Der„Vorwärts" schimpfe dw über, daß das Abgeordnetenhaus gegen zwei„überfreche" Genossen wegen„schamloser Schmutzartikel" Strafantrag gestellt habe, während er kürzlich selbst berichtet habe, daß mehrere Mülhauser Genossen gerichtliche Klage gegen bürgerliche Pceßverleumder angestrengt hätten. Die Intelligenz der„Post" läßt eS natürlich nicht zu, den in die Augen springenden Unterschied zwischen dem Vorgehen des Ab geordnetenhanses und dem der Mülhauser Genossen zu erkennen. Bekanntlich verzichtet die Sozialdemokratie grundsätzlich darauf, wegen formaler Beleidigungen zum Kadi zu laufen. Sie steht auf dem Standpunkt, daß Personen wie Korporationen der Partei sogar Gegnern vom Schlage der„Post" die ansgiebigste Schimpffreiheit zu konzedieren haben. Etwas anderes ist es natürlich, wenn es sich um persönliche Ehrabschneidereien handelt, deren Weiter- kolportierung die Partei zu schädigen geeignet ist. In solchen Fällen hält es anch die Sozialdemokratie für erlaubt, ab und zu einmal durch gerichtliche F e st st e I l u n g gegnerischer Lügen und Nieder- trächtigkeiten ein Exempel zu statuieren. Das Abgeordnetenhaus Ivill aber Strafantrag stellen wegen der politischen Kritik, die von verschiedenen Parteiblätteru an seinen Handlungen geübt worden ist! Wollte die Sozialdemokratie freilich wegen der täglich gegen sie von der„Post" verübten verbalen Beschimpfungen und sonstigen Hundsfötrereien den Gerichtsweg beschreiten, so würde der verantwortliche Redakteur der„Post" alle sechs Tage der Woche auf der Anklagebank zuzubringen haben I Karl Schurz und Karl Marx. Ein Teil der bürgerlichen Presse geht init einem Urteil krebsen, das der jüngst verstorbene amerikanische Politiker Karl Schurz in seinen jetzt auch in deutscherAusgabe erschienenen„Lebenserinnerungen" (Berlin, Georg Reimer) über Karl Marx fällt. Es heißt dort: „Er(Marx) war damals 30 Jahre alt und bereits das an- erkannte Haupt einer sozialistischen Schule. Der untersetzte kräftig gebaute Mann mit der breiten Stirn, dem pechschwarzen Haupt- haar und Vollbart und den dunkeln blitzenden Augen zog sofort die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Er besaß den Ruf eines in seinem Fache sehr bedeutenden Ge- lehrten, und da ich von seinen sozialökonomischen Entdeckungen und Theorien äußer st wenig wußte, so war ich umso begieriger, von den Lippen des berühmten Mannes Worte der Weisheit zu sammeln. Diese Erwartung wurde in einer eigentümlichen Weise enttäuscht. WaS Marx sagte, war in der Tat gehaltreich, logisch und klar. Aber niemals habe ich einen Menschen gesehen von so verletzender, unerträglicher Arroganz des Auftretens. Keiner Meinung, die von der seinigen wesentlich abwich, gewährte er die Ehre einer einigermaßen respektvollen Erivägung. Jeden, der ihm widersprach, behandelte er mit kaum verhüllter Verachtung. Jedes ihm mißliebige Argument beantwortete er entweder init beißendein Spott über die bcmitleidens- werte Unwissenheit, oder mit ehrenrühriger Verdächtigung der Motive dessen, der es vorgebracht. Ich erinnere mich noch wohl des schneidend höhnischen, ich möchte sagen des ausspuckenden Tones, mit welchem er das Wort„Bourgeois" aussprach; und als„Bourgeois", das heißt als ein unoerkennbares Beispiel einer tiefen geistigen und sittlichen Bersimipfung, denunzierte er jeden, der seinen Meinungen zu widersprechen wagte". Die„Tägliche Rundschau" knüpft daran die weise Bemerkung:„Ge- wiß ein vorzügliches Porträt des Unfehlbaren der Sozialdemokratie". Das Urteil des Herrn Karl Schurz gründet sich also nicht auf irgend welche nähere persönliche Bekanntschast mit Marx, sondern auf den Eindruck, den Schurz im Jahre 1843 von dem Auftreten unseres Altmeisters auf einem Kongreß demokratischer Bereine in Köln empfing, zu dem auch Schurz delegiert worden war. Daß dort dem erst neunzehnjährige», mit den unreifsten politischen Ideen vollgestopften Schurz die sarkastische Art und Weise, mit der Marx die unklaren Anschauungen der demokratischen Spießbürger kritisierte, nicht gefallen hat. ist recht erklärlich. Das Entsetzen des späteren amerikanischen Politikers über den schneidend-höhnischen Ton, mit dem Marx das Wort„Bourgeoisie" aussprach, beweist jedoch viel weniger die Arroganz des„Unfehlbaren der Sozialdemokratie" als die damalige Naivetät des Herrn Schurz.— Die BerfassungSreform vor dem Abschluß. Stuttgart, ö. Juli.(Eig. Ber.) Das Reformwerk, um das in Württemberg zwei Mcnschcnalter lang gerungen wurde und von dessen Gelingen man sich eine Wen- dung im staatlichen Leben des Schwabenlaiides verspricht, kann so gut als gesichert bezeichnet werden. Es müßte ganz eigenartig zu- gehen, wenn daS Schifflein jetzt noch auf Klippen auffahren und zerschellen sollte. Heute beriet die ZweiteKammcr über die Differenzpunkte, die zwischen den beiden Kammern noch bestanden und über die in Nr. 149 des„Vorwärts" berichtet ivnrde. In einer Reihe wichtiger Punkte hatte die Kammer der Standesherren nachgegeben. Sie hatte vor allem zugestanden, daß die Zweite Kammer in ihrer heutigen Stärke von 92 Mitgliedern bestehen bleiben und daß die als Ersatz für die ausscheidenden Privilegierten neu eintretenden Abgeordneten auf Grund des allgemeinen Wahlrechtes und im Pro- portionalwahlverfahren gewählt werden sollen. Sie hatte des weiteren auf das königliche Ernennungsrccht weiterer erblicher Mitglieder der Ersten Kammer ans den Kreisen deS Fendal- adels verzichtet und bestand nur noch darauf, daß nur fünf und nicht acht Vertreter der Industrie, der L a n d>o i r t s ch a f t und d e S H a n d to e r k s in die Erste Kammer eintreten sollten, sowie daß in bezug ans das Budget- recht der Ersten Kammer gewisie Zugeständnisse gemacht werden sollten. So verlangte sie die Streichung des von der Zweiten Kammer beanspruchten Rechtes, gewisse Steuern auf eine Finanz- Periode außer Kraft setzen zu können, sowie die Eintragung des der Ersten Kammer bei der Einkommensteuer zustehenden Mitwirkungs- rechts in die VerfassungSurbinde. In den ersten beiden Differenz- punkten wurde der Ersten Kammer heute entgegengekommen, sin dritten Punkt, Einkommensteuer, wurde ihr Verlangen abgelehnt. Gesprochen wurde heute nicht mehr viel. Das Zentrum suchte seine politische Niederlage dadurch zu verschleiern, daß es Zusammenstöße mit dem Ministerium und den Parteien provozierte, ohne jedoch damit Erfolge erzielen zu können. Die Annahme des gesamten Gesetzes erfolgte in der Schlußabstimmung mit 95 gegen 23 Stimmen. Die Verlündung dieses Resultats wurde mit großem Beifall aufgenommen. Nun haben noch die Standesyerren der heutigen Beschlußfassung zuzustimmen, was in den nächsten Tagen erfolgen dürfte. • Anö dem wiirttcmdcrgischen Parlmnent. Die Kammer der Abgeordneten hat heute das Landtagswahlgesetz, wie telegraphisch aus Stuttgart gemeldet wird, unter Zu- stimmung zu den Beschlüffen der Ersten Kammer mit 45 gegen 1 Stimme angenommen. In der dann folgenden Beratung der Gemeindeordnung hat das HanS mit 49 gegen 21 Stimmen bei einer Stimmenthaltung die Bestimmung, daß die Abschaffung der Lebenslänglichkeit für die nach dem 1. Januar 05 gewählten Ortsvorsteher als rückwirkend gelten soll, austcchterhalten, im übrigen aber den Beschlüssen der Ersten Kammer zugestimmt und hierauf die Gemeindeordnung einstimmig angenommen. > Der Abgeordnete Erzberger erklärt in der„Germania" gegenüber einem Angriff des erst kürzlich aus der Kolonialvcrwaltung ausge- schiedenen Dr. Helsferich, daß der Fall der Unterschleife von Uniformen in S n d w e st a f r i k a keineswegs längst er- ledigt sei, da ja der Reichskanzler selbst eine neue Untersuchung an- geordnet habe und zudem jetzt in den Leipziger„Neuesten Nachrichten" eine ganz neue Lesart über diese Unterschleife verbreitet werde. Im übrigen bemerke er, daß ihm in der Presse eine ganze Anzahl von Artikeln zugeschriebeir werden, mit denen er nicht daS mindeste zu tun habe. Herr Erzberger hätte gut getan, zu erklären, für welche Artikel er nun eigentlich die Verantwortung zu übernehmen gewillt ist.—_ Abermals die Liebesgaben. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt ein langes Dementi gegenüber den Anschuldigungen, die von der„Freisinnigen Zeitung" im Anschluß an die Kritik deS Abgeordneten Erzberger in Sachen des Liebesgabcnfonds erhoben worden sind. So erklärt sie u. a., daß die Spender des Tippelskirch- und Woermann- Fonds eS dem Belieben des Oberkommandos überlassen hätten. die Liebesgaben ganz nach freiem Ermessen zu verwenden. Auch sei über jede Spende amtlich quittiert worden. Ferner seien die Angaben der„Freisinnigen Zeitung" über die sonderbare Buch« führung über den südwestafrikanischen Fonds unrichtig. Alle Ein- traglmgcn seien unter voller Angabe der Zuwendungen und des Namens des Empfängers in der für Kassenbücher üblichen Form erfolgt. Auch seien die Bücher stets durch Jntendanturbeamte ge- prüft worden, keineswegs ausschließlich durch Offiziere. Die Statuten für den Südwestafrikafonds seien dem seinerzeit vom Kriegs- Ministerium für den Chinafonds gegebenen angepaßt worden. Die„Freisinnige Zeitung" bemerkt demgegenüber, daß die Er- klärungen der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" insofern eine Lücke hätten, als nur von Geld spenden, nicht aber von Liebes- gaben in Gestalt von Naturalien die Rede sei. Im übrigen halte sie die Ansicht aufrecht, daß die Neinunerierung von Berliner Beamten und Militärs, die am südwestafrikanischen Aufftand niemals altiv beteiligt gewesen seien, unmöglich in der Absicht der Spender gelegen haben könne. Und wenn auch die Buchungen der Spenden völlig korrekt erfolgt seien— worauf sie noch zurückkommen werde — so sei doch eine öffentliche Rechenschafrsablegung niemals erfolgt. Ferner räume die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" ein, daß auch die Statuten niemals veröffentlicht worden seien. Im ganzen sei also das offiziöse Dementi, das nur Nebensächliches richtigstelle, keineswegs geeignet, die Bedenken über die Verwendung des Fonds zu zerstreue». Namentlich sei auch dafür eine Begründung nötig, weshalb noch nicht einmal die Hälfte des Fonds zur Verteilung gelangt sei.—_ Eifer am unrechte» Ort. Die Jnstizbeainten, die mit der Ermittelung der Beamten der Kolonialabteilnng betraut sind, durch die vermeintlich die Nachrichten über die Korruption der Kolonialverwaltung an die Oeffentlichkeit gelangt sind, entwickeln einen außerordentlichen Eifer. So teilt die Freisinnige Zeitung" mit, daß ihr verantwortlicher Redakteur als Zeuge vor dem Untersuchungsrichter vernommen worden sei. Der Redakteur habe sich selbstverständlich geweigert, den Namen seines Gewährsmannes zu nennen, sich aber bereit erklärt, zu beeidigen, daß er sein Material nicht von einem Beamten des Auswärtigen Amtes erhalten habe. Auch bei einem in Oberschlesien tvohnendcn Privatmanne, der mit den Missionen in Verbindung steht, ist auf Grund eines bei einer Haussuchung gefundenen Briefes eine Haussuchung abgehalten worden. Es bleibt abzuwarten, ob es die Justizbehörde auch so eilig hat, zu erfahren, welches B e w e i s m a t e r i a l die an den Enthüllungen ieteiligten Zentrumsblätter vorzubringen in der Lage sind l— Die Voruntersuchung gegen den in Altona verhafteten Anarchisten August Rosenberg nimmt, wie eine hiesige Korrespondenz zu berichten weiß, ihren Fortgang. Gestem ist Rosenberg in das UntersuchungS- zefängnis in Altona gebracht worden. Die Untersuchung wird sehr treng von dem Polizeichef Geheimrat Rosenhagen geführt.� Bei der Kriminalpolizei soll der Verhaftete als einer der gefährlichsten Anarchisten der Tat" seit langer Zeit bekannt sein. Die gestern und heute stattgefundenen Vernehmungen haben, wie eS heißt, die schweren Verdachtsgriinde, daß Rosenberg ein Attentat auf Wilhelm II. geplant habe, nicht beseitigen können. Roscnbergs Reise- koffer wurde nach Bomben und Sprengstoffen genau untersucht, doch hat man dabei Mordinstrumente nicht gefunden. Auf An« regung des deutschen Konsuls in Seattle(Amerika) stellte die dortige Polizei eine Haussuchung in der Wohnung Rosenbergs an und fand eine komplette Einrichtung zur Herstellung von Bomben und Höllen- maschinell sowie Vorrat von 200 Flaschen Säuren und Spreng- 'toffen. Zwischen der Altonaer politischen Polizei und den amerikanlschm Polizeibehörden findet ein lebhafter Depeschenwechsel statt. Die Mitteilungen lauten recht schaurig l— Die Folgen der Meerfahrt. Die Korrespondenz des„Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie" leistet sich in ihrer letzten Nummer folgende Anrempelung der Genossin Lily Braun wegen ihrer Teilnahme an der Meerfahrt deutscher Journalisten: „Die Sozialdemokratie hat bei der Fahrt nicht vertreten sein wollen, nichtsdestoweniger war Lily Braun so feinfühlig, sie doch zu vertreten, und ein Mandat auszuüben, das ihr nur von ihr selbst erteilt worden ist. Wir glauben nicht, daß es vorteilhaft von der„Genossin" ist. wenn sie so viel Aufhebens von ihrer Meerfahrt macht, denn es läßt sich doch einmal nicht leugne», daß in ihr der Egoismus, die Vergnügungs- sucht, stärker entwickelt war als das Parteiprinzip, und zwar so stark, daß sie in einer Gesellschaft bürgerlicher Journalisten, denen sie noch dazu durchweg durchaus unwillkommen war, diese Fahrt in Begleitung ihreö zehnjährigen Sohnes, der wie ein echter Flotten vereinler eitie Matrosenmütze mit der Aufschrift:„S. M. Iltis" trug, mitmachte. Unbekümmert darum, daß sie doch die Grundlagen des gesellschaftlichen Bodens, auf denen die anderen Fahrtteilnehmcr standen, völlig verwirft, drängte sie sich in diese Gesellschaft, der sie direkt zur Last war. um die Vorteile der Fahrt nnt zu genießen.(Im Original gesperrt.) Wir nehmen keinen Anstand, die Unverschämtheiten der retchs» verbändlerischen„Korrespondenz" zu verurteilen. Die Behauptung, daß Genossin Braun sich den bürgerlichen Journalisten aufgedrängt hat. ist selbstverständlich erfunden. Aber daß derartige Anschuldigungen folgen ivürden, haben wir vorausgesehen und schon deshalb— abge- sehen von anderen Gründen— von vornherein abgelehnt, uns an der Fahrt zu beteiligen.— Verichtigmig. In dem Leitartikel der gestrige» Nummer(Wert- zulvachkstcucr) sind in der zweiten Spalte, oben, bei der Korrektur einige Zeilen verschoben worden. Es muß dort heißen: „Außerdem kommen für bebaute Grundstücke diese Sätze nur dann zur Erhebung, wenn seit dem früheren bis zum jetzigen Eigen- tumswechsel höchstens 5 Jahre verflossen sind. Beträgt dagegen der Zeitraum mehr als 5 Jahre, aber höchstens 10 Jahre, so werden nur zwei Drittel, beträgt der Zeitraum mehr als 10 Jahre, so wird mw ein Drittel der vorgenannten Sätze erhoben".— HueUnd. Schweiz. Abschaffung der Nachtarbeit der Bäcker. Der Große Rat deS Kantons Tessin hat init 35 gegen 15 Stimnien die Abschaffung der Nachtarbeit in den Bäckereien, d. h. in der Zeit von 9 Uhr abends bis 4 Uhr morgens, beschlossen. Der erste derartige Fort« schritt in der Schweiz.— um Frankreich. England. Koloniale Lorbeeren. Wirkungen auf die Konsumenten und die Arbeiterschaft. Denti Ausgesperrt- wegen Budgetverweigerung. gerade die großen Unternehmungen sind imstande, einheitlich die Paris, 5. Juli.( Eig. Ver.) Arbeitsbedingungen ihrer Lohnsflaven festzulegen und einheitlich die London, 5. Juli.( Eigener Bericht). Wenn auch infolge des Produktion derart zu beschränken, daß die Preise einen möglichst Gestern wählte die Deputiertenkammer die Budgetkommission. englischen Regierungswechsels manche Besserung in der inneren Das Verfahren hierbei ist folgendes: Es werden durch das Los Politik eingetreten ist, so hat sich doch in der Kolonialpolitit hohen Stand eigen 11 Gruppen fonftituiert, deren jede 3 Mitglieder in die Kommiffion nichts geändert. Eine neue Erscheinung auf diesem Gebiete wirft wieder einmal wählt. Gestern benutzte die radikale Majorität ihre Uebermacht, die Sowohl in Natal wie in Indien ist nicht ein grelles Licht auf diese Konzentrationsbewegung in der Bergwerkss die Opposition überhaupt auszuschließen! geringste Spur einer freiheitlicheren und humaneren industrie. Von den Die Deutsche Tiefbohraftiengesellschaft Rechtsparteien wurde nur ein einziger Progressist gewählt, die nichts weiter als eine von den Kolonisten provozierte Gelegenheit, 19 Millionen begründet, bereits im Vorjahre eine Dividende Politik zu treffen. Die sogenannte Rebellion" in Natal ist in Nordhausen, die, vor sieben Jahren mit einem Kapital von Sozialisten aber wurden ganz ausgeschlossen. Als Vorwand einen Teil der Zulus abzuschlachten und den anderen Teil zu Zwangs- bon 35 Prozent zu verteilen in der Lage war, hat laut Beschluß nahm man hierzu die Verweigerung des Budgets durch unsere arbeiten zu verurteilen. Die militärische Erfahrung, die die füd- der außerordentlichen Generalversammlung vom 30. Dezember 1905 die Genossen. Früher hat man dieses Argument nie verwendet. So afrikanischen Kolonisten im Vurenkriege gewonnen haben, kommt beiden elfäffischen Delbergwerke, die in holländischen Händen befindliche war Genosse Sembat, der als Angehöriger der alten revolutionären ihnen jetzt zustatten. Die gespaltenen und betrogenen Bulustämme& Isässische Petroleumgesellschaft zu Biblisheim und Bartei immer gegen das Budget stinumte, seit langem Mitglied der werden einer nach dem anderen dezimiert, gefangen und zur Arbeit die Gewerkschaft Kleeburg in Walburg erworben und hat Budgetkommission, und ihm war fogar die Berichterstattung über in die Minen geschickt. das Post- und Telegraphenwesen übertragen. Diesmal unterlag er, weil der„ unabhängige Sozialist" Fort gegen ihn stimmte. Die nationalen Geist zu zeigen begonnen hat, werden dieser alle bisherigen genannten Gesellschaften find nie sehr bedeutend gewesen. Die Ges In Bengalen( Indien), wo die Bevölkerung einen selbständigen nunmehr auch die Verhandlungen zwecks Erwerb der Bechel. bronner Delbergwerte abgeschlossen. Die zwei erfte Unabhängigen" haben für diesen Streich den verdienten Lohn Freiheiten genommen. Versammlungen werden verboten, Provinzial- werkschaft Kleeburg hatte überhaupt erst einige vorbereitende empfangen. Die Majorität ließ auch ihre Standidaten, Bévaès und tongreffe werden aufgelöst, die Meinungsfreiheit wird unterdrückt. Arbeiten erledigt, die Elsässische Betroleumgesellschaft, die bis Colliard, durchfallen. In ihren politischen Folgen betrachtet, ist diese Taktik der Solange England noch eine russische Invasion Indiens befürchtete, 1901 bon 2 Broz.