Nr. 184. flbonnementS'Bedlngunaen: SlSomtcmcnlä> Preis pränumerando! »iertcljnhrl. Z.M Mk., monatt. I.lv Mk., wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- wunimer»lit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Well' 10 Psg. Posl- »lbonneincnl: l.io Marl pro Monat. Eingetragen i» die Post-Zeilungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Ocsicrreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Altsland 8 Marl pro Monat. PoslabonncuientS nehmen an: Belgien, Dänemark. Holland, Jlnlicn, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schivedc» und die Schweiz. 33. Iahkg. CridKint Wich außer tilontagt. Vevlinev VolksblÄkk. Die Inferllons'GebQfir beträgt für die fechsgespaltenc Kolonel- geile oder deren Rauni eo Pfg„ für politische und gewerkschaftliche Vereins« und Versammlungs. Anzeigen 80 Pfg. „Kleine Hnreigcn", das erste(fett« gedruckle) Wort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlas- stcllen>Anzeigcn das erste Wort lO Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 18 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geösstiet, Telegramm-Adresse: „SczialdemoKral Rerlin". Zentralorgan der fozialdeniokrattfchen Partei Oeutfchlands. RcdaUtion: SRI. 68, Lindcnstrasec 69» Ncriisprechcr: Nuit IV. Nr. Freitag, den 10. August 1906. Expedition: SM. 68» I.indenstrasse 69. Aseriiivrcclier:?l>nt IV. Nr. 1i>.84. Li» unüberbrückbarer L egenlatz? Der„ Zimmerer", ias Organ des Zimmerer« Verbandes, bringt in seiner Nummer 30 vom 28. Juli eine offizielle Erklärung, die als Beitrag zu dem Thema„Partei und Gewerkschaften" bemerkenswert ist. Es ist eine Ver- öffentlichung der Preßkommission des Zentral- Verbandes der Zimmerer, betitelt:„Erklärung betreffend die Polemik zwischen dem„Zentralorgan der sozial- demokratischen Partei Deutschlands", dem„Vorwärts", und dem„Zimmerer." Der Wortlaut ist folgender: „Zwischen der Redaktion des„Zimmerer" und der unterzeich- rieten Kommission hat eine Aussprache über die Haltung unseres Fachorgans zu einem Teil der sozialdemokratischen Parteipresse stattgefunden. Die Unterlage dieser Aussprache bildete die nach- stehende Rcdaktionscrklärung: „Die Redaktion des„Zimmerer" bedauert lebhaft und auf- .sichtig, daß zwischen einem sozialdemokratischen Gewerkschafts- organ, wie der„Zimmerer" eins ist, und einem Teil der sozial- demokratischen Parteiprcsse, besonders dem„Vorwärts", eine Polemik geführt werden mußte, die nach außen den Anschein erwecken konnte, als handle es sich um einen regelrechten Kampf zwischen zwei feindlichen Parteien. Allein die Redaktion des „Zimmerer" lehnt die Verantwortung für diese Polemik cnt- schieden ab. Die Ursache der Polemik bilden Bestrebungen einer Gruppe von Nurparteigcnossen, die darauf abzielen, die Ge- werkschaf.Sorganisation als solche in den politischen Klassenkampf zu bugsieren und dadurch die traditionelle Gewerkschaftstaktik illusorisch zu machen. Außerdem ist es die Art und Weise, wie besonders der„Vorwärts" die Bestrebungen jener Gruppe�von Nurparteigenossen unterstützt und sie der Gcwerkschaftspresse gegenüber vertritt. Die Haltung des„Vorwärts", die Art und Weise und der Ton seiner Journalistik müssen zu widerlichen Polemiken führen. Die Ziele und Bestrebungen der deutschen Getocrlschaften vertragen sich nicht mit den angedeuteten Bestrebungen einer Gruppe von Nurparteigenossen. Der Zweck unseres Zentral- Verbandes ist: die Wahrung und Verbesserung der beruflich- wirtschaftlichen Lage der Zimmerer Deutschlands, und unser Zentralverband will dieses Ziel erreichen durch seine dcmo- kratischc Organisation und eventuell durch den Kampf gegen die Kapitalisten und Arbeitgeber unseres Berufes. Das Verbands- organ, der„Zimmerer" ist verpflichtet, diesen Verbandscharakter „mit der gehörigen Schärfe" zu vertreten bczw. diesen„unseren Standpunkt scharf hervorzukehren". Bei dieser Sachlage sind Auseinandersetzungen von dem Zeitpunkt an unvermeidlich, wo die angedeuteten Bestrebungen einer Gruppe von Nurparteigenossen, die in einer Anzahl Partei- organe rücksichtslos vertreten werden, anfangen, auf unseren Zentralvcrband schädigend einzuwirken. Dieser Zeitpunkt ist längst erreicht, die Propaganda für die angedeuteten Bestrebungen einer Gruppe von Nurparteigenossen wirkt längst lähmend und das gegenseitige Vertrauen untergrabend auf unseren Zentrak verband ein., Die Redaktion des„Zimmerer" ist sich bewußt, trotz alledem immer versucht zu haben, in ruhiger und sachlicher Weise den Charakter bczw. den Standpunkt des Zentralverbandes zu ver- treten und alles zu meiden, was die Auseinandersetzungen ab- stoßend hätte machen können. Die Redaktion des„Zimmerer" ist jederzeit bereit, ihre diesbezügliche Tätigkeit einzustellen, wenn die Zentralinstanzen unseres Zentralverbandes das beschließen bezw. die Verantwortung für die Konsequenzen unserer Untätig- keit übernehmen." An dieser Auffassung der Sachlage ist nichts auszusetzen. Es Gesteht tasächlich ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen den Be- strebungcn csaicr Gruppe von Nurparteigenossen, die in einem Teile der Parteipresse ihre- Vertretung finden, und unseren Verbands- bestrebungcn, welche unser Verbandsorgan selbstverständlich zu vertreten hat. Ein Ausgleich ist nur zu schaffen durch die Auf- gäbe der einen oder anderen Bestrebungen. Die unterzeichnete Kommission kann aber unsere Vcrbandsbestrebungen ebenso wenig aufgeben, wie die Redaktion des„Zimmerer" die Vertretung der- selben nach innen und außen. Das kann vielmehr nur eine Generalversammlung unseres Verbandes. Wir stellen ferner fest, daß zwischen unseren Verbands- bcstrebungen und der offiziellen Auffassung der sozialdemokrati- schen Partei über den Zweck der Gewerkschaften ein Gegensatz nicht besteht. In einer Kundgebung des Parteivorstandes nach dem Parteitage in Jena wird in bezug auf die Haltung der Parteigenossen und der Parteipresse zu den Gewerkschaften aus- geführt: „Die gewerkschaftlichen Organisationen, die die Aufgabe haben, die Lage der Arbeiterklasse auf dem Boden der bc- bestehenden Wirtschaftsordnung nach jeder Richtung hin zu heben und zu verbessern und andererseits ungehörige Zu- mutungen der Unternehmer an die Arbeiter zurückzuweisen, sind eine unbedingte Notwendigkeit in der bestehenden sozialen Ordnung. Diese Organisationen erfüllen in um so vollkommenerem Maße ihren Zweck, je größer die Zahl der Arbeiter ist, die in einem bestimmten Berufe ihrer Gcwerkschaftsorganisation an- gehören. Sind sämtliche in einem bestimmten Berufe vor- handenen Arbeiter in ihrer Gewerkschaft organisiert, so hat die- selbe das Ideal einer Gewerkschaftsorganisation erreicht. Es ist Pflicht eines jeden Parteigenossen, wie es in der vom Jenaer Parteitage über den politischen Massenstreik an- genommenen Resolution heißt, für dessen Beruf eine Gewerk- schaftsorganisation vorhanden ist oder gegründet werden kann. einer solckcn beizutreten und die Ziele und Zwecke der Ge- wcrkschaftcn zu unterstützen. Das letztere ist selbstverständlich auch Aufgabe der Partei. presse, die dort, wo sie kritisch gegen Vorgänge in einer Ge- werkschaft auftritt, nie vergessen möge, welche Aufgabe sie als lrbeiterpresse den Gewerkschaften gegenüber zu erfüllen hat." Das ist auch unser Standpunkt und der Standpunkt der Re- daktion des„Zimmerer". Die Preßpolemik, welche sich an einen Artikel im«Zimmerer" Nr. 14 vom 7. April 190tZ knüpfte, ist abgeschlossen; wir stellen fest, daß der„Zimmerer" in allen Fällen dann seine Verteidigung eingestellt hat, wenn Angriffe nicht mehr erfolgten. Wir haben die Uebcrzeugung/daß solche bedauernswerte Polemik nicht wieder- kehrt, wenn die Parteipresse sowohl wie auch die Gcwerkschafts- presse die zitierte Kundgebung des Parteivorstandcs, die mit unseren Berbandsbestrebungen harmoniert, sich zur Richtschnur ihrer Haltung nehmen." Die Preßkommission des„Zimmerers" erklärt also die Redaktion des„Zimmerers" für gerechtfertigt und der„Vor- ivärts" wäre demnach der an den„widerlichen Polemiken" allein schuldige Teil. Wir wissen nicht, auf Grund ivelchen Materials die Preßkommission des„Zimmerers" ihren Urteils- spruch gefällt hat, ob sie alle beiderseitigen Aeußerungen, die in der Auseinandersetzung zwischen„Vorwärts" und„Zim- merer" getan worden sind, genau geprüft hat. Hat sie es getan, so ist ihre Erklärung noch weniger zu verstehen, als im anderen Falle. Denn das Urteil der Preßkommission des „Zimmerers" ist falsch. Wir werden das im einzelnen nach- weisen. Das Wichtigste zunächst. Die Redaktion des„Zimmerers" sagt: „... Die Ursache der Polemik' bilden Bestrebungen einer Gruppe von Nurparteigenossen, die darauf abzielen, die Gcwerkschafts- organisation als solche in den politischen Klassenkampf zu bugsieren und dadurch die traditionelle Gcwcrkschaststaktik illusorisch zu machen. Außerdem ist eS die Art und Weise, wie besonders der„Vorwärts" die Bcstrebungen jener Gruppe von Nurparteigenossen unterstutzt und sie der Gewerkschaftspresse gegenüber vertritt... l" Und die Prcßkommission sagt dazu: «... Es besteht tatsächlich ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen den Bcstrebungen einer Gruppe von Nurpartri- genossen, die in einem I'eile der Partcipresse ihre Vertretung finden und unseren Berbandsbestrebungen, welche unser Verbandsorgan selbstverständlich zu vertreten hat..." Diese Anklage ist in allen Punkten haltlos. Es wird mit dein neugeschaffenen Begriff Nurparteigcnossen operiert. Näher bestimmt wird er nicht, denn bei dem Nachsatz:„... die darauf abzielen, die Gewerkschaftsorganisation als solche in den politischen Klassenkampf zu bugsieren und dadurch die traditionelle Gewerkschafts- taktik illusorisch zu machen..." läßt sich das Verschiedenartigste denken. Was heißt:„die Gewerkschafts- organisation als solche in den politischen Klassenkampf bugsieren"? Versteht der«Zimmerer" darunter die Be- strebungen, die Gewerkschaften von ihrer ablehnenden Stellung zum Massenstreik abzubringen oder sie zu größerer Förderung der Ansätze zur Arbeitsruhe am 1. Mai zu bewegen? Dann wird der Ausdruck„Nurparteigenossen" sinnlos, denn diese Bestrebungen sind in den Gewerkschaften selbst lebendig. Die Maifeier ist in eben demselben Matze eine gewerkschaftliche wie eine politische Demonstration und der politische Massen- streik kommt für Situationen in Frage, wo die Unterscheidung der Arbeiterbewegung in politische und gciverkschaftliche sich unter dem Drange der Notwendigkeit selbst aufhebt. Die Forderung aber, daß die Gewerkschaften sich allezeit bewußt bleiben sollen, daß sie ein Glied der allgemeinen Arbeiter- bewegung sind und Pflichten gegen sie haben, daß sie ihre Mitglieder nicht in den Glauben ein- lullen sollen, mit der_ gewerkschaftlichen Betätigung sei alles getan und die Befreiung der Arbeiterschaft könne durch sie allein erreicht werden, daß sie in ihren Mitgliedern die Erkenntnis wecken sollen für die Notwendigkeit der völligen Beseitigung des Kapitalismus, für die Notwendigkeit der politischen Arbeiterbewegung, auch diese Forderung kann nicht das Merkmal der„Nurparteigenossen" sein und nicht als Ver- such gedeutet werden,„die traditionelle Gewerkschaftstaktik illusorisch zu machen". Denn das ist„traditionelle Gewerk- schaftstaktik" in Deutschland, die erst in neuerer Zeit durch die Vertreter der schärferen Neutralität illusorisch zu machen versucht worden ist. Wer sind denn nun aber die„Nurparteigcnossen" und was für schwarze Pläne verfolgen sie? Es gibt sie nicht in der deutschen Sozialdemokratie! Es gibt keine deutschen Sozialdemokraten, die den Gewerkschaften etwa die Existenzberechtigung absprächen und sie beseitigt sehen möchten oder die die Gelverkschaftcn ihrer Hauptaufgabe, dem Kampf um bessere Arbeitsbedingungen, entfremden und sie etwa lediglich zu Organen des politischen Kampfes machen möchten. Diese letztere Absicht hat ja der„Zimmerer" in der Polemik zen unS auf Grund eines Artikels, den ein ungenannter e n 0 s s e vor etwa Jahresfrist in der Magdeburger„Volks- timnie"— gegen die Redaktion der„Volksstimmc"— veröffentlichte, fälschlicherweise dem„Vorwärts" und seinen Hintermännern" unterstellt, weil der„Vorwärts" einen Teil dieses Artikels in einer Ucbersicht über die Aeußerungen der Parteipresse zum Masscnstreikthema— wiedergegeben hatte I Diese vom„Zimmerer" in eine Acußerung des Vorwärts" unigefälschte Ansicht eines ungenannten Ge- Nossen aus Magdeburg, der niit seiner Forderung nirgends Widerhall in der Partei gefunden hat, ist eine der festen Stützen der Legende des„Zimmerer" von den„Nurpart eigen 0 ssen" und der Vertretung ihrer Be- strebungen durch den„Vorwärt s". Wir wiederholen: Es gibt keine deutschen Sozialdemo- kraten, die„N u r p a r t e i g e n 0 s s e n" sind. Gerade in den Kreisen der Partei, die der„Zimmerer" verdächtigt, wird den Gewerkschaften eine sehr hohe Bedeutung beigemessen für den Befreiungskampf des Proletariats, ist die Erkenntnis ihrer absoluten Uncntbehrlichkeit stark und lebendig. Der„unüberbrückbare Gegensatz", den der „Zimmerer" konstruiert, besteht nicht, diese Grundlage seiner Rechtfertigung ist ein Nichts, ein P h a n t 0 m I Der Gegen- satz, der in der Frage der Maifeier und des Massenstreiks besteht, ist kein unüberbrückbarer, wie die Tatsache zeigt, daß innerhalb der Gewerkschaften selbst die von uns in diesen Fragen vertretenen Bestrebungen verfolgt werden. Die Be- hauptung des„Zimmerers", daß Bestrebungen„einer Gruppe von Nurparteigenossen", die vom„Vorwärts" unterstützt werden, mit den Zielen der Gewerkschaften unverträglich seien und dagegen der„Zimmerer" losgehen mußte, ist ein ähn- liches polemisches Kunststück, wie jenes, das der„Zimmerer" verübte, als er eine Reihe von Partciblättern als„gewerk- schaftsfeindlich" denunzierte, weil sie das Recht der Kritik an gewerkschaftlichen Vorgängen gebraucht hatten und nicht immer mit verschiedenen Gewerkschaftsführern derselben Meinung»varen. Und nun die andere Seite der Sache: Wer die Erklärung der Preßkomniission des„Zimmerers" liest, ohne die Polemik selbst zu kennen, der muß auf den Gedanken kommen, der„Zimmerer", der kein Wässerlcin ge- trübt habe, sei vom bösen„Vorwärts" in einer Art und Weise und in einem Tone angegriffen worden, daß ohne Verschulden des„Zimmerer" eine widerliche Polemik entstehen mußte. Der friedfertige und wohlanständige„Zimmerer" aber hat allemal dann seine Verteidigung eingestellt, wenn Angriffe nicht mehr erfolgten. Wie aber ist der tatsächliche Hergang? Der„Zimmerer" greift einen Teil der Partelpresse an, indem er behauptet, sie sei g e w e r k s ch a f t s f e i n d l i ch. Ein außerordentlich schwerer Vorwurf, dem durch Ausfälle auf „bürgerlich erzogene Berufsliteraten" und„theoretische Silben- stechereien" uftv. vergiftete persönliche Spitzen angeschliffen wurden. Der„Vorwärts" im besonderen wurde Wider die Wahrheit bezichtigt, er habe„die Gewerkschaften nur als Staffage für die Beamten" denunziert. Es ivar ivohl selbstverständlich, daß der„Vorwärts" diesen unbegründeten Angriff zurückiveisen mußte. Er hat es, wie jeder, der die Notiz in der 1. Beilage der Nr. 85 nach- schlagen wird— einen Abdruck dieser und der folgenden Notizen verbietet uns der beschränkte Raum—, bestätigen muß, in entschiedener, aber ruhiger und sachlicher Weise getan, ohne auch nur e i n Wort zu gebrauchen, das außerhalb des Bereichs des«guten Tons" fiele. Der„Z i m m e r e r" antivortet auf diese Abwehr, indem er seine Behauptungen aufrecht erhält, sie verstärkt durch die Beschuldigung, daß durch den„Vorwärts"„ein geradezu geiverkschaftsfeindlicherZugLeh t", und auf unsere Richtigstellung, daß der„Vorwärts" die Gewerkschaften nicht als Staffage für die Beamten denunziert. sondern sich anläßlich des Falles Rcxhäuser dagegen gewendet hat, daß man sie dazu mache, u.a. erwiedert:„Wortspiel für Dumme! Der„Vorwärts" hat die niederträchtige Wortprägung in die Arbeiterwelt geworfen...", Ivorauf er uns belehrt, daß sie die Quertreiber in den Gewerkschaften um ein Schlagwort be- reichert habe. Der„Vorwärts" habe es ihnen geprägt, ob mit oder ohne Absicht, komme weniger in Betracht, denn in der Politik gelte bekanntlich niemals die Absicht, sondern die Wirkung.„Wenn eine Absicht nicht bestanden hat, kann nur Mangel an proletarischem Empfinden es erklären, wenn jene Wirkung nicht vorausgesehen worden ist. Entschuldigen läßt sich die Taktlosigkeit nicht". Der„Vorwärts" hat sich darauf erlaubt, die Antwort „klotzig" zu nennen und zu bemerken, daß er für Verdrehungen seiner Worte nicht verantwortlich sei, daß aber der Redakteur des„Zimmerers" in seiner auf dem Parteitage zu Jena be- handelten Broschüre Wendunge» gebraucht habe, die auch ohne Verdrehungskünste als gegen die politische Arbeiterbewegung gerichtet aufgefaßt werden konnten, ohne daß ihm übrigens die Absicht dazu unterstellt werden solle.„Aber wenn, wie der„Zimmerer" sagt, in der Politik niemals die Absicht, sondern die Wirkung gilt, dann hat er seinen eigenen Redakteur gerichtet". Der„Zimmerer", ohne seinen Lesern zu sagen, was der„Vorwärts" geschrieben hat, entzog sich der weiteren Aus- einandersctzung durch folgende Leistung: „Der„Vorwärts" erwidert uns in seiner Nummer vom 21. April mit einer persönlichen Pöbelei. Daniit ist die Aus- einandersetzung mit ihm und die Klärung der Sachlage in diesem Falle erschöpft." Der„Vorwärts" schloß dann die Auseinander- setzung mit der Bemerkung, daß diese Polemik unehrlich sei und daß er das Urteil den Lesern überlasse. Noch viel schlimmer liegt die Sache für den„Zimmerer" im zweiten Falle. Der„Zimmerer" polemisierte gegen den Genossen Kautsky anläßlich der Ausführungen, die dieser im„Vor- wärts" zu der Beschuldigungder„Zeitschrift für Lithographen k." gegen die Genossin Luxemburg gemacht hatte und fälschte dabei die Aeußerung Kautskys von dem„bor- rnerten Haß dieser Elemente gegen jede Form der Arbeiter- BclUfgimg, die sich ein höheres Ziel setzt als fünf Pfennig Stundenlohn", indem er hinter dem Wort„Elemente" in Klammern einfügte:„er meint damit die Leiter der GeWerk- schaftcn insgesamt". Im weiteren Verlauf des Artikels folgte die Unwahrheit; „Seit dem Sturze� der alten„Vorlvärts"-Nedaktion sitzt ein Genosse darin, der im Jahre IMS eine längere Zeit die Redaktionsgeschäfte der„Einigkeit"(bekanntlich das gewerlschafts- feindlichste Blatt in Deutschland) besorgt hat und zwar zu der- selben Zeit, wo nach dem Kölner Gewerkschaftskongreß die große Schlammflut gegen die freien Gewerkschaften von diesem Blatt ausging.. Der„ Vorwärts" nannte das eine skandalöse Untvahrheit, nagelte die Fälschung der Kautskyschen Ausführung an und forderte, wie ganz selbstverständlich, daß der„Zimmerer" den Namen des„Vorwärts"-Redaktcurs angebe, dem er das obige nachgesagt hatte. Der„Zimmerer" ging auf die Anklage der Fälschung der Kautskyschen Worte nicht ein, und beantwortete die Auf. forderung, den Namen des„Vorwärts"-Redakteurs zu nennen, mit allerhand Winkelzügen, mit der Frage, ob kein jetziger Liedakteur des„Vorwärts" für die„Einigkeit" geschrieben habe und den beleidigenden Schlußsätzen: „Erst wenn der„Vorwärts" diese bestimmte Frage b e- stimmt verneint, dann werden wir mit der Sprache heraus- kommen. Bei dein Umgang mit Advokaten ist diese Methode zur Ermittelung der Wahrheit die einzige zum Ziele führende." Dem„Vorwärts" riß angesichts dieser unqualifizier- baren Kampfcsweise endlich die Geduld und, indem er feststellte, daß auch kein jetziger Redakteur des„Vorwärts" für die„Einigkeit" geschrieben habe, sagte er dem„Zimmerer", daß er lüge und nach der Methode des„Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie" kämpfe. Der„Zimmerer" beklagte sich darob über den schlechten Ton des„Vorwärts", verweigerte aber mit einer verworrenen, unverständlichen Begründung die selbst- verständliche Pflicht eines ehrlichen Blattes, den Namen des von ihn: beschuldigten„Vorwärts"-Nedakteurs zu nennen, nahm seine Behauptung aber auch nicht als falsch zurück. Der„Vorwärts" nannte darauf, um den„Zimmerer" endlich zu zivingen, seine Behauptung zu beweisen oder zurück- zunehmen, den Genossen S t a d t h a g e n als den be- schuldigten Redakteur und erklärte in seinem Namen aus- drücklich, daß er„weder auch nur mittelbar die Redaktions- geschäfte der„Einigkeit" besorgt hat, noch je an ihr mit- gearbeitet hat". Gleichzeitig wies der„Vorwärts" nach, daß der„Zimmerer", um seine Behauptung von furchtbaren Plänen der Radikalen in der Partei gegen die Gewerkschaften zu stützen, ein in der Magdeburger„Volksstimme" gegen ihre Redaktion von einem ungenannten Genossen veröffentlichte Aus- führung zum politischen Massenstreik fälschlich so serviert habe, als sei sie„von einem Genossen aus den höheren Regionen" im„Vorwärts" unter mindestens stillschweigender Billigung der„VorwärtS"-Rcdaktion erfolgt. Das war die letzte Aeußerung des„Vorwärts" in dieser Polemik, denn als wir die Antwort des„Zimmerers" lasen, sahen wir ein, daß eine Fortführung zwecklos sei und nur die Leser anekeln werde. Jetzt aber müssen>vir zur Recht- fertigung dieses Entschlusses das Wesentliche der Antwort des „Zimmerers" abdnicken. Sie lautete: „Stadthagen bekennt sich als Verfasser der Parteinachrichtcn deS„Vorwärts"(was falsch ist. Red. d„Vorw."): er bestäiigt die Richtigkeit unseres Zitats über den Zweck der Generalstreiks- Propaganda und gesteht, seinerzeit den„Vorwärts"-Artikel verfaßt zil haben, worin er Dr. Friedeberg wegen seines Anarcho- sozialismus verteidigt, ja geradezu umschmeichelt, und zugleich versucht, die Lokalisten hinter Friedeberg weg in die Zentral- verbände zu bugsieren, um diese im Stndthagenschen Sinne zu reformieren.„Von A bis Z univahr" bezeichnet hingegen Stadthagen, „daß er weder auch nur mittelbar die Redaktionsgeschäfte der „Einigkeit" besorgt hat, noch je an ihr mitgearbeitet hat." Schön! Nur muß sich Stadthageir diese seine Behauptung— daß er nie etwas mit der„Einigkeit" zn tun gehabt hat— noch von Dr. Friede- berg bestätigen lassen, dann sind wir in diesem einen Falle endlich auf dem Grunde des Lügensystems der Anarchos und ihrer Helfershelfer. Also Stadthagen, noch einen kleinen Schritt weiter!" Die unumwundene Erklärung des Genossen Stadthagen wurde mit Verdächtigungen seiner Wahrheitsliebe beantwortet, der Nachweis der Falschmünzerpraktiken, die sich der„Zimmerer" mit der Aeußerung zum Generalstreik in der Magdeburger Vdlksstimme erlaubt hat, wird- mit der famosen Erklärung abgetan:„... er bestätigt die Richttgkeit unseres Zitats über den Zweck der Generalstreikspropaganda...". Vor so viel Unehrlichkeit haben wir schließlich die Waffen gestreckt. Und nun kommt die Redaktion des„Zimmerers" und erklärt:„Die Haltung des„Vorwärts", die Art und Weise und der Ton seiner Journalistik müssen zu widerlichen Po- lensiken führen," Und die Preßkommission des„Zimmerers" sagt:„Dagegen ist nichts einzuwenden...." Ja, es ist wahr, wir haben den guten Ton verletzt, wir haben von Unehrlichkeit, von Lüge, von Fälschung, von einer Methode, die die des Reichsverbandes ist, gesprochen. Aber den möchten wir sehen, der das, was der„ Zimmerer" getan hat, anders nennen will. Ivenn er der ehrlichen deutschen Sprache nicht Gewalt antun will I Der„Zimmerer" hat Anklagen erhoben, und auf die Aufforderung, zu beweisen oder zu widerrufen, mit neuen Verdächtigungen geantwortet. Das hat der„Vorwärts" nicht getan. Aber die Protzkommission bestätigt die Be- hauptung des„Zimmerers", daß der„Vorwärts" schuld ist an den»viderlichen Polemiken mit einem:„Dagegen ist nichts einzuwenden l" Es.ist iveit gekommen in der deutschen Arbeiterbewegung, wenn sich eine Preßkommission nicht scheut, das Verhalten des„Zimmerers" in diesen Auseinandersetzungen zu billigen! Wir haben unseren Lesern nicht gern die traurige Sache in dieser Breite vorgeführt, nicht gern den Raum des Blattes dafür geopfert. Aber es war nötig, um ihnen einmal beut- lich zu zeigen, w i e von gewisser Seite gegen den„Vorwärts" gearbeitet wird. Von einem unüberbrückbaren Gegensatze zwischen Nur- Parteigenossen und Gewerkschaftlern sprach die Redaktion des „Zimmerers" in ihrer Rechtfertigung. Er besteht nur in ihrer Phantasie. Wirklichkeit aber ist ein unüberbrückbarer Gegen- satz zwischen ihrer Art der Polemik und der des„Vorwärts", ein Gegensatz, der andere unüberbrückbare Gegensätze gebären könnte, wenn die polemischen Sitten des„Zimmerers" in der Gewerkschaftspresse Billigung oder gar Nachfolge fänden. Daß es dazu nicht konime, erfordert das Interesse der Arbeiterbewegung, und auch deshalb war diese längere Dar- legung nötig. Politische deberftckr. Verlin, den 9. August. Der Rattenkönig der Tippelskirch-Gründungen. Die„Germania" leuchtet heute in einem Artikel wieder etwas tiefer in die Geheimnisse der außerordentlich viel- seitigeu Griindungen der Herren Tippelskirch, Podbielski, Bumiller usw. hinein. Der Artikel beweist, welch geriebene Ge- schäftsleute die Teilhaber der famosen Kolonialfirma waren, wie sie ihr Lieferungsmonopol nach allen Erdteilen aus- zudehnen strebten und überall dabei waren, wo es an der Kolonialpolittk etwas zu verdienen gab. Die„Germania" schreibt: „Die geschäftlichen Beziehungen der Firma Tippelskirch u. Co. zum Reiche legen eS nahe, die Geschichte dieser ungemein rasch aufblühenden Gesellschaft kurz zu betrachten. Die Lieferungen für die Schutztruppe hatte bis zum Jahre 189ö das„Warenhaus für Armee und Marine", das sich zu diesem Zwecke eine eigene Exportabteilung beilegte; die Leitung dieser Abteilung war Herrn Tippelskirch anvertraut. Am 1. April 1895 schied, dieser aus seiner Stellung aus und gründete in Verbindung mit dcni Rittergutsbesitzer und jetzigen Staatsminister Viktor v. Podbielski die Gesellschaft Tippelskirch u. Co., diese neue Firma hat die Erportabteiluug des Warenhauses für Armee und Marine käuflich übernommen und setzte diesen Geschäftszweig für eigene Rechnung fort; sie erhielt auch sofort im Mai 1896 einen fünfjährigen Lieferungsvertrag für die Schutztruppen. Herr v. Podbielski, der damals sehr regsame Teilhaber der Firma, war zu dieser Zeit einfacher Reichstagsabgeordneter; er wurde erst am 25. Juni 1897 zum Staatssekretär des Reichspost- amtes ernannt und legte infolgedessen am 2. Juli sein Mandat nieder. Im Herbst des genannten Jahres ist er auch für seine Person aus der Gesellschaft Tippelskirch u. Co. ausgeschieden, ohne aber sein reges Interesse für das B.lühen dieses Unternehmens zu verbergen: er hat ja persönlich im letzten Winter noch Abgeordnete eingeladen, das Geschäft feines Freundes Tippelskirch(also auch seiner Frau, der Frau v. Podbielski) zu besichtigen. Im Herbst 1899 hat die Firma in Swakopmund in Deutsch- Südafrika eine Zweigniederlassung gegründet und zu derselben Zeit auch ihren Wirkungskreis auf K i a u t s ch o u ausgedehnt, indem sie sich als Gesellschafterin an dem Unternehmen „ Ki a ut sch o u g e se lisch a st G. m. b. H." beteiligte. Seit einiger Zeit aber sind sämtliche Betriebe dieser mit einem Kapital von 3M(X)0 Mark ausgerüsteten Gesellschaft im Besitze der Firma Tippclskirch u. Co. Die Kiautschougcsellschaft ist somit nichts anderes als eine Filiale dieser Firma. Für die Filiale in Swakopmund ist im Februar 1991 die Firma„v. Tippelskirch u. Ca." mit dem Sitz in Berlin angenommen und in diese Gesellschaft(300 000 Mark Kapital) das seitherige Filialgeschäft daielbst zum Werte von 29 000 Mark aufgenommen worden. Gesellschafter dieser Firma sind die Firma Tippelskirch n. Co. in Berlin mit einer Einlage von 290 000 Mark und der Kaufnrann Arnold Schad in Berlin mit 10 000 Mark. Diese Gefellschaft in Swakopmund hat sich zur Auf- gäbe gesetzt, Lebensmittel, Kleidungsstücke, Waffen, Munition, Kohlen, Maschinen, Papierwaren und ähnliche Gegenstände, die im dortigen Schutzgebiete gebraucht tverden, einzuführen, dagegen aus diesem Gebiete Felle, Straußenfedern, Gummi und andere Landesprodukte auszuführen, ferner Konzessionen zur A u s n n tz u n g von Land und Minen zu erwerben. Das Geschäft der Einfuhr blüht; inwieweit die Gesellschaft Konzessionen erhalten hat oder bei anderen Konzessionsgesellschaftcn beteiligt ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Selbstverständsich hatte die Firma zur Ausführung dieser vielen Unternehmungen nicht immer genügend eigene Mittel, weshalb sie wiederholt stille Teilhaber hinzuzog, die inzwischen teilweise wieder zurückgetreten sind. Im Jahre 1902 ivurde als stiller Teilhaber der i» der Kolonialabteilung beschäftigte(!!) Legationsrat Dr. Bumiller gewonnen, der IM 000 M. in das Geschäft gesteckt hat. Die Firma Tippelskirch hatte aber in dem letzten Vertrag mit der Kolonialabteilung auch die Verpflichtung übernehmen müssen, gewisse Artikel iin eigenen Betrieb herzustellen; die winzig kleine„Fabrik" in der Usedonistraße reichte nicht aus, und es ist ja allgeinein bekannt, daß eine ganze Anzahl anderer Firmen für Tippelskirch lieferte, daß dieser nur der Makler war, der in einigen Fällen bis zu 70 Proz. und mehr Zuschlag nahm! Aber man wußte ja nicht, ob sich auf die Dauer die geeigneten Personen zur Fortsetzung dieses Geschäftes finden wiirden und ging deshalb an die Erbauung einer eigenen Fabrik, die jetzt dem Reiche um 2 200 000 M. angeboten worden ist; natürlich furchtbar teuer. Jedoch nicht die Firma v. Tippels- kirch kaufte die hierfür erforderlichen Grundstücke Lehrter- straße 16— 19 und errichtete die Fabrik, sondern die„Immobilien- Stzndikatgcsellschaft m. b. H." An dieser ist Herr v. Tippelskirch mit 50 000 Mark beteiligt; zu den Mitgliedern dieses Syndikates zählten unter anderein auch der Minister v. Podbielski, Herr Reichelt, ein Gesellschafter der Firma Tippelskirch und andere mehr. Herr Reichelt war stüher(wie Herr v. Tippelskirch selbst) auch Angestellter �iin Warenhaus für Armee und Marine, und hat heute wie Herr v. Tippelskirch ein ziemlich bedeutendes Vermögen, das er nicht als Angestellter sich ersparen konnte. Dabei ist die Firma v. Tippelskirch noch A g e ir t der Wörmann- Linie, auch der D e u t s ch- O st a f r i k a- L i n i e. Diese Bc- zichuugcn der beiden kolonialen Hauptintcressenten sind auch beachtenswert." Die„Germania" fordert zum Schlüsse die bestinunte Beantwortung folgender Fragen: 1. Hat sich der damals aktive Legationsrat Bumiller mit Erlaubnis der Kolonialabteilung an einem Unter- nehmen beteiligt, das von dieser Behörde so bevorzugt worden ist? Dr. Bumiller hat sich nach eigenen Mitteilungen mit insgesamt l'/z Millionen an den kolonialen Unter- nehmungcn beteiligt. 