«tr. S03. kboanements-veöingllngen: Womiements- Preis pränumerando; Werteljährl. 3,30 Mk.. monatl, 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Psg, frei ins Haus. Einzelne Nnmmcr s Pjg, EoniUagS. Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Nene Welt" 10 Psg. Post- 'llbonnemcnt: 1,10 Marl pro Monat. Singetragen in die Post-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland i Mark pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. ------- ucn, Schweden und die Schweiz. 23. Jahrg. CriAtlot ttzli» auBer lNslilsg». Verlinev Volksblerkk. vie InleMonz-LedW beträgt für die sechSgespaltcne Kolonel- zcile oder deren Raum 00 Psg,, für politische und gewerlschastliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 30 Psg. „Aleine Hmclgen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 3 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Jnseralc sür die nächste Nummer»lüssen bis ki Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: ..suislllemsllrilt ßwlin". Zentralorgan der rozialdemohrattfchen Partei DeutfcMande. Redaktion: 8(II. 68, Lindendtrasse 69. Kernsprecher: Amt IV, Nr. 1083. Sonnabend, den 1. September 1906« Expedition: 8 AI. 68, Lindenstrasse 69. khernfprecher: Amt IV, Nr. 1084. Sächliiche fabrikinfpektion ms. Mit einer Verspätung von fast zivei Monaten sind in diesem Jahre die Berichte der sächsischen Gewerbeaufsichts- beamten erschienen. Wer aber glaubte, in dem, was so lange gewährt hat, einmal etwas Gutes zu finden, würde sich sehr täuschen. Auch die vorliegenden Berichte sind durchaus sächsisch: Nebensächliche Dinge werden breit erörtert, und über wichtige, die Arbeiter besonders interessierende Fragen gleitet man mit allgemeinen Redewendungen hinweg. Die Berichterstattung ist»viederum in die bureau- kratische Schablone gepreßt. Jedes freie Urteil und jede frische Wirklichkeitsschildcrung fehlen. Wo eine Be- rührung der Arbeiterbewegung nicht umgangen werden konnte, ist der Ton auf die frostige Sachlichkeit von Polizeiberichten gestimmt, die nicht einen Funken von Sympathie für die Arbeiter verrät, die Unternehmer aber voll befriedigt. In- dessen zeigt sich auch in den Berichten der sächsischen Fabrik- inspektoren, daß Tatsachen eherne Dinge sind, die sich allem bureaukratischen Schematisieren zum Trotz geltend machen. Es ist eine Periode wirtschaftlicher Prosperität, über die berichtet wird. Die Zahl der in Fabriken beschäftigten Arbeiter ist stark angewachsen: nur die Verminderung der in der Industrie der Steine und Erden tätigen Personen zeugt von einem Daniederliegen der Bautätigkeit in mehreren Bezirken, vor allem in Dresden und Chemnitz. In ersterem Regierungsbezirke bat sich allein die Zahl der Ziegeleiarbeiter von 3oo4 auf 2969 vermindert. Im allgemeinen ist aber, wie schon er- wähnt, eine Zunahme der Arbeiterzahl zu verzeichnen, und zwar ist die Zahl der ertvachsenen männlichen Arbeiter verhältnismäßig stärker als die der weiblichen und fügend- lichen Arbeitskräfte gewachsen, Das ist immer ein Zeichen iuirtschaftlichen Aufschwunges; andererseits läßt sich be- cibachten, daß geschäftlicher Niedergang durch vorwiegende Ent- lassung der teuren männlichen Arbeitskräste zum Ausdruck /onimt. Erwachsene Arbeiter werden erst dann in größerem Umfange eingestellt, wenn es an billigen jugendlichen und weiblichen Arbeitskräften zu mangeln beginnt. Tatsächlich stoßen wir in den sächsischen Berichten auf lebhafte Klagen der Unternehmer über Mangel an weiblichen Arbeitsk' asten. Es hat sich 19V5 in Sachsen die Zahl der erwachsenen männlichen Ar- heiter von 363 741 auf 377 176 vermehrt, die der Arbeiterinnen von 177 137 auf 188 896, die der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen von 45 628 auf 46 983. Bei den in Fabriken beschäftigten Kindern zeigt sich etwas die Wirkung des ver- schärften Kinderschutzes, denn es ist deren Zahl von 1826 auf 1755 zurückgegangen. Den Arbeitern hat aber die in den obigen Zahlen zum Ausdruck kommende günstige Geschäftskonjunktur 'einen Vorteil gebracht. Höhere Löhne, die die Gewerkschaften ourchsetzten, sind durch hohe Lebensmittelpreise reich- lich ausgewogen worden. Das müssen die Fabrikinspektoren in allen Bezirken übereinstimmend zugeben. So berichtet der Chemnitzer Inspektor:„Die Erwerbsverhältnisse der Arbeiter- schaft des Bezirkes sind infolge des durchweg guten, zum Teil flotten Geschäftsganges im Berichtsjahre günstiger als im Vorjahre gewesen... wenn trotzdem von einer Besserung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiterbevölkerung gegenüber der des Vor- jahres nicht gesprochen werden kann, so hat dies seinen Grund in der teilweise erheblichen Preissteigerung verschiedener Lebensinittel— es sei nur an den andauernd hohen Preis st and des Fleisches erinnert— die eine etwaige Mehreinnahme ganz oder doch zuin größten Teil wieder aufgehoben haben dürfte, in der Lebens- Haltung derjenigen Arbeiter aber, die ein höheres Einkommen nicht zu erzielen vermochten, Einschränkungen und Entbehrungen zur Folge haben muß tcn." Aehn- lich äußern sick die Berichte ans den Bautzener und Dresdener Bezirken: der Döbclner Bericht betont, errungene Lohnvorteile seien reichlich durch hohe Lebensmittelpreise wieder aufgehoben worden, und im Erzgebirge gestaltete sich die Wirtschaft- l i ch e Lage der Arbeiter u n g ü n st i g c r als im vorigen Jahre, weil zu den ungewöhnlich hohen Fleisch preisen noch eine schlechte Kartoffel- ernte kam. Es wird also auch von sächsischen Fabrik- inspektoren ausdrücklich bestätigt, daß sich die Agrarier mit Hülfe der geübten Fleischlvucherpolitik auf Kosten der Acrmsten, der Arbeiter, die Taschen gefüllt haben. Für die Arbeiter brachte die bessere Geschäftskonjunktur nur mehr U eberarbeit und größere Unfall- g e f a h r. Ziffernmäßig läßt sich die vermehrte Ueberarbeit nur bei den Arbeiterinnen nachweisen, und auch da nur, soweit sie mit Bewilligung der Behörden ausgeführt wurde. Während 1994 für 73 271 Arbeiterinnen, 845 Betriebe und 11 868 Bctriebstage Ueberstunden gestattet wurden, erhielten 1995 973 Betriebe für 82494 Arbeiterinnen und 13 297 Bctriebstage Ueberarbeit bewilligt. Beträchtlich größer wird die Ueberarbeit bei den männlichen Arbeitern sein, wo sie ohne weiteres angeordnet werden kann, wenn dem Ver- langen kein Widerstand entgegengesetzt wird. Ueber die ge- sundheitlichen Nachteile der Ueberstundenschindcrei enthalten die Berichte keinerlei Nachweise, denn mit so unbequemen Sachen wie Kranken- und Sterbetabellen, die mit Hülfe der Ortskrankenkassen leicht herzustellen wären, geben sich die sächsischen Fabrikinspektoren nicht gern ab. Daß aber alle Vorteile übermäßiger Anstrengung die Agrarier durch die hohen Fleischpreise einheimsten, ist oben schon nachgewiesen worden.— Die alte Erfahrung, daß mit der Gcschäftskonjunktur und der Ueberstunden zahl auch die Unfallziffer steigt, hat sich in der Mehrzahl der sächsischen Jnspektionsbezirke wieder einnial bewahrheitet. So erhöhte sich die Unfallziffer im Zittauer Bezirk von 1,938 auf 1,182 Proz. der Arbeiterzahl, im Bezirk Aue kamen auf 1999 Arbeiter 14,2 Unfälle, Ivomit der höchste Stand seit 19 Jahren erreicht wurde. Aus Leipzig, Dresden und anderen Bezirken wird ebenfalls eine Erhöhung der Uufallziffer gemeldet, während in einigen Bezirken, wo von einem geschäftlichen Aufschwünge nicht viel zu bemerken war, ein kleiner Rückgang eingetreten ist. Aus allen Bezirken wird berichtet, es sei das Bestreben der Arbeiter darauf gerichtet, eine Verkürzung der Arbeits zeit herbeizuführen. Schöne Erfolge sind in Leipzig erzielt ivorden: dort wurde in vielen Betrieben auf dem Lande die Arbeitszeit gemäß den Forderungen der Arbeiter von 11 auf 19'/z und 19 Stunden herabgesetzt. Die Steinarbeiter Leipzigs setzten den Neunstundentag und die Lithographen den acht stündigen Arbeitstag durch. In einer großen Fabrik des Meißener Bezirks wurde die neunstiindige Arbeitszeit statt der früher herrschenden zehnstündigen eingeführt, und der Fabrikant erklärte dem Gewcrbeaufsichtsbcamten, er stehe sich dabei sehr gut, denn es würde in den neun Stunden beinahe dasselbe )vie früher bei zehnstündiger Arbeitszeit ge leistet. Andererseits geht aber aus den Mitteilungen der Fabrikinspektoren auch hervor, daß in Ziegeleien häufig vierzehn Stunden und länger gearbeitet wird und die Arbeiter die Nacht über in den Betrieben bleiben. In kleineren Müllereien kommen 17stündige tägliche Arbeitszeiten vor, so daß den Gehülfen nicht die gesetzlich vorgeschriebene Arbeitszeit von acht Stunden gewährt wurde. Bei Schichtwechsel sind in kleinen Gasanstalten sogar Arbeitszeiten von 24 u n d 39 S t u n d e n f e st g 0 st e ll t worden. Die Durchführung der Verordnung für Stein b r ü ch e und Steinhauereien, verursachte insofern Schwierig leiten, als sich ihr sowohl die Unternehmer wie teilweise auch die Arbeiter, die noch im Unverstand der Massen befangen waren, widersetzten. In den Meißener Brüchen tvurden fast allenthalben Frauen mit Steineschlagen und anderen Arbeiten beschäftigt; auch Kinder tvurden häufig in Steinbrüchen und auch in Ziegeleien angetroffen. Von Bestrafungen der Unternehmer wird selten etwas gemeldet, und kommt es einmal dazu, werden in der Regel 5 bis 29 M. ausgeworfen. Dadurch wird nicht einmal der Profit wesent- lich gekürzt, den der Unternehmer aus der gesetzwidrigen Be- schäftigung von Frauen und Kindern hat. Vereinzelt scheint den Fabrikinspektoren der Widerstand der Arbeiter gegen die Arbeitcrschutzgesetze gar nicht besonders zu mißfallen. Wenigstens � läßt die eigenartige Weise, wie der Beamte des Bezirks Plauen darüber berichtet, diesen Schluß zu. Dort weigerten sich Steinbrecher, die zehnstündige Arbeitszeit inne zu halten, sie wollten vielmehr, wie bisher elf Stunden und länger arbeiten. Der Beamte erzählt über diesen Fall dann noch folgendes;„Der Hinweis auf die seinerzeit vor Erlaß der Bekanntmachung vom 29. März 1992 durch den Steinarbeiterverband vorgebrachten Wünsche wurde(von den Arbeitern) damit beantwortet, daß letztere wahrscheinlich von jungen heißblütigen Leuten, die keine Fannlie zu ernähren hätten, ausgegangen seien." In einem anderen Steinbruch haben die Steinbrecher erklärt 1 „Und>venn wir täglich 24 Stunden arbeiten, geht das niemand etwas an." Daß es so unverständige Arbeiter namentlich in ländlichen Distrikten noch gibt, ist bekannt; aber die in Betracht kommenden Leute hätten wohl kaum eine solche Antwort gegeben, wenn sie vom Fabrikinspcktor darüber sachgemäß belehrt worden wäre, daß die erschreckend große Verbreitung der Schwindsucht unter den Steinarbeitern die Ursache des Vorgehens des Steinarbeitcrverbandes ge- wesen iväre. Es ist überdies kennzeichnend für die sächsische Fabrikinspektion, daß unverständige Reden dieser Art mit Be- Hägen veröffentlicht werden, während man sonst vom Puls- schlag des Arbeiterlebens so gut>vie nichts in den Berichten findet. Noch ungenügender wie die Steinbruchsverordnung werden offefibar die K i n d e r s ch u tz b e st i m m u n g en für die Haus- industrie beachtet. In Sachsen sind die fünf weiblichen Gewerbe- inspektoren mit der Ucbcrwachung dieser Betriebe beauftragt. Die Beamtin des Zwickaucr Regierungsbezirkes hat im Berichts- jähre(1995) 946 hausindnstrielle und gewerbliche Betriebe revidiert und darin 1152 Kinder augetroffen; in nicht weniger als 796 Betrieben wurden 968 Fälle von Zuwiderhandlungen gegen das Kinderschutzgesetz festgestellt! Angesichts solcher Massenübertrdungen muß gesagt werden, daß der Kinderschutz in hausindustriellen Betrieben überhaupt nicht beachtet, sondern die Kinderausbeutung in derselben Weise wie bisher betrieben wird. Es werden trotzdem Bestrafungen nur in seltenen Fällen gemeldet. Die Beamtinnen halten es für ihre Aufgabe, die Eltern darüber zu belehren, daß die Ueber- bürdung ihrer Knder gesundheitsschädlich sei. Sie haben aber nur ivenig Verständnis gefunden. Häufig sind die Hausgeivcrbetreibenden den Beamtinnen schroff entgegen- getreten, haben erklärt, sie ließen sich überhaupt keine Vor- ickxijten machen und ihnen selbst den Eintritt verwehrt. Das Kinderschutzgesetz wird solange eine Bestimmung auf dem Papier bleiben, solange nicht energischer vorgegangen wird. Das ist aber nicht zu erwarten, so lange in den Be- richten der Aufsichtsbeamtinnen noch Ansichten zutage tteten, die einer Verteidigung der Kinderarbeit sehr ähnlich sehen. So heißt es in dem Bericht der Zwickauer Beamtin: In der Stickereiindustrie sei die dauernde Kinderarbeit kaum zu ent- behren, anderenfalls müßte die Frau mehr in Anspruch ge- nommen werden, worunter der Haushalt und die Kinder- erziehung leide,„während die Kinder, die bisher die Hülfs- arbeiten bei der Stickerei geleistet haben und... unter guter Aufsicht zu nützlicher Tätigkeit angehalten wurden, mit der ihnen bleibenden freien Zeit kaum etwas an- zufangcn tvissen". Das sind jedenfalls sehr sonderbare Ansichten einer Beamtin, die besonders angestellt wurde, der Kinderarbeit im Interesse der Gesundheit der Kleinen auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen zu steuern. Im übrigen berichten die Beamtinnen, daß sie bei der Revision von Bettieben mit vorwiegend weiblicher Arbeits- tätigkeit bei den Arbeiterinnen mehr Verständnis und Vertrauen gefunden hätten, als im vorigen Jahre. Mehrfach wurden ihnen Beschwerden überreicht, wonach sich Wcrkführcr in un- sittlicher Weise gegen Arbeiterinnen vergingen und auch das Verhalten jüngerer Arbeiter nicht cintvandsrci>var. Die Zahl der weiblichen Beamten reicht aber für die ihnen zugewiesenen Aufgaben nicht aus. Die Uebcrwachung der Hausindustrie allein erfordert schon mehr Kräfte, denn sie ist schwierig und zeitraubend. Die Beamtin des Chemnitzer Bezirkes aber betont, daß auch eine Mehranstellung von Beamtinnen keine ausreichende Ucbcrwachung der Hausindustrie gewährleiste, diese müsse mehr als bisher von Organen der Ortsbehörden ausgeübt werden. Die Berichte der sächsischen Fabrik- inspcktorinnen offenbaren bei aller Dürftigkeit, daß wir noch weit von einem wirklichen Schutz für die Gesundheit der Kleinen entfernt sind und daß von einer Durchführung des Kinderschutzgesetzes in der Hausindustrie keine Rede sein kann. Politische(leberliedt. Berlin, den 31. August. Zentrum und Wahlrechtsfeindschaft. Die„Kölnische Volkszeitung" setzt sich in ihrer letzten Nummer mit dem Zentrumsagrarier Grafen S t r a ch w i tz auseinander. Das rheinische Zentrumsblatt betont, daß der Graf Strachwitz mit seiner Wahlrechtsfeind- schaft sich im direkten Widerspruch befinde zu der Reichstagsfraktion des Zentrums, die in ihre m Wahlaufruf vom 2. Mai 1993 betont habe, daß sie an dem allgenieinen, gleichen, geheimen und unmittelbaren Wahl- recht„unentwegt festhalte". Ferner habe am 7. Februar 1996 die Zentrumsfraktion des Reichstages durch den Mund ihres Vorsitzenden, Grafen v. H 0 ni p e s ch, eine Erklärung ab- gegeben, in der sich der Satz finde;„Was das Reich seinen Bürgern durch Gewährung des allgemeinen, gleichen, ge- Heimen und unmittelbaren Wahlrechts gewährt hat, wird auf die Dauer auch in den Einzel st aaten den Bürgern in entsprechender Form gewährt werden müssen." Aber auch naincns der preußischen Landtagsfraktion des Zentrums habe bei der Beratung der Wahlrechtsanträge der Vorsitzende Dr. P 0 r s ch dieselbe Erklärung abgegeben. Das Reichstagszentrum werde sagen:„Gott beschütze mich vor solchen„Verteidigern"!" Wenn Graf Strachwitz ferner behaupte, daß in breiten Zentrumskreisen die Ansicht verbreitet sei,„daß es mit der modernen Sozialpolitik der Reichs- Politik so nicht weiter gehe", so besage denigegen- über der erwähnte W a h l a u f r u f der Zentrumsfraktion des Reichstages,„daß die Fortführung der christlichen Sozial- reform keinen Stillstand dulde." Diese Auslassungen der„Kölnischen Volkszeitung" sind trotz alles Zitatenaufwandes überaus matt! Auf die An- spielungen des Grafen Strachwitz, daß er init seinen Auf- fassungen in der Landtagsfraktion des Zentrums keineswegs� vereinzelt dastehe, und daß er seinerzeit in Ueber- einstimmung mit dieser Fraktion für einen Konservativen agitiert habe, geht die„Kölnische Volkszeitung"mit keinem. Worte ein. Das rheinische Zentrumsblatt gibt also in- direkt zu, daß die preußische Zentrumsfraktion keineswegs frei sei von konscrvativ-reaktionären Tendenzen. Die Aus- lassungen des Grafen Strachwitz beweisen denn auch, daß die Erklärung der preußischen Zentrumsfraktion gegenüber den freisinnigen Wahlrcchtsanträgen, daß eine Wahlrechtsreform von der Regierung selbst ausgehen müsse, nichts war, als eine unverkennbare Rücksichtnahme auf die in der Zentrums- fraktion verbreitete Gegnerschaft gegen das allgemeine. gleiche und direkte Wahlrecht, der Graf Strachwitz in dem Organ des Knuten-Oertel so unverblüniten Ausdruck ge- geben hat. Traute die„Kölnische Volkszcitung" der preußischen Zentrumsfraktion wirklich fortschrittssreundliche An- schauungen zu, so würde sie auch den Mut haben, für die Aus- stoßung des Grafen Strachwitz aus dieser Fraktion ein- zutreten! Denn gerade der Hinweis auf die angeblich pro- g r a ni m a t i s ch e n Erklärungen des Zentrums böten die beste Handhabe für eine Ausschließung dieses Wahlrechts- feindlichen Zentrumsagrariersf Gegenüber der Tatsache, daß dieser kostbare Zentrumsabgeordnete seiner Partei erhalten werden soll, bedeuten die Hinweise auf die p a p i e r n k n Er- klär» n gen des Zentrums ganz und gar nichts!