Nr. Mt. 198. Abonnements- Bedingungen: : Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Poste Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post Seitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Big., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett gedruckte) Bort 20 Pfg., jebes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen Anzeigen das erste Wort 10 Pfg.. jebes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 511hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Parteigenoffen! Laut Beschluß des letzten Parteitages findet der diesjährige in Mannheim statt. Auf Grund der Bestimmungen der§§ 11, 12, 13, 14 und 15 der Parteiorganisation beruft die Parteileitung den diesjährigen Parteitag auf Sonntag, den 23. September, abends 7 Uhr, nach Mannheim in das Lokal ,, Apollotheater", G. 6, 3 ein. Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: Sonntag, den 23. September, abends 7 Uhr: Vorversammlung. Konstituierung des Parteitages. Festsetzung der Geschäfts- und Tagesordnung. Wahl der Mandatsprüfungs- Kommission. Montag, den 24. September und die folgenden Tage: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes. Berichterstatter: W. Pfannkuch und A. Gerisch. 7. Sozialdemokratie und Voltserziehung. Berichterstatter: C. Zetkin und H. Schulz. 8. Strafrecht, Strafprozeß und Strafvollzug. Berichterstatter: H. Haase. 9. Sonstige Anträge. 10. Wahl des Vorstandes, der Kontrollkommission und des 10. Wahl des Vorstandes, der Kontrollkommission und des Ortes, an dem der nächste Parteitag stattfinden soll. Parteigenossen! Der Parteivorstand richtet an Euch die Aufforderung, die Vorarbeiten für den Parteitag- also die Wahl von Delegierten wie die Stellung von Anträgen rechtzeitig zu bewirken. Die Anträge müssen spätestens am 27. August im Besize des Vorstandes, Adresse: J. Auer, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69 sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des§ 14, Abfat 2 der Parteiorganisation im Vorwärts" veröffentlicht und in die gedruckte Vorlage Aufnahme finden sollen. Anträge von einzelnen Parteigenossen bedürfen der Gegenzeichnung der Vertrauensperson oder des Vorstandes der örtlichen bezw. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelangen sollen. Sonntag, den 26. August 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. alles zur Verdummung, Unterdrückung und Ausbeutung der Massen, zum Nutzen kapitalistischer Interessen, zur Befriedi gung ultramontanen Strebertums. alles Tatsachen und Zahlen, die allerdings das bisher auf Katholikentagen Erlebte noch um ein Bedeutendes überrafen. Und wenn es ein Verdienst und ein Vorzug ist, in dem Aufgebot großer Massen, in der Entfaltung äußeren Die Staatserhaltenden im anderen Lager arbeiten mit Glanzes und der Entwickelung sinnverwirrenden Lärmes den Mitteln nationaler, der Klerikalismus arbeitet mit den iedes Jahr mehr zu leisten, so steht es herrlich um die Mitteln religiöser Begeisterung. Hurra schreien die NationalRatholikentage und am herrlichsten steht es um den von liberalen, Gelobt sei Jesus Christus andächteln die Klerikalen; Essen. jene zitieren den Geist Bismarcks, diese führen dem entzückten Indessen das Verdienst, das mit diesen Mitteln erreicht Wolfe eine Eminenz im Scharlachkleide vor. Neuerdings, wird, scheint uns nicht allzu groß zu sein, sintemalen es der seit das Zentrum regierungs- und hoffähig geworden ist, Ratholifentag mit jedem Kriegervereinstag, mit jedem fügt die Partei der Religiosität auch noch die Loyalität zu. Schüßenfest und jeder Sportveranstaltung teilt. Unsere Die Zeiten des Kulturkampfes sind vorbei, wo die katholische Beit geht ins Große, ins Massenhafte, ins Lärm- und Glanz- Volksseele in frevler Oppositionslust auffochte, und noch bolle. Dafür sorgen die modernen Verkehrsmittel, sorgen weiter liegen die Tage zurück, da das hervorragendste klerikale Interessen, die sich, wie man in Essen zu sehen Gelegenheit Rede gegen den Preußenstaat und das neue Reich brachte, die Vorkehrungen der Reklame, sorgen die geschäftlichen Organ, die„ Historisch- politischen Blätter", heftig anklagende hatte, um so aufdringlicher gebärden, je heiliger und idealer wo es schrieb: die Güter, die es zu feiern gilt, sein sollen. Der Ruhm der„ Es fehlt dem preußischen Wesen ein Katholikentage, es zu immer größerer Massenentfaltung zu gewisses, Etwas zur Versöhnung der wider. bringen, scheint sogar für die Macher der flerifalen Herbst- strebenden Elemente; dieses preußische Wesen stößt paraden seine Bedenken zu haben. Bei der Wahl des nächsten vielmehr noch mehr ab, wo es näher herantritt, und schafft 2. Bericht der Kontrollkommission. Berichterstatter: A.Kaden. Tagungsortes meinte Herr Porsch, es sei notwendig, sich mal sich immer neue Gegner. Das mangelnde Etwas ganz genau 3. Parlamentarischer Bericht. Berichterstatter: G. Schöpflin. wieder nach einem kleineren ruhigen Ort zurückzuziehen. zu bestimmen, ist nicht ganz leicht, ich glaube aber, man drückt 3. Parlamentarischer Bericht. Berichterstatter: G. Schöpflin. Nach den glanzvollen Tagen von Straßburg im vorigen und sich am füglichsten dahin aus: es sei der Mangel an 4. Maifeier. Berichterstatter: R. Fischer. 5. Der politische Massenstreit. Berichterstatter: A. Bebel. Steigerung nicht mehr möglich, sonst sei überhaupt von Ver- Die deutschen Katholiken, insbesondere die preußischen, nach den noch glanzvolleren Tagen in diesem Jahre sei eine Noblesse." 6. Der internationale Kongreß 1907. Berichterstatter: sammlungen und Verhandlungen nicht mehr die Rede. Herr brauchen fich über einen Mangel an Noblesse seitens der ReV. Singer. Borsch wies zum Unterschiede hin auf die ruhige und ersprieß- gierung nicht mehr zu beklagen; der ultramontane Adel liche Arbeit in Neiße und befürwortete Würzburg als nächsten braucht seine Sprößlinge nicht mehr nach Desterreich in den Tagungsort. In der Tat: wer eigens Riesenhallen baut, die, Heeres- und Staatsdienst zu schicken; die katholische alles menschliche Maß übersteigend, 13 000-14 000 Zuhörer Bourgeoisie braucht nicht mehr um die Anstellung und Befaffen, der stellt an die Leistungsfähigkeit der Lungen und der förderung ihrer Söhne besorgt zu sein. Das hat sich alles Stärke des Kehlkopfes der Redner Ansprüche, die diese nur gründlich geändert, und so lassen sich denn die Katholikentage unter Opferung ihrer Gesundheit erfüllen können. Wir unserer Zeit von keiner Veranstaltung der Nationalliberalen wissen, daß in diesem Jahre die Gewinnung leistungsfähiger an Beweisen guter Gesinnung übertreffen. Der Name des Redner für die großen öffentlichen Versammlungen besondere Kaisers wird mit nicht geringerer Bereherung als der des Schwierigkeiten gemacht hat, denn, so hoch und heilig die Bapstes genannt; die Festzeitung des Essener Katholikenfatholische Sache ihren Anhängern auch ist, das Opfer eines tages bezeichnete Wilhelm II. als den mächtigsten Herrscher Lungenflügels bringt auch der begeistertſte Ultramontane der Welt"; die mehreren Hochs auf den Kaiser erklangen mit nicht gern. Wenn daher die Neigung zu immer größerem brausender Straft, und die Verlesung der kaiserlichen Antwort Massenaufgebot bestehen bleibt, bleibt der Riesenphonograph auf das Ergebenheitstelegramm des Katholikentages wurde das einzige Mittel, den Bedürfnissen der katholischen Bolts mit jubelndem Beifall aufgenommen. Immer wieder, vom seele gerecht zu werden. schlichten Arbeiter aus der M.- Gladbacher Werkstatt bis Selbstverständlich hat auch der diesjährige Katholiken hinauf zur Eminenz im prunkenden Scharlachgewande, hörte tag, wie die Redner in Essen betonten und wie nachträglich man die Redner versichern, daß die Ergebenheit des fatholidie Zentrumsblätter hervorheben, die volle Einmütigkeit der schen Volkes gegenüber dem Thron unerschütterlich fest und Katholiken Deutschlands erwiesen. Das Geheimnis dieses verläßlich, daß die Kirche der sicherste Schutz gegen die GeErfolges hat uns Herr Präsident Gröber verraten. Schon walten des Umsturzes sei, und in dieser Empfehlung flang in in der ersten geschlossenen Generalversammlung wies er mit der Katholikentag aus, indem der Kardinal Fischer zum tommen sei, nicht um Meinungsverschieden noch glauben an Gott den Herrn im Himmel und seinen besonderem Nachdruck darauf hin, daß man nach Effen ge- Schluß einen Appell richtete an alle Deutsche, die mit uns heiten vorzubringen, sondern um die Einig menschgewordenen Sohn, daß sie sich mit uns ver. Die Parteigenossen, die zum Parteitag kommen, werden keit des fatholischen Volkes zu beweisen. einigen und mit uns gemeinsam Front ersucht, von ihrer Delegation dem Vorstande und dem Lokal- und in seiner Eröffnungsrede in der ersten öffentlichen Ver- ma che n machen gegen die unheimlichen Mächte, tomitee rechtzeitig Mitteilung zu machen, damit ihnen die sammlung wurde er noch deutlicher. Er betonte auch hier die am Marke des Volkes nagen und ihm Vorlagen und eventuell weitere Mitteilungen zugesandt werden wieder, wie notwendig die Einigkeit sei und meinte dann: Die Errungenschaften der christlichen Kultur Bermeiden wir alle Zersplitterungen auf unseren Verfammlungen; laffen wir keinen Antrag zu, der auch nur von zu rauben suchen". weitem so aussieht, als könnte er Kontroverfen verursachen. Wir Das Zentrum tritt an die Spitze der staatserhaltenden August Dreesbach, Mannheim, R. 3, 14, find nicht dazu da, Kontroverfen auszutragen, fondern die Parteien; es stellt die gewaltige Organisation der Kirche in Einigkeit zu pflegen und zu fördern." den Dienst der kapitalistischen Gesellschaft, um diese zu retten Mandatsformulare sind durch das Parteibureau vor dem Ansturm der klassenbewußten Arbeiterbewegung. J. Auer, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69 und um sein proletarisches Gefolge, dem es mit der Staatszu beziehen. Der Versand erfolgt vom 21. August an. rettung allein nicht gedient ist, zu befriedigen, schafft das Die Genossen, die Anträge einreichen, werden darauf aufBentrum einen Schein von Arbeiterbewegung: die Arbeiter. bewegung auf christlicher Grundlage; verkündet es, daß nur merksam gemacht, daß etwaige den Anträgen beigegebene Um diese Einigkeit" auch statutgemäß für die Zukunft die Kirche imstande sei, die Lage der Arbeiter wirksam zu Motive weder im Vorwärts", noch in der den Delegierten zu sichern, sind in den neugeschaffenen Satzungen der bessern; läßt es die Welt wissen, daß der Katholikentag in zugehenden Vorlage Aufnahme finden können. Es steht den Katholikenversammlungen Vorkehrungen getroffen worden Essen unter dem Zeichen der sozialen Frage Genossen das Recht zu, ihre Anträge selbst oder durch be- zur Fernhaltung unbequemer Anträge. Lokalfomitee und stehen werde. freundete Genossen auf dem Parteitag mündlich zu begründen. Zentralfomitee und als Berufungsstelle der Vorstand des Allerdings hat man in Essen einen Mann zum PräEin Abdruck der Motive verbietet sich aber aus räumlichen Katholikentages entscheiden über die Zulassung der Anträge, fidenten des Katholikentages gekrönt, dem rühmend nach Gründen und um Wiederholungen zu vermeiden. die vier Wochen vor der Tagung eingereicht sein müssen. An- gesagt wurde, daß er der Sohn eines Arbeiters nicht allein, träge aus der Versammlung heraus also auf den sondern sogar eines armen Arbeiters sei; man hat einen Katholikentagen selbst sind in feiner Weise zulässig. Mit schlichten Mann, nachdem man ihm einen Frack angezogen anderen Worten: jede freie Meinungsäußerung ist unter- hatte, zum Vizepräsidenten gemacht; man hat der Beamtin bunden, und demgemäß vollzieht sich auch die Erledigung der eines Arbeiterinnenvereins als Gutachterin" das Wort verAnträge in den geschlossenen Versammlungen, die hier stattet; man hat anderthalb Dußend Anträge zur sozialen dugendweise unter völliger Teilnahmlosigkeit der Anwesenden Frage in der letzten fümmerlichen Stunde des Katholikennach kurzen Begründungsreden im Sinne der Ausschuß- tages abgehaspelt, ebenso viele Beschlüsse gefaßt über Kleinigbeschlüsse abgetan werden. feiten, um sich an den wichtigen Fragen, die die Arbeiterklasse bewegen, scheu borbeizudrücken; man hat den Arbeiter, Gesellen- und Knappenvereinen der Umgegend gestattet, die Straßen der Stadt Essen zu bevölkern und hinter ihren Fahnen im Sonntagsstaat vor Antonius Fischer, Erzbischof von Köln, vorbeizuziehen wem das nicht genügt als Nach weis für die arbeiterfreundliche Gesinnung des Zentrums, der ist verfallen den unheimlichen Mächten", zu deren Ver nichtung das katholische Volt seine ganze Kraft auf wenden will. tönnen. Die Adresse des Lokalkomitees lautet: Berlin, den 23. Juli 1906. Mit sozialdemokratischem Gruß Der Parteivorstand. Die schwarze Parade. Also Einigkeit unter völligem Verzicht auf die eigene Ueberzeugung; Einigkeit unter Vernichtung jeder Freiheit der Meinung; Einigkeit, die zur Charakterlosigkeit oder zur Idiotie führt; Einigkeit, die jede Verhandlung zur Komödie, um Betrug macht! In den öffentlichen Versammlungen ist jede Diskussion Das Fazit der nunmehr beendeten Katholikenversamm von vornherein ausgeschlossen. Wer hier, bei diesem politilung ist, daß sie sich würdig den großen und größten ihrer schen Gottesdienst, seine abweichende Meinung auch nur mit Vorgänger anreiht" in diesen Worten faßte am Donners- dem leisesten Zeichen von Mißfallen fundgeben würde, wäre tag der Präsident Gröber sein Urteil über die sicher, zur höheren Ehre der katholischen Sache gelyncht zu Zentrumsparade in Essen zusammen. Die werden als Gotteslästerer, Tempelschänder und Teufelsflerifale Presse war sich schon vorher darüber einig, daß der bündler. diesjährige Katholikentag alle früheren an Zahl der Teil- Was bleibt nun übrig von einem Katholikentage, dieser nehmer, an Glanz und Bedeutung übertreffen werde. Sie vielgerühmten Offenbarung fatholischen Geistes? Nichts als zählte die zahlreichen Namen aus der hohen Geistlichkeit und eine mit viel Lärm und Glanz ausgestattete politische Einen Unterschied der Stände wird ea dem ultramontanen Adel auf, die als Auslese des katholischen Demonstration des Zentrums, dessen Macher die Gelegenheit immer geben diesen Grundsaß der christlichen Volkes der Essener Woche eine besondere Weihe geben sollten; benutzen, ihre Partei den Regierenden als den Retter vor dem Sozialpolitik hörten wir auch in den Tagen der schwarzen fie teilte frohlockend mit, daß die Zahl der angemeldeten Mit- drohenden Umsturz und der gläubigen Masse als den Helfer Woche von Essen wiederholt verkünden. Der Satz fiel uns glieder bereits mehr als 4000 betrage und durch Neu- in den Nöten der Zeit zu empfehlen. Alles auf den ein, als wir am Sonntag den langen Arbeiterzug sich durch anmeldungen noch fortwährend wachse; fie zeigte an, daß an Katholikentagen geschieht, wie kein Redner zu betonen unter die Straßen der Kohlen- und Eisenstadt bewegen sahen: dem Festzug, der am Sonntag dem Katholikentag sein soziales läßt: zum Wohle des Vaterlandes, zum Ruhme des christ- Gestalten mit allen Zeichen eines zu Mühe und Not, zu UnGepräge eben sollte, sich 43 000 Arbeiter beteiligen würden lichen Glaubens, zur Ehre Gottes. In Wirklichkeit geschieht freiheit und Unwissenheit verurteilten Daseins, die nag 'einem kurzen Tage der Muße am änderen Tage wieder der ewig harten Fron und dem gewohnten Elend anheimfielen. Und wir gedachtem wiederum des Satzes, als wir während der ganzen Essener Woche die studierende Jugend des katholi« fchen Volkes in den Straßen der Stadt umherlungckrn sahen, herausgeputzt nach allen Künsten feudaler Studentenart, von Kneipe zu Kneipe ziehend, um in der Frühe, mit übernächtigen Gesichtern, die Wege der Arbeiter zu kreuzen, die nach der Stätte ihres Schaffens'eilten. Es waren die künftigen Führer des katholischen Volkes, die nach dem Bibelwort leben: Dienet dem Herrn in Fröh- lichkeitl Für die anderen, die blassen Gestalten vom Sonntag, gilt der Spruch: Dienet dem Herrn in Arbeit und Hunger! Denn es muß, nach christlicher Soziallehre, immer einen Unterschied der Stände geben, Die russische Revolution. Ein Attentat auf Stolypin. Petersburg» 25. August.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Heute nachmittag um 3 Uhr er- folgte gelegentlich des Empfanges beim Ministerpräsi- deuten Stolypin in dessen Villa auf der Apothekerinsel eine Explosion. Es verlautet gerüchtweise» Minister- Präsident Stolypin sei ermordet worden. Petersburg» 25. August.(Meldung der„Petersburger Telegraphen-Agentur".) Nach weiteren Nachrichten sind bei der Explosion in der Villa des Ministerpräsidenten Stolypin zwar zahlreiche Personen getötet und ver° wundet, auch der Sohn des Ministerpräsidenten vrr- wundet worden» Stolypin selbst jedoch blieb unverletzt. Petersburg, 25. August. Zu dem Mordanschlag auf den Ministerpräsidenten meldet die Petersburger Telegraphenagentur folgende Einzelheiten: In der vierten Tagesstunde fuhr eine mit zwei vorzüglichen Pferden bespannte Mietskutsche vor dem Portal der Villa des Ministers auf der Apothekerinsel vor. In dem Wagen saßen vier Personen, zwei Zivilisten und zwei Militärs in ausländischer Uniform. Alle vier begaben sich in die Pförtnerstube, wobei einer von den als Militärs ver- kleideten Personen den Helm in der Hand hielt, in der offen- bar ein Sprenggeschoß von ungeheurer Kraft enthalten war. In der Pförtnerstube wurde das Geschoß zufällig fallen gelassen. Die Kraft der Explosion war furchtbar. Der im Nachbarzimmer befindliche, beim Minister des Innern als Beamter in besonderem Auftrage fungierende Generalmajor Samjatin wurde getötet, dem Hofmeister Woronin der Kops abgerissen. Getötet wurden auch der Pförtner und sämtliche in der Pförtner- stube befindlichen Personen, darunter alle vier Uebeltäter. Die ganze Hinterwand des Gebäudes ist zerstört. Die im oberen Stockwerk befindliche fünfzehnjährige'Tochter StolypinS erlitt schwere Verletzungen an beiden Beinen, die amputiert werden müssen, ein klemer Sohn des Ministers erlitt einen Beinbruch. Die Zahl der Verwundeten ist noch nicht genau festgestellt. Stolypin ist unver- sehrt geblieben. Durch die Gewalt der Explosion wurde die Türe zum Kabinett des Ministers aus den Angeln gerissen; die Pferde, mit denen die Uebeltäter angefahren kamen, blieben heil, der Wagen wurde zertrümmert, der Kutscher getötet, einer der Direktoren der „Petersburger Telegraphenagentur". Fürst Schahowskoi, der sich in dem an die Pförtnerstube anstoßenden Zimtner befand, erlitt Ver- ketzungen. Der Ministerpräsident ist also selbst in seiner stark be- wachten Villa nicht sicher. Er so wenig, wie andere hohe und niedere Zarenschergen. Er hat sich vermessen, daß er mit der Revolution fertig werden wolle. Nun hat er einen sehr deut- lichen Beweis dafür erhalten, daß die angeblich gelungene Beruhigung des Landes nur eine trügerische ist. Da die Zeit für große Aktionen noch nicht reif ist, so löst sich die Energie jener Revolutionäre, deren Temperament ein Verschieben der Rache für die täglichen Schandtaten der Reaktion nicht er- trägt, in die Bahnen der Einzelattentate gedrängt. Seit der Dumaauflösung ist eine merkliche Steigerung der Attentate zu verzeichnen. Mißernte— Hungersnot. Petersburg, 25. August. Nach einer dem Ministerium deS Innern zugegangenen Mitteilung, herrschte in 12V Kreisen Mißernte» davon sind 80 wiederholt geschädigt.(„Franlf. Ztg.") Die Reaktion an der Arbeit. Petersburg» 25. August. Der„Regierungsanzeiger" veröffentlicht verschärfte Strafbestimmungen für Staatsverbrechen, die von Personen begangen werden, die sich im Militärdienst befinden. Unter anderem wird auf die Mitteilung dienstlich anvertrauter wichtiger Pläne und Dokumente sowie auf die Auslieferung von deren Kopien die Todes- strafe gesetzt. Moskau» 25. August. In der Mylnikowgasie entdeckte die PoNzei eine Kampfgenossenschaft von Sozialrevolutionären. Sechs Männer und zwei Frauen wnrdcn verhaftet. In der Pilnikolbgaffe wurde ein Waffcnlagcr vorgefunden, das unter andern, neun Pud scharfe Patronen enthielt. Warschau, 25. August. Stolypin hat an sämtliche Kreis- chefs einen Geheimerlaß gerichtet. Dieselben sollen W t h l x r- listen aufstellen von solchen Persönlichkeiten, auf welche die Regierung zählen könne und deren Wahl zur Duma aus diesem Grunde zulässig(I) sei. Warschau, 25. August. Eine abends von einem a�ollt provocateur auf die Tramwayschienen gelegte ungefährliche Bombe explodierte und veranlaßte eine große Panik. Militär wollte auf die Menge schießen, wurde aber von einem höheren Offizier daran verhindert. Trotzdem fanden viele Unglücksfälle statt. Trepow vergiftet? London, 25. August.(„Bureau Lassan".) Die Erkrankung des Palastkommandanten General Trepow ist nach einer Meldung aus Petersburg infolge eines Vergiftungsversuches erfolgt. Sein Koch und drei andere in seinem Haushalt angestellte Personen find ver- haftet worden. Die Finanznot. Petersburg, 23. August.(Russ. Kktrier.)! Das russische Ministerium des Innern stellte soeben fest, daß von den rück- ständigen Steuern in Höhe von 32 Millionen Rubel, die jetzt bestimmt erwartet wurden, nur etwas über 6 Mil- lionen Rubel eingetrieben werden konnten. Die Petersburger Telegraphcnagentur muß indes die Meldung von der Absicht der Regierung, die Reichsbant zu einer Aktien- bank zu machen und auf die Weise für die Aktien 600 Millionen Rubel vom Auslande zu erlangen, schon dementieren. Freiheitlich gesinnte Kosaken. � Selbst in den Kreisen der bislang zuversichtlichsten Stützen des Absolutismus beginnt es zu kriseln. Der„Ruß. Kurier" meldet: In den Kosakenstanizen(Kosaken- dörfern) bei Z a r y z i n macht sich eine starke Gärung bemerkbar. Im Lager einer Kosakenabteilung erschien kürzlich ein Seminarist „amens I l j i n und knüpfte mit den Kosaken politische Gespräche an. Da aber auf Anraten des russischen Landesvertcidigungsrates fast in allen russischen Truppenteilen„besondere wachthabende Ullteimilitfliä" M. ha irden jW», die jede verdächtige Lrlcheumiig. zütbal solche rebolutiSnären Charakters, zur Weitergabe au die zuständige Adtninistrativbehörde zu melden haben, so wurde der betreffende Stanowoj(Landpolizeikommissar) sofort' verständigt. Et nahm nun die Verhaftung Jljins vor und lieferte ihn in das Zarizhner Gefängnis ein. Als dies in der Staniza bekannt wurde, schlug man Lärm. Etwa achttausend Kosaken beschlossen die sofortige Freilassung Jljins zu verlangen und die Ortspolizcibehörde als Geisel zu nehmen. Hieraus wurde der verhaftete Stanowoj gezwungen, an die zuständige Behörde von Zarizyn zu tele- graphicren, daß Jljin freigelassen werden solle, da seine Verhaftung auf ein Mißverständnis zurückzuführen sei, was der Stanowoj auch prompt erfüllte. AlS nun der freigelassene Jljin nach der Kosaken- staniza zurückkehrte, wurde er von einer tausendköpfigen Kosaken- menge empfangen und unter Absingen der Marseillaise nach seiner Wohnung getragen. Das Blutgericht in Reval. Aus Helsingfors wird uns über Einzelheiten des Dramas, das wir schon vor einigen Tagen meldeten, geschrieben: Den 18. August, HS Uhr morgens, wurde das Urteil des Rcvaler Blutgerichts an 17 Matrosen des„Pamjat Asowa" und an einem Studenten vollstreckt! Die Leichen der Freiheitskämpfer wurden auf Lastfuhrwerke geladen, mit einem Segeltuche umhüllt und zum Hafen gebracht. Dort sind die Opfer der Freiheits- bcwegung ins Wasser geworfen worden. Als die organisierten Arbeiter bor einer Woche vernahmen, daß das Blutgericht zu- sammcntrete, als es bekannt wurde, daß die Schergen der Gewalt den Matrosen nicht einmal einen juristischen Beistand beigeben wollten, da traten die Arbeiter Revals einmütig in den Streik und erklärten, nicht eher arbeiten zu wollen, bis das Blutgericht seine Tätigkeit einstelle. Die Arbeiter glaubten die Gewalt brechen zu können.... Aber die Henker verstanden das Gerede zu verbreiten, daß das Kriegsgericht noch gar nicht in Aktion getreten sei und daß der Gouverneur nicht zulassen würde, daß die Matrosen vom„Pamjat Asowa" in Reval hingerichtet würden. Den 12. August hörte der Streik aus und schon den 18. August wurden die Opfer des Blutgerichts hingerichtet. Die Arbeiterschaft ist zurzeit schwach; sie kann nur mit einem erneuten Streik antworten, der auch schon am 18. um die Mittagszeit in einigen Fabriken ausbrach. Aber— kann der Streik in diesem Moment allgemein werden? Die Reaktion gefällt sich im Ueber- mut im Blut zu waten, das Herz der Arbeiter zu zerfleischen! In der Erwartung, daß die Hingerichteten auf dem Friedhof „R a h u m ä g i"— Berg des Friedens— begraben werden, wurden im Laufe des Tages viele Blumen dorthin gebracht. Auf dem Friedhof, wo die bei der Meuterei gefallenen Offi- ziere mit Ehren und die Matrosen in Unehren begraben wurden — die Grabstätten der gefallenen Matrosen wurden der Erde gleichgemacht, während die der Offiziere mit Blumen reich ge- schmückt wurden— hat das Volk die Gräber der im Kampfe ge- fallenen Matrosen mit herrlichen Blumen geschmückt, die der Offiziere aber zertreten. Von der Erekution in Sveaborg. Aus Helsingfors schreibt man uns: Der Hauptmann, der die Aufgabe hatte auf die zum Tode verurteilten Revolutionäre von Sveaborg„F e u e r" zu komman- dieren, wankte, bevor er seiner Aufgabe nachkam. Und sobald er das verhängnisvolle Wort herausgepreßt hatte, stürzte er zu- sammen und mußte ins Krankenhaus getragen werden. Die Soldaten schwankten und zielten schlecht; die Todesopfer mußten sie anflehen, ihren Qualen ein Ende zu machen. Wie satanisch die Schergen der Gewalt die Qualen der Freiheitskämpfer zu vermehren trachten, beweist der Umstand, daß der Kommandant von Sveaborg die der Meuterei angeklagten Artilleristen dazu erwählte, auf die zum TW» Verurteilten zu schießen. Die Artilleristen waren von Infanterie umgeben und mußten gewärtigen» dgß die Infanterie im Weigerungsfalle auf sie feuern werde. politifcbc(lebertickt. Berlin, den 25. August. Die Amnestie. Die Amnestie, deren Erlaß von der bürgerlichen Presse bereits seit einiger Zeit so schmerzlich vermißt und so flehentlich gefordert wurde, ist nun wirklich erlassen worden. Der„Staats- anzeiger" verkündet: Allerhöchster Gnadenerlaß vom 24. August 1006. Wir Wilhelm von Gottes Gnaden König von Preußen-c. wollen, da uns durch Gottes Gnade ein Enkel geschenkt ist, der in wenigen Tagen die heilige Taufe empfangen soll, und dieser Tag dazu auffordert, empfangene Unbill zu verzeihen und Vergebung zu üben, allen denjenigen Personen, welche bis zum Abschlüsse des heutigen Tages durch Urteil eines preußischen Zivilgerichts wegen einer gegen unsere Person begangenen Majestätsbeleidigung oder wegen Beleidigung eines Mitgliedes unseres königlichen Hauses im Sinne der KZ 05 und 07 des Strafgesetzbuches zu FrecheitS- strafen rechtskräftig verurteilt sind, diese Strafen, soweit sie noch nicht vollstreckt sind, und die noch rückständigen Kosten in Gnaden erlassen. Ist wegen einer solchen und wegen einer anderen strafbaren Handlung auf eine Gesamtstrafe erkannt, so ist der wegen der ersteren Handlung verhängte Teil dieser Strafe im vollen Umfange als erlassen anzusehen. Auf die von einem mit anderen Bundesstaaten gemeinschast- lichen Gerichte erkannten Strafen findet dieser Erlaß Anwendung, sofern nach den mit den beteiligten Regierungen getroffenen Ver- einbarungen die Ausübung des Begnadigungsrechts in dem be- treffenden Falle uns zusteht. Unser Justizminister hat für die schleunige Bekanntmachung und Ausführung dieses Erlasses Sorge zu tragen. Schloß Wilhelmshöhe, den 24. August 1006. Wilhelm. B e s e l e r. Das Langersehnte, zületzt kaum noch Erwartete ist also doch noch Ereignis geworden I Freilich, diese Amnestie dürfte kaum den in bürgerlichen Kreisen gehegten Erwartungen entsprechen. Sie erstreckt sich nur auf die wegen Majestätsbeleidigung rechts- kräftig Verurteilten. Auf die wegen anderer Delikte zu ge- ringen Strafen Verurteilten findet sie keine Anwendung. Eigentlich hätte eher ein umgekehrtes Verfahren erwartet werden können. Man weiß, wie stark durchdrungen Wilhelm H. von der Würde seiner Majestät ist. Aber er hat der Ocffcnt- lichkcit wohl beweisen wollen, daß er gleichwohl frei ist von persönlicher Empfindsamkeit, daß er sich auch als moderner Mensch zu geben vermag. Diejenigen freilich, die einer wirklich modernen Welt- anschauung huldigen, für die der Begriff des„Untertanen" ebensowenig existtert, wie der romantische Begriff der„Majestät" von„Gottes Gnaden", vermögen in einer Amnestierung wegen Majestätsbeleidigung Verurteilter eine Konzession an das moderne, demokratische Prinzip nicht zu erblicken. Für sie ist das Recht der Amnestierung gerade eine unzeitgemäße B e- st ä t i g u n g des veralteten romantischen Gottesgnadentums I Die Sozialdemokratie verlangt bekanntlich die B e- seitigung der MajestätSbeleidigungspara- g r a p h c n. Nicht etwa aus Vorliebe für verbale oder ver- leumderische Beleidigungen gekrönter Häupter, sondern als Konsequenz«hrer demokratischen Prinzipien, die jede Bevor- rechtung einzelner Stände oder Personen verwcrjen. Sie ist im Gegenteil der Ueberzeugung, daß gerade der Majestäts- beleidigstngsparagraph für unklare Köpfe kein Vorbeugungs- mittel, sondern einen Anreiz zu Majestätsbeleidigungen darstellt. Die Sozialdemokratie, die soziale Kritik, nicht persönliche Angriffe übt, hat unter den Majestätsbeleidigungs- Paragraphen. denen staatsanwaltliche Jnterpretations- künstler allerdings eine früher ungeahnteElastizität zu geben verstanden haben, nur wenig zu leiden— desto zahlreicher sind die Opfer aus den Reiben derjenigen, die sich in konfusem Ingrimm gegen herrschende gesellschaftliche und politische Zustände zu einer unbesonnenen Aeußerung gegen die vermeintlich in erster Linie verantwortliche Stelle hinreißen lassen. Verantwortlich für die Majestätsbeleidigungen sind also der byzantinische Personenkult und die überspannte Gottesgnadenidee, die ja gerade von„patriotischen" Kreisen so eifrig kultiviert werden. Als am 3. August der Herzog von Sachsen-Koburg- Gotha aus ähnlichem Anlaß wie Wilhelm II. eine Amnestie erließ, bezog dieser Straferlatz auch eine Reihe anderer Ver- gehen ein. Und in der Tat läge eine Amnestie auch für „gemeine Verbrecher" sehr nahe, werden doch sehr viele dieser Verbrechen aus Not, aus Verwahrlosung usw. be- gangen, für die meist nicht das verurteilte Individuum, sondern die Gesellschaft, der kapitalistische Staat verantwortlich ist. Vielleicht würde mancher vor einem späteren Hinabsinken in die„gewerbsmäßige" Verbrecher- laufbahn bewahrt, wenn ihm das erste Mal Straferlaß zuteil würde. � Doch es liegt uns fern, an der Amnestte Kritik zu üben. Das wäre nur dann fruchtbar» wenn eine gewisse Gleich- artigkeit der sozialen Auffassung zwischen dem die Amnestie Erlassenden und uns vorhanden wäre. Die Weltanschauung Wilhelms II. ist aber durch eine Kluft von der der Sozial- demokratie geschieden. Mögen die bürgerlichen Kreise, denen es auf die Wirkung dieser Amnestie auf das„Volksgemüt" an- kommt, sich mit den Beratern Wilhelms II. auseinander- setzen!—_ Der Mörder ist entlasten! In Nürnberg hat ein Streikbrecher auf einen Leiter des Metallarbeiterstreiks in der Automobilfabrik„Union" geschossen, als dieser friedenstiftend zwischen den provozierten Ausständigen und Streikbrechern vermitteln wollte. Der Mörder schoß auf sein Opfer. als dieser gerade herbeieilte, sein Friedenswerk zu beginnen. Der in die Brust Getroffene wendete sich um; da feuerte der Mordbube noch zwei Schüsse in den Rücken des schon ans den Tod wunden Mannes! Man trug den Schwerverletzten, den Bater von vier Kindern. ins Krankenhaus. Der Mörder wurde verhaftet. Im Krankenhause starb das Opfer des Mordbuben. Der Mörder aber wurde aus der Haft entlassen! Tausende und Abertausende von Klassengenossen gaben dem von ruchloser Hand gefallenen Mitkämpfer das letzte Geleit. Nach dem Begräbnisse zogen sie unter dumpfem Trommelklange an der Fabrik vorbei, in welcher der Lohnkampf tobt, der den Anlaß zu dem tragischen Vorkommnisse gab. Da erfuhren sie es: Der Mörder ist ans der Haft entlassen! Die Menge staute sich, dumpfer Groll schwoll in ihr empor. Aber die Polizei sorgte für„Ordnung". Sie jagte die Leute fort. Was wollte man noch? Der Mörder war ja aus der Haft eutlassen!— Da nahm ein zweiter Streikbrecher eine» Dolch und stieß ih« einem Streikposten in die Brust. Nur der Zufall, daß das Mord- instrument an einer Rippe abglitt, verdankt dieses andere Opfer einer ungeheuerlichen Verrohung sein Leben. Auch der zweit« Schandbube wurde verhaftet. Am anderen Tage aber wurde auch er aus der Haft entlassen!— Der dumpfe Groll der Massen löste sich in helle Empörung auf. „Pfui" rufend zogen sie bor die Fabrik, zogen sie auf den Schau- platz dieser Schandtaten. Da griff die Polizei„fester" zu und zerstreute die Menge gewaltsam. Für den Freitag abend traf die Polizei ihre Vorbereitungen. Fast die gesamte Schutzmannschaft Nürnbergs zu Fuß und zu Pferde. an die 100 Mann, war aufgeboten, um die RegenSburger Straße zu„säubern", in der die Fabrik liegt. Als wieder Demonstrationen begannen, schritt nach den vorliegenden Tele- grammen die Schutzmannschaft ein. Aber die Meflge wich nicht, sondern verteidigte sich I Aus den Wirtschaften, in welche sich die Leute geflüchtet hatten, wurde auf die Polizei mit Gläsern, Flasche» und Steinen geworfen. Die Beamten drangen darauf in die Wirtschaften ein und räumten diese. Es kamen etwa 30 Verletzungen von Zivilpersonen vor; auch mehrere Schutzleute wurden verletzt. Gegen'/zll Uhr rückte ein Bataillon Infanterie ast und sperrte die RegenSburger Straße ab. Zehn Schutzleute sind durch Messerstiche und Hiebe vtrletzt, einigen Schutzleuten ist die Uniform vollständig zerrissen worden. Zehn erheblich verletzte Ruhestörer haben im Krankenhaus Aufnahme gefunden. Eine größere Anzahl weniger schwer Verletzter entzog sich der ärztlichen Behandlung. Man schätzt ihre Zahl auf 200. Ein lOjähriger junger Mann, der angeblich aus einem Wirtschaftszimmer einen Revolverschuß auf einen Schutzmann abgab, ivurde verhaftet. Die„Frankfurter Zeitung" gibt an, daß ein zwölfjährige? Mädchen bei der„BeruhigungSarbeit" der Polizei erschossen worden sei.-- Militär und Polizei gegen eine mit Recht empörte Menge! Der Mörder aber ist entlassen!