K». 175. Bbonnemenfs-Bcdlngungens «iomienientS- Preis pritmnner-mdo i Sierteljährl. 8�30 MI, monatl. l,!0 Ml, wöchentlich LS Pfg> frei ins Haus. Linzeine Nummer 5 Pfg. Sonntags» «wmmer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue ääelt- 10 Pfa. Post» «lonnement: 1,10 Marl pro Monat. kmgetragen in die Post-Zeitungs» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. PostabonnementZ nehmen an: Belgien. Dänemark. tolland, Italien, Luxemburg. Portugal, umänien, Schweden und die Schweiz. S3. Jahrg« vllttlü« lZgllch sulZel Msnlils». Verlinev Volksblclkt. VIe fnlerNsnz-eedllhk Helrügt für die scchsgcspaltenc Kolonet» zeile oder deren Raum L0 Pfg., für politische und gewerlschastliche Beieins» und BcrsammlungS.Anzeigen 80 Pfg. „Uieine Anzeigen", das erste ssett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf» stellen-Anzeigen das erste Wort 1» Pfg, jedes weitere Wort S Psg. Worte über Ib Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm■ Adresse: „SozlaltKniftHnt Rtrlin*. Zcntralofgan der foziatdemokrattfchen Partei Deutfcblands. Redaktion; 8 Tl. 68, Lindenstrasse 6g. Kernsprechcr: Amt IV Nr. 1983. Dienstag, den 31. Juli 1906. Expedition; SRI. 68, Lindenstrasse 6g, Kernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Juni Die Sozialpolitik des Kolonial' Hintes. Anfang November vorigen Jahres war dem„Vorwärts" aus Kiel gemeldet worden, daß" sich eine Anzahl Metall- arbeiter der kaiserlichen Werft, Maschinenschlosser, Schmiede, Dreher usw., für Südwestafrika hatte anwerben lassen, um dort den Stamm der Arbeiterschaft für die Betriebswerkstatt der Eisenbahnstrecke Lüderitzbuch-Kubub zir bilden. Unserem Kieler Korrespondenten hatte der Kontrakt vorgelegen, durch den sich diese Arbeiter auf drei Jahre der Verwaltung des Schutzgebietes verschrieben hatten, und es war aus den Be- stimmungen des Vertrages im einzelnen nachgewiesen worden, daß für die Arbeiter, trotz des in Aussicht gestellten hohen Lohnes— 2400 Mark Pro Jahr bei freier Unterkunft— das Engagement ein ähnlich zweifelhaftes Unternehnien im kleinen bedeutete, wie für das deutsche Volk das südwest afrikanische Kolonialabenteuer im großen. Abgesehen von den Paragraphen, die in ganz einseitiger Fassung der Kolonial- Verwaltung die Lösung des Vertrags jederzeit offen hielten, Während die Arbeiter bei vorzeitigem Verlassen des Dienstes aller ihrer Rechte verlustig gehen sollten, erschien äußerst be- denklich zumal die grundlegende Bedingung, daß die Arbeiter als Angehörige des Mannschaftsbestandes der Schutzgebiete be- trachtet und dem Kommandeur der Truppen, mithin der mili- tärischen Disziplinargewalt unterstellt werden sollten. Unter diesen Umständen hält es der„Vorwärts" für seine Pflicht, die deutschen Arbeiter vor dem Engagement nach Süd- westafrika eindringlich zu warnen. Wie berechtigt diese Warnung gewesen, geht jetzt aus einem Schreiben hervor, das einer jener Betörten, ein organisierter Metallarbeiter,, an einen Freund in Kiel gerichtet hat. Wir geben nachstehend den wesenllichen Inhalt des Briefes im Wortlaut des Originals ausführlich wieder, einmal, weil er die sozialpolitischen Praktiken der Kolonialverwaltung in das hellste Licht rückt, dann aber, weil er Vorgänge schildert, die, wie unsere Leser gleich sehen werden, das Belastungsmaterial wider unsere Kolonial- Wirtschaft um ein ganz unglaubliches Kapitel vermehren. Es heißt in dem Schreiben, das aus Karibik vom 3. datiert ist: ...»Die Sache hat fich hier mächtig geändert. Am Himmelfahrtstage sollten wir hier arbeiten, es wurde uns dies abends zuvor durch den Werkführer mitgeteilt. ES sollte den ganzen Tag, wie gewöhnlich, das sind acht normale Arbeitsstunden und die übliche lleberstunde, gearbeitet werden. Da uns dies für einen Feiertag etwas Neues war, es wurde sonst nur bis mittags ge- arbeitet, fragten wir sofort, was dafür bezahlt würde. Die Antwort lautete: S Stunden, 9 X 80=- 7,20 M. Das wäre noch weniger gewesen, wie wir sonst Tagesverdienst haben. Unter diesen Umständen dankten wir natürlich für die Arbeit, da es sonst für den halben Sonntag 7 Stunden gab, in der richtigen Voraussetzung, daß der Ueberstundenlohn von 80 Pf. im Verhältnis zu unserem Verdienst zu niedrig ist, vorläufig aber keine Neuregelung stattgefunden hat; so ward es allgemein üblich, einige Stunden mehr zu schreiben. Es erschienen nun am Himmelfahrtsmorgen zirka S— 6 Mann von 50 zur Arbeit. Wie der Maschinenmeister in die Werkstelle kam. war derselbe ziemlich perplex, daß wohl die Betriebsmaschine lief. aber weder Drehbänke noch Schraubstöcke besetzt waren. Bis mittags befanden wir uns alle im Besitz eines höflichen Schreibens, worin wir gebeten wurden, die Gründe anzugeben, die uns zum Nichterscheinen zum Dienst veranlaßt hätten. Wir, ebenso höflich, beantworteten dieses Schreiben. Zwei Kollegen, W. K.(Verband) und F. B. (Verband), verbaten sich in dem Schreiben noch eine beleidigende Aeußerung des Maschinenmeisters, der in einer Auseinandersetzung mit Kollegen B. über die Arbeit sich in der Erregung zu der Aeußerung verstieg, wir wären ihn, alle noch viel zu grün.(Einige Kollegen von uns sind dabei älter wie er.) Am nächsten Morgen prangte nun folgender Ukas am schwarzen Brett: „Sämtlichen Leuten, die gestern der Arbeit unenffchuldigt ferngeblieben sind, wird für diesen Tag der Proviant ent- zogen. gez. Hälbig, Hauptmann(hier Betriebsleiter) in Vertr.: Kirchhof, Maschinenmeister." Wir erklärten natürlich sofort den Herren, daß sie sich durch eine derartige Maßregel gegen unseren Vertrag vergehen würden. Nach einigem Hin- und Herreden leuchtete den Herren dies denn auch ein und der Ukas wurde zurückgenommen. Die Kollegen K. und B. wurden wegen der oben angeführten Aeußerung im Briefe vor den Hauptmann zitiert und erhielten nach einer scharfen Aussprache jeder 3 Tage Arrest(B. gelinden, K. mittel). Ich muß hier einschalten, daß wir, die aktiv gedient haben, militärisch eingezogen sind, mit unserer Einwilligung, seit dem 19. 2. 06; werden jedoch demnächst auf Antrag wieder ausgekleidet werden. Von den älteren Kollegen, die schon mehrere Jahre hier beschäftigt sind, wurden zwei entlassen. Grund:. S i e s i n d unzufrieden, Sie sind entlassen."(Ausspruch des Maschinenmeisters Kirchhof.) Beide waren durchaus tüchtige Arbeiter, �'~' bei der O t a w i b a h n, da von hier also ganz wie z u H a u s e. Das fanden auch keine Annahme dorthin telephoniert wurde. wär' einS. 2. Am 26. 5. 06 war ___... in Berlin ReichStagSsitznng, cS laut Bericht abgelehnt in dritter Lesung der Bahnbau Kubub- manshoop und die weitere Entschädigung für die Farmer. eden -Keet» Am 28. 5. 06 nachmittags wurde hier folgender Anschlag(Telegramm des Auswärtigen AmtS) angeschlagen: 1. Die Zulagen und Vergünstigungen kommen ab 1. Juni in Fortfall. S. Nacht- und Sonntagsfahrten werden nicht mehr vergütet. 3. Kilometergelder werden wie früher gezahlt(jetzt für Führer 5 Pf., für Heizer 3 Pf., frühere Sätze 3 bezw. 1 Pf.). 4. Ueberstunden dürfen nicht mehr gemacht werden. Auswärtiges Amt gez.: Loe. Nach diesem UkaS wollte natürlich sofort alles aufhören. Es erfolgte nun am 29. 6. 06 folgender Beruht gungsanschlag: 29. 5. 06 Karibib: 1. Das Fünftel(Zulage) wird weiter gezahlt. 2. Proviant erhalten nur diejenigen, die militärisch eingezogen find, nicht die Kapitulanten(d. h. die im Zivilverhältnis stehen, aber der Disziplinargewalt unterstellt sind). 3. Ueberstunden dürfen nur von Handwerkern der Werkstellen gemacht werden. Etappenkommando Karibib. (Unterschrift nicht lesbar.) Die zweite Verfügung kann nur provisorisch sein, da sie nicht wie die erste gezeichnet ist. Wir, d. h. sämtliche Kontrakter, kamen nun dahin überein, folgenden Antrag zu stellen: 100 M. Zulage und 1,50 M. für die Ueberstunden. Dieser Antrag ist abgesandt, versehen mit unseren Namen und der Befürwortung der Vor gesetzten, die durch den Erlaß ebenso getroffen werden, wie wir. Das Ding muß nach Berlin und können einige Monate ins Land gehen, ehe wir Antwort erhalten. Inzwischen haben wir eine Eingabe an die Betriebsleitung in Windhuk gemacht betreffs des Abzuges von Proviant. Wir haben darauf hingewiesen, daß der Erlaß direkt ein V e r st o ß gegen unseren Kontrakt ist. wo eS im§ 3 Absatz 3 folgendermaßen heißt: „Auf die durch den augenblicklichen Kriegszustand im Schutz gebiete bedingten besonderen Vergütungen und Vergünstigungen hat der Vertragschließende nach den darüber erlassenen allgemeinen Bestimmungen Anspruch." Es ist hier aber noch nichts darüber bekannt, daß der Kriegs zustand als beendet erklärt ist. Bleibt die Eingabe erfolglos, dann Klage. Diese unsere Zulage, das Fünftel und der Proviant, machen zirka 110—120 Mark aus. Ohne Proviant muß man 120— 130 Mark allein für K o st zahlen. Also mit 200 Mark auszukommen, ist ein Unding. Die Truppe erhält 83 Mark monatlich; rechnet die Ver- pflegung mit nur 100 Mark, dazu sämtliche Bekleidung frei, so er- giebt sich, daß der Soldat zirka 50 Mark monatlich mehr verdienen würde, wie wir bei dem bloßen Gehalt von 200 Mark. Ein Un- ding! Da bei der O t a w i b a h n gleichfalls Abzüge versucht wurden, sie wurden allerdings nach eintägigem Streik wieder zurückge- nommen, so ist keinem Handwerker zu raten, nach hier zu kommen. Es sei denn, er hätte Kontrakt mit einem Mindestgehalt von 350 M. und freier Wohnung(nicht etwa„Unterkunft"). Die Fluktuation unter den nicht kontraktlichen Arbeitern ist naturgemäß unter diesen Ver- Hältnissen eine große. Wenn wir leine Zugeständnisse bekommen, dann wird wohl nach Ablauf des ersten Jahres keiner mehr hier sein. Ich glaube, eS sind hier von der Leitung weitere Arbeitskräfte vom Auswärtigen Amt verlangt worden(Mitte Mai), mit besonderem Hinweis auf Kieler. Wir haben sonst hier ja auch mit der Leitung bisher gut gearbeitet. Unter den jetzigen Verhältnissen aber wäre es vielleicht zweckmäßig, daß die Kieler Obcrwerftdirektion darauf verwiesen würde, daß sie tüchtige Arbeitskräfte entließe, diese hier aber absolut das nicht finden, was versprochen wird, denn mit 3,80 Mark Tagelohn ist's drüben besser, wie hier mit 250 Mark(Monats-) Gehalt. NB. Der Bahnbau ist ja abgelehnt, das Material ist jedoch be- reits an Ort und Stelle und der Bau wird Wohl auch begonnen. (Verbürgte Nachricht.)... So weit der Brief. Die allgemeine Schilderung der Arbeitsverhältnisse spricht ohne Kommentar in dem eingangs erivähnten Sinne für sich selbst, und die Warnungen des Schreibers werden auf abenteuerlustige Kollegen ihre Wirkung gewiß nicht verfehlen. So niedrig wie möglich aber verdient der Passus des Schreibens gehängt zu werden, in dem erzählt wird, wie die Rcichsregierung bezw. das Auswärtige Amt versucht hat, die Schlappe, die sie in jener denkwürdigen Reichstagssitzung vom 26. Mai dieses Jahres erlitten hat, anden Arbeitern im südwestafrikanischen Schutzgebiet (wer tvird doch eigentlich geschützt?) zu rächen. Am Sonnabend, den 26. Mai, wird in Berlin im Reichstage die Fortführung der Bahn Lüderitzbucht- Kubub nach Keetmanshoop abgelehnt, und am Montag darauf prangt bereits in der Betriebswerkstatt zu Karibib der tele- graphische Ukas des Auswärtigen Amtes, durch den entgegen den kontraktlichen Zusicherungen den Arbeitern der Brotkorb höher gehängt wird I Der innere Zusammenhang dieser Vor- änge liegt auf der Hand, in wörtlichem Sinne ein innerer Zusammenhang, insofern er allein in der ganz unglaublichen, logisch wie Psychologisch perversen Geistesverfassung der für diese„Verfügung" verantwortlichen Stellen des Auswärtigen Amtes begründet ist, die solchermaßen die Arbeiter in Südivest- afrika zu Prügelknaben der blamablen Niederlage machen wollten, die der Regierung in jener Reichstagssitzung das Ungeschick ihrer Vertreter verschafft hat. Nur durch ihre entschlossene Haltung und die Drohung, sofort die Arbeit niederzulegen, haben es die Arbeiter durchgesetzt, daß von der örtlichen Betriebsleitung der skandalöse Streich des Auswärtigen Amts damals Prodi- s o r i s ch pariert wurde. Gegenüber dem empörenden Gewaltakt, den der Vor- gang an sich darstellt, verschwindet ganz der gravierende Neben- umstand, daß der Erlaß des Auswärtigen Amts auch noch einen eklatanten Kontraktbruch gegenüber den in die südwest- afrikanische Wüste gelockten Arbeitern bedeutet. Von welcher finanziellen Tragweite aber für die Arbeiter die Entziehung des ihnen kontraktlich zustehenden freien Proviants ist, geht aus den sogar vom Obersten Deimling im Reichstage an» geführten exorbitanten Preisen der Lebenshaltung in Südwest- äfrika ohne weiteres hervor und der Ausfall ist mit 100 M. pro Monat in der Forderung der Arbeiter gewiß nicht zu hoch veranschlagt, wie denn auch die Bemerkung des Brief- schreibers, daß der Kieler Werfttagelohn von 3,80 M. einem südwestafrikanischen Monatsgehalt von 230 M. vorzuziehen ist, sicher den Tatsachen entspricht. Danach kann man lebhaft bezweifeln, ob das Material, das der Abgeordnete Erzberger neuerdings gegen die koloniale Mißwirtschaft„auspacken" zu wollen gedroht hat, Posten von auch nur annähernd so aufteizendem Charakter, wie die in diesem Briese geschilderten Vorgänge, enthalten wird. Die russische Revolution. Aufruf der Sozialdemokratie Polens. Das Zentralkomitee der Polnischen Sozialdemokratie hat aus Anlaß der Dumaauflösung ein Flugblatt herausgegeben, in dem eS die vom Proletariat in der nächsten Zeit zu befolgende Taktik fest» stellt. Das Flugblatt kritisiert scharf die Mängel und Schwächen der Duma und der in ihr vorherrschenden„kadettischen" Partei; es weift auf den Scheinkonstltutionalismus der Duma hin und auf die Not- Ivendigkeit des revolutionären Kampfes für eine konstituierende Versammlung:„Die Zeit der liberalen Reden ist zu Ende, die Zeit des revolutionären Kampfes bricht an."— Das Zentralkomitee warnt das Proletariat vor den Provokationen der Regierung, die durch die Dumaauflösung das Volk in einen unbesonnenen Verzweiflungsauf» stand hetzen ivolle, um diesen in einem Meer« von Blut zu ersticken: „Arbeiterl Zeigt, daß das revolutionäre Volk der seiner harrenden« wichtigen Aufgabe gewachsen ist. Keine unbesonnenen Aufstände! Keine planlosen, chaotischen Streiks! Das polnische Proletariat kann den entscheidenden Kampf wagen nur im Verein mit seinen russischen Brüdern, nur wenn zu ihm die Kunde dringt von dem Aufftand in Petersburg, in Moskau, im Herzen Rußlands; denn daS Proletariat kann in den Kampf rücken nur als eine geschlossene, fest- gefügte revolutionäre Armee. Arbeiterl An Euch ist die Reihe, zu zeigen, wie groß die politische Reife, der revolutionäre Mut und die Macht des Proletariats ist. Die Helden des Wortes— die libe, rase Bourgeoisie— sinid von der politischen Szene verschivundein, Die Helden der T a t>— das Proletariat— treten auf. Laßt Euch nicht von den verräterischen Provokationen der zarischen Schergen betören. Drohendes Scbweigen und Bereitschaft zum unerbittlichen Kampfe in Reih und Glied mit dem revolutionären Volke ganz Rußlands— dies sei unsere Losung I Nieder mit der liberalen Komödie! Es lebe die Rcvolutionl' Nieder mit der Selbstherrschaft! Es lebe die allrussische kons stituierende Versammlung I Es lebe die demokratische Republik! Petersburg, 30. Juli.(Von einem Spczialkorrespondenten.ff Die Arbeitsgruppe und die sozialdemokratische Fraktion der auf- gelästen Duma bereiten die Beröffentlichung eines Aufrufes an die Armee und die Flotte vor, in dem sie diese auffordern, der Regierung den Gehorsam zu kündigen und mit den gesetzmäsiig gewählten Volks- Vertretern den Kampf gegen die Regierung aufzunehmen, die durch eine Verständigung mit Oesterreich und Teutschland über eine eventuelle Einmischung sich des Landesverrats schuldig gemacht habe. In Wiborg Petersburg, 24. Juli.(Eig. Ver.) Der Wahnsinn der Verzweiflung der russischen Regierung hat sich also in verzweifelten Wahnsinn verwandelt. Die Duma ist aufgelöst, das Schwungrad der Revolution in Bewegung gesetzt. Sehr vorsichtig, arglistig, schlau hat die Regierung die Auf, lösung der Duma bekannt gemacht. Sie hat dazu einen Sonntag. wo es keine Sitzung gibt, erwählt! Keiner Zeitung war es mög, lich, die Bevölkerung zu benachrichtigen, und nur in der„Rossija" und im„Regierungsboten" wurde der kurze Ukas an den Senat veröffentlicht. Die Türen der Duma sind versiegelt, die Volks. abgeordneten begegnen frechen Häschern und Polizisten, die sie ironisch auf den Auflösungsukas hinweisen, der hier an die Pfosten angeschlagen ist. Am selben Sonntag reisten 180 Mitglieder der Duma: Kadetten. Sozialdemokraten und Mitglieder der Arbeits, gruppe, nach Wiborg. wo man über das Weitere beratschlagen wollte. Vor allem haben Beratungen einzelner Fraktionen statt- gefunden und dann eine gemeinsame Sitzung der anwesenden Duma» Mitglieder. Für die Kadetten galt es. die Frage zu lösen: Mit der Bureaukratie gegen das Volk oder mit dem Volk gegen die Burcaukratie? Die frühere Politik weiter zu verfolgen oder sie scharf ändern? Die sozialdemokratische und die Arbeitsgruppe stellten daH Ultimatum, daß sie ihre Unterschriften nur dann geben würden, wenn der Aufruf das Volk klar und deutlich zum Kampfe auf, fordern werde zur Nichtbezahlung der Steuern und zur Nicht, stellung von Rekruten, und wenn die Regierung für vogelfrei erklärt werden würde. Am Sonntag waren die Kadetten noch sehr nervös gestimmt und mit jener Bedingung, wenn auch nicht so scharfer Formu« lierung, einverstanden. Um 2# Uhr nachts wurde die Sitzung unterbrochen, damit die Kommission den definitiven Tert des Mani-| Tage 6 I." wird über die Person des Verhafteten und die festes ausarbeite. Die Kommission, aus je zwei Vertretern der mutmaßliche Unterlage des gegen denselben eingeleiteten Verdrei anwesenden Fraktionen gebildet, arbeitete bis 5% Uhr fahrens geschrieben: morgens. 20 Montag früh um 8 Uhr wurde die zweite Sibung eröffnet. Während der Nacht hatte sich aber die Stimmung der Kadetten ( hauptsächlich infolge der ruhigen Aufnahme der Kunde von der Auflösung der Duma in der Hauptstadt) geändert! Viele wagten nicht mehr, das Manifest mit den angeführten Forderungen zu unterschreiben! In der Situng im Plenum begannen heiße Debatten. Unsere Genossen wiesen darauf hin, daß das Volk das Recht haben werde, die Duma wegen Verrats anzuflagen, wenn sie nicht einen zum Kampfe auffordernden Aufruf annehme. Zu dieser Zeit, d. h. gegen 12 Uhr, tamen aus Petersburg die Herren Stachowitsch, Graf Heyden und Fürst Lwoff, Vertreter der Rechten, Sie halfen aber durch ihr taktloses Benehmen der Sache der Freiheit. Sie empörten durch ihre loyalen Reden, durch ihre Ratschläge, friedlich auseinanderzugehen, selbst die Zaghaftesten. Graf Heyden hatte die Unverschämtheit, zu sagen, er werde nie an. eine Absurdität unterschreiben!" e und vom Gart Unterdessen ward von der Straße und vom Garten aus bemerkt, daß Reiterpatrouillen und Scharen von Häschern überall umher refognoszierten. Sodann zogen mehrere Bataillone Soldaten mit Gesang an den Fenstern des„ Belvedere" vorüber. Endlich wurde Muromzeff zum Wiborger Gouverneur eingeladen, der ihm erklärte, daß er in Erfüllung der aus Petersburg eingetroffenen Anordnungen den Kriegszustand über die Stadt verhängen werde, wenn die Duma nicht binnen 20 Minuten auseinandergehe! Sobald dies der Versammlung bekannt gemacht war, nahm sie das Manifest mit allen sozialdemokratischen Amendements einstimmig an.