— Partei und Gewerkschaft in Frankreich. Paris, 25. August,(©ig. Set.) Dem Beobachter der sozialen Kämpfe in Frmilreich muhte in den letzten Monaten ins Auge fallen, das; das feindselige Verhältnis, das über ein Jahrzehnt zwischen der polltischen und der Wirtschaft- lichen Organisation der Arbeiterklasse bestanden hat, eine unverlenn- bare Milderung erfuhr. Die giftige Polemik, die ehedem in den Gewerkschaftsversammlungen und in�derGewerkschaftspresse vorgeherrscht hatte, verlor an Boden und die führenden Gewerkschaften begnügten sich hauptsächlich damit, das Recht ihrer Organisation auf vollständige Autonomie zu verteidigen, statt den„Politikern" jegliches Existenzrecht und die moralischen Qualitäten abzusprechen. Die Ereignisse, die diese EntWickelung befördert haben, sind vor allem die Einigung der sozialistischen Partei und die letzten Kammer Wahlen, die«ine starke sozialistische Vertretung in die gesetzgebende Versammlung gebracht haben. Andererseits blieb auch der unglückliche Ausgang der von den Syndikalisten geleiteten Achtstundenbewegung nicht ohne Einfluß. Der tiefe Ein- druck, den die Parteieinigung aus die Arbeiterschaft gemacht hatte, zeigte sich schon, als mitten in der Wahlkampagne die Arbeits- koufoderation die Parole ausgab, eigene Achtstundenkandidaten ans- zustellen, die das Bekenntnis zu jeder politischen Partei ablehnen müßten. Diese Agitation fiel ganz ins Wasser. Die Masse der organisierten Arbeiterschaft erkannte die Pflicht des guten Gewerk- schafters— sozialistisch zu wählen. Seither sind noch nianche Fäden von der einen zur anderen Seite hinübergesponnen worden. Es ist sicher nicht ohne Bedeutung, daß die„Humanits" für ihre gewerkschaftliche Tribüne Männer wie Griffuelhes und P o u g e t als Mitarbeiter gewonnen hat. Mögen diese Leiter der Arbeiterkonföderation auch ihre fortdauernde Opposition gegen die politische Aktion betonen, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß das sozialistische Blatt jetzt das Jnformations- organ der gewerkschaftlich Organisierten geworden ist, die so auf nn- gezwungene Art in den sozialistischen Gedankenkreis eintreten. Andererseits zeigt der rasche Verfall des bürgerlichen Radikalisnius, sein jämmerliches Versagen vor allen sozialpolitischen Problemen, wie wichtig eine kräftige sozialistische Aktion im Parlament für den FlMschritt des Arbeiterschutzes ist. Die großen Streiks der Berg- arbeitet und der Postbedieiisteten zeigten die sozialistischen Depu- tierten als die einzigen zuverlässigen Anwälte der gewerkschaftlichen Rechte. Die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer ineinandergreifenden Arbeit der beiden proletarischen Organisationsformen hat sogar— auf beiden Seiten— den Gedanken eines formellen Zusammen- s ch l u s s e S aufkeimen lassen. Der nationale Textilarbeiter- kongreß in Tourcoing hat neulich beschlossen, mit dem Nationalrat und der V e r w a l t u n g S I o>n m i s s i o n der sozialistischen Partei sei es durch eine dauernde Organi- sation oder mittels zeitweiliger Delegierter in Fühlung zu bleiben. Er beantragte auch, auf die Tagesordnung deS Gewerkschafts- k o n g r e s s e s in A m i e n s die Frage der A n n ä h e r u n g zwischen der sozialistischen Partei und der Arbeits- konföderation zu setzen. Andererseits stellte die sozialistische Föderation des Nord-Departements den Antrag, den- selben Gegenstand auf dem Parteitage in Limoges zu beraten. Begreiflicherweise haben diese Anregungen in der politischen Partei wie in den Gewerkschaften ein großes Aufsehen und nicht immer günstige Meinungsäußerungen hervorgerufen. Noch lebt die Erinnerung an die Feindseligkeiten und Ungerechtigkeiten, die man in den 12 Jahren des ZwisteS einander angetan hat, allzu frisch im Gedächtnis der Beteiligten fort. Auch steht die Textilorgauisation, die die Achtstundenparole der Konföderation abgelehnt hat, mit deren derzeitige» Leiter« nicht auf dem besten Fuße. Es wäre verfrüht, von dieser Bewegung zugunsten eines organischen Verbandes von Partei und Gewerkschaft schon in nächster Zeit Resultate zu er- warten. Aber die allenthalben erwachende Diskussion beweist, daß das Problem in seiner Bedeutung dem Proletariat zum Bewußtsein komint. In der heutigen„Hlimanite" beschäftigen sich zwei Artikel mit dem Gegenstand. Genosse R e v e l i n erkennt die Notwendigkeit der politischen wie der gewerkschaftlichen Organisation an, hält aber innerhalb bestimmter Grenzen eine organische Verbindung, eine kombinierte Aktion für möglich und wünschenswert. Die Schwierig- keit liegt darin, die Autonomie von Partei und Gewerkschaft nicht zu gefährden, da sonst Verwirrungen und Spaltungen unvermeidlich seien. Zweierlei Organe der Verbindung kämen in Betracht: ein permanenter Verständigungsausschuß und zeitweilige Delegationen. Die Arbeit eines VerständigungsauSschnsses wäre ungemein schwierig. Bei weitgehenden Befugnissen könnten sich die Delegierten zu Herren der Partei wie der Gewerkschaft aufschwingen wollen, und die Vorteile der Autonomie gingen verloren, bei gebundenen Mandaten aber müßten die Delegierten immer an ihre Organisationen appellieren und es käme zu langwierigen, gefährlichen Debatten, zu Verhandlungen von Macht zu Macht. Bei einer zeitweiligen Delegation wären dieselben Schwierigkeiten, wenngleich in schwächerem Maße vbrhandeii. Revelin kommt zu dem Schlüsse, daß unter den gegebenen Verhält- nisten die von den Textilarbeitern und von der Nordföderation vor- geschlagene Kombination verfrüht sei. Die Tage von Amiens und LimogeS könnten jedoch für die«lnnäherung nützliche Finger- zeige geben, Im übrigen solle man die Zeit die Dinge reifen lassen. Wenn die sozialistische Partei in ihrer jetzigen Taktik verharre, würde die sich vollendende Personalunion sicher das herzlichste Ein- vernehmen zwischen Partei und Konföderationen schaffen. Zu ganz anderen Ergebnissen komint Emile P o u g e t. Ponget, der aus der Metallarbeiterschaft hervorgegangen ist, gehört zu den intelligentesten französischen Gewerkschaftlern. Er war ehedem anarchistischer Journalist und repräsentiert noch heute das„libertäre" Element in der Konföderation. In einem Artikel lehnt er den Ge- danken einer Uebereinkunft zwischen den Gewerkschaften und der sozialistischen Partei rundweg ab. Für ihn besteht zwischen den Berufsverbänden und den politischen Organisationen eine„unüber- windbare Gegensätzlichkeit". Seine Argumentation ist indes nicht gerade überzeugend. Die Selbständigkeit der Gewerkschaften soll nach ihm beigetragen haben, dem Klassenkampf seine ganze Schärfe zu geben. Er wiederholt das in der fyndi- kalistischen Presse beliebte Schlagwort, daß die Gewerkschaften Vertretungen von Interessen, die politischen Gruppen Ver- tretungen von Meinungen seien. Aber ist die sozialistische Organisation der Produktion, die im Programm der Syndikalisten steht, nicht ebenso eine„Meinnng" wie diejenige, die im Programm der sozialistischen Partei steht? Und ist die sozialistische Partei nicht die Vertreterin der Interessen der Ausgebeuteten? Ponget meint auch, man dürfe die Meinungen der Gewerkschaftler nicht unifor- mieten, und weist darauf hin. daß in den Gewerkschaften außer ge- ' einigten Sozialisten auch Libertaire und Bürgerlich-Radikale ständen. Ist dem so, wo bleibt da das Verdienst der Gewerkschaften. dem Klassenkampf seine volle Schärfe gegeben zu haben Z Lehnen doch die Bourgeoisradikalen gerade den Klassenkampf und die revolutionäre Umgestaltung des Eigentums a b! Ponget schließt, man dürfe sich durch das Wort„Einigkeit" in keine Illusion hineintreiben lassen. Eine Allianz der Gewerkschaften mit der Partei würde den Gewerkschaften diejenigen abwendig machen, die in politischen Dingen anderer Meinung wären— sie wäre ein Quell innerer Streitigkeiten. Man sieht, Pouget malt in grellen Farben und der größereu Wirkung zuliebe spricht er aus- schließlich von einem„Bündnis", wo es sich doch erst um Schaffung eines Einvernehmens handeln würde. Heute mag sein Standpunkt noch dem gegebenen Entivickelungsstadium des französischen Pro- letariatS entsprechen. Wenn die republikanische Bourgeoisie aber, wie kaum mehr zu bezweifeln ist, ans dem sozialreaktionären Wege fortschreitet, ist der Tag wohl nicht mehr fern, an dem die Gewerk- schaften darüber hinauSgelangen, zwischen wässeriger Neutralität und syndikalistischem Nevolntionsdoktrinarismns hin- und herzu- zuschlvanken. Das Bedürfnis des Eulvernehniens wird dann die geeigneten Formen schaffen.— «» * Deutfebes Reich. Wie der Augiasstall ausgemistet wird! Dem„Berliner Tageblatt" wird von kolonialer Seite geschrieben, daß der Geheime Legationsrat Dr. S e i tz tatsächlich zum Gouverneur von Kamerun er- n a u n t worden sei. Es sei zwar auffällig, daß seine schon■ geraumer Zeit erfolgte Ernennung nicht a m t- lich � o l i z i e r t worden sei, doch habe der neue Gou- verneur seine neue Amtstracht bereits bei— der Firma Tippelskirch bestellt! Diese Neubesetzung des Kameruner Gouverneurpostens mache es denn doch notwendig, sich mit der Person des Herrn Seitz eingehender zu beschäftigen. Noch im letzten Winter habe in der Budgetkonimission ein Abgeordneter erzählt, daß ihm aus Kamerun mitgeteilt worden sei, daß man dort sage: „Lieber zehn Puttkamer als einen Sei tz." Dies harte Wort gewisser Kameruner Kreise über den neuen Gouverneur erkläre sich, wenn man sich an einzelne Vor- kommnisse seiner früheren Amtstätigkeit daselbst erinnere. Zum Beispiel an die Misthandlung eines schwarzen Soldaten, der sich infolge derselben in ärztliche Behandlung habe be- geben müssn. Aktive Lkolonialbeamte hätten diesen Vorgang mit angesehen und könnten darüber eidliche Aussagen machen. Man könne auch bei dem früheren Stationsleiter L e u s ch n e r in Buea anfragen. Wenn man tatsächlich dem Hauptübel der seitherigen Kolonialpolitik, dem Vertuschungssystem, zu Leibe gehen wolle, so habe man in der Person des Seitz tatsächlich den Bock zum Gärtner geniacht. Dcni Reichskanzler sei noch im Juli dieses Jahres eine Meldung zugegangen, wonach Dr. Seitz eine ihm auf dem D i c n stw e g e zugegangene Anzeige gegen einen ihm unterstellten Beamten wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt nicht weiter verfolgt habe, obgleich er als stellvertretender Gouverneur dazu verpflichtet ge- Wesen sei. Auch die Beziehungen des Dr. Seitz zu dem Baumeister von Kamerun, Drees, seien sehr eigenartiger Natur. Beide hätten sich in Duala sehr gut mit einander gestanden. Von dem Bauwesen selbst habe Drees nur geringe Ahnung gehabt, er habe sich auch fast gar nicht um die ihm obliegenden Dienst- geschäfte gekümmert. Dr. Seitz sei dies alles sehr wohl bekannt gewesen, aber er habe nichts getan, um diesem Zustand ein Ende zu machen. Die betreffenden Beamten hätten oft stundenlang nichts anderes zu tun ge- habt, als Erinnerungen an diesen famosen Baumeister zu entwerfen, etwa des Inhalts:„Dem Herrn Baumeister Drees ist Jr. Nr.... betr.... unter dem(Datum) zur Er- ledigung binnen... Tagen zugegangen." Baumeister Drees habe aber aus solche Monita niemals reagiert, trotz- dem ofi3t)bis4l)solcherVerfügungen nach ein- ander an ihn ergangen seien. Dr. Seitz habe sie alle unterschrieben, aber der Adressat sie einfach zu den übrigen gelegt. Er habe sich sogar über diese fruchtlose Tätigkeit der Bureaubeamten amüsiert! Sei Drees auf Urlaub nach Europa gegangen, so habe er seinen Boy mit einem ganzen Stoß von unerledigten Akten zu deni Gouvcrncmcntsbureau geschickt. Dergestalt hätten die Gouverncmentsbeamten haufenweise ihre von Dr. Seitz selbst vollzogenen Erinnerungen wieder zurückerhalten! Das sei jedoch nicht das schlimmste gewesen, wenn damit nicht Hand in Hand eine große Verschwendung von Bau- niaterialien, deren Wert sich nach Tausenden be- ziffert hätte, gegangen wäre. Der Tätigkeit des Dr. Seitz im Schutzgebiete habe auch seine Amtsführung als F i n a n z r c f e r e n t in der Kolonialvcrwaltung entsprochen. Er habe es geduldet, daß einem Beamten(Hofrat T e s ch) eine Zulage gegeben worden sei, die mit dem klaren Wortlaute des Etats im Widerspruch gestanden habe: er habe keine Stellung gegen die Budgetverletzungcn genommen und selbst noch die Monopolvcrträge mit Woermann und Tippelskirch zu verteidigen gesucht. Und ein solcher Beamter soll nun Nachfolger des berüchtigten Jesko werden! Auch diese Ernennung des neuen Gouverneurs für Kamerun beweist zu allem Ueberfluß, wie wenig Aus- ficht dazu vorhanden ist, daß mit dem bis- herigcn Kolonialsystem gebrochen wird!— Freisinnig! In unserer gestrigen Nummer mußten wir es festnageln, daß ein angesehenes Organ des weiblichen Freisinns, die„Weser- zeitung", zugunsten der hakatistischen ZwangsenteignnngSpläne Stellung genommen hatte. In der heutigen Nummer der„Weser- zeitung" begegnen wir einem nicht minder interessanten Bekenntnis einer freisinnigen schönen Seele. Es wird da eine Tabelle einer sozialdemokratischen Monatsschrift wiedergegeben, aus der hervor- geht, daß die parlamentarische Vertretung der Sozialdemokratie in Deutschland prozentual an zweiter Stelle steht, während die erste Stelle von Dänemark eingenommen wird. Die dem Abgeordneten Broemel nahestehende„Weserzeitung" bemerkt dazu: „Nach Dänemark hat also das Deutsche Reich den Zweifel- haften Ruhm, an der Spitze der sozialdemokratischen Unkultur zu marschieren." Nach der Auffassung der„Weserzeitung" müßte danach Preußen, in dessen parlamentarischer Vertretung kein einziger Sozialdemokrat sitzt, an der Spitze der„Kultur" marschieren. Man sieht, welche Arbeit Herr Dr. Barth noch zu leisten hat, um in seiner eigenen Partei auch nur das elementarste Verständnis für die Rechte der Demokratie zu verbreiten!— Pod sitzt noch fest! Die„Deutsche Tageszeitung" versichert in Sperr- und Fettdruck, daß Pod noch immer im Sattel sitze. Wenn die»Köln. Bolls- zeitung" behauptet habe, daß dem Landwirtschaftsminister ein Flügel adjutant des Kaisers auf seinem Gute einen Besuch gemacht habe, und damit wohl habe andeuten wollen, daß dieser Flügeladjutant dem Landwirtschaftsminister die kaiserliche Aufforderung überbracht habe, sein Abschiedsgesuch einzureichen, so sei diese Meldung vollständig unrichtig. Weder durch ein Hand» schreiben, noch durch einen Flügeladjutanten sei Pod zur Eiureichuug seines Entlassungsgesuches aufgefordert worden. Im übrigen sei Pod neb st seiner Gemahlin zur Taufe des jüngsten Hohenzollernprinzen eingeladen worden. Schon diese Talsache beweise, daß Wilhelm II. sich nicht veranlaßt gesehen haben köinie, Pod zu seiner Demission aufzufordern. Pod sitzt also noch fest im Satlel. Die Presse wird also wohl noch schwereres Geschütz gegen ihn auffahren müssen!— Neber den Zengniszwang gegen die Presse hat ein bayerischer Jurist, der Landgerichtsdirektor Dr. Maurer, in einem Artikel des„Volkserzieher" beachtenslverte Aeußcrungen getan. Er führte darin aus, daß, wenn ein Zeitungsredakteur oder Verleger aus Furcht vor den aus der Zeugnisverweigerung ent- springenden Nachteilen das ihm anvertraute Geheimnis offenbare, er schnöden Verrat und damit eine Handlung begehe, die ihm in den Augen aller anständig denkenden und fühlenden Menschen zur Unehre gereichen würde. In bürgerlichen Rechtssachen mute man in solchen und ähn- lichen Fällen niemand zu, ein Zeugnis abzulegen(vergleiche§ 494 der Zivilprozeßordnung). Das Jntereffe der streitenden Zivil» Parteien an der Ermittelung des wahren Sachverhaltes werde vom Gesetz nicht für so wichtig erachtet, daß dagegen die Rücksicht auf gewisse moralische Verbindlichkeiten der Zeugen zurücktreten müsse. Im Strafprozeß dagegen glaube man den Zweck, einen Verfaffer eines beanstandeten Artikels zur Verant- Wartung ziehen zu können, durch das unlautere Mittel, den Redakteur zum Verrat zu zwingen, rechtfertigen zu können. Die zur Reform des Strafprozesses niedergesetzte Kommission habe denn auch diesen Widerspruch anerkannt. Sie sei zu dem positiven Ergebnis gelangt, daß sie vorschlage, daß abgesehen von der nach 8 54 der Strafprozeßordnung schon jetzt bestehenden Befugnis, die Auskunft auf solche Fragen zu verweigern, deren Beantwortung den Zeugen selbst die Gefahr strafrechtlicher Verfolgung zuziehen würde, jeder Zeuge, also nicht bloß ein Redakteur, künftig auch berechtigt sein solle, das Zeugnis ganz zu verweigern, wenn nach den besonderen Umständen des Falles Gefahr für ihn bestehe, wegen der den Gegenstand der Untersuchung bildenden strafbaren Handlung selbst als Täter oder Teilnehmer strafgerichtlich verfolgt zu werden. Ter Verfasser macht dabei eine nicht uninteressante Exkursion, indem er schreibt: „Dabei läßt sich übrigens— gerade im Hinblick auf Vor» kommnisse der neuesten Zeit— die Bemerkung nicht unter- drücken, daß nur solche Zweige der öffentlichen Verwaltung, welche Grund haben, ein V e r t u s ch u n g s s y st e m der offenen Klarstellung vorzuziehen, den wirklichen oder vermeintlichen Indiskretionen ihrer Beamten nach- zuspüren trachten. Man könnte fast entgegenhalten, daß Beamte. welcbe die Oeffentlichkeit auf bestehende wirkliche Mißstände auf- merksam machen, keine Strafe, sondern eher den Dank des Volkes verdienen." Das„Berliner Tageblatt" hofft, daß der Reichstag endlich in Sachen des Zeugniszwanges der Redakteure klares Recht schaffe. Ohnehin würde ja die Frage der Immunität der Abgeordneten, die in der gleichen Richtung liege, zweifelsfrei beantwortet werden.— Die Münchener Polizei in Nürnberg. München, 30. August. Auf Ersuchen des Stadtmagistrats Nürnberg hat die Münchener Polizeidirektion lö Schutzleute in voller Ausrüstung nach Nürnberg kommandiert. Die Münchener Jünger der heiligen Hermandad werden am Sonnabend früh mit dem Eilzug in München abfahren und gegen 9 Uhr in Nürnberg eintreffen. Ist etwa der Stadtmagistrat Nürnberg mit den Heldentaten der Nürnberger Schutzleute nicht zufrieden oder glauben die Nürnberger Rathaus» weisen, daß die Keilitzschen Doppelposten, um die uns Münchener die ganze Welt beneiden, den Ruhmestranz der Nürnberger Polizei um ein neues Blatt bereichern könnten? Der Säbel der Münchener Schutzmannschaft steckt ebenso locker in der Scheide und ihr Revolver faßt ebenfalls ö Kugeln, und daß die Münchener Schutzleute den Säbel und den Revolver zu handhaben verstehen und in Punkto Streikbrecherschutz Hervorragendes leisten, davon weiß das Münchener Publikum und die Arbeiterschaft ein Lied zu singen Hoffentlich wird die Nürnberger Arbeiterschaft diese Maßnahmen richtig zu bewerten wissen._ Verlustliste aus Wüst-West. Ein Telegramm aus Wind hak meldet: Am 18. August d. I. bei N o i b i s gefallen: Leutnant Harald v. Heyden, geboren am 13. 3. 82 zu Slaikow, Gefreiter JosefGriehl, geboren am 9. 10. 82 zu Flossing. Verwundet: Gefreiter Franz Wachs. geboren am 0. 6. 83 zu Berlin, schwer, Schuß rechte Hand, Streif- schuß Wange; Gefreiter Theophil Pudlo, geboren am 14. 4. 80 zu Schoppinitz, Schuß rechte Ferse; Gefreiter"J o h a n n Enn es, geboren am 15. 10. 82 zu Eicha, leicht. Fleischschuß rechten Fuß; Gefreiter August S ch ü l tz, geboren am 3. 9. 84 zu Schlettstadt. leicht, Streifschutz rechten Mittelfinger; Reiter Paul Koch, ge- boren am 14. 4. 83 zu Oederan, leicht, Streifschuß Rücken. Am 19. August nördlich Violsdrift verwundet: Unter- offizier Martin Köckritz, geboren am 9. 10. 83 zu Rosenthal, leicht. Schuß rechten Oberschenkel; Gefreiter Richard Schwartz, geboren am 4. 11. 83 zu Halle a. S., leicht. Streifschuß linken Daumen./ Am 25. August d. I. auf Patrouille bei Dunkermodder gefallen: Gefreiter Wilhelm Ritter, geboren am 27. 10. 85 zu Schöne- deck a. Elbe. Am 22. August d. I. bei Oas im Backrevier verwundet: Reiter Josef Bächle, geboren am 17. 10. 81 zu Nöggenschwiehl, schwer, Schuß linken Unterarm, Streifschuß linken Oberschenkel, rechten Fuß; Reiter Heinrich Z i e r j a ck s, geboren am 8. 