" Mr. 204. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Poste Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 50 fg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Ferniprecher: Amt IV. Mr. 1983. Proletariat und Bourgeoisie in Finnland. Aus Helsingfors wird uns geschrieben: Genosse Kari, in den Senat berufen. Sonntag, den 2. September 1906. " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. arretiert, desgleichen viele Arbeiter, die als Glieder der Roten sehr viel zu schaffen machen. Auf eins aber rechnet das Garde" bekannt waren. Dieselbe Bourgeoisie, die die Kosaken und russische Proletariat mit Bestimmtheit: Wächst die Revolution die russischen Gendarmen mit Hülfe der Arbeiter im Oktober 1905 der Regierung endlich über den Kopf und sucht der Zarismus verjagen konnte, trat nun mit Hülfe dieser Kosaken und Gendarmen dann im Westen Europas Hülfe, so sorge die westeuropäische gegen die Arbeiter auf. Sozialdemokratie und die deutsche in erster Linie dafür, Die Helsingforser Polizei gefiel den Machthabern im Lande von daß Rußlands Volk seine alte Rechnung mit dem Zartsmus Anfang an nicht. Die Polizei war ihnen zu demokratisch. Die allein und ungestört zu regeln vermag! Machthaber gaben den Polizisten Lehrer, die ihnen beibringen sollten, wie der innere Feind" zu fassen sei. Aber die Polizisten Schleichende Rache. Das will etwas " Als im Oktober 1905 das Proletariat in Finnland sich mit den bürgerlichen Parteien vereinigte, um für die Freiheit des Landes zu Kämpfen, sprach man von einer vernünftigen Einigung. Das flaffen bontottierten den Einpaufer und befreiten sich von den Herren durch Hatte sich die russische Regierung unmittelbar nach der Dumabewußte Proletariat wußte aber schon damals, wie wenig diese einen furzen Streit. Nun glaubte die Bourgeoisie jedoch die Auflösung den ihr verhaßten Abgeordeten gegenüber aus Furcht vor Einigung" wert war. Mit Hülfe der Arbeiter wurde das russische schlagendsten Beweise in den Händen zu haben, daß die Polizei dem Zorne des Volkes noch zurückhaltung auferlegt, fo glaubt fie Unterdrückungsregiment niedergeworfen, die Altfenomanen als jetzt, nichts tauge. Die Mannschaft gehöre bis zu 60 Poz. der„ Roten iegt, ihrer Rachgier um so mehr die Zügel schießen lassen zu dürfen. Regierungspartei überwunden, während die vereinigten Garde" an, während der Polizeimeister und andere höhere Beamte Stein Tag vergeht, ohne daß man von Verhaftung, Beſpielung oder Konstitutionalisten, die Schweden und Jungfenomanen an die ihrer Aufgabe nicht gewachsen seien. Der Polizeimeister Malm und sonstiger Schikanierungen der ehemaligen Duma- Mitglieder zu hören Regierung kamen. Der Liberalismus hatte gefiegt. Um der Sache seine Gehülfen wurden gekündigt, neue wurden aus der Reihe solcher bekommt. Was die Wähler über diese Art der Betätigung zaristischer mehr Farbe zu geben, wurde auch ein revisionistischer Sozialdemokrat, Offiziere gewählt, die in Rußland die dortige Praxis im Nieder- Rachegefühle denken, darum bekümmert sich die Regierung augenblicklich Gleichzeitig mit der Arbeiterschaft hatte sich auch die Bourgeoisie neue Polizeimeister kommt aus dem Kaukasus. werfen von Aufständen kennen zu lernen Gelegenheit hatten. Der in ihrem Sieges"-Rausche nicht im geringsten. Indessen dürfte sie über furz oder lang doch wohl erfahren, daß zumal die Bauern sich mit gerüstet. Sie konnte Tausende gut bewaffneter Männer und Jüng- sagen. ihren Abgeordneten so solidarisch fühlen, daß sie deren Freiheit und linge stellen. Als nun die Arbeiterorganisationen die sogenannte Ueber die finnländische Kultur werden allerlei Legenden ver- deren Person nicht ungestraft antasten lassen. Ein Vorfall aus dem Rote Garde", die während des großen Streiks" die Haupt- breitet. Es sollen danach ganz patriarchalische Verhältnisse herrschen, Gouvernement Penja zeigt, wessen sich die Regierung zu versehen stüße der Revolution gebildet hatte, in eine bleibende Institution an denen der Kapitalismus nichts Wesentliches geändert habe. Die hat, wenn sie weiter gegen die früheren Dumamitglieder wütet. Die umzuwandeln trachteten, um gegen eine möglicherweise zu erwartende vielen Polizisten, die man in Helsingfors erblickt, deuten jedoch auf" Rusi. Korresp." schreibt: Reaktion gewappnet zu sein, stiegen der Bourgeoisie Bedenken auf einen ganz anderen Stand der Dinge. Die Stadt wimmelt von Der innere Feind", das Proletariat, organisierte sich für ihnen. Zu zwei und drei gehen sie, ohne daß sie etwas besonderes einen eventuellen Kampf, während die Bourgeoisie, nachdem sie die zu tun hätten. Man sieht in Helsingfors beinahe häufiger Polizisten, russische Gendarmerie verjagt und sich die Hülfe des Militärs als selbst in Rußland. Es soll ihrer über 300 Mann für die kleine verbeten hatte, schutzlos dastand. Sie ging alsbald dazu über, etwa 100 000 Einwohner geben. Aber damit ist's noch ihrerseits die Bürgergarde als Gegengewicht gegen die Note Arbeiter- nicht genug. Der Senat will die Polizei gewaltig vergrößern, die garde zu mobilisieren. Fürs erste schien der Bürgerschaft dadurch Mannschaft soll auf 1000 und später auf noch mehr gebracht werden. Es genügende Sicherheit gegen den inneren Feind geboten. foll eine Reserve durchaus sicherer Polizisten gebildet werden, die einen Aber man verlor das Weitere nicht aus dem Auge. " " Männer, wie Juhani Aho, Santeri Ingmann und andere, die in der ganzen Welt als Vorkämpfer der Freiheit bekannt geworden sind, da sie die Not des finnischen Volkes unter der russischen Gewaltherrschaft in den lebhaftesten Farben schilderten, waren jetzt, nachdem ihre Partei an Staatsruder gelangt war, die ersten, die verlangten, daß den Arbeitern selbst verboten werden follte, sich demonstrativ vor dem Staatsgebäude zu versammeln. Die Forderungen des Proletariats wurden von diesen Helden von gestern bekämpft. Stadt Lohn bekommen, der sie vollständig unabhängig macht und allen Einflüssen außer den bürgerlichen entzieht. Also mit anderen orten: Die Machthaber trachten die Bürgergarde gegen den inneren Feind" zu legalisieren. Bekommen die Herren einen guten Lohn von 2000 m. spricht man und haben sie gute Waffen, so werden sie, hofft man, den Arbeitermassen standhalten. Der Senat hat jedoch noch einen viel besseren Plan. Er will nichts weniger als eigene Soldaten, finnische Bataillone, die auf gegebenen Fall den Befehlen der Machthaber gehorchen und Als nun während der unglücklichen Kämpfe von Svea biel wirksamer gegen die Arbeiter geführt werden können. Für's borg die Rote Garde die Revolution zu unterſtüßen trachtete erste dürfte ja tie russische Regierung für diese Pläne noch und den allgemeinen Streit durchführen wollte, trat der Gegensatz taub sein. Der Putsch bom Oktober ist noch frisch in grell zutage. Die Bourgeoisie hatte teine Luft, ihr Wohlergehen der Erinnerung. Aber es ist nicht ausgeschlossen, daß sie wegen der russischen Freiheitskämpfe, obwohl sie momentan gleichsam nachgibt, wenn sie sieht, daß es besser ist, die Arbeiter durch auf den Straßen von Helsingfors ausgefochten werden sollten, in die Bourgeoisie erdrücken, als sie erstarken zu lassen. Möglich aber Frage zu stellen. Sorgfam traten die Vertreter der Stände zu- auch, daß die zarische Regierung und die liberale Bourgeoisie Finnsammen und gaben dem Volke den Rat, sich ja nicht in den inneren lands, die Revolutionäre von gestern, fich darüber einigen, wie die Kampf des russischen Volkes zu mischen. Das könne für Finnland treuen Kosaten zum besten beider Verwendung finden können. nur Böses zur Folge haben. Die Kluge finnische Bourgeoisie nahm genau dieselbe Stellung gegen die russische Revolution ein wie die der ganzen Welt. " nicht zugänglich. " Die russische Revolution. Ausblick. Fürs erste begnügen fich die wütenden Kapitalisten mit der Entlaffung aller Arbeiter, die der Noten Garde" angehört haben. Sie sind in ihrer Wut wie mit Blindheit geschlagen. Sie sehen Möglich, daß Kapitän Kod nicht weise handelte, als er über nicht, welche Gefahr ihnen daraus erwachsen kann. Wenn die steifen den Kopf des Parteivorstandes den allgemeinen Streit erklärte und und langsamen Finnen, die viel ertragen, mutwillig dazu getrieben die Arbeiterschaft aufforderte, den Aufstand von Sveaborg zu unter- werden, daß sie sich zu Banden ähnlich den lettischen Waldstützen. Möglich aber auch, daß er von der Organisation des Auf- brüdern bereinigen, um sich gewaltsam den Unterhalt standes falsch unterrichtet war und deswegen eigenmächtig handeln zu verschaffen, so werden die Kapitalisten ihre Tat bereuen, wenn mußte, weil er wußte, daß der Parteivorstand den Streit erst im es nicht mehr möglich sein wird, sie gut zu machen. Die Finnen Laufe von 24 Stunden hätte erklären können, was jedenfalls au sind ein wenig steif, langsam und bedächtig. Aber wenn sie gereizt spät gewesen wäre. Wir wollen uns nur daran halten, daß die werden, dann paden sie fest und zielen gut. In ein paar Minuten Bürgergarde sofort gegen den inneren Feind" in trieben 10-15 Mann auf dem Markt von Sörnäs etwa 200 BürgerAktion trat, sobald die, Note Garde" den Verkehr der Straßen- gardisten in alle vier Winde. Der, Työmies" hat die Bourgeoisie bahn aufzuhalten begann. Mehrere Mann bewaffneter Bürger- auch schon gewarnt. Aber sie ist ja meist vernünftigen Ratschlägen gardisten stellten sich auf die Straßenbahnwagen und drohten jeden zu erschießen, der es wagen sollte, den Verkehr zu stören. Die Arbeiter wußten jedoch wirksamer einzugreifen. Sie unterbrachen den Strom in der Elektrizitätszentrale und sämtliche Wagen blieben auf den Straßen stehen. Die Bürgergardisten eilten in ihre Zentrale, ins Feuerwehrhaus und von dort zu den Elektrizitätswerken. Dort angekommen, eröffneten sie sofort das Feuer auf die Fabrik. Sie Einem Privatbriefe aus Petersburg entnehmen wir fol. schossen durch die Fenster, schossen auch aus den umliegenden gende Aeußerungen: Häusern auf das Elektrizitätswert. Sie glaubten so die Arbeiter zu Die Situation läßt sich im Augenblick ungefähr so charaktetreffen, die das Wert aber schon verlassen hatten. risieren: Es geht bergab mit der regierenden Kamarilla und Die Wiener Arbeiter Beitung" berichtet, daß die in raschem Tempo bergauf mit der Revolution. Im Auslande Rote Garde" zuerst geschossen und daß das fimmifche Partei- tann man sich nur sehr schwer einen Begriff davon machen, organ" Työmies" solches geschrieben habe. Beides ist nicht welche Ratlosigkeit und welche Demoralisation sich unserer richtig. Työmies" hat das nicht geschrieben. Die Rote Bureaukratie bemächtigt hat. Den terroristischen Aften gegen Garde" erhielt von dem Stande der Dinge erst Nachricht, als die über ist die Regierung absolut hülflos, was man am besten Bürgergarde bereits viele Schüffe abgegeben, die Fenster zerschossen aus den letzten Ereignissen in Süd- und Südwestrußland erund auch Unbeteiligte verwundet hatte. Erst dann eilten etwa 10 bis fehen kann. 15 Mann herbei, hießen das Volk und die Polizei zur Seite gehen, Der Sozialdemokratie ist es zwar noch nicht gelungen, gaben einige gut gezielte Schüsse ab und verschwanden darauf im sich über ganz Rußland fest und planmäßig zu organisieren; Walde. Sieben Bürgergardisten blieben entweder sofort tot oder denn wir befinden uns in einer Aera der Versammlungsverbote starben bald darauf, während etwa 12-13 Schwerverwundete ins und der Presseunterdrückung, wie sie selbst Rußland noch nicht Krankenhaus geführt wurden. erlebt hat. Aber wenn auch noch die Einheit des Der Senat trat nun gleich in Aktion. Er berbot die Ber- Handelns fehlt, so steht doch das russische Proletariat fammlungen, die Uebungen und Demonftrationen der Roten tampfbereit da, und der Augenblick ist nicht mehr fern, da Garde" als einer Vereinigung, die nicht gefeßlich gestattet sei. nach dem 17. Oftober 1905 eine zweite und größere Um scheinbar gerecht zu sein, gaben die Bürgergardisten ihre Waffen Bresche in die Mauer des russischen Absolutismus geschlagen ab. Jm geheimen werden jedoch Neuanwerbungen mit Eifer wird. September- Dito er- November 1906- das ist der Zeitbetrieben und den Aufgenommenen gute Waffen in die Hand ge- abschnitt, in dem große Stämpfe geführt und große Siege erbrückt. Die Polizei ging mun mit Kosaken und mit der Gendarmerie rungen werden dürften.( Im September enden die Sommerder ehemals verhaßten russischen Regierung gegen die Arbeiter vor. arbeiten der Landleute, dann naht die Frist der RefrutenDie Kanzlei der Roten Garde" wurde von Rosaten und einstellung usw.) Jedenfalls werden die tombinierten ErGendarmen umstellt, die Näume durchsucht und die Anwesenden hebungen auf dem Lande und in den Städten der Regierung " " " " Am 12. August wurde im Dorfe Kamenka der frühere Abgeordnete Wragow verhaftet, und zwar lediglich aus dem Grunde, weil er in der Ortskirche einen Trauergottesdienst für den ermordeten Herzenstein abhalten ließ. Die Verhaftung des beliebten Abgeordneten rief im Bolte große Aufregung hervor. Die Nach richt verbreitete sich in ein paar Stunden in der ganzen Gegend. Aus allen benachbarten Dörfern famen Bauern Herbei, und schließlich befreite die versammelte Menge, die wohl mehrere Tausend Menschen start war, den Herrn Wragow. Da es gerade Geburtstag des Thronfolgers war, so waren die Häuser auf polizeiliche Vorschrift beflaggt. Die Menge riß von den National flaggen die blauen und die weißen Streifen ab, so daß nur die roten blieben. Daraufhin ging sie nach dem Gutshof der Frau Woeitow, wo der Jsprawnik mit den Polizisten sich versteckt hatte. Die Menge wollte von ihm wissen, weshalb er den Abgeordneten Wragow verhaften ließ. Der Jsprawnit leugnete jedoch. Er fagte, es sei ein Mißverständnis, er habe nur mit dem Herrn Wragow sprechen wollen. Nach zwei Tagen fam der Vizegouverneur und erteilte den Befehl, Wragow zum zweitenmale zu verhaften. Wieder sammelte fich die Menge, um gegen die Verhaftung des früheren Abgeordneten zu protestieren. Diesmal gestaltete sich die Sache für den Jsprawnik sehr tragisch. Er wurde erst durch einen Steinwurf verwundet und dann erschlagen. Am anderen Tage fam in einem besonderen Zuge eine militärische Abteilung nach dem Dorfe und begannen Egetutionen... Straßenschlacht in Liban. Tag"-Meldung in Libau zu einem blutigen Zusammenstoß ge= In der Nacht vom Freitag auf Sonnabend ist es nach einer kommen. Die Meldung lautet: Als hier auf einen Gefangenen- Transport ein leberfall ausgeführt wurde, schlugen die Aufseher sofort Alarm. Das Militär gab mehrere Salven ab. Bisher wurden acht Tote nebst bielen Verwundeten ermittelt. Mehrere Häuser wurden von Kugeln durchlöchert, wobei eine an den Vorgängen gänzlich unbeteiligte Mutter mit ihrem Säugling, den sie an der Brust trug, getötet wurde. Als der Polizeimeister mit Gehülfen und Soldaten zum Schauplatz des Tumults eilte, wurden sie an der Straßenecke mit Revolversalben empfangen; ein Revieraufseher wurde verwundet. Auch an anderen Stellen krachten zahlreiche Revolversalven, wobei ein Schußmann verwundet wurde. Wie es scheint, hängen diese Affären alle miteinander zusammen, da sie auf dem Wege zum Bahnhof stattfanden, wo die Ge fangenen abtransportiert werden sollen. Politifche Uebersicht. Berlin, den 31. August. Eine Verfassungsverlegung? Die Freifinnige Zeitung" will von zuverlässiger Seite" erfahren haben, daß Oberst von Deimling, der zur Zeit das Oberkommando in Südwestafrika führt, über den Kopf der Volksvertretung hinweg, ja im Gegensatz zu dem Beschlusse des Reichstags den Weiterbau der Eisenbahn KububKeetmannshop eingeleitet und angeordnet habe. Mitteilung zutreffe, eine eklatante Verlegung der Verfassung Die freisinnige Presse erklärt entrüstet, daß, wenn diese Mitteilung zutreffe, eine eklatante Verlegung der Verfassung vorliege. Ausgaben, die vom Reichstag nicht genehmigt worden, dürften nicht geleistet werden. Habe Herr v. Deimling tatsächlich derartige Anordnungen getroffen, so könne die geringste Genugtuung gegenüber dem Reichstag nur darin bestehen, den Dberfitommandierenden sofort aus Südwestafrika 3urückzurufen. Die Germania" nimmt von dieser sensationellen Mitteilung in wenigen Zeilen Notiz und erklärt, daß ein offiziöses Dementi dieser Nachricht unmöglich ausbleiben Die ,, Nordd. Allgem. 