„ Nach dieser Ohrfeige müssen wir die sozialdemokratischen Vorschläge annehmen," sagte einer der Führer der Kadettenpartei, dessen Namen wir aus sehr natürlichen Gründen verschweigen. Das Dumamanifest ist vom ganzen Präsidium und 180 Mitgliedern unterzeichnet. Die Versammlung ist also als Duma gültig! Man erwartet, daß noch zirka 90 Personen ihre Unterschrift hinzufügen, da viele Abgeordnete lange vor der Auflösung der Duma zu agitatorischen Zweden in ihre Provinzen abgereist waren. Wir können hier natürlich nicht davon sprechen, wie das Manifest gedruckt und verbreitet werden wird. Die revolutionären Or ganisationen werden das ihrige tun! Die Auflösung der Duma bedeutet die Revolutionisierung des ganzen ländlichen und städtischen Kleinbürgertums! * === Petersburg, 29. Juli. Jm sogenannten Petersburger Stadtteile wurde gestern eine Druckerei von Bewaffneten überfallen, welche den Verwalter und die anderen Angestellten der Druckerei festhielten, eine von ihnen mitgebrachte Matrize des Wiborger Aufrufs stereotypierten und auf der Rotationsmaschine in 150 000 Exemplaren bruckten! Während dies geschah, wurde in einer gegenüber der Druckerei liegenden Kapelle ein Gottesdienst abgehalten, dem eine große Menschenmenge beiwohnte und der von vielen Polizisten überwacht wurde!! Trotzdem erfuhr die Polizei den Vorfall erst, nachdem die Bewaffneten spurlos verschwunden Väterchens Rache. waren!!! Sewastopol, 29. Juli. Das Marinekriegsgericht sprach heute das Urteil über die wegen der militärischen Unruhen zu Ende des vorigen Jahres unter Anklage gestellten Matrosen. Die vier Hauptangeklagten wurden zum Tode, ein Angeklagter zu lebenslänglicher und 32 zu Zwangsarbeit von verschiedener Dauer verurteilt. 50 Matrofen erhielten Gefängnisstrafen. 6 Angeklagte wurden freige, sprochen. Das erste Aufzucken der Empörnng. Jusowka, 29. Juli.( Meldung der Petersburger TelegraphenAgentur.) Eine von vielen Tausenden von Borgarbeitern heute hier abgehaltene Versammlung hat wegen der Auflösung der Reichsduma beschlossen, die Arbeit in allen hiesigen Hüttenwerken einzustellen. Infolgedeffen find Dragoner nach Jusowta abfommandiert worden. Sympathieen. Die französische Liga der Menschenrechte sprach am Sonnabend auf einem Dreyfus zu Ehren veranstalteten Bankett den Mitgliedern der Reichsduma und dem russischen Volt seine Sympathieen aus. Von einem Redner wurde die Hoffnung ausgedrückt, die französische Regierung möchte dem Vorbilde Campbell- Bannermanns folgen und eine Rundgebung zugunsten der Duma veranstalten. Die Versammlung ging mit einem Hoch auf die Gerechtigkeit, die Duma und das russische Volt auseinander. In Mailand fand am Sonnabend eine Versammlung von Vertretern der sozial- radikalen und republikanischen Gruppen statt, um Mittel und Wege zu beraten, die russische Nation im Kampfe für Freiheit und Recht zu unterstützen. Anwesend waren mehrere Deputierte sowie russische Emigranten. Professor Ricchieri von der Mailänder wissenschaftlichen Akademie hielt eine längere Ansprache über die Lage in Rußland. Er wies darauf hin, welche Gefahren für Deutschland und Oesterreich eine Unterstüßung des russischen Despotismus mit sich bringen würde. Sollte die Reaktion in Rußland siegen, so würde sie auch den Freiheiten aller übrigen europäischen Länder einen harten Stoß versehen.- Robussi, der Direktor des Secolo", brachte eine Tagesordnung ein, worin dem russischen Wolfe die Sympathieen Italiens ausgesprochen werden. Der Deputierte Turati schlug vor, eine Versammlung der äußersten Linfen in Mailand und gleichzeitig ein großes Meeting abzuhalten zugunsten der russischen Revolutionäre. Schließlich wurde der Antrag Turati angenommen, der Duma die Sympathieen Italiens auszusprechen und gegen die Auflösung der Duma Protest zu erheben. In Barcelona tagte am Sonntag der internationale republifanische Kongreß, an welchem Delegierte Frankreichs, Portugals und Italiens teilnahmen. Ein italienischer Abgeordneter wurde zum Präsidenten gewählt; dieser hielt eine längere Ansprache, in der er fich für eine Bereinigung der freien Völker aussprach. Sein Vorschlag, den russischen Dumamitgliedern eine Sympathie- Adresse zu übermitteln, fand Annahme. In London hat sich ein Komitee zur Sammlung von Unter schriften für eine an die früheren Mitglieder der russischen Duma zu richtende Adresse gebildet. Zahlreiche politische Persönlichkeiten, Bertreter von Kunst und Wissenschaft, sowie viele Mitglieder des Klerus haben die von dem Komitee in Umlauf gesezte Adresse bereits unterzeichnet. In der serbischen Stuptschina hat am Freitag der sozialdemo= fratische Abgeordnete 2a pts chewitsch den Antrag gestellt, dem russischen Bolt den Ausdruck der Sympathie der Stuptschina zu übermitteln und sich mit Abscheu gegen die Auflösung der Reichsduma auszusprechen. Der Redner schloß die Begründung seines Antrages, indem er seiner Erklärung gemäß im Namen des serbischen Proletariats den Ruf erschallen ließ: Hoch die russische Revolution!" Totenstille in der Stuptschina. Diskussion wurde nicht zugelassen und der Antrag abgelehnt. Politifche Ueberlicht. Berlin, den 30. Juli. Ein neuer Kolonialstandal! as Deutfches Reich. Die Reichseinnahmen haben im ersten Viertet des laufenden Finanzjahres, d. h. in den Monaten April, Mai und Juni, wieder eine Der frühere Geheimfekretär Böplau hat bereits im Dezember beträchtliche Steigerung erfahren. Die Jsteinnahme an Zöllen und 1902 das Auswärtige Amt unter anderem darauf hingeiviesen, 16,6 Millionen daß Major Fischer in zwei Fällen Amtsbergehen Verbrauchssteuern hat 207,9 Millionen Mart, schwerer Art sich habe zuschulden kommen lassen. Es handelte Mark mehr als in dem gleichen Zeitraum des Vorjahres, fich in dem einen Falle um eine Liquidation über Kosten für eine betragen. Zu dem Mehr hat in erster Reihe die Zuckersteuer Dienstreise von Berlin nach Hamburg. Der jezige Finanzdirektor und zwar 7,6 Millionen M. beigesteuert. Des weiteren hat die von Deutsch- Südwestafrika Bahl, zeigte im Jahre 1897 der Kolonial Branntweinverbrauchsabgabe ein Mehr und zwar in Höhe von abteilung an, daß Fischer für die an demselben Tage vollendete 3 Millionen M. geliefert. Die Einnahme aus der Salzsteuer steigt Dienstreife Kosten noch für den darauf folgenden Tag liquidiert stetig; sie hat zu dem Mehr diesmal 1,1 Millionen M. beigetragen. hätte. Auf diese amtliche Anzeige geschah nach Angabe des Personalreferenten Geheimrats v. König, wie aftenmäßig feststeht, auch sämtliche übrigen Verbrauchsabgaben haben lleberschüsse gegen über dem gleichen Zeitraum des Vorjahres erbracht, nur bei der nichts. Der zweite Fall betrifft die Fälschung eines Atten- Tabaksteuer war ein Weniger von einer Viertelmillion M. zu verzeichnen. Was die anderen in den monatlichen Nachweisen aufgeführten stückes betreffend die Gebührnisse eines Schutztruppenarztes. Die betreffende Urkunde enthält, wie nach Reichseinnahmen betrifft, so haben die Erträge der Reichsstempelträglich festgestellt wurde, an entscheidender Stelle eine Rasur, die abgaben im ersten Vierteljahr 18,3 Millionen Mark oder nahezu durch den Major Fischer oder auf dessen Veranlassung hin vor- 1 Million Mark mehr als im gleichen Zeitraume des Vorjahres genommen sein soll. Die Sache wurde von dem Geheimen er eingebracht. Von dem Mehr entfällt der Hauptteil auf die pedierenden Sekretär Hering im Dienstaufsichtswege schriftlich zur Börsensteuer, die bekanntlich schon im Vorjahre eine Sprache gebracht und von den Geheimräten Hellwig, v. König " berbürgt. Senuned inte Die Einnahmen des Reiches befinden sich demnach in rascher Bunahme, doch noch weit stärker steigen die Ausgaben für Heer und Marine. und dem Obersten Ohnesorg behandelt. Hellwig erledigte die Summe abgeworfen hat, wie nie zuvor. Die beiden HauptSache dadurch, daß er den amtlichen Hinweis über die vor- betriebsverwaltungen des Reiches, Post und Eisenbahnen, weisen gekommene Urkundenfälschung bis zur Untenntlichkeit gleichfalls Mehreinnahmen auf; jene im Betrage von 7,8, diese in durchstrich, überklebte und sodann die Sache, als erhöhe von 2,8 Millionen Mark. Bei beiden aber ist zu beachten, Tedigt" zu den Akten schrieb. daß die Erweiterung des Verkehrs, der die Mehreinnahmen zu Der frühere Geheinisekretär Böplau hat darauf zunächst den danken sind, auch mit Mehrausgaben verknüpft sind, und daß eine Geheimrat Hellwig im Zusammenhang mit vielen anderen, inner Brutto- Mehreinnahme noch keine Erhöhung des Rein- Ueberschusses halb der Kolonialabteilung begangenen Ungesetzlichkeiten auf mertfam gemacht. Dieser suchte Böplau von einer Anzeige mit den Worten abzubringen: Wollen Sie denn Herrn Fischer unglüdlich machen?" In diesen Worten des damaligen stellvertretenden Kolonialdirektors Hellwig, welcher in zwischen unter ganz eigentümliche n Verhält Aus der bayerischen Abgeordnetenkammer. Im Finanzausschusse nissen pensioniert wurde, liegt das Eingeständnis, daß Fischer gegen das Gesetz verstoßen hatte. Auch nachdem der Abgeordnetenkammer hat sich ein politisch wie sozialpolitisch Der genannte Ausschuß Pöplau den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, v. Richthofen hochinteressanter Zwischenfall ereignet. und darauf besonders noch den Reichskanzler Fürsten v. Bülow berät zurzeit den Eisenbahnetat. Beim Titel: Löhne der Geüber diese Fälle, welche ebenso wie andere angezeigten Amts- hülfen betrug der Mehransatz im Etat anfangs 400 000 M., ein vergehen seitens des Personalreferenten v. König ununtersucht Betrag, der später um 200 000 m. erhöht worden ist. Es frug nun geblieben waren, Mitteilung gemacht hatte, erfolgte seitens der Behörde nicht die Herbeiführung strafgerichtlicher Ahndung. Pöplau der sozialdemokratische Abg. Timm an, ob dieser Mehransat denn hat neuerdings Veranlassung genommen, von vielen, dem Geheimen auch genüge, um die von der Kammer einstimmig an Legationsrat v. König vorgeworfenen Vergehen und wegen der genommenen Beschlüsse des 10. Ausschusses über den AnUnterlassung der Verfolgung strafbarer Handlungen der Staats- trag Segit u. Gen. zu erfüllen. Der Ausschuß und nach ihm das anwaltschaft Kenntnis zu geben. Die Angabe, daß Major Fischer sich in großer Geldverlegen- Plenum hat nämlich folgende Grundlohnklaſſen einstimmig genehmigt: heit befunden habe, wird von zuverlässiger Seite mit dem Hinzufügen bestätigt, daß dies amtlich bekannt war, und daß Fischer von der Behörde in ganz außerordentlicher Weise mit hohen Extraremunerationen und Unterstützungen bedacht worden ist, obwohl er schon seit Jahren ein festes Einkommen von jährlich etwa 8000 m. bezog. 119111 I. Klasse II. III. IV. 3,20 m. 8, 2,80 2,60" 19 Der Verkehrsminister zudte auf die Anfrage Timms die Achseln und erklärte obenhin, man werde für die Zukunft statt der bisherigen Saubere Geschichten das! Aber es kommt noch besser. 10 Klaffen 5 in Aussicht nehmen, beginnend von 2,40 M. an. 3 ur In einer offenbar noch zugunsten Fischers verbreiteten Durchführung der Beschlüsse des 10. Ausschusses Version heißt es, daß das wegen Versuches der Befeien ja 2 Millionen nötig. ste chung eingeleitete Verfahren kaum Beweise einer straf- Darauf verlangte Timm, daß dann selbstverständlich die baren Handlung bringen werde, da bereits feststehe, daß eine 21 millionen einzustellen seien und beantragte die dementsprechende Dieser selbstverständliche Antrag führte materielle Schädigung des Fiskus nicht vor Erhöhung der Summe. Liege. Es handle sich lediglich darum, daß Fischer, der in zu einer völligen Verwirrung des Ausschusses. Regierungsvertreter überaus schlechten Verhältnissen gelebt habe( bei einem festen und Zentrumsmitglieder wackelten mit den Köpfen, als ob ihnen Einkommen von 8000 m. jährlich und anderweitiger hoher Schauerliches widerfahren sei. Nur die liberalen Mitglieder des Remunerationen und Extravergütungen?!), von einem Teil- Ausschusses behielten ihre Fassung und stimmten für den Antrag haber der Firma Tippelskirch bedeutende Darlehen bezogen Timm, der jedoch vom Zentrum und Bauernbund abgelehnt wurde! habe, die zurückzuzahlen er kaum je in der Lage sein dürfte! Jm Plenum wird indes der sozialdemokratische Antrag wiederUeber diese Beziehungen des Vorstandes der Bekleidungs- lommen, vielleicht werden die chriftlichen Organisationen ihrem abteilung des Oberkommandos der Schutztruppen zu der Bentrum bis dahin den Rücken steifen. Rolonialausrüstungsfirma Tippelskirch erhalten die Hamb. Reichsverbändlerisches. Na ch r." folgende interessante Darstellung: Die vom Reichsverband gegen die Sozialdemokratie" zur Die Sensationsnachricht von der Verhaftung des Majors Förderung patriotischer Gefühle und Pflege der Moral herausFischer, des Vorstandes der Bekleidungsabteilung des Ober- gegebene Korrespondenz ersegt ihren Mangel an Einsicht in die kommandos der Schutztruppen, erregt weit über die zunächst fozialdemokratische Arbeiterbewegung durch eine um so größere interessierten Kreise hinaus großes Aufsehen. Ohne die Frage, -us- Das Hoch auf die Sozialdemokratie! wie weit der gegen den Verhafteten vorliegende Berdacht sich als Phantasie. In ihrer Nr. 42/48 erzählt sie z. B. folgende Fabel: begründet erweist, vorzugreifen, läßt sich nicht in brede stellen, daß über seine Stellung und Geschäftsführung in den über die Dinge orientierten Offizier und Beamtentreifen feit geraumer Zeit arge Be denten in Umlauf waren. Es war gegen allen Brauch, daß in seiner Person die Bekleidungsbeschaffung und Bekleidungsübernahme für die Schußtruppen sich konzen trierten. Major Fischer ist auch der Bater der vielangefochtenen Tippelskirch- Verträge, inbesondere der allen Traditionen des Heeres und der Flotte widersprechenden Einrichtung, daß die Kammerbestände der Schutztruppen nicht im Besiz der Verwaltung, sondern mit den Lagern der Firma Tippelskirch u. Co. identisch waren. Auf die Autorität Major Fischers hin sind für außer ordentliche Uniformlieferungen, die aus Anlaß der Aufstände in den afrikanischen Schutzgebieten notwendig wurden, auf Grund mündlicher Abmachungen der Firma bon der Kolonialabteilung höhere Beträge gezahlt worden, als fie nach den Lieferungsverträgen waren, ein Verfahren, das, ivie aus der Branche versichert wird, kaufmännisch wie bom Verwaltungsstandpunkte aus infofern nicht rechtfertigen war, als bei Lieferungsverträgen mit Militärbehörden die Möglichkeit des Notwendigwerdens von plötzlichen großen Lieferungen in die Kalkulation einbezogen wird. Major Fischer war fast täglich in der Fabrik ber Firma in der Usedomstraße. In den Kreisen seiner Kameraden wurde es unpassend gefunden, daß er bei seiner Beförderung zum Major, die vor ungefähr zwei Jahren geschah, in der Fabrik festlich empfangen wurde, ferner daß ihm ein Tippelsfirchsches Automobil zur Verfügung stand usw. zu Wie bei früherer Gelegenheit an dieser Stelle bereits erwähnt wurde, ist die Zeichnung gewisser Schriftstüde im Verkehr zwischen der Firma und der Kolonialabteilung bei den zunächst zuständigen Beamten der Abteilung vergeblich wiederholt auf Schwierigteiten gestoßen. So soll ein wichtiger Lieferungsbertrag aus Anlaß des Aufstandes in Südwestafrika die Unter schrift des Dezernenten Geheimen Legationsrates Golinelli nicht erhalten haben, weil diefer die Verantwortung für seinen Inhalt nicht übernehmen wollte. Von der Firma Tippelskirch u. Comp. wird das Verhalten gegen Major Fischer auf einen Nacheatt zurückgeführt. Ist der Major des ihm zur Last gelegten Vergehens schuldig, so wartet seiner eine Zuchthausstrafe eventuell bis zu fünf Jahren." " Die Achtung, welche die sozialdemokratischen Blätter den bürgerlichen Zeitungen zollen, ist ja sattsam bekannt und hat Wurstblättchen, fich fast bei jeder Gelegenheit bewiesen: Quadfalberblatt, Tinten- und Zeitungstuli" usw. sind einige Titulaturen aus diesem Register fozialdemokratischer Redelist". Daß aber von einigen Sozialdemokraten versucht wird, die Pressebertreter bürgerlicher Zeitungen zu zwingen, in das nach jeder Versammlung übliche Hoch auf die internationale völkerbefreiende Sozialdemokratie" mit einzustimmen, dürfte trog Ben Atiba wohl noch nicht dagewesen sein. Und doch ist es in dem so idyllischen, ruhigen Berliner Vorort Groß- Lichterfelde borgelommen. Seit einiger Zeit besteht dort ein Streit der Gummifabrik Schwanig u. Co. Die Lokalzeitungen hatten in durchaus unparteiischer Weise die Ansichten der Arbeiterschaft als auch die Gegenäußerungen der Direktion zum Ausdruck gebracht. Am 16. Juni wurde dort im Kaiserhof( Sozialdemokraten im Kaiserhof!) eine öffentliche Versammlung abgehalten, um der am Ort befindlichen„ Klatschpresse" die Leviten zu lesen, die versucht hätte, der Arbeiterschaft einen Knüttel zwischen die Beine zu werfen. Dieser Versammlung wohnte auch der Redakteur der schon Hauser vom dortigen Lokal- Anzeiger" bei, bei seinem Niederschreiben der Aeußerungen des Redners nicht gerade mit liebenswürdigen Zurufen beglückt wurde. Man beachte: trotzdem sich diese Zeitung streng unparteiisch gehalten hat und beide Parteien zu Wort kommen ließ. Als dann am Schluß der Versammlung das Hoch auf die internationale Sozialdemokratie ausgebracht wurde, stimmte Redakteur auser selbstverständlich nicht mit in das Hoch ein, erhob sich aber von seinem Plazze. Da fehen hätte man die Entrüstung einiger Zielbewußten" Wollen follen: Sie mal gleich mit Hoch rufen 1" und " Hierher kommen, auffrafeelen ausspionieren," und ähnliche schöne Anreden im schreienden Tone wurden dem nichts fozialdemokratischen Pressevertreter guteil. Es entwickelte sich ein Tumult, so daß es Herrn Hauser, der betonte, daß er doch als Nichtsozialdemokrat nicht ein Hoch auf die Sozialdemokratie einstimmen könne, nur mit Mühe gelang, den Saal zu verlassen, wenn er sich nicht Tätlichkeiten aussehen wollte. Es wird immer schöner im monarchisch regierten deutschen Vaterlande!" Auf diese Notiz haben wir bei Teilnehmern der Versammlung Erkundigung eingezogen und erhalten darauf folgende Buschrift: Von dem ganzen Geschwätz ist nur wahr, daß die streifenden Gummiarbeiter im Kaiserhof" eine Versammlung abhielten und Das„ Berl. Tagebl." teilt weiter mit, daß Major dieselbe mit einem Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung auf die Sozialdemokratie, obwohl dies durchaus Fischer Duz bruder des Herrn v. Tippelskirch war und( nicht von seinem Freunde in Beträgen von je 2-3000. im Laufe verständig gewesen wäre) schlossen. Alles übrige ist ganz ge der Jahre nahe an 100 000 M. Darlehen erhalten hat. Be meiner Schwindel! Auch im Bericht des„ Lokal- Anzeiger", deffen fonders pitant sei es auch, daß gerade Major Fischer die Redakteur doch eben jener Herr Hauser ist, stand davon keine Silbe. Verträge mit der Firma Tippelskirch sowohl in der Budget- Bei allen sozialdemokratischen Versammlungen in Groß- Lichterfelde tommission wie im Plenum des Reichstags verteidigt habe! erfreuen sich die bürgerlichen Berichterstatter in der Ausübung ihres Wenn alle diese Mitteilungen richtig sind, und die Ver- Berufes des weitesten Entgegenkommens und durchaus höflicher Behaftung Fischers erfolgte doch sicher nicht ohne triftigste handlung. Gründe, so dürfte dieser Standal die Kolonialverwaltung Es ist dem Reichsverband mur darum zu tun, sein Lügenmaterial schwer kompromittieren! Solche Vorkomnisse erinnern denn um eine Nummer zu komplettieren. Spaßhaft ist die Entrüstung Major Fischer, der Vorstand der Bekleidungsabteilung doch geradezu an die Korruption der russischen Armeeverwaltung über die Frechheit, daß die Sozialdemokraten im Raiserhof" beim Oberkommando der Schußtruppen, ist in Unterwährend des russisch- japanischen Krieges! eine Versammlung abgehalten haben. Ob das Lokal Kaiserhof" fuchungshaft genommen worden. Dem Berlinerl oder„ Hühnerhof" heißt, ist uns ganz gleichgültig." Nochmals JeSko. JeBer dieDisziplinaruntersuchuNggegenJesko b. Puttkamer läßt sich die„Braunschw. Landesztg." von ihrem Berliner Korrespondenten, der auch als Zeuge in der Sache vernommen wurde, einige Mitteilungen machen. Am Mitt- woch vormittag hatte der Herr, wie er schreibt, das„Vergnügen", auf eine freundliche Ladung hin vor dem Untersuchungsrichter im Zimmer Str. 221 der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes zu erscheinen und unter seinem Eide Zeugnis abzulegen. Bei dem streng geheimen Charakter der Disziplinaruntersuchung war es dem Korrespondenten, wie er bemerkt, leider nicht möglich, Einzelheiten aus der Schule zu plaudern.