-- •• Deutlcbes Reich. Ultramontane Ausreden! Wir hatten in unseren Artikeln über die Essener Zentrumsparade gebührendermaßen darauf hingewiesen, daß diese Zentrums- demonstrationen lediglich den Charakter prunkender, aber innerlich um so hohlerer Schaustellungen trügen. Im Plenum würden nur pomphafte, phrasenreiche Reden gehalten, zu einer Diskussion komme'es jedoch niemals. Alle Anträge würden vor- her in den hinter verschlossener Türe stattfindenden Ausschuß- sitzungen sorgsam gesiebt, so daß jeder Austrag sächlicher MeinungZdifferenzen, jede ernsthafte, die wirkliche Stimmung der Massen zum Ausdruck bringende Debatte von vornherein ausgeschlossen sei. Die Massen seien nur als Staffage da. sie erführen nicht ein- mal irgend etwas von dem Kampf der Meinungen, der sich hinter den verschlossenen Türen der Ausschüsse abspiele. Diese Charakterisierung der hohlen Zeittrumsdemagogie, der Leithammelung der Massen, hat es der„Germania" begreiflicherweise angetan. Sie reagiert folgendermaßen: „Unsere Generalversammlungen werden überhaupt nicht zum Zweck der„Debatten" veranstattet, und derZwe*. den sie haben dnrd Bei ihrer jetzigen Einrichtung bollkommen erreicht. „Hinter verschlossenen Türen" wird überall verhandelt, nicht zuletzt bei den Sozialdemokraten. Bei uns heitzt „verschlossene Tür" aber nicht, daß nur ein paar Be- vorzugte verhandeln, sondern jeder Teilnehmer an der Ver- sammlung hat Zutritt und kann mitsprechen(??) und mit» a b st i m m e n. Man berät die Anträge in den Ausschüssen, weil, wie gesagt, in einer vieltausendköpfigen Menge eine Beratung gar nicht möglich ist. Wenn der „Vorwärts" sich darüber aufhält, daß in der letzten geschlossenen Versammlung neben einem sonstigen reichlichen Arbeitsrest zahl- reiche soziale Anträge erledigt, also nicht ernst und gründlich genug behandelt worden seien, so möge er sich gefälligst an die sozial- demokratischen Parteitage erinnern, wo nach sechstägigen Zänkereien meist persönlicher Natur hunderte von Anträge» in letzter Stunde in Bausch und Vogen abgetan werden, ohne daß eine Ausschußberatung, wie sie auf unseren Generalversammlungen üblich ist, vorausgegangen wäre." Die gute„Germania" bestätigt nur alles, was wir gesagt haben. Daß der„Zweck" ihrer Versammlungen, die nicht orientierten, nur als Staffage benutzten Tausende durch tönende Phrasen zu faszinieren,„erreicht wird", ein st weilen wenigstens, haben wir ja selbst zugegeben l Nur paßt dann auf solche Veranstaltungen die Bezeichnung„Parade", die die„Germania" so sehr erbittert, ganz vortrefflich! Daß die Sozialdemokratie ihre politischen und Partei- politischen Angelegenheiten gleich dem Zentruni nur im engeren Kreise und hinter verschlossenen Türen verhandle, ist dagegen eine faustdicke Unwahrheit. Geschäftliche Angelegenheiten oder persönliche Fragen, die nur in Kommissionen geklärt und erledigt werden können, werden allerdings auf sozialdemokratischen Parteitagen an Kommissionen verwiesen, die dann�freilich wiederum dem Plenum des Parteitages Bericht erstatten! Alle die Massen inter- essierenden Fragen werden dagegen in breite st er Oeffent- l i ch k e i t behandelt. Natürlich können bunt zusammengewürfelte Massenbersamm- lungen keine politischen Debatten führen. Aber warum arrangiert denn das Zentrum nicht gleich der Sozialdemokratie öffentliche Delegiertenversammlungen in Gestalt von Parteitagen? Warum diskutiert es nicht vor und nach diesen Parteitagen die Beratungsgegenstände der Parteitage in zahllosen Massenversammlungen, wie eS bei der Sozialdemokratie Brauch ist? Einfach deshalb nicht, weil sich ein solcher Brauch nicht mit dem System der Bevormundung und Leit- h a m m e l e i durch eine kleine Führerclique verträgt, die beim Zentrum üblich und �ot wendig ist I— Siebzig Prozent Dividende! Die„Franks. Ztg." erklärt, daß den Dementis der W ö r m a n n und Konsorten kein Anspruch auf Glaubwürdigkeit beizumessen sei? eine genaue Nachprüfung würde wohl ergeben, daß sie falsch seien, und man habe sie daher auch nicht an die Blätter gesandt, gegen deren Mitteilungen sie sich richten. Wie die Tippelskirchschen Geschäfte beurteilt werden, kennzeichnet am besten die Drohung von Äörmaun, die Zeitungen zu ver- klagen, welche seine Firma mit der Firma TippelSkirch in Parallele stellten. Und das, obgleich das Wönnannsche Beförderuugs- Monopol noch weit einträglicher sei; heiße es doch, daß die Gesellschaft mit beschränkter Haftung W ö r m a n n im vorigen Jahre über 70 Prozent Dividende verteilt habe. Die Firma TippelSkirch habe nicht nur in ihren Geschäften mit dem Reich enorme Ueber- gewinne gemacht, sondern die Bevorzugung, deren sie sich bei allen Verwaltungen für Lieferungen nach den tropischen Gebieten er- freute, in gleicher Wesse ausgebeutet. Daftir seien ja schon ver- schiedene Beispiele mitgeteilt worden. Ihr liege die Zuschrift eines Teilnehmers der China-Expedition vor, aus der sich ergibt, daß damals unter den Offizieren und Beamten, die für den Bezug der notwendigen Bedarfsarttkel ganz auf die Firma Tippelskirch an- gewiesen waren, vielfach Erbitterung über deren u n» erhörte Preise herrschte._ Freisinnige Kolonial-Jlliisioucn. Gleich Herrn Erzberger benutzen auch freisinnige Politiker die Kolonialskaudale, um sich als strenge Hüter der politischen Moral aufzuspielen. So sprach auch der Abgeordnete Kopsch am Donnerstag im fortschrittlichen Verein Waldeck in Berlin über„ K o l o n i a l f r e u d e n". Nach 22 Jahren deutscher Kolonialpolitik, führte er nach der „Freis. Ztg." aus, sei es angebracht, eine Bilanz derselben zu ziehen. Das Resultat sei kein erfreuliches, alle Voraussagen von Ludwig Bamberger, Fritz Rapp und anderer freisinniger Gegner der Kolonial- Politik hätten sich erfüllt. Lawinenartig sind die Ausgaben für die Kolonien angewachsen, von 348 000 M. im Jahre 188S sind die Ausgaben im Jahre 1905 gestiegen auf 299 Millionen Mark. Die Ursachen dieses Fiaskos unserer kolonialen Wirtschaft seien sehr verschiedenartige. In der Verwaltung herrsche System- losiakeit, es fehlen Grundsätze, nach welchen in den Kolonien gewirt- schattet werde. Eine wenig glückliche Hand habe man bei der Auswahl der Beamten gehabt. Die Kolonien seien jetzt eine Art Versorgungs- anstalt für Männer, die im Vaterlande aus irgend welchen Gründen nicht vorwärts kommen können, esImache sich eine Vetternwirtschaft bemerkbar. Die Folge sei ein BureaukratiSmuS in der Verwaltung, von der Redner einige ergötzliche Beispiele zum besten gab. Weitere Uebel seien in den Kolonien das KonzessionSwesen, das zur Be- günstigung einzelner Privatgesellschaften führt, und schließlich eine falsche Eingeboreuenpolitik. Die Landfrage in Verbindung »nit Arbeitszwang bei ungenügender Löhnung, reichlichen Prügel- und harten Gefängnisstrafen trieben zu Aufständen. Besonders eingehend behandelte Abg. Kopsch hierbei die Mißwirtschaft in der Kolonie Kamerun unter dem Gouverneur Jesko v. Puttkainer, schließlich die Frage auswerfend, ob Frau v. Germar(Baronin v. Eckardsteinj recht behalten wird, die in einem ihre Erlebnisse in Afrika schildernden Buche vom Gouverneur v. Puttkamer schreibt, er sei im„sicheren Besitze einflußreicher Be- ziehungen, mit deren Hülfe man schließlich über alle Gegner und Hindernisse schlank- weg fortbalanziert". Die Haltung des Herrn v. Podbielski zur Frage der Fleischnot und jetzt seine Tippelskirch- iaden hätten mehr zur Erschütterung der monarchischen Gesinnung im Volke beigetragen, als eS eine sozialdemokratische Agitation jemals zu tun vermöchte. Nach dem Bankerott der bisherigen Kolonialpolitik sei nunmehr eme Besserung an Haupt und Gliedern notwendig. Andere Grundsätze müßten maß- gebend sein für die Verwaltung. Man müsse abkommen von dem Gedanken, daß nur der Jurist und der Offizier geeignet seien zur Verwendung in den Kolonien. Der Reichstag würde eine noch schärfere Kontrolle auszuüben haben, die Hauptaufgabe falle aber dem Volke zu. Nach kurzer Debatte nahm jne Versammlung einstimmig nachstehende Resolution an:„Die vom Fortschrittlichen Verein Waldeck in Berlin einberufene überaus zahlreich besuchte öffentliche Volksversammlung verurteilt aufs schärfste die das? deutsche Ansehen herabsetzenden Vorgänge innerhalb der Kolonien und deren Verwaltung und erwartet, daß der deutsche Reichstag durch eine besondere Kommission alle diese Vorgänge einer eingehenden Untersuchung unterwerfen und dafür Sorge tragen wird, daß eine das Rechts- und Vollsbewußtsein befriedigende Sühne herbeigeführt wird und wiederum Rechtlichkeit, Ordnung und Sparsamkeit in der Verwaltung der Kolonien Platz greifen zum Wohle für das deutsche Volk." Von einer Ablehnung der Kolonialfordcrungen war also mit keiner Silbe die Rede. Die freisinnigen Kolonialillusionäre wiegen sich also in der optimistischen Hoffnung, daß nunmehr die plpmalpolitik nicht mehr zur Versorgung entgleister Junkersprossen, und Bereicherung kleiner Kapitalistenkreise Benutzt werde. Da hat denn doch der Abg. Paasche mit seinem Urteil iiber die Kolonial- Politik einen viel staatsmännischeren Blick bewiesen!— Das Ergebnis der Ostmarkenpolitik! Der Ostmarkenverein hält in diesen Tagen seine Haupt- versantmlung ab. Interessant ist das auf dieser Versammlung festgestellte Ergebnis der famosen Ostmarkenpolitik. Aus einer vom Verein aufgestellten Besitzwechsel st ati st ik in den Ansiedelungsprovinzen geht hervor, daß die Deutschen in den Jahren 1896 bis 1903 an die Polen rund 50 000 Hektar Land verloren haben, das macht zirka 1 Prozent der Gesamtfläche. So ist denn der Bankrott der Hakatistenpolitik statistisch glänzend erwiesen. Hunderte und Aberhunderte von Millionen aus staatlichen Mitteln hat man dazu verwendet, polnische und— deutsche Gutsbesitzer auszukaufen und Deutsche anzu- siedeln. Polen und Deutsche haben bei den kolossalen Preis- treibereien dieser Ankaufspolitik ein glänzendes Ge- s ch ä f t gemacht. Aber dieser Effekt ist auch der einzige gewesen! Die Polen begegneten dieser Taktik des Auskaufens mit der gleichen Taktik und weit besserem Erfolg, tvie ja die vom Ostmarkenverein aufgestellte Statistik des Besitz- Wechsels ergibt. Die polnischen„Kaninchen" haben also triumphiert! Trotzdem hat Bülow kürzlich feierlich angekündigt, daß die hakatistische Anti-Polenpolitik der Regierung fortgesetzt werden solle! Es gibt ja noch mehr verschuldete Junker, die durch das Auskaufen zu vermögenden Leuten zu machen sind.—_ Eine katholische Revolution in Baden. Am Tage nach dem bombastischen Schluß der Essener Tagung der Katholiken Deutschlands nahm in der badischen Residenzstadt Karlsruhe ein Landfriedensbruchprozeß seinen Anfang, der ein Helles Licht aus die Kulturmission der katholischen Kirche warf. Schon früher wurde berichtet, daß in dem katholischen Dorfe Elchesheim bei Rastatt in Baden fast sämtliche Gemeindeglieder(Männer, Frauen und Kinder) ein regel- rechtes Haberfeldtreiben gegen den Lehrer v. Roth inszenierten, weil der Ortsgeistliche, der katholische Pfarrer Bruder infolge einer Anzeige des Lehrers von der Kurie in Freiburg seines Amtes entsetzt worden war. Der verheiratete Lehrer v. Roth hatte den Geistlichen, einen jovialen, lebenslustigen Herrn,„zu großer Liebenswürdigkeiten" gegen seine(des Lehrers) Frau beschuldigt. Die Freiburger Kirchenbehörde hat denn auch als f e st g e st e l l t erachtet,„daß der Pfarrer wiederholter unkeuscher Berührungen der Lehrersfrauen V.Roth und Häfner, unsittlicher Redensarten und wieder- Holter Uebertretung des Wirtshausverbots über- führt sei". Die SuSpendicruug des Pfarrers war auf zwei Monate verfügt. Die frommen Gläubigen hielten nun den„Sllndenfall" ihres Seelsorgers für ausgeschlossen; sie schoben dem die Anzeige er- stattenden Lehrer die Hauptschuld an der.plötzlichen Entfernung ihres von ihnen hochverehrten Pfarrers zu. Am Abend der erfolgten SuSpendierung— 4. Mai d. I.— rotteten sich gegen 399 Dorf- einwohner zusammen und zogen vor das LehrerhauS. Hier wurde ein derbes Steinbombardement gegen die im Parfürre liegende Wohnung des Lehrers eröffnet; man johlte, schrie, schlug mit Stöcken an. die Läden, warf mit Backsteinen. bedrohte den Lehrer und seine Frau und war drauf und dran, das SchulhauS zu stürmen. Um'/all Uhr holte man den Bürgermeister auS dem Bette, aber auch der vermochte keine Ruhe zu schaffen. Die Menge entfenite sich zwar, eröffnete aber von den benachbarten Gärten und Gehöften ein neues Stein- b o m b a r d e m e n t, so daß Fensterscheiben der Lehrerwohmmg zertümmert und die Fensterläden stark beschädigt wurden. Der Lärm war so groß, daß man ihn eine halbe Stunde weit gehört hat, zu- mal er länger als zwei Stunden dauerte. Und das alles für den„nnschuldigen" Pfarrer I Dieser verließ am nächsten Tage daS ihm willenlos ergebene Dorf und kehrte 14 Tage später wieder zurück. Ein überaus festlicher Empfang wurde ihm zuteil: der katholische Gesangverein holte ihn mit Musik ab. Beweis, daß Bruders Pfarrkindcr trotz der kirchlichen Untersuchung ihm noch ungeschmälertes Vertrauen entgegenbrachten. An diesem Abend wiederholten sich die Krawalle; man verhängte schließlich über die Lehrersfamilie den förmlichen Boykott. Man äußerte:„Ist der Pfarrer hinaus, muß auch der Lehrer hinaus!" Es wurde ihm die Wohnung gekündigt, man verabreichte ihm gegen Geld und gute Worte keine Nahrungsmittel, alles typische Zeichen echt christlicher Tolleranz! Da die Krawalle infolge des Verbleibens des suspendierten Pfarrers sich wiederholten, griff endlich die Behörde ein und verhaftete die Hauptteilnehmer an den Ruhestörungen. ES waren sieben Personett, mehr waren nicht zu ermitteln. Zugleich wurde im badischen Landtage eine Interpellation eingereicht, die größere» Schutz des bedrängten Lehrers verlangte. Die Interpellation kam infolge des Landtagsschlusses nicht mehr zur Verhandlung.— Am Donnerstag, den 23. August, begann nun vor dem Landgericht Karlsruhe der Prozeß gegen die sieben In- haftierten, Landwirte, Handwerker und Arbeiter, sämtlich gut katholisch. Die Anklage lautete auf Landfriedensbruch, Bedrohung und Beleidigung. Die Anklageschrift umfaßte mehr als 299 Seiten. Als Zeugen waren 44 Personen geladen, darunter auch der Geistliche; auf seine Vernehmung wurde verzichtet, wie man denn in der zwei Tage dauernden Verhandlung alles vermied, um die U r s a ch e n dieser katholischen Revolution in den kritischen Bereich der gerichtlichen Oeffentlichkeit zu ziehen. Und gerade darin lag die Bedeutung des Prozesses. Denn es war das blinde Vertrauen und die sofortige Parteinahme für den unschuldigen Geistlichen, was die armen Teufel wegen LandfriedcnsbrucheS auf die Anklagebank gebracht hat. Der eigentliche Schuldige war dadurch außer Schußlinie gerückt, obwohl allein der unheimliche Einfluß des Geistlichen in letzter Linie die Schuld an dein Prozesse trug. In der Verhandlung wurde auch durch den Vorsitzenden wiederholt konstatiert, daß die Ortspolizei- behörde(Bürgermeister und Ortspolizist) förmlich versagten, als es sich um Schlichtung der Krawalle handelte. Der Polizeidiener hat bei dem Steinbonlbardemcnt ruhig dabeigestanden, und der Bürgermeister erllärte, als Zeuge vernommen, er habe keinen der Attentäter gekannt. Man bedenke, daß der Bürgermeister eines Ortes; von noch nicht 1999 Einwohnern fast jeden Einzelnen persönlich und seinen Verhältnissen nach kennt. Diesen Schlüssel zu dem Ver- halten des Bürgermeisters bekommt man, wenn man sich eine Aeußerung desselben am Schlüsse der Zeugenvernehmung vor Augen hält:„Ja. die ganze Gemeinde steht noch heute auf dem Standpunkt, daß der Pfarrer unschuldig ist!" Der Pfarrer ist eben in jedem Falle im Recht, wenn ihn auch die Kirchenbehörde abgesetzt hat.— Charakteristisch für die schon oben angezogene so oft behauptete Kulturmission der katholischen Kirche ist auch die prononziert vor- getragene Anschauung der Anklagebehörde, daß Elchesheim„für diese und ähnliche Sachen" bekannt sei. War ja doch der Hauptangeklagte der— Kirchenaufjeher und ein anderer Angeklagter der Meßncr. Die(katholischen) Zeugen verhielten sich fast sämtlich so zurückhaltenb, daß eine Zeugin in Gefahr geriet, wegen MeieideS abgeführt zu werden. Die Zentrumspreffe sagt ja. nur die ungläubigen Sozial- demolraten nähmen es»nit der Heiligkeit des Eides nicht genau. Nach dieser Deduktion hat es bei diesem Prozeß viele Sozialdemo- kraten gegeben. Das Urteil fiel milde aus: Vier Angeklagte erhielten nur das Sttafminimum von drei Monaten Gefängnis, auf das bei Landfriedens- bruch erkannt werden muß, der Huuptangeklagte vier Monate, ein Angeklagter ivegen Beleidigung vier Wochen Gefängnis, ein Ange- klagter wurde freigesprochen.— Die katholische Revolution ist ihren Arrangeuren also nicht so übel bekommen wie manchen Streikenden ruhige Mahnungen an Arbeitswillige; an sich sind die Elchesheimer Verurteilten ja nur die erklärlichen Produkte der Kulturauffassung des Zentrums.„An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen l'--- Bon der Militärjustiz. Stuttgart. 24. August.(Eig. Ber.) Ein enorm hohes Urteil fällte das Stuttgarter Oberkriegsgericht gegen den Musketier Anton E i n w e ck vom Jnfanterie-Regiment 129, der sich eine Ausschreitung tätlicher Art gegen einen Vorgesetzten hatte zuschulden kommen lassen. Bei einem Patrouillengange nachts um 2 Uhr in Ulm hatte er dem Unteroffizier Frey den Gehorsam verweigert und sogar das Gewehr beim Laufe gefaßt, um den Unteroffizier mit dem Kolben zu schlagen. Der Unteroffizier ver- stand es. den Schlag mit seinem eigenen Gewehr von sich ab- zuwehren. Dann warf Einweck Gewehr und Seitengewehr fort und suchte zu entkommen, wurde jedoch wieder ergriffen. Das Ober- kriegsgericht hatte über ihn in zweiter Instanz abzuurteilen, und obgleich der Sachverständige den Angeklagten als einen leicht erregbaren und moralisch defekten Menschen s childerte, diktierte eS ihm die kolossal harte Strafe von fünf Jahre» und einem Monat Gefängnis neben der Entfernung aus dem Heere zu.--- Hudland. Schweiz. Im Zeichen des Kapitalismus und Militarismus. Zürich, 24. August. (Pribatdepesche de?„Vorwärts".) Das Kriegsgericht verurteilte heute den Genossen Sigg alS Verfasser deS antimilitaristischen Flugblattes(wir haben den Wort- laut in der Nr. ISö wiedergegeben. Red. d.„Vorw.") zu acht Monaten Gefängnis und einjähriger Entziehung deS Aktivbürger» rechts. Die fünf Mitangeklagten, die daS Flugblatt verbreiteten, wurden freigesprochen._ Ein Nachspiel zur Affäre Stephany. Zürich, 24. August.(Pribatdepesche.) DaS Bezirksgericht verurteilte den Polizeioberleutnant Lochen wegen Nötigung und Beschimpfung deS ehemaligen Straß- burger Polizeikommissars Stephany und seiner Frau zu 290 Frank Buße und 499 Frank Entschädigung. *■•* Die Schweiz bleibt doch ein wildes Land. So sehr sie auch bereits zum„Ordnungsstaat" geworden ist, wie das erste Urteil und die ganze Kosakenwirrschaft in Zürich zeigen, es wird in ihr doch immer noch der Beamte, der sich gegen verhaftete A u S l ä n d e r Uebergriffe erlaubt, verurteilt. In einem OrdnungSftaat par excellence wie Deutschland könnten solche Widersprüche nicht bor- loinmen. Da hätte der eifrige Beamte allenfalls einen Orden be- komnien.—_____ Die AbschiebSfeier des ausgewiesene» Genossen Hauth.>_ Zürich. 24. August.(Eig. De r/M Die Abschiodsfeier zu Ehren unseres ausgewiesenen Genössest Emil Hauth, die von der Arbeitcrunion auf gestern abend im Ricsensaal des„Vclodrom" veranstaltet wurde, war von einer un- geheuren Menschenmenge besucht. 3999 Menschen saßen und standen dicht gedrängt nebeneinander im Saale und auf den Galerien und viele Hunderte standen draußen oder mußten wieder um- kehren, weil sie keinen Platz gefunden hatten. Die Genossen Pflüg er, Lang und Greulich von Zürich sowie Zinn er von Winterthur hielten Ansprachen, in denen sie dem Ausgewiesenen Dank und Anerkennung für seine großen, der Arbeiterbewegung geleisteten Dienste aussprachen und an der Ausweisung selbst, die eine Schmach für den ganzen Kanton Zürich und die ganze schweizerische Demokratie ist, scharfe Kritik übten. Lang erinnerte an die Verfolgungen und Ausweisungen von 1844 und 1883 gegen Weitling und die vier Genossen von„Sozialdemokrat", wobei im letzteren Falle ein Druck von außen, von Bismarck, im Spiele war. DaS war bei der Ausweisung Hauths nicht der Fall, er ist das Opfer der ob der Bedrohung ihre» Profits durch die vor» wärtsstrebende Arbeiterschaft wild gewordenen Burcaukratie. Greulich forderte zu energischer politischer Betätigung aus. Wenn wir 25 999 sozialdemokratische Stimmen im Kanton Zürich haben und sie sich noch fortwährend weiter vermehren, werden wir eine Macht in der kantonalen Politik sein und den ausgewiesenen Ge- nassen Hauth wieder zurückholen. Zinn er erinnerte daran, daß einer der 6 bürgerlichen RegierungSrät«, die den Vertrauens- mann der Arbeiterschaft, Genossen Hauth, ausgewiesen, der Re- gicrungsrat Locher, vor 16 Jahren selbst der Vertrauensmann der Arbeiterschaft war, von ihr in den Nationalrat gewählt und sodann die Wahl durch einen großartigen Fackelzug gefeiert wurde. Einige Jahre später wurde er als der Vertrauensmann der Ar- bcitcr und der Demokraten in die Regierung gewählt und heute ist er der Vertrauensmann der Scharfmacher und Reaktionäre vom Bürgcrverband und maßregelt den Vertrauensmann derselben Ar- beiterschaft, auf deren Schultern er emporgestiegen ist. Genosse Hauth hielt schließlich noch eine von großen und wcitauSschaucn- den Gesichtspunkten getragene Abschicdsrede, die stürmischen Beifall erntete. Die Reden wurden von prächtigen Musik- und Gesangs» Vorträgen eingerahmt.— Genosse Hauth muß nun Zürich ver» lassen, aber feine Feder, sein Geist bleibt der Züricher und schweizerischen Sozialdemokratie erhalten und er selbst wird durch seinen Kampf gegen alle Reaktion und Gewaltpolitik den Tag reD bald mit herbeiführen helfen, an dem er wieder nach Zürich zurück- kchrm und die große Empfangs- und Siegesfeier mitmachen kann. Vom Schweizerischen Grütlivereia. Man schreibt uns aus Bern: Am 25. und 26. d. M. wird in Aarau die Delegierten, versa in mlung des Schweizerischen Grütli- Vereins abgehalten. Seit der Verschmelzung des Grütlivercins mit der sozialdemokratischen Partei vom Jahre 1991 in Solothurn sind Dclegiertenvcrsammlung des Grütlivereins und sozialdcmo- kratischer Parteitag immer mit- resp. nacheinander abgehalten worden. Dieser Modus ist aber stets vermehrter Opposition be» gcgnct. Die Delegierten des Grütlivereins beklagten sich, sie hätten dabei zu wenig Zeit, um ihre Angelegenheiten zu ordnen. und von den Delegierten des Parteitages wurde die nämliche Klage laut. Diese Klagen haben das Zentralkomitee des Grütlivercins, das mit einiger Erweiterung auch die Geschäftsleitung der Partei besorgt, zur Trennung beider Tagungen veranlaßt. Der letzthin erschienene Jahresbericht des Schweize» rischen Grütlivereins pro 1995, erstattet vom Vereins- resp. Parteisekretär, Genossen M. Fähndr ich, ist in seiner politischen Rundschau eine Glanzleistung. Durch den ganzen Be- richt geht ein klassenkämpferischcr Zug. Getadelt wird die Gleich- gültigkeit gegen die Partei in Gcwerkschaftskreiscn. Die poli- tische Gleichgültigkeit des schweizerischen Arbeiters ist allerdings ttsÄMikiii). Aas Mm te m i>£t löMwllÄrsliMo Mrw t in jüngster Zeit eingeleitete» Referendumsbcwegungen nur allzu deutlich erwiesen. Die Zahl der gewerkschaftlich und der politisch organisierten Arbeiter in der Schweiz redet da auch eine deutliche Sprache. Im schweizerischen Gcwerkschaftsbund sind 60 000 Arbeiter organisiert, in der schweizerischen sozialdemokratischen Partei dagegen nur 20,337, wovon auf den Grütliverein 8732 entfallen. Da wir nach dem Resultat der Nationalratswahlen vom Herbst 1S03 nachweislich beinahe 80 000 sozialdemokratische Parteistimmen zählen, ist dieses Organisationsverhältnis sehr schlecht. Die Folge davon ist, daß der Partei die finanziellen Mittel fehlen, um eine entsprechende Propaganda zu betreiben. Der Grütliverein wird in seiner Delegiertenversammlung in Aarau seine Zentral st atuten revidieren. Unvcr- ständlicherweise beantragt das Zentralkomitee, die bisherige ..Passivmitgliedschaft" der Ausländer zu streichen. Gegen diesen geradezu reaktionären Vorschlag hat sich in den Sektionen Opposition erhoben. Nur einige wenige Sektionen haben ihm zugestimmt. Der Antrag des Zentralkomitees wird nicht durchgehen, vielmehr Aussicht auf Erfolg hat ein An- trag, die Frage der Aufnahme von Ausländern den Sektionen zu überlassen. Es wäre eine Schande für den Grütliverein, wenn er die kaum einige hundert Mann zählende ausländische Mitglied- schaft eliminieren würde. Das Zentralkomitee beantragt ferner, die Beiträge in die Zentralkasse von 1 Frank auf 50 Cents pro Jahr und Mitglied herabzusetzen. Dies soll dadurch möglich werden, dost die Hülfskasse, die doch nichts Nennenswertes leisten konnte, und der Bibliothckfonds abgeschafft werden. Der Beitrag für diese zwei Institute machte eben 50 Cents aus. Mit dieser Entlastung der Sektionskassen soll das Argument gegen den„teuren Grütli- verein" beseitigt werden. Der wichtigste Punkt der Aaraucr Tagung wird die Preß- frage sein. Der„G rü t l i a ne r", das Vereins- und Zentral- organ der schweizerischen sozialdemokratischen Partei, bisher dreimal wöchentlich erscheinend, soll nämlich dieses Jahr noch täglich herausgegeben werden. Die Delegiertenversammlung soll darüber beschließen. Dieses Projekt hätte schon vor zehn Jahren verwirk- licht werden sollen, heute ist es spät, wenn auch nicht zu spät. Der„Grütlianer" verfügt über eine Abonnentenzahl von nahezu 10 000, aber nur deshalb, weil für die Grütlianer das Zwangs- abonnement besteht. Was der„Grütlianer" bei seiner gegen- wärtigen Erscheinungsweise seinen Lesern bietet, ist beschämend wenig. Offizielle Publikationen nehmen fast immer die Hälfte des Leseteiles weg. Außerdem täte dem Blatte ein energischeres Vorgehen gegen die Gegner sehr not. Und auch sonst ist nicht alles wie es sein sollte. Einsendungen, die die Partei und die Gewerkschafts- bcwegung direkt schädigen, gewährt die Redaktion ohne Skrupel Aufnahme. So erschien neuerlich im„Grütlianer" eine Einsen- dung, die das Militär und die Polizei in Zürich, die so schändlich gegen die Arbeiterschaft wüteten, in Schutz nimmt und ausführt, Polizei und Militär hätten nur ihre Pflicht und Schuldigkeit gc- tan. slll) Derlei Einsendungen kompromittieren den ganzen Grütliverein und schädigen dazu die um ökonomische Besserstellung ringenden Arbeiter aufs schwerste. Bei täglicher Ausgabe des„Grütlianer" mutz natürlich die Re- daktion vermehrt werden. Angesichts des grotzen Feldes, das die schweizerische Sozialdemokratie noch zu bebauen hat, wird die tägliche Herausgabe des„Grütlianer" von großer Bedeutung sein, Wenn solche Fehler, wie hier angeführt worden, künftig unterbleiben. Frankreich. Der Kampf um die Pariser ArbeitSbörse. Paris, 24. August.(Eig. Ber.) Es ist nun ein Jahr her, datz der Konflikt der Gewerkschaften mit der Regierung wegen der Pariser Arbeitsbörse seine schärffte Form annahm. Als der Pariser Gemeinderat damals ein Ver- waltilnaSstatut beschlotz, das namentlich das von den Syndikalisten bekämpfte Proportionalwahlrecht für die Verwaltungskommission ein- führte, faßte eine vom Gewerkschaftsverband des Seme-DepartementS einberufene Delegiertenversammlung mit 1500 gegen 5 Stimmen den Beschlutz, an der Kommissionswahl nicht teilzunehmen. Datz sich diese AbsentierungStaktik nicht bewähren würde, haben wir schon damals vermutet und dieses Urteil hat der Berichterstattung des „Vorwärts" manchen Angriff zugezogen. Nun hat sich auch die Mehrheit des Verbandsvorstandes von den Tatsachen belehrt, zu einer anderen Taktik entschlossen. Eine grohe Anzahl von Gewerk- schaftsorganisationen hatten sich nämlich um den Boykottbeschlutz nicht gekiiinniert und hatten an der Kommissionswahl teilgenommen. Ja, die Organisation selbst, die in der Delegiertenversammlung am 2. August T». I. den Absentierungsantrag gestellt hatte, nahm an der Wahl teil und Uetz eines ihrer Mitglieder in den Vorstand der Arbeitsbörse wählen. Der neue Vorstand geriet in einen immer stärkeren Gegensatz zum Gewcrkschaftsverband und dieser sah sich von seilen jener Körperschaft manchen Schaden zugefügt. Unter diesen Umständen hat nun insdcr jüngsten Zeit innerhalb des Gewerkschastsverbandes die Meinung, datz die der Arbeitskonföderation angehörigen Gewerkschaften die Arbeitsbörsen wieder in die Hand bekommen müßten, viel Anhänger gewonnen. In der letzten Sitzung des Generalkomitees des Gewerkschastsverbandes wurde der Antrag eingebracht, die Mit- glieder des Verbandes im Wege eines Referendums um ihre Ansicht über die Teilnahme an der Vorstandswahl der Arbeitsbörse zu befragen. Der Antrag wurde angenommen. Es ist nicht wahrscheinlich, datz die Masse der Gewerkschaftler die Stimmung, die in diesem Beschlutz zutage tritt, nicht teilen wird. Die Erfahrungen des letzten Jahres haben die Einseitigkeit der syndikalistischen Formeln genügend erwiesen.—_ Der Papst und die französischen Bischöfe. Mehrere Pariser Blätter veröffentlichen ausführliche, allem Ilnschein nach von be- tciligter Seite ausgehende Berichte über die Ende Mai stattgehabte Vollversammlung des französischen Episkopats. Besonders der „Tcmps" bringt eine genaue Schilderung der Versammlung vom 31. Mai, in der mit 48 gegen 26 Stimmen der vom Erzbischof von Besaneon ausgearbeitete Statutencntwurf für die Kultus. Vereinigungen angenommen wurde. Der Papst, der alles getan habe, um die Bischöfe im Sinne des Widerstandes zu beeinflussen, sei von dem Beschlutz üutzerst unangenehm berührt gewesen und habe zornig ausgerufen:„Sie haben gegen mich gestimmt; sie haben als Franzosen gestimmt", und habe dann hinzugefügt, datz er keines- wegs verpflichtet sei, dem Beschlüsse der Bischöfe Rechnung zu tragen. In radikalen Kreisen wird die Meinung vertreten, datz diese Enthüllungen von einzelnen mit der letzten Enzyklika des Papstes unzufriedenen Bischöfen veranlatzt worden sei. Eine neue Anarchistenverhaftung. Aus Marseille wird vom 24. August berichtet: Der italienische Anarchist Vincenzo Dangcllo wurde heute hier verhaftet. Man fand bei ihm eine betrachtliche Geldsumme. Er erklärte bei seinem Verhör durch den Unter- suchungsrichtcr, datz die bei ihm beschlagnahmten Papiere sich auf eine von ihm gemachte Erfindung bezögen. Trotzdem ist der Ver- Haftungsbefehl gegen ihn bestätigt worden. Spanien. Der Generalstreik in Bilbao. Aus Madrid wird vom 25. August berichtet: Wie verschiedentlich aus Bilbao gemeldet wird, kann der Ausstand für beendet betrachtet werden, nachdem der Marineminister zur Vermittclung zwischen Arbeitgebern und -nehmern aufgefordert worden ist. Andere Blätter dagegen wissen zu melden, die Arbeiter hätten die von den Unternehmern ge- machten Konzessionen abgelehnt. Sie entsandten eine Abord- nung zum Könige mit dem Auftrage, gegen eine vom Minister des Innern über die gemachte abfällige Aeutzerung Einspruch zu erheben. Inzwischen hat aber der Minister die Erklärung abgegeben, datz er die ihm in den Mund gelegten Worte nicht gebraucht habe. Ein Telegramm der„Agence Havas" lautet: Bilbao, 25. August. Die Arbeit ist in den meisten Werk- stätten und Fabriken wieder aufgenommen worden; der Ausstand der Bergarbeiter dauert unverändert fort. Westindien. Die Revolution in Kuba. Havanna» 24. August. Das Gelingen des Aufstandes, so glaubt man hier, hängt davon ab, ob es dem Jnsurgentenführer Guerra gelingt, die Stadt Pinar del Rio zu nehmen. Die Rebellen haben bereits mehrere südwestlich dieser Stadt gelegene Orte genommen. In der Provinz Havanna herrscht Ruhe. In der Provinz Santa Clara wurden die Insurgenten bei ihrem ersten Zusammenstoh mit den Regierungstruppen zersprengt. Ein Berichterstatter, der sich bei Guerra aufgehalten hat, erzählt, dieser verfüge über 2000 Mann und genieße beim Landvolk große Sympathien, habe aber nicht ge- nügend Munition, um Pinar del Rio zu nehmen oder einen langen Kampf auszuhalten._ GcwcrhrcbaftUchce* Gesetzliche Regelung des Akkordvertrages. Der Ausschuß des Berliner Gewerbe g e r i ch t s hat in seiner letzten Sitzung unter dem Vorsitz des Magistatsrats v. Schulz einen Beschlutz von hoher Be deutung für das deutsche Arbeiterrecht gefaßt. Er hat ein stimmig einen Antrag angenommen, der die gesetzliche Regelung des Gedingvertrages im Anschluß an die Vor schriften des Bürgerlichen Gesetzbuches Mer den Dienstvertrag verlangt mit besonderen Bestimmungen über den Gruppen akkord, eine Frage, mit der sich auch der im nächsten Monat in Kiel zusammentretende Deutsche Juristentag be schäftigen wird. Der einstimmig gefaßte Beschlutz geht dahin, an die ge setzgebenden Körperschaften des Reiches den Antrag zu richten: 1. Den Geding-sAkkord-sVertrag gesetzlich zu regeln; 2. diese Regelung im Anschluß an die Vorschriften des Bürger lichen Gesetzbuches über den Dienstvertrag vorzunehmen; 3. insbesondere Bestimmungen über den Gruppenakkord(Kolonnen vertrag) zu treffen. Aus den Motiven, die dem Antrag beigefügt werden, heben wir folgendes hervor: „Ohne Zweifel lassen diebestehenden gesetzlichen Bestimmungen bei der Entscheidung vieler aus Akkordverträgen entstehenden Streitigkeiten im Stich. Eine Ergänzung der bestehenden gesetz- lichen Bestimmungen in dieser Richtung am zweckmäßigsten des Titels VlI Gewerbeordnung ist daher wünschenswert. Zunächst wäre festzustellen, datz der Akkordbertrag seinem Charakter nach als Dienstvertrag zu gelten hat, daher nach den Bestimmungen der 88 611 bis 630 Bürgerlichen Gesetzbuches zu beurteilen ist, so- weit nicht Reichsgefetze sonstige Bestimmungen enthalten. Die Parteien müssen genötigt werden, die Bedingungen, unter toelchen sie ihre Akkordverträge schlietzen, so klar zum Ausdruck zu bringen. datz ein Zweifel über den Willen der Parteien, und damit eine nachträgliche willkürliche Auslegung desselben, welche beiden Teilen. insbesondere aber dem Arbeitnehmer zu großem Schaden ge- reichen kann, möglichst ausgeschlossen ist. Zur Förderung dieses Zweckes wäre eine Ausdehnung des Zwanges zur Einführung einer Arbeitsordnung auf alle Betriebe, in welchen Akkordarbeiten vorkommen, insbesondere auf solche, die Kolonnenakkorde vergeben, ins Auge zu fassen, und ferner zu bestimmen, daß außer den in 8 1345 vorge- fchriebenen Angaben noch Bestimmungen über das Verhältnis der verabredeten oder gesetzlichen Kündigungsfristen zur Verpflichtung bezw. Berechtigung, Akkordarbeiten zu beenden, über Abschlags- zahlungen, über die Bezahlung von Wartezeit, über die Stellung der Helfer, über das Verhältnis der Kolonnenführer zu den Arbeitern und zur Firma, darüber, datz Zwischenmeister im Zweifel als Akkordarbeiter der Firma anzusehen sind, ferner über eine gewisse Haftung deS HauplunternchmerS für die Jnnehaltung der gesetzlichen Bestimmungen seitens des Zwischenmcistcrs gegen- über seinen Arbeitern, über Akkordarbeit der Heimarbeiter, über Regelung der Akkordarbeiten beim Bestehen von Tarifverträgen in die Arbeitsordnung aufzunehmen sind." Die einzelnen Bestimmungen, die der beantragte Nachtrag zu Titel VII der Gewerbeordnung über die obengenannten Fragen enthalten soll, werden dann aufgeführt, wie sie nach einer Umfrage bei den Arbeitgeber- und Arbeitnehmer organisationen als Wünsche der Interessenten festgestellt wurden.