Nr. 157. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post- Zeitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Erideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 fg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Zur Diskussion über den I. affenftreik. " Dienstag, den 10. Juli 1906. " " " 0 Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. In elfter Abendstunde tam es in dem entlegenen Stadtteile Pesti zu einem Zusammenstoß zwischen einer großen Menschenmenge und der Polizei und Kosaken, als die Polizei einen Reserveoffizier, der eine politische Rede hielt, verhaften wollte. Die Menge bewarf die Kosaken und die Polizei mit Steinen und flüchtete, als die Kofaten in die Luft feuerten, in den Hof eines benachbarten Hauses. Die Rosalen drangen in den Hof ein und feuerten hier nochmals, als aus den Fenstern Steine auf sie geworfen wurden. Die Ruhe wurde erst nach Mitternacht wieder hergestellt. Eine größere Anzahl Personen wurden verwundet. Hooligans, die vorgestern ein Bolksbad verwüstet hatten, traten auch bei den geftrigen Sundgebungen in den Vordergrund. Unruhen im Heere, im Kaukasus und bei den Bauern. Petersburg, 9. Juli. Nach Meldungen aus Tula habeu dort das demonstration für inopportun und deshalb nicht für fönne. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der das Projekt ale empfehlenswert erklärte. Diese Haltung des Parteivorstandes unausführbar bezeichnet und der Hoffnung Ausdruck gegeben wird. fann aber nur derjenige tadeln, der die Meinung ver- daß die Arbeitsgruppe ihr Projekt fallen lassen und sich der sozial tritt, die Wahlrechtsagitation habe unbedingt, da demokratischen Arbeiterpartei anschließen werde. Petersburg, 9. Juli.( W. T. B.) An vielen Punkten der Stadi die übrigen Demonstrationen erfolglos blieben, durch einen fanden gestern politische Kundgebungen statt, bei denen rote Flaggen Massenstreit sofort eindrucksvoller gestaltet werden können mitgeführt und revolutionäre Lieder gefungen wurden. Auf der Niko. Da es scheint, als ob die Parteipresse neue Gesichts- und müssen. laibrücke und an einigen anderen Stellen hielten die Manifestanten die punkte zu der Debatte über die Stellungnahme des ParteiNun ist freilich in der Sächsischen Arbeiter- Straßenbahnen an und verlangten vom Bublifum, daß es die roten vorstandes zum Massenstreit nicht mehr vorzubringen hätte, zeitung gesagt worden, der Parteivorstand habe Flaggen und die freiheitliche Bewegung durch Entblößen des Hauptes beist es an der Zeit, sich mit den vorliegenden Preßäußerungen wenigstens der Deffentlichkeit seine Auffassung von der Un- grüße. Das Publikum tam der Aufforderung nach. An einigen anderen zu befassen. Handelte es sich bei den Auseinandersetzungen zweckmäßigkeit einer sofortigen Anwendung des Massenstreits Stellen wurden die Straßenbahnwagen mit Steinen beworfen. nur um die Frage, ob der Parteivorstand im Verlaufe der nicht vorenthalten dürfen, um der Partei die Möglichkeit zu Stavalleriepatrouillen zerstreuten die Unruheſtörer. ganzen Angelegenheit formell stets einwandsfrei vor- geben, dieser Auffassung entgegenzutreten. Nun, der Parteigegangen sei, sei, so verlohnte sich ein längeres Ein- vorſtand hatte nicht den geringsten Grund zu der Annahme, gehen auf den Streit nicht; da jedoch von mehreren daß seine Auffassung von einem irgend erheblichen Teil der Partei Parteiblättern gegen den Parteivorstand der Vorwurf nicht geteilt werde. War ihm doch durch seine mit den sä ch erhoben wurde, er habe sogar dann, wenn man den von sischenparteiinstanzen gepflogenen Verhandlungen, bei ihm selbst gegebenen Wortlaut des ersten Leitfages als denen auch die Redaktion der Sächsischen Arbeiterzeitung" authentisch betrachtet, gegen die Jenaer Resolution über den bertreten war, bekannt geworden, daß die Befürworter der eine geringe politischen Massenstreit verstoßen und durch sein„ Bremsen" Proklamierung des Massenstreits nur die anfangs fräftig einsetzende preußische Wahlrechtsbewegung Minorität darstellten. Und andererseits ist diesen Befür zum kläglichen Verebben gebracht, ist eine eingehendere Auswortern des Massenstreiks bei dieser Gelegenheit auch die Aufeinandersetzung dringend geboten. Nicht etwa, um den Partei- fassung des Parteivorstandes kein Geheimnis geblieben. vorstand zu verteidigen das zu besorgen, ist er selbst Aber auch die Verhandlungen innerhalb der Fraktion Mannes genug, sondern um zu zeigen, welch verbrachten es mit sich, daß der Parteivorstand sich über die worrene Auffassungen über den Massenstreit Auffassungen der Partei über den Massenstreit nicht im un- Troigtoiregiment wegen schlechter Beköftigung und in Bachmet eine und unsere Zattit überhaupt in unseren flaren befinden konnte. Es ist eine schlechthin unbestreitbare Sotnie des 23. Donschen Kofatenregiments gemeutert und zwar, Reihen noch verbreitet sind, und daß diese Ver- Tatsache, daß eine Stimmung für die Anwendung des weil zehn Stosaken als politisch verdächtig verhaftet werden sollten. Gestern sind mehrere Extrazüge mit worrenheit immer neue tattische Debatten gepolitischen Massenstreiks im Dienste des damaligen Wahlrechts- Truppen, zahlreichen Maschinengewehren und Munition nach dem bären muß, sofern nicht gründliche Klarheit tampfes so gut wie nirgends zu beobachten war. Die Stautafus abgegangen. Leipziger Volkszeitung" trifft deshalb den Nagel Nach Meldungen aus Kursk nehmen die Agrarunruhen im Kreise geschaffen wird. Doch beschäftigen wir uns zunächst einmal mit der for- auf den Stopf, wenn sie erklärt, daß sich der Partei- Lgow bedenkliche Dimensionen an. malen Seite der Streitfrage. Da handelt es sich in erster borstand mit seiner Auffassung im vollsten EinVon der Konterrevolution. Linie darum, ob der Parteivorstand erklärt habe, er habe berständnis mit den Massen der Partei bePetersburg, 8. Juli.( Von einem besonderen Berichterstatter.) ,, nicht die Absicht, den politischen Massenstreit zu propagieren" funden habe. Von einem" Bremsen" könne überhaupt Aus Jaroslaw haben Mitglieder des Verbandes des russischen oder er habe nicht die Absicht, gegenwärtig den poli- keine Rede sein, da sich gar keine Massenkundgebungen zu Wolfes" an den Präsidenten der Reichsduma ein Telegramm mit der tischen Massenstreit zu propagieren". Wir meinen, daß, wie gunsten eines Massenstreits bemerkbar gemacht hätten. Und, Bitte gesandt, dem staiser das Gesuch um Errichtung einer Militärauch immer der Wortlaut dieser These gewesen sein möge, fo fügen wir noch hinzu, eine solche Massenkundgebung würde bittatur zu übermitteln!! In der Neichsduma war es, wie erüber deren Sinn eigentlich gar kein Streit möglich sein konnte! auch dann ausgeblieben sein, wenn der Parteivorstand seine innerlich, fürzlich scharf getadelt worden, daß der„ Regierungsbote" Man bedenke doch nur die Situation: Die Konferenz Ansicht in aller Deffentlichkeit zur Debatte gestellt hätte. ähnliche direkt an den Staifer gerichtete Stundgebungen veröffentlichte. Von verschiedenen Parteiblättern, der Sächsischen Moskau, 9. Juli.( B. H.) Der Stadthauptmann ließ die zwischen Parteivorstand und Generalfommission fand Anfang Februar statt, also im Augenblick des Wahlrechts Arbeiterzeitung", dem Bochumer Volts- Herausgeber der Rußtoja Glotvo" sowie der„ Narodnja Gazetta" zu sich berufen und gab ihnen bekannt, er werde die von ihnen tampfes. Wenn in diesem Moment zwischen den Vertretern von blatt" und der Dortmunder Arbeiterzeitung" herausgegebenen Zeitungen, falls sie die aufreizenden Artikel nicht Partei und Gewerkschaft über den Massenstreik gesprochen wurde, ist aber dem Parteivorstand gar zum Vorwurf gemacht wor- einstellten, fiftieren. Hierzu sei er durch den über Moskau verhängten so konnte es sich doch nicht um eine definitive, prin- den, daß er sogar auf die Propagierung" des Massenstreits, Bustand des außerordentlichen Schußes berechtigt. zipielle Verständigung über den Massenstreit, über den die doch noch gar feine Protlamierung sei, ja der bindende Jenaer Beschluß vorlag handeln, sondern ein- berzichten zu wollen erklärt habe. Wie man im übrigen auch fach um die Frage: wie stellen wir uns zum Massenstreit in die Jenaer Resolution auslegen wolle: zum mindesten mache der augenblicklichen Situation? Und wenn da der fie doch die Propagierung des Massenstreits zur unParteivorstand erklärte, er habe nicht die Absicht, den Massen- weigerlichen Pflicht. Wir können nicht umhin, in diesem ftreit zu propagieren, so konnte das gar nichts anderes heißen, Vorwurf nichts als eine Wortlauberei zu erbliden. als daß für ihn der Massenstreit als Pressionsmittel Denn es sollte doch für jeden Genossen, dem es um eine sinn. Am 30. Juni sprach in einer von der„ Gesellschaft der Freunde im gegenwärtigen Wahlrechtstampfe nicht in semäße Interpretation der Erklärungen des Parteivorstandes Frage fam. zu tun ist, ohne weiteres flar sein, daß derselbe nur die Pro- des russischen Volles" einberufenen Versammlung zu Paris Man hat sich mit förmlich talmudistischer Spitfindigkeit pagierung der augenblidlichen Verwirklichung der Dichter Anatole France über die Situation, in die Frankbemüht, einen anderen Sinn aus den Erklärungen herauszu- des Massenstreiks meinen fonnte. Das ergibt sich zur Evidenz reich als Geldgeber des Barismus gelangt ist. Die Anleihen", deuteln. So hat das Bochumer Voltsblatt" nach aus der These 2, die da beginnt: Wenn dennoch ein solcher sagte er, sind heute für Frankreich eine ernste politische und zuweisen versucht, daß der Leitfag 1 in der ihm vom Partei- Streit ausbrechen sollte" usw. Auch entbehrt es nicht finanzielle Frage und ein großes moralisches Problem. Das borstand zugeschriebenen Fassung weder logisch noch gram ma- eines eigenartigen Humors, daß gerade diejenigen Genossen, Bublifum, von einer feilen Preffe schmachvoll betrogen, hat titalisch() mit dem folgenden Leitsah in Einklang zu die vor Jena die Diskutierung des Massenstreits für sein Geld zu den Schaltern getragen, ohne weiterzublicken. Heute bringen sei. Das Bochumer Voltsblatt" läßt dabei nur un- überflüssig, wo nicht schädlich erklärten, weil, wie follte es sich auf schmerzliche Ueberraschungen gefaßt machen. beachtet, daß doch nach der Erklärung der Generalfommission das ein Gesinnungsgenosse von ihnen drastisch ausdrückte, die Die russischen Finanzen werden uns in unseren waderen selbst die im Protokoll der Gewerkschaftskonferenz enthaltenen at st um m" sein müsse, jetzt unter wunderlicher Buch- Zeitungen im rofigsten Lichte geschildert. Thesen nicht von Bebel, sondern von Silberschmidt stabendeutelei den ganz unbegründeten Vorwurf gegen den formuliert worden sind und nur dem Sinne nach die Vor- Parteivorstand erheben, er habe jogar die Propagierung( im schläge Bebels wiedergeben wollten. Einen logischen Sinne eines Diskutierens) des Massenstreits abgelehnt! Für sonderlich fruchtbar vermögen wir eine solche Methode der Widerspruch zwischen den Thesen: Diskussion nicht zu halten! " = 1. Der Parteivorstand hat nicht die Absicht, gegenwärtig den politischen Massenstreit zu propagieren, sollte derselbe aber propagiert werden müssen, so wird sich der Parteivorstand mit der Generalfommission ins Einvernehmen feßen. " 11 Petersburg, 8. Juli.( B. H.) Infolge des bevorstehenden Kabinettswechsels wurde Witte telegraphisch zum Zaren berufen. Hinaufgemaßregelt? Petersburg, 8. Juli. Der Gouverneur von Grodno, Küster, zu dessen Amtsbezirk Bialystok gehört, ist abberufen worden. Anatole France gegen die Helfer des Zaren. russische Regierung Wenn aber die uns bon ihrem Reichtum zu er= Sollen zählen beginnt, so will sie Geld von uns haben. wir ihr wirklich noch geben? Wir dürfen nicht zweifeln: die zarische Regierung wird heute oder morgen neues Geld von uns fordern in irgend einer erfinderischen und unaufrichtigen Weise. Es wird bei Wir glauben uns hiermit zu der formalen Seite der uns nicht an patriotischen Finanzleuten fehlen, um diesem Appell der Streitfrage genügend geäußert zu haben. Höchstens könnten Allianz zuliebe und für hohe Provisionen Gehör zu schenken. Wird auch wir uns noch der Ansicht der Leipziger Volfszeitung" unfere Regierung diese Anleihe autorisieren, da die vorige noch so 2. Wenn dennoch ein solcher Streit ausbrechen sollte, so müßte anschließen, daß es bedauerlich ist, daß der Parteivorstand bei niedrig geschätzt wird, daß sich ein Drittel- vielleicht die Hälftederselbe von der Partei geführt werden und die Gewerkschaften der Besprechung mit der Generalfommission nicht für die An- in den Händen von Spekulanten befindet, die bei einer Baisse auf hätten sich offiziell nicht daran zu beteiligen legung eines offiziellen Protokolls Sorge trug, daß er ferner Nachrichten aus Petersburg hin den Markt durch das Gewicht ihrer vermögen wir nicht zu entdecken, denn der Sinn ist deutlich wohl besser getan hätte, wenn er sofort nach Kenntnisnahme entwerteten Papiere erschüttern können? Wir wissen sehr gut, unter genug der: Der Parteivorstand hielt zwar die Empfehlung der Irrtümer des Protokolls Schritte zur Aufklärung der- welchem Zwang die jetzigen Minister die Anleihe von 1906 bewilligt des Massenstreits zu jener Zeit zu Verschärfung des Wahlrechts- selben unternommen hätte, und daß es endlich erfreulicher haben. Sie sind durch eine lange Reihe von Irrtümern und an denen sie keine Schuld hatten, dahin gebracht tampfes für nicht angebracht; sollte sich aber die Not- gewesen wäre, wenn der Parteivorstand trotz seiner Arbeits- Fehlern, wendigkeit zu einer Proklamierung desselben gleichwohl überlastung Beit gefunden hätte, das Protokoll der Gewerk worden. Sie haben gezwungen und verzweifelt unterergeben, so hätten sich die Gewerkschaften als solche schaftskonferenz sofort nach Eingang einer sorgfältigen Lektüre schrieben. Mögen sie es auch leugnen, wir bleiben bei unserer offiziell nicht daran zu beteiligen. Behauptung.... Wie lange sollen wir den Forderungen des Aber, das besagten zu unterziehen. dann die folgenden Thesen, sie dürften dann der Partei Für ungleich wichtiger als alles bisher Berührte halten anmaßendsten aller Schuldner nachgeben, der mit dem Umfallen auch nicht in den Rücken fallen. Und dieser unverkennbare wir die Erörterung der von verschiedenen Parteiblättern auf- droht, wenn man Miene macht, seine Schuld nicht weiter zu füttern? Sinn der Vereinbarungen beweist, daß es sich nur um Er- geworfenen Frage, ob es ein Fehler war, auf die Die Stunde ist für uns kritisch. Die Frage ist nicht nur, ob Nußdes Massenstreifs während land zahlungsfähig ist. Es besitzt ein Sechstel aller Reichtümer der wägungen für den Augenblick, für die Wahlrechts- Anwendung Wahlrechtsfampagne Denn daß der Partei- der zu verzichten. Welt. tampagne gehandelt haben kann. Die Frage ist: ob die jetzige Regierung noch lange borstand nicht so aberwißig war, sich einzubilden, er hätte die Dieser für unsere ganze taftische Auffassung wichtigen Frage zahlungsfähig bleiben wird. Die Regierung des Zaren hat sich ant Recht, an der Ehre, an der Vernunft, an der Menschheit vergangen. Tattit der Partei eigenmächtig festlegen können, das sollen unsere weiteren Ausführungen gewidmet sein. Nach allen diesen Bankrotten ist der finanzielle sicher und nahe. Wir geht ja schon aus seiner vorsichtigen, unferes Erachtens allzu wissen nicht, wie die fünftige Regierung beschaffen fein wird, die den borsichtigen Berücksichtigung der Möglichkeit hervor, daß ihn der Wille der Gesamtheit schon damals zur Proklamierung ungeheuren Bankrott des Zarismus und der Bureaukratie zu liqui dieren haben wird. Wir wissen nur, daß die politischen und sozialen des Massenstreifs nötigen könne. Bei nur einigermaßen objektiver und loyaler Auslegung Petersburg, 8. Juli.( Von einem besonderen Berichterstatter.) Parteien, die von der Revolution emporgetragen worden sind, um selbst der Thesen des Genossen Silberschmidt kann auch Jit einer gestern hier abgehaltenen Versammlung, an der etwa das ungeheuere Werk der Erneuerung zu vollbringen, einmütig nicht der leiseste Zweifel darüber bestehen, daß der Partei- 4000 Personen teilnahmen, wurde das Agrarprojekt der Arbeits- von der radikalſten bis zur gemäßigtesten erklärt haben, daß die oorstand lediglich die Anwendung des Massenstreits zur gruppe einer scharfen Stritit unterzogen. Alle Redner stimmten barin neue Regierung die vor 1906 aufgenommenen Anleihen anerkennen Verstärkung der derzeitigen Wahlrechts überein, daß seine Verwirklichung zu furchtbaren Folgen führen und die Sente unverkürzt bezahlen, daß sie aber nicht die Anleihen Die Revolution in Rußland. Aus der Hauptstadt. onerlcnncn werde, die während des Kampfes zwischen dem Zarismus und dem Volle von der Autokratie erlangt worden sind. In diesem Sinne hat auch die„Njetsch". das Organ der liberalen Dumamajorität, ge- schrieben. Mögen doch endlich unsere Mitbürger Ohren haben, zu hören I Sie sind gewarnt. Sollten sie noch weiter der russischen Regierung Geld leihen, damit sie nach Herzenslust füsilieren, hängen, massa- krieren und plündern lassen kann, so wird das sicher ein Verbrechen, aber vielleicht auch ein sehr schlechtes Geschäft sei»! Bürger Frankreichs, gebt kein Geld mehr für neue Grausamkeiten und neue Tollheiten, gebt keine Milliarden mehr für das Martyrium so vieler Völker I Niemals, ich fühle es, war Rußland den Besten Frankreichs so teuer wie in diesem Augenblick, da es für die Freiheit kämpft. In dieser tragischen Stunde, am Vorabend einer der größten Revolutionen der Weltgeschichte, empfange es die Huldigung der Söhne der Männer von 1739!" poUtifche deberficbt, Berlin, den 9. Juli. „Politische Kultur". Herr Dr. Theodor Barth veröffentlicht in der„Nation" einen Epilog über die famose Jourualistcn-Meerfahrt. Er hält diese Ge- lcgenheit für dazu angetan, vom hohen Kothurn seiner gesellschaft- lichen und politischen Tournüre herab den rückständigen Deutschen im allgemeinen und den rückständigen Sozialdemokraten im beson- deren ein Privatissimum über„gesellschaftliche und politische Kultur" zu lesen. In England habe„kein Vertreter der kommunalen und staatlichen Autorität" irgendwelche Bedenken getragen, der Genossin Braun„irgend eine gesellschaftliche Ehre zu versagen." Dann fährt er anklagend fort: „In Deutschland haben wir diesen Grad gesell- schaftlicher und politischer Kultur noch nicht erreicht. Das ist bedauerlich, aber man muß gerechterweise anerkennen, daß die Sozialdemokratie das ihrige dazu beigetragen hat, um in Deutschland bessere Sitten nicht aufkommen zu lassen. Die Angriffe des„Vorwärts" auf die Genossin Lily Braun waren nicht nur ästhetisch empörend, sondern auch ungemein charakteristisch für die Philister- ha fti gleit dieser angeblichen Revolutionäre. Wie niedrig müssen die unentwegten Klassenkämpfer ihre eigene Ge- slnnnngstnchtl'gkeit einschätzen, wenn sie glauben, diese könne durch ein Bankett, an dem Minister, Millionäre und sonstige Ver- tretcr der kapitalistischen Gesellschaftsordnung teilnehmen und Champagner verabreicht wird, in Gefahr geraten I Man könnte die Haltung des„Vorwärts" verstehen, wenn sich der Zweck dieses Journalistenbesuchs gegen Ziele der Politik unserer Sozialdemo- kratie gerichtet hätte. Aber die Idee, freundschaftliche Beziehungen zwischen England und Deutschland herbeizuführen, ist ja unserer Sozialdemokratie durchaus sympathisch. Eine Parteigenossin, die, ohne sich und ihrer Partei das mindeste zu vergeben, einem von der Partei gebilligten Ziel zustrebt, mit den gemeinsten Angriffen zu über- hälifen, bloß deswegen, weil sie in diesem Fall mit Vertretern anderer politischer Richtungen zusammengewirkt hat, ist ein wahres Meisterstück polltischen Schildbürgertums. Die g e i st i g e Enge, die darin zutage tritt, ist jeuer reaktionären Borniertheit wesensverwandt, die es für unzulässig hält einer DenkmalSent- hüllung zu Ehren eines revolutionären Freiheitskämpfers, wie es der Dichter Kinkel war, beizuwohnen. Solche philiströse Beschränktheit trägt mehr als vieles andere dazu bei, daß unsere deutsche Sozialdemokratie politisch trotz ihrer drei Millionen Stimmen so ohnmächtig ist". Trotz des niederschmetternden Vorwurfes der«Philister- haftigkeit", der„geistigen Enge" und des„Schild- bürge rtums" vermögen wir uns zu den erhabenen gesellschaft- lichen und politischen Auffassungen des Herrn Barth nicht zu be- kehren. Herr Barth befindet sich freilich von vornherein im Irrtum, wenn er wähnt, wir befürchteten, ein Sozialdemokrat vermöge durch ministerielle Austern oder Millionärsekt in seiner Ucberzeugung wankend gemacht zu werden. Nur vermögen wir auch nicht an- zunehmen, daß durch die weltmännischeste Vertilgung solch' erlesener Genüsse irgendwelche politische Aktion geleistet würde. Die Journa- listen, die sich an der Parforceschleckerei in England so Helden- mütig beteiligten, müssen sich doch aber in einer solch' eigentümlichen Vorstellung befunden haben, denn wir wollen doch nicht annehmen, daß sie der Einladung lediglich deshalb gefolgt sind, um einmal auf Kosten anderer Leute in ungewohnten lukullischen Genüssen schwelgen zu können. Daß Herr Barth die Reise einer bunt zusammengewürfelten Jounialistenschar, von der ein großer Teil vor kaum Monatsfrist gegen England chauvinistisch gehetzt hat, wie er nach Monatsfrist, wenn die Jnter- essen der Krupp, Wörmann, Tippelslirch es erfordern, wiederum gegen England hetzen wird, für ein Mittel zur Milderung nationaler Eifersüchtelei hält, ist sein gutes Recht. Nur sollte er sich ebenso tolerant in die sozialdemokratische Auffassung hinein- versetzen können, die solche Jounmlistenpicknicks eher für geeignet hält, die aus der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und den weltpoliti- schen Aspirationen herauswachsenden Gefahren internationaler Ver- stimmung in gefährlicher Weise zu vertuschen, als diese Gefahren selbst zu beschwören! Herrn Barth und den anderen bürgerlichen Teilnehmern an der Englandfahrt können wir eine Berücksichtigung dieses Moments nicht zumuten, aber von jemandem, der aus dem Boden sozialdemokratischer Anschauungen stehen will, darf ohne weiteres verlangt werden, daß er diese sozial- demokratischen Anschauungen respektiert! Herr Barth hält es dann weiter offenbar für ein Zeichen von Philisterei und Schildbürgertum, wenn Sozialdemokraten nicht das höchste der Gefühle darin erblicken, mit bürgerlichen Politikern beim Biere zu kannegießern oder in aristokratischer Gesellschaft zu flirten. Je nun, wem solche Erholung ein Lebensbedürfnis ist, dem miß- gönnen wir auch das nicht; nur sollte doch auch Herr Barth zu- geben, daß es eine anregendere und geistvollere Unterhaltung gibt. als sich Anekdoten zu erzählen oder in„gesellschaftlichem" Flach- gespräch zu exzellieren. Daß ein in der Meidung solch' fader und flacher Spießergewohnheiten sich äußernder Lebensernst gar die „Ohnmacht" der Dreinrillionenpartei verschulden soll, ist eine ent- schieden orginelle Auffassung, der die Partei hoffentlich dadurch Rechnung trägt, daß sie in der zu gründenden„Kriegsschule" auch einen Kursus für„feine Lebensart" einrichtet. Nicht unterschlagen soll übrigens werden, daß Herr Barth erzählt, ihm habe Bernhard Shaw aus seine Erklärung, er, Barth, sei kein Sozialist, geantwortet:„Das weiß ich. Wie könnten Sic auch ein deutscher Sozialdemokrat sein, Sie sind ja viel zu radikal dazu". Wie schade, daß Shaw seine humoristischen Talente in erster Linie in den Dienst der englischen Partei- bcwegung stellt!