Nr. 173. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 MI, monatl. 1,10 wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pig. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Postabonnements Belgien, nehmen an: Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel gelle oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett gebrudte) Wort 20 Pfg., jebes weitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlaf Stellen- Anzeigen das erste Bort 10 Bfg., jebes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernivrecher: Amt IV. Nr. 1983. Die Macht der Catfachen. Sonnabend, den 28. Juli 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. " Dummkopf, weißt Du denn nicht, daß in Rußland der Trepoto und nicht der gar zu fagen hat?" Ich gehe weiter. Die christlichen Gewerkschaften, die was sie sind in Rheinland- Baren- Manifest selber.) Dies Plakat geht uns nichts an! Das ist Westfalen wurden, im Zentrum einer nie vorhergesehenen ficher Trepows Mache." kapitalistischen Entwickelung, haben die erste Stufe der Erfenntnis über das Wesen der modernen Gesellschaft erflommen; Der Reichsverband gegen die Arbeiterschaft hat Anlaß, fie fühlen sich nicht als nur in Berufe geteilte gleichberechtigte Zirkulare zu versenden. In Breslau hat sich während der Mitglieder der ganzen Gesellschaft: das Klassengefühl Tagung des christlichen Gewerkschaftstongresses ist in ihnen erwacht. Der brutale Kapitalismus", ruft auf mancher Seite allzu viel Optimismus nach der Richtung hin Giesberts aus, wie er ganz besonders im Ruhrrevier gezeigt, daß es doch gelingen könnte, die Arbeiterschaft mit der vorherrschend ist, hat den Radikalismus auch in unsere Reihen modernen Gesellschaftsordnung auszusöhnen. Vertreter aller getragen!" Dort wieder eine Gruppe von Lesenden. Einer von diesen be freuzigt sich die ganze Zeit und betet. Was tust Du denn?" frage ich ihn. " Ja, Herr, ich bete zu Gott für diejenigen, die morgen vielleicht schon erschossen werden." Ich eile weiter. " möglichen Behörden waren anwesend, die„ lebendigen Stim- Dieses Klassengefühl ist noch kein Klassenbewußtsein. Da steht eine Gruppe von 50-60 Mann und in ihrer Mitte mungen in unserem Volksleben" fennen zu lernen. Man Darum das haltlose Hin- und Herschwanken zwischen Solidarität sprach sehr herablassend zu den christlichen Arbeitern, ver- und Streifbruch, zwischen einer Politik des Angriffs und der fpricht einer laut: Ja, ich war auch Soldat. Wenn ich aber den sicherte sein Interesse und rief damit den Jubel der an solchen Verteidigung der herrschenden Gewalten. Aber der„ brutale Inhalt dieses Barenbefehls damals kannte, so hätte ich dem Zaren Verkehr nicht gewöhnten und durch Worte schnell geblendeten Kapitalismus" wird weiter an der Erziehung der christlichen nicht gedient und ihm meinen Schwur nicht geleistet." Und nun höre ich zum erstenmal in meinem Leben auf den Arbeiter hervor. Aber wenn nach vollzogenem Höflichkeitsaft Arbeiter tätig sein. Ihre Drganisationen müssen radikaler die Spizen der Behörden sich entfernten, waren die freund- werden oder auf ihre Eristenz verzichten. Eine Politik der Straßen Moskaus vom Voltsmunde Schimpfworte an die Adresse lichen Worte verklungen und die harten Tatsachen sprachen, Versöhnung mit der herrschenden Gesellschaft straft sich an des Baren! Wieder eine Gruppe. Hier spricht alles ganz leise unter einsprachen und erzählten ganz andere Dinge, als vom wohl ihnen mit Selbstvernichtung, entzieht ihnen die vom Klassenander. Unwillkürlich tue ich das gleiche. Und da wird mir ins wollenden Interesse der Behörden. Und wenn die Worte aus gefühl zum Klassenbewußtsein fortschreitenden Arbeiter. Ueber diese Entwickelung dürfen wir uns nicht täuschen Ohr geflüstert: Wissen Sie, heute nacht werden sich die Arbeiter behördlichem Munde wie Honigseim von den Lippen geflossen waren, der Bodensatz der Erfahrungen, welche die christ- lassen dadurch, daß die Kämpfe zwischen christlichen und freien in Grusinach( ein Stadtteil) versammeln, und da wird es heiß herlichen Arbeiter mit denselben Behörden gemacht hatten, Gewerkschaften je länger, je heftiger werden. Der Streit gehen."" D heilige Maria!" höre ich rechts und links von mir, wenn sie einmal daran dachten, ihre Interessen ernst- bruch des Individuums gilt schon jetzt in christlichen und die Gruppe zerstreut sich leise und ruhig. Alle waren sie erschienen: Kreisen haft wahrzunehmen, war bitter. Ein paar Schritte weiter wieder eine Gruppe. Einer, der des als eine für Arbeiter unehrenhafte Handlung. der Vertreter des Oberpräsidenten, des Regierungspräsidenten, Warum machte sonst dieser Vorwurf, von unserer Seite Lesens nicht mächtig ist, fragt den anderen: Ja, sag': was steht Aber der denn da geschrieben?" die schwarze und die blaue Polizei, der Vertreter des Polizei- erhoben, die Gewerkschaftschriften so nervös? " Daß wir feinen Baren haben!" präsidenten nämlich und des Konsistoriums, auch Magistratus. Massen streifbruch zwecks Schädigung der konkurrierenden Alle gaben sie Sympathieversicherungen ab im Namen ihrer Gewerkschaften wird um so öfter vorkommen, je mehr sich diese in ihren Zielen ähnlich werden, bis endlich das völlig Behörden und das geschah in Breslau! durchgebrochene Klassenbewußtsein den törichten Bruderhaß zu überwinden bermag und eine organisatorische Einigung möglich macht. Diese Entwickelung der Arbeiterschaft vom Klasseninstinkt Wie? Warum?"- Weil der Bar unfere Duma auseinander gejagt hat." Ja, ja, im Volte befestigt sich der Glaube, daß es keinen War es nicht in Breslau, wo die städtischen Behörden bas Koalitionsrecht mit Füßen traten? War es nicht in Baren hat. Schon während der Dezembertage hörte ich öfters folche RedensBreslau, wo man ganze Straßenzüge für die Arbeiterschaft arten. Da machte ich einmal absichtlich die Bemerkung: Die Baren gesperrt hat, weil auf einem Bau ein Streit ausbrach? War Meinen Sie, wir es nicht in Breslau, wo die harten Urteile gegen Gewerk- durch das Klassengefühl zum Klassenbewußtsein bedingt auch werden ja von Gott berufen! Ach was! schaftsführer gesprochen worden sind? Wohnt nicht in Breslau der die politische Stellungnahme der christlichen Gewerkschaften. wissen nicht, wie die Romanows gewählt wurden!"-„ Der Bar", unglückliche Arbeiter Biewaldt, dem ein Vertreter der Sicherheits. Der sprunghaft sich entwickelnde Kapitalismus in Deutschland so mischte sich ein anderer in unser Gespräch ein, ist das gleiche polizei die Hand abgehackt hat? Er hat sie ihm abgehackt hat die Gewerkschaftsbewegung in ihren ersten Anfängen wie bei uns der Dorfschulze. Wir wählen diesen auf ein Jahr, und hat nicht vorher nach seinem Glaubensbekenntnis und brutal niedergetreten und in ihr lange das Gefühl des und wenn er uns nicht mehr paßt, wird er einfach nicht wiederseiner politischen Ueberzeugung gefragt! Er hat sie ihm Könnens derart niedergehalten, daß die dem Organisations- gewählt!" Und dieser Bar erklärt jetzt im Manifeste feinem Bolte": Er abgehadt im heiligen Eifer, das Kapital und die gegenwärtige gedanken gewonnenen Arbeiter sich neben der Gewerkschaft Gesellschaft vor der Gefährdung durch die Arbeiterschaft zu als Stüge nach einer politischen Partei umsahen. Und da habe die Duma deshalb auseinandergejagt, weil sie sich erlaubte, sich retten! Aber sein Vorgesetzter erschien auf dem Kongreß der wandte man sich fast allemal an die Parteien, die durch die an die Bauern mit einer Erklärung über ihre Arbeit zu wenden. chriftlichen Arbeiter, diesen im Verein mit den Vertretern Macht der Verhältnisse in der nächsten Umgebung die Nun haben ja die Bauern tagtäglich ihre Leute nach Peters. anderer Behörden der Sympathie der Breslauer Polizei zu herrschenden geworden waren, wie umgekehrt die politischen burg gefchickt, um zu erfahren, was die Duma eigentlich treibe. Und versichern. Fast alle Behörden ließen sich vertreten; man Barteien in Deutschland die Gewerkschaftsform zu bevorzugen fie schrieben täglich an ihre Deputierten, sie möchten doch einmal vermißte förmlich den Delegierten der Breslauer Staats- pflegen, welche unter ähnlichen wirtschaftlichen Verhältnissen von sich hören lassen und forderten sie auf, aufs Land zu kommen, anwaltschaft, die sich gewiß nicht zuletzt der Arbeiterschaft geboren wurden wie die Partei. Die christlichen Gewerkschaften um ihnen etwas Positives über die Arbeit der Duma mitzuteilen. waren lange Zeit vom Zentrum untrennbar. Und jetzt, als die Duma das tun wollte, wird sie eben deshalb gegenüber mit Ruhm bedeckt hat. Aber die wirtschaftlichen Jdeale des Zentrums sind nicht auseinandergejagt! Nun, der russische Bauer fann noch so Allerdings hat sich der Kampf der schlesischen Behörden weit weniger gegen die christlich organisierten Arbeiter gewendet die der Arbeiter. Die brotverteuernde Zoll- und Steuerpolitit dumm sein, aber den wahren Sinn dieser Geschichte wird er doch als bielmehr gegen die freiorganisierten; aber was man in des Zentrums, seine Bewilligungslust in Heer- und Marine- verstehen. Dann heißt es im Manifeste weiter, die Duma habe sich er dieser Beziehung in Schlesien versäumt hat, holten die Be- angelegenheiten, seine zweifelhafte Haltung gegenüber den hörden anderer Orte nach. Auf dem Kongreß wurden der wichtigsten Volksrechten machten es zur Vertretung der Arbeiter- laubt, sein, des Baren, Beamtentum zu kritisieren. Gibt es denn in Beispiele dafür viele vorgeführt. Auch die beliebte Polizei- fchaft untauglich. Das erwachte Klassengefühl der christlichen Rußland etwas, was verhaßter wäre als das Beamtentum, die Und wenn der Zar sich dieser ans manier, Ausländer als lästig zu empfinden, wenn sie dem Arbeiter läßt diese erkennen, daß die bisher von ihnen geftüßte ganze Bureaukratie? Kapitalismus unbequem werden, und dann auszuweisen, Partei ihren Interessen nicht dient. Die Mißstimmung erging nimmt, so erflärt er sich mit ihnen solidarisch und gibt somit dem wird den christlich organisierten Arbeitern gegenüber in An- fich in Protesten und löst sich jezt aus in den Ruf nach einer Volte das Recht, die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Nun fragen wir uns: warum hat denn die Regierung das erste wendung gebracht. Ein ganz charakteristischer Fall: In selbständigen politischen Vertretung. Damit stehen dem Zentrum schlimme Kämpfe bevor. Es ruffische Parlament geschlossen? Wahrlich nicht wegen des KadettenRheinland- Westfalen hat die Arbeiterschaft viel durch Streitbruch seitens unaufgeklärter italienischer Arbeiter zu leiden. wird wirtschaftlich Farbe bekennen und sich eine bestimmte aufrufs. Der war ja so harmlos und so bescheiden, daß man sich Diesem Uebel abzuhelfen, engagierten die Christlichen einen Klasse als Rückhalt für seine Politik suchen müssen. Die etwas noch Bescheideneres gar nicht denken konnte. Der Aufruf hätte italienischen Journalisten Dr. Vallenda, der organisierend Arbeiterklasse ist für diesen Zweck durchaus ungeeignet; so ja nur auf dem Lande die Ruhe wieder hergestellt, die durch und auftlärend unter den Italienern wirken sollte. Er konnte wird sie desto rascher vom Zentrum abfallen. Einer neuen den Regierungsaufruf gestört wurde. Oder hatte die Regierung es nicht lange; denn bald erfolgte seine Ausweisung aus christlichnationalen Arbeiterpartei aber, sollte es wirklich über vielleicht Angst bekommen vor den bevorstehenden revolutionären Preußen. Der Vorgang ist nicht so blutig wie der in furz oder lang einmal zu einer solchen Gründung kommen, würde Schritten des Parlaments? Auch das ist nicht der Fall. Die Breslau; aber was bedeutet diese Ausweisung anderes, es genau gehen, wie der chriftlichen Gewerkschaftsbewegung: Kadetten hatten ja zum Hauptpunkte ihres Programms gerade die die man sie wird, durch die kapitalistische Entwickelung gedrängt, legale Erstidung der Revolution gemacht. Und eben darin beals eine eine Hand, „ abgehackte Hand", Was radikaler und radikaler werden. Verfällt sie nicht vielleicht stand ja der Hauptstreit zwischen den„ Linken" und den Kadetten. Ober ganzen christlichen Bewegung abhackte? bedeuten solchen aufreizenden Tatsachen gegenüber alle beizeiten dem Schicksal der nationalsozialen Partei, so hielt die Regierung uns für fo naiv, daß wir ihr glauben würden, sie schönen Redensarten von Sympathie? Und was bedeutete würden uns schwere politische Kämpfe mit einer solchen so sei zu ihrem Schritte von den Sozialisten- Revolutionären gezwungen, selbst wirkliche persönliche Sympathie der Behörden den wenig erspart bleiben, wie den freien Gewerkschaften die in deren Redaktion der Beitung„ Mist" fie sehr kompromittierende wirtschaftlichen Tatsachen gegenüber, welche die Entwickelung Stämpfe mit den christlichen. Der schließliche Erfolg aber wird Schriften, Beschliffe u. dergl. gefunden hat? Wir kennen die Führer dieser Partei sowie die Psycholegie derselben beffer als die der gesamten Arbeiterbewegung verursacht haben und sie fort- unser bleiben. Jammerschade, daß die deutsche Arbeiterschaft wegen der russische Regierung. So dumm sind die Sozialisten- Revolutionäre gesezt beeinflussen? Wahrlich, der Reichsverband hat Anlaß, die Behörden politischen und wirtschaftlichen Zerrissenheit Deutschlands einen nicht, daß fie an einer der Hauptstraßen Petersburgs ihre Schlesiens genau so wie den Landrat Freiherrn v. Malzahn solchen Golgathamweg auf ihrem Ziele zur Befreiung gehen geheimen Versammlungen abhalten und gerade dort ihre geheimen in Grimmen vor dem Optimismus zu wahren, als könnte muß. Aber uns ist nicht bange darum, daß sie dies Ziel er- Schriften aufbewahren, noch dazu in einer Zeitungsredaktion, die eine christliche Arbeiterbewegung ernsthaft etwas an der Tat- reicht, und wir sind gewiß, daß dies Ziel nur im Sozialismus täglich eine Haussuchung erwarten mug! fache ändern, daß das Proletariat aus seiner wirtschaftlichen liegen kann! Stellung in der gegenwärtigen Gesellschaft heraus in immer heftigere Opposition zu der modernen Wirtschaftsweise und der daraus resultierenden Politik hineingetrieben wird. der Vielleicht teilt auch der Reichsverband Herrn Professor Sombart mit, daß solchen Verhältnissen gegenüber das bittende Gestammel ohne Wirkung sein muß, die Arbeiter Deutschlands möchten den Parteimantel fallen lassen. Die russische Revolution. Nach der Auflösung. Moskau, 22. Juli 1906.( Eig. Ber.) Am Vormittag des 10. Juli( alt. St.) wurde ich telegraphisch Für die Arbeiterschaft würde dies die bloße Wahrung der benachrichtigt, daß das Schicksal des ersten russischen Parlamentes Einzelinteressen durch Selbstversicherung, allerhöchstens noch um 2 Uhr nachts besiegelt und daß es vom Zaren auseinander geder Berufsinteressen in der Organisation bedeuten. Wo ist jagt worden ist. Um 3 Uhr nachmittags ward diese Nachricht in aber die Arbeiterschaft Deutschlands so rückständig, daß Mostau bermittelst weißer Mauerplafate offiziell verbreitet. sie sich darauf zurückziehen möchte? Welche Absicht auch Sofort begab ich mich auf die Straße, um die Stimmung der Herrn Som bart leiten mag, wo aber sonst den Arbeitern selben zu studieren. dieser politische Rat gegeben wird, geschieht es mit der geheimen Hinterabsicht, sie zu teilen und dadurch zu herrschen. Unfinn! Das geht nicht vom Baren aus! Da sieht ja drunten Höchstens die Hirsch Dunckerschen Gewerkvereine find rückständig genug, fich durch solche Ratschläge düpieren zu lassen. nicht einmal sein Rame Nikolaus II.( Es war ja noch nicht das 9 Da steht eine Gruppe von 15 bis 20 Männern, die die Kundgebung des Stadtoberhauptes liest: Nein, der Sinn der ganzen Geschichte ist der folgende: Die Regierung sucht das russische Proletariat zu provozieren! Ver Torene Mühe! Die russische fozialdemokratische Partei wird ihre Reihen wohl fester schließen, aber den Massen wird sie die Parole geben: Ruhig abwarten! Die russische Arbeiterpartei hat ihre Arbeit schon getan. Sie hat das russische Volt zum politischen Stampfe ermuntert und den Massen den revolutionären Geist eingeimpft. Jetzt kommt zuerst die Reihe an die Bauern. Und den Moment, in welchem die russische Sozialdemokratie der Regierung eine Generalschlacht liefern wird, den Moment wird sie sich selbst auswählen! Die russische Regierung wird zu einer Schlacht auf zwei Fronten gezwungen werden. Auf dem Lande wird sie mit dem Bauerntum und in den Städten mit der Arbeiterklasse zu tun haben. Den 8eitpunkt diefer Schlacht aber wird sich, wie gesagt, die Sozialdemokratie selber wählen. Kaum wurde in Moskau die Nachricht von der Auflösung der Duma bekannt, als viele Deputierte verschiedener Organi fationen dem Moskauer sozialdemokratischen Komitee den Vorschlag machten, sofort die Arbeit einzustellen. Allein es hieß: Nuhig abwarten I l Und nun noch eins: Hier ist die Nachricht verbreitet von einer sehr lange» Depesche, die unmittelbar vor der Unterzeichnung de» Dekrets über die Auflösung der Duma aus Berlin eintrafll! In den Arbeiterkrcisen wird darüber viel gesprochen und debattiert. Wir sagten aber dem russischen Proletariat, eS könne ruhig bleiben. In Deutschland gebe es noch eine Dreimillionen-Partet, deren Stimme mächtig genug sei, um gehört zu werden. Nein, die deutsche und die internationale Sozialdemokratie wird es nicht ge- statten, daß die russische Freiheitsbewegung von preußischen oder anderen Bajonetten erstickt wird. Peterslurg. 26. Juli.'(W. T. B.) Die neuesten aus dem ganzen Reiche eintreffenden Nachrichten bestätigen, daß die Auflösung der Reichsduma Überall ohne Anzeichen von bevorstehenden Unruhen aufgenommen worden ist. Die revolutionären und sozialistischen Or- ganisationen mahnen überall zur Ruhe, da der Zeitpunkt für einen Generalstreik denkbar ungünstig sei, weil die Bauern mit der Ernte beschäftigt seien. Auch würden diejenigen Gouvernements, die völlig auf die Zufuhx von auswärts angewiesen seien, infolge des Bahn- stveikeS durch Hungersnot zugrunde gerichtet werden.— Au« dem Süden wird gemeldet, daß an vielen Orte» die Ernte durch schwere Regengüsse und Ueberschwemmmigen vernichtet worden ist. Wetterzrichen. London, 27. Juli. Wie dem„Standard" auS Petersburg ge, meldet wird, haben die russischen Sozialisten in der Hoffnung auf den baldigen Ausbruch einer allgemeinen Bewegung beschlossen, vorläufig keinen Teilausstand zu unterstützen, obwohl die Eisenbahner sich für den Streik erklärt haben. Petersburg, 27. Juli. Die hiesigen Bauarbeiter drohen in den Ausstand zu treten. Petersburg, 27. Juli. Mehrere Probinzgouverneure berichten, daß in den Ortschaften, in denen jungst Agrarunruhen statt- gefunden haben, die Bauern sich wieder organisieren. Aufruf an die abgesetzten Dumamitglieder. Die Auflösung der Reichsduma hat in der russischen Provinz, wie aus zahlreichen Meldungen hervorgeht, einen weit größeren Eindruck gemachr als in Petersburg und Moskau. Daher wird in den russischen Provinzstädten und vor allem auf dem flachen Lande fnebcn der Verbreitung des vom„Rumpfparlament in Wyborg abgefaßten Aufrufs an das Volt) lebhaft dafür agitiert, sich ge- schloffen an die abgesetzten Volksvertreter zu wenden und sie in Auf- rufen zur Uebernahme der Führerschaft im Kampfe gegen die rui» fische Regierung aufzufordern: „Das Volk hat Euch sein Vertrauen geschenkt," heißt es in einem solchen Entwurf,„entsandte Euch aus seiner Mitte als seine AuSerwählten, als seine Beschützer. Durch Euren Mund wollte es seine Rechte, sein Streben nach einem menschenwürdigen Dasein verkünden. In Cure Hände legte unsere Heimat ihr Schicksal. Diese Hände sollten stark wie Stahl sein. Eure Stimme sollte laut und gewaltig die reif gewordenen Bedürfnisse des Volkes ver- künden. Euer Wille hat sich als unerbittlich und entschlossen gezeigt, und die Feinde der Volksfreiheit haben von dieser Entschlossenheit Kenntnis erhalten. Das von der Regierung in die Finsternis ver Rechtlosigkeit und Gesetzlosigkeit gestürzte Land erwartete von Euch die Erlösung. Die wilde Willkür der Gewalt, die Schmähung der heiligsten Güter des Menschen, stürzte das Land in eine dumpfe Verzweiflung. Indem das Volk Euch wählte, erklärte es der Rc- gierunz, wie sehr es diese haßt. In blinder Wut rächte sich die russische Regierung an ihrem Volke für die von ,hm erzwungenen Konzessionen und trieb Euch, die besten Männer des Landes, aus« einander. Sich auf die Soldateska stützend, reißt die russische Re- gierung die besten Leute aus unseren Reiben heraus und schleppt sie auf den Richiplatz. Sie überflutet das Land mit Märtyrerblut. Tie Hand des Rächers zittert nicht, er ist taub und stumm dem Flehen der Mütter, den Tränen der Waisen gegenüber. Zwar hat man die Reichshuma aufgelöst, Euch mit brutaler Gewalt von der Euch gehörenden Stätte vcriagt, doch ist Euch Eure Pflicht geblieben. Rettet das Land, stellt Euch an die Spiste Eurer Getreuen, um so die Rache der Henker, die Wut einer Gruppe autokratischer Herr- scher abzuwehren, die alle Menschenrechte mit Füßen treten. Ueber- laßt nicht die heiligen Rechte des Volkes der Entehrung durch herz- lose Höflinge. Befreien wir aus den Gefängnissen die von den Volksfeinden dort festgehaltenen Helden und Volksverteidiger. Halten wir die Hand es Henkers auf, dessen blutiges Schwert so viele teure Leben bedroht. Entreißen wir ihm das mit dem Blute der Märtyrer befleckte Schwert. Euch schenkt das Volk weiter sein Bertrauen, nennt Euch seine Führer. Auch jetzt gehört Ihr nicht Euch selbst! Als echte Kämpfer dürft Ihr jetzt vor nichts zurück- schrecken. Ihr müßt Euer Leben dem Vaterlande opfern. Haltet Euch tapfer, denket daran, daß das nach Freiheit lechzende russische Volk, das schon so diel gelitten hgt, hinter Euch steht. Kommt, gebt Befehl Euren Getreuen!" Eine neue Aera für Finnland. Daß es der russischen Regierung doch nicht ganz geheuer ist in ihrem Selbstbewußtsein, geht u. a. daraus hervor, daß sie z. B. in Finnland um gutes Wetter bittet, damit sie nicht auch dort von neuen revolutionären Erhebungen überrascht werde: denn der schönen Doppel>aufgabe, in Rußland u n d in Finnland Bäche Blutes zu ver- gießen, fühlt sich Herr Stolypin denn doch wohl noch nicht ganz ge- ivachsen. Wenige Stunden bor seinem Entschluß, die Reichsduma auf- zulösen, unterzeichnete Nikolaus II. einen Ukas, der dem nock, bis vor kurzem so schwer geprüften finnischen Volke die rosigsten Aus- sichten auf eine neue Aera für das von der bekannten Russisizie» rungSpolitit einstweilen befreite Finnland bietet: denn dem sinn- ländischen Generalgouverncur Senator Gerhard gelang es, den Zaren zu überzeugen, daß er die von der jetzigen außerordentlichen Ständeversammlung ausgearbeiteten LandtagSreformcn und das neue Wahlgesetz für Finnland ohne Abänderung akzeptieren müsse! Von welch einschneidender Bedeutung dieser ZarenukaS für Finn- land ist, geht aus folgendem hervor: Bisher waren im Landtag vier Stände vertreten, und zwar der Adel, die Geistlichkeit, die Bürger und die Bauern. Jetzt aber werden die ständischen Grenzen aufgehoben, und es wird eine Volksvertretung auf der Basis der allgemeinen Stimmabgabe geschaffen, wobei auch Frauen wähl- berechtigt sind. Bei dem früheren ständischen Wahlsystem hatte der kleinere Teil der Bevölkerung Finnlands, die Schweden, eine über- wiegende Stimmenmehrheit im finnländischen Landtag, da mit Ausnahme der Bauern in den übrigen drei Ständen die Schweden vorherrschten. Bei einer allgemeinen Stimmenabgabe könnte der Stamm Finnlands, der die Hauptbevölkerung des Groß- fürstentums ausmacht, die schwedische Intelligenz, den Adel und die Bourgeoisie fast gänzlich verdrängen. Doch friedlich, wie die Finn- länder sind, haben sie zur gerechten Stimmenverteilung bei den verschiedenen Nationalitäten ein neues, nunmehr am 1. Oktober dieses Jahres in Kraft tretendes Wahlsystem nach dem Prinzip der Proportionalität geschaffen, wodurch alle Parteien und Stände eine entsprechende Vertretung in dem finnländischen Landtage haben und so ganz Finnland zu einer neuen politischen Entwicke- lung verhelfen werden. � � HelsingforS, 27. Juli.(Meldung der Petersburger Tele- graphenagentur.) Gestern nachmittag sind die Schutzleute in den Ausstand getreten. Sie wurden sofort entlassen. Die Aufrecht- erhaltung der Ruhe in der Stadt ist durch Freiwillige der Burger- jchaft übernommo- worden. Tie sechs Mutigen. Petersburg. 