Nr. 163. Abonnements- Bedingungen: # bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Boste Ebonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Bolland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte.. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Mr. 1983. Das neue Exerzierreglement. Man schreibt uns von sachkundiger Seite: Dienstag, den 17. Juli 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. müssen natürlich besonders berücksichtigt werden, so daß manch- überlegene Kavallerie" nicht zu fürchten brauche. mal eine Vorstellung, der nur der Brigadekommandeur an- und im Manöver sieht sie wahrscheinlich auch künftig mit wohnt, anders arrangiert werden muß, als eine Vorstellung, Verwunderung, daß dies für die Manöver nicht gilt! Ebenso bei der der Divisionskommandeur gegenwärtig ist. wie im bisherigen, fehlen auch im neuen Reglement verschiedene Was den taktischen Teil des neuen Reglements anbelangt, Angaben, die notwendig wären, da ein Reglement zugleich Das neue Exergierreglement für die Infanterie ist nun- so liest er sich recht schön, aber leider stimmt er nicht zu ge- ein kleines. Lehrbuch der Taktik sein soll. In ein Reglement mehr erschienen. Die Tatsache, daß es mitten im Aus- wissen Verhältnissen in der deutschen Armee. Zwar wurden gehören nach unserer Anschauung Mitteilungen über die bildungsjahr und nicht, am Beginn eines solchen in die Erfahrungen des Burenkrieges und des russisch- japanischen Marschtiefen und Aufmarschzeiten der Abteilungen bis zum Kraft tritt, ist nicht imponierend. Wäre die Vorschrift erst Krieges zugrunde gelegt, ununterbrochen wird nach Selb- Armeekorps infl. Vor allem aber sollten Angaben über die Ende September, also kurz vor der Einstellung der Rekruten ständigkeit beim Soldaten, wie auch beim Offizier und Unter- Treffwirkungen der modernen Waffen vorhanden sein. Es ist herausgegeben worden, so wäre die Infanterie langsam und offizier geschrien, aber daran, daß der durch das nämliche gerade so, als ob man in der deutschen Armee diese Wirkungen sozusagen logisch an das neue Reglement gewöhnt worden, Reglement sanktionierte Drill die Mannschaften verblödet und vor den Offizieren möglichst geheim halten wollte, denn man jezt aber muß sie sich über Hals und Kopf in die Aenderungen die ewigen Abfägereien den Offizieren das Betreten eigener hat sie nur in einem abgelegenen Winkel der Vorschriften, finden. Im Deutschen Reich kann offenbar gar nichts mehr Wege, den Mut zur Selbständigkeit raubt, hat man nicht ge- nämlich in der Felddienstordnung im Kapitel über die abgewartet werden. dacht. Wer selbst bei der Zunft" war, tann sich gewiß nicht Funktionen der Schiedsrichter im Manöver dargelegt, also in Vor allem fällt am neuen Reglement die ausdrückenthalten, z. B. bei der Ziffer 254 hell aufzulachen. Sie einem Kapitel, für das erst höhere Offiziere direktes Interesse liche Sanktionierung des Drills auf, während lautet: haben. das bisherige Reglement den Drill in keiner Weise verlangte. Dieser war bis jetzt nur eine von oben geförderte Gewohnheit, die in den Vorschriften keine Begründung hatte. Das neue Reglement aber verlangt ausdrücklich neben der kriegsgemäßen Ausbildung parademäßige Uebungen. In der Ziffer 3 der Einleitung findet sich nämlich folgender Saz, der in der Einleitung des bisherigen Reglements charakteristischerweise fehlt: Der Neigung, durch unkriegsgemäße Hülfen einen glatten Was unser Gesamturteil über das Reglement anbelangt, lebungsverlauf herbeizuführen, ist überall entgegenzutreten. Je so müssen wir zwar anerkennen, daß der taktische Teil aus mehr Reibungen entstehen, desto mehr wird gelernt, führlicher und übersichtlicher ist als im bisherigen Reglement; desto mehr wird der Wert selbsttätigen Handelns erkannt und aber die Hoffnung, daß das Reglement endlich einmal dem geschäßt werden." Drill wenigstens einigermaßen den Garaus machen würde, An sich sind diese Säge gewiß richtig. Aber muß in der hat sich in keiner Weise erfüllt. Die Fakta, daß in den letzten deutschen Armee angesichts der großen Säge nicht jeder Offizier drei Jahren sich just die zwei Armeen, die am meisten driften bor Reibungen, die bei Uebungen seiner Abteilung stattfinden und drillen, im Ernstfall schwer blamiert haben militärisch nennt man ,, Nebenher( nämlich neben der Ausbildung für den Krieg) folche Reibungen einen Rußland in Ostasien, Deutschland in Südwestafrika gehen parademäßige lebungen, die bei ihrer Saustallgroße Angst haben? Wird er nicht alles sind an den Reglementmachern anscheinend spurlos vorüberHohen Bedeutung für die Disziplin mit größter aufbieten, die von den Reglementmachern mit Recht gegangen. Genauigkeit auszuführen sind." als lehrreich bezeichneten Reibungen Reibungen hintanzuhalten? V Die Revolution in Rußland. Trepows Doppelgänger. Und dies trok des Burenkrieges, trotz des russisch- japa- Außerdem haben die Reibungen sehr häufig die fatale Konnischen Krieges! Auch der heißgeliebte Parademarsch, der sequenz, daß auf dem Uebungsfeld anwesende Vorgesetzte bekanntlich gegen das bisherige Reglement verstieß, wurde in größeren Garnisonen reiten die Regimentskommandeure nunmehr reglementmäßig gemacht, indem man einfach die und Generäle in der wärmeren Jahreszeit fast jeden Morgen Petersburg, 15. Juli.( Von einem besonderen Korrespondenten. Bestimmungen über die Ausführungen des Marschierens auf dem Ererzierplatz herum sich einmischen und allerlei 3m Peterhofer Bart tötete gestern ein anständig gekleideter Mann änderte. Daß der Marsch dabei unnatürlich und daher höchst unangenehme Dinge von sich geben. vor den Augen des promenierenden Publikums den General ermüdend wird, hat nichts zu sagen; die Hauptsache Von der nämlichen Sorte wie Nr. 254 ist der erste Sak to slow durch drei Revolverschüsse. Bom Bublifum verfolgt, bleibt die reglementäre Heiligsprechung des Parademarsches. der Nr. 304, der sagt: Die vornehmste Führer- feuerte der Attentäter noch drei Schüsse ab, wurde aber dennoch festIn der bisherigen Ererziervorschrift war ausdrücklich bestimmt, eigenschaft bleibt die Verantwortungs- genommen. daß beim Marsch die Kniee. erst beim Aufsehen des Fußes auf freudigkeit," Sehr richtig! Aber gerade deswegen sollte Petersburg, 15. Juli.( Meldung der Petersburger Telegraphene dem Boden durchzudrücken sind. Dies tam dem natürlichen man den Offizieren die Verantwortungsfreudigkeit nicht durch gentur.) Der Mörder des Generals Rostow hat bei seiner Ver nehmung zugestanden, daß er der sozial- revolutinären Partei anGang wenigstens sehr nah. Jetzt aber wird befohlen, daß Massenabsägereien verderben. gehöre; man hat bei ihm eine Photographie des Generals Trepow Unterschenkel und Oberschenkel schon vor dem Aufsetzen In dem vom Angriffsverfahren handelnden Abschnitt des gefunden. Der Name des Mörders ist bisher noch nicht festgestellt. des Fußes, also in der Luft, eine gerade Linie zu Reglements wird ein Grundsatz aufgestellt, der im Kriege sehr Petersburg, 15. Juli. Koslow, der große Aehnlichkeit mit General bilden haben. Damit ist der Parademarsch sogar als der bedenkliche Folgen haben kann. ,, Unausgesetzter Drang nach Trepow hatte, ist das Opfer eines Irrtums geworden. Der Atten normale Marsch erklärt; denn das in der Luft gestreckte vorwärts und das Bestreben, es dem Nachbar täter, ein junger Mann von 26 Jahren, hat geglaubt, Trepom bor fich Bein ist, wie jedermann weiß, die Hauptzierde des Parade hierin hervorzutun, muß alle Teile der Angriffstruppe zu fehen! Bebor er abdrückte, 30g der junge Mann noch eine Photomarsches. beseelen", heißt es in Biffer 327. Und in Ziffer 338 wird graphie aus der Tasche, um sich zu vergewissern, daß er auch den Verständiger ist die Abschaffung der blödsinnigen Rich bestimmt, daß die Teile, die infolge günstigeren Geländes berhaßten Trepot vor sich habe. Nikolaus wird's nun noch mehr mit der Angst bekommen als je tungen nach Points und Rotten, die sehr viel Zeit ver- rascher an den Verteidiger herankommen, als andere, nicht zuvor. Glaubte man doch, durch die peinlich scharfe Bewachung aller schlangen und Aerger verursachten. Hingegen hat man die anzuhalten sind. Mit diesen vom tollsten Draufgängertum Bugänge zum Barenschlosse Peterhof und seiner Umgebung der unnüße Blackerei, daß Züge in strammem Marsch zu diktierten Bestimmungen wird für Angriffe die Unordnung artigen Vorkommnissen- tobficher vorgebeugt zu haben! schwenten haben, aufrechterhalten, obwohl jeder erfahrene zum Prinzip erhoben und den höheren Führern die Infanterist weiß, daß Schwenkungen ohne Tritt viel leichter Leitung des Kampfes aus der Hand gewunden. Wie angenehm Bureau Herold meldet: und fehlerloser ausgeführt werden. muß es z. B. für einen Divisionstommandeur sein, wenn Petersburg, 15. Juli. Der Stadthauptmann berbot jedwede Auch sonst steht es mit der Vereinfachung des ge- feine Regimenter und Bataillone sich umeinander den Teufel Abhaltung von Straßenmeetings. Die Militärpatrouillen wurden schlossenen Ererzierens sehr zweifelhaft. Die Kompagnie scheren, wenn jeder Offizier in sich das Bestreben fühlt, es Die Polizei wurde verständigt, daß die Terroristenpartei wieder verschärft. Die Gardejäger wurden nach Kronstadt dislociert. wurde sogar mit einer neuen Formation beglückt, über deren seinen Nachbarn in der Drauflosgängerei zuborzutun. Sonst über verschiedene hochgestellte Persönlichkeiten Todesurteile gefällt Wert die Meinungen sehr geteilt sein dürften. ist man der Ansicht, daß zum Gelingen eines Angriffs vor habe. Die Vorsichtsmaßregeln wurden infolgedessen verschärft. Aeußerst dürftig sind die Bestimmungen für das Bataillons- allem das planmäßige Zusammenarbeiten aller ererzieren ausgefallen. Hier fehlen vor allem allgemein Teile gehört. Das vom Reglement befohlene Angriffsverfahren Der Reichsrat gegen das Ministerium für die Duma. gültige Bezeichnungen für das Auseinanderziehen der Kom- bringt auch die Gefahr mit sich, daß einzelne Teile zu früh pagnien. Die vier Rompagnien eines Bataillons können auf nahe an den Gegner kommen, von diesem mit Uebermacht dem Gefechtsfeld nicht in einer Abteilung vereinigt bleiben, angefallen und in schwere Bedrängnis gebracht werden. Dann sondern müssen mit Rücksicht auf die feindliche Feuerwirkung bleibt sehr häufig nichts anderes übrig, als Truppen, die und die bessere Ausnügung des Terrains auf einen größeren man unter normalen Verhältnissen nach Belieben gegen den Raum verteilt werden. Dies nennt man Auseinander Feind hätte verwenden können, zum Heraushauen der allzu ziehen. Die Größe der Entfernung der Kompagnien von Sühnen zu benutzen. Der Reichsrat lehnte am Sonnabend den Gesetzentwurf des Ministeriums betreffend Maßnahmen gegen die Hungersnot ab und stimmte mit 72 gegen 45 Stimmen dem von der Reichsduma ans stimmte mit 72 gegen 45 Stimmen dem von der Reichsduma an genommenen Gefeßentwurf zu, wonach 15 Millionen Rubel für Ausgaben im Monat Juli d. Js. zur Beschaffung von Saatgut und Nahrung für die durch Mißernte geschädigte Bevölkerung bewilligt werden. Anleihe- Schwindel. Markt wenden. Da dürfte sie aber vom Regen unter die Traufe kommen! Streifs. einander bestimmt der Bataillonskommandeur. Nun tommen Die Erfahrungen des russisch- japanischen Krieges haben Petersburg, 15. Juli.( W. T. B.) Nach einer Meldung der beim Auseinandergehen zwei Entfernungsarten in Betracht: besondere Ausführungen über den Angriff auf sorgfältig be- Petersburger Telegraphen- Agentur sind die Angaben der Blätter, nämlich Entfernungen nach der Tiefe und nach der Breite. festigte Stellungen veranlaßt. Vor dem Angriff ist der nach denen die russische Regierung eine neue Anleihe im Auslande Es können z. B. zwei Kompagnien auf einer Linie, Tornister abzulegen und die Mannschaft reichlich mit Munition aufzunehmen beabsichtigt, vollkommen unbegründet. Sie beruhen aber mit einem Zwischenraum von 100 Metern und ebenso und Lebensmitteln zu versehen, da sich nicht mit wahrscheinlich auf einer falschen Auslegung der Erklärung des Finanzdie anderen zwei Kompagnien dahinter, aber mit einem Ab- Sicherheit voraussehen läßt, ob der Angriff nicht mehrere ministers über die Notwendigkeit der Beschaffung neuer Mittel zur stand von 200 Metern von den vorderen marschieren. Für Lage währen wird. Deckung der Ausgaben für die Wolfsverpflegung. Die Regierung diese beiden Entfernungsarten hätten endlich einmal all- Ungeheuer voll nimmt das Reglement den Mund im wird sich wegen Aufbringung neuer Mittel nur an den inneren gemein gültige Bezeichnungen festgesetzt werden Kapitel über die Verfolgung. sollen. Es hätte bestimmt werden sollen, daß Entfernungen nach der Seite Zwischenräume und Entfernungen nach der Tiefe Abstände zu nennen find. Das Reglement aber schweigt sich hier vollkommen aus, sodaß jeder Bataillonstommandeur eigentlich das Recht hat, hier Benennungen zu wählen, die ihm belieben und von einem anderen Offizier, der fremd ins Bataillon versetzt wird, zu- Diese Säße flingen sehr schneidig; aber ihre allgemeine nächst gar nicht verstanden werden. Auch von den Lagen, in Richtigkeit ist zweifelhaft. Theoretisch ist die Verfolgung bis denen des Auseinanderziehen zu empfehlen und in denen es aufs äußerste gewiß nüßlich, denn die Gegner, die heute davon die nötig ist, sagt das Reglement nichts. Kurz, das neue fommen, werden voraussichtlich von neuem gesammelt und Reglement bietet für die Bataillonsausbildung noch weniger stehen in ein paar Wochen wieder im Felde. In der Praxis Warschau, 16. Juli.( B. H.) Auf der Straße wurde der hier Gesichtspunkte, als das bisherige, über das in dieser Hinsicht aber muß bei der Verfolgung darauf Rücksicht genommen sehr bekannte Rechtsanwalt Matuscheck von bisher unbekannten auch sehr viel geklagt wurde. Die Anarchie, die hier geduldet werden, daß sie die Truppen nicht zu sehr erschöpft. Eine Ver- Tätern durch mehrere Revolverschüsse getötet. wird, hat ihre unangenehmen Konsequenzen, denn sie erlaubt den folgung, bei der tausende im Straßengraben liegen bleiben In solchen Augenbliden, fagt es, muß der Führer fast Unmögliches verlangen und darf auch vor Härten gegen die eigene Truppe nicht zurückschreden. Was zusammenbricht, mag liegen bleiben. Diese Opfer dürfen ebensowenig zum Einhalten in der Verfolgung verleiten, wie vorher beim Kampfe die Verluste zum Aufgeben des Gefechtszwedes." an. Baku, 15. Juli.( Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Der Ausstand in den Naphthawerken nimmt einen größeren Umfang Die Besitzer haben die Mehrzahl der Forderungen der Aus ständigen abgelehnt. In Bibi- Eibad ist der Verwalter eines Naphtha. wertes ermordet worden. Petersburg, 16. Juli. Auf der Güterbahn der Nikolaibahn find Lastträger in den Ausstand getreten. Attentat. Vorgesetzten, die die Bataillone inspizieren, ihre eigenen und die Disziplin durch unmenschliche Strapazen erschüttert Die sozialistischen Parteien Rußlands über die Judenmegeleien. tattischen Stedenpferde den Bataillonsfommandeuren aufzu wird, wird meistens mehr Schaden als Nutzen bringen. Und nötigen. Da das Reglement den Bataillonskommandeuren was dann, wenn der Gegner unerwartet Suffurs erhält und hat unlängst eine Konferenz aus Vertretern der Vorstände der Auf Anregung des Zentralfomitees des jüdischen Arbeiterbundes feinen Rückhalt bietet, so bleibt ihnen nichts anderes übrig, sich mit frischen Truppen auf die abgehetzten und ermatteten ruffischen Sozialdemokratie; des jüdischen Arbeiterbundes, als genau so zu verfahren, wie es dem jeweiligen Re- Regimenter stürzt? der lettischen Sozialdemokratie, der sozialdemokratischen Partei Bolens giments-, Brigade, Divisionskommandeur und kommandierenden Auch im neuen Reglement wird der Infanterie die Ver- und Littauens, der Polnischen Sozialistischen Partei und der Partei der General am meisten paßt. Die Absonderlichkeiten dieser Herren sicherung zu teil, daß sie sogar eine an 8ahr sehr Sozialisten- Revolutionäre stattgefunden mit der Tagesordnung: l®eT3mJ)fim9 der bon der Regierung inszenierten Metzeleikanchagne". In der ersten Sitzung der Konferenz wurde der Beschlus; gefaszt, auch einen Vertreter des Allrussischen Bauernbundes zur Teilnahme an den Beratungen einzuladen. Angesichts der Nolwendigfeit, der Metzeleiagitation der selbst- herrschenden Regierung durch schleunigste Matznahmen cUtgegen- zuwirlen, hat die Konferenz folgende Resolutionen gefatzt: t. Indem die Konferenz den völligen Mangel an populärer, gegen die antisemitische, zu Metzeleien auffordernde Agitation der Regierung gerichteter Literatur konstatiert, macht sie alle revolutionären Organisationen auf die Notwendigkeit aufmerksam, an die Heraus- gäbe und weiteste Verbreitung von Schriften zu gehen, die vor den Massen der Bevölkerung die Rechtlosigkeit der Juden, ihre ökonomische Lage und die Politik der Negierung den Juden gegenüber klar- legen. 9. Die Konferenz weist auf die Notwendigkeit hin, in ganz Nutz- land eine Kampagne gegen die Metzeleipolitik der Regierung zu organisieren. Sie schlägt die Organisierung von Versammlungen Und Meetings vor mit Annahme entsprechender Resolutionen. Als deren Grundlage legt die Konferenz folgende Erwägungen vor: „Wir..., versammelt in der Zabl von..., haben die Frage der Judenmetzeleien betrachtet und erkläre» folgendes: Im Kampfe mit dem Volke ist die Selbstherrschaft bemüht, es zu spalten, seinen Zorn von sich abzulenken und so seinem Kampfe für Land und Freiheit Einhalt zu tun. „Zu diesem Zwecke hetzt sie die verschiedenen Teile der Be- bölkerung auseinander, besonders aber die verschiedenen Nationali- täten. „Indem die Regierung die Juden aller Bürgerrechte beraubt und dadurch im Wolke den Gedanken aufrecht erhält, dah gegen die Juden alles erlaubt sei, will sie die rechtlose jüdische Be- bölkerung zum Blitzableiter für die elementare Unzufriedenheit der unaufgeklärten Wolksmassen machen und inszeniert sie mit Hülfe bon Polizei, Militär und gedungenen Mördern grausame Jubenmetzcleien. „Wir erklären, dah wir nicht die Juden noch eine andere Nation als unsere Feinde betrachten, sondern die absolutistische Regierung, die mit dem Blute unschuldiger Opfer befleckt ist, so- wie alle diejenigen, die ihr bei diesem niederträchtigen Werke beistehen. «Für uns sind alle Menschen ohne Unterschied von Reli- gton und Nation— gleich; wir haben gekämpft und kämpfen und rufen auch alle Bürger zum Kampfe auf für die sofortige Gleichberechtigung der Juden, für die sofortige Abschaffung aller Ausnahmegesetze gegen die unterdrückten Nationen. „In den Händen der Regierung dient das Heer nicht zum Schutze der Bevölkerung, sondern zum Morden und Plündern. Wir fordern daher den politisch aufgeklärten Teil der Armee zum Protest auf gegen die ihnen von der selbstherrschenden Clique zugemutete Nolle der Räuber, Mörder und Gewalttäter. Möge die Armee bei jedem Versuche, eine Metzelei zu organisieren, ihre Waffen zum Schutze der wehrlosen Bevölkerung gegen die An- stifter der Metzelei kehren. „Wir erklären, datz nur die allgemeine Bewaffnung des Volkes imstande ist,»Leben und Ehre der Bürger zu schützen. Wir rufen alle Bürger zum bewaffneten Selbstschutz und zur Organisierung einer Bllrgermiliz auf. „Wir fordern die Duma(bezw. den einen oder den anderen Teil der Duma) auf! energische Mahnahmcn zur Bekämpfung der Metzeleien, dieser letzten Karte des zugrUndegchenden Rc- gimes, zu ergreifen. „Zu diesem Zwecke schlagen wir der Duma(oder einem Teile der Duma) vor: a) sich an die gesamte Bevölkerung Rustlands mit einem Aufruf zu wenden, in dem die Ursachen und das Ziel der Metzeleien erklärt und die Bürger zur Organisierung einer Volks- miliz zum bewaffneten Widerstande gegen die Gewalttäter und Mörder aufgefordert werden; b) sich mn einem Aufruf an die Armee zu wenden, um ihr die ganze Schmach, die sie sich durch d'e Teilnahme an der Metzeleikanipagne der Regierung aufladet, zu zeigen und sie zum Schutze der friedlichen Bürger aufzufordern; c) besondere Emissäre nach denjenigen Orten zu entsenden, an denen Metzeleien erwartet werden, um den Metzeleien durch Agitation in der Bevölkerung und durch Enthüllung der Politik der Regierung entgegenzuwirken." Jeder Partei und Organisation bleibt das Recht vorbehalten, im Texte der Resolution Aenderungen vorzunehmen. 3. Die Konferenz weist auf vie Notwendigkeit einer Anti- Pogromagitation in der Armee hin, Um der Teilnahme des HecrcS an den Metzeleien entgegenzutreten. 4. Die Konferenz macht alle revolutionären Parteien auf die hohe Wichtigkeit von Vereinbarungen bei der Organisierung des bewaffneten Selbstschutzes aufmerksam, sowie auf die hohe Wichtig- keit von lokalen Beratungen der revolutionären Organtsaiioncn zur Erörterung technischer, mit dieser Organisierung verknüpfter Fragen. Geheim-Zirkular eines Gouverneurs der Hooligans. Die„Rjetsch", das Hauptorgnn der konstitutionellen Demokraten, erzählt aus der großen Judenftadt Minsk: In Minsk herrschte Pogrompanik. Die Juden gingen zum stell- vertretenden Gouverneur Kurlow(dem Schützling DurnowoS) und baten um Schutzmatzregeln. Er antwortete:„Drei Dinge hasse ich: Revolutionäre, Hooligans und Pogrome."