2. Wer hat dem verhafteten Major Fischer die f e h l e n d e n 93 000 M a r k gepumpt, wenn es richtig ist, daß dieser 110 M0 Mark Schulden hat? Ist es Herr Reichelt. Herr Podbielski, sind es andere Teilhaber der Gesellschaft Tippelskirch, vielleicht mehrere gewesen? Sind es Mitglieder des JmmobiliensyndikatS oder wer sonst? Mit der Beantwortung dieser Fragen werden es die Bc- telligten nicht allzu eilig haben!— Das Koalttionsrecht der Landarveiter. Auch für die katholischen Agrarier des Westens ist das KoalitionS- recht der Landarbeiter der schrecklichste der Schrecken. Im weiteren Verlaufe ihrer Auseinandersetzung mit dem ZentrumSabgcordueten G iesberts geht die in Köln erscheinende katholisch- agrarische „Rheinische Volks st imme" in einer Weise zu Werke, als ob es den zentrümlichen Gewerkschaftsführern mit der Verwirklichung des Koalitionsrechtes der ländlichen Arbeiter wirklich ernst wäre. DaS Blatt sollte doch wifleu, daß den Herren GieSbertS und Genossen das Interesse der ZeuttumSpattei in erster und zweiter Linie steht und daß das Arbeiteriutercsse dann noch lange nicht kommt. Wenn es nach den Reden dieser Demagogen einmal anders scheint, so ist das eben nur Theorie. In der Praxis haben diese Arbeiterführer, insbesondere gerade Herr Giesbetts, noch stets bewiesen, daß ihnen das Parteiintereffe obenan steht, und daß sie diesem zu Liebe zu jeder Zeit bereit sind, die Sache der Arbeiter dem Agrariertum zu opfern. Hat doch Herr GiesbettZ den seinerzeit in Köln ver- sammelten Zentrumsbauern versichert, daß die katholischen Arbeiter die Zollerhöhungen gerne tragen würden; lvar er doch mit August Brust vornan, als es galt, den zoll« gegnerischen Vorsitzenden des christlichen Metall- arbeiterverbandes zu stranguliereuz hat er doch bei der Wahl in Essen a. d. Ruhr erklärt, daß er gar nicht daran denke, die Landarbeiter so bald zu organisieren, und hat er doch im Reichstag stramm agrarisch gestimmt und bei der Fleisch notinterpellation den Mund nicht aufgetan. Dieser Arbeiterführer mit dem zerbrochenen Rückgrat wird auch in Zukunft den Agrariern nicht zu nahe treten. Die„Rheinische Volksstimme" fürchtet auch, die„christliche" Gewerkschaftsbewegung könne eines Tages den Führern über den Kopf wachsen, und sie greift diese Verbände an, weil sie ihren ur- sprünglichen Zweck(! I), ein.Schutzdamm gegen die Sozialdemokratie" zu sein, außer acht ließen. Die christ- liche Gewerkschaftsbewegung habe sich„durch das w ü st e d e m a- gogische Treiben ihrer Führer nach und nach immer mehr Sympathien verscherzt, insbesondere auch von Geistlichen, die ursprünglich ihre wännsten Freunde waren": denn aus der Be- wegung(wohlgemcrkt: der christlich- zentrümlichen Gewerlschafts- bewegung! Red. d.„Vorw.")„weht nicht mehr der Geist des Friedens, sondern des Hasses und d e r Z>v i e tr a cli t". Und schließlich meint das katholische Banernblatt, anlnüpfend an einen Bericht über an- gebliche Ausschreitungen russischer, in der Nähe Berlins beschäftigter Landarbeiter: Solchen„Phrasendreschern und Sprüchreißcru", die angesichts solcher Vorkommnisse noch das Koalitionsrecht der Land- arbeiter fordern, gehöre„von Staatswegen das Hand- werk gelegt"; andernfalls würden„das die Bauern selbst besorgen, wenn diese Apostel— unter dem Vorgeben, das Licht der Aufklärung zu bringen— die Brandfackel des Aufruhrs aufs Land hin austragen wolle n." So sieht die klerikal-agrarische Sozialpolitik bei Licht besehen aus, und so redet ein Blatt, dessen Macher und Leser ausschließlich dem„arbettersrcundlichen" Zentrum augehören.— Veutfckes Reich. Die Kolouial-Spritztour der Wörmaun-Gäste. liebet die genasführten Kolonialfexe, die sich seinerzeit auf Kosten der Wörmami-Linie eine„Stiidienrcffe" nach Kamerun und Togo leisteten, ergießt jetzt die„Freisinnige Zeitung" ihren Spott. Diese Leutchen, die sich eingebildet hatten, in 14 Tagen tiefgründige Kolonialstudien machen und als Kolonialkcimer im Reichsrag para- dieren zu können, seien niemals so gründlich eingeseift worden, wie durch den famosen Jesko v. Puttkamer. Die tollste Leistung dieser eingeseiften Aftikaner sei daS Buch „Togo und Kamenm" gewesen, das ein ungenannter Teilnehmer der Tropenspritztour veröffentlicht habe. Habe dieser Abgeordnete doch behauptet, daß Kamerun niemals einen besseren Gouverneur gehabt habe, als den„tollen Jesko". In dem Buche heiße es: „Möglich, daß der unbewußte Zauber seiner Per- s ö n l i ch'k e i t mit dem liebenswürdige» Sichgehenlassen, mit der eiteren Freude am Lebensgenuß, mit den ver- indlichen Formen das Urteil derjenigen beeinflußt, die ihn persönlich kennen gelernt haben. Aber wahrscheinlich auch, daß ein Mann, der sich seines eigenen Könnens bewußt ist, den ich mit seiner reichen Kolonialerfahrung bereitwilligst an die Spitze der Kraftgestalten stelle, wie wir sie in Kamerun unter Pflanzern und Kaufleuten vorgefunden haben, auch eher Gegenstand der Anfeindungen ist, als eine weichere Natur. Mir persönlich gefällt ein Mann, der wie dieser nachls um 2 Uhr nach einem Tage voller Anstren- gungen, die unser Besuch ihm brachte, nach einem Mahle und nach einer sogenannten schweren Sitzung noch so g länz end d i e Ko l oni e und i h r e V e r h ä l t n i s s e z u schildern versteht, mit so durchdringendem Blick auch die Schwächen der Verwaltung erkennt und sie so freimütig darlegt, wie Herr v. Puttkamer es mir gegenüber in n ä ch t» l i ch e r Stille getan hat. Charakteristisch erscheint mir für ihn die Antwort, die er auf die Frage eines der Unsrigen gab, was er uns sehen lassen wollte. Sie lautete:„Die Wahrheit, nur die Wahrheit!... Unsäglich komisch berührt es, wenn der Anonymus mit wirklich rührender Bescheidenheit in der Einleitung seines Buches versichert: „Das ganze war doch glühend interessant, eine Zeit, in der man nicht nur gelebt, sondern vieles erlebt hat, und in der wir alle mit einer Jntensivität unsre Kenntnisse bereichert und unsere Urteilsfähigkeit geschärft haben, wie sie auch dem Abgeordneten, der lernen muß, in Kürze das Wesentliche zu erfassen, gewiß nur selten zu- teil wird." Der Verfasser dieses Buches habe sich zu seinem Glück in den Mantel der Anonymität gehüllt, denn wenn das Publikum wüßte, wer der von dem trinkfesten Herrn v. Puttkamer so glänzend hineingelegte Abgeordnete sei, so wäre sein Name gewiß für alle Zeiten blamiert. Nun, Ivir wollen dem sicher neugierigen Publikum verraten, wer der Abgeordnete war, der beim Sttt in mitternächtiger Stunde seine „Kenntnisse" mit solcher„Jntensivität" bereicherte. Es war kein anderer als der nationalliberale Abgeordnete Dr. S em lerl Die„Freis. Ztg." möchten wir aber daran erinnem, daß auch einige ihrer Partei nahestehende Herren die Spritzto�; mitgemacht und sich durch kaum geringeren KolonialcnthusiasmuS blamiert haben, als Herr Semler I—_ Puttkameruner KaiserSgevurtstagsfeicru. Die„Freis. Ztg." erzählt allerlei pikante Geschichtchen über Puttkaniernner KaisersgcburtstagSfcicrii. In Kamerun wie in allen deutschen Kolonien sei es Sitte, daß der Geburtstag des Kaisers besonders feierlich begangen werde. Für den Gouverneur be- tehe sogar die direkte Verpflichtung, eine besondere Feier zu ver- anstalten, da die Höhe seiner Aufwandsentsch ä di gnng unter Berücksichtigung der ihm durch die Feier entstehenden Kosten bemessen sei. Jesko v. Puttkamer habe sich aber offenbar derartig als Herrenmensch gefühlt, daß er stets am 27. Januar eine Reise ins Innere, in den„Busch" angetreten habe, um nicht mit den Unterbeamten zusammen sei» zu müssen. Im Jahre 1901 habe nun der frühere Leutnant, jetzige Regierungsrat v. Brauchitsch der stellvertretende Arrangeur der Kaisergeburtstagsfeier sein sollen. Aber auch er habe es vorgezogen, nach dem Vorbild JeSkos in den „Busch" zu verreisen. So seien denn dem Richter Diehl die Repräsentationspflichten zugesallen. Durch die Drückebergerei der beiden obersten Beamten seien nun aber die zuziehenden Festteilnehmer derart verschnupft worden, daß nicht nur die gesamte Kaufmann- chaft, sondern auch die gesamte Beamtenschaft die Einladimg abgelehnt habe! Dem unglückseligen Herrn Diehl sei nichts anderes übrig geblieben, als bei den untergeordneten Beamten einen regelrechten Bittgang anzutteten, um die Feier nicht ganz ins Wasser fallen zu lasten. Noch in letzter Stunde am 27. Januar be- gab er sich zum Bureauvorstand Schubkegel und bat ihn. doch zu dem Festessen zu komnien und auch die Kollegen zu bewegen, ihre Absage rückgängig zn niachen. Herr Schubkegel ließ sich durch die dringenden Bitten seines Vor- gesetzten erweichen und versprach, selbst zu erscheinen fe|t)!e auch auf die Kollegen in demselben Sinne einzu- wirken. Die Gelegenheit hierfür ivar günstig. Denn als der Bureanvorstand die Kollegen aufsuchte, befanden sie sich sämtlich beim Postmeister, wo sie privatim die Feier des Geburts- tages des Kaisers begingen. Eine Festbowle verbreitete hier unter den Herren eine versöhnliche Stimmung, und so sagten auch sie ihr Erscheinen zu. Damit konnte nun das offi- z i e l l e Festessen, zwar in Abwesenheit der ge- samten Kaufmannschaft, aber doch unter Teil- nähme der Missionsvorstände und der Beamten stattfinden. Die Feier verlief auch in diesem beschränkten Umfange nicht einmal würdig, denn unter dem Einfluß der vorher genosseucn Getränke führten einige Beamte überaus peinliche Szenen herbei, die, so schreibt die..Freisinnige Zeitung.", uns in ihren Einzelheiten geschildert worden sind, die wir aber im Interesse des gesamten Bcamtenkörpers lieber verschweigen wollen. Jedenfalls aber wurden sie in der Kolonien selbst lebhaft besprochen. Ob man nach solchen Vorkommnissen Wohl die offiziellen KaisersgeburtstagZfeicrn in den Kolonien einstellt und das dafür ausgeworfene Geld tieber spart?!— Ter deutsche Flcischervcrbandstag, der in Königsberg i. Pr. tagte, hat gestern zur Frage der Fleischeinfuhr und der Vieheinfuhr Stellung genommen. Bezüglich der Fleisch- einfuhr hat er folgende Mindestforderungen erhoben: 1. Tie Einführung des Deklarationszwanges für aus- ländisches Schmalz und Speisefett und solche Ware, zu deren Fabrikation solches Verwendung findet; 2. das Verbot der Einfuhr von Fastfleisch; 3. das Verbot der Verwendung ausländischen Büchsenfleisches für Heer und Marine und auf den Seeschiffen. Bezüglich der Vieheinfuhr fordert der Verband: 1. Zulassung dcs dänischen Rindviehs unter den- selben Bedingungen wie des österreichischen(Abschaffung der Quarantäne und Tuberkulinprobe); 2. Zulassung der Rindvieh- cinfuhr aus Holland; 3. Zulassung eines Schweine- kontingents:») aus Frankreich für die Städte Strast- bürg, Metz und Hagenau, b) aus Holland für die Schlachthos- städte in den Regierungsbezirken Düsseldorf, Köln und Aachen. c) aus Dänemark für die Schlachthofstädte an der Nord- und Ostseeküste. Der Fleischertag begründete die Forderungen damit, das; an ein Zurückgehen der Rinder-, Kälber- und Hammelpreise kaum überhaupt in ehr und an einen Preisnachlah für Schweine nicht eher zu denken i st, bis die Re- gicrung die Vicheinfuhr in erweitertem Mahe aus leistungsfähigen Ländern gestattet, denn die deutschen Schweine- bestände sind durch Ueberzüchtung und falsche Haltungsweise der- art degeneriert und scucheiiempfänglich, dast sie aus sich heraus kaum mehr gesunden. Die deutsche Rinderzucht ist— obgleich sie den Anforderungen des Milch- und Fleischmarktes nicht zu ge- tuigcn vermag— so forciert, dast bei schwächeren Futtcrcrnten die größten Kalamitäten zu erwarten sind. Wilhelm lk. in Essen. DaS offiziöse Telegraphenbureau meldet unterm 9. aus Essen: Der Kaiser besichtigte die Werke Rheinhausen auf das eingehendste unter Führung des Direktors Gillhauseu. Der Kaiser beehrte dabei eine Reihe von Arbeitern durch Ansprachen und fuhr darauf im Automobil durch die Arbeiterkolonien nud wurde hier allent- halben von den Arbeitern und deren Familien auf das aller- herzlichste begrüßt. Der Kaiser hörte heute den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts Lucanas. Der Kaiser hat ihrer Exzellenz Frau Krupp den Wilhelmsorden verliehen. Von dem sonst üblichen Enthusiasmus und der überschwänglichen Begeisterung weis das W. T. B. in diesem Falle nichts zu melden. Die bestellten und angeordneten Ovationen in den Werkskolonicn müssen demnach ziemlich kühl ausgefallen sein. Daß Wilhelm II. sich nicht außerhalb der Kolonien der Bevölkerung zeigte, ist nach den Er- fahrungen gut zu verstehen. Bei seinem letzten Dortsein war die Aufnahme schon sehr reserviert. Auch kennt man ja die Antwort der Essener Arbeiter auf die Aufforderung zum Tischtuchzerschneiden. Die bis dahin ein bescheidenes Dasein führende proletarische Bewegung schwoll, fast über Nacht, zu einer gewaltigen Welle an. Bei den nachfolgenden Wahlen stieg unsere Stimmenzahl ans das Doppelte, auf das Drei-, das Vier- fache. Ja, die„Elenden" waren sogar so eifrig, daß sie nun bereits den Bau eines eigenen großen Hauses mit eigener Druckerei, Restaurationsräumen und Versammlungssälen in Angriff nehmen konnten. Und dieses Wahrzeichen unermüdlichen Tischtuchzerschneidens errichten sie im Zentrum der Stadt, ziemlich nahe der Stelle, von der Wilhelm II. seine Rede hielt.— „Sozialer" Marine-FiskaliZmuS. Die Arbeiterentlaffungen„wegen Mangels an Arbeit" scheinen schon gar nicht mehr von der Tagesordnung der Danzigcr kaiserlichen Werft zu verschwinden. Am 21. Juli wurde bereits wieder zirka 39 meist älteren Arbeitern mit durchgängig über fünfjähriger Dienst- zeit gekündigt! Die Gekündigten gehören meist zum Schiffbau-, zum Teil auch zum Maschinenbau-Ressort. Kaum hatten diese Proletarier vom Musterstaat der vorzüglichsten Sogialreform die Anwartschaft auf das Strastenpflaster erhalten, als am 25. Juli schon wieder neue Kündigungen im Siffbauressort erfolgten. Angesichts dieser, schon das ganze Jahr 1396 grassierenden Kündigungsepidemie weiß man schon gar nicht mehr, was man eigentlich sagen soll. Die Flottcnvorlage von 1999, die nach der Er- tveiterung von 1995 das'deutsche Volk zugunsten hochprozentiger Marineliefercrantcn mit der Riesenausgabe von rund fünf Milliarden Mark belastet, sollte doch nach den Prophezeiungen der„sozial- liberalen" Danziger Wadelstrümpflcr eine soziale Tat erster Größe sein. Sie sollte die Zukunft der Werft- und Staatsarbciter bis zum Jahre 1917 unbedingt sichern und ihnen hochlohnende und feste Arbeit garantieren. Kaum ist nun das erste Drittel dieser mari- nistischen Glanzperiode vorüber und bereits noch eine weitere und Mr stattliche Reihe von Steuermillionen in den Ozean und die Nimmersatten Geldschränke der Flottenintercssenten versenkt, als der letzte kümmerliche Rest von Flottcngläubigkeit bei den Staatsarbeitcrn schon wieder durch die Entlassungen vernichtet wird, indem der Marinefiskus rücksichtslos einer weiteren Reihe ihrer Kollegen die Existenz zerstört. Die staatlichen Werftarbeiter fühlen sich durch dieses Vorgehen um so mehr vor den Kopf gestoßen, als auf der kaiserlichen Werft unlängst tatsächlich ein N e u b a u in Angriff ge- nommen ist. Dazu lärmt die wassersüchtige Lokalpresse noch recht häufig von der Vergrößerung der Staatswerft und den daraus für die Arbeiter erwachsenden Vorteilen. Die gesamte kapitalistische Lokalpresse schweigt nun aber den kläglichen Bankerott des„sozialen" Flottenschwindels fortgesetzt tot. Früher suchte wenigstens noch die Mommsensche„Danziger Zeitung" die marinierten freisinnigen Wahllügen unverfroren dadurch zu retten, dast sie die Entlassungsmitteilungen unseres Königsberger Partciblattes sehr von oben herab schulmeisternd als unwahr oder mindestens übertrieben zu entstellen versuchte. Dann fiel auch ge- legentlich noch eine Krokodilsträne über das traurige Schicksal der von den sozialliberalen„Volksbeglückern" so schmählich genarrten Ar- beiter. Seit längerer Zeit hat das auchliberale Kommerzienrats- reptil seine schäbige offiziöse Vertuschungsmache aber ganz eingestellt. Jetzt begnügen sich die betrübten wassersüchtigen Lohgerber damit, nur noch schweigend zu bestätigen, wie frivol sie die Danzigcr Arbeiter- schast bei den Reichstagstuahlen belogen und über den Löffel barbiert haben. Mag die slortensüchrige Lokalpresse so viel sie will den so rauh aus allen Zukunstshoffnungen gestürzten Arbeitern durch Totschtveigen ihre unsägliche Verachtung beweisen. Ehrlicher! ist das wenigstens. als die srühere heuchlerische und bewußte Agitationslüge, daß die flottenfeindliche Sozialdemokratie das Schicksal der utft Vrot und Lohn Gebrachten auf dem Gewissen habe. Wir aber werden, der kapitalistischen Preßphalanx der Lüge nnd Verwschung zum Trotz niemals aufhören, der Oeffentlichkeit die krassen„arbeiterfreund- lichen" Folgen der glorreichen Hurra- und Gondelpolitik wahrheits- gemäß zur Kenntnis zu bringen./ Bei den nächsten Wahlen werden wir dann ja sehen, ob die prozentpatriotischen Marinegaukler dann noch den traurigen Mut haben werden, den genarrten Arbeitern wieder Seifenblasen vorzuzaubern._ Sozialdemokraten als Muster- Abgeordnete. Ein bayerisches Zentrumsblatt sagt über die Sozialdemokraten im bayerischen Landtage: „Am besten organisiert zeigten sich auch bei dieser Gelegenheit wie überhaupt im ganzen Jahre die Herren Genossen auf der äustersteu Linken. Bei ihnen herrscht stramme Arbeitsteilung: da wird vorher genau geregelt, wer spricht und worüber.... Beim Zentrum dagegen...' herrscht volle Anarchie. Wo jedermann seitens einer großen Partei eine grostzügige Rede erwartet, erhebt sich eine meterbuckelbreite Persönlichleit und fragt, ob an irgend einer Schieue seiner Lokalbahn nicht ein Nagel verkehrt eingeschlagen sei, und glaubt damit das Vaterland gerettet zu haben." Das heißt also zu Deutsch: Die Sozialdemokraten wissen was sie wollen, das Zentrum dagegen als Partei, die angeblich allen recht tun und nirgends anstoßen will, treibt Kirchturmspolitik und vertrödelt dabei die kostbare Zeit im Parlament. Dieses Geständnis des Zentrnmsblattes legen wir in unsere Mappe für die kommenden Wahlen I— Neuwahlen zum Gemeinderat in Mülhausen. Aus dem ReichSlande schreibt man uns vom 8. August: Im Gemeinderat der obcrelsässischen Jndustriemetropole Mülhausen haben seit 1992 unsere Genossen die Mehrheit, die noch in den folgenden Ersatzwahlen verstärkt worden ist. Der Sieg über die bislang vorherrschenden Klerikalen wurde zuerst errungen durch ein demolratisch-sozialistisches Kompromiß, aber im Lause der Jahre wandten sich die Demokraten immer mehr nach rechts, so daß in der letzten Zeit eine heftige Gegnerschaft zwischen den früheren Ver- biindeten bestand. Es wurde sogar von demokratischer Seite beab- sichtigt, durch Massendemissionen Eriieueruilgswahle» zu provozieren, aber ein neuerdings stattgeflindener Beleidigungsprozeß gegen unser Partciblatt, die„Mlilhanser Volkszeitung", aus dem der Führer der Demokraten als imfairer Bodenspekillatioiisgeschäfre überführt hervorging, setzte die Hoffmuigen der Demokraten beträchtlich herab, so daß sie ihre Absicht aufgaben. Dagegen suchten sie auf alle Fälle ziemlich offiziell Anschluß bei den Klerikalen für die nächsten Wahlen. Nun hat das Ausscheiden eines sozialdemokratischen Mitgliedes die Ersatz- wählen»ölig gemacht, in die unsere Partei mit den besten Aus- sichten auf Erfolg geht. Die Wahlen werden ein Prüfstein dafür sein, ob die Bevölkerung mit der Tätigkeit des sozialdemokratischen Gemeinderates einverstanden ist.— Der Gcslilldhcitszustlilld der südwestafrikanischen Truppe»». Berlin, 9. August. Amtliche Meldung. Nach den aus Südwestafrika miigetroffenen Meldungen hat sich der K r a n k e n- stand in der Schutztruppe bedeutend verringert. Der Höchst- bestand in d.iejcm Jahre war im Monat Mai mit ingesamt 1388 Kranken zu verzeichnen. Hiervon entfielen auf Verwundete 39, Typhus 179, Malaria 67, anderweitige Kranlheitcii 1196. Anfangs A n g u st betrug der Gesamtkrankenstand nur noch 889, also 439 Kraule weniger. Von der Gesamtsumme entfielen auf Verwundete 21, auf Typhus nur noch 91, auf Malaria 13. auf andere Krankheiten 759. Die vorstehenden Zahlen sprechen wohl beredt für die Tatsache, daß trotz der großen Verpflegungsschwierig- ketten alle Anstrengungen gemacht werden, um den GesundheitS- zustand der Truppe zu heben. Zwar ist auch im vorigen Jahre Ende Juli und Anfang August eine Verringerung des Krankenstandes zutage getrete», aber in erheblich geringerem Maße wie in diesem Jahre, der Unterschied betrug nur 196 Kranke. Im Norden des Schutzgebietes ist der Gesundheitszustaud dank der besseren Verbindungen und des besseren Verpflegiiligsnachschubes ein recht guter. Jnr Süden dagegen leidet er unter der maugel- haften Verpflegung und Uilterbringung sowie der schwierigen Nach- fuhr au Bekleidung und Wäsche, da die jetzige Beschaffenheit des Vaiweges, trotz äußerster Aiistreugung, noch eben erlaubt, das Aller- notwendigste den Truppen zuzuführen.— Die Abnahme der Erkrankungen erklärt sich einfach daraus, daß nach dem Erlöschen des Herero-Aufstandes die Truppen im Norden der Kolonien keine Parforcemärsche mehr zu machen haben und schon deshalb regelmäßiger mit Proviant versorgt werden können. Bei der geringen Zahl der wirklich zum Front dien st gegen die Handvoll Hottentotten verwendeten Truppen— kaum 19 Proz. der Gesamtzahl— ist die Krankenziffer noch immer erheblich genug!— Klerikale Volksanfklärung. Die„Tägl. Rdsch." liefert einen hübschen Beitrag zu der Art, wie die Zentrumspresse auf die Volksseele erzieherisch einzuwirken sucht. In dem katholischen„Volksboten", der dem bekannten Zentrumsführer Wacker nahesteht, stand folgende erbauliche Ge- schichte zu lesen: Unter der Spitzmarke„Ein Strafgericht Gottes" läßt das Blatt einen altbayrischcn Pater Fritsch von einem„schlechten Katholiken" erzählen, der, anstatt in die Kirche zu gehen, die Religion verhöhnte und im Wirtshause katholische Zere- monicn nachahmte. Eines Nachmittags lag er infolge einer kleinen Unpäßlichkeit auf dem Bette.„Die Wirtsfrau", so heißt es dann wörtlich weiter,„hört plötzlich stark klopfen. Sie geht ins Zimmer hinauf und fragt ihn, ob ihm etwas Besonderes fehle.„Nein," war die Antwort,„aber siehst Du nicht dort die zwei schwarzen Neger zu den Füßen des Bettes? Schaffet doch diese Neger fort, sie wollen mich aus dem Bett ziehen!" Die Wirtin, entsetzt über das, was ihr der Mann sagte, da sie gar nichts sehen konnte, flieht sogleich aus dem Zimmer und läuft zu zwei Männern hinunter, die eben im Gastzimmer beim Glase saßen, und bittet sie, sofort hinauf zu gehen. Sie gehen sogleich, doch wie groß war ihre Ueber- raschung! Sic finden den Mann außer dem Bette, auf einem Stuhle sitzend, die Brust entblößt und ganz schwarz: er war tot. Es war damals der allgemeine Glaube im Volk, daß der als Religionsspötter bekannte vom-fs-f g e» holt s e i." Also geschehen in Preston in Nordamerika im Spät- herbst 1847! Und also zu lesen in einem deutschen Zentrums- blatte im Jahre 1996!