Nr. 166. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pranumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwürts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 50% fg., für politische und gewerkschaftliche Bereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ..Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Unbequeme Elendsſtatiſtik. # Freitag, den 20. Juli 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. nur an Jesus Christus, die Katholischen glauben an Maria usw. Jetzt nur noch einige Zahlen aus der blutigen Statistik der Die Zeit des Weihnachtsfestes gaben 15, die des Osterfestes Kriegsgerichte: 73 falsch an. Die Frage, wer war Martin Luther", verNach dem Prozesse der 36" hat sich besonders das Kriegsgericht mochten 41 Katholiken und 38 Evangelische nicht zu beant- u itau ausgezeichnet. Am 26. Juni wurde einer, am 3. Juli fünf, am 6. Juli wieder einer und am 10. Juli sechs BerKürzlich ging durch die bürgerliche Presse eine Notiz, die worten! fich mit der Abnahme der Analphabeten im Heere beschäftigte. Diese geistige Elendsstatistik erregte damals, speziell auch fonen zum Tode verurteilt. Also im Laufe von 14 Tagen sind dreizehn Todesurteile in Mitau allein gefällt worden! In der= Eine Reihe von Blättern besaß den eigenartigen Optimismus, in pädagogischen Blättern, berechtigtes Aufsehen, lieferte sie selben Zeit haben aber auch die anderen drei Kriegsgerichte aus der Abnahme der Anzahl der Analphabeten, d. h. der doch für jeden Sehenden den Beweis dafür, daß unsere Schul- der Ostseeprovinzen ihre Henterarbeit verrichtet. So follte z. B. am jenigen Refruten, die lesen und wenigstens ihre Namen verhältnisse namentlich auf dem platten Lande noch auf einer 3. Juli der Organisator des Post- und Telegraphenstreits, Genosse leserlich schreiben konnten, den voreiligen Schluß zu unsäglich tiefen Stufe stehen und daß es unendlich Markowsky in Libau gehängt werden. In der Nacht brachen die Henter ziehen, daß diese statistischen Resultate eine bedeutende biel nüßlicher wäre, statt für Militarismus und Kolonialpolitik in die Belle ein, rissen dem unschuldig Verurteilten die Kleider vom Hebung der Volksschulbildung bewiesen. Wir Milliarden zum Fenster hinauszuwerfen und die Wilden mit Leibe, und damit er nicht in einer Rede oder nur durch einen Schrei machten schon damals darauf aufmerksam, daß eine Statistik über der bekannten kapitalistischen Kultur zu beglücken, erst einmal feine Unschuld beteuere, warf man den Unglücklichen zu Boden, schlug ihn mit den Schlüsseln so lange, bis er das Bewußtsein die Zahl der Analphabeten im Heere absolut gar nichts für die im eigenen Vaterlande selbst die elementarste verlor, brach ihm einige Rippen und brachte ihn erst dann aus dem Hebung der wirklichen Volksbildung beweise. Wolle man ein geistige Kultur zu verbreiten. Gefängnisse fort, als er feinen Laut mehr von sich geben konnte. Urteil über den tatsächlichen Stand der durch unsere Volts- Kein Wunder, daß die herrschenden Streise bei uns von um 4 Uhr morgens wurde M. dann noch gehängt. schule verbreiteten Bildung gewinnen, so müßten die Rekruten dieser gut gemeinten Dissertationsarbeit des jungen Militär- Am 1. August fommt der Monftreprozeß gegen etwa hundert einer ganz anderen Prüfung unterworfen werden. Von arztes nichts weniger als erbaut waren. Wie peinlich man Personen zur Verhandlung, die teilgenommen haben sollen an einer solchen Prüfung nehme man natürlich Abstand, da ihre die blamablen Feststellungen empfand, beweist die Tatsache, dem bewaffneten Aufstand in Kotenhusen und Römershof( Livland). Ergebnisse ein geradezu vernichtendes Urteil über daß die Arbeit Rodenwaldts gegenwärtig im Buchhandel nicht sind über 150 Zeugen verzeichnet. Augenblicklich befinden sich unsere preußischen Volksschulverhältnisse bedeuten würden. mehr erhältlich ist. Dies Verschwinden des verdienstvollen sowohl die Angeklagten als auch die Beugen in den Gefängnissen, Wie recht wir mit dieser Behauptung hatten, bewies eine Schriftchens soll, wie von eingeweihter Seite versichert wird, wo ihnen reuige Geständnisse" a la Saccharow abgepreßt werden. Herr K. v. Adolphi, der Kreischefgehülfe von Frauenburg, Statistik, die im vorigen Jahre von Dr. Ernst Roden- außerdem seine eigene Geschichte haben. Es wird von dem wir seinerzeit berichteten, daß er die Bauern foltere, bleibt waldt, Assistenzarzt im Leibkürassierregiment Großer nämlich behauptet, daß der preußische Kultusminister Herr auf feinem Posten. Gegen den Kreischef v. Bröderich haben die Kurfürst in Breslau, veröffentlicht wurde und auf die wir Studt in Person dem allzu rücksichtslosen Erforscher Bauern Klage erhoben, weil er mit Rutenschlägen( einige haben bis bereits seinerzeit hingewiesen haben. Dr. Rodenwaldt hatte preußischer Kulturschmach deutlich zu verstehen gegeben habe, 150. Schläge erhalten!) die gefangenen Bauern gezwungen hatte, nämlich 174 Rekruten des Jahrganges 1903 des genannten daß Arbeiten wie die feinige ja wohl ihr Gutes haben reuig" einzugestehen, daß sie an der Plünderung der Güter des Stüraffierregiments einer gründlicheren Prüfung unterworfen, möchten, daß es aber nicht angebracht sei, solche Basenpoth- grobinschen Kreises teilgenommen hätten! Man merkt an allem, daß die Bauern den Mut noch nicht verum genaueres über das geistige Inventar" dieser Prüflinge Arbeiten der breiteren Deffentlichkeit zu loren haben. In Selburg fand man z. B. vor einigen Tagen festzustellen. Von den 174 Refruten waren 69 gelernte, 105 gänglich zumachen! an der Stelle, wo das Militär an mehreren Personen die Todesungelernte Arbeiter. Ihrem Beruf nach waren 61 ungelernte Eine solche Auffassung ist Herrn Studt, dem mit dem strafe vollzogen hatte, einen gut bearbeiteten, großen Stein mit ent Landarbeiter, 28 Schmiede, 2 Stutscher, 21 ungelernte Ge- Schwarzen Adlerorden dekorierten Geburtshelfer unseres glor- sprechender Inschrift. Die Barbaren ließen selbstverständlich ihre Legenheitsarbeiter, 7 Fleischer, 4 gelernte Landwirte, 3 Stell- reichen Schulverpfaffungsgefeßes jedenfalls zuzutrauen. Dieser Rache auch an dem Denkmal aus und versenkten es in die Düna. macher, 3 Kaufleute, 3 Diener, 4 Schlosser und je 1 Brauer, Herr, der dem bekannten Rechtsgelehrten v. Liszt unter Be- Bald darauf war in einer Nacht auf derselben Stelle ein noch Musiker, Steinfeger, Maler, Sattler, Schniger, Stuffateur, rufung auf eine Kabinettsorder aus dem Jahre 1839 untersagte, größerer Stein mit derselben Inschrift aufgestellt. Die Gemeinde Gärtner und Schneider. bereits angekündigte Vorlesungen an der im Herbst zu wurde mit 2000 Rubel Strafe bedroht und zur Beseitigung des Die Resultate dieser interessanten Prüfung, welche eröffnenden Handelshochschule Berlins zu halten, der unlängst Steines follte sie 17 Mann stellen. Die Gemeinde hat es vorDr. Rodenwaldt als Differtationsarbeit einreichte, waren die Verfügung erlassen hat, daß keinem Mitglied der sozial- gezogen, lieber 2000 Rubel zu zahlen. Die Hunnen haben auch das zweite Denkmal in die Düna versenkt. geradezu verblüffende. Der Verfasser prüfte zunächst die Schul- demokratischen Partei die Erteilung von Turnunterricht an fenntnisse im Rechnen, Geographie und Religion. Das ABC tannten jugendliche Personen wegen Mangels der sittlichen 82; beim Rechnen haperte es bereits sehr, selbst einfachste Tüchtigkeit zu gestalten sei, dieser Herr hat allerdings Subtraktions- und Additionsaufgaben, wie 50-28 oder 23+ 44, alle Ursache, der Deffentlichkeit Tatsachen vorzuenthalten, die fonnten zirka 50 nicht herausbekommen! Auch bei den Fragen über in geradezu vernichtender Weise bezeugen, wie unsere preuGeographie, auch die engere heimatliche, zeigten sich unerwartet Bische Volksschule für die Verbreitung von Wissen und sitt große Lücken; nur Zweidrittel kannten die Mündung der Dder, licher Tüchtigkeit sorgt! ihres Heimatflusses. 30 tannten keine preußischen Städte außerhalb Schlesiens, 70 keine deutschen Städte außerhalb Preußens, 26 konnten sich bei dem Worte„ Erdteil" nichts denken. Geradezu ungeheuerliche Antworten wurden auf die Fragen über naturwissenschaftliche Gegenstände ge- Immer von neuem ist es die Bauern- Bewegung, auf die Rußgeben. So antworteten auf die Frage nennen Sie mir lands reaktionäre Gewalten mit Zittern und Bagen blicken müssen; Säugetiere", mehrere: Gänse, Hühner und denn bei diesem Hundertmillionenheer steht Tod oder Leben des Fische! Auf die Frage ,, was find Vögel für selbstherrlichen Zarismus. Die legten Tage haben wieder aus allen Tiere?" wurden mehrfach folgende Antworten gegeben: 8ug- Teilen des Riesenreiches Stunde über Bauernunruhen gebracht. Wir Sewastopol, 18. Juli.