4. 83 zu Doberan, schwer, Fleischschuß Oberschenkel. Ferner: Reiter Albert Kreisch mar, geboren am 21. 0. 84 zu Friedgand, am 25. August d. I. in der Krallkensammelstelle Kubub an Typhus gestorben.— Huöland. Oesterreich. Ter Wiederznsammentritt des Parlaments. Am 12. September will der W a h l r e f o r m a u s s ch u ß des Abgeordnetenhauses bine Sitzungen wieder aufnehmen Tie erste Sitzung des Hauses wird am 18. September erfolgen.— Ungarn. Auch-Rcformen. Aus dem ungarischen Polizeiministerium kommt die Nachricht. daß neue G e n d a r in e r i e st a t i o n e n errichtet werden sollen. Die einzelnen Distrikte sollen 4—0 neue Stationen erhalten; in Verbindung damit soll der MannschaftSstand der betreffenden Geiidarmeriekommandos um je 100— 140 Mann erhöht werden. Erst kürzlich waren zwei neue Kommandos errichtet worden. Wie eS aber scheint, ist das dem«großen Ministerium" zur Befestigung seiner Position noch immer zu wenig.— Frankreich. Der Kampf um de» Ruhetag. Paris, 29. August.(Eig. Ber.) Der Kampf um den wöchent» lichen Ruhetag der Arbeiter und Angestellten(der»Vorwärts" hat darüber schon einmal kurz berichtet) geht weiter. Das Gesetz stellt im allgenreinen das Prinzip auf, das; die Arbeitsruhe auf den Sonntag fallen und für alle Arbeiter des Betriebes gelten solle, es läßt aber mich die Wahl eines anderen Tages und die Einteilung der Arbeiter in Schichten zu. Um die Zulassung dieser Abweichungen dreht sich hauptsächlich die jetzige Agitation, an der sich Arbeiter wie Unternehmer mit gleicher Leidenschaft beteiligen. Es muß im ganzen anerkannt werden, daß sich die kompetenten Behörden, sowohl das Handelsministerium wie die meisten Genicindeverwaltungen, bisher drn Wünschen der Arbeiterschaft gegenüber recht entgegenkommend gezeigt und die von den Unternehmern verlangten Ausnahmen abgelehnt haben. Die Verhältnisse find aber derartig kompliziert, daß eine für alle Berufe gültige Lösung weder von der einen noch, von der anderen Seite gewünscht wird. Es ist z. B. eine höchst eigentümliche Erscheinung, daß die Arbeiter einiger Gewerbe gerade die Einteilung in Schichten verlangen, die die Arbeiter anderer Gewerbe aufs heftigste bekämpfen. Außer den spezifischen Bedingungen der betreffenden Gelverbe kommen da noch die bc- sonderen lokalen Verhältnisse in Betracht. So lvürde etwa eine Sonntagsruhe im Zeitnngsgewerbe, das hier ganz auf den Einzel- Verschleiß angewiesen ist und im allgemeinen wenig Einnahmen aus Inseraten hat, sicher eine schwere Krise zur Folge haben. Nicht leicht ist die Frage auch für die Theater und die sonstigen Vcrgmignngs- Unternehmungen zu lösen. Die allgemeine Sonntagsruhe ist hier unmöglich, da doch der Sonntag der Tag der stärksten Ein- nahmen ist. Vielleicht wird man zur Schließung an den erträgnis- ärmsten Tagen,. wie am Montag oder Freitag greifen, da sich dem Schichtensystem namentlich bei den kleinen Theatern große Hindernisse in den Weg stellen. Für das Schichtensystcm treten bc- sonders auch die Arbeiter der N a h r u n g s m i t t e l g e w e r b e ein. Dagegen betreibt ein Teil der Unternehmerschaft des Gastwirt- gewerbes eine Agitation, die geradezu darauf abzielt, das Arbeits- ruhegesetz in die Luft zu sprengen. Während die Angestellten, die in hohem Maße ans das Trinkgeld angcimesen sind, das Schichtcn- system für die beste Lösung auschen,-.drohen die opponierenden Unter- nehmer, die Restaurants und Kaffeehäuser amSonn- tag zu sperren und solange geschlossen zu halten, bis das Gesetz in einer ihnen genehmen Weise abgeändert ist. Daß ein solcher „englischer Sonntag" in einer vom Fremdenverkehr und vom Luxus lebenden Stadt Ivie Paris eine wirtschaftliche Katastrophe wäre, liegt auf der Hand. Aber für die Agitatoren der Unternehmerschaft, an deren Spitze der Inhaber eines der voriiehmsten Bonlevardrestaurants steht, handelt es sich nur um eine Erpressung an der gesetzgebenden Versammlung. Indes wird daS Unternehmen schwerlich gelingen. da die bescheidener sitnierte Mehrzahl der Gastwirte sich doch noch überlegen wird, für ihre schwerreichen Kollegen die Kastanien aus dein Feuer zu holen. •• « Paris, 31. August. Das Amtsblatt veröffentlicht heute deir ersten Teil der Durchführnngs-Verordnnngen zu dem am 11. Juli vom Parlament angenonnnenen Gesetz über den wöchentlichen Ruhetag. Das Gesetz tritt übermorgen in Kraft. In einzelnen Ge- werben wird mit A u S st and gedroht, falls die Unternehmer das Gesetz, in irgend einer Weise umgehen sollten. Insbesondere wird in dieser Hinsicht unter den Kellnern und Bäckergehülfen agitiert. I» Ronen und anderen Orten haben die Bäcker- g e h ü l f e n de» A n s st a» d angekündigt. Ei» Kampf in der Kommune. Aus Cherbourg wird vom 31. August gemeldet: Zwischen ,ozialistischcn und konservativen Gcmeinderälen kain es gestern iin Gcmeindcrat zn einem heftigen Wortwechsel, der in Tätlichkeiten überging. Infolgedessen werden die meisten JemeinderatSmitglieder ihre Demission nehmen. Spanien. Erneute Unruhen sind nach Madrider Meldungen in Santa» der ..usgebrochen. Weitere Truppenverstärkungen sind dort eingetroffen, andere unterwegs. Dyna r.iitattentate sind in Cerrochico verübt worden. Einzelheiten fehlen noch.— Die Meldungen sind infolge der amtliche» Depeschenzensur äußerst spärlich. Die Bäcker von La Corunna beabsichtigen auch einen General- streik ins Werk zu setzen. Rumänien. Ein neuer Kämpfer für den Sozialismus ist in Rumänien entstanden. Die jüdischen'Arbeitermassen Rumäniens, die bisher den doppelten Druck des Kapitalismus und , der schamlosen, nationalen Unterdrückung stumm über sich haben er- gehen lassen, beginnen sich zu rühren. Das Ideal des Sozialismus beginnt nun auch ihnen zn leuchten und als Ansatz zu einer jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei hat sich eine„Kommission zur Verbreitung sozialdemokratischer Literatur in den jüdischen Ar- bcitcrmassen" gebildet. Die Kommission hat einen Aufruf„An alle jüdischen Arbeiter der ganzen Welt" erlassen, in dem sie die elende ökonomische und politische Lage des rumänisch-jüdischen Prole- tariats schildert und als einzigen Ausweg auf den Sozialismus hinweist.„Unsere Not, unser Elend", heißt es in dem Aufruf, „wächst mit jedem Tage, der Verrat unserer jüdischen Bourgeoisie wird immer schmählicher; mehr rönnen und dürfen wir nicht er- tragen, ein Ausweg muß gefunden werden— und dies ist der Sozialismus, nur er kann den jüdischen Arbeiter mit seinem christ- lichen Bruder vereinigen, nur er kann uns von der ökonomischen, politischen und nationalen Knechtschaft befreien. Von unseren Brüdern der ganzen Welt haben wir gelernt, wo unser Feind ist; der Kampf unserer Brüder in Rußland, Galizien und Amerika hat uns die Augen geöffnet und gezeigt, daß alle unsere Angriffe nur gegen die moderne soziale Ordnung, gegen den Kapitalismus und seine Diener— den bürgerlichen Staat— gerichtet fein müssen... Eins aber dürfen wir, rumänisch-jüdischc Arbeiter, nicht vergessen: wir müssen gedenken, daß unser Kampf für Freiheit ein Kampf für die Freiheit aller Arbeiter Rumäniens und in letzter Instanz auch der Arbeiter der ganzen Welt ist. Es lebe der Sozialismus! Es lebe die Vereinigung der Arbeiter aller Nationen und Länder!" Wir wünschen dem neuen Kampfgenossen viel Erfolg in dem schweren Kampf gegen unseren gemeinschaftlichen Feind!— China. Berfafsiingsgerüchte. Die Londoner„Morning-Post" meldet aus Shanghai: Bei Beratung des Berichts der Konnnission, die ins Ausland entsandt war, ergaben sich zunächst innerhalb dcrKonferenz Meinungsverschiedenheiten. Taitse. der Führer dieser Kommission, warf den Beamten vor, daß sie sich der Einführung einer Konstitution widersetzten; schließlich entschied sich die Konferenz jedoch z u Gunsten einer K o n st i t n t i o n. ES ist bereits ein Dekret erlassen worden, das die Einführung einer Konstitution verspricht, ohne indessen einen Termin dafür oder sonstige Einzelheiten anzugeben.— Amerika. Große Worte gegen die Trusts. Herr B r y a n, der deino- .ratische Präsidentschaftskandidat, ist am Donnerstag von einer Aus- landsreise zurückgekehrt und hat sofort in einer ihn, zu Ehren in New Jork veranstalteten Versammlung eine Rede gehalten, ivorin er einen Fortschritt der Neigung zum Abschluß von Schieds- gerichtSverlrägen bei mehreren Regierungen behauptete. Dann ging er zum eigentlichen Thema, zur Trust frage über. Er schlug zur Besserung der augenblicklichen Lage vor, daß die Gesell- schaften durch die Bundesregierung zu konzessionieren seien und daß der Präsident ermächtigt sein solle, auf die Frei- liste sdes Zolltarifs) die Waren zu setzen, die mit den von den Trusts beherrschten konkurrieren. Er drückte die Hoffnung aus. daß die Trusts mit der Wurzel ausgerottet würden. In der' Frage der V e r st a a t l i ch u n g der Eisenbahnen machte Bryan den Vorschlag, die Bundesregierung solle die Haupt- linien, und die Einzelstaaten die lokalen Linie» übernehmen. Zu», Schlüsse erklärte er, die Zeit sei gekommen, um die Plutokratie zu stürzen, welche die Kraft des Volkes aufsauge. Er habe die unheil- volle Wirkung des Großgrundbesitzs in Europa gesehen. Aber schliimner als er wirkten in Amerika die Trusts. So hat also Herr Bryan sein Programm entwickelt. Daß in seinen Wein viel Wasser gegossen werde» würde, wenn die Demo- kraten zur Herrschast gelangten, versteht sich am Rande. Der kapitalistische Staat wird mit den Trusts nie anbinden; erst der Sozialismus wird sie„mit der Wurzel ausrotteil".— Westindien. Der Aufstand auf Kuba. Mehr und nichr gewinnt die Vermutung au Boden, daß der Aufstand bestellte Arbeit für die Vereinigten Staaten ist oder daß wenigstens, wenn nicht die Regierung der Union, doch einflußreiche Kreise Nordamerikas ihre Hand im Spiele haben. Kreise, die ihre Geschäfte durch eine Intervention der Union, die zur Ausdehnung ihres Einflusses auf Kuba oder gar zur Annexion der Insel führen soll, gesördert sehen möchten. Das Bureau Lassan verbreitet folgende Meldungen: New Aork, 30. Augnst. Die Lage auf Kuba wird allgemein stark pessimistisch beurteilt. Man befürchtet, daß schließlich doch ein Eingreifen der Vereinigten Staaten nötig sein wird, das indes nicht über eine Ucberwachnng der all- gemeinen Wahlen hinausgehen soll, deren unbeeinflußter Verlauf gesickert werden würde. Washington, 30. August. Dem Staatsdepartement sind Be- schwerden zugegangen, daß die Aufständischen amerikanischen Besitz bei Cieiifncgos auf Kuba plündern und Lebensmittel und Vorräte wegnehmen. Man entnimmt daraus, daß die Auf- ständischen entschlossen sind, ihre Drohung auszuführen, ausländische Interessen zn verletzen, bis die Vereinigten Staaten z» in Eingreifen gezwungen sind. Das Staats- departement hat insolgedessen die kubanische Regierung aufgefordert, ihre Schutzmaßregeln zu verstärken. lind die„Franks. Ztg." meldet: New York, 31. August. Die Amerikaner auf Kuba rufen den Schuh der Bundesregierung an. lieber den Aufstand selbst wird berichtet: Havanna, 31. August. Ein Kampf zwischen RegiernngStruppen und Rebellen fand bei Artemifa, SO Kilometer südwestlich von Havanua, statt. Einzelheiten fehlen noch. Aufständische Truppen br- finden sich in unmittelbarster Nähe von Havanna. Zlustralien. Borzugszöllc für England. Aus Melbourne wird vom 30. August gekabelt: Der Präsident des Ministerrats Deakin brachte heute im Abgeordnetenhause einen Antrag ein, nach dem die Zölle auf ausländische Waren nm zehn Prozent erhöht werden solle», während gewisse britische Produkte, die auf britischen Schiffen in den australischen Bundesstaat eingeführt werden, eine Bcrgnnstignng in derselben Höhe genieße». Es handelt sich dabei nm Munition, Dynamit, Lunten, Holzwarcn, Fahrräder, Taschenuhren und andere Uhren, Stiefel, Mobiliar, Gas- und Oelmotore, Turbinen, Farben, in Essig eingemachte Waren spickles), Messerschmiedewaren und plattierte Waren. Der Antrag ist ein Schritt zum all-britischen Zollverband, wie ihn Chamberlain erstrebt. In England hat indes der Gedanke bei den Wahlen eine schwere Niederlage erlitten. Trotzdem schlägt die australische Regierung eine Begünstigung des Mutterlandes vor, das zurzeit, als Land des Freihandels, gar nicht in der Lage ist, der Kolonie ein Aeqnivalent zu bieten. Man wird abzuwarten haben, ob unter diesen Umständen das australische Bundesparlament der Regierung auf diesen Weg folgen wird. Geschieht es, so ist der Wettbewerb der Industrien nichtbritischer Länder in Australien erheblich erschwert. Auch für die deutsche Industrie wird das sehr unangenehm fühlbar werden. Unsere„Schntzzpllner" haben indes keine Berechtigung, sich zu beklagen. Sie ernten, was sie gcsäct haben. Huq der Partei. Zum Parteitag. Der Bericht des Parteivorstandes erfährt eine Berichtigung durch unser G ö r l i tz e r Parteiblatt. Es schreibt: In dem Bericht des Parteivorstandes an den Mannheimer Parteitag heißt es, daß wegen der sechs Millionen Exemplare, die von dem Prcnßcnflngblait verbreitet wurden, nur das Land- gericht Stargard einige Genossen verurteilt hätte. Die anderen Gerichte hätten erklärt, daß die von den Staatsanwälten in dem Flugblatt entdeckten Vergehen und Verbrechen darin nicht zu finden seien. Das ist nicht ganz richtig. Der Parteivorstand hat übersehen. daß neben Stargard auch Görlitz zn nennen ist. Das Görlitzer Landgericht hat den Genossen Lißke wegen„Gencigtmachcns zu' Gewalttätigkeiten", begangen durch das Prenßenflugblatt, zu eineni Monat Gerängnis ver- urteilt. Am 7. Januar 1907 hat das Reichsgericht darüber zu entscheiden, ob dieses Urteil zu Recht besteht, obwohl ungestraft sechs Millionen Exemplare des gleichen Flugblattes in Preußen ver- breitet wurden.— Bei dieser Gelegenheit sei auch erivühnt, daß der Parteivorstand den Rauschaer Saalbesitzern ein Lob aus- spricht, das diesen für die Zeit der Abfassung des Berichts ganz und gar nicht gebührt. Ani 0. März hatten die Rauschaer Saalbesitzer bekanntlich dieselbe Erklärung unterzeichnet, welche die Görlitzer Partei- und Gewcrkschastsinstanzen kurz vorher den Görlitzcr Saalbesitzcrn vorgelegt hatten und von diesen unterschrieben und veröffentlicht wurde. Nach kurzer Zeit wurden die Rauschaer Saalbesitzcr aber wortbrüchig. Die Genossen in Rauscha führen deshalb heute noch gegen die Saalbcsitzer einen Boykottkampf. Hin- gegen ist die genannte in Görlitz zuerst formulierte Erklärung heute für Görlitz noch bindend und die Görlitzcr Genossen werden dafür sorgen, daß das so bleibt._ Gelogen wie gedruckt! Es wird uns geschrieben: In welcher Weise die„Partei für Wahrheit und Recht" besonders den ersten Teil ihrer Devise in ihrer Presse zur Richtschnur nimmt, dafür bietet ein Bericht über die Essener Protestvcrsamm- lung gegen den Katholikentag, der die ultramontanc Presse durch- läuft, einen geradezu klassischen Beweis. Der 36 Zeilen um- fassende Bericht, der der katholischen„Tremonia" entstammt, ent- hält nur folgende bewußte Unwahrheiten: „Die Versammlung hatte die sozialdemokratische Parteileitung einberufen." Wahrheit: Sie Ivar von dem Freidcnkerverein„Freie Forschung" einberufen. „Die Versammlung war von 6— 700 Personen besucht." Wahrheit: Von 1500— 2000, wenn nicht mehr, denn der Garten, der zu dem großen Saal gehört, war terrassenförmig mit Tischen und diese dicht, mit Menschen besetzt. „Lüge" und„Gcschichtsverdrehung" sei zwischengerufcn worden.„Der Redner(Dr. Kramer) zog es vor, sie unbeachtet zu lassen." Wahrheit: Als sich ein unartikulierter Laut aus dem Tierreich von der einen Ecke des Saales her vernehmen ließ, machte der Redner eine Pause, aber der Tierstimmcnimitator meldete sich weder jetzt, noch als zur Diskussion aufgefordert wurde. „Die Schlußapothcose bildete eine Beschreibung des Heiles, welches der sozialistische Zukunftsstaat bringen soll." Wahrheit: Herr Dr. Kramer ist nicht Sozialdemokrat, sondern Sprecher der Magdeburger freireligiösen Gemeinde, und hat natürlich den „sozialistischen Zukunftsstaat" auch nicht mit einer Silbe berührt. Ter Bericht sagt vom Reichstagsabgcorduetcn Genossen Adolf Hoffmann, daß er seine rednerische Tätigkeit damit begann, Rc- klame zu macheu für seine„Zehn Gebote-Broschüre". Wahrheit: Hoffmann bedankte sich für die Retlame, die Herr Gröber in seiner Schlußrede auf dem Katholikentag für diese Broschüre gemacht hat. Natürlich will, wo Ultra-Schwarz lügt, Stöcker-Pückler-Schwarz nichts nachstehen und so läßt sich die edle„Staatsbürger-Zeitung" von einem Manne mit dem verdächtigen und beinahe semitisch klingenden Namen Monheim einen mit echt antisemitischen Bos- heitcn gespickten Artikel schreiben. Ter ganze Artikel ist aufgebaut auf der Behauptung, Hoffmann hätte die lateinischen Worte „panem et eirecnses" gebraucht und falsch übersetzt. Hoffmann hat aber diese lateinischen Worte überhaupt nicht gebraucht, was zirka 2000 Zuhörer bestätigen müssen und damit stürzt das ganz? Lügengebäude zusammen. Das Manifest der italienische» Syndikalisten zum Parteitag. Rom, 29. August.vir brauchen eine siegreiche Sievo- l u t i o ir. Diese mutz aber noch durch organisatorische und AgitatiouSarbeit vorbereitet werden. DaS ruhige Verhallen des Proletariates zeigt, datz bei ihm Bewußtsein an die Stelle von E l e m e n t a r r e g u n g c n tritt. Die„Rjctsch" schildert eine Versammlung in der Ansiedelnng Pokrowskoje, Gouvernement Samara, bei Gelegenheit der Dumaauflösnng. Die Anwesenden schrien:„Eine Koiislitiiante soll ein- berufen werden!" Die Redner aber mahnten,„abznivarten, was Petersburg und Moskau sage» werden. und vorläufig ruhig zu bleiben". Eine solche Ruhe wird die Position der Regierung nicht befestigen, sondern erschüttern. In vielen Industriezentren sJwanowo-WoSiiessensk, Donetz- gebiet, BijanSk) ist noch die schwarze Bande stark, d. h. das proletarische Bewußtsein wenig entwickelt. Bei planmäßiger Propaganda entwickeln sich aber jetzt auch die rückständigen Proletarierschichtcn schnell. Die„Rjctsch" berichtet, wie in Backmut(Donetzgebiet) die häufigen Bersamnilnngen das Proletariat völlig gewandelt haben, so daß die früheren Pogromteilnehmer nicht mehr zu erkennen sind. Dasselbe gilt für die Bauern. Die„Rjetsch" beschreibt wie im Gouvernement Nischni-Rowgorod die Sozialdemokraten und Sozial- revolutionären Versammlungen veranstalten und die Masse organisieren. Es werden BanernilnbS. Bauernkomitees gegründet. Reisende Agitatoren kommen, und die Bauern wohnen mit großer Lust einer Reihe Vorträge bei. Bei den Sozialdemokraten ist dies besonders gut eingerichtet. ViSiveilen finden auf Wunsch der Bauern Diskussionen zwischen verschiedenen Parteivertretern statt. Die Bauern treiben dann selbst die Agitation