26. Juli.(Meldung der Petersburger Telegraphen. rigentur.) Die sechs Reichsratsmitglieder, ivelche ihr Mandat nieder. gelegt Weu»md unter denen jich t>» Akademiker Bernatzki und LappodänilelvSki befinden, gehörten alle der Kadettenffärtei an und erklärten ihren Entschluß mit der Unmöglichkeit, Rnsiland ohne die Reichsduma auf den Weg richtiger Eutwickelung zu führen und eine friedliche Lösung für das russische Boll zu finden, da jetzt bis zum Zusammentritt der neuen Duma die Gesetzgebung nur in Händen der exekutiven Gewalt liege. Politische(leberlicht. Berlin, den 27. Juli. Parade-Rettungsvorrichtungen. Ms in? vorigen Jahre die Hibernia-Gesellschaft in Lüttich eine Anzahl von Rettungsapparaten für den Bergwerksbetrieb sowie eine Uebungsstrecke für Rettungsmannschaften ausstellte und diese wegen ihrer Vorzüglichkeit bei den fachmännischen Besuchern der Lüttichcr Weltausstellung mannigfache Aner- kennung fanden, da renommierte die von den Gruben- und Eisenmagnaten ausgehaltene Presse gewaltig mit der„väterlichen Fürsorge" der deutschen„Arbeitgeber", speziell der Kohlenmagnaten, für die ihrer Obhut anvertrauten Arbeiter. Das Spezialorgan der Zechen, die„Industrie", täglich er- scheinende Fachzeitung für den Kohlen-, Kall- und Erzbergbau, leistete sich z. B. folgende Lobpreisung: „Diese Zeche stellt auch eine gewissermaßen den Clou der Abteilung bildende Uebungsstrecke für Rettungsmannschasten aus. Es ist recht gut, daß auf Ausstellungen drastisch der ganze komplizierte Apparat mal gezeigt wird, den man„unter der Erde" in Betrieb setzt zur Nett cing von Menschenleben. Die große Masse des Publikums hat und kann auch keine Ahnung davon haben, was alles von feiten der Arbeitgeber getan wird, um Unglücksfälle zu verhüten oder, wenn solche trotzdem eintreten, mit allen Hülfsmittel» der Technik die Rettung der Verunglückten zu versuchen." Sorgfältig wurde dem Publikum verschwiegen, daß die Rettungseinrichtungen der Zeche Shamrock I/II der Hibernia- Gesellschaft ein Renommierparadestück darstellen, und nur noch vier oder fünf Zechen anderer deutscher Bergwerksgesellschaften ähnliche, wenn auch nicht ganz so vorzügliche Rettungsein- richtungcn besitzen, daß aber bei nicht wenigen der deutschen Gruben fast alle Rettungsapparate fehlen und sie in dieser Beziehung tief unter dem englischen Bergbau stehen. Bald darauf zeigte denn auch der Brand der Zeche„Borussia", der 39 Bergleuten das Leben kostete, wie es mit der vielgerühmten„väterlichen Fürsorge" der deutschen Bergwerks- Magnaten bestellt war. Wie uns damals sofort von zuverlässiger Seile berichtet wurde und wie durch die Gerichtsverhandlungen der letzten Tage bestätigt worden ist. fehlten auf der Zeche „Borussia" nicht nur alle Rettungsapparate und jede Rettungs- Mannschaft, sondern auch die notivendigsten Sicherheits- Vorrichtungen. Es wurde nicht gerieselt, es wurden an ge- fährlichen Stellen scheibenloso Laternen benutzt, in den morschen Leitern fehlten vielfach die Sprosse??, der Hydrant war zu hoch angebracht und gab kein Wasser. Und ebensowenig hatte es die Zechenverwaltung für nötig gehalten, eine Feuerwehr einzurichten, oder die Belegschaft auch nur iin geringsten darüber zu instruieren, wie sie beim Ausbruch eines Gruben- brandes sich zu verhalten hätte: kurz alles befand sich im Zustande höchster Verwahrlosung und Versumpfung— fast noch schlinimer als in Courrieres. Das hindert nicht, daß, als die Katastrophe in CourriöreS bekannt wurde, das von den Kohlenmagnaten unterhaltene Preßgesindel in patriotischen Artikeln und Notizen die an- gebliche enorme Ueberlegenheit des deutschen Berg- baues über den französischen pries und in verlogener Renommisterei behauptete. ähnliche Unglücksfälle wie in Courriörcs könnten in Deutschland dank der vor- züglichen Einrichtungen der deutschen BergwerkSbetrtebe gar nicht vorkommen. Und als dann die Rettungslnannschaft der „Hibernia" unter Führung des Bergwerksdtrektors Meyer nach Courridres zog und dort unter Benutzung ihrer vervoll- kom?nneten Rettungsapparate bis zu gefährlichen Stellen vor- drang, zu welchen vorher die französischen Bergleute mit ihren Apparaten nicht vorzudringen verniocht hatten, da erfüllte ein verlogenes Jubelgeschrei die deutsche kapitalistische Presse. Unter dem widerlichsten Tamtam wurden die„Errungen- schaften" der deutschen Bergtechnik, der Mut der hcldei?n?üt?gen Rettungsschar und ihres umsichtigen Leiters gefeiert. Die Dortmunder Gerichtsverhandl?lngen über die ,.Borussia"-Katastrophe haben diesen Humbug grausam zerstört und jedem, der verstehen will, bewiesen, wie es mit der schönen Legende von der Vorzüglichkeit der Rettungs- einrichtungen im deutschen Bergbau bestellt ist. Aber nicht nur in dieser Legendenzerstörung liegt unseres ErachtenS die Bedeutung der Verhandlungen, wichtiger und charakteristischer für die traurigen Zustände des deutschen Bergbaues und die Auffassung der Bergbaupolizei scheint uns die von den Sachverständigen mit größter Gemütlichkeit vorgetragene Meinung, daß das Fehlen aller Sicherheits- Vorrichtungen eigentlich für das Unglück aus der Borussia-Zeche ganz unerheblich sei und deshalb die Katastrophe nur der Unvorsichtigkeit eines jugend- lichen Arbeiters zugeschrieben werden dürfe. Nur einer der Sachverständigen war anderer Ansicht, der Bergwcrksdirektor Meyer, der Führer der deutschen Rettungsmannschaft tn Eourriöres. Er tadelte die Schachtverschalung, das offe??e Licht am Füllort, die Unterbringung von Holz am Füllort usw.; doch wurde ihm deshalb von den anderen Sachverständigen ge- waltig heimgeleuchtet und Herr Berglverksdircktor Rande- brock erklärte im Bewußtsein der Pflichten, die ihm seine Stellung auferlegt, die Beamten dürften nicht mit so vielen Instruktionen bezüglich der'Sicherheitsvorrichtungen bedacht »Verden, daß die wirtschaftlichen Aufgaben darunter leiden müßten. Man wolle doch nicht nur Unfälle ver- hüten, sondern schließlich auch Kohlen fördern. Die gemeinsame schroffe Abweisung der Meyerschen Forde- rungen durch die anderen Sachverständigen— zum Teil Staatsbeamte— ist höchst kennzeichnend für unsere bergba??- polizeilichen Zustände. So lange die Rettungsvorrichtungen der.,Shamrock"-Zeche n?lr als Paradestück dienten?lnd Herr Meyer sich darauf beschränkte, ihre Vorziiglichteit dem Auslande zu demonstrieren, galt er alS„umsichtiger Fachmann" ersten Grades: sobald er sich aber einfallen läßt, daraus zu folgern, daß ähnliche Sicherheitsvorrichtungen auch anderswo eingeführt werden inüssen, treten ihm die amtlichen Sach- verständigen mit dem schönen Einwand entgegen, die Haupt- sachesei doch das Kohlenfördern, nicht die Unfallverhütung. Die ganzen Verhandlungen zeigen, wie notwendig eine gründliche Reform der Bergwerksbeaufsichtigung ist. Schärfer noch als die Kohlenmagnaten und ihre wohlbestallten gefügigen Willensvollstrecker treffen die Dortmunder Enthüllungen den Staat. Seine bcrgpolizeilichen Anordnungen haben sich in keiner Beziehung als ausreichend erwiesen. Gründliche Ergänzung der bcrgpolizeilichen Bestimmungen und Schaffung einer Berginspektion, die tatsächlich diesen Namen verdient, eurer Inspektion, welche die Arbeiter mit z?lr Beaufsichtigung heranzieht und sie nicht Sachverständigen von der Eigenart deS Herrn Nandebrock überläßt: das sind die Mindest- fordenlugcn, die sich als Resultat der Gerichtsverhandlung ergeben._ Zwei Seelen und ein Gedanke. Wir hatten vorgestern auf die sonderbaren Widersprüche hlk?- gewiesen, die sich aus dem Inhalt der Rede des Hern, Sombart auf dem Kongreß der christlichen Gcwerkvcreine zu Breslau und den stüheren literarischen Aeußerungen deS Herrn Professors ergaben. Während Herr Sombart seinerzeit der Auffassung huldigte. daß jede Gewerkschaftsbewegung, die diesen Namen überbaupt ver- diene, zu einer„Elementarschule des Sozialismus" werden müsse, legt er in Breslau den christlickien Gewerkschaften dar, daß eS falsch sei, eine Weltanschauung in die Gcwerkschaftzbewegnng hineinzutragen, wie das bei der Sozialdemokratie der Fall gewesen sei. Heute zeigt eine längere Wiedergabe der Rede des Herrn Sombart in der Breslauer„Volkswacht", daß die zwei Seelen in der Brrist deS Herrn Sombart einen ganz bestimmten Ge« danken, eine klare und zielbewußte Absicht durch- aus nicht ausschließen. Wenn Herr Sombart seinerzeit die freien Gewerkschaften um- schmeichelte und die Auffassung vertrat, daß die Gewerkschafts- bewcgung ganz ans sich selbst heraus zur„K la s sen b e w eg un g" und zum„Sozialismus" führen müsse, so geschah das nur. um die N e u t r a l i t ä t s b e st r« b u n g e n zu stärken, die sich in gewissen GewerlschaftSkreisen geltend machen. Dem von sozial- demokratischer Seite geltend gemachten Bedenken, eine neutralisierte Gewerkschaftsbewegung könne zu einer die moderne Arbeiterschaft schädigenden zünf tierischen Verknöcherung der Gewerk« schaftsbewegung nach englischem Muster führen, begegnete Herr Sombart mit der beschwichtigenden Versicherung, daß auch eine reine Gewerkschaftsbewegung schließlich zum Klassenkampf führe und eine„Elementarschule des Sozialismus" bilden werde. Daß Herrn Sombarts Empfehlnng des reine» neutralisierten GeWerk- schaftlertumS aber keineswegs im Interesse des Sozia- l i« m u s geschah, geht aus den Ausführungen unverkennbar hervor, die Herr Sombart jetzt in Breslau gegenüber de» christlichen Gewerk- schaftleri? gemacht hat. Auch in Bresla» empfahl Herr Sombart eine neutrale Ge« werkschastsbewegung. aber er hütete sich sehr, diese Empfehlung durch das Argument zu stützen, eine solche Gewerkschaftsbewegung müsse naturgemäß zum Klassenkampf, zum Sozialismus führen. Ten christlichen Gewerkschaftlern gegenüber betonte er lediglich die Notwendigkeit, ein« einheitliche Gewerkschaftsbewegung zu schaffen, die aber dadurch gehindert werde, daß man aus beiden Seiten, hier die sozialdemokratische, dort die christliche Welt- a n s ch a u u n g in die Gewerkschaftsbewegung hineintrage. Es sei deshalb durchaus nicht von Nutzen, wenn sich die Gewerkschaften mit anderen Materien, wie die verschiedenen Weltanschauungen, be- lasteten. Verzichteten die Gewerlschastlcr auf die Geltendmachung dieser ihrer Weltanschauung, so stehe einer gewerkschaftlichen Ein?- g u n g der verschiedensten Richtungen nichts im Wege. Herr Sombart fuhr dann fort: .Mein Wunsch ist. daß das große letzte Ziel in Deutsch- land wie in anderen Ländern eine einheitliche Arbeiter- bewegung sei. eine Arbeiterbewegung, die für die Interessen der Arbeiterklasse in der bestehenden Ordnung der Dinge eintritt." Um nun die sozialdemokratischen Gewerkschaftler zu zwingen, ihre Gewerkschaftsbewegung zu neutralisieren, sei eS notwendig, die ch r i st l i ch e n Organisasionen derart auszubauen, daß sie eine Macht würden, mit denen die freien Gcwerlschaften.paksieren" müßten. Die BreSlauer»Volkswacht' meint dazu, daß Herr Sombart seine Anschauungen von der Gewerkschaftsbewegung wieder einmal geändert habe. Früher habe er die Einheitlichkeit der Arbeiter- bewegung dadurch herbeigeführt sehen wollen, daß alle anderen Richtungen in den freien Gewerkschaften aufgingen: jetzt wolle er die Einheitlichkeit dadurch erzwingen, daß umgekehrt die anderen Richtungen und�steien Gewerkschaften ebenbürtig würden. Der taktische Widerspruch ist ja?mverkennbar. allein die Absicht des Herrn Sombart ist völlig die gleiche geblieben. Sein Ziel ist es. die Neutralisterung der Gewerkschaften durchs zuführen. Nur freilich n i cht im Interesse eines Sozialismus, wie ihn die deutsche Sozialdemokratie auffaßt. Herr Sombart möchte vielmehr die deutsche Sozialdemokratie vermittelst der neutralisierten Gewerkschaften in einen reformerifchen Sozialismus umwandeln, wie er etwa von den englischen Fabiern. also etwa dem Herrn Shaw, vertreten wird. Um dies schöne Ziel szu erreichen, sind ihm eben alle Mittel recht! Nachdem sein Kokettieren mit den freien Gewerkschaften erfolglos geblieben ist, nimmt er nicht den geringsten Anstand, die christlichen Gewerkschaften gegen die freien Gewerkschaften zu mobilisieren. Er wird dabei freilich nur das eine erreichen, daß jetzt auch denjenigen Gewerkschaftlern, die ihn als einen aufrichtigen Freund ihrer Be» strebungen betrachteten, die Augen über seine wahren Absichten ge- öffnet werden! »»» DeutfcKes Reich. Zur Nachwahl im 10. sächsischen Wahlkreis. In dem durch den Tod unseres Genossen Grünberg erledigten Wahlkreis Döbeln tragen sich die Ansisemiten mit der schönen Absicht, eS bei der Ersatzwahl noch einmal mit einem eigenen Kan- didaten zu versuchen. Es soll sich sogar Herr Zimmermann erboten haben, dort zu kandidiere», da er sich in seinem Kreise nicht mehr sicher fühlt. Die Freisinnigen sind anscheinend noch auf der Kandidaten- suche: einstweilen lassen sie erklären, daß sie sich an bei? Verhandlungen des OrdnungsklllngelS über die Aufftellung Haffes nicht beteiligt hätten. Ans sozialdemokratischer Seite wird über die Kandidaten- frage demnächst endgültig in einer KrciSversannnlung des Döbelner Bezirks entschieden. Als Kandidat ist Genosse Karl Pinkau, Photograph und Stadtverordneter in Leipzig, in Aussicht ge« nommen. Die.Leipziger N. Nachr." hat diese Mitbewerbung der Anti- semiten und die bunte Musterkarte der voraussichtlichen Kandidaturen höchst verschnupft; sie fordern nach allbekanntem Rezept ein Zu- sammcngehen der„OrdmingSParteien" gegen den Umsturz. Da aber aus solches Zusammengehen bei der Hauptwahl nicht zu rechnen ist, so sollen wenigstens»die Riesen des Jason" sich nicht untereinander zerfleischen, damit zum mindesten bei der Stichwahl, auf die das ehrsame Blatt rechnet, ein gemeinsamer Kampf der bürgerlichen Parteien möglich ist: »Betrachtet man da» Register der Abgeordneten, die Döbeln im Laufe der letzten dreißig Jahre entsandt hat, so findet mau einen liberalen Partikularisten, ein paar Fortschrittsleute, einen Mann der Reichspartei, zwei Natioualliberale, zwei Konservative und einen »Genossen"; man findet also eine Musterkarte, die fast ebenso bunt ist, wie die Mnsterkarte von Dresden, nur datz in Döbeln bisher ein Antisemit noch nicht durchgedrungen ist. Aber da die Antisemiten bei der vorigen Wahl eine Stimmenzahl aufbrachten, die noch größer war, als die Ziffer, mit der die Nationalliberalen paradieren durften, so wollen sie auch jetzt mit einem Kandidaten erscheinen und den Versuch machen, die Stimmung, die vor dreizehn Jahre» in Sachsen für sie so günstig war, die ihnen auch noch bei der letztenNachwahl inMarien- bürg zum Siege verhalf, von neuem zu beleben. Vielleicht erscheinen auch die beiden freisinnigen Parteien auf dem Plane, die Wasser- stiefler, um Herrn Günther aus Plauen den erstaunten Wählern vorzuführen, die Männer vom Wadeustrumpf, um der Welt zu zeigen, daß auch in Döbeln für Herrn Theodor Barth keine Hütte gebaut ist. Und so werden all die Parteien miteinander ringen, auf daß das Mandat von Döbeln von neuem an einen Gesinnungsgenossen der Herren Singer und Bebel fällt. Denn ist die Möglichkeit schon gering, den früheren Sitz der Herreu Mehncrt und Sachße, den später der Alldeutsche Lehr durch einen Husarenritt gewann, nach der Ueberflutung durch die Roten zurückzugewiuuen, die Zahl von 13 160 Stimmen, der die Nationalliberalcn und Antisemiten zusammen nur 11000 Stimmen entgegenzusetzen hatten, so zu verringern, und die eigene Mannschaft so zu verstärken, daß über- Haupt an einen Sieg gedacht werden kann, so wird jene Möglichkeit doppelt und dreifach vermindert, wenn in Döbeln wieder die bürgerlichen Parteien im ersten Gange Frontstellung gegeneinander nehmen, und eine Erbitterung schüren, die in der Stichwahl stets die übelsten Folgen trägt. Kommt es also zu einer Zersplitterung der Stimmen, so wäre es wenigstens dringend zu fordern, daß der Hauptkampf unter den bürgerlichen Gruppen nicht gegeneinander, sondern gegen den gemeinsamen Feind von der äußersten Linken ge- führt wird, daß die Riesen des Jason sich nicht wieder untereinander zerfleischen." Hoffen und harren— macht manchen zum Narren. Keine Gehaltsaufbesserung für Lehrer! Der Erlaß des K u l t u s m i n i st e r s, wonach zur Berhinde- rung der Landflucht der Bolksfchullchrer die Regierunge» den Ge- haltserhöhunge» der städtischen Lehrer in den Weg treten solle», tut schon seine Wirkung.„Es wird g e b r e m st", ruft die„P ä d a- gogische Zeitung" aus und führt auS der kurzen Zeit seit der Veröffentlichung des Erlasses folgende Beispiele an: 1. In Hayn au hatten die städtischen Behörden beschlossen. die Gehälter der Volksichullehrer dadurch aufzubessern, daß die Alterszulagen von ISO M. auf 200 M. erhöht wurden. Hierzu versagte die R e g i e r u n g z u L i e g n i tz die Erlaubnis mit der Begründung, daß der Unterrichtsmiuister auf keinen Fall mehr eine Besserstellung der Volksschullehrer durch Erhöhung der Alterszulagen auf 200 M. dulde. Aber die Regierung verstand sich dazu, der Stadtverwaltung eine Erhöhung des Grundgehalts von 1100 auf 1200 M. zu empfehlen. Die älteren Lehrer erleiden damit eine jährliche Einbuße von 3S0 M. 2. Jir Hamborn, der größten preußischen Landgemeinde mit rund 70 000 Einwohnern, hatte die Gemeindevertretung 80 000 M. zur Aufbesserung der Lehrergehälter bereitgestellt. Die Regierung zu Düsseldorf versagte die Genehmigung zu diesem Beschlüsse mit der Begründung, daß die Gemeinde nicht leistungsfähig sei. 3. In Wetter hatte die Gemeindevertretung beschlossen, die Lehrergehälter von 1100 M. und 200 M. Alterszulage auf 1500 M. und?00 M. zu erhöhen. Die Regierung zu Arns- b e r g versagte diesem Beschlüsse ohne Angabe von Gründen die Genehmigung. 4. In S ch ü t t o r f, der bedeutendsten Industriestadt des Kreises Bentheim, hatte der Schulvorstand in anbetracht der erhöhten Lebensmittelpreise jedem Volksschullehrer eine persönliche nicht pensionsfähige Zulage für das laufende Etatsjahr in Höhe von 100 W. belvilligt. Die Zulage ist bereits ausbezahlt worden. Jetzt hat die Regierung zn Osnabrück die Genehmigung ver- weigert. 5. In Dortmund war im Dezember vorigen Jahres die Erhöhung des Grundgehalts von 1500 auf 1600 M. beschlossen worden. Vor kurzem wurde nun einer Deputation des Lehrer- Vereins seitens des Ministerialdirektors Dr. Schwartz- k o p f f eröffnet, daß die königliche Behörde nicht in der Lage wäre, einer Erhöhung des Grundgehalts über die jetzt noch als äußerste Grenze zu bezeichnende Höhe von 1500 M. zuzustimmen. Die Erhöhung des Einkommens in einer anderen Form würde sie auf Antrag in wohlwollende Erwägung ziehen. So hat es kommen müssen I Die preußischen Lehrer in ihrer ungeheuren Ueberzahl glaubten bisher, statt durch gerades, im- erschrockenes Auftreten, durch ängstliche Leisetreterei am weitesten kommen zu können. Ihr Protest gegen die Schulverpfaffung war kläglich zahm und noch auf dem letzten Münchener Lehrertage feierte die feige Opportunitätspolitik, die man dem Freisinn abgeguckt hatte, traurige Triumphe. Die Autwort der Regierung auf diese traurige RechnuugSträgerei sind brutale Stockprugel auf den Magen! Die Behandlung, die die Regierung den Lehrern zuteil werden läßt, erscheint um so n i ch t a ch t e n d e r, wenn man die Fürsorge bedenkt, die sie den Stützen der Reaktion, speziell den Polizei- organen zuwendet. Während man � trotz des ärgsten Lehrer- mangels!— den Lehrern den Brotkorb Häher hängt, hält man es für selbstverständlich, dem Polizisteumangcl fder in Wirklichkeit gar nicht vorhanden wäre, wenn man den Schutzleuten nicht den lächerlich st en politischen Ueberwachungsdienst aufhalste I) durch Gehaltsaufbesserungen abzuhelfen. So wird jetzt amtlich gemeldet: Bei der B e r l i n e r S ch u tz m a n n s ch a f t ist eine größere Anzahl von Schutzmanns st ellen zu besetzen. Das Einkommen der Schutzmänner ist kürzlich nicht unbe« deutend erhöht worden. Sie erhalten jetzt außer dem Anfangsgehalt von 1200 M. einen Wohnuiigsgeldzuschuß von 360 M.< früher 240 M.f und eine Stellenzulage von 120 M. jährlich. Auch den zunächst erst zur Probe eingestellten Schutzmännern wird dieses Einkommen von monatlich 100-j- 30-j- 10 M.--- 140 M. am Schlüsse jedes Monats gezahlt. Es versteht sich von selbst, daß wir ein Gehalt von 140 M. monatlich den Schutzleuten von Herze» gönnen. Aber daß man Schutzleuten anstandslos ein Gehalt gewährt, das die meisten preußischen Lehrer nicht erreichen, ja daß man die städtischen Gemeinden direkt hindert, ihren Lehrern menschenwürdige Gehälter zu zahlen, um nicht auch von Staats wegen den Lehrern Gehälter in der Höhe eines Schutz m a n n s geholtes zahlen zu müssen, das sollte unsere„Volksbildner" doch über das Wesen unseres preußischen Staates endlich einnial aufkläre»!— Die Gönner JeSkos an der Arbeit. Ueber die Disziplinaruntersuchung gegen JeSko von Puttkamer berichten die„ H a n, b u r g e r N«a ch r." das Folgende: Die Vernehmungen nehmen einen ziemlich schnellen Fortgang. So hatten dieser Tage verschiedene Offiziere, die sogenannte Freiin von Eckardtstein, der Kameruner Oberrichter Meyer sowie Dr. jur. Esser und Direktor van de Loo als Vertreter der Viktoria- Pflanzung vor dem die Unter- suchung führenden Richter. Kammergerichtsrat Strähler. unter ihrem Eide ihre Bekundungen abzugeben. Eine große Zahl weiterer Zeugen ist geladen. Zwei der er- wähnten Offiziere haben. wie privatim über den Inhalt der Aussagen verlautet, erklärt, daß sie die später in Kamerun aufgetauchte Dame dem Gouverneur h r e r in Berlin als Freifrau von Eckardtstein vorgestellt haben. Eine erhebliche Rolle in der Untersuchung spielt das von der BaSler Mission gelieferte Anklagematerial. Von der Basler Mission geht nämlich die Behauptung aus, Puttkamer habe in un- zulässigen Beziehungen zu den Esserschen Gesellschaften gestanden und diese daraufhin begünstigt. So sollte von Puttkamer unter anderem bei sämtlichen Esserschen Faktoreien unbeschränkten Kredit gehabt und benützt sowie einen baren Rabatt von zehn Prozent auf die ihm kreditierten Einkäufe bezogen haben. Die Vertreter der Viktoriapflanzung haben demgegenüber erklärt, daß Puttkamer keinerlei Vorteile. Kredit, Zu wen dun gen. Provisonen usw. erhalten und auch in keinerlei Form jemals irgend etwas Derartiges verlangt oder angeregt habe. Die Oeffentlichkeit soll also offenbar darauf vorbereitet werden, daß der wackere I e s k o denmächst aus der Disziplinaruntersuchung als Unschuldsengel hervorgehen wird I Mit Recht wirft diesen Machenschaften gegenüber die„Freis. Ztg." die Frage auf: „Im übrigen möchten wir doch fragen, wie es kommt, daß derartige Mitteilungen über eine noch im Gange befind- l i ch e Untersuchung in die Oeffentlichkeit gelangen konnten. Als wir unser Material gegen JeSko von Puttkamer veröffentlichten, erhob die„nationale" Presse ein Zetergeschrei über den damit begangenen Vertrauensbruch. Wenn aber dieselben„nationalen" kolouialhypnotisierten Blätter irgend etwas erfahren, das geeignet ist. ihren Schützling zu entlasten, so genieren sie sich keinen Augenblick, eö zu ver- öffentlichen, auch wenn das Amtsgeheimnis ver- letzt sein sollte."—_ Shaws Verehrer. Nachdem wir gestern zwei abfällige Aeußerungen deutscher bürgerlicher Blätter über Herrn Shaw registriert haben, zwingt uns die Gerechtigkeit dazu, auch einige zustimmende Auslassungen mit- zuteilen. Groß ist die Ausbeute nicht. Voran steht das Weltblatt vom Rhein, die„Köln. Ztg." In weiser Mäßigung beschränkt sie sich ans folgende Zeilen: „Die wissenschaftliche und politische Pedanterie, die in der deutschen Sozialdemokratie in innigstem Verein mit ihrer praktischen Unfruchtbarkeit und vaterlaudsfeindlichen Klassenverhetzung blüht, kann nicht besser gegeißelt werden, als es hier von einem an- erkannten„Genossen" geschieht." Getrübt wird der hohe Wert dieses Urteils mir ein wenig da- durch, daß die„Köln. Ztg." allen Ernstes der Ansicht ist. Shaw sei bisher„irischer Sozialdemokrat" gewesen. Der großen Kollegin vom Rhein sekundiert das Hamburger Scherl-Blatt, der„Hamb. Corrcsp." mit folgenden Sätzen: „Der„Vorwärts" tut, als fände er diesen Brief furchtbar komisch, und ganz ernst wird man i'hn auch im bürg er- lichen Lager nicht nehmen. Besonders mit der politischen Moral der deutschen Sozialdemokratie hat man ja erst in aller- jüngster Zeit wieder seltsame Erfahrungen gemacht. Aber daß nebenbei in dieser deutschen Sozialdemokratie auch ein ganz er- hebliches Quantum dogmatischer Borniertheit und Schildbürgerei steckt, darin hat Bernhard Shaw allerdings ganz recht" Als drittes Blatt, das Herrn Shaw die Wirkung seiner„ver- nichtenden Kritik" attestiert, meldet sich die antisemitische„Staats- bürger-Zcitung". Sie schreibt: „Auch wenn man die eitle Selbstbespiegeluiig dcS Herrn Bernhard Shaw der Sozialdemokratie zugute rechnet, dürfte doch der Gegenhieb, den der„Vorwärts" heute führt, allzuviel innere Ohn- macht zeigen. Er besteht einfach in einigen Schimpfworten:„der famose Bernhard Shaw".