Nr. 170. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 65 Pig. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. % Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 11hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Interventionspolitik. " Mittwoch, den 25. Juli 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Die Konterminen des Volkes. isolierte und in Rußland engagierte Deutschland jedoch zum Angriffsobjekt für die Westmächte und das gesamte Slawentum Sonnabend endete ein Kongreß, der mehrere Tage in Moskau gestalten. Und zu diesen Angriffen von außen käme der getagt hat und dessen Beschlüsse von weitestgehender Bedeutung für Widerstand gegen solche Art der Invasionspolitik im Innern, die Entwickelung der Ereignisse in Rußland sein werden. Am KonAuf die an die Reichsregierung gerichtete dringende Auf im eigenen Volke, bei den preußischen Polen wie bei der greß nahmen 489 Vertreter folgender Organisationen und Bar forderung bürgerlicher Blätter, doch die von der offiziösen deutschen Arbeiterklasse. Daß ein sich an die Besetzung teien teil: des Allrussischen Bauernverbandes, der Eisenbahner-, Petersburger Rossija" verbreiteten Mitteilungen über einen Russisch- Polens knüpfender Krieg im deutschen Volke, viel Post- und Telegraphen- Verbände, vieler Arbeiter- Gewerkschaften, beabsichtigten Einmarsch deutscher und österreichischer Truppen leicht mit Ausnahme des ostelbischen Junkertums, höchst un- der sozial- demokratischen und sozial- revolutionären Parteien und in Rußland zu dementieren, hat die Reichsregierung sich end- populär wäre, und welche Folgen ein unglücklicher Ausgang der Militärorganisationen der sozial- demokratischen und soziallich bewogen gefühlt, in der Nordd. Allgem. Ztg." das ge- für den Bestand des Deutschen Reiches und seiner verschiedenen revolutionären Parteien. Vor Schließung des Kongresses wurde wünschte Dementi zu liefern, doch nicht als direkte amtliche Dynastien haben könnte, darüber müßten sich, meinen wir, folgende Resolution mit 452 gegen 32 Stimmen angenommen: Erklärung, sondern in der Form einer halbamtlichen trog ihrer naiven Zufriedenheit mit sich selbst auch die„ Wir erkennen die jetzige Reichsduma als sehr unvollkommene Notiz, für die, obgleich sie zweifellos im Auswärtigen Amt sogenannten„ maßgebenden" Kreise klar sein. und den wirklichen Forderungen der Volksmassen nicht entsprechende verfaßt ist, doch die Regierung offiziell keine Verantwortung Unter diesen Umständen bedeutet der Einmarsch deutscher Institution an, halten es aber dennoch aus taktischen Gründen für übernimmt. Die Nordd. Allgem. 8tg." schreibt nämlich: Truppen in Russisch- Polen nichts anderes als ein notwendig, die sozialdemokratische Dumafraktion in allen ihren „ Ein Teil der ausländischen Presse sucht noch immer die Ge- frivoles ba banque- Spiel, als ein Ver- revolutionären Schritten, die sie gegen die absolutistische Regierung rüchte von einer beabsichtigten Interventionspolitik be- brechen am deutschen Volte. Die Einmischung unternehmen sollte, zu unterstützen. Wir haben daher be nachbarter Länder gegenüber den Ereignissen im russischen Preußens in die französische Revolution zugunsten Ludwigs XVI. schlossen: = Neich zu stützen. Wir setzen diesem haltlosen Gerede nochmals die hat auf das preußische Volt jahrzehntelange Kämpfe und un- 1. Im Falle, daß die Regierung Gewaltmaßgregeln an Feststellung entgegen, daß alle Angaben über eine Einmischung fägliches Elend heraufbeschworen, die frivole Ein wenden sollte, um den direkten Appell der Duma an das Volk zu. Deutschlands, sei es auf Grund von Verabredungen mit fremden mischung in die Kämpfe des russischen Volkes verhindern, werden wir durch gleichzeitige Erhebung der Bauerns Höfen oder Regierungen, sei es ohne solche Abreden, ausnahms- mit dem berrotteten Zarismus könnte und Arbeitermassen Rußlands und der 36 Garde- und InfanterieLos tendenziöse Erfindungen sind. Wir machen dieſe Resultate zur Folge haben, die den Macht- regimenter, die sich der freiheitlichen Bewegung angeschlossen haben, Feststellung nicht in der Hoffnung, diejenigen bekehren zu können, die haben den noch weit weniger behagen dürften. die Duma unterstützen. sich nicht überzeugen lassen wollen, weil sie ein Interesse daran Unter Hinweis auf die umlaufenden Gerüchte über eine 2. Da die Regierung Anstalten macht, mit neuer Kraft den haben, die deutsche Politik zu verdächtigen und die öffent- bevorstehende Intervention Deutschlands schrieb dieser Tage Weg der Reaktion und der schärfsten Repressalien zu beschreiten liche Meinung Europas irre zu führen. Wir wenden die Leipziger Volfsztg." über die militärischen Kämpfe und da sie vor der Proklamierung der Militärdiftatur im ganzen uns aber an alle, die gegenüber unredlichen Treibereien die Stimme zwischen dem revolutionären Frankreich und Preußen in den Reiche und vor der Auflösung der Reichsduma nicht zurückschrecken der Wahrheit hören wollen. Es wäre erfreulich, wenn bei uns alle Jahren 1792-1795: wird, so werden wir diese Maßregeln mit einem allgemeinen politischen Kreise die Entwickelung der russischen Angelegenheiten Es ist eine eigene Sache um ein großes Volt, das alle seine politischen Ausstand beantworten, der im ganzen Lande durch die mit derselben loyalen Zurückhaltung und Vermeidung einseitiger Lebensintereffen gegen eine fremde Invasion verteidigt; es tann lofalen Bureaus und Komitees der sozial- demokratischen und Parteinahme begleiten möchten, die sich unsere Politik zur Pflicht in einzelnen Gefechten und Schlachten besiegt werden, aber sozial- revolutionären Parteien, der Eisenbahner-, Post- und Telegemacht hat. Wir können angesichts der Vorgänge in es ist dennoch unüberwindlich, weil es immer neue Kräfte graphenverbände und aller Gewerkschaften gleichzeitig organisiert Rußland nicht besonnen genug bleiben, so lebhaft aus sich gebiert. Nach drei Jahren einer kläglichen Krieg werden soll. wir auch wünschen, daß es der russischen Regierung und dem führung war nicht Frankreich, sondern Preußen bankrott und wußte 3. Diesen Ausstand werden wir nach Möglichkeit friedlich russischen Bolte gelingen möge, einen Ausweg aus den inneren keine andere Rettung, als daß es nichts weniger als„ ritter durchzuführen suchen und jegliche bewaffneten Zusammenstöße mit Schwierigkeiten zu finden." Lich" feinen österreichischen Bundesgenossen berriet und im Jahre der Polizei und den der Regierung treu gebliebenen, der freiheit 1795 den Separatfrieden von Basel schloß, worin es obendrein das lichen Bewegung noch fühl gegenüberstehenden Truppen vermeiden. Deutsche Reich verriet. Preußen erklärte sich zur Abtretung 4. Wir halten diesen Ausstand für unausbleiblich und werden des linken Rheinufers an das revolutionäre den allgemeinen Ausstand der städtischen Arbeiter, der Eisenbahner, Frankreich bereit und sicherte sich nur für diesen Fall eine der Post- und Telegraphenbeamten in Moskau und Petersburg als Entschädigung auf rechtsrheinischem Gebiete durch Beraubung seiner Signal zum allgemeinen Ausstande betrachten. deutschen Mitfürsten. Die Erklärung kann, wie bereits oben erwähnt wurde, nur als halbamtlich gelten; aber selbst wenn sie einen ffreng amtlichen Charakter trüge, hätte sie deshalb noch keinen Anspruch auf Glaubwürdigkeit. Wie vieles ist nicht in den letzten Jahren in der Nordd. Allgem. Ztg." unter dem Aufwand fittlicher Entrüstung bestritten resp. dementiert worden, dessen Richtigkeit sich später herausgestellt hat. Dennoch widerIn der Tatein„ ritterliches" Ergebnis einer„ ritterlichen" spricht, sofern man unter dem Ausdruck, beabsichtigte Politik. Es würde zu weit führen, den Weg im einzelnen zu verInterventionspolitik benachbarter Länder folgen, den die preußische Monarchie von Basel bis Jena munmehr gegenüber den Ereignissen im russisch en wandeln mußte; genug, daß selbst die preußischen Historiker einReich" einen Einmarsch deutscher Truppen zur Unterstützung stimmig darin sind, der Friede von Basel habe die Niederlage von irgend welcher Maßnahmen des Zaren gegen die revolutionäre Jena im Schoße getragen. Diese Spuren schrecken sogar die Aera Bewegung im eigentlichen Rußland versteht, das Bülow.. 5. Den Beginn des allgemeinen Ausstandes in Moskau und Petersburg müssen die Bureaus und Komitees der städtischen Arbeiter, der Eisenbahner, Post- und Telegraphenbeamten unverzüglich durch verabredete Telegramme den lokalen Vertrauensmännern melden, damit die örtlichen Bureaus und Komitees aller Parteien, Verbände und Organisationen rechtzeitig davon in Kenntnis gesetzt werden. treten. 7. Zur Durchführung der gestellten Aufgaben müssen alle lokalen Organisationen schon frühzeitig miteinander in Verbindung 8. Der Beginn des geplanten Ausstandes wird als ent scheidende Erhebung gegen die Selbstherrschaft anerkannt. 6. Bor Beginn des Ausstandes soll jegliche Manifestation verDementi nicht ganz den Tatsachen; denn es handelt Das bewaffnete Einschreiten gegen die französische Revolution mieden werden, die nur der Regierung, die schon längst die Volkssich, wie wir schon gestern in dem Artikel„ Gegen ein hat der friderizianischen Monarchie Kopf und Kragen gekostet; das massen zu vereinzelten und verfrühten Erhebungen autonomes Polen" auf Grund zuverlässiger russischer Nach- bewaffnete Einschreiten gegen die russische Revolution würde auch provozieren möchte, von Nußen sein würde. richten ausführten, bei dem Abkommen nicht um eine Invasion der neureichsdeutschen Herrlichkeit verteufelt schlecht bekommen. deutscher Truppen zum Zweck der Niederwerfung der russischen Eine deutsche Einmischung in die russischen Verhältnisse Revolution, sondern um die Verhinderung, daß aus den revo- würde unter der heutigen politischen Konstellation vorauslutionären Stämpfen in irgend einer Form ein autonomes fichtlich noch weit schlimmere Folgen für das Deutsche Reich Polen ersteht, gewissermaßen also um eine Ergänzung zum zeitigen. Trattat von 1795 über die dritte Teilung Polens, durch die jeder der an der damaligen Aufteilung Polens beteiligten Mächte die Aufrechterhaltung und Sicherung ihres polnischen Besigteils garantiert wird. Der Gedanke, der dabei zweifellos Deutschlands oder vielmehr Preußens Regierung geleitet hat, ist zweifellos der, daß die Autonomie Russisch Polens sofort Noch bebt Rußland unter dem überraschenden ersten Einauch in den polnischen Landesteilen Preußens der national- druck des hinterliftigen Ueberfalls, den der Hampelmann auf polnischen Bewegung einen mächtigen Anstoß geben und zu dem Zarenthrone sich von seinen Beratern hat aufschwagen auch allen radikalen politischen Parteien des Auslandes gesandt energischen Vereinigungsbestrebungen der preußischen Polen lassen. Noch hören wir nichts von gewaltigen Ausbrüchen werden mit dem neuentstandenen polnischen Staatsgebilde führen des Zorns und der Rache; denn es bedarf einiger Zeit, damit die unter der Asche glimmende Glut vom Drkan werde. Die Revolution in Rußland. Die Stille vor dem Sturm. Die Abmachung reicht demnach nicht so weit, wie in der der Empörung zu wildflackernder Lohe entfacht werde. russischen und französischen Presse behauptet wird; sie ist Aber es kann nicht mehr lange währen, bis die Glocken der deswegen jedoch nicht weniger geeignet, Deutschland in Revolution zum Sturm gegen den übermütigen Barismus einen höchst gefährlichen Sonflikt zu stürzen, rufen. Schon treffen aus allen Teilen des Riesenreiches heftige und fordert schon deshalb, ganz abgesehen Protestkundgebungen gegen die Auflösung der Duma ein. von ihrem antirevolutionären Charakter, Schon sammelt die Arbeiterschaft Rußlands ihre letzten das deutsche Proletariat zum nachdrücklich sten Sträfte, und auch aus den Kasernen, von den Schiffen Protest heraus. Ein autonomes Polen kann nur dann her bernimmt man ein dumpfes Grollen; denn entstehen, wenn in Rußland die Revolution siegt und die Väterchens Heer und Flotte- das wissen wir schon lange Barengewalt zu Boden geworfen wird. Unter solchen UmUnter solchen Um wird sich erlauben, ein energisches Wörtlein mitzureden ständen aber bedeutet ein Einmarsch preußischer Truppen in im Kampfe gegen die Erwürger der Freiheit des Volkes. Russisch- Polen zur Aufrechterhaltung des Zarenregiments nicht Man hat am Dienstag mit Ausnahme der drei genur allein den Kampf mit den dortigen Freiheitsbestrebungen, fügigsten Blätter Nowoje Wremja"," Rossija" und" Peterssondern zugleich mit der siegreichen russischen Revolution. burgjfija Bjedomosti", alle großen politischen Petersburger Deutschland würde in diesem Kampf nicht nur die Zeitungen tonfisziert. Stolypins Sloate, die Nowoje Wrenija", Volen, das heißt sowohl die Polen des heutigen hat am selben Tage sofort in unerhört provokatorischer Weise zur Russisch- Polens als diejenigen Galiziens und der preußischen Austreibung aller Juden aus Rußland aufgerufen! Aber all' Ostprovinzen, sondern auch den neuentstehenden russischen diese Mäßchen werden nicht verfangen. Rußlands Volk wird Staat und das gesamte Slawentum gegen sich haben; feinen auf ein Ziel, Nikolaus' Selbstherrschaft, gerichteten während es andererseits bei keinem der germanischen oder Born nicht mehr ableiten lassen gegen die Juden. Rußlands romanischen Länder Europas auf irgend welche Unterstützung Bolt wird erfahren, was man ihm anzutun gewagt hat, auch oder Sympathien zu rechnen hätte, wohl aber mit Maß wenn monatelang teine Zeitung mehr in Rußland gedruckt nahmen Englands und Frankreichs zur Schwächung des ihnen werden sollte. allzu groß gewordenen imperialistischen Deutschlands. Durch Daß Rußlands Arbeiterschaft, Rußlands Proletarier im ihre unfähige Politik hat die deutsche Diplomatie das Deutsche Zivil- wie im Beamtenrock durch des Zaren jüngste HeldenReich ohnehin völlig im europäischen Konzert isoliert; eine Isolation, tat nicht überrascht wurden, daß sie ihre Vorbereitungen für auf die alles andere als das Epitheton, splendid" zutrifft. a Ile Fälle bestens getroffen haben, geht aus folgenden MitDie Verhinderung der Autonomie Russisch- Polens würde das ieilungen hervor: 9. Der Ausstand muß mit der Proklamierung der Konstituante auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts ohne Unterschied der Religion und Nationalität. endigen." Zur Durchführung und Leitung der geplanten Erhebung wurde der Rat der Arbeiterdeputierten, der in Moskau tagen wird, bevollmächtigt. Die Kopien dieser Beschlüsse sollen allen Organisationen und Politifche Uebersicht. Berlin, den 24. Jult. Richterliche Verfassungsverlekung. Die von uns berichtete Durchsuchung der Wohnung des Ab geordneten Erzberger und feines Arbeitszimmers im Reichstage erfährt durch das dem Abgeordneten Erzberger nahestehende Stuttgarter„ Deutsche Volksblatt" eine eigenartige Beleuchtung. Nach der bort enthaltenen Schilderung war der Sachverhalt folgender: „ Der Abgeordnete Erzberger ist als Zeuge geladen worden und mußte hier wie jeder andere geuge erscheinen; er fragte sofort, ob er auch über das vernommen werde, was er als Abgeordneter erfahren habe.. Der Untersuchungsrichter bejahte dies und wies selbst auf die 8eugnishaft hin. Jm Anschluß ant die Vernehmung forderte der Untersuchungsrichter, daß er die Arbeitsräume des ges nannten Abgeordneten im Reichstage besichtigen dürfe; der Abgeordnete Erzberger sagte, er habe nichts dagegen. Inzwischen aber waren dort bereits Polizeibeamte eingetroffen, und diesen hat der Reichstagsdirektor den Zutritt ver weigert; er wollte auch dem Untersuchungsrichter den Schlüffel nicht aushändigen; dieser erklärte, er lasse sich nicht in seiner richterlichen Unabhängigkeit einschränken; wo das Gesetz sei, das das Reichstagsgebäude vor einer Durchsuchung schüße? Der Direktor des Reichstages wies auf eine Zusage des Staatssetretärs des Inneren hin, die der Untersuchungsrichter als für ihn bestehend nicht anerkannte. Der Abgeordnete Erzberger erklärte nun, er wolle feine Räume privatim dem Unter suchungsrichter zeigen; selbstverständlich dürfe hieraus feine Konsequenz für den Reichstag und die Zukunft gezogen Hülfsorganen oder dem Richter und dessen polizeilichen Hülfsorgane 1 dann aber ließ er durchblicken, daß er auf eine Stellung in der werden. Daran schloß sich die Besichtigung der Räume, die ohne verjvehre. Diese naive Frage beleuchtet die reaktionäre Strömung, Partei reflektiere. Ich ließ ihm keinen Zweifel, daß diese Erwartung jedes Resultat verlief. Ganz denselben Vorbehalt machte Ab- die zurzeit in Preußen- Deutschland Oberhand hat. Sie meint: sich kaum erfüllen dürfte, erklärte gleichzeitig, daß die Partei geordneter Erzberger bei der Einsichtnahme feines Materials in Was dem Beamten nicht verboten ist, ist ihm erlaubt", und„ Was an seinem Material tein Interesse habe, vielleicht aber ein Journaliſt, der Privatwohnung. Der Untersuchungsrichter erklärte zuvor auf dem Bürger nicht ausdrücklich gestattet ist, ist ihm verboten". Es und ich erklärte mich bereit, ihn mit einem solchen Journaliſten in das bestimmteste, daß er das Recht der Haussuchung bedarf feines besonderen Gesetzes, um die Immunität des Reichs- Verbindung zu bringen. habe, und diese auch gegenüber einem Ab= geordneten mit Hülfe der Polizei unternehmen tagshauses flarzustellen. Sie folgt ohne weiteres aus der Existenz Das ist meine ganze Tätigkeit als Mittelsperson. Tassen fönne; es handle sich stets nur um die Beugenaussage. des Reichstags und seines Hauses. Es ist ferner von ihm erlogen, daß ich ihn aufgefordert habe, Selbstverständlich habe er nicht dieses Recht, wenn der benoch einige Zeit beim Reichsverband zu bleiben. treffende Abgeordnete selbst unter Anklage stehen würde respektive Entschiedener Liberalismus. Die Sache ist einfach die: Eines Morgens kam der Mann zu tommen könnte, was beides für den Abgeordneten Erzberger nicht In der letzten Nummer der„ Nation" beschäftigt sich Dr. Th. Barth mir und erklärte, die grobe Behandlung im Bureau des Reichszutreffe. So der wahre Sachverhalt. Für den Reichstag dürfte mit der Reichstagsnachwahl im Wahlkreise Stade- Bremervörde und verbandes verbiete ihm ein ferneres Verbleiben daselbst. Auf meine fich hieraus die Konsequenz ergeben, daß er 1. seine Gebäude kommit dabei zu dem Resultat, daß der entschiedene Liberalismus es Frage, wieso und warum, zeigte er mir eine Karte seines Bureaus gegen jede Untersuchung und Durchsuchung durch ein Gesetz ablehnen müsse, die Rolle des getreuen Fridolins der Reaktion zu chefs, in der er unter der Drohung der Entlassung zum sofortigen schüßt, 2. das Recht der Zeugnisverweigerung auf jene Dinge ausdehnt, die dem Abgeordneten in der Eigenschaft eines Bolts- spielen. Falls die Freifinnige Volkspartei darauf verzichten wolle, Erscheinen im Bureau aufgefordert wurde. Als ich den Anlaß hierzu vertreters zugehen. Der Abgeordnete Erzberger fonnte hier aus einen eigenen Kandidaten aufzustellen und gleich im ersten Wahl- erfuhr( Wegbleiben ohne Entschuldigung infolge„ Erkältung"), ersagen, weil der größte Teil seiner Aussagen schon in den steno- gange für den nationalliberalen Kandidaten zu stimmen gedente, flärte ich ihm ungeschminkt, daß die Auffassung seines Bureauchefs graphischen Berichten des Reichstages sich findet, und er wollte dann müsse von anderer Seite ein Kandidat aufgestellt werden, der berechtigt sei, er hätte mindestens in einer Karte sein Nichterscheinen hier aussagen, um einerseits unschuldig Angeklagte zu retten, die bürgerlich- demokratischen Elemente des Wahlkeises zu sammeln ankündigen müssen. Seitdem habe ich von dem Manne andererseits aber auch die Unhaltbarkeit des heutigen Zustandes hätte. nichts mehr gesehen und gehört, außer der auffälligen zu beleuchten." Tatsache, daß er von dem Journalisten eine Quittung über die an diesen gelieferte Abschriften verlangt hatte! Berlin, 24. Juli 1906. Die vom wirklich liberalen Standpunkt aus ganz selbstverständTrifft diese Schilderung zu, so liegt ein krasser Fall der Ver- liche Notiz fordert das angeblich auch entschieden liberale„ Berl. legung der Immunität der Reichstagsabgeordneten und des Reichs- Tageblatt"- nur am Montagmorgen macht sich manchmal dieser tages selbst vor. In ähnlicher Weise ist noch nie in die Immunität Liberalismus bemerkbar zu einer geharnischten Entgegnung herdes Reichstagshauses eingegriffen, aber auch noch nie die Immunität eines aus, in der es zunächst unter Bezugnahme auf den Leitartikel unferer Abgeordneten von diesem selbst preisgegeben worden. Als in ähnlich Sonntagsnummer, Sozialliberale Generalstäbler" erwiderrechtlicher und verfassungswidriger Weise die Staatsanwaltschaft flärt, mit dem heute in der Sozialdemokratie herrschenden Radiund das Amtsgericht Flensburg unter dem Rubrum wider„ Unbekannt" falismus wäre kein Zusammengehen des Liberalismus möglich, und gegen den jetzt verstorbenen Abgeordneten Jessen eine Durchsuchung dann über die Ersatzwahl in Stade- Bremerförde folgende entschiedenusw. veranlaßte, protestierte der Reichstag einmütig gegen diese Ver- liberale Auffassung verzapft: legung der Verfassung. Der Reichstag beschloß am 30. Mai 1905 einstimmig: " Der Reichstag erblickt in dem auf Antrag der Staatsanwaltschaft gefaßten Beschluß des königlichen Amtsgerichts zu Flensburg vom 1. März 1904, durch welchen in der Straffache gegen den Redakteur der Zeitung Flensborg Avis", Jens Jessen in Flensburg, die Beschlagnahme des Manuskripts zum Artikel ,, Tyst Standale paa Graaften" in Nr. 273 der Zeitung Flensborg Avis" vom 22. November 1903, sowie die Durchsuchung der Geschäfts- und Redaktionsräume dieser Zeitung zwecks Beschaffung von Beweismitteln zur Ermittelung des Verfassers des genannten Artikels angeordnet" worden ist, eine gegen den Reichstagsabgeordneten Jessen gerichtete Strafuntersuchung, welche ohne Genehmigung des Reichstages erfolgte und daher einen Verstoß gegen Art. 31 der Reichsverfassung darstellt." Und abermals liegt jetzt ein Eingriff in das Immunitätsrecht der Abgeordneten vor. Der Abgeordnete Erzberger hätte die Einwilligung zu einer Durchsuchung nicht erteilen dürfen, da das Recht der Jmmunität kein Individualrecht des einzelnen Abgeordneten ist, auf das er verzichten tönnte. Wie ist denn die Rechtslage? Artikel 30 der Reichsverfassung besagt: ,, Kein Mitglied des Reichstages darf zu irgend einer Zeit wegen seiner Abstimmung oder wegen der in Ausübung seines Be= rufes getanen Aeußerungen gerichtlich oder disziplinarisch verfolgt oder sonst außerhalb der Versammlung zur Verantwortung ge zogen werden." Artikel 31 fährt fort: In dem Wahlkreise hat es der Freifinn niemals auf mehr als 3500 Stimmen gebracht. Die stärkste Partei sind von jeher die Nationalliberalen gewesen, dann folgen die Sozialdemokraten. 1903 erhielt Dr. Sattler im ersten Wahlgange 6466, der Sozialdemokrat Ebert 5964, der Volksparteiler Otto 3524, der Welfe b. Meding 2138 und der Landbündler Blävemann 1918 Stimmen. Das Stimmenverhältnis dürfte sich nur wenig verschoben haben, wahrscheinlich haben nur die Sozialdemokraten nennenswerten Zuwachs zu erwarten. Der Freifinn hat jedenfalls gar keine Aussicht, den Wahlkreis für sich zu erobern. Unter diesen Umständen erscheint es für den Freifinn geboten, auf eine aussichtslose und kostspielige eigene Kandidatur zu verzichten und mit den Nationalliberalen zusammenzugehen. Gerade nachdem der Freisinn mit Recht das törichte und politisch unreife Verfahren der Nationalliberalen in Altena- Iserlohn und Hagen- Schwelm aufs schwerste getadelt hat, wo durch aussichtslose nationalliberale Kandidaturen alte Mandate für den bürgerlichen Liberalismus verloren gegangen beziehungsweise gefährdet worden sind, zu Nutz und Frommen der Sozialdemokratie, gerade jetzt darf der Freifinn in Bremer vörde nicht denselben politischen Kardinalfehler begehen. Das Gegebene für die freisinnigen Wähler in Bremervörde ist die sofortige Unterstützung des nationalliberalen Kandidaten. Welchen praktischen Zweck soll nur eine solche Kandidatur haben? Ist denn das Ziel, einem Sozialdemokraten gegen einen Nationalliberalen in die Stichwahl zu verhelfen, wirklich so groß? Was nützt das dem Liberalismus? Ja, wenn die Sozialdemokratie eine Partei wäre, mit der der Liberalismus zusammengehen könnte, eine Partei, die auf positive Mitarbeit an der Gestaltung der Voltsgeschicke gerichtet wäre!" Ein Gipfel. Richard Fischer. die Arbeiterbewegung hat schon manche heitere Blüte gezeitigt, aber Die idiotische Kampfesweise der Amts- und Kreisblätter gegen kaum je schon eine so lustige, wie eben im Steglizer Anzeiger, Organ für amtliche Publikationen", den ein sicherer Emil Simonsohn zeichnet. 