— Nachdem so die im Ausschutz vertretenen gewerb lichen Kreise ihre Stellung zu der Akkordvertragsfrage festgelegt haben, bleibt abzuwarten, welche Stellung hierzu die zünftigen Juristen aus ihrer Tagung in Kiel einnehmen. Lerlln und Umgegend. Die streikenden Kohlenarbeiter kamen am Sonnabendvor- mittag so zahlreich im Gewerkschaftshause zusammen, datz der rotze Saal für die einströmenden Massen kaum Platz genug bot. Freudig begrüht wurden die Hafenarbeiter, die am selben Morgen die Arbeit niedergelegt hatten. Für die Grotzhändler, die teure Liege- resp. Standgelder auf den Wasserplätzen und Bahnhöfen bezahlen müssen, wenn sie die Wagen(die außerdem auch not- wendig gebraucht werden) nicht ausladen lassen, ist der plötzlich eingetretene Streik der Akkordarbeiter ein neuer schwerer Schlag. Bei der Besprechung der Lage wurden einige gute Nachrichten mit- geteilt. So ist es bei zwei Firmen in Moabit gelungen, 50 u n- organisierte Arbeiter zu bewegen, sich den Streikern anzu- schlietzen. Ferner haben bei C. Wollheim die Arbeiter sich ge- weigert, Streikarbeit zu verrichten, und nur aus diesem Grunde die Arbeit niedergelegt. Bei anderen Firmen gelang es, viele Arbeitswillige abzufangen und sie gütlich für die Sache der Streikenden zu gewinnen. An Klagen über die Polizei fehlt es auch diesmal nicht. Es herrscht ein gutes Einvernehmen unter den Streikenden; jede Aufforderung eines Redners, fest im Kampfe auszuharren, wurde mit lautem Beifall begrüßt. Die Streikenden erhielten ihre Anweisungen, wie die Auszahlung der Unter- stützungen am Montag vor sich gehen solle. Dabei wurde bekannt gemacht, datz die Hafenarbeiter von ihrem Verbände aus unter- stützt würden. Die Unternehmer hatten ebenfalls gestern eine Versammlung und pflogen Beratungen über den Vorschlag eines Schiedsgerichts. Die farbigen Kllhnemänner. Die organisierten Schildermaler Berlins nahmen am Freitag in einer Versammlung Kenntnis vom Streik der beiden Firmen Otto Grund u. Co., Wassergasse 3, und Paul Voigt, Neue Königstratze 42. Seit dem 16. August, an welchem Tage die dortigen Schildermaler in den Ausstand traten, ist nicht ein Streikbrecher zu verzeichnen. Die Stimmung der Streikenden ist deshalb eine äußerst kampfesfrohe. In einigen kleineren Betrieben hat man den Austritt der Maler aus dem Verbände gefordert und folgen. den Ukas angeschlagen: Der Verein Berliner Schilderfabrikanten beschließt: Falls die streikenden Arbeiter der Firmen Otto Grund u. Co., R. Poctsch und Paul Voigt diesen Firmen nicht bis zum 25. 8. 06 er- klären, datz sie Montag, den 27. 8. 06, morgens, die Arbeit wieder in vollem Umfange aufnehmen, die Mitglieder sämtliche dem Verbände der Schildermaler angehörenden Arbeitnehmer ent- lassen. Eine Versammlung am Montag, den 27. ct., beschließt das weitere. Verein Berliner Schilderfabrikanten. Als Antwort auf diesen Wisch nahm die von 175 organi- sierten Schildermalern besuchte Versammlung folgende Reso- lution an: „Die heutige Versammlung der Zahlstelle Berlin III des Porzellanarbeiterverbandes(Schildermaler) nimmt mit Genug- tuung davon Kenntnis, datz die im Ausstand befindlichen Kollegen der Firmen Otto Grund u. Co. und P. Voigt weiter ausharren wollen, und drückt den streikenden Kollegen ihre volle Sympathie dafür aus. Sie nimmt ferner Kenntnis von der geplanten Aussperrung und erklären die in Arbeit stehenden Kollegen, sich durch keinerlei Drohung von feiten der Schilderfabrikanten ein» schüchtern zu lassen, vielmehr werden die Versammelten jeden Angriff auf ihr Koalitionsrccht mit allen Mitteln abwehren und sehen der geplanten Aussperrung mit der größten Seelenruhe entgegen." Zuzug ist fernzuhalten!_ Achtung, Parteigenossen und Gewerkschaftler! Da es in letzter Zeit wiederholt vorgekommen ist, datz die Mitglieder des Gastronomischen Gehülfenverbandes sich als organisierte Gastwirtsgehülfen ausgegeben haben und als solche angesehen worden sind, gestatten wir uns, darauf hinzu- weisen, datz nur der Verband deutscher Gastwirtsgehülfen. Dircksenstr. 39 l, Amt III 1813, an die Generalkommission und an die Gewerkschaftskommission angeschlossen ist. Die Kontrollkarten unserer Verbandsmitglieder für das laufende Quartal sind von weißer Farbe mit schwarzem Kreuz- balken, worauf wir strengstens zu achten bitten. Unsere Mit- glieder sind angewiesen, die Karten stets bei sich zu tragen, um sich Parteigenossen und Gewerkschaftlern gegenüber als organi- sicrte Arbeiter legitimieren zu können. Verband deutscher Gastwirtsgehülfen. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Friscurgehülsen! Beigelegt sind die Differenzen bei Batschke in Schönebcrg, Gothenstr. 40.> Verband der Friseurgehülfen Deutschlands.� Deuttches Reich. Abschluß der Sammlungen für die Lithographen und Steindrucker. Die Generalkommission gibt im„Correspondenzblatt" folgendes bekannt: Wie bereits durch die Tagespresse bekannt geworden ist. sind die Aussperrungen der Buchbinder und der Lithographen und Steindruckcr beendigt. Die Sammlungen für die genannten Be- rufsgruppen sind infolgedessen einzustellen. Alle Sammelgelder, welche sich noch im Besitz der Gewcrkschaftskartelle und sonstigen Sammelstellen befinden, müssen gemäß des Beschlusses des 5. Ge- Werkschaftskongresses an die Generalkommission abgeführt werden. Die Zahl der streikenden Hafenarbeiter in Stettin ist schnell auf 1600 gestiegen. Die Stettiner Reeder hielten am Freitagnach- mittag in der Börse eine Versammlung ab, um zu beraten, wie man sich zu den Forderungen der Arbeiter verhalten wolle. ES wurde beschlossen, a u f k e i n e n F a l l n a ch z u g e b e n. Die in Stettin gezahlten Löhne sollen angeblich die M ch st e n für jene Kategorie der Arbeiter in ganz Europa sein. Ein größerer Trupp traf bereits am Freitagabend aus Berlin hier ein. Die Leute wurden direkt nach einem grotzen Reeder« schuppen befördert und dort einstweilen untergebracht. Sie sind jedoch am Sonnabend' sämtlich wieder abgereist, da es der Streikkommission gelang, sie von der Aufnahme der Arbeit zurückzuhalten. Heute halten die städtischen Arbeiter und Hülfs- arbeiter eine Versammlung ab, in der ihre Solidarität mit den Ausständigen erklärt werden soll. Der Magistrat hat eine Bekanntmachung erlassen, die den Streikenden das Betreten des Freihafengebietes verbietet. Gegen dieses Verbot ist die Lohnkommiision sofort an zuständiger Stelle vorstellig geworden. Die Bekanntmachung des Magistrats charakterisiert sich umsoinehr als eine direkte Stellungnahme zugunsten der Reeder, als diesen die Unterbringung von Streikbrechern im Freihafengebiet trotz ent- gegenstehender Reichsgesetze gestattet wird. Ja von den Reedern ist beabsichtigt, eine große Bark im Freihafen anzukaufen, die zn Wohnungen und Schlafräumen für die Arbeitswilligen dienen soll, damit diese überhaupt nicht mit den Streikenden in Berührung kommen. Genau nach dem berüchtigten Hamburger Vorbild also! Der Verband der Hase narbeiter versendet folgenden Aufruf: Achtung, Hafenarbeiterl Soeben erhalten wir die Nachricht auS Stettin, daß dort 1200 Schauerleute die Arbeit eingestellt haben. Dieselben standen mit den Unternehmern in Tarifverhandlungen und versuchten diese im Laufe der Unterhandlungen bedeutende Ver- schlechterungen des heute abgelaufenen Tarifs durchzudrücken. Der Zuzug nach- dort sowie Königsberg. Rostock. ismar und Warnemünde ist unter allen Umständen fern- zuhalten. Der Zentralvorstand. Der Streik in der Schuhfabrik von Dorndorf zu Breslau ist am Freitag, den 24. August, beigelegt. Die Arbeit soll am Montag, den 27. August, ausgenommen werden. Wegen Einstellung neuer Maschinen in der Zwickerei traten die Forde- rungen der Zwicker in ein anderes Stadium und können die Akkorde erst nach Aufnahme der Arbeit berechnet werden. Nach Zusage der Firma sollen alle Arbeiter und Arbeiterinnen wieder in den Betrieb aufgenommen werden. Der Bock als Gärtner. Seit Jahren bemühen sich die Chemnitzer Bäckergehülfen um die Freigabe je eines Tages an den drei Festen. Immer ist diese Forderung gescheitert an dem Widerstand der Bäcker» innung. Vor einiger Zeit wandten sich die Gehülfen in dieser Frage an die Kreishauptmannschaft. Diese gab einen ablehnenden Bescheid, der sich auf Gutachten stützte, die die Kreishauptmannschaft von der... B ä ck e r i n n u n g(II!) und von der Gewerbckainmer (in dieser sitzen im Vorstande auch Mitglieder des Bäcker- innungSvorstandes. D. B.) bcigezogen hatte. Darin wird gesagt, datz man es nicht als angängig erbachte, dem Publikum gerade(!) an Festtagen in Gastwirtschaften altbackene Ware vorzusetzen. Ueberdies müsse auch mit dem änneren Teil der Bevölkerung gerechnet werden, der sich kein besseres Gebäck an Fest- tagen leisten könne.(Wie besorgt I) Den wahren Grund hat aber wohl der Obermeister selbst in der Gehülfcnversammlung angegeben. in der der Entscheid der Kreishauptmannschast bekanntgegeben wurde. Unter Hinweis auf Leipzig bemerkte er, datz die Meister ohne Ge- sellen, die unter die eventuelle Bestimmung nicht fielen, dann den anderen Meistern eine unliebsame Konkurrenz machten I D a also liegt der Haase im Pfeffer I Deshalb können die Gehülfen den freien Tag nicht haben I Lohnbewegungen der sächsischen Textilarbeiter. Im Glauchau- Mceraner Bezirk ist die Lohnbewegung durch das Entgegenkommen der Unternehmer beendet worden. Bis zu 15 Proz. wurden die Löhne erhöht; die Forderung lautete auf 20 Proz. Im Chem- n i tz e r Bezirk sind die Arbeiter der Hand schuhbranche mit der Ausarbeitung eines Lohntarifs beschäftigt. Der zehnstündige Arbeitstag(inkl. Frühstück- und Vesperpause), 10— 15 Proz. Lohnerhöhung, Beseitigung des Nadel- und Lichtgeldes u. a. enthält die Forderung der Arbeiterschaft der Wirkwarenbranche, die in der nächsten Zeit eingereicht wird. Im Zittauer Bezirk ist von den Unternehmern ab 1. Oktober eine Arbeitszeitverkürzung zugesagt worden; eine Lohnerhöhung wurde aber abgelehnt. Um einheitliche Lohnvcrhältnisse im Bezirk zu schaffen, soll ein Lohn- tarif ausgearbeitet und in kürzester Zeit den' Unternehmern ein» gereicht werden. In nächster Zeit wird unter den sächsischen Textilarbeitern die Agitation und Organisation systematisch be- trieben werden, da für Sachsen drei Gauleiter laut Beschlutz der letzten Generalversammlung angestellt wurden. Berantw. Redakt.: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Inserate verantw.iTS. Glocke» Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSantzalt Paul Singer& Co., Berlin S W. Hierzu4Betlogtn. 12 Gettosstmieu! Als Beauftragte der Genossinnen Deutschlands beruft die Unterzeichnete eine Frciiienfoufmnz nach Mannheim ein, wo der nächste Parteitag stattfinden wird. Die Konserenz soll Sonnabend, den 22. September, morgens 9 Uhr, in der Zentralhalle, Q. 2. 16, zusammentreten und nötigenfalls noch Sonntag nachmittag tagen. Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Bericht der Z e n t r a l v e r t r a u e n s p e r s o n, a) Agitation, b) Presse. 2. F r a u e n st i in m r e ch t. Berichterstatterin: Genossin Zetkin. 3. Agitation unter den L a n d a r b e i t e r i n n e n. Berichterstatterin: Genossin Z i e tz. 4. Die D i e n st b o t e n b e w c g u n g. Berichterstatterin: Genossin Grünberg. 8. Fürsorge für Schwangere und Wöchne- rinnen. Berichterstatterin: Genossin D u n k e r. In Orten, in denen ein Zusammenarbeiten mit den Ge- Nossen stattgefunden hat, ist es wohl selbstverständlich, daß die Genossinnen sich mit diesen baldigst über die Wahl einer Delegierten verständigen. Dort, wo die Verhältnisse nicht so günstig liegen, haben die Genossinnen laut§ 1 1 Absatz 1 des Örgani- sationsstatuts der sozialdemokratischen Partei Deutschlands das Recht, in öffentlicher Fraucnv-ersanimlung nicht nur eigene Delegierte für die Fraucnkonferenz zu wählen, sondern auch für den Parteitag. Wünschenswert ist jedoch, daß die Delegierten zur Frauenkonferenz auch zugleich ein Mandat für den Parteitag erhalten. Die Vcrhandlungsgegcnstände, die ans seiner Tages- ordnung stehen, sind alle von größter Wichtigkeit für die proletarische Frauenwelt. In erster Linie sei auf die Frage der Volkserziehung hingewiesen, an welcher die Proletarierin als Bildungsbedürftige wie als Mutter das höchste Interesse hat. Möchten daher die Genossinnen überall dafür sorgen, daß dem ihnen zustehenden Rechte gemäß an dem diesjährigen Parteitag als Delegierte Frauen teilnehmen, die in treuer Pflichterfüllung alle Arbeiten und Kämpfe der Sozialdemokratie teilen. Anträge sind spätestens bis zum 31. August einzusenden. Erfolgte Wahlen von Delegierten sind der Unterzeichneten zu melden. Die Adresse des Lokalkomitees ist: August Drccsbach, Mauuheim R. 3. 14. Die Frauenkonferenz zu Mannheim muß nicht nur ein Beweis für die Fortschritte der proletarischen Frauenbewegung werden, sondern auch der Ausgangspunkt weiterer großer Erfolge. Mit Parteigruß Ottilie Baader, Berlin L. 53, Blücherstr. 49, Hof IL Zur Taktik des Wahlrechtskampfes. Unsere Erklärung, die wir unter der Stichmarke„Auch ein Kritiker" in der gleichen Nummer veröffentlichen, war bereits in Satz gegeben, als wir nachstehenden Artikel des Genossen Mauren- brecher erhielten. Genosse Maurenbrecher ersucht uns, seine Eni- gegnung sofort zu bringen, ein Wunsch, dem wir hiermit entsprechen. Auf den Inhalt dieses Artikels werden wir in der nächsten Nummer zurückkommen. Die Redaktion des„Vorwärts". Der Artikel„Auch ein Kritiker", im heutigen„Vorwärts", der sich mit nieiner Person befaßt, verfolgt eine meines Erachtens üble Methode: er sucht den Gegner(müssen wir uns denn immer gleich als Gegner fühlen?) lächerlich zu machen, statt ihn zu widerlegen und ihn zu verstehen. Mir scheint, das ist eine Sitte der Partei- (Nachdruck verboten.) La belle France... Von Maxim Torki. ... Ich irrte lange in den Straßen von Paris umher, ehe ich sie fand. Alle die ich fragte, wo sie ivohne, konnten mir keine be- stinimte Antwort geben. Ein alter Mann sagte mir unter Achsel- zucken, scheinbar im Scherz aber aus irgend einem Grunde seufzend: „Wer weiß daS? Einst wohnte sie in ganz Europa I" „In der Straße der Bankiers!" sagte rauh ein Arbeiter. „Gehen Sie rechts I" sagten andere. Rings um mich her war es laut und ein ivenig unbequem. Auf allen Plätzen waren Kanonen und Soldaten, überall auf den Straßen— Arbeiter. Stach der in letzter Zeit von allen Ländern angenommenen Gewohnheit schössen die Soldaten aus ihren Gewehren die Straßen entlang, die Kavallerie ritt, die blanken Säbel schwingend, die Leute iiieder, die Arbeiter warfen Steine gegen das Militär. In der stickigen Luft der ergrauten Stadt zitterte nervös gehässiges Schimpfen, ertönten schneidende Kommandoworte. An manchen Stellen war daS Pflaster mit Blut besudelt, Menschen mit zerbeulten Schädeln gingen, in ohnmächtiger Wut die Fäuste ballend, nach Hause: diejenigen, die nicht gehen konnten, fielen auf das Straßenpflaster und wurden von Polizisten unter den Beinen der Pferde und Soldaten human hervorgezogen. Auf den Trottoirs standen Zuschauer und besprachen die Einzelheiten dieses geordneten Bildes vom Leben einer christlichen Stadt. Endlich sagte mir jemand: „Rechts, an der Brücke Alexanders III.".... Die Polizeiwache, in der sie wohnte, war ein ziemlich altes Gebäude, das die Augen weder durch seine Pracht, noch durch seine Schönheit fesselte. An der Tür, durch die ich eintrat, standen zwei Soldaten in Hosen, die aus dem roten Banner der Freiheit genäht waren. Ueber der Tür waren Bruchstücke irgend einer Inschrift un- versehrt geblieben, man konnte jedoch nur noch lesen:„Fre..... —.... ch. e..— Bru.......... t". Dies erinnerte mich an die freche Brut der Bankiers, die das Land BörangerS und George Sands mit Schmach bedeckt hatten. Rings spürte man den Dust des Schimmels, der Verwesung und des Lasters. Mein Herz klopfte heftig. Ich hatte doch, wie alle Revolutionäre, in den Tagen meiner Jugend diese Frau geliebt, sie, die selbst auf- richtig und viel zu lieben und so schön Revolutionen zu machen ver- standen hatte. Irgend ein schwarz gekleideter Mensch, dessen Allüren an einen zu den teueren Zuhältern gehörenden Marquis erinnerte, führte mich, liebenswürdig lächelnd, in ein kleines halbdunkles Gewölbe, in dem ich die zierliche Schönheit im neuen Stile des heutigen Frankreich be- wundern konnte. Die Wände dieses ZimmerS waren mit den bunten Papieren der russischen Anleihen tapeziert, auf dem Boden lagen die Häute der Eingeborenen aus den Kolonien, ans denen kunstvoll die „Menschenrechte" eingestanzt waren. Die Möbel waren auS den Knochen des BolkeS geschnitzt, das auf den Pariser Barrikaden im genössischen Polemik, bei der der Bruch mehr ehrt als die Be- solgnng. Wir jüngere» Schriftsteller in der Partei wenigstens sollten uns auf diese Stufe der Polemik nicht herabziehen lassen. Ich schweige daher über den persönlichen Teil jenes Artikels. Sachlich stellt der Artikel drei Sätze auf: 1. Ich hätte zwei Artikel auf einmal in der„Neuen Gesellschaft" geschrieben. 2. In diesen Artikeln sei bewiesen, daß ich meine früheren nationnlsozialen Auffassungen bei weitem noch nicht so völlig über- wunden hätte, wie ich selbst es anzunehmen scheine. g. Es stehe so manches darin, was das Wort nicht ungerecht- fertigt erscheinen lasse, daß ich zwischen Revisionismus und Revölutionsromanlik hin- und hcrpendle und ein recht konfuser Kopf sei. Von diesen drei Behauptungen ist die erste falsch. Den Artikel: Innere Kämpfe! habe ich nicht geschrieben, kenne seinen Verfasser nicht und möchte durchaus nicht jedes Wort unterschreiben, das in dem Artikel steht. Damit ist die erste Hälfte jenes„Vorwärts"- Artikels erledigt, und es bliebe nur übrig, zu fragen, wieso der Ver- fasser jenes Artikels darauf kommt, einen deutlich getrennten und im Inhaltsverzeichnis und Text als besonderen, freilich anonym er- schienenen Artikel mir aufzubürden, blas weil mein mit Namen ge- zeichneter Artikel dahinter und nicht einmal unmittelbar dahinter steht. Diese Frage wird uns der Verfasser jenes Artikels vielleicht zu beantworten die Freundlichkeit haben. Bleiben die beiden anderen Sätze. Auf sie ist eine Antwort unmöglich, da der Verfasser jenes Artikels selbst im weiteren Ver- lauf seiner Ausführungen nicht wieder darauf zurückkommt. Von llnk'arhcit, agitatorischer Unerfahrenheit usw. redet er ja noch zur Genüge: aber es ist nicht demlich zu sehen, in welchen konkreten Einzelheiten er gerade die nationalsozialen Ueberbleibsel und das Hin- und Herpendeln findet, und ohne eine Substantiierung solch' all- gemeiner Worte durch präzise Einzelgedanken ist ja eine Debatte darüber nicht möglich. So kämen wir also zum Hauptpunkt, den Anschauungen über die Taktik im Wahlrechtskampf. Ich ging davon aus, daß eine Nnznfricdcnheit der Massen mit der verflossenen Wahlrechtsaktion und mit der politischen Situation der Partei überhaupt tatsächlich vorhanden ist. Der„Vorwärts" bestreitet sie nicht direkt, weicht mit seiner Kritik vielmehr einer Fest- stelluug über diesen Tatbestand aus. Ich habe den Eindruck, den ich hier aussprach, zumeist in der„praktischen Kleinarbeit" gewonnen, in Sitzungen unseres Wahlvereins von Ober-Schöneweide, in persön- lickicm Gespräch mit Genossen aus anderen Teilen von Grotz-Berlin, auf Agitationsrcisen in anderen Orten. Es sind subjektive Ein- drücke, das ist gar nicht zu leugnen: aber Eindrücke, die nicht am Schreibtisch und nicht in der Re'daktionSstube entstanden, sondern im Leben, in Fühlung mit denjenigen Teilen der Masse, die ich in der- jenigen Kleinarbeit kennen lernte, zu der das Vertrauen der be- treffenden Genossen mich rief. Der„Vorwärts" beruft sich auf seine Artikelserie zum Massen- streik und sagt, er habe längst alles„widerlegt", was ich jetzt wieder aufrühre. Verzeihung, der„Vorwärts" hat nur zweierlei festgestellt: einmal, daß in Jena noch niemand an die bevorstehende Wahlrechts- aktion dachte, und damit hat er recht; zweitens, daß in der Leitung der Partei niemand an mehr als die großen Versammlungen gedacht habe. Darüber will ich jetzt nicht streiten: mir scheint aus einer Notiz der„Leipziger Volkszeitung" über einen bevorstehenden Liman-Prozeß hervorzugehen, daß bürger- liche Journalisten und das Berliner Polizeipräsidium darüber mehr wissen oder zu wissen glguben als wir. Warten wir also ab. Was ich behauptet habe, bleibt trotzdem bestehen: Die Massen haben geglaubt, es werde im Verfolg des 21. Januar zu stärkeren Pressions- niaßregeln kommen; die Massen— und die Gegner! Auch die- jenigen Referenten zum 21. Januar, von deren Referaten ich Kenntnis habe. Und die Worte, die die führenden Redaktionen schrieben, mußten damals so verstanden werden, selbst wenn ihre Verfasser uns nachträglich sagen, so ernst, so konkret, so realistisch hätten sie diese Worte gar nicht gemeint! Wir Leser haben sie so verstanden, als solle man nun eine außerordentliche Aktion beginnen! Mehr habe ich auch in der„Neuen Gesellschaft" nicht gesagt. Der„Vorwärts" beruft sich ferner darauf, daß selbst die Lokalisten zugeben, im Februar oder im Mai sei die Situation für einen Massenstreik noch nicht gegeben gewesen. Abgesehen davon, ob die Lokalisten dabei überhaupt an einen Streik in der Wahl- rechtsfrage gedächt haben— das würde schlecht zu Friedebergs Kampfe für die Freiheit Frankreichs gefallen, und mit einem dunkelcn Stoff gepolstert, in dem der Bündnisvertrag mit dem russischen Zaren eingestickt Ivar. An den Wänden hingen die mit glühendem Eisen in lebendes Menschenfleisch eingebrannten Wappcnbilder der europäischen Staaten— die gepanzerte Faust Deutschlands, die Galgenschlinge und die Nagajka Rußlands. der Bettelsack Italiens und das spanische Wappen:— die schwarze Soutane eines katholischen Pfaffen mit seinen knochigen, um den Hals eines Spaniers gierig gekrallten Händen. Hier hing auch das Wappen Frankreichs— ein fetter Bourgeoisbauch mit der zerkauten phrygischen Mütze in seinem Innern.... Die Zimmerdecke zeigte den geöffneten Mund Deutschlands, seine ßi Zähne und den grimmigen Schnurrbart.... Vor den Fenstern hingen schwere Gardinen. Im Zinimer war eS dunlel, wie gewöhnlich in den Salons von Frauen, die über das Balzacsche Alter hinaus sind und doch noch nicht die Hoffnung aufgegeben haben, Männer zu unterjochen. Der schwüle Duft falschen Zartgefühls und geistigen Lasters benebelte den Kopf und benahm den Atem. Sie trat herein und prüfte unter den Wimpern hervor meine Gestalt mit den Augen einer Männerkeimerin. „Sprechen Sie französisch?" fragte sie, auf meine Verbeugung mit der Geste einer Schauspielerin antwortend, die schon lange auf- gehört hat die Rollen der Königinnen zu spielen...„Nein, gnädige Frau, ich spreche nur die Wahrheit,!" sagte ich.„Wer braucht sie denn I" fragte sie die Achseln zuckend.„Wer hört auf sie? Die Wahrheit ist sogar in schönen Versen niemandem angenehm..." Sie schob, ans Fenster tretend, die Gardine ein wenig zurück und trat sofort zur Seite. „Lärmen sie noch immer dort auf der Straße?" sagte sie un- zufrieden.„Was für Kinder! Was wollen sie nur? Ich verstehe es nicht I Sie haben eine Republik und ein Ministerkabinett, wie es nicht seinesgleichen gibt. Ein Minister war sogar früher Sozialist, — ist das etwa noch zu wenig für das Glück eines Volkes?" Und den Kopf launisch zurückwerfend, fügte sie hinzu:„Nicht wahr?... UebrigcnS. Sie sind gekommen, um mit mir zu sprechen...." Sie trat näher, setzte sich neben mich und fragte mich, wobei sie mir mit geheuchelter Zärtlichkeit in die Augen blickte. „Wovon wollen ivir sprechen? Von der Liebe? Von der Poesie? Ach, mein Alfred de Musset I... Und mein Lecomte de Lisle l... Rostand...." Sie blickte verzückt in die Höhe, senkte aber, die Zähne des Deutschen über dem Kopf bemerkend, sofort den Blick zu Boden. Ich ließ sie ruhig von ihren Dichtern plaudern und erwartete schweigend den Augenblick, da sie von ihren Bankiers zu sprechen beginnen würde. Ich blickte auf diese Frau, deren Bild alle Ritter der Welt noch vor kurzeni in ihren Herzen geborgen hatten. Ihr Gesicht war jetzt das ungesunde Gesicht einer Frau, die viel geliebt hat, seine frischen Farben waren verblaßt, waren unter den taufenden von Küssen verschwunden. Die kunstvoll untermalten Augen irrten unruhig von Gegenstand zu Gegenstand, die Wimpern senkten sich müde, die ge- schwollenen Augenlider bedeckend. Die Falten an den Schläfen und am Halse zeugten stumm von den Stürmen des Herzens, der Kopf und das dicke Kinn— von seiner Verfettung. Sie hatte ihre Figur ver- loren, war dick geworden, und es war klar, daß dieser Frau jetzt 1 Autiparlamentarismus passen—, so bleibt doch zu untersuchen, warum die Situation dafür nicht da war. Der„Vorwärts" hat früher auf die Desorganisation im eigenen Generalstabe und auf die brutale Kraft der herrschenden Reaktion in Preußen der- wiesen, das heißt auf allgemeine Gründe, die im September oder im November 1903 ebenso galten wie im Frühjahr 1996. Er hat damit meines Erachtens eine gefährliche Flaumncherei betrieben— man kann in der Kritik der eigenen Schwäche und in der Vergröße- rung der Macht der Gegner auch zu weit gehen. Die außer- politische Situation zeigt, daß die Macht der preußischen Regierung auch bei der Durchkämpfung innerer Konflikte ihre sehr engen Grenzen hat!—; aber gut, warum hat man dann in Jena be- schlössen, den Massenstreik als Stoßkraft zur Erweite- rung des Wahlrechts doch brauchen zu wollen—„ge- gebenen Falles"?„Gegebenen Falles" mußte man in Jena sagen, weil eben die Absicht, einen Vorstoß gegen das Wahlrecht zu führen, damals noch nicht bestand oder wenigstens nicht proklamiert war. Als diese Parole nun aber im November und Dezember auS den russischen, österreichischen und sächsischen Vorgängen heraus sich auch für Preußen entrollte, als das„Correspendenzblatt der GeWerk- schaften" riet, mit der preußischen Altion nicht zu lange zu warten und auch die schärfsten Mittel bereit zu halten, als es ausdrücklich die Unterstützung der Gewerkschaften dazu in Aussicht stellte, als dann der Parteivorstand selbst für ganz Preußen das Wahlrecht auf die Tagesordnung des 21. Januar setzte, ja, war es allzu große„Verworrenheit", in dieser Aufeinanderfolge ein System, eine taktische Absicht, einen zusammenhängenden Plan zu vermuten? Schien das nicht, als wolle man den„gegebenen Fall" der Jenaer Resolution eben jetzt herbeiführen, die Stimmung aufpeitschen und schüren, den Wahlrechtskampf in die Massen tragen, kurz eine Aktion entfachen, die im weiteren Verlause und bei steigender Temperatur notwendig im Massen- streik endigen mußte? Mag sein, wir haben uns geirrt, die wir das glaubten. Aber ist das ein Zeichen von Konfusion? Sind wir deshalb unreife Kinder— weil wir an einen Plan bei Euch glaubten, der tatsächlich nicht da war?— Wir blieben isoliert, weil die Bewegung hinter dem 21. Januar nicht weiterging. Am 21. Januar hatten wir wohl alles erfaßt, was überhaupt in politische Versammlungen geht, wenigstens wir hier in Berlin. Um noch mehr zu bekommen, mußten wir stärkere Töne wählen, mußten wir bewußt und planmäßig zu Mitteln greifen, die auch diejenigen erreichen, die in unsere Versamm- lungen nicht gehen, oder die überhaupt in keine Versamm- lungen gehen. Das konnten damals Halbtagsstreiks mit Massenversammlungen, Massenumzügen(auf die Gefahr hin, von der Polizei brüskiert zu werden. Habt Ihr die Dresdener Genossen nicht gelobt?) Drei- Tage- Streik, wie er in Wien angedroht war, und schließlich der ganze Massenstreik selber sein. Auch die parlamentarischen Anträge, selbst die Petition an das Herrenhaus hatten hier ihre Rolle, und ich persönlich habe sie für ganz vernünftig gehalten. Nur daß sie ohne Nachdruck blieb, daß man ihr keine Folge gab, hat sie nachträglich als lächerlich erscheinen lassen. Man konnte auch damals noch die Vcrsammlungs- und Flugblätteragitation fortsetzen oder beginnen in dem Sinne, wie ich das für jetzt empfahl(Aufrütteln speziell der Katholiken und der Kleinbürger und Landarbeiter). Man niußte nur über- Haupt die Bewegung weitertragen. Da man das nicht tat, so war aus diesem Grunde nachher zu sagen: jetzt ist die Situation für eine isolierte Aktion nicht da. Die ist niemals da. Isoliert sind wir immer zu ernsthaften Pressionen zu schwach, im Parlament und draußen. Das Geheimnis des Erfolges ist eben, im Moment der Aktion auch die zu wecken, die sonst den fünfjährigen potitischen Winterschlaf schlafen. Der„Vorwärts" erinnert daran, daß er schon am 22. Januar sofort gesagt habe, man müsse die Bewegung nun in die katholischen und sreisinnigen Kreise tragen, er redete sogar von einem„Sturm- lauf". Das war gut und richtig; und ich bin der letzte, einen Prioritätsstreit über gute Gedanken zu eröffnen. Aber es ist nicht danach gehandelt worden, und das ist das Entscheidende. Vielleicht enthüllt sich hier ein Fehler in unserer Organisation, der auch schon zu den Mißverständnissen im November und Januar führte. Wir haben ein Zentralorgan und einen Partcivorstand, beide wohnen im selben Hause, aber beide verständigen sich nicht. Die Redaktion schreibt ihre Gedanken, der Parteivor- stand hat seine. Die Redaktion fordert zu Aktionen auf(daS Dirigieren der Agitation in bestimmte Kreise ist doch auch eine die Poesie des Magens weit näher stand, als die Poesie der Seele, daß sie die rohe Stimme ihres Bauches deutlicher hörte, als den Ruf der Wahrheit und Freiheit, der einst auS ihrem Munde über die ganze Erde hin erschollen war. Von der früheren Grazie und Kraft ihrer Bewegungen war nur die gewohnte Ungcniertheit eines zudringlichen Weibes, einer Händlerin des Weltmarktes, geblieben. Und den berückenden Zauber der großen Heldin auf dem Felde der Kämpfe für das Glück der Menschen suchte sie jetzt durch die Koketterie einer alten Dame— der Heldin zahlloser Liebesabenteuer— widerlich zu ersetzen. Sie trug ein schweres, dunkles Kleid, besetzt mit Spitzen, die mich an die Patina der Freiheitsstatue in New Jork erinnerten und an die Fetzen von Sympathien, die der Verrat am Geiste der Wahrheit zerrissen hatte. Ihre Stimnie klang müde, und mir war es, als spräche sie nur, um etlvas Wichtiges, Ehrliches zu vergessen, daS zuzeiten mit der spitzen Rädel der Erinnerung ihr kaltes, abgelebtes Herz durchbohrte. in dem für selbstlose Gefühle kein Raum mehr war. Ich blickte auf sie und schwieg, angesichts dieses kläglichen Todeskampfes des Geistes den schmerzlichen Schrei wahnsinniger Qual in der Kehle zurückhaltend. Ich dachte: „Ist das denn Frankreich? Jene Heldin der Welt, die meine Phantasie mir immer im Flammcnkleide leuchtender Gedanken, erhabener Worte der Gleichheit. Brüderlichkeit und Freiheit gezeigt hatte?" „Sie sind kein fröhlicher Plauderer I" sagte sie mir und lächelte müde. „Gnädige Frau." antwortete ich.„Allen ehrlichen Russen, die bei Frankreich zu Gast sind, ist jetzt nicht fröhlich zumute." „Aber warum denn?" fragte sie, verwundert die Augenwinipern hebend, mit einem falschen Lächeln.„In meinem Paris amüsieren sich alle... alle und zu jeder Zeit!..." „Ich sah das soeben auf den Straßen.... So amüsiert man sich auch bei uns in Rußland.... DaS blutige Spiel der Soldaten mit dem Volke ist der Lieblingssport des russischen Zaren— Ihres Freundes."... „Sie sind ein mürrischer Mensch I" bemerkte sie mit einer Grimasse.„Wenn die Völker alles das fordern, ivaS der König besitzt, so braucht der König ihnen nicht einmal das zu geben, was er geben könnte.... So haben die Könige immer gedacht, warum sollen sie jetzt anders denken? Man muß das Leben einfacher nehmen. Sie sind noch nicht alt— wozu also diese Re- signation? So lange der Mensch fähig ist, zu lieben— ist das Leben schön. Selbstverständlich ist Nikolaus II.... wie soll man sagen?... er ist den Einflüssen schlechter Menschen gegenüber sehr nachgiebig, aber sonst ist er doch ein lieber Mensch... Er hat Ihnen doch auch die Freiheit gegeben?" „Wir haben sie ihm um den Preis von Tausenden von Men- schenlcben entrissen... Und selbst nachdem sie ihm aus den Händen gewunden war, verlangt er als Bezahlung für sie inimer noch mehr und mehr Blut. Er will, daß wir ihm dieses Almosen zurückgeben, das er uns nur unter Drohungen gegeben hat... Und jetzt haben Sie ihm Geld gegeben, damit er es uns'wegnehmen kann..." «Aber nein!" entgegnete sie.