Nr. äOL Hbonncmcnts-Bcdingungcn: Abonnenrents» PrriS pränumeranvvl Wierlrljöhrl. Z.So Mk, nionatl. l.IV Mr., wöchentlich LS Psg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. Eingetragen in die Post-Zciwngs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Auslond 3 Marl pro Monat. PoftabonncntcntS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 23. Jahrg. CrlAcInt täglich außer montaat. � GW Vevlinev Volksblcrtk. vle Inserttonz-eebllhr beträgt sür die fcchSgcspaltenc Kolonel. zeile oder deren Raum KV Pfg., sür politische und gewertschaslliche Vereins. und Bersamnilungs-Anzeigen 30 Pfg. �Uieln« ZZnr-lg-n", das erste(seit- gedruckte) Wort 2a Pfg., jedes weitere Wort lv Pfg. Stellengesuche und Schlaf- flellen-Anzcigcn das elfte Wort lo Pfg., jedes weitere Wort 6 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adreffe: „Soslaltiemoliral Kerl!»". Zentralorgan der fozialdcmokratifcbcn Partei Deutschlands. Redaktion: 8M. 68» Lindenstrasse 69. afcniUircrftfr: Slmt IV, Nr. 1983. Donnerstag, den 30. August 1906. Expedition: 8M. 68» Lindenstrasse 69. afenifprcrfier: Nint IV, Nr. 1984. fleußm und innere Kämpfe."5 St. Petersburg, 21. August. Der Anfang meines heutigen Berichtes fällt mir schwer. Zunächst komme ich mit ihm verspätet, woran freilich nicht ich, sondern„Umstände, die von mir nicht abhängig sind", wie die Russen sich auszudrücken pflegen, schuld sind: dann muß ich über eine mißlungene Aktion berichten, über die innerhalb der russischen Sozialdemokratie die Meinungen auseinander gehen. Vor kurzem habe ich an der Abfassung einer Resolution mitgearbeitet, die von allen Parteiorganisationen des Mos- kauer Gouvernements, sowie auch jener Städte, die ihre Direktiven in Moskau holen, gutgeheißen wurde. In dieser Resolution wurde den Führern der Arbeiter klasse empfohlen, das Proletariat von einzelnen Streiks, die nur seine Kräfte schwächen, abzuhalten und es zu einem Generalstreik, der mit dem Maximum der politischen Gärung im Heere und dem Aufflackern der revolutionären Bewegung auf dem Lande zusammenfallen muß, vorzubereiten. Kaum eine Woche war seitdem verflossen, da kam plötzlich von Petersburg die Aufforderung zum allgemeinen Streik. In einem weit von Moskau gelegenen Walde der- sammelten sich darauf am 3. August etwa 150 Delegierte vcr- schiedener Parteiorganisationen, und bis 3 Uhr morgens debattierte man, ob man den allgemeinen Streik prokla- mieren solle oder nicht. Mit großer Mehrheit, gegen etwa 30 Stimmen, von die die einen gegen den Streik stimmten, die anderen sich der Abstimmung enthielten, wurde die Pro- klamierung des Streikes beschlossen und die entsprechende Resolution bei der Beleuchtung eines elektrischen Taschen- lämpchens vorgelesen und angenommen. _ Am selben Tage fanden in einem Moskauer Volkshause gleichzeitig eine ganze Reihe von Versammlungen verschiedener Gewerkschaften statt. Allmählich und für die Polizeiagenten unbemerkbar vereinigten sich die Anwesenden in einem ein- zigen Saale und gingen sofort unter der Fahne des Setzer- Verbandes zur Diskussion über den allgemeinen Streik über. Ehe die Polizeiagenten die„Ungesetzlichkeit" dieser Beratung und ihre komische Lage begriffen hatten, war von dieser acht- tausendköpfigen Versammlung der Anfang des Streikes aus 12 Uhr des nächsten Tages festgesetzt. Am gleichen Tage fanden solche Versaminlungen auch anderorts statt, und auch dort wurde von der Mehrheit das Streiken beschlossen. Während im Walde hauptsächlich die politischen Leiter des Moskauer Proletariates und im Volkshause und an verschiedenen anderen Stellen Gewerkschaften vertreten waren, versammelten sich noch im geheimen gegen Abend des 0. August die Deputierten aller Moskauer Fabriken in der Zahl von 140 Personen, die schließlich den bereits begonnenen Streik zu unterstützen und bis zu Ende durchzuführen be- schlössen. Montags blieben die Moskauer ohne Zeitungen. Abends herrschte in den Straßen Moskaus absolute Dunkelheit. Die elektrischen und die Pferdebahnen stellten indes nur teilweise den Verkehr ein, und nur 30 der größten Fabriken Moskaus feierten. Von den 200 000 Arbeitern, die dem Moskauer sozialdemokratischen Komitee immer treu waren und die seinen Instruktionen imnier folgten, streikten nur 80 000. Ungefähr zwei Drittel wollten diesmal ihren Führern nicht folgen. Und die Deputierten der Eisenbahnbeamten und -Arbeiter hatten die kategorische Erklärung abgegeben(eine Ausnahme bildeten nur ein paar Eisenbahnwerkstätten), daß sie zurzeit den Streik nicht mitmachen würden, wofür sie auch sehr gewichtige Gründe anführten. So war in Moskau schon am Tage nach der offiziellen Proklamierung des allgemeinen Streikes von ihm nicht viel zu bemerken. Dem Moskauer fehlte nur die Zeitung, abends ioar es ihm etwas zu dunkel, und auf einigen Strecken fehlte ihm der Trambahnverkehr. Am 7. August war es in Moskau mit dem allgemeinen Streik aus. Im Gouvernement ist er überhaupt gar nicht begonnen worden. Wie in Moskau so war es auch in Petersburg, von wo die Initiative zum allgemeinen Streik ausging. Dort wurde am Sonnabend, den 4. August, um 12 Uhr mittags der Streik proklamiert. Sosort blieben alle Pferde- bahnen stehen. Allein, schon am nächsten Tage merkte man, daß der Streik nicht von langer Daner sein werde. Und wirklich kehrten die Kutscher und die Kondukteure bald zur Arbeit zurück. Am 6. August fing ein Teil der Setzer an zu arbeiten, und am 7. August schrumpfte die Zahl der streiken- den Arbeiter schon gehörig zusammen. Der 8. August war der letzte Tag des so eilig proklamierten Streikes. Wie ist es nun gekomnien, daß es scheinen könnte, als 'ob Stolypins Prahlerei, er werde nicht nur die Duma aus- einanderjagen, sondern auch alle vom Proletariats bereits erkämpften„Freiheiten" ihm wieder nehmen und jeden *) Wir veröffentlichen diesen Brief eines unserer russischen Kor- respondenten der wertvollen Informationen wegen, die er enthält. Dagegen haben lvir nicht die Absicht, in dein Streit um die Taktik, der' in der russischen Sozialdemokratie geführt wird, Partei zu er- greifen. D. Sied �Protest dagegen im Keime ersticken, sich bewahrheitet hat. l Wie ist es zu erklären, daß das russische Proletariat, das so mutig für die Freiheit kämpft, plötzlich„apathisch" wurde und der russischen Regierung gestattete, einen Sieg, richtiger einen Pyrrhussieg, über die Arbeiterschaft zu feiern. Ist das russische Proletariat bereits des Kämpsens müde, oder will es seinen sozialdemokratischen Führern nicht mehr Vertrauen schenken, oder gibt es sich mit dem bereits Erreichten zu- frieden? Keine dieser drei Vermutungen hat recht. Es waren ganz andere Gründe, die einen großen Teil des Proletariates die Teilnahme am Streik ablehnen ließen. Die nüchterne Erwägung der Chancen dieser Aktion kollidierte mit dem heißen Wunsche, den meuternden Soldaten zu helfen und die Meutereien der Revolution nutzbar zu machen. Wir machen nicht mit, erklärten die Moskauer Arbeiter aus der Prennja, diejenigen, die während der Dezembertage eine der Hauptrollen gespielt haben: wir machen nicht mit, weil wir beim letzten Kampf mit der Regierung von den Bauern unter- stützt werden wollen: die Bauern sind aber jetzt für diesen Kampf noch nicht zu haben. Die gleiche Antwort gaben in Petersburg die 60 000 politisch reifsten Proletarier aus dem Newskyrayon der Petersburger Sozialdemokratie. Wir streiken nicht. Der Streik wird nur die Zahl der Arbeits- losen vermehren und unsere materiellen Kräfte schwächen. Wir haben uns jetzt vorzubereiten zum letzten Streik, der mit einem allgemeinen Aufstande verbunden werden muß. Nur ein solcher Streik wird inistande sein, der Regierung den Todesstoß zu geben. Ein solcher Streik muß aber von den Bauern und den Eisenbahnern unterstützt werden. Die ersteren sind aber noch mit ihren Feldarbeiten nicht fertig und haben noch nicht einmal vom Schicksale der Duma ge- hört, die letzteren bitten, den Streik aus sehr gewichtigen Gründen zu verschieben. Aus einfacher Solidarität aber mit den Sweaborger und Kronstädter Meuterern zu streiken, ist zu spät, denn erstens sind die Aufstände bereits unterdrückt, und zweitens sind jetzt nicht solche Zeiten, daß man bloß aus Sympathie streiken soll. Ganz anders argumentierten die Anhänger des Streikes. Das Proletariat, sagten diese, muß stets die Avantgarde der russischen Revolution bilden. Die Sweaborger und Kronstädter Ereignisse werden bald in der ganzen Armee Widerhall finden. Die revolutionäre Stimmung des Bürgertums hat ihr Maximum erreicht, und wenn wir jetzt noch rechtzeitig zuschlagen, so ziehen wir die Armee, das Bürgertum und die Landbevölkerung in den Kampf hinein und siegen. Mit einem unbeschreiblichen Enthusiasmus traten sie infolgedessen in den allgmeinen Streik ein und sind jetzt verstimmt. Ein Genosse, der dieser Tage vom Lande zurückkehrte, versicherte mich, er habe ganze Dörfer gesehen, die der festen Ueberzeugung seien, die Dunia arbeite ruhig weiter und werde bald die Agrarfrage im richtigen Sinne lösen. Dort aber, wo das Wiborgsche Manifest der Dumamitglieder in die Hände der Bauern gelangte, sind diese mit ihm höchst un- zufrieden und protestieren hauptsächlich dagegen, daß ihre Deputierten sich als„ehenialige" unterzeichnet haben. Wir haben sie gewählt, sagen sie, und nur wir können sie absetzen. Daraus ist zu ersehen, wie recht die Deputierten der revo- lutionären Parteien hatten, als sie in Wiborg gerade das gleiche forderten und einen entsprechenden Antrag stellten, der von der Kadcttenpartei natürlich nicht angenommen wurde. In vielen Dörfern werden die Deputierten mit großer Ungeduld erwartet, um sie durchzuhauen, weil sie ohne„Land und Freiheit" zurückkehrten und sich auseinander- jagen ließen. Jin Kiewer Gouvernement wurde aus diesem Grunde der Deputierte Romanjuk mißhandelt, und im Minsker Gouvernement zündeten die Bauern das Gut ihres ehemaligen Deputierten an. In vielen Kreisen des Twerschen, Tulaschen und Orlowsky-Gouvernements dagegen beschlossen die Bauern, vom Wiborgschcn Manifeste angefeuert, die Steuerzahlung einzustellen. Im Tschernigower und Wladi- mirschen Gouvernement nimmt die Gärung mit jedem Tage zu: in Moskau sah sich die Regierung gezwungen, das 17. Korps auf das ganze Gouvernement zu verteilen, uin die mit großer Sicherheit zu erwartenden Bauernunruhen noch rechtzeitig zu unterdrücken. Und die Agenten der Peters- burger Regierung benachrichtigen sie auf ganz offiziellein Wege von der stetigen Zunahme der Bauernunruhen und be- stimmen als Anfang der Revolution auf dem Lande Ende August und Mitte September, d. h. die Zeit, wo die Bauern mit ihren Feldarbeiten fertig werden. Das spricht für die Taktik des Abwartens. Man kann dagegen einwenden, daß auf dem Lande eine Bewegung im Stile eines allgemeinen Streikes überhaupt nicht zu erreichen ist, daß auf dem Lande die Bauernunruhen bald hier bald dort ausbrechen werden und daß dieser Zustand monatelang dauern kann, ohne daß wir in der Lage wären, zu sagen, jetzt sind wir am höchsten Punkte der Bauernrevolution angelangt. Gut. Kein Mensch behauptet aber in Rußland, daß die Bauernbevölkerung die neue politische Lage bereits begriffen und daß sie die ent- sprechenden Konsequenzen aus dieser Lage gezogen habe. Und eben deshalb müssen wir mit unserem Auftreten in den Städten abwarten. Die Bauernrevolution kann monatelang dauern. Um so besser. Der russische Staat kann eine Bauern- revolution in Permanenz nicht ertragen, er muß Geld haben, und die Regierung wird infolgedessen suchen, diesem Zustande ein Ende zu machen. Wir warten diesen Schritt der Regierung ab und lperden ihr die eine oder die andere Antwort, je nach der Lage, geben. Nun muß aber natürlich eine Partei wie die unserige auch die Initiative zum politischen Handeln er- greifen. Das tat die russische Sozialdemokratie auch schon und wird es auch ferner tun. Zuerst aber muß die Regierung mit der Landbevölkerung beschäftigt werden. Die Armee, die Landbevölkerung und das russische Pro- letariat sind die drei Hauptkolonncn, die das jetzige Regime stürzen werden. Sie müssen alle drei vereint marschieren und getrennt schlagen. Den letzten Schlag wird das Proletariat führen. Diese Meinung ist indes nicht die aller Teile der Partei, und die Meinungsverschiedenheit trat auch in der Parteileitung auf und schwächte die Energie der Partei. Der linke Flügel war für Abwarten, der rechte fiir einen Demonstrations- streik. Der rechte Flügel wollte als Parole fiir die nächste Aktion ausgeben:„Durch die alte Duma zur Konsti- tuante". während die andere Richtung nur direkt für die Konstituante kämpfen wollte. Schließlich kam es nach den Ereignissen von Sweaborg und Kronstadt zun: Aufruf für den allgemeinen Streik, der von allen revolutionären Parteien unterschrieben wurde. Unmittelbar vorher aber hatte das Zentralkomitee der russischen Sozialdemokratie einen Aufruf erlassen, sür die Einberufung der alten Duma zu agitieren, da die Duma die Sympathie der breiten Massen habe und diese sich einem Kampfe fiir die Duma leichter anschließen würden. Der Teil der Partei aber, der den direkten Kampf für eine konstituierende Versammlung will, war natürlich mit diesem Aufruf unzufrieden. Den Arbeitermassen war ja zunächst die Duma gleichgültig. Erst später, als im Taurischen Palais die sozialdemokratischen Reden erschallten, begannen die Proletarier sich mehr für die Duma zu interessieren. Sie applaudierten aber gerade jenem Teile der Reden unserer Genossen, in dem sie gegen die Duma sprachen und nach der Konstituante riefen. Für die alte Duma, die zu keinem energischen Schritte fähig war und die auf Grund des alten Wahlgesetzes gewählt wurde, waren die sozialdemokratischen Arbeiter nicht zu haben. Für eine Duma, deren Mehrheit nicht einmal für volle Ver- sammlungsfreiheit zu haben war, können sich Sozial- Demokraten nicht erwärmen, und sie werden auch bei einer solchen Duma den festen Willen, sich in eine Konstituante zu verwandeln, nicht voraussetzen können. In einem politischen Kampfe muß jede Partei, besonders aber die Sozialdemokratie. ihr Programm, ihre Wünsche und ihre Forderungen scharf pointieren, sonst bricht in ihren Reihen Verwirrung aus. Die sozialdemokratischen Arbeiter haben es nicht verstehen können, daß sie für eine Duma kämpfen sollten, die von vornherein den Interessen der Arbeiterklasse feindlich war. Dies war ja auch eine der Ursachen, warum so viele Proletarier ihren Führern nicht folgten, um so mehr, als viele Leiter der Sozial- dcmokratie selbst gegen diese Losung waren. „Ich weiß nicht, wie ich zu den Massen reden soll, und wie ich, da ich selbst gegen den allgeincinen Streik bin, für ihn agitieren soll!" hörte ich auf Schritt und Tritt aus dem Munde der Propagandisten und Agitatoren. Sie agitierte« doch, weil sie dazu die Parteidisziplin verpflichtet. Diese Pflicht gegen die höchste Parteiinstanz war auch die Haupt- Ursache, warum die Moskauer Genossen in ihrer Mehrheit in jener oben beschriebenen Waldversammlung für den Streik ge- stimnit haben. Petersburg hat es bestimmt und da müssen wir mitmachen, hieß es. Stolypin braucht sich über diese mißlungene Attion der Sozialdemokratie indes nicht zu freuen. Den letzten Streik haben solche Arbeiterschichteu mitgemacht, die bis dahin nicht für den Freiheitskampf in Bewegung zu setzen waren. Der letzte Streik hat uns bewiesen, daß die Reihen der russischen Sozialdemokratie unaufhaltsam wachsen. Und auch in Kronstadt und in Sweaborg hat die russische Regierung einen zweifelhaften Sieg errungen. Wahr ist es. daß die Sweaborger Ereignisse viel zu ftüh gekommen sind und eben deshalb wurde anderwärts noch rechtzeitig von den revo- lutionären Parteien die weitere EntWickelung dieser Ereignisse verhindert. Was tat aber Stolypin, als er die telegraphische Nachricht von den Sweaborger Ereignissen erhielt? Sofort ließ er die Petersburger Kasernen mit Kanonen umzingeln. Stolypin traut also den Petersburger Truppen nicht. Er hat auch recht. Da haben z. B. am letzten Streik auch die Pulverfabriken mitgemacht und mit ihnen zusainmen auch das ganze Jschorosche Regiment, das den Wachtdienst verweigerte. Die russische Sozialdemokratie kann ruhig sagen: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben l Die russische Revolution. Eine Sympathie- und Eutrüstungskundgebmig. Aus Petersburg wird vom 28. August gemeldet: Die Re- gierungen von Deutschland. Oesterreich-Ungarn, Frankreich, England, den Vereinigten Staaten, Italien, Belgien und Japan haben dem Ministerpräsidenten Stolypin ihre Sympathie auL Anlaß seiner Er- rettung aus der Gefahr und ihre Entrüstung über den gegen ihn ausgeführten Anschlag ausgedrückt. Man hat noch nie davon gehört, daß sich diese Regierungen über die Schandtaten der russischen Regierung, über Frauen- prllgclungen, über Folterungen von Gefangenen, über die Bluttaten der Soldateska und der baltischen Junker in den Ostseeprovinzen, über die von den Behörden vergnstalteten Judenschlächtereien ent- rüstet hätten. DaS Attentat auf Stolyptn. Unser Petersburger N.- Korrespondent schreibt uns: Die Erplosion war betäubend, wie ein Schufc aus einer grogen Kanone. Sie erzeugte eine so gewaltige Lufterschütterung, daß die 220 Meter entfernte LandungLbrücke in heftiges Schwanken geriet. Augenzeugen, die im Vestibül gestanden haben, erzählen, es wäre ihnen so vorgekommen, als ob sie in die Lust flögen. Die ganze Mittelpartie des zweistöckigen HanseS ist in einen Trümmerhaufen verlvandelt. Von der Explosion wurde die Vorder- wand, ein Teil des Kaniins und mehrere Innenwände zerstört, ein Teil der Seitenwand wurde abgerissen. Vom Hause des Ministers sind nur klägliche Ruinen übrig.' Der Platz, auf dem das Gebäude stand, bot in groszem Umkreise folgenden Anblick: Eine Menge Balken, Bretter. Türen, Fenster bildeten ein unbeschreibliches Gewirr von Trünnnern auf dem Fuhsteige der Strasi«. Näher zur Frei- treppe lag ein umgestürzter viersitziger Landauer, daneben zwei bis drei entwurzelte Bäume, grofze Kübel mit gebrochenen Bäumchen, Ziegel und Stuckhaufen, Papierstöhe, zertrümmerte Möbel, blut« befleckte OsstzierSkleidung, Oelbildcr und allerlei Hausgeräte. Nach der Wirkuug des Geschosses zu urteilen muß es, wie erfahrene Offiziere behaupten, mit Melinit angefüllt gewesen sein. Der Vorsitzende des Ministerrats saß zur Zeit der Explosion in seinem Kabinett. Er wurde nur leicht zur Seite geschleudert und kam mit einer geringfügigen Kontusion des Kopfes davon, die nicht einmal ärztliche Hülfe erforderte. Er wollte sogleich aus dem Zimmer laufen, doch versperrten ihm Leichen, abgerissene Glieder und menschliche Eingeweide den Weg: Stöhnen und Hülferufe der Verwundeten, Röcheln der Sterbenden drangeil ihm entgegen und er sprang aus dem Fenster in den Garten. Die Zahl der Verunglückten wird auf 60 geschätzt, meist sind eS Personen aus der höheren Beamtenwelt f ihre Namen sind zum Teil noch nicht festgestellt, von vielen der Verunglückten sind nur einzelne Körperstllcke aufgefunden worden. Als die erste Aufregung sich gelegt hatte, liefen die Soldaten zu dem Wagen, in dem der Attentäter mit der Bombe angefahren war. Aus dem umgekippten Landauer drang Stöhnen. Man fand drei Menschen darin, von denen zwei bald darauf ihren Geist auf- gaben z der dritte jedoch blieb am Leben und wurde in Haft genommen. Kein Mitleid für Min». Petersburg, 22. August. Die Ermordung des Generals Minn wird von der Gesellschaft mit großer Ruhe aufgenommen, da die von ihm gespielte Rolle ihm nirgendwo Synipathien eingetragen hat. DaS Schicksal der beiden Kinder Stolypins, besonders das seiner in großer Gefahr schwebenden löjährigen Tochter bewegt die Gesellschaft aufs lebhafteste.(.Franks. Ztg.") Ei»«euer Gonvernenr für Warschau? Warschau, 29. August. Wie es heißt, ist General Rennen- kämpf zum Gouverneur von Warschau ernannt worden und soll sich bereits nach Warschau unterwegs befinden. Man befürchtet strenge Repressivmaßregeln.— Gestern lvurde abern,als ein Polizei- kommissar von Revolutionären auf der Straße ermordet. Ob General Renncnkampf sich iin Kriege gegen das russische Bolk mehr auszeichnen wird als im Kriege gegen das Heer Japans? Das Zentralkomitee der russischen Sozialdemokratie über den letzten Massenstreik. Im 5. Brief des Zentralkomitees„An die Parteigenossen" -- diese Briefe müssen jetzt die unterdrückte Parteipresse not- dürftig ersetzen—»vird dasselbe Thema behandelt, worüber einer unserer russischen Korrespondenten im Leitartikel schreibt. Die Aeußerungen der offiziellen Leitung der russischen Sozial- dcmokratie beanspruchen gerade angesichts der Kritik, die ihre letzte Aktion gesunden hat, erhöhtes Interesse. Das Zentral» komitee sagt nun ungefähr folgendes: Nach der Dumaauflösung und dem Erlasse des Wiborger Auf- rufeS fand das Zentralkomitee es für nötig, mit einem General st reik auf die Dumaauflösung zu ant- warten. Seine Gründe waren: 1. Die Dumaauflösung wird in verschiedenen Bevölkerungsschichten und in der Armee Unwillen er- regen; das gibt die besten Chancen dafür. DaS ganze Volk muß jetzt einsehen, daß auf dem Wege zur Erfüllung seiner Wünsche die zarische Regierung steht; die Dumaauflösung hat daS Volk vor die Aufgabe gestellt, die zarische Regierung zu stürzen. S. Eine all- gemeine Bewegung im Augenblick der Dumaauflösung könnte zur siegreichen Revolution werden; eine verspätete Bewegung würde verfehlt sein und besiegt werden. Im Volke herrschte scheinbare Stille; das Zentralkomitee erklärte sie dadurch, daß die Massen teilweise die Tatsachen noch nicht kannte», teilweise auf den Ruf der Organisationsleitungen warteten und daß die revolutionären Elemente des Volkes un- organisierten, spontanen Ausbrüchen abgeneigt seien. Die Vertreter der anderen revolutionären Parteien und Organi- sationen sprachen sich aus der gemeinsamen Beratung gegen den sofortigen Massenstreik aus. Jnfolgedesien gab das Zentralkomitee der rnfstschen sozialdemokratischen Partei eure neue Parole aus: Schleppende Kampfestaktik, Entwich e l u n g der Revolution skr äste in der Gestalt von verschiedenartigen Protesten, Demonstrationen und lokalen Kämpfen. Auf diese Weise würde der Boden für den künftigen Generalstreik vorbereitet werden. Die kurz darauf erfolgenden Ereignisse, die Meutereien, zeigten, daß das ursprüngliche Urteil des Zentralkomitees vollkommen richtig gewesen war. Unter dem Eindruck der Meutereien wurde das Petersburger Komitee mit dem Zentralkomitee über die Notwendigkeit des Streiks einig. Schnelles Handeln tat not. Man mußte sofort die Aufständischen unterstützen. Am selben Tage(1. August) versuchte das Zentralkomitee eine Beratung aller Parteien einzuberufen; auS zufälligen Ursachen war es nicht möglich. Das Zentralkomitee erließ dann allein einen Aufruf an alle Proletarier Rußlands mit der Parole Generalstreik. Das Petersburger Komitee berief auf den 2. August den Petersburger Arbeiterdeputiertonrat ein; aus polizeilichen Ursachen mißlang die Versammlung. Weiteres Zögern war unmöglich; die Arbeiter einiger Fabriten erklärten schon, daß sie für sich allein den Streik beginnen würden. In der folgenden Nacht be- schloffen das Zentralkomitee und die Exckutivkommission des Petersburger Komitees sich an die Rayon-Arbeiterdeputiertenräte zu wenden. Dies geschah am 3. August frühmorgens. Die Rayon-Arb.-Dep.-Räte willigten«in; der Streik begann am 3. August(Freitag). Am 4. August gelang es dem Exekutivkomitee des Arbeiterdeputierten- rates zusammenzukommen; es sanktionierte den Streik und über- nahm die Leitung. Gleichzeitig ivurde mit den anderen Parteien beraten. In der Nacht von, 2. auf 3. August fand die Beratung de? Z. K. mit den Vertretern der Soz. Rev.(Z. K.), des Bundes(Pct. Kom.) der P. P. S.(Polnisch-Sozialdemokratische Partei) radezu vollgepfropft war. wurden gestern und heute im Kantonsrat die drei sozialdemokratischen Interpellationen, diejenige betreffend das Streikpostenverbot und das Verbot der De- monstrationsumzüge behandelt. In einer fast zweistündigen mit großer Aufmerksamkeit ange- hörten Rede begründete sie Genosse Greulich. Den Hintergrund bildeten dabei die 10810 Stimmen, die gestern bei der Ersatz- wähl in das Bezirksgericht Zürich der sozialdemokratische Kandidat Dr. Enderli erhalten hat. Er unterlag zwar dem bürgerlichen Gegenkandidaten, der mit 11 057 Stimmen gewählt ivurde, allein das große Heer sozialdemokratischer Wähler und die relativ geringe Differenz von 800 Stimmen bildet eine sehr abkühlende Douche auf die größenwahnsinnige Reaktion. Greulich gab einleitend eine Darstellung der Ursachen und des Verlaufs des Streiks der Metallarbeiter in der Automobilfabrik von Arbenz u. Cie. in Albisrieden bei Zürich und er verwies gleich auf die gestern im Bezirk Zürich abgegebenen 10 810 sozialdemokrattschen Stimmen, die beweisen, daß alle Maßregeln der Behörden eine Einschüchterung der Arbeiter nicht vermocht haben. Sodann teilte er den Bürgerlichen mit, daß die so viel angefeindete und gehaßte Züricher Arbeiterunion aus 70 Gewerkschaften mis 10 000 und 20 politischen Vereinen mit 2290, zusammen also aus 86 Organisationen mit 13 196 Mitgliedern besteht. Bei der Behandlung des Streikpostenverbots der Regienmg gab Greulich eine treffliche Charakteristik der Streikbrecher, die er mit den militärischen Deserteuren und Verrätern im Kriegsfalle verglich. Das Streikpostenverbot war nur ein Glied in der ganzen Kette von Aktionen der Klassenpolitik der Regie» r u n g, die sich von vornherein zur Sachwaltcrin der Interessen der Unternehmer machte und gegen die Arbeiter Stellung nahm, statt in diesen Kämpfen neutral zu bleiben und über den Parteien zu stehen. Von einem Schutze der Rechte der Streikenden, der Rechte der ehrlichen Arbeitswilligen gegen die schwarze Liste der Bauunternehmer mit 2000 Arbeiternamen durch die Behörden war nirgends die Rede. Bei der Besprechung des eine Verfassungsverletzung invol» vierenden Verbots der Demonstrationsumzüge beleuchtete Greulich die unglaublich perfide Rolle, die dabei in Verhetzung der städtischen und bäuerlichen Bevölkerung gegen die Arbeiter die Presse gespielt hat und er gab einige saubere Mustercheu auS dem „Zürcher Bauer" zum besten, der aus der Staatskasse sub- ventioniert wird. Gegenüber den rohen Ausbrüchen des niedersten blöden Chauvinismus gegen die ausländischen Arbeiter, neben denen gleich die Kriecherei vor den reichen Ausländern steht, erinnerte Greulich daran, daß nicht die Sozialdemokraten es sind, die ausländische Arbeiter und Arbeiterinnen, namentlich italienische, gleich waggonweise importieren, sondern die Unternehmer, und daß übrigens die Schweiz auf den steten Zuzug ausländischer Arbeits« kräfte angewiesen sei. Würden wir einmal dazu gelangen, plan- mäßig und energisch über die Schweiz die S p e r r e zu verhängen und durchzuführen, so würde und müßte eine allgemeine Kalamität eintreten. Greulich verwies noch darauf, daß der Regierung, den Ober- richtern, den BezirkSrichtern, den Pfarrern, den Lehrer» usw. die Be» soldungcn erhöht wurden, daß die Unternehmer die fettesten Profite machen und einsacken und daß das alles in Ordnung befunden werde, aber auf einmal alles empört sei, wenn die Arbeiter ebenfalls Er- höhung ihres Lohneinkommens fordern. Aber mit dem BelagerungS- zustand, das hat schon Cavour gesagt, könne jeder Esel regieren. Greulich schloß unter dem Beifall»nserer Genossen mit den Worten: Noch einige Militäraufgebote und wir haben in der Stadt Zürich die Mehrheit. Machen Sie, was Sie wollen. Die Schand- und Gewalttaten der Regierung zu verteidigen lag den beiden Regierungsräten Nägeli und Stößel ob, aber sie taten die? in unsäglich jämmerlicher Weise, so daß man unwillkürlich an die bekannten Worte Oxensticrnas erinnert wurde:„Mein Sohn, du ahnst nicht, mit wie wenig Weisheit die Welt regiert wird." Nach Herr» Stößel wurden die Demonstrationsumzüge auf Grund des StraßengesetzeS verboten und so nebenbei auch auS„politischen Erwägungen".... Die Interpellation betreffend die Kosakentaten des Militärs vertrat Genosse Dr. F a r b st e i n. Der erste Fall, den er vorbrachte, betraf die änderst schnodderige Behandlung des sozial- demokratischen Stadtrats Walter in Winterthur durch den Infanterie- oberlentnant Schweizer, der damit geendet, daß demselben der Truppen- komniandant Oberleutnant Merkli, Erster Staatsaittvalt des Kantons Zürich, einen„Verweis" erteilte. Der zweite Fall betraf die empörende Mißhandlung von Verhafteten durch Soldaten und Unteroffiziere in der Fabrik Arbenz in Anwesenheit von Offizieren, die sich darüber be- lustigten. Ein bei den Vorgängen anwesender Unteroffizier hatte darüber einen Artikel im„Volksrecht" veröffentlicht. Der dritte Fall betraf die entsetzliche Mißhandlung zweier verhafteter Italiener durch Offiziere mit der Reitpeitsche in der Kaserne. Farbstcin übte an diesen gemeinen und rohen Kosakentaten die schärfste Kritik. Das feien feige Handlungen, die das eidgenössische Wehrkleid schändeten, so daß man den schuldigen Offizieren die Uniform herunter reißen sollte. Ans dem Militärgesetze und der Militärprozeßordnnng wicS er nach, welche schweren Vergehen hier vorliegen und daß die Vorgesetzten verpflichtet waren, sie zur Ahndung zu bringen und nicht die Verbrecher der verdienten Strafe zu entziehen. Sie gehörten vor das Kriegsgericht und er frage daher an. was in dieser Beziehung geschehen ist oder noch ge- schehen soll. Die Antwort gab der Militärdirektor RegierungLrat Bleuler, der sich des langen und breiten über das Militär- aufgebot verbreitete, obschon es Farbstein auS seiner Interpellation ausgeschieden hatte. Der Schutz der Herren Streikbrecher, die starke Inanspruchnahme der Polizisten durch die Streikbewegung, die Furcht vor dem Generalstreik und Unruhen waren die Ursachen, aus denen das Militär aufgeboten und zum Büttel mißbraucht nnd degradiert wurde! Den Streik selbst wollten die guten bürgerlichen Minister natürlich nicht unterdrücken, bewahre! Auf die von Farbstein vor- gebrachten militärischen Exzesse übergehend, erklärte Bleuler, einmal, daß wir in einer aufgeregten Zeit lebten und da einige Püffe begreiflich seien und sodann, daß die Mililärrapporte davon nichts enthalten, ergo, was nicht in den Akten stehe, für ihn auch nicht existiere. Es folgte die Interpellation unseres Genossen Heußer, betreffend die Ausweisungen und die Kosaken taten der kantonalen Polizei. Er beleuchtete besonders eingehend und kritisch die Ausweisung unseres Genossen Hauth, die ein Schlag gegen die gesamte Arbeiterschaft ist. Er fragte sodann direkt den Justiz- direkter Rägeli, ob es wahr sei, daß nach der öffentlichen Erklärung des Journalisten Frei dieser aus Regierungskreisen veranlaßt worden sei, eine öffentliche Bewegung siir die Ausweisung Hauths zu inszenieren. Sodann ging er zu den übrigen 31 Ausweisungen über, wovon viele Familienväter betroffen wurden, die Schweizerinnen zu Frauen haben. 