Mr. 195. RbonnementS'Bedltiatmsen: BScmnementS, PreiZ ptSnunistanbo: SJiectcljiifjii. 3,30 MI,, monall. 1,10 m.. wöchenUich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Numnier S Psg, Sonntags. Nummer mit illustrierter Sonntags« Beilage.Die Neue Well' 10 Psa, Post. «bonnemeni: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-geitungZ. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonneuienls nehmen an: Belgien. Dünemarl. Holland, Italien, Luremburg, Portugal, RumSnien, Schweden und die Schwei». iioeW 2B. Jahrg. vlchilal»glich silLil lllolilZg». Vevlinev Volksblakk. ZcntY&lovg&n der rozialdcmokratifchcn parte» Deutfchtands. Die TnlcrtionS'Gebülir ecltSgl für die sechsgespaltene Kolonel» »eile oder deren Raum W Psg., für politische und gewerkschaslliche Vereins- Und Bersaininlungs. Anzeigen 30 Psg. „Kleine Hnieigen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf« slelleN'Anzeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 18 Buchstaben zählen für zwei Wort«, Inserate sür die nächste Nummer müssen biS S Uhr nachmittags in der Expedition odgkgeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geösfnet, Telegramin. Adresse: „SMiallKmolirai Ecrlin". Rcdahtion: 8CCI. 68, Lindcnstrasse 69. Sentifiicdicr: Amt IV, Nr. 198». Donnerstag, den 23. August 1906. Expedition: 8M. 68, Ltndenstraose 69. Zternsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Organisation der Candarbcitcr.** Unsere Presse, sozialdemokratische Versammlungen und Konferenzen erörtern in letzter Zeit lebhaft die Frage der Organisation der Landarbeiter. Wenn es sich bei den in- dustriellen Arbeitern von selbst versteht, datz sie politisch und gewerkschaftlich organisiert sein müssen, so muß man bei den Landarbeitern erst erwägen, ob es zweckmäßig ist, zurzeit und unter den gegenwärtigen Verhältnissen beide Formen der Organisation gleichzeitig zu propagieren oder erst eine der anderen vorzuziehen und zur Durchführung derselben alle Mittel anzuwenden. Wie die Verhältnisse auf dem Lande in Ost- und Westpreußen liegen— und sie dürften wohl auch maßgebend sein für die meisten anderen agrarischen Landes- teile— halte ich die gewerkschaftliche Organisation der Land- arbeiter in einer der bereits bestehenden, als auch in einer neu zu schaffenden Gewerkschaft, gegenwärtig für unzweckmäßig und auch undurchführbar. Um so eifriger und nach- haltiger muß dagegen die Agitation für die politische Orga- nisation dieser entrechteten, unter den schamlosesten Ausnahme- esetzen schwer leidenden Landarbeitersklaven betrieben werden ge �ch weiß, daß ich mit dieser Ansicht wohl auf heftigen Wider- stand bei den Gewerkschaften stoßen werde. Jahrelange praktische Erfahrung bei der Agitation unter den Landarbeitern haben mir aber diese Ueberzeugung beigebracht. Die meisten Landarbeiter stehen als Jnstleute. Depu- tanten, Gespannleute, Schmiede, Gärtner, Stellmacher, Knechte und Dienstboten gegen Lohn und Deputat in kontraktlichem Dienst bei den Besitzern. In der Hauptsache erhalten diese ihren Verdienst in freier Wohnung, Ackerland und Naturalien, dagegen sehr geringen Barlohn. Wenn nun, wie es in Ost- Preußen üblich ist, der verheiratete Landarbefter monatlich R M bares Geld als Lohn erhält, wie sollte es ihm wohl möglich sein, die monatlich 1,20 oder gar 1,50 M. betragenden Beiträge für den Land- und Fabrikarbeiterverband dauernd zu zahlen. Er würde auch nicht die viel niedrigeren Beiträge für eine etwa neu zu schaffende Sektion der Landarbeiter dieses Verbandes zu zahlen imstande sein. Ganz abgesehen davon, daß eine Landarbeitergewerkschaft, wenn sie wirklich ihren Mitgliedern Vortelle bieten will, der schwierigen und kost- spieligen Agitation und Verwaltung wegen gar nicht mit niedrigen Beiträgen florieren kann. Noch schwieriger würde es sein, von den unverheirateten Scharwerkern, Knechten und sonsttgen ländlichen Dienstboten die Beiträge einzuziehen, da diese sehr oft nicht nur sehr geringen Barlohn, sondern diesen auch in längeren Zwischenräumen und unpünktlich erhalten. Aber auch selbst die Freiarbeiter auf dem Lande, die weder stete Wohnung, noch Ackerland und Naturalien, sondern etwa in der Erntezeit durchschnittlich pro Tag 2,50, sonst aber nur 1,20 bis 1,50 M. Pro Tag verdienen, bald hier bald dort arbeiten und auch öfters arbeitslos sind, werden regelmäßige Beistäge von 20 bis 35 Pf. kaum bezahlen. Denn bei schwachem Verdienst, oder wenn sie nicht Gelegenheit haben, pünktlich jede Woche an irgend eine bequem zu erreichende Zahlstelle ihre Beiträge abzuladen, werden Reste ansammeln, die nicht nachgezahlt, und schließlich zur Streichung vieler Mitglieder Veranlassung geben werden. Aber selbst wenn man der Fluktuation der Mitglieder, mit der ja jede Gewerkschaft zu rechnen hat, die aber bei der gewerblichen Landarbeiterorganisation viel größer sein würde, weniger Bedeutung beimessen möchte, so bleiben doch noch eine Menge Hindernisse bestehen, die gegen die Möglich- keit des Bestehens einer gewerkschaftlichen Landarbeiter- organisation in der gegenwärtigen Zeit sprechen. Zunächst tritt immer die Frage in den Vordergrund: „wie denkt man sich die Verwaltung einer Landarbeiter- organisation", wenn man den Mitgliedern wirklich. nennens- werte Vorteile, wie sie die Industriearbeiter zweifellos durch ihre Organisationen haben, bieten will, als da sind: Ge- Währung von Rechtsschutz, Durchführung einer Lohnbewegung, selbst wenn man die Erörterung darüber, ob ein Landarbeiterstreik unter den bestehenden Ausnahmegesetzen durchführbar ist oder nicht, ganz aus dem Spiele läßt. Die UuterMtzung der Gemaßregelten, Arbeitslosen und Krankenunterstützüng. Und wie schwierig, oft ganz unmöglich wird es sein«. Vertrauens- leute auf den verstreut liegenden Dörfern und Gütern zu finden, die fähig sind, den vielen notwendigen statutarischen Rechten und Pflichten der Mitglieder Geltung zu verschaffen. Ungeheueren Schaden und unberechenbare Folgen für die Gewerkschaften und die Partei würde es aber haben, wenn in diesem oder jenem Punkt die Organisation versagen, ihren Mitgliedern gegenüber nicht alle gegebenen Versprechungen, die ohnehin von den unwissenden Landarbeitern sehr weitaus- gedehnt und falsch begrenzt werden, halten könnte. Daß für eine Landarbeiterorganisatton ein ganz apartes Organ geschaffen werden müßte, halte ich fürselbstverständlich. Herstellung und Ver- trieb desselben an die Mitglieder würde aber auch sehr schwierig und durch die notwendigen Portoausgaben sehr kostspielig sein. #) Die Frage der Landarbeitcrorganisation hat augenblicklich wieder ein gewisses aktuelles Interesse gewonnen. Wir glauben deshalb im Sinne unserer Leser zu handeln, wenn wir diesen Me diese gewalftgen Schwierigkeiten und Hindernisse 'zusammengefaßt, dürften für praktische Kenner der Land- l arbeiterverhältnisse doch Wohl maßgebend sein, um die Pro- ' pagierung der gewerkschaftlichen Laudarbeiterorganisation vor- läufig in den Hintergrund zu stellen. Dafür sind aber alle Kräfte und vorhandenen Mittel daran zu setzen. um die langsam, aber sicher in Fluß kommende, politische Landarbeiter-Organi- safton zu fördern und weiter auszubauen. Diese Organisation ist so schwierig und erfordert so viel Energie, daß keine Zeit und Kraft zur Aufstellung von Problemen und theorettschen Erörterungen, die in letzter Zeit schon soweit gingen, das Ge- lingen eines Landarbeiter-Massenstreiks in baldige Aussicht zu stellen, zu verlieren ist. Erst wenn ein großer Prozentsatz der Landarbeiter politisch organisiert sein wird und man nnt diesen politisch aufgeklärten ländlichen Wählern die Junker und Pfaffen aus den Parlamenten getrieben, erträgliche Gesetze und mehr Freiheit für das ländliche Proletariat errungen haben wird; wenn durch die fortgesetzt sich steigernde Arbeiternot die der- alteten Kontrakte und Ausnahmegesetze außer Kraft gesetzt, etwas bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen Platz gegriffen haben werden, und damit die Vorbedingungen für das Be- stehen einer gewerkschaftlichen Organisation geschaffen sind, dann führe man sie für die Landarbeiter ein. Wenn in der Industrie meist die gewerkschaftliche Organi- safton der politischen Organisafton voran zu gehen pflegt, dann gilt für die Landwirtschaft gerade das Gegenteil, infolge der verschiedenartig liegenden Verhältnisse. Durch ununterbrochene Agitation müssen die infolge von Unter- drückung und Entrechtung unzufrieden gewordenen Landarbeiter, die zwar für die Sozialdemokratie gewonnen, aber doch nur lose an dieser hängen, zu klassenbewußten Sozialdemokraten erzogen werden und aus Ueberzeugung in die politische Orga- nisation hineingelangen. Diese. darf nur ganz geringe Bei- träge von den Landarbeitern verlangen. Die politischen Landarbeiterorganisattonen müssen vorläufig noch kräftig durch Zuschüsse aus der Parteikasse unterstützt werden. Eine ganz neue, dem Landarbeiter verständliche AufklärungSliteratur muß geschaffen werden. Mehr, die Landarbeiterverhält- nisse kennende Agitatoren müssen angestellt werden. Der Landarbeiter niuß die Zwecke und Ziele der Sozialdemokratie begriffen haben und nicht nur ein durch Not und Elend in die Arme der Sozialdemokratte getriebener, nach augenblicklichen materiellen Vorteilen haschender Prole- tarier sein. Dann erst ist er reif für die gelverkschaftliche Organisatton. So lange noch 75 Proz. der Landarbeiter bei der Reichstagswahl den konservativen Stimmzettel ab- geben oder aus Teilnahmslosigkeit der Wahl fernbleiben, ist für eine gewerkschaftliche Landarbeiterorganisation in Deutsch- land kein fruchtbarer Boden. Beitrag eines in der Landagitation praktisch tätigen Genossen der Oeffenllichkeit übergeben, ohne uns mit demselben in allen Punkten zu identifizieren. Die russische Revolution. Die Verfolgung der Dumamitglieder wird eifrig aufgenommen. Wir verzeichnen folgende Meldungen innerhalb eines Zeitraums von drei Tagen: , P r i d a k p r 0 w s k y K r a j": Die Polizei erschien, um den Abgeordneten Tarasenko zu verhaften, er war aber abgereist; sein Bruder wurde verhaftet und in Gluchow ins Gefängnis ge- bracht. „Stepnoj Pioner": Es verlautet, daß der Abgeordnete I s ch e r s k y, während er in Omsk fSibirienf erwartet wurde, auf der Eisenbahn vor Petropawlowsk verhastet wurde. „Rußkija Wedomosti"(16. Aug.): In Kamenka, Gouv. Pensa, versuchten die Behörden, den Abgeordneten W r a g 0 w zu verhaften. Das Boll widersetzte sich: der Jsprawnik feuerte, wurde aber selbst durch geworfene Steine getötet. Das Volk ist entschlossen, Wragow nicht verhaften zu lassen. Eine Strafexpedition wurde aus Pensa entsandt.„Wolschski Westnik': Die Polizei erklärte dem Abg. G e r a s s i m 0 Iv, daß er sofort verhaftet werde, wenn er zu den Bauern von der Duma spreche. Telegramme der Russischen Agentur: Bcrdjansk, 19. August. Der ehemalige Dumaabgeordnete Prituza wurde im Dorfe Orlowka verhastet und ins Gefängnis transportiert.— Uma», 19. August. Gestern kam mit dem Abendzuge der ehemalige Duma- abgeordnete Fränkel an: er wurde auf dem Bahnhose verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Eine Falle der Revoluftonäre. Die„Nordd. Allg. Ztg." machte am 20. August die ziemlich be- langlose Meldung, daß der Verweser des deutschen Generalkonsulats in Warschau, Freiherr v. Lerchenfeld, am 14. August auf offener Straße von einer russische Offiziers uniform tragenden Person angefallen wurde und zwei Faust schlüge in die Schläfe erhielt, worauf der Angreifer in einer Droschke davon- fuhr. In Petersburg sei der lieberfall auf Weisung der deutschen Regierung alsbald diplomatisch zur Sprache gebracht worden, worauf die russische Regierung der deutschen Botschaft in einer amt- lichen Note am folgenden Tage ihr lebhaftes Bedauern über den Ueberfall ausdrückte und zugleich mitteilte, daß dem General- gouverneur in Warschau schleunigst die Weisung zugegangen sei, die energischesten Maßregeln zur Aufklärung des Vorfalls zu ergreifen. Außerdem stattete der Generalgouverueur von Warschau Frciherrn v. Lerchenfeld anläßlich des Vorfalls einen Besuch ab. Erst jetzt wird durch die Veröffentlichung des„Kurier War- czawski" bekannt, daß diese Jnsultierung des Konsuls eine Kriegs- lift der Revolutionäre war, um den Generalgouverneur aus feinem Palast zu locken, in dem er sich, stark bewehrt, verbirgt, den er sonst kaum verläßt. Als der Generalgouverneur am Freitag von dem Besuch beim Konsul zurück». kehrte, wurde daS Bombenattentat verübt, von dem wir nach den telegraphischen Meldungen in der Sonnabendnummer be- richtet haben. Nur dem Umstände, datz die ersten Bomben nicht explodierten und die Pferde des Wagens, scheu geworden, sofort davonrasten, verdankt der Generalgouverneur sein Leben. Vorwärts zu neuen Kämpfen I So klingt es aus allen Aeußerungen, die aus dem re- volutionären Lager bekannt werden. Der mißlungene Streik hat keine Entmutigung hervorgerufen. Weshalb er verloren ging, darüber schreibt ein Petersburger Genosse der„Leipziger Volkszeitung", nachdem er geschildert, daß, obgleich der erste Versuch der Sozialdemokratie, alle revolutionären Parteien nach der Dumaauflösung für einen allrussischen Massenstreik zu gewinnen, gescheitert war, die Sozialdemokratie nach dem Einlaufen der Meldung«: von den Militärmeutereien den Aufruf für den Massenstreik in Uebercinstimmung mit den Arbeiterdeputierten Petersburgs erließ. Gleichzeittg versuchte sie eine neue Konferenz der revolutionären Parteien zustande zu bringen, die denn auch in der Nacht vom 2. zum 3. August tagte. Verhindert war der Vertreter des Eisenbahnerverbandes, nicht rechtzeitig erscheinen konnte der Vertreter der polnischen Sozialdemokratie(P. S. D.) und der lettischen Sozial- demokratie. Dann fährt er fort: ... Auch diesmal waren zu Beginn der Verhandlungen nu», das Zentralkomitee unserer Partei, die Vertreter unserer Duma« fraktion und die Vertreter der Gruppe der Arbeit für die sofortige Proklamierung des allrussischen Massenstreiks. Der Vertreter des Zentralkomitees des Bundes äußerte sich in dem Sinne, daß es eigentlich vorteilhafter wäre, wenn der allgemeine politische Massenstreik später begonnen hätte, aber in Anbetracht der ver- änderten Sachlage(Aufstände in Sveaborg und Kronstadt und Proklamierung des Streiks in Petersburg) sei er schließlich doch für eine sofortige Inszenierung des allrussischen Massenstreiks. Der Vertreter der P. P. S. erklärte, das polnische Proletariat werde immer das russische unterstützen und dem Appell der P. P. S. folgen, aber jetzt, wo in Polen der Belagerungszustand herrsche, wo in Polen ungeheure Soldatenmcngen untergebracht seien, sei eS gefährlich, in Polen den Massenstreik zu wagen. Da- her schlug der Vertreter des Parteivorstands der P. P. S. vor, wenn der Massenstreik für Rußland beschlossen werden sollte, so möge man den Aufruf so unbestimmt formulieren, daß die Polen ihn als Aufforderung zu einem Solidaritätsstreik für eine be- stimmte Dauer auffassen könnten. Besonders interessant war das Verhalten der Vertreter der Sozialrevolutionäre. Sie führten eine Reihe von Argumenten gegen die Proklamierung des Streiks an. Vor allem betonten sie, in der bevorstehenden Bewegung müsse den Bauern die führende: Rolle zufallen. Darauf entgegnete der Vertreter der Gruppe der Arbeit, der revolutionären Bauerngruppe. Er sagte, die Be- wegung auf dem Lande werde nicht von einem Tage zum andern in Fluß kommen, aber, einmal entfesselt, ein halbes Jahr und länger dauern und werde von der einen Gegend zur anderen über- springen. Andererseits werde die Bewegung in den Städten die Bewegung auf dem Lande hervorrufen und beschleunigen. Die Sozialrevolutionäre erklärten ferner, man müsse nun- mehr den Soldatenrevolten freien Spielraum lassen, man müsse es den Soldaten auch selbst überlassen, einander zu unterstützen. Demgegenüber wurde von anderer Seite darauf hingewiesen, daß es ein Verbrechen sein würde, die Soldaten sich selbst zu über, lassen. Zuletzt beschloß die Konferenz einstimmig die sofortige Pro, klamicrung des allrussischen politischen Massenstreiks und arbeitete einen gemeinsamen Aufruf an das Volk aus. Wie verlief inzwischen der Streik in Petersburg? Besonderen Anklang fand die Streikagitation diesmal gerade bei den rück» ständigsten Schichten der Arbeiter; es schlössen sich ihr solche Prole. tarierschichten an, die während der Oktober- und Dezemberstreiks gearbeitet haben, die man zum Teil sogar als zu den schwarzen Banden gehörig betrachtet hatte. So ruhte die Arbeit in der Zuckerfabrik König, in der Gummimanufaktur, in der Tentelow-l schen chemischen Fabrik, alles Betriebe, in denen vornehmlich un- gelernte Arbeiter beschäftigt sind. Ferner streikten zirka 19 900 Bauarbeiter, alle Straßenbahner und zirka 2999.Droschkenführer. Die übrigen Kutscher erklärten sich auch zum Streik bereit. Die Handlungsgehülfen erklärten, sie würden sofort streiken, wenn ihr Zentralverband sie dazu auffordere. Die Arbeiter der Pulver- werke in Jschora bei Petersburg streikten, ihnen schloß sich das Jfchoraregiment an, das keinen Wachedienst mehr tun wollte. So mußten denn in diesem Regimente die Offiziere und Generäle Posten stehen!. Da kam etwas ganz Unerwartetes— die größten, meistens der Regierung gehörigen Fabriken, waren nicht zum Feiern zu bewegen! Die, Arbeiter dieser kolossalen Fabriken, die bisher immer im Vord'ertrefsen der Bewegung gestanden haben, weigerten sich auf das entschiedenste, in den Streik zu treten. An sich hatten diese Arbeiter nichts gegen den Streik, nur wollten sie die Garantie des Erfolgs haben, sie wollten die Gewißheit haben, daß auch die Eisenbahner sich wirklich dem Streik anschließen, daß der Streik wirklich allgemein sein werde. Noch mehr! Man konnte von den Arbeitern der Obuchow-Werke hören: Wir waren immer die ersten, wir werden auch diesmal der Bewegung beistehen. Laßt nur die Arbeiter der Putilow-Werke feiern, wir kommen sofort nach! Von den Arbeitern der Putilow-Werke bekam man das- selbe zu hören, nur daß man abwarten wollte, bis die Arbeiter der Obuchow-Werke ihren Betrieb zum Stillstand gebracht hätten! Die Eisenbahner, deren Streik die großen Werke zum Feiern ge- bracht hätte, sagten: wir sind zu schwach zum Streiken. Die- Kanonen der Strafzüge werden uns sofort über den Haufen schießen. Nur wenn alle streiken,-können wir uns dem Streik an- schließen. Ein Kampf, bei dem die Kämpfer nicht die ersten, tvohl aber die letzten sein wollen, hat natürlich von vornherein miserable Aussichten, und so ging der Petersburger Massenstreik eben ver- loreil. WaS mtn?— DaS ist die Frage, die jetzt bei jedem auftaucht, auftauchen mutz/ Auf diese schwierige Frage antwortet das Zentralkomitee unserer Partei in einem Sendschreiben«N alle Parteiorganisationen folgendermatzen: „Vor allem müssen wir selbstverständlich dem Proletariat die Lehren der letzte» Vorgänge auseinander setzen. Doch das ist zu wenig. Unsere Partei mutz alle ihre Kräfte darauf anwenden, um rechtzeitig den höchst gefährlichen Zwiespalt in den ver- schiedenen Schichten des Proletariats und der Armee zu beseitigen, der entstehen kann in Anbetracht ihrer verschiedenen Stellung zum letzten Streik. Gleichzeitig damit mutz unsere Partei ihr mög- lichsteS tun, damit die Arbeiterklasse den günstigen Augenblick zu einer allgemeinen politischen Aktion nicht verpatzt und die Re- aktion, dank der Zwietracht unter den revolutionären Elementen dcS Volkes, nicht festen Futz zu fassen vermag. Wenn der all- gemeine Streit des ganzen Volkes in diesem Augenblicke auch un- möglich ist, so mutz man sich desto mehr beeilen, günstige Verhält- nisse für einen solchen Streik zu schaffen." Das ist die Meinung des Zentralkomitees. Voll froher Zu» verficht und kampfeSmutig sieht es der Zukunft entgegen. Wenn der letzte Streik auch mitzlungen ist, die Arbeiter gehen unverzagt den kommenden Vorgängen entgegen. Die nächsten Kämpfe führen uns zum Sieg— das ist die allgemeine Ueber- zeugung. TageSmeldungen. Petersburg. Stolhpin äutzerte gegenüber einem Bekannten, datz die Gerüchte, Witte werde wieder das Miilisterpräsidium übernehmen, unbegründet seien. Er sei über die Stimmungen in Peterhof besser unterrichtet. Petersburg, 22. August. Trotz der offiziellen Dementis erhalten sich die Gerüchte, datz für die baltischen Provinzen, sowie für den Kaukasus und für Polen Lokaldiktaturen errichtet werden sollen. Moskau, 22. August. sTelegramm der Petersburger Telegraphen- Agentur.) In dem Vororte Ba>chilowka fand die Polizei in einem Privathause viele Waffen und eine Bombe. Dreizehn Personen wurden verhaftet. politilcde Ücbcrficht Berlin, den 22. August. Die schwarze Parade. ». E s s e n. 21. August.(Eig. Bcr.) Ein stattliches Heftchen von 16 Seiten, herausgegeben vom Lokalkonntee, gibt Auskunft über die mancherlei Veranstaltungen während des Essener Katholikentages. �Es ist eine schier endlose Reihe von Tagungen, Sitzungen und Festlichkeiten, denn der Katho- likentag hat noch einige Dutzende von Vereinen, Verbänden usw. nach Essen gelockt, die sich nach Kräften bemühen, mit Verhandlungen und Vergnügungen das Programm der schwarzen Parade möglichst bunt und umfangreich zu gestalten. Die übergrotze Anzahl dieser Beranstaltungcn hat wohl nur ein Interesse für die Nächst- beteiligten; nur der Seltsamkeit wegen mag hier der Sitzung des Lourdesvereins gedacht werden, dessen Vorsitzender sich be- mühte, die Bedeutung des„Gnadeuortes" ins rechte Licht zu rücken. Wie sehr auch, so meinte der Mann, die Feindschaft der glaubens- losen Welt gegen diese„Gnadenstätte" tobe, sie stehe fest und laste alle Angriffe von sich abprallen. In der Debatte wurde die katholische Presse beschuldigt, datz sie den„Verleum- düngen", die aus dem glauvensfeindlichen Lager gegen die Wunder- Wirkungen der Gnadenquelle erhoben würden, nicht entschieden genug entgegentrete; jeder Katholik müsse erfahren, datz das nicht Betrug sei, was sich in Lourdes ereigne, sondern die lautere, wunderbare Wahrheit. Die Versammlung faßte sodam, unter grotzem Beifall eine Resolution, worin die katholische Presse aufgefordert wird, die Widerlegung der„Verleumdungen", die feind- liche Blätter gegen Lourdes erheben, in ihre Spalten aufzunehmen. Danach scheint die Zcntrumspresse sich dem Wunderschwindel von Lourdes gegenüber ablehnend verhalten zu haben, sie soll nunmehr zum rechten Glauben zurückgeführt werden-- zur höheren Ehre der christkatholischen Weltanschanimg. Allgemeines und berechtigtes Interesse hat die heute morgen abgehaltene Generalversammlung des Volksvereins für das katholische Deutschland. Man nennt den Verein das.soziale Vermächtnis WindthorstS an das katholische Volk"; er ist bestimmt, die katholische Bevölkerung sozialpolitisch zu schulen und im Kampfe lvider den Unglauben und den Umsturz auszurüsten. Man braucht in die Lobpreisungen der Volksvereinsführer von der Bedeutung und den Erfolgen dcS M.-Gladbacher Unternehmens nicht einzustimmen, immerhin ist der Volksverein seiner Organisation und seiner Arbeit wegen in hohem Grade der Beachtung wert. Der Volksverein zählt jetzt S10 000 Mitglieder; er hat im letzten Jahre eine Zunahme von 10 000 zu verzeichnen. Der Jahresbericht gibt Kunde von einer überaus lebhafte» Tätigkeit; 2000 Volksversamm- lungen wurden abgehalten, 11'/« Millionen Schriften verbreitet. Von der halben Million Mitglieder kommen rund 800 000 auf Rheinland und Westfalen; bedenkt man, datz sich auf diese beiden Pro- vinzcn demgemäß auch die Hauptarbeit des Volksvereins erstreckt, so erkennt man, ein wie wirksames Kampfesmittel sich hier das Zentrum besonders für den Westen Deutschlands geschaffen hat. *** In der heutigen geschloffenen Generalversammlung ging bei schwacher Beteiligung die Abfertigung der in den Ausschüssen be- arbeiteten Anträge ihren gemächlichen, durch keinerlei Debatte beunruhigten Gang weiter. Die Anträge betrafen den Papst, die römische Frage, die Missionen, das Vereinswesen und derlei für die nichtkatholische Welt belanglose Dinge. Herr Gröber hat zwar gestern abend in der öffentlichen Versammlung die Weitherzigkeit des Katholikentages gerühmt, der nicht hinter verschlossenen Türen verhandele, sondern der Presse jeder Richtung Zugang gewähre— ein Beweis für die Lauterkeit und Friedlichkeit des katholischen Geistes. Indes diese Weitherzigkeit macht Halt vor den Türen der Ausschüsse, wo, wenn man Eingeweihten glauben darf, es zu wirklichen Auseinandersetzungen kommen soll. Und doch hätte an den Verhandlungen der Ausschüsse die Oeffent- lichkeit ein weitaus größeres Interesse als an den Parade- reden der glotzen Hurraversannnlungen und den Maschinen- mäßigen Abfertigung der Anträge in den geschlossenen Versamm- lungen oder gar den Offenbarungen des Lourdes-Vereines. � � Die öffentliche Generalversammlung von heute abend zeigte die Festhalle wieder bis auf den letzten Platz gefüllt. Vier Redner waren angekündigt. Zunächst redete OberlandeSgerichtsrat Burlage (Oldenburg) über die römische Frage, das alte, aber immer junge Thema der Katholikentage seit 1S71. Der Papst, der oberste Gesetzgeber, Richter, Lehrer und Seelenhirte muß, um seine Auf- gaben erfüllen zu können, frei sein; dazu bedarf er der torritorialen Souveränität. Doch ist der Katholikentag so gnädig, über den Aus- gleich des Papstes mit Italien keine Forderungen zu stellen; er stimmt jedem Ausgleich zu, den der Papst zu treffen für gut hält— ein Verhalten, das die Lösung der römischen Frage nicht als allzu dringlich erscheinen läßt. Der Klerikalismus ist bekannt wegen feiner Bildungsfeindlich- kcit; indessen das Volk fordert aus sich heraus seinen Anteil an den geistigen Gütern. Diesem Bestreben kann sich der Klerikalismus nicht entziehen und es ist ein Zeichen seiner Anpassungsfähigkeit, 'wenn sich nunmehr auch die Katholikentage mit der Frage der Volks». bildung außerhalb der Schule beschäftigen. Ritter V. Kralik(Wien) redete über Volksbildungsbestrebungen. Er verteidigt die Kirche gegen den Vorwurf der Bildungsfeindlichkeit; im Gegenteil: katholisch sein, heiße volksbildend sein. Die Kirchs vermittele wahre und allgemeine Bildung, während die Bildungsbestrebungen außerhalb der Kirche es an Klarheit und Wahrheit fehlen ließen. Professor Zahn(Stratzburg), der über die Erziehung der Jugend durch die Kunst redet, will die Jugend ge- schützt wissen vor der Kunst, die mit der christlichen Sittenlehre in Widerspruch steht. Der Jugend, so schließt er, nur die Kunst, die geboren ist aus dem unverfälschten Quell christlichen Glaubens— das heißt: die pfäffische Beschränktheit bestimmt, was dem Volke frommt, und ihrem Gebote haben sich Kunst und Wissen zu fügen. Der Klerikalismus kann auch nicht umhin, das Dasein einer Fraueufrage anzuerkennen. Lange begnügte er sich mit dem Spruche: Die Frau gehört ins Hausl— aber die EntWickelung hat auch die Ultramontanen gelehrt, datz eS mit diesem abweisenden Sprüchclchen nicht getan ist. Und so hat sich denn auch der Essener Katholikentag mit dem heiklen Thema beschäftigt. Ein Geistlicher, SemiuarpräseS LauSberg(Köln) war ausersehen, die Fraueufrage vom christlichen Standpunkte aus zu beleuchten. Die„christliche Frauenbewegung" legt den Hauptwert auf das ethische Moment, nach ihm erst kommt das wirtschaftliche; sie fordert nicht die völlige Gleichberechtigung der Frau mit dem Manne, sie geizt nicht nach politischen Ehren und verlangt nicht nach dem Stimmrecht für die Frau. Der Beruf für Haus und Familie steht in erster Linie, daneben aber kommt die Erziehung zur selbständigen Lebensstellung, damit die Frau auch widrigen Umständen gewachsen sei. Lausberg fordert daher die Er- Weiterung des weiblichen Bildungswesens, aber damit im Zusammen- hange mutz der Geist des Christentums und der Einfluh der Kirche auf die Erziehung der Mädchen, die selbstverständlich nur konfessionell sein kann, gekräftigt werden; vor allen Dingen darf das„hehre Ideal der christlichen Ehe" bei allen diesen Bestrebungen nicht ge- trübt werden. Ergebnis der vielen Reden des heutigen Abends: Der Klerika- liSmuS kann alles, er tut alles und bewilligt alles für das Volk; er gibt den Arbeitern Kunst und Bildung und der Frau ihren Anteil am Leben— aber alles nur soweit eS sich mit dem christlichen Glauben verträgt, d. h. soweit es die Masse in der Abhängigkeit von der herrschenden Klasse und ihrer Verbündeten: der Kirche, erhält. Wozu befänden wir uns denn auch auf einem Parteitage des Zentrums!—_ Amerika in Preußen. T)ie Enthüllungen über die skandalösen Zustände in den Chicagoer Schlachthäusern haben mit Recht das Aufsehen der gesamten Kulturwelt erregt. Datz in Preutzen ähnliche, wenn auch nicht ganz so ekelhafte Erscheinungen bei der Bearbeitung von Lebensmitteln zutage treten, dafür finden wir die besten Belege in der Denkschrift über das Gesundheit s- Wesen des preutzischen Staates, die im Auf- trage des Kultusministers von der Medizinalabteilung be- arbeitet ist, also Wohl turmhoch über dem Verdacht der Be- einflussung durch sozialdemokratische„Hetzer" steht. Die Schilderungen, die uns hier von den Arbeitsräumen in manchen Bäckereien und Schlächtereien gegeben werden, spotten jeder Beschreibung. So wird u. a. aus E l b i n g und Marienburg be- richtet, datz gegen mehrere Bäckereien wegen Unsauberkeit, Fehlens einer gehörigen Abwässerbeseitigung und von Lüftungsvorrichtungen vorgegangen werden mutzte. Sojjar im Landespolizeibezirk Berlin hatten die Fleischereien vielfach mangelhafte Arbeitsräume. Im Regierungsbezirk Potsdam und in einzelnen Kreisen der Regierungsbezirke Frankfurt und Stettin zeigten die Werkstätten erhebliche Un- sauberkeit. In B e l g a r d fand die Verarbeitung der ge- schlachteten Tiere in höchst engen und schmutzigen Räumen statt. In Posen liegen die Fleischerwerkstätten oft in Kellern, in denen es an Licht und darum an Sauberkeit, an Ventilation und Einrichtungen zur Abführung der Schmutz- Wässer fehlt; auch in vielen Bäckereien herrschen diese Uebel- stände. In Bad Warmbrunn und in Hermsdorf, Kreis Hirschberg, lagen die Arbeitsräume der Bäcker oft dicht an Abtritten und Senkgruben. Im Landkreise R a t i b o r dienten in zwei Fällen die Backstuben zugleich als Schlaf- räume, einmal sogar als Kinderstube. Recht appetitlich scheint es auch imZ e i tz zuzugehen. Hier hatten in sehr vielen Bäckereien die Bäcker sehr verschmutzte Fingernägel, in anderen Backstuben wurden Knochen und Kartoffelschalen auf dem Backofen gedörrt und die Wäsche getrocknet. In der Hälfte der Arbeitsstätten und sehr oft auch in den Schlaf- stnben des Personals fehlten Waschvorrichtungen. In R o tz l a diente in einer Bäckerei die Backstube auch als Wohnraum, in Hohlstedt, Kreis Sangerhausen, diente das Gcmeindebnckhans sogar als Gänsestall. Im Re- gierungsbezirk Hannover waren die Werkstätten für Bäcker und Schlächter oft schmutzig und schlecht gelüftet. In einer Backstube im Regierungsbezirk Münster geschah die Reinigung nach Angabe des Bäckermeisters nur einmal im Jahre durch Abkratzen der dicken Teigkruste, mit der der Fuß- bodc» bedeckt war. In einer anderen Bäckerei schliefen die Gesellen in den Ruhepausen auf den Backtischen. Auch im Regierungsbezirk Arnsberg wurde über Unsauberkeit in Bäckereien des öfteren geklagt. Arge Mißstände, die man kaum für möglich halten sollte, brachte eine unvermutete Be- sichtigung von 20 Bäckereien in Krefeld zutage: In 1l) Bäckereien wurde der Schwarzbrotteig von den Angestellten mit den Füße» geknetet; eine Backstube stand mit einem Abort in nächster Verbindung; ein Lehrling, der ein Ge- schwur an der Hand hatte, beschäftigte sich anstandslos mit Backen, und eine ganze Reihe von Backstuben dienten als Aufenthaltsort für Katzen und Hühner. Aehnliche Mißstände fanden sich auch im Kreise Kempen vor. Im Regierungs- bezirk Köln unterzogen die Kreisärzte mit dem Gewerbe- inspektor Schlächtereien und Bäckereien einer Besichtigung, die eine überraschend große Zahl bedenklicher Mängel ergab. Ungeeignete Räume wurden benutzt, Waschgelegenheiten fehlten und Unsauberkeit herrschte bei der Herstellung und Aufbewahrung der Waren. Gleichfalls wurden in Aachen überall böse Zustände festgestellt. In einzelnen Bäckereien werden Hunde zum Betrieb der Knetmaschine verwandt. Auch im Regierungsbezirk Trier ließ die Reinlichkeit in Backstuben und Schlachtwerkstätten sehr viel zu wünschen übrig. Selbstverständlich geben diese Berichte kein vollständiges Bild der in Bäckereien und Schlächtereien herrschenden ge- nieingefährlichen sanitären Zustände. Wir wissen ja, datz die Zahl der Beamten so gering ist, datz nur ein kleiner Bruchteil der Betriebe inspiziert werden kann. Zweifel- los würden, wenn mehr Inspektionen vorgenommen werden könnten, noch ganz andere Zustände ans Tages- Mt kommen. Ebenso wie die eigentlichen Arbeitsräume sind auch dls Schlafstellen der Gesellen und Lehrlinge in bezug aus Sauber- keit, Rauminhalt u. dgl. höchst mangelhaft. Aus E l b i n g und Marienburg wird berichtet, datz die Schlafstellen vielfach zu wünschen übrig ließen, im Bezirk B e l g a r d mutzten die Schlafstätten für Lehrlinge von Bäckern und Fleischern mehrfach beanstandet werden, im Regierungsbezirk H i l d e s h e i m entsprachen nach Ansicht des Kreisarztes die Schlafräume der Gesellen und Lehrlinge oft selbst nicht den bescheidensten Anforderungen, und ähnlich ist es fast überall bestellt. Wenn irgend etwas, so beweisen diese amtlichen Mitteilungen die Berechtigung der Bestrebungen der organi- gierten Arbeiterschaft auf Beseitigung des Kost- und Logis» Wesens. Man wende nicht ein, daß solche ekelerregenden Zustände, wie sie hier amtlich bestätigt werden, mit den: Wesen des Be- triebes in Verbindung stehen und dadurch bedingt sind. Wer einmal Gelegenheit gehabt hat, die mustergültigen Ein» richtungen von Konsumvereinen kennen zu lernen, der wird wissen, datz sich bei gutem Willen alle diese Mißstände aus der Welt schassen lassen. Aber entweder sind die in Frage kommenden Arbeitgeber von dem gleichen Streben, wie die amerikanischen Grotzkapitalisten beseelt, datz sie Leben und Gesundheit ihrer Mitmenschen freventlich aufs Spiel setzen, um sich ihre Taschen zu füllen, oder aber es sind kleine Krauter, die im Kampf gegen das Großkapital zu so nichts- würdigen Matznahmen greifen. In beiden Fällen handelt es sich um Begleiterscheinungen der kapitalistischen Wirt- schaftsordnung. Wir können dem preußischen Kultus- Ministerium nur Dank wissen, datz es uns— wenn auch wider Willen— eine so wirksame Waffe im Kampfe gegen die heutige Gesellschaftsordnung in die Hand gegeben hat.