— Die Deputation ging beruhigt nach Saufe, Gleichzeitig aber erließ jener nach- stehendes Geheim-Zirkular an die Beamten seines Gouvernements, in dessen Besitz eben die„Rjetsch" gelangt ist: Nr. 3819. An, alle unsere Polizeikommissäre, Landgemeinden, Stadtgemeinden und Stadtverwaltungen. Betreffend die Meldung der Mnskcr Abteilung dcS Vereins des russischen Volkes(das sind die Hooligans) vom 3. Juni 1903 Nummer 170 schreibe, ich ton Provinzkommissären, Polizeikommissären, den Landgemeinden, Stadtgenieinden und Verwaltungen vor: sie sollen die Mitglieder und Vorsitzenden der Bezirks- und örtlichen Abteilungen des Verein» in ihrer Arbeit, unter der Be- völkerung die Ideen des Vereins zu verbreiten, nicht stören, da sein festes Prinzip ist, durch gesetzliche Mittel dem orthodoxen Glauben, dem russischen Kaiser und dem Vaterland« zu dienen, was zum Ausdruck kommt durch die Broschüren und Flugschriften, die das Zentralkomitee herausgibt, und durch die Auszüge aus patrio- tischen Zeitungen, die die örtlichen Abteilungen abdrucken. Der pellvertretento Gouverneur F. Kurlow. Statt des Vizegouverneurs der älteste Rat Juscfowitsch. poUtifcbe Ücbcrlxcbt. Berlin, den 16. Juli. Trothas Rasfcnvertilgung. Die»Kmiz-Zeitung" gibt an der Hand des bekannten General« siavswerkeS über den Krieg in Südwestafrika eine eingehende Schilderung der Kämpfe am Waterberg und der sich daran anschließenden Verfolgungen, die das leitende konservative Organ selbst unter dem Titel„Der Untergang des HcrcrovolkcS" zu- sammenfaßt: Nach der Darstellung dcS Generalstabs betrug die Zahl der am Waterberg konzentrierten HereroS 00—00 000 Köpfe, darunter 0000 mit modernen Gewehren Bewaffnete. Diese Massen wurden, trotzdem ihnen nur 1S00 Mann mit 30 Geschützen und 12 Maschinengewehren gegenüberstanden, geworfen und zur Flucht in die w a s s e r l o s e Sand wüste der Omaheke abgedrängt. Die deutsche» Verluste betrugen 20 Tote und 00 Verwundete, lieber die Verluste her Herero berichtet die„Kreliz-Ztg." «Die Widerstandskraft der Hereros war völlig gebrochen wie die am 13. beginnende Verfolgung zeigte. Die Szenen, bis sich hierbei den verfolgenden Truppen boten, spotteten jeder Beschreikiuilg. DaS Strafgericht, das über die HereroS verhängt war, hatte seinen Anfang genommen und sollte in den S a n d w ü st e n d e r O m a h e k e, wohin, sich ihre Flucht wandte, sein Ende finden. Eine monatrlangr eiserne Absperrung voll- endete es. Die Berichte der deutschen Patrouillenführer geben erschütternde Bilder davon. So berichtet Oberleutnant Graf Schweinitz von seinem Ritte: „Von Onbown ab bezeichnete eine im Omuramba aus- getretene Fußspur, neben welcher Menschenschädel und Ge- rippe und Tausende gefallenen VieheS, besonders Großviehes, lagett, den Weg, den anscheinend die nach Nordosten ent- wicheneu Hereros genommen haben. Besonders in den dichten Gebüschen am Wege, wo die verdurstenden Tiere wohl Schutz vor den versengenden Strahlen der Sonne gesucht hatten, lagen die Kadaver zu Hunderten dicht neben- und übereinander. An vielen Stellen war itt 15 bis 20 Meter tiefen, aufgewühlten Löchern vergeblich nach Wasser gegraben____ Alles läßt darauf schließen, daß der Rückzug ein Zug deS Todes war..." In dem Berichte eines anderen Mitkämpfers heißt es: „Die mit eiserner Strenge monatelang durchgeführte Ab- sperrung des Saudfeldes vollendete das Werk der Ver- nichlmtg. Die Kriegsberichte des Generals v. Trotha aus jener Zeit enthielten keine Aufsehen erregenden Meldungen. Das Drama spielte sich auf der dunklen Bühne des Snndfeldcs ad. Aber als die Regenzeit kam, als sich die Bühne allmählich erhellte, und unsere Patrouillen bis zur Grenze des Betschuana- landes vorstießen, da enthüllte sich ihrem Auge das grauen- hafte Bild verdursteter Heereszilgr. Das Röcheln der Sterben- den und das W u t g e,s chrei des Wahnsinnes... sie verhallten in der erhabenen Stille der U nendlichkeitl" Das Strafgericht hatte sein Ende gefunden. Die HereroS hatten aufgehört, ein selbständiger Volksstamm zu sein." Mindestens 40 000, vlerzlgtanseud Menschen haben damals lm Fieberwahnsinn des Verdurstens ihr Leben in der Omaheke MiS- gehaucht I Sie konnten nicht zurück infolge der monatelang durch- geführten eisernen Umklammerung. Trotha, der„große General", hatte ja den Befehl gegeben, jeden Herero, ob bewaffnet oder unbewaffnet, niederzuschießen, auch Frauen und Kinder sollten durch Flintenschüsse über die Köpfe weg wieder in den Tod des Berschmachtens zurückgetrieben werden! Und die Rassenvertilgung geschah I Vierzigtausend, darunter wohl dretßigtaiiscnd Frauen, Greise und Kinder, gingen im Delirium des Hungers und des Durstes zugrunde I Was bedeuten die 150 erschlagenen Ansiedler gegen diese zweihimdertfach größere Zahl der in dm Tod deS VerfchmachtenS Getriebenen l Und diese„christliche" Kolonialpolttik erhielt den Segen der gescheitelten und tonsurierten Pfaffen I— Aus dem Wahlkreise Hagen wird uns geschrieben:„Die Wahlagitation der Freisinnigen im Wahlkreise Hagen treibt die sonderlichsten Blüten. Wie ein Ertrinkender, der zum Strohhalm greift, so versuchen sie auch das letzte, unscheinbarste Mittel, um dadurch der drohenden Vernichtung zu entgehen. Bekanntlich haben die Zcchentöter Stinnes und Konsorten in den letzten Jahren eine Reihe Ruhrgrubcn stillgelegt, wodurch eine große Zahl von Gemeinden wirtschaftlich ruiniert wurden. Einzelne Gemeinden des nördlich gelegenen Teils des Wahl- krcises Hagen sind hiervon empfindlich betroffen worden. Nun haben die Bewohner der in Frage kommenden Gemeinden um den Bau einer Bahn petitioniert. Von dem Bau einer Eisenbahn versprechen sie sich einen großen Wirt- schnftlichcn Vorteil, da sie dadurch den oberhalb der Kohlenpartie lagernden»vertvollen Ruhrsandstein zum nahen Jndustriebezirk versenden und dort gut ver- kaufen können. Ferner brauchte dann ein großer Teil der in den Gemeinden noch ansässigen Bergleute von dort nicht abzuwandern, da sie mit der Bahn zu den Arbeitsplätzen fahren könnten. Auf den Bahnbau setzen diese Bewohner ihre einzige Hoffnung. Alle sind daran interessiert. Der Haus- besitzer wird durch die inimer mehr zunehmende Abwanderung wirtschaftlich ruiniert, da er keine Mieter mehr bekommen kann, der größere Grundbesitzer kann die landwirtschaftlichen Erzeugnisse nicht mehr so gut wie früher verkaufen und der Wert des Bodens sinkt ganz enorm, der Bergmann endlich, der in den schönen Ruhrbergcn aufgewachsen ist, kann sich nur schwer von ihnen trennen und zieht mit seiner Familie nur höchst ungern in die schmutzigen Jndustriedorfer. Unsere Genossen haben in Wort und Schrift gegen die mut- willige Zerstörung dieser blühenden Gemeindeweien durch eine Handvoll geldgieriger Kapitalisten auf das schärfste protestiert. Von den Freisinnigen, die im ganzen Kohlenrevier nicht ein einziges Organ und so gut wie gar keinen Einfluß besitzen, haben wir bisher nicht vernommen, daß sie sich um die Zechen» stillegungen bekümmert haben. Jetzt, wo sie auch die Stimmen der Bergalbeiter brauchen, spielen sie sich als die wahren Ver- treter der wirtschaftlichen Interessen dieser hart bedrängten Bewohner auf. indem sie in Flugblättern und Volksversamm- lungen die Behauptung aufstellen: „Die Sozialdemokratie fragt nicht nach dem Wohl und Wehe der Heimat. Sie„Pfeift" auf unser Bahnprojclt. Diese Agitatoren läßt es kalt, ov unsere Heimat verödet, die Kotten der seß- haften Arbeiter entwertet werden. S i e fragen nicht danach, ob der Bergbau in unserer Heimat ganz zum Erliegen kommt, ob demnächst mancher Bergmann stundenweit wird wandern oder reisen müssen, um zu einer Arbeitsstätte zu gelangen. S i e beherrscht nur die Furcht, die Sttmmen zu verlieren dieser ihrer früheren Mitläufer"! Man sieht hieran, wie weit es schon mit dem Freisinn in seiner letzten, früher so festen Hochburg Hagen gekommen ist. Unsere Genossen werden den freisinnigen Helden an 19. die Quittung dafür ausstellen!— •■" Dcutfcbco Reich. Die abgehackte Hand. Wie das Wölfische Bureau aus Breslau meldet, ist da» wegen Beteiligung am Aufruhr gegen B i e w a l d eingeleitete Gerichts- verfahren eingestellt worden. Diese von vornherein aussichtslose Aktion ist also endlich aufgegeben worden. Von einem Gerichtsverfahren zur Ermittelung des polizeilichen HandabhackerS ist dagegen immer noch nichts bekannt geworden. Warum hat man noch immer nicht ein Verfahren gegen Unbekannt eingeleitet, bei dem die Breslauer Schutzleute als Zeugen zu vernehmen waren 1 Existiert die Möglich« keit eines solche» Verfahrens, das nicht unwahrscheinlich zur Er« Mittelung des Täters geführt hätte, nur gegenüber sozial« demokratischen P r e ß s ii n d e r n?!— Bcrnard Shaw und der„Vorwärts". Als Ergänzung unserer Notiz über B. Shaws Milarbeit am »BorwSrt»" schreibt uns unser Londoner Korrespondent: In den letzten fünf Jahren-- länger reicht meine Erfahrung nicht— höbe ich im Auftrage der Redaktion nur ein einziges Mal Shaw um einen Artikel ersticht. Das war gegen Ende April 1904. Der Artikel sollte in der Mai-Nummer erscheinen. Er erschien indes nicht. Im Dezember 1904 brach zwischen Shaw und mir eine ziemlich hefitge Polemik über die deutsche Sozialdemokratie und den Marxismus aus, die in der„Clarion" ansgefochten wurde. Wir haben»US gegenseitig Nicht geschont, da es Shaw daran lag, die Taktik der deutschen Sozialdemokratie zu diskreditieren; während es mir daran lag, Shaw? Autorität als sozialistischer Denker zu er» schllttern. Als eS Mit Shaws objektiven Gründen zu Ende war, er- hob er den Vorwurf der Nichtaufnahme des Artikels, um den ich ihn gebeten hatte. Ich wandte mich hierauf an Genossen Eisner, der mir antwortete, daß der Artikel zlt spät eingetroffen und übrigens auch nicht geeignet war, Shaws Ruf als geistvoller Schrift� steller zu erhöhen.—_ Zur Nachwahl in Hagcn-Schwclm. Zur Rache für das Verhalten der Freisinnigen in Altoua-Jserlohn ruft, wie wir schon mitteilten, die„Westdeutsche Volkszeitung", das Organ der Zentrumspartei in Hagen, auf. DaS Blatt schreibt: „Man wird nach diesen Geschehnissen(der Stichwahl in Altona« Iserlohn) gewiß nicht glauben, daß die Zentrumspartei in Hagen» Schwelm, sei es in der Hauptwahl, sei es in der Stichwahl, auch nur eine einzige Stimme für den frei- sinnigen Kandidaten übrig hat. Wer als Zentrumsmann nach den Vorgängen in Iserlohn für den „Freisinn" in Hagen stimmt, ist ein sehr demütiger Mann und darf erwarten, datz man ihm, um einen landläufigen Aus- druck zu gebrauchen, demnächst Bohnenstangen auf seinem gut- mutigen Schädel spitzt. Wäre der Kandidat der Nationallibernlen ein anderer, als der seit langen Jahren als Kulturkämpfer be- kannte Professor Moldenhauer in Köln, so würden wir keine Bedenken tragen, unseren Parteigenossen zu empfehlen, schon in der Hauptwahl unter Verzichtleistung auf den eigenen Kandidaten, für den N a ti o n a l l i b e r a I en, mit den 0000 Stimmen, welche wir bestimmt aufbringen können. einzutreten. Ein National- liberaler von der Richtung Bassermanns, am liebsten dieser kluge, vornehme und beliebte Parteiführer selbst, würde alsdann latt des Freisinnigen mit dem Sozialdemokraten in die Stichwahl ommen, und dann würde der Hagener Freisinn, um die Phrase eines freisinnigen Blattes anzuwenden,„zähneknirschend und mit wuterfülltem Herzen für den Nationalliberalen stimmen müssen". Leider ist nicht mit der Wahrscheinlichkeit zu rechnen, daß die Nationalliberalen uns noch in letzter Stunde einen annehmbaren Kandidaten präsentieren und dadurch es ermöglichen, mit dem- selben durch unsere Hülfe in die Stichwahl zu kommen.... Daß der Wahlkreis Hagen-Schwelm diesmal den Sozialdemokraten zu- fallen wird, ist eine Aussicht, mit welcher als einer kaum mehr abwendbaren gerechnet werden muß. Wir vom Zentrum wollen dafür sorgen, daß man uns nicht als die Sündenböcke für diesen traurigen Umschwung verantwortlich machen kann.— Noch etwas Rcichsverbändlcrisches. In letzter Nummer haben wir die Tölpelhaftigkeit der G e- ch ä f t s st e l l e des sogen.„Reichsverbandes gegen die Sozial- demokratie" beleuchtet. Fast scheint eS jedoch, als wenn die Oualität der Geschäftsstelle durch die der Verlagsabteilung deS„Reichs- verbantzes" noch übertroffen wird; denn wie das„Hamburg. Echo' mitteilt, hat tatsächlich diese Abteilung die Firma Auer u. Co., deren Inhaber die nicht ganz unbekannten Sozialdemokraten Auer. Bebel, Förster und Singer sind, für den Vertrieb der von ihr verlegten aubettN antisozialdemokratischen Schriften zu gewinnen versucht. Zu der Hamburger Buchdruckeret und Verlagsanstalt Auer u. Co. gehört auch eine Sortimentsbuchhandlung. Diese Buchhandlung er- hielt nun dieser Tage eine verlockende Offerte vom Reichsverband gegen die Sozialdemokratie, dem Reichsverband, der mit bisher nie dagewesener Gründlichkeit alle, auch die geheimsten Geheimnisse der Sozlaldemokraiie erforscht hat und alle geschäftlichen Unternehmungen derselben angeblich genau kennt! Die Offerte lautet: In der Anlage gestatten wir uns, Ihnen einen Prospekt unserer Abteilung Buchhandel mit der recht dringenden Bitte zu über- reichen, diesen in Ihrem Schaufenster anzubringen. Wir weisen ganz besonders darauf hin, daß auf ausdrücklichen Wunsch der unsereni Verband angehörenden 120 000 Mitglieder eine Ver- breitung unserer Verlagswerke gewünscht wurde. Es liegt uns nicht daran. Gumnien durch die Verbreitung unserer Werke zu verdienen, sondern lediglich daran, gegen die von der Sozialdemokratie betriebene Volksverdummung und Volksberhetzung energisch anzu- kämpfen. Wir sind davon überzeugt, daß unsere deutschen- Buch- Handlungen als Mitträger und Mitverbreiter der Wissenschast mit uns auf nationalem Boden stehen und" eines Sinnes mit uns sind, daß eine Aufklärung des Volkes weit mehr Segen verspricht als Versammlungen. Zu diesem ? wecke bitten wir auch die Schriften unseres Verlages ii Ihrem Schaufenster auszustellen. Damit Ihnen nun für Ihre rege Verwendung unserer Verlagswerke auch lohnender Verdienst bleibt, sind wir geni bereit, auf Verlangen je ein Freiexemplar, die festverlangten Exemplare bar mit SO Proz. Rabatt zu liefern. Mit der Bitte, uns Ihre Bestellungen steundlichst auf dem beigefügten Wahlzettel zugehen zu lassen, zeichen wir mit vorzüglicher Hochachtung Retchsverbandsverlag. Trotz der 50 Proz. Rabatt verzichtete natürlich die Firma Auer u. Co. auf das Geschäft.— Fahrkartenstcncr und Eisendahnschikanen. Wie man sich in den Kreisen der höheren Eisenbahnbcamten die Durchführung der Fahrkartensteuer vorstellt, darüber wird der „Franks. Ztg." von einem ihrer Berliner Leser folgendes mitgeteilt: „Eine recht interessante Unterhaltung über die Fahrkartensteuer hatte ich heute Mit einem höheren Beamten der preußischen Eisen- bahn. IIIS ich die Bemerkung fallen ließ, daß die Fahrkartensteuer sicher nicht den crivarteten Erfolg haben werde, da ein großer Teil der Reisenden zukünftig in der nächst niederen Klaffe fahren und die 8. Klasse hauptsächlich stärker benutzt werden wird, antwortete mir der Beamte ungefähr folgendes: Was die Reisenden betrifft, die heute 3. Klasse fahren, so ist es so gut wie ausgeschlossen, daß sie sich in die 4. Klasse begeben, denn da sind Läuse! Auf meine Einwendung, daß doch nicht alle Reisenden der 4. Klasse Läuse hätten, gab er mir zur Antwort: In der 4. Klasse sind immer Läuse; ich bin einmal 4. Klasse gefahren und sofort hatte ich welche. Ich wendete dagegen ein, daß es in Sllddcutschland überhaupt kelne 4. Klasse gibt, man also dort die Läuse in der 3. Klaffe finden müßte, worauf er mir die Antwort schuldig blieb. Weiter ließ sich der Beamte aus: Daß die heutigen 2. Klaffepaffagiere nicht in die 3. Klasse übergehen, dafür werden wir schon sorgen. DaS geschieht folgendermaßen. Vor allen Dingen wird auch im Sommer die Winterbesetzung der 3. Klaffe- Abteilung eingeführt, das heißt, es werden zukünftig auch im Sommer zehn Personen in ver 3. Klasse untergebracht. Es wird aber den jetzigen 2. Klassrreisenden bald vergehen, sich derartig einpferchen zu lassen." Wenn der„höhere" Eisenbahnbeamte sich tatsächlich derart über die Zustände auf den preußischen Eisenbahnen geäußert hat, dann hat er damit über die„Kontgl. preußische Eisenbahnverwaltung" ein Urteil gefällt. dem zu widersprechen wir nicht den geringsten Anlaß haben. Die Behauptung, die vierte Klaffe sei immer verlaust, ist lächerlich; soweit sie aber zutrifft, trägt daran nicht am venigsten die Unsauberkeit auf fcen preußischen Eisenbahnen die Schuld, gegen die energische Maßregeln zu ergreifen eine dringende Pflicht der Eisenbahn- Verwaltung ist. Auf gleicher Stufe steht die Aeußeruug, daß, um den Uebergang der Passagiere 2. Klasse in die 8. Klasse zu verhindern, zukünftig auch während des Sommers zehn Passagiere in die engen Wagen- abteilungen der dritten Klasse hineingepfercht werden sollen. Die Fahrkartensteuer erfreut sich ohnehin gerade nicht besonderer Beliebt- heit beim reisenden Publikum; kommt min noch hinzu, daß diese Steuer von dem Eisenbahnpersonal zum Anlaß für allerlei Schikanierungen des Publikums genommen wird, dann wird sich bald ein Sturm der Entrüstung gegen den Eisenbahnstskus erheben. Uns soll's recht sein.—_ Es geht vorwärts! Man schreibt uns aus Duisburg: Am Freitag, den 13, d. Mts. fanden in Duisburg, der künftigen Millionenstadt des Industrie- gebiet? am Niederrhein, sowie in dem Duisburg eingemeindeten D.- M e i d e r i ch die turnusmäßigen Gewerbegerichts- Wahlen statt. Eine im Verhältnis zu den früheren Wahlen riesenhafte Beteiligung, ein den parteigenössischen und gewerkschaftlichen Entwickelungsverhältnissen entsprechendes s p r u n g- Haftes Vorwärtsschreiten der klassenbewußten Arbeiter- schaft und eine reinliche Scheidung zwischen den verschiedensten Strömungen bilden die Signatur der Wahl, Noch bei den letzten Gewerbegerichtswahlen im Jahre 1904 gingen die freien Gewerk- schaften mit den H.- D u n ck e r s ch e n zusammen. Die Unzuverlässig- keit der«Hirsche", sowie der Drang unserer Duisburger Genossen, vorwärts zu kommen, führte dann im Vor- jähre dazu, daß das Gewerkschastskartell beschloß, in Zukunft bei allen Wahlen selbständig vorzugehen. Der Wahlausfall hat bewiesen, wie recht das Gewerkschastskartell mit diesem Beschluß hatte. Im Jahre 1904 erhielt die gemein- s a m e Liste der freien Gewerkschaften und der Hirsch- D u n ck e r s ch e n aus S Kandidaten insgesamt 2750 Stimmen. denen 4529 sogenannte„christliche" gegenüber standen. Diesmal erhielt die Liste der freien Gewerkschaften allein 9287 Stimme», denen 9513„christlich-katholisch-stöckerisch-national- liberale" Stimmen gegenüber stehen. Aus lauter Angst vor dem mächtigen Anwachsen der freien Gewerkschaften hatten nämlich sogenannte„christliche" Gewerkschaftler, katholische Fach- genossenschaftler und Jünglingsvereinler, die muckerischen Stöckerlinge und evangelisch- nationalliberale Arbeitervereinler unter der Devise„christlich-national" einen Pakt geschlossen, den Sozialismus zu bekämpfen. Mit welchem Erfolge, das beweist das obige Resultat.— Die Hirsch- Dunckerschen, denen wir den Stuhl bor die Tür gesetzt hatten, erhielten 3262 Stimmen. Da auf Grund des Proporz- systems gewählt wurde, so erhalten die freien Gewerkschaften zwei Sitze, der christlich-nationale Mischmasch zwei Sitze und die„Hirsche" einen Sitz im Gewerbcgericht. In D.- Meid er ich hatten sich die freien Gewerkschaften bisher überhaupt noch nicht beteiligt. Noch im Jahre 1904 hatten dort die „Hirsche" mit den„Christlich-Nationalen" eine gemeinsame Liste aufgestellt, die rund 1769 Stimmen erhielt. Infolge der Einführung des Proportionalwahlshstems und des selbständigen Vorgehens der freien Gewerkschaften ist auch in Meiderich mit dem alten Schlendrian gebrochen worden, indem auch dort dieselben drei Richtungen eigene Kandidatenlisten einreichten. Das Ergebnis in D.-Meiderich ist folgendes: christlich-nationaler Mischmasch 7643 Stimmen, freie Gewerkschaften 3594 Stinimen, Hirsch- Dunckersche Gewerkschaften 2375 Stimmen. Da in Meiderich sieben Beisitzer zu wählen waren, so erhalten auf Grund des Proporzes die Mischmaschleute 4 Sitze, die freien Gewerkschaften 2 und die Hirsche einen Sitz.— Also: Vormarsch auf der ganzen Linie trotz des international durcheinander gewürfelten Menschenhaufens und trotz der Despotie des Pfasientums im Dienste der Schlot- barone I—_ Militärgerichtliches. Man schreibt uns aus Münster: Weil er den Hund eines Leutnants beim Schießen nach der Scheibe geschossen hat, ist der Unteroffizier G. vom Infanterieregiment Nr. 158 in Paderborn vom Kriegsgericht der 13. Division wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung mit 3 Wochen Gefängnis bestraft worden. Infolge der vom Verurteilten eingelegten Berufung kam die Sache vor daS Oberkriegsgericht. Der Angeklagte versicherte, daß er nur durch Zufall den um die Scheibe springenden Hund getroffen habe. Obwohl die Beweisaufnahme diese Erklärung durchaus zu bestätigen schien, be- antragte der Vertreter der Anklage die Verwerfung der Berufung. DaS Oberkriegsgericht aber erkannte auf Freisprechung. Statt 2 Jahre Gefängnis Freisprechung. Wegen tätlichen Angriffs gegen einen Vorgesetzten, verbunden mit Achtungs« Verletzung vor versammelter Mannschaft, hatte das Kriegsgericht der 14. Division den Unteroffizier H. vom Infanterieregiment Nr. 16 zu 2 Jahren Gefängnis und Degradation verurteilt. Bei der letzten Kaisergeburtstagsfcier hatte H. in sehr bierseliger Stimmung sich recht unnütz benommen; er wollte seinen Hauptmann und seinen Feldwebel umarmen, lud sie zu einem Glase Bier ein und führte allerlei ungebührliche Reden. Der Hauptmann wollte verhindern, daß der Mann sich in Ungelegenheiten brachte, und veranlaßte den Feld- webel, ihn fortzuführen. Dieser brachte ihn bis zur Haltestelle der Straßen- bahn, aber kurz nachher war H. bereits wieder im Festsaale, richtete hier Unfug an. indem er Gläser zertrümmerte, so daß der Feldwebel sich entschloß, ihn mit Hülfe eines Musketiers aus dem Saale zu entfernen. Dabei schlug der Trunkene um sich, trat den Feldwebel, schlug ihn ins Gesicht und schimpfte ihn aus. Vor dem Ober- kriegSgericht als Berufungsinstanz erklärten die sachverständigen Aerzte, nach ihrer Ansicht sei der Angeklagte sinnlos betrunken gewesen. Verteidiger und Anklagevertreter beantragten Freisprechung und der Gerichtshof erkannte demgemäß. Das Urteil ist sehr vernünftig, leider steht es nur in der Militärgerichtspraxis ganz isoliert da. Bei Mannschaften tvenigstenS, die in ähnlicher Situation ähnliches wie der Unter- offizier H. begangen, ist unseres Wissens noch niemals auf Freisprechung erkannt worden I—_ Zukiinftige Staatöstiitzen. Der Kaiididat der Rechtswissenschaft Jenrich klagte gegen seine Handwerkskollegen, die RechtswissenschaftSkandidaten M u l e r t und L ö n i n g, sämtlich aUS Halle, wegen Beleidigung, und zwar „klapperten" die Parteien mit ihrem Prozeß alle Instanzen, Schöffen- gericht, Strafkammer und Obcrlandesgcricht Naumburg ab, bis die Sache durch Revision wieder an die Strafkammer zurückkam. Jenrich, der Korpsstudent ist, war von seinen beiden Kommilitonen beschuldigt worden, er habe dem einen einige Zigaretten weggenommen und den andern bei einer. solennen Kneiperei um ein Glas Bier „beschummelt". Mulert hatte dieses„Ivelterschiitternde Ereignis" an das Korps in Leipzig berichtet. Die Folge war, daß Jenrich, der die unvermeidliche P i st o l e n f o r d e r u n g abgelehnt hatte, vom Ehrengericht aus dem Korps ausgestoßen wurde. Ganz mit Recht hatte Jcnrichs Vater seinem Sohn verboten, sich wegen der lunipigen Zigaretten vor die Pistole zu stellen. So war denn Jenrich gezwungen, seine durch ein paar Zigaretten und ein GlaS Bier lädierte Ehre bor Gericht wieder reparieren zu lassen. Mulert führte vor Gericht auS:„Aus Lönings Stube sind ein paar Zigaretten verschwunden; außer mir und Jenrich war zur Zert niemand in der Stube; da ich die Zigaretten nicht gemaust habe, muß sie Jenrich genommen haben." Letzterer behauptete das Gegenteil. Die Richter des Schöffengerichts und der Strafkammer beklagten, daß sich Juristen zu solchen kleinlichen Be- schuldigungen hinreißen ließen und deshalb zu», Zweikampf greifen wollten. Die Poffe endete damit, daß Mulert mit 160 M. und Löning mit 60 M. bestraft wurden. Durch eingelegte Revision erzielte Löning schließlich seine Freisprechuna. Aus Deutsch-Ostafrika wird uns gemeldet: Daressalam, 13. Juli. Oberleutnant Abel hatte seit dem 18. Jimi mehrfache Zusammen st ötze mit den Aufständischen. Während diese zunächst auswichen, änderten sie später ihr Verhalten und griffen am 22. Juni morgens in Nebet und Busch die Marsch- kolonne und am Abend desselben Tages das Lager an. Oberleutnant Freiherr von Reitzenstein meldete am 29. Juni die erfolgreich durch- geführte Konzentration der Detachements Kilimatinde, Moschi und Mpwapwa. Die Aufständischen haben daraufhin ihre Unter- werfung angeboten, doch haben die Rädelsführer sich noch nicht gestellt. Die kriegerischen Operationen snd vorläufig eingestellt worden. Daß diese vorläufige Pazifizierung eines Aufstandsbezirks nicht überschätzt werden darf, geht aus folgenden Glossen des Scherl- Blattes herbor: Im ostafrikanischen Schutzgebiet haben wieder zahlreiche Stämme ihre Unterwerfung angezeigt, so daß zeitweilig die Feind- seligkeiten und die militärischen Märsche eingestellt werden konnten. Ob freilich diese Ruhe von Dauer sein wird, kann füglich be- zweifelt werden, da die rebellischen Anführer nicht ausgeliefert worden sind und erfahrungsgemäß die Un- ruhen wieder auszubrechen pflegen, sobald die deutschen Truppen den Rücken wenden.