10 nnd 15 Jahre in Zürich wohnten und nun barbarisch und brutal von der Familie gerissen wurden, weil sie wegen irgend einer Lappalie eine Polizcibuße erhielten. Die Kosakentaten stellte er an einem Dutzend bestimmter Fälle dar. wovon der schlimmste der ist, indem ein Polizist auf einen gefesselten Arre- stauten den Hund hetzte, der ihm 5 Bisse beibrachte, die ärztlich festgestellt sind. Er forderte vom Polizeidirektor Nägeli die Säuberung des Polizeikorps von solchen Elementen. Polizeidirektor Nägeli machte sich in seiner geistigen und staatsmännischen Un» zuläuglichkeit die Sache sehr leicht. Gegen unseren Genossen Hauth brachte er einige Schnoddrigkciten vor, wie, er sei dreimal vor- bestraft usw., verschwieg aber, daß es sich dabei nur um Preß- vergehen und Geldbnßen handelte. Man erfuhr auch, daß gegen mehrere Polizisten Untersuchung im Gange sei. Aber zum Schlüsse erklärte er ganz a la Pnttkamer, daß er in einem be- sonderen Tagesbefehl den sauberen Polizisten für ihre Leistungen Dank und Anerkennung aussprechen werde. In einer längeren Rede legte unser Genosse Regie- rungSrat Ernst seinen Standpunkt dar, von dem aus er im Schöße der Regierung das Streilpostenverbot, das Militäraufgebot usw. bekämpft habe. Nachdem noch Regierungspräsident Stößel sein Sprüchlein her- gesagt, wurde die Diskussion auf den 10. September vertagt. Das Eudergebnis wird die rückhaltlose und anerkennende Billigung aller vorgekommenen Gewalttaten durch die kompakte bürgerliche Majo- rität sein, die an den vorgebrachten Schandtaten ihre helle Freude hatte.. �. Deutfehes Reich. Militaristische Bekämpfung der Sozialdemokratie. Seit Monaten ist eine originelle Diskussion unter che- maligen Offizieren und anderen Staatsrettern darüber ent- standen, ob es möglich sei, durch eine Art Politischen In- struktionsunterrichts in der Armee den sozialdemokrati- schen Anschauungen entgegenzutreten. Die Mehrheit der Stimmen ging dahin, daß es eher bedenklich, als erfolgverheißcnd sei, wenn man in der Armee die soziale Frage behandle. Trotz alledem wogt der Streit noch hin und her. So befinden sich wiederum in der letzten Nummer des„Tag" zwei Artikel über dieses Thema, die sich diametral gegenüberstehen. Ein Dr. Brüning, anscheinend Leutnant oder Hauptniann der Reserve, vertritt den Stand- Punkt, daß es durchaus nicht unmöglich sei, den Soldaten klar zu machen, daß die sozialdemokratischen Lehren Irrlehren seien, daß sie jeden Staat zugrunde richten und das Volk in erster Reihe schädigen müßten. Er selbst habe diese Art des politischen Dienstunterrichts praktisch erprobt. Bei seinen Landlvchrübungen habe er über dieses Thema besonders oft gesprochen. Auch habe er jeden Landwehrnmnn„frank und frei" sprechen lassen, und er sei gewiß, daß diese Unterrichtsstunden Nutzen gestiftet hätten. Der Offizier habe aber noch ein besseres Mittel als den Dienstunrerricht zur Hand, um die „sozialdemokratische Hetze" im Heere zu bekämpfen: die Kameradschaftlichkeit. Er brauche bloß den so vcr- derblich törichten Herren st andpunkt aufzugeben und auch im„gemeinen Soldaten" den„Kameraden" zu� sehen, um der Sozialdemokratie nach und nach das Wasser ab- zugraben. Der Auffassung dieses„Reservconkels" mit seinen schlappen Zivilanschauungen von allgemeiner Kameradschaftlichkeit tritt schneidig ein anderer Sachverständiger gegenüber, der erklärt, daß cS selbstverständlich ganz ausgeschlossen sei. daß sozia- listische Fragen etwa während der Unterrichtsstunden in Form einer Diskussion zur Sprache gebracht werden könnten. „In der Armee wird überhaupt nicht diskutiert, sondern nach wohlbedachter Erwägung befohlen, er- läutert und dann gehorcht." An dieser Disziplin könne nicht gerüttelt»verden. denn ein„Paktieren mit den Truppen" kenne die deutsche Disziplin„gottlob" noch nicht und werde es hoffentlich auch nie kennen lernen. ES sei überhaupt ausgeschlossen, in den gewöhnlichen JnstruktionS- stunden an politische Fragen zu rühren. Wohl aber sei es möglich, daß der Chef der Kompagnie jedes nationale Ereignis und jeden Gedenktag dazu benutze, um mit kurzen Worten beim Appell auf die nationale Bedeutung dieser Tage hinzu- weisen. Namentlich sei es aber unerläßlich, daß der Kompagniechef von Zeit zu Zeit„ernsthafte, aufklärende, poli- tische Gespräche" im Kreise seines Unteroffizierkorps anrege. Die Unteroffiziere seien der einzig ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht, und derHauptmann habe das höchsteInter- esse daran, daß seine Unteroffiziere zu einer„gewissen klaren politischen Einsicht" gelangten. Man sieht, dieser Herr setzt keine allzu großen Hoffnungen in die politische Ausklärungsarbeit der Herren Offiziere; höchstens erwartet er von einer politischen Bearbeitung der Unteroffiziere wenigstens die Bewahrung dieses Kernes der Soldateska vor der Infektion mit sozialistischen Ideen. Wie auch das Resultat dieses Meinungsaustausches aus- fallen mag: von einer Bekämpfung des Sozialismus in der Armee durch aktive oder Reserveoffiziere hat die Sozial- demokratie wahrhaftig nichts zu beftirchten. Ani allerwenigsten aber von dem„Geiste der Kameradschaftlichkeit", von dessen ReinMtur ja die zahllosen Militärgerichtsverhandlungen ein so beredtes Zeugnis ablegen!— Herr Spahn über die Kolonialskandale. Nun hat endlich auch ein älterer Zentrumsparlamentarier, der Abgeordnete Spahn, Veranlassung genomnien, sich über die Kolonialskandale zu äußern. Die„Germania" bringt einen längeren Bericht über eine Rede, die Herr Spahn am Sonntag in einer Versammlung des Volksvereins für das katholische Deutschland in Rheinbach gehalten hat. Herr Spahn hat selbstverständlich nicht so kräftige Töne an- geschlagen, wie Herr Erzbergcr. In der Sache selbst freilich hat auch er ein vernichtendes Urteil über unsere Kolonialwirtschaft fällen müssen. Herr Spahn betonte zunächst, daß eS notwendig sei, daß auch für die Kolonien die Vorschriften über die Rechnungslegung zur Durchführung gebracht werden müssen. Die Schwierigkeiten, diese Durchführung zu erreichen, seien bei der mangelhaften Schulung des Personals in den Kolonien nicht gering. Die mangelhafte finanztechnische Durchbildung der Beamten verschulde eS Haupt- sächlich, daß die Lieferungsverträge für die Kolonialtruppen nicht mit der nötigen Umsicht abgeschlossen seien. Der Reichstag müsse das Recht erhalten, eine Kontrolle auch über die kolonialen Finanz- abschlüsse zu führen. Keiner der verantwortlichen Minister dürfe sich der Illusion hingeben, daß sich hinter dem Rücken der Reichstags- mehrheit auf dem Verwaltungswege eine eigene Kolonialpolitik treiben lasse. Mit Recht wendet diesen Ausführungen gegenüber die„Freifinnige Zeitung' ein, daß an der Korruption unserer Kolonialverhältnisse keineswegs nur die mangelnden Abrechnungen der Kolonien die Schuld trügen, sondern daß auch innerhalb der Kolonial- a b t e i l u n g s e l b st die größten Verstöße gegen das Etatsrecht gemacht worden seien. Diese Verstöße können aber keineswegs auf mangelhafte finanztechnische Vorbildung zurückgeführt werden. Herr Spahn verwies dann aus den Unterschied zwischen dem parlamentarischen und dem kon st itution eilen System. Die Erklärung des englischen Ministeriums, es würde zur Bestrafung der Schuldigen in der letzten kolonialen Korruptionsaffäre die nötigen Maßregeln ergreifen, werde vom englischen Volke als ausreichend betrachtet. Die englische Bevölkerung könne nämlich die Zu- verficht hegen, daß dies Versprechen auch e i n g e l ö st werde, weil ein Vertuschungssystem von den Gegnern des Ministeriums zum Sturze desselben fruktifiziert werden könne. Schon im Interesse seiner Selbsterhaltung werde das englische Ministerium also seine Versprechungen halten müffen. Dieser Grund des Ver- trauens fehle in Deutschland! Wir wollen nicht mit Herrn Spahn darüber streiten, ob die englische Bevölkerung tatsächlich Grund zu der Annahme hat, daß der Kolonialkorruption in England ernstlich zn Leibe gegangen werde. Die Kolonialkorruption steckt so sehr im Wesen des Kapi- talismus selbst, daß in diesem Punkte auch die jeweilige Opposition ein oder auch beide Augen zudrückt. Aber sei dem wie ihm wolle: Herr Spahn hat umsoweniger Ursache, sich auf den englischen KonstitutionaliSmuS zu berufen, als ja unser Zentrum nicht einmal den Mut hat, gegen einen Reichskanzler vorzugehen, dem von einem seiner eigenen Abgeordneten Begünstigung des BertuschungssystemS der kolonialen Korruption nachgewiesen worden ist! Das Zentrum könnte selbst bei unseren heutige» absolutistische» Zuständen selbst höchstgestellte Vcrantwort- liche der Kolonialkorruption stürzen, wenn es dadurch nur seine fraktionellen Interessen nicht zn gefährden ftirchtete l— Er soll sich nicht vor den Bauch stoßen lassen! Die„Deutsche Tageszeitung" beschwört ihren Pod, doch ja nicht nachzugeben, sondern seinen Ministerposteu mit aller Energie zu verteidigen. Wer Augen habe zu sehen, müsse wahr- nehmen, daß es sich um eine politische Hetze gegen den Land- wirtschaftsminister handele, zu welcher der Name Tippelskirch nur den Vorwand biete. Die Hetze gegen Podbielski habe drei Ursachen. Erstens sei er der am weitesten rechts st e h e n d e Minister, zweitens verdanke seinen Bemühungen in erster Linie die Land- Wirtschaft den jetzigen Aufschwung und drittens habe man eS Pod verargt, daß er der Presse mit dem bekannten Worte gespottet habe:„Ich pfeife auf die Presse und die so- genannte öffentliche Meinung". Die ganze TippelSkirch-Podbielski-Krise sei durch„Wciberklatsch" entstanden. Es scheine schon jetzt festzustehen, daß es sich„um nichts weiter als ein FreundschaftSdarlehn von einigen Tausend" handele. Die Beteiligung deS Landwirtschaftsministers an dem Tippelskirch- schen Geschäfte sei durchaus ein wandsfrei. Viele Landwirte und Vaterlandsfreunde riefen deshalb ihrem Pod zu: Weiche nicht zurück, sondern setze dich kräftig znr Wehr! Wir haben schon neulich erklärt, daß cS uns ganz recht wäre, wenn die Agrarierinoral schließlich triumphierte nnd Pod auf seinem Platze bliebe. Ein prächtigeres AgitationSmittcl könnte sich die Sozialdemokratie gar nicht wünschen I— Eine Kritik unserer Sozialgesetzgebung. Unsere sozialpolitischen Versicherungsgesetze stellen nicht eine einheitliche Arbeit, nicht das Ergebnis einer ruhigen RcchtSentwicke- lung dar. ES handelt sich vielmehr um Gelege nheitSgesetze, die auf äußere Anregung auS zufälligem Anlaß, jedenfalls ohne vertiefte Durchbildung zustande gekommen sind. Die Materialien dieser Gesetze dürfen daher für ihre Auslegung nicht herangezogen, werden. . Diese mehr als sonderbare Auffassung über unsere soziale Für- sorgegesetzgcbung hat just daS— Berliner Landgericht in einer Eut- scheidung vom L2. März des Jahres Eintausendneun- hundcrtund sechs niedergelegt. Zu dieser salomonischen Ent- scheidung auch nur ein Wort der Kritik zu äußern, würde die Wir- kung derselben auf den Sozialpolitiker nur abschwächen. Judessen glauben wir doch sagen zu sollen, daß der Regierung und dem Reichstag nicht mehr gesagt werden konnte I Natioualliberale Antisemiten. Am Sonntag tagte, wie ein Nachrichtenbureau mitteilt, in Friedbcrg(Oberhcsjen) eine Konferenz, um die Uebcrführung der dreimal wöchentlich erscheinenden antisemitischen„Deutschen Volksmacht", dem Organ der Herren Hirsche! und Köhler, in ein Tageblatt unter Ilmivandlung in eine Aktiengesellschaft zu be- schließen. Die„Deutsche Volksmacht" soll vom 1. Januar 1007 ab täglich erscheinen. Landtagsabgeordncter Hirsche! soll Direktor des Unternehmens werden, zu dessen Fundicrung ein Betrag von 120 000 Mark aufgebracht werden soll. Das Nachrichtcnbureau sagt dann, an dem Kapital fehle es nicht, da schon nanihafte Beträge gezeichnet seien, so 10 000 M. vom Grafen Oriola, 10 000 M. von Lucke-Patershauscn, 10 000 M. vom Frhrn. v. Heyl z u Herrnsheim, 15 000 M. vom Baumaterialienhändler Ullrich- Friedbcrg. An dieser Umformung eines antisemitischen Wochen- blattes in ein Tageblatt ist weiter nichts bemerkenswert, als daß Freiherr b. Heyl und Graf Oriola, die Führer der nationalliberalen Partei in Hessen das Geld dazu geben! Daß zwei Führer der nationalliberalen Partei mit ihrem Geldc das Publikationsorgan einer gegnerischen rechtsstehenden Partei aushalten, ist auf alle Fälle ein interessantes politisches Sittenbild. — Die Umleitung der„Volkswacht" scheint in erster Linie deshalb vorgenommen zu werden, um Herrn Hirsche! eine neue Existenz zu schaffen. Hirschel war in Friedberg bislang Mitdirektor einer landwirtschaftlichen Genossenschaft, in welcher Eigenschaft er sich eine staatsanwaltschaftliche Anklage wegen Unterschlagung zuzog. Die Verhandlungen hierüber schweben noch Hudland. Ungarn. Korruption. Uni die Gesetzwidrigkeiten und Gewalttätigkeiten der Regierung totzuschweigen oder zu beschönigen, wird in Ungarn nach berühmten Mustern die Presse gespickt. Das ist von altersher so Brauch, und auch das jetzige„große Ministerium der nationalen Wiedergeburt" macht hicrvor keine Ausnahme. Gerade diese Rc- gierung hat so viel versprochen und hält so wenig, daß sie große Summen an BestechungS- und Korruptionsgeldern verwenden muß. Dieser Tage konnte das oppositionelle Blatt„Magyar Szo" folgendes berichten: Am 4. August hat der Handelsminister Kossuth mittels Verordnung die Direktion der königlich ungarischen Staatsbahnen angewiesen, dem Preßbureau im Ministcrpräsidium 50 000 Kronen zu zahlen. Die Staatsbahnendirektion hat daraufhin dem Preß- bureau diese Summe übermittelt. Der Veröffentlichung waren ganz genaue Daten und die Aktenzeichen beigefügt, so daß der Dcmentierapparat nicht in Funktion treten konnte. Dagegen er- folgte eine offiziöse Erklärung, die noch mehr bestätigte. Sic bc- sagte, daß„das Handelsministerium und die übrigen Ministerien gezwungen waren, den von der vorigen Regierung erschöpften Dispositionsfonds teilweise zu ersetzen, weil man sowohl in Ungarn wie auch sonst wo ohne Dispositionsfonds nicht regieren könne." Danach hat man also die Mittel zu Bestechungen auch aus anderen Staatskassen entnommen, jedes Ministerium aus den ihm zur Ver- fügung stehenden Nessortkassen. Nun aber bringt der„Magyr Szo" auch noch den Beweis, daß die Behauptung von der Erschöpfung des Dispositionsfonds durch die vorige Negierung erlogen ist.— Frankreich. Der Papst auf dem Kricgspfad. Paris, 28. August.(Eig. Bcr.) Gehorsam ist des Christen Schmuck! Gefügig nehmen die Bischöfe den ordinären Taschenspielerstreich hin, der in der Enzyklika aus einer Zweidrittelmajorität für die Annahme des Trennungsgesetzes eine einmütige Opposition dagegen gemacht hat. Ihre einzige Revanche ist der Verrat des Schwindels an die Oeffentlichkeit und diese Revanche ist in der Tat wirkungsvoll genug. Strenge Ver- schwiegenheit hat Merry del Val der Bischofsversammluug geboten und nun wurden ihre Geheimnisse mit fast protokollarischer Genauig- keit im„TempS" und„Siöcle" enthüllt. Nicht als kniffige, schmieg- sam an der Wahrheit vorübergleitende Diplomatie erscheint nun- mehr die vatikanische Politik, sondern als gemeine Wald- und Wiesen- lüge und ihre ertappten Leiter sind in die unerfreulichste Schulbuben- situation geraten. Eine ärgere Blamage hätte der römischen Kirche nicht zustoßen können, zumal in dem Augenblick, wo sie an die Glanbensinnigkeit und die sittliche Kraft der ihr noch anhängenden Massen appelliert.( Ist nun so viel Licht auf die Politik der Kurie gefallen, so hat es sie doch nicht im geringsten verständlicher gemacht. Bon 74 fran- zösischen Bischöfen haben 48 die Anpassung der Kirche an das Trennungsgesetz für möglich gehalten. Statuten für die Kultus- assoziationcn und für die Departementsverbände sind ausgearbeitet worden, die dem Staatsgesetz wie dem kanonischen Prinzip gleicher- maßen Rechnung tragen. Im Grunde ist das Prinzip, das für die Kirche die Hauptsache bleiben muß, die Autorität der Hierarchie, schon im Artikel IV deS Trennungsgesetzes festgestellt, und ob die Kirchengemeinde nach dem historischen Grundsatz der Stiftung oder mehr nach dem nwdernen des Vereins konstituiert ist. kommt für die Praxis des kirchlichen Lebens daneben nicht mehr viel in Betracht. Und dieser reiflich erwägenden und vorsichtig beschließenden Kirchenversammlung schlägt der vatikanische Politiker geradewegs ins Gesicht. Sie, die sranzöfischen Bischöfe urteilen aus ihrer Kenntnis der religiösen Bedürfnisse des Landes, des GlaubcnSeifers und der politischen Stimmung des Volkes. Worauf hat die Kurie ihre Entscheidung gegründet? Etwa auf die Unvereinbarkeit der staatlichen Einrichtung auf die weltliche Organisation der Kirchengemeinden mit den kanonischen Grundsätzen? Aber diese Einwirkung duldet die Kirche in noch höherem Maße in anderen Staaten. Und Kardinal Ver- m u t e l l i, der doch wohl auch die Autorität der Kirche nicht unter- graben will, hat dieser Tage erklärt, die KultuSassoziationcn seien schließlich annehmbar gewesen, nur die im Gesetz ausgesprochenen finanziellen Beschränkungen hätten die Kirche in eine unwürdige Un- freiheit gebracht. WaS will Rom eigentlich? Seine Politik ist so erstaunlich, daß man versucht wird zu glauben, hier sei nicht Pius X. täppische Bauernhand, sondern die geschulten Finger eines kühnen Jntri- gantentumö im Spiel. Die Ablehnung des Trennungsgesetzes, das bedeutet, daß das kirchliche Leben auf die Basis des allgemeinen Vereinsrechts und der losen Privatvercinigung gestellt werden muß. Das bedeutet aber auch die Schwächung der Weltgeistlichkeit im Verhältnis zur Kongregation, die den größten Teil ihrer Habe im Ausland und durch Stroh- männer auch im Inland in Sicherheit gebracht hat. Wenn die Güter der Kirche den weltlichen Wohlfahrtsinstitutcn zufallen und die Kirchengebände von radikalen Gemeinden gesperrt werden, wenn in ärmeren oder religiös gleichgültigeren Diözeicn die katholischen Religionsvereine in finanzieller Bedürstigkeit bleiben, dann wird der Einfluß der überall eingreifenden und von der Staatsgewalt nicht zu packenden Kongregation im französischen Katholizismus übermächtig werden. i Italien. Eine Reservistenmeuterei. Aus Turin wird vom 29. August gemeldet: Gestern kam es in Castella Monte zu Unruhen der Referviste*, die darüber unzufrieden waren, daß die Behörden die zugesagte Gclduntcrstützung für ihre Familien noch »ich/ ausbezahlt hatten. Die Reservisten meuterten und empfingen die Offiziere, welche sie beruhigen wollten, m i t S t e i n, würfen.—_ Polizistenstrcik Einer Nachricht ans Rom vom 29. August zufolge sind vier Ltzasernen der Munizipalgardc wegen des Ausstandes von drr Garde verlassen. Die Bevöllerung veranstaltete Sympathie» kundgcbungen ru ihren Gunsten und unterstützt sie auch materiell.— Spanien. Neues Aufflammen deS Generalstreiks melden die Telegramme auS Bilbao und S a n t a n d e r. Die Meldungen lauten: Santander, 28. August. Die Ausständigen drangen in die Stadt ein nnd verübten AuSschrcitnngen. Bei einem Zusammenstoß mit der Polizei gaben die Ausständigen Rcvolverschiisse auf die Polizisten av; letztere erwiderten das Feuer. Ein Ausständiger wurde getötet, zwei Ausständige sowie ein Polizist wurden ver- w u n d e t. Die Läden sind geschlossen; die Bevölkerung ist in Auf- regung. Es treffen Verstärkungen ein. Santandcr, 28. August. Die Lage verschärft sich. Alle Werke feiern. Die Bergwerksverwaltungen verlangen die Entsendung von Militär. Aus Camargo kommen beunruhigende Meldungen. Die Ausständigen zerstörten die Grubenbahnen. Ein Dynamitlagcr ist geplündert worden. Eine Eskadron brach in Eilmärschen nach Ca- margo auf. Westindien. Die Revolution auf Kuba. Havanna. Nach einer Meldung vom 29. August hat sich die Lage nicht gebessert. In der Provinz Santa Clara ist es den Rc- gierungstruppen gelungen, die Insurgenten zu zerstreuen.— GewcrkrchaftUcbcs. Polizei und Unternehmertum. Daß die Beziehungen zwischen Polizei und Unternehmer- tum sehr innige sind, ist schon öfter in der Presse nachgewiesen worden. Wo irgend ein Streik einmal dem Profite Abbruch tun könnte, tritt in überraschend kurzer Zeit die Polizei zur Rettung des bedrohten Kapitals in Aktion. Dieser Tage stand der Genosse Schmitt, Gewerkschafts' sekretär in Düsseldorf vor den Schranken des Schöffen- gerichts in Gerresheim unter der Beschuldigung, durch eine solche Behauptung in einer Glasarbeiterversammlung die Polizei beleidigt zu haben. Außerdem war er und der Glasarbeiter Kieleas wegen Beleidigung des Polizei- Wachtmeisters Sattler angeklagt. Heye hatte bekanntlich ganze Trupps russischer Arbeiter angeworben, um billige und— was sehr ins Gewicht fiel— unorganisierte, willige Arbeiter zu haben. Plötzlich erfuhr er durch eine Denunziation, daß von dem Glasarbeiter Kieleas eine starke Agitation für den Verband unter den russischen Arbeitern entfaltet werde und daß diese Agitation von Erfolg begleitet sei. Kieleas mußte zum Betriebsdirektor, der ihm kurz erklärte, daß, wenn er sich nicht ruhig verhalte, er an Rußland ausgeliefert»verde. Und diese Drohung, obgleich Kieleas nur in Rußland gearbeitet hat, aber mecklenburgischer Staatsbürger ist. Einige Stunden nach der„Verwarnung" mußte Kieleas einer Einladung zum Polizeiburcau folgen, wo ihm von dem Polizeiwachtmeister Sattler er- öffnet wurde: wenn er ein Aufwiegler sei, käme er über die Grenze. Als der„Verruchte" sich rechtfertigen wollte, soll der Wachtmeister aufgesprungen sein und ihn in Unteroffiziersmanier bedroht haben. Diesen Zusammenstoß teilte Kieleas dem Genossen Schmitt mit, der denselben dann in dem Vortrag zum Besten gab. Vor Gericht stritt der Wachtmeister ab, sich in der ihm vor- geworfenen Form geäußert zu haben. Ihm habe man mitge- teilt, daß eine starke Agitation unter den Russen entfaltet werde und daß Kieleas die Leute in den Verband zwinge. Aus dem Grunde habe er denselben vorladen lassen, es sei von„eine herunterhauen" gesprocheil worden; aber in einem anderen Sinne. Kieleas behauptete, die Sache habe sich so zugetragen, wie Schmitt sie wiedergegeben Ein russischer Glasarbeiter, der bezeugen sollte, daß er in den Verband„gezwungen" worden sei, erklärte, er sei einer Einladung zum Polizeibureau gefolgt; dort habe ihn der Wachtmeister Sattler� drei- mal schlagen wollen; er sei den Schlägen aber ausgewichen. Die Polizeibeamtcn hätten von ihm ver- laugt, daß er aussagen solle, Kieleas habe ihn in den Verband gezwungen. Um nun Ruhe zu erhalten, habe er dieses auch gesagt. Auch diesen Zeugen stellte der Wacht- Meister als unglaubwürdig hin. Der Verteidiger der An- geklagten sagte der Polizei keine Schmeichelworte. Sie habe sich um die Organisationsverhältnisse der Glasarbeiter nicht zu kümmern; ihr ginge gar nichts an, wer in dem Verband sei und durch wen die Arbeiter hineinkommen.— Das Gericht sprach den Kieleas frei, verurteilte aber den Genossen Schmitt wegen öffentlicher Beleidigung der Polizei zu 50 M. Geldstrafe. Durch die Gerichtsverhandlung wurde das innige Ver- hältnis der Polizei oder einzelner Polizeiorgane zum Unternehmertum wieder drastisch beleuchtet, auch wieder die„zarten" Umgangsformen auf verschiedenen Polizeibureaus enthüllt._ Berlin und Umgegend. Die Ortsverwaltung des MetallarbeitcrverbanbeS ersucht uns um Aufnahme folgender Zeilen: In der Mitteilung von dem Streik der Schreibmaschincnfabrik A. E.-G. ist zu lesen, daß der Streik um eine geringfügige Lohnaufbesserung geführt wird. Das ist nicht der Fall. Der Streik ist ein A b w e h r st r e i k, der wegen der Einführung der schlechten Akkordpreise entstanden ist. Die streikenden Kohlenarbeiter haben neuen Zuzug erhalten, wie in ihrer stark besuchten Versammlung am Mittwochvormittag bekannt gemacht wurde. Am Potsdamer Hafen haben bk Kohlen- arbeiter, die bisher noch arbeiteten, sich den Streikenden angc- schloffen, wie Genosse Werner berichtete, der sie als Mitkämpfer unter dem Beifall der Versammlung begrüßte. Die Firma Grobe in Moabit bot 43 Pf. pro Stunde, aber das Minimum ist 45 Pf., und 18 Mann haben dort die Arbeit niedergelegt. Die Firma „Glückauf", die ihren Arbeitern drohte, daß bis Montag oder Dienstag alle Stellungen besetzt sein würden, sucht jetzt eifrig nach Arbeitern, ebenso sind die Anzeigen von vier anderen Firmen in bürgerlichen Blättern zu finden.— Genosse Werner las der Versammlung die Zuschrift der Eisenbahndircktion an den„Vor- wärts" vor und meinte: Die Direktion entschuldigt die Streik- arbeit, aber man hört deutlich heraus:„Wir haben'S gemacht und wir werden es weiter so machen."— In der letzten Versammlung der Großhändler war die Stimmung sehr schlecht, wie aus guter Quelle verlautete, aber noch immer gibt man sich der Hoffnung hin, daß die Arbeiter jeden„nächsten Tag" doch endlich kommen müßten. Werner machte eindringlich darauf aufmerksam, daß die stärkste Macht der Arbeiter in ihrer Einigkeit besteht. In der Diskussion wiederholten sich die Klagen über Belästi- gungen der Streikposten durch die Polizei. Wo aber die Streikenden mit den Schutzleuten gut auskommen, scheint man an anderer Stelle nicht damit zufrieden sein. So sind in Moabit Schutzleute a u s a n d e r c n R e v i e r en(!) auf bestimmte Posten gestellt worden. Die Arbeitswilligen werden mit rührender Für- srrge umgeben, sie erhalten an manchen Plätzen Bier und Essen und werden zur Arbeit gefahren und abgeholt.— Nach der Versammlung fand eine Vcrtraucnsmännersitzung statt. � / In unserer Nummer vom 24. August berichteten wir irrtümlich: „Der Vorsitzende machte bekannt, daß wieder eine Firma, S ch a ck in Halensee, die Forderungen des Verbandes vollständig bewilligt habe." Hier muß cS heißen, daß eine Einigung stattgefunden hat. und zwar auf folgender Grundlage: zehnstündige Arbeitszeit, Lohn pro Stunde 45 Pf., Ueberstunden 50 Pf. Knycher erhallen 33 M. Wochenlohu, Akkordarbeiten, wenn solche gemacht werden, sollen nach den Platzverhältnissen geregelt werden. Biel Geschrei«nd wenig Wolle. Die angekündigte Aussperrung der Schildermaler kann jetzt schoir als ein Fiasko der Scharfmacher angesehen werden. Von einem Stillstand der Betriebe kann man nicht reden. Bis Mittwoch war, alles in allem genommen, fünfzehn Schildermalern gekündigt, respektive waren diese entlassen worden. Was diese Zahl bedeuten will, erhellt daraus, daß es mehr als 175 organisierte Schildermaler in Berlin gibt. Die Haupt- und Staatsaktion der organisierten Fabrikanten ist also bisher nicht recht geglückt. Ausgesperrt wurden die Gehiilfen in erster Linie bei den Firmen: Schmiedel, T c i ch e r t, Kauf- mann, R o g o s ch, Sentz, R ö n n i n g und Häuser. Die übrigen Firmen machten die Komödie nicht init. Und sollten sie es noch tun, so folgen sie sicherlich nur dem terroristischen Drucke des Herrn Generalsekretärs Nasse und der Unternehnierorganisation, der sie sich durch Konventionalstrafen verpflichtet fühlen. Mancher Unternehmer wird dadurch gegen seinen Willen in schwere gcschästliche Schädigungen gestürzt. Die Aussperrung seitens der Unternehmer erfolgt, um die Orga- nisation der Schildermaler zu vernichten. Es handelt sich nicht darum, irgend welchen unbescheidenen Lohnansprüchen der Arbeiter entgegen zu treten. Von sämtlichen Fabrikanten wurde den Malern bei der Entlassung rcsp. Kündigung gesagt:„Wir zahlen Ihnen den von Ihrer Organisation geforderten Lohn und noch mehr und Sie können zu den Bedingungen des Tarifs bei mir arbeiten, aber treten Sie aus Ihrem Verband aus!" Und weil die Arbeiter ihr Koalitionsrccht nicht verkaufen und weil sie sich nicht rechtlos machen lassen wollen, darum verfolgt, entlaßt man sie, darum versetzt man so und so viele kleine Ge- schäfte in Schwierigkeiten und darum blamieren sich die Herren organisierten Fabrikanten mit ihren Aussperrungsdrohungen, die sie doch nicht wahr machen können. Denn auf der einen Seite sperren einige Unternehmer aus, auf der anderen Seite werden die Alis- gesperrten wieder eingestellt._ Vom Genossen Hanke erhalten wir mehrere Zuschriften, in denen er behauptet, daß die Darstellung der„Vorwärts"-Geschäfts- leitung über die Umstände bei seiner Entlassung unrichtig seien. Demgegenüber bestätigen uns die Genossen Michaelis und I ü n e m a n n als Nächstbcteiligte, daß die Erklärung der Gc- schäftsleitung in der Nummer vom 28. August in jeder Beziehung den Tatsachen entspreche.