Nr. 169. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pranumerando! Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. PoftAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Bfg, jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Parteigenoffen! Laut Beschluß des letzten Parteitages findet der diesjährige in Mannheim statt. Auf Grund der Bestimmungen der§§ 11, 12, 13, 14 und 15 der Parteiorganisation beruft die Parteileitung den diesjährigen Parteitag auf Sonntag, den 23. September, Dienstag, den 24. Juli 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. 5. Fürsorge für Schwangere und Wöchne- tums, für die verlangte Schröpfung günstig zu stimmen, hatte man rinnen. Berichterstatterin: Genossin Dunker. ihm die doppelte Anzahl Vertreter wie dem Adel und der GeistlichIn Drten, in denen ein Zusammenarbeiten mit den Ge- feit zugestanden; man war auch geneigt, ihm nötigenfalls gewisse beGenossinnen sich mit diesen baldigst über die Wahl einer Dele- Brärogative der Krone und der Standesvorrechte dachten weder der Hof noffen stattgefunden hat, ist es wohl selbstverständlich, daß die scheidene Reformen, die Milderung allzu drückender VerwaltungsDele- maßnahmen zu gewähren; doch an eine ernstliche Einschränkung der gierten verständigen. Dort, wo die Verhältnisse nicht so günstig noch die bevorrechteten Stände. Die Thronrede, mit welcher der liegen, haben die Genossinnen laut§ 11 Absatz 1 des Organi- König die Reichsstände eröffnete, bestand nur aus Klagen über sationsstatuts der sozialdemokratischen Partei Deutschlands das die Geldnot des Landes und die Gärung im Volte. Es fehlte jeder Recht, in öffentlicher Frauenversammlung nicht nur eigene Hinweis auf irgend welche Reformen; um so deutlicher verkündete Delegierte für die Frauenkonferenz zu wählen, sondern auch der Großsiegelbewahrer Barentin die Absicht des Hofes, indem er in für den Parteitag. Wünschenswert ist jedoch, daß die der Eröffnungssigung erklärte: Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: Delegierten zur Frauenkonferenz auch zugleich ein Sonntag, den 23. September, abends 7 Uhr: Vor- Mandat für den Parteitag erhalten. oersammlung. Konstituierung des Parteitages. Festsetung der Geschäfts- und Tagesordnung. Wahl der Mandatsprüfungs- Kommission. abends 7 Uhr, nach Mannheim in das Lokal„ Apollotheater", G. 6, 3 ein. Montag, den 24. September und die folgenden Tage: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes. Berichterstatter: W. Pfannkuch und A. Gerisch. 2. Bericht der Kontrollkommission. Berichterstatter: A.Kaden. 3. Parlamentarischer Bericht. Berichterstatter: G. Schöpflin. 4. Maifeier. Berichterstatter: R. Fischer. 5. Der politische Massenstreik. Berichterstatter: A. Bebel. 6. Der internationale Kongreß 1907. Berichterstatter: P. Singer. " Damit, daß Se. Majestät dem zahlreichsten unter den drei Ständen, auf dem hauptsächlich die Last der Steuern und Abgaben liegt, eine doppelte Vertretung gewährt, hat sie keineswegs die Form der früheren Beratungen geändert. Wenn auch die Abstimmung nach Köpfen, insofern als sie nur ein einziges Resultat liefert, den Vorteil zu haben scheint, daß sie den allgemeinen Wunsch besser erkennen läßt, so ist es doch der Wille des Königs, daß diese neue Form nur mit freier Uebereinstimmung der Reichsstände und mit Genehmigung S. Majestät in Wirksamkeit treten fann." Die Verhandlungsgegenstände, die auf seiner Tagesordnung stehen, sind alle von größter Wichtigkeit für die proletarische Frauenwelt. In erster Linie sei auf die Frage der Voltserziehung hingewiesen, an welcher die Proletarierin als Bildungsbedürftige wie als Mutter das höchste Interesse hat. Möchten daher die Genossinnen überall dafür sorgen, daß dem ihnen zustehenden Die Regierung war zwar, soweit Steuern und Geldfragen in Rechte gemäß an dem diesjährigeu Parteitag als Delegierte Betracht kamen, der Abstimmung nach Köpfen nicht abgeneigt, da sie Frauen teilnehmen, die in treuer Pflichterfüllung alle Arbeiten hoffte, hierdurch das Bestehen des Adels und der Geistlichkeit auf ihre Steuerprivilegien zu brechen; dagegen wollte fte und Kämpfe der Sozialdemokratie teilen. bei der die Beratung politischer Reformen Anträge sind spätestens bis zum 31. Auguft einzusenden. nach Ständegruppen aufrecht erhalten, damit die„ Neuerungs Abstimmung Erfolgte Wahlen von Delegierten sind der Unterzeichneten fucht" des dritten Standes durch Adel und Geistlichkeit melden. 7. Sozialdemokratie und Voltserziehung. Berichterstatter: zu Bettin und H. Schulz. 8. Strafrecht, Strafprozeß und Strafvollzug. Berichterstatter: H. Haase. 9. Sonstige Anträge. Die Adresse des Lokalkomitees ist: August Dreesbach, Mannheim R. 3. 14. Die Frauenkonferenz zu Mannheim muß nicht nur ein Beweis für die Fortschritte der proletarischen Frauenbewegung werden, sondern auch der Ausgangspunkt weiterer großer Erfolge. Mit Parteigruß gelähmt werde. Die Reichsstände sollten nach den Absichten des Hofes lediglich als bloße Steuerbewilligungsmaschine fungieren. Die Haltung der Vertreter des dritten Standes durchkreuzte diese überklugen Berechnungen. Sie bestanden auf der Abstimmung Antrag selbstständig als Nationalversammlung, indem sie zugleich nach Köpfen und konstituierten sich am 17. Juni 1789 auf Sièges den Beschluß faßten, daß nur die Nationalversammlung das Recht habe, Steuern zu betvilligen, daß aber die eingeführten Steuern bis zu dem Tage fortbestehen sollten, an dem die National10. Wahl des Vorstandes, der Kontrolltommission und des Ortes, an dem der nächste Parteitag stattfinden soll. Parteigenossen! Der Parteivorstand richtet an Euch die Aufforderung, die Vorarbeiten für den Parteitag also die Ottilie Baader, Berlin S. 53, Blücherstr. 49, Hof II. versammlung aufgelöst werde. Die Negierung antwortete mit Wahl von Delegierten wie die Stellung von Anträgen rechtzeitig zu bewirken. Die Anträge müssen spätestens am 27. Auguft im Besize des Vorstandes, Adresse: J. Auer, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69 sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des§ 14, Abfatz 2 der Parteiorganisation im Vorwärts" veröffentlicht und in die gedruckte Vorlage Aufnahme finden sollen. Anträge von einzelnen Parteigenossen bedürfen der Gegenzeichnung der Vertrauensperson oder des Vorstandes der örtlichen bezw. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelangen sollen. Die Parteigenossen, die zum Parteitag kommen, werden ersucht, von ihrer Delegation dem Vorstande und dem Lokaltomitee rechtzeitig Mitteilung zu machen, damit ihnen die Vorlagen und eventuell weitere Mitteilungen zugesandt werden fönnen. Die Adresse des Lokalfomitees Tautet: August Dreesbach, Mannheim, R. 3, 14, Mandatsformulare sind durch das Parteibureau J. Auer, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69 zu beziehen. Der Versand erfolgt vom 21. August an. Die Genossen, die Anträge einreichen, werden darauf aufmerksam gemacht, daß etwaige den Anträgen beigegebene Motive weder im Vorwärts", noch in der den Delegierten zugehenden Vorlage Aufnahme finden können. Es steht den Genossen das Recht zu, ihre Anträge selbst oder durch befreundete Genossen auf dem Parteitag mündlich zu begründen. Ein Abdruck der Motive verbietet sich aber aus räumlichen Gründen und um Wiederholungen zu vermeiden. Berlin, den 23. Juli 1906. Mit sozialdemokratischem Gruß Genossinnen! Der Parteivorstand. einem Gewaltstreich; fie ließ am 20. Juni den Sigungssaal schließen und mit Militär besetzen. Die Nationalversammlung hielt ihre Sigungen im Ballhause ab und schwor, bis zur Durchsetzung einer Verfassung nicht auseinander zu gehen. Der König löste Auf dem Wege zum Schafott. Daraufam 28, Juni die Reichstände auf; die Nationalversammlung ignorierte den Auflösungsbefehl und setzte auf Mirabeaus Antrag Petersburg, 22. Juli. Ein Ukas des Kaisers ihre Sigungen fort. Nun griff die Regierung zum vom 21. Juli verfügt die Auflösung der Reichs- Staatsstreich. Sie zog Truppen um Paris und Versailles duma und die Einberufung einer neuen Reichsduma zusammen, und als am 11. Juli 30 000 Mann Paris umschlossen auf den 5. März 1907. Die Bestimmungen für die hielten und weitere 20 000 auf Paris marschierten, da entließ der Bornahme der Neuwahlen sollen später veröffentlicht König das Ministerium Neder und berief ein noch reaktionäreres. Die Folge war der Aufstand des Pariser Volkes am 13. und 14. Juli, werden. Ein zweiter Utas des Kaisers enthebt den der zur Erstürmung der Bastille führte und der Herrschaft der Ministerpräsidenten Goremykin feines Postens. Capetinger in Frankreich den ersten Schlag versetzte. Am Morgen An seine Stelle tritt der bisherige Minister des Innern des 15. Juli erschien der König als Bittender vor der NationalStolypin, der zugleich das Portefeuille des Junern versammlung, deren Adressen er noch in den letzten Tagen höhnisch behält. ignoriert hatte. Ohne Bedeckung und stehend flehte er: Stadt und Gouvernement Petersburg ist durch Ukas des Kaisers in den Zustand des außer= ordentlichen Schutzes versetzt worden. Ferner ist über