8tg." gibt denn auch heute abend ein solches Dementi. Sie erklärt: fönne. " „ Es ist richtig, daß Oberst v. Deimling wiederholt bein Oberkommando der Schußtruppen und beim Generalstab beantragt hat, die Eisenbahn Lüderizbucht- Kubub sofort nach Erreichung von Kubub als Feldbahn bis Keetmannshoop weiter zu bauen, da er den schleunigen Bau der Strecke KububKeetmannshop im militärischen Interesse zur Sicherung des Nachschubs für unbedingt notwendig erachte. Bugleich hat Oberst v. Deimling um Entsendung des erforderlichen Materials gebeten. Auf diese Anträge ist dein Obersten durch den Generalstab in Uebereinstimmung mit dem Herrn Reichskanzler telegraphisch er- öffnet worden, das; Material für den Weiterbau der Bahn iiber Kubub hinaus ohne Bewilligung der Mittel durch Bundesrat und Reichstag nicht zur Verfügung gestellt werden kann.' Nach dieser offiziösen Erklärung dürfte also Herr von Deimling den Wciterbau der Strecke>vohl kaum in Augriff genommen haben. Wohl aber geht aus dem Dementi hervor. daß Herr v. Deimling die Regierung dazu zu veranlassen suchte, sich über den Beschluß des Reichstags hinwegzusetzen! Herr v. Deimling ist also trotz der ihm im Reichstag zuteil gewordenen Abfuhr noch der Alte geblieben. Im Reichstag war am 26. Mai d. I. angefragt worden, wie viel Mann aus Südwestafrika wohl demnächst zurückgeschickt werden könnten. Darauf antwortete der Oberst:„Sagen Sie m i r zuerst, daß Sie mir die Bahn bewilligen, dann werde i ch Ihnen eine bestimmte Zahl nennen." Er be- schwerte sich dann des weiteren darüber, daß die Bahn bei Kubub„im Dreck stecken" bleiben solle, und rief überhaupt durch seine schneidig-schnoddrigen Bemerkungen die Entrüstung der doch keineswegs verwöhnten bürgerlichen Opposition hervor. So hatte er u. a. erklärt, er werde die südlichen Bezirke von Südafrika nie aufgeben, es sei denn, daß der Kaiser selb st ihm das befehle. Für Herrn Deimling repräsentiert also der Kaiser nicht den k o n st i t u t i o n e l l e n Monarchen, der an die Beschlüsse des Bundesrates und des Reichstages gebunden ist, sondern eine Art Selbstherrscher. Unser Genosse Ledebour geißelte damals diese mehr als boulangistische Brüskicrung des deutschen Parlaments: Der Herr Oberst würde ein solches Auftreten nicht riskiert haben, wenn er nicht des Glaubens wäre, und wohl auch des guten Glanbens sei» könnte, daß er an einer anderen Stelle, auf die er mehr Wert lege als auf die Volksvertretung und das Volk, Belobigung für eine derartige Brüskierung deS Reichstages finden werde." Die Forderung für die Fortführung der Eisenbahn von Kubub nach Keetmannshoop wurde daraufhin mit 186 gegen 93 Stinnnen abgelehnt. Der Herr Oberst trat alsbald seine Reise nach Südwestafrika an, wo er nach seiner Landung gleich einem römischen Triumphator in einem mit sechs Schimmeln bespannten Wagen nach seinem Hotel befördert wurde. Und feine Erfahrungen im deutschen Reichstag haben nun einen derartigen Eindruck bei ihm hinterlassen, daß er nach dem Zugeständnis der„Nordd. Allgem. Ztg." nichts Eiligeres zu tun hatte, als beim Oberkommando der Schutz- truppen und beim Generalstab die k o n st i t u t i o n s- widrige Forderung zu stellen, ihm die Mittel zu gewähren, um eigenmächtig die vom Parlament verweigerte Bahnstrecke Kubub— Keetmanshoop bauen zu können. Die Regierung erklärt, diesem unverfrorenen Ansinnen nicht Folge gegeben zu haben. Sie bestätigt aber, daß der südwcstafrikanische Oberkommandierende tatsächlich seine Boulangerrollc weiter zu spielen versucht hat. Wenn also das deutsche Parlament noch etwas auf sich hielte, so müßte es trotz alledem die Forderung erheben, Herrn v, Deimling unverzüglich von seinem Po st en abzuberufen! Die bürgerliche Opposition wird sich zu dieser Forderung schwerlich aufzuschwingen vermögen. Sie ist zu viel durch- druttgen von dem Bambergerschen Worte„Hunde sind wir ja doch." Sie wird im Gegenteil— freisinnige und Zentrums- blätter haben das ja schon längst angekündigt— nichts Eiligeres zu tun haben, als ihren Kotau vor dem Absolu- tismus zu machen und die damals verweigerten 3 Millionen schleunigst zu bewilligen. Und sollte sich dann schließlich doch noch herausstellen, daß Oberst Deimling eigenmächtig Vorkehrungen getroffen hat, um den nunmehr be- willigten Bahnbau zu beschleunigen, so werden Freisinn und Zentrum auch diese Brüskierung ruhig mit in den Kauf nehmen I—_ Getverkschasts-„Schwanzpolitik" in nenem Gewände. Aus New Jork wird uns geschrieben: Das Schlagwort„keine Politik in den Unions", das seit Grün- bung der„American Fedcration of Labor" ihre Devise war, wird. wenn es nach den Absichten ihrer Führer geht, endlich an den Nagel gehängt werden. Danach wird sich also in nächster Zukunft diese Organisation mit„Politik" befassen— die aber freilich ganz ver- teufclte Aehnlichkeit mit derjenigen hat, die, ebenfalls seit Grün- dung der Organisation, trotz jener Devise fpeziell zu Wahlzeiten in den zu ihr gehörenden Verbänden getrieben wurde. i?s handelt sich nämlich um nichts mehr und nichts weniger als die Ausdehnung lokaler und staatlicher zu nationaler— Schwanzpolitik. Und das kam so: In der verflossenen Session des BundeskongreffeS sind die auf Betreiben der Fcderation unterbreiteten Gesetzesvorlagen — von denen die wichtigste die auf präzisere Fassung des Acht- stundcngesetzes für Rcgierungsarbeiter und Beseitigung des Systems richterlicher„Einhaltsbefehle" gegen streikende Arbeiter waren— nicht zur Verhandlung gekommen. Vergeblich versuchte der Präsident der Federation, Gompers, den Kongreß zur Beratung der Vorlagen zu bewegen, indem er mit etwa IM Führern der der Fcderation angehörenden Verbände beim Parlament vorstellig wurde. Darauf suchte diese Deputation den Präsidenten Roosevelt für ihre Sache zu gewinnen. Dieser aber, statt sie mit dem ge- bräuchlichen Wortschwall leerer Versprechungen zu kajolieren, wie das sonst seine„Taktik" ist, fertigte sie in sehr unliebenswürdiger Weise ab. Kurz danach fand eine Sitzung des Vorstandes der Federation statt, wo der Beschluß gefaßt wurde, künftig„unab- hängige Arbeiterpolitik" zu treiben. Die Mitteilung war in einer Form gehalten, daß mit den Dingen nichtvertraute Personen zu der Annahme kommen konnten, es handele sich wenigstens um eine Drohung, mit den beiden kapitalistischen Parteien zu brechen. Der bald danach erlassene Aufruf, der nach einer weiteren Sitzung des Vorstandes folgte, zu der man den bekannten Zeitungsverleger Hearst als„Beirat" eingeladen hatte, zeigte aber, daß man es nur mit der erwähnten Ausdehnung der Schwanzpolitik zu tun hat. Den.Staatslegislatur- und den Bundeskongreßkandidaten der beiden kapitalistischen Pciteicn— die sozialistischen werden gar nicht erwähnt— soll die Frage vorgelegt werden, wie sie sich zu den Arbeiterfordcrungen stellen, und derjenige soll die Unterstützung der Federationsmitglicder erhalten, der sich zu ihrer Vertretung verpflichtet. Sollte sich keiner der Kandidaten darauf einlassen, dann soll aus den Reihen der„Unionlsute" ejn unabhängiger Kandidat aufgestellt werden, gleichgültig, welcher der beiden alten Parteien er angehört. Für den Fall, daß beide Kandidaten die Vertretung der Forderungen versprechen, ist nichts vorgesehen. Dieser Fall dürfte aber voraussichtlich sehr häufig eintreten. d»in im Versprechen sind die amerikanischen Politiker groß! Und was die zu nominierenden Unionle.ute betrifft, so würde man mit ihnen im allgemeinen dieselbe Erfahrung machen wie mit den- jenigen, die bisher schon aus irgend einem Grunde von der einen oder anderen der kapitalistischen Parteien auf den Wahlzettel ge- nommen wurden: sie werden, wenn sie auch hier und da bescheiden die Arbeiterinteressen vertreten mögen, stets in erster Linie dem Partcikommando folgen und im Interesse„ihrer" Partei handeln. Wenige Tage nach der zweiten Sitzung des Federationsvor- standes kam die überraschende Nachricht, daß Roosevelt die Order erlassen habe, das Achtstundengesetz, dessen häufige Verletzung die Federationsdeputation behauptet, er aber in ejner Audienz be- stritten hatte, aufs strengste zur Ausführung zu bringen. Darob großer Jubel im Lager der Federation. Daß bei dem Schritt des Präsidenten die Teilnahme des Demagogen Hearst an jener Sitzung das einzige treibende Motiv gewesen sein könnte, fiel den Leuten nicht ein. Hearst wird bei der im November stattfindenden Staatswahl in New Dork als Gouverncmentskandidat auftreten und zwar wenn es ihm gelingt als solcher der demokratischen Partei; anderenfalls wird er für seine eigene„Municipal Ownership Party" kandidieren, die sich nach der Munizipalwahl in der Stadt New Jork als staatliche Partei unter dem Namen„Jndcpendence Leaguc" etabliert hat. Der nächste Schritt nach der siegreichen New Jorker Wahlkampagne wäre dann das nochmalige Bestreben Hearsts, die Präsidentschaftskandidatur der demokratischen Partei bei der nächsten oder folgenden Wahl zu erlangen. Gompers hat in der letzten Nummer des Organs der Fede- ration of Labor der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß jedes Mit- glied der Organisation wenigstens einen, jede Lokalunion 5 Dollar für die Durchführung des neuen Vorgehens derselben leisten werde. Er selbst wird dieses Vorgehen nächstens dadurch einleiten, daß er im Staate Maine für einen der— demokratischen Kongreßkandidaten„agitieren" wird.— Uebrigens ist es mehr als wahr- scheinlich, daß auf der bevorstehenden Konvention der Federation das Vorgehen des Vorstandes nicht sanktioniert und die ein- geschmuggelte„Politik" wieder hinausgefeuert wird. Die Führer der zur Federation gehörenden nationalen Verbände und lokalen gewerkschaftlichen Zentralkörper sind durchgehends— die Ausnahmen wären an den Fingern abzuzählen— Handlanger einer der kapitalistischen Parteien und werden sich schwerlich den Weg verrammeln lassen, diese einträgliche„Nebenbeschäftigung" fort- setzen zu können I Die New Jorker Hearstsche„Jndependence League" hat letzthin sehr unzweideutig Stellung gegen den Sozialismus genommen, mit dem in Hearsts Blättern seit Jahren kokettiert wurde. Es ge- fchah in der Antwort auf den Austritt von Stokes Phelps aus der League, Phelps ist bekanntlich zur Erkenntnis gekommen, daß die Verwirklichung der von ihm erstrebten Ziele nur durch die sozia- listische Partei erfolgen kann. In der Antwort des Vorstandes der League auf die Austrittserklärung Phelps' heißt es:„Sie glauben, daß dieses Land seine Methoden und seinen Glauben ändern und eine neue politische Bahn betreten muß. Wir glauben, daß das Land eine Rückkehr zu den fundamentalen amerikanischen Methoden verlangt. Sie glauben, daß die bestehenden Schäden durch den Sozialismus beseitigt werden können. Die Jndependence League glaubt, daß diese Schäden durch den Amerikanismus(II) zu beseitigen sind. Der Amerikanismus hat diese Nation zur größten und glücklichsten der Welt gemacht."—„Die Jndependence League bekämpft den Sozialismus und vertritt nur die Munizipalisierung der öffentlichen Betriebe für die öffent- liche Wohlfahrt. Die Jndependence League bekämpft nicht den Kapitalismus, ob groß oder klein."— Das ist nun zwar alles nichts Neues, aber es ist doch gut, daß Hearst sich in dieser Hinsicht ausgesprochen hat. Damit ist dem„politischen Bauernfang" durch„sozialistisch angehauchte" Artikel und Phrasen in seinen Blättern ein Ende gemacht. Ob er mit dem neuen Schlagwort„Amerikanismus" mit demselben.Erfolg Mumme fangeg" Nird?*- Veutlckes Reich, Sedan. Die reaktionäre Presse feiert in der hergebracht schwülstigen Weise den Tag von Sedan. Die„Deutsche Tageszeitung" vertritt die Ansicht, daß allen Friedensschalmeien zum Trotz der Tag von Sedan nach wie vor festlich begangen werden müsse; gemahne dieser Tag doch daran,„daß die letzten Entscheidungen in der Geschichte nicht durch hochtönende Reden, sondern durch das Schwert gesprochen" würden. Deshalb erinnere er Deuffchland „an die auch heute noch unabweisbare Pflicht, sein Schwert scharf und seine Wehr wuchtig zu erhalten". Daß das Schwert nicht nur gegen den äußeren Feind ge- schliffen bleiben soll, verrät deutlich genug ein Artikel des„Reichs- boten". In einem langen Artikel über Sedan wird die Frage aufgeworfen, was denn zur Bekämpfung des inneren Feindes ge- fchehe. Leider geschehe nichts. Man lasse die Sozialdemokratie„un- gehindert wühlen und Hetzen, ihre revolutionären Organisationen ausbauen". Die Regierung tue nichts und die Parteien täten ebenfalls nichts. Und doch fei es„dringend an der Zeit, zum energischen Kampf gegen die sozialdemokratische Hetze auf- zurufen." Auch die Regierung„bekomme Mut, wenn sie sehe, daß sie eine starke große nationale Mehrheit zur Seite habe", die alle kleinen Parteiverschiedenheiten beiseite setze und sich vereinige in der großen Hauptsache des Kampfes gegen die soziale revolutionäre Volksverhetzung. Mit dem Ausbau der berechtigten Interessen der Arbeiter müsse ein energischer Kampf gegen die sozialrevolutionären Volksverführer Hand in Hand gehen. Das habe Bismarck als die Methode zur Ueberwindung der sozialrevolutionären Bestrebungen aufgestellt. Man ficht, St. Sedan soll auch den Bomand lirfern zn einem Tchwcrterschleifcn gegen das Proletariat!— Soll Podbielski bleiben? Eine Korrespondenz versichert, daß an der„höchsten maß- gebendsten Stelle" nicht der Wille vorhanden sei. im Falle PobielSki eine schnelle Entscheidung zu treffen, um so mehr, als es den Freunden des Herrn von Podbielski gelungen zu fein scheine, an jener Stelle die Ueberzeugung zu erwecken, daß sich der Minister nichts Kompromittierendes habe zuschulden kommen lassen. Man habe es so dargestellt, als ob er das schuldlose Opfer einer gehässigen Preßkampagne geworden sei. Und Argumen« tationen solcher Art fielen leider meist auf fruchtbaren Boden. Trotz alledem werde man doch wohl nicht umhin können. Herrn v. Podbielski schließlich den Laufpaß zu geben. Der einzige Erfolg dürfte dann der sein, die Entscheidung noch weiter zu ver- zögern und dein Schützling dieser Kamarilla eine besonders huldvolle Form der Entlassung zu verschaffen l Die„Neue militärisch-politische Korrespondenz" ist keineswegs der Ueberzeugung. daß Podbielski gereinigt dastehe. Gerade die Taffache der U ebertrag ung des Tipp elskir ch- Kontos an die Gemahlin des Ministers beweise, daß die Gütertrennung nur„ein nicht einwandfreies Moment optische» Täuschung" darstelle. Außerdem scheine es nach der Fischerschen Be« kundung f e st z u st e h e n. daß Podbielski von den Tippelskirchschen Darlehen an den Major Kenntnis gehabt habe. Ob es trotzdem zum baldigen Rücktritt des Ministers kommen werde, dürfte nach der allerneuesten EntWickelung«fast zweifelhaft" erscheinen. Einzelne Blätter knüpfen an die Tatsache, daß Podbielski den Besuch des Herrn von Lucanus empfangen haben soll, die Schluß- folgerung, daß es mit Podbielski doch recht bedenklich stehe. Auch uns will es scheinen, als ob das Schicksal Podbielskis denn doch bereits besiegelt sei. Es macht sogar beinahe den Eindruck, daß die Verzögerung der Podbielski-Affäre auch den Nebenzweck habe. die Aufmerksamkeit von der Bnlow-Affäre abzulenken. Denn wenn Podbielski geht, hat das Korruptionssystem seinen mächtigsten Be- schützer noch keineswegs verloren!— Notleidende Millionäre. Die„Freisinnige Zeitung" gräbt aus der Statistik der Ein- kommensteuerveranlagung für 1905 allerhand interessante Einzel- heiten aus. Die Zahl der Personen mit einem Einkommen von mindestens 100 000 M. jährlich beträgt danach 2859. Ein preußischer Staatsbürger hat ein Einkommen von 11 bis 12 Millionen Mark. Ihm folgen drei andere mit einem Einkommen von 5 Millionen, 0 und 7 Millionen. Zur Ergänzungssteuer waren im Jahre 1905 23 Personen mit einem Vermögen von mehr als 30 Millionen Mark veranlagt, 5 mehr als im Borjahre. Ueber ein Vermögen von mehr als 100 Millionen verfügten 3 Personen, unter denen einer ein Vermögen von 213 Millionen Mark ver- steuerte. Sehr originell ist es, daß 117 Personen bei einem Vermögen von mehr als einer halben Million Mark zur Einkommensteuer nur mit einem Einkommen von nicht mehr als 3000 M. herangezogen sind. Darunter befinden sich 36 Personen mit einem Vermögen von mehr als einer Million Mark. Eine dieser Personen besitzt sogar ein Vermögen von 25 Millionen Mark» dem als ein Ein- kommen von einer Million Mark entsprechen würde, die aber trotz- dem nicht mehr als 3000 M. Einkommen versteuern. Das Gleiche ist der Fall bei einem Zensiten mit einem Vermögen von 20 Millionen Mark. Ferner gibt es in Preußen noch 6 Leute mit einem Vermögen von mehr als zwei Millionen, die ein Einkommen von nicht mehr als 3000 M. versteuern! Weiter ergibt sich aus der Ergänzungssteucrstatistik, daß nicht weniger als 2972 Besitzer eines Vermögens von 100 000 bis 150 000 M. nicht mehr als 3000 M. als Einkommen versteuerten. Und daß sogar 1206 Besitzer eines Ver- mögens von mehr als 150 000 M. mit einem Jahreseinkommen von nicht mehr als 3000 M. zur Einkommensteuer veranlagt waren! Die„Freisinnige Zeitung" meint dazu, daß diese«armen Reichen" ihr Vermögen höchst unpraktisch festgelegt haben müßten, entweder in crtraglosen Bauplätzen oder sehr schlechten zinslosen Papieren, oder daß sie in ihren geschäftlichen Unternehmungen sehr große Verluste erlitten haben müßten. Vielleicht gibt es auch noch eine andere Lösung des Rätsels: nämlich die sattf-u» brannte Steuer scheu derer von„Bildung und Besitz".« Landrätliche Agitatoren. Der Landrat des pommerschen Kreises Bublitz, Herr Eisenhart-Rothe, gehört allem Anschein nach zu jenen ehrenwerten Mitgliedern der preußischen Bureaukratie, die es gleichermaßen als ihre heilige Amtspflicht bettachten, den ein- heimischen Viehstand vor der Verseuchung durch ausländisches Vieh und die polittsche Einfalt„ihrer" Kreisinsassen vor der sozial- demokratischen Infektion zu schützen. Um der Verbreitung sozialdemokratischer Volkskalender entgegenzuwirken, hat er an die Kom- munalbehörden des Kreises Bublitz folgendes Schreiben gerichtet: „In nächster Zeit werden in Pommern 150 000 Exemplare sozialdemokratische Kalender unentgeltlich verbreitet werden. Es ist nun zu wünschen, daß, ehe diese Kalender ins Land kommen. den Einwohnern gute Kalender zugänglich gemacht werden. Als solche empfehlen sich die aus dem Verlage der SchriftenverttiebS« anstalt Berlin 81V., Alte Jakobstt. 129, zu beziehenden Kalender „Fleißige Hände", Kalender für Frauen und Mädchen, und der Kalender„Feierabend", Volkskalender. 100 Exemplare derselben kosten 0 M. 50 Pf. söhne Fracht). Ich bitte um möglichst baldige Benachrichtigung, ob ich solche Kalender und event. wie viel von diesen für dw Stadtgemeinde(den Gutsbezirk) schicken lassen soll. Eisenhart-Rothe. Landrat." Der Landrat als politischer anttsozialdemottatischer Agitator ist im preußischen Staat und besonders in dessen rückständigen oft- elbischen Gegenden eine so alltägliche Erscheinung, daß eS sich nicht mehr lohnt, fich darüber aufzuregen, zumal in diesem Fall das Vorgehen des Landrats vorttefflich dazu geeignet ist, di« intelligenteren Teile der Bublitzer Landbevölkerung übei die Qualität der väterlichen Fürsorge des LandratS auf- zuklären. Die von Herrn Eisenhart-Rothe empfohlenen Kalender sind nämlich von einer derarttgen Wertlosigkeit, daß denen, welchen diese Machwerke zugleich mit den sozialdemokratischen Kalendern in die Hände kommen, selbst bei sehr flüchttgem Wer- gleich der Unterschied auffallen muß. Die Minderwertigkeit der konservativen Machwerke, die man den Landleuten gegen gutet Geld aufdrängt, wird diesen also praktisch vor Augen geführt— und die Folgerungen werden kaum sehr günstig für die landrätliche« Bemühungen lauten.-- Die Fahrkartensteuer schafft zwar der Reichskasse eine er- giebige Einnahmequelle, beeinträchtigt aber dafür den Eisenbahn- fiskus der deutschen Einzelstaaten, denn die Folge der Besteuerung der Eisenbahnfahrkarten ist erstens eine Flucht der Reisenden aus den höheren in die niederen Klassen, besonders aus der dritten in die vierte Klasse und ferner eine Abnahme des Reiseverkehrs. Nach dem Nachweis der sächsischen Eisenbahnverwaltung hat sich seit der vor einigen Jahren vorgenommenen partiellen Fahrpreiserhöhung auf den sächsischen Bahnen der Zudrang zur vierten Klasse enorm vergrößert. Die Zahl der verkauften Fahrkarten vierter Klasse ist nämlich von 1898 bis 1905 von 13,8 Mille auf 23,5 Mille gestiegen; sie hat also vom VerkehrSzuwachS den allergrößten Teil, beinahe 90 v. H. an sich gezogen. Neben dieser Massenflucht in die vierte Klasse ist aber ganz allgemein seit dem 1. August ein Rückgang des Verkehrs bemerkbar, der sicher noch weit größere Dimensionen an- nehmen wird, sobald die neue Pcrsonentarifreform, die eine weitere Verteuerung des Reifens mit sich bringt, in Kraft treten wird. Es wird demnach der Betrag, welcher der Reichskasse zugeführt wird, dem EisenbahnfiskuS der deutschen Bundesstaaten mehr als reichlich entzogen. Eine prächtige Reichsfinanzreform.