— Die Unruhen im italienischen Schwcfelbezirk. Man schreibt uns aus Rom: Eine falsche Nachricht hat den Anlaß gegeben zu Arbeitcrunrnhen in Caltanisetta und zu dem üblichen Nachspiel mit Pulver und Blei, dem 13 Arbeiter zum Opfer fielen, die mehr oder weniger schwer verletzt vom Platze getragen wurden. Es ist die alle Geschichte, über die wir so oft berichtet haben, daß. wir vergebens nach neuen Worten und Wendungen suchölt, um das dutzendmal Geschilderte wieder zu schildern. Nur eine Variante zeigen die Ereignisse in Caltanisetta. Dort haben diesmal die Arbeiter demonstriert, um Interessen zu vertreten, die nur ganz entfernt mit den ihrigen zusammenhängen. Der Kammer liegt nämlich ein Gesetzentwurf vor, der die Gründung eines obligatori- schen Konsortiums unter den Besitzern der Schwefelbergwerke festsetzt. Dieses Gesetz soll den primitiven Formen abhelfen, in denen der Abbau der reichen Schwefelgrubcn der Insel betrieben wird und soll gleichzeitig den Verkauf und Export des Materials zentralisieren. Bis jetzt wurde in den Schwefclbcrgwerken Siziliens ein Raubbau an Menschen und Material getrieben, der zu einer schweren Krise dieser bedeutendsten fizilianischen Industrie geführt hat. Eine cnglisch-amerikanische Gesellschaft, die eine Art Trust für den Vertrieb deS Schwefels gebildet hatte und eine gewisse Stetigkeit der Preise durchsetzte, löst sich am 31. Juli dieses Jahres auf, nachdem sie einen ungeheuren Stock von Schwefel in ihren Lagern aufgehäuft hat. Nun fürchten die Besitzer der Gruben, daß mit der „freien Konkurrenz" die elenden Preise, da? gegenseitige Unterbieten wiederkehrt, und sie erwarten Hülfe von der Regierung. Die Kammer beriet auch— langsam aber ungründlich— das Gesetz zur Gründung des Konsortiums, mit dem wir noch Gelegenheit haben werden, uns zu beschäftigen. Ein unglücklicher Zufall hat aber die falsche Nachricht verbreitet, daß die Kammer die Diskussion eingestellt habe. DaS genügte, um die Besitzer zu veranlassen, ihre Arbeiter„loszulassen". Im ganzen Schwefelbezirk von Caltanisetta legten sie zu Tausenden die Arbeit nieder. In der Stadt selbst wurde eine gewaltige Demonstration organisiert, die in der üblichen Weise durch kleine Exzesse zur Tragödie führte. Ein Steinwurf gegen einen Carabiniere, eine Verhaftung. Widersetzlichkeit der Menge und Versuche, den Verhafteten zu befreien— die Truppen„genötigt, von den Waffen Gebrauch zu machen"— eine stereotype Seite aus der Geschichte der italienischen Arbeiterkämpfe. So schickt man die Arbeiter vor, um für die Besitzer die Kastanien aus dem Feuer zu holen, und was dabei heraus- kommt, nennt man in offiziöser Sprache„bedauerliche Auswüchse des Klassenkampfes". Ob die Herren, die so sprechen, wohl ver- stehen, wie sehr sie dabei recht haben, wie sehr diese Fälle tatsächlich anormale Episoden des Klassenkampfes darstellen, jenes Klassen- kämpfe», den die Besitzenden gegen die Besitzlosen führen? . Deutsches Reich. Gesetzentwürfe. Offiziös wird mitgeteilt, dem Reichstage werbe bei seinem immentritt am 13. November oder unmittelbar darauf eine Reihe Gesetzentwürfe vorgelegt, die teils bereits fertiggestellt sind, teils unmittelbar vor der Vollendung stehen. Die„Berliner Poli- tischen Nachrichten" bezeichnen als bereits fertiggestellt: den Entwurf über die Verleihung der Rechtsfähigkeit an die Be« rufsvereine, sodann die Novelle zum Börsen ge setz und drittens den Gesetzentwurf über die Sicherung der 'orderungen der Bauhandwerker. In Vorbereitung ien: die Novelle zum Viehseuchengesetz, der Entwurf über die Regelung des Geheiinmittelwefens, einige sozial- politische Entwürfe, darunter der Entwurf über den Schutz der Heimarbeiter im Tabakgewerbe, der bereits dem preußischen Staatsministerium vorgelegen hat, und einige Versicherungsentwürfe, Novellen zu den Gesetzen über die Untersuchung der Seeunfälle und über die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes, auch ein Steuerentwurf, nämlich der über die Neuregelung der Maischbottich st eu ervergütung u. a. m. Diese offiziösen Versicherungen, daß eine Menge Gesetzentwürfchen vor- liegen, täuschen über die Tatsache nicht hinweg, daß sozialpolitisch- fortschrittliche Gesetze überhaupt nicht bearbeitet sind. Die Tat- fache, daß die Gesetze, hinter deren Titel man vielleicht ein sozial- politisches Flickchen vermuten könnte, noch nicht veröffentlicht sind, rechtfertigt die Annahme, daß auch diese Entwürfe rückschrittlicher Natur sind. Warum sonst mit der Veröffentlichung der angeblich fertig gestellten Entwürfe zaudem?— Das freisinnig-ultramontane Wahlkompromiß. Seit einiger Zeit leistet sich das„Verl. Tagebl." in der am Montagmorgen erscheinenden Nummer einen Leitartikel, der in bezug auf Gehalt und Konsequenz der liberalen Anschauung zst den ge- wöhnlichen Alltagsartikeln in einem gewissen Gegensatz steht. Woher das kommt, können wir, da wir in die Betriebsgeheimnisse der „Tageblatt"-Redaktion nicht eingeweiht sind, nicht verraten. Viel- leicht fügt es der Zufall; vielleicht hat der Redakteur, der für die Leitartikel der Rtontagsausgabe zu sorgen hat, eine bessere theoretische Schulung als seine Herren Kollegen, oder auch die Redaktion fühlt selbst die Verpflichtung. nach dem gespreizt gravitätischen, den seichtesten Abspüllicht des liberalen Aller- welts- Aufklärichts mit staatömännischen Allüren vortragenden politischen SonntagSplaudereien den Lesern am Montag eine etwas gehaltvollere Kost zu bieten. Einen derartigen„Bedenkliche Wahlkompromisse" überschriebenen Leitartikel, der zu dem von uns charakterisierten Leitartikel der Sonnabendnummer im schärfsten Gegensatz steht, leistet sich das Mossesche Blatt auch heute wieder. Während der Sonnabends- artikcl die Unterstützung deS Zentrums bei der morgen im Wahlkreise Altena-Jserlohn stattfindenden Stichwahl gewissermaßen für etwas ganz Selbstverständliches erklärt, findet der heutige Artikel in dem Wahlkompromiß mit dem Zentrum nicht nur etwas höchst Bedenk- liches, sondern er bezeichnet die Abmachungen zwischen Zentrum und Volkspartei sogar als„verderblich" für den individuellen Charakter wie für die beiden paktierenden Parteien. „Was war denn aber in Wirklichkeit dieser erste Schritt, der dem entschiedenen Liberalismus so viel Kosten verursacht hat? Das war. um es ganz rund und klar herauszusagen, das Wahl- kompromiß mit dem Zentrum. Und auch der Grund, weshalb dieses Gclegenheitsbllndnis sich für den entschiedenen Libera- lismus so überaus verhängnisvoll erweisen mußte, ist für jeden, der sehen will, ganz klar.' Das Zentrum ist und bleibt nämlich der erbittertste, unnachsichtlichstc, konsequenteste Feind des Liberalismus. Zwischen diesen beiden Weltanschauungen gibt es keine Vermittelung; kann es keine geben. Sie sind vielmehr auf rücksichtslosen Kampf gegeneinander gestellt. Nachgeben kann weder der Liberalismus noch der Klerikalismns. Hier gibt es nur die eine Alternative: Siegen oder Unter- gehen. Hat man sich eiiimal mit diesem Gedanken und mit allen aus ihm sich mit Notwendigkeit ergebenden Folge- rungen vertraut gemacht; hat man sich mit dieser Uebcr- zeugung von der absoluten Unverträglichkeit der beiden genannten Anschauungen erfüllt, dann wird man auch unbedingt zugeben müssen, daß in Zukunft von einem Gelegcnheitsbündnisse bei Wahlen zwischen den beiden miteinander absolut unvereinbaren Elementen keine Rede mehr sein darf. Der ungeheure Fehler, der einmal von feiten der entschieden Liberalen begangen wurde, darf sich unter keinen Umständen wiederholen." Die größere politische Konsequenz kann jedenfalls der Verfasser deS heutigen Leitartikels für sich in Anspruch nehmen. Doch Konse- qutitä war nie die Siüevschgjt des deutsches LiberMoiuS, und deZ- halb ist auch mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß die freisinnige» Wähler in Altena-Jserlohn bis auf einige Wenige sämtlich für den ultramontanen Kandidaten stimmen werden. Unaufhaltsam vollzieht sich der weitere Niedergang des Liberalismus, trotz aller Barthschc» und Naumannschen Regenerationsbestrcbungen.— Englischer Protest gegen englische KriegSbcstialitätc». Als die Sozialdemokratie während des China-KreuzzugeS und deS Südwestafrikakrieges als ciiizige unter allen Parteien ge« harnischten Protest gegen die Form der Kriegsführung erhob, be- liebte es den Regierungsvcrtretcrn und bürgerlichen Abgeordneten ganz abgesehen von der bürgerlichen Prcßmeute—, immer wieder zu behaupten, daß ähnliche„unpatriotischen Handlungen" in England unmöglich seien. Dort halte man es all- gemein mit dem patriotischen Grundsatz:„Ob Recht oder Unrecht, ich halte zum Vaterland." Wir haben schon damals die Verlogenheit dieser Hetze gegeißelt und auf die direkt „hochverräterische" Haltung verwiesen, die während des Burenkriegcs nicht nur zahlreiche Arbeitcrvertretcr, sondern auch bürgerliche Radikale eingenommen haben. Jetzt zeigt wiederum der momentan tobende Zulukricg, daß zwar die koloniale Kriegführung in allen Kolonialländern gleich bestialisch ist, daß es aber in Eng- land sogar weite bürgerliche Kreise gibt, die es für ihre Pflicht halten, die von den englischen Truppen verübten Bestialitäten zu brandmarken. Die Tatsache, daß die fast nur mit AssegaiS bewaffneten Zulus von den Schnellfeucrgcwchrcn der weißen Truppen hingemäht werden, ohne daß die Weißen dabei nennenswerte Verluste hätten (bei den letzten Gefechten wurden 500-000 Zulus massakriert, während die Engländer keinen Verlust hatten!), hat in England in der radikalen Presse und unter den radikalsten Mitgliedern des Parlaments eine Stellungnahme gegen die Vorgänge in Natal hervorgerufen. Der„Morning Leader" und der„Star" bezeichnen die Kämpfe als ein Abschlachten der unglücklichen Eingeborenen. Die „Daily News" beklagen es, daß Hunderte der schwarzen Untertanen des Königs hingeschlachtet würden und daß man mit der Niederhetzung der schwarzen Arbeitskräste fortfahre, während man aus angeblichem Mangel an Arbeitskräften chinesische Sklaven importiere. Am schärfsten äußert sich ein Brief des Führers der Arbeiterpartei im Parlament an einen in Schott- land wohnenden Zulu. Dieser Zulu hatte von Edinburg aus Keir Hardie für seine Bemühungen im Interesse der Schwarzen gedankt. Keir Hardie antwortete darauf: „Ich bin Ihnen verpflichtet für die Anerkennung dessen. was ich für Ihre Rasse tun konnte, und bedauere, daß ich nicht mehr tun kann. Der furchtbare Vorgang im Sudan mit den darauf folgenden Brutalitäten reduziert die Verwaltung des Landes unter englischer Herrschast zu dem niedrigen Standpunkte des Kongo- Freistaates, während das Gemetzel unter den Eingeborenen, das augenblicklich in Süd« afrika unter dem Vorwande stattfindet, eine Revolution zu unter- drücken, die nicht besteht, einen mit Scham und Entsetze» erfüllt. Ich hoffe, daß der Tag bald kommen wird, wo Ihre Nasse imstande sein wird, sich selbst gegen die von heuchlerischen Weißen begangenen Barbareien zu verteidigen.... Die Presse und die Politiker halten die Bevölkerung unseres Landes meist in Un- wissenheit über die wirkliche Behandlung der Eingeborenen und diese können erst dann erwarten, wie Manchen behandelt zu werden, wenn sie in der Lage sind, ihreRechte zu ver- t e i d i g e n." Es versteht sich natürlich am Rand, daß die Presse der Kolonial- interessenten gegen diese„Pro-Zulus" in einer Tonart geifert, die selbst unserer„Post" Ehre machen würde. So meint„Daily- Expreß", in früheren Zeiten würde man Männer vom Schlage Keir Hardies benutzt haben, um sie„zur Verschönerung der Landschaft an Bäume zuhängen". Man sieht, die Preßbanditen der Kolonialpolitik sind der militärischen Bluthunde derselben würdig!—_ Gesinnungstüchtige Opposition. In einer Zuschrift an das freisinnige„Berliner Tage» b l a t t" klagt der Bezirksrichter in Kcetmanshoop, Dr. F o r k e l, darüber, daß die Parlamontsmehrheit, darunter auch die Frei- sinnigen, die Bahn Kubub— Keetmanshöop abgelehnt habe. Die Kosten des Kolonialkrieges würden dadurch, bei der Rinderpest und dem Pferdesterben, nur immer höher. Der Reichstag möge doch ein Einsehen haben und die aus strategischem Grunde so not- wendige Strecke bewilligen. Dazu bemerkt das freisinnige Blatt: „Wir haben dieser ungemein charakteristischen Zuschrift gern Raum gewährt und ihr nur wenig hinzuzufügen. Unsere Leser wissen, daß wir im P r i n z i p von je h e r Freunde der Bahn- linie bis Keetmanshoop gewesen sind. Noch heute sind wir von ihrer Notwendigkeit durchdrungen, wenn wir auch andererseits den Beschluß der ReichStagsmehrheit nach der vorausgegangenen Briiskierung und angesichts der ganzen unerfreulichen Situation in unserer Kolonialverwaltung ebenfalls sehr wohl verstehen. Im übrigen nimmt man nicht nur in kolonialen. sondern auch in parlamentarischen Kreisen an, daß die Bahn nicht endgültig abgelehnt ist, sondern alsbald nach dem Wicderzusammcntritt des Reichstags doch noch bewilligt werden wird. Des mag man sich auch in„Südwest" einstweilen ge- trösten I" Freisinn und Zentrum wetteifern also im„Un, fallen". Und das heulmeiert dann über die uferlose Kolonialpolitil! Gcvt'ö den Hottentotten! Die„Deutsche Tageszeitung" gibt eine Zuschrift an die in Riga erscheinende„Düna-Zeitung" wleder, in der ein Leser den baltischen Hülfsverein bittet, die leider von der Berliner Stadtverordneten- Versammlung bewilligte 10 009 Mark- Spende wegen der Kritik zurückzuweisen, die gegen das Vorgehen balttscher Barone bei der dem Spendebeschluß vorausgehenden Debatte von sozialdemokratischer Seite geübt wurde. Die„Dtsch. Tagesztg." zittert ähnliche Aeutzerungen der„Düna-Zeitung" und der„Baltischen Tagesztg.". Diese Organe zur Wahrnehmung der Interessen des Adels und Junkertums schimpfen wie Rohrspatzen darüber, daß bei Beratung über das„Almosen" den sozialdemokratischen Ausführungen nicht energisch genug entgegen- getreten sei. Des weiteren jammern die baltischen Edelinge:„Allein schon die demütigende Bedingung, die an die Ueberwcisuna der Summe geknüpft ist, daß die„baltischen Barone" ja keinen Pfennig erhalten follen, muß unser gesamtes Deutschtum empören; haben doch gerade diese Herren, die besonders auf dem Lande Kultur und Deutschtum gepflegt und erhalten haben, am meisten von den Ge- nossen des Herrn Stadthagen gelitten." Die„Deutsche Tages- zeitung" druckt diese junkerlichen Klagen zustimmend ab und schlügt vor, die 10009 M. den Hottentotten zu überweisen. Die Empörung der baltischen Baroneist um so spaßhafter, als sie nach der Magistratsvorlage selbst auf eine Zuwendung aus der Spende verzichtet hatten! Leider werden die 10 000 M., die un- endlich besser in Berlin als von dem von der Polizei unterstützten baltischen Hülfsverein verwendet werden können, nicht zurückgewiesen werden. Die Junker sind von. Stamme derer, die da nehmen, und, wenn sie erhalten haben, nach mehr schreien. Der Hottentotten» Vorschlag der„Deutschen Tageszeitung" wird also nicht zur Ausführung gelängen. DaS Empörende in der Zuwendung der 10 000 M. durch die Berliner Gemeindebehörden liegt in der Sympathie, die trotz aller Wenn und Aber die Liberalen durch die Spende dem reaktionären Gesindel haben ausdrücken wollen. Daß die balttschcn und reichsdeutschen Junker für diese Selbsterniedrigung der Liberalen durch Pöbeleie» danken, ist eine gerechte Strafe. Zum Kapitel: Militärische Erziehung. Ein Leser schreibt uns: Als ich in der Mittwochausgabe Ihres geschägten Blattes den Artikel Preußen in Deutschland voran" las, mußte ich an meine Militärzeit denken. Damals war es Brauch, daß die UrlaubsAusland. Spanien. Kronprinzen- Liberalismus. Der Verlauf der jüngsten Dem jungen König hatte man wie allen kommenden bewilligung an den Feiertagen von der Erfüllung der Schießübung„ Herrschern"- nachgesagt, daß er sehr liberal gesinnt sei und daß abhängig gemacht wurde. Und in der Zeit, wo die Kompagnie man von ihm die Durchführung sozialer Reformen zu erwarten während des Sommerurlaubes des Hauptmanns von einem Ober- hätte. Die englischen Blätter namentlich gaben sich der Hoffnung leutnant geführt wurde, war nicht einmal an einen Stadturlaub hin, daß der Einfluß der jungen Königin, die mit den liberalen Anam Sonntag zu denken für denjenigen, welcher in der vergangenen schauungen der anglo- sächsischen Rasse durchtränkt sei, nach dieser Woche seine fällige Schießübung nicht erfüllt hatte. Ja, noch mehr! Richtung fördernd wirken werde. Die betreffenden Mannschaften durften nicht einmal am Tage Ministerkrisis zeigt indes, was von diesen Prophezeiungen zu halten die Kaserne verlassen. Die Folge davon war, daß am ist. Moret, der bisherige Ministerpräsident stützte sich auf die Sonntage, wo manch einer gern einige Stunden außerhalb der wirklich reformistischen Elemente seiner Partei; er beabsichtigte, ein Kaserne verbracht hätte, der größte Unfug getrieben wurde, der nicht Programm der Linken durchzuführen. Dies fonnte er aber nicht jelten in to Ilster Sauferei endigte. ohne die Auflösung des gegenwärtigen Parlaments. Dazu war Hierbei möchte ich auch einen Regimentsbefehl erwähnen, der zu aber die Einwilligung des Königs notwendig. Diese wurde vermeiner Zeit erlassen wurde. Nach diesem Befehl sollte derjenige, welcher weigert und so ist Moret von der Regierung zurück getreten. Der sich morgens frant meldete, nachher aber vom Arzt nicht für nunmehrige Chef der Regierung, Marschall Lopez Dominguez, und trant erklärt wurde, eine Stunde Strafegerzieren feine Kollegen sind von derjenigen Gruppe der Liberalen", die sich mit vollem Gepäck erhalten. Als ich diesen Befehl hörte, mit den Konservativen lediglich um die Macht und den Einfluß im hatte ich meine eigenen Gedanken und muß gestehen, daß ich alles Staate herumstreiten; sie bilden nur eine andere Clique als jene. andere, nur nicht Arzt in diesem Regimente hätte sein mögen! Ich Im übrigen ist man sich in Spanien darüber klar, daß dieses Minibin der Meinung, daß auf einen solchen Befehl jeder Arzt sofort fterium nur bis zum Oftober regieren wird. Der fommende Mann hätte erklären müssen, daß er für die Folgen, die ein solcher Befehl ist Maura. Die Auflösung der Cortes wird dann sicherlich erfolgen, eventuell hätte haben können, keine Verantwortung übernehme, denn und der Führer der konservativen Partei wird die Wahl„ machen", Frren ist menschlich. Und welcher Arzt kann denn überhaupt mit gutem wie sie nur ein spanischer Minister machen kann. Die Hoffnung, Gewissen selbst nach der gewissenhaftesten Untersuchung sagen, daß daß in Spanien endlich soziale Reformen zur Durchführung ge= ein Mann gesund ist, während bei diesem eine Krankheit vielleicht langen, daß die Nacht des Jesuitentums gebrochen werde, ist also im Entstehen begriffen ist und er sich infolgedessen bereits frank eine trügerische gewesen. Das Heil tann auch hier nicht von den fühlt. Jedenfalls ist es unglaublich, einen Mann einem Straf- Herrschern kommen, sondern nicht eher wird in Spanien eine Besse verfahren auszuliefern, dessen ganze Furchtbarkeit man erst bemessen rung der Verhältnisse eintreten, bis die Sozialdemokratie genügend fann, wenn man nur einmal gesehen hat, wie schomungslos mit erstarft ist, um Einfluß auf die Regierung und Gesetzgebung zu der Gesundheit und den Kräften eines Menschen dabei um- nehmen.gesprungen wird. Alle diese Vorkommnisse sind leider keine Einzelfälle, sondern es wird förmlich systematisch von oben daran gearbeitet, jedem das ohnehin öde Soldatenleben noch mehr zu verekeln. Aber auch das hat sein Gutes. Politische Erpressung eines Geistlichen. Leipzig, 9. Juli.