das ganze Gouvernement Kiew, mit Ausnahme des Bezirkes Kiew, der Kriegszustand verhängt worden. Das Haupt der Nation kommt vertrauensvoll in die Mitte ihrer Repräsentanten, um ihnen seinen Kummer über die unruhige Hauptstadt zu bekunden und Sie um Rat zu fragen. Man hat einen ungerechten Argwohn in Ihren Gemütern erregt, doch wer meinen Charakter kennt, wird schändlichen Gerüchten nicht glauben. Ich bin eins mit der Nation; ich vertraue mich Ihnen an. Helfen Sie mir, das Wohl des Staates zu sichern: ich erwarte das von der Nationalversammlung. Ich baue auf die Liebe und Treue meiner Untertanen, und ich habe den Truppen befohlen, sich von Paris und Versailles zurückzuziehen." Petersburg, 22. Juli. Obgleich das kaiserliche Dekret, welches die Auflösung der Reichsduma anfündigte, in der vierten Morgenstunde bekannt wurde, ist die Nachricht hiervon bereits ins Volk gedrungen. Man spürt die gedrückte Stimmung. Die Residenz wimmelt von Truppen. Aus dem Lager und aus den Der Bastillesturm drängte die Revolution in eine neue RichNachbarorten sind gestern bis um Mitternacht vier tung. Den gefnechteten Bauern gab er das Signal zum Niederbrennen der adeligen Schlösser und Zwingburgen. Fast überall Infanterieregimenter, die Chevaliergarde und die Garde griffen die Bauern zur Selbstwehr. Die stolzen Herrensize zu Pferde eingetroffen, ferner eine Anzahl Schwadronen des übermütigen Adels, die reichen Klöster und Höfe der Husaren und lanen sowie Grenadiere und Maschinen- Geistlichkeit gingen in Flammen auf. Wochenlang glänzte gewehr- Kompagnien. In nächster Nähe des Reichs- der Himmel über Frankreichs Provinzen vom roten Widerschein der duma- Balastes stehen Husaren. Die Behörden erwarten Feuersbrünste, in denen die verfaulte feudale Herrlichkeit versant. heute der„ Nowoje remja" zufolge große Unruhen Bugleich aber stärkte der 14. Juli die Kraft des revolutionären im Petersburger Kreise. Der Polizei find energische Voltes von Paris und drängte die Parteien weiter nach links. Maßnahmen vorgeschrieben. Die Lagerübungen in Drittens aber gab er der Autorität des Königs, feiner Beliebtheit Krasnoje Sselo werden bereits Ende Juli a. St. ab- bei der Volksmasse den ersten entscheidenden Stoß. Bei seinem Regierungsantritt hatte man Ludwig XVI. den„ Heißerfehnten", den " Vielgeliebten" genannt und ihn bis zur Auflösung der Reichsstände in allen Parteien verehrt. Selbst ein Marat nannte ihn:„ Unseren guten König". Nun wich der Bann der findlichen Verehrung, der gläubigen Abgötterei: schon 2 Monate später erfolgte der Zug des Pariser Volkes nach Versailles, um von dem Oberbäcker", wie man nun schon spöttisch den„ Vielgeliebten" nannte, Brot zu holen, und ihn zwecks besserer Beaufsichtigung nach Paris zu schleppen. Das Schicksal des Königtums aber war, entschieden. Louis Capet hatte mit seinem Staatsstreich den Weg zum Schafott beschritten. geschlossen. Ms Beauftragte der Genossinnen Deutschlands beruft die Es war am 5. Mai 1789, als in Versailles die Reichsstände Interzeichnete eine Frauenkonferenz nach Mannheim ein, wo zufammentraten. Die wahnsinnige Verschwendungssucht des Hofes, der nächste Parteitag stattfinden wird. Die Konferenz soll die völlige Berrüttung der Finanzen trieben Frankreich unaufhaltsam Sonnabend, den 22. September, morgens 9 Uhr, in der dem völligen Bankrott entgegen. Bereits hatte nach dem Fall des Zentralhalle, Q. 2. 16, zusammentreten und nötigen- Erzbischofs von Brienne am 25. August 1788 die Zahlung der falls noch Sonntag nachmittag tagen. Staatsrenten eingestellt werden müssen. Die Einberufung der ReichsAls provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: stände zur Erschließung neuer Steuerquellen war zum einzigen 1. Bericht der Zentralvertrauensperson, Mittel für die Regierung, zur letzten Rettung für den Thron der Capets geworden. Es hatten sie gleich dringlich das Parlament a) Agitation, b) Presse. und die Pairs am 13. Juli 1787, bie Stände der Dauphine in der Versammlung zu Vizille, die Geistlichkeit in der Versammlung zu Baris gefordert. 2. Frauenstimmrecht. Berichterstatterin: Genoffin Bettin. 3. Agitation unter den Landarbeiterinnen. Berichterstatterin: Genossin 3iet. 4. Die Dienstbotenbewegung. Berichterstatterin: Genossin Grünberg " Die Geschichte wiederholt sich nicht, wenigstens nicht in allen Einzelheiten; aber sie bietet wertvolles Material zur Beurteilung kritischer Situationen und ihrer Folgen. Wie einst Louis Capet hat nun auch Nikolaus Romanow, dem eine nicht von bezahlten LohDie Reichsstände sollten neue Geldmittel schaffen. Dem zer- hudelern geschriebene Geschichte einst den Beinamen„ der Blutige" störten Staatskredit Frankreichs wieder eine feste Basis verleihen: nicht vorenthalten wird, sein Wort und die Verfassung gebrochen bas waren die alleinigen Aufgaben, zu denen sie der Hof aus- und in der Meinung, feine kleinen dynastischen Eigeninteressen ersehen hatte. Um den dritten Stand, die breite Masse des Bürger- retten zu können, die Reichsduma aufgelöst. Wir wissen nicht, waS die Duma unternehmen wird, ob sie dem zaristischen Staats- streich trotzen, ob sie sich anderswo versammeln, ob sie die Auf- lösung der Duma als Wort- und Verfassungsbruch brandmarken und das Volt zum Widerstande aufrufen wird; wir wissen auch nicht, ob die russischen Bauern, wie einst die französischen, zur Selbsthillfe greifen und die GutShöfe in Masten niederbrennen werden. Das aber wissen wir, daß der neueste brutale Akt deS Zarismus die Revolution nicht ersticken, daß er ihren Fortschritt nicht hemmen wird. Der zugleich niedcrtrcichtige und einfnttige Schritt des von allen guten Göttern verlassenen Zaren wird nur die revolutionären Kräfte des. Volke» noch mehr entfesseln; er wird nur den radikalen Parteien ein noch stärkeres Uebergewicht verschaffen; er wird die Bauern vollends in die revolutionären Kampfreihen treiben. Nikolaus Romanow hat seinen Untergang be- siegelt. Schon mit dein Blutsoimtag des 22. Januar 1905 hat er deil Weg zum Schafott betreten; nun schreitet er weiter von Etappe zu Etappe, der Nachfolger Karl Stuarts und Louis Capets. Nichts ist lächerlicher, als von dem Staatsstreich eine Be- endigung der russischen Revolution zu erhoffen. Sie wird fort- schreiten, denn sie ist zur inneren Notwendigkeit geworden. Die reaktionäre Presse, die dem zaristischen Staatsstreich zujubelt, sie wird bald dieselbe Erfahrung machen wie nach dem Blutsonntag, als sie die Niedermetzelung Wehrloser als glorreiche» Sieg des Zarismus über das russische Volk feierte. Der Blutsonntag war nicht das Ende, es war der Beginn der eigentlichen Revolution. Schon wenige Wochen später stand der größte Teil der industriellen Reviere Rußlands im politischen Massenstreik, der gleich einem Feucrbraird um sich griff, so daß bereits Ende März an 150 Städte vom Streikfieber erfaßt waren. Dann erfolgte die Hinrichtung des Senators Johnson und deS Großfürsten Sergius, der Ausbruch der Unruhen im Kaukasus, die Banernrevolten in Südwestrußland und in den Ostseeprovinzen, der Wiederausbruch der Unruhen in Baku, der Abfall eines Teiles der Schlvarzen Meer-Flotte, erneute Kämpfe im Industriegebiete Nussisch-PoleiiS, die Barrikadenkämpfe in Lodz und in Moskau. D i e neuesteLeistung des Zarismus wird neue revolutionäre Energien auslösen. Seine Existenz lastet nicht nur ans Rußland, sondern auf der ganzen Kulturmenschheit als quälender unerträglicher Fluch, als Verhöhnung aller Menschenwürde er muß fallen! . Das Auflösimgsuianifcst des Zaren. Petersburg, 22. Juli. Heute wurde folgendes kaiserliche Manifest veröffentlicht: Wir haben durch unseren Willen die Vertreter der Nation zu einem Werke gesetzgeberischen Schaffens berufen. Indem wir fest auf die göttliche Gnade vertrauten und an eine glänzende und große Zukunft unseres Volkes glaubten, erwarteten wir von ihren Arbeiten Gutes für das Land. Wir haben auf allen Gebieten des nationalen Lebens große Steforme» in Vorschlag gebracht,' und wir haben es immer unsere Hauptsorge sein lassen, die Untvisscnheit deS Volkes durch das Licht der Bildung und die Lasten des Volkes durch eine Erleichterung der Arbeitsbedingungen und der Bedingungen für den Landbesitz zu beseitigen. Eine grausame Prüfung hat unsere Er- Wartungen getäuscht. Anstatt auf dem Gebiete der Gesetzgebung zu schaffe», entfernten sich die Vertreter des Volkes aus dem Bereich ihrer Zuständigkeit und beschäftigten sich mit Untersuchungen über die Handlungen der aus unsere Anweisung eingesetzten Lokalbehörden und über die UnVollkommenheiten der Grundgesetze, die nur durch unseren kaiserlichen Willen abgeändert werden könnten. Endlich unternahmen die Vertreter des Volkes wahrhaft ungesetzliche Handlungen nüe den Aufruf an daS Volk seitens der Duma. Die Bauern, die durch derartige Ungesetz- lichkeiten beunruhigt lvurden und auf eine gesetzliche Besserung ihres Schicksals warteten, gingen in einer Reihe von Bezirken zur offenen Plünderung, zur Zerstörung fremden Eigentums und zum Ungehorsam gegen das Gesetz und gegen die rechtmäßigen Behörden über. Aber unsere