„So viel steht aber fest, datz mit einem ungeheuren Eifer daran gearbeitet wird, die letzte verschwiegene Stelle aufzudecken, und daß der Ab- schlutz der Untersuchung nicht allzu lange auf sich warten lassen wird. Die Kugel ist nun im Rollen: weder Freund noch Feind hält sie mehr auf. Drei ganze Stunden hat sich der Schreiber dieser Zeilen einem Kreuzverhör unterwerfen müssen, und man kann hier nicht dasselbe sagen wie im Falle Götz, Schneider und Genossen, es sei nichts dabei herausgekommen. Wer so lange Zeit mit der untersuchenden Stelle verhandelt, tut unwillkürlich tiefe Einblicke in Anklage und Entlastungsmaterial. Und da muß gesagt werden, daß dem Gouverneur von Kamerun nichts unerwünschter kommen konnte wie diese Dis- ziplinaruntersuchung. Schon damals, als eben erst der Fall Puttkamer aufgerollt worden war, war man versucht, das Wort anzuwenden:„Herr schütze mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden will ich mich schon selber schützen!" Heute ist das womöglich noch mehr am Platze. Hätte nicht Dr. Arendt und seine Gefolgschaft um jeden Preis aus ihm ein Lämmlein weiß wie Schnee machen wollen, so hätte die Opposition gegen Puttkamer niemals einen Umfang angenommen, wie sie ihn später erreicht hat. Man hielt ihn in weiten Kreisen für einen Schädling und wünschte seine Ersetzung auf dem Kameruner Posten durch eine andere Per- sönlichkeit. So weit aber wollte keiner die Tinge treiben, wie sie heute getrieben sind. Nun ist nichts mehr daran zu ändern, das Schicksal schreitet seinem Gang." Wir wollen doch lieber die EntWickelung der Affäre erst ab- warten!— Die Simultanschule in Straßburg. Straßburg, 2g. Juli.(Eig. Ber.) Die drei demokratischen Mitglieder des hiesigen Gemeinderats haben den Antrag eingebracht, die Elementarschulen aus kon- fessionellen in interkonfessionelle zu verwandeln. Da der Ge- meinderat noch IG sozialdemokratische unter 36 Mitgliedern zählt, wurde an der Annahme dieses Antrages von den Antragstellern nicht gezweifelt. Tatsächlich aber entbehrt er jeder recht- lichen Grundlage, da in Anwendung der im Reichsland noch geltenden, in Frankreich praktisch nach dieser Richtung anti- quierten Lex F a l I o u x vom 15. März 1850 die Gestaltung der Eleinentarschulen als konfessionelle die Regel bildet und jede Aenderung von der Zustimmung des Bezirksunterrichtsrats und der Schulverwaltung abhängig ist. Nur die übrigen Schulen, also die höheren Schulen(Gymnasien usw.), die Mittelschulen, Klein- kindcrschulen können als Simultanschulen eingerichtet werden. Wären die Demokraten also etwas vorsichtiger zu Werke ge- gangen, so hätten sie ein Ersuchen des Gemcindcrats an die Schulverwaltung und ein Vorgehen zwecks Modifizierung der Ge- setzgebung fordern müssen— und sie hätten sich nicht blamiertl Jedenfalls wird auch nach Ablauf der Ferien des Gemeinderats der Antrag in diesem Sinne aufgenommen werden. Bei der reaktionären Zusammensetzung unseres„Musterparlaments", wie Herr von ff oller den Landesausschuß einst nannte, ist aller- dings eine derartige Reform sehr unwahrscheinlich.—> Bicrkrieg in Leipzig in Sicht. Auf wie geradezu skandalöse Art und Weise die Konsumenten Lelvnchert werden, zeigt die Bierpreiserhöhun� in Leipzig. Die vereinigten Leipziger Eierbrauereien haben vor dem 13. Juli durch Riesenannoncen angekündigt, daß sie vom 15. Juli ab, veranlaßt durch die Biersteuer, den erhöhten Malz-, Hafer-, Holz- und Pferdezoll, um 2 M. pro Hektoliter das Bier teurer verkaufen werden. Damit haben sie das glatt durchgeführt, was sie den Gast- Wirten schon vorher angekündigt haben, nämlich daß die Brauereien die erhöhte Bier st euer auf die Gast- Wirte abwälzen würden. Und die Leipziger Gastwirte, anstatt sich mit Zähnen und Klauen dagegen zu wehren, haben nicht nur— was ja immerhin noch begreiflich erscheinen könnte— nicht nur die 2 M., die sie pro Hektoliter an die Brauereien mehr bezahlen müssen, auf die Konsumenten abgewälzt, sondern gleichfalls ein Extraprofitchen machen wollen. Sie erhöhten den Preis des Glases Bier von 13 auf 15 Pfennige,— forderten also dem biertrinkenden Publikum mehr Geld ab, als sie selber an die Brauerein bezahlen müssen. Dagegen hatte die„Leipziger Volkszeitung" in der vorigen Woche losgeschossen. Die Gastwirte erwiderten damit, daß sie zum Mittwochabend eine öffentliche Versammlung einberiefen, um dem Publikum ihre wirtschaftliche Lage auseinanderzusetzen. SJn der Diskussion wurde mitgeteilt, daß 00 Proz. aller Leipziger Gastwirte in der Schuldknechtschaft der Leipziger Groß- brauereien sind. Ferner, daß die Brauereien auch den Preis der Flasche Vier um einen Pfennig erhöht und gleichzeitig den Inhalt der Flasche um 1 Pf. verringert haben. Die Versammlung verurteilte diese Handlungsweise von Großbrauereicn und Gastwirten, nahm aber von einem Boykottbeschluß Abstand, da demnächst die Sozialdemokratie Leipzigs zur Frage der Vicrpreiserhöhung Stellung nehmen wird.—_ Der Bicrkrieg in Chemnitz spitzt sich immer mehr zu. In sechs stark besuchten Versammlungen nahm die Chemnitzer Ar- beiterschast Stellung gegen die Ringbrauereicn und die mit ihnen marschierenden Schank- und Gastwirte, die zwar den Preisanfschlag von zwei Pfennigen halbiert haben, aber auf den Preis von 16 Ps. für das 0,4-Literalas bestehen. In allen Versammlungen wurde nach scharfer Kritik der Profitsucht der Brauereien folgende Resolution � angenommnn: „Die heute tagende Volksversammlung hat mit Entrüstung Kenntnis genommen von der rigorosen Erklärung der Ring- brauereien, wonach diese nicht gewillt sind, von den augekündigten Preiserhöhungen zurückzutreten. Die Versammlung begrüßt des- halb die seitens des Agitationskomitees vorgeschlagenen intensiven Maßnahmen und verspricht, mit Energie und Ausdauer dahin zu Ivirlen, daß nur Bicre getrunken werden, die aus ringfreien Brauereien zu alten Preisen geliefert werden. Die Parole lautet also: Von nun ab wird nur ringfreies Bier— auch Flaschenbier— zu alten Preisen getrunken oder andere Getränke.ge- nossen."— Zur RcichStagS-Ersatzwahl in Stade-Bremervörde. Die National- liberalen haben endlich einen Ersatzkandidaten für den verstorbenen Dr. Sattler gefunden. Die Äairdidatur des Vuchdruckereibesitzers und Herausgebers des„Hannoverschen Kouriers" hat nur geringe Unterstützung gefunden: vielmehr hat die am Sonntag in Geeste- münde abgehaltene Delegiertenkonferenz des Kreises den Brauerei- besitzer Reese als nationalliberalen Kandidaten aufgestellt. Auch die Freisinnigen haben ihren Durchsallskandidaten ge- fundcn. Sie haben in einer ebenfalls am Sonntag abgehaltenen Konferenz wieder den Lehrer Otto(Charlottenburg) aufgestellt.— Hu&land. Ungarn. Zwei Niederlagen der Regierung. Daß der Frieden zwischen„Nation" und„Herrscher" zustande kam, dazu hat mit am meisten beigetragen der radikale achtund- vierziger Kossuthianer Dr. Bela Barabas, der im Parlamente die intelligenteste Provinzstadt Ungarns. Arad, pextxat. Die oPrM- legierten" haben ihn im ganzen Lande gefeiert als den Mann der Zukunft! Bei den letzten Reichstagswahlen erhielt er von der dankbaren Nation drei Mandate! Das Mandat von Naghvarad (Großwardein) hat er bald niedergelegt, hingegen das von Arad und Budapest VII beibehalten, aber verabsäumt, in der gesetzlichen Frist einem der beiden zu entsagen, wodurch das Mandat von Budapest VII erlosch. Demzufolge legte er beide Mandate nieder und unterwarf sich einer Neuwahl bloß in Budapest VII, wo dieser Tage die Wahl stattfand und mit dem überraschenden Resultate endete, daß Barabas mit 1000 Stimmen in der Minorität blieb und somit über kein Mandat mehr verfügt! Diese Niederlage des Barabas ist von g"oßer Bedeutung: denn sie gilt viel weniger ihm als der Regierung, die alle Hebel in Bewegung setzte, ja sogar Pression ausübte, um das Mandat für Barabas zu retten. Sein Gegenkandidat war Karl Eötvös, der bereits eine 35jährige parlamentarische Vergangenheit hinter sich hat und Mitbegründer der achtundvierziger Kossuthpartei ist. Bei der letzten Hauptwahl hat er nicht kandidiert, da ihm die Koalitions- Politik nicht gefiel, woraus er kein Geheimnis machte. Dies ge- nügte, daß die Regierung jetzt den Sieg des bedeutendsten ungari- schen Politikers vereiteln wollte. Doch vergebens! Eötvös hat gesiegt, und die Regierung und das Klassenparlament werden ge- zwungen sein, ihr Sündenregister aus dem Munde eines„Kern- magyarcn" anzuhören: denn Eötvös ist ein entschiedener Befür- worter des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechtes. Eine weitere Niederlage erlitt die Regierung in Arad, wo drei Kandidaten um die Palme stritten. Der offizielle Kandidat erhielt hier die wenigsten Stimmen!— Frankreich. ä la„Borussia". Paris, 29. Juli. Dem„Temps" zufolge hat der mit der Untersuchung der Katastrophe von Courrivres betraute Richter Bethune in einem amtlichen Bericht die Niederschlagung des Verfahrens gegen die der fahrlässigen Tötung angeklagten Staatsingenieure enipfohlen. De? Untersuchungsrichter stellt in dem Bericht fest, daß die Ingenieure ihre Pflicht geran hätten.— Der„Temps" teilt ferner mit. daß die Arbeiten zur Bergung der Leichen der verunglückten Arbeiter ihrem Ende entgegengehen. 1964 Tote seien bis zum 25. Juli geborgen worden. Die Leichen der noch fehlenden 31 Arbeiter würden wahrscheinlich innerhalb 14 Tagen heraufgeschafft werden können. Vielleicht empfiehlt der Richter Böthune noch, die paar Geretteten wegen Fahrlässigkeit zur Verantwortung zu ziehen.—_ Ein Rückzug Clömenceaus. Paris, 26. Juli.(Eig. Ber.) Das Zirkular Clemenccaus über die Anwendung des Alters- untcrstützungsgesetzes hat eine solche Aufregung und Erbitterung hervorgerufen, daß sich der Herr Minister zum Rückzüge veranlaßt gesehen hat. Der Generalrat des Departements der Rhonemündung sandte eine Delegation an den Minister, die diesem darlegte, daß das Departement schon jetzt den Greisen 7,50 Frank, also mehr als das von Herrn Clemenccau vorgeschriebene„Maximum" von 5 Frank monatlich gezahlt hat. Clemcnceau schob die Schuld auf den Finanzministcr Poincare, der von ihm dringend Ersparnisse gefordert hätte, und er erklärte sich bereit, alles zu tun, um diesen zum Verzicht auf seine Forderung zu bewegen.— Er telegraphierte in diesem Sinne an Poincare, der sich jetzt in der Sommerfrische befindet. Tie Budgctkommission der Kammer hat auf Antrag Berteaux einstimmig erklärt, daß sie die volle Anwendung des Alters- unterstützungsgesetzes als unbedingte Pflicht betrachte, und sie hat Berteaux zugleich mit dem Dank für seine Initiative den Auftrag erteilt, in diesem Sinne weiter auf die Regierung einzuwirken.— Belgien. Das SontagSruhcgesetz für Belgien. Brüssel, 20. Juli.(Eig. Ber.)' Das vor einem Jahre von der Kammer beschlossene Oksetz über die Sonntagsruhe trat heute in Kraft.. Daß ihm kein übertriebenes Lob zukommt, läßt sich schon daraus schließen, daß es von einer Kammer mit klerikal-realtionärer Rcgierungsmajorität be- schlössen ist, von einer Kammer, deren Herz zu warm für die Kapita- listen schlägt, um der Arbeiterschaft ein allzu großes und ehrliches Matz sozialer Fürsorge zu gewähren. Auch haben gerade bei der Beratung dieses Gesetzes dia Liberalen, die doch gern als der Hort des Forlschritts in dem schwarzen Lande gelten wollen, eine nichts weniger als sozialpolitische Rolle gespielt/ vielmehr ihre echt man- chesterliche Auffassung bei der Beschlußfassung durch ihre Abslimmung kpndgetan. Der Hauptwert des Gesetzes besteht in der Verkündigung des Prinzips, daß der Arbeiter ein gesetzliches Recht auf einen Ruhe- tag in der Woche hat. Daß dieses Recht durch Konzessionen an die llnternchmcrklasse genügsam durchbrochen wird, ist ja bei unserem Parlamente und unserer Gesellschaft begreiflich genug. An Kon- zcssionen an die Unternehmer oder— wie es euphemistisch heißt— au die„Produktion", mangelt es diesem Gesetze also nicht, und die Ausnahmebestimmungen werden zweifellos Anlaß zu Mihbräuchen und Ucbcrtretungen aller Art geben. Da? Gesetz hat seine Gültig- keit für Privat- und Staatsbetriebe(für deren Ruhetag ein be- scndcres Reglement sorgt) und umfaßt alle Arbeitcrlategorien mit Ausnahme der mit dem SchiffÄransport zusammenhängenden und der in Fischcrciunternehmungen und in den verschiedenen Zweigen der Landwirtschaft beschäftigten Arbeiter. Die Sonntagsruhe der Arbeiterinnen war bereits in dem Gesetz aus dem Jahre 1889 über die Frauen- und Kinderarbeit geregelt. Für die indn- striellen Unternehmungen ist ein ganzer Tag und ausnahmslos der Sonntag als Ruhetag festgesetzt. Für die Arbeiter und An- gestellten der Lebensmittelgeiverbe, der Hotels und Restaurants, der Droge nein, Apotheken usw., sowie für die Betriebe,„deren Arbeit ihrer Natur nach weder Unterbrechung noch Aufschub erleiden darf", ist ein ununterbrochener halbtägiger Ruhetag einmal wöchentlich oder ein voller Tag innerhalb 14 Tatzen vorgesehen. Die Sonntagsruhe der Angestellten der Tewilgeschäfte sowie die der Friseure beginnt um 12 Uhr mittags, doch können die Ruhestunden bei besonderen Anläsien eingeschränkt öder„nach Bedarf" verlegt werden. Auch werden einzelne Unternehmer, bei denen die Arbeiter im Tagelohn stehen, infolge der unbestimmten Fassung des Gesetzes die Arbeiter um den halbtägigen Lohn zu prellen suchen. Diese und andere Lücken und Unvollkommenheilen des Gesetzes wird die Arbeiterschaft im Auge behalten und überhaupt wird sie scharfe Kontrolle üben müssen, um dem Gesetz seine volle Wirksamkeit zu geben. Die Ueber- tretung der Bestimmungen wird mit Geldstrafen von 20 bis zu 1000 Frank bestraft. Die Ueberwachnng des Gesetzes liegt den Gewerbe- inspektoren ob. Alles in allem: ein bescheidener Schritt nach vor- wärts in dem Lande der klerikal-kapitalistischen Reaktion. Italien. Rom nicht als Parteitagsfitz proklamiert!» Obwohl die vorgestern mitgeteilten Zahlen über dm Ausgang des Referendums, die wir dem„Avanti" entnommen haben, sich fast ganz mit den offiziellen, jetzt bekannt ge- wordenen decken, haben die Mitglieder der Exekutivkoinmission des Parteivorstandes(Ferri, Bissolati, Longo- b a r d i zugegen, L e r d a abwesend) nicht Rom als Partei- tagssitz proklamiert, sondern beschlossen, Stichwahl zwischen Rom und M o d e n a anzusagen I Unsere an den Ausgang des Referendums geknüpften Betrachtungen werden durch diesen Beschluß der Exekutivkommission nicht berührt, da— wie gesagt— die Zahlenverhältnisse kaum eine Verschiebung erleiden. Für Rom stimmten 347 Sektionen, für Modena 189, für Bologna 197, für Modena oder Bologna 33, auf Pisa, Florenz. Ancona, Neapel. Palermo. Perugia. Livorno. Mantua, I Bari, Alexandria und Mailand zersplitterten sich weitere 34 Stimmen, die Rom die absolute Mehrheit nahmen. Ueber die Ansagung einer Stichwahl durch Urabstimmung mutz der gesamte Parteivorstand befragt werden. England. Vom Unterhause wurden am Freitag die Voranschläge der Re« gierung einstinimig angenommen, nachdem der Konservative Lee sich gegen die Einschränkung der Rüstungen erklärt und Premier- minister Campbell Bannerman im Namen der Regierung dem Wunsche Ausdruck verliehen hatte, dem Wettkanipfe in den Rüstungen ein Ende zu machen.— Sozialem Die Staatsanwaltschaft gegen Sittlichleitsforderungen der Landarbeiter. Vor dem Halleschen Schöffengericht stand dieser Tage das Land- arbeiterehepaar M a l o f f aus Posen unter der Anklage, das be- rüchtigte preußische Ausnahmegesetz vom April 1854 durch unbe- rechtigtes Verlassen des Dienstes verletzt und sich dadurch strafbar gemacht zu haben. Die Beschuldigten sollen den Dienst bei dem Gutsbesitzer Huhke in Bruckdorf ohne gesetzmäßigen Grund verlassen haben. Sie behaupteten, sie wären zweifelsohne zur sofortigen Lösung des Arl�itSverhältnisies berechtigt gewesen. Ihre Schlafstellen hätten sich unter dem Dach befunden und da wären Mann und Frau bei jedem Regenwetter v o l l st ä n d i g durch- näßt worden. Der Ehemann habe sich infolgedessen eine A u g en- entzündung zugezogen. Nach jener Erkrankung habe man ihnen zwar ein kleines Zimmer angewiesen: in diesem habe aber noch ein anderes Ehepaar niit schlafen müsse n. Das Essen sei unzureichend und zuweilen ungenießbar gewesen; der Eßraum war derartig eng, daß gewöhnlich zwei bis drei Personen hätten stehen müssen. Der Herr Staatsanwalt bezeichnete die Angeklagten als sehr anspruchsvolle Menschen und beantragte gegen Mann und Frau je 15 Mark Geldstrafe.— Das Gericht erkannte an, daß die Beschwerden der Angeklagten wohl berechtigt sein mögen, meinte aber, zum kündigungslosen Verlassen des Dienstes habe immerhin noch kein ausreichender Grund vorgelegen. Die Angeklagten wurden„milde" mit je 3 Mark bestraft. Das Urteil ist noch rückständiger als das Gesetz von 1854 und ist auch nach dem Gesetz ein ungerechtes. Die Rechtsverhältnisse der Landarbeiter regeln sich nach den Vorschriften des Bürgcrlichcn Gesetzbuches. Nach§ 618 B. G.