_ „Renitente" Soldaten. Die Militärsustiz muß Exempel statuieren. Es werden Opfer geschaffen, Opfer, die zur Warnung dienen sollen allen denen, die es sich jemals einfallen lassen sollten, wider den Stachel der heiligen Disziplin zu lecken. Bedingungslosen Gehorsam zu üben soll die vornehmste Tugend des deutschen Soldaten sein. Was braucht sich die Militärjustiz darum zu kümmern, daß es auch Menschen gibt, deren ganzes Wesen sich dagegen aufbäumt, sich wie ein mechanisches willenloses Werkzeug behandeln zu lassen. Alles wird schematisiert, das Militär-Strafgesetzbuch kennt keine Aus- nähme, mit der Individualität des einzelnen wird nicht gerechnet. So mag es auch kommen, daß Soldaten, die im bürgerlichen Leben als ordentliche, tüchtige Menschen gelten, die aber Rückgrat .genug besitzen, sich nicht bedingungslos unter„den Befehl" eines beliebigen Mitmenschen zu beugen, beim Militär als besonders „renitente" Soldaten angesehen werden. Am Mittwoch stand vor dem Kriegsgericht der 33. Division in Erfurt der Musketier Walter W e i g a n d. Er diente bei der 6. Kompagnie des 95. Jnfanterie-Regiments in Hildburghauscn und mag einer der oben geschilderten Charaktere sein. Das„schöne" Soldatenleben mag ihm wenig behagt haben, denn wegen Fahnen- flucht ist er bereits mit 9 Monaten Gefängnis vorbestraft. Diese drakonische Strafe hat aber nicht vermocht, ihn zu„besser n". Als er wieder in die Truppe eingereiht war, erhielt eines TageS feine Korporalschaft andere Mäntel, Kej der Verteilung hat der Unteroffizier dem Angeklagten nach dessen Meinung— den schlechtesten Mantel herausgesucht. Zum Appell sollte der Mantel in vorschriftsmüßigen Zustand versetzt werden. Das tat der Angeklagte nicht. Auf die Frage des Unteroffiziers, warum er es unterlassen habe, antwortete er:„An dem Mantel mache ich nichts. Ich bin doch kein dummer Junge mehr. Ich weiß, was ich zu tun habe". Dieses Renkonter gab dem Soldaten denn auch Veranlassung, sich am nächsten Tage wieder von der Truppe zu entfernen, aber schon nach wenigen Stunden wurde er von ausgeschickten Patrouillen zurück und in Haft gebracht. In der Verhandlung gibt der Angeklagte die Tatsachen zu, will aber immer noch nickt einsehen, daß er diese Worte nicht habe brauchen dürfen. Und das gibt dem Vertreter der Anklage Ver- anlassung. für den„g a n z ch e s o n d e r s renitenten" Sol- baten eine e x e m p l a r i s ch e S t r a f e zu beantragen. Für solche bockbeinigen Soldaten— so führte er aus— dürfe es einen Milderungsgrund nicht geben. Die wenigen Worte: „Ich weiß, was ich zu tun habe", werden als eine Drohung(!) aufgefaßt und nach den famosen Bestimmungen des Militärstraf- gesetzbuches ist ja schon das Drohen mit einer berech- tigten Beschwerde als die Androhung eines Uebels zu betrachten. Doch hören wir weiter, was der Vertreter der Anklage sagt: „Das Recht, seinem Unteroffizier zu entgegnen, steht dem Soldaten nicht zu, darf ihm nicht zustehen. Nur durch eine ganz energische Strafe kann dem Manne gezeigt werden, wie er sich als Soldat zu benehmen hat. Dazu ist ja das Militärstrafgesetz- buch da, daß die darin angesetzten Strafen bockbeinige Soldaten belehren." Das Gericht schloß sich den Ausführungen und dem Antrag des Anklagevertreters an und verurteilte den Angeklagten zu sechs Monaten Gefängnis. Dieses Urteil und besonders die Ausführungen des Anklage- Vertreters fordern die Kritik mehr denn je heraus. In verstärkicm Maße wird man im Reichstage die Beseitigung der grausamen Bc- stimmungen des Militärstrafgesetzbuches fordern müssen, solange nickt überhaupt mit dem ganzen starren System der besonderen militärischen Gerichtsbarkeit und des Militarismus überhaupt end- gültig gebrochen wird. Kuslanck. Oesterreich. Wenn Fürsten reisen. Aus M a r i e n b a d wird vom 9. August gemeldet: 69 Geheimpolizisten sind anläßlich der bevor- stehenden Anwesenheit König Eduards eingetroffen. Die vom Könige dortselbst zu beziehenden Zimmer stehen bereits seit vier- zehn Tagen bereit. Der König wird sich während seiner Anwesen- heit in Marienbad ausschließlich dem Automobilsport widmen.— Schweiz. Das Verbot der Demollstratioll hat auf die Züricher Arbeiter- schaft ungemein aufreizend gewirkt. Zum Montagabend waren 52 Versammlungen nach den verschiedenen Gegenden der Stadt ein- berufen. Die Arbeiter kamen zu Tansenden und es wurde die Parole ausgegeben: Zum Protest nach dem Velodrom. Von allen Seiten setzten sich die Abteilungen in Bewegung. Das Velodrom war bald gefüllt, aber immer noch strömten neue Tmiseiide herbei,• so daß es nötig wurde, neben der Versammlung in der Halle noch 2 Ver- sammlungen im Freien abzuhalten. Wohl 8—9999 Menschen nahmen an der Veranstaltung teil. Genosse Greulich erklärte: Wir haben daS Recht zu einem Deinonstratiouszug und wenn wir ihn ausführen wollen, so werden wir ein andermal die Polizei nicht fragen. Am Schluß der Versammlung wurde eine Demonstration durch die Straßen beschlossen und auch alsbald ausgeführt. Sie begann um i/z19 Uhr nachts am Velodroni und bewegte sich zu Seliimi hinüber, dann zum See, an der Tonhalle vorbei, die Bahnhofstraße hinlinter und am Limmatquai hinauf. Da die Polizei sich nicht einmischte, so sind Zivischenfälle nicht vorgekommen. Frankreich. Demission des Kabinetts? Aus Paris wurde gemeldet, daß Sarrien zurücktreten will/'Die Nachricht wurde dementiert. Trotz des Dementis über den bevorstehenden Rücktritt Sakriens hält die„Agence Fournier" ihre Meldung aufrecht. Sarrien habe zu verschiedenen Freunden diese Absicht geäußert. Mit dem Rück- tritt Sarriens werde das gesamte Mlnistcrium zurücktreten. Sarrien sei von seinen Freunden beschworen worden, diese Absicht aufzugeben.— Nachklang zur DrcpfuS-Affäre. Dem Pariser„Matin" zu- folge wurde im letzten Ministerrat auch die Frage eines Vorgehens gegen die beiden Offiziere Lauth und Roll in erörtert. An- geblich wurde beschlossen, beide ihres Postens zu entheben, was jedoch erst gegen Ende dieses Jahres erfolgen soll. Bulgarien. Der griechisch-bulgarische Konflikt. Aus Sofia wird vom 7. August gemeldet: Das Regierungsblatt„Now Wjek" bespricht das Meeting gegen die Griechen und hebt die dramatische Lage der Negierung hervor, sich einer tiefwurzelnden antigriechischcn Be-, wegung entgegenstellen zu müssen. Die Großmächte sollten wirk- same Maßnahmen gegen das griechische Bandenunwesen� treffen, damit sie nickt auf neue Tatsachen stoßen, die geeignet seien, ein? unerwartete Wendung in der Balkanfrage herbeizuführen. (Frkf. Ztg.) Türkei. Saloniki, 9. August.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.- Korresp.-Burcaus.) Vorgestern abend ist hier der bulgarische Arzt Nikolow aus Vodena, der sich in Begleitung des Dragomans der bulgarischen Handelsagentur befand, auf der Straße von hinten angeschossen und schwer verwundet worden; die Täter, vermutlich Griechen, sind entkommen. Das Attentat dürfte ein Racheakt sein für die kürzliche Ermordung des griechischen Arztes in Köprülü. Saloniki, 9. August. Eine starke griechische Bande untep Führung Akritas tötete im Dorfe Kalcn-Kaza bei Perlepe 11 bul-, garische Bauern und brannte 84 Häuser nieder.(Frkf. Ztg.) Amerika. Der amerikanisch-japanische Zwischenfall. Aus Washington wird vom 9. August gemeldet: Im; Verlaufe seiner gestrigen Unterredung mit dem japanischen Ge- schüftsträger hielt der stellvertretende Staatssekretär Bacon zwar die Behauptung aufrecht, daß die Tötung der fünf � japanischen Fischer auf den Aleuteninseln zu rechtfertigen sei, kündigte aber gleichzeitig an, die Vereinigten Staaten würden aller Wahrschein- lichkeit nach Japan ihr Bedauern über den Vorfall aussprechen, Was die festgenommenen Japaner betreffe, so werde dafür ge« sorgt, daß dieselben bald vor Gericht kommen. Der Arbeitcrblind in der Politik. Als Samuel GomperS, der Präsident der American Federatiow of Labor, mit vielem Pathos ankündigte, daß die organisierten Arbeiter nicht länger stillschweigend dulden werden, daß ihre Wünsche in der Gesetzgebung des Landes nicht die gebührende Be« rllcksichtigung finden, wurde er vielfach mißverstanden. Man glaubte, daß der Arbciterbund, der wenigstens über 1 599 999 Wahl- stimmen verfügt, eine neue Partei bilden und selbständig in der politischen Arena auftreten werde. � Die englischen Arbeiter hatten ihren amerikanischen Brüdern ein vortreffliches Beispick gegeben und eine eigene Partei ins Parlament gesandt. Dasselbe, so glaubten viele, beabsichtige Gompers. Bisher hatten die organi« sierten Arbeiter in Amerika sich bald auf die republikanische, bald auf die demokratische Partei verlassen und waren von beiden verraten worden; bisher galt die Taktik, den„besten Mann'' zu wählen, aber er mußte immer ein Demokrat oder ein Repulu kaner sein. Sah man sich betrogen und getäuscht, so hieß es, das nächste Mal müssey wir«bessere MäQßa" wählen.— All Vertzetetz du3 den eigenen Reihen, an Ardeiterabgeordnete.die den Auftrag bekommen, bestimmte Arbeiterinteressen zu vertreten, dachte man nicht; von solchen wollte man nichts wissen.„Keine Politik in den Gewerkschaften", so hieß es überall. Das alles schien setzt anders werden zu sollen. So energisch «nd ernstlich wie diesmal hatte Gompcrs noch nie mit seiner Macht gedroht. Aber er beeilte sich bald, zu erklären, daß nur eine Fort- sctzung der alten Taktik beabsichtigt war. Man wollte die Kandi- baten einem Examen unterwerfen; sie sollten sich verpflichten, für einzelne Arbeitcrforderungen einzutreten. So werden jeüt die Kandidaten für den K o n g r c ß gefragt, ob sie für ein Acht- st u n d e n g e s e tz und gegen die richterlichen Ein. Haltsbefehle(die bei Streiks und Boykotts häufig zur An- Wendung kommen) eintreten wollen. Bei einer Weigerung sollen die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter gegen den Kandidaten stimmen. Es handelt sich hier wieder um Republikaner und Demokraten, denn alle anderen Parteien werden als aussichts- los nicht in Betracht genommen. Nur im Notfall will der Arbeiter- bund eigene Kandidaten aufstellen, die er dann durchzu- bringen hofft.— So haben die Führer es beabsichtigt, aber die Massen sind vielfach geneigt, eigene Wege zu gehen. Man wird in vielen Städten Arbeiterkandidaten aufstellen und da. wo unsere Partei einflußreich genug ist, wird man die sozialistischen Kandi- baten unterstützen. Das englische Beispiel hat ansteckend gewirkt und die größte Aufmerksamkeit in weiten Arbeiterkreisen erregt. Das wenig wirkungsvolle Auftreten Gompcrs wird bald Unzu- friedenhcit erregen. Haben die einzelnen selbständig vorgehenden Arbeiterorganisationen in verschiedenen großen Städten Erfolge bei der Wahl am ö. November, so werden bald andere große Massen nachdrängen, nach gleichen Erfolgen streben und die zaghaften und vorsichtigen Führer beiseite schieben. In dieser Bewegung bleibt natürlich die sozialistische Partei der zielbewußt und sicher auf- tretende Teil, der zum Kern der allgemeinen Arbeiterbewegung werden wird, und die großen Massen erst darüber aufzuklären hat. daß sich die Bewegung gegen den Kapitalismus als größten Feind richten muß.— GewerkfchaftUcbcö. Tarifvertrag und Nichtorgauisierte. DaS Einigungsanit für das Baugewerbe in Essen(Ruhr) hat in seiner iiingsten Sitzung den außerordentlich wichtigen Beschluß gefaßt, daß der zwischen dem Arbeitgebcrbunde und den verschiedenen Organisationen abgeschlossene Tarifvertrag grundsätzlich für jeden Arbeiter Gültigkeit habe, der bei einem Arbeitgeber, welcher als Mitglied dem Arbeitgeber- verbände angehört, Beschäfftgung annimmt. Diese Eni- scheidung wurde auf Antrag des Vorsitzenden, Herrn Bei- geordneten Dr. Wiedfeldt, getroffen. Daß die Ansicht des Herrn Beigeordneten auch von anderen Autoritäten geteilt wird. dürfte ein Urteil des Gewerbegerichts Hannover beweisen, das in einem ähnlich liegenden Falle das gleiche Urteil gefällt hat. Zwischen dem Arbeitgebcrverbande einer gewissen Branche und der Ge- hülfenorganisation war nach vorausgegangener heftiger Lohnbewegung, also genau wie in Essen, ein Tarifvertrag vereinbart worden, welcher unter Umständen eine Kündigung ausschloß. lOhne einen gesetzlichen Grund zur 5lündigung zu haben, kündigte der Arbeitgeber und bemerkte seinem Gehülfen, daß er noch am Abende des Kündigungs- tages seine Arbeit einzustellen habe. Der Kläger war nun der Meinung, daß die gesetzlichen Bestininiungen auf das Dienstverhältnis Anwendung finden, so daß ihm also nur mit Frist von 14 Tagen gekündigt werden durfte, weil etwas anderes nicht ausgemacht worden ist. Der Tarifvertrag gehe ihn nichts an und könne gegen ihn nicht geltend gemacht werden, denn er gehöre der Gehülfenorganisation nicht an, sondern stehe außerhalb derselben. Das Gericht hat die Klage abgewiesen, indem es davon ausging, daß der zwischen den Verbänden der Arbeitgeber und Arbeitnehmer abgeschlossene Tarifvertrag ohne weiteres für jeden Gehülfen Gültigkeit hat, der bei einem Arbeitgeber Beschäftigung annimmt, welcher Mitglied des Arbeitgeber- Verbandes ist. Vorausgesetzt ist hierbei natürlich, daß eine vom Tarifvertrage abweichende Vereinbarung nicht getroffen wurde. Deshalb konnte sich im vorliegenden Falle der Kläger nicht auf die gesetzlichen Bestimmungen berufen, da solche durch den Tarifvertrag außer Kraft gesetzt worden sind. Die zu einer Organisation zusammengeschlossenen Gehülfen des betreffenden Faches handelten, indem sie einen Tarifvertrag schlössen, gewissermaßen alsVertrcter allerBerufs- genossen, die gegenwärtig oder später, innerhalb oder außerhalb des Verbandes stehend, Arbeit an dem Orte, für welchen der Tarif gilt, suchen würden. Dieser Urteilsspruch ist von so großer Wichtigkeit, daß wir nicht verfehlen möchten, solchen ebenso wie die Entscheidung des Essener Einigungsamtes den zahlreichen, im Baugewerbe Beschäftigten, zur Kenntnis zu bringen. Ueber den praktischen Wert der Urteile kann man zweierlei Ansicht sein, da die Arbeiterorganisationen es jedenfalls nicht als ihre Aufgabe betrachten, durch die von ihrer Leitung geschlossenen Tarif- Verträge auch die sogen. Unorganisierten zu schützen, also Leute, die sich nicht entschließen können, einige Mark jährliche Beiträge zu entrichten._ Lerlin und Umgegend. In der Nernst- und Glühlampenabteilung der Allgemeinen Elektrizitätsgcscllschaft, Sickingcnstraße, haben am Donnerstag früh 14 Angestellte, 10 männliche und 4 weibliche, die Arbeit niedergelegt. In dem Laboratorium dieser Abteilung waren die Angestellten mit dem Kochen von Fluß-, Schwefel- und Salzsäure beschäftigt, eine Arbeit, die durch die entwickelten Dämpfe auf die Gesundheit einen sehr schädlichen Einfluß ausübt. Außerdem werden die Kleider dabei ruiniert und die Haut verbrannt, wenn die Säure umherspritzt, was sehr leicht vorkommt. Wiederholt haben sich die Arbeiter beschwert und um Gummiröcke gebeten, wie auch um Holzpantoffel, denn sie müssen immer auf einem feuchten Platze arbeiten. Auf die Beschwerde erhielten Meister und Vorarbeiter die gewünschte Schutzkleidung, aber um die übrigen Arbeiter kümmerte man sich nicht. Diese gerieten darüber in große Erregung und sandten eine Kommission ab, um mit der Direktion Rücksprache zu nehmen, aber sie wurden abschlägig beschiedcn und man sagte ihnen, daß„jeder gehen könne, dem es nicht paßt". Darauf legten die 14 Angestellten die Arbeit nieder. Sie streiken nicht etwa! Nein, sie sind froh, aufhören zu können und wollen sich andere Arbeit suchen, aber sie warnen zugleich andere Ar- bester, dort ihre Gesundheit nicht aufs Spiel zu setzen. Außerdem sei bekannt gemacht, daß sehr schlechte Löhne dort gezahlt werden. Die Männer erhalten 33— 35 Pf. und die Frauen 23— 25 Pf. pro Stunde. Die Arbeitszeit beträgt zehn Stunden utid Ueberstunden werden fast täglich verlangt, oft zwei bis drei Stunden den Tag. Die Arbeiter sind der Ansicht, daß dem Direktor Rathenau die Uebelstände in jener Abteilung nicht bekannt sind, ja sie glauben, daß die Unterdircktion Herrn Rathenau diese Mißstände verheimlicht, denn es ist sehr auf- gefallen, daß bei einem Besuch des Herrn Rathenau in der Fabrik stets schnelle Order gegeben wurde, die Arbeit im Labora- torium ruhen zu lassen. Die Arbeiter sahen darin immer das Zeichen eines schlechten Gewissens. Verantw. Redakt.: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Inserate verantw Die Kutscher, Schaffner und Bodenarbeiter der Berliner Paketfahrtgescllschnft Starke haben, veranlaßt durch das rigorose Vorgehen der Direktion, am Donnerstag früh die Arbeit einmütig niedergelegt. Nur die sogenannten Oberschaffner, welche auS- schließlich im Innendienst beschäftigt werden und einen höheren Lohn beziehen, haben sich an dem Ausstand nicht beteiligt. Noch am Mittwochvormittag ist der Direktion seitens der Leitung dcS Handels- und Transportarbeiterverbandes der in Sachen der Lohnforderung und der damit verbundenen Verhandlung gefaßte Beschluß der Angestellten zugestellt worden, mit dem Ersuchen. ihren diesbezüglichen Bescheid bis Donnerstag den 9. zu geben. Obwohl nun die Direktion den Bevollmächtigten Werner am Mitt- wochabcnd telephonisch zu einer VerhandiAng am Freitagvormittag eingeladen hat, hat sich dieselbe noch am Mittwoch unter sich dahin geeinigt, den Lohn für sämtliche Gehaltsklassen um 5 M. pro Monat zu erhöhen. Am Donncrstagmorgen wurde den Angcstell- ten bekanntgegeben, daß ihnen im Laufe des Tages ein Revers be- treffend die vorgenannten Zugeständnisse zur Unterschrift vor- gelegt werde. Wer seine Unterschrift verweigert, d. h., wer nicht damit zufrieden ist, der sei gekündigt resp. er werde entlassen. Da somit eine Verhandlung der Kommission mit der Direktion aus- geschlossen war, worauf die Leute immer noch gerechnet hatten, um zu ihrem Rechte zu gelangen, erklärten sich alle kurzerhand solidarisch und legten die Arbeit nieder. In eine seitens der Ar- beiterkommission im Laufe des Vormittags nachgesuchte VerHand- lung wollte die Direktion nur unter der Bedingung einwilligen, daß die� Ausständigen vorher geschlossen die Arbeit wieder auf- nähmen. Darauf ist die Kominission selbstverständlich nicht ein- gegangen. Der Geist der Streikenden ist ein guter. Leider haben auch in diesem Falle die Kontoristen,�„Pxoletarier mit Stehkragen und Zylindcrhut", sich wieder als Streikbrecher verwenden lassen. Auch haben einige Lohnfuhrwerksbesitzcr(u. a. Witte aus der Ackerstraßc), Gespanne gestellt. Da zurzeit die Konjunktur eine äußerst gute ist, so daß beispielsweise in den letzten Tagen wegen des Reiseverkehrs bis in die tiefe Nacht hinein gearbeitet werden mußte, ist die Direktion auch nicht im entferntesten in der Lage, den Betrieb mit fremden Leuten aufrecht erhalten zu können. Natürlich hat sofort wieder unsere liebwerte Polizei sich in diese private Auseinandersetzung zwischen Unternehmer und Ar- bsitern eingemischt. Von der Brandenburg- bis zur Prinzenstraße stehen zahlreiche Schutzmannspostcn, und in der Nähe des Ge- bäudcs der Paketfahrtgesellschaft in der Ritterstraße ist den Passanten kein Verweilen gestattet. Mancher schaut sich nur ein wenig neugierig um,— er möchte wissen, ob Sine Hennigjagd dort im Gange ist, weil so viele Schutzleute mit ernsten und wichtigen Mienen auf Posten stehen, aber auch die Neugierde ist nicht er- laubt.„Weitergehen!" heißt es. Die Arbeitswilligen müssen vor jeder Belästigung geschützt werden! Es sind freilich sehr wenige, die von der Gesellschaft bewogen werden konnten, die Rolle der Arbeitswilligen zu übernehmen, und die Streikenden sehen ihrem Siege mit Zuversicht entgegen. In der Galantcriewarcnfabrik von Golembiefski u. LampertS, Markarafenstr. 13, haben sämtliche Kollegen wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Die Ortsverwaltung des Portefeuiller-Verbandes. Zahlstelle Berlin. Entgegnung. In Nr. 183 des„Vorwärts" berichtet Herr B a t s ch k e, Gothenstr. 49, daß er seine Bewilligung nicht zu- rückgezogen und sich vergebens um einen Gehülfen bemüht habe. Demgegenüber erklären wir: Es ist uns nicht bekannt, daß Herr Batschke von. uns einen Gehülfen verlangt hat. Nachdem schon mehrmals die anerkannten Bedingungen nicht mehr erfüllt wur- den, fragten wir schriftlich an, ob wir dieses als Zurückziehung seiner gegebenen Bewilligung betrachten sollen. Eine Antwort haben wir nicht erhalten. Wohl meldete sich hierauf ein Gehülfe zur Aufnahme, welcher bei Herrn Batschke in Arbeit ge- treten war; dieses wurde auS hier nicht näher zu bezeichnenden Gründen abgelehnt. Das Plakat wurde daraufhin eingezogen. Die Sperre bleibt mithin bestehen. Verband der Friscurgehülfen Deutschlands. Deutfebes Reich. Aufruf au die deutschen Bergarbeiter! Am 1. Juli d. I. brach durch die Provokation der belgischen Kohlenbarone im Kohlenrevier Huinct, Provinz Heimiut(Belgien) ein Streit auS, und sandte Caluevaert, Vorsitzender der belgischen Bergarbeiterorganisation, folgenden Brief an den Ver- band der Bergarbeiter Deutschlands, der ins Deutsche übersetzt also lautet: Roux Hainaut(Belgien), den 6. August 1008. Mein lieber Freund Sachse, Deputierter, Bochum I Nach dem 1. Juli brach in dem Bergwerksbezirk Huinct in der Provinz Hainaut in Belgien ein Streik aus. Der Streik wurde von den Unternehmern provoziert. Das hiesige Kohlen-Syndikat hat sich die letzte Zeit sehr ausgebreitet und seinen Mitglieder- stand vermehrt. Nun versuchten die Herren unsere Organisation zu vernichten und kündigten den Kameraden, meistens natürlich Komiteemitgliedern(Vertrauensleute) unserer Organisation, so auf 25 Schächten. Daraufhin trat der Streik am I.Juli ein. ZurVer- Mittelung ist das Eonssil pruck stommes(Gewcrbegericht, Arbeiterkammer) angerufen, doch ist die Untersuchung»och nicht beendigt. Die Direktionen der Kohlenbergwerke sandten nun in alle Teile Belgiens Agenten, um Arbeiter anzuwerben und uns nieder- zuknüppeln. Diese versprechen den Bergarbeitern Löhne von 8 und 9 Fr. den Tag. sie erzählen sogar, daß 12—13 Fr. zu verdienen seien. Es gelang ihnen auch, von Pas de Calais Revier(Frank- reich) Leute zu bekonnnen, die sich aber mit uns verbündeten. Un- gliicklicherweise ist dies nicht der Fall mit einem Dutzend West- fälischer Bergarbeiter, die am 5. August in Charleroi ankanien und, von Gendarmen begleitet, die Arbeit ausnahmen. Hier geht das Gerücht um, und es ist zu glauben, daß noch 50 West- fälische Bergleute schon unterwegs seien. Auch sollen Agenten ab- gereist seim um noch 650 westfälische Bergarbeiter hierher zu lotsen. Ich hoffe, mein lieber Freund Sachse, daß Ihr alle An- strengungen macht, die westfälischen Bergleute zu lvarnen, hierher zu kommen und uns in den Rücken zu fallen. Ich erinnere Euch an den Brief, den Ihr uns während des RuhrbergarbcitcrstreikS sandtet, wo Ihr uns auf Euren Streik aufmerksam machtet, und auf unser Antwortschreiben, wo wir Euch der internationalen Solidarität versicherten. Wir haben damals auch alles getan, die belgischen Kameraden vom Ruhrgebiet fernzuhalten; mögen unsere deutschen Brüder auch jetzt ihre Solidarität betveisen und von hier sich fern halten. Mit brüderlichem Gruß I Caluevaert. Bergarbeiter, zeigt Eueren belgischen Kameraden, daß auch Ihr Solidarität übt und gebt den belgischen Werbern, die Euch zum Streikbruch verlocken wollen, die richtige Antwort, auf daß sie das Wiederkommen vergessen. Die Löhne in Belgien sind miserabel und nicht allein die Verachtung der belgischen Kameraden ivürde die treffen, die sich zum Streikbruch verleiten lassen, sondern auch Ndt und Elend würde eine solche Verrätcrei lohnen. Zeigt Euch als international gesinnte Arbeiter, bleibt von Belgien fern! Verband der Bergardeiter Deutschlands. Streikbewegungen in Lothringen. Straßburg, den 8. August.(Eig. Bcr.) In den Salinen von Dieuze, der durch den Fall des bayrischen Leutnants Mühe : Dd. Glocke, Verlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdr. u. Verlag sanstalj bekant gewordenen„kleinen Garnison", ist schon vor einiger Zeit ein umfassender � Streik ausgebrochen, der noch immer kein Ende gefunden hat. Nunmehr sind auch in der in S a a r a l b c n ge» legenen Niederlassung der deutschen Solway-Wcrke 700 A r» b e i t e r in den Ausstand getreten, weil die Lohnforderungen mit Maßregelungen beantwortet worden sind. Uebrigens verteilte diese Firma in nicht einmal neun Jahren tfie Kleinigkeit von 60 Millionen Mark Dividenden I In M e tz sind 850 Maurer in den Streik getreten. Sie hatten vor kurzem folgende Forderungen eingereicht: Abschluß eines zweijährigen Tarifvertrages, Erhöhung des Stundenlohnes auf 52 Pf., besondere Bezahlung von Nacht- und Ueberstunden» arbeit, zehnstündigen Arbeitstag. Die Unternehmer lehnten diese Forderungen ab, erklärten sich aber bereit, durch Vermittelung des hiesigen Fachverein? der Maurer, der aber nur einen kleinen Teil der Maurer zu Mitgliedern zählte, mit den Maurern zu ver- handeln. Dieses Anerbieten wurde abgelehnt und der Streik be» schloffen. Die Arbeit ruht fast auf allen Baustellen. Die Situa» tion ist günstig. Husland, Allgemeine Kriegserklärung der dänischen Unternehmer. Die dänische Arbeitgebcrvereinigung hat wieder einmal eine allgemeine Aussperrung angekündigt, und zwar von einem Umfang, der die Massenausspcrrung von 1899 noch in dem Maße übertreffen würde, wie die Gewerkschaften inzwischen an Mit- gliedern zugenommen haben. Die Veranlassung dazu gab ihnen die Aussperrung in der Pianoindustrie. Wird dieser Konflikt nicht bis zum 18. August in für die Arbeitgeber befriedigender Weise beendet, so sollen vom selben Tage an alle bei Mitgliedern der Arbeitgebervereinigung tätigen organisierten Tischler und Bau» tischlcr ausgesperrt werden. Führt das nicht zu dem gewünschten Erfolg, dann soll die Aussperrung am 1. September auf samt- liche bei Mitgliedern der Vereinigung tätigen organisierten Arbeiter ausgedehnt>v erden. Dieses hat die Generalversammlung der Arbeitgcbervereinigung am 7. August beschlossen, und zwar, wie durch Ritzaus Bureau be- kannt gegeben wurde, mit 155 Stimmen ohne Gegenstimmen. Wird die Aussperrung wirklich in vollem Umfange durchgeführt, so kann sie sich auf ungefähr 80 000 Arbeiter erstrecken. Der Konflikt in der Pianoindustrie ist von den Arbeitgebern selbst in höchst leichtfertiger Weise hervorgerufen worden. Die Aussperrung in dieser Industrie wurde am 5. April d. I. durch- geführt, weil die Arbeiter des Fabrikanten Hindsberg streik- ten, um ihn zur Jnnehaltung eines mit ihm abgeschlossenen Tarif- Vertrags zu zwingen. Hindsberg war damals nicht Mitglied der Unternehmerorganisation, so daß diese eigentlich nicht im�min- besten irgend welche Verpflichtung hatte, dem tarifbrüchigen Fabri- kanten beizustehen, geschweige denn sich gar zu einer die Arbeiter aller Berufe umfassenden Aussperrung zu entschließen. Allgemeine Aussperrungen anzudrohen ist übrigens dem dä» nischen Unternehmertum in letzter Zeit zu einer Gewohnheit ge- worden, die sie bei jeder auch noch so geringfügigen Gelegenheit anzuwenden pflegen, offenbar, um auch die kleinste Lohnerhöhung in irgend einem Betriebe oder Berufe zu hintertreiben und wo- möglich die ganze Kraft der Arbeiterorganisation lahm zu legen. Es wird wohl einmal wieder eines großen Kampfes bedürfen, um den Uebermut der Unternehmer zu dämpfen und ihren ewigen Friedensstörungen ein Ende zu machen. Zur Aussperrung der Weber in BervierS. Der Bürgermeister Millendorff hat an den Verband der Weber und zugleich an den Verein der Fabrikanten einen Brief gerichtet, durch welchen er sie auffordert, den Konflikt dem Schiedsspruch der ArbeitSkom» Mission zu unterbreiten, welche in dem Gemeinderat besteht. Wie eS heißt, wird der Vorschlag angenommen werden.— Die Appre- teure und Färber haben sich mit den Webern solidarisch erklärt. Letzte JVachmhten und Depefcben« Ein Duma-Deputierter erhängt. Petersburg, 9. August.