weiter. Das ist alles sehr gut, es muß aber noch besser werden. Es ist notwendig, daß das gesamte Bauerntum solcher Einlvirkung unserer Partei unterzogen werde. Ohne dies zu tun, können wir nicht siegen: wenn wir aber dies getan haben, wird es uns u n- m ö g l i ch s e i n, nicht zu siegen. Auch ein zweites tut not: Systematisches Einwirken ans die Armee. Die Propaganda im Militär geht erfolgreich vorwärts; eS muß aber hier noch ein gutes Stück Arbeit geleistet werden. Jede Familie, die im Militär Mitglieder hat, soll dabei helfen. Diese Arbeit soll getan werden, bevor wir das Volk zum Kampf auffordern. Sonst werden wir bloß Stolypin einen Dienst erweisen. Das Proletariat Ivird den Kampf beginnen, wenn es ihm, nicht wenn es Stolypin paßt. Ihm wird er dann passen, wenn das ganze Volk und die Mehrzahl der Truppen revolutionär gestimmt sind. UnS Revolutionäre soll die ganze Gesellschaft unterstützen. Dann wird das Ziel in nicht ferner Zukunft erreicht werden. DaS folgende Heft des„Tagebuchs eines Sozialdemokraten" lvird den Meutereien und dem Massenstreil gewidmet werden. Was darüber bekannt ist, kann UNS in derselben Ueberzcngmig bestärken: W i r brauchen keine Auge nblickSansbrü che; sie können uns bloß schwächen: wir brauchen eine siegreiche Revolution; und zu einer solchen ist noch Vor bereit nngSarbeit nötig. Neue Bluturteilc über die Svcaborger Meuterer. HelsingforS, 31. August. Gestern wurde über den Rest der Ans- rührer von Sveaborg das Urteil gefällt: 19 Soldaten und drei Zivilisten wurden zum Tode durch Erschießen, 33 Soldaten zu Zwangsarbeit von 12 bis 15, Jahren, 33 zur Versetzung in eine Strafabteilmig aus 4 biS 5 Jahre, 195 auf 3 liiS 4 Jahre und 298 zu 3 bis 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Guerillakrieg gegen die Polizei in Moskau. Am Montag, den 27. August sind in Moskau mehrere sorg- fältig organisierte Attentate ans Polizeibeamte verübt worden. Nach dem„Russischen Kurier" wären sie von Sozialrevolutionäreii unter- nominell worden. Ueber den Verlauf teilt dieselbe Ouelle mit: In dem betreffenden Bezirk waren zahlreiche Sozialrevolutionäre mit Brolvning-Revolvcrii bewaffnet ans dem Bürgersteig verteilt. Gegen 9 Uhr abends kamen plötzlich auf einer mit feurigen Pferden be- spannten Proljetka zioei junge Leute an den Polizei- lentnant P. I. Schtschukin herangeftürnit. schössen ihn nieder und rasten mit ihrem Gefährt blitzschnell da- von, um in der Karjetnajastraße zwei am Restaurant„Wolna" postierte Polizeibeamte in derselben Weise niederznkiiallen und davon- znjagen. Als aber die Polizeibeamten der benachbarten Reviere ans die Atlcntätcr zu schießen bcaanneii, erwiderten nicht nur diese das Feuer, sondern auch die auf den Bürgersteigen sich befindlichen bewaffneten Revolutionäre. Trotzdem sofort die uinfasieiidste» Nachforschungen angestellt wurden, konnten weder die Attentäter noch ihre Helfershelfer ermittelt werden. Agitation im Heere. Die beim riltzischen Polizeidepartemcnt eingelaufenen Nach- richten besagen, datz in verschiedenen russischen Hafen- st ä d t e n, vorwiegend aber solchen in S ü d- R u tz l a n d, eine verstärkte Agitation des sozialrevolutionären Militär- k o m i t e e s ermittelt ivorden ist. Der Hauptmann Minaielv von der 4. Sotnie des 22. Kosaken- regiments in M a r i n p o l wurde wegen repolntionärer Propaganda unter den Kosaken verhaftet mid nach Odessa gebracht. Ein revoliitionärer Priester? Petersburg, 3!. August. Die Untersuchung über die Unruhen an Bord dcS„P a m j a l A s o lv a" hat ergeben, datz der Urheber der Matrosen Meuterei der ööjährige Seelsorger des Schiffes gewesen ist. Er lvird vor ein Kriegsgericht gestellt werden, s?) Ein Bombenattentat. Die„Lodzer Zeitung" meldet am 28. August aus Bialystok: Nach der Abreise de» Gouverneurs ans Prushany wurde des Abends in das Gebäude der dortigen Polizeiverwaltung eine Bombe ge- worfen. Die Postvas diese ja stets mit grofier Emphase ver- sichern.... Diiivell sagt, durch Preiserhöhung machen die Unter- nehmer Lohnerhöhungen wieder wett; KautSky wendet sich gegen die Ansicht, eventuell aus Rücksicht auf den Profit und die Kon- kurrcnzfähigkeit Forderungen auf Lohnerhöhung zurückzustellen. Wo da der Widerspruch steckt, wird wohl ein" Geheimnis des «Korrespondent" bleiben._ Soziales» „Viktoria." Zu dem Kapitel: Elend der Versicherungsbeamten zc. gehen uns noch fortgesetzt Zuschriften zu. Wir veröffentlichen die folgende, weil es sich dabei um eine besondere Gruppe von Beamten handelt. Die Zuschriften, welche sich iin allgemeinen mit den Verhältnissen derHandlungsgehülfen. Bureau- und Auszenbeamten befassen, können wir schon aus Rücksicht* auf den Raum nicht alle zum Abdruck bringen. Die Zuschrift, die sich mit der Lage der Kassierer be- schäftigt, lautet: Die Einnehmer der„Viktoria" sind keineswegs besser gestellt wie die Jnnenbeamten. Unter der bunten Neklanieuniform steckt eine Menge Elend und oft viel Dünkel. Bei seiner Anstellung hat der Einnehmer: I. eine Kaution von 1000 M. zu hinterlegen, II. ein polizeiliches Führungsattest der' letzten 5 Jahre bei- zubringen. III. sonstige sehr gute Zeugnisse borzulegen, IV. sich einer peinlich genauen ärztlichen Untersuchung zu unter- ziehen. Erst nach gewissenhafter und zufriedenstellender Erledigung dieser vier Punkte ist der Einnehmer würdig, das Wohl— der„Viktoria" zu fördern. Der Monatsgehalt beträgt sage und schreibe brutto 100 Mark. Dem Einnehmer wird eifrige, acqnisitorische Tätigkeit zur Pflicht gemacht. Er muh pro Monat in der„Volksbranche", für 4 Mark Wochenbeitrag, Neuversicherungcn Herauschaffen, sowie jede Woche einen Feuerantrag bringen. Die Behandlung läßt viel zu wünschen übrig. Der Urlaub, auf welchen der Eiunebmer nach fünfjähriger t a d e l l o s e r Führung Anspruch hat, steht nnr auf dem Papier. Es dürfen nie zwei Einnehmer zusammen gehen oder während dcS Dienstes ein Restaurant besuchen. Zuwiderhandlungen werden das erstemal mit 30 Mark bestraft, das zweitcmal folgt Entlassung. Kontrolleure bewachen sorgsam jeden Schritt der Einnehmer. Bei der Betriebskrankenkasse bestehen manche Mih- stände. So ist jetzt das Krankengeld pro Tag um SO Pfennig ge- kürzt worden. Ein Einnehmer hatte kürzlich das Malheur, sich krank melden zu müssen. Wohl auf Grund des Attestes des Vertrauensarztes der Betriebs krankenkaffe erhielt der Einnehmer trotz zwölfjähriger aufopfernder Tätigkeit— die Kündigung. Er war einer von denen, die auf Lebensstellung rechneten. Die Auhenbeamten fAgenten) der„Viktoria" werden von ihren Generalagenten auch gründlich ausgenutzt. Handwerker werden unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ans fester Arbeit gerissen und, nachdem sie ihre Verwandten und Be- kannten versichert hatten, flogen sie aufs Pflaster. Es versteht sich von selbst, dah die Direktion mit allen Mitteln versucht, die ihr verhahten organisierten Beamten und Einnehmer aus ihre»! Musterbetriebe zu entfernen. Die hier in Betracht kommendeil Organisationen werden der Direktion der„Viktoria" auf ihre rigorosen Matznahmen zu gegebener Zeit die richtige Antwort nicht schuldig bleiben. Eue Induftm und fjandel» Immer wieder Preiserhöhungen. Die Hamburger Kohlen- grotzhändler erhöhen ab 1. September die Preise für Hausbrand- kohle um 30 Pf. für den Doppelhektoliter. Im Zwischenhandel ist bereits seit gestern eine Preiserhöhung durchgefuhrr.— Weiter wird gemeldet, das; das Düsseldorfer und das Luxemburger Roheisen- Syndikat den Verkauf von Puddel- und Thomaseisen für das erste Vierteljahr 1907 freigegeben und gleichzeitig die Preise um eine» Frank für die Tonne erhöht haben. Born Bierkrieg. Um die Outsiders dem Preiskartell anzuschliehen, haben die rheinisch-westfälischen Verbandsbrauereieu dieser Tage wieder nial eine Besprechung veranstaltet, lieber das Ergebnis ist noch nichts bekannt geworden. In Hamburg ist in einer Versamm- lung der Wirtevcreine beschlossen worden, unter allen Umständen den Kampf mit den Brauereien aufzunehmen und den Bezug von dortigem Bier ab 1. September einzustellen. Es hätten sich genügend auswärtige Brauereien gemeldet, deren Namen jedoch nichl belamit gegeben werden, da sonst die Brauereien versuchen würden, den Bezug zu hintertreiben. Die Stadt soll in Bezirke eingeteilt und es sollen Lagerkeller gemietet iverden. Der Aklionsausschuh der Gastwirtevereine hat den Auftrag er- halten, von auswärts ringfreies Bier nach Hamburg zu schaffe»: er fordert das Publikum von Hamburg, Altona, Wandsbeck und Um- gegend auf, die Wirte in ihrem Kampfe gegen die Brauereien zu unterstützen. Gastwirtschaften, wo ringfreies Bier zu haben ist, er- halten Plakate mit der Anfschrift:„Hier gelaugt nur ringfreies Bier zum Ausschank I" In der Presse erklären die Wirtevereine, den Preis« aufschlag auf das konsumierende Publikum nicht abwälzen und ihn selbst nicht tragen zu könne», während die Brauereien bekannt gebe», daß sie infolge der Brausteuererhöhuug und der dauernden Ver- teuerung der Produktion durch Zölle aller Art sowie durch Preis- aufschlag für sämtliche Rohmaterialien und Gebrauchsgegenstände von der Erhöhung der Bierpreise ab 1. September d. I. nicht ab- sehen könnten. Damit ist also der Bierkrieg erklärt. Bon der Kohlennot. Wie behauptet wird, hat das Kohlen- shndikat in letzter Zeit in England keine Abschlüsse mehr gcinacht, zwecks Befriedigung des inländischen Konsums. Weiter wird be- hauptet, das Syndikat besorge seinen Export mit englifchen Kohle». Diese Behauptung ist unzutreffend. Nach den Zusainmcnstelluiigen des kaiserlichen Statistischen Amtes sind in der Zeit vom 11. bis 21. August dieses Jahres 2 576 403 Doppelzentner Steinkohlen eingeführt. aber 5 400 980 Doppelzentner zur Ausfuhr gelangt. Die Ausfuhr ist mithin noch mehr als doppelt so hoch als die' Einfuhr. Die unzutreffenden Behauptungen haben jedenfalls nur den Zweck, die Tatsachen der künstlichen Vergrötzerung der Kohlenknappheit zu verschleiern. Zwischengewinnr. Datz bei einer„guten" Gründung mehr heraus kommt, als bei lebenslanger mühseliger Arbeit, dafür gibt der Prospekt der Terraingesellschaft am Teltowkanal Rudow- Johannisthal, deren Aktien im Betrage von 3 600000 M. an der Börse zugelassen sind, ejnen neuen Beleg. Die Gesellschaft ist Ende Dezember 1902 mit einem Aktien- kapital von 100000 M. begründet worden. Am 3. Januar 1903 wurde das Kapital auf 3 Millionen Mark und dann am 9. Sep- tember 1904 weiter auf 3 600 000 M. erhöht. Die Ausgabe der Aktien anfangs 1903 erfolgte zum Erwerb von Terrains und deren Nutzbarmachung, während die zweite Kapitalerhöhimg zur Ver- stärkung der Betriebsmittel diente. In den Gemeinden Rudow und Bohnsdorf crtvarb die Gesellschaft zunächst ein Terrain für 2 400 000 M. Ferner wurden erworben 52 Hektar zu Preisen von 5000 M. bis zu 14 900 M. pro Morgen für insgesamt 1 SA 190 M. An den Kreis Teltow sind zum Bau des Kanals abgetreten worden 16 Hektar 66 Ar, an Straßenland an Alt-Glienicke 53 Ar, zusammen 17 Hektar 19 Ar. Eine Dividende hat die Gesellschaft bisher noch nicht verteilt, aber dafür hat der Kaufmann Trcskow mit der Gründung ein feines Geschäft gemacht. Es tourde ihm ein Zwischengewinn von 1 000 000 M. nntcr der Bedingung gezahlt, daß derselbe eine Forde- rnng der Berliner Bank an die Metallindustrie Aktiengesellschaft Schönebeck in Höhe von 872 207 M. und nom. 251 000 M. Aktien derselben Gesellschaft dagegen erwarb. Zündholz-Trust. Die japanische Regierung hat mit der Diamond- Zündhölzerfabrik einen iinernntionnlen Trust gebildet, in den auch die englische Firma Brhaut u. May aufgenommen worden ist. Die japanische Regierung hat die Zündhölzerfabrikation in ihrem Laude durch staatliche Unterstützung so entlvickelt, datz diese jetzt den Markt in China, Australien, Teile» Ostindiens und auf den Philippinen- inseln beherrscht. Japan wünscht für seine Fabriken die neuesten Maschinen zu erwerben und hat deshalb den Verlrag mit der amcrika- uischcn und der englischen Firma abgeschlossen, die besondere Patent- rechte besitzen. Rußland in Nöte». Die oft bestrittenen schlechten Ernte- anSsichten in Rußland sind teilweise jetzt schon durch Rückgang des Getreideexportes bestätigt worden. Sie werden weiter bestätigt durch folgenden Bericht des deutschen Konsuls in Libau voni 25. d. M.: Das seit 14 Tagen eingetretene Regenwetter verhindert- die Ein- bringung des Sommerkorns. Es ist zu befürchten, daß Gerste und Hafer, wovon Hafer in den Kreisen Grobin, Haienpoth und Goldingcn einen besonders guten Ertrag zu geben versprach, auf dem Felde verderben. Die Kartoffelernte wird gleichfalls verzögert und dürfte, auch wenn es unter späteren günstigeren Witlernngs- Verhältnissen gelingt, diese Feldfrncht unbeschädigt unter Dach zu bringen, höchstens ein mittleres Ergebnis liefern. Weizen konnte auf den meisten Gütern noch vor Beginn der Regenpcriode geborgen werden. Hus der Frauenbewegung. Pflcgedamrn nnd Arbeiterinnen-Heim! Herr Kommerzienrat Max Krause, Inhaber einer Luxus- Papierfabrik in der Alerandrinenstraße, hat eine Broschüre heraus- gegeben, betitelt:„Pflegedamen für weibliche Angestellte in Fabrikbetrieben und Arbeiterinnen-Heim". Er legt seine Arbeit der Oeffcntlichkeit zur Kritik vor. Herr Krause hat, wie er betont, reiche Erfahrungen innerhalb der Industrie gesammelt. Sein Be- trieb ist, was auch von uns zugegeben werden kann, in hygienischer Beziehung manchem anderen Unternehmen dieser Art weit voraus. Wenn er sich nun in seiner Broschüre erstens mit der Frage: Gründung von Arbciterinnen-Heimen beschäftigt, so geht er von dem Standpunkt aus, den in Berlin allein wohnenden Mädchen ein sauberes, gemütliches Heim zu schaffen, das dem Wohnen in Schlaf- stellen vorzuziehen sei. Für ein solches Heim kommen bei Herrn Krause hauptsächlich ältere Arbeiterinnen in Betracht, welche ohne Familienanhang in Berlin leben, jugendlichen, alleinstehenden Mädchen von auswärts dagegen möchte er keine derartigen Stütz- punkte bieten, sie gehören seiner Meinung nach nicht in die Groß- stadt. Dieser Ausspruch hat allerdings etwas für sich; jugendliche Arbeiterinnen sollten noch unter Aussicht der Eltern bleiben. Wie steht es aber mit den jungen Waisen, die vielleicht bei„Herrschaften" in Dienst gegeben wurden, hier schlechte Erfahrungen gemacht haben und sich der Fabrikarbeit zuwenden? Gerade diesen müßten in erster Linie die Annehmlichkeiten eines solchen Heims zugute kommen. Doch wir wollen erst einmal sehen, welche Berechnungen Herr Krause seinem Plane zugrunde legt. Um, den Heimen die Selbständigkeit zu ermöglichen, weil er wohltätige Zuschüsse— wie üblich in anderen schon bestehenden Heimen— von vornherein ausschalten will, muß möglichst rationell gewirtschastet werden. Wie die meisten Berliner Häuser, müßte auch das zu errichtende Ge- bäude aus Vorderhaus und Hinterhaus bestehen. Das Vorderhaus würde mit Verkaufslädcn und großen Wohnungen versehe» und vermietet werden. Die Hintergebäude sollen das Heim darstellen. Vorderhäuser bringen einen großen Mietsüberschuß und würde dieser eventuell später dem Heim zugute kommen. Es ist ganz genau aufgeführt, wie das Heim gebaut werden resp. eingerichtet werden soll. Es würde zu weit führen, hier auch in Einzelheiten einzugehen, doch muß gesagt werden, so wie sich Herr Krause das Heim denkt, würde es einen ganz wohnlichen, anheimelnden Charakter bekommen. Es würde vor allem manchen Schlafstellen gegenüber enorme Vorzüge besitzen. Es ist alles, auch das Kleinste berechnet, und würde sich das Heim aus sich selbst erhalten können, wenn die Bewohnerinnen pro Bett und Woche 2,35 M. zahlten, ein Preis, der dem in Schlafstelle oder eigener kleiner Wohnung so ziemlich gleichkommt. Das Heim hat jedoch noch andere Aufgaben. Es soll den Insassen auch Beköstigung bieten, ferner der Belehrung dienen, z. B. im Schneidern und in der Wirtschaftslchrc. Auch soll eine eigene Wäscherei eingerichtet werden. Es würden sich auch hier die Ausgaben durch die Einnahmen decken lassen, zumal bei der Beköstigung Ueberschüsse herausgcwirtschaftct werden könnten und diese den anderen Zweigen zugute kämen. Angestellt müßten werden Personen für den Wirtschaftsbctrieb, sowie eine Dame als Leiterin des Ganzen. Gehälter, sowie Verpflegung dieses Per- sonals sind nach der Berechnung ebenfalls noch aus der Bewirt- schaftung herauszuschlagen. So würde das Heim selbständig dastehen und nicht, wie die schon in Berlin bestehenden, als Wohl- tätigkeitsanstalt zu betrachten sein. Auf die Selbständigkeit leyt Herr Krause großen Wert. Er sagt, und da muß man ihm bei- stimmen, jede Wohltätigkeit wirke beschämend auf die Empfänger. — Immerhin würde jedoch auch dieses Heim— vom Arbeitgeber errichtet— ein gewisses Abhängigkeitsgefühl hervorrufen, was den meisten Mädchen das Heim unsympathisch erscheinen ließe. Nun ist anfangs nur von dem Preise für die Wohnung die Rede gewesen, dazu kommen noch die Kosten für die Ernährung. Herr Krause rechnet ays, daß eine Person 9 Mark pro Woche für Miete und Nahrung im Heim gebraucht. Der Satz ist gewiß nicht hoch, aber er harmoniert nicht mit den Löhnen, die fast überall in der Berliner Luxuspapierbranche und auch bei Herrn Krause ge- zahlt werden. Herr Krause zahlt in der Regel einen Anfangs- wochcnlohn von 9 Mark, Zulagen gibt es nur in großen Zwischen- räumen, so daß Arbeiterinnen, die 6, 8 bis 15 Jahre in seinem Betriebe tätig sind, ll bis 15 Mark Wochenverdienst erzielen. Die Akkordarl'eitcrinnen konimcn etwas schneller vorwärts. Herr Krause hält 9 Mark notwendig zur Fristung des nackten Lebens, wovon sollen denn aber die Mädchen die übrigen Bedürfnisse bestreiten? 