Untertanen müssen sich erinnern, daß die Besserung des Loses des Volkes nur möglich ist unter der Bedingung voller Ordnung und Ruhe. Wir werden keine willkürlichen oder ungesetzlichen Handlungen zulassen und mit allen Machtmitteln des Staates tv erden wir unseren kaiserlichen Willen den Ungehorsamen aufzwingen..... Möge die Ruhe im russischen Lande wiederhergestellt werden und möge Gott uns helfen, die wichtigste unserer Aufgaben, die Besserung deS Loses der Bauern zu verwirklichen. Unser Wille in diesem Punkte ist unerschütterlich, und der russische Arbeiter wird, ohne fremdes Eigentum an« zntasten, da, wo die ländlichen Besitzungen zu klein sind, ein gesetzliches und rechtschaffenes Mittel erhalten, um seinen Landbesitz zu erweitern. Die Vertreter der an- deren Klassen werden auf unsere Aufforderung alle ihre Bemühungen aufwenden, um diese große Aufgabe, die von der zu- künftigen Duma endgültig im Wege der Gesetzgebung gelöst werden muß. zu verwirklichen. Indem«vir die Duma auflösen, b e- stätigen wir unsere nnabäirderliche Absicht, diese Institution zu bewahren. In Uebereinstimmuug mit dieser Absicht haben wir durch einen an den vollziehenden Senat gerichteten UkaS die Einberufung einer neuen Reichsduma auf den 6. März 1907 festgesetzt. Treue Söhne Rußlands, Euer Kaiser ruft Euch, wie ein Vater seine Kinder, Euch mit ihm zu vereinigen, um unser heiliges Vater- land wieder gesunden zu lassen. Wir glauben, daß Niesen des Gedankens und der Tat erscheinen werden und daß dank ihrer emsigen Arbeiten der Ruhm Rußlands erstrahlen wird. Nikolaus. » Was wird die Duma tun? Petersburg, 22. Juli. Die Mehrzahl der Dnmaabgeordneten ist »m Laufe des heutigen Tages nach Finnland abgereist, um dort über die durch die Auslösung der Dunra geschaffene Lage zu beraten. Petersburg, 23. Juli. lVon einem Privatkorrespoudenten.) AuS Wiborg lFinuland) wird gemeldet, daß alle Hotels mit Abgeordneten überfüllt sind. Auch viele Privatpersonen sind in Wiborg eingetroffen. Gestern abend fand in einem otel eine Beratung statt, die von- 135 Abgeordneten esucht war. Nicht anwesend waren die Vertreter des rechten parlamentarischen Flügels und der rechtsstehenden Polen. Vertreter der Presse wurden nicht zugelassen. Den Vorsitz führte der bisherige ReichSdumapräsident Muromzew. Die Sitzung, so heißt es in dem Wiborger Telegramm, werde vis spät in die Nacht dauern. Auch einige Reichsratö« Mitglieder seien in Wiborg eingetroffen, doch seien sie, da die Sitzung nicht öffentlich war, ebensowenig wie Struve, Hessen und andere zugelassen worden. Wiborg, 23. Juli.(Meldung der Petersburger Telegr.- Agentur.) Die hier versammelten früheren Abgeordneten zur Neichsduma haben beschlossen, namens der Duma ein Manifest zu veröffentlichen. In dem von den Kadetten ausgearbeiteten Manifest. dessen Wortlaut von der Arbeitsgruppe etwas verschärft worden ist, wird der Regicruugsakt voin 21. d. M. als ein Versuch bezeichnet, Rußland auf lange Zeit der Volksvertretung zu berauben. In dem Manifest heißt es Wetter, als logische Folge der Verletzung der Verfassung durch die Regierung sei es eine Pflicht der Bürger, keine Steuern zu zahlen und nicht einen Soldaten zu stellen. DaS Manifest ruft daS Volk auf, jede Gewalt- tätigkeit energisch abzuwehren.— Anwesend sind hier zwei Drittel der Mitglieder und das Präsidium der Duma. Den Vorsitz bei den Verhandlungen führt Moromzew. Heute früh sind die Vertreter der polnischen Rechten sowie Graf Heyden und Stachowitz eingetroffen.» Bei der zweiten Lesung des Manifcsteutwnrfes wurden einzelne Tatsachen beraten. Da die Kadcttenpartei der Ansicht ist, daß sie nicht mehr als Vertreterin des Volkes erscheinen werde, legt sie ihre Abgeordnetenmandate nieder. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe behaupten dagegen, das Recht zu haben, sich Volksvertreter nenne» zu könne», und wollen nicht vor der Wahl eines neneu Parlaments auSeinandergeheu. Der entgültige Wortlaut des Manifestes wird von einer Kommission von sechs Mit- gliedern ausgearbeitet. Unter den Abgeordneten herrscht einiger Ziviespalt, und nicht alle können sich entschließen, das Manifest zu unterzeichnen. Fürst Dolgoruckow wurde zum Gouverneur geladen, der ihm erklärte, die Beratungen seien möglichst schnell zu Ende zu führen, da es möglich sei, daß morgen der Kriegszustand über Wiborg verhängt werde. Infolgedessen beeilen sich die Versammelten, und die Beratung wird wahrscheinlich heute beendet werden. Sollten die Kadetten talsächlich gewillt sein, ihre Mandate niederzulegen, so muß dieser Schritt nicht nur als politische Unklug- heit, sondern alö feiger Verrat der Revolution bezeichnet werden. Pctcrhof belagert? Paris, 22. Juli. Van einer Verschwörung gegen den Zaren, an welcher Soldaten und Matrosen in Kronstadt beteiligt sind, berichtet das„Journal' aus Petersburg. Die Verschwörer beabsichtigen, Peterhof zu nehmen und den Zar lebend oder tot in ihre Gewalt zu bringen. London, 23. Juli. DaS dem Dumamitglied, Rechtsanwalt Winawer, der zurzeit in Vudapcst weilt, dorthingesandte Telegramm über die Lage in Petersburg lautet folgendermaße»:„Kehren Sie sofort nach Petersburg zurück. In Petcrhof ist ein furchtbarer Auf- stand ausgebrochen. Das Haus Romanow ist in großer Gefahr. Die Palast wachen und die Truppen ver- weigern den Gehorsa m. Der Palastkommandant Hesorow hat an Alexandrejew, den Chef der Petersburger Garnison tele- graphiert, er möge ihm Geschütze und zuverlässige Truppen auf dem Seewege senden.' Am Sonntagmorgen erhielt Winawer ein zweites Telegramm folgenden Inhalts:. P e t e r h o f st e h t i n F l a m m e n. Gegen 20 000 Arbeiter belagern den Palast. Die Truppen verweigern den Gehorsam." Winawer hält die ihm zugegangenen Nachrichten für durchaus zuverlässig und meint, die Auflösung der Duma würde der Beginn der Revolution sein, die von der Armee, die zum größten Teil auf 'eiten des Volkes stehe, eingeleitet werden würde. Er ist der An- icht, die Autokratie sei am Ende ihre? Lebens angelangt. Die Folgen DeS Staatsstreichs. Petersburg, 23. Juli. Der Rostower Abgeordnete Ehachtai er« hielt interessante Mitteilungen über die Stimmung unter den Don- Kosaken, die sich kategorisch gegen die D u in a a u f l ö sung aussprechen und erklären, sie wüßten, worum es sich hierbei handle und würden nicht mehr gegen das Volk vorgehen. Der Dlima-Abgeordncte Anikin, der aus London gestern in Paris eingetroffen ist, sagte nach einem telegraphischen Bericht der„Voss. Ztg." einem Ansfrager, die erbitterte Dorfbevölkerung wird sofort die Staatsbehörden angreifen und eigene Obrigkeiten einsetzen, die sie mit bewaffneten Milizen verteidigen wird. Das Wirtschaftsleben wird stillstehen: man wird nicht ernten können und das Elend wird noch steigen. Der allgemeine Eiscnbahner-AnSstand wird gleichfalls eintreten. Eine allgemeine Anarchie sei zu erwarten. Die Bauern werden in die Städte einfallen, um sich durch Plünderung Lebens- mittel zu verschaffen. Die Revolution ist nicht organisiert, aber sie wird von selbst ausbrechen, an Neuwahlen glaube er nicht. Die Duma wird sich trotz der Polizei versammeln und in einem Aufruf dem Volke die Ereignisse erklären. Die Auslösung der revolutionären Energie. Von einen, russischen Genossen wird uns über die Voraussicht- lichen Wirkungen des Staatsstreichs geschrieben: Jetzt haben wir in Rußland den längst erwartete» Staatsstreich. I» den Hauptstädten sind alle zur Verfügung stehenden Truppen aufgeboten, in der Provinz das Militär und die schwarzen Banden mobilisiert. Die Regierung ist entschloffen, jeden AuslehnungSversuch mit bewaffneter Faust niederzukämpfen. Sie hofft bis zum März 1907 die Ruhe und Ordnung im Lande auch ohne Duma wieder herstellen zu können. Die nächsten Wochen werden sie eines Besseren belehren. Nichts konnte die offene Erhebung des Bauerntum» so fördern, wie dieser wahnsinnige Schritt der Peterhofer Kamarilla.