(Privattelegramm des„Vor, wärts".) Der ehemalige Duma-Teputierte Onipkin, der in Kronstadt bei den Meutereien verhastet wurde, ist am Sonn, tag gehenkt worden!_ Angebliche Reue der Meuterer. Petersburg, 9. August.(W. T. B.) Nach Meldungen des Kommandeurs des Samus-Rcgimcnts in Deschlagar vom heutigen Tage zeigten die Meuterer nach Ermordung der Offiziere ernste Rene und baten die übriggebliebenen Offiziere, das Kommando wieder zu übernehmen. Die Ursache der Meuterei ist auf falsch verstandene Ideen von der Befreiung des russischen Volkes zurück» zuführen. Die Meuterer beklagen aufs Tiefste das Vorgefallene und beschuldigen ihre Führer, das Blutvergießen ohne irgend einen sichtbaren Zweck herbeigeführt zu haben. Der Moskauer Ausstand beendigt. Moskau, 9. August.(W. T. B.) In sämtlichen hiesige« Fabriken ist die Arbeit wieder aufgenommen. Die Zahl der Aus» ständigen überschreitet nicht die sonst übliche Zahl. Die Mehrzahl der Druckereien ist in« Betriebe, wenngleich die Arbeiter noch nicht vollzählig zur Arbeit erscheinen. Morgen erscheinen alle Zeitungen. Die Straßenbahnen verkehren wieder. Eine De» putation der Druckereibesitzer bat heute den Stadthauptmann, die verhafteten Delegierten der Schriftsetzer wieder freizulassen. De? Stadthauptniann versprach ihnen, das möglichste zu tun. Ein Agitator verhaftet. Moskau, 9. August.(W. T. B.) In der Dimitrowskastraße wurde ein Agitator verhaftet, der die Volksmasse zum bewaffneten Widerstande aufrief. Er ist ein ehemaliger Student und gab an. ein Sohn des Professors Golnbowsky zu sein. Es hat sich heraus- gestellt, daß der Student Mizcnko Woinarowitsch, der das Attentat auf Admiral Dubassow verübt hat, der fliegenden Kampf- organisation der Rcvolutionspartei angehörte, von der auch hcS Attentat auf den General Ncplinjcw in Sebastopol verübt wuiwe. Die Affäre deö Bauernverbandes wird hier Ende September zur Verhandlung kommen. Unter den 20 Angeklagten sind die Mehr- zahl Lehrer an Semstwoschulcn und nur einer ist Bauer. Bau- und Erdarbeiter-Ausstand. Görlitz, 9. August.(W. T. B.) Nachdem die hiesigen Maurer in den Ausstand getreten sind, haben auch die Bau- und Erd» arbeiter beschloffen, die Arbeit einzustellen. Sie fordern zehn- stündige Arbeitszeit und Lohnerhöhung. Ein Lustmord. Seligenstadt, 9. August.(B. H.) Große Aufregung verursacht die Auffindung der Leiche der 13jährigen Tochter des Zigarren» fabrikanten Wiehl. Die Leiche wurde mit zerschnittenem Halse in einer ziemlich belebten Straße gefunden. ES liegt ein Lust- mord bor. Hafenarbeiter-Ausstand in New Jork. New York, 9. August. Der Verkehr der Schleppschiffe der Eisenbahngesellschaften im hiesigen Hafen ruht vollständig, da die Matrosen, Maschinensckmiercr und Heizer zur Erlangung höherer Löhne in den Ausstand getrefen sind. Auf den Kais in Jersey City lagern große Mengen von Frachtgütern, die nach der Man- hattan-Jnsel verladen werden sollen. Von dem Ausstand werde« fast alle Eisenbahnen betroffen. Paul Singer LtCo.. Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u.ynterhaliungSblatt „a l. Keilm des Dmiills" Kerlim WllisM Die russische Nevolntion. Der Generalstreik ist beendet. Die Reaktion tnuinphiert im Augenblick. Die Meldungen lauten: Petersburg, 9. August. Die letzten Anzeichen des General- auZslmideS sind verschwunden; sämtliche Zeitungen erscheinen wieder. Petersburg, 9. August. Tie hier ciugetrossenen Rapporte der Gouverneure aus dem ganzen Reiche konstatieren, dast überall Ve- rnhigung eingetreten und die revolutionäre Bewegung lahm gelegt zu lein scheint. Diese Rapporte haben sowohl in PeterShof als auch m Regiernugskreisen den günstigsten Eindruck gemacht. Moskau, 8. August. Der Ausstand ist vollständig beendet, jedoch ist der Dienst ans der elektrischen Bahn wegen technischer Schwierig- leiten noch nicht völlig wieder aufgenommen worden. Unter den Sozialdemokraten, welche den Ausstand organisierten, herrscht wegen dcS Millingens grobe Niedergeschlagenheit. Jusowka, 8. Äugnst, Infolge von Zwistigkeiten über das weitere Vorgehen teilten sich 2500 Arbeiter der Grube Alexejewsk in zwei Lager, wobei es zu Zusammenstößen kam. Zwei Personen wurden getötet und eine größere Anzahl verwundet. Eine Abteilung Dra- goner stellte die Ruhe wieder her. Wie wenig indes die Regierung im Grunde auf die Dauerhaftigkeit der Ruhe vertraut, zeigt folgende Meldung des„Russischen Kurier": Trotz der beruhigenden Versicherungen, die das russische Eisen- bahnministerium in Bezug auf den Eisenbahnerstreik abgegeben hat, verfügte die russische Gendarmerieverwaltung soeben, daß alle Eisenbahnbeamten außerhalb des Dienstes schärfer als bisher bewacht werden sollen. Die Kabinettsbildung. Der„Russische Kurier" meldet: Die Verhandlungen über die Neubildung des russischen Minister- kabinetts scheinen insofern in eine neue Phase getreten zu sein, als man am Zarenhofe entschlossen ist, politisch unbedeutende Persönlichkeiten beziehungsweise solche, die ein gefügiges Werkzeug in den Händen der Hospartei sein können, in das neu zu bildende russische Ministerkabinetl zu berufen. Man muß aber wohl notgedrungen auf den pseudo- liberalen Aufputz der Regierung verzichten. Nach Laffans Bureau sind die Ministerernennungen schon vollzogen. Es meldet: London, 9. August.< Bureau Laffan.) Wie der Petersburger Korrespondent des„Standard" erfährt, ernannte der Zar den früheren Reichskontrolleur Philosofow zum Handelsminister, den Fürsten Wassiltschikow zum Landwirtschaftsminister und JSwolSkh, den Bruder des Ministers des Aeußern, zum Prokurator des Heiligen Synod. Die Ernannten sind sämtlich Bureaukraten. Indes läßt das Ministerium zum Ersatz für die fehlenden liberalen Minister die Kunde von liberalen Taten verbreiten. So erfuhr der„Russische Kurier": Der russische Ministerrat beschloß, für daS Budget für 1907 nachträglich die Genehmigung der neu ein- zu berufenden Reichsduma einzuholen, den Mi- nistern aber die Kredite nur für Januar. Februar und März 1907 zu bewilligen. Wie besorgt um die Volksrechte l Wenn der Eifer nur bis 1907 vorhält.— Uebrigens macht auch der Petersburger Stadthauptnianu schöne Versprechungen. Nach dem„R. K." hat er den Führern einiger politischer Parteien auf ihre Anfrage mitgeteilt, daß er schon in den nächsten Tagen die Eröffnung der politischen Klubs gestatten werde. Ob sich das auch auf die Arbeitervereine bezieht? Be- kanntlich war eine der ersten Taten des Ministeriums Stolypin, sogar die unpolitischen Arbeitervereine, die Gewerkschaften, zu zerstören. Soweit ihm das möglich war. Die Propaganda im Heere. Petersburg, 9. August. Im Militärspital zu Kasan wurden Bomben sowie viele Tausende aufrührerischer Pro- klamationen gefunden. Sonstige Meldungen. Petersburg, 9. August. Wie verlautet, wird die Regierung im Herbste die Bewilligung zur Exhumier ug der Leiche Herzen st eins und Ueberführung derselben nach Moskau erteilen. Petersburg, 9. August. Die konstitutionelle demokratische Partei sKadetten) beschloß, nächsten Monat in Moskau einen K o n g r e ß abzuhalten. Petersburg, 9. August. Der Sekretär und mehrere Mitglieder des Setzcrverbandes der revolutionären Partei wurden gestern verhaftet. Während eines AufstandeS in P o l t a w a brannten Bauern daS Besitztum des Fürsten K o t s ch u b e y nieder. Aus Warschau wird berichtet, daß vier Sozialisten von Bauer» erschlagen wurden, weil sie versucht hatten, den Aufruhr zu predigen. Petersburg, 9. August. Aus T h o n n wird berichtet: Auf dem S ch u l h o f e der Schule in Ubetski ist gestern ciue Bombe explodiert, während die Schüler Turnübungen vornahmen. Durch die Explosion ist glücklicherweise nur geringer Materialschaden entstanden. Sewastopol, 9. August. Der Redakteur des„KrjmSki Westnik", Engel, wurde vom Stadtkommandanten wegen Veröffentlichung von Artikeln über die Auflösung der Reichsduma aus Sewastopol v e r- bannt. Petersburg, 8. August. lRuff. Kurier.) Im russischen Ministerium des Innern häufen sich die Nachrichten, daß zahlreiche ehe- malige Reichsdumamitglieder nicht nur mißhandelt würden, sondern auch ihr Hab und Gut vielfach von ihren Wählern z e r st ö r t bezw. verbrannt wird. Die Borgänge in Kronstadt. Einen interessanten Bericht über die Vorgänge in Kronstadt bringt pie Petersburger„Now. Wremja" in ihrer letzten Nummer: Der Aufruhr begann in der Mineurkoinpagnie um Mitternacht am 2. August. Die Mineure stürzten zur Wohnung des Obersten Alexandrow, der versetzt ist und nur nach Kronstadt gekommen war, um Abschied zu nehmen. Der Oberst unterhielt sich gerade mit Kapitän Wrotschinsky durch das Fenster, als sieben Soldaten ins Zimmer stürzten und Wrotschinsky packten. Sie drückten ihn den Kopf gegen die Knie, uni ihn zu ersticken. Seine alte Mutter eilte ihm zu Hülfe. Doch sie und ihr Sohn sanken tot unter Bajonettstichen zusammen. Alexandrow, der draußen gestanden hatte, lief zu seiner Wohnung. Doch er wurde eingeholt, durch Kolbenstöße zu Boden geworfen und von einem Zivilisten er- schössen. 2jn den Leichnam stießen die Mineure ihre Bajo- nette. Seme Frau, die ihm zu Hülfe eilte, blieb der- wundet und mit gebrochenen Beinen liegen. Nack, mehrstündigen Qualen starb sie im Marinehospital. Während diese Offiziere getötet und die übrigen in eine Kaminer gesperrt wurden, begab sich ein ««derer Teil der Mineure zusammen mit den Sappeuren,(die mittlerweile auch ihre Offiziere verhaftet hatte») zum Konstantin- Fort. Hier schlief man schon. Die halbentlleideten Artilleristen stürzten an die Geschütze. Sie weigerten sich strikte, mit- zumachen und lösten heimlich die Verschlußstücke von den Kanonen. Nur eine Kanone konnte nicht kampfunfähig gemacht werden. Auch Geschosse weigerten sie sich heraus- zugeben. Eines wurde gefunden und ein Schutz abgegeben, der in ein Wäldchen fiel, wo die Aufrührer die Garde- Feldbatterie verinuteten. Die Artilleristen mit sieben Offizieren wurden in den Kasematten eingesperrt. Die Mörder Wrotschinskys und AlexandrowS suchten sich indessen der reitenden Artillerie zu bemächtigen. Hier stießen sie aber glücklicherweise auf Wiederstand. Auf Befehl des Kommandanten ging Oberst Schelamow mit vier Kompagnien Infanterie, zwei Maschinen- gewehrcn und zwei Kanonen gegen das Fort Konstantin vor. Ein Teil der Sappeure war treu geblieben und half beim Transport. Die reitende Artillerie zeigte sich sehr eifrig. Aus die Aufforderung, sich zu ergeben, hißten die Aufrührer eine riesige rote Fahne mit der Aufschrift: Semlja i Wolja(Land und Freiheit) und eine anarchistische schwarze Fahne. Darauf wurde das Feuer aus Flinten und Maschinengewehren eröffnet. Die Meuterer antlvorteten mit Gewchrfcuer, darauf wurden fünf bis sechs Kanonen- schüsse abgegeben; die Meuterer versteckten sich daraufin den Kasematten. Einige stürzten sich ins Meer und ertranken, andere versuchten in einem Kutter zu fliehen, wurden aber durch die Maschinengewehre daran verhindert und kehrten zurück. Daraus hißten die Meuterer (nach anderer Version die sreigewordenen Artilleristen) im Fort an Stelle der roten eine Weiße Fahne. Um 5 Uhr morgens wurde daS Fort besetzt. Von den Gefangenen verkündeten sieben Mann, daß sie Wrotschinsky ermordet hätten und nichts fürchteten. So schloß dieser Teil der Tragödie. Der Schuß vom Fort um 12 Uhr nachts war gleichsam daS Signal für die Matrosen, aus ihren Kasernen auszubrechen. Hier begann die dritte, vierte und fünfte Flottenequipage de» Aufruhr. Sie rückten in einer Zahl von einigen Hundert(300) die Krasnaja und Primorskaja hinauf, um sich inr Arsenal Waffen zu verschaffen. Um sich leichter zu erkennen, hatten sie die weißen Ueberzüge von den Mützen genoinmen, die Führer hatten den rechten Arm mit einem weißen Tuch umbunden und rote Bänder um die Schulter gehängt. Die bei den Matrosen dejourierenden Offiziere suchten sie auf- zuhalten, wurden aber ermordet oder schwer verwundet. Hier fielen, wie gemeldet Robinow, Dobrowoloki, Schumann, StopnowSki, serner wurde Kontreadmiral Beklemischew u. a. ermordet. Ueber Kapitän Krcnizki, der nur leicht verwundet war, ivurde ein Gericht abgehalten; als Richter fungierten Matrosen, acht Zivilisten und ein Weib. Ihn befreite die 8. Kompagnie deS Jenisseischen Regiments. Dieiem Regimente hat man die Rettung der Stadt zu verdanken. Um 11 Uhr, als schon eine gewisse Ausregung zu spüren war, wurde Oberst Lobanowski zum Kommandanten berufen. Als die ersten Rcvolverschiisse ertönten, rückten die einzelnen Kompagnien zunr Arsenal, dem Gefängnis für politische Verbrecher und an andere gefährdete Stellen ab. Die Matrosen hatten schon den Dejouranten Nikolski beim Arsenal verhaftet und da sie keine Schlüssel erhielten, das Arsenal erbrochen. Die Matrosen ver- suchten, die Infanteristen zu überreden, doch diese antworteten mit Salven. Die Aufrührer liefen nach einigen Salven auseinander und flohen in de» Petrowski-Park. In der Finsternis der Nacht setzten ihnen die Soldaten schießend nach und fingen 38 Mann. Bon den anderen Bataillonen wurden die einzelnen Equipagen genommen und die Straßen mit Salvenfeuer gereinigt. Eine andere Abteilung schnitt die fliehenden Aufrührer vom Hafen ab. Ucberall lvurden Gefangene gemacht. DaS Schießen in den Straßen, an dem sich auch Arbeiter mit Brownings beteiligten, dauerte bis 6 Uhr morgens an. Zum Schluß beteiligten sich auch zwei Bataillone des Finnländischen Regiments an der Herstellung der Ordnung. Die Soldaten, durch die Verwundung dreier Kommandeure erbittert, schoflen schonungslos. Auf allen Straßen wurden Posten ausgestellt. Am Morgen war alles ruhig. Der Bericht des reaktionären Blattes, der die ganze Größe des Aufstandes zu erkennen gibt, sagt den Meuterern verschiedene zwecklose Grausamkeiten nach. Natürlich ist die Wahrheit dieser Behauptungen durch die Mitteiluug in dem Blatte nicht erlviesen. Sind die Meldungen aber wahr, so zeigen sie lediglich, wie das Knuten- regiment die Soldaten vertiert hat, so daß die Wildheit selbst im Freiheitskampfe noch durchbricht. Ans Finnland. Hrlsingfors, 7. August.(Eig. Ber.) Sveaborg„erobert", dir Ruhe fehlt. Am 4. August weigerte sich in Sveaborg eine ganze Kaserne Fußtruppen nebst einigen Batterien Artillerie, zur Parade zu gehen. Soldaten rissen zweimal die zur Feier des Tages aufgepflanzten Fahnen herunter und zerrissen sie. Unruhen gibt es in allen Kasernen. Die»leisten Soldaten sind ohne Waffen und werden von den„treuen" Kosaken bewacht. Von Festungsmannschaftcn sind 600 entkommen. Man sucht sie und hält daher die abgehenden Schiffe auf. Es ist eine iiifame Lüge, daß die Rote Garde der Helsingforser Arbeiter die famose Bürger- garde meuchlings überfiel. Die Vürgergarde, hier viel bezeichnender .Schlächtergarde" genannt, trat offensichtlich provokatorisch auf. Als die Arbeiter am 2. August forderten, daß der Verkehr der Straßenbahn eingestellt werde, trat die.Schlächtergarde" dem entgegen. Auf jeden Straßenbahnwagen stellten sich mehrere .Schlächtergardisten' auf und drohten jeden z» erschießen, der eS wagte, den Verkehr zu stören. Als dann um 1 Uhr mittags der Betrieb der Eleltrizitätswerke eingestellt werden sollte, schoß die .Schlächtergarde" von der Straße und selbst aus den Fenstern auf das Volk und in das Elektrizitätswerk hinein. Verwundungen kamen vor. Erst dann rief man bewaffnete Hülfe herbei. ES eilten zehn Mann der„Roten Garde" herbei und gaben Feuer. Gegen 20 ,S ch l ä ch t e r g a r d i st e n' wurden entweder schwer verwundet, oder blieben sofort tot liegen. Sieben von ihnen wurden am S. August beerdigt. Die Rache der Bürger. Die finnifch-schwedische Bourgeoisie ist außer sich vor Wut. Die .Schlächtergarde" gab gleich am 2. August die Waffen ab, um nachdrücklicher verlangen zu können, daß auch die„R o t e Garde" die Waffen ausliefern solle. Der Senat beeilte sich, die„Rote Garde" zu verbieten und einen VerhaftSbefehl gegen den Führer Kapitän K o ck zu erlassen. Bis hierzu hat die Regierung ihn jedoch noch nicht. Die bürgerlichen Studenten sind nun in Spitzeldienst gc- treten, um der Regierung die Gefangennahme deS Kapitäns Kock nebst anderen Führern der„Roten G a r d e" und der Agitatoren in der Armee zu erleichtern. Die finnische Bourgeoisie gebrauchte die Armee der Arbeiter so- lange, bis sie von der zarischen Regierung die Zusage bürgerlicher Freiheiten erhielt. Sie hat nichts mehr zu verlangen. Run ist sie bereit, mit Hülfe der russischen Gendarmerie und der Henker die Freiheitsbestrebungen des Volkes zu bekämpfen. Adklötugendc» in den Ostseeprodinzen. Aus Dondangen(Kurland) berichtet der„Musulaiko": Um sich nicht dem Vorlvurf einer einseitigen Pflege der Adels- tugenden auszusetzen, halten es unsere tapferen Marssöhne für angemessen, in den Mußestunden, wo Schwert und Flinte ruhen, die alten ritterlichen Liebesabenteuer wiederguMen zu lgsjcn, Baron Drachenfels und Graf Lamsdorf beginnen den lettischen Bauernmädchen eine größere Aufmerksamkeit zuzuwenden. All- wöchentlich begibt sich Drachcnfels in Begleitung von Dragonern ins B.-Gesinde, eine ländliche Wirtschaft, dessen Wirt drei er- wachsen« Töchter hat. So traf er vor Johanni um 2 Uhr nachts ini genannten Gesinde ein, drang ins Schlafzimmer der jungen Mädchen und forderte sie auf, so entkleidet wie sie waren, die Betten zu verlassen. Die Mädchen jagten ihn mit derben Worten davon. Da änderte der Baron den gebieterischen Ton, setzte sich auf den Bettrand eines der Mädchen und machte unter zärtlichen Worten Miene, das Bett des Mädchens zu teilen. Ein anderes Mal fütterte der Baron seine Hunde aus den Schüsseln, die für die Arbeiter aufgetischt waren. Am Krautabend fand sich Baron Drachenfels im Beigut L. ein, wo er die Wirtin, die seinen tierischen Zärtlichkeiten gegenüber stumni blieb, durchpeitschte. Auf das Geschrei der Wirtin liefen einige Weiber herbei und gössen dem edlen Ritter eine wenig ritterliche Kälberbrühe über den Kopf. Die heiße dicke Jauche dämpfte seine Liebesglut und unser Held stürzte wie ein begossener Kater durchs Fenster hinaus. Er hätte die Frauen erschossen, wurde jedoch von seinen Soldaten daran gehindert. Die arg zugerichtete Wirtin von L. liegt in Riga im Krankcnhause. Acht Tage später wurde der heldenmütige Baron im Schloßgarten von den Soldaten verprügelt. Er hat jetzt Dondangen verlassen und befindet sich zu Talsen zur Kur. Die schuldigen Soldaten hat er nicht erkannt. 8. Eentralverslimlnhlug des UerblUldtg der Fabrik-, Fand-»ad Glfsarbeiter Deutschlauds. Leipzig. 7. August. Nachmittagssitzung. Ein Antrag, dem Hauptkassiercr ein jährliches Mankogcld von lOO Mark zu bewilligen, fand einstimmige Annahme. Dem Vor- stände, Ausschuß und Kassierer wurde Decharge erteilt. Den 3. Punkt der Tagesordnung: Unsre Taktik bei Streiks und Lohnbewegungen, empfahl Brey abzusetzen, da diese Dinge bei anderen Punkten sowieso besprochen werden müssen. Man behandelte somit den Punkt 4: Die Beschlüsse der Borstandskonferenz zur Vermeidung von Grenzstreitigkeiten. In seinem Referate führte Genosse Brey auS: Eine endgültige Regelung der Grenzstrcitigkciten sei feist unmöglich. Die Gencralkommission der Gewerkschaften Deutschlands versuchte dem Auftrage des Kölner Gewerkschaftskongresses, in der Frage der Grenzstreitigkeiten eine Regelung zu versuchen, auf der Konferenz der Gewerlschaftsvorstände in Berlin gerecht zu werden. Er empfahl der Generalversammlung die Annahme der Be- schlösse der Vorstands-Konferenz zur Vermeidung von Grenzstreitig- leiten: „Die der Generalkommission der Gewerkschaften angcschlosse- ncn Verbände anerkennen behufs Vermeidung von Differenzen über das gegenseitige Agitationsgebict die folgenden Grundsätze: Die gewerkschaftliche Entwicklung vollzieht sich unverkennbar in der Richtung des Zusammenschlusses der Organisationen zu großen leistungsfähigen Verbänden. Aeußere Eingriffe in diese sich selbstvollzichende Entwicklung würden diese nicht fördern, sondern nur erschweren und stören und erweist sich deshalb eine endgültige Grenzregulierung durch Konferenz- oder Kongreß- Beschluß als untunlich. Um ein gedeihliches Nebeneinander- und Zusammenwirken der Gewerkschaften zu gewährleisten, wird denselben unter An- erkennung des gegenwärtigen Organisationsstandes empfohlen, strittige Agitationsgebiete durch besondere Vereinbarungen mit den in Betracht kommenden Verbänden abzugrenzen und alle Fragen der beruflichen wie gemeinsamen Agitation, des Ueber- tritts von Mitgliedern und des Zusammenwirkens bei Lohn- bewegungcn durch feste Bestimmungen(Kartellverträge) zu regeln. Die lokale Anerkennung des Organisationsstandcs erheischt die Unterlassung jeder unlauteren Agitation, besonders mit Hin- weis auf niedrigere Beiträge, die Zurückweisung Aufnahmesuchen- der, die aus andern angeschlossenen Verbänden ohne genügende Abmeldung und Regelung ihrer Verbindlichkeiten austraten oder ausgeschlossen wurden, sowie die Unterlassung jedes Druckes auf vorübergehend in anderen Berufen beschäftigte Gewerkschaftsmit» gliedcr.— Die letzteren dürfen Mitglieder ihrer Organisation bleiben, haben sich aber bei gewerkschaftlichen Aktionen den Direk» tiven des Verbandes ihres jetzigen Berufs zu fügen. Organi- sierte Arbeite, die alljährlich regelmäßig ununterbrochen länger als 6 Wochen zu einem und demselben Beruf übertreten, müssen sich immer der Organisation ihres Berufs anschließen, in dem sie arbeiten. Organisierte Arbeiter, die dauernd in zwei Berufen tätig sind, haben sich beiden in Betracht kommenden Berufsorgani- sationcn anzuschließen" Brey meinte dann weiter, daß er und Streb auf jener Konferenz in der Voraussetzung dieser Resolution zugestimmt haben, daß sie loyal gchandhabt werde, nämlich so, daß die von uns dort gewonnenen Mitglieder, wo wir jetzt nicht mehr agitieren dürfen, uns erhalten bleiben. Ferner habe der Vorstand, um der Resolution gerecht zu werden, von der Erhebung von Eintrittsgeld für die aus anderen Organisationen Kommenden abgesehen. Wenn gestern scherzhalber gesagt wurde, daß, wenn die Minister und Hebammen streiken, schließlich auch der Fabrikarbeiterverband Mitglieder dabei haben werde, so ist daS insoweit richtig, als wir fast überall Mit- gliedcr dabei haben. Dadurch ist aber unser Gefechtsfeld ein zu großes. Wir sind aus dem Grunde jeder Initiative beraubt, weil wir ja die Dispositionen der anderen Verbände gar nicht kennen. Wenn wir vorwärts kommen wollen, und zwar noch schneller und erfolgreicher als bisher, dann müssen wir uns auf d i e Industrie» gruppen beschränken, bei denen wir einen Mitgiederstamm setz» h a f t e r Leute gewinnen können und bei denen wir, wie in der Papier-, Chemie» und Ziegelci-Jndustric, nicht mehr mit anderen Verbänden kollidieren. Ueber die Organisierung der Ziegler durch den Fabrikarbeiterverband ist endlich Klarheit und Verstän- digung mit dem Bauarbeiterverband erzielt worden. Die Ver- Handlungen und daraus resultierend die Ziegler-Konferenz in Magdeburg ist von der Generalkommission und den beteiligten Or- ganisationen eingeleitet worden, und die Gencralkommission hat unserem Verbände zugesagt, dann Geldmittel für die Organisierung der Ziegler zur Verfügung zu stellen, falls wir bei erfolgreichem Arbeiten besonders große Unkosten durch die Ziegler haben würden. Wir glauben aber von diesem Anerbieten keinen Gebrauch machen zu müssen, unsere Mittel sind groß genug dazu. Brey besprach sodann den viel angefeindeten Kartell- vertrag zwischen den Verbänden der Bauhilfsarbeiter und Fabrikarbeiter. Die wichtigsten Bestimmungen dieses Vertrages sind die folgenden: An Orten, wo Fabrik-, Ziegelei-, Landwirtschafts-, Bau- und Erdarbeiter in so großer Zahl vorhanden sind, daß jede der ver- tragschließendcn Organisationen eine eigene Zahlstelle gründen kann, sollen Personen, die zur Zeit ihres Eintritts bei Bau- und Erdarbeiten beschäftigt sind, nicht in den Verband der Fabrikarbeiter aufgenommen werden. Desgleichen sollen Personen, die zur Zeit der Meldung in Fabriken, Ziegeleien und in der Landwirtschaft beschäftigt sind, im Verband der Bauarbeiter keine Aufnahme finden. An kleinen Orten mit geringer Einwohnerzahl und schwacher Arbeiterbevölkeruna, wo die Arbeiter nach den Verhältnissen ein- mal in der Fabrik, Ziegelei, Landwirtschaft, Bau- und Erdarbeit beschäftigt sind, sojl es jo gehalten werden, daß. wenn schon.eine Fahlstelle einer Organisation besteht, die andere Organisation von der Gründung absieht. In größeren Orten, wo beide Organisationen neben einander bestehen können, soll folgendes gelten: Arbeiten die Mitglieder des Bauarbeiterverbandes 3 Monate und darüber in Fabriken, Ziegeleien oder in der Landwirtschaft, so müssen sie dem Fabrikarbeiterverband zugeführt werden. Arbeiten umgekehrt Mitglieder des Fabrikarbeiterverbandes 3 Monate und darüber als Bau- und Erdarbeiter, so müssen sie dem Verbände der Bauarbeiter zugeführt werden. Von dem Uebertritt sollen ausgeschlossen sein solche Mitglieder, die wegen Matzregelung im eigenen Beruf in dem andern arbeiten müssen und an führender Stelle stehen. Sämtliche Mitglieder, auch wenn sie nur vorübergehend in einem anderen Berufe beschäftigt sind, haben sich den Satzungen über Lohn- und Arbeitsbedingungen derjenigen Organisation zu fügen, wo sie ihre augenblickliche Beschäftigung finden. Brey forderte die Generalversammlung auf, auch diesem Vertrage zuzustimmen, da er gegenwärtig das klügste sei, wenn auch nicht das Ideal. Ebenso ersuchte er um Annahme folgender Beschlüsse und Resolutionen: Der Vorstand, Ausschuß und die Gauleiter empfehlen�zur Annahme: Um eine bessere Bearbeitung unseres Agitations- gebietes zu ermöglichen, sind die Betriebe folgender Berufs- genossenschaften für unsere Organisation zu bearbeiten: 1. Die Ziegler-Berufsgenossenschaft, 2. Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie, 3. Papiermacher-Berussgenossenschaft, 4. Zucker-Berufsgenossenschaft, 5. Berufsgenossenschaft der Molkereien, Brennereien usw. Resolution der Ziegler-Konferenz. Die Konferenz der auf Ziegeleien beschäftigten Arbeiter fordert den Vorstand des Verbandes der Fabrik-, Land-, Hülfs- arbeiter und-Arbeiterinnen Deutschlands auf, seinem nächsten Verbandstag die Anstellung eines mit den beruflichen Verhält- Nissen der auf Ziegeleien beschäftigten Personen genau ver- trauten Kollegen zu empfehlen. Diesem ist. wenn irgend möglich, eine Kommission zur Seite zu stellen, die aus auf Ziegeleien beschäftigten Personen zu bilden ist. Der angestellte Kollege hat gemeinsam mit der Kommission die Aufgabe: 1. Den Vorstand bei der Ausübung einer durch Wort und Schrift vorzunehmenden Agitation mit Rat und Tat zu unterstützen. 2. Die Statistik über Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Zie- geleiarbeiter vorzunehmen. 3. Die Sammlung von allem zur Beurteilung der Lage der auf Ziegeleien beschäftigten Personen geeigneten Material, als: Lohntarife, Arbeitsordnungen, Haus- und Kantinen- ordnungen, Registrierung der Preise von Nahrungs- und Genutzmitteln, welche durch die Unternehmer oder deren Vertreter geliefert werden und durch Akkordanten und Zwischenmeister an Zieglern vollzogene Lohnprellereien. 