r. 162. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando! Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pig. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs Breisliste. Unter Streusband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen un: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 fg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwet Worte. Inserate für die nächste Rummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Die württembergische duszis Sonntag, den 15. Juli 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Verfaffungsreform. Sochschule Stuttgart in die Erſte Kammer ein. Zwei Ber- befriedigt über den Ausgang der Reformfampagne. V durch die Verringerung der auf Lebenszeit ernannten Mit- demokratischen Gedankens gestellt, nie und nimmer hätte ein glieder usw. Nun ziehen 8 titter, 4 Vertreter der evan- so hoher Preis für die Revision gezahlt werden müssen, wie gelischen und 2 Vertreter der katholischen Kirche, der Vertreter das jetzt der Fall ist. der Universität Tübingen und ein Repräsentant der Technischen Die Presse der Deutschen Partei äußert sich sehr Die treter des Handels und Gewerbes. zwei der Landwirtschaft Nationalliberalen haben auch alle Ursache, das Werk zu loben, Wir können nicht einstimmen in die Freude, die bei den und ein Vertreter des Handwerks schließen sich ihnen an, so entspricht es doch abgesehen von der Demokratisierung der bürgerlichen Parteien und in ihrer Presse über das eben be- daß die Erste Kammer mit 50 Mitgliedern ihre alte Stärke Zweiten Kammer so ziemlich dem deutschparteilichen endete Werk( die Verfassungsrevision) herrscht. 3war bringt fast wieder erreicht. Das Stimmübertragungsrecht der Parlamentsideal. Wiederholt hat sich die Deutsche Partei uns die Revision die reine Volfskammer und ein Stüd Standesherren an einen zufällig in der Ersten Kammer an- prinzipiell für das Zweikammersystem, für den Ausbau und Proporz, aber dafür mußte ein Teil des Budgetrechts der wesenden Standesgenossen verschwindet zwar; es ist den die Stärkung der Ersten Kammer ausgesprochen, die als Zweiten Stammer geopfert und eine Verstärkung der Ersten Herren aber gestattet, sich durch männliche Berwandte von Gegengewicht gegen die Volkskammer dienen müsse. Rammer in Rauf genommen werden, die bei fünftigen Gesetzlichen Mitglieder wurde auf 6 firiert; es bleibt dem König liche Sieger vor. Ihrer genialen Führung sei zu danken, daß väterlicher Seite vertreten zu lassen. Die Zahl der lebensläng- Die Volkspartei stellt sich dem Volke als der eigentgebungsarbeiten schwer ins Gewicht fallen wird. Unsere For- aber unbenommen, im Falle des Aussterbens einer landesherr- das Werk endlich geraten sei. Dabei bestand die Genialität derung auf Abschaffung der Ersten Kammer fand taube Ohren. lichen Familie ein weiteres lebenslängliches Mitglied zu er- der Volkspartei lediglich in der Einsicht, daß bei der bevorDie Regierung, die Erste und die Mehrheit der Zweiten nennen. stehenden Landtagswahl die Wähler in hellen Haufen zur Rammer standen unter dem Eindruck der Furcht, der Einfluß Schwerer als die zahlenmäßige Verstärkung der Ersten Sozialdemokratie übergehen würden, wenn diesmal wieder des arbeitenden Volfes auf die Gesetzgebung könnte zu groß Kammer wiegt das Zugeständnis der Zweiten Kammer im der Versuch scheitern sollte. Die gleiche Furcht zwang auch werden urd die Interessen der herrschenden Klassen gefährden. Budgetrecht. Das Ausgaberecht der Zweiten die anderen Faktoren zur Nachgiebigkeit; fie veranlaßte die Sie warfen daher das Gewicht ihrer Klasseninteressen, ihres Kammer bleibt freilich, abgesehen von einer formellen sehr un- Regierung, ihre ganze Kraft für die Reform einzusetzen, sie Geburts- und Besitzvorrechtes in die Wagschale der Gesetzgebung wesentlichen Aenderung, unangetastet. Das Recht, die Ein- bewog die Standesherren, unerfüllbare Forderungen fallen zu und diese sank zuungunsten der Armen und Besitzlosen." nahmen festzusetzen, wird der Zweiten Kammer aber noch laffen. Ohne die Sozialdemokratie wäre der Preis für die So beurteilen der Landesvorstand der Sozialdemokraten der Einkommensteuer, hatte die bürgerliche Mehrheit jetzt schon ist. mehr geschmälert als bisher. Bei der wichtigsten Steuer, Reform zweifellos ein noch weit höherer gewesen, als er es Württembergs und die sozialdemokratische Landtagsfraktion der Zweiten Kammer schon vor Jahren bei der Steuerreform in einem soeben erschienenen Aufruf an die arbeitende Be- der Ersten Kammer eine entscheidende Mitwirkung zugebilligt, Reform nicht zu erzwingen, in Zukunft noch weniger als jetzt. Mit diesen bürgerlichen Parteien war eine bessere völkerung das nach unendlicher Mühen und Kämpfen zustande weshalb die Sozialdemokratie gegen die Steuerreform stimmte. Zentrum und Deutsche Partei sind geschworene Gegner einer gekommene Wert. Das Urteil der beiden Körperschaften dürfte Nun muß auch bei einer Reihe anderer Steuern Ueberein- demokratischen Verfassung, der Bauernbund kein Freund dermit dem der übergroßen Mehrheit der württembergischen Stimmung zwischen den beiden Kammern erzielt werden, soll selben. Bleibt die Volkspartei. Diese wird aber von Jahr Parteigenossen übereinstimmen. Es weicht völlig ab von dem eine derselben abgeschafft, erhöht oder herabgesetzt werden. zu Jahr unzuverlässiger in der Vertretung des eigenen Jubelfang der deutsch- und volksparteilichen Presse. Die Herb- Wird keine Einigung erzielt, bleibt der alte Steuersatz in Kraft. Programms. In Württemberg konnte sich länger als anders. heit des Urteils dürfte aber auch die mit württembergischen Verhältnissen weniger Vertrauten überraschen angesichts der Das sind die Grundzüge der Verfassungsreform, die wo eine fleinbürgerliche Demokratie halten, weil die wirtTatsache, daß die sozialdemokratische Landtagsfraktion es in bereits am 1. Dezember dieses Jahres in Kraft tritt. Der schaftliche Revolution vor der Grenze Württembergs