„Unsere Deputierten sind fortgejagt! Land und Freiheit werden uns vor- enthalten I Jetzt nehmen wir beides mit eigener Hand I'— So lvird es im ganzen Land'r wiederhallen, und keine Macht der Welt, keine fremdländische Invasion wird das alte Regime retten. Es ist dem Untergänge verfallen. Wer wird fich nun an die Spitze des empörten Lölkes stellen? Jedenfalls nicht die loyale Kadettenpartei, sondern die linksstehenden Elemente der Duma und die sie unterstützenden Parteien. Nicht die gesetzmäßige Opposttton, Männer aus dem Volke, Bauern und Arbeiter werden die Führer sein im sicher ausbrechenden Kampf. Die Mehrzahl der Dumamitglieder tagt jetzt in Finnland, die übrigen weilen bei ihren Wählern in allen Enden des Landes. Die Duma wird sich vorauösichtlich in Finnland als permanent er- klären. Die gemäßigten Dumaekrmente werden durch den Gang der Ereignisse zurückgedrängt werden. Die Leitung wird in die Hände der Arbeitsgruppe und der Sozialisten übergehen. Wenn bisher auch manche kostbare Zeit durch bürgerliche Feig- heit vertrödelt worden ist— jetzt wird eS nicht mehr geschehen. denn die politische Rolle der bürgerlichen Makler ist ausgespielt. Die Mächte der Reattio» sind an der Arbeit, und nicht schöne Worte und Resolutionen, sondern mir revolutionäre Taten könne» helfen. Die Waffe der Kritik hat bisher gesprochen, jetzt wird die Kritik der Waffen einsetzen. Gegen ein antonomes Polen. Seit einigen Tagen erhalten wir von russischen Genossen Zu- schriften, in denen uns auf da» bestimmteste versichert wird, daß die deutsche und österreichische Regierung mit der russischen einen Pakt geschlossen hätten, unter gewissen Bedingungen deutsche und öfter- rcichische Truppen in Rußland eimnarschicrcn zu lassen, um die Rc- Volution niederzuschlagen. Wir haben bisher diese Zuschriften nicht zur Veröffentlichung gebracht, da sie uns nicht genügend begründet erschienen und wir troL unserer geringen Meinung von der deutschen Regierung nicht zu glauben vermochten, daß sich diese zu dem wahnsinnigen Unternehmen einer Intervention bereitfinden lassen könnte. Würde doch ein der- artiges Eingreifen in russische Verhältnisse nicht nur Deutschland den Haß des russischen Volkes zuziehen, sondern auch Deutschland unzweifelhaft in einen schweren europäischen Konflikt verwickeln, denn eS erscheint sicher, daß die Westmächte diese Gelegenheit, das imperialistische Deutschland zu schwächen, nicht ungenutzt lassen würden. Tatsächlich scheint es sich nach neueren Nach- richten auS»nS als zuverlässig bekannter Quelle denn auch bei dem Pakt nicht um eine Unterstützung der russischen Regierung gegen die revolutionäre Gärung im eigent- lichen Rußland, sondern, um die Verhinderung eines selbständigen Polens zu handeln. Die Invasion soll erst dann erfolgen, wenn die revolutionären Kämpfe als Resultat die Entstehung eines auto- noinen Polens ergeben sollten. Ein durchaus zuverlässiger Genosse schreibt uns über den auch in dieser Forn, noch immer wahnioitzigen, das deutsche und österreichische Proletariat zum schärfsten Protest herausfordernden Plan: Die Geschichte wiederholt sich. Voll Furcht vor der siegreichen Revolution macht Nikolaus II. denselben Schritt, den seinerzeit Ludwig XVI. mit Erfolg unternommen hat. Es ist der Weg des offenen Verrats an seinem Volke und seinem Reiche, der Appell an die Waffen der lieben ausländischen Vettern gegen den inneren Feind. Wir haben«»bestreitbare Beweise, daß diese verräterische Tat schon vollzogen ist. Die Konferenz zu Schönbrunn fand mit Wissen und Einwilligung Nikolaus IL statt, was natürlich die Möglichkeit besonderer spezieller Vereinbarungen zwischen Deutschland und Oesterreich nicht ausschließt. Zar Nikolaus weiß natürlich, wohin der von ihm eingeschlagene Weg ihn führen wird. Sogar unverantwortlichen Personen gött- lichen Ranges wird Landesverrat nicht vergeben. Wir können diesen Schritt Nikolaus II. auf den Weg des offenkundigen Verrats nur mit Genugtuung begrüßen. DaS, was in verborgenen Gemächern des Peterhofer Schlosses gesponnen wurde, tritt jetzt zutage: und wir dürfen erwarten, daß das russische Volt ebenso schnell wie einst das französische von seiner monarchischen llntertänigkeitskraukheit geheilt werden und keine unverantwortlichen Personen wieder auf den Thron erheben wird, die es vermögen, das ganze Land zu ihrer Rettung der Vernichtung preiszugeben. Doch wir fragen nun: was geschieht, wenn die russische Re- volutlon noch einen weiteren Schritt unterninnnt, Russisch-Polen sich autonom erklärt und die preußisch-österreichischen Armeen, den Ab- machungen zu Schönbrunn gemäß, zur Unterdrückung des verhaßten roten Gespenstes ausrücken werden? Was geschieht dann? Es wird dann eine Okkupation in Ansficht genommen, die sich entweder auf alle polnischen Provinzen oder wenigstens auf die wichtigsten befestigten Punkte erstrecken soll. Die Okkupation setzt gleichzeitig voraus, daß die russischen Truppen die besetzten Provinzen pöllig verlassen, oder aber, daß einige befesttgte Punkte als Zeichen der russischen Souveränität in den Händen der minder- zähligen, schwachen russischen Truppen bleiben. So sieht die geplante „friedliche" Okkupation aus. Doch haben wir das volle Recht zu behaupten, daß solch eine Okkupation nicht nur absolut undenkbar ist, sondern auch mit unausbleiblicher Notwendigkeit einen curopäi- scheu Krieg entzünden wird, dessen Folgen unabsehbar sind. Nicht genug damit, würden diese Folgen— unserer Ansicht nach— fast ausschließlich auf Deutschland und seine nichtsahnende Bevölkerung fallen. In der Tat, obgleich Kaiser Franz Josef seinen Thron. Nikolaus I. und der russischen Unterstützung während der Unter- drückung der ungarischen Revolution verdankt, wird er fich schwerlich zu ernsten Schritten gegen Polen entschließen, da er selbst in Galizien eine einflußreiche„freie" polnische Bevölkerung hat. Die österreichischen Polen würden solch eine Okkupatton nur dann unterstützen, wenn sie hoffe» könnten, die österreichische Autonomie der polnischen Provinzen auch auf Russisch-Polen zu er- strecken. Dann würde unter dem Schutze Oesterreichs ein„freies" autonomes Polen— mit Ausnahme der preußisch-polnischen Pro« vinzen— erstehen. In diesem Falle würde Rußland eher die Bildung eines souveränen, selbständigen, als eines autonomen Polens fördern. Andererseits aber fordert die genamtte Ver- einbarung. daß Polen nicht nur von österreichischen, sondern auch von preußischen Truppen besetzt werde» müffe. Darauf aber werden die österreichischen Polen niemals eingehen, denn da? bedeutet, die Freiheit des zu Galizien hinzugefügten Russisch- Polens dadurch zu erkaufen, daß ein anderes Stück Polen? der preußischen GermanisationSpolitik geopfert würde. AuS diesem Grunde wird Oesterreich— im günstigsten Falle— seine Grenztruppen mobilisieren und— wenn es möglich sein sollte— einige Grenzstationen ohne Blutvergießen besetzen. Was Preiißen-Deutschland betrifft, unterliegt es keinem Zweifel, daß durchgreifende Maßregeln da möglich sind. Ja noch mehr: alte verwandtschaftliche Beziehungen, vollkommene Uebereinstimmuiig der beiderseitigen dynastischen und monarchischen Interessen, begründete Angst vor der revolutionären Ansteckungsgefahr und schließlich die Er- kenntnis, daß es auf die Dauer nicht möglich ist, die jnnkerlich-bürgerliche Politik der deutschen Selbstherrschaft fortzusetzen: alles dieses drängt die deutsche Regierung zum aktiven Kampf mit der Revolution. In der ganzen Welt ist es allein das zurückgebliebene Deutschland, das die russischen Traditionen bewahrt. In Deutschland allein fand die russische Ordnung ihre einzigen Nachahmer und Verehrer. Von Deutschland allein wurde den russischen Henkern niemals moralische Unterstützung und polizeiliche Hülfe versagt. Hier aber können wir die wichtigsten Einwendungen erheben. An der russischen Grenze wird die preußischeArmee ans den heftigsten Widerstand stoßen. Die„friedliche" Okkupation wird bei den ersten Schritten zu einer blutigen werden. Die russische Armee, die schon zur Ge- nüge bisher gezeigt hat, daß sie die Generäle des Zaren nicht für ihre Befehlshaber hält, wird neue Führer finden. Und man soll auch nicht vergessen, daß ein revolutionäres Volk, das für seine Freiheit kämpft, ungeheure Kräfte in sich findet, wenn eS gilt, fremdländische Bedrücker zurückzuschlagen. Wenn ein unseliger Schritt der deutschen Regierung die deutsche Armee gegen die russische Revolution führen sollte, wird dieser ver- brecherische Ueberfall dieselben»»gehenren Opfer kosten, lvird er ebenso enden, wie der berühmte Feidzug, der zur Rettung der Königskrone Ludwigs XVI. unter» olinneu worden war. Wie zu jener Zeit die französische Revolution auS einem Nichts siegreiche revolutionäre Armeen der SanSkulottcn schuf, wird auch jetzt das revolutionäre Rußland die nötige Kraft finde», um die fremde Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten zurückschlagen zu können. Wir behaupten ein für allemal: Die Okkupation der polnischen Provinzen durch preußische Truppen be- deutet den Krieg des junkcrhasten Deutschland mit dem revolutionären Rußland. Noch mehr: einen solchen deutsch-russischen Krieg würden England und Frankreich unverzüglich auszuinitzcn suchen, denn eS liegt für sie bei dieser günstigen Situation genügend Grund hierzu vor. Tie Revanche-Jdee lvird die bürgerlichen Kreise Frankreichs ohnehin anfeuern, während das französische Proletariat zweifellos be« greifen wird, daß die russische Freiheit ihre eigene Freiheit bedeute. Und schwerlich werden die österreichischen Als ein Korb herunter fam, sahen die Arbeiter, daß die Petroleum- bei jeder Wahl nach einem neuen System gewählt wurde Slawen auch nur einen Moment schwanken, ob sie gegen oder für lampe heruntergefallen war und die Flammen bereits am Holzstoß Hatten die Christlichen eine große Niederlage erlitten, so konnte Rußland vorgehen sollen! Gleichzeitig mit dem ersten Flintenschuß, emporzüngelten. Die Petroleumlampe war schon lange ohne man sicher sein, daß bei der nächsten Wahl ein neuer Wahlmodus der an der russischen Grenze fällt, werden auf den Vogesen Kanonen- Scheiben, stand in dem Lampengehäuse nicht fest. Sie hätte, auch gefunden war, nach welchem