( Von einem besonderen Korrespondenten.) tiere, Säugetiere, Amphibien, Nagetiere. registrieren von diesen Meldungen nur die folgende: Petersburg, 19. Juli.( Laff.) Der Gouverneur von Drel er- Heute mittag wurde während der Gerichtssigung über die im NoAls darauf Vögel genannt werden sollten, rubrizierten 3 die fuchte den Minister des Innern telegraphisch um Entsendung vember stattgehabte Meuterei auf den Kommandeur des Brestschen Fledermaus, 4 die Ameise darunter! 74 mal wurde einer starken Militärmacht zur Unterdrüdung der agrarischen Regiments, als dieser den Saal verließ und auf den Sof trat, aus die stereotype Antwort gegeben:„ Amsel, Drossel, Fint und Unruhen im Gouvernement Drel, wozu die dortigen der Kaserne der Flottenequipage eine Bombe geworfen, die ihn jedoch Star." Als Raubtiere wurden genannt: Reh; Wildschwein; osaken nicht ausreichen; diese können nicht einmal einmal ver nicht verlegte. Fledermaus; Zebra; Strauß; Elephant; der Leonhard. hindern, daß die Bauern täglich aufrührerische Zusammenkünfte in Unter die Fische rechneten 7 Krebse, 2 die Fischotter, außer den Wäldern abhalten. Der Gouverneur traf besondere Maßregeln, dem wurden noch genannt: Kieler Sprotte: Elch; Hummer; um die Güter des Großfürsten Michael, eines Bruders des Baren, im Bezirk Sjetvst wieder in seine Gewalt zu bringen. Die dortigen Salamander; die Schlangen; Seehund; Auster; Backfisch; Bauern hatten die dem Großfürsten gehörigen Dörfer in ihre GeRollmops. Eine ebenso bodenlose Unwissenheit bewiesen die Ant- walt gebracht und bereits begonnen, feine Ländereien unter sich zu worten auf eine Reihe anderer Fragen. So wurde auf die Frage wer sind die Buren", geantwortet: schwarze Leute, Militär, ein Teil Deutscher; böse Leute; Leute in Afien; ein Königreich; Christenleute; Menschenfresser; die Jesuiten. Als Seimat der Buren wurde elfmal China, achtmal Asien, achtmal bei England", dreimal Amerika, dreimal Türkei, zweimal Spanien, zweimal Australien, zweimal Nordamerika, zweimal Griechenland, zweimal Europa geantwortet. Als Präsident der Buren wurden genannt Graf Waldersee, Loubet, Gambefta, Roosevelt usw. berteilen. Die Revolution in Rußland. Die Bauern. Zur Lage in den Ostseeprovinzen. Aus Riga schreibt man uns: Alle die langen Debatten in der Duma über die Todesstrafe usw. haben bisher unseren Provinzen wenig geholfen. Die Kreispolizeichefs mit ihren Gehülfen prügeln die Bauern wie bisher, und die Kriegsgerichte in Riga, Mitau, Libau und Reval fällen noch immer dugendweise die Urteile über ganz unschuldige Menschen. Offiziöses! Petersburg, 19. Juli. Das offiziöse Blatt Rossija erklärt hinsichtlich der von der Reichsduma geplanten Veröffentlichung einer Erflärung über die Agrarfrage: Die Regierung habe das Recht, eine derartige Veröffentlichung aus ganz demselben Grunde zu verhindern, aus welchem überhaupt aufrührerische Aufrufe verboten werden. Dasselbe Blatt veröffentlicht einen Artikel, wonach zwischen Deutschland und Desterreich- Ungarn gegen Ende Mai dieses Jahres Besprechungen über die Bedingungen einer aktiven Einmischung in die inneren Angelegenheiten Rußlands stattgefunden hätten. ( Notiz des Wolffichen Telegraphen- Bureaus: Nach unseren Er fundigungen steht die russische Regierung diesen Ausführungen durchaus fern und hat den Artikel hier bereits desavouieren lassen.) Aus Sewaftopol. Attentat. Petersburg, 18. Juli,( Meldung der Petersburger Telegraphens Agentur). Ein Revolverattentat auf den Flügeladjutanten des Staisers, Grafen Totleben, das heute von einem jungen Manne berübt wurde, scheint ein Nacheaft dafür zu fein, daß der Graf einen Agitator, der in das Lager der Sappeure in Jjora zwischen Petersburg und Schlüsselburg gekommen war, hatte verhaften lassen. Der Täter bestieg sofort ein Boot, das ihn auf der Newa erwartete und rettete sich auf diese Weise. Die Revolverfugel hat den Grafen an der linken Seite des Kopfes gestreift und ihn leicht verletzt. Der Mann mit dem Pour le mérite". Das„ Berl. Tagebl." erhielt folgendes Privat- Telegramm aus Petersburg: Wie bekannt, warten die fiehen im Prozesse der 36 zum Tode Die Nowoje Wremja" meldet, daß die Untersuchung wegen der verurteilten Genossen noch auf Antwort aus Petersburg, ob fie Kapitulation bon Port Arthur beendigt worden ist. Der Bericht sofort erschossen oder zu mehrjähriger Zwangsarbeit„ begnadigt" fell dem Baren in etwa drei Wochen vorgelegt werden. Die Unters Daß bei der Frage nach politischen Dingen die un- werden sollen. Jeder fühlende Mensch kann sich vorstellen, was für fuchungskommission, die unter General Ropp tagte, stellte fest, daß glaublichsten Antworten gegeben wurden, dürfte nach den bis- Seelenqualen diese sieben Genossen augenblicklich zu ertragen haben. Die Kapitulation der Festung ein schweres Verbrechen war. Das Dennoch beschloß das Kriegsgericht unter dessen Mitgliedern ja Gesetz fordert für Stößel Orden- und Rangentkleidung, sowie den herigen Mitteilungen nicht mehr auffallen. So antworteten 17 teine fühlenden Menschen zu suchen find den sieben, meist minder- Tod durch Erschießen, für General Fod Rangentkleidung und auf die Frage,„ wer wählt den Reichstag? der Kaiser, jährigen Personen noch eine neue Qual aufzuerlegen: Bisher hatten 20 Jahre Zwangsarbeit, für General Reiß Rangentkleidung und 8: der Kanzler, 5: die Abgeordneten, 3: die Regierung usw. die meisten Angeklagten zusammen gefeffen, jest sollten die sieben Deportation, für Statthalter Alerejem und General Smirnow sowie Nicht uninteressant war die Beantwortung der Frage: Was zum Tode verurteilten in Einzelhaft untergebracht werden. Dagegen für einige andere Offiziere einen allerhöchsten Verweis. sind Sozialdemokraten?" 28 antworteten, die protestierten die übrigen, und als die Gefängnisadministration die wollen, daß es keinen Staiser gibt", 25 die wollen Sieben mit Gewalt wegführte, begannen die Politischen des gleich und alles „ die nichts", 9 teilen", 24„ die die Gesetze gegen glauben sind;" immerZentralgefängnisses, an aller Ecken und Enden die Fenster und das an Mobiliar der Zellen zu zerschlagen. Darauf erschienen Soldaten, und es wurden Salven sowohl von außen als auch vom Korridor hin gaben fünf die leidlich vernünftige Antwort: eine aus auf die Inhaftierten abgegeben! Das Resultat bringt jeŋt Partei, die Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit will". Die Hälfte Politische Uebersicht. Berlin, den 19. Jult. Stadtverordnete als Grundstücksspekulanten. Frankfurt, den 18. Juli. das lettische Blatt Muhsu Laiti": Vier Verwundete, darunter Selbst bei den Fragen über Religion blieb das Re- einer schwer. Außerdem hat der Gouverneur auf hinweis sultat weit hinter den Erwartungen zurück, die man schon des Gefängnisinspektors v. Mirbach den zirka 100 Teilnehmern an Den meisten ist eine deshalb hegen durfte, weil die Mehrzahl der Geprüften vom den luruhen Disziplinarstrafen auferlegt. Lande stammte und somit nicht nur in der Schule, sondern Busammenkunft mit den Verwandten untersagt, und es sind ihnen auch Sonntags von der Kanzel herab mit Religion reichlich alle Privilegien" der Politischen genommen worden. genug gefüttert worden war. So antwortete ein Katholik, tonunt in den dunkelen Starzer auf volle fieben Tage! Wie daß er Martin Luther für den Papst halte. Der biel werden da noch zum Berurteilen" übrig bleiben? Jm ganzen flingen, daß es dem Genoffen Sielowsky nicht gelungen sei, für höchste Vorgesetzte der Katholiken sei der Sultan! Auf die sonen; in den übrigen Gefängnissen Livlands schmachten nach der Frage nach dem Unterschied zwischen Katholiken und Evan- Düna- 3tg." weitere 2400 Menschen! Das sind die borläufig noch gelischen wurde 33 mal geantwortet: die Evangelischen glauben lebenden Opfer der Straferpedition! In der Stadtverordnetenfigung vom Dienstag standen die beiden bereits in letzter Nummer des Vorwärts" erwähnten Berichte des Seniorenkonvents auf der Tagesordnung. Der Referent des Mehrheitsberichts, der Zentrumsstadtverordnete Dr. Heyder, ließ seine mündlichen Ergänzungen zu dem gedruckten Bericht dahin ausfeine Behauptungen auch nur den Schatten eines Beweises zu er bringen." Dabei hatte er vorher