— DeutTcbeo Reich* Graf Strachwitz und das Zentrum. Wir nagelten vor einigen Tagen die skandalösen Aus- lassungen fest, die ein Mitglied der preutzischen Zentrumsfraktion, Graf Strachwitz, unlängst in der„Deutschen Tageszeitung" über die Notwendigkeit weiterer ii: direkter Steuer- belastungen der nichtbesitzenden Klasse gemacht hatte. Ja, dieser Zentrumsagrarier hatte die Regierung direkt dazu aufgefordert, für den Fall, datz selbst eine Auf- lösung des Reichstags keine Majorität für derartige Steuckm ergebe, Hand an das bestehende Reichstagswahlrecht zu legen! Wir warfen die Frage auf, ob wohl das Zentrum die Energie zeigen werde, diesen reichswahlrechtsfeindlichen Junker aus der Zentrunisfraktion des preutzischen Ab- geordnetenhauses kurzerhand hinauszubefördern! Es scheint nun, datz man diese Konsequenz nicht zu ziehen gewillt ist. Wohl erklärt die„Köln. Volksztg.", datz die Zentrumspartei „all und jede Mitverantwortlichkeit" für diese Kundgebung des Grafen Strachwitz„ablehne", auch läßt das rheinische Zentrumsorgan durchblicken, datz es den: Grafen keine Träne nachweinen werde, wenn er freiwillig seinen Austritt aus der Fraktion vollziehen werde— allein einer z w a n g s* weisen Hinausbeförderung des scharfmacherischen Zentrums- agrariers wagt auch die„Köln. Volksztg." nicht zu empfehlen! Das Zentrumsblatt weiß nur zu genau,� datz Graf Strachwitz mit seiner Auffassung nicht isoliert steht. Es weiß, wie stark gerade im preußischen Zentrum � die agrarischen und arbeiterfeindlichen Tendenzen vertreten sind! Es weiß, datz der gräfliche Scharfmacher innerhalb der Fraktion einflußreiche Unterstützung finden würde. Und mit Recht erinnert die„Bresl. Ztg." daran, datz ja des Grafen Strachwitz programmatisches Wort; „Das Zentrum wird agrarisch sein oder es wird nichjj sein", tatsächlich in der Zentrumspolitik seine vollste E.x, füllung gefunden hat. Das Zentrum kann deshalb gar nicht das T i s ch t u 3J zwischen sich und den diese Politik beherrschenden Zentrums- agrariern zerschneiden. Auch der Einfluß, den der durchaus agrarische rheinischeBauernverein auf seine Politik ausübt, macht das zu einer Unmöglichkeit. Deshalb sucht sich die Zentrumspresse dadurch aus dem Dilemma zu ziehen, daß sie— ein überaus wohlfeiles, aber zu nichts verpflichtendes Mittel— die Auslassungen ihres Fraktionsmitgliedes einfach desavouiert. Wir werden freilich fortfahren, darauf hinzuweisen, datz das Zentrum einen Wahlrechtsfeind in seiner Fraktion dnldet!—_ Gegen das Frciziigigkcitsrecht i Das Organ Knuten-Oertels fährt fort, die Regierung scharf zu machen, den ländlichen Arbeitern das Recht der Freizügig- keit zu eskamotieren. Die„kleinen Mittel" der Zulassung aus- ländischer Lohndrücker usw. reichten nicht auS, die„Leutcnot" zu beseitigen.„Durchgreifende, große Mittel" seien unbedingt am Platze. Die Regierung soll Fürsorge treffen,„daß die Landwirtschaft heimische Arbeiter in genügender Menge habe und halten könnte." Wie das geschehen mutz, will die„Deutsche Tageszeitung" später auseinandersetzen. Vorläufig versichert sie, „daß es ohne ein kräftiges Beschneiden der ungesunden Auswüchse der sognaunteu Freizügigkeit nicht abgehen wird." Gleich- zeitig bezeichnet das Organ des Bundes der Landwirte schon die bloße Erörterung des Gedankens der Gewährung dcS Koalitionsrechtes an Landarbeiter als„ein frevel- Haftes Spiel mit dem gefährlich st en Feuer." Man sieht, den Junkern kommt heute der Appetit beim Esten. Die Milliarden des Brot- und Fleischwuchers mit seiner, wie statistisch nachgewiesen ist, Herabdrückung der Lebens- Haltung des industriellen Proletariats hat den agrarischen Heißhunger keineswegs gestillt, sondern erst recht rege gemacht. Nim soll durch Beseitigung der Freizügigkeit auch dafür gesorgt werden, daß die Agrarier die Zollbeute auch ganz allein ejnz.U heimsen vermögen, so daß für die Land- Proletarier nicht einmal Brosamen von der reichgedeckten Tafel der „Strohdachflickenden" abfallen I Die„Freisinnige Zeitung" widmet den agrarischen Scharfmachern folgende Zeilen: „Die Agrarier täuschen sich sehr über die Wirksamkeit der von ihnen erhobenen Forderungen zur Einschränkung der Freizügigkeit. Jede Verkümmerung des Rechts, Arbeitsgelegenheit zu suchen, wo sie am günstigsten zu finden ist, würde nicht den Landwirten neue Arbeitskräfte sichern, bielmehr auch die vorhandenen Ar- beiter zum Teil noch entziehen und diese ver- anlassen, den Staub der deutschen Heimat von den Füßen zu schütteln, um jenseits des Meeres in fremden Ländern ihre Arbeitskraft zu verwerten. Für die Sozialdemokratie»vürde jede Antastung der Freizügigkeit zur Kräftigung ihrer Agitation hoch willkommen sein, weil ihnen dadurch wieder Scharen von Zuläufern zugeführt werden würden, und auch bei den Parteien der bürgerlichen Linken würde die Regierung auf heftigen Widerstand stoßen, wenn sie entsprechend der Forderung des Organs des Bundes der Landwirte Miene machen wollte, die Freizügigkeit einzuschränken. Darum ist die Lockung der „Deutschen Tagesztg." ein Spiel mit gefährlichem Feuer."— 10U Proz. Maklcrvcrdicnst! Die»Liberale Korrespondenz" schreibt: „Bei der Postverwaltung erhalten alle Bewerber, die für den Tropcndienst als geeignet befunden sind, zugleich mit der Einberufung ein Zirkular, worin sie darauf aufmerksam gemacht werden, daß es sich für sie empfehle, die für den Tropendienst nötigen Requisiten sich durch die Firma Tippelskirch zu beschaffen, die hierin besonders leistungsfähig sei. In einem uns mitgeteilten Falle hat ein Postbeamter, der zufällig die Bezugsquelle der Finna Tippelskirch in Erfahrung gebracht hatte, für dieselben Schuh waren, wofür die Finna Tippclskirch 35 M. forderte, bei der Lieferantin von Tippclskirch l« M. bezahlt. Neugierig fragt die„Voss. Ztg.": Wieviel von dem Profit hon 17 M. entfielen auf Herrn oder Frau v. Podbielski?— Wo werde ich denn! In der„Frankfurter Zeitung" wird mitgeteilt zu dem Hinweis der Presse, daß zwar der frühere Kolonialdirektor Dr. Stübel gegen verschiedene Blätter Klage erhob, als er beschuldigt wurde, daß er bei Tippelskirch beteiligt fei, daß der gleichfalls beschuldigte Podbielski aber ruhig geblieben sei: „Wir glauben zu wissen, daß damals Herrn v. Podbielski vom Reichskanzler in irgend einer Form, vielleicht in Form einer Anfrage oder eines guten Rates, nahegelegt worden ist, gleich- zeitig Strafantrag zu stellen. Podbielski lehnte in seiner für gewöhnlich als jovial bezeichneten, eigentlich aber auch anders zu charakterisierenden Art mit den Worten ab: Wo werde ich denn' Stübel ist beleidigt, weil er Einfluß auf die Vergebung der Liefe rungen hat. ich nicht." Gleichzeitig erließ die Firma Tippelskirch eine entsprechende Erklärung. Damit war der Versuch, damals schon eine Aenderung der ganzen Angelegenheit herbeizuführen, gescheitert. Die Meldung zeigt, daß der Kanzler zwar sich dazu auf- geschwungen hat. dem unempfindlichen Pod eine saufte Mahnung zu- kommen zu lassen, daß er aber gegen die burschikose Ablehnung„Wo werde ich denn l" nichts weiter zu'' unternehmen wagte. Ob ihm, der ja von der Sache wußte, die Uebertragung der Beteiligung an die Frau doch für die Beleuchtung in der Oeffcntlichkeit nicht besonders geeignet erschien? Der Vorgang zeigt jedenfalls wieder einmal, daß der Kanzler nicht bloß gegen die„maßgebende Persönlichkeit", sondern auch gegen seine Miniflerkollegen nicht einmal Energie aufzuwenden versteht. Wie soll da an eine wirkliche Aus mistung des Kolonialaugiasstalles gedacht werden können.— Hat Pod um die Schmiergelder gewußt? Zu der Mitteilung der„Dortm. Zig.", Herr v. Podbielski habe den Dank des Herrn Fischer für das diesem von Tippelskirch u. Co. gewährte Darlehen entgegengenommen, meldet die„N. G. Korr.". Herr v. Podbielski, der von der frommen Lüge des Herrn v. Tippelskirch nichts gewußt habe, habe die Dankes- Versicherung so aufgefaßt, als wollte Major Fischer mir� im allgemeinen seine Erkenntlichkeit dafür aussprechen, daß er sich ihm stets als ein freundschaftlich gesinnter Gönner gezeigt habe, so oft beide miteinander in Berührung kamen.— Etwas anders stellt die„T. R." die Sache dar. Als Fiicher den Wunsch äußerte, Herrn v. Podbielski für seine HülfSbereitschaft zu danken, kamen seine Freunde in Verlegenheit und baten den Mini st er, den Major doch zu empfangen, ohne aber auf seinen Dank ein- zugehen. Herr v. Podbielski zeigte sich dazu bereit und empfing den Major Fischer, ohne daß es zu einer Aussprache zwischen den beiden kam. Sehr plausibel klingen diese beiden von einander abweichenden Verteidigungen gerade nicht I—_ Die Nntersuchmig gegen den Major Fischer scheint sich ebenfalls in die Länge ziehen zu sollen. Die„Frankfurter Zeibtng" will erfahren haben, B ü I o w habe sich vor einiger Zeit an das General- kommando des Gardekorps gewandt, um die möglichste Be- s ch l e u n i g u n g der militärgerichtlichen Untersuchung gegen den Major Fischer herbeizuführen. Es heißt nun aber, daß diese Unter- suchung, bei der auf Jahre zurück Biicher, Lieferungen und Verträge zu prüfen sind, auch bei bestem Willen nicht in naher Zeit abgeschlossen werden könne.— Man hatte auch die Geschäftsbücher der Firma Tippelskirch nach einem Anhalt über die Höhe der Fischerschen Subventionen durch- sucht. Natürlich hat man nichts gefunden. Für so naiv brauchte man die Firma Tippelskirch wahrhaftig nicht zu halten I Wohl aber wäre es interessant, wenn die Oeffentlichkeit etwas über die aus den Büchern ja wohl festzustellende Höhe des Ge- tvinnstes der Herren Podbielski. Bumiller«. erführe I— Ein smarter Geschäftsmann. r In ocr DicnStagsversammlung der Berliner Milchhändler Machte der Verbandssyndikus Dr. Flatau einige intereffante Mit- teilungcn über den geschäftlichen Sinn des Landwirtschaftsministers v. Podbielski. Er sagte u. a., von dem Sinn des Ministers für geschäftliche Unternehmungen hätten sich die Angehörigen des Milch- handelsgewcrbes von dem Augenblick an überzeugen dürfen, als Podbielski seine Beziehungen zu der inzwischen zusammengebrochc- ncn Vermögensverwaltungsstclle für Offiziere und Beamte gelöst habe, über deren Rcchtsnatur jetzt das Berliner Landgericht in einer gegen den Minister angängigen Schadenskla�e zu entscheiden habe. Als zu Beginn des Milchkriegcs der Minister die Verteidigung der Ringschen Milchzentrale im Abgeordnetenhause in der Weise führte, daß er gegen das Berliner Milchhandclsgewerbe sachlich unrichtige Vorwürfe erhob, waren die Milchhändler in der Lage, durch Urkunden über geschäftliche Vorgänge nachzuweisen, daß eine der Quellen, aus denen der Berliner Bevölkerung gewässerte Milch zuströmte, die Bezeichnung trug:„Karstädter Molkerei. Inhaber v. Podbielski". Das habe aber den geschäftlichen Beziehungen zu den Milchhändlern keinen Abbruch getan. Der Minister folge eben als Geschäftsmann modernen Grundsätzen, halte das große Gebiet seiner geschäftlichen Beziehungen grundsätzlich von den Einflüssen persönlicher Empfindlichkeit frei. Er habe zu jener Zeit sogar einen Lieferungsvertrag mit dem Verbände der Milchhändler- genoffenschaftcn selbst abgeschlossen. Der Vertrag sei mit dem Minister selbst nicht etwa, wie manche zu vermuten scheinen, sondern mit der Frau des Ministers geschlossen worden. Vielleicht sei der Minister zu dieser Geschäftsverbindung mit der antiagrarischen Milchhändlcrorganisation veranlaßt worden, weil die agrarische Milchzentrale verlange, daß bei ihren� Gegenkontrahenten nicht etwa im Geschäftsbetriebe eheliche Gütertrennung bestehe. Wenn die Milchlieferungen Podbielskis nicht durchweg von hervorragender Güte waren, so leistete der Minister doch als Lieferant von Tropcnbutter an die deutschen Kolonien ganz hervorragendes. Der Minister, der den Ausschluß der ausländischen Milch vom deutschen Wettbewerb angestrebt und erst im vorigen Jahre ein nachträglich aufgehobenes Beförderungsvcrbot gegen die dänische Milch veran- laßte, hat sich seinerzeit mit anderen, zum Teil dem Milchhandel angehörenden Personen gerade zur geschäftlichen Ausbeutung des dem dänischen Ingenieur Casse patentierten Verfahrens zum Transport von Milch auf große Entfernungen zusammengctan. Für Rechnung seiner Gesellschaft wurde aus der Schweiz eine nach dem Casscschen Verfahren vorbereitete Milchscndung nach dem Rcichspostamt in der Leipzigerstraße dirigiert, wo sie durch Pod- bielski nach mehrtägiger Verwahrung in den Remisen einem ge- ladcnen Interessentenkreise rühmend vorgezeigt wurde. Es sei be- dauerlich, daß der Minister nachträglich seine Beteiligung, an dem Unternehmen an eine dritte Person abgetreten und so wahrscheinlich die Frage der Einfuhr ausländischer Milch aus dem Auge vcr- loren habe. Leider sei das geschäftliche Schicksal der Gesellschaft dann kein anderes gewesen als daß der Transvaalausstellung und der Vermögensstelle der Offiziere und Beamte. Auch diese Veröffentlichung fügt zum Charakterbilde des Herrn v. Podbielski nichts Neues. Sie bestätigt nur. was man schon lange wußte, daß er eben ein smarter Geschäftsmann ist. der, wenn es sich um Geldangelegenheiten handelt, dem bewährten Grundsatz huldigt: Kon steil | Wirkungen der Zigarettcnfteuer. In Kassel hat der anti semitische Abg. Lattmann, der für die Zigarettensteuer gestimmt, bestritten, daß Arbeiterentlaffungen und Betriebsein- schränkungen usw. die Folge dieser Steuer wären. Als Hauptplatz der Zigarettenindustrie wurde besonders Dresden genannt. Ei» Herr Schmidt, der die Sache weiter verfolgte, erhielt nun dieser Tage von Herrn Karl Greiert, Syndikus des Verbandes der deutschen Ziaarettenindustrie in Dresden, folgende Zuschrift:«Ihre Annahme, daß in der Zigarettenindustrie sehr viele Arbeiter und Arbeiterinnen brotlos sind, ist vollständig richtig. In Dresden allein sollen zirka 4000 Arbeitnehmer aus den Fabriken entlassen worden sei». Aufträge gehen in den Fabriken fast gar nicht ein, da die Händler ihre Vorräte anSverkaufen wollen und nur das Aller- notwendigste, von dem sie leinen Vorrat mehr besitzen, bestellen. Genaue Zahlen können wir Ihnen zurzeit noch nicht mitteilen, wir sind aber init einer Statistik über die Arbeiterentlassungen, über den Rückgang der Fabrikation usw. beschäftigt, die in einigen Monaten zur Veröffentlichung gelangen wird. Der Herr Reichstagsabgeordnete Lattmann ist naturgemäß gar nicht in der Lage, ein sachgemäßes Urteil über die Verhältnisse in der Industrie abzugeben. Wenn er die Nachricht von Arbeiterentlassungen tatsächlich als Lüge bezeichnet hat, so hat er damit eine Aeußcrung getan, die ein sachlich und objektiv denkender Mann nicht tun Ivllrde." Dresdens Reichstagsabgeordnete, bemerkt die«Sächs. Arbeiter Ztg.", Sozialdemokraten, haben gegen diese Steuer gestimmt. Herr Lattmann ist ei» Beweis, wie verlegen gegenüber der Wirkung dieser Steuer jetzt die Leute werden, die sich im Reichstage den Teufe' um V o l k s i n t e r e s s e n scheren.— Von der deutschen Gerechtigkeit! In Leipzig erhielt der Genosse S e g e r als verantword licher Redakteur der„Leipziger Volkszeitung" wegen Be lcidigung der Jnsterburger Richter 3 Monate Gefängnis. Den Artikel der„Leipziger Volkszeituna" druckte auch Genosse Donath in Hannover im dortigen„V o l k ö w i l l e" nach, weshalb auch gegen ihn auf Antrag des Landgerichtspräsidenten zu Jnsterburg das Strafverfahren eingeleitet war. Am Sonnabend fand Termin statt vor der Ferienstrafkammcr I. Es handelte sich, um den Tat- bestand noch einmal kurz zu referieren, um folgenden Vorgang Der Inspektor N e u f a n g vom Gute K u t t s ch m e n im Kreise Jnsterburg hatte am 27. August v. I. den auf dem Gute beschäftigten Arbeiter Walter erschossen. Er war angeklagt worden wegen fahrlässigen Totschlages, und der Staatsanwalt beantragte im Termin vor der Jnsterburger Strafkammer gegen den Inspektor eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten. Das Gericht aber sprach den Angeklagten kostenlos frei. An diese Freisprechung war nun eine Kritik geknüpft, in der die Staatsanwaltschaft den Vor wurf einer unzulässigen Parteinahme des Gerichts für den In spektor und den der Rechtsbeugung erblickte. Genosse Donath erklärte, daß er die Notiz im guten Glauben an die Richtigkeit der darin angeführten Tatsachen aufgenommen habe. Eine Beleidigung sei darin nicht enthalten. Er habe sogar den letzten Satz in dem Bericht der„Leipziger VolkSzeitung", der lautet:„Wie wäre das Urteil wohl ausgefallen, wenn der Arbeiter den Inspektor erschossen hätte?" beim Abdruck im„Volkswille" weg- gelassen. Der Vorsitzende gab darauf die seltsame Meinung kund, daß Donath die Kritik gemildert habe, spreche gerade gegen seinen guten Glauben!— eine Logik, der wir nicht zu folgen vermögen. AuS dem verlesenen Jnsterburger Urteil ist besonders interessant der Passus, der da lautet:„Es war das gute Recht des angeklagten Inspektors, sich mit einem Gewehr zu bewaffnen und in der Dunkelheit sich schußbereit zu halte n." Gegen daS freisprechende Urteil hat der Staatsanwalt in Jnsterburg Revision nicht eingelegt. An der Begründung des freisprechenden Urteils war im„Volkswille" insofern Kritik geübt, als hinter den mar- kantesten Worten einige Fragezeichen und AuSrufungSzeichen so wie ein Gedankenstrich eingefügt worden war. Der Staatsanwalt in Hannover meinte, daß der Genosse Donath die Absicht gehabt habe, die Richter in den Augen seiner Parteigenossen herabzusetzen; cS werde den Richtern Rechts bcugung vorgeworfen und Freisprechung eines tatsächlich Schul- digen, während doch festgestellt sei, daß der Inspektor an dem Tode des von ihm erschossenen Arbeiters unschuldig sei. Der An- geklagte hätte sich das sorgfältig ab g.e faßte Urteil verschaffen müssen! Dann würde er die lieber- zeugung erhalten haben, daß Neufang nicht fahrlässig gehandelt habe. Die vielen Frage- und AuSrufungSzeichen seien keine berechtigte Kritik. Darum beantragte er 600 M. Geldstrafe. Vom Verteidiger des Genossen Donath wurde an der Hand der vom Gericht festgestellten und in der Urteilsbegründung gr würdigten Tatsachen erklärt, daß er daS freisprechende Urteil nicht verstehen könne. Ebenso unverständlich sei die Meinung deS Staatsanwalts, daß sich der Angeklagte das Urteil habe verschaffen müssen. Das sei doch unmöglich, da doch ihm die Einsicht in die Akten gar nicht zusteht. Aus den Frage- und Ausrufezeichen könne doch nicht mehr herausgelesen werden, als daß der Angeklagte habe agen wollen: Wie kann auf Grund einer solchen Feststellung auf Freisprechung erkannt werden! In seiner Replik erwiderte der Staatsanwalt, daß man auch die Tendenz des Blattes bei der Beurteilung der Strafsache berücksichtigen müsse! Das Gericht verurteilte den Genossen Donath zu 200 M. Geld- 'träfe. Den Vorwurf der Rechtsbeugung und Parteinahme des Gerichts habe man in dem Artikel nicht finden können. In den Frage- und Ausrufezeichen habe das Gericht aber in Verbindung mit der Ueberschrift„Deutsche Justiz" eine Verhöhnung der Richter. eine Ehrenkränkung gefunden. Diese sei nicht so schlimm wie der Vorwurf der Parteilichkeit. Darum sei auf 200 M. Geldstrafe event. 40 Tage Gefängnis erkannt. Die Bahnen der Justiz sind völlig verstrickt. In Jnsterburg kämpfte der Staatsanwalt für die Schuld des angeklagten In- 'pcktors und in Hannover und Leipzig legt sich der Staatsanwalt ins Zeug, weil der Inspektor unschuldig ist. Die beiden sozialdemokratischen Redakteure sind bestraft worden, weil sie mit dem Staatsanwalt in Jnsterburg von der Unschuld des Inspektors nicht überzeugt sind! Der Arbeiter ist erschossen, der Mann, der ihn erschoß, ist frei- gesprochen, die beiden Redakteure, die den Freispruch nicht verstehen konnten, sind verurteilt. So ist» Ordnung in Deutschland. Das ist deutsche Gerechtigkeit.—_ Wie die Lehrer behandelt werden. Die Wirtschaftliche Ver- einigung der Lehrer der rheinisch-westsälischen Jndustriebezirke hatte beschloffen, dem Minister v. Studt durch eine Deputation ihre Wünsche betreffs ihrer Gehaltsverhältnisse vortragen zu lassen. Der Minister hat es aber, wie der„Franks. Ztg." gemeldet wird, ab- gelehnt, der Deputation eine„Audienz" zu gewähren.— Hueland. Frankreich. Die Bombenaffäre. Aus Marseille wird vom 23. August berichtet: In der Wohnung des verhafteten Schuhmachers Cirillo 'and gestern eine neue Haussuchung statt, bei der weitere kam- promittierende Papiere gefunden wurden. Bei dem Verhör wiederholte Cirillo seine ersten Aussagen, daß die aufgefundene Bombe von einem jungen Mann herrühre, der ihm ein paar Schuhe zur Reparatur gebracht habe und den er nicht kenne. Italien. Ferri schließt fi ch den Integra listen an. Aus Rom wird uns geschrieben: Der„A v a n t i' veröffent- lichte dieser Tage an erster Stelle ein Manifest„An die Sozialisten Italiens", in dem die Jntearalisten ihre Stellung zum inneren Partei- zwist darlegen. Ferri ließ diesem Manifest eine kurze Erklärung folgen, in der er sagt, daß die in ihm enthaltenen Ansichten sich mit dm seinen decken und seines Dafürhaltens den Bedürfnissen der sozialistischen Partei Italiens in ihrer heutigen Phase voll ent« sprechen. Somit wäre. also die Verschmelzung der Jntegralisten und der Ferrianer für den nächsten Parteitag eine vollendete Tatsache, daS rechte und linke Zentrum. d:e einander in Bologna gegen- überstanden, obwohl sie kaum eine Nuance trennte, werden auf dem jetzigen Kongreß zusammengehen. Nicht daß Ferri allein über daS Verhalten des ganzen linken Zentrums, wie cS sich in Bologna darstellte, entschiede, aber die Genossen, die noch heute auf dem Standpunkte FerriS stehen, nachdem Ferri in der Frage des Ministerialismus eine direkt entgegengesetzte Stellung eingenommen hat, wie in Bologna, die gehören zu seinen persönlichen Anhängern und folgen ihm auch in seiner Wendung zu den Jntegralisten. Wi, haben bereits darauf hingewiesen, daß das linke Zentrum überhaupi seit Bologna stark zusammengeschmolzen war, weil viele sein« Glieder dem„Block der Jntegralisten" beigetreten, andere nach links fortgeschritten sind. Diese Vereinigung der beiden Zentren ist bei weitem logischer als ihre Trennung. Was die Jntegralisten wollen, hat Ferri in der Tat immer gewollt: Ein Ende des inneren Zwistes, gegenseitisse Duldsamkeit für alles, was nicht im Widerspruch steht zur Taknk des Klassenkampfes und zum sozialistischen Endziel, Bürgerrecht für alle Formen sozialistischer Tätigkeit innerhalb der Partei, Disziplin und Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit. Nur daß Ferrt glaubt, das Ende der inneren Zerrissenheit durch guten Willen und gutes Beispiel herbeiführen zu können, während die Jntegralisten in den Elementen der äußersten Rechten und äußersten Linken Ursachen der Parteizerrissenheit sehen und entschlossen sind, diese ihrer Ansicht nach zum bürgerlichen Radikalismus oder zum Anarchismus entarteten Elemente lieber auszuscheiden, als weiter zersetzend aus die Parteicinheit wirken zu lassen. Ferri wird trotz seines Beitritts zum Block der Jntegralisten nie die Ausschließung irgend einer Gruppe befürworten, weder der Turatianer noch der Syndikalisten. Wahrscheinlich wird es sogar dem Gelvicht seiner Persönlichkeit gelingen, die Ausschlicßnngsgolüste der Jntegralisten ganz zu paralysieren. So bringt er ihnen zwar den Zuwachs der Stimmen seiner Gruppe, aber unzweifelhaft auch ein Element theoretischer Schwäche und Unklarheit. Denn eS ist in der Tat nicht abzusehen, mit welchen Mitteln ein Kongreß dem Parteihader ein Ende machen kann, wenn er die Elomrnte, die ihn systematisch fördern und nicht anders können, als ihn fördern, weiter in der Partei beläßt. Was besagt aber sonst Ferris Uebertritt zu den Jntegralisten und was besagt das Programm dieser Gruppe selbst? Ziemlich wenig, denn es ist in erster Linie ein negatives Programm. „Wir können nicht", heißt es in ihm,„die Methoden derjenigen an« nehmen, die mit Rücksicht ans augenblickliche teilweise Eroberungen. die gelegentlichen zu bestimmten Zwecken abgeschlossenen Bündnisse mi t bürgerlichen Parteien in dauernde verwandeln, die gefährlich sind, weil sie dazu verleiten, dem Opportunismus aus Wahlgründen die spezifische Parteiaktion unterzuordnen, den Charakter des Klassen» kampfes zu fälschen, das Maximalprogramm zu verschweigen oder zu bespötteln oder seine Verwirklichung als Hypothese in eine ferne Zukunft zu verweisen und die Gleickgültigkeit gegen die Staatsform bis zum Sichabfinden mit der Monarchie zu steigern. Diese Methode verlvischt oder zerstört die entscheidenden Merkmale, die die sozialistische Partei von den bürgerlichen Reformparteien trennen."—- Noch weniger können wir die Methode jener anderen annehmen, die an Stelle der Sozialisterung die korporativistische Forderung der Produktionsmittel setzen wollen, an Stelle des Sozialismus das freie Spiel der Kräfte(Uborisino di classe), ein Streben, das einer Rückkehr zum Individualismus entspringt oder die glauben, die cnd- gültige Befreiung des Proletariats beschleunigen zu können, indem sie die Eroberung der politischen Macht und jede gesetzgeberische Tätigkeit diskreditieren, das Proletariat an die Verachtung jedes Kampfmittels gelvöhnen, außer dem Streik und dem gewaltsamen Aufstand, die Scheidewände des Mißtrauens zwischen Arbeitern und Nicht-Arbeitern erheben und so die Arbeiter von der positiven täglichen Arbeit der Organisation, Eroberung und Sclbsterziehuna abwenden durch daS Trugbild einer revolutionären Kraft, die sich zusammenschließt, um die Stunde zu erwarten, in der ein Hand- streich die Ketten zerbricht. Diese Methode bringt den Sozialismus dahin, in Anarchismus zu eutarten." Hierin liegt also nichts als eine Ablehnung der Entartungs- formen des Sozialismus: die Sache ist nur die. daß es schwer sein wird, sich darüber zu einigen, wo die Entartung anfängt. Weder Turatis noch Labriolas Auffassung steht z. B. für Ferri außerhalb des Bereichs des Sozialismus. C a b r i n i, der das Manifest der Jntegralisten— das mehrere Spalten lang ist— mit unterschrieben hat, erklärt heute im„Avanti", nicht Turatt, wohl aber Labriola stehe für ihn außerhalb der Parteidirektive. Andere Jntegralisten sind entgegengesetzter Meinung, wieder andere sähen gern Ultra- reformisten und Syndikalisten ausgeschlossen. Das Manifest ist eben zu weit und allgemein, um die Situation zu kläre». ES schließe — wenn wir von den beiden Extremen absehen— Rechte und Linke der Partei ein und zwischen der Rechten und Linken soll doch eben der Kampf auSgefochten werden. Auf dem Kongreß muß daher entweder der Block der Jntegralisten zerfallen, oder die Hauptabstimmung eine Tagesordnung ergeben, die gar nichts kläre und festlege. Diese Gefahr des Vcrschwimmens in allgemeinen Phrasen wird übrigens wahrscheinlich durch die Reformisten selbst beseitigt werden. Diese haben nämlich— mit jener brutalen Offenheit, die sie im inneren Parteiverkehr kennzeichnet— drei Forderungen in den Vordergrund gerückt, über die man wird entscheiden müssen, ohne Vertuschungen und Halbheiten, und deren Ablehnung durch den Kongreß eine entscheidende Niederlage dieser Fraktion bedeuten wird. Die Turatianer fordern: 1. Zulassung der außerhalb der Partei« oraanisation stehenden autonomen Zirkel zum Kongreß. 2. Auf- Hebung der bestehenden Parteiorganisation und Bildung eines öderativvcrbandes mit unbeschränkter Freiheit der einzelnen eile, die sich nur zu Wahlbündnissen zusammenschließen müssen. 3. Aufstellung eines AltionSprogramms für diese neue Föderativ-Organisation, daS sich nur auf sofort erreich- bare Reformen bezieht. Nimmt der Kongreß diese drei Vorschläge an— das Prograinm selbst, auf das wir zurückkommen werden, ist bescheidener als das der bürgerlichen Demokraten—, so haben die Reformisten gesiegt. Allerdings ist dann die Stegesurkunde auch der Totenschein der Partei. Freilich sind es meist nur die Turatianer, die diese Forderung der Parteiauflösung stellen. Labriola und der syndikalistische Divenire sociale" schließt sich ihnen an. So stellt sich, auch ohne den„Block der Jntegralisten" ganz von selbst die Frage: 'ollen Elemente, die die Parterauflösung wollen. in der Partei bleiben? Ist es nicht logischer— vom Reformismus und Syndikalismus ganz abgesehen— daß sie ihre ersehnte Bewegungsfreiheit außerhalb der Partei finden, anstatt ie in die Partei zu tragen?— Portugal. Lissabon. 22. August. Die neue Kammer wird sich aus 73 Liberalen, 43 Progressisten, 23 Konservativen, 4 Republikanern, 2 Nationalisten, 4 Unabhängigen und 4 progressistischen Dissidenten zusammensetzen.— Balkan. Türkisch-bulgarischer Griechenkonflikt. Der„Wiener Politischen Korrespondenz" wird aus Sofia gemeldet: Die Pforte hat an die bulgarische Regierung eine Note gerichtet, in der sie ihr Miß- 'allen über die griechenfeindliche Bewegung in Bul- garien ausdrückt. Tie bulgarisöhe Regierung hat hierauf gcant- wartet, sie betrachte die türkische Note als nicht ein- g e g a n g e n, da der Pforte nicht das Recht zustehe, in'innere Angelegenheiten des Fürstentums einzugreifen. Im übrigen be» tont die bulgarische Antwort, daß die Verfolgungen, denen die griechischen Elemente in Bulgarien ausgesetzt seien, nur die Rück- Wirkung der Greueltaten darstellten, die in Maze. donicn von Bulgaren verübt wurden. Die Pforte sollte daher vor allem in der Türkei selb st geordnet« Zustävdc Hersteller China. Eine Verfassung?- Aus P e k i n g wird vom 21. August durch Reuter gemeldet: Die Kaiserin-Witwe beabsichtigt, eine Konferenz von hohen Würden- trägern, darunter einigen Vicekönigen, einzuberufen, um über die Annahme einer Verfassung zu beraten. Kommissare, die vor kurzem von einer Auslandsreise heimgekehrt sind, sprechen sich für einen allmählichen Uebergang zu einer konstitutionellen Regierung aus und halten 10 bis IS Jahre für notwendig, um das Volk durch Erziehung für ein neues Regierungssystem reif zu machen. Es ist abzuwarten, ob sich die überraschende Meldung be statigen wird. Westindien. Der Aufstand auf Kuba ivird ernst. ES liegen folgende Meb düngen vor: Havanna, 21. August. Die Regierung gibt bekannt, daß General Jose Gomez, der frühere kubanische Prüsidentschaftskandidat. begleitet von einer Baude von Insurgenten nach Iaguajay aufgebrochen ist, und daß die Behörden der Provinz Santa Clara die Verhaftung des General Gomez verfügt haben. In Havanna treffen Leute ein, die sich fürchten, auf dem Lande zu bleiben. Es sind Truppen nach Pinar del Rio gesandt und in den Provinzen Santa Clara. Matanzas und Havanna ver- teilt worden. Die Behörden von Havgnna sind bestrebt, die Be völkerung zum freiwilligen Landgendarmeriedienst zu bewegen. Havanna. 21. August. Der Aufstand verbreitet sich über das ganze Land. Die Hauptgefahr liegt darin, daß die Führer der Er« Hebung zweifellos eine zahlreiche Gefolgschaft finden werden. Sie sind alle bekannte Meisterschützen und beim Volke sehr beliebt. Präsident Palma hat unbeschränkte Vollmacht erteilt, Waffen und Munition zu beschaffen, da die kubanische Regierung erkennt, daß die Aufständischen einen Zustand der Anarchie auf der Insel herbeiführen wollen, um das Ein- greifen der Bereinigten Staaten gemäß dem Pariser Vertrage zu erzwingen und deshalb die Er Hebung so schnell wie möglich zu unterdrücken wünscht. Eine 800 Mann starke Abteilung Aufständischer rückt auf Pinar del Rio vor. Zur Verteidigung der Stadt sind nur 300 Mann Landpolizei verfügbar. Es geht das Gerücht, General Jose Gomez mit 600 Mann stehe an der Spitze einer Er- Hebung im Bezirk Sant Spiritus. Washington, 21. August. Die Aufständischen auf Kuba respek- tieren streng Leben und Privateigentum, mit Ausnahme von Waffen «nd Pferden. Hus der Partei. Die Sozialdemokratie und die katholische Kirche. Von Karl KautSky. Dieser vor einigen Jahren herausgegebene Sonderabdruck aus der„Neuen Zeit" ist soeben in einer zweiten vom Verfasser neu durchgesehenen Auflage im Verlage der Buchhandlung Vorwärts in Berlin erschienen. Veranlaßt wurde KautSky zu dieser Schrift durch den„Kulturkampf" in Frankreich, der für unsere französische Bruder- Partei von hervorragender Bedeutung war. Die Frage gewinnt auch für Deutschland steigendes Interesse, seitdem das Zentrum seinen Einfluß bei der katholischen Kirche benutzt, gegen unsere Partei mobil zu machen, zugleich aber auch die Macht der Kirche ausspielt, um der Regierung seinen Willen aufzudrücken. Kautsky untersucht in seiner Arbeit den Zusammenhang zwischen Religion und KleruS,� sowie die Stellung der Bourgeoisie und die des Proletariats zur Kirche. Er gibt eine Darstellung der ökonomischen und politischen Grundlagen der katholischen Kirche und der prinzipiellen und takti- schen Stellung der Sozialdemokratie zu dieser. Die Broschüre, die von allen Partei-Buchhandlungen bezogen werden kann, kostet 76 Pf., eine Agitationsausgabe 30 Pf. Zum Parteitage. Auf der Kreiskonferenz von Offenbach-Dieburg lDericht siehe unten) sagte Genosse Ulrich zum Thema Mai- feier, daß an der bisherigen Feier festzuhalten und die Arbeits- ruhe mehr zu propagieren fei. Die Diskussion über den politischen Massen st reik dürfe nicht unterbunden worden, denn es sei zweifellos, daß dieses Mittel im proletarischen Klassen- kämpfe einmal zur Anwendung kommen werde, wohl am ehesten zur Abwehr reaktionärer Maßnahmen, wie beispielsweise beim Raube wichtiger Volksrechte. Jedoch ehe dies geschehe, müsse völlige Einigkeit über die Anwendung dieses Mittels zwischen Partei und den Gewerkschaften geschehen sein, denn ohne diese könnte das Resultat eines solchen Beginnens nur ein Fiasko fein. Eine dahingehende Resolution wurde debatteloS an« genommen. In einer außerordentlichen Generalverfamm- l U n g der Wahlkreise München l und II schlug der Ausschuß des sozialdemokratischen Vereins vor, die Delegierten zu beauftragen, sowohl in der Frage der M a i f e i e r wie in jener deS politischen Massenstreiks energisch Front zu machen gegen alle Bestrebungen, die geeignet sind, das gute Einvernehmen zwischen Partei und Gewerkschaften zu stören. Angenommen wurde ein von 263 Genossen unterzeichneter Antrag, eS möge die A l k o h o l f r a g e auf die Tagesordnung des Parteitages 1007 ge- setzt werden. Genosse Ad. Schmitz stellte den Antrag, die Dele- gierten zu beaustragen, auf dem Parteitag dahin zu wirken, daß die Zahl der Mitglieder deS Parteivorstandes erhöht und einige hervorragend tätige Gewerkschafts- sührer in den Parteivorstand gewählt werden. Genosse Schmidt erinnert in der Begründung seines Antrages daran, daß schon vor zwei Jahren auf dein Parteitage die Tätigkeit des Parteivorstandes einer Kritik unterzogen wurde, worauf Genosse Bebel erklärte, er hätte auch schon Veranlassung gehabt, den Parteivorstand zu kritisieren, wenn er eben selbst nicht Mitglied desselben wäre. Das sei ein Zugeständnis, daß dem Parteivorstand frisches Blut zugeführt werden müsse. Genosse Müller glaubt, daß, wenn der Antrag auf dem Parteitag angenommen würde, Reibungen wie sie in der letzten Zeit zu beklagen waren, für die Zukunft möglichst verhindert und den berechtigten Ansprüchen der Gewerkschaftsbewegung mehr Geltung verschafft würde. Eine Auffrischung des Parteivorftandes, der eine zu bureaukratische und fiskalische Behörde geworden sei, tue not. Es sei zu wünschen, daß der Parteitag in Mannheim ruhig und würdig verlaufe und fich mcht zu einer Reihe von turbulenten Volks- Versammlungen erniedrige.(Beifall.) Die Diskussion über den Massenstreik sei nützlich und nötig, und sie könne heute ruhiger geführt werden wie in Jena. Die Jenaer Resolution sei auch heute noch ein richtiger Ausdruck der Stellung der Partei zum Massen- streik, und die Gewerkschaften könnten sie ruhig akzeptieren.