„Ueberbrettl-Dramatiker",„größenwahn- sinniger Literaten-„SozialismuS". Damit bestätigt der„Vorwärts", daß der Hieb gesessen hat. Daß gerade Männer wie Bernhard Shaw und Professor Sombart, deren haltlose Weltanschauung auf demselben Baume gewachsen ist, wie die modern-sozialistische, sich von dem veralteten Dogmatismus eines Marx abwenden, ist charakteristisch für die intellektuelle Vereinsamung derer um Kautsky." Der kindischen Eitelkeit des Herrn Shaw dürften allerdings diese Verehrer kaum gefallen, denn der„Hanibnrg, Correspondent" attestiert dem großen irischen Epigonen Shakespeares, daß man ihn selbst im bürgerlichen Lager nicht„ganz ernst" nimmt, und die „Staatsbürger-Ztg." spricht von„eitler Selbstbespiegeluiig". Doch eS ist das Schicksal fast aller gewaltigen„literarischen Genies", daß sie erst nach ihrem Tode die gebührende Anerkennung finden.— Kuslancl. Schweiz. Der Kampf in Zürich. Zürich, 25. Juli.(Eig. Ber.)„Klein-Rußland", so heißt gegenwärtig Zürich und Umgebung. Alle Gesetzlichkeit, Zucht und Ordnung hat aufgehört! eS herrscht nur die rohe Gewalt, aber nicht die des„Pöbels, sondern die der herrschenden Klasse, die ohne Scheu am hellen Tage ihre ungezügelte Bestialität betätigt. Nicht nur Polizisten und Soldaten hausen wie Kosaken unter der Arbeiter- schaft, sondern auch die wildgewordenen Bourgeois, vor deren Ex- zcssen niemand sicher ist. Zahllose Arbeiter sind von den uniformierten und bürgerlichen Ordnungsbanditen anfs schwerste mißhandelt worden, ohne daß danach ein Hahn krähte: sie sind eben vogclfrei. Die bürgerliche Presse schweigt vollständig über die un- glaublichen Exzesse veS Gesindels, in dessen Diensten sie steht, und die umformierien Hüter von Gesetz und Recht schreiten dawider nicht nur nicht ein, sie lassen im Gegenteil unter beifälliger Zustimmmig die rohen Bestien gewähren. Sagt aber ein Arbeiter nur ein Wort gegen die Polizei, gegen das Militär, gegen das Unternehmertum. gegen die Regierung oder gar gegen die— Streikbrecher, so wird er auf der Stelle verhaftet und unter Mißhandlungen in die Kaserne geführt. Die Verhaftungen dürften die Zahl von 150 erreicht haben. ivovon allerdings verschiedene nicht aufrechterhalten wurden. Auch Arbeitersckretär Rieder und der nach ihm verhaftete Genosse Sigg wurden wieder entlassen. Gegen beide, ferner auch gegen andere Genossen sowie gegen den anarchistisch-antimilitaristischen Arzt Dr. Brupbacher sollen Anklagen erhoben werden, und zwar gegen erstere aus Grund des eidgenössischen Militärstrafgesetzes, dessen Artikel 5g am Schlüsse besagt:„Die Zuständig- keit des Kriegsgerichts wird durch Artikel 1 Ziffer 10 der Militärstrafgerichts- Ordnung vom 23. Juni 1889 be- gründet:„Der MilitärstrafaerichtSbarkeit sind unterworfen: Zivil- Personen, welche Militärpersonen im aktiven Dienst zur Verletzimg wichtiger Obliegenheiten verleiten oder zu verleiten suchen." Zu den Greueltaten in den Straßen Zürichs werden also noch drakonische Urteile des Kriegsgerichts kommen, durch die die uniformierten Arbeiterfeinde ihren Haß in gesetzlicher Form betätigen dürften. Den Ausländern, die in die Hände der Ordnungsbanditen fallen, droht durchweg die Ausweisung. Etwa 40 verhaftete Ausländer sollen bereits diesem Schicksal geweiht sein. In der Inseraten- Plantage des„Züricher Tageblatt" fordern bürgerliche Schufte die Ausweisung unseres Genossen Emil Hauth in seiner Eigenschaft als Redakteur dcS.Volksrecht". Also nicht mehr nur Anarchisten, sondern auch Sozialisien, überhaupt jeder, der dem herrschenden OrdnungS- klüngel nicht paßt und Ausländer ist, soll ausgewiesen werden! Es ist eine böse Saat, die in diesen Tagen die blind wütenden Bürgerlichen in Zürich ausstreuen. Eine Verschärfung der Klassen- gegensätze und Klassenkämpfe wird als deren Frucht zurückbleiben. Die unerträgliche Situation veranlaßte auch das christliche Gewerkschaftskartell in Zürich zur Stellungnahme. Es hat in einer längeren Resolution energischen Protest gegen das Streikpostenverbot und gegen das Militärausgebot erhoben, und eS wirst der Regierung unverhüllt vor, daß sie sich einseitig in den Dienst dcS scharf- macherischen Unternehmertums gestellt habe. In der Resolution wird zutreffend darauf hingewiesen, daß im vorigen Jahre die in ihrer Mehrheit katholische Regierung des Kantons Luzern die Scharf- machereien des Unternehmertums gegen die Arbeiter zurückgewiesen hat. Und Luzem steht heute noch! Einer in Zürich abgehaltenen Versammlung ber Bmiunter- nehmer haben deutsche Banunternehmer ihre Sympathien mit den Scharfmachereicn ausgesprochen! Diese Internationale lassen sich die schweizerischen OrdiumgSbanditen gern gefallen. Die Regierung hat beschlossen, morgen das jetzt aufgebotene Militär wieder zu entlassen und dafür das Bataillon 67 aufzubieten. Die Schlvadron 18 wird auf Rikett gestellt. Der Krieg, der— ohne den Verdienstentgang der auS der Arbeit gerissenen Arbeiter— täglich zirka 7000 Frank kostet, dauert also weiter. Vielleicht kommt eS noch zum stehenden Heer gegen den„inneren Feind" nebst Garnisonen in jedem Orte, wo eine Fabrik und eine Arbeitergewerk- schaft besteht. Dem profitwütigen Schweizer Bourgeois ist jede Schändung der Demokratie zuzutrauen. Frankreich. Die Witwe» von Courrisres aus die Straße gesetzt! Paris, 26. Juli.(Eig. Ber.) Die Ausbeutergesellschaft von Courrisrs hat nicht genug daran, aus schuftiger Raffgier tausendfachen Mord begangen zn haben. Als das gräßliche Unglück geschehen war, begann sie sofort mit„Rettungs- arbeiten", d. h. sie suchte ihr Kapital über und unter der Erde zu retten. Das Opfer unterirdischer„Rettungsarbeit" waren die Hundert« Grubenproletarier, die ersticken und verhungern mußten, weil die Rettungswege vermauert wurden. Die Opfer der„RettungSarbeiten" über Tage waren die Hinterbliebenen der im Schacht Getöteten. Die Ausbeutersippschaft wollte die Not der Ueberlebenden ausnutzen, um von ihnen einen Nachlaß der gesetzlich geschuldeten Entschädigungssumme zu erpressen. Einige Witwen hatten indes genug Widerstandskraft und wiesen den angebotenen„Ausgleich" ab. Die edlen Ausbeuter warfen darauf die Mitleidsmaske ab und kehrten zum brutalen Herrenstandpunkt zurück. Am Anfang des Monats bekamen die widerspenstigen Proletarierinnen einen Bescheid, worin sie verständigt wurden, daß die Gesellschaft, die von März bis Juni keine Miete von den in ihren Häusern wohnenden Witwen erhoben habe, vom Juli an Ivieder die gewöhnliche Miete berechne I Gleichzeitig teilt sie die Kündigung des Mietskontraktrs für de» I. Ottover mit? von diesem Tage an müsse sie über die Wohnungen wieder disponieren. Die Witwen von Conrriöres haben die Absicht, in ihren Häusern zu bleiben und zu warten, ob man es lvagen wird, sie samt ihren Kindern wirklich auf die Straße zu setzen. Die Ausbeuter von Courrtöres werden es lvagen. Sie lassen sich von proletarischen Hungerleidern nicht Trotz bieten. Und dann— sie brauchen ja Platz für neue Arbeiter, die Mehrwert schaffen sollen für elenden Lohn und unter der Gefahr, daß einst auch ihren Witwen und Waisen nicht einmal ein Stück Brot und ein dürftiges Obdach ge- lassen wird.— Belgien. „Booruits" Jubiläum. Ein Freudenfest, einzig in seiner Art und Größe, wurde am Sonntag in Gent gefeiert. Es war das 25jährige Jubiläum der Genoffenschaft„Vooruit", die in einem Festgesange als«die gute Mutter" gepriesen wird. Der„Vooruit" ist entstanden ans winzig kleinen Unternehmungen, die den Spott und Hohn der Gegner herausforderten. Im Jahre 1873' gründeten 80 Mitglieder der zu jener Zeit schon arg zusammen- geschrumpften„Internationale" in Gent mit kaum 100 Fr. Kapital eine Genossenschaftsbäckerei. Diese wuchs und gedieh. Aber der Erfolg führte nach wenigen Jahren dazu, daß ein Teil der inzwischen stark gewachsenen Zahl der Genossenschafter dem sozialistischen Gedanken untreu wurde und das Unternehmen in bürgerlichem Sinne geleitet wissen wollte. Sie waren gegen die Aufnahme neuer Mit- glieder, gegen die Verteilung sozialistischer Schriften, gegen den Gebrauch einer roten Fahne, gegen die Errichtung von Geschäfts- lokalen in allen Arbeitervierteln der Stadt usw. 150 Sozialisten traten auS der Genossenschaft aus und gründeten im Jahre 1881 die Genossenschaftsbäckerei„Vooruit�-----„Vorwärts". Wer von den leitenden Genossen auf diesen Namen gekommen ist, weiß man nicht. Aber er entspricht besser als jeder andere der Wirksamkeit und Eni- Wickelung des Unternehmens, das längst nicht mehr nur eine Genossenschaftsbäckerei ist. sondern für das leibliche und geistige Wohl seiner Mitglieder sorgt und weit darüber hinaus für den Fortschritt auf allen Gebieten der Arbeiterbewegung und Eni- Wickelung tätig ist. Die Bäckerei stellte im Anfang mit ihren einfachen Einrichtungen 1057 Brote in der Woche her. Jetzt werden in der neuen, mit 10 doppelten Heißwasseröfen ausgestatteten Bäckerei jede Woche 120 000 Brote gebacken. Schon im Jahre 1886 war der„Vooruit" so leistungsfähig, daß er den streikenden Kohlengräbern des Borinage 15 000 Brote senden konnte. Im Laufe der Jahre hat der„Vooruit" Kleider- und Koloniallvarenmagnzine, Apotheken und Kohlenmagazine eingerichtet. Nach einem großen Brande im Jahre 1897 wurden die Magazine prächtiger und größer wieder erbaut. Im Jahre 1902 wurde die Volksdruckerei gegründet, die größte und am besten eingerichtete Druckerei des Landes, verbunden mit einer reich ausgestatteten Buch- und Papierhandlung. In der Bolksdruckerei wird jetzt auch der „Vooruit", das einzige sozialistische Tageblatt in Vlämisch- Belgien, gedruckt, daneben noch 10 besondere sozialistische Wochen- b l ä t t e r. Es wurden weiter Prodnktivgenossenschaften der Zigarrenmacher. der Maurer, der Dockarbeiter, der Metallarbeiter, der Holzarbeiter gegründet, und schließlich hat der„Vooruit" auch eine Genossen- schaftSweberei errichtet. Eine Krankenkasse des„Vooruit" Ivurde im Jahre 1900 durch Zusammenschluß von 19 kleinen Krankenkassen mit 2700 Mitgliedern gegründet. Die Mitgliederzahl war im Jahre 1905 bereits auf 30 000 gestiegen. Die Kasse beschäftigt 17 Aerzte, darunter sechs Spezialärzte, und verfügt über einen eigenen Operationssaal. Sie hat seit der Gründung 1645 009 Frank Krankengeld ausgezahlt. Außerdem besteht seit 1897 ein Wochenbettfonds, der in 4311 Ge- burtSfällen bereits für 16 745 Frank Unterstützung an Waren und Bargeld geleistet hat. Im Jahre 1900 wurde ferner ein PensionS- fonds für Altersunterstützung gegründet, der bis zum April 1906 bereits 77 040 Frank Pensionen ausgezahlt hat. Für daS Geschäfts- jähr 1906/1907 ist die Ausgabe für 194 pensionierte Mitglieder des „Vooruit" auf 20 733 Frank berechnet. Für die geistige, sittliche und ästhetische Erziehung seiner Mit-. glieder wie der gesamten Bevölkerung sorgr der„Vooruit" durch einen Studienverein, durch zwei große öffentliche Volksbibliotheken mit Lesesälen, durch einen Bühnenvercin, durch Musik-, Gesang- und Turnvereine und durch einen ErziehungSverein(die„VolkSkinderen"), dem sich für Jünglinge und junge Mädchen der Verein„Gelvazen Volkskinderen" anschließt. Wie sich der„Vooruit" finanziell entwickelt hat, geht daraus hervor, daß die Bilanz von 1881 mit 15 984,20 Fr. abschloß, wo- gegen die von 1903 die Endsumme von 3 290 928,39 Fr. onfiveist. Die Gebäude, die Maschinen und das Meublement des„Vooruit" haben einen Wert von 1 931 000 Fr. Die Volksdruckerei„Vooruit" hat zur Feier des Jubiläums eine Festschrift herausgegeben. Der Druck des Werkes beweist, daß die Druckerei außerordentlich leistungsfähig ist. Ans der ersten Seite tritt uns das Bildnis des im Jahre 1897 verstorbenen Genoffen Edm. van Veveren, des Vaters der genossenschaftliche» Bewegung In Gent, entgegen. Es folgen im Text die Porträts der Genossen Anseele,.Gyseghem und Foucaert, sowie eine große Anzahl Ab- bildungen, die die Entwickelung und den jetzigen Stand des„Voor- ruit" illustrieren. Das Buch enthält auch eine kurze, höchst interessante Geschichte der Entwickelung des„Vooruit", die natürlich nicht ohne schwere Kämpfe gegen Feinde und Gleichgültige vor sich gegangen ist. Im Schlußworte heißt eS: »Unsere kurz gehaltene Auseinandersetzung— weit davon ent- fernt, vollkommen zu sein— ist eine Huldigung des Grundsatzes der genossenschaftlichen Arbeit, der zum ersten Male in der Welt so kühn und logisch von der Gesellschaft„Vooruit" durchgeführt wurde. „Vooruits" Entwickelung beweist nicht nur. daß das Genossen- schaftswesen mit dem Sozialismus zusammen wirken kann, sondern daß es in seiner wahren, vollkommenen Durchführung so gut wie untrennbar vom Sozialismus ist."— England. Kleine Abstriche. London, 27. Juli. Unterhaus. Das Haus setzt die Beratung des Marinebudgets beim Kapitel„Neubauten" fort. Unterstaats- sekretär Robertson macht Mitteilung von den Absichten der Re- gierung hinsichtlich des neuen Flottenbauprogramms. Er er- innnert daran, daß das ursprüngliche Programm 4 Panzerschiffe, B Hochs ee-Torpedobootzerstörer, 12 Küsten-Torpedobootzerstörer und 12 Unterseeboote vorsah, und das beabsichtigt war, die 4 Panzer- schiffe nach dem Dreadnoughttyp zu bauen. Dieses Programm sei im November aufgestellt und seitdem sorgfältig geprüft worden. Es sei die einstimmige Ueberzeugung der Admiralität, daß eS in folgender Weise einzuschränken sei: Statt 4 Panzerschisse der Dreadnought-Klasse sollten nur 3 gebaut werden, anstatt 5 Hoch- sec-Torpedobootzerstörer nur 2 und anstatt 12 Unterseeboote nur 8. Die Zahl der Küsten-Torpcdobootzerstörer solle unverändert bleiben. Die Gesamtausgabe hätte nach dem früheren Programm 9 340 000 Pfund Sterling betragen, während sie sich nach dem neuen Pro- gramm auf 6 800 000 Pfund Sterling stelle. sBeifall bei den Ministeriellen.) Der Voranschlag werde in diesem Jahre durch diese Einschränkung nicht so vorteilhaft beeinflußt werden, aber im nächsten Jahre werde der Voranschlag um etwa eine und eine halbe Million Pfund Sterling verringert werden. Nachdem er auf die Haager Konferenz, die Erklärungen Sir Edward Greys und die vom Unterhause in dieser Frage angenommene Resolution Bezug genommen, sagte er, daß alle diese Dinge der Regierung und der Admiralität vor Augen geschwebt hätten. Die Regierung wolle in den Jahren 1907 und 1908 anstatt mit dem Bau von vier Panzerschiffen zu beginnen, wie ursprünglich beabsichtigt war. nur deren zwei auf den Voranschlag setzen, dabei aber vorbehalten, daß ein drittes erbaut werden solle, wen» die Haager Konferenz zu keinem Ergebnis bezüglich einer Einschränkung der Nüstungcn führen sollte; außerdem werde die Anfangsbaurate der Schiffe so niedrig bemessen, daß erst gegen Ende des Finanzjahres zu ihrem Bau geschritten werden könnte. Auf diese Weise betone die eng- tische Regierung, daß sie von aufrichtigen Absichten beseelt sei und den Wunsch habe, die Rüstungen zu vermindern.(Beifall.) Der Unterstaatssekretär bespricht zum Schlüsse die Gerüchte über Meinungsverschiedenheiten, die in der Admiralität bezüglich der geplanten Verringerung der Aufwendungen für Flottenzwecke be- stehen sollen. Die Marinesachverständigen dieser Behörde, erklärt der Unterstaatssekretär, hätten die Ausführung des abgeänderten Programms empfohlen.(Beifall bei den Ministeriellen.) Die Prüfung der allgemeinen internationalen Flottenverhältnisse habe sie überzeugt, daß das Gleichgewicht der Machtverhältnisse zur See durch die Verminderung nicht werde erschüttert werden. ES sei Grund vorhanden zu glauben, daß jener Fortschritt in den neuen Flottenbauprogrammen der fremden Mächte nicht eingetreten sei. den die Admiralität vorausgesetzt habe, als sie das ursprüngliche Programm aufstellte» Amerika. Ein„Patriot". Chicago, 27. Juli.(B. H.) Der verstorbene Mister FieldTjat ein Vermögen von 130 Millionen Dollar in Wertpapieren und 60 Millionen Dollar an liegenden Gütern hinterlassen. Da er seit längerer Zeit keine Steuern mehr zahlte, hat die Steuerbehörde einen Betrag von 3 Millionen mit Beschlag belegen lassen.— GcwcrkfchaftUcbca. Ei» cingestandenes Verbrechen! Das Zentrum wurde immer nervös, wenn man es für die wirtschaftliche und politische Rechtlosmachung der saarabi- schen Arbeiterschaft verantwortlich machte. In der Broschüre des Genossen Hue:„Politische oder neutrale Gewerkschaften?" wurde schon der dokumentarische Nachweis erbracht, daß mit der Zertrümmerung des Recht- schutzvereins der S�arbergleute durch die klerikalen M.-Glad- bacher Beutepolitiker die Leidensgeschichte der Saarbergleute begann, dereit erster Akt die Maßregelung von 3()l1() tapferen Saarbergleuten durch den„sozialen Reformminister" Frei- Herrn v. Berlepsch war. Als die„Saarwacht" in dem Leitartikel ihrer ersten Nummer das Zentrum dafür ver- antwortlich machte, daß das Saarrevier„saarabisch" wurde, fand es speziell die klerikale„arbeiterfreundliche"„Saar- Post" für ungeheuerlich, dem Zentrum diesen Vorwurf zu machen; es war natürlich eine sozialdemokratische Ver- leumdung, dem Zentrum nachzusagen, daß es aus durch- sichtigen politischen Gründen den politisch und konfessionell neutralen Rechtschutzverein der Saarbergleute durch schofle Quertreibereien vernichtet und dadurch die Arbeiterschaft des Saarrediers zerschmettert und widerstandslos dem brutalen Scharfmachertum ausgeliefert habe. Ein Intimus der schwarzen„Arbeiterfreunde"— dessen selbstgepriesene„Arbeiterfreundlichkeit" von derselben Qualität wie die des Zentrums war—, Herr Hilger, hat freilich schon vor einem Jahre unter Eid die Richtigkeit unserer Behauptung bestätigen müssen. Und Herr Hilger mußte es wissen. Jetzt, nach dreizehn Jahren, wird das von dem Zentrum an den Saarbergleuten begangene Verbrechen auch von einem Angehörigen der schwarzen Partei eingestanden. Just in derselben zentrümlichen„Saar-Post", die vor :iVd Jahren noch unsere Behauptung als sozialdemokratische Verleumdung verschrie, bestätigt jetzt der Jesuitenzögling Johann Effert, der Führer der„christlichen" Bergvölker, das Verbrechen der schwarzen Volksbeglücker in dürren Worten: �- „Im Saarrcvier bestand bor gut 12 Jahren der Recht- schutzverein der Saarbergleute. Die Anhänger der da» maligen Dasbachpresse verstanden es nicht, in richtigem Sinne(I) auf diesen Verein einzuwirken; eS kam sogar zu einer politischen Zersplitterung, indem die Bergleute zum Reichstage einen eigenen Kandidaten aufstellten, der Verein segelte auch in ein Fahrwasser, welches ihm nur zum SckKiden gereichen konnte.(?) Nach meiner Ueberzeugung und soweit es mir möglich war, 'Material zu sammeln, tragen gewisse Leute be» deutend mehr Schuld an diesen Dingen, alS öffentlich bekannt ist. Es wäre bei dem gut christlichen Sinne der Saarbergleute 'nicht so schwer gewesen, den Verein durch Beseitigung der un- Lerantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verant«.; fähigen Führer in die richtige(klerikale) Bahn zu lenken. Dieses ist nicht geschehen. Nein, er wurde mit allen möglichen Mitteln zerschlagen und zertrümmert, trotzdem es leicht gewesen wäre, ihn noch im letzten Augenblick durch geeignete Führer in die richtige Bahn zu leiten. Eine Neugründung katholischen Charakters sollte ihn ersetzen. Doch dieses Monstrum blieb trotz aller höherer Protektionen in de» Windeln stecken. Es starb trotz seiner Protektoren, ja vielleicht an eben dieser Protektion. Der Rcchtschutzverein war zer- schlagen und man war zufrieden." Also das Zentrum war zufrieden mit seiner Verbrecher!- scheu Tat. Den Saarbergleuten war das Rückgrat gebrochen und sie merkten noch nicht einmal, wer es ihnen brach. Warum war das Zentrum zufrieden? Weil unter dem nun ein- tretenden Knutenregiment der Scharfmacher und des plus- machenden preußischen Fiskus der Glaube leicht aufrecht zu erhalten war, das Zentrum sei Volkspartei. Die Herrschaft des Zentrums schien für alle Zeiten gesichert zu sein; es brauchte nur noch die Wahlmache der nationalliberalen Scharf- macher zu seinen Ungunsten zu beseitigen, um im Saarrevier uneingeschränkt die Herrschaft der Klerisei zn etablieren: und die zu diesem Zweck unternommene Kampagne sollte seinen Ruf als Hüterin der Volksrechte noch erhöhen. Während dieser Bestrebungen aber kam die Sozial- demokratie auf den Plan und machte im Gegensatz zum Zentrum Ernst gegen die Praktiken der Scharsmacher. Die Krämer-Hilger-Prozesse in Saarbrücken und Trier machten ganze Arbeit, die Sozialdemokratie und die freien Gewerk- schaften gewannen mächtig an Boden. Da besann sich der Klerikalismus wieder auf seine„Ar- b e it e r fr e u n d l i ch k e i t". Während mehr als zehn Jahren, so lange von der Sozialdemokratie nichts zu be- fürchten war, dachten die schwarzen„Arbeiterfreunde" nicht an die Gründung auch der harmlosesten Arbeiterorganisation. Als der rote Hannibal aber vor den Toren stand, riefen die Klerikalen die„christlichen" Zersplitterungsorganisationen auf den Plan, um ihre Herrschaft zu sichern. Aber die„christ- lichen" Gewerkschaften waren dem Zentrum noch zu radikal; man plante deshalb die Gründling eines katholischen Bergarbeiterverbandes und erst dieser Umstand brachte Herrn Effert zum Sprechen. Entrüstet ruft er den zentrümlichen Zersplitterern im Anschluß an sein obiges Ein- geständnis zu: „Diese Erfahrungen, sollte man glauben, hätten bei den sich berufen fühlenden Führern soviel Einsicht und Verständnis wach- rufen müssen, daö alte Spiel, wodurch so viel Ver- druß, Aerger und Kadavergehorsam ent- standen war. nicht noch einmal zu beginnen. Die christliche Gewerkschaftsorganisation hatte Bewegung und Arbeitslust unter die christlichen und nationalen Arbeiter gebracht; sie entfaltete ihre Schwingen über ganz Deutschland. Die Sozialdemokratie. in Erkenntnis der Gefahr, die ihr durch die machtvoll aufstrebende christliche Gewerkschaftsbewegung drohte, kämpfte gegen die christ- liche Organisation mit allen, selbst den schofelsten Mitteln.(Um- gekehrt wird ein Schuh daraus. D. B.) Auch an der Saar machte sich schon ein freieres Atmen durch die Einführung des christlichen Gcwerkvereins bemerkbar.(!) Und in diesem Augen- bNck bringt die„St. Joh.-Saarbrücker Bolksztg." als das da- mals alleinige bedeutendere katholische Blatt an der Saar, einen Artikel, in welchem die Neugründung eines katholischen Berg- arbeiterverbandeS empfohlen wird, und muntert zu diesem ver- werflichen Plane noch auf mit den Worten: Eine solche Handlung sei des Schweißes der Edlen wert!!" Die Sozialdemokratie wird Herrn Effert für sein selbst- mörderisches Geständnis dankbar sein. Sie wird ihrer Auf- gäbe, den betrogenen Saarbergleuten zu zeigen, wer die Händler auf dem saarabischen Sklavenmarkt waren und noch sind, voll und ganz gerecht werden.— Berlin und Umgegend. In der Möbelfabrik von G. Peters, Prinzenstr. 86, stehen für Packer und Hausdiener Differenzen bevor. Hausdiener-, Packer- und Gcschäftskutscher-Vereinigung, Briiderstr. 14. Die Baukontrolle der Tapezierer(Sektion der Kleber) ergab nach dem Bericht in der Versammlung am Donnerstag abend, daß die Situation im allgemeinen nicht ungünstig ist und die Bauunternehmer die Tarifbestimmungen erfüllen. Kontrolliert wurden 497 Bauten, 344 Tapezierer waren tätig auf 160 Bauten; 22 Streitfälle wurden gefunden, davon wurden 10 gütlich beigelegt und in 12 Fällen die Sperre verhängt._ Achtung, Tabakarbeiter! Bei der Firma Reinhold Tis mar in Französisch-Buchholz sind trotz der schlechten Löhne und teuren Lebensmittelpreise Lohn- abzüge gemacht worden. Die organisierten Kollegen legten deshalb dort einmütig die Arbeit nieder. Die Zigarrenfabrik Reinhold Tismar ist filr jeden Tabakarbeiter gesperrt und Zuzug nach Französisch-Buchholz streng fernzuhalten. Deutscher Tabakarbeiter-Verband, Zahlstelle Berlin. Bei der Herren- und Knabenbekleidungsfirma Tally Levy in Charlottenburg, Scharrenstr. 