selber erklärt, man könne über die bom Stadtverordneten Bracht gemachten Grundstücksgeschäfte sehr 19 wohl atvelerlei Meinung sein, und anscheinend habe ja Herr Bracht| anderen 3med haben, als Versicherungsgeseze verächtlich zu machen, felber ein Haar darin gefunden, denn er habe sie seit November ganz falsch ist, weil der Zweck nur gewesen, den Bürgerausschuß, der den Mund zu voll genommen, zu widerlegen. Daß die Gevorigen Jahres eingestellt. Genoffe Duard als Minderheitsberichterstatter wies besonders unden nur Laften von der Arbeiterversicherung haben und daß für die Zukunft des Arbeiters nicht geforgt sei, feien, wie an der Hand barauf hin, wie das ganze Milieu der heutigen Gesellschaftsordnung der Statistit nachgewiesen wurde, feine entstellten oder erdichteten die bürgerlichen Stadtverordneten fortgesetzt in Konflitte zwischen Tatsachen, sondern Wahrheiten. Man müsse den Artikel lesen, wie ihren Privatinteressen und den städtischen Interessen hineintreibe. er verstanden sein soll, und da sei es doch ganz undenkbar, in die Maßgebend fei über folche Geschäfte von Stadtverordneten in legter Worte den Sinn hineinzulegen, es würden die Arbeiter durch die Instanz die Meinung der Bürgerschaft. Die Disfuffion geftaltete Arbeiterbersicherungsgesebe ausgeplündert. Daß der fich äußerst lebhaft. Die Stadtverordneten Seeger und Wedel, Angeklagte das auch nicht habe fagen wollen, beweise ein anderes von denen Genosse Bielowsky im Seniorenkonvent gesagt hatte, daß Wahlflugblatt des Bürgerausschusses, in dem gerade dem Angeihr Verkehr mit Maklern vom Publikum in Anbetracht ihrer städtischen lagten zum Vorwurf gemacht ist, daß er den Arbeiterversicherungs gefeben eine heilsame Wirkung zugeschoben hat. Aemter absprechend beurteilt würde, gefielen fich darin, in Genosse Rauch legte noch dar, daß der erste Teil des inkrimitheatralischer Weise die Tiefgekränkten und Entrüfteten heraus- nierten Abfabes sich gegen die Steuergesebe, der zweite gegen Der vom Genossen Bielowsky bloßgestellte mittel- die Arbeiterversicherung und der dritte gegen die sozukehren. ständlerische Stadtverordnete Bracht gab die kurze Er- genannten freiwilligen Wohlfahrtseinrichtungen die ab, daß auf seine Veranlassung flärung ab, Staats- der Unternehmer wende. Trotzdem der Staatsanwalt noch einmal replizierte und meinte, anwaltschaft die Sache weiter verfolgen werde, und der frei- folche Artifel würden so geschrieben, wie sie verstanden werden sinnige Stadtverordnete Helff stellte den Antrag, daß auch die solche Artikel würden so geschrieben, wie sie verstanden werden Stadtverordnetenversammlung die Staatsollten, man habe erreichen wollen, daß die Arbeiter an die Wahlurne gehen mit der Ansicht, daß für sie im Staate nichts getan anwaltschaft zum Einschreiten auffordern solle. werde, trotzdem der Staatsanwalt also auch die politische BeeinDer Genoffe Bielowsty erklärte, gar nichts dagegen einwenden flussung der Wähler heranzog, sprach das Gericht den Angeklagten zu wollen, daß die Staatsanwaltschaft sich mit der Sache befasse. doch frei. Die Freisprechung geschah im wesentlichen aus den von In eingehender Weife rechtfertigte er dann sein Verhalten und ging der Verteidigung angeführten Gründen. Der Artikel enthalte nur fchließlich zum weiteren Angriff über, indem er auch gegen den nicht eine Kritik, teine entstellten oder erdichteten Tatsachen, wenn auch in der Sigung erschienenen mittelständlerischen Stadtverordneten die Kritik weit über das Ziel hinausschieße. Die Staatsattion ist also ins Wasser gefallen. Hoffentlich eroß die Beschuldigung erhob, nicht einwandsfreie Grundstücks- geht es den anderen Anklagen, von denen zurzeit nicht weniger als spekulationen betrieben zu haben. Er führte dabei zunächst einen fünf gegen den Er führte dabei zunächst einen fünf gegen den" Voltswille" schweben, ebenso. Fall an, in welchem Herr Hoß bei einem Umlegungsberfahren ein städtisches Grundstück einem Dritten be= reits ein Vierteljahr früher zum Kauf angeboten habe, ehe er ohne Kenntnis der Atten wissen konnte, daß er das Eigentumsrecht an diesem Grundstück durch die Stadt zugesprochen erhalten würde. In einem weiteren Fall stellte Genosse Bielowsky fest, daß Herr Hoß als Makler für die Stadt aufgetreten sei und einen fleinen Gärtner überredet habe, seine Forderung für sein Grundstück von 180 000 2. auf 95 000 m. zu ermäßigen, während er dem ihm befreundeten Nachbar desselben dazu verholfen habe, daß die Stadt ihm für sein Anwesen statt 17 000 m. bie Summe von 30 000 m. gezahlt habe. Herr oß habe sich übrigens selber gerühmt, daß fein Vermögen fich, feit er Stadt verordneter geworden sei, um 200 000 m. vermehrt habe. In der Bürgerschaft werde man ohne Zweifel wissen, ivas man bon folchen Vorkommnissen halten habe und er hoffe, daß auch diese Fälle von anwaltschaft untersucht würden. Der freifinnige Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete Fund polemisierte gegen eine Wendung im Minderheitsbericht des Genossen Duard und veranlaßte diesen durch Reminiszenzen aus der Beit, als Quard noch Redakteur an der Frankfurter Zeitung" war, in seinem Schlußwort sich besonders eingehend mit diefen Jahre zurückliegenden Dingen zu befaffen. " Deutsches Reich. Flottenwirtschaft. Wie der Freif. 8tg." qus Riel gemeldet wird, ist bereits mit dem Abbruch des angeblich nicht mehr für Kaiserreifen verwendbaren Aviso"" Hohenzollern" begonnen worden. Das Schiff werde im Innern bereits lustig auseinandergefchlagen, obwohl noch alle Teile wie neu ausfähen. Das gelte namentlich von den ausrangierten Steffeln. Die" Hohenzollern" ist ja auch erst 18 Jahre alt und hat nur zum persönlichen Gebrauch Wilhelms II. gebient. Da fie 4 Millionen gekostet hat ungerechnet die häufigen enormen Renovationsausgaben entfällt auf jede Nordlandsreife ein netter Betrag. Für die der Hamburg- Amerika- Linie gehörige Hamburg", deren sich der Kaifer bei seiner gegenwärtigen Nordlandsfahrt bedient, ist freilich auch eine tägliche Miete von Staats 17 000. zu zahlen, die wahrscheinlich ebenfalls im Marineeta gebucht werden dürften! Nach einem furzen Schlußwort des Mehrheitsberichterstatters Dr. Heyder wurde der Antrag Helff, die Sache der Staatsanwaltschaft zu überweisen, mit allen gegen bie fozialdemokratischen Stimmen angenommen. Die Verhandlung der Sache nahm allein 3 Stunden in Anspruch. Die Zuhörertribüne war überfüllt. Ohne Zweifel wird der Verlauf der Sigung das Interesse der Bürgerschaft an den Privatgeschäften der Stadtverordneten in erhöhtem Maße wachrufen und manchem bürgerlichen Geschäftspolitiker, der sich bisher nach einem Stadtverordnetenmandat drängte, die Trauben etwas fauer erscheinen Tassen. Unseren Frankfurter Genoffen aber fonnte für die im Herbst stattfindenden Wahlen zum Stadtverordnetenkollegium gar kein besserer Agitationsstoff geliefert werden, als durch diese Behandlung der Affäre und durch den zu erwartenden, sicher äußerst interessanten Prozeß.Verunglüdte Staatsrettung. Ein bemerkenswertes Nachspiel zur Reichstagswahl in San. Rover ereignete sich am Dienstag vor der Straffammer zu Hannover. Angeklagt war der Redakteur für den politischen Teil des„ Boltswille", Genosse Rauch, wegen Verächtlichmachung von Staatseinrichtungen(§ 131 Str.-G.