11 " Der spezielle Trid dieses Patrioten besteht darin, die Stegliter Mitbürger" gegen den Genossen Mehring als unübertreffliches Schimpfgenie" aufzuheben, damit dies brandige Glied bald von der loyalen Gemeinde ausgestoßen werde. Nun hatte die Leipz. Bolksztg." dieser Tage einen Artikel des Genossen Auton Pannekoek veröffentlicht, worin rein theoretisch untersucht wurde, weshalb und wieso das Proletariat im Kampfe„ mit geistigen Waffen" der Bourgeoisie über den Kopf gewachsen sei. Aus diesem Artikel log die„ Deutsche Tageszeitung" heraus, das Leipziger Parteiblatt schlage Chamade nach der„ Massenftreitblamage" und der„ Niederlage" mit der Proberevolution" vom Januar dieses Jahres. Einen so exquisiten Schwindel übernahm natürlich die„ Tägliche Rundschau" begeistert und fügte aus Eigenem die Lüge hinzu, der wie gesagt vom Genossen Pannekoek gezeichnete Artikel sei vom Franzl" verfaßt und bezeuge das graue Elend bei Franz Mehring". Danach war der Lügenbrei reif, als Leitartikel den Steglizer Philistern vorgesetzt zu werden, aber der Stegliger Anzeiger" fapierte nicht einmal, daß diesmal der„ Leipziger Voltsztg." nicht wegen„ Schimpfens", sondern gerade wegen„ Nichtschimpfens" eins ausgewischt werden sollte, und fügte, eingefuchst auf seinen speziellen Trick, aus Eigenem hinzu: Wie fein obiger Schimpferguß zeigt, arbeitet dieser angenehme Mitbürger von Steglitz aus wieder mit unverminderten Kräften, mit schier unübertrefflichen Radauworten. Wir werden nicht verfehlen, gelegentlich das„ Saftigste" aus seinen maßlosen Schimpfereien der Steglitzer Einwohnerschaft bekannt zu geben. Wir möchten doch den„ amtlichen" Stellen, die den Steglitzer Anzeiger" zum„ Organ" ihrer Publikationen" gemacht haben, in Von seinem Begriff des Liberalismus aus hat das Berliner wohlmeinendster Absicht anheimgeben, ihrem braven Kuli die MögTageblatt" durchaus recht vom Standpunkt eines wirklichen lichkeit zu gewähren, bei der Deutschen Tageszeitung" und der„ TägLiberalismus hingegen Herr Barth. Gäbe es einen sich auf breite lichen Rundschau" einen kleinen Kursus im Schwindeln zu nehmen. bürgerliche Schichten stützenden entschiedenen Liberalismus in Es wäre unbillig, von solchen Geistern einen Kommentar zu Goethes Deutschland, so hätte Barths Taktik gewichtige Gründe für sich. unterscheiden, ob sie lügen sollen rechts, oder ob sie lügen sollent " Faust" zu verlangen, aber die bescheidene Schmockfähigkeit, zu Sein Fehler ist, daß er diesen bürgerlichen Liberalismus, lints, müssen sie am Ende doch befizen, wenn nachgerade nicht die er nicht vorhanden ist, einfach als Größe vor- dümmsten Philister an diesen glorreichen Vorkämpfern für Thron aussett, und daß er andererseits verlangt, die sozialdemo- und Altar irre werden sollen. fratische Partei solle sich in Theorie und Taktik dieser nicht vorhandenen Größe anbequemen. „ Ohne Genehmigung des Reichstages kann kein Mitglied desselben während der Sigungsperiode wegen einer mit Strafe bedrohten Handlung zur Untersuchung gezogen oder verhaftet werden, außer wenn es bei Ausübung der Tat oder im Laufe des nächste folgenden Tages ergriffen wird. Gleiche Genehmigung ist bei einer Verhaftung wegen Schulden obgleich erforderlich. Auf Verlangen des Reichstages wird jedes Strafverfahren gegen ein Mitglied desselben und jede Untersuchungs- oder Zivilhaft für die Dauer der Sigungsperiode aufgehoben. Uebrigens irrt das Mosse- Blatt, wenn es meint, in dem Ausdruck Generalſtäbler" stecke eine Geringschäzung der geistigen Fähigkeiten Barths und Naumanns. Die Politiker des„ Berliner Tageblattes" haben wir nie für„ Generalstäbler" gehalten, sondern stets nur für Trainsergeanten. . Deutfches Reich. " Durch einen groben Vertrauensbruch sind dem Vorwärts" eine Reihe Briefe an den Reichsverband bezw. vom Reichsverbande an seine Mitglieder zum Abdruck zur Verfügung gestellt worden. Dadurch, daß nicht die auf der Schreibmaschine hergestellten Originalbriefe, sondern nur deren Durchschläge mit allen vom Schreiber gemachten Fehlern abgedruckt worden sind, konnte dieser Schreiber leicht als der Verräter festgestellt werden, der heute folgendes Geständnis ablegte: Es ist wiederholt versucht worden, den Sinn dieser Artikel einzuengen und leider hat die Mehrheit des Reichstages teilweise dem Ansturm der Regierung nachgegeben. So ist in den Artikel 32 seit dem berühmten Fall Majunke hineininterpretiert, er umfasse nicht den Strafvollzug oder eine Verhaftung zwecks Strafvollzugs. Dann wurde durch das Chemnizer Landgericht auf Betrieb des damals in Chemnitz, jetzt bekanntlich in Leipzig amtierenden Staatsanwalts Böhme im Jahre 1892 bersucht, den Inhalt des Artikels 32 dahin Der sittlich entrüstete Reichsverband. einzuschränken, daß die Immunität sich nicht auf den ZeitDer durch unsere Veröffentlichungen blamierte und schwer geraum der Vertagung des Reichstages beziehe. Selbst das Reichs- ärgerte gericht taffierte das Verfahren, als mit dem Artikes 32 der Reichs- ärgerte„ Reichsverband" läßt, wie wir der„ Post" entnehmen, folgende Erklärung los: berfassung offen in Widerspruch stehen d. Später wurde in der Literatur versucht, die Immunität des Reichstages dadurch fortzukonstruieren, daß man erklärte: gegen den Abgeordneten darf zwar nicht als Angeklagten vorgegangen werden, wohl aber find Zwangsmittel gegen ihn als 8eugen zulässig. Offensichtlich scheitern derartige rabulistische Kletterkünfte an dem Wortlaut und Dieser darf nach dem Zweck der Immunität des Abgeordneten. Art. 30 der Verfassung weder disziplinarisch, noch strafrechtlich, noch sonst zur Verantwortung" gezogen werden, also auch nicht als Zeuge. Sonst hätte die pfiffig• dumme Bureau tratie ja leichtes Spiel. Sie fniffen einen Bogen Konzeptpapier, schreiben darauf: Berfahren gegen Unbekannt" und laden mun in diesem Verfahren den Abgeordneten als Zeugen. fanntlich verfeinert man diesen Altenfniff noch dadurch, daß man statt eines Strafverfahrens gegen„ Unbekannt" ein Disziplinarverfahren gegen Unbekannt" konstruiert. Freilich ist in einem Disziplinarverfahren ein Zeugniszwangsverfahren unzulässig. Das ist wiederholt von obersten Gerichten anerkannt. Schließlich haben sich allerdings oberste Gerichte gefunden, die dem erneuten Ansturm der Verwaltung auf schlechtere Einsicht in die Geseze nachgaben. 11 BeDiese Versuche, einen Abgeordneten auf dem Umwege des Beugniszwanges als Abgeordneten entgegen dem Artikel 30 der Verfassung zur Beraniwortung zu ziehen, verstoßen aber auch aus einem anderen Grunde gegen das Gesetz. Das Straf- und Disziplinarberfahren soll das Recht suchen, die Wahrheit er= mitteln, ein Unrecht fühnen. Es darf daher nicht selbst auf einem Unrecht, auf einer Unmoral, auf einem Ver-stoß gegen Treu und Glauben sich aufbauen. Ein eminenter Verstoß gegen diese Grundlagen, zu deren Schutz das kriminelle Verfahren dienen soll, ist aber ein Versuch der Verleitung eines Abgeordneten zum Treubruch. Sind dem Abgeordneten mit Rüdficht auf seine Verschwiegenheit Dinge anvertraut, so ist es eine ehrlose und unanständige Handlung, das Vertrauen zu täuschen. Der Staat darf seine Macht nicht mißbrauchen, um zu ehrlosen Handlungen zu zwingen. Es ist zu bedauern, daß der Abgeordnete Erzberger nicht lieber die Folgen eines Widerstandes gegen den richterlichen Eingriff in die Verfassung auf sich genommen als daß er in die Vornahme der verfassungs- und rechtswidrigen Handlungen des Richters gewilligt hat. Jch, Oskar Hellmann, seit 1. Februar 1906 Stanzleibeamter des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie", erkläre hiermit, daß ich von verschiedenen, an den Reichsverband gerichteten und von der Geschäftsstelle des Reichsverbandes an Mitglieder des Reichsverbandes gesandten Schreiben Durchschläge angefertigt und diese durch Vermittelung des Redakteurs R. Fischer der Redaktion des „ Vorwärts" überliefert habe. Ebenso habe ich die Flugschriften des Reichsverbandes und gelegentlich verschiedene Nummern der„ Korrespondenz" des Reichsverbandes der Redaktion des " Vorwärts" überantwortet. Ich gebe diese Erklärung ab, um von allen übrigen Beamten des Reichsverbandes jeden Verdacht, daß sie sich einer ähn lichen Handlungsweise schuldig gemacht haben, abzuwälzen. Herr Redakteur R. Fischer hat mir erklärt, daß man sich dafür erkenntlich zeigen würde. Ich habe es jedoch abgelehnt, petuniäre Vorteile anzunehmen.(??) Als ich Herrn Fischer erflärte, daß ich es nunmehr für richtig halte, aus meiner Tätigkeit im Reichsverband, auszuscheiden, gab mir Herr R. Fischer den Rat, noch einige Zeit beim Reichsverband zu bleiben.(!!) Außer den im Vorwärts" abgedruckten Briefen habe ich nur noch einige wenige Briefe aus der Zeit des Wahlkampfes in Darmstadt durchgeschlagen und dem„ Vorwärts" überliefert. Berlin, den 23. Juli 1906. gez. Oskar Hellmann. ( Folgt Siegel und notarielle Beglaubigung.) Nicht unerwähnt mag bleiben, daß der genannte Spizelzüchter " Genosse" N. Fischer identisch ist mit dem sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten und Leiter der Vorwärts"-Buchdruckerei, Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Richard Fischer. Da der p. Hellmann seine Stellung beim Reichsverband zum 1. August ge= fündigt hatte, um angeblich nach Amerika auszuwvandern, war man so liebenswürdig, uns den Handlungsgehülfen„ Genossen" Fichtner, einen Freund des Hellmann, als Ersatzmann anzubieten..." Der Bruch des Hausfriedens des Reichstages, wie er im Fall Darauf erhalten wir folgende Buschrift des Genossen Richard Erzberger, leider mit seinem Einverständnis, erfolgt ist, steht ohne Fischer: Beispiel da. Der Reichstag sollte trotz der Zustimmung des Ab- Wenn Herr Dstar Hellmann behauptet, daß ich ihn zum Ver geordneten Erzberger hier nicht Indemnität erteilen, sondern seine Rechte tranensbruch verführt habe, so hat er einfach gelogen. Der Mann energisch wahren. Der Untersuchungsrichter soll gefragt haben, welches erbot sich selber, für Parteizwecke Material des ReichsGesetz den Eintritt in den Reichstag der Polizei und deren richterlichen verbandes zur Verfügung zu stellen; er tue das aus Parteiinteresse, Der gebildete Landrat und sein Adjunkt. von dem" Opfer derselben, dem Kaufmann Willy Höweler aus Dem„ Berl. Tagebl." wird über eine antisemitische Heldentat Berlin, geschrieben: Nach Bekanntgabe des Wahlresultats der Stadt Wolfhagen im Wahllokale( Rathaus) zirka 73/4 Uhr begab ich mich nach dem Hotel Hessischer Hof, wo die Wahlziffern aus dem Kreise Wolfhagen bekanntgegeben werden sollten. Ich trat in das links befindliche Kafinozimmer, in welchem bereits der Herr Landrat v. Buttlar nebst anderen Herren an einem langen Tische an der Fensterseite Platz genommen hatte. An der anderen Seite des Raumes saßen am runden Stammtisch zwei jüngere Herren, welche mir auf meine Bitte hin gestatteten, an demselben die Bekanntgabe der Wahlresultate zu erwarten. Der letzte Zug nach Kassel, den ich zu benutzen gedachte( weil meine Parteigenoffen für den Abend ein Rendezvous im Staffeler Hof verabredet hatten), fährt um 8 1hr 33 Minuten von Wolfhagen ab, und da vom Lokal bis zur Station etwa 12 Minuten Weges find, trat ich um 8 Uhr an den mir persönlich bekannten Herrn Bürgermeister Schneider heran mit der Bitte, mir doch das bis dahin vors liegende Teilresultat mitzuteilen ,. da ich mit dem Zuge noch fortzufahren und vorher noch nach Berlin zu depeschieren be absichtige. Herr Bürgermeister Schneider erklärte mir, er selbst habe die Wahlziffern nicht und wies mich an den Herrn Landrat v. Buttlar. Nun beging ich allerdings die gesellschaftliche Unterlassungsfünde, daß ich mich dem Herrn Landrat nicht vorstellte( was ja wohl durch die Wahlaufregung zu entschuldigen ist), sondern ihm sofort, jedoch in allerhöflich stem Tone, dieselbe Bitte nochmals vortrug. Dies benutzte Herr Landrat v. Buttlar, um mich in schroffster Art zu brüskieren mit den Worten:" Ich weiß nicht, wer Sie sind; ich pflege nicht mit Leuten zu verkehren, die ich nicht tenne!" Ohne ein Wort zu verlieren, setzte ich mich wieder auf meinen Platz und ließ den letzten Zug nach Staffel ruhig abfahren. Um zirka 34 Uhr war das Resultat aus dem ganzen Kreise Wolfhagen bekannt geworden, ich füllte meine Depesche aus und expedierte sie auf dem Bahnhofe. Nach Rückkehr vom Bahnhofe ging ich aber nicht in das Kasinozimmer, wo mich der Herr Landrat derart beleidigt hatte, sondern sette mich in den rechts gelegenen Schankraum zu den Bürgern und Wählern des Ortes. Um etwa 12 Uhr wurde das Wahlresultat aus dem ganzen Reichstagswahlkreise bekannt, und der Herr Landrat v. Buttlar ließ sich herab, in die Schenkstube zu den gewöhnlichen Sterblichen zu kommen, um denselben mit vor Freude strahlendem Gesicht und triumphierenden Worten das für den deutschsozialen Kandidaten außerordentlich günstige Resultat günstige Resultat mitzuteilen. Hierauf wandte er sich an mich, um mich ob unseres geringen Erfolges zu verhöhnen. Ich wandte mich nun an den Herrn Landrat mit den Worten: Mein Herr! Vorhin haben Sie mich nicht gekannt, jetzt habe ich gar keine Veranlassung, Sie zu kennen. Ich bitte mich nicht zu belästigen", worauf der Landrat mich mit erhobener Hand anschrie: Darauf müßte ich Ihnen eigentlich einen Schlag ins Gesicht geben." Jch erividerte darauf lediglich:" Das würde allerdings Ihrer Anschauung und Ihrer Gesinnung ganz angemessen sein." Benige Sekunden später erhielt ich unversehens von dem am Tische fizzenden Kreisboten Stern einen Faustschlag ins Gesicht, wodurch auch mein Kneifer in Trümmer ging. Der rohe Attentäter war gleich nach seiner Heldentat von den vernünftigen Bürgern des Örtes aus dem Lokal entfernt worden, um noch einen größeren Standal zu vermeiden. Konstatieren muß ich leider, daß mir von keinem der anwesenden feudalen Herren ihr Bedauern oder ihre Mißbilligung über diese rohe Tat zum Ausdruc gebracht worden ist." " " Daß in einem Wahlkreise, wo die Seelenverwandten der die Schwimmschüler ablösen zu lassen. Diesen Befehl habe der eigenen Offiziere ihm gelegentlich in aller Heimlichkeit Hörner auf Hooligans, die Antisemiten, noch in hervorragendem Maße ihr Un- Soldat Thu st gehört, er habe mit der linken Hand nach der Leine setzten, verdient nur nebenher erwähnt zu werden. wesen treiben können, Handgreiflichkeiten eine besondere Rolle gegriffen, die den Händen des Schwimmlehrers Gefreiten Heller Nach der belgischen Verfassung können die Nummern des ſpielen, ist weiter nichts Wunderbares. Und die Deffentlichkeit braucht entglitt, da dieser sie entgegen der Instruktion nicht um den Arm Peuple" mit den Enthüllungen über Leopolds Familienleben nicht bon solch rüdem Treiben umsoweniger Aufhebens zu machen, wenn fich, wie das in Rinteln- Hofgeismar der Fall war, die Büdlerianer gewickelt, sondern nur in der Hand hielt. So sei das Unglück ein- beschlagnahmt werden. Die aus gewiß sehr lauteren Motiven veruntereinander nach Herzenslust verbläuen. Kräftige Abwehr gegen getreten. Der Vertreter der Anklage beantragte auf Grund dieses ohne Verschulden des„ Peuple" im Augenblick einzig und allein daanstaltete Publizierung der Heldentaten des Kongo- Königs erhält solch teutonische Wahlkampfsitten ist freilich geboten, wenn sich dies Tatbestandes gegen den Leutnant Fischer eine Festungs- durch einen sensationellen Anstrich, daß spekulative Zeitungshändler felben auch gegen Angehörige anderer Parteien fehren und wenn haft von acht Monaten, gegen den Soldaten eller sich die jetzt natürlich stets vergriffenen Nummern des Blattes mit obendrein ein hochbeamteter Hüter der Ordnung sich als Bückler im eine Gefängnisstrafe von sieben Monaten. Das 2 bis 3 Frank und noch höher bezahlen lassen. Duodezformat aufzuspielen bemüht. Urteil lautete gegen eller auf drei Monate Gefängnis, gegen Fischer auf 8 Tage Stubenarrest. Amtliches Wahlresultat in Rinteln- Hofgeismar. Nach amtlicher Feststellung sind bei der Wahl am 20. Juli insgesamt 14 322 gültige Stimmen abgegeben worden. In Stichwahl auf den 6318 Stimmen, und Stadtverordneter Dstar Betterlein: Hellmarshausen( So 3.), auf den 3995 Stimmen entfallen sind. Der fozialdemokratische Zuwachs betrug danach nicht, wie erst angegeben wurde, 376, sondern 507 Stimmen. Eine originelle Jdee. In jedem Fall muß das Urteil gegen den verantwortlichen aufsichtführenden Leutnant namentlich im Verhältnis zum Straf antrag als äußerst gering erscheinen. Aber das vorhin angedeutete Rätsel: Wie verhält es sich mit dem Unteroffizier? harrt auch abgesehen hiervon noch der Lösung! Ausland. Schweiz. Vom Kriegsschauplak. England. Die Friedenskomödie. Apponyi auf den Leim zu kriechen und ihm gedankenlos den Unsinn Der Berliner Bolts- Zeitung" blieb es vorbehalten, dem Herrn nachzuschwagen: des englischen Premierministers Einerseits- Andererseits- Rede in der ersten Sigung der Londoner Farce stelle„ ein geschichtliches Ereignis" dar. Wie es in Wirklichkeit mit den„ Segnungen" ausschaut, die Europas Völker von diesem großen Kaffeeklatsch zu erwarten haben, geht daraus hervor, daß Bryan einen am Montag eingereichten Antrag mildern mußte, damit er angenommen werde. Der Bryansche Antrag lautet in seiner verwässerten Fassung: ,, Wenn ein Streitfall zwischen Vertragsstaaten entstehen sollte, der nicht derart ist, daß er einem Schiedsgericht vorzulegen ist, so sollen die Staaten nicht zu irgendwelchen Feindseligkeiten schreiten, sondern zuvor einzeln oder gemeinsam, je nachdem es der Fall erfordert, um die Bildung einer internationalen Untersuchungskommission oder um die Vermittelung seitens einer oder mehrerer befreundeten Mächte nachsuchen. Ein solches Ersuchen soll gegebenenfalls gemäß Artikel 8 der Haager Konvention für die friedliche Regelung internationaler Streitigkeiten erfolgen." Und solche Zuckerivasser- Resolution lassen sich liberale ,, Politiker" In Oberhausen( Rheinland) beabsichtigt man, der seit einer Reihe von Jahren in Deutschland grassierenden Denkmalsepidemie 24. Juli: Auts Zürich erhält die Voss. 8tg." folgendes Telegramm vom energisch zu Leibe zu gehen, indem man, der nicht unzutreffenden Anschauung huldigend, daß„ Lächerlichkeit tötet", die DenkmalsWegen Verteilung antimilitaristischer Literatur unter das bauerei karifieren will. Die braven Oberhausener Patrioten sind aufgebotene Militär wurden mehrere Personen verhaftet, danäralich aus Freude darüber, daß das soeben dem Kronprinzenpaare runter zwei sozialistische Mitglieder des Kantonrates, Sigg in Berlin geborene erste Kind die Güte gehabt hat, als männ- und Rieder. Die Aburteilung erfolgt durch das Militärgericht. licher Sproß des Hohenzollernhauses die Welt zu erblicken, auf den genialen Einfall gekommen, zur Erinnerung an diese Tat einen els blod, geschmidt mit dem preußischen von der außerordentlichen Delegierten und VorständeDer Generalstreik in Zürich ist mit 213 gegen 97 Stimmen Einige bürgerliche Zeitungen finden den Plan lächerlich; wir bersammlung der Arbeiterunion abgelehnt worden. Er als Begleiterscheinung eines geschichtlichen Ereignisses" aufdurchaus nicht. Im Gegenteil, der Einfall der guten Oberhausener, soll jedoch vorbereitet und eventuell als Antwort auf behörd- schwindeln. auf diese Weise die ideale Geschmacksrichtung des deutschen„ aufhaust in Zürich und Umgebung wie die Kosaken in Rußliche Provokationen proflamiert werden. Die Kavallerie geklärten" Bürgertums und seine ästhetische Bildung zu karikieren, ist höchst originell. land. Adler, in Oberhausen zu errichten. " Die Eine Volksabstimmung über den Proporz. Serbien. Für das allgemeine Wahlrecht. Die Sozialdemokraten in Belgrad veranstalteten am Montagvormittag einen Demonstrations zug für das allgemeine Wahlrecht. Es beteiligten sich gegen 5000 Personen. Amerika. Frieden. Wie das Geld in den Kolonien verpulvert wird. Von der Kolonialwirtschaft in Putt- Kamerun teilt der Fränk. Stimmberechtigten des Kantons St. Gallen am Sonntag, 22. Juli, St. Gallen, 23. Juli.( Eig. Ber.) Zum dritten Male hatten die & Courier" einige Geschichtchen als Stichproben mit: Das Gouvernement von Kamerun hatte kürzlich auf Ver- nach dem Majoritätssystem, oder ob er in Zukunft nach dem Pro- vom Präsidenten derselben ein offizielles Telegramm, worin der darüber zu entscheiden, ob auch fernerhin der Große Rat( Landtag) Das Hamburger Konsulat der Republik San Salvador erhielt anlassung des betreffenden Ressortchefs beim Kolonialamt in Berlin fünf sechszöllige Troffen( Schiffstaue) bestellt. Jeder, der schon abgestimmt worden und das legtemal betrug die Mehrheit für Abschluß eines ehrenvollen Friedens zwischen den Republiken portionalsystem gewählt werden soll. Zweimal ist über diese Frage nur eine blaſſe Ahnung von Schiffssachen hat, weiß, daß darunter den Majorz nur wenige hundert Stimmen. Nun haben die ver- Honduras, San Salvador und Guatemala bestätigt wird. Trossen von 6 Zoll Umfang zu verstehen sind. Jm Berliner Kolonialamt war man nicht so gut unterrichtet: man schickte Katholiken abermals zirka 15 000 Unterschriften für ein neues interessante Kandidatennominierungen vorgenommen. Upton Sinclair, bündeten Minderheitsparteien: Sozialdemokraten, Demokraten und Für die Herbftwahlen hat die sozialistische Partei einige Troffen von 6 Boll Durchmesser! Nun kann drüben kein Mensch Initiativbegehren betreffend die Einführung der Proportionaldiese Riesentante gebrauchen! Dabei kostet jede dieser Trossen wahl des Großen Rates gesammelt, über das jetzt die Volts- der Verfasser des Romans" The Jungle", ist für den Kongreß als mindestens 1500 M.; also mindestens 7500 M. sind nußlos berKandidat aufgestellt worden. abstimmung stattfand. pulvert! Die Schuld an der unangenehmen Verwechslung tragen Die Partei in New Jersey hat natürlich die Herren in Berlin. Aber die zuständige Stelle in Gegenwärtig haben die Liberalen im Parlamente die Sinclair um seine Zustimmung gebeten, und er erklärte sich bereit, Kamerun hätte nun doch sofort dafür Sorge tragen müssen, daß Mehrheit, obwohl diese im Volke draußen für sie sehr zweifelhaft zu kandidieren. Ob er durchkommen wird, das ist leider ziemlich die Unglückstrossen zurückgeschickt würden. Dann wäre doch ein sozialdemokratische, sehr start benachteiligt, und es ist für sie im Verbandes, Haywood, als Staatsgouverneur nominiert. Haywood ist. Auf jeden Fall find die Minderheitsparteien, insbesondere die unwahrscheinlich. In Colorado hat die Partei den Sekretär des Bergarbeitergroßer Prozentsatz zu retten gewesen. Jedoch die Tau- Ungetüme Prinzip der einzige Weg gegeben, zu ihrem Rechte, der ihnen ge- figt im Untersuchungsgefängnis, angeklagt der Teilnahme an der liegen noch in Duala, der Hafenstadt von Kamerun, umher als Ruinen! Das meiste haben die Ratten schon weggeholt; und fämpften abermals- wie schon früher- die Einführung des Pro- Ermordung des Gouverneurs Steunenberg von Idaho. Die Partei bührenden politischen Machtstellung, zu gelangen. Die Liberalen bewer gerade etwas Tauwerk oder Werg braucht, fäbelt sich ein porzes in strupellosester Weise mit allen Mitteln, worin auch der erhebt mit seiner Nominierung Protest gegen die Verschwörung der Gildchen Lerunter. Es fehlte wie überall unter dem Regime Beweis ihrer Schwäche liegt. Wenn sie wirklich im Volte die Kapitalisten, die Haywood und die anderen Beamten des BergEingeweihten schauen mit melancholischem Spott auf die Tau- fie ihre Vertretung durch das eine oder durch das andere Wahlsystem streich" der Genossen in Colorado, wenn auch keine Aussicht sei, daß Mehrheit hätten, tönnte und müßte es ihnen ja gleichgültig sein, ob arbeiterverbandes ihrer Rache zum Opfer bringen wollen. Die New Yorker Volkszeitung" nennt diese Nominierung einen MeisterUeberreste, deren Vorgeschichte so unendlich charakteristisch für Kameruner Verhältnisse ist. erhalten. Die Tatsache, daß in den Kantonen Tessin, Basel, Solothurn, Haywood gewählt werden könne. Im Jahre 1904 erhielt Debs In Duala war kürzlich die Soda ein rarer Artikel. Warum? Schwyz, Freiburg und in der Stadt Bern der Proporz besteht und sich( als Präsidentschaftskandidat der Sozialisten) in Colorado 4304 und Das Gouvernement hatte 6000 Kilogramm davon in Berlin bestellt und außerdem 200 Kilogramm faustische Soda( Aegnatron). bestens bewährt hat, hindert die Liberalen nicht im mindesten, so Floaten als Gouverneurskandidat nur 2614 Stimmen bei einem Das Berliner Kolonialamt hatte die Sache umgekehrt und 6000 zu tun, als fei das Proporzbegehren etwas ganz unerhört Neues, Gesamtvotum im Staate von etwa 240 000 Stimmen! Damals Kilogramm taustische Soda, dagegen 200 Kilogramm gewöhnliche durch das Staat und Gesellschaft in die größte Gefahr gebracht und stimmten die Arbeiter in Massen für den Demokraten, um den beFür den bekannten Soda geſchicht! wäre nur, ein bißchen