Halt zu der Hand hatte, die Reform scheitern zu lassen. Im fritischsten neue Landtag im nächsten Jahre wird also schon das Gepräge machen schien. Noch im Jahre 1882 dominierte der gegerb liche Kleinbetrieb. In Betrieben mit 1 bis 5 Personen waren Moment war es die Sozialdemokratie, die das Werk rettete, der Reform tragen. Ohne ihre Zustimmung wäre die erforderAeußerlich betrachtet fann man sagen: der schüßende 172 324 Arbeiter beschäftigt, in den größeren Betrieben liche Zweidrittelmehrheit in der 3weiten Panzer, der die Erste Kammer und damit das Vorrecht des 74 719. Im Jahre 1895 hingegen war die Zahl der in den Rammer nicht zusammengefommen; der Standes und Befizes umgibt, ist verstärkt worden; anderer Kleinbetrieben beschäftigten Arbeiter auf 154 333 zurückzehnte Revisionsversuch seit 1849 wäre gescheitert, wie neun feits ist aber auch die Stoßfraft der Zweiten Kammer ge- gegangen, während die Arbeiterzahl der Großbetriebe sich mehr Versuche vorher. steigert, die Konfliktsgelegenheit vergrößert. Die jahr als verdoppelt und mit 171 967 die der Kleinbetriebe bereits Was veranlaßte unsere Genossen, trotz schwerer Bedenken sehntelangen Verfassungsfämpfe fird überflügelt hatte. Die Gesamtzahl der Betriebe geht ständig der Verfassungsänderung in dieser Form zuzustimmen? Zwei nicht beendet, sondern nur in ein neues zurück, die Kleinbetriebe verschwinden, die Großbetriebe saugen Gründe sind es hauptsächlich gewesen, die unsere Frattion Stadium getreten. Der eigentliche Entscheidungs- fie auf. Diese wirtschaftliche Entwickelung hat die Volkspartei in schließlich zu ihrer Haltung bestimmten: Erstens ist in An- fampf muß noch fommen, darum wird er kommen. Unseren betracht der Entwickelung des bürgerlichen Liberalismus ein Genossen im Landtage war von vornherein flar, daß die eine schlimme Lage gebracht. Sie fürchtet, die zu besitlosen schließlich der Volkspartei nach rechts in absehbarer Zeit Sozialdemokratie den Kampf um das reine unverfälschte Proletariern gewordenen Kleingewerbetreibenden völlig an die nicht mehr zu erreichen, als die jetzige Reform bietet; zweitens Volfsrecht allein führen müssen wird. Da galt es, die Sozialdemokratie zu verlieren; fie muß aber auch jene Streise ist nun das parlamentarische Kampffeld der Zweiten Kammer Waffen zu prüfen; und fie fanden, daß die reine Volkskammer zu halten suchen, die entweder in reaktionärer Mittelstandsbon hemmenden Schranken gesäubert. Keine Schicht privile- ein weit schärferes Instrument ist als das bisherige Kammer- rettung das Heil erblicken oder innerlich längst mit dem demokratischen Programm zerfallen sind, weil es ihren wirtgierter Vertreter schiebt sich mehr zwischen die anstürmende fonglomerat. war Die wütendste Gegnerin der Reform Sozialdemokratie und die bürgerliche Parlamentsmehrheit. das schaftlichen Interessen nicht mehr entspricht. Das auf die Nicht mehr kann ein Teil der einen und anderen bürgerlichen Bentrum. Die fast rein katholische Erste Kammer Dauer unausführbare Kunststück, die auseinanderstrebenden Partei den Nadifalen spielen in der Gewißheit, die Privile. dunkte ihm ein wertvoller Schuß der Klerikalen Macht Teile der Partei zusammenzuhalten, suchen die Führer der gierten würden schon für die erwünschte Korrektur sorgen. stellung, besonders auf dem Gebiete der Volksschule. Volkspartei dadurch fertig zu bringen, daß sie für die proletaJetzt heißt es Farbe bekennen. Aug' in Auge stehen sich die Die Volksschulzustände in Württemberg schreien gerade- rischen Demokraten donnernde Neden über Volksrecht und Parteien gegenüber. Jezt gilt's: schwarz oder rot? zu nach Besserung. Zur Kennzeichnung dieser Zustände Freiheit halten, hinterrücks aber der Reaktion Zugeständnisse Eine reine Volkskammer wird in Zukunft die Zweite genügt es festzustellen, daß die Volksschule in Württemberg über Zugeständnisse machen. Bisweilen fällt auch die Volks. Rammer fein; sie wird nur noch Abgeordnete des allgemeinen, der Kirche weit mehr unterworfen ist, als dies selbst nach dem partei offen in zwei einander bekämpfende Hälften ausein. gleichen, geheimen, direkten Wahlrechts umfassen. Von den neuen Volfsschul- Unterhaltungsgesetz" in Preußen der Fall ander, wie z. B. vor wenigen Tagen bei der Eisenbahntarif13 ausquartierten Rittern siedeln 8 in die Erste Kammer über, ist. Nichts fürchtet das Zentrum mehr als die Einengung der reformfrage. Der rechte Flügel der Volkspartei unterscheidet von den 6 evangelischen Kirchenvertretern wandern 4 hinüber, firchlichen Gewalt auf dem Gebiete des Schulwesens. Schon sich kaum mehr von den Deutschparieilern, und der linte ist von den 3 Vertretern des katholischen Klerus 2. Der Vertreter einmal hat die Erste Kammer dem Zentrum den Gefallen mit noch stark im Reden. Eine kleinbürgerliche Demokratie war einst notwendig; der Landesuniversität Tübingen macht den Umzug ebenfalls getan, ein belangloses Schulreförmchen zugrunde zu richten. mit. Von den 93( eigentlich 92 Abgeordneten, da der Bischof Diese Zeit ist vorbei; die Unternehmerklasse selbst braucht eine eine Demokratie im Gegensatz zur Sozialdemokratie ist heute von Rottenburg feinen Siz in der Zweiten Kammer nie ein bessere Volksschule für die Arbeiter, soll die Konkurrenzfähigkeit nicht mehr möglich. Darum war die Volkspartei ein unzu nahm) Mitgliedern der Zweiten Kammer bleiben die 63 Ab- des vom Agrarstaat zum Industriestaat sich umwandelnden verlässiger Bundesgenosse im Verfassungskampfe, darum wird Die Standesherren der Sozialdemokratie in Zukunft noch mehr wie jetzt die Aufgeordneten der Oberamtsbezirke und 6 Vertreter der sechs Landes nicht schweren Schaden leiden. " guten Städte"( Stuttgart, die siebente gute Stadt", scheidet freilich haben nicht der Industrie zuliebe die gabe zufallen, das volksparteiliche Programm aus). Diese 69 Abgeordneten werden nach wie vor mit ab- flerifalen Schulintereffen geopfert, fie haben einfach den durchzusehen gegen die