— Wir begnügen uns mit dieser Fest- stellung, weil weder wir noch unsere Leser ein Interesse daran haben, sich den„Fall Hanke" in endlosen Erklärungen und Gegen- crklärungen durch die Spalten des„Vorwärts" hinziehen zu sehen. Zum Stand des Teppichweberstreikes bei der Firma Protzen in Stralau ist zu berichten, daß die Musterzeichner in genanntem Betriebe von der Firma durch Unterschreiben eines Reverses ge- zwungen werden, Streikarbcit zu verrichten. Die Unterzeichner werden in der Druckerei beschäftigt mit Arbeiten, die sonst von den weiblichen Arbeiterinnen verrichtet wurden. Da die Druckerinnen in voller Zahl sich an diesem Lohnkampf beteiligen, so muß man sich wunden?, daß die Herren Musterzeichner, welche einen besonderen Bildungsgrad zu besitzen glauben, sich zu einer solchen Handlung verleiten ließen. Dieses Mittel wird von der Firma angewendet, um Unfrieden in den Reihen der Ausständigen zu stiften. Diese sind aber fest entschlossen, im Kampfe weiter auszuharren. Veutfcsies Reich. Eine„neue" Enthüllung. .In einer Reihe von Scharfmacherblättern lesen wir: „Aus Anlaß der zahlreich verloren gegangenen Streiks waren die Hauptvorstände der deutschen Zentralverbände der Gewerkschaften nach Berlin berufen, um die Frage zu diskutieren, wie man dem Unternehmertum ein Paroli bieten könne, und ob die bisherige Taktik bei den Streiks richtig wäre, und ob es sich nicht empfehle, einen Generalstreikfonds zu errichten. Es sind wohl sicher 190 Personen gewesen, darunter die beiden Reichs- tagsabgcordneten aus dem Bcrgarbeitcrstand Sachse, Hue, ferner die Reichstagsabgcordncten Rod. Schmidt, Legten usw. Das hochwichtige Protokoll über die Verhandlungen, welche streng vertraulich geführt wurden, ist nun den Anarchisten in die Hände gefallen. Der„Anarchist" wird, wie wir erfahren, dieses Geheimprotokoll als Broschüre veröffentlichen, die Anarchisten erklären, daß sie sich mit dieser Veröffentlichung den Dank der deutschen Arbeiterklasse verdienen und sich in diesem Glauben durch etwaiges Geschwätz der Vcrbandslciter-Prcsse über Verrat nicht beirren lassen werden." Wir können der Scharfmacherpresse zu ihrer Beruhigung mit- teilen, daß es sich bei diesen angeblich„neuen" Enthüllungen um nichts anderes handelt, als um eine andere Stelle des Protokolls, dessen Abschnitt über„Partei und Gewerkschaften" wir veröffent- licht haben. Das wollen wir dabei auch gleich betonen: Wer es fertig bringt, der Oeffentlichkeit und damit dem Unternehmertum Er- örterungen über die Abwehrtaktik der Arbeiterschaft gegenüber den Aussperrungspvatlikcn der Scharfmacher mitzuteilen, der mag sich schütteln, so viel er will, der berechtigte Vorwurf des Vcrrätertums an der Arbeiterbewegung bleibt an ihm hängen! Nicht einmal die Komödie einer Selbsttäuschung über die Wirkung einer solchen Ver- ösfcntlichung würde die Arbeiterschaft von der richtigen Einschätzung einer solchen Perfidie abzubringen vermögen! Die SlMpathiekundgebungen für die streikenden Stettiner Hafen- arbeiter mehren sich mit jedem Tage. So hielten an, Montagabend die Seeleute sowie die in den Hafenbeirieben beschäftigten Arbeiter, Handwerker und die Handels- und Transportarbeiter in Stettin eine stark besuchte Versammlung ab. in der das Verhalten der Reeder von sämtlichen Rednern stark gegeißelt wurde. Zum Schluß gelaugte folgende Resolution zur Annahme: „Die Versammlung verurteilt auf das entschiedenste das Ver- halten der hiesigen Reeder, die die unumschränkten Herren im Hause spielen wollen. Die Anwesenden verpflichten sich, die Hafenarbeiter moralisch und materiell ansS kräftigste zu unter- stützen." Die Streikenden hatten gestern vormittag eine gut besuchte Ver- sammlung, in der berichtet wurde, daß die vorhandenen Streik- brechcr fast durchweg jugendliche Leute seien, die den ge- forderten Aufgaben nicht gelvachsen wären. Von jetzt ab wird eine schärfere zweimalige Kontrollo am Tage angeordnet. Wer sich nicht füge, gehe der Streiknntcrstützung verlustig. Die Leistungen der Streikbrecher seien minimal. Auch die Matrosen der einzelnen Dampfer, die durch die Seemannsordnung zur Arbeit verpflichtet seien, legten sich nicht sonderlich ins Zeug. Die Lage sei also, Ivie Genosse N e d c l ausführte, keineswegs ungünstig für die Streikenden. Große Entrüstung wurde laut, als in der Versammlung bekannt gegeben wurde, daß selb st den sozialdemokratischen Stadtverordneten nur in Begleitung eines Hafenbeamten der Zu- tritt zum Freihafen gestattet werde. Diese Maßregel wird aber in der morgenden Stadtverordneten- Versammlung genügend beleuchtet werden. Namens der Lohnkon, Mission wurde dann noch mitgeteilt, daß Gewerbegerichts- affcssor Laubinger brieflich angefragt habe, ob Verhandlungen vor dem Einignngsamt des Gewerbegerichts erwünscht seien. Die Streikleitung stehe nun auf dem Standpunkte, daß diese Anregung nicht zurückgewiesen werden dürfe. Mau werde aber von vornherein keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, daß solche Ver- Handlungen nur auf der Basis der neuen Forde- r un gen stattfinden könnten. Zu gestern abend waren die Arbeiter der Vororte Stolzenhagen, Gotzlow und Franendorf zu einer öffentlichen Versammlung ein- berufen, um ebenfalls Stellung zu dem Streik zu nehmen. Das Protestschreiben an die Hafendirektion wegen Sperrung de» Freihasens hat folgenden Wortlaut: „Die im Ausstand befindlichen Hafenarbeiter Stettins pro« testieren hiermit ganz entschieden gegen die von der Hafendirettion getroffenen Maßregeln zur Absperrung des Freihafens. Sie ,ehcii in den Maßnahmen der Direktion eine unerhörte Bevorzugung des Schutz- Verbandes der Stettiner Reeder. Makler. Agenten usw. und eine Ver« qewaltigung der Stettiner Hafenarbeiter, denen hierdurch das ihnen durch Gesetz gewährte Recht des Streikpostensteheus und der Be- lehrung der Arbeitswilligen über die ivahre Sachlage genommen ist. Die Arbeitswilligen, mit denen die Stettiner Hafenarbeiter Rück- spräche genommen haben, sind nach ihrer eigenen Aussage alle nur diwä) Lügen nach hier gelockt worden und nach Aufklärung der wahren Tatsachen sosort'wieder nach ihrem Herkunstsorte gerefft. Es steht ja der Direktion vollkommeir frei, für den Schutz der Arbeitswilligen Sorge zu tragen,- aber ohne gegen die den Hafen- arbeiter,, gesetzlich gewährten Rechte zu verstoßen. Die Hafenarbeiter müßten sonst den Schluß ziehe«, daß die Verwaltung des Freihafens eine Klassenverwaltung ist." Achtung! Holzarbeiter! Nachdem der Streik in Lübeck auf. gehoben ist, sind die Streikenden noch ausgesperrt. Die Arbeitgeber wollen den Arbeitern einen Vertrag aufzwingen. welcher ganz wesentliche Verschlechterungen gegenüber den früheren Arbeitsbedingungen aufweist. Zuzug von Tischlern. Drechslern. Maschinen- und H ü l f s a r b e i te r n ist des» halb strengstens fernzuhalten. Ortsverwaltung Lübeck. Ei» partieller Maurcrstreik ist am Dienstag in Jena aus- gebrochen. Am dortigen ll n i V e r s it ä t s„ e n b a n haben über CO Maurer die Arbeit niedergelegt. Der Bewegung schloffen sich auch die b ö b m i s ch e u Vi a u r e r mit ihren Frauen an, während vierzehn Bapern stehen geblieben sind. Das Verhalten der letzteren bildet auch die Ursache des Ausstandes; sie haben mit dem Bau- meister eine» Akkordvertrag abgeschlossen, der die Unzufrieden- heil der übrigen Maurer erregte. Als diese um sofortige Auflösung des Vertrages vorstellig wurden, dieselbe aber erst für den 15. Sep- ten, 6er i» Aussicht gestellt worden war, machten sie von dem Rechte der Arbeitsverweigerung Gebraiich. Das befremdliche an dem Vor- gang ist, daß auch die Bayern organisiert sind; sie mußten auf jeden Fall eine» Weg finde», um sich mit ihren Kollegen zu ver- ständigen. Eine Anzahl der Streikenden ist bereits abgereist. Tie Verkehrsstörung. Der Arbeiter Heid stand gelegentlich des Glasarbeiterstreiks in Fürth früh 5>/z Uhr vor einer Fabrik Posten. Obgleich sich noch kein Mensch auf der Straße befand, war das eine„Verkehrs- st ö r u n g", die mit drei Tagen Haft geahndet werden mußte. Zur selben Zeit standen zwei Schutzleute mit einem Portier mitten auf dem Trottoir— das war natürlich keine Verkehrs- störnng.— Der Arbeiter Schmidt stand an einem anderen Tag früh morgens um 3 Uhr an der nämlichen Stelle. Auf der Straße waren„eben zwei Schutzleuten nur eine Anzahl Katzen zu sehe». Auch dieser Streikende wurde wegen„Verkehrsstörung" zu drei Tagen Haft verurteilt.— Der Arbeiter und Musiker Gräbel passierte au einem anderen Tag ebenfalls nachts 3 Uhr, zu welcher Zeit er vom Musizieren kam, diese gefährliche Stelle. Wiederum eine„Berkchrsstöriing": drei Mark Geldstrafe I— Das bringt Justitia mit verbundenen Augen fertig! Ausland. Braucrciarbeitcr! Achtung! Die Brauereiarveiter Deutschlands werden gebeten, den Zuzug nach dem Großherzogtum Luxemburg fernzuhalten. Die dortigen Brauereiarbeitcr befinden sich im Streik wegen Nichtanerkennung der Organisation. Aufmerksam wollen wir noch macheu darauf, daß die Verhältnisse in Luxemburg sehr schlecht sind. Brauereiarbeitcr I Unterstützt die Luxemburger Kollegen in diesem Kampfe um das Koalitionsrecht l Eingegangene vruckfckritten« Bericht der Zenwalkommission für Bauarbeiterschutz für 1905. 291 Seite», Verlag I. Esstinge in Hamburg. Religionsgeschichtliche Volksbücher. Herausgeber M. Schiele. II. Reihe. 8. Heft. Elias, Jahve und Baal. Von H. G unkel. Preis 50 Pf. Verlag I. C. B. Mohr, Tübingen. 47. Internationaler Kongreft der Grubenarbeiter. Abgehalten in Westminster-London. Verlag T. Ashton Inn., Manchester(England). Letzte Kehrichten und DepcFcbcn, Wahrscheinliches Ende des Leipziger Steinsetzerstreiks. Leipzig, 29. August.(B. H.) Der Streik der gesamten Stein- setzer wird voraussichtlich morgen auf dem Wege gütlicher Ver« gkeichung beendet iverden._ Arbeiterrisiko. Esse», 29. August.dr.v.V-rIaaSantt«ltxaulSinger�Co.,BerlinLW. Hierzu 3Beilaqen».Unterhallu»gS»latt Hr. 201. 28. Jahrgang. t StilW i>ts Jotmätls" Krim KllisMiitl. Dannerstag. 80. AvgnS 1906. Anträge zum sozialdemokratischen Parteitag am 23. September mrd folgende Tage im Apollo-Theater zu Mannheim S. 6, 3. Zur Cagceordnung; 1. Verden, Lüneburg, Friedrich st adt mid Genosse Heltzer in Rixdorf beantragen, auf die Tagesordnung„Die Alkoholfrage" zu fetzen, 2. Wahlverein für den dritten sächsischen Wahlkreis:„Die russische Revolution und die deutsche Arbeiter- bewegung" auf die Tagesordnung zu setzen. Z. Potsdam-Osthavelland:„Partei und Gclvcrk- schaft" auf die Tagesordnung zu setzen. 4. P o t s d a ni- O st h a v e l l a n d: Zu Punkt 4 der TageS- ordnung,„Maifeier", den Genossen B ö n> e l b u r g als zweiten Berichterstatter zu wählen. ö. Dresden, Hanau, M ü h l h a u s e n in Thüringen, Plauen, Nieder-Barnim, Bochum, Breslau und PotSda m- O st Havelland: Zu Punkt S der Tagesordnung einen zweiten Berichterstatter zu stellen. AlS zweiten Berichterstatter entweder den Genossen Legion oder ein anderes Mitglied der Generalkommission der Gewerkschaften zu wählen.® Bericht des parteivorrtandcs. 6. München:„Die Zahl der Mitglieder des Partei- Vorstandes ist um einige Genossen zu vermehren und diese Stellen sind mit hervorragenden Gewerkschaftsführern zu besetzen." 7. Stratzburg(Stadt):„Der Parteitag wolle beschließen: Der Parteivorstand ist zu verstärken.— Um eine dauernde Ver- bindung der gewerkschaftlichen und politischen Organisation zu er- reichen, beschließt der Parteitag: Der Parteivvrstand lvird beauf- tragt, mit der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands über die Bildung eines Aktionsausschusses, zusammengesetzt aus Vertretern der beiden Körperschaften, in Verbindung zu treten»nd das Ergebnis der Verhandlungen dem nächsten Parteitag zu unter- breitem Die Mitglieder eines eventuell zu bildenden AktionS- auSschusses werden vom Parteitag aus dem Parteivorstand gewählt. Der nächste Gewerkschaftskongreß wird ersucht, zu dieser Frage eben- falls Stellung zu nehmen." 8. Magdeburg und Bochum:„Daß der Vorstand um zwei Sekretäre verstärkt wird." S. 11. badischer Reichstags Wahlkreis. Mannheim, Weinheim, Schwetzingen:„Die Zahl der Mitglieder des Partei- Vorstandes so zu vermehren, daß in agitatorischer Hinsicht mehr geschehen kann, als bisher." '10. 1. badischer Wahlkreis:„Der Parteitag möge beschließen, alljährlich Agitationstouren zu veranstalten, bei welchen an jedem Orte, wo ein Lokal aufzutreiben ist, Versammlungen ab- gehalten werden sollen." 11. Teltow- B e e s k o w- Storkow-Charlotten- bürg:(Resolution.)„In Anbetracht, daß der Parteivorstand bisher nichts getan hat. um den Beschluß des Jenaer Parteitages betreffend des Antrages 19 zu verwirklichen, verlangt der Parteitag, daß die von ihm gefaßten Beschlüsse auch durchgeführt werden und fordern nochmals zur regen Agitation gegen den Militarismus im Sinne des Antrage» 19 von 1905 auf." 12. Frankfurt a. M.:„Im Geschäftsbericht des Partei- Vorstandes hat derselbe über die ihm überwiesenen Anträge Bericht zu erstatten, inwieweit Ablehnung oder Durchführbarkeit vor- Händen war." IS. Recklinghausen:„Für sämtliche sozialdemokratische Kreisvereine Deutschlands wird ein einheitliches Mitgliedsbuch an- gefertigt, in dem das Parteiprogramm und daS Organisationsstatnt der Gesamtpartei abgedruckt ist. Die Kreisvereine beziehen das Buch zum Selbstkostenpreise." 14. 3. badischer Reichstags>v ahlkreis:„Die Ein- fiihrung einheitlicher Mitgliedsbücher sowie einheitlicher Beitragsmarken mit Wertangabe nicht unter 2ö Pf. monatlich ist mit 1. Januar 1007 für daS ganze Reich vorzunehmen. Lokal- zuschlage zu erheben bleibt den Mitgliedschaften überlassen." 15. A l t e n b u r g:„Die Mitgliedsbücher der fozialdemo- kratischen Organisationen sind sür ganz Deutschland einheitlich her- zustellen." 10. Bant:„Der Parteitag wolle beschließen, dein Partei- Vorstande aufzugeben, einheitliche Mitgliedsbücher sür ganz Deutsch- land einzurichten und anserligen zu lassen. Dieselben müssen ent- halten: den Vermerk für An- und Abmeldung und Rubriken für Wochenbeiträge sowie daS Parteiprogramm und das OrganisationS- statut." 17. Ruhr ort:„Der Parteitag möge dahin wirken, daß in allernächster Zeit die einzelnen Kreisorganisationen zu einer ge- schlössen en Landesorganisation zentralisiert werden, sowie die Mit- glicdsbllcher einheitlich herauszugeben. Die Beiträge setzt jedoch jeder Kreis für sich fest." 18. Eßlingen:„Der Parteitag möge beschließen, daß für daS ganze Reich ein einheitliches Mitgliedsbuch geschaffen wird, in welchem die Felder zum Einkleben der Beitragsmarken derart gleich- mäßig sind, daß sie für alle Markensysteme benutzt werden können. Des weiteren soll das Mitgliedsbuch nur das Programm der Gesamt- Partei, Geschäftsordnung usw., usw., aber nicht die Satzungen der Parteien der verschiedenen Bundesstaaten enthalten. Zusatzantrag: Der Parteitag inöge sich im Prinzip für die Einführung der Wochenbeitragsmarke an Stelle der verschiedenen BeitrngSsystcme erklären." IS. Bochum: Der Parteivorstand ist verpflichtet, alljährlich NliildestcnS einmal die Vorsitzenden bezw. Parteisekretäre der Proviuzialkomitces nebst den politischen Redakteuren der Partei- presse zu einer Konferenz zusammenzuberufen. Auch bei größeren Aktionen, z. B. WahlrechtSbewegung. ist, um ein einheitliches Vor- gehen zu erzielen, eine derartige Konferenz einzuberufen. 20. Frankfurt a. M.: Der Parteivorstand wird beauftragt, bei besonderen Aktionen und zur Verständigung über innere Organi- sationseinrichlungen die Leiter resp. Geschäftsführer der Bezirks- und Landesorganisationen und je nach Bedarf auch weitere Kreise der Parteifunktionäre zu gemeinsamen Konferenzen zusammen- zuberufen. AlS nächste Aufgaben in organisatorischer Hinsicht betrachtet der Parteitag u. a. die Schaffung einheitlicher Parteilegitimationen für das ganze Reich und einheitlicher Perioden für die Partcibericht- erftatiung aller Organisationskörperschaften. 21. Heidelberg: Die ärmeren Wahlkreise entschieden besser mit Geldmitteln zu unterstützen, um die Agitation nachhaltiger betreiben zu können. 22. R o h r b a ch( P f a l z):„Der Parteitag macht dem Partei- vorstand zur Pflicht, alljährlich ReichStngsabgeorduete zu gewinnen, die nach Schluß des Reichstage? in allen rückständigen ländlichen Wahlkreisen in öffentlichen Volksversammlungen Bericht über die Tätigkeit der sozialdemokratischen Partei im Reichstage zu erstatten haben." 23. R e u st a d t in Holstein:„Der Parteitag möge beschließen: Der Parteivorstand muß alljährlich mindestens einmal auf seine Kosten eine Agitationstonr durch einen ReichStagSabgeord- n e t c n in den schwachen Wahlkreisen vornehmen lassen." 24. 4. sächsischer Reichstags Wahlkreis:„Der Parteitag wolle den Parteivorstand beauftragen, mit der General- kommijsion der Gewerkschaften Deutschands in Verbindung zu treten, daß letztere die Führer der Gewerkschaften veranlaßt, ihre Mit- gliedcr entschiedener auf die politische Organisation und die Partei- presse hinzuweisen." 25. Breslau: Der Parteitag wolle beschließen:„ES ist eine rege Agitation gegen den Militarismus in den breitesten Volks- kreisen zu entfalten. Zu diesem Zwecke hat der(Parteivorstand all- jährlich wie in diesem Jahre zu Zeiten der Rekrutenaushcbung Flug- blältcr herauszugeben. Ebenso haben auch die örtlichen Partei- organisationen durch Volksversammlungen mit entsprechenden Thematas diese Agitation zu betreiben, wobei auch die Arbeiterpresse mit durchgreifenden Artikeln große Dienste erweisen wird." 20. 10. w ü r t t e m b e r g i s ch e r Reichstagslv ahlkreis: Der Parteitag möge beschließen:„Ten Parteivorstand zu beauf- tragen, daS Deutsche Reich in Agitationsbezirke einzuteilen und„je nach Bedürfnis besoldete Agitationsleiter anzustellen." presse. 27. Stuttgart: In Erwägung, daß die Zentralorganisation heute allgemein als die allein zweckmäßige Form der gewerkschaft- lichen Organisation betrachtet werden kann, möge der Parteitag be- schließen, daß die Parteipresse ivedcr Anzeigen noch für den redaktionellen Teil bestiimnte Publikationen der lokalislischcn oder anderen Sondcrorganisatiouen, die nicht der Gcneralkommissiou der Gewerlichasten Deutschlands angeschlossen sind, aufnehmen darf. 28. Tcltoiv-Beeskow- Storkow- Charlotten- bürg: Persönliche Polemiken sind in der Partciprcsse möglichst zu vermeiden. 20. R u h r o r t: Dem Wahlkreise„Duisburg-Mülheim-Obcr- hauseu-Ruhrort" ist eine einmalige Pauschalsumme zum Preßfonds zur Errichtung der eigenen Presse zu bewilligen. .'!0. Lüneburg: Der Parteitag wolle beschließen eine alle 14 Tage erscheinende Zeitschrift für Unterhaltung und Belehrung herauszugeben. Dieselbe darf nicht zu reichlich illustriert sein und nicht über 25 Pf. pro Heft kosten. 31. N i e d e r b a r n i in: Der„Vorwärts" wird den Abonnenten von Groß-Berlin im Wochcnabouncnient für 25 Pf. abgegeben. 32. M ü u ch c n b e r n s d o r s, 3. weimarischer Wahlkreis: Der Parteitag möge beschließen, die Zänkereien innerhalb der Partei, wie sie in letzter Zeit die Zeitungen geführt haben, sind auS der Welt zu schaffen, iveil dieselben den Genossen auf dem Laude zu Mahlzeiten den Kampf erschweren. 33. Wahlkreise Beuthen- Tarnowitz, Kattolvitz- Z a b r z e und G l e i w i tz- L u b l i n i tz: Der Parteitag möge be- schließen in Berücksichtigung der Notwendigkeit, die polnischen Prolc- tarier im obcrschlesischcn Judustriebezirk anö den Netzen des National- poloni-umS zu befreien und für die Sozialdemokratie zu gewinnen, für die Herausgabe der poluisch-sozialislischcn„Gazeta Robotuicza" in Kattolvitz als täglich erscheinendes Blatt die erforderlichen Mittel zu bewilligen. 34. Hanau: 1. Den Parteivorstand zu beauftragen, ein Flugblatt herauszugeben, in ivelchem die Tätigkeit des Reichstages während der letzten Session kritisch beleuchtet lvird. 35. P f u n g st a d t: Die Delegierten zum Parteitag zu be auftragen, auf dem Parteitag zu verlangen, daß die unsrucht baren Zänkereien zwischen den einzelnen Parteiorganen aufhören muffen. 30. lk e t e r s e n: Der Parteitag möge beschließen, daß die in Parteigeschästen hergestellten Drucksachen, namentlich was die„Mar zeitilng" anbetrifft, eine bessere Ausstattung erhalten. 37. Hamburg III.: Die Genossen protestieren gegen die illustrative Mißgestaltung der Festzeituugen 1900 und fordern, daß fortan mehr Sorgfalt nach der künstlerischen Seite hin auf die Her- stellung verwendet lvird. 38. Genosse Strummacher- Essen: Tie sozialdemo- kratische„Partei- Korrespondenz" wird zu einem augemesscuen AboimcmentSpreis durch Vermittelung der Partei- beziehungsweise Kreisorganisation an die Genossen, die ein Interesse daran haben, abgegeben. 30. Heidelberg: Die neu herausgegebene„Partei- korrespondcnz" ist allen OrtSvcreinsvorsitzendcn unentgeltlich zu- zustellen. 40. 3. Hamburger Wahlkreis(Distrikt Eppendorf): Der Parteivorstand wird beauftragt, eine Zeitung sür die Land- arbeiter herauszugeben und alle Monate gratis zu verteilen. 41. Hamburg II: Der Parteitag beauftragt den Partei- vorstand, eine leichtverständlich abgefaßte Broschüre herauszugeben, in welcher in kurzen Zügen auf die Ziele deS Sozialismus solvie auf die Notwendigkeit des politischen Kampfes neben dem gclverk- schaftlichen hingewiesen und zum Eintritt in die sozialdemokratischen Vereine aufgefordert wird. Diese Broschüre ist in einer Massenauflage herzustellen und zum Druckkostenpreis von den Vertrauensleuten der Partei sowohl wie auch der Gewerkschaften zur Agitation sür die Partei zu ver« wenden. 42. C r e f e l d: Eine billige Ausgabe des ParteitagSprotokolleS zu veranlassen, uin dasselbe weiteren GenossenschaftSkreiscn zugäng- lich zu machen. 43. D u r l a ch: Der Parteitag in Mannheim möge beschließen, den Parteivorstand zu ersuchen, erstens die Vollendung des 1395 be- gonneueu WerkeS: Der Sozialismus in Einzeldarstellungen in die Wege zu leiten! zweitens die eventuelle Umarbeitung und Weiter- führung des 1900 erschienenen Reichötagshandbuches von M. Schippe! zu veranlassen. 44. Genossin A l t m a n n- W i l m e r s d o r f: Der Parteitag wolle beschließen: Der sür die Beilage der Arbcitcrinncnzeitung der Partei unpassende, ja unsinnige Titel„Frauen beilage" wird be- seitigt, und wenn dieser betreffende Teil der„Gleichheit" einen be- sonderen Titel führen soll, wird ein sinngemäßer dafür gewählt, etwa derart, daß darin der hauswirtschaftliche Inhalt oder die Hausfrauentätigkeit betont lvird. 45. Esse n. Der Parteitag möge beschließen, alle für die Sozialdemokratie in agitatorischer Beziehung in Betracht kommenden ReichStagSverhandlungen, insbesondere die Verhandlungen über die Arbeiterichutzgcsctzgebung, HandelSvcrtragSpolitik, Heer- und Marine- forderungen nach den stenographischen Berichten in Broschürcnform zum Selbstkostenpreis an die Mitglieder der Partei abzugeben. 40. Teltow-Beeskow- Storkow-Charlotten- b u r g. Der Parteitag möge beschließen: gleich den meisten GeWerk- schaffen den Arbciter-Notizkaleuder für 50 Pf. zum Verkauf zu bringen; ferner in demselben keine Inserate mehr aufzunehmen. OtigKelt des Reichstages. 47. Heidenheim: Die NeichstagSfraktion soll im Reichs- tage einen Antrag einbringen, wonach die Mannschaften des Be- urlaubtenstandes für den Tag der Kontrollversammlung, nachdem sie sicb für den ganzen Tag als Soldat zu betrachten haben, Anspruch auf Löhnung, volle Verpflegung und etwaige Marschkompetenzcn zu beanspruchen haben. 48. Hamburg II: Der Parteitag möge beschließen: Der Parteitag mißbilligt entschieden die schlechte Besetzung der Fraktion anläßlich der Besprechung der Interpellation des„Borussia"-Unglücks im Reichstage, wodurch die erstmalige Besprechung verhindert wurde. Ferner weist der Parteitag auch darauf hin, daß die Anwesenheit der FraktionSmitglicder in vielen Fällen auch bei der Beratung des „Etats des Innern" sehr viel zn wünschen übrig ließ, waS bei der Wichtigkeit dieses Etats für die Arbeiterschaft entschieden zuni Nach- teil ist. 40. Berlin III. Der Parteitag bedauert auf daS lebhafteste die schwache Besetzung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion anläßlich der„Borussia"-J>iterpellation, durch die eine sofortige Be- sprechung unmöglich wurde. Es wird erwartet, daß bei späteren Interpellationen unsere Fraktion so vertreten sein wird, daß ein ähnliches Vorkommnis ausgeschlossen bleibt. 50. 3. Hamburger Wahlkreis(D�jtrikt Hamm). Die Genossen ersuchen den Parteitag, Stellung zn nehmen zu der Teil- »ahme von Mitgliedern der sozialdemokratischen Fraktion an der Wcinprobe im Reichstage. Sie erachten es als nicht der Würde und den Aufgaben unserer Abgeordneten entsprechend, wenn diese sich zu Reklamczwecken mißbrauchen lassen. 51. Genosse Hoch-Hanau. Die NeichstagSfraktion auf- zufordern, ihre Zustimmung zu dem Entwurf gegen die freien Hülfs- kaffen nicht zu geben. jVlavfeier. 52. Bielefeld-Wiedenbrück: Der auf dem Partei- tage in Jena zur Frage der Maifeier beschlossenen Resolution folgendes hinzuzufügen: In Erwägung jedoch, daß im wirtschaftlichen Kampfe die ge- tverkschaftlichen Organisationen die Verantwortung nur allein zn tragen und dafür zu sorgen haben, daß sie stets kampfbereit dem Unternehmertum gegenüber stehen, und der Kampf um die Arbeits- ruhe am 1. Mai wiederum nur durch starke gewerkschaftliche Organi- sationen mit dauerndem Erfolg geführt werden kann, es ferner in der Natur der Sache liegt, daß dieser Kampf leicht zu weiteren Komplikationen mit dem Unternehmertum führen kann, und endlich der Erfolg des Kampfes um die Arbeitsruhe am 1. Mai von der jeweiligen Konjunktur(eines oder mehrerer Berufe, eines Ortes oder ganzer Industriezentren) und der damit verbundenen Schlagfertigkeit der gewerkschaftlichen Organisationen abhängt, erachtet es der Partei- tag als eine Pflicht der gewerkschaftlich organisierten Parteigenossen, sich den von den maßgebenden Instanzen der gewerkschaftlichen Organisationen in bezug auf die Arbeitsruhe am 1. Mai gefaßten Beichlüsseu unterznordne». Ebensowenig wie durch die direkte Aktion ohne entsprechend« Machtstellung deS klassenbewußten Proletariats in der Organisation der Achtstundentag erobert werden kann, ebensowenig ist eS möglich, die Arbeitsruhe am 1. Mai durch planloses Ein- stellen der Arbeit an diesem Tage diese selbst der Verwirklichung näher zn bringen. Wie es eine geschichtliche Tatsache ist,.daß plan- lose Putsche der Unterdrückten nur die Machtposition derselben schwächen und die der Unterdrücker stärken, ebenso kann die plan- lose, die vorhandenen Machtfaktorcn nicht abwägende Einstellung der Arbeit am 1. Mai sehr leicht zur Erschütterung der eroberten Machtstellung deS organisierten Proletariats führen, zum Vorteil der Kapitalistenklasse.' Nur durch tiefgreifende Organisation der Arbeiterklasse und eingehende Schulung derselben im Kampfe ist es möglich, allen politischen wie gewerkschaftlichen Forderungen, und damit auch der Arbeitsruhe am 1. Mai, Geltung zu verschaffen. 53. 17. sächsischer Reich Stags-WahlkreiS.„Der Parteitag wolle beschließen, den Parteivorstand zn beauftragen, sich mit der Geueralkommission der Gewerkschaften in Verbindung zu setzen, um Mittel und Wege zu finden, der Maifeier mehr als bisher den Charakter zu verleihen, der ihrer würdig ist." 54. Teltow- BeeSkow- Storkow- Charlotten- bürg: a> Der Parteitag möge den Parteivorstand beauftragen, sich mit der Generalkommission der Gewerkschaften ins Einvernehmen zu setzen über die Art der Maifeierbcschlüsse, damit Differenzen, wie in diesem Jahre beim Metallarbeiterverband vermieden Iverden, um die Maifeier der Zukunft einheitlicher und machtvoller gestalten zu können. h) Der Parteitag verpflichtet die örtlichen Wahlvereinsvorstände, zwecks Durchführung und Regelung der Arbeitsruhe am 1. Mai mit den örtlichen GewerkschaftSkomnüssionen rechtzeitig in Verbindung zu treten. o) Diejenigen Genossen, welche am 1. Mai trotz eines regcl- recht gefaßten GewerkschaftsbeschlusseS arbeiten, sind auf Antrag aus der Partei auszuschließen. 55. Hanau: Der Parteivorstand wird beauftragt, zwecks Durchführung und Regelung der Arbeitsruhe am 1. Mai mit der Geueralkommission der Gewerkschaften rechtzeitig in Verbindung zu treten. 50. Nieder-Barnim: Die Vcrsanunlung erwartet, daß der Parteitag bei Punkt 4 der Tagesordnung zum Ausdruck bringt, daß die deutsche Sozialdemokratie an der durch den internationalen Arbeitcrkongreß 1889 zu Paris beschlossenen Form der Maifeier festhält und energisch Propaganda für die Maifeier zu machen hat. Ferner soll jeder Parteigenosse verpflichtet sein, solchen Bestrebungen, wie sie in dem Antrage(51 a) deS Genossen Robert Schmidt auf dem Kölner Gewerkschaftskongreß gekennzeichnet sind, auf das entschiedenste entgegenzutreten. ' 57. Stuttgart: Alle redegewandten Parteigenossen haben sich zur Maifeier der Partei und den Gewerkschaften u n e n t g e l t- lich zur Verfügung zu stellen. j�alTeitftreiK. 58. Teltow- BeeSkow- Storkow- Charlotten- bürg: a) Der Parteitag erkennt an, daß eine zunehmende Verschärfung der Gegensätze zwischen Bourgeoisie und Proletariat besteht und daß es mehr dem» je der Mittel bedarf, um den Klassenkamps zu führen. Eines der lvichtigstcn Mittel ist die Waffe des politischen Massen- streiks. Dieses Kampsmittel zu einem wirksamen zu gestalten, muß Aufgabe der politischen und getverkschaftlichen Organisation sein. Mit Rücksicht darauf, daß eine große und gut disziplinierte Organi- satio» erste Vorbedingung für das Gelingen des politischen Massen- streiks ist, wird es allen Parteigenossen zur Pflicht gemacht, sür Partei und Gewerkschaft unablässig zu agitieren. Der Parteitag wolle dahin wirken, die Meinungsdifferenz zwischen Partei und Gewerkschaften zu klären, um gemeinsam de» Kampf gegen politische Unterdrückung und ökonomische Ausbeutung zu führen. DaS Proletariat betrachtet den politischen Massenstreik als eine Waffe, die die Arbeiterschaft ihrem Ziele, die Eroberung der politischen Macht, als Hebel zur Umgestaltung der kapitalistischen in eine sozialistische Gesellschaft näher bringen kann. d) Der Parteivorstand möge die Verhandlungen des Mann- heimer Parteitages über die Fragen„Massenstreik" und„Partei und Gewerkschaften" als Agitationsbroschüre zum Massenvertrieb heraus- geben. 50. Nieder-Barnim: a) 1. Angesichts der verunglückten WahlrcchtSaktion des letzten Winters fordert der Parteitag den Parteivorstand auf. außergewöhn- liche Aktionen, die über den Rahmen der gewöhnlichen Agitation hinausgehen, in Zukunft nur dann zu beginnen, wenn er sich vorher entschloffen hat, sie gegebenenfalls auch mit den stärksten Mitteln (Demonstrationen. Massenstreiks usw.) durchzuführen. 