„Er wird eS Ihne» nicht weg- nehmen, glauben Sie mir I... Er ist ritterlich und versteht sein Wort zu halten. Ich weiß es.. Wtbn), der Parteivorstand erledigt seine Verwaltungsgeschäfte und achtet gar nicht darauf. Die Redaktion schreibt einen Satz, der so klingt, als sollten nun eine Million Flugblätter und zehn der berühmtesten Redner nach Essen, Duisburg, Köln, Düsseldorf, Mülheim usw. abgehen. Und man hört nichts davon, dast es geschieht. Ist es wieder„Konfusion", daß meine politische Erziehung mich gelehrt hat, solche Aufrllfe ernst zu nehmen und zu berlaiiaen, daß danach gehandelt wird? Wir müßten einen Chefredakteur im„Vorwärts" haben, der gleichzeitig Mitglied des Parte ivorstandes ist, ivie zu Liebknechts Zeit. Und solche Dinge dürften von Redaktionswegen nur geschrieben werden, wenn sie auch vorher wirklich beschlossen sind. Ich be kenne gerne, daß diese Forderungen nationalsoziale Ueberblcibsel sind, und daß ich sie dort in der Redaktion des Zentralorgans und al-Z Schriftführer des dortigen Partei- Vorstandes gelernt habe; bekenne auch dankbar, daß niemand anders als Friedrich Naumann es war, der uns jungen Leuten ge- lehrt hat, daß man nicht öffentlich Aktionen ankündigen darf, die nicht wirklich erfolgen. Aber ich kann nicht einsehen, daß eS„Konfusion" sei. die dort gelernte Routine der praktischen Arbeit auch in der Sozialdemokratie zu verwerten. Daran schließt sich gleich eine weitere Frage: Wo ist das Material, das die Neichstagsdebatten zur Wahlrechtsfrage lieferten, in großem Stil verbreitet worden? Natürlich, die Parteiblätter haben sie glossiert, die Wahlvereine mögen sie behandelt haben. Hier und dort, wo gerade einer über die politische Lage sprach, oder wo gerade ein Wahlkampf war, sind sie auch in öffentlichen Ver- sammlungcn ausgebeutet worden. Aber wo blieb die Hinleitung dieser Agitation in die Zentrumskreise, für die sie hauptsächlich be- stimmt Ivar? Warum nicht einmal 50»00 M. darangesetzt und Rheinland-Westfalen mit einem Netz großer Agitation überzogen, um Stimmung zu machen? Freilich, so etwas hat dann sein ergenes Schivergelvicht und zieht die Aktion weiter. Man muß entschiosscn sein, sie zu lvollcn, mit allen Konseqnenzen. Aber nur dann hatten überhaupt die zwei Mittwoche Wahlrechtsdebatten in, Reichstag einen Zweck. Ich werde zu lang und breche für jetzt daher ab. Es kam mir ja nicht darauf an, auf jeden Satz des„Vorwärts" meinerseits einen Gegensatz zu sagen. Nur das wollte ich erreichen, daß eine sachliche und überlegte Diskussion nicht gleich im Schulmeisterton mit dem Rohrstöckchen erledigt wird. Es handelt sich um die Frage: wie macht man politische Aktionen? und wie macht man sie nicht? Die Frage ist wichtig genug, um auch noch mehr Meinungen zu hören. Jetzt, nachdem die ganze Stimmung zu Boden gefallen ist, die am 21. Januar zu kommen schien, ist es nötig, von vorn zu beginnen und alles neu aufzubauen. Dazu sollte inein Vorschlag eben ein Vorschlag sein. Wißt Ihr bessere, gut. Aver verschont u»S mit all- gemeinem Gerede, hinter dem präzise Einzclgcdanken nicht stehen. Und sorgt dafür, daß gehandelt wird l Max Mauren breche r. Auch ein Kritiker. In unserem gestrigen Artikel„Auch ein Kritiker' ist uns ein Irrtum unterlaufen, den»vir hiermit berichtigen wollen. Wir haben nämlich dem Genossen Maure nbrecher die Autorschaft zweier Artikel in der letzten Nummer der„Neuen Gesellschaft" zugeschrieben, während er nur den einen gezeichnet, also auch mir diesen verfaßt hat. Unser Irrtum ist darauf zurückzuführen, daß sich die Darlegungen des ungenannten Verfassers des ersten Artikels„Innere Kämpfe" im Kerne völlig mit den Aus- führungen MaurcnbrecherS in dem Artikel„Die nächste Aktion" decken. Denn während der erste Artikel des anonymen Verfassers darin gipfelt, daß die«Art der Behandlung des Massen- streiks"„Verwirrung, Unruhe und gefährliches Jrrlichtelieren' erzeugt und die weitere Folge gehabt habe, daß die„leitenden Personen namentlich in der politischen Bewegung" die„Sicherheit der Führung verloren" hätten und in einen„ZickzackkurS geraten" seien, zitiert der Artikel MaurenbrecherS das Wort HueS von der „kläglichen Lage, in die wir durch den 21. Januar gekommen' seien. spricht er von der„Sackgasse", in die die Partei geraten sei, um schließlich zu dem Ergebnis zu gelangen, daß der Parteivorstand „gebremst" habe und nun die»Unlust über die Unfruchtbarkeit unserer Arbeit" da sei. „Begreifen Sie. daß Sie Geld für Mordtaten gegeben haben?" fragte ich. Sie warf den Kopf in den Schatten zurück, damit man ihr Gesicht nicht sehen konnte. Dann sagte sie ruhig: „Ich konnte es ihm nicht verweigern. Dieser Nikolaus ist der einzige, der mir helfen kann, wenn dieser Mund meinen Kopf wird abbeißen wollen. Lächelnd zeigte sie auf die Decke, auf der dekorativ die Zähne des Deutschen glänzten. „Dieser gierige Rachen demoralisiert mich ein wenig, um die Wahrheit zu sagen. Aber was soll ich tun? Schließlich ist am Laster auch nicht alles widerlich...." „ES ist Ihnen nicht widerlich, sich auf diesen Arm zu stützen. der bis zur Schulter immer mit dem Blut des Volkes bedeckt ist?" „Aber wenn es keinen andern Arm gibt? Es ist doch schwer, die Hände eines Königs zu finden, die vom Blut des Volkes rein wären.— Heute sind sie so,— aber was kann morgen sein? Ich bin eine Frau, ich brauche einen Freund. Die Republik und der asiatische Despot, die freundschaftlich auf der Erde neben- einander einherschreiten... Gewiß, das ist nicht schön, ob- schon eS originell ist, nicht wahr? Aber Sie verstehen, wie alle Dichter... und Revolutionäre, nichts von der Politik... Wo es sich um Politik handelt, gibt's keine Schönheit mehr... Dort ist bloß der Magen ausschlaggebend und der Verstand, der gehorsam für den Magen arbeitet..." „Und glauben Sie nicht, daß Sie mit dem Gold, daß Sie dem Zaren gegeben haben, den ehrlichen Ruhm Frankreichs vernichtet haben?" Sie blickte mich mit weit geöffneten Augen an, lächelte, und befeuchtete mit ihrer schmalen Zungenspitze ihre geschminkten Lippen. „Sie sind nur Dichter I Das ist veraltet, lieber Freund l Wir leben in einer ernsten Zeit, in der man zwar Verse schreiben darf, aber in der es zum mindesten unpraktisch ist, in allen Dingen nur Dichter zu sein." Und sie lachte überlegen.._,. „Meine Shylocks haben, wie ich glaube, ein anständiges Geschäft gemacht I Sie nehmen von dem Zaren einen Zinsfuß, der ihm ein Drittel seiner Haut kosten wird I" „Aber um derartige Zinsen zahlen zu können, wird der Zar dem Volke die Haut über die Ohren ziehen müssen!" „Selbstverständlich.... d. h. wahrscheinlich! Aber wie sollte eS denn sonst fein?" fragte sie achselzuckeud.„Die Regierungen machen die Politik, die Völker zahlen dafür mit ihrer Arbeit und mit ihrem Blut, so war es schon immer! Außerdem bin ich eine Republik und kann also meine Bankiers nicht an etwas hindern, das ihnen gefällt. Nur die Sozialisten können nicht begreiferr, daß das vollkommen normal ist. Und dabei ist doch alles so einfach.... Warum soll man sich das Blut verderben, indem »,an sich wider den gesunden Menschenverstand auflehnt? Meine Shylocks haben viel gegeben und werden noch mehr geben müssen, um auch nur ein bißchen zurückzubekommen.... Eigentlich find sie in einer gefährlichen Lage... wenn nun... nicht der Zar... siegen wird... sondern...",„ Sie fürchtete sich, das Wort auszusprechen, das einst ihren Ruhm begründet hatte... � „Sie sind dann alle Bettler... Und selbst wenn er siegen sollte, werden sie, glaube ich, nicht so bald ihre Zinsen bekommen... Und sie sind doch meine Kinder-> nicht wahr? Die Reiche» sind' Aber so starke Anklänge der Arttkel Maurenbrechers an den Artikel des ungenannten Verfassers enthält, so sehr er auch als die gedankliche Fortführung dieses ersten Artikels gelten könute, so ver- steht es sich doch ganz von selbst, daß wir alle kritischen Bemerkungen, die wir auf Grund dieses Artikels dem Genossen Mauren- b r e ch e r widmeten, hiermit zurücknehmen und dem ungenannten Verfasser zueignen. Festgestellt sei im Speziellen, daß die Aeußcrung� durch die Veröffentlichung des GcwerkschaftSprotokolls habe der Parteivorstand einen„Vertrauensbruch" begangen, für den es„keine Entschuldigung" gebe, nicht von Maurenbrccher, sondern deni anonymen Verfasser des ersten Artikels stamnit. Von all' den Bemerkungen, die»vir zu dem zweiten, tat- sächlich aus der Feder Maurenbrechers stammenden Artikel machen zu müssen glaubten, können wir trotzdem keine zurücknehmen Im Gegenteil: ein von uns nicht erwähntes, von der„Leipziger Volkszeitung" niedriger gehängtes Zitat aus dem Artikel„Die nächste Aktion" beweist, wie wenig Maurenbrecher in die sozial- demokratischen Grundauffassungen eingedrungen ist, über die er in so überlegener Manier aburteilt! Die Notiz der„Leipz. Volksztg." lautet: Ein Protest. Vor einigen Wochen veröffentlichte Genosse Maurenbrecher in der„Neuen Gesellschaft" einen Artikel zu der neuen Parteischule, aus der hervorging, daß er davon mehr wisse, als andere Leute. Wir unterdrückten unser Erstaunen darüber, daß Genosse Maurenbrecher seine privilegierten Kenntnisse an einer Stelle niederlegte, die außerhalb der Parteiorganisation steht, hoben aber hervor, daß seinem Schulprogramm nur Eins und Alles fehle, nämlich die Forderung, daß an der neuen Schule nach der wissen schaftlichen Methode des historischen Materialismus unterrichtet werden und die Durchdringung der Schüler mit dieser Methode die wesentlichste Aufgabe, ja in gewissem Sinne der einzige Zweck der Schule sein müsse. Obgleich unsere Ausführungen von anderen Parteiblättern, auch den»„Vorwärts", in zustimmendem Sinne nachgedruckt wurden, hielt es der Genosie Maurenbrecher nicht für angezeigt, darauf zu ant- Worten. Wenigstens unmittelbar nicht. Mittelbar dürfen wir seinen Bescheid aber wohl in folgenden Sätzen finden, die er in der neuesten Nummer der„Neuen Gesellschaft' veröffentlicht: Es gibt Parteiblätter, die jeden des �Revisionismus" anklagen, der rasche Erfolge politischer Arbeit und politischer Kämpfe sucht. Ihnen gibt die materialistische Geschichts- auffassung— die Zauberformel, die heute her- hatten muß, um alles Unheil zu beschwören— den Trost, daß wir noch lange in der Wüste wandern müssen. daß aber dann endlich das zauberschöne Land der Ver- heißung mit einem Schlage erreicht sein werde. So trösteten die Bischöfe des zweiten Jahrhunderts die armen Seelen, die gar zu ungeduldig nach dem so oft versprochenen Reich der Herrlichkeit riefen. Wir anderen aber, denen die materialistische Geschichtsauffassung Tatkraft und nicht Bescheidung lehrt, suchen nach politischen Erfolgen, die heute schon möglich, die anderwärts heute schon wirftich sind. Uns kommt es nur auf die oben wörtlich wiedergegebenen Sätze seines neuesten Artikels an. Nachdem sich Genosse Maurenbrecher als Vertrauter des Parteivorstandes in der Schulfrage aufgespielt hatte, konnten wir den aus Berliner Parteikreisen mehrfach an unS gelangten Mitteilungen, wonach Genosse Maurenbrccher zum Leiter der neuen Schule ausersehen sei, trotz ihrer inneren Un Wahrscheinlichkeit nicht mehr jeden Glauben versagen. Namentlich aus Kreisen der Berliner Lrbeiterbildungsschule, di« den historischen Unterricht des Genossen Maurenbrecher aus prakttscher Erfahrung kennen, wurden uns solche Mitteilungen in der Form lebhaftester Befürchtungen gemacht. Wir glaubten daraufhin durch unseren Leit artikel am 26. Juli d. I. den Genossen Maurenbrecher auf die Lückenhaftigkeit seines Schulprogramms ausinerksam machen zu sollen, unter dem oben schon angedeuteten Gesichtspunkte. Hierauf antwortet Genosse Maurenbrecher in einer Weise, die sich— wenn man ihm nicht die politische und die wissenschaftliche Unreife zu gute halten müßte, von der er in letzter Zeit allzu reichliche Proben abgelegt hat— als wissentlich unwahre Verl die festesten Steine im Gebäude des Staates... sie sind sein Fundament. Die Dichter, das sind Ornamente, unbedeutende Verzierungen der Fassade... und man kann schließlich auch ohne sie auskommen... Sie erhöhen doch nicht die Widerstandsfähigkeit des Gebäudes... Das Volk ist nur der Grund, auf dem das Haus steht, die Revolutionäre sind einfach Tollhäuslcr... und, uni die Bergleiche fortzusetzen, kann man sagen, daß die Armee eine Hunde- meute ist, die den Besitz und die Ruhe der Hausbewohner be- wacht..." „Und in ihm wohnen die Shylocks?" fragte«ch. „Sie und alle anderen Menschen, denen die Räumlichkeiten bequem erscheinen. Aber lassen wir das l Wenn die Politik nicht einträglich ist, wird sie langweilig I" Ich stand auf««nd verbeugte mich stumm. „Sie gehen?" fragte sie gleichgültig. „Ich habe hier nichts zu suchen I" sagte ich, und verließ diese Kupplerin zwischen Zaren und Bankiers. Ich hatte nicht die gesehen, die ich hatte sehen wollen, ich sah nur eine ängstliche, zynische Kokotte, die sich für Geld unaufrichtig und kaltblütig Dieben und Henkern hingab. Ich schritt durch die Straßen des großen Paris, das an diesem Tage gedungene Soldaten— die Hunde der alten gierigen Vettel — in der Gefangenschaft ihrer Bajonette und Kanonen hielten, ich sah. wie die Franzosen, gleich treuen Hunden der Wahrheit und Freiheit, hinter den Straßenecken hervor schweigend die Kräfte ihres Feindes zählten, bereit, mit ihrefn Blut den schmachvollen Schmutz vom Antlitz der Republik abzuwaschen. Ich fühlte, daß in ihren Herzen der Geist des alten Frankreich, der er« habenen Mutter Voltaires und Hugos sich regte, wuchs u»d er- startte, der Geist Frankreichs, das die Blumen der Freiheit überall- hin gesät hatte, wohin die Rufe ihrer Kinder der Dichter und Kämpfer— gedrungen waren! Ick, schritt durch die Straßen von Paris und mein Herz sang einen Hymnus zu Ehren der Schönen, mit der ich mich in jenein dunklen Gewölbe unterhalten hatte. Wer hat dich nicht von ganzem Herzen um die Morgenröte seines Lebens geliebt? In den Jahren der Jugend, wenn die Seele des Menschen vor den Göttinnen der Schönheit und Freiheit auf den Knien liegt— erschienst nur du, o erhabenes Frankreich, meinem Herzen als der leuchtende Tempel dieser Göttinnen. Frankreich I Dieses teure Wort erklang allen, die aufrecht und kühn waren, wie der Name einer heißgeliebten Braut. Wieviel große Tage kennt deine Vergangenheit! Deine Schlachten sind die schönsten Feste der Völker und deine.Leiden— erhabene Lehren für sie. Wieviel Schönheit«md Kraft war in deinem Suchen nach Ge- rechtigkeit, wieviel ehrliches Blut ist von dir in den Schlachten um des Triumphes der Freiheit willen vergossen worden. Ist denn wirklich für ewig die Quelle dieses Blutes versiegt? Frank- reich, du warst der Glockenturm der Welt, von dessen Höhe einst über die ganze Erde hin drei Glockenschläge der Gerechtigkeit ertönt waren, die drei Schreie, die die Völker aus jahrhundertelangem Schlaf geweckt hatte»«.„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! Dein Sohn Voltaire, ein Mensch mit dem Antlitz eines Teufels, hat sein Leben lang wie ein Titan«nit der Gemeinheit gerungen. Stark war das Gift seines weisen Lachens I Selbst die Pfaffen, die tausend Bücher gejrejjen habest, ohne sich de» Ragen zu verderbest, starben von dächtigung einer Reihe von Parteiblättern qualifizieren würde. Wir lehi«en es ab, uns mit ihm in einein Ton zu unterhalten, der nur in solchen Kreisen als witziger Trumpf gilt, die vom historischen Materialismus und Marxismus««icht einmal die blasseste Ahnung haben. Will man ihn« aus irgendwelchen äußeren Gründen eine Stelle an der neuen Schule übertragen, so beschränke man ihn auf die mehr elementaren Fächer. Wir an ui«serem Teile wollen, ehe ein kait accompli geschaffen wird, dessen Bekämpfung dann nur zu un- fruchtbarem Hader führen würde, so lange es noch Zeit ist, den entschiedensten Protest dagegen einlegen, sowohl daß dem Genossen Maurenbrecher die Leitung der neuen Schule, als auch daß ihin der Unterricht in irgcndlvelchen historischen und ökonomischen Fächern übertragen wird. Hus der partcü Die Parteikonferenz für Berlin nnd die Provinz Brandenburg findet statt am Sonntag, den 2. September 1906, mittags 12 Uhr, zu Berlin im Gcwerkschaftshause, Engel-Ufer 15. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht der Agitationskoinmission. 2. Das OrganisationSstatnt für die Provinz Brandenburg. 3. Die koinmenden RcichötagSwahlei«. 4. Anträge. Anträge, welche auf der diesjährigen Parteikonferenz beraten werden sollen, sind spätestens bis zum 26. August bei dem Unterzeichneten einzureichen. Der Einberufer: H. Schubert, Berlin, Hornstr. 2. Parteiliteratur. Im Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin, ist soeben in zweiter, neu durchgesehener nnd erweiterter Auflage erschienen: Sozialdemokratie»nd Aiitiscu»itis»nuS von August Bebel. Es ist der Sonderabdruck der Rede, die Bebel über dieses Thema auf dem Parteitage in Köln gehalten hat. Die Broschüre war seit längerer Zeit vergriffen. Die empörenden Judenverfolgungen in Rußland «md die Haltung der deutschen autiseiuitischeu Presse zu diesen Schandtaten der russischen Reaktion gaben dem Verlage Veran- lassung, kie Schrift iiei« herauszugeben. Bebel legt zunächst den prinzipiellen Gegensatz zwischen Sozialdemokratie mid Antisemitismus fest und erklärt die antisemitische Bewegung aus den historischen Ur« fachen und Verhältnissen. Jin Anhange weist Bebel nach, daß die Junker die wirklichen Feinde des Kleinbauern sind, und in einein der neuen Ausgabe beigefügten Nachtrage berührt er die russischen Zustände, die zu de»« dortigen Judenhetzen geführt haben. Der Preis für die Broschüre ist 75 Pf., eine AgitattonSauSgabe kostet 30 Pf. In demselben Verlage ist erschienen: Die Mutterschafts- Versicherung. Ein Beitrag zur Frage der Fürsorge für Schwangere «md Wöchnerinnen. Von Lily Braun. Preis 50 Pf.; Agitations- ausgäbe 20 Pf. Auf der Tagesordnung der diesjährigen Frauenkonferenz in Mannhein« steht u. a. auch die Frage der„Fürsorge für Schwangere und Wöchnerinnen". Zweifellos ist es eine der wichtigsten Aufgaben der Sozialpolitik, die erwerbstätige verheiratete Frau vor dem schädigenden Einfluß zu bclvahren, den die Arbeit auf die geschlecht- lichen Funktionen des Weibes und auf die Entwicklung der ganzen Generation ausübt. Diese Frage des Arbeiteriunenschutzes gewinnt mit der raschen Zunahme der Erwerbstätigkeit verheirateter Frauen immer größere Bedeutung. Die Verfasserin zeigt zunächst, welchen Umfang die Frauenarbeit genommen hat, die Einwirkung derselben auf die gesundheitlichen Verhältnisse der Arbeiterftau und auf das Familienleben der Arbeiterklasse. Sie schildert dann die Unfruchtbarkeit des bisherigen Schutzes auf diesem Gebiet und eröffnet Vorschläge, wo die Sozial« einer Seite VoltairS an Vergiftung, selbst die Könige, die Be- schützer der Lüge, zwang er, die Wahrheit zu achten. Groß war die Kraft und Kühnheit der Schläge, die er gegen das Ai«tlitz der Lüge führte. Frankreich I Bedauere, daß er nicht«nehr lebt— er hätte dir jetzt einen Backenstreich gegeben. Nur nicht beleidigt! Ein Backenstreich von der Hand eine« so großen Sohnes, wie er es war, ist Ehre für eine so verkäufliche Mutter, wie du es bist... Dein Sohn Hugo ist einer der kostbarsten Diainanten in dem Kranze deines Nnhnics. Ein Tribun und ein Dichter, brauste er wie ein Sturmwetter iiber die Welt hin. alles Erhabene, das in menschlichen Herzen schlummert, zilm. Leben weckend. Er schuf überall Helden und schuf ihrer mit seinen Büchern nicht weniger, als du selbst in all der Zeit, da du, Frankreich, an der Spitze der Völker dahinschrittest,«nit dein Banner der Freiheit in der Hand, mit einem heiteren Lächeln aus dem schönen Antlitz, mit der Hoffnung auf den Sieg der Wahrheit und Güte in den ehr- lichen Luge««. Er lehrte alle Menschen das Leben, die Schönheit, die Wahrheit und Frankreich zu lieben. Freue dich, daß er jetzt tot«st— lebte er, eine Gemeinheit hätte er sogar Frankreich nicht verziehen, das er wie ein Jüngling liebte, selbst da sein Haar erbleichte... Flaubert— der Priester der Schönheit, der Hellene des XIX. Jahr» hlindertS, der die Schriftsteller aller Länder die Macht der Feder achten und ihre Schönheiten verstehen gelehrt hatte, er, der Zauberer des Wortes, der gerecht war wie die Sonne, der i««it gleich Hellem Lichte den Kot der Straße und die kostbarsten Spitzen erhellte.— elbst Flaubert, für den die Wahrheit in der Schönheit und die Schönheit in der Wahrheit lag, hätte Dir Deine Habsicht nicht der» ziehen, hätte sich mit Verachtung von Dir gewandt I All deine besten Kinder sind nicht mit dir! Vor Scham für dich, du Kebsweib der Bankiers, habe sie ihre ehrlichen Augen zu Boden gesenkt, um dein fettes Antlitz nicht zu sehe««. Du bist eine widerliche Händlerin geworden. Jene, die von dir einst gelernt hatten, ivie man für Ehre und Freiheit stirbt,— werden dich jetzt nicht mehr verstehen und sich blutenden Herzens von dir abwenden. Frankreich I Die Gier nach Gold hat dich befleckt, der Bund mit den Bankiers hat dein ehrliches Gemüt verdorben und das Feuer deiner Seele mit Schmutz und Gemeinheit gelöscht. Und nun hast du. Mutter der Freiheit, du, Johanna d'Arc, Tieren die Kräfte verliehen, noch einmal den Versuch zu machen. Mensche«, zu zermalmen. Großes Frankreich, das du einst die Führerin der Kulwrwelt warst, begreifst du die ganze Erbärnilichkeit dessen, was du da voll» bracht? Deine verkäufliche Hand hat flir eine Spanne Zeit einem ganzen Lande den Weg zur Freiheit und Kultllr verschlossen. Und wenn diese Zeit selbst nur einen Tag währen würde— wird dein Ver» brechen dennoch nicht geringer sein. Aber du hast den Tritt der Freiheit nicht nur auf einen Tag gehemmt. Mit Hülfe Deines Goldes wird abermals das Blut des russischen Volles vergossen werden. Möge dieses Blut die welken Wangen deines verlogenen Antlitzes mit der roten Farbe der ewigen Scham färben. Geliebte! Meinen Speichel voll Blut und Galle speie ich dir in die Augen I New Jork, im Jutji 1906. reform einzusetzen hat, um wenigstens die schlimmsten Folgen der lapitalistischen Ausbeutung von dem heranwachsenden Geschlecht ab« zuwenden. Beide Schriften sind in allen Parteibuchhandlungen, in Berlin auch in den Parteispeditionen erhältlich und können auch von jedem Kolporteur besorgt werden.__ Zum Parteitag. Die Ortsgruppe Jena des sozialdemokratischen Kreiswahlvereins Weimar III nahm folgende An- träge an: l. Auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages ist die Alkoholfrage zu setzen. 2. In Erwägung, daß die Gesetze und Verhältnisse der ein- zclnen Bundesstaaten verschiedenartig sind und dieses bei der Agitation berücksichtigt werden muß, beschließt der Parteitag: Den Landes- und Provinzialorganisationen ist zu empfehlen, zur Ausbildung von Agitatoren Unterrichtskurse einzurichten, welche zugleich als Vorschule zu der vom Parteivorstand zu errichtenden Bildungsschule zu gelten haben. 3. Die Verjammlung stimmt der Tagesordnung des Parteitages in Mannheim zu. Sie halt die Punkte der Tagesordnung: Volks. erziehung und Sozialdemokratie und ebenso Strafrecht, Strafprozeß und Strafvollzug für so wichtig, daß sie auf einem Parteitag der deutschen Sozial demokratie erörtert werden. Die Versammlung bedauert außerordentlich, daß von feiten einzelner Gewerkschaftsvorstände wiederholt abfällig über die Arbeitsruhe am 1. Mai sowie über die Anwendung des politischen Massenstreiks geurteilt wird. Und darum hält es die Versammlung für wichtig, daß auch diese beiden Punkte in Mannheim nochmals gründlich erörtert werden. Sie erwartet aber, daß in Zukunft derartige Ausfälle und End gleisungen, wie sie sich auf der Konferenz der Zentralvorstände in Berlin bei dem Punkt:„Partei und Gewerkschaften" abgespielt haben, unterbleiben. Differenzen zwischen beiden Teilen der Arbeiterbewegung werden nie gänzlich zu vermeiden sein, jedoch können dieselben so erledigt werden, ohne persönlich ausfällig zu werden. Das Ver- meiden von Differenzen wird am besten dadurch geschehen, daß man nicht bloß die praktische Gcgenwartsarbeit im Auge behält, sondern mehr wie bisher sich mit Studien der sozialistischen Literatur befaßt. Die Genossen von Straßburg-Stadt nahmen, wie uns unser dortiger Korrespondent mitteilt, eine Resolution an, worin sie erklären: .., daß sich die politischen und wirtschaftlichen Gegensätze zwischen Bourgeoisie und Proletariat seit dem Parteitage in Jena in keiner Weise gemildert haben, sie sdie Versammlung) hält im Gegenteil dafür, daß die Kämpfe zwischen der ausbeutenden und ausgebeuteten Klasse sich von Tag zu Tag schärfer gestalten und daß die Reaktion auf allen Gebieten kühner denn je ihr Haupt erhebt. Deshalb erklärt auch die Versammlung, daß keinerlei Ver- anlassung besteht, auf das von dem Jenaer Parteitag in das Arsenal proletarischer Waffen aufgenommene Kampfmittel des politischen Massenstreiks zu verzichten, sondern daß es im Gegenteil dringende Aufgabe der Parteileitung ist, im Einvernehmen mit der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands die Durch. führbarkeit des politischen Massen st reiks durch rege und energische Propagierung desselben nach Kräften vorzu bereiten." Außerdem wurden folgende Anträge angenommen: Der Parteivorstand ist zu verstärken. Um eine dauernde Verbindung der gewerkschaft- lichen und politischen Organisation zu erreichen, beschließt der Parteitag: der Parteivorstand wird beauftragt, mit der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands über die Bildung eines Aktionsausschusses, zusammengesetzt aus Vertretern beider Vorstände, in Verbindung zu treten und das Ergebnis der Verhandlungen dem nächsten Parteitag zu unterbreiten. Die Mit. glieder eines eventuell zu bildenden Aktionsausschusses werden vom Parteitag aus dem Parteivorstand gewählt. Der nächste Gcwcrk- schaftskongreß wird ersucht, zu dieser Frage ebenfalls Stellung zu nehmen. Die... stellt an den Parteitag zu Mannheim das Ersuchen, er möge den Parteivorstand beauftragen, eine einheitliche Regelung der Unter st ützung mittelloser Partei- genossen in die Wege zu leiten. Die Stuttgarter Parteigenossen nahmen einen Antrag an. daß die Kreisorganisationen durch den Parteitag ver- pflichtet werden sollen, Jugendorganisationen zu gründen, einen zweiten Antrag, daß die Referenten bei Maifeiern unentgeltlich zu sprechen hätten, und einen dritten, daß die Parteipresse weder im redaktionellen noch im Annoncenteil Ankündigungen der lokalen oder sonstigen Gewerkschaften, die nicht an die General- kommission der Gewerkschaften angeschlossen sind, in Zukunft mehr bringen dürfe. Abgelehnt wurde dagegen mit überwiegender Majorität— es erhoben sich nur vereinzelte Stimmen dafür— ein Antrag, wonach die Parteiorganisationen verpflichtet werden sollten, mehr als bisher den Generalstreik zu pro- pag i e r e n. Die Wahl der 3 Delegierten findet in den einzelnen Mitgliedschaften durch Urabstimmung statt. Die Agitationskommission für die Provinz Schleswig- Holstein veröffentlicht ihren Jahresbericht. Er konstatiert im allgemeinen einen erfreulichen Aufschwung. Die Zahl der sozialdemokratischen Ortsvereine ist im Berichtsjahre von 67 auf 75, deren Mitgliederzahl von 17 744 auf 23 039 gestiegen. ES stiegen die Mitglieder- zahlen in den einzelnen Kreisorganisationen: 1. und 2. Kreis, FlenSburg-Apenrade und Hadersleben-Sonderburg von 869 auf 1116: 3. Kreis, SchleSwig-Eckernförde von 332 auf 446; 4. Kreis, Husum- Tondern, von 162 auf 267; 6. Kreis, Itzehoe, von 743 auf 817; 6. Kreis, Ottensen-Pinneberg. von 4985 auf 5797; 7. Kreis. Kiel, von 3843 auf 5961; 8. und 16. Kreis, Altona-Stonnarn und Lauen- bürg, von 6033 auf 7540: 9. Kreis, Plön-Oldenburg, von 186 auf 297 und im Fürstentum Lübeck szum Großherzogtum Oldenburg gehörend) von 512 auf 539. Besonders erfreulich ist die Erhöhung der Beiträge in den Ortsvereinen. Während im Vorjahre noch ein Ortsverein mit einem Monatsbeitrage von 10 Pf. und acht mit einem Monatsbeitrage von 20 Pf. aufgeführt waren, sind diese niedrigen Beitragssätze im laufenden Geschäftsjahr verschwunden. Dagegen ist die Zahl der Ortsvereine, die einen Beitrag von monatlich 40 Pf. erheben, von 7 auf 29 gestiegen, ein Verein erhebt monatlich 35 Pf., die übrigen erheben monatlich 30 Pf. Beitrag. Die Zahl der Abonnenten der„Echleswlg-Holsteinischen Volks- zeitung" stieg von 15 332 auf 18 207, die Abonnentenzahl des „Haftrburger Echo" im schleswig-holsteinischen Bezirk ses wird im 6., 8. und 10. Kreise gelesen) von 10 050 auf 12 483. Das Bestreben maßgebender Kreise, in der Provinz Schleswig. Holstein das Dreiklassenkommunalwahlrecht herbeizuführen, wie es auf dem schleswig-holsteinischen Städtelage zum Ausdruck kam, ver- anlatzte die sozialdemokratische Partei zu einer energischen Protest- aktion. In fast sämtlichen sozialdemokratischen Organisationen wurden Versammlungen abgehalten und Resolutionen beschlossen, die dem Städtetage zugesandt wurden. Ferner wurden in den Städten 179 600 Flugblätter entsprechenden Inhalts verbreitet. Die Resolutionen hatten insofern Erfolg, als sich die Diskussion auf dem Städtetage fast ausschließlich um die Sozialdemokratie drehte. Emsig wurde die Landagitation betrieben. Bon den, Norddeutschen Volkskalender kamen 155 850 Exemplare, von seiner dänischen Ausgabe 10000 Exemplare zur Verbreitung. Die„Rote Landpost" wurde in 139 000 Exemplaren, ihre dänische Ausgabe in 11 600 Exemplaren verbreitet. Ferner wurden im Landgebicte noch 13000 Exeinplore der Programmbroschüre„Grundsätze und Forde- rungen" zur Verbreitung gebracht. Eine Umfrage, ob die Heraus- gäbe eines sozialdewokratilchen Wochenbette.« für d'e Landarbeiter möglich sei, wurde von der Mehrzahl der Kreisorganisationen ab- lehneno beantwortet, auch der Beschluß des letzten Provinzial- Parteitages, der Herausgabe eines dänischen Wochenblattes für Nord- schleswig näherzutreten, führte wegen der finanziellen Schlvierig- ketten zu keinem Erfolge. Die Zahl der Orte, au denen am 1. Mai teilweise ArbeitSruhe eintrat, stieg von 46 aus 52. Dem Eindringen der Sozialdemokratie in die städtischen Kommunalkörperschaften stellt der hohe Wahlzensus in den meisten Orten starke Hindernisse entgegen. So kommt es, daß in Altona, wo bei der letzten Reichstagswahl von 22 317 abgegebenen Stimmen 15 859 auf die Sozialdemokratie entfielen, gar keine, und in Kiel, wo von 26 184 abgegebenen Stimmen 16761 auf die Sozialdemo- kratie fielen, nur 2 Sozialdemokraten in den Stadtkollegien sitzen. Im ganzen gibt eS in der Provinz 7 sozialdemokratische Stadt- verordnete, während in den Landgemeinden die Partei 77 Gemeinde- Vertreter hat. Die Jahresabrechnung der Agitationskommission schließt mit einer Einnahme von 43 909,98 M. und einer Ausgabe von 35 973,47 M. ab. Unter der Einnahme befindet sich ein Zuschuß vom Parteivorstande in Berlin in Höhe von 16 000 M. Die„ewige Maifeier". In dem Bericht über die Generalver- sammlung des sozialdemokratischen Krciswahlvcreins H ö ch st- Usingen, welche am 19. d. M. zu Kelkheim stattfand, befindet sich folgende Stelle in der Frankfurter„Volksstimme": Gen. Dorschu-Franksurt geht kurz auf einige der angeregten Punkte ein. Die„ewige Maifeier" müsse unter allen Umständen beseitigt werden; das sei auch der Stand- Punkt der Provinzial-Agitationskommission. Die eigentliche Arbeitsruhe am 1. Mai mache wenig Fort- schritte. Bezüglich der Referentenfrage müsse kleineren Orten, die dicht bei einander liegen, empfohlen werden, ihre Mai- Versammlungen gemeinschaftlich abzuhalten. Tie Feier selbst könnte jeder Ort für sich veranstalten. Es darf wohl angenommen werden, daß die Bezeichnung„ewige Maifeier" die Gewohnheit charakterisieren soll, die Feier des 1. Mai an beliebigen Sonntagen im Mai und selbst im April abzuhalten, Da der„Vorwärts" im Mai dieses Jahres gegen diese Ver- zettelung der Maifeier auftrat, darf wohl angenommen werden, daß jene Auseinandersetzung mit der Mannheimer„Volksstimme" eine gewisse Wirkung gehabt hat. Auch im Karlsruher„Volks- freund" wurde kürzlich mitgeteilt, daß eine größere Ein- heitlichkeit in der Begehung der Maifeier zu erstreben sei. Gemeindewahlsiege. Man lairerbt uns au» w�ven. Von typischer Bedeutung ist der Erfolg unserer Genossen bei den Bürger- auSfchußwahlen im Dorfe E r s i n g e n bei Pforzheim. Dort herrschte auf dem Rathause das Zentrum in allen Klassen; der Vertreter dieser ultramontanen Domäne war in den letzten beiden Jahren der katholische K a p I a n M ü ß l e. der in der badischen Welt den Ruf eines der rücksichtslosesten Verunglimpfer der Sozialdemokratie ge- meßt. Die Bürgerschaft Ersingens quittierte diese priesterliche Hetz- arbeit mit einer schweren Absage an die bisher herrschende Zentrumspartei. In der 3. Klasse siegte der sozial- demokratische Vorschlag mit sehr großer Mehrheit; in der 2. Klasse fielen die Schwarzen gegen eine nichtultramontane Verein- bnrung durch und nur bei den Höchstbesteuerten fielen ihnen die Hälfte der Sitze zu. Somit ziehen 18 Sozialdemokraten in die Gemeindeverwaltung ein. Ebenso erfteulich klingt die Nachricht vom Siege der Genossen in Sandhofen bei Mannheim über den bürgerlichen Kompromiß. In der 3. Klasse wurden rund 175 sozialistische gegen 45 Mischmasch- Stimmen abgegeben. Das vorige Mal brachte eS die Bourgeoisie auf 120 Stimmen. Für die Parteitagsdelegierten. Man schreibt uns aus Baden: Wir machen die kunstfreundlichen Genossen darauf aufmerksam, daß anläßlich de.r badischen Jubiläumsfeierlichkeit die Stadt Karlsruhe eine Reihe interessanter Sehenswürdigkeiten bietet. Insbesondere heben wir hervor die A u s st e l I u n g f ü r K u n st n n d K u n st- g e w e r b e(August bis Ende Oktober im Markgräflichcn Palais) und die Jahrhundert-AuSstellung(1780—1880) des badischen Kunstvereins(303 Werke von 129 Künstlern) im Kunst- Vereinsgebäude der Waldstraße. Ferner beginnt am 19. September die badische Landwirtschasts- und Gartenbau-AuS- st e l l u n g verbunden mit Ausstellungen der Bienenzucht, der 'ischcrei, Forst und Jagd, der badischcn Weine und Spirituosen. >riginell ist die st a d t g e s ch i ch t l i ch e A n S st e l l u n g der Re- sidenzstadt Karlsruhe. poUzeUiches» ßerichtlicheo ukw. Ein klägliches Ende. Am 22. Januar 1906 wurde zu Königs berg Genosse Crispien von der„Königsberger Volkszeitung' verhaftet, weil er sich einer Aufreizung zum Klassenhaß schuldig ge macht haben sollte durch den Abdruck cincS Gerichtsberichts über die Verhandlung gegen den Genossen L ö b e- Breslau, in der Löbe auf Grund des§ 130 des Strafgesetzbuches zu einem Jahre E fängnis verurteilt wurde. Nach ei» paar Tagen wurde Crispien gegen Stellung einer Kaution von 6000 Mark freigelassen und am 3. April von der Königsberger Strafkammer zu 200 Mark verurteilt, trotzdem derselbe Bericht in zahlreichen sozialdemokratischen und bürgerlichen Zeitungen ge standen hatte. Als besonders erschwerend kam nach Ansicht des Gerichts in Betracht, daß vor dem Bericht in der„Volkszeitung" das Gedicht von Freiligrath„Die Revolution" sich befand. Vor Gericht war nachgewiesen worden, daß Crispien Iveder den Bericht noch das Gedicht vor der Drucklegung der Zeitung gesehen hatte, ebenso hatte er keinen Einfluß daraus gehabt, daß Gedicht und Bericht zusammen im selben Blatte erschienen waren. Denv zufolge hob das Reichsgericht das Urteil auf, weil eS der Meinung war, der Einwand des Angcllagten, daß er den Bericht vor dem Erscheinen in der Zeitung nicht gelesen habe, sei nicht genügend ge würdigt worden. Zivar sei der K 130 deS Str.-G.