Sachverstand bei dem anderen Kantonen widerlegen diese albernen bemagogischen Phrasen Gewerkschaftsführer Haywood dürfte immerhin eine stattliche Die reichen Erfahrungen in den rüchtigten Arbeiterfeind Peabody zu stürzen. Effettuieren des Kameruner Auftrags maßgebend gewesen, so hätte vollständig. Trotzdem haben sie auf urteilslose Stimmberechtigte Stimmenzahl zu erwarten sein. dieje fatale Verwechslung nicht vorkommen können, denn Fabrik wieder die gewollte Wirkung ausgeübt und den liberalen Demagogen betriebe, die solche Mengen faustischer Soda verbrauchen könnten, tausende solcher Elemente zugeführt. gibt es noch nicht in Kamerun; andererseits hätte sich ein Sachverständiger in Berlin sogleich gefragt, wie weit denn die paar hundert Pfund gewöhnliche Soda reichen sollten selbst wenn die Verwechslung dem Kameruner Gouvernement passiert wäre. Nun mußte man in Kamerun die nötige gewöhnliche Soda für teures Geld von den Engländern kaufen, während die kaustische Sode in den Eisenblechkästen verdirbt, weil für den ungeheuerlichen Ueberfluß feine Verwendung ist. Natürlich hätte auch hier der Ueberschuß sofort zurückgeschickt werden müssen. Aber das ge schah nicht. tief erschüttert würden. So kam es denn, daß der Proporz wiederum, und zwar diesmal mit 26 701 gegen 26 153 Stimmen, unterlag! Damit ist die Lösung ist nur verschoben. Die kleine Mehrheit von 548 Stimmen Angelegenheit natürlich nicht endgültig entschieden, sondern die werden und müssen die verbündeten Minderheitsparteien überwinden, und nach Verlauf von wenigen Jahren wird neuerdings der Versuch zur Einführung der Proportionalwahl gemacht werden. Frankreich. Die barmherzigen Bergherren. Einem Unterbeamten in Duala war ein Fenster eingeschlagen worden. Ein neues Glas muß eingesetzt werden. Das Courrières, 24. Juli. Die Witwen der Opfer der Grubengefchieht auch aber hübsch auf dem Instanzenwege! Zunächst fatastrophe wurden in Kenntnis gesetzt, daß sie von jetzt ab für die wird auf dem Bezirksamt ein Protokoll aufgenommen über den von ihnen bewohnten Häuser oder Wohnungen Miete zu zahlen wichtigen Fall. Das Protokoll wird dem Bezirksamtmann, dem haben oder die Häuser räumen müßten. Regierungsrat, vorgelegt. Dieser setzt seinen Namen darunter. Jezt wandert die Akte zum Ressortchef, dem Architekten, zur Aeußerung. Der Architekt kann nur bestätigen, daß das Fenster eingesetzt werden muß. Gut! Das Schriftstück geht mit einem Belgien. König Kleopold. Seit mehreren Tagen beschäftigt sich der„ Peuple" wieder mit entsprechenden Vermert zurück ins Bezirksamt und wird König Leopolds Liebschaften. Die Artikel, die diese Angelegenheiten bom Sekretär qufs neue dem Bezirksamtmann vorgelegt. erörtern, find garniert mit Porträts der Erkorenen, mit Bildern aus Dieser verfügt, daß die Akte an den Ressortchef zurückgebracht den Landschaften, in denen der alte Knabe seine Schäferſtündchen werde: zur Ausführung. Jetzt endlich kann die Einsetzung hielt und hält, mit Karikaturen, die den angeblich ein wenig pervers des Fensters erfolgen! Der bauliche Eingriff to stet gearteten Johannistrieb Leopolds verspotten, und mit der bekannten höchstens 1,20 m. Rechnet man aber die Zeit, welche Momentaufnahme, die Leopold und seine Liebste," Frau Baronin Sekretär und Bezirksamtmann und Ressortchef und Boten an der von Vaughan", auf einem Spaziergang am Cap Ferrat darstellt. Atte verschwendet haben, in Geld um, so kostet die Einsetzung des Wenn die Veröffentlichungen in allen ihren Einzelheiten richtig sind, neuen Glases mindestens 15 M. Dabei liegt das Haus so ist Leopold gar auf die allerdings bei Königen nicht gerade ge= mit dem eingeschlagenen Fenster vielleicht 20 Meter von dem wöhnliche Liebhaberei verfallen, sich an den pikanten Freuden eines Amtssige des Ressortchefs und vielleicht 60 Meter von dem Amts- fogenannten„ dreieckigen Verhältnisses" zu erlaben. size des Bezirksamtmanns. Aber der ſtanzenweg muß innegehalten werden geheiligte InDie katholische Presse ist natürlich empört über die Sittenlosig keit des„ Peuple". Es gefällt ihr nicht, daß da erzählt wird, Wenn es sich um Strafexpeditionen gegen Eingeborene oder wie Leopold am selben Tage, da seine königliche Gemahlin begraben um Todesurteile gegen Schwarze handelt, können das beweisen wurde( Sept. 1902), den Schmerz" in den Armen einer seiner die Atten des Fall Peters! unsere Kolonialbureaufraten gelegent- Freundinnen" erstickte. Es gefällt ihr nicht, daß der Dritte im lich ein erstaunlich abgekürztes Verfahren belieben! Militärische Erziehungskünfte. Straßburg, 23. Juli.( Eig. Ber.) Rio de Janeiro, 24. Juli. Der Panamerikanische Kongreß wurde gestern abend eröffnet. Es sind Vertreter aller südamerikanischen Stepubliken mit Ausnahme von Venezuela, Haiti und San Domingo erschienen. Rio Branco leitete die Sigung und hielt die Begrüßungsgreß den brasilianischen Gesandten bei den Vereinigten Staaten von ansprache. In einer vorbereitenden Versammlung wählte der KonNord- Amerika, Nabuco, zum Präsidenten und beschloß eine Dankadresse an Präsident Roosevelt und Präsident Porfirio Diaz für ihre Vermittelung zivischen Guatemala, Salvador und Honduras. Australien. Eine Lektion. Mitte Mai liefen drei japanische Kreuzer zu achttägigem Befuche in Melbourne ein. Die Bundesregierung, der Staat Vittoria, die Spizzen der Munizipal und Militärbehörden waren aus dem Häuschen und glaubten, ganz Australien hätte fich einem Freudenrausche ob der Hohen Ehre und Auszeichnung hingeben müssen. Um so größer war das Erstaunen, als der Admiral Schimamura, der an Bord seines Flaggschiffes eine Abschiedsfeier veranstaltete, von dem gleichfalls geladenen sozialistifchen Senator Dawson, dem früheren Verteidigungsminister im Stabinett Watson, einen bösen Nasenstüber erhielt. Dawson nämlich beantwortete Schimamuras Einladung mit folgendem Briefe: Unter Anerkennung der mir durch die Einladung erwiesenen Höflichkeit muß ich dieselbe ablehnen. Es wäre pure Heuchelei von meiner Seite, Sie, Herr Admiral, lächelnd zu begrüßen, mich an Ihren Tisch zu setzen, die vorgetragenen Speisen zu verzehren, Ihre Weine zu trinken und Ihre Zigarren zu rauchen, während ich trot voller Anerkennung Japans, als einer klugen, tapferen und progressiven Nation, durchaus kein Vertrauen zu derselben befize. Auch wird es meine Pflicht werden, Sie an verantwortlicher Stelle feindlich zu kritisieren. Meiner Ueberzeugung nach muß der Tag tommen, wo Australien die Lobhudeleien, mit denen es Sie während dieser Woche überschüttet hat, tief bereuen wird. Ob ich recht oder unrecht habe, wird die Geschichte lehren." Gewerkschaftliches. Arbeiter für San Francisco verlangt? " Bunde, der Herr Baron von Vaughan", als ein ganz ordinärer Buhälter geschildert wird, der dem alten Herrn gar manches Mal das Bett vorgetärmt haben soll! Es gefällt ihr nicht, daß gezeigt wird, wie ein liebloser Water, ein gefühlloser föniglicher Eheherr doch ein so prächtiger Liebhaber sein kann. Es gefällt ihr nicht, Wir berichteten neulich von dem bezeichnenden Fall, in dem ein daß ein so" frommer" katholischer Monarch als Don Juan schlimmster Für San Francisco werden Arbeiter verlangt; in Soldat des sächsischen Infanterie- Regiments Nr. 105 militärischer Observanz charakterisiert wird. Und doch sollte gerade diesen deutschen Zeitungen( wie auch im Vorwärts") finden sich Erziehungskunst zum Opfel fiel: in der Garnisonschwimmanstalt Frommen" das Herz im Leibe lachen, wenn sie lesen, wie der liebe Anzeigen, die sehr verlockende Löhne in Aussicht stellen: für ertrant ein Soldat, der trotz seiner Furcht vor dem Wasser und Gott auch noch im 20. Jahrhundert biblische Wunder vollbringen ungelernte Arbeiter, Handlanger, 10 M.; für Handwerker feiner Angstschreie lange im Wasser gehalten worden war. Wir tann. Ward doch dem Könige, als er bereits 71 Jahre zählte, nach 28-32 M. Tagelohn. Solchen Anerbietungen gegenüber schrieben auch nach hiesigen Blättern, die die Meldung gebracht einer dem„ Peuple" vorliegenden Abschrift des Geburtsdokuments dürfte einige Aufklärung über die Verhältnisse in San hatten, ohne daß irgend ein Dementi erfolgt war, am 8. Februar 1906 um 11 Uhr vormittags von Frau Baronin Francisco wohl am Blaze sein. In erster Linie dürfen von Vaughan" ein Sohn geschenkt. Die Geburtsurkunde spricht daß der anwesende Unteroffizier dem Schwimmlehrer den Befehl allerdings von einem„ unbekannten Vater", aber diese Wendung ist amerikanische Unternehmer fcine Arbeiter im Auslande konerteilte, den ängstlichen Schüler noch„ Wasser schlucken zu nicht etwa einer schamhaften Regung von töniglicher Selbsterkenntnis traktlich anwerben. Durch cin Bundesgesetz ist solchen Ar Tassen". Hierüber sei das das Opfer Opfer der schneidigsten Er- und Wahrheitsliebe zu danken, sondern nur dem Wunsche, den jetzt noch beitern die Landung in Amerifa nicht gestattet. ziehungskunst derart in Angst geraten, daß er die Leine kleinen Lucien- Philippe- Marie- Antoine vor dem fatalen Vergnügen zu Sie werden zurückgesandt und haben ihr Fahrgeld verloren. ergriff, die zerriß oder den Händen des Lehrers entglitt bewahren, dereinst als Bastard von zweifelhafter Blaublütigkeit in Nun mag mancher recht schlau sein wollen und denken:" Ja, der Soldat ging unter und ertrant trotz der sofort vorgenommenen, den Gothaischen Hofkalender wandern zu müssen. davon braucht man nichts zu verraten; das behält man hübsch aber vergeblichen Nettungsversuche. Der gute Herr war nie ein Kostverachter. Er soll sein weites still für sich. Aber die Sache ist doch nicht so einfach. Der Nun hatten sich vor dem Kriegsgericht der aufsichtführende Herz nicht nur den Damen der Halbwelt zugewendet, sondern sich Artciter muß über Barmittel bei der Landung verfügen( ein Leutnant Fischer und der Gefreite Heller wegen Un- auch mit wechselnden Erfolgen zu einfachen Bergarbeiterfrauen verheirateter Arbeiter muß wenigstens 200 M. in der Tasche gehorsams gegen einen Befehl in Dienstsachen zu verantworten. gnädigst herabgelassen haben. Weniger intereffieren uns die Einzelheiten über die Höhe der haben) und er muß den vielfachen anderen EinwanderungsIn der Verhandlung war aber seltsamerweise von dem Unter- Renten, die Leopolds Freundinnen" beziehen, und über den Lurus bestimmungen genügen. Davon abgesehen, ist der im Ausoffizier nicht die Nede! Die dort erfolgte Darstellung der Wohnungen, die der steinreiche Mann seinen Maitressen in Paris, lande abgeschlossene Vertrag ungültig und ergab folgendes Bild: Der Leutnant habe den Befehl erteilt, Brüssel und wo sonst noch in aller Welt einrichtete. Auch daß seine der Arbeiter dem Unternehmer auf Gnade und Ungnade über Deutsches Reich. Die Aussperrung im Buchbindergewerbe. Ausland. Um den Achtstundentag. " 1 9 - mit fiefert. Die angeführten Löhne werden den amerikani- Bau Kahnert; Ober- Schöneweide, Wattstr. 14. Gestern haben 300 waltigen Krach unter den Mülheimer Bundesbrüdern geführt. Wie schen Arbeitern in San Francisco gezahlt, aber auch nur als Bauhandwerker am Bau des Hotels Kaiserhof" aus Solidarität sich nämlich jetzt herausstellt, ist die von den braven„ Christen" er Ausnahmelöhne und weil die Gewerkschaft dahinter mit den Glasern die Arbeit niedergelegt. Sie waren von Arbeits- folgte Gründung des neuen Verbandes unter der Voraussetzung er steht und für ihre Mitglieder diese Löhne erkämpft willigen wahrheitswidrig des Diebstahls beschuldigt worden. Jetzt folgt, daß die Mülheimer Gruppe der Bundesbrüder sich auf was für die Christen die Hauptsache war berlangen sie, daß die Fensterflügel, die dort von arbeitswilligen lösen und hat. Und nur eine einzige Gewerkschaft hat den hohen Lohn Kleinfrautern zum Verglasen abgeholt worden sind, unverglast ihrem gesamten Vermögen zu der neuen christlichen Gevon 28--32 M. pro Tag durchgesetzt, das sind die Maurer, wieder retour gebracht werden, widrigenfalls sie die Arbeit nicht werkschaft übertreten werde. Die Bundesbrüder jedoch, aber nur die besten Maurer erhalten diesen Tagelohn. wieder aufnehmen wollen. Diese Forderung wurde in der Ver- selbst vom„ Stamme Nimm", wollen ebensowenig ihre Mülheimer Zimmerer und Schreiner bekommen nur 14-18 M. pro Tag. fammlung als äußerst zweckmäßig bezeichnet, weil die Unternehmer Ortsgruppe auflösen wie ihre Kaffe opfern. Da zur Auflösung der ( Es handelt sich überhaupt nur um Bauarbeiter.) Demgegen- die Fensterflügel öfters des Nachts von den Bauten holen lassen Ortsgruppe eine Neunzehntel Stimmenmajorität erforderlich, diese über stehen aber nun die hohen Preise für Waren aller Art und, nachdem sie von den Arbeitswilligen während der Woche zu aber für die christliche Richtung nicht zu bekommen ist, so sind die und auch für Lebensmittel, die seit dem Erdbeben in San Hause verglast worden sind, des Sonntags.wieder fertig nach den opponierenden Bundesbrüder formell im Recht, wenn sie die HerausBauten geschafft werden. Beschlossen wurde noch, ein entsprechendes gabe der Gelder verweigern. Der neue Verbands= Francisco außerordentlich gestiegen sind. Ein Arbeiter Flugblatt unter die Bauhandwerker zu verteilen. Nach den ein- vorfißende" Brückt, der bisherige Bundesgefellenhäuptling, mangel besteht in San Francisco nicht, mütigen Ausführungen aller Redner sehen die Glaser der Weiter- hat die Tür zu dem Mülheimer Bundesverein von draußen zumachen wie jüngst erst der staatliche Arbeitskommissär von Kalifornien entwickelung des Streits mit Ruhe und Zuversicht entgegen, meil müssen und harrt mun, bis seine wenigen Getreuen im Bunde amtlich bekannt gegeben hat. Ebenso haben sich die Gewerk- ein erheblicher Teil der Meister von der Aussperrung bereits einen mit den braven„ Brüdern in Christo" ihm anderweitig die Verschaften von San Francisco dagegen verwahrt und ihren fo enormen Schaden erlitten hat, daß er im Stillen lieber heute bandsleitung" zurecht machen. Wie wär's mit M.- Gladbach? Arbeitsbrüdern im Osten der Vereinigten Staaten erklärt, wie morgen den Frieden herbeisehnt. daß der Arbeitsmarkt in San Francisco feine besonderen Chancen für sie bietet. Zu den angeführten Löhnen können die Unternehmer massenhaft amerikanische Arbeiter bekommen. Ist das keine Erpressung? könnte man unwillkürlich fragen, wenn Wenn sie deutsche Arbeiter anwerben, so wollen sie von vorn- man den folgenden Brief liest: herein billigere Arbeiter haben. Nach dem Erdbeben hatten die Gewerkschaften erklärt, daß sie die für sie günstige Lage nicht ausbeuten wollten und zu denselben Löhnen weiter arbeiten würden wie bisher. Dafür wurde ihnen ihnen uneingeschränktes Lob von der Unternehmerpresse zuteil. Für so dumm hatte man die Gewerkschaften kaum gehalten. Diese waren nämlich naib genug, zu glauben, daß die Kapitalisten mit ihren Preisen auch nicht in die Höhe gehen würden. Nun setzte aber eine große Teuerung ein in Wohnungsmieten, Warenpreisen und Lebensmitteln, und die Versuche der organifierten Arbeiter, die hier und da gemacht wurden, höhere Löhne zu erzielen, wurden als Verbrechen, als Wortbruch angesehen. Jetzt bemüht man sich, im Auslande Arbeiter anzuwerben, entgegen den Landesgeseßen, und prahlt und lockt mit 28-32 M. Tagelohn, die gezahlt werden könnten. Vorsicht gegenüber den Lockungen von San Francisco ist geboten! " Berlin und Umgegená. bom Sonnabend, den 21. d. M. Achtung! Schlosser! Die Firma Schiffner u. Cie. übersendet dem Vorwärts" eine Berichtigung gegen unsere Notiz Die Firma führt dort zahlenmäßig an, daß teiner der dort, beschäftigten Arbeiter unter 60 Pf. Stundenlohn erhält. Diese Aufführung ist unwahr! „ Berliner Buchbinder- Inmung. Das Syndikat der städtischen Arbeiter zu Paris hat im Stadtrat eine Petition eingereicht, in welcher gefordert wird: 1. Die Einführung des Achtstundentages für alle städtischen Arbeiter; 2. tie Gewährung der Sonntagsruhe an alle städtischen Arbeiter; 8. der Jahreslohn jedes Arbeiters soll so erhöht werden, daß er den wirklichen Tageslohn multipliziert mit 365 erreicht. Ein Landarbeiterstreit. Berlin SW. 11, 5. 10. Juli 1906. An den Vorstand des Deutschen Buchbinder- Verbandes zu Händen des Herrn Emil Kloth hier. Hierdurch mache ich Ihnen im Auftrage der Berliner Buchbinder- Inmung die Mitteilung, daß in der gestrigen Quartalsbersammlung einstimmig beschlossen wurde, die feitens der organiDie erst seit einigen Wochen gewerkschaftlich organisierten Landsierten Gesellenschaft in einem Minimallohutarif niedergelegten arbeiter der Gegend von Brie und Mormant( südöstlich von Paris) Forderungen energisch abzulehnen. Sollte bis zum 21. Juli d. I. haben, nachdem ihre Forderungen zweimal von den Gutsbesizern eine Einigung des Verbandes deutscher Buchbindereibefizer mit zurückgewiesen waren, den Streik erklärt. Zu Champdeuil, wo die dem Deutschen Buchbinder- Verband nicht stattfinden, so haben sich Bächter schon lange die Löhne erhöht hatten, streiken die Arbeiter die Junungsmeister verpflichtet, die in ihren Betrieben ebenfalls aus Gründen der Solidarität. Wie die„ Humanité" bebeschäftigten organisierten Gefellen zu entrichtet, erhalten die dortigen Arbeiter 2,50 bis 3 Fr. pro Tag, was Lassen und nur Gesellen zu beschäftigen, die dem Deutschen zu einem einigermaßen menschenwürdigen Dasein ausreicht. Buchbinder- Verbande nicht augehören. werden die deutschen Landarbeiter ebensoweit sein? Hochachtungsvoll Die Berliner Buchbinder Jnnung Slaby, Obermeister. Da bald hier bald da Arbeiter und Arbeitervertreter wegen Erpressung im„ Rechtsstaate" Deutschland angeklagt und verurteilt werden, so hielten wir eine Veröffentlichung des obigen Dokuments im Wortlaute für angebracht, um zu zeigen, was sich Unternehmer ungestraft erlauben dürfen. Der Vorstand des Buchbinder- Verbandes hat kühl und ge= messen geantwortet, daß er selbstverständlich den Wunsch nach einem bald eintretenden Frieden im Gewerbe hege, fügt aber zum Schlusse in seinem Antwortschreiben an die Innung hinzu:„ Die von Ihnen angedrohte Aussperrung fann uns jedoch in feiner Weise beeinflussen, anders zu handeln, als wie es die Interessen unserer Mitglieder von uns erfordern." Es sind jetzt noch bei den Streikenden 2 Kollegen, deren Lohn unter 60 Pf. pro Stunde ist Daß nun die Firma auch mit dein Paradelohn von 80 Pf. pro Stunde brillieren will, ist uns verständlich, leider müssen wir ihr diese Illusion zerstören. Erstens ist der Betreffende, der 80 Pf. Stundenlohn bezieht, kein Seit den„ Einigungs"-Verhandlungen in Leipzig, die am 14. Schlosser, sondern ein Spezialarbeiter, und zweitens erhalten diese und 15. Juli zwischen den beiden Verbänden stattfanden, haben nicht Spezialarbeiter bei anderen Firmen bis zu 1 M. Stundenlohn. nur die öffentlichen Versammlungen in den drei Tarifstädten Berlin, Daß mir, wenn wir für die Kollegen einen Mindestlohn von Leipzig und Stuttgart den Friedensvertrag vom 15. Juli abgelehnt, 60 Pf. fordern, auch die Kollegen, welche diesen oder einen höheren sondern über den Verbandsvorstand hat sich eine wahre Flut von Protesten Lohn schon zurzeit beziehen, nicht leer ausgehen lassen wollen und aus den übrigen Mitgliederkreisen ergossen, die alle in dem Ausrufe auch für sie eine Lohnzulage fordern, ist doch selbstverständlich. sich entladen: Lieber eine tariflose Zeit, als solch ein Afterding Die Kollegen bei den Firmen, welche gleiche Arbeit verfertigen, von Tarifvertrag". Und dem kann man aus voller Ueberzeugung verdienen fast überall bedeutend höhere Löhne als bei der Firma beipflichten, mag man auch enragierter Anhänger von Tarif Schiffner. Bei einem einigermaßen guten Willen oder Entgegen gemeinschaften sein. Uebrigens brennt es den Arbeitgebern mächtig kommen seitens der Firma wäre sicher auch eine Einigung zu auf den Nägeln, und von welcher Beschaffenheit das Rausreißer stande gekommen. Es liegt für uns demzufolge keine Veranlassung personal ist, geht daraus hervor, daß eine große Firma in bor, von unserer Zuschrift aus der Sonnabendnummer abzugehen. Leipzig fich bereit erklärte, das gesamte ausgesperrte Personal bis Daß das„ Reich" des Stöcker Veranlassung nimmt, aus diesem auf zwei Personen, die das Geschäft beleidigt haben sollen, wieder Fall Kapital zu schlagen und auf die sozialdemokratischen Arbeiter- einzustellen, sobald der Kampf beendet sein wird. organisationen und ihre Führer zu schimpfen, ist selbstverständlich. Großbuchbindereibefizer Leipzigs hat seine Geschäftskommission zur Die Geschorenen wie die Gescheitelten sind heute noch dieselben Verhandlung eingeladen, weil ein großer Kunde auf Lieferung twie zu der Zeit, als sie eine in seiner Disputation so föstlich bringt. Noch hält der Solidaritätsfitt die Arbeitgeber zusammen, gezeichnet hat. aber fester und zum weiteren vielwöchentlichen Ausharren bereit und Seine reduzierten Forde Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes. gerüstet steht der Buchbinderverband da. Achtung! Metallarbeier! Die Kesselschmiede der Firma rungen sind im Hinblick auf die Lohnerhöhungen in anderen Gewerben lächerlich gering zu nennen. Schwarzkopff, Werk Wildau, befinden sich im Streit. Und eine Industrie, die solche geringe Erhöhungen nicht zu Kollegen sind nicht gewillt, die dort üblichen Ueberstunden zu arbeiten. Beteiligt find insgesamt 129 Kollegen. Zuzug ist fern- tragen vermag, hätte in der Tat ihre Existenzberechtigung verwirkt. Aber glücklicherweise steht es mit der Buchbinderei nicht so zuhalten. und da die Verbindung zwischen den beiden Verbänden im BuchOrtsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes. bindergewerbe nicht ganz abgebrochen, so ist zum mindesten nicht Der Streit der Gummiarbeiter bei den Vereinigten Berlin- ganz ausgeschlossen, daß noch eine Verständigung und damit eine Frankfurter Gummiwerken hat eine Erweiterung erfahren. Die Beendigung des nun schon drei Monate lang tobenden Kampfes einBewegung hat sich auch auf das Berliner Werk ausgedehnt. 3u treten wird. Zwar munkelt man, daß Kräfte in Tätigkeit sind, die zug von Gummiarbeitern ist unbedingt fernzuhalten. eine erweiterte Aussperrung a la Berliner Buchbinderinnung Achtung! Hausdiener, Lagerarbeiter! Die Unternehmer der inszenieren wollen, allein auch mit einer solchen Eventualität rechnet Bau- und Blei- Glasereien bersuchen während der Aussperrung der der Buchbinderverband und wird ihr ebenso schlagfertig zu beGlaser die Hülfsarbeiter zur Verrichtung von Glaser- gegnen wissen, wie er allen Angriffen sich bisher gewachsen zeigte. arbeiten heranzuziehen. Vor einiger Zeit ist es im Betriebe zu einem annehmbaren Frieden ist er jedoch jederzeit bereit. 3. Salomonis zu Differenzen gekommen und legten die dort beschäftigten, Hülfsarbeiter die Arbeit nieder. Am Dienstagbormittag haben sich auch die Hülfsarbeiter der Firma J. Schmidt Die Wann Der norwegische Bäckerstreit dauert noch immer fort bei den Meistern und in den Städten, wo die Forderung der Gesellen, die durch das neue Gesetz teilweise wieder zugelassene Nachtarbeit nicht einzuführen, nicht bewilligt ist. Langwierige Verhandlungen, die zur Beilegung des Streits geführt wurden, sind Ende voriger Woche gescheitert, und zwar daran, daß die Arbeitgeber die in einigen Städten von den Bäckermeistern eingegangene Verpflichtung, keine unorganisierten Gesellen zu beschäftigen, durch das beratene allgemeine Uebereinkommen beseitigt wissen wollten, die Vertreter der Arbeiter aber diese einmal erreichten Vorteile nicht preisgeben wollten. Die Angelegenheit ist jetzt dem Hauptvorstand der Norwegischen Arbeitgebervereinigung und dem Sekretariat der Landesorganisation der norwegischen Gewerkschaften überwiesen worden. Verfammlungen. Zentralverband der Stukkateure. Die am Montag abgehaltene Generalversammlung der Filiale Berlin nahm die Abrechnung vom 2. Quartal entgegen. Die Abrechnung der Hauptkasse schließt mit 5729,87 M. Ausgegeben sind unter anderem für Reiseunterstüßung 392,46 M., Sterbegeld 100 M., Rechtsschutz 236,36 M. Die AbDer Bestand rechnung der Filialkaffe schließt mit 22 263,69 m. beträgt 18 388,16 M., für Streitunterstübung sind 783,60 m. ausgegeben. Den streifenden Buchbindern und Lithographen bewilligte die Versammlung je 250 M. außer dem, was auf Listen Ein anderer gesammelt wird. Der Vorsitzende teilte mit, daß nach der Erhöhung der Portosäße die Versendung des Fachblattes durch die Post wöchentlich 54-60 M. fosten würde, während die Bestellung durch die Batetfahrt nur 36 M. fosten würde. Der Vorstand wurde beauftragt, mit der Paketfahrt wegen Beförderung des Blattes in Verbindung zu treten. Hierauf tamen einige Anträge zur Debatte, die schon eine frühere Versammlung beschäftigt haben. Die Anträge beziehen sich auf die Tattit bei Lohnbewegungen auf einigen Bauten, bei denen Meinungsdifferenzen awischen den betreffenden Mitgliedern und der Ortsverwaltung entstanden sind. Angenommen wurde ein Antrag, welcher die Taktik der Mitglieder billigt. Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf die Aufstellung von Normen, welche bei Be schleunigung großer Arbeiten zu beachten sind. Es handelt sich besonders um die Frage, ob Ueberstunden- und Nachtarbeit geleistet werden darf und wie dieselbe zu regeln ist, wenn die Beschleunigung von Arbeiten notwendig ist. steht auf dem Standpunkt, daß die Arbeiterschaft der dringenden Beschleunigung größerer Arbeiten nicht entgegen sein kann, wenn Dabei die gewerkschaftlichen und hygienischen Forderungen erfüllt werden. Die Orisverwaltung empfiehlt die Innehaltung folgender Normen: Ueberstunden und Sonntagsarbeit sind abzulehnen, besonders, so lange Arbeitskräfte vorhanden sind, und so lange Blak Die ganze zum Einstellen weiterer Hülfskräfte vorhanden ist. Arbeitsstätte muß genügend, und zwar nicht durch Gasäter bea leuchtet sein. Es ist möglichst nur zweifacher Schichtwechsel erft dann zulässig, wenn für die Arbeitenden feststeht, daß am Tage eine genügende Zahl von Kollegen an der Arbeit stehen. Tag und Nacht dauernde 24stündige Arbeitsführung sowie Affordarbeit ist überhaupt abzulehnen. Die Einteilung der zweifachen Schicht ist so zu regeln, daß die erste Schicht 8 Stunden, von morgens 7 bis nachmittags 4½ Uhr, die zweite Schicht 6 Stunden, von nach mittags 4% bis nachis 12% Uhr mit den entsprechenden Pausen währt. Für jede Schicht ist ein Einheitslohn nicht unter 9 m. Nach längerer Debatte wurden diese Normen an zu zahlen. Wie uns in letter Stunde noch mitgeteilt wird, hat der Ver( Inh. M. Bleistein) durch Verweigerung der Streitarbeit solidarisch band deutscher Buchbindereibesitzer weitere Einigungsverhandlungen erklärt und den Betrieb verlassen. In dieser Firma werden abgelehnt und will sogar seine Zugeständnisse vom 15. Juli wieder namentlich Arbeiten, die sonst unter gewöhnlichen Verhältnissen zurückziehen, falls nicht bis zum 26. Juli die Arbeit in allen nur auf Bauten ausgeführt worden sind, jetzt im Betriebe Betrieben in Berlin, Leipzig und Stuttgart wieder aufgenommen Da hieran nicht gedacht werden kann, so geht also der bersucht fertig zu stellen, und sollte eine Kolonne Hülfsarbeiter wird. zum Einfeßen herangezogen werden. Zuzug ist fernzuhalten. Die Kampf in verschärfter Weise weiter. Betriebe sind gesperrt. Die Sektionsleitung der Hausdiener usw. Eine Glaferaussperrung hat in Köln stattgefunden. Die Firma Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter. J. Wimmersberg Nach f. hatte organisierte Glaser entlassen und unorganisierte eingestellt. Als die Firma die Wiedereinstellung Zur Aussperrung der Glafer. der Gemaßregelten schroff ablehnte, legten die übrigen Arbeiter die Bei den Unternehmern brödelt es. Wie in der Arbeit nieder. Die Vereinigung der Kölner Glasereien forderte die Gehülfenorganisation auf, zu veranlassen, daß bis anderen Mittag gestrigen Streifversammlung der Glaser mitgeteilt wurde, verschickt die Arbeit wieder aufgenommen werde, widrigenfalls alle organi genommen. Die Ortsverwaltung Die Leitung der Unternehmer ein Zirkular über das andere, um die fierten Glaſergehülfen Kölns ausgesperrt würden. Da die Verbands Letzte Nachrichten und Depefchen. Bis Das Programm der Gewalt. Petersburg, 24. Juli.( Meldung der Petersburger Tele werten Kollegen" dringend zu ermahnen, doch Stange zu leitung darauf nicht einging, fand die Aussperrung statt. halten. In wahrhaft rührenden Klagetönen wird dort darüber Montagabend waren bereits mehr als fünfzig Glaser entlassen. Die gejammert, daß eine Anzahl Meister nach und nach wantelmütig geworden seien und fich offensichtlich mit dem Gedanken unausgesprochene Absicht bei diesem Gewaltaft ist, die Arbeiter zur mütig geworden seien und sich offensichtlich mit dem Gedanken Anerkennung des von den Unternehmern ausgeheckten unannehm graphen- Agentur.) Der Präsident des Ministerrats und Minister tragen, die Forderungen der Streikenden und Ausgesperrten an- baren Tarifs zu zwingen. des Innern Stolypin hat unter dem 24. Juli an die Generalzuerkennen. Um mun die Wankelmütigen wieder zu festigen, bestreiten die Oberzünftler schlankweg die Angaben der Streil Die Dachdecker in Köln befinden sich in einer Reihe von gouverneure, Gouverneure und Präfetten sowie an den kaiserLeitung, daß bereits 22 Firmen die Forderungen des Glafer- Geschäften im Ausstande. Von den in Frankfurt a. M. streifenden lichen Statthalter des Kaukasus folgendes Telegramm gerichtet: Berbandes unterschriftlich anerkannt hätten. Demgegenüber stellte Dachdeckern hatten in Kölner Geschäften eine Anzahl Arbeit gefunden. Gemäß den vom Kaiser erteilten Weisungen und zum Zwede einer die Streifleitung fest, daß jetzt bereits 39 Firmen die Forde- Am Montagmorgen wurden auf Veranlassung des Arbeitgeber vollen Vereinheitlichung der Tätigkeit der örtlichen Behörden, rungen bewilligt haben. Allerdings haben die meisten Firmens verbandes für das Baugewerbe in Köln die Frankfurter wieder ent mache ich Ihnen davon Mitteilung, daß die Regierung von Ihnen inhaber gebeten, ihre Namen nicht zu veröffentlichen, weil laffen. Als Antwort auf diese Herausforderung legten sämtliche eine unverzügliche, bestimmte Unterweisung der Ihnen unter es ihnen sonst schwieriger werden würde, die rigoros gehandhabte Gehülfen in den in Betracht kommenden Geschäften die Arbeit stellten Behörden verlangt, damit die Ordnung schnell und sicher und ohne Mißgriffe wieder hergestellt wird. Ruhestörungen müssen Materialsperre zu umgehen, was andernfalls ziemlich bequem möglich nieder. Mitteln ist. Gegenwärtig arbeiten über 200 Mitglieder zu den neuen Be In der chemischen Fabrit von Honigmann in Würselen bei unterdrückt, revolutionäre Anwandlungen mit allen dingungen. Im Streik resp. in der Aussperrung befinden sich lachen haben 150 meist dem christlichen" Metallarbeiterverbande niedergehalten werden. Die gefeßlichen Maßnahmen, die Sie erIn einem anderen Zirkular fordert die Arbeitgeberkommission angehörende Arbeiter wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. greifen, sind genau zu erwägen. Der Kampf richtet sich gegen die die Meister auf, die Namen der Streifenden und Ausgesperrten Die Firma bat teils im benachbarten Holland Arbeitswillige an- deinde der Gesellschaft, nicht gegen die Gesellschaft selbst. Infolgegenau anzugeben. Wahrscheinlich soll auf diese Weise eine geworben, teils sollten die Arbeiter der dem Herrn Honigmann deffen sind Unterdrückungsmaßnahmen in großem Stile nicht zu Irgend einen gehörenden benachbarten Grube Nordstern" als Streitbrecher dienen. billigen. Ungefeßliche und unkluge Handlungen, die Unzufrieden fchwarze Liste zusammengestellt werden Bergarbeiter- heit statt Beruhigung schaffen, dürfen nicht geduldet werden. Die nennenswerten Erfolg dürfte diese Maßnahme bei der guten Or Die Grubenarbeiter haben das aber in drei von den Bergarbeiter Absichten des Kaisers sind unerschütterlich. Die Regierung ist feſt entschlossen, durch Beseitigung und Aenderung der alten, ihren ganisation der Glaser jedoch kaum haben. Um so wertvoller find berbänden einberufenen Versammlungen einmütig abgelehnt. Solidaritätsbezeugungen der Bathand-" Es wär' so schön gewesen" usw. Vor einigen Tagen berichtete 3wed nicht mehr entsprechenden Gesetze auf gesetzlichem Wege werter zugunsten der Streikenden. Auf folgenden Bauten ge- der Vorwärts" aus Mülheim a. d. Ruhr die Gründung einer Hülfe zu schaffen. Das alte Regime wird eine Verjüngung er „ gelben" Gewerkschaft unter dem Namen fahren, doch muß die Ordnung vollständig aufrechterhalten werden. lang es während der letzten Woche den Bauhandwerkern, die An- neuen fertigung von Streitarbeit zu verhindern: Pragerplatz 2 und 3; 3entralverband christlicher Brauer, Küfer und Sie müssen also in dieser Hinsicht eigene Initiative zeigen, da auf Straße 64a an der Reinickendorferstraße; Nonnendamm, Schudert berwandter Berufsgenossen". Nachträglich scheinen nun Ihnen die Verantwortung ruht. Ein entschiedener und energischer vert; Schöneweide, Edisonstr. 42; Friedrichsberg, Ede Bahnhof; die Herren Bundesgesellen in Mülheim doch ein„ Haar in der Suppe" Wille, der sich in dieser Weise betätigt, wird von dem besseren Große Hamburgerstr. 30; Jungstr. 33; Driesenerstraße, Bau gefunden zu haben, denn die christliche Gründung hat zu einem ge- Teile der Gesellschaft zweifellos unterstützt werden. 550 Kollegen. die " " " Berantwp. Bedakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltunasblatt Zr.M. 23. Iahrgallg. Mittivoch, 25. Juli 1906. Die„Bornssia"- Katastrophe vor Gericht. (Eigener Bericht des„Vorwärts".) Dortmund, 23. Juli. Er st er Verhandlungstag. Vor der Ferienstrafkammer des hiesigen Landgerichts begann heute früh die Verhandlung gegen den B e t r i e b s f ü h v e r Fritz Rüther wegen fahrlässiger Tötung sowie wegen lieber- tretung der bergpolizcilichen Vorschriften und zwar der§z 41(betr. die Bewetterung der Steinbergwerke und Sicherung derselben gegen Schlagwetter und Kohlenstaubexplosionen) und 112(Verordnung dom 23. März 1öl)2 über die Betriebsanlagen auf Bergwerken). Die der Anklage zugrunde liegenden" bergpolizeilichen Be- stimmungen lauten: §41:„Die Anwendung offenen Lichtes ist in allen Gruben- räumen mit Ausnahme der zutage gehenden einziehenden Schächte, der zu diesen gehörigen und in unmittelbarer Nähe der Füllörter gelegenen ausgemauerten Maschinenräume und Füllörter verboten. In letzteren beiden ist offenes Licht nur an feuersicheren Stellen in Stand- oder Hängelampen gestattet. Auch in einziehenden Schächten darf offenes Licht nur gebraucht werden, wenn etwa vor- handcner Holzausbau in feuchtem Zustande erhalten wird, sodah ein Inbrandsetzen desselben ausgeschlossen erscheint." § 112 bestimmt:„An den Hängebänken und denjenigen Füll- örtern einziehender Schächte, an denen eine Brandgefahr nicht durch natürliche Feuchtigkeit ausgeschlossen erscheint, müssen Hydranten vorhanden sein, die jederzeit betriebsfähig sind." Vernehmung des Angeklagten. Der Angeklagte Rüther ist-. 34 Jahre alt, aus Westfalen gebürtig und hat die Volksschule, später eine Fortbildungsschule besucht. Er hat dann von 1892—95 in Berlin bei den Garde- Ulanen gedient und ist dann wieder Bergmann gewesen, und zwar hat er erst als Schlepper, dann als Fahrhauer, schließlich als Hauer Bergarbeit verrichtet. Nach dem Besuch der Bergschule wurde er 1902 mit dem Prädikat„gut" und der Befähigung zum Betriebsführer entlassen. Am 1. Februar des Jahres 1995 ist er auf„Borussia" gegen dreimonatliche Kündigung und 359 M. monatlichen Gehalt, das später auf 499 M. erhöht werden sollte, angestellt worden. Seine Antrittszeit fällt also gerade in den großen Rnhrstrcik hinein. Er- wähnt mag noch werden, daß Rüther wegen fahrlässiger Brand- stiftung mit 29 M. Geldstrafe vorbestraft ist. Auf der Zeche „Borussia" wechselten die Betriebsführer sehr oft. So sind seit dem Jahre 1897 als Betriebsführer angestellt gewesen: oiner Vi Jahr, einer 5 Jahre, einer IVi Jahre, einer% Jahr; einen Monat hindurch ist überhaupt kein Bctricbsführer dort gewesen! Auf die Frage, ob er sich schuldig fühle, bemerkt der An- geklagte: Nein. Der Direktor Lindemann sei sein direkter Vor- gesetzter gewesen Nur dieser habe ihm Befehle zu erteilen gehabt und sei er auch nur diesem gegenüber zur Rechenschaft verpflichtet gewesen. Auf„Borussia" haben unter dem Befehle des Betriebs- lciters noch gestanden: 6 Reviersteiger, 1 Schachtsteiger, 1 Maschinen- steiger, 1 Wettersteiger usw. Um den Beteiligten die Situation klar zu machen, ist auf einer Tafel die Schachtanlage und der Füllort durch Zeichnungen markiert. Außerdem befinden sich im Saale: eine Laterne ohne Scheiben mit Lampe und Zylinder nach Art der alten, früher ge- bräuchlichen Straßenlaternen, ein Stempel(Holz) von der Art, wie sie an dem verhängnisvollen Morgen gegen die Laterne ge- worfcn wurden, ein 199 Millimeter Durchmesser haltendes Wasser- rohr mit Durchlast und Absperrhahn, wie es im Schachte vor- Händen gewesen sein— soll und ein Bericsclungsgummischlauch. In den Händen des Gerichts und der Sachverständigen befinden sich außerdem Pläne der gesamten Schachtanlage. An der Hand der hier angeführten Utensilien geht der Vor- sitzende mit dem Angeklagten das Bcrieselungssystem durch. Nach einer Bergpolizeiverordnung vom 11. Dezember 1999 ist die Berieselung vorgeschrieben. Der Angeklagte erkennt an, daß er die bergpolizeilichen Vorschriften gekannt habe,- ebenso die Reichsberggesetzgebung. Für die Berieselung im allgemeinen ist nächst dem Betriebsführer der Wettersteiger mit verantwortlich; außerdem hat jeder„Ortsälteste"(der älteste Hauer vor einem Betriebspunkte) dafür zu sorgen, daß bis 29 Meter vor dem Stoß berieselt wird. Der Angeklagte gibt selbst zu, daß längere Zeit nicht mehr berieselt worden sei. (Im Landtage ist vom Minister im Februar erklärt worden, daß die Berieselung tadellos intakt gewesen und funk- tioniert habe! Im Reichstag wich die Regierung einer Be- antwortung aus!) Er habe dies aber nicht für nötig erachtet, weil im Füllort das Wasser von der Decke troff. Es sei so naß gewesen, daß. sich sogar die Leute darüber beschwert hätten. Die Anlage bestand aus� zivci Schächten, dem Förderschacht und dem Luftschacht. Beide Schächte waren zirka 1899 Meter von einander entfernt. Um von einem Schachte zum andern zu ge- langen, mutzte aber ein großer Bogen gemacht werden. Man gebrauchte deshalb zirka 29 Minuten, um von dem einen den anderen Schacht zu erreichen. Eine Telephoiwerbindung existierte von einem zum anderen Schachte nicht! Ueber den Zustand der Fahrten(Leitern) in dem zur Rettung dienenden Luftschacht gibt der Angeklagte an: Der Wetterschacht enthielt 8 Meter lange Fahrten von Holz. Die Fahrten waren fest und gut; bei einer Befahrung den Freitag vor dem Unglück hätten nur 2 Sprossen gefehlt. In A b st ä n d e n von 19— 12 Metern befanden s i ch kleine Bank- che» zum Ausruhen.(!!) Ein Jahr vor dem Unglück ist am Wetterschacht nichts geschehen. Die Fahrten gingen auf 388 Meter auf die 5. Sohle, in 479 Meter Tiefe war die 6. Sohle und die 7. Sohle war 599 Meter tief. Nach weiteren 29 Metern kam man auf die Gesenksohle. Im Förderschachte konnten Signale acgcben und zu Tage telephoniert werde». Die Apparate befanden sich in Nischen an den Seiten des Füllortes; sie waren 79—89 Zentimeter tief cingehaucn. Der Anschläger auf der obersten Hängebank über Tage nahm die Signale entgegen und gab sie weiter in den Maschinenraum. Von der Hängebank gingen zwei Stufen zum BctriebSführcr nack seiner Stube hinunter. In seiner Abwesenheit vertrat ihn Fahrsteigcr Haake; überdies war die Zeche nur so groß, daß der Betriebsführer jeden Moment ge- funden werden konnte. Auf dem Schachte bestand auch eine eigenartige Einteilung der Förderung. Morgens wurden Kohlen gefördert, nachmittags Steine versetzt und die Nachtschicht führte Rcparaturarbciten aus. Die Ver- k l e i d u n g des Schachtes bestand aus Eichenholz, die Spur- l a t t e n(an denen die Körbe in die Tiefe gleiten) aus Pilschpine- holz. Berieselt wurde nach den Angaben des Angeklagten mit Tages- und Ruhrwasscr, welches in ein Staubassin auf der 4. Sohle durch ein Fallrohr geleitet wurde. Dieses Staubassin lief immer über und in den Schacht. Die sogenannten Schwimmer funk- tionierten nicht. Deshalb war auch die Decke der 5. Sohle immer naß, und zwar meistenteils auf der östlichen Seite. Der Förder schacht bestand aus drei sogenannten Trums (Abteilungen), zwei für die Förderung, einer für die Fahrten (Leitern). Neben den Fahrten befand sich außerdem die Damps- leitung Die Rohre waren mit Kiesclguhr isoliert; trotzdem haben sie sehr viel zur Austrocknung des Holzes der Schachtverkleidung beigetragen. Tann beengte außerdem die Fahrten noch eine Leitung mit komprimierter Luft zum Betriebe von Haspeln. Auch hier(im Fördcrschachte) soll nach Aussage die Gelegenheit zum Klimmen für die Arbeiter eine gute und auch bequeme gewesen sein. Der Schacht zog die frische Luft bis zur 7. Sohle ein. 39 Mann konnten mit dem Korbe gleichzeitig einfahren; auf jeder Etage des Förderkorbes 15 Mann. Der Vorsitzende bespricht sodann eingehend die Beschaffenheit der verhängnisvollen Lampe. Diese hing zirka 2,29 Meter über dem Boden im gemauerten Füll- ort an dem Deckcngewölbe. An diesem Gewölbe waren eiserne Schienen befestigt, die wieder durch Träger verbunden waren. An einer dieser Schienen hing die Laterne an einem sogenannten L-Haken. Nun war aber das Mauerwerk an der Firste mit einer Holzverschalung verkleidet Die Anklage nimmt an, daß diese Holz- Verschalung stehen geblieben ist von der Zeit an, wo der Schacht ausgemauert worden ist. Der Angeklagte bestreitet dies und be- hauptet, daß das Ausschälen der Wölbung mit Holz nur geschehen sei, um das Tropfwasser nach der Seite hin abzuleiten. Die Verschalung sei überdies so naß gewesen, daß darauf gebrachter Weißkalk abgelaufen sei. Dann sei in einer Höhe von 2,29 Meter über dem Boden ein Berieselungshahn und in 1,59 Meter ein Absperrhahn gewesen. Im März vorigen Jahres soll eine zweite Leitung in dem östlichen Revier angebracht worden sein. Vom Füllort bis zum 2. Hydranten war eine Entfernung von 8 Metern und bis zum 1. Hydranten 2 Meter. Auf sämtlichen Hähnen waren, nach der Darstellung des Angeklagten Schlüssel fcstgenietet. Wenn die Leute trotzdem keinen Schlüssel daran gesehen hätten, so hätten einige Schläge genügt, um Wasser zu schaffen. Der Aufschiebcr hatte die Verantwortung, er war über 5 Jahre auf der Zeche beschäftigt, von ihm und den anderen drei Leuten mußten unbedingt die Hydranten gesehen werden, weil sie täglich in unmittelbarer Nähe derselben beschäftigt waren und daran vorüber mußten. Der Staatsanwalt macht darauf aufmerksam, daß nach dem Berggesetz der Angeklagte nicht befugt war, das Berieseln einzustellen, wenn es nach seiner Ansicht überflüssig war; es sei ja nur eben nach„Ansicht" des Angeklagten feucht genug gewesen. Der Angeklagte repliziert hierauf, daß seine Auffassung dahin gehe, daß es ganz seine Sache sei, zu bestimmen. ob berieselt werden solle oder nicht. Bergwerksdirektor Nandebrock als Sachverstän- diger interpretiert auch seinerseits das Berggesetz dahin, daß es vollständig in das Ermessen der Werkverwaltung gestellt sei, wann und wo berieselt werden soll. Der Angeklagte meint, daß die Lampe am Füllort aufgehängt werden konnte, weil es dort genügend feuersicher war. Außer- dem sei diese Lampe in Ordnung geivesen! Anderwärts hätte man im Schachte sogar Lampen mit gläsernen Ballons hängen gehabt. Diesen gegenüber sei die Lampe„sehr schön" gewesen. Sie habe bei seinen täglichen Befahrungen immer zut gebrannt, die Art der Befestigung mit dem Z-Ha!cn sei ge- nügcnd gewesen. Einen breiteren Raum nehmen die Erörterungen über die Art des Holzes in Anspruch. Der sechsfüßige Stempel, welcher im Gerichtssaale �iegt, ist geeignet, nach des Angeklagten Auffassung selbst den Krön- lcuchter heruntcrzuwcrfcn. Wieviel mehr noch eine einfache Lampe! An dem Unglückstage seien keine Leute dagewesen, um das Holz rechtzeitig entfernen zu können— in einer Stunde wäre cS aber weggewesen. Tie Schläuche waren nicht da, weil die Bergleute ihre Betriebspunkte berieseln wollten. Im Maschinen- räum, 49 Meter vom Schacht, war ein Schlauch. Man konnte ihn sehen und die Anschläger und Abzieher mußten wissen, wo er war. Ferner behauptet die Anklage, daß die Abschlußvorrichtungcn unzweckmäßig gewesen seien. Rüther dagegen meint, daß in diesem Falle andere Abschlußvorrichtungcn gar nicht angebracht. werden konnten. Anweisung, wie er sich bei Bränden zu verhalten habe, hat er nicht erhalten und auch keine gegeben. Ferner waren keine Rettungsmannschaften ausgebildet. Auf Befragen gibt der Angeklagte an, daß er es für selbst- verständlich hält, daß die Beamten ganz von selbst wissen müssen, was sie bei Bränden zu tun haben. Von früher schon statt- gefundenen Schachtbränden weiß er nichts, darauf bezügliche Ein- tragungen im Zechcnbuche will er übersehen haben. An dem Unglückstage, dem 19. Juli, ist der Angeklagte 9,5 Uhr früh ins Bureau ge- kommen. 9,29 kam der Anschläger und sagte, es liefe Wasser in die 9. Sohle. Mittlerweile kam aber auch der 2. Betriebs- führer und meldete, es brenne auf der 5. Sohle. Darauf habe er telephoniert, die Leute sollten sofort herauskommen und zwar die Leute des 1. und 2. Reviers über die 9. Sohle. Er habe gefragt, ob sein Befehl verstanden sei und sei ihm auch geantwortet worden. Dann habe er Tageswasser in den Schacht gelassen. Ein Einfahren war nur bis zur 4. Sohle möglich, trotzdem er vorher den Ventilator umgestellt habe. Auf den Fahrten konnte er nicht mehr in den Schacht kommen, weil die auf der Flucht befindlichen Leute ihn sonst hinabgerissen hätten. Er setzte denn zunächst den Ventilator aus der alten Anlage still und deckte den Förderschacht zu. Später sah er, daß aus dem Wasser- sckacht Gase kamen, er stellte deshalb den Ventilator wieder an. Hatte er daS nicht getan, so wäre seiner Meinung nach kein Mensch herausgekommen, weil die Leute an den Betriebspunkten waren. Um lhll Uhr vormittags waren die letzten Leute ans Tages- licht und fuhr Angeklagter dann mit zirka 39 Mann. Beamten und Arbeitern, ein. Er kam bis zur 5. Sohle, klimmte dann mit mehreren Leuten durch einen Aufbruch nach der 9. Sohle. Er ist dann bis auf 49 Meter an den Brandherd vorgedrungen, konnte aber nichts ausrichten. Am 12. Juli wurden dann in der Nähe des Füllortes der 5. Sohle 9 Leiche» gefunden. Ihre Stellung ließ darauf schließen, daß sie direkt in die Gase, ins Verderben hineingelaufen waren. Am 21. Juli wurden dann weitere 8 Leichen geborgen. Die letzten 25 der Verunglückten konnten aber erst am 21. Mai dieses Jahres aus Tageslicht befördert werden. Rüther bemerkt noch, daß die Leute wohl hätten aus dem Schachte sein können, wenn sie ge- wollt hätten. Sie seien sämtlich rechtzeitig benachrichtigt gewesen. Ein Sachverständiger erklärt, daß der Aus- und Abstieg von der 5. zur 9. Sohle und zurück sehr schwer sei, daß damit die Er- klärüng für das Zögern der Leute gegeben sei. Beweisaufnahme. Als erster Zeuge und zugleich Sackpicrständiger wird der Berg- assessor Althoff aufgerufen. Aus seinen längeren ausführlichen Darstellungen ist zu entnehmen, daß er gegen 9lh Uhr auf die Zeche gekommen ist. Rüther hat ihn über seine Maßnahmen unter- richtet. Er liat dann später den Schacht befahren, konnte aber der Gase wegen nicht an den Füllort herankommen. Von der 9. Sohle konnte er das Feuer sehen, die Gase zogen schließlich nach dem Wetterschacht ab. An ein Vordringen zur 5. Sohle, also zum Brandherd, war aber nicht zu denken. Die Grub« ist dann später unter Wasser gesetzt worden bis nahe an die 5. Sohle. Die letzten 25 Leichen, die am 21. Juli gefunden wurden, sind erstickt. Aus bergpolizcilichen Gründen ,st dann, wie der Staatsanwalt betont, die Grube geschloffen und die weitere Untersuchung auf den Oktober vertagt worden. Nach- dem die Untersuchung am 18. Oktober wieder aufgenommen war. hat der Zeuge den Füllort besehen und gefunden, daß die Holz. v e r s ch a l u n g an der östlichen Seite nur angekohlt war, während sie sonst kaum noch zu sehen war. � 'Der Staatsanwalt bemerkt hierzu, daß trotz dieser Be- fahrung im Oktober die Untersuchung trotzdem ruhen mußte, weil weitere Befahrungen im Interesse der Sicherheit bis zum März dieses Jahres bcrgpolizeilich nicht gestattet werden konnten. Er legt Wert darauf, das festzustellen, weil in der Ocffcntlichkeit eine Verschleppung der Untersuchungsbehörde zum Vorwurf gemacht worden wäre. Im weiteren Verlaufe des Verhörs erklärt der Bcrgasscssor Althofs, daß Rüther nicht feige gewesen sei bei dem Vordringen l im Schachte, daß er vielmehr seiner Ansicht nach viel zu forsch vorgegangen sei. Befragt, ob die Fahrten in gutem Zustande ge- Wesen seien, erklärt der Zeuge, daß„Wohl hie und da" ein paar Sprossen fehlten, daß aber im übrigen eine Befahrung sehr wohl möglich gewesen sei. Ferner erklärt er auf Ansuchen der Ver- teidigung, daß der Angeklagte seines ErachtenS alles getan hat, was er den Umständen nach tun konnte um zu retten, was noch möglich war. August Thiemann, Bergmann aus Oespel, ist am Füll- ort der 5. Sohle als Abzieher beschäftigt gewesen. Er ist an dem Montag 9 Uhr angefahren, hat darauf in Gemeinschaft mit seinen Kameraden Holz hinwegräumen wollen. Die Lampe hing in zirka 1,99 Meter Höhe, er mußte sich bücken, wenn er darunter weg wollte. Beim dritten Wagen lag schon ein ziemlicher Holzstoß da, der bis nahe an die Lampe reichte. Zeuge war mit Abziehen der leeren Wagen beschäftigt, als plötzlich die Lampe auf dem Holz- stoß lag und dieses lichterloh brannte. Von einem Fallrohre mit Wasserhähnen hat er nichts gesehen. Auch einen Hydranten hat er nicht wahrgenommen! Auch das Vorhandensein von Schläuchen war ihm unbekannt. Die Bergleute mußten, in dem Bestreben, das Feuer zu löschen, sich damit begnügen, die brennenden Stempel auseinander zu werfen. Der dazukommende Betriebs- führer Feldhaus schlug das Rohr entzwei, aber es kam nicht genügend Wasser, um löschen zu können. An der Lampe war kein Blcchraud im Innern und es fehlten zwei Scheiben. Früher(vor Rüthers Zeit) ist sie schon einmal heruntergefallen. Der Füllort ist oben nicht naß gewesen und auch unten hat er von einer Berieselung nichts gesehen. Im östlichen Teile aller- dings ist es von oben durchgedrungen. Der Staatsanwalt fragt den Zeugen, ob er vielleicht dem Abgeordneten Bömclburg die Mitteilung gemacht habe, daß die Leute zur Befestigung der Lampe Steinchen hätten unterlegen müssen. Zeuge verneint, meint aber, die Lampe hätte gewackelt. Zeuge Karl T h i e m a n n, ein Vetter des vorigen Zeugen, hat am Sonntag ein Turnfest besucht, ist gegen 1 Uhr nach Hause gekommen, hat aber von 9 Uhr abends ab keinerlei geistige Ge- tränke genossen. Um 5 Uhr ist«r dann zur Arbeit gegangen. Auch er bezeugt, daß die Lampe nur 1,99 Meter vom Erdboden weg gehangen habe, daß sie keinen Rand hatte und nur IV2 Scheide! Er hat den unglücklichen Wurf mit dem Stempel in die Lampe getan, hat aber das Fallen der Lampe überhört und sich erst nach dem brennenden Holzstoß umgedreht, als es zu spät war. Seit März ist er an dem Posten auf der Zeche be- schäftigt, hat aber weder von einer Bericselungsanlagc»och von einem Hydranten etwas gesehen. Ein Ventil sei dagewesen, es sei aber kein Wasser herausgekoimMn. Auf den Platten habe an dem Morgen im Füllort überall Kohlenstaub gelegen. Er hat über Tage nach 19 Eimern telephoniert, um löschen zu können, es ist ihm aber geantwortet worden: Das ginge nicht so schnell, man müsse die Eimer erst zusammensuche». Mittlerweile brannte bereits die Verschalung an der Decke des Füllortes; die Flammen schlugen, weil der Schacht die Luft anzog, nach dem Schachte hin. Den Schlauch, der im Maschinenräume lag, hat der Zeuge sich erst von der 4. Sohle geholt. Es sei sonst überhaupt keiner dagewesen. Er bleibt auch bei dieser Darstellung, nachdem ihm seitens des Vorsitzenden, der Sachverständigen und der Verteidigung fast in den Mund gelegt worden ist, er könne sich doch wohl irren. Zeuge 51 a r l B r 0 n s h a u s e n, Bergmann, war Anschläger auf der 5. Sohle, wo der Brand ausgebrochen ist. Er ist 3 Jahre mit einer Unterbrechung von einem Monat aus Zeche„Borussia" gewesen. Er gibt dieselbe Darstellung wie sein Kamerad. Er sowie auch seine schon vorher abgehörten Kameraden werden wegen Verdachts der Teilnahme(!) nicht vereidigt. Schluß der Sitzung 8,49 Uhr abends, Sechster Kongreß der christlichen Gewerkschaften. Breslau. 