26, sind Differenzen aus- gebrochen. Vor Pfingsten wurden einem Schneider für einen Rock IS M. bezahlt; nach dem Fest wurden ihm 10,50 M. augeboten, deren Annahme er zurückwies mit dem Bemerken, er arbeite nur nach Tarif. Die Folge war, daß er einen halben Tag warten konnte; er wurde dann aber wieder so beschäftigt wie vorher. Plötzlich gab ihm Herr Levy eine Maßhose unter Tarif. Als der in Frage kommende Schneider dieselbe nun auch zurückwies und den Tariflohn forderte, welchen er dann auch bekam, konnte er nach dieser Zeit die ganze Woche stille sitzen. Nach mehrmaligen Anfragen wegen Arbeit wurde ihm erwidert, eS wäre nichts da. um nicht zusagen: Wir zahlen nicht nach Tarif. Dem Vertreter der Organisation wnrde bedeutet, er habe im Geschäft nichts zu suchen; die Sache ginge ihn nichts an. Man wollte ihm sogar zu Leibe rücken. Herr Levy ver- steht es besonders, speziell Heimarbeitern klar zu machen, daß Maß� fachen Konfektion seien und ihnen dafür 4 bis 5 Mark weniger zu geben. veutkcbcs Beleb. Der Kampf im Buchbindergewerbe beendet. Eine Privatdepesche meldet unS: Leipzig, 27. Juli. Die heute in Leipzig stattgefundeilen Einigungsverhandlungen mit den Buchbindereibesitzern haben unter offizieller Hinzuziehung deS Verbandsvorstandes und der Streik- leitungen der in Betracht koinmenden Orte zu einem für die Arbeiterschaft annehmbaren Resultat und damit zum Abschluß des Kampfes geführt. Die Arbeit soll am Montag allgemein wieder aufgenommen werden._ 120 Former und Gießereiarbeiter deS Stahl- und Eisenwerkes Güstrolv. L. Martins, sind in den Streik eingetreten. Zu- zug ist fernzuhalten. Die Parteipresse wird um Abdruck gebeten. Die AugSburgrr Scharfmacher im Baugewerbe, welche durch die schwarze Liste der 1000 Maurer in aller Welt bekannt ge- worden sind, wollen keinen Frieden. Am Mittwoch fand aus Ver- anlassung des Gewerbegerichtsvorsitzenden eine unverbindliche Be- sprechung der beiden kämpfenden Parteien statt. Obgleich die be- et. Glocke, Berlin. Druck u. Verla»: Borwärt» Vuchtr. u. Verlag»an ßalt rühmte schwärze Liste ihren Zweck vollständig verfehlt hat(vott zirka 900 Streikenden sind über 600 auswärts in Arbeit getreten, und immer noch mehr werden gewünscht), zeigen die Baulöwen noch keine Lust zum Nachgeben. Während die Vertreter der Streikenden zur Verhandlung be- reit waren, lehnten die Unternehmer jedwede Verhandlung ab. Nun, die Arbeiter haben ja Zeit. Im Augsburger Baugewerbe mutz den Unternehmern eimal beigebacht werden, daß auch die Arbeiter bei der Festsetzung der Arbeitsbedingungen ein Wörtchen mitzureden haben. Die Streikenden waren auch einmütig dieser Ansicht und be- schlössen unter großer Begeisterung, den Streik energisch weiter- zuführen. Brauereiarbeiter! Die deutschen Kollegen werden dringend ersucht, den Zuzug wegen drohender Aussperrung streng fernzuhalten von den Brauereien deS Großherzogtums Luxemburg. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Zentralverband�er Brauereiarbeiter. Zahlstelle Luxemburg. Husland. Die Bäckergehlllfen in Budapest haben erklärt, sich dem Mühlenarbeiterstreik anschließen zu wollen, falls bis Montag die Mühlenbesitzer die Forderungen der Mühlenarbeiter nicht bewilligen würden. Eine Polizeigewerkschast. Paris, 22. Juli.(Eig. Ber.p Als Herr Lepine, der Feldmarschall der Pariser Polizei, gestern früh sein Bureau betrat, wartete seiner eine Ueberraschung. Unter den eingelaufenen Briefschasten befand sich ein gedruckter Aufruf, der alle Angestellten der Polizeiverwaltung auffordert, an einer g e- werkschaft lichen Vereinigung teilzunehmen. Unter» zeichnet waren' Beamte verschiedener Bureaus und Vertreter der Polizeimannschaft. Herr Lepine antwortete auf den Aufruf nicht mit einer Beitrittserklärung, sondern setzte sich sofort mit Herrn C l e m e n e e a u in Verbindung, der unterdes schon erfahren hatte. daß der gewerkschaftliche Aufruf auch in den anderen Verwaltungs- ämtern verteilt worden war. Die Verlegenheit des Ministers war nicht gering. Denn offiziell ist er ein Anhänger des Gewerkschafts- rechtes der Beamten, allerdings mit Ausschluß des Streikrechts. Er half sich nun auf die Weise, daß er vorläufig die Gewerkschaft für unzulässig erklärte und ihre Zulässigkeit von der Erledigung der Gewerkschaftsreform im Parlament, die ja bekanntlich die Formel für die famosen Beamtengewerkschaften mit beschnittenen Gewerk- schaftsrechten ausfindig machen soll, abhängig machte. Ob die Be- amten so lange warten werden, ist eine andere Frage, eine Frage, die den Herren Clemenceau und Lepine die Ferienfteuden einigermaßen verbittern dürfte. Denn das probate Mittel gegen streikende Arbeiter— Fußtritte in den Bauch und Faustschläge auf den Kopf— wozu die Mannen des Herrn Lepine so wohl dressiert waren, wer soll es gegen diese selbst praktizieren? Die Armee aber ist für derlei Dienste doch nur mit Vorsicht zu gebrauchen, wenn- gleich die drehfusistische Bourgeoisie, seitdem die Osfizierskaste mit mehr Bedachtsamkeit als Ueberzeugung die verschiedenen Rehabili- tationsprozeduren auf sich genommen hat, wieder sehr begeistert für die Soldateska ist und zweifellos dem Militarismus in Zukunft Ngch Möglichkeit LiebeS und Gutes erweisen wird. Die Stichwahl in Hagen-Schwelm. Die gestern in Hagen-Schwelm stattgehabte Stichwahl brachte den Freisinnigen noch einmal das Reichstagsmandat. Die Furcht der Liberalen, daß das Zentrum für Altena-Jser- lohn„Rache" nehmen würde, war unbegründet. Die Zentrumsleute— bei den Nationalliberalen war es selbst- verständlich— haben fast Mann für Mann dem Freisinnigen ihre Stimme gegeben. Die Furcht, ein„Roter" könne das Hagener Mandat im Reichstage ausüben, hat die feindlichen kapitalistischen Brüder zusammengeführt. Das ergibt sich klar aus einem Vergleiche der in der Haupttvahl abgegebenen Stimmen iin Verhältnis zur Stichwahl. Der freisinnige Bürgermeister Cuno brachte es in der ersten Wahl auf 11 172 Stimmen, das Zentrum erhielt 5266, die Nationalliberalen 4545, die Christlich-Sozialen 2143 Stimmen, insgesamt also 23 132 Stimmen. Bei der Stich- wähl wurden für Cuno, wie uns ein Telegramm meldet, bis abends 9 Uhr 21 593 Stimmen gezählt. Unser Genosse König, der in der Hauptwahl 46110 Stimmen erhielt, brachte es nach diesem Telegramm auf 18 717 Stimmen. Wir können auf das erzielte Resultat mit Stolz zurückblicken, haben wir doch gegen die Stichwahl 1903 bisher ein Mehr von 3700 Stimmen zu verzeichnen, ein Beweis für die eifrige Agitation, für die wachsende Aufklärung der Arbestermassen. Letzte JVacbncbtcn und Depcfcbcn. Großfeuer wütete gestern abend in der Llottbuserstr. 4c. Kurz vor 10 Uhr schlugen plötzlich helle Flammen aus dem im Erdgeschoß befindlichen Linoleumladen von Busch. Bevor die Feuerwehr herbeikam, hatte das Feuer sich so verbreitet, daß die oberen Stockwerke vollständig in Flmnmen eingehüllt waren. Brandinspektor Dransfeld ließ so- fort mit mehreren Schlauchleitungen, um wenigstens die oberen Etagen zu schützen, vorgehen. Dieses gelang jedoch nur teilweise, denn die erste Etage, deren Inhaber Ritzmann zurzeit mit Familie nicht anwesend war, wurde stark in Mitleidenschast gezogen. Auch in der zweiten Etage waren die Fenster vollständig demoliert und verschiedene Möbelstücke beschädigt. Der Linoleumladen brannte total aus. Große Mcnsclien müssen wohnten dem Schauspiele bei. lieber die Entstehungsursache ist noch nichts ermittelt. Explodiertes Pulvermagazin. Laibach, 27. Juli.(W. T. B.) Heute nachmittag geriet aus bisher unbekannter Ursache das Staatspulvermagazin am Laibacher- felde in Brand. Bald darauf erfolgte die Explosion der dort ein. gelagerten 29 Fässer Pulver und deS Vorrates an Jagdpatronen. Das Magazin ist gänzlich zerstört. Die in der Nähe befindlichen sonstigen militärischen Mogazingebäude sind mehr oder weniger durch den Luftdruck beschädigt worden. In Laibach ist kein Schaden angerichtet worden. Verletzt ist niemand. Was ist die Ursache? Schinderei? Paris, 27. Juli. Wie dem„Temps" aus Perpignan gemeldet wird, verletzte ein Soldat des 12. Infanterieregiments während einer Schießübung einen Hauptmann ernstlich, indem er ihm ein Brot gegen den Kops warf. Ein anderer Soldat vernichtete seine Patronen, während ein dritter sich weigerte, einem Marschbefehle Folge zu leisten._ Eine niedergebrannte Stadt. Lemberg, 27. Juli.(Wr T. B.) Zwei Dritteile der Stadt Lezajsk im Bezirk Lancut sind heute niedergebrannt. 200 Häuser wurden eingeäschert. 2999 Einwohner find obdachlos. kaul Singer L-Co., Berlin LV. Hierzu L Beilagen«. UuterhaltungS»laU Nr. 173. 23. Jahrgang. 1. Beilage des ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonnabend, 28. Juli 1906. Die ,, Borussia"-Katastrophe vor Gericht. der Mitglieder derselben von 9824 auf 16 870 gestiegen. Die ZuBierter Verhandlungstag. Dortmund, den 26. Juli. Die den Kartellen angeschlossenen Lokalvereine sind gegen das stügung 499 671 m. Der am Schluß des Jahres 1905 vorhandene Vorjahr wieder um drei zurückgegangen, dagegen ist die Gesamtzahl Kassenbestand beträgt in 442 Kartellen zusammen 258 115 M. Die von 290 Kartellen veranstalteten Sammlungen für Streifs nahme resultiert jedoch lediglich daraus, daß die Berliner Gewerk- und Aussperrungen ergaben die Summe von 948 166. schaftskommission dem Lokalverein der Berliner Hausdiener, der Für Streits am Drte wurden 194 035 M. und für auswärtige Streits Die Staatsanwaltschaft hebt hervor, gegen den Antrund 7000 Mitglieder zählt, den Anschluß gestattet hat. Die Wahr- 718 757 M. berausgabt. 204 Startelle zahlten insgesamt aus der geklagten liege nicht das mindeste vor, das ihn für seinen Posten nehmung, daß die Kartelle sich mehr und mehr zu Interessen- Kartellfaffe 34 077 M. Streitunterſtügung und 79 Kartelle erzielten ungeeignet erscheinen lasse. Er habe bei der Rettung mit Umsicht bertretungen der in den Zentralverbänden Organisierten entwickeln, durch die Sammlungen einen Ueberschuß von zusammen 69 443 M. und Kaltblütigkeit gehandelt. Mitschuld an dem Unglück trugen die wird durch diese Vermehrung der den Kartellen angeschlossenen Die Ausgaben für Agitation sind gegen das Vorjahr kaum Gebrüder Thiemann und die bei ihnen befindlichen beiden Anschläger. Lokalisten nicht erschüttert. gestiegen, obgleich die Zahl der Kartelle, die solche Ausgaben gemacht Sie hätten sofort Mitteilung machen, den Hydranten in Bewegung als im Jahre 1904. 66 Startellen sind weniger als 6 Organisationen 11 000 m. mehr für 1904 verausgabten, als 280 Startelle im Die Zahl der angeschlossenen Organisationen beträgt 936 mehr haben, 358 gegen 289 in 1904 beträgt, während 289 Kartelle rund fezzen sollen. Sie sind nicht mitangeklagt, weil die Anklagebehörde angeschlossen, 161 Kartelle umfassen 6 bis 10 Organisationen, in Jahre 1908. Die Ausgaben für Vertreterwahlen steigen und fallen annahm, sie hätten in der Bestürzung das Notwendigste unterlassen. 208 Startellen find mehr als 10 bis 30 Organisationen und in naturgemäß, je nachdem solche Wahlen, die periodisch stattfinden, in Die vier Anschläger seien zum mindesten moralisch mitschuldig. 30 Kartellen sind mehr als 30 Organisationen vereinigt. In den den einzelnen Jahren in Frage kommen. Dem Angeklagten fallen rein Verstöße gegen die Bergpolizei- letzten fünf Jahren hat sich die Zahl der Kartelle mit mehr als verordnung zur Last. Der Füllort war nicht genügend feuerficher 30 Organisationen um 10 vermehrt. Eine größere Vermehrung der Gewerkschaftskartelle sich an den Vertreterwahlen beteiligten, enthält Darüber, in welchem Umfange und mit welchem Erfolg die im Sinne des§ 41 der Bergpolizeiverordnung, ferner habe der Kartelle mit mehr als 30 Organisationen dürfte für die nächste Zeit die Statistik keine Angaben. Schlauch des Hydranten gefehlt, der Hydrant selbst seiungeeignet auf- faum zu erwarten sein, da in größeren Städten neue Organisationen gestellt gewesen. Angeklagter sei auch im Sinne des§ 222a( fahr nur selten noch zu gründen sind und soweit dies der Fall, wird die sind im letzten Jahre ganz erheblich angewachsen. Es ist sehr ers Die Ausgaben für Auskunfterteilung und für Bildungszwecke lässiger Tötung) schuldig. Der Befehl am Telephon wurde falsch dadurch verursachte Vermehrung durch verstanden. Angeklagter hätte sich informieren müssen, ob er richtig Organisationen wieder aufgehoben. Verschmelzung anderer freulich, daß die Kartelle diesen Tätigkeitsgebieten immer mehr Beverstanden sei. Ueberdies wären Einwendungen dagegen zu erheben, achtung schenken. Jedoch ist zu bemerken, daß die Errichtung von daß von den das Telephon bedienenden Leuten der eine als Bole nicht zugenommen haben, weisen die Kartelle mit größerer Startelle und zum Austritt verschiedener Organisationen aus den Während die Kartelle mit geringer Mitgliederzahl seit 1901 Arbeiterfefretariaten wiederholt zu Streitigkeiten innerhalb der die deutsche Sprache nicht beherrschte, der andere geistig unfähig war, den Befehl richtig weiterzugeben. Mit Rück Mitgliederzahl eine andauernde Zunahme auf. Die Kartelle mit Kartellen geführt hat, wodurch die Aktionsfähigkeit der betreffenden ficht auf die großen Bemühungen nicht mehr als 300 Mitgliedern find seit 1901 um 2 Proz. zurück- Startelle sehr beeinträchtigt, teilweise für längere Zeit sogar die zur Rettung der Ver unglückten unter Hintansetzung seines eigenen Lebens hält der gegangen. Zugenommen haben dagegen die Kartelle Agitation gänzlich lahmgelegt wurde. Von dem Standpunkt aus Staatsanwalt einen Monat Gefängnis für eine ausgehend, daß die Agitation unter feinen Umständen vernachlässigt reichende Sühne. Wegen der beiden lebertretungen der Bergwerden darf, sollten die Vertreter der Gewerkschaften in den Kartellen polizeiverordnung beantrage er je 150 M. Geldstrafe. die Frage stets reiflich prüfen, und die Errichtung eines Sekretariats sollte nur dann erfolgen, wenn eine Gewähr dafür geboten ist, daß sich Komplikationen daraus für die Gewerkschaften nicht ergeben. Die Verteidiger verfochten die Ansicht, weder der Angeklagte, noch die Zechenverwaltung, noch die Bergbehörde seien schuldig, allein die beiden Thiemanns treffe die Schuld. Das Urteil lautete: mit 2501-5000 Mitgliedern um 58,3 Proz. 5 001-10 000 " " " 10 001-25 000 17 " " über 25 000 " " 47,8 44,4 250,0 " " " Welche Von den 1 180 940 in den Kartellen vereinigten Gewerkschafts- Streitigkeiten, ganz gleich, ob innerhalb einer Gewerkschaft oder der mitgliedern find 743 634= 59 Prozent in den 41 Großstädten. Gewerkschaften unter einander, find stets nur geeignet, die Positionen Der Angeklagte ist in erster Linie beschuldigt, als verantwort- Trotzdem blieb im legten Jahre die Mitglieder- unserer Gegner zu stärken und die eigene zu schwächen. licher Betriebsleiter in zweifacher Hinsicht die bergpolizeilichen Vor- unahme in den Großstädten hinter der, welche die Ge- Anstrengungen die gegnerischen Gewerkschaften machen, um an Einschriften übertreten zu haben. Er soll entgegen den Bestimmungen werkschaften im allgemeinen zu verzeichnen haben, zurück! Die fluß zu gewinnen, läßt sich daran ermessen, daß die Kartelle der des§ 41 in einem Füllort offenes Licht gestattet haben. Nach Gesamtmitgliederzahl in den deutschen Gewerkschaften betrug Ende gegnerischen Gewerkschaften sich im letzten Jahre wieder bedeutend diesem Paragraph ist das offene Licht nur gestattet, wenn der Füll- 1905 1 429 408 gegen 1 116 723 Ende 1904. Das ist eine Zunahme vermehrt haben. Nach den Berichten unserer Kartelle, die allerdings ort ausgemauert ist. Das aber hat die Beweisaufnahme ergeben. von 28 Prozent, während die Zunahme in den Großstädten von fönnen, bestehen in 145 Orten, in denen wir Kartelle befizen, DrtsEs fragt sich ferner, об die Lampe an einer feuer- 595 862 auf 743 634 nur 25,6 Prozent ausmacht; ein Zeichen, daß ficheren Stelle angebracht war. Auch das hat sich ergeben. sich der Mitgliederzuwachs besonders in den mittleren Städten verbände der Hirsch- Dunderschen Gewerkvereine mit 430 Ortsvereinen Sie hing im First, also an der sichersten Stelle, und konnte vollzogen hat. Zwar weist Berlin eine Zunahme von über und in 94 Orten Kartelle der Chriftlichen mit 356 Gewerkschaften. von dort aus einen Brand nicht verursachen. Weiter fragt es sich, 43 Prozent auf. Auch einige andere Städte haben eine Zunahme feiner Nr. 14 vom 16. Juli 1906 ein Verzeichnis der Adressen christDas Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften" veröffentlichte in ob durch die Lagerung von Grubenholz die Feuer von über 25 Prozent aufzuweisen, jedoch ist in einigen Städten, ficherheit aufgehoben war. In dieser Beziehung haben die Sach- welche in den letzten Jahren einen gewaltigen wirtschaftlichen Auf- licher Ortskartelle, welches 145 Orte enthält. verständigen bekundet, daß dies damals noch allgemein schwung zu verzeichnen haben, die Gewerkschaftsbewegung nicht in Zweigvereine der Zentralverbände entwickelt, ihre Regulative nach Die Kartelle haben fast allgemein sich zu Vereinigungen der gestattet und daß fomit eine Aenderung in der Beleuchtung nicht der gleichen Weise fortgeschritten. notwendig war. Es liegt also zunächst in bezug auf§ 41 ein Verstoß Besonders auffallend ist der Südgang der Mitgliederzahlen Möglichkeit einheitlich gestaltet und sich den Beschliffen der Gewerk nicht vor. Es fragt sich aber, ob der Angeklagte auch den An- in einigen Städten, der, wie in den beiden Schwesterstädten eine Form gebracht, die es diesen ermöglicht, alle Fragen, die die schaftstongresse untergeordnet. Die Konstitution der Kartelle ist in forderungen des täglichen Lebens genügt hat, weil davon die Barmen und Elberfeld, nicht unbedeutend ist. Es handelt Arbeiterschaft eines Ortes gemeinsam intereffieren, mit den VerBeantwortung der Frage wegen fahrlässiger Tötung ab- sich jedoch hierbei nicht lediglich um einen Austritt aus den gewerkhängt, ob also die Lampe auch selbst so beschaffen war, fchaftlichen Organisationen, sondern teilweise um den Austritt tretungen der Parteiorganisationen beraten zu können. Die Errichdaß ein Unfall nicht geschehen konnte. Aus der Beweis der Organisationen aus den Kartellen. tung von Arbeitersekretariaten, die Beschaffung von Versammlungsaufnahme hat sich nun ergeben, daß ihr zwei Scheiben fehlten und Die größte Zahl der den Kartellen angeschlossenen Zweigvereine lokalen, die Maifeier, das alles find Dinge, die an vielen Orten daß sie keinen Blech ring gehabt haben soll. Ob letzterer da war, hat der Holzarbeiterverband aufzuweisen: 421, ihm folgen die Ver- gemeinsam von den Vertretungen der Gewerkschaften und denen der ist nicht genou festgestellt worden und das Gericht hat sich daher ge- bände der Mauer mit 392, Metallarbeiter 382, Bimmerer 329, Maler Parteiorganisationen geregelt werden. Die Gewerkschaftskartelle fagt: in dubeo pro reo( im Zweifel für den Angeklagten), zumal die 272, Schneider 249, Buchbrucker 240. Letztere stehen auch in diesem find ganz besonders geeignet, wenn fie die nötige Umsicht größere Wahrscheinlichkeit für das Vorhandensein des Ringes zu Jahre wieder mit der größten Zahl der nicht angefchloffenen walten laffen, den Bestrebungen, die darauf gerichtet sind, zwischen sprechen scheint. Die Tatsache der fehlenden Scheiben war uner Zweigvereine oben an, und zwar mit 56, genau wie im vorigen Gewerkschafts- und Parteibewegung einen Keil zu treiben, vorbeugen heblich bei der Beurteilung der Sache nach§ 41 B.-B.-D., da auch Jahre. zu können. Diesen Bestrebungen entgegenzuwirken, müssen die bei ihrem Vorhandensein der Unfall nicht verhütet worden wäre. In 199 Orten bestehen Zweigvereine der Zentralverbände, welche Startelle, wie jeder einzelne, der es ernst mit der Arbeiterbewegung Dann wurden dem Angeklagten noch Berstöße gegen§ 122 vor- ben Kartellen fernstehen. Vielfach sind es neugegründete Organi- meint, sich angelegen sein lassen. Und das geschieht dadurch, daß geworfen, der vorschreibt, daß am Füllort ein hydrant vor- fationen, die noch nicht in der Lage sind, Beiträge in die Kartellkasse zu Meinungsdifferenzen stets in fachlicher Weise diskutiert, alle gehanden sein soll, sofern die natürliche Feuchtigkeit ihn nicht über- zahlen, oft sind es taktische Fragen, welche die Organisationen ver- häffigen Ausfälle sofort energisch zurückgewiesen und durch Verflüssig macht. Im vorliegenden Falle galt nun der Füllort nicht anlassen, sich den Kartellen nicht anzuschließen oder aus denselben breitung von Bildung und Wissen die Arbeiter zu zielbewußten als feuersicher, und der Hydrant war deshalb da. Das Gericht hat auszutreten, eine prinzipielle Gegnerschaft dürfte unter den Mitgliedern Klassenfämpfern erzogen werden. Der vom Genossen Brunner be ihn als betriebsfähig angesehen. Freilich fehlte der der Zentralverbände wohl kaum noch vorhanden sein. erforderliche Schlauch; es ist aber festgestellt, daß zwei in der Nähe Mehr und mehr wenden die Gewerkschaftskartelle ihre Aufmert- sollen die Gewerkschaftskartelle sein. Das sei die Parole, nach der waren, der eine in dem 54 Meter entfernten Maschinenraum, der samkeit dem Gebiete der Auskunfterteilung und Rechts- sich ihre gesamte Tätigkeit richtet. Erziehungsanstalten im weitandere in der nahegelegenen Schlosserei. Beides war dem An- belehrung zu. Es wurden 1905 insgesamt 111 Auskunft gehendsten Sinne. Daß sie es zum Teil schon sind und sich mehr geklagten bekannt. Daß die Schläuche da waren, wußten ferner stellen von den Kartellen unterhalten. Von den bestehenden wird in dieser Richtung weiter gearbeitet, so nur zum Vorteil der und mehr dazu entivickeln, beweist die Statistik über ihre Tätigkeit. fämtliche Leute am Füllort. Es befand sich weiter ganz in der Arbeitersetretariaten werden 56 von den Kartellen unterNähe noch ein weiterer Hydrant. Die Schläuche sind aber nicht halten resp. mit Geldmitteln unterstügt. 7 Kartelle unterhalten ein Arbeiterbewegung." geholt worden, weil die Arbeiter nicht die nötige Umsicht hatten. eigenes Bureau. Der Angeklagte hat fonach auch in dieser Beziehung für feinen Teil alles Erforderliche veranlaßt. Es fragt sich des halb nur, ob der Angeklagte irgendwelche Maßnahmen am Rhein, Dresden, Elberfeld, Feuerbach, Frankfurt a. M., Hanau, Als Nachtlang zu der Essener Reichstagsnachwahl ist eine Annicht getroffen, oder sonst die ihm obliegende Heidelberg, Stiel, Leipzig, Liegnig, Mannheim, Mühlhausen i. Th., Klage zu verzeichnen, die am Donnerstag vor der Essener StrafSorgfalt nicht beobachtet hat. Hier kam wiederum nur Offenbach a. M., Plauen i. V., Solingen, Stettin, Stralsund, Stutt fammer gegen den Genossen Ostkamp sich wendete, verhandelt in Frage, ob er hinsichtlich der Feuerficherheit und der Hydranten gart, Trier, Wilhelmshaven und Zittau. Wenn diese Gewerkschafts- wurde und mit einer glänzenden Freisprechung des Angeklagten alle Maßnahmen getroffen hatte. Auch das steht fest. Der An- und Voltshäuser auch nicht ausschließlich von den Gewerkschafts- und moralischer Verurteilung des Allgemeinen Knappschafts- Bergeflagte fonnte naturgemäß nicht wissen, daß die Arbeiter so lange fartellen unterhalten werden, so ist ihre Existenz doch dem Zu- eins endete. Beit berstreichen lassen würden, ehe fie die Schläuche holten. Daß sammenwirken der Gewerkschaften in diefen Orten und zum Teil der Angeklagte im übrigen umsichtig und vorsichtig verfahren hat, auch der Mitwirkung von Parteiorganisationen zu verdanken. haben alle Sachverständigen betont. Sonach trifft ihn keine Schuld, sondern unglüdliche Umstände haben die Katastrophe heraufbeschworen. Der Angeklagte war fonach freizusprechen und die Kosten des Verfahrens der Staatskasse zur Last zu legen. Ein Gewerkschaftshaus wird unterhalten in folgenden Die frisierten Lohntabellen vor Gericht. Drten: Berlin, Braunschweig, Breslau, Kassel, Charlottenburg, Köln Während der Reichstagsersazwahl wurde von der sozialdemokratischen Partei ein Flugblatt herausgegeben, das unter dem " Frisierte Lohntabellen" Gemietete Versammlungsjäle haben 118 Sartelle gegen- Titel über 86 im Vorjahre. Eine Zentralherberge haben 44 Kartelle( 20 im Vorjahre) und eine Herberge beim Gastwirt die Lohntabelle des Allgemeinen Knappschafts- Vereins in scharfer untersteht in 227( 181 im Vorjahre) Orten der Kontrolle der Ge- Weise fritisierte. Unter anderem wurde in dem Artikel gesagt: werkschaftskartelle. " Die öffentliche Meinung werde irregeführt."