( W. T. V.) Das Reichsgericht verwarf bie Revision des katholischen Pfarrers Wörner, der vom Landgericht Konstanz wegen Mißbrauchs der firchlichen Amtsgewalt auf Grund des badischen Gesetzes vom 9. Oftober 1860 zu einer Geldstrafe von 30 m. verurteilt worden war. Pfarrer Wörner hatte einem Reichstagswähler gedroht, er werde ihm die Sterbesatramente nicht erteilen, wenn er nicht für das Zentrum stimme. Das Reichsgericht hat das fragliche Gesetz als gültig erachtet. Nach der Reichsverfassung sei die Zuständigkeit des Reiches nicht auf die Verhältnisse der Kirche ausgedehnt, also seien die Einzelstaaten auf diesem Gebiete souverän geblieben. Morenga über den südwestafrikanischen Krieg. Die Cape Times" geben ausführlich das Interview eines englischen Journalisten mit Morenga wieder. Das Frage- und Antwortspiel nahm in seinen interessantesten Teilen folgenden Verlauf: Wie lange hast Du gekämpft? Ich habe zwei Jahre und fünf Monate gekämpft. Habt Ihr Lebensmittelvorräte in euerem Lande? Nein, wir leben von dem Proviant, den wir von den Deutschen erbeuten, und das ist eine Menge. Glaubst Du, daß Deine Gefangennahme dem Kriege ein Ende bereiten wird? Nein, mein Sohn Petrus Morenga wird das Kommando übernehmen und den Krieg fortjeßen. Weshalb ergaben Deine Landsleute sich nicht? Wir würden uns ergeben, wenn die Engländer das Land übernehmen würden; aber ehe wir uns den Deutschen überliefern, werden wir bis zum Tode tämpfen. Was glaubst Du, werden die anderen Kapitäne tun? Jonathan und Christian und ein anderer Kapitän werden sich den Deutschen nicht ergeben, sondern weiterkämpfen. Glaubst Du, daß der Krieg noch lange dauern wird?- Ja, gewiß; so lange, wie noch ein Mann im Felde sich befindet. England. Vom englischen Herrenhaus. Der Präsident des Handelsamtes Lloyd George sprach in einer Rede, die er in Shotley Bridge( Grafschaft Durham) hielt, von der ausgeleierten Parlamentsmaschine und erklärte, das Oberhaus müsse zum alten Eisen geworfen werden. intereffen ausfußen werden; denn die„ Parteilofen" entbehren eines festen Haltes, sie neigen ihrer Ueberzeugung nach hoh gewöhnlich noch zu einer der alten Parteien. Die Volkszeitung" fährt dann fort: " Sind denn nicht schon oft genug Arbeiter und Arbeiters führer, die aber nebenbei" Demokraten oder Republikaner waren, in die Legislatur gewählt worden? Und was war das Resultat bis auf den heutigen Tag? Schlimmer als nichts! Denn die Parteiangehörigkeit hatte stets in letter Instanz das Ueber. gewicht. Und so soll es auch sein. Im sozialpolitischen Leben eines Volkes kann man nur durch organisierte Parteien etwas erreichen. Parteien aber müssen Grundsäße haben, von deren Richtigkeit die Mitglieder überzeugt sind und für welche sie ein. treten. Sind diese Grundsäße nur auf die Beute gerichtet, so werden dementsprechende Methoden zur Anwendung gebracht werden. Daß ein Mann augenblicklich keine plutokratische Kette am Halse" trägt, macht ihn noch nicht zu einem grundsatztreuen Parteimann für die Arbeiter. Er mag morgen eine solche Kette tragen, die in den Hallen der Gesetzgebung ver schwenderisch ausgeteilt werden. Und da er noch nebenbei" Demokrat oder Republikaner ist, wird er diese seine Partei. angehörigkeit, die er bei Beratung von Arbeitermaßregeln an den Nagel gehängt, wieder herabnehmen und finden, daß seine Kollegen zu weit gehen. Grundsätzlich gegen den Kapitalismus und für die Interessen der Arbeiter die einzige Position, die keinen Widerspruch in sich trägt steht nur eine Partei im Felde: die sozialdemo tratische...." -W In St. Louis ist es wie die dortige Arbeiter- Zeitung" mitteilt gunsten einer selbständigen Politik unter das Banner der sozialdemo gelungen, zu bewirken, daß die Gewerkschaften sich zufratischen Partei stellten. Auch in Milwaukee stehen die Gewerk schaften auf diesem Standpunkte. Hus der Partei. London, 8. Juli. In seiner gestrigen Rede in Aldringham äußerte fich Unterstaatssekretär Churchill auch über die Haltung des Die Generalversammlung des Kreiswahlvereins für den Oberhauses mit Bezug auf das Schulgesetz und betonte die Notwendig 3. weimarischen Wahlkreis fand am Sonntag, den 8. Juli, im Vera feit, daß die Liberalen mit Rücksicht auf die Möglichkeit eines Kon- einshaus Solidarität" in Wenigenjena statt. Sie war aus fliftes mit dem Oberhaus der Regierung ihr Vertrauen bewahren 10 Orten durch 22 männliche und 6 weibliche Delegierte beschickt. müßten. Das Oberhaus bezeichnete der Redner als eine ungesunde Aus den Berichten des Vorstandes ergab sich, daß die MitgliederVersammlung ohne Verantwortlichkeitsgefühl, die aufgehört habe, ihre zahl der einzelnen Ortsgruppen im letzten halben Jahre um 687 normale Tätigkeit im Staat auszuüben und die ein Parteiinstrument auf 1836 gestiegen ist; darunter befanden sich 327 weibliche, die einer Sonderpartei geworden sei. sich auf die Orte Jena, Lobeda, Bürgel, Blankenhain und Weida verteilen. Die Ausgaben im letzten Jahre betrugen 2290,54 M., der Kassenbestand beläuft sich auf 193,20 m. Zu den im Herbst bevorstehenden Landtagswahlen sollen an möglichst vielen Orten eigene Wahlmänner aufgestellt und eine energische Agitation zur Erwerbung des Bürgerrechts eingeleitet werden. Zu einem weittragenden Beschluß führte die Behandlung des Die englische Regierung hat der allgemeinen Strömung, die sich Punktes Presse. Für den Wahlkreis tamen bisher zwei Parteigegen die Einführung und Beschäftigung der Chinesen in den organe in Frage, die Erfurter und die Geraer bezw. Reußische südafrikanischen Goldminen wendete, Rechnung getragen. Der Tribüne". Erstere hatte im Wahlkreis 820, Ieptere 358 Abon= Kolonialminister Churchill gab dieser Tage im Unterhaus die Er- nenten. Nachdem am 1. Oktober d. J. die Aktiengesellschaft der flärung ab, daß die Regierung die Einführung von Chinesen in Buchdruckerei Leipziger Volkszeitung" in Gera eine Filiale erSüdafrika vom 30. November d. J. ab gänzlich verbiete! Die Rück- richtet, soll von diesem Zeitpunkt an ein in dieser Druckerei here fehr der Chinesen in ihr Vaterland wird durch neue Bestimmungen gestelltes e inheitliches Stopfblatt für den Wahlkreis eingeführt wesentlich erleichtert. Es genügt, daß der Antragsteller einen werden. Die Versammlung erklärte sich einstimmig damit einverMonat in Bergwerten gearbeitet hat, und daß er die Hälfte seines standen. 31. Mai in den Randminen beschäftigten Chinesen betrug 50 974. Monatslohnes zu den Fahrkosten beisteuert. Die Zahl der am Dänemark. Die Kuliarbeit in Transvaal. Zurück ins Mittelalter. burg haben feit einiger Zeit eine Bewegung zur Erringung des Zum Wahlrechtskampf in Altenburg. Unsere Genossen in Altenallgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts hervor gerufen. Dieser Agitation liefert nun Genoffe Dickreiter, der Nebatteur der Altenburger Volkszeitung", die Beweisgründe. Im Der„ liberale" Justizminister Alberti sucht einen neuen Scharf- Auftrage des Landesvorstandes der sozialdemokratischen Partei im richter, der mun, nachdem die Prügelstrafe wieder eingeführt worden Herzogtum Altenburg hat er eine Broschüre verfaßt, die sich mit dem ist, auch das schöne Amt eines Prügelmeisters mit übernehmen soll! altenburgischen Landtagswahlrecht beschäftigt und eine historische Der alte Scharfrichter ist amtsmüde und hat um seine Entlassung und kritische Würdigung des bestehenden Landtagswahlrechts sowie nachgesucht. Er ist auch an feine Berufsarbeit nicht mehr gewöhnt; bie Gründe, die für Einführung des allgemeinen Wahlrechts sprechen, denn der verstorbene König hat in den letzten Jahrzehnten selbst die enthält. Die Schrift bildet einen schäßenswerten Beitrag zur Wahlruchlosesten Verbrecher begnadigt. So war denn die Todesstrafe in bewegung in den Einzelstaaten und verdient auch außerhalb AltenDänemark in der Tat abgeschafft, obwohl sie im Strafgesetzbuch noch burgs Beachtung. Sie ist zum Preise von 50 Bf. durch Friedrich besteht und öffentlich mit der Art vollzogen werden soll. Strigle in Altenburg zu beziehen. er war. " Aus Induftrie und Handel. Weißt Du nicht, daß Deutschland eine der stärksten Milis In den achtziger Jahren, als der Scharfrichter bei einer HinKopenhagens ,, Social- Demokraten". Wie wir seinerzeit mitteilten, tärmächte in der Welt ist?- Ja, das weiß ich; aber sie richtung dreimal zuschlagen mußte und den Delinquenten verstehen das Fechten in unserem Lande nicht. Sie furchtbar zurichtete, che der Kopf fiel, ging ein Sturm der Ent- setzten sich unsere Kopenhagener Parteigenossen Anfang Oktober tennen die Wasserstellen nicht und sind im Guerillakrieg nicht er- rüstung durch das ganze Land. Man forderte die gesetzliche Ab- vorigen Jahres das Ziel, binnen furzer Zeit die Abonnentenzahl 42 000 auf 50 000 fahren. schaffung der Todesstrafe, und namentlich war es selbstverständlich ihres Organs Social- Demokraten" von erhöhen. Es wurde eine außerordentliche, unermüdliche Weshalb begannst Du den Krieg?- Weil ich meine, daß die die Sozialdemokratie, die diese Bewegung mit aller Straft zu fördern u Deutschen uns grausam behandeln gleich Hunden, und suchte. Wenn dieses Ziel auch nicht erreicht wurde, so hatte man doch den Agitation entfaltet, um dieses Ziel zu erreichen, und nun ist es erreicht. In einer Versammlung am Mittwoch wir das nicht länger ertragen, sondern lieber fämpfend Erfolg, daß wie gesagt der König seitdem die Unterzeichnung teilte der Geschäftsführer Genoffe Hördum mit, daß das zugrunde gehen wollten, da es teine Gerechtig- bon Todesurteilen ablehnte. Aber der neue König will diese gute teilte der Geschäftsführer Genosse Hördum mit, 50000 eine Auflage, wie feit für uns gibt. Sitte feines Vaters offenbar nicht nachahmen. Sonst tönnte der Blatt jegt in 50 000 Exemplaren erscheint Ist es wahr, daß Ihr gefangene Deutsche erschossen Justizminifter, der mit dem liberalen Systemwechsel" von 1901 fie noch niemals von einem dänischen Blatte irgend welcher Richtung erreicht worden ist! Seit Oktober ist die Auflage des Blattes in habt? Nein, das habe ich nie getan. Ich nahm ihnen ans Ruder gekommen ist, nicht so auftreten, wie er jetzt auftritt. die Waffen ab und schickte sie dann zurück. Alberti, der Mann der Prügelstrafe, ist natürlich auch ein Freund jedem Monat um ungefähr 1000 Gremplare gestiegen. Begünstigt Der Berichterstatter erfuhr ferner, daß Morenga durch einen der Todesstrafe, und er rechnet sicher damit, daß der neue König wurde dieser außerordentliche Fortschritt durch die Wahlbewegungen. unterschreibt. Er hat schon bei dem dem alten unter gewöhnlichen Verhältnissen hatte Sozial Demokraten" Missionar erzogen worden ist und mit ihm achtzehn Todesurteile Monate in Deutschland gereist ist. Er macht einen Scharfrichter, ehe dieser seine Amtsmüdigkeit fundgab, angefragt, ob in den legten Jahren nur 2000 Abonnenten pro Jahr gewonnen. äußerst schlauen und intelligenten Eindruck und ist eine prächtige Ge- er auch seine Instrumente in Ordnung habe! Es find nämlich in Selbstverständlich werden sich die Genossen nicht damit zufrieden stalt. In seiner Unterhaltung hat er etwas von einem Gentleman. Dänemark in letzter Zeit einige graufige Mordtaten vorgekommen. geben, daß nun auf je 10 der ungefähr 500 000 Einwohner von Seine Antworten sind bestimmt. Ein 42jähriger Mann, der für die innere Mission tätig war( bor Stopenhagen und Frederiksborg ein Abonnent ihres Blattes tommt, mehreren Jahren auch für die Heilsarmee), hat ein zehnjähriges fondern sie werden rüftig weiterarbeiten, um das Blatt immer weiter hingeschlachtet, nachdem furz auszubreiten und bald die nächste Sprosse 60 000- zu er Württembergische Berfassungsrevision. Die Kammer der Ab- Kind vergewaltigt und geordneten hat in ihrer heutigen Nachmittagssigung bei Beratung zum Abschied die Küsse der lieben Brüder und Schwestern in Christo zuvor noch vor einer pietistischen zuvor noch vor einer pietistischen Versammlung geredet und reichen. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. der Verfassungsrevision in Uebereinstimmung mit der Kammer der empfangen hatte!! Er ist vorbestraft wegen Sittlichkeitsverbrechen, Wegen des Breslauer Maigedichtes und einer Kritik der BresStandesherren, die heute vormittag den Beschlüssen der Kammer der ist Epileptiker und offenbar auch geistestrant.-Ein anderer Luft- lauer Polizei schwebt auch gegen unser Saarbrüder Parteiorgan, Abgeordneten durchweg zugestimmt hat, als Termin für das Inkraft- mord ist von einem jungen Mann an einer Dienstmagd die Saarwacht" ein Strafverfahren. treten des Gesezes den 1. Dezember 1906 bestimmt und hierauf das ausgeführt worden, weil sie ihm nicht zu Willen Gesetz in der Schlußabstimmung mit 66 gegen 21 Stimmen des Auch bei diesem Mörder lassen sich Spuren von GeistesAber nachweisen. das fümmert den liberalen Zentrums und zweier Mitglieder der Ritterschaft bei einer Stimmuftigminister nicht; er will, daß den beiden der Kopf abgeschlagen enthaltung angenommen. werde. Socialdemokraten" bemerkt, daß der neue Scharfrichter und Die berühmte„ Ehrung" Ludwig Feuerbachs durch die Stadt. Büttel fich neben seinem Henkerbeil und seinen Prügelinstrumenten verwaltung Nürnbergs, von der schon seit zwei Jahren wiederholt auch gleich mit Daumschrauben, Glühzangen und anderen mitteldie Rede war, ist jetzt endlich zustande gekommen. Bekanntlich alterlichen Torturwerkzeugen versehen sollte. Man könne ja nicht wurde vor zwei Jahren der hundertste Geburtstag des Philosophen, wissen, ob der Prügelminister nicht bald ein Torturgesetz vorlegen der in Nürnberg starb und auch dort begraben liegt, von der dortigen werde. Arbeiterschaft durch eine imposante Gedenkfeier begangen, während das liberale Bürgertum, das früher Feuerbach für sich in Anspruch genommen hat, gar nichts unternahm. Die sozialdemokratische Ge= dächtnisfeier weďte aber nachträglich in einigen freisinnigen Herren die Scham oder den Neid, weshalb im Gemeindekollegium beschlossen wurde, beim Magiftrat anzufragen, in welcher Weise man dem ber storbenen Mitbürger Ludwig Feuerbach aus Anlaß seines hundert ften Geburtstages eine Ehrung zu bereiten gedente. Der Magistrat erklärte sich hierzu bereit und wollte die Ehrung dadurch bewerkstelligen, daß er an der einen Seitenmauer der zum geplanten Bis mardturm auf dem Rechenberg führenden Treppe einen Steinblock mit dem Reliefbildnis Feuerbachs aufzustellen gedachte. Am Fuße Washington, 8. Juli. Nachrichten aus Caracas zufolge hat des Rechenbergs, einem niedrigen Hügel, hat Feuerbach gewohnt. Präsident Castro vorgestern die Regierung von Venezuela wieder Der Plan, den Verfechter des edelsten Menschentums mit dem Blut- übernommen. Dies Ereignis ist in ganz Venezuela festlich be= und Eisenmenschen in solcher Weise in Beziehung zu bringen, ergangen worden. wedte vielfach Sohn und Spott. Die Sache schien dann völlig eingeschlafen zu sein; vor einigen Tagen aber, zwei Jahre nach dem Ueber die„ parteilose" Arbeiterpolitik, die der Amerikanische 100. Geburtstage Feuerbachs, wurde an seinem Wohn- und Sterbe- Arbeiterbund neuerdings eifrig befürwortet, äußert sich unsere Nach Hause eine Gedenktafel mit einem Reliefbildnis angebracht. Diese Parteipresse in den Vereinigten Staaten nicht sehr hoffnungsvoll. bescheidene„ Ehrung" ist den freisinnigen Herrschern Nürnbergs, die In einem Artikel der„ New Yorker Volkszeitung", der von den für prunkvolle Fürstendenkmäler Geld in Hülle und Fülle übrig meisten übrigen Parteiblättern aufgenommen wurde, heißt es, daß haben, schwer genug geworden; sie werden sich aber wohl mit dem es wohl zu begrüßen sei, wenn die Arbeiter den Gedanken selbGedanken getröstet haben, daß dem alten Bauernhäuschen, in dem ständiger Politik erfassen, wozu die Sozialdemokraten sie so lange Feuerbach wohnte, fein langes Dasein mehr beschieden sein wird. Jahre hindurch ermuntert haben, daß aber die Sozialdemokraten Dann wird mit des Philosophen Sterbehaus auch seine Gedenktafel wiederum vor den Politikern der alten Parteien warnen müßten, Diese Ziffern erhalten jedoch erst ihren vollen Wert, wenn man verschwinden welche die Parteilofen" leicht zu ihrem Vorteil gegen die Arbeiters in Berücksichtigung zieht, daß der etatsmäßige Ruschuß des Reiches Afrika. ,, Ein Schlachten war's, nicht eine Schlacht zu nennen." Durban, 8. Juli. Die englischen Truppen in Natal haben im Distrift Umwoti eine Streitmacht der Eingeborenen vollständig umzingelt und geschlagen. Der Verlust der Eingeborenen betrug 547 Tote, unter diesen befand sich der Häuptling Matschwili; nur sehr wenigen gelang es zu entkommen. Die Weißen hatten keine Berluste. Amerika. Castro wieder an der Tête. Deutschlands Pläte an der Sonne. Trotz der enormen Auf wendungen des Deutschen Reiches für seine Kolonien schreitet der Handel des deutschen Bollgebietes mit den deutschen Schutzgebieten" nur sehr langsam vorwärts. Zwar hat in den letzten beiden Jahren die Wertsumme der Ausfuhr nach unseren schönen afrikanischen Kolonien nicht unbeträchtlich zugenommen; aber diese Steigerung erklärt sich fast ausschließlich daraus, daß der andauernde Feldzug in Südivestafrika die Einfuhr bedeutender Proviantmengen in dieses Gebiet nötig machte. Nach der amtlichen Statistit betrug die Einfuhr Deutschlands aus seinen Kolonien in 1000 Mart: Aus Deutsch Dstafrika... Deutsch- Südwestafrita Deutsch- Westafrita Kiautschou 1905 • 5 601 272 10 875 1904 3410 1903 1902 2114 1468 288 300 292 6 584 4 361 4625 " 21 88 23 49 " Deutsch Australien 148 104 37 145 " " Samoa- Inseln. 