Volkspartei. Die Sozialdemokratie wird in Zukunft mehr denn je soluter Mehrheit im ersten Wahlgang gewählt. Neu ist, daß Schut ihres Portemonnaies durch die Zugeständim zweiten Wahlgang die einfache Mehrheit genügen wird. nisse auf dem Gebiete des Budgetrechts den Interessen der auf die eigene Kraft angewiesen sein; sie allein wird den Kampf gegen die geeinte Reaktion zu führen haben. Im Als Ersatz für die ausscheidenden Privilegierten sind auker- organisierten Priesterkaste vorangesetzt. dem noch 23 Abgeordnete durch Verhältniswahl zu wählen. Nun schilt das Zentrum die Reform einen Gewaltaft neuen Landtagswahlrecht, dem fortschrittlichsten Wahlrecht Davon erhält Stuttgart 6 Abgeordnete an Stelle des einen. gegen das katholische Volk". Das liest man in derselben Deutschlands, hat die Sozialdemokratie eine wuchtige Waffe Diese sechs sind mittels Proporz bei den allgemeinen Wahlen Nummer des führenden württembergischen Zentrumsorgans, empfangen. Die reine Volkskammer ist unser bester Fecht zu wählen. Die weiteren 17 Abgeordneten werden einen Monat in dem das Glückwunschschreiben des Königs an den Minister- boden. Nun kann der Tanz beginnen! später gewählt, zu welchem Zweck das Land in zwei Landtags- präsidenten zur glücichen Durchführung des„ Gewaltaftes" wahlkreise geteilt wird, von denen der eine 8, der andere 9 publiziert wird, des„ Gewaltaktes", der auch die Zustimmung mittels Proporz zu wählen hat. So wird die alte Stärke von des fatholischen Thronfolgers, der anderen katholischen 92 Mitgliedern wieder erreicht. Prinzen nebst der katholischen Standesherren fand. Als Das attive Wahlrecht bleibt wie bisher auf seinerzeit der Zentrumsführer Gröber den vorlegten Ver- Die Petersburger Telegraphen- Agentur meldet: 25 Jahre festgesetzt. Es erfährt jedoch insofern eine kleine fassungsreformberjuch bereitelte, rief er den Revisionsfreunden„ Der Besuch des englischen Geschwaders in den russischen Oste Besserung, als ein Wähler, der eine empfangene Armenunter- höhnend zu: Machen Sie eine Verfassungsreform ohne das feehäfen ist nach gegenseitigem Uebereinkommen auf eine günstigere ftüßung vor Schluß der Wählerliste zurückzahlt, das Wahlrecht Zentrum wenn Sie fönnen!" Nun ist es gelungen. Nur Beit, wahrscheinlich auf das nächste Jahr, verschoben worden. Die wiedererlangt. Im übrigen sind die Voraussetzungen fast drei Ritter sind dem Zentrum im Widerstand gegen die Reform Initiative zu diesem Beschluß, die von russischer Seite auss dieselben wie beim Reichstagswahlrecht. Das erforderliche bis zum Schluß treu geblieben, und das, obgleich das Zentrum geht, findet durch folgende Erwägungen ihre Erklärung: Der ge Alter für das passive Wahlrecht wird von 30 auf sich als Schüßer konservativer Interessen aufspielte und das plante Besuch ist mit lebhafter Befriedigung von der russischen Nes 25 Jahre herabgesetzt. rote Gespenst zitierte. gierung aufgenommen worden, die in ihm einen Beweis der Württemberg wird also in Zukunft unter allen deutschen Die Revision mußte gegen das Zentrum Sympathie der englischen Nation für Rußland sah. Leider haben Bundesstaaten das fortschrittlichste Wahlrecht zum Landtag gemacht werden, wenn man nicht die Volfsschule an Händen gewisse politische Parteien in England und Rußland eine heftige haben. Diesen Errungenschaften für die Zweite Kammer und Füßen gebunden der Kirche überlassen wollte. Den Agitation gegen den Besuch entfacht zu dem Zweck, Fragen der stehen aber gewichtige Zugeständnisse an die Erste Sammer Privilegierten der Zweiten Kammer wie der Ersten Kammer inneren Politik Rußlands mit der Angelegenheit zu verquiden. Die gegenüber. Die Kopfzahl der Ersten Kammer war im Laufe mußten Konzessionen auf anderem Gebiete gemacht werden, entschiedenen und loyalen Erklärungen des englischen Ministers des Der Jahre von 53 auf 29 herabgesunken, teils infolge des Aus- um den Widerstand des Zentrums brechen zu können. Hätte Auswärtigen haben der Frage ihren eigentlichen Charakter wieder. sterbens standesherrlicher Familien, teils infolge von Verzicht das Zentrum als Volkspartei, die es sein will, gehandelt, gegeben und sind in Petersburg voll gewürdigt worden. Nichts leistungen auf die württembergische Staatsangehörigkeit oder hätte es sich ohne Klerikale Nebenabsichten in den Dienst des bestoweniger glaubt die russische Regierung mit Rüdficht auf Die Revolution in Rußland. ,, Aufgeschoben"! ble polifische Krise, die Rußland gegentvärtig durchzumachen hat, alle unsere Gegner. Er bekämpft uns zwar, hält es jedoch nicht! Das Jdeal der preußischen Unterrichtsverwaltung geht dem vorbeugen zu sollen, daß die Ankunft der englischen Schiffe für nötig, fich über das Wesen der Sozialdemokratie zu unter- offenbar dahin, die Lehrergehälter in Stadt und Land auf einem Gelegenheit zur Erneuerung der Agitation und zu Zwischen- richten. Er tennt nicht mal die Parteizeitungen der Sozial- Niveau zu halten, d as die jetzige Höhe der Landa fällen gibt, die geeignet sind, die Beziehungen zwischen Rußland und demokratie, trotzdem es eine Kleinigkeit ist, die Zahl und Titel Iehrergehälter nur wenig übersteigt. Die England für die Zukunft zu beeinträchtigen. Zwischen dem Kaiser der sozialdemokratischen Zeitungen festzustellen, da diese bekanntlich Folge davon wird naturnotwendig die sein, daß der Zustrom bon Rußland und König Eduard sind sehr herzliche Telegramme von Zeit zu Zeit im Vorwärts" mit genauer Adresse auf zu dem Lehrerberufe ein noch geringerer wird als bisher, daß ausgetauscht." geführt werden. also die Volksschulbildung infolge der UeberIm Verlage unseres Bruderblattes der Königsb. Bollsatg." bürdung der Lehrer eine noch elendere erscheint auch die vierzehntägige sozialdemokratische Zeitung Ost- wird, als sie es bisher schon war. Diese preußischer Landbote" für die Landarbeiter Ost- und Westpreußens. Folgen kommen freilich der Regierung gar nicht einmal unDie Redakteure der Königsb. Bollsztg.", die auch