12 Mark Wochcnlohn wäre demgemäß das, was als Mindestmaß einer Arbeiterin, die selbständig für sich sorgen muß, zukäme. Was nützt auf der einen Seite der gute Wille des ArVeitgcbers, wenn er auf der anderen Seite beim Notwendigsten versagt?! Theorie und Praxis sind wieder einmal unvereinbar. Von Pflegcdamcn ist in dem zweiten Abschnitte die Rede. Der Verfasser wendet sich gegen den bürgerlichen Berliner Frauen- verein, welcher ein Umschreiben an die Fabrikbesitzer versandt hat, worin diesen die Notwendigkeit der Anstellung von Pflcgedamen vor Augen geführt wird. Was ist denn aber eine Pflegedame? Es ist eine Angestellte, welche die Oberaufsicht über die Arbeiterinnen haben soll, sie eventuell vor den Belästigungen der Männer zu schützen hat, auch allerhand Beschwerden entgegen nimmt. Tie Pflcgedame ist demnach eine Art Fabrikinspektorin, nur daß dieselbe im Betriebe angestellt sein muß und nur im Nebenamte die Aufsicht haben soll, also eigentlich mehr eine Meisterin darstellen würde. Unseres Erachtens würde eine solche Dame den Arbeiterinnen sehr wenig nützen können, die Abhängigkeit vom Geschäft verschlösse ihr in sehr vielen Fällen den Mund. Arbeiterausschüsse, die auch in Herrn Krauses Etablissement bestehen, können da viel mehr leisten. Außerdem sollten die Arbeiterinnen mehr als bisher sich an die Fabriknispeklorinncn wende». Es besteht auch die Beschwerde- kommission der sozialdemokratischen Fragen, welche jederzeit Be- schwerden von Arbeiterinnen entgegen nehmen und diese der Ge- werbeinspektorin übermitteln. Wenden sich Arbeiterinnen an diese Institutionen, so können sie weit eher auf Abhülfe rechnen, als wenn eine vom Fabrikanten bezahlte Person derartiges veranlassen soll._ W. Tie Zustände in der Stollwerckschen Schokoladenfabrik(Zweig- betrieb Berlin) beschäftigten am Donnerstag eine Versammlung der dortigen Arbeiter und Arbeiterinnen. Nach einem sehr bei- fällig aufgenommenen Vortrag von Fräulein K a d e i t über den „Wert der Männer- und Frauenarbeit im modernen Fabrik- betriebe" ging Weidlcr vom Verband der Konditoren besonders auf die elenden L o h n v e r h ä l t n i s s e bei der Weltfirma Gebr. Stollwcrck ein. Demnach dürfte es in Berlin wohl keinen zweiten Betrieb geben, wo die weibliche Arbeitskraft so rücksichtslos ausgenutzt wird wie in der Stollwerckschen Schokoladcnquetsche, Chausseestraße 81. Vo.i den zirka 550 daselbst beschäftigten Ar- bciterinncn sind die meisten junge Mädchen im Alter von 14 vis 10 Jahren, von denen viele noch einen fast kindlichen Eindruck machen. Diese Mädchen müssen nun täglich 10, ja recht häufig 11 Stunden und darüber arbeiten nnd zwar für einen Anfangs- lohn von sage und schreibe 6 Mark vro Woche. Sollen höhere Löhne erzielt werde», so müssen die Arbeiterinnen schon gui ein- geübt sein und qualifiziertere Arbeiten verrichten. Rur wenige dringen es zu einem Wochcnvcrdienst von über 10 M. Wie die armen Mädchen mit einem derartigen Hungerlohn auskommen sollen, das kümmert die süße Firma nicht im mindesten, denn es finden sich ja leider immer noch Arbeiter genug, die ihre jungen Töchter diesem Betrieb zur Ausnutzung überantworten. Dazu ist die Lohnzahlung noch sogar eine lltägige; wahrscheinlich deshalb, weil es dann einen besseren Eindruck macht, wenn den Mädchen anstatt der lumpigen 6 M. ganze 12 M. mit eincmmal in die Hand gedrückt werden. Aber selbst dieser karge Betrag wird oft- mals noch nicht erreicht, da nicht selten noch Strafgelder in Abzug gebracht werden. Was mit den einbchaltencn Strafgeldern ge- schieht und wo sie bleiben, darüber vermochte keines der an- wesenden Mädchen auch nur bloß das geringste anzugeben. Trotz der an sich schon so schmählich niedrigen Entlohnung wird aus die erste Ueberstunde kein Aufschlag gezahlt, erst für die weiteren lleberstnnden gibt es einen geringfügigen Zuschlag. Auch die Etz- und Umkleideräume sind nur sehr mangelhaft. Häufig müssen die Arbeiter und Arbeiterinnen ihr bißchen Essen auf den Treppen- fluren oder gar im Hofraum verzehren. Ebenfalls läßt die Be- Handlung vielfach zu wünschen übrig, wenn sie unter dem jetzigen Inspektor auch etwas besser geworden ist wie früher. Wo eine derartige Ausnutzung der weiblichen Arbeitskraft stattfindet, ist es natürlich kein Wunder, daß die Firma in ihren Jahresberichten mit einem millionensachen Rciiigewiiin prunken kann. Selbst- verständlich fehlt in solchen Berichten auch nicht die Aufzählung von Summen, die für„Wohlfahrtszwecke" ausgegeben find. Meistens dürfte es sich aber nur um Spickgcldcr für Antreiber handeln denn von den Versammelten wußte niemand etwas von empfangenen Wohlfahrtszuivcndungcii irgend welcher Art zu erzählen. In dem Betriebe existiert auch ein sogenannter Arbeitcrausschutz. Zu sagen hat er allerdings nichts, und gewählt wird er alle Jahre in gut fünf Minuten auf„Vorschlag" der Vorgesetzten. Daß solche Zu- stände sich in diesem Betriebe erhalten können, ist einzig und allein auf den fast gänzlichen Mangel an Organisation der dortigen Arbeiterinnen und Arbeiter zurückzuführen. Den Lrganisations- gedanken aber bei so jugendlichen nnd unerfahrenen Arbeiterinnen zu wecken, ist erklärlicherweise ganz außerordentlich schwierig. Die anwesenden Organisationsvcrtreter haben bereits mehrfach ihr möglichstes zu tun versucht. Aendern dürften sich die unwürdigen Verhältnisse in diesem Betriebe wahrscheinlich aber erst dann, wenn kein Arbeiter mehr seine Tochter dort arbeiten läßt. VermiseKtes. Von Zigeunern entführt wurde der noch nicht schulpflichtige Knabe Gustav Friedrich aus Biesen. Er ist nach Angaben von Kindern von den Zigeunern, weiche in einem Einspänuerwagcn Viesen bei Brandenburg a. d. H. passierten, herangelockt und mitgenommen worden. Bis jetzt hat man die Zigeuner, obgleich die Gendarmerie darauf fahndet, noch nicht erwischt. Von den Polizeibehörden in Brandenburg a. d. H. und anderen Städten sind ckbenfalls Nachforschungen angestellt. Zu der Angelegcnhcit der Brcttldiva Nanse» erklärt Herr Vallö in einer Zuschrift a» die„Münch. Neuesten llkachr.": Fräul. Nansen war seit ihrem 16. Jahre bei mir engagiert, ivar meine Schülerin und ich hatte die Absicht, sie zu heiraten. Fräulein Nansen war unter meiner Leitung eine lleberbrettlgröße erste» Ranges geworden und wurden uns Gagen bis zu monatlich 3000 M. angeboten. Mein damaliger Negisseur lernte dieselbe bei mir kennen, ging mit ihr durch und absolvierte die offerierten Engagements. Trotzdem er in drei Jahren mit Lona Nansen etwa 100 000 Mark Gagen ein- genommen hatte, hinterließ er, als er mit der Nansen nach England ging, noch etwa 20 000 Mark Schulden, für welche die Nansen aufkommen muß. In England kam Lona Nansen in große Notlage. was ich durch einen Brief ihrer Freundin in Erfahrung brachte. Ich reiste sofort hin nnd befreite sie aus ihrer mißlichen Lage. Wenn Fräulein Nansen auch Gage bis zu 3000 M. bezieht, so bleibt mir als Impresario kaum ein Viertel, denn außer Prozenten. Reisen usw. bezahle ich noch einen großen Teil der Gage an die Mutter von Fräulein Lona Nansen." Bei dieser Gelegenheit sei übrigens bemerkt, daß einer der Mitspieler im Jimgadeligen Klub in München, der vielgcuaimte Graf Max Prehsing, bestreitet, daß Mary Jrber auch ihm einmal als Spiel- gewinn zugefallen sei. Sie sei bielmehr nur zwischen Leutnant Mühe, dem schwedischen Konsul in München und einigen„adeligen Kavalieren" ausgeknobelt worden. Die Lage in Santiago. Die Gemeindebehörden haben verfügt. daß alle arbeitsunfähigen Einwohner außerhalb der Stadt unter- zubringen seien. In de» Spitälern werden zurzeit 3000 Bcr- wuudete verpflegt. Die Gattin des deutschen MilitärinstrnkteurS van der Linden ist den beim Erdbeben erhaltenen Verletzungen er- legen. Der tägliche Eisenbahnunfall. C u r v e, 31. August. Der Materialschaden, der durch den gestrigen Eisenbahnzusammenstoß auf der hiesigen Station hervorgerufen ist, wird auf etwa 60 000 M. geschätzt. Trotz eifriger Aufräummigsarbeiten ivar es bis gestern abend nur möglich, das eine Gleis freizumachen, während das andere noch durch die entgleiste Maschine und mehrere Wagen ge- sperrt ist. Wer die Schuld an dem Unfälle trägt, ist noch nicht festgestellt. Das Drama einrS Blinden. Vor dem Schwurgericht in Laibach stand gestern der 23jährige blinde Hirt Bartholomäus Perko unter der Anklage des Mordes. Perko war vor 15 Jahren in das Haus des Grundbesitzers Georg Zimscher in Kleinburg als Hirt auf- genommen worden. Vor zwei Monaten warf ihm eines Tages sein Dienstgeber vor, daß er ihm Würste gestohlen habe. Perko geriet über diese Beschnldigmig so in Zorn, daß er Zimjcher Rache schwor. Als am 23. Juli d. I. Zimjcher auf dem Felde arbeitete und ihm seine Frau mittags das Essen hinausbrachte, stürzte sich Perko mit einem Messer auf das in der Wiege liegende einjährige TvMerchen ZimscherS und brachte diesem am Kopfe und im Gesicht tiefe Stichwunden bei. denen daS Kind in kurzer Zeit erlag. Sodann warf Perko die Leiche in einen Sack. In der beute durchgeführten Verhandlung wurde Perko zum Tode durch den Strang verurteilt. evasierftand an, 30. August. Elbe bei Attsstg— 0,29 Meter, bei Dresden— 1,75 Meter, bei Magdeburg-f 0,82 Meier.— 11 u st r u t bei Strniiiifnrt■ j- 1,20 Meter.— Oder bei Ratibor 4- 1,32 Meier, bei Vieslmi Oberpegel+ 5,00 Meter, bei BreSImi Unterpcgcl— 1.20 Meter, bei Franlsurt+ 1,14 Meter.— Weichsel bei Brahciuünde-ff 2,80 Meter. Warthe bei Pojen+ 0,40 Meter. ßmfkartcn der Redahtton. Die juristische Sprechstunde findet>»ochcntäglich i>o»?>/, biS»>/. Ilhr abends statt,«tcöfinct 7 Ilhr. Tonnabcnds beginnt die Sprechstunde»>» V Uhr. Jeder'tlnfragc ist ein Viichstabc und eine Zahl als Uicrtzeichc» beizufügen. Briefliche Zlntwort wird nicht erteilt. Herold. Rur der zweite mündliche Verlrag ist maßgebend. Da 516* ftbluB in ichristlichcr Form in Aussicht genommen war, können Sie aus Ausstellung eines schrisilicheu Vertrages llagc». Der mündliche Vertrag gilt nur für 1 Jahr.— 2.(s.!{4. Fragen Sie bei der Redaktion der .Königsberger Volkszcilnng-, Königsberg i. Pr., Vorder-Roßgartcn 50, an. — Nr. 101..Hamburger Echo". Hamburg I. Fchlandslr. ll.— B. L. 7. Siehe Sldrcßbnch II. Band. Teil S, S. 170— IM.— P» 8. Zimmetbraun. Im Norden während des Winters weiß mit braunen Flecken.— W. M. 37. 1. Fragen Sic einen 5lrzt. 2. Können Sie in den meisten Kalendern nachschlagen. Siehe z. B.„Nene Welt"* Kalender.— Proletarier Tiidost.«lnskunst durch die Zentrallommission der Krankenkaßen Deutschlands, Berlin. Engel-User 15.— Tausend. Ja — ZS K.. Charlottenbnrg. 1. Nein. 2. Bei Eierichl oder Notar, l!. Der Wert der(ücgensrändc ist entscheidend.—. H. 10, Freiburg. Ihre erste Linsrage inzwischen beantwortet. Buch Ihnen übersandt. Falls der Urlaub nicht ans bestimmte Zeit beschränkt und nicht ohne Grund übermäßig ausgedehnt ist, ist die Llrbeiterin im Recht. Für den Jubali der Juterate übernimmt die Redaktion dem Pilbtitiliu gegenüber keinerlei Perantivorinng. ■ Ukeater. Sonnabend, 1. September. Anfang 71/-, Uhr. Schauspielhaus. Dr. Klaus. Neues Lperntheater. Geschlossen. Deutsches. Der Kausmanu von Venedig.* Lcssiug. Fuhrmann ßcnschel. TEesten. Der Opernball. Lorhing. Zar und Zimmermann. ?liisang 8 Uhr. Opernhaus. Ein Kaisertag zu Nürnberg. Berliner. Sherlock Holmes. SetiiUer<1. iWaltnei-Theater.) Frau Inger von Oestrvt. Schiller HI.(Friedrich Wilbelm- itädliiches-Thcaicr). Hajemanns Töchter. Neues. Sgauarell. Der bürgcr- liche Edelmann. Komische Oper. HossmannS Erzählungen. Residenz. Die Höhle des Löwen. Zentral. Der Zigcuiicrbaron. Triaiio». Die'Notbrücke. Lustspiel haus. Spatzenlicbe. Kleines. Ein idealer Gatte. Karl Bieist. Adele. Deutsch- Ainerikanisches. Im wilden Westen. Walhalla. Spczialiiäten. Metropol. 5>us ins Meiropol. SlPoNo. Berlin im Omnibus. Das blaue Bild. Svezialstätcn. Thalia. Wenn die Bombe platzt. Luisen. Die Hochzeit von Valeni. Kasino.'Alcronder der Große. Folies Capriee. Der General- Konsul. Sünden der Väter. Wintergarten. Spezialilälcn. Passage. Spezialiinten. Reichslialleu. Steitincr Sänger. Earl Haberland. Spcziolitälcn. Urania. Tanbenstrafie 1K/10. Abends 8 Uhr: Der jüngste Aus- bruch des Vesuv. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57/82. Ferdiiiarnl Konns Berliner Theater. Heule und folgende Tage: 8kerlock Holmes. 'Anfang 8 Uhr._ Neues Theater. Heute abend 8 Uhr: TgauareN. Der bürgerliche Edelmann. Sonntag, Montag: Dieselbe Vorst. Dienstag: firosi im Frühling. Drama in 3 Akten von Leo Lenz. Kleines Thealer. Anfang 8 Uhr. Ein idealer Gatte. Sonniag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Fi» idealer Latte. Montog: Em idealer Gatte. Komische Oper. Heute abend 3 Uhr: ZM- Zum 200. Male;"WU Holtmanns Erzählungen. Sonntag nahm. 3 Uhr und abends 8 Uhr: Holtmanns Erzählungen. Montag zu volkstümlichen Pr.: Don Pasquale_ Zentral-Theater. (Operette). 8 Uhr: Meiiilkrbaroll. Luisen-Theater Reicheubergerftr. 31. Ansang 8 Uhr. Die Hochzeit von Valetn Sonntag nad>l».: Romeo und Julia. AbcndS: Rosenmüllcr und Finke. Montag: Rosenmüllcr und Finte. t-ustspieihaus. Täglich 8 Uhr: Spatzenliebe. 'lortzing-lheator* 0 Bellealliancestr. 7/8. M Sonnabend, 1. Septemb., 7'/, Uhr: FrUITniineH- Vorslclinng:. Zar und ZinimerinanH. Ahonncraents gültig. Morgen, Sonntag: Zar and Zimmermann. Urania. Wissenschaftliches Theater. Heule im Theator 8 Uhr; Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. ODiQCISCHER Täglich ab iiachinitiagS 5 Uhr: Ciroßes Eintritt 1 M.. v. 6 Uhr ab 50 Pj. Kinder unter lv Jahren die Halste. Deutsch-Amerikanisches THHATKIt, Kopcnickerstr. 67-68 jeden Abend 8 Uhr: Gastspiel Adolf Philipps: Zm wilden Westen. Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Preise;„Üebern großen Teich." Rtßdcus-Thceitr. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage Ans. 8 Uhr Die tzöhie des Löiuen. Schwank in 3 Akte»». M. Henneqnin und P. Bilhaud. Gaston Chalindrch: Aich. Alexander. II«atv UallU�T Uvatv der ueuen Spezialitäten. 10 Uhr!-mz IM- 10 Uhr! IsrNn im vmnikus. Im zweilen Bilde: Ter Omnibus- Trick. Melropoi-Theater Henry Bender. Josef Giampielro. Hrltr Massary. Große Jahresrevue mit Gesang n. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. BernlianiRose-Tlieatef Gesundbrunnen. Badstraße 58. Das ncueTcpicmbcr-Tprzialitätrn- Programi». Paul Lvraelini. The Satignelles. musikai Exzcniriks. The Lohelins, Lnmpcnmalcr. Darrels Truppe, ein Dorsidnll. Hmeer u. Buler, Exzcntriks'Amcrikan. Linz Troupe, Kunstradfahrer. Moris Robin. Handstandkünstler. Blihfahrt im Todesring des Deutschen Remibahn-Eomp. Ansang 4'/. Uhr. Im Saale; isrullei'»all. _ Eröffnung 2 Uhr._ fScfii liier- Schiller-Thoater 0,(Walbicr-Theater). Sonnabend, abends 8 Uhr; Hameln»»».« Töchtop. Voiksstück in 4 Akten o. A. L'Arronge. Sonntag nach m. 3 U h r: Uelde». Sonntag, a b e n d s 8 N h r: Ha�eniann« DOolite»-. Montag, a b c n d s 8 U b r: Hai I.nmpenxv«ln«lvl. Tlieater. Schiller-Theater N.(Frlcdr.-Wilh.TH.) S o Ii n a b c n d. a b c n d s 8 II h r: «lein- liigl. Lnslspicl in 5'Ausz. v. F. Grillparzcr. Sonntag, nach m. 3 Uhr: I»lo Ehre. Sonntag, abends 8 Uhr: Weh' dem«lei lügt. Montag, abends 8 N H r: Weh'«lein der lügt. Panoptikum Friedrichstraße 165. Dreyfus— Esterhazy Oberst Picquard issdl* Schreckenskammer— Hennig Dietz' Spezialitäten-Theater. Landsberger Allea 76-77,— Ringbalinslalion. 3!ae~ Ab 1. 8eptember neues Ten rationelles Programm. Anfang 4 Uhr.— Entree 30 Pf.— Vorzugskarten gültig. »•«»wwwwwwwwwwwwwwwww Carl Weiß-Theater. Gr Frmiksnrterstr. 132. Im Tbcoter: Täglich 8 Uhr: Adeie. Sonniag nachm. 3 Uhr zu kleinen Preisen; Aüele. I m S o m m e r g a r t e n: Grosse Spezialitäten- Porstellnug. Ansang 5 Uhr._ dreper 8r|olg des ßröffnungs-Prograrams. Robert 8tcidl. Humorist. Das Erntefest, engl. Ballettszene. Bonhair Gregory, Akrobat.-Truppe. Mia Werber, Sängerin. Ida Füller, Fantasie-Tänzerin. Chung Ling Soo, chin. Zauberkünstl. De Witt Burns und Torranoe, amerikanische Kxzentriks. Die Pissiutti, Heitakt Ferry Corwey, musikai. Clown. Price u. Toledo, Kontorsionisten, Der Biograph.__ Palast Theater. Burgstp. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Heute»"kr Beginn der XII. Saison. 15 Debüts. EtHlttW Spelittlttäteu. Dazu: Drr Spiiiiiirrinitiiant. Familienkarten in Barbier-, Friseur- u. Zigarrcngcichästcn unentgeitlich Lusla? vehrens Ikester, Ilerlln<».. Frankkurier Ailee SS. Das Aufsehen erregende Eröffitnugs-Programm. 15 erstklassig. Nummern I-anI nii«! lflnry Wilson Gcdaiikenilberlragmig in höchster Vollendung. Ansang 7'/» Uhr. 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Wilhelm M a n n, Petersburger- tzlatz 4(Laden),—!s<>.: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/15 (Laden).— Fünfter Wahlkreis: Leo Zucht, Slcibclftr. 42 (Laden),— Sechster Wahlkreis(91oabit): Karl Anders, Salzwedelcrslr, 3, int Laden,— Wcdding: Karl W eiste, Wiesen- stratzc 41/42,— N,»sc» thaier und Oranienburger Vorstadt: Hermann Naschte, Ackerstr. 30, Eingang Zlnklamcrslr.— Gesnad- brannen: F. Trapp, Nßgenerstr. 2t, vorn pari, links,— Schön- iiauser Vorstadt: Karl ä'i a r s, Lychcncrstr. 123.— Alt- Glienlcke: Ncinhold Schulz, Zlndotvcrstr,K3 Gliarloi tenbiirg: Gustav Scharub crg, Sesenhciinerslr. t. EckeGvethestr., v. I.— Wilmers- dorf-Halensec: Georg F e e s e, Bcrlincrslr, 40, Laden.— l ichten- berg. Friedrichsfelde, Wtlhelnisbcrg, ISoxiiagen, Stralau u. ICiiinmelsburg: Ctlo Set fei, O. 112, Kronprinzen« ftraftc 50, I.— Grünau: H. B l u H tn e. Viktoriastr. 2,— Itlx- dorf: M, Heinrich, Neckar strajte 2. im Laden,— Schmargendorf: Gustav Kamins fy, Cunastratze 2.- Schöneberg: Wilhelm B ä u in l e r, Marli» Lutherstr, 51, im Laden,— Tempclhof: M. Müller, Berlinerstr, 41/42,— Ober Schöneweide: Julius Grunow, Edisonftr. 10, I,— A'ieder- Schönewelde: B o n a f o w s k y, Hasselwerberstr, Id.— Johannisthal: Franz Hiinold, BiSniarckslr. 7.— Adiershof: Erich Steuer, Rooiistr. 3, I.— Ii ön igs- W iistc i'h aasen: Friedrich Baumann, Luckenwalderftr. 4b.— Köpenick: Friedrich W o i ck,(Svünftr. 4— Friedeiinn-Stcglitz-Südende: H. Be r u s e e, Schlotzstr. IIS, Gartenhaus I, i» Steglitz. Bestellungen nehinen entgegen in Steglitz: H. Moh r, Düppclstr. 8, u. Fr. S ch e l 1 h a s e, Ahornstr. 15a.— Jlaricn- dorf: Paul Müller, Bcrgstr. 35, Hos 1.— Uanmschulen- ivcg: Stock, Ernststr. 2, IT.— Treptow: Not). Gramenz, Kicsholz- ftrasie 412, Laden.— lk'ea-Weilieasee: W. R c S f c, Scdanstr. 105, parterre.— Ikei»ickendorf-Ost, Wilheinisrnh und Schönholz: P. G n r s ch, Provinzstrabe»03,11,— Vcgci, Dorsig- wnide. Wittenau. Waidmannsinst. iy-rnisdorf und Reinickendorf- West: Paul Kicnast, Lorstgioaldc, Schnbart- strastc 43.— Pankow-Viederscliöiilianscii: G. F r c i 10 a l d t, Mühlen str. 73.— Ficliwalilc. Xcntlic»..Ilicrsdorf mib Dlankcls Ablage: Alfons G r ö tz, Eichwalde, Kronprinzensir. 82, l,— Veitow: Hctiuanii Krüger, Ncneslr, 2,— A'owawcs: Wilhelm I a p p e, Friedrichstr, 1.— Spandau: KöPP cn, Jagowstr. 9, Aichcrdcni ist sämllichc Parteilitcrattir sowie alle wisscnschasilichcn Werl- dort zu haben, Zlud) lUClbOt �IlfCVrttC fttl* de«„Vorwärts" entgegettgettommen. Ritte aassciineiden. likozzw Zpkiisl-sfezcM fiii' Me.M«a».7el!Mke« vscar Arnold, Dresden erstr. 116(aÄ�npütz,. Weiche lierrenbule von M, 1,50—7,00 Steife Herrcnhfitc von M. 1,85—7,00 Nnr fehlerfreie moderne Ware. Nur fehlerfreie moderne Ware. Eagroi. Filzhiite, Cylinderhüte, Mützen II. 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September, findet die General- Versammlung des Wahlvcreins, vormittags 10 Uhr, im Lokale des Herrn Liebermann, ftronprinzenstraste, statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes, Bericht des Kassierers, Vereinsangelegcnheiten und Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Borsigwalde.