23. Juli. Auf dem Kongreß sind 71 Delegierte anwesend, die angeblich 245 999 Mitglieder vertreten. Unter den Delegierten sind einige weibliche; die Generalkonimission der Gewerkschaften hat den Redakteur des.Korrcspondcnzblatt" U m b r e i t als Gast entsendet. Bei der gestern abend stattgefundenen Begrüßungsfeier hielten Begrüßungsansprachen Oberrcgiernngsrat Schimmelpfennig im Namen des Oberpräsidenten, Regierungsrat Dr. Nichter im Namen des Regierungspräsidenten, RcgierungSrat Dr. Frost im Namen des Polizeipräsidenten, General- superintendent v. Haupt, Stadtrat Dr. P e t e r s 0 n im Namen des O b e r b ü r g e r m c i st e r s beziv. M a g i st r a t s, Konsistorial- assessor Lock im Nanien des Konsistoriums der Provinz Schlesien. Die Anwesenheit dieser beamteten Vertreter der modernen privatkapitalistischen Gesellschaft ist ganz charakteristisch für die Hoffnungen, die man sich in jenen Kreisen von den christ- lichen Gewerkschaften macht. Sämtliche Redner versicherten denn auch den Kongreß der Sympathien der von ihnen vertretenen Be- Hörden, Syinpalhicn, die bekanntlich sofort ins Gegenteil umschlagen, wenn die christlichen Gewerkschaften in Situationen hineingezwungen werden, die sie nötigen, durch Verwahrung gegen die allzu skrupellos geübte AuSbcutungssrciheit des Kapitalismus den heiligen Profit zu gefährden. Auf dem Kongreß wurden später Beispiele davon ge» geben, ivie sehr unter solchen Umständen die Sympathie der Behörden sich in Antipathie zu verivandeln vermag. Professor Dr. S 0 m b a r t- Breslau begrüßte ebenfalls den Kongreß und führte aus: So sehr er den Zusammentritt des Kongresses begrüße, so könne er den christlichen Gewerkvereinen doch den Vorwurf nicht ersparen, daß sie in denselben Fehler verfallen seien Ivie die Sozialdemokraten, indem sie ebenso wie diese sich mit einem P a r t e i in a n t e l umgeben haben. Die Arbeiter Deutschlands sollten sich ein Beispiel an den englischen Arbeitern nehmen, die mit ihren Trabes Unions so große Erfolge erzielt haben. Die Arbeiter Deutschlands werden nicht eher wirkliche Er- folge erziele», che sie sich nicht zu Gewcrkvercinen gebildet haben, die jedes politischen und konfessionellen Charakters entkleidet seien, in denen alle Arbeiter ohne Unterschied der Partei oder Konfession Aufnahme finden. Ein solcher Gcwerkvereinsverband wäre eine gewaltige Macht, mit dem �sowohl die Unternehmer als auch die Behörden werden rechnen müssen. In der heutigen ersten öffentlichen Versammlung erstattete S t e g e r w a l d- Köln den Geschäftsbericht deS Aus» schusseS des Gesamtverbandes. Wir haben denselben bereits in der Nummer 197 vom 21. Juli auszugsweise wieder- gegeben und kritisch beleuchtet. Unsere Leser sind also darüber unterrichtet. Stegerwald ergriff aber die Gelegenheit, noch eine Anzahl Beschwerden über die Behandlung der christlichen Bewegung durch die Behörden und Unternehmer vorzubringe», die zu den Sympathiebezcugungen vom Vorabende in einem recht bemerkens» werten Gegensatze stehen. So führte er'aus:„In Rheinland» Westfalen werden unendlich viele italienische Arbeiter be- schäftigt, die bei'Lohnkämpfen ihren deutschen Brüdern in den Rücken fallen. Um diesem Uebclstande zu begegnen, haben wir einen italienischen Journalisten namens Dr. Vallcnda engagiert, damit er die italienischen Arbeiter durch Organisation verhindert, bei jeder Gelegenheit den deutschen Arbeitern in den flükfcit zu fallen. CCluol)!(jenen Dr. Vallenda nicht daZ geringste vorlag, ist dieser Mann als lästiger Anslönder ans dem Königreich Preußen ausgewiesen worden."— Dann beklagte er sich über den immer radikaler werdenden Buchdrucker-Verband, wobei er den in einem Arbeiterblatt sehr natürlichen Wechsel des verantwortlichen Redakteurs am„Korrespondent" in seiner Weise auszunutzen ver- suchte. Aber natürlich nur, um eine Entschuldigung für die Auf- nähme der bekannten Streilbrecherorganisation im Buchdrnckgewerbe, des berüchtigten„Gntenberg-Bimdes", in die Reihen der„Christ- lichen" zu finden. Zum Schluß flehte er Behörden und Unternehmer um gute Behandlung der Christlichen an:„Bei den letzten Reichstagswahlen sind für die Sozialdemokraten weit über drei Millionen Stimmen abgegeben worden. Die Scharf- macher sagen, das ist durch die Hetzer geschehen. Nein, Kollegen, drei Millionen Stimmen sind nicht durch Hetzer aufzubringen, wenn nicht tiefere Ursachen vorhanden sind. Möge dieser Stimmenwachs der Sozialdemokraten den Behörden und den bürgerlichen Klassen ein Mahnruf sein, der christlichen Arbeiterbewegung keine Schtvierig- kerten in den Weg zu legen." . Der berühmte Arbeitersekretär Behrens(Essen) fand es„sehr etgentümlich", daß die Behörden immer auf feiten der Unternehmer stehen. Man habe noch niemals gehört, daß ein ausländischer Unter- nehmer ausgewiesen worden sei. Der französischen Firma de Wendel m Lothringen werde zum großen Schaden der deutschen Arbeiter von feiten der Behörden jede Begünstigung zuteil. Man weise Arbeiter aus, sobald sie einige» Unternehmern lästig werden, d. h. weil sie sich weigerten, ihren deutschen Brüdern in den Rucken zu fallen. Wenn aber Streikbrecher vielen Tausenden von deutschen Arbeitern als Lohn- drücker lästig werden, dann iveise man sie nicht nur nicht aus, sondern gewähre ihnen noch jede staatliche Unterstützung. Das Gesetz, wonach es dem diskretionären Ermessen der Polizei anHeim gegeben sei, Ausländer auszuweisen, müsse so bald als möglich geändert werden. Er könne sich nicht für die Neutralität der Gewerkvereine erklären. Die Sozialdemokraten haben Recht, wenn sie sagen:„Der Teufel ist neutral I" In der heutigen Zeit müsse jeder Mensch eine bestimmte Parteistellung nehmen, anderenfalls sei er oberflächlich. Man wolle aber nicht oberflächliche, sondern selbständig denkende, charaktervolle Männer erklärt.— Becker(M.- Gladbach) wandte sich gegen die katholischen Fachabteilungen und bemerkte, daß man bereits Neger aus Afrika als Lohn- drücker nach Deutschland imporliere. Es dürfte nicht mehr lange dauern, dann werden chinesische Kulis importiert werden. Für den Rücktransport dieser Ausländer in Zeiten des Niederganges müsse man die Unternehmer haftbar machen. Der Redner betonte im weiteren die Notwendigkeit, das preußische Vereinsgesetz zu ändern, damit Frauen und Minderjährige nicht ans jeder öffent- lichen Versammlung hinauSgeiviesen werden können, und fuhr als- dann fort:„Ob uns die Sozialdemokraten als gleichberechtigt anerkennen, ist mir ebenso gleichgültig, als wenn' mich auf der Straße ein Hund anbellt.(Heiterkeit.) Wenn die Sozialdemokraten sagen, im Kampfe mit ihnen dürfte es Beulen geben, dann mögen sie sich in acht nehmen, daß sie nicht die meisten Beulen davontragen." (Beifall und Heiterkeit.) In seinem Schlußwort bemerkt St e g e r w a l d-Köln: Die Sozial- demokraten seien unaufhörlich bemüht, die christliche Gewerkschafts- bewegnng zu verkleinern. Wenn man aber die Organe der katho- lischen Fachvereine lese, dann konime man zu der Ansicht, als habe man es mit politischen KindernMU tun. Der Redner weist ferner die Bemerkung des„Vorwärts" zurück, daß die Mitglieder des christ- lichen Rketallarbeiter-Verbandes Streikbrecher seien. Dieser Vorwurf, der nicht vereinzelt dastehe, sei so töricht, daß er einer ernsten Widerlegung nicht bedürfe.(Der„Vorwärts" hat den christlichen Streikbruch in jedem Einzelfall belegt. Wenn etwas„töricht" ist, dann ist es in diesem Falle die Art, wie Herr Stegerwald vor der unangenehmen Angelegenheit den Kopf in den Sand steckt. R. d.„V.".) Der Kongreß beschäftigte sich dann mit einer Reihe von An- trägen. Dabei hieb man auch feste mit in die Kerbe der Scharf- macher. Ein Antrag verlangte, dem Reichstage geeignet erscheinende Vorschläge zu unterbreiten, durch dir auf den Organ i- sationszwa n'g für sozialdemokratische Verbände h i ir a u s l a ri f e n d e n Maßnahmen b e g e gn et werden kann e.— Ein weiterer Antrag verlangt, daß die Buchdrucker, Schriftsetzer usw., welche dem Parteigebahren des sozial- demokratischen Buchdruckerverbandes fern stehen wollen, dem Zentralverband christlicher Arbeiter und Arbeiterinnen für das graphische Gewerbe zugeführt werden. Ein Antrag des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter zn Dudweiler verlangt eine e.n e r g i s ch e Bekämpfung der katholischen F a ch a b- t e i l u n g e n bezw. des Verbandes der katholischen Arbeitervereine (Sitz Berlin). Es wurde beschlossen, alle Anträge dem Ausschuß zur Veriicksichtignng zn überweisen.— Nach einem Referat von K l o st-Essen über die Betätigung der Ortskartelle in der chri st lichen Gewerkschafts- bewegnng nahm der Kongreß eine Resolution an, in der es am Schlüsse heißt: „Die Regelung von Grenzstreitigkeiten, Heransgabe von Sammellisten, Ausschluß von Mitgliedern, wie auch die Entscheidung über Lohnbewegungen, als auch die hierbei zu beachtende Taktik, gehören nicht zur Kompetenz der Kartelle, sondern sind ansschließ- liches Recht der einzelnen Zentralverbände bezw. des Ausschusses des Gesamtverbaiides. Auch dürfen ohne Zustimmung des Vorstandes des Gesamtverbandes bezw. der Gau- und Vezirksleiter der einzelnen Verbände größere mit bedeutenden Ausgaben verbundene Kon- ferenzen nicht einberufen werden. In allen strittigen Fällen sind die Kartelle gehalten, eine Direktive d e S Borstand es des Gesamtverdandes einzn- holen."_ „Der politische Massenstreik und die Taktik der Gewerkschaften." So lautete das Thema, über das Genosse S e g e r am Sonntag- vormittag in Leipzig referierte. Unser gestern gegebenes Ver- sprechen, auf diese Versammlung zurückzukommen, erfüllen wir, indem wir die Hauptmomente des Referats und der Diskussion Wiedergeben. Seger betonte in der Einleitung seines Vortrages, daß die Versammlung vom Gewerkschaftskartell und der Parteileitung g e- m e i n sa m einberufen worden sei. Daraus wäre zu ersehen, daß nicht Splitterrichterei getrieben oder auf der einen oder der anderen Richtung der Arbeiterbewegung herumgeritten werden solle.... Der Referent warf nunmehr einen kurzen Rückblick auf die EntWickelung und die Tätigkeit der deutschen Gewerkschaften seit dem Falle des Sozialistengesetzes und ging dann auf die Dis- kussion des Massenstreiks, auf die Beschlüsse darüber sowie auf das Referat Bebels in Jena ein. Dort habe Bebel nachgewiesen, daß die politische wie die wirtschaftliche Ent- Wickelung dazu drängten, daß das� Proletariat den politi- schen Massenstreik als Kampfesmittel aufzunehmen habe. Ueber die jetzt schwebenden Differenzen könnte weder nach der einen noch nach der anderen Seite ein Urteil gefällt werden. Man habe erst die Auseinandersetzungen in Mannheim abzuwarten, dann werde man aber auch ein kräftig Wörtlein sprechen.(Lebhafter, langandauernder Beifall.) In der dem Reserate folgenden Diskussion ergriff zunächst Herr Lange aus Berlin das Wort. Er bezeichnet den politischen Massenstreik als„das illegitime Kind des anarchistischen General- streiks", nur sei es krank und verkrüppelt. Auch er halte den Massenstreik nicht für ein Allheilmittel, wohl aber für das hauptsächliche Kampfmittel. Zum Schluß wandte er sich gegen Ine""Führer und rief:„Arbeiter, achtet auf Eure Führer, ihr Weg geht in den bürgerlichen Sumpf, den schon so manche Arbeiterbewegung durch die Schuld ihrer Führer ge- gangen ist." Genosse Grenz ging zunächst auf die Ausführungen des Bor- redners ciy. Man er glaube, daß er hier Töye angeschlagev habe. die ohne ihn in Leipzig nicht ztl hören gewesen wären, dann irre er sich, die Frage sei hier schon lange Zeit diskutiert worden, soda wir uns kein Privatissimum des Herrn Lange aus Berlin halten zu lassen brauchten. ...Zu dem Konflikt zwischen Parteivorstand und Generalkom- Mission selbst müsse er bemerken, daß es wohl notwendig sei, ge- Heime Besprechungen zu halten. Aber diese Verhandlungen müßten sich auf der gegebenen Grundlage der Parteibeschlüsse abspielen. Sei dies nicht der Fall, dann müsse es heißen: Heraus an die Oeffentlichkeit. Hier müsse der Parteivorstand handeln, damit das Protokoll veröffentlicht werde. Herr Hützel verbreitete sich in allgemein gehaltenen Reden über das Referat und empfahl als Heilmittel gegen die GeWerk- schaftsmisere die Lokalorganisationen. Genosse Buhl kritisierte den Artikel in Nr. 152 der„Volks- zeitung":„Der Streit wegen des Massenstreiks", in dem der Massen- streik zur Zeit der verflossenen Wahlrechtskampagne als unzweck- mäßig bezeichnet worden sei. Nach seiner Auffassung wäre ein Streik wohl möglich gewesen; seien doch mit Preußen und den übrigen Staaten, in denen der Wahlrechtskampf tobte, nahezu% der Einwohner Deutschlands in Frage gekommen. In seinem Schlußwort betonte Genosse S e g e r noch einmal, daß, wenn die Verhältnisse so gelegen hätten, der Massenstreik auch ausgebrochen wäre, gleichviel, ob ihn die Füher gewollt hätten oder nicht. Und wenn sich der Parteivorstand und die Generalkommission dagegen gestemmt hätten, wären sie einfach von der Masse hin- weggefegt worden. Nachdem nun aber der Parteivorstand die Generalkommission ausgefordert habe, eine Umfrage wegen der Veröffentlichung des Protokolls zu veranstalten, und wenn diese Um- frage ein negatives Resultat zeitigen sollte, sei es Sache der G e- werkschafts Mitglieder, von ihren Vorständen die Frei- gäbe des Protokolls zu fordern. Nachstehende Resolution fand einstimmige Annahme: „Die wirtschaftliche und politische Situation hat sich seit den Beschlüssen des Internationalen Kongresses in Amsterdam und des Parteitages in Jena in keiner Weise geändert, was eine veränderte Stellungnahme in der Frage des politischen Massen- streiks notwendig machte. Im. Gegenteil verschärfen sich die Kämpfe zwischen der herrschenden Gesellschaft und dem Prole- tariat auf wirtschaftlichem wie politischem Gebiete zusehends, sodaß das im politischen Massenstreik durch die Beschlüsse an- erkannte Kampfesmittel nach wie vor dem Waffenarsenal des Proletariats einverleibt zu verbleiben hat und propagiert werden mutz. Die Versammlung verurteilt deshalb glle Versuche, dieses Kampfmittel anders als auf dem legalen Wege der Beschluß- fassung der internationalen Kongresse wie der nationalen Parteitage ausschalten und diese Kongreßbeschlüsse aufheben zu wollen. Die Versammlung verlangt, daß der Inhalt des Proto- kolls der Gewerkschaftsvorstände-Konferenz im Februar d. I. in Berlin der Arbeiterschaft zugänglich gemacht wird." Parteizersplitternng. Die Leser mögen entschuldigen, wenn ich nochmals gezwungen bin, aus Legiens Entgegnung wenigstens einige Worte zu erwidern. Genosse Legten attestiert sich wieder einmal selbst, daß sein Zweck erreicht sei und er„das billige Mittel eines Appells an das Urteil der Genossen" nicht bedürfe. Muß man da nicht unwillkürlich fragen: für wen hält sich denn Legten eigentlich? Arbeiterführer wie er unterliegen dem Urteil der Masse, nur der Autokrat oder der sich dafür haltende Bureaukrat,« schaltet die Masse aus. Der Demokrat, speziell der Sozialdemokrat, sucht das Urteil der Genossen zu erforschen und sein Tun danach einzurichten. Der souveräne Ausspruch Legiens charakterisiert aber die Legiensche Denkweise besser, als ich es je zu tun vermöchte. Ich kann deshalb auf alle ferneren Erwiderungen verzichten. Nur noch das Eine: ich bleibe bei meiner Ansicht, daß es Pflicht der P a r t e i g e n o s s e n in der Generalkommission gewesen wäre dem Parteivorstand das Protokoll vor Drucklegung zu unterbreiten. Denn wenn auch der Parteivorstand in der Konferenz nicht selbst das Wort ergreifen konnte, so wurde doch so viel von ihm und über ihn gesprochen, daß er vorher unterrichtet werden mußte, ehe man diese„vertrauliche Besprechung" stenographiert, protokolliert und gedruckt in die Welt gehen ließ. Leopold Liepmann. £Iiis der Partei. Für das nordwestliche Agitationsgebiet wurde am Sonntag auf einer in Bremen tagenden Parteikonferenz eine Bezirks- Organisation begründet. Der Bezirksverband umfaßt den Wahlkreis Bremen, den 6., 17., 18. und 19. hannoverschen Wahlkreis und trägt den Namen„Bezirk Nordwest". Die von allen beteiligten Wahlkreisen beschickte Konserenz stellte das Tätigkeitsfeld der Bezirks- leitung in einem gegen den bisherigen bedeutend erweiterten Um- fange fest und beschloß die Abführung eines Beitrages der' WahlkreiSorganisationen an den Bezirk von 5 Prozent. Als Vorort des Bezirkes gilt Bremen, das auch den aus fünf Personen, darunter eine Genossin, bestehenden Be- zirksvorstand zu wählen hat. Die Kontrollkommission hat ihren Sitz in den Unterweserorten. Der erste Bezirksparteitag soll zeitig vor den nächsten Reichstagswahlen in Bremen stattfinden. Erster weimarischer ReichstagswahlkreiS. Auf der am Sonntag in Allstedt abgehaltenen Kreiskonferenz wurde konstatiert, daß innerhalb des letzten Jahres die feste Organisation Fortschritte ge- macht habe, wie noch nie zuvor. Während sonst immer nur aus vier bis fünf Orten Delegierte bei den Kreiskonferenzen zugegen waren, sind diesmal zwölf Orte vertreten. Gemäß den vom Parteitag in Jena gefaßten Beschlüssen wurde für die Kreis- organisation ein neues Stawt beschlossen. Der Monatsbeitrag wurde auf 20, die Einschreibegebühr auf 23 Pfennig festgesetzt. Für geleistete Parteiarbeit wie Flugblattverbreitung usw. soll eine Kontrollmarke ausgegeben werden.— Als Delegierter zum Parteitag in Mannheim wurde Genosse Beck- Weimar gewählt. Der Sitz der Kreisleitung verbleibt in Weimar. Als deren Vorsitzender wurde Genosse A. Beck wiedergewählt.— Zur Landtagswahl wurde beschlossen, wie bei der letzten Wahl ohne jedes Kompromiß init einer anderen Partei in ck>en Wahlkampf zu treten. Ferner wurde folgende Resolution* angenommen:„Die Konferenz spricht die Erwartung aus. daß jeder Parteigenosse sich nach Möglichkeit einer gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen hat, ebenso wie sie von den gewerkschaftlich organisierten Arbeiten, erwartet, daß sie der politischen Organisation angehören." Vom„Hamburger Echo" heißt es in einem Bericht der Ham- burger Preßkommission: Was die geschäftliche Seite der Tätigkeit der Preß- kommission anbeirifft. so bereitet eS derselben besondere Freude, den Genossen mitteilen zu können, daß die Abonnentenzahl des „Hamburger Echo" in ständiger Steigerung begriffen ist. Als im Jahre 1900 der Neubau des„Hamburger Echo" vollendet war, betrug die Abonnentenzahl 33 300; im Jahre 1901 steigerte sich die- selbe auf 34 000, 1902 betrug die Zahl der Abonnenten 33 000, 1903: 37 400, 1904: 40 000. 1903: 44 700. 5in diesem Jahre beträgt der Abonnentenstand bereits 30 000. In einer gemeinschaftlichen Sitzung mit den Parteivorständen wurde kürzlich auch die Frage einer weiteren Verbilligung deS„Hamburger Echo" geprüft. Sowohl die Preßkommission als auch die Parteivorstände glauben, zurzeit eine lveitere Herabsetzung des Abonnementspreises nicht empfehlen zu können; sie bitten die Genossen, die hiersür eintreten, berücksichtigen zu wollen, daß eine Verbilligung i n- direkt in den letzten Jahren dadurch eingetreten ist. daß trotz der erheblich gestiegenen Papierpreise der Umfang der Zeitung standig vergrößert wurde und daß der Inhalt des„Echo" von Jahr zn Jahr ein reichhaltigerer geworden ist.(Das„Echo" kostet frei Haus 0,30 M. pro Woche.) Zur Tagesordnung des Parteitages. Die„Saarwacht" schließt sich dem Wunsche an, daß zum Punkte„Massenstreik" außer dem Genossen Bebel noch ein zweiter Referent, und zwar qgs den Kreisen der Generalkommission, gestellt werde. Soziales. Endlich behördlicher Kampf gegen Schwindelkassen. Wiederholt ist von uns und im Reichstage dargelegt, daß die Behörde berechtigt und verpflichtet sei, Schwindelkasfen, die als„freie Hülfskassen" zugelassen werden wollen, die Genehmigung zu versagen. Bekanntlich bestritt die Regierung, daß das Gesetz ihr ausreichende Maßnahmen zulasse und legte jene famose Hülfskassen- gesetznovelle vor, die die soliden freien Hülfskassen von der Willkür der Behörden abhängig machen und Schwindel« lassen freie Bahn schaffen würde. Die Novelle ist unter Führung von Schack-Trimborn-Mugdan als erste Etappe zur Vernichtung der Selbstverwaltung der Krankenkassen von der Kommission gut- geheißen. Der Kampf gegen sie wird im kommenden Winter im Plenum des Reichstages entbrennen. Wie richtig untere Behauptung über die Möglichkeit, Schwindelkassen entgegenzutreten, ist, zeigt nachfolgender gestem vor dem Oberverwaltungsgericht entschiedener Prozeß. Ein„Vaterländischer Krankenunterstützungs-Verein" mit dem Sitz in Essen, dessen Tätigkeit für das ganze Reich bestimmt war, wollte als eingeschriebene freie Hülfskasse gemäß dem Hülfskassen- gesetz zugelassen werden. Das Statut erregte jedoch bei der Verwaltungsbehörde mannigfache Bedenken, auch noch nach einigen Aenderungen. Der Bezirksausschuß zu Düsseldorf lehnte schließlich, sich den bereits vom Regierungspräsidenten gezogenen Monitas anschließend, die Zulassung des Vereins als eingeschriebene Hülfskasse ab, weil das Statut den Anforderungen deS Gesetzes nicht genüge. Das Hauptgewicht legte der Bezirksausschuß hierbei auf einige Bestimmungen des§ 13 des Statuts. Diese beziehen sich zunächst auf das Verhalten der Mitglieder in Krankheitsfällen, auf das Ausfüllen des Krankenmeldescheines, auf die Frist, in der er eingereicht werden m n ß, um Ansprüche zu begründen, auf die Be- Handlung deS Krankenscheines und dergleichen, worauf dann folgendes bestimmt ist:„Nack Zurückreicknng des ordnungsmäßig ausgefüllten Krankenscheines erhalten die Mitglieder einen Krankengeldschein beziehungsweise Behandlungsschein, welcher allwöchentlich zu erneuern ist und spätestens am Sonnabend jeder Woche, vom behandelnden Arzt vollzogen, an den Vorstand einzusenden ist. ll n v o l I st ä n d i g oder nicht ordnungs- mäßig ausgefüllte Meldescheine sowie Krankenbehandlungs- scheine gelten als nicht eingereich t."