den Osterwünscht, da für ihre volksshulpädagogischen Ideale ja der preußischen Landboten" redigieren, waren nicht wenig beluftigt, als Standpunkt der oftelbischen Junker maßgebend ist, daß ein kürzlich folgender Brief einging: Dorfjunge eigentlich heute schon viel zu viel gelernt hat, um noch einen tauglichen Hütejungen oder Landproletarier abzugeben. Die im letzten Sage gegebene Mitteilung dürfte besonders beruhigend wirken, wenn man bedenkt, welche ungeheure Bedeutung als Menschen sowohl wie als Leiter ihrer Staaten gerade Herr Eduard und Herr Nikolaus haben. " Herrn Greh aber, dem englischen Minister des Aeußern, der neulich den Mund gar nicht voll genug nehmen konnte mit seiner Baren- Vergötterung, Herrn Grey ist die blamable moralische Ohrfeige, die er durch den Aufschub" der Rußlandreise erhält, aus vollstem Herzen zu gönnen. Ein Minister, der nicht weiter sehen fann als zwei Boll über seine eigene Nasenspize, sollte allenfalls das Nessort für Kirchen- Angelegenheiten übernehmen, aber nicht das Bortefeuille des Auswärtigen. Daß unsere Voraussage über die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur der Greyschen Ankündigung betreffs der„ Entente" mit Rußland sich so prompt erfüllt hat, dürfte allen Freunden der Ehrlichkeit und des Anstandes hohe Befriedigung gewähren. Duma. Am Freitag beschäftigte sich das Haus noch mit einer Reihe von Interpellationen und hörte ruhig und mit voller Aufmerksamkeit die Antwort des Gehülfen des Justizministers Sollertinsky an. Diefer leitete seine Ausführungen mit der Erklärung ein, daß er sich, da er zu einem Ministerium gehöre, welches das Vertrauen der Duma Verehrt. Redaktion! Da die Presse sich als bestes Rüstzeug im Kampfe gegen die Sozialdemokratie bisher noch stets bewährt hat und da die nationalgesinnten Kreise zum Kampfe für die 1908 bevorstehende Reichstagswahl aufgemuntert werden müssen, erlauben wir uns, der verehrt. Redaktion unfere„ Storrespondenz" zum Abdruck der Original artikel wöchentlich kostenlos zuzusenden, falls Sie sich bereit erflären, uns in dieser großen nationalen Arbeit zu unterstützen. Für landwirtschaftliche Streife machen ivir besonders auf den Artikel „ Bürgerliche Gedankenlosigkeit" aufmerksam. Ihrer freundlichen Rückäußerung mit Interesse entgegensehend, zeichnet 0001 mit vorzüglicher Hochachtung Die Geschäftsstelle. Dr. Bovenschen. " Man sollte wirklich annehmen, daß die Lehrerschaft endlich zur Einsicht käme, daß ihre bisherige lammesgeduldige Saltung den Uebermut der preußischen Junkerreaktion, welche die Regierung beherrscht, nur verstärkt hat und auch künftig nur zu verstärken vermag. Die Lehrer sind im legten Grundi felbst Schuld an der skandalösen Behandlung, die ihnen zu teil wird! od seestenab* Deutsches Reich. Verwandte Seelen finden sich. : die Schuld auf die Nationalliberalen schiebt. Diese Taktik der also prompt folgender Brief an den Reichsverband" ab: Auf Ihr verehrtes Schreiben vom Juli c. erwidern wir er größeren ultramontanen Blätter hat ersichtlich keinen anderen Zwed, gebenst, daß uns die Zusendung Ihrer Korrespondeng" fehr an- als einerseits auf die freisinnige Parteileitung einen Drud auszu genehm ist, besonders deshalb, weil wir hier start mit ländlichen üben und andererseits die Nationalliberalen günstig zu stimmen für ein Kreisen zu rechnen haben, in denen jegt die Sozialdemokraten mit gemeinsames Vorgehen gegen die Sozialdemokratie bei späteren Hochdruck arbeiten. Wir erlauben uns noch die ergebene Anfrage, Stichwahlen. Die„ Köln. Volkszeitung", bekanntlich einst die verob Sie vielleicht im Besize von Material gegen gewisse Ge- bisfenste Gegnerin des Nationalliberalismus, singt sogar ein langes nossen Dst und Westpreußens sind, die sich hier besonders Loblied auf die politischen Fähigkeiten der Nationalliberalen in herbortun. Ido Altena- Iserlohn. Sie schreibt: " Diesem liebenswürdigen Schreiben konnte die Redaktion unseres Königsberger Parteiblattes nicht wiederstehen, umsoweniger als die Die leitenden Zentrumsblätter segen ihre Taktik fort, für div grobe Ungeschicklichkeit des famosen Reichsverbandes gegen die Niederlage des Zentrumskandidaten im Wahlkreise Altena- Iserlohn wie weit machen, der nicht besitze, auf objektive Darlegungen beschränken werde, und setzte deffen Tölpelhaftigkeit geht. Vom Ostpreußischen Landboten" ging westfälischen Lokalpresse des Zentrums, voran der Westf. Merkur", darauf bereit fei, den Wünschen der Duma nachzukommen und Recht und Gerechtigkeit zu wahren.- Roditscheff griff das Ministerium heftig an und bemerkte, das russische Volt habe jedes Vertrauen zur russischen Justiz, die ihre Urteile schon gefällt habe, bevor der Prozeß stattfindet, verloren. Aladjin bemerkte im Namen der Arbeitsgruppe, die Dumamitglieder würden niemals eine Beschränkung ihrer persönlichen Freiheit zulassen; für diese werde das ganze Volt eintreten. Er sei fest überzeugt, daß das Kabinett in einigen Tagen zurüdtreten werde. 190 od topsi shi Der neue Hof- Spiritist, den der Bar fich fürzlich berschrieben hat, scheint sein Metier noch nicht einmal so gut zu verstehen wie der Vorgänger, denn Nikolaus kommt jezt noch schtverer zu Entschlüssen als je. In der Frage der Kabinetts- Auflösung und Neubildung schwankt er seit Wochen dermaßen hin und her, daß es vorerst noch unmöglich ist, den gegenwärtigen Stand der Angelegenheit auch mur annähernd richtig zu beurteilen, geschweige denn zu sagen, wie die Lösung der Krisis schließlich vor sich gehen wird. Soviel aller dings scheint festzustehen, daß die Umgestaltung bereits in diesen Tagen erfolgen dürfte. Nikolaus der Zanderer. Moskauer Bäckerstreik. Der Tag" erhält folgendes. Privat- Telegramm aus Moskau vom 14. Juli: Sämtliche Bäckereien sind gefchloffen; zur Versorgung der Stadt mit Brot sind die Militärbäckereien in den Gefängnissen und die städtische Bäckerei herangezogen. Der Stadthauptmann hat den Bäckerverband, welcher den Streit inszeniert