— Ausland. England. Die Armcereform. London, 14. Juli. sEig. Ber.) Die Frage der Armeereform steht seit den, südafrikanischen Kriege auf der Tagesordnung, ohne indes Definitives gebracht zu haben. Die Kriegsminister seit Ende jenes Feldzuges treten mit Plänen hervor, die zu leidenschaftlichen Diskussionen führen(denn das Interesse an militärischen Fragen ist groß), aber nach einiger Zeit verworfen werden, so daß das Problem nicht vom Platze rückt. Abgesehen von dem kleinen Häuflein absoluter Friedensfreunde sPacifizisten) einerseits und von den Anhängern der Konskription sAuShcbung) andrerseits gibt es in England zwei militärische Rich- tungen, mit denen gerechtet werden muß. Die eine Aich- tung ist die sogenannte B l a u w a s s e r s ch u I e, die die Flotte als den einzig wirksamen Schutzwall Englands betrachtet. Sie sagt: Ist die Flotte vernichtet, so wird uns eine Landarmee nicht helfen können, da der Feind gar nicht zu landen braucht. Er hat uns nur die Lebensmittclzufuhr ab- zuschneiden und wir müssen uns ihm auf Gnade und Ungnade ergeben. Die andere Richtung will eine allgemeine Miliz unter Beibehaltung der stehenden Armee, die ja eigentlich eine Kolonial- armee ist. Sowohl Balfour sder frühere konservative Premierminister) wie Haldane sder jetzige Kriegsminister) ist Anhänger der Blauwasserschule. Beide halten eine ernste Invasion Englands für unmöglich. Nun hat Haidane mit der liberalen Forderung nach Herabsetzung der Präsenzzahl des stehenden Heeres zu rechnen. Dieser Forderung gab er auch nach, indem er die Armee um 20 000 Mann verminderte. Er sagte: „... Die Demokratien der Welt geben ihren Willen kund, die niederdrückenden Lasten der militärischen Rüstungen zu erleichtern. Wir in diesem großen, reichen und machtvollen Lande haben jetzt die Gelegenheit, unseren Anteil an der Bewegung zu nehmen. Wir haben die Absicht, in dieser Sache voran zugehe u." Die Armee, die ausschließlich für den kolonialen und im all- gemeinen für den ausländischen Dienst bestimmt ist, soll aus 150 000 Mann bestehen: 50 000 Regulären, 70 000 Reservisten und 30000 Milizen. Ferner schlägt Haldane eine leicht vorzunehmende Reorganisation der Artillerie vor, wie sie durch die Einführung von Schnellfeuergeschützen nötig wurde. Ebenso legt er Gewicht auf die Volontärbewegung, die jetzt große Fortschritte unter der Be- völkerung macht. Die Ersparnisse dieser Reform betragen 30 Millionen Mark. So geht England voran in der Herabsetzung des Etats der Flotte und der Armee.—_ „Zurück zum Grund und Boden!" London, 14. Juli. Dieser Ruf, der sowohl infolge der starken Lebensmitteleinfuhr wie des Wachfens der Städte hier oft erschallt, fand in der letzten Woche eine eigenartige Verwirklichung. Unter Leitung des Genossen Jack Williams besetzten einige Arbeitslose in der Nähe von Manchester ein Stück Land von 6 Acres, um es zu bebauen und sich eine Existenz zu gründen. Das Land gehört der Kirche, deren Vorsteher so ermahnt werden, den Lehren Jesu und der Apostel zu folgen und das bis jetzt unbenutzte Land den Arbeits- losen zu überlassen. Die Polizei aber forderte die modernen„DiggerS" sGräber) auf, das Eigentumsrecht der Kirche zu wahren und das besetzte Land zu verlassen.—(Die„DiggerS" haben während der englischen Revolution Grund und Boden besetzt und bearbeitet.) � Die„DiggerS" von Manchester sandten nun an den Präsidenten der Lokalregierung folgendes Telegramm: An Gcnoffen John BurnS I Die beschäftigungslosen, aber arbeitswilligen Proletarier von Manchester haben Ihren Rat auS früheren Jahren befolgt und sind zurück zum Grund und Boden gegangen, um ihre Frauen und Kinder ernähren zu können. Beglückwünsche unS l Eine weitere Besitzergreifung von städtischem Grund und Boden durch Arbeitslose wird aus Plaistolv sOst-London) gemeldet. Es ist merkwürdig, daß daS Publikum sich dieser Bewegung gegenüber nicht unsympathisch zeigt. Die„DiggerS" verlangen aber auch nichts weiter, als daß man ihnen die Möglichkeit gibt, vom Ackerbau zu leben. Auch in Edmonton fNord-London) steht eine Besitzergreifung von unbenutztem Boden bevor.-» Amerika. Gegen das Franenwahlrecht. Manchester, 16. Juli. Anläßlich einer Kundgebung zugiinsten deS FrauenstimmrechtS griff eine den Bestrebungen feindlich gesinnte Menge die Kundgeber an und drängte sie dem Flusse zu, wobei viele hineinstürzten. Die Polizei rettete die in daS Wasser gesallenen Personen._ Soziales* Klingelbolle als Arbeitgeber. DaS Gut Boltenhof bei Dannenwalde(in Mecklenburg) gehört dem bekannten Berliner Meiereibcsitzer Kominerzienrat Cärl Bolle. Auf diesem Gut hat der über 66 Jahre alte Arbeiter Plötz zwanzig Jahre lang gearbeitet. AuS Anlaß einer Wcchselrede zwischen ihm und dem Sohne des KommerztenratS, dem vootor weckioinas Carl Bolle, Mitbesitzer der Meierei, verlangte dieser, der alte Mann solle innerhalb drei Tagen das Gut verlassen. DaS tat Plötz und trat in Bredereiche in einer Fabrik in Arbeit. Aber damit war dem Verlangen des Dr. Bolle nicht Genüge geschehen. Er begehrte, auchdieTochter destPlötz und deren vierKinder sollten das Gut verlassen. Die Tochter holte sich auf dem Gerichte Rat. Dort wurde ihr zutreffend mitgeteilt, der Gutsbesitzer sei vor- pflichtet, ihr Arbeit und Behausung zu geben. Darauf griff die Gutsverwaltung in Abwesenheit der Tochter zu dem gewaltsamen AushülfSmittel. daß durch Vorlegen eines Schlosses die Tür verschloffen und der Tochter Einlaß verwehrt wurde. Die geringen Habseligkeiten der Plötz wurden auf den Wagen ge- laden und versucht, die Sachen nach Bredereiche zum Orts- Vorsteher zu bringen, weil der Vater in Bredereiche arbeitet. Der Ortsvorsteher lehme die Annahme der Sachen ab. Der Wirtschafter des Boltenhofer Gutes, Erdmann, wurde von den Bredereicher Frauen, denen von der eigentümlichen Art, für Arbeiter zu sorgen, Kunde geioorden war, der- hauen. Der Versuch, dem alten Plötz die Sachen seiner Tochter aufzuhalfen, unterblieb denn auch. Die Sachen wurden zurück- transportiert. Dann schrieb man vom Volleschen Gute aus, der Vater solle die Sachen abholen oder drei Mark Lagergeld pro Tag zahlen. Der Tochter des Plötz wurde die Auf- nähme im Erste verweigert, ja auf Boltenhof an- säfsigen Arbeitern wurde untersagt, sie zu unterstützen. Die Mutter und ihre vier, ein bis sechs Jahre alten Minder sind obdachlos. Der Fürstenberger Bürger- meister vermag bei der eigentümlichen ostolbischen Rechtslage der Gutsverwaltuugen nichts auszurichten. Die Mutter hat sich an daS Gericht gewendet. Aber ehe dies helfen kann, könnten Mutter und Kinder untergehen, wenn nicht mitleidige selbst arme Arbeiter ihr hülfen. Ob' die Staatsanwaltschaft Anlaß genommen_ hat, gegen die Obdachlosmachung der Mutter und ihrer � Kinder einzuschreiten, entzieht sich unserer Kenntnis. Gar fleißig wird nach wie vor auf dem Bolleschen Gut eine fromme Wochenschrist der Bolleschen Meierei mit dem Motto„Bete und arbeite" verteilt. Die Rechtlosigkeit der vertriebenen Mutter und ihrer Kinder be- ruht nicht zuletzt auf der durchaus ungenügenden Gestaltung unseres Unterslützungswohnsitz-Gesetzes und den Vorrechten der Rittergutsbesitzer in Mecklenburg und Ostelbien überhaupt. „Tüchtige Buchhalterin mit 30 M. Gehalt wird gesucht". Diese recht verlockende Annonce erließ der Marquisenfabrikant Hugo Wolf in einer hiesigen Tageszeitung und engagierte dann auch die einzige Reflcktantin für diesen Posten, die fünfzehnjährige Buch- halterin Anna Kn. Das Engagement wurde von der Mutter deS Mädchens mit der Frau des Fabrikanten abgeschlossen. Es kam nach wenigen Wochen zwischen dem Chef und seiner Buchhalterin zu Mihhelligkeiteu, die am 1. Mai zum Bruch des Dienst- Verhältnisses' führten. Am Freitag standen sich die beiden Parteien vor der vierten Kammer des Kaufmannsgerichts gegenüber. Anna Kn. verlangte das Gehalt für Mai, da der Beklagte nicht berechtigt gewesen sei, sie sofort zu entlassen. Der Beklagte hingegen berief sich ans das Zeugnis seiner Ehefrau, die mit der Mutter der Klägerin nur ein vierwöchiges Probeengagement abgeschlossen habe. Der Beklagte betonte im übrigen, daß ihm die Klägerin, die sich als perfekte Buchhalterin ausgegeben habe. durch Rechenfehler mehrere hundert Mark Schaden zugefügt habe. Der Vorsitzende erwiderte darauf dem Beklagten, daß er doch für 30 Mark keine perfekte Buchhalterin verlangen könnte, und wenn er einem so jungen Dinge dennoch die Bücher selbständig überlasse, so habe er etwaige daraus erwachsende Verluste seiner eigenen Leichtfertigkeit zuzuschreiben.— Die leb- haften.Bemühungen des Vorsitzenden, einen Vergleich herbeizuführen, scheiterten wegen einer Differenz von fünf Mark; die Mutter der Klägerin bestand mit größter Hartnäckigkeit auf 20 Mark und der Beklagte wollte nicht mehr wie 15 Mark geben. So blieb nichts weiter übrig, als die Frau des Beklagten zu vereidigen. Sie schwor denn auch, die Klägerin nur zur Probe engagiert zu haben.— DaS Gericht beschloß darauf, auch die Mutter der Klägerin zil einem dazu angesetzten Termin zu vereidigen, die genau daS Gegenteil beschwören will. Nach erfolgter Eidesleistung will der Vorsitzende die Akten der Staatsanwaltschaft zur weiteren Veranlassung übergeben. Zum Gestnderrcht in Rostock. Die„Mecklenburgische Volkszeitnng" veröffentlicht ein Urteil von dem Amtsgericht Friedland in einer Gesindestreitsache, das zeigt, daß auch in Mecklenburg das Gesinde trotz seiner fast rechtlosen Stellung sein Recht zu verfechten und hin und wieder, durch die ihm von sozialdemokratischer Seite gewährte Unterstützung, auch zu er- halten beginnt. Der Sachverhalt der auch für weitere Kreise inter- essanten Lohnklagesache des Knechtes T. gegen den Tierarzt H. ist nachstehend nach dem Bericht unseres Bruderorgans wieder- gegeben. T. hatte bei dem Beklagten als Pferdeknecht in Dienst gestanden. Eines Morgens putzte er im Stall auftragsmäßig die Pferde. Als er darauf mit den Pferden aus dem Stalle kam, um sie vor den Milchwagen zu spannen, sah der Inspektor H.'s sich die Pferde an. Da nach seiner Meinung die Pferde nicht sauber genug geputzt. stellte er den Knecht zur Rede und sagte, wenn er das Reinigen nicht ordentlich besorgen wolle, könne er abkommen. Darauf hat T. sofort die Pferde stehen lassen und ist in den Stall gegangen. Der Inspektor ist ihm gefolgt und hat ihm gesagt, wenn er sich ändern wolle bei der Arbeit, so könne er bleiben. T. aber erwiderte:„Nein, Sie haben mich ja entlassen, nun geheich"— und verließ darauf den Dienst. Da T. sich gegen einen Jahreslohn von 190 M. vermietet gehabt, aber erst 66 M. davon erhalten hatte, klagte er dann gegen H. auf Auszahlung des Restes des Jahreslohnes, da er sich ohne Rechtsgrund entlassen fühlte. In der Verhandlung des Rechtsstreites vor dem Amtsgericht Friedland machte der Beklagte durch seinen juristisckjen Vertreter geltend, daß der Kläger gar nicht vom Inspektor entlassen sei, viel- mehr sei er, der Kläger, ohne Erlaubnis entlaufen. Das Gericht entschied nun:„Der Inspektor ist es gewesen, der den Kläger entlassen hat. Denn daß die Worte des Inspektors, der Kläger könne abkommen, als Entlassung zu deuten sind, ist schon an sich klar, ist auch von dem Inspektor zeugeneidlich auf besondere Frage ausdrücklich bestätigt worden.... Klar ist nach 8 63 der(mecklenburgischen) Gcsindeordnung auch, daß für die Dienstherrschaft ein EntlassungS- grund nicht vorlag, selbst Ivenn der Kläger das Pferdeputzen nicht mit der erforderlichen Sorgfalt besorgt haben sollte.... Fraglich kann mithin nur sein, ob der Inspektor mit den Worten, wenn der Kläger sich ändern wolle, könne er bleiben, die Entlassung wider- rufen hat, und ob er zu solchem Widerruf befugt war. Die Frage, inwiefern in jenen Worten ein Widerruf zu stnden ist, kann aber dahingestellt bleiben, weil jedenfalls ein solcher Widerruf un- zulässig war. Durch die unberechtigte Entlassung kam der Be- klagte mit der Annahme der fortgesetzt angebotenen Dienste zweifellos in Verzug. Solcher Aunahmeverzug befreit zwar den Dienstschuldner nicht unter allen Ilmstönden von der Leistung weiterer Dienste, wohl aber dann, wenn eine bündige Erklärung der Dienstherrschaft oder ihres Vertreters vorliegt, daß auf die Iveiteren Dieuste verzichtet wird, wie hier. Vergl. Cosack, Lehrbuch des bürgerlichen Rechts, 1. Auf- läge, Bd. 1, S. 514. Darauf muß sich der Dienstbote verlassen könne». Ist er doch nach dem Gesetz(B. G. 8 915, G.-O. 8 40 III) berechtigt und unter Umständen sogar verpflichtet, vor Ablauf der mit der Dienstherrschaft vereinbarten Dienstzeit einen anderen Dienst anzunehmen. Mit Recht konnte also der Kläger die Aufforderung, im Dienste zu bleiben, mit den Worten zurückweisen:„Nein, Sie haben mich ja entlassen, nun gehe ich." Sein durch§ 40111 der Gesindeordnung begründeter Lohnanspruch wird hierdurch nicht geschmälert." Demgemäß verurteilte das Gericht den Beklagten zur Zahlung der geforderten 124 M. Das Urteil sticht vorteilhaft ab von manchen in ähnlichen Pro- zesscn gefällten. Ist doch von mecklenburgischen Richtern, sowohl in Zivil- als auch Strafprozessen, des öfteren anerkannt worden, daß Worte der Dienstherrschaft oder deren Vertreter, wie:„Der Dienst» böte solle mache», daß er vom Hofe komme",„solle machen, daß er fortkomme",„solle sich zum Teufel scheren" und ähnliche„patri- archalisch" klingende Gebote— nicht dem Dienstboten das Recht gäben, den Dienst zu verlassen, da solche Aeußerungen in der Regel nicht ernst gemeint seien. Und ebenso häufig sind Urteile, wo der Schadensersatzaiispruch der Dienstboten wegen kündigungsloser Entlassung aberkannt wurde, weil sie ein nach der Entlassung von der Dienstherrschaft erfolgtes Angebot auf Fortsetzung des Dienst- Verhältnisses nicht annahmen._ Zahl der nicht approbierten Heilkunde Ausübenden in Sachsen. In welchem Grade der wirtschaftliche Schutz- und Trntzvorband der Aerzte zum Mißbrauch der Arbciterversichernngsaesetze zugunsten der Aerzte und das antisoziale Vorgehen vieler Aerzte die Zahl der nicht approbierten Personen, die sich mit Ausübung der Heilklmde beschäftigen, in die Höhe gebracht bat. seigt der soeben veröffentlichte 86. Jahresbericht des sächsischen LandeSmedizinalkollegiumS. Danach sind insgesamt 1342 nicht approbierte Personen mit der Ausübung der Heilkunde in Sachsen beschäftigt, davon behandeln 9S1 nur Zahn- kranke. Von den übrigen in Betracht kommenden 391 Personen sind 673 männlichen. 313 weiblichen Geschlechts, ihr Alter schlvankt zwischen 20 bis über 80 Jahre, das Gros steht im Alter von 40 bis 60 Jahren. Die verschiedensten Berufe sind früher von diesen Leuten betrieben worden? man findet 69 Kaufleute, 41 Weber, L9 Barbiere, 24 Schuhmacher, 16 Lehrer und Lehrerinnen usw. unter ihnen. Von einer strafrechtlichen Verfolgung wird abgeraten. da nur in seltenen Fällen eine Verurteilung erreicht wird und frei- sprechende Urteile nur marktschreierisch von den Freigesprochenen ausgenützt werden. Das Zahlcnverhältuis der Aerzte zii den„Kurpfuschern" beleuchtet nachstehende Tabelle: Regierungsbezirk Aerzte„Kurpfuscher" Bautzen...... 157 129 Dresden...... 753 352 Leipzig...... 697 200 Chemnitz...... 255 207 Zwickau...... 245_ 103 Im Königreich Sachsen: 2107 991 Zur Lage der ZiegcleiarVciter. Wie mit Ziegeleiarbeitern umgegangen wird, geht ans folgendem Bericht im„Hamburger Echo" über Zustände in Sande im SchleS- ivig-Holsteinschen hervor: Fünf auf der Ziegelei von Günther be- schäftigte Arbeiter ersuchten um Aufbesserung des Lohnes, der 21 M. pro Woche bei einer Arbeitszeit von 6 Uhr morgens bis 7 Uhr abends betrug. An Stelle dieses Wunsches wurde den Arbeitern Akkordarbeit überwiesen, wobei sie jedoch trotz angestrengterer Tätigkeit kaum mehr als im Tagelohn verdienten. Aus diesem Grunde verzichteten daher die Arbeiter darauf, noch länger in Akkord zu arbeiten, sonder» sie stellten dem Meister anheim, wieder in Tagelohn und zwar zu dem früheren Lohne von 21 M. pro Woche, zu arbeiten. Dem wurde jedoch nicht stattgegeben. Der Meister und ein Burcauangestellter, der für den verreisten Besitzer die Leitung des Betriebes übernommen hatte, fühlten sich vielmehr veranlaßt, diese widerspenstigen Arbeiter, die, teils auf gewöhnlichem Wege, teils durch einen Stellenvermitller in Berlin bei Günther ein Arbeitsverhältnis eingegangen sind, kurzerhand zu entlassen. Die Arbeiter, die aber glauben,' Anspruch auf vierzehntägige Kündigung zu haben, sind nunmehr gegen Günther klagbar geworden. Sie verlangen eine Entschädigung von je 42 M. für 14 Tage. Was noch weiter befremdet, ist, daß die Arbeiter Verträge unterschreiben müssen, aber keinem der vertragschli ehenden Arbeiter eine Ab- schrift des abgeschlossenen Vertrages ausge- händigt wird. Daher kommt es auch, daß die meisten Ziegelei- arbeiter nicht wissen, was sie vereinbart haben, zumal solche darunter sind, die kaum lesen, noch viel weniger den Inhalt solcher ver- zwickten Verträge verstehen können. Wenn die Arbeiter weiter glauben, daß die Vermittlungsgebühren vom Arbeitgeber selbst ge- tragen werden, so dürften sie sich auch hierin täuschen. Vor uns liegt eine Abrechnung der fünf Entlassene», ans der hervorgeht, daß den Arbeitern alles, Gebühr an den Stellenvermittler und selbst Wohnunasgeld in Abzug gebracht lvird. Zu beachten sind noch die Abzüge für Logisgeld in Höhe von 2 M. pro Woche für ein Massen- quartier, in dem bis zu 15 Arbeiter logieren. Die traurigen Zu- stände der Zicgler können nur durch Gesetz und durch Beitritt zu der Gewerkschaft gebessert loerden. Wären alle Ziegler organisiert, so könnten ihnen so elende Arbeits- und Lohnbedingungen nicht mehr geboten werden._ Hu9 Induftrlc und Handel Kohle und Eisen. Die bekannte Fachzeitschrift„Kohle und Eisen" ver- isfentlicht in der soeben erschienenen Nummer 14 ihres 26. Jahr- ganges ihren Uebersichtsartikcl über die Lage des Kohlen- und Eiscnmarttcs im letzten Vierteljahr(April bis Juni). Sie kon- statiert eine weitere Zunahme der Nachfrage. „Die allgemeine Lage des Eisen- und Stahlmarktes," schreibt das Blatt,„war in der abgelaufenen Berichtsperiode eine recht gute. Durchweg war reichliche Arbeit vorhanden und die Nachfrage vom In- und Auslande blieb eine rege, so daß der Aufträgebestand, der am 1. April ein guter war, bis Ende Juni noch zugenommen hat. Eine unliebsame Erscheinung bildete der zunehmende Mangel an Rohstoffen, ganz besonders in Kohle und Koks, teilweise auch in Roheisen und Halbzeug. Auf dem Kohlenmarkte konnte während der ganzen Be- richtSperiode trotz angespanntester Tätigkeit der Zechen der Nach- frage nicht in vollem Umfange genügt werden, so daß das Kohlen- fyndikat gezwungen war, englische Kohlen hinzuzulaufen.... Auch den gesteigerten Anforderungen in Hochofenkoks konnte nicht in dem wünschenswerten Maße entsprochen werden.... Der Bedarf an Roheis en war sehr stark. Für das laufende Jahr ist das Syndikat sowohl in Gießerei- wie in Puddel- und Stahleisen ausverkauft; die Hereinnahme weiterer Aufträge ist nur noch durch Verschiebungen zu ermöglichen. Im Interesse der in- ländischen Verbraucher werden Exportgeschäfte vorläufig nicht ab- fieschlossen. Die Abrufe der Verbraucher bleiben sehr stark und ind kaum zu befriedigen. Für 1907 gehen die Aufträge in Gießereiroheisen ebenfalls ziemlich zahlreich ein. Die Beschäftigung in Flußstabeisen wie auch in Schweißstab- eisen war eine gute und die Preise behielten eine wenn auch lang- sam, so doch stetig steigende Richtung. In Draht fanden sämtliche deutsche Stahlwalzwerke ununterbrochen reichliche Arbeit." 6cwerfcrcbaftUcbc9. StaatSgefährliche Polizei. Durch die Kreise der Schutzmannschaft von ganz Bayern geht seit einiger Zeit eine Bewegung, die auf O r g a n i- sations-Be strebungen abzielt. In verschiedenen Städten sirid bereits Schutzmännervereinigungen entstanden. Nun besteht die Absicht, sie zu einem Landes- verband zusammenzufassen, der seinen Sitz in Nürnberg haben soll. Das ist anscheinend den freisinnigen Unternehmern, die das Nürnberger Stadtparlament beherrschen, nicht angenehm. Im November v. I. wurde in Nürnberg ebenfalls eine Ber- einigung der Schutzleute und der aus der Schutzmannschaft hervorgegangenen Bediensteten gegründet, die sofort eine große Mitgliederzahl erzielte und auch vom Magistrat genehmigt wurde. Danials standen nämlich gerade die G e- m e i n d e r a t s w a h l e n vor der Türe und da unter den Schutzleuten und Magistratsbedicnsteten immerhin einige hundert Gemeindewählcr sind, mochte man die Leute nicht vor den Kopf stoßen. Jetzt aber weht plötzlich ein anderer Wind. Dieser Tage wurden die Schutzleute durch einen Dienstbefehl überrascht, worin ihnen die fernere Zu- geHörigkeit zur Vereinigung der Schutzleute und auch der künftige Beitritt zu einem ähnlichen Verein untersagt wurde; für den Zuwiderhandlungsfall wird strengstes Ein- schreiten angedroht. Dieser Dienstbcfchl ist von demselben Magistrat erlassen, der auch die Genehniigung zur Gründung des Vereins erteilte. Gegen die Verfügung soll Beschwerde erhoben werden._ Berlin und Qmgegena. Folgen übergroßer Arbeitswilligkeit! Bei der Firma„Bedag" streikten bekanntlich vor einiger Zeit die Automobilführcr. Der Streik ging verloren, weil sich eine zu große Zahl von Arbeitswilligen fand. Wie die„Allgemeine Fahr- zeitung", das Organ des Vereins der Droschkenführer, berichtet, hat der Anführer dieser Arbeitswilligen, namens Pickardt, welcher der Liebling der Direktion geworden und auch seiner Arbeitswillige keit wegen mehrmals prämiiert wurde, im Monat Mai 448 Mark Loh» ausgezahlt bekommen. Es war dies natürlich nur möglich, weil P. seine Arbeitszeit dermaßen aus- dehnte, daß man ruhig sagen kann, er hat aus einerWoche zehn Tage gemacht. Nun ist dem P. in dieser Woche das Malheur passiert, jemanden tödlich zu überfahren. Ob er an diesem Unfall Schuld hat, können wir mcht beurteilen, Wunder braucht es aber bei einer derartigen Arbeitszeit, wie sie P. beliebt, nicht nehmen. Sollte die Schuld des P. bewiesen werden, so ist es die höchste Zeit, daß das Gesetz vorschreibt, daß diejenigen Arbeitgeber, welche ihre Arbeiter dermaßen ausnutzen, daß für das Gemeinwohl eine Gefahr besteht, m i t bestraft werden. Sehr richtig!