dieselben besser abschnitten. Obwohl wenn sie in gutem Zustande getvesen wäre, überhaupt nicht verivendet falven erdröhnen und in der Nord- und Ostsee wird das englische werden dürfen, da nach der Bergpolizeiverordnung an Füllorten offene nur eine Spruchkammer und auch nur eine Vergleichskammer Geschwader erscheinen. Die" Retter" des russischen Absolutismus Lampen, Petroleumlampen nur dann verwendet werden dürfen, wenn die vorhanden ist, die beide thren Sitz in Strefeld haben, wurde werden sich gleichzeitig vor der russischen Revolution und den eng- Füllörter völlig feuersicher sind, während die Verschalung in der doch nach Bezirken und nach Gruppen gewählt. Jeder Bezirk lischen und französischen Kanonen zu verteidigen haben. ,, Boruffia" mit Holz statt mit Steinen ausgeführt war. Die und jede Gruppe wählten ihre eigenen Kandidaten. Auf diese Es fragt sich nur, ob Bar Nikolaus mitsamt seiner lieben immens schnelle Verbreitung des Brandes soll nur durch die Holz- Art und Weise tamen in den zurückgebliebenen Orten doch stets Familie und seinen Hofbanditen des Blutes nur eines einzigen berschalungen und den Mangel ausreichender, ständiger Beriejelung christliche Kandidaten durch. Doch auch dieses System genügte pommerschen Grenadiers wert ist? Und wenn die deutsche Re- des Füllortes möglich gewesen sein. Auch fehlten hinreichende nicht, und so wurde das Proportionalwahlsystem eingeführt gierung schon jetzt die zweifellose Verantwortung für die Be- Löscheinrichtungen. Dem Tode geweiht waren jo biele und zwar auch wieder mit Gruppen- und Beweil es Bergleute, forgnis trägt, die die Nachricht von dem heiligen Bündnisse Rettungsapparaten fehlte; von der Nachbarzeche mußten 8irts einteilung. a t den erforderlichen zu Schönbrunn in ganz Europa erwedt hat, wie groß wird die Rettungsapparate herbeigeschafft werden. Das Stimmenverhältnis ist nun folgendes: In der Stadt Verantwortung derer sein, die aus engherzigen dynastischen InterRechnet man zu diesen himmelschreienden Mißständen noch die Krefeld wurden für die Kandidaten der freien Gewerkschaften essen und polizeilichen Erwägungen feurige Fackeln in das europäische durch die Profitsucht des Unternehmertums erklärliche schlechte Be- insgesamt 2529 Bettel abgegeben, die Chriftlichen vereinigten Leben werfen und die Flammen eines Weltkrieges und furchtbarer handlung und das Antreiben der Arbeiter, so dürften die wirt- auf ihre Kandidaten 1588 Bettel und die Hirsch- Dunckerschen innerer Stürme entfachen! lichen Gründe für die entsetzliche Katastrophe gefunden sein. Die Gewertvereine 146. In den Landorten und im Kreise Kempen, Gedinge in der Boruffia" waren willkürlich bestimmt, Arbeiter wo die Geistlichkeit die Agitation für die Chriftlichen überwurden mit Entlassung für den Fall bedroht, daß fie fte nicht nommen hatte, erhielten diese 2084 Stimmen, während für Arbeiter Die interparlamentarische sozialistische um Erhöhung der Gedinge. Die Antwort war, wie in der Reichs bie freien Gewerkschaften 891 Stimmen abgegeben wurden. Konferenz. tagsfizung am 10. Februar 1906 vom Genossen Bömelburg Am schlechtesten schnitten auch hier die Hirsch- Dunckerschen dargelegt wurde: Ihr müßt den Kohlenberg mit Gewerfvereine ab, fie brachten es nur auf 122 Stimmen. Die London, 20. Juli.( Eig. Ber.). Menschenfett schmieren, dann wird der Kohlenberg weich." Beisitzerstellen werden nach diesen Zahlen also in der Weise Am 17., 18. und 19. Juli tagte hier die Konferenz der parla- Der Betriebsführer Rüter hat den Arbeitern, die die Förder- verteilt werden, daß auf jede Partei 12 fallen, während die mentarischen Vertreter Englands, Frankreichs, Rußlands, Belgiens, wagen vom Förderkorb abnehmen und wieder heranbringen, Hirsch- Dunckerschen leer ausgehen. Der Zweck ist also jetzt Deutschlands und Desterreichs. Soweit die Deffentlichkeit in Betracht gedroht: Wenn die Förderung auch nur um wenige Augen erreicht. fam, wurden drei Punkte diskutiert: erstens der Titel der Kon- blicke unterbrochen würde, dann würden die Arbeiter entlassen. In- Gegen dieses Wahlsystem wird nichts eingewendet werden, ferenzen, zweitens die Lage in Rußland, drittens die Abfaffung folge der miserablen Lage der Arbeiter fluktuiert die Belegschaft auf einer Resolution über die Aufgaben der sozialistischen Borussia" außerordentlich. Im Jahre 1903 gab es bei einer Durch so lange die Christlichen die Anzahl Size behalten; wird Arbeiterbewegung gegenüber der russischen Re- schnittsbelegschaft von 788 Mann 781 Annahmen und 859 Ab- dieses aber einmal nicht mehr der Fall sein, dann wird tehrungen. Seit 1902 hat die" Borussia" auch nicht weniger als wieder ein besseres" ausgeflügelt. bier Betriebsführer aufzuweisen. volution. Der Titel der Konferenzen ist dahin geändert, daß er nicht nur die sozialistischen, sondern auch die parlamentarischen Arbeitervertreter in sich schließt, was ja auch dem Titel unserer internationalen Kongresse entspricht. zu bereiteln, die Aus Industrie und Handel. Reichs- Am Berlin und Umgegend. Nun, wir sind gerne bereit, die Wahrheit anderer" zu berDie Bergarbeiterzeitung" ties an der Hand der von ihr ermittelten Tatsachen nach, daß die Schuld an dem Unglück und insAchtung, Klempner! Die Firma Grabert, Köpenickerbesondere an der furchtbar schnellen Verbreitung des Brandes die straße 70a, ist für Klempner gesperrt. Bum zweiten Punkte erhielt der russische Dumaabgeordnete Werksleitung und die staatlichen Bergbeamten treffe, und versuchte Die Ortsverwaltung des Metallarbeiterverbandes. Anikin das Wort. Er sagte: eventuell gegen fie( die Bergarbeiterzeitung") ein Verfahren ein" Ich danke Ihnen für den herzlichen Empfang, der mir als dem Mit- zuleiten. Nichts hörte man in der Deffentlichkeit von einer ausDer Kampf im Buchbindergewerbe. gliede der Arbeiterfraktion der Duma bereitet wurde. Als die Duma zureichenden behördlichen Ermittelung der Ursachen des Unglücks und Die Großbuchbinderei von H. Sperling in Berlin sandte ſammentrat, waren die Mitglieder der Arbeitergruppe einander un einer Verfolgung der Schuldigen. Die Bergbehörden übersendeten bekannt; die Konstituierung der Gruppe war deshalb keine leichte am 7. August die Alten der Staatsanwaltschaft. Diese richtete unter und nicht weniger als acht Quartseiten umfassendes Schriftstück, dem Vorwärts" in der vorigen Woche ein vom 19. Juli datiertes Sache. Die bürgerlichen Gruppen haben sich leichter tonstituiert. dem 21. August 34 Fragen an das Oberbergamt. Das OberDie erste Ansicht, die sich unserer Gruppe aufdrängte, war, daß die bergamt ordnete am 29. August Ermittelungen an und übersendete das als Berichtigung auf die Angaben des Vorwärts" über die Duma die Meinungen unseres Landes nicht in adäquater Weise ver- am 28. September die Aften der Staatsanwaltschaft. Am 5. Oftober Tariflöhne der Buchbinder dienen soll. Die Firma ersucht uns auf tritt. Sie spiegelt die öffentliche Meinung Rußlands noch lange leitete dann die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen fahrlässiger das mit den Worten schließt: Ich kenne die Interessen Ihres Grund des Preßgefezes um Veröffentlichung ihres Schriftstückes, nicht richtig wieder. Ferner, daß die Duma nur dann der richtige Tötung gegen den Betriebsführer Rüter, der erst einige Blattes, hoffe jedoch, mich nicht zu täuschen, daß Sie auch die Ausdruck des Landes sein wird, wenn sie aus dem allgemeinen Wochen im Dienste war, an. Wahlrecht hervorgegangen und wenn sie unbehindert durch den Am 10. Februar gelangte die sozialdemokratische Interpellation Wahrheit anderer hören resp. veröffentlichen." Staatsrat und in voller Freiheit zu handeln imstande sein wird. über die Ursachen des Schachtbrandes auf der Kohlenzeche" Boruffia" öffentlichen, wenn es sich wirklich um Wahrheit handelt, oder wenn Die Arbeitergruppe ist sich über ihre unmittelbaren Aufgaben voll- und darüber zur Besprechung, was der Reichskanzler zu tun gedenkt, es gilt, ein Unrecht gut zu machen, das einer Firma angetan ständig flar. Sie erwartet von der jezigen Duma mur folche Re- damit ähnlichen Grubenunglüdsfällen vorgebeugt werde. Der Reichsformen, die freie Bahn schaffen für die tommende konstruktive Arbeit tangler hatte sich vor einer Beantwortung der Interpellation in basurde, wie das ja in der Hibe des Kampfes auch beim besten unferes Bolles. Die jetzige Duma soll nur in dem Sinne„ revo- Abgeordnetenhaus geflüchtet und die Beantwortung im Reichstage das ist hier durchaus nicht geschehen. In der Nummer vom 7. Juli, Willen, nur wahrheitsgetreu zu berichten, geschehen kann. Aber lutionär" sein, daß sie die Hindernisse forträumt, die gegenwärtig abgelehnt. einer positiven Arbeit im Wege liegen. Zu diesem Zwecke verlangen Die Mühlen der Gerechtigkeit mahlten in diesem Falle, in dem die in dem Schriftflück der Firma Sperling erwähnt wird, ist wir eine allgemeine Amnestie, die Aufhebung des Belagerungs- es sich um Aufdeckung der Ursachen des Unglücks handelt, bei dem weder diese noch irgend eine andere Firma genannt. Sie enthält zustandes, die Abschaffung der Todesstrafe und die Prozessierung