2. Der Parteitag nimmt Kenntnis von der Zusage der General- kommission der Gewerkschaften, daß sie im Falle eines Massenstreiks der Bewegung nicht hindernd in den Weg treten und sich an der Unterstützung der eventuell Gemaßregeltcn nach Kräften beteiligen wird. Er erwartet daraufhin, daß der Parteivorstand in Zeiten großer politischer Erregung ohne weiteres die Initiative zur Anwendung auch der stärksten Kampfmittel ergreift und die natürliche Er- regung der Massen planmäßig und mit Bewußtsein auf dieses Ziel hinleitct. d) Der Parteitag möge beschließen, in ganz Deutschland eine Agitationsbroschllre, welche den politischen Massenstreik behandelt und zum Beitritt in die politische Organisation auffordert, heraus- zugeben. Dieselbe soll in Werlstellen, Fabriken und auf den Bauplätzen zur Verbreitung gelangen. vtt. Hamburg!!: In Sachen des politischen Massenstreiks stehen wir unenttvegt auf dein Boden der auf dem Jenaer Parteitag gefaßten Resolution. Wir protestieren darum auf das entschiedenste gegen jeden Versuch, die Jenaer Beschlüsse in sophistischer Weise zu deuteln, wie dies in einer gemeinsamen Sitzung des Pnrteivorstandes mit der Generalkommission geschehen ist. Die' in dieser Angelegen- heit abgegebenen Erklärungen der betreffenden genügen uns in keiner Weise, sie liefern vielmehr den Beweis, daß derartige Verhandlungen resp. Abmachungen zwischen diesen beiden Körperschaften sehr leicht dazu führen können, die Geschlossenheit und Aktionsfähigkeit der Arbeiterbewegung zu stören und zu schwächen, sowie Mißtrauen und Verwirrung in die Reihen der Arbeiter zu tragen. Wir stellen darum den Antrag, der Parteitag wolle beschließen: Alle Fragen, den politischen Massenstreik betreffend, gleichviel ob prinzipieller oder taktischer Natur, sind in voller Oeffcntl'ichkeit zu erledigen. B e r l i Ii VI: a) Die Generalversammlung des Wahl- Vereins steht nach wie vor bezüglich des politischen Massenstreiks an dem Standpunkt der Resolution von Jena. Die Versammlung er- wartet, daß der Parteitag in Mannheim an den grundlegenden Fragen der Bebelschen Resolution festhält, und erwartet von allen Parteigenossen, insbesondere von denen, welche ein Reichstagsmandat innehaben, daß die Beschlüsse der Parteitage in jeder Beziehung als maßgebend betrachtet werden. Die Versammlung ist ferner der An- ficht, daß die Vorbedingungen für den Erfolg des politischen Massen- streiks durch festgefügte politische wie gewerkschaftliche Organisationen gegeben sind, und sind dieselben von jedem Parteigenossen zu fördern, gleichfalls ist jeder Zersplitterungsversuch, von welcher Seile er kommen möge, energisch zu bekämpfen. K) Die Versammlung beauftragt ihre Delegierten zum Mann- helmer Parteitag, folgenden Antrag zu vertreten: Die Veröffent- lichung des Protokolls der Gewerkschaftskonfcrenz hat aufs neue bc- wiesen, daß zwischen den politischen und gewerkschaftlichen Organi- sationsinstanzen der Arbeiterschaft bedauerliche Unstimmigkeiten vorherrschen. Um diesen Unstimmigkeiten in Zukunft nach Möglich- keit vorzubeugen und um auch nach außen hin die Einigkeit der beiden Instanzen zum Ausdruck zu bringen, wolle der Parteitag den Parteivorstand beauftragen, sich mit der Generalkommissiou der Ge- tverkschastcn dahin zu verständigen, daß sämtlichen Beratungen des PartcivorstandeS Delegierte der Generalkommisston und umgekehrt den Beratungen der Generalkoinmission Delegierte des Partei- Vorstandes beizuwohnen haben. Straßburg- Stadt: Die heutige Versammlung des sozialdemokratischen BezirkSvereius Straßburg sKreisfiliale Straß- burg-Stadt) ist der Meinung, daß sicki die politischen und Wirtschaft- lichen Gegensätze zwischen Bourgeoisie und Proletariat seit dem Parteitage in Jena in keiner Weise gemildert haben; sie hält im Gegenteil dafür, daß die Kämpfe zwischen der ausbeutenden und der ausgebeuteten Klasse sich von Tag zu Tag schärfer gestalten und daß die Reaktion auf allen Gebieten kühner denn je ihr Haupt erhebt. Deshalb erklärt auch die Versammlung, daß keinerlei Ver- anlassung besteht, auf das von dem Jenaer Parteitag in das Arsenal proletarischer Waffen aufgenommene Kampfmittel des politischen Massenstreiks zu verzichten, sondern daß es im Gegenteil dringende Ausgabe der Parteileitung ist, im Einvernehmen mit der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands die Durchführ- barkeit des politischen Massenstreiks durch rege und energische Propa- gierung desselben nach Kräften vorzubereiten. ti.'t. Elberfeld-Barmen:„Die Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins Elberfeld-Barmen hat aus dem Protokoll über die Verhandlungen der Zcntralvorstände nicht die Erkenntnis gewonnen, daß Bebel beziv. der Parteivorstand in der gemeinschaftlichen Sitzung zwischen Parteivorstand und Gencral- kommission, in welcher die Frage des politischen Massenstreiks er- örtert wurde, sich in Widerspruch zu dem diesbezüglichen Beschluß des Jenaer Parteitages gesetzt habe. Die Versammlung ist der Meinung, daß die gegenteilige Ansicht auf eine irrtümliche Auf- fassnug der Generalkommission zurückzuführen ist, die ihrerseits wohl ihre Erklärung in den verschiedenen Standpunkten über die Möglich- keit und Zweckmäßigkeit des politischen Massenstreiks findet. Die Versammlung erklärt, an der Jenaer Resolution festhalten zu Ivollen." K4. Mülhausen i. E.:„Angesichts der trotz aller Ab- leugnungen auf eine bewaffnete Einmischung Prcutzen-Deutschlands in den belvunderungSwürdigen Befreiungskampf des russischen Volkes gerichteten Hetze der preußischen Jnnkerpresse— einer Hetze, die bei den gewohnheitsgemäßen Plötzlichkeiten und Unbesonnenheiten deS Zickzackkurses ernste Gefahren in sich schließt— erklärt der Parteitag: Es ist die dringende Aufgabe der Parteileitung, im Einvernehmen und zusammenwirkend mit der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands die Durchführbarkeit des allgemeinen Massenstreiks ins Auge zu fassen und vorzubereiten." K5. Fünfter sächsischer ReichstagSwahlkreiS. „Die Ereignisse des letzten Frühjahrs haben in eindringlichster Weise die Notwendigkeit erwiesen, daß die Arbeiterklasse alle Vorbereitungen trifft, um das in Jena zum Beschluß gehobene KampfeSmittel der umfassendsten Massenarbeitseinstellung wirklich zur Anwendung bringen zu können. Da eine Masscnarbeitseinstellung aber nur durch gemeinsame Vorbereitungen und gemeinsame Beschlüsse der Partei- und Gewerkschaftsinstanzen möglich ist, so wird der Parteivorstand ersucht, mit der Generalkommission der Gewerkschaften zur Beratung dieser Frage wie auch aller anderen beide Zweige der Arbeiter- bewegimg berührenden Fragen in regelmäßige und dauernde Fühlung- nähme zu treten." LS. 4. sächsischer ReichstagSwahlkreiS:„Die heutige Parteiversammlung steht nach tvie vor auf deick Standpunkt, daß die Propagierung deS Massenstreiks eine unbedingte Notwendig- keit ist. Angesichts der Tatsache, daß gegenwärtig der Versuch ge- macht wird, die Idee des Massenstreiks illusorisch zu macheu, hält es die Versammlung für ihre Pflicht, nur solche Genossen zum Parteitag zu delegieren, die sich unbedingt auf den Boden der Massenstreilidce stellen." G7. 8. it. 10. schlestvig-hol st ei nischer Wahlkreis: „Der sozialdemokratische Verein von Altona steht auf dem Boden der Jenaer Resolution und ersucht den Parteitag in Mannheim, in der Frage des politischen Mafsenstreiks eine ganz präzise Stellung einzunehmen, um den falschen Auslegungen der Jenaer Resolution vorzubeugen." <»8. Berlin V: Die Generalversammlung des sozialdemo- kratischen Vereins im sünften Berliner ReichStagswahlkreise erachtet eS infolge der widerspruchsvollen Auslegung der Jenaer Resolution zum politischen Massenstreik durch die Vertreter der Partei einerseits und eines großen Teiles der Gewerkschaftsführer andererseits für notwendig und zweckdienlich, die Frage des Massenstreiks auf dem Parteitage nochmals zur Beratung kommen zu lassen und bei dieser Gelegenheit das Verhältnis zwischen Partei und Getvcrkschaften einer eingehenden Erörterung zu unterziehen. Die Versammlung ist der Meinung, daß in dieser wie in allen anderen Fragen der Arbeiterbeivegung das engste und einheitlichste Zusammenarbeiten der beiden mächtigsten Zweige der Arbeiter- bcwegung notwendig ist. So ivie in der Jenaer Resolution zum politischen Maffenstreik jeder Parteigenosse verpflichtet wird, sobald für seinen Beruf eine gewerkschaftliche Organisation besteht, derselben beizutreten, oder zu helfen eine solche ins Leben zu rufen, erachtet es die Generalver- sammlung für oie Pflicht eines jeden Gewerkschaftsgenossen, für die Ausbreitung der politischen Organisationen der Sozialdemokratie gleichermaßen Sorge zu tragen. Sie bezeichnet ausdrücklich im Interesse gegenseitiger, schnellerer und besserer Verständigung sowie größerer Schlagfertigkeit bei ge- meinsamcn Aktionen jede Zersplitterung der Gelverkschaftsbetvegiuig als für die Arbeiterschaft durchaus schädlich und erklärt insbesondere den in Berlin»och vorhandenen lokalistischen Gewerkschaften gegen- über die Notwendigkeit der einheitlichen zentralistischen OrganisationS- rm. In Erwägung aber, daß der Befreiungskampf der Arbeiterklasse notwendig ein politischer ist, der gewerkschaftliche Kampf ihn wohl begleitet und unterstützt, nicht aber die Endziele der Sozialdemo- kratic, die Vergesellschaftung der Produktionsmittel, herbeiführen kann, betrachtet die Versammlung einzig die Parteitage der sozial- demokratischen Partei, der politischen Vertreterin der deutschen Arbeiterschaft, als ausschlaggebende Instanz für jeden sich zur Partei Zählenden. Sie verpflichtet jeden Parteigenossen, diesen Be- schlüffen jederzeit und in jeder Situation Folge zu leisten und weitere Geltung zu verschaffen. Die Versammlung erklärt sich mit der Veröffentlichung des Protokolls der Gciverkschnftsvorständckonferenz durchaus ein- verstanden, Ivcil nur hierdurch eine aufklärende und durch keinerlei Mißtrauen vergiftete Diskussion ermöglicht wurde. Ferner erwartet die Versammlung vom Parteitage, daß er Mittel und Wege finde, um durch engeres Zusammenwirken der leitenden Partei- und Ge- werkschaftSinstauzen ein gedeihlicheres, die Gesamtinteressen der Arbeiterbewegung mehr förderndes Verhältnis herbeizuführen. Der ö. Berliner Wahlkreis ersucht den Mannheimer Parteitag. den Parteivorstand zu beauftragen, eine leicht verständliche Broschüre herauszugeben, die den Zweck hat, die Arbeiterklasse über die Be- dcutung des Massen- resp. Generalstreiks aufzuklären und die ge- eignet erscheint, unter Hinweis auf die durch den Materialismus er- zeugte Energielosigkeit der Masse die Arbeiterklasse dem Idealismus zuzuführen und zu cnergievollcn Klassenkäinpfcrn zu erziehen. Die Broschüre muß zur Verbreitung allen politischen und gcwerkschaft- lichen Organisationen unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. 69. 3. Hamburger Wahlkreis jDistrikt Hamm): Es darf nicht gestattet werde», daß Genossen die Beschlüsse deS Jenaer Parteitages„politischer Massenstreik" betreffend, umgehen, indem dieselben sich nach den entgegengesetzten Beschlüssen deS Kölner Kongresses richten. 70. 3. Hamburger Wahlkreis(Distrikt Hohenfelde); In Sachen des politischen Massenstreiks stehen wir unentwegt auf dem Boden der auf dem Jenaer Parteitage gefaßten Resolution. Wir protestieren darum auf das entschiedenste gegen jeden Versuch, die Jenaer Beschlüsse zu deuteln, tvie dies in einer Sitzung des ParteivorstaudeS und der Gcneralkonmnssion geschehen ist. Die in dieser Angelegenheit abgegebenen Erklärungen genügen unS in keiner Weise, da derartige Verhandlungen und Abmachungen sehr leicht dazu beitragen können, die Geschlossenheit und Aktionsfähigkeit der Arbeiterbeivegung zu hemmen und abzuschwächen sowie Mißtrauen in die Reihen der Arbeiter zu tragen. Wir stellen daher den Antrag, der Parteitag wolle beschließen: Alle den politischen Massenstreik betreffenden Fragen, gleichviel ob prinzipieller oder taktischer Natur, sind in voller Oeffentlichkeit zu erledigen. 7ll. Hamm-Soest: Die Generalversammlung des sozial- demokratischen Vereins für den ReichstagSwahlkreiS H a m m- S o e st erkennt die Gründe, die den Zcntralvorstand zu seinem Verhalten gegenüber der Jenaer Masscnstrcikresolulion geführt haben, an und billigt sie, fordert aber für die Zukunft ein strenges Festhalten an dieser Resolution und verlangt vom Parteivorstand, den politischen Massenstreik in Zukunft in der Presse und in Versamnilungen als Mittel zur Erlangung der politischen Macht durch das Proletariat zu propagieren; desgleichen den Kreiswahlvereinen die Pflicht auf- znerlegen, in den Versainmlungen den politischen Massenstreik zu diskutieren. Sosialäemokratle uncl Volkser-iebung. 72. Genosse Hoch- Hanau: Zu den Leitsätzen über: Volkserziehung, und Sozialdemokratie: I. Unter Ziffer 1 im Absatz 3 den zweiten Satz dahin zu ändern: Eine planmäßige Hebung der Volksschule scheitert, obwohl sie im Interesse der sozialen Entwickelung liegt, zunächst daran, daß die Arbeiterkinder in einem Maße, daS mit den Rücksichten auf die Volkserziehung nicht zu vereinbaren ist, zur ErwcrbSarbeit heran- gezogen werden. Außerdem fehlen der herrschenden Klasse infolge der stetig wachsenden Ausgaben für Militär, Marine und Kolonial- Politik die nötigen Geldmittel zur planmäßigen Hebung der Volks- schule. II. Unter Ziffer 1 im Absatz 3 den letzten Satz zu streichen. Hl. Unter Ziffer 3 dem Absatz 2 zuzufügen: unter Heranziehung des Reiche? zur Deckung der Kosten. IV. Unter Ziffer 3 zwischen Absatz 5 und 6 folgenden Absatz einzuschalten: Verbot jeder ErwcrbSarbeit schulpflichtiger.Kinder, Kontrolle und Einschränkung der Kinderarbeit im Haushalte der Eltern unter Mitwirkung der Schule. V. Unter Ziffer 3 zwischen Absatz 0 und 7 folgenden Absatz einzuschalten: Aufsicht der Fortbildungsschule über die Beschäftigung der Schüler in den Fabriken, Werkstätten usw., Pflicht der Arbeit- gebcr, der Fortbildungsschule die verlangten Mitteilungen über die Beschäftigung der Arbeiter unter 13 Jahren zu machen. Einspruchs- recht der Fortbildungsschule gegen eine solche Beschäftigung der jungen Arbeiter, welche deren Forlschritte in ihrer Ausbildung nicht entspricht. Recht der Eltern zur sofortigen Auflösung des Arbeits- Verhältnisses in dem Fall, daß der Arbeitgeber nicht sofort auf An- Weisung der Fortbildungsschule den jungen Arbeiter so beschäftigt, wie es mit Rücksicht auf seine Ausbildung notwendig ist. VI. Unter Ziffer 3 nach dem vierten Satze einzuschalten: Dieser Aufforderung werden die Eltern um so besser nachkommen können, e. günstigere Arbeits- und Lebensverhältnisse sich die Arbeiter dank zer Erstarkung ihrer gewerkschaftlichen und politischen Organisation erringen, je weniger sie auf das Mitvcrdiencn ihrer Kinder an- gewiesen sind, je gründlicher sie ihre eigene Ausbildung betreiben, je mehr Zeit ihnen für die Erziehung ihrer Kinder bleibt. 73. Hannover-Stadt: In Erwägung, daß mit dem Wachstum der Partei die theoretische Ausbildung der Parteigenossen nicht gleichen Schritt gehalten hat, dem Bildungsbedürfnis der Partei- genossen aber mehr entgegengekommen werden muß, beschließt der Parteitag: 1. Den Landes- und Provinzialorganisationen ist zu empfehlen, zur Ausbildung von Agitatoren Ilnterrichtskurse einzurichten, welche zugleich als Vorschule zu der vom Parteivorstand zu errichtenden Bildungsschule zu gelten haben. 2. Den örtlichen Organisationen ist zu empfehlen, mehr wie bis- her für das elementare Wissen der Genoffcn Sorge zu tragen. 74. Brandenburg a. H.: Der Parteitag beauftragt den auf Grund der Leitsätze zum Thema:„Volkserziehung und Sozial- dcmokratie" eventuell zu wählenden BildungsauSschuß mit der Zu- ammenstellung eines Verzeichnisses guter I u g c n d s ch r i f t e n. Der BildungsauSschuß hat die Grundsätze, die für seine literarische, künstlerische und wissenschaftliche Wertung von Büchern usw. besonders :ür die Jugend maßgebend sein sollen, möglichst bald zu formulieren und in der Partcipressc zur Diskussion zu stellen. DaS Verzeichnis ist, mit einer entsprechenden kurzen Einleitung versehen, im Partei- Verlag herauszugeben. Den Partciblältern wird zur Pflicht gemacht, dieses Jugendschriftenverzeichnis, das fortlaufend zu erweitern ist, ihren Abonnenten alljährlich im Oktober als Beilage zu liefern. 75. Frankfurt a. M.: Der Parteivorstand wird beauftragt, der Vereinheitlichung und Vertiefung der Erziehungs- und BildungS- bestrebungcn praktisch näher zu treten unter besonderer Be- rücksichtigung folgender Einzelfragen: Kinder- und Jugendliteratur, Jngcndorganisationen, Jngcndorgan, Orts- und BczirksbildungS- auSschüsse, Zentral- BildungsauSschuß, ArbeitcrbildmigSschulcn, Zentralbildungsschule. 76. Necklinghausen. Die Partei richtet mehr als bis- her ihr Augenmerk auf die Jugenderziehung. Dort, Ivo es irgend möglich ist. sind Jugendorganisationen zu errichten. Letztere sollen bemüht sein, auf allen Gebieten des Wissens nachzuholen, was die Volksschule vernachlässigt hat, und die Jugend mit sozialistischem Geiste zu erfüllen. 77. P f u n g st a d t. Die Delegierten zu beauftragen, die Frage der Jugendorganisation in Anregung zu bringen. '78. Breslau. In der Erwägung, daß die herrschenden Klassen mehr wie bisher darangehen, den Schulunterricht für die Kinder des arbeitenden Volkes derartig zu beeinflussen(preußisches Volksschulunterhaltungs- Gesetz), daß die Folgen nur eine geistige Knechtschaft für das Proletariat bedeuten können, beschließt der Parteitag: Es ist jedes überzeugten Parteigenossen Pflicht, aus der Landeskirche auszuscheiden und im weiteren zu verhindern, daß seine Kinder irgendwelchen dogmatischen Religionsunterricht er- halten. 79. Teltow-BeeSkow-Storkow-Charlotten- bürg:. a) Der Parteitag möge beschließen: Nach dem Attentat auf die Volksschule ist es Pflicht der Sozialdemokratie geworden, ihrerseits eine Volkserziehung auf Grundlage der Naturwissenschaften in die Wege zu leiten, um den Massen den Erwerb einer geklärten Welt- anschauung zu ermöglichen. Die Organisation dieses Unterrichts hat auf einheitlicher Grundlage für ganz Deutschland von der Partei als solcher zu geschehen. b) Zwecks Propaganda unter der proletarischen Jugend ist der Parteivorstand zu beauftragen, die Jugendbeilage der„Gleichheit" sämtlichen Parteiblättern beizugeben und sie nach Bedarf zu er- weitern. o) Resolution: Der Parteitag begrüßt mit Freuden die aus der Jugend selbst herausgewachsenen Bestrebungen, die proletarische Jugend in einer Organisation zusaninicnzuschließen, tvclche geeignet ist, die wirtschaftliche Lage der Arbeiterjugend zu heben, das Solidaritätsgesühl in den jungen Herzen zu wecken, die geistige Weiterbildung zu fördern. Er betrachtet die freie Jugendorganisation als Glied der moderne» Arbeiterbewegung, welches die weitgehendste Unterstützung der erwachsenen Arbeiter fordert. Der Parteitag sagt aus diesem Grunde derselben seine vollste moralische und materielle Unterstützung zu. 80. Stuttgart: Der Parteitag verpflichtet die Kreis- organisationen, soweit eS im Rahmen der Landesgesetzgebung möglich ist, durch Gründung v o n I u g e n d- organisationen für Schutz und Aufklärung der aippeitenden Jugend zu sorgen. 8!. Berlin V.: a) Dem Parteitag folgende Resolution zu unterbreiten: Der Parteitag begrüßt mit Freuden die aus der Jugend heraus ge- wachsenen Bestrebungen, die darauf hinausgehen, die Arbeiter- jugend, ohne Unterschied deS Geschlechts, in Organisationen zu- sammenzufassen, die die wirtschaftlichen Interessen der Jugend wahrnehinen, daS Solidarität-gefühl in den jungen Herzen wecken und stärken und die Aufklärung im Sinne der modernen Arbeiterbewegung betreiben. Der Parteitag sagt den Bestrebungen der Jugend in jeder Beziehung seine vollste Unterstützung zu. b) Die Generalversainmlung beauftragt die Delegierten zum Mannheimer Parteitag beim Punkt 7 der Tagesordnung:„Sozial- dcmokratie und Volksbildung" ihre Stimme in Einklangs mit den bereits veröffentlichten ResolutionSgrundlagen der Genoffen Zetkin und Schulz abzugeben. 8S. Meißen: Der Parteitag wolle beschließen, der Partei- vorstand wird beauftragt, eine Jugendschrift herauszugeben, welche den zu Ostern aus der Schule entlassenen Kindern von den Partei- organisationcn unentgeltlich überreicht werden kann. 83. Elberfeld-Barmen:„Die Buchhandlung Vorwärts wird beauftragt, recht bald eine wöchentlich erscheinende Jugend- zeitung ins Leben zu rufen. Dieselbe soll zum denkbar billigsten Preise abgegeben werden." 84. Pirna: Der Parteitag wolle beschließen, der Partei- vorstand wird beauftragt, eine Jugendschrist hcrauszugeben. welche den zu Ostern aus der Schule entlassenen Kindern unentgeltlich überreicht werden kann. 83. Jena: In Erwägung, daß die Gesetze und Verhältnisse der einzelnen Bundesstaaten verschiedenartig sind und diese Ver- schicdenartigkeit der Gesetze bei der Agitation berücksichtigt werden muß, beschließt der Parrcitag: Den Landes- und Provinzial- organisationen ist zu empfehlen, zur Ausbildung von Agitatoren Unterrichtskurse einzurichten, welche zugleich als Vorschule zu der vom Parteivorstand zu errichtenden BildungSschule zu gelten haben. Sonstige Bnträgc, Organisation. 86. Berlin VI: § 15 Absatz 1 erster Satz folgende Fassung:„Die Delegierte» der Partei aus den einzelnen Wahlkreisen nnt der Maßgabe, daß bis zu 1000 Mitgliedern der Kreis durch zwei, auf je weitere 3000 Mitglieder einen Delegierten mehr vertreten sein darf." 87. Teltow- Becskow- Storkow- Charlotten« bürg: § 27 des Organisationsstatuts folgenden Absatz hinziizufügen: „Den Wahlvereinen steht das Recht zu, Mitglieder wegen Verstoßes gegen die Zwecke des Wahlvereins, die nicht unter§ 2 fallen, aus den Mitgliederlisten zu streichen. Die Wiederaufnahme des Mit- gliedes kann jederzeit auf Antrag erfolgen, aber nur unter Zu- stimmung der Instanz, die den Ausschluß vollzogen hat. Die Streichung aus den Listen ist nicht dem AuSschltttz ans der Partei gleich zu erachten." Im§ 26 des OrganisaftonSstatuts der sozialdemokratischen Partei Deutschlands ist im ersten Absatz der Schluß:„die aus höchstens zwei Mitgliedern für jeden beteiligten Reichstagswahlkreis bestehen darf" zu streichen. 88. R e ck l i n g h a u s e n: Zu den Verhandlungen der Partei« tage entsendet die ReichStagSfraktion eine Abordnmig in der Höhe des zehnten Teiles seiner Mitglieder. 89- Hattingen-Witten: Der Z 27 deS OrganisationS- jtatuts der Gesamtpartei erhält folgende Fassung:„Im Fall des 8 2 entscheidet über die fernere Zugehörigkeit zur Partei der Gesamt» vorstand des WahlkrcisvereinS auf Antrag der örtlichen Organisation. Dem Ausgeschlossenen steht die Berufung an die Generalversammlung zu. In letzter Linie entscheidet der Parteitag." 90. Genosse Braun- Königsberg:„Der 8 11 Abs. I Ziffer 1 deS Orgauisationsstatuts soll lauten: Die Delegierten der Partei auS den einzelnen ReichStagSwahlkreisen mit der Maßgabe, daß die» jenigen Kreise, die über 300 bis 1000 politisch organisierte Genossen haben, einen Delegierten, über 1000 bis 2500 zwei Delegierte, über 2500 bis 5000 drei Delegierte, über 5000 bis 10000 vier Delegierte. über 10000 fünf Delegierte entsenden dürfen. Insoweit nicht unter den gewählten Vertretern des Wahlkreises Frauen sich befinden, künnen weibliche Vertreter in besondere» Fraucnpersaimnlungen ge- wählt werden." 91. Kaiserslautern: 8 27 Abs. 1 deS Organisations- jtawts wird dahin abgeändert: Im Falle deS 8 2 entscheidet über die fernere Zugehörigkeit zur Partei ein Schiedsgericht, das der Parteivorstand beruft. Der Antrag auf Einsetzung eines solchen Schiedsgerichts kann sowohl durch eine Parteiorganisation als durch einen jeden einzelnen Parteigenossen gestellt werden. 92. Bochum-Gelsenkirchcn: Der 8 27 des Organi- ationsstatuts der Gcsamtpartei erhält folgende Fassung: Im Falls des 8 2 entscheidet über die fernere Zugehörigkeit zur Partei der Gesamtvorstand deS WahlkreisvereiriS auf Antrag der örtlichen Organisation. Dem Ausgeschlossenen steht die Berufung an die Geiicralversanmilung zu. In letzter Linie entscheidet der Parteitag. 93. Ruhr ort:„Die Abgeordneten oder Kandidaten eines jeden Wahlkreises sind zum deutschen Parteitag mit Sitz und Stimme neben den zu ivählcnden Delegierten zuzulassen. Die Kosten für die c r st e r e n trägt die Partcihanptkasse." 94. Brandenburg» H.: Die Delegation deS KreiscS wird ersucht, den Parteitag aufznsordern, die Möglichkeit zu schaffen. Genossen auszuschließen, die bei kommunalen Wahlen der Wahl fern bleiben oder die Gegner wählen. 93. Bant: Der Parteitag wolle beschließen, daß dem 8 2 deS Organisationsstatuts folgender Absatz angefügt wird:„Als grober Verstoß gegen die Grundsätze des Parteiprogramms ist auch anzusehen, wenn ein Parteigenosse als Mitglied einer Unternehmer- orgaiiisation die Bestrebungen der Arbeiter für günstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen grundsätzlich belämpft und sich an Unter- nehmungen beteiligt, ivelche auf eine Verschlechterung des Reichs- tagswahlrechteS und Koalitionsrechtes hinziele» oder im Kampf« zwischen K-chitnI imb STtBeit Mittel anwendet, die gegen die gute Sitte verstoben oder durch welche die Arbeiter in der Anwendung des Koalitionsrechtes behindert werden." Ntl. Strahburg(Stadt): Die Kreisversammlung des sozialdemokratischen Bezirksvereins Straszburg(Filiale Strasburg- Stadt) stellt an den Parteitag zu Mannheim das Ersuchen, er möge den Parteivorstand beauftragen, eine einheitliche Regelung der Unter- stiitzung mittelloser reisender Parteigenossen in die Wege zu leiten. i>7. Genosse Thiele, Halle a. S.: Der Parteitag wolle beschlichen: Zur Herbeiführung einer engeren und dauernden Fühlungnahme zwischen dem Parteivorstand und den Parteiorganisationen sowie zwischen den letzteren hat der Parteivorstand jährlich drei Konferenzen cinznbenifen. von denen je eine gegen Jahresschlich, Anfang April und Anfang Juli stattfinden soll. Zweck dieser Konferenzen ist, allgemeine Agitationen in die Wege zu leiten, über die zweckmäßigste Durchführung von Parteitags- beschlüssen zu verhandeln, die provisorische Tagesordnung für die Parteitage aufzustellen und sich über alle schwebenden Parteiftaqen auszusprechen. Die Konferenzen setzen sich zusammen aus dem Parteivorstande. der die Konferenzen leitet und 60 bis 75 Delegierten. Die Ab- grenzung der Wahlbezirke für je einen Delegierten erfolgt erstmalig durch den Parteivorstand; spätere Aenderungen nehmen die Partei- tage vor. Die Wahl der Delegierten erfolgt auf ein Jahr und wird nach jedem Parteitage durch Urabstimmung in den Parteiorganisationen der einzelnen Bezirke vorgenommen. Die Dauer einer Konferenz soll in der Regel zwei Tage nicht überschreiten. Die Kosten der Delegationen trägt die Parteihauptkasse. 98. Genosse R. H a I f t e r- B e r l i n VI: In der Präsenzliste des Parteitages wird außer Namen, Wohnort. Wahlkreis und Partei- stellung auch der jeweilige Beruf der Gewerbe(Parteibeamter. Gc- Werkschaftsbeamter. Kaufmann, Tischler usw.) der Delegierten mög- lichst genau angegeben. 99. Ober-Langenbiela u und Jauer-Bollenhain- LandeShut. Der Parteitag wolle beschließen: Die Parteitage sind regelmäßig in Berlin abzuhalten. R. Ober-Lang enbielau:.Der Parteitag wolle zum Organisationsstatut beschließen: Delegierte zum Parteitag dürfen in Wahlkreisen, in denen eine Organisation besteht, nur von dieser tewählt werden. In Kreisen ohne Organisation beschließt über die telegation eine Parteiversammlung. 101. Konstanz: Jeder Parteigenosse ist verpflichtet, eine sozialdemokratische Parteizeitung zu abonnieren. Partei u«d Gewerkschaft. 102. Potsdam-Spandau-O st Havelland: .Im Anschluß an die vom Jenaer Parteitage dem Partei» oorstand überwiesene Resolution 143 beschließt der Parteitag: Der Parteivorstand hat unverzüglich in Verhandlungen mit der Generalkommission der Gewerkschaften zu treten zur Herbeiführung einer dauernden Fühlung und Verbindung zwischen der politischen und der Gewerkschaftsbewegung. Insbesondere ist anzustreben: a) die Ergänzung des Parteivorstandes durch einige Mitglieder der Generalkommission und die Hinzuziehung einiger Mitglieder des ParteivorstandeS zur Generalkommission! b) Bildung eines aus Vertretern beider Organisationen de- stehenden Aktionsausschusses; c) regelmäßige gemeinschaftliche Sitzungen des ParteivorstandeS und der Generalkommission; d) beiden Organisationen wird zur Pflicht gemacht, in Fragen, in denen sich ihre Zuständigkeit kreuzt, nicht selbständig, sondern nur unter gegenseitiger Verständigung oder nach dem vergeblichen Versuch einer solchen Verständigung vorzugehen: e) in solchen Fragen ist auch erforderlichenfalls die Abhaltung gemeinschaftlicher Partei- und Gewerkschaftskongresse— nach Art der mternationalen Kongresse— zu erwägen." lOZ. Teltotv-BeeSkow-Storkow-C Harkotten« bürg: Nach dem Programm der Sozialdemokratischen Partei ist der Kampf der Arbeiter gegen die herrschenden Klassen einheitlich zu gestalten. Dieses ist jedoch bis zu einem gewissen Grade in den Reihen der organisierten Arbeiter noch nicht voll zur Durchführung gelangt, vielmehr steht ein Teil der auf dem Boden der sozialdemo- kratisch organisierten Gewerkschaften noch feindlich und gespalten gegenüber in Zentral- und Lokalorganisationen zum Schaden der Arbeiterbewegung. Da hierdurch ein erfolgreicher Kampf gegen die herrschenden Klassen in übelflüssiger Weise erschwert und sogar ver- zettelt wird,.erwartet der Parteitag im Jnterefle der gesamten Arbeiterbewegung auf das beslimmteste, daß dieser Programmsatz von den Beteiligten in der entschiedensten Weise zur Anerkennung und Verwirklichung gebracht wird. Der Parteitag beauftragt den Parteivorstand, die Initiative zu ergreifen, um erneut einer Einigung die Wege zu ebenen." 104. Frankfurt a. M.: Der Parteivorstand ist um mehrere Mitglieder zu verstärken. Dabei ist der Frage näher zu trete», ob durch eine Personalunion oder auf anderem Wege eine ständige enge Verbindung des Parteivorstandes mit der Generalkommission der Gewerkschaften herbeizuführen ist. 103. Köln Stadt: 1. In Anbetracht dessen, daß die gewerkschaftliche Zentral« organisation heute allgemein als die einzig richtige Gewerkschafts- form anerkannt wird, ist in Zukunft der redaktionelle Teil der Partei- presse den lokalistischen Gewerkschaften nicht mehr zur VersiigiMg zu stellen und ebenso solchen Zentralorganisationen zu verschließen, die nicht der Generalkommission angeschlossen sind. 2. Parteigenossen dürfen nur den, der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands angeschlossenen Zentralorganisatione» angehören. 