— Wen die ThemiS nicht vermißte. Mit etwas stark verbundenen Augen scheint es am Sonnabend in einer SchöffengerichtSsitzung in Halle hergegangen zu sein, in der sich in der ersten Verhandiung gegen einen Arbeiter Seidel folgende ttagikomische Episode ab- spielte. Der zur Anklagck stehende Tatbestand— es handelte sich um Widerstand und Beleidigung eines Polizisten— war nebensächlich. Originell war nur der Umstand, daß man ohne den öffent- lichen Ankläger verhandelte und den„Vertreter des Staats- interesses" erst vermißte, als man den Eröffnungsbeschluß ver- lesen, dm Angeklagten vernommen und den beleidigten Polizisten vereidigt und verhört hatte. Als der Herr Amtsrichter dem AmtS- anwalt das Wort erteilen wollte und sich in der Lblichm Weise nach der Rechten hinneigte, wo der Vertteter deS Staates zu fitzen pflegt, da bemerkte er zu feinem«'cht Geringen Erstaunen, daß der Stuhl verwaist und noch gar nicht besetzt gewesen war. Nach den Worten:„Ach, wir verhandeln ja ohne Amtsanwalt", erschien dann der Ankläger, der augenscheinlich„den Zug verpaßt hatte". Die Verhandlung war auch ohne Ankläger ganz gut gegangen. Da aber der Staatsvertreter bei„Hauptverhandlungen" in Strafsachen „immer dabei sein muß", fing man nochmal von vorne an und der Polizist mußte infolgedessen seinen Eid zweimal leisten. Das Schicksal will es, daß solche Versehen— wir denken viel zu menschlich darüber— auch Richtem passieren, die in Kleinigkeiten, die der Presse unterlaufen, häufig welterschütternde Ereignisse er- blicken.— Man sieht, auch Richter sind nicht unfehlbar.— Sächsische Nadelstichpolitik. Mit einem Eifer, der wirklich einer besseren Sache würdig wäre, verfolgen die sächsischen Behörden die Bewegung der sächsischen Arbeiterschaft. Als „vornehmste" Waffe zur Bekämpfung der wirtschaftlichen und politischen Vereinigungen der Arbeiter dient das Vereins- und Versammlungs„recht", das„Juwel", wie es einmal von einem sächsischen Minister genannt wurde. Dieses„Juwel" ist ein wahrer Jungbrunnen für die Verwaltungsbehörden, die daraus Stoff schöpfen zu den verschiedensten Auslegungen und Verordnungen, denen freilich nur Erzreaktionäre und verknöcherte Bureaukraten Verständnis entgegen- bringen. Aber auch eine Disziplinarordnung für Fortbildungsschüler kann so ausgestaltet werden, daß sie als Mittel gegen den Umsturz sich verwenden läßt. Der Chemnitzer Amtshauptmannschaft ge- bührt das Verdienst, eine neue Waffe gegen die Sozialdemokratie geschmiedet zu haben. In Sachsen haben sich in den letzten Jahren Arbeiter-Turn-, Gesang- und Radfahrervereine gebildet, weil den Arbeitern oft zu- gemutet wurde, allen möglichen und unmöglichen patriotischen Klimbim mitzumachen. Wie jene, so haben auch die Arbeitervereine Jugend- liche an den Vereinsveranstaltungen teilnehmen lassen, und zwar als„Zöglinge",� da den FortbildungSschülern ohne Erlaubnis der Schulinspektion— um die niemaud nachsucht— der Beitritt zu Vergnügungsvereinen nicht gestattet ist.(Es handelt sich also nicht etwa um politische Vereine. D. B.) Nun hat man aber, um den Jugendlichen auch die Teilnahme an den Vereinsveranstaltungen unmöglich zu machen. folgenden Zusatz der Disziplinarordnung eingefügt:„Der Mitglied- schaft ist die Teilnahme an den Vereinsveranstaltungen gleich zu achten." Selbst den beiden Bürgermeistern und einem konservativen Landtagsabgeordneten, die dem Bezirks- auSschuß angehören, dem die Sache in öffentlicher Sitzung vorgelegt lvurde, ging eine derartige Auslegung zu weit und sie machten ihre Bedenken dagegen geltend. Nur ein Fabrikant war erbaut von dem Zusatz, den er für sehr notwendig erachtete. Auf seinem Vor- schlag wurde schließlich die Sache abgesetzt und später kam in der nichtöffentlichen Sitzung die Verständigung. Da es recht zweifel- Haft ist, ob diese Auslegung vor dem Gericht standhält, wird eine gerichtliche Entscheidung darüber bald herbeigeführt werden. Die organisierte Arbeiterschaft wird sich aber aus alle Fälle in ihren Bestrebungen nicht beirren lassen. Soldatenschinder. München, 30. August. _ Vor der.. Kriegsgericht der l. Division hatten sich heute gleich drei Soldatenschinder auf einmal wegen Mißbrauchs der Dienst- gcwalt zu verantworten. Der Unteroffizier der 8. Kompagnie des Jnfanterie-Leibregiments, Johann Georg Hillmaier, riß am 15. Juli dem Infanteristen Zamelzer, weil er die Dienstmütze im 'Mannschaftszimmer auf dem Kopfe behielt, die Mütze herunter und schlug sie dem Soldaten mit solcher Wucht in das Gesicht, daß die Kokarde der Mütze das Auge traf, so daß der Mißhandelte heftige Schmerzen hatte und seine Sehkraft geschwächt wurde. Einige Tage später schickte der gleiche Unteroffizier seinen Putzer zu dem Mißhandelten mit dem Auftrage, er solle ihm die Stiefel putzen. Zamelzer erklärte, daß er die Stiefel nicht putzen könne, weil er selbst noch viel zu tun habe. Als der Unteroffizier einige Zeit später von dieser Aeußerung erfuhr, begab er sich in das Mannschaftszimmer, riß dem schon im Bette liegenden Sol- baten die Decke weg, versetzte ihm einen Stoßbor die Brust und warf dann das Putzzeug des Infanteristen in die hinterste Ecke der Stube. Während der Unteroffizier für seine Roheiten mit nur 12 Tagen Mittelarrest davon kam, wurde der mißhandelte Soldat wegen Nichtbefolgung eines Befehls zu 18 Tagen strengen Arrest verurteilt!!— Die Anklagebank wurde hierauf von dem Unteroffizier Ludw. Hahn von der 2. Kompagnie des 2. Train-Bataillons eingenommen. Der Soldat Bach hatte am 15. Oktober v. I. im Stalle mit einem Kameraden geulkt er wollte diesen mit Wasser bespritzen, traf dabei aber das Dienstpferd des Unteroffiziers, das sich loSriß und im Kascrnenhof herumgaloppierte. Aus Aerger hierüber versetzte Hahn dem Soldaten einen Schlag auf den Hinterkopf und belegte ihn dann auch noch mit nicht wiederzu- gebenden Ausdrücken. Der Unteroffizier erhielt hierfür 14 Tage M i t t e l a r r e st.— Der dritte im Bunde war der Gefreite Matth. Rettenberger von der 4. Eskadron des 2. Schweren Reiterregiments in Landshut. Er hatte den zu seiner Eskadron kommandierten Infanteristen Reiter, weil dieser eine Uebung un- richtig ausführte, unter ein Pferd geworfen und dabei gedroht, daß er ihn noch zum Blutschwitzcn bringe. Schließlich suchte er den mißhandelten Soldaten zu. bestimmen, keine Meldung von dem Vorfall zu machen. Der Gefreite wurde zulOTagenMittel- artest(!), verurteilt.— Hustand« Ungarn. Eine verlogene Regierung. Dieses große Ministerium der nationalen Demokratie, wie sich die Koalitionsregierung prahlerisch nennt, hat nicht einmal den Mut ihrer Schändlichkeit. Diese„Demokraten" versuchen bekanntlich der Arbeiterbewegung, wo sie können. Steine in den Weg zu legen, besonders aber der Landarbeiterbewegung, die den herrschenden Großgrundbesitzen! vor allem verhaßt ist. Das neueste Attentat dieser Art verübte der Minister des Inneren resp. sein Vertreter, ein Ministerialrat. Seit einiger Zeit wird nämlich die Er- richtung von Ortsgruppen der Feldarbeiterorganisation, wider den Wortlaut der Statuten, verhindert; schon bestehende werden von den Komitatsbehörde» mit der Begründung suspendiert, es sei eine Ministerialverordnung erlassen worden, wonach die Ortsgruppen ihre Tätigkeit erst dann beginnen dürsten, wenn das Ministerium des Innern ihre Konstituierung zur Kennwis genommen habe, waS wahrscheinlich nie geschähe, wenn die Arbeiter es sich gefallen ließen. Die Zentral- leitung des Feldarbeiterverbandes wandte sich nun an daS fragliche Ministerium um Aufklärung, ob eine solche den genehmigten Statuten widersprechende, also rechtsverletzende Verordnung wirklich erlassen sei. Vom stellvertretenden Ministerial- rat wurde die beruhigende Antwort abgegeben: eine solche Verordnung sei nicht erlassen worden; die Provinzial- behörden hätten vielmehr dem Ministerium nur zu melden, ob die Ortsgruppen die statutenmäßige Mindestzahl von Mitgliedern auf- weisen; im übrigen aber können die Ortsgruppen ihre Tätigkeit im Sinne der Vcrbandsstatuten rechtnmßig beginnen. Unser Bruderorgan„Nepszava" antwortete auf diesen frechen Ableugnungsversuch mit der Veröffentlichung der folgenden geheimen Ministerialverordnung: 71Ö84/III-A. Aus dem Ministerium des Innern. Betreffend den Wirkungskreis der im Nahmen der gewerb- lichen und landwirtschaftlichen Arbeiterorganisationen gegründeten Ortsgruppen. Auf Grund der mir am 28. d. gemachten Unterbreitung ver- ständige ich den Herrn Vizeaespan, daß die im Rahmen der gewerblichen und landwirtschaftlichen Arbeiterorganisationen ge- gründeten Ortsgruppen ihre Tätigkeit nur dann beginnen können, wenn die zuständige Regierungsbehörde die Gründung einer Ortsgruppe genehmigend zur Kenntnis nimmt. Budapest, 30. Juni 1906. Im Auftrage des Ministers: Ladislaus Szabo in. p, Ministerialrat. Die„patriotische" Presse war verblüfft, am meisten aber der Herr Ministerialrat; denn der ministerielle Erlaß war im Austrage des Ministers von demselben Ministerialrat unter- zeichnet, der die Existenz einer solchen Verordnung in Abrede st e l l t e I Es ist hier überflüssig, zu bemerken, daß diese Entlarvung als Lügner dem Ministerialrat nichts geschadet hat. Er hat ja im Auf- trage der Regierung gelogen und verdient also eigentlich eine Aus- zeichnung. Die kaum dreitausend Großgrundbesitzer Ungarns, die Herren des Landes, werden finden, daß der Lügner sehr patriotisch gehandelt hat. Dieser verschwindende Bruchteil der Nation nennt fast ein Drittel des gesamten bebauungsfähigen Bodens sein eigen! Tausende von Kleinbauern gehen alljährlich zugrunde; immer größer und mächtiger werden Kirchenland und Großgrundbesitz. Wer in diesem klassischen Lande der Freiheit für Schundlöhne nicht arbeiten will, wird einfach ins Gefängnis gesteckt oder ist gezwungen, aus- zuwandern. Frankreich. Die französische Bourgeoispreffe gegen Gorkis Feuilleton. Paris, 31. August.(Eig. Ber.) Das Feuilleton„La. belle France" im„Vorwärts" hat die Bourgeoispresse ganz aus dem Häuschen gebracht. Mit einem dreisten Fälschertrick verschweigt sie Ihren Lesern, mit welch' leidenschaftlichen Worten Maxim Gorki die geschichtliche Größe Frankreichs und seine Verdienste um die Völkerfreiheit preist. Sie hält sich nUr an die Verachtung, die er dem heu- tigen, in Zarenknechtschaft und kapitalistischer Profitgier versunkenen Frankreich entgegenschleudert. Die Spei-Gebärde des russischen Dichters wird mit„Patriottscher" Eni- rüstung dem chauvinistischen Spießbürger denunziert. Charakteristtsch für die wirkliche Verfassung des bürger- lichen Zeitungsgeschwisters ist der vom„Figaro" wie vom „Temps" erhobene Vorwurf der„Undankbarkeit": Gorki hätte nicht so schreiben dürfen, weil man— seine Werke ge- lobt habe. Selbst ein so gebildeter Schriftsteller wie Jules Claretie schämt sich nicht, ein solches Argument zu ge- brauchen! Also Schweige- und Lobepflicht als Gebot der Gegenseittgkeit— diese Moralisten spotten ihrer selbst und wissen nicht wie. Herr Claretie treibt die Heuchelei fogar so weit, zu erklären, die Leute, die die russische Anleihe zeichneten, hätten das Geld nicht zur Unterdrückung der Revolutton her- gegeben, vielmehr— wünschten sie den Russen Wohlfahrt und Freiheit I Herr Clarette tut den französischen Kapi- talisten Unrecht. Sie sind nicht so einfälttg, wie er sich stellt.-_ Eine schismatische Bewegung im französischen Klerus. Paris, 31. Aug.(Eig. Ber.) Die„Humanste" veröffentlicht heute ein Interview mit einem ehemaligen katholischen Priester, der sich der Organisierung einer von Rom unabhängigen republikanisch- katholischen Kirche widmet. Herr Meilan, der auch das propagandistische Organ„France- Evangile" leitet, hat seit einem Monat 230 Zustimmungserklärungen von katholischen Priestern erhalten und hofft die Zahl binnen kurzem auf 1000 zu steigern. Die neue Kirche soll antidogmatisch sein und die Evangelien zur Grundlage haben. Ihre Priester werden den Zölibat nicht anerkennen. Die Anhänger der Bewegung haben bereits drei Kultusassoziationen gegründet. Im Oktober sollen auf einem Kongreß die Statuten der neuen Glaubens- gemeinden im einzelnen redigiert und es soll der erste Bischof ge- wählt werden II Abbs Meillan fleht die Zukunft seiner neuen Kirche mit begreif- lichem Optimismus an. Nüchterne Beurteiler werden diesen Opti- mismuS nicht ohne weiteres teilen. Aehnliche Versuche sind wieder- holt unternommen worden, im größten Maßstabs und unter den günstigsten Bedingungen während der Revolution. Aber die„kon- stitutionelle" Kirche hat gerade dahin gewirkt, die kirchliche Organi- sation deS römischen Glaubens zu zentralisieren und den Herrschafts- apparat auszubauen, der mit dem Konkordat dem Vatikan in die Hände gespielt wurde. Die Propagandisten deS„unabhängigen" Katholizismus werden wohl, sofern sie nicht wieder in den Schoß der Alleinseligmachenden zurückkehren, an der Tatsache scheitern, daß in der heutigen Menschheit die freien Geister überhaupt keine Kirche brauchen, die unfreien aber im römischen Klingklang eine Sinnenweide haben, die ihnen eine rationalistische KultuSgemernschaft nicht zu bieten vermag.— Norwegen. Zu de» Wahlen. AuS Kristiania wird uns geschrieben: Die Wahlbeivegung zeigte mancherlei Bemerkenswertes, das Schlüsse auf die weitere Entwickelung des Landes zuläßt. In allen Parteien mit Ausnahme der sozialdemokratischen herrschte die größte Verwirrung. Konservative stellten liberale Kandidaten und Liberale wiederum konservative oder moderate Kandidaten auf, aber nicht nur einen, sondern zwei, drei in den verschiedenen Be- zirken eines Wahlkreises. Es herrschte vollständige Anarchie und von Organisation war keine Spur. Alle bürgerlichen Kandidaten schwuren natürlich auf das Programm der Michelsenschen Regierung, die der famosen Meinung ist, daß nach den vorjährigen Heldentaten nur noch eine Partei Existenzberechti- gung hat, und das ist die liberal-moderat-konservative Regierungs- Partei. Die Ursachen der Zersplitterung, die trotzdem herrschte, waren einesteils Uneinigkeit über die Qualifikation der Kandidaten und andernteils Herrschsucht, Eitelkeit und Sucht nach persön- lichen Vorteilen, schrieb unser Parteiorgan„Socialdemokraten", und die gegnerische Presse erkannte unter Jammern und Klagen. daß dies leider— wahr sei. Es kam des- wegen auch in so vielen Kreisen zu Stichwahlen und zum Gaudium unserer Partei zwischen Sammlungspartei und — Sammlungspartei. Die Minister und ihre Helfershelfer gaben sich die größte Mühe, um diese Doppelkandidaturcn zu beseitigen, sämtliche Minister waren auf Agitationsreisen. Die Agrarier traten diesmal selbständig auf unter dem Namen Landmandsforbund (Bauernverband), auch die Industriellen haben ernstliche Versuche ge- macht, eigene Kandidaten aufzustellen. Die sozialdemokratische Partei hatte in einigen 30 Kreisen eigene Kandidaten aufgestellt. In Akershus Amt, das im Halbkreise um Norwegens Hauptstadt. Kristiania, herumliegt und eine gemischte Bevölkerung— Fabrikarbeiter, Handwerker und hauptsächlich Klein- bauern und ländliche Arbeiter— hat, sind für unsere Partei 4148 Stimmen oder beinahe 100 Proz. mehr als bei den Wahlen 1903 abgegeben worden. Das Resultat ist um so auffälliger, da es in diesen Kreisen vorläufig noch an festen Organisationen fehlt. DaS Evangelium des Sozialismus hat aber trotzdem in vielen tausend Hütten eifrige Anhänger gefunden und überall werden die sozialistischen Ideen mit großer Begeisterung aufgenommen. Ein Aufruf der Schulverwaltung. Einige Mitglieder der Schul- Verwaltung in Kristiania haben folgenden Aufruf an die Eltern der besitzenden Klasse erlassen: Schickt Eure Kinder in die Volksschule! Die Mit- glieder der Schulverwaltung, die selbst Eltern sind, erlauben sich die eindringliche Aufforderung an die Eltern der gebildeten und gut- situierten Kreise zu richten, ihre Kinder in die Volksschule zu senden. Die Gründe für diese Forderung sollen im folgenden dargelegt werden: 1. Es ist absolut notwendig, daß alle Gesellschaftsklassen die gleiche Schule benutzen, die den Grund für gegenseitiges Verständnis und Achtung pflegen kann. Das allgemeine Solidantätsgefühl, das erst geweckt wird, bedingt eine gleichmäßige demokratische Eutwicke- lung und ein gutes und friedliches Zusammenarbeiten aller Gesell- schäftskreise. 2. Der Staat erkennt deshalb nur eine öffentliche Ochirte sllr die ersten fünf Schuljahre an und das ist die Volksschule. 3. Es muß eine Ehrensache für alle und nicht zum wenigsten für die gebildeten und bessergestellten Eltern sein, die Verordnungen und Gesetze des Staates zu beachten und somit die öffentlichen Volksschulen zu benutzen. 4. Die Schule bildet die Grundlage für die allgemeine Volks- bildung und Volksaufklärung. Die Volksschule bildet die Grundlage für die höhere Schule. Es liegt somit im Interesse aller Gesellschaftsklassen, die Volksschule absolut vollkommen zu gestalten. 5. Der Staat hat keine Mittel, sein Interesse zwischen mehreren Schulen zu teilen, man muß sich um eine sammeln und das kann erst geschehen, wenn alle Gesellschaftskreise ihre Kinder in die gleiche Schule senden, nämlich in die Volksschule. Wir ersuchen alle Eltern dieser Aufforderung nachzukommen. Die privaten Kleinkinderschulen sind rückständig gegen die öffent- lichen Volksschulen und in Erziehung und Unterricht der Kinder darf niemand zurückstehen. Das sind sehr ivohlgemeintc Worte. Sie werden aber kaum den gewünschten Erfolg haben. Dem Klassenstaar entspricht die besondere Schule für die Kinder des Proletariats. Uebrigens darf die Wirkung der gemeinsamen Schule auf die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht überschätzt werden. Sie kann die Klassengegensätze niemals überwinden.