der 39 Bergleute ihr Leben lassen mußten, sehr, sehr langsam und, wie über den Kampf im Buchbindergewerbe nichts anderes als einen Aufruf des Vorstandes des Buchbinderverbandes„ An die Berliner alten Regierung wegen der Verbrechen, die sie begangen hat. Dann es scheint, auch höchst grobkörnig. foll die Agrarreform und die Arbeiterschutzgesetzgebung eingeleitet Gestern begann die Gerichtsverhandlung vor der Dortmunder Arbeiterschaft", eine allgemeine Darstellung der Entwickelung und werden; diese positive Arbeit soll unserer Ansicht nach das Werk Straffanimer. Allein Rüter, fein Werksbefizer, fein höherer Bedeutung des Kampfes, sowie Angaben über die im alten Tarif ciner aus dem allgemeinen Wahlrecht hervorgegangenen Beamter der Werksleitung, fein staatlicher Bergbeamter steht unter der festgelegten Minintallohnfäße. Es liegt also für uns fein Voltsvertretung sein; zwingender Grund vor, das Schriftstück der Firma Sperling aber diese ganze Gesetzgebung muß anklage der fahrlässigen Tötung. Gegen 80 Zeugen find geladen oder ihres Prokuristen, Herrn Alfred Zenner, abzudrucken. Wenn bon den Beschlüssen der lokalen der Ueber den Verlauf des Prozesses, der voraussichtlich erst mit Ablauf wir dessenungeachtet davon Notiz nehmen, so geschieht es, weil Drganisationen Bauern und der Arbeiter abhängen. Die Arbeitergruppe der Woche beendet werden wird, werden wir berichten. dieser Fall treffend zeigt, wie die Prinzipale und ihr Verband tritt in der Duma in radikalster Weise auf und ist es fertig bringen, der Oeffentlichkeit zu erzählen, ihre Arbeiter gegen Kompromisse. Sie gewinnt an Popularität im Lande in und Arbeiterinnen hätten so außergewöhnlich hohe Einkommen, dem Maße, als sie ihre Tätigkeit entfaltet. Auf Vorschlag der daß es töricht und unverantwortlich von ihnen wäre, noch mehr Gruppe wurde in der Duma eine Kommission gebildet, um die Russenmarkt. Der Staatsstreich des Zaren rief heute an der zu verlangen. Missetaten der alten Regierung aufzudecken und die Missetäter zur Börse eine mehrprozentige Entwertung der russischen Anleihen Was in Sperlings Schriftstüd als tatsächliche Berichtigung Verantwortung ziehen zu können. wenn es der Wahrheit voll entspräche ist, daß bestand vorläufig darin, die Minister über die von der Kommission und Eisenbahnpapiere hervor. Die Aktien der russischen Bank für gelten könnte aufgedeckten Verbrechen zu interpellieren. Die Regierung hat unter auswärtigen Handel, der 1902er ruffischen Anleihe, der 42 Die tariflichen Minimallöhne für männliche Arbeiter auf 48 bis anderem auch Maßregeln ergriffen, um die Bemühungen prozentigen vorjährigen Anleihe setten durchschnittlich um 3 Bros. 51 f.", für solche die 4 Jahr gelernt haben und sich im ersten derjenigen Leute Gehülfenjahr befinden, wie für solche, die nur 3 Jahre lernten hungernden Be- tiefer ein, und schlossen die Kurse mit 3-4prozentigen Abschlägen. und sich im zweiten Gehülfenjahr befinden, auf 43 Pf., und für bölferung bon 27 Gouvernements helfen wollten. Wir Auch in Paris und London fielen die Kurse der russischen Werte die, die sich nach dreijähriger Lehrzeit im ersten Gehülfenjahr be besigen Dokumente, die klar beweisen, daß die Regierung die um mehrere Prozent. finden, auf 40 Bf. angegeben werden. Aber der Ausdruck 48 Hülfebringenden verhaften und verbannen ließ. Um das Maß dieser bis 51 f." gibt eine falsche Vorstellung von dem eigentlichen Verbrechen voll zu machen, erließ der Unterstaatssekretär des Innern Tariflohn, der tatsächlich vom sechsten Jahre der Berufstätigkeit den Befehl, denjenigen Bauern alle Hülfe zu versagen, die an den Um die Mitte des Monats Juli war der Stand der Saaten an nur 48 Pf. beträgt. Die 51 Pf. gelten eben nur für einige, agrarischen Unruhen teilgenommen haben! Die Arbeitergruppe befigt ferner eine ganze Reihe von Dokumenten über die schredolgender:( 2 bedeutet gut, 3 mittel) Winterweizen 2,3( Vormonat wenige Spezialarbeiter, ebenso wie der später angeführte Stunden lichen Brutalitäten, die von der Regierung und den militärischen 2,3), Sommerweizen 2,4( 2,4), Winterspela 2,3( 2,5), Winter. Iohn von 65 Pf. Für die große Masse der Gehülfen kommen die Expeditionen im Kaukasus, in Sibirien, in den baltischen Provinzen roggen 2,5( 2,6), Sommerroggen 2,6( 2,6), Sommergerste 2,3 Lohnfäße überhaupt nicht in Frage. Den Haupttrumpf glaubt die Firma auszuspielen, indem sie und gegen die russischen Bauern verübt wurden. Die Verbrechen( 2,4), Hafer 2,2( 2,3), Kartoffeln 2,5( 2,7), Slee 2,3( 2,1), Luzerne 2,2( 2,1), Riefelwiesen 2,1( 2,0), andere Wiesen 2,4( 2,3). In den die Namen von 45 Arbeitern und 32 Arbeiterinnen samt ihren der Regierung bestehen nicht nur im Erſchießen ohne jedes richterliche Bemerkungen der„ Statistischen Korrespondenz" heißt es, daß die im Jahre 1905 bei der Firma erzielten Einnahmen anführt, sowie Urteil, sondern in der Beſchießung von ganzen Dörfern durch Artillerie, Witterung feit dem letzten Berichte in den meisten Gegenden sehr die Zahl der Arbeitstage, um zu zeigen, welche hohen Löhne bei in der Einäscherung von Bauernhäusern und in der Niedermegelung von Hunderten von Bauern, in der Berjagung von Bauern von günstig gewesen sei. Bahlreiche Gewitter hätten Feuchtigkeit ge- dem bisher geltenden Attord tarif herausgearbeitet wurden. Haus und Herd, in der Vergewaltigung von Frauen und Mädchen, bracht, welche bei der herrschenden Wärme treibend gewirkt habe. Diese 77 Berfonen waren 237 bis zu 300 Tagen im verflossenen in der Verstümmelung ihrer Körper und in der Verübung der Der Natur derartiger Regengüsse entsprechend sei die Verteilung Jahre tätig. Es handelt sich also um die dauernd beschäftigt ge barbarischsten Verbrechen, um auf diese Weise das Volk in Schrecken der Näffe allerdings nicht gleichmäßig gewesen, sodaß aus denselben wefenen Leute, die natürlich nicht die am schlechtesten bezahlten zu halten und feinen Unabhängigkeitssinn vollends zu brechen. Für Regierungsbezirken, ja Kreisen Klagen über Mangel und leber Arbeiten zugewiesen erhielten und von Arbeitslosigkeit so ziemlich die Verbannten wird nicht mehr gesorgt; sie werden dem Hunger- fluß an Regen gemeldet seien. Von den Winterhalmfrüchten hat verschont blieben, ja, statt dessen teilweise übermäßig biel tobe preisgegeben. Der Stopf des ganzen administrativen Apparates der Weizen seinen guten bormonatigen Stand beibehalten, Spela Ueberzeitarbeit leisteten, deren Lohnertrag in den Ein ist der Bar, und seine Gehülfen find die Großherzöge. Ihre Ver- und Roggen ihre Note um 0,2 und 0.1 gebeffert. Der Weizen hat kommen wohl mitgerechnet ist, die aber in dem Schriftstück schlauerfolgung richtet sich auch gegen die Organisationen, die sich um die in den Regierungsbezirken Stettin, Stralsund und Koblenz eine weise nicht erwähnt wird. Ueberstunden werden bei Sperling das Duma bilden; Berichte und Betitionen von Dumamitgliedern werden um 0,2 günſtigere Beurteilung erfahren; beim Roggen beträgt die ganze Jahr über gemacht, und in der Saison ist es, wie uns bervon den Regierungsagenten unterschlagen; lokale Vereine, die ge- Abweichung vom Vormonate in feinem Regierungsbezirke mehr sichert wird, vorgekommen, daß einige Arbeiter in einer Woche von den Regierungsagenten unterschlagen; lokale Vereine, die ge- als 0,1. Die Roggenernte hat begonnen, zum Teil 14 Tage früher statt 54 Stunden bis zu 90 Stunden lang arbeiteten. In den bildet wurden, um die Verbindung zwischen Volk und Duma aufrecht zu erhalten, werden gehindert, ihre Aufgaben zu erfüllen; den als gewöhnlich. Die Frucht ist vielfach ludig, was auf ungünstige Jahreseinkommen sollen sogar die Löhne und üblichen Lohnzuschläge Dumamitgliedern wird es oft unmöglich gemacht, Bersammlungen Blütezeit zurückgeführt wird. Die Erntearbeiten werden erschwert für Ueberzeitarbeit von 200 bis 350 Stunden mit verrechnet sein. durch das Lagern, welches bei dieser, noch mehr aber wohl bei den Die Firma behauptet, daß sie in ihrer Lohntabelle Wert. in ihren Wahlkreisen abzuhalten. Zeitungen werden konfisziert und anderen Getreidearten, auch eine Beeinträchtigung des Ertrages führer nicht mit aufgeführt habe, gleichwohl prangt darin der Zeitungsdruckereien geschlossen. Dies, Genossen und Freunde, ist die Lage in Rußland. Wir zur Folge haben wird. Sommerweizen und eroggen notieren wie Name Paul Brettner mit einem in 294 Tagen erzielten Jahresappellieren deshalb an Europa und die ganze zivilisierte Welt. im Juni, Sommergerste und Hafer um je 0,1 beffer. Commer- verdienst von 2177 M., und der Name von Karl Förster mit Helft uns!" weizen hat im Regierungsbezirk Stralsund 0,3, in Königsberg, in 300 Tagen verdienten 2231 M. Diese beiden haben abGumbinnen, Potsdam, Frankfurt, Arnsberg und Koblenz 0,2 ge- wechselnd Arbeit ausgegeben, Mufter gemacht u. dergl. mehr, fo wonnen. Die Kartoffeln, deren Note um 0,2 gegen den Bormonat daß sie wohl auch als eine Art Werfführer gelten können. Daß gewonnen hat, würden wohl noch besser beurteilt sein, wenn sie sie bei der Aussperrung stehen geblieben sind, spricht auch dafür, nicht so