— Die Polizei kann aber und muß nach unserer Ueberzeugung gegen solche Zustände schon heute ohne Eingreifen der Gesetzgebung einschreiten. Sie ist sehr wohl berechtigt, im Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit die Arbeitszeit für die Automobilführer auf ein vernünftiges Maß zu beschränken. Das Interesse des fahrenden und gefahrenen Publikums ge- bietet dies, wenn man an die ausgebeuteten Automobilprolctarier selbst nicht denken will! Die Zunahme der Automobilunfälle in neuerer Zeit ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß niemand ungestraft an seinen Nerven Tag für Tag 15 Stunden lang ein Automobil pfeilschnell durch die Gefahren der Großstadt führen kann. Es mag ein eigener Nervenkitzel sein, durch überraschendes und doch überlegtes Eingreifen sich aus einer schnell auftauchenden schwierigen Situation herauszuhelfen; wenn dies aber berufsmäßig Stunde um Stunde geschehen muß, führt es zur Ncrvenzerrüttung! — Hier könnte unsere Polizei durch ihr Eingreifen zeigen, daß sie tatsächlich ist, was sie sein soll: eine Sicherheitsbehörde! Aber so unfehlbar eine Verkürzung der Arheitszcit für die Auto- mobilführer im Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit liegt, so unfehlbar gefährdet sie auch die kapitalistische Ausbeutung. Und über deren Sicherheit muß eine preußische Behörde zu aller- erst wachen!_ Von der Firma Bell u. Co. erhalten wir folgende Zuschrift: Bei der Arbeitseinstellung in unserer Fabrik handelt es sich nicht um Lohnabzüge, sondern um Teilung der Arbeit. Der Umbau, welcher früher von einem Arbeiter ganz hergestellt worden ist, wird jetzt geteilt, und zwar in weiße Umbaue inkl. Hohlkehlen und Klappcnkchlen und in Furnierzusammensetzen mit Furnieren. Erstere Arbeit wird von Maschinen- und Lohnarbeitern, letztere in Akkord gemacht. Wir haben bei Teilung der Arbeit die bisherige Zeitdauer zur Herstellung derselben nach bestem Wissen bemessen, natürlich unter Berücksichtigung der Maschinenarbeit. Jedoch sind wir davon überzeugt, daß die Löhne jetzt noch besser sind als bisher, so daß von Lohnabzügen überhaupt keine Rede sein kann. Ebenso ist es unwahr, daß wir Vermittelungsvorschläge rundweg ablehnten. Wir sind stets bereit, zu verhandeln, jedoch Preise an- zunehmen, welche 30— 50 Proz. Lohnerhöhung bedeuten, sind selbst für uns, die wir Arbeiter waren und unserer Meinung nach noch find, unannehmbar. Ferner ist eS unwahr, daß wir Arbeiter ge- maßregelt haben. Uns Lohndrücker zu nennen, ist eine Böswillig- keit, denn laut Lohnbücher können wir beweisen, daß wir uns in unserer Branche, was Löhne und Akkordpreise anbelangt, mit jeder Firma messen können. Ueber obige Angaben sind wir jederzeit bereit, Ihnen Beweise zu liefern, und steht eS Ihnen eventuell frei, die betreffenden Lohnbücher einzusehen. p. C. Neugebauer Nachfl. Bell u. Co. Achtung, Brctterträger! Die Bretterträger der Firma B o s- wau u. Knauer, Zimmerplatz Halensee, befinden sich im Streik. Zuzug ist streng fernzuhalten. Handels« und TranSportarveiter-Verband. Ortsverwaltung Charlottenburg. Die Firma„Enncll", Schraubenfabrik und Apparatenbau, stellt an uns das merkwürdige Ansinnen, ihr den Gewährsmann zu nennen, der uns über die Verhältnisse dieses Betriebes unterrichtet hat. Natürlicherweise können wir diesem Ansuchen nicht nach- kommen. Die Zuschrift an unS enthält außer jener Forderung noch eine Darstellung der Firma darüber, wie sich nach ihrer Ansicht der Konflikt entwickelt hat. Und wir wollen diese wiedergeben, um nicht illoyal zu erscheinen, obgleich uns die Form der„Berichtigung" zu ihrer Aufiiahme nicht verpflichtet. ES heißt in der Zuschrift: „Zur Berichtigung erwähnen wir hier nur kurz, daß in unserer Fabrik Schraubendreher mit einem Stundenlohn von 40 Pf. über- Haupt noch nicht beschäftigt wurden, vielmehr zahlten wir stets nach dem von dein Metallarbeiterverband festgesetzten Tarif, nämlich 45 Pf. Ebenso ist auch die Nachricht, die Dreherinnen verdienten nur 8—10 M. in der Woche, direkt aus der Luft gegriffen. Unsere Akkordsätze sind die gleiche» wie in anderen Schraubenfabriken und lassen, je nach Geschick und Fleiß der Arbeiterinnen, einen Wochen- verdienst von 15—13 M. zu. Ueberhaupt verhält sich die Angelegen- heit ganz anders als in Ihrer Notiz geschrieben. Acht Tage vor der Entlassung wurde von den männliche» Arbeitern schon am frühen Morgen eine regelrechte Kneiperei während der Arbeitszeit in Szene gesetzt. Um Differenzen aus dem Wege zu gehen, ersuchte sowohl der Geschäftsführer als auch der Meister im höflichsten Tone Vernunft anzunehmen; dies wurde auch versprochen, aber trotzdem wurde hinter dpn Rücken der Vorgesetzten weiter gekneipt, und selbstverständlich nicht gearbeitet. Im Laufe des nächsten Vornnttags legten plötzlich alle Arbeiter und Arbeiterinnen ohne vorherige Motivierung die Arbeit nieder und entfernten sich; erst am nachmittag begannen die Unterhandlungen wegen einiger Akkordsätze der Arbeiterinnen. Anstandslos be- willigten wir diese Forderung und die Arbeit wurde am nächsten Tage wieder aufgenommen. Trotz dieses unseres Eni- gegenkoinmens, wurde statt zu arbeiten, die Zeit vertrödelt und der Einrichter Söhn tat sein möglichstes, um das Einrichten der Bänke in die Länge zu ziehen, damit die Frauen recht wenig in der Woche verdienen sollten; die Frauen wiederum unterstützten ihn in seinem Vorhaben. Aus purem Anstand be- zahlten toir dennoch den Dreherinnen die Wartezeit in Lohn, und zwar mit 30 Pf. pro Stunde, waS doch gewiß recht anständig ist. Als diese Mißwirtschaft sich jedoch nicht änderte, blieb uns weiter nichts übrig, als alle zu entlassen. Sie werden daraus ersehen und zugeben müssen, daß wir nur korrekt gehandelt haben und die Entlassung nicht aus Lohnforderungen entstanden ist, denn solchen sind wir, wenn sie berechtigt sind, stets zugänglich." Wir haben in der Angelegenheit Erkundigungen eingezogen, und da ist uns mitgeteilt, daß der Lohn der Schraubendreher m der Tat nicht 40, sondern 45 Pf. beträgt. In dieser Beziehung haben wir also einen Irrtum zu berichtigen, den wir gern eingestehen. Im übrigen bleiben die Tatsachen bestehen, daß der Verdienst der Schraubendreherinnen resp. Arbeiterinnen ein niedriger ist, und daß der Inhaber der Firma, ein Herr Hassan, als die Arbeiterschaft verlangte, daß einige Preise aufgebessert werden sollten, dies ab- lehnte und einige Tage später die Arbeiter und Arbeiterinnen plötz- lich entlassen wurden. Auf eine telephonische Anfrage seitens des Metallarbeiter- Verbandes lehnte Herr Hassan jede Verhandlung ab. Nachdem sein Betrieb gesperrt war, ließ sich der Herr in Ver« Handlungen ein. ES tvurde nun vereinbart, sänitliche Entlassenen wieder emzustellen, außer drei Arbeitern, welche auch auf die Wieder- einstellung verzichteten. Die Glaser beschlossen, überall dort, wo der neue Tarif sofort anerkannt ist. werter zu arbeiten. Alle übrigen in den Mcntagsblättern verbreiteten Nachrichten beruhen auf Unwahrheit. Jeder Arbeitsberecktigte hat eine rote Arbeitsberechtigungskarte im Besitz. Die Ortsverwaltung. Deutsches Reich. Ein neuer Tarifvertrag im Buchbindergewerbe. Durch die Verhandlungen in Leipzig ist ein neuer Tarifvertrag zustande gekommen, dessen endgültige Annahme allerdings noch von der Zustimmung der Buchbinderversammlungen in den drei Tarif- städten abhängt. Die Verhandlungen selbst waren mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Sie begannen am Sonnabend. Die Unternehmer lehnten es rundweg ab, mit Vertretern des Verbandsvorstandes zu ver- handeln. Aber am anderen Tage gaben sie diese schroffe Haltung aus und erklärten sich damit einverstanden, daß die drei anwesenden Vertreter des Verbandsvorstandes mit beratender Stimme an den Verhandlungen teilnahmen. Der Tarif, der dann nach teilweise scharfen Auseinandersetzungen zustande kam, entspricht in mancher Hinsicht nicht den Wünschen der Gehülfen und Arbeiterinnen, und er wurde von ihren Vertretern nur vorbehaltlich der Zustimmung der öffentlichen Versammlungen unterzeichnet. Wenn diese Ver» sammlungen sich geäußert haben, wird vielleicht nochmals eine Ver- Handlung mit den Unternehmern notwendig werden. Für Berlin findet die öffentliche Versammlung am Mittwoch- abend bei Keller in der Koppenftraße statt.— Bekanntlich hat die Berliner Buchbindcrinnung beschlossen— allerdings nicht, wie in einigen Blättern berichtet wurde, einstimmig— am 21. Juli ihre organisierten Gehülfen und Arbeiterinnen auszusperren, um die großen Unternehmer in ihrem Kampf gegen den Buchbinder- Verband zu unterstützen. Nachdem jetzt jedoch die Beendigung des Kampfes bevorsteht, wird wohl auch jener Jnnungsbeschluß als hin- fällig anzusehen sein. Uebrigens haben einige der bedeutendsten Jnnungsmeister ihrem Personal erklärt, daß sie trotz jenes Be- schlusses nicht aussperren würden, weil sie eine solche Maßregel für töricht erachteten.— Die Innung hat auch den paritätischen Arbeits- Nachweis gekündigt; der Nachweis wird jedoch vorausiiebtlich dessen- ungeachtet fortbestehen._ Sämtliche Tischler und Holzbcarbeitungsmaschinenarbciter von Erfurt sind gestern wegen Lohndifferenzen in den Ausstand ge> treten. Im RettungScifer für das aussperrende Unternehmertum hat in Zittau der Bahnhofsinspektor Zettel die Polizei übertroffen. Er untersagte den Streikposten der ausgesperrten Maurer, die schon seit Wochen im Kampfe stehen, das Betreten des dem Bahnfiskus gehörigen Terrains vor dem Bahnhofsgebäude. Auf diese Weise glaubt wohl der Bahnhofsinspektor den Ausgesperrten jede Kontrolle über etwa ankommende Streikbrecher unmöglich machen zu können. Das wird ihm ja nicht gelingen. Es verdient aber noch hervor- gehoben zu werden, daß unter demselben Bahnhofsinspektor, der so gegen die Ausgesperrten vorgeht, ankommende Streikbrecher vom Zittauer Bahnhofe Hintenweg auf sonst verbotenen Weaen in die Stadt gebracht werden._ Die politische Neutralität der christliche» Gewerkschaften. Gegen die Vehaiiptung, daß die christlichen Gewerkschaften nicht? weiter seien wie Anhängsel und Hülfstruppen des Zentrums, wehren sich die Agitatoren und Preßorgane dieser Organisationen immer mit großem Geschrei. Dieses Geschrei ist natürlich noch lange kein Gegenbeweis. Dagegen ist soeben einem christlichen Gewerkschasts- organ einmal das offene Geständnis entschlüpft, wohin bei den Christlichen die Reise gehen soll. In der christlichen GewerkschastSpresse wird zurzeit eifrig dafür agitiert, daß sich die christlichen Arbeiter auch politischen Organi- sationen anschließen sollen. Es wird die Gründung von eigenen Arbeiterwahlvereinen gefordert, die die Wahl von Arbeiter- kandidaten erstreben sollen. Recht vorsichtig sagt das„Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften", diese politische Betätigung solle innerhalb der bürgerlichen Parteien" erfolgen, man will also den Schein vermeiden, als ob man Propaganda für eine politische Zentrumsorganisation treiben wolle. Daß eS aber tatsächlich darauf hinausgeht, darüber ist sich natürlich kein Mensch im Zweifel, der die schwarzen Pappenheimer ckdnnt. Nun haben aber einige bayerische Zentrumsorgane aus Gründen, auf die man hier nicht weiter einzugehen braucht, gegen den Plan besonderer politischer Organisation der christlichen Arbeiter Stellung genommen und zwar zum Teil unter persönlichen Ausfällen gegen den ultramontanen LandwgSabgeordnetcn S ch i r m e r in München, der ebenfalls für die Schaffung von Arbeiterwahlvereinen Propaganda treibt. Schirmer polemisiert nun in der neuesten Nummer der von ihm herausgegebenen„Sozialpolitischen Blätter" ziemlich gereizt gegen die erwähnten Organe seiner Partei und bemerkt dabei, daß„es keine andere politische Organisation der christlichen Arbeiterschaft gibt als die Arbeiter- wahlvereine der Zentrumspartei". Damit ist also nachgewiesen, daß die christlichen Gewerkschaften eine systematische politische Propaganda zugunsten deS Zentrums treiben. Deshalb bezeichnen sie sich auch als„politisch neutral". Aber die christlichen Führer werden ja wohl wissen, WaS sie ihren Anhänaern alles-umuten dürfen. Hustand. Der Strafienbahnerstreik in Rom ist beendet. Gegen die Zusicherung der Gesellschaft, keine Maßregelung vorzunehmen. wurde in der Nacht zum Sonntag die Arbeitsaufnahme beschlossen, die am Montag ohne Zwischenfall erfolgte. Die Streikenden er- rangen eine Lohnerhöhung von insgesamt 93 000 Lire pro Jahr. Der Zehnstundentag in der italienischen Textilindustrie. In Legnano ereignete sich der gewiß seltene Fall, daß die Unter» nehmer der Textilindustrie(Spinnereien, Webereien, Druckereien, Färbereien), die zusammen zirka 12 000 Arbeiter und Arbeiterinnen beschästigen, ohne es zu einem Streik kommen zu lassen, den Zehn- stundcnwg für ihre Betriebe einführten. Bisher betrug die Ar- bcitszeit 11 Stunden. Die Anregung zu der gemeinsamen Sitzung Ivar vom Bürgermeister und von mehreren Abgeordneten aus- gegangen. Es wurde ferner der Beschlutz gefaßt, die Löhne so weit zu erhöhen, daß die Arbeiter auch bei der verkürzten Arbeitszeit auf den gleichen Tagesverdienst kommen, wie vor dem. Euq der Frauenbewegung. Versammlungen— Veranstaltungen. Treptow-Baumschnlenwcg. Mittwoch, 13. Juli: Kinderfest in Speer? Festsälen, Baumschulenstr. 78. Tempelhof-Mariendorf-Marienfelde. Mittwoch, 18. Juli: Versamm- limg bei Müller. Tempelhof. Genosse Schmidt spricht über: Die Idee des GotteSbegnffeS. Charlottcnburg. Mittwoch, 18. Juli, abends 8Vs Uhr, Rosinenstr. 8; Versammlung. Vortrag von Reg. Kraus. Teltow. 26. Jul, bei Pickenhagen. 18. August Stiftungsfest. Berlin. Der Ausflug nach Treptow, Viktoriagarte», finvet umstände« halber am Montag, den 30. Juli, statt. Letzte]\achnchten und Depefchea Verkürzung der Arbeitszeit. Straßburg, 16. Juli.(B. H.) Sämtliche Mühlhauser Textil« fabrizen beschloffen der„Reichsländischen Korrespondenz" zufolge. am 1. Oktober den zehnstündigen Arbeitstag einzuführen. Der Aus- stand der Firma Stinnau in Rothau endigte mit dem Siege der [ Arbeiter. ffieiantstj. Redakteur: Hans Weber. Berlin- Inseratenteil vexavtV.: DI. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: B�iwärtSBuchdk.u.Lerlagsanstalt xaulSingerLcCo..BerlinLW. HierzuLBeilagenu.UnterhaltungSblatt Ar. 163. 23. Jahrgang. L Iciltp des Jumätte" letlinet Wsdlslt. Dienstag. 17. Juli 1906. Ausbildungskurse für Parteifunktionäre. Nachdem die zuständigen Instanzen sich in längeren Beratungen über die Grundlagen der zu errichtenden Äusbilduugskurse ver- ständigt haben, veröffentlichen wir unten die vereinbarten Grund- Züge. Es empfiehlt sich, dazu einige erläuternde Bemerkungen voraus- zuschicken. Manchem Parteigenossen wird die Zahl der in. einen Kursus aufzunehmenden Teilnehmer gering erscheinen. Für diese Zahl— 24 bis 30— sprechen aber wichtige Gründe. Die Zahl der Teilnehmer muß eS den, Lehrenden ermöglichen, sich ein- gehender mit den Einzelnen zu beschäftigen. Bei aller Sorgfalt in der Auswahl wird sich doch herausstellen, daß das Bildnngsmatz der Teilnehmer und auch die Aufnahmefähigkeit derselben sehr der- schieden ist. Der Lehrende mutz also in der Lage sein, dem Einzelnen eine grötzere Aufmerksamkeit zu widmen, um ihm das Fortkommen im Kursus zu ermöglichen. In Anbetracht dieses Umstandes ist die höchst zulässige Zahl 30. Die Ansprüche, die sowohl an den Fleitz und Eifer, wie an die Intelligenz der Teilnehmer gestellt werden, sind keine geringen, doch gibt es zweifellos in der Partei eine erhebliche Zahl Personen, die diesen Ansprüchen bei dem vorhandenen guten Willen entsprechen. ES wird aber Aufgabe der zuständigen Instanzen sein, die richtige Wahl zu treffen. Bei den Kosten, welche die Ausbildung eines Teil- nehmers verursacht— dieselben sind aus über 1500 Mark per Kopf veranschlagt—, wäre eS für die betreffende Person peinlich und der Sache nicht dienlich, mützte ein Besucher nach einiger Zeit, weil er den an ihn gestellten Anfotderungen nicht nachkommen kann, entlasten werden. Und doch wäre dieses im Interesse des Zwecks des Unternehmens nicht zu umgehen. Der Ausbildungsplan ist nicht als definitiv zu betrachten. Erst die Erfahrung kann lehren, was an demselben geändert oder ergänzt werden muh. Es kann sich auch, wie nicht erst versichert zu werden braucht, nicht darum handeln, jedes in denselben aufgenommene Lehrgebiet in seinem ganzen Umfange zu bearbeiten. Das wäre selbst bei Personen, die eine höhere Vorbildung haben,'als sie die Besucher der Kurse besitzen können, in einem Zeitraum von sechs Monaten bei dem grötzten Fleitze nicht möglich. Es kann sich nur darum handeln, aus den betreffenden Gebieten das herauszugreifen, was für den Zweck der Kurse unumgänglich ist. Insbesondere soll den Teilnehmern so weit als möglich das geistige Rüstzeug gegeben werden, daS sie befähigt, den Vorgängen in unserem sozialen und staatlichen Leben mit Verständnis zu folgen und sie kritisch zu beurteilen. Es soll ihnen der Weg gezeigt werden, wie sie ihre weitere Ausbildung zweckentsprechend selbst betreiben können. Ein Wort noch an die Gegner. Dieselben haben, als sie von der Aktion der Partei, eine„Kriegsschule" inS Leben zu rufen, hörten, jammernd hervorgehoben, das sei die Folge der Diätenzahlung an die Reichstags- Abgeordneten unserer Partei, die es nun ermögliche, 70—80000 M. ersparter Diätengelder für dieses Unternehmen zu verwerten. Das ist mal wieder neben die Scheibe geschossen. Ob von Reichswegen Diäten gewährt wurden oder nicht,>var für die Gründung der AuSbildungSkurse gänzlich gleichgültig. Dieselben sind gegründet worden, weil sie eine Notwendigkeit sind, und die Mittel dazu sind auch ohne die ersparten Diätengelder vorhanden, die nicht 70 bis 80000, sondern höchstens 40—45 000 M. betragen. Aber warum beneiden uns die kapitalistischen Parteien um unsere Mittel, die sie bei der nötigen Opfertvilligkeit in viel reicherem Matze als wir be> sitzen könnten I Die Bestimmungen sttr die AuSbildungSkurse sind folgende: Die Dauer des Kursus währt in der Regel sechs Monate. Erstmalig beginnt derselbe Mitte November 1006, später Anfang Oktober. Zweck des Unterrichts ist die Ausbildung von Redakteuren, Parteisekretären nnd Agitatoren. Die Zahl der Teilnehmer bezw. Teilnehmerinnen beträgt nicht unter 24 und nicht über 30. Für einzelne Fächer kann mit Zustimnmng deS betreffenden Bortragenden in beschränkter Zahl sogenannten Hospitanten der Besuch gestattet werden. Die Besucher der Kurse werden von den Landes- und Provinz- Organisationen in Vorschlag gebracht. Der Partcivorstand trifft im Berein mit den Vortragenden die Auswahl der Teilnehmer. Die bei einer Meldung als überzählig nicht angenommenen Kandidaten können bei einein neuen Kursus wieder in Vorschlag kommen und wird denselben alsdann so weit als möglich ein Vor- zugSrecht eingeräumt. Bei der Auswahl der Teilnehmer sind möglichst die verschiedenen Parteigebiete Deutschlands zu berücksichtigen. Von den zur Aufnahme gelangenden Kandidaten wird verlangt, datz sie keine Neulinge in der Bewegung sind. Ergibt sich, datz ein Schüler den an ihn gestellten Anforderungen nicht genügen kann, so kann derselbe auf Antrag der Vortragenden durch den Parteivorstand aus dem Kursus entlassen werden. Die Unterhaltungskosten für die Teilnehmer übernimmt die Partei und zwar werden monatlich für einen Teilnehmer 125 M. gewährt, auch wird fiir die Reise Fahrgeld HI Klasse zum Beginn und zum©chliife des Kursus vergütet. Ist eine Familie zu unterstützen, so werden hierfür besondere Sätze vereinbart. Die Lehrmittel sowie sämtliche andere Unterhaltungskosten, wie Gehälter, Miete, Ausstattung und Reinhaltung der Räume, Licht und Heizung usw. übernimmt ebenfalls die Partei. Als Lehrgegenstände sind in Aussicht genommen: Nationalökonomie. Soziologie. Historischer Materialismus. Geschichte der sozialdemokratischen Partei, Geschichte der bürger- lichen Parteien. VerfastungSwesen und soziale Gesetzgebung. Gesetzeskunde, insbesondere die wichtigsten Bestimmungen des StrafrechtS, des Strafprozestes und des bürgerlichen Rechts. ' Gewerkschaftswesen und praktische Sozialpolitik. Stil- und Redeübungcn. Die Ausbildung wird ausschließlich im Hinblick auf die künstige Stellung der Teilnehmer geleitet. Die Dauer der Ausbildungszeit beträgt wöchentlich ungefähr 30 Stunden, doch werden daneben noch Arbeiten für die Zwecke der Kurse beansprucht. Anmeldungen zum Besuch des diesjährigen Kursus sind seitens der Landes- und Provinzialorgauisationen im Laufe des September an den Parteivorstand zu richten. Der Anmeldung ist seitens der Kandidaten ein von ihnen selbst Verfaßter Lebeiislanf beizufügen. Parteizersp litternng. Die„Einigkeit", das Wochenblatt der lokalorganisiertcn Gewerk- schaften, ist in den Besitz eines Protokolls gelangt, die unter anderem auch den Bericht über eine Besprechung enthält, welche die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands mit dem Partei- Vorstande gepflogen hat. Diese Besprechung sollte, wie allseisig zu- gegeben wird, eine unverbindliche sein, die Reden und Aus- einandersetzungen waren nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt, konnten und sollten zu nichts verpflichten und stellten einfach einen Gedankenaustausch zwischen den Beauftragten der politischen Partei und denen der zentralorganisierten Verbände dar. Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlandshat es aber für richtig befunden, in ihrer Art den Vorständen der Zcntralverbände von diesen unverbindlichen Mitteilungen Kunde zu geben, sie hat auch das, was sie für nötig hielt, den Vorständen der Verbände zu sagen, stenographieren und durch den Druck vervielfälsigen lassen, und so konnte es nicht ausbleiben, datz die vielleicht nicht gewollte Bekanntgabe der Vorbesprechungen stattfand und die„Einigkeit" in den Stand gesetzt wurde, ihre die Partei beschimpfende Kritik zu üben. Den Unbefangenen mutz eS zunächst wunderlich berühren, datz ein derarsiger„Gedankenaustausch" fixiert und darauf stenographiert und protokolliert wird, obne datz man dem beteiligten Parteivorstande das Manuskript vor Drucklegung gezeigt und ihn gefragt hat. ob sein Gedankengang richtig wiedergegeben sei.— Auf allen Parteitagen, Gewerkschaftskongressen usw., ja selbst im Reichstage werden die Redner veranlatzt, das Stenogramm einzusehen. Wollte man also hier„kair", d. h. anständig verfahren, so mutzte die Generalkommission dem Parteivorstande sagen: so und so haben wir unsere Unterredung aufgefatzt, in diesem Sinne haben wir unseren Borständen berichtet, wir wollen es drucken lassen, äußert Euch, ob es korrekt ist und seid Ihr mit dieser Fassung einverstanden? All das ist nicht geschehen, die von Bebel als i n k o r r e k t be- zeichnete Fassung wurde den Vorständen der Zentralverbände mit- geteilt, das Protokoll ward gedruckt und e r st d a n n,«IS es längst zu spät gewesen wäre, irgend etwas zu ändern und richtigzustellen, wurde das gedruckte Protokoll dem Parieivorstande übermittelt. Wir können diese Art des Verkehrs zwischenGesinnungs'- genossen nicht gerade als eine parteigcnössische empfinden, sie scheint uns von einer gewissen Hinterhältigkeit diktiert, welche man kaum für möglich halten sollte. Das beliebte Verfahren mutzte den An- schein erwecken, als ob der Partei vorstand von vornherein«ein- gewickelt" werden sollte, um den Zentralverbänden zu zeigen, wie in- konsequent die Leitung der Partei ist, und wie eS der obersten Ge- Werkschaftsbehörde dagegen in erstaunlich kurzer Zeit gelungen sei, die ParteitogSbeschlüffe durch den Parteivorstand selbst zu durchkreuzen und illusorisch zu machen. Der Parteivorstand beging nun den Fehler, daS g e- druckte, ihm von der Generalkommission übermittelte Protokoll ungelesen beiseite zu legen, und so war dem Genossen Bebel die Möglichkeit genommen, gegen die inkorrekte Bekanntgabe der Generalkommission Protest einzulegen. Der springende Punkt scheint uns zu sein, ob der Parteiborstand die Propagierung des Massenstreiks überhaupt unterbinden, oder ob er nur gegenwärtig davon abschen wollte, da die augenblicklich aktuelle preußische WahlrcchtSvorlage nicht rätlich erschienen ließ, ein so scharfes Kampfmittel zurzeit zu empfehlen. Im ersteren Falle hätte der Parteivorstand gegen die Be- schlüsse deS Jenaer Parteitages verstoßen; schien ihm aber nur der Moment nnd die Frage des Wah lrechts gegenwärtig nicht geeignet, so hat er im Sinne aller Genossen gehandelt, bei welchen der gesunde Menschenverstand noch nicht durch einen Wust unftarer Phrasen oder literarischer Rechthaberei erstickt ist. Schon der Um- stand, datz die anarcho-sozialistischen Schreier und die revisionistischen Redakteure den gleichen Strang ziehen, gibt reichlich zu denken und legt uns die doppelte Verpflichtung auf. der Frage der vertrau- lichen Besprechung nicht die von gewisser Seite gewollte übertriebene Bedeutung beizumessen. Die„Einigkeit" hat nun die ganze Angelegenheit sofort in sensationellem Sinne behandelt.— Die lokalorganisierten Gewerkschaftler oder richtiger die Sprecher derselben betonen innner, was sie gerade, gegenüber den Zentral verbändlern, für gute Genossen wären. Hier hätten sie beweisen können, datz der Charakter, den sie sich beilegen, in Wahrheit bestände, daß es ihnen, besonders mit der so geflissentlich zur Schau getragenen Hochschötzung de« Genossen Bebel Ernst sei und datz sie Fehler des Parteivorstandes nicht zum Schaden der Partei ausnutzen. Anstatt durch die Berliner Organisation, deren Mit- glieder sie ja meistens sind, den Partcivorstand zur Verantwortung zu ziehen und zu fragen, ob denn dos.Protokoll der Generalkommision auch richtig sei, und wie der Parteivorstand diese Durchbrechung der Je naer Beschlüsse rechtfertigen könne, wurde unter dem sensatio nellen Titel„Ein Blick hinter die Kulissen" der Partei vorstand sofort der gan zen Welt im Verbrecherkostüm vorgeführt und als eine schwachköpfige Gesellschaft an den Pranger gestellt.— Man sieht, der Geist der Brüderlichkeit und Solidarität ist beim Gewerk schasts karte ll genau so gut entwickelt wie bei der Generab kommission. In der Absicht, den Zentralen eins auszuwischen, handelten die Kartellisten direkt unklug gegen das Partei- und gegen ihr, der Lokalen, eigenes Jntereffe. Wäre der hier angedeutete Weg beschritten worden, hätte man den Parteivorstand daraus aufmerksam gemocht, datz sein Ver- halten und die unterlassene Durchsicht des Protokolles grobe Fehler seien, so konnte der Genosse Bebel Protest einlegen, er konnte den Gewerkschaftsvorständen, die an der Konferenz teilgenommen, sagen, datz man in das Protokoll Dinge hineingebracht habe, welche falsch aufgefatzt worden seien, die Generalkommission hätte sich und ihre Manipulationen bei der Abfassung deS Protokolles verteidigen und rechtfertigen müssen, während jetzt der Parteivorstand in die Rolle deS Beschuldigten hineingedrängt ist und sich selbst recht- fertigen mutz, anstatt Rechenschaft fordern zu können. Wären wir lokal organisiert, wir würden den Unterzeichnern der Erklärung diese taktische Dummheit im Interesse der eigenen Organisation schwer ankreiden. Um aber allem die Krone aufzusetzen bringt Nr. 28 der»Einig- keit" vom 14. Juli noch einen Artikel»Aus eigener Kraft". worin mit phrasenhaften Wendungen die Partei beschimpft, Bebel fiir abgetan erklärt, zur Gründung einer neuen Parteiorganisatton aufgefordert und zum Kampf zwischen den Parteigenossen aufgerufen wird.— Wir setzen den Schluß des PhrasengedruschS hier bei. dem Machwerke dadurch eine unverdiente Verbreitung gebend. Die Schlußsätze lauten: Die Generalkommission Deutschlands und ihre Stützen, die Verbändlerpresse, rufen freudig:„Endlich ist der Wurf gelungen." Jubelnd geberden sich ihre Beamten in dem süßen Vewutztseiu, das goldene Zeitalter der Generalkommission und ihre Herrschaft ist angebrochen. Arbeiter Deutschlands I Für euch beginnt eine neue Epoche, solange euch das revolutionäre Banner noch heilig ist. Weg mit euren Führern, fort mit den goldenen Worten, denen die Taten fehlen in jenem Augenblick, wo handeln am Platze ist. Wohl ist es eine grotze historische Tat gewesen, jene sozialdemokrasische Parteiorganisation aufzubauen und sie zu erhalten, aber wenn wir heule zurückblicken, so müssen wir sagen: „Brausend stürzte einst ein wilder Waldstrom, jedes Hindernis zertrümmernd, über Felsen einher, er wand sich dann als ruhiger Fluß im ebenen Tale dahin, jetzt hat er sich in einen imermeß» lichen Morast ausgebreitet, dessen pestdurchhanchte Miasmen ringsumher die Luft vergiften." Wollen wir länger tatenlos zusehen, wie das Gift der Reformerei, des Krämergeistes und spekulierender Eunuchen Verbreitung finbet? Wollt ihr länger mit zusehen, wie Beschlüsse hinter eurem Rücken, die Sache des arbeitenden Volkes betreffend, gebrochen werden? Los von jenen Heuchlern und politischen Draht- z i e h e r n, welche eure Leiden immer mehr in die Länge zu ziehen gewillt sind. An die Arbeit, eine neue unabhängige prole- tarische Arbeiterbewegung Deutschlands in die Wege geleitet; nicht von innen heraus wird es euch gelingen, jenem Intrigen- und Vertuschiiiigswescn mit Erfolg zu begegnen. Emanzipiert euch von dem Alten, mag der Schmerz bcini einzelnen noch softes empfunden werden. Die Sache erfordert im gegebenen Augenblick ganze Männer und ganze Arbeit. Der Kampf zwischen unseren Klassen genossen, er mag ein heißer werden, aber der Preis, für den wir in die Arena steigen, ist des Kampfes wert. Rückwärts, Rückwärts, Neutralitätssimpel. Vorwärts I sehende, handelnde Proletarier. DaS sind die„guten", die„besten" Parteigenossen, welche nur das Wohl der Arbeiterklasse im Auge haben, die Organisation als einen„unermeßlichen Morast von Pest- miasmen dnrchhaucht" bezeichnen und eine neue bessere proletarische Arbeiterbewegung erschaffen wollen. Eine Infamie hat der„Vorwärts" die Indiskretionen der„Einig- keit" genannt. Das Wort ist allzu scharf im ersten Moment auch von uns empftinden worden, was aber hier vorbereitet und an- gedeutet wird, die Arbeiterklasse und ihre politische Organisasion zu zersplittern und durch innere Kämpfe die äußere Aktionsfähigkeit der Partei lahm zu legen, ist mehr wie infam, eS ist Verrat an der Partei, Verrat an der Sache der Arbeit und des Volkes. Freilich mag der Wille, solchen Verrat zu stiften, bei dem Skribifax vorhanden sein. Der Wille der Masse ist aber, dank dem sozialdemokratischen Gedanken, ein wesentlich anderer. Als einige Führer der Zentralverbände an der Maifeier rütteln wollten, haben die Masten, die eigenen Mitglieder der Verbände alle Dissentierenden lebhaft zur Ordnung gerufen, so daß diese sich wohl oder übel fügen mutzten. Die Lokalorganisationen umfassen einen winzigen Bruchteil der deutschen Arbeiterschaft, der nur solange Be- deutung hat, bis die wirklichen Massen des Proletariats sich ernstlich besinnen, keinen Versuch zur Zersplitterung der Partei zu dulden, weder auf politischem noch auf gewerkschaftlichem Gebiete. Wir hoffen, datz die lokalorganisierten Parteigenossend iese Versuche so zurückweisen werden, wie eS dem Phrasendrescher, der den Schand- artikel verbrochen hat, gebührt. Lassalle sagt,»Alle Kunst praktischer Politik um Erfolge'zu erzielen, beruht darauf, geeint aus einen Punkt alle Kraft zu konzentrieren." Der törichte Ansatz eine neue Parteiorganisation zu schaffen. würde kläglich enden, der sich entspinnende Hader aber nur den Feinden des Proletariats zugute kommen. Die Berliner Partei wacht über die Einheit und Einheitlichkeit der Arbeiterbewegung und wird alle Versuche zu Zersplitterung kraftvoll zurückweisen. L. L i e p m a n n. Dezirkskommandrur Major a. D. v. Zander u. Genosse» vor den Der Wahrspruch der Geschworenen wurde am Sonnabend un; Mitternacht dahin verkündet: Die Geschworenen haben, wie wir nur in einem Teile der Auf- läge mitteilen konnten, sämtliche Schuldfragen mit Ausnahme des Betrugsfalles Moll in Höhe von 1500 M. unter Zu- billigung mildernder Umstände verneint. Der Fall Moll betrifft folgenden Tatbestand: Im Januar 1003 schloß v. Zander mit dem Holzhändlcr Moll einen Vertrag, diesem 1000 Festraummeter Grubenholz im Betrage von 7000 M. zu liefern, v. Zander ließ sich 3000 M.. später 1500 M. Vorschuß geben, lieferte aber nicht. Das Holz konnte nach Behauptung dc� Angeklagten wegen Tauwetter nicht geschlagen werden. Später habe die große Ucbcrschwemmuug und der Verlust des Prozesses gegen Schoepka die Lieferung verhindert. Im April 1003 schrieb v. Zander in sein Tagebuch:„Die 1500 M. von Moll hätte ich auch nicht annehmen sollen, denn ich habe sie auf unrechtmäßige Art erhalten." Der Staatsanwalt beantragte sechs Monate Gefängnis, der Verteidiger eine geringe Geldstrafe und diese durch die Untersuchungshaft für verbüßt zu erachten. Das Gericht erkannte: o. Zander ist in einem Falle wegen Betruges schuldig und wird deshalb mit 300 M. Geldstrafe bestraft. Diese Strafe wird als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet. In allen anderen Fällen wird der Angeklagte v. Zander frei- gesprochen. Die Angeklagte Frau v. Zander und Liittig sind von allen wider sie erhobenen Anklagen freigesprochen. Tie Unter- suchungshaft wird aufgehoben. Die Geschworenen haben durch dies Urteil, wie wir in unserem Artikel vom Sonntag vorhersagten, einen scharfen Protest gegen das heutige System der Untersuchungshaft und der Anklagcbchörde ausgesprochen. Weit wichtiger als die Tatsache, daß v. Zander. seine Frau und der Mitangeklagte Lüttig für nichtschuldig erachtet sind, ist das Bild, das der Prozeß für weite Kreise über die Mangelhaftigkeit unseres UntersuchungS. Verfahrens geliefert hat. Aus politischen Prozessen ist ja bekannt, mit welcher Voreingenommenheit der Angeklagte oder gar der Verhaftete Richtern gegenüber zu rechnen hat. Der Untersuchungs- richter Firle ist ein Richter, der wiederholt als Untersuchungsrichter in Strafsachen gegen Genossen fungiert hat. Er mag tempcrament- voller als seine Kollegen sein: die Vorwürfe, die mit vollem Oiecht in den politischen Prozessen und in diesem Prozeß gegen den Mangel einer objektiven Untersuchung und gegen die Schutzlosigkeit des Angeklagten erhoben werden, beruhen nicht auf der Person deS Untersuchungsrichters, sondern auf dem System unserer Straf- Prozeßordnung. Die jetzige Gestaltung unseres Strafprozesses, ist ein unmöglicher Unterbau zur Eruier ung dcr Wahrheit. Anklagen, verhaften, verurteilen, weil jemand beschuldigt ist, ist die Tendenz in p o l i- tischen Prozessen. Wohnt der anklagenden Behörde diese Tendenz in politischen Prozessen bei, so muß naturnotwendig dieselbe Tendenz schließlich sich i.n alle Prpzesse hineinbohren, die von deo Inhalt des Heftes: Freies Rinder Holzsäbel, Gewerkschaftsprinzip und GeNotizen: Unfallversicherung im Blumengeschäft. Bon rts. Bon der Bekleidungsindustrie- Berufsgenossenschaft. Von E. G. Die„ Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch handlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft foftet 25 Pf. politischen Behörde, der Staatsanwaltschaft, erhoben werben. Der und ein ebenfalls gefälschtes Schreiben der bekannten Eingegangene Druckfchriften. Untersuchungsrichter ist zwar dem Namen nach Richter, der ge- Drganisation an den Berliner, Vorwärts" präsentierte, Bon der Neuen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das famten Stellung innerhalb unseres Gerichtsverfassungsgefeßes und in welchem angegeben wird, er- Strause sei vor kurzem 42. Seit des 24. Jahrganges erschienen. der Strafprozeßordnung nach ist er aber im wesentlichen lediglich aus dem Warschauer Gefängnis befreit worden, in welchem Stunfiheim? Cozialdemokratie. Bon Star! Bendemuth. ausführendes Organ der politischen Behörde, der Staatsanwaltschaft. flinten!!! Verständlich ist, wenn der Angeklagte sich gegen die Be- er zusammen mit der Genossen Lurmburg" interniert ge- erziehung und Sozialdemokratie. Von Karl Wendemuth. Strohflinten!!! Von Rudolf Krafft. handlung aufbäumte, die ihm dem Geses entsprechend vom Unterwesen sei. Bei näherer Rücksprache stellte es sich heraus, daß werkschaftstattit. Bon einem Bergarbeiter. Die Weber in der Gegen fuchungsrichter zuteil wurde. Der Angeklagte, ber seine tiefe einige Parteigenossen in Heidelberg und Basel( Dr. Waffiliew) wait. Bon L.- Notizen: Religiosität, feine Königstreue, feine Offiziersehre zu Duzenden ihm auf Grund seiner Empfehlungsschreiben, ungeachtet ihrer bon Malen in der Verhandlung betont hat, hat so am eigenen Leibe augenscheinlichen Unechtheit, Hülfe leisteten und ihn sogar mit die Folgen des Systems zu fühlen bekommen, für das er sicher als weiteren Empfehlungen versorgten. Aus Zürich soll er sich enragierter Gegner der Sozialdemokraten früher stets eingetreten nach Paris begeben haben. ift. Der Prozeß v. Bander legt aufs eindringlichste von neuem dar: notwendig ist die Beseitigung einer von der Verwaltung abhängigen Behörde, der Staatsanwaltschaft, als Herrin des Strafprozesses, dringend erforderlich find endliche Garantien für den Angeklagten im Vorverfahren und gegen Untersuchungshaft und Einsetzung von Laienrichtern, die aus allen Kreisen des Boltes vom Bolke gewählt sind. Solche an Stelle der gelehrten und an Stelle der ausgefiebten Laienrichter können allein Hüter und Schützer des Rechtes und der Wahrheit sein. Konferenz der Luxusmöbel- Arbeiter. Für die dem Gau IV des Holzarbeiterverbandes angehörenden Arbeiter der Lugusmöbelbranche fand am Sonntag eine Kon= ferena statt. Dieselbe war besucht von 21 Delegierten aus Berlin, Finsterwalde, Lübbenau, Trebbin, Biesenthal, Schönlante und Lucenwalde. Der hauptsächlichste Zweck der Konferenz war eine Aussprache über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der LurusmöbelFür Nichteingeweihte muß bemerkt werden, daß unter Luxusmöbel in dem hier angewandten Sinne nicht etwa besonders elegante Möbel zu verstehen sind, sondern unter dem Sammelnamen ..Zugusmöbel" werden vielmehr diejenigen fleinen Möbelstücke verstanden, die weniger dem Gebrauch als der Dekoration dienen, als Bauerntische, Rauchtische, Paneelbretter, Postamente und der gleichen. Wir warnen hierdurch alle Parteigenossen vor diesem Individiuum. Seine Personalien: Wuchs ziemlich hoch, kräftig gebaut, Augen grau, Haar schwarz, rasiert. Sollte er sich irgendwohin wieder um Unterstüßung wenden und seine Empfehlungsschreiben präsentieren, so bitten wir, dieselben zur Prüfung an das Ausländische Komitee des Bundes" laut folgender Adresse geft. übersenden zu wollen: Imprimerie Israélite 2011 81 rue de Carouge 81 Genève Suisse. Die Parteipresse wird um Nachdruck gebeten. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Süddeutscher Postillon" Nr. 15 ist wieder reich an Bildern. Ein farbiges Titelbild:„ Die Zusammengehörigkeit von Rapital und Arbeit von M. E." Frau Quastelhuber und ihre Freundin", zwei köstliche Frauentypen von einem Ungenannten. A. Fiebiger kennzeichnet in seiner Bulegt Borstellung der Fleischtrust- Aktien" die reine lüfterne Habgier. findet der griechisch rumänische Krieg seine Wertung. Kleinere Zeichnungen durchbrechen den Tert, aus dem wir hervorheben:„ Vetternwirtschaft"( Ge dicht). Was in der Welt vorgeht"( inkl. Sachsen). Der Storch", eine zoologische Studie." Trothas Nachfolger"( Gedicht). den Kolonien"( Gedicht). Aus Darmstadt- Großgerau". in Meissen"( Gedicht)." Die abgehackte Hand". Gedicht von Schelm von Bremen, und noch manch anderes. " „ Die Liebe in D'r Umschturz " Der Grafensproẞ", Briefkasten der Redaktion. " Die juristische Sprechstunde findet wochentäglich von 7 bis 91 Uhe abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Seder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. „ Das kommunistische Manifest". Dem Wunsche nach theoretischer Vertiefung entspricht wie selten eine Schrift das foeben in neuer Auflage mit einem Vorwort von K. Kautsky im Verlage der Buchhandlung Borwärts, Berlin erschienene„ Kommunistische Manifest" von Karl Mary und Friedrich Engels. Das im Jahre 1847 verW. Sch. Köpenick. Sie könnten sich lediglich an den Vormund oder faßte Manifest ist die bedeutungsvollste Schrift der sozialistischen das Vormundschaftsgericht wenden. Der Vormund oder ein zu bestellender Literatur. Trotz der 60 Jahre Zeitfortschritt haben die darin auf- Pfleger würde eventuell Biviltlage erheben fönnen. G. 22. Die Vers gestellten allgemeinen Grundsäge im ganzen noch heute ihre Richtig- ficherungsanstalt ist zur Ueberweisung an eine Heilanstalt befugt, nicht ber2. F. 200. Der Hamburger Wirt dürfte im Recht sein. Sie leit; und die hier in unerreichter Meisterschaft und programmatischer pflichtet. . 102. Erscheint in Dresden. Hugo M. Darlehnsforderungen verjähren in 30 Jahren. Legen Sie Kürze entwickelte Mary- Engelssche Auffassung ist heute die wissen- hätten den Bassus anders fassen sollen. schaftliche Grundlage der sozialistischen Parteien aller Länder ge- den Sie betreffenden Fall dar und knüpfen Sie daran die Frage, an deren Beantwortung Ihnen liegt. Allgemeine Anfragen sind unzweckmäßig. worden. G. R. 12. Die Be Mag G., Weißensee. 1. Ja. 2. Nein. richtigung müßten Sie bei dem Regierungspräsidenten beantragen. E. W. 41. Ja. R. R. 101, Röpenick. 1. Die fällige Miete muß gezahlt, die erst fünftig fällige Miete tann hinterlegt werden. 2. Wenn feine Einigung unter den Erben zu erzielen ist, so ist die Hinterlegung das zweckmäßigste. Die Erben haben dann untereinander ihre Ansprüche auszuflagen. Julius 999. 1. Geburtsurkunde und, falls sie minderjährig ist, die Einwilligung der Mutter ist erforderlich. 2. Ja, durch Protokoll beim Standesbeamten kann der Ehemann seinen Namen dem von ihm nicht erzeugten Kinde seiner Frau beilegen. Die Zustimmung des Vormundes und der Frau ist erforderlich. Die Kosten sind unerhebliche. K. D. 34. 1. Nein. 2. Nur so lange, bis der Allord beendet ist, 3. Nein. Der Preis der gut ausgestatteten Broschüre beträgt 50 Pf., eine für die Massenberbreitung bestimmte Agitationsausgabe ist zum Preise von 20 Pf. zu haben. Die Broschüre kann durch alle Parteibuchhandlungen, Kolporteure und Zeitungsausträger, sowie gegen Einsendung von 55 Pf. direkt durch die Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenstraße 69, bezogen werden. Das große Mißverständnis. Wir erhalten folgende Zuschrift: " Nur um einer neuen Legendenbildung vorzubeugen, ein letztes Wort zum Schluß. Alles, was der„ Vorwärts" über die Illusion der zwangsweisen politischen Wiederbelebung des deutschen Liberalismus fagt, die ich hegen und propagieren soll, ist der albernste Unsinn und beweist nur, daß die Redaktion nicht imstande ist, selbst die einfachsten Fragen zu verstehen, wenn sie ihr noch neu find. In meinem Artikel Petition Nr. 70" ist mit genügender Deutlichkeit ffizziert, was ich meine- das Gegenteil von dem, was der„ Vorwärts" verstanden haben will. Wer den Artikel mit Verstand liest, weiß, was angeregt werden foll, und er versteht auch, warum es Beckwidrig wäre, darüber jegt breiter zu diskutieren. Ich werde mir gestatten, den Vorwärts" an dem Tage an seinen gequälten Hohn über meine aufionsfähigkeit zu erinnern, wo die Illusion"- natürlich nicht nach dem Vorwärts" Verstande Wirklichkeit wird. Bis dahin kann ich warten, und hoffe nun, von der zwecklofen, mir aufgedrungenen Erklärungsschriftstellerei wieder Abschied nehmen zu können. Groß- Lichterfelde, 15. Juli 1906. Kurt Eisner. Wir hätten es natürlich nicht nötig gehabt, diesen ethischästhetischen Schimpferguß zu veröffentlichen; aber warum hätten wir den Lesern gerade dies anmutige Bekenntnis einer schönen Seele unterschlagen sollen? Lassen wir also Eisner nach Herzenstvunsch schimpfen und harren wir mit ihm des Tages von Damastus! Als Unterlage für die Beratungen der Konferenz ist eine Statistit aufgenommen worden, deren Ergebnis in einer Zusammenstellung borliegt. Danach find im Bereich des Gaues IV 1360 in der Branche beschäftigte Arbeiter ermittelt. Davon gehören 518 dem Holzarbeiterverbande und 163 anderen Organisationen an. Die Mehrzahl der Branchenange hörigen sind Tischler und Drechsler. Verhältnismäßig zahlreich find auch die ungelernten Arbeiter. Ferner kommen in Frage eine Anzahl von Polierern, Bildhauern und Maschinenarbeitern. Was die Arbeitszeit anbelangt, so beträgt dieselbe in Berlin und Umgegend im allgemeinen 52 Stunden wöchentlich. In Finsterwalde wird 56 Stunden gearbeitet, in Luckenwalde und Trebbin 57 Stunden, in Biesenthal, Driesen und Schönlante 59 Stunden, in halbau( Schles.) 