Nr. 199. nbonncmentS'Bedlngunaen: Abonnements. Preis tirämimerando s BicrtcijShrl. 3,30 Mr., NionatT. 1,10 Mb, möchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. einzelne Nuimner S Pfg, Sonntags» nunimcr nnt illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat, eingetragen in die Post-Zeitungs. PreiSiisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PoslabonncmcntS nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien. Luxemburg, Portugach Hliliuiaicn, Schweden und die Schweis. A3. Jahrg. kllchiliit täslld) auO(r lilontaai. Berliner Volksblnkk. Die Tnlertions'GebQDr Bettagt für die fechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 50 Pfg,, für politische und gewerkschastliche Vereins- und Verfainmlungs-Nnzeigen 30 Pfg, „Aieinc �ureigen", da? erste sscit- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- slellcN'Anzejgcn das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über >5 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen Bis s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist BiS 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: »SoalaliUlMli»! Rtrli»". Zentralorgan der fozialdcmokratifchcn parte! Deutfcblands. Redaktion: SCQ. 68, Lindenstrasse 69. Stern iBvcdicr: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 558. August 1906. Expedition: 8Al. 68, Lindenstrasse 69. Stern svrecher: Amt IV. Nr. 1984. miuiionei). Genosse Maurenvrecher hat in seinem Artikel„Zur Taktik des Wahlrecht s-kampfes" seine Ansichten über die vermeintlichen Fehler der Parteileitung und die Art, wie alles besser gemacht werden könne, noch einmal auseinandergesetzt; der vorliegende Artikel soll unsere Entgegnung darauf sein. Da wir Maurenbrechers persönliche Beschwerden bereits durch unsere Erklärung in der Sonntagsmimmer erledigt haben, können wir unS ohne Umschweife sogleich mit seinen Auffassungen beschäftigen. Wir hatten vom Genossen Wlaurenbrecher behauptet, er habe durch seine Darlegungen in der„Neuen Gesellschaft" bewiesen, daß er seine ehemaligen nationalsozialen Auffassungen noch keineswegs so restlos überwunden habe wie er wohl selbst glaube, auch bestätigten s.-ine Ausführungen leider das Wort der„Deutschen Tages« ; e i t u n g", dag er zlvischen Revisionismus und Revolutionsromantik hin- und herpendele. Genosse Maurcnbrecher vermistt die Beweise für unser Urteil. Wir wollen sie hiermit beibringen und zwar unter Zugrundelegung des ja allen Lesern bekannten Artikels„Zur Taktik deS WahlrechtSkampfeS". Maurenbrecher wiederholt in diesem Artikel die Ansicht, dast„eine Unzufriedenheit der Massen mit der verflossenen Wahl- rechtsaktion und mit der politischen Situation überhaupt tatsächlich vorhanden" sei. Es seien das allerdings nur seine persönlichen subjektiven Eindrücke, die er indes nicht nur in Ober-Schöneweide, sondern auch in Berlin und ander- wärts empfangen habe. Nun, wir brauchten ja dem Genossen Mauren- brecher nur unsere„subjektiven Eindrücke" entgegenzuhalten, die ganz anderer Art waren, obwohl sie ebensowenig wie bei dem Genossen Maurenbrecher„am Schreibtisch und in der Redaktionsstube" entstanden sind, da wir in zahlreichen Versammlungen und Sitzungen die Auffassung auch der breiteren Kreise kennen zu lernen Gelegen- heit hatten. Aber da eS bei subjektiven Eindrücken immer auf die Brille ankommt, durch die man die Dinge sieht, ist mit einem solchen Beweismittel überhaupt nicht viel anzufangen. Wir müssen uns also schon an objektive Beweismittel halten, an Tatsachen, an denen nicht zu rütteln ist. Zu solchen Tatsachen gehört aber in erster Linie die, dast die angebliche„Stimmung" für schärfere Mittel, speziell den Massenstreik, sich nirgends, weder in Versammlungen, noch in den mit der Organisatton und Agitation bettauten Parteiinstanzen, die doch in e n g st e r F ü h l u n g mit der„Masse" stehen, zu einem Vorschlag oder Anttag verdichttt hat! Wo aber auf Parteikonferenzen von einzelnen Personen die Frage des Massenstreiks aufgeworfen wurde, war sich die über- große Mehrheit sehr bald darüber einig, daß ein solches Kampfmittel zurzeit völlig außer Frage stehe! Nun könnte Maurenbrecher sagen: Ja, die Masse gab deshalb selbst keine Anregung, weil sie eben mit Bestimmtheit auf die Parole von oben rechnete. Wenn das richtig wäre, so wäre es nur um so unbegreiflicher, daß die in ihren Erioartungen so schnöde betrogene„Masse" dann später, bei dem Ausbleiben der „Parole", nicht um so energischer ihrem Unwillen Ausdruck gegeben hat. Oder war es vielleicht die„Masse", die während der letzten Massenstreikdebatte die Parteileitung der„falschen Führung", deS„Bremsens" und des„Zickzackkurses" beschuldigte? Wir haben die Parteikundgebungen und Preßäußerungen mit jener Gewissenhaftigkeit verfolgt, die der„Vorwärts"-Nedaktion schon die Ver- pflichtung allseitiger und objektiver Jnfonnation ihrer Leser auferlegt, aber von einer Enttäuschung der Masse, von einer«allgemeinen Unlust" über die„Sackgasse", in die wir durch eine angeblich ver- fehlte WahlrechtSagitation hineingeraten sein sollen. haben wir nichts wahrgenommen! Vielmehr war es eine winzige Schrift st ellergruppe, deren Kopfzahl sich bequem an den Fingern einer Hand abzählen läßt, die sich auf einmal gebärdete, als stehe die Partei unmittelbar vor einem furchtbaren Kladderadatsch, Ivenn nicht sofort unsere ganze Taktik umgekrempelt und das Drei- klassenwahlrecht durch eine Art Kavallcrieattacke hinweggefegt werde, Die„Masse" hat mit diesen Kladdcradatschängsten von drei oder vier Parteiliteraten absolut nichts zu tun! Wohl aber sind die Geiwssenkreise. die am Parteileben geistig und agitatorisch regen Anteil zu nehmen gewöhnt sind, und die mit fteudigern Stolz und hoher Genugtuung das seit dem 21. Januar un unter- brachen andauernde Wachstum der Parteiorgani- sationen und der Parteipresse verfolgt haben, von maß- losem Erstaunen ergriffen worden, als ihnen auf einmal erzählt wurde, daß die Sozialdernolratte unrettbar an ihrer Lächerlichkeit sterben werde, wenn— über das Wenn toaren sich auch die Drei oder Vier unter sich nicht ganz einig— kurzum: wenn nicht etwas Ungewöhnliches, Außer- ordentliches, Sensationelles geschehe! Genosse Maurenbrecher behauptet, die Gencralkommission selbst habe für den Wahlrechtskampf dieses Winters und Frühjahrs empfohlen,„die schärfsten Mittel bereit zu hallen" und ausdrücklich ihre Unterstützung in Aussicht gestellt. Wir erinnem uns dessen nicht, aber will Maurenbrecher damit vielleicht glauben machen, daß die Generalkommission damit etwa den Anschein erweckt habe, als wolle sie zum Massenstreik animieren? Jedenfalls unterstellt er den Artikeln der Parteipresse, die sich damals in einem„sParoxySmus" befunden haben soll, wenn nicht die Absicht, so doch die Wirkung, die„Masse" in die Auffassung versetzt zu haben, daß der Wahlrechts- kämpf ohne Pause weiter geführt werden und„bei steigender Temperatur notwendig im Massenstreik endigen" solle. Er, Maurenbrccher, gebe ja schließlich zu, daß die Parteileitung solche Abfichten gar nicht gehabt habe:„Aber ist das ein Zeichen von Konfusion? Sind wir deshalb unreife Kinder— weil wir an einen Plan bei Euch alaubten, der tatsächlich nicht da war?"! Wir haben an der Hand der wirklichen Tatsachen unseres ParteilebenS deS letzten halben Jahres nachgewiesen, daß die Massen nicht mit dem Massenstteik rechneten und nicht auf eine „Parole" warteten. Sie konnten das auch gar nicht, weil die Parteipresse bei ihren Anfeuerungen zu den Wahlrechtsprotesten sich durchaus nicht des Massenstreiks als Schreckmittels bediente! Die Parteipresse faßte den WahlrechtSkampf gar nicht als eine Aktion auf, bei der ein unmittelbarer Erfolg zu erwarten sei, sondern als eine Demonstration, einen Protest, dessen Zweck schon erreicht sei. wenn in den proletarischen Massen selbst das Gefühl der Em- pörung über die preußische Dreiklassenschmach vertieft werde. Als nach dem 21. Januar die bürgerliche Presse über die„Erfolglosigkeit" der Demonstratton spöttelte, erklärte der„Vorwärts" ausdrücklich, daß die Partei mit dem agitatorischen Erfolge der großen Massemnustcrung vollauf zufrieden sei. Und immer wieder, am 18. März, am 1. Mai, betonte der„Vorwärts" die a g i t a- orifchen und organisatorischen Erfolge der Wahl- rechtSbewegung. Klipp und klar und für jeden ver- ständlich erklärte er während dieser Monate der Wahl- rechtSagitation wiederholt: die einzige Möglichkeit der Zerttürnrnerung der preußischen Junkerherrschaft sei die Stärkung der proletarischen Klassenkampfarmee. Auf die Hülfe der bürgerlichen Parteien sei kein Verlatz, selbst Zentrum und Freisinn seien nur verkappte Feinde deS DreiklassenwahlrechtS. Der Tag des Siege» über die preußische Reaktion rücke nur in dem Maße näher, in dem die Sturmkolonne des sozialistischen Proletariates anwachse. An dieser Sprache und Auffassung des„Vorwärts" hat damals kein Mensch Anstoß genommen. War es doch die allgemeine Auffassung der ungeheueren Mehrheit d e r P a r t e i, die sich keinen Augenblick einbildete, man dürfe nur dann in eine preußische WahlrechtSagitatton eintreten, wenn man entweder zu siegen oder auf der Strecke zu bleiben entschlossen sei. Denn nur wenn man die Protestbewegung unter einem solchen GefichtSwinkel betrachtet, kann man von einer „Sackgasse" reden, in die die Partei dadurch geraten fei, daß sie nicht auch zum Massenstteik gegriffen habe. Die deutsche Partei. und zwar nicht nur deren Leitung, sondern auch die Massen, kannten aber die Stärke der gegnerischen Position viel zu gut, um nicht zu wissen, daß nicht durch einen tollkühnen Swrmlauf, sondern nur durch allmähliches Heranschieben der Schützengräben, durch ein Unterminieren der Bastionen, kurzum nur durch eine langandauernde zähe Belagerung daS Port Arthur der preußischen Reaktion genommen werden kann. Genosse Mauren- brecher kann sich also in der Tat nur auf das Recht der—- politischen Konfusion, auf seine Unerfahrenheit in der sozial- demokratischen Gedankenwell berufen, wenn er„an einen Plan glaubte, der nicht vorhanden war". daS heißt, der bei einsichtigen Politikern überhaupt nicht vorausgesetzt werden konnte! Genosse Maurenbrecher nennt es freilich„eine gefährliche Flau- macherei", wenn der„Vorwärts" in einem seiner Massenstteikartikcl den politischen Massenstreik im Frühjahr für unausführbar erklärt habe, einmal weil es innerhalb des Proletariats an der klaren und entschlossenen Einmütigkeit in der Beurteilung dieses Kampfmittels gefehlt habe, dann aber auch, weil die Position des Gegners zu stark gewesen sei. Die„Macht der preußischen Re- g i e r u n g". so versichert Maurenbrecher, habe„ihre sehr engen Grenzen". Damit verrät Genosse Maurenbrecher aber- rnals eine bedauerliche Unklarheit und Unreife seiner politischen Auffassungen! Ja, wenn daS preußische Wahlunrecht nur seine Stütze fände in„der preußischen Regierung" und ihren nächsten konser- vattven Freunden I Dann freilich hätte schon heute ein Massenstreik Aus- ficht auf Erfolg I Aber die„preußische Regierung" findet in Sachen deS preußischen Wahlrechts auch zuverlässige Unterstützung bei den Nationalliberalen und dem Zentrum, während der ohnehin ja so schwache Freisinn zum mindesten den denkbar unzuverlässig st en Verbündeten der Sozialdemokratie darstellen würde. Kurz: die ganze besitzende Klasse steht hinter der Regierung. und ein Kampf gegen da? Dreiklassenwahlrecht bedeutete nichts Geringeres als den Kampf gegen die geeinte reaktionäre Masse! Man muß wirklich aus der ganzen bisherigen Entwickelung unseres politischen und ParteilebenS nichts gelernt haben, man muß gegen die zunehmende Verschärfung des Klassenkampfes blind sein, man muß die polittsche Presse init ganz eigenen Augen lesen, wenn man die Tatsache bestreiten will, daß der Kamps um das preußische Wahlrecht nicht nur gegen die preußische Regierung und die preußischen Junker, sondern gegen die besitzende Klasse, die Bour- gcoisie überhaupt gefiihrt werden müßte. Und ein politischer Massenstreik würde die kapitalistischen Instinkte auch der linksliberalen Bourgeoisie rasch uud kräftig genug beleben I In der Verurteilung dieses Kampfmittels findet sich ja die ganze freisinnige Presse von dem Blatte deS Herrn Mosse biS zu dem deS Herrn Sonnemann einmütig zusammen l ES ist denn auch bekanntlich der Vorschlag aufgetaucht, statt ans dem Wege der proletarischen PressionSpolittk durch diplomatisch kombinierte Schachzüge das Dreiklasscnwahlrccht zu Fall zu bringen. Man hat gemeint: wenn wir, statt sozialdemokratische Wahlagitation zu betteiben, überall den Freisinn unterstützen, ist eS am Ende möglich, dem Dreiklassenparlament eine derartige Zusammensetzung zu geben, daß eS das Dreiklassenwahlshstem selbst abschafft. Sollte auch der Freisinn dafür nicht zu haben sein, so werde doch den in die Enge getriebenen Junkern das Wahlrecht wieder zu dem„elendesten aller Wahlsysteme", für dessen Beseitigung sie selbst eintreten würden. Man sieht auf den ersten Blick: diese ganze Kombination ist äußerst phantastisch. Aber nehmen wir selbst einmal an, eS käme so. wie unsere Diplomaten kalkulieren: der I irgend welchen Erfolg verspricht! Freisinn erlangte eine den Junkern unbequeme Zahl von Man« baten. Der Freisinn würde dann schon deshalb nicht für das allgemeine. gleiche, direkte und geheime Wahlrecht eintreten, weil er sich dadurch ja selbst wieder in den Abgrund stürzen würde. Die Junker aber würden wahrscheinlich die freisinnige Herrlichkeit von sozialdemokratischen Gnaden eine Zeitlang ruhig mitansehen. Denn ewig würde ja doch die sozialdemokratische Unterstützung des Freisinns nicht währen. Einigten sich aber Konservative, National« liberale und Zenttum faktisch auf eine Wahlrechtsänderung, so ganz sicher nicht auf das ReichstagSwahlrccht, sondern etwa auf eine Art st ä n d i s ch e r Vertretung, durch die jedem der bürgerlichen Interessenten ein gewisser Besitzstand garantiert, daS Proletariat aber mit einer lächerlichen Schein Vertretung abgespeist werden würde. Und eines solchen nicht einmal sicheren„Erfolges" wegen sollte die Sozialdemokratie die Taktik des Klassenkampfes aufgeben und ihre Wähler zu Schachfiguren degradieren?! Genosse Maurenbrechcr spricht nun zwar davon, daß man schon im Frühjahre den Drei-Tage-Streik und den„ganzen Massen- streik selber" von Rechts lvegen hätte inszenieren müssen, aber für die nächste Zukunft empfiehlt er selbst gleichwohl nicht den Massenstreik, sondern nur eine neue Form der Agitation. Man hätte schon seinerzeit die VersamrnlungS- und Flugblattagitation fortsetzen und im besonderen auch die Katholiken, die Kleinbürger und Landarbeiter gegen die Dreiklassen- wähl aufrütteln müssen. Wenn der„Vorwärts" bereits im Januar AchnlicheS empfohlen habe, so sei es desto schlimmer, daß die Partei- leitung der Anregung nicht entsprochen habe! Nun, die Partei hat eS an Versammlungen und Flugblättern wahrhaftig nicht fehlen lassen. Und die Flugblätter sind selbstverständlich auch an Nichtsozialdemokraten verteilt worden. Speziell im rheinisch-westfälischen Jndustrierevier ist eine Broschüre „Zentrum und Wahlrecht" in 200 000 Exemplaren verbreitet worden. Aber schließlich hat jede Agitation ihre Grenze: überfüttert man die Massen mit Flugblättern über stets den gleichen Gegenstand, so erweckt man schließlich Gleichgültigkeit und Ueberdruß statt gesteigerten Interesses. Und wenn es der„Vorwärts" als Pflicht der Gewerl» schaften bezeichnet hatte, sich auch ihrerseits des Agitationsstoffes der Wahlrechtsagitation zu bemächtigen, um ultramontane und frei- sinnige Gewerkschaftler über den Wahlrechts- also arbeiterfeindlichen Charakter dieser beiden Parteien aufzuklären, so war das ein den Gewerkschaften gegebener Rat, zu dessen Unterstützung auch der Parteivorstand nur sehr wenig zu tun vermocht hätte. Aber Genosse Maurenbrecher empfiehlt ja nicht die bisher übliche sozialdemokratische Agitation, sondern die Partei- politisch neutrale Aufklärung der Katholiken, Kleinbürger und Landarbeiter über die Verwerflichkeit des die nichtbesitzende Klasse entrechtenden DreiklassenwahlshstemS. Die sozialdemokratischen Flugblätter und Reden sollen diesen Schichten sagen: Wir wollen Euch ja gar nicht zu Sozialdemokraten machen, Ihr sollt nur mit den Sozialdemokraten gemeinsam— sei es im Rahmen Eurer Partei, sei es gegen dieselbe— den Kampf gegen die Dreiklassenschmach führen. In der Tat, etwas Naiveres und Konfuseres als dieser Bor- schlag ist uns selten begegnet! Wenn ich einem politisch Indifferenten das Skandalöse deS DreiklassenwahlrechtS demonstrieren will, genügt doch keineswegs der simple Nachweis, daß es bei demselben den Arbeitern nicht möglich ist, gegen die Stimmen der Vertreter der beiden anderen Klassen einen Abgeordneten durchzubringen. Ich habe ihm vielmehr klarzumachen, daß die Vertreter der beiden ersten Wählertlassen weder gewillt noch in der Lage sind, die Jnter« essen der dritten Wählerllasse zu vertreten! Ich muß ihm also zunächst den wirtschaftlichen Gegensatz zwischen Arbeiter und Unter- nehmer, zwischen Proletarier und Kapitalisten klannachen, um ihm dann auch die unerbittliche Tatsache des politischen Klassen- kampfeS verständlich zu machen. Erst dann wird er die Rechtlosigkeit der Nichtbefitzenden als ein Unrecht und eine Benachteiligung empfinden. Verfahre ich nicht so, so ist eS den Demagogenkünsten der Gegner ein leichtes, dem Arbeiter usw. vorzuschwindeln, da» allgemeine usw. Wahlrecht liege weniger im Interesse der Nicht- besitzenden als vielmehr im Interesse der staats- und religionsfeindlichen Sozialdemokratie; die Interessen der christlichen srcsp. freisinnigen) Arbeiter würden auch bei dein jetzigen, zwar nicht idealen, aber doch vorläufig nicht zu ändernden Zustande ganz vortrefflich durch die be» tvährten Vertreter deS Zentrums sresp. Freisinns) vertreten. Und verbreitet die Sozialdemokratie ein Flugblatt, worin sie konkrete Sünden des Zentrums festnagelt, so verbreitet das Zenttum flugs zwei andere Flugblätter, worin daS Verbrechen in ein sozial» politisches Heldenstück uingclogen wird. Doch kurz und gut: durch ein halbes oder auch ganzes Dutzend Flugblätter oder Versainm- lungen wird trotz alles neutralen Eiertanzes und aller diplomatischen Ueberschlauheit noch lange kein Keil in die gegnerischen Parteien ge» trieben. Dazu bedarf es jahrelanger, unermüdlicher Agitation und Organisation durch Partei und Gewerkschaften, der eindringlichsten praktischen wie theoretischen Belehrung über das Wesen deS Klaffen- lanipfeS und der bürgerlichen Parteien. Wenn sich durch kecke Husarenritte und Handstreiche, durch eine politische Tamtamagitation nach dem Vorbilde der Heilsarmee etwas erreichen ließe, dann hätten es gerade die Nationalsozialen zu etwa» bringen müssen. Man weiß aber, wohin sie es ttotz der fieberhaften Agitation gebracht haben. Es ist deshalb eine äußerst sonderbare Zumuttmg des Genossen Maurenbrecher, der Sozialdemokratte an Stelle ihrer bisherigen systematischen, aus Theorie und raxis des Klassenkampfes natürlich herauswachsenden Agitationsweise eine neue AgitationSform zu empfehlen, die nicht nur unserer ganzen Klasscnkampfauffassung inS Gesicht schlägt, sondern auch, wie jeder praktisch Erfahrene weiß, nicht eimnak ES fällt unS gar nicht ein. leugnen zu wollen, daß nicht auch unsere Agitation hier und da systematischer und intensiver betrieben werden könnte. Aber in unserer Wahlrechtsagitation hat die Partei, sowohl Leitung wie Masse, ihre Schuldigkeit getan. Daß das Wahlrecht durch unsere Agitationsposaunen nicht gleich den Mauern von Jericho umgeblasen werden konnte, wußte jeder Mensch mit fünf gesunden Sinnen. Trotzdem haben wir alle Ursache, mit den Erfolgen unserer bisherigen Wahlagitation zufrieden zu sein. Kleinmütige Berzagtheit wie exaltierte Projektenmacherei sind gleich wenig am Platze. Selbstverständlich geht der Kampf weiter. Aber welche Pressions- oder Agitationsmittcl man auch anwenden wird: man wird die Lehren und Prinzipien des Klassenkampfes niemals ignorieren, wie das bei den Vorschlägen Maurenbrechcrs und seiner Gesinnungsverwandten geschieht. Genosse Maurenbrecher wird erst dann keinen„Unmut" mehr über die sozialdemokratische KampfeStaktik empfinden, wenn er sich etwas gründlicher mit dem Wesen des proletarischen Klassenkampfes vertraut gemacht haben wird! Las Blutbad in Nürnberg. Aus Nürnberg wird uns geschrieben: Noch nie in meinem Leben ist mir die volle Wahrheit des Sprichwortes„Der lügt wie telegraphiert!" so begreiflich ge- worden, als beim Lesen der offiziösen Telegramme über das schauerliche Blutbad in Nürnberg, das die dortige Polizei am Donerstag, noch viel mehr aber am Freitagabend im Stadtviertel St. Peter, rings um die Aut�mobilfabrik Union(Firma Maurer) angerichtet hat.— Die Volksversammlungen vor der Automobilfabrik dauern seit Freitag,, den 17. August, an welchem Tage der durch den Fabrildirektor zu Gewalttätigkeiten aufgereizte Arbeitswillige einem friedlichen Streikposten drei Nevolverhigeln in den Leib gejagt hat. Die Ansammlungen waren aber voll- ständig harmlos, sie beschränkten sich lediglich auf Besichtigung des Tatort es. Die Menschen haben sich verlaufen wie sie gekommen waren. Nun wurde die Tatsache bekannt, daß der Mörder des Streik- Postens nicht wie jeder andere Mörder behandelt wird, daß man von Notwehr nicht sprechen kann, daß der Mordbube aber trotzdem wegen Annahme von Notwehr auf freien Fuß gesetzt worden ist. Dazu kam, daß die Polizei schon während der mehrwöchigen Dauer des Maurerstreiks wiederholt und im nämlichen Stadtviertel in vollständig ungesetzlicher Weise gegen Streikposten der Maurer aufgetreten ist. Streikposten wurden ohne jeden Grund vertrieben oder auch, wenn sie nur den Versuch machten, auf ihr gesetzliches Recht aufmerksam zu machen, sofort ver- haftet. Daß sich dabei Menschen ansammelten, ist wohl ganz natürlich. Daß die Polizei nun, anstatt den Schauplatz ihrer Heldentat zu verlassen, gegen die paar Zuschauer mit Püffen und den bekannten tänzelnden Hufen der Schutzmannspferde vor- ging, war der Grund zu größeren Ansammlungen und die Ursache von Groll und Erbitterung gegen sie. Nun kam wenige Straßen entfernt der Mord vor und die bereits erwähnte erneute Partei- lichkeit gegen die streikenden Arbeiter; was lag näher als daß neue Ansammlungen vorkamen? Hätte es nichts weiter zu sehen gegeben als die Stelle, wo jener unselige Mensch einen anderen niedergeschossen hatte, so wäre das Bleiben des Einzelnen über wenige Minuten nicht hinausgegangen. So aber war schon seit dem Mordstag stets ein großes Polizeiaufgebot zu Fuß und zu Pferd am Platze zu einer Zeit, wo außer dem gewöhnlichen Ver- kehr kein Mensch am Platze war. Selbstverständlich blieb nun jeder, der Zeit hatte, stehen und jene, die aus der Ferne die 25 bis SO Helmspitzen blitzen sahen, kamen heran. Einer fragte den anderen, was denn' loS sei und keiner wußte etwas, folgedessen mußte erst etwas loS w e r d e n, zudem ja die Polizeileute sämtlich ihre Revolvertaschen anhängen hatten, was man sonst nur bei Nacht zu bemerken Gelegenheit hatte. Als auf ganz natür. liche Weise die Menge immer größer wurde, ließ die Polizei der ersten Ungeschicktheit die zweite folgen: sie ließ die Ansamm- lung nicht wieder sich ruhig verlaufen, sondern ihrer Tradition ge- mäß ging sie mit Gewalt vor. Die durch die bereits erwähnten Umstände schon erregten Menschen wurden dadurch natürlich nicht beruhigt— und die objektive Gewalt der Polizei wuchs zur brutalen Gewalt aus. Nachdem bereits Mißhandlungen von Zivil- Personen vorkamen, flog der erste Stein aus der Hand eines ISjährigen Jungen. Nun schwand der letzte Rest von Zurückhaltung bei der Polizei. Jetzt flogen die Säbel heraus und ohne Rücksicht auf Schuldig oder Unschuldig wurde dreingehauen, vorerst nur mit der flachen Klinge. Die Buben, die Steine geworfen oder gejohlt hatten, hatten sich natürlich längst in Sicherheit gebracht. niedergeworfen und niedergeschlagen wurden nur Ahnungslose, die eben des Weges gekommen oder die in nächster Nähe liegende Ausstellung verlassen hatten, woher um diese Zeit Tausende auf dem Heimwege begriffen sind. Abscheuliche Szenen sind vorge- kommen und die Erbitterung des gesamten Publikums gegen die Polizei wuchs ob dieser himmelschreienden Ungerechtigkeiten. Das war am Donnerstagabend. In der Erwartung, daß die Heldentaten der Polizei mit diesem Abend noch nicht abgeschlossen sein würden, begab ich mich am nächsten Abend schon um 5 Uhr auf den Kriegsschauplatz, mietete mir ein Zimmer, um von dort aus die Vorgänge beobachten zu können. Schon von 3 Uhr ab war die Straße dicht belebt, nicht aber von„Tumultuanten", sondern von den Massen, die zu dem 5 Minuten entfernt abgehaltenen und zur Eröffnung gelangen- den Volksfest gingen. 40 bis 50 Schutzleute bannten die Massen Natürlich wieder an den Platz. Die Sache entwickelte sich wieder wie am vorigen Tage ,und daß es heute(also am Freitag) noch schrecklicher werden sollte wie am vorigen Tage, bewies die wie ein Lauffeuer durch die Menge gegangene Aeußerung eines dem Dialekt nach preußischen Schutzmannes:„Heute gehts nicht wie gestern, heute muß mit jedem Hieb einer fallen." Und es kam so! Um 8 Uhr wurde die Regensburgerstraße, in welcher die Fabrik Union liegt, oben und unten abgesperrt, und hinter der Schutzmannskette ging nun die Schießerei und die Säbclhackerei los. Ich hatte mein Standquartier verlassen und war zu dem Hauptschauplatz geeilt, eine Kreuzung von sieben Straßen, davon eine direkt zur Ausstellung(5 Minuten) und eine direkt zum Volksfest(2 Minuten), die übrigen meist ins Stadtinncre. Was ich nun hier sah, ist einfach unbeschreiblich. Kalter Schauer über- lief mich. Viele Dutzendmale hörte ich das schauerliche Knacken, wie es mir noch in den Ohren klingt von jenem Moment her, wo das Fallbeil die knochige Wirbelsäule eines ebenfalls amtlich gemordeten Raubmörders durchschlug, von welchem Akt der„Ge- rechtigkeit" ich vor Jahren einmal Zeuge wqr. Einmal da, einmal dort sausten die Säbel auf Schädelknochen, auf die Schultern oder anf die Hände nieder, ein ununterbrochenes wildes Schlachten. Ziel- und planlos ranüten die bei ihrer Blutarbeit rasend ge- wordenen Pylizeilente umher, hieben, stachen und schössen alles nieder, was ihnen in den Weg kam, Frauen und Kinder, Burschen und Greise. Aus halbdurchhacktcn Händen und Fingern, ans an- gehackten Schädeln und Schnltertnochen/ ans durchschossenen Armen und Beine», au3 zerstochenen Frauenbrüsten sah ich Blut in Strömen fließen. Äahnsinnverratendes Brüllen der Polizei, Jammer- und Wehcgeschrei der Attakierten und das Krachen der Revolver erfüllte die Lufj. So ging rS von Eintritt Ver Dunkelheit an bis 12 Uhr nachts. Um 11 Uhr lösten zwei Kompagnien Infanterie die die Regensburgerstraße absperrenden Schutzleute ctzb; die Zahl der Säbelhacker und Rcvolverknaller war somit vermehrt. 