-B. hat der Arbeitgeber rücksichtlich der Arbeiter, denen Wohnung gewährt wird, in Ansehung des Wohn- und Schlafraums, der Verpflegung sowie der Arbeits- und ErholungS- zeit diejenigen Einrichtungen und Anordnungen zu treffen, welche mit Rücksicht auf die Gesundheit, die Sittlichkeit und die Religion des Arbeiters erforderlich sind. Der den Angeklagten gewährte Schlafraum widersprach diesen Anforderungen sowohl nach der hygienischen wie nach der sittlichen Seite aufs gröblichste. Die Landarbeiter waren demnach nach§626 Bürgerliches Gesetzbuch, der da sagt: „DaS Dienstverhältnis kann von jedem Teile ohne Einhaltung der Kündigungsfrist gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt",' berechtigt und als Menschen verpflichtet, den Dienst sofort auf- zugeben. Die Staatsanwaltschaft bestritt das Recht der Angeklagten und bezeichnete diese gar als sehr anspruchsvolle Leute, weil sie ihr mit Rücksicht auf die Gesundheit und Sittlichkeit vom Gesetz ausdrücklich eingeräumtes Recht ausübten. Da bei dem Vertreter der Staatsanwaltschaft hervorragender Mangel anKenntnis derGesetze nichtvorausgesetzt werden kann, so kann die total irrige Ansicht des Halleschen Staats- anloalts wohl nur darauf beruhen, daß in der Hallenser Gegend von Arbeitgebern auf Gesundheit und Sittlichkeit der Arbeiter Rücksicht nicht genommen, vielmehr dauernd die Vertragspflicht von den Ar» beitgeoern aufs gröblichste verletzt wird. Es ist für den Unter- nehmerlurs, unter dem die Anschauungen �der Behörden über Recht und Sittlichkeit segeln, bezeichnend, daß eine Staatsanwaltschaft es für anspruchsvoll erachtet, wenn Landarbeiter die vertragliche Er- füllung der bescheidensten Forderungen, die an Gesundheit und Sitt- lichkeit zu stellen sind, begehren. Gegen das Urteil des Schöffen- gerichts legt der Landarbeiter hoffentlich Berufung mit Erfolg ein. Em Induftne und FtendeU Deutschlands Kohlenproduktion und Kohlenverbrauch. Die Kohlenverforgnng Deutschlands hat im ersten Semester des laufenden Jahres eine kräftige Steigerung gegenüber der Vcr- gleichszeit 1905 erfahren. Nimmt man nämlich zu der inländischen Produktion die Menge eingeführter Kohle hinzu und bringt davon die Ausfuhr in Abzug, so ergibt sich eine Versorgung des Inlandes von 92 741 562 Tonnen im ersten Semester 1906 gegen 82 112 10L Tonnen in den ersten sechs Monaten 1905. Das bedeutet eine Zu- nähme von rund 13 Proz. Die bedeutende Steigenmg entfällt ganz und gar auf die inländische Produktion, die um nicht weniger als 14 Proz. über die vorjährige hinausging. Es wurden nämlich 94,17 Millionen Tonnen Kohle geivonnen gegen 31,57 im ersten Halbjahr 1905. Pro Kopf der Bevölkerung berechnet ging die Kohlenversorgung Teutschlands von, 1368,8 Kilo im ersten Halb- jähr 1905 auf 1522,7 Kilo in der Parallelzeit 1906 hinauf. Es stellte sich nämlich die Kohlende rsorgung Deutschlands in Tonnen—, pro Kopf der Bevölkerung berechnet— auf: 1. Vierteljahr 2, Vierteljahr Die Vereinigung der Havelschen Brauerei mit ber Brauerei Königstadt. Bekanntlich plant die Verwaltung der Brauerei König- stadt, Aktiengesellschaft, den Ankauf der Brauerei Habel. Sie hat deshalb zum 1. August eine Generalversammlung ihrer. Aktionäre zur Bewilligung der nötigen Kapitalserhvhung berufen. Die Wer- waltung macht über ihren Plan folgende Angaben:„Die Brauerei Habel soll für 3 700 000 M. erworben werden, wozu noch 500 000! Mark für Bestände und Außenstände binzukommen. Der Kaufpreis soll dadurch belegt werden, daß 500 000 M. auf dem Grundstück ruhende Hypothek übernommen und 1 500 000 M. mit 4 Proz. auf zehn Jahre hypothekarisch kreditiert werden. Beim Kauf selbst sollen 500 000 M. und der Rest von 1 700 000 M. bei der Auflassung, welche spätestens am 1. Oktober cr. zu erfolgen hat, bezahlt werden. Der Nettogewinn betrug in den letzten zwei Jahren durchschnittlich zirka 240 000 M. und wird für das laufende Jahr mindestens ebenso hoch geschätzt. Vereinbarungen entsprechend geht dieser Ge» winn seit dem 1. Ottober 1905 sckion, für die Rechnung der Brauerei Königsradt. Dementsprechend sollen auch die neuen Aktien, deren Enüssion in Aussicht genommen ist, mit Dividendenberechtigung be, reits vom 1. Oktober 1905 ausgestattet werden." Gcmvk febaMiebes. Katholische Unternehmer und christliche Gewerkschaften. Am Niedcrrhcin ist der sogenannte Mittelstand durchweg katholisch und als solcher zählt das Kleinbürgertum politisch zum Zentrum. Diese katholischen Unternehmer werden in letzter Zeit sehr aufsässig gegen die Leitung der Zentrums- Partei, weil diese ihrer Ansicht nach die christlichen G e- werkschaften zu sehr protegiert! Um das Ein- dringen der freien Gewerkschaften in die gut katholischen Kreise in der äußersten Ecke des Niederrheins zu verhüten. Pnb bort Filialen der christlichen Gewerkschaften gegründet worden. Bei der Gründung stand die katholische' Geistlichkeit Pate, in der frohen Hoffnung, die Arbeiter dauernd am Gängelbande halten zu können. Auf die Dauer wurden die Arbeiter es aber müde, in den Gewerk- schaften nur religiöse Themata zu behandeln, sie sprachen auch einmal- bon der Verbesserung ihrer Lebenslage. Um die Herrschaft über die Massen nicht zu verlieren, gaben die Führer, Ivenn auch loiderwillig, ihre Zustimmung zu Lohnforderungen, und die Folge waren die Kämpfe dort am Nieder- chein; sogar in dem frommen Wallfahrtsort Kevelaer kam es. wie wir schon berichteten, zu Streiks. Jetzt scheint es auf die Vernichtung des chrilt- ichen Holzarbeiter- und des christlichen Tabakarbeiterverbandes abgesehen zu sein. Die Unternehnier dieser Branchen haben sich in Verbände zu- , ammengeschlossen und sich laut Statut verpflichtet, keinen streikenden, wegen Streiks entlassenen oder in Aussperrung befindlichen Arbeiter einzustellen. Es sollen die„unberech- tigten" Forderungen und die„ungesetzlichen" Uebergriffe der Arbeiter und der Vereinigungen zurückgewiesen werden. Den Arbeitern werden von den katholischen Unternehmern, um „Ruhe" zu schaffen. Verträge von fünfjähriger Dauer mit gleichbleibenden Löhnen vorgelegt, die zu unter- schreiben sich die crsteren weigern. Von feiten der Führer der Gewerkschaften wurden die Arbeiter veranlagt, dreijährige Verträge in Vorschlag zu bringen, doch ließen sich die Unternehmer auf solche Vor- schlüge nicht ein und warfen die Arbeiter aufs Pflaster. Die Spannung zwischen den christlichen Gewerkschaften und den katholischen Unternehmern ist infolge der Vor- kommnisse sehr groß. Erbittert sind die katholischen Unternehmer auch über die Leitung des Volksvereins für das katholische Deutschland, weil diese hin und wieder mit den Streikenden oder Ausgesperrten sympathisierte. Dem Volksverein wird Einseitigkeit vorgeworfen, es käme den Führern nur darauf an, die Arbeiter in Organisationen zusammenzuhalten, um sie besser leiten zu können. Die katholischen Unternehmer wären bis jetzt stets für den Verein eingesprungen, aber kein Finger wäre für sie gerührt worden, dieses müsse anders werden. In einer Versammlung des Handwerkervereins in München- Gladbach, die dieser Tage stattfand, wurde dem Volksverein in einer Resolution die entschiedenste Mißbilligung wegen seiner Haltung ausgesprochen. Es wird also der offene Kampf gegen den Volksverein für das katholische Deutschland ge- predigt; die katholischen Bauern in Westdeutschland, die auch nicht gut auf den genannten Verein zu sprechen sind, erhalten Bundesgenossen. Die Führer des Zentrums werden, um es nicht ganz mit den beiden großen Schichten zu verderben, nachgeben müssen und wird die katholische Arbeiterschaft der leidende Teil bei der Versöhnung sein. Wenn nur durch diese Klassenscheidung im Zentrum die katholischen Arbeiter so viel an Einsicht ge- Winnen, um zu erkennen, daß ihr Platz in den freien Gewerkschaften und in der sozialdemokratischen Partei ist. Berlin und Omgezend. Achtung, Schmiede! Der Streik der Schmiede bei der Firma H. F. Eckert zu Friedrichsberg ist am Sonnabend durch Vergleichs- Verhandlungen beigelegt. Die Akkordsätze sollen einer Revision unterzogen werden, wodurch eine Erhöhung des Verdienstes um 5— 7 Proz. eintritt; des ferneren wurden die übrigen Wünsche der Kollegen anerkannt. Sämtliche Kollegen werden wieder eingestellt. Zentralverband der Schmiede. Zahlstelle Berlin. Achtung, Steinarbeitcr der Filiale Berti r l.! Wir fordern unsere Kollegen auf, nach wie vorher das Anfertigen von Streik- arbeit(Kalkstein) zu unterlassen. Zu unterbleiben hat das Be- arbeiten von Rauh st ein, das Bearbeiten und Versetzen halbfertiger Arbeit. Die Ortsverwaltung. Deutcktbes Retd). Die ausgesperrten Lithographen und Steindrucker hielten am Montag wieder eine Versammlung im Gewerkschaftshause ab. Der Referent Hasse sagte, wir treten heute in den dritten Monat der Aussperrung ein. Es handelt sich nicht darum� ob wir einen Psennig mehr Lohn erhalten, sondern die Ausipcrrung ist ein Klassenkampf, in dem die Organisationen der Arbeiter und der Unternehmer ihre Kräfte messen. Man hielt unsere gewerkschaftliche Organisation bisher für unbedeutend und glaubte, sie würde einen längeren Kampf nicht bestehen können. Nun hat aber der gegen- wältige Kampf den Beweis geliefert, daß unsere Gewerkschaft eine der festesten und stabilsten ist, und daß sie den Kampf mit der größten Energie führt. Wir können auch heute wieder feststellen, daß auch nicht einer von uns wankend geworden ist. Die Prinzipale werden sich daran gewöhnen müssen, daß keiner von den Aus- gesperrten umfällt. Die Unternehmer in unserem Berufe machen es gerade so, wie seinerzeit die Unternehmer in Crimmitschau, sie lassen lieber eine blühende Industrie zu Grunde gehen, ehe sie von ihrem Herrenstandpunkt abgehen. Der Schaden, den die Industrie durch diesen hartnäckigen Standpunkt der Unternehmer erlitten hat, bcläuft sich schon auf Millionen und es ist gar nicht abzusehen, bis zu welcher Höhe er noch anschwellen wird. Der Umstand, daß die Firma Hehmann u. Schmidt von ihren 21 Maschinen 7 durch die Vereinigung der Streikbrecher hat in Betrieb setzen können, konnte ja den Kampf ein wenig in die Länge ziehen, aber die Situation wird dadurch nicht wesentlich beeinflußt. Vergebens bemühte man sich in voriger Woche auf feiten der Unternehmer, Kollegen unter der Einwirkung des Alkohols zum Abfall zu bringen. Die Arbeit drängt, und mit jedem Tage des Kampfes wird der Schaden der Unternehmer, besonders der kleinen, größer. Die Ausgesperrten können dem weiteren Verlauf des Kampfes ruhig entgegensehen. Sollte der schließliche Erfolg auch nicht alle Wünsche unserer Kollegen erfüllen, so ist doch das eine sicher, daß die feste Haltung unserer Organisation uns vor Angriffen unserer Unternehmer in der Zu- kunft schützt. Ein zweites Mal werden sie den Kampf mit uns nicht aufnehmen. Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referat folgte eine kurze Diskussion in demselben Sinne. Unter anderem wurde mitgeteilt, daß die Firma Hellriegel ihr gesamtes Geschäftspersonal zum 1. September gekündigt hat, wahrscheinlich, weil sie sich durch die Aussperrung so weit gebracht hat, daß sie kein Personal mehr braucht. Der Schutzverband der Unternehmer hat die Firma Weigand in Bautzen, die größte Steindruckerei in Europa, zum Anschluß an die Aussperrung zu bewegen versucht, indem der Firma die Kundschaft abzujagen versucht wird, weshalb sie, wie es heißt, mit einer Klage gegen den Schutzverband vorzugehen beabsichtigt.— Der Vcrbandsvorsitzende S i l l i e r machte die mit Beifall auf- genommene Mitteilung: Von gegnerischer Seite werde als ein für die Ausgesperrten ungünstiges Zeichen hingestellt, daß ein Vor» standsmitglied auf die Reise gegangen ist, um Geld flüssig zu machen. Es sei richtig, daß ein Vorstandsmitglied in Hamburg ohne Mühe 100 000 Mark flüssig gemacht habe. Das sei kein ungünstiges, sondern ein durchaus günstiges Zeichen, wenn der Verband immer noch Quellen habe, aus denen er schöpfen könne. Das bürge dafür, daß es die Ausgesperrten und Streikenden noch lange aushalten könnten.— B u ch n e r aus München übermittelte der Versamm- lung unter lebhaftem Beifall die Grütze und Solidaritätsbekun- Verantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: düngen der Münchener Kollegen.— Zum Schluß wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Gegenüber dem Beschluß des Ausschusses vom Schutzverband deutscher Steindruckcreibesitzer, in örtliche Verhandlungen nicht eher einzutreten, als bis überall die Arbeit wieder aufgenommen ist, er- klären die ausgesperrten Lithographen und Steindrucker Berlins mit gleicher Entschlossenheit, die Arbeit nicht früher auszunehmen, bevor nicht die lokalen Forderungen durch Verhandlungen geregelt sind. Sie sind nach wie vor entschlossen, die Opfer des" Kampfes, die sie bereits 8 Wochen getragen haben, auch für die Zukunft bis zum Erfolge auf sich zu nehmen." Der neue Tarifvertrag für das Buchbindergewerbe. Es wird den Berliner Buchbindern und Buchbindereiarbcite- rinnen offenbar äußerst schwer, sich mit den in Leipzig getroffenen Abmachungen einverstanden zu erklären. Die Mitglieder- Versammlung der Buchbindereibranche, die am Sonntag bei Buggenhagen stattfand und hauptsächlich von den n i ch t von der Aussperrung betroffen gewesenen Arbeitern und Arbeiterinnen besucht war, verlief, ohne daß es zu einer Abstimmung über den Vertrag kam. Und doch hatten sich die Vertreter der Organisation, besonders die Vcrbandsmitglieder Brückner und Haueisen, alle mögliche Mühe gegeben, den Versammelten die Ueberzeugung beizubringen, daß unter den gegebenen Umständen und im allgemeinen Interesse der Kollegenschaft Deutschlands die Beendigung des Kampfes auf Grundlage des neuen Vertrages not- wendig sei. Wie bereits früher erwähnt, haben die Prinzipals- Vertreter alles versucht, um den Vertrag für die Arbeiter so un- günstig wie nur irgend möglich zu gestalten. Natürlich wollten sie auch unbedingt an dem 30. April als Ablaufszeit des Vertrages fest- halten und sich auf keinen Fall wieder mit dem 31. August einver- standen erklären. Der Vertrag sollte eben in einer Zeit des flauen Geschäftsganges ablaufen, wo in vielen Großbuchbindereien mit vermindertem Personal nur halbe Tage oder auch nur einige Stunden täglich gearbeitet wird. Sie gaben aber dann dem Drängen der Arbeitnehmervertreter crsf insofern nach, daß sie den 1. Juni als Ablaufzeit vorschlugen. Es blieb jedoch nicht— wie wir irrtümlich in der Sonntagsnummer des„Vorwärts" berichteten— bei diesem Datum, sondern der Ablauf des Vertrages wurde auf den 1. Juli 1911 festgesetzt, also eine Uebereinkunft, die genau die Mitte zwischen dem von den Arbeitern und dem von den Unter- nchmern geforderten Termin enthält. Auf Grundlage der in Berlin nach dem 15. Juli gefaßten Resolution zu verhandeln, hatten die Prinzipale von vornherein abgelehnt, und demgemäß bildeten die Leipziger und Stuttgarter Resolutionen die Grundlage der Verhandlungen. Die Lohnerhöhungen, die dann bewilligt wurden, übersteigen den in Leipzig zuletzt geforderten Stundenlohn für Ar- beiterinnen um 1 Pf., bleiben um 2 Pf. hinter dem ursprünglich für Gehülfen geforderten und um 1 Pf. hinter dem für Arbeiterinnen ursprünglich geforderten Lohn zurück, allerdings abgesehen davon, daß der Vertrag auf fünf Jahre gilt und die letzte Erhöhung der Löhne erst am 1. Januar 1398 eintritt. Eine Verbesserung gegen- über dem Vertrage vom 15. Juli besteht auch darin, daß bei den regelmäßigen Tarifberatungen, die alljährlich viermal stattfinden sollen, nicht, wie es damals hieß: der Vorstand des Buchbinder- Verbandes, sondern der Verband selbst durch 8 Delegierte ver- treten sein muß, so daß also außer dem Vorstand die drei Tarif- städte durch eigene Delegierte vertreten sein können. Den Vertretern der Organisation wurde es in der Sonntags- Versammlung äußerst schwer gemacht, zu Worte zu kommen, und selbst dem Verbandsvorsitzenden wurde durch Debattenschluß das Wort abgeschnitten. Hanke stellte die Behauptung auf, in dem neuen Vertrage sei ein Passus enthalten, worin der Verbands- vorstand den Prinzipalen sein Bedauern über irgendwelche ihnen während des Streiks angetane Beleidigungen ausdrückt. Verlangt hatten das die Prinzipale wohl, aber dieser Passus war schon aus dem Vertrage vom 15. Juli gestrichen worden. Durch Vorlegung des Originalvertrages wiesen denn auch die Vertreter des Vorstandes nach, daß jene Behauptung falsch ist. Hanke stellte dann einen Antrag, der die Ablehnung des Vertrages und außerdem die Auf- forderung enthielt, die Vorstandsmitglieder sollten ihre Aemter niederlegen, weil sie eigenmächtig bei Abschluß des Vertrages ge- handelt hätten. Der Antrag kam jedocb nicht zur Abstimmung. Die Versammlung wurde vertagt. Es war oer Wunsch geäußert worden, daß eine zweite Versammlung schon innerhalb dreier Tage ein- berufen werde. Dem kann jedoch, wie der Vorsitzende Klar be- merkte, nicht nachgekommen werden, da am Dienstag die General- Versammlung der Zahlstelle stattfindet. Die Stuttgarter Buchbinder nahmen ebenso wie die Leipziger den Bertrag an._ Achtung, Buchbinder allerorten! Zwar ist der Friede offiziell für die Tarifstädte abgeschlossen, allein ein Teil der Ausgesperrten wird nicht sofort, sondern erst im Laufe der nächsten Zeit wieder eingestellt werden. Einzelne Arbeit- gcber scheinen auch das nicht halten zu wollen, was bei den Einigungsverhandlungen in Leipzig vereinbart wurde, sondern eine Art Auslese in Aussicht zu nehmen, wie wenigstens ein Inserat im „Allgemeinen Anzeiger für Buchbindereien" vom 27. Juli vermuten läßt. Es heißt dort: „Nach dem Streik werden für Stuttgart gesucht: Preßber- golder, Aufträgerinnen, Fertigmacher, Hefterinncn, Marmorierer, Sortimenter. Dauernde Stellen, gut lohnende Stückarbeit. Näheres unter O. 6475 an die Expedition dieses Blattes." Das Inserat ist zwar vor dem Stattfinden der EinigungS- Verhandlungen in Leipzig aufgegeben worden, aber bezeichnend ist es immerhin, daß in demselben Blatte, das für die Veröffentlichung deS Friedensvertrages seitens der Arbeitgeber vorgesehen ist, eine solche Annonce erschien. Man darf wohl hoffen, daß nunmehr„nach dem Streik" nicht nach jener Annonce verfahren wird, denn aus den Reihen der Ausgesperrten selbst können alle jene Arbeitskräfte genügend genonimen werden. Auf keinen Fall wird sich aber der Buchbinderverband eine solche Heranziehung von Arbeitskräften nach den Tarifstädten durch die Prinzipale gefallen lassen, solange noch Ausgesperrte ohne Beschäftigung sind. Die Tarifstädte Berlin. Leipzig und Stuttgart bleiben daher solange für Buchbinder gesperrt, bis eine Bekanntmachung deS Ver- bandsvorstandcs in dec„Äuchbinder-Zeitung" die Sperre aufhebt. Zureisenden Verbandsmitgliedern werden daher bei Zuwidcrhand- lung die Verbandslegitimationen abgenommen und steht ihnen des weiteren event. der Ausschluß aus dem Verbände bevor. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Nachdruck ersucht. Die Stuttgarter Buchbinder über den neuen Tarif. Stuttgart, 36. Juli. In einer heute abgehaltenen Versamm- lung beschlossen die ausständischen Buchbinderearbciter mit 256 gegen 238 Stimmen, daß der Streik entgegen dem gestrigen Be- schluß, morgen die Arbeit wieder aufzunehmen, so lange fortgesetzt werden soll, bis die Arbeitgeber die schriftliche Erklärung abgegeben hätten, daß sämtliche Buchbindereiarbeitrr innerhalb von 2 Wochen ausnahmslos wieder eingestellt werden. Der Vorsitzende des Ar- beitgeberverbandes hat erklärt, daß, falls morgen in Stuttgart die Arbeit nicht wieder aufgenommen werden sollte, die Buchbinderei- arbeiter in Berlin und Leipzig, die heute die Arbeit wieder auf- genommen haben, wieder ausgesperrt werden würden. Reiseeffekten-Sattler. In der Reiseeffektenfabrik von Bäckström in Göteborg(Schweden) ist es zu einem Konflikt gekommen, weil der Fabrikant die Löhne um 26 Proz. erniedrigen wollte. Da Bäckström in Deutschland und Oesterreich Arbeiter suchen will, so werden die Kollegen gewarnt, nach Göteborg zu reisen. Internationale Vereinigung der Sattler und verwandten Berufe. I. A.: Sassenbach. El, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt j Tie Erfolge des Metallarbeiterverbandcs durch den Streik des Gießcrciarbeiter, dem die bekannte Mctallarbeiteraussperrung str der Metallindustrie folgte, sind von den Christlichen, vornehmlich aber von den Hirsch-Dunckerschen, in Abrede gestellt. Wie gewöhn- lich, haben diese Organisationen damit nur die Geschäfte der Scharf- macher besorgt bezw. haben sie sich deren arbeiterfeindliche Ab- lcugnungen einer Niederzwingung der Metallindustriellen in Han- nover skrupellos zu eigen gemacht. Das geschah im wesentlichen wohl deshalb, weil der Metallarbeiterverband es abgelehnt hatte, sich mit den Christlichen und Hirsch-Dunckerschen zu verbinden und weil nun diese beiden Richtungen ihre Jesuitenmoral mit dem besten Willen nicht so betätigen können, daß sie in die Welt hinein» posaunen, nur ihrem taktischen Geschick sei der errungene Erfolg zuzuschreiben. So leugnen sie einfach jeden Erfolg. Wahr- scheinlich wird sich nun die bürgerliche Presse dieser Christlich» Hirsch-Dunckerschen Lügen bemächtigen. Aus diesem Grunde halten wir es für ratsam, die wahren Tatsachen, wie sie vom Vorstand deS Metallarbeiterverbandes in Hannover für den dortigen Bezirk fest- gestellt sind, hier zu veröffentlichen. Die„gewaltige Niöierlage" des Mctallarbciterverbandes sieht danach so aus: Es haben laut Feststellungen für die Gießereibetriebe erhalten: 165 Lohnarbeiter eine Erhöhung von 5 Pf. pro Stunde, 117 Arbeiter 4 Pf., 152 Arbeiter 3 Pf., 63 Arbeiter 2 Pf. und 142 Arbeiter 1 Pf. ES waren vor dem Streik in 4 Betrieben Löhne unter 36 Pf. zu verzeichnen, jetzt dagegen in einem Betriebe, und zwar in einem Falle, es erhält nämlich ein Gießereiarbeiter der Han» noverschen Maschinenfabrik, der dort jahrzehntelang beschäftigt ist, 25 Pfennige Lohn. Die Fabrik zahlte zwei Millionen Mark Dividende aus! Jede Kritik dieser Tatsache würde die Wirkung nur abschwächen, lassen wir diese daher für sich selbst sprechen. Diese zirka 666 Lohnarbeiter erhalten außerdem die 2 5 Proz. Aufschlag für Ueberstunden. Ferner waren vor dem Streik tüchtige Former mit Wochenverdienften von 12 bis 18 Mark abgespeist worden, deshalb die Forderung nach festen, zu gewähr» leistenden Stundenlöhnen für alle Akkordarbeiter. Vor dem Streik waren solche zu verzeichnen in v i e r Betrieben von vierundzwanzig, jetzt dagegen sind in allen Gießereien feste Stundenlöhne vereinbart und zwar auf folgender Grundlage: Mit 329 Akkord- arbeitern ist ein Lohn vereinbart von 36— 35 Pf., mit 524 Arbeitern 36— 46 Pf., mit 173 Arbeitern 41— 45 Pf., mit 27 Arbeitern 46— 56 Pf. Die sich hieraus ergebende„gewaltige Niederlage" wird noch erhöht durch die Tatsache, daß die in den Einigungsbedingungen vorgesehene 59stündige wöchentliche Arbeitszeit in einer Anzahl Werken nicht nur den Gictzereiarbeitern, sondern auch den übrigen Abteilungen mit dementsprechenden Lohnzulagen für die Lohnarbeiter zugute kommt. Die Hirsch-Dunckerschen scheinen sich über eine Niederlage des Metallarbeiterverbandes zu freuen, statt sich zu entrüsten über die Brutalität der Metallgewaltigen, denn sonst würden sie nicht die Tatsachen zuungunsten der Arbeiter in das Gegenteil verkehren. Mit solchen Verunglimpfungen der Arbeiter setzen sich jene Arbeiter- organisationen aber selbst ein Denkmal der Schande. Gewiß ist der Erfolg nicht groß, das lag aber nicht am Metallarbeiterverbakch, sondern an der Schamlosigkeit der Scharfmacher. Aber von einet Ni e d e r l a g e zu reden, das ist eine Dreistigkeit, die man bisher nur bei den Trabanten des Scharfmachertums voraussetzte. HusUnd. Die Lohnbewegung der schwedischen Eisenbahner. Die Distrikts. Verwaltungen der schwedischen Staatseisenbahnen sind dem Extra- personal nun auch insoweit entgegengekommen, als sie die Verband» lungen über die Lohnforderungen schon auf den 16. August an, beraumt haben, und als gleichzeitig sowohl über die Forderungen des eigentlichen Bahn- wie des Werkstattpersonals beroten werden soll. Die Wahl der Vertreter des Personals soll durch Wahlzettel erfolgen. Bei der Auszählung der Stimmen soll auch ein besonderer Vertreter des Eisenbahnerverbandes anwesend sein, wie ja auch besondere Verbandsvertreter an den Verhandlungen selbst teil» nehmen werden. Abgesehen von der Lohnbewegung bei den Staats- bahnen finden gegenwärtig bei nicht weniger als sechs Privat» bahnen, sämtlich in der Landschaft Schonen, Lohnbewegungen statt. Verhandlungen, die geführt wurden, sind gescheitert. Der Vorstand des Eisenbahnerverbandes hat nun beschlossen, auf weitere Verhandlungen vorläufig zu verzichten, damit die ganze Kraft des Verbandes auf die Lohnbewegung bei den Staatsbahnen konzentriert werden kann. Etos der Frauenbewegung. Versammlungen— Veranstaltungen. Rixdorf. Mittwoch, 1. August, bei Thiel, Bergstr. 151—152, Vortrag der Genossin H. Kiesel über: Heinrich Heine. Versammlungen. Die Fliesenleger und Hülfsarbeiter hielten am Freitag ein? gemeinsame Versammlung ab. Zunächst wurde die jüngste Ent- scheidung des Einigungsamtes über die Arbeitsniederlegung bei der Firma Schmalisch u. Below besprochen. Bei dieser Firma hatten 46 Fliesenleger aufgehört, weil sie überzeugt waren, daß die Firma, entgegen dem Vertrage, in Akkord arbeiten lasse. Die Schlichtungskommission unter Vorsitz eines Gewerberichters hatte die Arbeitsniederlegung als einen Verstoß gegen den Vertrag be, zeichnet. Gegen diesen Entscheid hatten die Arbeitnehmer das Einigungsamt angerufen und dasselbe hat am Freitag in der An- gclegenheit verhandelt und ebenfalls erklärt, daß die Arbeits, niederlegung, weil sie gemeinsam und auf Verabredung erfolgt sei, gegen den Vertrag verstoße. Diese Entscheidung wurde in der Versammlung besprochen und dagegen geltend gemacht, daß eS sich weder um eine Verabredung, noch um ein gemeinsames Vor- gehen gehandelt habe. Die betreffenden Arbeiter hätten einfach eine ihnen nicht mehr zusagende Arbeit aufgegeben. Durch An- nähme einer Resolution erklärte sich die Versammlung mit dem Verhalten ihrer Mitglieder in der Schlichtungskommission ein- verstanden.— Die weiteren Erörterungen der Versammlung drehten sich um die in letzter Zeit oft besprochene Tatsache, daß große Firmen Arbeiten an sogenannte Subunternehmer vergeben, was die Fliesenleger als verschleierte Akkordarbeit betrachten. Man einigte sich dahin, daß gegen dieses System vorgegangen werden müsse. Es soll Material gesammelt und in jedem Falle, wo Akkordarbeit vorliegt, das EinigungSamt angerufen werden. Letzte JVachrkhten und Depefchen, Unterdrückung der Presse. Petersburg, 36. Juli.(B. H.) In Odessa, Kola. Wilna und Taganrog wurde das Erscheinen der Zeitungen verboten, die Druckereien geschloffen, weil dieselben den Wiborger Aufruf der ehemaligen Dumamitglieder veröffentlichten. Warschau, 36. Juli.aß fich dewssM glich to gvHte Tai m voch Sufeeuitdjen&fft Probinzkassen der Vereinigung angliedern wird. so daß diese dann in der Lage sein werden, nicht nur die Interessen der Kaffenmitglieder Aerzten und Lieferanten gegenüber besser wie bisher zu wahren, sondern auch ihre Gcsamtwünfche an maß- gebender Regierungsstelle entsprechend zum Ausdruck zu bringen. Dem vorzahrigen Beschlutz, in den einzelnen Landratslreisen hin und wieder Kreiskonferenzen abzuhalten, sind allerdings nur die Kassen der Kreise Templin und Jüterbog-Luckenwalde nach- Sekommen. Es sind jetzt jedoch weitere derartige Konferenzen in uSftcht genommen. Auch die Krankenkassen der einzelnen Orte unter sich zu organisieren, ist versucht worden. Nur in Bernau war dies möglich; in Spandau und Brandenburg a. Havel sowie mehreren anderen Orten dagegen scheiterte dieser Versuch an dem Widerstand der Aufsichtsbehörden. Mit Aerztekonflikten smd die Kassen im großen und ganzen ziemlich verschont geblieben. <-8 gewinnt mithin den Anschein, als hätten die Herren Aerzte einsehen gelernt, daß sie mit einem Vorgehen, wie sie es in den Jahren 1Ö03 bis 1904 beliebten, nicht weiter kommen, sondern daß es auch in ihrem Interesse liegt, mit den Kassen in Frieden zu leben. Auf der sechsten Hauptversammlung des Leipziger Aerzte- Verbandes ist zwar berichtet worden, daß der Verband häufig in solchen Konflikten eingreifen mußte, jedoch kommen hier fast eben- soviel Sanitäts- und bürgerliche Wohlfahrtskassen wie Kranken- lassen in Frage. Aus verschiedenen Orten, in denen angeblich Aerztekonflikte mit Krankenkassen bestehen sollten, ist auf Anfrage der Verwaltung geantwortet worden, daß dort von solchen Zer- Wurfnissen überhaupt nichts bekannt sei. Hieraus lasse sich der Echluß ziehen, daß es den dortigen Aerzten wohl nur darauf an- gekommen ist. einen eingebildeten„Konflikt" zu melden, um die Ansiedelung von neuen Aerzten nach Möglichkeit zu hintertreiben. ir£8 nHn t® Apotheker anbelangt, so gehen diese gegen die Kassen jetzt in einer Weise vor, die fast noch schlimmer ist, als zur Zeit des Berliner Apothekenboykotts. Nicht nur. daß den Kassenmitgliedern allerhand Unannehmlichkeiten bereitet werden, glauben die Apothekenbesitzer auch, es stehe völlig in ihrem Belieben. ob und wieviel Rabatt sie gewähren wollen. Ja selbst in Denun- ziationen der Kassen ergehen sich d\c Herren Apotheker, und nicht nur diese, sondern sogar die Apothekerkammer leistet hierin das ihrige. Ein derartiges Verhalten dürfte über kurz oder lang Ver- anlassung geben, auch den Provinzapothekern einmal gründlich klar- zumachen, daß sich die Krankenkassen gegen solche Praktiken sehr wohl zu wehren wissen. Was von den Apothekern auf diesem Gebiet noch zu erwarten steht, beweist ein Antrag, den die Apotheker dcS Kreises Potsdam der diesjährigen Hauptversammlung des deutschen Apothekervereins unterbreitet haben. Er lautet:„Die Haupt. Versammlung wolle in Erörterungen eintreten, in welcher Weise dem wirtschaftlichen Ruin der Apotheker durch die Kranken lasse nin wirksamer Weise zu begegnen fei." Was es mit diesem„Ruin" auf sich hat, weiß ein jeder, der die fast fabelhaften Summen kennt, die beim Vertauf von Apotheken gezahlt werden. Redner kritisierte sodann ein Verfahren der Landesversicherungsanstalten, das dahin geht, in Heilstätten untergebrachte Patienten täglich ö bis 6 Stunden mit Garten-, Land» und Forstwirtschaftsarbeiten zu beschäftigen, wobei die Patienten noch obendrein von dem Bedienungspersonal an- getrieben werden. Wenn dann noch hinzukommt, daß solche Anstalt bei Uebernahme des Heilverfahrens von der Krankenkasse wohl das volle Krankengeld einzieht, an die Angehörigen des Patienten aber nur die Hälfte oder zwei Drittel desselben auszahlt, so macht sie dabei noch ein Geschäft, das sich mit der vielgerühmtcn sozialen Fürsorge nur schlecht in Einklang bringen läßt. Aus all diesen Mißständen ergebe sich daher, daß der Krankenkassenorganisation noch große Aufgaben der Besserung bevorstehen, um die Interessen der Versicherten in jeder Hinsicht nach Möglichkeit wahrzunehmen. (Beifall.) Der ebenfalls vom Redner vorgelegte Kassenbericht wies für daS abgelaufene Geschäftsjahr bei einer Einnahme von 481,78 Mark und einer Ausgabe von 887,96 M. ein Defizit von LOS, 18 M. aus, da» durch die rechnungsmäßig ebenfalls noch ungetilgte Minder- einnähme des Vorjahres eine Gesamthöhe von 1668,18 M. erreicht. Nicht weniger wie 54 Kassen hatten keine Beiträge zur Deckung der Unkosten eingesandt, auch keine Drucksachen entnommen. Nach einem sehr beifällig aufgenommenen Vortrag des Pro- fessors Dr. med. Brandenburg über:„Die Volkskrankheiten und ihre Bekämpfung" sprach Rendant Eckermanns. Rathenow sodann über Verwaltungsfragen. Redner befürwortete besonders die Wahl gesetzeskundiger Männer, die auch über das nötige sozialpolitische Verständnis verfügen, in die Kasscnvorstände sowie auch in die Landesverstcherungsanstalt Brandenburg. Als eine große Genugtuung für die gesamte Arbeiterschaft aber müsse das unlängst bekannt gewordene Ergebnis einer rcgierungsoffiziellen Umfrage gelten, die klipp und klar den Beweis geliefert hat. daß von einem Mißbrauch der Krankenkassen zu sozialdemokratischen Parteizwecken absolut keine Rede sein kann. Für Kenner der Verhältnisse stand es zwar von vornherein fest, daß die Umfrage kein anderes Resultat zeitigen konnte. Doch gerade der Umstand, daß dieses Ergebnis erzielt wurde, obwohl nur Arbeitgeber befragt worden waren, habe der Angelegenheit einen besonderen Wert verliehen, so daß damit ällen gegenteiligen Behauptungen von gewisser Seite aus ein für allemal die Spitze abgebrochen sei.(Lebhafter Beifall.) In der ausgiebigen Debatte wurde u. a. auch über die Lieferung von Zahnersatz und Milch an die Kassenpatienten ge- sprachen. Sydow vertrat hierbei den Standpunkt, daß die Kassen mit der Milchverordnung nur recht vorsichtig zu Werke gehen möchten, weil ein gut Teil der verordneten Milch nicht allein nur dem Patienten zugute käme, sondern in dessen ganzer Haushaltung verwandt würde, wodurch den Kassen denn doch zu hohe Kosten ent- ständen. Sämtliche übrigen Redner wandten sich mehr oder minder scharf gegen diese Ausführungen Shdows, und der Referent nannte sie in seinem Schlußwort geradeaus bedauerlich, da ohnehin schon in den Kassenvorständen der Fiskalismus genügend blühte, Sydow mithin nicht noch extra zu bremsen brauche. Das nächste Referat hielt Sydow über:„Die beabsichtigte Vereinheitlichung der Arbeiterversicherung." Die Ausführungen des Redners gipfelten darin, daß es mit der regierungsseitig an- gekündigten Reform der Arbeitervcrsicherung wohl noch gute Wege haben werde. Schon bei dem Gesetzentwurf über die Umwandelung der Hülfskassen habe sich die hohe Bureaukratie derartig blamiert, daß die gesetzgebenden Körperschaften bei einer etwaigen Vorlage der„großen Reform" das Vertrauen zu dieser Bureaukratie vollends verloren haben würden. UebrigcnS scheine der„Vorwärts" schlecht unterrichtet zu sein, wenn er wegen dcS HülfSkassengcsctz- entwurfcs für den Herbst große Kämpfe im Plenum des� Reichs- tages in Aussicht stelle. Mit der angeblichen Beschränkung der Selbstverwaltung in den Kassen stehe es harmloser, als es anfangs erschien. Die Abmurksung der Selbstverwaltung stehe nicht so ohne weiteres zu erwarten, weil sie sich eben nicht so einfach durchführen lasse. Eine Diskussion über das Referat wurde nicht beliebt. Der Verwaltung wurde sodann ein Antrag der Brandenburger Zentralkranken- und Begräbniskasse für Frauen überwiesen, der besagt, die Apotheker zu verpflichten, sauber gemachte leere Arznei. gefätze wieder zurückzunehmen, wodurch den Kassen eine anschn- liche Ersparnis erwachsen würde.— In die Verwaltung wurden sodann gewählt: W e i d e m an n- Brandenburg, Bauer- Frank- furt, Beyer- Spandau, Eckermanns- Rathenow, Felder- Fürstenwalde. H a h n. Luckenwalde, Herrmann-Dahme. Schmidt-Müncheberg und Zappay- Forst. Außerdem ge- hören ihr an der geschäftsführcnde Ausschutz der Zentralkommission zu Berlin. Als nächster Konfercnzort wurde Berlin wieder bc- stimmt.__ Hus der parte!» Im Anschluß an den deutschen Parteitag findet am Sonntag, den Ä>. September 1906, vormittags 8 Uhr, in Mannheim im Lokale„Karl Theodor" 0 6. 2 unsere erste Generalversammlung statt. AIS provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Geschäftsbericht. 2. Der deutsche Parteitag und die Jugendbewegung. 3. Die kapitalistische Ausbeutung der Jugend. 4. Jugend und Alkohol. 6. Militarismus. 6.. Beratung der Antrage. 7. Wahl des Vorstandes und deS OrtcS, an dem die nächste Generalversammlung stattfinden soll. Der Unterzeichnete richtet an alle Genossen die Auf- forderung, sofort mit den Vorarbeiten zur ersten General- Versammlung zu beginnen, also die Wahl von Delegierten und die Stellung von Anträgen rechtzeitig zu bewirken. Dort, wo die Entsendung eines Delegierten unmöglich ist, bitten wir, das Mandat einem Delegierten zum Parteitag zu übertragen. Die Anträge müssen spätestens anl 15. September im Besitze des Vorsitzenden Bruno Wagner, Mannheim(J. 5, I sein. Wir ersuchen die Parteigenossen, auch dort, wo noch keine Jugendorganisation besteht, zu dieser Generalversammlung Stellung zu nehmen und dieselbe zu beschicken. Mannheim, den 25. Juli 1906. Mit sozialdemokratischem Jugendgruß Verband junger Arbeiter Deutschlands. Der Happtvorstand. I. A.: Bruno Wagner. Erfurt-Schleusingen-Ziegenrück. Der sozialdemokratische Kreisverein für den Reichstagswahlkreis Erfurt-Schleusingen- Ziegenrück hat soeben seinen gedruckten Jahresbericht über das Ge- schäftsjahr 1965/1966 herausgegeben. Am 21. Januar und am 18. März wurden je 15 Volksversamm- lungen im Kreise abgehalten. Im Gefolge dieser beiden Demon- strationen trat eine Stärkung der Organisation um etwa 566 Mit- glieder ein. Die Gesamtorganisation des Kreises schloß im vorigen Jahre mit 7 Vereinen und 987 Mitgliedern ab. In diesem Jahre zählt sie 16 Vereine und 1527 Mitglieder, und die Auflage der Erfurter„Tribüne" stieg von 3686 auf 4928. Der Kassenumsatz verdoppelte sich gegen das Vorjahr und er- reichte eine Höhe wie sonst nur in Wahljahren(4245,91 M.). Dem Parteivorstand wurden 356 M. überwiesen. Die Sammlung für die russischen Revolutionäre ergab 864,97 M. 11. Badischer Reichstagswahlkreis.(Mannheim-Weinheim.) Auch aus diesem Kreise liegt bereits der gedruckte Bericht vor:„Die Zahl der organisierten Genossen im Kreise beträgt 4542(Zuwachs von 623 im zweiten Quartal 1966). Die„Volksstimme" hat 11 167 Abonnenten(Zuwachs 627). Bei einer Reihe von Bürger- ausschußwahlen gelang es, in der dritten Klasse sämtliche aus- scheidenden Bürgerausschußmitglieder durch Parteigenossen zu er- setzen. Auch wurden bekanntlich auf dem Wege des Kompromisses einige Sozialdemokraten aufs Rathaus gebracht(zum Teil auch in der zweiten Wählerklaffe). Für die drei ländlichen Landtagswahl- kreise fanden im verflossenen Quartal Gemeindevertretcr- konferenzen statt, die zur allgemeinen Zufriedenheit der Partei- genoffen ausfielen. Es sitzen im Kreise in 8 Gcmeinderäten zu- sammen 15 und in 19 Bürgerausschüssen 216 Sozialdemokraten. Ueber die Maifeier heißt es im Bericht: „Die Maifeiern, die in diesem Jahre Anlaß zu einer längeren Polemik zwischen dem„Vorwärts" und unserer„Volks- stimme" gaben, verliefen überall in durchaus würdiger Weise. Es darf wohl auch hier nochmals betont werden, daß die Partei- genossen unseres 11. Reichstagswahlkreises sich über die würdigste Form der Maifeier wohl ebenso klar sind wie die Genossen ander- wärts, aber es muh eben doch berücksichtigt werden, daß in den ländlichen Gemeinden sich der Maifeiergedanke noch nicht so ein- gebürgert hat, wie dies wünschenswert wäre, und daß dort eine allmähliche Erziehung der Arbeiterschaft für eine würdige Be- gehung dcS ersten Mai einer Alles- oder Nichtspolitik(!) vor- zuziehen ist. Durch Arbeitsruhe resp. durch Versammlung am ersten Mai selbst wurde außer in Mannheim noch in folgenden Orten demonstriert: in Altlutzheim, Feudenheim, Ladenburg, Neckarau, Sandhofen, Schwetzingen, Waldhof, Weinheim, gegen frühere Jahre immerhin ein erheblicher Fortschritt."