65 Stunden. Auch durch diese Erhebung wird wieder die bekannte Tatsache bestätigt, daß da, wo die längste Arbeitszeit herrscht, die niedrigsten Löhne verdient werden. Während in Berlin und den Vororten der durchschnittliche Wochenverdienst 22 bis 33 m. be= trägt, stellt sich derselbe in Trebbin und Luckenwalde auf 18 M., in Biesenthal und Finsterwalde auf 17 M., in Halbau und Driesen auf 15 M. und in Schönlante auf 14 M. Anschaulicher, als es die Zahlen der Statistik können, wurden die Verhältnisse der Branche durch die Ausführungen der Rebner geschildert. Eine zusammenfassende Darstellung dieser Ausführungen gibt folgendes Bild: Die Lage der Arbeiter in der Lurusmöbel industrie ist im allgemeinen ebenso elend, wie die Lage der Korbmacher, die man ebenso wie die Bürstenmacher bisher für die am schlechtesten gestellten Branchen des Holzarbeiterverbandes hielt. Im Laufe der Zeit sind die Akkordlöhne fortgesetzt herabgedrückt worden, aber auch da, wo in Zeitlohn gearbeitet wird, ist die Arbeitsleistung derart hinaufgesetzt worden, daß sich der Stückpreis im Zeitlohn jest oft erheblich niedriger stellt, als er früher im Affordlohn stand. So ist es dahin gekommen, daß nur bei angeftrengtester Tätigkeit die angegebenen Durchschnittslöhne erzielt werden können. In den billigen Artikeln, mit denen der Markt überschwemmt wird, bieten besonders die Orte Lübben und Lübbenau eine erdrückende Kon kurrenz auf Kosten der Arbeiter. Es gibt dort Fabriken, die zum großen Teil ungelernte Arbeiter beschäftigen. Diese sepen sich zusammen aus Bauarbeitern und Landarbeitern aus dem Spreewalde, die im Winter in die Fabriken der Luxusmöbelbranche eintreten, dort für Wochenlöhne von 9 M. arbeiten und im Frühjahr wieder zu ihrem eigentlichen Beruf zurückkehren. In Schön Wir haben noch nachzutragen, daß Dittmann am legten Sonn lante( Posen) erhalten ungelernte Arbeiter der Lurusmöbel. abend in der„ Boltsstimme" noch einmal furz das Wort ergriffen hat, industrie sogar nur 7 M. Wochenlohn, und erst nach längerer Zeit, um auf die feinem Artikel angefügten Bemerkungen der Redaktion der wenn sie sich gut eingearbeitet haben, können sie einen Wochen.„ V." zu replizieren. Dittmann sagt:„ Er wußte, daß der von verdienst von höchstens 12 M. erlangen. Die niedrigen ihm fritifierte Artikel( Zentralisation und Zersplitterung eine Löhne der ungelernten haben natürlich auch auf die Löhne der ge- deutsche Parteifrage") ohne Kenntnis und ohne Vorwissen der Ternten Arbeiter gedrückt. Die Fabrikanten, die mit so niedrigen übrigen Redaktere bom Genoffen Duard aufgenommen worden sei. Löhnen rechnen, sind somit in der Lage, erheblich billiger zu liefern, Daher habe er nicht die Gesamtredaktion, sondern nur den beals die Fabrikanten in solchen Orten, wo höhere Löhne gezahlt treffenden einzelnen Redakteur verantwortlich gemacht. Den Rest werden. Besonders hat Berlin unter dieser Konkurrenz zu leiden, der Dittmannschen Ausführungen bilden polemische Wendungen gegen und hier ist es hauptsächlich die Drechslerarbeit, welche als Halb- Duard. fabrikat von auswärts massenhaft nach Berlin geliefert wird. In einer Berliner Fabrit sind jahraus, jahrein sechs Arbeiter be schäftigt, die nichts anderes zu tun haben, als die aus den Spree waldorten bezogenen Teilarbeiten zum fertigen Produkt zusammenzufeßen. Im allgemeinen erhält der Berliner Fabrikant seiner Angabe nach die Teilarbeiten aus Lübben und Lübbenau einschließlich des Materials zu einem Preise. den er in Berlin als Arbeitslohn zahlen müßte. Das lann iedoch nur bei minderwertigen Arbeiten zutreffen. Für gute Arbeiten sind die Löhne nicht so sehr verschieden, wenigstens bestehen in den mit Berlin fonkurrierenden Provinzorten leine erheblichen Differenzen in den Löhnen für Arbeiten gleicher Qualität. Die minderwertigen Drechslerarbeiten, Banernarbeit und Knechtesarbeit. In einem Dorfwirtshaus welche die Berliner Augusmöbelindustrie benötigt, werden meist von in der Nähe von Segeberg fehrte, wie das Hamburger Cho" beaußerhalb bezogen, während in Berlin selbst meist solche Artikel richtet, in später Abendstunde ein reisender Arbeiter ein. Zwischen hergestellt werden, die als bessere Tischlerarbeit anzusehen sind. ihm und den anwesenden Bauern entspann sich folgendes Gespräch: Nachdem die Besprechung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse ab- Rönnt Se Burnarbeit maten?" Jawull, dat kann id lich." geschlossen war, beriet die Konferenz, welche Mittel anzuwenden sind," So? Könnt Se plögen, seihn, meihn un all, wat fünft noch vör. um die Lage der Arbeiter zu verbessern und möglichst einheitliche fümmt?"- Ja, mien Herr! Dat ist awers doch keen BurnVerhältnisse in der Branche zu schaffen. Als Ergebnis der Be- arbeit, dat is doch Knechtsarbeit!"-Wat is denn Burnarbeit?" ratungen wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Die Konferenz ersucht den Gauvorstand, die Zahlstellen, wo die Lurusmöbelbranche vertreten ist, mehr wie bisher in der Agitation zu berücksichtigen, und zu erwägen, ob es nicht gegebenenfalls vorteilhaft ist. in allen in Frage stehenden Zahlstellen gemeinsam in eine Lohnbewegung einzutreten. Die Konferenz erfucht den Gauvorstand, dahin zu wirken, daß bei Lohnbewegungen das Hauptgewicht auf die Verkürzung der Arbeitszeit gelegt wird. Die Konferenz beschließt, daß der Gauvorstand für die Ein. führung der Lohnarbeit in der Lurusmöbelbranche Propaganda macht. Es ist dahin zu wirken, daß die Ueberstundenarbeit gänzlich abgeschafft wird." Damit war die Tagesordnung erledigt. Aus der Partei. Achtung! Parteiverhebung." Wir haben am Sonntag Auszüge aus dem unter diesem Titel in der Frankfurter Voltsstimme" veröffentlichten Artikel des Genoffen Dittmann gebracht. " Die politische Redaktion der F. B." erwidert darauf, fie sei völlig einig gewesen, jenen Beitrag ihres Mitarbeiters aufzu nehmen und zur Diskussion zu stellen. Im übrigen würden die weiteren Auseinandersetzungen mit Gen. Dittmann in der Preßtommission erfolgen. Auf unseren Leitartikel vom Freitag( Quertreibereien") will die politische Redaktion der F.„ V." noch zurückkommen. Vermischtes. „ Dat will id Se seggn. Morgens Klock veer de Lüt ut Lager fmieten, denn werrer bet lock acht slapen, naher to Feld un de Lüd nahdriewen. Middtgs bet Klock twee slapen, denn de Piep fmöten und denn„ General- Anzeiger" lesen, womöglich noch mal to Feld un de Lüd nahdriewen, un denn Abends in Krog fitten, Beer drinken un op de slechten Tiden un de Lüd schimpen. Dat is Burnarbeit, de kann ich lich maten."" De Kerl hett recht. Kröger, schent em mal een in!" riefen mehrere Bauern. Aber in Arbeit nehmen wollte keiner den Mann, er war ihnen zu helle. Piraten. Hongkong, 15. Juli. Ein Ueberfall chinesischer Seeräuber auf den Dampfer" Sainam", der in der Nacht zum Sonnabend bei Wuaschau erfolgte, geschah mit einer solchen Schnelligkeit, daß die Besabung des Dampfers teine Zeit hatte, sich Feuerwaffen zu holen. Der Führer des Dampfers, Kapitän Joslyn, erhielt einen Schuß in den Magen. Der ärztliche Missionar Me, Donald von der eng lischen Weslayan- Mission wurde, während er sich des Kapitäns an nahm, von den Chinesen angefallen und zu Boden gerissen, worauf ihm der Hauptmann der Seeräuber eine Pistole an die Schläfe Aus den Kreisen des Bundes" wird uns geschrieben: febte und ihn durch einen Schuß ins Gehirn tötete. Der erste Vor einigen Tagen wandte sich an die Züricher russische Maschinist des Dampfers wurde durch einen Schlag bewußtlos Unterstügungstaffe mit der Bitte um Hülfe ein angeblicher niedergeworfen. Die Seeräuber waren in fünf Braus von Fuwan ausgefahren. Sie erbeuteten 2000 merikanische Dollars und machten politischer Flüchtling aus Russisch- Polen, der sich Issaat Krause sich darauf in ihren Booten davon. Kapitän Joslyn wurde nach nannte und ein gefälschtes Empfehlungsschreiben des Warschauer Hongkong ins Krankenhaus gebracht, wo ihm eine Bistolenkugel Komitees des Bundes", in schlechtem Jüdisch und falschen aus dem Körper entfernt wurde. Er dürfte mit dem Leben davonDeutsch abgefaßt, mit Abdruck eines plump gefälschten kommen. Die chinesischen Behörden entsenden Soldaten und Stempels Warschauer Sozialer( 1) Bund" versehen, Torpedoboote an den Ort des Ueberfalls. Die Beerdigung der so früh verstorbenen Frau Martha Ritter, geb. Walter, findet heute Dienstag nachmittags 5 Uhr auf dem Berliner Ge meinde- Friedhof( Zentral- Friedhof) zu Friedrichsfelde statt. 29865 Die Hinterbliebenen. Arbeiter- Radfahrer- Bund ,, Solidarität“. Am Sonnabend, den 14. Juli, verstarb unsere langjährige, liebe Bundesgenoffin Martha Ritter Wir werden ihr Andenken in Ehren halten! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 5 Uhr, auf dem Berliner Gemeinde Fried hofe( Zentralfriedhof) zu Friedrichs29746 Der Gauvorstand des Gaues 9. Todes- Anzeige. Hierdurch die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unjere gute Mutter, Schwägerin, Schwieger-, Großmutter und Tante Auguste Klimpel geb. Schulz im Alter von 53 Jahren 6 Monaten nach turzent, aber schwerem Leiden am 14. Juli, früh 5% Uhr, sanft entschlafen ist. 29876 Die Beerdigung findet Dienstag, den 17. Juli, nachm. 4 Uhr, von der Halle des HimmelfahrtsKirchhofes, Nieder- SchönhausenNordend, aus statt. Um stilles Beileid bittet H. Klimpel, Buker. Allen Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Nachricht, daß meine liebe, gute Frau, unsere gute Mutter, Schwefter und Tochter Fanny Kalitz geb. Friedrich nach langem, schwerem Leiden verstorben ist. am Die Beerdigung findet Dienstag, den 17. Juli, nachmittags um 42 Uhr, von der Leichenhalle des neuen ThomasKirchhofes, Hermannstraße, aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Sparverein Arbeiterpfennig, Rummelsburg. Am Sonnabend verstarb nach langem schweren Leiden unser Mitglied, Frau Karoline Krusemark geb. Weier. Ehre ihrem Andenken. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 18. Juli, nachm. 4 Uhr, vom Gemeinde- Friedhof, Rummelsburg, Neue Prinz Albert straße, aus statt. 29756 Um recht rege Beteiligung er fucht Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 2. Berliner Reichstagswahlkreis. Nachruf! Am 15. Juli verstarb unser Mitglied, der Restaurateur Hermann Schulz Waffertorstr. 14 und wurde am Sonntag, den 17. Juli, beerdigt. Ehre seinem Andenken! 238/19 Der Vorstand. Sozialdemokrat. Wahlverein für Steglitz. Die Beerdigung unseres Mitgliedes Paul Ullrich findet heute Dienstag um 5 Uhr, von der Leichenhalle des Stegliter Kirchhofes aus statt. 203/4 Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. Zweigverein Berlin. Seftion II. Am 14. Juli verstarb plöklich unser Mitglied, der Schlosser Paul Ullrich ( Viktoria I). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 17. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Stegliter Kirchhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 29736 Der Vorstand. Am Freitag, den 13. Juli, abends 7 Uhr, starb nach langem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater Julius Fehlberg. Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle, Humboldtstraße, Reinickendorf, aus statt. Dies zeigen tiefbetrübt an Frau Fehlberg nebst Stindern. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes Fritz Lehmann fage allen Beteiligten, insbesondere ben Kollegen und Genossen meinen herzlichsten Dank. Wwe. Emma Lehmann 1781L nebst Kindern. Danksagung. Für die innige Teilnahme an der Beerdigung meines lieben Mannes, des Restaurateurs Hermann Schulz fage hiermit dem sozialdemokratischen Wahlberein für den zweiten Berliner Reichstags- Wahlkreis, den Genoffen des 228. Bezirks, sowie allen Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dant. 29852 Wwe. Berta Schulz, Waffertorstraße 14. Für den Inhalt der Juierate übernimmt die Nedaktion dem Publitum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, den 17. Juli. Menes Operutheater. Mignon. Anfang 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Berliner. Sherlock Holmes. Leffing. Die lustige Witwe. Schiller 0.( Wallner Theater.) Morwit- Oper: Die Jüdin. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( alliter- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr..Wilh. Th.) Morwitz Oper. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Jüdin. Große Oper in 5 Alten von Halebh. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Zauberflöte. Donnerstag, abends8 Uhr: Die Afrikanerin. Urania Taubenstr. 48/49. Täglich abends 8 Uhr: Sozialdemokratischer Wahlverein Dienstag, abends sub für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. 8 Zapfenstreich. Drama in 4 Aufzügen von Franz Adam Beyerlein. Mittwoch, abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Donnerstag, abends8Uhr: Zapfenstreich. ( Görlitzer Viertel.) Dienstag, den 17. Juli, abends 8%, Uhr, im Lokale ,, Süd- Ost" Waldemarstraße 75: Sim Garten tåg!. gr. Militär- Konzert. Mitglieder- Versammlung. Schweizer Garten iller N.( Friedrich Wilhelm Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. m stönigstorm Friedrichshain. städtisches Theater). Zapfenstreich. Romische Oper. Hoffmanns Erzählungen. Lustspielhaus. Unsere Käte. Metropol. Auf ins Metropol. Apollo. Berlin im Dmnibus. Das blaue Bild. Spezialitäten. Carl Weiß. Sündige Liebe. Wintergarten. Tortajada. Spezialit. Passage. Billy Brager. Spezialit. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania, Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Besuv. Sternwarte, Juvalidenstr. 57/62 Ferdinand Bonns Berliner Theater. Dienstag und folgende Tage: S Sternwarte Invalidenstr.57/ 62. OOLOGISCHER Täglich: Theater- Vorstellung, CARTEN Spezialitäten BALL. Täglich ab nachmittags 5 Uhr: Großes Militär- Konzert. Eintritt 1 M., b. 6 Uhr ab 50 Bf. Bum 10. Male: Auf der Liebes- Insel. Operetten- Burleske in 1 ft. Mlle. Martha Bellvert mit ihren Bären. dressierten Piccards amerit. Pantomime Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Die Einbrecher von New York. Jeden Mittwoch: Sherlock Holmes. W. Noacks Theater. Kinderfreudenfest. Anfang 8 Uhr. Neues kgl. Operntheater ( Kroll). Anfang 7 Uhr. Mignon. Mittwoch: Carmen. Donnerstag: Die Fledermaus. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und Invalidendank. Komische Oper. Sommerspielzeit 1906. Hoffmanns Erzählungen. Sommerpreise. ( Reine Borverkaufsgebühr.) Anfang 8 Uhr. Lustspielhaus. lebs Unsere Käte. Täglich abends 8 Uhr: Sommerpreise: Part- Fauteuil 3,20. Passage- Theater. Heute das glänzende Spezialitäten- Programm. Metropol- Theater Anfang 8 Uhr. ! Auf- in's Metropol! Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen überall gestattet. Apollo- Theater. Novität! Täglich: Novität! Berlin im Omnibus. Burleste in zwei Bildern, nach einer Schwankidee von Victor de Cottens. Im zweiten Bilde: Der Omnibus- Trick. Unter Mitwirkung der PantomimenGesellschaft James Price pom FoliesBergère in Paris. Carl Weiß- Theater. Gr. 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Photographien mit Burcau: SO., Engel- Ufer 15( Gewerkschaftshaus). Fernsprecher: Amt 4, 3578. abwechselndem Abnormitäten- Progr. Achtung! Verbindung mit größter FilmsFabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. Otto Pritzkow, Münzstr. 16. Prater- Theater Kastanien- Allee 7/9. Täglich: Amor von heute. Milardo, Humorist. Rebusa, Dressurnummer. Dammann Family. Ein gefährlicher Ausflug. Wafferpant. Pawel Comp. Konzert. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Platz 50 Pf. Volksgarten- Theater. Badstr. 8( Behm- u. Bellermannstr.) Täglich: Konzert, Theater u. Spezialitäten. Jed. Mittwoch: Gr. Kinderfreudenfest. Jed. Donnerst.: Gr. Brill.- Feuerwerk. Voltsbelustigungen aller Art. Tischbranche! Achtung! Mittwoch, den 18. Juli, abends 8%, Uhr, im„ Gewerkschaftshaus", Saal 3 Vertrauensmänner- Versammlung D für Berlin und Vororte. Zages Ordnung: 1. Bericht der Tariffommission. 2. Werkstattangelegenheit. 3. Verschiedenes. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Achtung! Ladenbranche. Der Obmann. Achtung! Donnerstag, den 19. Juli, abends 8%, Uhr im Englischen Garten, Alexanderftr. 27c Versammlung aller in der Ladeneinrichtungsbranche beschäftigten Arbeiter. Tages- Ordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Alle Kollegen, die in der Branche arbeiten, müssen erscheinen. Die Ortsverwaltung. 89/ 6* Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Rixdorf. Donnerstag, den 19. Juli, abends 8%, hr Die Raffelige it. 1 Uhr an geöffnet. General- Versammlung Bernhard Rose- Theater Befundumen, Babftraße 58. Gesundbrunnen, Das neue Juli- Spezialitäten- Programm bei Thiel, Bergstr. 151/152. Zages Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Vortrag des Genoffen Baege. 89/7 Die Ortsverwaltung. Damen 3. Verbands- Angelegenheiten. Die größte Senfation und befte Gruppe der Welt: im Salon des Löwenbändigers. Ein Dompteur, eine Tänzerin und eine Domptense mit noch nie gesehenen Tricks. 11 Uhr abends: Fütterung sämtlicher Bestien aus den Händen des Dompteurs. 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Juli 1906, abends 8 Uhr Bezirks- Versammlung Moabit im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. Zages Drdnung: Meinen geehrten Kunden, ebenso auch den Mitgl. der Neuen Maschinenbauer- Strantent., der Allg. ElektrizitätsGef., Drtskrankenkasse der Buchdrucker usw. zur geft. Senntnis, daß ich meine Stur beendet habe u. feit Anfang b. M. 1. Rezitation des russischen Revolutions- Dramas„ Am Vorabend" meine Bragis wieder selbst ausübe. ZahnMax Ackermann, künstler, Dreysestraße 1. 29915 Maybachufer 3.1 Wohn. 22%, M., 11. 1 Keller, 7 M., p. 1./10., 6. Stod I.* Ausnahmepreise für Juli. A. B. Koch, Kohlen- Groß- Handlung Berlin 0. 34, Brombergerstr. 15. Fernsprecher Amt 7, 3040. Preise für nur la Marken ab Plat 10 von Frau Regina Ruben, Hamburg. 2. Ersatzwahlen d. Bezirksleitung. 3. Berchandsangelegenheiten u. Verschiedenes. Um recht regen Besuch, auch unserer Frauen, wird ersucht. Mittwoch, den 18. Juli 1906, abends 8, Uhr in Miethe's Festfälen, Schöneberg, Hauptstr. 5-6 Bezirks- Versammlung für Westen und Schöneberg. Zages Drdnung: 1. Die Ziele und Aufgaben der Gewerkschaften". Refer.: Kollege Handke. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Bezirksleitung. Bahlreichen Besuch erwartet 122/12 Die Ortsverwaltung. Prima in Palbfieine( belannte Achtung! Verband der Portefeuiller Achtung! la Marken). pr. 8tr. 75 la Marienglück pr. 8tr. ( 110 bis 120 Std.) 78 und Ledergalanterie- Arbeiter u. Arbeiterinnen. .. von 95 M. an " 180 M. an " la Diamant( 110 bis 120 Std.) 80 Bf. n " Maß- Ersatz.. von um für die in Unmengen angekauften Wintersachen genügend Platz zu bekommen. Achtung! 3 Geschäfte Blitz 136/ 5* Achtung! 3 Geschäfte 9 Rosenthaler Straße 9 Ecke August- Straße. Stettiner Sänger 80 Chaussee- Straße 80 ( Meysel, Pietro, Britton, Böhme, Böckmann, Walden, Seidel, O. u. R. Schrader) Anjang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. 137 Große Zahlstelle Berlin. la Anthrazit Cab. 85 Bi. Mittwoch, den 18. 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Erjazwahlen der Ortsverwaltung, der Revisoren und der Agitations. tommiffion. 3. Berbandsangelegenheiten und Berschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! Das bestimmte und pünktliche Erscheinen aller Kollegen erwartet 109/8 Die Ortsverwaltung. Blitz- Schnell Station im Hause. Empfiehlt: fommt man mit der Hochbahn zu Weingarten, Gitschinerstr. 72, 1 Posten Monats- Anzüge, 1 Posten Monats- Paletots, Posten Monats- Beinkleider zu staunend billigen Preisen, auch für forpulente Herren passend. Dieselben sind von feinen Savalieren und Reisenden, die nur einen 5352* Monat ihre Garderobe tragen. Fahrgeld wird vergütet. Bitte auf Hausnummer zu achten. 00000 MA A von der Michael- Brücke A Voigts Krampenburg Dampfer- Extrafahrten Billige Dampfer- Extra- Fahrten mit Musik. Jeden Montag und Donnerstag Brücke Reederei Kahnt& Hertzer. hin und zurück 50 Pf. Stralaner Brücke aisen( Abfahrt 2 Uhr nachm. Jannowik- Brücke Schultheiß Reederei Fr. Nobiling. 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Auch strebungen des Leipziger Aerzteverbandes crustlich fernstehen. Bewerbungen unter: 284/ 18* Deutscher Kürschner- gesperrt. ger, fleinste Zeitzahlungen, Charlotten Teilzahlung. Transport frei. Wall( Zahlstelle Berlin). 24/12 Die Ortsverwaltung. 140/10 Gegenseitige Kranken- Unterstützungskasse( E. H. 58) in Rendsburg. Verband burg, Schillerstraße 82 I.+ 125* ftraße 81. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 163. 23. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Partei- Angelegenheiten. später in einer Droschke als Gefangener nach der Polizeiwache übergeführt werden sollte, versuchte die Menge, den Kutscher vom Bock herunterzureißen und den Verhafteten zu befreien. Durch mehrere berittene Schußleute esfortiert, fonnte die Droschke schließlich ihre Bur Lokalliste. Folgende Lokale haben den Besizer gewechselt, Fahrt fortfeßen. Ein anderer Erzedent erhielt einen Säbelschlag tehen uns jedoch nach wie vor zur Verfügung: Reinickendorfer quer über das Gesicht und wurde auch zur Unfallstation gebracht. Boltsgarten, Reinickendorf, Hauptstr. 51, Jub. Knebel; Parkrestaurant, Der Kutscher B. vom„ Blumeshof" war von Rowdies in eine SchauSchönholz Nr. 11, Inh. Baumgärtner; Kastanienwäldchen, Schön- fensterscheibe hineingestoßen worden und mußte blutüberströmt der holz Nr. 14, Jnh. Ramlow; Rudolf Frischs Viktoriagarten, früher Sanitätswache zugeführt werden. Etwa 15 Personen wurden in Erang' Viktoriagarten, Berlin, Badstr. 12, Jnh. Rudolf Frisch. Das Haft genommen. Botal Brauereiausschant E. Willner, Jnh. A. Schüßler, Bankow, Berlinerstr. 80-81, steht der Arbeiterschaft zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. Alle Parteigenossen, welche Ausflüge nach Königs- Wusterhausen und Neue Mühle beabsichtigen, machen wir besonders darauf auf merksam, daß das Hotel Pfuhl am Bahnhof Königs- Wusterhausen ftreng zu meiden ist. In Alt- Glienicke steht uns das Lokal von Vohne, Grünauerstraße, zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. Die Lofalfommission. Dritter Wahlkreis. Heute Dienstag, den 17. Juli, abends 8 Uhr, findet in den„ Arminhallen", Kommandantenstraße 20, eine Wahlvereins- Versammlung statt. Genosse Heine spricht über Koalitionsrecht und Justiz. Unglücksfälle im Straßenverkehr. Dienstag, 17. Juli 1906. 