� Der Wahlverein für Waidmannslust und Um- gegend hält am Sonnabend, den 1. September, abends 8% Uhr. im Restaurant Schwcizerhaus in Waidmannslust seine Mitgliedcrver- sammlung ab. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Gc- nosscn Miethke über:„Der Parteitag in Mannheim". Es ist Pflicht jedes Genossen, pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Charlotteuburg. Dienstag, den 4. September, abends 8� Uhr, findet im Volkshaus, Rosinenstr. 3, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Genosse T ü w e l l über die jetzige politische Lage, mit besonderer Berücksichtigung der Vorkommnisse rn Rußland, Breslau und Nürnberg, referieren wird. Genossinnen und Genossen! Agitiert für diese Versammlung und seid pünktlich anwesend. _ Der Einberufer. Berliner JMatbricbten* Tribut an die Kirche! Wenn alle, die nicht mehr zur Kirche halten, auch formell init ihr brächen und ans der Kirchengemeinschaft überhaupt austräten— wo bliebe da die Kirche und ihre Macht? Die Austrittsbewegung hat in diesem Jahre einen neuen kräf- tigen Anstoß erhalten, aber in bürgerlichen Blättern ist mehr- fach darauf hingewiesen worden, daß an einem Austritt aller, die innerlich der Kirche entfremdet sind, nicht zu denken sei. Das ist auch die Meinung der Kirche, und in ihrer jetzigen Bedrängnis dient ihr das als einziger Trost. Groß ist in der Tat die Zahl derjenigen, die sich daran genügen lassen, nur nicht mehr in die Kirche zu gehen, nicht für sich die kirchliche Traurig, nicht für ihre Kinder die Taufe und Einsegnung, nicht für ihre Verstorbenen die Leichenpredigt eines Pastors zu begehren. Sie fragen nicht niehr nach der Kirche, also wird— so meinen sie— auch die Kirche nach ihnen nicht mehr fragen. Viele dieser Gleichgültigen wissen gar nicht, daß sie trotz aller Verzichte auf die Segnungen der Kirche doch immer noch zur Kirchen- gemcinschaft gehören, so lange sie nicht auch in aller Form mit ihr gebrochen und anzu- ständiger Stelle ihren Anstritt erklärt haben. Und wer ihnen sagt, daß die Kirche sogar noch Rechte an sie hat, der riskiert, ausgelacht zu werden. Schon manchem Ahnungslosen ist erst da ein Licht auf- gegangen, als die Kirche ihre Rechte geltend niachte und den Tribut heischte, der ihr zusteht. Die Bezahlung der Kirchen- steuer bleibt ja einem großen Teil der Bevölkerung erspart, weil die untersten Einkommenstufen von ihr befreit sind. Aber die Kirche hat Mittel und Wege, auch den noch zu fassen, der niemals bis zu einem kirchensteuerpflichtigen Einkommen aufsteigt. Wenn Du im Leben nie Dich um die Kirche gekümmert hast und auch die Kirche nie sich um Dich zu kümmern brauchte, weil Du nicht kirchcnsteucrpflichtig warst, und �s kommt mit Dir einmal zum Sterben— dann macht gegen Deine Hinterbliebenen die Kirche ihr Recht auf Deine Leiche geltend. Du gehörst noch zu ihr(sofern Du eben nicht Deinen Austritt in aller Form erklärt hast), mithin müßtest Du aus ihrem Friedhof beerdigt werden. Wenn Deine Hinterbliebenen Dich anderswo beerdigen lassen wollen, so haben sie Dich aus Deiner Kirchengemeinschaft erst „auszukaufen" und tüchtig dafür zu zahlen. Der Sinn dieser„Anskaufung" und der damit vcr- bundenen Gebührenfordening kann nur der sein, daß die Kirchengemeinde sich schadlos halten will für den Gewinn, den sie au der Leiche haben könnte, der ihr aber entgeht, wenn die Leiche andersivo beerdigt wird. Sie verliert nicht nur die Gebühr für die Grabstelle und für die Beerdigung. Auch all' die anderen Gebühren, die noch an sie ent- richtet werden könnten, die Gebühren für Aufstellung eines Denksteins usw., fallen ja weg. Wer einen Angehörigen nicht auf dem Friedhof einer anderen Kircheugemeinde, sondern auf dem Friedhof der Stadt Berlin(str Friedrichs- felde) bestatten will, muß gleichfalls die Auskaufsgebühr zahlen, wenn der Verstorbene nicht aus der Kirche ausgetreten war. Der Irrtum ist weit verbreitet, daß bei Beerdigungen auf diesem konfessionslosen Friedhof eine Auskanfsgebühr nicht zu zahlen sei. Selbstverständlich steht es jeder Familie frei, ihre Lieben da draußen auf der Höhe bei Friednchsfeldc zur Ruhe betten zu lassen, auch den, der etwa noch nicht aus der Kirchengcmcinschaft ausgeschieden war. Aber Iv e n n das noch nicht geschehen war, so muß für ihn auch der Tribut a» die Kirche noch bezahlt werden. Nur ein Mittel gibt es, diese Besteuerung der Hinterbliebenen, die oft durch den Tod des Ernährers in Not geraten, zu verhüten. Das ist eben der förmliche Austritt aus der Kircheiigenieiuschaft. Daun erst ist das letzte Band, das an die Kirche noch fesselte, zerschnitten. Dann hat auch die Kirche nicht mehr das Recht, eine Ent- schädigung dafür zu verlangen, daß ihrem Friedhof eine Leiche entzogen wird._ Tie nächste Situing der Stadtverordnetenversammlung findet am Donnerstag, den t>. September er., statt. Die Tagesordnung ist eine sehr reichhaltige, so daß die Sitzung wahrscheinlich von längerer Dauer sein wird. Tie neuen Steuervorlagen(Lustbarkcits- und Wcrtzuwachsstcuer usw.) stehen nicht auf der Tagesordnung, wohl aber mehrere dringliche Vorlagen wegen des Ankaufs von Grund- stücken, Festsetzung von Baufluchtlinien und�ähnlichen Sachen, die vor dem 1. Oktober d. I. erledigt werden müssen. Ausgabe der ersten deutschen Postkarten mit zwei Wcrtstempeln. Die ersten deutschen Postkarten mit zwei Wcrtstempeln gelangen in den nächsten Tagen zur Ausgabe. Es sind dies die bei der Ab- fchaffung der Zweipfennigtaxe übrig gebliebenen Klarten zu diesem Werte, denen ein zlveitcr Stempel zu 3 Pfennig in brauner Farbe aufgedruckt worden ist. Die Reichsdruckcrei verschickt die Karten jetzt an die Kassen der Obcr-Postdirettioncn. Es ist die Anordnung getroffen, daß diese blauen Karten zuerst verteilt werden, also mit Vorzug vor den gelben Karten zu 5 Pf. Bei der Reichsdruckcrei und den Berkehrsanstalten sind seinerzeit etwa 40 Millionen Zwei- pfenniglarten in Paketen übrig geblieben, die jetzt mit dem Drei-. pfennigstcmpcl ergänzt zum Verkauf kommen. Tic blauen Karten, die von Paketen übrig blieben, die beim Verkauf schon angebrochen waren, sind dabei nicht gerechnet. Der Wert dieser letzteren Karten wurde bekanntlich von dyr Postanstalten selbst durch Aufkleben einer Dreipfennigmarkc ergänzt. Die am 1. Juli in Bunden übrig ge- bliebenen blauen Postkarten stellen einen Herstellungswert von rund 135 000 M. dar. Dieser Betrag ist durch den Aufdruck des zweiten Stempels verwertet worden. Der Vorrat an unbcdrucktem blauen Karton für die Zwcipfennigkartcn findet zur Herstellung von Post- karten zu Postdienstzwecken Verwendung. Die Menge des vor- rätigen Papiers entspricht ungefähr dem Rest der ausgedruckten Karten. Umzug des Fernsprechamtes. Die Fernsprech-Vermittelungs- anstalten 7 und 7s in der Blankenfeldcstr. 9 werden in der Nacht vom 3. zum 4. September nach der Palisadcnstr. 90 verlegt, wo sie zu einer neuen Vermittelungsanstalt 7 vereinigt' werden. Die Eröffnung der neuen Anstalt erfolgt, wie wir schon mitgeteilt haben, am Dienstag früh, den 4. September, beim Beginn des Dienstes. Von diesem Tage an kommt im Verkehr mit dem Amte folgende Betriebsart, wie bei den Aemtcrn 6 und Charlottenburg, zur An- lvendung. Der Teilnehmer A des neuen Amtes nimmt den Fern- Hörer von dem Haken und hält ihn ans Ohr. Hierdurch erfolgt der Anruf der Vermittelungsanstalt selbsttätig; einer Kurbeldrehung bedarf es nicht! Auf die Antwort..Hier Amt!" nennt A die Nummer von L. sofern dieser an dieselbe Anstalt angeschlossen ist. Der Beamte wiederholt die Nummer, gibt, wenn diese frei ist, zurück:„Ich werde rufen!" und weckt ö. A beginnt auf die Mel- dung„Hier B!" die Unterredung mit„Hier A.!". Sind A und B an verschiedene Vermittelungsanstalten, z. B. an 6 und 3 ange- schlössen, so nennt A nur die Vermittelungsanstalt, an die B angeschlossen ist. Der Beamte der ersten Vermittelungsanstalt sagt: „Amt 3.— Ich werde rufen!" Auf den Anruf des Amtes ant- wortet 3 dem Teilnehmer A:„Hier Amt 3!", worauf A die Nummer von B nennt. Ter Beamte des Amtes wiederholt die verlangte Anschlußnummer mit dem Zusätze:„Ich werde rufen!" und weckt B. Von einem Amte nach altem System aus erfolgt nur der erste Anruf mit der Kurbel. Nach Beendigung des Gespräches braucht man bei den neuen Aemtern nur den Hörer an den Haken zu hängen. Nur die Teilnehmer der Acmter 1 und 2 geben, wie bis- her, das Schlußzeichen durch dreimaliges Drehen der Kurbel. Will man bei einer Unterbrechung das Gespräch fortsetzen, so darf man bei den Aemtern 3. 4, 6, 7 und Charlottenburg den Hörer nicht anhängen, da dies die Trennung herbeiführt. Von Dienstag an gelten für einzelne Teilnehmer von Amt 7 die unter dem Bruch- strich angegebenen Anschlußnummern. Schulpersonalien. Der Rektor Bonnell ist an die 107. Ge- meindeschule, Rektor Zander an die 67. Gemeindeschule versetzt worden. Zum Rektor der 31. Gemeindeschule ist der Lehrer L i e b e r m i tz, zum Rektor der 147. Gemcindeschule ist der Lehrer P r a h n und zum Rektor der 5S. Gemeindeschule der Filialleiter P e r i s ernannt worden. Lehrer Lichtemann wurde zum Leiter der Filiale der 269. Gemcindeschule gewählt. Um ein neues Denkmal ist Berlin bereichert worden. Diesmal ist ein Bronzestandbild der„Amazone" von Professor Tuaillon. Seinen Platz hat es im Denkmals- wie im Tiergarten. Am Donnerstag wurde es in Gegenwart des Kaisers und der Kaiserin enthüllt. Durch das Spielen mit einer Schießwaffe ist am Donnerstag- abend ein Knabe schwer verletzt worden. Der 13�jährigc Theodor Kiausch, dessen Eltern in der Gitschinerstraße wohnen, hatte mit einem gleichalterigcn Freunde Zeitungen ausgetragen und auf der Treppe eines Hauses in der Alexandrinenstraßc einen Revolver gefunden. Die beiden Jungen begannen, die Waffe zu untersuchen. plötzlich entlud sich dieselbe, wobei das Geschoß in den linken Ring- finger desr kleinen K. drang und das Glied zerschmetterte. Der Verletzte wurde zur nächsten Unfallstation in der Alexandrinenstraße gebracht und erhielt hier einen Notverband; er wurde dann nach einem Krankcnhause überführt. Ter„Stellenvermittler". Auf arme Leute hat es ein frecher Schwindler abgesehen, der seit einiger Zeit in den südöstlichen Stadtteilen auftritt. So erschien er dieser Tage bei der in der Wißinamistr. 13 wohnhaften Frau H. und erkundigte sich, ob Frau H. geneigt sei, gegen eine Entschädigung von monatlich 30 M. die tägliche Reinigung der Bureauräume der Möbelfabrik Scelig u. Co. in der Kaiser Friedrichstr. 27 zu übernehmen. Die Firma habe bereits die Stellung in den Zeitungen annonciert, aber all den Frauen, die sich daraufhin gemeldet, sei der Weg zu weit. Frau H. erklärte sich sofort bereit, die gutbezahlte Stelle zu übernehmen, worauf der Unbekannte erklärte, daß sie die der Firma entstandenen Jnsertionskosten tragen müsse. Frau H. bezahlte dem„Vermittler" auch den veriangten Betrag. Als sie am Tage darauf die Aufwarte- stelle antreten wollte, mutzte sie die Erfahrung machen, daß sie einem raffinierten Schwindler zum Opfer gefallen war. Der gleiche Trick ist dem Betrüger in vielen anderen Fällen gelungen. Zur Warnung für andere sei hier das Signalement des„Stellenvermittlers" an- gegeben. Er ist etwa 26 Jahre alt, hat längliches Gesicht mit hoher Stirn, rötlich-blondcn Schnurrbart und graue Augen. Der Gauner spricht den Berliner Dialekt. Der Selbstmord eines Baucrn-MillionärS erregt in den süd- westlichen Vororten Berlins begreifliches Aufsehen. Die Ver- wandten des Lebensmüden, der in dem Stadtforst am Müggelsee aufgefunden wurde, haben ihn als den öZjährigc» Rentier Eduard Beyer au» Maricndorf rekognosziert. B. war Besitzer von zwölf Grundstücken in den Vororten der Rcichshauptstadt, die einen un- geheuren Wert repräsentieren. Am Sonnabcndmorgcn verlieh der Rentier, der am 28. Juni dieses Jahres von seiner Frau geschieden worden war, seine Villa in Mariendorf, fuhr nach einer Filiale der Deutschen Bank in Berlin und hinterlegte hier ein Depot von 10 000 M. mit dein Bemerken, daß dieser Betrag, falls er einmal stürbe, an den ihm eng befreundeten Porträtmaler Sch. ausgezahlt werden solle. Er schrieb dann an seinen Freund und machte Mitteilung davon, daß er gezwungen sei, aus dem Leben zu scheiden. Dann kaufte sich der Rentier einen neuen Strick, eine Luantität Cyankali sowie ein Rasiermesser. Der augenscheinlich um die Gewißheit seines Todes sehr besorgte Mann fuhr dann nach dem Müggelsee und erhängte sich in der Nähe von Rübezahl an einer Kiefer, nachdem er sich mit dem Rasiermesser die Puls- ädern an beiden Händen aufgeschnitten und aus einem Tassenkopf eine gehörige Portion Cyankali getrunken hatte. In der Brusttasche wurde da» Ehescheidungsurteil, der Devotschein über 10 000 M. und ein Geldbetrag von 120 M. gefunden. Dagegen fehlte die goldene Uhr. die B. bei feinem Fortgange aus der Wohnung mit sich genommen hatte. Es scheint, daß dieser Wertgegenstand dem Toten gestohlen worden ist. Die Leiche wurde gestern durch die Gerichtskommission zur Beerdigung freigegeben. Wegen eines DachstuhlbrandeS wurde gestern mittag der 7. Zug aus der Memclerstraße nach der Petersburgerstr. 63 gerufen. Als der Zug dort aiikam, war die Situation schon eine recht bedrohliche, die Flammen schlugen aus den Dachfenstern und die Treppen waren bereits voll Qualm. Durch energisches Vorgehen gelang es schließ- lich, eine weitere Ausdehnung des Brandes zu verhüten und die Flammen auf den Dachstuhl des Hauses zu beschränken. Ueber die Entstehung des Feuers konnte noch nichts ermittelt werden. Der Schaden ist nicht unerheblich, mehreren Mietern sind Mobiliar und Brennmaterialien, Wäsche und anderes verbrannt. Das Walhalla-Bariete-Theatcr eröffnet heute die Saison, auch im C o l o s s e u m in der Dresdenerstraße findet heute die Er- öfsnungsvorstellung statt. Zllif der Treptowsternwarte spricht Herr Dir. Archenhold am Sonntag, den 2. September, nachmittags ö Uhr, über:„Welt- anschauung und Himmelskunde", abends 7 Uhr:„Unsere Erde als Planet mit Berücksichtigung der Erdbeben".— Das Thema für den Montag-Vortrag, abends 9 Uhr, lautet:„Gibt es ein Leben auf dem Monde?" Alle drei Vorträge sind mit zahlreichen Licht- bildern ausgestattet.— Mit dem großen Fernrohr wird während der ganzen Woche am Tage die„Sonne" und die„Venus", abends der„Mond" bczw.„Saturn" beobachtet. Gesperrt. Die tvestliche Zufahrtsstraße zum Alten Museum von der Südfront bis zum Platz am Lustgarten wird behufs Asphaltierung vom 3. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Feuerwchrbericht. In der vorletzten Nacht brannte in der Oranienstraßc 4 ein mit Müll bcladener Wagen. Im Keller des Hauses Rcinickendorferstraße 28 war die Schaldeckc in Brand ge- raten. Zum Glück wurde die Gefahr bemerkt, bevor die Bewohner zur Ruhe gegangen waren. In Rixdorf, Friedclstraßc 23, wurde mit Ersolg ein Sauerstoffapparat zur Wiederbelebung eines Kranken benutzt. Treppenläufer, Papier und anderes wurden in der Flemmingstratze 1 ein Raub der Flammen, und Wäsche usw. verbrannte in der Müllerstraße 6. Ferner hatte die Wehr in der Bremerstratze 36, Usedomstraße 20, Dunckerstratze 86, Christinen» straße 35, Bärwaldstraße 10 und anderen Stellen zu tun. Vorort- J�achmbten. Eine neue Polizeiverordnung über da? Meldewesen für die Vororte Berlins tritt durch Verfügung des Regierungspräsidenten zu Potsdam mit dem 1. Oktober d. I. in Kraft. Vom genannten Tage an sind für Anmeldungen Formulare(Größe 18:21sb Zenti- meter) auf weißem Papier, für Abmeldungen solche aus grünem Papier zu verwenden. Jede Meldung muß innerhalb sechs Tagen nach Eintritt der Wohnungsveränderung erstattet werden. Die An- und Abmeldung eines Reisenden muß innerhalb 24 Stunden nach seiner Ankunft rcsp. Abreise erfolgen. Gastwirte und Ber- mieter von Fremdenzimmern haben zweimal am Tage Meldung zu erstatten, und zwar derart, daß diejenigen Reisenden, welche zwischen 5 Uhr nachmittags und 6 Uhr morgens des anderen Tages zu- oder abgereist sind, bis 8 Uhr morgens des letzteren Tages, diejenigen Reisenden, welche in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 5 Uhr nachmittags zu- oder abgereist sind, bis 6 Uhr nachmittags zu melden sind. Fremdenbücher sind nach ihrem Abschlüsse noch 1 Jahr aufzubewahren. Charlottenbnrg. Ueber die Tätigkeit der Stadtärzte im Rechnungsjahre 1905 veröffentlicht die Armenverwaltung einen umfangreichen Bericht, dem wir folgende interessante Daten entnehmen. Die Zahl der Kranken ist ebenso wie die der Konsultationen nur wenig gegen das Vorjahr gestiegen; die Zahl der Besuche hat um mehr als hundert, die der Gut- achten um mehr als zweihundert abgenommen; das letztere dürfte in der Hauptsache wohl darauf zurückzuführen sein, daß jetzt die Gutachten für die Hcilstättenbehandlung Lungenkranker fast immer durch den Vertrauensarzt ausgestellt werden. Wo in einzelnen Bezirken eine erhöhte Inanspruchnahme des Stadt- arztes zu verzeichnen ist, erklärt sie sich aus der vermehrten Be- bauung einzelner Stadtteile. Auch in diesem Jahre stehen nach der Zahl der Fälle an der Spitze die Krankheiten der Atinungs- organe. Auf sie folgen die Krankheiten des Nervensystems und der Sinnesorgane, die der Verdauungsapparate und dann sofort die T u b e r k>u l o s c mit 520 Fällen, 8,25 Proz. aller behandelten Krankheitsfälle. Mehrere Berichte weisen auf die große Zahl der behandelten Tuberkulosefälle besonders hin; ein Bericht begründet die große Zahl damit, daß auch die ärmere Bevölkerung auf die Gefahren der Tuberkulose auf- merksam geworden ist. Ein anderer Bericht hält es für not- wendig, bei Tuberkulösen die Unterstützungen anders zu be- handeln als sonst; bei der üblichen Höhe der Unterstützung seien die Kranken nicht imstande, sich eine geeignete Wohnung zu be- schaffen; eine reichlich gewährte Unterstützung würde in gewissen Fällen mehr Nutzen bringen als eine ihrer Zeitdauer nach doch be- schränkte Heilstättenkur. Auf die dringende Notwendigkeit besserer und größerer Wohnungen für Lungenkranke zur Ermöglichung einer Trennung des Kranken von den noch nicht Erkrankten ist bekanntlich wiederholt von sachverständiger Seite hin- gewiesen worden. Leider erlauben die wirtschaftlichen Ver- Hältnisse in den meisten Fällen die Befolgung dieses Rat- schlages nicht. Der Klage über den Mangel an Heimstätten für nicht mehr heilbare Tuberkulose, die in einem Bericht an- gestimmt wird, ist durch die Eröffnung der neuen Heilstätte Burg-Daber jetzt wenigstens etwas abgeholfen. Die Wohnungsverhältnisse werden in fast allen Berichten als im ganzen zufriedenstellend bezeichnet, wenn auch einzelne Ausnahmen vorkommen und namentlich