hat, auf gelöst. Der Vorsitzende des Verbandes sowie die Mitglieder, die für den Ausstand agitiert haben, wurden aus Moskau berwiesen. Die Arbeitswilligen werden von der Polizei geschützt. Streikende, die die Arbeitswilligen belästigen, werden sofort aus der Stadt abgeschoben. Die Maßregeln des Stadthauptmanns richten sich auch gegen die Arbeitgeber, die durch Nichterfüllung der im Dezember übernommenen Verpflichtungen den Streit heraufbeschworen haben. Pogrom- Chronik. Wir entnehmen der Wilnaer, Voltszeitung"( Drgan des Jüdischen Arbeiterbundes") folgende Pogrom- Chronit: 1100 In Odessa wurde ein gewisser St., der Heßproflamationen gegen die Juden und gegen die Intelligenz verbreitete, verhaftet und ins Polizeirevier abgeführt. Nach einer halben Stunde erschien dort der Bruder des arretierten St., ein Mitglied des Vereins wahrhaft russischer Leute", drohte dem Revieraufseher damit, daß man ihn abfeßen werde, falls er fich der patriotischen Tätigkeit" entgegenstelle, und zwang ihn, den Bruder freizulassen. Darauf wandte er sich telephonisch an den Generalgouverneur Karangosoff, ihn um eine persönliche Audienz bittend. Die Audienz wurde gewährt. In Moskau agitierten die schwarzen Hundert" für einen Pogrom nach dem Bialystoker Prozessionssystem. Die organisierten Arbeiter Moskaus faßten darauf den Beschluß: 1. Während der Auf einen gefl. Bescheid hoffendun eddol zapis and Hochachtungsvoll ergebenstording to Geschäftsführer des„ Ostpreuß. Landboten". F. Will, Von diesem Brief erwartete man, daß er den Reichsverband stugig machen und veranlassen werde, nachzuschauen, was für eine Beitung der Ostpreußische Landbote" ist. Doch so gering die Redaktion unseres Königsberger Parteiorgans den Reichsverband auch einschäzte, man mußte dort bald einsehen, daß er immer noch überschätzt worden war. Es dauerte nicht lange, da sandte der Reichsverband einen weiteren Brief an unser Parteiblatt, zugleich. mit einem ganzen Haufen von Flugschriften, Korrespondenzen, Mitteilungen, Bamphleten usw., in denen die Sozialdemokratie mit den allbekannten Mätchen bekämpft wird. Das Schreiben lautet: Herrn F. Will, Geschäftsführer des Ostpreuß. Landboten" Königsberg Pr., Yorkstraße 91. 1999 Sehr geehrter Herr Wie wir aus Ihrem heutigen Schreiben ersehen, ist Ihnen die regelmäßige Busendung unserer Korrespondenz willkommen. Wir werden demnach bemüht sein, Ihrem Wunsche pünktlich nach gulommen. material IND # Dasbon Ihnen erbetene Agitation8 tönnen wir Ihnen leider nicht fenden, da wir ein folches felbst nicht be figen. Wir glauben auch annehmen zu dürfen, daß Sie viel eher in der Lage sein dürften, sich derartiges Material zu be schaffen, als wir. Wir würden Ihnen sehr dankbar sein, wenn wir selbst Näheres über die dortigen Genoffen" durch Sie er fahren könnten. # 779517 707 Es muß hervorgehoben werden, daß die nationalliberale Partei im Wahlkreise Altena- Iserlohn im großen und ganzen der Parole ihrer Parteileitung gefolgt und zum weitaus größten Teil für den Zentrumskandidaten Klocke gestimmt hat, daß dagegen von der Freifinnigen Volkspartei nur ein ganz kleiner Teil für Klode eingetreten ist, ein weiterer Bruchteil sich der Wahl enthalten und das Gros endlich geschlossen für den Sozialdemokraten gestimmt hat. Die Nationalliberalen im hiesigen Bezirke sind überhaupt, von einigen Ausnahmen abgesehen, besonnene, in poli tischen wie auch in firchen und schulpolitischen Fragen gemäßigte Leute, mit denen sich aus. tommen läßt. Durch ihr Entgegenkommen wird schon seit Jahren den hiesigen konfessionellen Schulfozie. täten aus städtischen Mitteln pro Kopf der diese Schule besuchenden Kinder ein jährlicher Bei Die hohen Schullasten trag von 30 Mart gezahlt. der hiesigen katholischen Gemeinde haben sich dadurch erheblich berringert. Die hiesigen Freisinnigen bekämpften diese Maßnahme stets auf das heftigste und benutzten dieselbe sogar, um bei den Stadtverordnetenwahlen Stimmung gegen die Nationalliberalen zu machen. Unsere Freifinnigen gehören überhaupt mit wenigen Ausnahmen der Richtung an, die in Müller Meiningen ihren Führer sieht." Wenn man an die Tage des Kulturkampfes denkt, erscheint diefe schöne Freundschaft zwischen Zentrum und Nationalliberalismus als blutige Satire. Der Ordnungssinn und die bürgerlichen Profit instinkte haben die einst feindlichen Brüder einander wieder ge nähert.. Ein Vertrauensmann der politischen Polizei. In Beuthen( Q.-S.) wurde vor einigen Tagen ein Mann Im Anschluß hieran gestatten wir uns, Ihnen mit gleicher namens Gusner unter der Anklage des Mordes verhaftet. Er Post eine Anzahl Flugblätter, Korrespondenzen usw. aus unserer hatte seine 1½jährige Stieftochter erwürgt, und zwar aus Hab Sammlung zur weiteren Verfügung zu übersenden. Wir hoffen, Ihnen damit wenigstens in einer Hinsicht gedient zu haben und wünschen Ihnen im Interesse unserer vaterländischen Bestrebungen bei der Bekämpfung der Sozialdemokratie die besten Erfolge. Mit vorzüglicher Hochachtung Die Geschäftsstelle. Dr. Bovenschen. Für die Dualität der Leiter des Reichsverbandes genügen diese Prozession auf der Straße zu sein und für die Ordnung zu sorgen. schönen Schreibebriefe. Sie erbringen den Nachweis dafür, daß die 2. Besonders auf die agents provocateurs Acht zu geben. 3. Dem Herren Bovenschen und Konsorten tatsächlich die geeigneten Leute * leinsten Versuche der schwarzen Hundert", einen Pogrom zu inszenieren, energisch entgegenzutreten. 