„ Solche NachWie wir schon gestern an der Hand der Gutachten betonten, trägt das kapitalistische Profitsystem die Schuld an dem furchtbaren Unglück, das seinen signifikanten Ausdruck in dem Mangel aus reichender Sicherheitsvorschriften und einer Ueberwachung dieser Vorschriften durch Arbeiter, in der langen Arbeitszeit, dem Eine Beschwerdekommission für Gewerbeinspektionsmiserablen Lohnsystem und der Rücksichtslosigkeit gegen Leben und fachen ist in 149 Kartellen vorhanden( 1904: 134), 129 Kartelle Gesundheit der Arbeiter findet. Weniger Rüter als die Bergbehörde haben eine Kommission für das Kost- und Logiswesen, 195 Kartelle und das im Bergbau herrschende System standen auf der Anklage- eine Bauarbeiterschußtommission( 1904: 151) und einen bant und diese sind freilich nicht strafrechtlich verurteilt. Von Referentennachweis haben 52 Kartelle. der Schuld vermögen sie am allerwenigsten durch die Gutachten derjenigen Personen losgesprochen werden, die Träger des heutigen Systems sind. Unter" Politische Uebersicht" würdigen wir den durch den Prozeß illustrierten Mangel an Rettungsgelegenheit und die bringende Notwendigkeit einer reichsgesetzlichen Reform der Berggesetzgebung an Haupt und Gliedern. Die deutschen Gewerkschaftskartelle im Jahre 1905. Das„ Correspondenzblatt" der Generalkommission veröffentlicht in feiner Nr. 29 eine Anzahl statistischer Angaben über die Wirksam feit der Gewerkschaftskartelle. Bei dem Interesse, welches dieser Arbeit allgemein entgegen gebracht werden dürfte, machen wir den Versuch, in nachstehendem unseren Lesern das wertvollste des Gebotenen in gedrängter Form zur Kenntnis zu bringen. Ein Zentralarbeitsnachweis wird unterhalten von weisungen charakterisieren sich als bewußte Täuschung und kommen vom Kartell verwaltete gemeinsame Bibliothet ist in Artikels stellte der Vorstand des Allgemeinen Knapp= den Kartellen in Hameln, Meerane, Sonderburg und Zerbst. Eine in ihrer Wirkung dem beabsichtigten Betrug gleich." Wegen dieses 252 Orten vorhanden, 1904 in 205 Orten. Ein Lesezimmer schafts- Vereins wird von 39 Kartellen unterhalten, von denen fünf keine Bibliothek gegen den verantwortlichen Redakteur des Flugblattes, Genossen Strafantrag wegen Beleidigung besitzen. Wilhelm Ostkamp. Die Staatsanwaltschaft gab dem Antrage statt. Auf Antrag des Angeklagten waren zu dem Termin vor der Straftammer ieper- M.- Gladbach und der Vorwärts"-Redakteur Genosse als Gutachter Generalsekretär Dr. Lorenz Wilhelm Düwell- Berlin geladen. Der Angeklagte erflärt, er habe nicht die Absicht gehabt, den Vorstand des Allgemeinen Die Agitation unter den Arbeiterinnen ließen sich im Senappschafts- Vereins zu beleidigen, wie denn auch die ganze Kritik letzten Jahre die Kartelle etwas mehr angelegen sein, als in den des inkriminierten Artikels sich gar nicht gegen den Allgemeinen Vorjahren. Wie die Statistik ergibt, hatten 1905 41, 1904 29 und Snappschafts- Verein richte, sondern gegen eine Reihe von korpo1903 26 Kartelle eine weibliche Vertrauensperson eingesetzt. Auch rativen Publikationen und Fachzeitschriften, die diese Lohntabelle die Zahl der Arbeiterinnen- Agitationstommiffionen ist von 15 in 1903 als eigentliche Lohnstatistik verwendet haben. Diese Tabelle kann und 12 in 1904 auf 21 in 1905 gestiegen. Dieses Tätigkeitsgebiet aber gar nicht zur Beurteilung der Arbeitslöhne benutzt werden, wird von den Kartellen immer noch nicht in genügender Weise weil sie den wirklichen Lohn gar nicht angibt, vielmehr lediglich berücksichtigt. zur Berechnung des Krankengeldes dient. Der Vorsitzende In der Einberufung von Versammlungen atveds allgemeiner meinte, wenn das der Zweck des Artikels gewesen sei, dann sei Agitation haben die Kartelle wesentlich mehr geleistet, als im das aber in wenig geschickter Weise zum Ausdruck gebracht worden. Jahre 1904. Dem unbefangenen Leser dränge sich doch die Ansicht auf, der Die Kartelle veranstalteten im Jahre 1905 insgesamt 46 Statistiken Vorstand des Allgemeinen Knappschafts- Vereins sollte getroffen über Lohn- und Arbeitsverhältnisse am Orte, 21 Arbeitslosen- werden. Direttor Köhne führte als Zeuge aus, daß das zählungen und 67 sonstige Erhebungen. Material zur Bearbeitung der Knappschaftstabelle vierteljährlich Zur Bestreitung der Ausgaben wurden 1905 in 451 Sartellen von den Zechen geliefert werde. Angegeben werde die tatsächlich feste Jahresbeiträge pro Mitglied der angeschlossenen Organisationen ausgezahlte Lohnfumme und die dazu zahlenden Wochenbeiträge. erhoben. In 7 Gewerkschaftskartellen wurden die Beiträge nach Danach ermittele die Knappschaft die Zahl der Arbeiter und stelle einem anderen Modus als nach Mitgliedern berechnet erhoben, die Tabellen zusammen. Auf weiteres Zeugnis wurde allseits verVon den Ende 1905 bestehenden 480 Startellen sind 465-96,9 während 2 Startelle teine festen Beiträge und 3 Startelle überhaupt zichtet. Der Gutachter Dr. Pieper- M.- Gladbach beantProzent an der Statistit beteiligt. Die 15 Kartelle, die in der keine Beiträge erhoben. 2 Startelle haben über die Beitragsleistung wortete die an ihn gestellten Fragen im Zusammenhange dahin, Statistik fehlen, find für die Statistik nicht von Bedeutung, sind es keine Angaben gemacht. daß sämtliche Lohnstatistiken nicht einwandfrei seien, weil sie doch fast ausnahmslos solche aus Orten, in denen eine Gewerkschafts- Bon 31 Kartellen werden besondere Beiträge für die Unterhaltung objektiven Irrtümern unterliegen. Daß die einzelnen Zechen abbewegung von nennenswerter Bedeutung nicht vorhanden ist. resp. Errichtung eines Arbeitersekretariats erhoben. sichtlich falsche Angaben machen, wolle und könne er nicht beDie an der Statistik beteiligten 465 Kartelle umfassen 6495 Ge Die Gesamteinnahmen der Kartelle im Jahre 1905 betrugen haupten, aber die ganze Art der Resultatgewinnung schließe ein werkschaften mit insgesamt 1180 940 Mitgliedern, von denen ohne die Einnahmen aus den Streifsammlungen 512 394 M., davon objektives Bild der wirklichen Lohnberhältnisse aus. Ganz bes 16 870 in 41 Lokalvereinen und 1739 in sonstigen, der aus den festen Beiträgen der Gewerkschaften 318 811 M. Ende 1904 sonders fönne die Tabelle des Knappschafts- Vereins nicht als LohnGeneralfommission nicht angeschlossenen Gewerkschaften organi- war in 376 Startellen ein Rassenbestand von insgesamt 209 882 m. nachweis angesehen werden. Einer wissenschaftlichen Kritik halte fiert sind. Von den am Schlusse des Jahres 1905 in den vorhanden, so daß den Kartellen für das Jahr 1905 eine Summe sie in feiner Weise stand. Während der Vernehmung des Gutder Generalfommission angeschlossenen Zentralverbänden Dr von 722 226 M. zur Bestreitung der laufenden Ausgaben zur Ver- achters fam es zwischen diesem und dem Ersten Staats. ganisierten, deren Bahl 1429 408 betrug, find demnach 1 162 331 fügung stand. Ausgegeben wurden von 455 Kartellen, welche dies- anwalt zu einer Kontroverse. 1. a. bemerkte der 81,8 Proz. in den Gewerkschaftskartellen bereinigt. bezügliche Angaben gemacht haben, insbesondere ohne Streitunter Erste Staatsanwalt, der Gutachter scheine nicht einmal zu wissen, ®ö� in»er von den Zechen angegebenen Lohnsumme auch die Bemntengehalter in der Aufstellung mit einbegriffen sind, sonst könne er nicht behauptet haben, die von den Zechen gelieferten An gaben seien objektiv falsch� De. P i e p e r erwiderte, daß ihm aller- mngs iie Grundlage der Angabe nicht bekannt sei; aber aus den Resultaten habe er doch einwandfrei nachgewiesen, daß die statistischen Angaben den wirklichen Verhält- nicht entsprechen, daß das Zahlenbild durch die Nicht- berucksichtigung der verfahrenen Ueberschichten wesentlich beeinflußt werde. Ebenso sei die Feststellung der Arbeiterzahl durchaus mangelhaft. Genosse Düwell als Gutachter hatte nur Koch ein paar Fragen zu beantworten. Er begutachtete, daß die Tabelle des Knappschaftsvereins durchaus nicht als Lohnnachwcis angesehen werden kann, schon aus dem Grunde nicht, weil sie nicht wirkliche, sondern angenommene Größen angebe. Die Anzahl der pur die Lohnklasse angegebenen Arbeiter könne nahe bei der Minimalgrenze, allerdings auch nahe bei der Maximalgrenze liegen. Da diese beide Summen um je 40 Pf. bei den einzelnen der 13 Lohnklassen differieren, könne sich das Resultat der Lohn- tabelle sehr weit von der Wirklichkeit entfernen. An sich sei richtig, daß, m allgemeinen die Statistik niit Durchschnittsziffern arbeite, JHlch sei d/.2 Pf. Der Verfasser hebt hervor, daß die Unterernährung, Ueberarbeit, Nahrungsnot, Unsicherheit der Existenz und Unzulänglichkeit anderer Genüsse Unzählige zum sorgentötenden, lustbringenden, unlust- abstumpfenden Alkohol preisen lasse. Die sozialen Ursachen des Alkohol- inißbranchs, aus die Verfasser in dem Band 13 der „Bibliothek für Sozialwissenschaft" eingegangen ist, soll die Broschüre jedoch nicht darstellen. So gewiß eine erhebliche Besserung der sozialen Verhältnisse die wichtigste Vorbedingung für die Bekämpfung des Alkoholisnuis als Massenerscheinung ist, so sei doch nicht zu übersehen, daß auch der Einzelne es bis zu einem gewissen Grade in der Hand habe, den Alkoholgenuß nicht in Mißbrauch ausarten zu lassen. Von diesem Standpunkte aus- gehend, bespricht die Broschüre in leicht faßlicher, belehrender Weise die Schädlichkeit des Alkoholmißbrauches. Das Büchelchen oredigt nicht völlige Enthaltsamkeit, sonder» Mäßigkeit im Genuß seS Alkohols. Die Ausführungen über die Wirkung des Alkohols auf Herz, Magen, Gaumen, Leber, Nieren, daS Nervensystem usw. ind knapp und klar gehalten. Unter anderem wird der Aus- pruch des bekannte» Chemikers Justus von Liebig an- geführt:„Der Branntwein, durch seine Wirkung auf die Nerven, gestattet dem Arbeiter, die fehlende Kraft auf Kosten seines Körpers zu ergänzen, diejenige Menge heute zu verwenden, welche naturgemäß erst den Tag darauf zur Verwendung hätte kommen dürfen; es ist ein Wechsel, ausgestellt auf die Gesundheit, welcher immer prolongiert werden muß, weil er aus Mangel an Mitteln nickt eingelöst werden kann. Der Arbeiter verzehr! da» Kapital anstatt der Zinsen, daher denn der uiivermeidliche Bankrott seines Körpers." Das 24 Seiten lange Büchelchen wird gerade deshalb. weil es sich von Uebertreibungen fern zu halten ucht. Viel zur Belehrung von Kassenmitgliedern und zur Ein- schränkung des Alkoholmißbrauchs beitragen. Den Kassen kann die Broschüre angelegentlichst empfohlen werden. Die Unfälle in der chemischen Industrie. Die kürzlich veröffentlichten Berichte der technischen Aufsichts- beamten der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie über ihre Tätigkeit im Jahre 1905 zeigen, daß der im Vorjahre schon sehr hohe Unternehmergewinn in diesen Betrieben im Jahre 190b weiter gestiegen ist. daß aber auch die schon im Vorjahre hohe Zahl der Uu. fälle im Jahre 1905 in höherem Grade als die Zahl der beschäftigten Arbeiter gewachsen ist. Die Beachtung der von der Berufsgenossen- fchaft selbst erlassenen Unfallverhütungsvorschriften war auch im letzten Jahr eine vielfach ungenügende. Im Jahre 1904 wurden von den in 500S Betrieben beschäftigten 17? 461 Vollarbeitern IQ 244 von Unfällen betroffen, lövb wurden von den in 9178 Betrieben beMftPten MM PpllaSgjtern 11010 von Unfällen bjstroffyz. 1904 kamen also auf 100 Arbeiter 8.77 Unfälle, 1905 aber 5,92 Un- fälle. 1994 waren unter den Unfällen 1b32 entschädigungspflichtige. 190b aber 1584. 1904 verliefen davon 108 tödlich, 1905 aber 122. Dabei sind die vielen langsamen chronischen Gesundheits- schädigungen und Zerstörungen, denen in diesen Gifthütten die Arbeiter so sehr ausgesetzt sind, in diesen Zahlen nicht eingerechnet, denn um diese kümmern sich die Berufsgenossenschaften nicht, da nach der leider konstanten Rechtsprechung des Reichsversicherungs- amtes Folgen von Berufskranlheiten nie als Unsallfolgen zu er» achten sind. Die kontrollierenden Techniker sind bei der Erwähnung dieser Menschenopfer schnell mit der Behauptung bei der Hand, daß die Unfälle meist eine Folge von Unvorsichtigkeit und Leichtsinn seitens der Arbeiter sind. Sie müssen dabei selbst zugeben, daß am meisten Wander- und Gelegenheitsarbeiter, die aus den östlichen Teilen des Reiches kamen, von den Gefährlichkeiten dieser Betriebe getroffen wurden, von denen sie meist keine Ahnung hatten, daß andererseits ältere und sachkundige Arbeiter die nötige Vorsicht beachteten und nicht selten die angeordneten Vorsichtsmaßregeln noch zu verbessern suchen. Tie ostpreußischen und polnischen Arbeiter sind nicht nur den Agrariern willkommen, weil sie billisse Arbeitskräfte sind. Auch die Unternehmer so gefährlicher Betriebe wie der chemischen nehmen keinen Anstand, diese unerfahrenen Leute den Gefahren ihrer Betriebe auszusetzen. Dabei fehlten auch im Berichtsjahre, wie die Kontrollbeamten feststellten, sehr oft die vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen, wie die Umwehrungen von Kesseln, die Verkleidungen an Transmissionen und Wellen, die Geländer an Bühnen. Leitern und Treppen, oder sie waren un» genügend oder schadhaft, und schadhafte Geländer sind immer gefährlicher als gar keine. Ihr guter Zustand sollte deshalb rcgel- mäßig kontrolliert werden. Daher kommt es, daß in jedem Jahre die Zahl der Unfälle beim Schmieren und Putzen von Maschinen, die im Gange sind, eine große ist. Im Vorjahr waren davon allein 90 entschädigungspflichtig und 3 verliefen tödlich. So wurde z. B. bei der Bedienung eines Koksbrechwerkes ein an dieser Betriebsmaschine vertretungsweise angestellter, aber nicht damit vertrauter Arbeiter tödlich verletzt. Der amtliche Bericht sagt selbst hierüber:„Der Unglücksfall hätte bei einer geeig- neten Schutzvorrichtung des Schwungrades ver- mieden werden können. Eine solche Schutzvorrichtung war bisher nicht für nötig gehalten worden." An Arbeitsmaschinen kamen 1033 Unfälle vor, davon waren 229 entschädigungspflichtig und von diesen verliefen 10 tödlich. Im Vorjahre waren an diesen Maschinen nur 910 Un- fälle gemeldet, von denen 184 entschädigungspflichtig waren. Auch hier war das Fehlen der nötigen Schutzvorrich» t u n g e n mehrfach schuld an den Unfällen. So war in einer Holz- imprägnieranstalt eine Hobelmaschine aufgestellt worden, welche in den Eisenbahnschwellen die Nuten für die Schienenauflage auszu» hobeln hatte. Die hier auf einer Welle sitzenden Messer maefie» eine so enorme Tourenzahl, daß sie während des Ganges gar nicht sichtbar sind. Unbegreiflicherweise hatten diese Messer nicht die geringste Verkleidung erhalten. Als der Verunglückte gemeinsam mit einem zweiten Arbeiter eine Schwelle mittels einer Schlitten- Vorrichtung über die Messer zu führen hatte und hierbei ausglitt, geriet er mit dem linken Arme in die rotierenden Messer, die ihm den Arm millimeterweise abhobelten, bis ihm der Stumpf heraus- gerissen wurde; er starb am Platze an Verblutung.„Nach- t r ä g l i ch fand der Aufsichtsbeamte bereits die Messer resp. die Welle in einer fast einwandfreien Weise abgedeckt." Auch an Abrichthobclmaschinen ereigneten sich zwei ent- schädigungspflichtige Unfälle, weil in beiden Fällen die Schutzvor- richtung fehlerhaft angebracht war und nur aus einer teilweisen Deckscheibe bestand. Nach den Verunglückungen wurden diese Scheiben durch ein dicht über dem Schlitz liegendes festes Schutz- blech ersetzt. An Seifenpressen ereigneten sich auch in diesem Jahre wie in früheren eine große Anzahl Unfälle, weil die Schutzvor- richtungen nicht in Ordnung waren. In einer Gummiwarenfabrik mußten erst 7 Unfälle in kurzer Aufeinanderfolge an den Wickel» Maschinen für Pneumatitformen sich ereignen, ehe deren Ursache, die ungünstige Drahtführung, beseitigt wurde. Dann kamen keine Unfälle mehr vor. An Dampfkesseln, Dampfkochapparaten und Dampfleitungen kamen im Jahre 1905 besonders viele, nämlich 108 Unfälle vor, von denen 14 entschädigungspflichtig waren und 6 tödlich verliefen, während sich hierbei 1904 im ganzen nur 44 Un- fälle ereigneten, von denen nur 4 entschädigungspflichtig waren und keiner tödlich verlief. Mehrere dieser Unfälle sind wieder durch Zerspringen der nicht genügend geschützten Wasserstandsgläser ver- ursacht worden. Ein ichwerer Unfall ereignete sich in diesem Jahre in einer Sprengstofffabrik, dem 9 Menschenleben zum Opfer fielen. Veranlaßt wurde er durch eine Pulverstaubexplosion in einem Polierhause für Plättchen-(Gewehr.) pulver, wobei etwa 2000 Kilogramm solchen Pulvers zur Entzündung kamen und das Polier- Hans nebst dem Siebhause vollständig zerstört wurden. Da über- lebende Augenzeugen des Unfalls nicht mehr am Leben sind, fehlen über die Vorgänge alle näheren Angaben. Durch feuergefährliche, heiße, ätzende oder giftige Stoffe wurden auch im vorigen Jahre eine große Zahl Unfälle hervorgerufen. Es kamen 1806 Unfälle, die durch diese Stoffe verursacht wurden, zur Anzeige, im Vorjahre 1696; davon waren 175 entschädigungspflichtig und von diesen 3 0 tödlich. Allein durch die plötzliche Einwirkung giftiger Stoffe verunglückten 1904 114 Arbeiter und 1905 118. Davon waren entschädigungspflichtig 1904 nur 31 und 1905 26. aber die meisten verliefen tödlich, nämlich 1904 15 und 1905 19! Natürlich ist die Zahl der durch das Arbeiten mit diesen Stoffen langsam an Leib und Leben geschädigten Arbeiter eine weit größere. Durch feuergefährliche Stoffe verunglückten 1904 1696 Arbeiter» 1905 1806, davon entschädigungspflichtig 1904 177 und 1905 175, und tödlich verliefen von diesen 1904 29, 190b 30! Wir wollen dabei nur eins hervorheben. Obschon in früheren Berichten wiederholt und eindringlich vor zu frühem Betreten der Naphtha- blasen und-bchälter zwecks Reinigung gewarnt worden war, da in denselben noch lange nach der Entleerung feuergefährliche und erstickende Gase zurückbleiben, fielen diesem Umstände wieder mehrere nicht darauf aufmerksam gemachte Arbeiter zum Opfer. Eine größere Anzahl von Unfällen wurden endlich durch Hinein- fallen und-stolpern in Glasscherben, Blechabfälle und anderen Bruch verursacht, die im Wege lagen und deren rechtzeitige Ent- fernung nicht veranlaßt war. Außer zum Teil schweren mechanischen Verletzungen führten dieselben auch zum Teil zu schweren Aetzuugen und Verbrennungen. Die Frage, ob es nicht möglich ist, die Arbeiten in diesen industriellen Betrieben auszuführen, ohne diese schrecklichen Menschenopfer bringen zu müssen, ist zu bejahen. Unsere Technik ist so vervollkommnet, daß man fast alle diese Arbeiten ausführen könnte, ohne daß Menschen, abgesehen von �unglücklichen Zufällen, dabei beschädigt werden. Wenn das aber möglich ist, warum, muß man weiter fragen, sorgt die Aufsichtsbehörde nicht dafür, daß cS geschieht? Wir haben ja eine doppelte Aussicht hier, und was die eine nicht sieht, wird doch die andere sehen: erstens die staatlichen GewerbeaufsichtSbeamtcn und dann die technischen Aufsichtsbeamten der Bmifsgenossenschaften selbst. Aber erstere sagen: wir können laut Gewerbeordnung die Gewerbeunternehmer nur anhalten, die Arbeitsräume, Betriebsvorrichtungcn, Maschinen und Gerätschaften so einzurichten und zu unterhalten und den Betrieb so zu regeln, daß die Arbeiter gegen Gefahren für Leben und Gesundheit s o weit geschützt sind, wie es die Natur des Be- t r i eb e s gestattet, und die Unternehmer sagen eben, die Natur ihrer Betriebe gestattet keine anderen Einrichtungen, keine kürzere Arbeitszeit usw. Zudem sind diese Beamten fast nie selbst in einem Kabrikbetriebe praktisch tätig gewesen Die NufsichtS» beamten der Berufsgenossenschaften sind das wohl vielfach gewesen. Aber sie stehen jetzt im Dienste der Berufsgenossenschaft. Da liegt es in der Natur der Sache, daß sie diesen ebensowenig wie die Aerzte der BctriebSkrankenkossen zu viel Unbequemlichkeiten machen dürfen. Eine ganz andere Wirksamkeit und Wirkung würde eine Aufsicht der Betriebe durch in ihnen selbst lange genug tätig ge- wesene Arbeiterrevisoren sein, die von den Unternehmern unabhängig sivb und das Vertrauen dgx Arbeiter besitzen, da fis bon diesen selbst gewählt find. Stämte noch zur Verhütung gesundheitlicher Schädigungen eine Ueberwachung der Betriebe und des Gesundheitszustandes der Arbeiter durch von den Unternehmern unabhängige Aerate hinzu und würde die Arbeitszeit und die Arbeitsart in einer durch geschüßte Arbeiterkonditionen festgesetzten Weise geregelt werden, dann würden in diesen heut mit Recht berrufenen Gifthütten nicht mehr 1100 Unfälle im Jahre vor tommen, geschweige denn 11 010, Aus Industrie und Handel. Internationaler Arbeitsmarkt. wachs nicht eingerichtet, und wie das Bieh wurden die Mädchen in Kleinen, niedrigen Schlafsälen zusammengepfercht. Schlimmer war es in den Spinnereien und Fabriken auf dem Lande, die oft stundenweit von den Wohnstätten entfernt lagen. Dort suchten sich die genügsamen Arbeiter und Arbeite rinnen die Flocken und Abfälle als Ruhelager zusammen, und in den stauberfüllten, berpesteten Fabritsälen wurden nicht selten Orgien wilder Lust gefeiert. Die ersten Fabriten wurden sehr oft in alten Klöstern, Schlössern und sonstigen alten, unbrauchbar gewordenen Gebäuden etabliert, in deren niedrigen Räumen eine stinkende, heiße Luft schwelte. In diesen verpesteten Höhlen arbeiteten bei schlechtem Lichte halbbekleidete Burschen und Mädchen, Frauen und Männer, und Seite an Seite mit ihnen Kinder von sech a Jahren an. Im Kreise München- Gladbach war in den 50er Jahren die Sälfte aller Kinder von 9 bis 14 Jahren in der Fabrit tätig. Die Arbeitszeit umfaßte in Gladbach wie in Aachen als Minimum 12 Stunden, gewöhnlich aber 14-15 und oft genug auch 16-17 Stunden. Während dieser ganzen Zeit blieben auch die Kinder ununterbrochen in der Fabrik. Das Resultat war: übermüdete Schwächlinge mit kranken Augen, schwindsüchtiger Brust und schlechtem Magen. Von einer Schulbildung war natürlich teine Rede. Der Form halber hatten die Fabrikanten soge= nannte Fabritschulen errichtet, in die die Kinder, nachdem sie zwölf und mehr Stunden gearbeitet hatten, hineingeschickt wurden, und wo sie meistens bald friedlich schlummerten. " Diese Stüßen der Religion, der Ordnung und Sitte" haben die Gesundheit der Bevölkerung aufs tiefste geschädigt, die geistige Entwidelung total gehemmt. Erst die Sozialdemokratie, die von Elberfeld- Barmen aus ihre Ideen auch in diese Industriegebiete verpflanzte, hat durch Anzeigen, durch ihre Kritik und durch ständige Agitation für die Durchführung und Verschärfung der gefeßlichen Bestimmungen ge= fämpft, während die dortigen Geistlichen die Kinder vielfach zu früh fonfirmierten, fie vom Schulbefuch befreiten, damit die Fabrikanten sich ihrer bemächtigen konnten. Später haben einige Geistliche fich als Vertreter der Arbeiterinteressen aufgeworfen; und langlos von ihnen begraben worden. Zu dem Versammlungsbericht von der Generalversammlung des vierten Kreises erhalten wir folgende Richtigstellung: wie der Bericht mich sagen Ich habe nicht ausgeführt läßt daß der Genosse Bömelburg auf der Vorständekonferenz der Zentralverbände die Protestversammlungen bom 18. März als Protestrummel" bezeichnet hat;( solches fonnte ja schon beshalb nicht der Fall sein, weil ja bekanntlich jene Vorständefonferenz schon im Februar d. 3. stattfand), vielmehr habe ich gesagt, daß sich die Aeußerung Bömelburgs( abgebrudt in der„ Einigkeit" vom 30. Juni d. J.): Wie habe ich doch gelacht, als ich diesen Protestrummel hörte! Die Sache war ja zulegt etwas traurig, ich habe sogar Veranlassung genommen, einmal darauf hinzuweisen, daß man nicht zu weit gehen dürfte. Aber das sollen wir ernst nehmen?" ganz unverkennbar auf die Protestbewegung bezieht, die nach dem Sölner Gewerkschaftstongreß gegen feine Verhandlungen zu" Maifeier" und" Massenstreit" in den Gewerkschaften selbst einsettel Mit Parteigruß G. Rieger. Witterungsübersicht vom 27. Juli 1906, morgens 8 1hr. Stationen München Wien Barometer stand mm Wind. 758 SW richtung Windstärke Better Temp. n.. 5°.4° R. Stationen Barometerstand mm Wind. richtung 18 Haparanda 765 ND Petersburg 759 DSD Scilly Windstärke Belter Temp. n.. 2 heiter 2 wollen! 16 6 wollent 1beiter 18 19 1 molten! 17 2 bedeckt 18 2lberdeen 5 Regen 18 Paris 1wolfen! 