( für vier Monate) bis 5 und 7 Proz. gewährte es den nordindischen Provinzen größere Freiheiten, um sie durch Dividende Bourgeoisradikalen nur zu begrüßen. Sie haben sich zu Herren Sie Furcht vor dem russischen Absolutismus loyal zu erhalten. Nach Defigit. Dagegen ist die Bechelbronner Attiengesellschaft ein sehr berteilt hatte, berzeichnete feither regelmäßig über den Staatshaushalt gemacht. Aber sie tragen nun auch vor dem aber jetzt eine russische Invasion auf Jahre hinaus unmöglich fetter Bissen. Das Grundfapital beläuft sich auf 15 Millionen Mark dem Lande die ganze Verantwortung für die Finanzpolitit der geworden ist, nimmt England teine Rücksicht mehr auf die politische und die Dividende betrug in den letzten Jahren durchweg nächsten Jahre. Sie haben es in der Hand, ob die ungeheuerliche Entwickelung der Hindus. Und doch ist gerade John Morley, dieser 28 Prozent. Steigerung der Militärlasten durchgeführt werden, ob das Steuer- Heilige des Liberalismus, Staatssekretär für Judien! Man hatte daß die Aktionäre der elfäffischen Gesellschaften ihre Attien Der Erwerb vollzieht sich in der Weise, system auch weiter auf der Ausplünderung der besiglosen Klassen von ihm wenigstens erwartet, daß er einer politischen Reform die( bezw. die Genußscheine) unter Berücksichtigung der geltenden aufgebaut bleiben soll. Mit der Finanzpolitik steht die Sozial- Bahn ebnen werde. Aber auch diese Erwartung wurde getäuscht. Sturswerte gegen die Aftien der deutschen Tiefbohraktiengesellschaft politit im engsten Zusammenhang. Das Schicksal der Altersversorgung hängt davon ab, ob die Majorität das Militärbudget verringern und die progressive Einkommensteuer schaffen wird. Zum Vorsitzenden der Budgetkommission wurde Berteaug im dritten Wahlgange gegen Pelletan gewählt. Da Pelletan bie jetzige Regierung ziemlich unverhohlen bekämpft, wäre seine Wahl eine Demonstration für den Combismus gegen Clemenceau gewesen. Berteaux ist zwar auch ein Anhänger der progressiven Einkommensteuer, aber er hat während seiner Ministerschaft dem Herkommen manches Ueberzeugungsopfer gebracht. Die sozialistische Kammerfraktion hat am Mittwoch eine Reso lution beschlossen, worin sie angesichts der Greuel des in den letzten Rügen liegenden Barismus und der Mitschuld der Regierungen und der Kapitalisten, von denen der Barismus die Mittel für seinen verbrecherischen Widerstand empfängt, ihre volle Gemeinschaft mit den russischen Revolutionären ausspricht. Italien. Hus der Partei. Die Interparlamentarische sozialistische Kommission" macht betannt, daß ihre erste Plenarversammlung vom 17. bis zum 20. Juli in London stattfinden soll. Am ersten Tage soll die Mandatsprüfung vorgenommen, die Tagesordnung festgesezt, der Bericht des Sefretariats gegeben und der Drganisationsentwurf der Interparlamentarischen Kommission vorgelegt werden. umtauschen. Den unmittelbaren Anlaß zur Verschmelzung gab die im vorigen Jahre im preußischen Landtag angenommene Ler Gamp, das Mutungssperrgesetz, das bei Akquisition von Bergwerkseigentum die private Stonkurrenz zugunsten des Fiskus möglichst auszuschalten be zweckte. Der Gesetzgeber hat eine Frist von zwei Jahren gewährt, und die preußischen Unternehmungen versuchen daher sich für die bevor stehende Erschwerung von Kali- und Steinkohlenbohrungen dadurch fchadlos zu halten, daß sie außerhalb des Geltungsbereiches des Gesetzes sich Gebiete und Objekte sichern, die eine rentable Ausund Weißenburg) sehr geeignet erscheinen und zwar namentlich des beutung zulaffen. Dazu könnten allerdings die reichen Delterrains der nordöstlichen Ecke des Elsasses( zwischen Hagenau, Niederbronn halb, weil wenigstens bis zu dem im laufenden Frühjahr vom Die russische Revolution". Folgende Genossen sind aufgefordert Am 18. will man ein öffentliches Meeting abhalten. Thema: worden, auf diesem Meeting zu sprechen: Rubanowitsch, Bebel, Bandervelde, Ferri, Troelstra, Keir Hardie u. a. m.( Wahrscheinlich Landesausschuß angenommenen Gesetz betreffend die Besteuerung wird auch ein Mitglied der russischen Reichsduma reden.) der Bergwerke- die Delfelder, die bergrechtlich auf staatlicher Bere. Am 19. und am 20. sollen folgende Themata besprochen werden: leihung beruhen, nur mit einer sehr geringen Steuer belastet waren, 1. Die beste Methode, um gleichzeitig Proteste oder sonstige gemein- ähnlich wie in Breußen die Steinkohlen- und Kalifelder. Die Marincenquete vor der italienischen Kammer. fame Aftionen in den Parlamenten der verschiedenen Länder zu schaften gegen die Aufsaugung nichts einwenden fonnten, ist flar, Daß die Aftieninhaber der schwachen zuerst genannten Gesell Rom, 5. Juli.( Eig. Ver.) veranstalten. Ein kläglicheres Ende konnte die Marineenquete taum nehmen, russische Revolution zu unterstützen. 3. Die Stellung der Sozial- der Fusion einverstanden erklärten 2. Mittel und Wege, um in den Parlamenten die daß aber die wohlbestallten Teilhaber der Pechelbronner sich mit als sie es in der gestrigen Kammerjigung gefunden hat. Nach all demokratie gegenüber der„ Internationalen Friedenskonferenz 1907" bom 15. März 1906 mit 1161 gegen 79 Aftien in der Generalversammlung ist ein Beweis dem Staub, den sie aufgewirbelt hatte, nach all den schweren, mit Dokumenten belegten Antlagen gegen die Marineverwaltung, nach und gegenüber der Interparlamentarischen Friedenskonferenz"( zu dafür, daß die vom Vorstand der Nordhauser Gesellschaft für die dem ganzen schmählichen Zusammenbruch von Personen und Systemen London vom 23. Juli an). 4. Gesetzliche Maßnahmen, um die Verschmelzung angegebenen Gründe mur die direkte Veran Hat die Kammer Giolittis Kammer nichts anderes zu tun Sozialisierung der Produktionsmittel zu verwirklichen.( Jaurès ist lassung zu der kapitalistisch wichtigen und bedeutungsvollen Iberstanden, als in feierlichem Votum der Marine ihr Vertrauen ersucht worden, zu diesem Punkte das Referat zu übernehmen.) Maßnahme darstellen, nicht aber die tiefere Ursache. auszusprechen!! Das hätte man billiger haben können. Dabei kommt noch in Betracht, daß auch die Minorität von Das„ Volksblatt für Anhalt" zerbricht sich weiter den Kopf der 79 Attien gegen die sehr rationelle Vereinigung sich nicht prinzipiell Die Enquete hat Schäden aufgedeckt, die nicht Meinungs- Genossen im 6. Berliner Kreise wegen des Beschlusses, den Aus- wandte. Denn den zuerst erhobenen Widerspruch hat sie ja, wie die fache sind, sondern greifbare Tatsachen. Der Marineminister hat schluß aller derjenigen zu beantragen, die entgegen Majoritäts- Liquidatoren schon wenige Tage nach der Generalversammlung in eine endlose Rede gehalten, um darzutun, daß die Panzerplatten trefflich, die Geschüße musterhaft- fura, in der besten der Marinen beschlüssen cm 1. Mai gearbeitet haben. In der Polemit gegen einem Rundschreiben mitteilen, zurückgezogen. Vielmehr wollte die trefflich, die Geschüße musterhaft- kurz, in der besten der Marinen uns laufen ihm allerei unrichtigkeiten unter. So z. B., wenn Opposition lediglich gegen das Vorgehen des Aufsichtsrates opponieren, alles zum besten sei! Wohl hat man in einigen Gesezesentwürfen es sagt, wir hätten eswegen seiner Kritit mit einem Scharf- das allerdings sehr eigentümlich und lehrreich, aber für den unbeteiligten auf die Forderungen der Kommission Rücksicht genommen, aber der macherorgan berglichen. In der Tat aber haben wir diesen Ber- Buschauer auch sehr heiter ist. Der Artikel 41 der Statuten sichert Ministerpräsident hat ausdrücklich die Hauptforderung, die Gründung gleich in ganz unzweideutiger Weise nicht wegen des Inhalts, nämlich dem Aufsichtsrat im Fall der Liquidation 15 Prozent des staatlicher Stahlwerke, für eine Utopie erklärt, so daß am Liquidationsvermögens zu. Diese gewaltige Bevorrechtung ist Ende als Ergebnis der ganzen Enquete nur das eine übrig bleiben sondern wegen des Tones jener Kritik gebraucht. wird, daß die italienische Marine Geld braucht: einige 50 Millionen, schlusses in den düstersten Farben: Hunderte von Schiedsgerichten, Immobilien, Mobilien usw, entstandene Arbeit. Im vorliegenden Im übrigen malt das" Volksblatt" die Konsequenzen jenes Bezweifellos gedacht als Entschädigung für die durch den Verkauf der und daß diese Millionen in den Schlund der alten Mißwirtschaft ge- Taufende von Schiedsrichtern, die das ganze nächste Jahr nichts Fall fann es sich aber um eine folche Arbeit natürlich nicht handeln: worfen werden. Nicht einmal eine formale Genugtuung hat man der anderes zu tun haben werden als zu Gericht zu ſizen usw. Dann die Liquidation, die vorgenommen wird, ist fiktiv, sie besteht nur in einer heißt es: Vermögensübertragung. Und da die 15 Prozent gleich Enquetekommission zuteil werden lassen. Man hat die Tagesordnung " In der einen Fabrit ist etwa mit 31 gegen 29 Stimmen 1800 000 m. sind, wollen die 79 Attionäre begreiflicherweise nicht gerade jenes Abgeordneten Arlotta angenommen, der die schärfsten beschlossen worden, zu feiern, die Maiarbeiter dieser Fabrik kom- um diesen Betrag geprellt fein, obwohl der Aufsichtsrat" generös" Angriffe gegen die Kommission gerichtet hatte, und man hat dieser men unter Anklage; in einer anderen Fabrik ward mit 35 gegen genug war, sich mit den aus der Stempelsteuer usw. erwachsenden Kommission tein Wort der Anerkennung ausgesprochen, sondern einzig 33 Stimmen beschlossen, nicht zu feiern, alle haben gearbeitet, often in Höhe von 300 000 m. und den 75 000 m. erste Dividende sich damit begnügt, nach Kenntnisnahme der Erklärungen der feiner kommt unter Anklage. von 5 Proz. an die Aktionäre zu belasten. Sie haben daher voller Regierung der Marine das Vertrauen der Kammer zu Entrüstung nachträglich die Anwendbarkeit des Artikels 41 der Statuten bestätigen und zur Tagesordnung überzugehen. So hätte im Wege des Prozesses bestritten, so daß der Aufsichtsrat sich um alles int schönster Harmonie, mit einer patriotischen Hurrademonstration enden können, wenn die Regierungspartei nur die bereits verteilten lumpigen 1 425 000 m. vor dem Landgericht noch eins verstanden hätte: die Kunst des Maßhaltens. Sie hat und sicher auch vor dem Oberlandesgericht und dem Reichsgericht mit den Opponenten herumbalgen muß. aber über das Ziel hinausgehen, die spärlichen Gegner ganz über den Haufen werfen wollen. Und so hat sich denn das Präsidium über die Geschäftsordnung hinweggefeßt und ohne die Unterzeichner der verschiedenen Tagesordnungen zu fragen, ob sie diese aufrechterhalten wollen einfach die von der Regierung an genommene Tagesordnung Arlotta zur Abstimmung gebracht! Es ist bies ein offenbarer Gewaltstreich, der noch dazu unnötig war, da auf den Bänken der Sozialisten und der Republikaner nicht einmal die 15 Abgeordneten zu sehen waren, die zur Forderung einer namentlichen Abstimmung nötig find! Begreiflicherweise war die Reaktion auf den Gewaltstreich hin um so heftiger, je machtloser sich die bergewaltigte äußerste Linke fühlte. Der Republikaner Chiesa stürzte auf den Präsidentensessel zu, den zu verlassen der achtzigjährige Biancheri sich soeben anschickte, um dadurch gegen den furchtbaren Lärm zu protestieren, der sich erhoben hatte. Mit geballten Fäusten brang der republikanische Abgeordnete vor, so daß einige der Nächststehenden den Eindruck empfingen, er könnte sich zu Tätlichkeiten gegen den Präsidenten hinreißen laffen. Sofort warfen sich ein paar Abgeordnete dem Zornentbrannten entgegen. Von fräftigen Worten tam es zu fräftigen Geberden, zu einer regelrechten Schlägerei. Der Lärm und die Erregung war so groß, wie man es hier im Barlamente seit Jahren nicht mehr erlebt hat. -Wie es scheint, find gerade die heißen Sommermonate diesen Szenen günstig, die nicht eben dazu angetan sind, die Würde des Hauses zu heben. Alle derartigen Prügelfeste, auf die die italienische Kammer zurückblickt, haben sich bis jetzt im Juni oder im Juli abgespielt. So wurde die Marineenquete zu Grabe getragen. Wenn das„ Volksblatt" nun in vernünftiger Weise gegen die Maifeierbestimmungen einiger Gewerkschaften polemisierte oder die seit dem Jenaer Parteitage gültigen Ausschußbestimmungen ob jektiv kritisierte, so ließ man sich das gefallen. Aber es berzapft statt dessen folgende unglaublich findischen Weisheiten": Beschlüsse sind in der Partei sehr leicht gefaßt. Wenn sie aber von Hunderten gebrochen werden, so sind nicht immer die Ernteaussichten in Rußland.( Meldung der Petersburger Teledie Verbrecher, die den Beschluß nicht halten, sondern die, die graphen- Agentur.) Nach dem amtlichen Saatenstandsberichte vom ihn herbei führten. Man soll eben in gewissen Dingen feine Be- 5. 6. M. sind die Ernteaussichten im europäischen Rußland: für schlüsse faffen, die dem Gesamtwillen noch nicht entsprechen, sonst Winterweizen gutmittel bei einiger Verschlechterung gegen den erzeugt man eben Parteiberbrecher nur durch tattisches Unge- Stand vom 14. Juni im Südwesten und einem Teil von Nordschid. Jst's denn z. B. damit abgetan, daß hunderte organisierter tautasien; für Sommerweizen mittelmäßig; für Roggen unParteigenossen ausgeschlossen werden? Ist das ein Erfolg, befriedigend bei einiger Verschlechterung im Südwesten und Besserung wenn der Wille von Berlin VI sich durchsetzt? Werden die Aus im Nordwesten; für Hafer mittelmäßig bei einiger Besserung im geschlossenen der Partei hernach sehr nüßlich sein? Sind sie nicht Nordwesten; für Gerste befriedigend. noch besonders dafür gestraft, daß sie sich organisiert hatten? Unorganisierte können soviel sündigen als sie wollen, sie trifft keine Strafe. Offen herausgesagt, wir fänden es viel besser, wenn die ganzen Ausschlußparagraphen im Statut fehlten. Für eine Millionenpartei paßt das ganze Verfahren nicht. Man stelle folche Genossen, die sich irgendwie ernsthaft verfehlen, nicht an führende Stelle, das kann vollkommen genügen." Das dürfte ungefähr der Reford sein; wir fönnen uns wenig ſtens nicht befinnen, daß in bezug auf wichtige organisatorische Fragen jemals in unserer Parteipreffe etwas annähernd Oberflächliches geleistet worden ist. # 1 Ein neues sozialdemokratisches Blatt in der Schweiz. Die seit einiger Zeit in Herisau unregelmäßig erscheinende Appenzeller Volkswacht" soll vom 1. Dftober ab regelmäßig und zwar vorerst alle 14 Tage herausgegeben werden. Aus dem russischen Telegraphenstil in offenes Deutsch übers fett, heißt das: Rußland steht vor einer großen Mißernte. Die Gründung von Aktiengesellschaften im ersten Halbjahre 1906. Nach der Zusammenstellung des Deutschen Defon." wurden im 1. Semester 1906 in das Bentral- Handelsregister 120 neue Attien gesellschaften mit einem Kapital von 228,55 Mill. M. eingetragen gegen 192 Gesellschaften mit 386 Millionen Mark im ganzen Jahre 1905, 104 Gesellschaften mit 140,65 Millionen M. in 1904 und 84 Gesellschaften mit 300 Millionen M. Kapital im Jahre 1903. Die Neugründungen, die schon im vorigen Jahre gegenüber den vorhergehenden Jahren erheblich zugenommen hatten, sind also im ersten Semester des laufenden Jahres noch zahlreicher geworden. Gewerkschaftliches. Arbeitertrut Unternehmerschutz. Die ganze Angelegenheit ging ab mit ein paar geknickten Stadtverordnete und Gemeindevertreter machen wir darauf aufKragen, zerfetzten Krawatten und vielen Sändedrücken der merkjam, daß im Verlage der Buchhandlung„ Vorwärts", Berlin, Gegner, die sich nach dem ersten Groll sehr schnell versöhnten. soeben das" Protokoll über die Verhandlungen der Konferenz der Die Zentralkommission für Bauarbeiterschuß, eine In sozialdemokratischen Stadtverordneten und Gemeindevertreter Großstitution der freien Gewerkschaften, erließ vor einiger Zeit in Wohl hat sich das Land und das Parlament die Enthüllungen Berlins, abgehalten zu Berlin am 6. Mai 1906" erschienen ist. Auf der gesamten Parteipresse eine Aufforderung an die Baudieser Enquete anfangs recht nahe gehen lassen. Es ist viel über der Tagesordnung der Konferenz wurde verhandelt: 1. Die Verarbeiter, überall in der Zeit vom 15. bis 30. Juni Erhebungen ihre standalösen Ergebnisse geschrieben und geredet worden, und es fchien, als ob die tapfere Kampagne des„ Avanti" nügliche Früchte lehrspolitit Groß- Berlins. 2. Armen- Strantenpflege. 3. Die Not über die vorhandenen Mißstände zu veranstalten, um Beweistragen müsse. Schließlich hat sich aber zu der kleinen Schar der wendigkeit von 8wedverbänden. Das Protokoll ist in allen Bartet material zu erhalten für die Notwendigkeit des Erlasses ein Interessenten die der Bynifer hinzugesellt, für für die der buchhandlungen erhältlich. Der Preis beträgt 1 M. Für sozialgehender und umfassender Unfallverhütungsvorschriften usw. Begriff der ehrlichen Verwaltung von Staatsgeldern über demokratische Gemeindevertreter, wenn in Partien bezogen, 50 f. Namentlich soll auch der Nachiveis für die Notwendigkeit der Haupt ins Reich der Utopie gehört, und die große Einen sozialdemokratischen unbefoldeten Beigeordneten wählte am Masse der Indifferenten hat ihnen natürlich Zuzug geliefert. Die Donnerstag die Stadtverordnetenverfammlung in Dffenbach a. M. Cinführung von den Arbeitern in freier Wahl gewählter Kon Regierung, die es um alles in der Welt nicht mit den Jutereffen in der Person des Genossen Gißnert, des Vorsitzenden des trolleure erbracht werden. Daß die getroffenen Maßnahmen cliquen verderben will, welche sich um die Stahlwverfe Terui fristalli dortigen Streiswahlvereins. Genosse Eißnert gehört jetzt im achten bei den Unternehmern Unwillen erweckt haben, der sich fieren, hat fich an die Spitze der waderen Schar gestellt und ihr die Jahre dem Offenbacher Stadtverordnetenkollegium an. Die bürger- in der bürgerlichen Presse auch Luft machte, ist nicht weiter Fahnen des Patriotismus" und der nationalen Jutereffen" voran lichen Stadtverordneten, die wohl an der Person und den Fähigkeiten verwunderlich. Neu und bisher noch nicht bekannt geworden getragen. So ist es zu dem stupidesten Votum gekommen, das sich des Gewählten nichts auszusetzen fanden, votierten gegen ihn, weil ist aber, daß eine regelrechte Gegenaktion eingeleitet und auch Sie italienische Stammer jemals geleistet hat:" Die Marine ist voll er ein zu ausgesprochener Parteimann" sei! Jetzt liegt nun die durchgeführt worden ist. Und zwar ist diese Gegen. von Gebrechen, voll von Unredlichkeit und Spefulantentum hoch Entscheidung bei der hessischen Regierung, der das Bestätigungsrecht aktion von den Baugewerks Berufsgenossendie Marine!" Und die Prügelszene bildete einen würdigen Hinter- zusteht. grund für die Tragikomödie. Aus Induftrie und Dandel. Konzentration in der Bergwerksindustrie. fchaften ausgegangen, genau wie im Jahre 1897. Amtliche Aftenstücke, die der bekannte günstige Wind soeben auf den Redaktionstisch der Dortmunder ArAnarchistenhete. Rom, 5. Juli. Wieder haben sich italienische Richter durch ein Schandurteil gegen einen Anarchisten hervorgetan. beiterzeitung" geweht hat, liefern den dokumentaAm 28. Juni d. J. ließ sich der Anarchist M. Pantaleo, empört rischen Beweis. Danach ging die Anregung zu der über die Verurteilung eines Gesinnungsgenossen, dazu hinreißen, In der Rohstoffindustrie und der Halbfabrikatindustrie vollzieht Gegenaktion von der Hannoverschen Baugewerks. gegen die Geschworenen des Gerichtes von Bari einen Stuhl zu sich die Schaffung großer Betriebe am leichtesten und schnensten. Berufsgenossenschaft aus. Die Hannoversche Bauschleudern. Das Urteil für diese Tat lautete auf 2 Jahre und Das Erfordernis bedeutender Stapitalien zum Betrieb und die 6 Monate Gefängnis, 700 Lire Geldstrafe und 3 Jahre Polizei- geringen Qualitätsunterschiede der konkurrierenden Produkte er- gewerks- Berufsgenossenschaft wandte sich mit folgendem aufficht! Dabei war keinem der Herren Geschworenen ein Leids leichtern und befördern hier ganz besonders bie Konzentration des Schriftstück an den Verband der deutschen Baugeschehen.Rapitals. Freilich äußert sich dieser Prozeß in sehr unangenehmen Ige werts- Berufsgenossenschaften in Berlin: Hannoversche Baugewerts Berufs. genossenschaft. Hannover, den 6. Juni 1906. An den Verband der Deutschen Baugewerts- Berufsgenossenschaften zu Berlin SO. Anläßlich eines im hiesigen Bollswille" erschienenen Aufrufs an die baugewerblichen Arbeiter Deutschlands, wonach von der Zentralfommission für Bauarbeiterschutz außerordentliche Erhebungen über die angeblichen Mißstände auf den Bauten in der Beit vom 15.- 30. Juni dieses Jahres angestellt werden, ersuchen wir ergebenst, auch seitens des Verbandes Stellung zu diesem Vorgehen zu nehmen. zettel eingeladen würde, wurde die Versammlung mit einem tapitalistischen Ausbeutungssystem aussöhnen und von ihrer B brausenden Hoch auf den Senefelderbund geschlossen. Meistern finden fortgesezt Verhandlungen wegen des neuen Die Bautischler befinden sich in einer Bewegung. Mit den Ginseßertarifs statt. Ein Abschluß ist allerdings noch nicht erfolgt, doch zeigen sich die Meister entgegenkommend. gehrlichkeit" abbringen können. Dies wollen fie durch Stiftung einer Verdienstmedaille mit Ehrendiplom fertig bringen. bekommt eine silberne, wer aber eine so gesunde Konstitution hat, mindestens 25 Jahre in einem industriellen Betriebe geschuftet hat, daß er eine vierzigjährige Ausbeutung durch einen und denselben Unternehmer ausgehalten hat, ohne vorher ins Gras gebissen zu haben, wird mit der goldenen Medaille dekoriert. Selbstverständlich müssen sich die Arbeiter, die diesen Unternehmerorden erhalten wollen, auch durch Fleiß und Treue ausgezeichnet haben. Die Kosten für die Medaillen 16,50 M. resp. Wegen Nichtbewilligung der Forderung auf Verkürzung der 18,50 M. haben die betreffenden Unternehmer selbst zu tragen. Die Wir halten es für unbedingt notwendig, daß von sämtlichen Arbeitszeit und Erhöhung des Stundenlohnes find am Montag früh der Dekoration„ würdig" Befundenen schlägt der Verband vor, das technischen Aufsichtsbeamten der Baugewerks- Berufsgenossenschaften lamtliche bei Berliner Firmen arbeitende Badofenbauhülfs Ministerium hat aber seine Genehmigung hierzu zu erteilen. Es ebenfalls in der Zeit vom 15.