300 Verwundete, zum Teil sehr schwer, dürfte nicht überschätzt sein. 90 Prozent davon aber waren harmlose Passanten, die vom Volksfest oder von der Ausstellung kamen und die Stelle passieren mußten. Neben Arbeitern und„einfachen" Bürgern sind„bessere" Leute in Menge ebenfalls zerhauen worden. Amtsrichter, Lehrer, Fabrikanten und viele, viele„bessere" Damen, die nicht schnell genug laufen konnten. In ihrer blinden Wut haben die Polizisten sogar ihre eigenen Kollegen verwundet, einem wurde von seinem„Mit- kämpfer" sogar die Hand vollständig durchstochen. Daß das Publikum die Polizei angegriffen habe, ist eine absolute Lüge. Es beschränkte sich lediglich auf die Notwehr, indem die in die Wirtschaftslokale mit Säbel und Revolver herein- stürmenden Polizisten mit Bierflaschen abgewehrt wurden, das waren aber nur ganz wenige Fälle und es geschah erst, nachdem das Wüten schon lange angedauert hatte. Total erfunden aber ist, daß die„Ausschreitungen" von Streikenden herrühren. Seit Freitag den 17. August stand kein einziger Mann der Streikenden mehr vor oder in der Nähe der Fabrik. Die Posten wurden sämtlich eingezogen mit der strengsten Weisung, die Fabrik zu meiden, was ohne Ausnahme befolgt worden ist. Am Sonnabendabend war die„Ordnung" wieder die alte. Nur wenige Schutzleute standen da und diese ersuchten die Leute äußer st höflich, weiterzugehen. Das gleiche auch am Sonntag. Um weiteres Blutvergießen zu verhindern, hatte das Gcwerk- schaftskartell Nürnbergs am Sonnabendvormittag an den Bürger- meister das Anerbieten gestellt, für den kommenden Abend 100 oder mehr Ordner zu stellen und die Polizei in den Hintergrund zu setzen. Eine sofort einberufene Sitzung des magistratischen Polizeisenats flber hatte«das freundliche Anerbieten... nach Lage der Umstände... dankend abgelehnt", man hatte schon Militär für die folgenden Tage bestellt l Die russische Revolution. Das Attentat auf Stolhpin. Von einem niederschmetternden Eindruck oer blutigen Kunde im Zarenpalaste berichten die Blätter. Sie werden Wohl recht haben. Wer soll sich noch sicher fühlen, wenn der Ministerpräsident nicht mehr sicher ist in seiner stark bewachten Villa! Für die todcntschlossenen Terroristen gibt es kein Hindernis mehr— da sie ihr eigenes Leben kaltblütig aufs Spiel setzen, werden sie den Herrschenden um so gefährlicher. Sie weihen sich selbst dem Tode, um den Feind zu töten. Diese bis zur Todbereitschaft gehende Hingabe ist der Grad- mcsser der furchtbaren Erbitterung, die die russische Reaktion weckt. Ströme Blutes sind geflossen und darunter unschuldiges Blut— Blut von Kindern. Die Ordnungspresse ist voll Abscheu. Eine Ministertochter ist schwer verletzt, ist zum Krüppel geworden. O über die Barbaren der Revolutionäre! So tönt's durch die Spalten vom rechten bis zum linken Flügel der Bürgcrpresse. Wieviel Kinder die„Ordnung" ge- mordet hat, danach fragen die Moralisten nicht! Wieviel unschuldiges Blut der Zar durch seine Henker vergossen hat und weiter vergießen läßt, das kümmert sie nicht. Elende Heuchlersippe I Die heutigen Nachrichten über das Attentat lauten: Petersburg, 26. August, lieber Sie Explosion im Hause Stolypins werden nachstehende Einzelheiten gemeldet, durch welche die früheren Berichte eine teilweise Abänderung erfahren: Die Täter trafen in einem offenen Wagen ein, als die Besucher- liste bereits geschlossen war, infolgedessen wollte die Dienerschaft sie nicht durchlassen. Darauf versuchten sie mit Gewalt in das Zimmer einzudringen, das neben dem Empfangssaal lag, und in dem zahlreiche Gäste den Minister erwarteten. Bei dem* Handgemenge mit der Dienerschast ließ einer der Eindringlinge, der die Uniform eines Gendarmerieoffiziers trug, eine Bombe fallen, die mit großer Gewalt explodierte. Durch die Stärke der Explosion wurde das Vorzimmer, in dem die Bombe explodierte, das diesem benachbarte Zimmer und teilweise auch der Empfangssaal vernichtet, ebenso auch das Vestibül, die Freitreppe und der Balkon des zweiten Stockwerks. Der Minister, der in seinem Arbeitszimmer empfing, blieb, wie bereits gemeldet, unversehrt. Seine Tochter und sein Sohn, die sich auf dem Balkon aufhielten, wurden verletzt; beide Kinder wurden nach dem Hospital gebracht. Die Gesamtzahl der Opfer beläuft sich auf nahezu 00 Personen, von denen 2? getötet sind. Unter den Toten befindet ftch das Mitglied des Ministerrats Chwostow. Von den Tätern sind nicht, wie zuerst gemeldet, alle vier, sondern drei durch die Explosion getötet worden, der vierte ist verhaftet. Getötet sind außer General Samjatin. Zeremonienmeister Woronin und C h w o st o w auch Fürst Nakaschtdze, der Hauptmann der Gendarmerie Fedorow, der Polizeibeamte Kasantzew, sowie Wachen, Diener und Boten. Verwundet sind 25 Personen, darunter zwei Ministerialbeamte und ein General der Artillerie. Das Gebäude ist schrecklich zugerichtet. Die Feuer- Wehrleute sind mit Bergungsarbeiten beschäftigt. Durch die Untersuchung ist ermittelt worden, daß die Täter aus Moskau hier eingetroffen sind und sich in der Morskajastraße möblierte Zimmer' gemietet haben. Sie hatten am Abend vor dem Mordanschlag die Sommeroper besucht, wobei sie sich des- selben Wagens bedient hatten, in dem sie vor der Villa des Ministers vorfuhren. Der Haupttäter, dessen Leiche von Militär bewacht wird, ist ein ziemlich kräftig ge- bauter junger Mann von etwa 25 Juhren. Unter feiner ganz neuen Uniform befand sich eine givilweste und außerordentlich schmutzige Wäsche. Wie jetzt bekannt wird, wollte bereits vor einigen Tagen ein verabschiedeter Offizier namens Boborykin den Minister- Präsidenten vor einem gegen ihn geplanten Attentat warnen, wurde aber nicht vorgelassen. Heute wurde Boborykin auf Befehl des Ministergehüifen Makarow vernommen. Petersburg, 26. August.(Von einem besonderen Korrespon- deuten.) Unter den im Gefängnishospital befindlichen wegen der gestrigen Explosion verdächtigen Personen ist auch ein Polizist. Die Beratung der Aerzte ergab, daß eine Operation bei der Tochtep Stolypins vorläufig nicht nötig sei. In das Peter- und Paul-Hospital wurden 24 Leichname und 22 Verwundete geschafft; drei von den letzteren sind beim Ver- bände gestorben; außerdem sind noch drei am Spätabend gestorben. Die Gesamtzahl der durch die Explosion Getöteten beträgt mit- hin dreißig. Vier von den Verwundeten, die der Teilnahme an dem Verbrechen verdächtig/ sind, wurden in das Gefängnis- Hospital geschafft. Vier Männer und zwei Frauen, die bei der Explosion schwer verwundet wurden, bleiben in dem Peter- und Paul-Hospital und werden von Militär bewacht, ebenso wie die Leichname. Neue Attentate. Petersburg, 26. August.(Meldung der Petersburger Tele- grapHeti-%-jUur.)/ SXi KoMMandeur dxs Semmowskyschsn giments, General M i n n, ist heute abend in Peterhof getötet worden. Der General befand sich auf dem Bahnhof mit seiner Familie, als ein junges Mädchen sich ihm näherte und fünf Re- volverschüsse auf ihn abfeuerte, die den General in den Rücken trafen. Frau Minn faßte das Mädchen bei der Hand, das sofort verhaftet wurde. Sodann zeigte die Verhaftete der Polizei eine auf dem Bahnhof liegende Bombe und- bat, sich in acht zu nehmen. General Minn verstarb sofort. Bei der Verhafteten wurde ein Paß auf den Namen der aus Pensa stammenden Bäuerin Sophie Larionoff vorgefunden. Ein seit dem 3. August in der Nähe von Peterhof ansässiger etwa 30 Jahre alter, der Mitschuld verdächtiger unbekannter Mann, der unweit der Larionoff wohnte, ist seit dem Augenblick, in dem das Attentat erfolgte, verschwunden. General Minn sollte zu einer„Strafexpedition" nach den Ostseeprovinzen abgehen. Warschau, 27. August. Heute nachmittag wurde der hiesige stellvertretende Generalgouverneur General W o n l j a r l i a r s k i, als er in einer Droschke durch die Wiejska- stratze fuhr, von Unbekannten erschossen. Die Täter sind entkommen. London, 27. August. Ein neues Attentat wurde, laut Mel- düngen aus Odessa, gestern abend gegen den dortigen Gouverneur General Kaulbars versucht. Der Anschlag mißlang. Ebenso, wie in dem kürzlich borgekommenen Fall, näherte sich ein junges Mädchen dem Palast des Gouverneurs, ließ aber die Bombe zu früh fallen. Das Mädchen, das bei der Explosion verletzt wurde, ist ver- haftet worden. Revolutionäre Agitation unter den Soldaten. Petersburg, 26. August. Das Komitee der revolutionären Kampf- organisation hat neuerdings einen Aufruf an die Soldaten erlassen, in welchem nach Aufzählung aller Sünden, welche sich die jetzige Regierung hat zu Schulden kommen lassen, die Soldaten zum Sturz der Regierung, zum Kampfe für die Konstituante aufgefordert werden. Wer nicht mutig genug sei, um offen gegen die Volksfeinde zu kämpfen, solle wenigstens nicht gegen seine Brüder, die meuternden Soldaten, schießen. Der Aufruf trägt die Unterschrift der Arbeiterpartei der Reichsduma. Wieder eine Militärmeuteret. Nowgorod, 26. August.(Von einem besonderen Korrespon- deuten.) Im Kyriller Konvoikommando entstanden Unruhen. Eine Anzahl Soldaten verweigerten den Gehorsam. 16 von ihnen wurden in das Gefängnis abgeführt. Sonstige Meldungen. Riga, 27. August. In einer Vorstadt wurden in einer Privat- Wohnung 24 Bomben. 8 Pyroxilingeschosse, sowie viele Spreng- Materialien vorgefunden. Eine Patrouille vereitelte einen geplanten Ueberfall auf eine staatliche Branntweinniederlage; fünf an dem Ueberfalle beteiligte Personen wurden erschossen. Hömel, 26. August. Kurz nach Mitternacht kam es hier zw einem Zusammen st oß zwischen Juden undRussen. Es wurden dabei mehrere Schüsse abgegeben, jedoch niemand ge- troffen. Das Eingreifen der Polizei beugte weiteren Aus- schreitungen vor. Ein Jude, der geschossen hatte, und fünf andere wurden verhaftet. Tambow, 27. August.(W. T. B.) Gestern abend wurde auf der Jnschawinje-ZweigbaHn ein Personenzug überfallen; ein Polizeiosfizier, ein Schutzmann, ein Gendarm wurden getötet, ein Schaffner tödlich verwundet. politifcbe(leberkickt. Berlin, den 27. August Staatliche Zwangsenteignung der Polen? Ein Berliner Blatt hatte vor einigen Tagen die Mit- teilung gebracht, daß, wie es aus bester Quelle erfahre, man im preußischen Ministerium des Innern an einem Gesetzentwurf arbeite, der der Ansiedelungs- kommission das Recht verleihen solle, innerhalb ihres ganzen Gebietes, Posen und Westpreußcn, jedes landwirtschaftliche Gut zu enteignen. Die„Tägliche Rundschau" spielte sich in diesem Falle wieder einmal als freiwilligen Offiziosus auf, indem sie erklärte, daß„zurzeit" im Ministerium des Innern kein Polengesetz ausgearbeitet werde, da„die bisher angestellten Erhebungen in der Ostmarkenfrage noch kein ausreichendesMaterial geliefert hätten, um darauf- hin gesetzgeberische Maßregeln zu ergreifen, die einen Erfolg gewährleisteten." Die„N o r d d. A l l g e m. Z t g." hüllt sich auch in diesem Falle in charakteristisches Schweigen. Daß in der Tat etwas Außerordentliches im Werke ist, beweisen die Verhandlungen der gegenwärtig in Marienburg tagenden Generalversammlungdes Ost marken- Vereins. In der Verhandlung am 26. August hielt Justiz- rat Wagner einen Vortrag über den Punkt 6 der Tages- ordnung:„Fortführung und Ausgestaltung einer nationalen Bodenpolitik in den Ostmarken." Wagner führte aus, daß es sich gezeigt habe, daß die bisherige Arbeiter- ansiedelungskommission ebensowenig wie die Tätigkeit der privaten Ansiedelungsgesellschaften in der Lage gewesen sei, denRückgangdesGrundbesitzesderDeutschen aufzuhalten. Es Müßten deshalb wirksame Maßregeln ergriffen werden, die den Staat in die Lage versetzten,„auf den Grundstückverkehr im Sinne einer deutschen nationalen Politik einzuwirken." Als solche Maßregeln schlage er vor: 1. In den Ostmarken mutz jedem Grundbesitzer die Pflicht auferlegt werden, wenn er sein Grundstück verkaufen will, seine Absicht der Behörde anzuzeigen. 2. Die Behörde muß das Recht erhalten, innerhalb einer kurz bemessenen Frist zu erklären, daß sie das Grundstück, dessen Verkauf beabsichtigt wird, selbst über« nehmen will. 3. Bei der Uebernahme des Grundstücks ist der Preis so zu bestimmen, daß die Behörde nach ihrer Wahl entweder den Preis zahlt, der von dem Grundstücksbesitzer mit dem Kauf- lustigen in Aussicht genommen war, oder einen Preis, der nach den für die Enteignung bestehenden Vorschriften ermittelt, wo- bei jedoch dem Grundstücksbesitzer das Recht bleiben soll, jederzeit unter Erstattung der entstandenen Kosten von dem Verkauf Ab, stand zu nehmen. 4. Es mutz umfassende Vorsorge getroffen werden, daß der Staat die von ihm übernommenen ländlichen und städtischen Grundstücke im Ganzen oder in Teilen verkaufen kann, sofern er sie nicht der Ansiedelungs-Kommission zur Bestedelung überweist. 5. Der AnsiedelungS-Kommission ist, um ihren Besiedelungs-Unternehmungen freie Bahn zu schaffen, das Eni, eignnngsrecht zu verleihen. Eine Resolution im Sinne dieser Leitsätze wurde denn auch angenommen, trotzdem in der Debatte mehrfach be- tont worden war, daß ein solches Gesetz im Abgeordnetenhause wohl keine Mehrheit finden werde. Der wohl informierte Vorstand des Ostmarkenvereins muß also wohl doch der An- ficht sein, daß die von ihm empfohlene staatliche Zwangs- enteignungspolitik wenigstens bei der Regierung auf keinen Widerstand stoßen werde! Sollte die Regierung tatsächlich eine derartige Vorlage einbringen, so opsexte sie damit zugunsten ihrer bakatUtistben Nntlkaninchcnpolitik die fundamentalsten Grundsätze der kapitalistischen Staats- und Eigentumsordnung. Sie be- raubte sich dadurch jedes Rechtes, noch irgendwie über jene staatliche Enteignungspolitik zu zetern, die von den r e v o- l u t i o n ä r e n russischen Bauern gefordert wird, und die auch bei der Ueberführung des privaten Grund und Bodens in das gesellschaftliche Eigentum im Falle einer sozialen Revolution notwendig werden würde!— Konservative Reverenzen vor dem Zentrum! Die„K r e u z- Z e i t u n g" macht der Parade der klerikalen Regierungspartei heiße Liebeserklärungen. Den Veranstaltern und Rednern der Zentrumsparadc könne die Anerkennung nicht versagt werden, daß sie darauf bedacht gewesen seien, in jeder Hinsicht den konfessionellen Frieden zu wahren. Auf diesen Grund- ton sei auch das HuldigungstclegrammandcnKaiser gestimmt gewesen. Auch das Antworttelegramm Wilhelms II. sei. wie die»Germania" hervorhebe, als die herzliche Anerkennung des ehrlichen Versprechens, für die Versöhnung der Konfessionen und der s o z i a l e n Gegensätze zu wirken, von der Versamm« lung mit unbeschreiblicher Begeisterung aufgenommen worden. Diese Manifestation gereiche den deutschen Katholiken zur„hohen Ehr e". Auch die Haltung des Herrn Giesberts findet die vollste Anerkennung des konservativen Blattes. Vielleicht hätte daS Zentrum schon auf früheren Katholikentagen„einen Mann aus dem Arbeiterstande" wählen können. Diese Wahl sei ein„klug bc° rechneter Coup", der„seincnEindruckauf Arbeiter- kreise nicht verfehlen werde".„Es könnte gar nichts schaden, wenn auch an anderen Stellen darauf W�rt gelegt würde, zu dokumentieren, daß man zur Verwirklichung der angestrebten Ideale Mitarbeiter aus allen Ständen und Berufen wünsche." Danach wäre eS nicht unmöglich, daß man künftig auch bei politischen Kundgebungen der Konservativen einen„Mann aus dem Arbeiterstande" als lebenden Beweis der konservativen Arbeiter- freundlichkeit am Präsidialtisch präsentieren würde! Ob dieser »klug berechnete Coup" freilich„seinen Eindruck auf Arbeitcrkreise nicht verfehlen" würde, ist allerdings eine andere Frage! Besonders erfreut ist die„Kreuz-Zeitung" natürlich darüber, daß„die Signatur des Essener Katholikentages große Kampf- begicr gegen die Sozialdemokratie gewesen sei". Auf keinem früheren Katholikentage sei„die Notwendigkeit, einen scharfen, rückhaltslosen Kampf gegen die Umsturzpartet zu führen und zu diesem Zwccfe mit allen christlich gesinnten Deutschen zusammenzustehen, so konsequent und fast begeistert zum Ausdruck gebracht" worden! Dieses fast begeisterte Lob des führenden Junkcrorgans für den Katholikentag dürfte denn doch vielleicht geeignet sein, selbst die- jcnigen Arbeitermassen nachdenklich zu stimmen, die in Essen den Zentrumsrednern zugejubelt haben. Wenn irgend etwas beweist, daß die Zentrumspolitik in ihrem ganzen Charakter eine urreaktionäre und arbeiterfeindliche ist, so muß das den nicht ganz vernagelten Proletariern daS fast zärtliche Lob beweisen das die„Kreuz-Zeituna" der klerikalen Regierungspartei spendet!—, Dcutfcbcs Reich. Keine LSsung des Tippelskirch-Bertrages? Der„Lokal-Anzeiger" hatte dieser Tage gemeldet, daß die Untersuchungen im Fall Fischer so weit gediehen seien, daß eine Lösung der Monopolvcrträgc der Firma TippeiSkirch bereits in nächster Zeit bevorstehe. Demgegenüber will die„T ä g l. Rund- schau" von„zuständiger Stelle" erfahren haben, daß sich aus den Bestimmungen des Vertrages und deren Anwendung bisher nicht die geringste Handhabe für die Kolonialverwaltung ge- funden habe, von dem Vertrag zurückzutreten. Bereits im April hätten zwischen dem Kolonialamt, dem Reichsschatzamt und dem Rcichsjustizamt Beratungen stattgefunden über die Möglichkeit einer Auflösung des Vertrages. Man sei jedoch zü einer ver- neinenden Antwort gekommen. Zutreffend fei, daß trotzdem auch jetzt wieder im Kolonialamt Untersuchungen angestellt werden, ob eine Vertragslösung möglich sei; aber auch dabei habe sich nur wiederum herausgestellt, daß dem Reiche keinerlei Recht zu- stehe, den Vertrag zu lösen. Wenn sich bei der Untersuchung herausstellt oder wie anzu- nehmen ist, bereits herausgestellt hat, daß Major Fischer als Beauftragter des Kolonialamtes von Mitgliedern der Firma Tippels- kirch in Form von Darlehen Bestechungsgelder erhalten hat, so sollte es unseres Erachtens sehr leicht sein, die juristische Handhabe zu einer Lösung des skandalösen Monopolvertrages zu finden! Es wäre ja noch unerhörter, wenn die Firma Tippclskirch rcsp. ihre finanziellen Hintermänner noch mehrere Jahre hindurch Riesenprofite einheimsen sollten, die sie der ehrlichen Maklerschaft Majors Fischer zu danken hätten!—_ Pikrinsiiure in Hamburg. Die Hamburger Polizei hat dem Zarismus das Leben ver- längert. Sie hat ein revolutionäres Waffenarsenal konfisziert. Die„Hamburger Nachrichten" melden: In einem Hause der Sachsenstraße wurde ein junger Mann aus Rußland verhaftet, der im Gesicht und an den Händen schwere Brandwunden trug. Der Verhaftete verweigerte über seine Person jede Auskunft. Bei der Durchsuchung wurden eine Menge Revolver und auch Sprengstoffe, hauptsächlich Pikrinsäure, gefunden, ferner Frachtbriefe, Rech- nungen usw., aus denen hervorgeht, daß Waffen und Sprengstoffe nach Rußland versandt worden sind. Die Sendungen gingen nach den russischen Ostseehäfen. Ein Kontplice des Verhafteten wurde noch nicht angetroffen. Die Meldung wird von amtlicher Seite bestätigt. Ein späteres Wolff-Telegramm meldet: Der verhaftete Unbekannte, der verdächtig ist, russischer Rc- volutionär zu sein, will der 1871 in Gent(Söetgien) geborene Schriftsteller Favart sein, verweigert aber sonst jede Auskunft über seine Person. Der Verhaftete besaß eine Brieftasche, die einen belgischen, auf den Namen Favart lautenden Paß enthielt; er spricht deutsch, russisch und französisch. Bei ihm wurden sieben Browningpistolen sowie andere größere Posten von Schußwaffen vorgefunden, die in letzter Zeit bei hiesigen Waffenhändlern gekauft worden sind. Munition wurde nicht gefunden; die beschlagnahmte Flasche soll nicht Pikrinsäure enthalten. Die„Sprengstoffe", nicht nur in Gestalt von Pikrinsäure, sondern sogar in Form von Revolverpatronen, haben sich also bereits verflüchtigt. Trotzdem darf die Hamburger Polizei der Erkenntlich- keit Väterchens in Gestalt eines kleinen Ordenssegens sicher sein!— Bierkrieg Hin Hannover. In Hannover ist es jetzt zu einem regelrechten Bohkott der Ringbragereien gekommen. Die Brauereien hatten zwei Tage vor dem 1. Juli durch Inserate bekannt gemacht, daß der Preis pro Hektoliter Bier vom 1. Juli ab um 2 M. erhöht werde. In den Verhandlungen mit den Brauereien sträubten sich anfangs die Wirte. auf diese Preisteuerung einzugehen. Die Brauereien machten aber den Vorschlag, die Wirte möchten sich durch Verkleinerung der Gläser an den Kon- sumenten schadlos hallen. Es sollte in Zukunft nur•/, Liter für 10 Pf. und Vio Liter für 15 Pf. verabreicht werden statt'/z Liter wie bisher. Die Wirte verlangten nun die Schutzgaranlie» von den Brauereien, die letztere zugesagt, notariell beglaubigt. Und zwar_ sollten sich die Brauereien gegen eine Strafe von 500 Mark an die Wirtcvereine verpflichten, jedem Wirt, der noch Vz Liter für 15 Pf. verabfolge, das Bier zu entziehen. Darauf gingen aber die Brauereien, nachdem ihnen die Wirte die 2 M. Preisaufschlag bewilligt hatten, nicht ein. Als die Wirte nun einsahen, daß mit den Brauereien für sie nichts zu erreichen sei, wandten sie sich in zwei Versammlungen an die K o n s n m e n t e n. Sie erlitten aber eine kräftige Abfuhr, denn die Versammlungen nahmen eine Resolution an, in der die Wirte verpflichtet wurden, wie bisher Vz Liter für 16 Pf. zu verabfolgen und dies durch Plakate außen bekanntzugeben. Bei den bürgerlichen Wirten erzeugte dieser Beschluß gewaltige Erregung. Sie faselten von„Herr im eigenen Hause" und der- gleichen. Um diesem für die Wirte höchst unerfreulichen Zustande ein Ende zu machen, schied der Wirteverein von 1S03, der Haupt- sächlich aus unseren Parteigenossen besteht, aus dem gemein- samen Vorgehen der Wirtevereiiiigiingcn aus und beschloß, vom Freitag vergangener Woche ab Ringbier überhaupt nicht mehr zum Ansschank zu bringen. Dieses Vorgehen fand die Unter» stützung der Konsumenten, und am Sonnabend beschlossen 5 große Versamnilnngen, einberufen von dem Gewcrkschaftskartell und der Partei, den Boykott des Ringbiercs. Damit ist der Bierkrieg in Hannover akut geworden. Wie berechtigt der Kamps gegen die Bicrverleuerung ist, geht schon daraus hervor, daß vier kleinere Brauereien, die je kaum 50 000 Hekto- liter Bier ausstoßen und bei denen die ganze Steuer pro Hektoliter nur 53 Pf. beträgt, 1,50 M. an jedem Hektoliter mehr verdienen wollten! Wenn der Verbrauch von ringfreiem Bier zunimmt, so haben sich diese Kleinen bei den beiden Großen zu bedanken für den nn- auSblciblichen Ruin. Diese beiden großen Brauereien mit einem Ausstoß von 200 000—220 000 Hektoliter werden die Erben dieser kleinen sein. Der Bierkrieg wird den kapitalistischen Anfsaugungs- Prozeß nur noch beschleunigen.— Aus dem antisemitisch cn Narrenhause. Einen höchst originellen Wahlaufruf des hart be- drängten Bürgermeisters Köhler-Langsdorf enthält die„Hungen er Landpost". Die gegen ihn eingesetzte Wahlagitation, die ihn vom Trone als Ortsobcrhaupt stoßen will, hat ihn derart außer Fassung gebracht, daß er jetzt zu der altgermanischcn Göttersage seine Zuflucht innunt. Der Ausruf lautet: „Rache! LangSdorfer! Bor nenn Jahren hat man mich gewählt-- aus Rache 1 1 1 gegen das andere Haus Köhler!!! Heute will man mich erschlagen--- aus Rache! I! für die tausendfachen Wohltaten, die ick> Euch erzeigt habe! Und der gute alte Heinrich Schiel soll Euer Werkzeug sem l Rache, nichts als Rache II! Loki-Hödur gegen Baldur! Loki, der haßerfüllte Wühler und Hetzer, Hödur, der blinde König der Nacht, Baldur, der Gott des Lichtes, des Frühlings und des Levens— Kennt ihr die Sage vom Mistelzweig, mit dem, auf LokiS Geheiß, Hödur den Baldur erschlug?! Christliches Langsdorf I Das Du allfonntäglich in Scharen Deine Kirche füllst,—— Christliche Brüder!-- Wie ist doch die heidnische Rache so süß!!! Köhler, Langsdorf." „Der Gott des Lichtes", so bemerkt die„Nat.-Ztg.",— das ist Köhler; die haßerfüllten Loki— das sind die mit Kvhler-„Baldurs" Amtstätigkeit unzufriedenen Wähler. Wehe dir nun, Langsdorf, wenn der Wahlkampf ein ebenso tragisches Ende nehmen sollte wie der nordische Götterkampf, wenn„Hödur Baldur erschlagen sollte" und„sich zum König machen würde" l Herr Köhler zierte bekanntlich auch einmal als antisemitischer Abgeordneter neben Liehermau» v. Sonnenberg und Ahlwardt den Reichstag l— Kuslanck. s Schweiz. DaS kriegsgerichtliche Urteil. Zürich, 20. August.(Eig. Ber.) Die kriegsgerichtliche Verhandlung gegen unsere sechs Genossen fand am Freitag in Anwesenheit eines zahlreichen Publikums, worunter viele Parteigenossen, im Schwurgerichtssaal statt und dauerte von 7 Uhr morgens bis um Mitternacht. DaS Haupsintereffe des Gerichts und des Publikums konzentrierte sich auf unseren Genossen S i g g, der als Verfasser und Verbreiter des Flugblattes in die Rolle des Hauptangeklagtcn versetzt worden war. Er hat sich inännlich-mutig gehalten und alle Schuld auf sich ge- nommen. Sigg, 30 Jahre alt, von Beruf Schreiner, als Sohn schweizerischer Eltern in Berlin geboren und dort auch zum Sozial- demokraten geworden, hat sich in der Züricher und schweizerischen Sozialdemokratie schnell eine angeschene Stellung errungen. Seit einiger Zeit ist er als Journalist und besoldeter Sekretär des Großen Stadtrates in Zürich tätig, und besucht die Universilät, um sich zum Juristen auszubilden. Die drei Verteidiger bestritten zunächst die Koiupetenz des Kriegsgerichts in sehr scharfstnnig-juristischer Weise, aber ohne Erfolg. ebenso blieben ihre Anträge, auf Vertagung der Verhandlung und Vorladung zahlreicher Zeugen erfolglos. Mit seinen Strafanträgen entpuppte sich der Vertreter der Anklage als der Anwalt der wütendsten Scharfmacher. Fünfzehn Monate Gefängnis und fünfjährige Entziehung der Aktivbiirgerrechte forderte er gegen Sigg. sechs bis zwölf Monate Gefängnis und ein- bis dreijährigen Entzug der bürgerlichen Rechte für die übrigen Angeklagten einschließlich unserer Genossin Herzig. Das Kriegs- gericht verurteilte, wie tclegraphisch mitgeteilt, unseren Ge- nassen Sigg zu acht Monaten Gefängnis, ein- jähriger Entziehung des Aktivbürgerrechts und zur Tragung von einem Sechstel der Prozeß- r o st e n, wahrend cS die übrigen Angeklagten freisprach. Man gewinnt den Eindruck, daß letzteres geschah, um den Genossen Sigg umso härter treffen zu können. Sein Verteidiger, Ge- nosse Dr. Farbstein, hat sofort das Kassationsbegehren an- gemeldet, von dem wir uns aber angesichts der herrschenden Gewaltpolitik keinen Erfolg versprechen. Die Bourgeoisie mißbraucht in schamloser sVeise die in ihren Händen ruhende Staatsmacht zur Vergewaltigung der vorwärts und auswärts strebenden Arbeiterschaft. Genosse Sigg wird leider die ganze Strafe erdulden müssen, aber seine Verurteilung ist eine weitere böse Saat, aus der für das herrschende Gewaltrcgiment nur die bösesten Früchte hervorgehen iverden. Sie ist für den Antimilitarismus die lvtrksamste Pro- paganda.