-B.), und zwar fand der Staatsanwalt dieses Verbrechen in einem Artikel, der sich gegen cinen von dem bekannten Bürgerausschuß erlassenen Wahlaufruf richtete. Der Wahlaufruf war ein Inserat in den bürgerlichen Zeitungen und enthielt eine Flut ganz unqualifizierbarer Verläumbungen gegen unsere Bartei. Auf dieses Machwert erschien als Antwort im" Boltswille" ein gepfefferter Artikel, in dem Punkt für Punkt die Behauptungen des Bürgerausschusses als schamlose Lügen gebrandmarkt wurden. Unter anderem stand in jenem Wahlaufruf folgender Sat: " Die Sozialdemokratie behauptet, die Arbeiterpartei zu sein und doch verwarf sie alle grundlegenden Gefeße zum Schuße der Arbeiter, zur Sicherung ihrer Wohlfahrt und Bukunft!" Die Antwort des„ Volkswille" in dem„ Die politischen Brunnenbergifter an der Arbeit" überschriebenen Artikel war hierauf folgende: " Schamlos gelogen ist's, wenn es ferner in dem Machwerke des Bürgerausschusses heißt, die Sozialdemokratie habe alle grundlegenden Gesetze zum Schuße der Arbeiter, zur Sicherung ihrer Wohlfahrt und Zukunft" verworfen. Wo sind denn die Gefeße zur Sicherung der Wohlfahrt und Zukunft der Arbeiter? Wo sind sie? Nicht ein einziges ist vorhanden. Wohl aber in Hülle und Fülle Gefeße, die eine Ausplünderung der Arbeiter ermöglichen. Für die Wohlfahrt" und" Bukunft" der Arbeiter ist bis jetzt gar nichts getan worden. Unsterblich lächerlich macht sich, wer etwa behaupten wollte, daß durch die Ver= ficherungsgesebe Wohlfahrt" und" Zukunft" der Arbeiter gesichert feten. Das wäre einfach läppisch. Der gesunde Arbeiter hat von allen diesen Gefeßen mit Ausnahme der färglichen Altersrente, die der Sundertste nicht erhält, auch nicht einen fifferling Vorteile: im Gegenteil: nur Lasten. Um" Wohlfahrt" und" Zukunft" der Arbeiter schert fich der Gegenwartsstaat und die Ausbeuterfippe den Teufel; die fogenannten Wohlfahrts" einrichtungen dienen nur dazu, den Arbeiter an den Betrieb zu feifeln, sie ihrer Bewegungsfreiheit au berauben." " Die Frankfurter Beitung" bemerkt dazu: Blätter des Urivaldes zum Essen geblieben seien. Ein Reisender, Dr. Baccaree, schreibt über seine Reise am oberen Kongo: „ Ueberall waren die Dörfer bis auf den Grund vers brannt, und als ich aus diesem Lande floh, da sah ich Stelette und Stelette überall. Und was für Massen! Bon wie viel Angst und Not erzählen sie! Ein hübsches Gelb bedeckt die Karte jener Gegend und Flaggen mit roten Bunkten zeigen uns an, daß dort die Stationen des KongoFreistaates find." Aber einen Vorteil hat dieses Vorgehen doch gehabt. Die geängstigten Schwarzen brachten armen, gequälten und Gummi, daß es nur so eine Freude war. Der Brüsseler Börse bemächtigte sich ein wirklicher Taumel. Kongowerte stiegen um viele 1000 Prozent. Wer Gummiaktien hatte, konnte in fürzester Zeit ohne Arbeit reich werden. Ja, vor acht oder zehn Jahren waren wir in Gefahr, in unserer Kolonialpolitik in dasselbe Fahrwasser zu kommen. Gierig hatte sich das belgische Kapital bereits nach Kamerun gewandt, und nur der raftlosen Arbeit unseres legten Kolonialdirektors ist es gelungen, diese Gefahr abzuwenden, denn er durchschaute es flar, daß mit einer solchen Politik keine bleibenden Vorteile zu erringen sind." Es gehört eine ungewöhnliche Portion Heuchelei dazu, pharisäisch auf den Kongostaat zu verweisen und Deutschland dazu zu beglückwünschen, daß die Kongogreuel nicht auch in unseren Kolonien Eingang gefunden hätten. Dafür haben wir zahlreiche andere Kolonials fandale gehabt, man braucht nur an unsere Leist, Wehlan, Schröter, Peters, Arenberg usw., vor allen Dingen aber an die Trothasche Rassenvertilgungsstrategie zu denken! Der antisemitische Patriotis mus gebietet aber nun einmal, sich nur über Kolonialgreuel im Ausland zu entrüsten! Verfassungsverlegung. Die Köln. 8tg." sucht die gestern von uns mitgeteilte eigenmächtige amtliche Aenderung des Brau fteuergesetzes zu bemänteln- bielleicht auf Anweisung aus Berlin. " Durch Artikel III des Gefeßes", meint sie, wird der Reichstanzler zur endgültigen Redaktion des Gesetzes ermächtigt. Jeder Unbefangene wird auf den ersten Blick erkennen, daß es fich bei der hier bemängelten Fassung lediglich um eine redaktionelle Alenderung handelt, die fachlich ganz belanglos ist. Zudem sind die eingefügten Worte früher nur infolge eines Druckversehens weggeblieben. Für die Ausführung des Gesetzes ist es absolut gleichgültig, ob die eingefügten Worte im Gesez stehen oder nicht, fie machen feinen Sinn nur flarer. Aus folcher Mücke einen verfaffungswidrigen Elefanten zu machen, zeigt, daß wir uns schon bedenklich der Hochsaison der fauren Gurken nähern." An diesen Ausführungen ist, wie wir schon gestern hervor gehoben haben, nur soviel richtig, daß die Einschiebung:„ Brauerei betrieb innerhalb eines" nur aus Bersehen fortgeblieben ist und fachlich an den Beschlüssen des Reichstages nichts ändert; aber deswegen hat noch keineswegs der Reichsschatzsekretär das Recht, eigenmächtig Verbesserungen an einem bom Reichstage festgesetzten Ge fezestert vorzunehmen. Unentgeltliche Lehrmittel in den Stuttgarter Boltsschulen. Stuttgart, den 19. Juli.( Privattelegramm.) " Daß der Einbau einiger elektrischer Apparate unter anderem mehr die Seetüchtigkeit der Hohenzollern" herabgefest haben soll, flingt vollends wie ein Märchen für große Kinder. Auf die Frage nach einem Umbau der Hohenzollern" Die bürgerlichen Kollegien Stuttgarts( Gemeinderat und Bürgers als Lazarettschiff hat gerr b. Tirpit keine Antwort gegeben. ausschuß) beschlossen heute in einer gemeinsamen Sigung mit 22 Sie erledigt fich von selbst. Denn es würde fich fonderbar gegen 15 Stimmen, daß vom 1. April nächsten Jahres ab an allen ausnehmen, wenn ein Schiff, das für seinen jezigen Dienst Boltsschulen Stuttgarts den Schülern und Schülerinnen unentgeltlich night mehr hinreichend seetüchtig ein fein foll Zentrumsarbeiter im Parlament. nun für einige hundert Verwundete, wenn sie im Dienst fämtliche Lehrmittel geliefert werden sollen. des Baterlandes bluten, noch gut genügen tönnte, Das Manöver, daß ein Schiff, das vom Reichstag als Aviso für größere Kommandoverbände bewilligt wurde, Die Zentrumspreffe leistet sich von Beit zu Zeit das einfältigt im Bau die wunderbare Metamorphose zu einem taiferlichen Bergnügen, ihren Lesern zu erzählen, daß unter den sozialdemo Luftfahrzeug durchmacht, konnte man einmal ristieren. Ein stveites Mal ist es nicht gut möglich; es sei denn, daß sich der Reichstag selbst die Binde um die Augen legt. Es entsteht viel mehr die weitere Frage, ob eine Privatjacht des Kaifers verfassungsmäßig überhaupt aus Reichsgeldern bezahlt werden darf?" Wir wollen es abwarten, ob auch nun der Freifinn der Forderung mit einem kategorischen Rein" zu begegnen wagt! Porto Erhöhung. Durch die Erhöhung der Portosätze für den Borortsverkehr sollen bekanntlich dem Reichssädel neue Einnahmen man rechnet auf 10 Millionen Mart zugeführt werden. Db dieses Resultat jedoch erreicht werden wird, das erscheint recht zweifelhaft, denn vielfach trifft man jezt in Geschäftskreisen Vorbereitungen, die Druckfachen usw., die man bisher der Poft übergeben hat, auf anderem Wege befördern zu lassen. So schreibt uns 3. B der Leiter einer hiesigen Gewerkschaft: der Leiter einer hiesigen Gewerkschaft: fratischen Reichstagsabgeordneten sich nur acht oder neun befänden bie noch als wirkliche Arbeiter gelten fönnten, alle übrigen, die einf mit Hammer, Meißel, Sobel uſtv. hantiert hätten, hätten längst ihren früheren Beruf an den Nagel gehängt. Wie verhält es sich nun mit der sich als Vertreterin der fatholischen Arbeiter aufspielenden Zentrumsfraktion? Das Zentrum zählt in feiner Reichstagsfraktion 31 Juristen( Richter, Landräte, Advokaten), 29 Landwirte( Großgrundherren, Rittergutsbesizer, Großbauern), 18 Geistliche, 12 Rentner, Kaufleute, Fabrikanten usw., 8 Profefforen, Aerzte, Lehrer, 1 Handwerker und-1 Arbeiter, Iso auf 99 Angehörige ber besigenden Klasse, bar unter ein Brina, brei Grafen, ein Dugend & reiherren, tommt ein ganzer Arbeiter! Praktisches Christentum. In ferfee( Bayern) sollte au Geheiß bes katholischen Pfarrers ein toter Proletarier außerhalb bes christlichen Friedhofes und bei Nacht beerdigt werden, weil der Mann nach dem Tode seiner Frau eine zweite Ghe eingegangen ist. Durch das Einschreiten der Behörde wurde dies aber berhindert " Zu der Erhöhung der Portosäte der Reichspoft möchte ich und nun wurde die Leiche am Tage im Friedhofe sang- und klangIhnen einiges mitteilen, was Sie vielleicht mit berarbeiten los eingescharrt. Dadurch haben die angeblichen Diener Gottes fönnen, wenn Sie einmal Gelegenheit nehmen, die Finanz- wieder aufs neue bewiesen, daß man sie eigentlich gar nicht braucht. fünftler" in den Ministerien als bas zu fennzeichnen, was sie find: nämlich miserable Rechner und Schwachtöpfe. Ein schneidiger Kompagniechef. Die Post glaubt, durch die erhöhten Portofäße ihre Ein- Unter der Anklage der Mißhandlung resp. vorschriftswidriger nahmen und Ueberschüsse zu erhöhen. Daß bie Erhöhung der Behandlung von Untergebenen, sowie der nicht ordnungsmäßigen Portofäße jedoch sehr wohl dazu führen fann, geringere Führung des sog. Beschäftigungsbuches stand der Hauptmann Ginnahmen als bisher herbeizuführen, scheint gar nicht ichard Erdmann von der in Stade liegenden 9. Kompagnie beachtet worden zu fein. So hat z. B. unfere Organisation, bes 75. Infanterieregiments vor dem Kriegsgericht der 17. Division d. H. die Berliner Mitgliedschaft, bei einem Mitgliederbeftande von in Altona. Der Feldwebel Friedrich Bornemann nicht ganz 2500 Bersonen, bei den alten Bortosäßen jährlich allein soll sich ebenfalls der vorschriftswidrigen Behandlung Untergebener rund 2100 m. für Beitungsverfand ausgegeben. Würden wir und der falschen Buchführung schuldig gemacht haben. Charakteristisch unseren Beitungsversand auch ferner durch die Seichspoft beforgen lassen, ist bei dieser Berhandlung, daß der Antlagevertreter in einem Beitso würden wir bei gleicher Mitgliederzahl jährlich ca. 3100-3200 2. raume von anderthalb Stunden nicht weniger als dreimal an Porto dafür aufwenden müssen. Das werden wir aber nicht tun.ben Ausschluß der Deffentlichkeit beantragte, da Wie Ihnen jedenfalls schon bekannt ist, nimmt die Berliner Batet die militärische Disziplin im höchsten Grade gefährdet sei. Der fahrt- Gesellschaft am 15. August dieses Jahres ihren Betrieb in Antrag wurde vom Gericht aber jedesmal abgelehnt, da es der Ana bezug auf Drucksachenbestellung wieder auf. Wir werden deshalb ficht war, es sei wünschenswert, wenn die Sache, die viel Staub aufunsere Aufträge dieser überweisen. Der Bestellbezirk der Batet gewirbelt habe, in voller Deffentlichkeit behandelt werde. fahrt- Gesellschaft umfaßt nun allerdings nicht den ganzen Bezirk, in welchem bislang der 2 Pf.