4. an diesem Tage teine zur Bekämpfung der Sozialdemokratie sind. alkoholischen Getränke zu trinken. Den Arbeitern gelang es so, die aufgeregte Bevölkerung zu Beruhigen. Studt, der Lehrerfreund! sucht, weil er das den Kindern seiner Frau, die er vor kurzem als Witwe geheiratet hatte, gehörende kleine Vermögen nicht anders als durch Beseitigung dieser Kinder erlangen fonnte. Wer aber ist dieser Raubmörder? Es ist der des ehemalige Vertrauensmann Polizeirats Mädler, der Spizel Gufner, auf dessen erlogene Aussage hin der vor kurzem verstorbene Genosse Franz Morawski zu zwei Jahren, Genossin Dr. Golde zu einem Jahre Gefängnis vom Landgericht Beuthen verurteilt wurden. Der Gusner brachte dem Polizeirat Mädler eines Tages ein polnisches verbotenes Liederbuch, das er in der Buchhandlung der polnisch- sozialistischen Gazeta Robotnicza" gleich bon beiden leitenden Personen dort, Morawski und Golde, gekauft haben wollte. Nach seiner eigenen beschworenen Aussage belohnte den Gufner der Herr Polizeirat Die unsinnige Sparpolitik der preußischen Regierung dafür mit 1,50 M. Das Gericht schenkte den Versicherungen der Sonntag, den 12. Juni( a. St.), wollte man in der Stadt auf dem Gebiete der Lehrerbesoldung, die sich sogar, wie wir beiden sofort in Haft genommenen Genoffen, dem Gusner das Buch Baranowitschi( Gouvernement Minsk) einen Pogrom beranstalten. Zur Mittagszeit, als alle Bauern der Umgegend auf dem gestern mitteilten, darin äußerte, daß künftig die Städte ver- nicht verkauft zu haben, keinen Glauben, es glaubte bielmehr dem Ehrenmann Gufner und verurteilte die beiden AnMarkte waren, ertönte das Geschrei:„ Die Juden werfen eine hindert werden sollen, ihren Lehrern höhere Gehälter zu geflagten nach monatelanger, nicht angerechneter Untersuchungs Bombe!" Die Bauern wußten in der Aufregung nicht, was sie tun zahlen, erscheint doppelt unsinnig, wenn man sich bergegen haft zu der obengenannten furchtbaren Strafe, und zwar wegen follten. Sie wollten mit ihren Wagen davonfahren, fuhren aber wärtigt, daß schon jezt ein außerordentlich starker angeblicher Aufwiegelung zu Gewalttätigkeiten, die man in dem einander in die Räder und konnten nicht weiter. Merkwürdiger Mangel an. Lehrkräften vorhanden ist. Zwar sind Liederbuch gefunden haben wollte. Herr Gufner trieb sich seitdem weise wurde dabei niemand beschädigt. Die jüdische Bevölkerung seit 1897 nicht weniger als 23 neue Seminare gegründet im oberschlesischen Industriebezirk umber, fam auch öfter mit den geriet in große Aufregung.-Unterdessen erfuhren es die worden, was bedeutet, daß die Zahl der Seminare um Strafgefeßen in Konflikt, bis er jetzt endlich in der Glorie des geSoldaten, die unweit des Städtchens garnisonieren, und machten fich bereit, nach Baranowitschi zu marschieren, um es vor den 20 Proz. vermehrt wurde. Allein die Zahl der Seminaristen meinen Raubmörders vor uns steht, diese stolze Stübe des Ausschreitungen der Kosafen und der schwarzen Hundert" zu schüßen. it feineswegs im Verhältnis hierzu gestiegen, denn dem ZuDie Offiziere mühten sich vergeblich ab, die Mannschaften zurückzu wachs der Seminare um 23, d. h. um ein Fünftel ihrer Gehalten. Die Soldaten waren aufs äußerste empört und riefen: samtzahl, entsprach nur eine Steigerung der Zahl der Wir werden es zu einem Bialystof nicht kommen laffen 1" Aber Seminaristen von 441, also nur von 4-5 Proz. Auf jedes man erfuhr bald, daß alles von den Provokateurs erlogen und daß neu gegründete Seminar entfallen nicht mehr als im Städtchen alles ruhig fei. Die Soldaten sandten dennoch Ba 20 Schüler, während die normale Frequenzziffer 90 beträgt. trouillen nach Baranowitschi, welche den ganzen Tag die Straßen des Bei dem wachsenden Bedarf an Lehrern ist also bei der gegenStädtchens durchstreiften, um ein Pogrom zu verhüten! Hervorzu wärtigen Frequenz der Seminare und Präparandenanstalten heben ist hier, daß die Soldaten die Bevölkerung schon vorher in Stenntnis gelegt hatten, daß sie sich nicht zu fürchten brauche, wenn gar nicht daran zu denken, daß die gefie die Soldaten des Regiments während der Panik anrücken sehen nügende Anzahl von Lehrern herangebildet werden kann. Schon jetzt aber ist die Zahl der Schüler, follte! Ein ähnlicher Vorgang ereignete sich in Sjedrez( Polen): die auf einen Lehrer entfallen, namentlich auf dem Lande eine Auch hier suchten die schwarzen Hundert" einen Bogrom u provo- so große, daß an eine vernünftige pädagogische Ausübung des ben entfen zu zieren. Er wurde aber von den Soldaten des Ostrolenstischen Lehramtes gar nicht gedacht werden kann. Regiments verhindert, die eine Kompagnie zur Unterdrückung des Bogroms formiert hatten. " In Kiew waren die schwarzen Hundert" schon im Begriff einen Pogrom zu inszenieren; ihre Pläne scheiterten aber diesmal am Vorgehen des Generalgouverneurs, der versprach, jegliche Ausschreitung im Reime zu unterdrücken. Politifche Ueberficht. Staates! Ordenssegen. Nach Studt und Schwarzkopff, der Geburtshelfern des Schulverpfaffungsgesetzes, hat nun auch Herr v. Rheinbaben für das glorreiche Wert der sogenannten Neichsfinanzreform feinen Orden bekommen. Diese Dekoration wurde Rheinbaben durch folgendes Handschreiben mitgeteilt: „ Mein lieber Staatsminister! Die Verabschiedung der Gesetze über die Reform der Steuern in Neiche, sowie über die Abänderung des Einkommensteuer- und Ergänzungssteuergesetzes in Preußen, gibt mir willkommenen Anlaß, Ihnen meinen wärmsten Dank auszusprechen. Sie haben sich um das Gelingen dieser Gesegeswerke, welche für die Sicherung einer geordneten, segens reichen Weiterentwickelung des Reiches und des Staates von größter Bedeutung find, hervorragende Verdienste erworben. In Aner fennung derselben und um Ihnen einen neuen Beweis meines Vertrauens und meines Wohlwollens zu geben, habe ich Ihnen das Kreuz und den Stern der Komthure des töniglichen Hausordens von Hohenzollern verliehen. Es gereicht mir zur Freude, Sie hiervon unter Beifügung der Drdens abzeichen in Kenntnis zu setzen. Ich verbleibe Jhr wohlgeneigter König." Schon im Frühjahr ging ein ähnlicher Ordenssegen über die bei der Maroffofonferenz beteiligten Hanglanger nieder. An Orden ist also kein Mangel, dagegen harrt der fentimentale Philister noch immer auf die Amnestie! Troßdem ergreift die preußische Regierung noch derart unglaubliche Maßregeln zur Verhütung des Steigens der Lehrergehälter. Der Grund, der sie zu ihrer unerhörten Maßnahme veranlaßt, ist