- 30. Juni über folgendes Bericht arbeiter in den Streit getreten. 1. Wieviel Betriebe und Betriebsstätten sind in der Beit erstattet wird: bom 15. bis 30. Juni revidiert? 2. Wieviel von diesen Betriebsstätten befanden sich bes züglich Befolgung der Unfallverhütungsvorschriften in Ordnung und in wieviel Betrieben wurden Verstöße gegen gedachte Vorschriften festgestellt? vermieden werden? werden? Achtung, Bauarbeiter und Bauhandwerker! Die Differenzen der Dachdeckerhülfsarbeiter mit der Firma neute sind beigelegt und der Ausstand mit vollem Erfolge für die Arbeiter beendet. Etwa die Arbeit aufnehmende Bauhülfsarbeiter ersuchen wir, muß für die Arbeiter ein wahrer Hochgenuß sein, mit dem von den auf obiges aufmerksam zu machen und der Verbandsleitung der Scharfmachern verliehenen„ Ehrenzeichen" einherstolzieren zu können. Bauarbeiter, Engel- Ufer 16, von solchen Fällen Mitteilung zu machen. Der Zweigvereins- Vorstand der baugewerblichen Hülfsarbeiter Berlins und Umgegend. Bur Aussperrung der Glaser. Husland. 4000 Maurer und Handlanger in Zürich sind am Donnerstag in den Streit getreten, nachdem die Bauunternehmer auch nicht das 3. Worin bestanden diese Verstöße( leichtere und gröbere)? Firma Tell nachträglich ebenfalls ausgesperrt hat, dagegen läßt und mit der Einführung des Neunstundentages im nächsten Jahre In der gestrigen Streifversammlung wurde mitgeteilt, daß die geringste zugeständnis gemacht haben. Die Arbeiter wollten sich vorläufig mit der Verkürzung der Arbeitszeit von 10 auf 91%, Studen 4. Wieviel dieser Verstöße konnten und mußten durch die die Firma Dreßler wieder weiterarbeiten. Mitwirkung der Arbeitnehmer vergl. die einschlägigen Be Debatte entspann sich alsdann über die Frage, ob es zweckmäßig sei, Abschluß der menschheitlichen Entwicklung und wollen daher eine Eine ausgedehnte begnügen; aber die Unternehmer halten den Behnstundentag für den ftimmungen der Unfallverhütungsvorschriften, hier§§ 36-47- als Antwort auf die Aussperrung auch die nichtausgesperr als Antwort auf die Aussperrung auch die nicht ausgesperr 5. Ju wieviel Fällen konnten den Arbeitnehmern direkte en Glaser zur Arbeitsniederlegung zu bewegen und so den all- fürzere Arbeitszeit nicht bewilligen, ebensowenig natürlich auch den geforderten Minimallohn von 70 Cts. pro Stunde. gemeinen Ausstand herbeizuführen. Beschlossen wurde Verstöße gegen die Unfallverhütungsvorschriften zur Laft gelegt hierzu, daß sich die Streitleitung sofort an die bei der Aussperrung Der Streit der Bergarbeiter in Oberungarn nimmt immer nicht beteiligten Firmen wenden solle, um eine bündige Gr- größere Dimensionen an. Bislang konnte noch keine Versammlung Wir werden unsere technischen Aufsichtsbeamten anweiſen, im Itarung zu verlangen, ob sie mit der Glaserorganisation jest in abgehalten werden, da die Behörde energisch dagegen ist. Zur UnterSinne des Vorstehenden Revisionen vorzunehmen und ihnen dem Tarifverhandlungen eintreten wollen oder nicht. stügung der Lokalbehörde wurden sogar aus Budapest nach Salgótarján nächst das Material zugehen lassen. Von der Antwort wird dann die weitere Beschlußfassung abhängig mehrere Detektivs beordert! Die eingeferterten Arbeiter haben sehr von Ihren Beschlüssen bitten wir uns in Kenntnis ſehen sein. Debattelos wurde ferner beschlossen, den wöchentlichen Ver- viel zu leiden, da sie seitens der Gendarmerie mächtig mißhandelt zu wollen. bandsbeitrag inkl. Lokalzuschlag auf 1 M. zu erhöhen. Die Streif- werden. Die Ruhe wurde nirgends gestört. Wie fleinlich die Hochachtungsvoll! leitung richtet sodann folgenden Aufruf an die Arbeiter des Bau- Salgótarjáner Gesellschaft ist, beweist ara besten deren Jahresbilanz resp. die bezahlten Dividenden, die von 1891-1904: 412/ Proz., 56 Proz., 70 Broz., 1062/3 Proz., 32 Proz., 32 Proz., 32 Proz., 32 Proz., 17 Proz., 18 Proz., 16 Proz., 15 Proz., 15 Proz., 15 Proz. betrugen. Das Aktienkapital beträgt 14 Millionen Kronen. Der Vorstand der Hannoverschen Baugewerks- Berufsgenossenschaft. gez.( Unterschrift)." gewerbes: Achtung! Bauhandwerker, Rahmenmacher, Glasschleifer! Daß der Vorstand des Verbandes der Deutschen Bau- Durch schnödesten Tarifbruch hat das Unternehmertum 400 or gelverts- Berufsgenossenschaften die Gegenattion billigt ganisierte Glaser Berlins aufs Straßenpflaster geworfen. 3wed und der von Hannover gegebenen Anregung gerne Rech- der Aussperrung ist nach den eigenen Worten der Scharfmacher die nung getragen hat, geht aus dem Schreiben hervor, welches vollständige Bertrümmerung der Organisation. er an die Vorstände der verschiedenen Baugeierks Berufsgenossenschaften in den Provinzen gerichtet hat. Auch dies sei hier im Wortlaut wiedergegeben: , Verband der Deutschen Baugewerts. Berufsgenossenschaften. Berlin, den 7. Juni 1906. Von der Hannoverschen Baugewverts- Berufsgenossenschaft geht mir die abschriftlich beigefügte wichtige Mitteilung zu. Jezt soll aus Kleintrautern ein Streitbrecherverein gegründet werden. Genossen, gebt acht, daß nicht die Arbeiten der Ausgesperrten durch solche Elemente ausgeführt werden! Achtet alle auf die roten Arbeitsberechtigungstarten, welche das Wochendatum vom 9. Juli bis 14. Juli und den Namen des Bevollmächtigten tragen. Mit Parteigruß Die Ortsverwaltung Berlin des Zentralverbandes der Glaser. J. A.: C. Jahn. Ich halte es für überaus geboten, daß der dantenswerten Anregung Folge gegeben werde Tarifforderungen haben die im Transportarbeiter und bitte deshalb, den dortigen technischen Aufsichtsbeamten ge- Verband organisierten Packer und Backerinnen, Lagerarbeiter, fälligst, wenn möglich, den Auftrag zu geben, die von der Fahrstuhlführer, Hofarbeiter, Kutscher, Mitfahrer und Stoßträger an Hannoverschen Baugewerts- Berufsgenossenschaft angegebenen Fest- die Berliner Kontobuch Fabrikanten eingereicht. Verstellungen( vornehmlich in größeren Städten) in der Beit vom langt wird für jugendliche Arbeiter ein Anfangslohn von 17 M. 15. bis 30. Juni cr. vorzunehmen. pro Woche, steigend je nach Alter bis zu 23 M. Vom 21. LebensBereits im Jahre 1897 waren wir genötigt, jahre ab vird für die Arbeiter ein Anfangslohn von 24 M. geeiner Veröffentlichung der Generalfommission fordert, steigend bis zu 32 M. Für die Paderinnen soll der Anfangsder Gewerkschaften Deutschlands über angeblohn auf 15 M. bemessen werden, steigend in jährlichen Zwischen liche Mißstände im Baugewerbe entgegenzutreten; es räumen bis zu 21 m. Die Arbeitszeit soll neun Stunden und für erscheint deshalb wichtig, daß wir jetzt den zu erwartenden neuen Rutscher zehn Stunden betragen. Der Ueberstundenzuschlag ist auf Behauptungen unsere Feststellungen entgegenstellen können. 15 refp. 20 Pf. pro Stunde normiert. Außerdem lauten die Fordes rungen auf Anerkennung des§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches, Gewährung von Sommerurlaub und Freigabe des 1. Mai als Feiertag. In Betracht kommen 22 Firmen. Hochachtungsvoll und ergebenst Der Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Baugewerts- Berufsgenossenschaften. gez.( Unterschrift)." Die technischen Aufsichtsbeamten werden also aufgefordert, Material gegen die Arbeiter zu sammeln, damit deren Beschwerden als nichtig und ihre Forderungen als unberechtigt zurückgewiesen werden können. Und da sollen die Arbeiter zu solchen Beamten noch Vertrauen haben? Gut nur, daß die Gegenaktion bekannt geworden ist; durch die Ver öffentlichung der Aftenstücke wird sie böllig wirkungslos. Mag man auch Berge von Beschuldigungen gegen die Arbeiter zufammentragen, wir werden dann auch sagen, wie sie zustande gekommen sind! Gerade die Gegenaktion der Berufsgenossenschaften ist der trefflichste Beweis für die Notwendig feit einer durchgreifenden Reform des gesetzlichen Schutzes für Bauarbeiter. Berlin und Umgegend. Verfammlungen. Berliner Gewerkschaftskommission. In der letzten Versammlung der Delegierten zur Berliner Gewerkschaftskommission stand als erster Punkt die Aussperrung der Lithographen und Steindruder und die der Buchbinder auf der Tagesordnung. Den Bericht für die erstere Organisation gab aß, für die letztere Klar. Die Redner gaben eine Schilderung des bis= herigen Verlaufs der Bewegungen und drückten den Wunsch aus, daß die Solidarität der Berliner Arbeiterschaft sich in weitgehendstem Maße zeigen möge. Die Delegierten befundeten in der folgenden Diskussion ihre Zustimmung hierzu. Von dem Vertreter der Buchbinder wurde über das rigorose Vorgehen der Polizei lebhaft Klage geführt. In der Debatte wurde außerdem der Wunsch laut, bei den Berliner Organisationen Extrabeiträge zu erheben; es wurde darauf hingewiesen, daß dies Sache der Zentralvorstände der einzelnen Ge werkschaften sei. Vom Vertreter der Lithographen wurde noch betannt gegeben, daß deren Unternehmerorganisation eine schwarze Lifte, die 79 Folioseiten umfasse, herausgegeben habe. In Wands bed, Bremen und Mainz find die Unternehmer von ihrer Organisation abgebröckelt. Der Bericht für die Glaser, die seit zirka einer Woche ebenfalls ausgesperrt sind, wurde von Jahn erstattet. Vorläufig fei der Gang der Dinge abzuwarten; die übrigen Bauarbeiter werden auf die grüne Berechtigungskarte der Glaser aufmerksam ge macht. Auf Antrag der Delegierten der Buchbinder gelangte außerdem folgende Resolution zur Annahme:„ Die Versammlung der Delegierten zur Berliner Gewerkschaftskommission verpflichtet sich, in ihren Gewerkschaften dahin zu wirken, daß bei Vergebung von mit Buchbinderarbeiten verbundenen Druckaufträgen an Druckereien die Inhaber derselben verpflichtet werden, die Buchbinderarbeiten in mit Buchbinderarbeiten verbundenen Druckaufträgen an Druckereien die Inhaber derselben berpflichtet werden, die Buchbinderarbeiten in mur tariftreuen Buchbindereien herstellen zu lassen. Event. Auskunft ist bei dem Deutschen Buchbinderverband einzuholen." Die Versammlung nahm weiterhin Stellung zu der vom Polizeia Der Fensterputzinstitutsinhaber Herr Arlt spielt die sehr ehren präsidenten angeordneten Abstimmung unter den Berliner Gewerbewerte Rolle eines Arbeitswilligen. Der Inhaber Herr Schwartreibenden betreffend den Achtuhr- Ladenschluß. Auf Antrag Urban berlangen, ist nicht zu viel, aber wir geben ihnen bem Zentralverband der Handlungsgehülfen und Gehülfinnen ge= In einer am Freitag abgehaltenen Besprechung der Unternehmer Gewerkschaftsfommission verpflichten sich, in ihren Gewerkschaften ist den Herren Patenge u. Müller treuer Beistand versprochen darauf hinzuwirken, daß die Mitglieder derselben resp. deren worden. 8 Mann sollten Sonnabendmorgen um 8 Uhr auf dem Familienangehörige ihre Einkäufe in den Geschäften bis 8 Uhr Savignyplay antreten; aber man hat von den 8 Mann nichts gefehen noch gehört. Nur Herr ArIt tam per Rad, dann noch ein Busenfreund des Herrn Batenge, und noch eine sehr eigentümliche Berson. Die Streifenden fehen mit frohem Mute in die Bufunft, und hat sich bis jetzt noch keiner wankelmütig gezeigt. Zuzug ist nach wie vor fernzuhalten. Bum Streit der Fensterpuker der Firma Patenge u. Müller in Charlottenburg ist zu berichten, daß alle bis dato gepflogenen Verhandlungen an dem Starrfinn der Unternehmer gescheitert sind. Alle Vermittelungsvorschläge sind rundweg mit dem Bemerken abgelehnt:„ Wir können nicht I" Streifbrecher haben sich bis jetzt aus den Reihen der Arbeiter nicht gefunden, wohl aber aus den Reihen der Herren Unternehmer! soll erklärt haben: Der Lohn, welchen die Arbeiter nichts. Zur Aussperrung der Lithographen und Steinbruder. Die große öffentliche Versammlung der Lithographen und Stein. brucker, die am Freitagabend in Kellers Festsälen den SituationsUeber die Firma Breyer, Sophie- Charlottenstraße, ist die bericht über den Stand der Aussperrung entgegennahm, war wieder Sperre verhängt und darf kein organisierter Arbeiter dort in Arbeit außerordentlich gut besucht. Der Referent a behandelte zunächst treten. Die Streitenden appellieren noch an das Solidaritätsgefühl in großen Zügen den Umschivung der Stimmung unter den Unter- der sehr vielen organisierten Geschäftsinhaber. Aus nehmern an der Hand von Preßstimmen aus ihren Blättern. Nachweisungen von geregelten Geschäften, welche Buzzen überden Fanfaren, die beim Beginn der Aussperrung ertönten, find jezt nehmen, erfolgen Rosinenstr. 2 I. Tel. 4457. recht wehmütige Chamaden geworden. Während man früher den Die Sektionsleitung. Deutschen Senefelderbund total vernichten wollte, leugnet man jett, jemals derartige Absichten gehabt zu haben. Während man früher die Berliner Ausgesperrten verlachte, weil sie die Aussperrungen Alle Mühlenarbeiter werden ersucht, den Zuzug nach Potsdam burch Forderungen an die Aussperrfirmen beantworteten, schreibt fernzuhalten, weil die Kollegen bei jatobi in den Streit gejetzt dasselbe Unternehmerblatt, durch das es geschah, folgende schönen treten sind. Säße: Weshalb jetzt übrigens weitergestreift( 1?) werden soll, ist nicht recht einzusehen. Der Schutzverband hat gegen den Sene felderbund an sich nichts einzuwenden, er steht verschiedenen Wünschen Wir freuen uns, Achtung! Mühlenarbeiter! Deutfches Reich. Der Buchdruckertarif .. scheint..... im Buchdrudgewerbe die Klippe ernstlicher Zerwürfnisse zwischen Unternehmern und Arbeitern diesmal mit Hülfe der Verhandlungen glücklich umschifft worden zu langte nachstehende Resolution zur Annahme:„ Die Delegierten der abends besorgen, und ferner dahin zu wirken, daß die Inhaber der Ladengeschäfte ihre Stimmen für die Einführung des Achtuhrs, Ladenschlusses abgeben. Die Handelsangestellten stehen in einem schweren Kampf um die Herbeiführung des Achtuhr- Ladenschlusses, dessen Durchführung die einzige Möglichkeit einer Verkürzung der täglichen Arbeitszeit bedeutet. Das Unternehmertum entfaltet eine rege Gegenagitation und stützt sich hierbei auf die Tatsache, daß es die Arbeiter als die Hauptkonsumenten sind, deren Angehörige die Verkaufsläden in später Abendstunde aufzusuchen pflegen." Eine Angelegenheit der Berliner Badetfahrtgesellschaft, die nach der Verteuerung des Postportos die Expedition von Gewerkschafts zeitungen wieder in die Hand nehmen will, wird dem Ausschuß zur weiteren Beratung mit der Maßgabe überwiesen, daß die hierbei interessierten Gewerkschaften hinzugezogen werden. Vom Vertreter des Vereins Berliner Hausdiener wird hierbei der Wunsch ausges fsprochen, daß sich diese Kommission auch die Untersuchung der Lohnund Arbeitsverhältnisse der Packetfahrtboten angelegen fein lassen solle. An Stelle des aus dem Ausschuß geschiedenen Genoffen Heidemann( Bauarbeiter) werden die Genossen Busse( Loh= gerber), Hennig( Portefeuiller), Schade( Buchbinder) und Meißner( Verein Berliner Hausdiener) borgeschlagen. Die Wahl wird in der nächsten Delegiertenversammlung vollzogen werden. Damit war die Tagesordnung erschöpft. Es fehlten die Vertreter der Bureauangestellten, Formstecher, Glasarbeiter, Handels- und Transportarbeiter, Kürschner, Chemigraphen, und der Unterkommission Rummelsburg. fein, beren Reſultate der Deffentlichkeit bald zugänglich gemacht Letzte Nachrichten und Depeschen. werden dürften." der Gehülfen sympathisch gegenüber und hat auch nicht die Absicht, läuft bekanntlich in diesem Jahre ab und die Gehülfen haben aus rüdständige Arbeitsverhältnisse zu schützen daß die Unternehmer in der furzen Zeit von fünf Wochen durch die diesem Anlaß eine Revision desselben beantragt. Die ArbeitgeberGeschlossenheit der Gehülfenschaft zu derartigen vernünftigen An- Beitung" ist in der Lage, über den Stand der Dinge folgendes mit fichten gekommen sind. Wären sie von vornherein so einsichtig ge- zuteilen: wesen, dann hätten sie sich vor manchen Schaden bewahrt, und die Lehren, die ihnen die Gehülfenschaft erteilte, wären ihnen erspart geblieben. Die Ausgesperrten haben gegen den Stimmungswechsel der Unternehmer nichts einzuwenden. Sie sind bereit, die Hand zum Frieden anzunehmen, wenn sie ihnen gereicht wird. Aber sie wollen auch eine entsprechende Entschädigung für die Opfer des Kampfes, der ihnen aufgedrängt wurde. Ohne diese ist an eine Wiederauf Zum Kampf der Steinarbeiter im fränkischen Muschelfalfgebiet Petersburg, 7. Juli.( B. H.) Nach Blättermeldungen aus nahme der Arbeit nicht zu denken, denn die Straft der kämpfenden hat eine Sigung des Verbandes deutscher Steinmezgeschäfte, die Odessa zirkuliert unter den Truppen Odessas ein Aufruf, der von Gehülfenschaft ist noch ungebrochen. Das mögen sich die Unter- in Würzburg stattfand, Stellung genommen und beschlossen, daß vier Regimentern der Schüßenbrigade unterzeichnet und in Tausenden nehmer von vornherein gesagt sein lassen, wenn es zu Verhandlungen vor dem 4. September feine Sibungen in der Etreiffrage mehr von Exemplaren verbreitet ist. Der Aufruf fordert die Hauptpersonen fommt. Die Gehülfenschaft will nicht den Krieg um des Krieges stattfinden dürfen. Vielleicht überlegen sich die Herren dies doch der Arbeitsgruppe der Duma auf, das Volk und seine Vertreter in willen. Aber wenn sie, wie es hier geschah, in einen Kampf genoch einmal, denn für die Arbeiter steht die Situation immer noch der Duma zu unterstützen und sich zum Kampf gegen die Regierung drängt wurde, dann wird sie ihn auch unter allen Umständen zu einem guten Ende führen, zum Vor: günstig, da wenig Streifbrecher zu verzeichnen und eine große An- vorzubereiten. teil für jeden einzelnen und zu Nuß und Frommen für den ganzen zahl der Streifenden abgereift find. Beruf! Der brausende Beifall, mit dem das Referat aufgenommen Der Kampf in der Metallspielwarenindustrie in Nürnberg hat wurde, legte Zeugnis dafür ab, wie sehr allen Versammelten aus jetzt auch auf Fürth und die benachbarten Orte übergegriffen. Die der Seele gesprochen worden war. Eine Diskussion wurde aus den Fabrikanten wollen 5 Proz. Lohnerhöhung und Verkürzung der Argleichen Gründen für überflüssig gehalten. Der Versammlungsleiter beitszeit um eine Stunde zugestehen, die Arbeiter verlangen jedoch, Barthel wies noch kurz darauf hin, daß auch die Fassung einer Rejo- daß am 1. Januar 1907 nochmals eine 5proz. Lohnerhöhung und Tution überflüssig sei, da sie doch nur aus den kurzen Worten:" Wir Arbeitszeitverkürzung um eine Stunde eintrete. Darauf wollen halten ausi" bestehen könne. Er erinnerte ferner daran, daß die die Unternehmer nicht eingehen. Arbeiter" Beitung Berliner Morgenpost" ihre Wochenquittungen. " Die bayerischen Oberscharfmacher, in einer Aussperrfirma durch den Oberdrucker und Lehrlinge brucken lasse, und nachdem er noch darauf hingewiesen hatte, daß zu die im Industriellenverband organisiert sind, sind auf ein neues den Versammlungen der nächsten Woche durch Inserate und Hand- Mittel verfallen, wie sie ihrer Meinung nach die Arbeiter mit dem Propaganda unter den Truppen. Unwetter. Görlig, 7. Juli.( W. T. B.) In Görlitz sowie ganz Nieberschlesien hat ein großes Unwetter auf den Feldern, in Fabriken und Wirtschaften beträchtlichen Schaden angerichtet. Die Flüsse traten über die Ufer. An vielen Stellen hat der Blizz gezündet. In Rauschwalde wurde ein Gastwirt aus Görlig vom Blik erschlagen. Budapest, 7. Juli.( W. T. B.) In der Ortschaft Cfeb( Komitat Bacs) richtete ein Wolkenbruch große Verwüstungen an; 35 Wohnhäuser wurden vernichtet; drei Personen fanden ihren Tod. Eine Hülfsaftion wurde eingeleitet. Betontw. Rebatteur: Sans Weber, Berlin. Inferatenteil berant.;.Glede, Berlin. Drud v. Berlog: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen Nr. 136. 