—_ Frankreich. Scheußlichkeiten in Pariser Krankenhäusern. Aus Paris schreibt man uns: Zu den öffentlichen Einrichtungen, um die es unter der nachlässigen französischeu Verwaltung am schlechtesten bestellt ist, ge- hörigen die Krankenhäuser. Von Zeit zu Zeit läßt irgend eine Zeitung einen Alarmruf ertönen, aber nachher bleibt alles beim alten. So ist man noch immer nicht so weit gekommen, der Rattenplage in den alten Krankenanstalten ein Ende zu machen. Die Bevölkerung hat sich sozusagen daran gewöhnt und es muß schon ein besonders gräßliches Vorkommnis sein, das überhaupt Aufmerksamkeit in der Oeffeutlichkeit findet. So wird daS schreckliche Erlebnis, das der russische Revolutionär Alexander S o k o l o w im Spital Pitiö hatte, in einer unscheinbaren Lokalnotiz abgetan. Sokolow, der unlängst als Mitschuldiger des geheimnisvollen„Strypo" in der Bombenaffäre des Wäldchens von Vincenncs verurteilt worden ist, liegt noch immer in dem genannten Hospital an seinen Wunden danieder. Ein Polizeisergeant hält Tag und Nacht an seinem Lager Wache— vermutlich, damit der Krüppel nicht entlaufe. Freitag nacht wurde der eingeschliimnierte Wächter durch einen heftigen Schmerz im rechten Bein geweckt. Mit Entsetzen sah er eine riesise Ratte, die ßch dort sestgebissen hatte. Indem« selben Augenblick aber stieß Sokolow ein furchtbares Geschrei auZ. Der Beamte riß schlcunigst die Decken von seinem Bett und ge« wahrte etwa zehn Ratten, die über den Körper deS Patienten liefen, während drei ihre Zä h.n e in sein Fleisch schlugen! Von einem Krankenwärter unterstützt, tötete der Polizist einige von den Tieren und jagte die anderen in die Flucht. Der Verwundete ivurde dann in ein anderes Bett gelegt. Natürlich wird er dort nicht besser geschützt sein. Und in sein Bett Ivird vermutlich ein anderer gelegt werden, der, weil er kein für das Publikum„interessanter" Atteutäler ist, nicht einmal einer kleinen Zeitungsnotiz wert erscheinen wird, wenn ihm gleiches widerfährt. Das SoimtagSruhcgcsetz. Wie immer und überall, wenn die AusbeutmigSfreihcit der Unternehinex nur um ein Weniges ein- geschränkt werden soll, so widersetzen sich jetzt auch die Unternehmer in Frankreich mit mehr Kraft als Geschick dem neuen Gesetz über die Sonntagsruhe. Und Vorlviegend sind es jene Unternehmer, in deren Betrieben die Ausbeutung der'menschlichen Arbeitskraft den höchsten Grad erreicht, die der Nahrungsmittelindustrie, der Bäcker, Fleischermeister, Weinhändlcr, Gastwirte usw. Für diese Branchen sind bekanntlich Ausnahmen zulässig und zwar kann die Sonntagsruhe entweder vom Sonntagmittag bis Montagmittag erfolgen oder aber das Personal erhält abwechselnd einen Ruhetag in der Woche. Die Bäckergesellen und auch die Angestellten im Gastwirtsgewerbe haben sich entgegenkommend gezeigt: sie verlangen vernünftigerweise nicht unter allen Umständen den Sonntag, sondern abwechselnd einen Ersatzrnhetag an einem Wochentage, um die Konsumenten und Wirts- bausbesucher nicht zu schädigen. Die Unternehmer aber widersetzen sich auch diesen Vorschlägen, sie wollen von dem Gesetz überhaupt nichts wiffe». Müssen sie es dennoch erfüllen, so wollen sie streiken. Die Bäckermeister wollen das in der Weise tun, daß sie allesamt an einem bestimmten Tage der Woche ihre Geschäfte schließen, so daß die Bevölkerung auf den Verzehr altbackenen Gebäcks angewiesen wäre. Das letztere wäre nun sicherlich auch kein Unglück, wenn da- mit Tausenden von Gehülfc» und auch Bäckermeistern der für alle so notwendige Ruhetag verschafft werden kann, aber eS handelt sich hier zweifellos nur um eine Drohung. Das gleiche haben dieser Tage die Hoteliers und Gastwirte von Paris beschlossen. Sie be- haupteten, durch das Gesetz zugrunde gehen zu müssen, da sie für das ausgehende ständige Personal Aushülfskräfte nicht er- langen könnten. Die Angestellten behaupten dagegen, daß stets Tausende stellungsloser Kellner, Köche usw. vor- Händen seien und sie dürften zweifellos damit recht haben. Die Gastwirte wollen nochmals eine Deputation an den Minister senden, und wenn das nicht hilft, wollen auch sie am Sonntag ihre Betriebe schließen. Das Gesetz tritt bekanntlich schon am 1. September in Kraft und die Herren werden sich wohl oder übel noch darein fügen müssen; sie können sich eben nur für eine der Ausnahmen entscheiden, anderenfalls bliebe ihnen übrig, am Sonntag zu schließen, aber die Konkurrenz unter ihnen selbst wird dafür sorgen, daß sie diese Drohung nicht werden durchführen können. Eine verständige Lösung haben Unternehmer und Gehülfen im Friseurgewerbe gefunden. Sie haben sich gemeinsam dahin geeinigt, daß die Geschäfte im Innern der Stadt am Sonntag und die tu den Arbeitervierteln ain Montag zu schließen haben.— Italien. Dir städtischen Bäckereien von Catania in Liquidation. Rom, 21. August. sEig. Ber.) Unüberwindliche finanzielle Schwierigkeiten haben die RegierungS« Präsidentschaft von Catania bestimmt, die Auflösung der städtischen Bäckereien dieser Stadt zu verfügen. Die Präfektur hat bereits die Liquidation des Unternehmens eingeleitet. Somit hat die städtische Brotfabrikation in Catania, die so viel Staub aufgewirbelt hat, mit einem völligen Mißerfolg geendet. Dieser Ausgang war für den Eingeweihten seit langem voraus« zusehen. Im November 1002 wurde durch Urabstimmung mit 5200 gegen 145 Stimmen die Ueberführung der Bäckereien in städtischen Betrieb beschlossen. Der Zweck des Unternehmens lag klar zutage: billiges und gutes Brot zu liefern, ohne die bei seiner Herstellung beschäftigten Arbeiter auszubeuten. Dieser Zweck ist in der Tat eine Zeitlang erreicht worden, aber allerdings nur auf Kosten der finanziellen Existenzfähigkeit deS Unternehmens. Vom Oktober 1002 bis Juli 1004 betrug das Defizit 146 080 Lire. Der Prosyndikus der Stadt, der Sozialist de Feiice, war nicht be- fähigt, die geschäftliche Leitung des Betriebes zu überwachen. So ist das Unternchmen eigentlich auf ziemlich kindische Weise zugrunde gerichtet worden, weil man nicht bedacht hatte, daß auch ein kom- munalsr Betrieb den Gesetzen der kapitalistischen Konkurrenz unter- liegt. De Fclice hat hohe Löhne«nd den Achtstundentag eingeführt und trotzdem den Brotpreis zunächst zirka 30 Proz. unter dem ortsüblichen angesetzt. Auf diese Weise konnte sich der Betrieb nicht er- halten und die zentralen Aufsichtsbehörden verfügten seine Aus- lösnng.— Spanien. Der Generalstreik in Bilbao. Aus Madrid wird vom 27. August gemeldet: Die letzten Nachrichten aus Bilbao lassen die Beilegung des Bergarbeiter- ausstandes als unmittelbar bevorstehend erscheinen dank der Ver- Mittelung des Generals Zoppino und einiger anderer einflußreicher Persönlichkeiten.>— Die letzten Nachrichten aus Santandcr lauten weniger günstig, jedoch herrscht auch dort die versöhnliche Stim, mung vor. Westindien. Der Aufstand auf Kuba. Nach Meldungen aus Havanna hatten 05 Rebellen eine Insel besetzt, welche nur 5 Meilen von Havanna entfernt gelegen ist. Neueren Rachrichten zufolge ist diese Insel von Regierungstruppen wieder besetzt worden. In Havanna herrscht große Panik. Der Präsident Palma hat seit acht Tagen den Negierungspalast nicht mehr verlassen. Man befürchtet die Zerstörung der Eisenbahnen. Dre Zahl der Aufrührer nimmt durch Zuzug täglich zu. Zwischen den Regierungstruppen und den Rebellen ist es zu erneuten Zusammenstößen gekommen, welche jedoch unentschieden blieben. Man ist der Ansicht, daß Havanna verloren ist, wenn es den Rebellen gelingt, Pmar dcl Rio zu erobern,_ Gcwerkfcbaftlicbcs. Das ermordete Koalitionsrecht. In ber vergangenen Woche wurde in Nürnberg ein Gewerkschaftsführer durch einen Streikbrecher ermordet. In der Folge ging die Nürnberger Polizei dann in rigoroser Weise gegen Demonstranten und Neugierige vor, die sich vor der bestreikten Fabrik angesammelt hatten; auch harmlose Straßen- Passanten wurden nicht verschont. Jetzt meldet unS ein Privattelegramm aus Nürnberg, daß den Maurern und Bauarbeitern das Streikpvstenstchen ganz allgemein ver» boten ist. Die Streikbrecher führen den Einzelkampf gegen die Streik» Posten, die Behörden den Kampf gegen das Koalitionsrecht! Kerlin und Umgegend. An die Zimmerer Berlins und der Bororte! Werte Kameraden! In diesem Monat sollen im Deutschen Reiche die statistischen Erhebungen über die Organisationsverhälwisse. Lohn- und Arbeits- bedingungcn im Zimmercrgewerbe veranstaltet werden. Um diese Idee in Berlin und Vororten möglichst korrekt zur Durchführung zu bringen, d. h. damit alle in unserem Gewerbe beschäftigten Personen ermittelt werden, hat die Konferenz des Zcntralvcrbandes der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend, folgende Beschlllsss gefaßt: 1. Am Montag, den 27. August, bekommt jedes Mitglied der Zahlstelle Berlin und Umgegend eine Platzliste zugestellt, die er für seine Person am Dienstag, den 28. August gewissenhaft ausfüllen muß und die am Mittwoch, den 29. August, wieder ab- geholt wird. 2. Die auf einer Arbeitsstätte beschäftigten Mitglieder der Zahlstelle Berlin und Umgegend haben sich gegenseitig darüber zu verständigen, wer von ihnen diejenigen Kameraden, die einer anderen Zahlstelle angehören, sowie die Nichtverbandsmitglieder sLokalorganisierte, Christliche, Hirsch-Dunckersche, Unorganisierte) auf seiner Platzliste mit aufführen und die Zahl der Lehrlinge und Hülfsarbeiter vermerken soll. 3. Der dazu auserwählte Kamerad hat die auf der Rückseite der Platzliste gestellten Fragen für Hülfsarbeiter, Lehrlinge, sowie die Zimmerer, welche unserem Verbände nicht angehören, gewissen- hast zu beantworten und die Rubriken demgemäß auszufüllen. In dem Fall, daß zur Aufnahme der oben bezeichneten Personen die Platzliste des betreffenden Kameraden nicht ausreichen sollte, muß die Platzliste eines anderen, eventuell die mehrerer Mitglieder des Verbandes zu Hülfe genommen werden, jedoch muß derjenige Kamerad, der seine Platzliste hierzu zur Verfügung stellt, selbige zurückerhalten, da jedes Mitglied seine empfangene Liste wieder abgeben muß. 4. Jeder Bezirksführer hat die Platzlisten der Mitglieder seines Bezirks bis spätestens Freitag, den 31. August, dem Vov stand zur weiteren Bearbeitung und Znsammenstellung zu über Mitteln. Letzterer hat die Pflicht, das gesamte Material, sobald es zusammengestellt ist. ungesäumt an den Zentralvorstand unseres Verbandes einzusenden. Zum Schluß richten wir an alle Mitglieder unserer Zahlstelle nochmals das dringende Ersuchen, an der Ausführung dieser statistischen Erhebung mitzuwirken und sich keine Mühe verdrießen zu lassen. Die hiermit verbundene Arbeit, Kameraden, ist nicht so schwierig, sie zu bewältigen ist ein leichtes, wenn alle Mitglieder ihre Schuldigkeit tun, Sorge deshalb jeder einzelne dafür, daß uns dieses Werk auf der ganzen Linie gelingt. Zur Freude jedes einzelne», zum Wohle unseres ZrntralvcrbandeS. _ Der Vorstand. Ei» ZriigiiiszwangSvcrfahren der„BorwärtS"-Leituug. Die«Tägliche Rundschan" schreibt: „In einer von der offiziellen Sozialdemokratie„verbotenen" Versammlung, die trotzdem sehr zahlreich besucht war, erzählte ein ans der„Vorwärts"-Druckerei entlassener„Genosse" Hanke u. a. folgendes: Der Tarifvertrag für das Buchbindergewerbe fei am 28. Juli in der„Vorwärts"-Druckerei in Druck gegeben worden. Zufällig habe er � Hanke— einen Korrekturbogen davon zu Gesicht bekommen und gesehen, daß ein wichtiger Satz durch st richen gewesen sei, obgleich dieser Satz zu den vertraglichen Abmachungen gehört habe. Durch die Gefälligkeit eines Funktionärs sei er in den Besitz eines solchen korrigierlen Exemplars gekommen und habe dann in der nächsten Gewerkschaftsversammlung die stattgefundene Korrektur bekanntgegeben. Nun sei ein förmliches Jnquisitionöverfahren gegen ihn eingeleitet worden, um jenen Funktionär kennen zu lernen, der ihm das Exemplar verschafft habe. Der Zentralverband habe sich an die Geschäftsleitung des„Vorwärts" gewandt und Genugtuung ver- langt. Wiederholt sei er vor der Feme gelvescn und alle seine Vorstellungen, daß er nach sozialdeniokratiscken Grundsätzen un- möglich an seinem Hintermann Verrat üben und dessen Namen preisgeben könne, hätten nichts genutzt. Man habe ihm schließlich einige Tage Bedenkzeit gegeben, und als er auch dann noch standhaft geblieben sei, habe er sofort seine Entlassung erhalten. Ein sozialdemokratisches Institut könne sich nun rühmen, ein Z e u g n i§ z w a n g s v e r f a h r e n durch- geführt und das ehrenhafte Auftreten eines alten Parteigenossen und Gcwerfchaftlers mit der Hungerpeitsche belohnt zu haben.(Lebhafter Beifall.) Solch ein Blick hinter die Kulissen zeigt recht eindringlich den Wert der sozialdemokratischen Moralphrasen. Theatertand!" Auf all das Gerede— so teilt uns die Geschäftsleitung der Vorwärts-Buchdruckerei mit— haben wir nur folgendes zu erwidern: Auf die Beschwerde H a n k e S wegen seiner Entlassung wurde die Angelegenheit von einer Kommission untersucht. Vor dieser er- klärte Hanke:„Der Redakteur Michaelis von der „Buchbinderzeitung" hat mir die Korrektur- f a h n e zur Ansicht gegeben." Als er mit diesem konfrontiert wurde, stellte sich heraus, daß an dieser Be- hauptung kein wahres Wort war und Hanke suchte nunmehr diese fünf Minuten vorher aufgestellte Behauptung rundweg abzuleugnen. Durch die tveiteren Angaben Michaelis' und eines anderen Kollegen stellte sich vielmehr heraus, daß Hanke unbemerkt zwischen Tür und Angel— wie der Horcher an der Wand— ein Gespräch des Redakteurs MchaeliS mit jenem Kollegen erlauscht hatte, und dieses erlauschte, aber mißverstandene Gespräch war seine Quelle. Hanke wurde also nicht entlassen, weil er seinen— ja gar nicht existierenden— Gewährsmann nicht nannte, sondern weil er Vertrauensbruch begangen; und er wurde auch deshalb nicht mehr eingestellt und weil er obendrein noch den Redakteur Michaelis fälschlich als den Urheber seines Vertrauensbruches hinzustellen versucht hatte. Vielleicht stellt die„Tägliche Rundschau" dieses Opfer sozial- demokratischen„JnquisitionSverfahrens" in ihrem Betriebe ein. Habeat sibil"_ Die Berliner Mehlkutscher waren Sonntag im„Englischen Garten", Alexandcrstraße, versammelt, um zu den zwischen den beiderseitigen Kommissionen getroffenen Vereinbarungen Stellung zu nehmen. Nach längeren Auseinandersetzungen erklärten sich die Versammelten mit folgenden Punkten einverstanden: Festbegrenzte Arbeitszeit von 6 Uhr morgens bis 8 Uhr abends(gefordert war bis 7 Uhr abends), einschließlich 2 Stunden Pause. Neben einem Wochenlohn von 36 Mark ein Extra-Abtragcgeld von b Pf. pro Sack, wenn das Mehl weiter wie zur Kellertür getragen werden muß. Für Füttern der Pferde am Sonntag 2 Mark Vergütung. Für Fuhren nach außerhalb 2 Mark Extravergütung. Jeder zweite Sonntag ist frei zu geben. Nach einjähriger Tätigkeit im Beruf ein Erholungsurlaub von einer Woche bei Fortzahlung des Lohnes. Dagegen hat die Kommission noch die Bäckerfrage mit den Mehl- Händlern zu regeln. Die Abmachungen sollen am 1. Oktober d. I. in Kraft treten._ Zum Streik der Kohlenarbeiter nahmen am Sonntag die Arbeitskutscher aus den Lohnfuhrbetrieben Berlins Stellung. Waczlawiak referierte über die Streiklage und wies auf die Notwendigkeit hin, die Streikenden dadurch zu unterstützen, daß jede Streikarbcit verweigert wird. Die Versammlung war nicht sehr stark besucht, aber um so eindringlicher wurde es den Anwesenden zur Pflicht gemacht, unter den Kollegen zugunsten der Streikenden zu agitieren. In der Diskussion kam es zur Sprache, daß die Unter- nehmer versuchen, die Streikenden durch Entlassungsgesuche ein- znschüchtern, auch Ivnrde scharf kritisiert, wie die Polizei überall zum Schutze des UnternehmertuulZ bereit ist. Die folgende Resolution wurde angenommen: Die am 23. August bersaminelten Kutscher und Arbeiter aus den Lohnfuhrbetrieben Berlins nehmen Kenntnis von dem wohl- berechtigten Streik der um eine geringe Verbesserung ihrer Wirt- schaftlichen Lage kämpfenden Kohlenkutscher und-Arbeiter. Die anwesenden Kollegen erkennen die Berechtigung aller gestellten Forderungen an und verpflichten sich, die Streikenden in jeder Hinsicht zn unterstützen und besonders dadurch, daß jede Streik- arbeit verweigert wird; sie versichern die Streikenden ihrer vollen Sympathie und versprechen alles aufzubieten, um ihnen zum Siege zu verhelfen. Dem Berliner Gewerbegericht ist gestern ein Schreiben des Vereins der Kohlengroßhändler zugegangen des Inhalts, daß der Verein in einer Sitzung einstimmig es abgelehnt habe, mit der Lohnkommission der Kohlenarbeiter in Gemeinschaft mit dem Be- vollmächtigten des TranSportarbeiter-VerbaudeS auf dem Gewerbe- gericht über den aufgestellten Tarifvertragsentwurf zu verhandeln.— Die Lohnkommission der Arbeitnehmer hatte bekanntlich das Gr Werbegericht zu diesem Zweck angerufen. Achtung, Textilarbeiter! Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Teppichfabrik von M. Protzen befinden sich schon seit vier Wochen im Ausstand. Die Situation ist durch das feste Zusammenhalten der Ausständigen eine sehr günstige, so daß keine Streikbrecher zu verzeichnen sind. Die Bemühungen seitens der Firma Protzen, von auswärts Streikbrecher heranzulocken, sind bis heute dank der Solidarität der Arbeiterschaft erfolglos geblieben. Zu bemerken ist, daß die Firma in der vorigen Woche 12 Bettstellen in den Räumen ihrer Fabrik aufgestellt hat, welche bis jetzt noch der Benutzung harren. Die Firma hat die Mühe nicht gescheut, in den Reihen der Ausständigen Lockmittel in Gestalt des folgenden Briefes zu ver breiten, aus welchem die Arbeiterschaft ersieht, mit welchen Mitteln man bestrebt ist, die Arbeiter und Arbeiterinnen in den Betrieb zu locken. Der Brief lautet: Im Vertrauen auf den guten Geist eines Teiles unserer Arbeiter teilen wir folgendes mit: Wir haben cs bisher unterlassen, neues Personal zu enga- gieren, da wir unter Hinsicht auf das jahrzehntelange ungetrübte Einvernehmen glaubten, die Arbeitsniederlegung als eine un- überlegte Handlung betrachten zu sollen, über deren Folgen die Mehrzahl der Ausständigen sich nicht klar geworden ist. Wir wollen heute noch nicht annehmen, daß die Mehrzahl unserer Ar beiter für alle Zeit die Plätze in unserer Fabrik verlieren will, wir nehmen aber jetzt den uns aufgezwungenen Kampf auf und werden nunmehr mit allen Mitteln bemüht bleiben, unseren Betrieb mit neuem Personal zu besetzen. Wer sich bis spätestens 18. August zur Wiederaufnahme der Arbeit meldet, soll nach Möglichkeit in seinen alten Posten ein- gestellt werden, und wir wollen diesen Arbeitswilligen die Streik- zeit nicht als Unterbrechung des Arbeitsvertrages anrechnen. Bei sofortiger Wiederaufnahme der Arbeit soll also die bisherige Dienstzeit bei Berechnung von Jubiläumsprämien als ununter- brachen gelten. Wer sich nach dem 18. zur Arbeit melden sollte, hat keine Anwartschaft mehr auf Wiedercinstellung. Sollten wir ihm aber doch aus besonderen Umständen noch einen Platz anweisen können, so würde er als vollständig neu eingestellt betrachtet werden. Die Prämie, die sich also durch eine langjährige un- unterbrochene Tätigkeit ergeben hätte, würde unbedingt fort- fallen. Wer bis Sonnabend die Arbeit nicht aufnimmt, wird hier- durch aufgefordert, seine Bücher und Papiere abzuholen; anderen- falls erfolgt am Montag die Niederlegung derselben auf dem Gemeindebureau in Stralau. Mt unseren Arbeitern zu verhandeln, ihre Wünsche anzu- hören und, soweit möglich, zu erfüllen, waren wir jederzeit bereit und sind es noch heute. Zu unseren Arbeitern gehören aber nur diejenigen, welche in unserem Betriebe tätig sind. Grundbeding- ung für eine Verhandlung ist allerdings sofortige Wiederaus- nähme der Arbeits Wer außerhalb unseres Betriebes steht, hat kein Recht, Wünsche zu äußern oder Forderungen zu stellen. Wir werden mit allen Mitteln aber dafür sorgen, daß Ar- beitswillige gegen Belästigungen geschützt werden. M. Protzen u. Sohn. Auch dieser Wisch prallte an der Einmütigkeit der Streikenden ab. Die Einigungsverhandlung, welche in der vorigen Woche von der Kommission mit der Firma angebahnt wurde, war resultatlos. _ Die Streikleitung. Deutkches Reich. Der Stettiner Hafenarbeiterstreik. Die städtischen Arbeiter und Hülfsarbeiter hielten am Sonn- tagnachmittag im GesellschastShause eine überaus zahlreich besuchte Versammlung ab, in der Genosse Ballack über daS Thema:„Der Streik der Hafenarbeiter und unsere Stellungnahme dazu" refe- rierte. Die städtischen Arbeiter haben ein großes Interesse daran. den ausständigen Ärbeitsbrüdern zum Siege zu verhelfen. Die Reeder haben den bisher geltenden Lohntarif durchbrochen und zu reduzieren versucht. Hiergegen muß die gesamte Arbeiterschaft Stettins protestieren. Für die städtischen Arbeiter steht bei diesem Ausstande viel auf dem Spiel. Sie müssen damit rechnen, daß, wenn der Streik verloren geht, auch der Magistrat versuchÄi wird, ihre Löhne zu reduzieren. Den Reedern kommt cS jetzt in erster Linie darauf an, die gut fundierte Kasse, sowie die starke Organisation der Hafenarbeiter zugrunde zu richten. Die gestellten Forderungen waren nicht zu hoch, aber die Gegner kehrten ihren Protzenstandpunit hervor und versuchten, den alten Lohntarif in verschiedenen Positionen noch zu kürzen. Der Lohnkamps ist ein schwieriger, denn die Arbeiter haben es nicht bloß mit den Stettiner Reedern zu tun, sondern mit dem Hamburger Schutz- verbände, unter dessen Drucke sie stehen. Man hat nun versucht, die städtischen Arbeiter für die Löschung der Kähne zu gewinnen, unter Zusicherung eines Tagelohnes von fünf Mark. Hiergegen protestieren diese entschieden. Die Hafenvcrwaltung macht die größten Anstrengungen, um den Ausständigen den Kampf zu er- schweren. Arbeitswillige sucht man von überall her heranzuziehen. Die Leute werden damit angelockt, daß man ihnen erklärt, sie würden beim Bau des in Angriff genommenen Großschiffahrtsweges � Berlin- Stettin ver- wandt werden! Erhalten dann aber die übertölpelten Ge- nossen in Stettin Aufklärung über die eigentliche Sachlage, so reisen sie wieder ab. Um so mehr zu verurteilen ist es, daß sich aus Stettin und seiner näheren Umgebung noch ver- cinzelt Leute finden, die sich zu Streikbrecherdienstcn gebrauchen lassen. Die vorgenommene Absperrung des Freihafens für die Streikenden ist eine Vergewaltigung, da der Hafen hauptsächlich auf städtische Kosten unterhalten wird. Da somit die Streiken- den mit den Arbeitswilligen nicht in Berührung kommen können. haben die städtischen Arbeiter die Verpflichtung, jene Leute aufzuklären. Nach kurzer Debatte gelangte einstimmig eine Reso- lution zur Annahme, in der sich die städtischen Arbeiter und Hülfs- arbeiter solidarisch mit den Ausständigen erklären und ihnen die weitgehendste moralische und materielle Unterstützung zusichern. Die Hafenarbeiter selbst hielten am Montagmittag im West- cnder Gcsellschafthaus eine Versammlung ab. Die Arbeiter der Zahlstelle 4(Kohlenarbeitcr am Hafen) in Stärke von 409 Mann sind Montag früh ebenfalls in den Ausstand ein- getreten, weil ihr neuer Lohntarif nicht anerkannt worden ist. Ebenso werden heute(Dienstag) früh die Kohlenarbeitcr der Aktien- Gesellschaft Stevenson in Gotzlow(Vorort von Stettin) die Arbeit einstellen, weil die Direktion sich weigert, mit dem Organi- sationsvorstande zu unterhandeln. Auf dem Dampfer„Lyon" haben sich die Matrosen geweigert, Streikarbeit zu verrichten, wo- rüber sich der Kapitän beim Konsul beschwert hat. Jetzt sucht der Kapitän neue Schiffsmannschaften heranzuziehen, um die alte« zu entlassen. Um die Situation des Lohnkampfcs stets übersehen zu können, ist von der Streikkommission bestimmt worden, daß jeder Ausständige sich täglich einmal im Bureau zu melden hat. Aus Anlaß des Streiks hat sich soeben in Stettin ein Schutzverband der Schiffs-Reeder, Makler und Agenten gebildet. mit dem Ziele,„unberechtigte Forderungen und ungesetzliche Ueber- griffe" seitens der Arbeitnehmer und ihrer Vereinigungen abzu- wehren. Beigetreten sind bis jetzt 49 Mitglieder. An der Spitze stehen Direktor P.ieper und Kommerzienrat Griebel.— Die Arbeitgeber haben nunmehr die Bark„Weser" angekauft und im Freihafen stationiert. Sie enthält Wohnungen für 2o9 Mann. Eine ständige polizeiliche Bewachung soll die Arbeitswilligen vor „Belästigungen" der Streikenden schützen. Einstweilen soll nach Ansicht der Unternehmer eine größere Stockung im Hafen» verkehr nicht zu befürchten sein. Wie Prozesse gegen Z 153 der Gewerbeordnung zustande kommen, zeigte ein Vorfall in Düsseldorf. Ein Arbeitswilliger, der eine Anzeige gegen einen Streikenden wegen Bedrohung und Miß- Handlung erstattet hatte, gab jetzt zu Protokoll, daß seine Anzeige falsch gewesen sei. Der Streikende habe ihn in der höflichsten Weise darauf aufmerksam gemacht, daß in dem Betriebe, in welchem er Arbeit angenommen, ein Streik ausgebrochen sei. Von seinen arbeitswilligen Kollegen sei er aber zu der falschen Anzeige g e» drängt worden, um einen Streikenden hineinzulegen. Daß er den Arbeitswilligen nicht bedroht, hatte der Streikende auch stets behauptet, doch' hätte ihn wohl nichts vor einer Verurteilung ge- rettet, wenn nicht im letzten Augenblicke die falsche Anzeige wider- rufen worden wäre. Wie viele Verurteilungen streikender Arbeiter koinmen wohl durch die falschen Aussagen von Arbeitswilligen zu stände Z_ Der„christliche" Mctallarbciterverband als ZentrumSanhängsel. Tie sogenannten„christlichen" Gewerkschaften und ihre Draht- zieher reden in ihren offenen und versteckten Angriffen gegen die freien Gewerkschaften gern von der Zugehörigkeit der letzteren zur Sozialdemokratie, um dadurch die indifferente Masse abzuschrecken und selbst den Mitaliederfang fruchtbarer zu gestalten. Interessant ist es nun. wenn dieselben Leute, die den freien Gewerkschaftlern ihre Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie als Verbrechen an- rechnen, ihre eigenen Gewerkschaften als Zentrums- organisationenbetrachten. Den Beweis hierfür lieferte eine Gerichtsverhandlung am 23. d. M. vor der ersten Ferien- strafkammer des Landgerichts in D u i s b u r g. Von Duisburg ans. wo bekanntlich der„christliche" Metallarbeiterverband seinen Zentralsitz hat, war im verflossenen Frühjahr in dem nahe der holländischen Grenze gelegenen Jndustriestädtchen Jss elburg eine Zahlstelle des christlichen Verbandes gegründet, wober auch Frauen als Mitglieder ausgenommen wurden. Der Bürger- meister von Jsselburg, der allerlei Schwierigkeiten machte, wollte aber keine Frauen in einem politischen Berein dulden. Anstatt nun dem Herrn Bürgermeister von Jsselburg zu beweisen, daß Frauen sehr wohl das Recht haben, einer gewerk- schaftlichen Vereinigung anzugehören, meldete man die Frauen als Mitglieder ab und erkannte somit den Vor- Wurf, daß der christliche Metallarbeiterverband ein Partei- politischer Verein sei. als b e r e ch t i g t an. Herr F r a n, e n. der christliche Gauleiter, forderte auch noch die Frauen auf, die Ver- sammlung zu verlassen. Die Frauen zeigten sich hier konsequenter wie der christliche Gauleiter, indem sie sich auf den Staudpunkt stellten, daß sie als Mitglieder auch d»s Recht hätten, die Ver- sammlungen zu besuchen. Die Folge war die Auflösung der Ver- sammlung und eine Anklage wegen Verstoßes gegen das Vereins- gcsetz. Der Angeklagte K o x erhielt 29 ivl. Geldsttafe zudiktiert, während Kränzen für seine Person mangelnden Beweises halber Freispruch erzielte. Staatsanwalt und Gericht waren sich einig, daß der Verband Parteipolitik treibe. Somit ist also durch Gerichtsurteil festgestellt, daß der christ- liche Metallarbeiterverband keine neutrale Gewerkschaft ist und durch die erwähnte Abmeldung der weiblichen Mitglieder wird das indirekt zugegeben. Es ist daS zwar keine neue Eilt- deckung— find doch die sogenannten„christlichen" Gewerkschaften von Zentrümlern im Zentrumsinteresse gegründet—, aber es ist interessant, daß das, was die biederen christlichen Schaumschläger anderen Gewerkschaften vorwerfen, ihnen iir ihren eigenen Organi- sationen durch Gerichtsurteil bestätigt wird. ZZuslanck. Rom, 25. August.