— Im zweiten Quartal 1966 wurde? an den Parteivorstand 566 Mark abgeführt. Der zweite wcimarische Reichstagswahlkreis hielt am Sonntag im meiuingenschen Städtchcii Satzungen seine JahreSversamm- lung ab.— Aus den Berichten geht hervor, daß seit der Nachwahl im vorigen Jahre die Mitgliederzahl sowie die Ziffer der Abonnenten der Parteipresse sich gesteigert haben. AuS den neuen Kalibergbau- bezirken wurde über weitgehenden Terrorismus der Gegner aller Parteien geklagt. In einzelnen Orten war es sozialdemokratisch ge- sinnten Arbeitern, die öffentlich auftraten, nicht einmal möglich, eine Schlafstelle zu erhalten.— Beschlossen wurde, für geleistete Partei- arbeit eine Kontrollmarke einzuführen.— Zum Parteitage in Mann- heim wurde der Kandidat des Kreises. Genosse Lebe r- Jena delegiert. Die Kreisleitung verbleibt Eistnach. Die nächstjährige Generalversammlung soll möglichs:, um dem Oberlande mehr Rech- nung zu tragen, in Stadt Lengsfeld abgehalten werden. Kodnrg. Am Sonntag, den 29. Juli, fand in Koburg die dies- jährige Landeskonferenz für den Reichstagswahlkreis Koburg statt. Aus den größeren Orten des Kreises waren 34 Delegierte, darunter 5 Genossinnen, erschienen. Der Jahresbericht zeigte, daß dem Kreis noch eine energische Bearbeitung not tut. Das Parteiblatt,„Das Gothische Volksblatt", wird in nur 566 Exemplaren gelesen, und auch die Organisation fehlt an den kleinen Orten so gut wie gänz- lich. Der Kassenbericht ergab eine Einnahme von 954,44 M.(für den Wahlfonds 445,26 M.) und eine Ausgabe von 221,46 M>. Die Hauptaufgabe der Konferenz bestand darin, für die Zukunft eine erfolgreichere Arbeit im Kreise zu ermöglichen. Zu diesem Zwecke soll ein dem Parteiorganisationsstatut entsprechendes neues Landes- statut geschaffen und an die Gründung von örtlichen Organisationen gegangen werden. Schon in den letzten Monaten machte sich eine lebhaftere Bewegung im Kreise bemerkbar, so daß auf eine be- friedigende Folge der gefaßten Konfercnzbeschlüsse zu hoffen ist.— Ter Parteitag in Mannheim kann in Anbetracht der zur Verfügung stehenden Mittel mit einem eigenen Delegierten nicht beschickt werden, doch wurde beschlossen, zur Deckung der Kosten künftiger Partei- tags-Telegationen einen vierteljährlichen Extrabcitrag von jedem Mitgliede zu erheben.— Der Hauptpunkt der Tagesordnung war die Nominierung des ReichStagskandidaten. Ter alte Kandidat, Genosse Krüger-Halle, mußte leider aus Gründen, die in seinem Beschäfti- gungswechsel zu suchen sind, die Kandidatur aufgeben. An seiner Stelle wählte die Landeskonferenz einstimmig den Genossen Fritz Zietsch, Redakteur deS Verbandsorgans der Porzellan arbeiter in Charlottcnburg, zum ReichStagskandidaten.' PolireiUcbes, ßenchtUchea ufw. Tie„Gleichheit vor dem Gesetze". Am 11. und 12. August halten die Getverkschaften in Hannover ihr Gewerkschaftsfest ab. Um dieses Fest zu einem imposanten zu gestalten, beschloß der Vorstand des GewcrkschastSkartellS, einen Festzug zu veranstalten. Derartige Arrangements unterliegen in Preußen bekanntlich der polizeilichen Genehmigung, und in diesen Angelegenheiten ist die Polizei in Hannover, was bürgerliche Vereine anlangt, stets äußerst koulant geinesen. DaS Kartell wandte sich daher am 26. Juli mit folgendem Schreiben an den Polizeipräsidenten: Unterzeichneter ersucht hierdurch das königliche Polizei- Präsidium der Haupt- und Residenzstadt Hannover um Genehmi- gung eines Festzuges der Gewerkschaften zu dem am Sountag, den 12. August 1966, im Schloßgarten in Herrenhauses stattfinden- den Gewerffchaftsfeste. Der Festzug sollte seine Aufstellung in der Straße„Am Marstall" nehmen und sich am 12. August nachmittags um 2 Uhr in Bewegung setzen, durch die Goetbestraßc, Münzstraße, Lange- laube, über den Königswörtherplatz, Nienburgecstraße und Herren- häuserstvaße marschieren, um im Schloßgarten sein Endziel zu errxWn.' Indem wir die Bercittvilligkeik des köNigkichött Pokize:- Präsidiums bei Genehmigung von Umzügen der Studenten-Ver- einigungen, Schützenvereine und anderen Korporationen mit Ge- nugtuung begrüßt haben, glauben auch wir, einer Genehniigung unseres Gesuches entgegensehen zu können. Rich. Schmidt, Gewerkschaft Ssekrctar. Hannover, Münzstraße 5. Statt einer Genehmigung des Festzuges lief am 24. Juli ein Verbot des Polizeipräsidenten ein, das so lautet: Ihrem Gesuche vom 26. d. M. um Genehmigung eines Fest- zuges der hiesigen Gewerkschaften nach dem Schloßgarten in Hcrrenhausen am 12. August d. I. aus Anlaß des dortselbst statt- findenden Gewerkschaftsfestes kann im ovdnungspolizellichen Interesse nicht entsprochen werden. In Vertretung: Meier, Regierungsrat, Merkwürdig, daß die geheimnisvollen„ordnungspolizeilichen Interessen" bei den quaimverbreitenden Fackelzügen der Studenten. den staubaufwirbelnden Automobil- und sonstigen Korsofahrten nie in Betracht kommen. Sobald aber Arbeiter emmal Gleichheit vor dem Gesetze verlangen, tauchen plötzlich die berühmten„ordnungS- polizeilichen Interessen" auf und erwürgen jene„Gleichheit", gjflj ist in Preußen„Recht"._ 6er!chtö- Zeitung. „Ein Rindvieh, ein saudummes". In Nürnberg wurde die Privatiersfrau Christine Meier am 21. Mai d. I. vom Schöffengericht zu 56 M. Geldstrafe event. fünf Tagen Gefängnis wegen Beleidigung eines Richters verurteilt. Sie hatte das Verbrechen begangen, ärgerlich über den Verlust eines Prozesses, im häuslichen Kreise bezüglich de» sitzungslcitenden Amtsrichters gesagt zu haben:„Ein Rindvieh, ein saudummes, ist es von einem Amtsrichter". Sowohl die Verurteilte als auch der Amtsanwalt legten Berufung ein. Die Strafkammer, vor welcher am Freitag ein ftuhercS Dienstmädchen der Meier die Aeußerung gehört zu haben beschwor, verwarf die Berufung der Meier, gab jener des Amtsanwalts statt und verurteilte die Be- klagte, unter Aufhebung des schöffengerichtlichen Urteils zu 266 Mark Geldstrafe event. 20 Tage Gefängnis.— ES fit ein starkes Stück, wenn aus derlei vertraulich im Familienkreise ge- machten Aeußerungen die Absicht zu beleidigen oder das Bewußtsein der Ehrenkränkung konstruiert wird.— Soweit der Bericht erkennen läßt, scheint in der Aeußerung wenigstens lediglich eine formale Be- leidigung, nicht auch die Behauptung einer Nicht erweislich wahren Tatsache entdeckt zu sein. Der Gesetzgeber, wenn er gewollt habe, daß derartige Prozesse angestellt werden und dem niedrigsten Denunziantentum Vorschub geleistet werde, müßte ein„saudummes Rindvieh" gewesen sein. In der Tat hat er wohl nimmer an- genommen, daß ein Richter und ein Gericht derlei vertrauliches Gerede als Beleidigung jemals auffassen könnten. Zweierlei Recht? In Düffeldorf hatte ein Bauunternehmer 150 M. Kassenveiträge, die er den Arbeitern am Lohne abgezogen, nicht an die Ortskranken« lasse abgeliefert. Da Pfändungen fruchtlos ausfielen, wurde die Anzeige wegen Unterschlagung erstattet. Die Strafkammer in Düsseldorf verurteilte den Bauunternehmer wegen Unterschlagung zu 26 M. Geldstrafe. Ihm ist also eme Prämie von 130 M. für Unterschlagung zugesprochen. An, nämlichen Vormittag und vor der nämlichen Strafkammer hatte sich ein Dienstmädchen wegen Betruges zu verantworten. Das Mädchen hatte auf drei Stellen je 3 M. Mietgeld in Empfang ge- nommen, war aber nicht«ingetreten. Auf 4 Monate Gefängnis lautete das Urteil. Da bestreite man noch, daß die Gerechtigkeit blind ist. Wunder- lich, daß sie in ihrer Blindheit Prämien für wirkliche Betrüger, außerordentlich hohe Strafen gegen arme Leute auswirst. Verein der Lehrlinge und jugendliche« Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Umgegend.(Abteilung V».) Mittwoch. den 1. Slugust, abends 8'/, Uhr, im Lokale deS Herrn Paul Süßmuth, «arntmstr. 2: Abteilungsversammlung. Erscheinen aller Kollegen not- wendig I Gäste willkommen. Deutscher Arbeiter- Abstinente«» Bund. Ortsgruppe verlin. Mittwoch, den 1. August,>/,g Uhr abends, im Englischen Garten, Alexander. straße 2?o: Bersammlung. 1. Die«ekämpsung des Allohoiismus durch Staat und Gemeinde. Rejerent: Genosse S. Katzenstein. 2. Diskussion. 3. Gruppenangelegenheiten. Gäste willkommen. Vermischtes. Die Bevölkerung Brasiliens zu zählen MUß ein schwieriges Stück Arbeit sein, denn erst im vorigen Monat wurden die Resul- täte der Volkszählung vom 31. Dezember i960 bekanntgegeben. In den 21 Staaten wurden insgesamt 17 371669 Einwohner ge- zählt. Diese Zahl wird amtlich sogar alS ungenau bezeichnet, weil fast aus allen Staaten unbollständige Zähllisten eingingen. AlS am stärksten bevölkert steht Minas Geraes mit 3 594 471 Ein- wohnern an der Spitze. Dann folgt Sao Paulo mit 2 279 668 und Bahia mit 2 117 956 Köpfen. Uebör eine Million zählen Rio Grand do Sul und Pernambuco, alle anderen haben weniger als eine Million. Rio de Janeiro wird mit 926 635 Einwohnern auf- geführt. Internationale Ballonfahrt. Am Donnerstag, den 2. Aitgust. nden in den Morgenstunden internationale wissenschaftliche allonaufstiege statt. ES steigen Drachen, bemannte oder unbe» mannte Ballons in den meisten Hauptstädten Europas auf. De« Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebenen Instruktion gemäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und an die angegeben? Adresse sofort telegraphische Nachricht sendet. Auglcsia(New Jersey), 36. Juli. Die Schaluppe„Nora", mit 32 Personen aus Philadelphia an Bord, die einen Ausflug hierher gemacht hatten, um zu fischen, schlug bei der Rückfahrt infolge eines heftigen Windstoßes um; 8 Mann ertranken. Bergunsälle. Bern» 29. Juli. Aus den Alven werden mehrere Bergunfälle gemeldet, bei denen 3 Menschen oas Leben eingebüßt haben. In den Bernischen Voralpcn stürzte beim Edelweißsuchen am Lattreicr- sirst im hinteren Suldtalc ein 21jähriger Arbeiter aus Spiez über eine 56 Meter hohe Felswand und wurde vollständig zer- schmettert. Auch das zweite Unglück ereignete sich beim Edelweiß- pflücken; am Bürglen in der Stockhornkette stürzte ein junge,: Landarbeiter aus Watterwil ab und fand den Tod. Das dritte Bergunglück wird aus Andermatt gemeldet; ein Feldwebel der Festungsiruppen am Sankt Gotthard wollte mit 3 Kameraden ohne Führer vom Galenstock nach Tiefenbach im Urserental ab- steigen und kam durch Absturz über eine 866 Meter hohe Fels- wand auf den Siedelengletscher um. Grubenexplosion. Manchester, LS. Juli. Eine furchtbare Erplosion erfolgte gestern in der Grube von Shalford. 15 Grubenarbeiter wurden verschüttet. Es ist bisher nur gelungen, einen zu retten. Die übrigen werden wahrscheinlich schon erstickt sein. Kurz vor der Explosion wurde ein starker Erdstoß verspürt und man nimmt an, daß die Explosion darauf zurückzufuhren ist. Frankfurt a. M.» 36. Juli. Die„Frankfurter Zeitung" melde! aus New York: Unweit Poughkeepsie(Staat New York) erfolgte ein Erdrutsch, wodurch ein Schnellzug der Zentralbahn nach de« Pacificküstc entgleiste. Die Lokomotive und der Gepäckwagen stürzten in den Hudsonfluß. Drei Personen sind tot, ungefäh« 106 pexletzt. -O Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen gering. 2. Ja. 3. Nein. Montag Dienstag. Sie sind genau so Markthallen- Direktion.( Großhandel.) Rindfleisch Ia 70-74 pr. 100 ẞfd., krankenkassenpflichtig, wie ein Nichtempfänger von Invalidenrente. IIa 64-69, IIIa 58-62, IVa 52-56, englische Bullen- 0,00, dänische W. M. Die von Ihnen genannte Krankenversicherungskasse ist das, was Bullen- 0,00, holländische Bullen- 0,00. Stalbfleisch, Doppelländer 100-110, man gemeinhin eine Schwindellasse nennt. C. S. 48 R. 1. Nein, Ia 82-88, IIa 72-80, IIIa 60-70. Hammelfleisch la 79-84, IIa 69-77. indes ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen. 2. Die Möglichkeit einer BeSchweinefleisch 65-71. Rebböde Ia per Pfd. 0,57-0,70, IIa 0,30-0,50. strafung ist auch in diesem Falle nicht ausgeschlossen. 3. Zur Benutzung Rotwild Ia mit Abschußattest per Pfd. 0,68, IIa 0,00. Damwild 0,65. fremder Gefäße sind Sie nicht berechtigt. Wer hat Recht? 1. Ihre Wildschweine per Bid. 0,30. Frischlinge per Pfd. 0,50. Kaninchen per Stüd Firma befindet sich im Recht. 2. Nein. 3. Die Mahnung verpflichtet 0,20-0,70. Wildenten Ia per Stud 1,00-1,10, IIa 0,60. Stridenten Sie zur pünktlichen Zahlung. H. Et. Kommen Sie in die Sprechstunde. p. Stück 0,60. Bekassinen 0,00. Hühner, alte, per Stüd 1,70-2,20, 5. A. 22. 1. und 2. Nein. 3. Es gibt keine bestimmte Tage. Der alte II a 1,35-1,40, junge per Stüd 0,60-0,90. Tauben, außereheliche Vater hat für den vollen Unterhalt zu sorgen, der Richter anjunge, pr. Stüd 0,40, alte 0,00-0,00. Enten, junge Ia b. Stüd gemessene Säge hierfür festzusehen. 2. 29. Von der lezten Amnestie im 1,70-2,25, alte per Stück 0,00. Hamburger, junge, per Stüd 2,80. Jahre 1895 sind die Strafen bis zu 6 Wochen betroffen worden. E. St. 35. Gänse, Ia, per Pfund 0,62-0,64, IIa 0,57-0,60, Ia, per Stüd 3,00 1. Ja. 2. Nein. Es kann aber das Gericht annehmen, daß zunächst nur 2. P. bis 4,00. Ila 2,80-2,90. Poulets p. Stüd 1,30-1,75, do. flein 0,60-0,80. auf Herstellung der ehelichen Gemeinschaft geklagt werden kann. Hechte per 100 Pfd. 94-111. Bander 00,0. Schleie 105-109. Bleie 55. 1000. Es genügt, daß einem Nachbar der Schlüffel übergeben und dem ale, groß 120, mittel 110, Hein 0,00, unsortiert 84-106. Blogen 0,00. Birt davon Mitteilung gemacht wird. N. W. 9. Es muß das Patent Karpfen 0,00. Barse, fleine 71. Karauschen 86-87. Bunte Fische 58. beschrieben, ein bestimmter Patentanspruch erhoben und Zeichnungen beiErblindet. Amerit. Lachs I neuer p. 50 kg 110-130. do. II neuer 90-100, bo. III gefügt werden. Sie erhalten direkt im Patentamt Auskunft. neuer 50-75. Seelachs 15-20. Flundern, pomm. I, per Schod 9,00. Diejenige Genossenschaft ist haftpflichtig, zu der der Betrieb gehört, in dem do. pomm. II 2-4. Flundern, Kieler, Stiege Ia 4-6, do. mittel ber der Erblindete beschäftigt war. Wird eine falsche BerufsgenoffenStifte 2-3, do. flein per Stifte 0,00. Büdlinge, per Wall Kieler 3-6,00, fchaft in Anspruch genommen, so würde das lediglich Verzögerung Stralsunder 5-6. Aale, groß pro Bfb. 1,10-1,30, mittelgroß 0,80-1,00, verursachen. Da in Ihrem Fall der Sachverhalt selbst( besonders für wen flein 0,50-0,60. Heringe per Schock 4-5. Schellfische Kiste 2-4. do. beim Unfall gearbeitet ist) nicht angegeben ist, ist eine genaue Antwort unmöglich. 1, Stifte 1,50-2,50. Sardellen, Stabliau, geräuchert, 50 kg 15,00. E. F. 33. 1. Der kinderlose Ehegatte erbt, wenn kein Testament bor1902er, per Anker 86,00, 1904er 85,00, 1905er 80,00. Schottische Bollheringe liegt, die Hälfte des Nachlasses. Er erhält aber im Voraus die Hoch1905 0,00, large 40-44, full. 36-38, med. 35-42, deutsche 37-44. zeitsgeschenke und die Gegenstände, welche zum gemeinschaftlichen Haushalt Heringe, neue Matjes, per/ To. 60-120. Summern, IIa, 100 Bfd. 0,00. gehören. 2. Ein eigenhändig und formgerecht ge- und unterschriebenes Streble, per Schod, große 20,50, mittel 13,50, fleine 3,00-5,00, unsortiert Testament ist gültig, ohne daß es der Uebergabe an ein Gericht bedürfte. 6,00-6,50. Galizier, mittel 0,00. Gier, Land-, p. Schod 3,20-3,50. Butter 200. 1. Ja. 2. Aehnliches. 3. Fahrpreise, Fahrpläne usw. ersehen Sie per 100 Pfd., Ia 114--116, IIa 110-113, IIIa 105-108, abjallende 95-100. aus dem Kursbuch, auch wird Ihnen auf den amtlichen Auskunftsstellen Saure Gurten, neue, Schod 4,00, Pfeffergurten 4,50. Kartoffeln per 100 Bfd. der Eisenbahn( Bahnhof Alexanderplatz, Friedrichstraße, Schlesischer Bahnhof, neue runde 2,25-2,50, neue blaue 2,75-3,00, Rosen 1,90-2,00, neue Potsdamer Bahn) Auskunft erteilt. A. B. 60. 1. Ja. 2. In der Martha 65., A. N. Nein. Berbiter 2,25-2,50. Spinat, p. 100 Pfd. 12-15. Karotten p. Schod 2,50-3,00. Regel nicht. R. F. 39. 1. Nein. Sellerie, hiesige, p. Schock 1,25-2,00. 8wiebeln 50 kg 4-4,50, Petersilie, grün, 2. Sie müßten eventuell beim Gewerbegericht den nicht ausgezahlten Lohn Schodbo. 1,00. Kohlrabi, p. Schod 0,75-1,00. Rettig, bahr., p. Schod 2,40 bis einklagen. Elba. Sie sind nicht wahlberechtigt. A. H. 32. Nein. 4,80. Radieschen, p. Schock- Bd. 0,60-0,70. Salat, p. Schod 1,50-2,00. Bohnen Richter 27. Die sogenannte Lustbarkeitssteuer ist eine Kommunalsteuer; ( grüne), per 100 Pfd. 2-8. Wachsbohnen 2-4. Puffbohnen 3-5. Schoten ihre Höhe ist in den einzelnen Gemeinden verschieden. Wegen der Höhe hiefige, per 100 Pfd. 5-10. Pfefferlinge per 100 pfb. 18-23. Mohrrüben wenden Sie sich an einen Gemeindevertreter der betreffenden Gemeinde. per Schock- Bd. 2,50-3,00. Blumenkohl per Mandel 1,00-2,20. Wirsingkohl per Mandel 1,00-1,50. Stotfohl p. Mandel 2-2,50. Weißkohl p. Mandel 1,50 bis 2,50. Steinpilze p. 100 Pfd. 25-30. Gurten, Zerbster, Schod 1,05-1,50, do. Einlege, Schod 2,00-2,50. do. Rotenbrück 3-4. Kohlrüben, Mandel 1,00-1,25. Johannisbeeren, hiesige, weiße, per 100 Bfd. 7-9, do. rote 7,00-11,00. Birnen, italienische per 100 Bid. 14-35, schlesische 5-20, Bureau: SO., Engel- Ufer 15( Gewerkschaftshaus). Fernsprecher: Amt 4, 3578. Tiroler 23-27, Weinbirnen 13-15, böhmische 10-12. Aepfel, ungar. per 100 Pfund 14-16, italienische 12-15, hiesige 8-16. Stachelbeeren, per 100 ẞfb. 8-13. Preißelbeeren 12-20. Stirschen, per 100 Pfd. Natten, Werdersche 15-25. Werdersche Glas- 15-17. Matten 18-30, do. sauere 12-17. Schlesische 8-20, Knupper 18-20. Himbeeren, Werdersche per 100 Pfd. 22-35. Blaubeeren per 100 Pfd. 9-11. Pflaumen, ital. runde dunkle per 100 Bfd. 25-30, ital. lange gelbe pr. 100 Pfd. 15-22, ital. runde per 100 Pfd. 15-22, ungarische 12-20, hiesige 8-15. Zitronen, Messina 300 Stüd 13,00-20,00, 360 Stüd 10,00-14,00, 200 Stüd 7,00-12,00, 420 Stüd, flein 7,00. Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet wochentäglich von 7 bis 9% uhr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen Deutscher Holzarbeiter- Verband. Vertrauensmänner- Versammlung. Mittwoch, den 1. Auguft, abends 8%, Uhr: Drechsler und Treppengeländerbranche. Osten: bei Neumann, Friedenstraße 67. Allen Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß unsere gute Mutter Pauline Lang geb. Ullmann nach langem schwerem Leiden am Sonnabend sanft entschlafen ist. neuen Die Beerdigung findet heute, Dienstagnachmittag 5%, Uhr, von der Leichenhalle des Jakobi- Kirchhofes, Rirdorf, Hermannstraße, aus statt.+107 Die trauernden Hinterbliebenen. Todes- Anzeige. Am 28. Juli verstarb nach langem Leiden meine liebe Frau Emilie Kühne geb. Rustmann. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 1. August, nachm. 42 Uhr, von der Halle des Heilig- Kreuzfirchhofes( Mariendorf) aus statt. Um stilles Beileid bittet Franz Kühne, Buzer, nebst Kindern, Willibald Alerisstr. 27. Spandau. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Nachricht, daß meine liebe gute Frau, Rosa Schwabe geb. Kurzweg, 18682 im Alter von 29 Jahren nach furzem schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 1. August, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle in den Kisseln aus statt. Um stilles Beileid bittet Karl Schwabe, Restaurateur, Seegefelderstr. 