106. Heiden heim: Es ist dahin zu wirken, daß der Parteivorstand und die Generalkommission der Gewerkschaften ans gleichviel Mitgliedern zusammengesetzt werden, welche in strittigen Fällen mit einfackier Sriumienmehrheit bezw. durch Dnrchzählnng der Stimmen ihre Beschlüsse fassen. 107. Jena. Die gut besuchte Versammlung de? sozial- demokratischen Kreiswahlvereins Weimar IH. Ortsgruppe Jena, stimmt der Tagesordnung des Parteitages in Mannheim zu. Sie hält die Punkte der Tagesordnung: VolkSerziehnng und Sozial- dcmokratie und ebenso Strasrecht, Strafprozeß und Strafvollzug für so wichtig, daß sie auf einem Parteitage der deutschen Sozialdemo- kratie erörtert werden. Die Versammlung bedauert außerordentlicki, daß von feiten einzelner Gcwerkschastsvorjtände wiederholt abfällig über die Arbeits- ruhe am 1. Mai sowie über die Anwendung des politischen Massen- streiks gcurteilt wird. Und darum hält die Versammlung eS für richtig, daß auch diese beiden Punkte in Mannheim nochmals gründlich erörtert werden. Sie erwartet aber, daß in Zukunft der- artige Ausfälle und Entgleisungen, wie sie sich auf der Konferenz der Zeutralvorstände in Berlin ber dem Punkte.Partei und GeWerk- schaften" abgespielt haben, unterbleiben. Differenzen zwischen beiden Teilen der Arbeiterbewegung werde» nie gänzlich zu vermeide» sein, jedoch können dieselben so erledigt werden, ohne persönlich ausfällig zu werden. Das Vermeiden von Differenzen wird am besten da- onrch geschehen, daß man nicht bloß die praktische GcgenwartSarbeit im Auge behält, sondern mehr wie bisher sich mit Studium der sozialistischen Literatur befaßt. Parteiprogramm. 108. Komm uni st ischer Arbeiterbildungsverein London: Der Kampf der Arbeiterklasse gegen die kapitalistische Ausbeutung ist notwendigerweise ein politischer und ökonomischer Kampf. Politisch, weil die Arbciterklaffe ihre ökonomischen Kämpfe nicht führen und ihre ökonomischen Organisationen nicht entwickeln kann ohne politisch« Rechte. Sie kann den Ilebergang der Produktions- mittel in den Besitz der Gesamtheit nicht bewirken, ohne in den Besitz der politischen Macht gekommen zu sei». Oekonomisch, weil die Arbeiterklasse kein Mittel unversucht lassen darf, um seine soziale Lage nach Kräften zu heben. Verschiedenes. 109. Heidelberg: Doppelmandate zum Reichs- und Landtag sind in Zukunft nicht mehr zuzulassen. 110. Telrotv-Beeskow- Storkow- Charlotten- bürg: Der Parteitag erhebt schärfsten Protest gegen jedwede Ein- Mischung der preußischen oder Reichsregierung in die russische An- gelegenheit. Er beauftragt den Parteivorstand, erforderlichenfalls jedes geeignete Mittel schärfster Abtvehr anzuwenden. Iii. Pfungstadt: Die Kreiskonferenz ersucht den Partei- Vorstand in eine Prüfung der Frage einzutreten, in welcher Weise eine Regelung der Legitimationsfrage bezüglich der flüchtenden russischen Revolutionäre möglich ist. Zweck dieses Antrages ist, die örtlichen Parteikassen vor Schädigung durch unwürdige Elemente zu bewahren. 112. P o t s d a m- O st h a v ell a n d: Eine besondere antt- militanstische Propaganda ist systematisch zu entfalten. Zu diesem Zwecke ist ein ständiger Ausschuß zu bilden. HZ. Kaufb euren: Es ist auf dem internationalen Kongreß 1907 zu beantragen, eine Weltsprache anzustreben und soll als solche, um internationalen Streitigkeiten vorzubeugen, die am meisten gesprochene Sprache gelten, und müßte dieselbe in allen Ländern und Schulen neben der jeweiligen Landes- resp. Mutter- spräche obligatorisch eingeführt werden. 114. Berlin HI: Trotz des bereits bestehenden Beschlusses. im Falle einer Stichwahl zwischen gegnerischen Parteien sich der Stimme zu enthalten, ist hiergegen vielfach in gröblichster Weise verstoßen worden. Der Parteitag zu Mannheim bringt deshalb dringend in Erinnerung, daß dieser Beschluß überall und unbedingt respektiert werden muß, soll er nicht zur Farce werden. Ganz be- sonders aber widerspricht es dem politischen Ehrgefühl der Genossen, der sogenannten Freisinnigen Volkspartei irgendwelche Wahlhülse zu leisten. Diese Partei hat keine Gelegenheit vorübergehen lassen, ohne ihrem Haß gegen die Sozialdemokratie die Zügel schießen zu lassen, sie hat bei allen Wahlen selbst dem krassesten Reaktionär gegen unseren Genossen zum Siege verholfen und kann heute mit Recht als die Bannecirägerin der Reaktion bezeichnet lverden. Eine solche Partei je eher je besser vom polittschen Schauplatz verschwinden zu lasten muß als Ehrcichflicht der Genossen betrachtet werden. 113. Heidelberg: Angesichts der immer stärker sich er- hebenden Reaktion der Kirchengemeinschaften ist die Agitation für Trennung von Staat und Kirche energischer zu betreiben. Wiederaufnahme in die Partei beanttagen die ausgeschlossenen früheren Parteigenossen 116. Gustav W e g n e r, Stettin, 117. Emil Schröder, Berlin. Tagesordnung des Parteitages 1907. 118. Teltow-BeeSkow- Storkow- Charlotten- bürg: Die Landarbeiterfrage ist aus dem nächsten Parteitage zu behandeln. 119. Ober-Langenbielau, Teltow-BeeSkow. Frankfurt a. M., Nie der« Barnim, Hamburg II, D r e S d e»- A., P f u i, g st a d t. München. Freiburg i. B.. Waltershaufen, Kiel, Guben. Hannover, Jena, Breslau, Apenrade, Kiel-Gaarden, 8. und 10. schleswig-hol st ei nischer Wahlkreis. Halm, Berlin III und Berlin VI. 16 Parteigenossen in Erfurt, 9 in Ilversgehofen, 33 in Husum, 6 in Pfungstadt. L6 in G ö r l i tz. 12 in S ch ö n e b e r g, 31 in B c r l i n VI, 6 in Berlin III, 38 in L e i p z i g- S t a d t: Auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages 1907 ist»Die Alkoholftage" zu setzen. 120. Berlin III: Der Parteitag beanttagt, ans die Tage?- ordnung des Parteitages 1907„Das Wahlrecht in de» Einzelstaaten" zu setzen._ Huo der Partei. Zum Parteitage. Auf ber Generalversammlung des 6. schleSwig- holsteinischen Wahlkreises tvnrdc ein Antrag angenommen, daß die A l k o h o l f r a g e auf die Tagesordnung de« nächsten Parteitages gesetzt werden soll, ferner ein die bessere Ausgestaltung der Parteiliteratur und der VorwärtSbuchhandlnng bezweckender Antrag. Die erweiterte Vorstandssitzung des 2. b a d i s ch e n W a h l- kr eis es, die am Sonntag in Freiburg tagte und wo die Orte Donaueschingen. Furttyangen, Villingen, St. Georgen, Hornberg und Triberg vertreten waren, billigte im allgemeinen die Tagesordnung des Parteitages..Nur verspricht man sich", wird uns berichtet,„von der Erörterung dcS politischen Massenstreiks nicht die Wirkung, die die Theoretiker der Partei derselben beimessen.„Mehr Praxi» und weniger Theorie" wurde gefordert. Betreffend die Maifeier Ivar man der Ansicht, der Parteitag möge dahin wirken, daß man sich mit den Geiverkschaften verständige, mit denen der Parteivorstand überhaupt mehr Fühlung haben sollte. Den laut gewordenen Wünschen einer Reorganisation des letzteren schloß man sich an." In der Stuttgarter P a r t c i v e r s a m m l n n g. die sich mit dem Mannheimer Parteitag beschäftigte, hcmängeltc der Referent, Landtagöabgeordnetcr Keil, das Ucbcrwuchcrn der taktischen Debatten ans unfern letzten Parteitagen und wünschte, daß mehr zu den aktuellen politischen Vorgängen auf den Parteitagen Stellung genommen werden solle. Auf eine jährliche Debatte über die Mai- seier könne ohne weitere« verzichtet werden: es genüge, wenn über diese ans dem einem internationalen Kongresse voraufgehenden Parteitag debattiert werde. Bei der Erörterung des politischen Massenstreiks werde es sich diesmal wieder in der Hauptsache um eine Erörterung über das Verhältnis von Partei nnd Gewerkschaften'handeln. Die Debatten hierüber auf der Gelverlschaftskonferenz im Februar seien kleinlich persönlicher Art gewesen. In der an das Referat sich anschließenden DiSknlsion trat Genosse Dein Hardt, Redakteur der„Hvlzarbeiter-Zeitung", dem Referenten entgegen: er suchte den auf der GewerkschaftSkonferrnz von den GewerkschaftSlcitern ein- genommouen Standpunkt zu rechtfertigen und bezeichnete sie als eine notivendige Abivehr der von der Karteipresse in letzter Zeit gegen die Geiverkschnften gerichteten Angriffe. ReichStagSabgeordneter Hilde n drand bemängelte gleichfalls, daß, statt die für eine Partei wie die unsere hervorragend günstige Situation, Steuerpolitik. Kolonialpolitik usw., agitatorisch aiiSzimiitzen, der Mannheimer Parteitag wieder der gegenseitigen Herab- setznng der Parteigenossen ei» so weites Feld cinränmen werde, was nicht zur Hebung des Ansehens der Partei beitragen könne. Der „vorwärts" habe den EinschüchlerniigSversuchen des anarcho-sozia- listischen Blattes„Einigkeit" nachgegeben, weil seit dem Wechsel der Redakteure der anarcho-sozialistische Geist in der„NortvärtS'-Redaktion Einfluß gewonnen habe. Die Beröffentlichiing des Protokolls durch den„Vorwärts" stehe mit der Loyalität im dirckien Widerspruch und gäbe den Anlaß zu weiteren bedauerlichen Differenzen. Genosse Heymann erklärte, auch er sei der Meinung, daß die Parteileitting den anarcho-sozialistischen Einflüssen unterlegen sei. Unter der Leitung Friedcbergs seien die Berliner Lokalislen zu einer zersetzenden Tendenz in der Parteibewegung geworden, die mit dem Sozialismus nichts mehr zu tun habe und über kurz oder� lang zu einer Revision des Parteiprogramms führen müsse, die jedenfalls aber radikaler ausfallen«verde als die von Nevisionisten seinerzeit gewollte. Daß Lokalisten von der Parteileitimg in wichtige Partcisunktionen hineingeschoben würden, seien Vorgänge, die am Mark der Partei zehrten. Genosse Reichel, zweiter Vorsitzender des Deutschen Metall- arbeiterverbandeS. sprach im Sinne des Genossen Deinhardt. Im Schlußwort wandte sich Genosse Keil gegen die Vorredner. Die Anträge haben wir schon in Nr. 198 mitgeteilt. Die B r c S l a n c r Genossen nahmen in der General- Versammlung des sozialdemokrattschen Vereins einen Antrag an. der die Bestellung von Korreferenten auS Gewerkschafts- kreise» bei den Punkten Maifeier und Massen st reik fordert. Ein zweiter Antrag fordert von dem überzeugten Partei- genossen den Austritt aus der Kirche und daß er die Erteilung dogmatischen ReligionSunter- richts an seine Kinder verhindere. Die Bres- lauer Delegierten sollen sich für die Einigung mit den polnischen Genossen aussprechen. Auf die Tages- ordnung des nächsten Parteitages soll die Alkoholfrage gesetzt werden. Ein fünfter Antrag fordert energische Agitation gegen den Militarismus durch Flugblätter zur Zeit der RekrutenauS- Hebung usw. Genosse Schütz referierte. In der Debatte kritisierte Genosse Albert die Verhandlungen der Gewerkschastskonferenz; mehrere Redner traten ihm entgegen, andere stimmten ihm zu. Als der Genosse Schlegel behauptete, Rexhäuser sei Parteigenoffe, er habe sich erst vor kurzem wieder dazu bekannt, erfolgten stürmische Unter- brechungen._ Die Massenstreikdebatte. Auf der hessischen Landeskonferenz. deren Verhandlungen in gestriger Nummer berichtet wurden, führte Genosse Dr. David als Referent beim Thema„Parteitag" aus: „daß man eigentlich nicht sagen könne, daß sich ein Widerspruch zwischen dem Jenaer Beschluß über den politischen Massenstreik und den aus der Konfereng der Gewerkschaftsvorstände bekannt ge° wordenen Thesen de» ParteivorstandeS befinde. Immerhin sei es verständlich, daß ein Teil Genossen einen Widerspruch darin er- blicke, wenn man die Fanfare der Jenaer Verhandlungen jetzt in eine Chamade verwandelt sieht. Die Aeußcrungen einer gewissen Richtung in Jena ließen sehr wohl den Glauben aufkommen, daß nun das Kampfmittel des politischen Massenstreiks schon bei nächst- bester Gelegenheit zur Anwendung kommen solle. Er sei nicht der Ansicht einzelner Gewerkschaftsführer, daß ein Massenstreik un- bedingt zu Straßcnrevoltcn führen müsse. Man solle die Diskussion über dieses Thema auf das notwendigste beschränken und dafür aber mit aller Kraft den Ausbau sowohl der politischen, gewerkschaftlichen als auch der genossenschaftlichen Organisationen erstreben. Die Unterstützung der Genossenschaften sei schon deshalb nötig, weil dieser Zweig der Arbeiterbewegung gerade bei einem Massenstreik doch eine Rückendeckung der Arbeiter von nicht zu unterschätzender Be- deutung biete. In der Amsterdamer Resolultion sei ja der genossen. schaftlichen Seite noch Erwähnung getan, während man dies in der Jenaer Resolution unterließ. Aus der Gewerkschastskonferenz sei zu ersehen, daß sich niemand dort gegen die Partei gewandt, wohl aber gegen eine kleine aber einflußreiche Gruppe von Redakteuren und Theoretikern, die man als unverantwortliche Schulmeister be- trachte. Wenn dabei der Ausdruck fiel, daß Revolutionsromantik getrieben wurde, so sei es doch angesichts der Aeuherungen von Rosa Luxemburg und Kautsky in Jena sowohl als in Prctzartikeln sehr erklärlich. Wenn man sich freilich über die bisher sowohl in der Partei wie in den Gewerkschaften betriebene Kleinarbeit nicht gerade günstig aiisspricht, so müsse man naturgemäß zu einer neuen Taktik kommen, die die Engelsschc Ansicht, daß die alte Zeit der Barrikadcntaktik vorüber sei, für überlebt hält. Nicht unwesentlick zu den Verstimmungen, die in größeren Kreisen herrsche, trage wohl auch der nicht seltene Stimmungswechsel in den Kreisen unserer leitenden Genossen bei. Dringend nötig sei daher eine Ver- ständigung der Partei mit den Gewerkschaften über die Frage des politischen Massenstreiks. In der Debatte sprachen sich sämtliche Redner für die Annahme der vom Referenten empfohlenen Resolution aus, jedoch waren sie mehr oder weniger mit der Begründung nicht zu- frieden; man bezeichnete sie gewissermaßen als Flaumacherci. Verschiedentlich wurde auch betont, daß man in Jena nicht den Eindruck gehabt habe, als ob die Anlvendung des Massenstreiks in Kürze zu erwarten sei. Kein Vertuschen, sondern eine lebhafte Diskussion der Frage des Massenstreiks müsse die Losung sein. Un- berechtigt sei cö, wenn gewissermaßen angedeutet werde, daß man mit dem Feuer spiele, denn nicht die Arbeiter seien es, die hier aggressiv vorgingen, sondern die Gegner seien es, die fortgesetzt durch die Entrechtung der Massen diese zum Widerstände ja geradezu aufpeitschten. Betont wurde noch, daß man den politischen Massen. streik jedoch nur bei Abwehr reaktionärer Anschläge für angebracht hielt. In seinem Schlußwort verwahrte sich Gen. David dagegen, daß er gewissermaßen Wasser in den Wein zu schütten versuche. Aber auS den Augen lassen dürfe man doch nicht, daß noch große Massen für uns erst zu gewinnen seien, um an die wirkliche Er- obcriing der politischen Macht denken zu können. Diese trägen Massen aufzuklären, sei dringend nötig, denn es sei damit nicht getan, nur die Äerntruppe des industriellen Proletariats auf unserer Seite zu haben, sondern die gesamte Masse des werktätigen Volkes müsse zu uns herübergezogen werden. Wie nötig die Aufklärung sei, habe ja die Wahlrcckitskampagne in Hessen gezeigt, bei der man trotz aller Agitation unserer Genossen in Wort und Schrift eine tiefere Volksbewegung nicht hervorzurufen vermochte. Rur bedingt richtig sei es auch, davon zu sprechen, daß sich die Verhältnisse in Deutschland im allgemeinen noch schärfer zugespitzt hätten. Das träfe doch zurzeit nur für Hamburg, Lübeck und Sachsen zu, während sich doch in Bayern, Württemberg und Baden durch die dort erzielte Einführung des direkten Wahlrechts sich eine entgegengesetzte Situation zeige. Hüten solle man sich, zu schablonisicrcn, sondern man müsse mit gegebenen Tatsachen rechnen. Deshalb müsse auch die Taktik den Verhältnissen angepaßt werden. Daher weg mit den großen Worten, aber her mit mehr unverdrossenen Taten k Der vorgerückten Zeit wegen war der Debatte über das Referat durch Annahme eines SchlußaiitragcS ein vorzeitiges Ende bereitet worden. Nachstehende Resolution Davids fand einstimmige An. nähme: „In der Erwägung, daß zur Anwendung und erfolgreichen Durchführung eines politischen Massenstreiks die Mitwirkung der Gewerkschaften ganz unentbehrlich ist, spricht die hessische Lande?- konfcrcnz die Erlvartung aus, daß die Verhandlungen de? Mann» heimcr Parteitages zu Beschlüssen führen möchten, die eine Ver, ständigung mit'den gewerkschaftlichen Organisationen erleichtern� Ilm für die Zukunft in allen die Partei und die Gewerkschaften be» rührenden Fragen von vornherein Gegensätze möglichst auszugleichen; und einheitliches Handeln zu sichern, hält es die Landeskonferenz, für notwendig, daß ein« ständige Verbindung zwischen den obersten, Leitungen von Partei und Gewerkschaften hergestellt wird." AuS den Organisationen. Die Generalpersanimlimg des Zentralverein» ftir den 8. schles- wig-holsteiniscken Wahlkreis beschloß am zweiten VerhandlnngStaga die A n st e l l n n g eines b e s o l d e i e n B e a m t e n. da bei der Hänsung der Parteiarbeiten und der weiten AnSdehnung deS KrelseS die AgitationS- usw. Arbeiten nebenamtlich nicht mehr bewerkstelligt werden können. DaS Gehalt wird bis auf weiteres auf 2900 M. bemessen und für das Bureau wird eine Entschädigung von 200 M. gewährt: außerdem wird die Hälfte dcS Beitrages zur Unter- stlitziingSvereiniguna des Vereins.Arbeiterpresse" bezahlt. Gewählt wird zu diesem Posten der bisherige Vorsitzende des Vereins, Genosse Villen- Ottensen._ Eine Konfiskation. In Marburg wollte dieser Tag« der Ge- nosse H ä r't l i n g vom Zollamt ein aus Zürich kommendes Paket für den verreisten Dr. Michels abholen. Vorschriftsmäßig wurde da» Palet geöffnet. Wie der Beamte die obenliegende Broschüre„Der politische Masieiistreik" im roten Umschlage erblickte, entfuhr eS ihm: „Aha. da haben wir'S ja I" Zwei weitere Beamten wurden herbei- geholt, die dann die Drucksachen einer genauen Prüfung unterzogen. Schließlich, nachdem sich die Beamten eingehend nach der Partei- zugehörigkeit der Genossen Dr. Michels und Härtling erkundigt. wurden folgende Broschüren„mal hier behalten": 1.„Der politische Massenstreik". 2.„Der Hofhund deS Kapitalismus". 3.„Dr. Locher". 4.„Die Armee und die Streiks", ö.„Die Verteidigungsreden des Genossen Raine". Die Beamten erklärten, sie müßten erst in Kassel wegen dieser Schriften anfragen, obgleich ihnen Genosse Härtling sagte, daß die Broschüren auch in Deutschland zu haben seien. A.WERTHEIM In der Lebensmittel-Abteilung: Junge Gänse Geräucherte Pfund 05 Pf- Gänsebrust Pfund 1.45 Mk. Kaiserschoten«tra>/. vo» 1.25,>/, D0Se 68 pr. Kaiserschoten•/, do.« 1.i o,>/. dos« 60 pf. Extra feine Schoten v, v. 90 pr.,>/, o. 50 pf. Junge Schoten I v.d. 80pf., VsD. 45 pr. Junge Schoten II v.d. 52 pj., vaD. 32 pr. Riesenbruchspargel v.d. 1.35, v.d. 73 pr. Bruchspargel«xua stark v. d, 1 ,20,% d. 65 pf. Bruchspargel I v. d. 85 pf., v, d. 48 pr. 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Ausführliche Mit- teilungen unter L 2 Expedition des »Vorwärts". 884b Baiidsägeuschneider für Kleiderbügel verlangt Schmidt, Andreas- straße 21. 885b Korbmacher aus geichlagcnc Ar beit, einen ArbciiSbm+chcn verlangt 5knothc, Bremer straße Partei schließt die Versammlung._ Soziales* Sozialpolitiker im Handelsgewcrbe. Ein günstiger Wind wehte uns das folgende Zirkular, das für sich selbst spricht, auf den Redaktionstisch: Verband Deutscher Waren- und Kaufhäuser, e. V. Streng vertraulich! Berlin SW. 48, 24. Aug. 06. An unsere Herren Verbandsmitglieder! Wie Ihnen bekannt, hat der Abgeordnete Bauermann im Reichs- tage den Antrag gestellt, den 8 63 d. H.-G--B. als zwingend zu ge- stalten, d. h. Vertrag!. Vereinbarungen, daß in Krankheitsfällen das Gehalt nicht weiter ge- zahlt zu werden braucht, auszuschließen. Das würde eine große Schädigung der Detailgeschäfte bedeuten, da bekanntlich Krankheitssimulationen, namentlich nach erfolgter Kündigung, häufig vorkommen. Da von zahlreichen unserer Verbandsmitglieder an uns die Forderung gestellt ist, daß wir uns der in Detaillisteukreisen lebhaft umsichgreifenden Bewegung gegen den Antrag Bauermann an- schließen, bitten wir Sie noch, uns baldmöglichst auf beifolgendem Fragebogen die bei Ihnen vorgekommenen Fälle von Krankheits- simulationen, in denen ein nach Ihrer Meinung oder Feststellung ungerechtfertigtes Fernbleiben vom Dienste stattgefunden hat, zu streng vertraulicher Benutzung gest. mitteilen zu wollen. Mit koll. Hochachtung Verband Deutscher Waren- und Kaufhäuser, e. V. gez. Oskar Tietz, gez. Dr. Wernicke, Vorsitzender. Generalsekretär. Mit Bleistift auszufüllen' Streng vertraulich!, An den Verband Deutscher Waren- u. Kaufhäuser, e. V. Berlin. Nachstehend teilen wir Ihnen erg. die Zahl der Fälle von gemeldeten Erkrankungen innerhalb der letzten..... Jahre mit, in denen fertigt war. 1. u. E. ein Fernbleiben vom Dienste nicht gerecht- Festgestellte Simulationen Ort: Datum: Zunächst 2. 8. 4. Vermutete Fernbleiben von 1—3. Simulationen wegen Nach erfolgter geringfügiger Kündigung Krankheiten Stempel: Unterschrift: wird in der leichtfertigsten Weise der Vorwurf der Siinulation ganz allgemein erhoben, und um für die un- erhörte Beschuldigung Beweise zu erlangen, sollen die interessierten Leute vertraulich, das heißt anonym die Vor- würfe bestätigen. Ihre Meinung, die natürlich ein wenig zuverlässiger, vielmehr ein stark subjektiver Berater ist, soll genügen für die Generalisierung der Beschuldigung, wodurch eine große Gruppe Angestellter in der öffentlichen Meinung herabgesetzt wird und schwer geschädigt werden kann. Wer nach solcher Methode zu arbeiten sich genötigt sieht, verdient die Vorwürfe,' die er gegen andere erhebt. Folgen der Profitwut. In wahnsinnigem Tempo wird im mitteldeutschen Braunkohlen- bergbau die Produktion betrieben. Diese Parforcejagd nach Kohlen muß die Arbeiterschaft mit Gesundheit und Leben bezahlen. Auch im Braunkohlenbergbau ist die Uufallziffer im Steigen begriffen. ZweiKatastrophen, die die Situation grell beleuchten, sind aus der letzten Zeit zu verzeichnen. Auf der zur Grube„Viktoria" bei Hötensleben gehörigen Brikettfabrik ereignete sich am 7. August eine Kohlenstaub- explosion. Zehn Mann wurden lebensgefährlich verbrannt. Mehrere Verletzte sind gestorben. Nach den Aussagen der Arbeiter wäre die Explosion vermieden worden, hätte man ernsthaft die Beseitigung eines kleinen Brandes betrieben. Man war aber nur auf die Produktion bedacht, man ließ das Feuer stundenlang glimmen, bis die Explosion eintrat. Für Beseitigung von großen Massen lagernden trockenen Kohlenstaubes war keine Zeit gewesen. In der Nacht vom 24. zum 2S. voriger Woche brannte, eben- falls durch Kohlenstaubexplosion, auf der Grube 522 bei Theißen der Förderturm ab. Ebenso brannte die Schachtziinmerung aus, wodurch die Schachtanlage zusammenbrach. Von den dort be- schäftigten Arbeitern verbrannten zwei bis auf wenige Knochenreste vollständig, während zwei andere sich mit knapper Not durch den Sprung von einer Brücke retten konnten. Die Untertag- arbeiter konnten sich sämtlich durch den Luftschacht in Sicher- heit bringen.— Eine Kohlenstaubexplosion müßte auf Vraunkohlenwerken, die nicht mit Trockenanlagen zur Brikett- fabrikation versehen sind, zu den Unmöglichkeiten gehören. Ueberall wo derartige Katastrophen eintreten, kann man sicher sein, daß etwas nicht in Ordnung war. So war auch der Schacht von Grube 522, welcher den Niebeck- scheu Montanlvcrken gehörte, nicht ausgemauert worden, mit Holz abgeteuft. Der Förderturm bestand in der untersten Etage aus leichtem Fachwerk, während er oben durchweg mit Holz aufgezimmert war. Eingedeckt war er mit leichter Dachpappe. Die ZngangStüren, Treppen und Leitern bestanden bis obenhin ebenfalls aus Holz. Trotzdem die ganze Anlage erst wenige Jahre besteht, hatte man sich die Errungenschaften der Technik und die trüben Ersahrungen mit anderen Holzbauten nicht zunutze gemacht, sondern einfach leicht, luftig und— feuergefährlich gebaut; diese Bauweise ist am billigsten. Auf den Holzverkleidungen des Schachtes lagerte jahrelanger Schmutz und Staub. Ein Berieseln und Sprengen kannte man im Braun- kohlenbergbau kaum dem Namen nach.' Der Staub soll schon Tage vorher geglimmt haben. Sicher ist, daß man in der Unglücksnacht schon gegen 8 Uhr den Brand im Schachtinnern mit ein paar Eimern Wasser zu löschen versuchte. Die Förderung durfte aber nicht stillstehen, weil die Kohle notwendig gebraucht wurde.(!!> So ging der Betrieb eben weiter. Jedes Auf- und Abgehen des Fördcrkorbes fachte durch den Zug den Brand aufs neue an, bis dann endlich sich gegen Uhr die angesammelten Brandgase entzündeten, ein hochgehender Korb die hellen Flammen mit nach oben brachte und im Nu den Fördcrturm in Brand setzte. Wahrscheinlich haben hier lagernde Staubmassen das rasende Wüten des Elements begünstigt, denn in kaum fllus Minuten hat die ganze Anlage von unten bis oben hellerlichtcrloh gebrannt. Die oben auf dem Turme mit dem Abziehen und Aufschieben der Wagen beschäftigten zwei Leute konnten sich nicht mehr retten. Am nächsten Morgen fand man von einem der Verunglückten einige Knochen, der andere Un- glückliche ist jedenfalls in das Innere gestürzt und vollständig ver- brannt.. Gebessert werden die Perhältnisse im Bergbau dann erst werden, wenn Kontrolleure aus Arbcitcrkreisen angestellt sind. Arbeiterfchutz. In der Wäschcfabrik der Gebrüder Borchardt in der Neuen Königstraße zu Berlin waren jugendlichen Arbeiterinnen unter 16 Jahren entgegen den Bestimmungen des§ 136 der Gewerbe- ordnung nicht Pausen von je einer halben Stunde, sondern solche von nur einer Viertelstunde gewährt worden. Wegen Uebertretung des genannten Paragraphen wurde die Direktrice N. und daneben auch einer der Brüder Borchardt, dem die Oberleitung des 600 Per- sonen umfassenden Betriebes obliegt, zu einer Geldstrafe verurteilt. Zur Anwendung kamen dabei folgende Vorschriften des 8 köt der Gewerbeordnung:„Sind bei Ausübung des Gewerbes polizeiliche Vorschriften von Personen übertreten worden, welche der Gewerbe- treibende zur Leitung des Betriebes oder eines Teils desselben oder zur Beaufsichtigung bestellt hatte, so trifft die Strafe diese letzteren. Der Gewerbetreibende ist neben denselben strafbar, wenn die lieber- tretung mit seinem Vorwissen begangen ist, oder wenn er bei der nach den Verhältnissen möglichen eigenen Be- aufs ich tigung des Betriebes, oder bei der Auswahl oder der Beaufsichtigung der Betriebsleiter oder Aufsichtspersonen es an der erforderlichen Sorgfalt hat fehlen lassen." Das Land- gericht führte in der Beziehung auS: Nicht widerlegt fei zwar die Angabe des Angeklagten Borchardt, daß er nicht g e- wüßt habe, die jungen Mädchen erhielten Pausen von weniger als einer halben Stunde. Auch könne ihm nicht vorgeworfen werden, daß er es bei der Auswahl der Direktrice an der crfordcr- lichen Sorgfalt habe fehlen lassen. Indessen wäre es dem An- geklagten möglich gewesen, von dem Kontor, wo er tätig ist, in den Saal zu gehen und hin und wieder sich davon zu überzeugen, ob den jugendlichen Arbeiterinnen die halbe Stunde Pauw gewährt werde. Er habe ja häufiger revidiert, aber niemals die Direktrice gefragt, ob sie die gesetzlichen Ruhepausen innehalte. Hinzu komme, daß die Uebertretung des Gesetzes nicht bloß dann und wann, sondern mehrere Monate hintereinander erfolgte. Somit sei ai»- zunehmen, daß Borchardt„bei der nach den Verhältnissen möglichen eigenen Beaufsichtigung des Betriebes" es an der erforderlichen Sorgfalt habe fehlen lassen. Deshalb sei er neben der Direktrice strafbar. Das Kammcrgericht verwarf die hiergegen von Borchardt ein- gelegte Revision, weil das Landgericht mit Recht unter den fest- gestellten Umständen den 8 k51 der Gewerbeordnung angewendet habe._ Statistik der KaufmannSgerichte. Kaufmannsgerichte waren bis zum Schlüsse des Jahres 1005 insgesamt 227 errichtet. Davon befinden sich in Preußen 144, in Bayern 23, in Sachsen 15, in Württemberg 8, Baden 6, Hessen 5, Mecklenburg- Schwerin und Anhalt je 3, Sachsesi-Weimar und Elsaß-Lothringen je 4, Oldcn- bürg, Sachsen-Koburg und Bremen je 2, in Braunschweig, Sachsen- Altenburg, beiden Rcuß, Lübeck und Hamburg je 1. In Mecklen- burg-Strelitz, Sachscn-Meiningen, Schwarzburg-Sonderphausen, Schwarzburg-Rudolstadt, Waldeck, Schaumburg-Lippe und Lippe be- stand 1005 kein KaufmannSgcricht. Von allen 5kaufma»nsgerichten sind 187 bereits bestehenden Gewerbegerichten angegliedert. Von den Kaufmannsgerichtcn sind für einzelne Gemeinden 212 zu- ständig, für mehrere Gemeinden 10, für mehrere Kommunalver- bände" oder Teile von solchen 5. 