(Beifall.) Genosse K a u e r ersuchte die Delegierten bei Begründung des An- träges auf dem Parteitage besonders zu betonen, daß in Zukunft der stark persönliche Ton in der politischen und Gewerkschafts-Presse unterbleiben solle. Der Antrag S ch m i d wurde einstimmig an- genommen. Als Delegierten wurden gewählt die Genossen Franz Schmitt. Knieriem, Pickelmann und H o f f m a n n. Die Generalversammlung des Bochumer Kreisvereins (Bericht siehe unten) nahm folgende Anträge an: Der Parteitag möge beschließen: Der Parteivorstand ist durch zwei weitere Sekretäre zu verstärken. Der Parteivorstand ist verpflichtet, alljährlich mindestens einmal die Vorfitzenden bezw. Parteisekretäre der Provinzialkomitees nebst den politischen Redakteuren der Parteipresse zu einer Konferenz zusammenzuberufen. Auch bei größeren Aktionen, z. B. Wahlrechts« bewegung, ist, um ein einheitliches Vorgehen zu erzielen, eine derartige Konferenz einzuberufen. Zum Punkte Generalstreik ist ein Korreferent zu bestellen. Der Z 27 des Organisationsstatuts der Gesamtpartei erhält folgende Fassung: Im Falle des§ 2 entscheidet über die fernere Zugehörigkeit zur Partei der Gesamtvorstand deS WahlkreiSvereins auf Antrag der örtlichen Organisation. Dem Ausgeschlossenen steht die Berufung an die General- Versammlung zu. In letzter Linie entscheidet der Parteitag. Ge�erK lekaMickes. Vom Rechts- und Polizeistaat. Noch hat sich die Empörung der Nürnberg-Fürther Ein- Wohnerschaft über die Mordtat eines Arbeitswilligen nicht gelegt, so kommt schon wieder eine Meldung, aus der hervor geht, daß in Nürnberg-Fürth die Streikbrecher systematisch zu Gewalttätigkeiten gegen organisierte Arbeiter aufgereizt werden. Ein Bürger schreibt unserem Parteiorgan in Nürw berg, der„Fränkischen Tagespost", folgendes: „Ich sah am Montagnachmittag auf einige Minuten zum Fenster herunter und bemerkte, daß soeben zwei Männer an dem von den streikenden Bauarbeitern gesperrten Tunnelbau an der Gibitzenhofstraße um Arbeit vorsprachen. Als sie von der Baustelle zurücktraten, ging ein Streikposten auf sie zu und sprach mit ihnen. Ich konnte von meinem Fenster aus dem Streikposten ins Gesicht sehen mrd glanbte daraus ersehen zu können, daß der Streikposten mit den zwei Genannten auf fteundschaftlichem Fuße stehen müsse■, ich erschrak aber nicht wenig, als ich plötzlich einen der beiden Arbeitswilligen ohne den gering st en Grund einen Revolver ziehen und dem Streikposten vor die Brust setzen sah. Kalter Schauer überlief mich, und als ich sah, daß der bedrohte Streik- Posten durch schleunigste Flucht in einen nebenanliegenden Laden sich in Sicherheit gebracht hatte, rannte ich empört die Treppe hinunter, um der sicher erwarteten sofortigen Ver- Haftung deS Revolverhelden anzuwohnen. Aber die Polizei, die streikende Arbeiter in den letzten Wochen anscheinend oft nur deswegen verhaftete, weil sie gerade im Wege standen, diese Polizei, die harmlos dastehende Menschen niederzureiten versucht oder droht, ihnen die Hand abzuschlagen, diese Polizei nahm den wie einen Banditen handelnden Arbeitswilligen nicht fest. Erst später wurde auf der Polizeiwache sein Name notiert." Ein zweites Stückchen aus dem Rechts- und Polizeistaat: In Fürth stand ein streikender Maurer vor einem gesperrten Bau Posten. Auf einmal schritt der Baumeister Müdsam auf ihn zu und versetzte dem Streikposten ohne jeden Anlaß einen wuchtigen Schlag ins Ge- ficht. Auch hier griff die Polizei nicht sofort nach dem prügelnden Unternehmer, sondern man ging gegen die Streikenden vor, so daß es nur deren Zurückhaltung zu danken ist, daß kein Zusammenstoß mit der Polizei erfolgt ist. Solche Auftritte sind nun seit Wochen in Nürnberg-Fürth an der Tagesordnung und im ganzen herrscht S y st e m: Die Behörden»vollen den Maurerstreik, der durch den Protzenstandpunkt der Unternehmer das gesainte Baugewerbe ins Stocken brachte, mit Polizeigewalt unterdrücken, der Unternehiner kann ihn aber indirekt durch Provozierung von Krawallen zum Scheitern bringen. Diesem Zwecke dient die von den Unternehmern systematisch betriebene Aufreizung der Streikbrecher zu Gewalttätigkeiten. 8 erlin und Umgegend. Achtung, Former und Bcrufsgenossen! Die Former und Gießereiarbeiter in den Ambroinwerken streiken noch weiter und wird ersucht, den Zuzug nach obiger Firma fernzuhalten. Achtung, Metallarbeiter! Die Differenzen bei der Firma Gillischewski, Userstraße 6, sind durch Verhandlungen beigelegt. Die Sperre ist hiermit aufgehoben. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsvcrwaltung Berlin. Der Streit der Glaser ist beendet. Eine Vertrauensmänner- Versammlung der Glaser, die gestern im Gcwerkschaftshause tagte, beschloß gegen eine starke Minorität, am Freitag die Arbeit anfzu- nehmen._ ' Zum Streik bei der Paketfahrt. Der Kampf ist leider verloren; die Arbeiter sind die Ge- schlagcnen. Es waren meist ungeschulte Truppen; viele standen zum erstenmal im Feuer, und als der Erfolg sich nicht gleich zeigte, als nicht starke Hülfe kam, da flüchteten sie, erst, einzeln, zuletzt in Massen. Nicht einmal zwei Wochen hielten sie aus. Der Sieger aber zeigte sich hochmütig und anmaßend. Er wies viele zurück, die sich freiwillig meldeten, und diejenigen, welche Aufnahme fanden, mußten sich demütigen und vor den Augen des Siegers das Verbandsbuch zerreißen und durch Unterzeichnung eines Schriftstücks sich auf Gnade und Ungnade ergeben. Ein Häuflein von nicht ganz hundert Mann ist noch übrig, die Streik- Unterstützung erhalten.— Hoffentlich ist diese bittere Erfahrung den Arbeitern eine gute Lehre für die Zukunft. Der Streik der Kohlenarbeiter und Kutscher dauert unver- ändert fort. In der Vertrauensmännerversammlung, welche am Mittwoch stattfand, wurde besonders darauf hingewiesen, daß bei 6 Firmen, welche zusammen 66 Arbeiter und Kutscher beschäftigen, eine Einigung erzielt und die Arbeit daselbst aufgenommen worden ist. Die Hauptforderung, 10stündige tägliche Arbeitszeit und 46 Pf. Stundenlohn sind von diesen Firmen unterschriftlich zuge- standen worden. Obwohl der Geist unter den Streikenden ein äußerst guter ist und Arbeitswillige verschwindend wenige bor- handen sind, haben die Streikenden doch beschlossen, das Einigungs- amt anzurufen, um auf diese Weise wirklich einheitliche Lohn- und Arbeitsbedingungen auf den Berliner Kohlenplätzen zu er- zielen. Es ist zurzeit noch nicht bekannt, ob auch der Verband der Berliner Kohlengroshändler dem Anruf stattgeben will. In- dessen finden weitere Verhandlungen mit verschiedenen Firmen statt. Soeben wird uns mitgeteilt, daß einzelne Brauereien Kohlen von ihren eigenen Leuten abholen lassen. Die Angestellten der Brauereien werden gut tun, darauf zu achten, ob ihnen nicht Streikarbeit zugemutet wird._ Nürnberger Manieren in Berlin! Streikpostenstehcnde Kohlen arbeiter sind gestern abend unter de» Augen der Polizei mit dem Revolver bedroht tvordcn! Die Streikposten hielten sich, ohne sich irgendwie auffällig zu benehmen oder den Verkehr zu stören,»»nter einem Hochbahnbogen in der verlängerten Schönebergerstraße auf, um darüber Beobachtungen anzustellen, ob auf den dortigen Kohlenplätzen gearbeitet werde. Die Leute saßen auf einem Stapel Bretter und unterhielten sich. Plötzlich fiel ein Schuß und darauf stürzten der Chef der Firma G a ß m a n n, sein Expedient. der Anweiser, Buchhalter und andere An- gestellte der Firma auf die Streikposten zu, deren einem der Expedient den Revolver vor die Brust hielt mit der Drohung, er wolle alle zusaminen über den Hansen schießen! Ein hinzukommender Schutz- mann fiel nicht etwa dem Bedroher in die Arme, sondern stellte sich auf dessen Seite und verhinderte mit die Leute an der Ausübung ihres Koalitionsrechtes. Sollen solche Waffen im wirtschaftlichen Kanipf in Deutsch- land Sitte werden? Sind die Beamten nicht verpflichtet, die Bedrohung mit einem Verbrechen zu verhindern? Oder werden wir demnächst gar erleben, daß der Polizei- revolver gegen Streikende in Aktion tritt? Die Folgen einer derarttgen Staatsrettung dürften zu allererst der Kapitalismus und der heutige Staat spüren. Solche Vorkomnmisse sind Wasser auf unsere Mühle! Achtung, Schubmacher! Seit acht Tagen stehen die Arbeiter der Schuhfabrik von Eck st ein, Keibelstraße 39, im Ausstand. Trotz der am Dienstag gepflogenen, fast sieben Stunden währenden Verhandlung konnte keine Einigung erzielt werden. Nur den Putzern wurden Zugeständnisse gemacht, während die übrigen Teilarbeiter vollständig leer ausgingen. Da es sich um eine kleine Fabrik handelt, ersuchen wir die Kollegen um so mehr, ihr Augenmerk hierauf zu richten. Schuhmacherverband. Ortsvcrwaltung Berlin. Husland. Die Steingntdreher, Töpfer, Brenner und Hülfsarveiter der Zieglerschen Tonwaren- und Röhrenfabrik zu Schaffhausen sind wegen Nichtanerkennung der Organisation und Lohnkommis- sion sowie wegen Nichtbewilligung einer 20prozentigen Lohn-!, erhöhung für Hülfsarbeiter in den Ausstand getreten. Darum ist Zuzug strengstens fernzuhalten. Achtung, Goldschmiede! Bei Herrn Sigismund Fitzka, Gold- Warenerzeuger, Wien, 13. Bezirk, Neichgasfe 12 und Elslergasse 4, wird gestreikt. Den Wiener Goldschmiedegehülfen ist es bei dieser Firma unerträglich geworden. Das AusbeutungSshstem und das Tyrannisieren der Arbeiter spottet jeder Beschreibung; darum haben sich die organisierten Goldschmiede Wiens entschlossen, dem Herrn Fitzka eine Belehrung darüber zu teil werden zu lassen, wie man mit Arbeitern umzugehen hat. So lange Herr Fitzka Vernunftsgründen nicht zugänglich ist, bekommt er in W i e n keinen Arbeiter. Auch die deutschen Goldschmiede werden ersucht ,! Zuzug von dieser Firma strengstens fernzu- halten. Herr Fitzka begibt sich nach Deutschland, um Arbeits- kräfte anzulverben. Sein Glück versucht er in Berlin, Hanau und Pforzheim, weshalb die Lokal- und Fachblätter ersucht werden, davon Notiz zu nehmen. Der Generalstreik in Bilbao. Die streikenden Bergarbeiter fordern eine neunstündige Arbeits- zeit soivie 60 Proz. Lohnaufschlag fiir Uebcrstunden und Sonntags- arbeit und Anerkennung der Organisation. Die Grubenbesitzer habe» die Forderungen der Arbeiter abgelehnt. Eine Abordnung derselben begab sich znm Gouverneur, um mit diesem zu konferieren, indessen verlief die Besprechung resultatlos. Die Zahl der Ausständige» beträgt bereits 30 000. Truppen in Stärke von 4000 Mann, die an den beherrschenden Punkten aufgestellt sind, schützen die Stadt. Gestern mittag sollte, falls keine Einigung erzielt wird, der General- ausstand proklamiert werden. Das Geschivader wird au? Ferro! erwartet. Man vermutet, daß die Bewegung von dem revolutionären Komitee organisiert ist. Der Kriegsminister wird eiutreffen, um den Köing zu erwarten._ Eingegangene Druchfcbrifteii. „Psychiatrisch-Neurologische Wochenschrift« Nr. 2t. Sammelblatt zur Besprechung aller Fragen des Irrenwesens und der praktischen Psychiatrie sowie der Nervenheilkunde. Redigiert von Oberarzt Dr. Joh. Bresler. Jeden Sonnabend ein Hest. Preis vierteljährlich 4 M. Verlag: C. Mar- hold, Halle a. T. Dr. jur. S. I. Bisser. Die Rechtspflege in den Kulturstaaten. Wünsche über die Reform deS ProzetzversahrenS. 19 Seiten. Verlag: � �„Die�'Wiener Mädel". Von Msred Deutsch-German. 17. Band der„Grotzstadt-Dokumente". Verlag: Hermann Seemann Nachfolger. Berlin NW. 87. Preis 1 M. Betrachtungen über die zwei Fragen- Pflegedamen für weibliche Arbeiter in Fabrilbetricbcn und Arbeiterinnenheim. 32 Sellen. Verlag: M. Krause, Berlin L. 42. P. F. Walli. Die Dezentralisation der Industrie und der Arbeiter- schast im Grotzherzogtum Baden und die Verbreitung des Mehrsamilien- bauses aus dem Lande. Volkswirtschastliche Abhandlungen der badischen Hochschulen. Im Abonnement Preis 3 M. Einzelverlaus 3,80 M. Verlag �" �ohnunflst�����bcr Schweiz. 29 Seiten. Von Jak. Lorenz Verwalter des Arbeits- und Wohnungsamtes in Rorschach. B. M. de Prado,„Depeschenkaiser". Preis 2 M. Futzmgers Verlag. Berlin W. 35._ Letzte IKacbricbten und vepelcken. Die Stadt Quilota vom Erdboden verschwllnden. New York, 22. August. Nach einem Telegramm des„New Jork Herald" aus Limache ist die Stadt Ouilota, 60 Kilometer von Valparaiso entfenit, versunken, so daß nichts mehr von ihr zu sehen ist. Der Stoß, der sie wegfegte, wurde in Valparaiso 4'/z Minuten vernommen. Von 10000 Einwohnern sind weniger als 100 ent» kommen._ Zum Erdbeben auf Chile. New York, 22. August.(B. H.) Wie aus Valparaiso berichtet wird, verlassen 30 000 Einwohner die Stadt, um sich nach Santiago zu begeben. Der Kongreß hielt eine Sitzung ab und beschloß. vier Miflionen Pesos für die Notleidenden zu bewilligen. Das Gebäude, worin der Kongreß tagte, droht ebenfalls ein- zustürzen, infolgedessen wurde beschlossen, die nächste Sitzung in einer anderen Lokalität abzuhalten. Die Anzahl der Toten schwankt noch immer zwischen 2000 und 12 000. Die Erdstöße dauern an. New Jork, 22. August.(B. H.) Nach einer Meldung des„New Eork Herald" sind in Valparaiso 6000 Personen umgekommen. Die rdbeben dauern fort._ Ein Bettel für die Zarenschergen. Riga, 22. August.(W. T. B.) Mit Genehmigung des Generalgouverneurs soll heute Abend in allen Zeitungen ein Auf. ruf an die Bewohner der Stadt erscheinen, in dem diese zur Stiftung von Geldspenden zur Anschaffung von Panzern für die Polizisten, denen gegenwärtig große Gefahr droht, aufgefordert werden. Da es der Krone jetzt an Mitteln fehlt, die nötige An» zahl Panzer anzuschaffen, so sei es Pflicht der Gesellschaft nach dem Prinzip einer für alle und alle für einen und im Interesse des allgemeinen Schutzes, der Obrigkeit entgegen zu kommen und nicht zuzulassen, daß der Terror die Tätigkeit der Polizei lähme._ Der Jnsurgrntenaufstand aus Kuba. New Dork, 22. August.(B. H.) Aus Kuba wird gemeldet, daß neuerdings kleinere Treffen von den Insurgenten geliefert wurden. Die Regierung ist der Meinung, daß sich die Lage gebessert habe. In Havanna sind 650 Personen, damnter mehrere Polizeioffiziere. verhaftet worden. perantw. Redakt.: CMWe.rmM, Beifljll-Aizdorfl Lufexate verantjv.: U. Gl-cke. ISetlin. Druck u, Lllüig! Lülwälts BuKil. u. LlllogSanstaU Naul Singer LiEo., Le rlin 2W. KikttuSLeflogc» Hr. 195. 23. 1 Keililge des Joriiiiittö" berliner WldsdlM. Zum Mannheimer Parteitag nahmen die Berliner Parteigenossen am Dienstag in sechs großen Versammlungen Stellung. Ueber die Versammlungen gehen uns folgende Berichte zu: Erster Wahlkreis. Die Versammlung in Dräsels Festsälen war ziemlich gut Sesucht. Vor Eintritt in die Tagesordnung machte der Vorsitzende bekannt, daß der alte Genosse Knappe gestorben sei; sein Andenken wurde nr der üblichen Weise geehrt. Zu dem einleitenden Referat über den Parteitag in Mannheim nahm Genosse O p p e I das Wort. Die außerordentlich reichhaltige Tagesordnung des diesjährigen Parteitages, so führte er aus, zeigt uns seine große Bedeutung nicht nur für die geschästlicheu Angelegen- Helten der Partei, sondern auch für große aktuelle Fragen. Es konnte bemängelt werden, daß in der Tagesordnung in keiner Be- ziehung auf die revolutionären Kämpfe iil Rußland besonders Rücksicht genommen ist, aber man wird sicherlich nicht ver- säumen, dem schwer kämpfenden russischeil Volke durch den Parteitag zu erklären, daß es die v o I l e S y m p a t h i e der deutschen Sozialdemokratie besitzt. Der letzte Parteitag hat uns die neue Organisation geschaffen, womit wir sehr zufrieden sein können. Die Organisationen sind gestärkt worden, die Parteipresse ist einfluß- reicher geworden und zeigt steigende Abonnentenziffern. Redner erinnert an den„Vorwärts"konflikt, auf den er nicht näher eingehen will, da er genugsam behandelt worden ist, der aus dem Parteitage aber noch eine Rolle spielen wird, ebenso wie der politische Massenstreik, der letztere natürlich in hervorragender Weise. Mit Unrecht sei von „Bremsen" die Rede gewesen, nachdem der erste Versuch gemacht worden war, eine Aeuderung des Dreiklassenwahlrechts herbeizu- führen, aber alle einsichtigen Genossen seien sich klar darüber, daß hier der Weg zum Ziele nicht durch den politischen Massenstreik führen könnte.— Eine notwendige Stärkung der Agitation ist durch zwei neue Institutionen geschaffen worden: die„ S o z i a l d e m o» kratische Parteikorrespondenz" und die Rote Kriegs« schule zur Ausbildung von tüchtigen Agitatoreil. Beide Crin- richtungen seien freudig zu begrüßen!— Redner beleuchtet im all- gemeinen die einzelnen Punkte der Tagesordnung des Parteitages. Zum parlamentarischen Bericht erklärt er, wie wünschens- wert es sei, daß die Fraktion einen Vorstoß unternehme zur Siche« rung des Koalitionsrechtes der Arbeiter, da? durch 8 153 der Gewerbeordnung stets bedroht sei. Die Maifeier behauptet ihre alte Wichtigkeit und die Partei kann mit Befriedigung auf die letzte Feier zurück« blicken; man kann der Partei von gewerkschaftlicher Seite aus keinen Vorwurf machen. Der Punkt„Politischer Massenstreik" hat durch die Publikationen der„Einigkeit" an Bedeutung gewonnen. Jene Indiskretionen ließen eine große Kluft zwischen Partei und Gewerkschaft vermuten und die Veröffentlichung des Protokolls über die Verhandlung zwischen Generalkommission und Parteivorstand war zur Pflicht geworden, deren sich der Parteivorstand nicht ent« ziehen konnte. Genosse O p p e l zollt den vier Leitartikeln des „Vorwärts", worin die Stellung der Partei zu den Gewerkschaften scharf präzisiert wird, große Anerkennung. Auf dem int er- nationalen Kongreß in Stuttgart 1S07 werden die Fragen über die Maifeier und den Massenstreik bedeutungsvoll sein und es ist notwendig, daß die deutschen Delegierten geschloffen dabei auf» treten. Zu dem Punkte„Sozialdemokratie und Volkserziehung" weist Genoffe Oppel auf die im letzten Sonntagsblatte veröffentlichten Leitsätze von Klara Zetkin und Heinrich Schulz hin. Was die Straf- rechtSpflege angeht, so sollte unser Standpunkt immer schärfer vertreten werden, daß wir unsere Justiz als eine Klassenjustiz empfinden müffen. Unter den Anträgen zum Parteitag wird wieder die Alkoholftage erscheinen und ferner ein Anttag, daß unsere Ge- nossen sich gewerkschaftlich zentralistisch organisieren. Dagegen wendet sich der Redner als eine unkluge Taktik. Zur Wahl des Parteivorstandes ist vorgeschlagen worden, daß die General« kommisston der Gewerkschaften durch zwei Delegierte im Partei- vorstand vertteten sein solle. Der Redner erklärt sich dafür unter der Bedingung, daß auch zwei Delegierte des Parteivorstandes in der Generalkommission vertreten seien. Redner schließt seine Aus- führungen mit dem Wunsche, daß der Parteitag wieder einen großen Schritt vorwärts für die Bewegung bedeuten möge. Eine Diskussion findet nicht statt. Ein Antrag, daß die Partei- genossen beauftragt würden, ihre Familienangehörigen den für sie zuständigen gewerkschaftlichen Organisationen zuzuführen, wird damit begründet, daß der Kampf gegen die Heimarbeit erleichtert werden wurde. Der Antrag wird, als nicht vor den Parteitag gehörig, zurückgestellt. Die Genossen Oppel, Dieseler und S t r e h l werden als Delegierte und Hansen als Ersatzmann gewählt. ?um zweiten Punkt der Tagesordnung: Die Provinzial« e r e n z nahm Genosse S ch u st e r das Wort und erklärte, daß die Brandenburger Sozialdemokraten am 2. September Heerschau halten wollen. Von Berlin aus wird für die Agitation in der Provinz sehr viel getan und vieles fällt aus guten Boden. Die Gegner schließen sich immer fester zusammen i der Reichsverband ist tätig, aber auch unsere Organisation wächst, die Provinzpresse ist gut entwickelt; es muß noch viel mehr geschehen trotzalledem und dazu wird die Provinzialkonferenz wieder beitragen. Die Genossen Lucht, Tabbert und Hansen werden als Delegierte und Träger als Ersatzmann gewühlt. Ein Antrag, daß ein Vortrag über das„Kommunistische Manifest" im Verein gehalten werden sollte, wurde angenommen und dem Vorstand überwiesen. Zweiter Wahlkreis. Die Versammlung für den zweiten Wahlkreis, die im Hofjäger- Palast, Hasenheide 62/53, stattfand, war stark besucht. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrten die Anwesenden das Andenken der seit boriger Versammlung verstorbenen Genossen Jajazak, Schulz und G u m m e r t in üblicher Weise.— Zum ersten Punkte der Tagesordnung referierte Genosse Fischer. Er ging die einzelnen Punkte der reichhaltigen Tagesordnung deS Parteitages durch unter besonderer Würdigung der bedeutungsvollen Vorkommnisse. Die beiden ersten Punkte werden auch diesmal leider die meiste Zeit in Anspruch nehmen. Ueber den Bericht des Partei- Vorstandes wird sich eine lange Debatte entspinnen. Geben doch eine ganze Reihe von Vorkommnissen im letzten Jahre Veranlassung da- zu, so der„VorwärtS"-Konflikt, das Verhältnis zu de» Gewerk- schaften und der jedenfalls wieder von den Berliner Genossen ge- stellte Antrag, den„Vorwärts" seines Charakters als Zentralorgan zu entkleiden. Bei Erörterung all dieser Angelegenheiten mögen die Delegierten sich fragen: Wem kann genützt werden? Redner will nicht, daß den Genossen Maulkörbe angelegt werden sollen, hoffe aber, daß die Delegierten sich so äußern, daß den Gegnern kein Material geliefert wird, wonach diese fortwährend suchen, das im Wahlkamps usw. gegen uns verwendet wird. Dem An- trage der Berliner Genossen, den. Vorwärts" seines offiziellen Charakters zu entheben, stimme er nicht zu. Lebendiger und tiefergehend wird die Behandlung der Frage Partei und Gewerkschaften sein. Redner streift den Kölner Gewerkschaftskongreß und den vor« jährigen Parteitag. Ersterer habe zu dem Punkt„Massenstreik" eine Resolution angenommen, die sich gegen den Generalstreik der Tendenz Friedeberg wendet. Dasselbe ttifft bei der Bebelschen Re- solution in Jena zu. Redner geht auf die Verhandlungen der Kon- ferenz zwischen Parteivorstand und Generalkommission ein. ES sei undenkbar, daß der Parteivorstand nach wenigen Monaten seine auf dem Jenaer Parteitag vertretene Meinung geändert habe. Sowie Silber- schmidt die Thesen angegeben, können unmöglich die Besprechungen gepflogen fem. Hier haben Mißverständnisse platzgegriffen, auf die auch die„Einigkeit" ihre Anklagen aufgebaut habe. Die Anwendung des politischen Massenstreiks ist im Februar nicht gegeben gewesen. Die Veröffentlichung des Protokolls der Konferenz der Vorstände der Gewerkschaften sei eine gebieterische Notwendigkeit für die Partei. Und vielleicht kommen auch Gewerkschaftsführer dazu, die Veröffentlichung des Protokolls im Interesse der Gewerk- schaften anzusehen. Denn von einem prinzipiellen Gegensatze zwischen Gewerkschaften und Partei könne keine Rede sein. Nach dreimaligein Lesen des Protokolls habe Redner nur Kleinig- ketten, die nicht von besonderer Klugheit einzelner Ge- wcrkschaftsführer zeugen, gefunden; einen Gegensatz zwischen Gewerkschaften und Partei aber nicht. Die Gewerkschaftsführer sagen, sie wollen sich nicht der Partei unterordnen. Kein Mensch habe dies verlangt. Zwar haben die Gewerkschaften in der Mai- feierfrage eine andere Stellung eingenommen. Eine Abstimmung innerhalb derselben könne man nicht vornehmen, sie verlangten sie auch nicht. Die Maifeierresolution ist sa gefaßt, daß sie ein Unter- ordnen der Gewerkschaften nicht bestimmt.— In der Gewerkschafts- bewegung wie in der Parteibewegung sind gewisse Unterschiede vor- Händen. Wir haben Peus— Mehring, die Gewerkschaften Bringmann— Geyer oder Bömelburg. Wie w i r nicht die Aeußerung Peus' oder Mehrings als die Meinung der gesamten Partei auffassen, so können wir erst recht nicht die Meinung Bringnianns als die der Gewerkschaften bezeichnen. Sollte Bringmanu seine Theorien darlegen, so würde er sicher in Verlegenheit kommen. — Redner erwähnte die der Genossin Rosa Luxemburg unter- stellte Aeußerung, sie habe die gewerkschaftliche Arbeit als Sisyphus- arbeit bezeichnet. Das sei nicht wahr. Im wahren Sinne des Wortes sei sie keine Sisyphusarbeit. Sie ist Notwendigkeit. Aber in gewissem Sinne könne man die gewerkschaftliche Arbeit als solche bezeichnen, nämlich wenn man bedenkt, daß jeder gewerklchaft- liche Erfolg durch eine politische Aktion unmöglich gemacht werden könne. Abgesehen von den aus der Konferenz gefallenen Geschmack- losigkeiten, auf die Redner nicht eingehen will, war sie von dem Gedanken getragen, eine Verständigung mit der Partei zu suchen und gemein- sam zu handeln. Es wird zurzeit die Frage ventiliert, ob es nicht ratsam sei, bei dergleichen Angelegenheiten einen Vertteter der Ge- werkschaften in den Parteivorstand zu delegieren und umgekehrt. Redner gehe noch weiter. Er meine: da polrzeiliche Schwierigkeiten nicht mehr bestehen, ist es vielleicht angebracht, daß beide Organi- sationen allnionatlich einmal zusammentreten, um aber nicht nur gemeinsam zu berate», sondern auch gemeinsam zu operieren. Da sind viele Angelegenheiten, die beide Teile interessieren, wie die Agitatorenschule, die Parteikorrcspondenz, die Erziehuugsfrage usw. — Gegen die Bemerkung des Genossen Bringmann, es gäbe Nur- Parteigenossen, müssen wir protestieren. Das ist nur eine Reden?- art. Das ist ebenso falsch, als wollte man von den Gewerk- schaftlern— mit Ausnahme von Rexhäuser und einzelnen kleineren Gewerkschaftsführern— sagen, sie seien Nurgewerkschaftler. Zum Punkt Maifeier werde dem Parteitage voraussichtlich die alte Resolution vorliegen. In diesem Jahre sind gegen ü)ie Maifeier keine wesentlichen Meinungen aufgetaucht. Mehr als je ist sie begangen worden. Wenn auch einige MißHelligkeiten wie m Berlin vorgekommen seien, so ändere das an der Sache nichts. Durch die innerhalb der Partei- und Gewcrkschaftspreffe ge« pflegte Diskussion über den Massen st reik ist dieser abermals auf die Tagesordnung des Parteitages gesetzt worden. Wir wollen hoffen, daß, je mehr die Gegensätze sich zuspitzen, der Gedanke, daß wir uns eines neuen Mittels bedienen, alle unsere Kräfte zusammen- spannen müssen, immer mehr in der Arbeiterschaft sich Bahn bricht. Wir sind nicht der Ansicht, daß der Maffenstreik mit einem Schlage die Klassenherrschaft beseitigen werde. Daß der Generalstreik nicht in Rußland erfolgreich gewesen, ist kein Beweis für seine Undurch- führbarkeit. Die Orgamsationen in Rußland find noch schwach und jung. Wir müssen die Voraussetzung der siegreichen Durchführbar« keit des Massenstteiks schaffen. Das sind starke Organisationen. Auch wird die Durchführbarkeit von unseren Gegnern, ihrer Jntelli- genz und Dummheit, abhängen.— In diesem Sinne werde wohl die Beschlußfassung in Mannheim erfolgen. Als ein Zeichen, daß der Idealismus in der Arbeiterschaft fort- lebt, ist der nächste Punkt: Bolkserziehung und Sozial- demokratie anzusehenJDie Reaktion ist bemüht— besonders glaubt sie, ist das neue Schulgesetz dazu imstande— der Sozialdemokratie die Ernte zu verderben. Das erfordert, daß jeder Parteigenosse mehr als je sich der Erziehung seiner Kinder ividmet, ihnen sagt. was Schwindel und Humbug und was das Richtige ist. Redner weist auf die Leitsätze der Genossin Zetkin und des Genossen Schulz hin. Was wir in der Sache vermögen, müssen wir tun. Bei der Gelegenheit kommt sicher auch die Frage der Jugendorganisatton zur Sprache. Ihre Lösung hänge ab vom Stande der Gesetzgebung und der Geschicklichkeit der Genossen. Wenn wir ftühcr dieser skeptisch gegenüberstanden, so ist es heut nicht mehr der Fall. Von dem Augenblick an, wo der Schulgesetzentwurf angenommen wurde, sagten wir uns: alles was wir können müssen wir tun, um die Jagd dem Einfluß der Reaktionären zu entziehen. Redner schildert dann die Tätigkeit der Agitatorenschule. Sie soll kein Nürnberger Trichter sein, sondern soll methodisch suchend wirken, den Schüler befähigen, sich selbst fortzubilden. So denke sich Redner auch die Volkserziehung. Die Notwendigkeit des weiteren Punktes: Strafrecht und Strafvollzug begreifen wir alle Tage. Täglich erfahren wir. was Klassenjustiz ist. Nicht, daß der Richter das Recht bewußt beugt. Er kann sich nicht in die Lage der Arbeiter hinein- versetzen, kann deren Handlungen nicht verstehen. Daher die für Arbeiter hohen und für die Besitzenden, aus deren Klaffe die Nichter sich rekrutieren, die gelinden Strafen. In dem Maße, wie die Klassenkämpfe wachsen, nimmt die Klassenjustiz zu. Gelingt es uns, sie zu Fall zu bringen, gur, gelingt es nicht, so haben wir unsere Pflicht getan. Von dem Parteitage ist zu erwarten, daß er im Jntereffe und für die Interessen der Arbeiterklasse wirkt. lLebhafter Beifall.) Zum Punkt„Anträge zum Parteitag" erklärte der Vorsitzende, Genosse Schneider, daß die Bezirksführer- Versammlung Stellung genommen habe zu zwei Anträgen: 1. Die Alkoholfrage auf die Tagesordnung des Parteitages zu setzen; 2. Das„Vorwärts"- Abonnement zu verbilligen. Beide An- träge habe sie abgelehnt; den ersteren deshalb, da die Tagesordnung des Parteitages ohnehin überlastet sei und den zweien aus dem Grunde, daß man erst den Parteivorstand für diesen ge« Winnen müsse. Die Preßkommission werde sich bemühen, im Sinne des Antrages auf den Parteivorstand im nächsten Jahre einzuwirken. — Zum Geschäftsbericht liegen keine Anträge vor. In Sachen des „Vorwärts"-KonflikteS habe die damalige Generalversammlung eine Resolution angenommen. Zu dem Antrage, den„Vorwärts" als Lokalorgan zu bestimmen, ist die Meinung der Parteigenossen dieselbe wie im vorigen Jahre. Den Delegierten seien somit in den zwei Angelegenheiten Direktiven gegeben. Genosse Schneider empfiehlt, zun, Punkte„Massenstreik" den Delegierten keine bestimmten Direttiven aus den Weg zu geben. Sie werden sich nicht in Gegensatz zu der Meinung der Partei- genoffen deS Kreises setzen.— Ein Antrag, die Alkoholfrage auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen, findet nicht die genügende Unterstütznng. ES erfolgt nun die Wahl der Delegierten. Auf Vor« schlag der Bezirksführerversammlung werden drei Genossen delegiert. Es werden gewählt die Genossen Schneider<532 Stimme»), Meyer(480) und Hensel(348), als Ersatzmann Genosse I e n i ck e(125). Zur Provinzialkonferenz lagen keine Anträge bor. Genosse Schneider gibt Aufschluß über die Tätigkeit der Kommission, und bittet den vorliegenden Statntencntwurf, da An- träge dazu nicht gestellt sind und in ganz Berlin darüber genügend diskutiert worden ist, en bloc anzunehmen. Der Entlvurf gelangt ohne Debatte gegen eine Stimme zur Annahme. Als Delegierte zur Provinzialkonferenz wurden die Genossen S ch w e n ck e(462), Witte(411) und Schreckling(277), als Stellvertreter Genosse A tz w e n d(129 Stimmen) gewählt. Genosse Schneider teilt mit, daß der Vorstand zu dem Aus- schlußverfahren gegen den Genossen Schulz noch nicht Stellung nehmen konnte, da der Metallarbeiter-Verband, wie Genosse Cohen erklärt hat, die Angelegenheit nicht endgültig geregelt habe. Genosse Bernhard bemerkte, in der„Metallarb.-Zig." sei dem Genossen Schulz wegen Nichtfeierns des I.Mai eine Rüge erteilt worden, wogegen, wie Genosse B e h r e n d betonte, die Ortsverwaltnng Berlin Protest er- hoben habe. Davon, daß Schulz vom Metallarbeiterverbande nicht ausgeschlossen werde, könne keine Rede sein.— Der Vorsitzende erwähnte, daß die Genossen in Mariendorf und Tempelhof Lokal- kontrolle üben, damit der Boykott nicht durchbrochen werde.— Genosse Schulz meinte, er„habe gehört, daß Genosse Fischer immer in gesperrten Lokalen verkehre", worauf dieser erwiderte. daß er, solange man ihm keine bestimmten Verfehlungen nachweise, ans das Geschwätz keine Antwort gebe.— Hierauf wurde die Ver« sammlung geschlossen. Dritter Kreis. Die Genossen des dritten Kreises tagten im großen Saal de? Gcwerkschaftshauses, der gut besetzt war. Der Vorsitzende Genosse Pohl gab eine kurze Uebersicht der Tagesordnung des Mann- hei in er Parteitages und gab der Meinung Ausdruck, daß die Punkte 1, 3, 4 und 5 die meiste Zeit in Anspruch nehmen dürften. Beim Parteivorstandsbericht werde jedenfalls die„Vor- wärts"-Angelegenheit noch einmal zur Sprache kommen. Die Aus- dehnung der Verhandlungen darüber werde ganz von der Ein- leitung abhängen. Der 3. Punkt(parlamentarischer Bericht) führe sicher zur Besprechung des Fehlens einer Anzahl sozialdemokra- tischer Abgeordneter bei der Abstimmung anläßlich der Jnter- pellation im Reichstag betreffend das Borussiaunglück. Dann könne auch die Erledigung der Frage der Doppelmandate nicht ausbleiben. nachdem im Reichstag die Diätenfrage in der bekannten Weise ge- regelt sei. Redner denkt dabei z. B. an die süddeutschen Landtags- Abgeordneten.— Die Maifeier werde auch nicht so schnell erledigt sein können. Eine Aussprache darüber werde sehr nötig sein, damit Klarheit geschaffen werde, wie sich die Genoffen bei der Maifeier zu verhalten hätten.— Scharfe Debatten werde voraussichtlich auch der politische Massenstreik zeitigen; aber es sei nicht ausgeschlossen, daß ein Ausgleich herbeigeführt werde zu Nutz und Frommen der politischen wie der getneirischaftlichen modernen Arbeiterbewegung. — Leider würden Punkt 7 und 8(„Sozialdemokratie und Volks- erziehung", sowie„Strafrecht, Strafprozeß, Strafvollzug") wohl nicht die nöttge Beachtung finden; eS gehe dann zum Schluß und man wisse ja, wie schlecht die letzten Punkte der Tagesordnung ge- wohnlich fortkämen. Die Referenten würden zufrieden sein, ihr Referat halten zu können. Die Diskussion erfolgte dann über jeden einzelnen Punkt der Tagesordnung des Parteitages gesondert. Zum Vorstandsbericht ergriff Genosse B. Maaß daS Wort: Fall- die„Vorwärts"-Angelegcnheit zur Verhandlung komme, müsse verlangt werden, sie in breitester Oeffentlichkeit zur Erledigung zu bringen und sie nicht in einer Kommission zu vergraben, daß man es schließlich wieder erlebe, daß sich bürgerliche Tintenkulis an Parteigenossen herandrängten oder sie belauschten, um dann ganz entstellte Berichte zu veröffentlichen.— Genosse Fritz wendet sich dagegen, den Delegierten ein gebundenes Mandat in der Richtung der Maaßschen Anregung zu geben. Nachdem der„Borwärts"streit so hohe Wogen geschlagen und in der ganzen deutschen Parteipresse erörtert worden sei, sollte man ohne Not die Sache nicht so auf- wärmen und so breittreten.— Genosse Maaß erwiderte, daß der .,Vorwärts"konflikt aus der öffentlichen Erörterung schon deshalb kaum ausscheiden könnte, weil der Genosse Kolb aus Baden öffent- lich den Antrag gestellt habe, den„Vorwärts" als Zcntralorgan wegen Unfähigkeit der Berliner von Berlin zu verlegen. Die Berliner Genossen hätten natürlich ein großes Interesse daran, daß in einer so eminenten Berliner Frage strikte Stellung genommen werde. Die Berliner würden ja durch solche Anträge geradezu provoziert, Stellung zu nehmen. Er wolle natürlich nicht un- bedingt ein Mandat verlangen, daß unter allen Umständen in eine öffentliche Verhandlung des„Vorwärts"konfliktes einzutreten sei. Wenn aber die Sache verhandelt werde, dann wünsche er von den Delegierten, daß sie für vollste Oeffentlichkeit der Erledigung ein- träten.— Genosse Gehrmann: Nachdem innerhalb der Partei- presse und auch in der bürgerlichen Presse der„Vorwärts"strcit in einer Weise aufgerollt sei, daß man nichts Neues mehr bringen könne, wäre es ja selbstverständlich, darüber weiter in breiter Oeffentlichkeit zu verhandeln. Es machten sich ja Bestrebungen bemerkbar, wieder eine Begräbniskommission zu schaffen. Wie solche wirlten, nun, das habe man ja erfahren. Schädliche Wir- kungen für die Partei wären aus völlig öffentlicher Verhandlung der Sache nicht zu befürchten. So wäre auch er für volle Oeffent- lichkeit der Verhandlung, wenn diese angeregt werden sollte.