827 892 489 B 841 Busammen 17 789 11 266 7274 6 820 Die Ausfuhr Deutschlands nach den Kolonien betrug in 1000 Mark: Deutsch- Dstafrika ww 1905 " Deutsch Südwestafrika. " 29 Deutsch- Westafrika Kiautschou " Deutsch- Australien Samoa- Inseln 8 036 18 416 7.936 7.873 865 1904 4983 13 532 1908 2 564 450 6 087 7.569 750 193 1902 2 486 4.603 6040 6 913 565 509. Busammen 43 576 33 114 23 503 21 116 4 288 5182 10 321 710 443 zur Verwaltung dieser Kolonien sich im Jahre 1905 auf ungefähr Absicht, dem vorzubeugen, die Aufforderung zum Weggehen aus 113 millionen Mark stellte und zu dieser Summe noch spreche. Dann schon sei es eine verkehrspolizeiliche Maßnahme im 14 Millionen Mark Ausgaben für Riautschou und die Kosten für Sinne der Verordnung. Das Landgericht müsse nun die Sache in die Kolonialverwaltung hinzukommen. der Richtung nachprüfen. Sur Geschäftslage der Maschinenindustrie. Obgleich die Hoffentlich tut das Landgericht dem Kammergericht nicht Maschinenindustrie von allen Zweigen des Eisengewerbes am den gewünschten Gefallen, sondern stellt tatsächlich fest", daß spätesten an dem allgemeinen gewerblichen Aufschwung, der im der Schutzmann den Mann als Streitposten fortgewiesen Jahre 1904 einsette, teilnahm, war sie bisher im laufenden Jahre hat. Es liegt in der Hand des Landgerichtes, wie es die mehr als die meisten anderen Gewerbe der Schauplatz zahlreicher Erbeitskämpfe. Dabei trat die Streifbewegung gegenüber dem Zeugenaussage des Schuhmannes bewerten will, selbst wenn starken Umfang, den die Aussperrungsbewegung während der letzten derselbe sein Zeugnis in den Formen hält, welche das KammerMonate angenommen hatte, fast ganz zurück. Von den durch diese gericht streifpostenfortweisenden Schußleuten als zweckmäßig Kämpfe herbeigeführten Betriebsstörungen abgesehen, war und ist für die Rettung des Kapitals empfohlen hat. der Geschäftsgang in der Maschinenindustrie äußerst befriedigend. Die Lebhaftigkeit des Beschäftigungsgrades teilt sich allen Zweigen Berlin und Umgegend. des Maschinenbaues mit; besonders gut sind einzelne Branchen des Spezialmaschinenbaues beschäftigt. Einen belebenden Einfluß auf die Herstellung von Bergwerksmaschinen übt gegenwärtig das Bestreben auf Ausdehnung der Kohlen- und Koksgewinnung aus. Auf der einen Seite ist der Bedarf an Bohrmaschinen sowohl durch die Gründungstätigkeit in der Kaliindustrie als auch durch den Eifer, mit dem im Ruhrrevier nach Kohle geschürft wird, sehr rege; andererseits werden gerade jetzt mehrere Schächte betriebsfertig und erfordern neue Maschinerie. Außer dem Bergbau tritt auch im laufenden Jahre das Tertilgewerbe mit größerem Begehr an den Spezialmaschinenbau heran. Lange Jahre hindurch hatte das Tertilgewerbe unter der Ungunst der Konjunktur zu leiden und dementsprechend weder Neigung noch Mittel zum Ausbau seines Betriebsapparates gehabt. Da nun schon seit Beginn des vorigen Jahres mit nur kurzen Unterbrechungen eine flotte Tätigkeit in der Textilindustrie Herrscht und auch die Gewinnergebnisse bei steigenden Umsätzen wieder günstiger waren, geht man im laufenden Jahre eifriger an Betriebsverbesserungen und Vergrößerungen heran, was in einer lebhafteren Nachfrage nach Textilmaschinen zum Ausdruck kommt. In den Betrieben, die landwirtschaftliche Maschinen herstellen, ist der Geschäftsgang zwar gegenwärtig auch flott, doch hängt die weitere Gestaltung der Absatzverhältnisse ganz von dem Ausfall der diesjährigen Ernte ab. Da bis jetzt die Ernteaussichten günstig sind, so ist auch eine Fortdauer der augenblicklichen Konjunktur oder noch eine weitere Aufwärtsbewegung zu erwarten. Eine äußerst befriedigende Rückwirkung auf den Eisenbahnwagenbau übt die allgemeine Verkehrssteigerung aus, die in den letzten beiden Jahren eingetreten ist; die gesteigerten Betriebsergebnisse fast aller deutschen Bahnen im Jahre 1905 begünstigen die Ausgestaltung des Wagenparts um so mehr, als der lebhafte Güterberkehr vor der Hand keine Beeinträchtigung erfahren dürfte. Soziales. Zur Billett- und Lustbarkeitssteuer. worden, daß bei Arbeiten, die nach Berlin gehen, der Berlince Einsetertarif gilt. In Brizwalt erfolgte eine Arbeitszeitberkürzung von 66 auf 60 Stunden pro Woche. In Lindow i. Mark kam es ebenfalls zu einem zweijährigen Vertragsabschluß gleichzeitiger sofortiger Lohnerhöhung von 2 bis 5 Pf. pro Stunde, bei einer Arbeitszeitverkürzung von 60 auf 57 Stunden unter die sich im nächsten Jahre abermals um 2 Pf. pro Mann erhöht. walde gestellt. Verlangt wird die Festsetzung eines Minimal Lohnforderungen haben die Tischler in Ebers. lohnes von 35 Pf. unter gleichzeitiger sofortiger Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Mann und Stunde und einer Verkürzung der Arbeitszeit von 57 auf 54 Stunden pro Woche. Da mit den Meistern eine Berständigung nicht erzielt werden konnte, so find sämtliche Tischler am Montag in den Streit getreten. In Schönlante sind die Drechsler der Augusmöbelfabrik von Levin ausgesperrt, weil sie sich weigerten, auf Verlangen des Fabrikanten aus der Organisation auszutreten. In Fürstenberg a. Oder wurde den Korbmachern der Akkordpreis auf 36 M. pro Dußend Reiseförbe erhöht. Während des letzten Streits hatten sie diese Er höhung nicht durchzusehen vermocht. In Fürstenwalde hat die auch in Berlin bekannte Firma„ Märkische Holzindustrie" ihren Arbeitern zum 1. August den Tarif gekündigt. Achtung, Metallarbeiter! Die Züchtung einer gelben Gewerkschaft" im Siemens- Schuckertwert, Franklinstraße. Vor einigen Wochen berichteten wir über das„ untertänigste" und gehorsamste" Gesuch von unorganisierten Arbeitern des genannten Werks an die Direktion um Genehmigung einer Zuſchußkaffe, die dem Einfluß der organisierten Arbeiter entzogen werden und nur Nichtorganisierten zugute kommen solle. Die Zuschußkasse war also als der Grundstock einer Organisation der Nichtorganisierten gedacht. Jetzt hat das Ding greifbare Gestalt Gießerei für Gas-, Wasser- und Dampfanlagen, haben sämtliche Bei der Firma Brust u. Post in Darmstadt, Fabrik und angenommen, die gelbe Gewerkschaft im Werk ist Arbeiter gekündigt. fertig. Gegründet und statutarisch reglementiert wurde sie am arbeiter, Dreher und Schloffer, in diesem Betrieb keine Arbeit zu Wir ersuchen daher alle Former, GießereiDonnerstag in Charlottenburg in einer von etwa 200 Unorganisierten nehmen. Die Firma versucht unter Verschweigung der durch die besuchten Versammlung. Mit wessen Hülfe und unter welchen Ein- feitherigen Arbeiter eingereichten Kündigung auswärts Arbeiter zu flüssen diese gelbe Sturmkolonne zu stande gekommen ist, das läßt bekommen. sich mit leichter Mühe aus folgenden Bemerkungen des Versammlungs- Vor Annahme von Arbeit in anderen hiesigen Betrieben er leiters ersehen. Dieser führte nämlich aus, es sei der vorbereitenden suchen wir alle Metallarbeiter erst in ihrem eigenen Interesse bei Kommission von den Direktoren Dielmann und Fellinger uns Auskunft zu verlangen. zugesichert worden, daß wenn die Gründung des Vereins der Un Deutscher Metallarbeiter- Verband, Verwaltungsstelle Darmstadt. eine namhafte Summe als Grundfonds zur Verfügung gestellt werde. Bermittelung des Gewerberichts beendet worden. Die Arbeiter organisierten vor sich gehe, demselben von der Direktion dann auch Der Maurerstreik in Würzburg ist nach achtwöchiger Dauer durch Gleichzeitig haben die Herren Direktoren den Vereinsmitgliedern haben ansehnliche Vorteile erzielt, die sie ihrer strammen Solidarität den nachdrücklichsten Schutz vor den organisierten Arbeitern ver- zu verdanken haben. sprochen. Daraufhin erfolgte dann die Annahme des Statuts. Zur Bewegung in der Metallspielwarenindustrie in Nürn Mitglied der Truppe tönnen nur solche Arbeiter berg- Fürth. Mit den Unternehmern von Fürth ist ein Tarifder Firma werden, die keiner Organisation an- vertrag abgeschlossen worden, der bis Juli 1908 läuft und in dem In den Vorstand werden nur solche Mit die 56stündige Arbeitszeit, Minimallöhne, Lohnerhöhung von 5 Broz, gehören. glieder gewählt, die seit mindestens fünf Jahren bei höhere Vergütung der Ueberstunden usw. festgelegt sind. Die Arbeit der Firma beschäftigt find. Im Falle der Auflösung des wurde am Montag wieder aufgenommen. Nur in zwei Betrieben Vereins fällt das gesamte Kaffenvermögen der Firma zu. angeschlossen haben. Im benachbarten Burgfarrnbach, wo besonders wird noch gestreift, weil die Inhaber sich dem Uebereinkommen nicht Bei der Erörterung der leggenannten Bestimmung machte sich eine viele Kindertrompeten verfertigt werden, ist alles im Ausstand. gelinde Opposition bemerkbar. Sie wurde jedoch mit den Worten Auch in Nürnberg fonnte bis jetzt noch keine Einigung erzielt beschwichtigt, daß die Gründung des Vereins und der Kasse von der werden. Wir haben( vergl. die Nummern 137 und 143) schon dargelegt, Annahme dieser Bestimmung direkt abhänge. Werde dieselbe wider daß es sich in der Wirkung bei der für Berlin geplanten Luftbarkeits- Erwarten abgelehnt, dann sei der Verein von vornherein ein steuer um nichts anderes als um eine Erholungssteuer handelt. Nun das ist er auch schon so wie so, selbst Zum Teil ist das aber auch bei der geplanten Billettsteuer der Fall. halb totes Kind". Die Billettsteuer soll bekanntlich alle Theater- und Konzertveran- wenn ihm sämtliche Direktoren und Meister der Siemens- Schuckert staltungen, Vorträge usw. treffen, bei denen der Eintrittspreis 40 werke als Ghrenmitglieder beitreten. In der heutigen Beit der GePfennig übersteigt. Das ist bei allen Veranstaltungen der Fall, waltaussperrungen blidt das Gros der Arbeiterschaft nur mit bebei denen ein höheres künstlerisches Intereffe vorwaltet. Die Billett- dauerndem Achselzucken auf das verächtliche Beginnen einer kleinen steuer ist eine arge Besteuerung der Kunst. Die Nederei, das libe- Gruppe von Aucharbeitern, die in törichter Verkennung ihrer Klaffenrale Berlin sei für die Pflege der Kunst und Wissenschaft ist eitel interessen dem Unternehmertum freiwillige Hooligansdienste leisten. Flunkerei, soweit die Stadtgemeinde selbst in Frage kommt. Was tut die Stadt Berlin eigentlich für Kunst und Wissenschaft? Für Wissenschaft tut sie nämlich so gut wie nichts und für die Kunst ist noch mitzuteilen, daß die im Transportarbeiter- Verband organi Zur Aussperrung der Glaser noch weniger, nämlich gar nichts. In der Zeitschrift des Preußischen Statistischen Landesamts fierten ülfsarbeiter der Großfirma Salomonis aus Solidarität mit den ausgesperrten Glasern ebenfalls die Gestern abend lagen die Hauptstraßen von Charlottenburg, sostoßen wir auf eine statistische Arbeit von Dr. Tezlaff über die Arbeit niedergelegt haben. Die Firma sucht jetzt Haus weit sie auf elettrische Beleuchtungen angewiesen find, im für Theater, Orchester und sonstige musikalische diener und Hülfsarbeiter, wo sie nur welche finden kann. Wie sie Dunkel. Im Rathause wie in den anderen großen Wein- und Biers 3 mede von den deutschen Großstädten und einigen Städten des Auslandes im Rechnungsjahre 1903 bei ihrer Suche nach Personal unterstügt wird, zeigt folgender lokalen saßen die Gäste bei trübem Kerzenlicht. Die Ursache dieser aufgewendeten Beträge. Wenn wir in den Tabellen nachFall. Zwei Hausdiener hatten sich fürzlich bei der Firma Stalamität lag in einem Feuer, das gegen Abend in dem um Stellung beworben, sie wurden sehen, so finden wir, daß einige Städte es sich etwas fosten lassen, and orf auch für städtischen Elektrizitätsmerte ausgekommen war. eigene Theater und Orchester zu unterhalten. So betragen z. B. den Bedarfsfall borgemerkt. Jezt befamen plöglich Auf dem Dache des Maschinenhauses waren Klempner beschäftigt die ordentlichen Nettosollausgaben, d. H. die reinen Zuschüsse ab- von der Firma Salomonis ein Schreiben, in welchem es sehr gewesen, die angeblich nach Arbeitsschluß einen noch brennenden Dieser hat einige züglich der Einnahmen höflich heißt, die Firma habe erfahren, daß die beiden Haus Lötofen auf dem Dache zurüdgelassen haben. diener Stellung suchten; solche sei bei Salomonis jetzt vorhanden. Bretter, die in der Nähe lagen, in Brand gesezt. Durch die hierbei Bei ihrer Vorstellung wurde ihnen dann die übliche Lebensstellung entwickelte size tam das Wellblechdach an einer Stelle zum versprochen. Als die beiden organisierten Leute aber erfahren hatten, Schmelzen, und dadurch griff das Feuer auf die Holzverschalung wie die Dinge bei Salomonis stehen, verzichteten sie natürlich über, die unter dem Wellblechdache angebracht ist. Das trockene dankend auf die Lebensstellung". Merkwürdig berührt es sie nur, Holz brannte wie Bunder, so daß die Feuerwehr bei ihrem Einwie die Firma Salomonis erfahren konnte, daß sie sich bei treffen die Hälfte des Daches in Flammen fand. Branddirektor Jandorf um Stellung beworben hatten. Bahrdt ließ von zwei Straßen aus mit einem halben Duhend Schlauchleitungen vorgehen und brachte innerhalb einer Stunde das Feuer zum Stehen. Das Dach muß erneuert werden. Verschiedene raftmaschinen hatten durch Wasser gelitten und müssen erst sorgfältig wieder gereinigt werden, bevor sie wieder in Betrieb Es steht aber zu erwarten, daß die gesetzt werden können. Stalamität heute abend wieder vollständig beseitigt sein wird. in Wiesbaden für Theater auf den Kopf der Bevölkerung 2,78 M. 2,46 Mannheim. 9 Frankfurt a. M. Mainz • Augsburg Köln 239 316 m. 347 796 473 405 110 106 55 113 213 100 " " " 1,64 " " 1,31 " " " 0,62 0,57 " " Achtung, Gummiarbeiter! In der„ Berliner Volkszeitung" und anderen bürgerlichen Blättern werden technische Gummiarbeiter aller Branchen gesucht. Auch für Orchester und musikalische Bestrebungen geben Mannheim( 123 874 M., das sind 0.88 m. auf den Kopf der Bevölke= Die Arbeiter sollen angeworben werden für die Hannoversche rung), Straßburg( 89 000 m.= 0,59), Mainz( 31 178 m.= 0,37), Gummiwaren- Attien- Fabrit, Hannover- Linden, in welcher fast die Düsseldorf( 70 675.= 0,33) und Essen( 27 900= 0,24) nicht gesamte Arbeiterschaft sich schon seit über drei Wochen im Streit ganz unbeachtliche Summen aus. Im Durchschnitt der Rechnungs- befindet und von seiten der Direktion jede Vermittelung zur Beijahre 1883 bis 1901 wendeten Mannheim, Frankfurt a. M., Köln, legung, desselben abgewiesen wird. Bon seiten der Streifenden Wiesbaden, Straßburg. Düsseldorf und Nürnberg am meisten für wird eine Lohnerhöhung von 8-10 Proz. gefordert. Bisher ist es Theater und sonstige musikalische Zwecke auf. Auch ausländische uns gelungen, die Angeworbenen bis auf wenige wieder zur Ab Städte wie Genf und Amsterdam haben größere Posten für derartige reise zu bewegen. Da aber dem Anscheine nach Agenten sich in Zwecke in ihren Budgets. Berlin befindet sich unter allen Orten Deutschlands aufhalten, wo Gummiindustrie ist, werden demjenigen Viertel der deutschen Großstädte, alle arbeiterfreundlichen Zeitungen um Abdruck gebeten. das nichts für Theaterzwede, nichts für musitalische Veranstaltungen ausgibt. In dieser beschämenden Situation befindet sich Berlin, die musikalische Metropole der Erde. Und nun kommt der freisinnige Magistrat und will diesen ganzen Jammer noch obendrein mit einer Steuer belegen, anstatt daß die Stadt selbst für fünstlerische Zwecke jährlich einige Millionen aufwendete. Gewerkschaftliches. Die Allwissenheit und Allmächtigkeit ves Schutzmanns Streifposten gegenüber ist wieder einmal vom Kammergericht bestätigt worden. Der Arbeiter Nauroga, der in Dortmund in der Bahnhofstraße Streifposten gestanden hatte, war der Aufforderung eines Polizeibeamten, die Straße zu verlassen, nicht gleich gefolgt. Dadurch sollte er die Polizeiverordnung übertreten haben, die es zur Pflicht macht, den zur Erhaltung der Drdnung, Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf öffentlichen Straßen ergehenden polizeilichen Aufforderungen Folge zu leisten. Verband der Fabrik-, Land- und Hülfsarbeiter. Achtung, Schuhmacher! In der Schuhfabrit von Richter, Barnimstr. 2 und in der Werkstatt von Backhaus, Luisenstr. 4, befinden sich die Kollegen im Streit. Desgleichen noch in der Schuhfabrit Nosenberg, Dircksenstr. 47 und Schulz, Brunnenstr. 92. Die Ortsverwaltung. Ausland. Skandinavischer Hutarbeiterverband. Ein gemeinsamer Kongreß des schwedischen, dänischen und norwegischen Hutarbeiterverbandes, der vor einigen Tagen in Falköping in Schweden stattfand, hat beschlossen, daß diese drei Verbände sich zu einem allgemeinen standinavischen Hutarbeiterverband zusammenschließen. Dieser neue einheitliche Verband soll als solcher der internationalen Hutmacherorganisation angehören, die in Frankfurt a. M. Mitte August ihren Kongreß abhält. Letzte Nachrichten und Depefchen. Charlottenburg ohne Licht. Beim Baden ertrunken. Gestern abend ertrant der im 52. Lebensjahre stehende Bauarbeiter Rudolf Laminger in einem kleinen See im Garten des von ihm bewohnten Hauses Mariendorf, Wiesenweg 11. Nach kurzem Aufenthalt im Wasser ging er infolge eines Herzschlages unter. Einige sofort aus der nahen Badeanstalt geholten Mita glieder des Schwimmklubs„ Germania" fonnten trotz stündigem Tauchen die Leiche in dem sehr morastischen See nicht finden; erst das Rettungsnetz der Badeanstalt konnte den Körper bergen. Maleraussperrung beendigt. Lübeck, 9. Juli. Die seit drei Monaten bestehende Aussperrung Achtung, Schmiede! Die Schmiede der Maschinenfabrit- Attien im Malergewerbe ist heute durch Verhandlungen vor dem EinigungsGesellschaft H. F. Ecert in Friedrichsberg haben am Sonn- amt beendet worden. Die Meister haben eine Lohnerhöhung um abend die Arbeit niedergelegt, nachdem ihre Forderungen von der Stündlich 2 Bf., auch für 20jährige Gesellen, bewilligt, worauf die Betriebsleitung rundweg abgelehnt wurden. Es ist das erstemal, Vertreter der Gesellen ihre weitergehenden Forderungen zurüd daß die dortigen Kollegen in den Ausstand getreten find, um die gezogen haben. geradezu jämmerlichen Verhältnisse aufzubessern. Gefordert wurde: stündige Arbeitszeit( bisher 10 Stunden), 20 Proz. Erhöhung der Affordpreise, ferner für Schirrmeister 70 Bf., für Helfer 60 Pf. Lohn, außerdem Verbesserung der Betriebsverhältnisse. Die Firma hatte auf alles nur ein glattes Nein. Wir bitten, den Zuzug streng fernzuhalten. Zentralverband der Schmiede. Zahlstelle Berlin. Deutfches Reich. Der Straßenbahnerstreit in Rom. Rom, 9. Juli.( Privatdepesche unseres römischen Korrespondenten.) Heute nachmittag fand bei allgemeiner Arbeitsruhe eine Sympathieversammlung für die streikenden Straßenbahner statt. Gezählt wurden etwa 20 000 Demonstranten und ist trok zahl= reichen Militäraufgebots tein Zwischenfall zu verzeichnen. Die Mißstimmung der Bevölkerung gegen die im Interesse der Gesellschaft Partei nehmende Stadtverwaltung wächst. Der Zusammenhalt der Streifenden ist vollkommen. Nationale Kämpfe. Bukarest, 9. Juli.( Meldung des Wiener K. K. Telegr.- Korresp.= Bureaus.) Nachrichten aus Konstantinopel zufolge berübten griechische Banden in der vergangenen Woche fieben Mordtaten an Rumänen in Mazedonien. Unter den Ermordeten befinden sich der ftantinopel und der Schwiegervater des Direktors der rurmänischen Vater des Dragomans der rumänischen Gesandtschaft in Konstantinopel und der Schwiegervater des Direktors der rurmänischen Schule in Magarowa. Im Gau Berlin des Holzarbeiterverbandes sind in jüngster Zeit eine Anzahl neuer Tarifverträge abgeschlossen worDas Landgericht Dortmund sprach den Angeklagten frei. den, bei denen das Hauptgewicht auf eine Verkürzung der ArbeitsEs meinte, N. hätte nur Folge zu leisten brauchen, wenn die zeit gelegt wurde. So kam es in Rottbus zu einem zweiAufforderung berechtigt gewesen wäre; sie sei aber nicht jährigen Vertrag mit der Freien Innung, wobei die wöchentliche berechtigt gewesen, weil Angeklagter weder eine Störung ver- und im nächsten Jahre auf 55 Stunden verkürzt wurde. Gleich Arbeitszeit vom 1. Juli d. J. ab von 58 refp. 60 Stunden auf 56%, ursacht hätte noch objektiv die Befürchtung, es würde beim zeitig erfährt der Minimallohn eine Erhöhung von 30 auf 33 resp. Verweilen des Angeklagten zu einer solchen kommen, berechtigt 35 Pf. Für die bei Zimmermeistern beschäftigten Tischler ist die gewesen wäre. Das Rammergericht hob jedoch auf Revision der Arbeitszeit in derselben Weise verkürzt worden unter Festsetzung Staatsanwaltschaft das Urteil auf und verwies die Sache mit fol- von Minimallöhnen zu 37 refp. 38 Pf. Außerdem wurde noch in gender Begründung an das Landgericht zurück. Das Landgericht einer großen Möbelfabrik und einer Holzbearbeitungsfabrik eine irre, wenn es annehme, daß die Aufforderung des Polizeibeamten 2- resp. 3stündige Verkürzung der Wochenarbeitszeit durchgesetzt bei Die Revolution im Heere. nur dann gerechtfertigt wäre, wenn die Maßnahme objektiv er entsprechender Lohnerhöhung, die für die Arbeiter der Holzbearbeitungsfabrik im Durchschnitt 2 M. pro Woche beträgt. Jm Tambow, 9. Juli.( Meldung der Petersburger Telegraphen forderlich gewesen sei zur Aufrechterhaltung der Ruhe, Ord- ganzen kommen bei diesen Verträgen in Rottbus 365 Tischler in agentur.) In dem 7. Reserve- Kavallerieregiment ist eine Meuterei nung, Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs. Es genüge Betracht, darunter nur 12 Hirsch- Dundersche. In Mustau ausgebrochen. Ein Infanterieoffizier wurde getötet, ebenso wurden vielmehr, daß der Polizeibeamte annehme, die Ordnung, wurde für die Bautischler der Firmen Koch und Blauschmidt, bei einer Schwadron des Dragonerregiments Nejine, das die Sicherheit usw. könnte durch das Verweilen einer Person an die auch nach Berlin liefern, eine Verkürzung der Arbeitszeit von Meuterer angriff, ein Dragoner und 6 Pferde getötet. der fraglichen Stelle gestört werden, und daß er darauf in der 57 auf 53 Stunden pro Woche erzielt. Gleichzeitig ist vereinbart| Meuterer haben sich in ihrer Kaserne verbarrikadiert. Berantw. Bedakteur: Haus Weber, Berlin. Inferatenteil verantw.: Th.Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Die Itr. 157. 28. Jahrgang. 1. Kilm des " Serlim pIMIntt. Dienstag, 10. IM IM. Mr. Joseph Chamberlain. London, K. Juli. Am 8. Juli feierte Chamberlain seinen 70. Geburtstag. Seine Freunde und seine Gegner vereinigten sich, ihn durch verschiedene Manifestationen zu ehren und die stürmischen parlamentarischen Szenen, die feindlichen Zusamnienstöke, den Hah und die Leiden- schasten zu vergessen, die er während seiner dreißigjährigen par- lamentarischen Tätigkeit erregt hat. Er ist ohne Zweifel eine bedeutende Persönlichkeit. Er kann sich auf der öffentlichen Bühne nicht bewegen, ohne die spannende Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu lenken und leidenschaftliche Kontroversen hervorzurufen, aber zu den Großen wird er nicht gezählt iverden— weder zu den Großen im guten Sinne, noch zu den Großen im schlechten Sinne. Er hat sich viel geändert: er hat seine Ueberzeugungen oft gewechselt: er hat alle Schattierungen durchgemacht, die aus einer Mischung der bürgerlichen Farben erzeugt werden können, aber in einem ist er sich treu geblieben: in feinem großbürger- lichen Empfinden. Alle seine Aendcrungen, die das radikale Klein- bürgertum ihm wie Verbrechen vorwirft, waren nur Versuche, sür seine elementare Empfindung den richtigen politischen Ausdruck, das richtige politische Instrument zu finden. Die Politik des Groß- biirgertums ist nun aber dersozialeJmperialismus. Und zu dieser Politik strebte Chamberlain, anfangs unbewußt, tastend, experinpentell, nachher bewußt und mit aller ihm zu Gebote stehenden Energie. Er ist der Bahnbrecher des Munizipalsozialismus: er sprach revolutionär; er weckte die Massen; er förderte die Sozialpolitik und den Krieg: er versetzte seine eigene Partei— früher die liberale. dann die konservative— in Schrecken und Verwirrung: er wurde zum Missionar des britischen Reichsverbandcs, aber das Ziel seines Lebens: eine sozialimperialistische Partei zu gründen, hat er nicht erreicht. Eine solche Partei könnte Nur auf dem organisierten Pro- letariat und auf dem organisierten Großkapital beruhen, allein diese Elemente sind viel zu widerstreitender Natur, um sie durch die Energie irgend welcher großen Persönlichkeit, durch den Geist irgend welcher klugen und gebildeten Politiker und Publizisten zusammen- zuschweißen. Alle bürgerlichen Staatsmänner Europas und Amerikas jagten im letzten Viertcljahrhundert jenem Ziele nach: Randolph Churchill. Chamberlain und manche Fabier in England. Waldeck- Nousseau imd Millerand in Frankreich. Caprivi, Barth und Naumann in Deutschland. Roosevelt in Amerika. Ihre Schwankungen, ihre Un- ruhe, ihr Gesinnungswechsel und ihre Schwächen werden verständlich, wenn man sie von diesem Gesichtspunkte betrachtet. Keines von ihnen hat indes so viel Kraft, so viel Westick und so viel Ernst an seine Aufgabe gesetzt wie eben Chamberlain. Chamberlain wurde am 8. Juli 1836 in Camberwell, einer süd- lichen Vorstadt Londons, geboren. Seine Eltern und Verwandten waren Kaufleute, Nonkonsormisten tDijsidenten). Die Schule, die er besuchte, würde einem deutschen Untergyninasium entsprechen, aber er war fleißig. lernbegierig, mit klarem Verstände und unverwüstlicher Gesundheit ausgerüstet und stets bemüht, fein Wissen durch Lektüre und Besuch von Vorträgen zu er- weitern. Von Jugend auf zeigte er die Fähigkeit, Menschen zu beherrschen, sich klar und direkt auszudrücken, nichts zu ver- tuschen und sein eigenes Interesse wahrzunehmen. Im Jahre 1852 trat er ins Geschäft seines Vaters in London ein, zwei Jahre später in das seiner Verivandtcn in Birmingham, Ivo es ihm bald gelang. eine leitende Stellung einzunehmen. Das Birminghamer Geschäft war eine Schraubenfabrik, die durch Chamberlains Ankauf von Patenten und Konkurrenzgeschäften, sowie durch Abschluß von Kartellen zu einem Millionenunternehmen wurde. Gleichzeitig trat er in einen der dortigen Diskutierklubs ein, wo seine Debattierkunst ihn zu einem gefürchtetcn Gegner machte. Er avanzierte bald zum Stadtverordneten von Birmingham. Eine Anzahl Dissidentcnprediger begannen dort zu jener Zeit für Munizipalresormen zu agitieren und sie gewannen Chaniberlein für sich. Einer dieser Reformer, Dr. Dale, erzählt darüber: „Chamberlain warf sich mit ganzer Kraft in die Arbeiten deS Stadtrates; er stärkte die verschiedenen Kommissionen durch sein Verwaltungsgenie, hielt enthusiastische Reden für die neue Munizipalpolitik, zog die besten Männer der Stadt in den Dienst der Reform. Er hatte Träume und sah Visionen einer großen Zukunft Birminghams." Gas und Wafser wurden munizipalisiert: die sanitären Ver- hältniffe auf die Höhe der Zeit gebracht; das Stadtareal erweitert, damit rentabler gewirtschaftet werden könne. Arbeitcrwohnungen wurden gebaut: Museen angelegt, das Schulwesen bedeutend ver- bessert und der Bllrgersinn überall geweckt. In Anerkennung seiner Verdienste wurde Chamberlain im Jahre 1873 zum Obcrbürger- meister ernannt und drei Jahre später zum liberalen Parlaments- abgeordneten für Birmingham gewählt. Wie hoch er seine munizipale Tätigkeit einschätzte, zeigt seine Rede vom 26. Oktober 1880, in der er sagte: „... Ich blicke mit größerer Zufriedenheit aus die Berstadt- lichung von GaS und Wasser, auf die Erweiterung und Sanierung unseres Stadtgebietes als auf die Annexion von Cypern und Transvaal: ich bin stolzer auf unseren Kampf gegen Krankheit und Verbrechen in Birmingham, als auf unseren Krieg gegen die Zulus und auf die Invasion Afghanistans." Und noch im Jahre 1885 sprach er in ähnlichem Sinne: „... Die Lokalverwaltung berührt das häusliche Leben des Volkes, seine Gesundheit, sein Wohlergehen und seine Glückselig- keit unvergleichlich tiefer als viele der ehrgeizigsten imperialen Pläne." In einer wirklichen Selbstverwaltung muß die munizipale Tätigkeit tatsächlich für cniste Reformer einen großen Reiz haben. Solche Aussprüche wie die Chamberlains kann man von englischen Munizipalpolitikcrn sehr oft hören. Sie ziehen ein Gemeinderats- mandat einem parlamentarischen Mandat vor, da die Tätigkeit der Gemeinde direkter ist, ihre Aufgaben übersichtlicher sind und die administrative Maschinerie glatter arbeitet. Chamberlains erste Jahre des parlamentarischen Lebens waren ganz dem Kampfe sür radikale Reformen gewidmet: Für Aus- schaltung der Religion aus der Schule, für Abschaffung der Prügel- strafe in der Armee, gegen Alkohol, gegen die Annexion von Trans- vaal, gegen Disraeli und gegen„den vulgären Patriotismus der Tingci-Tangel". Gleichzeitig gab er der liberalen Partei eine neue Organisaflon, die den Sieg der Liberalen vom Jahre 1830 vorbereitete. Bei der Bildung des Kabinetts Gladstone wurde Chamberlain Kabinettsminister. Eine seiner ersten Reden galt der Gewährung der Unabhängigkeit an die Buren nach dem Treffen beim Madschubabcrg. Tann nahm er lebhaften Anteil an der Gesetzgebung betreffend die irische Bodenreform, den Schutz der Seeleute von der Handelsmarine, die Ausdehnung des Wahlrechts auf die Landarbeiter, und er trieb eine ungemein heftige Agitation gegen das Hans der LordS, gegen den Adel und die Tones im allgemeinen, so daß Lord Salisbury ihn mit Jack Code, einem der Führer im Bauernkriege, verglich. Im Jahre 1835 erreichte Chamberlain den Gipfel seiner sozialpolitischen und radikalen Agitation und wurde zum populärsten Mann Englands: man betrachtete ihn bereits als den Nachfolger Gladstones. Aber schon im Jahre 1882 war eine ernste Manifestation seines Imperialismus erfolgt: In einem Kabinettsrat über die Besetzung Aegyptens trat Chamberlain enthusiastisch für die Besetzung ein. worauf ihn John Bright, der damals ebenfalls Minister war.„Jingo" sfprich: Dfchingo) nannte. Bright legte seinen Ministcrpostcn nieder, da er gegen jeden Krieg war. während Chamberlain seine imperialistische Laufbahn antrat. Vier Jahre später, als Gladstone daran ging, den Iren Homernle zu geben, wurde sich Chamberlain seiner Mission der Reichseinheit klar und trat dem Plane, Irland von Großbritannien zu trennen, energisch entgegen. Er selber trennte sich von den Liberalen und schloß sich den Konservativen an. Seitdem hat ihn der Gedanke der Reichseinheit und der imperialen Ausdehnung immer mehr erfaßt. Vom Jahre 1893 bis 1903 war er Kolonialminister im konservativen Kabinett und wurde fast ganz von den südafrikanischen Wirren in Anspruch genommen. Dem sozialpolitischen Gedanken blieb er zwar noch inimer treu: er setzte das llnfallgesetz durch, das die Arbeiter als die beste Errungenschaft der neuesten Sozialpolitik betrachten, aber die Koloniall Politik verlangt den ganzen Mann, und was noch wichtiger ist: sie und die ihr verwandte äußere Politik verschlingen den größten Teil der Staats finanzeu, so daß für Sozialpolitik nur ganz wenig übrig bleibt. Im Jahre 1903 wollte Chamberlain diesen Mangel abhelfen durch die Aufstellung eines Reichstarifs, der sowohl das Reich zu- sammenfassen wie die Geldmittel für Alterspensionen liefern sollte. Dieser Plan ist die Quintessenz aller Ideale Chamberlains. Hier schien ihm die Reichseinheit und die Arbeiterfreundlichkeit, die Stärke des Reiches und die Glückseligkeit der Arbeiter möglich geworden zu sein! Mit jugendlichem Feuer warf er sich in diese Agitation. Aber sie hat nur zur Zersetzung der konservativen Partei, zur Befestigung des Freihandels und zur vorläufigen Stärkung der liberalen Partei geführt. Die Zukunft gehört nicht dem sozialen Imperialismus, sondern der sozialen Demokratie. Und vor dieser Zukunft fürchtet sich Chamberlain. Eine sozialistische Arbeiterpartei ist seit Jahren sein Schrecken gewesen. Und wenn er um dreißig Jahre jünger wäre. würde er sich an die Spitze der Arbeiterpartei stellen, nicht um sie zum Siege zu führen, sondern um sie zu zähmen und sie auf sanftere Pfade zu leiten.—_ Serlcbts- Leitung. Die Agitationskommission der Provinz Brandenburg abermals vor Gericht. Genoffe Artur Stadthagen war am 12. August 1905 vom Amtsgericht Berlin I von der Anklage, einige Kommissions- Mitglieder nicht angemeldet zu haben, freigesprochen: die Kosten einschließlich der notwendigen Auslagen wurden der Staats- lasse auferlegt, weil weder die Agitationskommission ein Verein ist, noch Stadthagen ihr Vorsteher. Die Berufung der Staatsanwalt- schaft wurde am 22. Januar 1906 vom Landgericht zurück- gewiesen. ES wurde von diesem Gericht angenommen, die Kommission sei ein Verein, nicht erwiesen sei, daß Stadthagen ihr Vorsteher oder Leiter. Das Kammergericht hob am 14. Mai 1906 das Urteil auf Revision der Staatsanwaltschaft auf, weil nicht erhelle, ob Stadthagen nicht doch ein Vorsteher der Kommission sei. G e st e r n gelangte die Sache deshalb abermals zur Verhandlung vor der Strafkammer. Die Verhandlung endete gegen 5 Uhr nachmittags nach nochmaliger Ver- nehmung der Genossen Jansen, Davidsohn, Dobrohlaw und •ischer abermals mit einem freisprechenden Erkenntnis. Das jericht änderte das amtsgerichtliche Urteil insofern zuungunsten des Angeklagten, als es nicht auch die ihm erwachsenden notwendigen' Auslagen der Staatskasse auferlegte, weil der An- geklagte in Rechtsfachen so erfahren ist, daß er nicht nötig hatte sich eines Rechtsbeistandes zu bedienen und sein Verhalten Anlaß zu der Vernmtmig gegeben hatte, er sei leitendes Mitglied der Agitationskommission. Diese sei zwar vom Willen der Wahl- vereine abhängig, habe aber außerdem einen selbständigen von dem Wahlverein verschiedenen Willen und sei daher als Verein zu er- achten. Eine leitende Stellung Stadthagens sei aber von 1903 ab nicht nachweisbar._ Bcleidigungsprozeß gegen„l'Opcraio" und„La Patria". Der Bischof Jeremia Bonomelli aus Crcmona verklagte den Ge- noffen L e g i s n als Herausgeber der Zeitschriften„l'Operaio italiano" und„La Patria". In den Nummern vom 28. Oktober und 11. November v. I. erschienen in der erstgenannten Zeitschrift zwei Artikel, die schwere Angriffe gegen das Bonomellische Unternehmen enthielten. Es wurde mitgeteilt, daß ein ehemaliger italienischer Advokat, der aus guten Gründen seinen Namen„Tagliacarme" in„Pichioni" umgewandelt habe, vor dem Gericht in Lausanne angeklagt gewesen war. Im Anschluß hieran wurde die Behauptung aufgestellt, daß dieser„Pichioni", der mit schtveren Strafen schon belegt sei, innerhalb der„Opera di assistenza" eine Hauptrolle spielte, weil dessen Bruder unter der italienischen Geistlichkeit einen hohen Posten eilinehme. Durch diesen Artikel, der auch die Person des Bischofs mit dem Treiben des verurteilten Pichioni in Verbindung brachte, fühlte sich dieser beleidigt und ließ den Beklagten zur Vcrantwortlmg ziehen. Die Angelegenheit wurde gestern nach den Vorschlägen des Vorsitzenden durch einen Vergleich aus der Welt geschafft, welcher dahin ging, daß der Beklagte die von ihm aufgestellten Behauptungen als unwahr zurücknehme und dem Bischof Bonemelli eine dahingehende Erklärung übersende. Das Kammcrgcricht gegen Lustbarkeiten der Arbeiter ohne polizeiliche Genehmigung.« Wegen Abhaltung einer öffentlicken Tanzlustbarkeit ohne Polizei- liche Erlaubnis war der Gastwirt Rochlitz zu Alten-Plathow an- geklagt worden, weil der Genthiner Arbeiterverein„Vorwärts" einen Maskenball bei ihm abgehalten hatte, an dem auch eine größere Anzahl Nichtmitglieder teilnahmen. Auf Grund der tatsächlichen Fest- stellungcn kam daS L a n d g e r i ch t M a g d e b u r g zu der Ansicht. daß nach Art des Billettvertriebes und der später beim Vergnügen geübten Kontrolle anzunehmen wäre, es habe sich nicht um eine geschlossene Gesellschaft, das heißt nicht um einen nach außen ab- geschlossenen Kreis von innerlich mit einander verbundenen Personen gehandelt, sondern uni eine öffentliche Tanzlustbarkeit. Gleichwohl wurde Angeklagter freigesprochen, und zwar mit Rücksicht aus§ 59 de? Strafgesetzbuches. Als einen tatsächlichen Irrtum im Sinne dieses Paragraphen erachtete das Gericht die Anficht des Angeklagten. daß eine Erlaubnis zu dem Vergnügen nicht erforderlich gewesen wäre, weil bei Veranstaltungen von Vereinen, die in gleicher Art vor sich gingen, niemals eine Erlaubnis eingeholt worden sei, ohne daß eine Beanstandung ersolgte. DaS K a m m e r g e r i ch t hob das Urteil a u f und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an daS Landgericht zurück, indem es ausführte: Von einem tatsächlichen Irr- tum könne hier keine Rede sein. Ein Irrtum darüber, was zum Begriff der öffentlichen Tanzlustbarkeit gehöre, sei ein Irrtum über eine Rechtsnorm. Ein Rechtsirrtum befreie aber nicht von Strafe.— Will das Landgericht de», Recht entsprechend ein Urteil fällen, so kann es ohne Rechtsirrtum zu demselben freisprechenden Ergebnis gelangen. Es braucht nur zu betonen: eine größere Gesellschaft, die auf einen bestimmten Kreis von Personen beschränkt ist, bleibt trotz aller kammergerichtlichen Ausgleitungen eine geschlossene Gesell- schaft oder er müßten viele Gesetzgeber verurteilt werden, bei denen die Richter des Berliner Kammergcrichtes zu Gaste saßen. Der Herr Landrat in halbamtlicher Tätigkeit. Daß das landrät- liche Amt viel Kummer und Besorgnis um das Wohl des Staates mit sich bringt, ergab auch eine Episode, die sich gestcm vor dem Schöffengericht Halle abspielte. In dem Dorfe Schlettau bei Halle befindet sich eine Filiale eines Halleschen Konsumvereins, der unter sozialdemokratischer Leitung steht. Da jenem Vereine aber auch KriegcrvereinSmitglieder angehören, forderte der Landrat des Merseburgcr Kreises als Kreisvorsitzender des KricgerbundeS den Vorsitzenden des Schlettauer Kriegervereins auf. er möchte die Schlettauer Kriegervereinsmitglieder zwischen Mit- gliedschaft des Kriegervereins und Konsumvereins wählen lassen. Die Konsumvereinsmitglieder müßten eventuell vom Kriegerverein ausgeschlossen werden. Durch diese Geschichte gerieten zwei Kriegervereinsmit» gliedcr, Gastwirt B r ö m m e und Landwirt H u l b e in Streit. Hulbe hatte dem Brömme, dessen Frau Mitglied des Konsumvereins gewesen, vorgeworfen, er habe eine Sozialdemokratenkneipe, weil er dem Konsumverein sein Lokal zu Besprechungen zur Verfügung gestellt habe. B. fühlte sich durch den Vorwurf, B e- sitzer einer Sozialdemokratenkneipe zu sein, schwer gekränkt und klagte gegen Hulbe wegen Beleidigung. Brömmes Verteidiger befürchtete, durch den Vorwurf„Sozialdemo- krateukneipe" würden die Kriegervereinsmitglieder vom Biergenuß bei Brömnie ferngehalten. Die Offiziere würden beim Pferderennen ihre Pferde bei Brömme nicht mehr unterstellen usw. Kurzuni, die politische Reinheit der Kriegervereine, die der Landrat wünsche, sei in Gefahr gewesen. Das landrätliche Schreiben wurde in der Verhandlung leider deshalb nicht verlesen, weil es nur einen halb- amtlichen Charakter haben sollte. Der Gerichtsvorsitzende gab sich große Mühe, den Kläger zu bewegen', die aussichtslose Klage zurückzunehmen. Brömme tat dies auch nach längerem Kopf- zerbrechen. Der Herr Vorsitzende hatte nämlich in wohlmeinender Absicht gnädig anerkannt, daß es jfür Brömme noch nichts lln- ehrenhaftes wäre, wenn Sozialdemokraten bei ihm verkehrten._ Mticndiebstahl. Ein Aktiendiebstahl in den Räumen der Darmstädter Bank beschäftigte gestern die 7. Strafkammer des Landgerichts I. Wegen Dieb« stahls war der 24jShrige Bankbeamte Walter John angeklagt, während sich der Bankbuchhalter Martin M a u e wegen Begünstigung ver- antworten mußte. John hat die Oberrealschule mit dem Abiturienten- zeugniS verlassen und dann Nationalökonomie studiert. Er trat dann in das Effektenburean der Darmstädter Bank ein. Hier unter- lag ihm die Kontrolle der ein- und ausgehenden Wertpapiere. Als Gehalt bezog der Angeklagte 125 Mark. Der Angeklagte, durch dessen Hände täglich Wertpapiere im Betrage von vielen Tausend Mark gingen, unterlag, als er infolge leichtsinnigen Lebens Schulden gemacht hatte, der Versuchung. Er setzte sich mit dem Angeklagten Maue, mit dem er gut befreundet war, in Verbindung und teilte ihm folgenden Plan mit. Er wolle ein Wertpapicr ent- wenden und Maue sollte dieses unter falschem Namen zu Geld machen, um sich in den Pfingstfeiertagen einmal ordentlich amüsieren zu können. Maue ging auf den Plan ein. Am 31. Mai d. I. hatte John Effekten im Werte von mehreren Tausend Mark zu kontrollieren. Infolge einer etwas mangelhaften Kontrolle gelang es ihm eine Höxter Eisenbergwerksaktie zum Kurs« werte von 4000 Mark unbemerkt verschwinden zu lassen. Am nächsten Tage erschien bei dem Bankier Bernstein m der Friedrich- straße ein junger Mann, der schüchtern anftagte, ob auch Aktien gekaust würden.' Es war dies Maue, der in sehr unbeholfener Weise den Verkauf deS WertpapiereS bewerkstelligen wollte, während John mit einem Studiosus Sack vor dem Geschäft auf ihn wartete. Das unbeholfene und scheue Wesen des M. fiel dem Bankier auf. Er behielt die Aktie zurück unter dem Vorgeben, er müsse sie erst kontrollieren und ersuchte den Angeklagten am nächsten Tage wiederzukomnien. Als M. am nächsten Tage erwartungsvoll erschien. um die vier„braunen Lappen" in Empfang zu nehmen, wurde ihm der Empfang durch einen Kriminal- beamten bereitet. Völlig konsterniert über den unerwarteten Ab- schluß der Angelegenheit, räumte M. alles ein. Die Folge war, daß auch John verhaftet wurde.