(Eig. Ber.) Der Konflikt zwischen Trambahnern und Stadtverwaltung spitzt sich immer mehr zu. Die Stadtverwaltung hat erflärt, auf keinen Fall auf die Ausbildung der Schutzleute im Trambahndienst ver- zichten zn wollen. Die Trambahner ihrerseits haben in ihrer lestrigen Versammlung beschlossen. sofort die Wagen zu verlasse». obald der Schulwagen mit den Schutzleuten in Zirkulation gesetzt wird. Die Trambahner, die während ihres letzten Streiks es aus« drücklich abgelehnt haben, an die Solidarität der römischen Arbeiter- schaft für einen General st reik zu appellieren, find diesmal ent- schloffen, selbst diesen äußersten Schritt zu wagen. Am Montag, dem Tage, an dem der Schulwagen zirkuliert, ist also zunächst ein neuer Trambahnerstreik zu erwarten. Letzte JVacfmcbtcn und Depefeben, Zum Bierkrieg. Gestern abend fand eine Versammlung der Kantinen- borstände der größten Druckereien Berlins statt, in der fol- gende Resolution einstiminig angenommen wurde: „Die am 27. August tagende Versammlung der Kantine!'.- ausschüsse erklärt folgendes: In Anbetracht, daß die Regierung mit der Brausteucr die Konsumenten nicht treffen wollte, lehnten dieselben ab, den von den Ringbrauereien geforderten Preis zu bezahlen und beschließen, wenn die bezeichneten Brauereien von ihrer For- derung nicht abgehen, vom 1. September ab den Konsum aus ringfreien Brauereien zu decken. Ferner wird von dem Personal der genannten Druckereien erwartet, diesen Beschluß auch außerhalb der Betriebe durch- zuführen."_ Verstärkung der Moskauer Polizei. Moskau, 27. August.(W. T. B.) Die Moskauer Polizei ist durch Geheimpolizisten aus Petersburg verstärkt worden und durchsucht die Stadt nach Waffenlagcrn und Werkstätten von Sprengstoffen; es finden fortgesetzt Verhaftungen statt. Auf der Station WoSkeessenkaja der Bahn Moskau— Kasan fand ein Zu- sammenstoß zweier Züge statt, bei dem elf Personen verwundet wurden._ Eine fllnfköpfige Familie ermordet. Odessa, 27. August.(W.T.B.) In vergangener Nacht wurde in der Tiraspolcr Vorstadt die aus fünf Köpfen besteOmde Familie eines Getreidehändlcrs ermordet und 19 999 Rubel sowie mehrere Wertsachen geraubt. Der Mörder, ein entlaufener Sträfling, wurde verhaftet._ Die beraubte Post. SsimbirSk, 27. August.(W. T. B.) Bei der Oeffnung einer von Ssimbirsk in BninSk eingetroffenen Postsendung wurde daS Fehlen eines Betrages von 28 999 Rubel festgestellt. Perantw.Repakt.: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Inserate pexantw.'. Ed.Gluke, Salin- Druck u.Vttlag: vorwärts Luchdr. u. verlaqsanßalt LaulSinger LiCo., Berlin LlV. Hierzu L Bcilaoeau.llnterhaltnngsblatt at.m 23.1�,, i KtiiM des LliMlirts" KellikM Alllksblatt. Neiisix�W.AvstlM. Der Zenit klivllhlvtrtin für Ttltolv-Keesüotv-Storkoin- Lharinttenburg hielt cim Sonntag in Speers Festsälen zu Baum schulen weg seine K r e i s- G e n e r a l v e r s a in m l u n g ab. Anwesend waren 109_ Delegierte und Vorstandsmitglieder aus 3ö Orten. Die Ortschaften Fricdersdorf, Grost-Bcercn, MarkgrafpieSke, Mittcnlvalde und Ncn-Zittan hatten keine Vertreter entsandt. Fischer- Schöne- berg referierte über die Tagesordnung der bevorstehenden Prodi n zialkonferenz. Redner empfahl u. a. den neuen Organisationsentwurf für Brandenburg-Berlin, da dessen Annahme wohl so gut wie sicher sei und ctivas Besseres auch schwerlich geschaffen werden könne. Zubeil als einziger Diskussions- redner hierzu bemerkte demgegenüber, der Kreis habe allen bis- berigen Entwürfen dieser Art seine Zustimmung nicht gegeben, weil Berlin dann tatsächlich dominierend in der ganzen Provinz werde. Ein derartiges Ilebergcwicht Berlins führe zweifellos zu ungesunden Verhältnissen. Deshalb wünsche er, daß die Versammlung ihren früheren Widerspruch auch jetzt aufrecht erhalten möge. Die Ver- sammlung stimmte jedoch dem Entwurf nnt erheblicher Mehrheit zu. Als Delegierte zur Provinzialkonfcrenz wurden darauf gewählt Klein- Charlottenburg, Steinborn- Zehlendorf und B ö s k e- Rixdorf. Die Vorstandsmitglieder Hirsch- Charlottenburg und Wollermann- Schöneberg lehnten die Annahme einer Wahl ab, weil sie persönlich Gegner des Organisationsentwurfs sind und sich mit dem jetzigen Beschluß des Kreises nicht in Widerspruch setzen wollten. Als erster Referent zum Punkt Mannheimer Parteitag nahm sodann der Reichstagsabgeordnete des Kreises Genosse Fritz Zubeil das Wort. Er sprach über Maifeier und Massen- streik und führte dazu etlva folgendes aus: Nach den Beschlüssen von Jena und Amsterdam hätte man meinen sollen, daß nun beide Teile der Arbeiterbewegung, die gewerkschaftliche wie die politische, die gegebenen Richtlinien innehalten würden. Das sei jedoch, soweit die Gewerkschaften in Betracht kämen, leider nicht geschehen. Die Vorkommnisse der letzten Zeit hätten bewiesen, daß diejenigen, die von tatsächlich vorhandenen tiefgehenden Meinungsdifferenzen zwischen Partei und Gewerkschaften sprachen, durchaus recht haben. In der großen Oeffentlichkeit sei von diesen Differenzen bis zum Kölner Gewerkschaftskongreß eigentlich nur wenig zutage getreten. Köln habe dann jedoch vielen mit einemmal die Augen geöffnet. Bei der damaligen Besprechung der bekannten zurückgezogenen lvk aifei e r- Resolution des Abgeordneten Robert Schmidt habe es sich gezeigt, daß der weitaus größte Teil der Gewerkschafts- ftthrer das Bestreben hat, die Maifeier aus den bisherigen Bahnen herauszudrängen. Man fürchtete Kosten und Opfer und scheute sich, solche für die Ideale der Arbeiterschaft zu bringen, während gleichzeitig der Partei der unberechtigte Vorwurf gemacht wurde, daß sie vor etwaigen Opfern zurückschrecke und diese lediglich den Gewerkschaften aufhalsen wolle. Die unliebsamen Vorgänge bei der diesjährigen Maifeier in Berlin, auf deren Einzel- heiten er hier jedoch nicht mehr eingehen wolle, hätten aber bewiesen, daß die Partei ohne weiteres bereit sei, auch das ihrige zur tat- kräftigen Unterstützung der Maiausgesperrten zu tun. Von einem Herninorücken der Partei um die Folgen der Maifeier könne gar keine Rede sein. Eins aber habe die diesjährige Maifeier gezeigt: nämlich, daß infolge der großen wirtschaftlichen Klassenkämpfe des Vorjahres unter den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern die Stimmung für die Arbeitsruhe am 1. Mai ungleich gewachsen ist. Die Massen in den Gewerkschaften denken also anders als die Mehrheit ihrer Führer. Eine Klärung müsse aber unter allen Uniständcn geschaffen werden, und zwar eine unzweidentige, so daß eS in der Frage der Maifeier verschiedenes Wollen und Handeln in Zukunft nicht mehr geben kann.(Zustiminuiig.) Was nun den Massenstreik anbelange, so sei derselbe als ein neues Kampfmittel in das Arsenal der Arbeiterschaft ein- gereiht worden oder solle es wenigstens werden. Ucber dieses.Kampfmittel lasse sich allerdings noch viel sagen. DaS deutsche Proletariat könne zur Beurteilung desselben weder die Er- fahrungen der romanischen Länder, noch diejenigen Rußlands heran- ziehen, weil dort die Verhältnisse ganz andere seien als in Deutsch- land. Hier hat man es mit einer völlig militärisch organisierten und gegliederten Regierung zu tun, und das Bürgertum verbündet sich ohne weiteres mit dem Junkertum, wenn es gilt, die Arbeiter- schaft niederzuhalten. Sobald in Deutschland also ein Massenstreik zu unrechter Zeit inszeniert würde, dann sei auch mit voller Gewißheit zu erwarten, daß hier ganz anders gegen die Arbeiter- schaft vorgegangen werde, wie dies dem russischen Zaren in seinem Reiche überhaupt möglich ist. Freilich würde die deutsche Re- gierung in der deutschen Arbeiterschaft auch einen ganz änderen Widerstand finden als wie es in Rußland der Fall sein kann, denn in Deutschland ist das Proletariat seit Jahren durch die Schule der Organisation hindurchgegangen und infolgedessen auch ungleich leiswngssähiger. Nun habe der Kölner Gewerkschafts- kongrcß die Pcopagiermig des Massenstreiks, ja nur die Diskussion desselben, drttn"verboten. Deutlicher konnte also nicht gesagt werden, Kampfmittel von den Gewerkschaftsführern einfach verworfen incrdcn solle. Angesichts eines solchen Beschlusses bedilitc«H doch recht eigentümlich, wen» von den Gcwerkschafts- süAÄtD�MMft gesagt werde, die Partei verlange, daß die GeWerk- �aflMt-sich" ihr„unterwerfen"' sollen. In der Frage deS Massen- streiks hatten sich die Gewerkschaften der Partei nicht nur nicht „utiterworfen", nein sie hätten die Beschlüsse der Partei erst gar nicht einmal abgewartet, sondern sich in Köln kurzerhand gegen den Massen- streik erklärt. Eigenartig sei eS nun weiter, daß dann in Jena ein Teil der Gewerkschaftsführer trotz ihres Kölner Beschlusses für die Resolution Bebel gestimmt haben. Als Gewerkschaftler stimme man so und als Parteigenosse so. Da seien die 14 Gegenstimmen wenigstens noch konsequent gewesen. B ö m e l b u r g, der Kölner Hauptredner gegen den Massenstreik, habe sich in Jena der Stimme enthalten. Er hätte da doch wenigstens den Mut haben müssen, entweder für oder gegen zu stimmen. Jetzt würden dem Parteivorstand heftige Vorwürfe darüber gemacht, daß Bebel in Jena den Mund an- geblich so ungeheuer voll genommen habe, während am 21. Januar abgewinkt worden sei. Jeder klar denkende Mensch aber habe sich doch sagen müssen, daß an die erfolgreiche Dnrchsiihrung eines Massen- streiks im Januar gar nicht zu denken war. Ein Massenstreik für Preußen, Sachsen oder Hamburg allein sei einfach eine pure Unmöglichkeit. Solle er einmal proklamiert werden, so müsse eS für ganz Deutsch- land geschehen als Hauptschlacht mit der bürgerlichen Gesellschaft. Soviel erscheine ihm aber als sicher:„Wenn das Proletariat einmal den Massenstreik in Anwendung bringt und nicht siegreich daraus hervorgeht, dann wehe uns!" Ein furchtbares Blutbad wäre die Folge, und die Arbeiterbewegung würde um Jahrzehnte zurückgeworfen werden. Das sollten jene bedenken, die jetzt dem Parteivorstand aus seiner Zurückhaltung im Januar einen Borwurf niachen. Nun habe ja die Generalkommission bei den bekannten Be- sprechungen mit dem Parteivorstande darauf hingewiesen, daß für sie nur die Kölner Beschlüsse maßgebend seien. Hier klaffe ein Riß. Die Gewerkschaftsführer seien doch auch Parteigenossen, deshalb müßten sie sich auch dem Jenaer Beschlüsse fügen. Aber schon die Besprechung an sich habe bedenklich stimmen müssen. Wäre er, Redner, Mitglied des Parteivorstandes gewesen, dann würde er von vornherein gesagt haben:„Parteivorstand, laß deine Finger davon l" Nach den bisherigen Erfahrungen sei eS ihm aber vollends un- verständlich, wie der Parteivorstand so„vertranensselig" sein konnte, die von Silberschmidt zu Papier gebrachten„Thescii' nicht mitzuschreiben. Nur so konnte dann in der Vorständekonferenz der Gewerkschaften der Anschein erweckt werden, als habe sich der Partei- vorstand mit den Jenaer Beschlüssen in Widerspruch gesetzt. In jener Vorständckonferenz seien die Herren ja unter sich gewesen, und da haben sie denn auch aus ihrem Herzen keine Mördergrube gemacht. Wimi schon auf beiden Seiten gesündigt worden sei, so doch zweiscl- los am meisten auf feiten der Gewerkschaften, das heißt: nicht von der Maffe der Gewerkschaftsgcnossen, sondern von deren Führern. (Sehr richtig!) Er frage, wenn die Gewerkschaften so erzogen werden. wie es die Führermchrheit will— wann soll dann der Zeitpunkt kommen, wo das Mittel des Massenstreiks einmal angewandt werden kann? I— Mag auch auf feiten der Partei mancher Hieb gegen die Gewerkschaftsführer zu scharf geführt worden sein, so lag doch kein Anlaß vor, in der Vorständekonferenz derartige Töne anzuschlagen. Nachdem nun die„Einigkeit" entstellte Auszüge auS dem Protokoll der Vorständekonferenz gebracht hatte, wäre es ein- fach eine selbstverständliche Pflicht der Gcneralkommission gewesen, selbst aus eigenem Antriebe heraus die Veröffentlichung des ganzen Protokolls zu veranlassen. Statt dessen tat die Generalkommission noch obendrein so, als fühle sie sich durch die An- ordnung des Parteivorstandes, das Protokoll abzudrucken, tief verletzt. Es könne nur allseitig gewünscht werden, daß auf dem Parteitag eine friedliche Klärung erfolgt. Die Aus- einandersetziliigen seien notwendig und müßten in ausgedehntestem Matze stattfinden, selbst wenn alle übrigen Punkte von der Tages- ordnung abgesetzt werden sollten und nur das Verhälwis zwischen Partei und Gewerkschaften allein zur Besprechung gelangte. Redner besprach dann noch die vorliegenden Anträge. In der Diskussion nahm zunächst B o e s k e das Wort. Er be- zeichnete keine Frage für so brennend wie die des Massenstreiks. Die Genossen von der„Einigkeit" hätten sich erst vorher mit dem Partei- vorstand verständigen müssen, ehe sie sensationell zugestutzte Auszüge aus jenem Protokoll veröffentlichten. Auch er sage: Wer jetzt schon den Massenstreik inszenieren wolle, sei ein Verräter an der Arbeiter- schaft. Der Wahlrechtskampf war vollends nicht dazu angetan, den Massenstreik zu proklainieren, denn dazu ist das Gefühl der Rechtlosigkeit, die der Arbeiterschaft ans dem Dreiklassenwahlrecht erwächst, noch lange nicht genug in die Masse eingedrungen. Eine Aussicht auf Gewinn war also nicht vorhanden, weil nicht genug auf dem Spiele stand. Das Entscheidende bei dem gegenwärtigen Mißverhältnis zwischen Partei und Gewerkschaften aber sei, daß ein sozialdemokratischer Abgeordneter sagen könne, für ihn seien nicht die Parteitags-, sondern die Gewerkschaftskongreß- Beschlüsse maßgebend. Eigentlich müßte ein solcher Gewcrkschafts- führer gar nicht länger sozialdemokratischer Abgeordneter sein dürfen. Leider sähen sich die Genossen die Leute, denen sie ein Mandat an- vertrauen, lange nicht genügend an. Man könne gern zugeben, daß man auf feiten der Partei auch zuweilen etwas einseitig gehandelt habe; bei den Gewerkschaftsführern geschehe dies jedoch fast per- manent. Deshalb hoffe auch er, daß der Parteitag Remedur schaffen möge. K a tz e n st e i n: Wenn die Debatten der letzten Zeit etwas gc- lehrt haben, so das, daß Partei und Gewerkschaften eins sein müssen. Bezüglich der Veröffentlichung des Protokolls habe die Generalkoininifsioii nur formell recht. In den Thesen vermag Redner einen ernsthaften Widerspruch nicht zu entdecken. Die Rechte der Gewerkschaften erscheinen ihm von der Partei allerdings nicht genügend wahrgenommen zu sein. Es darf keine Unterordnung der Gewerkschaften unter die Partei verlangt werden. Wohin solle man aber kommen, wenn man umgekehrt sage: Sobald ein Parteigenosse, der einer Gewerkschaft angehört, sich den Gewerk'chaftsbeschlüsfen nicht fügt, darf er nicht mehr Gewerkschaftsmitglied bleiben? Aehnlich stehe es mit der Behauptung, der Kölner Kongreß hätte vor Jena keinen Beschluß über den Massenstreik herbeiführen dürfen. WeS- halb habe die Partei denn vor Köln nicht eine Verständigung mit den Gewerkschaften über diese Frage herbeizuführen gesucht? Es sei aber dahin zu streben, daß niemand Gewerkschaftsführer werde, der nicht auch aus voller Ucberzeugung Parteigenosse ist. Das Mißverhältnis zwischen Partei und Gewerkschaften habe seine Ursachen darin, daß die Gewerkschaften von der Partei anfangs tat- sächlich etwas zurückgesetzt worden seien. ES dürfe auch jetzt nicht wieder vorkommen, daß drei„Vorwärts"-Redakteure zur Maifeier bei den Lokalisten reden. Viel zu dem Mißverhältnis habe auch die Neutralitätsidee. beigetragen, die von Bebel wohl noch heute ver- treten werde, die aber in den Massen gar keinen Boden hat. Ge- sündigt worden sei auf beiden Seiten. Beide Teile müßten das Endziel vor Augen haben, dann gäbe eS keine Neutralität und auch keine Unterordnung. Hofmeister- Rixdorf stimmt dem Referenten zu. Wenn aber die Ueberzeiignng immer mehr Platz greife, daß eine größere Ver- tiefung in die Parteigrundsätze notwendig sei. so verstehe er nicht, daß der Parteivorstand jetzt wieder einen früheren Nationalsozialen als Lehrer an die Parteihochschule beruft. Auch die Beförderung des einen der„edlen Sechs" in die Leitung der Parteikorrespondenz sehe der bekannten Hinaufniaßregelung von unliebsamen Landrütei, sehr ähnlich. Bei den Metallarbeitern seien wohl alle Mitglieder für die Maifeier. Die Schuld an den bedauerlichen Vorkommnissen im A. E.-G.-Wcrk Brunnenstratze treffe in erster Linie die örtliche Verbandsleitung. Nun könne der Metallarbciter-Verband aber nicht für die Verfehlungen und Meinungen seiner Führer ver- antwortlich gemacht werden. Die Masse verwirft auch eine neue Gewcrkschaflstheorie. Hirsch- Charlottenburg würde es für ein Unrecht halten, wenn sich die Partei im Anschluß an die letzten Vorkommnisse in die Kämpfe zwischen Zentralisten und Lokalisten einmischen wollte. Er wendet sich dann gegen einen Antrag Grotz-Lichterfelde, der als Zusatz zur Jenenser Nesolution folgenden Passus verlangt: Die Sozialdemokratie ist der Meinung, daß der Kampf um das Wahlrecht in den Einzclstaatcn zunächst die dringende Aufgabe der deutschen Politik ist; sie fordert, daß die Wahlrechtsbewegung unermüdlich fortgesetzt und auf alle Weise gesteigert wird und daß insbesondere auch zur Erringung deS gleichen geheimen und direkten Wahlrechtes in Preußen, Sachsen, Hamburg usw. der Massenstreik zu geeigneter Zeit in Anwendung kommen muß. Die Erfahning habe bewiesen, daß eS nicht möglich sei. wegen de§ Wahlimrechts die Massen schon jetzt für den Massenstreik zu begeistern. Hierbei wolle er allerdings bemerken, daß er die gegen- wältige WahlrechtSkampftaklik nicht für richtig halte. Nur die erste Demonstration sei gut verlaufen, die anderen dagegen nur ziemlich lau. Jedoch mit einer Inszenierung deS Massenstreiks würde die Wahlrechtsbewegung auf Jahre hinaus lahmgelegt werden. Soll aber ein besseres Einvernehnien zwischen Partei und Gewerkschaften wie auch innerhalb der Partei selbst erzielt werden, dann müsse vor allem der persönliche Hader aus der Presse und in den Versammlungen verschwinden. K i e s e r- Schöneberg meint, daß der Massenstreik vorläufig wohl noch ein Schmerzenskind der Partei bleiben werde, lieber Ziel und Form desselben bestehen noch so viel Memungs- Verschiedenheiten, daß hier eigentlich mehr von einer Konfusion wie von einer Klärung gesprochen werden könne. Daß die Wahl- rechtsbewegung nicht die erwartete Begeisterung ausgelöst habe, sei ganz erklärlich, denn die Partei habe sich jahrzehntelang um dieses Wahlrecht ja auch gar nicht gekümmert. S ch ä fer- Wilmersdorf verwirft besonders alle Parteimaß- nahmen gegen die Lokalisten. Eisner begreift die auch von Zubeil ausgedrückte Abneigung gegen Resolutionen. Diese rühre daher, daß man eS in Deutschland innner beliebt, möglichst unbestimnite Resolutionen zu fassen, die zwar viel tönende Worte enthalten, aber zu nichts verpflichten. Er erinnere nur an die Jenaer Massenstreiksresolution. Vor solchen Resolutionen habe weder die Regierung noch daS Junkertum Respekt. Weshalb werde die MasscnstreikSdebatte jetzt wieder persönlich gc- sührt? Weil über den Ausgang der Wahlrechtsbewegung in der Arbeiterschaft eine berechtigte Mißstimmung herrscht und man deS- halb nach einem Schuldigen sucht. Eine Wandlung der Anschauungen habe sich zweifellos vollzogen, aber nicht bei der Masse, sondern beim Parteivorstand. In Hamburg habe Bebel sehr energisch ge« sprochen. sRcdncr zitiert einige Auslassungen Bebels in der Hamburger Konferenz, die zur dortigen Wahlrechtsverschlechterling Stellung nahm.) Die Parole lautete damals:„Wenn man uns nicht a u f der Straße haben will, so gehen loir von der Straße". Warum hat denn der Parteivorstand mit der Generalkommission konferiert? Doch nicht um ihr zu sagen, daß niemals ein Massenstreik proklamiert werden solle. Noch am 18. März habe man mit dem Massenstreik gedroht. Man habe also bei demMassen» streik tatsächlich das Wahlrecht im Auge gehabt. und man werde den Massenstreik zur Eroberung des Wahlrechts auch anwenden müssen, wenn man Erfolge erzielen will. Preußen ist die Kernfrage der Politik. Auch die Gewerkschaften haben das größte gewerkschaftliche Jntereffe an der Wahlrechtssrage. Eine freie gewerk- schaftliche Bewegung lvird erst nach Beseitigung des Dreiklassen» Wahlrechts möglich sein. Deswegen sei es endlich an der Zeit, daß sich die Begriffe aus dem Nebelhaften ins Positive verdichten. Redner empfahl schließlich den Antrag Lichterfelde. Fischer- Schöneberg erwidert EiSner, es sei durchaus nicht richtig, daß die Jenaer Resolution zu nichts verpflichte. Ein Massen- streik hätte uils aber im Januar ebensowenig genützt wie jetzt. Redner ist überhaupt ein Gegner des Massenstreiks. Er sage noch wie früher: Wenn iv i r erst den Massenstreik an- wenden können, dann haben wir ihn gar nicht mehr nötig. Bezüglich der Gewerkschaften gehe es denn doch nicht so, wie Zubeil es wolle. Die Gewerkschaften müssen gehört werden; eine Unterordnung unter den Willen der Partei könne un- möglich fördernd wirken. Nur auf dem Boden der Gleichberechtigung sei sür beide Teile Verständigung und Einigkeit zu erzielen. Hätte der Parteivorstand schon vor Köln rechtzeitig eine Verständigung über die beide Teile gleichmäßig interessierenden Fragen in die Wege geleitet, dann lväre es erst gar nicht zu so weitgehenden Differenzen gekommen. Zubeil hätte auch hier nicht mit Bezug auf die Gc- werkschaftsführer von„Herren" sprechen dürfen. Die Ge- werkschastösührer seien eben Parteigenossen und auch als solche zu behandeln. Daß es übrigens mit dem Mai- idealismus der Masse auch nicht gar zu iveit her sei, das habe doch recht deutlich gezeigt, als die Metallarbeiter auf Grund ihres Statuts keine Unterstützung erhalten konnten. Und ähnlich sei es auch bei den übrigen Gewerkschaften. Man möge also die Dinge immer so betrachten, wie sie in Wirklichkeit sind. dann werde man auch beiderjeits zu einem befriedigenden Ver- hältnis kommen. Damit war die Debatte beendet. Die Abstimmung ergab die Annahme folgender Anträge nnd Resolutionen: 1. lieber den Massenstreik aus der Generalkomniission der Gewerkschaften einen Korreftrcnten zu erneiinen. 2. Nesolution Schöneberg-Rixdorf. Der Parteitag erkennt an, daß eine zunehmende Verschärfung der Gegensätze zwischen Bourgeoisie und Proletariat besteht und daß es mehr denn je der Mittel bedarf, um den Klassenkampf zu führen. Eines der wichtigsten Mittel ist die Waffe des politischen Massenstreiks. Dieses Kampfmittel zu einem wirksamen zu ge- talten, muß Aufgabe der politischen und gewerkschaftlichen Orgaiii- ation sein. Mit Rücksicht darauf, daß eure große und gut diszi» plinierte Organisation erste Vorbedingung für das Gelingen des politischen Massenstreikes ist, wird es allen Parteigenossen zur Pflicht gemacht, für Partei und Gewerkschaft unablässig zu agitieren. Der Parteitag wolle dahin wirken, die Meimingsdifferenz zwischen Partei und Gewerkschaften zu klären, um gemeinsam den Kampf gegen politische Unterdrückung und ökonomische Ausbeutung zu führen. Das Proletariat betrachtet den politischen Massenstreik als eine Waffe, die die Arbeiterschaft ihrem Ziele, der Eroberung der politischen Macht, als Hebel zur Unigestaltung der kapitalistischen in eine sozialisttsche Gesellschaft näher bringen kann. 3. Resolution Rixdorf: Nach dem Programm der sozial- demokratischen Partei ist der Kampf der Arbeiter gegen die herrschende» Klassen einheitlich zu gestalten. Dieses ist jedoch bis zu einem gewissen Grade in den Reihen der organisierten Arbeiter noch nicht voll zur Durchführung gelangt, vielmehr steht sich ein Teil der auf dem Boden der sozialdemokratisch organisierten Ge- werkschaften noch feindlich und gespalten gegenüber in Zentral- und Lokalorganisationcn zum Schaden der Arbeiterbewegung. Da hierdurch ein erfolgreicher Kampf gegen die herrschenden Klassen in überflüssiger Weise erschwert und sogar verzettelt wird, „erwartet der Parteitag im Interesse der gesamten Arbeiter- bewegung auf das bestimmteste, daß dieser Programmsatz von den Beteiligten in der entschiedensten Weise zur An- erlennung und Verwirklichung gebracht wird. Der Parteitag beauftragt den Parteivorstand, die Initiative zu ergreifen, um erneut einer Einigung die Wege zu ebnen." 4. Schöneberg: Der Parteitag möge den Parteivorstand beauftragen, sich mit der Generalkoinmissioii der Gewerkschaften ins Einvernehnien setzen über die Art der Maifeier- b e s ch l ü s s e, damit Differenzen wie in diesem Jahre beim Mctallarbeiterverband vermieden werden, um die Maiseier der. Zukunft einheitlicher und machtvoller gestalten zu können. 5. Charlottenburg. Der Parteitag verpflichtet die ört» lichen Wahlvereinsvorstände, zwecks Durchführung und Regelung der Arbeitsruhe am 1. Mai mit den örtlichen GewerkschastSv kommissionen rechtzeitig in Verbindung zu treten. 