54. ähne zieht vollständig schmerzlos Ausfeld, 8. Zähne Südosten u. Südwesten: bei Stramm, Ritterstraße 123. Zugelassen bei den Krankenkassen Norden: bei Bergmann, Brunnenstr. 79. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Vertrauens. männer. 3. Verschiedenes. Alle Werkstätten müssen vertreten sein. Die in Tischlereien beschäftigten Drechsler sowie jede Branche in Treppengeländerfabriken haben Delegierte Die Kommiffion. -Max H. 100. Sie können ein dahin gerichtetes Gesuch an die Verficherungsanstalt richten. Diese ist berechtigt, aber nicht verpflichtet, ein Bahngebiß zweds Berhütung von Strankheiten zu liefern. J. G. 100. 1. Ja. 2. Nein. 3. Ja. S. 40. 1. Die Möglichkeit liegt vor, ist aber zu entsenden. des Gewerkskrankenvereins. - Telephon: Amt I, 8985. * Für die herzliche Teilnahme an bet Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes, unseres treuen Vaters, des Restaurateurs 2795 Karl Knappe sagen wir hiermit allen Verwandten, Freunden und Bekannten, besonders den Genoffen des 1. Bezirks, dem Verband der freien Gast- und Schankwirte, dem Deutschen Raucher bund und dem Rauchflub Deutsche Pfeife unseren herzlichsten Dank. Witwe M. Knappe nebst Kindern. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung bet der lieben Beerdigung meines Mannes und Vaters Leopold Grothe sagen allen Beteiligten, insbesondere dem Wahlverein des 5. Kreises, dem Verein Berliner Hausdiener, dem Handels. und TransportarbeiterBerband, sowie den Arbeitern und Arbeiterinnen der Firma Gutenberg 28115 unseren innigften Dank. Die trauernde Witwe und Tochter. Bruch- Pollmann empfiehlt sein Lager in Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Liefer. f. Drts- u. Hülfs- Krankenkassen Berlin C., 16392* 30. Linien- Straße 30. Alle Bruchbänder mit elastischen Bes lotten, angenehm u. weich am Körper 1329L* Sofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle- Reste! Mocquetts. PlüschSatteltaschen. Muster b. näh. Angabe franko. Berlin, Emil Lefèvre, Oranienstr. 158. Armin- Hallen KommandantenStraße 20. Große und Kleine Festfäle mit und ohne Theaterbühne auch Sonnabende und Sonntage in diesem und im nächsten Jahre frei. 8 Vereinszimmer. T WARENHAUS HERMANN TIETZ LEIPZIGERSTRASSE ALEXANDERPLATZ Dienstag, Mittwoch, Donnerstag Soweit der Vorrat reicht. 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Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berli SW «..175. 28 Z. Keilte des„DWiilts" Kerlim AldsdlM. 31 �« Partei- Angelegenheiten. An die Parteigenossen Berlins und der Provinz Brandenburg. Die neue Lokalliste erscheint Mitte August, und zwar wird sich dieselbe von jetzt ab über die ganze Provinz Brandenburg er- strecken, d. h. soweit Meldungen bis zum weiter unten angegebenen Termin eingehen, werden dieselben aufgenommen. Bei dieser Ge- legenheit ersuchen wir die Parteigenossen, nachfolgendes genau zu beachten. Alle Zuschriften, Mitteilungen usw. aus den einzelnen Kreisen sind nur durch die unten angegebenen Genossen an den Ob- mann der Kommission zu richten und nicht direkt an die Redaktion des„Vorwärts". Es ist dies schon wieder- holt bekannt gegeben worden, leider wird es jedoch immer noch zu wenig beachtet. Alle Aenderungen resp. Neuaufnahmen zur neuen Liste müssen bis spätestens Sonntag, den ö. August, in Händen der nachberzeichueten Genossen sein? Für den I. Wahlkreis an den Genossen Jakob Ege, Rohstr. 23. Für den IL Wahlkreis an den Genossen Heinrich Schröder. Kreuz- bergslraste 15. Für den III. Wahlkreis an den Genossen Karl König, Jahn- straße 24. Für den IV. Wahlkreis an den Genossen Karl Rott, Straß- mannstraße 29. Für den V. Wahlkreis an den Genossen Friedrich Rausch. Winsstraße 12. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Richard Henschel, Wolliuerstratze 51. Für Teltow-Beeskow an den Genossen Karl Rohr, Rixdorf, Selchowerstr. 22. Für Nicder-Barnim an den Genossen Robert Rieck, Rummels- bürg, Kantstr. 22. Für Potsdam- Osthavelland an den Genossen Karl Linz, Spandau, Mittelstr. 13. Für die Kreise Sorau-Forst, Frankfurt-LebuS an den Genossen Albiu Schuster, Straßmannstr. 2. Für die Kreise Kalau-Luckau, Zauch-Belzig an den Genossen Fritz Zinke. Reichenbergerstr. 128. Für die Kreise Kottbus-Sprcmberg, Guben-Lübben an den Ge- Nossen Karl Gehrnuiun, Naunhustr. 22. Für die Kreise Schwiebus, Ost-West-Sternberg an den Genossen O. Seikel, Krouprinzenstr. 50. Für die Kreise Landsberg-Soldin, Königsberg Nm. an den Genossen I. Jansen, Pintschstr. 22. Für die Kreise Prenzlau-Angermünde, Friedeberg-Arnswalde an den Genossen L. Zucht, Keibclstr. 42. Für die Kreise Ost- und Westpriegnitz an den Genossen Karl Schulz. Pappcl-Allee 5. Für den Kreis Ruppin-Templin an den Genossen Paul Dobrohlaw, Eberswalderstr. l. Für den Kreis Brandenburg-Westhavelland an den Genossen Herin. Fischer, Schöneberg. Gothenstr. 3S. Für den Kreis Ober-Barnim an den Genossen Karl Liesegang, Ober-Schönew-ide, Edisonstr. 48. Wir richte» speziell an die örtlichen Kommissionsmitglieder der Provinz das dringende Ersuche», bei Einsendung ihrer Meldungen obigen Termin genau zu beachten, um die Herausgabe einer voll- st ä n d i g e n Liste zu erniöglichen. Nach dem 5. August einlaufende Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden. ' Die im Verbreitungsgebiet der Lokalliste erscheinenden Partei- blätter werden um Abdruck ersucht. Der Obmann der Lokalkommisston Richard Henschel, 17. 28, Wollinerstraße 51 II. Achtung! Fünfter Wahlkreis! Alle Genossen des Kreises, weicht daö Mitgliedsbuch des Wahlvereins noch nicht umgetauscht haben, werden dringend gebeten, die Bücher zum Umschreiben an den Kassierer des Vereins. Genossen Karl Kirstr, Berlin 170. 43. Keibel- straße 9 a, Hof IV, einzusenden. Der Vorstand. Pankow. Heute abend Vz9 Uhr findet im GesellschaftShaus des Herrn Roczycki, Kreuzstr. 3/4, die Versammlung deS Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Kubig über:„Das Wesen der Wertzuwachs st euer". 2. Bericht aus der Gemeindevertretung. 3. Bericht von der Generalversammlung Groß- Berlins. 4. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Gäste sind willkoinmen. Um zahlreiches und pünktliche» Erscheinen ersucht Der Vorstand. Berliner JVaebnebten. Menschenopfer. Die Säuglings st erblichkeit ist in Berlin— wie in allen bedeutenderen Jndustrieorten, die eine zahlreiche Arbeiterbevölkerung haben— das ganze Jahr hindurch nicht gering. Aber wenn der Sommer kommt, dann nimint sie hier noch ganz außerordentlich zu, und vollends im Hochsommer steigt die Zahl der Säugliugssterbefälle alljährlich auf eine er- schreckende Höhe. In Berlin sterben im Jahre rund 10000 Kinder des ersten Lebensjahres, davon 3000 in den beiden heißesten Monaten. Auch in diesem Jahre ist mit der fort- schreitenden Erhöhung der Temperatur die Zahl dieser Opfer wieder rasch angeschwollen. Die Totengräber der riesigen Friedhöfe, die für die Kirchengemeiuden der von Arbeitern be- wohnten Außenviertel der Stadt bestimmt sind, wissen davon zu erzählen, wie jetzt bei ihnen in den Lttndcrabteilungen Tag für Tag sich Grab an Grab reiht und Hügel neben Hügel sich wölbt. Die letzten Jahre haben uns ja in Berlin mancherlei Bestrebungen gebracht, die auf Verminderung der Säuglings- stcrblichkeit abzielen. Aber der Erfolg, den man verheißen hat, soll erst noch kommen. Die Statistik der Säuglings- sterblichkeit zeigt, daß lediglich mit Beschaffung guter Milch oder mit Ratschlägen für bessere Pflege nur wenig erreicht wird. Der Würgeengel, der alljährlich unter den Säuglingen besonders in den Sommermonaten seine furchtbare Ernte hält, verschont fast überall die Kinder der Wohlhabenden, während er die Kinder der Unbemittelten zu Hunderten und Tausenden hinrafft. Soll es nur an dem Mangel guter Milch, nur an der Unkenntnis der pflegenden Mütter liegen, daß der Nachwuchs der Arbeiterklasse größtenteils schon im zartesten Alter hinsiecht und wegstirbt? Bringen nicht viele Arbeiterkinder den Keim des Siechtums schon mit auf die Welt? Kann in engen, überfüllten Woh- nungen ein Kind gedeihen? Vermag ein schlecht entlohnter Arbeiter auf die Dauer aus eigener Tasche die gute, aber teuere Kindermilch zu bezahlen, die man ihnen empfiehlt? Und muß nicht bei dem Frondienst, den nicht nur der Vater, fondern zu oft auch die Mutter zu leisten hat, auch trotz vor- handenen Verstätlsdnissc für rechte Kinderpflege notgedrungen so manches unterbleiben und v e r n a ch- l ä s s j g t werden? Tie Mittel, die bei dem Kampf gegen die Säuglings- sterblichkeit vorgeschlagen worden sind und angewendet werden, sind gewiß nicht ganz ivirkungslos und verdienen Beachtung. Aber eine nachdrückliche Abwehr dieses Würgeengels kann mau von der heutigen Gesellschaft nicht erwarten. Nur eine Befreiung der Arbeiterklasse aus den Fesseln des Kapitals kann uns die Voraussetzungen und Bedingungen schaffen, ohne die ein wirksamer, erfolgreicher Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit nicht möglich ist. Die vielen Hunderte von Kind ergruften, die jetzt wieder des Toten- gräbers Schaufel da draußen auf den Friedhöfen der Massen- gemeinden aufwirft, die vielen Hunderte kleiner Hügel, die über den Särgen sich wölben, sind eine stumme und doch so beredte Mahnung, eine schivere Anklage gegen die moderne Gesellschaft, die ihrem Moloch Kapital diese Menschenopfer bringt._ Aus den: ErzichungShause ins Irrenhaus? Das„Berliner Tageblatt" ist ungehalten darüber, daß wir nicht kritiklos hin- genommen haben, was es über die Ueberweisung von Fürsorge- zöglingen des Erzichungshauscs Lichtenberg an die Epileptiker- anstalt Wuhlgarten bezw. an die Irrenanstalt Herzberge zu er- zählen wußte. Ja, das konnten wir schon deshalb nicht, weil man bei den Mosscmännern des„B. T." nie ganz sicher sein darf, daß sie auch selber wissen, wovon sie reden. Es ist noch nicht gar so lange her, da schmähte dieses Frcisinnsorgan über die Pracht des Krcishauses für Niederbarnim, über die Kosten der Unterhaltung dieses Gebäudes und über deren Bedeutung für den Etat des Kreises Niederbarnim. Doch es ergab sich, daß das„gut unter- richtete" Blatt zwar den Etat von Nicderbarnim, aber das Kreis- Haus für— Teltow gemeint hatte. In der jetzt vorliegenden An- gelegcnhcit bleibt das„B. T." dabei, daß es„gut unterrichtet" sei. Auch die Behauptung, es„müsse in mehreren Fällen der Anstalts- Wechsel in der Tat geradezu als Maßregelung bezeichnet werden," wird nicht zurückgenommen. Hiernach wird hoffentlich die Waisenvcrwaltung gegen den beschuldigten Arzt, dem das „B. T." vorwirft, er habe Fürsorgezöglinge ins Irrenhaus gesteckt, um sie zu maßregeln, schleunigst eine Untersuchung einleiten. Und vermutlich wird auch die Staatsanwaltschaft es als ihre Pflicht ansehen, zu prüfen, ob nicht das, was nach der Behauptung des „B. T." der Arzt getan haben soll, gegen die Gesetze ver- stößt. Der Schwatz des„B. T.", der„Vorwärts" sei„offenbar über die Vorgänge vor und hinter den Kulissen des modernen Irrenhauses sehr mangelhaft unterrichtet," lohnt kaum einer Er- widerung. Die gekränkten Mossemänner tun so, wie wenn sie die Tendenz unseres Artikels nicht kapiert hätten. Sie suchen die Diskussion auf ein anderes Gebiet hinüberzuspielen und möchten ihre Leser glauben machen, daß dem„Vorwärts" die Mißstände des modernen Jrrenwesens unbekannt seien. Alle Mißstände und Mißbräuche ändern nichts an der Tatsache, daß in den Erziehungs- Häusern geistig kranke oder doch geistig minderwertige Zöglinge stecken, und entkräften nicht die Forderung, daß einmal ein fach- kundiger und pflichtbewußter Irrenarzt in die Erziehungshäuser hineinleuchten sollte. Die Fahrkartensteuer. Zum 1. August tritt bekanntlich die Fahrkartensteuer in Kraft. Wir glauben, nachdem diese kultur- feindliche Steuer bereits hinlänglich gekennzeichnet ist, nicht not- wendig zu hahen, längere Betrachtungen anzustellen. Wir wollen deshalb unsere Leser noch einmal kurz mit den Steuersätzen ver- traut machen. Die Steuer beträgt für Karten 3. Klaffe von 69 Pf. bis 2 M. 5 Pf., von 2—5 M. 10 Pf., von 5—10 M. 20 Pf., von 10—20 M. 40 Pf., von 20—30 M. 60 Pf., von 39—40 M. 90 Pf., von 49-50 M. 1,40 M.. von 50 M. an 2 M. In der 2. Klaffe betragen die Sätze das Doppelte, in der 1. Klasse das Vierfache, mit Ausnahme der Beträge von 40—50 M., wo sie 2. Klaffe 10 Pf., 1. Klasse 40 Pf. weniger betragen. Frei sind Karten unter 60 Pf., Militär-, Schüler- und Arbciterkarten. ferner die 3. Klasse, wenn sie nicht mehr als 2 Pf. für das Kilometer kostet und wo es keine 4. Klasse gibt. Zusatzkarten, z. B. für v- und L-Züge, sind frei, nicht aber Zusatzkarten zum Uebergang in eine höhere Klasse. Auf der Stadtbahn kommen fast nur die Monatsfahrkarten für die Steuer in Betracht. Diese Karten 3. Klasse auf der Stadt- und Ringbahn kosten vom nächsten Monat ab 3,10 M.(bisher 3 Mark), die seither zu 4,50 M. abgegebenen kosten 4,60, die Monats- karten 2. Klasse anstatt 4,50 vom 1. August 4,70 M. Auf der Straßenbahn sind die Einzelbilletts a 10 und 15 Pf. sowie Arbeiter- und Schülerkarten von der Steuer frei. Die Monats, und Jahresabonnements dagegen müssen versteuert werden.— Für die Große Berliner Straßenbahn und die westlichen und südlichen Borortbahnen ist folgender Tarif festgesetzt worden: Tie Monatskarten für 7,50 und 10 M. erhöhen sich um je 20 Pf.; die Karten für 13. 15. 16 und 20 M. um je 40 Pf. Die Abonne- ments für 25 und 30 M. erhöhen sich um je 60 Pf. Das Abonne- ment auf der westlichen Linie. Linkstraßc— Schmargendorf, das bisher 5,50 M. kostete, erhöht sich auf 5,70 M. Die Jahreskarte der Westlichen Vorortbahn. Zoologischer Garten— Wilhelmsaue, die bis jetzt 35 M. kostet, erhöht sich auf 35,90 M. Monatskarten auf der Berlin-Charlottenburger Straßenbahn für 3, 4 und 5 M. sind mit je 10 Pf. Steuer, die'Karten zu 6, 7, 8, 9 und 10 M. mit je 20 Pf. und das Abonnement zu 12 M. mit 40 Pf. besteuert.— Auf den Linien der städtischen Berliner elektrischen Straßenbahnen Bchrenstraßc— Treptow und Mittelstraßc— Pankow— Nicderschön- hausen gestalten sich die Fahrpreise wie folgt: Bei den Fahrkarten zum Preise bis 2 M. kommt eine Steuer von 5 Pf. hinzu, bei einem Preise von 2— 5 M. eine Steuer von 10 Pf. und über 5 M. eine Steuer von 20 Pf. Der Bevölkerungsstand von Berlin betrug nach den Ermittelungen des Statistischen Amts am Ende des Monats Juni 1906 2 960 777, darunter 997 965 männliche und 1 062 812 weibliche Personen. Im Juni dieses Jahres zogen 18 255 Personen zu und 16 069 ab, im Mai dieses Jahres 21 238 zu und 16 179 fort, im April dieses Jahres 38 192 zu und 26 916 weg und im März dieses Jahres 22 759 zu und 26 142 ab. Der Zuzug überstieg al)o in den letzten Monaten mit Einschluß von Februar und Januar dieses Jahres den Abzug. nur im Monat März dieses Jahres war der Abzug größer als der Zuzug. Zum Weißbierkrieg. Zwischen den Gastwirten und den auf ihren Forderungen bestehenden Weißbierbrauereien ist es jetzt, nachdem alle Verhandlungen zu keinem Ergebnis geführt haben, zum offenen Kampf gekommen. An den Fenstern und im Innern vieler Gast- wirtschaften und Flaschcnbicrgeschäfte findet man jetzt große Plakate mit der Aufschrift:„Ringfrcies Weißbier". Die kleinen Brauerelen, die nach dem Abkommen mit den Gastwirten das Weißbier für 9 Pf. pro Liter liefern, werden jetzt so von den Gastwirten in Anspruch genommen, daß viele ihre Betriebe vergrößern müssen. Die Berliner Wirte haben in ihrer überwältigenden Mehrheit den Ringbrauereien die Kundschaft entzogen. Um sich vor einem voll- ständigen Kundenschwinid zu schützen, gehen diese jetzt dazu über, „Kampfpreise", das heißt billigere Preise als die bisher gezahlten anzubieten. Die Gastwirte sehen darin aber nur den Versuch. den Gegenring zu sprengen und wollen das Ringbicr nicht nehmen, auch wenn es umsonst geliefert werde. Daneben geht die Gründung von Genossenschaftsbrauereien vorwärts. Nachdem der Verein der Weißbierwirte eine Brauerei angekauft hat, greift auch der Verein Berliner Bestaurateure zu demselben Mittel. Ein schwerer Bauunfall, wobei ein Arbeiter getötet und einer tödlich verletzt wurde, ereignete sich gestern morgen kurz nach 1 Uhr aui dem Neubau taf SuKMungshaLe am Zoologischen Garten. Der Firma Cyklop, Pankstratze, ist dort die Lieferung und Monticrung der eisernen Dachkonstruktion übertragen. Zwei bei derselben beschäftigte Arbeiter, Parwclski und Hofka, im Alter von 18 und 21 Jahren, waren um die genannte Zeit damit be» schäftigt, die Lage einiger Krcuzhölzcr, welche ihnen als Rüstung diente, zu ändern. Das geschah in einer Höhe von ungefähr 29 bis 22 Meter über dem Erdboden und über einem Raum, welcher in einer Fläche von 5 Meter breit und 12 Meter lang nicht ab- gedeckt ist. Diesen Raum überdeckten in seiner Breite drei Kreuz- Hölzer. Die Veränderung der Lage der Hölzer ging in der Weise vor sich, daß auf jeder Seite ein Mann stand, und zwar einer, welcher auf dieser Seite an dem Krcuzholz schob, während der andere auf jener Seite an demselben in Rcitcrstcllung zog, um cS auf jene Seite hinüberzuziehen. Nun muß das Holz plötzlich zu weit hinübergezogen worden sein, so daß der eine beim Nach» greifen das Gleichgewicht verloren hat und in die Tiefe stürzte. Dadurch, daß nun das Holz auf der einen Seite keinen Stützpunkt mehr hatte, kam auch der andere?lrbciter in der üblichen Reiter- stellung, welche beim Transport schwerer Hölzer und Eisen an» gewendet wird, in eine gefährliche Lage, indem das Holz auf dem einen Ende herunterfiel und den Arbeiter als Reiter mit in die Tiefe ritz, wobei er auf den unten liegenden Arbeiter fiel. P. war sofort tot, während der andere auf dem Transport nach dem Krankenhaus verstarb. Die Schuld an dem Unfall ist wohl, wie fast überall, der mangelhaften Rüstung und Abdeckung zuzuschreiben. Wäre in dem Raum eine Langrüstung vorhanden gewesen, so wäre das Unglück nicht so groß geworden. Zu bemerken ist noch, daß erst 10 Minuten nach 8 Uhr ärztliche Hülfe erschien und 8 Uhr 20 Minuten der Wagen nach der Unfallstation fuhr. Die Leiche des P. ist erst nach 11 Uhr von dem Unglücksort weggeholt worden. So lange hat dieselbe verdeckt dort gelegen. Die Abbruchsarbeiten im Scheuncnviertel werden nunmehr fortgesetzt und fallen zunächst die Häuser Linienstratzc 15 und 16 und Lothringerstraße 110 und 109. Die beiden letzteren, weit in die Straßenflucht hineinragenden Grundstücke enthalten noch Reste der alten Stadtmauer, welche hinter der Linienstratze entlang führte. Durch die Freilcgung der Grundstücke wird die endgültige Regulierung der Lothringerstraße in der Gegend des Prenzlauer Tores endlich ermöglicht werden. NnglückSfälle im Straßenverkehr. Ein schwerer Automobilunfall, wobei drei Personen erheblich verletzt wurden, hat sich gestern abend in der 10. Stunde in der Hochstraße ereignet. Der Chauffeur Lachmann aus der Kant- straße 81 war mit einem Kraftwagen, auf dem sich zwei erwachsene Personen und ein Knabe befanden, die Hochstraße entlang gefahren, als in der Nähe der Eiscnbahnuntcrführung plötzlich die Steuerung versagte. Der Chauffeur verlor dadurch die