die Land flucht der Lehrer, die mit der elenden Bezahlung der ländlichen Schulproletarier, aber auch mit den sonstigen unerquicklichen Verhältnissen auf dem Lande, der geistlichen Schulauf sicht, dem borsintflutlichen Patronatswesen und so weiter zusammenhängt. Statt an diesen Zuständen, durch die den Landlehrern der Aufenthalt auf dem Lande verEin Befähigungsnachweis des Reichsverbandes". leidet wird, zu rütteln, hat ja bekanntlich das neue preußische Der sich selbst mit Posaunenstößen als unfehlbares Radikal. Schulgesetz einen weiteren Schritt zur Unterwerfung der mittel gegen die Sozialdemokratie anpreisende„ Reichsverband" be- Lehrer unter das Kuratell der Geistlichkeit getan! Da also bormüht sich neuerdings mit anerkennenswertem Geschick, sich lächerlich aussichtlich die Lehrerflucht vom Lande noch stärker werden zu machen. Man sollte meinen, daß sich ein Verband, der die dürfte als bisher, sucht man die Städte zu verhindern, ihren Sozialdemokratie vernichten will, in erster Linie über diese genau Lehrkräften wenigstens eine anständige Lebenshaltung zu informiert; aber der Reichsverband ist desselben Kalibers, wie fast.fichern! bildende silisi no Berlin, den 14. Jult. Turnunterricht durch Herrn v. Studt. Der Lokal- Anzeiger" teilt mit: " Auf Veranlassung der Provinzialregierung von Schleswig Holstein hat der preußische Kultusminister über die Erteilung von Turnunterricht durch Sozialdemokraten an jugendliche Personen eine Verfügung erlassen. Der Minister betont, der, Kölnischen Beitung" zufolge, zunächst, daß ein solches Recht nicht den Bestimmungen der Reichsgewerbeordnung, sondern, fortelt es sich um Privatunterricht handle, der KabinettZorder von 1334 unv der- Mmistcrialinstruktion von 1839 unterliege, einerlei, ob ein Unterricht gegen � oder ohne Entgelt in Frage komme. Danach bedarf es au der Erteilung des Turnunterrichts an fugend- liche Personen in jedem Falle der Erlaubnis der Ortsschulbehiirde. Diese Erlaubnis könne aber nur dann erteilt werden, wenn der Bewerber seine sittliche Tüchtigkeit für Unterricht und Erziehung genügend nachweist. In dem Einflelfall. der diese Entscheidung herbeiführte, war der Bewerber ein anerkannter Anhänger der Sozialdemokratie. Der Minister Dr. v. Stndt erklärte nun:„Das Borhmidcuscin der sittlichen Tüchtigkeit für Unterricht und Erziehung ist bei allen Mitgliedern der sozialdemokratischen Partei zu verneinen, da die Ziele und Bestrebungen dieser Partei im gerade» Gegensatz stehen zu den Grundlagen des Staatswesens und zu den Aufgaben des Schulunterrichts, die Kinder zur Achtung und Ehrfurcht vor den bestehenden Gesetzen, zur Gottesfurcht, Batcrlaudslicbe und Konigstreue zu erziehen." Es sei daher keinem Mitgliede der sozialdemokratischen Partei die Erlaubnis zur Erteilung von Turn- Unterricht an jugendliche Personen zu gewähren, vielmehr sei ihnen die Abhaltung solchen Unterrichts wegen mangelnder Tüchtigkeit für Unterricht und Erziehung überall zu versagen." Wir möchten bezweifeln, das; ein solcher Erlaß ergangen ist. Denn trotz des Grades unserer Achtung vor der Fähigkeit des Herrn Stndt möchten wir ihm eine so tiefe Unkenntnis der Gesetze, der sittlichen Tüchtigkeit und der Sozialdemokratie nicht zumuten, wie sie der Er- laß verraten würde. Oder soll durch ihn ausgedrückt werden: Die Sozialdemokraten vermögen Bauchrutschen, Kniebeuge und Kniefall vor dem Kapitalismus nicht auszuführen, das sei aber der In- begriff der»sittlichen Tüchtigkeit für Unterricht und Erziehung"?— „Kladdcradatsch"-Geschöftssinn. Das witzlose Witzblatt des Herrn Johannes Trojan, der »Kladderadatsch", überhäufte jüngst in einer»Der blutige Franz" betitelten Reimerei den Genossen Mehring mit den perfidesten Schmähungen, weil die»Leipziger Volksztg." das Gewinsel der kapitalistischen Presse über das Madrider Attentat als verächtliche Gefühlsheuchelei gekennzeichnet hatte. In der letzten Strophe des »Kladderadatsch"-Gedichts heißt es beispielsweise: So zetert berauscht und benebelt ganz Vom Genuß des Anblicks der Toten Der eigentlich doch harmlose Franz, Der blutige Hanswurst der Roten. Diese Werteinschätzung Mehrings hat jedoch nur kurze Zeit an- stehalten. Als vor kurzem die„Leipziger Volkszeitung" mitteilte, daß Ende August eine Schrift Mehring? über„Jena und Tilsit' er- scheinen werde, sandte das Bureau de?„Kladderadatsch" an den Verlag unseres Leipziger Parteiorgans folgenden anmutigen Schreibe- brief: Berlin ZW.. den 5. Juli 1906. Löbl. Leipziger Buchdruckerei A.-G., Leipzig. Wir finden im„Börsenblatt" Ihr Buch: Jena und Tilsit an- gezeigt und fragen ergebenst an, ob Sic dasselbe nicht einmal im .Kladderadatsch" unter der Rubrik: Ans dem Buchhandel anzeigen wollen? Der„Kladderadatsch" wird ausschließlich in solchen lite- rarisch gebildeten, wohlhabenden Kreisen gehalten, die sich fiir alle polltischen, sozialen und volkswirtschaftlichen Fragen inter« essieren, und gerade diese kommen doch für den Absatz Ihres Buches in Frage. Der„Kladderadatsch" kann nicht flüchtig durch- blättert werden: seine Eigenart erfordert, daß er von Anfang bis zu Ende dtirchgelesen wird. Dabei muß die genannte Rubrik beachtet werden, weil sie stets unter redaktionellem Text steht. Der Preis ist an dieser Stelle um SO Prozent ermäßigt; eine Anzeige dürste sich also wohl für Sie lohnen. Wir übersenden Ihnen anbei einen Prospekt und sehen Ihrem w. Auftrage mit Interesse entgegen und zeichnen hochachtungsvoll Abteilung für„Kladderadatsch'-Anzeigen. sllnterschrist unleserlich.) Der schamhast-zweideutige Ausdruck: unter redaktionellem Text ist dahin zu erläutem, daß die Rubrik: Aus dem Buchhandel innerhalb des redaktionellen Textes erscheint, so daß arglose Leser als Rezension auffassefn sollen, Ivos bezahlte Reklame ist. Ueberwältigt von diesein Dokument de? bürgerlichen Prozent- Patriotismus diente darauf die„Leipz. Volksztg." dem»Kladderadatsch" mit folgender satirischen Ode: Du treibst es manchmal etwas