Nr. 800. SS. Jahr«. Hbonnemcnfs-Bcdingungcn: WÜ �(k.\Av M Di« InfcrtionS' Gebühr «iouncineiils. Preis prSnumerando I IW I MM 1 �SM�Ws�BC HB]H|f"TOH BMTr� � letrSzt für die sech-gelp-ilt-nc Kolonel. Licrtcljöhrl. ZJll Mr, nionatl. 1,1» Mk., �Wl ff H|«eile oder deren Raum K0 Pfg., für »löchcnllick SS Psg� frei IIIS Haus. WM I L-jS�t 1 WM MM �M �M �M �M WM ff Hn| politische und gewerlschasllichc VereinZ- Eiuzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags, I|P�H I MM BB WJ �M �M H| WW IX. �M MW p— y/ und VersamniIungS-Anzetgen 30 Psg. «"ettäg" D?e Ncu"�cu'°lO Vsa""«°ttl flH rHI IH B BBB BB B Ä) B fl»Kleine»"«igen", da? erste lsc». «b°nueu',ent- I°"o Mark pro�Mon-� VA H BB B BBB BB B B gedruMe) Wart M Psg. ,edes weitere Eingetragen in die Post.Zcitungs»— I HBi �M DM �M■�Wjfc�DBr Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schtas- Prcislisle. Unter Kreuzband MM I MM« �M �MV JBBV �M �fevKB stellen-ilnzeigen erste Wort>0 Psg., Deutschland und Oesterreich- Ungarn WM I\ // MM jedes weitere Wort s Pfg. Worte über 2®!n�r'''jl das übrige Ausland flAL Zf Wf // M 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Ml« �„|_\f'J- Bm Inserate für die nächste Nummer müssen Holland. Italic». LuxciÄurg Porwgaj!-- � Sl.hr nachnu.tagS in der Ekb-ditton Rumänien, Schweden und die Schwe» V.* b) TX�-Oiv� abgegeben werden. Die Exdcd.tion i» _ 1/" 11 v__ bis 7 Uhr abends geöffnet. VollllSltlÄH. iSÄ«;-. Zcntralorgan der rozialdemokrati fehen Partei Deutfchlands. Redaktion: 8 AI. 68, Lindenstraese 69. �criiivrectier: Stint IV Nr. 1983. Wer trägt die Schuld? „Warschau, nicht Breslau!" überschreibt die „Fränkische Tagespost", unser in Nürnberg erscheinendes Parteiblatt, ihre Darstellung der Schlacht in der Regens- burgerstratze zu Nürnberg. „Man wird von Breslau nicht mehr viel reden", sagt unser Bruderblatt.„In tiefen Schatten stellt Nürnberg Breslau. Was sich am gestrigen Tage hier abgespielt hat, übertrifft die Taten der Breslauer Polizei um das Hundertfache. Die starken Aufgebote der Polizei in der Regensburgerstraße, in der nächsten Nachbarschaft des Volksfe st Platzes, zu dem und von dem gestern Zehn- tausende strömten, ließen es natürlich erscheinen, daß sich ge- waltige Menschenansammlungen vor der Motorenfabrik Union bilden würden. Auch in normalen Zeiten ist an dem Tage der Bierprobe, am Beginne der Volkssestwochen die Regens- burgerstraße stark belegt, um so mehr war das nun der Fall, wo der starke Ausstellungsverkehr die Menschen- massen verdichten mußte. Wenn nun große Aufgebote von Revolver tragenden Polizisten zu Fuße und zu" Pferde die Straßen beleben, so mutz das zum Anziehungspunkt der schau- lustigen Menge werden. Tausende Neugierige, vor allem die Jugend, glaubten, daß etwas zu erspähen und zu erlauschen sei. Hundert Gaffende ziehen Tausend Fragende an und so knäueln sich immer neue Massen zu den alten. Auf dem Volksfeste werden gewaltige Massen Alkohol konsumiert, die hierdurch erregten Nerven Iverden auch in anderer Weise angestachelt, übermütige Stimmungen werden erzeugt, die Hemmungsnerven funktionieren nicht lnehr richtig, das ganze Gehinlsystem wird gereizt, die kühle Ueberlegung geht mit der Nüchternheit verloren, die Beeinflussung durch einzelne, besonders erregte, der Ueberlegung bare, für ihre Handlungen in ihrem alkoholischen Zustande nicht Veranttvort- liche Personen ist leicht, es treten bedenkliche Massensuggestionen zutage, Das ist das Bild der Massen am gestrigen Tage, für das alles eher verantwortlich ist als die Arbeiter, welche früher in der Maurerschcn Automobilfabrik gearbeitet haben und die organisierte Arbeiterschaft, die das Ende des Genossen Fleisch- mann tief beklagt. Eine wirklich vorsorgliche Polizei hätte das alles wissen müssen, sie hätte nicht durch ihre aufdringliche Anwesenheit zur Stauung des Verkehrs beitragen sollen, sie hätte ihre Ruhe be- wahren sollen. Wie tatsächlich die Polizei gewirffchaftet hat, wie sie harmlose Bürgersleute, auch Angehörige der besitzenden Klasse brutalisiert hat. wie sie in die Häuser eindrang, ziel- und wahllos verhaftete, mit scharfen Patronen schoß, Knder verwundete, wie selbst Schutzleute durch Schutz- leute verwundet wurden, davon redet heute die ganze Stadt, so daß die Unfähigkeit der Polizei kaum von vielen bezweifelt werden kann. Breslau ist in den Schatten gestellt. Man mutz nach Rußland gehen und die Berichte der dortigen Polizeitaten heranziehen, um Vcrgleichsmomente für die Taten der Nürnberger Polizei zu erhalten. Schaurig war es, unter den Tönen der heiteren Musik, die vom Volksfeste herüber- tönte, das Blut der Spaziergänger fließen zu sehen." Die von unserem Nürnberger Parteiblatt geschilderten Einzelheiten sind geradezu grauenhaft. Wir lassen zur Illustration des polizeilichen Vorgehens einige— nur einige!— folgen: Ein 13jähriger Junge ging um'/z9 Uhr vom Volksfest heim. Ecke der Schieferstraße, weit abgelegen von der Maurerschen Fabrik, wurde er in das rechte Bein geschossen. Woher, warum, kann er nicht angeben. Gegen'/i 10 Uhr saß ein vom Volksfestplatz Heimkehrender im Garten der Wirtschaft zum„Ludwigsfeld". Als eine in die Brust gestochene Frau hineingebracht wurde, machte er sich in die Wirtsstube, weil er in das Treiben auf der Straße nicht verwickelt werden wollte. Die Fenster der Wirtschast waren geschlossen, als man von außen Revolversalven hörte. Am Gartenzaun entlang standen Schutzleute nebeneinander, die blindlings in die Gartengäste hinein- schössen. Als der Wirt die Türen zusperrte, wurden sie von der Polizei gesprengt. Diese drang in den Garten und jagte zuschlagend die Gäste zur Hintertür hinaus. Bei dieser standen eine Anzahl Schutzleute Spalier, welche die Hinaus- getriebenen empfingen, dabei noch ihr Mütchen kühlend. Der ganz unbeteiligte Gast erhielt einen durchschlagenden Säbel- hieb über das linke Handgelenk. In der Wirtschaft zum„Ludwigsfeld" handelte ein alter Hausierer mit kleinen hölzernen Bierkrügen. Von eindringen- den Schutzleuten erhielt er eine n-S chuß in das linke Bein. Seine Frau, die ihn begleitete, weil er als Halb- invalide allein nicht fort kann, bekam Säbelhiebe. Beide haben nicht das gering st e begangen. Ein Augenzeuge schreibt: Ich saß um 9 Uhr in der sonst recht friedlichen Wirtschaft„zum Pfalzgrafen". Auf ein- mal ging auch vor dieser Wirtschaft ein Krach los. Schutz- leute drängten Menschen zur Türe herein, ich sprang ans Fenster und sah, wie die Polizei mit dem Säbel auf die an der Türe Stehenden einhieb. Ein kleiner Bub sah ebenfalls zum Fenster heraus und auch dieser„gefährliche" Mensch bekam einen Säbelhieb, glücklicherweise ging er daneben. Entsetzt sagte die Mutter, die Wirtssrau. zu Mittw-ch, de«»». August 1»««. dem Schutzmann:„Erlauben Sie doch, was hat denn das jUnd verschuldet?"—„Machen Sie» daß Sie weiter kommen oder ich schieß' Sie zusammen."—„Ihre Numnrer möcht' ich wissen l" erwiderte darauf er- regt die Frau. In demselben Moment packte sie der Polizeimann am Hals und warf sie zu Boden mit derarttger Wucht, daß die Frau am Ellbogen und am Schenkel verletzt wurde.„Schieß' sie doch zu- s a m m e n I" rief dazu ein Nachtschutzmann, und schon krachte ein Schuß und noch einer dirett durchs Fenster in die Wirtschast hinein. Die Kugeln wurden nachher auf- gehoben. Getroffen wurde einem glücklichen Zufall zufolge niemand.— Ein alter grauer Mann kam um"/.lO Uhr ganz ahnungslos vom Volksfest, er wußte noch gar nicht, was eigentlich los ist.„Lump mach daß Du weiter kommst, sonst hau' ich Dich zusammen l" brüllte ihn ein Schutzmann an. Gleich im nächsten Moment wurde eine Dame niedergeritten, eine zweite erhielt einen Säbelhieb über den Kopf, beide waren ahnungslos von der Aus- stellung gekommen und waren auf dem Heimweg be- griffen. Bei der Wirtschaft zum Merkur rannte ein Polizist einer Frau den Säbel in die Brust. Diejenigen, die der Frau Hülfe leisten wollten, wurden brutal niedergeschlagen und verhauen. » Das sind entsetzliche Proben polizeilichen Heldenmutes in der Schlacht zu Nürnberg. Aber wer trägt an solchen Vor- kommnissen die Schuld? Die bürgerliche Presse ist schnell dabei, sie der„auf- hetzenden Tätigkeit der Sozialdemokratie" zuzuschreiben. Der „Fränkische Courier" weiß davon zu berichten, daß in der Nähe der Motorfahrzeugfabrik„Union" seit Wochen Aus- schreitungen sich ereignet hötton, die er natürlich den streikenden Arbeiten: aufs Konto setzt. Das ist nicht wahr. Die Strei- kenden haben in völlig gesetzlicher Weise ihr Koalitionsrecht ausgeübt und natürlich zur Aufklärung etwaiger Arbeitswilliger Posten aufgestellt. Das war ihr gutes Recht. Zugespitzt haben sich die Verhältnisse erst seit etwa 8 Tagen, als die vom Unternehmertume aufgestachelten Streikbrecher ihrerseits an- griffsweise gegen die Streikenden vorgingen und es zu dem ent- setzlichen Mord kam, dem einer der Streikleiter zum Opfer fiel. Jetzt war es die Streikleitung, die sofort vorbeugend eingriff. Als die völlig erklärlichen Anrempelungen vor der Fabrik sich wiederholten, zog der Metallarbeiterverband seine Streikposten zurück, um jede Möglichkeit eines Zusammenstoßes zwischen diesen und den Streikbrechern zu vermeiden. Von der Streikleitung oder um im Stile der Scharfmacher zu reden, von der„Sozialdemokratie" war also alles getan, trotz der ungeheuerlichen Provokatton jeden weiteren Konflikt zu vermeiden. Das geschah, obgleich die klassenbewußte Arbeiterschaft auch die Haftentlassung jenes Mordbuben als Pro- vokation empfinden mußte, der dem durch einen Schuß in die Brust schon tödlich getroffenen wehrlosen Streikführer kalt- blütig noch zwei Revolverschüsse in den Rücken jagte. Es geschah trotz dieser Ungeheuerlichkeit oder vielmehr gerade deswegen! Der kapitalistische Staat aber entwickelte in diesem Augen- blicke alle seine Machtmittel, ließ Polizei und Militär auf- marschieren und, nachdem das Blutbad von Nürnberg vorbei ist und sich erwiesen hat, daß der Polizeisäbel und der Polizei- revolver ihre Arbeit hauptsächlich an harmlosen Passanten verrichteten, finden sich unter den durch Glückszufall nicht Bettoffenen noch heuchlerische Augenverdreher, welche das Entsetzliche mit dem albernen Gemeinplatz zu entschuldigen versuchen, daß der Unschuldige in solchen Fällen leider mit dem Schuldigen leiden müsse l Ja, wer ist denn der Schuldige? Ach, der leidet unter diesen polizeilichen Schlägen nicht oder wenigstens nicht unmittelbar! Der Schuldige ist der Kapitalismus! Der Kapitalismus, der die Interessen- gegensätzlichkeit in der modernen Gesellschaft erzeugt, der die Wirt- schaftlichenKämPse der Gegenwart hervorgerufen hat, die dann von Zeit zu Zeit und immer öfter zu so blutigen Schlachten ausarten müssen, wie in Breslau und Nürnberg. Der Schuldige ist der kapitalistische Staat, der gar nichts anderes weiß, als in den modernen wirtschaftlichen Kämpfen sich bedingungslos und ohne Ueberlegung auf die Sette des Kapitalismus zu stellen! Was hatte die Polizei überhaupt vor der Fabrik zu suchen, in welcher die moderne privatkapitalistische Produktion die Arbeiter in einen Konflikt mit dem Unternehmertum hineingetticbcn hatte? Was hat sie überall dort zu tun, wo ähnliches sich ereignet? Die Arbeitswilligen zu schützen? Ach wovor denn? Jeder- mann weiß ja doch, daß die Streikposten die Arbeitswilligen nur über die Ursachen des Konfliktes aufklären wollen. Aber daran hindert sie die Polizei. Der moderne Staat ist ein Werkzeug des Kapitalismus, vertritt die Interessen des Kapitalismus und läßt seine Diener im Interesse des Kapi- talismus tätig sein. Deshalb ist es möglich, daß ein Streikbrecher einen Streikposten ermorden kann, ohne daß ihm ein Haar ge- krümmt wird. Darum sühlt sich auch die Schutzmannschaft völlig in ihrem Recht, wenn sie in der geschilderten furchtbaren Weise vorgeht, ja, sie fühlt sich v e r p f l i ch t e t dazul Expedition: 831. 68, Ltndenstraeee 69. Keriilvrecher: Amt IV, Nr. 1984. Der Kapitalismus hat unsere Moralanschauungen völlig in seinem Sinne gewandelt, oder besser, die Moral- anschauungen seiner Anhänger und Diener. Sie ftagen nicht danach, ob irgend eine ihrer Handlungen im Interesse der Allgemeinheit, im Interesse des Kulturfortschrittes liegt, ob sie sich ethisch wirklich rechtferttgen lassen: die Erhaltung des Privatkapitalismus ist ihr höchster Zweck, und dieser Zweck heiligt alle Mittel! Wer am Kapitalismus rüttelt, wer auch nur den Profit gefährdet, wie diese streikenden Arbeiter in Nürnberg, der ist ein Verbrecher, gegen den ist jede Schonung ungerechtfertigt! Aus dieser Anschauung heraus verbietet man das Streik- postenstehen, aus dieser Anschauung heraus erkennt man auf schwere Strafen gegen Streikende, aus dieser Anschauung heraus versucht man die Gesetzgebung gegen die Arbeiterschaft mobil zu machen, diese Anschauung mildert in den Augen ihrer Vertreter die Verbrechen der Kapitalisten und ihrer streikbrcchen- den Helfershelfer, diese Anschauung führt die Polizeisäbel, lenkt die Polizeirevolver gegen Harmlose und kommandiert die Gewehre und Bajonette! Der Privatkapitalismus ist schuld daran, daß solche An- schauungcn möglich sind; die Schuld an dem Blutbad in Mrn- berg trägt er, trägt der Kapitalismus! Die rnssische Revolution. Die Wirkung des Attentats auf Stolhpin. Der Zar hat den Ministerpräsidenten in einem Beileids- telegramm aufgefordert, unentwegt weiter gegen die wahnsinnige Revolution zu kämpfen. Der Selbstherrscher begreift nicht, daß das Ungeheuerliche, das Brutale der Revolution, das er als Wahnsinn empfindet, nur die Konsequenz des Wahn- sinns, der Bestialität des Zarismus ist. Selbstverständlich sind nach den: Attentat die Forde- rungen jener am Hofe einflußreichen Kreise, die die wildeste Gewaltpolitik gegen die Revolution wollen, nur noch lauter geworden. Aber ans verschiedenen Quellen wird versichert, daß Stolypin sich nicht zur Ver- schärfung der Unterdrückungsmaßnahmen drängen lassen werde. Die„Russ. Korrespondenz", die seit dem Besuche des Herrn Dr. Nathan bei Stolypin allerlei Hoffnungen auf den Premier zu setzen scheint, läßt sich telegraphieren: Petersburg, 28. August. Das Charakteristische der letzten beiden Tage ist, daß viele Messen für die Getöteten abgehalten und zahl- reiche Verhaftungen vorgenommen werden. Stolypin behält die volle Ruhe des Staatsmannes; er bleibt auf seinem Posten und ist gegen neue Gewaltmittel. Ein kleiner Kreis eingesetzter Mitglieds des Reichsrats hielt Beratung und be- schloß, rasche Einberufung der Duma zur Abschwächung der Rc- pressionspolitik vorzuschlagen. In leitenden Kreisen ist starke Strömung für Verschärfung der Gewaltmittel, besonders gegen die Presse, trotz ihrer taktvollen Haltung. Gleichzeittg erschien im offiziösen Regierungs- organ„Rossija" ein Leitartikel, der ähnliches sagt. Es heißt darin, die Regierung besitze genügende Gewalt zur Unterdrückung der Attentate und verbrecherischen Haudlunge». sie erblicke aber darin nicht ihr Hauptziel und die Grund- läge ihrer Tätigkeit. Als nächste Pflicht betrachte die Regierung die Ausarbeitung der Gesetzcsvorlagen für die Duma. Unaufschiebbare Fragen würden bis zum Zu- sammentritt der Duma in gesetzlich vorgesehener Weise von der Regierung erledigt werden. Die Revolutionäre könnten die Tättgkeit der Regierung nicht hindern, da ein Wechsel im Bestand der Vertreter der Gewalt die Regierung nicht ver- anlassen könne, auf Reformen zu verzichten, deren Notwendig- keit längst von den ruhigen, aufgeklärten Klassen der Be- völkerung erkannt wurde. Die Regierung beteuert also abermals, daß sie nicht reaktionär sei, daß sie Reformen bringen werde. Die Häufung der Attentate scheint sie demnach zu einem Appell an die Bevölkerung gegen die Revolution zu bewegen. Es wird keinen Erfolg haben, da die Taten der Regierung ihren Worten doch allzu derbe auf die Zehen treten. Das Volk hat diese Regierung bisher nur als Unterdrückungs- organisation, als Henkerbande kennen gelernt. Keine einzige positive Leistung, kein noch so winziges Reförmchen ist bisher zu schauen gewesen, obwohl Stolypin mehrfach versichert hat, daß Reformen, zu deren Vollziehung die Mitwirkung der Duma nicht nötig sei, auf administrativem Wege durchgeführt werden sollten. Sehr hübsch paßt übrigens zum Leitarttkel der„Rossija" die folgende Meldung des„Russ. Kuriers": Da die Resultate der Uebung der Polizeibeamten mit Maschinengewehren überaus günstig sind, soll jetzt eine besondere Maschinengewehrabteilung unter Leitung von zwei Offizieren zunächst bei der Peters- burger Polizei formiert werden. Die Gründe der Tötung des Generals Minn. Der Getötete war einer der schlimmsten, grausamsten Blut- Hunde, die im Dienste des Zaren stehen. Er war als Oberst Kommandeur des Semenowschen Regiments, das sich bei der Unter- drückung der Moskauer Aufftände so sehr ausgezeichnet hat. Seine Devise war:»Kugeln nicht sparen I" und er hat eigenhändig die Ge» rechten und Ungerechten ohne jegliche Untersuchung medergeknallt> Dabei ging er mit Vorliebe Ivie folgt vor: nachdem er die ihm als verdächtig be- zeichneten Personen zu sich kommen ließ, richtete er einige Fragen an sie, und wenn die Gefragten ihre völlige Unschuld zu beweisen bereit waren, trieb er sie mit dem Bemerken fort, sich schnurstracks nach Hause zu scheren. Kaum hatten sie einige Schritte getan, als ihnen Minn und sein Konvoi mehrere ivohlgezielten Kugeln nachjagten, die die Unglücklichen niederstreckten. Verwundete Zivilisten, die in den überfüllten Krankenhäusern Moskaus keine Aufnahme finde» konnten und in dem Sanitätszug untergebracht waren, wurden auf Minus Befehl hinausgeworfen und sind elend erfroren. Auch ließ Minn seine Mannschaften allzu oft das Bajonett in An- Wendung bringen und mehrere Klagen überlebender Krüppel warten noch der gerichtlichen Entscheidung. Diese und andere Taten Minus wurden seinerzeit von den russischen Blättern unbeanstandet ge- bracht und erregten viel Aufsehen. Noch' kürzlich wurde Minn von militärischer Seite öffentlich aufgefordert, wenigstens einen Teil der ihm unter eidlichen Aussagen zur Last gelegte» Grausamkeiten zu widerlegen. Doch Minn schwieg, de» Zar aber beförderte ihn zum General, ernannte am 4. August seine Tochter zur Hofdame der Zarin und beabsichtigte jetzt, den General Minn mit einer Straf- expedition nach den Ostseeprovinzen zu entsenden, was die russischen Nevolutiouäre mit der Ermordung des verhaßten Generals Minn quittierten. Der jüdische NrVeiterbund über den letzten Massenstreik. Die russische sozialdemokratische Partei ist gegenwärtig ihrer Preßorgane beraubt und kann sich über den mißlungenen Massenstreik öffentlich nicht äußern. Das Zentralkomitee hat sich im fünften Briefe„an die Parteiorganisationen"(11. August) über den von ihm eingenommenen Standpunkt und die Ursachen des Mißerfolges aus- esprochen: es besitzt aber kein öffentliches Sprachrohr, um sich an re Allgemeinheit zu wenden. Im Gegensätze dazu besitzen die Bundisten die Möglichkeit, ihren Standpunkt öffentlich bekannt zn machen. Im Wochenorgan der Bundisten(Nr. 5 und 6) sind Mitteilungen über den Massenstreik enthalten, die so wichtig sind, daß wir sie hier wiedergeben müssen, obgleich wir gleichzeitig darauf aufmerksam machen, daß sie der Aus- druck der Meinungen einer gewissen Partei sind und nur als solcher gelten können. „Nach der Dumaauflösung", wird da mitgeteilt,„fanden Be- ratungen der Vertreter verschiedener Organisationen statt, ursprüng- lich in vielumfassender Zusammensetzung, nämlich unter der Betei- ligung vieler Verbände(Eiseubahuer, Postbeamte, Ingenieure, Lehrer, Ncchtsanwälte, Verband der Verbände usw.) und nachher in engerer Zusammensetzung, als Konferenz der revolutionären Organisationen und der Arbeits- und sozialdemokratischen Dnmafraktionen. Die Mehrzahl war für die Losung:„Einberufung einer Konstituante"; das Zentralkomitee der russischen sozialdemokratischen Partei verteidigte die Losung:„Durch die Duma zur Konstituante". Als Taktik wurde von der Mehrzahl Abivartcn empfohlen; das Zentralkomitee der russischen sozialdemokratischen Partei schlug den Generalstreik vor; die polnische S. D. P. empfahl einen ein- oder zlveitägigen DemonstrationSstreik. Die abwartende Taktik siegte. Man beschloß, ein gemeinsames In- formationsbureair zu bilden. Die Militärmcutereien änderten die Sachlage. Die Streikfreunde argumentierten: Wenn die Militärmeutereien nicht unterstützt werden, so werden sie erfolglos verlaufen, im Militär wird Enttäuschung und Erbitterung gegen das Proletariat zurückbleiben, künftiges Zusammenwirken von Proletariat und Armee wird erschwert werden. Auf plamnäßiges Hervortreten des Bauerntums zu warten, ist zwecklos, solche planmäßige Bauernbewegung ist nicht möglich; die Agrar- unruhen tverden, wie jetzt, so auch künftig, sporadisch und planlos ausbrechen. In den Städten sich sieben Monate lang, bis zur neuen Duma, abwartend zn verhalten, ist unmöglich; nach der Unter- drückuug der Militärmeutereien wird aber die Situation für Massen- bcwegungcn viel weniger günstig sein; der Augenblick der Militär- Meuterei soll benutzt werden auch für die Mastenbewegung in den Städten. Außerdem hat das Zentralkomitee der russischen sozialdemo- kratischen Partei in einem Zirkularschreiben hervorgehoben, daß die aufgelöste Duma das einzige Gebilde ist, das als Zentrum der Massenbewegung dienen und der zarischen Regierung als Gegen- regierung entgegengesetzt werden kann; gerade jetzt soll die Duma benutzt werden, bevor sie als feststehendes und vom Volke an- erkanntes Gebilde zu existieren aufgehört hat; bei einer Massen- bewegu»(j im gegenwärtigen Augenblick läuft auch das Proletariat am wemgsten Gefahr, isoliert zu bleiben. Falls eine aktive Be- wegung unmöglich ist, soll ein andauernder, sich in die Länge ziehender Kampfeszustand und dafür eine revo- lutiouäre Atmosphäre geschaffen werden; Streiks, Demonstrationen, Proteste, Lokalkämpfe, dies alles soll die gehobene Stimmung auf« recht erhalten, die nachher in den Entscheidungskampf übergehen wird, und für diesen Zweck wird der Generalstreik ein Hebel sein. Ein letzter Stoß drängte zum Streik: das Petersburger Komitee der russischen sozialdemokratischen Partei h�tte, ohne den allgemeinen Beschluß abzuwarten, selbst in St. Petersburg den Massenstreik proklamiert. Der Bund äußerte sich in seinem Zirkularbrief dahin, daß er bei der gegenwärtigen Situation auf Erfolg nicht rechnet und den Augenblick für ungünstig hält, daß er aber, nachdem fast alle größeren Organisationen den Streik proklamiert haben, die allgemeine Soli- darität nicht verletzen und an der Gesamtbewegung auch teil- nehmen wird. Nachdem der Massenstreik mißlungen war. legte der Bundist Genosse Winitzky im Wochenorgan seiner Partei die Ursachen aus- einander, die nach den Ansichten seiner Parteigenossen zum Mißerfolg geführt hatten. 