21 761 WNW 761 GO 759 SS 1halb bd. 16 2 bedeckt 13 2halb bd. 20 758 NO Wetter Prognose für Sonnabend, den 28. Juli 1906. Etwas fühler bei frischen nordöstlichen Winden und zunehmender Be Berliner Betterbureau. Wafferstand am 26. Juli. Ibe bei luffig+ 0,06 Meter, be Dresben-1,26 Meter, bei Magdeburg+1,52 Meter. Un strut bel Straußfurt+2,70 Meter. Dder bei Ratibor+1,45 Meter, bei Breslau Oberpegel+5,00 Meter, bei Breslau Unterpegel 0,02 Meter, bei Frankfurt+2,00 Meter. Weichsel bei Brahemünde-- Meter. War the bei Bofen+0,34 Meter, Sozialdemokrat. Wahlverein für den Sozialdemokratischer Verein für den Etwas stärker als in den letzten beiden Jahren machte sich auf dem internationalen Arbeitsmarkt im Juni des laufenden Jahres die sommerliche Ermattung geltend. Sie bewirkte, daß in den wichtigsten Industrieländern, für die schon Angaben vorliegen, für Deutschland, Großbritannien und Frankreich, die Arbeitslosigkeit etwas größer war als im Mai, genau die gleiche Erscheinung wie im Juni 1903, während 1904 und erst recht 1905 von einer sommerlichen Verflauung nichts zu bemerken, sondern vielmehr noch eine Besserung der Lage des Arbeitsmarktes eingetreten war. Das einzige der wichtigeren Länder, in dem der diesjährige Juni gegen den Vormonat ein weit günstigeres Gepräge aufwvies, als es im Vorjahr der Fall war, sind die Vereinigten Staaten von Nordamerika, in denen die Arbeitslosigkeit im Juni der beiden Vors Im Jahre 1853 erließ die Regierung ein Gesetz gegen diese jahre stärker war als im Mai. Lauteten auch im Juni die Be- Greuel, das die Beschäftigung der Kinder unter zwölf Jahren Sminemde. 760 ND richte über die Ernteaussichten ein wenig unbefriedigender als untersagte und von 12-14 Jahren nur" eine fechsstündige pamburg 761 D im Mai, so wird im ganzen doch eine recht günstige Ernte er- Arbeitszeit gestattete. Doch die aufsichtsführenden Behörden faßten Berlin 760 ND wartet und dementsprechend ist auch die Geschäftsluft lebhaft. Im das Gesetz noch weniger streng auf als die heutigen. Landräte Grants.a. M. 758 D Gifengewerbe war die Marktlage andauernd günstig, der Bedarf und Bürgermeister wollten es mit den Fabrikanten nicht verderben, an Roheisen war so rege, daß die Produktion nicht genügte. Er wurden sie doch von letteren gewählt, da sie das Heft in den Geschwerend kam hinzu, daß ein ziemlich starker Mangel an Arbeits- meinderäten in Händen hatten. Oft machten die Fabrikanten fräften herrschte, der zu Betriebseinschränkungen zwang. Außer falsche Angaben über das Alter der Kinder; etwaige Revisionen dem führten, vornehmlich in der Stabeisen- und Blechindustrie, wurden ihnen vorher gemeldet, und lustig wurde unter dem Schutze wölkung; feine erheblichen Niederschläge, Ausstände zu unfreiwilliger Arbeitsruhe. Die Gunst des Arbeits- der Behörden das Gesez übertreten. marties in Amerika wurde nicht zuletzt durch starke Anschaffungen der Eisenbahnen sowie durch den Bedarf, den der Wiederaufbau Franciscos hervorrief, veranlaßt. Eine auffallende Verschlechte rung wies nur die Schlachthausindustrie auf, deren Erport fast lahmgelegt wurde. Weniger gut war die Lage des Arbeitsmarktes während des Juni in England. Die Arbeitslosigkeit ging von 3,6 Prozent im Mai auf 3,7 Proz. im Juni hinauf. Sie ist indes immer noch geringer als im Vorjahr, wo sie 5,2 Proz. im Juni betrug. Die Ermattung am Arbeitsmarkt gegenüber Mai war so ziemlich allgemein: in der Roheisenindustrie, im Metallgewerbe fowie im Woll- und Bekleidungsgewerbe war sie merklicher, im wesentlich nach. Unbefriedigend war wiederum die Bautätigkeit. Gine Steigerung der Arbeitsgelegenheit gegenüber Mai war sowohl im Eisenerzbergbau als in der Halbzeugindustrie wahrzunehmen; auf den Eisen- und Stahlwerken war sie um 1,2 Proz. größer als im Mai und um 8,5 Proz. größer als im Juni 1905. Auch im Maschinenbau machte die gute Stonjunktur weitere Fortschritte, so daß die Arbeitslosigkeit geringer war als im Mai. Ungleichmäßig war der Beschäftigungsgrad im Schiffbau: der Bristol- Channel Boots Distritt wies eine ganz bedeutende Verschlechterung, der Mersey- Distrikt dagegen eine ebenso auffallende Befferung gegenüber Bormonat und Vorjahr auf. Wie in England so war auch in Frankreich das Gepräge des Arbeitsmarktes im Juni unfreundlicher als im Mai. Die Grmattung war hier fogar fo merklich, daß beinahe wieder das Niveau des Vorjahres erreicht wurde. Die Arbeitslofenziffer war mit 8,5 Proz. nur noch 0,3 Broz. niedriger als im Juni 1905. Diese ungünstige Bewegung in Frankreich dürfte noch eine Folge der umfangreichen Streitbewegung sein, die besonders im Mai und auch im Juni stattgefunden hatte. Bahlreiche Streikende, die schon während des Streites ersetzt worden waren, drückten vorübergehend auf das Angebot am Arbeitsmarkt. Die Situation war in allen Industriezweigen sehr befriedigend. Besonders stark nahm die Beschäftigungsgelegenheit im Steinbau und in der Landwirtschaft zu; die Arbeit in den Weinbergen, dann der Beginn der Heuernte nahmen alle verfügbaren Arbeitskräfte in Anspruch. Im Baugewerbe hielt die lebhafte Tätigkeit weiter an. Das Tertilgewerbe war in allen Gegenden, mit Ausnahme höchstens bon Rouen, normal bis lebhaft beschäftigt. Befriedigend war auch die Arbeitsgelegenheit in der Metallindustrie. Wenig Verände= rung zeigte die Lage des Arbeitsmarktes in Belgien; fie blieb nach wie vor recht günstig. Vor allem fällt die Lebhaftigkeit in der Eiſenindustrie auf, die wieder die Fördertätigkeit im Stohlenbergbau günstig beeinflußt. Die Knappheit an Roheisen hat schon zu einer bedeutenden Erweiterung des Produktionsapparates geführt, woburch bei andauernder Gunst der Konjunktur ein umfangreicher Zuwachs an Arbeitsgelegenheit gesichert oder teilweise schon einBergbau dagegen ließ der glänzende Geſchäftsgang nur ganz un doch als das Sozialistengefet kam, sind diese Bestrebungen fang IV. Berliner Reichstagswahlkreis 5. Berliner Reichstagswahlkreis. getreten ist. Rußland auf dem deutschen Anleihemarkt. Das statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich, dessen neuester Jahrgang 1906 foeben erschienen ist, bringt zum ersten Male eine ausführliche Tabelle über die feit 1897 zum Börsenhandel zugelassenen ausländischen Wertpapiere. Rußland partizipierte an der Gesamtsumme von 20 814 Millionen Mark mit 3454 Millionen Mart. Und zwar wurden bon russischen Werten zugelassen: im Betrage von Millionen Mart • • 2318,6 35,7 184,5 • 129,6 Staatsanleihen Anleihen von Provinzen, Städten usw. Pfandbriefe von Landschaften usw. Hypothekenbanken. " Bankattien Eisenbahnaktien Eisenbahnobligationen Industrieaktien Industrieobligationen 23,8 27,0 651,1 23,6 60,0 zufammen 3453,9 Wieviel von diesen Beträgen vom deutschen Kapital wirklich aufgenommen wurde, wieviel davon noch in deutschen Händen sich befindet, wieviel russische Werte an ausländischen Börsen noch hinzugekauft wurden, entzieht sich der Kenntnis. Jedenfalls aber er Leiden seit einiger Zeit und namentlich seit der Auflösung der Duma die deutschen Kapitalisten, die Nussenwerte besitzen, Verluste, die fich auf Hunderte von Millionen beziffern. Hus der Frauenbewegung.. Naubbau. Heute noch bereichern sich die Nachfolger jener Kapitalisten vornehmlich an der anspruchslosen Frauenarbeit; die Arbeiterzüge führen jeden Montag Hunderte von hohläugigen Arbeiterinnen, die oft wie unentwickelte Kinder aussehen, aus den Gifeldörfern in die Fabrikorte. Die Arbeiterinnen werden sorgfältig vor jeder Aufklärung bewahrt, indem ein großer Teil in eingerichteten Fabrikwohnställen einquartiert wird, wo abends um 9 Uhr die Bude zugemacht wird, eine Verständigung daher unmöglich ist. Aus anderen Orten des Niederrheins sind ebenfalls wahre Glendsbilder, besonders aus den Spinnereien, zu verzeichnen. Ueberall macht sich die geistige Degeneration, die sich von Gene ration zu Generation vererbt hat, bemerkbar. Alle diese in der geistigen und körperlichen Entwickelung zurückgebliebenen Arbeiterinnen müssen aufgerüttelt und zum Klaffenbewußtsein wachgerufen werden, damit sie mit für die großen Menschheitsideale der modernen Arbeiterbewegung fämpfen, und an der Seite der Männer tatkräftig für eine Beseitigung dieser menschenunwürdigen Zustände eintreten. Keir Hardie in Manchester. London, 25. Juli. Letzten Sonntag hielten Seir Hardie und die Genoffinnen, die für das Frauenwahlrecht fämpfen, eine Demonstration unter freiem Himmel ab, an der sich 15 000 Personen beteiligten. Eine Hooligane machte Lärm, aber die Versammlung nahm nichtsdestoweniger einen programmmäßigen Berlauf und schloß mit einer Protestresolution gegen die Ver urteilung der Genossinnen Kenney, Knight und Sparborogh. Verfammlungen. haltenen Generalversammlung erstattete der Kassierer den Bericht Freie Vereinigung der Maurer. In der am Mittwoch abgebom zweiten Quartal. Der Bestand betrug 69 518,57 M., bagu haltenen Generalversammlung erstattete der Kassierer den Bericht dazu tommt eine Einnahme von 13 507,65 M. Die Ausgabe betrug 9456,28 M., bleibt ein Bestand von 73 569,94 m. As Revisoren wurden Petsch und Trebbin gewählt. Hierauf erstattete Diet. rich den Bericht vom Gewerkschaftskartell. Er ging dabei auch auf die bekannten Veröffentlichungen der Ginigkeit" ein. Den Ab druck der Protokollauszüge billigt er, dagegen berurteilt er den Kleinleinschen Artikel und meint, der Redakteur hätte denselben nicht aufnehmen dürfen, um so weniger, als ein Beschluß besteht, wonach in der aus der Protokollveröffentlichung entstandenen Aftion nichts ohne die Zustimmung der beteiligten Vorstände unternommen werden soll. Die Versammlung diskutierte längere Zeit über diese Angelegenheit. Die Diskussion wurde durch einen Schlußantrag beendet, so daß mehrere Redner, die noch gemeldet waren, nicht mehr zum Wort tamen. Alle Diskussionsredner stimmten barin überein, daß sie die Protokollveröffentlichungen für gerechtfertigt und notwendig hielten. Ebenso übereinstimmend berurteilte man die Abhaltung geheimer Konferenzen zwischen Parteiborstand und Generalfommiffion sowie jeden Verzicht auf die Propagierung des Massenstreiks. In der Beurteilung des Kleinleinschen Artikels gingen die Ansichten etwas auseinander. Ein Redner meinte, gegen diesen Artikel lasse sich gar nichts einwenden und ein anderer Redner fand den Artikel so gut, daß man ihn nicht kritisieren dürfe. Die übrigen sechs Diskussionsredner waren der Meinung, der Kleinleinsche Artikel sei wohl aus der durch die Protokollveröffentlichung geschaffenen Situation zu erklären, es sei aber eine Unflugheit gewesen, diesen Artikel jept zu veröffentlichen, wo er bei der ohnehin gegen die Gewerkschaften der Freien Vereinigung herrschenden Stimmung eine Waffe gegen dieselben geworden sei. Ginige Redner verurteilten auch rüdhaltlos die Tendenz des Artikels, soweit sie dahin geht, die Arbeiter aufzufordern, daß sie sich von der Sozialdemokratie abwenden. Bes sonders wurde betont, daß der Artikel die Meinungsäußerung eines Einzelnen sei, für den die Gewerkschaften der Freien Vereinigung nicht verantwortlich gemacht werden könnten. Dies stellte auch der Borsigende Mette nach Schluß der Diskussion als Meinung der Versammlung feft. Als Delegierter zum Gewerkschaftskartell wurde Witte und als dessen Stellvertreter Meste gewählt. Gin Ohne Debatte wurde ein Antrag, mit dem auch der Vorstand In den Entwickelungsjahren des Fabritwesens in Deutschlands als Sozialdemokratie und Gewerkschaften noch nicht wirkten, um ben Unternehmern und der Regierung das Gewissen zu schärfen, war der Raubbau, der mit der Frauen- und Kinderarbeit getrieben wurde, noch größer als heute. Das beweist die Entwickelungs- fich einverstanden erklärt hatte, angenommen. Derselbe besagt, geschichte aller Industrien, besonders die der rheinischen Textil- der Vorstand möge mit dem Vorstande des Zentralverbandes in industrie. Die rheinischen Industriellen sind geradezu ver brecherisch mit der Arbeitskraft der Frauen und Kinder umge- Verbindung treten, um im nächsten Frühjahr eine Verkürzung der sprungen, und an den Riesenvermögen mancher vornehmer Gäufer Arbeitszeit und Lohnerhöhung burchzusehen. flebt der fittliche und gesundheitliche Niedergang ganger Gene rationen. Der Berliner Arbeiterrabfahrerverein hielt am Mittwoch seine Generalversammlung ab. Den Borstandsbericht gab Bechert. Die Fabrikanten holten auch schon damals die billigen weib- Besonders hervorzuheben war die Anschaffung der Samariterlichen Arbeitskräfte aus weiter Ferne herbei, so daß im Jahre taschen, Schränke usw. Der Kassenbericht hatte folgendes Resultat: 1875 der Ueberschuß der Mädchen über die männlichen Arbeits. Ginnahme 3360,47 M., Ausgabe 2842,34 m. Die Mitgliederzahl träfte bon 20-25 Jahren in M.- Gladbach auf 82 Bros. gestiegen stieg in diesem Quartal von 1500 auf airta 1800. Die Agitationswar. Die große Attienspinnerei in M.- Gladbach holte 1859 mehr fommission, welche außerhalb Berlins ihr Arbeitsfeld hat, hat eine ale 500 fremde Arbeiterinnen auf einmal herbei. Aehnlich ver. Bunahme von 10 Vereinen mit zirka 200 Mitgliedern zu berzeich fuhr die Flachsspinnerei in Viersen, die im Jahre 1864 nen. Als Kassierer wurde Schönfeld, als Beisiger wurden Hunderte von Arbeiterinnen aus England herüberrief. Die das Krebs und Schubert, als 2. Schriftführer Kessler und als mels Heinen Städtchen waren auf derartigen Sprunghaften Bu- Revifor off gewählt, ( Görlitzer Viertel.) Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Metallschleifer Paul Heintze ( Dranienftr. 84, Stadtbez. 85) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde aus ſtatt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 244/14 Der Vorstand. Am Donnerstag, den 26. Juli, früh 3 Uhr, starb nach langem schwerem Leiden unser lieber Freund und Genosse, der Metallschleifer 18352 Paul Heintze Dranienstr. 84. Wir werden dem Entschlafenen ein gutes Andenken bewahren. Die Genossen des 85. Stadtbezirks 1. u. II. Teil. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schleifer Paul Heintze am 26. d. M. gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 30. Juli, nach mittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 123/4 Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Handels-, Transport-, Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin I. Hierdurch diene zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kollege Karl Minde gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 29. Juli, nach mittags 4, Uhr, von der Leichen halle des Emmaus Kirchhofes, Rigdorf, Hermannstraße 129/137, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 71/2 Die Ortsverwaltung. Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Schwester Lina Flemming geb. Haferland am 26. d. M. nach furzem schweren Strantenlager entschlafen ist. Die Beerdigung findet Sonntag, nachmittags 5 Uhr, auf dem Emmaustirchhofe in Rigdorf statt. Die Hinterbliebenen. Heinrich Flemming nebst Kindern und Geschwister. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Leopold Grothe III. Abteilung verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des BartholomäusKirchhofes in Weißensee, Falkenberger Chauffee, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 245/14 Der Vorstand. Verein Berliner Hausdiener. Gegründet 1883. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Leopold Grothe Keibelstr. 11 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. Juli 1906, nach mittags 3 Uhr, von der Halle des Bartholomäus- Kirchhofes in Weißensee, Faltenbergerstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. 1975 Verband der Buch- und Steindruckerei- Hülfsarbeiter u. Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Zahlstelle II. Todes- Anzeige. Am 25. d. M. starb plößlich unerwartet unser Mitglied und Kollege Leopold Grothe im 37. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. Juli, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Bartholomäus- Kirchhofes, Weißen fee, aus statt. 43/8 Ein ehrendes Andenken bewahrt ihm Die Zahlstelle II Berlin. Zentralverband der Handels-, Transport-, Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin 1. Hierdurch diene zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kollege August Gerlach infolge eines Unfalles verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 28. Juli, nachmittags 5 Uhr von der Leichenhalle des Nazareth- Kirchhofes, Reinickendorf West, Kögelstraße, aus statt. . Um zahlreiche Beteiligung bittet 71/3 Die Ortsverwaltung. Habe meine Wohnung von Berg straße 39 nach. Ackerstraße 69, frühere Wohnung des Herrn Dr. Hafe. mann, verlegt. 1805* Dr. Badtke. Warenhaus Wilhelm Stein Besonders □ Berlin N. 39, Chausseestr. 65-66 vorteilhafte Angebote Pomm. Rotwurst ..... Pfd. 0.48 M. Pomm. Zwiebelleberwurst Pfd. 0.48 M. Pomm. Mettwurst..... Pfd. 0.65 M. Feine Leberwurst... Pfd. 0.95 M. Pa. Landleberwurst. Pfd. 0.90 M. Braunschw. Mettwurst.Pfd. 0.90 M. ... Flasche 0.48 M. Flasche 0.48 M. Flasche 0.95 M. Flasche 0.95 M. Pa. Himbeersaft.... Pa. Himbeersaft Pa. Himbeersaft. Haushalt Schokolade garantiert rein Pfund 68 Pf. Victoria- Kakes Tomaten Imit Vanille Pfund 52 Pf. * von Sonnabend, den 28. Juli solange bis Mittwoch, d. 1. August incl. Vorrat: Fleischwaren • Pfd. 0.90 M. 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August finden in Berlin die Versammlungen statt, welche sich mit der Provinzialkonferenz und dem Mannheimer Parteitag beschäftigen. Wir bitten Partei und Gewerkschaften für diesen Tag keinerlei andere Veranstaltungen zu treffen. Der Zentralvorstand. Tegel. Am morgigen Sonntag veranstaltet der Wahlverein von Tegel und Umgegend sein diesjähriges Volksfest in Trapps Festfälen. Mitwirkende sind: Volkssänger Lewandowski sowie Arbeiter Gesang, Turn und Radfahrervereine. Das Konzert beginnt nach mittags 4 Uhr. Die Kaffeeküche steht den Damen von 3 ühr ab zur Verfügung. Da nach jeder Richtung für Unterhaltung gesorgt ist, erwartet zahlreichen Besuch Das Komitee. Eggersdorf( Bez. Neuenhagen( D.). Am Sonntag, den 29. Juli, nachmittags 4 Uhr, findet im Lofale von Georg Lübbecke eine Boltsversammlung statt. Genosse Wilhelm Miethke referiert über„ Kapital und Kirche". Zahlreichen Besuch erwartet Der Einberufer. Eichwalde. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am Sonntag, den 29. Juli, nachmittags 4 Uhr, bei Witte, Eichwalde, statt. Es ist Pflicht eines jeden Genossen, pünktlich in der Verfammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. von droschken sollte ebenfalls eine Grundtage von 70 Pfennig, Trübe Erfahrungen hat gestern der Viehtransporteur Krimpel aber schon für die ersten 600 Meter und dann für jede mit seinem neuerworbenen Freunde, einem Landsmanne, gemacht. weiteren 300 Meter 10 Pfennig Buschlag erhoben werden. Der Schlächtergeselle Rudolf Benner war gestern morgen daß die Grundtage von 80 Pf. ichon nach Zurücklegung von dem Zentralviehhof traf er den St., welcher einen Transport Ochsen Die Tagen für die elektrischen Droschten sollen dahin erhöht werden, Köpenick nach Berlin gekommen, um hier Arbeit zu suchen. Auf 600 Meter statt bisher von 800 meter bezahlt werden muß und nach Berlin gebracht hatte und nun wieder nach Hause fahren wollte. für jede weiteren 300 Meter, statt bisher 400 Meter ein Zuschlag Die beiden schlossen Freundschaft und als K. später auf dem Bahnbon 10 Pf. tommt. Gegen diese Erhöhung der Droschkengebühren hof bemerkte, daß er auf dem Viehhof etwas zurückgelassen habe, um rund 50 Proz. hat der Magistrat Bedenten gehabt und hat erbot sich B. in bereitwilligſter Weise, auf den Koffer seines nunmehr folgenden Tagen zugestimmt: Für die Pferde- und Freundes während dessen Abwesenheit zu achten. Obwohl sich auch Benzindroschten werden als Grundtagen 70 Bf. für 800 Meter ein größerer Geldbetrag darin befand, nahm K. das Anerbieten an. Wegestrecke und dann für jede weiteren 400 Meter 10 Bf. Als er später wieder zurückkehrte, machte er die Wahrnehmung, Zuschlag berechnet, 1800 Meter würden würden danach in Zukunft daß er einen doppelten Verlust erlitten hatte. Der neue Freund" 90 Pf. fosten. Der Magistrat hat also der Einführung war mitsamt dem Koffer verschwunden. Der Viehtransporteur von höheren Tagen für Pferde- und Benzindroschten zugestimmt, fuhr sofort nach Köpenick und traf gerade in dem Augenblick ein, aber der Einführung einer dritten Tage für Benzindroschten, sowie als B. seine Beute auf einen Wagen laden und davonfahren wollte. der Erhöhung der Zuschläge bezw. der Verkürzung der Tagen von 10 Pf. für 400 Meter auf 10 Pf. für 300 Meter feine Zustimmung nobelsdorffstr. 22. W. hatte in der Spree bei den Lühower Beim Angeln ertrunken ist der Arbeiter Paul Werner aus der berfagt. Die Wartezeit soll bei den Pferdedroschten wie bisher mit Wiesen geangelt, war an der Böschung ausgeglitten und in das 1,50., bei den Benzindroschken mit 2 M. und bei den elektrischen Wasser abgestürzt. Bevor Rettungsversuche unternommen werden Droschten mit 3 M. pro Stunde berechnet werden. Vom Scharfblick der Kriminalbeamten. Man weiß, wie oft die Berliner Kriminalbeamten danebengegriffen haben, wenn es galt, einen Mörder oder irgend einen anderen großen Verbrecher zu erwischen. Gegenwärtig sind sie dabei, nach einem Bankangestellten Drewin zu forschen, der mit fremdem Gelde das Weite gesucht hat. Die Personalbeschreibung des Flüchtigen ist ihnen bekannt, also ist alles da und die Jagd kann beginnen. Ein erstes Opfer haben sie bereits zur Strede gebracht, einen höheren Schüler", der auf der Wannseebahn von Friedenau " " " konnten, mußte er ertrinken. Unter dem Verdacht des Heiratsschwindels ist der 40 Jahre alte Kaufmann Beddin verhaftet worden. B. wohnte bei seiner Braut in Fangschleuse. Von Zeit zu Zeit fuhr er nach Berlin, um hier noch weitere Beziehungen anzuknüpfen. B. verstand es, seine Bräute teils um größere, teils um fleinere Geldbeträge zu er leichtern. Eine der trauernden Hinterbliebenen, welche dem Kaufmann etwa 1000 M. geopfert hatte und die dann schnöde sitzen gelassen wurde, erstattete Anzeige. B. ist darauf bei seiner Braut verhaftet worden. Schweres Unheil verursachte gestern mittag am Alexanderplat nach Berlin fuhr. Der harmlose Jüngling fab sich schon ein schen gewordenes Pferd. Der Direttor Maurer fuhr gegen im Kupee von zwei Herren beobachtet. In Berlin ging er 1 Uhr mittags mit seinem 17jährigen Sohn auf einem sogenannten Aus dem Erziehungshause ins Irrenhaus? nach dem Postamt am Potsdamer Bahnhof, um einen Brief auf- Selbstfahrer, einem zweirädrigen Wagen, die Neue Königstraße Sehr vernünftig finden wir eine Maßregel, gegen die zugeben. Als er wieder auf die Straße trat, wurde er von einem entlang, als das vor dem Wagen befindliche Pferd vor einem Autodas Berliner Tageblatt" sich ereifert. Das Blatt meldet, Schutzmann in Empfang genommen und nach seiner Legitimation mobil scheute und in wildem Galopp nach dem Alexanderplatz zu in den letzten zehn Monaten seien nach der Irrenanstalt Herz- gefragt. Zufällig konnte er sich sofort über seine Person ausweisen, jagte. Hier wurde der Wagen gegen die vorstehende Eisenladung berge und nach der Epilektiferanſtalt Wuhlgarten mehr als so daß man ihn unbehelligt von dannen ziehen lassen mußte. Er eines Lastfuhrwerts geschleudert, infolgedessen M. und sein Sohn ein halbes Hundert junger Leute im Alter von 16-20 Jahren war irrtümlich für Drewin gehalten worden. Der von ihren Siben hinunterstürzten. Beide fielen auf den Fahrgebracht worden, die sämtlich noch unmittelbar vorher zu den Schutzmann sowie einer der beiden Kriminalbeamten, die den Bergriffen hatte, wurde ein Strede mitgeschleift und von seinem Der junge Mann, der nach den Zügeln des Pferdes geBöglingen der Erziehungsanstalt Lichtenberg dächtigen" von Friedenau bis Berlin begleitet hatten, entschuldigten eigenen Wagen überfahren. Nun raste das Tier quer über den um gehörten. Diese hohe Bahl, 25 Proz. der Belegungsziffer der ich bei ihm. Der junge Mann kann froh sein, daß er kein Arbeiter, diese Zeit außerordentlich belebten Alexanderplatz, rannte einen Erziehungsanstalt, müsse auffallen. Sie werde einigermaßen fondern wie gesagt ein höherer Schüler" war, der übrigens Handwagen um, dessen Führer sich nur mit Mühe zu retten ber= erklärlich dadurch, daß ein Stationsarzt der Irrenanstalt auch in der zweiten Wagenklasse gefahren war. Die Vossische mochte. Dicht vor der Einfahrt in die Königstraße wurde eine Herzberge gleichzeitig in der Erziehungsanstalt Arzt sei. Es Beitung" findet die Verwechselung verwunderlich, da der Defraudant Dame, die nicht mehr rechtzeitig zu flüchten vermochte, von dem müsse aber dem unbefangenen Beobachter mindestens zweifel. dunkele Augen, jener Schüler aber helle Augen habe. Die ganze Bferde niedergestoßen und überfahren. Das Roß bog dann in die haft sein, ob die Verlegung immer gerechtfertigt war. Aehnlichkeit zwischen beiden soll, wie das Blatt behauptet, bestanden Dirdjenstraße ein und konnte hier endlich aufgehalten werden. Die " Die Ansicht, daß jeder Zögling oder doch die weitaus haben in einem Stehumlegetragen und einem Selbst Gesicht, sowie anscheinend innere Schäden erlitten und wurde von überfahrene Dame hatte nicht unbedeutende Verlegungen im große Mehrzahl der Böglinge von Erziehungsanstalten in binderschlips. Num, am Ende war auch das schon ver- der Unfallstation in der Keibelstraße nach dem Krankenhause gewissem Sinne geistig minderwertig ist, läßt so sagt das dächtig genug! Friedrichshain gebracht. Maurer war mit einer Verlegung davonBerliner Tageblatt"- sich verteidigen. Es sollte aber doch Das Baffage- Theater hat nach einer kurzen Bause eine neue gekommen und sein Sohn hatte nur eine leichte Quetschung des doppelt und dreifach überlegt werden, ehe man aus dieser Saison eröffnet mit einem Programm, das den Variétébesuchern linken Fußes erhalten. geistigen Minderwertigkeit eine geistige Störung konstruiert auch in diesen Hundstagen Abwechselung bringen foll. Eine eigen- Spurlos verschwunden ist der Getreidehändler Otto Gulte. Derund junge Menschen, die vielleicht nur das Opfer schlechter artige Erscheinung auf dem Gebiete des Variétés ist das Fecht felbe hat sich am 11. d. M., vormittags 83% Uhr, aus seiner Wohnung Erziehung und ungünstiger Familienverhältnisse geworden mit außerordentlicher Geschicklichkeit handhabt die junge Dame das bermutet, daß ihm ein Unglück zugestoßen ist. Der Vermißte ist tünstlerpaar Betö Aranca mit ihrem Partner Girardi. Holzmarktstr. 