6. Antrag Zubeil: Die Verhandlnngen über den Massen- streik in Mannheim als Broschüre herauszugeben. Der oben erwähnte Antrag Groß-Lichterfelde wurde nebst anderen abgelehnt. W o l l e r m a n-Schöncberg referierte hierauf über die übrigen Punkte der Tagesordnung des Parteitags sowie über die dazu vorliegenden Anträge. Er befürwortete unter anderem eine Aenderung des Ausschlußparagraphen. Auch er versteht es nicht, wie jemand an der Parteihochschule als Lehrer wirken soll, der bei der vorigen Rcichstagswahl noch als unser Gegner auf- getreten ist. Ferner wünschte er, daß der„Vorwärts".Konflikt möglichst summarisch auf dem Parteitag behandelt werden möge. Betreffs der Umwandlung des„Vorwärts" vom Zentralorgan in ein Lokalorgan hält er die frühere ablehnende Haltung des Kreises für die richtige und glaubt, daß auch die Berliner Genossen ihre vorjährige Meinung einer gesunden Revision unterzogen hätten. Mit der Haltung der Fraktion ist Redner im großen und ganzen einverstanden. Bei den Verhandlungen über die Strafprozeßrcform und den Strafvollzug ständen zweifellos sehr wichtige Ausfüh- rungen zu erwarten. Redner empfiehlt dann schließlich, die Alkoholfrage und die Landarbciterfrage auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen. Die Debatte besteht im wesentlichen in einer Begründung der verschiedenen Anträge. Zu einer lebhafteren Aussprache kam eS nur über die in Aussicht genommene Lehrtätigkeit Mauren- brechers an der Partcibildungsschulc. Katzcnstein meinte, Mehring habe in der„Leipziger Volkszeitung" das junge Institut durch seine jüngsten Auslassungen diskreditiert. Auch der„Vor- wärts" habe die Angelegenheit nicht richtig behandelt. Mauren- brechers Vorträge hätten doch allgemein gefallen. E i s n e r pflichtete dem Vorredner bei und ist der Ansicht, daß die Dauer der Parteizugehörigkeit hierbei nicht in Betracht kommen könne. Man möge die Kräfte nehmen, wo man sie finde, so wie es bisher gewesen sei. Auch bei ihm habe die Frage der Anciennität eine Rolle gespielt. Er sei selbst ein Beispiel dafür, daß auch in der Partei sich niemand vor seinem Tode glücklich preisen könne. Lüdtke» Vaumschulenweg und Z u b e! I sind dagegen der An- ficht, dasz ein Mann, der erst drei Jahre der Partei angehört. Wohl ein guter Genosse sein könne, sich aber trotz aller Bildung yaclj keineswegs zum Lehrer anderer Parteigenossen qualifiziere. K a tz c n st e i n und E i s n e r befürworten dann noch fol- gcnden Antrag Friedenau: Der Parteitag erhebt schärfsten Protest gegen jedwede Ein- Mischung der preußischen oder Rcichsregierung in die russische Angelegenheit. Er beauftragt den Partcivorstand, erforderlichen- falls jedes geeignete Mittel schärfster Abwehr anzuwenden. Beide sind der Meinung, daß in diesem Falle nichts mit bloßen Shmpathieerklärungen getan ist, sondern da heiße es: Handeln. Entweder müsse bei einer Einmischung Deutschlands zugunsten der russischen Reaktion der Massenstreik proklamiert oder ein Auf- ruf an die Soldaten zur Gehorsamsverweigerung erlassen werden. Zubeil und L ü d t k e treten diesen Äusfuhrungen entgegen mit dem Hinweis darauf, daß in solchem Falle das internationale Bureau ganz von selbst eine der Situation entsprechende An- Weisung geben würde. Der Antrag wurde schließlich angenommen, dazu noch die folgenden übrigen Anträge: Wilmersdorf: Der Parteitag möge beschließen: Nach dem Attentat auf die Volksschule ist es Pflicht der Sozialdemo- kratie geworden, ihrerseits eine Volkserziehung in die Wege zu leiten, um den Massen den Erwerb einer geklärten Weltanschau- ung zu ermöglichen. Die Organisation dieses Unterrichts hat auf einheitlicher Grundlage für ganz Deutschland von der Partei als solcher zu geschehen. Ferner: Den Parteivorstand zu beauftragen, die Jugend- beilage der„Gleichheit" sämtlichen Parteiblättcrn beizulegen und dieselbe nach Bedarf zu erweitern. Rix darf(Resolution): Der Parteitag begrüßt mit Freuden die aus der Jugend selbst herausgewachsenen Bestre- bungen, die proletarische Jugend in einer Organisation zu- sammenzuschlietzen. welche geeignet ist, die wirtschaftliche Lage der Arbeiterjugend zu heben, das Solidaritätsgefühl in den jungen Herzen zu wecken, die geistige Weiterbildung zu fördern. Er betrachtet die freie Jugendorganisation als Glied der modernen Arbeiterbewegung, welches die weitgehendste Unter- stützung der erwachsenen Arbeiter fordert. Der Parteitag sagt aus diesem Grunde derselben seine vollste moralische und materielle Unterstützung zu. Zentralvorstand: 8 L7 des Organisationsstatuts folgenden Absatz hinzuzufügen: Den Wahlvereinen steht das Recht zu, Mitglieder wegen Verstoßes gegen die Zwecke des Wahl- Vereins, die nicht unter§ 2 fallen, aus den Mitgliederlisten zu streichen. Die Wiederaufnahme des Mitgliedes kann jederzeit auf Antrag erfolgen, aber nur unter Zustimmung der Instanz, die den Ausschluß vollzogen hat. Die Streichung aus den Listen ist nicht dem Ausschluß aus der Partei gleichznachten. Z e n t r a l v o r st a n d: Im§ 26 des Organisationsstatuts der sozialdemokratischen Partei Deutschlands ist im ersten Absatz der Schluß„die aus höchstens zwei Mitgliedern für jeden bc- teiligtcn Reichstagswahlkreis bestehen darf" zu streichen. Nixdorf: Der Parteitag möge beschließen: gleich den meisten Gewerkschaften den Arbeiter-Notizkalender für bv Pf. zum Verkauf zu bringen; ferner in denselben keine Inserate mehr aufzunehmen. Friedenau: Persönliche Polemiken sind in der Partei- presse möglichst zu vermeiden. Baumschulen>oeg(Resolution): In Anbetracht, daß der Parteivorstand bisher nichts getan hat. um den Beschluß des Jenaer Parteitages betr. des Antrages lg zu verwirklichen, der- langt der Parteitag, daß die von ihm gefaßten Beschlüsse auch durchgeführt werden und fordert nochmals zur regen Agitation gegen den Militarismus im Sinne des Antrages Nr. 16'von IMö auf. Friedenau: Die Alkoholfrage uno die Landarbeiterfrage auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen. Angenommen wurde folgender Antrag der Genossinnen des Kreises: Die Rubrik„Frauenbewegung" im„Vorwärts" in der alten Form wieder herzustellen und die Bekanntmachungen vor den Versammlungen, sowie die Berichte nach denselben regelmäßig einzusetzen. Außerdem gelangten folgende beiden Resolutionen zur An- nähme: Die Generalversammlung nimmt Kenntnis von den in Nürnberg wiederholt vorgekommenen ruchlosen Taten der Ar- beitswilligcn gegenüber den Ausständigen. Sie spricht ihren Abscheu gegen derartige Elemente aus und verurteilt auf das schärfste das zweifelhafte Verhalten der dortigen Polizei. Sie nimmt aufrichtig Anteil an dem Schmerz der durch Mörderhand ihres Ernährers beraubten Familie. Den Nürnberger Ausständigen bringt sie ihre volle Sympathie dar und hofft, daß sie weiterkämpfen werden im bisherigen Sinne. Die Generalversammlung spricht den Opfern der zarischen Willkür und Hcnkerherrschaft, insbesondere den in Deutschland tätig gewesenen unerschrockenen Mitkämpfern unserer russischen Brüder ihre vollste Sympathie und wärmste Anerkennung aus. Die Versammlung hofft, daß es dem russischen Volke und vor- nehmlich unserer dortigen Bruderpartei dennoch gelingen möge, dem unglücklichen Lande Freiheit und Erlösung von der Knecht- schaft des Zarismus zu erringen. Deshalb geloben die Ver- sammelten, diese hohe Kulturmission der russischen Revolutionäre mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu unterstützen. Damit war die Tagesordnung der Generalversammlung er- ledigt. Als Delegierte zum Parteitag wurden gewählt: Woller- m a n n- Schöneberg, T h i e l- Tempelhof und G. Heinrichs- Rixdorf. Der Mllhlvettm für den RtichstllgsiMhlKms Nieder-Karninl hielk seine Kreis-Generalversammlung am Sonntag im Saale „Zum Prälaten" in Weihcnsee ab.— Nach einem kurzen Referat des Genossen Seikel über die Provinzialkonferenz für die Provinz Brandenburg wurden Jakobsen- Oberschöncweide, Köhl er- Friedrichshagen, L e V i- Weißenfee als Delegierte und Reimann als Ersatzmann gewählt. Ueber den Parteitag in Mannheim referierte Frei- w a l d t- Pankow. Er verwies zunächst darauf, daß der„Vor- Wärts"-Konflikt beim Geschäftsbericht des Parteivorstandes zur Sprache kommen werde. Ursachen und Verlauf des Konflikts seien bekannt. Mit der Lösung des Konflikts würden die hier anwesenden Genossen mit einzelnen Ausnahmen einverstanden sein.. Man könne nicht anders sagen, als daß die gegenwärtige Redaktion sich durch einheitliches Arbeiten vor der früheren Redaktion auszeichne. Man werde ja nie eine Redaktion finden, mit der man in jeder Hinsicht einverstanden sein könne, aber im allgeincinen könnten die Parteigenossen mit der gegenwärtigen Redaktion zufrieden sein. Die Genossen von Groß-Berlin kätten keine Veranlassung, dem von anderer Seite dem Parteitag unterbreiteten Antrage zuzustimmen, wonach der„Vorwärts" seines Charakters als Zentralorgan ent- kleidet werden soll.— Dem Parteivorstand seien Vorwürfe gemacht worden, weil die Wahlrechtsdemonstration nicht mit genügend scharfen Mitteln betrieben und deshalb ohne Erfolg verlaufen sei. Diese Vorwürfe seien unberechtigt. Gewiß habe uns der Verlauf der Wahlrechtsbewegung nickst befriedigt, aber was hätten wir denn machen sollen? Wir seien doch noch nicht stark genug, um schärfere Mittel als Protestversammlungen anwenden zu können. Die Partei- leitung habe die Wahlrechtsbewegung nicht zu einer Machtfrage machen wollen. Von feiten der Parteileitung sei nichts anderes beabsichtigt worden, als die Abhaltung von Protcstversammlungen. Als Mitglied des Aktionsausschusses"könne Redner sagen, es sei allerdings die Frage erörtert worden, ob Demonstrationsversamm- lungen am Vormittag eines WexjtageL abgehalten werden sollen. Alles, was von Weitergeyenden Absichten behauptet Werde, seien Märchen.— Der Redner wandte sich nun den anderen Punkten zu, welche den Parteitag beschäftigen werden. Allen Versuchen, die Maifeier abzuschwächen, müsse entschieden entgegengetreten werden. Es habe sich ja gezeigt, daß die Gewerkschaftsführer, welche in der Maifeierfrage zurückgehen mächten, sich nicht im Einverständnis be- finden mit den Mitgliedern der Gewerkschaften. Die organisierten Arbeiter kennen keinen Gegensatz zwischen Partei und Gewerkschaft, sie fühlen sich in der Gewerkschaft als Parteigenossen und in der Partei als Gewerkschafter. Die Maifeier werde sich immer mehr einbürgern, und wenn auch die Metallarbeiter bei der diesjährigen Maifeier eine Schlappe erlitten hätten, so sei doch dadurch, daß sie überhaupt der Durchführung der Maifeier näher traten, jedenfalls schon Bresche gelegt worden in die Reihen der arbeiterfeindlichen Unternehmer.— Was den Massenstreik anlange, so müsse an dem Standpunkt der Jenaer Resolution festgehalten werden. Der Vor- wurf, daß der Parteivorstand in der Frage des Massenstreiks gc- bremst habe, treffe nicht zu. Das nunmehr öffentlich bekannt ge- wordene Protokoll der Gewerkschaftskonferenz liefere den Beweis, daß der Parteivorstand nichts getan habe, was den Vorwurf, er habe Parteiverrat geübt, rechtfertigen könne. Das eine Gute habe die Veröffentlichung der„Einigkeit" gehabt, daß über diese Frage Klarheit geschaffen und die Diskussion über den Massenstreik wieder in Fluß gekommen sei. Was den Massenstreik selbst betrifft, so dürfe nicht verkannt werden, daß wir heute noch zu schwach seien, um auf die Straße zu gehen. Wenn gesagt werde, wir würden im- stände sein, die indifferenten Massen mit in die Bewegung zu reißen, so sei das ein Irrtum. Die Frage des LandtagswahlrechtS sei nicht geeignet, die Massen in Bewegung zu bringen. Wer der Massen- streik müsse propagiert werden, damit er angewandt werden kcknn, wenn es erforderlich ist. Die Gewerkschaftsführer, welche sich nickst auf den Standpunkt der Jenaer Resolution stellen, würden doch mit uns gehen müssen, denn sonst würde es ihnen so gehen, wie in der Frage der Maifeier: die Gewerkschaftsmitglieder wurden sich gegen den Standpunkt der Führer wenden.— Mit den zum Punkt„Sozial- demokratie und Volkserziehung" veröffentlichten Leitsätzen erklärte sich der Redner einverstanden. Es müsse dahin gewirkt werden, daß wir Einfluß auf die Jugend haben. Die Kinderbeilage der „Gleichheit" biete ausgezeichnetes Material für die Kindererziehung, es wäre zu wünschen, daß diese Beilage gesammelt und gebunden den Kindern auf den Weihnachtstisch gelegt werde. Besondere Be- achtung verdiene auch der Passus der Leitsätze, welcher von der Förderung der Kunst im Volke spreche. Man müsse hierbei daran denken, daß die von der Vorwärts-Buchhandlung herausgegebenen Maifestzeitungen und ähnliche Erzeugnisse durchaus nicht geeignet seien, den Kunstsinn im Volke zu fördern oder dem Kunstbedürfnis zu genügen.— Nach einer kurzen Besprechung des Punktes„Straf- recht" wandte sich der Redner den Anträgen zu, welche aus den Bezirken eingegangen sind. Hierauf erstattete die Mandatsprüfungskommission Bericht. Anwesend sind 163 Delegierte, darunter 6 Frauen. Nunmehr wurde die Diskussion über das Referat und die vor- liegenden Anträge eröffnet. D e n z e r- Waidinannslust kritisierte Aeuß?rungen, welche auf der Gcwerkschaftskonferenz bezüglich Maifeier und Massenstreik gc- macht worden sind. Die Gewerkschaftsführer hätten hinsichtlich des Massenstreiks ebenso gebremst wie hinsichtlich der Maifeier. Weiter betonte der Redner, daß ein Zusammenarbeiten von Parteivorstand und Gcneralkommission notwendig sei. In den Fabriken und Arbeitsstätten müsse nicht nur für die Gewerkschaften, fondern auch für die Partei agitiert werden. Wenn sich die Gewerkschaften in Gegensatz zur Partei stellen, dann würde den Parteigenossen viel- leicht die Lust vergehen, noch weiter in den Fabriken für die Gewcrk- schaften zu agitieren. Link- Karlshorst bemerkte, er habe geglaubt, der„Vorwärts"- Konflikt sei für die Genossen erledigt. Da aber Freiwaldt darüber gesprochen habe, wolle er, der Redner, sagen, daß der„Vorwärts" unter der neuen Redaktion nicht so gut geführt werde, wie es Frei» waldt hinstellte. WstoßeNd sei vor allem die Art, wie gegen anders- denkende Parteigenossen polemisiert werde. So erst jetzt gegen den Genossen Maurenbrecher. Redner wolle sich nicht zum Verteidiger Maurenbrechers aufwerfen, aber es berühre doch sonderbar, daß man den Genossen Maurenbrecher erst hochgehoben habe, seine Vorträge wurden anerkannt, dann aber habe die„Leipziger Volks- zeitung" gefunden, daß Maurenbrecher noch nicht materialistisch durchgebildet sei, und jetzt habe Fülle und auch der„Vorwärts" dem Genossen Maurenbrecher gesagt, er müsse erst in der Partei lernen. Auch gegen Maurenbrecher als Lehrer an der Parteischule werde Stimmung gemacht. Man sollte doch die Entscheidung über die Wahl der Lehrer und über die sonstigen Schulangelegenheiten dem Parteivorstande überlassen, der gewiß nach reiflicher Erwägung die rechten Personen werde berufen haben.— Es sei nicht wahr, daß die Gewerkschaftsführer Gegner der Maifeier seien.?luf dem Kölner Gewerkschaftskongreß habe eS sich nur darum gehandelt, eine andere Form für die Maifeier zu finden. Wenn Denzcr in Aussicht gestellt habe, daß die Parteigenossen nicht mehr für die GeWerk- schaften agitieren würden, so müsse doch darauf hingewiesen werden, daß es für den überzeugten Parteigenossen eine Trennung zwischen Partei und Gewerkschaft nicht gebe und man einen solchen Unter- schied, wie Dcnzer ihn machte, nicht machen dürfe. Was die Frage des Massenstreiks betrifft, so sei zu betonen, daß kein einziger Ge- werkschafter, der auch in der Partei seine Pflicht tut, daran denke, sich dem Massenstreik entgegenzustellen, wenn er im Interesse der Arbeiterbewegung notwendig ist. Es sei aber nicht nötig, den Massenstreik an jeder Stelle und bei jeder Gelegenheit zu diskutieren. — Der Sensationsartikcl der„Einigkeit" habe das Eine erreicht, daß mit der Veröffentlichung des Protokolls ein Vertraucnsbruch ge- schehen sei, wie er in der Arbeiterbewegung noch nie dagewesen sei. Noch eines sei dadurch erreicht worden: unsere Führer seien bei den Gegnern in Mißkredit geraten.— Die Gewerkschaftsführer haben nicht gegen die Jenaer Resolution verstoßen. Kein Parteigenosse und Gewerkschafter könne anders als auf dem Boden der Jenaer Resolution stehen. S ch ö n b e r g- Reinickendorf begründete einen Antrag auf Ein- führung von Wochcnabonnemcnts für den„Vorwärts". R ö b e r- Pankow empfahl einen Antrag, der sich für Bei- beHaltung der bisherigen Form der Maifeier ausspricht. Dann polemisierte der Redner gegen die Ausführungen des Genossen Link. Trotz aller gegenteiligen Angaben bestehe doch ein Gegensatz zwischen Partei und Gewerkschaft und es würden der Partei mit- unter von den Gewerkschaften Knüppel zwischen die Beine geworfen. Wenn Robert Schmidt in Köln dafür eintrat, die Maifeier auf den Abend zu verlegen, so bedeute das doch die Beseitigung der Mai- feier.— Von einem Vertraucnsbruch der„Einigkeit" könne keine Rede sein. Einen Vertrauensbruch hätten die Gewerkschaftsführer begangen, die als Parteigenossen verpflichtet seien, sich nach den Beschlüssen des Jenaer Parteitages zu richten, trotzdem aber er- klärten, für sie sei nur der Beschluß des Kölner Gewerkschafts- kongresies maßgebend. S t ü tz k i- Rummelsburg mißbilligte die Art, wie der„Vor- wärts" gegen einzelne Parteigenossen polemisiere. Weiter führte er aus, in der Wahlrcchtsfrage hätte der Parteivorstand wissen müssen, daß man nur durch Versammlungen nichts erreichen könne. es hätten deshalb schärfere Maßnahmen, etwa ein mehrtägiger Demonstrationsstreik erwogen werden müssen. Köhlert- Lichtenberg trat für Verbilligung des„Vorwärts" ein, damit derselbe eine weitere Verbreitung erhalte und unsere Agitation auch auf das Land getragen werden könne. Kemnitz: Zwischen Partei und Gewerkschaft müsse Gleichberechtigung herrschen. Wenn aber Legten sagte, es dürfe nicht wieder vorkommen, daß der Parteitag zur Maifeier eine Resolution wie die Fischersche annehme, wenn er ferner sagte, für die Gewerk- schaften fei nicht der Beschluß von Jena, sondern nur der von Köln maßgebend, so heiße das, die Partei solle sich den Gewerkschaften unterordnen. Wenn solche Sorte von Gewerkschaftsführern betonen, sie seien Genossen, so sage er, der Redner, sie seien Diplomaten, die, Tvenn sie unter sich seien, anders reden, wie im Kreise von Partei- genossen. Die Veröffentlichung des Gewerkschaftsvrotokolls fei lein Vertrauensbruch. Z eg l i n-Reinickendorf: Link habe hier einen Eiertanz auf- geführt, indem er nachzuweisen suchte, daß kein Grund vorhanden sei, auf die Gewerkschaftsführer einzuhaucn. Link habe gesagt, es herrsche Einigkeit zwischen Partei und Gewerkschaft. Aber schon die erste Seite des Protokolls der Gewerkschaftskonfereng beweise« daß man dort nicht Einigkeit, sondern Uneinigkeit gepredigt habe- Wie verächtlich habe man von Rosa Luxemburg und anderen Partei- genossen gesprochen. Daß uns die Gewerkschaftsführer tatsächlich Knüppel zwischen die Beine werfen, das bewiesen ja die AuS- führungen Bebels in Jena, wo er sagte, als in Hamburg über die Wahlrechtsdemonstration gesprochen wurde, habe man ihm ver- sichert, daß die jungen Gewerkschaftsführer die Partei in einer Weise angreifen, die aller Beschreibung spottet.— Es sei ja nicht wahr, daß wir heut oder morgen schon den Massenstreik wollen, aber propagiert müsse er werden. Der Graveur Brückner habe aber auf der Gcwerkschaftskonferenz ein Verbot der Propagierung des Massen» streiks gefordert. Angesichts solcher Tatsachen solle man doch nicht sagen, daß die Gewerkschaften der Partei nicht Knüppel zwischen die Beine werfen.— Jetzt werde ja der Ausschluß der lokalistischcn Ge- werkschafter aus der Partei befürwortet. Darauf dürfe die Partei nicht eingehen, sie dürfe nicht Genossen, die in ihren Reihen kämpfen, von sich abstoßen. Maurenbrecher begründete einen Antrag des Wahl- Vereins Oberschöneweide, der dem Parteivorftand Weisungen für zukünftige außergewöhnliche Aktionen erteilt. Dieser Antrag sei dem Gefühl entsprungen, daß die Aktion des letzten Winters eine verunglückte gewesen sei, die der Partei keinen Vorteil gebracht habe. Es möge sein, wie Freiwaldt sagte, daß uns die Wahlrechts- bewegung einen Zuwachs an Mitgliedern und ,.Vorwärts"-Lesern gebracht habe, aber das sei doch kein politischer Erfolg. Durch die Bewegung im letzten Winter sei eine Situation entstanden, daß die politische Welt von uns denke: die Leute reden, aber sie handeln nicht. In Jena sei beschlossen worden, den politischen Massenstreik anzuwenden, wenn es gelte, Angriffe auf bestehende Volksrechte abzuwehren und auch, wenn wir einen Vorstoß zur Erringung neuer Rechte führen würden. Wenn danach die Wahlrcchtsbewegung kam, dann hätten doch die Genossen recht, welche der Meinung waren, es beginne nun eine Aktion, welche darauf hinführt. Stimmung für den Massenstreik zu schaffen. Die Genossen, welche das glaubten, haben in der mit großem Tamtam begonnenen Aktion einen Plan vermutet. Die Redaktionen verschiedener Parteiblätter hätten vor dem 21. Januar große Worte gebraucht und jetzt sagen sie, es sei nicht so gemeint gewesen. Wir müssen verlangen: Wenn man keine Aktion will, dann soll man auch nicht so reden, als ob man sie wolle. Die frühere Redaktion des„Vor- wärts" hätte nicht die Taktlosigkeit gehabt, von großen Aktionen zu reden, wenn solche nicht beabsichtigt waren. Die jetzige Redaktion aber habe das getan, und das sei ein Zeichen ihrer politischen Un- fähigkeit.(Unruhe.) Auch die Referenten in den Versammlungen am 21. Januar hätten nach der voraufgegangenen Besprechung unter dem Eindruck gestanden, daß mehr geplant war. Sie hätten nach der ihnen gewordenen Weisung das Wort ausgesprochen: Wir gehen nicht auf die Straße, sondern von der Straße.— Die Partei- genossen in Oberschöncweide seien ungeachtet ihrer sonstigen Meinungsverschiedenheiten darin einig: Das schlimmste, was der Partei passieren könne, sei das, daß die Gegner unsere Aktionen nicht mehr ernst nehmen. Deshalb verlange die Resolution von Oberschöncweide, daß solche Mittel, wie der Massenstreik, nur dann empfohlen werden, wenn man entschlossen ist, sie anzuwenden. Wenn man den„gegebenen Fall" für die nächsten zehn Jahre noch nicht für gegeben hält, dann solle man die Hände davon lassen.— Es könnten doch Situationen kommen, welche die Massen in Erregung bringen, beispielsweise eine Intervention in Rußland, oder Vor- gänge, wie sie sich eben in Nürnberg und vor kurzem in Breslau abgespielt haben. Wenn solche Situationen ohne unsere Schuld entstehen, dann müßten sie auch ausgenutzt werden. Man solle auch nicht immer von unserer Schwäche und von der Stärke der Regierung reden. Die Regierung sei, wie gegenwärtig die Dinge in der äußeren Politik liegen, gar nicht in der Lage, die Situation im Innern auf die Spitze zu treiben, und das sei für uns ein Vorteil, den wir ausnutzen könnten. Die Generalkommission habe ja erklärt, daß sie in solchen Situationen, die den Massenstreik nötig machen, mittun werde, daß auch die Gewerkschaften sich bc- teiligen würden. In solchen Situationen habe der Parteivorstand die Pflicht, von sich aus die Führung zu ergreifen, denn wenn auch die Erregung der Massen vorhanden wäre, so sei doch die deutsche Arbeiterschaft so diszipliniert, daß sie ohne Parole nichts unter- nehme; der Parteivorstand dürfe also nicht warten, bis aus den Massen heraus der Anstoß zur Aktion kommt. Der Parteivorstand solle sich in solchen Situationen an die Spitze stellen und die Parole ausgeben, etwa so, wie es die österreichischen Genossen bei ihrer Wahlrechtsdemonstration gemacht haben.— Das LandtagSwahlrecht müsse für die nächsten Jahre die politische Konzentrationsidce bleiben. K u r s ch trat für ein Zusammenwirken von Partei und Gc- werkschaften ein. Auf der Gewcrkschaftskonferenz sei keine Rede davon gewesen, daß man sich von der Partei abzweigen wolle, man solle in Versammlungen nicht die Gewerkschaftsführer verun- glimpfen, ohne Mitwirkung der Gewerkschaften Knne keine große Altion unternommen werden. Jakobsen- Oberschöncweide empfahl einest Antrag, der die Schaffung eines Maifonds durch den Partcivprstand..und die Be- zirksorganisationen befürwortet. Der Fonds soll zur thirtcpstützung bei besonders heißen Kämpfen aus Anlaß der Maiseier chienen. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wurde angeuvPMp-.� Freiwaldt wandte sich in seinem Schlußwort gegSN�die Ausführungen verschiedener Redner. Gegenüber Maurenbrecher hemerkte er, die Anschuldigungen, welche derselbe gegen den„Vor- wärts" erhoben habe, hätte er auch gegen das„Hamburger Echo". die„Sächsische Arbeiterzeitung", die Breslauer„Volkswacht" und andere Parteiorgane erheben können, die zur Zeit der Wahlrcchtsbewegung denselben Ton angeschlagen hätten, wie der„Vorwärts", Anders, wie geschehen, hätten wir nicht vorgehen können. Der Hin- weis auf Oesterreich sei nicht angebracht, denn dort lägen die Ver- Hältnisse anders wie bei uns, namentlich stimme dort ein großer Teil des Bürgertums in der Wahlrechtsfrage mit den Arbeitern überein. Bei uns dagegen sei man im Bürgertum sogar für Ver- schlechterung des allgemeinen Wahlrechts. Wer den Standpunkt vertrete, daß eine Aktion, die angefangen sei, auch unter allen Ilmständen durchgeführt werden müsse, der sei entweder ein poli- tischcs Kind oder ein Demagoge. Den Genossen, welche uns sagten. wir können in der gegebenen Situation nicht weiter gehen, seien wir zu Dank verpflichtet. Hierauf erfolgte die Abstimmung über die vorliegenden An- träge. Von denselben wurde nur einer abgelehnt, und zwar der- jenige, welcher sich auf die Schaffung eines Maifonds bezieht. Alle übrigen Anträge wurden angenommen. Dieselben lauten: Der„Porwärts" wird den Abonnenten von Groß-Berlin im Wochen-Abonnement für LS Pf. abgegeben. Die Versammlung erwartet, daß der Parteitag bei Punkt 4 der Tagesordnung zum Ausdruck bringt, daß die deutsche Sozial- demokratie an der durch den internationalen Arbciterkongreß 188S zu Paris beschlossenen Form der Maifeier festhält und energisch Propaganda für die Maifeier zu machen hat. Ferner soll jeder Parteigenosse verpflichtet sein, solchen Bestrebungen. wie sie in dem Antrage(Sin) des Genossen Robert Schmidt auf dem Kölner Gewerkschaftskongreß gekennzeichnet sind, auf das entschiedendste entgegenzutreten. (Bezirkswahlvcrein Pankow.) Der Parteivorstand möge zu dem Punkt S: Massenstreik. einen zweiten Referenten zu gewinnen versuchen, wenn irgend möglich, aus den Reihen der Mitglieder der Generalkommissiou. Angesichts der verunglückten Wahlrcchtsaktion des letzten Winters fordert der Parteitag den Parteivorstand auf, außer- gewöhnliche Aktionen, die über den Rahmen der gewöhnlichen Agitation hinausgehen, in Zukunft nur dann zu beginnen, wenn er sich voxher entschlossen hat« sie gegebenenfalls glich znit hei» stärksten Mitteln(Demonstrationen, Massenstreiks usw.) durchzuführen. Der Parteitag nimmt Kenntnis von der Zusage der General. kommission der Gewerkschaften, daß sie im Salle eines Massen- streiks der politischen Bewegung nicht hindernd in den Weg treten und sich an der Unterstützung der eventuell Gemaßrcgclten Nach Kräften beteiligen wird. Er erwartet daraufhin, daß der Parteivorstand in Zeiten großer politischer Erregung ohne weiteres die Initiative zur An- Wendung auch der stärksten Kampfmittel ergreift und die natllr- liche Erregung der Massen planmäßig und mit Bewußtsein auf dieses Ziel hinlcitct. (Bezirkswahlverein Oberschöneweide.) � Der Parteitag möge beschließen, in ganz Deutschland eine Agitationsbroschüre, welche den politischen Massenstreik behandelt und zum Beitritt in die politische Organisation auffordert, herauszugeben. Dieselbe soll in Wcrkstellen, Fabriken und auf den Bau- Plätzen zur Verbreitung gelangen. M(Genossen von Waidmannslust.) Auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages wird der Punkt:„Die Alkoholfrage" gesetzt. (Bezirkswahlverein Lichtenberg.) Als Delegierte zum Parteitag schlug der Zentralvorstand die Genossen Grunow, Wartig und S e i k e l vor.— Gegen die Kandidatur S e i k e l s erhob B a ck h u s- Lichtenberg Protest, weil die Lichtenberger Genossen, zu denen Seikel gehört, auf Stellung eines Kandidaten verzichtet hatten, damit auch ein kleinerer Ort einen Delegierten stellen könne.— Aus der Versammlung wurden noch die Genossen Zeglin, Weih und Maurenbrecher vor- geschlagen.— Die Wahl erfolgte durch Stimmzettel. Abgegeben wurden 1l!1 gültige Stimmen. Gewählt wurden Grunow mit 85, W a r t i g mit 82 und Seikel Mit 64 Stimmen. Mauren- b r e ch e r, der 62 Stimmen erhielt, gilt als Ersatzmann. Zeglin erhielt 46, Weiß 14 Stimmen. Beim letzten Punkt der Tagesordnung: Kreisangelegen- h e i t e n, nahm die Versammlung verschiedene Anträge der Be- zirksvereine auf Ausschluß von Mitgliedern an. F r e i w a l d t machte Mitteilung von einem kürzlich gefaßten Beschluß des Aktionsausschusses, wonach die„Vorwärts"-Spebition für Groß-Berlin zentralisiert werden soll.— Nach längerer Debatte beschloß die Versammlung, diese Angelegenheit dem Vor- stände zu überweisen, der den Bezirken bestimmte Vorschläge vor- legen soll.— Ein Antrag Lichtenberg, der sich auf den Modus der Telegiertenwahl zu Parteitagen, Provinzialkonferenzen usw. de- zieht, wurde den Bezirken zur Beratung überwiesen. Damit war die Tagesordnung erledigt, Hus der parte!