204 Gemeinden mit mehr als 20 000 Einwohnern haben eigene Kaufmannsgerichte errichtet. Die Arbeitszeit der gewerblichen Arbeiter und Arbeiterinnen in Württemberg. DaS Ergebnis der am 1. Oktober 1005 von der württem- bergischen Regierung an die Betriebsunternehmer gerichteten Um- frage über d i e A r b e i t s z e i t der bei ihnen beschäftigten über 16 Jahre alten Arbeiterschaft wird amtlich bekannt gegeben. Danach arbeiten ..»v w-nla!?. Ueber 10 Stunden: und weniger: Arveiter: 55 700--- 40,0 Proz. 55 071--- 50,1 Proz. Arbeiterinnen: 14 620— 32,0„ 29 803---- 67,1, Weniger als 9 Stunden arbeiten aber von den Arbeitern nur 4,8 Proz. und von den Arbeiterinnen 2,1 Proz. Mehr als 12 Stunden mußten 0,67 Proz. der Arbeiter und keine der Arbeiterinnen tätig sein. Nach alledem Wied, nach Abzug der Frühstücks- und Vesper- pausen, die d u r ch s ch n i ttli ch e Arb eits z ei t derArbeiter auf g Stunden 38 Minuten, die der Arbeiterinnen auf ll Stunden 27 Minuten berechnet. Die längste Arbeitszeit besteht für männliche Arbeiter in der N a h r n n g s m i t t e l i n d u st r i e mit 11 Stunden 19 Minuten, für Arbeiterinnen in den Ziegeleien mit 11 Stunden 5 Minuten. Die kürze st e Arbeitszeit bietet beiden Geschlechtern das polygraphische Gewerbe, in welchem die Arbeiter 9 Stunden 24 Minuten, die Arbeiterinnen 9 Stunden 17 Minuten tätig sind. Erklärlicherweise ist die Arbeitszeit in den größeren Städten eine kürzere als in den kleinen Städten und Land- orten. Während in S t u t t g a r t die durchschnittliche Arbeitszeit eines Arbeiters 9 Stunden 97 Minuten und einer Arbeiterin 9 Stunden 47 Minuten ist, beträgt sie in Gemeinden von 6000 bis 100 009 Einwohnern für Arbeiter 10 Stunden 36 Minuten, für Arbeiterinnen 10 Stunden 20 Minuten. In den Gemein d e n unter 6000 E i n w o h n e r n ist die Durchschnittsarbeitszeit für Arbeiter gar 11 Stunden 0 Minuten, für Arbeiterinnen 10 Stunden 55 Minuten. Ein Beweis für den in der Großstadt viel nachdrücklicher und erfolgreicher zur Geltung kommenden Einfluß der Arbeiterorganisationen! Bezüglich der M i t t a g S p a n s e brachten die Erhebungen daS Ergebnis, daß dieselbe 1— l'/e Stunden für 96,4 Proz. der Arbeiter und für 99,1 Proz. der Arbeiterinnen beträgt. Eine Mittagspause von lVs�2 Stunden genießen nur 2,7 Proz. Arbeiter und 0,8 Proz. Arbeiterinnen. Die Erhebungen sind sehr interessant und werden in ihren auf die einzelnen Orte und Gciverbe bezüglichen Resultaten wohl für die Gewerkschaften wertvolles Agitationsmaterial bieten. Em Induftric und Handel Organisierter Fleischwurhcr. Die hohen Fleischpreise zu einer dauernden Einrichtung zu machen, bemühen sich ebenso gut die Agrarier wie die Großhändler. Wie die„Deutsche Fleischerzeitung" mitteilt, haben sich die Schweinezüchter Rheinhessens zu einem Ring zusammengeschlossen. Jedes Mitglied der neuentstandenen Vereinigung verpflichtet sich, Schiveine nicht unter 56 Pf. Lebendgewicht oder 80 Pf. Schlachtgelvicht abzugeben. Für jeden Fall der Uebertretung dieser Bestimmung tritt eine Konventionalstrafe von 1000 M. in Kraft.— Wie uns versichert wurde, haben auch die hiesigen Komniissionäre einen Ring gebildet zum Zweck der Hochhaltung der Viehpreise. Die Mitglieder verpflichteten sich bei Festsetzung einer eventuell zu zahlenden Konventionalstrafe, nicht unter bestimmte Preise hinabzugehen. Unter diesen Uniständen, die eine systematische, dauernde Plünderung der Konsumenten bedeuten, lväre es eine Aufgabe der Stadtverwaltung, die Fleischversorgung zil organisieren, den unverschämten Plänen solvohl der Agrarier lvie auch der Händler entgegen zu arbeiten. Opfer des Glücks. Die Aktionäre der Aktiengesellschaft „Charlottenhütte" in Niederschelden, die in letzten Jahren keine Dividende erhielten, dürfen ganz unvermutet diesmal 10 Proz. einstreichen.— Mit 15 Proz. Dividendenlohn müssen sich die Couponabschneider der Bleistiftfabrik Faber A.-G. begnügen.— Die Gcrnrode- Harzgcroder Eisenhüttengesellschaft erzielte eine um 27 Proz. erhöhte Einnahme. 4�2 Proz. Dividende werden ausgeschüttet.— Die Wandererfahrrädwerke sollen wiederum 17 Proz. ergeben.— Die Spinnerei und Weberei Koltern kann 10 Proz. Dividende abstoßen.— 7 Proz. erhalten die Aktionäre der Fabrik für Eisenkonstruktion A.-G., Zürich.— Die Terraingesellschast am Großschiffahrtsweg Berlin erzielte im ersten Geschäftsjahre einen Reingelvinn von 111 705 M.— Die Dividende der Kasseler Jute- spinnerei wird auf 12 Proz. geschätzt.— Wiederum IV/z Prozent Dividende fließen den Aktionären der Transport A.-G. svorm.J.Hevecke) Hamburg zu.— Bei einer Erhöhung des Aktienkapitals von 28 Millionen Mark auf 30 Millionen Mark heimsen die Papier- inhaber der Rheinischen Stahlwerke eine um 3 Proz., auf 12 Proz. erhöhte Dividende ein. Dabei werden 2 336 000 M. zu Abschreibungen verwendet gegen 1 939 000 M. im Vorjahre.— Dabei ist man sortgesetzt bemüht, das Glück noch weiter zu korrigieren— durch Preis- aufschlage. Die oberschlesischen Grobblechhändler setzten die Preise jetzt ab August um 10 M. hinauf. Die Zementfabriken in Ober- schlesien nahmen eine Steigerung um 25 Pf. pro Faß vor.— Die Vereinigung der Bandeisenwerke erhöhte die Preise um 7,60 M. pro Tonne._ Deutschlands Außenhandel in den Monaten März bis Juli 1900. Nach dem vom Kaiserlichen Statistischen Amte herausgegebenem Julihcste der Monatlichen Nachweise über den auswärtigen Handel betrug: 1. Die Einfuhr im Juli in Tonnen 4 614 594, ferner 990177 Stück, 133 884 Faß, 366 Stock(Biene, i), in den fünf Monaten März bis Juli 21171082 Tonnen. 3 270 322 Stück, 222 770 Faß, 5402 Stock; 2. die Ausfuhr im Juli 3 658 092 Tonneu, 306 663 Stück. 196 Faß, 136 Stock, 61 069 Hektoliter und 109 232 Flaschen� in den fünf Monaten März bis Juli 16 693 793 Tonnen, 2 450 347 Stück. 1019 Faß, 322 Stock. 241772 Hektoliter und 676 706 Flaschen. Em- und Ausfuhr haben gegen den Juni zugenommen, jene mehr als diese. Im Juli er. wurden importiert an Roheisen 377 000 Doppel- Miltner(vom März bis Juli 1 422 000 Doppelzentner) und an Weißblech 34 000 Doppelzentner<134 000 Doppelzentner). Exportiert wurden u. a. 386 000(1770 000) Doppelzentner Roheisen, 294 000 (1 492 000) Rohluppen. Rohschienen usw., 369 000(1673 000) schmiedbares Eisen in Stäben: Träger, 164 000(703 000) fassoniertes Stabeisen, 161000(719 000) Grobbleche. 366 000<1 286 000) Eisen- bahnschienen und 133 000(511000) eiserne Eisenbahnschwellen. An Feingold wurden eingeführt im Juli 13,4 Doppelzentner(seit 1. März 317,29 Doppelzentner), an deutschen Goldmünzen 1,63 Doppel- zcntner(98,36), an Goldasche und Goldgekrätz 230,33 Doppel- zentner(1054,35), und an Barren ans Bruchgold 61,63 Doppel- zentner(169,1). Aus Rußland kamen im Juli er. 3,12 Doppel- zentner und seit dem 1. März 296,69 Doppelzentner Feingold. Exportiert wurden im Juli 9,27 Doppelzentner(29,22) Feingold, 6,32 Doppelzentner(46,65) deutsche Goldmünzen, 22,24 Doppel- zentner(64,02), fremde Goldmünzen und 48,67 Doppelzentner (84,77) Goldasche und Goldgekrätz. Den Handelscrgebnissen stir Juli und März bis Juli sind dies- mal außer den gewöhnlickien Uebersichten auch die Werte für das erste Halbjahr 1906 angereiht. Die Werte für die Zeit vor dem Inkrafttreten des neuen Tarifs lourden von dem handelsstatistischen Beirat während seiner letzten Beratung endgültig ermittelt, ebenso ein großer Teil der Werte für die Zeit nach dem 1. März 1906. Die Werte �ür die seitdem ein- und ausgeführten Waren sind als vor- läufige anzusehen. Sie werden bei den nächsten Beratungen des handelsstatistischen Beirates einer eingehenden Prüfung unterzogen werden und dürften dabei mehrfache Aenderungen erfahren. Die Werte betrugen in Millionen Mark: 1. für Januar und Februar Einfuhr.. 1846,6, Ausfuhr 1197,6 2. für März bis Juni., 2433,7,„ 1715,8 zusammen Einfuhr.. 4279,2, Ausfuhr 2913,3 für daS 1. Halbjahr oder gegen das Vorjahr mehr in der Einfuhr 906, in der Ausfuhr 269,4, gegen 1904 mehr in der Einsuhr 1066,2, in der Ausfuhr 330,1 Millionen Mark.- Ein wirtschaftlicher Todesfall. Nach einer kürzlich erfolgten Fest- stellimg verfügte der Concern der Real Estate Trust Company in Philadelphia über 7 500 000 Dollar Depositen. Die Gesellschaft stellte die Zahlungen ein. In Betracht kommen bei dem Zusammen- bruche 7 Millionen Dollar. Die Depositengläubiger der Gesellschaft sind die First National Bank, die Market Street National Bank und die Franklin National Bank. Die leitenden Beamten dieser Banken geben bekannt, daß diese bis gestern 600 000 Dollar zum Versuche, die Bank zu retten, beigesteuert haben. Sie erklären, ihre Banken ivürden nicht in den Zusammenbruch hineingezogen werden. Ein Konkursverlvalter ist bereits ernannt worden. Berlängeruilg des StahlverbandeS. Wie dem„B. T." versichert wird, ist der Verlängerung des Stahlverbandes auf zehn Jahre von den meisten Beteiligten im Prinzip bereits zugestimmt worden. Zkicht ganz glaubwürdig klingt die weitere Mitteilung, der neue Vertrag werde in der Hauptsache dein bisherigen nachgebildet. Gerade wegen der„unwesentlichen" Punkte, Beteiligung und WerkShaudlungcn, dürfte es doch noch manche Hindernisse zu überwinden geben. Konzentration in der Erdölindustrie. Die angekündigte Grün- dung, die die wichtigsten in Wietze bestehenden Betriebe zu einem Unternehmen zusammenschließen will, ist bereits vollzogen. Unter dem Namen: Deutsche Mineralölindustrie A.-G. in Köln, hat sich eine Gesellschaft mit einem Aktienkapital von 16 Millionen Mark gebildet. Em der frauenben>egung. Die sozialdemokratischen Frauen des Kreises Niederbarnim hielten am Dienstagabend ihre Kreisversammlung im„Prälaten" in Weißensee ab. Genosse Block sprach über die bevorstehende Frauenkonfercnz und den Parteitag in Mannheim. Er wies darauf hin, daß es einer der wichtigsten Zwecke der Parteitage sei, daß sich die Partei über sich selbst klar werde, daß sie erfahre, was die Majorität in der Partei will. Dann werden die Parteitage neue Kraftquellen sein und aufs beste den agitatorischen Zivccken dienen können. Für die Frauenbewegung war das verflossene Jahr ein recht g ü n st i g e s, es zeigte sich ein kräftiger Aufschwung, die Zeit des schwersten Ringens um eine Mit- Wirkung der Frauen an der sozialdemokratischen Bewegung ist vorbei. Zeugnis davon legh die erhöhte Zahl der Abonnenten für die„Gleichheit" ab, die über 16 000 in dem verflossenen Jahre betrug, und die„Gleichheit" ist ein vorzügliches Organ für die deutsche Frauenbewegung. Der Redner geht die einzelnen Punkte der Tagesordnung für die Frauenkonferenz durch. In der Frage des Frauen st i in mrechts, worüber Genossin Zetkin sprechen wird, gilt es, das Terrain abzugrenzen gegenüber der bürgerlichen Frauenbewegung. Diese macht der Sozialdemokratie mit Unrecht oft den Vorwurf, daß sie manche Gelegenheit ver- säume, für das Frauenstimmrecht einzutreten. In der Wahlrechts- bewcgung ist diese Frage leider nicht sonderlich in den Vordergrund getreten; die Frauen waren nicht genügend vorbereitet, sie ent- falteten keine eigene Agitation; trotzdem wußten sich die prole- tarischcn Frauen eins mit der Parteibcwcgung, die agitatorisch wirken wollte, und da gibt es nach jeder Richtung bei Männern und rauen noch viel zu tun. Uebcr die Agitation unter den andarbeiterinncn wird die Genossin Zieh Bericht er- statten, die darin praktisch wohl erfahren und geeignet ist, ein gutes Urteil zu fällen. Man weiß, welchen Schwierigkeiten die Auf- klärungsarbeit auf dem Lande begegnet und man darf sagen, daß es weit schwerer noch ist, bei den Arbeiterinnen Eingang zu finden als bei den Arbeitern. Aehnlich liegt es in den Städten mit der Dienstbotenbewegung, worüber Genossin Grünberg sprechen wivd. In Berlin ist die Agitation unter den Dienst- boten bis in die neueste Zeit von wenig Erfolg gewesen, während man von anderen Städten, wie z. B. aus Nürnberg, mehr darüber hörte. Aber es regt sich jetzt auch in Berlin. Die G e- indeordnung ist längst reif zur Abschaffung, aber gerade in ieser Frage haben die bürgerlichen Parteien gemeinsam Widerstand geleistet. Uebcr die Fürsorge für Schwangere und Wöchnerinnen wird Genossin Duncker sprechen. Was in dieser Fürsorge durch die Krankenversicherung geleistet wird, ist nur ein Tropfen auf einen heißen Stein, und doch ist eZ so sehr wichtig, daß darin mehr geschieht, denn die kommende Generation ist davon abhängig. Die Mutterschaftsversichernng wird bei diesem Punkte auch wohl zur Sprache kommen.— Seit einiger Zeit ist der Ruf nach besserer Bildung unter den Genossinnen und Genossen immer lauter geworden. Seit dem Attentat aus die Volksschule drängt sich immer mehr die Frage auf:„Was ist zu tun, um dafür zu sorgen, daß unsere Kinder zu Kämpfern in der proletarischen Bewegung erzogen werden?" Darum wird auf dem Parteitage das Thema Sozialdemokratie und Volks- erziehung besondere Aufmerksamkeit beanspruchen. Die Leit- sähe dazu sind jüngst im„Vorwärts" veröffentlicht worden. Redner berührt kurz die übrigen Punkte der Tagesordnung des Parteitages und verweilt nur bei dem Thema„Politischer Massenstreik" etwas länger; er erklärt, daß ein solcher Streik als A n g r i f f s w a f f e erst an dem Tage in Betracht komme, wenn der Entscheidungskampf um die politische Macht vor der Tür steht. Was die Differenzen zwischen Partei und Gewerkschaft anbetrifft, so werden sie nie so groß werden, wie die Gegner es wünschen. Genosse Block schließt mit dem Wunsche, daß der Parteitag und die Frauenkonferenz von befruchtendem Nutzen für die proletarische Bewegung sein mögen. In der Diskussion nimmt Genosse Jetzerowsky das Wort und hofft, daß immer mehr Frauen sich finden mögen, die mitarbeiten an den großen Aufgaben der Partei und mithelfen, manchen mittel- alterlichen Schutt, wie z. B. die Gesindeordnung, hinwegzuräumen. Zwei Anträge liegen vor. Der erste verlangr, daß die Bekannt- machungen der Versammlungen in der Rubrik„Frauenbewegung" im„Vorwärts" wieder an erster Stelle, wie früher, eingesetzt werden und die Berichte nach denselben folgen sollen. Genossin Teuber spricht zu diesem Antrage und gibt ihrer Unzufriedenheit über die Rubrik„Frauenbewegung" Ausdruck. Die Frauen fühlen sich vernachlässigt und verlangen Abhülfe. Der Antrag wurde an- genommen. Der zweite Antrag lautet dahin, die bisher erschienenen Kinder- beilagen der„Gleichheit" zu einem Buche zusammenzufassen, welches dann als passendes Geschenk für den Weihnachtstisch herausgegeben werden sollte. Zu diesem'Antrage sprach Genossin Neumann, indem sie der Kinderbeilage große Anerkennung zollte und erklärte, daß der Wunsch vieler Frauen in diesem Borschlage ausgedrückt sei. Der Antrag wurde angenommen. Als Delegiertin nach Mannheim wurde Genossin N e u m a n n und als Delegiertin zur Brandenburger Konserenz Genossin Teuber gewählt.__ Gcncbtö- Zeitung* Gegen„Die Schönheit". Gegen die Kunstzeitschrift„Die Schönheit" wird am 1. September vor dem Landgericht I ein Strafprozeß verhandelt werden, der von prinzipieller Bedeutung ist, da es sich wieder um die Darstellung des Nackten handelt. Die Beanstandung der Zeitschrift ist wieder von dem berühmten Kölner Sittlichkeitsverein ausgegangen. Es soll die Frage entschieden werden, ob künstlerische Photographien nackter Körper als verletzend für das Schamgefühl anzusehen sind. Außer einigen Auf- sätzen sind die Bilder„Unschuld",„Träumerei",„Ausblick",„Spiegel- bild",„Im Mai",„Die Waldfran" und„Auf der Höhe" unter Anklage gestellt. Als Sachverständige über den wissenschaftlichen bezw. künstlerischen Wert der inkriminierten Druckerzeugnisse sind geladen: Geh. Medizinalrat Professor Dr. E u l e n b u r g, der prall. Arzt Dr. Magnus H i r s ch f e l d. der bekannte Bildhauer Harro Magnusse n sowie der Präsident der im Abgeordnetenhause tagenden photographischen Ausstellung Martin Kießling. Die Verteidigung des Herausgebers der„Schönheit", Schriftstellers Karl V a n s e l o w, sowie der Mitangeklagten Schriftsteller Wilhelm Brönner und Alexander Koch liegt in den Händen der Rechts- anwälte Dr. Werthauer und v. P a l m o w s k i. Versammlungen. DaS Thema: Partei und Gewerkschaft wurde in der am DienS. tag abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung des Wahlvercins für den vierten Kreis erörtert. Der Referent S t r ö b e l vertrat den Standpunkt, die strikte Neutralität der Ge- werkschaften müsse für die klassenbewußte Arbeiterbewegung gefähr- lich werden. Gegenwärtig sei man auch von dem Gedanken der völligen Neutralität mehr und mehr zurückgekommen, nachdem man gesehen habe, daß durch die Neutralität nicht die beabsichtigte Wirkung: Aufsaugung der Hirsch-Dnnckerschen und Christlichen durch die freien Gewerkschaften erzielt wurde. Das Schwinden des Neutralitätsgedankens in den Gewerkschaften sei ein erfreuliches Zeichen; denn im Interesse des Fortschritts der klassenbewußten Arbeiterbewegung müßten Partei und Gewerkschaft zwar neben» einander bestehen, aber doch Hand in Hand gehen. Es müßten Mittel und Wege gesucht werden, die ein Zusammenarbeiten der politischen und gewerkschaftlichen Organisation ermöglichen.— Dem Vortrage folgte eine lange und rege Diskussion, die ebenso wie die Ausführungen des Referenten einen vorwiegend theoretischen Charakter trug und nur nebenbei auf konkrete Vorgänge im Partei- und Gcwerkschaftsleben Bezug nahm. In dem Grund- gedanken, daß Partei und Gewerkschaft, jede auf ihrem besonderen Gebiet dem gemeinsamen Ziele des Sozialismus zustreben müssen, und daß die strikte Neutralität der Gewerkschaften der Arbeiter- bewegung schädlich sei, stimmten alle Redner mit dem Referenten überein, wenn sie auch im einzelnen, je nachdem sie mehr an der Partei- oder der Gewerkschaftsarbeit beteiligt sind, etwas ab- weichende Meinungen vertraten. Unter anderem kam auch das vom Genossen B r i n g m a n n auf der Gewerkschaftskonferenz ausgesprochene Verlangen nach der Schaffung einer Gewerkschafts- theorie zur Sprache. Ströbel hatte diese Angelegenheit in seinem Referat gestreift, indem er sagte, was Bringmann unter einer Gcwerkschaftsthcorie verstehe, das werde erst jetzt klar und zwar durch einen von Bringmann verfaßten Artikel in den „Sozialistischen Monatsheften". Bringmann vertrete da den Standpunkt der weitgehendsten Neutralität, er erkläre, er sei Sozialdemokrat und wolle die Partei fördern, aber die Gewerk- schaften hätten keinerlei politische Aufgaben zu erfüllen, selbst die Maifeier als Demonstration für den Achtstundentag und für polt- tische Forderungen gehöre nicht zu den Ausgaben der GeWerk- schaften, ebensowenig der politische Massenstreik.— P o e tz s ch kani in der Diskussion auf diese Angelegenheit zu sprechen und meinte, so wie Ströbel habe er den Bringmann scheu Artikel, den er allerdings erst flüchtig gelesen habe, nicht verstanden. Als Teil- nehmer an der Gewerkschaftskonferenz könne er sagen, daß Bringmann unter der Gewerkschaftstheorie nichts anderes ver- standen habe, als eine programmatische Zusammenstellung der Aufgaben, welche die Gewerkschaften zu erfüllen haben.— S ch l e n k e r, der das Verhalten der„Einigkeit" und der Lokalisten zur Protokollveröffentlichung verteidigte, meinte, der „Vorwärts" hätte den Vorwurf, die„Einigkeit" habe mit ihrer ersten Veröffentlichung aus dem Gewerkschaftsprotokoll eine Infamie begangen, zurücknehmen müssen, nachdem sich herausge- stellt hatte, daß jene Veröffentlichung auf Wahrheit beruhe.—- Hierzu sagte Ströbel in seinem Schlußwort: Ob die erste Ver- öffentlichung der„Einigkeit" als Infamie bezeichnet werden könne oder nicht, darüber lasse sich reden. Dagegen sei die ganze Art, wie die„Einigkeit" das Protokoll ausgeschlachtet habe, zum mindesten nicht als fair zu bezeichnen. Einen stärkeren Ausdruck wolle er vermeiden; er gebrauche deshalb das Fremdwort. Wenn die „Einigkeit" mit ihrer ersten Veröffentlichung keine Infamie be- gangen habe, so habe sie das nachher in reichlichem Maße getan.— In seinen weiteren Ausführungen betonte der Redner nochmals die Notwendigkeit des Zusammenarbeitens von Partei und Gewerk- schaft.— Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Genossen Ströbel, daß Partei- und Gewerkschaftsorganisationen zusammen gehen müssen, einverstanden und erwartet, daß mehr wie bisher die revolutionären sozialistischen Ideen innerhalb der Gewerkschaftsorganisationcn propagiert werden. Ihrer Ansicht über die polizeilichen Ausschreitungen in Nürn- berg gab die Versammlung durch Annahme einer scharfen Protest- resolution Ausdruck. Zu Beginn der Versammlung hatte Jansen kurz über die Parteikonferenz für die Provinz Brandenburg referiert. Dann wurde die Delegiertenwahl mittels Stimmzettel vorgenommen und das Resultat am Schluß der Versammlung bekannt gegeben. Gc- wählt sind Jaek, Wasewitz und E n d e r s. Die Brauer des Zentralverbandes deutscher Brauereiarbeiter nahinen in ihrer Versammlung Kenntnis von dem Ableben der Mit- glieder Pachnicke, Rein hold»nd E i s e r l e, deren Andenken durch Erheben von den Plätzen geehrt wurde. Hierauf erstattete T r ö g e r ausführlichen Bericht vom letzten Verbandstag, dessen Be- schlüsse jedoch die Versammlung nicht voll und ganz befriedigten. Die alsdann erfolgte Abrechnung vom zweiten Onartal ergibt eilte Einnahme von 3697,50 M.. eine Ausgabe von 1927,24 M.. so daß an die Hauptkasse 1779,26 M. abgesandt werden konnten. Die Lokal- lasse verzeichnet eine Einnahme von 1675,60 M., eine Ausgabe von 336,21 M.. so daß zuzüglich des Bestandes vom ersten Quartal ein Lokalkassenvermögen von 7391,75 M. besteht. Die Milgliederzahl beträgt 393. Sodann wurden zu Verbands-AuSschußmitgliedern Hodapp, Tröger und H e y d e r gewählt. Hinsicht- lich des ringfrcien Arbeitsnachlveises ermahnt der Vorsitzende die arbeitslosen Kollegen zur pünkilichen satzungsgemäßen Meldung, um nicht die unangenehmen Folgen der Streichung nach sich zu ziehen. Ferner wurde im weiteren Verlaufe zum Anschlüsse au die politische Partei und zum Abonnement der Arbeiterpresse angeregt. Den nach Sibirien verbannten Genossen P a r v u s und Deutsch bringt die Versammlung ihre volle Sympathie zum Ausdruck. Jni „Verschiedenen" gab das Benehmen des Brauführers H o ff m a n n der Deutschen Bierbrauerei(Pichelsdorf) Veranlassung zu lebhaften Klagen. Dieser Herr sucht die dortigen organisierten Arbeitnehmer auf alle mögliche Art zu schikanieren, welche Handlungsweise die Kollegen bereits zu einer Arbeitsverweigerung veranlaßte. Erst nachdem sich die Betriebsleitung ins Mittel legte und den Herrn in seine Schranken Verivies, nahmen die Kollegen die Arbeit Wiederaus. Schließlich wird noch bekannt gegeben, daß nnt den Brauereien Königs-Wnsterhausen und Grotz-Lichterfelde Tarifabschlüsse zu stände kamen; in letzterer Brauerei bis zu 26 Proz. Lohnerhöhung. Genosse Maurcnbrecher ersucht uns um Aufnahme folgender Bericktigung zu dem Bericht über Niederbarnim: „Ich habe nicht gesagt: Zuwachs an Mitgliedern und „Borwärts"-Lesern„sei doch kein politischer Erfolg"; sondern: ... sei doch allein noch kein politischer Erfolg und sei vielmehr der Zentralisierung der Organisationen als den Versammlungen vom 21. Januar zuzuschreiben." Verband deutscher Barbier-, Jriseur- und Perückenmachcr- gehülfcn, Berlin. Donnerstag, den 36. d. MIs, abends 10 Uhr: Ge- neralversammlung im Lokale Schillingstr. 36. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. I. A.: Banmgart. Verband der Frisenrgehülfen Dentschlands.(Zweigverein Rix- dors) Donnerstag, den 30. August, abends Sy, Uhr, bei Schmidt, Berlmerstr. 14: Mitgliederversammlung. Erscheinen unbedingt nötig. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtitcheu Marktballen-Dircktioii. lGroßhandel.) Ziindflctich Ii» 63—73 pr. 100 Pid., IIa 63 68, lila 57-62. IVa 52- 50, englische Bullen- 0,00, dänische Bullen- 0,00, holländische Bullen- 0,00. Kalbfleisch, Doppelländer 100—110, la 80-85, IIa 70-78, Ula 60 68. Hammelfleisch la 77-82, üa 07—75. Schweinefleisch 68—74. Rehböcke la per Psd. 0,60—0,78, üa 0,40 Bi« 0,50. Rotwild la per Pfund 0,40—0,52, IIa 0,00—00. Damwild 0 50. Wildschweine per Pfund 0.35. Frischlinge 0.56-0,61. Kaninchen per Stück 0,50—0,80. Wildenten la per Stück 0,80—1,25, IIa 0,00. Rebhühner junge la 0,90-1,25, junge kleine 0,40-0,50, alte 0,60-0,79. Hühner alle, per Stück 1,60- 2,00, alte, IIa 1.00-1,50. junge, per Stück 0,45-1,15. Tauben, junge, per Stück 0,30—0,61, alte 0,30—0,35. Enten, junge per Stück 1,25— 2,10, alte per Stück 0,00. Hamburger, junge, per Stück 2,80—2 90 O'önse, la per Pfund 0,55—0,62, IIa 0,45—0,54, la per Stück 2 75 bis 4,00, Ha 2,00—2,50. Poulets per Stück 0,00, da. klein 0,60—0 90. Hechte pr. 100 Pfd. 77-87. Zander 0,00. Schleie 131-132. Bleie 46. Aale, grog 93-97. niiltcl 87-96. klein 0,00, unsortiert 64-71. Plötzen 66. Karpfen 90. Barsc 0,00, matt 0,00. Blelsifchc matt, 0,00. Karauschen 85. Wels 0,00. Bunte Fische 41—70. Amerikanischer Lachs I neuer per 100 Psd. 110-130, do. II neuer 90-100, do. HI neuer 50—75. Seelachs 20—25. Flundern, pomm. I, per Schock 9, do. pomm. II 2— 3, Kieler, Stiege la 4— 6, do. mittel per Kiste 2—3, do. klein per Kiste 0.00. Bücklinge, per Wall Kieler 4-5, stralsuuder 5—6. Aale, gros per Pjd. 1,10—1.50, miltclgros 0.80—1,00, klein 0,50—0,60. Heringe per Schock 4—5. Schellfische Kiste 3—4, do '/, Kiste 2— 3. Kabliau, per 100 Psd. 10—13. Heilbutt 25. Sardellen. 1902er per Anker 90. 1904er 90, 1905er 82, 1906er 65. Schollische Vvllhcriuge 1905 0,00, largo 40—44, fall. 36—38, med. 35—42, deutsche 37—44 Heringe, neue Matjes, per-/, To. 60-120. Hunimern. Ha. 100 Psd. 0,00. Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 0,00, kleine 0,00, inisortiert 9,50. Galizier, groß 0,00. Eier, Land-, per Schock 2,60- 3,30. Butlei per 100 Psd. la 122-124, IIa 118-120. Ula 112-116. absallende 95-110. saure Gurken Schock 3.50—4,00. Pscfjcrgurkc» 3,50-4.00 Kartosseln per 100 Psd. Rosen 1.50—1,75, neue runde 1,50—2.25, neue blaue 2,25—2,50 neue Zerbster 0,00. Spinat p. 100 Psd. 15—18. Karotten p. 100 Stück 1,50-2 00. Sellerie, hiefige, P.Schock 1,50-6.00. Zwiebeln lOOPsd. 3-3,50 Petersilie, grün, Schockbd. 1,20. Kohlrabi p. Schock 0,75—1,00. Zicltig. bahr., p. Schock 2,40 Jan Radieschen p. schock-Bd. 0,60-0.70. Salat. P.Schock 1.00-1,50. grüne, per 100 Psund 8—20, Wachsbohncn 8—25. Schoten Psd. 10-20. Psefserlinge ver 100 Psd. 10-17. Mohrrüben per 100 Pjd. 4—5. Blumenkohl per Mandel 1,00—2,50. Wirsingkohl per Schock 4,00—8,00. Rotkohl p. Schock 3,00-10,00. Weißkohl P. Schock 2,00 bis 5,00. Steinpilze p. 100 Psd. 25—45. Gurken, Zerbster, Schock 0,00 0,00, do. Einlege-, Schock 1,00—2,00, do.Rotheiibg.T50— 3,00, do. Liegnitzer 2,50— 4, do. Einlege-(Sons-) 10—16. Kohlrüben, Schock 3—5. Tomaten, hiesige 100 Psd. 4—8. Birnen, ital. per 100 Psd. 10—24, hiesige 3—10, Tiroler 14—33, böhmische 5— 13, Rettig- 3— 5. Acpscl, ungar., pcrlOOPsd. 6— 14, ttal. 8—15, hiesige 2,50—11, Gravensteiner 12—14, Tiroler 25—42. Preißelbeeren 15—18, schwedische 16—19. Blaubeeren per 100 Psd. 10—12. Pflaumen, ital. runde dunkle per 100 Psd. 0,00, ital. lange gelbe 0,00, ital. runde 0,00, ungariiche 6—9, hiesige 3—6, Reineclauden 6—18. Zitronen. Messina 300 Stück 18,00-22,00, 360 Stück 14,00-18,00, 200 Stück 13,00-18,00, 420 Stück, klein 12.00. Psirsichc, Werdcrsche per 100 Psd. 15—20, sranzösischc 20—40, italienische I Kiste 2,00—2,50, do. II Kiste 0,80-1,60, do. III Kiste 1,00-1.20, do. in Körben per 100 Pjd. 20-50. bis 4,80. Bohnen, per 100 ßnefhaften der Redaktton. Tic juristische Tprcchstiindc sindet wochciltäglich von?'/: bis O'/c Uhr abends statt. t«ei>n»et? Uhr. Toniiabends beginnt die Sprechstnnde Ul» « Uhr. Jeder'Uufrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als»icrkzeichen bcizusiigen. Briefliche Zlnttvort wird nicht erteilt. W. K.!i7. Wenn Sie Verbindung mit einer Bank haben, benutzen Sie am besten diese, sonst dürste sich Wertsendung empschlcn.— Herodot. Gegen den Unsug mancher Zcilungshändler, die über den Inhalt unseres Blattes beim Verlaus falsche Angaben machen und außerdem einen exorbitant hohen Preis vom Publikum fordern, können wir leider nichts machen. Diese Leute kaufen in der Expedition eine Anzahl Zeitungen, über die uns dann ein Vcrsügungsrccht nicht zusteht. Daß wir das von Ihnen geschilderte Verfahren nicht billigen, ist selbstverständlich.— AI. Z., Schöneberg. Gut gemeint, aber nicht verwendbar. F. W. Hierüber erhalten Sie Auskunft aus dem Patentamt. Siehe Adreßbuch.— S. 715. Bestimmte Grenzen gibt es hierin nicht. Allgemein werde» beide zur sogenannten sranzösischen Schweiz gerechnet.— T. 348. Mir.— 2l. I. Muß jeder selbst empfinden.— Biichdrucker Ruinänien. Internationales Buchdruckersckretariat: P. Stautner, Bern.— liOill.Wanäs. „Extra-Osfertenblatt für Papier-, Schreib- und Galanteriewaren". Eut- lingen i. Württ.— M. R. 500. Uns noch nicht begegnet.—(S. W. 81. Fragen Sie an bei Litsin, Berlin, Vlemelerstr. 67.— M. Z. ÄS. Gc- schästsempfehlung bei uns ausgeschlossen. Erhalten Sie in cinem Spezial- geschäst.______ rvItterniigSuberstcht voi» 29. August 1900, morgens 8 Nye. Stallone» Swineinde Hamburg Berlin Fraiits a.M Münchc» Wien L£ £= «— « 5 = H B« weiter 769 W 771 WSW 771 W 772910 772 D 772 Still 2bedcckt 2 bedeckt 3 wolkig 3wolkenl 3 wölken! Dunst »s- B 5. s? W»o Stationen = 5 B« L daparanda 758 N Petersburg 756 WNW Scilly tlberdee» Paris 763 OSO 767 SSW 7690 Wetter 2 wölken! 3 wölken! 3 heiter 2 wolkig 2 wolkenl »K M_a 5 7 16 17 12 Wetter-Proguosc für Donnerstag, de» 30. August 1900. Trocken und vielfach heiter bei ziemlich frischen nordwestlichen Winden und wenig veränderter Temperatur. Berliner Wettervurea«. Wasserstand am 28. Allgust. Elbe bei Aiissig— 0,41 Meter, bei Dresden— 1,71 Meier, bei Magdeburg-s- 0,84 Meter.— Uli st ruf bei Straußsurt+ 1,15 Meter.— Oder bei Ratibor-s- 1,43 Meter, bei Breslau Oberpcgcl+ 4,90 Meter, bei Breslau Unterpegel— 1,44 Meter. bei Frankfurt-s- 1,21 Meter.— Warthe bei Posen-s- 0,42 Meter. Für den Inhalt der Inserate überniuinit die Redattiou dem Piiblitiiui gegenüber keinerlei Bcrantwortiing. Ukeater. Donnerstag, 30. August. Ansang 7>/, Uhr. Opernhaus. Orpheus und Eurydike. Schauspielhaus. König Heinrich der Vierte.(I. Teil.) Neues Operntheater. Fledermaus. Deutsches. Ein Sommernachtstraum. pessing. Nora. Ansang 8 Uhr. Berliner. Sherlock Holines. Schiller 4». iWnUiier-Theater.) Der Troubadour. Schiller lgriedrich Wilhelm- städtisches-Theater). Weh' dem, der lügt. Komische Oper. HoffmannS Er- Zählungen. Westen. Die lustige Witwe. Residenz. Die Höhle dcS Löwen. Zentral. Der Zigeunerbaron. Driaiion. Die Notbrücke. Lnstipicthaus. Spatzenliebe. Kleines. Ein idealer Gatte. Gart Weist. Adele. Deutsch> Amerilanisches. wilden Westen. Mctropol. Ans ins Mctropol. Zlpollo. Berlin im Omnibus. Das blaue Bild. Speztalttäten. Thalia. Wenn die Bombe platzt. Luisen. Roscnmüller und Finke. Wintergarten. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Reichsliallrn. Stettiner Sänger. Carl Haberland. Spezialitäten. Urania. Tniidenstrahr 481/4«. Abends 8 Uhr: Die deutsche Oft- seeküfte. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57/62. Im Ferdinand Bonns Berliner Theater. Heute und folgende Tage: 8kerlockk)olmes. _ Ansang 8 Uhr._ Neues Theater. Eröffnungs-Borstellung Freitag, den 31. August, Anf. 3 Uhr: Zum erstenmal: SjjaiiarLlI. Der bQrgerliohe Edelmann von Notiere. Deutsch von Fulda. Sonnabend, Sonntag, Montag: Dieselbe Vorstellung._ Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Ein idealer Gatte. Freitag: onmenslege.