- Tarif galt. Wir sind also zu einem Zeile noch immer auf die Reichspost angewiefen. Doch werden alljährlich kaum mehr als sirta 400 M. in die Kaffe der Reichs post fließen. Also anstatt Wehreinnahme eine ganz erhebliche Mindereinnahmel Und so wie wir werden es die meisten Gewerkschaften und jedenfalls alle Interessenten aus den Kreisen der Geschäftsleute machen.Antisemitische Heuchelei. Der angeklagte Hauptmann wurde im vorigen Herbst von Graudenz nach Stade versetzt, wo er die Führung der 9. Kompagnie übernahm. Wie er behauptet, befand sich die Kompagnie in einem äußerst schlechten Zustande, weshalb er sogleich beschloß, die Leute ordentlich hochzunehmen. Er ritt häufig in die Reihen der Soldaten hinein und fuchtelte mit bem blanken Säbel herum, wobei er einmal einem Soldaten den Helm vom Kopfe fchlug und einem anderen Musketier einen Säbelhieb über den Rücken gab. Der Angeklagte gibt diese Mißhandlungen zu, will fie aber nicht absichtlich begangen haben, nur im Eifer des Gefechts sei er in die Reihen der Soldaten hineingeritten und habe um sich ge= Das antisemitische Zeitungsfiamesenpaar Meich Staatsbürger schlagen; er sei ein entschiedener Gegner von SoldatenDieser Bassus soll nach Ansicht des Staatsanwalts eine Ver- 8tg." veröffentlicht einen langen Artikel über die Greuel im mißhandlungen und habe den Unteroffizieren und Feldwebeln strenge Es schildert eingehend die bestialische Methode untersagt, irgend einen Untergebenen zu mißhandeln. Ferner wird achtlichmachung von Staatseinrichtungen und von der Obrigkeit Rongo Staat. erlassener Anordnungen enthalten, weil erdichtete und entstellte der Erpressung von Gummi und anderen Produkten. Es heißt dem Hauptmann vorgeworfen, daß er seine Leute fortgesetzt schließlich in dem Artikel: im Dienste überangestrengt und abgehetzt habe. Auch hat er Tatsachen" darin behauptet feien. Und wenn diese unglaublichen Lasten nicht rechtzeitig erfüllt es unterlassen, dienstliche Vorkommnisse, wie es Vorschrift ist, in das werden, dann kommt die Strafe. Das Antetten der Männer, fogenannte Beschäftigungsbuch einzutragen, ja er hat den mitdas Wegfangen der Weiber, die Nilpferdpeitsche, angeflagten Feldwebel direkt aufgefordert, diese Eintragungen zu bie Strafegpeditionen, bie Berbrennung der unterlassen. Die erzieherische Tätigkeit des Hauptmanns ist lange Dörfer. Vor der Kommission erscheint ein Häuptling mit Beit unbemerkt geblieben, er ft als sich ein Rekrut seiner einem Bündel Reiser. Er wickelt sie auseinander. Die Kommission Kompagnie, Rudolf Schulz, dadurch dem un zählt 120. Jebes Reis ist ein geichen für einen in feinem Dorf erträglichen Drill entzog, daß er sich in einem erfchlagenen Menschen. Die Entvölkerung des Kongo gibt die Graben erträntte, ist die Sache ruchbar geworden. Kommission unbedingt zu, findet es aber etwas übertrieben, wenn ber eine Missionar von ihr aussagt, daß die Bevölkerung seines Bezirkes in fünf Jahren vom Erdboden verschwunden sein würde, wenn die Lasten so andauern. Beugen waren nicht geladen, und so widelte sich die Verhandlung höchst einfach ab. Der Staatsanwalt begründete den Strafantrag, indem er behauptete, der vorgenannte Absatz des drei Spalten langen Artikels richte sich nur gegen die Arbeiter= bersicherungsgesebel Es heiße darin: Nicht ein einziges Gesetz für die Arbeiter sei vorhanden, wohl aber gebe es Ausplünderungsgesetze für die Wohlfahrt und die Zukunft der Arbeiter sei nichts getan, der Staat schere fich den Teufel um die Arbeiter". Das feien erdichtete Tatsachen! Die Arbeiterverficherungsgesetze würden als Wohlfahrt für die Arbeiter in Abrede genommen, und dabei bezahle der Unternehmer die Unfallversicherung ganz, zu der Kranken- und Invalidenversicherung 3 bezw. die Hälfte. Nicht nur die Kranken und Verletzten, sondern auch die gesunden Familienglieder der Renten empfänger hätten Vorteil von der Arbeiterversicherung! Der Verteidiger, Justizrat Lenzberg, stellte zunächst richtig, bak die staatsanwaltliche Behauptung, der Artikel tönne gar keinen " Durch eingehende Beweisaufnahme, die mehrere Tage in Anspruch nahm, wurden die einzelnen Punkte der Anklage im allgemeinen bestätigt. Bahlreiche Soldaten, Gemeine, Unteroffiziere und Feldwebel schilderten das schneidige Regiment des Hauptmanns Diese Notizen aus dem Bericht der königlich- belgischen Rom und stellten die Behandlungsweise desselben als eine übertrieben miffion mögen genügen. Kann es dann aber wundernehmen, strenge hin. Der Hauptmann bestreitet immer von neuem, daß er wenn anderweitig noch viel schlimmere Sachen zu bernehmen zu scharf vorgegangen fei, er habe nur seine Pflicht getan; die find? Ein Miffionar berichtet, daß er dabei gewesen fei, daß den Beugen bauschten, erklärte er, die einfachsten Borgänge un Leuten so radikal alles fortgenommen sei, daß ihnen nur noch die gebeuer auf. Das Urteil, das öffentlich verliindet wird, lautet: Der Hauptmau» Trckmann wird wegen Ungehorsam gegen einen Dienstbefehl resp. Vorschriftswidriger'Behandlung von Untergebenen im Dienste und zum Teil mit der Waffe und wegen eines Falles der Mißhandlung mit der Waffe zu einer Gesamtstrafe pon— 3 Wochen Stubenarrest verurteilt. Das Gericht hält nicht für erwiesen, daß der Tod des Musketiers Schulz mit dem Vorgehen deS Hauptmanns in Verbindung zu bringen sei; es sei nicht erwiesen, daß der Musketier, dessen Leiche in einer Wafferlache gefunden wurde, überhaupt Selbstnrord verübt hat, und selbst wenn man einen Selbstmord annehmen wolle, so sei nicht bewiesen, daß die ihm angetane Behandlung ein genügender Grund zum Selbstmord sei. Allerdings habe der Hauptmann eine stramme Disziplin gehandhabt und sei auch manchmal etwas zu weit ge- zangen, doch müsse mau seine Erregung und seinen Diensteifer straf- niidernd berücksichtigen, ?ZuslanÄ. Ungarn. Der Justizminister als Auswanderungsageut des Norddeutschen Lloyd. Die Wiener„Arbeiterzeitung" veröffentlicht einen Artikel, in fijelchem auf Grund von aktemnästig erwiesenen Enthüllungen, die zuerst Stephan Tiszas Blatt„Az Uisag" gebracht hat, der Justiz- minister Polonhi bezichtigt wird, dem Norddeutschen Lloyd Agenten- dienste zu leisten. Bekanntlich wurde in Ungarn ein Aus- wanderungsgcsctz geschaffen, um der erschreckend zunehmenden Ent- völkcrung des Landes Einhalt zu tun. Die Verleitung zur Aus- Wanderung ist mit Strafen bedroht, die Auswanderungsagenten werden streng verfolgt, und sogar die Veröffentlichung von Inseraten der überseeischen Schiffahrtsgescllschaftcn wird unnachsichtlich be- straft. Bekanntlich wenden die ungarischen Auswanderer, damit auch aus ihrem Elend noch Profit für ein„vaterländisches" Unter- nehmen herausspringe, gezwungen, die Reise nach New Dork über Fiume zu machen— eine empörende Vergewaltigung der Frei- zügigkeit. Durch diese Bestimmungen waren die holländischen und die Norddeutschen Sccschiffahrtsgesellschasten von der Beförderung ungarischer Staatsbürger ausgeschlossen. Aber der Norddeutsche Lloyd wußte sich zu helfen I— Durch die Bremer Agentur Mitzler gelang cS ihm, den damaligen Abgeordneten und Advokaten Polonhi sich als Anwalt seiner Interessen zu verschaffen. Diesem wieder gelang es. dem Norddeutschen Lloyd einen Teil der ungarischen Menschenfracht zuzuschanzen. Und jetzt wird durch die oben be- zeichneten Enthüllungen bekannt, daß Polonhi auch als Justiz- minister noch mit dem Norddeutschen Lloyd in Verbindung steht!! Ein Herr von Pilis, der den neugebackenen Justizminister in Ver- tretung des Lloyd besuchte, konnte bereits am 1?. Juni nach Bremen telegraphieren, Polonhi habe erwirkt, daß die Inserate des Norddeutschen Lloyd in den hierzu ausersehenen Provinzblättern ILllmal erscheinen könnten!! Das Organ Tiszas fordert Herrn Polonhi aus, seine Enthüllungen mit einem Prcßprozcß zu bcant- Worten. Das tut der Herr Justizminister aber nicht, sondern er betraute eine Zeitungs-Korrespondenz mit seiner Rcinwaschung, die aber gänzlich mißlungen ist. Auch unter seinen eigenen Parteigenossen macht sich ein Wider- Wille gegen den ehemaligen Vertreter der Budapcster Bordelle be- merkbar: zwischen ihm und seinen Ministerkollcgen sollen ebenfalls nicht sehr freundschaftliche Beziehungen herrschen, denn er und Franz Kossuth werden von jenen als Parvenues betrachtet. W Schweiz. Republikanisches. Zürich. 