— Der Bezirksausschuß meinte mit Bezug auf diese Bestimmungen des§ 13 des Statuts: Allerdings könnten bestimmte Voraussetzungen für das Eintreten der Kasse nach dem Gesetz aufgestellt werden. So die Beibringung von Bescheinigungen bestimmter Aerzte und die Be- achtung von die Krankenaufficht regelnden Bestimmungen. Offen- bar schikanöse Anforderungen dürften aber die K a s s e n n i ch t st e l l e n. Bei Anwendung jener ganz besonders beanstandeten Bestimmungen würden nun minder schreibkundige Mit- glieder, die den Bestimmungen im übrigen rechtzeitig nachgekommen seien, denen aber bei Ausstellung des Krankenmeldescheins geringe Fehler unterliefen, keine Ansprüche haben. Das Gesetz wolle nun zwar auch die Kassen gegen die Mitglieder schützen, aber die Rechte der Mitglieder sollten auch nicht verkümmert werden. Hier würden sie aber verkümmert. Schon wegen dieses Punktes müsse die Zulassung des Vereins als Hülfskasse versagt werden. Der Kaufmann Kozlowitz als Vorsitzender des provisorischen Vorstandes erhob nun die Klage, worauf als Gegenpartei ein Kommissar zur Wahrnehmung deS öffentlichen Interesses bestimmt wurde. Der Bezirksausschuß blieb jedoch in der öffentlichen Verhandlung bei seinem im Beschlußverfahren ausgesprochenen Standpunkt und wies die Klage ab. Das Urteil wurde gestern vom Oberverwaltungs- g e r i ch t in Berlin mit folgender Begründung b e st ä t i g t: Die Bestimmungen des§ 13 des Statuts des„Vaterländischen Kranken- unterstlltzungs-Vereins" seien vollständig unklar insofern, als sie nicht erkennen ließen, welche Rechtswirlungen die Nichtbefolgung nach sich ziehe, welche Rechtsnachteile für die Versicherten daraus folgten. Daß in der Beziehung völlige Klarheit herrsche, sei aber absolut notwendig. Da sie fehle, weil die erwähnten Vorschriften alles Mögliche zuließen, so sei dem Bezirksausschuß zuzustimmen, daß das Statut nickt genehmigungsfähig sei und der Verein als ein« geschriebene Hülfskasse nicht zugelassen werden könne. Genau in derselben Weise wie diesem„Vaterländischen Kranken« unterstützungs-Verein" ließe sich ähnlichen Schwindelkassen mit ähn- lichen„patriotischen" Namen der Garaus machen. )Ziis Industrie und Kandel. Russenwerte als Lombardunterlagen. Das„Verl. Tagebl." hatte kürzlich gemeldet, die Seehandlung nähme keine russischen Anleihen mehr als Lombardunterlagen an. Darauf erwidert jetzt offiziell die Seehandlung: Die Nachricht in der Handelszeitung deS„Berliner Tageblatts' vom 23. Juli, die Seehandluug habe die Erklärung abgegeben. daß sie russische Werte als Lombardunterlagen nicht mehr an- nehme, ist nicht zutreffend. Eine derartige Erklärung hat die Seehandlung nicht abgegeben, soweit sich in ihren Lombard- beständen Russenwerte befinden, diese vielmehr unbeanstandet bei- behalten. Die Seehandlung hat nur in einigen Fällen für die Erhöhung laufender Kredite mit Rücksicht auf die Zusammen- setzung des bestehenden Lombardunterpsandes ihren allgemeinen Bedingungen entsprechend verlangt, für den erbetenen neuen Kredit tunlichst anderweite Unterlagen als Russenwerte zu be- schaffen. Die Seehandlung hat sich also bisher noch immer nicht ent- ichließen können, die Russenanleihen als nicht mehr geeignet zu Lombardunterlagen anzusehen. Voraussichtlich werden die Er- eignisse in Rußland sie zwingen, das baldigst nachzuholen. Ruch Asse— Justus I. Nachdem soeben erst das Braunschweigische Kalibergwerk Asse ersoffen ist, folgt ziemlich schnell hinterher das bei V o l p r i e- hausen in Hannover gelegene Kalibergwerk Justus I oder wie es in letzter Zeit heißt: Bergbauaktiengesellschaft Justus. Darüber besteht kein Zweifel mehr, als a l i bergwerk ist Justus I fertig. Wer hören und sehen wollte, konnte die Situation schon im Vorjahre ahnen, als verlautete, daß das Kalilager auf dem Ostflügel verworfen sei, und man sich zur— Steinsalz gewinnung einrichten müsse. In einer vor einigen Tagen stattgehabten Generalversammlung, welche der Vorsitzende, Rechtsanwalt und Gründer Sauer I in Köln, mit der Energie eines russischen Polizeimeisters leitete, ist die nicht mehr zu ver« deckende Katastrophe bestätigt worden. Die Majorität des Gruben- Vorstandes machte sich die Situation ziemlich geschickt zunutze, indem die Herren ihr Amt mit der ausdrücklichen Begründung nieder» legten, daß sie mit der Nichtzulassung der Presse auf der General- Versammlung und mit der Unterdrückung des fachmänni- chen Berichtes nicht einverstanden seien. Böse Leute sind agegen der Ansicht, daß die nächste Generalversammlung ihnen einen erheblichen Teil des Heiligenscheines nehmen und einen Bei- trag liefern wird zu dem Kapitel:„Wie unsere„staatserhaltenden" Großbanken auf den Schutz ihrer„Anbefohlenen", die Kleinkapi- talisten, bedacht sind." Daß ein Vertreter der größten Rheinischen Bank, der Bergisch-Märkischen, noch vor kurzem mit der Aussage eines Vorstandsmitgliedes krebsen gehen konnte, wonach trotz der Erhöhgug dotz Aktieukapitgls und dcS gejvuJtigeji Sturzes wurden. der Aktien um 50 Proz. noch 12 Proz. Dividende gezahlt würden,| brachte im Geschäftsberichte dann Bestätigung des| mitglieder die hoffnungsvollen" Versprechungen des Vorsitzenden ist charakteristisch für die Manöver, die hinter den Kulissen getrieben schlimmen Gerüchtes. Das wertvolle Kalilager war schon nicht teilen können, dürfte nun ein ernsthafter Kurswert auf lange seit Monaten futsch! Man half sich bezeichnender Weise Zeit hinaus überhaupt wohl nicht mehr notiert werden. notdürftig mit angesammelten Vorräten und dem minderwertigen Westflügel. Die Tatsache, daß unter solchen Umständen der Bezug Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub„ Eintracht". junger Aftien nicht lohnend und deren Ausgabe schädigend wirken Mittwoch, den 25. Juli, abends 81, Uhr, bei Hamann, Stralauer Allee 17E: Ordentliche Generalversammlung. 1. Wahl des Vorstandes. 2. Delegierten mußte, lag auf der Hand. Aber unsere Kleinkapitalisten wahl zur Bundeskonferenz. und Kleinspekulanten glauben nun einmal an Lese- und Diskutierklub„ Süd- Ost". Heute abend 82 Uhr bei die Humanität und Biederkeit der Großbanken. Tolksdorf, Görligerstr. 58. Tagesordnung: 1. Was sollen wir lesen und Da ist nichts zu machen. Wenn die Sache wirklich so schlecht stände wie sollen wir lesen? 2. Was verstehen wir unter Sozialismus und - hieß es in beteiligten Kreisen dann würde doch die Bergisch- sozialer Bewegung? Gäste willkommen. Märkische Bank nicht auf die Vollziehung des Geschäfts drängen Verband der Friseurgehülfen Deutschlands. Zweigverein Berlin und den Drängenden offenen Widerspruch entgegen seßen durch und Vororte. Heute abend 9% Uhr, Rosenthalerstr. 57: Redeübung. Darlegung der wirklichen Verhältnisse. Man hatte sich wieder mal Bahlreiches Erscheinen erwünscht. getäuscht. Die Umwandlung des Werkes in die Aktiengesellschaft und die Kapitalserhöhung wurden beschlossen, und das Bezugsrecht zu 185 Proz. ausgeübt, und jetzt repräsentieren die Aktien einen lediglich durch Intervention noch gehaltenen Kurs von 110 bis 115, d. h. so war der Wert am 17. d. M. Nach Niederlegung der Mandate mit der Erklärung, daß die opponierenden VorstandsDie Bedeutung der Gewerkschaft Justus I lag darin, daß das Werk als wasserfrei und reich an Edelsalzen galt, verhältnismäßig billig gebaut war und zu seinem Vorstande neben sehr patenten Leuten auch die Bergisch Märkische Bank in Glberfeld zählte. Die Gewerkschaft Justus wurde daher in Händlerund Bankkreisen als absolut sicheres Anlagepapier all den fleinen Rentnern und Rentieren empfohlen, die mit ihren paar Pimperlingen etwas mehr als 3½ Proz. Berzinsung verdienen wollten. Jm vorigen Jahre ging der Kurs des Kures, der auf fast 10 000 stand, nach dieser im Mai ziemlich rasch erklommenen Höhe unaufhaltsam zurück. Trotzdem gerüchtweise verlautete, das Kalilager sei verloren, schlug der Vorstand doch noch die Umwandlung der Gewerkschaft in die geschäftlich leichter zu handhabende Aktiengesellschaft vor und die Kapitalsvergrößerung um 1% Mill. Mart. Zu dieser Summe hatte sich die Bergisch- Märkische Bank, welche einige Monate vorher noch 600 000 M. für ungedeckte Obligationen hergegeben hatte, berpflichtet. Die Generalversammlung Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 25. Juli. Anfang 72 Uhr. Neues Operntheater. Carmen. Anfang 8 Uhr. Berliner. Sherlock Holmes. Lessing. Die lustige Witwe. Schiller 0.( Wallner Theater.) Morwit Oper: Carmen. Schiller N. c ( Friedrich Wilhelm. städtisches- Theater). Zapfenstreich. Komische Oper. Hoffmanns Er zählungen. Lustspielhaus. Unsere Käte. Kleines. Die Juden. Carl Weiß. Adele. Metropol. Auf ins Metropol. Apollo. Berlin im Dmnibus. Das blaue Bild. Spezialitäten. Wintergarten. Tortajada. Spezialit. Passage. Willy Prager. Spezialit. Seichshallen. Winter Tymian. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuv. Sternwarte, Inbalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Urania Taubenstr. 48/49. Täglich abends 8 Uhr: Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr. Wilh. Th.) Morwik- Oper. Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. it too, abends 8 Uhr: InvalidenSternwarte str.57/ 62. OOLOGISCHER Zi CARTEN Täglich ab nachmittags 5 Uhr: Großes Militär- Konzert. Eintritt 1 M., v. 6 Uhr ab 50 f. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Schweizer Garten Am KönigstorAm Friedrichshain. Täglich: Theater- Vorstellung, Spezialitäten BALL. und Berliner Theater.uf der Liebes- Insel. Mittwoch und folgende Tage: Sherlock Holmes. Anfang 8 Uhr. Neues kgl. Operntheater ( Kroll). Anfang 7 Uhr. Carmen. Donnerst.: Mignon. Freitag: Operetten- Burleske in 1 ft. Mlle. Martha Bellvert dressierten mit ihren Bären. Biccards amerit. Pantomime Die Einbrecher von New York. Jeden Mittwoch: Gastspiel Anna Sutter: Carmen Kinderfreudenfest. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und Invalidendank. Komische Oper. Sommerspielzeit 1906. Hoffmanns Erzählungen. Sommerpreise. ( Keine Vorverkaufsgebühr.) Anfang 8 Uhr. Lustspielhaus. Täglich abends Unsere Käte. 8 Uhr: Sommerpreise: Bart.- Fauteuil 3,20. Passage- Theater. Abends 8 Uhr Das glänzende Eröffnungs- Programm. 14 erstklassige Spezialitäten Metropol- Theater Anfang 8 Uhr. ! Auf- in's Metropol! Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen überall gestattet. Apollo- Theater Großer andauernder Heiterkeitserfolg! Berlin im Omnibus. Im zweiten Bilde: Der Omnibus- Trick. Dazu: Gute Spezialitäten! Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Täglich im Garten bezwv. in den unteren Sälen Gottschalk Freikonzert Mittwoch ut. Sonnabend: Freitanz. Damentanz frei. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. Reichshallen. Nur bis 31. Juli: Gastspiel Carmen. Oper in 4 Aften von Bizet. Donnerstag, a abends8uhr: Gastspiel Heinrich Bötel: Der Troubadour. Freitag, abends 8 1hr: Mittwoch, abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Drama in 4 Auszügen von Franz Adam Beyerlein. Donnerstag, abends8uyr: Zapfenstreich. Freitag, abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Oberon, König der Elfen. Im Garten tägl. gr. Militär- Konzert. Landes- Ausstellungs- Park. Neu erbaut: Festsäle, Café u. Konditorei, gedeckte Gartenhallen, Fontaine lumineuse. Dejeuners von 2,50 Mark an bis 2 Uhr nachmittags. Diners von 3,50 Mark, Soupers von 4 Mark an. Täglich: Doppel- Konzert. Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Im Theater: Täglich 8 Uhr: Adele. Lebensbild in 5 Aften von P. Rellich. Im Sommergarten: Heute Großes Kinderferienfest und Spezialitätenvorstellung. Anf. 5 Uhr. Volksgarten- Theater. Wasserstand am 23. Juli. Elbe bei Auffig+0,08 Meter, bei Unstrut bei Dresden+1,06 Meter, bei Magdeburg+ 1,91 Meter. Dder bei Ratibor 1,74 Meter, bei Straußfurt+1,40 Meter. Breslau Oberpegel+5,00 Meter, bei Breslau Unterpegel+0,68 Meter, bei Frankfurt+2,10 Meter. Weichsel bei Brahemünde+4,59 Meter. War the bei Bosen+0,34 Meter. Nezze bei Usch( 20. Juli) +0,65 Meter. Bernhard Rose- Theater Zentral- Verband der Maurer Gesundbrunnen, Badstraße 58. Große Extra- Benefiz- Vorstellung für den Der Heinrich Richter Regiffeur Der Verschwender. Romant. Schauspiel in 2 Aufzügen u. 12 Bildern von Ferd. Raimund. Das Sensations- Juli- Spezialität.Programm. Im Saale: Gr. Ball. Anf. 4%, Uhr, Eröffn. 2 Uhr. Billettvorvert. b. 10-1. Saisonkarten haben keine Gültigkeit. Kottbuser Sanssouci. Straße 4a. Sonntg., Montg.Donnerst. und Sonnabend: Hoffmanns Nordd. Sänger und Tanzkränzchen. Novität: Eine StadtratSitzung zur Zopfzeit. Poffe. Entr. 30 Pf., num. Pl. 50 Pf. Sonut.Beg. 5, Wochent. 8U. Im Vorgart.: Freikonzert. Badstr. 8( Behm- u. Bellermannstr.) Fröbels Allerlei- Theater Täglich: Konzert, Theater u. Spezialitäten. Jed. Mittwoch: Gr. Kinderfreudenfest. Jed. Donnerst.: Gr. Brill.- Feuerwerk. Volksbelustigungen aller Art. Die Kaffeeküche ist v. 1 Uhr an geöffnet. Max Kliems Sommer- Theater. Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Spezialitätenvorstellung Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Benefiz Schönhauser Allee 148. Donnerstag, 26. Juli: für den Regisseur Paul Uding ,, Auf fremder Erde". Ausstattungsstück in 4 Aften. Gr. Benefiz- Tanz Anfang 4 Uhr. Entree 30 Bf. Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Verbindung mit größter FilmsFabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. Diez' Spezialitäten- Theater. Otto Pritzkow. Münzstr. 18. Landsberger Allee 76/79( Ringbahnstation). Ob schön! Im herrlichen Garten oder Saal: Ob Regen! Bom 1. bis 16 Löwen Winter- Tymian Täglid: 30. Jult: rühmt. HerrenDie größte Sensation und beste Gruppe der Welt: im Salon des Löwenbändigers. mit seiner be- Gin Dompteur, eine Tänzerin im Löwenkäfig und eine Dompteuse mit noch nie gesehenen Tricks. 11 Uhr abends: Fütterung fämtlicher Bestien aus den Händen des Dompteurs. Gesellschaft. Anf. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Mittwoch Prinzeß Rajah, Fritz Brand, Bertins beſter 1. Aug.: Wieder- die hawaiische Schönheit beginn der Soireen der Stettiner Sänger. Prater- Theater Kastanien- Allee 7/9. Täglich: Amor von heute. Milardo, Humorist. Rebusa, Dressurnummer. Dammann Family. " Der grüne Tenfel". Große Pantomime. Konzert. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Platz 50 Pf. W. Noacks Theater. Direftion: Rob. Dill. Brimenstr. 16. Gastspiel des Herrn Hermann Litt b. Rembrandt- Theater in Amsterdam. Birkusblut. Operette in 2 Bildern von Baumgart. Dazu die erstklassig. Spezialitäten. Anfang 6 Uhr. Kaffeeküche von 3 Uhr. Bei schlecht. Wett.: Borstell. im Saale. Ostbahn- Park Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr.17 Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Neue Welt Safenheide 108--114. Jeden Mittwoch: Gr. Erntefest. Erntefeftzug, Bonbonregen, Puppen- Theater, Kinderfadelzug. Gratisverlosung. 1. Preise: Goldene Damen- und Herrenuhren. Großes Konzert der Hauskapelle Dir. B. Bothe. Spezialitäten vorstellung. Tanz- Reunion. Anfang 4 Uhr. Entree 0,15 M. Jed. Donnerst.: Monster- Feuerw. Salon- Humorist mit neuem Repertoire und das neue beste Programm Berlins. Kaffeeküche. Volksbeltstigungen aller Art. Entree 30 Pf. Vorzugskarten find gültig. Anfang 4 Uhr. Schwarzer Friedrichsberg. Fernsprecher Nr. 8. Adler Frankfurter Chaussee 5. Restaurant und Festsäle. Jeden Mittwoch: 16482* Humoristische Soiree der Willy Walde- Sänger. Familien- Kränzchen. x Bons haben Spezialitäten- Vorstellung. Jeden Sonntag: Spezialitäten- Vorstellung. Borstellung: Gültigkeit. Gebr. Arnhold. Im Saale: Großer Ball. Donnerstag: Kurmärkisches Feldartillerie- Regiment Nr. 39. Dirigent: Olli Bahr. Prima Weißbier. Der Ausstoß hat begonnen. Bergbrauerei Berlin N., Bergstraße 22. Telephon- Amt III, 1412. 8u A 17992* Wasserpartien empfehle mein Motorboot, trägt 70 Personen. Wochentags ganz solide Breise. Um Zuspruch bittet K. Finkelde Köpenick, Siet 4. Beste Bettenfüllung find die vorzüglich füllenden, sehr elastischen, echt chinefischen Monopoldaunen ( gefeßt. gefchüßt) Pfund Mr. 2,85. 3-4 Pfund genügen a. gr. Oberbett. Bers. geg. Nachnahme. Berpackung frei. Gustav Lustig Berlin S. 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Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 25. Juli, nachmittags 51, Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Zweigvereins- Vorstand. Zentralverband der Maschinisten u. Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin u. Umg. Todes Anzeige. Am 23. Juli verstarb das itglied, Stollege August Hoffmann. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 26. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes in Rigdorf aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 139/7 Die Ortsverwaltung. Verband der Graveure, Ziseleure u. v. B. Filiale Berlin. Am Sonnabend, den 21. v. M., verstarb nach langem, schwerem Leiden unser Kollege, der Graveur Julius Liebnitzky. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 25. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des alten Thomas- Kirchhofs, Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung bittet 1505 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Seranzspenden bei der Beerdigung unseres Sohnes Max Schwoy sagen wir dem Metallarbeiterverband, den Kollegen der Berlin- Anhalt. Maschinenbau- Anstalt A.-G., sowie allen Freunden und Bekannten unsern herzlichsten Dant. Die Hinterbliebenen. 18152 Fahrräder 3 Jahre Gar., 45 M. Famil.- Nähmasch. 5 Jahre Gar., 27 M. Laufdecken, 1jähr. Garant., Qual. 2,90. Luftschläuche 2,30 bis z. allerb. Qual. Vertreter meiner Fabrikate erhalten neues Motorrad für ermäßigt. Preis. Scholz, Fahrradw., Steinau a. 0. W. 44/45. Brennspiritus Marke ,, Herold" 30 Pf. ca. 90 Vol.- Proz.) OriginalLiterflasche 33 Pf. ca. 95 Vol.- Prozexkl. Glas. Ueberall erhältlich. 1802L* Centrale für Spiritus- Verwerthung G. m. b. H., Berlin W. 8. * Deutscher Holzarbeiter- Verband Zahlstelle Berlin. Bureau SO., Engel- Ufer 15( Gewerkschaftshaus). Fernsprecher Amt 4, 3578. Achtung! Tischbranche! Achtung! Bekanntmachung. Die hiesigen Ortskrankenkasse ist vom 21. d. M. ab Herrn Dr. Albert übertragen worden. Weißensee, den 21. Juli 1906. Der Gemeindevorstand. Rathmann. 275/4 | Orts- Krankenkaffe Deutscher Metallarheiter- Verband Gelb-- Zinngießer zu Berlin. Donnerstag, 26. Juli, abends 8%, Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17 Grts- Krankenkasse Am Mittwoch, den 1. August 1906, abends 8 Uhr, findet im Lokal von Wollschläger, Adalbertstr. 21, eine Vertrauensmänner- Versammlung Weißensee. General- Versammlung Tages- Ordnung: 89/ 119* Mittwoch, den 1. August, abends 1. Fortsetzung der Prüfung des Tarifs. 2. Werkstatt- 81hr, im Brauerei- Ausschant Enders- statt, wozu die Vertreter hiermit einangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Die Vororte find ganz besonders dazu eingeladen. Donnerstag, den 26. Juli 1906, abends 8, Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthalerstraße 11-12 Branchen- Versammlung der Stellmacher Tages Ordnung: 1. Vortrag des Genossen M. H. Baege über ,, Bibel und Babel". 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten..4. VerDie Kommiffion. schiedenes. Bollzähliges Erscheinen erwartet Zentralverband der Steinarbeiter. Berlin I. Donnerstag, den 26. Juli, abends 8 Uhr, im„ Englischen Garten", Alexanderstraße 27c Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: 172/ 18* 1. Der Streik in Mühlhausen und im Muschelkalkgebiet, die neue Aussperrung in Berlin. 2. Beitragse rhöhung. 3. Unser Ortsreglement. 4. Verschiedenes. Kollegen! In dieser Versammlung werden wichtige Beschlüsse gefaßt werden! Wir erwarten deshalb, daß alles vertreten ist. Bringe ein jeder feine Statistit bis zur Versammlung in Ordnung und gebe dieselbe ab. Mitgliedsbuch legitimiert! Der Vorstand. Vereinigung der Maler, Lackierer und Anstreicher. Melchiorstraße 28. Filiale Berlin. Tel.: Amt 3, 4787. Donnerstag, 26. d. M., abends 8%, Uhr, im„ Englischen Garten", Alexanderstr. 27 c: Kombinierte Vertrauensmänner- Versammlung der in der Küchenmöbelbranche beschäftigten Maler und Tischler. 125/ 16* Die Vertrauensleute. Weißensee, Stönigchauffee 5/6: Außerordentliche General- Versammlung. Tages- Ordnung: Ergänzungswahl für die durch Amtsenthebung ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder( 6 Arbeitnehmer, 3 Arbeitgeber). geladen find. Tages Drdnung: 1. Berlesung der Protokolle. 2. Antrag des Vorstandes auf Abänderung des Statuts. 3. Verschiedenes. Berlin, den 24. Juli 1906. 133b Der Vorstand. PrinzenArbeitsnachweis: Zimmer 34, Amt 4, 3353. Achtung! Verwaltungsstelle Berlin Hauptbureau: Engel- Ufer 15. Zimmer 1-5, Amt 4, 9679, Spandau! Achtung! Donnerstag, den 26. Juli, abends 8%, Uhr: Oeffentliche Versammlung der Metallarbeiter n.-Arbeiterinnen f. Spandau u. Umg. im Saale von Köpnick, Spandau, Pichelsdorferstr. 39. Tages- Ordnung: 1. Bortrag über: Boltsschule und Kindererziehung". Referentin: Fräulein Kadeit. 2. Diskussion. Kollegen und Kolleginnen! Des wichtigen Themas wegen ist es not wendig, daß alle erscheinen, keiner darf fehlen. Zur Beachtung! Dr. Simmel, Str. 41, Reichert, Mariendorf, Chauffeeftr. 16, eine Zahlstelle Unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daß im Restaurant Der kommissarische Verwalter Dr. Albert. Spezialarzt für 137/13 Zum Eintritt berechtigt sind Hant- und Harnleiden. nur die mit Legitimationstarte ver- 10-2.5-7. Sonntags 10-12, 2-4. 275/5 Große Auswahl Verlosungs- Gegenstände zu Landpartien liefert zu Engros- Dreifen L.Katz& Co., Spandauerstr. 45. Kaiserstraße, Ecke Schillingstraße. errichtet wurde. Die bisherige Zahlstelle Reinickendorf- Ost, Residenzstraße 37, wurde nach dem Lokale von Kirsch, Markstr. 2/3, verlegt. Die Ortsverwaltung. 123/1 Verband der Tapezierer. Sektion der Kleber. Donnerstag, den 26. Juli, abends 8, 1hr bei Augustin, Oranienstraße 103 Versammlung. Tages- Ordnung: 178/13 1. Bericht der Baukontrolle. 2. Bericht der Fünfer- Kommission. 3. Wahl des Vorsitzenden und des Schriftführers. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Die Sektionsleitung. Arbeiter- Bildungsschule Berlin Donnerstag, den 26. Juli, abends 812 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 8: General- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes, der Revisoren und des Lehrerkollegiums. 2. Anträge. 3. Schulangelegenheiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! Kufekes Kindermehl ohne Zusatz von Milch empfiehlt sich für Säuglinge mit Erkrankungen des Magen- Darmkanals, mit akuten und chronischen Magen- Darmtatarrhen, Darmentzündungen, Brechdurchfall usw., wo es darauf ankommt, ein leicht berdauliches und doch kräftiges Nahrungsmittel zu geben, welches nicht, wie die Kuhmilch, die Krankheit noch verschlimmert. Es gibt aber auch gefunde Kinder, welche gar keine Kuhmilch, ja oft nicht einmal die Milch der eigenen Mutter vertragen, sondern stets erbrechen, und bei denen kann man durch Verabreichung von Kufetes Kindermehl ohne Milch eine rationelle Ernährung erzielen. 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Ausfertigerin verlangt Buchholz, Achtung! Reinickendorferstraße 70. +80 ( Zahlstelle Berlin). Folgende Firmen haben, weil das Personal nach der Beendigung der Aussperrung nicht reumütig und bedingungslos in die Betriebe zurüdtehrte, weiter respektive erneut aus. gesperrt: G. Wübben& Co., Bilhelm straße 9. H. Sperling, Friedrichstr. 16. D. Bleistein, Friedrichstr. 16. Lüderitz& Bauer, Mauerftraße 80. Fritsche- Baumbach, Schöneberg, Bahnstraße. H. Reiß, Lübowstr. 107/8. H. Schubert, Wilhelmstr. 121. C. Metschke& Co., Zimmerstraße 94. A. Schoß, Buttkamerstraße 19. A. Schoß, Dessauerstraße. Schneider& Ziegler, Ritterstr. 76. Rickmann, Wilhelmstr. 121. Ad. Ludwig, Elisabeth Ufer 5/6. Fleck Nachf., 2üßowstr. 87. Kämmerer, Rochstr. 67. C. F. Walter, Wallstr: 16/17. Rich. Gahl, Chauffecftr. 20. Agthe, Wilhelmstr. 119/20. Lotze& Sieler, Rochstr. 3. Ad. Wittenburg, Wilhelm straße 16. Xaver Kölle, Reichenberger ftraße 36. Gebr. Trautmann, Lükowstraße 6. H. Schnkar, Hollmannstr. 16. F. R. Plantz, Luifenufer. Schreiber u. Co., Ludauerstraße 3. II. Metzke, Lühowstraße. Kürschner Wegen Differenzen haben sämt liche Arbeiter und Arbeiterinnen der Mützenfabrik von S. Gärtner & Co., Markusstr. 50, die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten. 102/ 15* Verband der Kürschner Berlins und Umgegend. Deutscher KürschnerVerband( Zahistelle Berlin.) Annahme- Stellen für ,, Kleine Anzeigen", Osten: Mann, Petersburgerplab 4. Wengels, Rüdersdorferstr. 