Gewalt über den Wagen und mit voller Wucht sauste das Automobil gegen einen Baum und wurde umgcschlcudcrt. Außer dem Knaben, der glück- licherweise zwischen dem Polstersitz eingeklemmt war, wurden die Insassen sämtlich aus den Fahrdamm geworfen und blieben dort bewußtlos liegen. Sie hatten alle schwere Verletzungen sowie innere Erschütterungen erlitten und mutzten nach der Unfallstation in der Badstraße gebracht werden. Das Automobil wurde durch den Anprall fast vollständig demoliert. Von einem Automobilomnibus überfahre» und schwer verletzt wurde gestern der Kutscher Albert Franz von der Allgemeinen Berliner Omnibusgesellschaft. F. war auf dem Depot in der Usedomstraße beschäftigt, und als gestern morgen ein Automobil- omnibus aus dem Depot herausfuhr, wurde der Kutscher von dem- selben umgerissen und überfahren. Er erlitt einen komplizierten Armbruch._ Vom Hitzschlage getroffen. Auf der Straße ist gestern der 50jährige pensionierte Kriminalwachtmeister Rudolf Breisert aus der Breitestraße 3 vom Tode überrascht worden. B. ging durch die Bcllealliancestraße und brach vor dem Hause Nr. 76 plötzlich zu- sammen. Passanten brachten ihn nach der nahen Unfallstation, doch starb er bereits auf dem Transport an den Folgen eines Hitzschlages. Die Leiche wurde in das Schauhaus eingeliefert. Rätselhafter Leichenfund. Aus dem Potsdamer Hafen am Schöneberger Ufer wurde am Sonntag die Leiche des 27jährigen Bootsmannes Emil Trubach aus Zerpenschleuse gelandet, und eine Reihe verdächtiger Begleitumstände sprechen dafür, daß T. den Tod durch dritte Hand gefunden hat. Am Sonnabend abend gegen 8 Uhr war die Bootsniannsfamilie Trubach auf einer Frachtzillc der Vereinigten Berliner Mörtelwerke, von Hoherlehme kommend, im Potsdamer Hafen eingetroffen. Etwa eine halbe Stunde später verließ der junge Trubach den Kahn, um sich das Leben und Treiben in den Straßen anzusehen. Die Eltern wunderten sich darüber, daß ihr Sohn im Laufe des Abends nicht nach der Zille zurückkehrte. Auch die ganze Nacht hindurch warteten sie ver- geblich auf das Eintreffen des Vermißten. Am Sonntag morgen wurde auf dem benachbarten Kahn, von welchem der Mortelkahn durch ein übergelegtes Brett zu erreichen ist. die Mütze und die Primdose des T. aufgefunden. Bei einer Absuchung des Hafens wurde dann gegen Mittag zwischen den beiden Fahrzeugen die Leiche des jungen Mannes entdeckt. Das Portemonnaie, in dem sich einige Mark befunden hatten, fehlte. Ob nun T. beraubt und dann gewaltsam ins Wasser gestoßen ist. konnte noch nicht fest. gestellt werden. Für diese Annahme sprechen die Aussagen des Schifferpaares Pictsch vom Nachbarkahne. P. gab der Polizei gegenüber an, daß in der Nacht drei gefährliche Mannspersonen auf seinem Kahn übernächtigt hätten. Frau P. hatte dieselben an der Stelle des Kahnes beobachtet, an der die Mütze und Primdose gefunden wurden. Es ist jene Stelle, die der junge Mann passieren mußte, um nach der Zille der Eltern zu gelangen. Es wird nun angenommen, daß T. in dem Augenblick, als er über das zwischen den beiden Fahrzeugen befindliche Brett schritt, durch einen hinter- rücks geführten Schlag betäubt und dann ins Wasser gestoßen worden ist. Wäre der junge Mann verunglückt, so hätte er sich zweifellos retten können, da er ein vorzüglicher Schwimmer war. Die Annahme, daß er vielleicht in der Trunkenheit ins Wasser ge- fallen seu> könnte, halten die Angehörigen für ausgeschlossen. Nachdem an Ort und Stelle der Tatbestand aufgenommen worden war. wurde die Leiche polizeilich beschlagnahmt und zur Obduktion in das Schauhaus eingeliefert. Einige Abendblätter meldeten gestern abend, daß von einem Ueberfall keine Rede sein könne, sondern T. ins Wasser gefallen und an Herzschlag gestorben ist. Wegen Unterschlagung und Chcckfälfchung ist der 32jährige Buchhalter B. aus der Schulzestraße verhaftet worden. B. war bei einer Fabrikfirma in der Kreuzstratze beschäftigt und hat dort sei Februar mehrere Unterschlagungen in Höhe von insgesamt 2000 Mark verübt. Auch Fälschungen von Chccks werden ihm zur Last gelegt. B. hat vor dem Untersuchungsrichter ein Geständnis abgelegt. Durch große Unvorsichtigkeit sind in der vergangenen Nacht zwei junge Mädchen schwer zu Schaden gekommen. Die 16 und 20 Jahre alten Schwestern Frida und Marie Dreßler, Kaiser- allee 19 wohnhaft, hatten gestern abend in einer Laubenkolonie am Gesundbrunnen ein Erntefest besucht. Als sie nachts heimkehren wollten, bestiegen sie auf dem Bahnhof Gesundbrunnen irrtüm- licherweise einen falschen Zug, und erst als sich derselbe in Be- wcgung gesetzt hatte, bemerkten sie dies. Ohne lange zu über- legen, riß die Frida D. die Coupetür auf und sprang aus dem fahrenden Zuge heraus. Trotzdem das Tempo immer schneller wurde, sprang ihr die Schwester nach. Beide Mädchen kamen auf dem BabnjlLlg zu Lall und wurden erheblich verletzt nach der Unfallstation 17 gebracht. Aeußerst schwer verlegt war die Marie D., welche besinnungslos davongetragen wurde. Sie mußte in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Betriebssteuer, welche auf Grund des Kommunalabgaben-| Köpenick. gesezes in den Landkreisen an die Kreiskassen abgeführt werden muß, Zu einer unliebsamen Auseinandersehung zwischen Baubringt dem Nieder- Barnimer Kreise bei 2791 Schankbetrieben für arbeitern und Polizeibeamten kam es in der Sonntagsnacht in das laufende Geschäftsjahr 43 000 m. Köpenid, woselbst der Malermeister Bademad aus Friedrichshagen Der Bankbeamte Georg Drewin behauptet, daß ihm sein Reisefreund Kersten die Tausendmarkscheine in Swinemünde gestohlen Streises 1711 Konzessionsgesuche vorlagen, von denen allerdings nur Da im laufenden Geschäftsjahr dem Bezirksausschuß des in der Bahnhofsstraße einen Neubau errichten läßt. Der Bau war habe. Dem Dienstmann, der in der Friedrichstraße den Tausend 404 genehmigt wurden, jo fann man ermeſſen, wie verlodend die Polizeilich inhibiert worden, weil 3. die bebauungsfähige Fläche überschritten hatte. Er ersuchte bei dem Bezirksausschuß um markschein zum Wechseln erhielt, wurde Drewin gegenübergestellt. Die Kriminalpolizei ließ den Dienstmann in ein Zimmer treten, Erhebung einer Stonzessionssteuer für die Kreisverwaltung ist. Im Dispens, dessen Erteilung bisher noch nicht stattgefunden hat, der in dem eine Gruppe junger Männer, darunter Drewin, versammelt übrigen ist der erst seit September vorigen Jahres im Amte befind- Unternehmer ließ jedoch heimlich an dem Bau weiter arbeiten. Dies war. Der Dienstmann bezeichnete diesen sofort als seinen Auf- liche Landrat von Rödern sehr rührig für Erschließung neuer Steuer- wurde in der Sonnabendnacht von einem städtischen Nachtwächter quellen. Außer der vorstehenden neuen Konzessionssteuer wird die beobachtet, der hiervon die Polizei benachrichtigte. Als nun Beamte traggeber, wurde aber später unsicher. vor kurzem beschlossene Kreis- Umsatzsteuer dem Kreise 186 775 W. erschienen, um die Weiterarbeit zu inhibieren, wurden von dem Bau Steine herabgeworfen und Wasser heruntergegossen. Die Bea amten betraten das Grundstück, es war jedoch unmöglich, weiter zu gelangen, denn die Arbeiter hatten die nach dem zweiten Stockwerk führenden Leitern in die Höhe gezogen. Der Bau wurde nun belagert, bis es Tag wurde, und da stellte es sich heraus, daß die Maurer, vermutlich über das Dach des niedriger belegenen Neben. Hauses hinweg, entkommen waren. Rixdorf. Bei der Generalversammlung am 29. Juli find gefunden einbringen. worden: 1 Baar Manschetten mit Knöpfen, 1 Stod, 1 Eintrittskarte zum Stiftungsfest des Metallarbeiterverbandes, Verwaltung Tegel. Die Gegenstände können im Verbandsbureau Lindenstr. 69, 3. Hof 3 Treppen links, vormittags zwischen 9-1 Uhr, nachmittags zwischen 4-8 Uhr in Empfang genommen werden. Gasvergiftungen. Bei einem seltsamen Unglücksfall find mehrere Arbeiter zu Schaden gekommen. Auf dem Grundstück der städtischen Gasanstalt in der Teupizerstraße in Rigdorf waren sie mit dem Auskarren von verbrauchter Reinigungsmasse aus dem ausgeschalteten Reiniger I beschäftigt. Aus den Absperrungsvorrich tungen des Behälters drangen mit einmal Gasmengen heraus, wodurch die Arbeiter alle betäubt wurden und zusammenbrachen. Glücklicherweise war die Katastrophe bemerkt worden, so daß den Gefährdeten schnelle Hülfe zuteil werden konnte. Ein hinzugerufener Arzt konstatierte bei den Berunglückten Gasvergiftungen und ließ sie, nachdem er ihnen die erste Hülfe geleistet, in ihre Wohnungen bringen. Die Genossen Frizz Woid und Bernhard Lietsche haben ihr Amt als Gewerbegerichtsbeisiger niedergelegt, da dieselben dem Gesetz entsprechend als Arbeitnehmer gelten. Eine Neuwahl ist nicht erforderlich, da die gewählten Ersatzmänner an deren Stelle treten. Wilhelmsruh. Feuerbericht. In der Komischen Oper in der Friedrichstraße 100 schmorte am Sonntagabend während der Vorstellung ein Kabelschuh und ein Teil der Isolierung des Kabels, wodurch Brandgeruch entstand. Die anwesende Feuerwehr beseitigte die Gefahr sofort. Das Publikum blieb ruhig. In der letzten Nacht um 3 Uhr hatte die 2. Kompagnie längere Zeit auf dem Ostbahnhof zu tun, wo Sohlen brannten und die Feuerwehr tüchtig Wasser geben mußte, um die Flammen zu löschen; ferner hatte die Feuerwehr zweimal In einer start besuchten von allen Bereinen einberufenen öffent auf dem Moabiter und Nordbahnhof Kohlen abzulöschen. In der Die Abteilung Rigdorf- Brit der freien Jugendorganisation hält lichen Versammlung wurde am Freitag nochmals über das Vorgehen Usedomstraße 9 mußte der 3. Zug fräftig Wasser geben, um einen am Mittwoch, den 1. August cr., abends 8 Uhr, bei Wilfe, Hermann der Gemeindevertreter Majorität bezüglich des Rathaus- und SchulBrand zu löschen, der im Keller des Poftamtes 31 ausgekommen straße 213, eine Versammlung ab. Wir bitten die Partei- und hausbaues verhandelt. Nach längerer lebhafter Debatte wurde war und an Papier schnell reiche Nahrung gefunden hatte. Es Gewerkschaftsgenossen, ihre Söhne und Töchter im Alter von 14 bis folgende Resolution einstimmig angenommen: Die heute in Wilhelmsgelang schließlich, den Brand auf den Keller zu beschränken. Nachts 18 Jahren auf diese Versammlung hinzuweisen. ruh tagende, überaus zahlreich besuchte Versammlung spricht ihre um 11 Uhr kam ein größerer Brand in einem Stallgebäude in der Entrüstung über die Handlungsweise der Majorität der Gemeinde Bappelallee 5a zum Ausbruch, der, von Futtervorräten genährt, Weißensee. bertretung gegenüber der Minorität aus, der es durch Schlußanträge schnell um sich griff. Es gelang indes, die Kühe und Pferde in Aus der Gemeindevertretung. Zunächst wurde der neugewählte unmöglich gemacht wurde, ihre Ansichten über den Rathausbau auszus Sicherheit zu bringen und die Flammen auf den Futterboden, den Genosse Julius Pated in sein Amt eingeführt. Ein arger sprechen. Die Versammlung erklärt ferner die nur von der Majorität Stall und das Dach zu beschränken., Montag früh um 5 Uhr mußte Mißstand zeigt sich wiederum in den Volksschulverhältnissen. Während der Gemeindevertreter unterzeichneten Berichte an die Berliner ein Kellerbrand in der Revalerstraße 10 gelöscht werden, der durch für die höhere Knabenschule, deren Schülerzahl zirka 80 beträgt, in Beitungen als falsch und nur geschrieben, um die öffentliche Selbstentzündung von Kohlen entstanden war. In der Alexandrinen- Kürze eine eigene Schule mit Direktorwohnung errichtet werden soll, Meinung bon den standalösen hiesigen Schulverhältnissen straße 119/120 hatte die Wehr mit Löschung eines Brandes zu tun, ist man für die Volksschule bereit, zu den schon vorhandenen noch abzulenken. Dieselbe Majorität der Gemeindevertreter ist es, welche ber in einer Färberei ausgekommen war. Betten und Möbel weitere Mietsräume zu schaffen, und zwar trifft dies für den alten stets nur für die Vornahme eines nicht genügenden Anbaues an das wurden in der Lottumstraße 21 und an anderen Stellen ein Raub Ortsteil zu. Die Alt- Weißenseer Gemeindevertretung hat schon vor alte Rosenthaler Schulhaus wirkt, wodurch auf Jahre hinaus der so der Flammen. Weitere Alarme liefen aus der Straßburger- Jahren ein Grundstück für Schulzwecke erworben, und trotzdem dieser nötige Bau einer Schule in Wilhelmsruh unmöglich werden soll. Straße 57, Lüßowffraße 5, Görligerstraße 23 usw. ein. Ortsteil in der besten Entwickelung steht, denkt man an den Neubau Die Versammlung verlangt mit aller Entschiedenheit für Wilhelmseiner Volksschule nicht; man will sich mit weiteren Mietsräumen be- ruh eine eigene vollklassige Schule, wie sie einem Drte unmittelbar helfen und einen Vertrag bis zum 1. April 1911 abschließen. Dem vor den Toren Berlins zukommt. Die Versammelten erklären den Tiefbauamt mußten wiederum einige Beamtenstellen bewilligt beabsichtigten Rathausbau für die 5000 Einwohner zählende Gewerden, und zwar ein Geometer- und ein Verwaltungsbeamter, meinde als einen unnötigen Lurus, welcher der Gemeinde große Aus Ronzeffionssteuern für den Gast- und Schankwirtschaftsbetrieb. ferner die dazu notwendigen Bureau- und Zeichenutensilien. Bei gaben verursacht, wodurch die wichtigen Aufgaben besonders auf dem Auf dem Nieder- Barnimer Kreistage, welcher am 14. August tagt, dieser Gelegenheit verlangten die Alt- Weißenfeer Vertreter nunmehr Gebiete der Schule beeinträchtigt, vielleicht unausführbar gemacht sicht unter anderen Gegenständen zur Beratung„ der Erlaß einer energische Inangriffnahme der Kanalisation im alten Ortsteil. Ordnung für die Erhebung einer Kreissteuer von der Erlangung zur Arrondierung der zu Riefelzweden angekauften Ländereien in der Erlaubnis zum ständigen Betriebe der Gast- oder Schankwirt- Birkholz wurde beschlossen, weitere 105 Morgen zum Preise von schaft oder des Kleinhandels mit Branntwein und Spiritus". Bei 63 000 m. zu erwerben. der Zusammenfeßung des Kreistages steht außer allem Zweifel, daß Bernau. Vorort- Nachrichten. werden. Eingegangene Druckschriften. Der„ Süddeutsche Postillon" Nr. 16 ist soeben erschienen. Würdig schließt sich diese Nummer in Wort und Bild den früheren an. Die drei unseres Wissens hier zum erstenmal in Preußen die Konzessions- In der Stadtverordnetenversammlung wurde den städtischen Vollbilder: Ein bitterer Trunk oder Der frommgewordene Liberalismus; Steuer wird angenommen und die Davon betroffenen Angestellten die Fürsorge der bürgerlichen Vertreter deutlich ver- zum Feilikschjubiläum; die Reichen in der Sommerfrische wirken illustratio Gastwirte mit einer zwar einmaligen aber schiver treffenden neuen anschaulicht, indem sie den Pensionsanspruch des Nachtwächters großartig. Eine weitere Anzahl Kleinerer Illustrationen bereichert diese Steuer belastet werden. Zur Erhebung sollen 10 Proz. des Kauf- Höppner, welcher für ein Jahresgehalt von 550 Mark über 20 Jahre Nummer. Tertlich steht das Gedicht Mißlungener Anarchistenfang an der oder Mietspreises kommen und zwar dergestalt, daß bei Neueins in städtischen Diensten gestanden und nun infolge seines Alters Spike. Ihm folgen Sittlicher Turnunterricht, was in der Welt vorgeht, Das Gesuch der Orts Mannheim( zur Abtreibung des Parteilokals), Regensburger Staats richtung eines Betriebes der Mietspreis der Gast- und Schankräume seinen Abschied genommen, ablehnten. rettung, Altena- Iserlohn( rot nicht schwarz in Trumpf), Hurra, Nürnberg zugrunde gelegt wird, so daß bei einer Jahresmiete von 3000 M. frankenkasse, die Wiedereinführung der freien Arztwahl für die im( ein Gedicht in sächsischer Mundart, auf die Gründung einer Polizei300 M. Konzessionssteuer erhoben werden. Bei Verkäufen wird die städtischen Krankenhause befindlichen Kranken der Ortskasse betreffend, Organisation), Der Zeitungsverkäufer als Bensor sowie eine Menge Verkaufssumme zugrunde gelegt, ebenso bei Pachtverträgen der Ab- wurde abgelehnt. Sodann wurde die Baufluchtlinie der Basdorfer- fleinerer Beiträge von unseren besten Mitarbeitern. Die Nummer ist in schäßungswert. straße in einer Breite von 20 Metern und die der Schönower Chaussee jeder Parteibuchhandlung sowie bei den Kolporteuren um den Preis von in einer Breite von 18 Metern genehmigt. Die Versammlung er- 10 Pf. zu haben. flärte sich der hohen Kosten wegen gegen die Abhaltung des BrandenWetter- Prognose für Dienstag, den 31. Juli 1906. Troden und vorwiegend heiter bei schwachen nordöstlichen Winden und burgischen Städtetages in Bernau, denn die verschiedenen Festessen, Ausflüge und Empfänge hätten die mit einem färglichen Etat wenig veränderter Temperatur. Berliner Wetterbureau. rechnenden Stadt die Kleinigkeit von 2000 bis 3000 Mart gekostet. Sehen wir ab von den Reichssteuern auf Bier und Branntwein, so sind die Gastwirte außer der Einkommen- und Gewerbesteuer im Nieder- Barnimer Kreise mit der Betriebssteuer und dem Betriebssteuerzuschlag belastet; dazu kommt noch die kommunale Erhebung der Biersteuer und die Lustbarkeitssteuer. 4. Am Mittwoch den 1. 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Keine Kaufverpflichtung. Keine Kaufverpflichtung. Für den Inhalt der Inserate bernimmt die Redaktion dem Bublitum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, den 31. Juli. Anfang 7 Uhr. Renes Operntheater. Anfang 8 Uhr. Carmen. Berliner. Sherlock Holmes. Leffing. Die lustige Bitwe. Schiller 0.( Wallner- Theater.) Morwik- Dper: Der Troubadour. Schiller N.( Friedrich Wilhelm Städtisches Theater). Bapfenstreich. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( allner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Dienstag, abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Morwit- Oper. Dienstag, abends 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötel. Der Troubadour. Große Oper in 4 Aften von Verdi. Mittwoch, abends 8 Uhr: Fidelio. Drama in 4 Auszügen von Franz Adam Beyerlein. Mittwoch, abends 8 11 hr: Zapfenstreich. Donnerstag, abends8 11h1: Donnerstag, abend38 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötel: Martha, oder: Der Markt zu Richmond. Im Urania Taubenstr. 48/49. 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Täglich im Garten bezwv. in den unteren Sälen Die Vertrauensmänner- Versammlung fällt am Mittwoch, den 1. August, aus. Dieselbe findet dafür am Montag, den 6. August, statt. Gottschalk Freikonzert Bezirk Destliche Vororte: Wilder, Price Mittwoch u. Sonnabend: Freitanz. Bernhard Rose- Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. bei Friedrich Karlstr. 11, Friedrichsberg. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Werkstattangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Es ist Pflicht der Kollegen, ihre Bertrauensmänner speziell darauf aufmerksam zu machen. Bautischler. Der Verschwender. Bezirk I: bei Möhring, Admiralftr. 18c. Romant. Schauspiel in 2 Aufzügen Außerdem das phänomenale ( 9 Bildern) von Ferd. Raimund. Bezirk II: bei Zietz, Warschauerstr. 61. Juli. Spezialitäten. Brogramm. Bezirk III: bel Hube, Ropenhagenerstr. 74. Paul Coradine. Bezirk IV: bet Fortanier, Tegelerstr. 56. Carl Braun u. bieles m. Anf. 4, Uhr. Eröffn. 2 Uhr. Billettborbert. v. 10-1 an der Theaterkasse. 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