-B. richtig an- gewandt, so hieß eS weiter, aber es müsse auch der ß 20 des Preß gescheS, der von den Strafausschließungsgründen handelt, berücksichtigt werde», Ivas nicht geschehen sei. Schließlich sei aber auch die Behauptung des Angeklagten nachzuprüfen, daß er an der Zusammenstellung des Gedichts und Berichts nicht beteiligt ge- wesen sei. In der erneuten Gerichtsverhandlung, vor der Königs- beraer Strafkammer am 23. August konnte nach der Bctveisanfnahme selbst der Staatsanwalt die Vorsätzlichkeit seitens des An- geklagten nicht mehr aufrecht erhallen. Jedoch verurteilte das Gericht den Genossen Crispien auf Grund des§ 21 des Preß- gesetzcs, der die Fahrlässigkeit behandelt, zu 100 M. Geld- strafe.— So hat also die groß angelegte Staatsaktion ein überaus klägliches Ende genommen. SoziakQ. Ei» intcrcsslintcS Geständnis. Die„Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst" tagte soeben in Nürnberg, wobei n. a. ein Herr Hanisch aus Kattowitz auch einen Vortrag über Arbeitcrg(irren hielt. Dieser Herr ist von zahl« reichen I n d ust ri eb a r o n e u Obcrschlesieus engagiert, als Gartenfachmann die Anlagen voll A r b c t t e r w o h n h ä nf e r n bezw. deren Gartenaulagen zu projeklieren. Als zweifellos guter Bekannter der dortigen Äioßindnstrielle» kennt er den Grund der Industriellen zur Schasjung von. Arverter- Wohls ahrtS- e i n r i ch t n n g e n" natürlich sehr gut und Höre» wir nnn, was dieser Herr über die>„Arb«tter-W»HlfaHrlsei»«ichlungen" sagte: „Die Klage über Arbeitermangel in der Landwittschaft und in den I n d u st r i e b e z i r l e n, wo es die Verhältnisse(?) nicht gestatten, d i e Löhne zu bezahlen, die in den Städten bezahlt werden, ist alt. Trotz der Heranziehung (billiger) ausländischer Arbeiter verstummen diese Klagen über Mangel an Arbeitskräften nicht. Dieser Kalamität sucht man nun allerorts abzuhelfen, indem ma« die Arbeiter seßhaft zu machen versucht durch Schaffung von Arbeiterwohnhäuser», Dadurch ist es der Industrie gelungen, einen Stamm von festen Arbeitern heranzuziehen... sie sind nach und' nach mit ihrem Grund und Boden verwachsen und werden zufrieden in ihrem trauten Heim." Die Arbeiter werden in diesen purer„Wohltätigkeit" ent- sprungenen Arbeiterhäusern und Gärten„zufriedener", sie lassen sich ruhig bei übermenschlich langer Arbeitszeit die Haut über den Kgpf ziehen— sie müssen, weil sie an die Scholle ge- fesselt sind und sich mit Haut und Haaren dem Unternehmer aus- geliefert haben, und ein Bruch des Verhältnisses ist mit ungeheuren Opfern verbunden, er scheint den„zufrieden" gewordenen Arbcttcrn meist überhaupt aussichtslos. Der Zweck dieser�„Arbeiter- Wohlfahrtseinrichtungen": Billige Arbeitskräfte auf die Dauer an die Fabrik, an die Grube zu fesseln, ist also erreicht. Jetzt kommt aber erst das Interessanteste des Vortrages. Der Herr, der es wissen muß und weiß, sagte dann weiter: „Diese Arbeiter lvohlfahrtseinrichtungen, diese Arbeiterkolonien geben dem Arbeitgeber aber auch eine gute Kontrolle über seine Ar- beiter... Diese Arbeite rlv oh n hänser sind also ein wichtiger Faktor für den Unternehmer..." Das ist ein sehr interessantes G e st ä n d n i s und zwar aus einem Munde, der nicht im Verdachte steht, eine sozialdemokratische Lästerzunge zu besitzen, der unfreiwillig die ganzen Arbeiter« .,Wohlfahrts"-Einrichtuligen als Schwindel gebrandniarkt hat. Ein Diskussionsredner, der nach seinen übrigen Aussührungen nicht im entferntesten zur Sozialdemokratie gehört, meinte, die Arbciterhäuser und Gärten sollten von den Gemeinden errichtet werden, denn die privaten Unternehmer beuteten die Arbeiter oftfurchtbar ausi_______ Hus Induftrie und ftandel Bodenspekulation. In welcher Weise Zahl und Macht der organisierten Terrain- spekulation noch stetig steigt, das läßt eine kleine Zusammenstellung erkennen, die der„Deutsche Oekonomist" kürzlich brachte. Danach betrug die Zahl der Nengrnndnngen von Terraingesellschaften allein in Verlin: 1. Semester 1904— 6 Gesellschaften, Aktienkapital 5 850 000 M. 2.„ 1904= 5„„ 9 100 000„ 1.„ 1905= 7„„ 28 600 000„ 2.„ 1905= 4„„ 11 000 000„ 1.„ 1906= 9„„ 22 700 000„ Die ungeheuere Kapitalkonvertierung erhält erhöhte Bedeutung durch Bestrebungen, die auf einen Zusaminenschluß der Terrain- gcsellschaften hinauslaufen. Nach Meldung des„B. Börsen-Courier" soll bereits in den nächsten Wochen ein Kartell der Bodenspekulanten gegründet werden. Damit würde der Bodenwncher in ein neues Stadium treten, in ein solches, bei dem es den Mietern schwindelig werden dürfte. Wenn erst die Konkurrenz ziemlich ausgeschaltet ist, dann bestimmen einige Herren die Grundrente. Mit der Monopoli- sierung auf allen Gebieten mutz auch die Erkenntnis von der Not- wendigkeit der Vergesellschaftung aller mechanischen und natürlichen Produktionsinittel wachsen._ Deutschlands Kohlenprodnktion. Auch im Juli ist sowohl insgesamt wie auch in den der- schiedenen Sorten der Brennmaterialien die Erzeugung wiederum* gegenüber dem Juli 1905 gestiegen. Es sind folgende Ergebnisse er- nitttelt. ES betrug die Erzeugung in 1000 Tonen: Juli Januar bis Juli Zunahme 1905 1906 1905 1906 1906 Steinkohlen.. 10 723 11519 67 358 78 776 11417 Brannkohlen.. 3 774 4 612 28 713 31 524 2 805 Koks..... 1421 1707 7 976 11486 3 510 Briketts und Naß- preßsteine.. 1019 1 233 7 097 8 190 1 092 Die Steigerung beträgt für die Zeit von Januar bis Juli fast 17 Proz., bei Koks aber 44 Proz. Die Einfuhr ist von rund b'/g Mill. Tonnen auf rund 5 Mill. Tonnen zurückgegangen, dagegen stieg die Ausfuhr von 9,7 Mill. Tonnen auf 11,1 Mill. Tonnen. Höhere Preise— keine Ausfuhrvergütung. Weil angeblich die Preise mit den Selbstkosten noch nicht im Einklänge stehen, kündigt das Noheisenshndikat eine wettere allgemeine Preiserhöhung an. Weiter hat das Roheiscnsyndikat beschlossen, für das vierte Quartal des laufenden Jahres keine Ausfnhrvergütung zu zahlen. Be- gründet wird dieses Vorgehen mit dem gleichlautenden Beschluß des Kohlenshndikats._ Außenhaudel der Bereinigten Staaten von Amerika. Die endgültigen Zahlen über den Außenhandel der Vereinigten Staaten von Amerika im Fiskaljahr bis zum 30. Juni 1906 sind anfangs August veröffentlicht worden. Sie lassen erkennen, daß gegenüber dem Vorjahre die Einfuhr insgesamt um 9.K Proz. zu- genommen hat; hierbei stieg der Import zollpflichtiger Waren um 12,8 Proz. und derjenige der zollfreien Artikel nur um 6,1 Proz. Der Anteil der letzteren an der Gesamteinfuhr ist von 46,3 Proz. für 1904/05 auf 44,81 Proz. für das letzte Fiskaljahr gefallen.'— Bei der Ausfuhr machten die landwirtschaftlichen Produkte 56,43 Proz. der Summe aus, während der Anteil der industriellen von 36,44 Proz. im Vorjahre auf 35,11 Proz. zurückging, trotzdem der Wert der exportierten Jndustrieerzeugnisse größer war, als in jedem früheren Fiskaljahre. Eine Vergleichung der Ein- und Ausfuhrwerte der Hauptivareiigruppen in den letzten beiden Fiskaljahren ergibt folgendes Bild: Gesamteinfuhr Gesamtausfuhr Zolleinnahme Werte in Dollar 1905/06 1 226.563 843 1 743 864 500 800 657 413 1904/05 1 117 513 071 1 518 561666 262 060 528 149 050 772 225 302 834 38 596 885 mehr in 1905/66 gegen 1904/05 In den letzten zehn Jahren gestaltete sich die Ausfuhr von Er- zcugnisseii der Landwirtschaft und der Fabrikbetriebe im Vergleich zur Gesamtausfuhr inländischer Waren in nachstehender Weise: Ausfuhr: Jahr Erzeugnisse der Inländische Waren (bis 30. Juni) Landwirtschaft Fabrikbetriebe im ganze» Werte in Dollar 1397... 633 471 139 277 285 391 1032 007 603 1898... 853 683 570 290 697 354 1 210 291 913 1899... 784 776 142 389 592146 1 203 931 222 1900... 835 858 123 433 851 756 1 870 763 571 1901... 943811020 410 932 524 1 460462 806 1902... 851 465 622 403 641401 1 355 481 861 1903... 873 322 882 407 526159 1892 231302 1904... 853 643 073 452 415 921 1435 179 017 1905... 821074 439 543 620 243 1 4SI 744 641 1906... 969 457 306 603 227 836 1 717 953 382 Aus dieser Tabelle ist zu ersehen, daß in der Ausfuhr die Fabrikate eine fortwährend steigende Wichtigkeit erlangt und den lnndivirtschaftlichen Produkten gegenüber eine immer wichttgere Rolle gespielt haben. Im Jahre 1896/97 machten letztere 66 Proz. und Fabrikate mir 26,8 Proz. der GesamtanSfiihr aus; im Jahre 1905/06 betrug der Wert der Fabrikate 35 Proz. und derjenige der Ackerbau- Produkte nur noch 56 Proz. des Gesamtexportwertes. Die Zunahme deS Ausfuhrwertes im Jahre 1905/06 gegenüber 1896/97 berechnete sich bei Landwirtschaftserzeugnisseii auf 41,3- Proz., bei Fabrikaten auf 117,7 Proz. und bei der Gesamtaussuhr auf 66 Proz. des Wertes von 1905/06._ Bolle Kompottschüsseln. Das Harpencr Eisen- nnd Stahlwerl bringt, diesmal 10 Proz. Dividende heraus, gegen 9 Proz. im Bor- jähre.— Der Siegen-Solinger Gußstahlvereiii erhöhte die Dividende Wohltätigkeit" ist ja heutzutage nicht minder modern in der Gesell fchaft", als Badereise, Schweiz, Monaco, Roulette und Revolver. Also, das Mädchen geht in die Sommerfrische, nicht in die Schweiz awar, aber nach Hause zu Vater und Mutter, die sich natürlich uns bändig freuen, etliche Wochen die Tischgesellschaft um eine Nummer vermehrt zu sehen. Großartige Einrichtung, daß die„ Mädchen für alles" sogar auch Eltern haben, denen man für die Zeit der Sommerfrische ihre Lieblinge ohne Soft- und Fahrgeld zusenden kann! Zwar wird dabei die Sparbüchse des Mädchens leichter, aber' s ist doch ungemein vorteilhaft bei der Betätigung der Wohltätigkeit". Ja, ja, denkt Frau Major, und schlürft mit Behagen ihren Mokka, man muß sich nur zu helfen wissen; das Kostgeld für das Mädchen während der Sommerfrische ist gespart, das reicht schon beinahe für die Reise und nun ist man obendrein noch Wohltäterin!" Pyramidal! bon 8 auf 5 Proz., bei Mehrabschreibungen um 85 Prog. Um beweist unsere Organisation, nur die heutige Religion hat mit 3 Broz, auf 10 Broz., ging auch die Dividende der Rheinisch- Westf. der Kirche nichts zu schaffen. Unser Kampf richtet sich in erster Saltwerke, Dornap, hinauf. Dazu sind die Rückstellungen um Linie gegen die lettere, weil ihre Tradition fie in den Dienst der 71 319 M. höher bemessen und es werden 76 374 M. mehr vorgetragen. herrschenden Klasse gestellt hat. Einst war auch der Liberalismus Der Dortmunder Sumpf Union" hat seinen Ruf nicht allzusehr gegen die Kirche, aber seitdem die Arbeiterschaft den Kampf gegen verschlechtert. Der Abschluß weist einen Rohüberschuß von dieselbe aufgenommen hat, hat man sich mit ihr ausgesöhnt 5 222 928 M. aus, gegen 4 855 897 M. im Vorjahre. 2 206 001 m. nur die Verteter des Kapitalismus sind Kirchenfreunde. Bum sollen zu Abschreibungen verwendet werden und 5 Proz. Dividende Schluß feiner Rede, oft von Beifallsstürmen unterbrochen, tennfür die Aftien Lit. A. wie im Vorjahre sowie 2 Broz. für die zeichnet Redner die Stellungnahme unserer Frauen zur Religion. Aftien Lit C. zur Verteilung gelangen. Die Befizer der Prioritäts- ft sie eine Sittenlehre? Jst nicht der Einfluß der Kirche auf aktien der Güsweider Eisenwerke erhalten 16 Proz. gegen 12 Broz. die Arbeiterschaft und ihre Nachkommen ein unheilvoller geworden? im Vorjahre. Für die Stammattien kommen 14 Proz. heraus, Mit Vorliebe wenden die schwarzen Agenten" sich an das 10 Prog. in 1904/ 05.- 9 Proz. wie im Vorjahre erhalten die Aktionäre weibliche Geschlecht, um in die Erziehung der Kinder einzugreifen. der Blei- und Silberhütte Braubach. Die Holzstoff- und Papierfabrik Hier muß energisch jede Vormundschaft abgeschüttelt werden. Von Elfenthal A.-G. zu Grafenau erhöht ihre Dividende von 7 auf Duldsamkeit, von Elend und Armut weiß die Kirche nichts 9 Proz. Damit die armen Aufsichtsräte nicht durch die Tantiemen sie ist die Dienerin der Reichen und Satten. Darum fehre man Die Leser und Leserinnen glauben am Ende, der„ Volksfreund". steuer an den Bettelstab gebracht werden, erhöht die Bleistiftfabrit jener Institution den Rücken, die durch die neuerlichen preußischen Schreiber wolle ihnen eine Hundstagsgeschichte erzählen. Aber nichts vorm. Joh. Faber A.-G. deren Bezüge um 331 Broz. Zweifellos Schulgesete eine weitere Stärkung erfahren habe, bis diese durch ist's! Zwar weiß der Boltsfreund"-Schreiber nicht, ob Frau werden die Arbeiter durch die allgemeine Preissteigerung für Lebens- den geistigen Ansturm der Arbeiterklasse hinweggefegt ist.( Lauter Major in einem Schweizer Hotel oder sonstwo mit ihrer Tafelmittel fühlbarer besteuert, wie die Aufsichtsräte durch die Tantiemen- Beifall.) nachbarin plaudert, ob sie Mokka oder sonst was schlürft, ob sie die steuer, ob sie dafür auch einer Lohnsteigerung um 33 Broz. teilDie lebhafte Diskussion bewegte sich durchweg im Sinne würzige Bergluft dem Seebad vorzieht usw., aber was der Bolts haftig werden? des Referenten. Während Genoffin obielniat in ihrer freud"-Schreiber weiß, das ist: Nummer eins: daß Frau Major in Agitation gegen die Kirche oft auf Hindernisse bei den männlichen die Sommerfrische verreist ist, Nummer zwei: daß Frau Major ihr Genossen stoße, wies ein Student der Philosophie auf den Wider- Mädchen zu den Eltern, unbemittelten Leuten auf dem Lande, spruch der Religion mit der heutigen Glaubenslehre hin. Aber das für die Zeit von Madames Sommerfrische heimgeschickt hat. zwanzigste Jahrhundert werde auch hierin Klarheit und Wahrheit Nummer drei: daß Frau Major dem Mädchen fein Geld schaffen. Genoffe Wickert tritt für Teilnahme der Kinder mitgegeben hat, damit es auch Gemeinde ein, damit schon frühzeitig aus dem kindlichen Gemüt vier: daß Frau Major dem Mädchen nicht einmal das Geld der Zeit von vom 10. Lebensjahre an dem Jugendunterricht der Freireligiösen Madames Erholung etwas zu Essen kaufen kann, Nummer die kirchliche Religion verbannt werde. zur Fahrt zu den Eltern gegeben hat. Bum nächsten Puntt Frauenkonferenz in Mannheim" gab Ge- also wirklich. Wirklich eriſtiert auch die Filzigkeit, mit der das Frau Major existiert nofsin Thiel einige Erläuterungen über die Frauenbewegung Mädchen von so mancher Dame der Gesellschaft" behandelt wird innerhalb der letzten zwei Jahre, die ein bedeutendes Wachstum der und die einem armen Dienstmädchen nicht einmal das Geld zum Organisation gebracht hätten. Die Frage der Landarbeiterschaft Sattessen läßt, während Madame in der Sommerfrische sich erholt. wieder die Konferenz beschäftigen. Ueber die jeßige Behandlung feinen Schein von Berechtigung hat, so lange die Herrschaften sich und die traurige Lage der Dienstboten werde auch in Mannheim Wirklich existiert auch die Klage über die Dienstbotennot, die aber der Einladungen und der Frauenversammlungen im Vorwärts" ihren Dienstboten von einer so schoflen Seite zeigen, wie Frau wurde seitens der Genossin Stoll- Friedenau lebhafte Alage Major das getan hat. geführt. Nicht nur wird durch die kurzen Hinweise die Agitation erschwert, die Gewinnung neuer Mitglieder durch das Fehlen jeglicher Berichte, die uns früher manchen Zuwachs brachten, ist geradezu unterbunden. Artikel praktischen und leichtverständlichen Ein dementsprechender Inhalts würden von großem Nuben sein. Antrag soll dem Zentralvorstand überwiesen werden. den hierauf Genoffin Bäumler- Schöneberg und zur ProvinzialZur Frauenkonferenz und zum Mannheimer Parteitage wurfonferenz Genossin Thiet- Tempelhof delegiert und die gut besuchte Versammlung mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie geschlossen. Aus der Frauenbewegung. „ Die Stellung der Sozialdemokratie zur Religion und Kirche und unsere Agitation", während findet in Weißensee im„ Prälaten", Lehderstr. 122 eine Streisber Weißensee. Am Dienstag, den 28. August, abends 8% Uhr fammlung der sozialdemokratischen Frauen des Kreises NiederBarnim statt. Genosse Block spricht über: Die bevorstehende Frauen fonferenz und der Parteitag in Mannheim". Ferner steht auf der fonferenz und zum Parteitage, sowie zur Brandenburger KonTagesordnung„ Anträge und Wahl von Delegierten zur Frauenferenz". so lautete das Thema, das Genosse 3ubeil in einer von der Kreisvertrauensperson Genossin Thiel einberufenen, und besonders von Frauen stark besuchten öffentlichen Versammlung in Schöneberg eingehend behandelte. Trotzdem hierüber schon des öfteren und jedenfalls nicht ohne Erfolg öffentlich debattiert wurde, dürfte es doch angebracht sein, das treffliche Referat noch einmal furz zusammen zu fassen. In der Zukunft der Frau", sagte Redner, ist noch ein großes Stüd Weg zurückzulegen, und so lange die augenblicklich herrschende Klasse die Machtmittel besikt, müssen wir vorläufig noch persönlich den Bürgerlichen gegenübertreten. Die Ueberzeugung, daß nur die Sozialdemokratie in der Lage ist, das arbeitende Volk zum Siege zu führen, wird jedoch noch harten Kampf kosten. Zwei Gegner stehen uns als erbittertste Feinde gegenüber, auf der wirtschaftlichen Seite der Kapitalismus, andererseits die Unfenntnis der Massen. Unsere Stärke beruht zunächst auf den Umfang unserer Anhängerschaft. Zwar wird gesagt: Unsere Partei ist in die Breite, nicht in die Tiefe gegangen; das erstere wird jedoch immer nötig sein, um Achtung und Respekt zu verschaffen, wiewohl der Appell an die Gewalt zu verwerfen sei, zum Schrecken unserer Gegner. Durch die Gesezmäßigkeit entziehen wir diesen den Boden und sichern uns immer mehr Anhänger. Wie die geistigen Waffen beschaffen sind im Kampfe gegen unsere gerechte Sache, das haben zur Genüge gezeigt die verantwortlichen Stellen der Reichsregierung anläßlich der letzten Reichstagswahlen. Uebergehend auf den Entwickelungsgang der Kirche zum Hemmschuh der geistigen Fortbildung des Volkes, zeigte Redner an verschiedenen so wird Frau Major ihrer erstaunt vom Mokkatäßchen aufschauenden Beispielen den Kontrast dieser selben Kirche mit der sogenannten Tischnachbarin im Schweizer Hotel erzählen. Frau Major refidiert Religion, die nur entstanden ist aus der Unkenntnis der Vorgänge sonst in der badischen Residenz; fie fann sichs gestatten, die schwüle in der Natur. Nach Einsetzen der christlichen Religion und der Stadtluft mit der würzigen Atmosphäre der Schweizer Berge zu( Herausgeber: Georg Bernhard.) 34. Heft.( Abonnements einschließlich der Plutus. Kritische Wochenschrift für Bolkswirtschaft und Finanzwesen Wissenschaft, ist der Begriff der Naturereignisse geklärter geworden vertauschen, warum sollte sie nicht? Frau Major ist aber groß- Blutus- Merktafel vierteljährlich per Post und Buchhandel 3,50 M., direkt und trotzdem find Millionen Menschen noch immer in alten mütig, mitfühlend usw. usw. Sie schickt auch ihr Mädchen vom Verlage 4,-. Verlag, Berlin- Charlottenburg, Goethestr. 69). religiösen Anschauungen befangen. Die Sozialdemokratie hindert in die Sommerfrische. Hat's zwar eigentlich nicht ver- Dr. F. David. Denkmale Gabelsberg.( Vortrag.) 20 Seiten. den Einzelnen nicht, seine religiöse Anschauung zu haben das dient, die Schlampe, die... Aber na, man geht mit der Zeit, die Preis 20 Bf. Hedners Verlag, Wolfenbüttel. WIN T Z Zum Kapitel Dienstbotennot! Folgende Satire veröffentlicht unser Karlsruher Parteiblatt: „ Mein Mädchen hat Sommerurlaub", Warenhaus LEIPZIGERSTRASSE Die Vertrauenspersonen sowie alle tätigen Genosfinnen und Genossen des Kreises werden dringend ersucht, für regen Besuch dieser Versammlung zu agitieren, damit die Delegiertinnen die Meinungen und Wünsche des gesamten Kreises erfahren und in den Konferenzen sowie auf dem Parteitage vertreten können. Frau Neumann, Kreisbertrauensperson. Eingegangene Druckschriften. Hermann Tietz ALEXANDERPLATZ Montag, Dienstag, Mittwoch DAVUS Soweit der Vorrat reicht Hervorragend preiswertes Angebot für Herbst Knaben- u. Mädchenkleidung d Winter 85 Sammet- u. Manchester- Hänger durchweg 455 795 1150 in allen Farben, 50-60 cm lang, mit und ohne Volant 50 Sammet- u. Manchester- Kittel durchweg 100 130 1700 mit und ohne Stickereikragen Sammet- u. Manchester- Ueberfall- u. Kittelkleider durchweg 950 13 50 1700 nur neueste Façons, 50-70 cm lang, mit gesticktem Kragen Sammet- u. 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Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Nr. W. 23. 2. SeilM des Jotraitlf Krlim puiitt. Zonutag, 26. August 1906. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, 25. August 1906. Die Großen fressen die Kleinen— Kohlcnpreis und Arbeitslohn- stcigcruug. Die ciuherordentlich intensive Beschäftigung in der Eisenindustrie, die auch der Nachfrage auf dem Kohlenmarkt eine bisher kaum gekannte Lebhaftigkeit gibt, hat die sonst so beweglichen Klagen der reinen Werke über die ruinöse Preispolitik der kombinierten Betriebe etwas zurücktreten lassen. Dafür werden andere Beschwerden laut, die auch wieder ein charakteristisches Zeichen dafür sind, datz die großen geschlossenen Unternehmen, ohne daß sie die gesamte Produktion direkt beherrschen, doch einen ganz gewaltigen Einfluß auf die Gesamtlage ausüben. Die Kohlcnverbraucher beklagen sich darüber, daß sie durch den starken Selbstverbrauch der Hüttenzechen geschädigt werden. Dasselbe Klagelied stimmen die Roheisen- und Halbzeugverbraucher an. Wie das Kohlensyndikat, so erklärt auch das Roheisensyndikat, daß es durch die mangelhaften Lieferungen der Hüttenwerke, die zunächst ihren eigenen Bedarf an Kohlen, Roheisen und Halbzeug für die Weiterverarbeitung decken, in der ordnungsmäßigen Be- friediguug der Kunden behindert werde. Nicht besser ergeht es den reinen Wälzwerken: Obwohl wir kniefällig darum bitten, wir können kein Material erhalten. So klang der Stoßseufzer aus, den ein Verbraucher in einem Schreiben an die Presse vernehmen ließ. Und die bisherige Praxis gibt den Anklägern leider nur allzu sehr recht. Im Jahresbericht des Stahlverbandes muß man folgendes eingestehen:„Der durchschnittliche Erlös war im zweiten Geschäftsjahr noch etwas geringer p. To. Lieferung als im ersten Geschäftsjahr, weil im zweiten Geschäftsjahre 30,5 Proz, der im Verbände verrechneten Mengen ausgeführt worden sind, während im ersten Geschäftsjahre für Rechnung des Verbandes nur 19,8 Proz. ausgeführt wurden, und der Rest der Ausfuhr und der damit ver- bundenene geringere Erlös direkt den Werken zur Last fiel."— Im Bericht wird allerdings bemerkt, daß die Maßnahmen, die dem Interesse der Jnlandsvcrbraucher dienen und auf—„möglichste" Einschränkung des Exportes gerichtet sind, erst im 2. und 3. Quartal zur Geltung kommen könnten. Die Klagen der Halbzeugverbraucher würden sich aber wohl kaum so hartnäckig erhalten, wenn der Stahl- verband sein Versprechen wahr gemacht hätte. Die reinen Werke leben von den Gnadcnbrocken, die von den Tischen ihrer mächtigen Brüder abfallen. �Gemischte Eisenwerke zählen wir in Deutschland 24, dagegen beläuft sich die Zahl der kombinierten Betriebe, welche auch eigene Kohlengruben besitzen, auf nur 17. Und diese 17 bezw. 24 Werke beherrschen zirka � drei Viertel der gesamten Roheisenproduktion Deutschlands, die Stahlerzeugung ist vollständig in ihren Händen, weiter zirka drei Viertel der Erzeugung an Walzfabrikaten und ein Viertel des Ruhrkohlenbergbaues entfällt auf die Hüttenzechen. Diese Zahlen lassen schon die Bedeutung dieser wenigen Unternehmen gegenüber den zirka 20 000 Eisenbetrieben Deutschlands erkennen. Nach Aus- weis der Berufsgenossenschaften sind in der Eisenindustrie rund IVs Millionen Arbeiter beschäftigt. Davon kommen zirka 300 000 Mann auf die gemischten Betriebe und unter diesen zählt man wieder acht Unternehmen mit allein zirka 170—180 000 Arbeitern. Die Kombination Gelsenkirchen-Aachen-Schalke bewerten wir als ein Unternehmen, die Fusion steht ja auch unmittelbar vor der Tür. Dieses Unternehmen würde dann zirka 38 090 Arbeiter um- fasten. Nach dem Stande von 1902/03 hatten die 24 ge- mischten Betriebe rund 682 Millionen Mark Aktienkapital in- vestiert. Das Kapital von Krupp. der Thyssensche» Werke, des große!? Montantrustes, der„Gute Hoffnungshütte", des„Phönix", der Rheinischen Stahlwerke, des Bochumer Vereins, der„Laurahütte" und des Härder Vereins reicht nun schon allein nahe an 500 Millionen heran. Nach einer Zusammenstellung der„Köln. Volksztg." beträgt die Beteiligung der dem Stahlwerksverbande angeschlossenen 27 Unter- nehmen und der Schlesischen Gruppe, zu welcher 9 Werke gehören, zurzeit(nach dem Rohstahlgewicht) für Produkte A 5 845 445 Tonnen, für Produkte B 4 601377 Tonnen, zusammen 10 346 822 Tonnen. Unter den 36 Werken befinden sich neun— Thyssen,„Gute Hoffnungshütte". Härder Verein, de Wedel, Krupp,„Phönix". „Union", Rheinische Stahlwerke und Rombacher Hütte— die über die Hälfte— 5'/, Millionen Tonnen— der Gesamt- beteiligung auf sich vereinigen. Auf Thyssen, Krupp und den „Phönix" entfallen allein 2 335 217 Tonnen. Dieselben nenn Werke beherrschen fast die Hälfte— 2% Millionen Tonnen— der Erzeugung in Produkten A und von den 41/3 Millionen Tonnen in Produkten B sind allein 1 361 866 Tonnen den drei Firmen: Thyssen, Krupp und„Phönix" zugeteilt. Es sind gewaltige wirtschaftliche Mächte, die in diesen Zahlen zur Geltung kommen. In welcher Weise die Arbeit diesen Mächten tributpflichtig ist, kommt in den Prozentziffern der Dividenden viel zu wenig zum Ausdruck. ES muß das Verhältnis des Aktienkapitals zu der Zahl der beschäftigten Arbeiter mit berücksichtigt werden. Die Gelsenkirchcner Gesellschaft z. B. verteilte für 1904/05 nur 11 Proz. Dividende, das ergibt auf den Kopf der Belegschaft aber doch das nette Sümmchen von 575 M. Der Schalker Verein brachte L7l/g Prozent heraus, die auf den Kopf der Beschäftigten entfallende Dividendensumme ist aber noch etwas geringer als bei Gclsenkirchen, sie beträgt— nur 465 M. ES wäre eine ganz dankbare Aufgabe, einmal zu untersuchen, wie das Verhältnis zwischen der Zahl der Bc- fchästigten und dem investierten Kapital in allen Aktiengesellschaften, Ge- werkschaften und G. m. b. H. sowie der Anzahl der Unternehmen sich verschoben hat. Damit gewänne man ein anschauliches Bild über die industrielle Konzentration. In schärferer Weise wird der Kon- kurrenzkampf ja erst nach Einsetzung einer Depression in Erscheinung treten. Der AufsaugungS- und Angliederungsprozeß wird dann ciii beschleunigteres Tempo aufweisen. Auf diesen Kampf, der natürlich nicht nur innerhalb der nationalen Grenzen sich abspielt, bereiten die großen Gesellschaften sich auch finanziell in der Weise vor. daß sie durch sehr reichliche Ab- schreibungen gewissermaßen einen Spar- und Kampffonds anlegen. Weist wird nur die Hälfte des Ueberschusses als Reingewinn aus- geschüttet. Nach den letzten uns vorliegenden Abschlüssen von den den drei zum Montantrust gehörenden Unternehmen ergibt sich folgendes Resultat: .«--«»«p. Bruttogew. Neingew. Bruttogelv. Reingew. in Mark Gelsenkirchen.. 26 793 868 13 744 210 1120 575 Aachener Hütten. 3 450 000 5 828 992 900 533 Schalke.... 6635902 3135902 992 465 Aehnlich bilanzieren die anderen großen Unternehmen. Die fetzige Ruhe und Stille, die nur unterbrochen wird durch Klagen über mangelhaste Materiallieferung, verhüllt Gegensätze, die um so gewaltiger aufeinanderprallen, je mehr die Produktionsmittel über die Bedürfnisse einer Depressionsperiode hinausgewachsen sind. Aber da nicht nur die Kapitalkraft eine ent- scheidende Rolle bei den späteren Kämpfen spielen wird, sondern auch die Abhängigkeit der Weiterverarbeiter von den Produzenten der Rohmaterialien von größter Bedeutung dabei ist, die Industrie der Rohmaterialien und Halbzeuge als die kapitalkräftigere, in ihrer Stoßkraft weiter gewinnt durch die Konzentration in wenigen Händen, braucht man wirklich nicht kühn zu urteilen, wenn man voraussagt: im allgemeinen ist das Schicksal der reinen Werke be- siegelt. Entweder sie gehen zugrunde, oder sie geraten in ein Ab- hängigkeitsverhältnis zu den großen Unternehmen, das ihre Selb- ständigkeit nur noch in der Form bestehen läßt., Fortgesetzt wird in der Unternehmerpresse das Kapitel von exorbitant gestiegenen Löhnen abgehaspelt. Man muß doch eine Begründung für die forlgesetzten Preissteigerungen haben. Die Unternehmer sind praktische Leute und sie finden willige Federn, die den Konsumenten die Begehrlichkeit) der Arbeiter als Ursache der Preistreiberei denunzieren. Es ist nur merkwürdig, daß die Arbeiter selbst von den berühmten Lohnsteigerungen verteufelt wenig spüren, den Konsumenten dagegen die Preissteigerungen sehr deutlich werden. Diesen„Zwiespalt der Natur" erklären die folgenden Zu- sammenstclltmgen: Es betrugen die Kohlenpreise an der Düsseldorfer Börse: � Preise in Mark pro Tonne 29. Juli 29. Juli trägt in 1995 1996 Prozenten Gas- und Flammkohlen: Gaskohlc für Leuchtgas- bereitung.... 11,00—13,11 11,50—13,50 3.0—4.5 Generatorkohle.... 10,50—11,80 12,25—12,50 6,1—15.6 Gasflammförderkohle.. 9,75-10,75 10,50-11,60 7,7-7,9 Fettkohlen: Förderkohle..... 9,30-10,00 10,00-10,25 2,5—7,5 Beste melierte Kohle.. 10,60—11,50 11,10-11,60 5,2—5,9 Kokskohle...... 9,50-10,00 10,50-11,00 10,5-11,0 Magere Kohlen: Förderkohle..... 8,25— 9,50 9,00-10,00 5,0—9,0 Melierte Kohle.... 9,50-10,00 10,25—11,25 8,0—12,5 Nußkohle Korn II(An- thracitj..... 19,50-24,00 19,50—24,00—— Koks: Gießereikoks..... 16,60-17,50 17,00-18,00 2,8-3,0 Hochofenkoks..... 14,00-16,00 14,60—16,50 3,1—3,3 Nußkoks, gebr..... 17,00-18,00 17,00—18,50— 2.8 Briketts...... 10,50-13,50 10,75-13,50— 2,4 Wie sind demgegenüber die Löhne im Steinkohlenbergbau ge stiegen? Nach den amtlichen Ausweisen betrug die Steigerung im I. Quartal 1906 gegenüber IV. Quartal Jahresmittel 1905 1905 3 in Prozonteil Oberschlesien.... 1,60 2,60 Niederschlesien... 0,34 1,36 Dortmund.... 2,46 3,47 Saarbrücken.... 0,79 1,31 Aachen...... 2,17 3,67 Wie winzig nimmt sich die Lohnsteigerung aus gegenüber dem teilweise sehr kräftigen Anziehen der Kohlenpreise. Rechnet man die Hälfte des Verkaufspreises als Arbeitslohn, dann würde bei gleichem prozentualen Anziehen der Löhne und der Preise, je die Hälfte dos Mehrerlöses auf die Arbeiter und das Kapital entfallen. Mögen auch sonst die Produktionskosten noch etwas gestiegen sein, durchaus ungleich ist das Verhältnis zwischen Lohnstcigerung und Preis- erhöhung. Zudem muß noch berücksichtigt werden, daß der Ver- gleichswert der Börsenpreise durch die äußerst lebhafte Nachfrage doch stark beeinflußt wird. Speziell im Kleinhandel entfernen sich die Preise jetzt viel weiter von den Börsennotierungen als in Perioden ruhiger Marktlage. Andererseits erscheinen die Löhne Höher als sie tatsächlich sind, weil bei der Berechnung der Stunden- löhne nicht alle geleisteten Ucberstunden eingerechnet werden. Das Miß- Verhältnis zwischen Preissteigerung und Lohnerhöhung ist demnach noch größer als in den obigen Ziffern in Erscheinung tritt. Nun erschallen aber gerade aus der Kohlenindustrie die lautesten Klagen über Arbeiterinangel und Lohnerhöhungen. Demnach sollte man glauben müssen, hier sei die Einkommenverbesserung besonders erheblich. Die obigen Ziffern beweisen aber, daß die tatsächliche Lohnsteigerung sehr minimal ist, daß die Bergarbeiter von dem reichen Segen verhältnismäßig nur wenig abbekommen. In einigen Berufen liegen die Verhällnisse ja Wohl ettvas günstiger, in manchen anderen vielleicht aber noch schlechter. Das aber ist zweifellos: an den glänzenden Ergebnissen der guten Konjunktur ist die Arbeiter- schaft in nur ganz bescheidenem Maße beteiligt, den Löwenanteil sichert sich das Kapital I_ v. Genebtö- Zeitung. Die Kündigung des MietsvertrageS. Eine für Mieter äußerst wichtige Entscheidung fällte gestern eine Zivilkainincr des Landgerichts Berlin-Mitte. Die meisten Hauswirte lassen sich der größeren Sicherheit wegen die Miets- Verträge von beiden Eheleuten unterzeichnen und pflegen dabei selten seitens der Mieter auf Schwierigkeiten zu stoßen. Von wie weittragender Bedeutung die zweifache Unterschrift ist, lehrt der vorliegende Fall. Das Kaufmann S.'sche Ehepaar hatte von dem Hausbesitzer H. in der Uorkstraße eine Wohnung mit einem von Mann und Frau unterzeichneten Kontrakt gemietet. Die Wohnung konnte nach dem Wortlaut des Vertrages drei Tage vor dem 1. Juli per 1. Oktober gekündigt werden. Am 25. Juni kündigte Herr S. mittels eingeschriebenen Briefes, der nur seine eigene Unterschrift trug. Der Hausbesitzer ließ die ersten Tage ohne Antwort ver- streichen, erst am 30. Juni schrieb er an das Ehepaar, daß er die Kündigung nicht anerkenne, da nur einer der beiden Kontrahenten geschrieben und nur beide Vertragschließenden gemeinsam berechtigt seien, den Vertrag aufzukündigen. In der mündlichen Verhandlung machte der auf Anerkennung der Kündigung verklagte Hauswirt geltend, daß er nichts dagegen habe, wenn der Ehemann am 1. Oktober ausziehe, nur die Ehefrau sei mit der Einrichtung, die ihr Eigentum sei, an den Vertrag gebunden, da sie ja nicht ge- kündigt habe. Das Landgericht schloß sich der Auffassung des Hausbesitzers nicht an, sondern verurteilte diesen, die Kündigung für beide Eheleute rechtsgültig anzuerkennen. Im 8 13 des MietsvertrageS heiße es. daß die Handlungen eines der beiden Kontrahenten auch für den anderen rechtsverbindlich seien. Diese Verbindlichkeit erstrecke sich auch auf Handlungen gegenüber dem Vermieter, wie Kontraktverlängcrungen. Kün- digungcn usw. Die Kündigung seitens des Ehemannes sei darum der diesbezüglichen Willenserklärung beider Eheleute gleich zu er- achten._ „Gipfel der Frechheit" ist keine erhebliche Ehrvcrleyung! Ein auf Geschäftsunkosten frankierter Privatbricf sollte dem Korrespondenten Max P. zum Verhängnis werden. P. war beim „Deutschen Verlag" in Stellung; am 1. Juni war ihm zum 1. Juli gekündigt worden. Er bewarb sich vom Tage der Kündigung an mit großer Energie um Stellung, schrieb aber die Bewerbungs- bliese zum großen Teil während der Geschäftszeit, und zwar auf der Schreibmaschine, die er zu geschäftlicher Korrespondenz zu benutzen hatte. Er schrieb sich auch selbst ein sehr gutes Zeugnis aus, das er bereits unterstempelt dem Geschäftsführer zur Unter- schrift vorlegte. Dieser lehnte jedoch ab, das Zeugnis zu unter- fertigen. Durch einen Zufall bemerkte am 5. Juni der Geschäfts- führer, wie sich unter den zum Versand bereit liegenden und seitens des Postexpedienten frankierten Briefen ein Privatbrief des P. befand. Es war ein Bewerbungsbricf, der durch Ver- Mittelung eines Boten zwischen die Geschäftsbriefe geschoben war. Der Geschästsführer stellte den Korrespondenten zur Rede und gebrauchte in bezug auf die Handlungsweise desselben den Aus- druck:„Gipfel der Frechheit". Der Kläger P. hielt sich wegen dieser Worte zum sofortigen Verlassen des Dienstes berechtigt und verlangt 150 M. Restgehalt für Monat Juli. Er beteuert, daß nur durch ein bedgverliches Versehen sein Bejverbungsdries. zwischen die Geschäftsbriefe geraten sein kann, und daß irgend eine unreelle Absicht ihm gänzlich fernlag. Die erste Kammer des Kaufmannsgerichts wies den Kläger in der gestern statt- gehabten Verhandlung mit seiner Forderung ab. Der Kläger habe schon durch die vorangegangenen Ungehörigkeiten den Geschäftsführer stark gereizt, und unter Berücksichtigung des letz- tercn Vorkommnisses sei die Aeußerung des Geschäftsführers nicht als eine so erhebliche Ehrverletzung anzusehen, daß sie den Kläger zum sofortigen Verlassen des Dienstes berechtige. Wir möchten dazu bemerken, daß jedes Gewerbegericht den Ausdruck„Gipfel der Frechheit" Arbeitern gegenüber als er- hebliche Ehrvcrletzung angesehen hätte. Das Kaufmannsgericht hat in seinem Urteil dem Geschäftsführer gegenüber den Gipfel der Toleranz erklommen._ Wollten doch Streikende auch immer solche milden Richter finden? Aus Halle a. S. berichtet man uns: Eine furchtbare durch leichtsinniges Unternehmertum hervorgerufene Baukatastrophe, die sich hier am 9. Mai zutrug und zur Folge hatte, daß der Bau- arbeiter M a g g e r getötet, der Bauarbeiter Eckart durch den Bruch der Wirbelsäule schwer und der Maurer Becker leichter ver- letzt wurde, beschäftigte heute die Ferienstrafkammer. Angeklagt waren wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Verstoßes gegen die Regeln der Bauordnung der Ziegeleibesitzer und Bauunternehmer Lüttich und der Bauunternehmer Ufer. Beide hatten, Lüttich zur Errichtung eines 8 Meter hohen Stalles und User zur Herstellung einer Werkstelle, auf ihren Grund- stücken nebeneinander Mauern aufgezogen, die schlecht fundamentiert, teils zu schwach und mit sehr schlechtem Mörtel gemauert waren. Als die genannten drei Bauarbeiter in der Mittagstunde etwas Erholung schöpften, brachen die Gebäude zusammen und verschütteten die Unglücklichen. Magger wurde tot unter den Trümmern hervor- gezogen. Die Angeklagten wollen sich bei der Bauerei nichts Schlimmes gedacht haben. Als aber Lüttich durch den Maurer M a g g e r und durch Ufer gewarnt worden war, sagte er.'