viele Lücken zeigten, da bieleSaattartoffeln schon vor dem daß sie sich nicht als Arbeiter fühlen. Außerdem haben sie ihren Steimen ausgefault find. Wieber wird über die geringe Wiber- horrenden" Verdienst auch durch offenbar allzu reichliche Ueber standsfähigkeit von Magnum bonum geflagt. Auch fommen aus zeitarbeit erworben. Der Umstand, daß auf ihren Arbeitspläßen den Rheinlanden Berichte, wonach dort gezogene Saatkartoffeln bersagten, von außerhalb, aus Sachsen, Ost- und Westpreußen, bezogene sich gut bewährten. Die Futterpflanzen haben einen sehr reichlichen ersten Schnitt gebracht, der wohl auch zum größten Teile gut geborgen ist. Der österreichische Delegierte Dafzynski unterstützte Anikins Appell und legte den Zuhörern besonders ans Herz, den in der Kapitalistischen Presse erscheinenden russischen Nachrichten feinen Glauben zu schenken. Als Resolution, die dem Wunsche Anilins Ausdruck gibt, wurde die im Hyde- Park verlesene und von uns in der letzten Korrespondenz mitgeteilte auch von der Konferenz angenommen. Am 19. Juli abends fand ein gemütliches Beiſammensein in ver Horticultural Hall statt, bei dem auch Neden gehalten wurden von Macdonald, Molkenbuhr, Troelstra, Vandervelde und Anikin. Letzterer drückte die Besorgnis aus, die deutsche Regierung könnte mit Waffengewalt in den Gang der russischen Revolution eingreifen. Saatenstand in Preußen. Gewerkschaftliches. Der Zwed heiligt die Mittel. am Abend die Beleuchtung nie auszugehen schien, hat ihnen in der Arbeiterschaft der Werkstatt den Spitznamen das ewige Licht" eingetragen. Auch Conntags sollen es diese beiden Uebereifrigen nicht über fich gewinnen, bon der geliebten Werkstatt fern zu bleiben und fast regelmäßig danach trachten, sich selbst und der Firma das Einkommen zu erhöhen. Aber, wie uns weiter berichtet wird, sind sie es nicht allein, die Sonntags arbeit geleistet haben. An den letzten drei Sonntagen vor Weihnachten hat das ganze Personal gearbeitet, und zwar teilweise bis 5 Uhr nach mittags. Man traf dabei alle möglichen Vorkehrungen, um die Verlegung der Sonntagsruhe vor den Augen der Polizei zu bers Im Gewerbegerichtsbezirk Krefeld, zu welchem Krefeld bergen, was denn auch gelang. Traurig ist es ja, daß auch die Stadt und Land sowie ein Teil des Kreises Kempen gehört, Arbeiter selbst, in deren Interesse doch vor allem auch die äußere Am 10. Juli 1905 geriet der Förderschacht auf der Beche fanden die Neuwahlen am Donnerstag ihren Abschluß. Es Seilighaltung des Sonntags" liegt, fich zu dieser Gesetzesverlegung " Boruffia"( bei Despel im Landkreise Dortmund) in Brand, als die wurde zum erstenmal nach dem Proportionalwahlsystem ge- bergaben. Gleichwohl müssen wir auch diese Tatsache erwähnen, Belegschaft in boller Tätigkeit war. Trotz aller Rettungsversuche erwählten festen Arbeiter und Arbeiterinnen zu den Röhnen ges beute noch in der Grube. Der Brand entstand auf der fünften ihnen auch in der Stadt Krefeld Sige zufielen. Das System, tommen sind, die der Firma so bewunderswert hoch erscheinen. mußten 39 brave Bergleute ihr Leben laffen. 25 Leichen find bis wählt und haben die Christen es diesem zu verdanken, daß um zu zeigen, durch wie viel Arbeit und leberarbeit die 77 aus. Sohle, am Füllort, durch die Explosion einer Petroleumlampe. nach welchem gewählt wurde, ist ein merkwürdiges und vor als höchsten Jahresverdienst der männlichen Arbeiter weist die Morgens gegen 6 Uhr warfen Arbeiter einen großen Stapel Holz, allen Dingen darauf gerichtet, den Christlichen entgegen Tabelle die Summe von 2522,84 m., erreicht in 300 Tagen, auf, der am Füllorte lag, zurüd, um für die Wagen Platz zu bekommen. zukommen. Es war überhaupt in Krefeld so Sitte, daß fast als niedrigsten 1087,87 m. in 244 Tagen; der Durchschnitt with Die ,, Boruffia" Katastrophe vor Gericht. öuf 1881,72 oder 6,38 M. pro Tag berechnet. Für die Arbeite- rinnen wird als höchster Jahrcsverdienst 1523,63 M.. als niedrigster 633,86 M., beides erreicht in 366 Tagen, angegeben, und der Durchschnitt auf 968,53 M. oder 3,31 M. pro Tag berechnet. Das also scheint der Firma übergenug für Arbeiter und Arbeite- rinnen, die sich teilweise Nacht und Tag und auch noch an Sonn- tagen in Akkord abgemüht haben. Immerhin sind diese Durchschnittsverdienste so hoch, daß die Firma keinen Grund hätte, die geringen Erhöhungen der Stunden- lohne� die gefordert wurden, abzulehnen. Es fehlt in dem Schriftstück Sperlings auch nicht an dem alten Märchen, daß die Arbeiter Erhöhung der Akkord- preise um 26 bis 36 Proz. verlangten. Im„Vorwärts" ist schon wiederholt darauf hingewiesen worden, daß es sich nur um Erhöhungen einzelner Positionen des Akkordtarifs handelt und auch keineswegs um Forderungen, die unbedingt durchgeführt werden sollen, sondern um Vorschläge, über die bei der notwendigen Revisiojn des Akkordtarifs mit Len Prinzipalen verhandelt werden soll. Im übrigen bildet die Lohntabelle der Firma Sperling selbst eine unbestreitbare Widerlegung dessen, was der Verband der Buchbindcreibesitzer in der vorigen Woche der Presse über die Löhne im Gewerbe mitgeteilt hat. Statt daß, wie der Prinzipals- verband behauptet, ein„normal ausgebildeter Buchbindergehülfe auf einen Durchschnittslohn von 46 bis 55 M. die Woche kommt". verdient Sperlings fester Stamm von Arbeitern, die doch gewiß mindestens„normal ausgebildet" sind, trotz aller Ueberstunden und Sonntagsarbeit nur durchschnittlich 38,28 M. die Woche, und die Arbeiterinnen bringen es bei ihm unter denselben Bedingungen glücklich auf 26,64 M. die Woche, statt, wie der Prinzipalsverband der Welt weis zu machen versucht, es auf 25 M. und weit darüber hinaus zu bringen, »» Zur Aussperrung selbst ist zu bemerken, daß der Beschlutz der Berliner Bnchbinderinnung, alle Verbandsmitglieder vom 21. Juli ab auszusperren, keineswegs durchgeführt ist. Bis gestern hatten nur die Firmen Trautmann, Lützowstraße; Schuckar, Hollmann- straße, Schreiber u. Co., Luckauerstraße; Schauer, Schöneberg, Bahnstraße und Mctzke, Bülowstratze, ausgesperrt, und zwar im ganzen 76 Mann. Mit der Firma Schuckar hat eS eine eigene Bewandtnis. Dies ist eine Kontobuchfabrik, die an den für diese Branche geltenden Tarif gebunden ist. Sie hat mit ihrer Aus- fperrung Tarifbruch begangen. Deswegen ist gegen diese Firma beim Schiedsgericht der Kontobuchbranche bereits eine Klage ein- gereicht worden._ Forderungen der städtischen Arbeiter. In den Armin-Hallen tagte gestern nachmittag eine stark besuchte Versammlung von Straßenarbeitern, die über verschiedene Mängel in ihrem Berufe Klage führten und eine Reihe Forderungen stellten. So klagten sie darüber, daß die ihnen vor einigen Monaten von der Stadt gelieferten Pelerinen von einer so tadelhaften Beschaffen- heit gewesen seien, daß man sie schleunigst wieder eingezogen habe. Neue wären indes nicht ausgegöben und so seien die Arbeiter seit 5 Wochen ohne Pelerine und somit allen Unbilden der Witterung ausgesetzt. Weitere Beschwerden bezogen sich auf die erhobenen Strafgelder, über deren Verbleib man nicht? erfahre. Zu rügen sei auch, daß bei Neueinstellungen einheimische Arbeiter weniger berücksichtigt, aber solche aus Ost- uich Westprcußen bevorzugt würden. Diese Erscheinung sei vielleicht damit zu erklären, daß sich jene Arbeiter von den Aufsehern weit mehr gefallen ließen. Das Blechschild als Erkennungszeichen wurde für Nicht mehr zeitgemäß erachtet und vorgeschlagen, an seine Stelle Nummern zu setzen, wie sie von Straßenbahnschaffnern getragen werden. Bezüglich deS Lohnes sprach man sich allgemein dahin aus, daß ein Mindestlohn von 4 M. täglich verlangt werden müsse. Zu diesem Zweck soll im September eine Lohnbewegung eingeleitet werden. Die Kupferschmiede Berlins und der Umgegend, soweit sie nicht bei Unternehmern für Kupfertreib- und Rohrlegearbeiten beschäftigt sind, sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Der noch geltende Tarifvertrag ist gekündigt worden und ein neuer Lohntarif in mehreren Versammlungen durchberaten und angenommen worden. Im neuen Tarif wird hauptsächlich eine Regelung bezw. Verkürzung der Arbeitszeit gefordert; diese bewegt sich in den verschiedenen Bc- trieben zwischen 43 und 66 Stunden wöchentlich. Der Ansangslohn für Ausgelernte soll im ersten Jahre 56 Pf. die Stunde betragen, im zweiten Jahre 55 Pf. und nach diesem der Minimalstundenlohn 65 Pf.