die älteren Häuser noch viel zu wünschen übrig lassen. In einem Bericht werden einzelne alte Häuser besonders in der Christstraße fast gesundheitsschädlich genannt; die neuen Häuser in demselben Bezirk haben Licht und Lust, doch wohnt die ärmere Bevölkerung nicht in ihnen, weil die Mieten zu hoch sind. Ein Bericht weist auf die durch den Abbruch der alten Häuser in der Bisniarckstraße eingetretene hygienische Verbesserung hin. Derselbe Bericht findet die Wohnungen im ganzen geräumig, doch zeigt sich häufig ein Mangel an Licht. In einem Bericht wird über feuchte Wohnungen in Neubauten geklagt. Ein anderer Bericht hebt das zu- nehmende Verständnis für die hygienischen Forderungen hervor, wenn auch Reinigung und Durchlüftung in manchen Wohn- und Schlasräumen noch viel zu wünschen übrig läßt. Ein Bericht, der gleichfalls die sichtliche Besserung der Wohnungs- Verhältnisse feststellt, betont, daß auch bei beschränkten Räumen die Wohnungen meist sauber und gut gelüftet gewesen sind. Dagegen weist ein anderer Bericht darauf hin, daß die meisten Wohnungen wohl an sich nicht ungesund sind, es aber häufig dadurch werden, daß die Küche den einzigen Schlaf- und Wohnraum bildet, während die übrigen Räume abvermietet werden; gerade bei Tuberkulose sei das besonders gefahr- bringend, und es sei dringend anzustreben, solche Kranke, be» sonders auch Kinder dauernd von der übrigen Familie zu trennen oder auch nachts in Erholungsstätten unterzubringen. Als unzulänglich werden in dem Berichte des Arztes, dem das städtische F a ni i l i e n h a u S unterstellt ist, dessen Räume bezeichnet, weil bei dem engen Zusammenwohnen mit zahl- reichen Kindern jede Epidemie mit großer Schnelligkeit um sich greift. In der Tat sind die Räume dieses sogenannten FanlilienhauseS so gesundheitsschädlich, daß der Abbruch der Gebäude und ein Neubau dringend erforderlich ist. Die städtischen Körperschaften haben den Neubau allerdings bereits vor Jahren beschlossen, die hierzu erforderlichen Mittel sind auch in einer Anleihe vorgesehen, aber trotzdem zögert man mit der Inangriffnahme des Baues. Ein bei Gelegenheit der Etatsberatung von sozialdemokratischer Seite gestellter Antrag, noch im laufenden Jahre mit dem Bau zu beginnen, wurde von der bürgerlichen Mehrheit abgelehnt, da angeblich kein Bedürfnis vorhanden sei. Die Mehrheit der Stadt- verordneten vertritt mit dem Magistrat den Stand- Punkt, daß von einem Bedürfnis erst dann geredet werden kann, wenn die Räume so überfüllt sind, wie vor einigen Jahren angesichts der großen Wohnungsnot. Wir zweifeln auch daran, daß der Magistrat durch das Gutachten des Arztes des Familienhauscs sich von seiner verkehrten Ab- ficht abbringen läßt. Weiter ist aus den Berichten hervorzuheben, daß nirgends Epidemien vorgekommen sind. Die Masern sind in den meisten Bezirken häufiger aufgetreten, in einem Bezirk auch Keuchhusten. Erkrankungen an Darmkatarrh und Brechdurch- fall der Säuglinge sind überall außerordentlich gering ge- Wesen. Wie weit das der Tätigkeit der Säuglingsfnrsorge- stellen zuzuschreiben ist, darüber läßt sich heute noch kein Urteil fällen.__ Verein Freier Kindergarten. Der erste Elternabend des Vereins findet Mittwoch, den 5. September, abends 8V2 Uhr, im Lokale von Bauer, Bcrlinerstr. 86a(Ecke Brauhofstratze), statt. Herr Julian Borchardt spricht über das Thema:„Schlagt Eure Kinder nicht!" Danach freie Aussprache. Das zweite Merkblatt gleichen Inhalts(das erste lautete:„Gebt Eueren Kindern keinen Alkohol!") wird in der Zusammenkunft aus- gegeben werden. Die Beteiligung aller Eltern der Vereinskinder wird erwartet. Gäste sind willkommen.— Ein Schularbeits- z i r k e I für schulpflichtige Kinder ist im Lokal des Kindergartens (Brauhofstratze) eröffnet worden und wird bereits in erfreulicher Weise besucht. Er bietet Gelegenheit, unter Aufsicht die Schul- aufgaben zu fertigen und reichliche Spielgelegenheit unter An- lcitung der Kindergärtnerin.— Die starke Inanspruchnahme des Kindergartens hat eine Bergrötzerung der Räumlichkeiten erfordert. Vom 1. Oktober an wird im gleichen Hause eine ganze Parterrewohnung zur Verfügung stehen.— Der zweite Kindergarten soll in Moabit eröffnet werden. Auskunft erteilt Frau Toni Sutzmann-Charlottenburg, Berlinerstr. 102. Rixdorf. Die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag war nur von kurzer Dauer. In reichlich einer halben Stunde erledigte man die ziemlich umfangreiche Tagesordnung. Vor Beginn der Beratungen widmete der Stadtverordneten- Vorsteher dem vor kurzem verstorbenen Stadtrat Hoffmann einen warm empfundenen Nachruf, den die Versammlung stehend anhörte. Als Delegierter für den am 24. und 25. September in Äüstrin stattfindenden Brandenburgischen Städtetag wurde Stadtver- ordnetenvorsteher Sander gewählt. Die Kommission zur Abschätzung von Flurschäden bei Truppen- Übungen wird wieder aus den bisher dieser angehörenden Mit- gliedern gebildet. Die durch den Tod Hoffmanns freigewordene Stadtratsstelle soll demnächst zur Neubesetzung ausgeschrieben werden. Zur Vor- Prüfung der Bewerbungen wird der Wahlausschutz um 6 Mitglieder verstärkt, darunter befinden sich auch die Genossen Hoppe und Jden. Zum Zwecke der Herstellung einer Unterführung für die projek- tierte Verlängerung des Schiffahrtskanals und einer Unferstratze unter der Anschlußbahn Rixdors-Baumschulenwcg— schräg gegenüber der Stolzcnburgschen Badeanstalt— schlägt der Magistrat den Abschluß eines Vertrages mit dem Eisenbahnfiskus vor. Die VSr- sammlung überweist den Vertragsentwurf einem Ausschutz von 6 Mitgliedern, dem u. a. auch die Stadtvv. Jden(Soz.) und Wutzkt,(Soz.) angehören. Der jederzeit widerruflichen Verpachtung des städtischen Grund- stückes Richardstr. 113/114 an die Berliner Ausstellungs-Galerie, G. m. b. H., wird zugestimmt. Die letztere beabsichtigt, dort einen Tennisplatz zu errichten; einen Teil des Grundstückes will sie als öffentlichen Spielplatz herrichten und zur unentgeltlichen Benutzung freigeben. Den Vorlagen zum Umbau des Wasch- und Trockenschuppens im städtischen Krankenhause und zur Errichtung eines neuen Steiger- turmes für die Feuerwehr wird zugestimmt. Die vom Verein zur Förderung der Kunst' im verflossenen Winter veranstalteten Kunstabcnde in der Aula des Gymnasiums haben ein Defizit von 121,50 M. ergeben, und zwar— wie aus der Vorlage zu ersehen ist— infolge der bedauerlichen Tatsache zu schwachen Besuches der Veranstaltungen. Der genannte Betrag soll dem Verein erstattet werden. Hierauf folgte eine nichtöffentliche Sitzung. Der Verkauf der im Besitz der Stadt befindlichen Grundstücks- mäske Rosen- und Richardstratzen-Ecke wird mit der Bedingung genehmigt, daß der Käufer sofort die Bebauung vornimmt. Zur Bergrötzerung des neuen Krankenhausgrundstücks an der Rudower Chaussee beantragt der Magistrat den Zukauf eines 41� Morgen großen Areals zum Preise von 18 000 M. Die Ver- sammlung erklärt sich damit einverstanden. Zustimmende Erledigung findet schließlich noch der zwecks Ver- meidung von Schadenersatzansprüchen vorgeschlagene Austausch von Grundstücken auf dem Riesclgut Waßmannsdorf und einige Bc- amtcn- und Ehrenbeamten-Angclegenheitcn. Ei» schwerer Unglücksfall bat sich gestern auf dem Neubau der katholischen Kirche in der Kranoldstratze in Rixdorf zugetragen. Der 47 Jahre alte Steinträger Georg Stremlau, Mclchiorstr. 3 wohnhaft, hatte nach dem ersten Stockwerk eine Last Steine hinauf- getragen. Beim Abwerfen der Klamotten trat er fehl und stürzte kopfüber auf die Kippristung hinab. Der Bedauernswerte hatte bei dem Unfall so schwere Verletzungen erlitten, daß seine Einlieferung in das Hedwigs-Krankenhaus notwendig wurde. Karlshorst. Eine Ueberschwcmmung infolge Wasserrohrbruches entstand Donnerstag am Bahnhof in Karlshorst. Mitten unter der Bahn- Überführung strömte unaufhörlich das Wasser aus dem schadhaft gewordenen Rohr und überschwemmte den ganzen Stratzendamm. Obwohl die Bahnhofsverwaltung sich sofort mit den Wasserwerken in Verbindung setzte, dauerte es volle fünf Stunden, bis man daran ging, Abhülfe zu schaffen und dem auch den Bahndamm unter- spielenden HerauSfluten des Wassers ein Ende zu machen. Hohen-Schönhausen. Vom Schwungrade zermalmt. Bei einem schrecklichen Unglücks- fall hat das zweijährige Söhnchen des Schuhmachers Kurtz aus der Hohcn-Schönhausenerstr. 20 den Tod gefunden. Das Kind war in einem unbewachten Augenblick in die Werkstatt des Vaters gegangen und hatte sich an die Maschine herangewagt. Es geriet in das Getriebe hinein und wurde von dem Schwungrade erfaßt. Das unglückliche Geschöpf wurde hochgeschlcudert und mit solcher Gewalt gegen die Fensternische gequetscht, daß der Kopf vollständig zer- malmt wurde. Der Tod trat auf der Stelle ein. Reknickendorf-Ost. Zeitbilder aus der preußischen Geschichte vor 100 Jahren führte Genosse E i ch l e r in der letzten Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins den Genossen vor Augen. In seinem Vortrage über„Jena und Auerstädt" zeigte Redner an mannigfachen Beispielen die Un- fähigkeit des Regiercns des damaligen Adels, der an reaktionärem Sandeln den heutigen Kraut- und Schlotbaronen nichts nachgab. Der lehrreiche Vortrag fand lebhaften Beifall. Der Vorsitzende Genosse Schön bcrg gab alsdann in Kürze den Bericht der 5ireis-Gcneralversammlung von Niederbarnim. Es nahmen hierzu die Genossen Kaesler, Zeglin und Guasch das Wort, die jedoch rein theoretische Fragen erörterten. Unter Vercinsangelcgenheiten wurde bekannt gemacht, daß am 4. No- vembcr eine U r a n i a- V 0 r st e l l u n g stattfindet. Es wird den Genossen zur Pflicht gemacht, für zahlreichen Besuch zu sorgen. Nachdem der Vorsitzende noch einige geschäftliche Mitteilungen machte, erfolgte Schluß der gutbesuchten Versanimlung. Zossen. In dem Bericht über die Stadtverordnetenversammlung mutz es heißen:„Zur Fclddeputation wurde yerr Tryonadt(nicht Drencrt) einstimmig bestätigt." Spandau. Feuer brach gestern nachmittag gegen 3 Uhr auf dem Grund- stück der Firma Leopold Oppen in der Wilhclmstadt aus. Es brannte der Lagerschuppen. Da derselbe als Lagerraum für Farben, Ocle, Teer und dergleichen dient, fand das Feuer reichlich Nahrung. Auch das angrenzende Wohngebäudc des Herrn Blauroth schwebte in Gefahr, und es ist nur der fast gänzlichen Windstille zu danken. daß es nicht ein Raub der Flammen wurde. Die Wasserbcschafsung war eine schwierige, da dasselbe von der Klosterstratze durch drei Schlauchleitungen herangcschafft werden mutzte. �>ck»ivpen ist niedergebrannt,_ Gerichts-Zeitung» Das Martyrium eines unehelichen KindeS beschäftigte gestern wieder einmal den Strafrichter. Wegen Körper- Verletzung mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung und mittels gefährlichen Werkzeuges war die Frau Alwine Feige geb. Grünberg vor der zweiten Ferienstrafkammer des Land- gcrichts II angeklagt. Die Verhandlung entrollte das leider immer wiederkehrende Bild des unsäglich traurigen Daseins eines Kindes, welches das Unglück gehabt hat, unehelich auf die Welt zu komme». Wie leider allzu häufig in anderen Fällen, die noch nicht einmal an die Oeffentlichkeit kommen, so mutzte auch hier ein unglückliches Kind von der eigenen Mutter die allerschlimmstcn Mißhandlungen und sonstige Lieblosigkeiten erdulden, weil es der Mutter infolge einer beabsichtigten Heirat unbequem geworden war. Die kleine Marie Grünberg mutzte von ihrer frühesten Jugend äii lieblose Scheltworte und Schläge über sich ergehen lassen, weil sie eben die Folge eines Fehltrittes der Mutter war. Dieser war das Kind stets ein Dorn im Auge. Anläßlich einer Untersuchung der Schul- kindcr durch den in Reinickendorf zuständigen Schularzt Dr. Salomon wurde es das erste Mal entdeckt, daß sich die kleine zehn- jährige G. in einem geradezu erbarmungswürdigen Zustande befand. Der ganze Körper des Kindes war von oben bis unten mit dicken blutunterlaufenen Striemen bedeckt, die nur von einer ganz unbarmherzigen Mißhandlung herrühren konnten. Auf Be- fragen erklärte die Kleine, daß„Mutter sie alle Tage furchtbar verhaue". Im Dezember vorigen Jahres nahmen die Nachvarcn der damals in der Eichbornstratze wohnhaften Angeklagten täglich ein furchtbares Schreien wahr, ivelches von klatschenden Schlägen und schließlich von einem dumpfen Falle begleitet war. Am nach- sten Tage war die kleine G. spurlos verschwunden. Sie war ihrer damals noch unverheirateten Mutter entlaufen, um den immer brutaler werdenden Mißhandlungen zu entgehen. Einige Tage später wurde das Mädchen von dem Amtsdiener Utesch aufgegriffen und dem Dr. Salomon wieder zugeführt. Dieser konstatierte, daß das Kind wiederum kein heiles Fleckchen am Leibe hatte. Der ganze Körper war mit blauen und grünen Striemen und Beulen übersät; im Munde hatte das Kind ein großes Gcsckwür, welches von dem zerrissenen Zungenbändchen herrührte, lieber die Ursache dieser ziemlich gefährlichen Wunde befragt, erklärte die Kleine, die Mn'er habe ihr ein schmutziges Putztuch ikl den Mund gestopft, um sie am Schreien zu verhindern. Gegen die Angeklagte wurde nunmehr erst das jetzige Strafverfahren anhängig gemacht. Das Schöffengericht hielt trotz der bisherigen Unbescholtenhcit der F. mit Rücksicht auf die ganz erhebliche Roheit eine exemplarische Strafe für angebracht und erkannte auf vier Monate Gefängnis. Die gegen dieses Urteil eingelegte Berufung wurde gestern nach nochmaliger Beweisaufnahme unter Bestätigung des ersten Urteils auf Kosten der Angeklagten verworfen._ Der schwere Unfall, der sich vor Jahresfrist auf der Bühne des Metropol-Theaters ereignete, beschäftigte gestern die erste Ferien- strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsrats Büchner. Auf die Anklage der fahrlässigen Körperverletzung hatte sich der Bühnenmeister Max N i k 0 l e i t zu verantworten. Das Unglück ereignete sich am 27. August 1905. Bei der Probe des noch immer gegebenen Stückes„Auf ins Metropoll" brach der Aufbau, der die„Terrassen am Halenfee" darstellt, plötzlich zu- sammen und gegen 30 Solisten, Choristen und Statisten stürzten aus einer Höhe von mehreren Metern auf die Bühne herab. Eine Anzahl von Personen wurde bei dem Unglücksfall leicht, mehrere aber sehr schwer verletzt. Dem Angeklagten, dem die Auf- gäbe obgelegen hatte, das Gerüst nach den ihm vom Theatermaler übergebencn Zeichnungen herzurichten, wurde zum Vorwurf ge- macht, daß er— teilweise unter eigenmächtiger Abweichung von der Zeichnung— das Podium so konstruiert habe, daß die nicht genügend festen Stützen die Belastung mit 32 Personen nicht aus- halten konnten, lieber die Personcnzahl, über die Befestigung und die Zahl der Stützen war ihm nichts gesagt worden. Gerade weil ihm darüber nichts gesagt worden war, nach der Behauptung der Anklage er aber aus dem Modell erkennen mußte, daß es sich bei der Benutzung der obersten Platte um Volk und Gedränge und nicht bloß um ruhig stehende Personen handelte, wurde ihm zum Vorwurf gemacht, daß er nur Stützen zur Anwendung gebracht habe, die für ein Gewicht für höchstens 21 Personen ausgereicht hätten, während bei der Probe etwa 32 Personen das Podium beschwert haben sollen.— Der Angeklagte bestritt seine Schuld. Er behauptete, daß er nach der Zeichnung und dem Modell nur habe annehmen können, daß es sich um eine Belastung von 12 bis 16 Personen handelte. Es sei Usus, daß der Konstrukteur eines solchen Podestes bei der ersten Probe zugezogen werde, unglück- licherweise sei aber an jenem Tage die Probe nicht nach der Reihenfolge der Bilder vor sich gegangen, da das sechste Bild gerade auf der Bühne stand, wurde dieses außer der Reihe probiert und vom technischen Personal war niemand anwesend, als das Unglück passierte. Der Angeklagte behauptete auch, daß, als er gesagt hatte, der Podest sei zur Probe zu benutzen, ein zur Be- festigung dienendes Tau fest angezogen, nachher aber gelockert war.— lieber die in Frage kommenden szenischen und bühNen- technischen Einzelheiten, die bei der Erörterung der etwaigen Schuld des Angeklagten mit in Betracht kamen, ließen sich Direktor Richard Schulz, der Vorgänger des Angeklagten Zimmermann Theuer, Theatermaler Prochaska, Baurat Gropius und Maschinen- direktor Brandt in eingehender Weise aus. Wie es scheint, ist das Unglück dadurch verursacht worden, daß die in jenem Bilde auftretende Schankelgruppe instruttionswidrig die obere Platte zu frühzeitig betreten hatte. Der in der ersten Parkettreihe sitzende Direktor Schulz hatte, während er mit den das Volk und Gedränge darstellenden Statisten probte, die Parole ausgegeben, daß alles um Platze sein solle. Taraufhin sind die Darsteller der Schautclgruppe, die nach den Statisten von oben herabkommen, aus eigenem Antrieb zu früh auf die Platte hinaufgeklettert und als dann die Statisten vom Direktor Schulz nochmals zurückgeschickt wurden, ist die Belastung Wohl zu groß und die Bewegung auf dem Podest zu lebhaft gewesen. Nach Ansicht des Sachverständigen Bau- rats Gropius ist das Unglück dadurch entstanden, daß die Hölzer zu schwach waren. Wenn die gelockerten Seile mit funktioniert hätten, wäre das Unglück wohl nicht passiert. Maschinendirektor Brandt war der Meinung, daß bei richtiger Konstruktion daS Holz wohl ausgehalten hätte; die Lockerung der Seile sei dadurch gekommen, daß die Platte sich oben bewegte.—• Der Angeklagte erklärte noch, daß er vorher eine Belastungsprobe mit 32 Mann gemacht habe und Direktor Schulz, der dem Angeklagten ein durchaus gutes Zeugnis gab, bestätigte ihm, daß er sicher die feste Ueberzeugung von der Haltbarkeit des Podestes gehabt habe. Ker Staatsanwalt gab zu, daß nicht festzustellen sei, wo im einzelnen die direkte Veranlassung zu dem Unglück lag. Ohne die Frage zu erörtern, ob noch eine konkurrierende Schuld anderer Personen vorliegt, müsse der Angeklagte doch für den Unfall verantwortlich gemacht werden. Mit Rücksicht auf die Schwere des Unglücks, bei welchem 19 Mitspieler in sehr schwerer Weise verletzt worden seien, bean- tragte der Staatsanwalt 2 Monate Gefängnis. Der� Verteidiger beantragte die Freisprechung, da hier gar nicht die Schuld eines einzelnen Menschen vorlag, sondern ein Unglücksfall, der durch das Zusammentreffen aller möglichen Umstände herbeigeführt worden sei.