„Macht nicht solchrii Käse; daS steht schon!" Der Sachverständige Maurermeister Gebhardt sagte aus, sein Gewissen hätte solche Bauerei nicht zugelassen. Stach den Bestimmungen der Bauordnung sollen zum Mörtel ans einen bestimmten Teil Kalk nur drei, höchstenfalls sieben Teile Sand verwendet werden. L ii t t i ch hatte aber mit Mörtel aus einem Prozent Kalk und 47 Prozent Sand mauern lassen. Selbstverständlich wurde die Bindefähigkeit dadurch stark beeiu- trächtigt. Der Polizeibauinspektor Rosenbaum, den die Angeklagten als befangen ablehnen wollten, sagte als Sachverständiger aus, als er nach dem Geschehnis den Arbeitern erklärt hätte, wie sie unter solchen Umständen hätten überhaupt noch weiter arbeiten können, da hätten die Arbeiter entgegnet:„Ja, hätten wir uns beschwert, dann hätten wir unsere Arbeit verloren." Die An- geklagten wurden antragsgemäß mit je zwei Wochen Gefängnis be- straft.— Vergleiche man diese Strafen mit den Strafen, die häufig gegen streikende Arbeiter wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe- Ordnung verhängt werden, und man wird sicher zu der Ansicht kommen, daß die Justiz im Lande mit den gesicherten Rechtsgarantien in den besten Bahnen wandelt. Ein erschütterndes Bild aus dem Gegenwartsstaate. Ein Opfer der miserablen sozialen Verhältnisse, unter denen eS aufgewachsen, ist das 13jährige Schulmädchen G o t t w a l d in Hartha bei Waldheini geworden, das vom Landgericht Chemnitz wegen Diebstahls zu einer Gesamtstrafe von elf Monaten einen Tag Gefängnis verurteilt wurde. Der Vater des bedauernswerten Opfers ist Scherenschleifer. Für ihn mußte die Verurteilte Arbeit in den Häusern zusammenholen; tagaus, tagein, treppauf, treppab, bei jeder Witterung galt es, Arbeit für den Vater zu schaffen und doch war Schmalhans Küchenmeister daheim. Um die Beköstigung wenigstens für sich in etwas zu verbessern, benutzte sie die Gelegenheiten, die sich ihr boten, zum Stehlen. Sie war deshalb schon vor kurzer Zeit mit fünf Monaten Gefängnis st rafe belegt worden, doch hatte man ihr eine vierjährige Bewährungsfrist zugebilligt. Da sie aus den alten Verhältnissen aber nicht herausgenommen wurde, benutzte sie auch ferner die sich bietenden Gelegenheiten zum Stehlen. Da kennt der Klassenstaat kein anderes Mittel als das Gefängnis, in das nun das Kind ziemlich ein ganzes Jahr gesteckt wird. Schuld an den,„Fall" des Kindes sind aber die traurigen sozialen Ver-> Hältnisse, in die es gesetzt wurde. Versammlungen. Der Arbcitcrvertrcterverein Berlins hielt am 23. August im Gewerkschaftshause seine Generalversammlung ab. Auf der Tages- ordnung stand der Geschäfts- und Kassenbericht von 1905/1906 und die Vorstandswahl. In seinem Geschäftsberichte sprach der Vor- sitzende I o st zunächst von dem in der vorigen Generalversammlung gestellten Antrage, den Verein aufzulösen. Der Antrag rief damals sogleich starken Widerspruch hervor, führte aber zu Verhandlungen mit der Generalkommission der Gewerkschaften, dem Zentral- arbeitersekretariat und dem Ausschuß der Gewerkschafts- kommission. Daß Ergebnis war, daß man hier zwar nichts gegen das Weiterbestehen des Vereins einzuwenden hatte, sich aber doch nicht bereit erklärte, den Verein als Bildungsschule für die Arbeitervertreter zu empfehlen. Der Verein setzte dann seine Tätigkeit fort. Im Laufe des Vereinsjahres wurden verschiedene lehrreiche Vorträge über die soziale Gesetzgebung und von Aerzten über Krankheiten und Unfallsfolgen gehalten, sowie die Berichte des Vorstandes und Ausschusses der Landesversicherungsanstatt, der Schiedsgerichtsbeisitzer und der Vertreter im ReichsversicherirngSamt gegeben, woran sich in der Regel aufklärende Diskussionen knüpften. Ferner fand ein Besuch der Heilanstalt Wilhelmshafen statt, an dem 50 Mitglieder teilnahmen, die hier einen Einblick in eme richtige Rentenquetsche gewannen. Der Redner machte in seinem Bericht auch auf die Wichtigkeit der bevorstehenden Wahlen zum Reichsversicherungsamt aufmerksam, die bekanntlich von den Schieds- gerichtSbeisitzern vollzogen werden und bei denen die Wähler nicht ihre eigene Stimme abgeben, sondern die Stimmenzahl deS auf sie entfallenden Teiles der Gesamtheit der Versicherten. Zum Schluß berührte der Redner die Frage, ob der Verein aufgelöst werden oder fortbestehen solle. In der Diskussion trat jedoch keinerlei Neigung zu einer Auf- lösung des Vereins hervor. Man Ivar allgemein der Meinung, daß die Belehrung, die hier geboten wird, notwendig und unentbehrlich ist, so lange nicht von anderer Seite dafür gesorgt wird. Gegen die Tätigkeit des Vorstandes wurden keine Einwendungen erhoben.— Der Kassenbericht, den der Kassierer St um pe vorlegte, ergab, daß am Schlüsse des Vereinsjahres das Vermögen 838,75 M. betrug. Die Mit- Slliederzahl ist dieselbe wie vorm Jahr, nämlich 233. Die Generalver- ammlung bewilligte dem Kassierer eine Entschädigung von 30 M. für die außerordentlich große Arbeit, die er im verflossenen Jahre zu leisten hatte. In den Vorstand wurden gewählt: erster Vorsitzender I o st, zweiter Löffler; erster Kassierer Stumpe, zweiter Karl Schulz; erster Schriftführer Stiegelmeier, zweiter S i m a- nowSki; Archivar Wo ld erski. Als Revisoren wurden S ch e r n i n g, Lehmphul und R e h b e i n gewählt. Die„Bereinigung der Metallarbeiter" nahm am Montag in einer Mitgliederversammlung Stellung zu der event, Verschmelzung mit dem Wicsenthalschen sogenannten„Allgemeinen deutschen Metallarbeiter-Verband". Zedier ging in seinem einleitenden Referat auf die auch im„Vorwärts" bereits erwähnten Vor- Verhandlungen zu der Verschmelzungsangelegenhcit ein und be- merkte, daß die Verwaltung der Meinung sei, die EntjcheiKyvg Schiller- Theater N.( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater.) Sonntag: Der Troubadour. Montag und Dienstag: Weh' dem, der lügt. Mittwoch: Hasemanns Töchter. Donnerstag: Weh' dem, der lügt. Freitag und Sonnabend: Hafemanns Töchter. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Ehre. Abends: Hasemanns Töchter. Montag: Beh' dem, der lügt. Berliner Theater. Sonntag und die folgenden Tage: Sherloc Holmes. Lustspielhaus. Sonntag und die folgenden Tage: Spazenliebe. Komische Oper. Sonntag bis Dienstag: Hoffmanns Erzählungen. Mittwoch: Figaros Hochzeit. Donnerstag: Hoffmanns Erzählungen. Freitag: Die Bohème. Sonnabend und Sonntag: Hoffmanns Erzählungen. Montag: Unbestimmt. hierüber lediglich den Mitgliedern selbst zu überlassen. Er sprach| übrigen empfahl auch er die fakultative Einführung des Untersich dann weiter für die fakultative Einführung der Unterstüßungs- ftüßungswesens ins Auge zu fassen, um die Verschmelzung zu ereinrichtungen aus, um den zirka 2000 vom Metallarbeiter- Verband möglichen. abgesprungenen Rohrlegern usw. entgegenzukommen und dadurch Nach weiterer Debatte, in der neue Momente nicht angeführt die Verschmelzung zu ermöglichen. Im Prinzip sei er sowohl wie wurden, gelangte schließlich folgende Resolution mit großer auch die meisten übrigen Mitglieder der Vereinigung gegen das Majorität zur Annahme: Unterstübungswesen, doch bei getrennter Rassenführung sei eine In- Die heutige Generalversammlung nimmt Kenntnis von den angriffnahme der eigentlichen Kampfmittel zu Unterstützungszwecken gepflogenen Verhandlungen zwecks Verschmelzung zwischen dem nicht zu befürchten. Man vergebe sich nichts, wenn man es den Allgemeinen deutschen Metallarbeiter- Verband" und der VerMitgliedern überlasse, sich freiwillig an Unterstüßungseinrichtungen einigung der Metallarbeiter Deutschlands"( Ortsverein Berlin). zu beteiligen. Dies diene doch nur als Mittel zum 3wed. Sie beauftragt die Kommission, weiterhin im Sinne des 7. StonDie Erfahrung habe gelehrt, daß der Jdealismus bei einem großen Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Nachtasyl. Abends: gresses zu verhandeln und das Ergebnis einer weiteren GeneralEin idealer Gatte. Montag: Ein idealer Gatte. Dienstag: Kinder der Teil der Mitglieder doch nicht in dem Maße vorhanden sei, wie bersammlung zur Beschlußfassung zu unterbreiten. Sonne. Mittwoch: Mimensiege. Hille Bobbe. Schlangendame. Donnerstag: man es bei all der Agitation eigentlich erwarten sollte. Man Hierauf erfolgte die Wahl einer fünfgliedrigen Verhandlungs- Gin idealer Gatte. Freitag: Kinder der Sonne. Sonnabend: Unbestimmt. müsse danach streben, mehr Einfluß in der Arbeiterbewegung zu fommission. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Nachtasyl. Sonntag und Montag abend: bekommen, um bei Lohnkämpfen, wenn auch nicht entscheidend, so Unbestimmt. doch wenigstens mitbestimmend eingreifen zu fönnen. Dies sei aber daß er die Anerkennung des Berichtes über die Parteiverſammlung Erwiderung. Genosse Fischer erklärt in der gestrigen Nummer, Trianon- Theater. Sonntag und die folgenden Tage: Die Notbrücke. Luisen Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Ahnfrau: nur möglich, wenn man dem Zuge der Zeit Rechnung trage und des 2. Wahlkreises ablehnt, offenbar deswegen, um etwaige Ein- Sonntag und Montag: Die Hochzeit von Baleni. Dienstag: Rosenmüllers den Mitgliedern die Teilnahme an Unterstützungseinrichtungen wendungen auf Grund des Berichtes zu verhüten. Zu der Er- Finke. Mittwoch: Die Ahnfrau. Donnerstag: Rosenmüllers Finke. freistelle, andernfalls werde die Vereinigung nach wie vor nur flärung des Genossen Fischer habe ich zu bemerken: Unmöglich Freitag bis Montag: Unbeſtimmt immer Pionierarbeit für den großen Verband leisten. Wenn Zentral Theater. Sonntag und Montag: Der Zigeunerbaron. wirklich der Idealismus in so hohem Grade vorhanden sei, wie es ist es, die Aeußerungen eines Redners tortgetreu im Berichte Einmal reicht der Naum des Mittwoch: Die Fledermaus. Donnerstag Vorwärts" dazu bis Sonnabend: Der Rastelbinder. Dienstag: Der Rastelbinder. Biele vermeinen, dann bestehe doch erst recht keine Gefahr, daß wiederzugeben. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die die fakultative Einführung von Unterstützungseinrichtungen bald ein nicht aus, zweitens würden einige Aeußerungen sich wiederholen. Fledermaus. Abends: Die Geisha. Montag: Der Zigeunerbaron. Obligatorium nach sich ziehen werde. Die Reden können nur in gedrängter Form natürlich ihrem Sinne Carl Weiß- Theater. Sonntag und die folgenden Tage: Adele. gemäß geschildert werden.( Genosse Fischer nennt das Zu Thalia- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Bis früh um Fünfe. sammenwürfeln.) In dieser Weise ist auch der fragliche Bericht ver- Sonntagabend bis Sonnabend: Wenn die Bombe plagt. Sonntag nachmittag faßt. Jeder aufmerksame hier in Betracht kommende Versammlungs- 3 Uhr: Bis früh um Fünfe. Sonntagabend und Montag: Wenn die besucher wird die Objektivität des Berichtes bestätigen. Bombe platt. Der Berichterstatter. Residenz Theater. Sonntag und die folgenden Tage: Die Höhle des Löwen. Die sehr lebhafte Diskussion nahm den ganzen Abend in AnSpruch und Für- und Gegenreden wechselten miteinander ab. " Russow ist der Ansicht, man solle lieber flein bleiben, als durch Einführung des Unterstüßungswesens das Prinzip lockern, wenn er auch zugeben wolle, daß es unter den Mitgliedern mehr Materialisten wie Idealisten" gebe. Wenn der Wiesenthalsche Ver- Allgemeine Familien- Sterbekasse.. Heute: Zahltag Aderstr. 123 band es ehrlich meine, dann möge er einfach zur Vereinigung über bei Wiesenthal und Mariannenstr. 48 bei Liebehenschel von 3-6 Uhr. treten, sonst sei anzunehmen, daß die Verschmelzungsgeschichte nur Friseurgehülfen Rigdorfs. Montag, den 27. August d. I., abends deshalb in die Wege geleitet sei, weil dem neuen Verband der 9 Uhr, im Deutschen Wirtshause, Rirdorf, Bergstr. 137: Allgemeine " Vorwärts" gesperrt ist und er infolgedeffen gewissermaßen an der Behülfenversammlung. Tagesordnung: 1.' Rechte und Pflichten des Gehülsenausschusses. Referent Altgehülje Will. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Leine hänge. Das Erscheinen sämtlicher Gehülfen ist notwendig. Pietonta tritt für die Verschmelzung und damit auch für die fakultative Einführung des Unterstüßungswesens ein. Bisher sei zwar immer gesagt worden, die Vereinigung wolle den Sauerteig in der deutschen Metallarbeiterschaft bilden. Doch wenn wir ehrlich sein wollen, müssen wir gestehen: Wir bilden einen Sauer: teig, der nur in seinem eigenen Faß versauert." Groth als entschiedener Gegner des Unterstützungswesens fragt, weshalb man sich denn vor sieben Jahren überhaupt erst bom Metallarbeiter- Verband abgesondert habe, wenn man jetzt selbst andere als Kampfunterstützungen in irgend welcher Form einführen wolle. Schröder teilt mit, die Verschmelzung sei so gedacht, daß sich beide Organisationen, die Vereinigung wie auch der neue Verband, auflösen und dann eine neue Organisation mit einheitlichen Statuten gründen sollten. Im übrigen erklärte er sich in längeren Ausführungen gegen die Unterstüßungseinführung. Es würde sich auch gar bald herausstellen, daß die Mittel der selbständigen Unterstüßungstasse nicht ausreichten. Deder meint, wenn es sich nicht um die 2000 Mann des neuen Verbandes handelte, würde man sich niemals auf einen solchen Kuhhandel eingelassen haben und damit die alten Prinzipien verleugnen. Gehe man jetzt den empfohlenen Schritt, so habe der „ Vorwärts" ganz recht, wenn er dem legten Kartellbericht die Ueberschrift gab: Weshalb also noch abseits?" Er empfahl, die Verschmelzungsverhandlungen mit dem neuen Verband einfach abzubrechen und sich nur mit einem Kartellverhältnis bei Lohnfämpfen zu begnügen. Irgend eine Besorgnis, daß die Vereinigung in sich selbst versauern werde, hegt er nicht. Wiesner bekennt sich nach wie vor als prinzipiellen Gegner des Unterstützungswesens, meint aber, wenn die Mitglieder die Einführung wollen, dann solle man es auch tun. Wiesenthal, der mit ein als Gast anwesend war, ging ausführlich auf die Gründung des neuen Verbandes ein und bemertte dabei, es würde in kurzem eine Broschüre den sämtlichen Parteitagsdelegierten zugehen, in welcher die Ursachen der Absplitterung der Rohrlegergruppe vom Metallarbeiter- Berband flargelegt feien. Dann werde man in der Partei zweifellos anders über die Sache urteilen wie jest. Die Vorwärts" sperre betreffend sagte er im Anschluß an eine ähnliche Aeußerung Wiesners: Wenn wir erst eine Macht sind, dann öffnet sich uns der Vorwärts" ganz von selbst." Jm Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publitum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Sonntag, den 26. Auguft. Anfang 7%, Uhr. Opernhaus. Die Zauberflöte. Montag: Die Meistersinger von Nürnberg. Anf. 7 Uhr. Schauspielhaus. Wilhelm Tell. Montag: Der Schwur der Treue. Neues Operntheater. Galathé. Das goldene Kreuz. Montag: Troubadour. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Montag: Die Fledermaus. Anfang 8 Uhr. Leffing. Der Biberpelz. Nachm. 3 Uhr: Rosenmontag. Montag: Rosmersholm. Berliner. Sherlock Holmes. Montag: Dieselbe Borstellung. Schiller 0.( Wallner Theater.) Carmen. Nachm. 3 Uhr: Die Zauberflöte. Montag: Das Nachtlager von Granada. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Der Trou badour, Montag: Beh dem, der lügt! Komische Oper. Hoffmanns Er zählungen. Montag: Diefelbe Vorstellung. Westen. Die lustige Bitme, Montag: Dieselbe Borstellung. Residenz. Die Höhle des Löwen. Montag: Dieselbe Borstellung, Zentral. Der Zigeunerbaron. Montag: Dieselbe Borstellung. Trianon. Die Notbrücke. Montag: Diefelbe Vorstellung. Lustspielhaus. Spazenliebe. Montag: Dieselbe Borstellung. Kleines. Ein idealer Gatte. Nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Ein idealer Gatte. Carl Weik. Adele. Nachmittags 3 Uhr: Adele. Montag: Adele. Deutsch Amerikanisches. wilden Westen. Im Nachmittags 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Montag: Jm wilden Westen. Metropol. Auf ins Metropol. Montag: Dieselbe Borstellung. Apollo. Berlin im Omnibus. Das blaue Bild. Spezialitäten. Montag: Diefelbe Borstellung. Thalia. Wenn die Bombe platt. Nachmittags 3 Uhr: Bis früh um Fünfe. Montag: Bis früh um Fünfe. Luifen. Die Hochzeit von Baleni. Nachmittags 3 Uhr: Die Ahnfrau. Montag: Die Hochzeit von Baleni. Wintergarten. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Meichshallen. Stettiner Sänger. Carl Haberland. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch Vesuvs. Montag: Dieselbe Borstellung. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Urania. L. Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. Montag: Dieselbe Vorstellung. Z CARTEN Heute Sonntag 50 PI. Eintritt Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Nachmittags ab 4 Uhr: Militär- Doppel- Konzert. Morgen sowie täglich: Militär- Doppelkonzert. | Die Freie Turnerschaft Ober- Schöneweide, M. d. A.-T., hält heute nachmittag 2 Uhr auf dem Spielplate an der Köpenider Chaussee( zwischen Weißenburg und Sadowa) ihr Schauturnen ab. Freunde und Gönner des Vereins sind hierzu freundlichst eingeladen. Abmarsch Punkt 2 Uhr vom Genossen Schulte, Wilhelminenhofstr. 43. Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Die Zauberflöte. Montag: Die Meistersinger von Nürnberg.( Anfang 7 Uhr.) Dienstag: Mignon. Mitt woch: Fidelio. Donnerstag: Orpheus und Eurydike. Freitag: Die Entführung aus dem Serail. Sonnabend: Ein Kaisertag in Nürnberg. Sonntag: Undine. Montag: Tannhäuser. Schwur der Treue. Königl. Schauspielhaus. Sonntag; Wilhelm Tell. Montag: Der Dienstag: Göt von Berlichingen.( Anfang 7 Uhr.) Mittwoch: Die Quizows. Donnerstag: Stönig Heinrich IV. I. Teil. Freitag: Der Erbförster. Sonnabend: Doktor Klaus. Sonntag: Die Quizons. Montag: Ein Kaisertag in Nürnberg. Damenfrieg. Neues Königl. Operntheater. Sonntag: Die schöne Galathé. Das goldene Kreuz. Montag: Troubadour. Dienstag: Das Heimchen am Herd. Mittwoch: Der Barbier von Sevilla. Die schöne Galathé. Donnerstag: Die Fledermaus. Freitag: La Traviata. Sonnabend bis Montag: Geschlossen. Leffing- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Rosenmontag. Abends: Der Biberpelz. Montag: Rosmersholm.( Anfang 7%, Uhr.) Dienstag: und Bippa tanzt. Mittwoch: Die Weber. Donnerstag: Nora.( Anfang 72 Uhr) Freitag: Ein Boltsfeind.( Anfang 7, Uhr.) Sonnabend Fuhrmann Henschel.( Anfang 7 Uhr.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die berfunkene Glocke. Abends: Fuhrmann Henschel. Montag: Rosmersholm. ( Anfang 7 Uhr.) Montag: Ein Sommernachtstraum. Dienstag: Erdgeist. Mittwoch: Der Deutsches Theater. Sonntag: Der Kaufmann von Benedig. Kaufmann von Benedig. Donnerstag: Ein Sommernachtstraum. Freitag: Cäsar und Kleopatra. Sonnabend: Der Kaufmann von Venedig. Sonntag: Gin Sommernachtstraum. Montag: Der Kaufmann von Benedig. Neues Theater. Sonntag bis Donnerstag: Geschlossen. Freitag bis Montag: Der bürgerliche Edelmann. 0 Kasino Theater. Sonnabend, 1. September: Alerander der Große. Palast Theater. Sonnabend, 1. September. Der Sommerleutnant. Spezialitäten. Reichshallen Theater. Stettiner Sänger. Metropol Theater. Auf- ins Metropol! Apollo Theater. Sonntag und die folgenden Tage: Berlin im Omnibus. Spezialitäten. Passage Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haverland: Theater. Spezialitäten. Deutsch- Amerikanisches Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Sonntagabend und die folgenden Tage: Im wilden Westen. # Urania Theater. Taubenstraße 48/49. Der jüngste Ausbruch des Vesuv. Donnerstag: Die deutsche Ostseeküste. Freitag: Im Lande der Mitternachtssonne. Eingegangene Druckfchriften. Aussperrungsfieber der Metallindustriellen. Ein Beitrag zur Aussperrung in der Kreishauptmannschaft Dresden im April 1906, Bearbeitet von M. Haack und M. Heldt. 71 Seiten. Preis 50 Pf. Verlag M. Haad, Dresden- N., Weimarischestr. 12, I. Jahresbericht des Zentralvorstandes des sozialdemokratischen Zentrals vereins für den 6. schleswig Holsteinischen Reichstagswahlkreis, vom 1. Juli 1905 bis 30. Juni 1906. 35 Seiten. Verlag E. Eilfen in Ottensen. Die Bewegung der städtischen Arbeiter. Geschäftsbericht des Vorstandes des Verbandes der in Gemeinde- und Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter und Unterangestellten. 222 Seiten. Preis 50 Pf. Selbstverlag des Verbandes, Berlin W. 30. Wissenschaft oder Glaube? Von Dr. Alb. Daiber. 98 Seiten. Preis geheftet 1 M. Verlag von Strecker u. Schroder, Stuttgart. Auf zum Kampfe für die Reform des preußischen Wahlrechts. Broschüre 8°. Einzeleremplar 20 Pf., 1000 Stüd 50 M., bei größerer Abnahme Preis nach Vereinbarung. Buchdruckerei J. H. Born, Elberfeld. Chronisch falte Füße, Wesen, Wirkung, Berhütung und Heilung. Die Fettleibigkeit, Ursachen, BerVon Dr. Drlob. Preis 30 f hütung und Heilung. Von Dr. Kollegg. Preis 1 M. Verlag von Edmund Demme, Leipzig. Dr. C. Volkmann, Wie erhält sich der Arbeiter sein einziges Gut, die Gesundheit? 32 Seiten. Preis 60 Pf. Verlag W. Krüger, SteglitzBerlin. 8. Geschäftsbericht der Aachener Lederfabrik A.-G. in Aachen für 1905/6. Selbstverlag. Großstadt: Dokumente. Band 8. Berliner Banten. Von G. Berne Theater des Westens. Sonntag bis Sonntag: Die lustige Witwe. hard. Preis 1 M. Verlag H. Seemann Nachflg. Berlin SW. 11. Volkswirtschaftliche Abhandlungen der Badischen Hochschulen. Montag: Die lustige Witwe. Schiller- Theater 0. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Bauberflöte. VIII. Band. 4. Heft. Die Lage der Orchestermusiker in Deutschland, von Abends: Carmen. Montag: Das Nachtlager in Granada. Dienstag: Dr. H. Walk. Preis im Abonnement 1,80 M., Einzelheit 2,40. Berlag Der Bostillion von Longjumeau. Mittwoch: Der Freischüß. Donnerstag: G. Braunsche Hosbuchdruckerei in Karlsruhe. Der Troubadour. Freitag: Fidelio. Sonnabend: Frau Inger von Destrot. Französischer Sprachführer von Paul Martin und Dr. Dslar Sonntag nachmittag 3 Uhr: Helden. Abends: Frau Inger von Destrot. Thiergen. 223 Seiten mit 6 Kartenbeilagen. Preis gebunden 3 M. Montag: Das Lumpengesindel. Berlag E. Haberland, Leipzig- R. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Morwitz- Oper. Sonntag, nach m. 3 Uhr, bei halben Preisen: Die Zauberflöte. Große Dper von W. A. Mozart. Sonntag, abends 8 Uhr: Carmen. Dper in 4 Aften von Bizet. Montag, abends 8 Uhr, bei halben Preisen: Das Nachtlager in Granada. Dienstag, abends 8 Uhr: Borlegtes Gastspiel Heinrich Bötel: Der Postillion von Lonjumeau. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Heute und folgende Tage: Sherlock Holmes. Anfang 8 Uhr. Kleines Theater. Nachmittags Nachtafyl. 3 Uhr: Morwitz- Oper. Sonntag, abends 8 Ulbr: Regte Opernvorstellung und Abschied Heinrich Bötel: W Der Troubadour. Gr. Oper in 4 Aften von G. Verdi. Montag, abends 8 Uhr: Eröffnung der Schauspiel Saison. Weh' dem der lügt. Lustspiel in 5 Aufz. v. F. Grillparzer. Dienstag, abends 8 Uhr: Weh' dem der lügt. Im Garten tägl. gr. Militär- Konzert. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Nachmittags: Die Ahnfrau. Abends: Die Hochzeit von Valeni Montag: Die Hochzeit von Valent. Dienstag zum erstenmal: Rosenmüllers Finke. Mittwoch: Die Ahnfrau. Rosenmüllers Finte. Gin idealer Gatte. Lustspielhaus. Montag: Ein idealer Gatte. Dienstag: Kinder der Sonne. Komische Oper. Heute abend 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Täglich 8 Uhr: Spatzenliebe. Residenz- Theater. Direktion Richard Alerander. Heute und folgende Tage Anf. 8 Uhr: Montag zu volkstümlichen Pr.: Die Höhle des Löwen. Hoffmanns Erzählungen. Dienstag: Hoffmanns Erzählungen. Berliner Aquarium Trianon- Theater. Unter den Linden 68a Eingang Schadow- Straße No. 14. Heute Sonntag: Eintrittspreis 25 Pf. Reichhaltigste Ausstellung der an lebenden Seetieren, Welt Anfang 8 Uhr. Schwant in 3 Aften v. 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Die Verkäuferinnen in 40 Geschäften Bettwäsche in 15 Fällen nicht gewechselt. In einem Betrieb mit müssen 3 bis 8 Stunden, durchschnittlich 6,6 Stunden arbeiten. Pro Woche arbeiten die Gesellen, Hülfsarbeiter und Lehrlinge durchschnittlich 94% Stunden, die Verkäuferinnen 97% Eine öffentliche Versammlung der Schlächtergesellen tagte am Stunden. Mittwoch im„ Musikerheim" in der Kaiser Wilhelmstraße. Nach Der Durchschnittslohn der Gesellen betrug 13,97 m. einem sehr interessanten und lehrreichen Vortrag des Herrn Kand. pro Woche; rechnet man 12,25 M. für Koft und Logis, so ergibt das med. Erwin Bab über„ Die Geschlechtskrankheiten, 26,66 M. Auf die Stundenzeit umgerechnet ergibt das 27,7 Pf. ihre Entstehung und Heilung", referierte der Verbands- pro Stunde. oorsitzende Paul Hensel über" Die erbärmlichen 2ohn- Maschinenbetrieb ist fast überall vorhanden, doch sind and Arbeitsverhältnisse der Berliner Fleischer- in 17 Betrieben keine Schußvorrichtungen, in 8 Fällen sind sie gesellen nach den neuesten statistischen Gr= sehr mangelhaft. Die Vorschriften der Fleischer- tücher. Wegen der schlechten Verschließbarkeit der Schlafräume hebungen". Der Zweck dieser Erhebungen sei: 1. ein Gegen- berufsgenossenschaften sind in 6 Betrieben unleserlich, stück zu den reichsstatistischen Erhebungen zu erbringen, die den in 27 Betrieben fehlen sie gänzlich. tatsächlichen Verhältnissen wegen der durch viele Meister auf die Gefellen ausgeübten Beeinflussungen durchaus nicht entsprechen, 2. die Schäden im Gewerbe aufzudecken, weil durch die Innungen nichts verbessert wird, 3. die Regierung auf Grund der Ergebnisse zu veranlassen, endlich gesetzliche Bestimmungen zu treffen( Marimalarbeitstag, strenge Kontrolle der Arbeits- und Schlafräume usw.). Fragebogen für die Erhebungen des Zentralverbandes der Fleischer und Berufsgenossen Deutschlands waren etwa 4500 Stück an 400 Orte verausgabt, leider gingen aber nur aus einigen 40 Orten etwa 450 Stück beantwortet ein. Aus Berlin und den Vororten gingen Fragebogen von 93 Betrieben ein, in denen 336 Gesellen, 48 Hülfsarbeiter, 7 Lehrlinge, 112 Verkäuferinnen und 5 Buchhalter resp. Buchhalterinnen, also zusammen 508 Personen beschäftigt waren. Die Gesellen standen im Alter zwischen 18 und 54 Jahren. Das Durchschnittsalter dieser 336 Gesellen betrug 23,4 Jahre. Ueber 30 Jahre waren nur 28, über 25-30 Jahre 75 Gesellen, 18-25 Jahre 233 Gesellen; ein Beweis, daß mit wenigen Ausnahmen nur jüngere Gesellen beschäftigt werden. Verheiratet waren von allen 508 Personen nur 14. Die Beschäftigungsdauer betrug bei 5 Gesellen je 10, 7, 6, 5 und 4 Jahre, bei 2 Gesellen 3, bei 1 Gesellen 24, bei 4 je 2, bei 3 je 1½ Jahre, bei 1 Gesellen 13 Monate, bei 9 je 1, bei 7 je%, bei 16 je 2 Jahr; bei 1 Gesellen 24, bei 7 je 22, bei 2 je 20, bei 2 je 17, bei 1 Gesellen 15, bei 22 je 13, bei 4 je 12 Wochen usw. und endlich bei 13 Gesellen je 4, bei 7 je 3, bei 14 je 2 und bei 16 Gesellen je 1 Woche. Bei 164 Gesellen, welche diese Frage beantwortet hatten, ergab der Durchschnitt 20 Wochen. Rechnet man jedoch die ersten 5 Gesellen, die sich in Ausnahmestellungen befinden, nicht mit in die Durchschnittsberechnung, weil der häufige Stellenwechsel an der Tagesordnung ist, so ergibt die Durchschnittsdauer nur 4 Wochen. Daß die Stellenvermittler hierbei gute Geschäfte machen, leuchtet wohl ein. Die tägliche Arbeitszeit betrug im niedrigsten Falle 12 Stunden, im höchsten Fall 19½ Stunden. In den 93 Betrieben durchschnittlich Wochentags 15,1 Stunden. Von Pausen ist keine Rede und während der Mahlzeiten stehen die Beschäftigten meist unter der Kontrolle des Meisters, damit dieselben nicht zu sehr ausgedehnt werden. Die Arbeitszeit der Hülfsarbeiter und Lehrlinge steht im gleichen Verhältnis zu der der Gesellen. In einem Betrieb müssen sogar 2 Lehrlinge täglich 17% Stunden arbeiten. Ueber die Arbeitszeit der Verkäuferinnen wird aus 45 Geschäften berichtet. Dieselbe dauert zwischen 14 und 16% Stunden täglich, durchschnittlich 15% Stunden, trotzdem gefebliche Bestimmungen über die Mindestruhezeit von 11 Stunden bestehen. Ueber Sonntagsarbeit der Gefellen wird aus 89 Betrieben berichtet. Es wird 2 bis 10 Stunden gearbeitet. Durch Von 91 Arbeitsräumen wird berichtet, daß 37 über der Erde, 16 teils unter, teils über der Erde liegen und 38 liegen unter der Erde. 20 derselben liegen 0,85 Meter bis 4 Meter unter dem Straßenniveau. Daß Schmuß, schlechte Luft und sonstige Schweinereien hier an der Tagesordnung sind, erscheint selbst dem Laien verständlich. Künstliche Beleuchtung während des größten Teiles des Tages ist in 48 Betrieben erforderlich; nur 36 Betriebe bedürfen während des Tages teine künstliche Beleuchtung. In 75 Betrieben stehen die Räucherkammern direkt in den Arbeitsräumen, obgleich dies gesetzlich verboten ist. Bei Kanalisation und Wasserabfluß herrschen bedenkliche Zustände. 50 Betriebe haben sogenannte Senfgruben, in denen das Wasser zusammenläuft. Bei 47 dieser Betriebe verbreitet sich beim Ausschöpfen dieser Gruben ein pestilenzartiger Geſtant. Berichtet wird noch, daß Gerätschaften, die zum Ausschöpfen dieser Bestgruben benützt werden, teils zu Betriebszwecken verwandt werden. Waschgelegenheiten fehlen in 59 Arbeitsräumen. In 4 Betrieben wird das Waschgeschirr zu Betriebszwecken benüßt. Seife und Handtücher fehlen in 76 Betrieben. Die Kost wird von 81 Betrieben imal als sehr gut, 29mal als gut, 25mal als genügend, 5mal als mittelmäßig, 15mal als läßt zu wünschen übrig" und 6mal als schlecht angegeben. Die Mahlzeiten werden teils gänzlich im Arbeitsraum, teils im Arbeitsraum und in der Wohnung des Meisters eingenommen. In 36 Betrieben halten die Meister die Gesellen von ihren Mahlzeiten fern. In 22 Fällen ist die Waschgelegenheit als ungenügend be zeichnet, in 7 Fällen erhalten die Gesellen nicht genügend Handwurden in 12 Fällen die Gesellen bestohlen. In einem Fall sind alle Sachen den Gesellen, in einem weiteren Fall sogar auch die Betten mitgestohlen worden. In 31 Fällen haben die Gesellen nicht genügend Raum zum Ankleiden. In 19 Fällen wird über Ungeziefer( Wanzen, Mäuse, Schwaben, Flöhe, Ratten und sogar einmal über Läuse) geklagt. Nachdem Redner noch die Klagen über das Stellenwuchersystem gestreift hatte, ermahnte er die Versammelten, sich nicht allzu sehr auf die Regierung zu verlassen, sondern zur Selbsthülfe zu greifen. Diese durchzuführen, gebe es nur einen Weg zu gehen, den Weg: in die Organisation und dann durch diese geschlossen für bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse einzutreten. Die darauffolgende Diskussion hielt sich im Rahmen des Referats. Eine Anzahl Kollegen traten dem Verbande bei. Eine Vertrauensmänner- Konferenz des Fabrikarbeiter- Verbandes befaßte sich am Donnerstag sehr eingehend mit den Beschlüssen des befaßte sich am Donnerstag fehr eingehend mit den Beschlüssen des fürzlich abgehaltenen Leipziger Verbandstages. Besonders rege war die Aussprache über den Punkt„ Grenzstreitigkeiten". Dazu wurde ausgeführt, es scheine, als seien die Vertreter anderer Organifationen nun der Meinung, daß nach den Beschlüssen des Verbandstages von jetzt ab unter den Hülfsarbeitern bestimmter Industrien, vor allem der Metallindustrie, überhaupt nicht mehr für den Fabrikarbeiter- Verband agitiert werden dürfe. Diese Auffassung sei eine irrtümliche. Von heute auf morgen lasse sich eine Spezialregelung auf diesem Gebiete nicht treffen, auch könne der organischen Entwickelung nicht vorgegriffen werden. Zur einstimmigen Annahme gelangte hierzu folgende Resolution: Die heute versammelten Vertrauensleute des Verbandes der Von 289 Gefellen haben 277 Wohnung beim Meister," Fabrik-, Land-, Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands", nur 12 haben eigene Wohnung. Die Beschaffenheit der Schlaf- Bahlstelle Berlin, stehen nach wie vor auf dem Standpunkte, daß sie räume gibt zu bitteren Klagen Anlaß, nur bereinzelt werden berechtigt find, in allen Fabriken, auch in denen der Metallindustrie, diefelben als gut bezeichnet. In 7 Fleischereien wohnen die Ge- in welchen Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt sind, für sellen im Keller, in 39 parterre, in 20 in der ersten Etage, in 4 ihren Verband zu agitieren. Ausgenommen von der in der zweiten Etage, in 8 Fleischereien dient der Dachraum als Aufnahme in den Verband der Fabritarbeiter Schlafgemach. In einem solchen Fall schlafen 14 Personen in sind gelernte und solche Arbeiter, welche einem Raum. In einem Stall schlafen 7 Gesellen in 3 Fällen, ausschließlich an Maschinen und als Atfordin der in einem Fall schlafen 2 Gesellen auf dem Heuboden, in zwei arbeiter Metallindustrie beschäftigt weiteren Fällen schlafen die Gesellen in der Küche und in einem sind. Die Vertrauensleute sind der Meinung, daß es diesen HülfsFall auf dem Korridor. 