1. Aus der aufgelösten Duma ein Revolutions- zcntrum machen zu wollen, das bedeutete, sich auf ein leeres Nichts stützen zu wollen. Die Duma ließ sich auflösen; der Moment, wo sie sich an die Spitze der Bewegung stellen konnte(falls sie selbst dazu fähig wäre), ist nicht benutzt worden; sie ist nicht mehr. 2. Die Zeit, wo eine Reihe Denionstrationen und Streiks, die im voraus zur Unterdrückung bestimmt waren, als Agitationsmittel dienten, ist vorüber. Gegenwärtig sind Massenbewegungen so vielumfassend, so furchtbar ernst, so bedeutungsvoll, daß sie nur als wirkliche Kampfesbewegungen inszeniert tverden können, und dies ist nur daun möglich, wenn auf den Sieg gerechnet wird, was hier nicht der Fall war. 3. Die Städte wissen, daß sie ohne das Bauerntum nicht siegen können. Die Bauernrevolution kann nicht so plan- mäßig organisiert werden, wie die städtische; es ist aber falsch. daß auf dem Lande nur sporadische Ausbrüche wie die jetzigen möglich sind. Die Bewegung auf dem Lande kann quantitativ eine so umfassende werden, daß die Regierung nicht mehr festen Fuß hat und qualitativ sich zu einer bestimmt politischen entwickeln. 4. Es ist falsch, daß, wenn der Augenblick der Militärmeutereien nicht benutzt wird, die Bewegung in einer noch ungünstigeren Situation geschehen soll. Es sollen überhaupt keine Bewegungen stattfinden, während die Situation dieselbe bleibt; sie dürfen erst inszeniert werden, wenn der Kampf um den Sieg möglich geworden ist. Man kann nicht mehr so. wie in der früheren Agitationszeit, die Massen aus die Straßen rufen, ohne die volle Sicherheit zu haben, daß nicht mehr eine Demonstration, sondern ein allgemeiner Kampf entstehen wird.* Die Revolution war noch nicht mächtig genug, um den Zarismus zu stürzen. Die Reaktion ist nicht stark genug, um die Revolution zu unterdrücken. Die Regierung selbst sorgt dafür, daS revolutionäre Feuer immer mächtiger zu entfachen. Wenn im Volke selbst die revolutionäre Welle wieder steigt, dann wird der Augenblick ge- kommen sein, um den wirklichen Kampf zu beginnen. Die Verfolgung der Dumaabgeordnete«. Wir haben früher mitgeteilt, daß in Kamenka, Gouvernement Pensa, sich das Volk der Verhaftung des Abgeordneten Wragow widersetzt hat. Am 17. August wurde den„Russkija Wed." aus Pensa telegraphiert:„Am 15. August wurde auf Grund des§ 21 des Reglements vom verstärkte» Schutz i» Kamenka der ehe--" malige Dumaabgeordnete Wragow verhaftet; 32 vermeintliche Rädelsführer, auf welche der Stanowoj(Bezirkschef) und der Urjadnik(Landpolizist) hinwiesen, wurden zu gleicher Zeit verhaftet. Der Gouverneur Alexandrowskl) hatte selbst die Gemeinde- Versammlung einberufen und mit Kosaken umzingelt; er zwang die Gemeinde, vor ihm zu knieen und forderte, sie sollte die Rädelsführer nennen und selbst ausliefern; diese Forderung wurde aber nicht erfüllt. Der Priester, der am 12. August(Geburtstag des Thronfolgers) eine Totenmesse für Herzcnstein gehalten halte, wurde auf Befehl der Gouvernementsbehörden in ein Kloster ein- gesperrt.", Bei der Haussuchung beim Abg. Seffer wurden als Trophäen Renans„Leben Jesu", Marx„Kapital" und eine Nummer der ge- werkschaftlichen Zeitung„Semapkor" gefunden. Nach einigen Tagen Haft wurde Seffer freigelassen; die drohende Haltung der Bauern- bevölkerung hat dazu beigetragen.(„Oko", 8./21. August). Sonstige Meldungen. Riga, 26. August. Das in Drestenhof, wo bekanntlich Revo- lutiouäre einen Landgendarmen ermordeten und sonstige Greueltaten verübten, eingetroffene Kosakenstrafkorps hat drei Räuber auf der Stelle hingerichtet. 40 erhielten Knutenhiebe. Ssamara, 28. August. Gestern abend veranstaltete eine etwa 400 Köpfe zählende Menschenmenge unter Vorantragung roter Fahneir und unter Absingung revolutionärer Lieder einen Umzug. Beim Eingange zur Dworjanskajastroße stieß die allmählich auf gegen 2000 Menschen angewachsene Menge mit der Polizei zu- sammen, hierbei erhielt ein Polizist eine leichte Dolchwuude, der Gehülfe des Polizeimeisters sowie mehrere Polizisten wurden durch Steinwürfe verletzt. Riga, 23. August. Auf offener Straße wurde ein Steuer- einuehmer überfallen und um 1500 Rubel beraubt. Ein herbei- aeeilter Schutzmann wurde getötet. Eine Patrouille verhaftete einen Räuber, der eine Verwundung erlitten hatte. Ein anderer, bei dem daS Geld vorgefunden wurde, wurde getötet, die übrigen ent- kamen. Jwanowo-WoSncssensk, 28. August. In den Kreisen Kowrow und Susdal haben sich Banden gebildet, deren hauptsächlicher Zweck es ist. die Kronsbranntweinbuden auszurauben. Petersburg, 28. August.(W. T. B.) Im Leichenhaus des Peter-Paul-Hospitals befinden sich noch zehn nichtrekognoszierte Opfer der Explosion in der Villa des Ministerpräsidenten Stolypin, darunter zwei Kinder und eine Frau. Politische(Jebeflicdt. Berlin, den 28. August. Graf Strachwitz gegen die„Kölnische Volkszeitung". Bekanntlich hatte die„Kölnische Volkszeitung" den Grafen Strachwitz, den Zentrumsagrarier und Feind des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts, der trotz— oder auch wegen— dieser Eigenschaften Mitglied der preußischen Zentrumsfraktion ist, wegen seiner in der„Deutschen Tageszeitung" mit allzu zynischer Offenherzigkeit geäußerten Anschauungen gelinde abgerüffelt. Das rheinische Zentrumsorgan hatte zwar dem Grafen Strachwitz zu verstehen gegeben, daß man ihm keine Träne nachweinen werde, wenn er freiwillig aus der preußischen Zcntrumsfraktion austreten werde, allein zu der kategorischen Forderung der Hinausbeförderung dieses Fraktionsmitgliedes hatte sich auch- die„Kölnische Volkszeitung" nicht aufzuschwingen vermocht! Graf Strachwitz ergreift nun abermals in dem Organ Knuten-Oertels das Wort gegen die„Kölnische Volkszeitung". In diesem Blatte, behauptet der Zentrumsgraf, der es als Preußischer Zcntrumsabgeordneter ja wissen muß, komme zum Teil eine Richtung zum Ausdruck, die durchaus nicht die Wünsche des katholischen Volkes in seiner konservativen Mehrheit vertrete. Die„Kölnische Volkszeitung" übersehe in ihrer„Diktatorenlaune", daß die Beurteilung der inner- politischen Lage Deutschlands, wie er sie sich erlaubt habe, nicht nur von weiten Kreisen der konservativ ge- sinnten Zentrumsparteigänger geteilt werde, sondern daß auch bereits links st ehende Katholiken zu der Ueberzeugung kämen, daß es mit der modernen Sozialpolitik der Reichsregiernng so nicht weiter gehe! Die „Kölnische Volkszeitung" dürfte doch wissen, daß in der Zentrumsfraktion des preußischen Abgeordnetenhauses schon so mancher Herzenswunsch derjenigen Richtung begraben worden sei, die in der„Kölnischen Volkszeitung" manchmal zum Durchbruch komme. Deshalb würden sich die Alt- Preußen, katholische wie evangelische, vor der Zensur der „Kölnischen Volkszeitung" nicht allzu sehr fürchten. Be- fonders zurzeit gelte es für die konservativ gesinnten Katho- liken, zusammenzuhalten und sich nicht von der„modernen Richtung an die Wand drücken zu lassen, sowohl in ihrem eigenen Interesse als besonders in dem der Allgemeinheit." Graf Strachwitz scheint also in der Tat der kleine Kirchen- bann der„Kölnischen Volkszeitung" nicht allzu sehr zu im- panieren. Er weiß genau, daß er einen Rückhalt findet in der Zentrumsfraktion des preußischen Ab- geordnetenhaufes. Er weist denn auch darauf hin. daß schon einmal die„Kölnische Volkszeitung" gegen ihn Stellung genommen habe, als er in einem benachbarten Wahlkreise— im Einverständnis mit der preu- ßischen Zentrumsfraktion— in den katholischen Ortschaften für den konservativen Kandidaten ein- getreten sei.— Auch damals habe die„hohe Erlaubnis" der „Kölnischen Volkszeitung" gefehlt, worum sich die preußische Zentrumsfraktion nicht im geringsten gekümmert habe. Graf Strachwitz weiß, daß nicht nur in der Zentrumsfraktion des preußischen Abgeordnetenhauses, sondern auch in der Fraktion des Reichstages die konservativen Tendenzen über- .wiegen, und daß sein Wort„das Zentrum wird agrarisch sein oder es wird nicht sein" in Erfüllung gegangen ist. Die„Kölnische Volkszeitung" wird die Antwort nicht schuldig bleiben— aber Graf Strachwitz wird nichtsdesto- weniger als preußischer Zentrumsabgcordneter die konser- vativ-agrarische, antisozialpolitische Richtung weiter vertreten. Er wird mit seinen Gesinnungsgenossen fortfahren, die Re- gierung zu versichern, daß sie es fchon auf einen Staatsstreich ankommen lassen dürfe, um gegebenenfalls einen Reichstag zustande zu bringen, der entgegen der famosen Flottengesetz- klausel unter Schonung der Leistungsfähigen dem Prole- tariate neue schwere indirekte Steuerlasten aufbürden könne!---_ Südwestafrikanische Aussichten! In dem halboffiziösen Scherl-Blatt findet sich ein sehr interessanter Artikel über die„Verminderung der Schutztruppen in Südwestafrika". Selbstverständlich, heißt es darin, herrsche das Streben vor. die Rückführung aller entbehrlichen Streitkräfte so schnell wie möglich zu bewerkstelligen, doch feien diese Maßnahmen keineswegs so leicht durchführbar, als es auf den ersten Blick erscheinen möge. Auf den drei Abschnitten des südwest- afrikanischen Kriegsschauplatzes seien die Verhältnisse ganz ver- schieden. Nichts destoweniger müsse in allen drei Gebieten die Frage sorgfältig geprüft werden, welche Höhe die in Zukunft in Süvwestafrika zu belastende Schutztruppe überhaupt haben müsse. um vor Ueberraschungen ein fiir allemal sicher zu fein. Dazu sei auch im Friede» eine entsprechende Machtcntfaltung unbedingt erforderlich. Die zurückbleibende Truppenmacht würde sich nicht nur auf das Besetzen der Hauptzentrcn beschränken, sondern müsse auch die zur Kolonifation besonders geeigneten Terrains an den größeren Wasserstellen umfassen, denn den schwarzen Eingeborenen imponiere nur derjenige als„Herr", dessen Macht sie sähen und fühlten. Eine entsprechende Machtentfaltung sei also auch im Frieden unbedingt notwendig. Und man werde fchwerlich fehlgehen, wenn man sage, daß die hierzu erforderliche zukünftige Gesamt- stärke der im Schutzgebiet zu belastenden Truppen auf etwa 7000 Köpfe bemessen werde. Die Gliederung dieser Kräfte im einzelnen unterliege zurzeit noch der Erörterung. Voraus- sichtlich würde die Truppenzahl auf etwa 20 Kompagnien, 6 Batterien und 12 Maschinengewehrsektionen a 2 Maschinengewehre bemessen werden, auch die Verwendung von Kamelreiter- t r u p p e s zur Ueberwindung von Durststrecken sollen in Erwägung gezogen worden sein. Da man weiß, welch vorzügliche Informationen das Scherl« blatt gerade aus kolonialen und kolonialmilitärischen Kreisen er- hält, dürften seine Angaben jedenfalls den Plänen maß- gebender Stellen entsprechen! Diese Pläne gehen aber dahin, nicht nur für die nächste Zeit, also die nächsten zwei oder drei Jahre, ein Truppenaufgebot von 7000 Mann in der Kolonie zu unterhalten, sondern überhaupt für alle Zukunft. Das ist aber ein Projekt, das dem Reiche dauernd ganz enorme Aus- gaben verursachen ivürde. Nehmen wir an, daß die Unter- Haltung der 7000 Mann pro Tag nur 100 000 M. betragen würde, so machte das für den Monat 3 Millionen, fiir das Jahr also 36 Millionen Mark! Und diese enormen Ausgaben sollen für eine Sandwüste verausgabt werden, über deren wirtschaftliche Ent- Wickelung selbst die kühnsten Optimisten die deprimierendsten Auf, fastungen hegen. Und doch kann es als sicher gelten, daß auch für eine solche aberwitzige Geldverschleuderungspolitik die maßgebenden Parteien des Reichstages zu haben sein dürften. Selbst Herr E r z b e r g e r hat ja bereits angekündigt, daß das Zentrum im Herbst neue hundert Millionen für den Kolonialkrieg bewilligen würde, sofern nur die Regierung einigen guten Willen beweise, den „kolonialen Augiasstall auszumisten". Und ganz zweifellos wird das Zentrum auch für die Kosten der Unterhaltung einer 7000 Köpfe starken südwestafrikanischen Kolonialarmee eintreten, wenn nur den Missionen der gewünschte Spielraum gelassen wird. Und wenn gar, wie jetzt verlautet, der katholische Regierungspräsiden« von Schorlemer als Nachfolger Podbielskis bestimmt sein sollte, wäre der Palt des Zentrums mit der Regierung vollends perfekt!— �, Dcutfches Reich, Bülow— Podbielski. "Selbst' die„Deutsche Tageszeitung" gibt jetzt zu, daß Podbielski in dem Scherlorgan die Unwahrheit gesagt hat. Sie schreibt nämlich: „... Vermutlich liegt eine Verwechselung(der angeblichen Aufforderung durch den Kaiser) mit dem Schreiben des Reichs- kanzlers an den Landwirtschaftsminister vor, in dem dieser freilich weder zur Rechenschaft noch zur Einreichung eines Entlassungs- gesuches aufgefordert, sondern lediglich ersucht wurde, dem Fürsten Bülow Material zur Verfügung zu stellen, auf Grund dessen er die Haltlosigkeit der gegen Herrn v. Podbielski in der Presse erhobenen Vorwürfe beweisen konnte. Daraufhin hat aller« dings der Landwirt schaftsmini st er gebeten, seinen Wunsch nach Entlassung dem Kaiser zu unterbreiten. Es hat wahrhaftig keinen Zweck, diesen Sachverhalt, der nunmehr so gut wie festgestellt ist, zu verdunkeln." Wenn diese Lesart richtig ist, wäre Bülow glänzend ge- rechtfertigt ,d. h. insoweit, als er durch die„Norddeutsche Allgem. Ztg." hatte verkündigen lassen, daß Pod ihn ersucht habe, dem Kaiser seinen Wunsch nach Entlassung zu unter- breiten. Doppelt unerklärlich wäre es freilich, daß Bülow auf die Erklärung des Landwirtschaftsministers, die „Nordd. Allgem. Ztg." sage die Unwahrheit, er habe seine Entlassung nicht cingekeicht, mit der kläglichen Er- klärung quittiert hat, daß Wilhelm II. im Einverständnis mit Bülow zurzeit einen Entscheid über das Entlassungsgesuch nicht fällen könne. Der Auffassung, daß Bülow jämmerlich die Segel gestrichen hat, ist auch die„Kölnische Volkszeitung". Sie bemerkt zu dem„Duell Blllow-Podbielsk i": „Die offiziöse Presse brachte zwei Notizen, die nur dann be« greiflich sind, wenn man weiß, daß Fürst Bülow unter allen Um st än den den Minister los haben wollte. Podbielski hat als seine Garde gewisse Kreise in der Umgebung des Kaisers, die auf die Presse schlecht zu sprechen find, und den „Lokalanzeiger", dem er sich anvertraute. Seine Position muß damals noch gut gewesen sein, sonst wäre Herr Scherl kaum auf seine Seite getreten. Es ist nämlich nicht hin- reichend bekannt, daß der„Lokalanzeiger" an höchster Stelle ganz vorgelegt wird; von anderen Zeitungen kommen nur Ausschnitte auf den Lesetisch. Die Tatsache, daß der Kaiser von allen deutschen Blättern nur den„Lokalanzeiger" unzerschnitten zu Gesicht bekommt, erklärt allerdings zur Genüge sein wenig schmeichel- Haftes Urteil über die deutsche Pressel Die Tätigkeit der„Sttdwestafritanischcn SiedelungSgescllschast" bildete gestern abermals den Mittelpunkt einer Verhandlung, die die 8. Ferienstrafkammer des Berliner Landgerichts I mehrere Stunden hindurch beschäftigte. Es handelte sich um die Privatllage des Konsuls Ernst V o h s e n gegen den Kreisassessor Gerstenhauer und den Redakteur der„Deutschen Zeitung" Eichler. Als in der Oeffentlichkeit und auch in der Reichstagskommission eine Reihe von Angriffen gegen die Tätigkeit der Siedelungsgesellschaft erhoben wurden, veröffentlichte Konsul Vohsen in der„National- Zeitung" einen längeren Abwchrartikel. in welchem er die Berechtigung der Angriffe schroff zurückwies und seine Gegner als Leute kennzeichnete, die diese Angriffe aus schlechter Absicht erhöben. Der Angeklagte Gerstenhaner veröffentlichte darauf in der„Deutschen Ztg." zwei Artikel und kritisierte darin an der Hand von Zahlen die Tätigkeit der Siedelungsgesellschaft höchst abfällig, indem er ihr dkn Vorwurf machte, daß sie die ihr gewährte staatliche Landkonzession nicht dazu benutze, um möglichst viel Ansiedler nach Südwestafrika zu ziehen, sondern um Landspekulationen zu treiben und einen mühelosen Gewinn einzuheimsen. Als Konsul Vohsen darauf eine Erwiderung der„D. Ztg." einsandte, folgten noch einmal zwei Artikel des Angeklagten Gerstenhauer, der darin die ersten Be- Häuptlingen durchaus aufrecht erhielt. Diese Artikel bilden den Gegenstand einer vom Konsul Vohsen erhobenen Privat- klage gegen Herrn Gerstenhauer als Verfasser und Herrn Eichler als Redakteur. In den Artikeln wird Herrn Vohsen„Wort- klauberei" zum Borwurf gemacht, die Herren der Siedelungs« gesellschaft werden als„kluge Geschäftspatrioten" geschildert, die an dem Ausstände der HereroS mit schuld seien, da sie in Wirklichkeit die Besicdelung erschwerten. Die Siedelungsgesellschaft, die sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichere, entwickele keine gemeinnützige Tätigkeit, und da die Absicht der Schenker des Landes, nämlich des Staates und der Kolontalgesellschast, getäuscht worden sei, so lasse sich das kolossale, in der Konzessionserteilung enthaltene Geschenk nicht mehr rechtfertigen. Die Gesellschaft habe jähre- lang ihren Gewinn verschleiert, indem sie keine Dividende zahlte, sondern die Ueberschüsse als Rücklage-Konten buchte.— Das Schöffengericht hatte seinerzeit nach eingehender Verhandlung auf Freisprechung erkannt, indem es den Angeklagten den Schutz des Z 193 zubilligte. In der gestrigen Verhandlung vor der Be- rufuugsinstanz suchten der Privatkläger und Justizrat Kleinholz Melangen Ausführungen darzulegen, daß die gewählten Aus- drücke schlvere Beleidigungen gegen den Konsul Vohsen ent- hielten und die Angriffe gänzlich unberechtigt seien.— Die Angeklagten und die Rechtsanwälte S t o l t e und Bredereck be- stritten jede Absicht persönlicher Beleidigung und boten für die aufgest eilten Behauptungen den Wahrheits- beweis an, indem sie sich auf das Zeugnis der Gouverneure Frantzois und Leutwein, den Kommissar Rohrbach und den Farmer Mittelstaedt beriefen. Die Artikel beabsichtigten nicht, den Privatkläger zu beleidigen, sondern darzu- tun, daß die Konzessionspolitik der Regierung ein Krebs- schaden sei, der dem Volke unermeßliche Werte entziehe. Es handele sich um den Kampf ziveier Prinzipien: der privatwirtschaftlichen Interessen und der kolonialpolitischen Interessen.— Die Berufungskammer kam, nachdem von beiden Seiten eifrig die sich be- kämpfenden Ansichten verfochten worden ivaren, wiederum zu einer Freisprechung der Angeklagten auf Grund des§ 193 des Strafgesetzbuchs._ Die angebliche Beleidignng der Jnstcriurger Strafknmnier ist nun anscheinend dadurch gesühnt, daß zwei Redakteure sozial- demokratischer Zeitungen zu Gefängnis- resp. Geldstrafen verurteilt worden sind, weil sie es für ihre Pflicht hielten, Kritik an einem Gerichtsurteil zu üben, welches das Rechtsgefühl derer aufs tiefste verletzen mußte, die Augenzeugen Her Erschießung des Landarbeiters Malter durch den Inspektor Neufang gewesen waren. Die Strafkammer zu Jnsterburg, welche den Inspektor freisprach, weil sie annahm, dieser habe sich dem Erschossenen gegenüber in Notwehr befunden. muß ein ganz falsches Bild erhalten haben. Das ist die Auffassung einer ganzen Reihe von � Augenzeugen der Erschießungsaffäre aus dem Gute Kutkehmen im Kreise Jnsterburg. Denn gleich nach der Gerichtsverhandlung, als das Urleil und dessen Begründung bekannt wurde, schlug man in Kutkehmen und auf dem benachbarten Dorfe Stablacken die Hände über dem Kopf zusammen und rief aus:„wie ist das möglich?" Man hatte auch ganz sicher er- wartet, daß der Staatsanwalt Revision gegen dasselbe einlegen würde. Und als das nicht geschah, rief man nach dem Wiederauf- nahmeverfahren. Die Gemüter haben sich auch jetzt noch nicht be- ruhigt, um so iveniger, als nun hier in Ostpreußen bekannt wurde, daß zwei sozialdemokratische Redakteure, die gleich den Augenzeugen des Vorfalls die Freisprechung des Inspektors unbegreiflich fanden. bestrast ivorden sind. Es wird behauptet, bei der Gerichtsverhand- lung in Jnsterburg müssen Mißverständnisse obgewaltet haben. Käme eS zu einer nochmaligen Verhandlung, so würde das Gericht Zweifel los ein ganz anderes Bild von dem Vorgang bei der Erschießung des nüchternen ahnungslosen Menschen durch den als geivalttätig bekannten Inspektor erhalten und zu einen: ganz anderen Urteil kommen. Auch heute behaupten die Augenzeugen noch, der Inspektor wäre nach kurzem Wortwechsel über den Hof nach seiner Stube geeilt, hätte das Gewehr geholt und den bestürzten Arbeiter, der gar nicht in der Lage gewesen sei, sich zur Wehr zu setzen, aus nächster Nähe über den Haufen geschossen. Der Gutspächter selbst habe dem an ihm mit dem Gewehr vorbeieilenden Inspektor noch zugerufen: „Herr Neufang, was wollen Sie mit dem Gewehr?" Wilhelm II. und die Wünschelrute. Ein offiziöses Telegramm meldet, daß der Prinz Hanö Caro l a t h, ein früherer Kürassieroberst, dem Kaiser Experimente mit der Wünschelrute mit bestem Erfolge vorgeführt habe. Nach den Er- klärungen des Prinzen selbst ist es ihn: gelungen, n:it seiner Wünschelrute von der kaiserlichen Familie versteckte Geldtäschchen, Brillantnadeln usw. aufzufinden. Auch das Ouellenfinden habe den Triumph der Wünschelrute bewiesen. In etwa bv Meter Tiefe sei das Vorhandensein einer bisher unerschlossenen Süßwasserquelle „festgestellt" worden, außerdem seien noch mehrere Mineralquellen unweit vom Schloßpark von Wilhelmshöhe aufgefunden worden, worauf der Kaiser den Wunsch ausgesprochen habe, daß diese Mineralquellen recht bald angebohrt werden möchten. Die.Vossische Zeitung" wirft die Frage auf. auf welche Weise man denn das Vorhandensein dieser entdeckten Quellen„festgestellt" habe. Sei alsbald 50 Meter tief gebohrt oder gegraben worden? Bekanntlich ist ja auch ein aristokratischer Ouellensucher mit der Wünschelrute nach Südwestafrika gegangen, um dort im amtlichen Auftrage Quellen zu finden. Da Prinz Carolath sich rühmt, nicht nur Quellen, sondern auch Mineralien, speziell D i a m a n t e n l a g e r mit der Wünsche!- rute ausfindig machen zu können, wäre es sehr gut, wenn man ihn unverzüglich seinem Kollegen von der Wünsche!- rute nach Südwestafrika nachschickte! Sicherlich gelänge es dem Herrn, endlich einmal jene Diamantlager in unserem „Wüstwest" zu entdecken, die in der Phantasie unserer Kolonial- Phantasten schon seit manchem Jahr eine so große Rolle spielen. Von dem Ertrag dieser Diamantfunde könnte man ja dam: die Kosten für die so kostspielige südwestafrikanische Kolonialpolitik be- streiten k—_ Ein„lästiger" Ausländer. An einer Privatschnle in Düsseldorf war unser Genosse L. Garatti als Sprachlehrer tätig. Oessentlich trat derselbe nicht hervor, wußte er doch, wie gefährlich dieses für seine wirtschaftliche Existenz in Preußen werden konnte. Wie er- staunte er deshalb, als er eines schönen Tages eine polizeiliche Auf- forderung erhielt, innerhalb acht Tagen Preußen zu verlassen. Da er sich kemeS Verstoßes gegen die Gesetze bewußt war, ging er zur Polizei, um Aufklärung zu heischen. Dort wurde ihm die Frage vorgelegt, ob er S o z i a l i st sei, und als er dieselbe bejahte, erklarte man ihm, das sei der Grund, man habe Sozialisten genug in Deutschland, man brauche die ausländischen nicht. Eine Be- schwerde gegen die Verfügung bei dem Regierungspräsidenten war erfolglos, ohne Angabe von Gründen wurde dieselbe zurück- gewiesen. Das„Verbrechen", das Garatti begangen, war auch zu „schwerer" Natur, als daß die preußische Behörde noch einmal ein Auge zudrücken durfte. Garatti hatte sich gegen den heiligen Kapitalismus vergangen— das mußte gerochen werden. Er hatte in engerem Kreise seine Landsleute in Düsseldorf, die italienischen Erd- und Hülfsarbeiter, über ihre kümmerlichen Rechte, die ihnen zustehen, aufgeklärt, er hatte ihnen mit Rat und Tat bei Differenzen mit ihren Arbeitgebern zur Seite gestanden. Die ausländischen Arbeiter sind den Unternehmern als w:llige und billige Ausbeutungs- objekte willkommen, Aufklärungsarbeit darf an ihnen aber nicht vorgenommen lverden, dann leidet ja der Profit. Und weil Garatti eine solche Arbeit an seinen unwissenden Landsleuten vor- nahm und dieselben sich auch als gelehrige Schüler zeigten, deshalb die Strafe!