— Das Gericht sprach den Angeklagten frei, da er nicht voraussehen konnte, daß durch die Art seiner Konstruktion das Unglück herbeigeführt werden konnte. Er tonnte seinerseits nicht damit rechnen, daß 32 Personen auf einmal auf der Platte Aufstellung nehmen und diese in eine schwankende Bewegung ge- bracht werden würde. Grundsiibliches von der Schadenersatzpflicht des- Maschinenmeisters. In einem Rechtsstreit G. kontra A. war der klagende Buchdruckmaschinenmeister im Wege der Widerklage für einige Maschinenschäden verantwortlich gemacht worden. Die Kammer 8 des Gciverbegerichts unter Vorsitz des Gewerberichtcrs Dr. Schocken gab der Widerklage nur zum Teil statt, indem es den Wider- beklagten zur Zahlung von 10 Mark verurteilte. Dabei sprach das Gericht grundsätzlich aus: Der Arbeiter, der eine Maschine bediene, könne nicht für jeden Schaden, den die Maschine während des Betriebes erleide, verantwortlich gemacht werden. Min- bestens müsse ihm Fahrlässigkeit nachgewiesen werden. Das sei nicht geschehen in dem einen Falle, der eine Tiegel- druckmaschine betraf. Aber auch in dem zweiten Falle könnte er nicht dafür verantwortlich gemacht werden, daß ein Fremdkörper mit durch die betreffende Maschine gedreht wurde, was zur Be- schädigung führte. Verantwortlich sei er aber für den weiteren Schaden an dieser Maschine, der dadurch entstanden sei, daß er sie nach Versuchen, aufgestankte Zähne wieder in Ordnung zu bringen, weiter drucken ließ. Deshalb die Ver- urteilung zu 10 Mark angemessenem Schadenersatz. vermischtes» Ein Hornvieh. In bürgerlichen Blättern wird berichtet: Ein großartiges Dokument ist einem Erfurter Gärtnereibesitzer zur Auf- bewahrung übergeben worden. Es isff das DienstzengniS eines bei ihm eingetretenen Gärtners, das um so größeren Wert besitzt, als es das einzige Schriflstück war, das der Mann als Ausweis und Empfehlung vorlegen konnte. Warum es das einzige Zeugnis war, gebt aus dem Inhalt der amtlich gestempelten Urkunde hervor, die buchstabengetreu folgendermaßen lautet: Der Gärtner V. von Kölleda hat vom 7. Juni bis 23. Juni bei mir zu meiner Zufriedenheit gearbeitet und ist hiermit ent- lassen, seine Papiere die er mitbrachte hat die Kuh ge- fressen den Inhalt derselben kenne'ich nicht auch soll die Kuh das Vorhemd mitgefressen haben dies bescheinigt hiermit (ein kleiner Ort im Kreise Eckartsberga) den 25. Juni 1900 JuliuS X. Mühlenbcsitzer. bescheinigt y. Dorf Schulze. Oessentliche Vibliotbek und Lesehalle zu»»entgeltlicher Bc- »»tziliig für jedermann, S\V., Alcxandrinenstr. 26. Gcösjnet täglich von 5'l2—i0 Uhr abends, an«onn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In' den Lcjesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Freireltglösc Gemeinde. Sonntag, den 2. September, vormittags 8'[. Uhr im Rathause(Eingang Jüdenstrahe), Saal 109: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags 103/, Uhr in der Schulaula. Kleine Franksurterstr. 6: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille über:„Darwins Weltanschauung." IL Herren und Damen als Gäste sehr willkommen. Tozialdeniokrnti scher Diskutierklnb„Freie Zusammeiikunft«. Seilte Sonnabend, pünktlich'1,10 Uhr. im Gcwcrkschastshause, Zimmer 16: Sitzung, Tagesordnung: 1. Bericht der Delegierten von der Bundes- tonierenz. 2. Diskussion. 3. Vortrag des Genossen Gurland über.Arbeiter- organisationen und Unternehmerverbände". Berliner Marktpreise.?lns dem amllschen Bericht der städtischeir Markldalleii-Dircktioil.(■Großhandel.) Rindfleisch In 69—73 pr. 100 Pfd.. IIa 63 68 lila 57 62, IVa 52 56, englische Bullen- 0,00, dänische Bullen- 0,00, holländische Bullen- 0,00. Kalbsteilch, Doppelländer 95—105, la 78-83. IIa 68-76, lila 58 66. Hammclflcisch la 75—80, IIa 65—74. Schiueiliesleisch 68— 75. Rehböcke la per Psd, 0,60—0,80, IIa 0,30 bis 0,50. Rotwild la per Psund 0,40—0,50, IIa 0,20—0,39. Damwild 0,48 bis 0,50. Wildschweine per Psund 0,44. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,50—0,89. Wildente» la per Slück 0,90-1,50, IIa 0,50. Rebhühner, junge la 0,85—1,30, junge kleine 0,30—0,65, alte 0,65—0,86. Hühner. ntlc, per Stück 1,70—2,30, alte, IIa 1,80—1,60, junge, per Stück 0,45—1,10. Taube», junge, per Stück 0,30—0,46, alte 0,30—0,35, Eulen, junge per Stück 1,20—3,25, alte per Stück 0,00, Hamburger, jiiuge, per Slück 2,80—3,00. (»läule, In per Psund 0.55—0,62, IIa 0,48—0,54, la per Stück 2,75 bis 3 90, IIa 1,50—2,50. PouletS per Stück 1.00—2,25, do, klein 0,50—0,90. Hechte pr. 100 Psd. 78-99. Zander O'OO. Schleie 105—122. Bleie 0,00. .'Inlc, groß 89, mittel 85—95, klein 55—59, unsortiert 60—66. Plötzen 0,75. Karpfen 0,00. Barse 0,00, matt 0,00. Bleisischc matt, 31. Karauschen 77. Wels 0,00. Bunte Fische 73—78. Amerikanischer tzachs I neuer per 100 Psd. 110—130, do. II neuer 90—100, do. III neuer 50—75. Seelachs 15—20. Flundern, pomm. I, Per schock 9, do. pomm. II 2—3, Kieler. Stiege la 4—6, do. mittel per Kiste 2—3, do. klein per Kiste 0,00. Bücklinge, per Wall Kieler 4—5, Stralstinder 5—6. Aale, groß per Psd. 1,10—1.50, mittelgroß 0.80—1,00, klein 0,50—0,60. Heringe per Schock 4—5. Schellsische Kiste 3—4, do. st, Kiste 2— 3. Kablia», per 100 Psd. 10—13. Heilbutt 25. Sardellen. 1902er per Anker 90, 1904er 90, 1905cr 85, 1906er 65. schottische Vollheringe 1905 0.00. largo 40-44, füll. 36—38, med. 35—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Maises, per st, To. 60— 120. Hummern, IIa, 100 Psd. 0,00. Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 9, kleine 0,00. unsortiert 5,50. Galizier, groß 0.00. Eier, Land-, per Schock 2,60—3,30. Butter per 100 Psd. la 122—124. lla 118-120. Itla 112-116, absallende 95-110. Saure Gurken Schock 3,50—4,00, Pseftergmckcii 3,50—4,00. Kartoffeln per 100 Psd. Rosen 1,50—1,75, neue runde 1,50—2,50, neue blaue 2,25—2,50, neue Zerbsler 0,00. Spinat p, 100 Psd. 12—15. Karotte» p. Schockbund 1,50—2,50. Sellerie, hiesige, P.Schock 1,50—6,00. Zwiebeln 100 Psd. 3—3,50 Pelcrsitie, grün, Schockbd. 1,20. Kohlrabi p. Schock 0,60—1,00. Rettig, bahr., p. Schock 2,40 bis 4,80. Radieschen p.«chock-Bd. 0,60—0,70. Saiat, p. Schock 1,00—1,50. Bohnen, grüne, per 100 Psund 5—12. Wachsbohnen 8—20. Schoten per 100 Pjd. 10—20. Psefserlinge per 100 Pfd. 10—16. Mohrrüben per 100 Psd. 3,50—5. Blunionlohl per Mandel 1,00—2,50. Wirsingkohl ver Schock 4,00—8.00. Rottohl p. Schock 3,00—9,00. Weißkohl p. Schock 2,00 bis 5,00. Steinpilze p. 100 Psd. 35—45. Gurken, Zerbsler, schock 0.00-0,00, do. Einlege-, Schock 1 ,00—2,00, do. Rotheubg. 1,50—2,50, do. iiiegnitze r2,00— 3,50. do. Einlege-(sens-) 10—16. Kohlrüben, schock 3—5. Tomaten, hiesige 100 Pjd. 4—8. Birnen, ilal. per 100 Psd. 10—24, hiesige 3—20, Tiroler 14—33, böhmische 5—13, Rcttig- 3—5. Aepset, Ungar., perlOOPsd. 6— 13, ital. 8—15, hiesige 2,50—11, Gravensteiner 10—18, Tiroler 25—38. Preißelbeeren 15—18, schwedische 19—22. Blaubeeren per 100 Psd. 6—12 Pflaumen, ital. runde dunkle per 100 Psd. 0,00, ital. lange gelbe 0,00, ital. runde 0,00, ungarische 6—11, hiesige 3—6, Reineclauden 6—18. Zilrvnen, Messina 300 Stück 18,00-22,00, 360 Slück 14,00-18,00, 200 Stück 13,00—18,00, 420 Stück, klein 12,00. Pfirsiche, Wcrdersche per 100 Psd. 15—20, französische 0,00, italienische I Kiste 2,00—2,50, do. II Kiste 0,80—1,60, do. III Kiste 1,00—1,20, do. in Körben per 100 Psd. 20—45. ivtttrr»» Slattonen Swineinbe Hamburg Berlin Franks, a M München Wie» gsöticHUJ t vom 31. August 1006, morgens 8 Uhr. B— S§ Q eilet I 768 W 763 SO 769 Still 769 O 770 Still 771 Still 1 wolkenl 1 wolkenl (molfenl 1 wolkenl wolkenl woltenl = a h s-, Slalione» »— h e w-c Havaranda 761N Petersburg. 753 NNO Seilly Abcrdeen Paris 64 OSO 763 WNW 767 Still I Weller t» s c S>> s? M& 2 wölken! 1 halb bd. 1 heiter 2 wolkenl wolkenl 5 9 17 11 15 SÄettcr-Progilvie für Sonnabend, de» 1. September 1006. Trocken, vorwiegend heiler und noch etwas wärmer bei schwachen süd- lichen Winden. Berliner Wetterbureou. Sozialdemokrat. Wablrcreiii für den lOerliDerReicbstapalreis Nachruf! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Nestau- rateur Hermann Schulze Samariterstr. 17 gestorben ist. Vhre seinem Zlndcnken! Die Beerdigung saud am Sonn- abend, den 25. Sfuguft statt. 262/5 Der Äorttand. Deutscher Buclibinder- Verbands Zahlstelle Berlin. � Am Dienstag, den 28. August, verstarb unser trcueZ Ntitglied, der Präger Eduard Stiller im 48. Lebensjahre. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonn- tag. den 2. September, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des KiedhoseS der Frei- religiösen Gemeinde, Pappelallec, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet| Die Ortsvcnvaltung. Zentral-KranKkn- und SterdkKafftderZiinmrer. (L. N. tio. 2, ttamdurg.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Zimmerer Karl Krummnow Antonstraße 2 wohnhast, am 30. August verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. September, s 4'/. Uhr, von der Leichenhalle des neuen Nazareth- Uirchhofes, Reinickendors- West, Bertinerstraße, aus statt. Um rege BetcUigung ersucht Der Borstand. Bezirk Vit. DienStag, den 23. August, cut- schlies sonst nach schwerem Leiden im 83. Lebensjahre meine liebe Frau 2133L khdbs Reichow g°b. troyke. Mit der Bitte um stille Teil- nähme zeigen dies ticsbetrübt an der Hinterbliebene Gatte Julius Reichow und Kind. Berlin O., Weidenweg 20, 30. August 1906. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. Sept.. nachm. 4>/, Uhr. von der Leichenhalle des KirchhoscS der AuserstehungS- gemeinde, Weißensee, aus statt. Hiermit sagen wir allen Kollegen Und Kolleginnen des DeutschenMctall- arbeitervcrbandes sowie allen Freunden sür die rege Beteiligung bei der Be- erdigung des Ftäul. Berta Rngk unseren besten Dank. 2140L Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die in so reichem Maße er- wiesenc Teilnahme und herrlichen Kranzspenden bei der Beerdigung unserer Tochter Herta sagen wir allen Freunden, Kollegen und Be- kannten sowie auch den Sängern des Gesangvereins„Kreuzberger Har- monie" unseren innigsten und aus- richtigsten Dank. g34b A. Heyder und Frau. LinvflilaH« wöchentliche Teilzahlung liefere elegante fertige[2008L* Herrenßarderobe — Ersatz für Maß.— Anfertigung; nach MaO. Tadellose Anartlhning. Julius fabian, Schneidermeister, Große Frankfurterstraße 81. 1 Eingang StrauBberger Platz.' .* Auf Wunsch bequemste Teilzahlung VERKAUF oenen CassT Eine SehenswürdigKeit Ranne» CftClS 1'cn«'rBttnete Möbel-Maus SpandauerStrasse 36-39 lOO komplette Elnrlchtangcn von 3O0— 20 000 Mark. Besichtigung ohne Kftutzwang erbeten. LfucKHardt-Nf chf. 2 feste Preise an jedem Gegenstand, an jeder Einrichtung. 1 Cassa- und 1 Tpilzahlungs-Preis. 10 7o Unterschied. 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H. für Freitag, den 7. Septruiber, abends 8 Uhr, im Restaurant »Drei Falken-. Dresden. TageS-Ordnuug: Sollen die bisherigen Mitglieder des SlussichtSrals sowie des Porstandes auf die Dauer des Konkurses bei- behalten werden. 206/12 I>cr Vorstand. Georg Czabran. Ernst Krausche. Gustav Kopriwa. Orts-Krankenkasse der Nadler und Siebmacher zn Berlin. 'Die von der Generalversammlung am 25. April 1906 beschlossene Ab- änderung der HZ 19, 20 und 36 des Statuls ist durch Beschluß des Be- zirkSausschusscS vom 19. Juli 1900 genehmigt. Dieselbe tritt an: Montag nach statutenmäßiger Bekanntmachung in Kraft. 275/14 Berlin, den 1. September 1906. lder Vorstand. Robert Schmidt, Vorsitzender. ierolina Verein. Mineralwasserfabriken, 6. m. b. H. Berlin S. 59 Maybach-Ufep Xo. 9. Spezialität: Sero-Sekt feinstes alkoholfreies Erfrischungs-Getränk. Gen.-Vertret.; 1 938 L* Aachener Kaiserbrnnncn. Hrbeiter- Behleidung A'euew Spezinl-Geschütt Kohnen& Jöring Alexandcrstr. 18 zwisch.Alexanderpl. u.Jannowitzbr. 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August 1966 den Parteien nach mehrstündigen Verhandlungen Einigungsvorschläge gemacht, die nach Beendigung der Sitzung von den Generalversammlungen der Partei- organisationen beraten und von den Unternehmern angenommen, von den Arbeitnehmern dagegen abgelehnt wurden. In der erneuten Sitzung des Einigungsamtes vom 23. August!ist, nachdem sich die Parteien über die Abänderungen der Vorschläge vom 26. August geeinigt hatten, solgcnder Vertrag endgültig geschlossen worden: Bertrag zwischen dem Verbände der Glasereien und venvandtcr Gewerbe von Berlin und den Vororten und dem Zentral- verbände der Glaser und verwandter* Bcrussgcnosscu Deutschlands, Orts- Verwaltung Berlin. 1. Der Vertrag vom 23. August 1964 ist mit solgenden Abänderungen und Zusätzen maßgebend: a) Arbeitszeit. Für den Fall, daß der Verband der Baugeschästc mit den Verbänden der Maurer, Zimmerer und Bau- hülssarbciter oder auch nur mit einem der lctzigenaiinten Verbände eine kürzer« als die neunstündige Arbeitszeit vereinbart, soll die ver- kürzte Arbeitszeit sechs Wochen später auch sür das Glasergewcrbe bei Zahlung von 75 Pj. stunden- lohn cingcsiihrt werden. h) Lohn: Der Lohn siir die Geltungsdauer des Vertrages beträgt 76 Pf. pro Stunde. Nicht selbständig Arbeitende erhalten pro Stunde 66 Ps. Bei Verkürzung der Arbeitszeit erhöht sich, wie bereits oben erwähnt, der Stundenlohn dementsprechend. Akkordarbeit darf innerhalb Groß- Bcrlins nicht gesordcrt und nicht gc- leistet werden. Bei der Feststellung der Grenzen von Groß- Berlin soll die Karte des Verbandes der Bau- geschäste von Berlin und Vororte maßgebend sein. Maßregelungen dürfen von keiner Seite aus stattfinden. c) Montage-Fahrgeld: Absatz 2 des alten Vertrages: .Als die Regel gilt" bis„Werkstatt" ist zu löschen, däsür gilt von nun an folgende Bestimmung: Als Regel gilt, daß die Arbeit in der Werkstatt beginnt.. Für die Ver- gütung von Fahrgeld und Fahrzeit ist ohne Rückficht auf die Wohnung des Arbeiters ausschließlich maßgebend die jedesmalige Entfernung der Arbeitsstelle vom Geschäftslokal. Ast die Arbeitsstelle mehr als drei Kilometer vom Geschäft entfernt, s ist dem Arbeiter das Fahrgeld für die tägliche einmalige Hin- und Rück- fahrt zwischen Geschäft und Arbeits- stelle mit dem vom Arbeitgeber zu bestimmenden Verkehrsmittel zu ver- güten. d) Arbeitsnachweis. Der Annungsnachwcis wird zu einem paritätischen Arbeitsnachweise umge- wandelt, derart, daß der in der Gor- mannstraße 5 bestehende paritätische Arbeitsnachweis in die Räume des JimuugSiiachwciscS vorläufig verlegt wird. ES sollen auch in Zukunft sür den neuen Arbeitsnachweis so- wohl das Statut betreffend den paritätischen Facharbeitsnadiweis sür das Glaser- gcwerbe zu Groß-Bcrlin � Wie auch die GeschastSordnung des paritätischen Facharbcitsnachiveises sür daSGlaser- gewcrbe zu Groß-Berlin maßgebend sein. Redaktionellc Acnde- runaen bleiben der Schiichtungskom- Mission vorbehalten. 2. Der vorstehende Vertrag gilt von jetzt bis zum 1. August 1968. Eine Kündigung hat drei Monate vor dem 1. August 1968 zu erfolgen, andern- salls der Vertrag aus ein Jahr weiter läust. 3. Die vorgesehene Schlichtungs- kommission hat nach Kündigung des vorstehenden Vertrages den Parteien unverzüglich einen neuen Taris- vertragsentwurs vorzulegen. Für den Fall, daß der neue Entwurs nicht die Billigung der Parteien findet, muß unverzüglich das Einigungsamt des Berliner Gewerbcgerichts angerusen werden. 4. Die Schlichtungskommisfion hat sich eine Gcschästsordnung zu geben, welche zur Kenntnis der Mitglieder der Organisationen als Nachtrag diesem Vertrage später bcizusügen ist. 5. Die Arbeit wird möglichst sofort ausgenommen werden. Berlin, den 26./23. illugust 1966. gez. v. Schulz. gez. Heuer. Grützke. Körsten. Krebs. Müller. Röhlich. F. SalomoiiiZ. Ernst. Schneider jr. Gottsried HeinerSdors. Louis Jesscl. Karl Jost, i. F. Gustav Schulz u. Jost. R. Steidtucr. Gust. Pichcr. F. Köppen. Paul Förster. S. Nitsche. A. Böcker. C. Jahn. t. Figcl. P. Jurkscheit. Otto Dullien. C. Schumacher. Ahse Schiitzenhaus Sinienstr. 5 empfiehlt seine Säle. Einige Sonnabende sollnc Toten- sonntag und t. Weihnachtssciertag := sind frei!:=7 Kingfreie«—— Weijlbier, BayGrischbier! DicrkeUcrci 9335 Adaldertstr. 38. A-»-"«! fflctallarbdtcr Berlins! Sonntag;, den 2. September 1906, mittags 12 Uhr: Tfinf öffentliche Versammlungen in folgenden Lokalen: Germluna-Prachtsale, Chausseestr. 103.> Kuggenhagett, Am Moritzplatz. Kronen-Kranerei» Alt-Moabit 47-49.\ Schernchs Festsäle� Rüdersdorferstr. 46. Hastelwerder, Nieder- Schöneweide, zzzzzzzzzziz: Tages-Ordnirng in allen Versammlungen: i. Die blutigen Vorgänge in Nürnberg, und welche Lehren ziehen die Metallarbeiter Deutschlands daraus? 2 �.#°» Referenten: Cordts, Sehroder, Wiesenthal, Wiesner, Zedier. Ehrenpflicht der Berliner Metallarbeiter ist es, durch Massenbesuch in diesen Versammlungen� gegen die Vorgänge zu protestieren. Vereinigung der.MetaHarbeiter Deutschlands. Allgemeiner deutscher Metallarbeiter-Verband. 280/20 I. A.: M. Zedier. Zentralverband � Maschinisten und Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin und Umgegend. Sonntag, 2. September, nachmittags 4 Nhr, bei Voigt, Ritterstr. 75; Mersammlung~%| Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen t4Iex Bagel« über: Partei und Gewerkschaft. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. 139/13 Die Ortsverwaltnng. ir m zu Berlin. Für die Herren Arbeitgeber sowie für die Mitglieder bringt der Vor- stand hiermit zur gesälligen Kenntnis: 275/13 dast sich das Kassentokal vom 17. September IS0S Drücken-StraKe 12, vorn 1 Tr. befindet. Geössnet an Wochentagen von 8—2 Uhr, Sonn- und Feiertags geschlossen. Der Vorstand. H. L o b i tz, Vorsitzender. keor. u. p Ausbildung zum Chauffeur. Programm kostenfrei. Unentgeltlicher Nachweis von tüchtigen CiiuniTeuren. Technikum Altenburg Sachsen-Allenburg. Blitz= Schnell kommt man mit der Hochbahn zu Weingarten, Gitschinerstr. 72, Station im Hause. Empfiehlt: 1 Posten Monafs-Anzilge, 1 Posten Monats-Paletots, 1 1 Posten Monats-Beinkleider zu staunend billigen Preisen, auch für korpulente Herren passend. Dieselben sind vo» feine» Kavalieren und Reisenden, die nur einen Monat ihre Garderobe trage». 535L� Fahrgeld wird vergütet. O Bitte auf Hausnummer zu achten. Arbeiter- BerufW-KIcidung. Trikotagen Herren-Artikel jetzt Brnnnenstralie 158, zweites Haus von d. Slnklamerstr. Gelder Laden. Verein iSederarbeiter, Berlin. Sonntag, den 2. September 1900, vormittags 9 Uhr, im Marieiibad, Badstraste 35/30: Monats- Bersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Vorstaiidsbcrlcht. 2. Bericht der Kassen- revision vom 2. Quartal. 3. Bericht der Schlichtungskommission. 4. Ber- schiedencS. Ersuche, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 267/14 Der Ortsvorstand. I. A.: 0. Weiß, Vorsitzender. #„Berliner Arbeiter- flaiitahrer- Verein" Mitglied deS Slrbeiter- Radfahrcr-Buiides „Solidarität". 4. Abteilung: 2. September früh 6 Uhr nach Beelitz(Heilstätte»); mittags 1'/, Uhr nach schlachtcnsee (Neues Gcsellschastshaus). Start: Küstriner Platz. 27/11 Vertreter erhalten zur Reklame stabile Haid- m ABw AI m. 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