25 Schlafräume sind zum Teil gar nicht, arbeitern nicht möglich ist, die hohen Beiträge des Metallarbeiterzum Teil schlecht verschließbar. Ohne Fenster ist der Schlafraum verbandes zu erschwingen. Diese Hülfsarbeiter würden also, wenn in 3 Fällen, zum großen Teil wird über Mangel an Tageslicht, sie dem Fabrikarbeiterverbande nicht zugeführt werden dürften, entüber schlechte Luft, Feuchtigkeit usw. geklagt. Der Fußboden ist weder unorganisiert bleiben oder aber sich einem gegnerischen Ver in 2 Fällen zementiert, in 2 Fällen gepflastert. In einem Fall bande anschließen." fehlt der Fußboden. Daß die Schlafräume nur alle 4 Wochen oder auch gar nicht gereinigt werden, ist nicht selten angegeben. Die Betten stehen in 30 Fällen übereinander, regelmäßig dort, wo viel Gesellen beschäftigt werden. Auch müssen noch 2 Gesellen in einem Bett schlafen. Ueber Wechsel der Bettwäsche wird wegen allzu großem Gesellenwechsel nicht von überall berichtet. In 8 Fällen wird die Bettwäsche vierteljährlich nur 1mal, in 22 Fällen 2mal, in 23 Fällen 3mal gewechselt. Bei Personenwechsel wurde die Die Vertrauensleute waren einmütig der Ueberzeugung, daß Dieser Standpunkt sich mit den Verbandsbeschlüssen durchaus im Einflang befindet. Die Erörterung der Landarbeiterfrage wurde bis zur Generalversammlung verschoben. Einer Regelung der Rokalbeamtengehälter im Sinne der Verbandstagsbeschlüsse stimmten die Anwesenden ohne Debatte zu. Einsegnungs- Anzüge. 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Der Vorstand. 262/3 Musikinstrumenten- Arbeiter Berlins. Montag, den 27. August 1906, abends 6% Uhr: aller in den Wagenfabriken Berlins und Umgegend beschäftigten Arbeiter in den Musikerfälen, Kaiser Wilhelmstraße 18m. Zages Ordnung: 1. Welche Arbeitsverhältnisse hat unsere lehte Bewegung gezeitigt, und welche Aufgaben haben wir für die Zukunft? 2. Diskussion. 176/18 Kollegen aller Berufe! Sorgt für recht zahlreichen Besuch dieser für Euch alle so wichtigen Bersammlung. Zeigt, daß es Euch ernst ist mit der Verbesserung Eurer Lage. Kein Arbeiter darf fehlen! Mit Gruß Die Agitationskommission der Wagenfabriken Berlins u. Umg. Oeffentliche Versammlung Verband deutscher Gastwirtsgehülfen in den Andreas- festsälen, Andreasstr. 21. Tages Drdnung: 1. Der Streif bei Bell ut. Co. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert das Erscheinen aller Kollegen. Branchenkommission der Musikinstrumenten- Arbeiter des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes. Freie Vereinigung der Musikinstrumenten- Arbeiter. 91/ 11* ( Ortsverwaltung Berlin) Bureau: Berlin C., Dircksenstr. 39 I. Telephon: Amt III 1813. Die Stontrollkarten für unsere Mitglieder für das 3. Quartal 1906 find bon weißer Farbe mit schwarzen Kreuzbalfen, worauf wir zu achten bitten. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß der Verband deutscher Gastwirtsgehülfen und der Gastronomische Gehülfenverband nicht identisch sind. Der Vorstand. [ 267/7] Deutscher Holzarbeiter- Verband. Deutscher Buchbinder- Verband. Achtung! Sitzmöbel- Tischler! Achtung! Zahlstelle Berlin. Mittwoch, den 29. August 1906, abends 8 1hr: Montag, den 27. Nagut, abends 8% fr, in Gewerkschaftshause, Oeffentl. Versammlung August, im Engel- Ufer 15, Saal 8: Von der Reise zurück. 211/2 LindenDr. Ernst Gebert, Straße 6. Spezialarzt für Hautleiden. Von der Neise zurück 212/1 Eduard Pingel nebst Frau von den Funktionären der 10. Abteilung. Rigdorf, d. 26. 8. 06. Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berliner Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 22. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Franz Geicke Fehrbellinerstr. 32. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Bions- Kirchhofe in Nieder- Schönhausen statt. 249/11 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Otto Winkler am 23. August verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 26. Auguft, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Staligerstr. 79, aus nach dem Dr. Jacobsohn, Augenarzt, Emmaus- Stirghofe ftatt. Prenzlauerstraße 12a. aller i. d. Geschäftsbücherfabriken Berlins beschäftigten Dr. Simmel, Vertrauensmänner- Versammlung. Suchbinder, finiierer und Buchbinderei Arbeiterinnen Die Möbelfabriken haben auch einen Vertrauensmann zu entsenden. Tages- Ordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Perlmutter, Horn- u. Steinnußarbeiter! im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c. Tages Ordnung: 1. Die Antwort der Fabrikanten auf unsere Forderungen. 2. Stellung nahme. 3. Branchenangelegenheiten. Zahlreichen Besuch erwartet 25/12 Die Ortsverwaltung. Branchen- Bersammlung Gast- und Schankwirte im Gewerkschaftshause, Engel Ufer 15( Saal 7). Zages Drdnung: Berlins und Umgegend. von Keller, Koppenstr. 29: 1. Vortrag des Kollegen A. Siebel über„ Arbeitslohn und Unter- Dienstag, den 28. August, nachm. präzise 4 Uhr, im großen Saal nehmergewinn". 2. Diskussion. 3. Differenzen bei Abramowski. 4. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Die Kommission. PrinzenSpezialarzt für 137/ 13* Hant. and Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Verlag Hat Richter Berlin W. 30 Speyererstr. 27. über 3000 Exempl. verkauft Die Harnleiden Ihre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von Dr. med. Schaper, BERLIN Preis 1 Mark, Zahn- Klinik, beliebige Zeil. Oeffentliche Versammlung Olga Jacobson, Achtung! Kammacher und Haarschmuckarbeiter Achtung! aller Gaft- und Schankwirte Groß- Berlins u. Umg. Mittwoch, den 29. August 1906, abends 8%, Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 270: Zages Drdnung: 1. Stellungnahme zu den uns vom Verein der Branchen- Versammlung Bayrischbier- Brauereien zugesandten Zirkularen. 2. Dis fussion. Zages Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Leopold. angelegenheiten. 4. Berschiedenes. 2. Diskussion. 3. WerkstattDie Kommission. Korbmacher Montag, den 27. Auguft, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: Versammlung Zages Drdnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet DI Die Kommission. Einsetzer! Mittwoch, den 29. August, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer Nr. 15( Saal D): Die Einkaufskommission 69/19 * Preise zahlung. Invalidenstraße 145. Um rege Beteiligung ersucht 91/15 Die Ortsverwaltung. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands, Zweigverein Berlin. Am 11. August verstarb plötzlich unser Kollege Alois Haug im Alter von 54 Jahren an unbekannter Todesursache im königl. Polizeipräsidium. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 26. August, nach mittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Hedwigs- Kirchhofes in Hohen- Schönhausen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 146/20 Der Vorstand. Zentralverband der Hygienische Schuhmacher Deutschlands. Bedarfsartikel. Neuest. Katalog m. Empfehl.viel. Aerzte u.Prof. grat. u.fr H. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. Friedrichstrasse 91/92, des Verbandes der freien Gaft- und Schankwirte Deutschlands. Kassenbäder jeder Art AugustaVerwaltungsstelle Berlin. Englischer Garten, Alexanderstr. 27c. Bringe meine vier Säle( 75-500 Personen fassend) zu Festlichkeiten, Bersammlungen usw. hiermit in Erinnerung. Sonnabende und Sonntage im September, Oktober, November usw. noch fret. 20632 Max Queißer, Gastwirt. Möbel! 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Verband d. Isolierer u. Steinholzleger Deutschl. Bureau und Arbeitsnachweis: Dragonerstr. 15. Sonntag, den 26. August, nachmittags 5 Uhr, bei Patt, Dragonerstraße 15: Mitglieder Versammlung der Steinholzleger Berlins und Umgegend. Zages Ordnung: 1. Bericht des Geschäftsleiters und Vorstandes über die Zugeständnisse der Arbeitgeber zu unseren Forderungen und Stellungnahme dazu. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. Kein Kollege darf in dieser Versammlung fehlen. 267/8 Der Vorstand. Möbel- Fabrik von A. SCHULZ, Reichenberger Straße 5 ( gegründet 1878) Ce empfiehlt ihr großes Lager nur anerkannt gediegener Möbel in jeder Holz- und Stilart von 300, 400, 500, 600 bis 10 000 Mk. Auch fertige Sofas, Garnituren und Matratzen eigener Fabrikation zu äußerst billigen Preisen. 2036L* 24000 Hauptgewinn W. Mark 10.000 Lose à 1 Mk. 11 nur 10 Mk. Porto und Liste 20 Pfg. empfiehlt das Generaldebit H. C. Kröger Berlin SW., Friedrichstr. 250. Zu haben in allen Lotteriegeschäften und vielen Zigarrenhandlungen. 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Nr. 198. 23. laljrpig. tilM des Jotiuirlf Kerlim MWliilt. Sonntag, 26. Angnst 1906. Partei- Hngelegcnbeiten� Zur Lokalliste. In Alt-Glienicke steht das Lokal von Haberecht der Arbeiterschaft zu den bekannten Bedingungen zur Ver- stigung. Bitte auszuschneiden und der Lokalliste bei- z n f n gen. Aus Wunsch der Parteigenossen von Schmargeudorf richten wir an alle organisierten Kutscher das dringende Ersuchen, die Steh- bierhalle„Waldpark' in Schmargendors streng zu meiden. Die Lokalkommission. Friedrichsfelde. Dienstag, den 23. August, abends g'/z Uhr: Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins im Lokal des Herrn Bausdorf. Berlinerstr. 18. Tagesordnung: 1. Vor- trag des Genossen R. Fendel über: Partei und Geiverkschaft. 2. Diskussion. 3. Wahlen. Mitglieder werden aufgenommen. Schmargeudorf. Am Dienstag, den 28. August, abends 8'/z Uhr, findet im Cafö Pein, Hubertusbaderstr. 8, eine Mitgliederversammlung des hiesigen Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung sieht unter anderem: Vortrag des Genossen Thielicke-Friedenau über„Die wahren Arbeiterfreunde". Gäste, auch �"auen, sind willkommen. Die Genossen sind ersucht, für die Versammlung zu agitieren und selbst pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Nicder-Schönhauscn. Die WahlvereinSvcrsammlung findet am Dienstag, den 28. August, abends pünktlich'/.ch Uhr, ihren Anfang. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag' des Arbeiter- fekrctärs Genossen Emil Di-tlmer über„Darwinismus und Arbeiter schaf t". Gäste willkommen. In dieser Ver- sammlung wird eine Broschüre verteilt. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Lankwitz. Dienstag, den 28. August, abends 8'/„ Uhr bei Retger, Calandrellistr. 27: Sitzung des Wahlvereins.'Genosse Grogcr referiert über das Parteiprogramm. Reinickendorf-Ost. Die Mitgliederversammlung findet am Dienstag abends tz'/z Uhr bei S a d a u, Residenzstr. 121 statt, I.Vortrag des Genossen Emil Eichler„Jena und Auerstädt" (Zeitbilder aus der preußischen Geschichte vor 100 Jahren). 2. Vereins- angelegenheiten(Bericht von der Kreisgeneralversammlung von Niederbarnim). Genossen! Diese wichtige Tagesordnung, besonders der lehrreiche Vortrag, verpflichtet jeden zum Besuch der Ver- sammlung. Der Vorstand. Nowawcs-Neucndorf. Heute Sonntag vormittag von 0—12 Uhr werden in den bekannten Lokalen Beiträge entgegen genommen sowie Neuaufnahmen für densozialdemokratischcn Wahlverein vollzogen. Nach- mittag von 3 Uhr ab findet in beiden Lokalen, Schnndt und Singer, unser Sommerfest statt. Reger Besuch wird erwartet. Die Komiteemitglieder werden ersucht, sich am Vormittag bei Singer einzufinden._ Der Vorstand. Berliner)Vacbricbten. Ueder den Byzantinismns in der bürgerlichen Presse könnte man täglich eine besondere Rubrik füllen. Wir haben wiederholt Proben davon unseren Lesern zum besten gegeben. Dieser Tage beschäftigte sich die„National-Zcitung" mit dem König Eduard von England und seinein Badeaufenthalte in Marienbad und verbrach folgende Sätze: „Ein Hauptinteresse bringt das Kurpublikum natürlich(I) der K l e i d u n g des Königs entgegen.„Haben Sie ihn heute schon gesehen, und was hat er angehabt?" das ist jetzt die ständige Frage aller Bekannten. Nun zur Beruhigung für die, die nicht des Vergnügens teilhaftig werden, mit„Onkel" Eduard" zugleich Kurgast hier zu sein: der König trägt morgens weiße Beinkleider, mit welchen er, wie ein Berliner Witzling be- hauptete, das Wetter verdirbt, da es jeden Tag einige Stunden regnet, blaue Weste und Jakett und weichen grauen Filzhut. Nach- mittags sieht man den Herrscher Englands meist mit einem grauen Modeanzug, farbiger Krawatte mit kleiner Brillantnadel und steifem grauem Filzhut mit breitem schwarzen Band. Beim Gehen stützt sich der König auf einen ziemlich derben Stock, da ihm äugen- scheinlich sein vor einiger Zeit gebrochener Fuß noch Beschwerden verursacht." In einem anderen Satze heißt es: „Nach dem Kirchgang begrüßten die diversen, ebenfalls zur Kur hier weilenden Fürstlichkeiten im Hotel Weimar den König, wo er auch die Huldigung der österreichischen Offiziere empfing, denen er jedem einzelnen die Hand reichte. Ein junger Leutnant schenkte den waschledernen Handschuh, den König Eduard berührt hatte, seiner Angebeteten, die ihn einrahmen und so zum Andenken aufbewahren will." Das schönste ist der Hymnus auf die Badewanne, in der König Eduard seinen Körper badet. Da heißt es wörtlich: „Um 12 Uhr mittags nimmt Eduard VII. sein Bad. Dem Ferdinands-Brunnen ist es vergönnt, seine heilkräftigen, nerven- stärkenden Wässer dem königlichen Gaste zu spenden, und die Fürstenzelle, die für 10 Kronen jedem auch nichtfürstlichen Be- suchcr zur Verfügung steht, ist sehr begehrt. Man denke sich d a s Glück, dieselbe Wanne benutzen zu können, der ein König seine gesalbte Person anver- traut." Natürlich beschäftigt sich die bürgerliche Presse noch lieber mit den Angelegenheiten des preußischen königlichen Hauses, und wie es sich von selbst versteht, in gleich serviler Weise. Den Vogel schießt da wie immer der„Lokal-Anzeiger" ab. Dieser Tage brachte er eine Schilderung aus dem Kinderzimmer des jüngsten Hohenzollern. Da wird aufs haarkleinste beschrieben, wie das Bett des jungen Sprößlings beschaffen ist; die Bett- Wäsche und alles sonstige, was da notwendig und nicht notwendig ist, wird bis aufs Tüpfelchen überm„i" geschildert. Gestern fütterten eine Anzahl bürgerlicher Blätter ihre Leser mit der Neuigkeit, daß der Krön- prinzensohn nicht weniger denn 19 Taufpaten erhalte, zählten gewissenhaft die Namen der Auserwählten auf und konstatierten mit dem nötigen Patriotismus, daß alle lebenden Vorfahren des Kronprinzenpaares unter den Taufpaten des Sohnes sich befinden. Lieb Vaterland, kannst ruhig sein! Die Arbeiter aber sollten aus dieser Selbstcharaktcristik der bürgerlichen Presse, die sie und ihre Bewegung obendrein bei jeder Gelegenheit beschimpft, lernen, daß sie es sich selbst schuldig sind, Blätter dieses Schlages aus dem Hause zu ver- bannen und nur ihre Presse, die Arbeiterpresse, zu halten. Ilclier elektrische Zugbelcuchtung» mit besonderer Berücksichti- gung des Bahnpostdienstcs, berichtet der Oberpostsekretär Rolle folgendes: In den letzten acht Jahren ist die Zahl der elektrisch beleuchteten Bahnpostwagen von 1108 auf 1561 gestiegen, das sind rund 85 Proz. des Gesamtbestandes. Für die Wagen, welche mit reinen Akkumulatoren ausgerüstet sind, bestehen zum Laden der Batterien 30 Ladestellen, davon vier auf Berliner, drei auf Leip- giger, zwei auf Breslaner Bahnhöfen usw. Am Lehrter Bahnhof in Berlin ist unlängst die Einrichtung getroffen worden, daß, um die Batterien der Nachtschnellzüge zu entlasten, die Glühlampen '. während der Vor- und Nacharbeiten der Postbeamten aus der Zentrale unmittelbar entnommen werden; es geschieht dies durch Zuführung des Stromes mittelst einer biegsamen Verbintlungs- leitung, welche an die Kontakte der Wagen angeschlossen werden. Der Umstand, daß die schwer zu handhabenden Batterien viel Raum erfordern, hat zu weiteren Neuerungen geführt. Zunächst hat man in den Bricfposträumen der Wagen eine sparsamer und Wirtschaft- licher brennende Lampe angewendet, wiewohl diese fünfmal so teuer ist als die bisher gebrauchte. Sodann sind erfolgreiche Ver- suche gemacht worden mit Dynamomaschinen, die von der Wagen- achse auS angetrieben werden und so selbsttätig den Lichtstrom erzeugen. Diese Maschinen sowohl wie die zur Aufspeigcrung des Stromes dienenden Akkumulatoren sind unter dem Wagenkasten angebracht, beschränken also den Bureaurauin in keiner Weise. Durch eine sinnreiche Einrichtung erhält die Dynamomaschine eine von der Wagcnachse(mit der sie mittelst Treibriemen verbunden ist) völlig unabhängige, konstante Geschwindigkeit, wie sie zur Er- zeugung des Lichtstromes genügt. Ein selbsttätiger Schalter ver- hindert, daß Maschine und Batterie dauernd in leitender Ver- bindung bleiben, sonst würde sich die letztere beim Stillstehen des Wagens rückwärts wieder entladen. Eine ähnliche Vorrichtung bewirkt, daß die Stromrichtung beim Vor- und Rückwärtsfahren der Wagen sich gleich bleibt, da die Batterie sonst durch verkehrte Ladung zerstört werden würde. Das Bahnpostpersonal hat nur die Lichtanlage ein- und auszuschalten. In den D-Zügen Berlin- Sahnitz wird ein verbessertes System der selbsttätigen Strom- crzeugung erprobt; es unterscheidet sich von dem vorigen Haupt- sächlich dadurch, daß durch Widerstände die Spannungsschwankungen (die das Licht beeinflussen) besser reguliert und Maschine wie Batterie so bemessen sind, daß die letztere nur während der Be- lcuchtungszeit geladen zu werden braucht, am Tage aber beide ab- geschaltet sind. Das ersterwähnte(Stonesche) System hat sich bereits die ganze Welt erobert; mehr als 20 000 Eisenbahnwagen aller Art werden auf die geschilderte Weise beleuchtet; auf den preußischen Staatsbahncn, den Reichsbahnen, in Bayern usw. laufen zurzeit 110 mit diesem System ausgerüstete Wagen, darunter 12 Bahnpostwagen. Für die letzteren sind ührigens andere Gesichts- punkte maßgebend als für Personenwagen, vor allem darf die Postverwaltung in der beliebigen Verwendung ihrer Wagen, gleich- viel ob in TageS- oder Nachtschnellzügen, nicht beschränkt werden. Die Reichspostverwaltung hat, durch die günstigen Erfolge ermutigt, beschlossen, sämtliche 36 vom Potsdamer Bahnhofe ausgehenden Bahnpostwagen mit diesem System ausrüsten zu lassen. Das zweite von der Gesellschaft für elektrische Zugbeleuchtung eingeführte System hat ebenfalls schon eine erhebliche Verbreitung gefunden, zurzeit werden die von Berlin nach dem Osten gehenden Durch- gangszüge mit diesem System ausgerüstet. Die Kosten beider Systeme sind annähernd gleich: die Ausrüstung pro Wagen kostet bei 6 Flammen 3500 M.. bei 13 Lampen 4200 M.; für die Unter- Haltung sind 10 Proz. dieser Beträge zu vergüten. An den Eisen- bahnfiskus zahlt die Post„für die vermehrte Lokomotivkrast" eine Pauschalsumme. Im Kampfe gegen die Erwerbsarieit der Kinder hat Jahre hin- durch neben der Sozialdemokratie die Lehrerschaft in der vordersten Reihe gestanden. Mit unermüdlichem Eifer hat sie gegen die gewerbliche Nebenbeschäftigung noch schulpflichtiger Kinder immer wieder ihre Stimme erhoben, mit Umsicht und Fleiß hat sie zur Beleuchtung dieses Mißbrauchs das statistische Material zusammen- getragen. Daß wir schließlich ein Kinderschutzgesetz bekamen, das wenigstens der allergröbsten Ausbeutung der Kinder entgegen- tritt, das ist wesentlich dieser rührigen Mitarbeit der Lehrerschaft zu danken. Um so mehr müßte es da auffalle», wenn heute noch ein Lehrer selber es fertig bekäine, einem schulpflichtigen Kinde gewerbliche Nebenbeschäftigung auf- zupacken.' Wir inölbten so etwas nicht für möglich halten, wenigstens nicht in der Reichshauptstadt Berlin und ihrer näheren Umgebung. Aber aus Berlin-Südost hat man nns mitgeteilt, daß dort in letzter Zeit ein Knabe beobachtet worden ist, der anscheinend für einen Lehrer Hausierhandel trieb. De: Knabe trug auf dem Rücken eine Schulmappe und hatte darin eine Anzahl Gläser mit Honig, der nach Angabe der ausgeklebten Etiketts aus der Imkerei des Lehrers W. Haase in Treptow(Elsenstr. 85) herrührte. Er bot seine Ware in Ladengeschäften an, und zwar besuchte er nicht nur die unmittelbar an Treptow angrenzenden Straßcnviertel Berlins, sondern gelangte auf seinen Hausiergängen weit in die Luisenstadt hinein. Wir zweifeln nicht, daß der Mann, der diesen Knaben zum Hausierhandel mit Honig verwendete, das Kinderschutzgesetz in keinem Punkte verletzt haben wird. Dieses Gesetz ist ja lerder noch so lückenhaft, daß es derartiges innerhalb gewisser Grenzen immer noch gestattet. Aber es ist doch peinlich empfunden worden, daß es gerade ein Lehrer war. mit dessen Produkten der äugen- scheinlich noch schulpflichtige Knabe hausieren gehen mußte. Und, offen gestanden, wir sind hier etwas neugierig geworden. Wer mag den Knaben auf den Hausierhandel geschickt haben? Herr Haase selbst? Und in welchen Beziehungen mag der Knabe zum Lehrer Haase stehen? Ist er der eigene Sohn oder ein fremdes Kind? Die Ermittelungen, die hierüber von uns angestellt worden sind, haben bisher zu keinem sicheren Ergebnis geführt. Ucber das Schicksal des Grunewalds waren kürzlich ver- schiedene Mitteilungen in der Presse im Umlauf. Eine Kor- respondenz hat nun an zuständiger Stelle folgendes in Erfahrung gebracht: Die Ausholzungen dienen lediglich der Verjüngung des Waldbestands, der bei dieser Gelegenheit gleichzeitig durch Schmuck- anlagen verschönert werden soll. An Wegekreuzungen und-gäbe- langen usw. soll das Auge des Besuchers künftig in Baumgruppcn Abwechselung finden, in denen besonders das Laubholz vertreten sein wird; das hellere Grau der Birken- usw. Blätter, das Dunkel- rot der leuchtenden Rotciche usw. werden sich vorteilhaft von dem massigen und eintönigen Nadelwald abheben. Wo solche Lichtungen. in etwa Morgengröße, geschlagen und Neupflanzungen angelegt sind, müssen natürlich Schutzzäune gezogen werden. Dafür fallen die älteren Gatter nach und nach, sofern die jungen Sprößlinge soweit gediehen sind, daß man sie„dem Schutze des Publikums" empfehlen" darf. Die mit weihen Kreuzen oder dergleichen als der Axt verfallen bezeichneten Bäume sind keineswegs Opfer des „Schlagbetriebes"; sie leiden vielmehr an der gefährlichen und unausrottbaren Schwammkrankheit(Tramet«5 pini), welche, durch Uebertragung der Sporen dieses zerstörenden Pilzes, an st eckend wirkt. Man ersieht dies schon daraus, daß die mit den charakteri- stischen Korkkonsolen behafteten Bäume immer gruppenweise bei. einander stehen. DaS Abkratzen des Schwammes und Bestreichen der krankhaften Stellen mit Teer— das übrigens, wo die Schwammbildung noch nicht zu weit vorgeschritten ist, demnächst auch noch versucht werden wird— vermag das Zerstörungswerk nur etwa fünf Jahre aufzuhalten. Ucbrigens geht man jetzt gegen den Kiefernschwan, m in allen preußischen Staatsforsten mit gleicher Energie vor, wie im Grunewald. Das Gelände zu beiden Seiten der Döberitzer Heerstraße, das ja ohnehin vom Ausflugs- verkehr der Waldbesucher ausscheidet, wird natürlich der Be- bauung erschlossen, so auch der größere Teil der Havelinsel Pichclswerder. welche. links und rechts der großen Straße ein sehr wertvolles Villenterrain abgibt. Abgesehen von diesen notwendigen Einschränkungen wirdder Grunewald, aus dem auch alle Gastwirtschaften nach wie vor fern- gehalten werden sollen, in wenigen Jahren sich den Besuchern ver- jungt und in schönerem Gewände zeigen. Infolge der VerkehrSzunahme der letzten Jahre find die Schuppenräume der größeren Bahnhöfe Berlin? und der Bororte so außerordentlich in Anspruch genommen, daß Maßnahmen zur Entlastung der Güterböden und zur Vermeidung von Unregel» Mäßigkeiten notwendig geworden sind. Die königliche Eisenbahn- direktion Berlin hat daher die für die Berliner Bahnhöfe berrits seit etwa zehn Jahren bestehende Beschränkung der Befugnis der Empfänger ihre Stückgüter selbst abholen oder durch andere als von der Eisenbahn bestellte Fuhrunternehmer abholen zu lassen, mit Genehmigung des Ministers der öffentlichen Arbeiten vom 1. Oktober d. I. ab auf alle Bahnhöfe des Direk- tionsbezirks Berlin ausgedehnt, für welche bahn- amtliche Rollfuhrunternehmer bestellt sind. Vom 1. Oktober ab werden daher alle innerhalb der lagerzinsfreien Zeit nicht ab- genommenen Stückgüter, mit Ausnahme der„bahnlagernd" ge- stellten, den Empfängern durch die bahnamtlichen Fuhrunter- nehmer gegen Erhebung der Rollgebühren zugestellt werden. Berlins Poctcnstraßen sind durch die neubenannte Martin Opitz- Straße und die Gottsched-Straße auf 32 gestiegen. Von den älteren deutschen Dichtern hat die Reichshauptstadt noch Fleming, Paul Gerhardt, Simon Dach und aus dem friderizianischen Zeitalter Ramler und Gleim in dieser Weise geehrt. Von den Dichterheroen auf dem deutschen Parnaß haben Schiller, Lessing und Klopstock Berliner Straßen ihre Namen gegeben, während Goethe, Herder und Wieland von den Vororten mit Beschlag belegt wurden. In der Zahl der Dichter, welche durch Straßennamen in Spreeathen verewigt sind, fehlen weder die Sänger der Be- freiungskriege Arndt. Schenkendorf und Körner, noch die Romantiker Tieck, Schlegel, Novalis, Eichendorff und Uhland. Wir begegnen ferner in dieser erlauchten Schar den Dramatikern Jffland, Raupach und Wichert, dem Epiker Scherenberg, dem Romanschrift- steller Willibald Alexis, den Humoristen Gaudy und Kopisch, endlich Chamisso, Geibel und dem Dichter des alten StudentenliedcS„An der Saale Hellem Strande" Franz Kugler. Bier Berliner Straßen tragen von lebenden Dichtern ihre Namen zu Lehen, sie heißen nach Paul Heyse, dem Altmeister Raabe, Rodenberg und Carmen Sylva. Die SanitätSkolonnen vom Roten Kreuz wollen, wie wir kürz- lich gesehen haben, keine Sozialdemokraten zu Mit- gliedern haben. Wir haben die Worte mitgeteilt, mit denen in Lichterfclde der Vorsitzende der dortigen Abteilung der Sanitäts- kolonncn an die Ehrlichkeit der Sozialdemokraten appelliert hat, denen es widerstrebe, die„von Seiner Majestät befohlene" Uniform der Samariter zu tragen und in das übliche Hoch auf den Kaiser einzustimmen. Um so verwunderlicher ist es, daß bei der Anwerbung von Mitgliedern nicht immer von vornherein gesagt wird:„Sozialdemokraten wollen wir nicht haben". Da teilt uns ein Krankenwärter aus dem Krankcnhause Moabit mit, daß man in der Anstalt vor einiger Zeit ihn sehr nachdrücklich bearbeitet habe, um ihn zur Mitarbeit in den Sani- tätskolonncn vom Roten Kreuz zu bewegen. Ein Unterbeamter ging bei den Krankenpflegern umher und legte ihnen eine Liste zum Einzeichnen vor. Auf die Frage, von wem denn das aus- gehe, erzählte er, die P o I i z c i halte alljährlich unter den Kranken- Pflegern eine Umfrage. Ob das wahr ist, entzieht sich unserer Kenntnis; vielleicht liegt hier ein Mißverständnis vor. Aber Be- achtung verdient die Tatsache, daß im Vorstand des Berliner Ver- eins vom Roten Kreuz der Posten des Schriftführers mit einem Polizeidircktor besetzt ist bczw. war. Unser Gewährsmann gab schließlich dem Drängen des lästigen Werbers nach und ließ sich notieren. Es dauerte nicht lange, so bekam er vom Vorstand des Berliner Vereins vom Roten Kreuz ein Schreiben, durch das ihm für seine„vaterländische Gesinnung" gedankt wurde und er gleich- zeitig ersucht wurde, ein beigefügtes Fomular auszufüllen und zu unterschreiben. Er tat das nicht, sondern sandte das Formular zurück mit dem Bemerken, daß er seine Unterschrift ver- weigere und seine Zusage für null und nichtig erkläre. Nach den Erfahrungen, die jetzt in Lichterfelde gemacht worden sind, können wir allen Parteigenossen nur empfehlen, jedem Werber des Roten Kreuzes unter die Nase zu reiben, daß Sozial- demokratcn, die sich zum Eintritt in die Sanitätskolonne verleiten lassen, hinterher dort als unehrlich beschimpft werden. Das offene Bekenntnis des Lichterfclder Ritters vom JWeil Kreuz wird hoffentlich die Wirkung haben, daß künftig nirgends mehr ein Sozialdemokrat, der etwas auf sich hält, Mitglied einer Sanitätskolonne des Roten Kreuzes werden oder bleiben will. Vom Eisenbahnwagen abgestürzt. Auf dem Stcttiner Bahn- Hof hat sich ein bedauerlicher Unglücksfall zugetragen. Der 21jährige Wagenwäscher Gustav Kulisch, Gartenstr. 90 wohnhaft. war mit dem Reinigen von Eisenbahnwaggons beschäftigt und als er auf dem Dache eines Wagens mitten in der Arbeit war, glitt er plötzlich aus und stürzte kopfüber in die Tiefe. Kollegen brachten den Verunglückten nach der Unfallstation in der Eichen- dorfsstraße, wo bei ihm eine Gehirnerschütterung sowie äußer? Verletzungen festgestellt wurden. Beim Spielen tödlich verunglückt ist Freitagabend der sechs- jährige Sohn Ernst des Droschkenkutschers Speer aus der Wriezcnerstr. 24. Der Kleine hatte sich mit anderen Kindern am Treppengeländer herumgetummelt und sich in der ersten Etage zwischen die Gitterstäbe hindurchgezwängt. Bevor man das Kind zurückreißen konnte, stürzte es in die Tiefe hinab und blieb be- wußtlos auf dem asphaltierten Fußboden liegen. Der Kleine hatte eine schwere Gehirnerschütterung und anscheinend noch einen schweren Schädelbruch erlitten und wurde in hoffnungslosem Zu» stände in das städtische Kinderkrankenhaus eingeliefert. Zu der Bluttat in der Langestraße wird noch folgendes be- richtet: Nach den Aussagen der Ehefrau des Täters, des Eisen- bahnbeamten Nowicki, ist diese vor etwa 8 Wochen von dem Ar- beiter März geschlagen worden. Die beiden Familien kannten sich bereits seit etwa drei Jahren und durch Straß cnklatsch hatte sich in letzter Zeit das freundschaftliche Verhältnis in ein feindseliges umgewandelt. Dies übertrug sich allmählich auch auf die Kinder und nun verging fast kein Tag. an dem es nicht zu Reibereien kam. Auf das Geheiß der Mutter sollen nach einer solchen Reiberei die Kinder den Vater gerufen haben, der sich zu der schweren Bluttat hinreißen ließ. Vergeblich warteten die An- gehörigen des erstochenen Arbeiters auf die Heimkehr ihres Er- nährers. Frau März war gerade dabei, für ihren Mann den Geburtstagstisch herzurichten, als ihr plötzlich die Trauer- botschaft überbracht wurde. M. hinterläßt vier Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren. Seine Leiche ist polizeilich bcschlag- nahmt worden. Der Täter wurde in der vergangenen Nacht dem königlichen Polizeipräsidium übergeführt. Die Wagen der Berliner Straßenbahn standen gestern früh im Südwesten und Süden von g'ch his g?L Uhr still, wegen einer Störung im Betriebe der Kraftstation der B. E. W. in der Mauer- straße, wodurch vielen Linien der Strom fehlte. Drei schwere Automobilunfälle haben sich gestern nachmittag ereignet. An der Ecke der Elsasser- und Borsigstraßc wurde der 53jährige Stellmacher Otto Schönwald, Elsasserstr. 72 wohnhaft, von einem Kraftwagen überfahren und schwerverletzt in die könig- liche Klinik eingeliefert. Sch. war auf seinem Zwcirade die Elsasserstraße entlang gefahren und an dem erwähnte» Kreuzungs- Punkt an ein herankommendes Automobil geraten. Der Chauffeur, dem angeblich die Schuld an dem Unglücksfall zuzuschreiben ist, entzog sich feiner Feststellung durch schleunigste Flucht.— Ein weiterer Automobilunfall trug sich an der Ecke der Uhland- und Ludwigkirchstraße zu. Dort war der Schneidermeister Friedrich Schafwald aus der Kleinen Auguststr. 13 im Begriff gewesen, den Fahrdamm zu überschreiten, als er von dem Automobil 7612 zu Boden gerissen und überfahrxn wurde. Der Bedauernswerte eis Ebenfalls von einem AutoFriedenau. Titt schwere innere Verlegungen und fand in bebentlimem Zustande| Schöneberg. wurde darüber geführt, daß die Berliner Ausflügler die Lokalliste im Krankenhaus Moabit Aufnahme. mobil überfahren und schwer verletzt wurde gestern nachmittag wurde Freitag nachmittag der Maurer Ernst Bruder aus der Ebers- gemacht, daß in Grünau alle Saallokale bis auf Duchauffour Abgestürzt. Das Opfer eines berhängnisvollen Unglüdsfalls nicht genügend beachten. Es sei hier nochmals darauf aufmerksam der Schlosser Max Wagner, Nürnbergerſtr. 45 wohnhaft. Dieser straße 11 in Schöneberg. B. war auf einem Neubau in der gesperrt find. britte Unfall fand in der Nürnbergerstraße statt. Mommsenstraße beschäftigt und hatte in der ersten Etage Mauers Ein Elendsbild. Großes Aufsehen rief gestern nachmittag ein steine zusammengefügt. Blöglich glitt er auf dem durch den Regen Johannisthal. Selbstmordversuch hervor, den der 39 jährige Arbeiter Simon Schlüpfrig gewordenen Kaltboden aus und stürzte, das Gleichgewicht Makorofski an der Teupiter Brücke unternahm. M. war längere verlierend, in die Tiefe. Schwerverletzt wurde der Bedauernswerte Beit in einer Ziegelei bei Dortmund beschäftigt, mußte aber in das Krankenhaus Moabit eingeliefert. schließlich die Arbeit wegen Erkrankung aufgeben. Nachdem er viele Wochen im Krankenhaus gelegen, reiste er nach Berlin und irrte noch immer krant und elend in den Straßen umher. Vergeblich versuchte der Unglückliche wieder Arbeit zu erhalten und da bald auch die Geldmittel ausgingen, stand M. völlig mittellos und verlassen da. Da er der deutschen Sprache nicht mächtig ist, vermochte er niemand über sein trauriges Los aufzuklären. Als er gestern nachmittag über die Teupiter Brücke ging, zog er plötzlich feine Kleidung aus, warf sie in den Schiffahrtskanal und sprang dann selbst nach. Der Straßenbahnfahrer Braun, Goethestr. 16 und der Gasanstaltsarbeiter Winkler lösten sofort den Rettungsfahn und nach langen Bemühungen glückte es ihnen auch, den Lebensmüden dem nassen Element zu entreißen. M. wurde ins Krankenhaus gebracht und wird nach seiner Genesung nach seiner Heimat in Russisch- Polen zurückgeschickt werden. Mutter und Sohn ertrunken. Ein ebenso eigenartiger wie schwerer Unglücksfall hat sich am Sonnabendmittag auf der Dahme in der Nähe der Rauenschen Berge ereignet. Gegen 1 Uhr fuhr die Kaufmannsfrau Breßler aus Friedrichsfelde, die sich zum Besuch bei ihrem Schwager in Gosen aufhielt, in Gemeinschaft ihres 13jährigen Sohnes und eines Schiffers in einem gemieteten Handkahn, um Eintäufe zu besorgen nach Erfner. Durch falsche Steuerung geriet nun der Kahn in einen bei den Rauenschen Bergen befindlichen Strudel und wurde umgeworfen. Der Schiffer versuchte das Boot noch hochzubringen, dies gelang ihm aber nicht und Mutter und Sohn wurden von dem Strudel erfaßt und fanden in den Wellen den Tod. Der Schiffer hatte sich durch Schwimmen in Sicherheit gebracht. Vor der Polizeiwache in Rigdorf in der Bergstraße spielte sich am Montagabend gegen 7 Uhr im Anschluß an eine Verhaftung zweier Personen eine weitere Sistierung ab, die ein Zeuge von Anfang bis zu Ende mitangesehen hat. Es wäre wünschenswert, wenn der Betreffende seine Adresse abgeben würde an A. Spohd, Berlin, Bergmannstr. 