23. Jahrgang. L StilM des JotMs" Parteivorstand und Massenstreik. Auch das„Hamburger Echo" nimmt zu der Frage jetzt in einem 6 Spalten langen Artikel Stellung. Wir geben die markanteste« Gesichtspunkte hiermit wieder: „Keine Kunst der Dialektik wird den Unbefangenen darüber hinwegtäuschen können, daß die Resolutionen von Köln und die von Jena nach ihrem Sinne in diametralem Gegensatz stehen. Wortklaubereien und Auslegungen nützen hier nichts. Während die Vertreter der Gewerkschaften in Köln sogar vor der Proga- gierung des politischen Massenstreiks warnten, erklärten die Ver- treter der sozialdemokratischen Partei den politischen Massenstreik als eines der wichtigsten Kampfmittel. Ein solcher Gegensatz läßt sich nicht überkleistern, der muß zum Aüstrag gebracht werden. Daß dieser Austrag in Loyalität und in kameradschaftlicher parteigenössischer Weise erfolgt, das sollte innerhalb der Ar- beiterbewegung selbstverständlich sein. Weiter aber sollte der Austrag eines nun einmal vorhandenen Gegensatzes gründlich und vor dem Forum aller Parteigenossen, d. h. in der Oeffentlichkeit erfolgen...." Nachdem dann das„Hamburger Echo" die Widersprüche in den Erklärungen von Parteivorstand und Generalkommission erörtert, fährt es fort: „Es muß etwas nicht stimmen! Das ist das allge- meine Gefühl. Bittere Worte kann man von den Parteigenossen hören, und was verschiedene Parteiorgane sagen, das ist nur ein schwacher Ausdruck des allgemeinen Unbehagens. JnderTatstimmtes nicht, und es nützte nichts, son- dern würde nur das Uebel verschlimmern, wollte man den Mantel der Nächstenliebe über ein unerfreuliches Symptom der„Unstim- migkeit" decken. Aus den Erklärungen und Gegenerklärungen mutz man, wenn es auch nicht klipp und klar in deutlichen Worten gesagt ist, schließen, daß die Gencralkommission und mit ihr die große Mehrheit der Gewerkschaftslciter gemäß dem Kölner Beschluß von der Propagierung des politischen Massenstreiks nichts wissen will, und daß anderseits der Parteivorstand Mangel an Umsicht und Voraussicht gezeigt hat, daß er auf alle Fälle in dieser Angelegenheit schlecht abschnitt. Der Gegensatz zwi- schen Kölner und Jenaer Beschluß ist nicht zum Austrag gebracht, ist nicht ausgeglichen, sondern die Situation ist verwirrt worden." Weiter tadelt das Hamburger Parteiblatt die Sorglosigkeit des Parteivorstandes, nicht für die Anfertigung eines offiziellen Proto- kolls zu sorgen, dessen beglaubigter Inhalt jeden späteren Streit ausschloß. Zur Frage des Massenstreiks selbst bemerkt dann das„Hamburger Echo": „Die Kölner Resolution zeigte, daß die Mehrheit der Ge- Werkschaftsführer(wir unterscheiden ganz ausdrücklich GeWerk- schaften und Gewerkschaftsführer!) den Gedanken an einen politi- schen Massenstreik weit von sich weist. Auf den Kölner Beschluß folgten lebhafte Debatten, die erkennen ließen, daß der allergrößte Teil der sozialdemokratischen Arbeiter, einschließlich der GeWerk- schafter, als Kampfmittel auch den politischen Massenstreik in Be- tracht zieht. Demgemäß resolvierte der Jenaer Parteitag. Der sächsische, der preußische Wahlrechtskampf setzte ein; die Stimmung war begeistert, die Masse entflammt. Neioste die Begeisterung, reichte die Kraft aus, mit Aussicht auf Erfolg das neue Kampf- mittel zu gel rauchen? War das Kampfobjekt den Einsatz und die Gefahr wert? War man sicher, daß nicht hemmende Einflüsse im eigenen Lager die Schwungkraft lähmen würden? Das zu erfor- schen war eben die Aufgabe des Parteivorstandes, wenn er etwas mehr sein will als eine Berwaltungskörperschaft. Gewiß hat der Vorstand Schritte getan— und wir haben jetzt das „große Mißverständnis" als Fazit der„unverbindlichen Aussprache", und die nachgerade unausbleibliche Erklärungsflut. Fast scheint es, als ob die führenden Männer der GeWerk- schaften und die der Partei verschiedene Sprachen sprechen und sich nicht mehr verstehen. Denn man darf doch nicht annehmen, daß durch eine mit raffinierter List und Geschicklichkeit durchgc- führte Intrige die Sache fo„gedeichselt" wurde, damit die Generalkommission den Gewerkschaftsfunktionären vom Parteivor- stand einen Widerruf der Jenaer Erklärung und ein Bekenntnis zur Kölner Resolution überbringen konnte. Nein! Aber es ist menschlich, daß man das, was man gerne hören würde, hört. Daß der andere Teil, der Partcivorstand, der die Stellung der General- kommission doch kennt, nicht vorsichtig war, nicht auf vollste Klar- heit drang, das ist sein Fehler, und. das muß rückhaltlos gesagt werden. Wären die„Enthüllungen" nicht erfolgt, so würde noch weiterhin die„Umkehr" des Parteivorsiandes bei vielen Gewerkschafts- funktionären als Tatsache gelten, würde demgemäß ein stiller, aber starker Widerstand gegen alle Bestrebungen, das Proletariat mit dem Gedanken des Massenstreiks vertraut zu machen, fortdauern. Nicht der Jenaer Beschlutz, aber seine Wirkustg würde so gut wie aufgehoben. Daß der preußische, der sächsische Wahlrechtskampf, daß diese Volksbewegung mit Versammlungsresolutionen und Peti- Baltische Kttltnrbilder. ii.') In der Geschichte der europäischen Staaten vom Ausgang des Mittelalters bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts können wir, von einzelnen Besonderheiten abgesehen, überall eine ein» heitliche Entwickelungsrichtung verfolgen. Die Ausbreitung des Handels förderte die Entstehung einer größeren Zahl von städtischen Gemeinden. Diese gaben den Fürsten ein Gegegengewicht gegen die allzugroße Erstarkung des grundbesitzenden Adels, und eS Entwickelten sich absolute Monarchien niit stehenden Söldnerheeren. In den baltischen Ländern toar durch die fortwährenden Fehden aller gegen alle eine solche Geswltung unmöglich. Außer Riga, Reval und Dorpat ist es zu einer eigentlichen Städteentwickelung gar nicht gekommen. Und die Ordensritter, d. h. der grundbesitzende Adel, hatte ja gegen Bischof und Städte gesiegt. Die Ritter waren nur darauf bedacht, ihre Selbsthcrrlichkeit auszubauen. Sie kamen zu diesem Zweck auf Landtagen zusammen, wo sie über das Wohl und Wehe der unterdrückten Eingeborenen entschieden. Solche Landtage existierten bereits im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts, und es waren auf ihnen nur die Ritter vertreten. Ten Städten gewährte man hin und wieder Zutritt, räumte ihnen aber selbst dann nur beratende Stimme ein. Es war vorauszusehen, daß unter solchen Umständen eine starke Verteidigung nach außen über- Haupt unmöglich war und das ganze Staatsgebilde bei dem ersten Anstoß zusammenbrechen mußte. Und dieser Zusammenbruch erfolgte denn auch unter Umständen, wie sie in der Geschichte nur noch ein einziges Mal ihre Wieder- holung gefunden haben, nämlich in dem Sturze des preußischen JunkcrstaatcK Anno 1806/07. Gerade wie damals die Jtzenplitze und Zitzcwitze vor Napoleon auskniffen, so haben es ihre Klassen- genossen in dem baltischen Lande schon 250 Jahre früher getan. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts griffen die Russen unter dem Zaren Iwan II. den Ordensstaat an und verwüsteten das ganze Land. Es ist klar, daß die Ritter der Uebermacht Iwans auf die Tauer doch nicht hätten standhalten können; aber, daß sie so feige Haus und Hof ohne Schwertstreich aufgeben würden, war doch nicht En erwarten. Nach dem Fall Torpats verkaufte der größte Teil ieser„Adelsmcnschen" alle Besitztümer, zum Teil an Dänemark, zum Teil an Schweden und floh in die alte Heimat Westfalen. Es gingen damals folgende Verse in den Kreisen der Landsknechte um: ') Vergl. den ersten Teil dieser Schilderung in Nr. 144 des „�Vorwärts".... tionen sein dem Anfang nicht entsprechendes vorläufiges Ende � fand, das müssen wir bedauern, können aber auch einsehen, daß aus verschiedenen Gründen die schneidigsten Waffen noch nicht an- gewendet wurden. Daß aber die klägliche Geschichte von der„un- verbindlichen Aussprache" den Abschluß bilden soll, das ist schlimm. sehr schlimm! In der offiziellen Reichspolitik ist man gewohnt, daß auf eine Tangerfahrt Algeciras kommt, daß die mit gewal- tigem Tamtam eingeleitete Aktion mit der verlegenen Entschul digung, mit einem„Mißverständnis" endigt— in der sozialdemokratischen Politik darf das nicht vorkommen. Die Lehre, die aus' den Vorgängen zu ziehen ist, ist die: Es gibt innerhalb der deutschen Arbeiterbewegung eine Reihe einfluß- reicher Personen, die jeder Propagierung des politischen Massen- streiks entgegen sind, trotz des Parteitagsbeschlusses, der ihn als Kampfmittel ausdrücklich anerkennt. Der Partcivorstand hat aus Mangel an Unisicht, an Vorsicht, an Entschiedenheit es verschuldet, daß diese Widerstände gestärkt worden sind. Die Partei in ihrer Gesamtheit hat jetzt die Aufgabe, darzutun, daß für sie die Jenaer Resolution kein leerer Schall, sondern eine Verpflichtung ist." Zu den vorsiehenden Ausführungen des„Echo" schreibt uns ein Genosse aus dem Parteivor st and: Dem„Echo" wäre wahrscheinlich manches in der ganzen Aw gelegenheit klarer geworden, hätte es sich die vorjährigen Hamburger Vorgänge vor Augen gehalten, die ein Spiegelbild der Vorgänge zwischen Generalkommission und Parteivorstand sind. Damals war es auch der P a r t ei v o r st a n d und nicht, wie man vielleicht an- nehmen könnte, die Vertretung der Hamburger Parteigenossen, der die Initiative ergriff und nach Hainburg die Frage richtete, was die Hamburger Genossen dem geplanten Wahlrechtsraub gegenüber zu tun gedächten. Es waren die Vertreter Hamburgs im Reichstage— Bebel, Dietz und Metzger— die der Parteivorstand veranlasste, nach Hamburg zu gehen, um mit der Vertretung der Hamburger Genossen eine Aus- spräche herbeizuführen. Ausser den Genannten lvaren es die Ver- treter der Parteiorganisationen, die Gelverkschnftskonninssion und die Redaktion des„Echo", die an der Besprechung teilnahmen. Die Vertreter der Hamburger Genossen zeigten aber ans alle Anregungen der anderen Seite ein solches Mass von Pessimismus, datz keine Verständigung zustande kam. Als dann in der Massenstreikdebatte in Jena auch der Hamburger Verhandlungen gedacht wurde, stellten sich zwischen den verschiedenen beteiligten Gruppen ganz ähnliche Meinungsverschiedenheiten über das Verhandelte heraus, wie jetzt zwischen Parteivorstand und Generalkommission. Man kann sagen, diese beiden Vorgänge vollzogen sich sehr ähnlich, was die natürliche Folge der grundverschiedenen Auffassung über die zu ergreifenden Massregeln war. Der halbtägige Demonstrationsstreik vom 17. Januar in Ham bürg kann nicht als Massenstreikdcmonstration in Vergleich gezogen werden. Aehnliche Demonstrationen waren nach dem 21. Januar auch Gegenstand der Beratung zlvischcn dem Parteivorstand und den Vertretern von Gross-Berlin, die laut Beschluß des preußischen Parteitages zu Weihnachten 1904 zur Beratung einer preussischen Angelegenheit hinzugezogen werden mussten; ebenso nahm an der- selben ein Vertreter der Redaktion des„Vorwärts" teil. Bei allen diesen Zusammenkünften, welche die Beratung der Demonstrationen vom 21. Januar und 18. März zum Ziele hatten, wurde von keiner Seite angeregt, den Massenstreik schon jetzt in Betracht zu ziehen. Es ergibt sich also schon hieraus, daß die Ans- spräche des ParteivorstandcS mit der Generalkommission einen durchaus unverbindlichen Charakter hatte, andernfalls wären sowohl die Vertreter von Groß-Verlin wie die Redaktion des „Vorwärts" zu den Beratungen hinzugezogen worden. Bedeutung für weitere Kreise erlangte diese Besprechung erst durch die Vehand lung, welche die Angelegenheit durch die Anregungen der General kommission auf der Konferenz der Zentralvorstände erfuhr, an der der Parteiborstand nicht teilgenommen hat. Das hindert nicht, daß in einer Reihe Parteiorgane, so der „Arbeiter-Zeitung", Dortmund, der„Sachs. Arbeiterzeitung", Dresden, dem„Hamburger Echo" usw., allerlei Betrachtungen angestellt werden über die Fehler, die der Parteivorstand dadurch gemacht haben soll, daß er der Partei nicht Kenntnis von jenen Verhandlungen gab. Der „Sächs. Arbeiter-Zeitung" möchten wir hier empfehlen, sich die Vor- gänge in Sachsen, die um die gleiche Zeit spielten und bei denen Vertreter des Parteivorstandes beteiligt waren, ins Gedächtnis zu rufen und sich zu fragen, warum sie nicht auch die Veröffentlichung jener Verhandlungen verlangte. Es ist doch eine selbstverständliche Sache, die bei keinem ver- nünftig denkenden Menschen einen Augenblick Bedenken erregen sollte, daß wenn eine grössere politische Aktion eventuell in Frage kommt, die Notwendigkeit entsteht, sich Uber die Vorbedingungen dazu mit anderen in Betracht kommenden Faktoren auszusprechen. Und daß, wenn diese Aussprache zunächst kein bindendes Resultat haben soll, darüber auch nicht öffentlich gesprochen wird. So war es seinerzeit in Hamburg, so in Sachsen, so in Preußen. Den weisen Thebanern aber, die jetzt tiefgründige Betrachtungen anstellen, Iveil sie von den Erörterungen zwischen der General Der Vogt von Herwen hat die Tugend. Er hat nicht viel gebuhlt in der Jugend, D'rum mutzt' er's im Alter treiben. D'rum küsset er viel sein„Hausgemach". Als er erfuhr den Dorpater Schlag, Tät' er sein Gebiet verlassen Und floh über alle Straßen. Der Feind war noch über 15 Meilen, Da floh der Ritter mit großen Eilen, Ließ alles offen hinter sich steh'n. Wie es mit Reval ergangen dann, Das kann bezeugen wohl mancher Mann. Der Komtur hat's ohne Not verlassen, Ließ hinter sich den Dom und die Straßen; Er setzte sich flugs auf ein Schiff und entkam, Eh' noch der Däne das Schloß übernahm. Die Bürger versuchten wohl Widerstand zu leisten, wurden aber von der Uebermacht Iwans, der widerholt mit seinen Heeren einfiel, in blutigem Kampfe geschlagen. Am meisten hatten natür- lich die Eingeborenen zu leiden. Sie machten wiederholt verzweifelte Aufstände, doch so feige sich die Ritter dem äußeren Feinde gegen- über zeigten, den„inneren" grausam niederzumetzeln, das haben sie auch damals schon verstanden. Wiederholt riefen sie den deutschen Kaiser, Schweden und Polen gegen Iwan zu Hülfe. Est- land wurde denn auch schwedische Provinz, die übrigen Länder be- gaben sich unter polnische Schutzherrschaft, machten aber zur ersten Bedingung dieses Aktes die Beibehaltung ihrer Herren-(d. h. Aus- bcutungs-) rechte. Der Zär Iwan II. machte noch viele Raubzüge nach Livland, mußte aber zuletzt nach schweren Niederlagen alle Eroberungen an Polen und Schweden wieder herausgeben. Der Zustand des Landes war nach all den Zerstörungen schauerlich. Das ganze Land war ein Trümmerhaufen. Selbst Kinder von Adeligen liefen mit Bettelbriefen im Lande umher. Die eingeborene Bevölkerung war dezimiert. Sie lebte in Erdhöhlen und Wäldern von Raub und Mord. Meilenweit war alles Land unbebaut und verwüstet. Dörfer sah man überhaupt nicht mehr, nur hin und wieder ein einzelnes Häuschen. Die Ritter, anstatt nun durch zeitgemäße Konzessionen gemeinsam mit den Ein- geborenen dem Elend zu steuern, glaubten nur durch noch größere Härte ihre Lage verbessern zu können. In erster Linie kam es ihnen darauf an. ihre„Autorität" wiederherzustellen, und das setzten fif auA mit iujikepJichfi Gravjawkeit puxK, kommission und dem Parteivorstand durch eine Indiskretion der „Einigkeit" überrascht wurden— denn daß die Verhandlungen der Vorstände der Zentralverbände diskrete sein sollten, geht schon aus der Geheimhaltung des Protokolls hervor— muß gesagt werden. daß sie ihre Vorwürfe an die falsche Adresse richten. Glaubten sie, datz die Frage des Massenstreiks erörtert werden müsse. warum richteten die Mitglieder ihrer Redaktion, die in der Fraktion sitzen, nicht eine Anfrage an den Parteivorstand? Und noch ein anderes. Da eine ganze Anzahl Fraktionsmitglieder an der Konferenz der Zentralverbände teil» gcnomnien haben, teils als Mitglieder der Generalkommission, teils als Vertreter ihrer Gewerkschaftsverbände— nur kein Mitglied des Parteivor st andes— so hätte man von dieser Seite eine Anfrage an den Parteivorstand über seine Stellung zum Massen« streik erwarten sollen. Wir müssen aber feststellen, daß von den 73 Mitgliedern der Fraktion in der Zeit vom 23. Februar(Konferenz der Zentralverbände) bis zum Schluß des Reichstages am 30. Mai, also in einem Zeit« räum von über drei Monaten, nicht Einer in den wöchentlichen Be- ratungen der Fraktion die Vorgänge in jener Konferenz oder die Frage deS politischen Massenstreiks als eventuelle Fortsetzung der Demonstrationen vom 21. Januar und 18. März berührte. War es ein Fehler des Parteivorstandes, daß er nicht sofort von dem Inhalt der ihm zugesandten Protokolle Kenntnis nahm. dann war es ein noch grösserer Fehler derjenigen, die an jener Konferenz teilnahmen oder durch Hörensagen von derselben Kenntnis erhielten, nicht den Parteivorstand wegen seiner Haltung zu inter» pcllieren. Jetzt sich als Hüter und Netter des Kapitals aufzuspielen, Ivo das Kapital nicht in Gefahr ist, erregt nur Achselzucken. Soziales. Soziale Kurse für Kassenärzte. Es kommt nicht selten vor, daß ein Kassenarzt einem Patienten, wenn er ihn untersucht hat, sagt:„Ja, Ihnen fehlt weiter nichts; Sie müßten abwechseln mit der Arbeit, sich nicht so viel auf das linke Bein stützen, täglich Freiübungen machen, viel spazieren gehen, auch kräftiger essen und öfter ein Sonnenbad nehmen, da werden die Schmerzen schon vergehen." Na, denkt der Arbeiter, wenn er den Arzt so oder ähnlich sprechen hört und sein Rezept— etwa? 100 Gramm Kampferspiritus— erhalten hat, hat der eine Ahnung von der Fabrikarbeit und von der Lage eines Arbeiters mit starker Familie. Aber woher soll der junge Arzt die Lage der Arbeiter kennen, er hat ja nie Gelegenheit dazu gehabt; er hat wohl eine Reihe Semester Physiologie, Pathologie, Diagnostik und Thcrapeutik studiert, sein Examen bestanden und ist dann als Kassenarzt an. gestellt worden; von den wirtschaftlichen Betrieben, der sozialen Gesetzgebung und ihrem Einfluß auf die Lage und das Befinden der Arbeiter hat er so wenig wie viele andere Angestellte dieser Be- triebe eine klare Vorstellung. Sie empfinden allmählich auch diesen Mangel, ebenso zuweilen die Unternehmer selbst. Aus diesem Grunde hatte kürzlich die Sektion Hamburg der Berufsgcnossenschaft der chemischen Industrie angeregt, bei den zuständigen Behörden dahin zn wirken, daß an den Universitäten und technischen Hochschulen Lehrstühle für soziale Medizin und soziale Gesetzgebung er» richtet werden, um den an der Ausführung der Arbeiterversicherung wirkenden Aerzten, Schiedsgerichtsvorsitzenden, Technikern usw. Ge» legenhcit zu geben, sich für diese Tätigkeit genügend vorzubereiten. Ter Vorstand erkannte zwar das Bedürfnis einer solchen Ausbildung an, aber er erklärte, er halte den Unterricht auf den Hochschulen hier- zu nicht für geeignet. Es erscheine ihm zweckmäßiger, wie es schon jetzt an einzelnen Orten geschehe, in den Industriezentren Kurse für praktische Aerzte, Techniker und Verwaltungsbcamte einzurichten, um die Kenntnisse der sozialen Gesetzgebung in diesen Kreisen zu fördern und deren praktische Durchführung zu erleichtern. Es empfehle sich daher, die weitere Erörterung dieser Frage im Ver- bände der Berufsgenossenschaften anzuregen. Warum die Hochschulen nicht für den Unterricht und die Vor« träge über diese Materie geeignet sein sollen, und die Einrichtung dazu dienender Kurse in die Hände des Verbandes der Berufs- genossenschaften gelegt werden soll, wird nicht gesagt. Der Grund ist aber unschwer zu erkennen. Man traut den an den Universitäten angestellten Lehrern nicht so ganz, denn sie könnten doch zuweilen auch ein mißbilligendes Urteil über das Verhalten der Unternehmer fallen lassen. Man hält es daher doch für besser, daß die Unter» nehmer die Einrichtung dieser Kurse selbst in die Hand nehmen. Denn dann können sie, ebenso wie sie an den Betriebs krankenkassen nur ihnen genehme und von ihnen abhängige Aerzte anstellen, auch für diese Kurse nur ihnen genehme und von ihnen abhängige Lehrer anstellen. Sie sind dann sicher, daß diese die„sozialen" Kurse so abhalten, datz das Verhalten der Unternehmer in keinem trüben Lichte erscheint, daß den Aerzten usw. die Bedeutung der Wohlfahrts- einrichtungen und der ganzen sozialen Gesetzgebung recht zum Be- wußtsein gebracht wird, und daß durch sie auf das beste für die Ar- bester wie für die Angestellten gesorgt wird. Die Berufsgenossen- Die polnischen Könige benutzten den inneren Zwiespalt zwischen Deutschen und Eingeborenen zu einer demagogisch-demokratischen Agitation. In ihrem eigenen Lande befand sich zwar die niedere Landbevölkerung in ebenso großer Rechtlosigkeit, doch glaubte man durch Versprechungen an die Eingeborenen das Land gänzlich in polnische Hände bringen zu können. Das wäre auch gelungen, wenn nicht Schweden den Deutschen zu Hülfe gekommen wäre. Schon vor dem 30jährigen Kriege hatten