—_ Militärische Freuden. Straßburg. 23. August. sEig. Ber.) Das garnisongesegnete Reichsland weiß von militärischen Freuden sonder Zahl zu erzählen, und es wechseln da in angenehmer Folge Spielergeschichten(siehe Dieuze), Eheskandole(siehe Forbach).„Auf- ruhrprozesse"(siehe Metz) und ähnliches. Wir nahmen schon öfters Gelegenheit, an dieser Stelle über die uns hauptsächlich interessierenden Gerichtsverhandlungen zu berichten, in denen Delikte be- treffend das Verhältnis von Borgesetzten und Unter- gebenen in Frage kamen. Man erinnere sich>des Metzer Falles: Ein Gefreiter kommt auf der Straße wegen einer ihm untreu gewordenen Dirne in Streit mit einem Sergeanten; in alkoholischer Eifersuchtslaune gibt er dem treffenden zwei Faustschläge ins Gesicht und schlägt ihm sein gezogenes Seitengewehr aus der Hand. Resultat: 5 Jahre Gefängnis. Ein anderer Fall: Ein Unteroffizier der Dieuzer Chevauxlegers behandelt seine Leute in roher Weise mit Faust und Besen. Resultat: 1(1 Tage Mittelarrcst. Ein dritter Fall: Ein Landwehrmann, der drei Jahre tadellos gedient, seine vorgeschriebenen Reserveübungen richtig erledigt hat, sieht sich ge- zwungen, im Ausland für seine kranke Familie den Unterhalt zu verdienen. Der Einberufung zu einer arnffeligen Uebung vermag er keine Folge zu leisten, soll seine Familie nicht dem Ruin anHeim- fallen. Er reklamiert. Die Reklamation wird abgewiesen. Der Mann erfüllt trotzdem seine Pflicht als Fannlienvater, meldet sich aber sobald als möglich wieder im Inland. Resultat: Indem seine unglückliche Lage als erwiesen gilt, und in Anbetracht dessen: sechs Wochen Gefängnis. Diesen drei in ihrer Art ganz außerordentlich charakteristischen Fällen reiht sich eü: vierter ai:, in dem das Gericht, freilich ohne den im bürgerlichen Leben einzunehmenden Standpunkt erfassen zu können, doch mit einer wenigstens bemerkenswerten Entschiedenhett vor- gegangen ist. Der Untcrosfizier Debin vom Infanterieregiment 132 in Straßburg hatte sich vor dem Kriegsgericht der 31. Division zu verantworten. Der Angeklagte hatte sich eine ganze Reihe überaus roher Mißhandlungen zu schulden kommen lassen. Ein Musketier, der sofort nach seiner Einstellung als krank aus längere Zeit ins Lazarett gebracht worden war, wurde ihm zur Ausbildung überwiesen. Abgesehen davon, daß ein aus dem Lazarett Entlasscuer entschieden noch weitgehender Schonung be darf, hätte der Unteroffizier auch noch berücksichtigen müssen, daß der Mann zwar schon längere Zeit Soldat, aber doch in militärischen Dingen Neuling war. Aber nichts von alledem! Der Unglückliche war den tollsten Qualen ausgesetzt. Er mußte oft längere Zeit hindurch fortwährend„Auf" und„Nieder" machen, er wurde gekniffen, gerissen, gestoßen, geschlagen, daß d: e Lippen bluteten und die Zähne sich lockerten. A e h n l i ch ging übrigens der Unteroffizier auch mit anderen Soldaten um. Schläge ins Gesicht. Tritte ins Gesäß und dergl. waren nichts Seltenes. Neben diesen bekannten Onälereicn liefen noch besondere: das Herunterschütteln von Leuten am Tau, so daß die Finger und die Hand wund gerieben wurden u. a. m. Die Verhandlung entrollte eine wahre Blütenlese von Mißhandlungen. Strafe: fünf Monate Gefängnis neb st Degradation. Als erfreulich ist zu bezeichnen, daß der würdige Soldatcnerzieher durch die Degradatton wenigstens für die Zukunft kaltgestellt ist. Der Verurteilte hat übrigens Berufung eingelegt.* Hueland. Schweiz. Ein Protest der Züricher Arbeiterschaft. Am vergangenen Sonn- tag hatte das Züricher Volk die Bezirksrichterwahl vorzunehmen. Dieser verhältnismäßig unbedeutende Anlaß gab der Arbeiterschaft Gelegenheit, ihren Protest gegen die Gewaltherrschaft der Regierung und des Stadtrates zu erheben. Man hat der Arbeiterschaft ver- boten, durch Demonstrationen auf der Straße gegen die Verfügungen der Regierung zu protestieren. Das Wählen konnte man ihr nicht verbieten und die Arbeiterschaft hat durch den Gang zur Urne, durch den Stimmzettel wirksam gegen die Unterdrückungs- maßnahmen der Regierung protestiert. So erhielt der Kampf um einen Bezirksrichtersessel, der zu anderer Zeit die Arbeiterschaft nicht allzuviel zu erregen pflegt, eine scharfe, prinzipielle Bedeutling. Auch die Bürgerlichen hatten verstanden, um was es sich handelte und bis auf den letzten Mann sind sie zur Urne geeilt, um ihre Rc- gierung zu decken und ihr Einverständnis mit dem Willkiirregiment derselben kund zu tun. Noch ist zwar die Arbeiterschaft, gegen welche alle bürgerlichen Parteien aufgeboten waren, unterlegen, aber sie brachte es auf 10 800 Stimmen, während der Bürger- verband 11 600 Stimmen auf seine Kandidaten vereinigte. Mit nur 800 Stimmen(600 in der Stadt, 200 auf dein Lande) ist die Ar- beiterschaft gegenüber der ganzen Bourgeoisie in der Miuderheit ge- blieben. Das ist der denkbar schärfste Protest gegen das Klassen- regin:e::t. Frankreich. Bordeaux, 28. August. Heute vormittag versuchten in Saint Macaire in Ausstand getretene Faßbinder, die von ihren Frauen und Kindern begleitet wurden, die Beförderung von Fässern zu verhindern und warfen die Gendarmen, welche die Ausständigen zurücktrieben, mit Steinen. Es wurden acht Gendarme und zwei Offiziere verletzt, ebenso drei Soldaten und ein Ausständiger. Zwei Verhaftungen wurden vorgenommen.— Italien. Sozialistcnvcrfolgung. Aus Rom wird vom 23. August ge- meldet: Der Chef der Sicherheitspolizei nahm gestern eine Haus- suchung im Lokal der römischen sozialistischen Genossenschaft vor. Eine Anzahl kompromittierender Dokumente, darunter zahlreiche Exemplare eines revolutionären Aufrufes, welche be- stimmt waren, in den Kasernen verbreitet zu werden und worin die Rekruten zum Ungehorsam gegen ihre Vorgesetzten aufgefordert werden, wurden beschlagnahmt. Mehrere Verhaftungen in dieser Angelegenheit stehen bevor.— Spanien. Der Generalstreik in Bilbao ist beendet. Nach einer Meldung aus San Sebastian vom 26. August hat Bilbao wieder sein gewohntes Aussehen angenommen.— Norwegen. Uebcr die Wahlen wird uns aus Kristiania berichtet, daß gestern 34 Wahlen stattfanden, wovon 2 Sozialisten(die Genossen Knudsen und Nilscn, Kristtania), 6 Saminlungs- parteiler. 8 Radikale und 1 Demokrat gewählt wurden. Bis- her sind 7 Sozialisten gewählt. 18 kommen noch in die Stichwahl. Amerika. Gegen die Trusts. Aus Chicago wird unterm 27. August berichtet: Die Anklagejnry des Obersten Bundesgerichts- hofeS erkannte bei zehn gegen die Standard Oil Com- p a:: y im Znsammenhanq mit den Eisenbahntarifermäßigungen er- hobenen Anschuldigungen die Klage als berechtigt an.— Westindien. Die Revolution auf Kuba. Aus Havanna wird vom 27. August berichtet: Oberst Balle von der Landmiliz meldet, daß er heute abend die Aufständischen, die vom General Guzman befehligt wurden, bei Cienfnegos geschlagen habe. Von der Landmiliz wurde ein Rann getötet, die Gegner hatten einen Verlust von 17 Toten. 92-93 63 68 70 82 mehr in 1906 in Prozent LS 21 21 21 20 24 24 Hub Indurtm und Kandel. Eisenprcise. Vornehmlich sollen gestiegene Löhne für Preiserhöhungen aller Waren die Schuld tragen und die noch in Aussicht stehenden Preis- aufschlüge werden auch mit den gestiegenen Produktionskosten ge- rechtfertigt. Welche Differenzen aber zwischen den Preiserhöhungen und den Lohnsteigernngen bestehen, können die Leser aus der nach- folgenden Znsammenstellung entnehmen Es notierte» am 20. August an der Börse zu Düsseldorf: 1903 190« in Mark Spiegeleisen la. 10—12 Proz. Mangan...... 67 Weißstrahliges OualitätS- Puddelroheifen:... i— a) Rhein.-westf. Marken., 56 b) Siegerländer Marken, 56 Stahleisen......» 58 Deutsches Bessemereisen.. 67,50—68,50 Thoma�etsen frei Verbrauchs- stelle........ 57,40-58,10 72,50-73 Puddeleisen, Luxemb. Qualität ab Luxemburg..... 45,60—46,40 56,84—57,60 Luxemburger Gießereieisen Nr. III ab Luxemburg.. 52 66 27 Deutsches Gießereieisen Nr. I 67,50 78 17 „ III 65.50 70 7 „ Hämatit.... 63,50 82 20 Gewöhnliches Stabeisen(Fluß- eisen........ 110—112 134-136 21 Gewöhn!. Stabcisen(Schwciß- eisen........ 120 152 20 Gewöhnliche Vieche aus Fluß- eisen........ 130 146-148 13 Bis zum April vorigen Jahres waren die Preise ziemlich stabil geblieben, so daß die vorstehenden enormen Steigerungen fast aus- schließlich auf die letzten 15 Monate entfallen. Wo sind aber auch nur annähernd so starke Lohnerhöhungen zu verzeichnen? Nicht nur bleiben die wirklichen Lohnerhöhungen weit hinter dem Satz der Preissteigerungen zurück, auch das Lohneinkommei: reicht mit seinem Mehr lange nicht an die Preisaufschläge heran. Und dieses Mehr resnlttert in der Hauptsache aus der Steigerung der Arbeitsleistung, bedingt daher gar keine Verteuerung der Produktion. Während ftir das Kapital sich aus den fortgesetzten Preissteigerungen reichlich sprudelnde Dividendenquellen eröffnen, darf der Arbeiter durch ver- mehrte Arbeit sein Einkommen etwas erhöhen. Das ist die kapitalistische Harmonie zwischen Kapital und Arbeit. Der Schlachwichaustrieb im August. Der Auftrieb von Schlachtvieh an den wichtigsten Viehmärkten Deutschlands hat im August abermals einen ziemlich erheblichen Rückgang erfahren, während in den drei letzten Vorjahren der Ans- trieb von Juli aus August regelmäßig zugenommen hatte. Wie un- genügend der Zutrieb von Schweinen im laufenden Jahre ist, zeigt ein Vergleich mit dem ftühcrer Jahre. An den verschiedenen Stich- tagen der letzten Monate wurden nämlich, ftir die wichtigsten Lieh- markte Deutschlands ermittelt, Schweine aufgetrieben: Mai Juni Juli August 1903.... 42617 48523 39291 45605 1904.... 50 823 44 770 39 413 49 565 1905.... 33 038 43 594 30 753 36 850 1906.... 37 724 37 075 40 204 37 320 Also um zirka 24 Prozent war der Schweineauftrieb in: dies- jährigen August geringer als 1904 und um annähernd 20 Prozent geringer als 1903. Betrachtet man die Bewegung des Auftriebes, nach Märkten zergliedert, so fällt auf den ersten Blick die Ver- änderung am Hamburger Schlveinemarkt auf. Hier ist die Zufuhr so gewaltig zurückgegangen, daß sie gegenwärtig kaum noch den zwölften Teil von der früherer Jahre beträgt. Am gleichen Markt- tage Mitte August betrug der Schwcineauftrieb in Hamburg 1903.... 8065 1904.... 9289 1905.... 1710 1906.... 750 Auch in Berlin und München ist der Schweineauftrieb in: laufenden Jahre stark gesunken.— Und das in einer Periode Wirt- schaftlichen Aufschwunges. Was soll erst werden, wenn die Markt- läge wieder abflaut? Dam: wird man den jetzt vielfach kon- struierten sozialen Fortschritt wohl mit anderen Augen ansehen. Wachsender Mehrwert. Die Unternehmer jammern über die bösen Lohnsteigernngen. Man möchte gern den Anschein erwecken, als werde durch höhere Löhne die Kapitalsrento immer mehr beschnitten, so daß schließlich für die armen Aktionäre nichts.mehr übrig bleibt. Bei jeder Gelegen- heit wird die Melodie von der bedrohten Konkurrenzfähigkeit an- gestimmt. Daß durch die hochgetriebenen Preise die Konsumenten in der schamlosesten Weise ausgebeutet werden, daß die Arbeit in wachsendem Maße für das Kapital tributpflichtig wird, das verschweigt man wohlweislich. In welcher Wesse der Wert der Produktion pro Kopf der Arbeiter im Bergbau gestiegen ist, dafür erbringt Dr. Alfred Bosenith in seinem Buche über die Arbeitsleistung in: Steinkohlenbergbau in Preußen einige wertvolle Nachweise. Wir machen daraus folgende Znsammenstellung. In der Zeit von 1386 bis 1902 stieg in den einzelnen Revieren: Zahl der Wert der Arbeiter Produltion in Proz. Obcrschlesien.... 131 354 Niederschlesien... 83 137 Rnhrrevier.... 173 318 Saarbecken.... 86 169 . Aachen...... 40 159 Der Wert der Produktion ist in allen Revieren ganz erheblich mehr gestiegen als die Zahl der Arbeiter. Dabei ist noch zu berück- sichtigen, daß im Jahre 1902 die Preise weit unter dem heutigen Niveau standen._ GewcrkfcbaftUcbes. Berlin und Umgegend. Gewerkschaftlicher Kartellvertrag. AuS Anlaß der großen vorjährigen Lohnbewegungen und Ans» fperrungen in der Berliner Metallindustrie sind acht Berliner Ge- werkschaftsleitungen übereingekommen, zum Zweck eines solidarischen Zusammenarbeitens bei künftigen Lohnbewegungen eine Verein- barung zu treffen, nach deren Bestimmungen das einzelne oder ge- meinfame Vorgehen in den Metall-Grotzbetrieben geregelt werden soll. Der Vertrag« hat folgenden Wortlaut: Vereinbarung. Zwischen den örtlichen Vorständen derjenigen Gewerkschaften. welckie in der Metallindustrie beschäftigte Arbeiter und Arbeiterinnen alö Mitglieder führen und zwar Metallarbeiter-Verband, Holz- arbeiter-Verband, Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter, Fabrik-, Land- und Hülfsarbeiter-Verband, Zentralverband der Schmiede, Malerverband, Zentralverband der Maschinisten und Heizer und Zentralverband der Handlnngs- gehiilsen wird zum Zweck eines solidarischen Zusammenarbeitens bei Lohnbewegungen oder sonstigen Differenzen, welche zu Streiks und Aussperrungen führen könnten, folgende Vereinbarung ge- troffen: 1. Bei etwa zu stellenden Lohnforderungen einer der an- geführten Gruppen für den ganzen Beruf oder in irgend einen: Betriebe hat der Vertrauensmann oder Obmann des Betriebes rechtzeitig die in Frage kommende Ortsverwaltung in Kenntnis zu setzen. 2. Die Ortsverwaltung hat nach Prüfung der Sachlage und etwaiger Zustimmung der Forderungen die Verwaltung des Metallarbciter-VerbandeS von den: Vorgehen zu unterrichten. 3. Falls diese die Vermutung hegt, daß die Durchführung der Forderungen Weiterungen nach sich ziehen könnte und andere Ber- KZnds in Mitleidenschaft gezogen werden, ist dieselbe gehalten, unverzüglich die vertragschließenden Vorstände zu einer gegen- seitigen Aussprache zusammen zu berufen, Dasselbe geschiebt auch, falls der Metallarbciter-Verband selbst eine Bewegung plant, durch welche alle oder eine der vor- genannten Organisationen erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. 4. Bei vorkommenden Lohnforderungen oder sonstigen Diffe- renzen ist zunächst der Versuch zn niache?, diese auf dem Wege der friedlichen Verhandlungen zu erledigen. Organisationsleiter oder bestehende Ausschüsse sollen hierbei tunlichst in Anspruch genommen werden. S. Sollte eine Einigung auf dem vorgeschriebenen Wege nicht erzielt werden, so haben die Vertrauensleute oder Obmänner der in Frage kommenden Organisationen ihre Verlvaltungen sofort in Kenntnis zu setzen, so daß diese ihre Vertreter zu der beschließenden Versammlung entsenden können. 6. Treten die Angehörigen eines Berufes in einen Streik ein, so sind die Arbeiter der anderen Berufe nicht ohne weiteres heraus- zuziehen, sondern arbeiten weiter, bis die Organisationsleitung der Streikende» die Arbeitsniederlegung des anderen Berufes für notwendig hält und bei der anderen Organisation einen dahin- gehenden Antrag stellt. 7. In Ausübung der Solidarität haben die beteiligten Organi- sationen resp. deren Mitglieder dahin zu wirken, daß die nicht am Streik beteiligten Arbeiter aus keinen Fall die Arbeit der Streikenden machen. Sollte eine derartige Zumntnng an die Betreffenden seitens der Betriebsleitung gestellt werden, so ist sofort die Streikleitung in Kenntnis zu setzen, welche dann alles weitere zu ver- anlassen hat. 8. Eine Unterstützung der Streikenden durch Hinausziehen anderer Gruppen, sogenannte Sympathiestreiks, darf nur nach einer Verständigung der Streikleitung und der beteiligten Organisationen erfolgen. 9. Auf keinen Fall ist ein Verlassen des Betriebes ohne vor- herige Verständigung mit der Streikleitung und den beteiligten Organisationen statthaft. 10. Bei Verstößen gegen vorstehende Vereinbarung durch eine der beteiligten Organisationen werden etwa zu treffende Maß- nahmen gegen diese Verstöße durch Beschlüsse der gesamten an dieser Vereinbarung beteiligten Organisationen festgelegt. 11. Die Sitzungen der an dieser Vereinbarung beteiligten Organisationen finden nach Bedarf statt. ' 12. An den Sitzungen nehmen Höchstens je zwei Vertreter je einer Organisation teil. 13. Die Einberufung einer Sitzung erfolgt auf Verlangen einer beteiligten Organisation durch den Metallarbeiter-Verband. Die Erledigung von Anfragen und Zuschriften, die vorstehende Vereinbarung betreffen, ist dem ersten Bevollmächtigte» des Metall- arbeiter-Verbandes, Adolf Cohen, übertragen worden. Der Streik in der Schreibmaschincnfabrik der A. E.-G. dauert unverändert fort. Gegenwärtig loerden im Werk Acker st raße Arbeiter und Arbeiterinnen angeblich wegen ArbeitSmangel entlasten und ihnen dann von Meistern und Wcrkfuhrern der freundliche Rat erleilt, in der Schreibmaschincnfabrik Arbeit zu nehmen und dort Streikbrecherdienste zu verrichten. Es ist deshalb erforderlich, daß die Arbeiter der gesamten A. E.-G.-Werke den Streik in der Schreibmaschinenabteilung im Auge behalten und die Ausständigen, die bereits seit 14 Tagen den berechtigten Kampf um eine gering- fügige Lohnaufbesserung führen, entsprechend unterstützen. Geschehen kann dies am besten durch Fernhaltung von Arbeitskräften. Auch die Arbeiter der Turbinensabrik(81. F. II, Huttenstraße) haben jetzt Stellung zu dem Streik genommen. Sie sprachen den 8lusständigen ihre volle Sympathie aus und beauftragten deren Ausschuß, Ver- Handlungen mit der Direktion anzubahnen. Zum Streit der Kohlenarbeiter. Während viele Kohlengrohhändler sicher damit rechneten, daß thre Arbeiter am Dienstagniorgen, am Tage nach der ersten Aus- Zahlung der Streikunterstützung, sich wieder zur Arbeit melden Ivürden, war die Versainmlung der Streikenden am Dienstagmorgen um 10 Uhr im Gewerkschaftshause so stark besucht wie an den vorhergehenden Tagen.' Genosse Werner sagte in seinem Situationsberichte, daß die Großhändler sich gewaltig irren, wenn sie glauben, Hunger und Not würden die Arbeiter bald ins Joch zuriicktreiben. So rechnen sie auch damit, daß am 1. September Miete gezahlt werden muß, und sie wissen, daß ihre Arbeiter bei den schlechten Löhnen keinen Notgroschen erübrigen konnten. Aber der Verband wird helfen! In der nächsten Woche wird wegen des Micts- tages eine höhere Unterstützung gezahlt werden: die Verheirateten erhalten eine Extraentschädigung von 10 M., die Ledigen von 6 M. Dadurch wird mancher uoch'mehr bekomme», als wenn er für einen Unternehmer schwer gearbeitet hätte. Die Verlegenheiten der Kohlen- Händler wachsen: nur das notwendigste wird geleistet, seit Sonnabend ist der Geschäftsgang aus der Nordbahn vollständig unter- Kunden. Die Firma L e b e l l wollte unterhandeln, bot aber nur 42 Pf. anstatt der geforderten 4S Pf. Die Firma W o l l h e i m erkennt die Forderungen an, bis auf einen aufgestellten Nachsatz, daß keine Streikarbeit von den Arbeitern verlangt werden dürfe. Aus diesem Grunde mußte auch dort die Arbeit niedergelegt werden. denn aus die Solidarität unter den Arbeitern kommt es jetzt viel an. Ein Vertreter der Firma Gebr. Schäfer war im Bureau des Zentralverbandes, um die Unterschriften der sieben Firmen, die bewilligt habe», einzusehen. Diesen, Wunsche wurde nicht ent- sprachen: die Leitung des Streiks betrachtet es als unkluge Taktik, diese Namen jetzt preiszugeben, wo das Mißtrauen unter den Kohlenhändlern gegenseitig immer größer wird. Die ausgesandten Entlassnngsschreibcn. z. B. von der Firma Glückauf, haben ihre Wirkung als Drohbriefe verfehlt: es hat sich niemand einschüchtern lassen, um die Arbeit schnell wieder aufzunehmen. Die Kohlen- Händler haben das Einigungsamt abgelehnt, weil sie, wie das be« kannte Wort lautet,„Herren im eigenen Hause" sein wollen: aber die Zeiten sind vorbei, in denen die Arbeiter die Sklaven im Hause des Herrn waren und gar nichts über die Gestaltung der Arbeits- Verhältnisse zu sagen hatten. In der Diskussion zeigte sich, daß die Streikenden zum Aus- harren fest entschlossen sind trotz aller Entbehrungen, die noch kommen mögen, und trotz vieler Drangsalierung durch die Polizei. Der Kampf um eine Besferstellung der Lage der Kohlenarbeiter muß einmal auSgesochten werden und die Chanzen liegen gegenwärtig nicht ungünstig. Gestern(Dienstag) hielten auch die Unternehmer wieder eine Beratung über die Lage ab. Die königliche Eisenbahn-Direktion sendet uns folgende Zuschrift: Zu der in Nr. 197 deS„Vorwärts" vom 25. d. M. unter„Der preußische Staat als Streikbrecherlieferant" gebrachten Mitteilung ersuchen wir um Aufnahme folgender Berichtigung: Am 23. d. M. wurden auf dem Schlesischen Güterbahnhof zwei Wagenladungen Steinkohlen, die bereits mehrere Tage an einem Lagerplatz unentladen gestanden hatten, zwangsweise entladen. Die Entladung erfolgte auf Anordnung der zuständigen Güterabfertigung mit Rücksicht auf die zurzeit herrschende Knappheit an O-Wagen, also im allgemeinen Verkehrsinteresse. Das Verfahren der Güter- abfertigung stützt sich auf ß 69(5) der VerkehrSordnung. Weder der Regierungs- und Baurat Wambsgans. Vorstand der Betriebs- inspektion 1, noch die Betriebsinspektion 4, noch die Verkehrs- inspektion 3 haben in dieser Sache irgend eine unmittelbare An- ordnung getroffen. Dagegen sind fest Jahren sämtliche Güter- abfertigungen im Interesse des Wagenumlaufs allgemein streng an- gewiesen, zu Zeiten des Wagenmangels Zwangsentladungen von Wagen der mangelnden Gattung in möglichst großem Umfang unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Lagerräume und Arbeitskräste und auf Gefahr und Kosten der Empfänger ausführen zu lassen. Die Entladung der beiden Wagen auf dem Schlesischen Verantw.Redakt.: CarlWermuth, Inserate verantw. Güterbahnhof geschah in der Zeit von 5 Uhr nachmittags bis S'/z Uhr nachmittags— nicht wie von Ihnen angegeben von 9 Uhr vor- mittags bis 4 Uhr nachmittags— durch Güterbodenarbeiter, die wegen des schwächeren Verkehrs zurzeit überzählig beschäftigt werden, um Entlassung von Arbeitern zu vermeiden. Eine Ueberanstrengung der übrigen Güterbodenarbeiter, wie von Ihnen behauptet, kam da- her nicht in Frage. Beteiligt waren 7 Arbeiter— nicht 9—, die sich freiwillig zur Entladung der Kohlen gemeldet hatten. Jeder Arbeiter erhielt für die 2'/z stündige Tätigkeit 1,30 M., wogegen den