19. Juli.(W. T. B.) Infolge neuerlicher Aus- schreitungen seitens ausständiger Arbeiter und tätlicher Angriffe auf die Polizei und Arbeitswillige hat der Regierungsrnt heute be- schlössen, zur Aufrechterhaltung der Ordnung ein Regiment In- santcrie und eine Eskadron Dragoner heranzuziehen und ein weiteres Bataillon Infanterie bereit zu halten. Es wird sich erst herausgustelle» habe», wie die„Aus. schreitungen", die„tätlichen Angriff«" entstanden sind und wie sie beschaffen tvaren. Denn nachgerade weiß man, daß in der Schweiz nicht viel dazu gehört, daß der Rcgierungsrat Militär gegen Streikende aufbiete. Die Schweizer Arbeiterschaft müßte den Herren vom grünen Tisch endlich einmal eine Lektion erteilen, die ihnen das übereifrige und übereilige Ausbieten der Truppen«in für allemal verleidet. England. Sozialistische Arbeiterdemonstration London, 16. Juli.brand aus. Die Gefahr wurde rechtzeitig entdeckt und sofort trat die eigene Fabrikfeuerwehr in Tätigkeit. Innerhalb einer halben Stunde war diese Herr des Feuers, so daß die Spandauer Feuer .vehr nicht herbeigerufen werden brauchte. Ein Teil des Dach stuhleS ist vernichtet. Neber die Entstehungsursache ist noch nichts ermittelt._ Gerichts-Leitung. Zurede» zum Wechsel der Arbeit Entlassuugsgrund? Gegen eine Entschädigungsklage wegen unberechtigter plötzlicher Entlassung, die der Photograph B. gegen die„Erste deutsche Photo- graphische Vergrößerungsanstalt" beim Berliner Gewerbegericht an« gestrengt hatte, machte der Vertreter der Firma geltend, B. habe einige ihrer Arbeiter beredet, zur Konkurrenz zu gehen. Nach um» fangreicher Beweiserhebung wurde dem Kläger die Entschädigung zu gesprochen. Das Urteil führt begründend aus: Nach den Feststellungen sei Kläger nicht als Werkmeister beschäftigt worden, sondern nur als gewöhnlicher Arbeiter, wenn er auch eine Art Borarbeiter gewesen sein möge. So- mit kämen nur die Entlassungsgründe des§ 123 der Gewerbe. ordnung in Betracht, und von diesen derjenige, wonach vor Ablauf der vertragsmäßigen Zeit und ohne Aufkündigung entlassen werden könne, wer Mitarbeiter zu Handlungen verleitet oder zu verleiten versucht, welche wider die Gesetze oder gegen die guten Sitten ver- stoßen. Das liege nicht vor. Wenn auch Kläger Arbeitern zugeredet habe, bei einer anderen Firma einzutreten, so sei nicht erwiesen, daß er verlangt hätte, sie sollten kontraktbrüchig werden. Also habe er sie n i ch t verleitet oder zu verleiten versucht, eine gesetzwidrige Handlung zu begehen. Auch eine Verleitung zu einer Handlung wider die guten Sitten sei nicht dargetan. Es verstoße nicht wider die guten Sitten, wenn Arbeiter unter Junehaltung der Vertrags- mäßigen Zeit wo anders in Arbeit träten, noch dazu, wenn ihnen bessere Lohnbedingungen winkten, wie vorliegend festgestellt sei. Kläger habe demnach Anspruch auf die Lohnentschädrgung wegen unberechtigter Entlassung._ HimmelfahrtSfolgen. Der Automobildroschkeuführer K. wurde von seinem Arbeitgeber b. Wiesky vor dem Hinunelfabrtstag angegangen, er möge an diesem Tage besonders pünktlich sein, weil ein anderer Führer nicht komme. K. sagte darauf:„Ich wollte ja selber nicht kommen", v. Wieskys Antwort lautete:„Ach so." K. feierte nun Himmelfahrt. Die Folge war seine Entlassung. Er klagte beim Berliner Gewerbegcricht auf Lohnentschädigung. Der Beklagte berief sich demgegenüber auf Z 123 Nr. 3 der Gewerbeordnung, wonach plötzliche Entlassung mög- lich ist, wenn Arbeiter die Arbeit unbefugt verlassen haben oder sonst den nach dem Arbeitsvertrag ihnen obliegende» Ver- pflichtungen nachzukommen sich beharrlich weigern.— Die Kammer VI verurteilte den Beklagten, die Lohnentschädigung zu zahlen, und führte aus: Es sei hier anzunehmen, daß dem Kläger vom Beklagten die Erlaubnis erteilt worden sei, am Himmelsfahrtstag wegzubleiben. Denn zum mindesten hätte Be- tlagter bei der Aeutzerung des Klägers:„Ich wollte doch selber nicht fahren", entschieden dagegen protestieren müssen, wenn er nicht da- mit einverstanden war. Da er dies nicht tat, müsse die Erteilung einer Erlaubnis angenommen werden, zumal die Aeußerung:„Ach io l" eher einer Zustimmung als einem Protest ähnele. 1 stenographischen Fertigkeit als berechtigt erachtete. Es sollte nun auch eine Schreibmaschine aus der Gerichtsschreiberei geholt werden, um das Examen zu vollenden. Die Beklagte entschloß sich indessen auf Vorhalt des Vorsitzeuden, auch ohne Prüfung diese Fertigkeit dem Kläger zu attestieren._ Ist der Arbeiter verpflichtet, minder lohnende Arbeit zu verrichten? Die Arbeit deS gewerblichen Arbeiters ist in der vereinbarten Art und, falls nichts ausdrücklich besprochen ist, nach der Anweisung des Arbeitgebers auszuführen. Diese Anweisung darf aber keine willkürliche sein. Die Ausübung des Rechtes, Arbeit anzuweisen, wird vielmehr wie alle Vertragsverhältnisse von dem Grundsatz von Treu und Glauben unter Berücksichtigung der Verkehrsfitte beherrscht. Dabei darf der Arbeitgeber keineswegs schikanöse oder den Anstand verletzende Anweisungen über die Arbeitspflicht des Arbeiters treffen. Zu solchen ungültigen Vorschriften gehört z. B. die, statt zu arbeiten, ruhig zu sitzen oder sich stündlich zur Kontrolle zu melden u. dergl. Häufiger als Verstöße gegen Treu und Glauben nach dieser Richtung hin kommen Versuche vor, Arbeiter durch Zuweisung minder lohnender Arbeit zu benackiteiligen. Ist die Kündigungsfrist nicht ausgeschlossen, so hat der Arbeitgeber für solche minderwertige Arbeit denselben Lohn für die Kündigungsdauer zu zahlen, der vordem für andere Arbeit gezahlt war. In diesem Sinne entschied dieser Tage das G e- Werbegericht Augsburg. Es verurteilte einen Fabrikanten zur Zahlung einer Entschädigung an eine Arbeiterin, die ohne weiteres aus ihrer bisherigen Beschäftigungsart herausgerissen und an eine Maschine gestellt wurde, wo sie bedeutend weniger verdiente. Das Gericht erklärte, die Aenderung des Arbeitsverhältnisses, die einen wesentlichen Lohnrückgang bedeutet, hätte vierzehn Tage vorher angekündigt werden müssen._ Ein Jugenderzieher. Der Lehrer Josef Balzer wurde vom Landgericht Memmingen wegen eines Sittlichkeitsverbrechens an der 14 Jahre alten Tochter eines anderen Lehrers zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Vermischtes. achtens sehr richtig der eigentliche Grund angegeben, der tSB? deutschen Einwanderer und auch schon dem deutschen Besucher daS amerikanische Leben so angenehm und einladend erscheinen läßt; es ist eine Welt höherer Kultur, die allen Schattenseiten der kapitali» stischcn Produktionsweise wenigstens auch alle ihre Lichtseiten ent-- gegenzustellen weiß, zumal die gänzliche Befreiung von allen Schlacken absolutistischer und polizistischer Unkultur, an all jenen feigen und niedrigen Lastern, die in Teutschlands jammervoller Ge- schichte so reichlich aufgewuchert sind und nun erst vom klaffen- bewußten Proletariat ausgerottet werden müssen.... Die helle Freude, die jeder vorurteilsfreie Reichsdeutsche am amerikanischen Leben haben muß, sobald er es kennen lernt, ist gewiß alles andere eher, als ein objektives erschöpfendes Urteil über amerikanische Zu- stände. Allein subjektiv ist sie vollkoimnen berechtigt und sie er- schöpft völlig die„Eindrücke", die ich während meines kurzen Aufent« Haltes in diesem Lande empfangen habe... Schon