4. Entgegennahme von Mitteilungen darüber, an welchen Orten und bei welchen Unternehmern die Wohn- und Unter- kunftsfaume der auf Ziegeleien beschäftigten Personen in der Nähe der Brennöfen oder über und neben Viehställeo sich befinden, oder in denen eine Trennung der Schlafräume nach Geschlechtern nicht erfolgt ist. S. Erzielung möglichst günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen durch Abschluß von Tarifen. Der Nachmittag wird von der Diskussion über das Referat hes Genossen Brey ausgefüllt und werden wir diese Ausfüh- rungen morgen im Zusammenhange bringen. Leipzig, den 8. August. Die Debatte über die Beschlüsse der Vorstandskonferenz zur Vermeidung von Grenzstreitigkeiten wird in der Vormittagssitzung fortgesetzt. Wolf-Deuben tritt für eine einheitliche Organisation für alle ungelernten Arbeiter ein. Wenn auf den einzelnen Ver- bandstagen einmal ein Anfang gemacht würde, müßte es auch gelingen, die Grenzstreitigteiten zu beseitigen. S ch m i d- Delmenhorst begründet den Antrag seiner Zahl- stelle, in dem eine Verschmelzung mit dem Tertilarbeiterverband borgeschlagen wird. Die Textilarbeiter hätten gar keine Berechti- gung, sich gesondert zu organisieren, da sie ebenfalls nur un- gelernte Arbeiter seien. Der Antrag des Vorstandes sei in seiner jetzigen Form nicht annehmbar. Er würde nur dazu beitragen, eine ganze Reihe von Zahlstellen hinwegzufegen. K i m m i ch- Mügeln ist der Meinung, daß weder Gaukonfe- renzen noch Verbandstage die Grenzstreitigkeiten aus der Welt schaffen werden. Es sei notwendig, daß sich die Arbeiter bei der praktischen Arbeit gegenseitig mehr Verständnis entgegenbringen. Man müsse bei der Agitation die Branchen aus dem Spiele lassen, die nur Kosten verursachen, auf die man aber bei Lohnbewegungen gar keinen Einfluß habe. Es sei bedauerlich, daß man in den 16 Jahren, die der Verband bestehe, die Kräfte so zersplittert habe und erst jetzt dazu komme, in der chemischen Industrie und in der Papierindustrie energisch vorzugehen und dort geschlossene Or- ganisationen zu schaffen. Man dürfe sich nicht mehr damit be- gnügen, sich die Leute, die andere Gewerkschaften nicht haben wollen, zuschieben zu lassen, sondern müsse versuchen, intelligente Arbeitskräfte für die Organisation zu gewinnen. Die von einigen Zahlstellen vorgeschlagene Verschmelzung sei deswegen ,sxhr schwierig, weil kein Verband geneigt sein würde, seine Selbständig- keit aufzugeben. Auch sei es fraglich, ob man nach der Ver- schmelzung besser fahre, man werde auch dann nicht so vorwärts kommen, wie viele vielleicht glauben. Funk-Berlin führt aus, man könnte den Beschlüssen der Konferenz der Vorstände ohne weiteres zustimmen, wenn man die Gewähr hätte, daß sie von allen Beteiligten auch in loyaler Weise durchgeführt würden. Das sei aber nicht der Fall. Gerade die größeren Gewerkschaften, Handels- und Transportarbeiter, Holz- arbeiter usw., versuchten überall, ganze Betriebe, in denen be- reits Mitgliedschaften deS Fabrikarbeiterverbandes bestehen, an sich zu reißen. Von verschiedenen Rednern wird über die in den einzelnen ahlstellen vorkommenden Grenzstreitigkeiten berichtet. W o l l- old- Heilbronn kritisierte das Verhalten der Metallarbeiter in seinem Bezirk, die sich selbst nicht gescheut hätten, die Kollegen öffentlich zu bekämpfen und als gefährlicher als die Hirsch- Dunckerschen und christlich Organisierten zu bezeichnen. Stille- Bergedorf bemerkt, der Antrag des Vorstandes be- deute eine Revolukionierung der bisherigen Grundlagen des Ver- bandes. Die Ansicht sei gegen früher eine ganz andere geworden und spreche für die EntWickelung der Gewerkschaften zu großen Jnduftrieverbänden. Wenn man aber einmal diesen Weg ein- schlagen wolle, solle man gleich ganze Arbeit machen, dann könne man der Resolution der Ziegler-Konferenz nicht zustimmen. Warum wolle man jetzt noch Geld zur Agitation bei den Zieglern ausgeben, wenn zu erwarten stehe, daß doch in absehbarer Zeit ein eigener Zieglerverband ins Leben treten werde. Wenn man den Antrag des Vorstandes konsequent durchdenke, könne man keine neuen Agitationsgebiete mehr erschließen. Bernhard- Frankenthal: Die Generalkommission müsse darauf bedacht sein, neue Organisationen nicht mehr aufkommen zu lassen. S ä m i s ch- Markranstädt wendet sich gegen die Ausführun- gen Breys. � Wenn nicht persönliche Momente eine so große Polle spielten, müßte es den Vorständen der Zentralverbände möglich fein, eine Einigung aller ungelernten Arbeiter herbeizuführen. Ks fei bedgye.rlich, daß die Arbeiterschaft angesichts des geschlossen dastehenden Kapitals noch so uneinig sei und sich mit solchen Fragen beschäftigen müsse. Die. weiteren Diskussionsredner sprechen sich im allgemeinen für die Beschlüsse der Vorständekonferenz aus, wünschen jedoch, daß bei dem Uebertritt kein Druck auf die Kollegen ausgeübt werde. Durch einen Schlußantrag wird die Debatte beendet. In der Nachmittagssitzung wurden folgende Anträge ange- nommen: 1. Die Beschlüsse der Vorständekonferenz in. Berlin zur Vermeidung von Grenzstreitigkeiten. 2. Ter Kartellvertrag mit dem Verbände der Bauhülfsarbeiter. 3. Die Beschlüsse der Zieglerkonferenz in Magdeburg. 4. Der Antrag des Vorstandes wonach in Zukunft der Fabrikarbeiterverband seine Tätigkeit aus folgende Berufe zu beschränken hat: die Ziegelei-, Chemie-, Papier-, Zucker- und Molkereiindustrie. Damit schloß die Nachmittagssitzunx Hus der Partei. Kreiskonferenz für den Wahlkreis Solingen. Am Sonntag tagte die diesjährige Konferenz in Solingen. Die Volksvereine des Wahl- kreises haben jetzl insgesamt 2371 Mitglieder; es ist im letzten Jahre eine Zunahme von 211 Mitgliedern zu verzeichnen. Inklusive eines KassenbestandeS von 1415,18 M. bezw. 2082,52 M. beträgt die Gesamt- einnähme und Ausgabe 7752,14 M. Die Diskussion über den Bericht war eine sehr lebhafte, die meisten Redner neigen sich der Ansicht zu, daß es doch an der Zeit sei, auch in Solingen eine festere Zentrali- sation zu schaffen. Die Frauen deS Wahlkreises haben im Frauen- hildungSverein 572 Genossinnen organisiert. Es wurde die Bildung von Jugendorganisationen beschlossen. Einstimmig angenommen wurde folgende Resolution: In Erwägung, daß sich die wirtschaftlichen und politischen Kämpfe zwischen der herrschenden Gesellschaft und dem Proletariat nicht vermindern, sondern naturgemäß verschärfen, hält die Kreis- konfexenz den politischen Massenstreik nach wie vor für eine der wirkfamsten Waffen im Emanzipationskampfe der Arbeiter. Sie erwartet daher, daß der Mannheimer Parteitag in demselben Sinne wie der Jenenser Parteitag beschließen wird. Abgelehnt wurde dagegen der zweite Absatz: Die KreiSkonferenz spricht dem Parteivorstand in Sachen seiner Stellungnahme zum politischen Massenstreik ihr Vertrauen aus. Sie hält es aber für dringend notwendig, daß das Protokoll der im Februar d. I. ftattgefundenen Vorständekonferenz unverzüglich veröffentlicht wird. weil das Verhalten.des Parteivorstandes noch nicht ganz ge- klärt sei. Heber die EntWickelung des Parteiblattes, der„Bergischen A r b e i t e r st i m in e wurden günstige Berichte gegeben. Ein wesentlicher Gewinn sei allerdings nicht zu erzielen gewesen, denn die Ausgaben deS Jahres seien infolge großer Um- und Anbauten, der Anschaffung von RotationSmaichine und Schnellpresse, der Schaffung von Zentralheizung und Badeeinrichtung sehr hohe ge- wefen. Beschwerde wurde darüber geführt, daß der Genosse May, der ehemalige Redakteur der„Verglichen Arbeiterstimme", sich, trotzdem ihm die bekannte Schiedsgerichtsentscheidung zu Elberfeld jede Mit- arbeit an dem zu gründenden Solinger Lokalblatt und jede Ein- Mischung in die Solinger Streitigkeit untersage, doch an der Gründung des Blattes der Lokalisten, des.Stahlwarenarbeiters", beteiligt und an ihm mitgearbeitet habe nach eigenem Eingeständnis. Es lvurde ein Antrag auf Ausschluß Mays aus der Partei gestellt, anscheinend aber zurückgezogen, da nach dem Bericht der„Berg. Arbeiterstimme" nicht über ihn abgestimmt worden ist. Genosse Gewehr-Elberfeld hatte dagegen gesprochen und erklärt, sollte Gen. May trotz seines wiederholt gegebenen Versprechens, nicht mehr am „Stahlwarenarbeiter" mitarbeiten zu wollen, doch noch weiter dafür schreiben, dann würden sich natürlich auch die Elberfelder Genossen schließlich gezwungen sehen, die Konsequenzen zu ziehen. Zum Schluß wurde noch über eine ins„Korrespondenzblatt der Generalkommission der Gewerkschaften" übergegangene Notiz deS Hmidlungsgehülfenblattes verhandelt, wonach es als unter aller Kritik bezeichnet wird, daß Genosse Hildebrand in Solingen als Redakteur angestellt wurde, obgleich er bis vor kurzem dem bürger- lichen harmonieduseligen Buchhandlungsgehülfenverein angehört und in seinem Vorstand gesessen habe. Dieser Verein bekämpfe den Zentralverband der Handlungsgehülfen in gehässiger Weise und bemühe sich, ihn bei indifferenten Handlungsgehülfen als.sozial- demokratisch" zu denunzieren. Aus solchen Vorgängen seien manche zwischen Partei und Gewerkschaften entstehende Differenzen erklär- lich. Das'„Korrespondenzblatt" hatte dem noch hinzugefügt: Die Schlußfolgerung des„Handlungsgehülfenblattes" scheint gerade in diesem Falle recht zutreffend zu sein. Die„Metall- arbeiterzeitung" teilt nämlich mit, daß die„Bergische Arbeiter« stimme" soeben drei Artikel zur Massenstreikfrage gebracht hat, worin der„Vorwärts" und der Parteivorstand sehr scharf angegriffen werden. Außerdem heißt es am Schluße des ersten Artikels: „Die Sache kommt also darauf hinaus, um es klipp und klar zu formulieren, daß die preußische Wahlrechtsbewegung an den Führern der Gewerkschaften gescheitert ist. Also abermals die Frage des Verhältnisses zwischen Partei und Gewerkschaft." Genosse S ch a a l, der Geschäftsführer der„Berg. Arbeiterstimme", bemerkte dazu, die Wahl des Genossen Hildebrand sei ein- stimmig ersolgt und zwar aus dem Grunde, weil sich die Be- Häuptlingen des Genossen Josephson sZentralverband der Handlungs- gehülfen) als stark übertrieben herausgestellt hätten und befriedigend entkräftet werden konnten. Genosse Hildebrand erklärte u. a.:... Aus dem Zentral- verbände bin ich im Juni 1903 ausgeschieden. Vorstandsmitglied der „Vereinigung" wurde ich bereits Psingsten 1002. Niemand hat mir damals gesagt, das vertrage sich nicht mit meiner Zugehörigkeit zum Zentralverbande. Noch nach meinem Ausscheiden auS dem Zentralverbande hat mich im Jahre 1904 der Berliner Be- vollmächtigte des Zentralverbandes. Friedländer, aufgefordert, im Zentralverbande einen Bortrag zu halten. Ich habe es gern getan, um zu zeigen, daß ich trotz meines Aus- scheidens nicht ein Feind des Zentralverbandes sei. Wiederholt, auch im Jahre 1905 noch, hat der gleiche Berliner Bevollmächtigte mich gebeten, aus der Buchhändlervereinigung einen Gehülsen für die Buchhandlung deS„Vorwärts" zu besorgen, da der„Zentralverband" keine buchhändlerisch ausgebildeten Kräfte zur Verfügung habe. Es war also nie die Rede von einer Gegnerschaft zwischen Zentralverband und Buchhändlervereinigung. Erst als die Hauptversammlung der Buchhändlervereinigung Pfingsten 1905 ihr Programm in einigen veralteten Teilen modernisierte und verschärfte, fing das„Handlungs« gehülfenblatt" plötzlich eine systematische Bekämpfung der„Ver- einigung" an: Der Grund dafür ist mir noch heute nicht ersichtlich. In der Abwehr von solchen Anariffen ist die„Vereinigung" dann gezwungenerweise gegen den„Zentralverband" aufgetreten. Für inich konnte der plötzliche Frontwechsel des Zentralverbandes, über dessen Gründe ich lediglich unbeweisbare Bermutungen hegen kann, nicht bestimmend sein, mein Verhältnis zur„Vereinigung" zu lösen. Ich meine daher, die Sache ist von jener Seite maßlos übertrieben und hat keinerlei wesentliche Bedeutung. Es lvurde beschlossen, das Kreiskomitee zu beauftragen, den in Frage kommenden Blättern eine Darstellung des Sachverhalts zu geben. Der schwarze Westen macht sich. Zu den von uns schon mit« geteilten Zahlen über die Organisation und die Kassenverhältnisse im Wahlkreise M ü l h e i m- D u i s b u r g, wie sie auf der General- Versammlung des Wahlvereins mitgeteilt wurden, wird uns aus Duisburg geschrieben: Die Zahl der Organisierten ist um nmd 85 Prozent! ge- wachsen. Was das in dem vom Pfaffentum und dem protzigsten Schlotjunkertum beherrschten Kreise bedeutet, zumal wenn man die aus aller Herren Länder bunt durcheinander gewürfelten Arbeiterinassen betrachtet, das kann nur derjenige richtig verstehen, der in unserem deutschen„Wild-West" lebt. Die Zahl der Neu- aufgenommenen betrug insgesamt 1785, jedoch steht dem ein Abgang von 461 gegenüber, der immerhin als recht mäßig bezeichnet werden kann, wenn man die in diesem Kreise herrschende Fluktuation in Betracht zieht. Ebenso günstig wie die Zunahme der Mitglieder haben sich auch die Kassenverhältnisse gestaltet. Vor einigen Jahren dachte noch niemand in diesem Kreise an solche Zahlen. Die nationalliberalen Organe der Schlotbarone stimmen denn auch bereits recht elegische Töne an über das An- schwillen der Bewegung in der schwarzen Westecke Deutschlands, während das Geschmeiß der Nömlinge in kleinlichen Wadenkneife- reien seinen Geifer verspritzt. Beide wissen, daß wir ihnen hart auf den Fersen sind, ihr Gebelfer ist daher erklärlich. An die Adresse der Alteniurger Regierung. Wie schon kurz berichtet, hat der Altenburger Parteitag ein- stimmig eine Resolution angenommen, in der der Regierung zu Gemüte geführt wird, daß sie die Staatsbürger und Steuerzahler gleichmäßig zu behandeln hat. Die vom Genossen Di kreiter beantragte Resolution lautet: Der am 5. August in Gera tagende Parteitag der sozialdemo- kratischen Partei des Herzogtums Altenburg erhebt mit allein Nach- druck Protest gegen die zum Nachteil der sozialdemokratischen Partei geübte ungleichmäßige, oftmals sogar kleinliche und schikanöse Behandlung sozialdemokratischer Staatsbürger. Der Partei- tag steht auf dem Standpunkt, daß der Grundsatz der Gleichheit aller Staatsbürger kein leerer Wahn, kein inhaltloser Begriff und bloße Redensart ist und sein soll, sondern daß dieser Grundsatz ein lebendiges Wort, allen Staatsdienern die oberste Richtschnur bei ihrem Handeln sein muß. Da das Gesetz keinen Unterschied der Staatsbürger nach Parteien macht und die eine Partei für minderen Rechts als die anderen erklärt, da die Steuerbehörde bei Erhebung und Aufbürduug der Steuern die Angehörigen der sozialdemokrati- schen Partei ohne Rücksicht auf ihre Grundsätze und Bestrebungen ebenso behandelt wie die Angehörigen der bürgerlichen Parteien, da die sozialdemokratischen Parteiangehörigen ebenso zum Heeresdienste herangezogen und zum Schutze der Landesgrenzen aufgeboten werden, unbekümmert um ihre politischen Anschauungen, so haben die sozialdemokratischen Parteiangehörigeu ein gutes Recht darauf, zu verlangen, daß sie in keiner Beziehung schlechter behandelt werden, als die andersdenkenden Staatsangehörigen. Die Vertreter der sozialdemokratischen Partei im Herzogtum Altenburg verlangen daher, daß das herzogliche Ministerium die Gemeindebehörden und die staatlichen Verwaltungs- organe— AmtSvorsteher, Gendarmen, Landrttte usw. anweist, die sozialdemokratische Partei und deren Veranstaltungen genau so zu behandeln, wie die bürgerlicken Parteien und deren Veranstaltungen behandelt werden. Insbesondere aber erwartet der Parteitag von der Regierung, daß sie sich der peinlichsten Objektivität befleißigt und nicht selbst den Grundsatz proklamiert und dementsprechend auch handelt, daß die sozialdemokratische Partei minderen Rechtes sei als die anderen Parteien. Der Parteitag protestiert entschieden dagegen, daß den sozial- demokratischen Vereinen die Benutzung staatlicher Grundbesitztümer untersagt wird. Der Parteitag protestiert aus diesem Grunde auch mit aller Entschiedenheit gegen' die Weigerung der herzoglichen Re- gierung, dem sozialdemokratischen Verein in Kauerndorf für die Veranstaltung eines Waldfestes im Kammerforst einen Platz zu überlassen, wegen seiner Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei. Gleichzeitig hält es der Parteitag für sehr erwünscht, daß die herzogliche Regierung sich des näheren darüber ausläßt, auf welche Tatsachen sie sich stützen kann bei ihrer Behauptung, daß die Verwalter staatlicher Grundbesitzungen„auf Grund früherer Vorgänge" sich als verpflichtet zu erachten haben, die Erlaubnis zur Abhaltung von Versammlungen und sonstigen Veranstaltungen innerhalb der ihrer Verwaitung unterstellten Grundbesitztümer sozialdemokratischen Vereinen zu untersagen. Der Parteitag beauftragt sein Bureau, gleichzeitig mit der Ein- reichung dieser Resolution an die herzogliche Regierung, von dieser Aufklärung über diese„früheren Borgänge" zu verlangen. Der Parteitag geht von der Ansicht aus, daß die aus der Tasche sämtlicher Steuerzahler entlohnten Beaniten des Staates, gleichviel welcher Stellung, keine Partei zu bevorzugen und keine zurückzusetzen haben, und nur für das Wohl- ergehen sämtlicher Bürger zu sorgen haben. Der Parteitag erwartet, daß die herzogliche Re- gierung in der Folge die ungleichartige Be- Handlung der sozialdemokratischen Partei unter- läßt und sich stets dessen bewußt bleibt, daß sie über den Parteien zu st ehe» hat. Eine schlechtere Be- Handlung der in den sozialdemokratischen Vereinen organisierten Altenburger Steuerzahler und Staatsbürger wegen ihrer politischen und wirtschaftlichen Ideen muß sich der Parteitag entschieden ver- bitten. Genosse Dikreiter führte bei Begründung seiner Resolution unter lebhaftem Beifall— nachdem er an der Haud unterschiedlicher Gebote und Verbote(hierher gehört auch das lächerliche Verbot an den Wirt auf der Leuchtenburg, den Parteitagsdelegierten, die von Jena aus die Leuchteuburg besuchen wollten, Erfrischungen zu verabreichen), den Nachweis erbracht, daß man die Sozial- demokratie im Herzogtum Altenburg schlechter behandelt als die anderen Parteien— anschließend daran aus, daß wenn auch die altenbnrgische Staatsmaschine stark mit christlichem Oel geschmiert werde', eS mit dem„lebendigen Christentum", dessen man sich immerfort rühme, nichts sei. Fromme christliche Redereien und Telegramme nützten dem Proletariat nichts. Die Sozialdemokratie verlange nichts als gleichmäßige Behandlung aller Staatsbürger. Die christliche Lehre der Gleichheit aller Menschen werde aber geradezu mit Füßen getreten durch die Art, wie die Partei behandelt werde. Auf die Antwort der Negierung darf man gespannt sein. Zum Parteitag. Die Mülhauser Genossen haben, wie uns aus dem Elsaß berichtet wird, zum Parteitag in einer gut be- suchten Vereinsversammlung Stellung genommen, v Der zum Dele- gierten gewählte Genosse Martin wurde beauftragt, an der sich an den Parteitag anschließenden Generalversammlung der sozialistischen Jugendorganisation teilzunehmen. Ferner wurde auf Antrag des Genossen Martin einstimmig beschlossen, zu Punkt 5 der Tages- ordnuug des Parteitages: Politischer Massenstreik, folgenden Antrag zu stellen: Der Parteitag wolle beschließen: Angesichts der trotz aller Ableugnungen auf eine bewaffnete Einmischung Preußen-Deulschlands in den bewunderungswürdigen Befreiungskampf des russischen Volkes gerichteten Hetze der preußischen Junkerpresse— einer Hetze, die bei den gewohnheits- gemäßen Plötzlichkeiten und Unbesonnenheiten des Zickzackkursus ernste Gefahren in sich schließt,— erklärt der Parteitag: Es ist die dringende Aufgabe der Parteileitung, im Einvernehmen und zusammenwirkend mit der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands die Durchführbarkeit des a l lg cm einen Massen-' st r e i k s ins Auge zu fassen und vorzubereiten. Sozialistische Schule in New Dork. Die Rand-Schule für Sozial- Wissenschaft, eine reiche Stiftung der verstorbenen Genossin Carrie A. Rand, New Dork, kündigt an, daß alle Vorbereitungen beendet feien und am 1. Oktober die Lehrtätigkeit beginnen werde, Die Rand-Schule bietet zu mäßigen Bedingungen eine Reihe von Vorlesungen und Studienkursen in sozialer und politischer Wissenschaft vom Standpunkte des Sozialismus ans. Die Vor- tragenden wurden aus verschiedenen Gebieten gewählt. Einige sind hochangesehene Lehrer an bestbekannten Erziehnngsanstalteu, andere wieder sind erprobte Mitglieder der„Sozialist Party", alle aber sind durchaus fähig, die speziellen Gegenstände zu behandeln, die ihnen zugeteilt wurden. Die Borlesungen und Leitionen werden in drei Gruppen ein- geteilt �werden. Erstens:„Systematische Kurse mit persönlicher Unterslützung von Lehrern, Gebrauch von Textbüchern, Prüfungen und anderen elementarischen Methoden. Zweitens: Vortrags- Konferenzkurse mit Gelegenheit, an die Vorwagenden Fragen zu stellen und drittens: Formelle Vorlesungen. Für jeden der systematischen Kurie von 25 Lektionen werden fünf Dollar berechnet, für alle Kurse oder den größten Teil der- selben nach Auswahl 20 Dollar; Parteimitgliedern werden besonders billige Raten zugestanden._ Soziales* Einführung der Sonntagsruhe und Ncunuhrschluß beschlossen die zu einem Verbandstage in Dortmund versammelten Apotheker. Daß diese privilegierte Berufsklasse auch zu den— Notleidenden gehört. kam in folgendem vom Kreise Potsdam gestellten AnWage zum Ausdruck: Die Hauptversammlung wolle in eine Erörterung eintreten, iir welcher Weise dem wirtschaftlichen Ruin der Apotheker durch die Krankenkassen in wirksamer Weise zu begegnen sei; der Vorstand des Deutschen Apothekervereins wolle die vereinbarten Maßnahmen mit allen Kräften unterstützen. Die armen Apotheker sind aber trotz ihrer bejammernswerten Lage doch sehr wohltätig. Mit der Handelgesellschaft deutscher Apotheker m. b. H. haben die Herren einen Reingewinn von 169 144,95 M. erzielt. Davon erhielten die Angestellten als Tantieme und Gratifikation 3785 M. und für eine Penfionskasfe wurden 5000 M. abgeführt. Ob man nicht befürchtet durch solche Freigebigkeit dem wirtschaftlichen Ruin entgegengeführt zu werden? Erfahrungen mit dem Achtstundentag in Belgien. Ueber die Ein- führung des Achtstundentages in den chemischen Werken von EngiS in Belgien berichtet, wie die„Soziale Praxis" mitteilt, der technische Direktor dieser Werke im Bulletin des Arbeitsamtes. Danach ist der Achtstundentag ein bedeutender Fortschritt gewesen, nicht nur für die Arbeiter, sondern auch für die Unternehmer. Dies ist allerdings dem Umstand zuzuschreiben, daß eine dreimal wechselnde Schichtarbeit von 8 Stunden eingeführt ist. so daß der Tag von 24 Stunden voll ausgenutzt wird. Innerhalb der 3 Stunden Arbeitszeit ist t/� Stunde Ruhepaute mit inbegriffen. Der frühere Arbeitstag betrug"inklusive der Pausen 12 Stunden. Da die Arbeit im Akkord bezahlt wird, je nach der Produktion des Materials, �so waren die Arbeiter selbst der bedeutenden Verkürzung des Arbeitstages von 12 auf 8 Stunden zuerst entgegen, weil sie einen Lohnausfall fürchteten. Es hat sich aber gezeigt, daß die Arbeiter jetzt in den 7'/z Stunden wirklicher Arbeitszeit ebensoviel schaffen wie bei dem früheren System von 12 Stunden in den 10 Stunden reeller Arbeitszeit, so daß also ein Lohnausfall nicht eingetreten ist. Für die Gesellschaft, die In- haberin der Werke, ist sogar eine Verminderung der Unkosten um 20 Proz. eingetreten durch die intensivere Ausnutzung der Arbeitszeit. Hus Induftrlc und Handel* Kapitalistische Moral. Wenn kapitalistische Organe moralisieren, dann eröffnet sich harmlosen Gemütern eine andere Welt. Gewöhnlich ivird dabei nicht nur das natürliche Moralcmpfinden geradezu verhöhnt, auch die Logik wird vergewaltigt. Ein hübsches Pröbchen dafür liefert der„Ratgeber auf dem Kapitalmarkt". Er moralisiert gegen die— Tantiemcnsteuer. Diese ist dem Blatt so wenig dem Gerechtigkeits- gefühl entsprechend,„daß man ein fast diabolisches Behagen bei dem Gedanken empfindet, die Steuer könnte von schlauen Leuten um- gangen und dem Staate ein Schnippchen geschlagen werden." Weiter wird die Steuer bezeichnet als«krasse Ungerechtigkeit", die Form ihrer Einführung ein„verwerfliches Spiel". Weiter heißt es, sie sei ein„Steuermonstrum",„die ungerechteste Steuer, die in Deutschland existiert",„diejenige Steuer, die jedem ethisch denkenden Menschen die unsympathischste sein muß", die«den rohesten In- stintten schmeichelt, dem Haß, dem Neid, der Tücke",„barbarische Steuer". Das ist zweifellos reichlich gut ausgcmcsten, aber damit ist die Schale der moralischen Entrüstung noch nicht geleert. In seinem moralischem Drange begnügt das Blatt sich nicht mit einer erschütternd wirkenden Kapuzinerpredigt, es fühlt sich auch be- rufen, als Missionar bürgerlicher Tugend, die Aufsichtsräte zu mo- ralischen Taten aufzufordern, nämlich den Staat zu— betrügen und es gibt auch gleich eine fachmännische Belehrung dazu. Die Anweisung lautet: „Aber die Rechnung hat ein Loch. Man hat wohl an die Ueberwälzung der Steuer gedacht, aber nicht an ihre völlige Um- gehung(I) Dieser letzteren glaubte man einen Riegel vorgeschoben ?u haben, indem man nicht nur die Quittungen über die Tantieme», andern auch die über jede andere Vergütung(Gewinnanteil, Gehalt) besteuerte, die den zur Ueberwachnng bestellten Personen gewährt werden würde. Dadurch ist allerdings verhindert worden, daß man die Tantiemen unter irgend einem andern Namen zahlte. Nicht verhindert worden ist aber, daß die Aktiengesellschaften ihr ganzes Verhältnis zum Aufsichtsrat auf eine andere Basis stellten; daß sie ans dem„Honorar-Rat" einen„Titular-Rat" machten, den Aufsichtsratsposten für ein Ehrenamt erklärten und dem hin- fort ehrenamtlich Tätigen eine Entschädigung zuteil werden ließen, die auch der auf die Spitze getriebene juristische Scharfsinn nicht mit der Tantiemesteucr würde erfassen können.... Um ein Beispiel aus der neuesten Zeit zu wählen: Die Prager Eisenindusttie und die Alpine Montangesellschaft. die Herrn Fürstenbcrg, den Geschäftsinhaber der Berliner Handelsgesellschaft, in ihren Aufsichtsrat kooptiert haben— selbstverständlich nur, um sich der Dienste dieser Bank zu versichern— werden die Tantieme nicht mehr Herrn Fürstenbcrg. sondern seinem Institut auszahlen; versteht sich nicht unter der Bezeichnung„Tantieme", sondern unter einen» Titel, der die jeweiligen Geschäftsbeziehungen deckt: »Vorschußprovision" oder„Konsortialanteil" oder„VertretungS- Honorar"; je nachdem. Keine Steuer der Welt könnte an diese Zahlung heran. Und keine Tantiemesteuer könnte Herrn Fürsten- berg in Kontribution nehmen, wenn er sich für den Tantieme- entgang durch ein hohes<1 1) Direktoralgehalt oder durch eine Auf- bessernng/s Uhr: Wanderversamm- lung bei Franke, Reinickendorf-West, Eichhornstr. 18. Vortrag. Frau Lungwitz:„Die Frau im wirtschaftlichen Kampfe". Gerichts-Zeitung „ZanderitiS." Ein Pendant zu dem kürzlich verhandelten Prozeß gegen die Frau Major Zander beschäftigte gestern das Schöffengericht Berlin- Mitte. Wegen Betruges in 33 Fällen war die Lehrerin Emilie Fischer angeklagt.