Vorschriften entsprechend 0.60 bis 0,65 M. am Lohn in Abzug gebracht wurden. � Wir stellen anhcim, die an Ihre in wesentlichen Teilen unzu- treffende Veröffentlichung geknüpften Folgerungen einer Nachprüfung zu unterziehen. Bei der gewünschten Nachprüfung kamen wir z» dem Ergebnis, daß die Anordnung der königlichen Eisenbahn-Direktion— sie mag sich nun auf diesen oder jenen Paragraphen der Verkehrsordnung stützen— immer im Interesse des Unternehmertums lag und immer der Arbeiterschaft Schaden zufügte. Nkußten denn absolut gerade die Kohlen wagen zwangsweise entleert werden? Der Streik der Mufikinstrumentenarbeiter bei Bell u. Co. wurde am Montag in einer öffentlichen Versammlung der Musikinstrumenten- arbeiter besprochen. Nach den Darlegungen des Referenten Leopold handelt es sich hier um einen Kampf, wie er sich in der Musik- instrumentcnindustrie jedenfalls noch öfter wiederholen wird. Die Firma hat die Einführung von Maschinen und der dadurch be- dingten Teilarbeit zum Vorwand von bedeutenden Lohnabzügen gemacht. Wenn auch durch die Maschinen die Arbeit erleichtert wird, so stehen doch die Lohnabzüge in keinem Verhältnis zu dem wirklichen Maße der Arbeitserlcichterung. Das geht sogar aus einem Artikel des Unternehmerorgans„Musik- instrumenten-Zeitung" hervor. Der Artikel führt aus, daß die Arbeit der Umbauer durch die Maschinen etwa auf die Hälfte herab- gemindert ist, d. h., eine Arbeit, die früher zwei Wochen erforderte, kann jetzt in einer Woche fertiggestellt werden. Der Akkordlohn ist aber auf ein Drittel des früheren herabgesetzt worden, nämlich von 150 M. auf 50 M. für zehn Umbaue. Die Arbeiter sind übrigens der Meinung, daß die Slrbeit nicht um die Hälfte, sondern nur uni ein Viertel verrnindert worden ist, so daß also der Lohnabzug noch größer erscheint. Unter solchen Umständen ist es durchaus gerechtferttgt, daß die Streikenden gegen die Herabsetzung des Lohnes auf das entschiedenste kämpfen. Der Streik währt nun schon 8 Wochen. Obgleich sich die Unter- nehmer die größte Mühe geben. Arbeitswillige heranzuziehen, haben sie von diesen„nützlichen Elenienten" nur 15—13 und dazu noch fast völlig unbrauchbare Kräfte gefunden. Es ist ausgeschlossen, daß sich die Firma mit diesen sowohl der Zahl wie der Brauch- barkeit nach ganz unzureichenden Arbeitskräften lange halten kann. Die Firmeninhaber bieten nun alles mögliche auf. um ihre Arbeitswilligen vor jeder Berührung mit den Streikposten zu behüten. Die Arbeitswilligen machen jeden Tag zu einer anderen Zeit Feierabend, um der Auf- merksamkeit der Streikposten zu entgehen, sie werden aus der Fabrik mit einem nicht für Personenbeförderung geeigneten Fahrstuhl nach dem Keller befördert, wo sie dann, im Dunkeln schleichend, irgend einen entlegenen Ausgang aus dem weiten Grundstück aufsuchen. In eigener Person begleitet dann einer der Unternehmer seine Ge- treuen nach dem Bahnhof. Natürlich wird auch die Hülfe der Polizei in gewohnter Weise gegen die Streikenden angerufen. Die Arbeitswilligen sind so instruiert, daß sie sofort nach dem Schutzmann laufen, wenn sie von einem der Streikenden an- gesprochen werden. Seit kurzem treten die Arbeitswilligen in auf- fallend herausfordernder Weise an die Streikposten heran, so daß es scheint, als sei ihnen infolge der in Nürnberg von Revolver- und Messerhelden verübten Mordanfälle auf streikende Arbeiter der Kamm geschwollen und als ob sie nicht übel Lust hätten, in ebenso schänd- licher Weise vorzugehen.— Nach reger Diskussion nahm die Ver- sammlung eine Resolution an. welche Verwahrung einlegt gegen die irreführenden Angaben der„Musikinstrumenten-Zeitung" über an- aeblich hohe Durckschnittslöhne bei Bell u. Co. Die Versammlung sagt den Streikenden volle Solidarität zu und die Streikenden ver- sprechen so lange auszubalten, bis sie den Sieg errungen haben.■ Eine neue Gcncralauösperrmig in Berlin? Der Verein der Schilderfabrikanten Berlins hielt vorgestern abend in Beckers Fest- sälen eine Versammlung ab. Wie mitgeteilt wurde, haben die Ge- hülfen trotz der Aussperrungsandrohung die drei partiellen Streiks nicht beendet. Daraufhin wurde einstimmig beschlossen, sämtliche organisiertenSchildermaler auszusperren. Gestern früh wurde den Gehülfen ihre Kündigung mitgeteilt. Da eintägige Kündigungsfrist besteht, wird heute zum großen Teil der Betrieb ruhen. Achtung, Friseurgchülfc»! Beigelegt sind die Differenzen bei Friedrich in Charlottenburg, Nehringstr. 29. Ausgebrochen sind Differenzen bei I s e n s e e. Lichtenberg, Blumenthalstr. 42, Muchs, Schreinerstr. 3, B a t s ch k e in Schöne- berg, Gothenstr. 40. Verband der Friseurgehülfen Deutschlands. Deutfedes Reick). Der Streit auf„Rote Erde". Die Verwaltung versendet unterm 25. d. Mts. an ihre Kund- schaft ein Rundschreiben, in welchem sie erklärt, sie habe nur auf einigen kleinen Walzenstraßen durch eine geringe Zahl von un- geübten Arbeitern den Betrieb teilweise wieder aufnehmen können: es werde nur in Tagschicht gearbeitet und eine kleine Menge Profile hergestellt. Die Verwaltung könne den Zeitpunkt nicht angeben, wann die Wiedereröffnung des vollen Betriebes möglich sei.— In Essen a. d. Ruhr fand gestern abend eine Versammlung von Metallarbeitern statt, um zu dem Streik auf dem Aachener Hütten- Aktienverein und dem Verhalten des Generaldirektors dieses Werkes, Kirdorf, Stellung zu nehmen. Die Versammlung folgte mit Aufmerksamkeit den etwa zweistündigen Ausführungen des Referenten Hartmann-Aachen, die sich hauptsächlich mit der Lage und den Lohnverhältnissen der Feuerarbeiter beschäftigten und sich in scharfen Ausdrücken gegen die Direktion des Hütteuvereins und das Flugblatt der Werksleiwng wendeten. Am Eingange des Saales gelangte ein Flugblatt zur Verteilung, das vom Gewerkverein deutscher Maschinenbau- und Metallarbeiter(H.-D.), dem christlich- sozialen Mctallarbeiterverband und dem Deutschen Metallarbeiter- verband unterzeichnet war und dessen Inhalt sich mit den Aus- führungen des Referenten deckte. Der Erfolg der Bijouterieardciter in Pforzheim ist, wie man uns aus Baden schreibt, für die EntWickelung der dortigen geWerk- schaftlichen und politischen Organisation von hocherfreulicher Be- deutung. Die Bewegung unter dem vieltausendfachen Proletariat dieser badischen Kunstgewerbe- und Fabrikstadt stieß auf un- erwartete Widerstände und verflachte durch manche Fehler, die durch persönliches Verschulden berufener Genossen unterliefen, in letzter Zeit auch dadurch, daß sich eine Lokalorganisatton der Metallarbeiter bildete, der Konsumverein sich auflöste usw. Nunmehr kam neues Blut in die Leitung der Metallarbeiterorganisation, und sie ließ die Würfel rollen. Eine generelle Lohn- und Arbeitsordnung war das Ziel: die Arbeiterschaft vernahm die Parole, die bisher Gleichgülttgen folgten dem Ruke der Organisation und zogen hinein in die Versammlungen. Solchen Andrang der Proletarier, wie in den letzten Tagen die öffentlichen Geiverkschaftsversammlungen aufzuweisen hatten, kannte man in politisch sehr er- regten Zeiten nicht: der große Saalbau vermochte die erwachten Geister der Bijonteriebienen nicht aufzunehmen. Der Arbeitgeberverband sah es mit Erstaunen: er drohte scheinbar, aber er würdigte dieses Zeichen der Zeit. Unterhandlung zn gleich- berechtigten Teilen mit den Vertretern der Arbeiterschaft war das Resultat: am 20. August fand im„Kaiserhof" zu Pforzheim die dculivürdige neunstündige Sitzung der Parteien statt: sie verlief ZI, Glocke, Befliu. Druck u. Lsrlag: Larwärt» Buchdr. u. BerlagSanMt ernsthaft, ohne persönliche Verletzung, aber wie ein Hochgericht. Der Vorsitzende, Fabrikant Albert Wittum, Landtagsabgeordneter für die eine Hälfte Pforzheims, gab sich Mühe, die langwierige Verhandlung zu einem Resultat zu bringen. Vom Arbeitgeberverband saßen im Kollegium die Herren Meier und Dr. Käsemacher, für die Arbeiterschaft funktionierten die Vertreter des Deutschen Metallarbeiter-VerbandeS Karl Vorhölzer, der Bezirksleiter, Herm. F a b e r. der Geschäftssührer. Es waren auch Vertreter des Lokalverbandes und der Christlichen eingeladen Die vereinbarten Forderungen sind nachträglich von den General« Versammlungen der beteiligten Parteien angenommen worden. An, Freitag sprach eine Deputation bei der Generaldirektion der badischen Staatsbahncn vor wegen der durch die Verkürzung der Arbeitszeit notwendig gewordenen Aenderung des Arbeiterzug- kurses.— Der neunstündige Arbeitstag ist errungen: der Lohn wird für diese 54 Stunden nicht verringert gegen bisher. Die Ueb er stunden werden nur noch für geschäftliche Aus» nahmen zugelassen und mit 20, 50 bis 100 Prozent be« steuert; die Heimarbeit ist abzuschaffen. die Akkord« arbeit gemindert auf das Mindeste, Lohnerhöhung im einzelnen zu vereinbaren. Auch für die Heizer, Maschinisten und Hülfsarbeiter, die etwas hintennach hinkten, sollen bald neue Regulative geschaffen werden.— In Pforzheim herrscht unter den Arbeitern eine solch freudige Stimmung, daß die Jndustrieproletarier tausendfach dem Metallarbciter-Verband sich anschließen. Die Nürnberger Polizei sorgt in einer merkwürdigen Weise für die„Beruhigung" der durch die blutigen Vorgänge der letzten Woche auf das höchste erregten Arbeiterbevölkerung. Durch ihre arbeiterfeindlichen Maßnahmen schafft sie ständig neue Erbitterung. Am Montag früh wurden— wie schon telegraphisch gemeldet— sämtliche Streikposten der ausständigen Bauarbeiter durch die Schutzleute von der Straße weggewiesen unter der Androhung sofortiger Verhaftung für den Nichtbefolgungsfall. DaS gleiche Schicksal widerfuhr den Streikposten der erst am Montag in den Streik eingetretenen Handels- und Transportarbeiter. Als eine von dem�GewerkschaftSsekretär geführte Kommission bei dem Polizeireferenten vorstellig wurde, erklärte dieser, der Magistrat habe eine Verfügung erlassen, wonach das Streikpostenstehen aus Anlaß der letzten Vorgänge verboten sei. Die Verfügung stützt sich auf eine Besttmmung der straßenpolizei« lichen Vorschriften, die den Fußgängern verbietet, auf Gehsteigen oder Fahrbahnen geschlossene Gruppen zu bilden oder stehen zu bleiben. Da durch diese Verfügung die Ausübung des KoalittonS- rechtes der Arbeiter illusorisch gemacht wird, wurde sofort tele- graphisch bei der Kreisregierung Beschwerde erhoben. Die Handels- und Transportarbeiter der Speditionsfirmen Nürn- bergs haben eine Tarisvorlage eingereicht, in der u. a. Mindest- löhne von 23 M., steigend nach je zwei Jahren bis zu 27 M. für die beim Fuhrwerk Beschäfttgten, und von 21 M., steigend bis zu 25 M. für die Hallen- und Gleisarbeiter gefordert werden. Da die meisten Unternehmer die Forderungen ablehnten, traten am Montag früh zirka 300 Arbeiter in den Streik. „Ehrenmänner." In Schweinfurt traten zwei Arbeiter zwei Wochen vor einem Streik dem Verbände bei und als sie ihr Ehrenwort gegeben hatten, dem Verbände und seinen Bestrebungen treu zu bleiben, erhielten sie wochenlang Streikunterstützung. Eines Tages aber entdeckte man, daß beide trotzdem als Streikbrecher arbeiteten und daß sie die übrigen Arbeiter also aufs niederträchtigste betrügen. Weil zwei der betrogenen Arbeiter nun diese beiden„Ehrenmänner" nannten, waren sie ivegen Vergehens gegen§ 153 angeklagt. Selbst der Amtsrichter erklärte den„Ehrenmännern", daß sie„eine recht zweifelhafte und höchst bedenkliche Rolle gespielt" hätten. Trotzdem wurde auf e i n e n Monat Gefängnis erkannt. Der Vertreter der Anklage hatte gar sechs Wochen beantragt. Ein vernünftiges Urteil gegen Streikposten fällte das Schöffengericht Hof in seiner Sitzung am 25. August. Anläßlich des im heurigen Frühjahr stattgefundenen Bauarbeiterstreiks wurden im Laufe der letzten Wochen eine ganze Anzahl streikender lind auch nicht streikender Arbeiter deshalb verurteilt, weil sie irgend einem der so nützlichen Arbeitswilligen gegenüber das Wort„Streikbrecher" oder sonstige angebliche Beschimpsimgen gebraucht haben sollen. Ja, es wurde sogar einer von der edlen Zunft der Arbeitswilligen selbst bestraft, weil er seinesgleichen mit dem Ausdruck Streikbrecher belegte. In oben bezeichneter Verhandlung standen drei Fabrik- arbeiter von Moschendorf bei Hof vor Gericht, weil sie am 4. Juni d. I. einem arbeitswilligen Maurer das Wort Streikbrecher zuriefen und ihn nach einigen weiteren Auseinandersetzungen an die frische Luft beförderten. Die Beweisaufnahme ergab, daß das Wort Streik- brecher gefallen sei, auch daß der Slrbeitswillige beim Verlassen der Wirtschaft„einige" abbekam. Entgegen dem amtSanwaltlichen Antrage kam aber das Gericht zu keiner Verurteilung nach§ 153, es verurteilte lediglich einen der Angeklagten wegen leichter Körper- Verletzung zu 5 M. Geldstrafe, erkannte aber in, übrigen auf Frei» s p r e ch u n g, und zwar unter folgender Begründung:„ E s m a g dahin ge st ellt bleiben, ob das WortSteikbrecher eine Beleidigung ist, oder nicht; auf keinen Fall sind aber dadurch die Tatbestandsmerkmale des § 153 der G-O. gegeben, wenig st enSkann nicht nach- gewiesen werden, daß die Angeklagten dadurch de» Arbeits- willigen zur Niederlrgung der Arbeit bewegen wollten. ES käme höchstens eine Beleidigung in Frage, aber da ein Strafantrag in dieser Richtung nicht vorlag, so waren alle drei Angeklagten freizusprechen und nur der eine Ivegen Körperverletzung zu verurteilen. Im Stuttgarter Arbeiter- und Gcwcrkschaftssekretariat haben sich die Geschäfte derartig gehäuft, daß zu ihrer Bewältigung die beiden Sekretäre Mattutat und Rüther nicht mehr ausreichten. Die Gewerkschaftskommission stellte daher noch einen weiteren Sekretär an und hat für diesen Posten den Genossen Robert Fette, bis» her Redafteur in Halle, gewählt. IZuslancl. KohlenarbeiterauSstand. Prag, 28. Augusts(W. T. B.) Wie die Blätter melden, ist in einer Anzahl von Schächten der Brüxer Kohlengruben ein Aus- stand ausgebrochen. Letzte]Vacbncbteii und Dcpcfcben, Tot aufgefunden wurde gestern abend der 40 Jahre alte H. Töpffer, der während der Abwesenheit des Zahnarztes Dr. Balcke, Lindenstraße III, dessen Wohnung hütete. Als der Portier die Wohnung öffnete, um sie Mietern zu zeigen, fand er Töpffer tot in der Küche sitzend. In der Wohnung machte sich ein starker Gasgeruch bemerkbar. Nach näherer Untersuchung ergab sich, daß ein Hahn des Gaskochers aufgedreht war, neben dem ein gefüllter Teekessel stand. Töpffer selbst saß zusammengebrochen über einer Waschschüssel, in der er einen schlimmen Fuß badete. Allem An- schein nach ist der Tod auf Unvorsichtigkeit zurückzuführen. Selbst. mord scheint ausgeschlossen. Die Leiche des über 200 Pfund wiegenden Mannes wurde von der Polizei sofort beschlagnahmt und dem Schauhause überführt. Schiffszusammenstoß. Riga, 28. August.(W. T. B.) Bei Ust-DwinSk stießen der englische Dampfer„Kalabria" und der deutsche Dampfer„Lid- land" zusammen. Beide Schiffe sind stark beschädigt, Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. '„Berlin S W. Hierzu 2 Beilagen u. vnterhaltuogSblatt Nr. 200. 23. Jahrgang. 1. Seilsge des.Amiirls" Kerlim NsllÄlM Mittwolh, 2S. August lM. Die Faudkskouferrn; der hesstscheu ZozialdkluoKratie tagte am 25. und 26. August in M u h l h e i m a. Main. Der gedruckt vorliegende Jahresbericht des Landeökomitees und des Partei- sekretärs weist aus. dast die Parteibeweguug im Grobherzogtum Hessen im abgelaufenen Jahre einen bedeutenden Fortschritt erfahren hat. Das dürfte nicht in letzter Linie der Tätigkeit des im Berichts- jähre angestellten Parteisekretärs(Dr. Davids zuzuschreiben sein. Die Gesamtorganisation umfaszt 171 Ortsvereine mit 13772 Mitgliedern. Das md 20 Proz. der bei der Hanptwahl im Jahre 1903 abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen. Eine Zunahme gegen das Vorjahr von 23,6 Prozent. Für das ganze Land mit den vielen rein land- wirtschaftlichen Bezirken ist dies kein ungünstiges Verhältnis. Im Laufe des Bericbtsjahres wurden allein 43 Organisationen neu gc- gründet. Der Sekretär beabsichtigt, einen Stab von politisckcn Referenten dadurch heranzubilden, daß er an den vier Sonntagen im Oktober vor- und nachmittags an zwei Hauptorten des Landes Referentenkurse abhält. Teilnehmer haben sich bereits in größerer Anzahl gemeldet.— Der Agitationskalendcr wurde in 131 566 Exemplaren hergestellt. Die Ein- nahmen und Ausgaben des Landeskomitees bilanzieren mit 23 698,12 M. DaS Vermögen beträgt 7473,64 M. Der Marlen» Umsatz(a 10 Pf.) betrug 296 800. Das Landeskoniitee hat im Einvernehmen mit den Gieszener Genossen beschlossen, vorbehaltlich der Zustimmung der Landeskonferenz für die Provinz Oberhessen ein täglich erscheinendes Kopfblatt des„Offen- bacher Abendblattes" herauszugeben. Das in Gießen er- scheinende Wochenblatt„Mitteldeutsche Sonntags- z e i t u n g" würde dann eingehen. Die Ltreiskonferenz des oberhessischen Wahlkreises Friedberg-Büdingcn hatte sich gegen diese Neugründung gewendet und ihrerseits an der dort verbreiteten „Frankfurter Volkssftmme" festgehalten. Nach lebhafter Diskussion der Berichte wurde unter anderem ein Antrag angenommen, alljährlich am 1. Mai ein Flugblatt über die Bedeutung des Weltfeiertages heraus- zugeben. In der Preßfrage wurde der Antrag des Landeskomitees auf Herausgabe des neuen Tageblattes(Kopfblatt des„Offenbacher Abendbl.") für Oberhessen mit allen gegen drei Stimmen an- genommen. Am 1. Oktober wird also das Gießener Wochenblatt sein Erscheinen einstellen. Der jetzige Redakteur Genosse Wetters ivird von Gießen aus die Redaktion deS neuen„Oberhessischen Tageblattes" übernehmen. DaS Landesorganisationsstatut wurde nach einem Referat des Genossen Orb einer Aendernng unterzogsn, um den Jenaer Be- schlössen Genüge zu tun. Die Beitragslcistung wird hiernach wie folgt geregelt: Der Parteibeitrag beträgt monatlich 15 Pf. Davon sind 3 Pf.(20 Proz.) für den Vorstand der Gesamtpartei bestimmt und 4 Pf. für das Landeskomitee. Zur Bestreitung der Kreis- und lokalen Agitation ist ein Mindestzuschlag von 5 Pf. zu erheben, so daß der monatliche Mindestbeitrag mit Lokalzuschlag 20 Pf. beträgt. Dieser Zuschlag wird mit dem Parteibeitrag durch Marke mit be- sonderem Stempelaufdruck erhoben. Zu diesem Zwecke wird eine einheitliche Landesmarke herausgegeben. Diese Marken sind vom Landeskomitee pro Marke zu 3�2 Pf. zu beziehen und pränumerando zu bezahlen. Die Mitglieder der einzelnen Organisationen haben pro Monat mindestens zwei Marken zu lösen, weibliche Mitglieder nur eine. Das Landeskomitee führt pro Mitglied und Monat aus seinen Einnahmen 3 Pf. an die Gesamtpartei ab. so daß es selbst pro Mitglied und Monat 4 Pf. zur Bestreitung der Landes- bedürfnisse hat. Genosse David sprach über den politischen Massen- streik.(Wir bringen diesen Teil der Verhandlungen unter„Die Massen st reikdebatt e".) Die Taktik bei Gemeindewahlen legt eine Resolution fest, in der es heißt: In Erwägung, daß die Entwicklung der wirtschaftlichen und polittschen Verhältnisse des Landes im allgemeinen die sozialen Klassengegensätze steigert und diese Gegensätze sich ganz besonders im öffentlichen Leben der Gemeinde geltend machen, erklärt die Landeskonferenz, daß es strengste Pflicht der Genossen ist, bei allen Kommunal- wählen darauf zu sehen, daß die Interessen der arbeitenden Klassen gewahrt sind. Es soll dies dadurch geschehen, daß bei allen Wahlen jeder Kompromiß vermieden und selbständig vorgegangen wird durch.Aufstellung aus- gesprochener und erprobter Parteigenossen als Kandidaten. Da aber die Ausstellung derartiger zu- verlässiger und unentwegter Genossen zurzeit nicht immer möglich ist— vergleiche das Bestätigungsrccht der Regierung bei Bürger- meister- und Beigeordnetenwahlen, die Bestimmungen über die Zusammensetzung der Gemeindevertretungen(HLchstbesteuertenrccht) und die Entscheidung durch relative Mehrheiten— so kann in besonderen Fällen durch ausdrücklichen Beschluß der berufenen Instanzen, von der Regel der Aufstellung eigener erprobter Genossen als Kandidaten, abgesehen werden. In solchen besonderen Fällen ist aber streng darauf zu sehen, daß nur solche Kandidaten unsere Stimmen erhalten, welche Ge- währ dafür bieten, daß sie sich nicht als Scharfmacher gegen die Arbeiter betätigen oder ihre Wahl die Wahl eineö anderen gehässigen Gegners verhindert. In allen Fällen haben die Lokalorganisationen nach ordnungS- gemäß einberufener gemeinschaftlicher Beratung und Beschluß- sassung zu handeln. Jedem Genossen steht daS Recht zu, gegen einen Beschluß der Lokalorganisation an das Landeskomitee zu appellieren, welches zu prüfen hat, was zur Erledigung deS Streits zu tun ist. Die Konferenz war außerordentlich gut besucht. Orte durch 129 Delegierte vertreten. ES waren 108 Euq der Partei. Zum Parteitage. In Dresden- Land sagte Genosse F l e i ß n e r als Referent u. a.: Die Veröffentlichung des Protokolls ist zu begrüßen.(Sehr richtig!) Die von Bringmann empfohlene besondere Theorie für die Gewerkschaften wäre der erste Schritt zu einer Spaltung der Ar- beiterbcwegung. Für beide Organisationen gibt es nur eine Theorie: die Klassenkampftheorie. MiillerS Referat habe er dahin aufgefaßt. wenn lvir einig sein wollten, so habe sich die Partei der Gewerk- schast unterzuordnen. DaS sei falsch. Partei und Gewerkschaft seien zwei gleichlvcrtige Faktoren, sie haben sich gegenseitig zu respektieren. zu ergänzen. Die Entscheidung über den politischen Massenstreik müsse bei der Partei liegen. Ebenso müsse eingesehen werden, daß er das einzige unS übrigbleibende legale Mittel für schwere Zeiten ist. In der Debatte wurde dem Referenten meist beigestimmt. An- träge wurden nicht gestellt. Auf der Kreiskonferenz deS 7. sächsischen Wahl- k reifes(Meißen-Großenhain) wurde in einer längeren sachlichen Diskussion von fünf Rednern der in der Jenaer Massenstreik- Resolution zum Ausdruck gebrachte Standpunkt, von einem Redner der der Kölner Resolution vertreten. Ein Antrag, die Alkoholfrage für nächstjährigen Parteitag auf die Tagesordnung zu setzen, wurde einstimmig abgelehnt, aber der Antrag angenommen, daß die zwei Delegierten zum Parteitag der Generalversammlung der Jugend- organisation beiwohnen sollen._ Der westpreußischc Provinzialparteitag fand am 26. August zu Danzig statt. Von den 13 westpreußischen Wahlkreisen waren 12 Delegiertenversamiuluug deS schweizerischen Griitlivrreins. Zweiter Tag. Aarau, 26. August. ES sind 143 Delegierte aus über 100 Sektionen anwesend. Die Revision der Zentral st atuten wird fortgesetzt. In den alten Statuten hatte es geheißen, daß Strcikbruch „unter Umständen" als AuSschlußgrund betrachtet werde. Im § 83 der neuen Fassung ist daS„unter Umständen" gestrichen. Neu eingeschaltet wurde u. a. ein Abschnitt über Erwerbsgenossenschaften, lautend: „Die handlungsfähigen Mitglieder deS GrütlivereinS können sich durch Urabstimmung zu Eviverbsgeirosienschaften zur Betreibung eines oder verschiedener Geschäftszweige vereinigen." Genosse Reimann hielt sodann das einleitende Referat über die Tagesausgabe des„Grütlianer". Nach kurzer Debatte, in der u. a. die Redaktion deS„Grüt- lianers" wegen Aufnahme verschiedener reaktionärer Einsendungen scharf kritisiert wurde, beschloß die Versammlung e i n st i m m i g, mit 113 Stimmen, die tägliche Herausgabe des„Grütlianers" vom 15. November ab. Die Mitgliedschaften sind zum obligatorischen Abonnement für mindestens 80 Prozent der Mitglieder verpflichtet. Vorläufig werden zwei Redakteure angestellt. Die Frage der Er- richtung einer Preßkommission wurde dem Zentralkomitee überwiesen. ES folgte das Referat des Genossen KantonSrat Wirz aus Zürich über:„Die Aufgaben des Schweizerischen GrütlivereinS für die Zukunft". Er sagte u. a.: Der Grütliverein habe in der Gegenlvart einen schweren Kampf zu kämpfen und durch die fortwährenden An- griffe von allen Seiten habe er bereits die Hälfte seines Mitglieder- bestandes eingebüßt.