bunt Mit Deinem servilen Gestammel; Doch bist Du gewiß kein blutiger Hund, Du bist nur ein blöder Hammel. Du spielst Dich auf als Patriot Vor allen Majestäten: Begierig verschlingst Du jeden Kot, In den ein Fürs: getreten. Doch sind Dir auch die Fürsten feil, Die Fürsten von Gottes Gnaden; Du beißt sie im redaktionellen Teil Für fünfzig Prozent in die Waden. Für fünfzig Prozent— o billiger Mann! Wird nur Bargeld geboten, Dann leckst Du nicht bloß den Blauen an, Dann leckst Du auch den Roten. Der Abg. Sattler ist gestorben. Er siechte bereits feit längerer Zeit an einer Nervenkrankheit dahin. Sattler gehörte seit 1884 als Mitglied der nationalliberalen Partei dem Reichstage an. Er gc- hörte zu den Führern dieser Partei, trat jedoch in den letzten Jahren parlamentarisch nicht mehr hervor. Der Verstorbene wurde 1903 im 18. hannöverschen Wahlkreise in der Stichwahl mit 12 232 Stimmen gewählt, während der sozialdemokratische Gegenkandidat 7178 Stimmen auf sich vereinigte. Bei der Hauptwahl waren abgegeben worden für Sattler 6466. für den Sozialdemokraten 5964, für den Freisinnigen Volks- parteiler 3524. für den Welsen 2138 und für den Bund der Land- Wirte 1918 Stimmen.— Znm„Fall Sypowicz." Vor der letzten Konsequenz des neuesten Russendienstes scheint die preußische Regierung im Fall Sypowicz doch noch zurückgeschreckt zu sein. Die Tilsiter Staatsanwaltschaft hatte bekanntlich den russischen Studenten Sypowicz in Hast behalten, weil ein AuS- lieferungsverfahren gegen ihn schwebte. Bon der Staatsanwalt- fchaft wurde Sypowicz demnächst der Stadt-Polizeiverwaltung zur weiteren Inhaftierung übergeben und dann endlich am Nachmittage des 11. Juli er. auf freien Fuß gesetzt. Seine Auslieferung an Nußland findet nicht statt, jedoch hat Sypowicz einen kurz- fristigen Ausweis» ngSbefe hl erhalten. Preußen hat eben -inen heillosen Respekt vor»Schnorrern und Verschwörern".--- frfsUmcl. Ungarn. Ehren-Polony«. Budapest, 14. Juli. In hiesigen parlamentarischen Kreisen wird öehauptet, daß die Stellung des Ministers Polonyi wegen seiner Haltung in der Presiefrage erschüttert sei. Freitagabend fanden neuerdings lärmende sozialistische Straßeukundgebungen mit der Spitze gegen Polonyi statt. Frankreich. Drcyfns. Paris, 14. Juli. Das Amtsblatt veröffentlicht bereits heute morgen die Gesetze betreffs Einstellung Dreysus' und Picquarts in die Armee sowie das Amnestiegesetz. welches gestern vom Senat sanktioniert wurde. Die Amnestie.' Paris, 14. Juli. Der Minister des Innern Clömenceau hat infolge der Annahme des Amnestiegesetzes den Befehl gegeben, die Antimilitaristen Herds und Genossen unverzüglich auS dem Ge- fängniS zu entlassen.— England. Abrüstung. Am Donnerstag hat der Kriegsminister Haldane im Unterhalts wieder einmal darauf hingewiesen, daß sich durch organisatorische Verbesserungen aller Art wesentliche Erspar- nisse beim Militär-Budget erzielen ließen. Von den Vor- schlagen der Regierung verdient hervorgehoben zu werden: Die Armee soll 20 000 Reguläre weniger haben als jetzt, und zwar sollen 10 Jnfanterie-Bataillone(darunter 2 Garde-Vataillone) abgeschafft werden. Für Hülfsdienste würde dann die Miliz herangezogen werden. Haldane führte noch aus: „Bei der Organisation des Expeditionskorps habe die Re- gierung sich leiten lassen von der Möglichkeit, daß eine lange Friedenszeit komme oder daß«lle Nationen sich entschließen, ihre Rüstungen in großem Maße herabzumindern. Die Regierung habe deshalb einen Spielraum gelassen, so daß die Streitmacht zusammengezogen oder vergrößert werden könne, je nach dem Stande der Politik. Der Notwendigkeit der Herabsetzung der Heeresausgaben stimme er zu. Die Demokratien verlangten Er- leichterung der erdrückenden Heereslasten und die Regierung habe geglaubt in dieser Bewegung die Führung übernehmen zu sollen." Die Ersparnisse durch die Haldanesche Reform werden auf etwa 12 Millionen Mark pro Jahr geschätzt. Es ist das nicht gerade viel. Aber wenn man bedenkt, daß bei uns in Deutschland die Schraube stets nach rechts und niemals nach links gedreht wird, so muß man immerhin den guten Willen anerkennen. Ilebrigens soll der italienische Minister Tittoni, der so- eben von einer diplomatischen Mission aus London nach Rom zurückkehrte, aus England den Plan mitgebracht haben, auch in Italien im Sinne einer Verringerung der Heeresausgaben zu wirken. Mem spricht bereits davon, daß die Zahl der italienischen Armeekorps von 12 auf 10 herabgesetzt werden könnte! Die deutsche Regierung hört sich all so was mit schmun- zelndem Schweigen an.—_ Die Gewerkschaftskassen gesichert? Wie„Daily-NcwS" mitteilt, soll zwischen der Regierung und der Arbeiterpartei eine volle Verständigung bezüglich der Unan- tastbarkeit der Gewerkschaftskassen zustande gekommen sein. Der Gewerkschaftsbill soll, so berichtet»Daily-Ncws", auf Vorschlag des Justizministers folgendes Amendement zugefügt werden:„An- sprüche auf Schadenersatz gegen Trade-Unions oder gegen einzelne Mitglieder für Vertreter derselben oder gegen die Gesamtheit der Mitglieder wegen einer unrechtmäßigen Handlung, von der bc- hauptet wird, daß sie im Namen bezw. zugunsten der Gewerkschaft begangen wurde, soll bei keinem Gerichtshof anhängig gemacht wer- den können." Damit wäre wohl jede Möglichkeit genommen, die GeWerk. schaften mit ihren Kassen für irgend welche angebliche oder wirk- liche Schäden regreßpflichtig zu machen.— Parlamentarische Nachwahl. London, 12. Juli. Das Ableben des liberalen Abgeordneten Sir Wilstid Lawson macht eine Nachwahl in Cockermouth(Cumbeiland) notwendig. Die Arbeiterpartei stellte den Genossen Robert Smillie, einen der führenden schotlischeu Bergleute, als Kandidaten auf. Jedoch scheint im Wahlkreise noch keine politische Einigkeit unter den Arbeiterorganisationen zu herrschen. Der Sieg Smillies würde eine erfreuliche Stärkung der Arbeiterfraktion im Unterhause bedeuten.— Die neue tägliche Arbeiterzeitung. London, 13. Juli.