— Die Angeklagte entstammt einer Hochacht- baren Familie; ihr Pater war Kanzleirat io ObepMesieiy ihr Bruder ist der kürzlich in Breslaus verstorbene bekannte ChetNike? Professor Dr. Fischer. In der Jugend der jetzt 35jährigen An- geklagten machten sich keinerlei Zeichen einer Absonderlichkeit be- merkbar, erst als im Jahre 1890 ihr Vater starb und ihr ein Erbteil in Höhe von 4500 M. ausbezahlt wurde, packte die Angeklagte eine an das Unsinnige grenzende Verschwendungssucht und Kaufwut. Sie gab ohne zwingenden Grund ihre pensionsberechtigte Stellung als städtische Lehrerin auf und lebte als Privatiere. Von dieser Zeit ab fiel sie auch durch ihre phantastischen Ideen auf. So er- zählte sie viel von einem Fest, welches sie gegeben hatte und für da? ihr der Bürgermeister den Rathaussaal reserviert hätte. Ferner erzählte sie viel von ihrer Verlobung mit einem Dr. N. in Breslau. Sie kaufte sich eine vollständige Ausstattung und ein Brautkleid auf Kredit, obwohl die Verlobung nur in ihrer Phantasie existierte. Sie schrieb sogar Briefe und Karten des Bräutigams an sich selbst und schwelgte stundenlang in ihrem Glücke. Selbst mehrere Briefe fertigte sie an, in welchen ihre zukünftige Schwiegermutter ihre Freundinnen zum Besuch einlud. Wenn dann der Tag des Besuchs herannahte und große Vorbereitungen gctrofffen waren, telegra- phicrte die„Schwiegermutter" dann, der Besuch könne eingetretener Hindernisse wegen nicht stattfinden. Eines Tages teilte sie mit, ihr Bräutigam sei erkrankt. In den selbstangefertigten Briefen teilte sie sich und ihren Freundinnen mit, daß der Zustand ihres Bräu- tigams immer schlimmer werde, ein Arm sei amputiert usw., schließlich starb der Bräutigam. Die Angeklagte kaufte sich Trauer- kleider und reiste angeblich zu dem Begräbnis nach Breslau. Völlig gebrochen schilderte sie dann später in einem Briefe die Vorgänge 'bei der Trauerfeier. Tatsächlich lebt der„Bräutigam", der keine Ahnung von seinem„Glück" hat noch heute in Breslau.— Ihr Erbteil war durch die unsinnigen Geldausgaben in wenigen Monaten ausgegeben. Die Angeschuldigte nahm dann in dem Hause der Gräfin von Klockow, die sich viel mit Spiritismus beschäftigte, eine Stellung an. Dies wirkte auf die Angeklagte noch ungünstiger. Als sie wiederum zirka 3000 M. erbte, gab sie dieses Geld in etwa 2 Wochen aus, um dann eine Stellung bei der Frau Kommerzienrat Fähndrich in Luckenwalde als Erzieherin anzunehmen. Von hier aus setzte sie die unglaublichsten Schwindeleien in Szene. Ihrer Herrschaft gegenüber gab sie an, sie wäre mit einem Oberleutnant und Rittergutsbesitzer, Freiherrn von Gersdorff verlobt Dessen Tante, eine Frau von Reichel, wäre ihre beste Freundin. Mit diesen gar nicht existierenden Personen trat die Angeklagte durch selbst- angefertigte Briefe in eine lebhafte Korrespondenz. Zugleich gingen bei ihr tagtäglich Warensendungen von zahlreichen Firmen aus Berlin, Hamburg und Köln ein, die sie der Frau Kommerzienrat F. gegenüber als Geschenke ihres BräuttgamS und der Frau von Reichel deklarierte. Es waren dies jedoch wertvolle Pelze, Spitzen, seidene Blusen, welche sich die Angeklagte unter allerlei falschen Vorspiegelungen auf Kredit hatte zuschicken lassen. Einem der Familie befreundeten Geistlichen übergab sie eines Tages eine prächtige Torte mit dem Bemerken, die Frau von Reichel habe sich erlaubt, ihm die Torte zu überreichen. Tatsächlich war die Torte auf Kredit bei der Firma Gunipcrt entnommen worden. Bei der Firma Telschow bestellte die Angeklagte ebenfalls für 24 M. Kuchen, den sie bald wieder weiterverschickte. Mehrere KonfektionSfirmen in Berlin und anderen Städten wurden um insgesamt 5000 M. geschädigt. Die Gesamtschuldenlast der Angeklagten belief sich schließlich auf insgesamt 12 000 M., als das ganze Lügengewebe zerriß. Als einzige Erklärung für ihre unsinnige Kaufwut gab die Angeschuldigte nur an, sie habe sich dann nur als vornehme Dame gefühlt, wenn sie so nach Herzenslust, was sie wollte und wieviel sie wollte, bestellen konnte. Da Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit der Angeklagten auftauchten, so wurde sie in dem Untersuchungs» gefängnis auf Antrag der Rechtsanwälte Dr. Werthauer und von Palmowsky durch den Gerichtsarzt Dr. Strauch auf ihren Geisteszustand untersucht. Der Sachverständige konstatierte bei der F. das Vorhandensein einer„Lseuckologia pbantastica", ein gewohnheitsmäßiges phantastisches Lügen, welches indessen nicht als eine Geisteskrankheit im Sinne des Z 51 St.°G.°B. anzusehen sei« Der Gerichtshof erkannte auf eine Gesamtstrafe von zwei Monaten und einer Woche Gefängnis, die jedoch, da sich die Angeklagte fast dreiviertel Jahre in Untersuchungshaft be- findet, als verbüßt angesehen wurde. Die Lageristin als kaufmännische Angestellte. Die Frage ist streitig, ob die Lageristinnen zu den kaufmänni- scheu oder gewerblichen Angestellten rechnen. Während sich mehrere Kammern des Kaufmannsgerichts für unzuständig er- klärten, nahm gestern die erste Kammer in einem besonderen Falle ihre Zuständigkeit an. Die Klägerin, Erna T., war Lageristin im Blusen-Engrosgeschäft von H. E. Busse. Eine Kündigungsfrist war beim Engagement nicht vereinbart worden. Am 15. Mai wurde ihr zum 1. Juni gekündigt. Da sie der Ehef als Gcwerbegehülfin ansah, so hielt er sich hierzu für berechtigt. Die Klägerin hingegen nahm den Standpunkt ein, daß die Kündi« gung ungesetzlich sei. Sie hat eine gediegene kaufmännische Vor- bildung genossen und auch eine kaufmännische Lehre durchgemacht- Sie gibt zu, daß das Monatsgehalt von 50 M., das sie bezog, eher der Entlohnung einer gewerblichen als einer kaufmännischen An- gestellten entspricht, sie habe aber die Stellung auch nur in größter Not angenommen. Sie wendet andererseits ein, daß sie wochenlang bis 9 und 10 Uhr abends habe arbeiten müssen, ohne einen Pfennig Extraentschädigung zu erhalten. Eine solche hätte sie aber in Gestalt von Ueberstundengeldern erhalten müssen. wenn sie der Chef als Gcwerbegehülfin ansah. Aus der Schilde- rung der Tätigkeit der Klägerin ging hervor, daß ihre Arbeit keineswegs eine rein mechanische war, sondern eine Warcnkennt« nis und kaufmännische Bildung voraussetzte. Das Kaufmanns- gericht erklärte sich darum für zuständig, verurteilte die Beklagte zur Zahlung von 50 M. für Juni und stellte der Klägerin anHeim, das August- und Septembergehalt zur Zeit einzuklagen« falls sie bis dghin keine Stellung finden sollte. Versammlungen. Die Bereinigung der Musskinstrumentenarbeiter Berliks be- schäftigte sich am Montag in einer außerordentlichen Mitglieder» Versammlung mit dem Thema Partei und Gewerkschaf, t e n, worüber Genosse Julius Gehl den einleitenden Vortrag hielt. Seine Ausführungen bildeten zu einem großen Teil eine scharfe Verurteilung der Taktik der Zentralverbände und ihres Ver- Haltens zur Gcneralstreikfrage wie zur Partei im allgemeinen. Hinsichtlich des Protokolls der Konferenz der Zentralvorstände äußerte der Redner, daß die Ablehnung der Freigabe des Proto» kolls durch die Vorstände den Partcivorstand nicht abhalten sollte. eS dennoch zu veröffentlichen. Den Artikel KleinleinS„Aus eigener Kraft" in der„Einigkeit" verwarf der Redner als nur geeignet. Uneinigkeit zu stiften und die so wie so schon schwierige Agitation für die Gewerkschaften der Freien Bereinigung noch mehr zu ev» schweren. Es liege keine Veranlassung vor, eine neue Partei zu gründen. Nicht gegen, sondern m i t der Partei sollten die Genossen für die revolutionären Ziele der Partei kämpfen. Ebenso wandte sich der Redner entschieden gegen die ausgesprochenen Anarchisten und ihre Angriffe auf die Partei. Er wies darauf hin, daß die revolutionären Kämpfe in Rußland ja zunächst erst einmal die Erringung einer konstitutionell demokratischen Ver, fassung zum Ziele haben, was in einem Zwischenruf auS der Ver- fammlung als bedauerlich bezeichnet wurde. Dem Vortrage folgte eine Diskussion, die bis gegen Mittcr» nacht dauerte. Von anarchistischer Seite wurde in der bekannten Weise gegen Parlamentarismus und Sozialdemokratie gesprochen, wobei auch die Behauptung auftauchte, die sozialdemokratischen Abgeordneten hätten seinerzeit für die Hererokredite gestimmt, was dann von W i l m s richtig gestellt wurde. Dieser Redner sowohl wie H a f f n e r und andere bezeichneten die Veröffentlichung deS Artikels Kleinleins als verwerflich oder mindestens als einen taktischen Fehler. K l ei n l e i n selbst bemerkte, daß es nicht richtig fei, den Zentralvorständen die ganze Schuld an den Zuständen in der Pqrfti zuzuschiebeii; sin groß Teil SMd trage guH i£f. Partcivorstand. Hätte Bebel sofort nach der ersten Veröffentlichung der„Einigkeit" die Thesen in der von ihm gebilligten Form der- öffentlicht und richtig gestellt, dann wäre Klarheit geschaffen wor- den. Auch der„Vorwärts" sei nicht ehrlich vorgegangen. Wohl hätte er wieder drei Leiter über die Generalstreikfrage gebracht, aber man sei nicht gescheit daraus geworden. Was Bebel gesagt habe, das sei die Hauptsache; darüber aber habe der„Vorwärts" geschwiegen. Dagegen sei man, wenn einer abweichende Mei- nungen äußere, gleich mit dem Wort„Anarchist" bei der Hand. Die eigentlichen Anarchisten erkennten ihn, den Redner, nicht als ihren Gesinnungsgenossen an; andere bezeichneten ihn als einen blutigen Anarchisten, wieder andere als einen großen Quatschkopf. Sein Artikel habe eingeschlagen, und damit sei er zufrieden. Der „Vorwärts" und Liepmann hätten in ihrem Auszug aus seinem Artikel wichtige Sätze unterschlagen. Er selbst halte alles aufrecht, was er geschrieben habe. Er habe mit dem Artikel lediglich einmal die Fühlhörner ausstrecken wollen. Er habe auch nicht zur Gründung einer„neuen Partei", sondern einer„neuen Arbeiter- bcwegung" aufgefordert.— Diese feine Unterscheidung wurde von den Gegnern des Artikels allerdings nicht als berechtigt anerkannt. Besonders scharf sprach W i l m s gegen Kleinlcin. In zahlreichen Vorträgen habe Kleinlein über die naturwissenschaftliche Eni- wickclungstheoric gesprochen, während er nun glaube, die große Umgestaltung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse lasse sich binnen kurzer Zeit erreichen. Er kenne Kleinlein als einen ehrlichen Hasser und Kämpfer gegen die bestehenden elenden Vcr- Hältnisse, aber durch seinen Artikel sei er genau so ein Verräter an der Arbeitersachc geworden wie die Leiter der Zentralverbände. '— Diesem Urteil trat Gehl in seinem Schlußwort entgegen. Er wollte eben so wenig das Verhalten der Zcntralvcrbändler als Verrat bezeichnet wissen, sondern vielmehr als„Markstein der Vcr- sumpfung". Hinsichtlich der Thesen glaube er mehr dem Partei- vorstand als der Gcncralkommissiou. Ein Urteil könne man darüber vorläufig nicht abgeben.— Schließlich wurde folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung ist mit der Veröffentlichung der 31 Ge- Werkschaftsleiter in der„Einigkeit", sowie mit der Haltung der „Einigkeit", und ebenso mit der Feenpalastrcsolution vom 30. August einverstanden und stellt sich hinsichtlich der Veköffcnt- lichung des Protokolls der Vorständekonferenz auf den Standpunkt der Leipziger Partciversammlung." Der nächste Punkt der Tagesordnung:„Der Streik bei Bell u. C o.", wurde vertagt. Der Streik selbst dauert unver- ändert fort. Auf Grund eines Schreibens aus Kopenhagen gab der Vorsitzende bekannt, daß die am 5. April durchgeführte Aussperrung der Klavierarbeiter ebenfalls unver- ändert fortbesteht. Den Ausgesperrten weitere Unterstützung zu senden, wurde dem Vorstand überlassen. Die Generalversammlung des Zmeigvereins Berlin vom Ber- band der Friscurgehiilfen beschäftigte sich am Donnerstag mit der Aufhebung der Lohnbewegung. Der Referent L i e r e erläuterte den Hergang der ganzen Bewegung und kritisiert hierbei die Hand- lungswcise der Behörde, welche durch Einziehen der Plakate Front gegen die Gehülfenbewegung macht. Weiter verurteilt Redner das Gebaren der Rixdorfer Meister, welche durch ihren Beschluß be- treffs Aushängcverbot von Kennzeichen der Organisation den Fehochandschuh hingeworfen haben. Die Ausgaben der Bewegung sind folgende: für Drucksachen 509,36 M., für Inserate 405,— M., für Porto und Fahrgeld 134,36 M.. für Gehalt 30,0 M.. Summa 1073,71 M. Nach Abzug der zurückgezogenen rcsp. durchbrochenen Unterschriften sind zu ver- zeichnen 608 Bewilligungen, bei welchen 560 Gchülfen beschäftigt werden. Da nun nichts mehr zu erreichen ist, empfiehlt Redner nach Lage der Sache die Aufhebung der offiziellen Bewegung unter der Bedingung, daß der Kleinkrieg fortgesetzt wird. Es entspinnt sich hierauf eine stundenlange rege Debatte, in welcher die Redner versprechen, für eine lebhafte Agitation Sorge zu tragen. Gegen neun Stimmen wurde unter Beibehaltung des Kleinkrieges die diesjährige Lohnbewegung aufgehoben. Tie Arbeiterbildungsschule hielt am 26. Juli ihre ordentliche Generalversammlung ab. Aus dem von Lamme gegebenen Vor- standsbericht ist hervorzuheben, daß der Vorstand beschlossen hat, ein eigenes Schullokal zu erwerben. Die Zustände der im Gewerk- schastshaus befindlichen Unterrichtsräume seien unhaltbar geworden und hinderlich für die Fortentwickelung der Schule. Die Schule soll in die Gegend des Bahnhofs Börse verlegt werden, wo sie von allen Stadtteilen leicht zu erreichen sei. Dem Vorstand, der schon mehrere Vorschläge hat, soll die Auswahl überlassen bleiben. Der Besuch'war im 2. Quartal etwas zurückgegangen, was jedoch mit der Jahreszeit in Verbindung zu bringen ist und sich jährlich wiederholt. Es waren Mitglieder am Schlüsse des Quartals 335 Herren und 38 Damen. Der von Königs gegebene Kassen- bcricht schließt mit einer Einnahme von 824,15 M. und einer Aus- gäbe von 965,55 M. ab. Bestand am 30. Juni 1767,78 M.— Das Lehrerkollegium ist mit den in den einzelnen Kursen erzielten Erfolgen vollkommen zufrieden. Die Aufmerksamkeit war eine gute und die Diskussion trotz der Jahreszeit eine äußerst rege. U n g e r beantragt, einen Kursus für Literaturgeschichte einzuführen und macht auch gleich Vorschläge für den betr. Lehrer. G r u n w a l d erklärt sich im Prinzip mit dem Antrag einverstanden, sei ja dieser Kursus doch auch schon abgehalten worden. Redner hält es aber gerade hier für notwendig, geeignete Lehrkräfte zu gewinnen. Es sollen ja nicht geistreiche Erzählungen abgehalten, sondern die Schüler vollkommen in das Gebiet der Literaturgeschichte ein- geführt werden. Nachdem sich Katzen st ein noch dagegen gewandt hatte, daß die Generalversammlung den Lehrer bestimmt, wird der Antrag angenommen und das weitere dem Vorstand überlassen.— Ein Antrag G u r l a n d, welcher verlangt, den Kursus für Fort- geschrittene in Redcübung wieder aufzunehmen, wird nach längerer Debatte abgelehnt. Ausschlaggebend ist dafür ein in der letzten Generalversammlung angenommener Antrag Maure nbrech er: Der Fortbildungskursus in Rcdeübung wird aufgehoben. Dafür wird in jedem Quartal ein aus zehn Abenden bestehender all- gemeiner Fortschrittskursus eingerichtet mit einer Maximal- bcteiligung von 20 Hörern, dessen Stoff quartalsweise zwischen Nationalökonomie, Geschichte, Gewerkschaftswcsen usw. wechselt und dessen Methode darin besteht, daß die Teilnehmer selber kleine Referate aus dem betreffenden Gebiet halten. Die Leitung dieses Kursus liegt in den Händen des betreffenden Fachlehrers. Unter Schulangelegenheiten ist dann noch der Antrag Keßler zu er» wähnen, welcher Beschwerde gegen die geplante Methode des Lehrers in Redeübung erhebt. Es wird in dem Antrag verlangt, daß in einer besonderen Versammlung die Teilnehmer an betr. Kursus das Recht haben, über die im folgenden Kursus anzuwendende Methode mit ihrem Lehrer zu beraten und durch Stimmenabgabe darüber zu beschließen. Die folgende Debatte drehte sich hauptsächlich um den Punkt, ob die Generalversammlung oder der Vorstand das Recht hat, in die Lehrmethode eines Lehrers einzugreifen. Auch würden durch den Antrag Keßler Untcrvereine geschaffen, die ihre Aufgabe selbst regeln. Ter Antrag wird schließlich abgelehnt. Jedoch beauf- tragte die Versammlung verschiedene Genossen, an der nächsten Vorstandssitzung, in welcher die Methode des Genossen Borchardt zur Sprache kommt, teilzunehmen. Daraufhin Schluß der Ver- sammlung. Ztntrdvrrbandd.KMcher u. MfsarbelterDeuW. (Filiale Berlin.) Am 7. August starb nach kurzer Krankheit unser altes Mitglied iLngißt Kramke Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freitag, nachmittag 41/, Uhr, von der Leichenhalle deS Enunaus- Kirchhoses aus statt. Uni rege Bcteiligung ersucht 39/ 1t_ Der Vorwtand Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Xaohrnf! Den Kollegen zur NachAcht, dag unser Mitglied, der Schleifer (justav Bonnet am 3. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken k 123/15 vis Ortsverwallung. Soziaiteoltrat. WaMyereia für den lOerliBerReiEMapalreis (Görlittcr Viertel.) Todes- Anaeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Böttcher öuljust ürümkö (wohnhast Wicnerswatze 39, Stadtbezirk 110) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 4'/, Uhr von der Leichenhalle des Emmauskirch- hoses auS statt. 244/16_ Der Voritand, hierdurch sagen wir allen Freunden /z Uhr von Mertens, Krummestr. 43. Die Genossen der anderen Bezirke sind hierzu ein- geladen. Der Bezirksführer. Weißensee. Den Genossen die Mitteilung, daß Genosse Siegfried Levh, Lothringenstr. 14 II wohnhaft, in der Generalversammlung des hiesigen Wahlvereins am 24. Juli 1906 als Vorsitzender gewählt wurde. Alle Zuschriften sind nunmehr an diese Adresse zu senden. Mahlsdorf. Der Wahlverein für Mahlsdorf und Umgegend feiert am Sonntag, den 12. d. M. im Lokal von Werneke, Höuower- straste 6 sein Stiftungsfest. Anfang nachmittags 4 Uhr. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Spandau. Am Sonntag, den 12. August feiert der hiesige Wahlverein sein diesjähriges Sommerfest in Tehnows Volksgarten, Hakenfelde. Das reichhaltige Programm verspricht einem jeden Gc- nassen, einer jeden Genossin mit ihren Angehörigen einen vergnügten Sonntag. Im übrigen verweisen wir aus das Inserat in der heutigen Nummer. Schildow, Blankenfelde(Bezirk Nieder- Schönhausen). Am Sonntag, den 12. d. M. findet in Mönchsmllhle bei jknappe nach- mittags 3 Uhr die fällige Wahlvereinsversammlung statt. Tages- Ordnung: 1. Vorlesung des Genossen Böhm über: Kapital und Arbeit. 2. Diskussion und Verschiedenes. Die Genossen werden ersucht, recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Treffpunkt für die Nieder-Schönhauser Genossen- Punkt 1 Uhr bei Dücker, Eichen- strafie 70. Der Vorstand. ßerlincr JVacbricbtm Freisinn und Hausagrarier. In Eisenach haben in diesen Tagen die Hausagrarier Deutschlands ihre alljährliche Zusammenkunft abgehalten, die sich„Deutscher H a u s b e s i tz e r t a g" nennt. Wieder haben sie einander ihre schwere Not gellagt und all' ihre heißen Wünsche vorgetragen. Die Magnaten des städtischen Grundbesitzes gelten als die festeste Stütze des bürgerlichen Liberalismus. So ist es nicht nur in unserem Verlin, so ist es in den meisten der größeren Städte. Wo in den Koinmunalverwaltungen der Liberalismus sich zu behaupten gewußt hat, da verdankt er das den Hausagrariern. Dafür erwarten sie von ihm, daß er ihnen ihre Geschäfte besorgt. Stellt er sich mal bockbeinig, so kündigen sie ihm die Freundschaft und drohen mit Abmarsch nach rechts. In Berlin kann man es vor den Stadtverordnetenwahlen ziemlich regelmäßig erleben, daß in Hausbesitzerkreisen Stimmen laut werden, man solle nicht länger den Liberalismus unterstützen, der die Wünsche der Haus- desitzer ntust willig genug erfülle. Aber die bröcklig gewordene Freundschaft wird dann immer noch wieder repariert, well beide Teile sehr wohl wissen, daß sie so am besten fahren. Auch auf Landtag und Reichstag sucht der städtische Grundbesitz immer mehr Einfluß zu gewinnen. In Eisenach erllärte ein Delegierter, er sei liberal und werde es bleiben; doch wenn ein konservativer Abgeordneter für die Haus- bescher eintrete, dann werde er diesem seine Stimme geben. Dieser Liberale war aus Greifswald. Aber in Berlin fehlt es nicht an Leuten, die gegebenenfalls bereit wären, ihm das nachzumachen. In Berlin sind die liberalen Hausagrarier bisher nur in der angenehmen Lage gewesen, so etwas nicht nötig zu haben. Vor den letzten Landtagswahlen haben sie die F r e i s i n n s k a n d i d a t e n der Berliner Wahllleise auf Herz und Nieren geprüft. Ueber einige dieser armen Schächer ist bekannt geworden, daß sie damals den Hansbesitzern die befriedigendsten Zusicherungen gegeben haben. Als sie im Landtag nicht schon bei der nächsten Ge- legenheit Anstalten machten, ihr Wort einzulösen, wurden sie von den mißtrauisch gewordenen Hausagrariern Berlins sehr nachdrücklich an ihre Pflicht gemahnt. Auf dem Hausbesitzertage in Eisenach ist nun dem Liberalismus aufs neue das Gelvissen geschärft worden. Ein Antrag Hartwig, der sich gegen staatliche oder kommunale Unterstützung von Baugenossenschaften richtete, empfahl, in jedem Einzelfalle bei den staatlichen bezw. kommunalen Behörden Einspruch zu erheben. Herr Hartwig meinte, besonders in Berlin müsse endlich einmal daran gegangen werden, den Freisinn nachdrücklich zu- gunsten der Hausbesitzer zu bearbeiten. Der Harmlose behauptete, hier habe man das nur mit dem freisinnigen Abgeordneten Rettor Kopsch getan, mit keinem anderen weiter. Aber ein Vertreter für Berlin konnte sofort feststellen, daß das ein Irrtum ist. Er selber z. B- habe auch mit dem freisinnigen Abgeordneten Lehrer Merten verhandelt. Vorläufig sei zwar nicht viel erreicht worden, aber die Herren hätten für später Berücksichtigung der Hausbesitzerwünsche zu- gesagt. Man sieht hier wieder, wie gut die„Bürger zweiter Klasse" ihr Handwerk verstehen. Und auch das sieht man aufs neue, wie bereitwillig der Liberalismus sich er- bietet, ihr Handlanger zu sein. Die Eisenacher Bekennt- nisse kennzeichnen nicht nur das Hausagrariertum, sondern auch den Freisinn, im besonderen den Berliner Freisinn. Da ist wirklich einer des anderen wert. Sodom— Berlin. In der letzten Zeit ist die Reichshauptstadt wieder in sehr üblen Geruch geraten. Bei allen Frommen und bei vielen anderen Leuten ist der Berliner Sündenpsuhl geradezu eine Zucht- uird Brutstätte für Mörder und Berlin müßte, wenn daS viel verbreitete Urteil richtig wäre, der Schauplatz der meisten Mordtaten sein. Die Statistik spiegelt aber ein ganz anderes Bild. Sie be- stätigt, daß nicht Junker- und Kirchenregiment der Menschheit Heil ist. Nach Provinzen geordnet starben nämlich von 100 000 Lebenden durch Mord: Hannover...... 0,85 Personen Pommern...... 1,20„ Schleswig-Holstein... 1,31„ Berlin....... 1,64 Hessen-Nassau.... 1,66„ Sachsen....... 1,75„ Schlesien...... 1,78„ Brandenburg..... 1,98 Posen....... 2,03 Westfalen...... 2,38 Westpreutzen..... 2,48 Rheinland...... 2,65„ Ostpreußen..... 2,71„ Sobenzollern..... 7,41 Preußen...... 1,96 Personen Läßt man das kleine Hohcnzollern unberücksichtigt, dann stehen Ost- und Westpreußen sowie Rheinland und Westfalen mit der Ver- hältniszahl weit voran; Ostpreußen z. B. überragt Berlin um 76 Proz. DaS fromme Rheinland-Westfalen hat an der eigenen Last nicht genug, dort wird die Kriininalftatistik bereichert durch den enormen Zuzug aus dem Osten des Reiches, wo Junker und Pfaffen das Volk— veredeln. Auch Posen und das überfromme Schlesien, wo der katholische Kaplan und der Zentrumsgraf regieren, stehen Berlin weit voran. Das rote Sachsen und das rote— kirchcn- fremde Berlin nehmen in der Kriniinalstatistik einen durchaus ehren- vollen Platz ein. Die Drucksachen- und WarenprobcnbefZrdernng, welche die Ber- liner Packetfahrt-Gesellschaft einzuführen beabsichtigt, wird vom 15. August ab von der genannten Gesellschaft betrieben werden. Die Beförderung von Drucksachen, Zeitungen, Warenproben usw. erfolgt auf Grund von Spcditionslisten. Die Sachen müssen sich, wenn kuverticrt, in offenen, unadressierten Bchcfumschlägen befinden. Ter Bestcllbezirk erstreckt sich über Berlin, Charlottenburg, Rixdorf, Schönebcrg, Wilmersdorf und die innerhalb der Stadtringbahn- grenze belegenen Ortsteile von Friedrichsberg Die Preise für Drucksachen usw. stellen sich pro Sendung bis 50 Gramm auf zwei Pfennig, bis 100 Gramm 3 Pfennig, bis 250 Gramm Pfennig usw. bis auf 15 Pfennig pro 1000 Gramm. Bei Warenproben stellt sich die Gebühr bis 250 Gramm auf 6 Pfennig, und steigend bis auf 15 Pfennig bei 1000 Gramm. Diese Warenprobenscndungen sind gegen Verlust versichert und wird bei Abhandenkommen einer der- artigen Sendung ein Schadenersatz bis zum Höchstbetrage von 2 Mark geleistet. Bei Verteilung von Drucksachen, Warenproben usw. ohne aufgegebene Adressen an sämtliche Bewohner bestimmter Straßen werden die Speditionspreise auf% bis% Pfennig herabgesetzt. Bei Verteilung von Drucksachen an Inhaber bestimmter Branchen, wie beispielsweise Restaurateurc, Bäcker, Hauswirte usw., stellt sich der Preis bei Aufgabe von 1000 Stück auf 15 Mark. Wenn wir uns für verpflichtet halten, von der neuen Einrich- tung der Packetfahrtgescllschaft im Interesse des Verkehrs Notiz zu nehmen, so wollen wir doch auch nicht unterlassen, darauf hinzu- weisen, daß sich im Augenblicke die Angestellten der Gesellschaft in einer Lohnbewegung befinden und daß deshalb Aufträge von Orga- nifationen und Privatleuten bis zu einer befriedigenden Erledigung der Bewegung nicht gegeben werden können. Die Zufuhr russischer Gänse auf dem Magerviehhof in Friedrichsfelde ist seit einigen Tagen fast vollständig ins Stocken gc- raten. Infolge der in Rußland neuerdings eingetretenen Unruhen ist es unmöglich, die Gänse an den Grenzstationen zur Verladung zu bringen, und die Tiere krepieren an den. Sammelstellen zu vielen Tausenden. An manchen Tagen treffen nur ein bis zwei Ladungen der Martinsvögel in Berlin ein und die Gänscmästcreicn sind infolgedessen nicht in der Lage, ihren Bedarf auf dem Markt in Friedrichsfelde decken zu können. Drei Personen bei einer Acthercxplosion verunglückt. In der Eisermannschcn Spritfabrik, Mühlcnstr. 6/7, erfolgte heute mittag ll>/z Uhr eine gewaltige Explosion, bei der der sechzig- jährige Vorarbeiter Schulz aus der Mcmelerstr. 