— Hille vodde. vis Schlangcndame. Sonnabend: Ein idealer Gatte. Neues kgl. Operntheater (Kroll). Anfang 7'/, Uhr. Gastspiel Emmy Zimmermann: Die Fleaermans. Freitag letztes Gastspiel Sign. Prevosti un d letzte Opemvorst.: La Traviata. Vorverkauf im kgl. Opernhaus, Schalter II, A. Wertheim und Invalidendank. Komisehe Oper. Freitag: Die Bohöme. Sonnabend zum 200. Male: Hoffmann« Erzählungen. Sonntag nachm. 3 Uhr u. abends 8 Uhr: Hoffmann« Erzählungen. Luisen-Theater Reichenbergerstr. 34. Anfang 8 Uhr. Rosenmitller und Ftuke. Freitag z. erstenmal: Romeo u. Julia. Sonnabend: Die Hochzeit von Valent. Sonntag nachm.: Romeo und Julia. Abends: Rosenmüller und Finfe. Montag: Rosenmüller und Finke. Urania, "Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: le. Zoo iocischer GARTEN Täglich ab nachmittags 5 Uhr: (irottes Eintritt 1 M.. v. 6 Uhr ab 50 Ps. Kinder unter 10 Jahren die Hälste. Zentral-Theater. (Operette). 8 Uhr halbe Preise: KnWtokt. Dsiilsch-Aiwikanlscbss THKAXKR. Köpenickerstr. 67-68. Jeden Abend 8 Uhr: Gastspiel Adolf Philipps: Zill wilden Westen. Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Preise: ,|Uebern großen TeichJs Lustspielhaus. Täglich 8 Uhr: Spatzenliebe. Metropol-Theater Henry Bender. Josef Giampietro. Frifz Massary. Grolle.lahresrevuo mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet 19 Uhr: xovitttt: 19 Uhr: Serlitt int Omnibus. Im zweiten Bilde: Der Omnibus- Trick. Vorher: Letzte Woche! Dir erstklassigen Spezialitäten. Rklldtiis-Theettr. Direktion Richard Alexander. Heute und solgendc Tage Ans. 8 Uhr: Die Höhle des Fönte». Schwant in 3 Akten v. M. Heunequin und P. Bilhaud. Gaston Chalindrey: Rich. Alexander. Sortziug-Theater früher HelleaMianee-Theater. Direktion: Hlnx tinrrlnon. Sonnabend, 1. September: RrtflCnnngH- Yorstellnng! Zar und Zimmermann. AM" Abonnements gültig. Anfang 7'/j Uhr Anfang 8 Uhr. Feodorowna Kyssima intemauon. Couplet-Sängerin. Auf der diesjährigen Schönheit«- Konkurrenz In Karlsbad mit dem ersten Preise gekrönt. Ii erstklassige Hunierii! Schill er-Th ea ter. Schiller-Theater N. sFricdr.-Wilh.TH.) Schiller-Theater 0. sWallner-Thealer). Morwitz-Oper. DonnerStag.abendSSUHr: Abschied Heinrich Böteis: Der Troubadour. Große Oper in Akten von G. Verdi. Freitag, abends 8 Uhr: Letzte Opern-Vorstellung bei halben Preisen: FIdello. S o ii n a d e ii d. abends 8 Uhr: Eröffnung der Schauspiel-Saison. Zum erstenmal: Fran Inger auf Oestrot. DoniierStag.adendsSUhr: Weh' dem der lügt. Lustspiel in 5 Ausz. v. F. Grillparzer. Freitag, abends 8 Uhr: Haeemanns Töchter. Sonnabend, abends 8 U h r: Da«einann. Töchter. Im Garten tägl. gr. kzilitär-Konzert. ! M»x hiiems Zommer-Theoler.! � Hasenheide 13—>5. Artistische Leitung: Paul Hilhitz. Jiasiicii: Gr. Konzert, Theater� Spezialitätenvorstetlung» 2 Jeden Montag: Tommerfest.— Jeden Mittivoch: die beliebten a M Kinderfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Dag. U Larl VeiK-Tlieater. Gr Franklnrterstr.>32. Im Theater: Täglich 8 Uhr: Adele, Sonntag nachm. 3 Uhr zu klebten Preisen: Adele. I m Sommergarten: Grosse Spezialitäten- Vorstellung. _ Ansang 5 Uhr. W. Noacks Theater. Direktion Roh. Dill. Bruimenlti. 16. Tleater, Konzert, Spezialitüten. Direktor Dill In Försters Wilhelm. Fredo Geyband, bester Ver- wandlungs-Ehnrakter-Schauspieler. Ansang ti Uhr Kasfeeküchc von 3 Uhr. Bei schlecht. Welt.: Vorslcll. im Saale. Lö Trillnoil-Thestei'. Anfang 8 Uhr. Die Notbrücke. BenMRose-Tiieates Gesundbrunnen, Badstraße 58. Zum letztenmal: Luseh-Lissl oder: Die Mühle im Edelgrund. Zum letztenmal: Das Sensations-Spezialitäten-Progr. Ansang 4'/, Uhr. Entrce 30 Ps.. num. Platz 50 Ps. Billettvorverkaus von 10—1 Uhr an der Theaterkasse. Sonnlag. 2. September: Robert nnd Bertram- Kasino-Theater Lothringers�. 37. Täglich 8 Uhr »b Sonnabend, den l. Sept. Erössiiungs-Vorstelliing: Alexander der Große von Emil Thomas unii Äiloll Seling. Am Königslor— Am Fried richshain. Täglich: Tkester-Vorstellnnx, Spezialitäten u. Ball. Berlin arm und reich. Volksstück mit Gesang in 2 Akten. Der mysteriöse Wnnder-Globus (das Rätsel aller Rätsel). Der Antipode auf lebender Brücke. Die 5 Jaksons, Akrobaten. Clothilde u. Bertram. Trio MchlnrafHa. Wochentags: Damentanz frei. Llnsang 3 Uhr.— Entree 39 Pf. SanssoucUS" Soimtg., Montg. Donnerst. und Sonnabend: HoHmanns Hordd. Sänger und Tanzkränzchen. Alte Liebe rostet nicht. Außerdem: Durchmeg neues Programm. Entr. 30 Ps.. nuni.PI. 50 Ps. Im Vorgart.: ssroikoiuori. slkslls- Variete-Theater Weinbergsweg(V/lu am Rosenthaler Tor. Eröffnung .Uepimer. | D Internationale *** Spezialitäten. Vorverkauf an der Theaterkasse von 10-2 Uhr, im Invalidendank u. i. den Wert- heimschen Warenhäusern. Linienstr. 132, Ecke FrledrichstraBe. Dir. Felix Berg. Premiere i. Vorverkauf bei Wcrthelm und an der Theaterkasse. Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee 148. Clown Dolly ist da! Taglionis Ballett-Ensemble. The Regahs musikalischer Akt. Das Bild des Vaters. Vollsstück in 2 Akten. Ans. 4'/, Ubr. Tanz. Enlrec 39 Ps. sseum ro|0 Drcisdenerstr. 97. Sonnahend, den 1. Septemher: Saison-Eröffnung. — Thentcrttaal.— iE orstklasHlge iE 8pczialitatcn Konzertsaal:— Künstlerkonzert undVolks-Kabarett Nur Kräfte ersten Banges. Kein Weinzwang. Sonntags: 8 Vorntcllnngcn. Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger Ansang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Großer Erfolg des Sröffnungs-Progratmns. Robert Wteldl, Humorist. Das Erntefest, engl. Ballettszene. Paul Conchas, Kraftjongleur. Bonhair Gregory, Akrobat.-Truppe. Campbell und Johnstone, komische Kadfahrer. □er Biograph. Mia Werber, Sängerin. Chung Ling Soo, chin. Zanberkünstl. De Witt Burns und Torrance, amerikanische Exzentriks. Die Pisslutti, Beitakt. Ferry Corwoy, musikal. Clown. Price u. ToJedo, Kontorsionisten. Anfang 8 Uhr._ Volksgarten-Thealer. Badstr. 8(Behm- u. Bcllermannftr.) Konzert Theater u. Spezialitäten. Das neue Rugnst-Programin! Idonte Christo, The Barrel, Henry Sage, Verona de Fenseoa, Verwand- luiigs-Schouspielclin. Hierzu: „Änf fremder Erde". Großes Ausstattungsstück mit Gesang. f Prater-Theater 1 Kastanien-Allee 7/9. ZMirnHiinmel v.Erde! Milardo, Humorist. Borussia-Sextett. Sands Sportakt. »Der grüne Teufel- große Pantomime. Ron�ert. Ball. t Ansang 4 Uhr. Eintritt 30 Ps Numerierter Platz 50 Pf. nSeir-kstellunis- ßi08rapti-(S'. lo«i.) Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Verbindung mit gröllter Films- Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. ♦ Den ganzen Tag Vorstellung. ♦ Otto Pritzkow. MUnzstr. 16. Palast Theater. Burgsir. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Sonoahenii, 1. September, 8 Uhr; Beginn der XII. Saison. Das 15 Debüts. Zum erstenmal: Der Sotntnerlentnnnt. Gustav Behrens Theater, Berlin O., Frankfurter Allee 85. Das Anfschcn erregende Eröffnvngs-Prograuttu. 1 5 erstklassig. Nuiumeui Fant nml Mary Wilson Gedankenübertragung in höchster Vollendung. 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Diese Quaiitäts>Eigentümlichkeiten werden selten vereinigt in türkischen Cigaretten gefunden und in keiner Sorte so vollkommen als in J OSETT CIGARETTEN Wir haben viele türkische Cigaretten mit ausgesprochenem würzigen Aroma geraucht, aber die Stärke derselben war für dauerndes Rauchen un» erwünscht. Es sipd die bei der Herstellung von Josetti-Cigaretten verwendeten geschickten Mischungen, die das bouquetreiche Aroma der reifsten besten türkischen Tabake vereinigt mit mildem, lieblichem und doch vollsaftigen Geschmack bewahren. Dies kann nur mit absolut harmonisch zusammen* gestellten Mischungen erreicht werden. Dieses Ziel zu erlangen, ist uns stets als wichtigste Aufgabe in unserer langjährigen Praxis erschienen, und nur durch unermüdliche Bestrebungen ist es uns gelungen, Josetti-Cigaretten zu ihrer jetzigen Vervollkommnung zu bringen und uns. den hervorragenden Platz, den wir in unserer Branche einnehmen, zu gewinnen. Josetti Juno 10 St. 20 Pfg. Josetti Griseldis 10 St. SO Pfg. t r$h f \ Ky w< ZusammensteHong der Tabakblätter Alt Josetti-GgarettcD aus Verpacken in Ballen. teil HorUzpIatz. Täglich im Garten bezw. ► in de»»ntere» Talen Mittwoch il. Sonnabend: ri-eitsnr. Alle Wanzen werden nebst Brut durch mein Mittel vollständig vertilgt.— Fl. 50 Ps. u. l.OO.— Ebenso Schwaben, Russen, Eranzosen, Blattläuse usw. Schachtel O Ps.. OO Pf. u. 1.00. 1914L* — Zahlreiche Anerkennungen.—■ 1000 Mark Belohnung zahle demjenigen, der mir einen Nichtersolg nachweist. Nur allein echt bei Hu«« Barth, Drogerie, jetzt Brunnenstr. 14, früher Nr. 81. Expedition des„Vorwärts" Berlin 3W 68,Lindenstr.69. Soeben erschienen! >ll»ftritticr NU WMj für das Jahr 1907. Einunddreihigster Jahrgang Jnhalts-Verzcichnis: btalendarium— Poftwesen— BeachtenS- rvertc Adressen- Statistisches— Rückblick— Messen und Märkte— Im Kreislaus des Jahres— Tie Reform der Ttraf- prozest-Ordnung. Von Rechtsanwalt Hugo Heinemann— Teuchen- gefahr und Tenchenverhütung. Bon Dr. I. Zadel smit Jlluftr.) — Zwei Lieder im Volkston. Von Leo Heller.— Ein Maifefttag. Nach dem Leben erzählt von Minna Kautsky(mit Illustrationen)— Weim wir nicht mehr gütig sind. Gedicht von Ernst Prcczang— Der Kampf um das Mittelmcer der Zukunft. Von Heinrich Cunow(mit Illustration)— Die Karikatur und ihre Bedeutung. Von Ed. Fuchs(mit Illustrationen)— Wir sind der Sieg. Gedicht von Ludw. Lessen— Moderne Kraftwagen. Von A. G.(mit Illustrationen)— Sozialistische Frauenagitation. Von Ottilie Baader— Lied der Bergleute. Von W. L.— Die Kultur des Tabaks. Von Ll. G. Grant— Französische GeseUeuorganisation im 18. und 10. Jahrhundert. Von Adolf Braun— Nachtarbeit. Gedicht von G. Weber— Szenen aus der russischen Revolution. Von I. H.(mit Illustrationen)— Unsere Toten(Mit Porträts)— Heilige Familie. Gedicht von E. Kreowski— Fliegende Blätter— DaS Armband. Satirische Skizze von Michel Tbivars. 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Rcscrent: F. Kotzke. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Pünktlichen und zahlreichen Besuch erwartet Her Branehenlelter: G. Pinkert. ES! K die Zigarren- und Zigarettenhändler Sertins und Umgegend! Die Nummer des„Vorwärts" vom 19. August enthält einen Bericht über eine Protestversammlang der Zigarren- and Zigaretten liiindler Berlins nnd Umgegend. In diesem wird behauptet, daß die Zigarettenfabrikanten die Banderolensteuer vollständig auf die Zigarettenhändler abgewälzt haben. Die„Compagnie Orlentale" ist an diesem Vorgehen der Zigarettenfabrikanten nicht beteiligt, sondern liefert nach wie vor ihre anerkannt guten Marken ohne Aufschlag der Banderolenstener an die Händler weiter. Wir empfehlen den Händlern sowie den Herren Rauchern Orientale Princesse Detailpreis 3 Pfennige ?? Bonqnet in der Pabrikationspackung in Düten a 5 und 10 Stück fix und fertig banderoliert und bitten diejenigen, denen diese Marken noch nicht bekannt sind, einen Versuch zu machen. 669b Tabak- nnd Zigarettenfabrik Compagnie Grientale de Constantinople, ——— Berlin Jf. 58, Sehönhanser Allee 16 a.——— Znr Beachtung! Wir geben den Herren Händlern zur Nachversteuerung ihrer Waren jedes gewünschte Quantum Banderolen zu Originalpreisen bereitwilligst ab, Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater Heim-ichi Ziesler nach kurzen, schweren Leiden am 28. d. M., nachts 11'/, Uhr, sanft entschlafen ist. 895b Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am 31. d. M., nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Psuelstr. 9, aus nach dem Emmaus-Kirchhos statt. MascWnen iiescMItinürlieiterl - Berlins und Umgegend.- Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege tfeinncli Ziesler verstorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Freitag, den 3l. August, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause Psuelstratze 9 aus nach dem Emmaus-Kirchhos statt Zahlreiche Beteiligung erwartet 76/1 Bei» Vorstand. „freier iraereter Berlin. (Mitgl. d. A.-S.-B.) Am 28. August verstarb nach längerem Leiden unser Sanges- bruder 893b Eduard Stiller im 46. Lebensjahre. Der Verein lvird demselben ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. September, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle der freireligiösen Begräbnisstätte(Pappel- Allee) aus statt. Treffpunkt der Sänger um 1 Uhr mittags in EhserS Klubhaus, Dunckerstratze 88. Der Vorstand. Montag, den 27. August, ent- schlief sonst nach schwerem Leiden im 57. Lebensjahre meine liebe Frau und gute Schwester Anita Schultz geb. Siaunau. Mit der Bitte um stille Teil- nähme zeigen dies tiesbetrübt an der Hinterbliebene Gatte Bermaaii 8chnltz, Helnr. Staanaa als Bruder. Berlin N., Ackerstr. 44, 29. August 1906. 8906 Die Beerdigung findet am Freitag, den 31. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Kirchhofes der Dankes- gemeinde, Blankestratze, aus statt. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nayme und Kranzspenden bei der Be- erdigung meines lieben Mannes, des Formers Fugen K r c ni p, sage ich allen Verwandten, Freunden, Bekannten und Kollegen, sowie dem Gesangverein»Lustige Sänger" hier- mit meinen innigsten Dank. 880b frau Clara kremp geb. Pötsch. l)anlc»agnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner geliebten Frau, unserer unvergeßlichen guten Mutter 391b �nus Maschkewitz sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten und dem Gesang- verein Männer-Chor„80." unseren innigsten Dank. Alex Maschkewitz nebst Kindern. Dr. Simmel, �"«'7 Spezialarzt sür 137/13« Baut- und Ilarnleideu. lü— 2,5-7. Sonntags 10—12, 2—4. Von der Reise zurück 152/19 Dr. Paul Cohnhelm spezialarzt s. Magen« u. T armleiden, Oranienburgerstr. 39. �Hygienische msdarisartmel. iseuest. Katalog l. Kmpfehl.viel- Aerzte u.Prof. grab. u*tx B. Dngsr, Suiamiwaroiifatirik Berlin NW.. Friedrichsiraji« e 91/98. s teppdeehen 1327 Ii* Gelegenheitskauf Bai Hain" M in den Farben rot, blau, oliv J25J50 Scli"lafdeckeiilS12S!l B50 Spezial- Häiis Dranieiistraße M. u%Un Verantwortl. Redakteur: Carl Wermuth, Berlin-Rixdorf. Für'den Inseratenteil verantw.: Th. Blocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwär:« Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Dr. 201. 28. Ichrgimg. 3. Irilije des„ ftliiift Püllislilnlt. Donnerstag, 30. Anguß 1906. ßerüner JVacbncbten» Vom„sparenden Berlin." Die Berliner Sparkasse veröffentlicht jetzt ihren Verwal- tungsbericht über das Etatsjahr 1905. Wir ersehen ans ihm, daß im letzten Jahre 63419011 M. eingezahlt und 59861538 M. ausgezahlt wurden, sodaß das Plus der Einzahlungen über die Auszahlungen sich auf 3 557 473 M. belief. Dazu kanien 8793 772 M. Jahreszinsen, die den einzelnen Konten gnt- geschrieben wurden, mithin vermehrte sich das Guthaben der Sparer uni 12 351 245 M. Hierdurch stieg das Guthaben bis zum Schluß des Etatsjahres 1905(d. h. 31. März 1906) auf 322 846111 M. Bei 813 822 Sparbüchern ivürde das pro Buch durchschnittlich 396,70 M. ergeben, und bei 2 050 655 Einwohnern(am 31. März 1906) kämen auf jeden Einwohner durchschnittlich 157,44 M. Das sind so die üblichen Rechuungs- crgebnisse, die der Sparkassenbericht alljährlich mitteilt. Wenn man sich die betreffenden Zahlen für das ganze letzte Jahrzehnt zusammenstellt, so zeigt sich, daß das Gesamt- guthaben fortgesetzt gestiegen ist. Auch der Durchschnittsbctrgg pro Buch ist dauernd im Steigen und ebenso der Durchschnitts- betrag pro Einwohner. Doch es fällt auf, daß die Auf- wärtsbewegung sich in der letzten Zeit ver- langsamt hat. Vom Schluß des Etatsjahres 1895 bis zum Schluß des Etatsjahres 1905 stieg das Gesamtguthabeu um 144 18o 445 M., das würde pro Jahr durchschnittlich 14 418 544 M. machen, aber im letzten Jahre betrug der Zu- wachs, wie oben angegeben, nur 12 351 245 M. Noch deutlicher tritt die Verlangsamung hervor, wenn man ans dem ganzen Jahrzehnte die Durchschnitte pro Buch und pro Einlvohner betrachtet. In den zebn Jahren stieg der Durchschnitt pro Buch um 67,73 Mark, also pro Jahr um 6,77 M., aber das letzte Jahr brachte nur ein Mehr von 4,61 M. Der Durchschnitt pro Einwohner erhöhte sich in zehn Jahren um 51,33 M., macht pro Jahr 5,13 M., aber das letzte Jahr zeigt nur eine Steigerung um 2,51 M. In neuerer Zeit ist eben der Betrag der Einzahlungen nicht mehr sehr stark gestiegen, desto stärker aber der Betrag der Aus- Zahlungen. Infolgedessen ist dann der Betrag, der drüberblieb, immer geringer geworden. Im Etatsjahr 1895 wurden 42 484 022 M. eingezahlt und nur 31429 339 M. ausgezahlt, so daß 11054 682 M. drüber- blieben. Im Etatsjahr 1995 wurden, wie schon gesagt, z>var 63 419011 M. eingezahlt, aber 59 861538 M. ausgezahlt, so daß nur noch 3 557 473 M. drüberblieben. Genau genommen hat das„sparende Berlin" im letzten Jahre nur diese 3Vz Millionen Mark gespart, sofern das Ergebnis der städtischen Sparkasse als Maßstab dienen soll. Diese Sur- ine nimmt sich allerdings sehr viel weniger stattlich aus als die 63'/» Millionen Mark Einzahlungen, denen eben ziemlich 60 Millionen Mark Auszahlungen gegenüberstehen. Zu den S'/s Millionen Mark kommen aber freilich noch die Zinsen, die für das Jahr zugeschrieben wurden. Diese sind natürlich mit jedem Jahre reichlicher ausgefallen, da ja das zinsenbringende Guthaben von Jahr zu Jahr gewachsen ist. Im Jahre 1895 wurden erst 4 763 955 M. zugeschrieben, im Jahre 1905 aber bereits 8 793 772 M. Noch vor zehn Jahren kam der Zuwachs, um den das Guthaben sich erhöhte, größtenteils aus dem, was die Sparer in: Laufe des Jahres hintrugen, und nur zum kleinen Teil aus den Zinsen. Jetzt aber kommt er nur noch zum klein cnTeil aus den im Laufe des Jahres eingezahlten Ersparnissen und znm größten Teil aus den Zinsen. Dabei ist übrigens zu beachten, daß die fortwährende Erhöhung des aus Zinsen herrührenden Zuwachses, so bedeutend sie auch ist, doch nicht die fortschreitende Ermäßigung des aus Einzahlungen bleibenden Plus aufzuwiegen vermocht hat. Hieraus erklärt es sich, daß der jährliche Gesamtzuwachs des Guthabens, wie schon gezeigt wurde, heute bei weitem nicht mehr so groß wie vor zehn Jahren ist. Wir glauben nicht, daß die Arbeiterbevölkerung mit sehr erheblichen Beträgen an den Einzahlungen der Spar- kasse beteiligt sei. Aber die bürgerliche Presse ist dieser An- ficht, und von Zeit zu Zeit bringt sie sie immer mal wieder zum Ausdruck, sobald über die Ergebniffe des Sparkassen- betriebes berichtet wird. Gewisse Blättchen fügen auch gern hinzu, an den sich bei der Sparkasse aufhäufenden Schätzen könne man ermessen, wie gut es dem Berliner Ar- beiter gehe. Nun, da sind wir neugierig, welche Schlüsse diese Sachkenner jetzt aus den. keineswegs günstigen Ergeb- nissen ziehen werden, die die Berliner Sparkasse im letzten 'Jahre gehabt hat._ AuS der Tchuldcputation. In der gestrigen Sitzung der städtischen Schuldeputation wurde der Antrag der fürstbischöflichen Deleaatur, in sämtlichen Rcbenklaffen der Berliner Gemeindeschulen katholischen Religionsunterricht zu erteilen, beraten und, obgleich der Durchführung des Antrages nicht unerhebliche Schwierigkeiten entgegenstehen, auch in verschiedenen dieser Neben- klaffen schon katholischer Religionsunterricht erteilt wird, angc- nommen. Auf Anordnung des ProvinzialschulkolleginmS findet in allen stavtischen und königlichen Schulen in Berlin die diesjährige Sedan- feier am Freitag, den 31. August, statt. Am Sonnabend, den 1. September d. I., fällt der Unterricht wegen der Herbstparade aus. Die Berliner Güterbahnhöfe müssen der steten Verkehrszunahme entsprechend erweitert und vergrößert werden, an einzelnen Bahn- Höfen sind es namentlich die E ni p f a n g s- Abteilungen, welche sich zu gewissen Zeiten als unzulänglich erweisen. Es ist bekannt, daß die ankommenden Güter die Zahl der zum Versand gelangenden bedeutend überwiegen: dazu kommt, daß die elfteren meist längere Zeit aufbewahrt tverden(„lagern") müssen, ehe sie von den Empfängern abgeholt werden, während die von den Ver- sendern angefahrenen Güter den Versandschnppen nur passieren, um sofort aufgeladen und weiter befördert zu werden. Man erkennt die» unschwer an dem lebhafteren VerkchrSgctriebe, das an der Absahrtseite der Güterzüge herrscht. In dem Empfangs- schuppen des A n h a l t e r G ü t e r b a h n h o s e S an der Möckern- brücke staut sich das Stückgut oft zu ungeheueren Bergen. Dieser, wie der Versandschuppen, liegt der Möckernstraße etwa parallel, hinter dein großen Frontgebäude, das die Bureaus und Üassen beherbergt. Jeder der Schuppen hat eine Länge von nahezu 2 Meter. An den Empfangsschuppen schloß sich weiter hinten, etwa 69 Meter entfernt, der alte Z o l l s ch u p p e n an, der auch etwa 160 Meter Länge hat. Dieser wird jetzt ebenfalls für den Güiercmpfang eingerichtet und zugleich über die Lücke der 69 Meter hin verlängert, so daß alsbald ein Empfangs- schuppen zur Verfügung stehen wird, der die respektable Länge»on nahezu einem halben Kilometer hat! Unter dem Mittelbau, der bis zum Dachstuhl fertig ist. sind Unter- kunftsräume mit Kochgelegenheit usw. für 89 Gllterboden- arbeiter vorgesehen, weshalb der in Ladehöhe liegende Gütcrboden teilweise unterkellert worden ist. Es dürfte dies der größte Güterspeicher sein, den Berlin zurzeit aufzuweisen hat. Die Gcwcrbcgcrichtswahlen sowohl für Arbeitgeber- als für Arbeitnehmerbeisitzcr sinden Freitag, 1 9. O k t o b e r, in Berlin in folgenden Bezirken statt: Im 1. Wahlbezirk, umfassend die Stadt- bezirke 1—19, im 4.(31.— 39. und 4ö.— 46. Stadtbezirk), im 7. (54., 55. und 57.-63. Stadtbezirk), im 19.(76.-78.), im 13.(95. bis 194.), im 16.(114.— 121.), im 19.(136.— 142), im 22.(152. bis 156. und 158.— 159.), im 25.(161. und 179.— 181.), im 28.(182. bis 183. und 196.— 299.), im 31.(218—225.), im 34.(242. und 247. bis 248.), im 49.(273., 273.-276., 278. und 391.-396.), im 43.(299. bis 292.) und 40. Wahlbezirk(umfassend die Stadtbezirke 397—39? und 315—318). Brauer und Gastwirt. Der Gehcimvertrag der Ringbrauercicn enthält verschiedene Bestimmungen, die manchen unserer Leser interessieren werden. Dieser Vertrag will nicht nur die Lieferung von Freibier, die Beteiligung an Zweckcssen usw. beseitigen— wo- mit die Wirte ganz einverstanden sind—, sondern seine ins Einzelne gehenden Bestimmungen führen einen völligen Umschwung des bis- herigcn Verhältnisses zwischen Wirt und Brauer herbei zum Schaden der Wirte. Im§ 15 wird beispielsweise bestimmt:„Lokalmobiliar und Inventar darf vom Tage des Inkrafttretens dieses Vertrages ab nur gegen Zahlung einer jährlichen Abnutzung von mindestens 19 Proz. und gegen eine Verzinsung von mindestens 416 Proz. ausgeliehen werden.... Die unentgeltliche Hergabe von Tischen und Stühlen ist nicht gestattet. Es ist vielmehr eine Leihmiete von mindestens 4 Pf. für den Tisch und 2 Pf. für den Stuhl pro Woche zu erstatten." An anderer Stelle heißt es:„Gratisbier und Gc- schenke dürfen fortan an Bicrabnehmer nur bei deren eigener Hochzcitsfcier und bei seltenen Jubiläen gegeben werden." Be- merkenswert ist, daß der Vertrag auch Ausnahmen von dem für die Gastwirte bestimmten Preisaufschlagc zuläßt.?ln Bier- großhändler darf zu Preisen geliefert werden, welche bis zu 2 Pf. pro Liter Faßbier niedriger sind als die für Gastwirte. Eine Ausnahme von den Vertragspreisen ist nach§ 5 aber auch zulässig, wenn die Vertragschließende mit einer nicht zu den vertragschließenden Brauereien in Kon- kurrenz tritt und von dieser durch niedrigere Preise unter- boten wird.— Die Voraussetzung für diese Bestimmung ist aber jetzt schon gegeben. Eine ganze Reihe ringfrcier Brauereien will ihr Bier zu den alten Preisen verkaufen. Bezugnehmend auf den gestrigen Bericht über die Gastwirts- versammlimg teilt uns Herr Hcrzberg mit, daß er nicht Vor- sitzender des Vereins Berliner Gastwirte, sondern nur einfaches Mitglied desselben sei. Tippelstirch kauns niemand recht machen. Wen» sonst irgend ein patriotisches Ereignis dazu Anlaß gab, gehörte das in der Potsdainerstraßc belegene Haus der Firma Tippelskirch zu dcn- jeuigen, das sich durch reichen Flaggeuschmuck auszeichnete. Böse Menschen munkelten dami, daß sich dieser Patriotismus bezahlt mache. Gestern haben Neugierige festgestellt, daß anläßlich der Prinzeutaufe die ganze Front und das Dach wüst, öde und leer war. Und das ist wieder nicht recht. Jetzt finden sich wieder böse Mäuler, die da ausposaune», daß Tippelskirch u. Co. mit dem Vaterlande böse seien. Und dabei besteht doch noch der Vertrag des Reiches mit der Firma, der ihr große Aufträge und gute Bc- zahlung sichert. Ueber einen Echwindelprofcssor wird berichtet: Seit einiger Zelt findet man in mehreren Berliner Tageszeitungen breite marktschreierische Inserate, die von einem Profeffor G. Reith- Harvey in London ausgehen und allen Schwerhörigen, sogar solchen Personen, die total taub sind, vollständige Wiedererlangung ihres Gehörs in Aussicht stellen. Der Herr Professor verlangte Vor- einsendung von 39 Mark und versprach dafür die Zusendung eines elektrischen Apparates, dessen Gebrauch das erwähnte Wunder wirken sollte. Unter vielen anderen wandte sich auch ein Ange- stellter der Firma R. aus Berlin an den Professor und ersuchte zunächst um Aufgabe von Dleserenzen. Umgehend traf hierauf aus London ein ganzes Paket mit Dankschreiben aus aller Herren Länder ein, darunter auch ein solches von einem Gärtnerei- bcsitzer(?) aus Potsdam. Gleichzeitig lag dem Paket ein Begleit- schreiben des Professors bei, das in beredten Worten den bezüglichen Apparat als durchaus sicher wirkend schilderte und die Anschaffung desselben dringend empfahl. Ter junge Mann, dem sehr viel daran lag, von seiner Schwerhörigkeit geheilt zu werden, war nun vollständig gewonnen und im Begriff, 39 Mark nach London zu senden. Auf den Rat eines Dritten entschloß er sich dennoch, erst den Gärtner in Potsdam zu hören. Von diesem erfuhr er nun, daß derselbe ein Dankschreiben an den Professor nie gesandt habe, daß dieser Professor vielmehr ein Schwindler sei, der ihn um 39 Mark geprellt habe. Der Gärtner war empört über den Miß- brauch des angeblich von ihm herrührenden Dankschreibens und schimpfte recht derbe auf den Schwindelprofessor in London. Selbst- verständlich verzichtete der junge Mann nunmehr auf den Wunder- apparat. Wir bringen die Sache zur öffentlichen Kenntnis und können bei solchen Anpreisungen— namentlich wenn dieselben aus dem Auslande kommen— zur größten Vorsicht mahnen, denn mit all diesen Wundermittelchen wird der größte Humbug gc- trieben._ Ein Gerüstcinsturz hat sich gestern vormittag gegen 19 Uhr am Bau deS neuen Schiller- Theaters in Charlottenburg, Ecke Schiller- und Grolmaiistraße ereignet. Im äußeren Bau ist das Theater bereits vollendet, während noch im Innern reichlich zu tun ist. Im großen Zuschauerraum sind gegenwärtig Dreher, Spanner und Putzer mit den letzten Arbeiten beschäftigt. Hierfür ist ein Gerüst ausgebaut gewesen, daß eine Höhe von etwa 29 Meter hatte. Als gestern mittag eine Anzahl Arbeiter auf dem Gerüst ihre Arbeit verrichteten, gab dieses plötzlich nach und stürzte unter lautem Krachen zusammen. Vier Mann wurden mit in die Tiefe gerissen und unter dem Gerüst begraben. Sofort eilten Kollegen Hinz«, um die Verunglückten zu befreien. Bon den Verunglückten war der 39jährige Spanner Wilhelm Diggmann am schwersten verletzt. Er wurde bewußtlos nach der Unfallstation am Zoologischen Garten gebracht, wo der Arzt schwere Rippenbrüche feststellte. In bedenklichem Zustande fand D. im Krankenhause Moabit Aufnahme. Die übrigen hatten äußere Quetschungen und Hautabschürfungen davongetragen. Die Ursache der Katastrophe ist daraus zurückzuführen, daß das Gerüst nicht fachgemäß aufgestellt gewesen ist. Der banaussührende Maurermeister heißt Bethke- Spandau._ Ncberfahren. Ter 12jährige Sohn Reinhard der Produkten- Händlerin F. aus der Soldincrstr. 89 zog es vor, anstatt zur Schule zu gehen, sich in den Straßen Berlins umhcrzutreiben. Da die Mutter fast den ganzen Tag geschäftlich aus dem Hause war, so wurde dem 5cnaben sein Bummeln sehr erleichtert. Gestern sollte es aber ein böses Ende nehmen. Auf seinen„Kreuzfahrten" durch die Straßen geriet F. unter einen Bierwagcn der Schultheißbrauerei und wurde überfahren. Der eine Unterschenkel wurde ihm gebrochen, während der andere schwer zerfleischt wurde. Der Schwerverletzte mußte in ein KranlenhauS gebracht werde? Auf der Stadtbahn beraubt wurde die Frau des Malermeisters G. aus Schönholz, die um VzS Uhr nachmittags mit ihrer 19jährigen Tochter auf der Station Gesundbrunnen ein Coupe eines Ring- bahnzugcs bestiegen hatte, um nach Bahnhof Landsberger Allee zu fahren. Auf der Station Prenzlauer Allee stieg ein Mann in das von Frau G. und deren Tochter besetzte Abteil. Da das Aeußere des Fremden sehr wenig vertrauenerweckend aussah, so wollte die Malermcistersgattin ein anderes Coupe aufsuchen. In diesem Llugcnblick entriß der Mann ihr die Handtasche, in der sich etwa 7 Mark bares Geld befanden und verschwand mit seiner Beute über das Trittbrett in ein anderes Wagcnabteil. Frau G. erstattete auf der Station Landsberger Allee Anzeige von dem Vorfall, und der eingeleiteten Untersuchung wird es hoffentlich gelingen, dem dreisten Räuber das Handwerk zu legen. Aus dem Nachtleben der Friedrichstrasse. Eine blutige Affäre rief gestern früh in der dritten Stunde in der Friedrichstratze großes Aufsehen hervor. Der 28jährige Bankbeamte Otto L. aus der Steiumctzstr. 