wieder eine Stadt durch Erdbeben vernichtet. New-Dork, 19. Juli. Seit Sonntag morgen wurden 52 Erd- stoße in Soccorro(Texas) verspürt, und die aus 2000 Einwohnern bestehende Stadt gleicht jetzt einer Ruine. Die Bewohner leben andauernd in panikartigem Schrecken und entfliehen auf der Santafe- Bahn. Doch auch auf den Zügen sind sie nicht ihres Lebens sicher, weil die Erde in großen Massen bröckelt und auf das Gleis fällt. Das Wasser in den warmen Quellen ist seit Beginn der Erdstöße um zehn Grad gestiegen. Im ganzen Rio-Grande-Tal halten die Erd- flöße an und die Bewohner müssen auf freiem Felde kampieren. Soccorro ist 100 Meilen von El Paso entfernt; in der Nähe befindet sich ein erloschener Krater. Rom, 19. Juli. Aus Capane wird berichtet, daß der Vulkan auf der Insel Stromboli in Tätigkeit ist. Auch der Aetna wirft Steine und Asche aus. Bern, 13. Juli. Aus Martigny-Bourg(Kanton Wallis) wird gemeldet, daß in der Schlucht der Tete-Noire ein Brückenstcg in dem Augenblicke einbrach, als der Bergführer Lucien Balmaz mit einem auf der Hochzeitsreise befindlichen Ehepaar darüber schritt. Alle drei stürzten in die Tiefe. Die Leichen sind bisher noch nicht gefunden worden, auch der Name des verunglückten Ehepaares ist bisher noch nicht festgestellt. Die Gerichtsbehörden haben sich an Ort und Stelle begeben._ Die Aushülfe. Der Stallmann I. verlangte durch Klage beim Berliner Gewerbe gericht vom Pferdehändler Franke eine Entschädigung wegen un- berechtigter Entlastung. Der Stallmeister des Beklagten beschwor, daß Kläger ausdrücklich„auf Aushülfe" engagiert sei. Darauf wies die Kammer VI die Klage ab, weil ein Engagement auf Aus- hülfe die gesetzliche Kündigungsfrist ausschließe.— Die normale Dauer eines Aushülfeverhältnisses sei hier nicht überschritten worden. Diese Entscheidung steht im Widerspruch mit der überwiegenden Ansicht der Rechtsprechung und dürfte aus zwei Gründen unzutreffend sein. Ist bei einem Engagement nicht ausdrücklich die Kündigungsfrist ausgeschlossen, so bedeuten Zusätze wie„aushülfs- weise",„auf Probe",„auf Versuch" rechtlich nichts weiter als den Beweggrund, weshalb der Arbeitgeber den Arbeiter engagierte. Solche Motive sind für die Frage, ob die gesetzliche Kündigungsfrist ausgeschlossen ist, völlig belanglos. Will der Arbeitgeber die Kün- digungsfrist ausschließen, so muß er das ausdrücklich und klar aus- sprechen; selbst nach der Rechtsprechung des Reichs-Obcrhandelsgerichts ist beim Mangel einer solchen klaren Willensäußerung der Vertrag zugunsten des wirtschaftlich Schwächeren zu interpretieren. Das Urteil des Berliner Gewerbcgerichts ist aber auch aus dem Grunde irrig, weil g 122 G.-O. für beide Teile gleiche Kün- digungsftisten vorsieht. Nimmt man an, bei einem Engagement „auf Aushülfe" habe der Arbeitgeber das Recht, ohne Frist zu entlassen, sobald er der Ansicht ist, eine Aushülfe sei nicht mehr nötig, so verletzt man den Grundsatz der Gleichheit der Kündigungsfrist. Die Entscheidung des Berliner Gewerbegerichts, die mit früheren an demselben Gericht gefällten Urteilen freilich übereinstimmt, steht in Widerspruch zu dem überwiegenden Teil der Rechtsprechung, so z. B. zu Urteilen der Gewerbegerichte zu Offen- bach und Chemnitz und gelehrter Gerichte wie des Landgerichts Berlin I, des Amtsgerichts Berlin II und des Oberlandesgerichts Hamburg._ Praktische Prüfung vor dem KanfmannSgericht. Um sich von den Fähigkeiten des Buchhalters Heinrich B. ein eigenes Bild zu ver- schaffen, griff die dritte Kammer des KaufmannsgerichtS in der gestern stattgehabten Verhandlung zu einem ebenso einfachen wie praktischen Mittel. Der Kläger B. war von der Preußischen Lebens- versicherungs-Aktiengesellschaft als Buchhalter engagiert worden, wurde jedoch� auch mit Korrespondenz beschäftigt. Da er auch Briefe nach Diktat stenographierte und nach dem Stenogramm auf der Schreibmaschine schrieb, so verlangte er von der Gesellschaft, daß sie ihm im Zeugnis bescheinige, daß er auch stenothpiert habe. Die Gesellschaft� weigerte sich in der gestrigen Verhandlung, dem Kläger ein dementsprechendes Zeugnis auszustellen, indem sie diesem jede praktische Fertigkeit in Steno- graphie und Handhabung der Schreibmaschine absprach. Mit einer derartigen Attestierung würde sie selbst gegen Treu und Glauben verstoßen und könnte eventuell regreßpflichtig gemacht werden. Der Kläger wandte dagegen ein, daß er Briefe auf der Maschine ge- schrieben habe, die von der Direktion unterzeichnet versandt wurden, und da er im übrigen dabei blieb, daß er Stenographie und Maschine heute noch beherrsche, so nahm der Vorsitzende kurzerhand eine Prüfung vor. indem er dem Kläger einen Abschnitt aus de», Aklcn- stück diktierte. Das Examen fiel derart zu au n st e n des Klage r s aus, daß das KanfmannSgericht die Attestierung der Große Neberschwemmnngen in Japan London, 19. Juli.„Daily Telegraph" zufolge find in den mittleren Gebieten von Japan große Ueberschwemnrungen ein- getreten. Die Eisenbahnen sind unterbrochen. Die Gegend von Kofu ist in einen ungeheuren See verwandelt. Eine große Anzahl Menschen ist umgekommen. Man glaubt, daß der Sachschaden sich auf mehrere Millionen Den beläuft. Die Bevölkerung hat zu Tausenden in Tempeln und Theatern Zuflucht gesucht. Viele sind auf die Dächer von Häusern geflüchtet und rufen um Hülfe. In Matsumoto sind etwa 4000 Gebäude überschwemmt. Die Kupfer- bergwerke stehen unter Wasser._ Franz Mehring über Amerika. Als unser Genosse Franz Mehring kürzlich in Amerika war,(er landete Ende Mai in Baltimore), bemühten sich unsere Partei- zeitungen darum, sein Urteil über amerikanische Verhältnisse und seine Eindrücke zu erfahren. Er willfahrte dem Verlangen und schrieb in recht interessanter Weise, u. a. von dem„großen, freien Zug", der durch das amerikanische Leben geht; Amerika imponiert ihm in vieler Beziehung. Er sagt: „Sicherlich hat Deutschland seit einem halben Jahrhundert ge- waltige Fortschritte auf dem Gebiete des Weltverkehrs gemacht, aber dennoch erscheint selbst Berlin mit seinen paar Millionen Ein- wohnern gegen New Dork nur wie ein großes Dorf. Man darf den Unterschied nicht nach der ja nicht so sehr großen Differenz der Be- Völkerungsziffer abmessen; es bewährt sich auch hier das Gesetz, daß die Quantität auf einem gewissen Punkt in die Qualität umschlägt. Es ist eben eine ganz andere Art des Massenverkehrs, eine wirklich neue Welt voll schwindelerregender Größe, in die der Deutsche, der in der Leipziger Straße Berlins den Höhepunkt wcltstädtischen Getriebes zu erblicken gewohnt ist. auf dem Broadway eintritt. Ge- wiß, Berlin hat seine elektrischen Wagen, seine Ober- und Unter- grundbahn, aber was will das besagen gegen das gewaltige Ver- kehrsnetz, das sich über New Dork ausdehnt. Es sind dies Bilder überwältigender Größe, die das Urteil des Reichsdeutschen gefangen nehmen, der zum ersten Male herüberkommt, und wenn er nicht vom Wirbel bis zur Zehe ein staubtrockener Philister ist. so wird er diese gewaltigen Gebilde von Menschenhand mit unverfälschter Begeisterung Bewundern.... Fast noch mehr und fast noch fteudiger wird er von der Art und Weise, von dem geselligen Wesen der hiesigen Bevölkerung über- rascht sein. Nichts alberner und törichter, als das Geschwätz von den„amerikanischen Gleichheitsflegeln". Viel eher dürste man von „deutschen Untertänigkeitsslegeln" sprechen. Denn den Massen der deutschen Nation sind die Närben vielhundertjähriger Knechtschaft noch tief eingedrückt, und nur dort, wo die sozialdemokratische Partei ihr Erziehungsweri nachdrücklich und planmäßig begonnen hat, scheinen sie allmählich zu verschwinden, während der patentierte Reichspatriot und Reichsprotz wirklich zu dem abgeschmacktesten und fadesten Gesellen geworden ist, der mit seiner aufdringlichen Re- nommisterei sich bei allen zivilisierten Nationen gleich verhaßt ge- macht hat. Wie sehr sticht dagegen Tun und Treiben der hiesigen Bevölkerung abl Sie mag nichts von seiner Gemütlichkeit besitzen, unter welchem konfusen Begriffe der Reichsdeutsche seine angeborene und anerzogene Schlafmützigkeit zu verbergen pflegt, aber dafür hat sie die Sitten einer freien Nation.... Und dann die ruhige Sicherheit, womit sich der Masserverkehr abspielt. Ich habe hier mehr als einmal schlimmen Andrang des Publikums zu Eisenbahn. zügen gesehen, wie er an Sonntagen bei der Eisenbahnstation deS Berliner Grunewalds stattzufinden pflegt, aber nichts von den wilden Raufereien, von der Entfesselung aller eigensüchtigen In- itinite, wie sie dort zur Regel geworden sind; immer und überall die selbstverständliche Achtung vor den Rechten des Mitmenschen, die recht eigentlich das Kennzeichen menschlicher Gesinnung ist.... Es ist denn doch etwas Großes um die politisch freien Einrichtungen eines Volkes. Als ich kurz vor meiner Abreise im Eisenbahnwagen zwischen Berlin und Leipzig mit dem Vorsitzenden einer deutschen Gewerkschaft zufällig zusammentraf, der einige Jahre hier gewesen lvar, meinte er schließlich:„Ter amerikanisch: Ausbeuter ist ver- mutlich der brutalste unter seinesgleichen, aber drüben ist mau wenigstens den elenden Polizeidruck los." Damit ist meines Er- Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 22. Juli cr., vormittags 8'/, Uhr im Rathause(Eingang Jüdenstraßc), Saal 109: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags 10'/, Uhr in der Schulaula, Kleine Franksurterstr. 