Abgesandte der Stadt Riga von Schweden Hülfe zugesichert erhalten. Als nun Gustav Adolph mit seinem Heere in Deutschland landete und auch nach den Ostsee- Provinzen zog, fielen sofort sämtliche baltischen Länder von Polen ab und begaben sich unter seine Schntzherrschaft. Die erste Vor- bedingung dazu war natürlich wieder, daß man die vollkommene Selbstherrlichkeit des Adels unangetastet ließ. Doch trotzdem sollte es dieses Mal den deutschen„Adelsmenschen" etwas ernstlicher an den Kragen gehen. Im Jahre 1625 hatte Gustav Adolph Polen zum Verzicht auf Livland gezwungen. Im Jahre 1655 erfolgte ein Be» schluß der schwedischen Reichsstände, daß eine allgemeine Revision der Besitztitel und eine Reduktion aller der Güter vorzunehmen sei, die willkürlich in Allodien oder Erbgüter verwandelt und dem. gemäß verkauft, verpfändet oder an Töchter und Seitenverwandte vererbt worden waren. Im Jahre 1680 wurde dann auf Betreiben Karl XI. von Schweden ein Reichstagsbeschluß gefaßt, diese R|» duktion auch auf Livland und Estland auszudehnen. Nach Durch- 'ührung desselben wären mehr als fünf Sechstel des Bodens seinen bisherigen Inhabern entzogen worden. Den Herren Junkern stand das Wasser am Halse; und von derselben Seite, von der heute �enc Geschichtsverdrehungcn ausgehen, hat man auch die damaligen Maßnahmen der schwedischen Regierung in ein schlechtes Licht zu kellen versucht. Man suchte und sucht es noch heute so darzustellen, als ob Schweden nur aus Hunger nach Krongütern jene Maß- nahmen angeordnet hätte. Doch selbst Jul. Eckardt, dem Treitsckke noch zu liberal ist, vertritt eine entgegengesetzte Auffassung, die uns zugleich jene Adelsmenschen im rechten Lichte erscheinen lassen. Schweden selbst hatte sich einen freien Bauernstand geschaffen. der ja auch die Grundlage seiner Macht im 17. Jahrhundert bildete. Es war natürlich, daß ihm Zustände, wie die in Livland, fremdartig anmuten mußten, wo der größte Teil„evangelischer Christen- menschen" in„direkter Sklaverei" lebte. Es suchte nun seine„gute Politik" auch in jenen Ländern einzuführen. Ter Beginn dazu war die noch unter Gustav Adolph im Jahre 1632 erfolgte Gründung der Universität Dorpat. Tann versuchte man den Adel zu bewegen, eine Revision der Leistungen der Eingeborenen einzuführen. Die LlUlkex SÄltfchtw diM MeMMiiLg ihW schasten sind geeignet, antisoziale Empfindungen der Aerzie in die Halme zu treiben, die soziale Lage der Aerzte dazu zu mißbrauchen, die VersicherungSgesctze noch mehr, wie es die heute in der Ncrzteschaft leider tonangebenden Mugdan, Becker und Genossen anstreben, zu Versicherungsanstalten gegen Gesundung der Arbeiter und für Mehrung der Einnahmen von Aerzten zu machen. Soziale Kurse müssen völlig von dem Einfluß der Unternehmerschaft losgelöst sein, wenn sie nicht das Gegenteil dessen wirken sollen, was ihr Name andeutet._ Aug der sozialpolitischen FrcisinnSbomanc. In den Stein druckereien Nü r n be r g s wird, da die organisierten Arbeiter aus gesperrt sind, der Betrieb mit Hülfe von ArbcitSmädchen und Lehr lingen notdürftig aufrecht zu erhalten gesucht. Das führt zu ganz gefährlichen Zuständen. So sollten bei der Firma Geck u. Co. zwei Mädchen an einer großen Maschine arbeiten, die von einem 15 Jahre alten, noch unausgcbildcten Lehrling bedient werden sollte. Die Mädchen weigerten sich, weil sie Gefahr für ihr Leben befürchteten. Sie wurden deshalb ohne weiteres entlassen und stellten beim Ge- tverbegericht Klage auf Entschädigung. Ihre Klage wurde jedoch abgewiesen. In der Urteilsbegründung heißt es wörtlich:„Das Gericht nahm eine beharrliche Arbeitsverweigerung an, die Mädchen hätten eine ausführliche Begründung ihrer Weigerung geben und überdies auch abwarten sollen, ob wirklich eine Gefahr für ihr Leben bestehe I" Ein solches Urteil verkehrt geradezu Unrecht in Recht. Nach dem Gesetz hat der Unternehmer alle zur Abwendung von Gefahr erforderlichen Maßnahmen, selbstverständlich auch schon bevor ein Unglück eingetreten ist, zu treffen. Die Bedienung einer Maschine durch einen Lehrling ist eine grobfahrlässige Ge- fährdung des Lebens der Arbeiterinnen. Tie Rechtsprechung der Gewerbegerichte hält sich in ihrer Mehrzahl von solchen sozial- politischem Empfinden und dem Gesetz ins Gesicht schlagenden AuS- sprüchcn, wie sie das Nürnberger Gericht produziert, glücklicherweise noch fern. ES ist aber leider nicht zu verkennen, daß das Vertrauen der Arbeiter in die sozialpolitische Einsicht der Gewerbegerichte in wachsendem Maße getäuscht wird. Gerichts-Zeitung. Ei» Chiiiakampfcr vor Gericht. Vorgestern stand vor der Strafkammer in Halle ein Chinakämpfer, Gustav Schwersinsky aus Eisleben, bor demselben Vorsitzenden, vor dem sich seinerzeit der Reichstags- Abgeordnete Genosse Kunert im Chinaprozeß zu verantworten hatte. Die zur Anklage stehende Tat spielte nur eine nebensächliche Rolle— der Mann hatte ge- legcntlich eines Besuches bei einer Pätzold in Benndorf Hausfrjedens- bruch begangen—, charakteristisch war aber die Verteidigung. Der Chinakämpfer betrat in tadellos weißer Weste, mit Glacvhandschnhen an den Fingern und einem Stock in der Hand die Anklagebank. Auf die Frage nach seinem Berufe erklärte er:.Ich bin Preuße durch und durch." Dann hielt er— daran konnte ihn kein Staats- anwalt und kein Richter trotz beantragter Ordmmgsstrafen hindern — folgende Rede: „MeinelHerren, ich habe den CHiilafeldzug mitgemacht und trage die Chinamedaille. Die Kugeln sind mir nur so.um die Brüste herumgeflogen", denn ichf focht nach dem Grundsatze meines Kaisers:„Pardon wird nicht gegeben und Gefangene werden nicht gemacht." Ich habe meine Brust„dem Kaiser geschenkt" und werde stets mit Revolver, Flinte und Dolch den Kaiser verteidigen. Der Teufel soll denjenigen holen, der sich an meinen Kaiser heranwagt und wehe demjenigen, der mir hinderlich ist." Bei diesen Worten fuchtelte der Angeklagte wie ein Närrischer mit seinem Stock auf der Anklagebank umher. Der Staatsanwalt beantragte eine Strafe wegen Ungebühr vor Gericht. Der Angeklagte wies den Staatsanwalt aber„in seine Schranken" zurück. Einen Gerichtsvollzieher, der sich ihm näherte, jagte der Angeklagte mit dem Stocke weg. Dann begab sich der Chinakämpfer auf das juristische Gebiet und fuhr trotz Protestes des Staatsanwalts und der Richter fort:„Meine Herren, ich kenne die ganze Strafprozeßordnung und habe die ganzen Gesetze unter meinem Schädel; an mir ist ein Rechtsanwalt verdorben." Die Nichter glaubten, daß der Angeklagte neben den Gesetzen auch noch etwas anderes unter dem Schädel habe. Der herbei' gerufene Gerichtsarzt führte aber das wüste Betragen des Ange klagten auf Alkoholgenuß zurück. Das Gericht kam zu der Ueber- zeugung, daß der Angeklagte nicht zurechnungsfähig sei und ver- hängte wegen Hausfriedeiisbruchs eine Geldstrafe von 10 Mark. Von Strafen we�en Ungebühr vor Gericht wurde Abstand genommen. Eine Chinareise hat demnach manchmal etwas Gutes für sich. sondern hatte ein Attest eingereicht, tisch welchem er infolge einer Nervenüberreizung nicht in der Lage sei, im Termin erscheinen zu können. Sein Verteidiger. Rechtsanwalt v. P a l m o w s k h, beantragte deshalb, die Verhandlung zu vertagen, weil der als Nebenkläger zugelassene Dr. Leipziger unbedingt der Verhandlung beiwohnen müsse, da sonst nur einzig und allein die Abgaben de-Z Angeklagten einem zweiten Urteil zur Grundlage dienen müssen. Dos Gericht beschloß, den Antrag des Rechtsanwalts v. Plamowsky abzulehnen und auch ohne Gegenwart des Nebenklägers Dr. Leip ziger zu verhandeln. Rechtsanwalt v. Plamowsky erblickte hierin eine gewisse Voreingenommenheit deS Gerichtshofes und lehnte deshalb den gesamten Gerichtshof lvegen Besorgnis der Befangen heit ab. Da sich ein anderes Richtcrkollegium nicht so schnell bilden konnte, mußte die Verhandlung nunmehr doch vertagt werden. Cnnow— Dr. Leipziger. Wegen Körperverletzung sollte sich der Inhaber einer Annoncen- «xpedition Johannes C u n o w in der Berufungsinstanz verant- Worten. Nebenkläger lvar der Schriftsteller Dr. Leo Leipziger, den Rechtsanwalt v. Palmowsky vertrat. Gegen das Urteil des Schöffengerichts war von dem Nebenkläger Berufung eingelegt worden. Den Vorsitz führt Landgerichtsrat C a s p e r. Der Nebenkläger Dr. L. konnte in dem gestrigen Termin nicht erscheinen, freiheit in einer Weise, die sie auf ewig alsdiercaktionärste Junkerklasse Europas kennzeichnet. Sie verweigerten auf ihren Landtagen jede, auch nur die geringste Reform und erklärten, daß die Bauern ihre Herrschaft selbst so haben wollten und an ihre Knechtschaft schon so gewohnt seien, daß ein anderer Zustand für sie überhaupt unmöglich wäre. Da erst entschloß sich die schwedische Regierung zur Reduktion der Güter, um so in den zu Domänen umgewandelten Besitzungen die geplante Bauernbefreiung durch- zusetzen. Der Adel widersetzte sich mit junkerlicher Zähigkeit, dennoch hatte sich in der kurzen Zeit schwedischer Reformen der Besitzstand an Vieh und Früchten vervierfacht, und sicherlich wäre die Erlösung der Bauern damals zur Tatsache gelvorden, wenn nicht andere historische Ereignisse dem Junkertum wieder zu Hülfe gekommen wären. Durch den großen nordischen Krieg, der von Polen, Sachsen und Rußland gegen Schweden geführt wurde, fielen die baltischen Länder in den Besitz Rußlands unter Peter den Großen. Durch diesen gewaltigen Krieg hatte Livland wieder am meisten zu leiden. Der Zustand des Landes erreichte beinahe den Grad des Elends, das unter Iwan II. das Land heimgesucht hatte. Natürlich sicherte sich der Adel auch unter russischer Oberherrschaft dieselbe Selbstherrlichkeit, die er von jeher zu wahren verstanden hatte. So lebte denn der lettische Volksstamm das ganze 18. Jahr- hundert in diesem von unzähligen Raubzügen verwüsteten Land in elendester Unterdrückung und Armut, bis im Jahre 1817 Alexander 1. durch kaiserliche Verordnung die Aufhebung der Leib- cigenschaft in den Ostseeprovinzen herbeiführte. So und nicht, wie Th. Schiemann in jener alldeutschen Schrift behauptet, auf Initiative des Adels erfolgte die Befreiung der Bauern. Wie es mit dieser Befreiung wirklich ausgesehen, berichtet O. v. Ruthen- iberg, ein Schüler Fr. Chr. Schlossers, in der trefflichen Schrift: »Mecklenburg in Kurland", Leipzig 1863: „Die beiden Jahrzehnte, welche der Emanzipation folgten, waren ohne Frage schlimmer als die beiden anderen, die ihr vorangegangen waren. Das patriarchalische Verhältnis, wo es unter"milderen Herren existiert hatte, war vernichtet, und die schlimmen Herren fanden leicht Mittel und Wege, die Frei- gelassenen ebenso zu quälen und auszupressen, wie sie eS mit den Leibeigenen getan hatten." Die Bauern hatten die Freiheit erhalten, doch die Freizügigkeit war ihnen vorbehalten worden,„sie blieben darum dem Wesen nach Leibeigene und sind es bis auf den heutigen Tag(1863)!" Allerdings hatte die Aufhebung der Leibeig„.nchaft Nutzen ge- bracht— dein Adelt So schreibt Nuthenberg über die Folgen dieses Gesetzes: „Schon bor zwei und drei Jahrzehnten hatten eS einzelne Gutsbesitzer versucht, die Bauerngemeinde ihres Gutes, wie Wlv Verständige Entschcidungsgrünbe. Selten, leider sehr selten ist der Fall, daß ein Gericht seine Entscheidungsgründe in Strafsachen so einrichtet, daß der gesamte Tatbestand daraus zu ersehen ist. Fast nur d i e Momente pflegen hervorgehoben zu werden, die zur Begründung der Verurteilung führten. Die gegen die Annahmen des Urteils sprechenden tat- sächlichen und rechtlichen Erwägungen haben selten eine Stätte. Wohl drei Viertel aller„Gründe" enthalten weiter nichts als die Formel„Auf Grund der Zeugenaussagen in Verbindung mit den eigenen Angaben des Angeklagten ist für tatsächlich festgestellt er- achtet...(folgt die Behauptung der Anklage). Deshalb war der Angeklagte auf Grund der Paragraphen so und so zu verurteilen." Solches Urteil ist kaum angreifbar, denn es verhüllt alle zur Eni- lastung dienenden Momente. Es entspricht aber dem Gesetz, weil dies nicht fordert, daß die Einwendungen des Angeklagten ange- ührt und die einzelnen Bestandteile des Urteils begründet werden. Die oben angeführte„Begründung" genügt. Um so anerkennenZ- werter ist es, wenn ein Gericht selbst im Urteil schon hervorhebt, daß es eigentlich falsch geurteilt habe. Das ist in einem Urteil geschehen, über das am Freitag vor dem Reichsgericht verhandelt wurde. Das Landgericht Tljorn hatte am 20. April den Arbeiter Josef Torbc wegen Mundraubes— er hatte ein Huhn gestohlen— zu zwei Wochen Haft verurteilt. Das Urteil des Landgerichts enthält am Schlüsse die bemerkenswerten Worte:„Die Prüfung der Frage, ob die Strafttat verjährt war, ist vor Verkündung des Urteils unter- lassen worden." Tatsächlich war die Tat verjährt. Der Staats. anwalt legte zugunsten deS Angeklagten Revision mit dem selbst- verständlichen Erfolge ein, daß das Reichsgericht den Ange- klagten freisprach. Hätte Anklagcbehörde und Gericht, die doch beide aus hochgelehrten Herren bestehen, nicht vor Erhebung der Anklage die Verjährung bemerken und dadurch dem Angeklagten Scherereien, über ein Dutzend gelehrter Juristen tiefgründige Arbeit und Abfassung gelehrter Urteile ersparen können? 8 153 der Gewerbeordnung. Eine drastische Ausdrucksweise der Streikposten wird von den Gerichten als Verrufserklärung(§ 153 Gewerbe- ordnung) und Bedrohung mit Totschlag usw.(8 240 Strafgesetzbuch) ausgelegt. Vom Reichsgericht wird in dieser Auslegung ein Rechts- irrtum nicht entdeckt. Auch die Maschinentischler Schmidt und o r n sind aus diesen Paragraphen am 28. Januar vom Land- gerichte I in Berlin zu Gefängnis verurteilt worden. Schmidt hatte nach Annahme des Gerichts einem Arbeitswilligen Schläge ins Gesicht und Ohrfeigen in Aussicht gestellt, und Korn hatte gesagt: Soll ich das Aas einmal unter den Wagen(es fuhr gerade einer vorüber) stoßen?— Die Revision der Angeklagten, welche Ver- kcnnung der Begriffe der Drohung behaupteten, wurde vom Reichs- gerichte am Freitag verworfen. Vermischtes. Eisenblihnschäde» durch Unwetter. Dresden, 7. Juli. Der mehrtägige, wolkenbruchartige Regen hat im Bereich der Königlich Sächsischen Eisenbahnverwaltung schwere Schäden hervorgerufen. Auf der Bahnstrecke zwischen Over-Vogeb gesang und Pirna ist der Bahndamm auf 20 Meter Länge durch' brachen; außerdem sind beide Hauptgleise der Linie Bodenbach— Dresden in 120 Meter Länge durch herabgestürzte Gesteinmassen unbefahrbar. Die Wiederfreimachung der Strecke wird 2—3 Tage erfordern. Zwischen den Haltepunkten Poetzscha(Wehlen) und Ober- Vogelsang ist an zwei Stellen das linke Hauptgleis durch Steingeröll fast einen Meter hoch verschüttet. An diesen Stellen wird der Ilmsteigeverkehr voraussichtlich von heute abend ab zu ermöglichen sein. Der Verkehr zwischen Schandau und Dresden muh bis auf weiteres über Sebnitz— Neustadt— Dürrröhrö- dorf— Pirna geleitet iverden. Die Telegraphenleitungen zwischen Schandau und Pirna sind gleichfalls unterbrochen. Auf der Strecke Gottleuba— Pirna mußte der Verkehr gestern abend vollkommen ein« gestellt werden; erst heute früh gegen 3 Uhr war eS möglich, den- lelben zeitweise wieder aufzunehmen. Erbgraf und Wäscherin. Der Erbgraf EraSmus zu Erbach. Erbach heiratete am 1. September 1905 in London die bildhübsche Tochter der Wäscherin Dorothea Fischer geb. Voll, die seit September das genannt hat, zu sprengen, und alles Bauernland mit einem Schlage in(den Herren unmittelbar gehörendes Land) Hofesland zu verwandeln. Der Versuch war vortrefflich ge- langen: die Herren waren reich, die Bauern waren Proletarier geworden. Dies Beispiel wurde jetzt vielfältig im kleinen nach- geahmt." So konnte Ruthenberg noch im Jahre 1863 erklären:„Es ist bis auf den heutigen Tag kein lettischer Bauer in Kurland Eigentümer einer Hofstelle Land geworden". Das ist die wahre Geschichte des baltischen Adels, und selbst Jul. Eckardt, ein konser- vativer' Geschichtsschreiber, mutz von der„deutschen Kulturarbeit" bekennen:„Und es geschah nichts für die Heranbildung der Be- Völkerungsschicht, welche die Grundlage des gesamten Staatswesens, die Quelle der Macht und des Reichtums der deutschen Kolonisten bildete." Als dann im Jahre 1863 Alexander II. die Befreiung der Bauern fortsetzte, da wußte der deutsche Adel auf seinen Landtagen auch dieses Gesetz zu seinem Vorteil auszubeuten. Sie beriefen sich auf den Artikel 5 der ihnen verbrieften Rechte, der die Un- antastbarkeit ihres Eigentums sicherte. Damit glaubten sie das Recht zu haben, die Befreiung so zu vollziehen, daß für die armen Letten dies zugleich die Expropriation bedeutete. Nuthenberg warnte damals: „Der kurländische Adel sollte es erkennen, daß er durch zähes und egoistisches Festhalten an mittelalterlichen Formen und Einrichtungen dem Hasse der altrussischen Partei, die ohnehin alles Fremde und Deutsche zu verfchwärzen sucht, immer neue Nahrung und immer neue gefährliche Waffen leiht. Ter kur- ländische Adel sollte es erkennen, daß der gegenwärtige Vorteil, den er durch Einziehen des Bauernlandes machen will, in nicht ferner Zukunft, wenn die verstoßenen Bauern massenweise nach Rußland auswandern werden, notwendig in große Verluste und dauernde Verlegenheiten, die teilweise �etzt schon ihren Anfang genommen haben, umschlagen muh." Der baltische Adel hat alle Mahnungen, die ihm wohlmeinende Männer erteilten, in den Wind geschlagen, er hat weiter unter- drückt, weiter ausgebeutet, und wenn jetzt seine Herrensitze in Trümmern liegen, so kann, wer der Wahrheit die Ehre geben will. nichts anderes dazu sägen, als: ihn hat nur gerechte V�er» geltung getroffen' Im ersten Artikel„Baltische Kultiirbilder'(Nr. 144 vom 24. Juni d. I.) muß es im letzten Satze des vierten Absatzes natürlich nicht„drei Jahrzehnte", sonder»„drei Jahrhunderte" heißen. 1900 in jener Eigenschaft bei dein Vater des Erbgrafen tätig war- Gegen diese Verbindung waren die Verwandten des jungen Grafen. Sie beschlossen, daß ihm im Falle des Fortbestandes dieser ihrer Ansicht nach„unebenbürtigen", weil zu sauberen Ehe, die Erbschaft des Millionen betragenden Vermögens und deS gesamten Fidci- kommisses nicht zufallen solle. Es wurde beantragt, die Ehe im Wege der Klage für nichtig zu erklären. Dann wurde bei dem Amtsgericht Homburg v. d. H. der Antrag gestellt, den jungen Grafen Erasmus für geisteskrank zu erklären und den Vater als Vormund zu bestellen. Se. Durchlaucht Graf Georg Albrecht zu Erbach-Erbach, der Vater des Erbgrafcn, veranlatzte alsbald, daß sein Sohn den ehelichen Wohnsitz in Obcrursel i. Taunus verließ und sich in eine auf der hohen Mark belegene Nervenheilanstalt begab, wo er sich zurzeit noch aufhält. Als Graf Erasmus das traute Heim verlassen hatte, erhielt seine Gattin, Gräfin Dora zu Erbach-Erbach, geborene Fischer, einen Betrag von 2 0 0 Mark monatlich zur Bestreitung ihres Unterhaltes. Diese Summe war ihr aber zu wenig, da sie mit dem Erbgrafen luxuriös gelebt hatte. Sie forderte daher 500 Mark monatlich. Die Klage wurde vom Landgericht Frankfurt abgewiesen. Vor dem Oberlandes. g e r i ch t verlangte die Gräfin monatlich 300 Mark. Begründet wurde diese Forderung zunächst damit, daß der Erbgraf eine jähr- liche Apanage von 9000 Mark beziehe, von seinem Vater außerdem einen erheblichen Zuschuß erhalte und standesgemäß mit ihr gelebt habe. Erasmus zu Erbach-Erbach verlangte aber die Abweisung der Klage, denn er erhalte, seitdem er in der Anstalt sei, nur noch ein Taschengeld von 100 Mark monatlich. Nichtig sei es, daß er eine Apanage von 9000 Mark bekommen habe; sie betrug früher „nur" 5000 Mark. Der Rechtsanwalt der Klägerin machte u. a. vor dem Oberlandesgericht geltend, die Gräfin habe ihre Eltern zu unterstützen und sende ihnen monatlich 30 bis 40 Mark. Im Oktober 1905 sei der Gräfin Mutter gekündigt. Nun erhalte die bejahrte Frau keine Stelle mehr, weil die Leute sagten, sie besitze ja eine reiche Tochter. Die alte Wäscherin verdiene nun monatlich nur drei Mark. Ihr lungenkranker Mann sei arbeitsunfähig. Der Erbgraf hätte das Ehepaar unterstützen wollen, aber nur zweimal habe er Unterstützungen gegeben. Daß die Gräfin mit 200 Mark nicht auskommen könne, gehe auch daraus hervor, daß sie auch 20 Mark monatlich dem Dienstmädchen zu bezahlen habe. Schon zweimal sei die Gräfin von ihrem Gatten um Dar» lehen angegangen worden, doch hätte sie dem Wunsche nicht will» fahren können. Der Vertreter der Gegenpartei führte u. a. aus, daß die Gräfin außer den 200 Mark noch eine 750 Mark jährlich kostende Wohnung frei erhalte, den Lohn für das Dienstmädchen extra bekomme und zudem die vom Erbgrafcn gekaufte Wohnungs- einrichtung besitze. TaS Vermögen des Erbgrafen sei gleich Null. Er werde überhaupt nichts erhalten, wenn die Ehe nicht für un- gültig erklärt werde. Infolge seiner Nervosität sei der Erb- graf nicht erwerbsfähig. Im borigen Jahre habe der Vater 216 000 Mark Schulden des Sohnes bezahlt. Infolge des Schulden- machcns habe die Entmündigung des Erbgrafen stattgefunden. Die Verpflichtung des Vaters als Vormund sei kürzlich erfolgt. Das OberlandcSgericht wies die Berufung der Klägerin zurück. Sie dürfte auch mit 200 Mark auskommen können, selbst wenn sie weder ihrer Standesgenossin Wrede in der Vorliebe für Silber nacheifert, noch ein durchlauchtigstes Wäschc-Etablissement zur Reinigung der 'chmutzigen Wäsche derer von Erbach-Erbach eröffnet. Aber durch- lauchtig ist die Vorenthaltung zur Bestreitung„standesgemäßen" Lebensunterhaltes nicht._ Erdbeben in Tyrol. Innsbruck, 7. Juli. In Mieming und Stams im Ober-Jnntal wurden in der borvergangenen Nacht um 10 llhr 35 Mn. und 11 Uhr 17 Min. starke Erdbeben verspürt.