3. Gustav Vogel, Koppenstr. 83. Nordosten: 2. Zucht, Keibelstr. 42. J. Neul, Barnimftr. 42. Norden: H. Naschke, Ackerstr. 36. F. Trapp, Rügenerstr. 24. Karl Mars, Lychenerstr. 123. Karl Weiße, Wiesenstr. 41/42. L. Dechand, Nuheplatstr. 24. S. Bogel, Lorgingstr. 37. A. Tich, Invalidenstr. 124. Nordwesten: Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. W. Schrolle, Gozłowskyftr. 29. Südwesten: H. Werner, Mittenwalderstr. 30. H. Schröder, Streuzbergstr. 15. Süden: Alle Genossen und Freunde der Organisation, machen wir darauf St. Frit, Prinzenstr. 31. aufmerksam, daß die Heimarbeit. Gurschmidt, Kottbuser Damm 8. ( Bogen falzen von Streifarbeit) in Südosten: übermäßiger Weise Play gegriffen hat Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/15. Wir bitten, die Hausbewohner auf. Horsch, Engel- lljer 15. das Verwerfliche ihres Tuns aufmierffam zu machen. Charlottenburg: G. Scharnberg, Sesenheimerstr. 1 Friedrichsberg: Die Ortsverwaltung. Kartonarbeitern. Arbeiterinnen! D. Seifel, Kronprinzenstr. 50. Rixdorf: M. Heinrich, Neckarstr. 7. Courad, Hermannstr. 50. Kartonnieter! Möblierte Schlafstelle, Herrn. Witwe Hülfert, Muladstraße 11. Separate Schlafstelle vermietet für 1376 Runge, Naunynstraße 31. Schlafstelle, saubere, für zwei Herren. Neumann, Seibelstraße 3. Schlafftelle, allein, Herrn. Liebig ftraße 7, III. Mannchen. +147 Möblierte Schlafstelle für zwei Herren. Frau Jänike, Rigdorf, Her- Tüchtige Berniererin auf Gas- Die Holzbearbeitungsfabrik 1476* furthstraße 27, Seitenflügel 4 Treppen. fronen verlangt Lampenfabrit, Nadge, Palisadenstr. 77/78, Nähmaschinen, ohne Anzahlung, Köpeniderstraße 149. W. Neske, Sedanstr. 105. wöchentlich 1,00. Warschauerstraße 67, Mietsgesuche. Mamsells auf glatte Baletots arbeiter gesperrt! Sämtliche ist für Galanteriearbeiter und Jul. Schillert, König- Chauffee 39a. Wienerstr. 1/6, Ackerstraße 111. 134b Junger Handwerker sucht möbliertes verlangt Refin, Bernauerstraße 14, I. Arbeiter befinden sich im Ausstande. Arbeiterinnen wegen Differenzen Reinickendorf: Ringschiff, 25,00, Garantie, gut Bimmer, Nähe Laufiber Play. auf Damenjadetts gesperrt. Die Ortsverwaltung. B. Gurfch, Provinzstr. 108. nähend, Jerusalemerstraße 7, Quer- Offerten unter Preisangabe E. W., außerm Hause verlangt Laß, Ravené der Handels- und Transportarbeiter. 24/12 1276* +91 straße 2. Verband der Maschinenarbeiter. gebäude III. 142/3 Filiale Laufiber Platz 14/15. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Mamsells 1486 ist für Maschinenarbeiter sowie Hülfs. Verband In der Kartonfabrik von Ad. Lesser, Krautstraße, find tarifliche Differenzen ausgebrochen. Diese Betriebe sind gesperrt! Die Firma Aloys Suk, Neander straße 4( Neanderhof) Schöneberg: Wilh.Bäumler, Martin Lutherstr. 51. Weißensee: 8t.m Z. Keilllge des LölMs" Kerliller AlksblÄ. Partei-?Zngelegenkeiten. Zm Lokalliste. Der Männergesangverein„Waldcsgriin" in Waidmannslust veranstaltet am 28. d. M. im Restaurant„Waid- tnannslust", Jnh. Ludw. Köhn, ein sogen. Familien-Sonimerfest. Wir weisen speziell darauf hin. datz das betreffende Lokal noch nie der Arbeiterschaft zur Verfügung gestanden hat, und ist es daher ganz besonders die Pflicht der Parteigenossen, alle Billetts zu irgend welchen Vergnügungen, welche dort abgehalten werden, ganz enl- schieden zurückzuweisen. Das Lokal„Karl Schrader-Hof", Berlin, Liebenwalderstraße 36, Jnh. O. Lehmann, steht der Arbeiterschaft zu den bekannten Be- dingungen zur Verfügung. Die Lokalkommission. berliner JVacbrichten. Vom„Volkspark" Grunewald. Als das Wort„Der Grunewald soll Volkspark werden!" bekannt wtirde, da schlugen alle Byzantiner Berlins ihre pflichtschuldigen Begeisterungspurzelbäume. Denn icnes der- heitzungsvolle Wort rührte ja, so sagte man, vom Kaiser her; mithin mußte das beglückte Berlin seinen tiefgefühlten Dank im voraus abstatten. Seitdem sind nun ein paar Jahre hingegangen, und man hat nach und nach einiges darüber erfahren, wie die Um- Wandlung des Grunewalds in einen„Volkspark" vor sich gehen wird. Vom Wald wird dabei, so scheint es, nicht allzu- viel übrig bleiben. Es wird dem Grunewald vermutlich nicht besser ergehen, als all den anderen Waldungen, die von der Riesenstadt Groß-Berlin, der unaufhaltsam wachsenden, um- klammert und allmählich erdrückt werden. Zunächst war das Projekt aufgetaucht, durch das in dem nördlichen Teil des Grunewalds— da, wo für die famose „Heerstraße nach Töberitz" ein breites Loch hineingerissen wird— ein beträchtliches Gelände„der Bebauung erschlossen" werden soll. Einen Wald„der Bebauung er- schließen" heißt: ihn den Erholungsuchenden verschließen— den Erholungsuchenden, die es nicht dazu haben, sich in besagtem Wald ein Grundstück zu kaufen und daraus eine Villa zu bauen. Den Unbemittelten wird der Wald v e r schlössen, e r schlössen wird er den Wohlhabenden und Neichen. So soll's mit dem Grunewald in seinem nörd- lichen Teil geschehen— und so wird er dort„Volkspark". Zu solcher Ver- und Erschließung werden selbstoerständ- lich niemals die schlechtesten Gebiete eines Waldes ausgesucht. Im Gegenteil: da, wo es am schönsten ist, just da sucht man sich den Platz für die Villenkolonien der Reichen. Es wird sich daher auch niemand wundern, daß schon jetzt ein zweites„Erichließungs"-Projekt kommt, durch das der Grüne- wald dem schonen Ziel, ein„Volkspark" zu werden, wieder noch um einen Schritt näher gebracht werden soll. Durch den östlichen und südlichen Teil des Grunewalds zieht sich eine Kette von Waldsecn, der Hundekehlensee, der Gruncwaldsee, der Riemeistersee, die Krumme Lanke, der Schlachtensee. Auch diesem schönen Stück Erde möchten unternehmende Leute das Schicksal bereiten,„erschlossen" zu werden. Das neue Projekt wird den Berlinern in einer Zu- Vereitung serviert, die es ihnen schmackhafter machen soll. Als Hauptsache wird hingestellt der Plan, die Seenkette in einen Kanal umzuwandeln, der bei Beelitzhof in den Wannsee und somit in die Havel münden soll. Wo der Kanal anfangen soll, wird nicht gesagt. Offenbar hat hier vor Zeiten ein natürlicher Wasserlauf bestanden, der in Charlottenburg aus der Spree austrat, über Lietzensee, Halensee, Grunewald- see usw. bis zum Schlachtensee und von da über den jetzt auch schon umbauten Nikolassee in den Wannsee hineinführte. Die Seen sind Neste dieses Wasscrlaufes, dessen Linie durch die zwischen den Seen noch vorhandenen Niederungen bezeichnet wird. Die volle Wiederherstellung bis Charlottenburg ist heute ausgeschlossen. Aber der projektierte„Kanal" soll ja guch nicht der Schiffahrt, sondern nur dem Vergnügen dienen. Im„Berliner Tageblatt" steht zu lesen, nach Ansicht von achleuten werde sich das Kanalprojekt ohne allzu große osten ausführen lassen. Das ist glaubhaft, da ja fast nur die oben erwähnten Niederungen, die sich heute als meist ungang- bare Sümpfe darstellen, vertieft zu werden brauchen. Hinzu- gefügt wird, wahrscheinlich werde man auch aus dem Verkauf anliegender Terrains große Summen erzielen. Dieser Zusatz ist„des Pudels Kern". Der Verkauf anliegender Terrains, i. h. die Schaffung neuer Villenkolonien für Reiche, das ist der Hauptzweck dieses Projektes. Das„Berliner Tageblatt" jubelt:„Die Ausgestaltung des Grunewalds zu einem Volkspark würde durch eine solche Verbindung noch bedeutend an Wert gewinnen." Und es weiß gleichzeitig zu melden:„Es ist daher von beteiligten Seiten auch versucht worden, den Kaiser für jene Idee zu ge- Winnen."_ Feurr in der Kaserne der Gardcdragoner in der Alexandrinen- ztraße 12/14 an der Neuenburgerstraße alarmierte gestern früh um g>/2 Uhr die Feuerwehr. Gleichzeitig stand in der Seydelstr. 26 ein Dachstuhl in Flammen. Als Brandmeister Sandberg mit dem 17. Löschzuge an der Brandstelle in der Alexandrinenstraße ankam. brannte dort der Dachstuhl des linken Seitenflügels in einer Aus- dehnung von 60 Meter. Die zweite Schwadron, die dort kaserniert ist, war zum erstenmal zur Felddienstübung ausgerückt. Die zurück- gebliebenen Pferde, etwa 20 Stück, wurden von der Wache aus den Ställen ins Freie gebracht. Die FeuerpikettS des Regiments er- schienen bald.nach Ausbruch des Brandes, um sich an der Löschmig zu beteiligen. Da der Brandherd im Dachstuhl des zweistöckigen Gebäudes' lag, ließ Brandmeister Sandberg über eine große mechanische Leiter und drei Stecklettergänge sowie über die in der Mitte der Kaserne befindliche Treppe vorgehen. Wegen der Ver- qualmung der Bodenräume, in denen große Vorräte an Stroh, Heu, Hafer usw. lagerten, mußte das Ziegeldach an vielen Stellen von der Feuerwehr eingehauen werden. Dichter Qualm vermischt mit Flammen drang bald aus diesen Oeffnungen heraus. Die Feuerwehr gab unausgesetzt kräftig Wasser und warf gleichzeitig die erreichbaren brennenden Bunde Stroh auf den Kaserncnhof. wo Dragoner standen, die das Stroh ablöschten. Es gelang schließlich den Brand auf den linken Seitenfliigel zu beschränken. Entstanden ist der Brand in einem Fourageraum der zweiten Schwadron.— In der Seydelstraße 26/27 stand der Dachstuhl des vierstöckigen linken Seitenflügels mit dem des Ouergebäudes in seiner ganzen Aus- dehnung in Flammen. Diese hatten an Büsten der Firma P. Baschwitz reiche Nahrung geftmden und gefährdeten die an- grenzenden Gebäude in hohen, Grade. Brandinspektor Dransfeld ließ deshalb sieben Schlauchleitungen von Dampfspritzen vornehmen und unausgesetzt Wasser geben. Dadurch gelang es, die Gefahr für die übrigen Gebäude zu beseitigen. Die Bodenräume sowie der Dachstuhl des Ouergebäudes konnten nicht mehr gerettet werden. Die Ablöschung war infolge der großen Hitze und Oualmentwickelung sehr erschwert. Erst gegen Mittag konnten die Löschzüge wieder ab- rücken. Die Entstehung dieses Brandes ist noch nicht ermittelt. Der Schaden ist bedeutend, indes durch Versicherung voll gedeckt. 100000 Fernsprcchanschliisse wird der Berliner Bezirk in den nächsten Monaten zählen. Nach der letzten soeben fertiggestellten Auf- nähme vom 1. Juli zählt er bereits 09 173 Haupt- und Neben- anschlüsse. Die Zunahme hat in den letzten sechs Monaten seit dem 1. Januar d. I. 6504 berragen. Von den vorhandenen Anschlüssen entfallen 77 017 auf die Fernsprechämter von Verlin selbst, der Rest mit 22 156 auf die Vororte. Eine Protcstvcrsammliing der Straßcnhändler Berlins beschäftigte sich in der gestrigen Nacht im Englischen Garten mit dem schneidigen Vorgehen der Polizeiorgane. Sämtliche Redner wandten sich scharf gegen die polizeilichen Schikane gegen die Straßenhändler. Es wurde betont, daß die Druckschriftenhändler besonders unter der polizeilichen Willkür zu leiden halten. Die Bevorzugung der seß- haften Händler gegenüber den ambulanten wnrde in folgender Re- solution vcrurleilt:„Die Versammelten protestieren aufs schärfste gegen die rigorose Handhabung der Polizei gegenüber dem ambulanten Straßenhaudel und die Bevorzugung der seßhaften Händler, die sicv des besonderen Wohlwollens der Polizei erfreuen, während der erstere unter der Willkür der Polizeibeamten zu leiden habe. Die über den Straßenhändler verhängten Strafen seien un- erschwinglich. Die Versammellen erwarten deshalb, daß der Polizei- Präsident Mittel und Wege findet, um diesen unhaltbaren Zuständen ein Ende zu bereiten." Eine neue Spezialität im Rauvfach wird seit einiger Zeit auf den Stationen im Vorortverkehr betrieben. In Betracht kommen hauptsächlich kleinere Bahnhöfe, aus denen sich in den Stations- gebäudcn nur zwei Beamte befinden. Laufen dann zu gleicher Zeit zwei Züge ei», so müssen beide Beamte den Raum dienstlich ver- lassen. Diesen Augenblick benutzen die Räuber, um schleunigst in das Stationsbnreau einzudringen und die Hauptkaffe zu berauben. Auf diese Weise wurden in der gestrigen Nacht auf der Station Eichwalde- Schmöckwitz 336 M. in Gold und Papier aus der Kasse geraubt. Das Silbergcld mußte der Täter in der Eile zurücklassen. Bei einem anderen Raube auf der Station Hirschgarten fielen dem Täter 400 M. zur Beute. Beim Rudern ertrunken. Zu den zahlreichen Opfern, die der Wassersport in diesem Jahre bereits gefordert hat, ist schon wieder eines hinzugekommen. Auf dem Tegeler See, zwischen Papeuberge und Heiligensee, geriet ein nnt drei Personen besetztes Boot in den Wellenschlag eines vorüberfahrenden Personendampfers. Das Fahr- zeug wurde von den Ruderern so ungeschickt durch die Wellen bng- siert, daß es zum Kentern kam. Die Insassen stürzten in die Fluten und nur mit knapper Mühe und Not konnten zwei der Verunglückten den Wellen entrissen werden. Sie waren bereits bewußtlos. Da- gegen versuchten die Retter vergeblich, den dritten Bootsinsassen, der bereits in der Tiefe verschwunden war, zu erreichen. Es handelt sich um die Buchhalterin Elise Conrad aus Berlin. Ihre Leiche konnte bisher noch nicht gelandet werden. Vom Hitzschlage getroffen wurde gestern abend der Billeteur Franz Floretzack aus der Beusselstr. 39. F. befand sich am Eingange des Zoologiichen Gartens, wo er die Billettkontrolle ausüble. Plötzlich brach er besinnungslos zusammen und wurde von seinen Kollegen nach der nahen Unfallstation XX gebracht. Dort stellte der Arzt fest, daß F. von einem starken Hitzschlage getroffen worden war. Der Verunglückte fand im Krankenhause Moabit Aufnahme und liegt dort in bedenklichem Zustande danieder. Durch einen herabstürzenden Fensterflügel schwer verletzt wurde gestern abend der 41jäbrige Bürstenmacher August Wieland, Georgen- lirchstraße 36 wohnhaft. W. war nach der Drontheimerstr. 2 ge- gangen, um auf einen dort wohnhaften Freund zu warten. Als der letztere in der zweiten Etage das Fenster öffnete, um auszuschauen, ob W. schon eingetroffen sei, löste sich plötzlich ein Fensterflügel und stürzte auf die Straße hinab. Unglücklicherweise wurde W. von dein schweren Gegenstand mit voller Wucht an den Kopf getroffen. Er brach bewußtlos zusammen und mutzte nach der Unfallstation in der Badstratze gebracht werden. Großes Interesse erregt zurzeit eine Dauipfamouwüilspritze der Firma E. C. Flader-Jöhstadt. Diese Dampfspritze ist für die Feuer- wehr in Metz gebaut worden und ist gestern der Berliner Feuerwehr vorgeführt worden. Vorher sind mit ihr schon Probefahrten in der Umgegend von Berlin ausgeführt worden, wobei 35 Kilometer in der Stunde zurückgelegt wurden. Diese Automobildampfspritze bildet einen ganz neuen Typ. Der Dampfkessel mit der Feuerung und dem Pumpwerk liegen auf der Hinterachse. Auf der Vorderachse liegen die Ballons mit Kohlensäure für den ersten Antrieb, und für Petroleum. Die Feuerung ist für Steinkohlen und Petroleum eingerichtet. Das Pumpwerk ist für eine durchschnittliche Leistung von 1500 Liter in der Minute konstruiert. Trotz ihres großen Gewichts ließ die Beweglichkeit der Spritze nichts zu wünschen übrig, so daß sie, einmal im Betriebe, sicher wesentlich zur Er- höhung der Feuersicherheit beitragen wird und vier Handdruck- spritzen ersetzen kann. Schutz gegen Fahrraddiebe. Auf dem Polizeipräsidium wurde gestern eine Erfindung von dem Ingenieur Janssen von der tech- nischen Hochschule in Hannover vorgeführt, die geeignet ist. Fahrrad- diebstähle zu verhindern. Der Apparat wird zwischen der Gabel des Rades angebracht und gibt bei dem Versuche eines Diebstahls einen weithin wahrnehmbaren, revolverschußähnlichen Knall ab, wodurch Passanten ausinerksam gemacht werden. Außerdem findet auch eine Rauchentwickelung statt, damit man nicht annehmen kann, es handle sich lediglich um das Platzen eines Schlauches. Weder durch List noch Ge- walt kann der Apparat von dem Diebe entfernt oder in der Ans- Übung seiner Funktionen gestört werden. Nur der Besitzer kann die Sicherung abstellen und selbst ein mit dem Apparat Vertrauter steht ihm machtlos gegenüber. Um eine schleunige Flucht des Diebes nach dem Knall sicher zu verhüten, springt gleichzeitig mit dem Knall ein Hebel in die Speichen des Rades, sodaß es nicht von der Stelle zu bringen ist.— Zu der Notiz:„Von einem entsetzlichen Unglücksfall" in unserer Nummer vom Donnerstag teilt uns der Badeanstaltsbesitzer mit, daß der betreffende Schüler Ahrend sich bei dem Unglücksfall in dem Bassin für Nichtschwimmer befunden habe und eine Gefahr zu ertrinken nicht vorhanden gewesen sei. Auch hat er den Finger aus dem Kettenglied selbst herausgezogen, wobei er sich eine nicht er- hebliche Wunde zugezogen hat. Der Knabe habe von dem Vorfall nichts merken lassen. Die Lithographenliste Nr. 3870 ist in der Nähe der Belle- alliancestraßc verloren gegangen. Der Finder wird gebeten, dieselbe im Verbandsbureau des Zentralverbandes der Konditoren, Brunnen- straße 30. abzugeben. Feucrwchrbericht. Am Dienstag hatte die Feuerwehr tüchtig zu tun. Außer den an anderer Stelle mitgeteilten Bränden halte die Wehr u. a. einen größeren Kellerbrand in der Albrechtstr. 13/14 zu löschen, wo Brennmaterialien und Hansrat der Mieter brannten. Gleichzeitig hatte die Wehr in der Bischofstr. 6/8 Wasser zu geben. wo aus dem Treppenflur Kisten ZC. in Brand geraten waren. Wegen einer Gasvergiftung würde die Feuerwehr nach der Oderbcrgerstraße 23 gerufen. Unter Benutzung von Sauerstoff gelang es, die vergifteten Personen zu retten. Kisten, Papier u. a. brannten in der Alten Schönhauser- straße 59 und eine Küche in der Veteranenstr. 1/2. Aus der Grün- thalerstr. Gl wurde ein Gardinenbrand und aus der Wilsnackerstr. 28 ein Schornsteinbrand gemeldet. Ferner hatte die Wehr in der Wasserthorstr. 53 zu tun. Manne liefen dann noch aus der Linden- straße 52, Seestr. 65, Schönhauser Allee 57, Linienstr. 243, Perle- bergerstraße u. a. Stellen ein. Vorort- JVacbricbten* Nixdorf. Eii» schwerer Automobilunfall ereignete sich gestern nachmittag gegen 4 Uhr am Kottbuser Damm in der Nähe des Hermannplatzes. Zur genannten Zeit kam von Rixdorf die Automobildroschke Nr. 280 in zienilich schneller Fahrt herangesaust, als aus der Kaiser Friedrich- straße komniend der Hausdiener Fedtkenhauer, Strelitzerstr. 3 wohn- Haft, auf einem Zweirade den Kottbuser Damm kreuzte. Er ver» suchte kurz vor dem Automobil vorbeizufahren, dessen Führer, um einen Zusaminenstoß zu vermeiden, nach der linken Seite des Fahr» dammes hinüber steuerte. Hier kam ihm aber der Straßenbahn- wagen Nr. 1895 der Linie 29 entgegen. Der Radfahrer geriet zwischen beide Fuhrwerke, wurde von dem Automobil erfaßt und seitlich gegen den Straßenbahnwagen geschleudert. Gleichzeitig fuhr auch die Automobildroschke gegen die Vorderplattform des Bahn- Wagens. Fedtkenhauer, der eine schwere Kopfverletzung erlitte» hatte, wurde nach dem Krankenhause am Urban übergeführt. Charlottenburg. Durch Lysol vergiftet hat sich am Dienstagabend gegen ll!ß Uhr ein junger Mann im Alter von 18—20 Jahren in dem Lokal von Sauer, Pestalozzi- und Wielandstraße-Ecke. Der Lebensmüde ging in die Retirade, trank von dem Lysol und kehrte in das Lokal zurück. Kaum, hatte er sich jedoch auf den Stuhl gesetzt, als er zusammen- brach. Zwei hinzugerufene Aerzte konnten nur noch den Tod fest- stellen. Ober- Schönelveide. „Ungebühr". Ein Arbeiter im Kabelwerk Oberspree gestattete sich am Sonnabend den Luxus, sich krank zu fühlen. Er bat den Herrn Platzmeister lim die Ausstellung eines Krailkenscheines. Da er im Laufe des Tages einen solchen nicht erhielt, gestattete er sich, bei der Lohnzahlung noch einmal daran zu erinnern. Die Folge war ein Wortwechsel und schließlich, obgleich kein ausfälliges Wort von feiten des Arbeiters gefallen war, die Entlassung desselben wegen „Ungebühr". Wir finden, daß es ungebührlich ist, wegen derartiger Lappalien einen Familienvater aus Lohn und Brot zu jagen. Bernau. Die Genossen von Bernau nahmen in der Generalversammlung am Sonnabend den Bericht des Vorstandes entgegen. Daraus ist zu erwähnen, datz während des verflossenen Halbjahres 3 Volks- Versammlungen, 6 Wahlvereinsversammlungen, 9 Vorstandssitznngen und 2 Koininissionssitzungen stattgefunden haben. Die Kassen- Verhältnisse ergaben in Einitahme 349,79 und Ausgabe 223,65 M., bleibt ein Bestand von 126,14 M. Als Kassierer wurde Genosse Robert Mäß und ziun zweiten Vorsitzenden Genosse Siemund gewählt. Dein Berichte der Zeitungskommission, über die Vorarbeiten zur Einführung einer Spedition der Parteiliteratur in eigene Regie, ivurde von der Versannnlung zugestimmt. Genosse Heinrich Brose, Sohnsteinstr. 74, wurde als Zeitungsspediteur gewählt und die enossen aufgefordert, ihren Bedarf an„Vorwärts",„Branden- burger Zeitung" und sonstiger Parteiliteratur vom 1. August 1906 ab nur bei genanntem Genossen zu bestellen. Zu Revisoren der Zeitungsspedition wurden die Genossen Ewert, Hintze und Gustav Krüger gewählt. Den Bericht von der Kreisgeneralversammlung erstattete Genosse Jntemann. Zu Delegierten für die General- versa, nmlung von Groß-Berlin wurden die Genossen Helbig und Jntemann gewählt. Königs-Wusterhausen. Auf Grund der schweren Anschuldigung eines GatteninordeS ist gegen den Oberamtmann Graichen in Schwerin bei Königs-Wuster» Hansen eine Untersuchung eingeleitet worden. Vor etwa sechs Wochen starb die Frau des G., die längere Zeit krank gewesen war. Der Oberamtmann hatte eine Krankenpflegerin engagiert, und dieser erzählte die Frau, daß ihr Mann sie zu vergiften gesucht habe. Er hätte am 2. April ihr Büchsenschote» zu essen gegeben und zwischen die Schoten ein weißes Pulver gestreut, worauf sie erst ernstlich erkrankt sei. Die Krankenpflegerin war geneigt, diese Erzählung für ein Wahngcbilde der fieberkranken Frau zu halten, erstattete jedoch jetzt gegen den Oberamtmann G. die Anzeige, nach- dem ihr von anderer Seite die Giftmordszene bestätigt worden war. Das Dienstmädchen des Oberamtmauns, das kürzlich entlassen worden ist, behauptet nämlich, ebenfalls gesehen zu haben, wie G. ein weißes Pulver zwischen die seiner Frau vorgesetzten Bohnen ge- schüttet hätte. Die Staatsanwaltschaft in Königs-Wusterhausen hat auf Grund der angestellten Erhebungen die Exhumierung der Ver- storbenen angeordnet. Die Leichenschau dürfte ergeben, ob eS sich bei der Anzeige um einen Racheakt gegen G. handelt, oder ob die Anschuldigung auf Wahrheit beruht. Pankow. Durch elektrischen Strom getötet. Bei einem verhängnisvollen Unglücksfall hat der 21jährige Monteur Karl Hoffmann aus der Zietenstraße sein junges Leben eingebüßt. In dem Schalthaus der Berliner Elektrizitätswerke in der Berlinerstraße zu Pankow waren mehrere Monteure mit Montiernngsarbeiten beschäftigt. H. arbeitete an einer toten Leitung. Etwa 20 Zenttmeter von ,hm entfernt be- fand sich eine geladene Stromleitung. Mit seinem Werkzeuge kam er plötzlich mit der Leitung in Berührung und ein Starkstrom von 6000 Volt übertrug sich auf den Körper des bedauernswerten jungen Mannes. Sofort brach der Getroffene zusammen und starb kurz darauf unter den Händen seiner Kollegen. Die Leiche wurde»lach der nahen Friedhofshalle gebracht. Gerichts-Zeitung. Minister Dr. StudtS ErziehungSrcfultate auf der Anklagebank. Gestern stand Frau Rosalie F ö r k e unter der Anklage des Be- truges vor der hiesigen Strafkammer. Die Angeklagte läßt seit längerer Zeit in mehreren Zeitungen Inserate erscheinen, in welchen sie sich als gottbegnadete Hellseherin empfiehlt, die die Zukunft vorhersehen könne. Sie baut bei diesem Annoncenschwindel darauf, daß in der Aera Studt die Dummheit dem Volke erhalten geblieben ist, wählt als Annoncenblätter solche, die den Ruhm Studts preisen und deshalb ein Lesepublitum haben, das da glaubet. Ihre Selbst- Prophezeiung, daß infolge dieser Annoncen Dumme in ihr Netz laufen werden und daß sie sowie die Studt-frommen Blätter wegen der Schwiiidelannoncen anklagefrei bleiben würden, hat sie nicht ge- täuscht. Auf die Anklagebank kam sie. weil sie gar zu arg eine fromme Studtgläubige rupfte. Zu ihren Kunden gehören höchst feudale Damen von Dun,enskirchen und Heuchelbroda, aber auch durch die Misere der Volksschule und Kirchen leider rückständig ge- bliebene Arbeiterinnen. Eines Tages erschien die 20jährige Fabrik- arbeiterin G. bei der Angeklagten. Diese stellte schon nach den ersten Worten als Motiv der„Konsultatton" Liebeskummer fest. Das junge Mädchen klagte unter bitteren Tränen, daß ihr Bräutigani iminer kühler zu ihr werde und sich jetzt gänzlich von ihr abwenden wolle. Die Angeklagte braute unter allem mög- lichen Hokuspokus einen Liebestrank und brachte schließlich auS dem Eidotter eines Huhns auch den Grund des zurückhaltenden Wesens des heißgeliebte» Bräutigams heraus. Allen Ernstes versicherte sie fcem sltngen Mädchen, dör Treulose befinde sich nur in Geldberlegeir heit und wolle es ihr nicht eingestehen. Er würde es aber sehr übel nehmen, wenn s i e