— Vor Gericht wiederholten beide ihr schon abgegebenes reumütiges Geständnis. Der Staatsanwalt hielt bei der Höhe des Objekts und des gröb- lichen Vertrauensbruchs empfindliche Strafen für angebracht und beantragte gegen John 9 Monate, gegen Maue 6 Monate Gefängnis. Das Gericht, erkannte gegen John auf Wochen Gefängnis, unter Anrechnung von 4 Wochen der Untersuchungshaft und gegen Maue auf einen Monat Ge- f ä n g n i s, der als verbüßt erachtet wurde. Zivilrechtliche Nachklänge vom roten Mittwoch in Hamburg. Der Verband freier Krankenkassen hat gegen die Hamburger Polizeibehörde eine Schadenersatzklage anhängig gemacht, der fol- gendes zugrunde liegt: Am Abend des 17. Januar drangen Poli- zisten in eine Gastwirtschaft an der Kattrepelsbrücke ein und ver- letzten mit der Waffe einen beim Glase Bier sitzenden Gast derart am Kopfe, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte, wo- durch der Zentralkranlcnkasse der Tischler für ärztliche Behandlung ein Kostenpunkt in Höhe von 10 M. erwachsen ist. Klägerin, welche die Tischlerkasse vertritt, beantragt, die Polizeibehörde zum Ersatz dieser Kosten zu verurteilen. Die Angelegenheit beschäftigte kürzlich die Zivilkammer II des Landgerichts Hamburg. Die vertretene Polizei- behörde beantragte die Abweisung der Klage, weil die Verletzung nicht widerrechtlich verursacht worden sei. Zum Beweise für diese Behauptung werden sechs Schutzleute genannt, die„festgestellt" hätten, daß aus der genannten Wirtschaft mit Flaschen, Steinen und Stuhlbeinen auf die Schutzmannschaft geworfen worden ist. Die Beamten hätten in Gemäßheit ihrer Dienstvorschrift vom 10. Juli 1901, die den Waffengebrauch bei tätlichem Angriff zuläßt, von der Waffe Gebrauch gemacht. Die Beamten hätten also instruktionö- gemäß und. da die Instruktion keine Rechtsverletzung enthält, auch nicht widerrechtlich gehandelt. Demgegenüber führte der Vertreter derKlägerin auS, daß von einer Notwehr der Beamten keine Rede sein könne, weil der betreffende Gast ruhig am Tisch gesessen und sich um die Vorgänge auf der Straße gar nicht gekümmert habe. In der Wirtschaft sei überhaupt nicht geworfen worden und sollte dies vor derselben oder sonst irgendwo geschehen sein, so könnten die in die Wirtschaft ein- dringenden Schutzleute nicht in der Bestürzung einen Exzeß der Notwehr begangen haben, weil eben die Voraussetzung hierzu— daS Werfe» mit Gegenständen usw.— fehlte. Die Klägerin schlug eine lange Reihe Personen als Zeugen vor. ES wurde beschlossen, diese im nächsten Termin zu vernehmen. Cingegangene DruchFcbrlften. Von der„Neuen Zeit" lSwttgart, Paul Singer) ist soeben da» 41.©est des 24. JabrgangeS erschienen. Inhalt des Heftes: Gedenktage. — Marxismus und Ethik. Von Otto Bauer.— Prinzipielles zur Taktik gegenüber den gewerkschastlichen Konkurrenzorganisationen. Von I. Meer- seid.— AuS deutschen Fleischereien. Von Wilhelm Schröder.— Notizen: Ein Rcmbrandt-Album.„ m t Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und Ist durch alle Buch- Handlungen, Pojtanstaltcn und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne©est kostet 25 Ps. Probenuinmern stehen jederzeit zur Versügung. Der„Wahre Jacob" hat soeben die 14. Nummer seines 23. Jabr- ganges erscheinen lassen. Aus dem Inhalt derselben erwähnen wir die beiden sarbigen Bilder„Das nationallibcrale Ungeheuer im unterseeischen Deutschland" und„Matuschka Rossiia". sowie die weiteren Illustrationen Ein Leidensgenosje",„Die drei Hakatisten-Heiligen",„Der Traum der Gräfin",„Das gleiche Recht sür jedermann",„Moderne Adepten", ,D>a- icr I" Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte„DaS Ver- .Sngnls".„Die' glückliche Stadt".„DaS Lied vom Herrn Meher"..Da» Brot des Zaren" von Richard Wagner,„Der gefangene Soldat",„Der Segen des Krieges",„Der Ordcnsalmanach",„Diplomatie" und außer zahl- reichen kleineren Beiträgen in Poesie und Prosa noch die satirischen Feuilletons„Der Bries eines Ostelbiers".„Slanunbaum der Familie Greis Bärenklau". Der Preis der 14 Seiten starken Nummer ist 10 Pfennige. „Der Süddeutsche Maler." Eine neue Fachzeitschrift. Herausgeber Hugo MatthäS. Stuttgart. Preis 2,50 M. vierteljährlich sür 6 Hefte. Per, ii-g I. F. Sleinlops. Stuttgart. Schiller- Theater. Für den Inhalt der Inserate Schiller- Theater O.( 2allner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- With. Th.) übernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, den 10. Juli Anfang 7 Uhr. Neues Operntheater. Cavalleria rusticana. Der Bajazzo. Anfang 8 Uhr. Berliner. Sherlock Holmes. Leffing. Die lustige Wittwe. Schiller 0.( Wallner Theater.) Morwit- Oper: Der Trompeter von Säffingen. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Zapfenstreich. Komische Oper. Hoffmanns Er zählungen. Lustspielhaus. Unsere Käte. Metropol. Auf ins Metropol. Apollo. Berlin im Omnibus. Das blaue Bild. Spezialitäten. Carl Weiß. Sündige Liebe. Wintergarten. Tortajada. Spezialit. Passage. Willy Prager. Spezialit. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Besub. Steruwarte, Invalidenstr. 57/62 Ferdinand Bonns Berliner Theater. Dienstag und folgende Tage: Sherlock Holmes. Anfang 8 Uhr. Neues kgl. 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Nach langem schweren Leiden verstarb am Sonntagmittag mein lieber guter Mann, Bater, Großbater, Onkel und Schwager, der Maurer 28776 Emil Fehse im Alter von 56 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 11. Juli, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des SophienKirchhofes, Freienwalderstraße, aus statt. Danksagung. Für die Beweise aufrichtiger Teil nahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Franz Wittke fage allen Freunden und Verwandten, jowie den Kollegen der Firma Baer Fran Ww. Luise Hempel. Verband, der Mannschaft des„ Korsar" u. Stein, dem Berliner Wettsegel17462 Sämtliche Rechte und Pflichten der und dem Lotterieklub Fortuna II" Vereine, welche bei meines Mannes meinen herzlichsten Dank. Lebzeiten abgeschlossen sind, behalten auch in Zukunft ihre Gültigkeit. Margarete Wittke. !! Buss Salon!! Dr. Schünemann Theater, Spezialitäten Große Frankfurterstr. 85. und BALL. 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( Ohne Gewähr.) 48 337[ 200] 441 566 607 849 90 1513 729 960[ 100] 2427 30 34 577 666 831 83 955 82 3013 375 675 714 61 831 4008 260 384 462 521 49 601 14 29 50 723 42 5167 590 733 814 6486 618 854 7076 173 515 24 29 96 605 63 725 942 8036 264[ 100] 530 57 631 44 75 772 834 919 9520 731 819 10078 579 85 751[ 100] 832 94 11360 96 667 12518 888 13131 282 328 423 85 591 668 83 702 6 29 814 61 14033 430 78 509 99 619 855[ 100] 90 962 15414 521 720 69 969 16012 64 129 93 367 405 584 17614 707 980 18017 343 571 658 862 946 58 19213[ 100] 361[ 200] 683 20111 288 311 56 557 667[ 200] 752 831 95 924 96 21164 230 78 557[ 100] 767 69 832 900 22531 53[ 100] 603 747 812 88 23016 39[ 100] 157 208 344 621 978 24233 74 409 83 97 785[ 100] 25016 57 320 475 605 15 703 889 907 26213 91 459 63 697 726 929 27224 426 29 682 999 28102 6 670 705 924 29322 495[ 100] 683 30374 610 61 750 985 31122 97 264 302 96 423 1100] 510 985 32078 260 594 830 87 88 34251 318 63 502 675 880 35146 76 458 531 88 624 36033 144 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Ziehung 1. Kl. 215. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 9. Juli 1906, nachmittage. Nur die Gewinne über 50 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten. 27 111 255 310 506 54 646 74 86 776 825 1186 273 458 559 727[ 100] 47 2084 226 608 86[ 100] 937 3065 68 245 464 1001 93 99 593 605 26 68 829 4093 278 80 359 539 994 5279 1200] 246 486 696 6194 216[ 100] 334 469 556[ 200] 7045 138 220 375 488 525 629 985 8005 138 78 205 678 9015 93 115 63 212 26 29 397 495 818 913 64 10013 63 116 299 373 523[ 100] 602 46 716 29 884 913 94 11005[ 100] 113 57 208 85 328 63 75 481 933 95 12127 478 13145 229 370 461 641 14053 98 181 368 795 832 42 15091 100 340 758 816 956[ 100] 16133 38 81 91 213 45 783 17353 473 509 750 868 932 57 96 18064 424 41 66 595 19038 70 77 150 51 95 292[ 200] 433 52 709 83.936 38 20422[ 100] 710 70 81 870 904 56 21168 81 313 408 32 526[ 100] 33 58 662 757 820 22034 109 16 40 222 472 599 634 839 23070 100 45 93 221 498 568 850 60 24060 299 786 25116 312 37 90 484 580 99 26150 232 38[ 100] 371 427 681 741 27235 66 1200] 356 779 28188 219 38 491 619 722 29163[ 100] 215 337 585 [ 100] 743 800 30217 334 36 62 725 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476 90[ 400] 504 99 923 40 161162 73[ 300] 735 863 64 962 162113 328 578 163034 [ 100] 193 206 11 37 344 495 631 164097 112 292 610 98 727 57 83[ 100] 165029 39 166 416 34 670 729 829 43 166273 397 427 35 98 553 84 789 898 167227 562 705 45 168180 390[ 100] 730[ 100] 169302 759 71 870 170055 258 82 357 595 676 802 903 171202 414 669 739 948 172096 184 407 17 604 43[ 100] 790 833 173144 431 546 723 94 932[ 200] 79 174212 74 303 [ 100] 456 98 643 52 807 41 968 175363 490 519 43 [ 100] 99 618 764 851[ 100] 176244 325 83 448 69 82 702 808 87[ 100] 97 929 177382 509 81 688 735 [ 500] 815 178091 129 32[ 100] 47 306 43 57 63 453 660 179087 259[ 100] 395 622 60 788 815 915 74 180305 86 748 93 181069 134 88 392[ 100] 409 15 783 809 182216 27 40 66 368 518 58 655 74 89 98 703 22 72 881 183079 109[ 100] 20[ 100] 316 621 831 184090 362 642 960 185277 655 74 824[ 200] 186794 948[ 200] 187143 678 767 188313 59 495 715 53 99 189007 104 87 424 795 190286 377 91 400 20 28 31[ 200] 45 606 806 191061 88 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Gewinnrade verblieben: 1 Gewinn à 100 000, 1 à 40 000, 1 à 20 000, 1 à 10 000, 1 à 5000, 1 al 3000 21000, 8 A 500, 8& 400, 30 à 300, Deutscher Holzarbeiter- Verband. Heute Dienstag, abends 8, Uhr, im Lokal von Kubat, Blumenstr. 38: Branchen- Versammlung aller auf Näh- und Damen- Schreibtische = arbeitenden Kollegen. Tages- Ordnung: 1. Wie werden die mit unseren Arbeitgebern im Frühjahre getroffenen Vereinbarungen innegehalten? 2. Berschiedenes. NB. Es empfiehlt sich zu dieser Versammlung die Werkstatt- Tarife mitzubringen. 89/2 Die Kommission. Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Dienstag, den 10. Juli 1906, abends 8% Uhr, in den Germania- Prachtsälen, Chausseestraße 103: General- Versammlung. Tages Ordnung: 248/ 18* Fortsetzung aus voriger Versammlung und zwvar: Kassenbericht. Bericht der Revisoren. Anträge. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreicher Besuch erwünscht. Der Vorstand. Oeffentliche Versammlung Vereinigung der Maler, 10. Juli, in den Andreas- Festsälen, Andreasstr. 21: Die Scharfmacher an der Arbeit. Referent: Martin Meyer. Arbeiter! erfcheint zahlreich in dieser Versammlung und beweist dadurch, daß Ihr mit der Einführung des 8 Uhr- Ladenschlusses einverstanden seid. Zentralverband der Handlungsgehülfen und-Gehülfinnen Deutschlands. Zentralverband der Handels-, Transport- u. Verkehrsarbeiter Deutschlands. 284/11 J. A.: Otto Urban, Max Bernhard, Neue Friedrichstr. 20. 300 Verein Berliner Buchdrucker und Schriftgießer. Donnerstag, den 12. Juli, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- llfer 15: Außerordentliche Vereins- Versammlung. Tages Drdnung: Geldbewilligung bezw. Beschlußfassung über Erhebung eines Extra- Beitrages für die ausgesperrten Buchbinder, Steins drucker und Lithographen. zu erscheinen. 43/15 Lackierer, Anstreicher. Melchiorstraße 28. Filiale Berlin. Fernspr. Amt 4. Nr. 4787. Mittwoch, den 11. Juli, abends 7 1hr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20: der Werkstattversammlung Birkle& Thoma. 125/ 13* Tagesordnung: Die Differenzen in der Werkstelle eventuell Sperre derselben. Da wichtige Beschlüsse gefaßt werden müssen, so hat ein jeder Kollege zu erscheinen, der bei der Firma beschäftigt ist. Die Ortsverwaltung. Mitglieder der Ortskasse der Schneider! Leihhaus Am Donnerstag, den 12. Juli, abends 8%, 1hr, in den„ ArminHallen", Kommandantenstraße 20: EOeffentliche Versammlung für die Mitglieder der Ortskasse. Tages- Ordnung: Die werten Kollegen werden gebeten, pünktlich und zahlreich Wann wird die Wahlurne ausgezählt? Der Gauvorstand. 006000 Kabelwerk Oberfpree. Die zurzeit noch arbeitslosen Mai- Ausgesperrten des Stabeltvertes Oberspree haben sich.Donnerstag, den 12. Juli, vormittags 9 Uhr, im Gewerkschaftshaus zu treffen. 284/10 Die Kommission. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. 1+ Gardinenhans Große Frankfurter straße 9, parterre. Herrenfahrrad, Damenfahrrad, wie neu, 45,00. Holz, Blumen Straße 36 b. 16688* Fahrräder, Teilzahlungen. BergStraße 28, Staligerstraße 40. 16638* Teppiche!( fehlerhafte) in allen Größen für die Hälfte des Wertes im Teppichlager Brünn, Hadescher Markt 4, Bahnhof Börse. 266/ 14* Diese Versammlung muß zu einem wuchtigen Protest gegen die Aufsichtsbehörde werden. 163/19 Auf zur Versammlung! Der Einberufer. Berlin, Antlamerstr. 2 Charlottenburg, Friedrich Karlplatz 12. Hohe Beleihung von Gold, Silber sachen u. Kleidungsstücken 2c. Der Kenner raucht N° 61 hochfeine 6 Pf. Cigarre Forzüglicher würziger Geschmack J.NEUMANN Gigarren- Fabriken- 103 Fillalen Davon in Berlin: Brunnenstr. 32, Ecke Anklamerstr. Chausseestr. 16, Ecke Invalidenstr. Chausseestr. 36/37, Ecke Schwartzkopffstraße. Dresdenerstr. 5, Ecke Adalbertstr. Friedrichstr. 171, E. Französ. Str. Gertraudtenstr., Eck.Breitestr.20a. Invalidenstr. 148, Ecke Bergstr. Jerusalemerstr. 41, Eck. Krausenst. Kaiser Wilhelmstr. 19, Eck.Münzst. Markgrafenstr. 17, Ecke Junkerstr. Oranienstr. 30, Ecke Adalbertstr. Potsdamerstr. 57/58, Eck. Bülowstr. Prinzenstr. 91, Ecke Ritterstr. Rosenthalerstr. 48, Ecke N. Schönhauserstraße. Uhlandstr. 33, E. Lietzenburgerstr. Wallstr. 14a, Ecke Neue Grünstr. Wienerstr. 22, Ecke Grünauerstr. Rixdorf: Bergstr. 146. Verkaufsstellen zu Originalpreisen: Landesausstellungspark am Lehrter Bahnhof. Zoologischer Garten, Pavillon. Teltow! ㄓ Heute, Dienstag, den 10. Juli, abends 8 Uhr, im Nestaurant Pieckenhagen: Hygienische Frau und Blumenbinderei Oeffentl. Versammlung Bedarfsartikel. Neuest. Katalog m. Empfehl.viel. Aerzte u.Prof. grat. u.fr H. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. Friedrichstrasse 91/92. Kranz* von Robert Meyer, nur Mariannen- Straße 2. Kleine Anzeigen Gaskocherhaus! Einlochgastocher! Schlafstellen. 0,75. 8weilochgastocher! 3,00. GeMöblierte Schlafstelle, ztvei schlossene Spargasfocher! 5,00. Gasbügelapparat, Gasplätteisen spott- Herren, frei. Plehn, Gerichtstraße 3, +19 tyren! 12. Wohlauer, Wallnertheaterbillig! 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ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt- Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Achtung! 203/1 Deutscher Holzarbeiter- Fliesenleger! Verband. Wegen Streit und Lohndifferenzen find gesperrt: Für Tischler, Polierer und Ma schinenarbeiter Wienecke, Grünauerstraße.. Pieper, Bernanerstr. 80. Hoffmanns Möbelfabrit Chemnitz. Bell, Andreasstr. 32 u. Grüner Weg. Für Klavierarbeiter: Für Korbmacher: Stralauer Glashütte. in Für Bürstenmacher: Der Juunngsnachweis, Brunnen: ftraße 154. Für Parkettbodenleger Die Firma Pomplahn, wischenmeister Betsch Bau Niebuhr straße 76, Sieboltstraße, Barzelle 2. 85/ 1* Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung des Holzarbeiterverbandes. Achtung! Achtung! 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Arbeiterinneu 28845 28756 Tüchtige, geübte Pelznäherinnen für Parchend zum Ausfertigen für Jacketts u. Kolliers sucht sofort bei hohem Lohn Vermietungen.bemben finden dauernde Beschäftigung Wohnungen. Im neuerbauten Hause Lichtenberg, Herzbergstraße 26, find zwei Zimmer wohnungen mit Bad, Balton und +33 Garten, zum 1. Oktober zu vermieten. Merantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Wertheim, Moltenmarkt 10. 1684 Botenfrauen finden sofort dauernde und lohnende Beschäftigung Prinzen138/ 13* ftraße 41. Botenfranen finden sofort lohnende und dauernde Beschäftigung Schöneberg, Feurigstraße 12. Konfektions- Aktiebolaget J. A. Wettergren& Co. Gothenburg( Schweden). Wegen Affordarbeit und anderer Differenzen find sämtliche Bauten der Firma Schmalisch& Below für organisierte Fliesenleger gesperrt. Die Sektionsleitung. Deutsch. Buchbinderverband ( Zahlstelle Berlin). Folgende Firmen haben, weil das Personal nach der Beendigung der Aussperrung nicht reumütig und bedingungslos in die Betriebe zurüdfehrte, weiter respektive erneut auss gesperrt: G. Wübben& Co., Wilhelm straße 9. H. Sperling, Friedrichstr. 16. D. Bleistein, Friedrichstr. 16. Lüderitz& Bauer, Mauerftraße 80. Fritsche- Baumbach, Schö neberg, Bahnstraße. H. Reiß, Lützowftr. 107/8. H. Schubert, Wilhelmstr. 121. C. Metschke& Co., 8immers straße 94. Ziegler, A. Schoß, Buttkamerstraße 19. A. Schoß, Dessauerstraße. Schneider Ritterstr. 76. Rickmann, Wilhelmstr. 121. Ad. Ludwig, Elisabeth- Ufer 5/6. Fleck Nachf., Lügomstr. 87. Kämmerer, Kochstr. 67. C. F. Walter, Ballstr. 16/17. Rich. Gahl, Chausseestr. 2e. Agthe, Wilhelmstr. 119/20. Lotze& Sieler, Rochstr. 3. Ad. Wittenburg, Wilhelms straße 16. Xaver Kölle, Reichenberger ftraße 36. Alle Genossen und Freunde der Organisation, machen wir darauf aufmerksam, daß die Heimarbeit ( Bogen falzen von Streifarbeit) in übermäßiger Weise Plaz gegriffen hat Wir bitten, die Hausbewohner auf das Berwerfliche ihres Tuns auf merksam zu machen. Die Ortsverwaltung. Kartonarbeiter u. Arbeiterinnen! Kartonnieter! In der Kartonfabrik von Ad. Lesser, Krautstraße, find tarifs de Differenzen ausgebrochen. Diese Betriebe sind gesperrt! Die Firma Aloys Suk, Neanderstraße 4( Neanderhof) Arbeiterinnen wegen Differenzen it für Galanteriearbeiter und Die Ortsverwaltung, NB. Reise tried vergütet! Vertreter am 13. und 14. Juli anwesend gesperrt. 138/ 19* im Hotel Nürnberger Hof, zwischen 12-1 Uhr. 28786* 24/12 inferatenteil berantw; Th. Glode. Berlin. Drud u. Berlag: Borwärta Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW *«■»«-» 2. KtilM des LMM" Kttlim WksdlM»....«««> Um Mwach ilnäet für keckn mä vowrte kr Zahlabcnd statt. Partei- Hngele�enbeiten« Zur Lokalliste. In der letzten Lokalliste mutz es unter Schönholz Meißen:„Kastanienwäldchen". Inhaber Hermann R a m l o w. Nicht wie angegeben Abraham. Sozialdemokratischer Wahlverein Groß- Lichterfclde- Lankwitz. Mittwoch, den 11. Juli, abends 8 Uhr, im Reisenschen Saale, Challsieestrahe 104: Mitgliederversammlung. Tages- ordnung: Vortrag. Diskussion. Berichterstattung von der Kreis- Generalversammlung. Kassenbericht pro II. Quartal. Delegation zur Generalversammlung für Grotz-Berlin. Die Broschüre„Schule, Kirche, Arbeiter" gelangt zur Gratisverteilung. KönigS-Wusterhnuscn. Mittwoch, den 11. Juli, abends 3 Uhr, Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins im Lokale Wedhorn(Altes Schützenhaus). Diejenigen Mitglieder, welche ihr altes Mitgliedsbuch noch nicht gegen ein neues ausgetauscht haben, werden aufgefordert, in dieser Versammlung dasselbe in Empfang zu nehmen. Regen Besuch erwartet Der Vorstand. Erkner. Heute abend 8'/z Uhr Volksversammlung für Männer und Frauen im Gesellschaftshaus Degebrodt. Tagesordnung: 1. Vor- trag des Genossen K a tz e n st e i n über: Wie verbessern wir unsere wirtschaftliche Lage? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Genossen werden ersucht, mit ihren Frauen zu erscheinen. Nicder-Schönewcide. Den Parteigenossen zur Nachricht, datz am Mittwoch den 11. d. M. sowie überhaupt jeden zweiten Mittwoch im Monat abends 3 Uhr bei ReimaNn, Grünauerstratze 5, der Zahl- abend des WahlvercinS stattfindet, und werden die Parteigenossen ersucht, sich pünktlich einzufinden. Der Vorstand. berliner]Nacbricbtcn* Denkt an die Prüfuug der Gemeindewählerliste«! Die diesjährige Liste der stimmfähigen Bürger Berlins ist ftn Wahlbureau des Magistrats aufgestellt worden, Sie wird in der Zeit vom 13. Juli bis einschließlich 30. Juli an den Wochentagen von vormittags 9 Uhr bis 3 Uhr nach- mittags sowie an den Sonntagen von vornnttags 9 Uhr bis 1 Uhr mittags im Wahlburcau(Poststr. 