(Frlf. Ztg.). AngSSurg, 7. Juli. AuS Mittelschwaben werden schwere Gewitter und Hochwasser gemeldet. Auf der Ammerseebahn ist infolge Damm- rntsches der Verkehr unterbrochen, ebenso auf der Bahnlinie nach Schongau.(Frlf. Ztg.). Budapest, 7. Juli. Ein gestern abend hier niedergegangenes furchtbares Unwetter hat großen Schaden angerichtet. Der Viadukt der elektrischen Stadtbahn wurde überschwemmt, so daß der Verkehr bis in die Nacht eingestellt werden mutzte. Allgemeine Familien< Tterbekasjc. bei Wlejenthal von 3—6 Uhr. Heule: Zahltag Ackerstratze 123 Berliner Marktpreise. Au» dem amtlichen Bericht der städtljchcn Markthallen-Direktion. Rindfleisch la 65-68 pr. 100 Pfund, IIa 58-64, lila 53—56, IVa 46—51, engl. Bullen- 0,00, dän. Bullen- 0,00. Holl. Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 100—110, la 84—90, IIa 74-82, ma 62—72. Hammelfleisch la 72—76, IIa 62-70. Schweinefleisch 61—67. Kaninchen per Stück 0,20—0,60. Hühner, alte, Stück l, 60— 2,40, junge, per Stück 0,60—1,00. Tauben, junge 0,30—0,50, alte 0,00. Enten, prima, p. Stück 1,70—2,25, Hamburger, junge, per Stück 2,00—3,00. Gänse, junge, per Psd. 0,50—0,65, per Stück 3,00 bis 4,00. Hechte 83-109. Schleie 75-86. Bleie 0,00. Aale, groß 137-155, mittel 126—132, Nein 0,52, uns. 91—127. Plötzen 61—62. Flundern, pomm. I. p. Schock 3,00—6,50. Kieler. Stiege la 4—6, do. mittel per Kiste 2—4, do. klein per Kiste 0,00. Bücklinge, engl, per Wall 4,50—5. Kieler 2—4,50, Stralsunoer 5— 6. Aale, groß p. Psd. 1,10—1,30, mittcl0,80— 1,00, kl. 0,50 bis 0,60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 0.00, Elb- per Kiste 0,00. Sardellen, 1902er, per Anker 85,00, 1904er 85,00, 1905er 80,00. Schottische Bollheringe 1905 0,00, large 40— 44, fall. 36— 33, med. 35—42, deutsche 37— 44. Heringe, neue Matjes, per To. 60— 120. Hummer», IIa, 100 Psd. 85—118. Krebse, per Schock, mittel 10,00, lleine 3,50— 10, unsortiert 2,10— 6. Galizier, mittel 0,00. Eier, Land-, per Schock 0—0,00, frische 0,00. Butter per 100 Pfund, la 109, IIa 103—106, lila 100—103, abfallende 95—100. Saure Gurken, neue, Schock 4—6, Pseffergurken 4,50—5,00. Kartoffeln per 100 Pfd. magn. von. 0,00, rote Dabcrsche 2,10—2,25, runde weiße 1,80—2,10, hiesige blaue 3,25,-3,50, neue hiesige 2,25—3, neue Zerbster 2,50—3, Spinat, per 100 Pfund 8— 10. Karotten per Schock 2,50 bis 4,00. Kohlrabi, per Schock 1,00—1,50. Retiig, bahr., per Schock 2,40—4,80» Rhabarber, Hamb., per 100 Bd. 0,00. Radieschen, per Schock-Bd. 0,60—0.70. Salat, per schock 1,00— 1,25. Bohnen(grüne), per 100 Psd, 25— 40. Schoten hiesige, per 100 Psd, 5—16. Pscfferlinge per Psd. 0,30—0,35. Mohrrüben per Schock-Bd. 2,50—4,00, Blumenkohl per Mandel 1,50— 2,50. Wirsingkohl per Mandel 1,00—1,50. Steinpilze per Psd. 0,33. Teltoirer Rüben per Pfd. 0,00. Johannisbeeren, hiesige, weiße, per 1 Psd. 0,07—0,12, do. rote 0,06—0,10. Stachelbeeren per Psd. 0,09-0,14. Kirschen, ital., 100 Psd. 0,00. Glas- 10—14. Natten, Ungar. Himbeeren, Werdcrsche per 100 Psd. Erdbeeren, Holl, per 100 Psd. Natten, Werdersche 22—24. Werders ci 00,00, do. 10—12, do. sauere 18—24. l 22—30. Blaubeeren per Psd. 0,05—0,12 18—28, Garten- per Psd. 0,00—0,00, Hamburger 0.20—0,25, hiesige 0,15—0,29. Wald- per Pfd. 0,30—0,55. Pflaumen, ital. lange, per 100 Psd. 22—24. Zitronen, Mcssina. 300 Stück 14.00-16,00, 360 Stück 14,00-16,00, 200 Stück 7,00-12,00, 420 Stück, klem 7,00. evttternugSiiberstcht vom 7. Juli 1900, morgens« llhr. Stationen Swinemde Hamburg Berlin Franki.a.M München Wien S a «* M £= ä n = 3 S§ Settel 75l!NNv 761 NNW 757NW 762 SW 762 W 753 W 3'wolkig 1 bedeckt 3 bedeckt 2 bedeckt 5 bedeckt 5 bedeckt »s: eS- e" Stationen Hadaranda Petersburg Scillh Werdeen Paris ü S 767 SW 764 S 764 SSW 761® 764 Still Settel sls c q» xi I) h a 2 heiter Lbedeckt 1 wolkig lbedeckt iwolttg 16 13 15 13 16 Wettcr-Proguose für Sonntag, den 8. Jnli 1906. Langsam ausllarend, am Tage etwas wärmer Lei schwachen südwestlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterborean. Wasserstand am 6. Juli. Elbe bei Aussig— 0,05 Meter, bei Dresden— 1,47 Meter, bei Magdeburg 4- 1,24 Meter.— U» st r» t bei Straußstirt+ 1,40 Meter.— Oder bei Ratlbor 4- 1,03 Meter, bei 1' Breslau Oberpegcl 4- 2,02 Meter, bei Breslau Unterpegel— 1,04 Meter, bei Franksnrt— Meter.— Weichsel bei Brahemünde+ 3,04 Meter» — Warthe bei Posen 4* 0,70 Meter. Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises. 14 Dienstag, den 10. Juli 1906, abends 8½ Uhr, in den Germania- Prachtsälen, Chausseestraße 103: General- Versammlung. Zages Ordnung: 248/ 18* Fortsetzung aus voriger Versammlung und zwar: Kaffenbericht. Bericht der Revisoren. Anträge. Der Vorstand. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreicher Besuch erwünscht. Verein der Bierabzieher Berlins u. Umgegend. Gemeinſame OrtskrankenVereinslokal und Arbeitsnachweis: Seidelstr. 30. Fernsprecher Amt 1, Nr. 9248. Achtung! Bierabzieher! Achtung! Sonntag, den 15. Juli, nachmittags 2 Uhr, im großen Saate der " Arminhallen", Kommandantenstr. 20: Versammlung aller Bierabzieher Berlins und Umgegend. Zages Ordnung: Vortrag und Diskussion über die Wirkung der Biersteuer auf unsere Arbeitsverhältnisse. 284/7 Der Vorstand. kasse für Mariendorf und Umgegend. Am 16. Juli ds. Js., nachmittags 6 Ur, im Reſtaurant Reichards Generalversammlung der Arbeitnehmer- Delegierten der Kasse. zu Mariendorf, Chausseestraße 16: Tagesordnung: Wahl dreier Vorstandsmitglieder. Mariendorf, den 5. Juli 1906. Für den Vorstand: 274/9 Einkaufs- Vereinigung Sterbekaffe Serl. Fabrik- Konfumvereine ehemaliger Pflugscher Arbeiter Sonnabend, 14. Juli, 82 Uhr, im Volkshause, Charlottenburg, Rosinenstr. 3: ( Hetzelsche Kasse). 284/ 5* Allgemeine Versammlung. Sonntag, 22. Juli, vorm. 10 Uhr, bei Wiite, Brunnenstr. 188; Fabrik- Konsumvorstände General- Versammlung. im eigenen Interesse drin- Tagesordnung: 1. Verlesung des Protokolls der Generalver jammlung vom 28. Januar 1906. 2. Staffenbericht des Rendanten per erstes gend eingeladen. 28405 Salbjahr 1906 und Bericht der Revisoren. 3. Festjehung der Publikationsa Roh Rein Tabak amerikanisches a Pfd. 80 Pf. Losgut i. best. Misch. W. Herm. Müller, Berlin, Magazinstr. 14. Heinrich Franck, Berlin N. 54, Brunnenstr. 185. Besichtigen Sie bitte sofort: hell, 2 te Lge, Decke, organe pro 1906/07. 4. Antrag des Vorstandes betreffend Erneuerung der abgelaufenen Quittungsbücher. 5. Berschiedene Kaffenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. J. A.: O. Winkler. Achtung! Achtung! Arbeiter, Parteigenossen! Berliner Schneiderei- Genossenschaft G. m. b. H. ( Gegr. von organisierten Schneidergehülfen Berlins) Dedir, 150 Brunnenstr. 185, im Laden, Billige Rohtabake. H. Herzberg, 2. Borfizender. Max Jacoby, Strelitzerstr. 52. zwischen Rosenthaler Tor und Juvalidenstraße, Verband der an Holzbearbeitungsmaschinen empfiehlt sich den werten Arbeitern und Parteigenossen zur Vereinigung der Musikinstrumenten- Arheiter beschäftigt. Arbeiter Berlins u. Umgegend. Montag, den 9. Juli 1906, abends 8%, Uhr, bei Graumann, Naunynstr. 27: Werkstatt- Delegierten- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag über Gewerkschaftsorganisation und Unternehmertum". 2. Der Streit in der Pianofortefabrik von Bell u. Co. 3. Werkstattangelegenheiten. Zur Beachtung! In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung 141/17 muß jeder Betrieb vertreten sein. Der Vorstand. Verband der Verwaltungsbeamten der Krankenkaffen und Berufsgenossenschaften Deutschlands Bezirksgruppe: Berlin- Brandenburg u. Mecklenburg. Montag, den 9. Juli 1906, abends 8 Uhr, bei Miegel, Stralauerstraße 57: Bezirkstag in Berlin. Zages Ordnung: 1. Bortrag über: Modernes Verkehrswesen. Referent: Ingenieur P. M. Grempe. 2. Disfussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Um zahlteiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. 284/8 Verband der Sattler. Ortsverwaltung Berlín. Donnerstag, den 12. Juli, abends 8 Uhr, in den Zentral- Festsälen, Alte Jakobstr. 32: Allgem. Mitglieder- Versammlung. 1. Geschäftliches. Tages Ordnung: B 2. Vortrag des Kollegen Müntner über„ Hirsch- Dundersche Gewerkvereine". 3. Disfuffion. 4. Berichterstattung der Delegierten zur Berliner Gewerkschaftsi tommiffion sowie Neuwahl derselben. 5. Verschiedenes. Kollegen Angesichts der in der letzten Zeit zutage getretenen Bersuche des Hirsch- Dunderschen Gewerkvereins, Mitglieder unserer Organisation zu fich herüberzuziehen, um dadurch die so dringend notwendige Einigkeit der Stollegen zu zerstören, erwarten wir, daß sämtliche Kollegen diese Ber fammlung besuchen, um so die Abrechnung mit den Hirsch- Dunderschen zu 157/10 einer recht imposanten zu gestalten. Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Montag, den 9. Juli, abends 8% Uhr, bei Schük, Schönhauser Allee 28: Bezirks- Verfammlung für die Rosenthaler u. Schönhauser Vorstadt. Zages Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Sillier über: Die wirtschaftlichen Kämpfe. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Frauen und Nichtmitglieder haben Zutritt. Der Bezirksleiter. Dienstag, den 10. Juli, abends 8, Uhr, im Lokal von Kubat, Blumenstr. 38: Branchen- Versammlung Anfertigung von feinerer Herren- Garderobe. Am Montag, den 9. Juli, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause Großes Lager fertiger Herren- und Knaben- Anzüge, ( großer Saal), Engel- Ufer 15: General- Verfammlung. Tages Ordnung: Sommer- Paletots und Arbeiter- Berufskleidung. Verkauf nur gegen bar! Streng feste Preise! Die Herstellung unserer Fabrikate erfolgt in 75/16 eigenen Werkstätten unter den von der Organisation festgesetzten Lohnbedingungen. Um geneigten Zuspruch bittend, zeichnet 1. Borstandsbericht. 2. Staffenbericht. 3. Wahlen. 4. Anträge. 5. Ge wertschaftliches. Eintritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Pünktliches Erscheinen aller Mitglieder erwartet Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Rixdorf. Hoppe, Hermannstr. 48/49: Dienstag, den 10. Juli, abends 6½ Uhr, im Lokal des Herrn Branchen- Versammlung der Möbeltischler. 88/20 alkoholfrei alkoholfrei Pat eingetr alkoholfrei Schutzmarke No 50734 Man achte auf das Efiker in Farben Die Ortsverwaltung. Gesund, nahrhaft billig alkoholfreies Erfrischungs- Getränk Goldblondchen ausgezeichnet mit Ehrenpreis u goldenen Medaillen Genre- Vertreter Ernst Kruger, Berlin NO. Ho I stesh 28. Tel. VII, N° 47035 Achtungsvoll „ Hoffnung“ Lieferant des Berliner Konsum- Vereins und der Berliner Schneiderei- Genossenschaft Konsum- Genossenschaft Berlins und Umgegend. Berliner Mumme Caramel- Malz- Bier alkoholarm in Fässern u. Flaschen pasteurisiert Vorzügliches Kräftigungsmittel I. Rekonvaleszenten u. Kranke. erfrischend bekömmlich Wiederverkäufer hohen Rabatt. Brauerei Weißensee Gust. 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Die industrielle Art unserer lieben Weltstadt bringt auch bie musikalischen Theater immer mehr und mehr dazu, nicht produktiv voranzugehen, sondern es dem Publikum und sich mit bewährten Repertoirestücken und bewährten oder unbewährten Gästen bequem zu machen. Die Fremdenzeit des Sommers trägt dazu natürlich erst recht bei. Das Neue Königliche Operntheater"( roll) war früher im Sommer Operettenstätte und ist seit dem vorigen Jahre Sommeroper unter Direktion Benno Roebte, im ganzen mit nicht wenig künstlerischer Würde. Der Besuch des Theaters, den wir uns vorgestern( Freitag) leisteten, führte uns zu einer Aufführung von Verdis La Traviata". Das Stück, vor 53 Jahren zum ersten Mal in Benedig aufgeführt ( und zwar mit glänzendem Durchfall), ist unter den älteren Leieropern des genannten Komponisten wohl die wenigst banale. Insbesondere gibt die Titelrolle der Sängerin nicht nur reiche Aufgaben, sondern auch Gelegenheit, diese dramatische Figur so oder so individuell zu fassen. Die einen Sängerinnen legen das Schwergewicht auf die Technik der Koloraturen im Gesang, die anderen auf wirkungsvolle Dramatit usw. Für diesmal hatte die Direk tion die vielleicht größte Gesangskünstlerin unserer Zeit, Billi Lehmann, zu dieser Rolle gewonnen. Es ist eine alte und wunderbare Erfahrung, daß gerade die reifesten Bühnenkünstler die Jugend wohl am allerbesten darstellen können. So auch die Genannte. Sie kehrte den Charakter der lieblichen Wirtin und der weichen Mädchennatur hervor, erhob die Koloraturen zu wahrSommerJoppen für Herren. 4 Sonder- Angebote Grünlicher Baumwollstoff, waschbar Schwarz- weiss verschwommene Muster Praktische graue Lodenstoffe Vorzügliche graue satinierte Waschstoffe 85 1. Pf. M.75 2 M. 60 3 Strohhüte 2.50 1.90 M.60 M.30 1.80 0.75 65 Pf. nung. hafter Lyrik und erhöhte das Ganze durch die außerordentliche, manchmal vielleicht zu weitgehende, Milde ihrer vollendeten Künstlerschaft. Daß ihre Gesangstechnik noch immer auf einer mustergültigen Höhe steht, bedarf wohl am wenigsten der ErwähWahrscheinlich ging es auf ihren Einfluß zurück, daß beinahe alle wichtigeren Partien italienisch gesungen wurden; so viel ich bemerkte, sang nur der Chor und ein oder der andere Sänger deutsch( einer sogar bald deutsch bald italienisch). Muß man darauf verzichten, eine wirklich nationale deutsche Opernkunft zu haben, so scheint uns dieser Ausweg immer noch besser zu sein, als daß, wie es leider häufig vorkommt, nur eine oder zwei Partien fremdsprachig gesungen werden. Die. Tenorpartie sang Georg Maikl von der Wiener Oper. Er entfaltete sich im Laufe des Abends gut und spielte gemütvoller, als es sonst Tenore tun, wie denn überhaupt ein Hauch von wärmerem Gemüt über der ganzen Vorstellung lag. Die Stimme jenes Tenores ist ebenfalls wertvoll, mit einer Neigung zum Flachen; den höchsten Tönen würde allerdings noch etwas mehr Metall zu wünschen sein. Ein dritter Gast war Hermann Gur a vom Schweriner Hoftheater. Wir haben schon voriges Jahr über diesen tüchtigen Regisseur und beachtenswerten Sänger geurteilt. Die Stimme selber reicht nicht an die feines weltberühmten Vaters heran. Der Ernst, mit dem der Künstler alles anzufassen scheint, fönnte ihn aber doch antreiben, noch immer weiter zu streben. Dem Dirigenten Dr. Kunwald nochmal unsere Hochachtung! Lüster Jacketts für Herren. 4 Sonder- Angebote Schwarz Lüster Schwarz- weiss gestreifter Lüster Schwarzer DiagonalLüster Grau KöperLüster 2 2 M.25 M.50 2 M.90 3 M.90 M.30 Strand- Anzüge Strandmützen 24.- 18.- 15.12.- 10.- 7.- 4 M. 25 14 1.50 1.25 0.90 0.60 50 Pf. Baer Sohn Spezialhaus grössten Massstabes Chausseestrasse 24/25 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20. Der Haupt- Katalog No. 29 wird kostenlos und portofrei zugesandt. Auf Teilzahlung!!! 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Ludwigs Park- Restaurant, Treptow, Köpenicker Landstraße 25/26. Konzert unter Leitung der Herren Musikmeister Otto Hassauer, Otto Runge, Hermann Loppe. Große Kasperle- Theater. Bonbonregen. Fackelpolonäse, zu welcher jedes Kind eine Fackel gratis erhält. Ueber 1000 Geschenke werden an die Kinder verteilt. Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen zur Verfügung, a Liter 60 Pf.,%, Liter 35 Pf. Kasseneröffnung: nachmittags 1 Uhr. X X Anfang des Konzerts: 3 Uhr. X X Billetts a 20 Pf. Zahlreichen Besuch erwartet 244/ 4* Das Komitee. Sozialdemokratischer Verein im 5. Berliner Wahlkreise. Zur Feier des zehnjährigen Bestehens: Montag, den 9. Juli, präzise 8%, Uhr abends: Oeffentliche Versammlung im Alten Schützenhause, Linienstr. 5. Tagesordnung: Aus der Geschichte des 5. Kreises. Referent: Genosse Leopold Liepmann. Gäste erwünscht. Alle Mitglieder, besonders auch die ehemaligen Mitglieder des Wahlvereins sind zum Besuch dieser Versammlung eingeladen. 245/ 12* -96Sonnabend, den 14. Juli: Festfeier in den Gesamträumen des Schweizer Garten( Königstor). Konzert X Theatervorstellung Festrede des Abgeordneten Genossen Robert Schmidt X Arbeiter- Radfahrer X Spezialitäten X Kinderbelustigungen X Fackelpolonaise usw. Jedes Kind erhält Bons für Karussel und Fackel gratis. Billetts im Vorverkauf 25 Pf.( Kassenpreis 30 Pf.) in der Parteispedition, Keibelstraße 42, in den Zahlstellen und bei allen Bezirksführern. Anfang 4 Uhr nachmittags. Kasseneröffnung 3 Uhr. Rege Beteiligung an beiden Veranstaltungen erwartet Der Vorstand. Zentral- Verband der Stukkateure. Filiale Berlin. Montag, den 9. Juli, von nachmittags 3 Uhr an: Zehnjähriges Stiftungsfest in Max Kliems Sommertheater, Dafenbeide 13-15. Gr. Konzert, Theaters Spezialitäten- Vorstellung, Tanz, Kaffeekochen a Kinderbelustigung. u. u. Jedes Kind erhält eine Gratisgabe. Das Reservieren von Plätzen ist nicht gestattet. Eintrittskarten in den Zahlstellen 25, an der Kasse 30 Pf. Für Tanz zahlen die Herren 50 Pf. extra. 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Vorführungen von Mitgliedern des Berliner Arbeiter- Radfahrervereins ( Mitglied des Arbeiter- Radfahrer- Bundes ,, Solidarität".) Von 3 Uhr nachmittags: Canz Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pfennige nach. für die Kinder: 248/ 16* Jedes Kind erhält am Eingang zwei Bons, von denen der eine gegen eine Stocklaterne umgetauscht werden kann, während der andere zur einmaligen Benutzung der Schaukel oder des Karussells berechtigt. Aufführungen eines Kasperle Theaters( ohne Entree). Für ausreichende Fahrverbindung ist Sorge getragen, da die StraßenbahnGesellschaft die Linien 10, 11 und 12 an diesem Tage bis Plötzensee durchführt und bei Bedarf vom Rosenthaler Tor ab Einsetzwagen verkehren, Von der Haltestelle ist zwei Minuten Weg bis zum Schützenhause. Vom Ringbahnhof Beusselstraße ist das Lokal zehn Minuten entfernt. Bei etwa eintretenden Unglücksfällen steht den ganzen Tag die ArbeiterSamariter- Kolonne gratis zur Verfügung. 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Das Lokal Mi eth es Festsäle, Juvaliden- strafje 84/85, hat den Besitzer gewechselt und wird unter dem Namen Rudolf Detloffs Festsäle weitergeführt Dasselbe steht der Arbeiterschaft nach wie vor zur Verfügung: desgl. ist in Adlers- Hof das Lokal„Kaiser Wilhelm- Garten", Kaiser Wilhelmstr. 29, frei geworden.» Die Lokalkommission. Achtung, 5. Wahlkreis. Der Wahlkreis begeht die Feier seines zehnjährigen Bestehens 1. durch eine Versammlung, welche am Montag, den S. I u l i, 8'/, Uhr abends, un Alten Schützen- Hause, Linien st r. 5 stattfindet. Genosse Liepmann referiert aus der Geschichte des 5. Kreises und sind alle jetzigen und früheren Mitglieder des Wahlvereins um freundliches Erscheinen gebeten. 