(Gegenwärtig bewegen sich die Stundenlöhne zwischen 56 und 86 Pf. und im Akkord, dem sogenannten Lohnakkord, werden Stundenlöhne von 76 Pf. bis 1 M. erzielt). Der Lohn steigt bis zum Jahre 1969 tri allen drei Gruppen von Jahr zu Jahr um 2l,h Pf. die Stuui In den Betrieben, wo günstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen oercits eingeführt sind, bleiben solche bestehen, bezw. wird der Lohn den neuen Forderungen entsprechend erhöht. Der neue Lohntarif ist bereits den einzelnen Jnnungsmeistern, den Kupferschmiedereien im Großbetriebe, welche nicht der Innung an- geschlossen sind, sowie den Maschinenfabriken— u. a. Borsig in Tegel, wo 56 Kupferschmiedegescllen in Arbeit stehen— den Automobilfabriken usw., zusammen 126 Werkstätten, in denen gegen 866 Gesellen beschäftigt werden— zur Annahme unterbreitet worden, mit dem Ersuchen, bis spätestens den 36. d. M. Antwort zu erteilen. Eine Versammlung der Berliner Kupferschmiede- Innung nimmt noch heute zu den Forderungen der Gesellen Stellung, während eine Versammlung der Arbeitnehmer am 2. August zu der Antwort der Unternehmer weitere Beschlüsse fassen wird. Achtung, Fensterputzer! Der Streik bei der Firma Patenge u. Müller dauert unverändert fort. Zuzug ist streng fernzu- halten. Die Nachweisung von Geschäften, welche die Forderungen der Arbeiterschaft bewilligt haben, geschieht nach wie vor Rosinen- straße 2 l, Telephonamt Charlottenburg 4457 Handels-, Transportarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Charlottenburg. Die Lohnbewegung der Mühlenarbeiter bei der Firma B e r n h. Meyer u. Jacoby in Potsdam hat dem„humanen" Inhaber Gelegenheit gegeben, sich als recht gelehrigen Schüler des Scharf- machermeisters Tille zu zeigen. Als die Müller und die sonstigen Mühlenarbeiter der Firma ihre Wünsche und recht bescheidenen Forderungen durch eine Kommission vorlegen ließen, erklärte der «Herr im Hause", daß er mit„Pferdeknechten", womit zwei jüngere KommissionSmitglieder gemeint waren, nicht verhandele. Trotz dieser „Höflichkeit" des Herrn Jacoby wählten die Arbeiter eine neue Kommission. Protzig wurde aber auch diese, aus den drei ältesten Arbeitern bestehende Lohnkommission, von dem genannten Firmen- iuhaber mit den Worten entlassen, daß er überhaupt mit keiner Kommission verhandele; wer was von ihm wolle, der solle allein zu ihm kommen.... Im Interesse deS lieben Friedens gingen die allzu langmütigen Mühlenarbeiter auch auf diesen brüskierenden Verhandlungsweg ein und legten ihre Forderungen der Firma einzeln vor. Da aber der Firmcnchef nur darauf ausging, die Kollegen untereinander auszuspielen und sie zu gegenseitigen Verrätern zu machen, so erfolgte eine all- gemeine Ablehnung der vom Geschäft angebotenen Bedingungen. Nun holte Herr Jacoby zum Hauptschlage auS, indem er die beiden'am längsten im Betriebe beschäftigten Müller plötzlich entließ. Mit diesem Gewaltstreich gegen zwei ihrer besten Arbeiter, die der Firma seit 19 resp. 26 Jahren ununterbrochen ihre Kräfte um geringen Lohn zur Ver- sügung gestellt hatten, erreichte Herr Jacoby aber nur das Gegenteil seiner Kapitalistentaktik: sämtliche Kollegen(13) der beiden Gemaßregelten erklärten sich mit diesen solidarisch und legten ein- mütig die Arbeit nieder. Durch die Zurücktveisllstg jeder Ver- Mittelung durch die Organisation hat der Unternehmer bewiesen, daß er keine Einigung mit seinem langjährigen Personal wollte, sondern den Kampf. Wäre es nicht der blindwütige Haß gegen die Organisation, so wäre es unbegreiflich, wie Herr Jacoby es wegen der geringfügigen Forderungen(37%, 42% und 47% Pf. pro Stunde) zum Ausstand kommen lassen konnte. Jedenfalls werden die aufs Pflaster Gezwungenen beweisen, daß auch bei den hiesigen Mühlenarbeitern der Geist der modernen Arbeiter- bewcgung eingezogen ist und daß sie nicht mehr gewillt sind, sich lebenslang willkürlich ausnutzen zu lassen. Seit mehr als zehn Jahren haben die Arbeiter keine nennenswerten Erhöhungen ihres Lohnes, der bis zu 3,15 M. bei 12stündiger Arbeitszeit herunter- ging, erhalten. Bei den örtlichen Teuerungsverhältnissen und der anstrengenden und ungesunden Arbeit der Mühlenarbeiter ist eine endliche Erhöhung und Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen eine dringende Notwendigkeit. Und die Ausständigen werden diese Tarifbewegung auch zum Siege führen, wenn sie ihre musterhafte Einigkeit weiter bewahren. Oeutfcbes Reich. Der Streik der Dresdener Dachdeckergehülfen wurde nach einem cinwöchentlichen Kampfe zugunsten der Gehülfen beendet. Die hauptsächlichsten Forderungen bestanden im Abschluß eines Tarifes auf zwei Jahre, Lohnerhöhung wurde gefordert für dieses Jahr von 55 Pf. auf 66 Pf., für 1967 vom 1. März ab 65 Pf. pro Stunde. Es wurden bewilligt sofort 58 Pf., vom 1. März 1967 auf 62 Pf., somit wurden von den 16 geforderten Pfennigen 7 Pf. bewilligt. Die Arbeitszeit beträgt bis zum 1. März 1967 16 Stunden, von dann ab 9% Stunden.— Alle anderen Forderungen des neuen Tarifes wurden anerkannt. Im weiteren wurde festgelegt, daß alle Ge- hülfen und Hülfsarbeiter wieder einzustellen sind. Diese ge- machten Zugeständnisse bedeuten gewiß einen Fortschritt für die Dresdener Dachdecker. Es ließen sich über 46 Gehülfen und Hülfsarbeiter in die Organisation aufnehmen. Achtung, Metallarbeiter? Am 13. Juli haben sämtliche männ- lichen Arbeiter der Stahlfederfabrik E. W. Leo Nachf.. Leipzig- P l a g w i tz, wegen Differenzen die Arbeit niedergelegt. Die Firma hat hierauf das ganze weibliche Personal ausgesperrt. Da es der Firma schwer fällt. Arbeitswillige zu bekommen, ist sie auf den Trick verfallen, den eintretenden Arbeitswilligen den Meister- stempel aufzudrücken. Wir möchten vor dieser Machination warnen, da die Gesuchten keine wirklichen Meister werden sollen, sondern Streikarbeit verrichten müssen. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Leipzig. TltisUnd. Der Schweizerische Gewerkschaftsbnnd zählte nach der soeben veröffentlichten Gewerkschaftsstatistik Ende 1965 46 796 Mit- glieder gegen 36 279 Ende 1964 in 32 Verbänden; neun weitere Verbände, die dem Gewerkschaftsbund nicht angehören, zählten 23 569 bezw. 9547 Mitglieder. Die große Differenz rührt daher, daß in der Gewerkschaftsstatistik die 16 732 organisierten Eisenbahn- und Dampfschiffsangestellten nur für 1965 mitgezählt wurden. Die Zahl der weiblichen Mitglieder stieg von 3219 auf 3844. Insgesamt waren Ende 1963 64 365 Arbeiter und An- gestellte gewerkschaftlich organisiert. Heute dürften es deren über 76 666 fem. Die Arbeiter der fünf größte» Budapester Tampfmühle» traten heute in Ausstand. Der Feldarbeiterstreik in O st g a l i z i e n ist beendet. Die ruthenischen Bauern haben überall die Arbeit wieder aufgenommen. Ei» neuer amerikanischer Riesenstreik. Wie„Daily Telegraph" auS New Dork meldet, haben die Ar- beiter der vereinigten Äaugewcrke den Beschluß gefaßt, in den Ausstand einzutreten, um eine Lohnbewegung der Bleiarbeiter zu unterstützen. Sie haben gestern mit der Zurückziehung ihrer Leute begonnen. Sollten die Arbeitgeber nicht gewillt sein, Zugeständ- niste zu machen, so werden am Sonnabend 166 666 Mann in den Ausstand treten._ Soziales. Brotlosmachung von Arbeitern durch die Polizei. Kürzlich hatten wir mitgeteilt, daß die Polizei der Gepäck- abfertigungsstelle auf dem Hauptbahnhof in Düsseldorf über einen Arbeiter berichtet hatte, dieser sei Sozialdemokrat und dadurch dessen Entlassung bewirkt habe. Im Anschluß daran ist Aehnliches von der Güter-Umladestelle in Pankow berichtet. Dort wurde ein Arbeiter lediglich deshalb entlasten, weil sein Führungsattest dahin polizeilich ausgestellt war:„nicht bestraft, ist Mitglied des Wahlvereins, aber agitatorisch noch nicht hervorgetreten." Zur Ausstellung solcher Atteste, Auskünfte und Verrufserklärungen ist die Polizei nicht berechtigt. Wir können nur wiederholt darauf hinweisen, daß ein Beamter, der in dieser Weise den Bürger durch Mitteilung seiner politischen Gesinnung an der Geltendmachung seiner Arbeitskraft hindert, zwar leider noch nicht strafrechtlich verfolgt werden kann, aber zivilrechtlich für seine Auskunstserteilung auch dann haftbar ist, Ivenn er dadurch etwa einen von höherer Stelle ihm erteilten Befehl befolgt hat. Eine dahin gerichtete Anweisung einer höheren Stelle kann schwerlich erteilt sein, denn solche Anweisung offenbarte eine Hinterhältigkeit und Niedrig- keit der Gesinnung, wie sie bei Gesinnungslumpen, nicht bei Beamten vorkommen darf. Die politische Gesinnung des einzelnen Bürgers geht die Polizei absolut nichts an. Eine Drangsalierung wegen politischer Gesinnung aber ist eine mit dem Geist der preußischen und deutschen Verfassung unvereinbare infame Handlung. Versammlungen. Der sozialdemokratische Agitationsverein für den Wahlkreis Arn-swalde-Friedeberg hielt am Sonntag seine Gene- ralversammlung ab. Aus dem Bericht des Vorstandes ist hervorzuheben, daß im letzten Halbjahre 4 Versammlungen statt- fanden, von welchen 3 mit Referaten belegt waren. Ebenso fanden 6 Vorstandssitzungen statt. Im Anschluß hieran berichtete der Vor- sitzende, daß der Genosse O b st sein Mandat für den Kreis nieder- gelegt hätte, an Stelle dessen hätte man den Genossen Eugen Brückner als Kandidaten gewonnen. Sodann gab der Kassierer seinen Bericht, welchem zu entnehmen war, daß ein Kassenbestand von 56,61 M. vorhanden ist. Dann fand eine ausgedehnte Dis. kussion über die Zentralisation der Brandenburgischen Wahlvcreine statt, an welcher sich außer verschiedenen Genossen des Agitations- Vereins auch das Mitglied der Agitationskommission, Genosse Scholz, beteiligte und wurde zum Schluß ein Antrag des Genossen Borck angenommen, welcher besagt:„Aus Zweckmäßigkeitsgründcn schließt sich unser Verein der Zentralisation