(1896: 15 000 Mitglieder, 1906: 9000.) Am Rückgang der Mitgliederzahl seien diverse Faktoren schuld: auf der einen Seite das Gebaren einzelner rückständiger Elemente im Verein, die sich dem modernen Zeitgeistc und den Grund- sätzen der Sozialdemokratie und der Gewerkschaftsbewegung nicht angepaßt haben, andererseits die Anfechtung auS den eigenen Kreisen der sozialdemokratischen Partei. Diejenigen, die alles Heil von der gewerkschaftlichen Bewegung erhoffen, haben heute einen leider allzu großen Einfluß erlangt. ES müsse mit aller Enschieden- heit betont werden, daß die politische Tätigkeit der Arbeiter- schaff die wichtigste Seite der Arbeiterbewegung sei, indem sie allein die Zustände, wie sie durch die Gesetze geschaffen werden, um- zriändcrn in der Lage sei. Gegen die anarchistische Welle, die unser Parteileben gegemvärtig umwoge, heiße eS mit aller Entschiedenheit Front machen. Der Grütliverein müsse sich zukünftig großen Fragen praktischer Sozialreform zuwenden. Der politische Massenstreik sei für die Schweiz nicht zu empfehlen. Unsere besten Waffen seien der Stinuuzettel und die Sammlung und Einigung zur Lösung großer sozialer Fragen. Das Referat wurde oft von Beifall unterbrochen und beschloß die Versammlung, einen Auszug im„Grütlianer" zu publizieren. Eine vom Genossen Redakteur Koch auS Luzern verfaßte Resolution, worin die Maßnahmen der Züricher Regierung, das Streikpostenverbot und speziell die Ausweisung des Genossen Hanth aufs schärfste verurteilt werden, fand einmütige Annahme. Straftonto der Presse. Unser Hofer Parteiorgan, die„Ober- ftänk. Volkszeitung", veröffentlichte vor geraumer Zeit eine Rotiz, durch 19 Delegierte vertreten. Außerdem waren Vertreter der Presse, der westpreußischc GewcrkschastSsckretär und mehrere Gcwerkschafts- gauleiter anwesend. Der vom Genossen Sellin erstattete Bericht über die Tätigkeit der Agitationskommission konnte als Erfolg der intensiven AgitationS- arbeit einen weiteren wesentlichen Fortschritt der Parteibewegung trotz der nicht unerheblichen Schwierigkeiten konstatieren. In der Debatte wurde mehrfach lebhaft bedauert, daß die A n st e l l u n g eines Parteisekretärs noch immer nicht möglich gewesen ist. Kritisiert wurden die oft sehr mangelhaften Kenntnisse mancher Polizeiorgane über die Rechte, die den Staats- bürgern aus dem Vereins- und Versammlungsgesetz zustehen. Ferner wurde der noch immer sehr störende Lokalmangel beklagt. Sodann beriet der Parteitag nach dem einleitenden Referat des Genossen Bartel das neue Organisationsstatut für> den Bczirksverband Westpreußen. Einstimmig wurde die Provinz- organisarion auf der Grundlage sämtlicher 13 Wahlkreise beschlossen. Der Minimalmonatsbeitrag wurde auf 20 Pf. bemessen und den KreiSvereinen das Recht der Erhebung von Aufschlägen eingeräumt. Unter Beibehaltung eines Beschlusses des Provinzialtages von Thorn von 1904 würbe auch jetzt bestimmt, daß zu Rcichstagskandidaten und Delegierten der allgemeinen deutschen Parteitage nur Genossen gewählt werben können, die mindestens drei Jahre politisch organisiert sind. Der Thorner Parteitag hatte ferner beschlossen, daß die Gaubeamten der Gewerkschaften ebenfalls Sitz und Stimme auf den Provinzialtagen haben sollten. Diese Bestimmung lvurde in das Organisations statlit nicht aufgenommen. In der Debatte wurde aber von Ge werkschaftsvertrctern die Ansicht geäußert, daß deshalb eine Aende rung der seit Jahren geübten Praxis nicht einzutreten brauche. Der Beschluß von 1904 sei eben nicht formell aufgehoben und könne daher, obgleich er nicht schwarz auf weiß vorhanden sei, doch befolgt werden. Zum Sitz der Agitationskoimnission und des Parteisekretärs wurde schließlich wieder Danzig bestimmt. Aus den Orgaiiisatione». Die Kreiskonferenz des siebenten sächsischen Wahlkreises(Meißen-Großenhain), die am Sonntag in M e i ß e n tagte, konnte ein erfreuliches Wachstum der Parteibeweguug konstatieren. Die Ortsgruppen sind von 10 auf 12, die Mitgliederzahl ist von 2094 auf 2614 gestiegen. Die Ein- nähme betrug 2393,85 M., die Ausgabe 2019,90 M. Das Partei- organ hat 4400 Abonnenten gegen 3800 und 3443 in den Vorjahren. Unter anderem wurde beschlossen, nur solchen Parteigenossen Aemter in der Partei zu übertragen, die gewerkschaftlich organisiert sind. (Weiteres siehe unter„Zun: Parteitage".) Zu der Generalversammlung für den 8. und 10. fchleSwig holsteinischen Reichstagswahlkreis, die am Sonntag in Altona tagte, waren aus beiden Kreise» 59 Delegierte bezw. Vereins funktionäre erschienen. Aus dem umfangreichen, in einer Broschüre niedergelegten Tätigkeitsbericht geht hervor, daß die Zahl der organisierte» Parteigenossen von 6038 aus 7584, die Zahl der .Echo"-Leser von 6531 auf 8497, die der Leser der„Gleichheit" von 230 auf 571 gestiegen ist. Die Ortsvereine erzielten insgesamt eine Jahreseinnahme in Höhe von 50 782,75 M., die Hauptkasse quittierte über Eingänge in Höhe von 29 724,50 M. I» der lebhaften Aus- spräche über den Geschäftsbericht wurde auf das Mißverhältnis der Zahl der politisch organisierten zu der der gewerkschaftlich organi- sierten Arbeiter in beiden Kreisen(14 234) hingewiesen.(Die Er- klärung des Genossen Frohme zum Massenstreik brachten wir in der vorigen Nummer.) Am Sonntag und Montag fand in Ottensen die General- Versammlung deS 6. schleswig-holsteinischen Wahlkreises statt, die von 44 Delegierten und 3 Vorstandsmitgliedern besucht war. Die Zahl der organisierten Parteigenossen ist von 4935 auf 5817 gestiegen, die der Einzelmitglieder von 353 auf 563, die der Beiträge zahlenden Frauen von 548 auf 880. Der Haupt- kassicrer erzielte eine Einnahme von 27 235 M. und einen lieber schuß von 2617 M., während die Ortsvereine eine Einnahme von 33 920 verzeichneten. Leider ist der Abonnentcnstand der Presse nicht in dem gleichen Maße gewachsen. Die„Schlcswig-Holst. Volksztg." wird in 1567 gegen 1446 im Vorjahre, das„Hamburger Echo" in 3978(3508), die„Gleichheit" in 559(357), die„Neue Zeit" in 43(25). der„Wahre Jacob" in 3411(3072) Exemplaren abgesetzt. daß der dortige Polizeiinspektor einen Arbeiter mit Lackl und Schweinepelz tituliert habe. Nun lag aber eine Verwechselung zu- gründe, nicht der Polizeiinspektor, sondern ein Bankbeamter, der dem Sicherheitsorgan zum Verwechseln ähnlich sieht, hatte die gerügte Taktlosigkeit begangen. Als der Redakteur unseres Partei« blattes von der Verwechselung Kenntnis erhielt, veröffentlichte er sofort eine Richtigstellung. Damit war aber die angegriffene Ehre des Polizeiinspcktors nicht wieder ins Gleichgewicht zu bringen, er rannte zum Kadi und stellte Strafantrag gegen den verantwortlichen Redakteur Genossen Goßler. Dieser wurde denn auch am letzten Sonnabend, trotzdem er alles getan hatte, was er nach Lage der Sache tun konnte, zu der verhältnismäßig hohen Geldstrafe von 50 M. verurteilt. Soziales. 24,59 Millionen Mark Ueberschuß— 39 bis 75 Mark Beamtengehälter! „Denn die Victoria übertrifft mit ihrem Versichcrungsbestande von 1,28 Milliarden Mark Vermögen von tveit über Vs Milliarde Mark Ueberschnss von 24,59 Millionen Mark alle Versicherungsgesellschaften des europäischen Kontinents.... Die Zahl der Bureaubcamten auf der Direktion beträgt 1600. die Zahl der Angestellten überhaupt an 6000... Mit solcher Reklame hat die Victoria zu Berlin, Allgeni. Versicherungs-A.-G. ihren letzten Geschäftsbericht— geschmückt. Man sollte nun erwarten dürfen, daß eine Gesellschaft, die mit solchen glänzenden Ergebnissen Reklame macht, ihren Be- amten Gehälter zahle, die nirgends als Hungerlöhne bezeichnet werden könnten. Wer das voraussetzt, beurteilt den Vampyr Kapitalismus falsch. Wie es auf einem Bureau der Victoria aussieht, mit welchen„Un"— summen die Beamten entlohnt werden, darüber belehrt uns folgende Zuschrift: Auf dem Volksversicherungs-Burcau der„Victoria zu Berlin", Lindenstr. 20/21, herrscht folgende Methode: In erster Linie werden hier junge Menschen von 16 bis 25 Jahren beschäftigt, neben diesen sitzen aber auch Familienväter, ehrwürdige Herren in ergrauten Haaren. 156 Angestellte liquidieren pro Monat 30 bis 75 Mark— Trinkgeld? Nein, das nimmt kein Beamter, reguläres Gehalt von solchen Dimensionen stecken die Beamten ein. Von den qirka 170 in diesem Bureau Beschäftigten erhalten ungefähr 10 Herren sogar 75 bis 100 Mark monatlich. Diese Krösusse sind aber zu beneiden!-- An je einem großen Tisch sitzen vier Herren, einer führt den Titel Tischältester und hat die„Ehre", außergeschäftliches Sprechen, ja sogar leises Flüstern verbieten zu dürfen, dafür zu sorgen, daß die Beamten ihre ganze Kraft 8 Stunden lang einzig und allein auf ihre Arbeit konzentrieren. In den Frühstückspausen fungiert dieser Herr als Zensor. Er hat das Lesen mitgebrachter Zeitungen streng zu untersagen. lieber vier bis fünf solcher Tische führt wieder ein zweiter Herr,„Ordner", die Oberaufsicht. Läßt ein Beamter ermüdet seine Feder auf kurze Zeit ruhen, reckt er vielleicht seine durch das lange Sitzen steif gewordenen Glieder, gleich ertönt der Ordnungs- ruf dieses Herrn durch den Saal. Wer ein dringendes Bedürfnis befriedigen will, hat eine am Tisch des ersten Ordners hängende Marke mitzunehmen. Man kontrolliert dadurch die Dauer des Bedürfnisses und ferner wird verhütet, daß sich mehr wie drei Herren zu gleicher Zeit auf den diskreten Ort zurückziehen. Wehe dem Aermsten, der gegen die komplizierte Hausordnung verstößt. Strafgelder regnen und eine donnernde Strafpredigt des Herrn Bureauvorstehers vor den versammelten Beamten zeichnet ihn aus. Die Beamten erhalten ein sehr reichlich bemessenes Wochen- Pensum Arbeit zugeteilt. Wer dasselbe nicht schafft, arbeitet eben nach. Für jeden Fehler, den der Beamte macht, wird 1 Mark Strafgeld in Abzug gebracht. Statt den Beamten ein Gehalt zu geben, das zum Sattesscn reicht, werden die Herren veranlaßt,„Vereinchen" zu gründen, die unter der Protektion der Direktion stehen. So existiert eine Dar« lebnskasse, die im Notfalle Unterstützungen von 40 Mark gewährt, mit der Maßgabe, daß der Betrag in Raten von 5 Mark und mehr vom Gehalte wieder in Abzug gebracht werden kann. Von dem Gehalte wird abgezogen: 1. Rate für ein eventuelles Darlehn? 2. Invaliden- und Krankengeld: 3. Beiträge zu den Beamtcnhülfskassen; 4. Prämien für eine Volksversicherungspolice (jeder Beamte muß nämlich zur„Sichcrstellung seiner Existenz im Alter" eine Versicherung eingehen); 5. eventuelle Strafgelder; 6. Beiträge zur Beamtenkautionskassc. Dazu treten noch die Sammlungen für die Kranz- und Gcburtstagsspcnden. Es sterben nämlich viele Beamte und die Bureauvorsteher sind so herablassend, Geschenke von Untergebenen nicht zurückzuweisen. AuS Dankbarkeit verweist man— auf den„JünglingS-Vercin" in der Wilhelm- straße; dort soll man sich weiter betätigen. Ist das nicht ein herzerfrischendes, patriarchalisch-christliches Verhältnis? Die Beamten werden nicht übermütig, sie bleiben gesinnungstüchtig und die Aktionäre schlucken Riesendividenden. Den 6000 Beamten könnte man die Gehälter um 50 M. pro Monat erhöhen, dann bliebe der Gesellschaft immer noch ein Ueberschuß von 21 Millionen Mark oder 350 Proz. des sechs Millionen Mark betragenden Aktienkapitals. Aber ivarum solche ausschweifenden Gehälter zahlen? Die Beamten sind ja schon zufrieden und hochbeglückt, wenn sie Geburtstags- geschenke kaufen und Mitglieder des Jünglingsvereins werden dürfen. Ja man möchte wirklich höhnen, wenn man sieht, wie manche dieser Beamten, die vor Hunger nicht stille stehen können, sich aufblähen wie ein Truthahn. Und zu den jammervollen Verhältnissen verdienen die Dummstolzen reich- lich Hohn und Spott, solange sie nicht einschen, daß sie in den Reihen der klassenbewußten Arbeiterschaft kämpfen müssen, wenn sie anständige Behandlung und Entlohnung erlangen wollen. Da den Herren deutlich zu verstehen gegeben wird, daß sie die Versammlung des Zentralverbandes der HandlungS- gehülfen zu meiden haben, sollte ihnen schon ohne weiteres klar sein, wo und wie sie ihre Interessen zu vertreten haben. Mit Jamniern, Flennen. Bitten, Betteln, Ducken. Scharwenzeln, Liebedienern, Denunzieren und Speichellecken wird nichts erzielt, was zu tun ist, sagt folgende Zu- schrist: Es ist eine in HandlungSgehülfenkreisen allgemein bekannte Tatsache, daß gerade Versicherungsgesellschaften den Angestellten wahre Hungerlöhne zahlen, während die Herren Direktoren und Oberbeamte Gehälter einstecken, von denen sich der gewöhnliche Sterbliche keinen Begriff macht. Zu diesen Gehältern kommen noch kolossale Tantiemen. Spesen usw. So machte der Zentralverband der Handlungsgehülfen und Gehülfiuncn Deutschlands, Bezirk Berlin, im Jahre 1905 darauf aufmerksam, daß der AufsichtSrat der „Viktoria", der aus sieben Personen bestand, an Tantiemen allein 150 000 M. einsteckte und die Direktion(Herr Direktor Gerstenberg) die schöne Summe von 335 326 M. bekam, wozu noch das jedenfalls nicht kleine Gehalt des Herrn zu rechnen ist. Dagegen gab es im Betrieb HandlungSgehülsen. die mit 59 M pro Monat angestellt waren. In diesem Betriebe ivurden allerdings durch die Gewerkschaft der Handlungsgehülfen kleine Lohnaufbesserungen durchgesetzt, aber wirkliche Aktionen sind in der Versichernngsbranche doppelt schwer. Wird schon dem Angestellten der Warenhäuser und großen Kontore immer wieder von den Chefs und kaufmännischen Vereinen vorge- spiegelt, daß er eine höhere Stelle einnehme als der Arbeiter, so fühlt sich der Angestellte der Versicherungsbranche sogar noch mehr als der Handluugsgehülfe,— er ist Beamter. Und wenn er dabei verhungert er suhlt sich als etwas Besseres. Er murrt im geheimen und steht stramm vor dem Vorgesetzten. Wenn es ihm aber einmal zu viel wird, dann flüchtet er zu der Sozialdemokratie, zeigt die Mißstände der Oeffentlichkeit, aber selbst eintreten in die Reihen der gewerkschaftlichen Kämpfer, fällt de» Leuten meistens nicht ein. Der gewerkschaftlichen Organisation stellen sich in der Ver- sicherungsbranche große Hindernisse entgegen; zu bedauern ist es da, daß selbst diejenigen Angestellten, die schon den Mut haben, der Presse Material zu geben, nicht einsehen, daß die skandalösen Zu- stände durch die Organisation beseitigt werden können. Wir haben häufig feststellen müssen, daß diejenigen, die Material liefern, nicht ihrer Pflicht nachkommen und sich im Zentrawerbimd der Handlungsgchiilfcu und Gchiilfiiiiicn Deutschlands, Bezirk Berlin, organisieren. Wen» die Betreffenden irgendeinem kaufmännischen Verein angehören, glauben sie in gewerkschaftlicher Beziehung ihre Schuldigkeit getan zu haben. Und im Gegensatz zu den sozialdemokratischen Arbeitern, die sich gewerkschaftlich organisieren, halten es die Handlungs- gehülsen, die sich Sozialdemokraten nennen, für richtig, ihrer zu- ständigen Gcwerkichaft fernzubleiben, sie gehören aus Rücksicht auf Stellenvermittelung oder aus sonstigen Gründen bürgerlichen kauf- männischen Vereinen an. Die großen Mißstände im Handels- gewerbe können durch gewerkschaftlichen Kampf beseitigt werden. Dazu aber ist es notwendig, daß sich alle Handlungsgehülfen im Zentralverbnnd der Handlnngsgehülfe» und Gehülfinnen Deutsch- landö, Bezirk Berlin,' Neue Friedrichstr. 20, organisieren, den Verband kampffähiger machen. Das sollten alle Handlungsgehülfen und Bureauangestellten beherzigen, dann werden die Arbeitsverhältnisse sich für sie bald günstiger gestalten. Berichtigung. Herr Th. Fritsch, Kassierer der Ortskrankenkasse »er Töpfer, ersucht uns zu berichtigen, daß er nicht der Denunziant var, der verschiedene Vorstandsmitglieder als nicht mehr zur Kasse zehörend gemeldet habe. Versammlungen. Erklärung. Der Bericht über die Generalversammlung des Zentralwahlvereins für Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg läßt mich u. a. sagen, ich lvürde es für ein Unrecht halten, wenn sich die Partei im Anschluß an die letzten Vorkommnisse in die Kämpfe zwischen Zentralisten und Lokalisten einmischen Ivollte. In Wirklichkeit ist eS mir auch nicht entfernt eingefallen, mich in diesem Sinne zu äußern. Von den„letzten Vorkommnissen" habe ich überhaupt nicht gesprochen, ich habe mich lediglich gegen einen Antrag gewandt, der den Ausschluß aller Lokalisten aus der Partei bezweckte. Das, was mich der Bericht über den Massenstreik sagen läßt, ist völlig verkehrt. Um den Raum des„Vorwärts" nicht über Ge- bllhr in Anspruch zu nehmen, verzichte ich auf eine Wiedergabe dessen, was ich in Wirklichkeit gesagt habe. Ich begnüge mich damit, öffentlich festzustellen, daß ich die Ausführungen, die der Bericht mir in den Mund legt, nicht als von mir stammend anerkennen kann. Paul Hirsch. Richtigstellung. Der Bericht von der Kreis-Generalversammlung Teltow-Beeskow-Charlottenburg läßt mich unter anderem sagen: Die Schuld an den bedauerlichen Vorkommnissen bei der Maifeier in der A. E.-G., Brunuenstraße, treffe in erster Linie die örtliche Verwaltung. Meine Ausführungen gaben jedoch nicht der örtlichen Verwaltung die Schuld an der mißglückten Maifeier in der A. E.-G., Brunnenstraße, sondern in erster Linie den Funktionären des Ver- bandes in der A. E.-G., Brunnenstratze. Ich bitte daher um eine Richtigstellung meiner Ausführungen, damit im Interesse der Ver- waltung des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes nicht falsche Schlüsse daraus gezogen werden können. P. H o f f m e i st e r, Rixdorf. Berichtigung. In der Nr. 1S4 des„Vorwärts" ist ein Ver- fammlungsbericht der Freien Vereinigung der Maurer veröffentlicht, in welchem in bezug auf den Bau„Kniserhof" unwahre Behauptungen aufgestellt sind. In dem Bericht heißt es unter anderem:„Jetzt sei es sogar so weit gekommen, daß von dem Bau„Kaiserhos" 2ö Mit- glieder der Maurervereinigung entlassen worden seien, darunter sämtliche Baudeputierte, ohne daß sich eine Hand darum rührte. Ja, man habe es ohne den geringsten Einspruch geschehen lassen. daß der Organisationsvertreter der Maurerbereinigung kurzerhand vom Bau gewiesen wurde. Demgegenüber haben wir auf dem Bau„Kaiserhof" beschäftigte Maurer szentraler Richtung) folgendes zu erklären: Am Sonnabend, den 11. d. M., wurden 38 Maurer entlassen; 25 gehörten der Freien Bereinigung, die übrigen dem Zentral- verbände an. Wir teilten unserer Organisationsleitung den Vorfall mit und es wurde uns gesagt, daß man am Montag zum Frühstück untersuchen wolle, ob seitens der Bauleitung eine Maßregelung vor- liege. Metzle sVertretcr der Freien Vereinigung) hatte die Absicht, schon früh morgens um 7 Uhr mit dem Polier Verhandlungen anzuknüpfen, was letzterer jedoch ablehnte mit dem Bemerken, daß, bevor nicht auch ein Vertreter des Zentral- Verbandes zugegen sei. sich eine Aussprache erübrige. Zum Frühstück erschienen der Kollege T h ö n s vom Verband und der Kollege Metzle von der Freien Vereinigung der Maurer gemeinschaftlich auf der Baustelle. In Gegenwart der beiden Poliere, der Bau- deputierten und einer ganzen Anzahl Kollegen beider Richtungen fand eine gegenseitige Aussprache statt. Der Polier erklärte, daß von einer'Maßregelung keine Rede sein könne: die Arbeit— was auch von den Maurern eingesehen werden müsse— dränge zusammen und er müsse in nächster Zeit wiederum Leute entlassen. Beide Ver» treter. Metzle sowohl wie T h ö n s, auch eine Anzahl der Ent- lassenen selbst hatten das Gefühl, daß die Arbeit zusammendrängt, so daß im vorliegenden Falle nichts unternommen iverden konnte. Kollege Thons wies lvährend der Verhandlung darauf hin, daß man mindestens bei Entlassungen auf die Baudeputierten Rück- ficht nehmen müsse und daß, da einer der Deputierten mit entlassen sei, er, T h ö n s, dessen Wiedercinstelluiig beantrage. Dem wurde Rechnung getragen. Hierzu sei ausdrücklich bemerkt, daß, nachdem die Wiedereinstellung des Baudeputierten erwirkt war. dieser auf die Wiedereinstellung verzichtete. Bezüglich des Glaserkonfliktes glauben wir nach wie vor unsere Schuldigkeit getan zu haben, indem wir, sobald uns etwas ver- dächtig erschien, uns sofort an die Streikleitung der Glaser gewandt habe». Dies der wahre Sachverhalt. Die zentralorganisierten Maurer vom Bau„Kaiserhof". Für de» Jntzalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Verantmortnng. UKeater. Mittwoch, den 29. August. Ansang VI, Uhr. Opernhaus. Fidelio. Ichauspielhaus. Die OuitzowS. Nene« Operntheater. Der Barbier von Sevilla. Die schöne Galaths. Deutsches. Der Kausmann von Venedig. Anfang 8 Uhr. Lessing. Die Weber. Berliner. Sherlock Holmes. Schtlter O.(WaUncr«Theater.) Der Freischütz. Schiller N.(Friedrich Wilhelm- slädtllches-Thealer). Hasemanns Töchter. Komische Oper. Figaros Hochzeit. Westen. Die lustige WiNve. Residenz. Die Höhle des Löwen. Zentral. Die Fledermaus. Triano». Die Notbrücke. Luslspielhnns. Spatzcnliebe. Kleines. Mimensicge. Hille Bobbe. Die Schlangendame. Carl Weist. Adele. Deutsch- Amerikanisches. Im wilden Westen. Nictropol. Aus ins Mcwopol. Apollo. Berlin im Omnibus. Das blaue Bild. Spezialitäten. Thalia. Wenn die Bombe platzt. Luisen. Rosenmüllcr und Finte. Wintergarten. Spezialitäten. Passage. Spezialitüten. »teichohalleu. Stettiner Sänger. Carl.Haberland. Spezialitäten. Ilrania. Tanbenstras-e sH/s». Abends 8 Uhr: Der jüngste Aus- bruch des Vesuvs. Sternwarte, Juvalidenstr. S7/S2. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Heute und folgende Tage s Sbcrlockr)olmcd» Ansang 8 Uhr. Neues Theater. Erössnnngs-Vorstellung Freitag, den 31. August, Ans. 8 Uhr: Zum erstenmal: SgänSrcIl. Der bürgerliche Edelmann von Molisre. Deutsch von Fulda. Sonnabend. Sonntag, Montag: Dieselbe Vorstellung._ Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Ein idealer Gatte. Donnerstag: llin idealer Gatte. Freitag: Mimensiege.— Hille Bobbe. Die Scblangendame. Zentral-Theater. (Operette). 8 Uhr halbe Preise: flrdmiilttts. Lustspielhaus. Täglich 8 Uhr: Spatzenliebe. Luisen-Theater Reichenbergerstr. 