— Amerika. Unterm neuen Fleischinspektionsgesetz. AuS New A o r k wird uns geschrieben: Die Skepsis, mit der die amerikanischen Sozialisten vor allem die amtlichen Versicherungen aufgenommen haben, daß das neue Fleischinspektionsgesetz von den Inhabern der großen Fleischfirmen eifrig befolgt werde, hat sich nur als allzu berechtigt erwiesen. Die Gesundheitsbehörde des Staates Kansas hat vor kurzem bei Unter- suchung einer der großen Schlächtereianlagen in Kansas City, bei- nahe zwei Monate nach dem„Entrüstungssturm" über die Zustände in Chicago, womöglich noch schlimmere vorgefunden, als sie dort herrschten. Der Verwaltung wurde die gesetzlich vorgeschriebene Frist zur Vornahme einer Reinigung gegeben; der Sekretär jener Behörde äußerte sich aber, er bezweifle sehr, ob das selbst in 50 Tagen mög- lick sein werde. Er erachtete als das einzig zweckmäßige Mittel das— Niederbrennen der ganzen Anlage I Die Prüfung der Anwärter für die durch das Fleischinspektious- gesetz geschaffenen 400 neuen Jnspektorenstellen(wozu sich über 3000 Personen gemeldet hatten) ist inzwischen erfolgt. Upton Sinclair, der Verfasser von„The Jungle", hat erklärt, daß das neue Gesetz keine gründliche Besserung der Zustände herbeiführen könne. Dieselbe Ansicht ist auch von anderen Leuten geäußert worden, die„den Rummel keimen". Damit sich die Leser eine lebendige Vorstellung von dem„Tatbestand" machen können, der dieser pessimistischen An- schauung zu Grunde liegt, sei hier eine Stelle aus der Sinclairschen Schrift wiedergegeben. Sie lautet:„Eine merkwürdige Sache hatte Jurgis schon am ersten Tage seiner Arbeit als Eingeweideschaufler bemerkt. Es war ein besonderer Kniff der Vorleute dieses Stockwerkes wenn sie auf ein„rmgeborenes Kalb" stießen. Jeder, der nur etwas von Fleischerei versteht, weiß, daß das Fleisch einer Kuh, die kurz vor dem Kalben ist oder eben erst gekalbt hat, als Nahrungsmittel nicht geeignet ist. Viele solcher Kühe kamen täglich nach den Viehhöfen, und für die Packer wäre es natürlich, wenn sie gewollt hätten, ein Leichtes gewesen, diese Kühe zurück- zustellen, bis sie zum Schlachten geeignet waren. Aber um Zeit und Geld zu sparen, war es gebräuchlich, daß diese Kühe zusammen mit den anderen verarbeitet wurden, und wer eine solche bemerkte, pflegte es denr Vormann zu sagen, und dieser begann eine Unter- Haltung mit dem Regierungsinspektor, worauf beide weg- schlenderten. Dann wurde im Handumdrehen die tote Kuh ausgenommen und die Eingeweide verschwanden; Jurgis' Aufgabe war es, sie mit den Kälbern und allem anderen in die Falle zu schaufeln, und in dem darunter befindlichen Stockwerke wurden dann diese„ungevorenen" Kälber herausgenommen und als Fleisch verarbeitet, selbst ihre Häute wurden gebraucht."(Wie später ermittelt ward, bildeten diese Kälber für die Packer einen höchst wertvollen Artikel; sie wanderten nämlich in die Abteilung für Kon- serven und gingen aus derselben in Büchsen als„eingemachtes Hühner- fleisch" in die Welt I)— Ferner:„Eines Tages glitt ein Mann aus und verletzte sich am Bein, und am Nachmittage, nachdem das letzte Stück Vieh geschlachtet war und die meisten Arbeiter fortgingen, mutzte Jurgis dableiben und eine Arbeit tun, die sonst der Verletzte zu tun pflegte. Es war spät, schon beinahe dunkel, die Regierungs« i ii spektoren waren alle fort und es waren nur ein oder zwei Dutzend Arbeiter in diesem Stockwerk. Sie hatten an diesem Tage etwa viertausend Rinder geschlachtet; diese Rinder waren in Frachtzügen von weit hergekommen und manche davon waren ver- letzt. Einige hatten gebrochene Beine, andere durchstoßene Seiten; wiederum andere waren auf dem Wege ver- endet, warum? wußte kein Mensch zu sagen. Und hier, in der Dunkelheit und Stille der Nacht, wurden sie geschlachtet. Diese„Gefallenen" wurden in einem besonderen Aufzuge zu den Schlachtbetten emporgehoben, wo die Arbeiter sie mit einer Non- chalance angriffen, die deutlicher als Worte sagte, daß es für sie eine tägliche Arbeit sei. In ein paar Stunden waren sie aus dem Wege geräumt, und dann sah Jurgis. wie sie in die Kühlkammer zusammen mit dem anderen Fleisch kamen, wo sie sorgfältig zwischen die anderen hängenden Fleischteile verteilt wurden, so daß man sie nicht unterscheiden konnte. Als er an diesem Abend nach Hause kam, war er in sehr düsterer Stimmung; endlich begann er einzusehen, daß diejenigen doch im Rechte sein könnten, die ihn wegen seines Glanbens an Amerika verlachten."— GcwerkfcbaftUched« Berlin und Ilmgegend. Zum Streik der Kohlenarbeiter.-v Trotz aller Bekanntmachungen der Kohlengroßhändler, daß cS mit dem Streik zu Ende gehe, steht das Gros des Kohlenarbeiter, Heeres, über 1200 Mann an der Zahl, im Kampf und erwartet den Augenblick, daß die Unternehmer den gerechten Forderungen der Arbeiter endlich nachgeben werden. Diese mehr als 1200 Mann sind die besten und tüchtigsten Arbeiter, gut eingearbeitete Leute, die nicht durch die angeworbenen Streikbrecher ersetzt werden können. Die Hoffnung der Unternehmer besteht hauptsächlich darin, daß die Reihen der Streikenden wankend werden; sie erwarten z. B. eine Massenflucht am Montagmorgen. Auch diese Hoffnung dürfte zuschandcn zu werden. Die Streikleitung hat für die kommende Woche erhöhte Unterstützung zugesagt, und daß sie ihre Ver- sprechungen erfüllt, ist am Sonnabend bewiesen worden. Mancher Arbeiter hat infolge der Mictszulage mehr Geld aus der Streiklasse empfangen, als er bei schwerer Arbeit auf dem Kohlenplatze ver- dient haben würde.— Am Montagmoxgen UM 10 Uhr ist großer Appell im Gewerkschaftshause!— Bum Tarifabschluß der Glaser. in Burgkundstadt( Oberfranken). Dort gab es wegen der EntFrüh verdorben In einer Bekanntmachung des Berliner Gewerbegerichts vom lassung des Bevollmächtigten der Schuhmacherorganisation Diffe- ist der 15jährige Laufbursche Friz Lube, welcher gestern aus dem 1. September( Sonnabendnummer) betreffend den Tarifvertrag im renzen, in einer Werkstattversammlung sollte die Sache besprochen Amtsgefängnis in Rirdorf der siebenten Ferienstraffammer des Glasergewerbe find einzelne unrichtigkeiten enthalten. Erstens muß werden. Um das Zustandekommen dieser Versammlung zu ver- Landgerichts I vorgeführt wurde, um sich wegen bandenmäßig auses nicht heißen: das Einigungsamt ist von seiten der Arbeitgeber hindern, wurden alle möglichen Mittel angewendet, nicht einmal geführten schweren Diebstahls im straffchärfenden Rückund Arbeitnehmer angerufen, sondern: Auf Veranlassung des vor einem kleinen Raubanfall scheute man zurück. Durch Spione falle zu verantworten. Der Dreifäsehoch, welcher knapp über die Verbandes der Baugeschäfte sind die Verhandlungen vor hatte man erfahren, daß ein Arbeiter die Einladungszettel mit Schranken der Anklagebant hinwegsehen fonnte, wurde beschuldigt, dem Einigungsamt des Berliner Gewerbegerichts durch dessen Vor- in die Fabrik gebracht hatte, um sie nach Feierabend vor dem in Gemeinschaft mit zwei unbekannt gebliebenen Männern einen fizzenden Herrn v. Schulz angebahnt worden. Ferner muß richtig gestellt werden, daß der Vertrag außer mit Fabriktor zu verteilen. Der Mann wurde nun tros ziemlich raffiniert ausgeführten Goldwarendiebstahl berdem Verbande der Glasereien Berlins und Umgegend, auch noch mit heftigen Stäubens in das Kontor geschleppt, wo übt zu haben. Anfang Juni d. J. wurde den Geschäftsräumen des Juweliers Riemer in der Prinzenstraße von Dieben ein Besuch den Innungen zu Berlin und Charlottenburg ab- ihm die Laufzettel gewaltsam abgenommen abgestattet. Irgend eine Gewaltanwendung bei dem Erbrechen eines geschlossen ist. wurden unter dem Vorgeben, daß der Bezirksamtsassessor tele- Behältnisses fonnte von der Kriminalpolizei nicht festgestellt werden, Im Auftrage der Tarifkommission des Zentralverbandes der Glaser: phonisch die Ermächtigung hierzu erteilt habe!- Die Sache wird auch war eine Anwendung von Nachschlüsseln ausgeschlossen. Man C. Jahn. ein Nachspiel haben. Kühnemänner überall! Die rühmlichst bekannte Versicherungs- Gesellschaft, Victoria", die am allerwenigsten wagen sollte, derartig provozierend aufzutreten, hat zu Ende des vorigen Monats wiederum eine Anzahl organisierter Einnehmer brutal aufs Pflaster geworfen. Husland. Streit der Schuleute. Rom, 29. Auguft.( Eig. Ber.) Die feit längerer Zeit unter den Polizisten, Karabiniers, GeBei einem besonders tätigen Kollegen wurde die Kündigung fängniswärtern und anderem im Staatsdienste angestellten Personal ,, wegen Dienstverlegung" begründet. Der betreffende Kollege hat herrschende Gärung hat nun auch die städtische Schuß nämlich mit einem anderen Einnehmer zusammen eine Kneipe be mannschaft der Stadt Rom erfaßt. Gestern hat so die fucht. Böse Zungen dagegen behaupten, daß die Entlassung auf ewige Stadt" etwas Neues erlebt: einen partiellen Streit der feine Agitation zurückzuführen sei. Die Organisation macht Schußmannschaft. gute Fortschritte. Wir warnen hiermit nochmals die Arbeiter und Parteigenossen, bei der„ Victoria" als Einnehmer oder Agenten in Stellung zu treten, ohne sich vorher bei der Drganisation genau informiert zu haben. Wir bitten die zielbewußte Arbeiterschaft, bei Abschlüssen von Geschäften und Versicherungen aller Art genau auf die braune Kontrollkarte zu achten. Sektion der Einkassierer und Kassenboten des Zentralverbandes der Handels- und Transportarbeiter. Deutfches Reich. Hafenarbeiterstreit in Stettin. In einer Streifversammlung am Sonnabend wurde bekannt gegeben, daß es den Streitposten wiederum gelungen sei, eine Anzahl angeworbener Arbeitswilliger vom Hafen fernzuhalten und zur Abfahrt von Stettin zu bewegen. Da Gerüchte verbreitet sind, die Arbeitswilligen würden sich beim Verlassen des Hafens Mißhandlungen durch die Ausständigen aussehen, so hat die Lofalfommission Handzettel drucken lassen folgenden Inhalts: Werte Arbeitsbrüder! Das von den Unternehmern verbreitete Gerücht, daß Ihr den Freihafen nicht verlassen dürft, indem Euch die streikenden Hafenarbeiter auflauern und verprügeln wollen, beruht auf unwahrheit! Ihr könnt jederzeit mit uns in Verbindung treten, damit Ihr über die Ursache des Streits Aufklärung erhaltet. J. A.: Die Streifleitung. Um nachzuweisen, daß die Behauptung, die Hafenarbeiter hätten die höchsten Löhne in ganz Europa, pure Lügen sind, soll eine 2ohnstatistit aufgestellt werden. Wie der Vorsitzende mits teilte, ist nicht ausgeschlossen, daß der Lohnkampf anfangs nächster Woche das Einigungsamt des Gewerbegerichts beschäftigen wird. Weiter wurde Bericht erstattet über eine am Freitagabend im Schüßenhause stattgefundene öffentliche Versammlung der SeeTeute, in der der Vorsitzende des Seemannsverbandes Paul Müller- Hamburg über das Thema„ Der Schutzverband der Stettiner Reeder und seine Praktiken" referierte. Aus seinen Ausführungen sei folgendes wiedergegeben: Die Seeleute hätten sich etwas habgierig gezeigt, indem fie unter Anstrengung aller Kräfte gearbeitet hätten, um hohe Löhne zu verdienen. Dieses sei aber verfehlt. Die Seeleute dürften die Interessen der Ausständigen nicht aus den Augen lassen. Der Vorstand des Verbandes der Hafenarbeiter Deutſchlands fordert die Arbeiter und Seeleute allerorts zur Solidarität auf und bittet dringend, jeden Zuzug nach den Streiforten Stettin, Königsberg und Rostock fernzuhalten. Die Hafenarbeiter in Emden, Lübeck und Kiel werden gebeten, ein scharfes Auge darauf zu haben, daß ihnen nicht etwa für die Streithäfen bestimmte Schiffe unter geschoben würden. Voraussichtlich werde auch Lübeck in den Ausstand verwickelt werden. Kein Hafenarbeiter dürfe ein Schiff aus den Streithäfen löschen. Die Malergehülfen und Anstreicher in Gumbinnen sind anfangs letzter Woche in eine Lohnbewegung eingetreten. Es bestanden bisher hier die traurigsten Lohn- und Arbeitsverhältnisse in dieser Branche. In Gumbinnen sind die Lebensmittelpreise und Wohnungsmieten ebenso hoch wie in jeder Großstadt. Aber der Verdienst der Handwerker und speziell Maler ist derartig gering, daß nicht einmal derjenige damit auskommen kann, der durchweg das Jahr über Arbeit hat. Das sind aber die wenigsten. Bisher konnten die einzelnen Gehülfen und Anstreicher vereinzelt feine Aufbesserung ihrer Lage erzielen, da sich die Meister ablehnend verhielten. Vor ganz furzer Zeit ist es nun gelungen, die Maler und Anstreicher zu organisieren. Und da war es nun ganz er klärlich, daß sie die günstige Konjunktur benutzten, um geeint und gestützt auf ihre Organisation eine bescheidene Lohnaufbeffe rung zu berlangen. Damit stießen sie nun natürlich auf den Widerstand der kleinstädtischen Meister. Schon der Umstand, daß die anscheinend bisher so zufriedenen Arbeiter so plöhlich unzufrieden geworden sind, brachte diese Zunftspießbürger aus dem Häuschen. In der Gumbinner staatserhaltenden Zeitung erließen fie einen Aufruf, in welchem unter allen möglichen Anwürfen auf die Gehülfen das Publikum zur Unterstützung der Innungsmeister durch Zurüdstellung von Aufträgen aufgefordert wird. Es kommt darauf an, wer das am längsten aushält! Der Streit auf Rote Erde". 0 stand deshalb anfänglich vor einem Rätsel, wie der Diebstahl, bei welchem den geheimnisvollen Eindringlingen Uhren und Goldwaren im Werte von 1200 Mark in die Hände gefallen waren, berübt sein fonnte. Einige Tage später erfolgte jedoch schon die Aufklärung. Der jugendliche Angeklagte wurde festgenommen, als er zwei bei R. gestohlene Uhren verkaufen wollte. Nach anfänglichem Zeugnen räumte der Taugenichts, der auch schon wiederholt seinen Bater bestohlen hatte, ein, daß er mit zwei unbekannten Männern den Diebstahl verübt hatte. Infolge seiner Körperbeschaffenheit war es dem damals Vierzehnjährigen gelungen, sich vom Hofe aus in einem Luftschacht hineinzuzwängen und so in den Laden zu gelangen. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Jungverdorbenen, der nach Verbüßung der Strafe einer Erziehungsanstalt überwiesen wird, fünf Monate Gefängnis. Die Straftammer erkannte erlittenen Untersuchungshaft. diesem Antrage gemäß unter Anrechnuna von zwei Monaten der Eingegangene Druckfchriften. gelten, begaben sich am 27. d. M., dem Bahltage, zur Auszahlung Die Schußleute des ersten Jahrganges, die noch als Eleven des Soldes, als ihnen mitgeteilt wurde, daß man jedem einen Abzug von 13,50 Lire vom Monatsgehalt gemacht hatte, um damit ihre Schuld gegen die Messe den gemeinsamen Tisch der Schutzleute zu begleichen, da kürzlich mehrere aus dem Korps ausgetreten waren unter Hinterlassung einer Schuld. Die Schußleute protestierten gegen den Abzug und verweigerten die Annahme des " Kommunale Praxis", Wochenschrift für Kommunal. Soldes. Dann zogen sie im Protest durch die Stadt und teilten politit und Gemeindesozialismus. Herausgeber Dr. Abert den Redaktionen der Tagesblätter die Ursache ihrer Agitation Süde fum. Verlag von Baul Singer, Berlin. Ausgehend von einem mit. Abends versammelten sie sich in dem noch im Bau befindlichen Borstoß, den die Freisinnigen zu Blauen gegen das dort in der Stadtgemeinde bestehende Einkammersystem machen, legt in der neuesten( 35.) Volkshause, wo für den nächsten Morgen eine Demonstration vor Nummer der„ Kommunalen Praris" der Genoffe Ernst Schulze- Coffebaude dem Rathause beschlossen wurde. Diese hat denn auch stattgefunden. die Bedeutung und die Vorzüge des Einkammersystems flar und leichteiner der 86, die die Löhnung zurückgewiesen hatten, fehlte. Aber verständlich dar, und weist zugleich darauf hin, daß uns das allgemeine, auch die Polizei fehlte nicht. Sie ließ die jungen Leute, die alle gleiche und geheime Wahlrecht in den Gemeinden dringend not tut. In manchen Drten, z. B. in Leipzig, sind aber starte Kreise des Bürgertums Schußmannsuniform trugen, umzingeln und in das Lokal des drauf und dran, das ohnehin schon spottschlechte Wahlrecht der Arbeiter noch Zentralkommandos esfortieren, wobei sie keinen Widerstand leisteten. mehr zu beschränken, anstatt es zu erweitern. Da ist es denn gut, immer Dort wurde ihnen bekannt gegeben, daß der Stadtrat ihre Aus- wieder darauf anfmerksam zu machen, welche großen Stulturaufgaben die Sozialdemokratie gerade in folchen Gemeinden' noch zu lösen hat; das ge to ßung aus dem Korps beschlossen hatte und alle wurden schieht für Leipzig in einem Artikel über die Boltsschulverhältnisse, der viel fofort entwaffnet. Nach der Entwaffnung mußten sie auch ihre fritisch verarbeitetes Material beibringt. Auch im Notizenteil werden Uniform abliefern; man hatte ihnen aus ihren Kasernen ihre Zivil- unsere in den Gemeinden tätigen Genoffen viel Stoff finden, der ihnen besonders bei der jetzt anhebenden Herbstagitation zu den Kommunalwahlen anzüge holen lassen. Dann wurden alle ohne weitere Umstände an wertvolle Dienſte leiſten kann. In dem diesmaligen Bericht des Barteidie Luft gesezt; wie es heißt, soll auch ein Strafprozeß gegen sie vorstandes an den Parteitag wird die große Bedeutung dieser Wahlen angestrengt werden. wieder hervorgehoben; es muß dabei ausgesprochen werden, daß die Möglichkeit zur Erringung von Einfluß in der Gemeindevertretung an vielen Drten von unseren Genossen noch nicht nach Gebühr ausgenutzt worden ist. Das muß anders werden! Als Hülfsmittel bei der Agitation ist, wie gesagt, die Kommunale Praris sehr brauchbar. Probenummern gratis! 9 Die Angelegenheit erregt um so größeres Aufsehen, als auch die Schuhmannschaft älterer Jahrgänge große Unzufriedenheit an den Tag legt.Gerichts- Zeitung. Ueberlaftet und dafür bestraft! " Plutus." Kritische Wochenschrift für Volkswirtschaft und Finanzwesen( Herausgeber: Georg Bernhard). 35. Heft. Abonnements einschließ lich der" Plutus"-Merktafel vierteljährlich per Bost und Buchhandel 3,50 M., direkt vom Verlag 4,- M. Verlag: Berlin- Charlottenburg, Goethestr. 69. Gründet Ordenskrankenkassen. Ein Beitrag zur Bereinheitlichung der Arbeiterversicherung von E. Auer. 52 Seiten. Broschiert 30 Pf. Verlag: G. Birk u. Co., München, Ein schwerer Unglücksfall in der königlichen Charité beschäftigte Spieler- Moral. Eine irrenärztliche Studie von Dr. med. H. Fischer. gestern die vierte Ferienstrafkammer des Landgerichts I. Wegen 19 Seiten. Berlag: Curt Wigand, Berlin- Leipzig. fahrlässiger Tötung war die Krankenwärterin Emma Henschel angeklagt. Die Angeschuldigte ist seit etwa zwei Jahren in der„ Der Tropenpflanzer", Nr. 9. Organ des kolonialwirtschaftlichen föniglichen Charité als Kranfenwärterin angestellt und hatte bisher Komitees. Herausgeber D. Warburg und F. Bohltmann. Erscheint monatihre schwere und aufopfernde Tätigkeit in der Kinderabteilung zur lich. Bezugspreis vierteljährlich 10,- M. Verlag: Berlin, Unter den jedoch durch eine Fahrlässigkeit der Angeschuldigten ein höchst be= allseitigen Zufriedenheit versehen. Am 1. Mai d. J. ereignete sich bauerlicher Unfall, dem die 6jährige Patientin 3lse Bormann zum Opfer fiel. Wie die Angeklagte behauptet, habe sie an dem Linden 40. Liebesdienste richten" zufolge wurde hier heute vormittag ein Russe namens Hamburg, 1. September.