16, 2 Treppen) öffent- lich zur Einsichtnahme ausliegen. Bei der Abgrenzung der drei Wähler-Ab- teilungen ist wieder eine Verschiebung der Grenzen ein- getreten. Die Grenze zwischen der 2. und der 1. Abteilung ist erheblich nach oben hinaufgerückt, die Grenze zwischen der 2. und der 3. Abteilung hat sich ivieder noch etwas nach unten verlegt. Die Summe aller für die Abteilungsbildung zusammengetragenen Steuern stellt sich diesmal auf 63511 173,82 M. Der Durch- schnittsbetrag pro Steuerzahler ist 177 M. 523/10 Pf.; mithin gehören alle, die weniger als diesen Betrag zahlen, zur 3. Abteilung— und alle anderen zur 2. oder 1. Abteilung. Zur 1. Abteilung gehören diesmal die verdienstvollen Bürger, die einen jährlichen Steuerbetrag bis zu 4193,80 M. hinab zahlen.j> Im vorigen Jahre lag die untere Grenze dieser Ab- teilung erst bei 3961,80 M., da durfte also noch mancher mit der 1. Abteilung wählen, der heute dieser Ehre nicht mehr wert und würdig erscheint. Die 2. Abteilung reicht in diesem Jahre hinab bis zu dem Steuerbetrag 177,53 M. Wer weniger zahlt, gehört zu der Plebs, die in die 3. Abteilung hincingepfercht wird. Im vorigen Jahre lag die Grenze der 2. Abteilung gegen die dritte schon bei 179,80 M., es sind also wieder etliche Wähler, die damals noch zu der ordinären 3. Abteilung gehörten, in die noblere 2. Abteilung auf- gerückt. Das Recht, das der G e m e i n d c iv ä h l e r der 3. Abteilung hat, ist wahrlich nicht groß. Den Hunderttausenden von Wählern, die zu dieser Abteilung ge- hören, steht kein größerer Einfluß auf die Zusammensetzung der Stadtverordneten-Bcrsammlung zu als dem Häuflein wohl- habender und reicher Wähler, für die die 2. und die 1. Ab- teilung reserviert sind. Aber gerade deshalb sollte jeder Wähler der 3. Abteilung sich dieses geringe Recht sichern und durch Einsichtnahme in die Wählerliste sich vergewissern, daß er wirklich darin aufgeführt ist. Denn wer nicht in der Wählerliste steht, darf nicht mitwählen. Wir haben zwar in diesem Jahre keine regelmäßigen Wahlen vor- zunehmen, aber es ist selten ein Jahr vergangen, in dem nicht ganz plötzlich aus irgend welchem Anlaß, ivegen Mandats- niederlegung oder Tod, eine Ersatzwahl nötig wurde. Auch diesmal hat jeder Wähler die Pflicht, die Wähler- listen nachzusehen und eventuell ihre Berichtigung zu fordern. Immer noch mehr MictSschulcn? Die Schuldcputation sucht schon wieder ein paar Mietskasernen, die sie selber zu mieten wünscht, um darin ein paar Gcmeindeschulen unterzubringen. Zum 1. Oktober dieses Jahres braucht sie südlich vom Humboldthain in der Nähe der Scheringstratze Räume für ungefähr zwanzig Klassen. und zum 1. April nächsten Jahres möchte sie in dem Gebiet zwischen Müller-, See-, Schul- und Reinickendorferstratze gleichfalls zwanzig Klaffen in gemietete Räume hineinstecken. Will die Schuldcputation in diesen Stadtteilen neue Mictsschulen eröffnen, oder sind die Räume, die sie sucht, nur bestimmt für schon bestehende Mielsschulen, die aus ihrem jetzigen Heim ausquartiert werden sollen? An Mietsschulen fehlt eS nämlich schon heute weder in der Rosenthaler Vorstadt noch auf dem Wedding. Wie sehr das Uebel der Mietsschulen in neuerer Zeit u m s i ch gegriffen hat, das ist im„Vorwärts" wiederholt gezeigt worden. In diesem Sommerhalbjahr 1306 haben wir 283 Gemeindeschulen und 6 Filialen, davon sind nicht weniger als 30 Ge- meindeschulen und zwei Filialen in genrischten Häusern untergebracht. Im ganzen bestehen jetzt 4321 Klaffen. 13 davon sind„fliegende", die keine bestimmten Räume haben, sondern bald diesen, bald jenen Raum einer anderen Klasse, der gerade frei wird, benutzen müssen. Die übrigen 4302 Klassen haben eigene Räume, aber von diesen liegen nur 4344 in Schul- Häusern der Stadtgemcinde. 653 Unterrichtsräume liegen in gemieteten Häusern. Gegenüber dem letzten Sommer ist ja eine kleine Beffcrung zu konstatieren; denn im Sommerhalbjahr 1905 waren unter 4803 benutzten Unter- richtsräumen sogar 613 gemietete. Aber die Vergleichung mit den vorhergehenden Sommern ergibt, datz gegenwärtig rund 200 Klassen mehr als vor vier Jahren in ge- mieteten Räumen untergebracht find. Im Sommerhalbjahr l 1302 waren unter 4382 benutzten Unterrichtsräumen erst 356 ge- t mietete. > Diese Mißstände werden vom Freisinn nach Kräften beschönigt. Die freisinnigen Pretzorgane behaupten, es sei eben in manchen Stadtteilen nicht möglich, neue Schulhäuser so schnell zu beschaffen. wie die Bevölkerung sich dort mehre. Das Merkwürdige dabei ist nur das, datz es Stadtteile gibt, die sogar Jahrzehnte hin- durch die Mietsschulen nicht losgeworden sind und sie heute noch haben, obwohl dort die Bebauung bereits abgeschlossen ist und in ihnen die Bevölkerungsziffer sich kaum noch ändert. Eine starke Vermehrung der Eheschließungen ist in Berlin für das Jahr 1306 zu erwarten. Schon die erste Jahreshälfte hat gegenüber demselben Zeitraum des Jahres 1305 ein Mehr von weit über 500 Eheschließungen gebracht. In den Monaten Januar bis Juni dieses Jahres wurden 1139, 1l8l, 2084, 3472(April). 1843, 1335, zusammen 11 114 Ehen geschlossen, während in denselben sechs Monaten des vorhergehenden Jahres 1040, 1012, 1863, 3609 (April), 1686, 1361, zusammen nur 10 571 Ehen geschlossen worden waren. Der Unterschied stellt sich für das Halbjahr auf 543 Ehe- schlietzungen, das bedeutet eine Zunahme um mehr als 5 Prozent gegenüber der ersten Hälfte des Vorjahres. Das ganze Jahr 1305 hatte 22 274 Eheschließungen gebracht. Wenn in der zweiten Hälfte von 1306 die Zunahme gegenüber dem Vorjahre verhältnismäßig ebenso stark ausfällt, so wäre für das ganze Jahr diesmal auf nicht viel weniger als 23 500 Eheschließungen zu rechnen. Vom Borstand der Freien Volksbühne erhalten wir noch folgende Zuschrift: Der Aufruf der Freien Volksbühne in Nr. 155 des„Vorwärts", der die Bildung einer Gesellschaft„Freies Kunst- heim" zum Zwecke des Erwerbes eines eigenen Theaters für die Freie Volksbühne für Kunstabende, Feste, wissenschaftliche Vor- lesungen grotzen Stils sowie Feiern aller Art vorschlägt, findet schon jetzt freudige Zustimmung. Zahlreiche Anfragen erfordern den Hinweis darauf, datz bis Mitte Juli in allen 36 Zahl- stellen der Freien Volksbühne diesbezügliche Flugblätter mit vorgedruckter Antwortkarte a» s l i e g e n, die von den Mitgliedern und allen Berliner Arbeitern genau ausgesiillt dort abgegeben werden können. Desgleichen werden den Mitgliedern der Wahlvereine, der Frei- religiösen Gemeinde, derArbeiterbildungsschule, dem Berliner Volkschor, dem Arbeiter- Sängerbund, den Gewerkschaften sowie Bibliotheken und Lesesälen der Berliner Arbeiterschaft Flugblätter und Karten von der Expedition der„Vorwärts"druckerei zur Verfügung g e st e l l t. Es ist den in Frage kommenden Organisationen anheimgestcllt event. besondere Vereinslisten zu dem Zweck auszulegen. Alle weiteren Mitteilungen über den Fortgang des Unter- nehmens werden im Publikationsorgan der Freien Volksbühne, dem „Vorwärts" veröffentlicht oder in den Donnerstagsinseraten an- gezeigt. Der Borstand. I. Vertr.: Die Geschäftsstelle, G. Winkler. DaS Opfer eines niederträchtigen Ueberfalles ist der 23jährige Stadtreisende Max F. aus der Georgenkirchstraße geworden. F. befand sich mittags in der Bedürfnisanstalt am Ziethenplatz, um dort eine Notdurft zu verrichten. Plötzlich wurde er von einem etwa 40jährigen Mann überfallen und schwer mißhandelt. Der junge Mann schleppte sich nach der nahen Rettungswache, wo er die erste Hülfe erhielt und mußte sich dann in weitere ärztliche Hülfe begeben. Der Täter ist verhaftet worden. Auf der Entenjagd ertrunken ist der Ingenieur Oskar Stern- stein aus der Frankfurter Chaussee 95. Bekanntlich wurde St. seit Freitag von seinen Angehörigen vermißt. Er hatte sich am Donnerstag nach Mellnitz bei Frankfurt a. O. begeben und wollte bereits am nächsten Tage wieder zurückkehren. Vergeblich warteten jedoch die Angehörigen auf sein Eintreffen. Gestern ist am Well- nitzer See die Leiche des Verschwundenen gelandet worden. St. war infolge des starken Nebels, der an dem fraglichen Abend auf dem Jagdterrain herrschte, in einen gefährlichen Sumpf geraten und mußte, da bei der abgelegenen Stelle Hülfe nicht hinzugelangen konnte, elend im Sumpfe umkommen. Bei einem Ueberfall lebensgefährlich verletzt wurde in der vor- gestrigen Nacht der 19jährige Arbeiter Karl Rüger aus der Frankfurter Allee 128. R. hatte abends einen Spaziergang nach Lichten- berg unternommen und als er später auf dem Heimweg die sogen. „schwarze Brücke" passierte, tauchten plötzlich zwei verdächtige Per« soncn auf, rempelte» den jungen Mann an und fielen über ihn her. R. wurde anscheinend durch Messerstiche so schwer verletzt, datz er in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden mutzte. Der Zustand des Verletzten ist äuherst bedenklich. Im Grunewald verunglückt. Die schon häufig gerügte Unsitte vieler Ausflügler, Bierflaschen usw. achtlos fortzuwerfen, hat am Sonntag zu einem bedauerlichen Unglücksfall im Grunewald Ver- anlassung gegeben. Der 12jährige Schüler Karl E., der in Be- gleitung seiner Eltern einen Ausflug nach dem Grunewald unter- uommen hatte, stürzte in der Nähe des Teufelsces über eine Wurzel und fiel so unglücklich mit dem rechten Arm auf eine Bierslasche, daß diese zersplitterte und durch einen Glasscherben ihm das Hand- gelenk zerschnitten wurde. Dem Knaben war auch die Pulsader verletzt, sodatz sofort starker Blutverlust eintrat. Dem Verunglückten wurde der Arm unterbunden, um eine Verblutung zu verhindern. Dann mußte der Knabe nach Berlin geschafft werden, wo ihm ärzt- liche Hülfe zuteil wurde. An den Folgen des Unfalles dürfte Karl E. sein Leben lang zu leiden haben, da auch die Sehnen verletzt worden sind. In eine gefährliche Situation hatte sich der obdachlose Arbeiter Friedrich Stolp gebracht. Als gestern morgen um%7 Uhr auf dem Straßenbahnhof in Westend ein Anhängcwagen aus dem Wagenschuppen herausrangiert werden sollte, vernahm das Bahn- personal plötzlich einen lauten Schrei, der unter dem Wagen hervor- drang. Wie alsbald festgestellt wurde, lag unter dem Gefährt ein Mann, welcher sich nicht zu befreien vermochte. Bekanntlich sind die Achsen der Straßenbahnwagen mit einem hölzernen Schutz- rahmen umgeben, und innerhalb dieses Schntzrahmens lag der Fremde, in welchem der oben genannte Stolp ermittelt wurde. Um St. aus seiner begrängtcn Lage zu befreien, mutzte der Schutz- rahmen von dem Straßenbahnwagen entfernt werden. Eine verhängnisvolle Lcvensrettung. In der Nacht vom Sonn- abend zum Souutag sprang in der Nähe der Kottbuserbrücke in selbstmörderischer Absicht ein Mann ins Wasser. Ans RcttungZwerk machten sich sofort ein Bruder desselben und der Kutscher Hermann Reichert. Letztcrem hätte es jedoch beinahe selbst das Leben gekostet. Kaum hatten sie sich mit dem Rettungslahn dem Ertrinkenden ge- nähert, als dieser den Kahn erfaßte und denselben umwarf. Den Lebensrettern gelang eS jedoch mit der Zeit, den Kahn ivieder um- zulegen und das Wert fortzusetzen. Der Selbstmordkandidat wurde dadurch gerettet. Acmcrlenswert bei dieser Sache ist, daß, obwohl sich die Nachtwächter die größte Mühe gaben, Schutzleute ausfindig zu«lachen, keiner von denselben zu sehen war. Ein Mangel an Schutzleuten ist in dieser Gegend sonst nie wahrzunehmen; das können namentlich die Stratzenhändler bestätigen, die nicht eine Viertelstunde aus einer Stelle stehen dürfen, ohne von den Schutz- leuten belästigt zu werden. Sportpark Steglitt. Die Rennen am letzten Sonntag sahen in ihren beiden Hauptilummern Ausländer als Sieger: E l l e g a a r d im„Hauptfahren" für Flieger und Guignard im„Goldenen Motorrad".— Die Rennen selbst gestalteten sich äußerst interessant, und war man allgemein auf das Abschneiden von H. M a y e r ge- spannt, der schon am 1. Juli enttäuscht hatte. Aber auch diesmal konnte sich der sonst sieggewohnte Hannoveraner im„Haupt- fahren" nicht für den Endlaus plazieren, vielmehr wurde diese? eine Beute für E l l e g a a r d, der leicht vor Friol, Kudela und Bader gewann. Im„Entschädigungsfahren" siegte Scheuermann knapp vor Theile, Peter und Arend. In dem „Vorgabefahren" schienen die Malleute etwas stark belastet zu sein, denn in beiden Läufen gaben Mäher und Friol dieselben auf und siegte im ersten Lauf H e u t s ch mit 110 Meter Vorgabe vor Rudel(140) und im zweiten Lauf Theile(60) vor Kudela(40). Das„ M e i l e n r e n n e n", ein Prämien- fahren, sah Ellegaard in der Schlußrunde als Sieger vor Bader und Scheuermann, die in weiten Abständen folgten, da- gegen sicherte sich Theile die meisten Rundenprämien. In dem „Tandem-Hauptfahren" konnten endlich H. Mayer- Friol einen knappen Sieg vor Ellegaard- Arend landen, denen Kudela- Peter und Theile- Wegöner als Dritte und Vierte folgten. So war endlich das Programm der„Fliegerrennen" erledigt und es war nach 7 Uhr, als das„Goldene Motorrad" seinen Anfang nach. Der Himmel hatte sich inzwischen mit schwarzen Wolken bezogen und stand nach Osten ein prächtiger Regenbogen, auch über die Bahn selbst gingen im Verlauf des Rennens einige kleine Schauer hernieder, doch brauchten die Fahrer nicht abstoppen. Die Teilnehmer an dem 100 Kilometer-Rennen waren: Guignard als Sieger in 1 Stunde 11 Min. 07>/z Set.; Dickentmann mit 2450 Meter zurück als Zweiter, Demke 4200 Meter Dritter und Butler, der lange Zeit von seinem Motor verlassen war, ungezählte Runden zurück als Vierter. Der Franzose nimnit gleich die Spitze und zieht in mächtigem Tempo seinen Gegnern, die nicht recht m Schwung kommen wollen, von bannen, und ichon vor dem 10. Kilo- meter passiert er Butler, der für die Folge eigentlich nie in. Nennen war. Aber auch Demke hat einen schlechten Tag, er mutz einige Male sein Rad und seine Führung wechseln, was jedesmal nicht ohne Nundenverlust abgeht, wodurch er auf einen schlechten dritten Platz kommt. Mit Dickentmann ist es im Anfang nicht besser; zlvar hatte er beim 20. Kilometer noch etwas aufgeholt und war nur 300 Meter zurück, aber dann fiel er zusehends ab und sein Abstand wurde immer grötzer, so daß er schlietzlich (durch Nadschaden zum Absteigen gezwungen) beim 70. Kilometer 2850 Meter zurück war. Jetzt dagegen zog er mächtig los und konnte in den folgenden 20 Kilometern seinen Verlust bis auf 1450 Meter wieder gut machen, bis kurz vor Toresschluß ein neuer Radschaden ihn zum Absteigen zwang und zwei Runden kostete.— Auch Demke war gegen das Ende des Rennens schneller geworden; einen Verlust von 5600 Meter beim 70. Kilometer konnte eS bis auf 4200 Meter verringern. Butler fuhr lange Zeit das Rennen ohne Führung, da er wohl eines einsetzenden RegeuS wegen von seinem Motor abging.— Unfälle ereigneten sich keine besonderen, nur in einem Fliegerrennen gab es einen Massensturz, der aber glimpflich ablief. Der ArbeitcrSchwimmcrbund veranstaltete am Sonntag im Rnmmelsburger See(Restaurant Neuseeland) sein Sommer- Schau- und Wettschwimmen. Die hergerichteten Bahnen der bürger- lichen Vereine waren dem Bunde selbstverständlich gesperrt und so mutzte den» mit eigener Hand eine Bahn hergestellt werden. ES waren zirka 4000 Personen erschienen, die mit gespannter Auf- merksamkeit den Vorgängen auf dem Wasser folgen. Die Resultate sind kurz folgende: I. E r st s ch w i in m e n 100. 1. O. Müller II,„Vorwärts", Berlin 1.483/5 Min. 2. A. Lücke,„Vorwärts", Reinickendorf, 1.59 Min. II. Mädchensckiwimmen 50 Meter. 1. L. Blattner,„Vor- wärts", Berlin, 1.00% Min. 2. L. Schneider,„Vorwärts", Berlin, 1.12% Mn. 2. F. May, Freie Schwimmer, Charlottenb., 1.12% Min., totes Rennen, 3. M. Schmelzer,„Vorwärts", Rixdorf, 1,15 Min. III. Jugend st affette 4X50 Meter. 1. Schwimmklub „Vorwärts", Verlin. 1. Mannschaft 3.15'/» Min. 2. Schwimmklub „Spreehort", Berlin, 3.36% Min. IV. D a m e n s ch w i m m e n, Klasse A, 50 Meter. 1. F. Ba- denlin,„Vorwärts", Berlin, 58% Sek. 2. F. Huth,„Vorwärts", Berlin. 1.03'/, Min. Damenschlvinrmen, Klasse B, 100 Meter. 1. 28. Richter,„Vorwärts". Berlin, 2.23% Min. Damenschivimmen Klaffe III für ältere Damen, 100 Meter. 1. Frl. Autzner,„Freie Schwimmer", Charlottenburg, 2.06% Min. Damensch wiinmen Klasse 0, 50 Meter. 1. F. Schmelzer, „Vorwärts", Rixdorf, 1.18 Min. V. Vereins st affette 4X50 Meter. 1.„Vorwärts". Berlin, 1. Mannschaft 2.46 Min.; 2. do. 2. Mannschaft 3.04% Min.; 3. Spreehort. Berlin. 3,03% Min. VI. K n a b e n s ch w i m m e n 50 Meter. 1. ScavazewSki, „Vorwärts", Reinickendorf, 49 Sek.; 2. Hermann.„Vorwärts", Rixdorf, 51 Sek.; 3. Teich.„Vorwärts". Berlin, 52% Sek. VII. Kürspringen, 6 Sprünge. 1. F. Goldman», „Spreehort", Berlin. 21% Punkte; 2. H. Müller,„Vorwärts"» Berlin. 21'/z Punkte. Vin. H i n d e r n i s s ch w i m m e n. 100 Meter. 1. K. Krebs. „Vorwärts", Berlin. 1.31% Min.; 2. B. Braun.„Vorwärts", Berlin,, 1.47% Min. IX. Schwimmen über die lange Strecke von 1500 Meter. Von den 19 am Start erschienenen Teilnehmern., wurde 1. E. Masello,„Vorwärts". Berlin, in 22 Min.; 2. Hart- mann.„Vorwärts", Oberschöneloeide, 22.10 Min.; 3. E. Werner, „Vorwärts", Berlin, 22.34% Min. Aus dem Friedrich Wilhelm-Hospital verschwunden ist seit dem 28. Juni eine Frau Kremer im Alter von 61 Jahren. ES fehlt jede Spur. Die Frau ist ungefähr 1,60 Meter grotz, hat grau- meliertes Haar, ist dunkel gekleidet und trägt Anstaltswäsche. Im Berliner Buchgewerbesaale, Fricdrichstr. 231, ist gegenwärtig eine Auswahl von Slizzen und Studien des Malers und graphischen Zeichners Georg Wagner ausgestellt. Der Saal ist taglich von 11—2 Uhr geöffnet. Der Zutritt ist frei für jedermann. Der Zoologische Garten hat seine jetzt etwa sechzig verschiedene Arten umfassende Sammlung der Tagraubvögel um ein seltenes und stattliches Stück aus Südafrika, den sogenannten fahlen Geier, GypS Kolbi, vermehrt, so daß nunmehr nicht weniger als sieben Formen des Gänsegeiers vertreten sind. Der neue Ankömmlinz teilt seinen Flugkäfig mit einem prächtigen Paar Rüppcll-Geier, die an ihrem obcrseits stark gefleckten Gefieder leicht von dem fast ein- farbig weißlichen, kleineren Südafrikaner zu unterscheiden sind, der gewissermaßen eine verkleinerte Ausgabe des im großen Mittelkäfig befindlichen blassen Geiers vom Himalaha darstellt. Diesen hellen Formen sieht in der Färbung der gewöhnliche Gänsegeier des Mittel- meergebieics am nächsten, am dunkelsten ist die rote Art bog MMmim mhP AoidMlW-. Seat Berliner Aquarium wurden für seine Papageiensammlung ieinige neuweltliche Arten aus den Gruppen der Aras und Sittiche überwiesen. Sodann konnten die Kollektionen der Reptilien wieder um einige neue und interessante Spezies ergänzt werden. Aus einer Gattung großer Eidechsen, welche wüste Gegenden Nordafrikas «und Südasiens bewohnt, und durch plumpen, breiten, nieder- gedrückten Rumpf, dreiseitigen, stumpfschnauzigen Kopf und einen mit vielen Querreihen von Wirbelschuppen stachelig bewehrten Schwanz sich auszeichnet, ist sowohl eine egyptische wie eine ben- galische Art angelangt; die letztere Art dieser„Dornschwänze" (Qromustix) unterscheidet sich von der eghptischen dadurch, daß die Wirbel der Dornschuppen auf dem Schwänze nicht aneinander- stoßen, sondern durch 2 bis 4 Querreihen kleinerer Schuppen ge- trennt werden. Dem kürzlich durch neue und seltene afrikanische Spezies bereicherten Giftschlangenbestand des Aquariums ist jetzt eine Art aus Nordamerika in mehreren Exemplaren zugeführt worden, nämlich die von den Farmern und Reisbauern dort ge- fürchtete schwarze Mokassin- oder Wasserlanzenschlange, die eine Länge von anderthalb Metern und beträchtliche Leibesstärke erreicht und die nächste Verwandte der gleichfalls im Aquarium vorhandenen roten Mokassin- oder Rototter ist. * Feuerwehrbericht. In der vorletzten Nacht gegen 10 Uhr kam SttS noch nicht ermittelter Ursache in der Dieffenbachstraße 24 ein großer Brand zum Ausbruch. Der Dachstuhl des linken Seiten- flügels stand bei Ankunft des 11. Zuges in großer Ausdehnung in Flammen. Die Treppen waren infolge großer Verqualmung schwer zu passieren. Vier Personen, darunter eine Witwe und zwei Kindern wurden in Sicherheit gebracht. Brandmeister v. Borch ließ zwei große mechanische Schiebeleitern aufstellen und über diese sowie über die Treppen vier Schlauchleitungen von Dampfspritzen vornehmen und unausgesetzt Wasser geben. Gegen 11l-h Uhr war die Macht des Brandes gebrochen und der Brand auf den Dach- stuhl, der nicht mehr zu retten war, beschränkt. Die Wohnungen im vierten Stock haben durch Wasser gelitten. Gleichzeitig wurde die Wehr nach der Oranienstraße 6 gerufen, wo in einer Metallwaren- fabrik Feuer ausgekommen sein sollte. Arbeiten mit einem Gas- lötkolben waren die Ursachen des Alarmes. Um 1 Uhr nachts brannten am Elisabethufer 53 Regale mit Photographenscheiben und um 2 Uhr nachts Kellerverschläge mit Inhalt an Hausrat und Brennmaterialien. Längere Zeit hatte die Feuerwehr mit der Löschung eines Brandes in der Woldenbergstraße 24 zu tun, wo Spähne in einem Räucherkeller in Brand geraten waren. Durch kräftiges Wassergeben wurde die Gefahr beseitigt. Ferner hatte die Feuerwehr in der Naunynstraße 80, Neanderstraße 37, Hohen- lohestratze 10, Königstraße 47, gegenüber dem Rathaus, Gerichts- straße 37, Oudenarderstraße 37, Neanderstraße 37, Rosenstraße 18 und an anderen Stellen zu tun. Vorort- JVachncbten* Rummelsburg. Die letzte Sitzung der Gemeindevertretung bor den Ferien brachte noch eine umfangreiche Tagesordnung zur Erledigung. Der erste Punkt betraf die Aufnahme einer Anleihe von zwei Millionen Mark. Verwendung sollen die zwei Millionen Mark für folgende Zwecke finden: Erweiterungsbau dcS Wasserwerkes 605 000 M., Schulbau Neue Prinz Albertstratze 60 149 000 M., Neue katholische Schule, Marktstraße, 198 000 M., Gymnasiumbau, zweite Rate, 370 000 M., Neupflasterung der Schiller-, Liebig- und Türrschmidt- straße 122 350 M., Grundstückserwerb 42 900 M., für den Bürger- steigregulierungsfonds 40 000 M., Abfindung an Friedrichsfelde (betr. Durchlegung von Röhren) 2g 000 M., Bau eines Feuerwehr- depots 216 000 M., Entwässerung der Rathausstratze 25 000 M., Erweiterungsbau der Turnhalle, Prinz Albertstraße, 18 000 M., erste Rate für eine neue Volksschule in der Marktstraße 193 750 M. Nach kurzer Debatte wurde die Aufnahme dieser Zweimillionen- Anleihe bei der Landesversicherungsanstalt Brandenburg gegen einen Zinssatz von 3% Proz. einstimmig beschlossen. Die Rechnungslegung pro 1904 ergab an Einnahmen 2 472 532,03 M., an Ausgaben 2 341 301,26 M.. so daß sich für das Rechnungsjahr 1904 ein Ueberschuß von 131230,77 M. ergibt. Dieser Ueberschuß setzt sich fast ausschließlich aus den Mehreinnahmen der veranlagten Umsatzsteuer für 1904 zusammen.