83 und der 36jährige Arbeiter Hennig aus der Sorauerstraße getötet wurden, während ihr Kollege Schmidt so schwere Brandwunden davontrug, daß er sofort ins Krankenhaus geschafft werden mußte. Die Fabrik wurde bereits vor zwei Jahren einmal von einem mit zahlreichen Explosionen verknüpften Brande heimgesucht, bei dem auch verschiedene Feuerwehrleute verünglückten. Diesmal erfolgte die Explosion in der Actherfabrik., Dort waren verschiedene Arbeiter damit beschäftigt, Aether auf Glasballons aufzufüllen. An- geblich hat nun der mitvcrunglückte Schulz sich dann über- zeugen wollen, ob ein solcher Ballon bald voll sei. Zu diesem Zweck bog er ihn zur Seite und im selben Augenblick explodierte dieser auch. Die Wirkung war eine vernichtende. Durch die Stich- flammen.wurden noch ändere Ballons zur Erplosion gebracht und der hierbei erzeugte Luftdruck warf alle Fensterscheiben des brennenden Raumes auf den Hof- Lichterloh brennend und hülfesuchend stürzte der Arbeiter Schmidt ans dem FabrikanSgange und brach dann auf dem Hofe zusammen..Menschenleben in Gefahr! Groß- feuer I" hallte cS bald auf fänitlichen Feuerwachen und komplett eilten die erste, zweite und fünfte Kompagnie mit insgesamt zwölf Zügen zur Brandstelle. Fünf Dampsspritzen überschütteten daS brennende Fabrikgebäude vorerst niit riesigen Wafferincngen, unr das Feuer zu lokalisieren. Erst nachdem dieses geschehen und die Gefahr weiterer Explosionen nicht mehr zu befürchten Ivar, konnte an die Bergung der Leichen gegangen ivcrden. Von vornherein war mit Sicherheit festgestellt worden, daß zwei Personen sich nicht hatten retten können. Schulz wurde denn auch alsbald tot aufgefunden. Hennig war durch den gewaltigen Luftdruck zwischen einen Apparat, und die Wand gc- schleudert worden und konnte erst nach längerer Anstrengung ge- borgen werden. Die drei Verunglückten sind verheiratet und Familienväter._ I» den Fahrstuhlschacht hinahgesttirzt. Ein schwerer Unglücksfall hat sich Mittwoch nachmittag auf dem Fabrikgrundstück Elsen- ftraße 11 ereignet. Der Maurer Robert Bcrbcrskc hatte in der dritten Etage am Fahrstuhl, Löcher zuzumauern und war dabei auf ein Rüstbrctt getreten, dem fahrlässigerweife vorher die Unterlage genommen worden war. Infolgedessen brach B. ein und stürzte in den Schacht hinab. Mit schweren inneren und äußeren Verletzungen wurde der Verunglückte davongetragen. Vergeblich„gearbeitet". Großes Pech hatte in der vergangenen Nacht eine Einbrecherbande, die einer Gummifabrik in der Wey- dingcrstraße einen Besuch abstattete. Um in das Bureau, in dem die Bande große Geldsummen vermutete, zu gelangen, rissen die Einbrecher einen Teil der Mauer heraus, doch als sie damit zu Ende waren, stießen sie auf ein mächtiges eisernes Gittertor. Vergeblich bemühten sie sich nun, daS neue Hindernis zu sprengen. Bei dieser schwierigen und anstrengenden Arbeit zogen sich die Täter fast sämtlich so schwere Verletzungen zu, daß sie den Einbruch schließ- lich aufgeben und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mutzten. Vor- sichtigerweise suchten sie die abgelegene Unfallstation in der Lin- dowerstraße auf und ließen sich dort am Kopf, Armen und Händen eine ganze Reihe von Verletzungen verbinden. An der Einbruch- stelle hatten sie große Blutspuren zurückgelaffen. Die Kriminal. Polizei ist der Bande bereits auf den Fersen. Durch die Explosion einer Platzpatrone ist gestern nachmittag wieder ein schwerer Unglücksfall herbeigeführt worden. In einer Laubenkolonie in der Nähe des Bahnhofes Jnngfernheide hatten mehrere Schulknaben mit Platzpatronen, die sie wohl jedenfalls auf dem Schießplatz gesammelt, gespielt. Sie waren dabei so unvor- sichtig zu Werke gegangen, daß plötzlich eine der Patronen explodierte. Die gesamte Ladung drang dem 13 jährigen Schüler Otto Schnuchel aus der Wallstr. 25 in den Kopf und ins Gesicht. Auch die Blech« teile der Patrone hatten sich in den Körper des Knaben gebohrt. Der von der Charlottenburger Unfallstation hinzugerufene Arzt leistete dem Sch. die erste Hülfe und veranlaßte dann seine Ueber- führung nach dem Westender Krankenhause. Der Zustand des Knaben ist recht bedenklich. Folgenschwerer Absturz von der Brücke. Bei einem bedauerlichen Unglücksfall hat sich gestern nachmittag der 48jährige Arbeiter Rudolf Wohlgemut. KnobelSdorfftr. 21, lebensgefährliche Verletzungen zugezogen. W. hatte an der Doveb rücke am Charlottenburger Ufer Reparaturarbeiten ausgeführt, tat dabei einen Fehltritt und stürzte ab. Sr schlug mit dem Kopf so unglücklich auf die gepflasterte Böschung, daß ein schwerer Schädelbruch herbeigeführt wurde. Auch an der Stirn und im Gesicht hatte W. schwere Verletzungen erlitten. Er erhielt die erste Hülfe auf der Unfallstation XI und fand im Krankenhaus in Westend Aufnahme. Zwei Personen ertrunken. Die Gewässer der Umgebung Berlins, in denen in diesem Sommer schon so außerordentlich viel Personen ertrunken sind, haben gestern wiederum zwei Opfer gefordert. In der Oberspree an der Dammbrücke ertrank der 12jährige Schüler Klanstholer aus Köpenick. Der Knabe hatte geangelt und dabei anfangs am Ufer gestanden. Da jedoch kein Fisch anbeißen wollte, zog er sich aus und ging mit seiner Angel in das Wasser hinein. Er geriet an ein tiefes Loch, sank unter und kam nicht wieder zum Vorschein. Später wurde die Leiche des Ertrunkenen ans Ufer gespült.— In der Oberhavel bei Tegel fand die 32jährige Kinder- krau Anna Kühnecke den Tod in den Wellen. Frau Kühnecke hatte einen Ausflug nach den nördlichen Vororten unternommen und ver- geblich harrte die Herrschast auf ihre Rückkehr. Gestern wurde die Leiche der Kühnecke aus der Havel gelandet. Die Bedauernswerte war jedenfalls abends auf dem Heimwege bei der Dunkelheit an einer gefährlichen Stelle ins Wasser geraten und ertrunken. Gegen die Sperrung des Seeuferweges in Tegel will Freitag abend eine öffentliche Versammlung der Tegeler Bürgerschaft in Trapps Festsälen, Bahnhofstraße 1, protestieren. Die gesperrte Stelle bildete auch am Mittwoch den Zielpunkt zahlreicher Aus- flügler aus Berlin. Von verkehrstechnischein Standpunkt aus ist die Sperre geradezu unbegreiflich. Der Gemcindevorstand hat die gesperrte Stelle des Weges bereits mit Gras besäen lassen. Der Versuch, Gras über die Angelgenheit wachsen zu lassen, wird dem Tegeler Gemeindevorstand bei der tiefgehenden allgemeinen Er- rcgung der Einwohnerschaft wohl kaum gelingen. Ein Borsall, der leicht größeres Unheil anrichten konnte, ereignete sich gestern nachmittag 5 Uhr in der Gneisenaustraße unweit der Garnisonkirche. Dortselbst stand ein Arbeitsgefährt des 1. Garde« Dragoner-Regiments, als plötzlich vor einem vorbeisausenden Automobil die Pferde scheuten. Der Dragoner suchte die Pferde aufzuhalten, geriet jedoch unter den Wagen und wurde überfahren. Gleich darauf sprang der Hintcrwagen ans und die Tiere jagten mit den Vorderrädern die Gneisenaustraße entlang. An der Ecke der Nostizstraße rannten sie mit solcher Wucht gegen einen Straßenbahn- wagen, daß eines der Tiere sofort verendete. Das zweite konnte unbeschädigt aufgehaltcn werden. Verloren gegangen ist die Liste Nr. 1796 der ansgcsperrten Buch- binder und Buchbinderei- Arbeiterinnen auf dem Bau Tempelhofer Ufer 9. Dieselbe ist anzuhalteu imd an August D a I g, Restaurateur, Berlin, Skalitzerstr. 5l/52, abzugeben. Fcuerbericht. Wegen eines großen Dachstuhlbrandes wurde am Mittwoch abend der 12.Löschzug nach der Frobenstratzc 8, Ecke der Schwcrinstraße, gerufen. Als der Zug dort ankam, stand der Dachstuhl schon in hellen Flammen Sie hatten an dem Inhalt der Bodcnvcrschläge, besonders an Brennmaterialien, reiche Nahrung gefunden, weshalb die Wehr kräftig Wasser geben muhte, um des FcuerS Herr zu werden. Ein zweiter Brand beschäftigte den 5. Zug in der Luckauezstraßc 10, wo künstliches Terpentin, Regale u. a. in einer Galvatzisieranstalt brannten. Auch dort mutzte die Wehr energisch vorgehen, um eine weitere Ausdehnung des Feuers zu verhüten. Hier soll der Brand durch die Entzündung von Terpentin entstanden sein. Gestern früh hatte die Feuerwehr in der kleinen Stralaucrstraße 7 zu tun, wo eine Kloscttverpackung in Brand geraten war. Drei Wohnungsbrände beschäftigten die Feuerwehr in der Oranienstraße 133, Schtvedterftraße 52 und Leipzigcrstraße 30. Ferner hatte die Wehr in der Chausseestraße 2, Elsasserstraße 39 und anderen Stellen zu tun. Vorort- l�admdrten. Rixdorf. DaS Schulwesen Rixdorfs. An Schulen besitzt Rixdorf ein viertelhundert Gemeindeschulen und ein Rcalgymnasimn, daS mit einer Realschule verbunden ist. Geplant ist die Errichtung einer höheren Mädchenschule nebst Mädchcnmittclschule. Dem„Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeinde- angelegenhciten der Stadt Rixdorf", den der Magistrat über das Jahr 1905 erstattet hat, entnehme» wir, daß im Winterhalbjahr 1805/06 in 25 G e m e i n d e s ch u l e n 22 042 Kinder saßen(einschl. einer Hülfs- schule mit 83 schwachbefähigten Kindern). Diese 25 Schulen be- standen ans 377 Klaffen, die von 345 Lehrkräften in 337 Klaffen- ränmen unterrichtet wurden. ES kamen also auf jede Klasse durchschnittlich 58—59 Kinder, auf jede Lehrkraft durchschnittlich 64 Kinder. Wohlgemerkt: DaS sind Durchschnittszahlen I Wie die Dinge im einzelnen liegen, darüber ist aus dem Bericht nichts zu erjehen. Aber bei so hohen Durchschnitten, die z. V. noch sehr weit über die wahrlich nicht niedrigen Berliner Durchschnitte hinausgehen, darf man vermuten, daß es in manchen Klassen noch immer ganz unerhört hohe Frequenzen gibt. Da erfreut sich die h ö h e r e L e h r a n st a l t denn doch ganz anderer Frcqncnzverhältnissc. Im Winterhalbjahr 1905/06 saßen in den 12 Realgymnasialklasscn Sexta bis Obersekunda 319 Schüler, in den 11 Realschulklassen Sexta bis Untersekunda 351 Schüler. DaS ergibt im Durchschnitt pro Klasse dort nur 26— 27 Schüler, hier nur 29—30 Schüler. Man wird uns antworten, für höhere Lehranstalten seien eben andere Frequenzen als für Gemeinde- schulen nötig und üblich. Doch die höhere Lehranstalt hat auch noch mehrere Vorschulklasscn. ohne die sich ja die Besitzenden keine richtige höhere Lehranstalt denken können. Zum»lindesten die Vorschulklassen dürfen doch wohl zu den Klassen der Gemeindeschulen in Parallele gestellt werden. Da sehen wir nun, daß im letzten Winter in sieben Vorschulklassen 358 Kinder saßen, das macht pro Klasse 51 Kinder. Nur 51 Kinder hier, aber 58—59 Kinder pro Klasse in den Gemeindeschulen! Die Gemeindeschulen sind also im Punkte der Frequenz immer noch be- deutend schlechter gestellt als die Vorschulklassen. Interessant ist übrigens, daß der Zudrang zur Borschule in der letzten Zeit ganz außerordentlich zugenommen hat. Im Winter 1903/04 saßen in ihr erst 229 Kinder, im Winter 1904/05 waren es 300, und im Winter 1905/06 stieg die Schülerzahl, wie oben angegeben, auf 358. In Berlin hat seit einer Reihe von Jahren die Zahl der Vorschüler sich nicht mehr erheblich geändert. desto mehr ist sie dafür in den Vororten in die Höhe gegangen. ES scheint, daß auch Rixdorf nicht zurückbleiben und sich von den Vor- orten deS Westens nicht beschämen lassen will. Die Honoratioren von Rixdorf werden eS zufrieden sein, daß sie ihre Kinder nicht in den ersten Schuljahren die„ordinäre Gemeindeschule" besuchen zu lassen brauchen. Der Bericht macht noch ein paar Mitteilungen über die Kosten des Schulwesens. Realgymnasium und Realschule fordern 100 M. Schulgeld, während die Vorschule sich mit 80 M. begnügt. Trotzdem betrug im letzten Jahre der aus Stadtmitteln zu leistende Zuschuß zu den Kosten der höheren Anstalt noch 106.15 M. pro Schüler— nach Abzug deS Schulgeldes. In den Ge- meindeschulen wird das bißchen Bildung, das für den Nachwuchs beZ Proletariats als ausreichend gilt, umsonst gespendet. Trotzdem stellte sich im letzten Jahre der von der Stadt fnr die Gemeinde- schulen aufzuwendende Betrag pro Schulkind auf nur VI. 73 M. Man sieht: Nixdorf könnte für sein Volksschulwesen genau doppelt soviel tun wie bisher— und der Zuschuß pro Gemeinde- schulkind würde inuner noch nicht an denjenigen heranreichen, den die Stadt für die Schüler der höheren Lehranstalten hergibt. Aber die Besitzenden sind freilich der Ansicht, daß siir die un- bemittelte Bevölkerung, die ja überhaupt mdjts zu verlangen habe, hinsichtlich der Schulbildung gerade genug und eigentlich schon zu viel getan werde. Pankow. Die Gemeindevertretung beschloß am 7. d. M. endgültig, den unverdienten Wertzuwachs, der sich bei GrundstückSverkansen ergibt, mit einer Steuer zu belegen. Die Versammlung, die zum ersten Male von dem neugewählten Gemeindevorsteher Kühr geleitet lvurde, nahm den Entwurf der betr. Steuerordnung gegen eine Stimme an. Die Steuerordnung soll— nach Erteilung der ministeriellen Genehmigung— mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft treten. Die Gemeindevertretung bewilligte außerdem monatlich 300 M. für die Gestellung der Bespannung für die freiwillige Feuerwehr. In der Submission hierfür lagen noch Angebote über 540 bezlo. 610 bezw. 760 M. vor. Zum 29. Städtetage am 24. und 25. September d. I. wurden der Gemeindeborsteher und Schöffe Heyn delegiert. Die Wassernot ist nunmehr dadurch beseitigt, daß Berlin mit seiner Leitung au-Zhilft, bis Pankow sein Wasserwerk vergrößert haben wird. Freilich hat Berlin außer Bezahlung deS Wassers noch besondere Bedingungen gestellt. Namentlich handelt es sich um Frei- gäbe einiger Straßen(Talstraße, Bahnhof Pankow- HeinerSdorfj zur Durchlegung großer Berliner Kanalifations- Druckrohre. Die Entscheidung über den von Berlin gegen die Anlegung deS Pankower Wasserwerkes am Tegeler See erhobenen Einspruch steht noch aus. Angeregt wurde ferner, wegen Einrichtung eines zweiten Post- amtes und zwar im östlichen Teile von Pankow erneut vorstellig zu werden und eine zweite Polizeiwache in der Berlinerstraße oder einer angrenzenden Straße in der Nähe der Berliner Grenze bor- zusehen, da durch die fortschreitende Bebauung die Sicherheit des Publikums in jener Gegend gefährdet werde. Lichtenberg. Eine» recht charakteristischen Beitrag über die Tätigkeit eines Arbeitgebervertreters in der Ortskrankenkasse in Lichtenberg erhalten wir in einer Zuschrift des Arbeitgebervertreters Groß. In der Zu- schrift heißt es: „Es ist unwahr—'i daß ich jemals aufgefordert wurde, die Soll- und Restliste einer Revision zu unterziehen und daß ich dieses ab- gelehnt habe mit dem Bemerken: Dafür habe mau doch einen Be- amten angestellt!— Gust. Groß, Franks. Allee 163. Der Herr Groß scheint eine merkwürdige Fähigkeit dafür zu besitzen, Aeußerungen, die ihm später unbequem find, zu vergessen oder mindestens— zu leugnen. In der letzten Generalversainmlung leugnete er auch ganz ungeniert, er habe in der Versammlung im April nicht gesagt, die„Volksztg." gehe zu weit. Hat er einen Rüffel bekommen und die Aeußerung aus Angst verschwitzt? Um seinem Gedächtnis etwas nachzuhelfen, folgendes: Nachdem der Hauptredner der Arbeitgebervcrtreter, Herr Plonz, dem Vorsitzenden Schulz Anerkennung für seine objektive Berichterstatlung gezollt hatte, wandte der berichtigende Herr Groß sich gegen den Delegierten Levm, der ihm vorgeworfen halte, trotz Aufforderung die Sollliste nicht revidiert zu haben. Herr Groß sagte: Mir war schon vor längerer Zeit bekannt, daß vertrauliche Sachen schwebten. Nicht nur von Herrn Horstmann, auch von anderer Seite bin ich aufmerksam gemacht, habe aber nichts ge- fluiden. Herr L e v i n hatte mir gesagt, ich sollte doch mal die Sollliste nachsehen; ich sagte, das gebt doch nicht, wir können doch nicht alles nach- sehen, dafür haben wir einen Beamten an- g e st e l l t.(I!) Wir haben keine Pflicht vernachlässigt, schwer nachgerechnet, aber nichts gefunden.... Der Rendant Grauer ging später auf dies Geständnis ein und bemerkte:„Wenn Herr Groß sich darauf beruft, für die Kontrolle sei der Beamte angestellt, dann muß man mir doch auch zubilligen, daß ich mich auf die Beamten verlassen kann, ich kann doch auch nicht jede Arbeit nacharbeiten; das ist doch unmöglich...." Es ist doch wirklich ein starkes Stück, diesen Tatsachen gegenüber den Z 11 de? Preßgesetzes zu mißbrauchen. Da Herr Groß aber wahrscheinlich noch nicht befriedigt ist, soll ihm auch gleich noch quittiert werden über eine der„Berichtigung" beigefügte ruppige Bemerkung. Er beschwert sich, daß der Bericht im„Vorwärts" nicht ganz vollständig sei. Das stimmt! Dem Fehler sei zur Freude des Herrn Groß etwas nachgeholfen. Rendant Grauer führte u. a. aus:/ „Herr Groß hat behauptet, ihm seien für einen Monat zwei Rechnungen— über Kassenbeiträge— zugegangen. Das stimmt nicht! Lediglich sind ihm für zwei Monate Rechnungen zugegangen, die lediglich durch den ausstellenden Beamten ver- schentlich am 5kopf mit dem gleichen Monatsvermerk versehen waren.— Aber sie trugen die richtigen Monatsstempel deS Ren- danten.— Herr Groß hat das auch gewußt und die Rechnungen zunächst richtig verbucht. Später hat er seine Bücher aber korrigiert und die beiden Rechnungen für einen Monat eingetragen. Ich möchte das als nicht kair be- zeichnen.. Und Herr Groß, der sich gern„vervollständigt" sieht, erwiderte: „ES ist richtig, daß ich nachher umgebncht habe. DaS war unbor-sichtig, ich hätte erst abwarten müssen, ob die Rechnung noch- mals präsentiert würde...." Und mit diesem Material glaubten die Herren die E i n s e tz u n g eines Kommissariats erzwingen und die Arbeiterschaft von der Verwaltung der Kasse ausschließen zu können. Aber die Behörde konnte mit dem gelieferten Material nichts anfangen und lehnte den Antrag auf Einfetzung eines Kommissariats ab. Wenn Herr Groß nun noch nicht groß genug ist, können wir ihn noch etwas— größer werden lassen. Weißensee. Aus der Gemeindevertretung. Die LustbarkeitS- und Billett- steuerordnung hat die Genehmigung der Behörden erfahren und ist auch bereits in Kraft getreten. Von nun ab ist jedwede Veran- staltung, jedeS Musikinstrument in den Lokalen usw. einer Steuer unterworfen. Jedes Billett von 25 Pf. aufwärts ist tributpflichtig, die Tanzlnstbarkeit wird nach Ouadrattnetern berechnet usw. Auch dje Wertzuwachssteuer hat die Genehmigung des Ministers des Innern erhalten, jedoch sollen noch einige Aenderimgen vor« genommen werden, so unter anderem sollen Schenkungen unter Lebenden steuerfrei bleiben, da hier bereits die Erbschaftssteuer in Kraft tritt, ferner soll die Steuer mit dem Tage der Veröffent- lichung in Kraft treten, und nicht schon am 1. April 1906, da das Publikum erst Kenntnis von der Steuer erhalten soll. Da dieselbe rückwirkend nicht zur Geltung kommt, geht der Gemeinde eine Summe von zirka 250 000 M. verloren, da die Grundstücks- Verkäufe in letzter Zeit rapid zugenommen haben. Der Wochcnmarkt, welcher in der verkehrsreichen Königchaussee hinderlich war, wird vom 1. Oktober ab nach der Charlottenburger- straßc verlegt. Elektrische Straßenbeleuchtung wird unser Ort in Zukunft auch erhalten und zwar soll die Langhausstraße von der Köuigchaussce bis zur Gustav Adolfstraße mit Bogenlicht nach Berliner Muster beleuchtet werden; diese Belenchtung hat der Unternehmer Ruthenberg kostenfrei zu liefern, da- für erhält er die Erlaubnis, einen Kanal zu bauen zwecks Verlegung von Dampf- und Wasierleitiingsröhren zu seinen über die Straße liegenden Fabrilgrimdstücken. Für den nach Berlin verzogenen Genieindevertreter Forbrig(bürgerlich) findet in aller- nächster Zeit eine Neuwahl statt, er vertrat bisher die dritte Ab- teilung des alten Ortsteils und werden sich unsere Genoffen be- fleißigen, diesmal den Sieg an unsere Fahne zu heften. Tegel. Vom Dampfer gestürzt und ertrunken ist der Heizer des Dampfers „Neptun I" der Spandauer Schiffahrtsgesellschast. Als der Dampfer, von Tegel kommend, um 11 Uhr bei Tegelort anlegte, wollte der Heizer ein Tau um den Anlegepfahl werfen. Hierbei glitt er aus und fiel zwischen dem Dampfer und der Landungsbrücke ins Wasser. Der Unglückliche muß unter den Dampfer geraten oder vom Herz- schlage getroffen worden sein, denn er kam nicht wieder zum Vor- schein. Die Leiche ist noch nicht gefunden worden. Ober-Schöneweide. Zu der Notiz in unserer Sonnabeiidnuinmer:„TodcSstilrz eines Kindes" teilt uns das Puhlsche Ehepaar mit. daß sie sich während der Zeit, Ivo das Kind aus dem Fenster gefallen ist, unweit des Hauses an der Spree befanden. Auch sei dasselbe von zwei Frauen schon vorher von der Unglttcksstelle weggetragen worden, bevor die Eltern des Kindes herangekommen seien. Ein ucucs Geschäft ausgeplündert haben Einbrecher, welche dem Uhrmacher Grünwaldt in Ober-Schöneweide einen unwillkommenen Besuch abstatteten. G. hatte vor kurzem in der Mathildestr. la ein Ladengeschäft eröffnet, in welchem er Uhren und Goldwaren ver- trieb. In der vorgestrigen Nacht gelang eS Einbrechern, in den Laden des G. einzudringen, nachdem sie die Zugangstllr mittels Stemmeisen geöffnet hatten. Bei dem Zusammenpacken der Gold- fachen wurden sie jedoch anscheinend gestört, denn es gelang ihnen nur, für 1260 M. Wertsachen mitzunehmen. Mit der Beute sind die Verbrecher vermutlich nach Berlin entkommen. Achtung, Kinderspiele! Die Eltern, welche am Sonntag, den 12. d. M., die Spielpartie mit ihren Kindern mitmachen wollen. seien darauf aufmerksam gemacht, daß die Partie nicht nach Adlers- Hof, wie auf den Flugblättern verzeichnet steht, sondern umstände- halber nach Restaurant„Pfcrdebucht" gemacht wird. Um zahlreiche Beteiligung der Eltern und Kinder bittet die„Fr. Turnerschast". Die Kinder werden um 2 Uhr von den Sammelplätzen abgeholt. Adlershof. Das Gcwcrkschaftskartcll von Adlershof und Umgegend ver- anstaltet am Sonntag, den 12. August, ein großes Gewerkschaftsfest in Wöllsteins Lustgarten(siehe Inserat vom Mittwoch, den 8. d. M.). Da nachmittags 3 Uhr der Festzug mit Musik stattfindet, so hat sich jeder Fcstzugteilnehmer behufs Aufstellung zwischen 2— 2Vz Uhr vor dem früher Fechnerschen Lokale in der Oppenstraße einzufinden. Jeder Festteilnehmer wird gebeten, sich mit einer Eintrittskarte zu versehen, welche 26 Pf. kostet. Damit so viel wie möglich die Kon- trolle beim Eintritt in das Fcstlokal erleichtert wird, sind die Ein- trittskarten sichtbar am Hut zu tragen. Vermischtes. Auf der Jagd erschossen. In Mahenburg bei Wittenberge hat der Gutspächter Frick auf der Jagd einen Häusler erschossen. Ob ein Unglücksfall oder ein Perbrechen vorliegt, ist noch nicht auf- geklärt. Frick, der anfänglich leugnete, gestand an der Leiche schließlich, den tödlichen Schuß abgegeben zu haben. Die Kirche hat einen guten Magen! Wenn diese Tatsache auch am drastischsten bei den angesammelten Millionen der toten Hand zutage tritt, so versteht sie jedock auch im kleinen recht gut zu Geld zu kommen. Eine treffliche Illustration hierzu liefert nachstehende „Kostenrechnung" oder Aufstellung der Trauungsgebühreu, welche in der gesamten Aufstellung und spezifizierten Aufzählung der einzelnen Leistungen unwillkürlich an eine Advokatenrechmmg erinnert. Die ordnungsliebende und geschäftlich recht gewisfenhaste Pfarrei, der diese Aufftellung entstammt, ist die Stadtpfarrei St. Moritz in Augsburg. DaS denkwürdige Dokument sieht wie folgt aus: Trauungsgebühreu für................... Pfarramt........ 3,— M. Heilige Messe......—„ Trauung........— ,80„ Opfer dem Hochw. H. Pfarrer.-�,86„ St. Johanneswein.....—,50„ Kultusgebühr...... 2,15„ Verkünden....... 3,—„ 2 Dispensschreiben.... 2,40„ Dispens........ 2,—„ Schreiben nach......—„ 3 Stühledecken...... 1,35„ Altaraufmachen...... 2,—, Meßner........ 2,—, Kirchendiener....... 1,—„ Ministranten.......— ,50„ Beleg.........—.05, Summa. 21.65 M. Besonders klassisch ist der letzte Posten von 5 Pf. für den Beleg. also für die Rechnung selbst. Dieser Posten war in dem gedruckten Formular gar nicht vorgesehen, der die Rechnung ausstellende Beamte hatte offenbar einmal auf einer RechtScmwaltsaufftellung daS ominöse„für dieses" so und soviel Pfennig gesehen und hatte es nunmehr auch in seinem Betriebe praktisch angewendet. Wir bemerken dabei noch, daß, wie der mit der Kostenrechnung Beglückte, ein Arbeiter mit kaum 3 Mark Tagelohn, nicht gerade in den schmeichelhaftesten Ausdrücken niitteilte, der TrauungSakt nur drei bis fünf Minuten gedauert habe und daß ihm als HochzeitSgabe noch vor Verlassen der Kirche diese hochwürdige Kostenrechnung ein- gehändigt worden sei. Uns wundert dies nicht, Ordnung ehrt jedes Geschäft, warum sollte sich denn die Kirche derselben schämen. In Kentucky in den Vereinigten Staaten herrschen noch die Clans(Fainiliensippen) und die Blutrache ist an der Tagesordnung. Wird dem Mitglied einer Familie ein schweres Leid angetan, so ist die ganze Sippe verpflichtet, es blutig zu rächen und die Vendetta (Blutfehde) nimmt gewöhnlich erst dann ein Ende, wenn ein Clan ausgerottet ist oder auswandert. Daß Mörder gedungen werden, ist in Kentucky nichts Außergewöhnliches. Vor kurzem wurden zwei Beamte der Justiz, ein Richter und ein Sheriff, wegen gedungenen MordeS angeklagt. Der Prozeß fand in einem benachbarten Distrikt statt, denn da, wo das Verbrechen begangen worden war, konnte man kein Ge- schworenengcricht zusammenbringen. Die Schuld der Angeklagten stand zweifellos fest, trotzdem wurden sie freigesprochen, ver- mittlich deshalb, weil die Geschworenen die Rache fürchteten. Eine amerikanische Zeitung meint, die Moral der Vorgänge in Kentucky liegt in der Erkenntnis, daß ein amerikanisches Gemeinwesen, wenn es nicht von auswärts Bevölkerungszuwachs erhält, auf das Niveau eines Jndianerlagers herabsinkt. Die Lynchmorde im Süden, die oft in der grausamsten Weise vor sich gehen, deuten ebenfalls darauf hin. Die Opfer der„Sirio"-Katastr»phe. Nach neueren Meldungen soll die Gesaintzahl der bei dem Untergang des„Sirio" Ueber- lebenden 522, die der Vermißten 270 betragen. Arbeitseinstellung wegen Hitze. Infolge der enormen Hitze mutzten die großen Spinnereien in Lancashire, wo mehrere tausend Frauen beschäftigt sind, die Arbeit einstellen. Ueberschivemmungeu in Texas. Süd-Texas ist vom Colorado-Fluß, der aus seinen Ufern ge- treten ist. überflutet. Viele Menschen sind ertrunken. Die Ver- lujtlijte wächst Mndljch, Hunderte jind obdachlpZ, Der Sach, schaden ist gewaltig. Die Katastrophe wird für die unheilvollste seit der Ueberschweminuug von Galoeston gehalten. Die zur Hülfe- leistung entsandten Züge sind durch das Wasser abgeschnitten und können nicht weiter. Die Telegraphenleitungen sind unterbrochen. Auch andere Flüsse sind über ihre nscr getreten und fordern Opfer an Menschenleben. Ter Concho-Flutz hat ein 30 englische Meilen langes Gebiet unter Wasser gesetzt. Man hegt Befürchtungen wegen des Schicksals einer Anzahl kleinerer Städte im Innern« Lese- und Diskutlerklub„Wilhelm Liebknecht-'. Stadtbez. 131s. Jeden vierten Mittwoch im Monat bei O. Elsholz, Schreinerslr. 56. Allgemeine Familien-Sterbekasse. Heute: Zahltag Ackerstt. 123 bei Wicfenthal von 3—6 Uhr. Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter und Arbeitcrinncn Berlins und ttingegciid. Abteilung C harlotten- bürg. Sonnabend, den lt. August, abends 8 Uhr, im Vollshaufe, Rosinen- strafje 3: Ableilungsversammlung. Tagesordnung: t. Berichte. 2. Vor- trag. 3. Diskussion. 4. Vereinsangclegcnheiten. Erscheinen jedes Kollegen ist Pflicht._ Eingegangene Dmehrchriften. „Rommnuale Praxis", Wochenschrift für Kommunal« Politik und Gemcindcsozialismus. Nr. 32. Herausgeber i Dr. Albert S üdekum. Preis vierteljährlich 2,56 M. Einzelnummer 30 Pj. Verlag Paul Singer, Berlin, Kommissionsverlag Kaden u. Co., Dresden-�.. Briefkasten cler Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet wochentäglich von 7'lt bis O'/j Uhr abends statt. Geöfsne« 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl alS Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird uicht erteilt. M. X. 56. Eine Beleidigung liegt vor, wenn die Person e r k e n n- bar bezeichnet ist und erkannt ist. Korrektheit deS Namens ist gleich- gültig.— C. C. 72. Ihre Angaben über die Geivinnbedingungen sind unklar. Wie es scheint, hat der zweite aus den nächstsolgenden Gewinn Anspruch. Sie haben es doch aber in der Hand,� klare Bestimmungen zu treffen.