( W. T. B.) Den„ Hamburger Nach Jakubowski in der Steinstraße verhaftet. Bei einer vorgenommenen Haussuchung fand man Waffen, Sprengstoffe sowie eine große Anzahl revolutionärer Schriften und Briefe in russischer Sprache. Eine Verwechselung? genannten Tage zwei Verrichtungen zu gleicher Zeit vorzunehmen Letzte Nachrichten und Depeschen. gehabt, wodurch der Unfall, entstanden sei. sana Scheuertag gewesen und hierbei habe sie viel zu tun gehabt. Zu gleicher Zeit habe sie aber auch Badedienst gehabt und die Patienten kleinen B., die an einer Glieberlähmung litt, die dem Kinde vorbaden müssen. Am Nachmittage verabreichte die Angeklagte der geschriebenen Bäder. Sie sehte das Mädchen in eine große Badewanne und entfernte sich, um in der Küche Kaffee zu trinken. Nach einiger Zeit sah sie nach dem Kinde und fand es wohl und munter in der Wanne fißen. Sie wendete sich deshalb ihrer weiteren Arbeit zu, bis sie durch andere Wärterinnen aufmerksam gemacht wurde, daß die kleine B. soeben geschrien habe. Als sie nach der Badestube eilte, tam ihr schon die Oberwärterin mit dem bewußtlosen Kinde auf dem Arme entgegen. Das arme Kind war infolge seines Krankheitszustandes umgesunken und mit dem Kopfe unter affer geraten. Durch das in die Lungen eingedrungene Wasser war eine Lungenentzündung herbeigeführt worden, die am nächsten Tage den Tod des armen Kindes zur Folge hatte, wie der als Sachverständiger geladene Geh. Medizinalrat Prof. Dr. S tr a ß mann vor Gericht befundete. Staatsanwalts- Assessor Ludwig hält eine gröbliche Fahrlässigkeit der Angeklagten in der Tatsache festgestellt, daß sie, entgegen der Instruktion, das Kind, wenn auch nur furze Zeit, in der Badestube unbeaufsichtigt gelassen hatte. Mit Rücksicht auf die schweren und höchst bedauerlichen Folgen erscheine eine Gefängnisstrafe von 2 Monaten als eine gerechte Sühne. Der Gerichtshof erkannte auf einen Monat Gefängnis. = Interlaken, 1. September.( Meldung der schweizerischen Depeschenagentur.) Im Hotel Jungfrau hat heute mittag während der Table d'hote eine etwa 22jährige ruffische Dame einen Herrn durch mehrere Revolverschüsse getötet. Das Opfer ist ein Rentier aus Paris namens Charles Mueller im Alter von 73 Jahren. Der Verlegte verstarb nach einer Stunde. Die Russin wurde sofort verhaftet. Bei der Untersuchung erklärte fie, fie fei beauftragt, den früheren Minister Durnowo zu töten, verweigerte aber jede weitere Auskunft. Die Dame war vor vier Tagen in Begleitung eines älteren Herrn hier eingetroffen. Sie ließen sich unter dem Namen Herr und Frau Stafford einschreiben. Ersterer verließ gestern das hotel und sagte, er wolle einen Ausflug in die Berge machen. Ein gefährlicher Bursche, der seinerzeit durch einen mehr als Es sind wohl noch andere Gründe? tollkühnen Fluchtversuch von sich reden machte, wurde gestern der Straffammer vorgeführt in der Person des Buhälters Hans London, 1. September.( Meldung des Reuterschen Bureaus.) Siebert, der, wie viele seines Gelichters, sich als„ Artist" aus- 11 000 in den Kohlenbergwerken von Wales beschäftigte Arbeiter gibt und dadurch einen ehrlichen Beruf diskreditieren hilft. Die haben infolge der Weigerung der nichtorganisierten Arbeiter, dem Anflage gegen ben mehrfach vorbestraften S. lautete auf nicht Bergarbeiterverbande beizutreten, die Arbeit niedergelegt, und weniger als fünf Einzeldelifte, nämlich zuhälterei, Kuppelei, ge- 10.000 weitere haben die Absicht kundgegeben, aus demselben Grunde fährliche Körperverlegung, Bedrohung und Sachbeschädigung. Der ebenfalls in den Ausstand zu treten. Angeklagte gehört zu jenen unheimlichen Burschen, die als Großstadthhänen aus der Prostitution einen Nußen ziehen. Wie die Zahl der als Zeugen geladenen Prostituierten bewies, grenzte das Treiben Der neueste russische Bump. Aachen, 1. September. Mit Ablauf der letzten Nachtschicht ist des S. an moderne Sklavenhalterei. Zu gleicher Zeit hatte der AnPetersburg, 1. September.( W. T. B.) Wie die Petersburger bie Kündigungsfrist abgelaufen, welche die Direktion der Hüttenwerte geflagte mehrere dieser Mädchen sich gehalten, denen er dann, Telegraphen- Agentur meldet, ist die letzte Emission der „ Note Erde" ihrer ganzen Belegschaft gestellt hatte. Nachdem über wenn es nottat, als Freund beisprang. Während seine Favoritin" Reichsrente nicht durch bie Börse untergebracht worden 800 Mann der Belegschaft vor 14 Tagen in den Ausstand getreten eine längere Strafe im„ Barnim"( Frauengefängnis) berbüßte, und wird von ihr nicht untergebracht werden, da das Finanzwaren, haben nunmehr im ganzen 2800 Arbeiter die Abkehr er- richtete der vielseitige Angefchuldigte in deren Wohnung in der ministerium für dieselbe bereits eine definitive Plazierung gehalten. Nur etwa 1200 an einem Neubau beschäftigte Arbeiter spruches erfreute. Endlich fam die Polizei hinter das Treiben Schwedterstraße ein Absteigequartier ein, welches sich guten Zu- funden hat. haben den Vorschlag des Werkes angenommen, unter Aus dieses gefährlichen Burschen, der selbst wiederholt eine Anwendung schluß jeglicher Kündigungsfrist weiter zu arbeiten. In einer gestern von Gewalt nicht gescheut hatte, und nahm ihn fest. Bei seiner abend von der Lohnkommission der ausständigen Belegschaft in ersten gerichtlichen Vernehmung wurde S. dem Amtsgerichtsrat Warschau, 1. September.( B. H.) Der spanische Generalkonsul Haaren abgehaltenen und von mehr als 1500 Personen besuchten Hamel borgeführt. Zum allgemeinen Entfeßen der in dem Raume Löwenberg wurde von bewaffneten Soldaten überfallen und leicht Berfammlung wurde nach Klarstellung der Verhältnisse auf Rote anwesenden Personen nahm der Angeflagte plöblich einen Anlauf am Arm verwundet. Erde" durch die Vertreter der drei beteiligten Metallarbeiter- und sprang mit furchtbarem Sake durch beide Amtliche Provoziernug von Judenheten. organisationen eine Resolution angenommen, in welcher das Ber- Fensterscheiben hindurch auf die Straße hinab. Hier schlug er auf die eisernen Gitterstangen auf und blieb mit zer- Odessa, 1. September.( B. H.) Die hiesige Stadtverwaltung halten der Werkleitung scharf gemißbilligt und den ausständigen schmetterten Beinen liegen. Die schweren Verlegungen sind bis hatte den Gouverneur gebeten, die für Dienstag bevorstehende bezw. ausgesperrten Arbeitern völlige Unterstügung versprochen wurde. heute noch nicht geheilt, ein Fuß wird vielleicht amputiert werden Kirchenprozeffion wegen der unruhigen Zeit zu verbieten; diese müssen. Der Gerichtshof sah mit Rüdsicht hierauf, daß sich S. selbst Bitte wurde jedoch nicht erfüllt. Die Prozession wird abgehalten. schon genug bestraft und sich zum Krüppel gemacht habe, die Sache Man befürchtet aus diesem Anlaß judenfeindliche Demonstrationen. etwas milder als sonst üblich an und erkannte auf nur 6 Monate Gefängnis. Attentat auf einen Generalkonsul. Die Unternehmer und ihre Soldknechte glauben sich gegen Arbeiter alles mögliche herausnehmen zu können. Ein ganz unerhörtes Stüdlein ereignete sich in der Schuhfabrik von Brekfelder u. Büls Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Bortvärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen. 4 Nr. 204. 23. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sontag, 2. September 1906. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, 1. September 1906. Börsenstimmung. Neuanlagen.- Arbeitermangel. MaterialKnappheit. Baugewerbe. Baumwollindustrie. Lederpreise. Weltgetreideernte. Chilifalpeter. 20008 Hus der Partei. Zum Parteitag. D. Im vorigen Jahre bezogen wir aus Spanien rund 3 Millionen des Chilifalpeters ist zu ertvarten in Gestalt einer Erhöhung des Tonnen Erze, das ist zirka die Hälfte unserer Gesamteinfuhr. Wird Ausfuhrzolles. Die Erhöhung soll angeblich als Garantie dienen für die Zufuhr aus Spanien auf längere Zeit unterbunden, dann werden eine Anleihe, deren Ertrag zum Wiederaufbau von Valparaiso vers verschiedene Werke in eine recht unangenehme Position geraten. Als wendet werden soll. ein Zeichen dafür, daß es mit dem Kohlemmangel bei uns doch nicht so schlimm steht, als man gerne glauben machen will, fann außer der Tatsache des noch immer erheblichen Ausfuhrüberschusses, Als ein Maßstab für das Vertrauen, das man in die Gunst der der in den letzten Tagen perfekt gewordene Verkauf eines großen wirtschaftlichen Verhältnisse setzt, kann die Unempfindlichkeit aller Stohlenlagers an das Ausland angesehen werden. Das KohlenGeschäftskreise bewertet werden, die gegenüber den Ereignissen in syndikat hat bei Osterfeld große Mengen Mager- Feinkohlen Der sozialdemokratische Verein des 7. badischen Wahl. Rußland zum Ausdruck kommt. Während sonst schon einige unflare aufgekippt, die trotz des angeblichen Mangels an Brennmaterial treises( Rehl- Offenburg) nahm auf einer KreisversammWorte eines Ministers oder Magenblähungen irgend eines von feinen Stäufer finden wollten. Jetzt ist der ganze Vorrat lung zum Massenstreit einen Antrag an, nach dem der ParteiGottes Gnaden" die größte Bestürzung an der Börse hervorrufen, nach Belgien verkauft worden, zur Fabrikation von Briketts. Da vorstand und die Generalkommission der Gewerkschaften beauftragt nimmt man jetzt mit stoischer Ruhe die schlimmsten Revolutionsnachrichten die Lederpreise in der letzten Zeit verschiedene Mal anzogen, wollen werden sollen, denselben zu propagieren, da er allgemein als Waffe entgegen. In der augenblicklichen Stimmung würde man vielleicht nun auch die Schuhfabrikanten mit einem ordentlichen Aufschlag in geeigneter Situation betrachtet wird. Man sprach sich für die auch mit ziemlichem Gleichmut Kenntnis davon nehmen, wenn der folgen. Eine Versammlung von Fabrikanten in Dremmen beschloß Feier am 1. Mai aus. Bar eines Tages ebenfalls in der selbstgeschaffenen Atmosphäre des eine Erhöhung der Preise um 10 Proz. eintreten zu lassen. Danach Der sozialdemokratische Verein Heidelberg hat am Montag Blutdurstes umgekommen sein wird. Wenn nur die Gewalt am fönnte man im Detailhandel mit einem Aufschlag von 15-20 Proz. in außerordentlicher Versammlung beschlossen, den Parteitag um Ruder bleibt, ganz gleich auf welche Weise, ob durch Militärdiktatur rechnen. Das sind schöne Aussichten! Die Lederpreise stiegen nach zwei Beschlüsse zu ersuchen, die dahin gehen, daß die ärmeren oder indem man die Aufmerksamkeit durch Anstiftung einer großen einer Zusammenstellung der„ K. V. Ztg." von 1901-1906 in Wahlkreise zwecks nachhaltigerer Agitation besser mit Geld Judenmezelei ablenkt und so den Freiheitsfampf eindämmt, das ist folgender Weise: Rheinische Wildsohlleder oder ähnliche von 255 M. unterstützt werden sollen, und ferner, daß die Agitation für die den christlichen und semitischen Profitjägern ziemlich Wurst. Gewinn auf 300 m. pro 100 Kilogramm, Norddeutsche Sohlleder von Trennung von Staat und Kirche energischer wie bisher ist das Bauberwort, das hypnotisiert und kühn macht bis zur Ver- 187 M. auf 230 M., Brandsohlleder von 160 M. auf 210 M. Bache betrieben werden möge. wegenheit. Und die Wirtschaftslage verspricht glänzende Ueberschüsse Abfälle von 140 W. auf 210 W. Sohlleder Abfälle von 105 M. auf 160 M. auf allen Gebieten kapitalistischer Betätigung. Begeisterte Be- Nind- oder ähnliche Oberleder von 280 M. auf 360 M. und braune Zur Massenstreitdebatte. Das Gewerkschaftskartell Straßburg richte aus dent Auslande über faum zu befriedigende Rips- Oberleder von 260 M. auf 330 M. Verschiedene Firmen haben hörte in einer Sigung, zu der auch die Vorstände der einzelnen Nachfragen auf dem Kohley- und Eisenmarkt, Meldungen zudem in den letzten Tagen durch Rundschreiben an die Kundschaft Gewerkschaften zahlreich erschienen waren, ein Referat des Genossen über Ausverkäufe bis weit in das nächste Jahr hinein, befriedigende weitere ziemlich erhebliche Aufschläge angekündigt. Die Arbeiter Peirotes, dem eine ausgedehnte Debatte folgte. Einwände gegen Ernteergebnisse und Aussichten können den Enthusiasmus in der müssen alle Kräfte einsetzen, wenn sie die Folgen der verschiedenen den politischen Massenstreit wurden von keiner Seite erhoben, und deutschen Geschäftswelt nur noch steigern. Die per Juli ab- Preisaufschläge, z. B. auf Fleisch, Geflügel, Fische, Gemüse, Tabat, einstimmig gelangte die bekannte Resolution des Kieler Kartells, die ichließenden Unternehmen kommen durchgängig mit erheblich gün- Bier, verschiedene Steuern, Gebrauchsgegenstände, wie Schuh- den Kölner Beschluß desavouiert und dem des Parteitages von Jena ftigeren Ziffern heraus als bei dem vorigen Abschluß, dabei steigen waren usw., auch nur ausgleichen wollen, ganz zu schweigen von beitritt, zur Annahme. Der weitere Antrag des Kieler Kartells die Preise unablässig und die Werke haben Arbeit in Hülle und der Berechtigung der Anteilnahme an den glänzenden Ergebnissen, einen besonderen Gewerkschaftskongreß einzuberufen, wurde jedoch Fülle. Da darf man doch erwarten, daß bei der nächsten Gewinn- die die gute Konjunktur für das Kapital erbringt. Für das mit großer Mehrheit abgelehnt, da man der Ueberzeugung war, daß berteilung die legten Dividendenziffern noch weit überholt werden. Baugewerbe sicher nicht angenehm ist eine in Aussicht der Mannheimer Parteitag schon eine befriedigende Lösung der Und wie hoffnungsfreudig man in die Zukunft schaut? Die fort stehende erhebliche Steigerung der Zementpreise. Bisher wurden schwebenden Differenzen finden werde. gesetzten Neugründungen und Betriebserweiterungen geben Antwort durchschnittlich 5 M. pro Tonne gefordert. Bei einer größeren Parteipresse. Für den 7. badischen Wahlkreis( Offenburg- Kehl) auf die Frage. Fabriken, Zechen, Hafenanlagen, Verkehrsmittel, Submission in Pommern am 26. August bewegten sich die Forde wurde auf der Kreisversammlung die Herausgabe eines WochenElektrizitätswerke, Hoch- und Koksöfen usw. sind noch im Bau be- rungen aber zwischen 6,45 bis 8,75 M. Größere Ansprüche des blattes beschlossen. Es soll schon in den nächsten Tagen erscheinen. griffen und streben der Vollendung und Anteilnahme an der Weltmarktes und Preisvereinbarungen üben wohl größeren Einfluß Genosse Ad. Ged wird den politischen Teil und Genosse Produktion und dem großen Dividenden- Fischzuge entgegen. aus und muß mit allgemeinen Preisaufschlägen gerechnet werden. a berer den lokalen bearbeiten, sowie die Verlagsgeschäfte überThyssen- Mülheim will jetzt auch noch den Bau einer Maschinenfabrik Dafür wird die Konjunktur auf dem Baumarkt stärkere Anregung nehmen. in Angriff nehmen, und die Gutehoffnungshütte geht mit dem Plane erahren, wenn die Hoffnungen auf Erleichterung auf dem Geldmarkt nm, noch drei neue Hochöfen zu erbauen. Das macht Stimmung! nicht sich als trügerisch erweisen. Daß die Textilindustrie von der Von der Jungen Garde", dem Organ des Verbandes junger Nur zwei Klagen wollen nicht verstummen. Allerdings es sind die guten Konjunktur profitiert hat, geht aus der Bewegung der Außen- Arbeiter Deutschlands ist soeben die Nr. 6 erschienen. Die Auflage Klagen, die zu einem Konjunkturgemälde gehören, wie die Raketen handelsziffern hervor. Außer stärkerem Bedarf auf dem heimischen der Jungen Garde" hat sich seit 1. April 1906 verdoppelt. Sie bezum Feuerwerk. Materialnot und Arbeitermangel! das sind die Markt trat auch das Ausland mit erhöhten Ansprüchen heran. In trägt heute 4000. Die junge Garde" ist durch alle Parteibuchbeiden Stichworte, die deutlicher reden als jeder andere aus Super- der Baumwollindustrie ging die Einfuhr an Rohmaterial etwas handlungen sowie durch die Post zu beziehen.(" Die junge Garde" Lativen zusammengesetzte Marktbericht. Das wissen die Macher und zurück, aber in Erzeugnissen wuchs die Ausfuhr. Die Außen ist verzeichnet im 10. Nachtrag zur Zeitungspreisliste für 1906, deshalb läßt man die Stichworte recht oft hören auch wenn sie handelsziffern der ersten sieben Monate der beiden letzten Jahre Seite 2.) Waren es bei der Gründung des Verbandes neun Vereine nicht ganz berechtigt find. Uebertreibung gehört zum Handwerk. zeigen folgende Veränderungen: mit etwa 600 Mitgliedern, welche sich auschlossen, so zählt der VerDaß es z. B. mit dem Arbeitermangel gar nicht so weit her sein band heute 35 Ortsgruppen mit zirka 3000 Mitgliedern; der größte fann, wie in Unternehmer- und Börsenblättern unentivegt dargestellt Teil der Ortsgruppen entfällt auf Süddeutschland, hauptsächlich die wird, ersucht G. Calver in seiner letzten Wirtschaftlichen Pfalz, Baden und Hessen. Wochenschau" nachzuweisen. Er sagt:„ Das statistische Material, das das„ Reichsarbeitsblatt" neben seinen subjektiven Situationsberichten gibt, widerlegt allein schon die Behauptung eines allgemeinen Arbeitermangels. Bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen meldeten sich im Juli 172 000 männliche Arbeitsuchende um Stellung, aber nur 159 000 offene Stellen waren zu besetzen. Es famen also auf je 100 offene Stellen noch immer 108,2 Arbeitsuchende. Auf dem weiblichen Arbeitsmarkt tamen auf 47 000 offene Stellen allerdings nur 36 000 Arbeitsuchende, d. H. auf 100 Stellen 76,6 Arbeitsuchende. Insgesamt tamen also auf 100 offene Es ist demnach bei dem Rohmaterial die Einfuhr und auch der Stellen rund 101 Arbeitsuchende. Danach würde also das An- Einfuhrüberschuß etwas zurückgegangen, dagegen verzeichnen Baumgebot noch immer etwas stärker sein als die Nachfrage. Nach den wollgarne, das Halbzeug in der Textilindustrie, eine ziemlich fräftige Berechnungen der Halbmonatsschrift„ Der Arbeitsmarkt", in dem Zunahme des Einfuhrüberschusses. Dieses Plus von 10 500 Doppelvornehmlich die Arbeitsnachweise mit starkem Verkehr berücksichtigt gentner findet eine Parallele in den Wachstum des Ausfuhrüberfind, geht das Angebot noch erheblich mehr über die Nachfrage hinaus. schusses von 10 788 Doppelzentner in Gespinstwaren. Aus dieser Verschiebung kann geschlossen werden, daß die Weiterverarbeitung In Nr. 198 1. Beilage des Vorwärts" bringen Sie unter dem Aluf 100 offene Stellen tamen nämlich Arbeitsuchende: März April Mai Juni Juli ziemlich träftigen Anstoß erfahren hat. Nach den nun vorliegenden Stichivort" Die ewige Maifeier" aus der Frankfurter Boltsstimme" Schäzungen und Berechnungen wird die diesjährige Weizenernte die den sehr kurzen Auszug meiner Ausführungen auf der General89,3 95,5 98,9 93,6 100,7 vorjährige nicht unbeträchtlich überragen. Das Mehr wird auf versammlung des Höchst Usinger Wahlvereins, wobei mir auffällt, Höchst- Usinger 100,9 100,3 101,5 105,1 106,2 1234 Millionen Quarters geschäzt. Rußland soll 14 Millionen daß auch Sie den Bericht noch um die Worte deshalb so" weiter Jm laufenden Jahre bleibt das Angebot immer höher als die Quarters weniger ergeben, dafür erwartet man allein von den Ernten in gekürzt haben. Und gerade aus diesen Worten ergibt sich, daß ich Nachfrage, während 1899 das Angebot mit Ausnahme des Monats Spanien, Kanada, Indien und Amerika 19 Millionen Quarters mehr ben zitierten Satz begründet haben muß. Der Berichterstatter der Juli mehr oder weniger stark hinter dem Bedarf zurückblieb. Das als im Vorjahre. Der starte Ausfall Rußlands eröffnet natürlich Vollsstimme" ist augenscheinlich ein ausgesprochener Freund der mals fonnte man von einem allgemeinen Arbeitermangel reden, den überseeischen Produzenten trotz der reichlicheren europäischen Stürze, felbst auf die Gefahr hin, daß dadurch die Ausführungen gegenwärtig ist eine Verallgemeinerung zahlreicher Einzelfälle, wo Ernte gute Aussicht auf flotte Ausfuhr nach Europa. Aus Chile des Redners arg mißverstanden werden können. Arbeiter nicht genügend eingestellt werden können, unzulässig. tommt eine Nachricht, die sowohl für die Landwirtschaft als auch Sie haben vollständig recht, wenn Sie meine Worte derart zu Die andere Klage, die über Snappheit von Rohmaterial, tann aber für die Dungmittel produzierende Industrie Interesse hat. Der deuten geneigt sind, daß ich und mit mir das engere Provinzin der nächsten Zeit unangenehm an Berechtigung gewinnen. In den Chilifalpeter foll teurer werden und zwar um mindestens 50 Bf. pro Agitationskomitee die ewige Maifeier", soweit sie auf den zweiten Erzgruben von Santander und Bilbao streiken die Arbeiter und der Zentner. Da Deutschland der Hauptkonsument des begehrten Chile- und dritten Sonntag im Mai hinausgezogen wird, beseitigt Ausstand scheint einen Charakter annehmen zu wollen, bei dem man falpeters ist, wäre eine solche Verteuerung jedenfalls nicht ohne Ein- sehen will. mit einer längeren Stillegung der Betriebe zu rechnen hat. Was fluß auf den Absatz anderer Dungmittel. Auf jeden Fall wird die Ich betonte auf der Generalversammlung des Höchst- Usinger das für die deutsche Eiſenindustrie bedeutet, besagen einige Ziffern. Landwirtschaft etwas höhere Breise zahlen müssen. Die Verteuerung Kreiswahlvereins, daß die jeßige Praris, die Maifeier am ersten, daran. 