— Genosse Cohen: Der„Vorwärts"konflikt werde wohl angeschnitten werden, das gehe aus süddeutschen Nachrichten hervor. Dem Wunsche von Maaß werde aber nur teilweise entsprochen werden können. Selbst wenn im Plenum eine ausgiebige Besprechung stattfände, werde doch für die endgültige Erledigung eine Kom- Mission nicht zu umgehen sein. Es gebe Dinge, die sich nur in einem kleineren Kreise von Personen richtig erörtern ließen. Die Aeußerungen Kolbs beziehungsweise sein Antrag würden nichts nach sich ziehen. Eine Trennung de- Berliner Lokalorgans vom Zentralorgan, die früher übrigens sogar einmal von den Berlinern gewünscht worden sei, werde nicht eintreten. Man habe lediglich — und das werde entscheidend bleiben— aus praktischen finanziellen Gründen den„Vorwärts" zum Zentralorgan gemacht, zum Schaden der Berliner, die anfangs nicht viel zü sagen hatten darüber und denen erst nach und nach mehr Rechte eingeräumt worden seien, während in anderen Orten die Genossen über ihr Blatt völlig frei verfügten. Von einer Trennung vom Zentralblatt befürchte er nichts, sie sei aber auch gar nicht zu erwarten.— Wenn der„Vor- wärts"konflikt zu einem Prinzipienstreit zwischen Radikalen und Revisionisten ausgedeutet worden sei, so habe das in Wirklichkeit mit dem Konflikt nichts zu tun, sondern sei von außen hinein- getragen und in unnatürlicher Weise damit verknüpft worden. Wäre daS nicht geschehen, dann wäre die sachliche Entscheidung leichter gewesen, die Entscheidung über die Frage: Ist den sechs Redakteuren unrecht geschehen oder nicht? So aber habe man in ganz verfehlter Weise die Sechs einfach„revisionistisch" und die anderen„radikalistisch" abgestempelt. Auch er meine, daß der der deutschen Partei keinen Dienst erwiesen habe, der die Genossen daS erste Mal schied in Radikale und Revisionisten. Das sei etwas Unnatürliches. Im Ziel und in der praktischen Arbeit kennten wir keine Unterschiede. Auf dem Amsterdamer internationalen Kongreß habe man so recht beobachten können, daß wir nach außen wie nach innen als die eine einheitliche deutsche Sozialdemokratie daständen. Da gab Deutschland einfach 85 Delegierte an, während die Delegierten anderer Länder sich in Spezialgruppen und -Grüppchen vorstellten. Es sei unser Stolz gewesen, als das ein- zige Land mit solcher Einheitlichkeit dazustehen. Wer uns in un- natürlicher Weise in Radikale und Revisionisten trenne, der tue uns wahrlich keinen Dienst. Das sei es auch, was in den„Vor- wärts"konslikt hineingetragen worden sei und uns geschadet habe, sowie auch in Mannheim nicht dazu beitragen werde, den ganzen „Vorwärts"konflikt rein sachlich zu würdigen. Und schon deshalb halte er es für angebracht, daß, wenn die Angelegenheit im Plenum angeschnitten werde, eine Kommission sie endgültig erledige.— Genosse Gehrmann: Cohen habe am meisten bewiesen, daß die Frage in der Oeffentlichkeit verhandelt werden müsse. Wenn die Meinungen darüber auseinander gingen, so komme das gerade daher, daß man sich nicht klar werde, welche Gründe die Berliner leiteten. Man denke an Jena, lieber das, waS dort nicht öffentlich verhandelt sei, wären die verschrobensten Aniazauungcn zum Aus- druck gekommen. Nun werde gesagt, wir seien außerhalb einig. Gewiß, es wäre ja auch noch schöner, wenn es nicht so wäre. Wir brauchten doch ak�r deshalb nicht gewisse Gegensätze zu verschleiern. Im Gegenteil: öffentlich wären sie auszutragen. Warum solle der Parteitag nicht in der Oeffentlichkeit aussprechen, wie er sich zum Vorgehen deS Parteivorstandes und der Preßkommission stelle!— Genosse Maaß präzisierte noch einmal seinen Standpunkt und ging auf einige Ausführungen deS Genossen Cohen ein. Nicht der kleinste Vorwurf, der der früheren..VorwärtS"redaktion gemacht worden sei, wäre gerade der, daß sie über die geistigen Strömungen in der Partei den Genossen Sand in die Augen zu streuen suchte, daß sie täglich zu erzählen versuchte, daß von zwei Richtungen in der deutschen Partei nicht die Rede sei. Die Verhandlungen in den Berliner Parteikreisen hätten ihr indessen Unrecht gegeben. ES seien tatsächlich zwei Strömungen vorhanden. Das dürfe aber nicht klemlich persönlich genommen werden. Es sei der Grundsatz aufzustellen, daß bei Parteidiskussionen in erster Linie es sich um sachliche Meinungskämpfe handle. Wenn man indessen schreie: «Der Eisner" oder:«Der Ströbel", dann natürlich brauche man Kommissionen. Verhandle man aber rein sachlich, so brauche man die Oeffentlichkeit nicht zu scheuen.— Genosse Cohen betonte in seiner Erwiderung, daß«zwei verschiedene Strömungen" und „geistige Kämpfe, die notwendig seien", von Maaß als dasselbe betrachtet würden, während eS doch zwei ganz verschiedene Be- griffe seien Geistige Kämpfe seien selbstverständlich und müßten durchgefochten werden, denn sonst versumpfe man. Das Vor- handensein solcher geistigen Kämpfe sei aber noch kein Beweis, daß zwei Strömungen da seien. Redner geht darauf noch näher ein, indem er besonders darauf verweist, daß in gewissen aktuellen Fragen, wie z. B. bei der Diskussion um die Beteiligung oder Nichtbeteiligung an den preußischen Landtagswahlen, ganz öiadikale und Leute, die man zu Revisionisten gestempelt habe, ein- . trächtiglich auf derselben Seite kämpften. Ebenso auf der anderen Seite. Bezüglich der Art der Behandlung der„Vorwärts". Angelegenheit auf dem Parteitag bleibt Redner bei seiner Auf» fassung und führt noch an, daß gerade die Frage, ob Recht oder Unrecht geschehen sei, die doch hier zur Entscheidung stehe, un- möglich in einem großen Kreise entschieden werden könne.— Genosse A. Ritter erklärt die Frage, ob der Parteitag nur im Plenum oder erst dort und dann in einer Kommission sich eventuell mit der ,,Vorwärts"angelegenheit beschäftigen solle, für eine unter- geordnete und beantragt Uebergang zur Tagesordnung über den Punkt«Vorstandsbericht", was mit großer Mehrheit angenommen wird. Beim«Parlamentarischen Bericht" kommt Genosse Pohl auf die Borussiainterpellation zurück. Es wird einstimmig beschlossen, daß die Delegierten folgende Resolution vertreten sollen: „Die Versammlung(der Parteitag) bedauert auf das leb» hafteste die schwache Besetzung der sozialdemokratischen Reichs» tagSfraktion anläßlich der Borussiainterpellation, durch die eine sofortige Besprechung unmöglich wurde. Es wird erwartet, daß bei späteren Interpellationen unsere Fraktion so vertreten se�n wird, daß ein ähnliches Vorkommnis ausgeschlossen bleibt." Zur Maifeier spricht als erster Diskussionsredner Genosse Cohen. Er ist auch der Meinung, daß die Maifeier auf dem diesjährigen Parteitag näherer Erörterung bedarf. An- gesichts der Dinge, die dieses Jahr aus der Maifeier sich entwickelt hattin, müsse in Mannheim ernstlich erwogen werden, inwiefern es möglich und nutzbringend sei, den an und für sich schönen und groß- artigen Gedanken der Arbeitsruhe am 1. Mai zur Durchführung zu bringen. Er sei durch seine verantwortungsvolle Stellung in einer großen Organisation seit einer Reihe von Jahren gezwungen, die Frage nüchtern zu erwägen. Er sei zu der Ansicht gekommen, daß die Maifeier nichts anderes sei, als ein eintägiger General- bezm. Massenstreik, und daß auf sie dieselben Erwägungen zuträfen, die die besten unserer Parteigenossen gegenüber dem politischen Massen- streik leiteten. Sie und große Massen von Genossen verträten die Ansicht, daß es Torheit wäre, den politischen Massenstreik bei je�er x-beliebigen Gelegenheit anzuwenden, und daß sich so etwas nicht machen lasse. Dann sollte man aber auch bezüglich der Arbeits- ruhe am 1. Mai gerade so vorsichtig sein. Die Unternehmer könn- tcn sich jederzeit auf die Maifeier durch Arbeitsruhe vorbereiten. Er kämpfe auch für den Gedanken. Wenn sich aber die Dinge so zuspitzten, wie in der Metallindustrie und anderen Industrien, wo zu der Zeit gar keine Konjunktur sei und die Unternehmer stets, wenn sie es wollten, große Niederlagen der Arbeiter herbeiführen könnten, dann gehe es nicht, zu sagen: Du mußt durch Arbeits- rube feiern. Das würde jeder Taktik widersprechen. Man denke nur an das, was den Buchbindern passiert sei. Das könne jedes Jahr unter gleichen oder ähnlichen Verhältnissen jeder anderen Ge- werkschaft passieren, und sie könnten solche Erschütterungen nicht auf die Dauer aushalten. Gewiß gebe es auch Berufe, die günstiger daran seien(Baugewerbe). Von vornherein müsse er sich gegen den gewiß kommenden Einwand verwahren, daß nur ein«Gcwerk- schaftSbcamter, der das große Ziel aus den Augen verloren habe" oder«der in gehobener Lebensstellung sei", so sprechen könne. Es müsse ausgesprochen werden, daß ein Beschluß:„Die Maifeier ist durch Arbcitsruhe zu begehen", gegen jede vernünftige Kampfes- taktik verstoße.(Lebhafter Widerspruch.) Die Bedeutung der Ar- bcitsruhe am 1. Mai müsse auf ihren wahren Wert zurückgeführt werden. Er sähe keine Gefahr für die Arbeiterbewegung darin, wenn einmal dazu andere Beschlüsse herbeigeführt würden. Wenn gesagt werde, eine Maifeier ohne Arbeitsruhe gebe es nicht, dann gebe es in den meisten deutschen Städten keine Maifeier. Möge der Parteitag genügend nüchtern die Durchführbarkeit oder Nichtdurch- führbarkeit besprechen, daß man nicht wieder Dinge erlebe wie bei den Buchbindern, die durch die Maifeier auf b Jahre völlig kämpf- unfähig gemacht seien.(Protestrufe.) Genosse Gehrmann wendet sich gegen Cohen. Dieser be- rufe sich auf die Buchbinder. Aber es gebe noch andere Gewerbe, die immer wegen der Maifeier Schläge bekommen hätten, trotzdem aber nicht abließen von der Arbeitsruhe, und gegen die jetzt wegen der Maifeier nichts mehr getan werde.— Als Gegenexempcl gegen Cohens Ausführungen führe er die Bauarbeiter und Holzarbeiter an, die von ihrer Generalversammlung Anweisung erhalten hätten, die Arbeitsruhe in möglichst großer Zahl durchzuführen. Aller» dings, wenn man in Gewerkschaften den Geist großziehe, der alles von Unterstützungen abhängig mache, so würden es die Mitglieder an idealer Begeisterung fehlen lassen.(Beifall.) Der Mann» heimer Parteitag könne nichts anderes, als die internationalen Be- schlüsse hochhalten. Wenn eine Erörterung der Maifeier not- wendig werde, so nicht dahin, daß eine andere Taktik eingeschlagen werde, sondern über die Vorgänge, die sich abgespielt hätten. Cohen spreche von der Vorbereitung von Gcgenschlägen der Unter- nehmer gegen die Maifeier, wenn man ihnen ein Jahr oder ein halbes Jahr vorher kundtue, der erste Mai werde durch Arbeits- ruhe gefeiert. Ja, wurden denn Lohnforderungen nicht auch vorher beraten? Die Erwartung von Gegcnschlägen dürfe eben nicht abhalten davon, für das einmal Gewollte einzutreten. Sonst hörte ja jedes Kampfesideal auf. Auch das Argument Cohens, daß wir eigentlich nichts hätten, wenn uns die Unternehmer den ersten Mai schenkten, sei verfehlt. Denn in dem Falle hätten wir eben etwas durch unser Andrängen erkämpft, einen Erfolg erzielt, der uns zur Genugtuung gereichte und werbend wirkte. Die Tat- fache sei nicht auS der Welt zu schaffen, daß die Unternehmer durch Aussperrungen usw. einen großen Schaden erlitten. Wenn sie aber einsähen, daß sie trotz allem nicht die Oberhand gewönnen, würden sie sich schließlich sagen: um diese Frage streiten wir uns nicht mehr. Er gebe zu, daß eine andere Form der Maifeier denkbar wäre. Dann aber werde man nicht die wählen, die das Wohlgefallen der Unternehmer erringe, sondern eine solche, die uns passe. Kämen Anträge zur Maifeier, dann seien sie an den Ort zu verweisen, wo sie hingehörten, nämlich an den nächsten internationalen Kongreß.— Genosse M ö b u s verweist auf die große Organisation der Buchdrucker, die auch mal die Betriebe still Ww mm läane, gUi besser� NkMgiettM ilf Maifeier läge es besser. Wenn ein Teil der Gewerkschaftsführer die Mei- nung vertritt, daß die Maifeier durch Arbeitsruhe nichts nütze, sondern nur schade, dann könnten wir allerdings keine Fortschritte mit der Maifeier machen. Genosse Eckert vertritt im wesentlichen denselben Standpunkt wie Cohen und dekämpft einige Ausführungen Gehrmanns und Möbus'. Besonders hebt er dabei hervor, daß ein wesentlicher Unterschied be- stehe zwischen den Hungertischlermeistem des Ostens von Berlin. mit denen ihre drei, vier Gesellen leicht fertig würden, und den Kühnemännrrn, soweit die Durchführbarkeit der ArbeitSruhe in Betracht konime. Genosse Fischer ist feuriger Anhänger der Maifeier durch Arbeitsruhe. Er spricht von Gewerkschaftsführern, die durch schamloseste Agitation dagegen gewirkt hätten. Genösse Fröhlich findet den Standpunkt Cohens spießbürger- lich. Redner bittet, an der Maifeier durch Arbeitsruhe, die ein Merk- stein in der Geschichte der Sozialdemokratie sei, festzuhalten. Genosse Pohl erklärt, daß er selbstverständlich, wenn er die Be- sprechung der Maifeier für notwendig erachtete, an eine Anfeuerung zu größerer Beteiligung gedacht habe. Genosse K n ü p f e r ersucht, den Beweis dafür zu erbringen. daß irgend ein Gewerkschaftsführer gegen die Maifeier sei. Es gebe keinen. Cohen habe nicht das geringste gegen die Maifeier gesagt. Die Gewerkschaftler wollen lediglich eine einheitliche Regelung der Maifeier. Er hoffe, daß der Parteitag in diesem Sinne die Delegierten beauftragen möge, die zum nächsten internationalen Kongreß gingen. Redner spricht gegen Fröhlich und sagt dann unter anderm: Er habe heute bei Beachtung der Rednerliste daran denken müssen, wie die Bauern in Friedeberg-ArnSwalde so oft sagten: wenn bloß nicht so viel Juden in der Partei wären l Heute müsse man in der Versammlung sehen, wie sich die Juden einer gegen den anderen ausspielten.(Großer Lärm. Zuruf: Skandalös!) Richtig wäre, daß in eiiizelnen Orten Tarife Die Maifeier durch Arbeitsruhe enthielten. Die Kehrseite sei aber, daß von einer Brauche in einem Orte nicht weniger als 96 000 Mark verpulvert lvurden und die Genossen nicht mehr fähig waren, einen Kampf zu führen. In einem Orte habe eine fehlgeschlagene Lohnbewegung lähmend auf die Parteibewegung gewirkt. Genosse Mau ist ftir Verschärfung der Maifeier. Er bestreitet, daß die Aussperrung der Buchbinder der Maifeier aufs Konto zu setzen sei. Die Unternehmer würden ohne die Maifeier einen anderen Grund gesucht haben. Genosse Fröhlich: Genosse Knüpfer habe mit breitem Be- Hägen die rückständigen Ansichten der Friedeberger Wähler vor- getragen. Was er antwortete, wissen wir nicht. Bielleicht sagt er uns, ob er die Juden Marx und Lassalle von seinen Schößen ab- geschüttelt habe. Knüpfer habe sich skandalös und eine« Sozial- demokraten unwürdig benommen. Die Debatte über den Punkt wird geschlossen. ES folgen per- sönliche Bemerkungen. Zum Punkt 7 der Tagesordnung:«BolkSerziehung und Sozial- demokratie" machte Genosse M a s ch k e auf die Wichtigkeit der Materie aufmerksam.— Genosse Pohl erklärt, daß nur widrige Umstände es verhiuderteit, wenn nicht gemäß einen, Antrage Maschke die Frage besonders in einer Versamnilung deö dritten Kreises be- handelt wurde. Zum Punkt:„Sonstige Anträge" begründet Genosse Fröhlich folgenden Antrag der Vezirksfiihrer: „Trotz des bereits bestehenden Beschlusses, im Falle einer Stichwahl zwischen gegnerischen Parteien sich der Stimme zu ent- halten, ist hiergegen vielfach in gröblichster Weise verstoßen worden. Der Parteitag bringt dringend in Erinnerung, daß dieser Beschluß überall und unbedingt respektiert werben muß. soll er nicht zur Farce werden. Ganz besonders aber wider- spricht es dein politischen Ehrgefühl der Genossen, der so- genannten freisinnigen Polkspartei irgendwelche Wahlhülfe zu leisten. Diese Partei hat keine Gelegenheit vorübergehen lassen, ohne ihrem Hasse gegen die Sozialdemokratie die Zügel schießen zu lassen. Sie hat bei allen Wahle» selbst dem krassesten Reaktionär gegen unsere Genossen zum Siege verholfen und kann heute mit Recht als die Bannertragerin der Reaktion bezeichnet werden. Eine solche Partei, je eher je besser, vom politischen Schauplätze verschwinden zu lassen, muß als Ehrenpflicht der Genossen betrachtet werden." Nach kurzer Diskussion wurde die Resolution angenommen. Ein Unterantrag ivar damit gefallen. Angenommen wurde ein Antrag, auf die Tagesordnung des Parteitages 1907„DaS Wahlrecht in den Einzelstaaten" zu setzen. Genosse E. Dittmer stellt und begründet den Antrag, dem Parteitage folgende Resolution zu unterbreiten: «Die Parteigenossen sind verpflichtet, sich ihrer gewerkschaft- lichen Organisation anzuschließen. Der Parteitag erkennt als Organisationen im Sinne der modernen Arbeiterbewegung einzig die Zentralverbände an." Auf einige Einwände der Genossen K räker und Gehrmann erklärte sich' Genosse Dittmer damit einverstanden, daß die Resolution erst auf die Tagesordnung des Parteitages 1907 komme. Demgemäß wird beschlossen. Einige andere Anträge fanden keine Mehrheit. Geivählt wurden als Delegierte zum Parteitag die Genossen Pohl, Beier, Gehrmann, als Ersatzmann Genosse K r ä k e r. Zur Brandenburger Konferenz delegierte man nach einleitenden Worten des Genossen Gehrmann die Ge- nossen Fritz Schmidt, Zicken rot und Mittag, sowie Ge- Nossen S t a t l m a n n als Ersatzmanii. Schließlich fand noch folgende Resolution einstimmige Annahme: „Die Versammlung spricht den Opfern der zarischcn Willkür, insbesondere den tapferen Mitkämpfern der deutschen Sozialdemo- kratie, der Genossin Rosa Luxemburg und dem Genosse» Parvus sowie dem Genossen Deutsch ihre Stznipathie und ihr unbedingtes Vertrauen aus. Die Generalversammlung erwartet, daß die- jcnigen Genossen und Partciblätter. welche diese beiden Genossen niit hämischen Bemerknngen Über ihre revolutionäre Taktik der- spotteten, ihre Ansicht nunmehr revidieren." Vierter Wahlkreis. Die Wahlvercinsvcrsanimlung des vierten Kreises Ivar außer- ordentlich zahlreich besucht, so daß KellerS großer Saal gedrängt voll war. Zum Parteitag in Mannheim hielt Genosse Büchner das Referat. Er sagte, daß der Bericht des Partei- Vorstandes diesinal ganz besonders viel Interesse erregen werde, schon deswegen, weil daraus die Wirkungen der Rcorgaiiiiation zu ersehen seien; ferner wegen der Durchführung wichtiger Beschlüsse. low die über die KrieaSfchule der Partei, daö„Korrespondenzblatt" 'ür die Presse usw. Ganz außerordentlich wichtig seien in diesen, Jahre auch die übrigen Punkte der Tagesordnung. Als Hauptpunkt müsse aber der politische Massenstreik und in Verbindung damit daö Verhältnis der Partei zu den Gewerkschaften angesehen werden. Mit Recht habe die Veröffentlichung der„Einigkeit" und die Behauptung, der Partei- vorstand solle gegen die Jenaer Resolution verstoßen haben, lebhafte Bewegung unter den Parteigenossen hervorgerufen. Nun gelte e» •ür den Parteitag, zu prüfen, ob das Wahrheit ist und ob sich die erste der vereinbarten Thesen nur auf die augenblicklichen Verhält- nisse beziehen oder auch für die Zukunft gelten soll. Zu beachten sei. daß der mit A. K. unterzeichnete Artikel von einem Manne ge- schrieben wurde, der unserer Partei fernsteht. Der Redner erklärte. daß er selbst durchaus auf dem Standpunkt der Jenaer Resolution stehe. In dem Augenblick, wo die Bourgeoisie sich über Gesetz und Recht hinwegsetze, das Wahlrecht zu verkümmern suche, sei die An- ivendung außerordentlicher Kampfmittel notwendig. Grundbedingung sei jedoch eine starke Organisation, die eS möglich mache, mit einem Schlage in den Kampf einzutreten und ihn, wenn'S not täte, ebenso auch mit einem Schlage wieder abzubrechen. Die Frage des politischen Massenstreiks werde nicht wieder von der Tagesordiinng verschwinden, und denen, die dagegen ankämpfen, niüsse gehörig die Meinung gesagt werden. Der Partelvorstaiid habe einen Fehler gemacht, indem er das Protokoll von der Konferenz der Gewerkschastsvorstände nicht gleich durchgesehen; das aber habe ja Genosse Pfannkuch bereits zu- gegeben. Was die erwähnte These über die Anwendung de? Massen- ftreiks angehe, so habe ja Genosse Robert Schmidt schon erklärt, daß eS sich hierbei nur um die gegenwärtige Situation handelte. Er, Redner, habe das Vertrauen zum Parteivorstande, daß er nicht von der gegen eine ganz geringe Minderheit angenommenen Jenaer Resolution abweichen werde. Der Redner wies dann ebenso ent- schieden wie sachlich die Angriffe zurück, die in der Vorstände- konferenz wie in einigen Parteiblättern gegen die Genossen Rosa Luxemburg und ParvuS gerichtet wurden, die. wie auch Genosse Leo Deutsch, mit Leib und Leben für ihre Grundsätze offenmütig allen Gefahren Trotz bieten. Der Redner schloß mit der Mahnung an die Versammlung, die strittigen Fragen ruhig und sachlich zu diskutieren. Hierauf verlas der Vorsitzende, Genosse H o f f m a n n. die ein- gegangenen Anträge, von denen ein Antrag Tarnow, die Ver- fammlung möge sich die in der Dienstagnnmmer des.Vorwärts" veröffentlichte Resolution der Kölner Wahlkreise, die Parteipresse für die Lokalorganisationen zu sperren und die Parteigenossen zu ver« pflichte», nur den Zentralorganisationen anzugehören, zu eigen machen, den meisten Stoff zur Diskussion bot. Genosse I e z i o r s k i sprach gegen den Antrag. Man dürfe sich nicht ans solch' kleinlichen Standpunkt stellen, die Presse für jen« Organisationen zu sperren. Er selbst gehöre dem neuen Metall- arbeiterverband an. Alle anderen Sachen für diesen Verbanc würden im„VorwärtS"-Geschäft gedruckt, nnr die Annoncen un! Berichte nehme der„Vorwärts" nicht auf und daraus folge, daß dei größte Teil der«VorlvärtS'-Lefer so gut wie gar nichts über den Verband erfahre. Die Kölner Resolution müsse abgelehnt werden. Für diese Resolution sprach der Antragsteller, Genosse Tarnow. Wenn von der Berechtigung der Lokalorganisationen auS historischen Gründen geredet werde, so könne das doch nicht für alle Ewigkeit geltend gemacht werden, wenn ans anderen triftigeren Gründen ihre Beseitigung notwendig erscheine. WaS die Abneigung dieser Organisationen gegen die Unterstützungseinrichtungen und Tarif- abschlüsse der Zentralverbände angehe, so ständen ja die prinzipiellen Bedenken tatsächlich nur auf dem Papier. Der Um- stand, daß die Lokalorganisationen selbst Tarifverträge abschließen, wo eS ihnen notwendig erscheint, dann die starke Minderheit, die sich in der letzten Kartellversammlung für die Resolution über daS Unterstlltzungswcfen erklärte, bewiesen das. Was halte sie nun noch ab, sich den Zentralverbänden anzuschließen? Der Anarcho- Sozialismus, wie er in der Feenpalastverfaminlung hervorgetreten. die Aufforderung, der Partei den Rücken zu kehren, feien Folgen dieser Eigenbrödeleie».— Genoffe S t u m p e hielt die Beratung über Volkserziehung fiir so außerordentlich wichtig, baß man wünschen sollte, dies wäre der einzige Verhandlungsgegenstand des Parteitages. Die Diskussionen über Partei und Ge- werkschaften, so unschön auch manches dabei gewesen sei, schadeten nichts; sie hätten febr aufklärend gewirkt und sie könnten keine Partei genossen von der Partei abwendig machen. Sie hätten aber gezeigt, baß etwas faul gewesen. Obwohl eine Zer- riffenheit zutage getreten sei wie nie zuvor, werde sich doch eine Einigkeit in der Arbeiterbewegung erzielen lassen. Mit Annahm» der Kölner Resolution würde man nur wieder Oel ins Feuer gießen. So scharf solle man nicht vorgehen; damit komme man in jesuitische MeimmgSunterdrückung. Die Führer der Zentralverbände aber sollten sich trotz deS rapiden Wachstums der Organisationen nicht so aufs hohe Pferd setzen. Man müsse auch auf die Masse derer blicken, die sich, wie zum Beispiel die Beamten, nicht organisieren könnten. Genosse H L b e l äußerte ebenfalls die Meinung, daß der Punkt BolkSerziehung der wichtigste sei; daneben aber auch der über daS Strafrecht, lieber Parter und Gewerkschaften sei eine gründliche Aussprache notwendig. DaS Protokoll biete genügend Grund dazu. Bringmanus Auffassung von einer besonderen Gewerkschaftstheorie sei geeignet, erst recht Gegensätze zwischen Partei und Gewerkschaften zu schaffen. Dem müsse entschieden entgegengetreten werden. Redner wandte sich dann gegen die Behauptung, Rosa Luxemburg habe die GewerkschastSbewegung schlankweg als Sisyphusarbeit be- zeichnet. Habe doch die Genossin gleichzeitig diese Arbeit als durch- auS notwendig bezeichnet. So verwerflich wie jene Behauptung sei eS, wenn man mit allen Mitteln Theoretiker wie KantSky als urteilsunfähig hinzustellen suche. Die AuSführnngen der Theoretiker seien wohl am Platze gewesen. Ganz eigenartig tei auch der Stand« ountt v. Elms. Es könne doch der Partcibelvegnna nur schaden. wenn man behaupte, die Partei habe gar nichts geleistet, Auch hierüber müsse ein gebührende? Wort mit den betreffenden Genoffen geredet werden. Den Antrag Tarnow erklärte der Redner für berechtigt. Mit den Lokalorganisationen würden auch die häßlichen Debatten verschwinden. Genosse B e r n d t erNärte sich mit der sachlichen und ruhigen Auffassung deS Referenten Büchner im allgemeinen einverstanden. Doch habe Genosse Büchner wohl die Veröffentlichung»Hinter den Kulissen" mit dem von A. K. unterzeichneten Artikel der.Einigkeit" verwechselt. Mit diesem Artikel sei der größte Teil der Leiter der Kartellgewerkschasten nicht einverstanden. Jene Veröffentlichung aber enthalte eigentlich nichts anderes als Auszüge aus dem Protokoll der Zentralvorstände, dazu die Frage:«Ist daS wahr?", und die Behauptung, daß in solchem Fall Bebel etwa? anderes gesagt habe als in Jena. Die 31, die diese Veröffentlichung unterzeichneten, seien mit Ausnahme von zweien oder dreien eifrig tätige Sozialdemokraten. Was die Schimpfereien und den Krach in der Feenpalastversammlung betreffe, so seien hauptsächlich Anarchisten daran schuld. Im selben Augenblick aber, wo Sie die Kölner Resolution annehmen, rauben Sie uns das Koalitionsrecht. Genosse Wittenberg bemerkte, daß eS durchaus berechtigt war. den„Vorwärts" für den neuen Metallarbeiterverband zu sperren. Wer die Gründe kenne, die zur Stiftung de» neuen Ver- bandeS führten, wer da wisse, WaS mit der Sache loS ist. müsse mit ftner Maßregel einverstanden sein. Der Redner sprach sich gegen den Antrag Tarnow in der Form, wie er gestellt war. auS, und dafür, daß auf anderen: Wege eine vernünftige Einigung in der Gewerkschaftsbewegung angestrebt werde. Der Stteit zwischen Ge- lverkschasten und Partei beruhe einzig auf Mißverständnissen des Genossen S i l b er s ch m i d t. Wer oa wolle, daß eine Gesundung in den Zentralverbänden eintrete und daß ihre Führer sich nicht mehr so. wie geschehen, aussprechen, dessen heiligste Pflicht sei eS, in den Verbänden selbst eifrigst initzuarbciten. Genosse L a n g h a m in e r äußerte, daß, wenn die Verhältnisse reif zu einem Massenstreik seien, weder GewerkschaftSkommission noch Parteivorstand ihn zu verhindern imstande sein würden. UebrigenS habe die GewerkschaftSkommission nur gewollt, daß der Generalstreik nicht als einziges Prinzip und Ziel der Agitation hingestellt werde, und im gleichen Sinne habe doch auch Bebel die Anwendung des Massenstreiks nur für den Fall empfohlen, daß kein anderes Mittel des Kampfes mehr übrig bleibt. Nun sei eS unverständlich, daß die Genossen über die Frage so ausgebracht diskutieren konnten. Was Bringmann auf der Konferenz sagte, das passe nur für einen engen Kreis und sei auch nur unter dieser Voraussetzung zu beurteilen. Der Redner sprach für Tornows Antrag. Die Zeiten, wo die Lokal» organisationen daseinsberechtigt waren, fei längst vorbei. Bei den Lokalisten hätten die Anarchisten die geistige Führung. Genosse Hackelbusch hält ebenfalls den Antrag Tornows für berechtigt. Mit dem A. K.-Arttkel habe auch die.Einigkeit" da? Recht verwirkt, zur Partei gerechnet zu werden. Notwendig sei eS allerdings auch, daß den Führern der Zentralverbände einmal gründlich die Meinung gesagt«verde. Käme es aber zu einem Massenstreik, so werde eS den Massen gleichgültig sein, was die ObergeiverkschaftSfiihrer dazu sagten. Anzuerkennen sei die Sachlich- keit, mit der der.Vorwärts' über die Streitfrage geschrieben. Mit Recht habe die Redaktton sich wohl für zu anständig gehalten, auf die groben Anwürfe zu antworten. Der Ausspruch, den Kämtng auf dem Verbandstage der Schneider getan über eine«anarcho- sozialistisch-lokalistisch-radikalistische Schieberkolonne" müsse unbedingt zurückgewiesen werden. Es treffe gar nicht zu. daß die Lokalisten solchen Einfluß auf die Partei ausübten. Alle Vertrauensmänner der Berliner Genosse» seien Mtglieber der ZentralverbSod« ttnb von den Vorstandsmitgliedern im vierten Kreise gehöre nur ein Revisor der Lokalorganisation an. Meine KÄning, dajz eine solche Schiebcrkolonne in der Partei tätig wäre, so solle er selbst kräftig mitwirken in der Partei, um diese Kolonne zurückzuschieben. Genosse Brückner hatte den Ausführungen Büchners wenig hinzuzufügen. Trotz abweichender Meinungen habe der Referent ruhig und sachlich gesprochen. Wohl aber müsse er, Redner, auf einiges eingehen, was von Diskussionsrednern gesagt wurde. Der Friedcbcrgschen Genrralstreiksidee gegenüber habe der Kölner Gewerkschaftskongreb Stellung genommen, weil man in dem Generalstreik nicht das Mittel erblicken konnte, daS Proletariat aus den Fesseln der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zu befteien. Bei der Konferenz zwischen Gewerkschaftskommission und Partei vorstand habe es sich darum gehandelt, ob es zur selben Zeit zweckmäßig war. einen Massenstreck anzuwenden. Ohne eine Indiskretion zu begehen, könne es jetzt wohl gesagt werden, daß damals tatsächlich Genossen der Meinung waren, daß bei dem Wahlrechtsraub in Hamburg und bei der preußischen Wahlrechts- bewegung ein Massenstreik geführt werden sollte. Dann aber haben Parteivorstand und Generalkoinmission erklärt, daß er zu der Zeit nicht zu empfehlen sei. Ob er überhaupt angewandt werden soll oder nicht, darüber hätten in letzter Linie nicht jene beiden Körperschaften, sondern die Massen selbst zu entscheiden, die ihre Haut zu Markte tragen müßten. Darum habe man sich im Parteivorstand und Gcneralkommission gesagt, daß der Massenstreik nur alS letztes Mittel anzuwenden sei, weil zu viel auf eine Karte gesetzt werden müsse. In dieser Auf- fassung werde man keinen Verrat erblicken können, wohl aber be- weise sie, daß sich beide Körperschaften ihrer Verantwortung voll bewußt waren. Bei dem Streit zwischen Partei und Gewerkschaften seien auf beiden Seiten Hiebe geführt worden, die bester unterblieben wären. Zur Stellung der Lokalorganisationen zur Untcrstützungsfrage bemerkte der Redner, daß die Lokalisten jetzt auch einsehen lemten, daß sie den Wünschen der Massen in dieser Einsicht Konzessionen machen müßten. Den Zentralverbänden seien die Unterstützungen auch nichts anderSS als Mittel zum Zweck. Der Redner empfahl dann den Antrag TarnowS. Genosse WengelS freute sich der sachlichen Rede Brückners. Er habe schon erwartet, daß die Gewerkschaftsführer mit einer scharfen Resolution kommen würden. WaS die Jenaer Resolution besage, sei doch einfach, daß, wenn die herrschende Klasse unS einmal das Wahlrecht oder vielleicht daS Koalitionsrecht nehmen wollte, wir mit den brauchbaren Mitteln darauf antworten. Er, Redner, könne sich wohl vorstellen, daß dann die Arbeiter einfach nicht zur Arbeit gehen und hübsch zu Hanse bleiben würden. Der Redner wandte sich schließlich gegen einen der eingelaufenen Anträge, ein Wochenabounement deS.Vorwärts" zu 25 Pf. einzuführen. Die Ueberschüffe des.Vorwärts" würden notwendig gebraucht und ohne Schaden könne man das Monatsgeschäft nicht in ein Wochen- geschäft umwandeln. Hierauf beschloß die Versammlung, die Diskussion auszusetzen. um erst die Wahlen der Parteitagsdelegierten zu vollziehen. Zur Auszählung der Stimmzettel wurde eine zwölfgliederiae Kommission eingesetzt. Sie konnte jedoch bei der großen Masse veS Materials ihre Arbeit nicht mehr am selben Tage beenden. Vor Wiedereröffnung der Diskuision wurde die Redezeit auf fünf Minuten beschränkt. Genosse Wilhelm sprach gegen die Kölner Resolution. Ihre Annahme würde wirken, als wolle man die Lokalisten mit der Peitsche in die Zentralverbände treiben.— Dann wurde ein Antrag auf Debatteschluß angenommen. Genosse Büchner sagte in seinem Schlußworte unter anderen», daß er, obwohl er selbst schon vor einer Reihe von Jahren als Zentralverbändler gegen oie Lokalorganisationen agitiert habe, doch von der Annahme oer Kölner Resolution abraten müsse, um nicht noch mehr Oel ins Feuer zu gießen. Nach dem zu urteilen, was Dannenberger in der Kartellvcrsammlung ausführte, könne es so wie so nicht mehr lange dauern, bis sich die Lokalisten den verbänden anschließen würden. Darauf folgte die Abstimmung über die vorliegenden Anträge. Der Antrag Tornow, die Versammlung möge der Kölner Resolution zustimmen, wurde abgelehnt; ebenso ein Antrag, der Parteitag inoge Stellung zur Alkoholftage nehmen, nachdem Genosse Hoffmann darauf hingewiesen hatte, daß dieS ja schon auf dem Bremer Parteitag geschehen ist. Zu einem Antrag, der Parteitag möge dem Parteivorstand Aufftag erteilen, eine Broschüre über politischen Massenstreik und Generalstreik herauszugeben, bemerkte Genosse Hofsinann, daß dieser Antrag von den Funktionären fast einstimmig für überflüssig erachtet worden sei, weil der Parteivorstand ja schon eine Broschüre über den Massenstreik heraus- gegeben hat. Der Antrag wurde abgelehnt. Das gleiche geschah mit dem Antrage, Wochcnabonnements des.Vorwärts" einzuführen. Mit den Leitsätzen der Genossen Zetkin und Schulz über die Volks- crziehungsfrage erklärte sich die Versammlung einstimmig einver- standen. Sodann nahm die Versammlung' die in der vorigen Generalversainmlung zurückgestellte Resolutton zur Massenstreikfrage an, die seinerzeit von den Leipziger Genossen gefaßt w»rde, mit Ausnahme des Satzes, der Von der Veröffentlichung des Protokolls handelt, weil dieses Verlangen ja jetzt erfüllt ist. Die Resolution lautet somit: „Die wirtschaftliche und politische Situation hat sich fett den Beschlüssen des Internationalen Kongresses in Amsterdam und des Parteitage« in Jena in keiner Welse geändert, wa« eine ver- änderte Stellungnahme in der Frage des polittfchen Massenstreiks notwendig machte. Im Gegenteil verschärfen sich die Känrpfe zwischen der herrschenden Gesellschaft und dem Proletariat auf wirtschaftlichem wie politischem Gebiete zusehends, so daß das im politischen Massenstreik durch die Beschlüsse anerkannte Kampfes- mittel nach wie vor dem Waffenarsenal deS Proletariat« einverleibt zu verbleiben hat und propagiert werden muß. Die Versammlung verurteilt deshalb alle Versuche, dieses Kampsinittel ander« als auf dem legalen Wege der Beschlußfassung der internationalen Kongresse wie der nationale» Parteitage ausschalten und diese Kongreßbeschlüsse aufheben zu wollen." Der zweite Punkt: Die Brandenburger Konferenz, wie die Wahl der Delegierten dazu, wurde der vorgeschrittenen Zeit wegen vertagt. Fünfter Wahlkreis. Die gut besuchte Versammlung wurde im„Alten SchützenhauS" abgehalten. Zunächst gedachten die Anwesenden deS Ablebens zweier Genossen in der üblichen Weise. Alsdann wurden 82 neue Mit- glieder als aufgenommen erklärt. Hierauf verlas der Kassierer K i r st e die fällige Abrechnung. Demnach belies sich die Einnahme auf 6750,37 M. und die Ausgabe aus 5732,06 M., so daß ein Be- stand von 1027,31 M. verblieb. Sodann referierte Liepmann über die Tagesordnung deS Mannheimer Parteitage«. Redner führte dazu etwa folgendes au«: Das WaS die Genossen heute zusammengeführt habe, sei wohl eine« der wichtigsten Ereignisse im gegenwartigen Parteileben. Der Parteitag werde über schwerwiegende Fragen zu beraten haben, deswegen sei es notwendig, die Delegierten zu ver- pflichten, genau nach der Meinung der Genossen zu handeln. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, werde dieser Parteitag ein Markstein in der Parteigeschichte werden. Wa« den Bericht deS Partei» Vorstandes anbelange, so werde dieser wohl günstiger ausfallen wie tm Vorjahre. Ueber die in Jena beschlossene und eingeführte Orga- nisationsverbesserung lasse sich allerdings ein abschließende« Urteil noch nicht abgeben. Soweit die Dinge aber zu Überblicken seien, könne wohl gesagt werden, daß ein guter Fortschritt eingetreten ist. Für Berlin sei dies ohne weiteres zu konstatieren, und man gehe wohl nicht fehl in der Amiahine, daß der Verband der Wahlvereine von Groß-Bcrlin am Jahresschluß die ersten 50 000 Mitglieder zählen werde. Auch die diesjährigen Nachwahlen im Reiche lassen den Schluß zu, daß die in den letzten Vorfahren so übel empfundene Periode de« Rückschritts jetzt überwunden tst und einem hoffentlich dauernden Aufstieg Platz macht. Die Wahlen in Esse», Eisenach, Kaiserslautern, Hannover. Altena-Jserlohn und Hagen-Schwelm haben uns einen testweise recht erheblichen Stimmenzuwachs ge- bracht und berechtigen deshalb zu weiteren Hoffnungen.— Zu begrüßen sei die Gründung der Partei-Hochschule, trage sie doch dem längst geäußerten Wunsche nach theoretischer Vertiefung endlich Rechnung. Wenn sich auch noch nicht sagen läßt, wie sich diese Bildungsanstalt entwickeln werde, so sei doch wenigstens ein guter Anfang auf diesem Gebiete gemacht. Die Einrichtung eines Bildungs- ausschusies von 25 Personen erscheine ihm freilich als etivas zu umstündlich. Eine Vereinfachung des Aussichtsapparates könne auch hier nichts schaden. Zur Hebung der Jugendbilduiig empfiehlt er eine illustrierte Zeitschrist, selbst wenn sie auch Nie'hr Geld kosten sollte, wie dem Parteivorstand vielleicht lieb sein möge. Auch die Serausgabe der Parteikorrespondenz für die agitatorisch tättgen enosien sei äußerst wertvoll. Allerdings verfahre der Partei- vorstand hierbei auch wieder etwas zu sehr nach seinem alten Sparsanikeitsprinzip, indem er nur den hervorragend agitatorisch tätigen Genossen die Korrespondenz zustellen lasse. Hierbei wolle er jedoch bemerken, daß mit der Anstellung des früheren„Vorwärts"- Redakteurs Geuoffen Schröder bei der Korrespondenz wohl der vollgültige Beweis geliefert sei. daß dem Parteivorftande jede Animosität gegen die früheren Redaltcure. geschweige denn der Gedanke an«ine Maßregelung derselben durchaus ferngelegen habe. Die Wiedcreinstellung sei erfolgt, wenn auch an einem anderen, geeigneter erscheinenden Platze.— Ein be- sonders erfreulicher Teil für die Genossen werde auch der diesjährige Kassenbericht sein. Abgesehen davon, daß für die um die Volks- sreiheit so außerordentlich schwer ringenden russischen Revolutions- kämpfcr über 307 000 M. aufgebracht wurden, zeigen die Parteifinauzen einen guten Stand. Hieran habe be> sonders Berlin seinen guten Anteil. Nach den Jenaer Be- schlüssen hätte Berlin eigentlich nur rund 25 000 M. an die Parteikassc abzuführen brauchen. In Wirklichkeit aber habe cS über 156 000 M. abgeliefert. Hinzu komme auch noch der Ueberschuß des„Vorwärts" in der Höhe von zirka 140 000 M., der doch ebenfalls zur Hauptsache aus das Konto der Berliner Gc- nosien zu setzen sei, so daß von Berlin aus die Summe von 297000 Mark der Parteikasse zugeflossen ist. Damit sind die Leistungen der vielverschriecnen Berliner jedoch noch keineSwegö erschöpft. Rechnet man die Aufwendungen für die Provinzialagitation, die Zeichnungen auf den Russenlisten usw. hinzu, dann sei eS nicht zu hoch gegriffen, wenn man die diesjährigen finanziellen Leistungen der Berliner Genossen auf nmd eine halbe Million Mark beziffert. Uin so eigen- artiger müsse es daher berühren, wenn in letzter Zeit wieder von cinein Teil der Provinzialparteipreffe Stimmung gegen die Ber- liner Genossen zu machen versucht werde. Diese Animosität gegen Berlin sei wirklich nicht berechtigt.— DaS Parteistatut betreffend ist Redner der Meinung, daß der AuSschlußparagraph geändert werden muß. Nur zu häufig zeige es sich. daß die Einberufung der recht kostipieligen Parteischiedsgerichte überflüssig ist, ganz abgesehen von der damit verbundenen großen Umständlichkeit des BerfahrenS.— Nachdem Redner dann noch kurz die nächste» Punkte der Tagesordnung gestreift hatte, verbreitete er sich eingehend über die Maifeier und den M a s s e n st r e i k und damit auch über daS Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaften. Obwohl die diesjährige Maifeier in Berlin. allgemein bewachtet, eine recht imposante gewesen ist, so habe sie doch durch die bekannten Borkommirisse einen wenig anheimelnden Nebenanstrich erhalten. Es liege ihn, nun fern, jene üblen Begleit- erscheinungen in ihren Einzelheiten hier noch einmal zur Sprache zu bringen, nicht das Trennende wolle er mehr betonen. Eins aber wolle er feststellen: Die Parteileitung war von vornherein bereit, sofort zu den Unterstlitzungskosten für die Mai- ausgesperrten beizutragen, und innerhalb vier Tagen sind aus der Parteikaffe mich prompt 90 000 M. an die Berliner GcwcrkschastS- kommission gezahlt worden. Wer e« ander» darstelle, sage nicht die Wahrheit. Ja, er könne erklären, daß, wenn die Aussperrung noch größere Opfer erfordert hätte, die Parteileitung sich keinen Augen- blick geweigert haben würde, noch mehr Mittel flüssig zu machen. Niemals würde die Partei ihre für die Maiideale leidenden Brüder verlaffeii. Hoffentlich aber blieben uns solche Auseinandersetzungen, wie sie aus diesem Anlaß in Berlin zu verzeichnen waren, für die Zukunft erspart. Ermunternd hätten sie jedenfalls nicht gewirkt. Das aber müsse anSgesprochen werden: Die Gewerk- ichaftSmttglieder haben sich die von vielen ihrer Führer geplante Abschwäch»ing der Maifeier nicht gefallen lassen. Einen drastischen Beweis hierfür habe u. a. erst jüngst der VerbaiidStag der Schneider geliefert. Wenn die Dele- gierten dieses VerbandstageS schließlich auch alles gebilligt! haben, ivaS ihr Hauptvorstand unternommen und angeordnet hat— seine Haltung zur Maifeier aber haben sie entschieden gemißbilligt. Deshalb: die Maifeier wird sich durchsetzen, ganz gleichgülttg ob sie einem Teil der Gewerkschaftsführer paßt oder nicht. Unverständlich sei es nur, daß es überhaupt noch Genossen geben könne, welche die Feier für überflüssig erklären und damit gegen die Beschlüsse der Parteitage wie auch der internationalen Kongresse obstruieren.— Die Frage deS Massenstreiks führe auch gleichzeitig zur Erörterung der übel' angebrachten Indiskretion der„Einigkeit" hinsichtlich des Protokoll» der internen Konferenz der Gewerkschaftsvorstände wie auch der Verhandlungen zwischen Parteivorstand und Gciieralkommisfton. Ueber die Beröffentlichung des Protokolls ist die Geiieralkommission zwar ungehalten gewesen. Nachdem aber durch die„Einigkeit" Bruchstücke aus dein Protokoll bekannt gegeben waren und zwar in tendenziöser Weise nur diejenigen, die zuungusten der Zentralvor« stände sprachen, da habe der Parteivorstand mit Recht die Beröffent- lichung des ganzen Protokolls veranlaßt. Diese Anordnung deS Parteivorstandes habe u. a. auch ihre glänzende Rechtferttgung durch das einmütige Verttaucnsvotum der 353 Delegierten auf der letzten Generalversammlung deS Verbandes der Wahlvereine von Groß- Berlin gefunden. Ueber die theoretische Erörterung deS Massenstreiks lasse sich ja viel sagen. Soviel stehe aber einmal fest, der Massen- streik sei in Jena in die Reihe der polittschen Kainpfniittel deS Proletariats eingereiht worden, und daran habe man sich eben zu halten, ganz gleichgültig ob ein Genosse Gegner oder Anhänger desselben ist. Die Resolutionen von Köln und Jena stehen aber zweifellos im Widerspruch mit einander. Wohin solle man nun mit der Zwei- sjeelentheorie eigentlich kommen? Ass Gewerkschaftler beschließt man so und alS Parteigenosse so. Das müsse schließlich zu unlcid- lichen Zustäiiden führen. Ein Parteigenosse könne und dürfe nicht sagen, für ihn als Gewerkschaftler sei ein den Parteitagsbeschlüssen entgegenstehender GewerischaftSkongreßbeschlub maßgebend. Eine Diskussion über den Massenstreik zu verbieten, wie man es in Köln getan, sei doch einfach unmöglich. Er, Redner, freilich stehe auf dem Standpunkte: So etwas diskutiert man nicht, sondern dekretiert es.— Hierbei wolle er nun auch gleich- zeitig aus die Notwendigkeit deS gewerkschaftlichen Kampfe« hin- weisen. Aber nicht nur der Kampf an sich, sondern vor allem sei ein einheitlicher gewerkschaftlicher Kampf notwendig. Damit erkläre er auch wieder, wie schon so oft, daß er die lokalisti- scheu Organisattonen für durchaus überflüssig halte; umso überflüssiger, weil sie jetzt selbst gezwungen sind, all die Ein- richtungen einzuführen, die in den Zeniralverbänden existieren. Er erinnere nur an die jüngsten Kartelldebalten über die Einführung der Unterstützungseil, richwiigen. Die Lokalisten thäten deshalb ge- scheidter, in die Zentrnlverbände zu gehen und dort nach Kräften für die Partei zu wirken, als in ihrer törichten Eigenbrödelei zu beharren. Wenn die„Einigkeit" in ihren Veröffentlichungen nur inimer da« Trennende hervorhob, so habe sie damit sehr durch- fichtige Zwecke verfolgt. DaS müsse aber ausdrücklich betont wer- den: in den Zentralverbänden gebe es genau so gute Genossen wie in den Lokalorganisatione». Die überspannte Neutralität würde in den Zeutralverbänden aber um so eher verschwinden, wenn cS eine einheitliche Gewerkschaftsorganisation gäbe. Bedauerlich sei es, daß in der Versammlung niemand von den dem Wahl- verein angehörigen bekannteren Gewerkschaftsführern anwesend sei, sonst würde er sie gefragt haben, ob sie den in jener Versammlung angeschlagenen Ton der Genossen Müller, Deinhard, Päplow, Pötzsch, Legten und v. Elm als einen passenden bezeichneii köimten. Cr wolle nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, sonst könne er dem Gevosw» v. Elm vielleicht sagen: Wenn die Parteigenossen es wollen, s o würden aus einem einzigen Ge« Werkschaftskongreß die Leute der Elmsche« Richtung einfach hinweggefegt werden! Die Be- hanptung, als stände die Partei den Gewerkschaften feindlich gegen- über, sei nachweislich unwahr. Wer diese vage Behauptung immer wiederhole, der füge der Partei tatsächlich ei» schreiendes Unrecht zu. Es werde doch jedem Genossen zur Pflicht gemacht, sich der für ihn zuständigen Gewerkschaft anzuschließen. Ganz natürlich sei cS jedoch, weil» aus der Partei herauL an die Gewerkschaften die Mahnung ergeht, auch des politischen KampfeS eingedenk zu sein. Ein Blick auf England lehre ja, wie unentbehr- lich der politische Kampf für die Arbeiterklasse ser. Die Partei sei eben daS rechte und die Gewerkschaften das linke Bein der Arbeiter» bewegung. Eins kann ohne das andere nicht bestehen.— Auf die Differeiiz. die er mit Legten gehabt habe, wolle er hier nicht ein- gehen. Tatsache sei jedoch, daß N o b e r t Schmidt, der leider in der Versammlung fehle und gegen den er sich deshalb jeder Polemik enthalte, in der Generalversammlung� von Groß- Berlin erklärt hat, daß bezüglich der vielumstrittene» These 1 der„enthüllten" Masiciistreikssitzung des Partei- Vorstandes und der Generalkommission nicht Silberschmidt, soudern Bebel recht habe. Es konnte ja auch gar nicht anders sein, als daß Bebel damals nur die gegenlvärtige Situation t« Auge gehabt hat. Als wir sahen, wie Berlin am 21. Januar in Waffen starrte, da mußte sich doch jeder einsichtige Genosse sagen, eS war nur recht gehandelt, daß wir nicht auf die Straße gingen. Zuin Schluß seiner mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Ausführungen gibt Redner der Hoffnung Ausdruck, daß auf dem Parteitage der rechte Weg gefunden werden möge, damit Partei>md Gewerk- schaften einheitlich zum Segen der Arbeiterbewegung wirken können, und empfahl nachstehende von den Genossen Wels, Wasser und Weise ausgearbeitete Resolution: Die Generalversaiiinilung des sozialdemokratischen Vereins im fünften Berliner Reichstagswahlkreiie erachtet es infolge der widerspruchsvollen Auslegung der Jenaer Resolution zum politischen Massenstreik durch die Vertreter der Partei einerseits und eines großen Teiles der Gewerkschaftsführer andererseits für notwendig und zweckdienlich, die Frage des Massenstreiks auf dem Parteitage nochmals zur Beratung kommen zu lassen und bei dieser Gelegenheit das Verhältnis zwischen Partei und Gewerk« schaften einer eingehenden Erörterung zu unterziehen. Die Versammlung ist der Meinung, daß in dieser wie in allen anderen Fragen der Arbeiterbewegung daS engste und ein- heitlichste Zusammenarbeiten der beiden mächtigsten Zweige der Arbeiterbewegung notwendig ist. So wie in der Jenaer Resolution zum polittschen Massenstreik jeder Parteigenosse verpflichtet wird, sobald für seinen Beruf eine gewerkschaftliche Organisatton besteht, derselben beizutreten, oder zu helfen eine solche inS Leben zu rufen, erachtet es die General- versanimlung für die Pflicht eines jeden Gewerkschaftsgenossen, für die Ausbreitung der polittschen Organisationen der Sozial- demokratte gleichermaben Sorge zu tragen. Sie bezeichnet ausdrücklich im Interesse gcgenseittger, schnellerer und besserer Verständigung sowie größerer Schlagfcrtigkcit bei gemeinsamen Aktionen jede Zersplitterung der GewerkschastS- bewegung als für die Arbeiterschaft durchaus schädlich und erklärt WSbci andere den in Berlin noch vorhandenen lokalisttschcn Ge- werkschaften gegenüber die Notwendigkeit der einheitlichen zen» tralistischen Organisationsform. In Erwägung aber, daß der Befreiungskampf der Arbeiter- klasse notwendig ein politischer ist, der gewerkschaftliche Kampf ihn wohl begleitet und unterstützt, nicht aber die Endziele der Sozial» demokratie, die Vergesellschaftlichung der Produktionsmittel, herbeiführen kann, beträchtet die Versammlung einzig die Parteitage der sozialdemokratischen Partei, der politischen Vertreterin der deutschen Arbeiterschaft. alS ausschlaggebende Instanz für jeden sich zur Partei Zählenden. Sie verpflichtet jeden Parteigenossen, diesen Beschtiissen jederzeit und in jeder Situatio» Folge zu leisten und weitere Geltung zu verschaffen. Die Versanimlung erklärt sich mit der Veröffentlichung deS Protokolls der Geiverkschaftsvorstäudekonferenz durchaus ein« verstanden, weil nur hierdurch eine aufklärende und durch keinerlei Mißtrauen vergiftete Diskussion ermöglicht wurde. Ferner erwartet die Versanimlung vom Parteitage, daß er Mittel und Wege finde. um durch engeres Zusammenwirken der leitenden Partei- und GewerkschastSinstanzeii ein gedeihlicheres, die Gesamtinteressen der Arbeiterbewegung mehr förderndes Verhältnis herbeizuführen. Als erster DiSknsstonsredner erhielt R e g g e daS Wort. ES sei ihm unerfindlich, wie Liepinann von einer ubel angebrachten Indiskretion der„Einigkeit" sprechen könne. Wer aus einem solchen Standpunkt stehe, habe kein Recht, sich als einen Genoffen zu be« zeichnen, der da will, daß auch die Masse erfährt, was die Führer unter sich abkarten. Vor allem finde er die Haltung des„vorwärts" in dieser Angelegenheit als geradezu jämmerlich. Der„Vor- wärts" habe nicht aufgeklärt, worun, eS sich eigentlich handelte. Ueber die Hauptsache sei er aalglatt hinweggeglitten, dagegen habe er die Nebendinge allerdings um so breiter besprochen. Riit aus» gesuchter Verve habe der„Vorwärts" gegen das Bochumer Partei- blatt und die„Sächsische Arbeiterzeitung" polemisiert, aber die Tatsache, daß die Mitglieder zweier so gewichtiger Körperschaften wie Parteivorstand und Gencralkommission in klaffendem Wider» spruch mit einander standen, ist von ihm keineswegs genügend ge- würdigt worden. Es handele sich darum, die Wahrheit zu erfahren. Wessen Behauptung sei nun die richtige, die von Bebel oder die von Silberschmidt? Die Generalkommission halte in ihren Erklärungen an der Silberschmidtschen Darstellung fest. Bebel dagegen spreche nur von einem Mißverständiüs. Sei es nun wirklich denkbar, anzunehmen, daß fünf Thesen richtig, die sechste aber falsch wiedergegeben seien? Die Generalkommisston könne es sich doch memalS er» dreistet haben, eine These zu fälschen. Bebel mit seinem bekannten Temperament würde sich so etwas doch sicher nicht haben gefallen lassen. Deshalb glaube er, daß die General- kommission recht. Bebel aber unrecht habe. Ueber diesen Punkt Klarheit zu schaffen, daS habe die journalistische Ehre deS„Vorwärts" einfach erfordert. ES scheine aber, als habe sich die Redaktion ge- scheut, der Autorität des Parteivorstandes zu nahe zu treten. In Mannheim werde man ja wahrscheinlich wieder«ine Resolution fassen, die den Massenstreik betrifft. Ob aber dann etwas anderes geschieht wie bisher, das sei ivohl sehr ftaglich. Die Arbeiterklasse müsse in Wort und Schrift endlich mehr über den Massenstreik auf- geklärt werden wie bisber. Sonderbar berühre eS ihn. daß etwa Geyer, der doch nichi den Standpunkt der meisten anderen Ge- werlfchaftsführer teilt, nach der bewußten Konferenz den Parteivor- stand nicht auf jene« Protokoll aufmerksam gemacht habe. Me Redner der Konferenz haben es demnach als gegebene Tatsache an- gesehen, daß der Parteivorstand seine Meinung über den Massenstreik gewandelt hatte. Und was könne man auch weiter annehmen. Tatsache sei doch, daß nach den bekannten Veröffentlichungen der „Täglichen Rundschau" vor dem 21. Januar da» Massenftre,ksfeuer plötzlich erloschen war. Ursprünglich sei die große Demonstration dock, zu Ebren der am 22. Januar vorigen Jahres»iederkartätschten russischen Freiheitskämpfer und als allgemeine Sympathiebezeugung zuguiisten der russischen Revolution geplant gewesen. Dann aber schob man plötzlich das Wahlrecht vor. Dies fei doch ein Zeichen dafür, daß im stillen etwas vorgegangen sein müsse. WaS sei nun aber aus der Wahlrechtsdemonstration geworden? Sie sei einfach im Sande verlaufen. Trotz der starken Organisationen, trotz der gutei» Parteipresse und trotz der großen Gewerkschaftstassen fürchten uns die herrschenden Klassen viel wciiigcr wie früher. Wolle man die Massen endlich ans ihrer Energielosigkeit reißen, dann müsse der Massenstreik entschiedener propagiert werden. Huhn ist in der Maifeierftage vollständig der Ansicht Liep« mann». Er wundert sich jedoch, daß Regge als unentwegter Lokalist derartig gegen den Parteivorstand losgeht, während er die General- kommiffioi, so warm verteidigt habe. ES sei doch Himmelschrelend, daß die Gclverkschaftsfllhrer in jener Konferenz solche vartei- schädigenden Aussprüche getan hätten. Wer habe sie denn jemali als«vollgefreffme Kerle" bezeichnet I Aber d?n GetverkschaftSführs. »nllsse sozusagen auf die Fuße getreten werden, weil viele von ihnen die Fühlung nnt den Massen verloren hatten. Deswegen solle man auch dafür sorgen, daß zu dem nächsten Gewerlschaftskongreß nicht wieder Beamte, sondern Leute aus den Reihen der Organisation delegiert würden. Mit der Maifeier wäre man zweifellos schon viel weiter, wenn nicht die Beamten, wie beispiels- weise bei den Metallarbeitern, immer gegen die Arbeitsruhe gesprochen hätten. Solchen Führern müsse eben gezeigt werden, daß die Massen die Feier haben wollen. Nehmen doch jetzt die Verbandstage aller Organisationen Stellung zur Regelung der Maiunterstützung. Hierin liege doch der beste Beweis zur Festigung des Maiideals. Was den Massenstreik anbelangt, so könne es ja gar nicht sein, daß der Parteivorstand einen anderen als den.gegenwärtigen" Zeitpunkt im Auge gehabt habe. Damit sei auch das Rätsel gelöst, das Negge nicht zu lösen vermochte. Bezüglich der Lokalisten ist Redner der Meinung, daß diesen die Parteipresse über- Haupt gesperrt werden müßte. sWiderspruch.) So würden sie am ersten ihre schädliche Sonderbündelei aufgeben und in die Zentral- verbände gehen, wo sie dann ja ihren Radikalismus nachdrücklich zur Geltung bringen könnten. Wels konstatiert, daß Regge diesmal schon etwas anders ge- sprachen habe als sonst. Wenigstens habe dieser seine Angriffe gegen den Parteivorstand, dem er in der vorigen Versammlung noch schmählichen Arbeiterverrat vorwarf, bereits bedeutend reduziert. Die„Einigkeit" habe nun durch die Art, wie sie Teile des Protokolls veröffentlichte, den schlagendsten Beweis erbracht, daß es ihr nicht darauf ankam, der Arbeiterbewegung einen Dienst zu erweisen, sondern daß sie im Trüben fischen wollte. Das Blatt hätte die Verpflichtung gehabt, nicht nur die Aussprüche zu veröffentlichen, die gegen die Partei oder die Parteiführer gerichtet waren, sondern es mußte auch jene Redner zitieren, die jene Angriffe zurückwiesen. Da dies aber nicht geschehen ist, so kennzeichneten sich die Veröffentlichungen der „Einigkeit" als einseitig und. tendenziös. Was die Hintermänner der„Einigkeit" jedoch in Wirklichkeit beabsichtigten, das zeige mit verblüffender Deutlichkeit der bekannte Kleinleinsche Artikel, der nichts mehr und nichts weniger als eine Spaltung der Partei forderte und empfahl. Das also sei die Tendenz der„Einigkeit", wenn sie ihre Karten vielleicht zum Aerger ReggeS und anderer Lokalisten auch etwas sehr ungeschickt aüfgedeckt hat. Völlig unberechtigt sei nun der Vorwurf Regges, daß die Haltung des „Vorwärts" in dieser Sache eine jämmerliche gewesen sei. Gerade die Redaktion hat dringlich die Freigabe des Protokolls zur Ver- öffentlichung gefordert. Sie konnte jedoch nicht eher mit der Ver- öffentlichung beginnen, als bis die formalen Wege erschöpft waren. Was würde es für einen Eindruck in der Oeffentlichkeit gemacht haben, wenn der„Vorwärts" als Zentralorgan der Partei die Ver- öffentlichung eher vorgenommen hätte, bevor der Parteivorstand die Anweisung dazu gab. Einen solchen Eingriff in die Rechte des Parteivorstandes würden auch die Genossen gar nicht gelitten haben. Nachdem aber alle formalen Wege erschöpft waren, habe der Partei- vorstand durchaus recht gehandelt, als er die Veröffentlichung an« ordnete. Wäre dies nicht geschehen, dann hätte Regge auch in der heuttgen Versammlung wohl Oberwasser behalten. So aber sei es jetzt ein leichtes, seine Kritik auf ihr richtiges Maß zurückzuführen. Soviel stehe nun einmal fest: Der„Vorwärts" habe hier in jeder Hinsicht seine Pflicht und Schuldigkeit getan. Auch als andere Parteiblätter zum 2l. Januar den Eintritt in den Massenstreik forderten, habe der „Vorwärts" die Sachlage richttg beurteilt. Eine andere Stellung- nähme war unter sachlicher Würdigung der damaligen Verhältnisse gar nicht möglich, als die Januardemonstration mit dem Wahlrechts- kämpf zu verbinden. Solche Kämpfe wie der Massenstteik können eben nur mit der Masse und nicht mit einzelnen Idealisten geführt werden. Die Masse wäre im Januar aber für eine derartige Aktion nicht zu haben gewesen. Wo bleibe nun aber die Logik Regges? Er selbst sage, bei der vorhandenen Energielosigkeit der Masse hätten uns die herrschenden Klassen weniger zu fürchten wie früher I Da» sei nun zwar nicht richttg, beweise aber, wie sich bei den Lokalisten alles im Kreis« drehe. UebrigenS hätten jetzt ja auch die Lokalisten endlich einmal ihre eigene Ohnmacht in aller Form an- erkannt. Laut Kartellbericht des„Vorwärts" haben sie unumwunden zugegeben, daß sie völlig einflußlos seien, und daß sie mit ihren Schlagworten keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken können, geschtoeige noch die Massen an sich zu ziehen vermögen. Wenn es so stehe, dann habe auch Regge keine Ursache mehr, hier den Mund so voll zu nehmen. Gerade die letzten Schmerzenstöne im lolalistischen Kartell beweisen zur Genüge, wie not- wendig eine einheitliche gewerkschaftliche Organisation sei. Die Sondcrbündelei— das müsse einmal deutlich ausgesprochen werden— sei einfach ein Verrat an der Arbeiterbewegung. Es würden dadurch nur die Kräfte zersplittert und nutzlos vergeudet.— Bebels Erklärung zu der Darstellung Silberschmidts sei sachlich und würdig. Sie genüge für jeden denkenden Genossen. Er. Redner, könne versichern, daß der ganze Parteivorstand noch nicht einen Augenblick von dem Standpunkt, den er in Jena zum Massenstreik eingenommen habe, abgewichen sei. Notwendig sei es allerdings, daß in Mannheim eine gründliche Aussprache über die divergierenden Ansichten zweier solcher Körperschaften, wie eS der Parteivorstand und die Generalkommission nun einmal sind, er- folgt. Der Parteitag werde in dieser Hinsicht jedenfalls auch vollere Arbeit machen wie bisher. Zu wünschen wäre, daß eine Personalunion fiir beide Körperschaften derart Platz griffe, daß ein Teil der Parteivorstandsmitglieder gleichzeitig der General- kommisston angehörten und umgekehrt. Ob es diesmal aber schon dahin komme, sei allerdings noch fraglich. Wie dem aber auch sein werde, immer sei zu bedenken, daß wir einer Welt von Feinden gegenüber stehen. Angesichts dessen rufe er den Genossen zu: Bitter Not tut uns Einigkeit zum Kämpfen und zum S i e g e n I(Beifall.) In seinem kurzen Schlußwort bemerkte Liepmanu u. a., die(janze Geschichte der jetzigen Massenstreiks- Auseinandersetzung sei lediglich daher gekommen, daß Silberschmidt in der Fixierung der ersten These das Wörtchen„gegenwärtig" ausgelassen habe. Ei n st immig wurde hierauf die erwähnte Re- solution angenommen. Ebenfalls zur Annahme gelangte folgender Antrag Regges: Der 6. Berliner Wahlkreis ersucht den Mannheimer Parteitag, den Parteivorstaud zu beauftragen, eine leicht verständliche Broschüre herauszugeben, die den Zweck hat, die Arbeiterklasse über die Bedeutung des Massen- resp. Generalstreiks aufzuklären und die geeignet erscheint, unter Hinweis auf die durch den Materialismus erzeigte Energielosigkeit der Masse die Arbeiterklasse dem Idealismus zuzuführen und zu energievollen Klaffeukämpfern zu erziehen. Die Broschüre muß zur Verbreitung allen politischen und gewerkschaft- lichen Organisattonen unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Als Parteitagsdelegierte wurden sodann gewählt die Genossen Liepmann, Wasser und Holzapfel.— Von einer Debatte über die Tagesordnung der Brandenburger Provinzialkonferenz nahm die Versammlung der vorgerückten Zeit halber Abstand. Die Wahl der Delegierten zur Konferenz entfiel auf die Genossen S e e f e l d, H i r s ch s e l d und Ritter. Sechster Wahlkreis. -,4),e rZeneralversammlung des Wahlvereins tagte in den „Germaniasälen", der große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Das einleitende Referat über den Parteitag hielt Genosse Freythaler. Er besprach Punkt für Punkt die Tagesordnung des Parteitages und sagte unter anderem: Beim Geschäftsbericht des Vorstandes werde der„Vorwärts"-Konflikt im Vordergrunde der Erörterungen stehen. Der Redner rief den Hergang des Kon- flikts mit wenigen Worten in die Erinnerung zurück und beant- wartete bei dieser Gelegenheit eine vom Genossen Uckert schriftlich eingereichte Anfrage, welche lautet:„Der Genosse Wetzker hat bei seiner Entlassung aus der Redaktion des„Vorwärts" sein Gehalt bis 1. April 1906 erhalten, hat dann aber schon im De- zember 1965 eine neue Stellung in Bochum angetreten. Ist dem Vorstande bekannt, ob der Genosse Wetzker von dem erhaltenen Gelde etwas zurückgezahlt hat oder ob er doppeltes Gehalt für Parteiarbeit genommen hat." Freythaler beantwortete die Frage dahin: Soviel ihiit bekannt, habe Wetzker nichts zurück- gezahlt, man habe es auch nicht von ihm verlangt. Die Partei- instanzen hätten sich in dieser Angelegenheit nicht auf den Rechts- standpunkt gestellt, sondern dieselbe als eine Frage des Taktgefühls betrachtet, die jeder seinem Empfinden gemäß zu entscheiden habe. Weiter führte der Redner aus, vielleicht werde beim Vorstands- bericht, vielleicht auch erst bei der Erörterung des politischen Massenstreiks die Veröffentlichung des Protokolls der Gewerk- schaftskonferenz besprochen werden. Die Parteipresse habe ja fast ohne Ausnahme erklärt, daß die Veröffentlichung im Interesse der gesamten Arbeiterbewegung erfolgen mußte oder doch, daß die Ver- öffentlichung keinen Schaden bringe. Redner steht ebenfalls auf dcm Standpunkt, daß der Arbeiterbewegung nur damit gedient sei, wenn man erfahre, wie der eine oder andere der führenden Ge- werkschafter über das Verhältnis der Partei zu den Gewerkschaften denkt. In der Maifeier werde der Parteitag an der bisherigen Tradition festhalten, wonach die Arbeitsruhe als die würdigste Form der Feier angesehen wird. Der Gedanke der Arbeitsruhe breche sich immer.mehr Bahn, und je mehr er sich ausbreite desto weniger würden unerfreuliche Erscheinungen, wie sie an- läßlich der letzten Maifeier in Berlin im Betriebe der A. E. G. zutage traten, sich wiederholen können, und um so mehr werde auch der Widerstand der Unternehmer gegen die Maifeier gebrochen werden. Den Höhepunkt der Verhandlungen des Parteitages werde die Erörterung über den politischen Massenstreik bilden. Die Abmachungen des Parteivorstandes mit der General- kommisston hätten ja, als sie durch die„Einigkeit" bekannt wurden, Unwillen erregt, denn wenn die Thesen so gelautet hätten, wie sie in dem Gewerkschaftsprotokoll stehen, dann hätte den Partei- vorstand ein schwerer Vorwurf getroffen. Nach den Erklärungen des Parteivorstandes müsse jedoch angenommen werden, daß die Bebelschcn Thesen durch den Genossen Silberschmidt infolge irr- tümlicher Auffassung oder ungeschickter Wortfassung unzutreffend wiedergegeben seien. Es sei bemängelt worden, daß sich der Parteivorstand überhaupt in Verhandlungen mit der General- kommisston eingelassen hat. Demgegenüber müsse gesagt werden. was ja schon auf der Generalversammlung von Groh-Berlin fest- gestellt worden sei, daß der Parteivorstand durch Parteitags- beschlüsse verpflichtet sei, mit der Generalkommission Fühlung zu halten und sich über Fragen, welche die gesamte Arbeiterbewegung angehen, mit ihr zu verständigen. Es habe sich auch nicht ge- handelt um eine Vereinbarung über den politischen Massenstreik überhaupt, sondern nur um die Frage, welche Stellung anläßlich der Wahlrechtsdemonstration zum politischen Massenstreik einzu- nehmen sei. Die Diskussion über diese Angelegenheit sei ja� in der Parteipresse mit einer erfreulichen Sachlichkeit geführt worden. Zu dem Punkt: Sozialdemokratie und Volkserziehung meinte der Redner, die Organisation der Bildungsbestrebungen, wie sie nach den Vorschlägen Zctkin-Schulz gedacht sei, werde sich wohl nicht im unmittelbaren Anschluß an die Parteiorganisation durchführen lassen. Es handele sich hier um eine so schwierige Frage, daß in der kurzen Zeit bis zum Parteitag wohl nicht eine volle Klarheit darüber geschaffen werden könne. Kiesel sprach ebenfalls im allgemeinen zur Tagesordnung des Parteitages. Das Verhältnis der Partei zu den Gewerkschaften werde voraussichtlich eingehend behandelt werden. Unsere Aufgabe sei es, jedem Zersplitterungsversuch, von welcher Seite er auch kommen möge, entgegenzutreten und den Gedanken: Partei und Gewerkschaften gehören zusammen, in die Tat umzusetzen. Beim parlamentarischen Bericht werde jedenfalls die„Borussia"- Angelegenheit eine Rolle spielen. Wir müssen aussprechen, daß wir erwarten, daß die Reichstagsfraktion bei so wichtigen Anlässen, wie es die Behandlung der„Borussia"-Angelegenheit ist, vollzählig zur Stelle ist, damit sich solche unliebsamen Vorkommnisse nicht wiederholten. Zur Frage: Sozialdemokratie und Volkserziehung meint der Redner, unsere Partei müsse sich mit diesen Dingen be- schäftigen. Unsere Gegner erziehen die Jugend im kapitalistischen Sinne, dem müssen wir ein Gegengewicht entgegensetzen. Hierauf wurde die Tagesordnung des Parteitages Punkt für Punkt diskutiert. Fiedler sprach zur Maifeier. Er wünschte, daß die Arbeits- ruhe jedem Parteigenossen zur Pflicht gemacht werde, ohne die Einschränkung: wo keine wirtschaftliche Schädigung zu erwarten ist.— Wiesner führte aus: Wenn vielleicht geltend gemacht werden sollte, die Maifeier sei nicht durchführbar und wenn zu diesem Zweck auf die Vorgänge in der A. E. G. hingewiesen werden sollte, so möge betont werden, daß der Mißerfolg in der A. E. G. denen zuzuschreiben sei, die mit der Ausführung der Beschlüsse betraut waren.