15 war mit einer jungen Dame, die an einem Nacht- bufett in der Fricdrichstraßc beschäftigt ist. die Friedrichstraße ent- lang gegangen und mit ihr in Auseinandersetzungen geraten. Die Ursache hierfür dürfte darin zu suchen sein, daß sich das junge Mädchen iveigcrtc, seine Stellung als Bufctt-Fräulem aufzugeben. Der Wortstrcit zwischen dem Paare wurde immer erregter und plötzlich zog L. mit den Worten:„Wenn Du das nicht willst, so ist es zwischen uns aus!" einen Revolver aus der Manteltasche und jagte sich eine Kugel in den Kopf. Bewußtlos brach der Lebens» müde zusaminen. Aus der Schutzwunde ergoß sich ein starker Blutstrom. Auf der Unfallstation in der Kronenstraße erhielt L. einen Notverband, worauf er in die Charite eingeliefert wurde. Eine» netten Sonntagsprediger hat die Zionskirch-Gemeindc in der Person des Missionars Hintze gehabt. Dieser fromme Herr wird beschuldigt, sich an den ihm anvertrauten Kindern in vielen Fällen unsittlich vergangen zu haben. Sein Objekt bildeten Knaben. Ende vorigen Jahres rief der Mann eine Knabenabteilung der Sonntagsschule ins Leben und in der Schönhauser Allee fand der Gottesdienst statt. Häufig nahm aber der Missionar auch Knaben nach seiner Wohnung, Saarbrückcrstratzc 11. Während die Eltern glaubten, ihre Kinder seien gut aufgehoben, verging sich der Schweinepricster in der gröblichsten Weife an ihnen. Die Sache kam dieser Tage ans Tageslicht, als ein Junge sich weigerte, zu dem Missionar zu gehen. Schließlich brachte die Mutter des Knaben aus ihm heraus, was der Grund war. Das wurde be- kannt und nun gestanden auch andere Knaben, was mit ihnen vorgegangen. Der fromme Herr hat Berlin schon den Rucken gekehrt. Fcuerwkhrbericht. Wegen eines Kellcrbrandes wurde in der letzten Nacht die Wehr nach der Wallner Thcatcrstraße 12 gerufen. Preßkohlen hatten sich dort entzündet. Gleichzeitig hatte die Wehr in der Siallschreibcrstr. 8v zu tun, wo Kohlen brannten. Ein Gardinenbrand rief den 19. Zug nach der Friedrichstr. 169. Ferner hatte die Wehr in der Mühlenstr. 8 und Vetcranenstr. 8 zu tun. Vorort- INadmcbten. Rixdorf. Für die ausgesperrte» Lithographen und Steiudrucker gingen beim Rixdorfer Gewerkschaftskarrell folgende Beiträge ein: Verband der Handels», Transport- und Berkehrsarbeiter, Bez. Nixdorf, aus Listen zu 0,50. 342 4,-, 345 3,30, 340 9,00. 347 9.30/ 348 1,85, 350 4.15, 351 3,85, 354 9,l0, 356 1,75, 358 6,65, 360 4,60, 363 5.60, 365 2,—, 366 0,40.— Liste 378, 2. Rate Tischlerei Haa'e 9,70. Liste 398 6.95. Liste 40t 3,50. Liste 419 4,65. Liste 420 2,25. Liste 429, 1. Rate Tischlerei Lade 2,65. Liste 430, 2. Rate Tischlerei Schrammar 5,15. Liste 432 Tischlere! Hansen, 2. Rate 4,80. Liste 433 2,50. Liste 434 Tischlerei Kassclow, 2. Rate 6,—. Von Vertrauensleuten des Mctallarbeilcrvcrbaiidcs, Bezirk Rixdors, aus Listen: 445 tl,35. 446 6,90, 447 4,35, 448 5,55, 449 15,60, 451 16,70, 452(ges. Schlosserei Pretzier u. Sohn) 3,20, 453 8,35, 456 23,05, 459 9,25, 461 3,25, 462 4,25. 483 1,30, 464 2,20, 465 25,50, 466 12.35, 467 2,30, 468 2,—, 470 10,65, 471 7,35, 472 9,75, 473 3,80. Summa 189,10.— Liste 480 5,75. Liste 481 5,—. Liste 515—,40. Liste 528 2,25. Liste 529 Möbel Polierer der Finna Schwarz 8,—. Lifte 538 9,70. Liste 539 2,50. Liste 540 1,50. Liste 549 5,20. Liste 550 3,25.— 14 Abteilung des Wahlvcreins Rixdors. Aus Listen: 554 5,35, 555 10,—. 556 8,60, 558 5,40, 559 6,15, 562 8,80.— Liste 563 Tischlerei Ziehe 8,70. Liste 564 Tischlerei Haasc, 3. Rate 8,45. Liste 565 Tischlerei Emmeluth, 3. Rate 11,50. Liste 573 von den Drehern der Firma B. Joseph 8,50. Vom Arb.-Nadsahrer-Bcrein Rixdors 5,—. Von zwei Kollegen, Dahs Zeitregister-Synditai I,—. Summa 435,19 M. Bereits quittiert 799,41 M., in Summa 1144,51 M. In der Quittung vom 26. Juli muß eS heißen: Liste 646 4,79— und nicht 556. Für die ausgesperrten Buchbinder gingen ein: Liste 60t 7,80, 4. State, Tischlerei Hegelmann. Liste 603 6,15, 2. Rate, Firma Labcrenz. Liste 604 3,65, Tischlerei Guttcr. Liste 605 7,60, Tischlerei taase. Liste 606 6,00, 2. Rate, Tischlerei Wingnih. Liste 607 1>,55 ischlerci Ziehe. Liste 608 18,65, 2. Rate, Tischlerei Pade. Liste 609 5,05 Tischlerei Kasselow. Liste 610 1,75, Tischlerei Osten. Liste 611 10,50, 4, Rate Tischlerei Richter, Liste 612 16,80, 4. Rate, Tischlerei Emmeluth. Liste 61? 7,20, 5. Rate, Tischlere! Hegelman». Lifte 615 14,45, Tischlerei Sawatzlt Liste 617 3,55, Tischlerei Städtiicr. Liste 618 13,05, Polierer und Maschtneu arbeiter der Firma Schwarz. Liste 619 17,40, Drechsler, Tischler u. Bild. Hauer von O. Schwarz. Liste 620 3,05, Tischlerei Hosfinann.— 14, Ab. teilung deS Wahlvereins Rirdvrs, aus Listen: 624 11,75, 625 8,00. 626 8,20. 627 11,—. 628 5,80. 629 6,135. 631 11,55.— V. Slrb.-Nads.Vcrein Rixdors 5,— Liste 643 1,—. Liste 644 Bau Schulze, Wciscstratzc 14,35. Liste 670 Tischlerei Ziehe 9,45, Liste 673 5, Rate. Tischlerei Richter 11,15. Liste«75 Tischlerei Sponar 10,25. Liste 676 Tischlerci Krause 3,80. Liste 677 Tischlerei Schütze 1,90. Liste 678 3. Rate, Tischlcrej Winguth 9,30. Liste 679 16,50. Summa: 395,65 M. Bereits quittiert 34,19 M., in Summa: 339,75 M. Die Parteigenossen werden hierdurch aufgefordert, die noch zirkulierenden Listen sofort abzurechnen. Gewerkschaft skartell Rixdorf. Im Auftrage: Heinrich Schultz, Rixdorf, Kopfstr. 9 II. Charlottenburg. Verloren gegangen ist die Sammelliste Nr. 199 für die ans- gesperrten Lithographen und Steiudrucker sowie die Sammelliste Nr. 49 für die ausgesperrten Buchbinder in der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik. Auf beiden Listen war nichts gezeichnet. ES wird ersucht, bei etwaigem Vorzeigen die Listen anzuhalten und an Unterzeichneten abzuliefern. Ebenso wird ersucht, die noch ausstehenden Sammellisten von den Lithographen und Steindrucken! sowie Buchbindern so schnell wie möglich abzuliefern. Der Ausschuß der Charlottenburger GewerlschaftSkommission. Pankow. Ausgekniffen. Ein dreister Fluchtversuch ist zwei„schweren Jungen" in dem AnitSgerichtsgefängniS in Pankow ge- lungen. Sie waren bei einem Eiubruchsdiebstahl in der Binzstraße überrascht und verhaftet worden und hatten in dem Amtsgerichts- gefängnis Unterkuust gefunden. Die Verhafteten, der Schlosser Steuer und der„Gelegenheitsarbeiter" Haseloff, die schon eine Zahl von Vorstrafen hinter sich haben, entpuppten sich im Laufe der Untersuchung als zwei außerordentlich„schwere Jungen". Da ihnen auch jetzt wieder eine recht hohe Strafe, drohte, zogen sie es vor zu flüchten. Als sie von einem Gefängnisbeamten zum Verhör vor den Untersuchungsrichter von dem Gefängnis über den Hof nach dem Gerichtsgebäude geführt wurden, rissen sie sich plötzlich los und eilten davon. Bevor sich der Transporteur von seiner Ueber- rnschnng erholt hatte, waren die beiden Einbrecher über die Mauer hinweg verschwundeu. Die sofort aufgenommene Verfolgung blieb resultatlos. AdlerShof. «Weil in gehässiger Weise über Religion gesprochen wird." Mit diesen Worten wurde die am Dienstag, den 28, August, im Lokale von Meissner stattgcfundcne gut besuchte ÄolkStzcrsaminluug vom überwachenden Beamten aufgelöst. Nachdem Genosse Störmer über „Austritt aus der Landeskirche" eine halbe Stunde gesprochen hatte und gerade den Bibelspruch.Bete und arbeite" kritisch auseinander- setzte, erfolgte mittels obigen Ausspruchs durch den die kirchliche Autorität vertretenden Gnrkenhändler Schulze. Selchowerstr. 34, die Auflösung derselben. Beschwerde wird erhoben. Die Fortsetzung dieser Bersammlung mit demselben Thema und Referenten findet am Sonntag, den 9. September, nachmittags 2 Uhr. in Meissners Lokal statt. Infolge dieser durch nichts zil rechtfertigenden Maßnahme wird die Arbeiterschaft in der nun anberaumten Versammlung nicht nur zahlreich vertreten sein, sondern auch durch Massenaustritt aus der Landeskirche die behördlichen Maßnahmen bcantivorten. Weihensee. Schule und HauS. Eine immer wiederkehrende Erscheinung, die auch regelmäßig auf beiden Seiten mit Erbitterung und jeweiligen Scherereien verbunden ist, ist die schon oft gerügte Unsitte einzelner Lehrer oder Rektoren, den Gewisscnszivang mit aller Energie den Kindern, in den meisten Fällen Kindern sozialdemokratischer Eltern. beizubringen, wie es nun gerade„von oben" gewünscht wird. Die unschuldigen Opfer sind dabei immer die Kinder, sie werden in den Augen ihrer Mitschüler herabgesetzt und bis in die Seele hinein geschändet. So steht schon seit längerer Zeit unsere Genossin Neumann mit dem Rektor Tessel in Streit, weil sie ihren Sohn durchaus nicht au dem freiwilligen Turnunterricht in der Schule teilnehmen läßt, sondern die freiwillige turnerische Aus- bildung dem Turnverein„Fichte" überläßt. Nach langem Hin und Her ist nun endlich von dem Kreisschulinspektor eine Verfügung er- gangen, die aber wiederum jeder gesetzlichen Unterlage entbehrt. Das Schreiben lautet: „Auf Ihre am 29. Mai d. I. bei dem dortigen Gemeinde- vorstand vorgetragene und von demselben mir weitergegebene Be- schwerde gegen den Rektor Herrn Tessel erwidere ich' Ihnen, daß letzterer durchaus im Sinne seiner vorgesetzten Behörde gehandelt hat, wenn er Ihrem Sohne Georg die Teilnahme an den Uebungen des Turnvereins„Fichte" in Berlin strengstens untersagt hat. Die einheitliche Erziehung der der Volksschule anvertrauten Kinder muß schwer darunter leiden und es kann nur Verivirruug in ihre Seelen hineingetragen werden, wen» sie in einzelnen Fächern von Personen unterwiesen werden, welche mit der Schule in keinerlei Verbindung steheil und die, wie es bei dem Verein„Fichte" zwcifel- los der Fall ist, im Auftrage eines politischen Vereins tätig sind, Wenn Ihr Sohn das Bedürfnis hat, außerhalb der Schulstunden noch Turnübungen zu pflegen, so kann er an den freiwilligen Tnru- Übungen teilnehmen, welche an mehreren Nachmittagen ivöchentlich von dortigen Lehrern geleitet werden, Sie werden daher lediglich im Interesse Ihres Sohnes handeln, wenn Sie ihn fortan nicht mehr an den genannten Verein schickten. Der Kreisschulinspektor » Melter, Wer die Verwirrung in die Seelen der Kinder hineinträgt, wird der Leser selbst empfinden. Im übrigen muß es den Eltern schon überlassen bleiben, was mit ihren Kindern außerhalb der Schul- stunden geschieht. Tegel. Die Sceuser-Allsperruitg stand auf der Tagesordnung der letzten Gcmcindevcrtretersitzung. Wie groß da? Interesse an der Frage Ivar, zeigte schon der noch nie dagewesene Besuch aus der Bürgerschaft Tegels. Zehn Personen und die Vertreter der Presse finden Platz, selten sind alle Plätze besetzt, daß aber viermal mehr Zuhörer Einlaß begehrten, ist un- bekannt in der Geschichte Tegels, Den Autrag, der zur Ver- Handlung stand, hatten unsere Genossen die Gememdevertreter Lichtenberg und Rodeike, eingebracht. Der erste begründete den Antrag, der eine Beseitigung der Absperrung und eine Wiederherstellung des früheren Zustandes forderte. Wenn er auch zugeben mußte, daß er sich geirrt habe, als er erklärte, einen Beschluß, den Weg zu sperren. gäbe es nicht, er habe sich durch Einsichtnahme in daS Protokoll der vertraulichen Sitzung vom 2. Juli d. I. vom Gegenteil überzeugt, so müsse er doch sagen, cS sei am See ein erhebliches Verkehrs- Hindernis geschaffen worden. Ganz besonders würden dadurch neben den Spaziergängern aus Tegel die von den Dampfern kommenden Personen getroffen. In den sich anschließenden Ausführungen des Vorsitzenden ließ dieser durchblicken, daß er bereit sei, den Weg Ivieder zu öffnen, sobald genügend Garantie» dafür gegeben seien, daß der Reeder Holtz seinen Privatvertrag mit der Gemeinde hält. Bielleicht werde der Ainisvorsteher eine Ver- füguug erlassen, nach der es verboten sein werde, ohne Fahrkarte die Schiffe zu besteigen. Dies würde genügen. Bis dahin aber werde auch die Uferregulieruiig in der geplanten Weise vorsichgehen und neue Wege schaffen. Auf die Seite der Antragsteller trat nur Gemeiudevertreter Schunracher. Gemeindevertreler Direktor Uiiger glaubt, daß es sich nicht um die Absperrung, sondern um die Person des Reeders Holtz handle, Gememdevertreter Kommerzienrat Ernst Borsig wünschte, die Genicindeverlreter sollten sich besser in- formieren. dann iverde die sogenannte öffentliche Meinung (gen, eint ist wohl die öffentliche Protestvcrsainmlung) nicht unnötig erregt, Gemeindevertreter Genosse Lichtenberg erwiderte, daß er nur das Juteresse der Gemeindeniitglieder im Auge gehabt habe, daß ihn kein Juteresse für eine Person leite, und daß nicht er, sondern die anderen Redner die Angelegenheiten des Herrn Holtz in die Debatte gezogen hätten. Der Vorsitzende Geineindcvolsteher Weigert stellte »och fest, daß seinerseits mit aller Nachsicht gehandelt ivordcn sei, daß sich aber Reeder Holtz alles Wohlwollen verscherzt habe. Bei der Abstimmung ivurde der Antrag unserer Genossen mir allen gegen drei Stimmen abgelehnt. Im übrigen genehmigte die Gemeinde- Vertretung den Bebauungsplan für die August Müllerstraße und die mit den Anliegern der Straße neuerdings getroffene» Abmachungen. Nur einer der Besitzer, Brehiner, hat seinen Einspruch gegen den neuen Bebauungsplan nicht fallen lassen, Bei der Eisenbahndirektion Berlin, die neuerdings die Einführung des 2V Minutcn-Verlehrs abgelehnt hat, soll augesragt werden, ob der vom verstorbenen Eisenbahnminister zugesagte Spätzng Berlin- Tegel um t Uhr nachts im Winterfahrplan enthalten ist. Wegen der Verpachtung der Bootsanlegestelle am Bollwerk an den Inhaber des„Straudichlosscs" kam es zu langen Debatten. Im Vertrag soll festgelegt werden, daß eventuell jeder gegen eine Gebühr dort an- legen dürfe. Eine öffentliche BovtSlandebrücke wurde als notwendig bezeichnet. Mariendorf. Straßenbahn Steglitz- SKdeiide- Mariendorf. Die Gemeinde- Vertretung von Mariendorf hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, die Straßenbahnlinie Steglitz-Südeude durch den Ort weiterzuführen und die Bahnstrecke aus eigenen Mitteln zu bauen und selbst zu verivalten. Die Gemeinde hatte sich zunächst an den Kreisausschuß mit dem Antrage geivendet, die Durchführung dieses Projektes zu übernehmen. Die Behörde erklärte sich jedoch hierzu nur unter der Bedingung bereit, daß die Gemeinde Mariendorf die Verzinsung und Amortisation der Anlagekosten sowie die Deckung etwaiger Fehlbeträge übernehme. Dieses Ansinnen lehnte die Gemeinde- Vertretung von Marieudorf ab und wird nun die Bahn in eigener Regie bauen. Ober- Schönetveide. Kampf gegeu den Unglauien. Ain Sonntag wurde unter üblichen, Tamtam der Grundstein zur katholischen Kirche gelegt. Bei der sich an den kirchlichen Akt anschließenden Feier in,„Wilhelminenhof" glaubte der Herr KurawS Rennoch auch gegen den Unglauben zu Felde Keben au niiiffeii, indem er in einer Ansprache darauf Bezug_______ 'Verantwortl.�Redakteur; Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Für den Inseratenteil veranttv.:T«>. Glocke» Berlin, nahm, daß im selben Saale schon des öfteren in Bersanunluiigen Ausciiiandersetzlliigen zwischen den Katholiken und Ungläubigen stattgefimdcn hätten. Nach den bisherigen Leistungen dieses Herrn zu urteilen, ist anzunehmen, daß der Ilnglaubc nun wirklich tot- geredet ist. Die Direktion der hiesigen Straßenbah» steht wirklich im Zeichen des Fortschrittes. Durch Anschlag gibt sie bekannt, daß ab 3. September der Preis für die Arbeiterwochenfahrkarten um 29 Pf. erhöht wird. Man darf sich wohl der Hoffnung hin- geben, daß durch die eventuelle Mehreinnahme die Gesellschaft in die Lage versetzt wird, die Arbeiter im November nicht mehr in offenen S ommer wagen beförden, zu brauchen. Die Rigorosität dieser Gesellschaft kennt überhaupt keine Grenzen. Sache deS beteiligten Publikums wäre eS, hier einmal Rcmednr z» verlangen. Ter einstimmige Beschluß der Gemeindevertretung für eine weitere sofortige Vermehrung der Zahl der G e n, ei n d e Vertreter hat die Zustimmung der Aufsichisbehörde nicht gefunden, Bei der Zusammensetzung der Aufsichtsbehörden speziell in einem Landkreise ivie Nicdcr-Barniin ist es kein Wunder, daß diese Leute den Bedürfnisien eines Judustrieortes wie Ober- Schönelveide nicht Rechnung zu tragen verstehen. Der Entwickelung der Gemeinde ist damit allerdings nicht gedient. Die Klage unserer Genossen gegen die Gültigkeit der letzten Gemeindewahlen ist noch nicht entschieden, Köpenick. Mit dem Mannheimer Parteitag beschäftigten sich die Köpc- nicker Genossen in der letzten Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins. Das Referat hierzu hielt Genosse Bocskc, der einen klaren llebcrblick der Tagesordnung zum Parteitag gab. So werde, führte Redner aus, beim Punft Vorstandsbericht der„Vorwärts"- Konflikt einen breiten Raum in der Debatte einnehmen; bei dieser Gelegenheit dürsten auch die Anträge Kolb-Karlsruhe. der den „Vorwärts" seines Charakters als Zentralorgan entkleidet wissen will und eine Belebung des Partcivorstandcs durch zwei jüngere Sekretäre wünscht, einer längeren Erörterung unterzogen werden. Der ParlamenlSbericht wird sicher Anlaß geben, über das Fehlen eines Teiles unserer Fraktion anläßlich der Interpellation über das „Borusna"»Grnbeuu»gIück eine Aussprache herbeiführen. Auch dürfte die Frage der Doppclmandcte erörtert werden. Einen breiten Raum in der Debatte versprechen die beiden Punkte Mal- seicr und Massenstreik einzunehmen. Zur Frage der Maifeier sei schon deshalb ausführlicher Stellung zu nehmen, damit die Form des Uebercintommeus und Handelns des Parteivorstandcs mit der Generalkommission festgelegt Iverde. Die letzten Vorkommnisse lassen eine solche Regelung als dringend notwendig erscheinen. Zur Frage des Massenstreiks gibt Redner derselben Meinung Ausdruck, wie sie bereits im Kreisgencralvcrsammluiigsbericht für Tcltow-Beeskow wiedergegeben ist. Zu den hierzu vorliegenden An- trägen, so z. B. einen Korreferenten zu bestellen, äußert sich Redner in zustimmendem Sinne. Redner fordert zugleich, daß der Partei- tag die Bestrebungen der Lokalorganisicrten, bei denen es sich nicht mehr um Fragen des Prinzips, sondern nur noch um Eigen- brödelcicn handele, verurteilen möge. Im Jntereffe der einheit- lichcn Führung zukünftiger Kämpfe sei ein Wegweiser dringend geboten.— In der hierauf folgenden Diskussion sprachen die Ge- »offen HilligaS, Herbst und Jansch. Hilligas wandte sich nament- lich gegen Ausführungen in letzter Zeit, die gegen die Gewerk- schaftsführer Vorwürfe enthalten hätte». Ihm trat Genosse Herbst entgegen, der die Neutralität der Gewerkschaften als ein für die moderne Arbeiterbewegung gefährliches Spmptom kennzeichnete. In seinem Schlußwort widerlegte Boeske die Einwendungen von Hilligas. Alsdann gab Genosse Jahnke den Bericht über die Ver- Handlungen der Generalversammlung Groß-BerlinS. An Stelle des Kassierers, Genossen Kuhring, der wegen Arbeitsüberbürdung sein Amt niederlegen muhte, wurde Genosse Heinze gewählt. Ein Antrag, gegen 18 Mitglieder, die bei der Firma Spindler Arbeits- willigcndienste verrichteten, das Ausschlußverfahren zu beantragen, wurde angenommen. Die Anfrage des Genossen HilligaS: welche Schritte unter- nommen werden gegen Mitglieder, die gegen die Lokalliste ver- stoßen, wurde dahin beantwortet, daß im Wiederholungsfall der Ausschlußantrag der Betreffenden erfolgt. Eine lebhafte Diskussion rief der Konflikt des Gesangvereins„Morgenrot" kontra Genossen Karl Seidel hervor, wonach letzterer dem Verein seinen Saal zu einem Konzert versprochen hatte und selbigen alsdann anderweitig vergab. Die Versammlung kam zu der Meinung, daß beide Teile die Schuld tragen. Zum Schluß konnte der Vorsitzende die Mit- teilung machen, daß bei der am I. Mai eingeleiteten Staatsaktion nur ein Genosse mit 29 M. Geldstrafe bedacht worden ist. Zur Neuaufnahme hatten sich 12 Mitglieder gemeldet, gegen die Ein- spruch nicht erhoben wurde. Die Hand abgerissen. Ein bedauerlicher Bauunfall wird uns aus Köpenick gemeldet. Auf dem dortigen Neubau in der Menzel- straße 3 sollte abgerüstet werden. Der 49jährige Maurer Karl Gewiese war dabei im Begriff, einen schweren Kallkasten von dem Gerüst herunterzuholen. Als er damit die Leiter herunterstieg, blieb er plötzlich mit seinen Holzpantinen in einer Sprosse hängen, verlor das Gleichgewicht und stürzte mit samt dem Kasten in die Tiefe. Bei dem Sturz wurde dem Unglücklichen die linke Hand vollständig abgerissen, nur noch mit einer Daumensehne hing das Glied am Unterarm. Der Schwerverletzte wurde in das Kreis- krankcnhaus in Britz eingeliefert. Zossen. In der öffentlichen Sitzung der Stadtverordneten wurde Herr Dienert jun. zur Felddcputation einstimmig bestätigt. Zum Besuch des Städtctages am 24. bis 2v. September wird Herr Bürger- meister Dr. Wirth bestimmt. Es wird berichtigt, daß vom Kreis- Vertreter 1999 M. zwecks Anschaffung einer mechanischen Schiebe- leitcr nach hier überwiesen wurden. Ein Abonnement auf die öffentliche Wetterkarte und Aushang an einer besonderen Tafel am Postgebäude wird angenommen. Die Versammlung spricht sich gegen eine Zentralheizung für das neue Schulgebäude aus und wünscht wie bisher Kachelöfen, die sich besser bewähren dürften als eine Zentralheizung, bei der man immer mit Mängeln rechnen müsse. Tic Pflasterung des Bürgersteigcs vom Roggeschen Grund- stück(Bahnhof) bis zur Ncuendorfer Chaussee soll in allernächster Zeit in Angriff genommen werden und wurde Herr Steinsetz- meister Rogge mit der Ausführung beauftragt Spandau. Mit der Erhöhung deS BierpreifeS hat sich auch in Spandau eine Versammlung der Gastwirte von Spandau und Umgegend beschäftigt. Das Resultat der eingehenden Debatte, in der Genosse Bohle den Standpunkt der freien Gast- und Schankwirte darlegte, war die Annahme folgender Resolution: „Die beim Kollegen C. Freund, Pichclswerder. tagende außerordentliche Generalversammlung des Vereins der Gast- Wirte von Spandau und Umgegend kann sich dem Vorgehen der Ringdrauerrien, die erhöhte Biersteuer durch die Erhöhung der Bierpreisc auf die Gastwirte abzuwälzen, nicht anschließen. Die Versammlung protestiert auf das entschiedenste gegen jede Er- höhung der Bierpreise und erklärt, die geplante Erhöhung unter keinen Umständen tragen zu können und zu wollen. Die Ver- sammlung bedauert, daß die Ringbrauercien die erhöhte Bier- stcuer zum Anlaß nehmen, um sich nickst nur schadlos zu halten, sondern sich selbst auf Kosten der Gastwirte einen Vorteil zu verschaffen. Die Versammlung empfiehlt sämtlichen Mitgliedern, ihre» Bedarf an Bier von rrngfreien Brauereien zu decken." AuS den Musterinstituten. Wiederholt sind Mißstände in den Staatswerkstätten im„Vorwärts" Gegenstand der Erörterung ge- Wesen; deS öfteren haben wir gezeigt, daß die Arbeiter, einer Hierarchie von Fabrikbeamtcn unterstellt, jeder freien geistigen Regung beraubt werden. Heute kann über ein Vorkommnis be- richtet werden, das zeigt, wie ein Arbeiter um einen Teil seines Verdienstes gebracht wurde. Das Musterinstitut ist diesmal die Gewehrfabrik. In der dort befindlichen Maschincnwcrkstatt, die dem Meister Karl unterstellt ist, wurde einigen Drehern bedeutet, daß sie bei einer bestimmten Arbeit etwas mehr verdienen könnten als die Lohnordnung es vorschreibe. Unlcr den bevorzugten Ar» heitern befand sich auch der Dreher Emil Harten. Als selbiger am Zahltage seinen etwa 7,59 M. betragenden Mehrverdienst in Empfang nehmen wollte, wurde ihm zu seinem Erstaunen von dem Vizcmeister I ä ck c l mitgeteilt, daß er diesen Mehrverdienst nicht ausgezahlt erhalte. Harten schien indes die Qualifikation eines staatlichen Musterarbciters nicht zu besitzen, der in aller Unter» tänigkcit einen solchen Bescheid entgegenzunehmen gewillt ist. Er erhob hierauf sofort beim Direktor Beschwerde. Unter anderem brachte er vor, daß in dem Betrieb des Meisters Karl von einem Dreher für den Oberbüchsenmachcr Schwieger Arbeiten gemacht würden, die jedenfalls mit dem Betrieb der Gcwehrfabrik nichts zu tun haben. Auf die Frage des Direktors, ob er dies auch be» weisen könne, erbot sich Harten, den Beweis sofort zu erbringen. Es wurde deshalb sofort ein Offizier mit Harten in den Betrieb geschickt, der die peinliche Untersuchung vornehmen sollte. Es wurde nun festgestellt, daß die Matrizen, welche der Dreher für den Oberbüchscnmacher anzufertigen hatte, für eine Drahtziehfabrik bestimmt waren. Vorgefunden wurden etwa 199 fertige, aus dem Material der Gewchrfabrik angefertigte Matrizen. Die Anfertigung einer solchen Matrize erfordert eine Arbeitszeit von 3 Stunden. Es bleibt abzuwarten, ob die sofort eingeleitete Untersuchung noch weiteres ergeben wird. Bis jetzt befinden sich der Oberbüchjen- wacher Schwieger und der Meister Karl noch im Dienst. Das Vor» gehen Hartens soll von einigen Musterarbeitern mißbilligt worden sein. Erweisen sich die Angaben des Harten nach jeder Richtung als wahr, so dürfte die Angelegenheit sicher etwas Staub auf- wirbeln. Potsdam. Tie Generalversammlung der ArbeiterbilbungSschule findet am Freitag, den 31. August, bei Ladenthin, Kaiser Wilhelmstraße 38, statt. Der nächste Kursus bezieht sich auf Nationalökonomie. Vermischtes. KardinalSnichte und Beichtvater. Römische Blätter berichten eine sehr merkwürdige Geschichte, die sich wie ein Hochstaplcrroman liest. In Florenz ist dieser Tage unter sehr eigentümlichen Umständen eine junge, schöne Marchesa verhaftet worden, die— wie dies bei vielen italienischen Marchesen zum„guten Ton" gehört— von ihrem Gatten getrennt lebt und nebenbei die„Nichte" des Kardinals Nampolla sein will. Die junge Frau lebte und„wirkte" zuerst(wie die zahllosen geheimnisvoll pikanten Damen dieser Art in Rom zu „wirken" pflegen) in der„Gesellschaft", wo sie es verstand, zu dem Grase» Antonelli, einem Offizier der päpstlichen Nobelgarde, und zu dessen Gattin in die engsten Beziehungen zu treten; ja sie band diesem schlauen Römerpärchen sogar einen Bären auf des Inhalts, ihr Onkel, der Kardinal, wünsche, daß sie in einer höchst mysteriösen Angelegenheit eine größere Reise unternehmen und daß die Gattin des Würdenträgers sie als Ehrendame begleiten möge; sie solle für diese Begleitimg fürstlich enllohnt werden. Die.Marchesa" erzählte der Gräfin Antonelli, ihre Mutter, die Schwester des Kardinals Nampolla. sei vom Marchcse Villamarino (einem Vertrauten des königlichen Hofes) verführt und nach ihrer Entbindung vergiftet worden! Nun habe ihr Onkel Nampolla ihr ungezählte Summe» zur Verfügung gestellt, um ihren„Vater", den Verführer und Mörder ihrer Mutter, vor Gericht zu ziehen. Ebenso wolle sie gegen ihren Ehemann, den Marchese Benezia auf Heraus- gäbe ihrer Mitgift(1'/, Millionen) klagen. Da man in Rom von alters her für den Klang des Goldes ein sehr zartes Empfinden hat, ging die Eingeladene unter dem Jubel ihres Mannes sofort auf den ehrenden Antrag ein, und Marchesa und Freundin dampften nach Florenz ab. Hier hielt man sich in einem ersten Hotel auf, lebte herrlich und in Freuden, und ein junger Mönch, der als wirkungsvoller Bußprediger und Kanzelredner be- kannte Pater Cianchi vom Dominikanerkloster von San Miniato quartierte sich zur Befriedigung der geistlichen Bedürfnisse sowie zur Ausarbeitung deS FeldzugSplanes für die erwähnte Mission bei den beiden ein, wandte aber natürlich der Kardinals- Nichte sein Hauptinteresse zu. Von Florenz aus begab sich das Trio— immer auf angebliches Geheiß des Onkels Kardinal nach Monaco, wo der Bruder und Beichtvater die Nonnenklöster be- suchte, überall den Segen des Kardinals, auf vatikanisches Amts- Papier gedruckt, verteilte usw. Zuweilen fuhr das fromme Paar, Marchesa und Mönch, auch tagelang per Automobil in der Riviera herum, während die Freundin allein im Hotel ihren Betrachtungen oblag. Auf einmal waren die Mittel der Marchesa zu Ende; aber der Mönch wußte sich helfen, er nahm den Schnellzug und sauste nach seinem Kloster, dessen Kasse er um 6999 Frank erleichterte. Kaum war er zurück, so nahm auch die Marchesa das Dampfroß, eilte nach demselben Kloster, legitimierte sich als Nichte des Kardinals und ließ sich von dem naiven Prior... dieselbe Summe ausbezahlen. Dann bestiegen beide das Automobil. ließen die Freundin sitzen und begaben sich zum OrdenSprovinzial, den sie um Vertuschung des mittlerweile ruchbar gewordenen Skandals beschworen. Trotz der durch die Angelegenheit kompro- mittierten hohen Persönlichkeiten und trotz deS OnlelS Kardinal veranlaßte aber der Provinzial die Verhaftung der Marchesa. während ihr Tröster, der Bußprediger, entwischt ist und seine Fähig» leiten wohl bereits bei einer anderen frommen Dame betätigt. Auf der vergnügten Reste zu Dreien fand die„Marchesa" übrigens »och Gelegenheit, die Gräfin um eine große Summe zu bestehlen und ihre kostbaren Juwelen durch falsche Steine zu ersetzen. Als die faule Geschichte endlich ans Licht kam, hatte die„Marchesa Ranipolla" einen solchen Schreck, daß sie einem Knäblein das Leben schenkte, als dessen Bater sie... den Gatten ihrer Freundin, den Grafen Antonelli bezeichnete. Bei näherem Zusehen erwies sich leider, daß das Baby, das die Marchesa mit eifersüchtiger Mutterliebe ganz allein besorgte, ja sogar stillte, eine... Holzpuppe war. Eine Löwcngruppe eingegangen. Die bekannte Löwengruppe deS Dompteurs Julius Seeth, die zuletzt in Rußland sich befand und im nächsten Jahre unter der Leitung des berühmten Bändigers eine amerikanische Tournee unternehmen sollte, ist, wie man hört, ein Opfer verdorbenen Pferdefleisches geworden. Sämtliche Tiere sind eingegangen. Noch vor kurzem bot ein Liebhaber dem Besitzer der Tiere, Direktor Seeth, eine ganz bedeutende Summe für die Tiere, etwa 299 999 M.. doch zerschlugen sich die Verhandlungen, da Seerh den Verkauf ablehnte. Die Gruppe, die aus mehr als zwanzig großen männlichen Löwen bestand, erregte vor zwei Jahren im ZirluS Albert Schninann in Berlin viel Bewunderung. eingegangene vruckfckriften. Jahresbericht des Vorstandes des sozialdemokratischen Vereins den 8. und 19. schleswig-holsteinischen ReichStagSwahlkreiS sür die Zeit l. Juli lSOS bi« 39. Juni 1S0S. 31 Selten. Verlag E. Hemrid sozialdemokratischen Vereins für MB M m ie Zeit vom Heinrich tn Hamburg. Jahresbericht der Agitationskommission sür die Provinz Schleswig. r lein und das Fürstentum Lübeck sür die Zeit vom l. Juli 1905 bis Juni 1906. 31«eilen. Verlag Chr. Haas« u. Co., Kiel. Bericht über die Tätigkeit der AgilationSkommilfion und der Wahl- kreise nebst Kassenberichten der Provinz Pommern vom 1. Juli 1994 bis 30. Juni lS0S. 52 Seiten. Verlag A. Horn. Stettin. G. Weiststetn. Des vergnügten Wewhändler LouiS Druckers humoristischer Nachlaß. 01 Seiten. Preis 1,50 M. Verlag E. Frensdorfs, Berlin SW. 11. Protokail des 2. Bergarb-iterdelegiertentageZ sür Preußen. 113 Seite». Preis 49 Pf. Verlag H. HauSinami u. Co., Bochum._ Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Lerlagianstalt Paul Singer Sc Co., Berlin SW.