— III. Erkundigen Sie sich wegen der Höhe des Stempels beim Distributeur. Eine Hypothek ist im allgemeinen sicherer als ein bloßer Schuldschein: sie gibt eine volle Sicherheit aber nur, wenn das belastete Grundstück wertvoll genug ist, um bei etwaigem Verkaus so viel zu bringen, daß die Hypothek gedeckt wird. Wichtiger als die Nummer der Hypothek ist die Höhe der Belastung. Unterschrist beider Eheleute ist besser.— Weinrich. Ripdorf, Ncckarstr. 41. Ein folcher Verkauf wäre unzulässig, wahrscheinlich strafbar.— B. 96. Es kann nur vom 15. zum 1. gcküiidigl werden. —(x. 2cH. 0,86. Die Altersrente ist von fixiertem Bewag und un- abhängig von der Zahl der geklebten Marten. Unfall liegt anscheinend nicht vor; er könnte nur angenommen werden, wenn die Arbeit, bei der der Schlagnnsall eingetreten ist, mit einer außergewöhnlichen, über bewiebS- üblichen Anstrengung verknüpst war. KrankenoerficherungSpflicht�vürde hier nur bestehen, wenn sie durch Kreisstatut eingeführt sein sollte. Stellen Sie den Antrag aus Jnvatidenrenle schrisllich bei der Landesversicherungsanstalt. Die Alimentationspflicht dauert wenigstens biZ zum vollendeten 14. Jahre, aber auch darüber hinaus, bis zur Erwcrbssähigkeit des Kindes. — 8l. P. 28. Wenden Sie sich an den deutschen Generallonsul in Rom, der Ihnen die weiteren Wege zeigen wird.— G. 26. Wenn eS sich um Grundstücke oder Hypotheken handelt, bedarf es notarieller Form, die über- Haupt als zweckmäßig zu empsehlen ist. Die Vollmacht ist zu versteuipeln, gehen Sie zum Distributeur.— A. N. 3773. Die Frau ist nicht empsangsberechttgt.— A. I. 888. Von 6060�M. an wird in Preußen Vermögenssteuer erhoben. Steuerbehörde und Sparkasse haben nichts mit- einander zu tun. Zu 3 müssen Sie angeben, um welchen Ort es sich handelt. — P. B. 30. Wenn der Lärm sehr erheblich und das Haus sonst ruhig ist, so fordern Sie durch eingeschriebenen Brief den Wirt mit Frist von acht Tagen aus, den Mangel zu beseitigen, widrigensalls Sie sosort ziehen würden. Nach sruchtlojem Ablauj der Frist können Sie ziehen.— S. 99. Sie haben Anspruch, wenn alle Marken aus Grund der Versicherungs- p s l i ch t geklebt sind. Wenden Sie sich an die Londesverficherunasanstalt. — A. R. 39. Der Vater hat n i ch t dazwischen zu reden. Die Alimente müssen bezahlt werden, auch wenn die Heirat verweigert wird. Kein Enterbungsgrund.— H. R. 78. Rellamicren Sie.— F. B. 67. ES kommt aus die Vereinbarung an. Man wi'.d sür die Regel annehmen, daß für Beköstigung nicht» gezahlt werden soll. Am besten kommen Sie m die Sprechstunde.— Der Satz würde pro Tag zirka ein« Mark sein. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion.(Großhandel.) Rindfleisch I» 71—75 pr. 166 Psd., II» 65-70. lila 59-64, IV» 54-58, englische Bullen- 6.60, dänische Bullen- 6,60, holländische Bullen- 6,60. Kalbfleisch, Doppelländer 100—110, I» 84—85, II» 74—82, III» 62-72. Hammelfleisch l» 77—82. II» 67—75. Schiveinefleisch 66—72. Rchböcke 1» per Psd. 0,55—0,65, IIa 0,35—0,54. Roiwild I» mit Abschußaltest, per Psund 0,40—0,50, IIa 0,00—0,00. Damwild 0,51. Wildschweine pr. Psd. 0,33. Frischlinge 0,43—0,48. Kaninchen per Stück 0,55— 0,60. Wildenten I» per Stück 1,10— 1,20, Na 0,60. Hühner. alte, per Stück 1,70-2,50, alte, II» 0.90— 1,60, junge, per Stück 0,60-0,90. Tauben, junge, per Stück 0,30—0,45, alte 0,00. Enten, junge per Stück 1,75—2,25, alte per Stück 0,00. Hamburger, jung«, per Stück 2.80. Gänse, I» per Psnnd 0,58— 0,65, IIa 0,00, 1» per Stück 3,00 bis 3,95. IIa 2,00—2,90. PouletS p. Stück 0,80—1,15, do. klein 0,30-0,70. Hechle pr. 100 Psd. 94— 1l2. Zander 123-140. Schleie 110-117. Bleie 62— 64. Aale, groß 120— 125, mittel 103—111, Nein 66—75. unsott. 76—95. Plötzen«). Karpfen 00. Barse 70. Karauschen 86—90. Bunte Fische 56—80. Amcril. LachS I neuer per 100 Psd. 110—130, do. N neuer 80—100, do. III neuer 50—75. Seelachs 12—15. Flundern, pomm, I, per Schock 9,00. do. pomm. II 2—3, Kieler, Stiege 1» 4—6. do. mittel per Kiste 2—3, do. klein per Kiste 0,00. Bücklinge, per Wall Kieler 4—5, Stralsunder 4—6. Aale, groß per Psd. 1,10—1,30, mittelgroß 0.80—1,00, klein 0,50—0,60. Heringe per schock 4— 5. Schellfische Kiste 3— 4, do. Kiste 1,50. Kabliau. per 100 Psd. 10-15. Sardellen. 1902er. per Anker 86,00, 1904cr 85,00, 1905er 80,00. Schottische Vollheringe 1905 0,00, largo 40-44, füll. 36—38, raod. 35—42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, per To. 60—120. Hummern, IIa, 100 Psd. 00. Krebse, per Schock, große 21,50—28,00. mittel 11—12,00, lleine 5,50, unsort. 8,00. Galizier 0,00. Eier, Land-, per Schock 2,80-3,20. Butter per 100 Psd. la 114—116, IIa 110—113, lila 105—108. absallend« 90-100. Saure Gurken, neue. Schock 4,00, Pscffergurken 4,50. Kartoffeln per 100 Psd. Rosen 1,75— 2,00, neue runde 2,25-2,50, neue blaue 2,25—2,50, neue Zcrbster 2,25—2,50. Spinat p. 100 Psd. 12—15. Karotten p. Schock 3.00—4,00. Sellerie, hicfige, P.Schock>,25—5,00. Zwiebeln 100Psd. 3,50-4, Petersilie, grün, Schockbd. 1,00. Kohlrabi p. Schock 0,75—1,00. Rettig. bahr., p. Schock 2,40 bis 4,80. Radieschen p. Schock-Bd. 0,60—0,70. Salat, p. Schock 1,00—1,40. Bohnen, grüne, per 100 Psund 6—10. Wachsbohnen 10—15. Schoten per 100 Psd. 11—16. Psefferlinge per 100 Psd. 20—28. Mohrrüben per 100 Psd. 6,00— 8,00. Blumenkohl per Mandel 1,00— 2,20. Wirsingkohl per Mandel 1,00—2,00. Rotkohl p. Mandel 2—2,50. Weißkohl p. Mandel 1,50 bis 2,00. Sleinpilze p. 100 Psd. 25— 30. Gurken, Zerbsler, Schock 0,75— 1,00, do.'Einlege-, Schock 1,00— 2,00. do. Rothcnb. 2— 3,25. do. Liegnitzer 2,00— 2,50. Kohlrüben, Mandel 1,00—1,25. Birnen, ltal. per 100 Psd. 15—25, schiel. 5—16, Tiroler 14— 20, böhmische 5— 12. Aepsel, ungar., per 100 Psund 12—15, italienische 8—15, hiesige 6—16. Stachelbeeren 8— 13. Prcißclbeeren 12—15. Kirschen, sauere 15—25. Blaubeeren per 100 Psd. 15—16. Pflaumen, ilal runde dunkle per 100 Psd. 16—25, ilal lange gelbe 15—22, ital runde 15— 25, ungarische 10—12, hiesige 8—25, Reineclaude 10—22. Zitronen. Messina 300 Stück 18,00—20,00, 360 Stück 12,00-16,00, m Stück 7,00-12,00, 420 Stück. Nein 7,00. Pfirsiche, Werderiche per 100 Psd. 25-35, sranzösische 20—40, itallcnische I Kiste 1.50-1.80. do. II Kiste 1,20—1,40, do. III Kiste 0,80-1,10, do. in Körben per 100 Psd. 20-30. WtttrruugSiiberstcht vorn 9. August 1996, morgens 8 Uhr. Wetter-Proguole für Freitag, de» 46. Angust 1996. Zunächst wärmer, bei mäßigen südwestlichen Winden und zunehmender Bewölluiig; nachher Regen und wieder etwas kühler. Berliner Wetterbureau. Wasserstand am 8. August. Elbe bei Aussig— 0,19 Meter, bei DrcSdc»— 1,35 Meter, bei Magdeburg+ 1,16 Meter.— 11» st r u t bei Straußsurl+ 1,30 Meter.— Oder bei Ratibor-s- 1,14 Meter, bei Breslau Lberpcgcl-j- 4,90 Meier, bei Breslau Unterpegel— 1,38 Meter, bei Frank] uri— 0,04 Meter.— Weichsel bei Brahemünde+ 2,58 Meter.— Warthe bei Posen-ff 0,36 Meter. fyiis dc» J»l>nlt der Inicrare üvcmiiiimt die Ncdaktiv» dcm Publikii!» gej,ciiubcr rciuerlci Vcrniittvortiiiig. SSZEZM Theater. Freitag, de» 10. A u g u st. Anfang VI, Uhr. NcneS Opcrntheater. Carmen. Anfang 8 Uhr. Berliner. Shcrlock HolmcS. Veffing. Die lustige iESilwe. ©di i Ii er<>.(iii'nQnci. Thealer.) Marwitz-Oper: Die Jüdin. Schiller ZV.(Friedrich Wilhelm- städlifches-Tbealerl. Geschloffen. Komische Oper. HoffmannZ Er- Zählungen. Westen. Kinder-Oper. Orispino v In Oonraro. Zentral. Nanon. Drianon. Die herbe Frucht. ''»stinielhans. Unsere käte. LlrineS. ein idealer Gatte. Varl Weist. Adele. S.'tetropol. Aus ins Metropol. lllpvllo. Berlin im Omnibus. Das � blaue Bild. Spezialitäten. Wintergarten. Tortajada. Spezialit. Passage. Willy Prager. Spezialit. Rcichohalle». Stetlincr Sänger. Ilraiij,,. Dnnbenitrajie iilbcnds 8 Uhr: Der jüngste Aus- bruch des Vesuv. Stcruivartc. Jnvalidenstr. 57/62. k'ertiliiQixl kittitn»» kerliller Idester. Freitag und folgende Tage: 8kerlockk)olmes. Anfang 8 Uhr. Kleines Idester. Anfang 8 Uhr. Ein idealer Gatte. Sonnabend und folgende Tage: Ein idealer Gatte. Lord Goring... Harry Bälden. Neues kgl. Gperntlieater (Kroll). Anfang Vj, Uhr. Carmen. Sonnabend: Gastsp. Franceschina Prevosti: La Traviata. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, Ä. Wertheün und Invalidendank. Komische Oper. Heute abend 8 Uhr; Sonnabend zum 85. Male: Oon Patquale. Sonntag; Hoffmanns Erzählungen. Montag zu volkstüml. Preisen: Figaros Hochzeit. Lustspielhaus. Unsere Käle. Sommerpreise: Parf.-Fauteuil 8,20. Zentral-Theater. (Operette). 8 Uhr: Nanon. Dpeict,e in 3 Akten. U erstklassige Spezialitäten! Melropol-Theater Henry Bender. Josef Giampietro. Frifz Massary. ÜHl- iii's ielrpl! Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Anfang 8 Chr. Rauchen überall gestattet. m 10 Uhr: täglich: 10 Uhr! Zerlm im vmnidus. Im zweiten Bilde: Der OinnibnS- Trick. Vorher: Gute Spezialitäten: Anfang 8 Uhr. Ab VI, Uhr: Carten-Konsert. fllorltzplntz. Täglich im Garten bezw. > in de» unteren Säle» � Mittwoch u. Sonnabend: Freitanz. Us'Änis. �issensvknktliekes llisatsr. Täglich im Theater 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuv. Täglich ab nachmittags S Uhr: (iroltes Eintritt 1 M.. v. 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälste. Trianon-Theater. Die herbe Frucht. Gsr! Veik-Ikestei'. Gr. Frankfnrterstr. 132. Im Theater: Täglich 8 Uhr: Kck eis. Lebensbild in 5 Alt. v. Hedwig tzlbt Im Sommeraarten täglich: Graste Spezialitäten-Vorstellung. _ Anfang 5 Uhr. ReichshaBBen. Täglich: Stetttner Länger Anfang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Slm KönigStor— Am Friedrichshain. Täglich- Ikester-Vorstellunx, Lpexislitüten u. Kall. Nord und Süd. Komische Operette in einem Alt. Hille. Martha Bellvert mit ihren dressierten Bären.«Ii», u. Carbet h, die verrückten Amerikaner. Jeden Mittwoch: Kinder- Freuden- Fest. DM- Damentanz frei."MD Ansang 5 Uhr.— Entree.10 Pf. SanssoueUÄ' Sonnig., Montg.Donnerst. und Sonnabend: Hoktoiluiirc Nordd. Sänger und Tanzkränzche». Neuester Schlager: Wir von der Kavallerie. Posse. Entr. 30 Pf,, mint. PI, 50 Pf. Sonnt.Beg. 5, Wochent. 8 U. Im Vorgart.: Freikonzert. Nosells Theater. Direktion: Roh. Dill. Brnmienftr. 16. Das neue Angust-Programm I Arbeit schändet nicht. Volksstück in 3 Bildern v. Reiflingen. Dazu die erstklassig. Spezialitäten. Ansang V Uhr. Kaffecküche oon.1 Uhr. Bei schlecht. Weit.: Vorstell, im Saale. Buiiitigsliüozu-TMl Gesundbrunnen, Badstraste 58. Täglich Berlins bestes Spezialitäten» Programm. Steifen Bros Weiss Tronpe l.u Matchlche Panl Coradlnl Oeltlns Tauben. Das unruhige Saus. Austerdem: Der Berschivender. Ansang i'l, Uhr. Im Saale: Ball. Billettvorverk. v. 10-1 a. d. Theaterkasse. i Prater-Theater Kastanien-Allee 7/9. Täglich- Amor von hellte.| Milardo, Humorist. Borussla-Sextelt. Sands Sportakt. »Der grüne Teufel.« Groste Pantomime. Bennert. Ball. ! Ansang 4 Uhr. Eintritt 30 Ps. Numerierter Platz 50 ls Fröbels ATlerlei-Thealer Schönhauser Allee 148. Konscrt, Theator, Spezialitäten, — Ball.——— 15 Slttrakstonen ersten Ranges 15. Ber Mllllenennehneiaer. Posse mit Gesang m 2 Akten. Ansang 4 Uhr._ Entree 30 Ps. Seliiller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Die �tidln. Sonnabend, abends 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötet. Der Tronbadonr. Sonntag, nach m. 3 U b r, bei halben Preisen: Die Zauberflfite. Sonntag, abends 8 Uhr: Zum letzten Male: Carmen. Schiller-Theater N.(Frlcdr.-Wilh.Th.) Freitag: Geschlossen. Morwist-Oper. Sonnabend, abends 8 U b r, popul. Vorst, und bei halben Preisen: Ber �Valfensehinled. Sonntag, a b e n d S 8 U h r: Gastspiel Heinrich Bötet: Der Postillion von Lonjumeau. Im Garten tägl. gr. Militär-Konzert. Volksgarten-Theater. Badstr. 8(Bchm- u. �Bellermannstr.) Konzert Theater i SpezialilHten. TaS neue August-Programm: Harry Steiner Gesclm. Bollin! Max Franconi Garrelon Truppe. „Auf fremder Erde". Gr. Ausstattungsstück mit Gesang u. Tanz in 3 Bilden: von Hugo Schulz. Jcd. Mittwoch: Or. Kinderfreudenlest. Jcd. Donnerst.: Gr. Brill.-Feuerwerk. Botksvetuftiguiigeu aller Art. Die Kaffeelüche ist v. 1 Uhr an geöffnet. »V Max Kliems Sommer-Theater, i Hasenheide 13— 15. Artistische Leitmig: Paul Milbitz. w! Gr. Konzert, Theater� Spezialitätenvorstellung» and Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. M Diez* Spezialitäten-Theater. Ijaudsbergor Alice 70/79(Rmgbahiiftation). Wegen kolossaler Nachfrage bis SV. August prolongiert. Täglich: 16 Loven sowie Cbwcn Js-i ä|i Die gröstte Sensation u. beste Gruppe der Welt: Im Salon dos kövrenbandigers. Ei» Dompteur, eine Tänzerin im Löwenkäfig und eine Dompteuse mit noch nie Kcnelicnen TrickK. 11 Uhr abends: Fütterung sämtlicher Bestien aus den Händen des Dompteurs. The Carl Dänin, an-Fainilie, Amerikas beliebteste Akrobaten. AI und das neue beste Programltt Berlins. Balrccklichc. Yolksbclnsitlgnngen aller Art. Anfang 4 Uhr.— Entree 30 Pf.— BorzngSkarten find gültig. Schloß WeSßensee. „Zum Sternecker". Freitags: gllssMallllS SäUgei'. Inhaber C. Koch. Stets neues Programm. gr Familien-Freitanz. Avis! Sonntag: or:«;r Ausstellung Afrika""S"' Futaneger-Karawane. Dorf mit 53 Eingeborenen. Pferde, Kamele usw.; spannende Vorführungen ihrer heimatlichen 1 Gebräuche. Täglich mehrere Vorstellungen. Sonntag vormittag ' II1/, Uhr: erste Vorstellung, nachm. 41/, Uhr: die zweite usw. Entree: Erwachsene 50 Pf., Kinder 15 Pf. 1931L «»»v»KO»«O»«»C»»«O»OCS»HV«»OV«V»a«SSCO« A JJer politische Massenstreik war in letzter Zeit wieder Gegenstand eingehender Diskussionen; er wird auch den bevorstehenden Parteitag beschäftigen. Wir empfehlen daher den Parteigenossen zur Orientierung folgende Schriften; Jjer politische Massenstreik und die Sozialdemokratie Sonderabdruck der Verhandlungen auf dem ===== Parteitage in Jena- Preis ÄO Pf. Qer politische Massenstreik Vortrag von Eduard Bernstein == Konfisziert gewesen!■ Preis 20 Pf. fieneralslreih um Sozialdemokratie von Henriette Roland-Holst Mit einem Vorwort von Karl Kautsky. Zweite revidierte und erweiterte Auflage. Preis 1.50 M. Expedition des Jorwärls", BERLIN sw- 243/13» Lindensfraße 69(Laden). 68 �eldsehloß- Krauerei G. m. b. H. Berlin: Or.-Ijfchterfcldo: Telephon: Amt II 196, Telephon No. 9, empfiehlt ihre mehrfach prümllertcn Tafelbiere In Ffisaorn und Flaschen. Beranlastt durch die in letzter Feit sehr oft vor- kommenden Klage« über ganz minderwertige Nach- ahmung deS 13362» Dänischen Kapitän-Kautabak weise ich daraus hin, dast dersewe nur echt ist, wenn in jedem Stück(5 u. 10 Ps.-Nollen oder Schleifen) der Zettel liegt mit Ausschrist: Bfinlscher Kapitän- Kautabak(gesetzt, geschützt). Gen.-Vertr.: 0. liScker, Berlin 0., Grüner Weg 1 12. Amt 7, 3861. Ja haben tu den Meißen Zigarreugeschäfteii. m. Spandau! ! I 1 Teßnows Volksgarten€# Hakenteide. Endstation der Straüenbahn.. Sonntag, den 12. August 1906: Großee Sommcrfeft veranstaltet vom Sozialdemokrat. Wahlverein Spandau j-j unter Mitwirkung des Arbeiter-GesangvereinS„Hoff»,»ig«. des Arbeiter-RadfahrerdereinS»Frisch aus« sowie der„Freien Tnrnerschaft Spandau«. Zur Aufführung gelangen: OberlcMeftlcke Dorf- Iäylle. Die Festteilnehmer werden gebeten, möglichst in ländlicher Kleidung zu erscheinen. Die Handlung spielt sich in dcm oberschles. Dorfe Holzh— nsen ab. Nach der Vorstellung: T anzkränzchen. �r;r::t%SPiaVa?c5mcn' Dar* Bei ungünstigem Celles-MW finden die Aufführungen soviel als inögliaj im Saale statt. Anfang 3'/, Uhr nachmittags. Eintritt a Person SO Pf. Um zahlreichen Besuch bittet sL66/i Das Komitee. r Iis: 1. Deutsch-Aiiimbaiiischer von Norton B. Smith, Dir. Naf. Behrens. Größter mid elegantester aller reisender Zcltcirkllsse Kerlin, Qmiiiiisplgh, Meuieierstraßt le abends 8 Uhr: Große Glllll-Dorstelliing mit einem hochsensaffoncllen Attrak- tionsprogramm. Preise der Plätze: Loge 2,50. Sperr- sitz 1.50. 1. Platz 1,25. 2. Platz 80 Ps. Galerie(Stehplatz) 40 Ps. Militär und Kinder unter 12 Jahren bezahlen Wochentag-Abend-Vorstellung 1. Platz t,—. 2. Platz 60 Ps. Galerie(Steh- platz) 30 Ps. 209,19 M-teleillliigs- Biograpli- est. tcuis) Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Verbindung mit grofitor Films- Pabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. ♦ Den ganzen Tag Vorstellung. ♦ Otto PritzKow, Milnzstr. 16. fisten-fark Am Küstrincrplatz, Rüdersdorferstr.17 Hermann Imbs. Tügllch: dr. Konzert, Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Dr. Simmel, str""" Spezialarzl für 137/13» Baut- nnil Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12. 2—4. 1329L* Sofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle-Oneckal Mocquctts. Plüsch-���� Saffeltaschen. Muster b. näh. Angabe franko. Emil Leffivre, o" JSB. Jerlmer ürlieiler- Railfalirer- Verein" Mitglied des Arbeiter» Radsahrer-BundeS .Solidarität«. Morgen, Sonnabend, den 11. August: Vömns-ZWiMnreipiigkn im„ Moabiter Gesellschastshause-, Emdencrstr. 35/35 und Wiclesstr. 24. Konzert, Spezialitäten, Reigenfahren, Tanz etc. Bei schlechtem Wetter findet Konzert u. Vorstellung im grotzen Saale statt. Eintritt 20 Ps. Ansang 6 Uhr. ES ladet freundlichst ein Daö Festkomitee. Touren zum Sonntag, den 13. August. 1. Abt. nachmittags 1 Uhr nach Baumschulenweg. Start Bülowstr. 58. 2. Abt. nachm. VI, Uhr nach Schlachtensee(Neues Gesellschasts» Haus). Start Urbanstr. 7. 3. Abt. früh 6 Uhr nach dem Werl» see(Fielitz). Nachm. 1 Uhr Familien« tour»ach Lkiekemal(Heidekrug). Starts Mariannenplatz. 4. Abt. nachm. 2 Uhr. Wohin? wird am Start Küstriner Platz be« kanntgegeben. 5. Abt. früh 5 Uhr nach Wriezen (45 Kilometer). Nachm. 2 Uhr nach Sadowa(PflugS Restaurant). Starts ElYsium. 6. Abt. mittags 12 Uhr nach Neue Spitzmühle. Start Oderbergerstr. 30 (Genoffenschast). 7. Abt. jaiih 6 Uhr nach Groff« Schönebeck. Nachm. 1 Uhr nach dem Gorinsee bei Schönwalde. Starts Kösliner Hof. 8. Abt. nachm. VI, Uhr Familientour nach Schulzendors(Netze). Start Stefanplatz. 9. Abt. nachm. 1 Uhr. Wohin? wird am Start Schillingstraffe 22 bekannt- gegeben. - 27/3 DienStag, den 14. August: Sitzung d. AgitntioiiSkoiumission bei Ostrowski, Schillingstraste Ä4. �dier-�otordrosekke sofort lieferbar, Teilzahlung. Off. u. 13. 1 a. d. Exp. d. Ztg. Villig!. .Jabrrääer! yn» ft 48, m.«o. w. (Whitx Ijnfdockeo..... i.ßft, 3 60,«.60 Uflaohiauoh#.... 4.60, 3—. 2.60. 8— Funpumixio.......... 0.80, 1.15 Pedale 0 90. LtO SMlol 1.60, 2.50 HotorrUdtr. 190. 250. 376. 450. 660 Zündkcrten 0 50 MoiordcokeD S— REPARATUREN billig»!,»ed— II. haltbar. Rahmonbrüch# 8 60 Emaillieren 8 60 Pahrradkataloer 137 Motorrs<> Uhr, im Englische» Garten, Alexanderstr. 87 v: Dff Versammlung"WU —— aller in der Branche bcschiiftigten—_ Tischler und Maler für Berlin u. Vororte. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Kominissionen, 2, Verbands- und Brancheuangclegenhciten. Die Kollegen werden ersucht alle zu erscheinen. vis Kommission. SmUtzcr. Am Sonntag werden von 9 Uhr ab in allen Scjirfslotalim BcitrUjie cntgegengenomincn Vereinigung der Jtfater, Saekierer und Unstreieher. Melchiorstrajze 28. Filiale Berlin. Tel.: Amt 4, 4787. Sonntag, den 18. August, vorm. 10 Uhr, im»Englischen Garten«, Alexanderstraste 87 e: PUT Versammlung"WD der KWimbeibiMihk Kerliiis n. jliiig. DtK Das Erscheinen sämtlicher Kollegen ist dringend notwendig. 125/18 Die OrtsvcrwaUoiy�� Zeniralvsrband der Dachdecker. Tcrwaltnnssstelie Berlin. Sonntag, den 18. August 1006, vormittags 10 Uhr, bei Feind, Weinstraße 11: IpTf Versammlung."WW Tagesordnung: 1. Urabstimmung über den Antrag Franksurt (Oder). 2. Verbandsangelegenheiten. 54/15 Kollegen! Die Tagesordnung ist eine hochwichtige. Erscheint darum zahlreich und pünktlich._ Der Vorstand. Veiband der Hafenarbeiter u. verw. Bemfsg. «—» Deatselilands. Mitgiledschaft Berlin. Sonntag, den 18. August 1906, vormittags 10'/, Uhr: - Oeneral- Versammlung= im Königstadt-Kasino, Holzmarktstr. 78. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes. 2. Neuwahl des gesamten Vorstandes. 3. Verbandsangelegenheiten. 19/6 KB, Kollegen! Angesichts der wichtigen Tagesordnung ist eS Ehre und Pflicht, Mann für Mann zu erscheinen, in Euren Händen liegt es, wer sür das kommende GeschästSjahr dem Vorstande angehören soll, darum sehlc niemand, HHtgiiedsdneii legitimiert! Der Borstand. InMutM der Mmm DcHMs. Sektion der Putzer. Sonntag, dtN 12. Anglist, vorm. lO'/z Uhr, iu den Armuhalltn, Kommandantenstr. 20: Mitglieder-Uersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Das Verschulden der örtlichen Verwaltung in der Demminer Itreikbruchafsäre. 2. Die Abstempelung der Mitgliedsbücher in den Bezirlsversammlungen. 3. Abrechnung vom zweiten Quartal 1906. 134/12 4, Verschiedenes, In Anbetracht der reichhaltigen und wichtige» Tagesordnung ersuchen wir die Mitglieder pünktlich und zahlreich in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Örtliche Tcrwaltnng. S.A.: H. Nenmann. NB. Die nächsten Bczirksversammlungen finden am Mitttvoch, den IZ. August, abends 8 Uhr, in den bekannten Lokalen statt. D. O. Vertrauensvoll wende sich ein jeder, der ein gutes Geschäst(Branche gleich) oder Grund. stück lausen oder verlausen will, au die Geschäfts- Verkaufsbörse» Berlin, Zimmerstraße 30. AuS- künste kostensrei. Eine Karte genügt und wir sprechen vor. Vlaiüeirie Existenz. Wirklich soliden und nüchtern« Schlossern und Monteuren?c. aeben wir schon bei geringer Anzahlung Motordroschken, erstklassige Marken. Am besten übernehmen 2 Reflektanten einen Wagen.* Berliner Automobilhaus- u. Industrie* Gesellschaft m. b. H. W., Uhlandstr.170 Deutschlands. XXX Zweigverein Berlin. Sonntag, den 18 August, vormittags 10 Ilhr, in Buggeuhagens Etablissement, Morihplat?: General-Bersammlttng. Tages-Ordnung: 35/19« 1. Kassenbericht vom 2, Quartal 1906. 2. Die Vorkoninmisse bei dem Streik der Fahrstuhlarbeiter der Firma Lähn. 3. Verbandsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt! Um rege Beteiligung ersucht Der Zweigvereinsvorstand. Die Kollegen von den Bauten Helmholhstraße, Nixdors, Fontanestraße, Wiesenstraße, Samoastraße, Amsterdamerftraße und Schivelbeinerstraße, welche die Arbeit der streikenden Fahrswhlarbeitcr während des Streiks aus- genommen haben, sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen._ Zentralverband der Glaser Deutsehlands. Zahlstelle Berlin. Heute, Freitag, den 10. August, abends 8 Uhr: |8~ Mitglieder-Versammlung im Gewerkschaftshause, Engel-llfer 13(Saal 1). TageS-Ordnung: Seriedt fiber den Stand der Aussperrung. Vollzähliges Erscheinen der Mitglieder wird verlangt, da wichtige Beschlüsse zu fassen sind. NB. Achtung! Von nächster Woche an werden graue Bercchtigungs- karten ausgegeben. Die Ausgabe findet nur Sonnabends von 4— IV Uhr im Gewerkschastshause(Kegelbahn) statt. 74/2 Die Streikleitung. freie Vereintpts äer Maurer Deutsehl Ortsvcrein Berlin. Abteilung sämtlicher?ntzer._ Freitag, den 10. August 1906, abends 8'/, Uhr: Mitglieder-Urrsammlung bei Wille, Brunneustraste Nr. 188. Tages-Ordnung: 130/6» 1. Ist die Abteilung der Putzer innerhalb der Freien Vereinigung notwendig und berechtigt? Referent Kollege Julius Gehl. 2. Diskussion. NB. Von 8 Uhr an werden in der Versammlung Beiträge kassiert und Mitglieder ausgenommen.— Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Forstand. Stettin- Skandinavien vormittslst iiocllslsgant; mit allem Komfort eingerichteter Srhnelltlampfer Sleltin-Kopenhagen-Chrisliania Fredenkehavn) jeden Sonnabend und Mittwoch nachm. 2'/, Uhr. Sleltin-Kopenhagen-Golhenburg iede�chms1?/JuuhF"i,a.0 Prospekte gratis und franko durch 124/7* Gast, netzler, Stettin P. Del Forenede Dampskibs Selskab Kopenhagen. Arbeitsnachweis: Vorwaltungsstelle Berlin Hauptbureau: Zimmer 34, Amt 4, 3353. Engel-Ufer 15. Zimmer 1—5, Amt 4, 9679. Sonntag, den 18. August, vormittags 10 Uhr: ZÜttgUeäer- Versammlung aller in den SrnsUUenverker» beschäftigten Kollegen und Kolleginnen Im Gewerhsehaltshaas, Engel-L'fer 15, Saal 5. TageS-Ordnung: 1.„Die Entwickelung der Arbeiterbewegung". Rcsercnt: Koll. Mahle. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. 2ur Beachtung! Mitglieder, welche noch im Besch von Bibliotheksbüchern find. machen wir noch einmal aufmerksam, daß dieselben so schnell wie möglich abzuliefern sind, um eine unnötige längere Schließung der Bibliothek zu vermeiden. Die Vorort-Bibliothekcn brauchen nicht geschlossen zu werden. Wir machen hierdurch aufmerksam, daß die Erwerbslosenunterstützung in �irNN�eitA�liiieN nicht, wie früher angegeben wurde, an zwei Tagen in der Woche, sondern täglich, mit Ausnahme Sonntags, von 9 bis 2 Uhr, im Zimmer 34, Engel-Use» 15, in Empfang genommen werden kann,>23/14 Die Ortsveewaltung. Zentralverband der Steinarbeiter. Berlin I. Freitag, den 10. August 1906, abends 8 Uhr: Mitglieder- Uersammlung im„Englischen Garten-, Alexauderstrafte Nr. 87 e. TageS-Ordnung: 172/20* 1. Antrag der Verwaltung: Beitragserhöhung. 2. Antrag der Ver- waltung: Einsühnmg eines OrtSstawts, 3. Unterstützungsgcsuche. 4, Der jeweilige Stand der Aussperrung in Berlin und des Streiks im Muschel- kalkgebietc, 5. Verschiedenes, Kollegen, in dieier Versammlung darf niemand fehlen k — Ohne mtglledsbacb kein Zatrltt! Die Statistik wird nur noch in dieser Versammlung abgenommen. Auch ersuchen wir, endlich mit den Billetts vom«ommersest abzurechnen. Der Forstand. I.A.: Hanschke. H. Zimmermann Berlin SO. Jnweücr Oranienstr. 206 Gold- und Silberwaren-Fabrik, Uhren-Großhandlung. 16691.» Eigene Werkstatt für Neuarbeit u. Reparatur. Streng reell.— Billigste Preise. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt j Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. GardinenhanS Große granksurler. sfraße 9, parterre. 1) Fahrräder, Teilzahlungen. Berg. straße 28, Skalitzcrstraße 4V, 1663K» Deppichel(sehlcrhasle) in allen Größen sür die Halste de» Wertes im Teppichlager Bräun, Hackescher Markt 4, Bahnbos Börse, 266/14» Hochvornehme Herrcnaiizüge. SommerpalctotS, die aus seinste» Maßstosien gescrtigt wurden, 18 bis 38,00, Herrenhosen 7—12,00 verkanst täglich, Sonntags, Deutsches Ver- sandhaus, Jägerstraße 63, 1 Treppe, Kleiderspiud 20 Mark, Kommode 21, Vertiko 29, furniertes Kleider- spindvertiko, modern 4V, Fäulen- schränke 54, Garderobenschränke 38, Waschtolletten 21. Ruhebett 27, Schlas- sosa 38. Muschclbcttstclle, englische Schlaszimmer, Küchcninvbcl. Auch Teilzahlung. Transport frei. 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Fesser, Krantstrafie. für Kartonarbeiter, u, sür Galantcricarbeiler die Firma Alo/rs 8«ik, Reaiiderftr. 4. Vor ArbeitSanua hnie in den Ver- bandsbctricbcu, auch durch den pari- tauschen Facharbcitsnachwcis ist Jn- sorniatiou aus dem Bureau, Engel- user 15 II, Zimmer 21, einzuholen. 24/12 Die QrtSverwattuug. Achtung! Achtung! In der Pianofabrik von Bell Ar Co.,?l»drcasstr. 32, Haben sämt- liche Kollegen wegen LoHndiffcrenzen die Arbeit nicdci gelegt, 111/16» Znzng ist fernzuhalten. Vcrcinigong der Muzikinslrunienteii. arbciler. PerantMprtl. KÄatteur/ UtrffötmuJP* jßüStoÄW* Süf dSt �niuotcnltU vtuaitD.; TS. QiUit, Berlill. Axuck u. Lpllag: gsiümti Buchdiuckerei u. BttläüsgnMt Paul Wim& Es., iöwlio SVY,