— Müller und Kiesel sprachen gegen die Anregung F i e d l e rs und traten dafür ein, daß der 1. Mai in der bisherigen Weise gefeiert werde. Die Erörterungen über den Massenstreik und in Verbindung damit das Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaft nahmen den breitesten Raum in der Debatte ein. Kröhn betonte, daß Einigkeit nicht nur zwischen Partei und Gewerkschaft, sondern auch unter den Gewerkschaften selbst bestehen müsse. Deshalb könne es nicht gebilligt werden, daß die Lokalisten noch auf ihrem Sonderftandpunkt verharren, anstatt sich den Zentralorganisationen, die von Partei wegen als die richtige Form der Organisation anerkannt seien, anzuschließen. Was die Ver» öffentlichung des Gewcrkschaftsprotokolls durch die„Einigkeit" be- 'trifft, so hätte sich die Redaktion dieses Blattes erst darüber in- formieren müssen, ob die Abmachungen zwischen Parteivorstand und Generalkommission zutreffend wiedergegeben sind. Nachdem jetzt der ganze Teil des Protokolls bekannt gegeben ist, sehe man, daß die„Einigkeit" manches in einem falschen Licht wiedergegeben habe, man sehe aber auch mit Schaudern, daß sich auf der Ge- Werkschaftskonferenz manche Genossen in einer Weise, die ent- schieden verurteilt werden müsse, über die Partei ausgesprochen haben. Genossen, die sich nicht viel um die Partei kümmern, hätten über Dinge gesprochen, von denen sie nichts verstehen. Die Ver» öffentlichung des Protokolls durch den„Vorwärts" sei zu begrüßen. Der Redner ging auf den Inhalt des Protokolls ein, er kritisierte Aeußerungen des Genossen v. Elm und meinte, wenn Elm die politische Tätigkeit für unfruchtbar halte, weshalb lasse er sich dann in den Reichstag wählen. Das sei eine Frage, über die auch in Mannheim gesprochen werden müsse. S e v i k o wendet sich an die Mitglieder der zcntralistischcn Gewerkschaften mit dem Ersuchen, sie sollten dahin wirken, daß die Parteigrundsätze mehr Beachtung in der gewerkschaftlichen Be- wegung fänden und daß die entschiedenen Parteigenossen mehr Einfluß in den Gewerkschaften erlangen. Meier führte aus: Bei aller Anerkennung der gewerkschaft- lichen Leistungen müsse doch gesagt werden, daß sich viele Gewerk- schaftsbeamte verphilistert haben. In der Frage des politischen Massenstreiks habe man von Partei wegen nicht einwandsfrei ge- handelt, deshalb habe auch in der Wahlrechtsdemonstration nicht alles so geklappt, wie eS sein sollte. Bei den Protestversammlungen am 21. Januar hätten die Referenten darauf hingewiesen, daß man eventuell den Massenstreik zur Erlangung des allgemeinen Wahlrechts anwenden könne. Das sei nicht die Ansicht einzelner Referenten, sondern das Ergebnis vorheriger Verständigung ge- Wesen. Man habe also in der Parteileitung zu jener Zeit mit dem Massenstreik gerechnet. Da man ihn, wie wir jetzt wissen. nicht für durchführbar hielt, so hätte man auch nicht mit dem Massenstreik drohen sollen. Allgemein habe man erwartet, nach den Protestversammlungen müsse noch eine Steigerung der Protest- bcwegung kommen. Dieselbe sei aber ausgeblieben, die Wahl- rechtsbewegung sei nicht so verlaufen, wie man es bei ihrem Ein- setzen erwarten mußte. Man hätte anläßlich der Wahlrechts- bewegung den Massenstreik diskutieren sollen, um die Massen mit demselben vertraut zu machen. Statt dessen habe man gebremst. Das sei der Vorwurf, den wir gegen den Parteivorstand erheben mühten. Der Inhalt des Gewerkschaftsprotokolls lasse ungünstige Rückschlüsse auf die Haltung der Gewerkschaftsführer zu. Unser Standpunkt sei der. daß Partei und Gewerkschaften zusammen'- gehören. Zwischen beiden gebe eS aber Differenzen, die sich unlieb sam bemerkbar mache«, und um solche Differenzen zu vermeiden, sei ein dauerndes Zusammenarbeiten des Parteivorstandes mit der Generalkommission notwendig. Der Redner stellt einen An- trag in diesem Sinne. Gehl: Es dürfe unter keinen Umständen zugelassen werden, daß die Massenstreikresolution von Jena etwa abgeschwächt werde, falls Gewerkschaftsführer das beantragen sollten. Die Idee des Massenstreiks sei so in die Arbeitermassen gedrungen, daß sie sich nicht mehr ausrotten lasse. Von den Parteigenossen, die sich auf den Boden des Massenstreiks stellen, müsse verlangt werden, daß sie die Massen für diesen Gedanken in Wort und Schrift erziehen. Gewiß sollen Partei und Gewerkschaft eins sein. Wenn es aber dahin kommen sollte, daß die Gewerkschaftsbewegung, wie eS Bringmann verlange, kein Klassenkampf mehr sein solle, dann können Partei und Gewerkschaft nicht mehr eins sein. Von der Jenaer Resolution dürfe kein Jota abgeschwächt werden, eher müsse sie eine schärfere Fassung erhalten. W i e s n e r schloß sich dem Standpunkte Gehls an und führte weiter aus: Der wirkliche Wortlaut der Bcbelschen Thesen stehe noch nicht fest; diese Angelegenheit sei noch nicht geklärt. Als die „Einigkeit" von dcm Protokoll Kenntnis erhielt, habe man an- nehmen müssen, daß der Inhalt desselben durchaus authentisch sei, denn es habe doch niemand vermuten können, daß der Partei- vorstand nach so langer Zeit das Protokoll noch nicht gelesen hatte. Man sei also durchaus berechtigt gewesen, an die Richtigkeit des Protokolls zu glauben. Kiesel vertrat die Ansicht, die Veröffentlichung des Pro» tokolls durch den„Vorwärts" habe Klarheit gebracht sowohl den Parteigenossen wie den Gewerkschaftsführern. Die Veröffent- lichung sei deshalb zu begrüßen. Einigkeit zwischen Partei und Gewerkschaft sei so notwendig und ein so großes Bedürfnis der Massen, daß sie immer vorhanden sein werde, selbst wenn vielleicht die Führer dagegcp sein sollten. Zu bedauern sei, daß innerhalb der Gewerkschaften selbst keine Einigkeit bestehe. Unsere Genossen in den lokalistischen Gewerkschaften müßten sich fragen, ob es nicht an der Zeit wäre, sich den Verbänden anzuschließen. So schlimm, wie es mitunter hingestellt werde, sehe es in den Ver» bänden nicht aus. Die Masse sei im allgemeinen anderer Meinung wie die Führer. Das einigende Moment müsse mehr hervorgehoben werden. G r i e b o w trat für die Propagierung des Massenstreiks ein, meinte aber, zurzeit sei derselbe noch nicht durchführbar, weil die Organisationen, politische wie gewerkschaftliche, noch zu schwach seien, deshalb sei es notwendig, Aufklärung unter den Massen zu verbreiten. M e r x meinte, das Protokoll habe hinsichtlich der Stellung des Parteivorstandes zum politischen Massenstreik nicht Klarheit, sondern Unklarheit gebracht. Der Parteivorftand werde Wohl nach Jena seine Meinung geändert haben. Die Ausrede, der Partei» vorstand habe das Protokoll nicht gelesen, könne Redner nicht gelten lassen. Der Massenstreik sei bis jetzt viel zu wenig diskutiert worden. Das entspreche ja dem Sinne der Thesen; man Hab« die Propagierung des Massenstreiks zu verhindern gesucht. Die Diskussion wurde hierauf geschlossen. Folgende Anträge: fanden Annahme: Die Versammlung beauftragt ihre Delegierten zum Mann, beimer Parteitag, folgenden Antrag zu vertreten: Die Ver, öffentlichung des Protokolls der Gewerkschaftskonferenz hat aufs neue bewiesen, daß zwischen den politischen und gewerkschaftlichen Organisationsinstanzen der Arbeiterschaft bedauerliche Un, stimmigkeiten vorherrschen. Um diesen Unstimmigkeiten in Zu, kunft nach Möglichkeit vorzubeugen und um auch nach außen hin die Einigkeit der beiden Instanzen zum Ausdruck zu bringen, wolle der Parteitag den Parteivorstand beauftragen, sich mit der Generalkommission der Gewerkschaften dahin zu verständigen, daß sämtlichen Beratungen des Parteivorstandes Delegierte der Generalkommission und umgekehrt den Be, ratungen der Generalkommission Delegierte des Parteivorstandes beizuwohnen haben. Meier. Die Generalversammlung des Wahlvereins steht nach wie bor bezüglich des politischen Massenstreiks auf dem Standpunkt der Resolution von Jena. Die Versammlung erwartet, daß der Parteitag in Mannheim an den grundlegenden Fragen der Bcbelschen Resolution festhält und erwartet von allen Partei- genossen, insbesondere von denen, welche ein Reichstagsmandat innehaben, daß die Beschlüsse der Parteitage in jeder Beziehung als maßgebend betrachtet werden. Die Versammlung ist ferner der Ansicht, daß die Vorbedingungen für den Erfolg des poli- tischen Massenstreiks durch festgefügte politische wie gewerkschaft, liche Organisationen gegeben sind und sind dieselben von jedem Parteigenossen zu fördern, gleichfalls ist jeder Zersplitterungs, versuch, von welcher Seite er kommen möge, energisch zu be, kämpfen. Kröhn. Zum Punkt„Sozialdemokratie und Volkserziehung" sprach G u t t m a n n. Er empfahl den nachstehenden Antrag, welcher ohne weitere Diskussion angenommen wurde: Die Generalversammlung beauftragt die Delegierten zum Mannheimer Parteitag, beim Punkt 7 der Tagesordnung; „Sozialdemokratie und Volksbildung" ihre Stimme im Einklang mit den bereits veröffentlichten Resolutionsgrundlagen der Ge, nassen Zetkin und Schulz abzugeben. Erb begründete einen Antrag, welcher verlangt, daß die Alkoholfrage auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages gesetzt werde. Der Antrag wurde angenommen. Ein von Kiesel empfohlener Antrag der 10. Abteilung wurde gleichfalls angenommen. Derselbe fordert eine Aenderung im Organisationsstatut dahingehend, daß jedem Wahlkreise für 2000 Mitglieder ein Delegierter und für je weitere 3000 Mit, glieder ein weiterer Delegierter zum Parteitage zusteht. Außerdem wurde der folgende Antrag angenommen: Dem Parteitag folgende Resolution zu unterbreiten: Der Parteitag begrüßt mit Freuden die aus der Jugend heraus ge, wachsenen Bestrebungen, die darauf hinausgehen, die Arbeiter, jugcnd, ohne Unterschied des Geschlechts, in Organisationen zu- sammenzufassen, die die wirtschaftlichen Interessen der Jugend wahrnehmen, das Solidaritätsgefühl in den jungen Herzen wecken und stärken und die Aufklärung im Sinne der modernen Arbeiterbewegung betreiben. Der Parteitag sagt den Be, strebungen der Jugend in jeder Beziehung seine vollste Unter, ftützung zu. Als Delegierte zum Parteitag wurden Freythaler, Naumann und H a a f e gewählt. Dobrohlaw besprach hierauf kurz die Aufgaben der Pro, vinzialtonferenz. Dann erfolgte die Wahl der Delegierten» welch? auf die Genossen Hesse, Bittorf und Vieth fiel. Verband der Frtseurgehülfen Deutschland».(Zwelgverew Berlin. Rixdorf) Donnerstag, den 23. August, abends g'/, Uhr, bei Schmidt, Berlinerftt. 14: Mitgliederversammlung. Die Mitgliedsbücher find mitzu» bringen. Erscheinen sämtlicher Kollegen notwendig. NvttteriingSfibersicht vom SS. August 1U06, morgen»« Uhr. »K e4> S» s? ws> Stationen Havaranda Petersburg S-illy ilberdeen Part« 745 NNO 749 WSW 7el!SO 759 NW 7S�SO «euer 4 wölken! 3 halb bd. Zbcdcckt IRege» Swolkenl oä u» « II §>4 na 12 14 15 11 20 emntaoitl, ßtMieuri tiorji Wrrmuth, Brilin-RtLdori. ftut inr�nftratkMeil ckohIbu Ih. GlZSt, Bulu. ttati u. fialat: Süitoartf" SSetter-Prognose für DouncrStag, den 83. August 1906. Ein wenig wärmer, zeitweise heiter, vorlviegend wollig mit schwachen Südwinden. Keine erheblichen Niederschläge. _ Berliner Wetterburean, ßuliüittti u- ilttlfloiaiistflU PßuMCTijeJD Btem Btoün f-iilL gL 195. 23. 2. Keilm ilcs Jmrls" Kerlim UcksM Donnerstag, 33. AngnjtlM. Zentralverband von Ortskrankenkoffen im Deutscheu Reich. � �— Düsseldorf, den 21. August. Der erste Verhandlungsgegenstand betrifft die F e st s e tz u n g LerortsüblichenTagelöhne. Ein Antrag des Verbandes der Ortskrankenkassen im Bezirke der Landesversicherungsanstalt Sachsen-Anhalt verlangt direkte Beteiligung der organisierten Kassen bei diesen Festsetzungen. Brandes- Magdeburg begründet den Antrag unter Hin- tveis auf die sehr niedrigen diesbezüglichen Sätze, die in vielen, bc- sonders ländlichen Gegenden, anzutreffen sind und eine große Schädigung der Versicherten bedeutet. Die ortsüblichen Tagelöhne haben bei vielen Kassen Einfluß ouf das Krankengeld, sei maß- gebend für die Unfallrcnten jugendlicher Arbeiter usw. In manchen Gebieten gehen die Sätze herab bis auf 1 M. pro Tag für er- tvachsene männliche Arbeiter. Redner verliest eine Resolution, welche eine Aendcrung des Z 8 des Krankenversicherungsgcsetzes in dem Sinne verlangt. K l e e i s- Würzen hält den Antrag für gut gemeint, aber für unzulänglich. Mit der bloßen„Beteiligung" der Kassen könne es nicht abgetan sein, die Festsetzung müsse sich auf das'Ergebnis von Lohnstatistiken gründen, die von den Kassen aufzunehmen sind. Sodann lasse er außer Betracht, daß es für viele Bezirke gar keine organisierten Kassen gibt. Hier müsse ein Ausweg geschaffen werden. Redner schlägt eine Resolution vor, nach welcher die Festsetzung der ortsüblichen Tagelöhne auf das Ergebnis von Lohn- statistiken zu begründen ist, die von den organisierten Kassen auf- zunehmen sind. Sofern für Orte bczw. Bezirke oder größere Be- rufsgruppcn solche organisierten Kassen nicht vorhanden sind, sind solche Statistiken von den Gemeinden aufzunehmen, und zwar unter Zuziehung einer Kommission, die aus% Versicherten und Arbeitgebern besteht und die unter entsprechender Anwendung der Bestimmungen über die Wahl von Generalvcrsammlungs- Vertretern gewählt wird. Nachdem noch eine Anzahl Redner zu der Sache gesprochen, zieht Brandes seinen Antrag zurück und der- jenige von K l e e i s wird einstimmig angenommen. Hierauf spricht S Y d o w- Berlin über einen Antrag der Zentralkommission der Krankenkassen Berlins, der dahingeht: Die Krankenkassen erachten eine Acnderung der sich auf den ärztlichen Beruf erstreckenden Bestimmungen der Gewerbeordnung für ge- boten, da die Krankenkassen gesetzlich zur Gewährung ärztlicher Hülfeleistung gezwungen und somit den Acrzten gegenüber wehrlos gemacht sind. Der Staat, der den Krankenkassen die Gewährung dieser Leistungen direkt auferlegt, muß auch gesetzlich für die Möglichkeit ihrer Erfüllung dadurch Sorge tragen, daß er die Aerzte gegen die Bezahlung staatlicher Taxen zur ärztlichen Hülfeleistung gegenüber den Krankenkassenmitgliedern verpflichtet. Redner begründet den Antrag ausführlich und weist besonders auf die diesbezüglichen Beschlüsse des Leipziger Krankenkassenkongresses hin und führt weiter aus, daß mit Befriedigung davon Kenntnis zu nehmen sei, daß inzwischen der Verband rheinisch-westfälischcr Betriebskrankenkassen diese Forderung gleichfalls erhoben hat und daß auch der Reichstagsabgeordnete Mugdan die Notwendigkeit an- erkennt, die Behandlung der Kassenkranken bei Differenzen zwischen Kassen und Acrzten sicher zu stellen. Sydow steht weiter auf dem Standpunkt, daß bei einer Neuordnung der Arbeiterversicherung die Organe der Krankenversicherung von der Gewährung freier ärztlicher Behandlung, freier Arznei entbunden werden. Schließ- lich verlangt Redner, daß für beide Interessengruppen entweder der Zwang oder die Freiheit gleichmäßig durchgeführt wird. Pol lend er-Leipzig bespricht die Aerztevcrhältnisse bei der Ortskrankenkasse Leipzig und teilt mit, daß die Aerzte wieder neuerdings Wünsche haben, die der Kasse zirka 400 000 M. Mehrausgaben bringen würden. Er hält bei den„Bescheidenheiten" der Aerzte gesetzgeberische Maßnahmen für unerläßlich. Fräßdorf- Dresden begründet die Stellungnahme der ge- schäftsführendcn Kasse, die sich ziemlich mit der Shdows deckt. Ganz sei er nur damit nicht einverstanden, daß an Stelle der ärztlichen Behandlung den Mitgliedern eventuell eine Geldentschädigung zu gewähren sei. Nachdem noch einige weitere Redner gesprochen, wird der Antrag Sydow angenommen. Die Ortskrankenkassen Hamburgs wünschen eine Aussprache über die von Stadtrat Frankcnberg in Braunschweig ins Leben gerufene Gesellschaft für Arbeiterversicherung. Nach längerer De- batte wird eine Resolution angenommen, nach welcher keine Veranlassung vorliegt, der Gesellschaft beizutreten, auch keine Not- wendigkeit zu solchen Neugründungen vorliegt und die Forderungen der Gesellschaft zum Teil von dem Zentralverband längst ver- treten werden. W i t t i- München bespricht den Waschzettel, der über angeb- liche Skandale handelt und in den letzten Tagen durch die bürger- liche Presse ging. Er erklärt die Tatsachen als entstellt wieder- gegeben und führt eine Reihe von Zeugenaussagen an, mit denen bewiesen ist, daß keines der Kassenvorstandsmitglieder ihr Amt dazu benutzt haben, sich Vorteile zu verschaffen. Weiter geht aus den Darlegungen hervor, daß die Kasse außerordentlich gut und billig von ihren Lieferanten bedient wird. Nachdem Mannheim zum Ort der nächstjährigen Tagung gewählt ist, referiert Graf- Frankfurt über die Verhandlungen der Neunerkommission betreffend die Anstellungsverhältnisse der Kassenbeamten. Danach ist endlich zwischen der paritätischen Kom- Mission und der geschäftsführcnden Kasse eine Einigung auf der „mittleren" Linie zustande gekommen. Die geschäftsführende Kasse habe als„klügster" Teil nachgegeben. Danach werden die Mindest- (Anfangs-) gehälter betragen in den einzelnen fünf Beamten- gruppen: 1700 M., 1000 M.. 1300 M.. 1200 M. und 1000 M. Als geschäftsführende Kasse wird die Ortskrankenkasse D r e s- dengewählt. Weiter wird beschlossen, die Formularausstellung zu einer dauernden zu machen und sie bei der Ortskrankenkasse Dresden unterzubringen. Zum Sitz des Tarifamtes wird Berlin gewählt und als Mitglieder derselben B r a n d e s- Magde- bürg, Billig- Charlottenburg, Flamme- Schöneberg, S ch o- l em-Berlin und H u b e r t s- Hamburg; außerdem für letztere fünf Stellvertreter. Hierauf wird das Ergebnis der Abstimmung über die Beamtcnverhältnisse bekannt gegeben. Es sind 107 bc- jahende und 30 verneinende Stimmen abgegeben worden. 76 Delc- gierte hatten sich der Abstimmung enthalten. Fräßdorf wünscht, daß auch jene Kassen, die sich ablehnend und neutral verhalten haben, die Beschlüsse nunmehr einführen. Die verlesene Präsenzliste ergibt, daß 323 Delegierte an- wesend sind, die 100 einzelne Kassen und 28 Kassenverbände mit 3 940 323 Mitgliedern vertreten. Unter den üblichen Abschieds Worten erfolgte Schluß der Versammlung. Soziales. Schutz den Krankenkassen! Eine der gemeinsten Unterschlagungen ist unstreitig die, den Arbeitern bei den Lohnzahlungen die Beiträge zur Lkrankenkasse in Abzug zu bringen und die Gelder, anstatt sie abzuliefern, für sich zu verwenden. Es ist das un, so verwerflicher, als der Arbeiter durch Gesetz gezwungen ist, die Beiträge sich abziehen zu lassen, die Krankenkasse andererseits den erkrankten oder durch Unfall verletzten Arbeiter unterstützen muß, gleichviel, ob der Arbeitgeber die Beiträge abliefert oder nicht. Unter sämtlichen Gewerben dürfte wohl die Ortskrankenkasse des Maurcrgewerbes am meisten unter solchen Unterschlagungen zu leiden haben. Hier bringt das Beitragshinterziehungsgeschäft Geld ein. Gewöhnlich sind auf einem Bau zirka 00—60 Personen be- schäftigt, die abgezogenen Beiträge betragen 20—40 M. wöchentlich und oft das Doppelte. Dieses Geld wird von verschiedenen Bau- Unternehmern als Verdienst angeschen, der Krankenkasse wird kein Pfennig davon abgeliefert. Seit Jahren bemühen sich die Strafkammern des königl. Land gerichts, diese Unsitte den Unternehmern abzugewöhnen, in sehr vielen Fällen vergeblich, die Milde, die der Strafrichter oft walten läßt, fruchtete nicht. Die Fürsorge des Gesetzgebers für die Kranken wird aber stark beeinträchtigt, wenn den Kassen die Gelder zur Unterstützung der Kranken vorenthalten werden. In neuester Zeit scheint man diese Sorte von Arbeitgebern energischer an ihre gesetzlichen Pflichten erinnern zu wollen, die Strafkammer 9 des königl. Landgerichts I hat den Architekten Paul Eisendick wegen Hinterziehung von zirka 60 M. Beiträgen zu 300 M. Geldstrafe eventuell für je 0 M. einen Tag Gefängnis verurteilt. Wenn den Unternehmern mit solchen Portemonnaie-Argumenten der Respekt vor Recht, Gesetz und Eigentum Dritter ordentlich eingeprägt wird, dann können verschiedene Kassen bald mit erheblichen Ein- nahmen rechnen. Andere Argumente sind aber auch vollständig wertlos. Hus Induftnc und Kandel. Rückgang des Fleischverbrauchs. Die Handelskammer in Mannhein, gibt in ihrem jetzt heraus gekommenen Jahresbericht eine Uebersicht über den Fleischkonsum pro Kopf der Bevölkerung. Danach ist der Verbrauch in, Jahre 1900 ziemlich erheblich zurückgegangen. Auch wieder ein Beleg dafür, daß der vielfach behauptete soziale Aufstie der Phantasie besteht. Es betrug der bur" pro Kopf und Tag(in Kilogramm): 1902 1903 1904 0,160 0,169 0.170 Aber nicht nur ist der Konsum zurückgegangen, der Verbrauch an minderwertigem ist gestiegen. Die„Franks. Ztg." macht darüber folgende Aufstellung: Der Konsum hat erfahren: eine Vermehrung um Kilogr.— Proz. 43 000 00.6 der Bevölkerung nur in nittliche Fleischverbrauch 1900 0,109 bei Pferden.. Ziegen und Zicklein.. Kühen... Sckafen.. Kälbern.. Rindern.. 4 400 203 000 7 000 77 000 140 000 37.0 33,4 10,0 9.4 7.3 eine Verminderung um Kilogr.— Proz. bei Ochsen und Farren.. 167 000 10,9 „ Schweinen 083000 12,9 Es wurde also erheblich mehr niinderwertiges Fleisch konsumiert, trotzdem ist das Gesamtquantum gesunken. Das bedeutet eine Ver- schlechterung der Lebenshaltung in einer Periode wirtschaftlichen Aufschwunges. Trotzdem versucht man immer noch glauben zu machen, die erzielten nominellen Lohnerhöhungen erlaubten den Arbeitern eine bessere LebenShaltuug. Die offene Hand. In den letzten Wochen wurde die Presse bombardiert, und teilweise auch gespickt, mit günstig lautenden Be- richten über russische Finanzen, erfreuliche Prosperität verschiedener Unternehmen usw. Natürlich wurden„euer Geldbedarf oder die Absicht, den ausländischen Geldmarkt bald wieder in Anspruch zu nehmen, geleugnet. Nun kommt eine Meldung, nach der man auf einem neuen Wege Gold in die russischen Kassen leiten will.— Wie verlautet, soll die russische Staatsbank mit Hülfe der internationalen Finanzwelt in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Die Form der Aenderung soll nur den Zweck, der russischen Regierung neue Mittel zuzuführen, verschleiern. Preiserhöhung. Das Roheisensyndikat in Düsseldorf nimmt, wie berichtet wird, zur Zeit keine Neuabschliisse an, Iveil in den nächsten Tagen eine Prcishcraufsetzung herauskomme. Die Preis« erhöhung soll betragen für Hämatit- und für Gießerei-Roheisen Nr. 1 3 Mark die Tonne für das norddeutsche Gebiet. Das Syndikat be- hält sich eine Erhöhung der Preise für Gießerei-Roheisen Nr. 3 vor und wird in den nächsten Tagen darüber schlüssig werden. Die Nachfrage ist, wie am Platze mitgeteilt wird, dringend. Auch das Kohlensyndikat macht Anstalten, die Konjunktur noch mehr auszunutzen. Es hat einigen seiner Abnehmer mitgeteilt, daß sie auf eine Ergänzung der jetzigen Minderlieferungen nicht rechnen können. Was die Abnehnier jetzt weniger bekomnien, müssen sie später teurer bezahlen. FiskuS. Auch Vater Staat will von den, Segen der Preis- treiberei profitieren. Die kgl. Bergwerlsdirektion in Zabrze setzt, gültig ab Septeniber, die Preise der Kohlen um 20 bis 70 Pfennig herauf. Saateustand in Preußen um die Mitte des Monats August 1906: Winterweizen 2,3(Bornionat 2,3), Sommerweizen 2,4(2,4), Winter- spelz 2,2(2,3), Winterroggen 2,6(2,0), Sommerroggen 2,7(2,6), Sommergerste 2,4(2,3), Hafer 2,2(2,2), Kartoffeln 2,7(2,0), Klee 2,0(2,3),' Luzerne 2,3(2.2), Rieselwiesen 2,2(2,1), andere Wiesen 2,7 (2,4).(2 bedeutet gut, 3 mittel.) In den Bemerkungen der„Statistischen Korrespondenz" heißt«», daß die mitunter wolkenbruchartigen, mit heftigem Winde verbundenen Regengüsse das im Vormonat fchon nicht wenig vor- kommende Lagern des Getreides in erheblichem Umfange vermehrt haben. Vorwiegend in den westlichen Landcstcilen sei durch von schweren Hagelschlägen begleitete Gewitter viel Schaden verursacht worden. Sämtliches Getreide sei fast überall im Flachlande früh reif geworden und zum großen Teil geschnitten und schon vielfach geborgen. Winterroggen sei auch in den westlichen Provinzen zum Teil schon eingefahren, während Winterweizen und die Sommer- Halmfrüchte hier erst wenig gemäht seien. Sommergerste und Hafer ständen fast im ganzen Westen noch auf dem Halme. Die zum großen Teil vorgenommenen Probedrüsche vom Winterroggen bestätigten die im Junibericht ausgesprochene Befürchtung, daß die vielfach verregnete Blüte und das schon damals teilweise vorkommende Lagern die Körnerbildung sehr beeinträchtigen würde. So werde denn oftmals gemeldet, daß der Winterroggen nicht gut lohne und das Korn der Sommergerste nicht rundlich, sondern flach sei. Dagegen werde die Schwere der Haferähren und der reichliche Strohcrtrag aller Getrcidearten ziemlich allgemein hervorgehoben. Allerdings befürchte man vom Hafer, der vielfach gerade in der seit Anfang August herrschenden Regenperiode zum Schnitte ge- langte, daß er beim Trocknen bis zu Einscheucrung viel Korn verlieren werde. Von sonstigen Beeinträchtigungen der Ernte seien der Blattrost, das in diesem Jahre in außergelvöhnlichem Umfange aufgetretene Wuchern des Unkrautes und die Mäuseplage zu nennen. Die abgegebenen Noten beträfen nicht allein den noch auf dem Halme stehenden Nest, sondern beurteilten die Ernte. Wenn man die Begutachtungsziffer 3 gleich mittel zugrunde legte, würden die Mittclerntecrträge geschätzt bei Winterweizen auf 2043, bei Sommer- Weizen auf 2049, bei Winterroggen auf 1063, bei Sommerroggen auf 1091, bei Sommergerste auf 1924, bei Hafer auf 1784 Kilogramm vom Hektar. Die Kartoffeln hätten ihre günstige Beurteilung des Vormonats wieder eingebüßt. Vielfach werde über geringe Wider- standsfähigkeit von moximm bonnm geklagt und dabei hervor- gehoben, daß viele Saatkartoffeln schon vor dem Keimen ausgefault und neu gelegt worden seien und weiter, daß sclbstgezogene Saat« kartoffeln viel mehr versagten als die anderlveit beschafften. Ziem- lich allgemein werde über Fäulnis und frühzeitiges Absterben des Laubes bei den mittelspäten Sorten berichtet. Aber auch für die Dauerkartoffeln werde gefürchtet, indem sie ebenfalls zur Fäulnis neigten und nicht allein zu kleine Knollen zu behalten schielten, sondern vielfach auch an Kräusel- und Pilzkrankheit litten. Das Wachstum der Futterpflanzen habe, besonders in den östlichen Landesteilen, unter der großen Hitze stellenweise nicht unerheblich gelitten. Allerdings sei zu berücksichtigen, daß die ungünstigere Bc- urteilung sich zumeist auf den neuen Schnitt beziehe, der vielerorten durch Sonnenbrand sehr beeinträchtigt, stellenweise wohl auch ganz vernichtet sei._ vermischtes. Ein Slttlichkeitsvcrirecher engris. Aus Landau wird vom 22. August telegraphiert: Dtt Landwirtschaftslehrer Peter wurde wegen SittlichkcitsvcrbrechenS 34 Fällen verhaftet. Bon, Eiscniahnzugc überfahren und getötet lvurde am gestrigen Vormittag in Lehnitz der Hülssweichcnsteller Döhring aus Pinnow bei Oramenburg. Der Beamte beaufsichtigte eine Kolonne Arbeiter, welche Reparaturarbeiten an der Eisenbahnbrücke bei Lehnitz vor- zunehmen hatten. Als der Vorortzug Nr. 203 von Berlin nach Oranienburg gegen 11 Uhr vormittags herannahte, gab der Lokomotivführer die üblichen Warnungssignale. Die Arbeiter traten von den Gleisen zurück, bis auf D., der erst seine Untergebenen in Sicherheit wissen wollte. Der pflichttreue Mann wurde nun von den Rädern der Maschine gefaßt und über die Böschung hinab- geschleudert. Der Tod. durch Schädelbruch herbeigeführt, trat auf der Stelle ein. D. hinterläßt eine Frau und drei kleine Kinder. Erdstöße. Kattowitz, 22. August. Eine heftige Erderschütterung ist in Zaborze verspürt worden. Man hörte in der Erde ein donner- ähnliches Rollen. Fenster sprangen entzwei und Bilder und Spiegel fielen von den Wänden. Das Franksche Gasthaus hat sich so gesenkt, daß die Fenster nicht mehr schließen. Viele Häuser weisen Risse aus. Die Eimoohner sind in höchster Aufregung. Monteleone(Calabrien), 22. August. In vergangener Nacht wurden zwei Erderschntterungrn verspürt. Für den Inhalt der Jnjerate übernimmt die Redattio» dem Publik»»» gegenüber keinerlei Aerantmortung. €hcater. Donnerstag, den 23. August. Ansang �I|i Uhr. Opernhans. Der Waffenschmied. Schauspielhaus. König Richard der Dritte. Neues Opcrntheater. Das goldene Kreuz. Lessiug. Ein Volksfeind. Anfang 8 Uhr. Berliner. Sherlock HolmeS. Schiller O.(WaUner-Theater.) Morwitz-Opcr. Carmen. Schiller IV.(Friedrich Wilbelm- flädlifches-Theater). Geschloffen. Komische Oper. Hoffmanns Er- Zählungen. Westen. Die lustige Witwe. Zentral. Der Rastelblnder. Trianon. Die Frau ohne Lächeln. LuftsPiclhauS. Spatzenliebe. Kleines. Hille Bobbe. Die Schlangen- dame.'... «>.»'"»W Metropol. Auf ins Mctropol. Apollo. Berlin im Omnibus. DaS blaue Bild. Spezialitäten. Wiutcrgartc». Tortajada. Spezialit. Passage. Willy Prager. Spezialit. »teichshalleu. Stettiner Sänger. llrauia. Taubcuitrns.c itiliii. Abends 8 Uhr: Der jüngste AnS- bruch des Vesuv. Sternivarte, Jnvalidenstr. S7/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Donnerstag und folgende Tage: 8kerlock Dölmes. » Anfang 8 Uhr._ Neues kgl. Opernlbeater (Kroll). Anfang 71/, Uhr. Das goldene Kreuz. Freitag: Das Heimchen am Herd. Sonnabend, 25. August: Sondervorstellung: Fledermaus mit Konzerteimag. Mitwirkende: L. Godowski, Fr. Prevosti, Ludwig WUllnor. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und In- validendan) Kleines Thealer. Anfang 8 Uhr. Mimensiegc.— Hille Lodde. Die Schlangendame. Freitag: Kinder der Sonne. Sonnabend: Mimensiege.— Hille Bobbe.— Die Schlangendame. Komische Oper. Heute abend 8 Uhr; Freitag: Hoffmanns Erzählungen. Sonnabend: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag; Hoffmanns Erzählungen. Luisen-Theater Reichenbergerstr. 34. Sonnabend, den 25. August, 8 Uhr: DieHochzeit vonValeni Volkstümliche Emtrittspreife. Zentral-Theater. (Operette). 8 Uhr: jlnjWdiOn. ft-Ä1" Deulsdi-Amtiikaniscluis THEATER, Köpenickerstr. 67-68. Heute abend 8 Uhr: Gastspiel Adolf Philipp: PKEIKIERE Im wilden Westen. 4heitereBilderm.Qes.v. A.Phi Ii pp. Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Preise:„Uebern groben Teich." Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstratze 58. Heute: Gtllßtr Mktssg. Das Elite- Spczialitäteichrogr. u. a.: E»«! Coradlnl. Meie Troupe X Steffen Bros Außerdem: Flotte Bursche. Im Saale: Großer Elite-Ball. Anfang i'l, Uhr. Entrce 30 Pf., nura. Platz 50 Pf. Billettvorverkaus von 10—1 Uhr.. Ilrsms. Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: Oer jüngste Ausbruch des Vesuv. OOIOCISCHER GARTEN Täglich ab nachmittags 5 Uhr: Gfoltes intrltt 1 M.. v. C Uhr ab 50 Pf. Uder unter 10 Jahren die Hälfte. lftrl Weiß-Theater. Gr. Frauksurterftr. 132. Im Theater: Täglich 8 Uhr: Adele. Sonnlag, den 26, August, nachmittag« 3 Uhr, zu kleinen Preisen: .Adel«. Im Sommergartcn täglich: Große Spezialitüten- Vorstellung. Anfang 5 Uhr. t-ustspieHHeus. Täglich 8 Uhr: Spatzenliebe. Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr. Die Notbrücke. ReDk«z-TI>t«ttt. Dlreltion Richard Alexander. Heule und folgende Tage Ans. 8 Uhr: Die Höhle des Fömn. Schwank in 3 Akten v. M. Hennequin und P. Bilhaud. Gaston Chalmdrey: Rich. Alexander. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brumicnstr. 16, Extra-Benefiz für das Schausptel-Personal. Nur einmalige Ausführung: Ztvischen zisei Wichten. Schauspiel von R. Benedix. Auf. 7 Uhr. Kaffeclüche 3 Uhr. Ba«. Seil iller-TIteaf er. Sctilllor-Thcater 0. sWnllucv-Thcntcr). Morwitz-OPer. Donner Stag.abcndSSNHr Oai'invn. Oper in 4 Akten von Bizep Freitag, abends 8Nbr: tSastlpicl Heinrich Bötel: vor Postillion»on I.onjumeau, Sonnabend, abends 8 Uhr Zum lcptciimal: VI» Sobllloi'-T'boatoe tt. lFricde-Wilh.Th) Morwit»-OPer. Donnerstag: Geschloffen. Freitag, abends 8 Uhr, bei halben Preisen: Isudlnc. Sonnabend: Geschloffen. Sonntag, abends 8 U b r: Letzte Opernvorstellung und Abschied tioineiod Kölel: vo»' l'l'oill»»«!«»!»'. Im Garlcn tägb ge. Mililär-Koiuert. Metropol-Thealer Henry Bender. Josef Giampictro. Fritz Massary. -I Große Jalucsrevno mit Gesung u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender, Anfang S Uhr. Rauchen überall gestattet. 10 Uhr 10 Uhr Zum: J Male! Serlin im Omnibus. Im zweilcii Bilde: Der Omnibus- Trick. Vorher: Gute Spezialitüten! Groller Lrlolz des 8röjIn«ng8-?rogrMNl5. Ktvhert tSteldl, Humorist. Gas Erntefest, engl. Ballettszono. Paul Conohas, Kraftjongleur. Bonhair Gregory, Akrobat.-Truppe. Campbell und Johnstone, komische Radfahrer. Oer Biograph. Mia Werber, Sängerin. Chung Ling Soo, chin.Zauberkünstl. Oe Witt Büros und Torrance, amerikanische Exzentriks. Die Pisslutti, Reitakt. Ferry Corwey, musikal. Klown. Pries u. Toledo, Kontorsionisten. Anfang H Uhr._ Anfang 8 Uhr. Kyssima intemation. Couplet-Sängerin. Auf der diesjährigen Schönheits- Konkurrenz in Karlsbad mit dem q ersten Preise gekrönt. < 14 erstklassige Kun! Folies Gaprice Linlenstr. 182, Ecke FriedrichstraBe. Sonnabend. den 1. September: Premiere. tOOOO ffinlku Migist UNd Eiut ftiiie Gesellsillast. Uneltv. Mertens und Bcrlsch in den Hauptrollen. Borberkans ob Üt. Angnst an der Theaterkasse._ Volksgarteu-Theater. ßadstr. 8(Behm- u. Bellermann str.) Donncislag, den 23. August 1990: GroffcS arabisches Gartenfest: „Die Kiswahfeier i» Mekka" berbundcn mit Glite-Theater und Spezialitäten-Borstelliing. Um 9 Uhr: Großes Feslsplcl:(Sine Pilgerfahrt nach Mekka. Or. Brillant- Feuerwerk. Ansang 4 Uhr. Rur noch 7 Tage! t. Driitsch-AiiienKliinslljel Ciilins 10 russisch- sibirische Windhunde 10 russisch- sibirische Windhunde 10 russisch. sibirische I Windhunde Berlin, tdemolerstralle Tägl. abends 3 Uhr: Debüt von «»-lickMstusia, Jeden Abend: Horton B. Smitii mit seiner ganzen Kiinstler||eseliscna!t. Sonnabd., d. 25. Aug., nachm. 4 Uhr: GroBe Extra-Vorstellung bei billigen Preisen. Am Königstor— Am Friedrichshain. Täglich- Ikester-Vorstellunx, LpexiaHtäten u. Ball. Berlin arm und reich. Volksstück mit Gesang in 2 Akten. Der mnsteridse Wnnder-Globus. (Das Rätsel aller Rätsel.) Der Antipode auf lebender Brücke. Wie 5 JakHOUH, Akrobaten. Claihildc u. Bertram. Trio SchlaralTIa. Wochentags; Dainentanz frei. Anfang S Uhr.— Entree 30 Pf. Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee 148. Klown Dolly ist da! Taglionis Ballett-Ensemble. The Regahs musikalischer Akt. Dao Bild des Vaters. Volksstück in 2 Akten. Ans. U/z Uhr. Tanz. Entree 30 Ps. KS-OksksIIen. Täglich: Ltetttnsr Sänger Ansang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. r Hl Sali SS OUCl. Straße la*! Sonnig., Montg.Donnersl. und Sonnabend: notlmWiiZ M. Sänger und Tanzkränzcheu. Zum erstenmal: Gute Nacht, Knroline. Jeiteles als Einbrecher Entr. 30 Ps., num.Pl. 50 Ps. Somlk.Beg. 5, Wachcnt. 8 U. Im Vorgart.: Freikonzert. Prater-Theater Kastaiiien-?lllce 7(9. I Zmsche«HlNttnel«.Erde Milardo, Humorist. Borussia-Sextett. Sands Sportakt. 1„Der grüne Teufel" graste Pantomime. lionziex-t. Ball. Ansang 4 Uhr. Eintliit 30 Ps. Nunicricrtcr Platz 50 Ps. dsMn-park AmKUstrinerplatz, RQdorsdorferstr.17 Hermann Imbs. Täglich: kr. Konzert, Theater- and Spezialitäten-Vorstellang. Gustav fiehreus Theater, Berlin O., Frankfurter Allee 85. Das Aufsehen erregende Eröffuuligs-Prograiillil. 1 5 erstklassig.Nummern Faul nnck Marz- IVil«»» Gedankenübertragung in höchster Vollendung. Ansang 7'/, Uhr. Sonntags 6'/a Uhr. M-Ausstellunis- Biograpli-lst. louis) Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Vorbindung mit größter Filme- Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. ♦ Den ganzen Tag Vorstellung. ♦ Otto Pritzkow. Miinzstr. 16. MorUspIatB. Täglich im Garten bezw. ► in den unteren Sälen< Mittwoch u. Sonnabend: Freltanick Trete VellizMne. 8»nntag. cken L. September, 3 Uhr nachmittags im t Berliner Theater, Ludwig Änzengruber: Die Kreuzelscljreiber. i Bauemkomödio in 5 Bildern. Artistische Leitung: A. Steinert. Die Abteilungen folgen mit ihren Vorstellungen bei der I. Serie nach der Reihenfolge der folgenden Sonntage. II. Serie: Im Sfencn Schanspiclhanse: William Shakespeare: Romantisches Schauspiel in fünf Aufzügen. � Sonntag, den LI. Oktober, Premlere: • S./O. Abtcilnng. � Dann folgen; 10.(11., 12.(13., 14.15., 16./17., 18., 1., 2.13., 4 /5., 6.(7. Abteilung. Artistische Leitung: Direktor Alfred Halm und Max Grube. Dirigenten: Hofkapellmeister Prill und Karl Vach. Sonnabend, den 6. Oktober, abends S'l, Uhr: 17. Kunst-Hbctld im Rathause. Sonnabend, den LS. Angnst, abends 8"/, Uhr, _ im Gewerkschaftshause: Ordner-Sitz img."WW Npiip Mitaliprlpr kUnnen sich noch In allen, l>eue iTllIglieaer Zahlstellen melden. Die Mitgliedskarten müssen abgeholt werden, da dieselben nur bis zum 20. August reserviert werden brauchen. Die Mitglieder werden ersucht, die laut Beschluß der Juli-Generalversammlung verbreiteten Flugblätter be- I treffend das l'rele Knnsthclm aus den Zahlstellen abzuholen und zu verbreiten und die Antwortkarten aus- 1 gefüllt in den Zahlstellen abzugeben. Inserate zur Monatsschrift„Freie Volks- _ b ü h n e" können nur noch bei sofortiger� Bestellung Aufnahme finden.— Heft I dieses Jahrganges erscheint Ende August in allen Zahlstellen. 229/11 Der Torstand. I. V.: G. Winkler. Schloji Weißensee Zum Sternecker", Inhaber C. Koch. Heute Donnerstag: Elite-Tag. Großes Militär-Konzert. Brillantes Fenerwcrk. Afrika Dorf mit 53 Eingeborenen, zahlreiche Tiere. Fantasia, geritten vor dem deutschen Kaiser in Tanger. Täglich mehrere Vorstellungen. 1. Vorstellung nachm. 41/, Uhr. Entree I Mark. Kinder 25 Pf. ssssssssss Folgende Neuerscheinungen 234/14 cmpschlen wir unfein Lesern zur Anschaffung: Die iifiiru Reichsstellern wie sie wurden und was sie bedeuten. Mit einem Schlustkapitcl: Agrarisch-kapilalistische und sazialdemo« kralische Steuerpolitik von Ed. Bernstein. Preis 30 Ps. Die Anklmstsflootsdelrntten tut frlUiMscheu plnllment. Reden von JaureS.Vaillant und Clemenceau. Ucbersetzt von Max Q u a r ck. Preis 10 Ps. Schnle, Kirche, Arbeiter. Ein Vortrag von Paul G ö h r e. Preis 15 Ps. DitheutigtSojillldemokratie in Theorie und Driuis. Eine Antwort aus die Artikelserie der „Kölnischen Heilung-: „Die heutige«ozmldemolratle' von E d. Bernstein. 