2. Durch eine Feier am Sonnabend, 14. Juli, im Schweizer- garten, bestehend aus Konzert, Vorstellung, F e st r e d e des Abg. Genossen R o b. S ch nr i d t usw. Billetts an den bekannten Stellen. Wir bitten dringend, für zahlreiche Beteiligung an beiden Veran- staltungen Sorge zu tragen. Der Vorstand. Treptow. Laubenkolonisten, Ivelche den„Vorwärts" in Treptow und nordöstlich des Nixdorfer Stichkanals regelmäßig zugestellt haben wollen, werden ersucht, dies ihrem Spediteur oder der Parteispedition, Treptow. Kiefholzstr. 412 im Laden, mitzuteilen. Schmargendorf. Die nächste Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins findet am Mittwoch, den 11. Juli, abends 6>/z Uhr im„Wirts- Haus Schmargendorf", Warnemnuderstraße 6 statt." Pünktliches Er- scheinen jedes Genossen ist erforderlich. Der Vorstand. FricdrichSfclde. Die Zahlabende des Wahlvereins finden statt: 1. Bezirk bei Herrn I. Looße, Luisenstraße 29-, 2. Bezirk bei Herrn F. Haberland, Wilhelmstraße 38; 3. und 4. Bezirk bei Herrn G. Schulze, Wilhelmstraße 11: Karlshorst bei Herrn Gruhn, Prinz Albertstraße 27. Die Genossen werden ersucht, die Zahlabende reger zu besuchen. Der Vorstand. Johannisthal, Niedcr-Schöncwcide und Nudow. Am Dienstag, den 19. Juli, abends 8>/z Uhr, findet in Johannisthal im Lokale Nittcrshaus(Inhaber Oskar Meier) eine große Volksversammlung statt, in welcher der Reichstagsabgeordnete dcS Kreises Teltow- Beeskow Bericht über die Tätigkeit des Reichstages erstatten wird. Zahlreichen Besuch erwartet Der Einberufer. Adlcrshof. Am Dienstag, den 19. Juli, abends S'/a Uhr, findet bei Kaul, Bismarckstr. 16, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen Horlitz über:„Verbrecherische Staatsmittel", serner Kassenbericht vom 2. Ouartal sowie Bericht von der Kreis- Generalversammlung und Wahl von Delegierten zur Generalversammlung von Groß- Berlin. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ist notwendig. _ Der Vorstand. Berliner JSfacbrichtena Ein SonntagSausslug in die Umgebung von Berlin ist für einen familienvater oftmals kein Vergnügen mehr, wenn er sich mit rau und Kindern in einen überfüllten Bahnzug drängen muß. Hier hat die Familie erst eine Schwitzkur durchzumachen, bis sie das ersehnte Ziel erreicht. Fast auf allen Bahnhöfen in Berlin ist das Gedränge des Sonntags gleich groß; nur hier und da findet man mal eine bessere Gelegenheit mitzukommen. Die Klagen sind alt, aber für Abhülfe dieses UebelstandeS wird wenig getan. Am schlimmsten geht es vielleicht auf dem Stettiner Bahnhof her, trotz aller Extra- und eingelegten Züge, die ungenügend lang oder nicht zahlreich genug sind, um den Verkehr zu bewältigen. Durch die halben Maßregeln erkennt man nur den Uebelstand an und zeigt zugleich das Unvermögen, ihm wirksam zu begegnen. Geradezu eine Plage für den Ausflügler find die alten engen Wagen mit einem einzigen kleinen Fenster in der Türöffnung. Man kommt sich darin vor. wie in einem Arrestkasten, in den man auf ein Stünd- chen hineingesperrt wird. Wer das Glück hat, einen Sitzplatz zu gewinnen, der merkt bald, daß er sich in Dunkelarrest be- findet, denn der Wagen füllt sich schnell, und wo das klein« Fenster war. da sieht man nur noch einen Rücken und ist um jede Aussicht betrogen. Und wie gern betrachtet der Ausflügler die Landschaft, durch die er fährt, das sollte auch ein Teil des Vergnügens sein und besonders die Kinder haben eine Herzensfreude daran. Aus dem Stettiner Bahnhof muß man aber regelmäßig mit dieser Art der Beförderung zufrieden sein, und man würde nicht weiter raison- niercn, wenn man sich sagen könnte: Diese Wagen werden nur als Notbehelf genonunen und ermöglichen es, daß jeder seinen Sitz- platz hat und ein wenig aus dem Fenster blicken kann, aber davon ist. wie gesagt, keine Rede; der enge Gang zwischen den Sitzreihen ist mit stehenden Personen gefüllt, die froh sind, daß sie überhaupt noch mitgenommen wurden, denn man kann es den Insassen nicht der- denken, wenn sie sich der gewaltsamen Ucberfüllung ihres Abteils energisch widersetzen. Wer da mit Frau und Kindern einen Ausslug macht, hat natürlich seine liebe Not. Und wenn es abends heim geht, dann ist das Ungemach erst recht groß. Das sind die„Sommerreiscn" deö Berliner Arbeiicrs, solche Sonntagsausflüge mit Ach und Krach. Er kann nicht ms Gebirge fahren oder an die See, wo er sich einige Wochen dem süßen Nichts. run ergeben kann und in aller Beguemlichkeit die Reise niacht, erster oder zweiter Klasse natürlich. Da kann er doch wenigstens ver- langen, daß ihm seine kleine Sonntagsfahrt in die Umgegend von Berlin nicht noch verleidet wird. Er sehnt sich auch nach Wald und Feld und fährt so gern einmal hinaus, sich der schönen Natur zu er- freuen und einmal einen ganzen Tag im Freien zu verbringen. Es ließe sich schon leicht genug für größere Bequemlichkeit der SonntagsauSflügler sorgen und das ist auf allen Bahnhöfen not- wendig geworden. Wenn man die Klagen hört, dann könnte man glauben, daß es nirgends schlimmer sei als auf einem bestimmten Bahnhof, von dem die jüngsten Erfahrungen berichtet werden, aber so wird über jeden Bahnhof geklagt. ES ließe sich schon Abhülfe schaffen, wenn man nur sich etwas mehr daran gewöhnen wollte, daß in erster Linie auf die Ansprüche der großen Masse der Bc- völkerung Rücksicht genommen werden muß. Zum Prozeß wegen Muttcrmordes gegen Jordy. Das freisprechende Urteil gegen Jordy von der furchtbaren Anklage, die eigene Mutter ermordet zu haben, entspricht dem Rechtsbewnßtsein, das mit Entschiedenheit fordert und fordern muß, daß niemand verurteilt werde, dessen Schuld nicht klipp und klar erwiesen ist. Der Prozeß selbst bietet nach vielen Richtungen hin Bemerkenswertes für die Mangelhaftigkeit unserer Strafrechtspflege. Er hat, wie tausend Prozesse vor ihm es getan haben und wieder nach ihm es noch tun werden, die Gemeingefährlichkeit der Institutionen und der Gestaltung der jetzigen Vonmtersuchung gezeigt. Fünf Monate lang schmachtet ein Mann in Untersuchungshaft und wie sich herausstellt, in diesen 5 Monaten der Aufgabe gegenübergestellt, er solle seiue Unschuld beweisen. Daß er nich'r belveiscn kann, wo er an einem bestimmten Tage zu einer bestimmten Stunde gewesen, soll ein Glied in der Kette der Umstände sein, die für seine Schuld sprechen. Die Voruntersuchung im wesentlichen geleitet von der unobjektivsten Behörde, der Staats- anwaltschaft und ihren polizeilichen Hülfsorganen. Nicht nur der Augeschuldigte, auch die Zeugen werden nicht öffentlich, ohne jede Garantie für ein objektives Verfahren, ja die Zeugen in Abwesenheit des Beschuldigten vernommen. WelM kramen Wirrlvarr müssen Zeugenaussagen bieten, die durch Einvernehmen von Personen vor der Polizei oder auf Veranlassung der Polizei oder der Staats- anwaltschaft ohne jegliche Garantie zustande kommen. Und solch' Zeug ist nach unserer Strafprozeßordnung Grundlage eines Prozesses, bei dem es sich um Tod und Leben handelte. Der sogenannte Untersuchungsrichter ist nach der Struktur der Straf- Prozeßordnung in Wahrheit ja nichts anderes als ein Hülfsorgan der Staatsanwaltschaft. Der Jordy- Prozeß hat ferner das völlige Versagen der Polizeibehörden bei Kapitalverbrechen gezeigt. Statt eifrig der Spur des wirklichen Täters nachzuforschen, gehen die Kompetenzbedenkcn hin und her und man folgt der Spur, über die ein Reporter des Scherlblattes auf Hörensagen hin berichtet hat. Wahrlich, die volle Ohnmacht der Polizei zur Aufdeckung wirklicher Verbrechen hat sich in diesem Falle wieder einmal offenbart. Und sie mußte sich offen- baren, weil in dem Junkerstaat die Polizei auf alle möglichen anderen Dinge ihre Aufmerksamkeit zu richten hat, als da sind Tanz- lustbarkeit, Polizeistunde, Versammlungen usw. Eine Polizeibehörde, die in der preußischen Art militärisch organisiert und deren Tätigkeit auf alles mögliche außerhalb der Sicherheitspflege Liegendes ge- richtet ist, muß bei Kapitalverbrechen versagen. Hätten wir ein Groß- Berlin mit Selbstverwaltung, einschließlich der Polizei, so wären so viele Mißgriffe der Polizei unmöglich. Dann hätte nicht, wie jetzt, der ruhige Bürger sich vor der Polizei zu fürchten, der Verbrecher seine Freude an ihrer Wirkungslosigkeit. Die Ferienspiele für die Schuljugend, die von der Schulverwaltung auf einer Reihe von S ch u l h ö s e n an den Wochentagen ver- anstaltet werden, scheinen diesmal auf einige Hindernisse zu stoßen. Aus dem Südosten der Stadt wird uns mitgeteilt, daß dort die Schulhöfe erst vom 16. Juli ab für diese Spiele freigegeben werden. Wir wissen nicht, ob es anderswo ebenso gehalten werden soll. Aber bis jetzt haben wir allerdings vergeblich darauf gewartet, daß die Liste der Schulhöfe, die diesmal freigegeben werden, von der Schul- deputation veröffentlicht würde. Für die Sonntage bietet, was wir hiermit noch einmal in Erinnerung bringen wollen, der Arbeiter-Turn verein „Fichte" allen Knaben und Mädchen Gelegenheit, in den Vor- Mittagsstunden auf den vier Spielplätzen im Treptower Park, im Friedrichshain, an der Behmstraße und in der Jungfernheide unter fachkundiger Leitung von Turnern und Turnerinnen zu spielen. (Vergleiche die Notiz in unserer Freitagsnummer.) Am vorigen Sonntag, der den Beginn der diesjährigen Spiele des Vereins „Fichte" brachte, war die Beteiligung über Erwarten groß, viel größer als am ersten Spielfonnrag des vorjährigen Sommers. Es spielten auf den vier Plätzen diesmal 753 Kinder, während im vorigen Sommer am ersten Sonntag nur 571 Kinder an den Spielen teilgenommen hatten. Die ucue Oranieubriicke in der Mitte des Oranienplatzes is�in ihren Hauptteilen fertig und soll nach Fertigstellung der Beleuchtung dein Verkehr übergeben werden. Das Bauwerk hat eine Breite von 23 Meter zwischen den Brückengeländern, 16 Meter kommen auf den Fahrdamm und je 6 Meter auf die Bllrgersteige. Die Brücke ist durchweg aus hellgrauen Werksteinen hergestellt. Die Befestigung der Brückenfahrbahn besteht aus Holzklötzen und der Bürger- steige durch Granulitplattcn. Die an sich nur kurze Brücke erhält durch vier eigenartige, künstlerisch ausgeführte Beleuchtungskörper — Kandelaber größeren Stiles in Gestalt von vier Pfeilern mit Sphinxen, bronzenen Aufsätzen zu den Kandelabern usw. eine Er- Weiterung. Die Kosten des Baues stellen sich aus 523 999 M. Bon ciuem Droschkcnpfcrde arg zugerichtet wurde gestern nach- mittag der 15 jährige Straßenreiniger Max Warck aus der Müller- straße 1. W. hatte in der Potsdamerstraße den Fahrdamm gefegt und wollte eine leerstehende Droschke etwa» vorrücken. Er faßte das Pferd am Zügel, dabei biß das Tier W. ins Gesicht. Ober- und Unterlippe und auch die Backe wurden dem jungen Manne zer- fleischt. Auf der Rettungswache in der Mauerstraße erhielt W. die ersten Notverbände. Bon einem Postwagen überfahren und schwer verletzt wurde gestern abend der 46 Jahre alte Kaufmann Albert Grosse aus der Kantstr. 96. G. fuhr auf seinem Zweirade den Kurfürstendamm hinunter und an der Ecke der Wichmannstraße kam ihm plötzlich der Postwagen Nr. 747 in scharfem Tempo cntgegengcfahren. G. vermochte nicht mehr auszuweichen, wurde vom Gefährt mit dem Rade umgerissen und überfahren. Er trug an beiden Unterschenkeln schwere Verletzungen davon und erhielt auf der Unfallstation am Zoologischen Garten die ersten Notverbände. Durch einen Sturz aus dem Fenster hat sich gestern früh gegen 8 Uhr die b3jährige Ehefrau de? Bettfedernhändlcrs B., Ackerstr. 28, das Leben genommen. Frau B. war magenleidend und schwebte stets in der Furcht, bald sterben zu müssen. Diese Angst hatte die Unglückliche bald derartig gepackt, daß sie schließlich mit Selbstmord- gedanken umging. Als sich Frau B. gestern früh allein in der Küche befand, riß die Bedauernswerte in der Verzweiflung plötzlich das Fenster auf und stürzte sich von der dritten Etage mit einem Auf- schrei auf oen Hof hinab. Mit zerschmetterten Gliedern wurde sie nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht, starb aber bald nach der Einlieferung. Ei» Unglücksfall ereignete Pch gestern nachmittag auf dem in der Alten Jakobstr. 23 befindlichen Neubau. Hier stürzte ein nicht auf dem Bau beschäftigter Mann, der wohl jemand besuchen wollte, vom ersten Stock herunter und zog sich nicht unerhebliche innere Verletzungen zu. Der Verunglückte wurde mittels Droschke nach dem Krankenhaus gebracht. Beim Spielen von einem Neubau abgestürzt. Ein schwerer Unglücksfall, der vielleicht noch ein junges Menschenleben fordern wird, hat sich gestern abend in der�Schulstraße ereignet. Auf einem dortigen Neubau, an dem gegenwärtig nicht gearbeitet wird, hatten mehrere Schulknaben Versteck gespielt und waren dabei auch an dem Außengerüst hinaufgeklettert. Der ISjährige Schüler Otto Wcidner aus der Oudenarderstr. 35 wollte, als er in der dritten Etage an- gelangt war, einem Spielkameraden auf dem Gerüst ausweichen, verlor jedoch dabei das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe. In bewußtlosem Zustande wurde W. nach der Unfallstation in der Lindowerstraße und nach Anlegung von Notverbänden nach der Charite gebracht. Er hat u. a. auch schwere innere Verletzungen erlitten und dürfte wohl kaum mit dem Leben davonkommen. Die Sorge ums Brot. Von einem Vergnügungsdampfer ins Wasser gesprungen ist vorgestern nachmittag der 49jährige Kaufmann Karl Scholz aus Berlin.' Er benutzte den Dampfer„Delphin" zur Fahrt von Erkner nach Woltersdorser Schleuse und sprang, als sich das Fahrzeug auf dem Flakensee in der Nähe der Eiswerke befand, über das Geländer hinwetz in das Wasser. Der Kapitän ließ sofort stoppen und unternahm nnt dem Personal Rettungsversuche, die von dem Eisincister Schulz, der sich zufälligerweise mit seinem Kahne in der Nähe der Unfallstelle befand, mit Erfolg unterstützt wurde». Sch. wurde aus dem Wasser gezogen, ehe er ernsten Schaden erlitten hatte. Wie der Lebensmüde angab, hatte er de» Tod gesucht, weil er stellenlos ist. „Der Deserteur". Mit diesem Roman beginnt soeben der neue Band der in Wochenhefien zu 19 Pf. erscheinenden illustrierten Roman-Bibliothek„In Freien Stunden". Der Dichter führt den Leser an die sonnigen Gestade der Bretagne. Heiter und friedlich dehnt sich das blaue Meer und friedlich und heiter scheint sich das Leben hier abzuspielen, bis düstere Wolken die Sonne verhängen und das Meer zu brüllen beginnt. So wie die Natur oftmals plötzlich und unvermutet vernichtet, woran sie inühsam lange Zeit gebaut hat, so greift die rauhe Hand des Schicksals auch in das Menschenleben unerbitt» lich ein und zerstört, lvas langsam gekeimt, sich eben zur Blüte enfi- falten will. Wechselnde, stimmungsvolle Naturszenen, Menschen« schicksale voll rosiger Hoffnung und bitterer Enttäuschung weiß der Verfasser des Romans aufs innigste zu verweben. Wir können unsere Leser nur wiederholt bitten, auf diese wohlfeilen Hefte zu abonnieren, speziell ersuchen wir die Genossen, auch ihrerseits m Fabriken und Werkstätten neue Abonnenten zu werben. Probehefte gibt jede Parteibuchhandlung gratis. Arbeiter-Sängerbunb Berlins und Umgegend. Zum Provin« zial-Sängerfest in Rathenow am 15., Juli fährt ein Sonderzug ab Berlin(Lehrter Bahnhof) am 14. Juli, abends 8,98 Uhr. Fahr- preis-inkl. retour 2,99 M. Um die genaue Anzahl der Teilnehmer festzustellen, und da zu diesem Sonderzuge nur von einer Person sämtliche Fahrkarten gelöst werden müssen, so wollen die Bereine in der nächsten Ausschußsitzung das Fahrgeld für die Mitglieder an den Vorstand entrichten. Weitere Mitteilungen(Rückfahrt usw.)j in der Ausschußsitzung. Der Vorstand. Arbcitcr-Sanlaritcr-Kolonile. Montagabend pünktlich 9 Uhr, ordentliche Mitgliederversammlung bei Dase, Brunnenstr. 154. Tages» ordnung: 1. Vortrag über die Bestrebungen der deutschen Gesell- schaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. 2. Mitteilungen des Vorstai des. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Genosse Peter vom 4. Wahlkreis bittet die beiden Herren, welche sich am 19. Juni, abends von 11—12 Uhr, im Lokale deS Genossen Voigt, Grünauerstr. 3, befanden, in genanntem Lokale ihre Adresse abzugeben._ Vorort- JVacbricbten* „Fiirstenhof" in Zehlendorf. Der Nichtbesuch des Lokals„Fürstenhof" in Zehlendorf ist konsequent durchgeführt. Deshalb Heulen und Zähneklappen seitens des Pächters und der Gemeinde, die bekanntlich verbietet, den„Fürstenhof" zu sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Versammlungen zu benutzen. Mit Erfolg haben unsere Zehlendorfer Genossen aufgefordert, den„Fürstenhof" nicht zu besuchen. Darauf sind bis jetzt gegen zwei Dutzend Strafbefehle wegen vermeintlicher Straßenpolizeiübertretung ergangen. Natürlich ist Widerspruch erhoben. Aber damit war es dem Pächter des„Fürstenhof" nicht genug. Gester» erhielten 16 Zehlendorfer Genossen einen Einhaltsbefehl, der ans Antrag des„Fürstenhof"-Pächters Schwedhelm dahin vom Landgericht II, Zivilkammer, erlassen ist: „Im Wege der einstweiligen Verfügung wird den Antrags- gegnern untersagt, weitere Zettel zu verteilen, in denen aufae- fordert wird, den„Fürstenhof" zu boykottieren, und ferner sich in der Nähe des„Fürstenhofs" aufzuhalten, um Gäste von dem- selben fernzuhalten, bei Anwendung einer Haftstrafe von vier» undzwanzig Stunden für jede Zuwiderhandlung." Gegen diese merkwürdige einstweilige Verfügung, die anzugeben unterläßt, worauf sie glaubt sich zur Umarbeitung des Rechtes der Genossen stützen zu können, die Wahrheit über den„Fürstenhof" zu verbreiten, sind die erforderlichen Schritte eingeleitet. Zehlendorfer Genossen, die von solcher Verfügung nicht beglückt sind, mögen sich heute am„Fürstenhof" einfinden. Jetzt heißt es selbstverständlich erst recht für jeden Ar- beiter, der gleichberechtigt sein will, und Gleichberechtigung von anderen verlangt: Das Lokal„Fürstenhof" in Zehlendorf an der Wann- seebahn besuche ich nicht. Chnrlottenbnrg. Eine öffentliche Bersammlung der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter beschäftigte sich im Volkshause mit dem brutalen Akt des bis heilte angeblich noch nicht ermittelten VreSlaner Hand- abHackers. Der Referent Kollege Gebert kennzeichnete in scharfer Weise das unerhörte und brutale Vorgehen der Bceslauer Polizei im besonderen und daS der prcutzisch-deutschen Polizei im allgemeinen. Zum Schluß seines mit großem Beifall aufgenommenen Vortrages ermahnte der Redner zum Anschluß an die Organisation. Eine Re- solution, worin die Versammelten ihrer Entriistuug über jene ruch- lose Tat Ausdruck geben und zugleich eine verstärkte Agitation für die Organisation versprechen, wurde einstimmig angenommen. Hieraus führte Genosse Winter noch den Anwesenden die Notwendig- teit des Anschlusses an den Konsumverein vor Augen. Eine in dein Sinne gehaltene Resolution fand gleichfalls einstimmige Annahme. Auch hatten die Ausführungen des Genossen Winter erreicht, daß sich sofort eine Anzahl der Versammelten in den Konsumverein aufnehmen ließen. Verein Freier Kiiidergarte». DaS zweite Merkblatt deS Vereins ist Anfang Juli zur Ausgabe gelangt und beschäftigt sich mit der Frage: Warum lügt dein Kind? An dem Kindergarten des Vereins, Charlottenburg, Brauhof- straße 13, konnte infolge der wachsenden Inanspruchnahme der An- stall die Anstellung einer zweiten Hülfskraft erfolgen. Neuanmel- düngen von Kindern werden von 8—1 Uhr im Kindergarten oder bei Frau Toni Euhmann, Berlinerstr. 192, angenommen. Gcwcrbegcrichtsmahl in Charlottcnburg. Arbeiter, Partei» genossen! Infolge der Ungültigkeitserklärung der GewerbegerichtS« ivahl vom 29. Januar d. I. im dritten Wahlbezirk durch den Bezirkausschuß in Potsdam, findet am Mittwoch, den 11. Juli, für den dritten Wahlbezirk eine Nachwahl statt. Diese dauert von vor- mittags 19 bis nachmittags 1 Uhr und von nachmittags 5 bis abends 8 Uhr. Nur wer bis 8 Uhr im Wahllokale anwesend ist, wird zur Abgabe seiner Stimme zugelassen. Die Wahl ist geheim»ind erfolgt durch Stimmzettel. Wahlberechtigt sind alle diejenigen Arbeitnehmer, die am Tage der Wahl das 25. Lebensjahr vollendet haben und im dritten Wahlbezirk Beschäftigung haben oder, wenn sie in Charlottenburg nicht beschäftigt sind, im dritten Wahlbezirk ivohnen. Der Bezirk besteht aus 8 Abstimmungsbezirken. Gewählt wird Bezirk A: Turnhalle der 5./6. Gemeiudeschnle, Bezirk B: Restaurant„Zum Hirsch", Englischestr. 26 und Bezirk C:„Logen-Restaurant", Berlinerstr. 