16 entfernt und ist nicht wieder zurückgekehrt. Es wird find, ins Frrenhaus steckt, ihnen also für die ganze fernere Florett und den Dolch und versteht den verschiedenen Ausfällen 74 Jahre alt, zirka 1,56 Meter groß, hat beinahe weiße Haare und Rebenszeit ein unauslöschliches Brandmal aufdrüdt." Das ihres Gegners auszuweichen. Als russischer Voltsmusifant zeigt sich einen grauen Schnurrbart; er war bekleidet mit schwarzem, weichem genannte Blatt fügt hinzu, in mehreren Fällen müsse der Zemlin Bulba, während das Gesangsquartett The 4 blad Hut, gezeichnet O. G., dunklem Jackett, dunkler Weste, dunkelgrau Anstaltswechsel geradezu als Maßregelung bezeichnet Diamonds auf dem Gebiete des Gesanges und der Mimit ganz gestreifter Hofe, schwarzen Zugstiefeln und weißer Wäsche.- 3wedwerden. Die Ueberweisung an die Irrenanstalt sei hier Anerkennenswertes leisten. Unbeschreiblich fomisch wirkt die Parodie bienliche Angaben über den Verbleib desselben werden in jedem lediglich oder doch hauptsächlich durch Vorfälle beranlaßt Tiroler Sänger" wie die eines englischen Nationaltanzes. Auf Polizeirevier oder im Polizeipräsidium, Zimmer 324, au 5341 IV/ 14.06 worden, die man bei so jungen, unerfahrenen Menschen nur dem Gebiete der Gymnastik bringen die Gebrüder Friemel entgegengenommen. als Dummheiten auffassen dürfe. vollendete Produktionen am Reckbarren. Außer den Komifern Jim Wir wollen dahingestellt sein lassen, ob die Mitteilungen Tänzerinnen und Akrobatinnen. Alt und doch für viele, die sie noch 5. August, ein Stundenrennen mit Motorführung statt, wozu bereits und Jam vervollständigen das Programm noch Soubretten, Jm Sportpart Steglitz findet am nächsten Sonntag, den Des Berliner Tageblatts" in ihrem bollen Umfange zutreffen. nicht gesehen haben, neu ist die Illusion Aga, die Jungfrau, die am morgigen Sonntag trainiert wird. Aber glaubhaft erscheint es uns, daß unter den im Er- wieder schwebt. ziehungshause untergebrachten Zwangs- bezw. FürsorgeFeuerwehrbericht. Feuer in einem Warenhause alarmierte gestern früh um 6 Uhr die 1. Kompagnie. Es brannten im Keller Böglingen, wenn einmal ein sachkundiger und pflichtbewußter des Warenhauses von M. Laserstein in der Wörtherstr. 29, Ecke rrenarzt sie durchmusterte, zahlreiche junge Leute gefunden Schon oft haben wir Beispiele geradezu gefährlicher Art mit der Rykestr. Kisten, Körbe, Verpackungsmaterial, Mobilien und würden, die in eine ganz andere Anstalt gehören, in eine geteilt, wie fich religiöse Geften an Menschen heranmachen, um sie Immobilien. Die Feuerwehr gab sofort träftig Wasser, wodurch Heil. oder Pflegeanstalt für geistig rante für sich zu gewinnen. Vor uns liegt ein Brief, der dem Restaurateur es gelang, die Gefahr auf den Steller zu beschränken. In der letzten oder wenigstens für geistig Minder Fuß, Buttligerstr. 18, zugegangen ist und nach dessen Durchlejung Nacht kam in einer Wohnung Schönleinstr. 8 Feuer aus. Betten, wertige. Unflar ist uns, wieso die Ueberweisung nach man sich fragen muß, ob wir überhaupt im Zeitalter der Kultur Gardinen u. a. brannten dort. Ferner hatte die Wehr in der Herzberge oder Wuhlgarten als„ Maßregelung" aufzufassen leben. Dem betr. Fuß der Mitglied des Wahlvereins und Leser Waldemarstr. 43, Rother- und Naglerstraßen- Ede u, a. Stellen sein soll. Dem Berliner Tageblatt" scheint nicht bekannt zu des Vorwärts" ist, ist vor einigen Tagen ein naher Familien- 3u tun. fein, daß in dem Erziehungshause Lichtenberg die Prügel- angehöriger verstorben. Daraufhin erhielt er folgenden Brief: methode nicht nur üblich ist, sondern auch ausdrücklich bon der Berliner Waisenverwaltung, die über diese Anstalt Bu bestimmen hat, gebilligt und vorgeschrieben wird. Auch bie anderen Disziplinarmittel, mit denen dort die Erzieher" auf die ihnen anvertrauten Zöglinge einwirken zu können meinen, find zumeist derartig, daß eine Verlegung nach Herzberge oder Wuhlgarten gewöhnlich nicht als Maßregelung und Strafe, sondern als Befreiung und als Erlösung empfunden werden dürfte. " " Ernste Mahnung eines Settierers. Ernste Mahnung! Vorort- Nachrichten. Bom„ Fürstenhof"-Boykott. Suche Jesum und Sein Licht, Alles andere hilft Dir nicht! Inmitten der Trübsal, die Gott der Herr Ihnen gesandt hat, sendet Ihnen Gott durch mich Trost Berzagen Sie nicht. Gott unser Vater hat Ihnen diesen Schmerz geschickt, damit Sie Zehlendorf. Buße tun sollen. Lassen Sie ab von Ihrem bisherigen sündhaffen Lebenswandel und geben Sie sich ganz Gott hin! Witwen Zu einer Niederlage für die Polizei gestaltete sich am Mittwoch und Waisen will der Herr nie verlassen. Aus Erfahrung rate die Gerichtsverhandlung gegen fünf Genossen, die beschuldigt waren, ich Ihnen den Besuch der Evangelisations- Versammlungen im Zelt der Deutschen Zelt- Mission in Moabit, Levezowstraße, Nähe Druckschriften ohne polizeiliche Erlaubnis verbreitet zu haben. Die Hansaplah täglich nachm. 4 Uhr und abends 8 Uhr. Der Sache kam unter dem Rubrum Scheler u. Gen. zur Verhandlung. berühmte Grweckungsprediger leitet diese Versammlungen. Gott Die Angeklagten sollen in der Zeit vom 30. Mai bis 5. Juni d. J. läßt hier sichtbare Wunder der Bekehrung geschehen. Viele Flugblätter resp. Handzettel, die auf den Boykott des Fürstenhof" Männer und Frauen haben hier Trost und Hülfe gefunden. Zu hinwiesen, auf der Straße verteilt und sich deshalb des Vergehens Christus hin, das ist die Hauptsache, sonst gehen Sie ohne Er- gegen§ 10 des preußischen Preßgesetzes refp. gegen§ 30 des Reichsbarmen in das höllische Feuer auf Ewigkeit. Unser Wissen und preßgesetzes schuldig gemacht haben. Die Angeklagten erklärten, daß Verstand ist mit Finsternis umhüllet! Denken Sie stets an den ein eigentliches Verteilen nicht stattgefunden habe, sondern Zettel Tod! Er kommt plötzlich! Verständige Erzieher haben seit langem darauf hingewiesen, daß unter den Verwahrlosten" sich eine außerordentlich hohe Zahl solcher befindet, die nicht mehr geistig intakt sind, und mit Recht ist gefordert worden, daß man diesen Unglüdlichen eine Fürsorge anderer Art zuteil werden lasse, als sie in gewissen Erziehungsanstalten, z. B. in der Berliner Anstalt zu Lichtenberg, üblich ist. Man könnte es nur mit Freude begrüßen, wenn es jetzt auch in den Köpfen Dies schreibt Ihnen ein von Gott berufener Botschafter, dem nur an Personen abgegeben worden seien, die darum erderjenigen Erzieher, die die Stadt Berlin ihren Verwahrlosten Gott Vieles in jüngster Zeit offenbart hat zum Segen der fucht hätten. Sie verwiesen des weiteren auf eine KammerMenschen. Sie kennen nun den Befehl Gottes, handeln Sie auch gerichtsentscheidung, wonach gelegentliches Verbreiten solcher gesetzt hat, endlich hell würde dank dem energischen Zu- danach und sagen Sie es auch anderen. Gehen Sie bald hin, Druckschriften gegen Entgelt nicht unter genannte Paragraphen fällt greifen eines Jrrenarztes, der ihnen ein Licht aufsteckt. Viel- da das Zelt in turzem abgebrochen wird. und das auch nicht der§ 48 der Reichsgewerbeordnung anwendbar leicht hätten wir dann Aussicht, einmal jene höchst notwendige Amen. sei. Das Resultat war, daß der Amtsanwalt, so leid es ihm auch besondere Anstalt für geistig minderwertige Fürsorgezöglinge Unterschrift fehlt wahrscheinlich um dem Berdacht zu ente fein mochte, aus Rechtsgründen die Freisprechung aller Sünder und zu bekommen, die auf die orts- und landesübliche Prügel- gehen, für eine Kaltwasser- Heilanstalt reif zu sein. Ohne einen die Auferlegung der Prozeßtoften auf die Staatstaffe beantragte. methode und andere Zwangsmittel verzichtet. Von ihr aus weiteren Kommentar anguhängen, empfehlen wir diesen Brief Ein weiterer Antrag des Rechtsanwalts Herzfeld, auch die notkönnte die Berliner Waisenverwaltung schließlich doch noch unseren Lesern zur Erheiterung. Der bürgerlichen Presse empfehlen wendigen Auslagen der Angeklagten auf die Staatstaffe zu überdazu gelangen, auch die Anstalten für normale Fürsorge- wir ihn zum Abbrud, namentlich wenn sie ihren Lesern die Notwendigen Auslagen der Angeklagten auf die Staatstaffe zu überzöglinge in modernem Sinne umzugestalten. wendigkeit der Religion beweisen will. nehmen, wurde abgelehnt. Interessant ist aus der Verhandlung noch zu erwähnen, daß Herr Schwedhelm auf die Frage des Vorsitzenden, Traum, zu dem die oben erwähnte Meldung des erfarten mit zwei Wertstempeln werden demnächst in Verkehr ge- die Auskunft gab, daß sein Schaden sehr groß ist und Boftkarten mit zwei Wertstempeln. Die ersten deutschen Bost ob er Schaden aus dem Boykott erleide und wie hoch derselbe sei, liner hat. Wir Meldung wieder einmal start übertrieben ist. Vermutlich langen. Die Reichsdruckerei stellt solche Starten zurzeit her. Es in Bahlen ausgebrüdt pro Woche 150 Mark auswerden dazu blaue Zweipfennigfarten verwendet, die durch die Auf- macht. Damit ist uns offiziell bestätigt, welchen Erfolg mird die Berliner Waisenverwaltung schleunigst den hebung der Tage zu 2 Pfennig ohne Ergänzung unbrauchbar ge- unfer Boykott bisher hatte. Der Schaden beläuft sich auf das Magistratsberichterstatter in Bewegung setzen, auf daß er be- worden find. Diese Starten erhalten einen zweiten Wertstempel in Jahr berechnet auf über 7000 Mart. Lange dürfte die Gemeinde richtigend verkünde, die Nachricht des Berliner Tageblatts" brauner Farbe zu 3 Bf. Er wird unmittelbar links von dem blauen oder ihr Bächter einen solchen Ausfall nicht zu tragen gewillt sei unwahr, vielmehr sei in Lichtenberg noch alles beim Wertstempel au 2 Pfennig angebracht. Der Buchdruck ersetzt hier sein und es wird ihnen wohl nichts anderes übrig bleiben, als den alten und nach wie vor regiert dort nicht der Irrenarzt, das sonst übliche Aufkleben einer Briefmarke zur Ergänzung des Fürstenhof auch für sozialdemokratische und gewerkschaftliche Verfondern der Prügelstod. fammlungen freizugeben. Bis dahin muß die Parole nach wie vor Eine Ausdehnung des Vorortsverkehrs der Görliger Bahn über lauten: ein Glas Bier aus der Stehbierhalle des Königs- Wusterhausen hinaus bis Groß- Köris ist von der Bahn- Fürstenhof und des Sonntage keinen Tanz im Fürstenhofsaal! verwaltung in Aussicht genommen und wird innerhalb zweier Jahre Erfülle ein jeder seine Pflicht, dann ist in furzer Zeit der Sieg durchgeführt werden. Die neue Vorortslinie wird mit 44 Stilo- unser. Bleiben wir nicht auf halbem Wege stehen, machen wir meter Bahnlänge die zweitlängste der von Berlin abzweigenden unser. Bleiben wir nicht auf halbem Wege stehen, machen wir Streden und wird nur noch übertroffen von der Vorortsstrecke unseren Sieg zu einem vollständigen. Wir wiederholen den Ruf: nach Fürstenwalde, die, allerdings von Charlottenburg aus ge- Der Boykott der Zehlendorfer wie der Groß Berliner rechnet, eine Bahnlänge von 58 Kilometern hat. Arbeiterschaft schließe wie mit eifernen Klammern den Fürstenhof ein! Indes, das alles ist vorläufig nur ein schöner Der Magiftrat beschäftigte sich in seiner geftrigen Sigung noch At als mit der Kenderung der Droschtenordnung bom Februar 1905. Der Bolizeipräsident hatte bekanntlich drei Gruppen borgeschlagen, nämlich: Pferdedroschten, Benzin und Spiritus, sowie elektrische Droschten; für die Pferdebroschten sollte eine Grundtage von 70 Bf., für 800 Meter Weg und für jede weiteren 400 Meter 10 Pf. als Buschlag eingeführt werden. Für die Spiritus- und BenzinWertes. Schöneveq». Warnet die Kinder. Seit Dienstag abend waren aus Schöne« verg drei Mädchen im Alter von 10 bis 13 Jahren verschwunden, über deren Verbleib trotz polizeilicher Nachforschungen nichts zu er- Mitteln war. Es konnte nur festgestellt werden, daß zwei der Mädchen, welche mit ihren Eltern in einer Laubenkolonie im Friedenauer Ortsteil sich aufgehalten hatten, mit der dritten zu- sammen nach einem Karussell gegangen waren, das auf einem unbebauten Terrain neben der schwedischen Eisbahn sich befand. Das Karussell Ivar jedoch an demselben Tage abgerissen worden und, wie der Monteur S., der Vater des einen vermißten Kindes, feststellte, in der Schicklerstraße in Berlin aufgebaut. Er fuhr vorgestern nachnnttag nach der Schicklerstratze, um von dem Karussellbesitzer vielleicht Aus- kunft über die Mädchen zu erlangen, wurde jedoch nicht wenig über- rascht, als er die drei Verschwundenen bei dem Karussell vorfand. Nach Angaben der Kinder waren sie von zwei 16 jährigen Arbeits- burschen, die bei dem Karussellbesitzer angestellt sind, ohne dessen Wissen veranlaßt worden, mit ihnen zu geben. Die drei Durch- brennerinnen wurden nach der Polizeiwache in der Neuen Friedrich- straße gebracht und dort von ihren Eltern abgeholt. Rixdorf. Durstige Einbrecher sind seit einiger Zeit in Rixdorf aufgetaucht. Dieselben haben es auf den Inhalt der Trinkhallen abgesehen. So erbeuteten sie kürzlich in der Trinkhalle am Wildenbruchplatz dreizehn Flaschen Limonade und tranken sie gleich an Ort und Stelle aus. In einem anderen Falle begnügten sich die Täter mit Selterwasser. Bei einem dritten Einbruch, den die„durstigen Seelen* in der vergangenen Nacht verübten, wurden sie während der Arbeit gestört und mußten infolgedessen mit„trockenen Kehlen" flüchten. Weißensee. B-n einer erfolgreichen Tätigkeit deS Wahlvereins zeugte der Vorstandsbericht, den Genosse Peukert in der letzten Generalver« sammlung gab. Danach sind in dem verflossenen Halbjahr dem Wahlverein 356 neue Mitglieder beigetreten, so daß die Gesamtzahl auf 1007 gestiegen ist. Einer Einnahme von 2348,39 M. steht eine Ausgabe von 1708,51 M. gegenüber, mithin verbleibt ein Kassen- bestand von 639,88 M. Den Bericht des Wahlkomitees erstattete Genosse Taubmann, der das Resultat der Gemeindewahlen als ein vollauf befriedigendes bezeichnete. Die Einnahmen für die Wahlen betrugen nach dem Bericht des Genossen Frenz 715,54 M., denen eine Ausgabe von 519,47 M. gegenüber stand. Der Ueberschuß be- trug somit 196,07 M., selbiger wurde dem Wahlverein überwiesen. Auch ist für Unterhaltungen und künstlerische Veranstaltungen im letzten Halbjahr so weit wie möglich Fürsorge getroffen Ivorden. Es hat außer der Maifeier eine Heine- Feier stattgefunden, außerdem waren zwei Thcateraufführungen arrangiert, die lvie der Kassenbericht des Genossen Content erkennen ließ, gut besucht waren. Danach ist ein Ueberschuß von 92,11 M. vorhanden. Auch ist die Bibliothek in erfreulicher Weise in Anspruch genommen worden. Zur Erweiterung derselben wurden 100 M. zur Verfügung gestellt. Den Bericht von der Zeitungsspedition gaben die Genossen Reske und Taubmann. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Levin, erster Vorsitzender: Oleh sen., Bibliothekar; Hodapp, Lokal- komniission; und Walterskötter, Zeitungskommission. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken der verstorbenen Genossen Schillert, Anlcher, Reinhard, Gleitzmann und Kaase in üblicher Weise. Die Bcrhältuiffe der Ortskrankenkasse scheinen fich zu ihren Gunsten zu regeln. Nachdem der seines Amtes entsetzte Vorstand die Beschwerde und Klage gegen die Aussichtsbehörde eingeleitet hatte. haben die Vorstandsmitglieder persönlich ihre Aemter niedergelegt. Es ist statutengemäß von den Delegierten eine Generalversammlung beantrag! und ist diese vom Kommissar zum 1. August einberufen, um die Neuwahlen zum Vorstand vorzunehmen. Zu bemerken ist, daß die Ortskrankenkasse seit Bestehen des Kommissariats, nunmehr die fünfte Woche,, bereits den zweiten Kommissar hat. Es mußte der erste Kominissar, Gemeindesekretär Kähne, seinen Posten des- wegen verlassen, weil er unter allen Umständen die Generalver- sammlung verhindern wollte. An dieser Wendung trägt nicht etwa ferr Dr. Pape die Schuld, denn dieser hat augenblicklich seinen erienurlaub angetreten und das Dezernat der 5krankenkaffe während dieser Zeit dem Schöffen Rathmann übertragen. Trebbin(Kreis Teltow). Arg enttäuscht wurde das Trebbiner Gewerkschastskartell, das zum 29. Juli für sämtliche Gewerkschaften in der Löwendorfer Heide ein Waldfest abzuhalten beschlossen hatte. Die Enttäuschung mutzte um so größer sein, als die beim Amtsvorsteher nachgesuchte und bereits erhaltene Genehmigung mit einen, Male rückgängig gemacht wurde. Kurz vor dem Fest erhielt der Obmann des Gewerkschafts- kartellS ein Schreiben, worin diesem die Mitteilung wurde, daß durch die zu erwartende starke Beteiligung am Feste der Platz nicht nur zu klein sei, sonder» auch für die angrenzenden Waldbestände (vorwiegend Schonungen) infolge Rauchens Beschädigungen zu be- fürchten seien. Die Begründung des Verbotes ist deshalb schon eigentümlich, weil das Fest alle Jahre auf dem Platz abgehalten wurde, ohne daß die von dem Amtsvorsteher befürchtete Gefahr im Verzuge war. Es kann ein solches Verbot deshalb nur als eine Schikane gegen die Arbeiter aufgefaßt werden. Für die Trebbiner Arbeiterschaft muß dieser Vorgang eine Lehre sein. Hohen- Tchönhausen. Zur allgemeinen Warnung sollte ein schwerer Unglücksfall dienen, dem die zehnjährige Tochter Else des Barbiers Römer aus der Berlinerstratze in Hohen-Schönhausen zum Opfer gefallen ist. In- folge übermäßigen SchaukelnS in einer Hängematte stürzte die Kleine auf den Erdboden und zog sich einen komplizierten Oberarmbrnch zu. Die Schwerverletzte wurde in das Krankenhaus am Friedrichs- Hain gebracht. Mittenwalde. Die NnterschlagungsaffSre in Mittenwalde dürfte voraussichtlich noch weitere Kreise ziehen. Wie wir kürzlich berichteten, ist der Amtsgerichtssekretär Müller aus Kalkberge-RüderSdorf unter dem Verdacht, 12 000 M. während seiner Amtstätigkeit in Mitteuwalde unterschlagen zu haben, verhaftet worden. M. hat nun an den Untersuchungsrichter ein langes Schreiben gerichtet, in welchem er andeutet, be» seiner Vernehmung in Berlin eine Erklärung abzugeben. Er wolle darüber Aufklärung geben, auf welche Weise die 12000 M. abhanden gekommen seien. Dem Vernehmen nach belastet M. in seinem Schreiben noch andere Beamte. Die Untersuchung wird infolgedessen auch nach dieser Richtung hin ausgedehnt werden. Lichtenberg. Die Sammelliste 1339 für die ausgesperrten Buchbinder ic. ist gestohlen worden. Wir bitten, dieselbe sofort anzuhalten, wenn sie präsentiert werden sollte, und sie an Robert BackhuS, 0. 112, Krön- prinzenstr. 16 IV, einsenden zu wollen. Gerichts-Leitung. Beleidigte Staatsarbeiter. Wegen Beleidigung von 19 Arbeiterausschnßmitglicdern der königlichen Gewchrfabrik zu Spandau ist gegen de» Genossen Felix W e i n b er g zu Berlin von der Staatsanwaltschaft im öffentlichen Interesse Anklage erhoben worden. Der eigentümlichen Veleidigungs- klage liegt folgender Vorfall zugrunde: Am 18. März d. I. trug Genosse Weinberg einen Kranz zum Grabe der Märzgefallenen, auf dessen roter Schleife die Inschrift stand: Mehrere Abteilungen der Kgl. Gewehrfabrik Spandau den Märzgefallenen. Schon bevor W. den Kranz auf den, Grabe niederlegen konnte. wurden seine Personalien von dem aufsichtführenden Polizeileutnant festgestellt. Bald darauf haben dann die 19 StaatSarbeiter Straf- antrag gegen den Kranzträger gestellt, weil sie, persönlich an der Kranzspende unbeteiligt, sich als„königliche" Arbeiter dadurch beleidigt fühlten, daß sie durch die Inschrift der Schleife in den Verdacht sozialdemokratischer Gesinnung gebracht worden seien, lieber den Ausgang des Prozesses werden wir berichten. Ob die 19„königlichen" Arbeiter für ihre derart dokumentierte Ge- sinnungs„tüchiigkeit" einen Orden erhalten werden, steht dahin. Von Interesse wäre eS, zu erfahren, ob die Arbeiter aus eigenem Antrieb die„Beleidigungs"klage erhoben haben. Die Möglichkeit, daß solche die Kläger herabsetzende Klage erhoben wird, zeigt, wie not- wendig die Aufklärung unter den Staatsarbeitern ist. Die Schadloshaltung des Akkordarbciters bei fehlendem Material. Der in der elektrotechnischen Fabrik von K. Weinert angestellte Arbeiter O. hatte die Ausführung einer bestiminten Arbeit im Akkord übernommen. Während der Herstellung der Arbeit ging plötzlich eine Sorte von Messingstangen aus, die zur Fabrikation des Artikels unentbehrlich war. O. mußte daher mitten in der Arbeit aufhören, er übernahm zlvar provisorisch a»lf Veranlassung des Meisters eine andere Arbeit, erlitt aber dennoch einen Ausfall von 72 Mark, den ersetzt von seinem Arbeitgeber forderte. Der Beklagte bestritt in dem gestrigen Termin vor dem Gewerbegericht zwar an sich nicht, daß der Kläger einen Schaden erlitten haben könnte, meinte aber, dieser habe sich aller weiteren Rechte durch die Annahme einer anderen Arbeit begeben. Jin übrigen sei das Ausgehen deS Messiugmaterials weder seine Schuld, noch sei es vorauszusehen gewesen. Die Knappheit an Messing trat ganz plötzlich und unerwartet ein, und der Beklagte habe es bei Vergebung der Akkordarbeit als sicher annehmen müssen, daß er jedes Quantum von einem der Berliner Messingläger zu jeder Zeit würde holen können. Man könne ihn daher für die unvorhergesehene Wendung nicht verantwortlich machen. Das Gewerbegericht verurteilte den Beklagten, an Kläger 72 Mark zu zahlen. DaS Gericht sieht es als Regel an, daß bei Beginn einer Akkordarbeit das dazu nötige Material vorhanden sein»nutz. Hat der Arbeitgeber nicht für vorherige Be- schaff»» ng des Materials Sorge getragen, so muß er auch für eventuelle dem Arbeitnehmer daraus erwachsende Schäden einstehen. — Die Entscheidung entspricht den allgemeinen Gesetzesvorschriften, nach denen der Arbeitgeber vorzuleisten hat und(K 293 B. G.