2. Auflage. von Karl Hossmann. Preis 25 Pf. Preis 40 Ps. Statistisches Jahrbuch für das DentscheUeich Herausgegeben vom Kaiserlichen Statistischen Amt. —- XXVII. Jahrgang 1906.— Preis 2 M.——— Expedition des„Vorwärts", Berlin SW. 68, lilndenstraltc 60, l aden. Die Kinderinbeit und ihre Kekampfnng von Käte Duncker. Preis 40 Pf. DjeHeinrnrbeitiinErjgtbirge und ihre Mirbunge» von Paul G ö h r e. Preis 20 Ps. Geuierbschosten nnd Unternehiner-Derbände von Dr. Aug. Müller. 2. Auflage.-» Preis 30 Ps. Egoismus und Sojiolisinns oder: Dos Ich lind die Geselischoft. Eine dialektische Plauderei Kittet Straße 75 FHTT5HS» WCf IWf Inhaber: Aug. Beredt. Den geehrten Gewerlschasten, Vereinen, Fabriken usw. zur gc- m fälligen Nachricht, dast ich obiges Lokal von Herrn B. Voigt I übernommen habe. 2025 L* Empfehle meine SUIe, 150, 300 und 700 Personen saffend, zu Festlichkeiten und Versammlnnaen jeder Art und bitte um geneigten Zuspruch. Achtungsvoll Telephon-Amt IV. 7509. AllC|IISt BOPCHta Täglich von der Michael-Brücke ampfer- Extrafahrten mit Musik nach dem beliebten„Woltersdorfer Schlost". Fahrpreis hin u. zurück SO Ps., Kinder SS Ps. Abfahrt vorm. 10 Uhr. nachm. 2 Uhr nur von der MlchaelbrUcke.— Auskunst über Vermietungen werden Holzmarttstr. SOd im Restaurant erteilt. 14962» Deulseher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, dast der Kollege, Rahmcnmacher Frltg Witt am 20. August verstorben ist. Ehre seinem Audcnkeu! Die Beerdigung findet am Freitag, den 24. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- balle des neuen Jakobi-Kirchhofs in Rixdors, Hermannftr., aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 91/8 Die Drtsverwaltung. Freie Vereinigimg der Eopenerer Serliiis o.|(. Am Donnerstag, d. 16. Ilugust, starb unser langjähriges Mitglied, der Kollege Hebert Schröder im Alter von 53 Jahren an den Folgen eines Schädelbruches. Der Verstorbene war stets im Interesse der Organisation tätig und werden wir ihm ein ehrendes Andenken bewahren! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, aus dem Emmaus- Kirchhos in Nixdors, Hermannstrastc 129, statt. Rege Beteiligung erivartet Her Voiustand. Am 21. d. M. früh 1 Uhr ver- schied nach schwerem Leiden der Schriftsetzer Psu! Aßmann im 37. Lebensjahre. Dir tranernden Hinkcrbliebcnen. Die Beerdigung findet am 23. d. M., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Bartholomäus- Kirchhofes, Wcihensee, Falken- bcrgerftrastc, aus statt. 710b Allen Verwandten, Bekannten und Freunden bie traurige Nach- richt, dast am Montag früh 5'/, Uhr meine liebe Frau 707b Anna Schröder, ttr nach langen schweren Leiden ge- storben ist. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 23. August, nachm. ll'/, Uhr, vom Augusta- tospital, scharnhorststraste, aus att. Otto MchrOdcr, Kieler str. 1. Danksagung. Für die zahlreiche Teilnahme an der Beerdigung meines lieben ManneS und Vaters Etfrnuncl Weber sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, serner dem Wahlverein Treptow- Baumschulenweg, dem Ge- sangverein.Liedessreundschast", dem Verband der Gemeinde- und Staats- arbeiicr sowie den Kollegen der städtischen Gasanstalt unseren innigsten Dank. 706b Witwe Fmma Weber und Kinder. Alle Wanzen werden nebst Brut durch mein Mittel vollständig vertilgt.— Fl. 30 Pf. u. 1,vO.— Ebenso Schwaben, Russen, eranzosen, Blattläuse usw. Schachtel 0 Pf., 60 Ps. u. 1,00. 1914Ü* "Zahlreiche Anerkennungen. 1000 Mark Belohnung zahle demjenigen, der mir einen Nichtersolg nachweist. Nur allein echt bei Hugo Barth, Drogerie, jetzt Brunncnstr. 11, früher Nr. 81. Gelegenheitskauf! Verkause grostcn Posten nur prima Giiiiscbtttftdkrn vonDonnerstag, 23., bis Dienstag, 23. NuSnahmepreise, pro Pfd. 2,00 M. Drngoncrstr. 15, I Ktagc, Weil kein e Ladenmiele, daher billigere Preise wie wo anders. 8gHMWg!li'sli8iHsei'eii! Kixdorf. Tvdes-Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Mitglied, der Tischler Veong Dehmel (5. Abteilung) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 24. d. M., nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Nixdorscr Kirchhofes aus statt. 235/6 Zahlreiche Betelligung erwartet Der Vorstand. T\)äe8-�nzeigs. Am 20. d. M. verstarb unser Kollege (Zeorx vekm! infolge einer Blinddarmoperation. Durch sein unermüdliches Wirken im Interesse der Arbeiterschaft so- wie durch seinen in jeder Be- zichung rechtschaffenen Charakter hat er sich die Liebe und Achtung aller erworben. 721b Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frei- tag. den 24. August, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Rixdorser Kirchhofes, Akaricndorser Weg, aus statt. Die Kollegen der Firma Markiwitz, Elisabethuser 53. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, dast der Kollege, Tischler Gteorx Dehme! am 20. August verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 24. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Rixdorser Kirch- hoseS.Maricndorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 91/9 Die Ortsverwaltung. Dr. Simmel, Ä SpezialarzI für 137/13* Bant nnd Hurnloldcn, 10—2, 5—7. Sonntag« 10—12, 2—4. ? Sparen Sie gern im Haushalt, dann be reiten Sie sich Ihren Bedarf an Essig selbst aus Reicber»_ erria-enenz G Mark„Lichtherz". Eine Origtnalflasche für I M. gibt 12 Weinflaschen feinste» und milden, keimfreien Speise- u. Sinmaehe-Sssig To mit eingelegte Früchte find sicher vor dem Verderben ge» schüiit nnd schmecken grostarttg! -/, Fl. 33 Pf. Wo inDrogericn, Apotheken:e. Geschäften nicht erhältlich direkt von der Fabrik »II« Reictal, ÄSA Nur echt u.rein b.unverletzt.l inhihara Kapselverschlust m. Marke LlimilöU, ÜBuss Salon!! Groste Frankfurterstr. 85. Inhaber: Chr. Theel. Tonnabende im Sept.. Oktober und November NSth ftet für Bereine usw. Totensonntag auch noch zu vergeben. Diez' Spezialitäten-Theater. Landsbcrgcf Allee 70(70(Ningbahustation). Donnerstag, den 24. August er.: ßcncfiZVOlTtCUUllg 16 Löwen für die Kassierer, Kontrolleure und Kellner des Etablissements. ?!ur noch bis 3V. August 1906: sowie 4 neugeliöreoe"erden-m I■■ J Publikum ILOWen herumgezeigt. Die größte Sensation u. beste Gruppe der Welt: Im Salon des Liwenb&ndlgert. Dazu das beste Programm Berlins, noch nie in einem Sommer-Theater geboten. I�ur 8enfations-)Zkte! Anfang 4 Uhr.— Entree SO Pf.— Vorzugskarten ungültig. Z Max Kliems Sommer-Theater. Hasenheide 13—15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Tägiieb; Qr. Konzert, Theater «a Speziaiitätenvorstellung * Jeden Montag: Sominerfest.— Jede» Miitlvoch: die beliebten ' ndei -„______________________....___________ och: d � Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. (9) Warenhaus Hermann Tietz LEIPZIGERSTRASSE=======================�� ALEXANDERPLATZ Donnerstag, Freitag, Sonnabend— Soweit der Vorrat reicht 3 Tage für Lebensmittel Kolonialwaren Gebrannter Kaffee ir. Uticiraiig i n m iv v vi P�dSOpf. 88p£. I00 T5 l35 W Kakao 75 pr. 73pf. KakaO garantiert rein, in Dosen ä 1 Pfand Haushaltchokolade Kd.70 Pf. bTe„nAsbÄe 68 pr. Blockchokolade Pfand 75 pr."1� 72 pr. Sahnen-Dessertchokolade./.ppÄeuo 56 pr. Kronen-Cakes Pfand 35 pr. Figaro-Cakes Pfand 45 pr. Haushalt-Cakes Pfand 52 pr. Zur Einmachezeit: ff. Brot-Raffinade in ganzen Broten Pfand 20 Pr. ff. gemäht. Zucker Pfand 19 pr.« Pfand 90 pt Pa. Weinessig 22 pr. per Flaeche 72 Pr. per Flasche 68 Pr, ff. Essigessenz ff. Essigessenz ff. Bienenhonig garantiert rein, 1 Pfand-Glas 95 pr. Ein grosser Posten Rebhühner«!00!'" junge I I prima alte Junge Brat-Hühner BQpr. I00 I20 140 75 Pf. 130 Suppen-Hühner T5 bis 2a Junge zarte Gänse von 6°°»« Junge lebende Tauben SÄ paarT0 Kiste ca. 4'/, Pfund 88 Pf. 1 43 Kiste ca. 8 Pfund 1 Ital. Weintrauben Ital. Weintrauben OFit-cir-bo O/l im Korb, brutto für netto 1 III olLl IC Pfund �TPf. gewogen Pfund Pf. Tclfdäpfd prima, 2 Pfund 35 Pf. Pflaumen 6 Pfand 80 Pf. 8 Pfund 20 Pf. Spargel, Ernte 1906 Prima Stangenspargel 20/24 Prima Stangenspargel 26/80 Prima Stangenspargel 32/86 Prima Bruchspargel mit Köpfen Prima Bruchspargel mit Köpfen Prima Bruchspargel mit Köpfen «/, Dose 1 65 Vi Dose 88 Pf. Vi Dose l55 V* Dose 83 Pf. Vi Dose l40 Vj Dose 75 Pf. Vi Dose!20'/, Dose 65 Pf. Vi Dose I00 Vi Dose 55 Pf. V, Dose 85 Pf.«/, Dose 48 Pf. Fleisch- und Wurstwaren Braunschweiger Mettwurst Polnische Mettwurst Sardellenleberwurst RotWU TSt geräucherte Pfand 55 Pf. Schinkenspeck ff. fetter Speck spict-speck 100 Pfand I Pfand 90 Pt Pfand I10 frische Pfand 75 Pf. Pfand 65 Pf. Pfund 85 Pf Fisch-Conserven Bismarckheringe v°se45pf. Bratheringe v°.e45pf. Delikatessheringe Ä» D,oU78pf. oö» 48 pf. Anchovy's m Gläsern perQIe.24pf. Sardinen inGUsem per Glas 24 Pf Sardinen in Oel Marke Saupiquet„Diplomat" DÖiSSpf. do!«175 Marke„Renomme"./.Oase 80 Pf. Oese 1� Merke„Eä Primera"-/.v°-°43pf. Merke„Kericlec"»/, vose33pf ff. engl. Matjes-Neringe 8h 10 Pf. 15 Pf. 20 Pf slsdss Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(lettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 3 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen( ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr. für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 69, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. Riiumuttgs» Ausvetkaus I Gar dinen, Stores, 10 Proz. Nabatt, Fenster 1.13. 1,65, 1.85. 2.45, 2,95; 3.85. 4.75. 5,75 usw. WeistenbergS TeppIchbauS, Große Franksurter« straße>25, nahe Koppenslraße. Tüllbettderie» 2,15, 2,25, 2,45, 2.95, 3,25, 3,35, 4,50 usw. Vorzieh- gardinen, weiß, creme, rot und gold- sarbig in allen Preislanen 10 Proz. Radalt. Welßenbergs Tcppichhaus. RälluiungS-AuSocrlaus I Möbel- stoste, Möbelplüsche und Reste sür ganze Bezüge 15 Proz. Rabatt. Japnner- und Perser- Teppiche, 2 Meter lang 3, SS: 2,35 Meter lang 5,90._ 1731K« Grosic Posten echte Plüschtcppiche mit Fehlern, nur so lange Vorrat 10 Proz. Rabatt. Weißenbcrgs Teppichhaus, Große Franksurter- stratze 125. 1732K' Ränmungs- Ausverkaus I Einen Posten Tuchtischdeckeu 1,65, 1,95, 2,45, 2,95, 3,50, 4,35 usw. 17331!» Plüschttschdeckeii. wert das Dop- pette: jetzt 6,85. 7,50, 8,75, 9,75, 11.00; 10 Proz. Rabatt. 1734Ä» Steppdecken, nur so lange Vorrat 2,85, 3,85, 4,85, 5,85, 6,85. 17351!» Such- und Plüschvorhänge mit Querbehang 3,85, 4,50, 5,00, 7,85. 9,50, 10,50 usw. mit 10 Proz. Rabatt. Wcißenbergs Teppichhaus, Große Franlsurterstraße 125, HaUestelle nahe Koppenstraße._ 17361!» (BrtrditmiliniiO GroßeFraiiljurler« praß« S. parterre._ If Trppiriie!(schlerhasle) in allen Größe» sür die Halste beS WericS im Ttppichlnger Brünn. Mar« 4. Vahnhot Börie. Hackeicher 266/14' Fahrrnder, Teilzahlungen. Berg. praße 28, Skalitzcrstraße 40. IS63K» Herreufnhrrnd, Damenjahrrad, wie neu. 45,00. Holz, Blumen- ftraße 36 b._ 171 OK* Teppiche inilFarbensehIcrnFabrtt» Niederlage Große grauksurlerftraße 9, parterre_._+1 Eine Partei-Restauration verlaust E. Worm, Schöneberg, Eisenacher- straße72._ tl04* Hochporiiehme Herrenanzüge, Gonimerpalelots, die aus jeiiistc» Maßstossen geierligt wurden, 18 bis 38,00, Herrenhosen 7—12,00 verlaust täglich, Sonntags. Deutsches Versandhaus, Jägerstraße 63, 1 Treppe. Geschnftsdreirnd. äußerst stabil, 50,00. Holz, Blumenstraße 36 d.* («askochei haus l Zweilochgas- locherl 3,00. Gelchlossene Spargas- löchert 5,00. Gasbügelnpparat, Gas- plätteise»! Gasbralösen! 7,00. Drei- stämmige Gaskronen I 6,00. GaS- Ihren I VI,. Wohlauer, Wallner- theaterstroße 32 17S1K» Milriigesriiliftseinrichtuiige», Milchkübel, Xtaiinen, Maße, Milchsiebe, Wiegeschalen, Buttermaschinen usw. billigst. Jordan, Michnelkirchstraße 2l. Kiiiderluage», Itinderbellslellen, Spurllvageii, gebrauchte, zurückgejetzte spoitbillig. Schneider, Kursursteii- straße 172._ 2066* Hochvornehme Herrenbosen aus seinsten Maßstoffeu 9—12 Marl. Verlaus Sonnabend und Sonntag. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. Keine Filialen. 1714K» MoiiatSnnziige, Sommcrüber« zicher von 5 Mark an, große Aus- wähl sür jede Figur, auch neue ele> gante Garderobe auS erster Bezugs. Filialen. Brautleute!„Nur Grünerweg Kt.- Spindcn, Spiegel. Sosas, bessere Bettstellen, reelle Matratzen, enorm riesige'Auswahl vollständiger Woh- nungs-Einrichtungen, bekannt billig! Hermann Dwinatzki. 171SK» Rette Dich ausS Land! Ein zehn Morgen großes Grundstück mit vielen Obstbäumen bepflanzt, sür jede Gartentultur geeignet, 25 Minuten vom Bahnhof, verlause mit 1000 Marl Anzahlung sosort. Otto Trentepohl, Wensickendorf(Mary._ 176SK» Nähiiiaschiue», ohne Anzahlung, wöchentlich>,00. Warschaucrstraße 67, Wicncrstr. t/6, Ackerftraße 11t. 709b NloiintSnnzüge und Sommer- Paletots von 5,00 an, Hosen von 1,50 an. Gchrockanzügc von 12.00 an, Fracks von 2,50 an, sowie sür korpulente Figuren. Nene Garderobe zn staunend billigcnPi eisen, ans Pfand- leihen verfallene Sache» laust mau am vorlciihasiestcu bei Naß, Mnlack- straße 14,__ 715b» Herrenrad, Prachtmajchinc, spott billig, Kleinschmidt, Usedomstr, 27 a, Waldidyll l Dabei IljR, 10 Marl, 5 Minuten vom Bahnhos. mitten im Walde, 300 Hochwaldbaustcllen. Nur Ruhe, Schönheit. Darum säume nie- mand, sich schnell eine Parzelle zu lausen. Joers, Pankow, Elisabeth- weg 10. 719b Seiscugeichäst mit Wohnung billig zu verlausen Hussttenstraße 38. Hobe Vergütung bei Ringschistchen Bobbin. ohne Anzahlung, Woche 1,00, gebrauchte 12, 00,Köpcnickerstraßc60/6l, Große Franlsurterstraße 43, Prcnz- lauerstraß« 59/60._+88 Nähniaschinen. Zahle bis 15,00, wer Teilzahlung laust oder»ach. weist. Sämtliche Systeme. Brauscr, Tilsiterstraße 90._+39* Nlihliiaschinen. Vergüte btS 10,00, wer Teilzahlung kaust, nachweist, Sämtliche Systeme, SIlte nehme hoch in Zahlung. Rixdors, Berliner- straße 99._ jUB* Steppdecken billigst Febril Groß« Franksnrlerstraßc 9, parterre. ßl Tapezierer mit lleincm Kapital kann sosort gute Existenz erwerben. Billige Miete, gute Lage. Offerten „7391- Postamt 42._ t63 Restmirnnt, gutgehend, umständehalber billig zu verlausen. Näheres unter V. 4 Postamt 47, Berlin. Attlch, Backware, Obst, Gemüse, Kolonialwaren, Kohlen und Holz- verkauf, billige Miete, preiswert ver- käuslich bei APitz, Mühlenstraße 48 im Laden. f130 Bäckerei. 20 Jahre alt, Patent- oscn, umständehalber sür 800 Mark zu verlausen oder zu vennieten Wicnerstraße 49._ 150/12 Schnnkgcschäft verkäuflich. Er- fragen Trojanus, Lichtenbcrgcrstr. 13. Möbeltischlerei liesert gediegene Wohnungseinrichtungen äußerst billig. Bunte Küchen. Reelle Arbeit. Be- sichtigung meines staunend großen Lagers erbeten. Auch Ratenzahlung. Nur Keller und Hinterräume. Harnack, Tischlermeister, Dresdener- straße 124, zwischen Oranienplatz und Kottbuser Tor. 1768K» Versdnedeues. Pntcntniiwalt Wessel, fflilfchiner- straße 94a._ 2676* Psondlcibc, Prinzeiislraße 63, täglich 8— 8, SonnlagS 614 2. 1667K» Rixdorf, Brüses Fcstsäl«, Knese beckstratze 113, Restaurant, Garten, Vereinszimmer, Parkeltsaal(600 Per- soneii). Sonntags Ball. �118* Plntinabfälle. Gold, Silber, Brillanten, Gebisse, Kebrgold sowie sämtliche gold- und silberhaltigen Abfälle kaust die Gold- und Silber- schmclzerei Broh, Wrangelstraße 4. Telephou-Amt 4, 6958. 149/19» Saal l Vereinszimmer Sonnabende frei. Klubhaus, Annenstraße 16.» Bfnndleibe Markusstvaße 27. Bereinszimmer mit Pianino zu vergeben. August Goldbach, Löwe straße 14._-f148' BoIkShumorift Balzg. Auch Ge sellschast. Mantcuffelstraße 41. s99 Nehme noch Wäsche zum waschen. Laken 10, Leibwäsche 10, 4 Hand- tücher 10 großer Bezug 15. Die Wäsche wird chlorsrci und mit der Hand gewaschen und im Freien ge- trocknet. Frau Luise Lhthje, Köpenick, Müggelheimerstraße 2. 1769K Geige. Cello, auch zerbrochen, kaust. Offerten unter B. 2 Expedition dcS„Vorwärts". 718b» Hiermit nehme ich die Beleidi- gütigen, welche ich gegen Herrn Max Ebhard im Lolal HagelSbergerstraße verbreitet habe, reuevoll zurück und erlläre denselben sür ehrenhaft. Georg Hosfmann, Schönleinstraße 8.-fI07» Briesinarten-, Münzen-, Mincra liensainnilung, Antiquitäten- Ankauf. Kanonierstraße 9, Sammelbazar.* Vermietungen. Schlafstellen. Teilnehmer zur möblierten Schlafstelle gesucht. Frau Jacobey, Kol- bergerstraße 26, III. Schlafstelle sür 1 oder 2 Herren, Romintenerstraße 40, Gartenhaus, Witwe Zcruhii._+40 Schlafstelle für 2 Herren, Dres- denerstraße 58, III rechls._ 7126 Mietsgesuche. Junger Mann sucht Zimmer als alleiniger Mieler, 12—15 Marl mo- natlich, in Berlin Südost. Offerten unter W. O. Expedition dieses Blattes Laujitzer Platz 14/15.+13 �rbeitsmsrkt. Stellengesuche. Kutscher sucht Stellung sür leichtes Fuhrwerk Simeonstraße 6. Heilig. Bltuder Stuhlflechler bittet um Arbeit. Stühle werden abgeholt tmd zurückgeliesert. 81. Gläser, Mnlack- stiaße 27. 14686 Stellenangebote. Geldschrankschlosser sucht Brande». Alexandrlnensttaße IIS. böSb* Marmorfchleifer verlangt Graf Steglitz. 210/17» Schlosserlehrltiig vetlangt Wasser. torstraße AI. Fröhlich._ 150/10» Zlnschläger aus Fenster verlangt Przybilsti, Greisswalderstraße 30. Grundierer verlangt Köpenicker. straße 147. 711b Fliesenleger verlangt Wirth, Bau Schauspielhaus, Nollendorsplatz oder Dtefsenbachstraße 36.__+1U Tüchtige Hakenbieger und Feiler aus Partridge und Natur im Hause verlangt W. Remmert u. Co., Prinzen straße 36._ 7046 Junges Mädchen(16 Jahre) sür Expedilion gesucht. Allenbergs Färberei, Weißensee, Langhans- straße 4._+138* Botenfrauen finden sehr lohnende Beschäsligung Schifsbauerdamm 1.' Botenfrauen(Tour Mühlen- straße) finden sehr lohnende Be schäsligung Sorauerstraße 20. 150/9 Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SV Pf. die Zeile. Tüchtiger 210/12» Trommel* Balanzierer bei hohem Lohn gesucht. '' mit Zeuanisabschristen aus unter V. 2 an die Angebote und Lebcnslaiis Expedition dieses Blattes erbeten. Achtttug! Die Holzbearbcitungssabrik Nadge, Falisatlenslr. 77/7&»»& ist sür Maschinenarbeiler sowie HülfS- arbeiter g/espos-i-t! Sämtliche Arbeiter besinden sich im Ausstande. Vorband der Handols- und Transporlarbeilor. Verband der Maschinenarbeiter. Achtuns! Achtuns■ Schildttliielkr! Bei der Firma Otto Grund u. Co., Wassergasse 3, und bei der Firma Paul Boigt, Neue Königstraße 42, sind Disserenzcil ausgebrochen, mithin bis aus iveitereS gesperrt. 266/20» Zuzug ist fernzuhalten l Die Vorivaltuu�. Achtims! }tlavierarbeiter! In der Pianosabrik von licll& Co., NndreaSstr. S'Z, haben sämtliche Kollegen wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. 141/16» Zuzug ist fernzuhalten. Vereinigung der Musikinstrumonten. arbeiter. (Zahlstelle Berlin). Folgende Firmen sind, weil Ein- stellungen nach dem abgeschlossenen Vertrage nicht erfolgt sind, biS aus weiteres gesperrt: Xssvcs- KUlle, Reichenberger- straße 36. Fleck Xnchf., Lützowstr. 87. A<1. Wlttenburs, Wilhelm» straße 16. F.O. Asthe, Wilhelmstr. 119/20. Ad. HchoU, Putttamerftraße 19 und Dessauerstrabe 14. Kartonfabrik Ad. l-e»»er, Krantftrafte, sür Kartonarbetter, u. sür Galanteriearbeiter die Firma AIoz-n Sink, Ncanderstr. 4. Vor Slrbcitsannahine in den Ver- bandsbetrieben, auch durch den Part- tätlschen Fachardeitsnachweis ist In- sormation aus dem Bureau, Engel- uscr 15 H, Zimmer 21, einzuholen. 24/12 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Wegen Streit und Lohndifferenzen find gesperrt: Für Tischler. Polierer und Maschinenarbeiter: Equltx. Gr. Frankfurterstr. ISS. Für Bautischler! BlschofT, Stralauer Allee SO«. Für Knopfarbetter: Abramowaby, Kopenicker- straste 33a.. Für Korbmacher: Zworner, Fricdrichsfelde, Ber- linerstraste 72. »uudei-, Friedrichsfelde, Ber- linerstrafte 8«. Für Bürstenmacher: Der Jnniingsnachweis, Brunuew strafte 1S1. Für Parkettbodenleger: Bau Teinpelhof, Dorfstraste IS. Fabrikant Ilcrzer, Vertreter Wusner. Zuzng ist streng fernzuhalte». Die OrtSverwaltmta. > s"Vsf. 4' N X" Langjährige Erfahrung hat uns gelehrt, dass milder, lieblicher Geschmack eine der hervorragendsten Qualitäts=Eigenschaften feiner türkischer Ligaretten ist. Wir haben aber auch gelernt, dass milder Geschmack ohne Einbusse an Aroma nur erreicht werden kann durch sachkundige Mischungen der sorgfältigst gewählten reifen Blätter türkischen Tabaks, zusammengestellt in genau harmonischem Verhältnis. Wir sind sicher, dass jeder Kenner welcher m CIGARE.TTEW probiert, zu der Ueberzeugung gelangen wird, dass wir in unseren Mischungen es erreicht haben, feinen, milden Geschmack mit köstlichstem, qualitätvollem Aroma zu verbinden. Josetti-Cigaretten sind deswegen ausserge wohnliche Cigaretten nach jeder Richtung hin. Sie repräsentieren nicht allein den besten türkischen Tabak, welchen wir zu kaufen wissen, und nicht nur die sachverständigste Fürsorge in der Behandlung desselben, die man obwalten lassen kann, sondern auch sachkundig zusammengestellte und daher vollkommene Mischungen, die nur durch unermüdliche Aufmerksamkeit verbunden mit kritischer Beurteilung erreicht werden können. Es sind die Mischungen, welche den Josetti-Cigaretten ihren eigentümlicheo, hochfeinen, qualitätvollen Geschmack geben. Josetti Juno 10 St. 20 Pfg. Joselli Griseldis 10 51. 30 PCJ. 5 f,0"; 1 y-s-J }).) N ff n Zag mit fOr Josetti-Cigaretten bestimmte� Tabak beladen er Packticre. Hnnabme-ötelleii für„Kleine Hnzeigen", Osten: Man». PctelZburgerplatz 4. SSeiigels, Zmdersdorferstr. 3. Gustav Bogel. Koppenstr. 83. Xordtasten: L. Zucht. MeiBoIftr. 42. I. Reul. Barnimstr. 42. X«»'!ittciiwaIderstr..3 Kommission der 8teinblldhaner. � tz C CS C«u o x � 0 Pli X X3 JMiiblbäuser Kautabak von Hneo Carl Haeenbrncli, Mühlhausen i. Th. nur echt, wenn die Röllchen den beigcdruikten Zettel enthalten, worauf gcsäll. genau zu achten bitten. Vertreter für Berlin und Umgegend: August Kiemert, 19642* Berlin SW., Gro8beeren»traBe 39. Amt Via, 10560. s c 2 ö»§ ~ n ua Für Lichtenberg u. Umgegend mache ich hierdurch bekannt, daß ich mich Frankfurter Allee 4 II, vls-k-vis der Wohnung des kDrzlich verstorbenen Sanititsrats Dr. Brockmann, prakt. Arzt als und Spezialarzt für Kinderkrankheiten niedergelassen habe. Dr. Britz. Möbel-Fabrik „ A. SCHULZ, HF* fteiehenberger Straße 5"M (gegründet 1878) empfiehlt ihr großes Lager nur anerkannt gediegener Möbel in jeder HoIk- nnd Stilart von HOO. IOO, 500, OOO bis lOOOO Mk. Anoh fertige Sotas. fiarnitnren und Matratzen eigener Fabrikation zu billigen Preisen. 2036L*| I.«fc P. Uder, Enge'r-Drer'i Tabak-Großbandinng u. Takaktabrik. Fabrik-Lager sämtlicher gangbaren Kau- u. Schnupftabake. Spezialität: Biordhßascr Kautabak. ' Ehssegger, Kownoer, Kardinal, Karotten usw. ' stets frisch zu billigsten Engrospreisen. ATen! Neu aufgenommen: Ifen! Berliner Luft(Detailpreis: Pake« 10 Pf.) erstklassiger Qualitäts-Schnupftabak aus den Tabakfabriken von Joseph Borns, Katibor. 1668L* ' Amt J, 3014. t >:< Keine Cigarre „C i g a r o m a 64 Keine Cigarette 1947L* empfehlenswertestes und billigstes Rauchprodukt hergestellt aus nur edlen Tabakblättern in der Preislage von iVa Pf. pro Stück an. Zu beziehen durch den Cigarrenhandel r* S€B rt**1£1„ Fabrik und Hauptgeschäft: 1 ü r i# III«1 G m b- H Berlin SW. 68, Zimmerstr. 13. Kezantwortl. Redatteur: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Äetlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdrucketei u. Verlageanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 9,195. 23. Inte Z. KllMe|f0.föl'lDÜllö" MMt Jolfellllllt mmHZUmtm. Das Erdbeben in Chile. Noch läßt sich der durch die Katastrophe angerichtete Schaden nicht übersehen und schon ist die Kunde Um, einem neuen Erdbeben hierher gelangt. Es wird berichtet: New Dort, 21. August. Der nach Valparaiso entsandte Spezial- korrespondent des Bureau Laffan, der heute dort eingetroffen ist. telegraphiert unter gleichem Datum: Das neue Erdbebe», das heute morgen die Stadt heimsuchte, hat diese fast völlig zerstört. Einzel- heiten über die Katastrophe mitzuteilen, ist einfach unmöglich. Santiago de Chile, 22. August. Der Schaden in den Ortschaften ist un- ermeßlich; fast sämtliche Wohnplätze an der Küste sind zerstört. Die Orte San Francisco del Monte, San Antonio und Cartagena find nahezu völlig vernichtet? die am meisten heimgesuchte Zone umfaßt die Provinzen Valparaiso und Aconcagua. Die Orte Limache, Llai-Llai und N o V o V i c j o sind vollständig vom Erdboden verschwunden. Man schätzt den Verlust für ganz Chile auf 20 Millionen Pfd. Sterl. ES find noch immer leichte Erdstöße zu verspüren. Die Feuers- brünste sind erloschen. 60 000 Menschen sind ohne Obdach. Die Regierung läßt für 30 000 Personen Baracken bauen. Die Eisen- bahnlinie ist von Valparaiso aus bis Lamache Ivieder hergestellt. Die Kammer hat 4 Millionen Pesos für Hülfsleistungen bewilligt. London, 22. August. Ueber New Jork hier eingetroffene Berichte aus Valparaiso besagen, daß die Lebensmittelvorräte für etwa einen Monat ausreichen, daß aber Mangel an Trinkwasser herrscht. Die Behörden errichten auf den Zügeln Unterkunftshütten. Durch Dynamitsprengungen wurden der Feuersbrunst Schranken gesetzt. Die Schutzleute erschossen an 50 Plünderer. Man befürchtet den Ausbruch einer Seuche wegen der vielen unbegrabenen Leichen. Staatsingenieure arbeiten an der Wiederherstellung der Eisenbahnen und Telegraphen. Ein bemerkenswertes Telegramm empfing die Hamburg-Amerika- Linie von Kapitän Blaß, dem Führer ihres gegenwärtig im Hafen von Valparaiso befindlichen Dampfers„Thuringia". Es lautet: „Ein großer Teil Valparaisos durch Erdbeben und Feuer zerstört. Erdstöße dauern an. Schiff hat keinen Schaden erlitten. Die Not ist aufs höchste gestiegen. Ich gewähre, soweit möglich, Hülfe? habe 300 Obdachlose an Bord."— Auch das Telegramm, das die Berliner Firma Hardt u. Co. von ihrem Valparaisoer Hause C. u. W. Hardt erhielt, sei hier wiedergegeben:„Drei Viertel von Valparaiso und Umgegend sind verschüttet. Unsere Stores in Santtago und Concepcion sind intakt. Eisenbahn, Post und Tele- graph unterbrochen." Anderen Berichten entnehmen wir folgende Einzelheiten: Die Mauern des Gefängnisses von Santiago begruben in ihrem Sturze 140 Sträflinge unter sich. Der Badeort Vina del Mar ging in Flammen auf. Am Sonnabend traf der Eigentümer der Zeitung„Mercurio" zu Pferde aus Valparaiso in Santiago ein. Er erklärte die Stadtviertel Almendral und Gran Avenida seien Trümmerhaufen, unter denen die Bewohner der Stadt nach Ver- schütteten suchten. Es herrschte vollständige Ordnung in der Stadt infolge des soforttgen Eintteffens von Militär. Er konstatierte ferner, daß der Verlust an Menschenleben verhälttnsmäßig gering sei. An einer Stelle allein seien trotzdem 50 Leichen gesammelt worden. Die Hotels blieben sämtlich stehen und die Gäste sind fast alle un- verletzt. Man befürchtet eine ökonomische KrisiS. Bald nach dem großen Erdstoß versuchte ein Pöbelhaufen, die Lager einer englischen Firma zu plündern, die jedoch von den Angestellten bis zum Ein- treffen der Truppen erfolgreich verteidigt wurden. Viele Kaufleute in Santiago machen sich die Notlage zunutze, indem sie die Preise für Lebensmittel erhöhen, obgleich sie gefüllte Lager haben und keinen Schaden litten. Zwanzig Personen starben an übergroßem Schrecken. Am Sonnabend konnte in Santiago bereits der Trambahuverkehr wieder aufgenommen werden. Partei- Hngdegenbeiten« Wannsee. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am Sonnabend, den 1. September statt, und nicht am Sonnabend vor dem 1. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Pösenecker über„Das Genossenschaftswesen". 2. Bericht von der General- Versammlung des Kreises und Groß-Berlin. 3. VereinSangelegenheiten. Zu dem Vortrage sind auch die Frauen hiermit eingeladen. Der Vorstand. Gchenkendorf. Der Wahlverein hält am Sonnabend, den 25. August 1006, abends 8 Uhr, bei P ä t s ch seine Mitglieder- Versammlung ab. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Nieder-Schöneweidr. Freitag, den 24. August, abends 8>/z Uhr, große Volksversammlung für Nieder-Schöneweide und Umgegend im Etablissement Hasselwerder. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Wilhelm Miethke über„Zweck und Nutzen des Austritts aus der Landeskirche". Freie Diskussion ist zugesichert. Der Prediger des Ortes, Herr Blllow, ist ganz besonders hierzu eingeladen. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Der Einbertifer. Ober-Schöueweide. Der Wahlverein veranstaltet heute und am Montag, den 27. August, eine Theateraufführung von„Bartel Turaser" im Schloßpark Wilhelmiuenhof unter Leitung des Herrn Walkotte. Wir erwarten von den Genossen, daß sie diese Ver- anstaltungen durch rege Beteiligung unterstützen. Billetts sind bei den Bezirksführern und dem Kassierer Burgschat, Siemensstraße 8, zu haben._ Der Vorstand. Berliner l�acbrlcbtem Die Bierkonsumenteu müssen zahlen! Die Berliner Gastwirte sind vor den Brauereimagnatcn mutig zurückgewichen. Während sie bisher versuchten, sich gegen die von den Brauereien beabsichtigte Vierpreiserhöhung zu wehren und die Bierbelastung den Brauereien zuschanzen wollten, haben sie jetzt diesen Versuch aufgegeben und wollen sich nun an den Konsumenten schadlos halten. Der Verein Berliner Gastwirte hat gestern nachmittag in den Industrie- Festsälen. Beuthstraße, eine außer- ordentliche Versammlung abgehalten, die sich mit dem künftigen Bierpreise beschäftigte. Als Ehrengäste waren auch Mitglieder der Saalbesitzer und der anderen Gastwirtsvcreinigungcn anwesend. Bekannt gegeben wurde, daß ein vor acht Tagen gegründeter Verein der Vierzeh utel-Ausschänke sich dahin schlüssig gemacht habe, künftig für'ho Liter Vier 10 Pf. und für s/io Liter 15 Pf. zu berechnen. Der Verein der Saalbesitzer ließ er- klären, daß er bei den Brauereien dahin wirken werde, daß die Oekonomen entfernt würden und daß nur noch'/« Liter- Gläser beim Ausschank venvandt werden dürsten. Nach mehrstündiger Aussprache gelangte die Ver- fammlung zur Annahme einer Erklärung, in der es heißt: I„Der Verkaufspreis des Bieres für die Wirte muß sich leider um 2'/z Pfennig pro Liter erhöhen. Da für Berlin das Pfennigsystem nicht anwendbar ist, so muß es jedem Wirt überlassen bleiben, welches Maß er für 10 Pfennig ver- abreichen will. Dem Publikum soll durch Plakate, die auf Vcreinskosten gedruckt und mit dem Vereinsstempel versehen werden, von der Preiserhöhung Kenntnis gegeben werden." Der Vorsitzende gab bekannt, daß später eine Kontrolle darüber veranstaltet werden soll, welche Wirte dieses Plakat wirklich in ihren Lokalen ausgehängt haben. Mit diesem Beschluß ist es nun in Berlin glücklich dahin gekommen, daß der Konsument zahlen mutz. Es mag gewiß auch für die Wirte nicht leicht sein, einen Kampf gegen den kapitalkräftigen Brauereiring zu führen. Wir möchten aber darauf aufmerksam machen, daß die Gastivirte auch ihrerseits in dem Kampfe bisher nur ihr eigenes persönliches Interesse zu wahren gesucht haben. In dem Kampfe gegen die seiner- zeit geplanten großen Steuervorlagen, die nun angenommen worden sind, haben die Gastwirte nur eine sehr bescheidene Rolle gespielt und den Hauptkampf der Arbeiterklasse über- lassen. Auch ihre Bestrebungen zur Erdrosselung des Flaschen- bierhandels waren nicht geeignet, bei den Bierkonsumenten besondere Sympathien zu erwecken. Sie mögen sich nicht wundern, wenn nunmehr auch die Konsumenten sich rühren und sich ganz entschieden gegen eine Verteuerung des Bieres wehren werden._ Die Walderholungsstäiten vom Roten Kreuz gebe» doch immer wieder Anlaß zu Klagen. Wieder einmal ist es die Erholungsstätte„Jungfcrnhaid e". aus der uns von Patienten die Bitte vorgetragen wird, etliche der dort vorhandenen Mißstände öffentlich zu besprechen. Uns ist eine Beschwerdeschrift zugegangen, die von einem halben Hundert Patienten unterzeichnet ist. �Der Ausweg einer Veröffentlichung durch den„Vorwärts" ist gewählt worden, weil man nach den bisherigen Erfahrungen sich keinen Erfolg davon versprechen konnte, zunächst mal eine Bc- schwerde an diejenige Stelle zu richten, die sich für allein zuständig hält. Nach den Erfahrungen, die anderswo mit dem Roten Kreuz gemacht worden sind, mußte sogar befürchtet werden, daß Wort- führer der sich bcschwerdenden Patienten kurzerhand ausgewiesen würden, wie das vor einiger Zeit in der Heilstätte Grabowsee geschehen ist. Hauptanlaß zur Unzufriedenheit ist wieder die B e k ö st i g u n g. Wie wir über Klagen solcher Art denken, das haben wir oft genug dargelegt. Wo für zweihundert Mann gekocht wird, da kann ver- ständigerwcise der einzelne nicht verlangen, daß auf seinen speziellen Geschmack Rücksicht genommen wird. Aber— nicht wahr? — er darf wenigstens das erwarten, daß ihm nicht durch das. was man ihm vorsetzt, für immer der Appetit verdorben wird. In der Erholungsstätte„Jungfernhaide" haben es Patienten erlebt, daß sie in ihrem Mittagessen Maden fanden. Das ist nicht bloß einmal vorgekommen, sondern sogar wiederholt. Es wird angenommen, daß die Maden aus Gemüsekonserven herstammten, die man dort selbst im Hochsommer zur Bereitung des Mittags- mahles verwendet. Es kann zwar jeder Hausfrau mal passieren, daß ihr ein Winkclkrämer getrocknetes Gemüse in die Hand steckt, das durch langes Lagern schlecht geworden ist und beim Kochen ein Gewimmel von Maden aufquellen läßt. Aber wo täglich Hunderte von Personen beköstigt werden, da kann es doch wirklich kein großes Kunststück sein, sich einwandfreie Ware zu sichern. Wie teuer haben die Erholungsstätten ihre Gemüsekonserven ge- kauft? Oder haben sie sie überhaupt nicht gekauft? Ist ihnen am Ende irgend eine Ladcnhüterware als„Delikatesse für Arbeiter" gratis überwiesen worden, auf daß der hochherzige Wohltäter im nächsten Jahresbericht als besonderer Gönner verzeichnet werde? Unter den Patienten geht das Gerücht um, inzwischen sei verfügt worden, daß ein beträchtliches Quantum noch vorhandener Kon- serven verbrannt werden solle. Das liehe ja„tief blicken". Indes, das kann auch ein Irrtum sein. Vielleicht wird die Verwaltung uns dahin berichtigen, in der Erholungsstätte„Jungfernhaide" sei es keinem Menschen eingefallen, Gemüsekonserven zu verbrennen. Nun, wir sind von vornherein bereit, ihr das zu glauben. Andere Klagen richten sich gegen die in den Erholungsstätten übliche höchst primitive Art, die Speisen zu ser- vieren. Da kriegt jeder nur ein einziges Eßgeschirr, einen Napf aus emailliertem Eisenblech. Für manche Gerichte, z. B. für Ge- müse mit Flcischbcilage oder für Schmorfleisch mit Kartoffeln reicht das aus. Aber gelegentlich gibt's auch mal ein Gericht, dessen Be- standteile man nicht gern zusammen serviert sieht. Wer möchte z. B. Milchreis und Kotelette aus demselben Napf essen? Gewiß, diesem oder jenem schmeckt's auch so— aber vielen vergeht dabei der Appetit. Mit ganzen zwanzig Mark könnte man für eine Er- holungsstätte, wie es die in der Jungfcrnhaide ist, zweihundert besondere Teller beschaffen. Aber dann hätte freilich das ohnehin überlastete Dienstpersonal noch zweihundert Teller mehr zu waschen. Das soll wohl vermieden werden, damit man möglichst wenig Per- sonal zu beschäftigen braucht und möglichst viel an den Löhnen spart. Uebrigens kommt noch ein anderer Umstand hinzu, der es erklärlich macht, daß man da draußen in den Walderholungsstätten dem Patienten nur ein einziges, futtcrnapfähnliches Geschirr über- reicht. Kriegte jeder zwei Geschirre, so wüßten ja die zweihundert Mann gar nicht, wo sie essen sollten. Die vorhandenen Tische reichen bei weitem nicht aus, wenn gleich- zeitig eine große Zahl Personen an ihnen ihr Mittagsmahl ein- nehmen wollen. Man muß das gesehen haben, in welcher Weise die Patienten sich zu bchclfen suchen, wie sie sich mit ihren Näpfen an den wenigen Tischen zusammendrängen, wie sie mit dem Napf zwischen den Knien in ihren Stühlen fsogenannten„Faulenzern") Hecken. Wo sollten sie da noch einen Extrateller unterbringen? Daß aber solche Zustände nicht gerade den Appetit anregen und die Be- haglichkeit steigern, das begreift man ohne weiteres. Den Herren und Damen, die über Wohl oder Wehe der in den Walde rholungs- stätten untergebrachten Arbeiter zu befinden haben, empfehlen wir, einmal selber da draußen nur eine einzige Woche hindurch Tag für Tag in dieser Weffe zu diniren. Vielleicht würden sie dann über manches anders denken lernen. ES wäre überhaupt zu wünschen, daß diese Herrschaften die Segnungen ihrer Walderholungsstätten am eigenen Leibe erprobten. In der Erholungsstätte„Jungkernhaide" gibt es für zwei- hundert Mann zwei S ch u tz h a l l e n, unter denen(wie wir durch Zählung festgestellt haben) nicht mehr als zusammen hundert Personen Platz finden können, wenn sie sich nicht wie die Heringe zusammendrängen sollen. Am letzten Sonntag, wo noch zahlreiche Angehörige auf Besuch da waren, zeigten sich die Hallen bei den wiederholt niedergehenden starken Regengüssen in ihrer ganzen Unzulänglichkeit. Den noblen Damen, die inanchmal inspizieren kommen und dann in der nicht für Patienten bestimmten Döckerbaracke von ihren Strajrazen ausruhen, hätten wir gewünscht, sich vor den Regengüssen dieses Sonntags unter eine der offenen Hallen flüchten zu müssen. Sehr heilsam könnte es auch wirken, wenn man sie nötigte, sich der Wascl'gclegenhcit zu bedienen, die für die Arbeiter bereit steht. Für 200 Pattenten samt etwaigen Gästen sind drei Waschbecken und drei Handtücher vorhanden. Die Waschbecken haben wir schon in den Vormittags- stunden in skandalösem Zustande vorgefunden. Wir mußten uns die Frage vorlegen, wann man sie wohl zum letzten Mal aus- gescheuert haben könnte. Die Handtücher sollen manchmal so aus- sehen, daß sie für ein Hygienemuscum als drastisches Auschauungs- mittel zu verweirden wären. Das Tollste aber haben wir hinter du Retirade gejehen und LUpKen. Deo vrj» vor, M Mgnn toll der Waldboden aufnehmen, aber allmählich ist da eine Verjauchung des Bodens-ingetreten. Hinter der Retirade fanden wir große Pfützen von Urin, der nicht versickert war. Dieser Zustand ist, offen heraus gesagt, eine Schweinerei. Und das bietet man Leuten, die„gute Luft" haben sollen! Wir wissen, daß ein Teil der Mißstände in den WalderholungZ» stätten auf Mangel an Geld zurückzuführen ist. Die Beträge, die von den Krankenkassen usw. gezahlt werden, sind ja nur mäßig. Sie sind so gering, daß die Meinung mancher Patienten, an ihnen werde in den Erholungsstätten noch verdient, als absurd zurück- gewiesen werden muß. Doch auch mit den geringen Mitteln, die vorhanden sind, ließe sich vieles bessern, wenn man an zuständiger Stelle die nötige Einsicht besäße. Manches, was wir da draußen bemerkten, können wir uns nicht anders erklären als daraus, daß die maßgebenden Persönlichkeiten sich wohl in dem Wahn befinden, Arbeiter seien es nicht anders ge» w ö h n t. Wir verkennen nicht die Bedeutung der WalderholungZ» stätten und unterschätzen nicht ihre Hülfe im Kampf gegen die Tuberkulose. Aber segensreich können sie nur wirken, wenn ihnen genügende Mittel zur Verfügung stehen und sie mehr als nur eine „wohltätige Einrichtung" sind. Es wird Zeit, daß die Kranken- lassen sich eigene Erholungsstätten schaffen, statt ihre Mitgliedc? zu Kostgängern des Roten Kreuzes zu erniedrigen. Der Verein Berliner Milchpächter beschloß in seiner gestrigen Versammlung, von einer Preiserhöhung der Milch zum 1. Oktober abzusehen und sich an etwaigen gegenteiligen Bcstrchungen der Milchzcntrale und anderer Großfirmen in keinem Falle zu be» tciligen. In der Beratung trat kein einziger Redner für die Preiserhöhung ein, die nach �den Ausführungen der Referenten, Stadtverordneten Lulay, des Syndikus Dr. Flatau sowie des Vor« sitzenden des südwestlichen Milchhändlervereins, Leiter, von der Bevölkerung nicht getragen werden könnte und im übrigen nur geeignet wäre, der Milchzentrale aus ihren finanziellen Schwierig- leiten herauszuhelfen. 