80. Kilometer ab noch die Rekordzeiten, so daß er die 100 Kilometer in 1 Stunde 27 Minuten 43%, Sekunden vollendete( bisher 1 Stunde 28 Minuten 17 Sekunden). Schulze war 9370 Meter zurück. In den Fliegerrennen zeigte sich Rabe als der weitaus beste Mann, der beide Rennen glänzend gewann. Bei dem Prämien. fahren gab es im ersten Vorlauf mehrere Stürze, denen 11 Mann und verschiedene Räder zum Opfer fielen. Im Endlauf siegte Rabe in überlegener Weise vor Genz, Hansen und Rudel, während Vogt und Commans an den Rundenprämien beteiligt waren. Bootsunfälle. Der letzte Sonntag scheint an Unglüdsfällen sehr reich gewesen zu sein. Bei Hirschgarten tenterte ein Achter eines Ruderklubs. Auf der Müggel, die sehr bewegt war, wurde Bei dem Umsturz eines Kremsers wurden auf dem Gesund der Sechser Liebknecht" vom Ruderklub" Freiheit" durch den brunnen zwei Personen erheblich verletzt und andere in große Dampfer Prof. Rud. Virchow" zum Umschlagen gebracht, wobei Lebensgefahr gebracht. In der Hussitenstraße geriet der Wagen alle 7 Personen, darunter eine Dame, in die Fluten stürzten. infolge zu großer Ueberlastung ins Schwanken und stürzte um. Die Von der Rettungsstation, wo der Unfall bemerkt worden war, Infassen wurden auf die Straße geschleudert und erhielten erhebliche wurde sofort das Dampfboot entfendet und sämtliche Personen ge Verlegungen. Ein ähnlicher Unglücksfall ereignete fich am Sonntag rettet. Eine Stunde nach diesem Unfall wurde das mit vier nachmittag bei Hundefehle im Grunewald. Der Fabrikant Karl Personen besetzte Boot„ Neptun" von demselben Sterndampfer auf Kallasch aus der Turmstr. 29 hatte mit seiner Familie im eigenen dem Flakensee zum Sinken gebracht. Hier hatte es den Anschein, Wagen einen Ausflug unternommen. In der Nähe der Hundekehle als ob er mit dem Dampfer" Sadowa" derselben Linie eine Wette scheute plöglich das Pferd und ging durch. Bei dem rasenden Tempo fahrt machte. Durch die folossalen Wellen wurde so viel Wasser wurde das Gefährt an einen Baum geschleudert und umgeworfen. Von in das Boot geworfen, daß dasselbe schnell sant und die Insassen den Jusassen stürzte der Fabrikant so unglücklich, daß ihm die Wagenräder sich nur durch Herausspringen helfen konnten. Von Booten, welche Achtung! Liste 1196 für die ausgesperrten Buchbinder ist ber- Oberschenkel hatte St. nicht unerhebliche Verlegungen erlitten. noch über die Brust hinweggingen. Auch am Kopfe und am rechten dem Unfall beiwohnten, wurden sie dann gerettet und ans Ufer Am gebracht. Toren gegangen. Es wird der Finder gebeten, solche im Wahl- Kurfürstendamm wurde ein Kraftwagen gegen die Bordichielle gebereinsbureau des vierten Kreises, Tilsiterstraße 81, schleudert und die beiden Insassen durch umherfliegende Glassplitter Often von Berlin zum Ausbruch. Am Sonntagabend um 11% Uhr Feuerbericht. Großfeuer fam in der Nacht zum Sonntag im born 1 Tr. abzuliefern. übel zugerichtet. Vor dem Hause Prinzen- Allee 30 wurde der wurde die Feuerwehr nach der Krautstraße 52 gerufen. Als der 7jährige Schüler Bergner beim Ueberschreiten des Fahrdammes von 11. Zug aus der Memelerstraße an der Brandstelle antam, stand einem Automobil überfahren und schwer verletzt. Bei dem Zu fammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen und einer Droschte auf dem zweiten und dritten Hofe des von mehr als 40 Betrieben wurden zwei Personen verletzt. Der Drogist Paul Franke, Lands- besetzten„ Gewerbehofes" das Quergebäude und der Seitenflügel berger Allee 28 wohnhaft, war mit seiner Frau in einer Droschke in Flammen. Der Brandherd lag im 4. Stock, wo das Feuer aus nach dem Stettiner Bahnhof gefahren, und an der Kreuzung der unbekannter Ursache in einem Filialbetrieb der Pianofortefabrik Invaliden- und Chauffeestraße karambolierte das Fuhrwert mit bon Ernst Jacob ausgekommen sein soll. Da die Flammen schon feinen Wagen geschleudert, während die beiden Insassen aus dem Reinhardt mit 6 Löschzügen ausrüdte. Um wirksam vorgehen zu einem Straßenbahnwagen. Der Kutscher Rosenbaum wurde unter eine große Ausdehnung erlangt hatten, wurde" Mittelfeuer" an umstürzenden Gefährt herausfielen. R. und F. zogen sich schwere können, wurden zwei große mechanische Schiebeleitern auf den Friedenau. Heute abend 29 Uhr: Mitgliederversammlung bei Verlegungen zu und mußten nach der Unfallstation in der Eichen zweiten Hof aufgefahren und über diese mehrere Schlauchleitungen Grube, Kaiser- Allee. Tagesordnung: Bericht von der dorffstraße gebracht werden. vorgenommen. Um eine weitere Ausdehnung auf die übrigen BeStreisgeneralversammlung, Bericht des Kassierers, Vereinsangelegen- töblich verlegt wurde gestern nachmittag die sechsjährige Schlauchleitungen von 5 Dampfsprißen unausgefeßt Wasser geben. eine m Kohlenwagen überfahren und triebe zu verhindern, ließ Oberbrandinspektor Reinhardt mit acht heiten Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Tochter Margarete des Kaufmanns Manned, Kaylerstr. 14. Die Kleine wollte in der Nähe des Elternhauses den Straßendamm Ein Teil der Wehr konnte um diese Zeit wieder abrücken. Die Dadurch gelang es gegen 22 Uhr die Macht des Feuers zu brechen. Ober- Schöneweide. Am Mittwoch, den 18. Juli, abends 8 Uhr, überschreiten, geriet dabei gegen einen Wagen der Kohlenhandlung Ablfischung, die von der zweiten Kompagnie besorgt wurde, berfindet im„ Krug zum grünen Kranze" von Höflich die Mitglieder von Pauli, wurde unter die Räder gerissen und über die Brustursachte noch viel Arbeit. Erst am Sonntagmittag fonnte die Feuerbersammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Die Arbeits- gefahrent. In völlig hoffnungslosem Zustande wurde das Kind in wehr zurückgezogen werden. Eine Feuerwache blieb noch bis gestern ruhe am 1. Mai im Orte und die Stellung des Metallarbeiterdas Elisabeth- Krankenhaus eingeliefert. berbandes und der übrigen Gewerkschaften dazu. 2. Bericht von der an der Brandstätte. Das Dachgeschoß sowie das vierte Stockwerk Kreisgeneralversammlung. 3. Die Anträge zum Verbandstag Großfind fast total vernichtet. Die unteren Stockwerke, in denen sich Berlins. 4. Vereinsangelegenheiten. Zahlreiches und pünktliches die Maschinenfabrit von G. Kärger befindet, haben besonders durch Erscheinen der Mitglieder erwartet Der Vorstand. Wasser gelitten. Rigdorf. Heute Dienstag 81%, Uhr abends: Generalversammlung des Wahlvereins bei Thiel, Bergstr. 151/152. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist pünktliches und zahlreiches Erscheinen geboten. Der Vorstand. Charlottenburg. Heute, Dienstag, abends 8 Uhr, findet im Volkshause, Rosinenstr. 3, im großen Saale die Generalversammlung scheinen aller Mitglieder, besonders aber der sich zur Neuaufnahme des hiesigen Wahlvereins statt. Mitgliedsbuch legitimiert. Das Ergemeldeten, erwartet Der Vorstand. Der Vorstand. Treptow- Baumschulenweg. Heute abend hält der Wahlverein in Speers Festsälen seine ordentliche Generalversammlung ab, in welcher außer Kaffenbericht Berichte aus der Gemeindevertretung und von der Kreisgeneralversammlung erstattet werden. Ferner wird Stellung zum diesjährigen Parteitag genommen; es ist deshalb notwendig, daß alle Mitglieder in dieser Versammlung erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch fein Zutritt. Des weiteren wird noch bekannt gegeben, daß das bisher jedes Jahr veranstaltete Waldfest infolge besonderer Umstände in diesem Jahre nicht stattfindet, an dessen Stelle hat der hiesige Wahlverein gemeinschaftlich mit dem Gesangberein Liebesfreundschaft", m. d. A.-S.-B., zum Sonntag, den 22. d. M., in Speers Etablissement ein großes Boltsfest arrangiert. Die Genossen werden ersucht, für das Gelingen dieses Festes schon jetzt Sorge zu tragen und für zahlreichen Besuch zu agitieren. Billetts find bei den Bezirksführern zu haben. " Der Vorstand. Lichtenberg. Wir machen unsere Mitglieder auf die heute abend in Gebr. Arnholds Schwarzer Adler" um 8 Uhr stattfindende Mit gliederversammlung des Wahlvereins aufmerksam. Parteigenoffen, forgt für zahlreichen Besuch und führt namentlich uns noch Fern stehende als Gäste ein. Der Vorstand. Bauunfall. Gestern vormittag 10%, Uhr ist der 35 Jahre alte Arbeiter Hermann Hirsch, Nostizstr. 45, beim Abbruch eines Leiter gerüftes in der Lindenstr. 5 durch Bruch einer morschen Sprosse aus 12 Meter Höhe nach dem Nachbarhofe, Lindenstr. 4, abgestürzt. Er erlitt eine Schädelverlegung und einen Beinbruch. Der Verunglückte starb auf dem Transport nach dem Urban- Krankenhause. Der Am Sonntagabend wurde die Feuerwehr nach dem Germaniahotel in der Jägerstraße 68 gerufen, wo sich ein Gast in seinem Bimmer vergiftet hatte. Mit einem Sauerstoffapparat wurden Wiederbelebungsversuche angestellt. Wegen einer Gaserplosion Ein heftiger Zusammenstoß zweier Straßenbahnzüge fand Sonn- erfolgte ein Alarm nach der Wrangelstraße 95, einem Gierkeller. Die Gefahr konnte bald beseitigt werden. Der Materialschaden tag nachmittag gegen 41 Uhr in der Friedrichstraße an der Ede ist nicht bedeutend. Früh um 6 Uhr hatte die Feuerwehr in der der Oranienburgerstraße statt. Ein aus der legteren kommenderarschauerstraße 18 zu tun. Dort standen Breßtohlen, Brennholz Straßenbahnzug der Linie 29 fuhr dem die Friedrichstraße in der und anderes in größerer Ausdehnung in Flammen. Ferner hatte Richtung nach Reinickendorf passierenden Motorwagen Nr. 2355 der die Wehr zum zweitenmal in furzer Zeit in der Ritterstraße 71 Straßenbahnlinie 32 mit solcher Gewalt in die rechte Flanke, daß zu tun. Im Erdgeschoß unter der alten Brandstelle, der Stockder angefahrene Wagen aus den Schienen geworfen wurde. fabrik von Gebrüder Goldmann, bemerkten Hausbewohner eine une schwere Waggon schleuderte gegen das Pferd einer in demselben gewöhnliche Hize, deren Ursache sie sich nicht erklären konnten. Augenblick vorbeifahrenden Droschte und stieß dasselbe zu Boden. Als die benachrichtigte Feuerwehr erschien und Luft machte, schlugen Infolge des Anpralls wurde dem angefahrenen Wagen der Hinter- die Flammen mit großer Gewalt aus einem Abzugsrohr heraus. perron eingedrückt, der Kontrollertisch umgelegt und eine Anzahl nur mit großer Mühe gelang es, die Flammen, die an Holzabfällen Seitenscheiben zertrümmert. Das im Wagen sigende 23jährige und Spänen von Stöcken reiche Nahrung gefunden hatten, zu Fräulein Lora Steude, Reinickendorf wohnhaft, wurde durch uniher- löschen Nachmittags um 5 Uhr tam in einem Kinematographen fliegende Glassplitter am Stopfe verlegt, fonnte jedoch, nachdem sie in der Chorinerstraße 51 Feuer aus. Filmsstreifen brannten bort. auf der Unfallstation in der Eichendorffstraße verbunden worden war, Das Publikum entfernte fich ganz ruhig. In der Krautstraße 55a, sich nach ihrer Wohnung begeben. Das Droschtenpferd mußte nach nicht weit von der alten Brandstelle, hatte die Feuerwehr am Sonnder Tierarzneischule gebracht werden. tag einen Kellerbrand zu löschen und am Planufer 31 einen Küchenbrand. Außerdem wurden noch 3 Kellerbrände gemeldet und awar aus der Prinzenstraße 13, wo Puzwolle brannte, aus der Ackerstraße 166, wo Späne in Brand geraten waren und aus der aufiberstraße 50, wo in einer Klempnerei Dichtungsstride usw. Feuer gefangen hatten. Auf dem Ostbahnhof brannte ein mit Breßfohlen beladener Eisenbahnwaggon und in der Wienerstr. 12 ein Schornstein Weitere Alarme liefen aus der Köslinerstraße 22, Lebuserstraße 15, Landsbergerstraße 79 und anderen Stellen ein. Am Montagvormittag wurde die Feuerwehr nach dem Zoologischen Garten gerufen, fie fonnte aber gleich wieder abrücken, da es sich um einen blinden Lärm handelte. Durch die Explosion eines Zu dem Vorfall in Potsdam ist zu berichten, daß der Schloffer- Epirituskochers tam in der Büdlerstraße 51 Feuer aus, wobei der meister Karl Hiller, der den tödlichen Schuß auf den Matrofen Wohnungsinhaber Brandwunden am Fuß erlitt. Früh um 7 Uhr Stubbmann abfeuerte, gestern aus der Haft entlassen wurde. Es brannte in der Andreasstraße 7 eine Schaldecke über einer Gaswird gegen ihn ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet lampe. werden. Die Leiche des Matrosen wurde zur Beerdigung freigegeben. Jm Moraft ertrunken ist der 23jährige Arbeiter Westphal, der Bezirk Waidmannsluft. Der Wahlverein veranstaltet am Sonn- bei einem Ausfluge in einem Teiche bei Müggelsdorf badete. W. tag, den 22. Juli, in Waidmannsluft im„ Schweizerhäuschen" ein verschwand plöglich in den Fluten und kam nicht wieder zum VorSommerfest. Das Komitee ist bemüht, diesen Tag den Genoffen zu fchein. Die fofort unternommenen Rettungsversuche blieben erfolg einem genußreichen zu gestalten. Es wird ersucht, für die Ver- los. Erst nach längerem Absuchen des Gewässers wurde die Leiche breitung der Billetts in weitgehendster Weise Sorge zu tragen. des Ertrunkenen in stehender Stellung aufgefunden. W. war auf Billetts find in jedem Ort bei den Abteilungsführern und in den mit eine Sumpfstelle geraten, dort stecken geblieben und vermochte sich Blakaten belegten Lokalen zum Preise von 20 Pfennig zu haben. umsoweniger zu befreien, als sich auch Schlingpflanzen um seinen Der Vorstand. Körper gelegt hatten. Der Stopf des Unglüdlichen befand sich taum Französisch- Buchholz( Bezirk Pantow). Heute abend findet in 12 gentimeter unter dem Wasserspiegel. Kähnes Festsälen die Versammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Unser Sommervergnügen. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Der Borstand. Berliner Nachrichten. Eine Mission des Polizeifäbels. Straßensperrungen. Infolge Asphaltierung werden für FuhrTeute folgende Straßen bis auf weiteres gesperrt: Kurfürstenstraße zwischen Kurfürstendamm und Schillerstraße vom 23. d. M. und die Südseite der Yorkstraße zwischen Bellealliance- und Großbeerenstraße vom 16. d. M. Zu tumultuarischen Auftritten, wobei der Polizeisäbel eine große Rolle gespielt hat, kam es in der Nacht zum Sonntag am Straußbergerplay. Infolge des Großfeuers, das auf dem Fabrikgrundstück Krautstraße 52 ausgebrochen war, hatten sich in den an- Radrennen zu Treptow. Seit langer Zeit stand in Treptow grenzenden Straßen gewaltige Menschenmassen angesammelt, um wieder einmal ein großes Rennen auf dem Programm: 100 ilodas Feuer zu beobachten. Durch den enormen Andrang wurde die meterrennen mit internationaler Besetzung. Das Rennen Feuerwehr schließlich bei den Löscharbeiten behindert und dehnte endete mit einem Siege Contenets; allerdings schied sein deshalb die Polizei die bereits getroffenen Absperrungen noch weiter schärfster Gegner, der Belgier Banderstuift, beim 83. Kilometer aus. Da die Beamten teilweise mit ziemlicher Strenge vorgingen, durch einen bösen Sturz aus, so daß der weit hinterdrein fahrende Der lettere hatte überwurde das Publikum in eine etwas gereizte Stimmung versetzt. A. Schulze auf den zweiten Platz fam. Der Menschenandrang wurde von Minute zu Minute größer und haupt keinen guten Tag; zu Beginn der Fahrt an zweiter Stelle die Situation spiste sich immer mehr zu. Da ertönte plößlich die liegend, wurde er schon in der zweiten Runde von dem Franzosen Order biantzuziehen und einer der ersten, welcher den Säbel aus eingeholt, wehrte sich aber längere Zeit tapfer und kam dann in der der Scheide zog, war ein auf dem Straußbergerplaz stehender 54. Runde durch Radwechsel und Fall endgültig auf den dritten Polizeihauptmann. In der Nähe des Offiziers befand sich der Blah. Das von Vanderstuift vorgelegte Tempo war ein derartig 26jährige Schlächter Karl Schumann aus der Weberstraße 12, schnelles, daß der Reford von 10 Kilometer um 15 Sekunden dessen Freund Mennig aus der Weberstraße 62 und einige andere unterboten wurde, um dann allerdings nachzulassen. Contenet Bekannte, die alle dem Feuer mit zugesehen hatten. Bei dem vermochte nicht standzuhalten und fiel einige Male von seiner großen Gedränge fiel dem Sch. der Hut vom Kopfe und als er sich Führung ab, so daß er beim 30. Kilometer zweimal, Schulze bereits danach bücken wollte, erhielt er von dem Polizeihaupt- fiebenmal überrundet war. Kurz vor dem 40. Kilometer wechselte mann einen schweren Säbelhieb über die linke Banderstuift seine Führung, wobei Contenet seinen Verlust von Hand. Der Schlag war mit solcher Wucht geführt worden, daß 820 Meter auf 750 Meter verminderte, fiel jedoch für die nächsten das Handgelenk, die Sehnen und Schlagadern 30 Kilometer wieder bis auf 930 zurüd, ohne daß es dem fortbollständig durchgehauen wurden. Der Getroffene während angreifenden Vanderstuift gelang, das dritte Mal den wurde nach der Sanitätswache am Grünen Weg gebracht. Auf der Franzosen zu passieren. Bei dieser Jagd fiel auch der Rekord von Wache verlor der Schwerverletzte bald das Bewußtsein. Nach An- 60 Kilometer auf 50 Minuten 34%, Sekunden( bisher 52 Minuten). legung von Notverbänden brachten ihn Schuhleute in das Kranken- Endlich gelang es Vanderstuift in der 216. Runde an Contenet haus Am Friedrichshain. Von einer Amputation der Hand ist vor- vorbeizukommen. Aber nicht lange danach fette der Franzose zur läufig Abstand genommen worden. Sch. gibt an, daß er zwar an- Verfolgung ein und ging in der 227. Runde in schärfster Gangart getrunken war, aber nicht das geringste unternommen habe, was an dem Belgier vorbei, der zwei Runden danach durch Reifenschaden das Vorgehen des Polizeihauptmanns rechtfertigen könnte. Mehrere zu Fall fam und sich arge Fleischwunden an Schulter und Armen Zeugen befunden das gleiche. Die Aufregung, welche sich jetzt der auzog. Sein gesamter Vorsprung ging verloren und in der Menge bemächtigte, wuchs immer mehr. Als ein Polizeibeamter 253, Runde hatte nach verzweifelter Gegenwehr Contenet eine einen jungen Mann sistieren wollte, sprang dessen Freund hinzu Runde gut, der bald darauf die zweite folgte. In der 265. Runde und wollte ihn befreien. Der Schußmann zog darauf blank und stieg Banderstuift vom Rad und schied aus dem Rennen. Schulze versetzte seinem Widersacher zwei Schläge über den Kopf. Der Ge- hatte inzwischen wieder einmal Rad und Führung gewechselt, aber troffene trug acht Zentimeter lange laffende Wunden davon und ohne Erfolg, sein Abstand wurde immer größer. Contenet ließ wurde gleichfalls nach der Sanitätswache gebracht, Als er dann les fich jedoch an feinem Sieg nicht genügen, er berbesserte vom Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. Mit der Erhöhung des Weißbierpreises und der Zigarettens steuer beschäftigte sich eine von zirka 400 Gast- und Schankwirten besuchte Versammlung im Voltshause, Rosinenstr. 3. Das Referat hatte Sollege Ewald übernommen, der zunächst die Eigenbrödelei der beiden Gastwirtsvereine mißbilligte, indem sie in einer Zeit, wo Einigkeit am Blaze sei, zwei Versammlungen einberufen hätten, anstatt sich gemeinsam an einer Versammlung zu beteiligen, um geschlossen gegen die geplante Erhöhung des Weißbierpreises Redner geht alsdann auf vorzugehen. auf die Erhöhung des Bierpreises ein, streift zunächst das Vorgehen der Bayrischdie erst den Hektoliter um 2,50 Mark bierbrauereien, erhöhten und dann auf 1,20 M. Heruntergegangen seien. Zur Er höhung des Weißbierpreises bemerkt Redner, daß dabei mindestens 7/8 aller Gastwirte ihrem Bankerott entgegengingen, indem bei dem Preisaufschlag, den kleineren Gefäßen und bei Fortfall aller bisher gewährten Vergünstigungen eine Preiserhöhung von 5 M. pro Tonne herausfäme. Dem Einwand eines Brauereidirektors, daß die Preiserhöhung notwendig geworden sei durch die Erhöhung der Produktionsfosten, hält Redner entgegen, daß der Preis für Hopfen seit dem Jahre 1904-1906 von 340 refp. 370 Mart auf 85-100 Mark gesunken sei. Redner appellierte zum Schluß an die Anwesenden, den Kampf aufzunehmen und nur von den Brauereien Bier zu entnehmen, die zu den alten Preisen zu liefern getvillt seien. Die hierauf folgende Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats. Ein Antrag, das Weißbier so lange von ringfreien Brauereien zu entnehmen, bis der Aktionsausschuß seine Beschlüsse gefaßt hat, ge= langte zur Annahme. Den Kollegen sollen Plakate überwiesen werden, auf welchen die ringfreien Brauereien verzeichnet sind. Ebenso gelangte eine Resolution zur Annahme, worin die Versammlung gegen die ungerechtfertigte und horrende Erhöhung des Weißbierpreises Protest einlegt. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung referierte Kollege Ewald über die Bigarettensteuer. Redner bezeichnete diese Steuer als eine doppelte, indem nicht nur die einzelnen Tabakforten besteuert würden, sondern auch die Banderolensteuer hinzukäme. Er ersuchte die Versammelten, um sich vor Strafe zu schüßen, die noch in ihrem Besitz vorrätigen Bigaretten bei der Steuerbehörde anzumelden. Dk« erste» AntomoSil-Löschzuq in Groß-Berlin wird die Nachbnr� staot Charlotlciiburg erholten, welche bereits im vergangenen Jahre den Bau einer Autoinobil-Feuerwache beschlossen hat. Die neue Wache wird in der Suarezstraße errichtet und vollständig modern ausgebaut. Sie erhält einen arohcn UebungShof, eine Turnhalle init Steigerturm, Werkstätten für Reparaturarbeiten, sowie eine elektrische Ladestation. Die Wache wird mit einem vollständigen Automobil-Löschzug, bestehend aus Leiter-MannschaftSwagen, Dampf- spritze und Gerätschaflöwagen mit Akkumulatorenbetrieb ausgerüstet lind erhält auszerdeni noch einen auS Mannschaftswagen und Spritze bestehenden Reservelöschzug. Die Autoniobilgefährte tvcrden so ein- gerichtet, dast im Notfalle das Auswechseln der Akkumulatoren auch auf der Strahe stattfinden kann, um ein etwaiges Steckenbleiben der Wagen zu verhindern, deren höchste Fahrgeschwindigkeit auf 80 Kila meter m der Stunde berechnet ist. Rixdorf. Im Franzoscupfuhl ertrunken ist der nciliijährige Sohn Ernst rc8 Kauflnann Uhlmai aus Nixdorf. Der Knabe hatte, ohne seinen Angehörigen etwas davon zu sagen, in dein gefährlichen Tünipel au dem Tempclhofer Felde gebadet und mustte dabei elend ertrinken Seme Leiche ist jetzt auS dem Wasser gezogen worden. Noivanies- Nenendorf. Für die Tercinigung der Gemeinden von NowawcS und Neuen- darf wird jetzt von den Bürgerlichen Neuendorfs eine Agitation entfaltet, die einem objektiven Beobachter beinahe verdächtig vor- kommen kann. Dieser Tage erschien in bürgerlichen Blättern ekn augenscheinlich von einem Ncuendorfcr Gemeindcvertretcr ver� fafiter Artikel, welcher alle Vorteile aufzählte, die beiden Gemein� den aus einer Verschmelzung erwachsen würden. Diese lobend werte Erkenntnis ist jedoch nichts weiter als ein Produkt der Veo hältnisse, in die Neuendorf jetzt hineingeraten ist. Nachdem näm> lich in beiden Gemeinden nun mit den Kanalisationsarbcitcn be� gönnen ist, handelt es sich jetzt um die Beschaffung elektrischer Kraft zur Inbetriebsetzung der Pumpstation. Da sich die mit Potsdam und der Teltowtanalverwaltung diescrhalb gepflogenen' VerHand- lungen wegen der ungünstigen Bedingungen, die beide Werke stellten, zerschlagen haben, ist Nowawes oder Neuendorf genötigt, ein eigenes Elektrizitätswerk zu bauen. Die schwierige Frage ist nun die, welche Gemeinde soll das Werk bauen und unter welchen Bedingungen soll die nichtbauende Gemeinde an den Vorteilen und Lasten dieses Werkes partizipieren. Selbstverständlich will jede Gemeinde die gröhten Vorteile dabei herausschlagen, und so ist es möglich, da dadurch die Inbetriebsetzung der Kanalisation bc deutend verzögert werden kann, wovon natürlich die Einwohner. schaft beider Gemeinden den größten Schaden hat. Diese Er. wäaungen bilden wohl den Hauptgrund, weshalb auch in Neuem darf die vernünftige Ansicht Platz gegriffen hat, daß nur eine Vereinigung der beiden Orte eine gedeihliche Entwickelung derselben verbürgt. Immerhin spielen aber auch die allgemeinen Neuen- dorfer Verhältnisse bei dieser Frage eine nicht unbedeutende Rolle; insbesondere sind cL die finanziellen Verhältnisse letzterer Ge- meinde, welche lange nicht mehr so glänzend wie in früheren Jahren sind. Durch die kolossale Bautätigkeit und die sprung- hafte Bevölkerungszunahme in de» letzten Jahren mußte Neuen- dorf notgedrungen auch eine Erweiterung und Verbesserung seiner Einrichtungen, Wege, Schulen usw. vornehmen, die bedeutende AuS- gaben verursachten. Diese Ausgaben fanden aber nicht so schnell Deckung und müssen auf den Etat äußerst ungünstig einwirken, so daß die dortigen Steuerzahler in den nächsten Jahren noch) etwas tiefer werden in die Taschen greifen müssen, besonders wenn sich Neuendorf noch mehr so kostspielige Einrichtungen leistet wie Vor- schule, Gymnasium, höhere Töchterschule usw. Selbstverständlich wäre vom Stanpunkte einer vernünftigen Kommunalpolitik eine Vereinigung der beiden Gemeinden zu begrüßen, um so mehr als Nowawes nicht neben, sondern mitten in Neuendorf liegt, was zu den größten Unzuträglichkeitcn führt. Die Hauptfrage wird aber die sein, unter welchen Bedingungen die Verschmelzung vor sich gehen soll, und da dürfte nach dem bisherigen Verhalten der Neuen- dorfcr Gemeindeverwaltung Nowawes gegenüber und angesichts der jetzigen Neuendorfer Verhältnisse die Nowaweser Vertretung gut tun, äußerste Vorsicht walten zu lassen, denn jetzt heißt eS in Neuendorf:.Nur der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe." Wahrscheinlich werden sich, wie uns mitgeteilt wird, schon in nächster Zeit die beiderseitigen Gemeindevertretungen mit dem VcrcinigungSprojekt zu befassen haben. Unsere Genossen in der Nowawcscr Gemeindevertretung— in Ncuendorf sind wir leider nicht vertreten— werden natürlich alles daransetzen, um eine be- friedigendc Lösung der für die fernere Entwickelung von Nowawes- Neuendorf so wichtigen Frage herbeizuführen. Gerichts-Leitung. Herr Suchsland abermals als Kläger. Genosse Meyer hatte sich als verantwortlicher Redakteur der „kSrandenburger Zeitung" in der vergangenen Woche abermals wegen angeblicher Beleidigung des bekannten ehemaligen Lnckenwalder BürgerineisterS, jetzigen Rechtsanwalts Oskar Suchsland vor dem Brandenburger Schöffengericht zu. verantworten. Das Verbrechen sollte dadurch konsumiert sein, daß die Kostenrechnung Suchslands, die einmal vom Potsdamer Landertcht von 108.64 M. anf 0,80 M. reduziert, in zweiter Instanz vom Kammcrgericht auf 40,10 M. normiert worden, der Oeffentlichkeit mitgeteilt und dabei auch auf frühere Vorgänge im Leben des Klägers Bezug genommen war. Der Kläger verlangte durch seinen Anivalt— Gefängnisst'rafe und 500 M a r k Geldbuße. Rechtsanwalt Liebknecht begehrte die Freisprechung seines Klienten. Auf diese erkannte das Gericht auch._ Ein Schutzmann al» Zuhälter. Der Vizefcldwebel. frühere Schutzmann Karl Baur vom Bc- zirkSkommando Breslau ist von der Strafkammer Breslau wegen Zuhälterei und Betruges zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Kriegsgericht der elften Division hat ihn jetzt noch zur Degradation verurteilt. Als Schutzmann in Breslau nahm B. von einer Prostituierten über 900 M. an, ferner Zigarren, Ziaa- retten, einen Anzug und vier Brillantringe im Werte von 470 M. Die Unterschlagungen bei der Rotheninrger Bersicheriingsgesellschaft. Der Rendant der Rothenburger Versicherungsgesellschaft, Konrad Grunewald, wurde gestern von der Görlitzer Strafkammer wegen Unterschlagung von über 65 000 M., begangen während seines löjährigen Dienstverhältnisses bei der genannten Gesellschaft, zu 3 Jahren Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. Wen« zwei dasselbe tun... Wegen EigeniumSverwechselungen a la Schloß Basedow hatte sich kürzlich die in Posen wohnhafte wohlhabende Hotelbesitzerin Minna Lewin zu verantworten. Ihr war zur Last gelegt, eine größere Anzahl silberner oder versilberter Tafelutenftlien aus den Hotels Mylius und de Rome entwendet zu haben. Ter Anklage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Auf Grund einer Anzeige eines Dienstmädchens der Angeklagten wurde bei dieser durch die Posener Kriminalpolizei eine Haussuchung vorgenommen und bei dieser eine Anzahl von versilberten Bestecks, versilbertes Tafelgeschirr, Tischtücher und Servietten vorgefunden, die nach den vorhandenen Monogrammen und Gravierungen Eigentum der genannten Hotels waren. Eine silberne Kaffeekanne, dem Hotel de Rome gehörig, Halle die Angeilagte bei der Durchsuchung zum Fenster hinaus in den Hof geworfen, wo sie von einer Frau gefunden wurde. Aus dieser war die Gravierung zum Teil ausgekratzt worden. Die An- geklagte behauptete, alle diese Gegenstände seien ohne ihren Willen versehentlich durch das Dienstpersonal bei Gelegenheit der AuS- richtung von Hochzeiten mit ihr gehörigen vertauscht und so in ihren Haushalt geraten, wo sie dieselben nicht bemerkt haben will. Trotz- dem die Denunziantin beschwor, gesehen zu haben, wie die An geklagte die im Hofe gefundene Kaffeekanne entwendet, dieselbe in ein Handtuch gewickelt und heimlich nach Hause geschafft habe, ge- langte das Schöffengericht zu einem Freispruch, da es dieses Zeugnis zur Ucberführung der Angeklagten als ausreichend nicht ansah, weil Gehässigkeit gegen die Angeklagte die Triebfeder zu sein fcheine und nicht ausgeschlossen sei, daß tatsächlich unbeab sichtigte Vcrtauschungen vorlägen. Dagegen wurde die Angeklagte wegen eines raffinierten Ladendiebstahls überführt. Eine Verkäuferin aus dem Schncidcrschen Warcnhause bekundete, ihr sei die Angeklagte als Ladcndicbin bekannt gewesen. Als sie ein mal in ihrem Geschäft Einkäufe besorgte, habe sie, die Verkäuferin, auf die Angeklagte besonders Acht gegeben und hierbei die Wahr nehmung gemacht, daß die Angeklagte ein Stück Spitze im Werte von 3 M. unter ihrem Mantel verschwinden ließ. Diese ihre Wahrnehmung habe Zeugin dem Rahonches mitteilen lassen, der die Angeklagte in das Kontor bitten ließ. Auf dem Wege nach dort ließ die Angeklagte ein Palet, das ein Damcnhemd und eine solche Hose enthielt, und das sie unbemerkt vom Ladentisch unter ihr Mantelctt hatte verschwinden lassen, fallen. Diesen Diebstahl muß die Angeklagte bei diesem einwandfreien Zeugnis eingestehen. >sie wird mit Rücksicht auf ihr Alter von 60 Jahren und ihre bis herige Unbcscholtcnhcit zu der zulässig niedrigsten Strafe von einem Tage Gefängnis verurteilt. In argem Kontrast zu dieser Verurteilung steht die tags darauf vor der ersten Strafkammer des Posener Landgerichts ausgesprochene Verurteilung des Arbeiters Anton Gierka aus Pokrzhwnica, der be schuldigt war, zwei Hutbänder im Werte von 80 Ps. aus dem Barrasch'schen Warcnhause sich rechtswidrig angeeignet zu haben. Der Angeklagte behauptet, aus Unkenntnis mit den Geschäfts gcpflogenheitcn des Barrasch'schen Warenhauses die Bänder an sich genommen und mit diesen nach der Verkaufsstelle für Hüte gegangen zu sein. Er habe die Absicht gehabt, nachdem er einen solchen ausgesucht, alles zusammen zu bezahlen. Diese Angaben werden durch das Zeugnis der dreizehnjährigen Tochter des An- geklagten unterstützt, durch das der übrigen Zeugen auch nicht widerlegt, insbesondere muß die Verkäuferin zugeben, daß der Angeklagte die Bänder nicht versteckt, sondern frei in der Hand ge- halten und auf Verlangen sofort bezahlt habe. Da der Angeklagte indessen wegen Diebstahls schon vorbestraft ist, die Vorstrafen zwar schon längere Jahre zurückliegen, so schenkt ihm das Gericht keinen Glauben und verurteilt ihn zu der sehr hohen Strafe von sechs Monaten Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte nur drei Monate in Antrag gebracht.— Ja, wenn zwei dasselbe tun, so ist es doch nicht dasselbe._ Ein Lehrer vor Gericht. Die„Mecklenburgische VolkSzeitnng" in Rostock hatte im März dieses Jahres einen ihr zugesandten Gerichtsbericht von einer Schöffen gerichtsverhandlung in Bützow i. M. veröffentlicht, in dem die Worte „ein kleiner Flachsmann" in Bezug auf den Zeugen Lehrer Glitschcr gebraucht waren. Dieser Schullehrer war von FortbildungSschiilern in die Schulstube cingcsckilossen worden und auch die Fenster im Schulzimmer warfen die Schüler ein. Das alles soll nun keineswegs gutgeheißen werden. Der Lehrer hatte aber sogar einen 17jährigcn Bäckerlehrling in der Backstube verhauen, waS selbst dem betreffenden Meister des Lehrlings, als er eS erfuhr, über die Hut- chnur ging. Die kleineren sechs- bis achtjährigen Kinder, die Glitscher zu.unterrichten" hatte, nannte er gewöhnlich so: „Ochse. Esel. Rindvieh, JhrhabteinBrettvorm Kopf, Euch fehlen nur noch die Hörner, solche Bande, böse Bande und verfluchte Bändel" Diese Pferdeknechtsprache war e« indes nicht, weshalb Glitscher seinerzeit vor dem Gericht stand, vielmehr standen drei Lehrlinge als An- geklagte vor dem Schöffengericht und Gl. als Zeuge. Das Urteil ,egeil die drei jungen Menschen lautete wegen FenstereinwerfenS iei zweien auf je eine Woche Gefängnis, während einer frei ausging. Die„Mecklenburgische Volkszeitung" hatte über den Ausgang des Prozesses berichtet und den Lehrer:„ein kleiner FlachSmann" ge« nannt. FlugS wurde darauf gegen den Genossen Bruno Kühn An- klage erhoben. Die Zeugen bestätigten die Richtig« keit der Glitscherschen Aeußerungen und Be- gSmethoden. Auch der Leiter der Schule erklärte vor dem Landgericht Rostock, wenn er alles das gewußt hätte, würde er eS Glitscher verboten haben, so zu handeln. Mit Flachs- mann resp. dem Theaterstück von Otto Eriist:„FlachSmann al« Er- zieher", sagt nun aber der Staatsanwalt und mit ihm das Ge- richt, dürfe ein Lehrer aber keineswegs in Vergleich gebracht werden, denn Flachsmann sei ein Fälscher, Lügner und Betrüger und daS sei der Lehrer Glitscher ans Bützow nicht, dieser sei viel- mehr eine sehr ehrenwerte Persönlichkeit usw. Von all dem hatte die, VolkSzeitung" kein Wort geschrieben, Gl. sollte mit diesen Worten lediglich gekennzeichnet werden akS ein im höchsten Maße unzeitgemäßer Lehrer, Pedant und als ein Pädagoge, der die ihm unterstellten Kinder Bei der geringfügigsten Sache beleidigt und ins Gesicht und um den Kopf schlägt. Das Theaterstück, das im Termin zur Verlesung kam, enthalte, so sagte der Angeklagte, wenn auch manches Richtige, doch sehr viel Beiwerk und sei eine Komödie; die darin vorkommenden llnterstellungen sämtlich auf einen gegenwärtig angestellten Schullehrer übertragen zu wolle», ei doch jedenfalls undenkbar. Glitscher meinte aber, die Kinder hätten das verdient—, übrigens habe er meist.unter vier Augen" im Flur geschlagen und nicht im Klassenzimmer. Er gab auch selbst zu, seine» daumdicken Handstock mit zum Schlagen ver- wendet zu haben. Die BäckermeisterSfrau W. sagte aus,' sie habe den Lehrling B. aus dem Schlafe wecken müssen— dann hat ihn Glitschcr in der Backstube geohrfeigt, da Gl. glaubte, B. hätte ihn eingeschlossen, WaS aber gar nicht der Fall war. Trotz dieser ganzen Art und Weise wurde nicht der Lehrer zur Verantwortung ge- zogen, vielmehr erhielt der verantwortliche Redakteur der„Volks- zeitung", Genosse Kühn, einen Monat Gefängnis zudiktiert loegen Beleidigung._ Wenn ein Polizist tStet. Am Abend deS 20. August 1005 herrschte in Marten bei Dort- »nmd KirmeStrubel, wobei es natürlich auf den Straßen und in den Wirtschaften etwas lauter wie gewöhnlich hergegangen sein mag. Der Polizeisergeant Diekmann will mehrmals an- gerempelt und bedroht gewesen sein. Unter anderem will er von dem Bergmann Graß inS Gesicht geschlagen worden sein, worauf er dem G. mit dem blanken Säbel einige Hiebe versetzt hat. Dann ist er auf einer anderen Straße wieder auf einen Trupp Leute gestoßen. die nach seiner Aussage mit Steinen geworfen und gelärmt haben sollen. Polizcisergcant Dickma»» will aufs äußerste bedroht gewesen sein, hat seinen Revolver gezogen und geschossen. Der Schuh traf, ein Mensch wälzte sich m seinem Blute. Der Getroffene war unser Parteigenosse Sasse. der nach wenigen Minuten sein junges Lebenaus- hauchte. ES wurde nun zunächst auf Grund der Angaben d«S Polizisten Anklage gegen die sechs Begleiter SasscS erhoben wegen groben Unfugs und Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Bald chon wurde aber die Strasverfolguiig gegen die Sechs eingestellt, weil nichts Bestimmte« gegen sie erwiesen werden konnte. Dagegen tellten die Familienangehörigen des Getöteten Strafantrag gegen den Polizisten. Der Staatsanwalt lehnte die Straf- Verfolgung ab, erst auf eingelegte Beschwerde wurde die Anklage erhoben. Am Somiabend hatte sich darum Polizcisergcant Dielmann vor dem Dortmunder Schwurgericht wegen vorsätzlicher Körperver« letzung mit TodeSerfolg zu verantworten. Die Verhandsimg war äußerst interessant. Natürlich wiederholte Diekmann seine Angaben. Dagegen bekundeten die sechS Begleiter des Getöteten, daß sie voll- kommen ruhig ihres Weges gegange» seien, eS fei weder gelärmt noch geworfen worden, der Luge r____ Äl/.J. M-Vi- ffv— i.. klagte habe den Sasse auf eine Entfernung von etwa 50 Schritt von hinten niedergeschoss e n. Genau so bekundete auch ein Husar, der damals auf Urlaub sich befand, völlig unbeteiligt war und nur wenige Schritte hinter dem Polizisten herging. Wenn gelärmt und mit Steinen geworfen wäre, hätte er es hören müssen, die Leute seien aber völlig ruhig ge- Wesen. Plötzlich sei der Schutz aufgezuckt und Sasse sei tot gewesen. Es waren allerdings auch Zeugen da, die bekundeten, daß auf der Straße Lärm gewesen sei. DaS ist aber nach Lage der Sache selbstverständlich und kommt_ für den Fall nicht weiter' in Betracht. Ein Sachverständiger be- landete mit Bestimmtheit, daß der Schuß, der den Sasse durchbohrte, von hinten getroffen habe, während ein anderer Sachverständiger auch eine andere Möglichkeit gelten lassen wollte. Auch der Vorsitzende schien nicht sehr davon überzeugt zu sein, daß der Polizist die Waffe zu Recht gebraucht habe. Indessen der Staatsanwalt nahm sich des Angeklagten sehr warm an. Man staunte, wie er nach En t l a st n n g s m o in e n t e n suchte. Den Aussagen der sechs Be- glciter des Getöteten dürfe man keinen Glauben beiinessen, wohl aber der Aussage des Angeklagten. Polizeibeamten müsse man w o h l iv o I l e n d g e g e n ü b e r t r e t e n. Seiner lieber- zeugung nach habe der Angeklagte aus Notwehr gehandelt und darum müsse Freisprechung erfolgen. Tatsächlich erkannten dann die Geschivoreneu auf N i ch t s ch u l d i g, worauf Frei« s p r e ch u n g erfolgen mußte. So wird also das Niederlnallen eines braven Genossen migesühnt bleiben. Hier liegt wieder ein Urteil vor, das das Volk in feinem Rechtsbewußtsein aufs schwerste treffen muß. Nach solchem Urteile braucht man sich wahrlich nicht zu wundern, wenn sich die Berichte von Uebergriffen von Polizeibeamtcn beinahe unheimlich mehren. „Der Polizei muß man mit Wohlwollen gcgcnllbertreten." Dieser Ausspruch erinnert uns an die Feststellung eines namhaften Juristen, daß 100 Proz. aller verurteilten Polizisten des RuhrrevierS begnadigt würden. Wenn das wahr ist, dann braucht man sich nicht zu winidern, daß Zustände im Wachsen begriffen sind, die schlimmer sind wie die rip fischen. � Der Schutzmann als Mißhandlcr. Der Schutzmann Walt her hatte sich am Donnerstag vor der Wiesbadener Strafkammer wegen Mißhandlung im Amte zu verantworten. Er hat in der Nacht vom 12. Januar, von einer Theaterprobe für Kaisers Geburtstag kommend, die Frau eines Kollegen heimbegleitet. Unterwegs rief ihnen ein Tapezierermeister eine Bemerkung zu, die für ihn und seine Begleiterin sehr beleidigend war. Darüber kam es zu einem Disput und schließlich zur Fest- »ahme des Tapezierers. Walther hat den Arrestanten aus dem Wege zum Polizeirevier fortgesetzt gestoßen, in der Torfahrt des Revier« und ans dem Flur auch getreten und in der Wachtstube geohrfeigt. Beim Verlassen des Reviers versetzte er dem Tapezierer nochmals einen Schlag anf den Kopf. Der Tapezierer meint heute, der Schutz- mann wäre geradezu rasend gewesen. Der Schutzmann wurde zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Ein Mörder in der Uniform. Aus Rottenburg wird der„Schwäbischen Tagwacht" geschrieben: Vor 2 3 Jahren wurde hier die 18jährige Tochter des Messer- schmiedS P. Kaltenmark, als sie ihrer Mutter das Nachtessen in die obere Mühle bringen wollte, im Hagenwörth ver- g e w a l t i g t. ihr ein Knebel in den Mund gesteckt. Arme und Füße zusammengebunden und dann der Körper in den Neckar geworfen. Nach einigen Tagen wurde das Mädchen als Leiche herausgezogen. Diese Tat blieb ungesühnt, und bis zum heutigen Tage wurden verschiedene angesehene Bürger der Tat verdächtigt. Nun kommt Licht in die Sache. Bor zehn Jahren starb in Friedrichs- Hafen der seinerzeit hier bedienstetc Stationskommandant Rös- l i n g. Dieser gestand auf dem Totenbette dem Pfarrer die Mordtat; der Pfarrer durfte aber das Beichtgeheimnis, da niemand verurteilt oder unschuldig in Haft genommen war, nicht verraten. Als nun der Pfarrer ebenfalls zum Sterben kam, teilte er seinem Seelsorger das Geheimnis mit, und letzterer setzte hiervon die noch lebende Mutter des Mädchens(der Vater starb vor einigen Monaten)! in Kenntnis. Ein Mann, der stark im Verdacht stand, legte sich seinerzeit auf die Schienen; auch wurden mehrere Prozesse wegen Beleidigung angestrengt, weil der Vater des Mädchens andere öffentlich als Mörder bezichtigte, und nun hat sich das Blatt ge- wendet, der Mörder st eckte in der Uniform und war ander UntersuchungdeSFalleSdamalS beteiligt, Berliner Marktpreise. AuS dem ointlichen Bericht det slädtilchen Martlhallen-Dircktion.(Groschandel.) Nindjlcisch la 70-74»r. 100 Pfd., no 64-69, Uta 58-62, IVa 52-50, englische Bullen. 0,00, dänische Bullen- 0,00, holländisch« Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppclländer 100—110, la 82-88, IIa 72- 80, Uta 00—70. Hammeljl-ilch la 74-78, Da 64-72. Schweinefleisch 61-67. Rehböcke Ta p. Psd. 0,60-0,85, IIa 0,50-0,58. Rotwild ka m. Schuh-i'.test p. Psd, 0.52-0,60, lla 0,00-0,00. Damwild IIa 0,00— OKO. Wildschweine p. Pfd. 0,30—0,40. Kaninchen p. Stück 0,80 bis 0,40. Wildenten la p. Stück 0,90-1,30, IIa 0,60—0,80. Krickenten per Stück 0,40—0,70. Hühner, alle, per Stück 1,60—1,90, junge, per Stück 0.60—0,70. Tauben, junge, per Stück 0,35, alte 0,00. Enten, la p. Stück 0,00, alte, p. Stück 0,00, junge, p. Stück 1,50, Hamburger, junge, p. Stück 2,75. Gänse, junge la, per Pfund. 0,55—0,65, per Stück 3,00—4,25. Hechte 83—99. Schleie 76—89. Bleie 38. Aale, grotz 129—131, mittel 110—120, klein 0,00, uns. 83— 108. Plätzen 0,00. Flundern, pomm. I, i. Schock 3,00—6,50. Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel per Kiste 2—3, o. klein per Kiste 0,00. Bücklinge, engl, per Wall 4,50—5. Kieler 2—4,50, Stralsundcr 5—6. Aale, gros! pro Psd. 1,10-1,30, mittelgrog 0,80—1,00, klein 0,50—0,60. Heringe per Schock 4—5. Schellfische Kiste 2—4. Sardellen, 1902er. per Anker 85,00, 1904er 85.00, 190Ser 80,00. Schottische Vollheringe 1905 0,00, largo 40—44, füll. 36— 38, med. 35—42, oeutsche 37— 44. Heringe, neue Matjes, per'/, To. 60—120. Hummern, IIa, 100 Psd. 0,00. Krebse, per Schock, mittel 18,00, kleine 0,00, unsortiert 4,50, Galizier, mittel 0,00. Eier. Land-, per Schock 3,00, frische 0,00. Butter per tOO Plund. la 109-111, IIa 106-109, lila 102-105, ab- lallende 95—100. eauve Gurten, neue. Schock 4—6, Psessergiirten 4,50—5,00. Kartofseln per 100 Psd. mag», bon. 0,00, rote Dnbersche 0,00—0,00, neue runde 2,76—3,00, neue blaue 3,25,-3,50, neue hiesige 0,00—0, neue Herbster 2,75—3. Spinat, per 100 Pfund 8— 10. Karotten per Schock 2,50 bis 3,50. Kohlrabi, per Schock 1,00—1,50. Rettig, bahr., per Schock 2,40— 4,80. Rhabarber, Hamb., per 100 Bd. 0,00. Radieschen, per Schock-Bd. 0,60—0,70. Salat, per Schock l,2o— 2,00. Bohnen(grüne), per 100 Psd. 5—10. Schoten hiesige, per 100 Psd. 10—12. Pfesicrlinge per 100 Psd. 20—25. Mohrrüben ,er«rchock-Bd. 1,50—2,00. Blumenkohl per Mandel 1,00— 2,00. Wtrsingkoblper Rande! 1,00—1,50. Roikohl per Mandel 3,50. Weihtohl per Mandel 3—4. Birnen, italienische per 100 Psd. 18—25, schlesischc 10—20, Tiroler 28—30. Johannisbeeren, hiesige, wcibe, per 100 Pfd. 8—10, do. rote 8—10. Stachelbeeren per 100 Psd. 8-12. Kirschen. ilaL, 100 Psd. 0,00. Natten, Werdersche 22—24. Werdcrsche GlaS. 10—15. Natten 15—20, do. sauere 16—18. Schlcsische 6—16. Himbeeren, Werdersche per 100 Psd. 23—30. Blaubeeren per 100 Pfd. 7—10. Erdbeeren, Holl, per 100 Psd. 25—23, Garten- 0,00, Hamburger 13—30, hiesige 15—20. Wald- per 100 Psd. 45—55. Pflaumen, ital. lange dunkle per 100 Psd. 18—24, ilal., lange gelbe per 100 Psd. 15—25, ital., runde per 100 Psd. 15—25. Zitronen. Messina, 300 Stück 11,00-16,00, 360 Stück 14,00-16,00, 200 Stück 7,00-12,00, 420 Stück, klein 7,00. gvltternngstioersicht vom 10. Jult 1006, morgens« liste. Slatkonen Swlneinde ! Hamburg Berlin srankla M München Wien es S B i* s« 757 SN© 759©ZW 759© 763 RW 764 R© 763© vettn 3 wolkig 5 halb bd. 5 heiter 3 wollig t heiter gwollig »S! ckt all S!* «4& Stationen S s N— ji bi Haparaiida�740N© Petersburg 750 WZ© Metier ä* i' g>» « s> Sclllh itberdeen Pari» 767 WS© 756 S© 767 RW 2 Regen «bedeckt 3 bedeckt 2 bedeckt 3 halb bd. 15 15 15 11 17 Welter-Prognofe für Dienstag, den 17. Juli 1000. Zcitwciic bester, aber veränderlich nnt ctmnd Stegen und ziemlich rischen weslUcheii Winden; Temperatur wenig verändert. Berti ii erWett e rburea u. verantwortlicher Redakteur: HanS Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck w Verlag: ÄorwättS Buchdruckerei u. VerlagSanjtatt Paul Singer& Co.. Berlin sW.