1899 1906 Sankt Sedan. " Baumwolle u. dito Abfälle Baumwollgespinnstwaren Baumwollgarn in Doppelzentner 1905 1906 1905 1906 2 791 836 2 732 457 114 516 124 289 406 376 67 183 395 937 66 406 38 695 48 845 283 127 304 065 2 385 460 47 333 2 336 520 57 833 I 244 432 255 220 Einfuhr Ausfuhr} Einfuhr 1905 Ueberschuß 1906 Ausfuhr- 1905 Ueberschuß 1906 Die Hurrapatrioten sind in diesem Jahre seit Wochen ganz besonders geschäftig. Sedan!" heißt die Parole. Die Roten wollen uns den höchsten aller Feiertage nehmen!" lautet das Angst- und Wehgeheul in ihren Preßorganen. Natürlich denken wir nicht dicke Bände Wer 364 Tage im Jahreslauf auf der Bärenhaut liegt, tann auch noch am Santt Sedanstag faulenzen. Die Arbeiter bezahlen's. Nur daß die Leutchen so naiv sind, zu erwarten, daß wir ihnen ihre geheuchelte Entrüstung glauben: das ist das ergöglichste am Sedanrummel. Uns will scheinen, als bezwecke man etwas ganz anderes mit dem lärmenden Schrei nach einer besonders geräuschvollen würdigen" Gedenkfeier des 2. September. Man will damit den heillosen Kolonialstandal, die Tippelskircherei, kurz, die in den oberen Schichten furchtbar eingerissene Storruption über tönen, um noch ein Weilchen weiter im Trüben fischen zu fönnen Sepperl, der kleine Täufling, hat sich einen extra ordinären Zeitpunkt für seinen Eintritt in die höfische Gesellschaft gewählt. Und da jedes menschliche Wesen, folglich auch ein fürstliches Widelkind, das Produkt der es umgebenden Milieuschichte ist, so wird der noch so geräuschvoll inszenierte Sedanrummel allen denen, die hinter den Staatskulissen an der Strippe ziehen, doch wenig Nußen bringen Seitdem der jüngste Hohenzollernsprosse die buntscheckige Skala seiner Zunamen weg hat, ist er eine historische Authentizität geworden, der vorgestern morgens alle Kinder Berlins in Schulfeiern ihre Huldigung darzubringen hatten. Gleichzeitig war mit ihr das Gedenken des Sankt Sedantages verknüpft worden; und damit die armen Abcschüßen doch auch einen Gewinn davontragen, erhielten sie die Aufgabe, den ganzen feierlichen" Att daheim zu Papier zu bringen. Ich hab aber gar nichts gehört," sagte mir eine Schülerin, wie kann ich denn etwas aufschreiben?" Ganz richtig doch der Bien" wird eben müssen. Da schien es mir verlockend, ein bißchen Umschau zu halten in Vergangenheit und Gegenwart, zum Ergößen für uns, zur Beschämung für alle Mordspatrioten und Pseudohistoriker unter den deutschen Pädagogen. Kriege haben doch auch ihren Wert: sie produzieren Tatsachen unto sind darum bei schriftstellernden Stoffjägern sehr beliebt. Es bleibt ihnen vollkommen überlassen, Dinge zu erdichten, die sich nie und nimmer begeben haben, von Heldentaten zu singen, deren sich niemals die feindliche Partei, stets aber eigene Volksgenoffen huldig gemacht haben. Der Feldzug von 1870/71 bot dazu ein " Am 30. September findet in Mannheim die erste Generalversammlung des Verbandes statt, die von großer Bedeutung für die Weiterentwickelung des Verbandes sein wird. dem auch die Ver= Außer dem Geschäftsbericht, mit fchmelzungsfrage der Berliner Jugendorganisation zur Verhandlung kommt, stehen noch folgende Punkte auf der Tagesordnung: " Der deutsche Parteitag und die Jugendbetvegung." Referent: Dr. Frant.„ Die kapitalistische Ausbeutung der Jugend." Referent: Dr. Frant. Jugend und Alkohol."( Referent wird noch bestimmt.) Militarismus." Referent: Dr. K. Liebknecht. Mögen die Verhandlungen der Jungen Garde" den gewünschtey Erfolg bringen. Die ewige Maifeier". Es wird uns geschrieben: " " um so günstigeres Terrain, als wir es mit dem alten Erbfeind" Was vollends der Schuljugend von heute noch immer zu glauben zu tun hatten. Da fonnte alle feit Generationen von Schulmeistern augemutet wird, davon geben die staatlich approbierten Lehr- und eingepautte Berserkerwut auf die armen Franzosen losgelassen Lesebücher der ergöglichen Zeugnisse so viele, daß wir uns auf die auf Berlin beschränken dürfen. werden. Und wären sie nicht deutscherseits durch die militärische allernächste Nachbarschaft Uebermacht besiegt worden, so würden sie in dem ungeheueren Unter der erdrückenden Masse von Lefebüchern für höhere wie Meer von Tinte und Druckerschwärze, welche ein unermeßlich mittlere Unterrichtsanstalten und Volksschulen, die ich durchgelesen das dreibändige Deutsche Lesebuch für großes Heer teutonischer Barden über sie ergossen, elendiglich er- habe, fand ich nur das dreibändige foffen sein. Denn die Striegslyrit von 1870/71 füllt allein sechs Lehrerinnenfeminare" von Johann Heydtmann, das einer wirklichen ungeachtet zahlloser Produkte einzelner Dichter". modernen literarischen Vorbildung Rechnung trägt. zumal Ein Unitum ist dagegen das Lesebuch für die Schier unübersehbar ist aber die Bellestritit jener Tage jeder Quartaner wie jeder Soldschreiber vom Furor teutonicus Rapitulantenschulen. Zum Dienstgebrauch ausgegeben vom ergriffen worden war. Schon in die Titel zu jenen Schriften wurde preußischen Kriegsministerium"( 1903). Die Belehrungen über dieser Furor gelegt, und wenn wir uns eine Auslese vor Augen Pflichten, Rechte, Ehre eines Soldaten, über„ Kaisers Rock", über das führen, so hätten wir Ursache genug, vor den ungleich chevale-" Schwert"( recte täsemesser"," Plempe"), über den Adler am Helm resteren Galliern für die deutschen Kriegsbarden zu erröten. Ge-( als einen Vogel, der mit gebreiteten Schwingen aufwärts zur schichtsfälschung, Perfidie, Größenwahn gehen da Hand in Hand, Sonne strebt), über den Kadavergehorsam usw. wollen wir uns was folgende Buchüberschriften( Romane, Erzählungen, Pamphlete schenken und dafür lieber die Handhabung der preußischen Geschichtsflitterei etwas näher in Augenschein nehmen. Ein breiter Raum ist in Versen und Prosa) beweisen sollen: natürlich Wilhelm I. dem Großen" gewidmet. Er wird da in " Der Franzosenkrieg, oder Deutschlands Feuerprobe". natürlich Wilhelm I. dem Wilhelm der Große, der Beschützer(!) Deutschlands, oder einem Erguß gefeiert als der pflichttreue Pring",„ der deutsche französische Raublust und deutsche Treue".„ Der Mann": Weltberräter( Napoleon III.!)"." Hyänen der Kommune".„ Der rote Husar, oder das Gespenst von St. Sedan".„ Die Banditen von Paris, oder die heldenmütige(!) Marketenderin". Die Hhänen des Schlachtfeldes und der Ullan, oder die schöne Braut von Straßburg". " Der Kaiser Napoleon III. als Gefangener, oder die Geißel Dann der„ fiegreiche Held". Da erfährt man, daß Wilhelm I. der Menschheit(!!)"." Napoleon vor der Himmelstür". während der Königgräßer Schlacht feit 48 Stunden nur zwei „ Louis im Asyl für Obdachlose".„ Louis ist futsch". Stunden geruht, und nun saß er, der angehende Siebziger, feit ,, Louis' Höllenfahrt, oder hat ihn schon". Louis als Leichen- 14 Stunden im Sattel; er hatte feit frühmorgens nichts " Ihm hat lang die Nase nich geblutet". ,, Louis genoffen als ein Stück Soldatenbrot, das er von einem Reitknecht Napoleon von König Wilhelm gefangen()". Louis uff'm empfing." So erzählt Franz Otto. Jm, Neuen Berliner Befes Proppen". Eine Bündnadeloperation an Louis Napoleon, oder buch für mehrklassige Schulen" lesen wir, daß der Brotgeber ein ER hat einen Vogel". Loui'n haben wir nu"." Frankreichs Sold at war. Der Soldat war glücklich, seinem Könige etwas Maul und Deutschlands Faust". abgeben zu dürfen. Diefer ließ sich das trockne Brot gut schmecken und trank dazu einen Schluck Wein, welchen ihm sein Diener reichte." In eben derselben Schlacht hatte sich der König mit seinem Gefolge bereits mehrere Male dem heftigsten Granatfeuer ausgefeßt. Er geriet sogar in Gefahr, von den fliehenden Oesterreichern mit fortgerissen zu werden. Dabei kam er aber immer weiter ins Feuer. Der eiserne(!!) Bismarck, welcher nicht von der Seite seines föniglichen Herrn wich, machte ihn auf die große Ges fahr aufmerksam, in der er schwebte uſtv."( Neues Berliner Lesebuch). Das Lesebuch für die Kapitulantenschule" berichtet:" Bei Königgräg bitter": " " " Hieraus ersieht die Welt mit aller Klarheit, Daß Benedetti wirklich log die Wahrheit." ,, Des gewaltigen Louis' Schlammassel Bun die Tuljerien bis nach Cassel." Fort geht es jetzt im Hui Zum Höllentor mit Louis, Der Satan holt den Schurken Zur Zeit der fauren Gurken." Seinem Vaterlande, das er mit jeder Faser seines Herzens liebte, war sein ganzes Denken und Tun gewidmet, und zum Wohle des ersteren ertrug er auch Verleumdung. 1848 mußte er z. B. auf einige Zeit nach England gehen, weil böse Zungen ihn beim Volte verdächtigt hatten." zweien imb event. dritte» Sonntag im Mai zu liegehen. nicht dazu angetan sei, die ArbeitSruhe am 1. Mai zu propagieren, da leider noch hunderte auch organisierter Arbeiter glaubten, mit der Teil- nähme an einer derartigen Sonntags- Maifeier ihrer Pflicht genügt zu haben. Die eigentliche Arbeitsruhe mache.deshalb so" wenig Fortschritte. � Sie ersehen aus Vorstehendem Wohl zur Genüge, dah ich mit meinen Ausführungen keineswegs die Maifeier geringschätzend be- handelt habe, sondern das; ich im Gegenteil der würdigsten Art der Maifeier energisch das Wort geredet habe. Und zu meiner Genug- tuung kann ick, konstatieren, dah in Frankfurt ein erheblicher Teil der Gewerkschaftsführer denselben Standpunkt vertritt und seit Jahren danach handelt. L. Dorsch u. Das Grab Lassallcs zu Breslau wurde auch in diesem Jahre am Todestage des grobe» Vorkämpfers von den Breslaner Genossen mit Kränzen geschückt. Ein Aufgebot von fünf Schutzleuten unter dem Kommando eines Konnnissars sorgte dafür, daß die„Ordnung, Ruhe und Sicherheit" nicht gestört wurde I Einen Rcfercntciiknrslis, der auf der hessischen Landeskonferenz schon angekündigt wurde, wird der hessische Parteisekretär Genosse Dr. David mir 9. und 16. September zu Gießeu abhalten. Ein Partei- Bibliothekar. Die Genossen von Frankfurt a. M. suchen für ihre Zentral-Arbeiterbibliothek einen Bibliothekar. Das AnfangSgehalt soll 2000 M. betragen.— ES ist das wohl die erste Ausschreibung einer Bibliothekarstelle durch eine Arbeiterorganisation. Sie verdient deshalb vermerkt zu werden als ein erfreuliches Zeichen der Erstarkung der Arbeiterbeivegung und des steigenden Bildungsbedürfnisses der Arbeiterschaft. Karl Marx' Lehre auf einem bürgerlichen Kongreß. Brüssel. 29. August.(Eig. Ber.) Auf den, in Brüssel tagenden„Niederländischen Kongreh" kam in der historischen Sektion ein Bericht des Genossen Camille Huysmans, des Sekretärs des internationalen sozialisti- schen Bureaus, zur Verlesung, in der HuysmanS nach einer kritischen Darlegung der verschiedenen historischen Methoden die materialistische Geschichtsauffassung auseinandersetzte. Huysmans fand dann noch Gelegenheit, dem Genter Professor Fris, der sich mit der Schule Lamprecht befabte, zu antworten und im weiteren Verlaufe die bekannten Argumente gegen den historischen Materialismus in fesselnder Weise zu widerlegen. Die Versammlung bezeugte für die Darlegungen viel Aufmerksamkeit. Die theologische Auffassung, die durch einen protestantischen Pastor verteidigt wurde, fand gleichwohl im Publikum, trotzdem mehrere Priester darunter waren, keine Unterstützung. Bemerkenswert ist, daß sich der Kongreß, der sich um die Annäherung Hollands und Belgiens bemüht und in ernster Weise die literarischen und sprach- lichen Interessen der Niederländer verficht, trotz seiner starken nationalen Betonung doch von ödem Chauvinismus fernhielt. Hus Induftric und ftandel Wie Millionäre entstehen. Wall Street, so schreibt man uns aus London, wo sich die Börse kn New Uork befindet, ist der Geburtsplatz des modernen Krösus. Durch die letzte Dividendenerklärung der Union Pacific Eisen- bahir hat sich die Zahl der New Dorker Millionäre wiederum ver- größert. Eine gewaltige Aufwärtsbewegung der amerikanischen Eisenbahnwerte hat eine Anzahl Männer, die bisher ein mäßgcs Vermögen besaßen, in den letzten zwei Tagen vergangener Woche zu Millionären gemacht. Diese Leute haben nicht durch produktive Arbeit ihre Millionen verdient, sie haben es einfach verstanden, sich zu den Besitzern des Geldes zu machen, das die weniger glücklichen und betrogenen Spieler an der Börse in jenen Tagen verloren. Millionäre und Amerika scheinen gleichbedeutend zu sein, denn sir keinem aitderen Weltteile sind in den letzten 20—30 Jahren so viele Vermögen gemacht worden. Im Jahre 1902 waren nach dem„American Neference-Book" 3500 Männöp und Frauen in Amerika, welche mehr als 1 Million Dollar besaßen, und von allen diesen waren kaum 12, welche den Reichtum ererbt hatten. Fast jeder von ihnen hat die Schätze mehr oder tneniger schwer verdient. Seit jener Zeit hat sich aber die Zabl der Millionäre um hunderte vermehrt. Die Geschichte der amerikanischen Millionäre beginnt mit Iah Govld. Es waren allerdings die AstorS und VanderbiltS schon da, bevor man von Gould etwas hörte, aber ihre Methoden, Geld an- zuhäufen, gehören nun einer vergangenen Zeit an. Der Reichtum der AstorS entstand durch Landankäufe und durch die Wcrtsteigcrung, die das Land von Jahr zu Jahr erfuhr. Der alte Astor hatte eine Vorliebe für Landerwerbungen und kaufte in großem Maßstabe. Seine Nachkommen konnten die Hände ruhig in den Schoß legen und ihren Reichtum lawinenartig anwachsen sehen. Die VanderbiltS haben ihr Vermögen durch Eisenbahnbauten in der ersten Zeit, alsdann durch Städtcbauten und durch Landkäufe „verdient".— Aber Jay Gould ist offenbar der erste, der den Typ des modernen Krösus darstellt. Seine Gegner nannten. ihn den „Finanzpiraten". Es ist erwiesen, seine erste Million repräsentiert keine produktive Arbeit,- sie ist an der New Dorker Börse gewonnen. Später hat er war es. wo Bismarck den König aus dem Feuer der Ge- wehre und Kanonen riß."... Grandiose Situation l Von einer ähnlichen aus der Schlacht von Gravelotte weiß Stacke im„Berliner Lesebuch" sbearbeitet von O. Janke 1905) zu melden. Dort war der König wiederum„in ein heftiges Granatfeuer geraten, aus dem er sich auf dringendes Bitten des an seiner Seite befindlichen Kriegsministers von R o o n ent- fcrute". Dem gegenüber steht der Schlachtbericht von Gravelotte in dem durch das Provinzialschulkolleginm der Provinz Brandenburg sanktio» nterten„Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte"(von Dr. Richard Schillmann 1901). Dort heißt es: „Ohne Rücksicht auf sein Leben hatte der greise Held sich den feindlichen Kugeln ausgesetzt, bis Bismarck ihn dem Bereiche der Geschosse entzog." Einmal ist R o o n, das andere Mal Bismarck der„Retter". Wie stimmt das? Der glückliche Umstand, daß noch n i e ein fürst- licher Heerführer von einem Geschoß auch nur ungefährlich gestreift worden ist, muß doch wohl darauf zurückzuführen sein, daß Poten- taten unter Gottes Schutz stehen, mithin unverletzlich sind. Feld- zugs-Offziere wollen es besser wissen. 1870 eilten auch mehrere Münchener Universitätsprofefforen (Moritz Carrtsre, Felix Dahn usw.) aufs KriegSterrain in Frankreich. Nach Friedensschluß, als die Truvpen wieder heimkehrten, inszenierten jene professoralen„Schlachtenbummler" einen großen KommcrS der Mllnchencr Studentenschaft, wobei sie ihre Erlebnisse rednerisch zum besten gaben. Da trat ihnen aber ein Major unsanft auf die Hühner- äugen.„Mein lieber Carrisre, luaS wißt Ihr denn vom Krieg? Ihr seid ja immer zwei Meilen vom Schlachtfeld im Hauptquartier gewesen und habt Sekt g e- trunken. Pulver habt ihr nie gerochen I" Zur besseren Erklärung lasse ich ein Gedicht folgen, da? weder in dem eingangs erwähnten Sammelwerk der Kriegslyrik von 1870/71, noch sonst wo in einem SchuUesebuch zu finden ist. ES stammt von dem hervorragenden Dichtermaler Heinrich v. Reder, der, 82 Jahre alt, in München als pansionierter Artillerie-Oberst(nun- mehr charakterisierter Generalmajor) lebt. Er hat den Feldzug von 1366 gegen Preußen und den deutsch-französischen Krieg mitgenracht, hat hier in 16 Treffen und Schlachten als Batteriechef im Feuer estanden und wurde schiver verwundet. Hören wir ihn: „Bei Bazeilles iin Straßengraben Lag erstarrt ein junger Jäger, Einer von den„blauen Teufeln", Die bei Weißenburg gefochten.