16 I. Theater. Am 1. September eröffnet das Theater Folies Caprice, Linienstr. 132, am Dranienburger Tor, unter der Direktion des Herrn Felix Berg die zweite Spielzeit. Die Proben zu den neuen Stücken Der Generalkonsul" und„ Die Sünden der Väter" sind beendet. Die längsten Schulferien in Berlin und Umgebung hat in diesem Jahre die Schuljugend des Vorortes Johannisthal. Eine Korrespondenz berichtet: Zu den üblichen Ferienwochen sind nämlich atvei weitere hinzugetreten, weil die auf dem Schulgrundstück vor zunehmenden Kanalisationsarbeiten noch nicht vollendet sind. So In der letzten Wahlvereinsversammlung erstattete Genosse angenehm diese Ferienverlängerung den Schülern auch sein mag, so Marowski Bericht über die Generalversammlung von Groß- Berlin. wenig sind davon die Eltern erbaut. Die Schuld an den KanaliDa der Bericht ausführlich im„ Vorwärts" veröffentlicht war, be- iations ferien wird allgemein dem Gemeindevorsteher von fchränkte sich Genosse Marowski auf Besprechung der dort gestellten Johannisthal zugeschrieben, der die betreffenden Arbeiten, obwohl sie bereits im April von der Gemeindevertretung beschlossen waren, Anträge und gibt die Stellungnahme der Friedenauer Delegierten fie bereits im April von der Gemeindevertretung beschlossen waren, dazu bekannt. erst nahezu zwei Wochen nach Beginn der Ferien ausgeschrieben hat. Zur Kreisgeneralversammlung wurden die Genossen Thielice, Natürlich war es dem Unternehmer nicht mehr möglich, die Arbeiten Marowski und Katzenstein gewählt. bis zum Schulanfang fertigzustellen. Die Erregung gegen den GeIm weiteren beschäftigte sich die Versammlung mit dem Mann- meindevorsteher ist wegen dieses Falles sowie wegen anderer Mißheimer Parteitag. Einleitend gab Genosse Thielice einen furzen Stände in der Gemeinde so sehr gestiegen, daß eine Beschwerde Ueberblick der Tagesordnung. Der Punkt„ Massenstreit" führte zu an den Landrat mit der dringenden Bitte um Abhülfe ein einer recht lebhaften Diskussion, in welcher von den meisten Rednern gereicht wurde. betont wurde, daß die Gewerkschaftler die beliebte Neutralität fallen lassen und sich vor allen Dingen als Sozialdemokraten Bossen. fühlen möchten. Folgende Anträge zum Parteitage gingen ein, welche von der Versammlung einstimmig angenommen wurden: zu setzen. 1. Die Alkoholfrage auf die Tagesordnung des Parteitages 2. Ueber die Landarbeiterfrage auf dem Parteitage zu verhandeln. 3. Polemiken sind in der Parteipresse möglichst zu vermeiden. 4. Der Parteitag erhebt schärfsten Protest gegen jedwede Einmischung der preußischen oder Reichsregierung in der russischen Angelegenheiten. Er beauftragt den Parteivorstand, erforderlichenfalls jedes geeignete Mittel schärfster Abwehr anzuwenden. Auf Beschluß der Versammlung wird der Wahlvereinsvorstand die Geschäfte bis zum Jahresschluß weiterführen. Die Neuwahl findet in der Dezemberfizung statt. Weiter wird beschlossen, in einer der nächsten Versammlungen einen Vortrag über die Alkoholfrage" von Genossen Katzenstein halten zu laffen. Tempelhof. Durch die letthin erfolgten Aufnahmen ist unser Wahlverein nunmehr auf über 150 Mitglieder angewachsen. So erfreulich dieses Resultat an und für sich auch ist, so genügt es aber noch lange nicht, wie der Vorsitzende, Genosse Ratow, treffend bemerkte, sondern jeder einzelne Genosse muß auch durch tatkräftiges Mitarbeiten sein Teil dazu beitragen, immer mehr die Aufklärung in die breite Masse hineintragen zu helfen. Dies geschehe am besten durch eifrige Beteiligung an der Flugblattverteilung. Jeder Genosse muß es für seine vornehmste Pflicht halten, die Zahl der Agitationsmarten am Schluß des Jahres auf die höchste Ziffer zu bringen. Aus der letzten Monatsversammlung ist noch der Beschluß hervorzuheben, einen ständigen Berichterstatter für den Vorwärts" zu wählen, dessen Hauptaufgabe es sein soll, die Berichte aus dem hiesigen Stadtparlamente dem Vorwärts" zu übermitteln. Auch soll durch die Berichterstattung anderer die Arbeiterschaft berührenden Fragen von hier und der Umgebung das Interesse für den Vorwärts" rege gemacht werden. Als Berichterstatter wurde ein bekannter tätiger Genosse ge ein Stellvertreter bestimmt. Ausgeschlossen Die Mitglieder des hiesigen Wahlvereins hörten in der letzten wählt, auch Versammlung zunächst einen beifällig aufgenommenen Vortrag des wurden die früheren Genossen Ferd. Busat, BauerdGenossen Stormer über„ Der Vater Staat". Dann wurden die arbeiter und Hösel. Buchdruder; ersterer wegen Streifbruchs, Genossen Thiel, Flieg und Kleist als Delegierte zur Generalver- lekterer wegen unqualifizierbaren Betragens in seinem früheren sammlung des Kreises gewählt. Unter Verschiedenem brachte Ge- Aufenthaltsorte. Zur Kreisgeneralversammlung wurden die Genosse Flieg eine Angelegenheit aus der Ortstrantentasse Tempel. nossen Kahl, Wettermann und Daste gewählt. hof zur Sprache. Der Vorstand beschloß am 3. August in einer Ein schwerer Unglüdsfall ereignete sich am Freitagnachmittag Der Das Carl Weiß- Theater ist durch Kauf in die Hände des zweite Vorsitzende, ein Arbeitgeber, nicht anwesend waren, einen in der hiesigen" Deutschen Buch- und Kunstdruckerei". bekannten Theaterdirektors Bernhard Rose übergegangen und Delegierten nach Düsseldorf zu entsenden. Als der Vorsitzende Maschinenmeister Plazmann geriet auf bis jetzt nicht aufgeklärte schließt am 15. September 1906 seine Pforten, um am Sonn- Kunze von seiner Reise zurückkam, wurde ihm vom 2. Vorsitzenden Weise mit dem rechten Arm derartig zwischen Form und Walzen abend den 29. September 1906 unter der neuen Direktion und in Gegenwart des Beisitzers von dem gefaßten Beschluß Mit einer im Gange befindlichen Druckmaschine, daß es erst längerer unter neuem Namen Bernhard Rose Theater neu erteilung gemacht, worauf er erklärte, gegen die Delegation selbst Anstrengungen bedurfte, ihn aus der gefährlichen Lage zu be öffnet zu werden. Es sollen in erster Linie Klassiker sowie das nichts einzuwenden zu haben; aber es wäre ihm lieber gewesen, freien. Trotz der Schwere der Verlegung hofft der sofort herbei. Volksstück und die Berliner Poffe gepflegt werden. wenn ein Vorstandsmitglied delegiert würde.( Der gewählte geeilte Arzt Dr. Keilpflug dem Verletzten den Arm jedoch erhalten Delegierte ist Kassenbeamter und auch Delegierter der Ortskaffe zu können. Tempelhof.) Kunze lief dann zur Aufsichtsbehörde, teilte dieser den gefaßten Beschluß mit und berief dann einen Tag vor der Französisch- Buchholz. Abreise des Delegierten eine Vorstandssitung ein, in der er den Der Wahlverein hielt am Dienstag seine Monatsversammlung Antrag stellte, den gefaßten Beschluß wieder umzustoßen. Der ab, in der Genosse Sasser- Berlin über den politischen Massenstreit Schriftführer Flieg bedeutete ihm, daß die Vorstandsmitglieder referierte. Zum Schluß seiner Rede ermahnte er die Genossen, nicht Stimmen abgelehnt. Kunze verbot dann gleich nach der Sizung auch fleißig die Parteipreffe zu lesen. Unter„ Verschiedenes" bes wüßten, was sie getan hätten, und so wurde der Antrag mit drei mur Versammlungen zu besuchen, um sich weiter auszubilden, sondern dem Rendanten, das Reisegeld auszuzahlen und lief wiederum dauerte Genosse E. Neumann, daß so viele Arbeiter noch die bürgers zur Aufsichtsbehörde, von der er einen Brief mitbrachte, mit der liche Presse lesen. Auch er forderte die Genossen auf, recht rege für Verfügung, daß Kaffengelder zum Zwecke der Delegation nicht größere Verbreitung der Parteipreffe zu wirken. Zur Kreisgeneralverwendet werden dürften. Diesen Brief schickte er durch sein versammlung wurde Genosse Bohl gewählt. Aufgnommen wurden Dienstmädchen nach der Kasse. Inzwischen war das Geld durch vier Mitglieder. die übrigen Vorstandsmitglieder aufgebracht worden, damit der Delegierte doch reisen konnte. Darauf verbot der Vorsitzende Kunze dem Beamten das Fernbleiben von der Kasse und machte dadurch die Delegation unmöglich. Der Herr scheint etwas von Dr. Pape in Weißensee gelernt zu haben. Die Versammlung legte Protest gegen das Verhalten des Herrn Kunze ein und gelobte, bei den nächsten Wahlen mit demselben abzurechnen. Lichtenberg. Gröffnet wird die Saison mit dem Kretzerschen Volksstück: Der Millionenbauer. Auf der Treptow- Sternwarte spricht Herr Direktor Archen Hold am Sonntag den 26. August, nachmittags 5 Uhr, über„ Erdteben und unser Wissen vom Erdinnern" mit besonderer Berücksichtigung der chilenischen Beben. Es sollen in diesem Vortrage auch die früheren Erdbeben von Valparaiso und Santiago erwähnt werden. Am Sonntag, abends 7 Uhr, wird das Thema„ Altes und Neues vom Mond", und am Montag, abends 9 Uhr, Gin Ausflug in die Sternenwelten" behandelt. Alle drei Vorträge sind mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet. Mit dem großen Fernrohr wird am Tage die Sonne", die jetzt wieder große Flecke zeigt, und die" Venus" und der„ Mond" beziv.„ Saturn" beobachtet. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der Vortrag. " Der jüngste Ausbruch des Veſub", welcher in fesselnder Weise die Eindrücke und die Vorgänge der letzten gewaltigen Eruptionen schildert und durch die zahlreichen farbigen Bilder nach eigenen Aufnahmen in den Katastrophengebieten noch besonders an Intereffe gewinnt, in dieser Woche mit Ausnahme von Donnerstag und Freitag noch allabendlich zur Darstellung gelangen. Am Donnerstag wird der ebenfalls mit farbigen Bildern ausgestattete Vortrag „ Die deutsche Ostseeküste, von den Wanderdünen bis zum Alsenfund" wiederholt, während am Freitag der Vortrag" Im Lande der Mitternachtssonne" gehalten werden wird. Spandau. Eine gewaltige Verkehrsstörung wird in der Klosterstraße für den Fuhrwerks- und Straßenbahnverkehr durch die Bahnbauten hervorgerufen werden. Die Eisenbahnverwaltung hatte bei der hiesigen Polizeiverwaltung den Antrag gestellt, während der Dauer der Unterführungsarbeiten eine völlige Sperrung des Fuhrwerts und Straßenbahnverkehrs anzuordnen. Auf die Einwendung, daß eine gänzliche Sperrung für die Straßenbahn unmöglich sei, weil Die Kinderspiele haben am 19. August ihr Ende erreicht. All- diefe ihr Depot in jener Gegend habe, ist gestattet worden, daß gemein haben diese Veranstaltungen guten Antlang gefunden, wie die Straßenbahn morgens beim Beginn und abends nach Schlußz die Beteiligung ausweist. Es spielten an sieben Sommertagen des Betriebes ihre Wagen auf ein provisorisches Gleise und der 390 Knaben und 258 Mädchen, insgesamt 648 Kinder. Ihrem Alter Brückenkonstruktion hinwegführen darf. Die Passagiere müssen Dem Zoologischen Garten ist durch Herrn Dr. Hartmeyer vor nach beteiligten sich finder von 3-14 Jahren. Jetzt turnen 50 natürlich an dieser Stelle umsteigen. Der ganze übrige Fuhrfurzem ein interessantes Geschenk in Gestalt eines Paares weißer Knaben jeden Dienstag und Donnerstag von 6-8 Uhr abends werksverkehr wird während der Sperre über die Nauenerstraße Dingo's zugegangen, die er auf seiner australischen Forschungs- auf dem Spielplatz des Herrn Gursch unter sachverständiger Leitung. geleitet. Es ist dies eine ganz erhebliche Verkehrserschwerung. reise erworben hatte. Diese australischen Wildhunde, mit AusWie lange die Verkehrsstörung dauert und wann sie beginnt, ist nahme einiger fleiner Nager und Fledermäuse die einzigen Säuge- Ueber Partei und Gewerkschaft referierte in einer öffentlichen noch nicht bekannt. tiere dieses Erdteils, welche nicht Beuteltiere sind, deuten schon Gewerkschaftsversammlung Genosse Kiesel. Redner nahm Bezug auf durch ihre häufigen Farbenvarietäten darauf hin, daß es sich wohl die großindustrielle Entwidelung Englands und wies nach, daß den Neue Havelbrüde. Infolge des Habeldurchstichs muß bei der ursprünglich um verwilderte Haushunde der dortigen Eingeborenen sich rasch entwickelnden Gewerkschaften nur so lange Bugeständnisse Götelstraße eine neue Brücke über die Habel erbaut werden. handelt. Jetzt führen sie ein ganz unabhängiges Leben und werden gemacht wurden, so lange sie sich ins Schlepptau der Bourgeoisie Man hatte auch bereits ein Projekt dazu ausgearbeitet. Dies den Schafen der Ansiedler gefährlich. Das schöne Baar ist im nehmen ließen. Nachdem aber auch dort das Proletariat den Projekt hatte nur darauf Rücksicht genommen, daß die Brüde fleinen Raubtierhause untergebracht, und der Beschauer erkennt laffenkampf in verschärfter Form und eigenmächtig zu führen be- außer dem Fußgänger- und Fuhrwerksverkehr noch Kleinbahnzüge an dem scheuen und mißtrauischen Wesen sofort, daß vom Haus- ginnt, läßt es die herrschende Klasse an reaktionären Mitteln gegen aufzunehmen habe. Die Staatseisenbahnverwaltung, der das hunde nichts mehr im Charakter der Tiere liegt. basselbe nicht fehlen. Uebergehend auf Deutschland zeigt er den Projekt zur Prüfung vorgelegt wurde, hat aber Einspruch erhoben Feuerwehrbericht. Ein gefährlicher Kellerbrand beschäftigte steigenden Klaſſengegensatz, der eine Konzentrierung der proletarischen und verlangt, daß die Konstruktion der Brücke in der Stärke aufdie Feuerwehr längere Zeit in der Bernauerstr. 80. Dort brannten Sträfte sowohl auf gewerkschaftlichem als auch auf politischem Ge- geführt werde, daß sie auch Vollbahnzüge aufnehmen könne. Durch biete zur unbedingten Pflicht mache. Eingehend auf die diese Abänderung des Projekts erwachsen der Stadt etwa 40 000 besonders Hobelspäne in größeren Mengen. Kräftiges Wasser in letzter Zeit erfolgten Auseinandersetzungen der Führer Mark Mehrkosten. Die neue Brücke wird eine Breite von 20 geben beseitigte die Gefahr. Ein großes Löschaufgebot rückte nach beider Organisationen, gibt Redner der bestimmten Erwartung Metern erhalten. der Lottumstr. 14 aus, wo in einer Wohnung Feuer ausgekommen Ausdruck, daß die Angehörigen beider Organisationen einer Ber Der zum Leiter des hiesigen Hafenbaues gewählte Nea war und die Flammen aus dem Fenster schlugen, Möbel, Gardinen usw. wurden dort ein Raub der Flammen. Wegen eines ſplitterung in der Einheitlichkeit ihrer Bestrebungen zu begegnen gierungsbaumeister Stibbe ist bereits hier eingetroffen und hat Stallbrandes erfolgte ein Alarm nach der Reichenbergerstr. 83. wissen werden. An der Diskussion beteiligten sich Liebermann, Welt feine Arbeiten aufgenommen. und Wäschte. Ersterer ermahnte die Anwesenden, sich nicht an dem Stroh brannte dort und in der Badstr. 33. Durch die Explosion Bahlen der Beiträge genügen zu lassen, sondern tatkräftige Arbeit Walderholungsstätte. Schon vor Jahren wurde von unseren einer Petroleumlampe entstand auf dem Gesundbrunnen in der leisten zu helfen. Unsere Zeit erfordere die Mitarbeit aller. Welt Genoffen die Errichtung einer Walderholungsstätte in der Stadt Grünthalerstr. 53 ein Brand, wobei eine Person Verlegungen erwies auf das Mitgliederverhältnis beider Organisationen hin und verordnetenversammlung beantragt. Für unsere Stadt, die einen litt. In der Ritterstr. 32 hatte der 17. Zug zu tun. Dort war ermahnte alle, die den Wert der gewerkschaftlichen Organisation er großen und hübschen Waldbestand hat, wäre eine solche Einrichtung in einer Badestube Feuer ausgekommen und hatte eine Bretter- tanut haben, sich der politischen Organisation, anzuschließen und wand u. a. erfaßt, die freigelegt werden mußte. Weitere Brände bamit das Wort wahr zu machen: Partei und Gewert gar nicht mit allzu großen Kosten verknüpft gewesen. Die Mehrzahl unserer Stadtväter war aber für eine solche Einrichtung nicht mußten in der Liebenwalderstr. 14 und auf einigen Kohlenplätzen ich aften sind ein 8. Nach einem Schlußwort des Referenten zu haben. Möglich, daß ihnen das nötige Verständnis dafür fehlte; gelöscht werden. schloß der Vorsitzende Brühl die gutbesuchte Bersammlung mit einem möglich, daß sie dagegen waren, weil der Antrag von unseren Arbeiter- Samariterkolonne. Montagabend 9 Uhr lebungs- fräftigen Appell zum Beitritt in den Sozialdemokratischen Wahl- Genossen kam. Vorgeschützt wurde die ungünstige Finanzlage stunde der 1. Abteilung, Dresdenerstr. 45. Vortrag über Kranten- verein. Mehrere Versammlungsbesucher meldeten sich zur Aufnahme. der Stadt. Soviel erreichten unsere Genossen damals aber doch, pflege und Transport Verunglückter und Erkrankter. Daran an daß eine Kommission gewählt wurde, die sich mit der Angelegenschließend praktische Uebungen. Gäste haben einmaligen freien Grünau. heit beschäftigen sollte. Jahre sind darüber vergangen, aber von Eintritt. Neue Mitglieder fönnen jederzeit eintreten. Mittwoch Eine intereffante und rege Diskussion pflegte die letzte Mit der Arbeit der Kommission hat man nichts wieder gehört. Jetzt Sizung der diensttuenden Abteilung. Taschenapotheken sind mitgliederversammlung des Wahlvereins.„ Das Kommunistische Manifest" haben sich nun die Krankenkassen der Sache angenommen. Die zubringen, bildete den Gegenstand, der die Genossen zu lebhaften geistigen Vorstände der Ortskrankenkasse der Handwerker, der Allgemeinen Auseinandersetzungen zwang. Genosse Lehmann, Redakteur der Ortskrankenkasse und der Ortskrankenkasse der Tischler hatten die Bureauarbeiter- Beitung", fuchte das Kommunistische Manifest herab sämtlichen Vorstände der hiesigen Krankenkassen, auch die der zumindern. Von sämtlichen Diskussionsrednern wurde indes darauf Staatsbetriebe, zu einer Besprechung eingeladen. Es waren bei hingewiesen, daß dasselbe in der Charakteristik der politischen dieser Besprechung die Vorstände sämtlicher Kassen vertreten. All Charlottenburg. Defonomie wie in der Kennzeichnung der Stellungnahme des seitig wurde dem Projekt zugestimmt und man war auch damit einFreie Voltsbühne Charlottenburg. Die nächste Vorstellung findet Proletariats gegen die kapitalistische Gesellschaft noch heute verstanden, daß die Krankentassen einen ihrer Mitgliederzahl ent Nach größten Teil zutreffend sei. Sonntag, den 2. September, nachmitags 3 Uhr, im Schilleraum dieser sprechenden Beitrag zu leisten haben. Es bestand aus vors Theater N., Chauffeestr. 25, statt. Gespielt wird die Die interessanten Debatte erstatteten die Delegierten der Kreis- General- benannten drei Kassen eine Kommission aus fünf Mitgliedern, Ehre von Sudermann. Am Tage der Vorstellung fönnen bersammlung sowie der Verbandsversammlung von Groß- Berlin Diese wurde in der allgemeinen Besprechung noch um zwei Mit feine Beiträge mehr entrichtet werden, die Mitglieder müssen viel- Bericht. Die hierauf erfolgte Kaffenlegung des 2. Quartals zeigt glieder verstärkt. Diese Kommission nahm Rücksprache mit dem mehr spätestens am Sonnabend, 1. September geklebt haben, eine Einnahme und Ausgabe von 66 M. Die Mitgliederzahl be- Magistratsdezernenten Stadtrat Reichhardt, der die Sache auch zu wenn sie die Vorstellung besuchen wollen. Einige Gastkarten sind noch trägt 87, hat sich also im letzten Vierteljahr um 10 vermehrt. Die fördern versprach. Man hat bereits die Walderholungsstätte in bis Freitag in den Zahlstellen zu haben. Den Verkehr vermitteln die Spedition ergab eine Einnahme von 577 M. und eine Ausgabe Eichtamp besichtigt und wenn nun unsere Genossen im Stadt. Linien V und Q, auf welchen in der Beit von 1 bis 24 Uhr eine von 585 M. Der Abonnentenstand des Vorwärts" betrug im parlament noch etwas Feuer dahinter machen, dann ist Hoffnung entsprechende Anzahl Wagen zugelegt wird. legten Vierteljahr 152 bei 480 familien des Drtes. Lebhafte Klage I vorhanden, daß aus der Sache bald etwas wird. Vorort- Nachrichten. " " weitaus Vermischtes. Die Erdbebenkatastrophe in Ghile scheint nach den legten Metbungen doch von schwereren Folgen beantragen. gleitet gewesen zu sein, als die ersten Nachrichten dies bermuten ließen. Der Bürgermeister von Valparaiso, Bermudez, hat dem Pariser Matin" auf dessen Anfrage gekabelt, daß die Zahl der Toten sich auf mehr als 2000 belaufe. $. S., Hagenauerstr. 18. Das hängt von dem Willen des Meisters ab. F. B., Konscha. 1. Das läßt sich so nicht nachprüfen. Verlangen Sie von der Gerichtstaffe Aufklärung, wie dieser Betrag entstanden ist. 2. Sie fönnen Natenzahlung bei der Gerichtskaffe des Amtsgerichts be9. G. 100. Ste fönnen binnen drei Monaten nach Kenntnis der Sache wegen Beleidigung Privatllage erheben, vorher ist Ladung vor dem Schiedsmann erforderlich. M. M. 9. Nein. H. Gung. Machen Sie jetzt der Berufsgenossenschaft Anzeige und teilen Sie mit, daß schleuniges Handeln erforderlich war. P. 2.. 3. Gina. P. H. 30. Die Mitnahme zur Untersuchung ist statthaft, event. brohte, was aus Ihren Angaben nicht ersichtlich, ist der Hauswirt im Recht. Einziehung. Beelitz 1000. Wenn Wasser übergelaufen ist und Schaden Sie müssen also zahlen. H. S. Ist Ihr Mietszins nach Monaten be messen, so können Sie am 15. jeden Monats für den Schluß des Monats tündigen. K. S. 27. 1. Nein. 2. Der angegebene Betrag ist Mindest betrag. 8. Das kann nur mit Genehmigung des Vormundschaftsgerichts geschehen. F. G. 60. Wenn Sie Teilhaber sind, nicht.- W. Kr. 37. Auch in Australien friselt es jekt in der Erbrinde. Kabel- Telegramm aus Sydney meldet: In Carcoar( Neufüdwales), wurden gestern leichte Erdstöße verspürt. Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet wochentäglich von 7 bis 9 Uhr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Wetter- Prognose für Sonntag, den 26. August 1906. Etwas fühler, meist trübe mit Regenfällen und mäßigen südwestlichen Berliner Wetterbureau. Winden. 0,30 Meter, bei 11n strut bei 0,79 Meter. Warthe bei Bosen Wafferstand am 24. August. Elbe bei Ausfig - 1,71 Meter, bei Wlagdeburg+0,82 meter. Dresden Oder bei Frankfurt Straußfurt+1,25 Meter. Weichsel bei Brahemünde+ 2,52 Meter. +0,18 Meter. Verband der Tapezierer. ( Zahlstelle Berlin). Beuthstr. 21: Gehen Sie jedoch zur Bermeidung von Fehlern zu irgend einem RechtsNotarielle Form ist nicht nötig; ein einfacher schriftlicher Vertrag genügt. Mittwoch, den 29. August, abends 8½ Uhr, bei Wendt, anwalt. 2. S. 25. Alle zum ehelichen Haushalt gehörigen Gegenbem übrigen Nachlaß gehört Ihnen die Hälfte. Geschenke Ihrer Ehefrau zu deren Lebzeiten sind gültig. R. R. 99. Nein. stände sind Ihr Eigentum, also auch der Erlös aus dem Verkauf. Bon General- Versammlung. do. II Zages Ordnung: 1. Beschluß über die Hauskaffierung. 2. Die obligatorische ZeitungsMitgliedsbuch legitimiert! Die Ortsverwaltung. Partei- Speditionen: GesundSchönAltS. 4. Die Vereinigten Staaten verlangen von jedem Einwanderer den Nachweis bestimmten Vermögens. N. 19. Sie haben im Falle der Klage zu beweisen, daß die Unterschrift nicht echt ist. N. Schs. 25. Die maßgebende städtische Berordnung ist hier unbekannt. Das müssen Sie am Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen zustellung. 3. Verbandsangelegenheiten. Orte selbst in Erfahrung bringen. P. 15. Nein. P. 2. 9. Der Markthallen- Direktion.( Großhandel.) Rindfleisch Ia 69-73 pr. 100 Pfd., Nachbar hat ein Berbietungsrecht nur dann, wenn er in der Benukung IIa 63-68, IIIa 57-62, IVa 52-56, englische Bullen- 0,00, dänische feines Grundstücks wesentlich beeinträchtigt wird und wenn Ihre An- Bullen- 0,00, holländische Bullen- 0,00. Stalbfleisch, Doppelländer 100-110, lage nach den örtlichen Verhältnissen des Grundstücks eine ungewöhnliche Ia 80-85, IIa 70-78, IIIa 60-68. Hammelfleisch Ia 77-82, IIa 67-75. ift.(§ 906 B. G- B.) F. 2. 50. Nur Sie müssen an einem Grund- Schweinefleisch 68-74. Rehböde Ia per Pfd. 0,60-0,65, IIa 0,25 buchtage beim Amtsgericht K.-R. die Eintragung herbeiführen. bis 0,50. Rotwild Ia per Pfund 0,40-0,45, IIa 0,22. Damwild 0,45 bis P. S. 79. 1. Stellen Sie dem Hauseigentümer mittels eingeschriebenen 0,46. Wildschweine pr. Pfd. 0,30-0,35. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Briefes eine Frist von fünf Tagen zur Bornahme der Reparatur mit der Stüd 0,40-0,90. Wildenten Ia per Stüd 0,80-1,25, Ila 0,00. Rebhühner, Androhung, sonst auf seine Kosten die Reparatur vorzunehmen und handeln junge la 0,70-1,00, junge fleine 0,30-0,65, alte 0,60-0,75. Hühner, Sie danach. Die Kosten müssen Sie dann einflagen. 2. Ja; Kosten nicht alte, per Stück 1,60-2,50, alte, II a 1,80-1,50, junge, per Stüd 0,60-1,60. Berlin Zweiter Wahlkreis: Hermann Werner, Mittenwalder erheblich. Gehen Sie zum Standesamt, bei dem die Geburt des Kindes Tauben, junge, per Stud 0,30-0,47, alte 0,00. Enten, junge per Stüd straße 30, v. part. Dritter Wahlkreis: Gt. Friz, Prinzenstr. 31, angemeldet ist. Vierter Wahlkreis 0.: Robert Wengels, W. C. 2. Besorgen Sie sich beim Armenborsteher ein 1,40-2,60, alte per Stüd 0,00. Hamburger, junge, per Stüd 2,80-2,85. of rechts part. Ia per Stüd 3,00 Rüdersdorferstr. 3, am Rüstrinerplatz. SO.: Paul Böhm, Laufizer Armutszeugnis und gehen Sie mit diesem Zeugnis und Heiratsurkunde zur Gänse, Ia per Pfund 0,58-0,69, IIa 0,50-0,57, Fünfter Wahlkreis: Leo 8 ucht, Keibelstr. 42 Anmeldestube beim Amtsgericht Rixdorf. Lassen Sie zum Sühnetermin bis 4,60, IIa 1,50-2,90. Boulets per Stüd 0,90-1,45, do. Klein 0,45-0,80. plaz 14/15( Laden). laden. Dann lassen Sie mit Sühneattest ebendort das Armenrechtsgesuch Hechte pr. 100 Bid. 72-104. Bander 0,00. Schleie 104-123. Bleie 0,00.( Laden). Sechster Wahlkreis( Moabit): Karl Anders, aufnehmen. Sofrates 50. Desgleichen. Amtsgericht Neue Friedrich- ale, groß 105-108, mittel 0,00, flein 59, unsortiert 64-96. Salzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding: Karl Weiße, Wiesenstraße. Erfolg ist wahrscheinlich, Dauer läßt sich nicht voraussagen. Der Blögen 67-73. Starpfen 0,00. Barse 0,00, matt 0,00. Bleifische straße 41/42. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: an der Scheidung unschuldige Teil behält das Kind 7. Ja. 8. Ja. 0,00. Starauschen 77-87, matt 0,00. Wels 58. Bunte Fische 56-71. Amerit. Hermann Raschke, Aderstr. 36, Eingang Anflamerstr. E. 2. 41. 1. Ja; nach Ihren Angaben haben Sie sich jedoch auf den Lachs I neuer per 100 Pfd. 110-130, neuer 90-100, brunnen: F. Trapp, Rügenerstr. 24, born part. links. 15. Juli geeinigt. 2. Bis zum 15. Juli; wenn jedoch vorher bereits ein do. III neuer 50-75. Geelachs 20-25. Flundern, pomm. I, per Schod 9 hauser Vorstadt: Karl Mars, Lychenerstr. 123. anderer Mieter drin war, von dem früheren Zeitpunkt ab. Charlottenburg: 3. Rück do. pomm. II 2-3, Kieler, Stiege Ia 4-6, do. mittel per Glienicke: Reinhold Schulz, Rudowerstr. 83. forderungsrecht spätestens bom 15. Juli ab. 4. Zahlungsbefeht. Stifte 2-3, do. flein per Kiste 0,00. Bäcklinge, per Wall Kieler 4-5, Gustab Scharnberg, Sesenheimerstr. 1, Ede Goethestr., b. I.- Wilmers5. Ja. Bahlungsunfähigkeit des neuen Mieters ist unerheblich. Stralsunder 5-6. Aale, groß per Pfd. 1,10-1,50, mittelgroß 0,80-1,00, dorf- Halensee: Georg Feese, Berlinerstr. 46, Raden.- LichtenV. Böhme. 1. Das Fahrenheitsche Thermometer ist in 212 Grade flein 0,50-0,60. Seringe per Schock 4-5. Schellfische Stifte 3-4, do. berg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg, Boxhagen, geteilt. 2. Beigen Celsius und Réaumur den Nullpunkt, so steht Fahren- 2 Stifte 2-3. Stabliau, per 100 Bfb. 10-13. Heilbutt 25. Sardellen, 1902er, Stralau u. Rummelsburg: Otto Seitel, O. 112, Kronprinzen- Grünan: H. Bluhme, Viktoriaftr. 2. Rixheit bereits auf+32 Grad. Beim Nullpunkt Fahrenheits zeigt Celfius- 17,8, per Anker 90, 1904 er 90, 1905er 82, 1906er 65. Schottische Volheringe ftraße 50, I. SchmargenRéaumur 14,2 Grad. 3. 106 Grad Fahrenheit= 41% Grad Celsius. 1905 0,00, large 40-44, full. 36-38, med. 35-42, deutsche 37-44. dorf: M. Heinrich, Neckarstraße 2, im Laden. 2. R. 1901. Benden Sie sich an die Redaktion der Flamme", Heringe, neue Matjes, per ½ To. 60-120. Summern, IIa, 100 fb. 0,00. dorf: Gustav Kaminsky, Cunoftraße 2. Schöneberg: Berlin, Breitestr. 5. A. M. 793. Fragen Sie an beim Metallarbeiter Strebje, per Schod, große 00,00, mittel 13, fleine 0,00, unsortiert Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, Verband( Abt. Elektromonteure), Berlin, Engel- Ufer 15. OberGalizier, groß 0,00. Gier, Lands, per Schod 2,60-3,30. Butter Tempelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. H. Solms. Ja. 4-6. NiederF. G. 62. Auskunft durch die fgl. Eisenbahndirektion Berlin, Schöne- per 100 Bfd. Ia 122--124, IIa 118-120, IIIa 112-116, abfallende 95-110. Schöneweide: Julius Grunow, Edisonstr. 10, I. - Johannisbergerstr. 1/ 4.- Schuhmacher Breslaus. Mit den Bons hat es seine Richtigkeit. Saure Gurken Schod 2,60-3,00, Pfeffergurten 2,60-3,00. Startoffeln per Schöneweide: Bonatowsky, Haffelwerderstr. 1 d. Adlershof: Erich Steuer, B.S. 200. Eintragung nur bet größerem Geschäftsumfang erforderlich. 100 Bfd. Rosen 1,50-1,75, neue runde 2,00-2,25, neue blaue 2,25-2,50, neue thal: Franz Hünold, Bismardstr. 7. Der angegebenen Firmenbezeichnung steht nichts im Wege. P. K. 35. Berbster 2,25-2,50. Spinat p. 100 Pfd. 15-18. Starotten p. Schock 2,00-3,00. Roonſtr. 8, I.- Königs- Wusterhausen: Friedrich Baumann, Antrag beim Magistrat unter Beifügung der Sterbeurtunde und Duittungs- Sellerie, hiesige, p.Schock 1,25-5,00. Zwiebeln 100 Bfd. 3-3,50 Petersilie, grün, Ludenwalderftr. 4b. Köpenick: Friedrich Woid, Grünstr. 4. tarten bezw. Umtauschbescheinigung. M. 7. 1. Ja. 2. Nein. N. G. Schockbd. 1,00. Stohlrabi p. Schock 0,50-1,00. Rettig, bayr., p. Schod 2,40 Friedenau- Steglitz- Südende: H. Bernfee, Schloßstr. 115, Sie würden einen Schadensersatzanspruch gegen den Nachbar haben. Es bis 4,80. Radieschen p. Schock- Bd. 0,60-0,70. Salat, p. Schod 1,00-1,50. Gartenhaus I, in Steglig. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: ist besser, vorher durch eine gerichtliche Verfügung dem Nachbar die Bohnen, grüne, per 100 Pfund 5-12. Wachsbohnen 7-16. Schoten H. Moh r, Düppelftr. 8, u. Fr. Schell hase, Ahornstr. 15 a.- MarienBaumschulenMohrrüben dorf: Baul Müller, Bergstr. 35, Hof I. schädigende Handlung zu verbieten. Antrag ist beim Amtsgericht zu stellen. per 100 Bfd. 10-20. Pfefferlinge per 100 fb. 12-18. Qu. 600. Sachen Jhres Sohnes nicht pfändbar. A. M. 1. Nein. per 100 Pfd. 4-5. Blumenkohl per Mandel 1,00-2,20. Wirsingfohl per weg: Stod, Ernststr. 2, II. Treptow: Rob. Gramenz, Kiefholz2. Bis zum 39. Lebensjahre. Neu- Weißensee: 2. Reste, Sedanstr. 105, M., Johannisstr. Magistrat Berlin gibt Mandel 1,00-2,00. Rotkohl b. Mandel 2-2,50. Weißkohl p. Mandel 1,50 straße 412, Laden. Auskunft. Reinickendorf- Ost, Wilhelmsruh und SchönP. M. 55. Polizeibeamter hat kein Recht, sich dort aufzu- bis 2,00. Steinpilze p. 100 Bfd. 25-30. Gurken, Zerbster, Schod 0,75-1,00, parterre. halten. Riewe. Sie find an den Vertrag gebunden, folange er läuft. do. Einlege-, Schock 1,25-2,00, do. Rothenbg. 3, do. Liegniter 3-4. holz: P. Gursch, Provinzstraße 108, II. Tegel, BorsigP. Sch. Verjährung ist eingetreten. Hermsdorf und 100, Adlershof. Nicht auf do. Einlege-( Senf-) 10-16. Stohlrüben, Mandel 0,75-1,25. Tomaten, hiesige walde, Wittenan, Waidmannslust, die Berufsbe eichnung, sondern auf die wirkliche Einkommenshöhe 100 Pfd. 5-10. Birnen, ital. per 100 Pfd. 14-20, hiesige 5-14, Tiroler Reinickendorf- West: Paul Rienast, Borsigwalde, Schubarttommt es an. Legen Sie gegen die Veranlagung Beschwerde ein. 14-30, böhmische 7-16, Nettig- 3-6. Aepfel, ungar., per 100 Pfd. 8-14, ital. ftraße 43. Pankow- Niederschönhausen: 6. Freiwaldt, R. H. 82. Teilen Sie den Sachverhalt dem Vormundschaftsgericht 8-15, biesige 4-11, Gravensteiner 12-14, Tiroler 25-42. Preißelbeeren Mühlenstr. 73.- Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankels mit und verlangen Sie Auseinandersetzung. A. S. 33. Die Bücher, 15-18, schwedische 17-20. Blaubeeren per 100 pfd. 10-15. Pflaumen, ital. Ablage: Alfons Gräb, Eichwalde, Kronprinzenſtr. 82, I. Teltow: ital. runde Hermann Krüger, Neueftr. 2. Nowawes: Wilhelm I appe. die der Fuhrherr befigt, muß er herausgeben. Fordern Sie ihn schriftlich runde dunkle per 100 fd. 0,00, ital. lange gelbe 0,00, ungarische zur Herausgabe auf. Die Polizei kümmert sich darum nicht. 2. Sie 0,00, 6-9, hiesige 5-7, Reineclauden 10-18. Friedrichstr. 1. Spandau: öppen, Jagomstr. 9. können die Schlüssel bis 1. Oktober behalten. Hollmann. Sie müssen Bitronen, Messina 300 Stüd 18,00-22,00, 360 Stüd 14,00-18,00, Außerdem ist sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen einen anderen Weg nehmen.-H. 24. An den geschlossenen Vertrag 200 Stüd 10,00-18,00, 420 Stüd, flein 12,00. Pfirsiche, Werdersche per find Sie gebunden. Wirt Kinderfreund. Der wit kann das nicht 100 Bib. 15-20, franzöfifche 20-40, italienische I Stifte 1,50-2,00, bo. II Berle bort zu haben. Auch werden Inserate für verbieten.- G.&. 90. Unverſtändlich. Gegen wen wollen Sie flagen? Stifte 0,80-1,60, bo. III Stifte 1,00-1,20, bo. in störben per 100 Pfd. 20-45. den Witterungsübersicht vom 25. August 1906, morgens 8 Uhr. Warten Sie weitere Mitteilungen des Gerichts ab. R. W. Zahlen Sie die 9 M. nur, wenn Sie von der ursprünglichen Gläubigerin B. Nachricht erhalten haben, daß sie die Forderung zur Einziehung übergeben hat, sonst zahlen Sie an B. E. M. 16. Der 9 Uhr Geschäftsschluß ist im Barbiergewerbe nicht gesetzliche Vorschrift. 2. 1848. Würde den Raum des Briefkastens in zu großem Maße in Anspruch nehmen. Sie können sich aber im Adreßbuch II. Band unter Konsulate Britische Besizungen selbst Stationen informieren. 2. M. 667. 1. und 2. Nein. Ja. A. S. 76. 2. T. 4918. Barometer stand im Wind. R. 2. 40. Polizeipräsidium Berlin gibt Auskunft. Fragen Sie das Einwohnermeldeamt des letzten Aufenthaltsortes und anderer Orte, die als Aufenthalt noch in Frage kommen. A. R. S. 101. Sminemde. 758 SD Laffen Sie Ihren Bater bei dem Direktor Beschwerde führen.- W. W. 6. Hamburg 757 SS Der Offenbarungseid hat den Zweck, dem Gläubiger von den sämtlichen Berlin Vermögensgegenständen und seinen Einkommensverhältnissen Kenntnis zu Franff.a.M. 762 S verschaffen, damit er sich durch Pfändung befriedigen kann. Im Falle des München Nichterscheinens im Termin tann die Verhaftung des Schuldners erfolgen. Wien 759 SW Bun Windstarle Better 2 bedeckt 3 bededt 2 bedeckt 4'woltig 4 heiter 764 S 763 23 3 woltig 2. n. G. 5° C.= 4° R. Stationen Barometer. ftand mm Wind. 16 Haparanda 757 N 17 Petersburg 754 NW 16 Scilly 18 Aberdeen 17 Baris 19 Bunzipp 760 WNW 750 Still 763 SS Windslärte Weller 4 heiter Zemp. n. G. 50 G. 4° R. 16 2 bedeckt 5 tollig Regen 12 3bedeckt 1 im Laden. Vorwärts" entgegengenommen. Bitte ausschneiden. 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