34. Anfang 8 Uhr. Die Ahnfran. Donnerstag: Rosenmüllcr und Finke. kreitag z. erstenmal: Romeo u. Im:«. -.onnabcnd: Die Hochzeit von Valcni. Zonntag nachm.: Romeo und Julia. Abends: Rosenmüller und Finke. Ijonlag: Rosenmüller und Finke. Urania» Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 3 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. ZOOldCISCHER C ART EN Täglich ab nachmittags 5 Uhr: Groltes Eintritt 1 M.. v. 6 Uhr ab 50 Ps. Kinder unter 10 Jahren die Hülste. leues kg!. Vpernldester (BroU). Anfang 71/, Uhr. Gastspiel Signorina Prevosti: Der Barbier von Hevllla. Hierauf: Die schöne Galathe. Donnerstag: Gastspiel E m m y Zimmermann:Die Fledermaus. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und Invalidendank. Komische Oper. Heute abend 8 Uhr: Figaros Hochzeit. Donnerstag: Holtmanns Erzählungen. Freitag: Die Bohöme. Sonnabend: Hoffmanns Erzählungen. Deutscti-Amerikanisches THE AT HR, Köpenickerstr. 67-68. Jeden Abend 8 Uhr: Gastspiel Adolf Philipps: 3m wilden Westen. Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Preise:„Uedem grollen Teich." Metropol-Theater Henry Bender. Josef Giampietro. Fritz Massary. Große Jahresrevue mit Gesang n. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor HoUaender. Anfang 8 Ehr. Hauchen überall gestattet. 10 Übt! Novität! 10 Übt! Serlitt im Omnibus. Im zweiten Bilde: Der Omnibus- Trick. Vorher: Lesttc Woche! Die erstklassigen Spezialitäten. Anfang- 8 Ehr. Wevdorowi»» Kussima ] internation. Couplet-Sängerin. Auf der diesjährigen Schönheitskonkurrenz in Karlsbad mit dem ersten Preise gekrönt. U erstklassige kmm\ Hchiller-Tlieater. Schiller-Theater 0. fWallncr-Theater). Morwist-Oper. Mittwoch, abends 8 Uhr: bei halben Preisen: Der PreischHtz. Romantische Oper in 4 Alten von Joh. Fr. Kind. D o n n e r S t a g, a b e n d s 8 U h r: Abschied Heinrich Böteis: Hvr Tronbadour. Freitag, abends 8 Uhr: Letzte Opern-Vorstellung bei halben Preisen: Eidello. Schiller-Theater N. tFriedr.-Wilh.Th.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Kla!,vniann» Töchter. Volksstück in 4 Akten v. A. LÄrronge. DonnerStag.abendsBUHr: Weh' dem der Itigt. Freitag, abends 8 Uhr: Hasemann» Töchter. Im Garten tagt. gr. Militär-Konzert. Max Kliems Sommer-Theater. Hasenheide 13—15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich; Qr. Konzert, Theaterj °°ä Spezialitätenvorstellung Jeden Montag: Sommerfest.— Jeden Mittwoch: die beliebten Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Glite-Dag. Einladung w Tanfe!! Diez' Spezialitäten-Theater Eiandsbcrgcr Allee 76/79(Kingbahn- Station) gibt sich die Ehre, das geehrte Publikum als Pathe zu der am itllttwochabend stattfindenden Tällfe der 4 neugeborenen LÖWBII-PrinZOIl ganz ergebenst einzuladen.— Knr noch bis 39. August er.: Iß mit noch nie gesehenen Tricks"ME MW«--wvsw«» und das neue, beste Programm Berlins. Ansang 4 Uhr.— Entree 30 Ps.— Passepartouts gültig I a•| Donnerstag, den 30. August, Eetatte« Auftreten und /\'V J C! Gr. Abschied des weltberühmten Dharles Prinz mit seinen **'* 10 liöwcn nach Söjähriger Tätigkeit als Dompteur! Carl Weiß- Theater. Gr. Franksurterftr. 132. Im Theater: Täglich 8 Uhr: Adele, L-onntag nachm. 3 Uhr zu kleinen Preisen: Adele. Im Sommer garten: Große Spezialitäten- Vorstellung. Ansang 5 Uhr._ W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. vrnnnenNr. 16. Theater, Konzert, Spezialitäten. Direktor Dill in Försters Wilhelm. Kredo Scyband, bester Ver- Wandlungs-Charakter-Schauspieler. Zlnsang 0 Uhr. Kafieelüche von 11 Uhr. Bei schlecht. Welt.: Vorstell, im Saale. BölnIislllta-'rMs Gesundbrunnen, Badstraße 58. Täglich: Busch-Liesl ober: Tie Mühle im Edelgrnnd. Außerdem: Das erstklassige SPezialitäten-Programm. U. a.: Paul Doradini, NeiB Troupe, Steffen Bros, Müller-Römer, Geschw. Hofer, La Matschiche, Giltens, Gabanis. Anfang 4'/, Uhr. Im Saale:«roller Ball. Entree 30 Ps., mim. Platz 50 Pf. Saisonkarten».Passepartouts haben GülttgkeiL_ Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr. Die Notbrücke. SanssoucUÄ Sonnig., Montg. Donnerst. und Sonnabend: Boltnianiis Nordd. Sänger und Danzkrnuzchen. Alte Liebe rostet nicht. Außerdem: Durchlveg neues Programm. Entr. 30 Ps., num.PL 50 Ps. Im Vorgart.: Freikonzert. Großer Erfolg des Sröflnungs-frogratnms. Robert Steldl, Humorist. Das Erntefest, engl. Ballettszeno. Paul Conchas, Kraftjongleur. Bonhair Gregory, Akrobat.-Truppe. Campbell und Johnslone, komische Radfahrer. Der Biograph. Mia Werber, Sängerin. Chung Ling Soo, chin. Zauberkünstl. De Witt Burns und Torranco, amerikanische Exzentriks. Die Pisslutti, Reitakt. Ferry Corwey, musikal. Clown. Price u. Toledo, Kontorsionisten. Anfang 8 Ehr._ Am Königstor— Am Friedrichshain. Täglich- Ikester-Vorstellunx, Lpexistitsten u. Ks!!. , Berlin arm und reich. Voilsstück mit Gesang in 2 Akten. Der mysteriöse Wunder-Globus lns. 8 Uhr: Die Höhle des Löwen. Schwank in 3 Akten v. SK. Hcnnequin und 5ß. Bilhaud. Gaston Chalindreh: Rich. Alexander. Kolosseum tJ Dresdcnerstr. 97. Sonnabenil, den I. Septemtier; Saison-Eröffnung. ■ Theatersaal.— fC erstklassige iE ■*» Spezialitaten Konzertsaal: Künstlerkonzert undVoIks=Kabarett Nur Kräfte ersten Ranges. Kein Weinzwang. Sonntags: 8 Vorstel langen. Frööels Allerlei-Thealer Schönhauser Allee 148. Clown Dolly ist da! Taglionis Ballett-Ensemble. The Regahs musikalischer Akt. Das BUd des Vaters. Volksstück in 2 Akten. Ans. l'/a Uhr. Tanz. Entree 30 Ps. Gustav Behrens Theater, Berlin O., Frankfurier Allee 85. Das Aufsehen erregende Eröffnnngs-Prograiiim. ISerstklassig.Nummern Baal and IWary Wilson Gedankenübertragung in höchster Vollendung. Anfang?'/» Uhr. Sonntags 5'/, Uhr. KotzMIdhauer! Am Mittwoch, den SO. Angnst 1906, abends 8 Uhr: Zwei Versammlmigen. 1. Im fflürklschen Hof, Admiralstraße 18c; 2. KUnigsbank, Große Franlsurterstraße Nr. 117. Tages-Ordnung: Fordern wir den Achtstundentag? ihJQF Pflicht eines jeden Kollegen, ob organisiert oder unorganisiert, ist es, zu erscheinen. Gleichzeitig ersuchen wir die Tischler, die Bildhauer in ihren Betrieben aus die Versammlungen aujmerksam zu machen und zum Besuch dersewen zu veranlassen. 21/2» __ Pie Agitationskonimission. Verband der Tapezierer. (Zahlstelle Berlin). Mittwoch, den 29. August, abends Z'/z Uhr, bei Mendt, Beuthstr.'ZI: General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Beschluß über die HauSkassierung. 2. Die obligatorische Zeitungs- Zustellung. 3. Verbandsangelegenheiten. » Mitgliedsbuch legitimiert! _ Die Ortsverwaltnng. Deutscher Holzarbeiter-Verband. = Iahlstttle Charlottenburg.= Donnerstag, den 30. August 1906, abends 8'/« Uhr, im BolkShause, Rojinenstraße 3: MitgUeder-Nersammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über das Unfallversicherungsgesets. 2. Verbands- Zlngelegenheiten. 3. Gewerkschastliches und Verschiedenes. •■»»»' Es ist Pflicht eines jeden Kollegen zu erscheinen.<» 91/18_________ Die Ortsverwaltnng._ Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin.—— Donnerstag, den 30. August, abends S'/a Uhr, im„Rosenthaler Hos", Rosenthalerstr. 11-12: Kraniheil-Nkrsliiililllulig SlcUnindjcc. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Redakteurs Genossen Panl John über:„Partei und Grwerkichaft". 2. Diskussion. 3. Branchen-Angclegenheiten. 4. Vcr- schiedencs. 91/17 In Anbetracht des äußerst wichtigen Vortrages ist das Erscheinen aller Kollegen sehr erwünscht._ Die Kommission. AcMunfl i Bautischler. Mittwoch, den%9. A ng nst, abends 8'/, Uhr, bei B o c k e r, Weberstr. 17: ir- ier Bezirke. Tagesordnung: 1. Wie stellen wir uns zur Vertrags-Kündigung. 3. Stellung zu den Heimarbeitern. 4. Verschiedenes. 2. Diskussion. 91/16 Es ist Pflicht, daß jede Wcrkstelle einen Vertrauensmann entsendet.— Mitgliedsbuch und Vcrtrauensmännerkarte legitimiert. Dt?" Sämtliche Differenzen im Bezirk 4 sind bis aus weiteres an Kollegen Kecker, Moabit, Waldenserstr. 30 zu melden. Achtung! BoslGnlGcgep! �htung! Donnerstag, den 30. August, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-User 15(Saal 1): Versammlung, Tages-Ordnung: 1. Der Zentral-Arbeitsnachweis in München und seine Wirkung. 2. Branchenangelegenheit. 3. Verschiedenes. Die Kommission. Mtungt Drechsler. Achtung Mittwoch, den 30. August 1006, abends 8'j, Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstraste 37 o: UnkWeilSllllllllltt-NttslllWlllllg der Drechsler Deriins und Dororte. Tagesordnung: Unser Tarif. Jede Werkstatt muß einen Vertrauensmann entsenden. Verbandsbuch legitimiert. Die Kommission. Maschinisten mid Heizer sämtlicher Weistbierbrauereien Berlins und Umgegend. Donnerstag, den 30. August 1006, abends 8 Uhr, bei Voigt, Ritterstr. 75, zweiter Hos: Oeffentliche Versammlung aller in den Weißbierbranereien Berlins u.Umgegend beschäftigte» == Maschinisten und Heizer.= Tages-Ordnung: Entsprechen die jetzigen Lohn- und Arbeits- Verhältnisse der Maschinisten und Heizer den heutigen Anforderungen? 139/12_ Der Etiiberufer: H. Schwittau. VerbaiuLHolzbearbeituiismaschineo beschäftigten Arbeiter Berlins u. Umgegend. Die Urabstimmung über den Uebertritt zum Deutsche» Holzarbeiter Berband erfolgt am Montag, den 3. September, abends von SV» bis 9 Uhr in folgenden Lokalen: im Osten bei?oMs» Kleine Andreasstr. 15 und ?anU0W, Gubenerstr. 12; im Süd-Osten bei Gräf, Lausitzer Platz 13 und Schnieder, Admiralstr. 21; im Norden m Serche, Gleimstr. 68 und Sachgänger, Prinzen-Allee 82; in Moabit bei Döring, Gotzkoloskystr. 13; in Süd-Westen bei Werner, Hagelsbergerstr. 2; in Rixdorf bei?reil, Rosenstr. 24; in Weißensee bei Weber, Friedrichstr. 35, Feder Kollege kann in dem ihm am günstigsten gelegenen Lokale seinen Stimmzettel abgeben. Es must aber jeder selbst zur Ab- stimmnng erscheinen und sein Mitgliedsbuch als Legitimation vorzeigen. Mitglieder, welche mehr wie 6 Beiträge restieren, sind nicht stimmberechtigt. Stimmzettel sind aus dem Bureau und am Sonnabend aus sämtlichen Zahlstellen zu haben, auch werden solche am Montags in allen Abstimmungslolalen aus Verlangen ausgehändigt. Da die Abstimmung von äußerster Wichtigkeit ist, so erwarten wir, daß alle Mitglieder sich an derselben beieiligen. Der Vorstand. 2 Waggons! 149/15' Anzüge tmS Paletots haben wir diese Woche per Kasse gekauft« Aus diesem Grunde unterstellen wir, um Platz zu bekommen, unsere Knaben�KLOnfektlOnSs Abteilung einem großen Ausverkauf! KnabensHosen..... stück 48 Pf. KnabensAnzüge, elegant.„ P» m. Knaben? Anzüge, hÄ.» 2ss m, KnabensAnzüge, hochfein„ Zsg m. Herrenafiosen.. „Blitz" Gr. Frankfärterslr. 19, Chansseestr. 80. Knaben« Anzüge, qÄ stück 4-» m. HerrensAnzüge... von öes m. an BurschensAnzüge...« 4«- m. an PaletOtS.........„ 085 M. an ..... von Stück 198 M. an Chonts Industrie-Palast. Rosenthalerstr. 9, Ecko Auguststraße._ Sozialdemokratischer Wahlvereinl Charlotteuburg. Biachrnf. Am Freitag, den 24. d. Mts., f verstarb der Genosse, Porzellan- j maler Albert Suter im Alter von 74 Jahren. Er war einer der ältesten und] tveueften Anhänger unserer Partei.' Ehre seinem Andenke»! 251/1 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Schraubendreherin Berta Nugk verstorben ist. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 39. August, nach mittags 5 Uhr, von der Leichen> halle des neuen Rixdorser Kirch. hoses, MariendorserWeg, aus stait. Rege Beteiligung erwartet 152/13 Die Orisverwaltunn. Verein Berliner Bausdiener. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied August 8Mller Wallstraße KZ, Mitglied seit dem 28. März 1887, nach langer Krank- heit verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung sindet am Mittwoch, den 29. August 190IZ, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Petri- Kirchhofes, Frieden- straße 84, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 864b Der Vorstand. Am Sonntag, den 26. August, vormittags S1/. Uhr, starb nach zweijähriger glücklicher Ehe an den Foigeu einer Operation meine imiigstgeliebie Frau und gute, liebe Mutter 858b Uiise Andreas geb. Thätmeyer. Dies zeigt tiesbetrübt an der trauernde Gatte uebst Kind. Die Beerdigung siudet Mittwoch, den 29., nachmittags i'j.. Uhr, von der Leichenhalle des Kreuz-Kirch- hoses in Niariendors aus statt. Ztkorüstilt keimst«r 19S2L* Nordhäuser Kautabak liesern an Grossisten, Händler zu de» billigsten Preisen Ätetädt& Baebrodt/NtZtTn. Filiale: Borlln A'O., Ocorgcnklpchitlatz Ä9. Fahrräder 3 Jahre Gar., 45 M Famil.- N ahm asch. 5 Jahre Gar., 27 M. Laufdooken, Ijähr. Garant., Qual. 2,90. Luftschläuche 2,30 bis z. allerb. Qual. Vertreter meiner Fabrikate erhalten neues Motorrad für ermäßigt. Preis. Scholz, Fahr- radw., Steinau a. 0. W. 44/45.• Vereinigung der Fliesenleger D cntschlands. (Ortsverein Berlin, Abt. I.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege �erätu aud Ci rauso w am Montag, jden 27. August, Im Alter von 55 Jahren, nach 32wöchentlicher schwerer Krankheil verstorben ist. 267/12 Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung sindet am Donnerstag, den 30. August, nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerhause Prinzen-Allee 13 aus, aus dem Friedhose der Freireligiösen Ge- meinde, Pappel-Zlllee 15/17 statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. lentrsi-Vorbzud Ider Zimmerer Deutschiands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. (Bezirk 11.) Allen Kameraden hiermit zur I Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied �Vilkefm Hainke j am Sonntag, den 26. d. M. ver- ( storben ist. 255/3 Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung sindet heule ! nachmittag 4Va Uhr von der Leichenhalle des Elisabeth- Kirch- I hoses in der Prinzen-Allee, aus | statt. Um rege Beteiligung bittet Die Bezirksleitung. Zurückgelehrl J, KHÜSHSIH?, Hünzstr. 14/15 u. Kaiser Wilhelmstr.lS, Sprechstunden 8—8, Zahnoperaliouen mit örtlicher Betäubung, für Kassen- nütgtieder aus Verlangen ohne Nach-. zahtung._ 274/6* Englischen Unterricht, englische Uebersetzungen, deutschen, französischen Unterricht bei Frau G. Swienty-Liebknecht. SchUncbcrg, Sedanstr. 57. Orts-Krankenkasse der Kürschner und verwandte» Gewerbe z» Berlin. Adiiung! Arbeitgtber! Montag, den.1. September 1906, abends S1/- llhr, im Restattraut Uebodiolz, Linienstr. 49: Kroße �»tllver�ümMung der Zlerren Ardeilgeder, welche Beiträge aus eigenen Mitteln zur Kasse zahlen. Tagesordnung: Wahl bon Iii Delegierten aus zwei Jahre. Achtung! Arbkitttkhmer! Montag, de» 3. September 1996. abends S'/a Uhr. im Schtttzcn- htcnetc. Linienstr. 5: Kroße Wahbefsammlnnri der jtassenmitglieder. Tagesordnung: Wahl von 882 Delegierten aus zwei Jahre. Wahlberechtigt und wählbar sind nur diejenigenKassenmitglieder, welche großjährig und im Besitze' der bürgcr- licheu Ehrenrechte sind. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Wahlen sindeu gemäß den Bc stimmungen der tzZ 49 und 50 des Statuts statt. 275/12 Der Wahlakt beginnt um 9 Uhr und wird um 10lL Uhr geschlossen. Pünktliches Erscheinen aller Wahl» berechtigten ist dringend notwendig. Bcr Vorstand. I. 2Ls F r. G r a u d e I._ Zentral- ferband der Glasarbeiter und-Arbeiterinnen Deutschlands, Ortsverwaltung Berlin, Donnerstag, den 30. August, abends 8 Uhr. im Lokal des Herrn Boeker, Weberstraße 17: �epsammBung sütuttichrr Ctusschttlftr, Polirm und Kkleger. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Die letzten Arbeiterentlassungen bei der Firma Jnreck und die Handlungsweise der ehemaligen Kollegen. 3. Wahl eines Kassierers nnd zweier Revisoren. 4. Wahl eines GewerlschastSdelegierten. Kollegen! Wegen der reichhaltigen und wichtigen Tages-Ordnung ist es Pflicht, daß alle Kollegen pünktlich erscheinen. 74/5 Die Ortsverwaltnng. I. St.: P. Wölkisch. Zentral-Verband der baugewerbl. Hilfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend, Slm Donnerstag, den 39. August, abends 8 Uhr, findet eine Kaudeputierten- UerFammlnug= statt im»Gewerkschaftshans«, Engel-User 15, Saal 8. Tages-Ordnung: 1. Die diesjährige Baukontrolle. 2. Welche'Ausgaben liegen den Bau- deputierten ob? IM" Sorge jeder Kollege dafür, daß sein Bau in dieser Versammlung vertreten ist. Ebensalls sindet eine Bandepnticrten- Versammlung für die wcst- lichen Bororte an demselben Abend mit derselben Tagesordnung im Lokal von Sohado(„Birkenwäldchen"), Steglitz- Groß-Lichterlcide, Chaussee- straße, statt.?tuch hoffen wir, daß hier jeder Bau vertreten ist. 46/5 Der Zweigvercins-Vorstand. Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei und leiden nicht an Verdauungsstörung. __________ meh I H�ffiffbeid Brechdurchfall. Dnrmkatarrh, Diarrhöe etc, 560 IL" Spezialität I(ca. 200 Genre). Eluz.G arnltni'cn spottbill. Spezial-Kalalog(�oomustr.) ===== gfatis u. franko. Emil Lefevre Orauieoslr. 158 Be|.lln Los nur 1 Mark. 1 Ziehung am 4. Oktober Schneidemfihler Pferde» otterie 8087 Gewinne, W. Mark: 83000 (anmtor 5»omplet nsspannto 4-, Z-, t- (pännlge Equipagen und 47 Reil- und Wagenpfcrde, W. Mark 99000 3000 Sllbei'grewlnne und 36 Damftii« und Ueppenfahrräd«r. W. Mark 24000 Mauptge'winia W. Mark l�osa ck 1 Mk. 11 our lO Porto und Liste SO Pk>. empllchlt dat GcneraldeWl He C. Kröger Berlin SV.. Friedricbtlr. 250. Zu haben in allen Lotteriegeschäften und vielen Zigarreniiandiungen. „Volksgarten-Theater" Badstr. 8 (Ecke Böhm- und Bellermannstraßc.) Sonntag:, den St. September 1006: jp jp Herbst» Pest �& veranstaltet von den Genossen der Rosenthater Vorstadt und des Gesundbrunnens. Großes Konzert& Theater& Spezialitäten && sowie Volksbelustigungen aller Art&& — Jedes Kind erhält eine Stocklaterne!===== Die KafrckUcho ist von 1 Uhr ab geURnot. Im Saale: Tanz. Daran teilnehmende Herren zahlen SO Pf. nach. Billott SS Pf. O Kassenöünung 1 Uhr.• Anfang 4, Uhr. 243/12 Das Komitee. i». Cigaretlen rauchenden Arbeiterschaft teilen wir zur gefl. 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U/B.«* Ruminelsliurg, WiliieliiisM ist für Maschiuenarbeiler sowie Hülfs- arbeiter �eupoi-i-t! Sämtliche Arbeiter beffuden sich im Ausstände. Verband der Handels- und Transportarbeiter. Verband der Maschinenarbeiter. Acbtnns! Achtung;! Wldmnlilkr! Bei der Firma Otto Grund u. Co., Wassergasse 3, und bei der Firma Paul'Voigt, Neue Kö»igstra>ze 42, sind Differenzen ausgebrochen, mithin bis aus weiteres gesperrt. 266/20» Zuzug ist fernziihaltea! IMe Verwaltung;. Achtung! Achtung! Xlavierarfaeiter! I» der Pianosabrik von Bell& Co., Audreasstr. 33, haben sämtliche Kollegen wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. 141/16» Zuzug ist feriiznhalteii. Vereinigung der Musikinstrumenten- arboiter. Deulseher Hoizarbeiter- Verband. Wegen Streik und Lohudifferenzen sind gesperrt: Für Tischler, Polierer und Maschinenarbeiter: Bcbr. Fhrlich, Krantstraste» Hschlrmcr, Steiiiineüstraffe. il,nng;cr, ttoppenstraffe. Für Knopfarbeiter t Abram«»w«k�, Köpeuicker« straffe 33a.. Für Korbmacher; Zwcrncr, Friedrichsselde, Ber linerstrafte 73. »aacker. Friedrichsfelde, Ber- linerstraffe 83. Für Bürfteuuiacher: Der Jniningsnachweis, Brnunen- strafte 134. Für Parkettbodenleger: Bau Tempelbof. Dorfstraffe 4». Fabrikant Bcrsscr, Vertrete Wagner. Zuzug ist streng fernznhalten. Die Ortsverwaltung. !»! Mädchen, leichte Näherei, 10 Mark, Eharlottenburg, Ehriststratze 30, Katzner. 871b Frau zur Hülfe beim Kochen und sonstigen Küchenarbeiten verlangt von 3—4 Vegetarffche« SpeisehauS, Soll- maunfttatze 22, parterre link«. 8?6b Botenfrauen finden sehr lohnende Beschäftigung Mittenwatderstratze 6. Botenfrauen finden sehr lohnende Beschäftigung Prinzensttatze 41.» (Zahlstelle Berlin). Folgende Firme» sind, weil Ein- stellungen nach dem abgeschlossenen Bertrage nicht erfolgt sind, bis aus weiteres gesperrt: Xaver KOUe, Reichenbergerstratze 36. Fleck Xachf., Lützowstt, 87. A<1. Wittenburg;, Wilhelm« sttatze 16. F.D. Agtho, Wilhelmstt. 119/20. Ad. Scholl, Putttamersttatze 19 und Deffauersttatze 14. Kartonfabrik Ad. L-civscr, Kraiitstrafte, sür Kartonarbeiter, u. sür Galauteriearbeiter die Firma AI«�« 8iik, Neanderstr. 4. Vor Arbeitsaimahme in den Ver- bandsbetneben, auch durch den pari- tättsche» Facharbeitsnachweis ist Jn- sormation aus dem Bureau, Engel- user 15 II, Zimmer 21, einzuholen. 24/12 Die Ortsverwaltiing. Achtung! Achtung! Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Teppich- Fabrik M. Proffen u. Sohn in Stralau bei Berlin be- finden sich im Ausstand, Zuzug ist streng sernzuhalten. 137/7 ssiüaie Stralau Rummelsburg. Hnnabim-ötcllen füf„Kleine Hnzelgen". Osten: Mann, Petersburgerplatz 4. Wengels, Rüdersdorferstr. 3. Gustav Bogel, Koppenstt. 83. Xurdustcn: L. Zncht, Keibelstt. 42. I. Renl, Baniimitt. 42. Xurden: H. Raschle, Slckerstt. 36. F. Trapp, Rügeiierslr. 24. Karl Mars, Lychenerstr. 123. Karl Weifte, Wiesenstr. 41/42. L. Dechand, Ruheplatzstt. 24. H. Bogel, Lortzingstt. 37. R. Tieft, Jnvatidenstr. 124. Xurdwcsten: Karl Anders, Salzwedelerstt. st. W. Schrotte, Gotzkowskystt. 23. Siiidwcsten: f. Werner, Mittenwalderstt. 30. . Schröder, Kreuzbergstr. 15. Stiden: St. Frift, Prinzenstt. 31. F. Gntschniidt. Kottbuser Damm 3. Südosten: Paul Böhm, Lausttzer Platz 14/15. P. Horsch, Engel-User 15, Cbarlottcnbnrg;: G. Schömberg, Sesenheimerstr. I Frlcdrlchsbcrg;: O. Seilet, Kronprinz enstt. 50. Bixdorf: M. Heinrich. Neckarstt. 7. Conrad, Hermannstt. 50. iScbOncberg;: Wilh.BäiimIer, Martin Lutherstr, 51. Welßcnscc: W. ReSke» Sedanstr, 105. Jnl. Schillert. König-Chauffee 30h. Belnlckcndorf: P. Gnrsch, Provinzstt. 108. Berantwortl. Redakteur: Carl Wermuth, Berlin-Rixdorf. Für dcnFnserattnttil verantiv,: Th. Gshcke, Aerlsn. Krück u. Verlag: Vorwärts Kuchdruckerei u. Vcrlagsanjtalt Paul Singer& Co., Berlin SW. gt- m 23 jas w 2. Ktilllßt des Joriiiirts" Kerlllltl NölksblM. Mw-ch. N�v-W. Partei- �gelegenbeiten. Tegel. Heute Mittwoch, den 29. d. MtZ-, findet in TraPPZ Fest- �ölen, abends 8Vs Uhr, eine öffentliche Versainntlung statt. Auf der Tagesordnung steht 1. Bortrag des Genossen Stadtv. Emil B o eS ke-Berlin über das Thema:„Was fordert die Svzialdemo- kratie in der Kommune?" 2. Diskussion. 3. Versckiedenes. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Einberufcr. Berliner J�admcbten* Zur Erhöhung des Bierprcises. Bekanntlich haben die Ringbrauereien den Gastlvirten mitgeteilt, daß vom 1. Septeinber ab Bayrisch-Bier um l,2() M. pro Hektoliter im Preise erhöht wird und daß außerdem alle Benefizien, die den Wirten seither gewährt wurden, fortfallen. Gegen dieic Verfügung der Brauereien nahm eine öffentliche Versammlung der Gast- und Schankwirte Stellung, welche die Einkaufskominission des Verbandes der freien Gast- und Schankwirte am Dienstag nach Kellers Saal in der Koppenstraße einberufen hatte. Saal und Galerien ivaren bis auf den letzten Platz gefüllt.