4,3 Milliarden Wertzeichen im Jahr. Die Reichsdruckerei hal im vergangenen Jahr 1005 4,3 Milliarden Wertzeichen im Nenn- werte von rund 550 Millionen Mark geliefert. Diese Wertzeichen verteilen sich auf 710 verschiedene Sorten und 65 000 Sendungen. Mehr als der gelieferten Wertzeichen oder 1,2 Milliarden ent- fallen davon allein auf die Briefmarken zu 5 Pf., deren Bedarf in diesem Jahre infolge der Abschaffung der Zweipfennigkarte ohne Zweifel noch erheblich höher steigen wird. Von anderen Sorten werden nur 25 Stück jährlich gebraucht. Im Durchschnitt werden täglich 12 Millionen Postfreimarken, IVa Millionen gestempelte Postkarten und 200 000 gestempelte Postanweisungen verschickt, ab- gesehen von den Versicherungsstempelmarken usw. Wenig bekannt ist, daß die Reichsdruckerei neuerdings Papier mit Wasser- zeichen nicht nur für die Postwertzeichen, sondern auch für die Stempelmarken usw. verwendet. Während die Briesinarken bekanntlich eine Raute zeigen, haben die Versicherungsmarken einen Ring, die Reichsstempelzeichen, Wechsel- und statistischen Marken den Vierpaß, die Eisenbahnmarken und die Wertzeichen verschiedener Bundesstaaten usw. Kreuz und Ring abwechselnd. Zu den ge- stempelten Formularen für Postkarten. Postanweisungen, Karten- bliesen usw. wird ein Wasserzeichen verwendet, das in einem schräg- gestellten Rahmen eine rönnsche Ziffer als Angabe der Fabrik, in arabischer Ziffer das Geschäftsjahr und außerdem die Buchstaben D. E. zeigt. Sämtliche Wasserzeichen sind für die Reichsdruckerei als Warenzeichen geschützt. Die notlvendigen Schöpfformen und Wasserzeichenwalzen stellt die Reichsdruckerei neuerdings in eigenen Werkstatten her. Von allen Wertzeichen ist in möglichster Entfernung vom Hauptlager ein zweites Lager errichtet, das bei einer etwaigen Vernichtung des Hauptlagers so lange reicht, bis neue Wertzeichen hergestellt worden sind. Kein„Bolkspark"? Ueber die Zukunft deS Grunewaldes wird folgendes mitgeteilt: Der Plan der Umwandlung des Grunewaldes in einen sogenannten„Bolkspark" ist als aufgegeben zu erachten. Sein Urheber war der verstorbene Tiergartendirektor Geitner. Die Forstverwaltung stand dem Volksparkgedanken wegen der erhebliche» Kosten, die die Anlage von Wegen, Spielplätzen usw. verursacht hätte, von Anfang an ablehnend gegenüber. Man wird darüber. daß das ,Volkspark"-ProjeIt fallen gelassen ist, lebhafte Bestiedigung empfinden, da mit dessen Verwirklichung das Verbot, sich außerhalb der gebahnten Wege zu ergehen oder gar zu lagern, verbunden ge- Wesen wäre. Weiter wird erklärt: Daß zurzeit im Grunewald vielfach Bäume durch große, weiße Kronen bezeichnet sind, wurde von manche» Be- suchern dahin gedeutet, daß die betreffenden Bäume behufs Her- stellung großer Rasenflächen gefällt werden sollte»; es handelt sich dabei lediglich um ein Vorgehen gegen de» überaus schädlichen Kiefernschwammpilz. Bei der hierdurch erforderlichen und bei allen sonstigen Neuaufforstungen im Grunewald soll auf dessen Ver- schöncrung durch Vermehrung der Laubholz-, besonders der Eichen- bestände Bedacht genommen werden.— Um die Belästigung der Grunewaldbesncher durch Benzingeruch und Staub zu beseitigen. wird eine besondere Automobilstraße von Roseneck über Pauls- born und Onkel Toms Hütte nach Wannsee angelegt, die schon bis zum nächsten Sommer fertig sein soll.— Die Neu- Herstellungen im Jagdschloß Grunewald sollen nicht, wie behauptet wurde, dazu dienen,' es als Wohnung für den Prinzen Eitel Friedrich einzurichten. Es handelt sich nuSichtteßlich darum, dem Kaiser den gelegentlichen Aufenthalt im Schloß zu ermöglichen; im vorigen Winter konnten die Räume nicht geheizt werden. Es wäre im Juteresse des im Grunewald Erholung suchenden Publikums zu wünschen, daß der erste Teil der Mitteilung, das Aufgeben der„Volespark"pläne, sich bestätigte, und ebenso, daß endlich den Waldverwüstungen Einhalt getan wird. Auf dem Leipziger Platze werden der Untergrundbahn noch mehrere der schönen, alte» Bäume zum Opfer fallen. Wie gemeldet, sind bereits aus den südwestlichen Anlagen, dem Aschinger-Hotelbau gegenüber, zwei Baumreihen entfernt worden und ebensoviel werden an, Denkmal des Generalfeldmnrschalls v. Wrangel gefällt werden müssen, weil hier die Eingänge zum Unterpflasterbahnhos geplant sind. Bon hier zieht sich der Tunnel nach der n o r d ö st- lichen Ecke deS Platzes, in der Richtung auf die Grenzwand zwischen dem Warenhause Wertheim und dem Grundstücke deS Reichsmarineamts zu. Hier stehen, ziemlich nahe am Fahrdamm, zwei prächtige Lindenbäunie. deren Stämme von Efeu umrankt sind und deren untere Aeste sich bis über den Bürgersteig verzweigen. ? zwischen beiden wird der Tunnel hindurchgeführt und zwar in olcher Nähe, daß den mächtigen Wurzeln doch die Nahrung entzogen iverden würde. In wenigen Tagen werden sie leider der Axt ver- fallen sein. Mutter und Kind. Infolge mangelhafter Beaufsichtigung durch die eigene Mutter hatte ein 3jähriges Kind die Abteiltür geöffnet und sich beim Sturze aus dein Eisenbahnwagen verletzt. Das Reichsgericht hat den Entschädigungsanspruch für begründet erklärt und den Einwand des Verschuldens der Matter zurückgewiesen. Dabei sind u. a. die folgenden Grundsätze aufgestellt»vorden: Ein VertragsverhältiuS zlvischen dem Kinde und der Bahnverlvaltung besteht nicht, da nur die Mutter Vertrags- Partei ist, ivelche die unentgeltliche Mitbeförderung deS Kindes ver» einbart hat. Abgesehen davon, kann eine vertragsmäßige Pflicht des KindeS, sich beaufsichtigen zu lassen. nicht angenommen werden, ebenso»vcnig ein Verschulden deS drei- jährige» KindeS. Allerdings hat die Bahn ein Rückgriffsrecht gegen die Mutter. Unter choleraverdächtige» Erscheinungen ist die 8 Jahre att* Tochter Elisabeth des Zimmermanns Weimann aus der Köseutor« fira�c 23 gestorben. Das Kind kam am letzten Sonnabend um 12 Uhr aus der Schule nach Hause, klagte zwei Stunden später über Kopfweh und um 4 Uhr über Leibschmerzen. In der Nacht zum Sonntag bekam es Diarrhöe und morgens um 6 Uhr Erbrechen Dann holte der Vater einen Arzt. Die Kleine starb an» Sonntag- abend um lO1� Uhr. Auf Anzeige des behandelnden Arztes ließ der Kreisarzt Dienstag nachmittag die Leiche wegen Choleraverdachtes beschlagnahmen und nach dem Schau hause bringen. Die Wohnung, die im ersten Stock des linken Seiten- flügelö liegt, wurde gestern vormittag durch die städtische Anstalt in der Neichcnbergerstrasze desinfiziert, aber nicht geschlossen. Die beiden Brüder der Verstorbenen, die S und 6 Jahre alt sind, dürfen die Schule nicht besuchen. Sie sind aber ebenso wie die Eltern ge- sund.— Gerade vor Jahresfrist ereigneten sich gleichfalls in Berlin und Umgebung einige Cholerafälle. Ein Grund zur Beunruhigung liegt auch jetzt angesichts der getroffenen Maßregeln nicht vor. Eine Beerdigung ohne Leiche. Der in der städtischen Irren- anstatt Herzberge gestorbene 60 jährige Kleidermacher R. aus der Landwehrstraße sollte Montagnachmittag auf dem städtischen Zentral- friedhof in Friedrichsfelde zur ewigen Ruhe bestattet werden. Die Angehörigen des Verstorbenen und andere Leidtragende waren mit Kränzen zu der für das Leichenbegängnis festgesetzten Stunde er- schienen, ebenso ein Pastor ans Berlin, der die Leichenrede halten sollte, aber die Leiche fehlte. Man hatte vergessen, sie rechtzeitig don Herzberge nach Friedrichsfelde zu transportieren. Der Geistliche und die Leidtragenden mutzten unverrichteter Sache nach Berlin zurückkehren. Der Niipünktlichkeit der Jrreuanstaltsverwaltung wurde in nicht gerade schmeichelhaften Worten gedacht. Die Beerdigung fand erst Dienstag vormittag statt. > Erneute Beschlagnahme von großen Posten Pferdefleisch ist in der Wurstfabrik von Otto Koch, Charlottenburg, Kirchplatz 10, erfolgt. Wieder war der Lieferant, wie die„Allgemeine Fleischer- Zeitung" melden kann, der Händler Hermann Hinz, der ab- wechselnd seine Wohnung Luisenstratze 46 und Jnvalidenstratze 86 angibt. Im Anschluß an die Feststellung dieses Falles wurden dann noch gestern abend 1S6— 200 Zentner Pferdefleisch, die in hiesigen Kühlräumcn für Hinz lagerten, beschlagnahmt, weil aus diesem Fleisch die Stempel, die es als Pferdefleisch kennzeichnen, herausgeschnitten waren. Es wird wiederholt davor gewarnt, Mietsverträge überjliäume in neu erbauten oder umgebauten Häusern für eine Zeit abzu- schließen, zu welcher die von der Ausfertigung des Nohbauabnahme- scheines ablaufende Frist von 6 Monaten für die Gebrauchsabnahme- Prüfung noch nicht verstrichen ist, da die Polizeiorgane vor Ablauf dieser Frist das Beziehen der fraglichen Räume nicht dulden und nach den gesetzlichen Bestimmungen auch nicht dulden können. Die Polizeireviere werden nach wie vor auf Anfragen aus dem Publi- tum über den voraussichtlichen Termin der Beziehbarkcit von Wohnungen in neuen beziehungsweise umgebauten Häusern bc- rcitwilligst Auskunst erteilen. Aus Lebensüberdruß hat die 33jährige Arbeiterin Auguste Fentschau aus der Berlinerstraße 97 in Rixdorf Selbstmord vcr- übt. Die Unglückliche erhängte sich gestern in ihrem Schlafzimmer am Türpfosten und als man die unfelige Tat entdeckte, war es bereits zu spät. Die Leiche ist dem Schauhaus zugeführt worden. Im Luiscn-Theater findet am Sonntagabend eine Wieder- holung der Eröffnungsvorstellung Hochzeit von Valeni statt. Am Nachmittag wird Die A h n f r a u von Grillparzer zu er- mäßigten Preisen einmalig aufgeführt. Feucrwehrbericht. In der letzten Nacht wurde der dritte Zug Aach der Kastanienallee 34 gerufen, wo in einem Fabrikraum Lumpen, Papier u. a. brannten. Der siebente Zug hatte in der Warschauerstratze 61 zu tun. Dort war in einer Pförtnerloge Feuer ausgekommen. Weitere Alarme liefen aus der Großen Hamburgerstratze 3 und anderen Stellen ein, wo Kohlen und anderes brannten._ Vorort- JNacfmcbtcn. DaS Projekt der Kreis-Jndustriebahn Tegel— Friedrichsfelde hat jetzt die Genehmigung des Eisen bahnmini st ers ge- f u n d e n. Der Minister hat ferner genehmigt, daß die Kreisbahn bis zum Tegeler See loeitergeführt und hier eine Umlade- stelle im Anschluß an den Berlin- Stettin er Kanal geschaffen wird. Der Bau der Industriebahn ist nach den Plänen und Zeichnungen, welche jetzt vorliegen, nicht ohne erhebliche Schwierigkeiten auszuführen. Um die Weiterfiihrung der Bahn von Tegel nach Osten hin zu ermöglichen, mutz die Nordbahn bei Wittenau gekreuzt werden. Die Kreuzung muß schienenfrei ge- schehen und daher die Nordbah» in einer Länge von 400 Meter gehoben werden. Bei Rosenthal soll eine Verbindung mit der Reinickendors-Licben walder Bahn her- gestellt werden, was die Herstellung einer Ueberfiihrung für die letztere notwendig macht. Nach Ueberschreiten der Nieder-Schönhausen-Liebenwalder Chaussee bei Nordend sowie der Berlin-Prenzlauer Chaussee soll die Industriebahn unter der Stettin er Bahn hindurch nach Heinersdorf weitergeführt werden. Hierzu ist aber auch die Heb u n g des Körpers der Stettin er Bahn in etwa 300 Meter Länge notwendig. Die Kreisbahn mündet hinter der Landsberger Chaussee in die Wriezener Bahn. Die Länge der neuen Industriebahn be- trägt 26 Kilometer. Die Baukosten betrage» bekanntlich 1970 000 M. Die Garantiezeichnung der interessierten Gemeinden für die Bahn beträgt durchschnittlich 10 Proz. Zu den Gemeinden gehört auch dieStadt Berlin als Gutsherrin von Rosenthal und Blankenburg. Nixdorf. Stadtrat Hoffulaun ist gestorben. Der Dahingeschiedene war früher Magistrats-Assessor in Berlin und galt in seinem neuen Wirkungskreise als ein hervorragend tüchtiger Beamter. Er ivar auch Dezernent der Armen- und Waisenverwaltung, sowie Vor- sitzender des Gewerbe- und KaufmannsgerichtS. Beim Baden ertrunken ist gestern nachmittag der Schneider- meister Guttmann aus der Bergstraße 38 in Rixdorf. G. hatte in der Stolzenbergschen Volksbadeanstalt ein Bad nehmen wollen. Er sprang kopfüber in das Schwimmbassin, kam aber nicht wieder zum Vorschein. Da er als guter Schwimmer bekannt war, glaubte man, er mache eine Taucherübung und achtete nicht weiter auf den Vorfall. Erst nach einiger Zeit kam der Schwimmer wieder an die Oberfläche, aber bereits als Leiche. G. hatte bei dem Sprung ins Wasser jedenfalls einen Gehirnschlag erlitten. Seine Leiche ist polizeilich beschlagnahmt worden- Schöneberg. Die Errichtung einer städtischen Kinderheilftätte an der Nordsee ist von der Stadt Schöneberg in Aussicht genommen. Schon in dem diesjährigen Etat ist mit der Sammlung eines Fonds zu diesem Zweck der Anfang gemacht worden, indem 10 750 M. hierfür ein- gestellt sind. Diesem Fonds sollen ferner alle Gelvinnanteile der von den städtischen Körperschaften in den Aufsichtsrat des Elektrizitäts- Werkes„Südwest" abgeordneten Mitglieder überwiesen werden. Da es jetzt schon schwer wird, eine geringe Anzahl Kinder in Privat- Heilstätten unterzubringen, so muß unbedingt mit dem Bau einer eigenen Heilstätte der Anfang gemacht werden. Heber die Platzfrage sind sich die städtischen Behörden bisher noch nicht einig geworden; Besichtigungen und Unterhandlungen haben bereits statt- gefunden.— Auch zur Errichtung eines G e n e s u n g s h e i m s sind schon mehrfach Terrainbesichtigungen vorgenommen worden, z. B. in der Umgegend von Baruth und Trebbin; der letzteren Gegend scheint man den Vorzug geben zu wollen. Jedenfalls wird sich die Stadtverordnetenversauimlung bald nach den Ferien mit diesen beiden Projelteu zu beschäftigen haben. UeSer die Entwickrlung der Stadtverordneten-Wahlvezirie geben die jetzt zur Auslegung gelangten Wählerlisten einen interessanten Ueberblick. Bon den zehn Wahlbezirken der dritten Abteilung, der insgesamt 19 632 Wähler angehören, hat der achte Bezirk die höchste Wählerzahl, nämlich 2834, die neubcbauten Straßen in dieser Stadtgegend haben gegenüber dem Vorjahre eine Vermehrung von 400 Wählern gebracht. An zweiter Stelle steht jetzt der neunte Bezirk mit 2674 Wählern, während derselbe in den Vorjahren stets die größte Wählerzahl aufzuweisen hatte; ihm folgen der vierte mit 2313, der siebente mit 1993, der s e ch st e mit 1703, der zweite mit 1700, der zehnte mit 1683, der fünfte mit 1653, der erste mit 1550. Die niedrigste Wählerzahl, 1336, hat der dritte Bezirk aufzuweisen.— Die Einteilung der Stadt- verorduetenwahlbezirke wird voraussichtlich schon im nächsten Jahre vor den allgemeinen Wahlen eine andere werden. Nach dem Ergebnis der letzten Volkszählung tritt eine Vermehrung der sechzig Stadtverordneteumandate um sechs neue ein. Da nach den jetzigen Bestimmungen in jedem Bezirk zwei Stadtverordnete zu wählen sind, muß notwendigerlveise bei der Vermehrung die Bezirkseinteilung neu geregelt werden. Das ist umso nötiger, als auch der Be- Völkerungsstand in den einzelnen Bezirken seit der letzten Einteilung sich völlig verschoben hat. Drewitz. Die am 20. Angnst stattgefundene Ersatzwahl des Ortsvorstehers hat folgendes Resultat gebracht: Abgegeben wurden 35 Stimmen, davon entfiele» auf unseren Genossen Lehmann 36, Rübe, Musiker, 37, und Wisicke, Mühlenbcsitzer, 13 Stimmen. Es hat somit Stich- wähl stattzufinden zwischen unserem Genossen Lehmann und Rübe. Musiker. Die Genossen werden aufgefordert, dafür zu agitieren, daß Genosse Lehmann am Stichwahltage gewählt wird. Der Vorstand des sozialdemokratischen Wahlvereins. Treptow-Baumschulenweg. Feuer brach am Dienstagnachmittag auf dem Grundstück Banmschulenweg 32 aus. Es brannte der Pferdestall auf dem Hofe und das Feuer dehnte sich so schnell aus, daß es nur mit aller Mühe gelang, das Pferd aus dem Stalle zu holen. Die über dem Stall befindlichen Wohnungen der Angestellten wurden vom Feuer erfaßt und die Betten usw. mußten mit Hülfe von Zivilpersonen, da von den Mannschaften der freiwilligen Feuerwehr nur einige anwesend waren, aus den Fenstern gerettet werden.— Als nach geraumer Zeit dann die freiwillige Feuerwehr endlich anrückte, war das Feuer schon weit zurückgedrängt und wurde dann bald gelöscht. Pankow. Eine Sitzung der' Gemeindevertretung beschäftigte sich mit der Ausführung eines Anbaues an die zweite Gemeindeschule in der Grunowftraße. Es sind bereits vorhanden 20 Klaffen und sollen noch 16 Klaffen errichtet werden. Da nun nach dem heutigen Schul- systcm 28 Klassen eine unter einem Rektor stehende zusammen- hängende Schuleinheit bilden, so wird beschlossen, nur einen Flügel von acht Klassen anzubauen; zu diesem Zwecke werden 70 000 Mark bewilligt.— Für die Anlage eines Brausebades in der Schule in der Schmidtstraße werden 4000 Mark bewilligt. Bei dieser Ge- legenheit wird konstatiert, daß die seit Jahren bestehenden Mängel des Schulbades in der Grunowstraße nunmehr beseitigt sind.— Ein Gesuch des Seemannshauses für Unteroffiziere und Mannschafte» der kaiserlichen Marine um Gewährung eines laufenden Jahres- bcitrages wird kurzerhand abgelehnt mit der Motivierung, daß es Sache des Staates sei, derartige Einrichtungen zu unterstützen. Eine Interpellation unserer Genossen an die Kreislagsabgeordneten, welche Mitglieder der Gemeindevertretung sind, wegen der Annahme der Könzessionssteuer wurde von dem Kreistagsabgeordneten Professor Mendel beantwortet, welcher sich auf den Standpunkt stellt, daß er als Arzt und Sozialpolitiker ein Feind'aller kleinen wie auch der große» Kneipen sei. Wer die verheerenden Wirkungen des Alkohols in den Krankenhäusern kennen gelernt habe, der wird jedes Mittel ergreifen, um dem Alkohol entgegenzutteten. Auch müsse man bedenken, daß täglich Kneipen aufgemacht werden von Leuten, die nicht die genügenden Mittel besitzen, ohne jede Vorkenntnis sind, in ihrem Erwerbsleben Schiffbruch gelitten haben und so der Ver- breitung des Fusels Vorschub leisten. Finanziell stehe die Sache so, daß die Erträge der Steuer für die Erbauung der Kreisbahn und für die Krankenhäuser des Kreises verbraucht werden, es sollen 200 M. Zuschuß für jedes Krankenbett den Gemeinden überwiesen werden.— Interessant war die Stellung des Präsidenten des Deutschen Gastwirteverbandes, Herrn Ringel, welcher Mitglied der Gemeindevertretung ist. Ringel führte aus, daß er sich nicht grundsätzlich dazu äußern wolle, es hätten zum mindesten Ausnahmen zugunsten von Wirten, welche jahrelang Inhaber von Restaurants sind, gestattet werden müssen. So wie die Konzesfions- steuer jetzt angenommen sei, biete sie Mängel und Ungerechtig- kette».— Nachdem noch Genosse Eichler gegenüber den Darlegungen darauf hingewiesen hatte, daß der eingeschlagene Weg ebenso falsch sei wie andere Maßnahmen, die man zur Bekämpfung des Alkohols getroffen, wurde ein Schlußantrag angenommen. Reinickendorf-West. Tie levte Mitgliederversammlung des Wahlvereins beschäf- tigte sich mit den Beschlüssen der Generalversammlung Groß- Berlins. Den Bericht über dieselbe gab Genosse Felbwog. Am Schluß seines etwa stündigen Referats ermahnte er die Ge- nossen, in verstärktem Maße ihre Pflicht zu tun zum Ausbau der Organisation. Unter Vercinsangelegenheiten kam das Ausschluß- verfahren Mankofskies zur Sprache; hierzu wurde folgender vom kombinierten Zahlabend gestellter Antrag angenommen: Der Vorstand soll unverzüglich Schritte einleiten, uin den Ausschluß Mankofskies aus der Partei zu veranlassen. Zum Schluß be- richtete noch Genosse Bold über die Kreissitzung, deren Beschlüsse ohne Diskussion gutgeheißen wurden. Gerichts-Leitung. Die Proletaricr-Muttcr. Wegen fahrlässiger Tötung ihres eigenen Kindes war gestern die Frau Klara W e h n e r vor der Ferienstrafkammer des Land- gerichts III angeklagt. Am 14. Mai d. I. hatte Frau W.„große Wäsche". Sie hatte neben dem Küchenherd auf zwei Böcken ein großes Waschfaß aufgestellt, an dem sie sich beschäftigte, während ihr kleines, zweieinhalbjähriges Töchterchen ruhig in einem da- neben stehenden Kinderwagen schlummerte. Als die kleine Else W. später aufwachte, wurde sie von der Mutter auf eine Bank gesetzt, mit der Anweisung, ruhig dort sitzen zu bleiben. Die Angeklagte mutzte nun einen auf dem Kochherd stehenden Zinktopf mit ge- kochter Wäsche in einen auf dem Fußboden stehenden Kessel aus- gießen. Als sie den leeren Topf an der Wasserleitung wieder füllen wollte und einige Sekunden dem Kinde den Rücken zudrehen mußte, ereignete sich ein schreckliches Unglück. Die kleine Else war von der Bank heruntergeklettert und auf den Keffel mit der siedend heißen Wäsche zugelaufen. Ehe es der entsetzten Mutter möglich war, den großen Zinktopf aus der Hand zu stellen, war das Un- glück bereits geschehen. Das bedauernswerte Kind war in den Kessel gefallen und konnte nur mit schweren Verbrühungen wieder herausgehoben werden. Trotz sofortiger ärztlicher Hülfe in der Unfallstation und später in der Universitätsklinik konnte das arme Wesen nicht am Leben erhalten werden. Es verstarb unter den schrecklichsten Qualen.— Der Staatsanwalt hielt eine Fahrlässigkeit der Angeklagten für festgestellt und beantragte sechs Wochen Gefängnis. Rechtsanwalt Dr. B r o h hielt die Freisprechung für geboten, da die Angeschuldigte nichts anderes getan habe, als was jede andere Mutter, die ihr Kind nicht gerade festbinden wolle, in dem gleichen Falle tun würde. Der Gerichtshof kam auch zu einer Freisprechung, da die An- geklagte nach menschlicher Vorausschbarkeit ordnungsgemäß ge- handelt yave. Verhütet hatte das ungtucr nur ourcy eine oe« sondere Kinderwärterin werden können. Zur Anstellung einer solchen wäre die Angeklagte aber infolge ihrer sozialen Lage nicht imstande gewesen. Der entlassene Zuchthäusler. Wegen Diebstahls im strafschärfenden Rückfall mußte sich gestern der Kellner Max Kl. vor der 3. Fcrienstrafkammer ver- antworten. Der Angeklagte hat fast ein Drittel feines Lebens im Zuchthausc zugebracht. Zuletzt wurde er wegen einer ganzen Reihe von Diebstählen zu vier- Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in der Strafanstalt zu Brandenburg verbüßte. Am 4. Mai d. I. wurde der Angeklagte aus dem Zuchthause entlassen und zwei Monate später saß er bereits wieder hinter Schloß und Riegel, da er sein altes Gewerbe wieder aufgenommen hatte. Am 3. Juli d. I. erschien Kl. in dem Geschäft des Kaufmanns Wenzel in der Sprengelstraße und kaufte eine Kleinigkeit. Nachdem er sich so überzeugt hatte, daß sich in der Ladcnkasse ein größerer Geldbetrag befand, ließ er beim Hinausgehen die Tür etwas� offen, so daß das Läutewerk nicht in Funktion trat. Bald darauf schlich er sich wieder in den Laden hinein und räumte die Ladenkasse aus. Als er sich gerade mit der 62 M. betragenden Beute entfernen wollte, betrat der Geschäftsinhaber wieder den Laden und erwischte den Dieb noch in der Tür. Kl. wurde zur Polizei gebracht, von dieser jedoch wieder entlassen. Schon am nächsten Tage ereilte ihn aber endgültig sein Schicksal. Als er sich in das Geschäft des Drogisten Runge in der Hochmeisterstratze einschlich und gerade seine Hand in die Ladenkasse versenkte, sprang R. hinzu und schob schnell die Kasse zu, so daß der Dieb buchstäblich in der Falle saß, da seine Hand eingeklemmt war.— Nor Gericht war der Angeklagte ge- ständig. Unter Tränen erzählte er von den Leiden eines ent- lassenen Zuchthäuslers. Ueberall habe er angeklopft und nach Arbeit gefragt, aber jeder habe sich von ihm mit Abscheu gewandt. wenn man erfuhr, daß ein entlassener Zuchthäusler vor ihm stehe. Der Gerichtshof erkannte an, daß sich der Angeklagte in einer verzweifelten Lage befunden habe, immerhin wäre es ihm möglich gewesen, mit Hülfe des Vereins zur Fürsorge entlassener Straf- gefangener ehrliche, wenn auch schwere Landarbeit zu erlangen. Dem Antrage des Staatsanwalts gemäß lautete das Urteil aus ein Jahr sechs Monate Zuchthaus unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft.— Und dann? Wird der Mann die„ehrliche, wenn auch schwere Landarbeit" überhaupt noch verrichten können?_ eingegangene Druckfcbriften. „Das Berliner Dirnentum". Von Hans Ostwald. In zwanzig abgeschlossenen Abteilungen a 1,50 bis 2 M. Verlag von Walther Fiedler, Leipzig.(Subskriptionspreis pro Band 1 M.) Männliche Prostitution, Preis 2 M._ Briefharten der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde findet wochcntäglich von 7'/- diS O'/i Uhr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Sounadcnds beginnt die Sprechstunde um l> Uhr. Jeder Zlnfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Brteslichc Autwort wird nicht erteilt. O. 3. 333. 1. Wahrscheinlich sind Sie im ersten Termin wegen Ver« säumnis verurteilt worden. Fragen Sie sosort beim Anwalt oder Gericht nach, damit Sie noch rechtzeitig Einspruch einlegen können. 2. Anspruch aus Steuererlaß haben Sic nicht, stellen Sic aber einen dahingehenden An- trag.— W. E 43. 1. Verjährung erfolgt Ende 1905. 2. Sie können zur Rückzahlung angehalten werden.— St. 17. Jede spätere letztwillige Vcftinunung muß in derselben Form wie das Testament geschehen und als Ergänzung oder Abänderung der früheren Bestimmung deutlich bezeichnet werden.— P. R. 109. AuS einer Abwesenheit von'/»— 1 Stunde kann der Hauswirt kein Recht gegen Sie herleiten. Bei solcher kürzeren Ab- Wesenheit sind Sie zur Slbgabe des Schlüssels nicht verpflichtet. Wenn der Wirt eine andere Wohnung von gleicher Größe und Lage zeigen kann, wird er niemals einen Schaden nachweisen können. So lange die Wohnung noch unvermietet, müssen Sie Besichtigung gestatten.— H. L. 3. Tragen Sie die Angelegenheit ans dem Polizeirevier vor, in welchem die Dienslherrschast wohnt. Ihre Tochter hat Anspruch aus ein wahrheitsgemäßes Zeugnis. Falls durch die polizeiliche Untersuchung nicht AbHülse geschaffen wird, können sie oder Ihre Tochter beim Amtsgencht aus Erteilung eines wahrhcitS- gemäßen Zeugnisses klagen.— C. M. F 8. Ihre Ansicht ist richtig. Warum sragen Sie?— Müller. Ja.— K. 88. Mutter und Tochter sind beide Erben. Mutter erbt�/,.— K. SS. Läßt sich so nicht beant- warten. Kommen Sie in die Sprechstunde.— M. M. 86. 1. Sie müssen durch Zeugnis Ihrer HeimatSbehörde nachweisen, daß ein nach den dortigen Gesetzen bestehendes EhehinderniS nicht bekannt geworden ist und daß sie nach dortigen Gesetzen Ihre Staatsangehörigkeit durch die Eheschließung nicht verlieren sondern aus Ihre Ehesrau und Ihre ehelichen oder durch nachfolgende Ehe legitimierten Kinder übertragen. Gehen Sie zur Gesandt- Ichast Ihres HcimätSstaatS. 2. Ja.— A. 8. 86. Verjährung hat nicht stattgesunden."Ist der Gläubiger oder dessen Erben unbekannt, so muß zunächst ein Ausgebot erfolgen. Alsdann erst ist Löschung der Post möglich. — H. H. 46, Bosfeld. Parochialkirche, Klosterstraße, hat ein Glockenspiel. — H. 38. Ihre Frage ist, da keine Chiffre angegeben war, unter F. Haubner in Nr. 193 des„Vorwärts' beantwortet.— 466 P., Sachsen. Zu weitausgreiscnden Abhandlungen, wie eine Antwort aus Ihre Anfragen solche benötigen würde, eignet sich der Bricslaften nicht.— S. 8. Nein. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion.(Großhandel.) Ztindfleisch In 69—73 pr. 100 Psd., IIa 63—53, Ilka 57—62. IVa 52—56, englische Bullen- 0,00, dänische Bullen- 0,00, holländische Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 100—110, In 80—85, IIa 70—78, lila 60-68. Hammelfleisch la 77—82, IIa 67— 75. Schweinefleisch 68—74. Rehböcke la per Psd. 0,60—0,74, IIa 0,50 bis 0,58. Rotwild la per Pfund 0,40—0,50, IIa 0,38—0,40. Damwild 0,47. Wildschweine pr. Psd. 0,40—0,45. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,75—0,76. Wildenten la per Stück 1,00—1,25, IIa 0,00. Rebhühner, junge la 0,90—1,20, junge kleine 0,50—0,98, alle 0,70—0,82, Hühner, alte, per Stück 1,50—2,15, alte, IIa 1,15, junge, per Stück 0,60—1,00. Tauben, junge, per«tück 0,32—0,51, alte 0,00. Enten, junge per Stück 1—2,65, alte per Stück 0,00. Hamburger, junge, per Stück 2,85. Gänse, la per Psund 0,60— 0,65, IIa 0,00, la per Stück 3,00 bis 4,00, IIa 1,00—2,90. Poulets per Stück 1,00-1,30, do. klein 0,50—0.85. Hechte pr. 100 Psd. 82—95. Zander 121. Schleie 102—116. Bleie 54—59. Aale, groß 96—111, mitlel 0,00, klein 0,00, unsortiert 60—73. Plötzen 52—63. Karpfen 0,00. Baisse 0,00, matt 0,00. Bleisische 0,00. Karauschen 80, matt 70. Wels 0,00, Bunte Fische 0,00. Amerik. Lachs I neuer per 100 Psd. 110—130, do. II neuer 90—100, dp. III neuer 50—75. Seelachs 20—25. Flundern, pomm. I, per Schock 9, do. pomm. II 2—3, Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel per Kiste 2—3, do. Nein per Kiste 0.00. Bücklinge, per Wall Kieler 4—5, Stralsundcr 5—6. Aale, groß per Psd. 1,10—1,50, mittelgroß 0.80—1,00, klein 0,50—0,60. Heringe per Schock 4—5. Schellfische Kiste 3—4, do. Kiste 2—3. Kabtiau, per 100 Psd. 10—13. Heilbutt 25. Sardellen, 1902er, per Sinker 90, 1904er 90, 1905cr 82. 1906cr 65. Schottische Vollhcriiige 1905 0,00, Wo 40-44, füll. 36-38, med. 35—42, deutsche 37-44. Heringe, neue Matjes, per'/, To. 60—120. Hummern, IIa, 100 Pfd. 00. Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 6—8, kleine 0,00, unsortiert 3— 3,50. Galizier 0,00. Eier, Land-, per Schock 2,60—3,30. Butler per tOOPsd. la 122-124, IIa 118—120, lila 112-116, absallende 95-110. Saure Gurken schock 2,60—3,00, Pfeffergurken 2,60—3,00. Kartoffeln per >00 Psd. Rosen 1,75—2,00, neue runde 2,00—2,23, neue blaue 2,25—2,50, neue Zerbfler 225—2,50. Spinat p. 100 Psd. 12—18. Karotten p. Schock 2.00—2,50. sellene, hiesige, P.Schock l,25— 5,00. Zwiebeln 100 Psd. 3—3,50 Petersilie, grün, Schockbd, 1,00. Kohlrabi p. Schock 0,60—1,00. Rettig, bahr., p. Schock 2,40 bis 4,80. Radieschen p. Schock-Bd. 0,60—0.70. Salat, P. Schock 1,00—1,40. Bohnen, grüne, per 100 Psund 8—15. Wachsbohncn 8—16. Schoten per 100 Psd. 10—20. Psesserlinge per 100 Pfd. 14—20. Mohrrüben per lOO Pfd. 4— 5. Blumenkohl per Mandel 1,00—2,20. Wirsingkohl per Mandel 1,00— 2,00. Rolkohl p. Mandel 2-2,50. Weißkohl p. Mandel 1,50 bis 2,00. Steinpilze P. 100 Psd. 95—30. Gurken, Zerbfler, Schock 0,75—1,00, do. Einlege-, Schock 1,25—2, do. Rothenbg. 3—4, do. Licgnitzer 3—4. do. Einlege»(Scns-) 10—l4. Kohlrüben, Mandel 0,75—1,25. Tomaten, hiesige lOO Psd. lO— 12. Birnen, ilal. per 100 Psd. 14—20, hiesige 5—14, Tirolcrl4— 30, böhmische?— 16, Rctlig 5—7. Aepsel, Ungar., perlOOPfd. 8—14, ilalienische 8—15, hiesige 6—12. Prcißelbeeren 15—18, schwedische 13—22. Kirschen, sauere 00. Blaubeeren per 100 Psd. 10—18. Pflaumen, ital. rund- dunkle per 100 Psd. 10—25, ital. lange gelbe 12—22, ital. runde 12—25, ungarische 10—12, hiesige 6—9, Reineclauden 10—13. Zitronen, Mesfina 300 Stück 18,00—22,00, 360 Stück>2,00—16,00. 200 Stück 7.00—12,00, 420 Stück, ticin 7,00. Pfirsiche, Werdersche per >00 Psd. 15—25, sranzösische 20—40, italienische I Kiste 1,50—2,00, do. II Kiste 1,20—1,60, do. III Kiste 1.00—1,20, do. in Körbe» per 100 Psd. 20-30. Berantwortl. Redakteur: ö-xl«Sernuth. Berlin-Rixdorf, M den Vluatsottil veranttv.; Ttz. Glöcke, Sulia. Druck u. Verlag: Lorlvärt»NMdrucknei u. VerloLSunMt jkaul&imi Si Cö.. Berlin SW.