* Zum Parteitag. In Leipzig Stadt wurden Anträge nicht gestellt. Der Referent S e g e r äußerte zur Errichtung der Parteihoch- schule, es errege Besorgnis, daß der Parteivorstand so sparsam mit Mitteilungen über die Gestaltung der Schule sei. Wenn die Leitung der Schule in gute Hände komme, kann sie sehr segensreich für die Partei wirken, wenn dies aber nicht der Fall sei, könne sie zu einem bös-n Zankapfel in der Partei werden. Er halte den Ge- nassen Schulz- Bremen für die Leitung sehr geeignet. Im Referat und in der Debatte nahm das Thema„Partei und Gewerkschaften" breiten Raum ein. Referent und die meisten Redner übten scharfe Kritik an den Anschauungen, die auf der Gewerk- schaftskonferenz zutage getreten seien. Andere traten diesen Ge- Nossen entgegen. Im Wahlkreise Leipzi g-Land referierte ebenfalls Genosse Seger. Anträge wurden auch hier nicht beschlossen. Ein Anttag, die A l k o h o l f r a g e auf die Tagesordnung des Parteitages zu setzen, wurde abgelehnt, da er mit vielen wichtigen Angelegenheiten überlastet sei. Im Wahlkreise Dresden- Neu st adt referierte Genosse Dr. D u n ck e r. Er äußerte u. a.: Bestrebungen, eine Theorie der Ge- Werkschaftsbewegung zu gründen, die dieselbe vom Klassenkampf ab- rückt, werde der Parteitag mit aller Entschiedenheit entgegentreten. Das Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaften müsse das der Gleichberechtigung sein. Eine einheitliche Instanz müsse geschaffen werden. Beim Thema„Massensttcik" müsse erörtert werden, unter welchen Umständen in Deutschland ein Massenstreik möglich sei. Angriffs-, Abwehr-, DemonstrationS- und Pressionsstreiks müßten behandelt werden. Nach einer Debatte, in der mehrere Redner dem Referenten entgegentraten, wurden folgende Anttäge angenommen: Die... steht nach wie vor auf dem Standpunkte, daß die Propagierung des Massen st reiks eine unbedingte Not- wendigkeit ist. Angesichts der Tatsache, daß gegenwärtig der Versuch gemacht wird, die Idee des Massenstreiks illusorisch zu machen, hält e3 die Versammlung für ihre Pflicht, nur solche Genossen zum Parteitag zu delegieren, die sich unbedingt auf den Boden der Massenstreikidee stellen. Der Parteitag wolle den Parteivorstand beauftragen, mit der General! om Mission der Gewerkschaften Deutsch- lands in Verbindung zu treten, daß letztere die Führer der Gewerkschaften veranlaßt, ihre Mitglieder entschiedener auf die politische Organisation und die Partei- presse hinzuweisen. Auf die Tagesordnung dcS Parteitages in Mannheim ist als besonderer Punkt zu setzen: DierussischeRevolutionund die deutsche Arbeiterbewegung. Zur Masscnstrcikdcvattc. In der Generalversammlung für den 8. und 10. schleswig-holsteinischen ReichStagSwahlkreiS(Bericht an anderer Stelle) wurde von mehreren Rednern auch der„Hirtenbrief" gestreift, worauf Genosse F r o h m e eine längere Erklärung abgab. Er wolle keine Debatte über den Generalstreik an sich hervorrufen, sondern nur eine ganze Unsumme von Irrtümern richtig stellen. Er behandelte sodann die Auffassung in der Frage des Massenstreiks von Amsterdam bis Jena. Bis zu dem letzteren Zeitpunkte habe er diese Angelegenheit unter dem Gesichtswinkel der von ihm mit- geschaffenen Amsterdamer Resolution betrachtet, wie daö seine Pflicht gewesen sei. Bebel habe die Frage dcS Massenstreiks so behandelt, wie sie behandelt werden mußte, und er. Redner, halte sich lediglich an die in Jena be- schloffene Resolution, deren letzten Teil er zu beachten bitte. Trotz der nicht mißverständlichen Erklärungen deS Genossen Bebel sei nach Jena eine Bewegung ins Leben gerufen worden, gegen die er und die Genossen von Elm und Lesche, wie sie es für ihre heiligste Pflicht erachteten, sich gewandt hätten in der alberner Weise als „Hirtenbrief" bezeichneten Erklärung. Er nehme kein Wort von dieser Erklärung zurück, denn tatsächlich sei in einem Teile unserer Presse sowohl als in Versammlungen mit fanatischem Eifer eine„ver- verbliche Revolutionsromantik", wie es in der Erklärung heißt, hervor- gekehrt worden. Man habe nach Beweisen verlangt für diese Behauptung. In Rücksicht auf daS Partciintcresse hätten sie, die drei Abgeordneten, davon Abstand genommen, solche Beweise zu erbringen. Diese seien sehr leicht zu erbringen. Er verweise auf die Polemik des Genossen Dr. Adler-Wien gegen Kautsky, weil dieser, wie aus seinen eigenen Ausführungen in der„Neuen Zeit" hervorgehe, sich auf anarcho- sozialistischen Boden gestellt habe. In der Frage des Massenstreiks sei eine Komödie der Irrungen entstanden, alte Parteigenossen seien, nur weil sie ihrer ehrlichen Ueberzeuaung Ausdruck verliehen hätten, den gröbsten Insulten ausgesetzt gewesen, wären als Revisionisten und Flaumacher bezeichnet worden. Werde die Gegenseite einmal ge- troffen, dann heule man wie gezüchtigte Buben. Der Zweck der Erklärung sei die Beseitigung von Mißdeutungen der Jenaer Resolutton gewesen. Der Parteivorstand selbst habe sich nach mehreren Richtungen hin wenden müssen, damit keine Dummheiten gemacht würden. Nehme man den„Vorwärts" der letzten Tage zur Hand, so werde man die Frage in ganz anderer Beleuchtung be- handelt finden, als wie sie vor nicht langer Zeit von demselben Blatte behandelt wurde. Redner verweist auf die Ausführungen der Genossin Roland-Holst in der„Neuen Zeit", die sich seiner Ansicht nach vollständig mit dem deckten, was Dr. Adler in seiner Polemik gegen Kautsky hervorgehoben habe. Der Fehler der Unter- zeichner der Erklärung sei gewesen, daß sie früher gekommen wären als andere Leute, die inzwischen ihre Meinung gewechselt haben. Der„Vorwärts" habe gar keine Ursache gehabt, ihn und die beiden Mitunterzeichner anzugreifen, die schließlich doch lediglich ihre eigene Meinung gesagt hätten, was so lange nicht verboten sei, so lange man sich auf dem Boden des Parteiprogramms bewege. Für die in voriger Woche in Altona zur Annahme gelangte Resolution würde er mitgestimmt haben, wenn er nicht am Erscheinen ver- hindert gewesen loäre, weil diese Resolution ja gerade das Festhalten am Jenaer Beschluß verlange, in welchem Sinne er stets gewirkt habe.— Weil die Angelegenheit den Provinzial- und den allge- meinen Parteitag beschäftigen wird, lehnte die Generalversammlung es ab, in eine Aussprache einzutreten. Wir würden es sehr angebracht finden, wenn Genosse Frohme. um den Altonaer Genossen ein eigenes Urteil zu ermöglichen, jenen Artikel des„Vorwärts" im„Hamburger Echo" publizieren wollte, der unserer Meinung nach beweist, daß die auch von Frohme auf- gestellte Behauptung, der„Vorwärts" habe Revolntionsromantik ver- treten und anders über den Massenstreik geschrieben, als in letzter Zeit, unwahr, falsch ist. Der Artikel steht in der Nummer 196 des„Vorwärts"!_ Delegierteiwersammlung deS schweizerischen Grütlivereins. A a r a u, 25. August. Die Versammlung wurde nachmittags 2 Uhr eröffnet vom Zentralpräsidcnten Rtimann aus Biel. Er wies hin auf die Ge- schichte des Grütlivereins und bemerkte, daß heute in Zeiten wildester Reaktion auf der bürgerlichen Seite und einer bedauerlichen Zer- fabrenheit im Lager der eigenen sozialdemokratischen Partei der Grütliverein mehr denn je sich zur tatkräftigen Aktion aufraffen müsse. Die höchst bedauerlichen Schlappen, die sich die sozialdemo- kratische Partei bei zwei in der letzten Zeit von ihr unternommenen Referendumskampagnen(Nationalbank und Lex Silvestrelli) zu- gezogen, seien der herrschenden politischen Indifferenz zuzuschreiben. Der Verein werde nach wie vor seine Mission zu erfüllen suchen. Die Richtschnur für die Taktik des Vereins bilde »adj wie vor das Programm der schweizerischen sozialdemokratischen Partei. Dann erfolgte die Berichterstattung über die Jahresrechnungen deS Vereins, der Vereinsdruckerei und der Vereinsbuchhandlung. Dieselben wurden genehmigt. Die Grütlibuchhandlung soll eine namhafte Ausgestaltung erfahren und u. a. in diversen Schweizer- städten Niederlagen der Buchhandlung errichtet werden. Der nächste Punkt war die Revision der Zentral- statuten. ZI spricht aus, daß der Verein auf der Grundlage des sozialdemokratischen Programms steht. Ein Antrag von F o r st e r- St. Gallen, in Z 1 möchte beigefügt werden, der Grütli- verein betreibe„sozialistische R e f o r in p o l i t i k", wurde sehr ablehnend aufgenommen. Verschiedene Redner, z. B. die Ge- nossen Fnrholz- Solothurn, Altherr- Bern, Tschachtli-Bern, Enderli- Zürich usw. wandten sich gegen diesen, einer Vcrwässernngspolitik gleichkommenden und eine kleinbürgerliche„Interpretation" der Sozialdemokratie im Auge habenden Antrag. Er wurde denn auch fast einstimmig abgelehnt. Bei§ 5 wurde beschlossen. die Passibmitgliedschaft der Aus- länder beizubehalten. Um i/g? Uhr abends wurden die Verhandlungen abgebrochen. Am Sonntagmorgen werden sie fortgesetzt. Ei» Mord aus Rache. Man schreibt uns aus Baden: Am 18. d. M. ereignete sich in Lörrach vor dem Vereinslokal der organisierten Arbeiterschaft eine Bluttat. Unser Lörracher Partei- genösse Felix Schwarz wurde, als er nach Schluß der Vereins- sitznng das Lokal verließ, von dem Arbeiter Roller mittels eines Taschenmessers in den Leib gestochen und starb an der Verletzung. Dieser Roller, der vor langer Zeit aus der Organisation aus- geschlossen lvorden war, hatte an jenem Abend versucht, sich in die VcreinSversammlnng einzuschleichen, wurde aber vom Vorsitzenden entfernt. Darauf stieß er Drohungen ans, die keiner der Genossen ernst nahm. Roller blieb etiva drei Stunden lang im Hinterhalt und lauerte im Dunkeln auf sein Opfer. Man ist geneigt, an der Zurechnungsfähigkeit des Mörders zu zweifeln. Unser dortiges Parteiorgan, die„Arbeiter-Zcitung", knüpft noch etliche, recht mysteriös klingende Aufforderungen daran: Die Borstandschaft des Vereins habe bereits einen Anttag formuliert, damit eine Säuberung des Vereins erfolge, keine zweifelhaften Elemente mehr auf- genommen und die Sitzungen vor der Hand nicht mehr zur Nacht- zeit abgehalten werden.— Das klingt, als vermuteten unsere Lörrachcr Genossen eine Verschwörung. Genosse Wetzker erläßt im Bochumer„Volksblatt" folgende Erklärung: Der„Vorwärts"(Nr. 165 vom 23. August) enthält in dem Be- richt über eine Parteivcrsammlung im 6. Berliner ReichStagslvahlkreise folgende Stelle: Der Redner rief den Hergang des Konfliktes mit wenigen Worten in die Erinnerung zurück und beantwortete bei dieser Ge« legenheit eine vom Genossen Uckert schriftlich eingereichte Anfrage, welche lautet:„Der Genosse Wetzler hat bei seiner Entlassung aus der Redaktion des„Vorwärts" sein Gehalt bis 1. April 1966 erhalten, hat aber dann schon im Dezember 1965 eine neue Stellung in Bochum angetteten. Ist dem Vorstande bekannt, ob der Genosse Wctzker von dem erhaltenen Gelde etwas zurückgezahlt hat oder ob er doppeltes Gehalt für Parteiarbeit genommen hat." Freythaler beantwortete die Frage dahin: Soviel ihm bekannt, habe Wetzker nichts zurückgezahlt, man habe eS auch nicht von ihm verlangt. Die Parteiinstanzen hätten sich in dieser Angelegen- heit nicht auf den Rcchtsstandpunkt gestellt, sondern dieselbe als eine Frage des sTaktgefühls bettachtet, die jeder seinem Empfinden gemäß zu entscheiden habe. Eine ähnliche Anftage ist schon einmal in einer Berliner Ver- sammlung an die Preßkommission des„Vorwärts" gestellt und darauf dem Anfragcr die Antwort erteilt worden, daß sich die Preßkom- Mission damit beschästigen werde. Ich habe daraus sofort ein Mit- glied deS Parteivorstandes über den wirklichen Sachverhalt aufgeklärt und glaubte annehmen zu dürfen, daß der Preßkommisfion des „Vorwärts" die genügende Aufklärung zuteil geworden sei. Ob die Aufklärung in der Weise geschehen ist, daß sie zu einem öffentlichen Appell an mein Taktgefühl berechtigt, ist mir nicht bekannt geworden. In der abermaligen Behandlung dieser Angelegenheit in öffent- licher Versammlung, in der Art der Beantwortung der Frage durch den in der Redaktion des„Vorwärts" beschäftigten Genossen Freythaler und der Veröffentlichung im„Vorwärts" erblicke ich die Absicht, meinen guten Namen zu verunglimpfen, der bisher, vielleicht zum Schmerze mancher Leute, noch nicht in die kleinste„Affäre" verwickelt war. Nach früherer Erfahrung kann ich nicht erwarten, baß der „Vorwärts" eine Erklärung von mir aufnehmen werde. Ich bin deshalb zu meinem Bedauern im Interesse der Selbstverteidigung gezivungen, das„Volksblatt" in dieser persönlichen Angelegenheit in Anspruch zu nehmen. Ich gehöre glücklicherweise nicht zu den Leuten, für die der„Vorwärts"« Konflikt ein gntes Geschäft bedeutete. Ich habe damit im Gegenteil ein sehr schlechtes Geschäft gemacht. Zunächst eine erhebliche Gehaltsverminderung. Sodann der Umzug meiner achtköpfigen Familie von Berlin nach Bochum. Dazu habe ich nichts weiter als die Hälfte der Kosten dcS Möbelwagens bekommen. Ferner zwangen mich die Umstände, meine Familie bis zum 1. April in Berlin zu lassen, so daß ich während vier Monaten doppelte Wirtschast fübren mußte. Danach kau» mau beurteilen, welches Geschäft ich bei der Sache gemacht habe» Um mein Taktgefühl brauchen die Berliner Tugendwächter nicht besorgt zu sein. Vom formalen Rechte, das ganz auf meiner Seite ist, brauche ich nicht weiter� zu reden. � Heinrich Wetzker. Aus dem Abdruck seiner Erklärung im„Vorwärts" mag der Genosse Wetzker ersehen, daß seine' Meinung, der„Vorwärts" werde eine Erklärung von ihm nicht aufnehmen, unbegründet war Soziales. Der Leutchering! In verschiedenen, besonders landwirtschaftlichen Zeitungen findet man oft Inserate mit der Fettdrucküberschrist„Leuteheringe". Im Inserat wird dann den Landwirten empfohlen, gegen billiges Geld diese sogenannten Leuteheringe für ihr Dienstpersonal zu kaufen. Es gibt oft für eine verhältnismäßig geringe Summe 166 Stück und mehr von dieser berühmten Fischsorte. Was ist denn eigentlich ein Leutehering? Es ist AnSschußwstre. Kleine, magere, unvollkommene Exemplare, die eigentlich sonst zu Viehfutter Verwendung finden und selbst von den ärmsten Leuten kaum gekauft werden. Da aber für diese minderwertige Ware nicht immer guter Absatz ist, so kommt es vor, daß diese Leuteheringe, weil schon zu lange tot, bald wieder zu leben anfangen, natürlich in anderer Form. In den Städten kann man dies Zeug nicht gut unterbringen. weil da die Sanitätspolizei bald zum Eimchreiten gezwungen würde, Aber das flache Land, wo in dieser Beziehung so gut wie gar keine Kontrolle vorhanden ist, bietet für zweiflhafte Nahrungsmittel die besten Absatzgebiete. Freilich ist es eine leider bald unglaubliche, aber wahre Tat- fache, daß ein großer Teil und besonders unseres jüngeren land- wirtschaftlichen Dienstpersonals kein Verständnis für solche Fragen hat und den„berühmten Leuteheringen" und andere Qualitätslvare mit Todesverachtung vertilgt. Der landwirtschaftliche Arbeiter muß im Sommer vom frühesten Morgen bis in die sinkende Nacht hinein schwer arbeiten. Da ist es wohl auch nicht mehr als recht und billig, ihnen vollwertige, ein- wandsfreie Nahrungsmittel zu geben. Der sogenannte Leutehering, wenn er durchaus gegessen werden soll, paßt viel besser für alle die, welche durch süßes Nichtstun die Zeit totschlagen. Dann käme zusammen, was zusammen gehört! Eue Industrie und f>andet Das schlaue Bündlerblatt. Das Bündlerblatt glaubt besonders pfiffig zu sein, indem es schreibt: „lieber die starke Steigerung der Arbeitslöhne in der Eisen- fertigwarenindnsttie finden wir sogar im„Vorwärts" ausführliche »gaben. Danach sind die durchschnittlichen Arbeitslöhne in den letzten 26 Jahren fortgesetzt(abgesehen von einem kleinen Rück- schlag von 1966 zu 1962 um 3 Mark) gestiegen von 822 Mark in den Jahren 1885/86 bis auf 1345 Mark im Jahre 1965, oder um zirka 65 Prozent." Die angegebenen Ziffern sttmmen, aber deren Verwendung durch die„Deutsche Tagesztg." ist doch eine nicht unbewußte Schönfärberei. Wir fanden die obigen Zahlen in einer viel benutzten und auch dem Oertel-Blatt nicht unbekannten Kor- respondenz. Um Irrtümern durch die Zahlenangaben vorzn- beugen, schrieben wir dazu: Bei diesen Lohnangabcn ist aber noch ein wesentlicher Umstand zu berücksichtigen. Die Löhne gelten nur für erwachsene Arbeiter einschließlich der versicherte» Beamten und Unternehmer. Und da die Zahl der Jugendlichen gerade in dieser Industrie relativ sehr groß ist, wird durch Ausschaltung dieser aus der Lohnstatistik natür- lich ein sehr günstiges Bild gewonnen. Auf je 1666 Einwohner entfallen nämlich Jugendliche: 1966 1962 1963 1965 218,6»62,9 269,3 223,3 Weiter gaben wir eine Aufstellung über die Durchschnitts. löhne aller Beschäftigten und bemerkten dazu: „Der Durchschnittslohn für alle Versicherten stieg seit 1966 nur um 77 M., gleich 7 Proz. in 5 Jahren." Die„Tagesztg." hat das natürlich gelesen, sie schreibt sogar: „Den sozialdemokratischen Schürcrn der Unzufriedenheit ist natürlich auch diese doch wirklich ansehnliche Lohnsteigcrung noch viel zu gering." Das stimmt, die Lohnsteigerung ist uns zu gering, weil das, was die Arbeiter erlangt haben, von den Agrariern weg- gefressen wird. Um das zu verschleiern, um für die agrarischen Plundergelüste, die ja nie befriedigt werden, Scheingründe an- führen zu können, müssen die Bündler nach der gekennzeichneten Methode operieren._ Künstliche Kohlcnknappheit. In einem„Intimes aus dem Kohlensyndikat" überschriebenen Artikel bringt das„B. T." Mitteilungen aus der letzten Versammlung deS Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats, die tatsächlich das öffent- liche Interesse beanspruchen. Die gegensätzlichen Interessen der reinen Werke und der Hüttenzcchen platzten aufeinander, dabei kam heraus, daß die Kohlenknnppheit doch nicht ganz natürlichen Ur- sprunges ist. Bergrat Grasmann beantragte Freigabe der vollen Beteiligung für das vierte Quartal. Die Marktlage garantiere die Unterbringung der Gesamtbeteilignngsmcnge. Kirdorf und ganz entschieden Direktor Funck unterstützten den Anttag. Letzterer wies darauf hin, daß nun die Zeit gekommen fei. den Zechen, welche über ihre Beteiligung hinaus fördern könnten, die Mehrmengen dauernd zuzubilligen. Davon wollen die Vertreter der Hüttenzechen nichts wissen und bezweifelten die Gunst der Markt- läge. Fritz Thyssen(Sohn des bekannten Großindustriellen August Thyssen) bemerkte: Es sei ihm bekannt, daß das Kohlensyndikat noch im Monat Mai zu AuZnahmepreisen frei Hafen Ruhrort Kohlen verkauft habe! Bei Bewilligung von Ausnahmepreisen wäre es allerdings nicht schwer, die volle Förderung abzusetzen; eS könne damit aber nicht die volle Freigabe der Beteiligungsziffer begründet werden. Er bc- antragte, daß der Vorstand eine Aufstellung über die getätigten Verkäufe und die dabei erzielten Preise aufmache, damit die Zechen- besitzer beurteilen können, ob der Markt in der Weise aufnahmefähig sei, wie behauptet werde. Der Vorstand erklärte feierlichst, er tteibe nur praktische Preis- Politik. Damit ist natürlich gegen das, was Thyssen hervorheben wollte, nichts gesagt. Seine Behauptung, daß durch billige AuS- landsverkäufe die— günstige Marktlage geschaffen werde, fand Stütze in den folgenden Ausführungen: Gewcrke C. Wahlen, Ge- werkschaft Moni CeniS, wies auf die AuSlandSlieferungen hin. die zu verlustbringenden Preisen hereingeholt werden müßten. Auch sie könnten nicht als normaler Absatz gelten und für die Aufnahme- ähigkeit des Marktes nicht in Betracht gezogen werden. Dieser Behauptung wurde nicht widersprochen, man beschränkte sich bielmehr auf die Erklärung, die AuSlaiidsverkäufe dürften nicht eingestellt werden, um auch für die Zeiten abgeschwächter Nach- rqge auf dem Inlandsmarkt, die ausländischen Kunden zu behalten. Das klingt ja ganz nett, aber als vornehmste Aufgabe dcS Syndi- kats wird doch bezeichnet«Schutz der nationalen Arbeit". Und wie chiitzen die Ueberpatrioten? Um im Inlands höhere Preise heraus- chlagen zu können, wird durch Export eine künstliche Kohlcnknappheit geschaffen! Die Ursache der Kohlenknappheit wird dann benutzt, die Freigabe der vollen Fördermöglichkeit abzulehnen. So sorgt man für Weiterbestand der Knappheit an Brennmaterial für den heimischen Verbrauch und die Gründe für weitere Preissteigerung find gegeben. So werden die Konsumenten systematisch geplündert unter der Devise«Schutz der nationalen Arbeit!" Eine verkaufte Domäne. Unmittelbar an die Stadt Oppeln grenzt die kgl. Domäne Sacrau, die 7ö Hektar grost ist. Dieser sehr wertvolle Besitz ist soeben in Privathände übergegangen. Die «Oppelner Nachrichten" schreiben: „Soeben geht uns die sensationelle Meldung zu, dast die neue Zementfabrik von Richard Friedländer die Domäne kgl. Sacrau angekauft habe. Die landesherrliche Genehmigung hierzu traf bereits ein. Die Firma kann sich kein billigeres Gelände denken als ihr hier der Fiskus abtritt. Das fiskalische Gelände kostet nämlich für den Morgen nur 800 M. gegen etwa 2600, welche für die Erlverbung auS Privatbesitz vorgesehen waren. Die neue Oertlichkeit für die zu errichtende Zcmentfabrik ist geradezu ideal zu nennen in bezug auf den Anschluß an das Bahngeleise.— In den nächsten Tagen bereits findet die Konstituierung der neuen Aktiengesellschaft statt, an der die ersten Männer Schlesiens aus der Geld- und Adels- aristokratie beteiligt sind. Selbstredend werden die 700 bis 800 Morgen des heutigen Domänengrundstückes kgl. Sacrau nicht zu der projektierten Zementfabrik gebraucht. Das unbenutzt bleibende Ackerland dürfte zur Errichtung weiterer Fabrik- ctablisscments Verwendung finden oder aber an die Bauern zur Verpachtung gelangen!" Die„Bodenreform" bemerkt dazu: „Mußte das wirklich fein? Konnte die Verpachtung des Landes in kleinen Losen an Bauern und die Vergebung des nötigen Ge- ländes an industrielle Unternehmungen nicht geschehen, ohne daß die Staatsgemcinschaft den Bodcn für alle Zeiten der Privatspekulation überlieferte?" Die Regierung, deren Sprecher den Kapitalisten zurief:„Meine Herren, wir arbeiten ja nur für Sie!" wird die Frage mit ja be- antworten. Der Staat weiß doch, was er dem Kapital schuldig ist. Wir stellen die Frage: Muß das so bleiben? Und antworten: Nein! Je schneller die Erkenntnis wächst, daß die kapitalistische Ge- sellschaft durch die sozialistische abgelöst werden muß und die Fronder des Kapitals mit aller Energie auf die Umgestaltung hinarbeiten, desto eher wird mit der Ausbeutung aufgeräumt. Mit elegischen Stoßseufzer» und Moralisiererei wird nichts geändert. fiMir den Julialt der Inserate »beruniimt die Nedattiou dem Publikum geacuübcr keinerlei Berniitwortung. �CKearer. Dienstag, den 28. Sluguft. Anfang 71/. Uhr. Opernhaus. Mignon. Schauspielhaus. Götz von Ber- lichingen mit der eisernen Hand. (Ansang 7 Uhr.) Neues Operntheater. DasHeimchen am Herd. Deutsches. Erdgeist. Ansang 8 Uhr. Lessiug. Und Pippa tanzt. Berliner. Sherlock Holmes. Schiller<».(Wallner. Theater.) Der Postillion von Longjnmeau. Schiller lV.(Friedrich Aiilhelm- silidlischcZ-Theatcr). Weh' dem, der lügt. Komische Oper. Hossmanns Er- zählungen. Weste». Die lustige Witwe. lliesideuz. Die Höhle des Löwen. Zentral. Der Rastelbinder. Triano». Die Notbrücke. iinstspiclhans. Spatzenliebe. Kleines. Kinder der Sonne, j eearl Weih. Adele. Deutsch- Zlmerikanisches. Im wilden Westen. Mctropol. Alls in? Mctropol. Slpollo. Berlin im Omnibus. Das blaue Bild. Spezialitäten. Thalia. Wenn die Bombe platzt. Lntsen. Noscnmüller und Finke. Wintergarten. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Ni e i che ball en. Stettiner Sänger. Carl Haberland. Spezialitäten. Ilranin. Tniibcnstrahe 48/41). Abends 8 Uhr: Der jüngste Aus- bruch des Vesuvs. Sternwarte, Juvalidenstr. 57/62. Fei'dinand lionns Berliner Theater. Heute und folgende Tage: Hberlock Holmes. _ Ansang 8 Uhr. Neues Theater. Erösfnungs-Vorstellung Freitag, den 31. August,'Ans. 8 Uhr: Zum erstenmal- Zxansrell. llei bllsplicliö Edelmann von Moliöre. Deutsch von Fulda. Sonnabend, Sonntag, Montag: Dieselbe Vorstellung. meines Thealer. Ansang 8 Uhr. Kinder der Sonne. Mittwoch: Rilnenslege.— Hille Bodde. Die Scblangcndame. Donnerstag: Ein idealer Gatte. Neues kgl. Operntlieater (Kroll). Anfang 71/, Uhr. Zum letztenmal; Das Heimchen am Herd. Mittwoch Gaspiel Sign. Prevosti: Der Barbier von Sevilla. Hierauf: Die schöne Galathe. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wortheim und Invalidendank. Komische Oper. Heute abend 8 Uhr: Mittwoch: Figaros Hochzeit. Donnerstag: Holftnanns Erzählungen. Freitag: Die Bohöme._ Zentral-Theater. (Operette). 8 Uhr: Mritaim. TA!" Luisen-Theater Neichen bergerstr. 34. Zum erstenmal:| Rosenmüllers Finke. Mittwoch: Die Ahnsrau. Doiliicrstag: Rosenmüllers Finke. Freitag z. erstenmal: Romeo u. Julia. Sonnabend: Die Hochzeit von Valens. Sonntag nachm.: Rosenmüllers Finke. Abends: Rosenmüllers Finke. Montag: Rosemiiüllers Finke. VoIksgaHen-Tiiealer. Badstr. 8(Behm- u. Bellermannstr.) Konzert Tbeater u. Spezialitäten. Das neue Zlllgust-Programm! Monte Christo, The Barret. Henry Sago, Verona de Fonseca, Verwand- lungZ-Schauspielelin. Hierzu: „3luf fremder Erde". Großes Ausstattungsstück mit Gesang. Urania. Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. Täglich ob»achmiitags 5 Uhr: Großes I Eintritt 1 M.. v. 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälstc- Uusisezisiksus. Täglich 8 Uhr: Spatzenliebe. Deutscli-Amerikanisches THKATEH, Köpenickerslr. 67-68. Jeden abend 8 Uhr: Gastspiel Adolf Philipp Zin Milien Sonntag nachm. 3 Uhr halb Preise:„Uobcrn groBon Teich." Rejidkiiz-Thelittt. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage Ans. 8 Uhr: Die Höhle des Löitien. Schwank in 3 Alien v. M. Hennequin und P. Bilbaud. Gaston Ehalindrey: Rich. Alexander. Melropol-Theater Henry Bender. J" Fritz M ülll- ll'S Josef Giampletro. Massary. Grt/Be Jahresrevue mit Gesang n Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaouder. AnTang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. 0- fH 1« Uhr: Xovität: io ugr! Zerlin im Omnibus. Im zweiten Bilde: Der Omnibus- Trick. Vorher: Letzte Woche! Die erstklassige» Spezialitäten. f < ( ( ( ( i < i ( ( ( ( ! internation. Couplet-Sängerin. ( Auf der diesjährigen Schönheits- , Konkurrenz in Karlsbad mit dem < ersten Preise gekrönt l < (f. Anfang; 8 Uhr. Feodorowna. Kyssima H erstklassige Hunitnera! üTZmPTTF« SS Variefe-Theater Weinbergsweg 19/20 am Rosenthaler Tor. Eröffnung lUepieder. interna ionale Spezialitäten. Vorverkauf ab Dienstag a. d. Theatorkasso von 10-2 Uhr im Invalidendank u. i. den Wert- heimsohen Warenhäusern. fistbaha-yarh j Am KDstrinerplatz, RQdersdorferstr.l? Hermann Imbs. TUglich: Kr. Konzert, Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Hchlller-Theater. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh.TH.) Dienstag, abend? 8 Uhr: Wcli' dem der lügt. Lnstspiel in 5 Ausz. v. F. Grillparzer. Mittwoch, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Hnscmann» Töchter. D o n» e r S t a g. a u e n d s 8 U h r: Weh' dem der lüg;t. Im Garlen lägl. gr. Militär-Konzorl. « I Schiller-Thealer 0. lWollner-Theater). Mvrwitz-Oper. Dienstag, abends 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötet: Der Postillion von Lonjumeau. Komische Oper in 3 Akt. V. Adolf Adam. Mittwoch, abends 8 Hb v: bei halben Preisen: Der fFreisohiitz. D o ii» c r s t a g, a b c» d s 8 U h r: Abschied Heinrich Böteis: Der Tronfoadonr. iÄSiSLKr Max Kliems Sommer-Theater. Hasenheide 13—15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich i Gr. 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Uhr Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee 148. Clown Dolly ist da! Taglienis Ballett-Ensemble. The Regahs musikalischer Akt. Das Bild des Vaters. Volksstück in 2 Akten. Ans. 41/- Uhr. Tanz. Entree 30 Ps. Am KönigSior— Am Friedrichzhain. Täglich: Ikeater-Vorstellunx, LpeiislitAten u. Kuli. Berlin arm und reich. Vollsstück mit Gesang in 2 Akten. Der mysteriöse Wunder-Globus. (Das Rälsel aller Rätsel.) Der Antipode aus lebender Brücke. Hie 5 Jaksons, Akrobaten. Clothilde n. Ucrtram. Trio Schlnrafll«. Wochentags: Damentanz frei. Ansang 5 Uhr.— Entree 30 Ps. r Prater-Theater Kastanien-Allee 7/9. Zwischen tzimmelti. Erde! Milardo, Humorist. Borussia-Sextett. Sands Spartakt. »Der grüne Teufel« große Pantomime. Konzert. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Ps. j Numerierter Platz 50 Ps. Llnienstr. 132, Ecke FriedrichstraBe. Dir. Felix Berg. Premiere Borverkauf bei Wcrthclm und an der Theaterkasse. Gustav Behrens Theater, Berlin O., Frankfurter Allee 85. 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Vortrag des Genossen Maspfuhl: Der moderne Staat und die Arbeiterklasse._ Berliner JMacbrichtem kv'e städtischen Volköbibliothcken und Lesehalle» befinden sich jetzt im Stadium ruhiger Weiterentwickelung. Der äußere Erfolg, der sich in den Benutzungsziffern aus drückt, ist heute naturgemäß nicht mehr so im Wachsen, wie damals in den ersten Jahren nach Beginn jener Reformen, durch die die städtischen Volksbibliothekeil aus ihrer jahrzehnte- langen Stagnation herausgeführt wurden. Im Etatsjahr 1905, über das jetzt das Bivliothckskuratorium seinen Bericht er stattet, � wurden von den 28 Volksbibliotheken 1 3-14 079 Bände ausgeliehen. Das sind nur 34 240 Bände mehr als im Jahre 1904', aber 881 331 Bände mehr als im Jahre 1895(wo übrigens erst 27 Volksbibliotheken bestanden). In den letzten zehn Jahren hat die Zahl der ausgeliehenen Bände sich nahezu verdreifacht; in 1895 waren nur 462 748 Bände ausgeliehen worden. Allerdings hat seitdem auch die Zahl der vorhandenen Bände sich stark vermehrt, aber vor- läufig ist hier noch nicht mal eine Verdoppelung erreicht worden. Ende März 1896 waren 95 763 Bände vor- Händen gewesen, Ende März 1906 waren 167787 Bände vorhanden. In Bibliotheken gibt eben nicht die Quantität, sondern die Qualität den Ausschlag. Die städtischen Volksbibliotheken haben die Steigerung ihrer Venutzungsziffer großenteils dadurch herbeigeführt, daß sie sich mit einem ganz anderen, besseren Lese Material als früher ausrüsteten. In manchen der Abteilungen wissen schaftlicher Lektüre(Geschichte, Geographie, Naturwissenschaften, Technik und Gewerbe, jlunstgeschichte, Staats- und Rechtswissen- schaff usw. usw.) ist die Zahl der ausgeliehenen Bände nicht bloß auf das Dreifache, sondern auf das Vierfache. Fünffache, ja Sechsfache gestiegen, während in den Abteilungen der vorwiegend unterhaltenden Lektüre die Benutzung weniger stark zu genommen hat. Im übrigen aber ist auch das den Volks bibliotheken sehr zugute gekommen, daß die Benutzungs- Möglichkeit immer mehr erleichtert worden ist. Bibliotheken, die jetzt täglich geöffnet sind, zeigen meist eine Erhöhung der Ausleiheziffer auf das Fünffache, Zehnfache, ja nahezu Fünfzehnfache der Ziffer von 1895, während bei der Mehrzahl derjenigen Bibliotheken, die noch nach altem schlechtem Brauch in jeder Woche nur dreimal auf ein paar Stunden ihre Pforten öffnen, die Zunahme nicht groß ist.— Ueber die Lesehallen, deren Zahl schon seit mehreren Jahren auf elf stehen geblieben ist, läßt sich diesmal nicht viel Neues berichten. Die Gesamtziffer des Besuches ist auch hier immer noch im Steigen. Im letzten Jahre stellte sie sich auf 141 446, das sind noch 9579 Besucher mehr als im vorletzten. Einzelne Lesehallen haben freilich eine kleine Abnahme zu verzeichnen gehabt, in anderen aber war die Zunahme desto größer. Die größte Zunahme gegenüber dem Vorjahre— von 29 738 Be fuchern auf 39 424— entfällt auf die erste Lesehalle(Mohren Straße), die von ihrer Verlegung in b e s s e r e R ä u m e erst etzt recht profitiert._ In den WaldcrholuiigSstättcn vom Roten Kreuz wächst in den Reihen der dort untergebrachten Patienten die Unzufriedenheit und Mißstimmung. Die bisherige Bereitwilligkeit vieler Insassen dieser Erholungsstätten, um des lieben Friedens willen manchen Uebelstand schweigend zu ertragen und lieber mal fünf gerade sein zu lassen, scheint im Schwinden zu sein. Ueber die Zustände, die in der Erholungsstätte„Jungfernheide" herrschen und zu einem Protest dortiger Patienten geführt haben, be- richteten wir in voriger Woche. Unsere Schilderung hat anderswo sofort ein Echo geweckt. AuS der Erholungsstätte»Eich- k a m p" sind Zuschriften an unS gelangt, die uns darauf aufmerksam machen, daß hier die Zustände in manchem sehr denen der Erholungsstätte„Jungfernheide' ähneln und gleichfalls schon seit langem den Kranken Verdruß bereiten. Nun können wir den Insassen von„Eichkamp" die Versicherung geben. daß hier die Einrichtungen bei weitem nicht so dürstig sind wie in „Jungfernheide". Aber unzulänglich und mangelhaft ist auch in„Eichkamp" leider noch vieles. Wenn hier zum Beispiel für 200 Patienten nur sechs Waschbecken mit sechs Handtücherir bereit gehalten werden, wenn hier eine offene Halle von nur etwa 200 Quadratmeter Flächenraum zur Verfügung steht, unter der diese 2C0 Patienten manchmal ganze Regentage hindurch in qualvoller Enge zubringen müssen, so wird das vielleicht bei den Insassen von „Jungfernheide", denen trotz gleid) hoher BelegungSziffer noch nicht mal soviel gewährt wird, noch Neid erregen. Indes. Staat machen kann das Rote Kreuz auch mit„Eichkamp", der so oft als„mufter- Haft" gepriesenen Erholungsstätte, wahrhastig n i ch t I Wir wollen es uns versagen, heute noch einmal auf diese Mängel näher einzugehen. Auch einige andere Beschwerden, wie z. B. die Klage über den am Zaune der Erholungstätte.Eichkamp" vorüberführenden Reitweg, der den lungenleidenden Patienten manche Staubwolke sendet, sollen unerörtert bleiben-— desgleichen auch die von Patienten aufgeworfene Frage, ob und eventuell wie die Woll- decken gereinigt werden, die den Kranken zur Verfügung gestellt werden und im Laufe eines Sommers durch viele Hände gehen. Mehr noch als diese Dinge sind Jnsaffen von„Eichkamp" in jüngster Zeit durch einen ganz besonderen Umstand veranlaßt worden, die Hülfe des„Vorwärts" anzurufen und uns um eine öffentliche Besprechung zu bitten. In„Jungfernheide" war das Maß zun» Ueberlaufen gekommen, als von Patienten im Mittagessen Maden gefunden wurden. In„Eichkamp" ist den Patenten die Geduld gerissen, weil der Vorstand vom Roten Kreuz sie i n i h r e r Bewegungsfreiheit beschränken will. Vor einigen Tagen sind sie plötzlich durch folgende Bekanntmachung überrascht worden:„DaS Verlassen der Anstalt ist nur gestattet zwischen 11 bis 12 Uhr vormittags und nachmittags 4 bis 5 Uhr. ES sind den Patienten für diese Zeit zu SpaziergäiPen die Jagen 79, 80, 81, Kl. 62, 63 erlaubt. Zuividerhandclnde konneu sofort aus der Anstalt entlassen werden. Der Vorstand." Bisher hatten die Patienten sich zu beliebiger Zeit und beliebig weit entfernen dürfen. Die sechs Jagen, auf die sie jetzt beschränkt werden sollen, bilden zusammen ein Rechteck, das man der Länge und Breite nach in 20 und 16 Minuten abschreiten kann. Sie um- schließen ein Gebiet, das inst zu den reizlosesten Partien des Grunewaldes gehört. Schon deshalb bereitete die Verfügung den Patienten schweren Verdruß. Im übrigen sahen sie in ihr eine Beschränkung ihrer Bewegungsfreiheit, die wie eine Schikane wirken mußte. Man fragte die Schwester»ach den Gründen dieser Maß regcl, die in der Tat nicht geeignet ist, den Patienten den Alls- enthalt da draußen behaglich zu machen und so den Heilerfolg zu fördern. Die Antwort der Schwester rief eine starke Erregung hervor, die auch den Gleichgültigsten aufrüttelte. Es sollen Be schwerden eingelaufen sein, daß Insassen der Erholungsstätte andere Besucher des Grunewalds belästigt hätten I WaS für Besucher mögen das gewesen sein. die sich, b e l ä st i g t" gefühlt und sich beklagt haben? Und von wem ist die Maß- regcl, die hiernach schon mehr als Maßregelung anzusehen wäre, über die Erholungsstätte verhängt worden? Prof. Kutner, (Mitglied des Vorstandes vom Roten Kreuz, hat in einer Unter- redung mit zwei Patienten erklärt, vom Roten Kreuz sei das Verbot nicht ausgegangen. Die Patienten zerbrechen sich jetzt darüber den Kopf, wem ivohl da draußen im Grunewald die Arbeiter im Wege sein können. Einstweilen hat eine große Zahl Patienten beschlossen, das Verbot unbeachtet zu lassen. Noch än demselben Tage wurde der erste Versuch gemacht: gleich nach dem Mittagsmahl zogen etwa 70 Personen gemeinsam in den Wald hinaus. Sie wollen nun ab- ivarten, ob man sie allesamt entlassen wird. Neue Straßennamen. Der Platz Nr. 1 an der Behmstraße auf dem Gesundbrunnen hat den Namen„Falkplatz" erhalten. Der die Köpenickerstraße und Mühlenstraße verbindende Straßenzug hat den Namen„Brommystraße" und die Brücke im Zuge dieser Straße den Namen„Brommybrücke" bekommen. Ferner erhielten die Straße 30 in Moabit den Namen„Solingerstraße", die Sttaße 20z. an der Jungfernheide den Namen„Afrikanische Straße", die Sttaße 14 daselbst:„Lütticherstraße", die Straße 16 an der See- stratze den Namen:„Antwerpenerstraße", die folgende Nr. 17 den Namen:„Genterstraße", die Sttaße 19a an der Müllerstraße den Namen:„Brüsselerstraße", die Sttaße 60d an der Schulstraße den Namen:„Martin Opitzstraße", die Sttaße 64a an der Reinickendorferstraße den Namen„Gottschedstraße", die Straße 636 an der Badstraße den Namen:„Bastianstratze", die Straße IIa an der Bornholmerstraße den Namen:„Czarnikauerstraße" und der südliche Teil der Malmöer- sttaße den Namen:„Ustaderstraße". Ein gewaltiger Sturm brauste in der Nacht zum Sonntag über Berlin und die Nachbar- orte hinweg und hat an zahlreichen Stellen arge Verwüstungen an- gerichtet und erhebliche Schäden verursacht. Von besonders ver- beerender Wirkung war ein orkanartiger Windstoß, der kurz nach Mitternacht dahinfegte. Im Inneren der Stadt wurden viele Hunderte von Fensterscheiben, darunter auch mächtige Spiegel- scheiben, zerttümmert. Von den Dächern wurden Ziegel auf die Straßen geschleudert und die Passanten dadurch in große Gefahr gebracht. In den Parkanlagen verursachte der Sturm stellenweise erheblichen Windbruch. Die Fußwege waren in einzelnen Teilen durch abgebrochene Aeste fast übersät. Auch im Telegraphenbetriebe hat sich das Unwetter unangenehm bemerkbar gemacht. Besonders wurden Leitungen in den Vororten zerstört und so mußte beispielsweise der Fern- sprechbetrieb im Tempelhofer Amte streckenweise eingestellt werden. In den Forsten der Umgebung hat der Orkan ebenfalls arg gehaust. Au freiliegenden Stellen wurden zahlreiche Fichten zum Teil auch Baumriesen entwurzelt oder geknickt. DaS prächtige Obst wurde durch denDSturm von den Besten heruntergepeitscht. Auf den Ge- wässern wurden durch den Orkan, der noch am Sonntag heftig tobte, wieder eine Reihe von BootSunfällen Herborgerufen. So kenterte auf dem Müggelsee unweit Rahnsdorf und auf der Havel in der Nähe von Pichelsdorf ein Nuder- und ein Segelboot, doch gelang es glücklicherweise, die verunglückten Insassin den Wellen zu entreißen._ Eröffnung des neue» Fernsprechamtes 7. Die Eröffnung des neuen Fernsprechamtes 7 in der Blankenfelderstraße findet am Dienstag, den 4. September, statt. Das neue Amt tritt an Stelle der bisherigen Aemter 7 und 7». Es wird das dritte Fernsprechamt sein, das nach dem Berliner System ohne Kurbel und Batterie bei dem Teilnehmer eingerichtet wird, nachdem die Aemter Charlotten- bürg und Amt 6 vorausgegangen sind. Das Amt wird dann von seinen Teilnehmern nur durch Abnehmen des Hörers gerufen. Einer Kurbeldrehung bedarf es nicht mehr. Das andere Amt und der An- fchluß wird vonr künstigen Amt 7 gerufen. Aus bettiebs- technischen Gründen läßt es sich bei diesem Amte nicht ver- meiden, daß eine beschränkte Zahl von Teilnehmern mit der Eröffnung de? Amtes andere Anfchlußnummern erhält. Bei diesen Anschlüssen sind in der jetzigen Ausgabe des Teilnehmerverzeichnisses zwei Nummern übereinander angegeben, die durch einen Strich getrennt sind. Vom 4. September an gilt die untenstehende Nummer. Der Zahl der Anschlüsse nach wird das neue Amt 7 das fünfte der Aemter von Berlin selbst sein. Es wird mit etwas über 11000 Anschlüssen eröffnet werden. Nach der letzten(auch von uns noch nicht veröffentlichten) Aufnahme vom 1. August d. I. zählt das jetzige vereinigte Amt 6 als größtes 18 290 Anschlüsse; eS folgt Amt 4 mit 14 274, dann Amt 1 mit 14 163 und Amt 3 mit 11 968 Anschlüssen, stets Haupt- und Neben- anschlösse zusammengerechnet. DaS jetzige Amt 7 hat 8163, 7» 2949 Anschlüsse nach dem Stande vom 1. August, was zusammen 11 107 ergibt. Die beiden Aemter haben zusammen 7071 Haupt- und 4036 Nebenanschlüsse. Ein Denkmal der Stadt Berlin zur Erinnerung an die Schlacht von Großbceren wurde am Sonntag unter den üblichen Formalitäten eingelveiht. BerkehrSbeschränkunge». AuS Anlaß der am 30. d. M. mittags 12 Uhr in, Zeughause stattfindenden Fahnennagelung und Weihe und deS Salutschießens im Lustgarten werden etwa von 10>/<, Uhr vormittags ab bis nach Beendigung der Feier— gegen 2 Uhr— der Lustgarten, die Schloßfreiheit, die Kaiser Wilhelm- und Schloßbrücke sowie die Plätze am Opern- und Zcughause für Fuhrwerke, Reiter und Fußgänger nach Bedarf gesperrt werden. Die Thaersttaße an der Frankfurter Allee bis zum Baltenplatz wird behufs Umpflasterung vom 5. n. R. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Nester gesperrt. R-wdieS. Ein Roheitsakt wurde Sonntag abend bon Berliner Auto- mobilisten in Franzöfisch-Buchholz verübt. Vor dem Globigschen Lokale wollte der 24 Jahre alte Arbeiter Heinrich Kägeler aus Berlin sein Fahrrad besteigen. Der Aufstieg ging aber nicht glücklich von statten, so daß der Fahrer zu Boden stürzte. In diefem Augenblick kam ein Auto aus Berlin in schnellster Fahrt da- her. Bekannte deS gestürzten Radfahrers liefen dem Automobil entgegen und riefen dem Führer zu:„Halt! Dort liegt jemand auf dem Damm!" Der Chauffeur aber stieß die viehisch rohe Devise aus:„WaS liegt wird überfahren!" und fuhr mit unverminderter Geschwindigkeit über den Unglück- lichcn Radfahrer hinweg, denselben etwa 20 Meter weit mit sich schleifend. Der Automobilist suchte nun mit den Insassen des Wagens zu entkommen, doch einem zweiten Radfahrer gelang es, den Kraftwagen bei einer Straßenbiegung vor Schönerlinve einzu- holen. Jetzt' verdeckten die rohen Patrone die Nummer ihres Wagens und bedrohten den Radfahrer. Dieser konnte sie dauernd nicht ver- folgen, glaubt jedoch gesehen zu haben, daß der Wagen die Nummer 8037 trug. Dem übcrfahrenen Arbeiter Kägeler gab der Arzt Dr. Graebe die erste Hülfe. Er hat sehr schwere äußere und innere Verletzungen davongetragen so daß Lebensgefahr vorhanden ist. DaS linke Ohr ist ihm glatt vom Kopfe gerissen. K. wurde schließlich dem Augufte Viktoria-Krankenhause in Wcißensee zu» geführt._ Ei» durch ein Automobil hervorgerufener Unfall ereignete sich am Sountagmittag Unter den Linden. Mittags um(y Uhr fuhr ein von einem Oberleutnant in Zivil gesteuertes" Automobil, in welchem sich noch zwei Personen befanden, auf der Lindenseits von der Schadowstraße kommend, beim Einbiegen nach der Wilhelm- straße den Unter den Linden und Wilhelinstraße Posten stehenden Schutzmann mit derartiger Gewalt an, daß derselbe 1 Meter hoch in die Luft geschleudert wurde. Der Schutzmann zog sich Ver- letznngen im Gesicht zu. Seine Uniform wurde zerrissen und er mußte von einem Kollegen in einer Droschke fortgebracht werden. ES war zurzeit absolut kein hindernder Verkehr; der Schutzmann stand ruhig auf seinem Posten in der Mitte der breiten Straße. Todcssturz aus dem Fenster. Auf furchtbare Weife hat sich gestern die 16 jährige Z. in der Mehnerstr. 9 das Leben genommen. Das junge Mädchen hatte nachmittags mit seinem in demselben Hause wohnenden Arbeitgeber angeblich Streit gehabt und war dann in großer Erregung nach seinem in der vierten Etage belegenen Zimmer hinaufgeeilt. Bald darauf wurde die Nachbarschaft durch einen erschütternden Schrei aufgeschreckt und im nächsten Augenblick stürzte die Unglückliche auf den Hof hinab und blieb mit zer- schmetterten Gliedern liegen. Der Tod trat auf der Stelle ein. Die Leiche des jungen Mädchens, das in der Nachbarschaft allgemein beliebt war, wurde polizeilich beschlagnahmt. Eine Fahrt auf Leben und Tab hatte gestern die Familie des hiesigen Fabrikbesitzers Hein zu bestehen. H. hatte mit Frau und Kindern in seinem Fuhrwerk eine Ausfahrt nach Köpenick unter- nommen. Auf der Köpenicker Chaussee zwischen Nieder-Schöneweide und Spindlersfelde wurden die Pferde durch das Tuten eines vorübersausenden Automobils plötzlich scheu und gingen durch. In wilder Karriere rasten die Tiere die Chaussee entlang und das leichte Gefährt wurde fortwährend hin- und hergeschleudert und drohte jeden Augenblick an einem Baum zu zerschellen. Der Wagen wurde schließlich init solcher Gewalt gegen einen Prellstein geschleudert, daß er vollständig in Trümmer ging. Die Insassen und der Kutscher wurden auf die Chaussee geworfen. Der letztere mußte schwer- verletzt und in bewußtlosem Zustande in das KreiSkrankcnhaus eingeliefert werden. H. hatte ebenso wie seine Angehörigen bei dem Sturze äußere Verletzungen erlitten. Beim Aufspringen anf einen fahrenden Sttaßenbahnwagcn schwer verletzt wurde Sonntag abend gegen 9 Uhr der Kaufmann Czcrbitzkh aus der Elbingerstt. 77. C. versuchte am Wilhclmsplatz in Char- lottenburg den Vorderperron des Anhängewagens eines in der Fahrt befindlichen Sttaßenbahnzuges der Linie R zu besteigen, glitt von dem Trittbrett ab und kam neben dem Wagen zu liegen. Der Kauf- mann erlitt eine starke Quetschung aller Zehen des linken Fußes, einen Knöchelbruch, sowie allem Anscheine nach Bruch des linken Handgelenkes. Der Verunglückte wurde mittels Droschke nach dem Krankenhause Westend übergeführt. Der Freund der Klassiker. In der vorletzten Nacht verübte der. 22jährige Schreiber Reinhold Schulz in einem Warenhause, Ecke! Pückler- und Wrangelstraße, einen Einbruch. Schulz hatte erst am Sonnabend nach Verbüßung einer zweijährigen Strafe das Gefängnis verlassen. Der Portier des Hauses hörte früh 6 Uhr ein Geräusch im Keller und holte einen Schutzmann. Im Keller fanden sie dann einen jungen Mann, der verschiedene Pakete bei sich hatte. Bei der Auswahl seiner Beute hatte er große Sachkenntnis bewiesen. Zu- erst erbrach er die Registrierkasse und eignete sich 60 M. Wechsel- geld an. Dann vertauschte er feine Stiefel mit dem besten Paar, das er borfand. Die feinsten Taschenmesser, die das Geschäft aufwies, ein Paket Schokolade, Honigkuchen, Seife und anderes packte er sorgfältig zusammen. Dann unterzog er die Werke der klassischen Dichter einer eingehenden Prüfung und wählte für sich je zwei Bände von Schiller und Goethe sowie Heines Buch der Lieder aus. Da es mittlerweile hell geworden war, nahm er nicht den Weg durchs Fenster, den er gekommen war, sondern erbrach die l Kellertür, un, sich einstweilen versteckt zu halten. Als er nach seiner' Festnahme gefragt wurde, warum er gerade diese klassischen Werke mitgenommen habe, erklärte er, die übrigen Bände der Dichter kenne. er schon genügend. Vermißt und zu«kogiwSziere». Der Arbeiter Johannes Kottke,.> 20 Jahre alt, hat sich am 14. Juli 1906 aus seiner Wohnung. MarkuSstr. 63, entfernt und ist nicht wieder zurückgekehrt. Die Gründe seines VerfchwindenS sind nicht bekannt. Der Vermißte ist 1,70 Meter groß, hat dunkelblondes krauses Haar, blaue Augen, hohe Stirn, gute Zähne, Anflug von Schnurrbart, längliches ge« bräuntes Gesicht, kräftige Gestalt und war bekleidet mit Strohhut, j dunkelbraunem Gehrock, schwarz- und weiß-karierter Weste, hohen Schnürstiefeln und schwarz- und rot-karierten Strümpfen. Zweck» dienliche Angaben zur Sache werden in jedem Polizeirevier oder im Polizeipräsidium, Zimmer 324, zu J.-Nr. 6643 IV/21. 08 entgegengenommen. Vermißt wird seit dem 13. d. M. der Putzer Julius Wolter. 46 Jahre alt. Bekleidet war derselbe mit grauer Hose, dunkelgrauer Sommerjoppe, hohen Schnallenstiefeln und modsarbigem Strohhut mit braunem Bande. Wer über den Verbleib desselben Auskuttßi geben kann, wird gebeten, dieselbe an Frau Wolter, Berlin N., Tegelerstr. 31 IV, gelangen zu lassen. Am 21. August d. I. tvurde aus dem Ladekanal des Urbanhafens die Leiche eines unbekannten, anscheinend dem Arbciterstande angeh örigen Mannes gelandet, welcher etwa 36—40 Jahre alt ge- Wesen ist. Er war von kräftiger Gestalt, 1,72 Meter groß,. hatte schwarzes volles Haar, fchivarzen Schnurrbart, kleine Nase, rundes volles Gesicht, trug braunes Jackett, schwarze Hose, karierte Weste, graues Hemd, ein Paar schwarze Strümpfe und schwarze Schnallenschuhe. Selbstmord ist mit Sicherheit anzunehmen; die Leiche befindet sich im Schauhause, an dessen Verwaltung sich Nekognoszenten wenden mögen. J.-Nr. 6333 IV/41. 06. Schwere Brandwunden haben sich Sonntag abend zwei Personen in dem Weinrestaurant„Traube" m der Leipzigerstraße zugezogen. " n der Küche wollte der 23jährige Hausdiener Paul A. einen großen essel, der mit kochendem Wasser gefüllt war, vom Herd herunter- heben, rutschte jedoch dabei aus und die siedende Flüssigkeit ergoß ich über seinen Unterkörper hinweg. Auch der 20jährige Koch Georg Müller, Französischestr. 17 wohnhaft, der dicht dabeistand, wurde an den Unterschenkeln und am rechten Arm stark verbrüht. Die beiden jungen Leute wurden nach der Unfallstation in der Kronensttaße ge» bracht und erhielten dort die ersten Notverbände. Radrennen zu Treptow. S ch u l z e- Zehlendorf Sieger vor Demke und den: Weltmeister Darragon, das war das Ergebnis des „Großen Preises von Treptow", einen, Daucrrennen über 60 Kilometer. Trotz der guten Besetzung mit zwei erstklassigen Fahrern war der Verlauf des Rennens keineswegs spannend und Schulze errang einen mühelosen Sieg. Demke, der zu Beginn die Führung hatte, konnte schon bis zum 10. Kilometer den, Franzosen zwei Runden und Schulze eine Runde nehmen. Während Darragon so allmählich ins Hintertreffen kam und für die Folge gar keine Rolle mehr spielte, holte Schulze sichtlich auf und war beim 20. Kilo- meter nur noch 90 Meter hinter Demke. Dies« wechselt seine Führung und hierdurch gewinnt Schulze immer mehr Äorsprung. bis es ihm in der 71. Runde gelingt, an Demke vorbei- zugchen. Damit ist der Höhepunkt des Rennens erreicht und der Rest verläuft ohne spannende Momente. In ruhiger Fahrweise beendet Schulze das Rennen in 42 Minuten 29V& Sek., Demke folgt mit 1030 Meter und Darragou mit SOSO. Meter Abstand als Zweiter nnd Dritter. Reicher Beifall lohnt den jugendlichen Sieger.— Kaum war das Rennen zu Ende gefahren, als ein heftiger Regen einsetzte und zu längerer Pause zwang. Nachdem die Bahn etwas abgetrocknet war, konnten die Flieger- rennen beendet werben und ivaren die gebotenen Leistungen sehr ute. Durchweg gab es spannende Endkämpfe. Das Haupt- a h r e n für Klasse I und II gewann Rabe nach scharfem Kampf gegen Genz und Stabe.— Im P r ä in i e n f a h r e n der Klasse III siegte Paloke gegen Commans, Baumann und Krüger, die weit zurückblieben.— Das Tandemrennen wurde eine Beute für Äabe-Kelbel, hart bedrängt von Hanscn-Vogt nnd Stabe- Rüdiger.— Aufregend war der Verlauf des Motorrennens über 10 Kilometer, daS G e p p e r t in 7 Minuten 43Vs Sekunden vor Eckardt, 90 Meter, und Wiewerall, 314 Meter, gewann. Unter Wechseluder Führung der drei Teilnehmer, oft Rad an Rad liegend, behielt Geppert die Spitze und Überrundetete Wiewerall im letzten Augenblick.— Sämtliche Rennen verliefen ohne jeden Unfall. Der Besuch war trotz des zweifelhaften Wetters ein sehr guter. Orgelkonzert. Mittwoch, den 29. August, abends 7'/z Uhr, beranstaltet der kgl. Musikdirekior Beruh. Jrrgang in der St. Marien- Kirche das nächste Orgelkonzert unter Mitwirkung von Frau Charlotte Kimpel fSopran), Frl. Julia Michaels sAlt), Herrn H. Wcistenborn(Baritons und Herrn Willy Grabert(Violine). Orgelkompositionen von Bach, Neuhoff(Phantasiesonate) und Dayas. Der Eintritt ist frei. Feucrwehrbcricht. In der letzten Nacht kam gegen 12 Uhr am Grünen Weg 83 in einer Wohnung Feuer aus, wobei mehrere Per- sonen Brandwunden erlitten, die von Samaritern der Wehr ver- bundcn wurden. In der Prinzenstr. 47 brannte gestern eine Schneiderwerkstatt und in der Fruchtstr. 71 eine Markise usw. Zwei Schornstenrbrände wurden aus der Pankstr. 51 und vom Mühlendamm 3 an der Schleuse gemeldet. Prestkohlenbrände beschäftigten die Wehr in der Weimncisterstr. 6, Königgrätzerstraste und anderen Stellen. Ein Wohnungsbrand mutzte Kcithstr. 4 gelöscht werden. Grober Unfug lag einer Feuermelduug zugrunde, die die Wehr nachts um 2 Uhr nach dem ArnSwalderplatz, nahe Weitzensee alarmierte. Vorort- JVaebnehten. Nixdorf. Arbeiter, Parteigenossen von Pixdorf! Die Wählerlisten für die im Herbst stattfindenden Stadt- berordnetenwahlen liegen nur noch bis zum 30. Angnst aus und zwar in dem Geschäftsgebäude Jsarstr. 5/6 III in der Zeit von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags. Wer bisher sich noch nicht vergelvissert hat, daß er in die Wähler- liste eingetragen ist. hole dies schleunigst nach. Wer nicht in der Liste steht, darf am Tage der Wahl sein Wahlrecht nicht ausüben. Parteigenossen! Das Wahlrecht zur Gemeinde ist ohnehin ein sehr minimales: sorgt dafür, daß nicht auch noch durch Nachlässigkeit uns Stimmen verloren gehen. Sehe jeder die Wählerlisten ein! Charlottenbnrg. Die Charlottenburger Wehr hatte am Sonntag nachmittag um 4 Uhr einen größeren Brand in der Franklinstratze zu löschen. Dort stand ein Neubau in Flamme», die angeblich in einer Baubude ent- standen sein sollen. Es gelang durch kräftiges Wassergeben den Brand bald zu löschen. Die Berliner Feuerwehr, die mit einem Zuge zur Stelle war, konnte bald wieder abrücken. Weißensee. Dir Liste Nr. 12011 zum Parteitag ist angeblich in der Tischlerei von Geitzler, Weitzensee, Langhansstr. 100, verloren ge- gangen. Sollte dieselbe irgendwie auftauchen oder vorgelegt werden zum zeichnen, so ist selbige anzuhalten und Mitteilung davon zu machen an S. Levy, Weißensee, Lothringenstr. 14. Steglitz. Ein gefährlicher Schulränber hat am Sonnabendnachmittag der Oberrealschule in der Eichenstratze in Steglitz einen recht lohnenden Besuch abgestattet. Während der Pause hatte sich der Bursche auf dem Schulhof unter die Schüler gemischt, und als sich die letzteren wieder in dem Schulgebäude befanden, kletterte er durch das Fenster in den Ankleideraum der höheren Klassen. Dort beraubte er fast sämtliche Mäntel. Zur Beute fielen dem Diebe etwa zehn Taschen- uhrcn und zirka 350 M. bares Geld. Die Polizei ist dem dreisten Spitzbuben bereits auf der Spur. Groh- Lichterfelde. Alle diejenigen Genosse», welche noch im Besitze von Sammel- listen für die ausgesperrten Buchbinder, Lithographen und Stein- drucker sind, werden hiermit aufgefordert, dieselben sobald als möglich beim Obmann des Gewerkschaftskartells, Genossen Emil Ziege, Groß-Lichterfelde(Ost), Bahnhosstraße 31. II abzuliefern. Spandau. Mit der gesicherten Existenz bis ins hohe Alter haben die Spandauer Werkstättenarbeiter in letzter Zeit trübe Erfahrungen gemacht. Noch ist die Matzregelung des Vorstandes des Vereins der ungelemten Arbeiter und Arbeiterinnen in Erinnerung, die bekanntlich erfolgte, weil sich der Verein erlaubte, gegen die hohen Fleischpreise Stellung zu nehmen und weil in dieser öffentlichen Versammlung auch Sozialdemokraten in der Diskussion sprachen. Daß genannter Verein nichts iveniger als sozialdemokratischen Tendenzen huldigt, bewies in jener Versaminluiig der Hinweis des Leiters, daß Politik und Religion vollständig von der Diskussion fernzuhalten seien. Trotzdem hat die Direktion dem Vorstande gekündigt, hat Leute außer Brot und Lohn gesetzt, die ihre Lebenszeit im Staatsdienste zugebracht haben. Interessant ist nun zu erfahren, daß Leute, die sich beschwerdeführend ob der ungerechtfertigten Entlassung an die Direktion der Pulverfabrik wandten nnd unter Betonung ihrer Nichtzugehörigkeit zur Sozial- demokratie um ihre Wiedereiustellung baten, abgewiesen wurden. So wurde dem zweiten Vorsitzenden, der in seinem Gesuch an die Direktion der Pulverfabrik darauf verwies, daß er seit 1890 in der Fabrik, darunter zwölf Jahre im Säurevetriebe gearbeitet und dabei seine Gesundheit geopfert habe und zugleich entweder um seine Wiedereiustellung oder aber um eine einmalige Unterstützung von 1000 M. bat, folgender Bescheid: Pulverfabrik. An den Arbeiter N. N. Hier. Zur Zeit Ihrer Kündigung sind Sie gesund und arbeitsfähig gewesen: auch ist durch das Krankenbuch festgestellt, daß. soweit die Ermittelungen zurückreichen, das ist seit dem 1. 