— Der Referent Litfin führte unter anderem aus: Man habe erwartet, daß die Brauereien doch noch mit sich reden ließen, aber diese Erwartung habe sich nicht erfüll», die Brauereien hallen an der von ihnen geforderten Preiserhöhung fest. Wenn man neben der Pkeissteigerung noch den Fortsall der Benefizien und die Bezahlung des Uebcrmaßes rechne, so stelle sich der wirkliche Preisaufschlag auf 2.50 M. pro Hektoliter. Entgegen den Versicherungen bei der Beratung der Brausteuer wollen also die Brauereien, obivohl sie eS ganz gut könnten, die Steuer nicht tragen, sondern sie auf die Gastwirte abwälzen. Die Brausteuer sei also auf diese Weise zu einer Besteuerung des Gastloirtsgewerbes geworden. Den Gastwirten sei es aber nicht möglich, die Steuer auf die Konsumenten abzuwälzen. In Hannover, Leipzig, Chemnitz habe sich gezeigt, daß das Publikum sich keine Erhöhung des Bierpreises gefallen lasse. Aus eigenen Mitteln könnten die Gastwirte die Preis- erhöhung auch nicht zahlen. Neun Zehntel von ihnen befänden sich in solcher Lage, daß sie nicht wüßten, woher sie die Mehrzahlung nehmen sollten. Der Referent schlug vor, eine Aufforderung an die Brauereien zu richten, des Inhalts, daß sie die angekündigte Preise erhöhung innerhalb drei Tagen zurücknehmen. Zu Bev Handlungen mit den Brauereien seien die Wirte nach wie vor bereit. Ein ehrlicher Friede sei den Gastwirten lieber wie der Kampf, aber sie lviirde» sich nicht alles von den Brauereien gefallen lassen. Schon jetzt sei die Einkaufskommission in der Lage. Bier in größeren Mengen von auswärtigen Brauereien zu erhalten. Die Kommission habe sich auch mit dem Aktionsausschuß des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine in Verbindung gesetzt. Sollten die Brauereien an ihrer Forderung festhalten, so würden m der nächsten Woche große Volksversammlungen veranstaltet werde», wo sich die Gastwirte unmittelbar an das konsumierende Publikum wenden werden. Der Referent empfahl folgende Resolutton: „Die versammelten Gast- und Schankwirte Berlins und der Um- gegend erklären auch heute noch auf dem Boden der von den großen Versammlungen am 23. Juli in der„Neuen Welt" und am 9. August in Kellers Saal gefaßten Beschlüffe zu stehen. Die Ver- sammelten fordern daher die Brauereien Berlins und der Umgegend auf, ihre Forderungen bis zum t. September zurückzuziehen. Die Versammelten sind bereit, zwecks Regelung des Bierpreises in anderer, den Interessen des Wirtegewerbes näher kommenden Be dingungen erneut und unverzüglich in Unterhandlung zu treten. Die Versammelten bestimmen daher, zur Regelung dieser Frage eine Kommission zu bilden, welche sich aus' Vertretern aller in Berlin vorhandenen Gastwirtsvereinigungen zusammensetzt.— Sollten die Brauereien den Wünschen der Versammelten nicht Folge leisten, so wird die Kommission beaustragt, so viel wie möglich Bier von außerhalb Berlins herbeizuschaffen und sich zwecks Unterstützung in diesen berechtigten Abwehrmaßregeln an die große Masse des konsumierenden Publikums zu wenden." Der erste Diskussionsredner, Herzberg, Vorsitzender des Vereins Berliner Gastwirte, bezeichnete sich als den Vater des Be- schlusses dieses Vereins, wonach die dem Verein angehörenden Wirte die Preiserhöhung hinnehmen und ihrerseits den Konsumenten pro Liter 2'/z Pf. mehr abnehmen wollen. Er suchte diesen Beschlutz zu rechtfertigen, indem er ausführte, der Kainpf gegen die Brauereien sei nutzlos, die Gastwirte seien berechtigt, auch ihrerseits die Preise zu erhöhen, ebenso wie auch die Schlächter die Fleischpreise erhöht haben, ohne daß deswegen Protestversammlungen veranstaltet worden seien. Auf die Unterstützung des Publikums könnten die Wirte nicht rechnen, also bleibe nichts übrig, als daß die Konsumenten die Preiserhöhung der Brauereien am eigenen Leibe spüren. Die nachfolgenden Redner Obst. Heinrich. Ewald. August in. Tempel sowie der Referent traten den Ausführungen Herzbergs mit großer Entschiedenheit entgegen. ES wurde unter anderem gesagt, solche Ansichten, wie die von Hcrzberg vertretenen, könnten nur in solchen Vereinen entstehen, welche die Interessen der Wirte durch patriotische Bestrebungen wahrzunehmen suchen. Herr Herzbcrg kenne das Publikum nicht, mit dem die kleinen Gast- Wirte zu rechnen haben. Diese Konsumentenkreise würden sich die Preiserhöhung nicht gefallen lassen. Auf die Unterstützung der konsumierenden Arbeiter würden die Wirte im Kampfe gegen die Brauereien sicher rechnen können. Herr Herzberg und sein Verein würden die Wirte zersplittern und so den Brauereien Hülfe leisten. Die Resolution des Referenten wurde von der etwa 2500 Per- sonen zählenden Versammlung einstimmig angenommen. Wie MattheS mitteilte hat der Kampf gegen den Ring der Weißbierbrauereien einen Erfolg gehabt. Der Ring hat der Einkaufskommission mitgeteilt, daß er den geforderten Preis von 7,50 M. pro halbe Tonne auf 7 M. herabsetze und den Liter zu 10 Pf. liefere. Die Kommission hat darauf geantwortet, sie habe jetzt keinen Bedarf mehr an Weißbier. Das heißt, es wird nach wie vor Weißbier aus ringfreien Brauereien entnommen. Der Redner ersuchte die Gast- Wirte, an diesem Standpunkt festzuhalten und auch jetzt nicht von den Ringbrauereien zu kaufen, da die ringfreien Brauereien den jetzigen Bedarf vollkommen decken können und neuerdings noch einige Brauereien hinzugekommen feien. Eine französifch-deutsche FreundschaftSdcmonstration will die „Deutsche FriedenSgesellschaft" im November in Berlin ver- anstalten. Wie bekannt sein dürfte, hat die„Deutsche Friedensgesellschaft" in Berlin die Geretteten von CourriereS zu einem Besuche nach der ReichShauplstadt eingeladen.— Der Vorstand der französischen Friedensgesellschaft„Lociete kraa�aige pour l'srbitragc entre i'.ationz" hat nun eine dahingehende Rundfrage an Pariser Ver- eine, Volksuniversitäten usw. gerichtet, ob französische Deutschen- freunde bereit wären, sich an dieser Expedition zu beteiligen. Tarauf sind bereits 1500 vorläufige Anmeldungen erfolgt. Der Aufenthalt der Franzosen in Berlin wird wahrscheinlich drei Tage dauern. Die„Deutsche FriedenSgesellschaft" wird in kurzem mit einem Aufruf zur Teilnahme der Berliner Vereine und der Ber- liner Bevölkerung hervortreten, um die Franzosen in würdiger Weise zu empfangen. DaS Programm ist noch nicht festgesetzt, doch dürfte der„Clou" des Aufenthalts ein deutsch-französisches Bankett in der neuen Ausstellungshalle, an dem zirka 5000 Per- sonen teilnehmen werden, sein. Zu dieser deutsch-französischen Freundschaftsdemonstration werden auch die 24 Bergleute aus Herne nach Berlin kommen, die damals die Rettungsarbeiten in CourriereS ausgeführt haben, und 'der bekannte französische Friedenskämpfer Baron EstournellcS de � Constant wird ihnen hier die eigens zu diesem Zwecke von der französischen Münze geprägte Ehrenmcdaille überreichen. Wir können einer derartigen Veranstaltung keinerlei Be deutung für die internationalen Beziehungen der Völker zu ein ander zumessen. Es werden da höchstens gegenseitig einige liebenswürdige Redensarten gesagt, hinter denen weiter nichts steckt. Buchbinder kriegen keine Wochenkarte! Diese Antwort, so schreibt uns ein Leser unseres Blattes, wurde mir am vergangenen Freitagabend �7 Uhr auf Bahnhof Friedrichstraßc von einer Billettverkäuserin zuteil, als ich harmlos wie jede Woche eine Wochenkarte nach Charlottenburg lösen Ivolltc. Volle sechs Jahre benutze ich nun täglich die Stadtbahn und löse mir fast ausnahmst los eine Wochenkarte für 00 Pf., ohne bisher sonderlich mißhelligt worden zu sein. Auffälligcrweise scheint gerade in letzter Zeit besonders großer Wert darauf gelegt zu werde», Leuten, welche eventuell noch über einen reinen Kragen oder dergleichen Aeutzer lichkeitcn verfügen, vor dem Erlös einer Wochenkarte eine Arbeits bescheinigung abzufordern. Auch ich mußte mir im letzten Jahre des öfteren einer derartigen Prozedur unterziehen, welche immer- hin mehrere Minuten Zeit beansprucht und auch nicht gerade zu den Annehmlichkeiten gehört. Selbst hieran hatte ich mich mit der Zeit gewöhnt. Doch das Unglaublichste wird zur Tat: Nach- dem ich am vergangenen Freitag wieder einmal nicht„standest gemäß" genug erschien und pflichtgemäß meine Legitimation ein- gereicht hatte, wurde tnir nach Einsichtnahme die lakonische Ant- wort zuteil:„Sie sind ja Buchbinder, Buchbinder kriegen keine Wochenkart t." Ich protestierte dagegen unter Hin- weis darauf, daß mein Beruf es mit sich bringe, in einer anderen Kleidung meine Arbeitsstätte aufzusuchen, als beispielsweise ein Bauarbeiter dies tun kann. Nützte alles nichts, es wurde mir geantwortet: Das ist etwas ganz anderes, das sind Arbeiter, sie sind aber Buchbinder und Buchbinder kriegen keine Wochenkarte Selbst die Kollegin am anderen Schalter mutzte dieses bestätigen Ich bin nun gezwungen seine Monatskarte nützt mir wenig), für jede Fahrt ein Zehnpfennigbillett zu lösen oder aber ohne Kragen und Manschetten an den Schalter zu treten, um nicht nach dieser Richtung hin belästigt zu werden. Sollte es absolut nicht möglich sein, daß diese staatliche Institution, welche die höchsten Ueberl schüsse erzielt und sich um vieles kümmert, was ihr nichts angeht. Reformen einführt, welche man schließlich in jedem anderen Kulturstaat von vornherein voraussetzt?" Die Klagen über Scherereien bei Aushändigung einer Wochen� karte an Arbeiter, die infolge ihres Berufes mit Kragen und Krawatte zur Arbeit gehen müssen, sind glücklicherweise in den letzten Jahren seltener geworden. Um so mehr ist es aber Pflicht der Eisenbahndirektion, Vorsorge zu treffen, daß solche Belästi gungen nicht von neuem einreißen. Vielleicht äußert sich einmal die Direktion, ob die Beamtinnen auf Anweisung oder aus eigener Machtvollkommenheit so wie geschehen handeln. Schwerer Unfall bei»er TchSneterger Feuerwehr. Gestern früh kurz nach 7 Uhr wurde die Schöneberger Feuer wehr von einem bedauernswerten Unfall betroffen, bei dein der Oberfeuermann Kühne den Tod fand und der Feuermann Ehlert so schwer verletzt wurde, daß er nach dem Krankenhause geschafft werden mußte. Der traurige Vorgang hängt zusammen mit der Einführung von Automobillöschzügen. Schöneberg hat hier vor Berlin und seinen Vororten die Führung übernommen. Es besitzt bereits eine Automobildampffpritze und eine auf einem Kraft- fahrzeuge ruhende mechanische Leiter. Bisher find mit beiden nur UebungSfahrten gemacht worden, doch sollten sie zum 1. Oktober d. I. definitiv in den Dienst gestellt werden. Gestern früh sollte nun mit der mechanischen Leiter wiederum eine längere UcbungSfahrt gemacht werden. Die mit Pferden bespannte Gasspritze fuhr voraus. Auf ihr befand fich auch Brandmeister Meyer. Als die beiden Fahrzeuge die Bülowstraße passiert hatten und unter der Bahnüberführung in scharfer Kurve rechts einbogen, übersah wohl der Oberfeuermann Kühne, der als Chauffeur fungierte, die längliche Pflasterinsel, die dort in der Mitte des Fahrdammes liegt. Es gelang ihm zwar noch, den Borderteil dcS Kraftwagens nach rechts herumzureißen und gleichzeitig zu bremsen. Das Unheil war aber nicht mehr ab zuwenden. Der Hinterwagen schleuderte gegen die Bordschwelle der Jnsel und mit lautem Krach stürzte das ganze Fahrzeug um. Hier bei kam der Chauffeur unter den Vorderwage» und Ehlert unter die Leiter zu liegen. Die Besatzung der unversehrt gebliebenen Gasspritze und da« von allen Seiten herbeiströmende Publikum machten sich schleunigst /an die Befreiung der Verunglückten. Der Obcrfeucrmann Kühne wurde t»t hervorgezogen. Ehlert schien neben Rippenbrüchen noch andere innere Berletznngen davongetragen zu haben, so daß sein Zustand ebenfalls besorgniserregend ist. Beide sind Familienväter und haben je zivei Kinder. Kühne diente im neunten Jahre, während Ehlert erst seit vier Jahren der Feuerwehr angehört. Mit dem Fortschaffen des verunglückten Kraftwagens hatte man bis mittag zu tun. Die eigentliche Leiter wurde ge- sondert auf einen großen Wagen der Schloßbrauerei geladen, der eigentliche Kraftwagen aber durch Pferde weggeschafft. Es ist dies übrigens bereits der zweite Unfall des Aulomobilwagcns. Vor einiger Zeit erlitt er bei einer Probefahrt einen Radbruch. Zur Diel-stahlsaffäre der Fürst!» Wrede. Gegen den ehemaligen Diener des Fürsten Wrede, Glase, der in der Diebstnhlsaffäre daS Sternchen inö Rollen gebracht hat, ist jetzt ein Strafverfahren wegen Meineides eingeleitet worden. Es wird ihm zur Last gelegt, daß er bei einer seiner eidlichen Vernehmungen behauptet habe, daß in seinem an den Fürsten Wrede gerichteten Briefe, der ihm eine Anklage wegen Erpressung zugezogen hat. ausdrücklich ver- merkt gewesen sei, daß das vo» ihm verlangte Geld für die Armen bestimmt sein solle. Der in der Verhandlung wegen Erpressung produzierte Brief enthält aber diese Bemerkung nicht. Das Meineidsverfahre» wird von Güstrow aus geführt. Der Angeklagte bestreitet jede Schuld und behauptet, daß er bei seiner Aussage mißverstanden sein müsse. Während so gegen den Diener, der die Anzeige von dem Silber- dicbstahl erstattete, mit aller Forsche vorgegangen wird, läuft die Fürstin Wrede, die des Diebstahls an Silberlachen beschuldigt wird, unbehelligt herum. Bekanntlich entdeckte man nach Belannliverdcn ihrer Vorliebe für ihr nickt gehöriges Silberzeug auf einmal, daß die Fürstin nicht ganz richtig im Kopfe sei. Sie wurde deshalb in daS Fränkell'che Sanatorium in Lankwitz gebracht zur Be- obachtung. Diese Beobachtungen sind abgeschlossen und dieser Tage konnte die Fürstin die Anstalt wieder verlassen. Wie einer ihrer Rechtsbeistände bekannt gibt, wird sie in Paris mit Genehmigung des Gerichts„die gewohnte ärztliche Hülfe" in Anspruch nehmen. Die gerichtlichen Psychiater sollen zu der Ueberzeugung gelangt sein, daß die Fürstin geisteSlrank fei. Sie oll aber nicht an Kleptomanie leiden, sondern es soll sich um einen von den verschiedensten körperlichen Krankheitserscheinungen begleiteten vorzeitigen Verfall der körperlichen und geistigen Kräfte mit schwer belasteter Grundlage handeln. Es ist doch onderbar, daß die Krankheitserscheinungen erst entdeckt wurden, nachdem die Fürstin de» Silberdiebstahls beschuldigt war.— Vo» anderer Seile wird berichtet: Fürst Wrede hat sich in der ver- gangenen Woche inehrere Tage in Basedow bei Malchin aufgehalten. Auch die Fürstin Wrede soll nach mecklenburger Meldungen mit ihrer GesellschaftSdume in Basedow geweilt hg''- Nach dem Befund des geistigen Zustandes der„hohen Frau' darf man annehmen, daß man ihr nichts anhabe» kann. Was vorauszusehen war l Ein aufregender Vorfall spielte sich gestern nachmittag um 7 Uhr auf dem Spittelmarkt ab. Ein Kutscher der Firma F. Kirchhof, Griinstraße, kain mit zwei schweren, jungen Brabanter Rotschimmeln, zwei sehr wertvollen Pferden über de» Gertraudtensteg. Als er die Peitsche— wie berichtet wird— ganz unnötigerweise gebrauchte. setzten sich die jungen Pferde in Trab. Der Kutscher versuchte sie init der Leine zu halten, kam aber auf dein durch Regen glatte» Holzpflaster zu Fall und wurde mit fortgeschleift. An b« Ecke der Kurstraße kamen die Pferde zum Stehen, der Kutscher kam auch wieder aus die Beine. Kurz darauf gingen die Pferde aber- mals durch, der Kutscher kam zum zweitenmal zu Fall, ein alter Mann wurde umgerissen. Den Kutscher im Dreck hinter sich her- schleifend, liefen die Notschimmel zwischen den Straßenbahnen, Publikum und Wage» hindurch, während alles entsetzt war, nach der Wallstraße, wo sich Droschkenkutscher den Pserden entgcgenwarfen und sie schließlich festhielten. Die Sorgen der Tischlermeistersstauen. Eiu Aufruf an dke Tischlermeisterinnen Berlins wird mit hausfraulichem Gruße von der Frau Obermeister Rahardt und 22 anderen Tischlcrmeistersgattinen erlassen. In dem Aufrufe heißt es u. a.:„Es ist gewiß auch allen anderen Tischlermeistersfrauen aufgefallen, daß unsere Männer bei allen feierlichen Aufzügen, bei denen die Gewerbe Berlins in die Oeffentlichkeit treten müssen, mit ihrem Abzeichen gegen alle anderen Berufe zurückstehen. Die Tischleriimung besitzt zwar ein hervor« ragend schönes Banner, aber die Schärpen und Fahnenbänder ent- sprechen m keiner Weise der Vereinigung. Wie jede ordentliche Hausstau verantwortlich ist für das Aeußere ihres Mannes, so fühlen wir uns als Frauen auch verantwortlich dafür, daß unsere Männer gegen die Vertreter anderer Gewerbe nicht fiirderhin zurück- stehen. Die Unterzeichneten sind deshalb übereingekommen, 24 neue Abzeichen nebst Fahnenbändern zu stiften und die erforderlichen Mittel aus Kreisen der Tischlermeistersfrauen zu sammeln." Jetzt werden die Berliner Tischlermeister erst zur rechten Geltung kommen, wenn ihre Frauen für sie eintreten. Diese zurückgesetzten Tischlermeister! Wenn nun nur nicht die Frauen der übrigen JimungSmeister die Tischlermeistersfrauen im Spenden von Abzeiche» nebst Fahncnbändern übertrumpfen. Sicherlich werden diese eS sich von den Tischlermeisterssrauen nicht gefallen lassen, daß nun ihre Männer wieder von den Tischlermeistern in den Hintergrund ge- schoben werden. Ans der Selbstmordchronik. Um seinem Leben ein Ende zu be- reite» und seinen Angehörigen nicht mehr zur Last zu fallen, hat der 40 Jahre alte Handelsmann Karl W. aus der Metzerstr. 24 Selbstmord verübt. Als Frau W. das Wohnzimmer betrat, fand sie ihren Mann am Türpfosten erhängt vor. W. war bereits tot.— Im Bette erschossen hat sich der Rentier Ernst Müller aus der Gäblerstr. 45 a. M. hat sich zweifellos in einem Anfall von Geistes- störung das Leben genoinmen. Mit der vermehrten Inbetriebsetzung der AutoS wie auch durch ivahnfinniaeS Fahren mancher Chauffeure nimmt die Zahl der Unfälle erschreckend zu. Vom gestrigen Tage werden mehrere gemeldet. An der Corneliusbrücke wurde der Straßenreiniger Fritz Riemer in der Ausübung seines Berufes von einem Kraftwagen überfahren. R. hatte den Fahrdamm der Brücke gefegt und dabei nicht das Heran« nahen des Droschkenautomobils Nr. 4041 bemerkt. Er wurde unter den Wagen geschlendert, überfabren und schwerverletzt nach der Unfallstation am Zoologischen Garten gebracht.— Von einem Motordreirad wurde die 72 jährige Witwe Alwine Hert aus der Elsasserstraße 20 überfahren und schwerverletzt. Die Greisin war im Begriff gewesen, vor ihrem Wohn- hause den Fahrdamm zu überschreiten und geriet infolge ihrer Schwerhörigkeit unter ein voriibcrsauscndes Motordreirad.— DaS Opfer eines schweren Automobilun falleS wurde vor- gestern abend der 36 jährige Klempner Paul KieSler, Eisenbahnstr. 37 wohnhaft. K. fuhr auf seinem Zweirad, von einer Partie heim- kehrend, durch die Wilhelmstraßc, und vor dem Grundstück Nr. 76 vennochte er, jedenfalls infolge Uebermüdung, einem entgegen- kommenden Automobil nicht mehr auszuweichen und fuhr gegen den Kraftwagen loS. Am Kopf und im Gesicht schwerverletzt wurde der Verunglückte in dem Automobil nach der nahen Rettungswache gebracht. wo er die erste Hülfe erhielt.— Auf einem Ausflug mittels Automobils schwer verletzt wurde in der Sonntag Nacht der Maurermeister Fritz Reinhardt aus der Winsstr. 15 in Berlin. R. hatte mit eimgen Bekannten am Sonntage eine Vergnügungsfahrt in die Umgegend von Bernau unternommen, und gegen 11 Uhr abends traten die Ausflügler die Rückfahrt nach Berlin an. In der Nähe des Dorfes Schwanebeck fauste das in voller Fahrt befindliche Automobil in- olge der herrschenden Dunkelheit gegen einen Steinhaufen. Der Anprall war so heftig, daß der Kraftwagen umschlug und vollständig zertrümmert wurde. Der Maurermeister stürzte hierbei so unglücklich, mß er eine schwere Gehirnerschütterung erlitt und in daS Krankenhaus zu Bernau gebracht werden mußte. Die übrigen Teilnehmer der Fahrt trugen nur unerhebliche Kontusionen davon. Zu rekognoszieren. Am 14. 8. er., nachmittags gegen 0'/z Uhr' wurde auf dem I. Treppenpodest des Borderhauses Prenzlauer Allee 49 ein etwa 14 Tage altes Kind männlichen Geschlechts, in eine Windel und eine schwarze Pelerine gewickelt, aufgefunden und dem Waisenhause, Alte Jakobstr. 33, zugeführt. Die angestellten Ermittelungen nach der Mutter waren bisher ohne Erfolg. DieS» bezügliche'Angaben werden bei der Kriminalpolizei mündlich im Zimmer 327 II, sowie schriftlich, außerdem in jedem Polizeirevier zur Nr. 6245 IV. 41 entgegengenommen. Am 26. d. M., abends um 7Vg Uhr, fiel vor dem Hause Strelitzerstr. 36 ein dort entlang kommender unbekannter, anscheinend dem Arbeiterstande angehörender Mann plötzlich um und verstarb ofort. Ein sogleich hinzugezogener Arzt konnte nur den vermutlich infolge Herzschlages eingetretenen Tod feststellen. Die Leiche wurde nach dem Schauhnuse in der Hannoverschen Straße geschafft, woselbst dieselbe von Rekognoszenten besichtigt werden kann. Der Unbekannte ist etwa 35 Jahre alt, 1.65 Meter groß, schlank, blond, hat Schnurrbart. Das Gesicht ist rund. Bekleidet war der Verstorbene mit schwarzem Jackett und gleicher Weste, grauer Hose. Schnürschuhen, rotgestreiftem Parchend» Hemd, schwarzem steife» Hut. Strümpfe trug er nicht. Irgendwelche LcgitimationSpapiere wurden nicht bei ihm gefunden. Personen, welche Angaben über die Person des Verstorbenen machen können, werden ersucht, solche entweder mündlich im Zimmer 332 II des Polizeipräsidiums oder schriftlich zu den Akten 6406. IV. 41. 06 zu machen. Auch nimmt jedes Polizeirevier Anzeigen entgegen. Die ParteitagSliste Nr. 5794, die im Bergemannschen Elektrizitätswerke zirkulierte, ist abhanden gekommen. Es wird gebeten, wenn dieselbe im Umlauf angetroffen wird, anzuhalten. Die Liste nimmt entgegen Genosse Schöne, Oudenarderstr. 43, linker Seitenflügel II. DaS Lnisen-Thcatcr in der Reichenbergerstraße ist äußerst produktiv. Am Sonnabend brachte es daS Schauspiel„Die Hochzeit von Valcni" init leidlichein Erfolg auf die Bühne, ein Stück, das zur Abwechselung in Rumänien spielt und gestern wurde bereits Rosenniüller und Finke" ein Original-Lustspiel in fünf Aufzügen von Dr. C. Toep gegeben. Am Freitag wird neucinstudiert Shakespeares„Romeo und Julia" anfgesührt. Fenerwchrdericht. In der letzten Nacht um 12 Uhr kam in der Linienstr. 224» in einer Bäckerei Jeuer aus. Holz u.«. brannt» fcort. Um 3 Uhr nachts mutzte in der Zinnnerstr. St ein Zimmer- brand gelöscht werden. Im Keller des HauseS Beteranenstr. 8 brannten Stroh, Kisten u. a. heute früh. Auf dem Bauplatz Char- lottenstr. 7 wurden Späne usw. ein Raub der Flammen. In der Chonnerstr. 24 gerieten in einer Küche Polstermaterialien und in der Reichenbergerstr. 20 in einer Küche Betten in Brand. Durch tleberkochen von Harz entstand in der Koloniestr. IIS Feuer. Schornstelnbräude wurden aus der Stettinerstr. S4. vom Mariannen- Ufer 8, Urbanftr. 95, wo auch Späne auf dem Dache brannten, und anderen Stellen gemeldet. Kohlen brannten in der Wein- meisterstr. 6. Ferner hatte die Feuerwehr in der Oderberaerstr. 93 zu tun; Wasser mutzte dort aus dem Keller gepumpt werden. Aricitcr-Samaritcr-Kolonne. Donnerstag abend 9 Uhr dritte Abteilung m Schöneberg bei Obst, Meiningerstr. 8. Vortrag über Krankenpflege und Transport Verunglückter. Daran anschlietzend praktische Uebungen. Neue Mitglieder können jederzeit eintreten. Gaste haben einmaligen freien Zutritt.