ihm das Geld persönlich anbiete. Die erfindungsreiche„Wahrsagerin" bot sich an. die Vermittclerrolle zu übernehmen und dem jungen Mann das Geld zu übergeben. Die Studtsche Erziehung und die Liebe mußte das junge Mädchen doppelt blind gemacht haben. Denn vertrauensvoll händigte sie der Angeklagten zwanzig Mark aus, nachdem sie. vorher den Namen und die Wohnung ihres Bräutigams angegeben hatte. Zu ihre», größten Leidwesen blieb jedoch alles beim alten. Sie begab sich deshalb nochmals zu der Angeklagten Diese gab an, der Bräutigam brauche noch mehr Geld. Die ver trauensselige Studtjiingerin opferte nochmals süns Mark. Natürlich wieder ohne jeden Erfolg. Der Bräutigam verblieb bei seinem ab- lehnenden Verhalten. Endlich faßte sie sich Mut und sprach ihn au' der Straße an, ob er denn die 25 Mark nicht erhalten habe. Nun- mehr stellte sich heraus, daß dieAngeklagteda j u n g'e Mädchen in der p I u m p e st e n Weise beschwindelt und das Geld für sich behalten hatte. Zwischen den Liebesleuten kam es zu einer Aussprache und Wiederversöhnung. Gegen die betrügerische Wahrsagerin wurde das jetzige Strafverfahren anhängig gemacht. Der Vertreter der Anklage- beHorde beantragte mit Rücksicht darauf, daß das Treiben derartiger gewissenloser Wahrsagerinnen einen ziemlichen Grad von Gemen, gefährlichkeit erreicht habe, eine Gefängnisstrafe von f ii n, Tagen. Das Schöffengericht nahm von einer Freiheitsstrafe Abstand und erkannte auf 40 Mark Geldstrafe. Die Mit- schuld der preußisch-reaktionären Erziehung und die Aufnahme solcher Schwindelannoncen in Zeitungen an der Ausplünderung der Ver- liebten, mag zu diesen, milden Strafmaß beigetragen haben. Ver- kündet wurde als Strafmilderungsgrund die bisherige llnberührtheit der Angeklagten von staatsanwaltlichen Angriffen. Entschädigung für verspätete Aushändigung der Jiwalidenkarte. Der Arbeiter W., der bei den Rabitzputzern als Kalkträger be- lchäftigt war. hatte mit seinem Arbeitgeber Liebich Differenzen, die im Laufe des Nachmittages zur Lösung des Arbeitsverhältnisses führten. Die Invalide„karte W/s war nicht auf dem Bau. Am anderen Tage sandte sie Liebich ihm per Post zu. W verlangte eine Entschädigung wegen dieser Verzögerung Sie wurde ihm durch die Kammer 3 des B e r- liner Gelverbegerichts in Höhe von sechs Mark als Ersatz eines entgangenen Tagesverdienstes zu gesprochen. Begründend wurde ausgeführr: Nach den, Tarif der in Betracht kommenden Branche sei die vom Arbeitgeber aufbclvahrte Jnvalidenkarte bei der Lösung des Arbeitsverhältnisses den, Arbeiter auszuhändigen, und sofern daS unmöglich sei, ihn, per Post zuzusenden. Der letztere Fall treffe hiev zu. Die Bestimmung sei aber so aufzufassen, daß die Zusendung sofort, d. h. sobald als möglich erfolgen solle. Da hier das Arbeitsverhältnis nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr gelöst sei. so hätte die Karte noch am selben Tage vom Kontor aus abgesandt werden können. Dadurch, daß sie erst am nächsten Tage zur' Post gegeben wurde, sei es dem Kläger , n, möglich gewesen, an ihm Ivo anders zu arbeiten. Hierfür muffe Beklagter Schadenersatz leisten._ Haftung für verspätete ZeugnisauSstellui�. Den, Rohrleger W. war bei Lösung des Arbeitsverhältnisses von seinem Arbeitgeber Honsdorf die Zusendung eines Zeugnisses versprochen worden. Er erhielt auch an, nächsten Tage ein Zeugnis, daS aber auf den Helfer W. lautete. Das Versehen hatte die Tochter des Meisters begangen. Auf sein schriftliches Verlangen erhielt W. alsbald ein richtiges Zeugnis. Für die inzwischen vergangenen drei Tage beanspruchte W. durch Klage beim Gewerbe- gericht eine L o h>, e n t s ch ä d i g u n g. Der Beklagte wurde auch dazu verurteilt, und zwar mit folgender Begründung: Mit dem ersten Zeugnis, das fälschlicherweise auf den Rohrleger Helfer W. ausgestellt war, hätte 5lläger beim Arbeitsnachweis der Rohr leger usiv. kein e Stellung als Rohrleger erhalten können. Er habe deshalb Anspruch auf Entschädigung. Gleichgültig sei es, ob Beklagter freiwillig sich erboten hätte, dem Kläger ein Zeugnis zuzusenden. Auf jeden Fall hätte es richtig sein müssen. Für das Versehen der Tochter müsse er aufkommen. VerlarmnUingeu. eine vom Der Berein der Zimmerer Berlins hielt an, Sonntag Generalversammlung ab. Zunächst wurde die Abrechnung 2. Quartal entgegengenonunen. Dann gab der Vorsitzende Juppenlatz das Resultat einer Erhebung bekannt. Der Verein hat 2138 Mitglieder. Von den 2088 Mitgliedern, auf welche sich die Erhebung erstreckt, gehören 385 den politischen Organisationen der Sozialdemokratie an, 775 sind Abonnenten des„Vorwärts", 4 halten die„Brandenburger Zeitung" bczw. die„Märkische Volks- stimme", 22 abonnieren anarchistische Blätter, 84 die„Morgenpost", 23 das„Deutsche Blatt", 13 die„Berliner Volkszeitung", 15 andere - bürgerliche Blätter. Im Anschluß an diese Mitteilung führte S ch i e m i n s k i aus: Die Erhebung �eige, daß noch ein tzrotzer Teil der Mitglieder zu den politisch Indifferenten gehöre, sie zu klassenbewußten Ar- beitern zu erziehen, sei die Pflicht der Gewerkschaft. Die Aus- Übung dieser Pflicht werde aber sehr erschwert, wenn die„Einigkeit" Artikel bringe, wie den A. K. gezeichneten in N r. 2 8, der zur Gründung einer neuen Partei auffordert. Dieser Artikel schlage den Prinzipien der Ver- cinigung der Zimmerer ins Gesicht. Der Artikel werde wohl in Berlin nicht viel Schaden.anrichten, er sei aber geeignet, die Agitation außerhalb Berlins zu erschweren und die Kameraden zu verwirren. Es habe den Anschein, als sei den Elementen vom Schlage des Schreibers des A. K.-Artikels nach dem letzten Kongreß der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften, wo man ihnen ja sehr entgegengekommen sei, der Kamm so gewaltig geschwollen, daß sie jetzt glauben, sie seien Herren der Situation. Gegen solches Vorgehen, wie es in dem A. K.-Artikel zum Ausdruck komme, müsse laut und energisch protestiert werden. Das sei auch die Meinung, welche in einer Besprechung der Funktionäre des Vereins herrschte. Die größeren Gewerkschaften des Kartells ständen auf dem Stand- punkt, daß die„Einigkeit" durch Aufnahme dcS Artikels einen schweren Fehler gemacht habe. Das müsse auch Hie Versammlung erklären. Klotz äußerte sich in demselben Sinne.— Fritz erklärte sich mit den Ausführungen Schien, inskis nicht einverstanden, es liege kein Grund vor, über die„Einigkeit" herzufallen, der Artikel biete keinen Anlaß zum Protest.—©ch äffer führte aus, daß er mit dem Artikel nicht einverstanden sei. Derselbe widerspreche dem Programm der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften. Die Aenderung des Programms durch den letzten Kongreß solle nicht dazu dienen, von der Sozialdemokratie abzurücken. In dem A. K.-Artikel sei zwar viel Wahres, aber die Gesamttendcnz des- selben könne nicht gebilligt werden. �Der Artikel sei der Meinungs- ausdruck eines einzelnen, der kein Sozialdemokrat sei. Wenn aus Anlaß des Artikels den durch die„Einigkeit" vertretenen Getizerk- schaften in der Parteipresse der Vorwurf des Parteiverrats ge- macht werde, so müsse das entschieden zurückgewiesen werden, denn diese Gewerkschaften seien mit dem Artikel nicht einverstanden, er sei nicht- eine Aeußerung aus ihren Reihen. Solche Elemente, wie den Verfasser des Artikels, müßten die Gewerkschaften der Freien Vereinigung abschütteln.— Schüler sprach ebenfalls iy, Sinne der Ausführungen Schieminskis. Repschläger meinte, so schlimm sei es mjt dem Artikel nicht. Der Verfasser desselben sei ihm lieber, wie manche Ge- nossen, die im„Vorwärts" so engelrein tun, oder wie solche, die auf revisionistischem Standpunkte stehen. Den Artikel könne Redner nicht verurteilen, es sei nur zu bedauern, daß derselbe zu un- gelegene� Zeit erschien. Wer sei denn an der ganzen Sache schuld, Perantwonlicher Redakteur: KanZ Weber, Berlm, wer habe denn die Veranlassung zu dem Artikel gegeben? Doch nur die Konferenz des Parteivorstandcs mit der Gencralkommission. Wenn man einen Vertreter der Freien Vereinigung zu jener Kon- ferenz hinzugezogen hätte, dann tväre das nicht geschehen, was jetzt als Folge der Konferenz die Oeffentlichkeit beschäftigt. Die Ansicht, welche Genosse Liepmann im„Vorwärts" vertrat, daß der A. K.-Artikel von den Gewerkschaften der Freien Vereinigung aus- gehe, müsse zurückgewiesen werden. Nicht gegen den Artikel solle man protestieren, sondern gegen die Tendenzmacherci Licpmanns. L a b i tz k i erklärte sich mit dem Protest gegen den A. K. Artikel einverstanden. Die Veröffentlichung desselben sei eine taktische Unklughcit. Ebenso sei es unklug, daß die Redaktion der „Einigkeit" in ihrer letzten Nummer den Artikel noch zu ver tcidigen suche. Die herben Worte, welche hier gegen den Artikel gefallen seien, könne Redner nicht unterschreiben; es komme ihm vor, als wenn sich die Kameraden durch die Hetze der Verbändlcr ins Boxhorn jagen ließen. Daß die„Einigkeit" die geheimen Ab- machungen zwischen Parteivorstand und Generalkommission ver öffentlichte, dafür könne man der Redaktion und den Unterzeichnern der Veröffentlichung dankbar sein. Die Gewerkschaften der Freien Vereinigung seien früher nicht besser behandelt worden wie jetzt, sie könnten deshalb auch der gegenwärtigen Hetze gegenüber kaltes Blut behalten, und wenn sie auch als anarchistisch verschrien werden, so sollten sie nur ihren Weg weiter gehen, unbekümmert um das Geschrei der Preßmeute. Juppenlatz meint, man müsse die Situation betrachten, welche den Anlaß zu dem A. K.-Artikel gab. Die Parteipresse habe nichts getan, um das aufzuklären, was durch die Veröffentlichung der geheimen Abmachungen zwischen Parteivorstand und General kommission aufgedeckt worden sei. Man habe diese Angelegenheit vielmehr mit dem Mantel der Verschwiegenheit zugedeckt. Aus dieser Situation heraus sei der A. K.-Artikel geschrieben. Jetzt habe ja auch der Aktionsausschuß von Groß-Berlin durch den Mund des Genossen Liepmann bekundet, daß ihm— dem Aktionsausschuß— das Geheimprotokoll schon lange bekannt sei.(Der Redner irrt: Die Veröffentlichung des Genossen Liepmann war ein rein persönlicher Akt. Aus derselben geht auch mit zwingen der Deutlichkeit hervor, daß' das Protokoll ihm erst jetzt zu Gesicht gekommen ist. Red.) Der Dlktions ausschiiß hätte die Pflicht gehabt, dem Parteivorstande zu sagen: WaS habt Ihr da für Abmachungen getroffen, die stehen ja im Widerspruch mit dem Beschluß des Jenaer Parteitages. Die „Einigkeit" habe die Wahrheit gesagt, und deshalb werde gegen sie vorgegangen. Die Angelegenheit mit dem A. K.-Artikel werde viel zu sehr aufgebauscht. Er wende sich mit Recht gegen die Verhand- lung'cn hinter verschlossenen Türen. Wir wollen uns nicht von den" Führern nach Belieben dirigieren lassen, wir wollen selber entscheiden. Weisel führte aus, auch ihm gefalle der A. K.-Artikel nicht. Liepmann habe einseitig über die Sache geurteilt. Die Partei müsse beiden gewerkschaftlichen Richtungen gegenüber neutral sein, sie begünstige aber die Verbände. Unerhört sei es, daß dieselben Leute, die am 16. Februar abmachten, der Massenstreik solle nicht propagiert werden, sich in den Versammlungen am 18. März hin- stellten und mit dem Massenstreik drohten. Diese Leute seien Heuchler. Jetzt, wo das aufgedeckt worden ist, was hinter ver- schlossenen Türen abgemacht wurde, fällt man über uns her. Licp- mann sage, er kenne das Protokoll schon lange, auch die Redaktion des„Vorwärts" habe das Protokoll gelesen, sie wisse also, daß die Einigkeit" leine Infamie begangen habe, nehme aber trotzdem den Vorwurf nicht zurück. S ch ä f f e r wandte sich gegen den A. K.-Artikel. Anarchisten haben kein Recht, uns aufzufordern, daß wir unsere Partei zer- splittern. Redner wolle sich nicht gegen die Anarchisten überhaupt wenden, es gebe gute Leute und gute Gewerkschafter unter ihnen, auch in den Zentralverbänden seien Anarchisten, aber dort würde man es sich nicht gefallen lassen, wenn sie ihren Standpunkt so zum Ausdruck brächten," wie sie es in der Freien Vereinigung tun. Der A. K.-Artikel habe ein Mittel zur Bekämpfung der Freien Ver- einigung geliefert, deshalb müsse erklärt werden, daß die Mit- glieder dieser Richtung nicht damit einverstanden sind. Wenn der Massenstreik durchgeführt werden soll, dann brauche man doch auch die 20 000 Mitglieder der Freien Vereinigung. Der Partei- vorstand hätte deshalb einen Vertreter dieser Richtung zu jener Konferenz einladen müssen. Wenn et das getan hätte, dann wäre der Kuddelmuddel nicht entstanden uno das Einseisungsmanöver hätte nicht ausgeführt werden können. Theodor Fischer: Es müsse zweierlei auseinander ge- halten werden, nämlich die von den 31 Gewerkschaftsmitgliedern unterzeichnete Veröffentlichung aus dem Protokoll der Zentral- vorstände und der Artikel, in dem A.'K. seine Folgerungen aus den veröffentlichten Tatsachen gezogen hat.— Als es sich um die erste Veröffentlichung handelte, haben wir reiflich erwogen, ob die- 'elbe den Interessen der Arbeiter dient, und wir sind zu dem Schluß gekommen, daß die Veröffentlichung der Einunddreitzig im Interesse der Arbeiter geschehen muß. Wir haben bei der Ver- öffentlichung der Protokollauszüge weniger Gewicht gelegt auf die echs, Thesen, sondern vielmehr darauf, was einzelne Verbands- chhrer in der Vorstandskonferenz über die Partei sagten. Hier- über ist wenig in die Oeffentlichkeit gekommen. Der„Vorwärts" hat bei der Generalkommission höflichst angefragt, ob sie die Be- Nutzung des Protokolls gnädigst gestatte.(Ruf: Schöne Redaktion! Nulpen!) Bitte, solche Bemerkungen zu unterlassen.— Der„Vor- wärts" wartet nun in Geduld, bis die Gencralkommission ihm die Benutzung des Protokolls allergnädigst gestattet.— Nach dem Pro- tokoll haben sich Gewerkschaftsführer, die zugleich sozialdemokratische Reichstagsabgeordncte sind, in einer Weise über die Partei aus- gelassen, daß die Parteiinstanzen die Betreffenden zur Rechenschaft ziehen müßten. So sagte Bömelburg, er habe noch nie so gelacht, wie über den Protestrummel am 18. März. Wir hielten es für notwendig, diese und andere Reden gegen die Partei, die in der Vorstandskonferenz gehalten wurden, zur Kenntnis der Arbeiter- 'chaft zu bringen, wenn auch dabei Staub aufgewirbelt wurde und der Parteivorstand ins Gedränge kam. Gegen uns wird nun vor-� gegangen. Es wäre aber doch Pflicht der Parteileitung, denen die Leviten zu lesen, welche erklären, sie stellen den Beschluß des Kölner Gewerkschaftskongresses über den Beschluß des Jenaer Partei- tages.— Was nun den A. K.-Artikel betrifft, so mutz ich sagen, er ist das stärkste, was ich je erlebt habe.. Dagegen müssen wir uns verwahren, daß in dem Blatte unserer Gewerkschaften zur Gründung einer neuen Partei aufgefordert wird. Die Ver- cinigung der Zimmerer hat sich in ihrer letzten Konferenz aus- drücklich auf den Boden der Sozialdemokratie gestellt. Von diesem Standpunkt aus betreiben wir unsere Agitation. Der A. K.-Artikel muß außerhalb Berlins, wo sich unsere Organisation immer mehr ausdehnt, Verwirrung anrichten. Wenn es so weiter geht, dann werden wir uns die Frage vorlegen, ob die„Einigkeit" noch ferner das Organ der Vereinigung der Zimmerer sein kann. Ich ver- 'tehe es nicht, wenn hier Personen auftreten, die den A. K.-Artikel billigen.— Ueber die Sache selbst ist genug geredet worden, auch in der Presse. Es wird Sache des Parteitages sein, sich mit der Stellung des Parteivorstandcs zum Massenstreik zu beschäftigen. Bebel wird seinen Standpunkt darlegen und sich von dem Makel. der ihm angehängt ist, befreien müssen. Dem können wir ruhig entgegensehen. Denen aber, die uns Knüppel zwischen die Beine werfen wollen, müssen wir das Handwerk legen. Fritz. Schieminski und Repschläger nahmen noch- mals das Wort, um ihre ersten Ausführungen zu ergänzen und gegen Einwendungen anderer Redner zu verteidigen. Dann wurde folgende Resolution von der schon stark gelichteten Ver- ammlung gegen eine Stimme angenommen: ..Die' Versammlung spricht den Gewerkschaftsleitern, welche die Sonderabmachungen des Parteivorstandcs mit der General- kommission veröffentlichten, ihre volle Anerkennung aus und er- klärt sich mit der Führung der Polemik der Redaktion der„Einig- keit" in dieser Frage einverstanden. Dagegen ist die Versamm- lung nicht einverstanden mit der Aufnahme des Artikels in Nr. 28 der„Einigkeit", unterzeichnet A. K. Sie erblickt in der Tendenz dieses Artikels nicht eine Förderung, sondern eine Schädigung für die Ausbreitung der Organisationen, welche der Freien Vor- einigung deutscher Gewerkschaften angeschlossen sind.— Die Versammlung erwartet, daß Vorkehrungen getroffen werden, um solchen, das Empfinden und Denken der übergroßen Mehrzahl unserer Mitglieder entgegenstehenden und unseren Konferenz- bcschlüssen zuwiderlaufenden Artikeln die Aufnahme in der„Einig- keit" zu verweigern.— Die Versammlung protestiert gegen die Auffassung des Genossen Liepmann in Nr. 103 des„Vorwärts", daß die Mitglieder der Vereinigung der Zimmerer Deutschlands für den A. K. gezeichneten Artikel verantwortlich zu machen sind. Wir weisen den Vorwurf des Parteiverrats mit Entschiedenheit von uns." Tie Versammlung nahm noch einige Wahlen vor; dieselben hatten folgendes Ergebnis: Achtzehnerkommission: Juppenlatz, Th. Fischer. Schüler, Labitzki, Weisel, Reichard. Oldenb urg, G ums.— Revisoren: Krüger. Reichard. Vermischtes. Eifenbahniinfall. Woshingtoit, 24. Juli. Infolge eines Schiencndefektes sind die Lokomotive und zwei Wagen des Nordblitzzuges an dem in der Nähe von Spokane belegenen Diamantsee entgleist und über das Geländer in den See gestürzt. 11 Personen sind dabei ums Leben ge- kommen._ Ein Wolkxnbruch. Wien, 24. Juli. Infolge eines Wolkenbruches und Ilebei/- schlvemmung ist die Strecke Brixen— Klausen auf der Linie Franzens- feste— Ala vorläufig unpassierbar. Voraussichtlich wird bereits morgen früh der Umsteigverkehr und übermorgen der Gesamtverlchr wieder aufgenommen werden können. Paris, 24. Juli. Ueber Paris und Umgegend sind gestern heftige Gewitter niedergegangen. Das Unwetter dauerte bis 2 Uhr morgens, zahlreiche Keller wurden unter Wasser gesetzt, viele Wohnungen mutzten geräumt werden. Marseille, 24. Juli. Eine heftige FeuerSbrunst zerstörte heute vormittag die Oellager der Franeo-amerikanischcn Oel-Compagnie und verursachte erheblichen Schaden. Mehrere Personen wurden verletzt._ ßmfhaften der Redahttoiic Die juristische Tprechstnndc findet Ivochciitäglich von bis S'/z Uhr abends statt,«tcöfinet 7 Uhr. SoiinabcudS beginiit die Sprechstunde um 0 Uhr. Jeder Zlufraac ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. R. L. 61. In der Regel ja. Es kommt aus den Inhalt Ihres Vor- träges an.— Sturm 06. 1. Nein. 2. Nein.— 3. Der Betreffende gehört, da er Lehrling ist und weder Kost, noch Kostgeld, noch irgend welchen Lohn erhält, der Krankenkasse nicht an.— E. G. 11. 1. Der Schlajbursche kann aus Schadeneijah klagen. 2. Wo nichts ist, ist nichts zu haben.— B. 66. 1. Ja, im Jahre 1395. 2. Wenden Sie sich an den Bctresscnden Zahlung der Zahlung der selbst.— Wagen 43. Sie müßten bei dem Amtsgericht aus Kauffumme klagen. Zweckmäßig ist es, vorder schristlich zur ganzen Summe aufzusordcrn.— 1006. 28. Ihr Vater könnte gegen Ihren Bruder aus angemessenen Zuschuß klagen, wenn gütige Maßnahmen erfolglos wären.— Scholl, W. 14. l. Die Betreffenden sollten den An- trag aus Ersatz der Karten bei dem Polizeirevier stellen oder schristlich an« sragcn, ob dem Antrage des Chess aus Ersatz der Karten noch nicht statt- gegeben ist. 2. DaS ist leider kein Grund zur Auflösung des Vertrages. A. S. in R. Wenden Sie sich an einen Sachverständigen— H. F. 170. Nein.— G. Sch. 73. Wenn der Vater die deutsche Staatsangehörigkeit während der Minderjährigkeit seines Sohnes nicht ver- loren hatte, so ist der Sohn Deutscher aebltebcn und auch hier wehr- pflichtig.— R. D. 100. 1. Ja. 2. Der Arbeitgeber hat'/, zur Kranlenkasse, die tzälste zur Jnvalidcnmarke beizusteuern.— Dnmmköpfc. Be- suchen Sie Ihren Wahloerein und die Zahlabende und unterhalten Sie sich dort über die von Ihnen angeregten Fragen.— 103, Neu-Hohenschiin- hausen. Sic können'beide Worte anwenden. In der Regel versteht man unter Masjenstreik: Streik von Massen, also auch nur einer Branche/ während das Wort Generalstreik einen allgcnieinen Streik aller Branchen andeutet.— S. 40. Eine Verurteilung ist möglich.— P. W. Wenden Sie sich an den Vorstand Ihrer Gewerlschasi*— F. 06. Die Tiere müssen Sie zurückgeben und könnten gegen Ihren Nachbar aus Ersatz deS Schadens und Unterlassung lünstigcr Schädigung klagen.— O« SS« Nein. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Martthallen-Direktion.(Großhandel) Rindfleisch la 70—74 pr. 100 Pfd., IIa 64—69, Ola 58—62, IVa 52—56, englische Bullen- 0,00, dänische Bullen- 0,00, holländische Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 100— 110, la 84—90, IIa 74—82, IRa 62—72. Hammelfleisch la 80-85, Ha 70—78, Schweinefleisch 65-71. Rchböcke la p. Psd. 0,60-0,75, IIa 0.30-0,57. Rotwild la m. Ahschußaltcst p. Psd. 0,60—0,66, IIa 0,30—0,42. Damwild 0,44—0,63. Wildschweine per Psd. 0,20—0,40. Frflchiinge p. Psd. 0,00. Kaninchen p. Stück 0,40— ,0,70. Wildenten la per Stück 0,80-1,15, IIa 0,60—0,70. Krickenten Stück 0,40—0,60. Hühner, alte, per«tück 1,50-2,00, junge, p. Stück 0,60 »S 1,60. Tauben, junge, pr. Stück 0,25—0,55, alte 0,00. Enten, junge la p. Stück 2,25—3,00, junge IIa 0,60—1,25, alte, p. Stück 0,00. Hamburger, junge, p. Stück 0.00. Gänse, la, per Psund 0,60—0,64, per Stück 3,00—4,25. Hechte per 100 Psd. 108—121. Zander 00. Schleie 99— 107. Bleie 69. Aale, groß 107 bis 112, mittel 00, klcin-mittel 90—94, uns. 00. Plötzen 0,00. Karpfen 100. Flundern, pomm. I, per Schock 9,00. Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel per Kiste 2—3, do. Nein per Kiste 0,00. Bücklinge, per Wall 00, Kieler 2—4,50, Skralsunder 5—6. Aale, groß pro Psd. 1,10—1,30, mittelgroß 0.80—1,00, Nein 0,50—0,60. Heringe per Schock 4—5. Schellfische Kiste 2—5. Sardellen, l 902er, per Anker 86,00, 1904er 85,00, 1905er 80,00. Schottische Vollheringe 1905 00, largo 40—44, füll. 36—38, med. 35—42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, per'/, To. 60—120. Hummern, Ha, 100 Pfd. 0,00. Krebse, per Schock, große 20— 24, mittel 14,50—16,50, lleine 0,00, unsortiert 5,50, Galizier, mittel 0,00, Eier, Land-, per Schock 3,20—3,30, Butter per 100 Psd,, la 112—114, IIa 109—111, lila 102—105, abfallende 95 bis 100. Saure Gurken, neue, Schock 4,00, Pseflergurken 4,50, Kartoffeln per 100 Psd., neue runde 2,50—3,00, neue blaue 3,00—3,50, Rosen 2,00—2,25, neue Zerbsler 2,50—3. Spinal, per 100 Psd. 12— 15, Karottenper Schock 2,50 bis 3,00. Kohlrabi, per Schock 0,75—1,00. Rettig, bayr., per Schock 2,40—4,80. Radieschen, per Schock-Bd. 0,60—0,70, Salat, Per«chock 1,50—2,00, Bohnen (grüne), per 100 Psd. 3—9. Wachsbohnen 8—12. Puflbohuen 3— 5. Schoten hiesige, per 100 Pfd. 8—15. Psefferltnge per 100 Psd. 20—25. Mohrrüben per Schock-Bd. 2,50— 3,00. Blumenkohl per Mandel 1,00— 2,00. Wirfingkohlper Mandel 1,00—1,50/ Rotkohl per Mandel 2—3. Weißkohl per Mandel 2—3. Steinpilze per Psd. 00,00. Gmken, Zerbsler, schock 1,75—2,50, do. Einlege- Schock 2,00—2,50. Kohlrüben, Mandel 1,00—1,25. Johannisbeeren, hiesige, weiße, per 100 Psd. 8—11, do. rote 10—12. Birnen, italienische per 100 Psd. 14—27, schlesische 10—20, Tiroler 23—27. Aepsel, ungar. per 100 Psund 14—18, italienische 12—15. Stachelbeeren per 100 Psd. 10— 18. Preißelbeeren 12—20. Kirschen, 100 Psd. 00. Natten, Werdersche 15—25. Werderiche Glas- 15— 17. Natten 20— 30, do. sauere 12—17. Schlesische 8—20, Knupper- 18—20. Himbeeren, Werdersche per 100 Psd. 22—30. Blaubeeren per 100 Psd. 12—16. Erdbeeren, per 100 Psd. Hamburger 25-35, hiesige 15-20. Wald- 100 Psd. 45—60. Pflaumen, llal. runde dunkle per 100 Psd. 22—25, ital. lange gelbe per 100 Psd. 15—22, ital. runde per 100 Psd. 15—22. Zitronen, Messina 300 Stück 11.00-16.00. 360 Stück 14,00—16,00, 200 Stück 7,00—12,00, 420 Stück, tiein 7,00._ WttternngSüberficht vom 84. Juli INN«, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Frankf.a.M München Wien B H B? Setter 760WSW 760 SO 760Still 760 NO 760 W 760 ONO 1 heiter 2wolkenl wolkig 2wolrenl 2 halb bd. 1 wolkenl vs- n?« » II « Sj 22 19 22 20 21 22 Stationen Scilly ilderdeeii Pari» Wetter-Prognose für Mittwoch, den 82. Juli 10««. Zunächst ziemlich trübe, warm und schwül mit Gewitterregen und mäßigen wcsllichen Winden: später langsam wieder aujklarend und kühler. Berliner W e t t e r d u r e a u. Für den Lnseratenteil veragW,.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanftglt.Paul Singex& Co., Berlin SW.