- allerdings durch Eisenbahnbauten seinen Reichtum vermehrt. Sein Sohn, George Gould, ist heut noch ein konservativer Eisenbahn- Magnat. Nach Gould, aber bedeutend hervorragender in der An- Häufung von Millionen, kommt John D. Rockefeller, unzweifelhaft der reichste Mann der Welt: er selbst hat gesagt, daß er nicht genau weiß, wie viel er wert sei. Auch seine Methoden, Geld zu ver- dienen, sind nicht schön zu nennen, aber nicht zu verkennen ist sein Genie, durch welches er alle Geldquellen Amerikas zu dem Riesen- unternehmen„The Standard Oel Co." vereinigt hat. Nach seinem Vorbilde haben sich die anderen großen„Trusts" gebildet. Rocke- fellers Vermögen wird abweichend auf 2 bis 5 Milliarden Mark ge- schätzt. Einige von den anderen amerikanischen Millionären sind: Andrew Carnegie/, Million Mark Mehrüberschuß in vier Monaten erzielten die Hohenlohe-Werke A.-G. Der Gcsamtbruttoaclvinn noch Abzug des ratierlichen Rentenanteils, der Steuern, Bergschäden und sonstigen Unkosten hat in diesem Zeitraum 2 828 773,31 M. gegen 2 363 188,06 M, im gleichen Zeiträume des Vorjahres, also gegen diesen 465 585,25 M. mehr betragen. Das Geschäft in Zink und Zinkblech war bei lohnenden Preisen außerordentlich lebhaft, der Absatz an Kohlen wies die größte Steigerung auf, die in Ober- schlesien bisher vorgekommen ist.— Und wie stehts mit den Löhnen? Darüber schweigt man in der Regel ganz diskret oder es wird in allgemeinen! Redewendungen, ohne konkrete Angaben, etwas von Lohnsteigerung erzählt. Nicht einer Meinung. Eine Stimme aus den Kreisen des Stahlwerksvcrbandes läßt in der„Rh. W.-Ztg." sich also vernehmen:„Was die Erhöhung des Preises betrifft, so entspricht sie durchaus den vor etwa einem Monat von feiten des Stahlwerks- Verbandes dargelegten Anschammgen. Schon damals sprach sich der StahlwerkSvcrband dahin ans, daß eine weitere günstige Gestaltung deS Geschäftes in steigender Richtung vorauszusehen sei. Doch hielt er es nicht für zweckmäßig, solange ein günstiger Verlauf der Wintermonate noch nicht ganz sicher war. schon für das vierte Quartal eine Preiserhöhung eintreten zu lassen. Die mäßige Er- höhnng von 5 M. unter Beibehaltung der AuSfuhrvergütung ent- spricht den stetig steigenden Selbstkosten und kann angesichts der EntWickelung, die der Weltmarkt in den letzten Wochen gezeigt hat, nicht überraschen. Bei den gegenwärtigen, ständig im Steigen begriffenen Verkaufspreisen für Fertigfabrikate verbleibt den Halb- zeugverbrauchern ein genügender, vielfach sogar recht guter Nutze n." Dagegen wird aus Kreisen der Drahtwalzwerke geschrieben: „Dle Werke beklagen sich sehr darüber, daß der Stahlwerks- verband sie trotz aller Reklamationen so unregelinäßig und so un- genügend mit Knüppeln versorgt, so daß hin und wieder wegen Mangels an Halbzeug Schichten ausfallen müssen... Dagegen hat die Aufhebung der Exportvergütnng seitens deS Kohlen- und des RoheisensyndikatS den Werken eine nicht unerhebliche Einbuße ge- bracht. ES ist dagegen in Betracht zu ziehen, daß der Export einzelner namentlich der größeren Werke 50—60 Proz. der Gesamtproduktion beträgt." Auf dem braunen Odel schwammen Seine blonden Ringellocken, Und dazwischen hingen schmierig Giftig grün Kartosielknollen. Größer kaum wie Marnielschuffer, Die den Kindern sind ein Spielwerk, Grub er sie beim Halt im Marsche Mit den Fingern aus dem Feld. Aufbewahrt für's nächste Biwak, Waren sie aus seinem Brotsack, Als er stürzte, ausgeronnen In das Gold von seinen Locken. An der Grabenböschnng lagen Mancher Turko und Zuave Steif in ihren Pluderhosen, In den Händen noch den Chaffepot. Ihre feuchten Reisrationen Hingen aus den Blechgeschirren Grau und klumpig am Tornister, Besser kaum als die Kartoffeln. Hie und da braunrote Tupfen Klebten auf den Uniformen, Schmutzbedeckt vom Staub der Straße Und beim letzten Lagerplatz. Sohn der Alpen, Sohn der Wüste, Du verlorn' Pariser Kind I Nimmer kann ich euch vergeffen Mit dem Totenfleckgesicht.— Plaudernd ritt ein Stab vorüber, War gefolgt von einem Wagen, AngefülltmitDien st papieren, Rotwein, Schinken und Konserven." So also sieht's in einem GeneralstabSquarticr im Feldzuge aus I Von Pulverdampf und„Kartätschenscuer" keine Spur I Im weiteren Verlauf des Artikels im„Lesebuch der Kapitulanten- schule" wird„Der demütige Sieger" und„Der fürsorgende Landes- vater" geschildert. Heinrich Conrad schreibt ein Kapitel:„Unser Kaiser(Wilhelm l.) und die Arbeiter". Da heißt eS: „Allenthalben(nach 1870/71) wurden neue Fabriken angelegt, die Zahl der Arbeiter wurde vermehrt und reicher Verdienst ge- boten. Die Herstellung von allerlei Waren und Gegenständen nahm rasch zu. Bald aber überstieg sie den Brauch so sehr, daß die Erzeugnisse nur noch gegen billige Preise oder gar nicht mehr Semkts- Leitung. Ein Rcinfall des Kölner„Männcr"-Verei!iS! Eine vom Kölner Sittlichkeitsverein ausgegangene Strafanzeige hat eine Anklage wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften und Ab- bildungen zur Folge gehabt, die gestern die zweite Ferienstrafkammer unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Hahn über 5 Stunden be- schäftigte. Die Anklage richtete sich gegen den Verlagsbuchhändler und Schriftsteller Karl Ludwig V a n s e l o w zu Tempelhof, den Redakteur Wilhelm B r o e n n e r zu Wilmersdorf und den Schrift- fteller Alexander Koch zu Grei/swald.— Die Anklage vertrat Staatsanwalt M U t h, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Dr. Werthauer. Als Sachverständige tvaren geladen: Geh. Mcdizinalrat Fritsch, Geh. Sanilätsrat Küster, praktischer Arzt Dr. Magnus Hirs chfeld und Rittmeister a.D. Kießling, erster Vorsitzender der photographischen Ausstellung im Abgeordneten- hause. Herr V a n s e l o w ist verantwortlicher Redakteur der hier erscheinenden Zeitschrift„Die Schönheit". Wie die Anklage anerkennt, erörtert die Zeitschrift insbesondere sexuelle Fragen in ernster Weise, die Anklage hält aber doch einzelne Artikel und Ab- bildungen für unzüchtig. Beanstandet iverdcn die Abbildungen „Unschuld",„Träumerei",„Ausblick" und„Spiegelbild" sowie der Artikel„Branlnacht, Mahnungen und Betrachlungen von Karina Karin".— Ferner erscheint in Berlin, ebenfalls von Vanselow herausgegeben, die Zeitschrift„Geschlecht und Gesellschaft", deren verantivortlicher Redakteur der Angeklagte Broenner ist. Ans dem Inhalt dieser Zeitschrift sind beanstandet die beiden Artikel:„Die zwei Arten der geschlechtlichen Anziehung" (von Dr. Alexander Koch-Hesse) und„Die geschlechtliche Zuchtwahl" von Dr. med. Friedrich Siebcrt, abgedruckt aus dem Dr. Sichert« schen Werk„Sexuelle Moral und sexuelle Hygiene". Die An- klage steht bezüglich des letzteren auf dem_ Standpunkt, daß, wenn auch der Artikel in einem wissenschaftlichen Werk nicht zu beanstanden sei, so doch seine Veröffent- lichung in einer Zeitschrift als unzüchtig zu erachten sei. Der Angeklagte Broenner hat die inkriminierten Nummern der Zeitschrift„Geschlecht und Gesellschaft" verantwortlich gezeichnet.— Der Angeklagte Vanselow legte im Termin in längeren Aus- führungen dar, daß den beiden Zeitschriften auch nicht der geringste Vorlvurf eines unzüchtigen Charakters gemacht werden könne. Es handele sich vielmehr um ein vom künstlerischen Ivie auch vom wissen- schnftlichen Standpunkte aus von allem Oscönen freigehaltenes Werk, in welchem nur die Förderung der Gesundheit, der Schönheit des menschlichen Körpers und damit verbunden, der Sittlichkeitspflege angestrebt werde. Gerade dadurch, daß ein Volk nach und nach an die unbefangene Betrachtung des Nackten gewöhnt werde, könne die Unsittlichleit bekämpft werden. Der ganz nackte Körper könne auf die nornial Veranlagten niemals unzüchtig wirken. Der beste Beweis hierfür sei, daß gerade in einer gewissen Schmutzliteratur niemals der nackte Körper dargestellt werde, sondern nur ein Teil desselben. Gerade dieses Verhüllte wirke eben unzüchtig.— Auch die beiden übrigen Angeklagten bestritten, daß die Zeit- schriften einen unzüchtigen Charakter an sich tragen. Zu dem Artikel„Die zwei Arten geschlechtlicher Anziehung" bemerkte der Angeklagte Koch, daß der Zweck des Artikels dahm gehe, das sittliche Verantloortlichkeitsgefühl durch die Erörterung dieses wichtigen und schwierigen Problems zu schärfen und darzutun, daß es nicht recht sei, leichtfertig Kinder in die Welt zu setzen, wenn zwei Personen glauben, daß sie sich lieben. Auch der Angeklagte Vanselow versicherte, daß dieser Artikel eine an sich hoch- sittliche Tendenz: die Kräftigung des VerantwortlichkeitS- gefühls habe. Der Artikel„Geschlechtliche Zuchtwahl" habe die Tendenz, die Rassendegeneration zu verhüten und dahin zu wirken, daß eine gesunde Generation nach und nach wieder heran- wächst und die Paarung der Menschen nicht nach den Verlockungen des Geldsackes, sondern nach der Rücksicht auf eine gute Rassen- Mischung. Die Zeitschrift stehe auf dem Standpunkt, daß Gesundheit Schönheit und Schönheit Sittlichkeit sei.— In der Beweisaufnahme bekundete Rittmeister a. D. Kießling, daß vom photographischen Standpunkte aus die Abbildungen als durchaus künstlerisch zu bezeichnen sind. Er bekundete ferner, daß die einzigen Akt-Photographien, die in der Photographischen Ausstellung zur Darstellung gebracht wurden, aus denjenigen ausgewählt worden sind, die der Angeklagte Vanselow veröffentlicht hat. Buchhändler B o r ch e r t, der die Stellung eines Geschäftsführers in dem V.'schen Verlage bekleidet, sagte u. a. aus: Der Kammcrgerichtsrat Hauchecorne habe die Bilder zum Teil mit ausgewählt.— Der als Zeuge vernommene Kunstmaler Karl H ö ck n e r hat in den Bildern nichts Unanständiges und Unzüchtiges gefunden und bestritt, daß sie irgendwie sinnlichen Reiz ausüben.— Als Sachverständiger führte Dr. med. Magnus H i r s ch f e l d aus, daß d,e inkriminierten Zeitschriften in dem Kampfe für die RegenerationS- idee an erster Stelle stehen. Der beanstandete Artikel verfolge, auch vom medizinischen Standpunkte betrachtet, eine absolut sittliche Tendenz. Dasselbe gelte auch von den anderen Artikeln. Was die künstlerischen Abbildungen betrifft, so wirke die Darstellung der reinen Nacktheit nicht besonders erotisch, wenn man nicht von vornherein mit unreinen Gedanken an sie heran- trete. Genau solche nackten weiblichen Fi- guren mit e'ntblößten Busen finden sich in der Eingangshalle zum neuen Kriminalgerichts» Absatz fanden. Da fingen Handel und Gewerbe an zu stocken und in vielen Fabriken" mangelte es an Arbeit. Damit nun möglichst wenige Arbeiter brotlos würden, verkürzte man die Arbeitszeit; aber dadurch wurde auch der Verdienst knapper. In manchen Fabriken ließ man die Arbeit, die bisher Männer ver- richtet hatten, Frauen und Kinder tun, weil diese geringeren Lohn beanspruchten. Durch diesen traurigen Rückschlag gerieten viele Arbeiter und auch Arbeitnehmer in Not und Entbehrung. Aber auch solche Arbeiter, die sich eines wenn auch kargen Verdienstes erfteuten, waren dem Elend preisgegeben, wenn Krankheit oder ein Unglücksfall, oder zunehmendes Alter sie unfähig machte, sich und ihre Familie zu ernähren. Solche Hebel st ände betrübten das l a n d e S» väterliche Herz des greisen Kaisers Wilhelm, und er beschloh, Hülfe zu schaffen." Diese Tatsachen werden dann aufgezählt. Unsagbar„rührend" ist die Historie vom„historischen Eck« fenster": „DaS Eckfenster war des Kaisers Arbeitszimmer. Da hat er. der noch auf dem Sterbebette keine Zeit hatte, müde zu sein, in seinem hohen Pflichtgefühl mit rastloseni Fleiß all die vielen Jahr' ge- wirkt und geschafft für seines Volkes Wohl und für den Frieden , der Welt. So manchmal sahen die Vorübergehenden in später Stunde dort noch ein durch einen grüneii Lampenschirm gedämpftes Licht; unwillkürlich traten sie leiser auf:„der Kaiser arbeitet noch", flüsterten sie einander zu, und manchen jungen Müßiggänger und Nachtschwärmer(doch wohl in Uniform oder Balltoilette— und sicher kein Arbeiter?!) durch- zuckte ein Gefühl der Beschämung(?>, wenn er an den greisen kaiserlichen Herrn dort dachte am Arbeitstisch"... Es wird dann ein anderes Bild, um die Zeit des Aufzuges der Wachtparade geschildert: „Am Fenster erscheint ein mildes liebes Gesicht, h o h eits- voll und doch so gütig, unvergeßlich dem, der je das Glück hatte, es zu sehen: der Kaiser ist'S! Prüfend ruht sein Auge auf den vorbetzichenden Truppen, und die empfinden es wie einen elektrischen Schlag... Jeden einzelnen durchschauert's voll Liebe und Begeisterung, ruht doch das Auge des Kaisers prüfend auf jedem, bis hin zur letzten Sektion... aber kaum ist diese am Eckfenster vorbei, da stürmt die Menge vor, die Schutzmannskctte wird durchbrochen, alles drängt so nahe wie möglich zum Fenster, zum Kaiser hin. Hüte und Tücher winken hinauf, Jubelruf tönt ihm entgegen; manches Auge wird feucht, aber nie- mand schämt sich der Träne: man fühlt nur eins: man hat ihn so lieb, so furchtbar lieb, seinen lieben guten alten g e b ä u d e. Die Zeitschrift sei bestrebt, die Sittlichkeit m erhöhe», und es liege nichts bor, was das Scham- und Sittlichkeitsgesühl verletzen könnte. Man sollte doch auch an das Wort des sitten- strengen Cato erinnern: NaUrrsUa, non sunt turpia I— Geheimer Sanitätsrat Dr. Konrad Küster: Er kenne die Zeitschrift„Schön- heit* von Anfang an und wisse, dast sie mit Ernst den Gedanken verfechte, dah Gesundheit, Schönheit und Sittlichkeit eng ineinander- greifen, und das; sie durch Hebung der Schönheit auch die Sittlich- keit heben wolle. Gerade die inkriminierten Bilder und Artikel zeugen für diese Tendenz. Die Nacktheit an und fiir sich sei durchaus nicht strafbar, denn sonst mühten auch die Figuren auf der Schlohbrücke entfernt werde», sie könne nur strafbar sein, wenn die Absicht erkennbar sei, unzüchtig zu wirken. Hier sei aber das gerade Gegenteil der Fall. Die Artikel seien durchaus keusch geschrieben, auch formell sei darin kein einziges Wort, was irgendwie anstößig ist. Die ganze Tendenz gehe zweifellos dahin, die Sittlichkeit zu heben, und keines der Bilder oder Artikel verstoße gegen diese Tendenz.— Recht scharf gegen die in der Anklage vertretene Anschauung sprach sich der letzte Sachverständige, Geh. Medizinalrat Professor Dr. F r i t s ch, aus. Was die Kreise der Denunzianten bezwecken, könne nicht zweifelhaft sein: Die Darstellung des Nackten ü b e r- Haupt solle verhindert werden. Dagegen inüsse entschieden Stellung genommen werden. Es wäre ein äußerstes Unglück für die Menschheit, wenn das Anschauen und das Studium des Nackten ver- pönt sein sollte. Die Menschheit könne nur gewinnen, wenn sie zur Natur zurückkehre, und es gebe kein besseres Mittel, die krankhafte Perversität zu bekämpfen, als das Natürliche. Die Zeitschriften be- zwecken, die Natur wieder in ihr Recht zu setze». Jetzt seien wir schon dahin gekommen, daß das nackte Christuskind aus dem Schöße der Maria bei gewissen Leuten Anstoß erregt. ja, daß auch ein Bild der Königin Luise von einer Seite als au- stößig erachtet worden ist. Wir sollten dafür kämpfen, daß solche Anschauungen zurück gedrängt werden. Die in Frage stehenden Bilder seien in einer Weise ausgeführt, daß sie durchaus dezent wirken. Er hoffe, daß man das Studium der Nacktheit noch weiter fortsetzen und läuternd auf die große Menge wirken dürfe und nicht gezwungen werde, das Schönste, was wir haben, das Studium des menschlichen Körpers, aufzugeben. Die Aufsätze haben eine entschieden sittliche Tendenz und seien berechtigt und nützlich für die menschliche Gesellschaft. Speziell den Artikel „Geschlechtliche Zuchtwahl" habe er mit großem Interesse gelesen und unterschreibe jedes Wort. Es werde darin ein wichtiges Problem berührt, welches er selbst als Universitätslehrer in seinen Vor- lesungen vor männlichen und weiblichen Hörern behandle.— Der Vorsitzende stellte im Anschluß hieran fest, daß der Kölner Männerverein lediglich den auch mit nackten Gestalten illustrierten Prospekt zum Gegenstand einer Anzeige gemacht habe. Daraufhin sei keine Anklage erfolgt; der Staatsanwalt habe aber Veranlassung genommen, einige Exemplare der Zeitschriften selb st ein- zufordern und daraufhin habe er er st das Ver- fahren eingeleitet.— Nach Schluß der Beweisaufnahme hielt der Staatsanwalt die Anklage aufrecht und vertrat die Ansicht, daß die inkriminierten Artikel und Bilder trotz alledem unzüchtig seien, zunial sie nicht in einem wissenschaftlichen, nur eng umgrenzte Kreise interessierenden Werke, sondern in allen zu- gänglichen Zeitschristen erschienen seien. Er beantragte gegen die beiden ersten Angeklagten je IVO M., gegen den letzten 50 M. Geldstrafe und Einziehung der Zeitschriften.— Rechtsanwalt Dr. Werthauer führte die von den Sachverständigen vertretenen ästhetischen Ge- danken noch weiter aus, erörterte den Betriff der Unzüchtigkeit an der Hand vorliegender Reichsgerichtsentsche, düngen und kam zu dem Schluß, daß objektiv weder Artikel noch Bilder irgendwie zu bean- standen seien, daß vom allgemeinen sittlichen Standpunkte aus gegen beide nichts einzuwenden sei, wie die aus vier verschiedeneu Ge- bieten hergeholten Sachverständigen dargetan haben, und daß subjektiv von einer strafbaren Absicht der Airgeklagten nicht die Rede sein könne. Sie stehen in vorderster Reihe in dem heißen Kampfe, der über die Berechtigung der Darstellung des Nackten entbrannt sei, und es sei zu hoffen, daß in diesem Kampfe die Natur und nicht der Schneider den Sieg davon- tragen werde. Die Angeklagten müßten steigesprochen werden.— Der Gerichtshof erkannte nach kurzer Beratung auf Frei s p r e ch u n g. Die bloße Darstellung des Nackten sei noch nicht unzüchtig, wenn nicht aus damit etwa verbundenen Beziehungen zum Geschlechtsleben oder aus textlichen Zutaten der Zweck, unzüchtig zu wirken, erkennbar ist. Davon sei hier keine Rede; es komme hinzu, daß es sich bei den Bildern um künstlerische Produktionen handele, denn die Photographie müsse als Kunst angesehen werden. Der An- geklagte B a n s e l o w kämpfe zweifellos für eine ganz bestimmte ästhettsch-ethische Idee, deren Richtigkeit dahingestellt bleiben kann: er wolle das Publikum daran gewöhnen, Nuditäten anzusehen, ohne sinnlich erregt zu werden und in dem Verhältnis beider Geschlechter zu einander gesunde Grundlagen zu schaffen und die Unnatur zu bekämpfen. In den Artikeln werden heikle und delikate Themata behandelt, die Abhandlungen seien für den begrenzten Kreis gebildeter Leser bestimmt und verraten keine unzüchtige Absicht. Etwas bedenklich könnte der Artikel„Zwei Arten geschlechtlicher Anziehung" sein, aber auch hier sei die Tendenz deS Artikels und der Zeitschrift so iiber� wiegend, daß für den Leser das etwa Bedenkliche in den Hinter grund gedrängt wird. AuS diesen Gründen hat der Gerichtshof die Kaiser, und jeder meint, so lieb wie er könnte kein anderer ihn haben. Da stimmt einer an:„Heil dir im Siegerkranz", und all' die Menschen stimmen mit ein, wie eine einzige große Familie— die sie ja auch tatsächlich sind, wenn sie's auch oft vergessen!