— Heute abend: Sitzung der diensttuenden Abteilung. Taschenapotheken lind mitzubringen. Vorort- richten. Asriedrichsfelde. Die abgehackte Hand. Ein bedauerlicher Unglücksfall hat sich am Montagabend auf dem Grundstück des Handelsmannes Böttcher in Friedrichsfelde ereignet. Gegen 7 Uhr ivar der 11jährige Sohn desselben dainit beschäftigt, Holz zu zerkleinern. In einem nii- vewachten Augenblick trat an den Hauklotz das vierjährige Söhnchen des Arbeiters Korn heran und wollte einige auf dem Klotz liegende Späne herunternehmen. Gleich darauf hieb der 11jährige B., der sich seitwärts gewendet hatte, mit dem scharfen Beil zu und traf unglückerwcise die rechte Hand des kleinenK., die er derartig abhackte, datz sie nur noch an einigen Fasern hing. Der unglückliche Knabe, der nun zeitlebens zum Krüppel geworden ist, wurde sofort nach der Charitö geschafft, nachdem ihm vorher durch einen Heilgehülfen ein Notverband angelegt worden war. Den anderen Knaben trifft an dem Unglück keine Schuld, tveil durch Zeugen festgestellt wurde, datz er den kleinen Korn im unglücklichen Monient nicht bemerkt hatte. Köpenick. Am Donnerstag, abends 8 Uhr, findet im Lokale von Henschel, Kaiserhof, Grünstratze, eine öffentliche Versammlung statt, in der Genosse W. D ü w e l l über„Partei und Gewerkschaft" sprechen wird. 2. Stellungnahme zur Fahrpreiserhöhuug der elektrischen Stratzenbahn von Köpenick nach Oberschöneweide. 3. Diskussion. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder der Gewerkschaften und be- sonders der Arbeiter der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellfchaft in Oberschöneweide ist dringend erforderlich. Das Gewerkschaftskartell Köpenick. Spaudan. Das neue Hafenprojrkt hat bereits die Aufmerksamkeit einer Privatgesellschaft gefunden. Ein Hamburger Konsortium hegt den Plan, sobald die Hafenanlage fertig ist, diese von der Stadt zu günstigen Bedingnngen zu übernehmen. Wie verlautet, will es der Stadt die aufgewendeten Kosten verzinsen und sie mit 10 Proz. an de» Einnahmen partizipieren lassen. Der Magistrat hat sich bereits mit der Angelegenheit beschäftigt und wenn sie gegenwärtig auch noch nicht spruchreif ist, so ist doch anzunehmen, datz das Anerbieten auch Befürworter finden wird. Die»Span- dauer Zeitung" � äußert sich hierüber folgendermatzen:„Das Anerbieten verdient aber schon deshalb Beachtung, weil bei der Uebernahme des Hafenbetriebes durch eine kapitalkräftige Gc- sellschaft mit sachkundiger Leitung eine rationelle Ausnutzung der Anlagen kaum ausbleiben und die Stadt einen Verwaltungsapparat ersparen würde, der sich erst einarbeiten mützte, um nach Wunsch zu funktio- nieren."— Schon daraus geht klar hervor, datz dieeventuelle Auslieferung einer von der Stadt geschaffenen Hafenanlage zur Ausbeutung an eine Privatgesellschaft unterstützt wird. Es ist kern Zweifel, datz sich in der Stadtverordnetenversammlung Personen finden werden, die genau wie die„Spandauer Zeitung". von„rationellerer Ausnutzung dieser Anlage durch eine Privatgesellschaft" zu faseln verstehen. Auf diese zum soundsovielten Male widerlegte Mär hier ein- zugehen, erübrigt sich. Unserer Genossen Aufgabe wird eS sein müssen, nachzuweisen, datz dergleichen Behauptungen leeres Gerede sind und nur den Zweck haben können, ein Privatkonsortium auf Kosten der Allgemeinheit bereichern zn helfen. Welchen Schädigungen die Stadt bei der Pflege einer solchen Wirtschaftspolitik ausgesetzt ist, hat die Erfahrung bei der Stratzenbahn zur Genüge gezeigt: die Kommune lätzt erst eine Privatgesellschaft das Fett abschöpfen und kauft den Betrieb später mit grotzen Kosten zurück. Für Spandau wird die Hafenanlaae unzweifelhaft eine grotze Einnahmequelle bilden. Wenn eine Gesellschaft so günstige An- erbietungen macht, so ist als sicher anzunehmen, datz dabei etwas zu holen ist. Die Spandauer Steuerzahler haben jedoch ein großes Interesse daran, datz die Stadt nicht solche lukrativen Anlagen der privaten Ausbeutung ausliefert. Uever einen erbitterten Streit um eine Leiche wird berichtet: In dem Dorfe Falkenhagen bei Spandau starb in voriger Woche der ehemalig Direktor der Vereinigten Berliner Mörtelwerke Gröniug. Nachdem er lange Jahre mit seiner Frau zusammen gelebt hatte, lietz er sich vor fünf Jahren von dieser scheiden lund heiratete die frühere Klavierlehrerin seiner jetzt verheirateten Tochter. Er wohnte schon seit einer Reihe von Jahren in einem Landhause zu Falken- Hägen. Nach der Trennung von seiner ersten Frau überließ er dieser die Villa und lebte mit der neuen Frau in Wilmersdorf. Später überwarf er sich mit dieser, es kam zwischen ihm und der ersten Frau wieder eine Annäherung zustande, die besonders auch von seiner Tochter und deren Ehemann, einem Angestellten jener Mörtel- werke, gefördert wurde. Der bejahrte, sehr wohlhabende Mann starb vor acht Tagen in dem Landhause zu Falkenhagen, Ivo er sich zuletzt meistens aufgehalten hatte: seinem kurz vor dem Tode zu den Angehörigen geäußerten Wunsche gemäß sollte er in dem Ort, wo er sich eine Grabstelle gekauft hatte, beerdigt werden. Am Sonnabend hatte die Trauerseier soeben in dem Landhause statt- gefunden, und der Leichenzug sollte sich gerade nach dem Fried- Hofe in Bewegung setzen, da erschien der Gerichtsvollzieher Petras aus Spandau in Begleitung des zuständigen Amtsvorstehers und verhinderte auf Grund einer einstweiligen Verfügung des Landgerichts III die Beerdigung; der Sarg mit dem Leichnam wurde vom Amtsvorsteher mit Beschlag belegt und auf dessen Anordnung nach der Friedhofshalle geschafft. Die Verfügung war durch zwei Berliner Rechtsanwälte auf Antrag der zweiten Frau des Verstorbenen erwirkt worden. Beauftragte dieser Frau er- schienen bald darauf, nahmen die Leiche aus dem Sarge und legten sie in einen Zinksarg, damit sie nach den Vorschriften de« Gesetzes transportiert werden könnte; denn jene Verfügung besagte auch, daß der Verstorbene in Wilmersdorf beigesetzt werden sollte. Während die Beauftragten sich bemühten,' bei den Behörden die Ausfertigung des erforderlichen PhysikatSattesteS und des vorgeschriebenen Leichenpasses zu erwirken, erschien Sonntag nachmittag derselbe Gerichtsvollzieher mit einer Verfügung des Amtsgerichts Spandau, nach der die Leiche nicht aus dem Ort geschafft, sondern in Falkenhagen beerdigt werden sollte. Der Tote wurde nunmehr schnell aus dem bereits verlöteten Zink- sarg wieder herausgeholt, in den ersten Holzsarg gelegt und beerdigt. Die letzte Verfügung ist auf Veranlassung der Tochter und des Schwiegersohns des Toten erfolgt. Nunmehr wird sich um die Leiche wohl noch ein Prozeß entspinnen. Potsdnn». Das Gewerkschaftskartell nahm in seiner Kassenbericht vom 2. Quartal entgegem von 468,37 M. aufweist. Ausgegeben wurden 171,07 M., so datz ein Bestand von 297,30 M. verblieb. Die Sammlung für die Litho- graphen lind Steindrucker ergab zusammen 506 M. Für die Buch binder sind bis jetzt 259,90 M. eingegangen; diese Sammlung wird noch fortgesetzt.— Beschlossen wurde die Gründung einer Bau- arbeiterschutzkommission und einer Re ch t s a u s kun fts- st e l I e.— Einem Antrage der hiesigen Arbeiterbildungs- schule auf Veranstaltung einer öffentlichen Versammlnng und Uebernahme der Kosten wird zugestimmt.— Den Gewerbeger ichtöbeisitzern soll bei einer Lohneinbutze von mehr als 3 M. der Fehlbetrag ersetzt werden. letzten Sitzung den Gerichts-ZextunQ. Krankheitsangabe im Zeugnis. Der Bijouteriewarenhändler Herm. Baum hatte der Verkäuferin Anna W. zum 31. Juli gekündigt. Am 7. Juli erkrankte sie und befand sich auch noch am Tage des Abganges in krankem Zustande. B. stellte ihr daraufhin ein Zeugnis aus, in den» es hzeß:„Fräulein W. war bis 31. Juli bei mir angestellt und bis 7. Juli b e- s ch ä f t i g t." Der Vater klagte im Namen seiner minderjährigen Tocvter beim Kanfinannsgcricht auf Ausstellung eines anderen Zeug- nisses und führte gestern in der vor der ersten Kammer stattgehabten Ver- Handlung aus. daß es seinerTochtcrsehr erschwert»verde, aufGrnndeineS solche» Zeugnisses Stellung zn erhalten. Der Vorsitzende legte dem Beklagten nahe, daß eine derartige Trennung von Beschäftignngs- dauer und Engagementsdauer nicht angängig sei. Sie führe leicht zn allen möglichen für die Klägerin ungünstigen Mutniaßungen. Auf diesen Vorhalt hin einschloß sich der Beklagte, bevor die Ab- änderung des Zeugnisses durch Urteil ausgesprochen� wurde, die be- austandete Stelle„bis 7. Juli beschäftigt" sreiwillig zu streichen. Bezüglich der Gehaltsforderung von 53 Mark, wegen deren der Vater des Mädchens gleichfalls klagte, kam das Gericht zu einer Abweisung. Der Beklagte hatte sich, auf s 63 gestützt. einen Revers unterzeichnen lassen, demzufolge für fehlende Tage kein Gehalt bezahlt werde. Der Einwand des Vaters, daß es doch unmöglich Geltung haben könne, was ein so junges ISjähriges Mädchen ohne Ueberlegnug unterschreibe, wurde vom Gericht als nicht stichhaltig zurückgewiesen. Der Vorsitzende, Magistratsrat Techow, machte jedoch bei Urteilsverkündung die charakteristische Be- merkung:„Heute noch" muß die Abweisung der Klage er- folgen, indem er gleichzeitig aus den im Reichstag eingebrachten Antrag bezüglich Abänderung des§ 63 hinwies.— Die nationale Wurst. Wegen Vergebens gegen das Nahrungsmittel- g e s e tz ist am 14. Oktober b. I. vom Landgerichte B r o m b e r g der Fleischermeister Josef S a d o>v s k i zn einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Ein Kollege hatte ihm 80 Pfd. Fleisch, welches verdorben zu sein schien, als Schweinefutter zum Kauf angeboten. Dieses Fleisch hatte er dann billig gekauft und, obwohl eS sehr übel roch und Knoten zeigte, zerkleinern lassen, um es zu Wurst zu verarbeiten. Ehe ihm dies möglich war, beschlag- nahmte die Polizei das Fleisch. Das Mahlen des Fleisches ist bereits der Anfang des WnrstmachenS, daher hat das Gericht einen Versuch der Nahrungsmittelfälschung angenommen.— Wegen Vergehens gegen daS Nahrungsmittel- g e s e tz sind am 16. November v. I. vom Landgerichte Hagen auch die Metzger Philipp S ch m e h l und Walter B a n k l o h zu zwei Monaten bezw. einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Sie hatten eine tuberkulöse Kuh angekauft, welche der wegen Bei- hülfe verurteilte Mitangeklagte S e g r e f e hatte schlachten lassen. Das Fleisch dieser infolge der Tuberkulose vollständig abgemagerten Kuh haben die Angeklagten zu Wurst verarbeitet.— Die Revision aller drei Metzger ist vom Reichsgericht als unbegründet verworfen worden. Unter der Uederschrift Bestien brachten wir am 21. August einen Gerichtsbericht, nach welchem ein Arbeiter Schulze aus Rixdorf wegen Sittlichkeitsverbrechen, begangen an seinem eigenen Kinde, zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. In diesem Bericht war von der Ehefrau Schulze gesagt, datz sie vor ihrer Heirat unter sittenpolizei- licher Kontrolle gestanden habe. Frau Schulze teilt uns mit, daß diese Behauptung unrichtig ist, was»vir hiermit ihrem Ersuchen entsprechend öffentlich feststellen wollen. Vermischtes. Bon» Schkachtfrldc der Arbeit. Auf der Strecke Bruch st ratze bei Langendreer stürzte ein hoher Schornstein, ivelcher abgebrochen Iverden sollte, in anderer Richtung«m als vorgesehen war. Der Koksmeister Bierhoff geriet unter die Steintrümmer und wurde lebensgefährlich verletzt hervorgezogen.— Paris, 28. August. In Andeville, Departement Oise, sind bei der Bohrung eines Brunnen- schachtes ein Ingenieur und zivci Arbeiter durch giftige Gase, die sich nach einem Sprengschuß mit Dynamit in dem Schachte an- gesammelt hatte», erstickt. Sofort aus Paris mit RettungS- apparatcn abgesandte Feuerwehrleute konnten nur die Leichname der Verunglückten zutage fördern. Ei» Jugendbildner. AuS Göttingen wird berichtet: Der Lehrer Telsey in Grotz-Lengdcn, der beschlildigt ist, seit Jahren Sittlichkcitsverbrechen an Schülerinnen verübt zu haben, hat sich der Verhaftung durch die Flucht entzogen. Bestien. Wien, 28. August. Reservisten des in Kremöstadt garuisonierenden S. Pionierbataillons haben auf der Straße bei Martern eine Frau vergelvaltigt und ermordet. Die Mörder sind bereits verhaftet. lieber die großen Uebcrschwcmuningeu in Sencgambien liegt folgendes Telegramm vor: Saint Lonis(Senegambien). 2S. August. Es ist immer noch unmöglich, den Umfang der Verheerungen in KayeS zu schätzen, da die telegraphische Verbindung seit 14 Tagen unterbrochen ist und die ersten zuverlässigen Nachrichten am 25. d. MtS. durch ein Dampfboot hierher gelangt sind. Das Telcgraphenamt in Matäm meldet eine»vettere Zunahme der Ueberschivcmmungen. Ueber die Lage der Brettlsängcrinnen gibt eine Verhandlung vor dem AnttSgericht I Auskunft, vor dem die Brettldiva Lona Nansen erschienen war, um den Offenbarungseid abzulegen. In einem Bericht über die Verhandlung lesen wir: Die Dame war keineswegs eine jener „letzten Sterne" des Ucbcrbrcttls, denn sie war sowohl in Berlin, Hamburg, Leipzig und Dresden an größeren Bühnen engagiert und trat zuletzt im hiesigen„Intimen Theater" auf, das in letzter Zeit namentlich durch den Spielerprozetz in Landau zu einer gewissen Berühmtheit gelangt ist. Bekanntlich tvar bis vor kurzem an dieser Bühne auch Fräulein Mary I r b e r beschäftigt, die Geliebte des vielgenannten Leutnants Mühe, den daS Landauer Kriegsgericht zu vierzehn Tagen Gefängnis und Ent- fernung aus dem Heere verurteilt hat. Sie war es, die nachein- ander die Geliebte des schwedischen Konsuls in München, des Grafen Max v. Preysing, und zuletzt des Leutirants Mühe war, und an den Spielabenden im„Jungadeligen Klub" in München mehrfach den vielbegehrtcn Einsatz bildete. Nachdem sie einer großen Anzahl junger Leute»md zuletzt auch dem Leutnant Mühe verhängnisvoll geworden war, hat sie der Impresario Jorot Walle, genannt Huntele, geheiratet, und dieser war es auch, der Fräulein Lona Nansen für die Bühne engagierte. Die Artistin bezog eine Durchschnittsgagc von etwa 2000 bis 3000 Mark pro Monat, konnte aber trotzdem eine Anzahl Klischees, die -sie bei einer Mimchener galvanischen Fabrik für 200 Mark bestellt der eine Einnahme' hatte, nicht bezahlen. Auf die Frage, wie es komme, datz sie bei der hohen Gage das verhältnismäßig kleine Guthaben nicht b» gleichen könne, erklärte sie, datz Walle sie' gewissermaßen entre prise genommen habe. Er besorge für sie sämtliche Engagements und nehme die mit den Bühnenleitern vereinbarten Gagen in Empfang. Alle Einkünfte aus ihrem Auftreten flössen ihm zu. Eine be- stimmte Gage beziehe sie nicht, auch sei eine solche nicht vereinbart. Alles was sie besitze, gehöre dem Herrn Walle, der auch alles, was sie an Kleidern usw. trage, angeschafft habe. Für ihre Leistung bekomme sie lediglich die notwendigen Bühnen- und Stratzenkleider, Kost und Logis, ferner die zur Ausübung ihres Berufes not- wendigen Musikalien und außerdem Taschengeld nach Bedarf und zwar täglich ungefähr 4 bis 5 Mark. Sie habe übrigens genau denselben Bertrag mit ihrem früheren Jinpresario gehabt. Der Vertreter des Gläubigers setzte in diese Angaben der Beklagten Zweifel und gab der Meinung Ausdruck, daß der zwischen ihr und ihren Impresarien abgeschlossene Vertrag offenbar den Zweck verfolgt, gerichtliche Schritte der Gläubiger zu vereiteln. Auffällig sei insbesondere das Mißverhältnis zwischen der Leistung des Jinpresario einerseits und der großen Gage der Künstlerin, die er als Gegenleistung einheimse. Auch der amtierende Richter bemerkte der Schuldnerin, daß ihre Angaben sehr unglaubhaft klingen und ermahnte sie dringend an ihre Eidcspslicht. Fräulein Nansen erklärte jedoch, daß sich die Sache so verhalte, wie sie an- gegeben habe. Der Richter fragte hierauf, warum sie denn solch ungünstige Verträge abschließe.„Weil ich von geschäftlichen Sachen absolut nichts verstehe." war die sehr glaubtvürdig er- scheinende Antwort der Schuldnerin. In ähnlicher Abhängigkeit von ihren Impresarien sollen sich übrigens auch andere vielgenannte Varietekünstlerinnen befinden. Glänzendes Elend!_ Sozialdemokratischer Lese- nnd Disrntierklub„Motteler« tagt jeden ersten und letzten Mittwoch im Monat bei Unbehauen, Stolpische- straßc 61. Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Zentral.iWahlvereiii für den Reichstags» Wahlkreis Züllichau- Schwicbus- Erossen- Sommerfeld.(Ortsverein Berlin.) Sonnabend, den 1. September, abends 8'/, Uhr: Mitglieder» Versammlung bei Merkowski, AndrcaSstr. 26. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kreisvorsitzenden Genossen Schiilz-schwicbus. 2. Diskussion. 3. VcreinS- angelegenheiten und Ausnahme neuer Mitglieder.— Jeder Genosse auS dem Kreise wird ersucht, sich in der Versammlung einzufinden. Der Vorstand. Eingegangene Druckschriften. Zustände im Fleischergewerbe. Statistische Erhebungen des Zentral- Verbandes der Fleischer und Berufsgcnossen Deutschlands. Bearbeitet von W. Schröder. 64 Seiten. Preis 30 Ps.— Protokoll der Konferenz der aus Ziegeleien bcschästigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Abgehalten zn Magdeburg am 3. und 4. Juli 1V06. 43 Seiten.— Beide Broschüren zu beziehen durch de» Verlag der Generalkommission der Gewerkschasten Deutschlands, Berlin, Engel-User 15. Ein wohlgemeinter Mahnruf an alle Klassen und Stände der Völker. Von C. B. Köhler. 19 Seiten. Preis 25 Ps. Selbstverlag. Pirna a. d. E._ Vriefkakten der Redahtion. »le juristische Sprechstunde findet wochcntttglich von?>/, biS»>/, Uhr abendS statt. G-öfiuet? Uhr. SoiinabcndS beginnt die Sprechstunde um <> Uhr. Jeder Slnfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beiznfiige». Briefliche Zlntwort wird nicht erteilt. KaufmannSgcricht. 1. Zenwalverband 21, Deutschnationale 31, KoMmiSvcrein 5, Leipziger Verband 5 und verschiedene Vereine 38 Bei- sitzer. 2. Eine amtliche statistische Zusammenstellung ist uns nicht bekannt. — R. 2.„Friedenau". Die Gewcrbesreihcit ist nicht zur gleichen Zeit in allen deutschen Staaten in Krast getreten, jedoch zum größten Teil tim Gebiete des Norddeutschen Bundes) im Jahre 1863.— M. 100. Derartige Schulen gibt eS nicht. Berliner Marktpreis«. Sias dem amtlichen Berich« der städtischen Markthallen-Direktion.(Großhandel) Rlndflet i''~~'~ IIa 63-68, Ola 57—62, Iva 52—56, engli c Bullen- 0,00, holländische Bullen- 0,90. Kalbflei(■.. la 80-85, IIa 70—78, Ma 60—68. Hammelfleisch la 77—82, IIa 67—75. Schweinefleisch 68— 74. Rehböcke la per Psd. 0,60— 0,75, Da 0,40 bis 0,50. Rotwild la per Psund 0,40—0,53, Ha 0,20—30. Damwild 0,50. Wildschweine per Psund 0,32. Frischlinge 0,50. Kaninchen per Stück 0,50—0,80. Wildenten la per Stück 1,00-1,25, Na 0,80. Rebhühner. junge la 0,80—1,15, junge steine 0,20-0,45, alte 0,60-0,75. Hühner, alte, per Stück 1,80-2,25, alte. Ha 1,00—1.60. junge, per Stück 0,40—0,88. Tauben, junge, per Stück 0,30—0,40, alte 0,00. Enten, junge per Stück 1,50—1,75, alte per Stück 0,00. Hamburger, junge, per Stück 2,80. Gänse, la per Psund 0,55— 0,62, Ha 0,45— 0,54, la per Stück 2,75 bis 3,30, Ua 1,00—2,50. Poulets per Stück 0,30, do. klein 0,00—0,00. Hechte pr. 100 Psd. 72—30. Zander 0,00. Schleie 111—117. Bleie 0,00. Aale, groß 33—105, mittel 97. stein 0,00, unsortiert 65—70. Plötzen 00—00. Karpscn 0,00. Barse 0,00, matt 0,00. Bleifische matt, 0,00. Karauschen 0,00. Wels 0,00. Bunte Fische 56. Amertkanischcr Lachs I neuer per 100 Psd. 110—130, do. II neuer 90—100, do. III neuer 50-75. Seelachs 20-25. Flundern, pomm. I, per Schock 9, do. pomm. II 2—3, Kieler, Stiege la 4—8, do. mittel per Kiste 2—3, do. klein per Kiste 0,00. Bücklinge, per Wall Kieler 4—5, Stralsunder 5—6. Aale, groß per Psd. 1,10—1,50, mittelgroß 0.80—1.00. klein 0,50-0,60. Heringe per Schock 4—5. Schellfische Kiste 3—4. do. Kiste 2—3. Kabliau, per 100 Psd. 10—13. Heilbutt 25. Sardellen. 1902» per Anker 90, 1904cv 30, 1905 er 82, 1906« 65. Schottische Vollhcrtnge 1905 0,00, large 40—44, tull. 36—38, med. 35—42, deutsche 87—44. Heringe, neue Matjes, per'/, To. 60—120. Hummern. Ha, 100 Psd. 0,00. Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 0,00, kleine 0,00, unsortiert 0,00. Galizicr, groß 0,00. Eier, Land-, per Schock 2,60—3,30. Butter per lOO Psd. la 122—124. Na 118-120. lila 112—116, absallende 95—110. Saure Gurken Schock 3,50-4.00, Ps-flergurken 3,50-4.00. Kartofleln per 100 Psd. Rosen 1,50—1,75, neue runde 1,75—2,25, neue blaue 2,25—2,50, neue Zerbster 0,00. Spinal p. 100 Psd. 15—18. Karotten p. 100 Psd. 5—6. Sellerie hiesige. p.Schock l,25-5, 00. Zwiebeln lOOPsd. 3-3.50 Petersilie, grün, Schockbd. 1,00. Kohlrabi p. Schock 0,75-1,00. Rettig, bayr., p. Schock 2,40 bis 4,80. Radieschen p. Schock-Bd. 0.60—0.70. Saint, p. Schock 1,00-1,50. Bohnen, grüne, per 100 Psund 5—12. WachSbohncn 5—16. Schoten per 100 Psd. 10—20. Psefscrlinge per 100 Psd. 10—18. Mohrrüben per 100 Psd. 4—5. Blumenkohl per Mandel 1,00—2,20. Wirsinglohl per schock 4.00—8.00. Rotkohl p. Schock 4,00-10,00. Weißkohl p. schock 2,00 bis 5,00. Steinpilze p. 100 Pfd. 25—30. Gurken. Zerbster, schock 0,75-1,00, do. Einlege-, schock 1,00-2,00, do. Rothenbg. 2.50-3,00, do. Liegnitzer 3—4. do. Einlege-(Senf-) 10— l6. Kohlrüben, Schock 3—5. Tomaten, hiesige >00 Psd. 5-10. Birnen, ital. per tOO Psd. 13-24, hiesige 3-10, Tiroler 14—33, böhmische 5— 13. Neitig-3— 5. Acpscl, ungar., perlOOPsd. 6— 14. ital. 8—15, hiesige 4—11, Gravcnsteiner 12—14, Tiroler 25—42. Preißelbceren 15—18, schwedische 16-19. Blaubeeren per 100 Psd. 10—12. Pflaumen, ital. runde dunkle per 100 Psd. 0,00, ital. lange gelbe 0,00, ital. rund« 0,00, unqarcsche 6—9. hiesige 3-6, Rcincclanden 10—18. Zitronen, Messina 300 Stück 18,00-22,00, 360 Stück 14,00—18,00, 200 Stück 13,00-18,00, 420 Stück, klein 12.00. Pfirsiche, Werderslhe per lOO Psd. 15-20, ftanzösische 20-40, italienische I Kiste 1,50-2,00, do. II Kiste 0,80—1.60, do. III Kiste 1,00-1,20, do. in Körben per 100 Psd. 20—40. la 69-73 pr. 100 Pfd.. je Bullen- 0,00, dänische Doppelländer 100—110, Witter,»ineüberttw» vom«8. Slugnst IU06, morgens 8 Ith«. I~§i Iök 2 i» 5 las Stationen!-»! 1 1 Igli 5 Swtncmde Hainbnrg Berlin Franks a M München Wien I 768 WNW 772 WSW _ QetUi =1 lei � ' 2 wolkig 2 halb bd. 771 WNW. 2 heiler 772 NO 771 NO 770 NW 4 wollcnl 4 heiter 3 heiter jb» K S> Stalle««» I=, ? H mh i i taparanda 757N eterSbnrg 751 NNW Scilly 770 O R »eller tlberdeen Parts .71 still 771NO 4wolkenl 3 bald bd. 3 bedeckt — Dunst Swollenl »s -» sc S � HS, k ( 16 13 18 Wetter-Prognose für Mittwoch, de» 29. August 1906. Trocken und vorwiegend heiter, etwas wärmer bei mäßigen nordlvest- lichen Winden._ Berliner W e t t er b u r e a». Wasserst»»» am 27. August. Elbe bei Aussig— 0,39 Meter, bei DreSdc»— 1,69 Meter, bei Magdeburg+ 0,79 Meter.— 11» st r n t bei Strmißjurt+ 1,20 Meter.— Oder bei Franksurt 4- 1,29 Meter.'— Weichsel bei Brahemsinde 4-2,92 Meter.— Warthe bei Posen -s- 0,38 Meter. Itzerantwortl. Redakteur: Carl Wermuth. Berlin-Rixdorf. Für den Inseratenteil vermitw.: Xh. Glocke. Berlin. Knick».Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.