61. Eingang Kirchhofstraße. Als Kandidaten fungieren: Otto Eckhardt, Schlosser; Eduard Pohl, Anschläger; Adolf Schöbe!, Transportarbeiter. Der Ausschuß der Charlottenburger Gewerkschaftskommission. J. A.: Otto Flemming, Schlüterstr. 68. = Arbeiter! Parteigenossen! Wir ersuchen Euch, mit bedeutender die Eltern ersucht, heute nachmittag 122 Uhr mit ihren Kindern an| Baufluchtlinie der Heeresstraße, die dritte einen Grundstücksverkauf. Stimmenzahl die aufgestellten Kandidaten zu wählen. Auskünfte den Spielen der Freien Turnerschaft teilzunehmen. Treffpunkt ist Diese beiden Vorlagen werden debattelos genehmigt. Ebenso die find am Wahltage im Bureau des Wahlkomitees, Volkshaus", Edison- und Wilhelminenhofstraßen Ede. Von da findet der ge- vierte Vorlage, die die Herstellung der Zufahrtsstraße zum neuen Rosinenstr. 3, vorn, bei Emil Müller zu holen. meinsame Abmarsch nach dem Spielplatz statt. Vorortsbahnhof von der Stadt auszuführen verlangt. Auch dieser stimmte die Versammlung zu. Der anwesende Genosse Köpnik nahm Lichtenberg. zu der Vorlage teine Stellung. Es wäre aber erwünscht gewesen, Kinderspiele. Unter Leitung eines Mitgliedes der freien wenn die sozialdemokratische Fraktion den Antrag hätte stellen Der Charlottenburger Magistrat teilt folgendes mit: Die Waisen- Turnerschaft Stralau- Rummelsburg, Abteilung Lichtenberg, finden können, die Kosten der Straße von den 700 000 M., welche die Stadt Berwaltung in Charlottenburg sucht eine größere Anzahl geeigneter Kinderspiele für Kinder von 4 bis 14 Jahren an den fünf Ferien- als Kosten zu den Bahnbauten bewilligt, in Abzug zu bringen. In Pflegestellen für Säuglinge in Charlottenburg selbst, Sonntagen, bom 8. Juli bis 12. August, auf dem Spielplatz des fofern ist das Fehlen unserer Genossen auch zu bedauern. sowie in Berlin und den anstoßenden Vororten. Er- Herrn Giersch, Frankfurter Chauffee 129, von vormittags 8-1 Uhr wünscht sind namentlich Meldungen von Pflegemüttern, die bereit statt. Treffpunkt 48 Uhr an folgenden Sammelplägen: 1. Frantfind, Säuglinge im frühesten Alter unmittelbar nach der Ent- furter Allee, Ede Blumenthalstraße; 2. Frankfurter Chaussee, Ecke laffung der Mütter aus der Entbindungsanstalt in Pflege zu nehmen. Gürtelstraße. Rege Beteiligung erwünscht. Anfragen find an Meldungen werden baldigst an die Geschäftsstelle der Waisenverwal- Karl Hoffmann, O. 112, Blumenthalstr. 7, zu richten. tung Charlottenburg, im Rathaus, erbeten. Mündliche Auskunft wird dort Erdgeschoß Zimmer 31 täglich von 12-2 Uhr erteilt. Pankow. Steglik. Den Finalabschluß für 1905 behandelt dann die erste Nummer der Tagesordnung. Nach diesem Abschluß hat sich für das Jahr 1905 ein Gesamtüberschuß von 308 465,65 M. ergeben. Nach der Vorlage sollen von den Ueberschüssen aus der Kämmereikasse überwiesen werden: 11 000 M. dem Straßenregulierungsfonds, 25 000 m. dem Baufonds einer Turnhalle, 3970,56 M. dem Grundstückseriverbungsfonds, 75 000 m. sollen für für das Etatsjahr 1907 vorgetragen werden. Der Rest von 125 000 m. soll einem zu Der hiesige Arbeiter- Turnverein richtete vor vier Wochen an die bildenden Steuerausgleichsfonds und die Ueberschüsse der Gaskasse und Gemeinde das Ersuchen, ihm eine Turnhalle zu überlassen. Auf der Elektrizitätskasse den Reservefonds dieser Kassen überwiesen Eine verwickelte Geschichte. Wie fürzlich berichtet, wurde der Grund der Regierungsverfügung vom 22. März 1904, betreffend die werden. Die Versammlung tam jedoch noch zu keinem definitiven fozialdemokratische Protest gegen die Gemeindewahlen im ersten Verwendung zu anderen Zweden als zu denen des öffentlichen Unter- Resultat über diese Vorlage; der Vorsteher Schröder ist nämlich Bezirk von der Gemeindevertretung auf Antrag der Wahlprüfungsrichtes, erklärte sich die Schulkommission und der Kreisschulinspektor mit der Verteilung der Üeberschüsse nicht einverstanden. Er will, tommiffion für unbegründet erklärt. Hiermit müssen wir uns vor für unzuständig, es wurde deshalb das Gesuch dem Landrat des daß 139 970 m. für das Etatsjahr 1907 vorgetragen werden, um Täufig bescheiden. Jedoch wollen wir eine Feststellung des Streises Nieder- Barnim überwiesen, welcher dem Vorsitzenden den eine Herabsetzung der Stenerzuschläge herbeizuführen. Die VerKommissionsberichterstatters Dr. Beyendorf, die jedenfalls zu denken nachfolgenden Bescheid zustellen ließ: gibt, unseren Lesern nicht vorenthalten. Unser Brotest rügte unter sammlung vertagte schließlich die Vorlage auf fechs Monate. Da anderem auch, daß bei der Stichwahl insofern eine unzulässige Beber Referent Stadtv. Thomas hervorgehoben, daß der Grundbesitz schränkung der Deffentlichkeit des Wahlattes stattgefunden habe, als den Löwenanteil zu diesen Ueberschüssen beigetragen, so steht zu bes eine Anzahl Wähler durch Polizeibeamte veranlaßt wurden, sofort fürchten, daß bei der eventuellen Steuererleichterung die Grunds nach Stimmabgabe das Wahllokal zu verlassen. In der Gemeindebefizer versuchen, den Löwenanteil zu erringen, und werden unsere vertretersizung vom 30. März erklärte der Gemeindevorsteher Genossen scharf darüber zu wachen haben, daß dieses verBuhrow, der als Wahlvorsteher fungiert hatte, zu diesem hindert wird. Beschwerdepunkte, daß dem Wahlvorstande davon nichts beTannt geworden sei; er habe indessen von dem Polizeikommissar Hoffmann einen Bericht darüber eingefordert. In diesem Bericht, der zur Verlesung gelangte, bekundete der Kommissar, daß abends dergleichen nicht borgekommen sei. Hierauf sich stüßend, bemerkte Herr Buhrow, daß also auch dieser Beschwerdegrund hinfällig sei. Am legten Freitag führte nun aber Herr Dr. Behendorf aus, daß die in dem Protest aufgestellte Behauptung der Beschränkung der Deffentlichkeit zugegeben werden müsse; doch sei dadurch niemand das Wahlrecht verkürzt worden, denn denjenigen Wählern, die angaben, sie hätten noch nicht gewählt, sei ohne weiteres der Zutritt wieder gestattet worden. Die Entfernung der Wähler, die ihre Stimme bereits abgegeben hatten, sei auf Anord= nung des Wahlvorstandes erfolgt. Die Deffents lichkeit der Wahl fei nur eine bedingte, und wenn in Rüchsicht auf den beschränkten Raum der Wahlborstand behufs glatter Abwidelung der Wahlgeschäfte eine solche Anordnung erlaffe, so handle er im Rahmen feiner Befugnisse. Die juristische Rabulistit des Herrn Dr. Beyendorf interessiert uns hier iveniger als die interessante Feststellung, daß die von uns gerügte Beschränkung der Deffentlichkeit tatfächlich stattgefunden hat, und daß sie von dem Wahlborstand ausbrüdlich angeordnet worden ist. Ja, was denn nun? Der Gemeindevorsteher Buhrow bes richtet am 30. März, daß dem Wahlborsteher Buhrow und deffen Beifizern am 14. März nichts von den protestlerischen Behauptungen bekannt geworden sei, und der Amtsvorsteher Buhrow läßt sich vorsichtshalber noch durch den Polizeikommissar bestätigen, daß der Gemeindevorsteher Buhro to recht hat, wenn er den Wahlvorsteher Buhrow gegen den Vorwurf der Beschränkung der Deffentlichkeit in Schutz nimmt. Jezt kommt Herr Dr. Beyendorf und sagt mit dürren Worten das Gegenteil. Wer hat mun recht? Dom an den Gemeindevorstand in Bankow gerichteten Ge. fuch vom 6. b. M. wegen Ueberlassung der Turnhalle der Gemeindeschule in der Grunowstraße stattzugeben bin ich nicht in der Lage. Die Turnhalle ist zunächst und ausschließlich für die Volksschule mit ihren 18 Klassen, deren Zahl von Jahr zu Jahr beträchtlich wächst, bestimmt und darf dieser Bestimmung nur infoweit entzogen werden, als es sich mit dem Interesse der Volks- Die zweite Vorlage betrifft die Genehmigung des Projekts für schule verträgt. Da nun diese 18 Klaffen die Halle nicht allein den Neubau eines Schulhauses für die zweite Gemeindeschule an des Vormittags, sondern auch an den Nachmittagen benutzen, der Moltkestraße neben der Realschule und Bewilligung der Mittel m. müssen für die sehr nötige Lüftung und Säuberung die Abende mit 320 000 M. Die Mittel sollen durch eine 3-4 proz. Anleihe freibleiben. Auch kann dem Schuldiener, der im Winter noch die mit 2 proz. Amortisation beschafft werden. Für dieses Schulhaus Die eine da Zentralheizung der Schule bedienen und dementsprechend in dieser foll auch gleich eine Doppelturnhalle gebaut werden. Jahreszeit schon vor Tagesanbruch seinen Dienst antreten muß, bon gehört zur 2. Gemeindeschule, die andere, die sogenannte nicht noch zugemutet werden, die Halle abends nach 10 Uhr zu Jubiläumsturnhalle foll für allgemeine Benutzung freigegeben reinigen, was bei der in Aussicht genommenen Benutzung ges werden. Nach längerer Diskussion stimmte die Versammlung der Es wird ja unseren Genossen wohl noch Gelegenheit schehen müßte. Schließlich erscheint es untunlich, daß der Verein, Vorlage zu. welcher sich nicht im Besitz eigener Turngeräte befindet, die der gegeben werden, ihre Wünsche bezüglich der Benutzung der Schule gehörigen Geräte benutzt. Jubiläumsturnhalle zum Vortrag zu bringen, daß nämlich auch den J. A.: von Seidlik, Regierungsassessor. hiesigen Turnvereinen unterschiedslos die Benutzung der Halle zur An Verfügung gestellt wird. Zehlendorf. den Vorsitzenden des Arbeiter- Turnvereins Bankow Herrn Maurer Friedrich Sasse in Pankow. Erwähnenswert ist noch, daß für den verbindlichen katholischen Religionsunterricht der gehobenen Schulen noch 300 M. gefordert werden. 500 M. hatte die Versammlung hierzu bereits bewilligt, da aber Diese zarte Rücksichtnahme auf die Ueberanstrengung des Schul- der Unterricht vom Priester und vom Kaplan erteilt wird, so waren Dieners wirft um so lächerlicher, als man weiß, daß die Herren von die 500 m. nicht ausreichend. Man sieht, auch die Diener der christder Regierung sich sonst verdammt wenig um die Besoldung und lichen Kirche wissen den weltlichen Mammon zu schätzen und da der Arbeitsleistung der von der Gemeinde besoldeten Schuldiener Appetit gewöhnlich beim Essen kommt und die Kirche sowie ihre fümmern. Der fernere Einwand, daß der Turnverein sich nicht im Diener, wie man sagt, einen guten Magen haben, so dürfte man Besitze eigener Turngeräte befindet, kann nur erheiternd wirken, sich auch nicht wundern, wenn über kurz oder lang noch eine diesindem der in Frage kommende Turnverein für die Benutzung be- bezügliche Mehrforderung kommt. Die Versammlung bewilligte zahlt hätte. Die Turngeräte sind Eigentum der Gemeinde und selbstverständlich auch diese 300 M. aus dem Steuersäckel, zu dem haben unserer Auffassung nach die Steuerzahler ein Anrecht auf auch eine große Anzahl Personen beitragen, die von der Kirche und die Benutzung der Geräte. ihren Dienern nichts wissen wollen. Man sollte doch nicht derartige Ausreden gebrauchen, sondern einfach sagen: den Arbeiter- Turnvereinen verweigern wir die öffentlichen Turnräume, wir treiben zwar die jugendlichen Turner in Restaurationsräume, wo sie schließlich trinken müssen, aber der Staat ist gerettet. Unsere Gemeindevertreter werden nunmehr den Antrag stellen, dem Arbeiter- Turnverein die Turnhalle der Realschule zu öffnen, da dort schon seit Jahren verschiedene Turnvereine unbehindert turnen. Sollte wider Erwarten der Antrag abgelehnt werden, so werden unsere Genossen den Antrag stellen, eine Gemeindeturnhalle nebst Spielplab zu erbauen, da eine derartige Einrichtung nicht den Schulbestimmungen unterliegt. Echt russisch. Der von der Zehlendorfer Arbeiterschaft gegen das Lotal Fürstenhof" geführte Boykott läßt die dortige Polizei nicht zur Ruhe kommen. Es genügt schon, daß sich am Bahnhof gegenüber dem Fürstenhof" zwei Personen etwas erzählen, so fann man sicher sein, daß das einen Hüter der göttlichen Ordnung geradezu nervös macht. Strafmandate von 9 M. find alsdann eine besondere Spandau. Vergünstigung. Indes ist es gar nichts Se'tenes, daß man einen Die lekte Stadtverordneten- Bersammlung vor den Ferien am Boykottposten sistiert und, obwohl er nicht unbekannt ist, ihn Donnerstag hatte noch eine Tagesordnung von 35 Nummern, sowie zwölf Stunden ins Spritzenhaus sperrt. Das sind eben Einrich- Sigung( von der sozialdemokratischen Fraktion war nur ein Mitglied einige Stunden auf der Wache behält, wenn nicht gar zehn bis vier dringliche Vorlagen zu erledigen. Der schwache Besuch dieser tungen, mit denen sich die steuerzahlenden Bürger Zehlendorfs ab- anwesend) ließ schon auf große Ferienstimmung schließen. Es wäre finden müssen. Unsere Genossen werden jedoch nicht unterlassen, gegen solche boch aber zu wünschen geweſen, daß unsere Fraktion stärker berUnsere Genossen werden jedoch nicht unterlassen, gegen solche treten war, zumal der Neubau einer Gemeindeschule vorlag, Polizeiwillfür Beschwerde einzulegen. Wenn man glaubt, da wobei unsere Fraktion hinsichtlich der Einrichtung von Brausebädern man sich sicher auf falscher Fährte. Mehr denn je wird die Behlen Fehlen fast aller Mitglieder der schon nicht starken sozialdemodurch den Boykott gegen den Fürstenhof" zu bannen, so befindet in dieser Schule Anträge stellen und vertreten konnte. Es muß das dorfer Arbeiterschaft ihre Pflicht erfüllen, d. h. so lange den Kampf fratischen Fraktion unbedingt gerügt werden. Von den vier dring führen, bis man sie als gleichberechtigten Faktor betrachtet. lichen Vorlagen betraf die eine die Beschickung des Forsttages zu Danzig durch den Oberförster und zwei Deputationsmitglieder. Die Versammlung setzte der Reiselust insofern einen fleinen Dämpfer auf, als sie nur die Mittel für den Oberförster und ein Deputationsmitglied bewilligte. Die zweite Vorlage betrifft die Festsetzung der Ober- Schöneweide. Jugendspiele. Wie allenthalben, so finden auch für die OberSchöneweider Kinder Jugendspiele statt. Zu diesem Zwecke werden Sozialdemokrat. Wahlverein f.d.4. Berl. Reichstagswahlkreis ( Stralauer Viertel). Bezirk 177b. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Genoffe, der Zimmerer Friedrich Puttenat wohnhaft Simon Dachstraße 1 ( früher: Mustauerstraße 28) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 9. Juli, nachmittags 3 Uhr, bom Trauerhause, Simon Dachstraße aus nach dem Thomas- Kirchhof in Nigdorf statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. 3eutral- Kranken- und Sterbekaffe der Zimmerer. ( E. H. No. 2, Hamburg.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Zimmerer Friedrich Puttenat Simon Dachstr. 1 wohnhaft, am 4. Juli verstorben ist. am Die Beerdigung findet Montag, den 9. Juli, nach mittags 3 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem ThomasStirchhof, Hermannstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand, Bezirk V. Von der Reise zurüd: Dr. Swarsensky, Kinderarzt, Wrangelstraße 49. Allen Wen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unfer guter Bater und Schwieger bater, der Zimmerer Friedrich Puttenat plöblich verstorben ist. Die Beerdigung findet Montag, nachmittags 3 Uhr, nom Trauer hause, Simon Dachstr. 1, nach dem Thomas Kirchhofe in Rigdorf, Hermannstraße, statt. Um stilles Beileid bitten die trauernden Hinterbliebenen. Zentral- Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. ( Bezirk 5.) Allen Kameraden hiermit zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied Friedrich Puttenat verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mon tag, den 9. Juli, nachmittags ühr, vom Trauerhause Simon Dachstraße 1 aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes Albert Nickel fage allen Beteiligten, insbesondere bem sozialdemokratischen Wahlverein Zentral- Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin u. Umgegend. ( Bezirk 8.) Allen Kameraden hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied Otto Fabian durch Absturz tödlich verunglückt ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Wilmersdorfer Kirchhofes, Berlinerstraße, aus statt. Um rege Beteiligung bittet 254/18 Der Vorstand. Todes- Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Schwester und Schwägerin Emma Gutte geb. Borde nach langen schweren Leiden am 6. Juli, nachmittags 5%, Uhr, im Alter von 45 Jahren sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet Montag, ben 9. Juli, nachmittags 5, Uhr, von der Leichenhalle des städti schen Friedhofes in Friedrichsfelde statt. 28646 Um stille Teilnahme bittet im Namen der Hinterbliebenen Der trauernde Gatte Wilhelm Gutte. Die übrigen Vorlagen wurden meist debattelos genehmigt. Auf eine Anfrage des Stadtverordneten Dr. Engelhardt, ob die A. E.-G. denn schon dem Vertrage bezüglich des Ankaufes der Straßenbahn seitens der Stadt zugestimmt, erwidert Bürgermeister Wolf, daß dies bis auf einige unwesentliche Kleinigkeiten geschehen sei und die endgültige Ratifizierung des Vertrages dem nächst erfolgen werde. Potsdam. Der Wahlverein nahm in seiner Sigung vom 4. Juli den. Kassenbericht für das 2. Quartal d. Js. entgegen. Die Einnahme betrug 433,48 M., die Ausgabe 374,08 M., Bestand 59,40 m. Unter Hinweis auf den ungünstigen Kassenbestand rügte der Vorsigende die Lauheit der Genossen, die dazu beigetragen habe, daß die in letter Beit vom Wahlverein arrangierten Veranstaltungen sämtlich mit einem Defizit abschlossen. Möge der Appell des Genossen Staab wurde ein Antrag angenommen, daß die Broschüre über den politischen an die Pflichterfüllung der Parteigenossen den gewünschten und notwendigen Erfolg zeitigen. Zur Kreisgeneralversammlung Massenstreit im ganzen Wahlkreis gratis verteilt werden soll. Gine längere Debatte entspann sich noch bei dem Punkt Stiftungsfest". Beschlossen wurde schließlich, das StiftungsStiftungsfest unseres benachbarten Brudervereins in Bornim fest am 26. August im„ Bittoriagarten" zu feiern. Hingewiesen sei noch auf das am 5. August stattfindende Bornstedt, sowie auf die Dampferpartie der Weltener Genossen, welche am tommenden Sonntag( 8. Juli) nach Potsdam tommen und mittags zwischen 11 und 12 Uhr am Kiewitt" an " Tegen. Für ür die überaus herzliche Teilnahme Heimgang meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, des Storb: machermeisters 28466 Zentral- Kranken- u.Sterbekasse und herrlichen Kranzspenden beim der Zimmerer. ( E. H. Nr. 2, Hamburg.) Bezirk 3. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Zimmerer Wilhelm Stange, am Gubenerstraße 13 wohnhaft, am 5. Juli 1906 verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 8. Juli, nachmittags 2 Uhr, bom Trauerhause Gubenerstraße 13 aus nach dem St. Markuskirchhof in Wilhelmsberg statt. Um rege Beteiligung ersucht 257/17 Der Vorstand. Arbeiter- Raucher- Bund Berlins und Umgegend. Hiermit zur Nachricht, daß die Ehefrau unseres Bundes mitgliedes Berta Glagow aus dem Klub Freiweg I" am 4. Juli verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. Juli, nach mittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Schöneberger Friedhofes in der Marstraße aus statt. Der Vorstand. Künstliche Garantie für guten Siz u. BrauchbarPrinzenZähne 1,50 M. Dt. Bilmersdorf, den Arbeitskollegen Dr. Simmel, Str. 41, der Firma A. Förster, sowie dem Gefangverein Wilmersdorfer Lieders tafel" meinen innigsten Dant. Ww. Emilie Nickel nebst Kindern. * Wilhelm Kummer sagen wir allen lieben Verwandten, Freunden und Bekannten, fowie der Korbmacher- Innung unseren tiefgefühlten Dant. Die trauernde Witwe: nebst Auguste Kummer Familie. Berlin O., Frankfurter Allee 58. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Baters und Schwiegervaters 17392 Hermann Malzahn fagen wir allen Freunden und Kollegen, die ihm das legte Geleit ge geben, unseren herzlichsten Dant. Die trauernden Hinterbliebenen. BREUERS Festsäle „ Zur ,, Zur Königsbank" Gr. Frankfurterstr. 117. X Inh. Curt Breuer. X Amt Vila, 8142 Den geehrten Gewerkschaften, Vereinen, Klubs empfehle ich meine Gesamträume zur Abhaltung von Versammlungen und Festlichkeiten jeder Art zu den kulantesten Bedingungen. Um recht regen Zuspruch bittet Trinkt Brandt alkoholfrei [ 16292*] Curt Breuer, Gastwirt. Brause Brause wohlschmeckend Generalvertrieb für Berlin W., SW. und die westlichen Vororte V. Stabinski, Wilmersdorf- Berlin W., Badenschestr. 18. Tel. Amt Wi. No. 444. Jedes Jenensia- Rad ein Meisterwerk deutscher Technik. Teilzahlung! Zwei Jahre Garantie! mit Sozial- Räder. 65.-, Sozial- Luxus-, laut,. 100.-. Freilauf, feit. Blomben 1 M. 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