6: Vortrag des Herrn M. H. Bacge über:„Leib und e-eele." Herren und Damen als. Gäste sehr willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbckaffe der Metallarbeiter. (E. H. 29, Hamburg.) Filiale Berlin 0. Sonnabend, den 21. d. M., abends 9 Uhr, bei Wiesenthal, Ackerstr. 123, Mitgliederversammlung. Tages- ordnung wichtig._ Eingegangene Druckfcbriften. „Kommunale Praxis", Wochenschrift für Kommunal« Politik und Gemetndesozialismus. Herausgeber: Dr. Albert S ü d e k u m. Verlag Paul Singer, Berlin. Soeben erschien die Nummer 30 dieser Zeitschrist. In"dem Artikel„Der Ruck nach links im deutschen Gcmeindcarbeitcr-Verband" zeigt H.«chäser-Köln, wie es kam. daß die Illusion, als ob sich ein kommunales Arbeiterbeamtentum bilden könne, in den Kreisen der deutschen Gemeindearbeiter verschwinden mutzte. Dann behandelt der Herausgeber die Frage, wie die Eisversorgung zu einer Ausgabe der Gemeinde gemacht werden kann. Ein dritter Artikel bringt eine Kritik des vom Regierungsrat Dr. Naundorf herausgegebenen Hand- buches für sächsische Gemeindevorstände. In der Rubrik„Gemeindeversassung" verdient ein Beiwag„Ver- staatlichung der Stuttgarter Polizei" besondere Beachtung; über Finanz- und Steucrwcsen, Gesundheits- und Bildungswesen bringt die Nummer ebenfalls reichhaltiges Material, ebenso über das Gebiet der kommunalen Sozialpolitik und der Rechtsprechung usw. Die„Kommunale Praxis' ist durch alle Buchhandlungen, Zeiwngs- spedilioncn und Poslanstalten zu bezichen. Probenummern werden gratis und stanko versandt. Phnrus-Plan. Buckow und Umgegend. Praktischer Führer durch Buckow und seine Waldungen, in Pharnskolorit ausgeführt. Preis 00 Ps. Pharusveriag, G. m. b. H., Berlin W. 9, Königin Augustastr. 3. 12. Bericht der Kartellkommission der vereinigten Gewerkschasten Bant-Wilhelmshavcns für das Jahr 1905. Werde gesund! Zeitschrist für VollsgesundheitSpflegc. 7. Heft. Monatlich ein Heft. Preis vierteljährlich 75 Pf. Verlag Th. Krische, Erlangen. Die russische« Massakers. Herausgegeben von der Redaktion der „Russischen Korrespondenz". Preis 20 Ps. Buchverlag der.Hilst", Berlin- Schöneberg. 1906. Annnaire de la Vis Internationale 1908. Monaco, Institut. international de la paix. Lpton Sinclair.„Der Sumpf". Roman aus ßhikagoS Schlachthäusern. l.,Dwe Jnngle"). Autorisierte deutsche Ausgabe. Verlag von Adolf Sponhoiz, Hannover. Adolf Rotzberg in Trebnitz. Kolonialsoldatenleben. Erzählung eines durch Not nach Asrika zur Fremdenlegion geflüchteten Proletariers. Preis 50 Ps. Dr. med. Wiih. Hammer. Großstadt-Dokumente. Die Tribadie Berlins. Preis 1 M. Verlag von Hermann Seemann Nächst, Berlin NW. 87. T. W. Seifen. Die Besitzenden und die Besitzlosen in Oesterreich. 268 Seiten. Verlag I. Brand, Wiener Volksbuchhandlung, Wien V. Dr. für. 2. Ruiidstein. Die Tarifverträge und die moderne Rechts« wissenschast. 208 Seiten. Preis 5,40 M. Verlag C. L. Hirschscld, Leipzig. Süddeutsche Monatshefte. Hest 7. Herausgegeben von P. N. Cotz. mann. Jahrespreis 15 M., Quartal 4 M., Einzelheit 1,50 M. Verlag A. Bonz lt. Co., Stuttgart._ Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion.(Großhandel) Rindfleisch la 70—74 pr. 100 Pfd., IIa 64-09. Illa 58-62. IVa 52-56, englische Bullen. 0,00, dänische Bullen- 0,00, holländische Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppclländcr 100—110, la 84—90, Na 74—82, Nla 62—72, Hammelfleisch la 76—80, Na 68—74. chwcincfleisch 63—69, Rchböcke la p. Psd, 0,60—0,75, Na 0,25— 0,57. Roiwild la m. Abschutzattest p, Psd, 0,66, Na 0,00—0,00. Damwild Na 0,00—0,00. Wildschweine per Pfd. 0,30—0,37. Kaninchen per Stück 0,00. Wildenten la per Stück 0,80-1,05, Na 0,70. Krickenten per Stück 0,45— 0,60. Hühner, alte, per stück 1,50—1,90, junge, per Stück 0,30— 0,75. Tauben, junge, per Stück 0,30— 0,33, alte 0,35. Ente», la p. Stück 1,60—2,25, alte, p. Stück 0,00, junge 1,10—1,50, Hamburger, junge, p. Stück 2,80, Gänse, junge la, per Psiind 0,58—0,62, per Stück 3,00—4,50. Hechte per 100 Psd, 90—110. Schleie 82—87. Bleie 55—64. Aale, groß 110—115, mittel III, klein 0,00, uns, 0,00. Plötze» 0,00, Flundern, poinm. l, ). Schock 3,00—6,50. Kieler, Stiege la 4—6, do, mittel per Kiste 2—3, >o. klein Per Kiste 0,00, Bücklinge, engl, per Wall 4—5. Weier 2— 4,50, Strahündcr 0,00. Aale, groß pro Psd, 1,10—1,30, miltelgrotz 0,80—1,00, klein 0,50— 0,60. Heringe per Schock 4—5, Schellfische Kiste 2— 4. Sardellen, 1902er, per Anker 35,00, 1904er 85,00, 1905er 80,00. Schottische Vollhcringe 1905 0.00. large 40-44, füll. 36-38, med. 35-42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, per*/, To. 60—120. Hummern, Ha, 100 Psd. 0,00. Krebse, per Schock, mittel 13,50, kleine 0,00, unsortiert 00,00, Galizier, mittel 0,00, Eier, Land-, per Schock 2,90—3,00, frische 0,00. Butter per l00 Psund, la 112—114, Na 109—111, INa 102—105, ab- jallende 95— 100. Saure Gurken, neue, Schock 4—6, Pscsicrgurken 4,50—5,00. Kartoffeln per 100 Psd, magn. bon. 0,00, rote Dabcrschc 0,00—0,00, neue runde 2,75—3,00, neue blaue 2,50—3,00, neue hiesige 0,00—0, neue Zcrbster 2—2,50. Spinat, per 100 Psund 12— 15. Karotten per Schock 2,50 bis 3,00. Kohlrabi, per Schock 1,00—1,50. Rettig, bahr,, per Schock 2,40—4,80. Rhabarber, Hamb., per 100 Bd. 0,00. Radieschen, per Schock-Bd. 0,60—0.70. Salat, per Schock 1,25—2,00, Bohnen(grüne), per 100 Psd. 6—10, Schoten hiesige, per 100 Psd, 10—13. Pstsferlinge per 100 Psd. 20—25, Mohrrüben zer Schock-Bd, 2,00—2,50. Blumenkohl per Mandel 1,00—2,00. Wirsingkohlper Mandel 1,00—1,50. Rotkohl per Mandel 2—3. Weißkohl per Mandel 2—3. Birnen, italienische per 100 Psd. 14—23, schlesische 10—20, Tiroler 21—24. Johannisbeeren, hiesige, weiße, per 100 Psd. 6—8, do. rote 8— 10. Stachelbeeren per 100 Psd. 9—15. Kirschen, ital., 100 Psd. 0,00. Natten, Werdersche 15—20. Wcrdersche Glas- 15—17. Natten 10—14, do. sauere 9—15. Schlesische 6—16. Himbeeren, Wcrdersche per 100 Psd. 23—32. Blaubeeren per 100 Psd. 9—12. Erdbeeren, Holl, per 100 Psd. 20—25, Garten- 0,00, Hamburger 13—25, hiesige 15—20. Wald- per 100 Psd. 45—60. Pflaumen, ital. lange dunkle per 100 Psb. 18—20, itab, lange gelbe per 100 Psd. 15—20, ital., runde per 100 Psd. 15—22. Ziwoncn. Messina. 300 Stück 11.00-16.00, 360 Stück 14,00-16,00. 200 Stück 7.00-12.00. 420 Stück, klein 7.00. WttterungSübersicht vom lg. Juki 190«, morgens 8 Uhr. Stationen swlnemde, eclin Franki.a.M München Wie» i I s« 758W 758 SSO 758, SSO 760 SW 763 SW 762 Still Scltei 1 Regen 2 heiter Iheitcr 3wolkig 5 halb bd iwoittg *£ B t, ß". =? H fo Stationen le - f - 3 KS taparanda eterSburg Scilly Aberdeen Paris 756 NO 76l'ffi~ 746 WSW 762 W Wetter 2woMg 3 bedeckt 5 halb bd, 1 wolkenl vis ü* Ä Ii g a m a 14 15 14 20 Wetter-Prognose für Freitag, de» 30. JuU 1900. Kühler, vorherrschend wolkig mit Gewitterregen und ziemlich Icbhaster' wejllichen Winden. �.. Berliner Wetterbureau. Wasserstand am 18. Juli. Elbe bei Aussig+ 1,38 Meter, Bei Dresden— 0,12 Meter, bei Magdeburg-s- 1,68 Meter.— 11» ft r u t bei Swaußsnrt+ 1,40 Meter.— Oder bei Natibor— ,— Meter, bei Blcslan Oberpegel-s- 5,44 Meter, bei Breslau Unterpegel— 1,12 Meter, bei Franksurt 4- 1,73 Meter.— Weichsel bei Brabcniüude 4- 6,28 Meter. — Warthe bei Posen-g 0,44 Meter.— Netze bei Usch(16. Juli) + 0,69 Meter. vugytwoktljKer Sitökteau Soul Weber. Bxxljn, Für heg Jnferastlitefl veraütw.: TD, Glpckc, iguflin, Druck u. Verlag: PerwärtSPuKdruckerei u. Nerlaczsonjtglt Paul Singer& Co,. Sellin SW.