1. 98, keine Erkrankung Ihrerseits vorgelegen hat. die in irgend einer Weise auf schädliche Einflüsse des Betriebes zurückgeführt werden könnte. Ihren Ansprüchen auf eine Entschädigung kann daher nicht näher« getreten werdeir. � I. A.: D. Roehl. Dieses Schreiben zeugt sicher von ganz eigenartigen Folge- rungen: Weil der betreffende Arbeiter— laut Ausweis des Kranken- buches— seit 1393 schädlichen Einflüssen des Betriebes noch nicht unterlegen ist, deshalb hält man seine Ansprüche für unberechtigt. Wer will behaupten, daß der Körper eines zwölf Jahre in einem Säurebetriebe arbeitenden Menschen nicht schon dermaßen von schädlichen Stoffen durchseucht ist. daß ihn die geringsten Anfälle auf lange Zeit aufs Kraukenlager bringen können und ihm die Möglich- keit, eine andere gleichlohnende Beschäftigung zu suchen, vollständig genommen wird? Daß der Körper eines Menschen, der seine Kräfte 10 Jahre in einem Betrieb gelassen hat. ziemlich verbraucht ist, wird doch die Direktion der Pulverfabrik nicht bestreiten ivollen. In einem Schreiben an die königl. Feldzeugmeisterei Berlin be- kündet der Entlassene abermals seine lange und tüchtige Dienstzeit, ja noch mehr— seine patriotische Gesinnung— und bittet, ihn entweder wieder einzustellen, oder aber eine einmalige Entschädigungs- summe zu überweisen. Auch von hier erhielt er einen ablehnenden Bescheid mit dem Hinweis, daß es mit den Anordnungen der Di- rektion der Pulverfabrik sein Bewenden haben müsse, und ein Rechts- anspruch auf Unterstützung nicht bestehe. Daß es die Direktion mit einem windelweichen Arbeiter zu tun hatte, bewies das nochmalige Anfragen des Arbeiters beim Direktor, ihn doch wieder einzustellen— indes ohne Erfolg. Man vermutet, daß dieser Arbeiter das Opfer einer falschen und nieder- trächtigen Denunziation irgend eines Reichsverbändlers oder einer anderen Staatsstütze geworden ist; daß hier ein falscher Griff ge- macht worden ist, dürste aus Geschildertem klar hervorgehen. Diese Matzregel gegen Arbeiter, die nichts weiter tun, als sich öffentlich über zu höhe Flcischpreise beklagen, zeigt die Staatsarbeiter als geistige Heloten. Es wird hohe Zeit, daß sich auch diese Arbeiter- gruppe frei macht von dem Alp politischer Ohnmacht. So lange sie sich jedoch aufs Bitten und Flehen verlassen und nicht als klaffen- bewußte Arbeiter Forderungen erheben, wird man ihnen nur die Zuchtrute zeigen. Grünau. Zu dem Bericht über die letzte Mitgliederversammlung des Wahlvcreins erhalten wir vom Genossen Lehmann folgende Zuschrift: „Der Schreiber des Berichts behauptet, ich hätte das Kommu« nistische Manifest„herabzumindern" versucht. Ist mir gar nicht eingefallen. Nachdem in einer vorhergehenden Versammlung in einem Referat das Manifest in allen Teilen als noch heute mit den Auffassungen der Partei übereinstimmend bezeichnet wurde, habe ich in der Diskussion lediglich darauf hingewiesen, daß die Verelenduugs- theorie und das eherne Lohngesetz nicht mehr aufrechterhalten werden können. Dasselbe sei auch bezüglich der vorgeschlagenen revolutionären Maßregeln zu sagen. Ebenso fei es angesichts der EntWickelung der Trusts nicht ausgeschloffen, datz die Krisentheorie eine andere Grund- läge späterhin erhalten müsse.— Richtig ist allerdings, datz die Diskussionsredner, trotzdem ich mich auf KautSkys neuestes Vorwort und die 1. Vorrede von 1872 berief, dabei verblieben, datz das Manifest noch heute gelte und ich ein— Revisionist sei. Ich glaube aber die offizielle Meinung der Partei, wie sie heute gilt, vertreten zu haben und bitte von dieser Richtigstellung Notiz zu nehmen. Gerichts-Leitung. Raffinierte Gaunerstiickchen lagen einer Anklage wegen der. suchten und vollendeten Betruges in 5 Fällen und schwerer Ur- kundenfässchung zugrunde, die gestern den Handlungsgehülfen Max Arndt und den Kaufmansi Hermann Schmiras vor die zweite Fcricnstrafkammer des Landgerichts I führte.— Im Juni und Juli dieses Jahres wurden mehrere Firmen durch einen Schwindeltrick erheblich geschädigt. Am 11. Juli d. I. erschien in den Geschäftsräumen des Hoflieferanten B. ein anscheinend dem Kaufmannsstande angehörender junger Mann und bat um Aushändigung einer Geschäftskartc. Er erzählte mit großer Rede- gewandtheit, datz er eine andere Branche vertrete und zufällig in seinem Hotel zwei Französinnen kennen gelernt habe, die einen grötzeren Posten Stickereien und Spitzen kaufen wollten. Gegen einen gewissen Prozentsatz wolle er mit Hülfe der erbetenen Ge- schäftskartc das Geschäft vermitteln. Infolge des sehr sicheren Auftretens des jungen Mannes wurde ihm anstandslos die ge- wünschte Geschäftskarte ausgehändigt. Am Nachmittage desselben Tages klingelte bei einer Firma Bernstein das Telephon. Der Hoflieferant B. fragte an, ob sein„junger Mann", der eine Aus- wahlsendung in Spitzen abholen solle, noch nicht dortgewesen sei. Kurze Zeit darauf erschien tatsächlich bei Bernstein ein junger Mann, der eine Gcschäftskarte der Firma B. vorwies, auf deren Rückseite die schriftliche Bestellung aus eine Auswahlsendung in Spitzen enthalten war. Der Bote enthielt anstandslos einen Posten Spitzen im Werte von 300 M. ausgehändigt. Am nächsten Tage stellte es sich heraus, datz die Firma Bernstein das Opfer zweier abgefeimter Gauner geworden war. Die beiden Angeklagten, denn diese hatten jenen Schwindel in Szene gesetzt, arbeiteten mit ver- teilten Rollen. Während Arndt als angeblicher Reisender die Ge- schäftskarte einer Firma unter allen möglichen falschen Angaben zu erlangen verstand, füllte Schmiras diese Karten mit einer Be- stellung aus und nahm dann als„junger Mann" die Waren ab, nachdem Arndt von einer anderen Stelle aus telephoniert hatte, um die Bestellung recht glaubhaft erscheinen zu lassen. Derartige Betrügereien gelangen den Angeklagten in mehreren Fällen. Be- sonderes Glück hatten die beiden Schwindler in einem Falle. Am 26. Juli erschien Arndt mit einer Geschäftskarte der Firma Kunkelmann in dem Seidenwarengeschäft von Gerngroh, um einen grötzeren Posten angeblich bestellter Tasfetseide abzuholen. Um ganz sicher zu gehen, setzte sich der Verkäufer der Firma Gern- grotz mit der Firma Kunkelmann telephonisch in Verbindung. Auf diese Weise hätte natürlich der Schwindler entdeckt werden müssen. Der Angeklagte Arndt, der schon auf dem Sprunge stand, Reitz. aus zu nehmen, war aber selbst nicht wenig erstaunt, als er ver- nahm, datz die Firma K. die Bestellung bestätigte. Ein eigenartiger Zufall hatte es nämlich gefügt, datz diese Firma tatsächlich bei Gerngrotz Seide bestellt hatte und diese durch ihren Hausdiener abholen lassen wollte. Die Angeklagten erbeuteten auf diese Weise Tasfetseide im Werte von 564 M.. die sie für 200 M. m einer „Schärserkneipe" der Alten Schönhauserstratze weiterverkauften. Der Staatsanwalt beantragte Gefängnisstrafen von 5 bezw. 6 Monaten. Der Gerichtshof unter Vorsitz des Landgerichtsdircktors Dr. Höpke ging jedoch mit Rücksicht auf die ziemlich raffinierten Schwindeleien der Angeklagten und den hohen Wert der erbeuteten Gegenstände erheblich über das beantragte Strafmatz hinaus und erkannte gegen Arndt auf neun Monate und gegen Schwiras auf ein Jahr Gefängnis. Um sehr gefährliche Gelegenheitsdiebstähle handelte eS sich in einem Bandendieb st ahlsprozetz, der die Ferienstraf- kammer d-S Landgerichts I in einer längeren Sitzung beschäftigte. Wegen wiederholten schweren und einfachen Diebstahls waren an. geklagt: der„Arbeiter" Otto Bartz, der Bäcker Wilhelm Nehring, der Bäcker Max Ulrich und der Schlosser Ernst Funke, während sich der Händler Heinrich Milch wegen ge- werbsmähiger Hehlerei verantworten mutzte.— Die wegen Dieb- stahls angeklagten Personen haben mit Ausnahme des Ulrich schon sämtlich im Zuchthause gesessen. Sie waren sämttich Stammgäste in den„Kaffeeklappen" und..Bouillonkellern" des dunklen Berlins und lernten sich hier auch kennen. Nachdem sie des Tages über in den Ströhen umhcrgcbummclt und günstige Gelegenheiten zum Diebstahl„ausbaldowert" hatten, trafen sie des Abends wieder in ihrer Kaschemme zusammen, um über den Raubzug in der Nacht zu beratschlagen. Eine besonders erhebliche verbrecherische Tätig- keit entfaltete sonderbarerweise der noch völlig unbescholtene An- geklagte Ulrich. Von ihm stammte auch der Plan, den Schlaf- räumen der Bäckergesellen während der Nacht einen Besuch abzu- statten. Derartige Diebstähle gelangen in mehreren Fällen, da die Bäckergesellen in der zumeist im Keller gelegenen Backstube tätig waren. Gestohlen wurde von den Angeklagten ziemlich alles, was nicht niet- und nagelfest war. Autzer Geschäftseinbrüchen und Schaukastendiebstählen verübten die Herren Langfinger in der Hauptsache Bodendiebstähle. Nach längerer Beweisaufnahme ver- urteilte die Strafkammer den Angeklagten Nehring zu zwei Jahren Zuchthaus, Ulrich zu 3� Jahren Gefängnis und Funke zu ein Jahr vier Monaten Ge- fängnis sowie den üblichen Nebenstrafen. Milch und Bartz wurden mangels genügenden Beweises freigesprochen. Hio der frauenbewegung« Für daS Frauenwahlrecht. Die Agitatorinnen für das Frauenwahlrecht in England treiben eine unermüdliche Agitation. Nachdem sie wochenlang in London gearbeitet haben, sind viele von ihnen jetzt tätig in Nord-England und Schottland. In Lancashire und Dorkshire haben eine Reihe Meetings stattgefunden und am vergangenen Sonntag war eine grotze Demonstration in Manchester. Hier sind die bekannten Agitatorinnen Miß Kenneh, Mrs. Mitchell und die Damen Pankhurst tätig, während Miß Billmgton in Schottland Propaganda macht. In der gleichen Weise soll bis zur Eröffnung des Parlaments weiter gearbeitet werden und die Liga verspricht sich hiervon großen Erfolg._ Versammlungen— Veranstaltungen. Teltow-Stadt. Donnerstag, 30. August, 8'/„ Uhr. bei Pickenhagen: Vortrag des Genossen Göhre:.Die Alkoholfrage". Kaufmännische Kranken und Stervckasse von 188»(E. H. 71). Dienstag, den 28. August 1396, abends S Uhr, im Restaurant Frädrich, Alte Jakobstraße 33: Sitzung. Vermischtes. Der tägliche EisenbaHnunfall. In der Nacht vom 23. zum 26. August wurde auf dem Bahnhofe Hannover der diensthabende Stattousassistent Raddatz von einem Zuge überfahren und sofort ge- tötet. Neue Gefahren für Chile. Santiago, 27. August. Seit den letzten 43 Stunden hat sich kein neuer Erdstoß ereignet. Nach den letzten Feststellungen überschreitet die Zahl der Toten in Valparaiso keineswegs 5000. Santiago de Chile, 26. August. Es werden noch immer Menschen aus den Trümmern in Valparaiso, unter denen sie fünf Tage lagen, lebend hervorgezogen. Ein Teil des Kirchhofes rutschte mit den Särgen einen Hügel herab, wodurch die Särge geöffnet wurden. Die Leichname verbreiten einen unerträglichen Geruch. Die Behörden wollten sie mit ungelöschtem Kalk bedecken, doch widersetzten sich dem die Priester. Es fällt reichlicher Regen hier und in Valparaiso, der die Ausbesserungs- arbeiten an den Eisenbahnen erschwert und die Leiden der in Valparaiso auf den Stratzen kampierenden Menschen erhöht. Valparaiso, 26. August. Kapitän Middleton von der chilenischen Kriegsmarine kündigt auf Grund seismologischer Beobachtungen ein neues verheerendes Erdbeben in Chile für den 12. September an, das sich bis nach Australien erstrecken werde. Nene Erdstöße. London, 27. August. In Matlock in der Grafschaft Derby wurden heute morgen Erdstöße verspürt, durch welche die Einwohner und die dort lebenden Fremden in lebhafte Beunruhigung versetzt wurden._ Eingegangene Druchfcbriften. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 43. Heft des 24. Jahrganges erschienen. DaS Heft hat folgenden Inhalt: Amnestie.— Partei und Gewerkschast. Von K. Kauislh.— Bemerkungen über Nassenhygiene und Sozialismus. Von Oda Olberg(Rom).— Die Kriegsschule mid das BildunaSproblem. Von Otto Gelthner.— Die Wirt- schastlichcn Ursachen der revolutionären Gärung in der Türkei. Von Alexander Z. Zankost— Literarische Rundschau: Emma Adler, Die berühmten Frauen der sranzösischen Revolution. Von O. L. Die.Neue Zeit* erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstaltcn und Kolporteure zum Preise von 8,2S M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest kostet 2S Pf. Probenummem stehen jederzeit zur Verjügung. Lriefkaften der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde findet wochentäglich von?-/, bis»'/, Uhr abendS statt. Geöfinct 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um ««Hr. Jeder Zl»krage ist ein Buchstabe und eine Zahl als tvtcrtzeiche» bcizufiigc». Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Wahlvcreii» Potsdam und Rixdorf. Die eingesandten Notizen find erst am Sonntag bei uns eiiigelauscn, für die SonntagSnummer also zu spät._ Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städlilchei, Markthallen-Direktion.(Großhandel.) Rindfleisch In 63—73 pr. 1 Psd., Na 63—68. lila 57—62, IVa 52—56, englische Bullen- 0,00, dänische Bullen- 0,00, holländische Bullen- 0,00. Kalbsleisch, Doppelländer 100—110, la 80—85, Na 70—78, Nla 60-68. Haminclflcilch la 77-82, Na 87—75. Schweinefleisch 68—74. Rchböckc la per Psd. 0,60—0,75, Na 0,30 bis 0,50. Rotwild la per Pfund 0,40—0,48, IIa 0,25—30. Damwild 0,51. Wildschweine pr. Psd. 0,30—0,35. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,50—0,80. Wildenten la per Stück 1,00—1,25, Na 0,00, Rebhühner, junge la 0,70—1,10, junge kleine 0,30—0,65, alte 0,60—0,72. yuhncr, alte, per Stück 1,50—2,25, alte, N» 0,75—1,40, junge, per Stück 0,40—0,36, Tauben, junge, per Stück 0,25—0,40, alte 0,30. Enten, junge per Stück 1,60—2,10, alte per Stück 0,00. Hamburger, junge, per Stuck 2,75—2,80. Gänse, la per Pfund 0.55-0,65, IIa 0.45-0.54, la per Stück 2,75 bis 4,60, IIa 1,50—2,00. Poulets per Stück 0,60-0,30, do. klein 0,00—0,00. Hechte pr. 100 Pfd. 70-101. Zander 122. Schleie 113-127. Bleie 54. Aale, groß 0,00—0,00, mittel 96, klein 0,00, unsortiert 00—00. Plötzen 00—00. Karpfen 0,00. Barse 0,00, matt 0,00. Blcisische 14—20. Karauschen 76, matt 0,00. Wels 0.00. Bunte Fische 52—62. Amerik. Lachs I neuer per 100 Psd. 110—130, do. II neuer 30—100. do. III neuer 50—75. Seelachs 20—25. Flundern, pomm. I, per Schock 9. do. pomm. II 2—3, Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel per Kiste 2—3, do. klein per Kiste 0,00. Bücklinge, per Wall Kieler 4—5, Swalsunder 5—6. Aale, groß per Psd. 1,10—1.50, mittelgroß 0.80—1,00, klein 0,50—0,60. Heringe per schock 4—5. Schellfische Kiste 3—4, do. >/, Kiste 2—3. Kabliau, per 100 Pfd. 10—13. Heilbutt 25. Sardellen, 1902er, per Anker 30, 1304er 90, 1905er 82, 1906er 65. Schottische Vollheringe 1905 0,00, large 40-44, füll. 36-38, med. 35—42, deutsche 37—44. Ecringe, neue Matje», per To. 60—120. Hummern, Ha, 100 Psd. 0,00. rebse, per Schock, große 00,00, mittel 13, kleine 0,00, unsortiert 2,50—3,50. Galizier, groß 0,00. Eier, Land-, per Schock 2,60—3,39. Butter pcr lOO Psd. la 122—124. IIa 118—120, lila 112-116, abfallende 95-110. Saure Gurken Schock 3,50—4,00, Pfeffergurken 3,50—4,00. Kartoffeln per lOO Psd. Rosen 1,50— 1,75, neue runde 2,00—2,25, neue blaue 2,25—2,50, neue Zerbstcr 2,25-2,50. Spinat p. 100 PI». 15—18. Karotten P. Schock 2.00—3,00, Sellerie, hiesige, P.Schock l.25-5.00. Zwiebeln tOOPsd. 3-3,50 Petersilie, grün. Schockbd. 1,00. Kohlrabi p. Schock 0,50—1,00. Rettig, bahr., P. Schock 2,40 bis 4,80. Radieschen p. Schock-Bd. 0,60-0,70 Salat, p. Schock 1,00-1,50. Bohnen, grüne, per 100 Pfund 5—12. Wachsbohncn 5—16. Schoten per 100 Pjd. 10—20. Psefferlinge per 100 Psd. 12—18. Mohrrüben per 100 Psd. 4—5. Blumenkohl per Mandel 1,00—2,20. Wirsingkohl per Mandel 1,00-2,00. Rotkohl p. Mandel 0,75-1,75. Wcißtohl p. Mandel 1,50 bis 2,00. Steinpilze p. 100 Psd. 25—30. Gurken, Zerbster, Schock 0,75—1,00, do. Einlege-, Schock 1,00—2,00, do. Rothenbg. 3, do. Liegnitzer 3—4. do. Einlege-(Scns-) 10—16. Kohlrüben, Mandel 0,75—1,25. Tomaten, hiesige lOO Psd. 4—10. Birnen, ital. per 100 Psd. 13—24, hiesige 3—10, Tiroler 14—30, böhmische 5—13, Rettig« 3—5. Acpscl, ungar., perlOOPsd. 7— 14, ital. 8— 15, hiesige 4—11, Gravensteiner 12—14, Tiroler 25—42. Prcißelbecren 15—18, schwedische IG— 19. Blaubeeren per 100 Psd. 10—12. Pstaunien, ital. runde dunkle per 100 Psd. 0,00, ital. lange gelbe 0,00, ital. runde 0,00, ungarische 6—9, hiesige 5—7, Reineclauden 10—18. Zitronen. Messina 300 Stück 18,00-22,00, 360 Stück 14,00-18,00, 200 Stück 10,00-18,00, 420 Stück, klein 12,00. Pfirsiche, W-rdersche per 100 Psd. 15—25, französische 20—40, italienische I Kiste 1,50—2,00, do. II Kiste 0,80—1,60, do. III Kiste 1,00—1,20, do. in Körben per 100 Pjd. 20—45. Wetter-Prognose für Dienstag, de» 38. Angnst 1»««. Ziemlich kühl, vielfach Heller, aber noch veränderlich bei siijchen Nvrd« westlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterburea«. Deutsciiei' Metallarbeiter-Verband. Tcr-n-aUnne�stcIlc Berlin. Haupt-Bureau: Engcl-Uscr 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: S(mt FV 9679, Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV 3353. Mittwoch, den"i». August 1906, abends S'/s Nhr: DW" Versammlung"WW der Gold- n. Silberirrbtiter n. verwaildt. Kelllfsgenossell in F r a n k e ö Festsäle», Sebastianstr. 33. Tagcs-Ordnung: 1.„Unser Verband n»d feine Aufgaben." Ncserent Kollege vvlien. 2. Diskussion. 3. Vcrbandsangelegenheitc». Recht zahlreiches Eischeincn der Kollegen und Kolleginnen wird erwartet, Mittwoch, deu 39. August 1906,' abends 8 Uhr: Bezirks- Versammlung für Steglitz» Gr.-Lichterfelde u. Umgegend bei S ch c l l h a s e. Steglitz, Ahornftr. lös. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Beter�llerk:„Die/, Uhr, im Lokale von Ernst Obst, Mcinlngerstraste 8: Oeffentlichr Urrsammlung der Freien Nereinignug Schöneberger Gerverhsdinsttn. Tages-Ordnung: l. Zweck und Ziele der„Freien Vereinigung dentscher Gewerkschaften". Referent: Genosse Gnstav Zcgliu. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet_ 267/10 I. A.: Fr. Träger. fm Weißbier offeriert Sergbrauerei Berlin N. 4, Bergstraße 22. Telephon: Amt m, 1412, 2071L* Sozialdemokratischer Moerein für den 4. Berliner Beiehstags- Wahlkreis. Dienstag, de» 28. August, abends S'/a Uhr präzise: Außerordentliche Generot- Uersammlnng in Stccherts Fcstsäle», Andreasstr. 21. Tages» Ordnung: f. Die Provinzialkonscrenz. Anträge und Dciegiertcnivahl. 2. Vortrag des Genossen IStrKdel über» „Partei und Gewerkschaft". 3. Verschiedenes. 262/3 Zlitfiriledsibncl» leffitinilert. Der Vorstand. ftchtuna i BautEschler. 9IittwoGh,.den 20. A ug ust, abends 61/« Ihr, bei Docker, Weberstr. 17: WWWWWWWWWW Tages-Ordnung: 1. Wie stellen wir uns zur Vertrags-Kündigung. 2. Diskussion. 3. Stellung zu den Heimarbeitern. 4. Verschiedenes. 91/16 DCF** Es ist Pflicht, daß jede Wcrkstelle einen Vertrauensmann entsendet.— Mitgliedsbuch und Vertraucnsnlännerkarte legitimiert. DK- Sämtliche Differenzen im Bezirk 4 sind bis aus weiteres an Kollegen Becker, Moabit, Waldcnserstr. 39 zu melden. W MH Achtung! Achtung[ Bodenleger! Donncrswg, den 30. August, abends 8 Uhr, im GcwerkschaftShause, Engel-User 15(Saal 1):, Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Der Zentral-ArbeitSnachwcis in München und seine Wirkung. 2. Branchenangciegcnheit. 3. Verschiedenes. Die Itoimnisslon. Achtung 1329L* Sofastojje Riesenauswahl aller Qualitäten. Wollc-Qncins locqnetts. Satteltaschen. Jluster b. niih. Angabe franko. Elllil Lete, 0?a"enstr. 188. Am Sonntag, den 26. d. MtS.. abends 10 Uhr, entschlief nach kurzem Leiden mein lieber Gatte. der Rcstaurateur 20g4L Gustav Krelzschmar, Berlin, Mantcuffelstr. 40. Dies zeigt ticfbetrüLt an Berlin, den 26. August 1906 Die trauernde Gattin Ulinna liretzschmar. Die Beerdigung findet Mittwoch. den 23. d. Mls., nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes in Rixdorf, Hermann- straffe, aus statt. Achtung! Drechsler! Mittwoch, de» 29. August 1906, abends 8'/, Uhr, Englischen Garte», Alexa«derstraffe 27o: im 'ML der DttUltr Ktrlins««d Ztororte. Tagesordnung: Unser Tarif. Jede Werkstatt muff einen Verlrauensmann entsenden. Verbandsbnch legitiniiert._ Die Kommission Holzbildhauer! Am mttwoch, den 20. Angnst 1906, abends 8 Uhr Zwei Versommluugen. Im lkliirltiseben liof, Admiralstraffe 18e; 2. Kttnixsbank Große Franlsurterstraffe Nr. 117. TageS-Ordnung: Fordern wir den Achtstnndentag? SV Pflicht eines jeden Kollegen, ob organisiert oder unorganisiert. ist es, zu erscheinen. Gleichzeitig ersuchen wir die Tischler, die Bildhauer in ihren Betrieben aus die Versammlungen ausmerksam zu machen und zum Besuch derselben zu veranlassen. 21/2 _ Die AzzltationKkommlsslon. Üfrlofttnpttihdi 2C. Landpartien, sarNertine s nur Neuheiten, sowie l-ainpions, Stoeklaternen, Vaekeln, IZtrlnnden, HVtmpeln, Fahnen, SchUrpcn, Sehcrz- artikel, hniuoristischo Kopfbcdcckuiigen, SIusiK- Instrnmcnte, Radansachcn, spotttnülg Engros-G-schSst Alte Jacobstr. OS, v i# ßoffhitf Alto.lacobMtr. OS, an der SeydolstraBe.**• P" MUtllilij, an der SeydelstraGe. f Sine Kark wöchentliche Teilzahlung liefere öleggntetkstigkttölskninollen Bestellungen nach Mast, tadellose Ausjührung i.eigenerBSerkstatt. Lpeziai-lleschält lür* Herren-Bekleidung. Kein Waren-KroditHanö. J. Rurzberg An der Janaowitzbrücke I, L Bahnhof JannowitzbrDcke.■ Dr. Simmel, Epezialarzt(dt d Harololdon. Haut 10—2, 6—7. Prinzen-| Str. 41, 137/13* �Hygienische Beamsjirtikei. Nouest. Katalog IQ. Empfehl.viel- Aerzte u.Prof. grat. ud® H. vager»~ 6erlln NW.. FhedridiBinus e 91/92. Verband der Kfirsehner Berlins nnd Fniu:cg:cnd. Geschäftsstelle und Arbeitsnachweis: Gollnowstraffe 6. Telephon Amt 7 Nr. 318. Rittwoeli, den 20. Anzxust, abends 8 Uhr, Im Alten 8chUtzciihanse, lilnicnstraßo S: Iditglieder-Veraammlnng. Tages-Ordnung: 1. Die bisherigen Kaiupfesmittel des deutsche» Proletariats und welche Bedeutung hat der Massen- resp. Generalstreik? Referent Kollege A. Keg'gc. 2. Dislussion. 3. Gewerkschaftliches und Verschiedenes._ 103/1 ■jpg" Gäste willkommen. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Bäckereigenossenschaft Produktion«-«W (E. G. m. b. H.) Mittwoch, L9. August, abdö. 7 Uhr, im Restaurant drö Herrn Bartsch, Sesenheimerstrasie 1 1: Gdentiiehe CeneraSversattitnlung. Tages-Ordnung: 1. Geschästsbericht: a) Genehmigung der Bilanz; b) Beschlufffassiing über den Gewinn: c). Entlastung des Vorstandes. 2. Bericht des AiisfichtS- rates. 3. ErgänzungSwahlen der Verwaltung. Wahl der Ersatzmännel 4. Anträge. Dieselben müssen vorher eingereicht werden. 6. Geschäftliches Dem Erscheinen aller Mitglieder fleht entgegen 206/11_ Der Vorstand: Aug. Winter. A. Sellin. Sndnstrie- fest- Säte Bcufhsfraße 20.-s- Inh. Max Wonrtt. Empfehle den geehrten Vereinen und Kesellschasten meine 150, 250 und 1000 Personen sassenden Festsäle zur Abhaltung von VereinSsesUichkeiten. Versammlungen, Hochzeiten usw. zu den kulantesten Bediugmrgen. LOOlL* Fernsprecher Amt 1 1722. lklax IVendi. b(iesunllkeit ist tktetehtmn! gelmttßla/es Baden crhlilt nnd fUrdcrt die Gesundheit. Bade Berlin-Ost im: I Frankfurt Gr. FrankfurterstraBe 136. Iffedizinische Säder aller Art Rßade Berlin-Süd Int: itter- Bad jP Ritterstr. 18, Ecke PrinzenstraSe. Sool-, sciiw{fa> FÜKTENKAÜEl- «*0� in werktäglich ununterbrochen für Damen an UOEIE eöffnoten Sonder- Abteilungen Herren. 2 Wannen e Bäder 0,75.71 k.(40 Minuten Badezeit.) 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Geschaffen hast Du spät und srüh, Bis Dich ein schneller Tod ereilte z Es war zu groß Dir keine Müh', Die jed' Geschick mit uns auch teilte. Gewidmet von der Hinterbliebenen Gattin nevsl Kindern. sSööb Clara Vlebke geb. Olizeg. Expedition des„Vorwärts"BerlinL� 68,Lindenstr.69. Soeben erschienen: Zllnstrintcr ZM UAKlckndcr für das Jahr 1907. Eiminddreißigster Jahrgang. JnhaltS-Verzeichnis: Kalendarini»— Postwcsen— Beachten?. werte Adressen— Statistisches— Rückblick— Mosscn nnd Märkte— Im Kreislauf des JahrcS— Die Reform der Straf- prozcff-Ordiliing. Von Rechtsanwalt Hugo Heinemaiiii— Seuchen- gcfahr nnd Seuchenvcrhütnng. Von Dr. I. Zadel(mit Jlluftr.) — Zwei Lieder im Volkston. Von Leo Heller.— Ei» Maifesttag. Nach dem Leben erzählt von Minna KantSky(mit Illustrationen)— Wenn wir nicht mehr gütig find. Gedicht von Ernst Prcczang— Der Kampf um das Mittelmecr der Zukunft. Von Heinrich Eunow(mit Illustration)— Tie Karikatur nnd ihre Bedeutung. Von Ed. Fuchs(mit Illustrationen)— Wir sind der Sieg. Gedicht von Ludw. Lessen— Moderne Kraftwagen. Von A. G.(mit Jlluswationc»)— Sozialistische Fraueuagitation. Von Ottllie Baader— Lied der Berglculc. Von W. L.— Die Kultur des Tabaks. Von A. G. Grant— F-ranzssische Gcselleuorganisatlo» im 18. und 19. Jahrhundert. Bon Adols Braun— Nachtarbeit. Gedicht von G. Weber— Szenen ans der russische» Revolution. Von I. H.(mit Illustrationen)— Unsere Toten(Mit Porträts)— Heilige Familie. Gedicht von E. Kreowski— Fliegende Blätter— Das'Armband. Satirische Skizze von Michel Thivars. Autorisierte Uebcrsepung(mit Illustrationen)— Für unsere Rätsellöser— Trächtigkcits« und Brütekalender.— Hierzu drei Bilder: Der Bergmann— Die Ausivanderer— Prolctaricrin— Außerdem zwei Dreifarbendrucke aufl Kunstdruckpapier: Der Stcinllopjcr— Hehcr am Amjelncst— Ein Wckni Bei tdkalender. Preis: 46 Pfeunig. Einzclbezug bitten wir um Einsendung bcS Betrages 10 Pfennig in deutschen Briefmarken für Porto. 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Heinrich, Neckarstraffe 2, im i-'adcn.— Scbniarß-en» dorf: Gustav Kaminsky,'Eunostraffc 2.— Sobiinebers: Wilhelm Bäumler, Martin Luthcrstr. 6l, im Laden.— Tciupelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42.— Dber» Sclibnewelde: Julius G r u n o w, Edisoiistr. 10, I.— Nieder- Schhnewolde:Bonakowsky, Hasselwerderstr. Id.— Johannisthal: Franz Hünold, Bismarckstr. 7.— Adlersbof: Erich Steuer, Nooustr. 8, I.— Kon lg.;- Wuster hause»: Friedrich B a u m a n n, Luckcnwaldcrstr. 4b.— KUpcntck: Friedrich W o i ck, Grünstr. 4.— Frledcnan-Steglitz- SUdcndc: H. Be r n s c c. Schloffstr. IIS, Gartenhaus I, i» Sieglitz. Bestellungen nehmen cnlgcge» In Steglitz: H. Moh r, Düppclstr. 8, u. Fr. S ch c ll h a s e, Ahornftr. 15 a.— Marlen» dorf: Paul Müller. Bergstr. 35, Hos 1.— Bauinschnlcn- wog: Stock, Smftstt. 2, H.— Treptow: Rod. Gramenz, Kicsholz» straffe 412, Laden.— Veu- Wellleusee: W. ReSke, Erdanstr. 105, mricrre.— Belnlekendorf-Ost, WIlheliUHcnh und Schbn- liiolz: P. 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