-B.) auch wenn ihn keine Verschuldung trifft, durch NichtVorleistung in Verzug gerät._ Die Leipziger Staatsanwaltschaft beweist ihre Entbehrlichkeit für das Gemeinwohl. Die Aussperrungen der Lithographen, Stcindrucker und Buch- binder gaben der Leipziger Staatsanwaltschaft dieser Tage Anlaß, abermals die Entbehrlichkeit der im besten Falle unnützen Jnsti- tution der Staatsanwaltschaft und die Notwendigkeit der Ersetzung dieser politischen, von der Verwaltungsbehörde abhängigen Be- Hörde, durch unparteiische aus allen Kreisen der Bevölkerung ent- nommene und von diesen gewählte Richter in zwei Fällen zu beweisen. Angeklagt war im ersten Fall der Redakteur des Fachorgans „Graphische Presse" der Lithographen und Steindrucker. Max O b i e r. Tie dielberühmte Firma Krotoschin in Zeitz erwartete am 5. Juni einen Transport Arbeitswilliger aus Oesterreich. Obier hatte das erfahren und war auf den Dresdener Bahnhof gegangen, uin die Arbeitswilligen darauf aufmerksam zu machen, daß die deutschen Kollegen ausgesperrt worden seien. Das tat Obier denn auch. Natürlich erregte er den Unwillen des Herrn Krotoschin, vor allem aber des Werkführcrs K r u m m b h o l z, der auf Obier ein- drang und ihm zurief: Belästigen Sic doch die Leute nicht. Hierbei soll Obier dem Werkführer gesagt haben: Was haben denn Sie hier zu sagen? und soll dem Krummbholz einen Stoß vor die Brust gegeben haben. Nun hat sich nicht etwa der Kruminbholz beleidigt gefühlt und Strafantrag aus sich selbst heraus gestellt, sondern wie er in der Verhandlung mitteilte, habe er zwei Tage danach eine Postkarte mit der Ausforderung erhalten, gegen Obier Strafantrag zu stellen. Erst dann tat er dies und nun erhob der Staatsanwalt im öffent- lichen Interesse Anklage. Bemerkenswert ist aus den Aussagen Obiers die Tatsache, daß derselbe Polizeiwachtmeister, der schon auf dem Dresdener Bahnhof war, auf dem Thüringer Bahnhof auf ihn zukam mit den Worten: Ich kenne Sie und weiß wie Sie heißen, und ihn darauf verhaftete. Das allerschönste bei der ganzen Geschichte ist nun aber die Tatsache, daß der tätlich beleidigt sein sollende Krummbholz von einem Faustfchlag, den er nach der Anklage erhalten haben soll, nichts weiß. Selbstverständlich wrirde Obier freigesprochen. Der zweite Fall betraf einen nicht ausgesperrten Buchbinder. Er arbeitet in einer Firma, der es gar nicht ein- gefallen ist, auszusperren. Das Geschäft liegt aber in einem großen Fabrikgebäude, in dem außer vielen anderen Fabriken auch eine Buchbinderei, die ausgesperrt hat, untergebracht ist. Wenn um V-il Uhr Feierabend ist, kann man sich vorstellen, daß am Torausgang ein lebhafter Verkehr herrscht. Vor diesen! Toreingang pflanzte sich im Auftrage des Chefs der Firma, die die Buchbinder ausgesperrt hat, der 22jährige Kaufinannsjüngling Kauerhoff, um die ihre Arbeitsstätte verlassen- den Arbeitswilligen zu schützen. Der Angeklagte Kind soll diesen Schreiberjüngling angerempelt und gesagt haben:„Wenn Tu noch einmal hier stehst, dann bekommst Du eins in die Fresse." Nun be- streitet der Angeklagte nicht, diese Worte gesagt zu haben, aber er fei dadurch gereizt und verhindert worden sich zu entschuldigen, weil dieser junge Mensch ihn, den verheirateten Mann, in ganz grober Weise„angemuckst" habe. Im Ernst habe er an ein späteres Prügelwollcn nicht gedacht. Der Verteidiger des Angeklagten, Dr. Drücker, zerzauste von großen Gesichtspunkten die Anklage des Staatsanwalts. Es liege hier eine einfache kleine Beleidigung vor, die kaum ein Privat- interesse berührt. Kein Mensch hat daran ein Interesse. Und trotzdem hat der Staatsanwalt diesen kleinen Fall unter dem Ge- fichtswinkel des Streikstrafrechtes behandelt, und um auf die Aus- ständigen zu fahnden. Obendrein ist cS dem beleidigten Zeugen allein nicht eingefallen, Privatklage zu erheben. Aber der Staats- anwalt hat die Ehre des Zeugen wahren wollen— bloß weil er sich in dem Glauben befand, der Bruder des Angeklagten fei in der anderen Firma, die der junge Mann vertrat, ausgesperrt worden. Kennzeichnend fei die Sorgfalt des Staatsanwalts dadurch, daß der Ausgesperrte zwar auch wie der Angeklagte Kind heißt, aber in gar keinem verwandtschaftlichen Brrhältnis zu ihm stände. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen einfacher Be- leidigung zu 6 Mark G e l d st r a f e. Staatsanwälte stehen in sehr hohem Zeitlohn. Würde endlich dem durch staatsanwaltliche oder richterliche Arbeit Geschädigten voller Schadenersatz gegen den Schädiger zugestanden werden, so würden Anklagen, die dem Rechtsbewußtsein ins Gesicht schlagen, sich wohl bald etwas mindern und das tatsächliche Einkommen so mancher Staatsanwälte auf den unpfändbaren Teil eines Ein- kommenS zusammenschrumpfen. Wie Strafanträge zur Ehrenrettung Arbeitswilliger fabriziert werden. Vor dem Schöffengericht in Dresden hatte sich kürzlich der ner Haupt wegen angeblicher Streikbrecherbeleidigung zu verantworten. Er sollte während der Metallarbeiteraussperrung in der Kreishnuptmannfchaft Dresden zwei arbeitswilligen Formern, die erst Mitglieder des Metallarbeiterverbandes gewesen waren, Worte wie Verräter, Rotzjungen usw. zugerufen haben. Aber vor Gericht mußten selbst die beiden Arbeits- willigen erklären, daß sie solche Aeußerungen von Haupt nicht gehört hätten. Als sie darauf vom Vorsitzenden befragt wurden, warum sie den Strafantrag gestellt hätten, erklärten beide, davon nichts zu wissen. ES wurde dann fest- gestellt, daß der Strafantrag von der Polizei verfaßt und den beiden Arbeits ivilligen zum Unterzeichnen vorgelegt worden war. Sie hatten unterschrieben, ohne die Bedeutung desSchrift st ückeszukenneu. — Haupt wurde zu einer Woche Gefängnis verurteilt, weil er eine« anderen Arbeitswilligen einen frechen Patron genannt haben soll. Der sächsischen Nrteilsfabrik kann gern altestiert werden, daß sie. wenn auch wider Willen, durch ihr Fabrikat dazu beiträgt, klar- zulegen: Justiz und Gerechtigkeit sind keineswegs identische Begriffe. Vermischtes. Explosion in einer Munitionsfabrik. Sömmerda, 27. Juli. In der Munitionsfabrik von Drehse u. Collenbusch erfolgte gestern abend aus bisher unaufgeklärter Ursache eine schwere Explosion. Eine in der Fabrik beschäftigte Frau wurde getötet, eine Anzahl Arbeiterinnen verletzt. Der Lust» druck war so stark, daß die Fenster der benachbarten Gebäude ein» gedrückt wurden._ Feuersvrunst. Die Stadt Roman ist durch eine Feuersbrunst völlig eingeäschert worden. Das Feuer begann gestern und ist heute noch nicht gelöscht. Viele Personen, besonders Kinder, werden vermißt. Roman an der Moldau ist Kreishauptstadt in Rumänien und zählt über 16000 Ein- wohner._ Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 29. Juli er., vormittags S'lt Uhr im Rathause(Eingang Jüdenstraße), Saal 109: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags 10'/4 Uhr in der Schulaula, Kleine Franksurlerstr. 6: Vortrag des Herrn Professor Dr. A. Gehrle über: .Lebensrätsel", Herren und Damen als Gäste sehr willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekafle� der Metallarbeiter. (E. H. 29, Hamburg.) Filiale Baumschulenweg. Sonnabend, den 28. Juli, abends 8'l, Uhr, im Restaurant W. Kleinschmager, Baumschulenstr. 67: Mitgliederversammlung. Sozialdemokratischer Diskutierklub„Freie Zusammenkunft*. Sitzung heute Sonnabend, den 27. Juli, pünktlich 9'/. Uhr, im Gewerk- schastshaufe, Zimmer 16. Tagesordnung: I.Vortrag des Genossen Mühe über:„Tagessragen". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen. Ten Mitgliedern der hier in Berlin bestehenden Ortsvercine der Wahlkreise Schwiebus-Sommerseld, Kalau-Luckau, Arns» Waldc-Friedcberg zur Nachricht, daß sie die Flugblätter zu der am 7,'August stattfindenden össcnllichcn Versammlung bei Böker, Weberstr. 17, bei den nachstehenden Genossen in Empfang nehmen können: Ebner, Romintenerstr. 4, v. IV; Schulze, Beussclstr. 64, Stslg. II: Thimm, TUsiter- straße 79. Ein jeder sorge für massenhaste Verbreitung. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion.(Großhandel.) Rindfleisch la 70—74 pr. 100 Pfd., IIa 64-69, IHa 58-62, IVa 52-56, englische Bullen. 0,00, dänische Bullen« 0,00, holländische Bullen» 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 100— 110, la 82-88, IIa 72-80, IITa 60-70. Hammelfleisch la 80-85, Ha 70—78. Schweinefleisch 65—71. Rehböcke la per Pfd. 0,60—0.75, IIa 0,40— 0,55. Rotwild la mit Abschußaltest per Psd..0,61—0,66, IIa 0,00. Damwild 0,00. Wildschweine per Psd. 0,45. Frischlinge per Psd. 0,00. Kaninchen per Stück 0,40. Wildenten la per Stück 1,10-1,30, IIa 0,50—0,60. Krickenten p. Stück 0,60. Bekassinen 0,00. Hühner, alte, per Stück 1,60—2,80, alte IIa 1,10—1,40, junge, per Stück 0,55— 1,25. Tauben. junge, pr. Stück 0,40—0,44, alte 0,32—0,35. Enten, junge la p. Stück 1,70—2,30, junge IIa 0,00, alte, P.Stück 0,00. Hamburger, junge, p. Stück 2,80. Gänse, la, per Pfund 0,60—0,68, per Stück 3,50— 4,50. Hechte per 100 Psd. 107-115. Zander 00,0. Schleie 109—116. Bleie 60-70, Aal«, groß 111—113, mittel 99—104, ilein-mittel 0,00, unsortiert 70—92. Plötzen 0,00. Karpfen 0,00. Barse, lleine 93—95. Karauschen 93. Bunte Fische 66—70. Flundern, pomm. l, per Schock 9,00. Kieler. Stiege la 4—6, do. mittel per Kiste 2—3, do. Nein per Kiste 0,00. Bücklinge, per Wall Kieler 3—6,00, Stralsunder 5—6. Aale, groß pro Psd. 1,10—1,30, mitielgroß 0.80—1,00, klein 0,50—0,60. Heringe per Schock 4—5. Schcllsische Kiste 2—4. Sardellen, 1902cr, per Anker 86,00, 1904er 85,00, 190öe» 80,00. Schottische Vollhering« 1905 0,00, large 40—14, kuU. 36-38, med. 35—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Matjes, per To. 60—120. Hummern, IIa, 100 Psd. 0,00. Krebse, per Schock, große 31, mittel'0,00, kleine 4,50, uns ort» 6,50—9, Galizicr, mittel 0,00. Eier, Land-, per Schock 3,30, Butter per 100 Psd., la 114-116, IIa 110—113, lila 105-108, absallende95 biS 100. Saure Gurten, neue. Schock 4,00, Psessergurkcii 4,50. Kartoffeln per tOO Psd., neue runde 2,50— 2,75, neue blaue 3,00. Rosen 2,00—2,25, neue Zerbster 2,50—2,75. Spinat, per 100 Psd. 12—15. Karotten per Schock 2,50 bis 3,00. Kohlrabi, per Schock 0,75—1,00. Reitig, bayr., per Schock 2,40— 4,80. Radieschen, per Schock-Bd. 0,60—0,70. Salat, per Schock 1,50—2,00. Bohne» (grüne), per 100 Pfd. 2—4. Wachsbohncn 5— 6. Pufsbohuen 3—5. Schoten hiesige, per 100 Psd. 6—8. Psefferlinge per 100 Psd. 18—21. Mohrrüben per schock-Bd. 2,50—3,00. Blumenkohl per Mandel 1,00— 2,00. Wirsingkohlper Mandel 1,00—1,50. Rotkohl per Mandel 2—3. Weißkohl per Mandel 2—3. Steinpilze p. 100 Psd. 25—30. Gurken, Zerbster, Schock 1,75—2,50, do. Einlege« schock 2,00—2,50. Kohlrüben, Mandel 1,00—1,25. Johanntsbecren, hiesige, weiße, per 100 Psd. 7—9, do. rote 7,50—11. Birnen, italienische per 100 Psd. 14-35. schlesischc 5-20, Tiroler 23—27, Weinbirnen 13—15, böhmische 10—12. Aepsel, ungarische per 100 Psimd 14—18, ttalienische 12—15, hiesige 10—18. Stacheweercn per 100 Psd. 8-15. Preißelbeeren 12-20. Kirschen. 100 Psd. 0,00. Natten, Werdersche 15—25. Werdersche GlaS- 15—17. Natten 18—30, do. sauer» 12—17. Schlcsische 8—20, Knupper- 18—20. Himbeeren, Werdersche per 100 Psd. 22-35. Blaubeeren per 100 Psd. 10-13. Pflaumen, ttal. runde dunkle per 100 Psd. 25-30. ilal. lange gelbebis 100 Psd. 15-22, ilal. runde per 100 Psd. 15—22, ungarische 12—20, hiesige 12—18, Zitronen. Messina 300 Stück 11,00-16,00, 360 Stück 14,00-16,00» 200 Stück 7,00-12,00, 420 Stück, klein 7,00. Bnefhaften der Redaktion. M. T. 56. Nein.— P. 8. 80. Wenn Sie nicht in Ihrem Vertrags besondere Vereinbarungen über die Art der Benutzung der anderen Räume haben, so würden Sie leider im Wege der Klage nichts erreichen.— (8. M. 100. 10 Mark find wiederum zu zahlen.— A. H., Alexam drinenstrafte 188. Teilen Sie mit, woraus sich das Schreiben bezieht.— Fürst, Rixdorf. Ein Eibanspruch steht Ihnen nicht z»l.— Gemüts- krank 500. Legen Sie den Sachverhalt mit Ihrer Einwendung dem Gericht vor dem Termin vor und beantragen Beweiserhebung. Sollten Sie verurteilt werden, so müssen Sie innerhalb einer Woche Berusung ein» legen. Bestimmte Anwälte zu empfehlen, müssen wir gründsätzlich ablehnen. — F. Zimmermann. In der Regel ja.— Falk 64. Sie sind keines- wegs verpflichtet, für voreheliche schulden Ihrer Frau auszukommen.— A. B. Die Instruktion gestattet dem Schutzmann fortzugehen.— K. 58. Soweit aus Ihrer langen Darstellung ersichtlich, ist eine rechtmäßige Kün- digung nicht ersolgt und müßte daher die Wohnung spätestens bis am 28. Dezember zum 3l. März nächsten Jahres gekündigt werden. Für eine frühere Zelt Ist die Kündigungssrist verstrichen.— M. W. 10. Nein. — M. P. 86. Nein.— H. 3. 80. Eine«chadenersatzsorderung bezw. Lohnforderung sür die Zeit des AussctzenS steht dem Arbeiter zu, wenn er mit dem Aussetzen nicht einverstanden gewesen ist.— 3. K. B. 7. 1. Ja. 2. Nein. 3. Die Frau hat Anspruch aus ihr Eigentum. Im übrigen ist maßgebend, wer sur den schuldigen Teil erklärt wird. Die Wirtschast gehört in Ihrem FalK dem Mann.— 67, Genthi«. 1. Ja, wenn der erste Test von dem Ehemann, der zweite von der Ehesrau eigenhändig ge- und unter« schrieben ist. 2. und 3. Nein.— W. R. biZ. Ja, das Schiedsgericht und dann das Reichsoersicherungsamt.— F. F. Nach§ 616 B. G.-B. ja.— W. R. 30. Eine Klage hat wenig Aussicht aus Ersolg.— Weinftock 10. 1. Der Strasantrag iit innerhalb 3 Monaten zu stellen. 2. Der Gerichts- Vorschuß beträgt 10 Mark. 3. Nein. 4. Das Gericht bestimmt den Umsang der Beweisausnahme, eZ steht der Partei stet, eine Ergänzung de» Be- Ichlustes zu beantragen.— Paul 55. Da« Kind erbt•/„ der Witwer'/, bei Nachlasses.— P.®. 89. Ist mit dem Slstermieter monatliche Zahlung vereinbart, aber nichts über die Kündigungsstist, so kann jeder von beiden Teilen bis am 15. zum 1. kündigen.— Arbeitersekretariat Luckenwalde. Die Kirchensteuerstage ist ausführlich im.Vorwärts" vom 22. Juli, dritte Beilage, behandell.— B. H. 1. Ja. 2. Nein. — F. 3. 100. Ihre Anstage ist nicht ganz klar. Handelt eS sich um die Erbschast eines sür tot Erklärten, so müßten sie angeben, wann derselbe für tot erklärt ist oder ob in der gerichtlichen Erklärung ein bestimmter Todestag angegeben ist. Der Verstorbene oder sür tot Erklärte würde zunächst von seinen Kindern und seiner Witwe beerbt werden. Sind Kinder nicht vor- banden, so würden als erbberechttgt die Eltern deS Verstorbenen in Betracht kommen, dann die Geschwister usw. Ist einer der hiernach Erbberechtigten nach der Todeserklärung oder nach dem Tage, der in der gerichtlichen Er- kiärung als Todestag festgesetzt ist. verstorben, so treten an seine Stelle seine testamentarischen oder gesetzlichen Erben. Ergänzen Sie demnach den Tat- bestand und wiederholen Ihre Frage.— B. F. Kein Gesetz verbietet einem Rcstaurateur, Vorsitzender irgend eines erlaubten Verein» zu sein.— P. M. 88. 1. Nein, nur sür minderjährige Mädchen ist die Genehmigung deS Vater» erforderlich. 2. Die Trauzeugen können verwandt sein. 3. Mindestens 14 Tage lang müssen die Brautlerite aushängen. 4. Melden Sie daS Aufgebot möglichst mindesten» 6 Wochen vor dem Hochzeitstage aus den, Standesamt des Bezirks eines der Brautleute an. — M. K. 84. Aus Ihrer Anfrage geht nicht hervor, ob eine gültige letztwillige Einordnung vorliegt. Liegt eine solche vor, so sind ihre Be- stimmungen maßgebend. Liegt kein Testament vor, so erhält bei kinderlose» Ehegatten, die nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch erben, der verwitwete Ehe- gatte die Hälfte des Nachlaffes. Außerdem erhält er aber als voraus auf Grund des Gefeßes vom 22. Mai 1895 ist an den Landrat, in Berlin| bestrittener Ansicht( die Braris ist überwiegend entgegengesekter Ansicht) bis alle Gegenstände, die zum ehelichen Haushalt gehört haben, und die an den Polizeipräsidenten zu richten. A. 3. 6. Die Klage ist beim zum 1. Oktober für die Kurkosten. 2. Niemand, abgesehen von der Ges Hochzeitsgeschenke. War Ihre Ehe vor dem 1. Januar 1900 geschlossen, so Landgericht anhängig zu machen. Zweds Anstellung der Selage müßten meinde. 3. Ihre Schwester tann sich an die Versicherungsanstalt oder an tann eventuell ein anderes Erbrecht zur Anwendung kommen. Sie müßten Sie das Armenrecht durch Vermittelung des Armenvorstehers erwirken. den Charlottenburger Magistrat wenden, auch wenn 200 Marten noch nicht angeben, wo und wann die Ehe geschlossen ist und ob ein Ehebertrag vor- A. B. 1. Das ist zulässig. M. G. 4. 1. und 2. Ja, es sei denn, geklebt find. 4. Ja, aber unter Abzug der Kurtosten. Scheithauer. liegt. Paul Walter. Ist nichts anderes vereinbart, jo trifft für ge- Ihre Stellung ist die eines Betriebsbeamten, Werkmeisters oder dergleichen. Solche Stlubs find uns nicht bekannt. 23. E. 71. Wiederholen Sie werbliche Gesellen und Gehüljen 14 tägige Kündigungsfrist zu. Sind Sie kauf- Für Betriebsbeamte usw., d. h. Personen, deren Tätigkeit in der Leitung Ihre Frage. P. 2. 44. Wenden Sie sich an den Vorstand des Holzmännischer Gehülfe, so würde mangels anderer Vereinbarungen die Kündigungs- oder Beaufsichtigung des ganzen Betriebes oder einer Abteilung desselben arbeiterverbandes. K. N. 50. Sind Sie minderjährig, so ist der Vers frist eine sechswöchentliche zum Erften des Quartals sein.-B. 100. Ein solcher besteht, sowie für solche Personen, die mit höheren technischen Dienst- trag ungültig. Sind Sie volljährig, so werden Sie von dem Vertrag feinesVerein ist uns nicht befannt. E. H. 11. Ein Wiederaufnahmeverfahren leistungen betraut sind, darf eine kürzere als eine einmonatliche wegs durch das Unvermögen zu zahlen, entbunden. Sie bleiben verpflichtet wäre nach Ihrer Schilderung möglich. Der Antrag müßte zu Protokoll des Kündigungsfrist nicht vereinbart werden. Ist eine solche dennoch ver- zu zahlen und können zur Zahlung verurteilt werden. Strafbar sind Sie Gerichtsschreibers erflärt oder durch einen Rechtsanwalt unterzeichnet werden. einbart, so ist die Abrede nichtig und es tritt die sechswöchent- nicht. M. P. 67. Ihre Frau braucht teine besondere Klage zu erbeben, J. D. 10. Sind Sie volljährig( älter als 21 Jahre), so find Sie an liche zum Duartalsschluß laufende Kündigungsfrist ein. 3. Nein. sondern kann auf die Aufforderung, auf die Widerklage etwas zu erklären, den Bertrag, den Sie geschloffen haben, gebunden, nicht aber Ihr Mann. 5. E. 34. 1. Ist eine 14 tägige Sündigung vereinbart, so wäre in Ihrem sich äußern, und gleichzeitig mit der Aeußerung eine Widerklage Sind Sie noch nicht 21 Jahre alt, so ist der Vertrag ungültig. Fall die Herrschaft mit dem 1. August von jeder Verpflichtung frei. Ist eine in Form der einfachen Slage erheben. Die Biderklage kann 23. M. 100. Der Antrag auf Bewilligung der Zehn Mart- Monatsrente Kündigung nicht vereinbart, so haftet die Herrschaft nach allerdings sie auch bis zum Schluß der ersten Instanz geltend machen. Für den Juhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, den 28. Juli. Anfang 7 Uhr. Nenes Operntheater. La Traviata. Anfang 8 Uhr. Berliner. Sherlod Holmes. Lessing. Die lustige Bitwe. Schiller 0.( Wallner Theater.) 10 Morwig Dper: Der Postillion bon Lonjumeau. Schiller N.( Friedrich Wilhelm. städtisches Theater). Bapfenstreich. Komische Oper. Hoffmanns Er zählungen. Lustspielhaus. Unsere Käte. Kleines. Die Juden. Carl Weiß. Adele. Metropol. Auf ins Metropol. Apollo. Berlin im Dmnibus. Das blaue Bild. Spezialitäten. Wintergarten. Tortajada. Spezialit. Passage. Willy Brager. Spezialit. Reichshallen. Winter Tymian. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Besub. Sternwarte, Juvalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Sonnabend und folgende Zage: Sherlock Holmes. Anfang 8 Uhr. Neues kgl. Operntheater ( Kroll). Anfang 7, Uhr. Gastspiel Frl. Prevosti: Traviata. Sonntag: Carmen. Montag: Die schöne Helena. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und Invalidendank. Komische Oper. Sommerspielzeit 1906. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Morwitz Oper. Sonnabend, abends 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötel. D. Postillion v. Lonjumeau Komische Oper in 3 Att. v. Adolf Adam. Sonntag, nach m. 3 11 br, bei halben Preisen: Der Freischütz. Sonntag, abends 8 Uhr: Carmen. Montag, abends 8 Uhr: Populäre Borst. bei halben Preisen: Die Zauberflöte. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Drama in 4 Aufzügen von Franz Adam Beyerlein. Sonntag, abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Montag, abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Im Garten tägl. gr. Militär- Konzert. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin Hauptbureau: Bimmer 34, Amt 4, 3353. Engel- Ufer 15. Bimmer 1-5, Amt 4, 9679. Montag, den 30. Juli 1906, abends 7 Uhr: Versammlung aller in Metallgießereien Berlins und Umgegend beschäfs tigten Former und Berufsgenossen im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal 4). Zages Ordnung: Achtung! Möbelpolierer Achtung! stormer. 2. Distuffion. 3. Berbands- und Branchenangelegenheiten. Sonntag, den 29. Juli 1906: 123/5 1. Der Vater Staat und feine Kinder. Referent: Genoffe -Das Erscheinen aller Kollegen erwartet Die Ortsverwaltung. Große Dampferpartie Achtung! Zentralverband der Glaser! Achtung mit Musik und Rundfahrt nach Sporthaus Ziegenhals bei Zeuthen. Abfahrt morgens 7 Uhr: für SO. von der Michaelfirchbrüde. " " O. u N., Waijenbrüde( Kahnt u. Herker). Billetts find noch zu haben bei O. Dumke, Stüftriner Blaz 10, und bei E. Brunk, Reichenbergerstraße 81. NB. Die fällige Branchen- Bersammlung am 30. Juli im Königstadt- Stafino fällt aus. Der Obmann. [ 90/3] Urania Tauben- Carl Weiß- Theater. str. 48/49. Täglich abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. Gr. Frankfurterstr. 132. Jm Theater: Täglich 8 Uhr: Adele. Lebensbild in 5 Att. v. Hedwig Abt. Sternwarte Invaliden- 3m Sommergarten: Täglich: Große str.57/ 62. Spezialitätenvorstellung. Anf. 5 Uhr. OOLOGISCHER Zo CARTEN Täglich ab nachmittags 5 Uhr: Großes Militär- Konzert. Eintritt 1 M., v. 6 Uhr ab 50 1. Stinder unter 10 Jahren die Dälfte. Hoffmanns Erzählungen. Fröbels Allerlei- Theater Sommerpreise. ( Reine Borverkaufsgebühr.) Anfang 8 Uhr. Schönhauser Allee 148. Täglid: Konzert, Theater, Spezialitäten, Ball. 15 Attraktionen ersten Ranges 15. Lustspielhaus. Der Millionenschneider. Posse mit Gesang in 2 Aften. Täglich abends Unsere Käte. anfang 4 Uhr. 8 Uhr: Morgen: Unsere Käte. Passage- Theater. Abends 8 Uhr Das glänzende Eröffnungs- Programm. 14 erstklassige Spezialitäten! Metropol- Theater Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Ostbahn- Park Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr.17 Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater- und Sanssouci. Kottbuser 1.Straße 4a. Sonntg., Montg.Donnerst. und Sonnabend: Zahlstelle Berlin. Heute Sonnabend, den 28. Juli 1906, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal 4: Versammlung. Tages Drdnung: 1. Bericht über den gegenwärtigen Stand der Aussperrung. 2. Bericht vom Verbandstag der Unternehmer. Bollzähliges Erscheinen dringend notwendig. Die roten Berechtigungskarten werden nur in der Versammlung ausgegeben, da das Bureau Sonntags geschlossen ist. Der Vorstand. Verein Berliner Hausdiener Heute Sonnabend, den 28. Juli, abends 9 Uhr, im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24( nnterer Saal): Hoffmanns Nordd. Sänger Versammlung fämtl. Kollegen von Moabit. und Tanzkränzchen. Novität: Eine StadtratsSitzung zur Zopfzeit. Poffe. Entr. 30 Pf., num. Bl. 50 Bf. Sonnt.Beg. 5, Wochent. 8. Im Borgart.: Freikonzert. Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Täglich im Garten bezw. in den unteren Sälen Gottschalk Freikonzert Mittwoch u. Sonnabend: Freitanz. Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Verbindung mit größter FilmsFabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. Spezialitäten- Vorstellung. Otto Pritzkow, Münzstr. 16. 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Stundenlohn bedingungslos in die Betriebe zurüdfehrte, weiter respektive erneut aus gcjperrt: der Organisation, machen wir darauf ( Bogen falzen von Streitarbeit) in übermäßiger Weise Platz gegriffen hat, Wir bitten, die Hausbewohner auf das Verwerfliche ihres Tuns aufmerksam zu machen. Die Ortsverwaltung. Kartonarbeitern. Arbeiterinnen! Kartonnieter! In der Kartonfabrik von Ad. Lesser, Krantstraße, find tarifliche Differenzen ausgebrochen. Diese Betriebe sind gesperrt! Die Firma Aloys Suk, Neander straße 4( Neanderhof) ist für Galanteriearbeiter und Arbeiterinnen wegen Differenzen gesperrt. 24/12 Arbeitsmarkt. quelle. Schneidermeister Baul Fürsten- Restaurant, Garten, Vereinszimmer, zelt. Nur Rosenthalerstraße 10. Stein Bartettjaal( 600 Personen). Sonntags Stellengesuche. Laden. Habe keine Filialen. 267/ 6* Freifonzert und Ball. + 117* Tüchtiger Malergehülfe fucht Motorzweirad Triumph", 3, HP, Wer Stoff hat? Fertige Herren- Nebenbeschäftigung, einmal benutt, 500,00. 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