— Der Gemeinde Lichtenberg, die ein eigenes Elektrizitätswerk betreibt, wurde auf die Dauer von 10 Jahren die Genehmigung zur Legung einer Kabelleitung durch die Gemeinde Rummelsburg nach der Simon Dachstraße zur Ab- gäbe von Elektrizität an einen bestimmten Eigentümer erteilt. Be- dingung ist, daß der Gemeinde Rummelsburg eine Abgabe von 10 Proz. der Bruttoeinnahme gewährt wird. Gleichzeitig wurde beschlossen, wegen Gründung eines Zweckverbandes betreffs des Lichtenberger Elektrizitätswerkes mit der Gemeinde Lichtenberg in Unterhandlungen zu treten. Auf Antrag des Wochenmarktpächters wurde der versuchsweisen Errichtung eines Engrosmarktes für die Zeit bis zum 1. April 1908 auf dem Boxhagener Platz zugestimmt. Der Engrosmarkt muß im Sommer um 7% Uhr und im Winter um 8V2 Uhr vormittags beendigt sein. Als Pacht erhält die Gemeinde pro Jahr 3000 Mark. Der nichtöffentlichen Sitzung lag ein Vertrag mit der Gemeinde Lichtenberg betr. Regulierung der Weserstraße und ein Vertrag mit den Berliner Elektrizitätswerken betr. Durchlegung eines neuen Kabels durch die Gemeinde Rummelsbutg zur Beschlußfassung vor. In beiden Verträgen handelt es sich um Entschädigungen resp. Ab- findungen an Rummelsburg. Die Gemeindevertretung hielt die angebotenen Beträge für zu gering, es muß demzufolge in noch- malige Verhandlungen mit den betreffenden Körperschaften ein- getreten werden. Köpenick. . Eine Haupt- und StaatSaktion plant gegenwärtig die Staats- anwaltschaft gegen verschiedene Genossen. Wie seit einer Reihe von Jahren, so wurde auch in diesem Jahre vor dein 1. Mai die Er- laubnis zu einem Maiumzug nachgesucht. Es hatte den Anschein. als ob man nichts dagegen einwenden würde, denn der mit der Anmeldung beauftragte Genosse hatte schon die Lustbarkeitssteuer dafür entrichtet. Nach einigen Tagen bekam er jedoch die Steuer zurück mit der Mitteilung, daß der Umzug nicht gestattet ist. Die Genossinnen und Genossen, ungefähr 6000 an der Zahl, gingen nunmehr in losem Spaziergang durch die Straßen der Stadt nach dem.Wendenschloß", woselbst sie von sieben berittenen Gendarmen empfangen wurden. Nach Ansicht des Staatsauwalls soll dieser Spaziergang aber ein nicht genehmigter öffentlicher Aufzug gewesen sein, und ist dieserhalb gegen vier Genossen als Leiter resp. Ordner, und gegen einen Genossen und den Kapellmeister, welcher im„Wenden- schloß" die Konzertmusik leiten sollte, als Teilnehmer des Umzuges Anklage erhoben worden und ist bereits zum 12. Juli vor dem Amts- gericht zu Köpenick Temiin anberaumt. Biesdorf. Am Sonntag fand in Biesdorf eine von den Karlshorster und Friedrichsfelder Parteigenossen veranstaltete Agitationsversammlung statt, in welcher Genosse Mähr- Karlshorst über die politische Lage und die Sozialdemokratie referierte. In seinem Referat kritisierte er die Mißstände der heutigen Gesellschaftsordnung, insbesondere die Kolonial- und Steuerpolitik, und wies treffend nach, daß nur die sozialdemokratische Partei die Interessen der Arbeiterschaft vertritt. Alsdann legte der Redner in klarer Weise die Grundsätze des Erfurter Programms dar und forderte die Biesdorfer Arbeiter auf, sich der Sozialdemokratie anzuschließen. In der Diskussion forderten die Genossen Gronwald und Heider zum Eintritt in den Wahlverein auf. Diesem Ausrufe folgten mehrere Personen und damit ist auch in Biesdorf die Grundlage für eine Organisation gelegt. Schönwalde(Bezirk Pankow). Unser Vereins- und Versammlungsrecht lautete das Thema eines Vortrages, welchen Genosse Räber in der letzten Mitglieder-Ver > sammlung des Wahlvereins Bezirk Pankow hielt. Unter„Ver- schiedenem" äußerten mehrere Genossen Wünsche, das Erscheinen der Agitationszeitung„Die Fackel" betreffend. Den Schönwalder Genossen kann nicht genug anempfohlen werden, in der unermüdlichsten Weise für die Organisation tätig zu sein und namentlich die gewerb schaftlich organisierten Bau- und Holzarbeiter für die politische Bewegung zu gewinnen. Eine Versammlungsscheu ist in der gegen- wärtigen Zeit schlecht angebracht. Zu den bisherigen Erfolgen also neue hinzugewinnen I Bernau. Ei» recht sonderbares Gesuch richtete der hiesige Hans- und Grimdbesitzerverein an die letzte Stadtverordnetenversammlung. Derselbe wünschte, daß ein mit Beamtenqualifikation ausgerüsteter Wall- und Promenadenwärter angestellt werden möge, der dem absonderlichen Treiben junger Burschen und Mädchen des Abends aus den Stadtwällen Einhalt gebiete. Die Verschönerungsdeputation sowie der Magistrat konnten sich aber dem Gesuch nicht anschließen und auch unsere Genossen widersprachen diesem Gesuch, da wir nach der Zahl der Einwohner»etwas über 9000" schon genügend Polizei Personen zu unterhalten haben. Das Gesuch wurde abgelehnt. Des weiteren wurde beschlossen, den alten Zaun vor dem früher Wünsche'schen Grundstück, welches jetzt als städtisches Krankenhaus benutzt wird, durch einen neuen aus Drahtgeflecht zu ersetzen. Anläßlich der Pflasterung der Kronprinzenstraße glaubten einige Grimdstücksbesitzer sich beschweren zu müssen, daß durch die Nivellierung der Straße ihnen eventuell der ganze Wasserlauf zugeführt würde. Dem wurde aber seitens der Baudeputation mit Recht widersprochen und die Straße wird so an- gelegt, wie sie in der früheren Stadtverordnetenversammlung be- Ichlossen wurde. In die Voreiuschätzungskommission der Einkommensteuer wurde unser Genosse Emil Wünsche gewählt. Steglitz. Seine« Verletzungen erlegen ist am Sonntagabend der Arbeiter Karl Schüler. Sch. harte bekanntlich, wie wir vor einigen Tagen be- richteten, beim Kesselreinigen durch das Aufdrehen des Dampfhahnes so schwere Brandwunden erhalten, daß er in das Krankenhaus ein- geliefert werden mußte. Nowawes. In der Versammlung des Wahldereins hielt nach Bekanntgabe einiger geschäftlicher Mitteilungen des Vorsitzenden Genoffe Eichler einen nnt Beifall aufgenonimenen Vortrag über die Schlacht bei Jena und Auerstädt.— Die Abrechnung des Kassierers vom ver- flossenen Quartal ergab eine Einnahme von 571 M., eine Ausgabe von 73 M., an den Zentralwahlverein werden 381 M. abgeliefert. Infolge Amtsniederlegung des Genossen Zöllner als Kassierer wurde em Wechsel im Vorstände vorgenommen; es bleibt sonach Genoffe Zöllner als Beisitzer im Vorstande, während Genosse Lange als Schriftführer und Genosse Hammer als Kassierer bis zum Schluß des Jahres fungieren. Der Bericht von der letzten Kreis-Geueralversammlung wurde vom Genossen Lange gegeben; in der sich anschließenden kurzen Diskussion erklärten sich die Redner im großen und ganzen mit den Beschlüssen einverstanden. Zur Verbands-Generalversamm- lung von Groß-Berlin wurden die Genosse» Krohnberg, Gomoll, Hoffmann und Haseloff delegiert. Beschlossen wurde, am 26. August ein Sonunerfest abzuhalten und ein 15gliedriges Komitee mit den Vorarbeiten dazu beauftragt. Potsdam. Die letzte Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich mit der Vorlage die noch nicht genehmigten Etatsüberschreitungen für 1905 betreffend. Dieselben gaben dem Berichterstatter, Stadt- verordneten Pauli, Veranlassung zu einem Antrage, nach welchem der Magistrat ersucht wird, die einzelnen Titel des Etats dort ein- zusetzen, wo sie hingehören. Aufsehen erregte die Höhe der einzelnen Ueberschreitungen, die von 75 bis zu 100 Proz. beträgt. Die Gesamtsumme der schließlich bewilligten Etatsüberschreilungen beziffert sich auf 30 888,94 M.— Die zweite Vorlage betraf die Aufnahme von Anleihen für den Umbau der Straßenbahn und die dadurch notwendig gewordene Erweiterung des Eleltrizitäts- Werkes. An das ausführliche Referat des Stadtv. Artelt knüpfte sich eine längere Verkehrsdebatte, die sich wieder mit den vorläufig zurückgestellten Wünschen einzelner Stadtteile beschäftigte. Auch der neue Magistratsdirigent nahm zu dieser Materie das Wort und gab eine znsanimenfassende Darstellung des heutigen Standes der Straßen- bahnaugelegenheit. Schließlich wurde die Anleihe mit zusammen 2 210 000 M. genehmigt. Sie wird mit 3% Proz. verzinst und mit 1 Proz. amortisiert. Die Anleihemittel werden aus der städttschen Sparkasse nach Bedarf entnommen. Im Anschluß hieran wurde aüch die Anleihe zur Ausführung der durch den Straßenbahn- umbau notwendig werdenden Neupflasterungen der Hauptverkehrs st raßen genehmigt. Betrag: 950 000 M.— Eine scharfe Auseinandersetzung zeitigte die Beschwerde wegen der Nichtberücksichtigung hiesiger Gewerbe- treibender bei der Beschaffung eines Teppichs(!) für das neu- ausgestattete Amtszimmer des neuen Bürgermeisters. Die Vertreter des Prinzips:„Kauft am Orte!" haben zwar die Zusicherung be- kommen, daß das in Zukunft bei städtischem Bedarf berücksichtigt werdeuj wird.....Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!" Tragikomisch ist die ganze Sache besonders dadurch ge- worden, daß der Stadtverordnete Arte lt. der den Teppichkauf in Berlin bewirkt hat, Vorsitzender des hiesigen.Vereins für Handel und Gewerbe" ist. Die Zweiseelentheorie hat dem zum Stadttat gewählten Herrn Artelt wieder mal einen bösen Streich gespielt. ßliach dieser Mittelstaudsrettungsdebatte kam auch eine sozial- hygienische und sozialpolitische Auseinandersetzung an die Reihe. Anlaß dazu gab zunächst der Bericht über die von der Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Tuberkulose, sowie die Annahme des Brietschen Legats, das die Erhaltung der Kleinkinder- Bewahranstalt bezweckt. Während d« Tuberkulose-Angelegenheit, für welche 2000 M. zur Verfügung stehen, wegen ungenügender Berücksichttgung der dabei in Betracht kommenden Umstände und leidiger Konkurrenzfragen der(Armen-)Aerzte an die Kommission zurückverwiesen wurde, gelangte das schon wiederholt hart bekämpfte Legat des verstorbenen Stadtrats Briet endlich mit 19 gegen 12 Stimmen zur Annahme. Die Stadt verpflichtet sich danach, für die vom Vaterländischen Frauenverein zu übernehmende Kleinbewahr- anstalt usw. einen jährlichen Zuschuß von zirka 1500 M. zu zahlen. Wenn trotz der sachlichen und durchaus zutteffenden Ausführungen der Herren Borkastner, Töpfer und Schmüser über die sozialen Pflichten der Kommunalverwaltung gegen die traurigen moralischen Begleiterscheinungen der wirtschaftlichen Notstände sich wieder die ftühere Opposition bemerkbar machte, so zeigt sie eben, daß sie entweder nicht genügend mit den Ursachen des Kinderelends verttaut ist, oder daß sie aus lächerlicher Angst vor dem„Zukunftsstaat" eine durch- aus notwendige kommunale Fürsorgetätigteit für die ärmsten der armen Kinder bekämpft. Den Schluß der Sitzung vor den Ferien, von der man zwar nicht sagen kann:„Ende gut, alles gut", bildete die Bewilligung eines Zuschusses von 150 M. zur Herausgabe einer randenburgischen Landeskunde sowie der Kosttn von 3300 M. für einen Aufenthaltspavillon für die Sttaßen- bahnangestellten auf dem Bahnhofe. Diese längst gewünschten und durchaus notwendigen Uitterkunstshallen sollen auch an den anderen Endpunkten der Straßenbahn errichttt werden. Hus der frauenben>egung. Gehaussucht wurde in Velbert(Rheinland) bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern des ausgelösten Vereins der Frauen und Mädchen. Beschlagnahmt wurden nicht nur die von der Polizei selbst genehmigten Statuten, sonder» auch die Tinte, womit die Frauen ihre Briefe schrieben! U« das Fr«-inwahlrecht. London, 6. Juli.(Eig. Set.) Die Genossinnen Kenney, Sparkborough und Knight, die bot zwei Wochen mit Genossin B illington vor dem Hause des Finanzministers A s q u i t h demonstrierten, standen gestern vor dem Richter, um sich wegen Friedensbruchs zu verantworten. Der Richter wollte sie freilassen, wenn sie sich schriftlich ver- pflichteten, vor dem Hause des Finanzministers nicht mehr zu demonstrieren; aber die Angeklagten weigerten fich, ein derartiges Versprechen abzugeben. Nach längerer Verhandlung, in der die Angeklagten die Interessen der Arbeiterinnen und Arbeiter- frauen tapfer verteidigten, erklärte der Richter, er persönlich sei Anhänger des Wahlrechts für Frauen, aber er könne die Metboden, deren sich die Angeklagten bedienten, nicht zulassen. Das Gesetz müsse geschützt werden. Die Angeklagten haben das Gesetz verletzt imd müssen die Konsequenzen ihrer Handlungen tragen. Er stellte sie vor die Alternative, eine Kautton von!je 100 Pfd. Sterl. zu stellen als Garantie des guten Benehmens und der Wahrung des Friedens während der nächsten zwölf Monate oder auf sechs Wochen ins Gefängnis zu gehen. Die Genossinnen wählten das Gefänguis! Versammlungen. Zentralverband der Fleischer. In der letzten Mitglieder» Versammlung referierte Bergmann zunächst über die Volkswirt- schaftliche Bedeutung des Achtstundentages. Hierauf schilderte H e n s e l die Mißstände in der Stellenvermittelung. Obgleich die Innung einen eigenen Arbeitsnachweis habe, wo die Stelle unter 12 M. 50 Pf. und sonst 1 M. koste, treibe das Agentenwesen die schönsten Blüten. Die Agenten lassen sich bei Löhnen von 7— 10 M. 1,50 M. bis 2 M. und noch mehr bezahlen; bei besseren Stellen kommt es oftmals vor, daß die Gesellen einen halben Wochenlohn opfern müssen. Um die gesetzlichen Bestimmungen kümmern sich die Stellenvermittler überhaupt nicht. Ferner scheuen sie auch vor Per- gewaltigungen nicht zurück: wer das Treiben derselben kritisiert, kommt in die schwarze Liste. Vielfach kommt es vor, daß Gesellen, die mittellos zureisen, und die die Vermittlungsgebühr im voraus nicht bezahlen können, noch nicht einmal auf dem Jnnungsarbeits- Nachweis Arbeit erhalten, lieber den Erfolg derKontrolle wcgenJnne- Haltung der Sonntagsruhe berichtete Krause. Diese Kontrolle hätte schon sehr viel genützt. Die Mehrzahl der Meister läßt ihre Ge- seilen nur noch bis 10 Uhr arbeiten. Auch die Behörde zeige jetzt mehr Entgegenkommen als früher. Redner forderte die Anwesen- den auf, alle Fälle, in denen die Sonntagsruhe übertreten würde, unbedingt dem Bureau zu melden, damit von da aus die nötigen Schritte unternommen würden. Der Delegierte zur Gewerkschafts- kommission berichtete hierauf, daß beschlossen worden sei, die Litho- graphen und Steindrucker sowie die Buchbinder in ihrem schweren Kampfe zu unterstützen; ferner bei Einkäufen nur solche Geschäfte zu unterstützen, welche Achtuhr-Ladenschluß haben. Sozialdemokratischer Zentral-Wahlvercin für den Reichstags- Wahlkreis Züllichau-Schwiebus-Croffen- Sommerfeld.(Ortsverein Berlin.) Dienstag, den 10. Juli 1306, abends S'l, Uhr: Generalversammlung bei Patt, Dragoncrslr. 15. Tagesordnung: 1. Bericht der Delegierten von der Kreis-Generalversammlung. 2. Bericht des Vorstandes, des Kassierers und der Revisoren. 3. Verewsangelegenheiten. Zlrbritcrvertretcrverein. Hierdurch teilen wir den Mtglledern des Vereins mit, daß die nächste Bcreinsvcrsammlung nicht am 12. d. Mts., sondern erst am 26. Juli stattfindet. Alles Nähere wird noch durch Inserat im»Vorwärts- bekannt gegeben. Der Vorstand. Vermischtes. Zu den Unwettemrhreningcn in der sächsischen Schweiz Wirt» uns berichtet: Der wolkenbrucharttge Regen, der auf den Höhen- zügen der sächsischen Schweiz niederging, hat in den Tälern furcht- bare Verwüstungen angerichtet. Alle Bäche wurden zur reißenden Flut, die alles mit fortrissen: Gärten und Felder wurden zerstört, Ufermauern weggerissen und Häuser zum Einstürzen gebracht. Am schlimmsten hat das nasse Element in Obervogel- g e s a n g gewütet. Von allen Seiten kamen hier die Wasser- massen von den steilen Abhängen, Erdmassen mit sich führend und alles fortteißend, was ihnen im Wege stand. Der Damm der Bahnlinie Dresden— Bodenbach wurde auf 30 Meter Länge voll- ständig weggerissen, die Gleise hängen in der Luft. Gegen Abend des Freitag trat ein förmlicher Bergrutsch mit allen Schrecken eines solchen Ereignisses ein. Zwei Häuser wurden mit zu Tal gerissen, daß man keine Spur mehr sieht. Auch in Struppen stürzte ein Haus ein. Das Wasser führte 15 Zentner schwere Steine mit. In der Elbe türmen sich die Schuttmassen. Die Verwüstungen find schrecklich anzusehen. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Marktballen-Direlston. Rindfleisch la 67—70 pr. 100 Psund, IIa 60—66, Ula 55—58, IV a 48—53, engl. Bullen- 0,00, dän. Bullen- 0,00. Holl. Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 100-110, la 84-90, Ha 74-82, Dia 62-72. Hammelfleisch la 72-76, IIa 62-70. Schweinefleisch 62—68. Kaninchen per Stück 0,00. Hühner, alte, Stück 1,60—2,00, junge, per Stück 0,60—0,70. Tauben, junge 0,30—0,42, alte 0,00. Enten, junge, p. Stück 1,50—1,80, Hamburger, junge, per Stück 0,00. Gänse, junge, per Psd. 0,55—0,63, per Stück 3,00 bis 4,00. Hecht« 87—103. Schleie 70—79. Bleie 0,00. Aale, groß 135-160, mittel 126, klein 0,00, uns. 98—117. Plötzen 0,00. Flundern, pomm. I. p. Schock 3,00—6,50. Kieler. Stiege la 4—6, do. mittel per Kiste 2— 4, do. klein per Kiste 0,00. Bücklinge, engl, per Wall 4,50—5. Kreier 2—4,50, Sttalsunder 5— 6. Aale, groß p. Psd. 1,10— 1,30, mittel 0.80—1,00, kl. 0,50 bis 0,60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 0,00, Elb- per Kiste 0,00. Sardellen, 1902er, per Anker 85,00, 1904er 85,00, 1905er 80,00. Schottische Vollbcnnge 1905 0,00, large 40—44, füll. 36—38, med. 35—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Matjes, per'/. To. 60—120. Summern, Na, 100 Pfd. 0,00. Krebse, per Schock, mittel 0,00, tleine 3,50, unsortiert 5,50. Galizier, mittel 0,00. Eier, Land-, per Schock 3—3,30, frische 0,00. Butter per 100 Psund. la 109-111, IIa 106—109, Itla 100—103, ab. fallende 95—100. Same Gurken, neue, Schock 4—6, Psestergurken 4,50—5,00. Kartoffeln per 100 Psd. magn. bon. 0,00, rote Dabcrsche 2,10— 2,25, runde weiße 1,80—2,10, hiesige blaue 3,00,-3,25, neue hiesige 2,25—3, neue Zerbster 2,50—3. Spinat, per 100 Psund 8— 10. Karotten perSchock 2L0biS 4.00. Kohlrabi, per Schock 1,00— 1,50. Nettig, bahr., per Schock 2,40—4,80. Rhabarber, Hamb., per 100 Bd. 0,00. Radieschen, per Schock-Bd. 0,60—0,70. salat, per Schock 1.00—1,25. Bohnen(grüne), per 100 Psd. 22—25. Schoten hiesige, per 100 Psd. 5—16. Pscsterlinge per Psd. 0,30—0,35. Mohrrüben per Schock-Bd. 2,50— 4,00. Blumentohl per Mandel 1.00— 2,00. Wirsingkohl per Mandel 1,00—1,50. Steinpilze per Psd. 0,33. Teltower Rüben per Psd. 0,00. Johannisbeeren, hiesige, weiße, per 1 Psd. 0,10—0,12, do. rote 0,08—0,10. Stachelbeeren per Psd. 0,07-0,12. Kirschen, itol, 100 Psd. 0,00. Natten, Werdersche 22—24. Werdersche Glas- 10—14. Natten, unaar. 00,00, do. 10—12, do. sauere 18—24. Himbeeren, Werdersche per 100 Pfd. 22—25. Blaubeeren per Pfd. 0,07—0,13. Erdbeeren, Holl, per 100 Pfd. 18—28, Garten- per Psd. 0,00—0,00, Hamburger 0.10—0,25, hiesige 0,15—0,20. Wald- per Psd. 0,30—0,50. Pflaumen, ital. lange, per 100 Psd. 22—24. Zitronen. Messina. 300 Stück 14,00-16,00, 360 Stück 14,00-16,00, 200 Stück 7,00-12,00, 420 Stück, klein 7,00. W»tti»»nft»überstcht vom 9. Juli 1006, morgens 8 Nhr. Slastmn Swinemde. Hamburg Berlin Frantj.a.M München Wien «— - 3 g s W-B 765 NW 767 NW 766 NW 768 SO 768 NW 765W Seile, 1 wölken! 1 wolkig 2 wölken! 1 bedeckt Iwolkig �wollig tax s* t" 2? H S> Stationen »•= S 3 gf Haparanda 759 SW Petersburg 760 NW Scilly Aberdeui Pari« 771 NNW 767SSW 769NNO Witt« 2 wollig 1 Regen 1 heiter 2wolkcnl 2wolkig B 3% 4» 8* Hä 21 18 15 14 13 Wetter-Prognose für Dienstag, de» 19. Juli 1996. Vorwiegend heiter, sehr warm und schwül bei schwachen westliche» Winden; Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. 'KtimtmiiMti Bedalteuri Kant tzctuf, Berlin, gü isa Jnserattntttl verantw.: Tb. Glocke. Berlin. LoiS u. SLeügJU Lorwältl» Buchdruck«« H» LslaqsüNjigjl Paul Sänfl«& La,. Berlin SM»