— und wenn die Stelle kommt:„Liebling des Volks zu sein", dann zuckt es vor überströmendem Gefühl wieder so seltsam in den Augen, und jeder legt sein ganzes Herz hinein in das Wort—— und der alte Kaiser blickt so mild, so verklärt auf sein Volk nieder. auf s e i n e Kinder, die ihn wie den V a t e r ehren und neigt dankend sein ehrwürdiges Haupt. Dann aber erhebt er wie zum grüßenden Abschied leise die Hand, es liegt so etwas Wundersames in der Bewegung, halb väterlich freundlich, als wollt er damit sagen: Nun ists genug, ihr lieben Kinder, nun müssen wir uns trennen und wieder an die Arbeit gehen, und halb ists priesterlich segnend: Gott sei mit Dir, Du mein liebes, treues Volk, Gott schütze Dich auf allen Deinen Wegen!"— Nun kommt ein kurzer biographischer Rückblick von der Geburt Wilhelms I. bis zum Sterbetage: „Wo Tausende und Abertausende in lautlosem Schweigen, mit Seufzen und Beten(I) unter seinem Fenster standen und angstvoll auf neue Nachrichten über sein Befinden warteten, bis dann mit einem Male die Flagge langsam auf Halbmast sich senkte. Da ging ein Stöhnen bitter st en Schmerzes durch all die Herzen und Schluchzen und Weinen ohne Auf- hören; da hatte jeder einen Vater verloren".., Wilhelm II. ist ein anderer Artikel geweiht. Die einzelnen Ab- schnitte behandeln 1. seine„gewissenhafte Borbereitung für den hohen Berus", 2. Wilhelm II.,„der Hort des Friedens" und 3. Wilhelm II., „der Freund der Geringsten des Volkes." Da werden als Taten aufgezählt: Alters- und Jnvalidenversoraung. Arbeiterschutzgesetz,„das eine Quelle deS Segens für den Arbeiter werden wird," die Stcuergesetze,„die eine gerechtere Verteilung der Abgabe» bezwecken i?I), das Bürgerliche Gesetzbuch, daß >mn endlich„auch die Einheit im Rechtsleben s?) des deutschen Volkes hergestellt werde".„Wie Friedrich der Große betrachtet er sich als ersten Diener des Staates, und er weiß sich unter den Augen Gottes, dem er einst über sein Tun Rechenschaft ablegen muß." Nach dem gleichen Schema sind die Aufsätzchen in den Berliner Schullesebüchern, die dieselbe Materie behandeln, gearbeitet, und wir wollen es den Arbeitereltern überlassen, sie in den Schulbüchern ihrer Kinder prüfend nachzulesen. Angeklagten freigesprochen und die Kosten der Staatskasse auf- erlegt. Mocken-Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Undine. Montag: Tannhäuser. lAnsang 1 Uhr.) Dienstag: Die weiße Dame. Mittwoch: Orpheus und Eurydike. Donnerstag: Bajazzi. Javotte. Freitag: Der fliegende Holländer. Sonnabend: Samson und Dalila. Sonntag: Die Stumme von Portici. Montag: Mignon. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Die OuitzowS. Montag: Wilhelm Tell. Dienstag: Ein Kaisertag zu Nürnberg. Damenkricg. Mittwoch: König Richard III. Donnerstag: Ein Kaiscrtag zu Nürnberg. Damenkricg. Freitag: Die Ouihows. Sonnabend: Goldsische. Sonntag: Macbeth. Montag: König Richard II. Lessing-Dheater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Abends: Fuhrmann Henschcl. Montag: Rosmersholm. lAnsang 7>/z Uhr.) Dienstag: Fuhrmann Henschcl. Mittwoch: Die Weber. Donnerstag: Fuhrmann Henschcl. Freitag: Der Biberpelz. Sonnabend: Rosmersholm. lAnsang 7'/, Uhr.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Roscnmontag. Abends: Fuhrmann Hcnschcl. Montag: Und Pippa tanzt. Deutsches Theater. Sonntag: Ein Sommernachlswaum. Montag: Der Kausmann von Venedig. Dienstag: Erdgeist. Mittwoch: Der Kauf- mann von Venedig. Donnerstag: Ein Sommernachtstraum. Freitag: Der Kausmann von Venedig. Sonnabend: Ein Sommernachtswaum. Sonntag: Der Kaufmann von Venedig. Montag: Cäsar und Kleopatra. Neues Theater. Sonntag und Montag: Sganarell. Der bürgerlich« Edelmann. Dienstag bis Donnerstag: Frost im Frühling. Freitag und Sonnabend: Sganarell. Der bürgerliche Ehemann. Sonntag und Montag: Frost im Frühling. Theater des Westens. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. Abends: Der Opernball. Montag bis Sonnabend: Der Opernball. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Zar und Zimmermann. Abends und Montag: Der Opernball. Gchiller-Theater tt. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Helden. Abends: tascnianns Töchter. Montag: Das Lumpengesindel. Dienstag: Hasemanns öchter. Mittwoch: Frau Inger von Oestrot. Donnerstag: DaS Lumpen- gesindel. �Freitag: Frau Inger von Oestrot. Sonnabend: Hasemanns Töchter. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Frau Inger von Oestrot. Montag: Frau Inger von Oestrot. Schtller-Thcatcr X.(Friedrlch-Wihelmstädtischcs Theater) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Ehre. Abends: Weh' dem, der lügt. Montag und Dienstag: Weh' dem, der lügt. Mittwoch: Hasemanns Töchter. Donners. tag: Weh' dem, der lügt. Freitag: Hasemanns Töchter. Sonnabend W ch' dem, der lügt Sonntag nachmittag 3 Uhr: Jugend. Abends und Montag: Hascmanns Töchter. Berliner Theater. Sonntag und die folgenden Tage: Sherkock Holmes. Lustspielhaus. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Familientag. Abends: Spatzenliebe. Montag bis Sonnabend: Spatzenliebe. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Familicntag. Abends und Montag: Spatzcnliebe. Komtsche Oper. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. AbendS: Hoffmanns Erzählungen. Montag: Don Pasquale. DienStag bi« Donnerstag: HossmannS Erzählungen. Freitag: Don PaSquale. Sonn abend: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag nachmittag 3 Uhr: HossmannS Erzählungen. Abends: Hoffmanns Erzählungen. Montag: Unbestimmt. Lorhing-Theater. Sonntag: Zar und Zimmennann. Montag: Der Freischütz.(Ansang 8 Uhr.) Dienstag: Zar und Zimmermann.(Ans. 8 Uhr.) Mittwoch: Der Freischütz. Donnerstag: Der Troubadour. Freitag: Der Freischütz. Sonnabend: Zar und Zimmermann. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Zar und Zimmermann. Abends: Der Troubadour. Montag Der Freischütz. Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Nachtasyl. Abends Ein idealer Gatte. Montag bis Sonnabend: Ein idealer Gatte. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Nachtasyl. Sonntag und Montag abend: Ein idealer Gatte. Trianon-Theater. Sonntag und die folgenden Tage: Die Notbrücke. Luiscn-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Romeo und Julia Sonntag und Montag abend: Rosenmüller und Finke. Dienstag: Romeo und Julia. Mittwoch: Eine Nacht in Berlin. Donnerstag: Die Hochzeit von Valcni. Freitag: Eine Nacht in Berlin. Sonnabend: Rosenmüller und Finte. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Hochzeit von Valeni. AbendS: Eine Nacht in verlin. Montag: Rosenmüller und Fink». Zeutral-Thcater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Fledermaus Abends: Die Geisha. Montag: Der Rastelbinder. Dienstag: Der Zigeuner« baron. Mittwoch: Die Fledermaus. Donnerstag: Der Bettelstudent. Freitag: Die Fledermaus. Sonnabend: Der. Zigeunerbarou. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. AbendS: Die Fledermaus. Montag: Der Bettelstudent. Carl Weih-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Adele. Abends Adele. Montag hjs Sonnabend: Adele. Sonntag nachin. 3 Uhr: Adele. AbendS und Montag: Adele. Thalta-Thcater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Bis früh um günse. Sonntagabend bis Sonnabend: Wenn die Bombe platzt. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Bis früh um Fünse. Sonntagabend und Montag: Wenn die Bombe platzt. Residenz< Theater. Sonntag und die folgenden Tage: Die Höhle des Löwen. Kafino-Theatcr. Sonntag bis Sonnabend: Alexander der Große. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Madame Bonivard. Sonntag abend und Montag: Alexander der Große. Palast-Theater. Der Sommerleulnant. Spezialitäten. Walhalla-Theatcr. Spezialitäten. NeichsHnlle»- Theater. Stcttiner Sänger. Metropol-Thealcr. Auf— ins Mctropoll ApoUo-Thcater. Sonntag und die folgenden Tage: Berlin im Omnibus. Spezialitäten. Passage- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haverlaud-Theater. Spezialitäten. Folies Cnprice. Der Generalkonsul. Sünden der Väter. Deutsch-ZlmerikautscheS Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Sonntagabend und die folgenden Tage: Im wilden Westen. Im„Lesebuche für die Kapitulantcnschule" orakelt ein Herr O. P a ch e über den„preußischen Landtag und die Entstehung der Gesetze" folgendermaßen: „Früher hatte der König allein das Recht, die Gesetze zn geben, und sein Wille hatte nnbedingte Geltung im Lande. Schon seit langer Zeit aber hat nnser'König auf einen großen Teil dieses seines Rechtes verzichtet, indem er seinem treuen Volke die Befugnis z u g e st a n d, an der Grsehgcbimg teilzuiiehme», Es ist dies ein hohes Vertrauen(I), das der Fürst seinem Volke erwiesen hat(sie!), und allen erwächst aus demselben die Verpflichtung, durch um so sorgfältigere Bel achtung der staatlichen Bestimmungen sich solcher Zustände würdig zu zeigen..." In das Rubrum der Rührsamkeiten gehören dann noch die ge- flissentlich aufgezeichneten edlen Züge und Handlungen der Hohe» zollern vom ersten preußischen Könige bis auf Wilhelm II, Der Refrain:„und Tränen rollten dem edlen Fürsten in seinen weißen Bart" kehrt in dm betreffenden Geschichrchen durch alle Schulbücher wieder und rührt den verstocktesten Sünder. Ist es nicht auch wunderbar ergreifend, zu lesen, wie z. Friedrich Wilhelm IV. ein Schulmädchen fragt: wohin denn er ge- höre? Freundlich blickte das Kind den König an und sagte:„ I n s Himmelreich!"— Da glänzte eine Träne usw. usw. Hierbei fällt mir ein anderes Histörchen ein, das man in samt- lichen Schullesebücher» vergeblich suchen wird, obwohl eS sich einstmals zugetragen hat. Friedrich Wilhelm IV. bereiste nach seiner Thronbesteigung auch Pommern. Ueberall war er überschwenglich fStiert worden. Der Bürgermeister einer kleinen Stadt in Hinter- pommern, der vom Interesse des Königs für Poesie gehört hatte, beschloß ihn in gebundener Rede anzusprechen. Magistrat, Notabilitäten und Publikum waren vor dem Rathaus versammelt. Borreiter und Sechsspänner kamen angerasselt und hielten. Der Bürgernleister trat an den Wagenschlag und begann: „Majestät!.« In Vorder-Pommern wurdest Du Gefeiert wohl von allen, Drum soll nun auch aus dem Hintern Dein Lob erschallen!" Der König setzte den Hut ans und gab das Zeichen znm Weiter- fahren. Er hätte geinig. Schade um die übrigen gewiß eben so „schönen" Verse. Ernst KreowSkl. Urania> Theater. Taubenstraße S8/i9. Der jüngste Ausbruch des Vesuv. Dienstag: Die deutsche Ostseeküste. Freitag: Im Lande der MitternachtSfonne._ Vermilcktes. lieber ein Erbbeben in Deutschland, das in der Gegend zwischen Rhein, Mosel und Lahn verspürt worden ist, erhalten wir folgende Telegramme: Koblenz, I. September. Heute früh kurz nach 6 Uhr wurde hier sowie in einer Umgebung von etwa 40 Kilometer ein vier Sekunden anhaltender Erdstoß verspürt. Weitere Erdstöße werden von Boppard und Bad Salzig gemeldet, wo Gegenstände umfielen. Das Erdbeben war strahlenförmig. Gleichzeitig fast wurde es am Rhein, an der Mosel und der Lahn gespürt. Es handelt sich nach Angabe von Geologen um ein Dislokationsbeben von nicht vul- konischem Ursprung. Ems, 1. September. Heute früh 6}4 Uhr ist hier ein wellen- förmiger Erdstoß in der Richtung Süd-Nord verspürt worden. Aus der Umgegend werden drei weitere Erdstöße gemeldet. Köln, 1. September. Nachdem bereits gestern nachmittag im Regierungsbezirk Arnsberg ein Erdstoß von drei Sekunden Dauer aus mehreren Orten gemeldet wurde, trat heute morgen kurz nach S Uhr ein zweiter Erdstoß auf, der in Koblenz, Ems, Boppard und Neuwied als Erschütterung empfunden wurde und die Leute aus dem Schlafe auffahren ließ. Köln, 1. September. Die„Kölnische Bolk�eitung" meldet, daß gestern nachmittag zwei Uhr bei Heinsberg, im Bezirk Aachen, ein erdbebenartiger Stoß von drei Sekunden Dauer verspürt wurde. Ein Mittel gegen die Krebskrankheit will der Kölner Arzt Dr. Otto Schmidt gefunden haben. Inwieweit diese Behauptung zutrifft, wird abzuwarten sein. Im Lande der Humanität. In Düsseldorf wurden gestern früh 6 Uhr die Brüder Leonhard und Adolf Blömers durch den Scharf- richter Schwiez aus Breslau mit der Guillotine enthauptet wegen der Ermordung des Oberstleutnants Roos in München-Gladbach. Ueber Frau Blömers ist die Entscheidung noch nicht getroffen worden. Die„Rhcinisch-Wcstfälische Zeitung" meldet, daß das Gnaden- gesuch der Frau Blömers ebenfalls abgelehnt worden sei. Frau Blömers hatte im Gefängnis einem Kinde das Leben geschenkt und infolgedessen hatte sich eine bekannte französische Schriftstellerin und andere angesehene Frauen an die deutsche Kronprinzessin ge- wandt mit der Bitte, für Begnadigung der Frau Blömers zu wirken. Diese Bitten haben aber anscheinend keinen Erfolg gehabt. Den Aermelkanal zn durchschwimmen hat dieser Tage der Engländer Burgeß versucht. Der Versuch ist aber wiederum ge- scheitert, nachdem der kühne Schwimmer sich her französischen Küste schon bis auf etwa vier Seemeilen genähert hatte. Burgetz ge- brauchte 18 Stunden, um 42 Seemeilen zurückzulegen, und hätte, wenn ihm das Glück günstiger gewesen wäre, den Rekord von Kapitän Webb, der im Jahre 1875 den La Manche-Kanal durch- schwamm und dazu 21 Stunden 30 Minuten gebrauchte, sicher ge- schlagen. Einzelheiten von Burgeß' kühnem Versuch werden dem „Lokal-Anzeiger" in nachstehendem Bericht übermittelt: London, 31. August. Auf seiner Schwimmtour quer über den Kanal kam Burgeß am Donnerstag um �10 Uhr morgens, 2% Stunden nach Beginn seiner Tour von Dover aus, auf die Goodwin-Saudbank. Sein Schleppdampfer konnte ihn über diese Bank hinweg nicht begleiten, und er unternahm daS Wagstück, nur von seinem kleinen Speiseboot begleitet. In ungefähr einer Stunde gelangte er hinüber, sehr ermüdet von dem brandenden Gewässer über der Untiefe, und sein Dampfer schloß sich ihm wieder an. Fast den ganzen Tag umgab ihn starker Nebel, welcher die Ueberbringung von Nachrichten verhinderte, so daß in Dover leb- hafte Besorgnis um ihn herrschte. Die See war jedoch günstig, und die Schwimmtour ging einstweilen gut vonstatten. Burgeß glaubte sich diesmal des Erfolges sicher. Um zehn Uhr abends war er nur vier und ein viertel Seemeile von Calais. Nun aber trieb ihn die Strömung vom Lande fort, und zu seinem größten Kummer vergrößerte sich die Entfernung zwischen ihm und dem französischen Festlandc trotz all seiner Anstrengungen stetig. Er litt mehr und mehr an bedenklichen Krämpfen in den Gliedern, und um 1 Uhr 21 Minuten mußte er, sechs Seemeilen von Calais entfernt, den Versuch aufgeben und an Bord des Schleppdampfer? gebracht werden, wo er sofort unter ärztliche Pflege genommen wurde. Seine Leistung gehört jedoch mit zu den glänzendsten im Schwimm- sport, da er in 18 Stunden 42 Seemeilen zurücklegte und die nie dagewesene Leistung eines KanaldurchschwimmerS vollbrachte, über die gefährliche Goodwin-Sandbank zu schwimmen. Den ersten Versuch einer Kanaldurchschwimmung unternahm I. B. Johnson am 24. August 1872. Drei Jahre später folgte ihm dann Kapitän Boyton, dem es am 20. Mai 1875 auch mit Hülfe eines Schwimmapparates glückte, den Kanal zu durchschwimmen. Nach einem vergeblichen Start am 12. August desselben Jahres stellte dann Kapitän Webb am 25. August seinen denkwürdigen und vielfach angezweifelten Rekord auf. 1873 und 1877 suchte ihm Cavill nachzueifern. Dann ließ der Ehrgeiz nach, bis Daltin 1800 und Holbein 1001 von neuem die Idee aufnahmen. 1902.schwamm Holbein 22% Stunden, mußte jedoch, nur 1300 Meter vom Ufer entfernt, aufgeben. Vom Jahre 1903 ab wurden dann gleich Massenvcrsuche unternommen, und alle Schwimmer von Ruf wie Holmes, Holbein, Hoggerth, Greasley, Heathon, Burgeß, Mew, Miß Kcllermann, Wolffe und andere wurden von der Kanalmanie be stillen. Ein heftiges Erdbeben wurde in Bodö(Norwegen) in der Nacht vom 29. zum 30. August um Mitternacht wahrgenommen. Die Häuser erzitterten stark. DaS Erdbeben belvegte sich in der Richtung von Süden nach Norden. Die Lynchwnt. In Greenwood in Siid-Carolina, Vereinigte Staaten, wurde am Donnerstag ein Neger, Bob Davis, gelyncht, der nach einer aufregenden Jagd von zwei Tagen, wobei sich nahezu tausend Menschen beteiligten, gefangen wurde. Er hatte ein Weißes Mädchen vergewaltigt, und der Vater des Mädchens trat dafür ein, daß man den Neger bei lebendigem Leibe verbrenne. Der Staats'- gouverneur Hcyward eilte herbei und hielt eine Rede an die lynch- wütige Menge; er beschwor die Bürger, daS Gesetz zu achten und den Missetäter dem Richter zu überliefern. Man hörte ihn an, klatschte auch Beifall und teilte ihm dann mit, es sei zu spät, der Neger sei schon abgeführt. Schnell sandte er eine Botschaft, daß man das Opfer wenigstens vor dem Feuertode bewahren möge. Dies wurde gewährt; man band den Neger an einen Baum und jedennann schoß nach ihm nach Belieben, bis er tot war. Eine Hitze-Wclle. London, 1. September. Die Hitze erreichte gestern 33 Grad Celsius im Schatten und 43 Grad in der Sonne. Zahlreiche Hitz- schlüge waren zu verzeichnen, von denen mehrere einen tödlichen Verlauf nahmen._ Ein Lustmord ist am Freitag in Rhinow. einem kleinen Städtchen in der Nähe Rathenows, an der 4jährigcn Tochter der dort wohnhaften Aufwärterin Witte verübt worden. Der Täter ist in der Person des Hausdieners August Blumenthal, der in der Bahnhofswirtschaft beschäftigt war, festgestellt und gestern in da» Amtsgerichtsgefängnis zu Rathenow eingeliefert. Es wurde fest- gestellt, daß Blumenthal das Kind in seine Schlafkammer gelockt und dort vergewaltigt hat. Nach vollbrachter Tat hat er daS Kind solange mit dem Stiefelabsatz bearbeitet, bis es kein Lebenszeichen mehr von sich gab und es dann spät abends nach einem Ackcrgrund- stück geschleppt. Hier wurde das Kind am anderen Morgen von der Mutter, welche Tag und Nacht nach demselben gesucht hatte, als Leiche gefunden. A.WERTHEIM In unserem Geschäft Oranien- Strasse findet in allen Abteilungen ein Extra- Verkauf von besonders preiswerten Artikeln statt, unter anderem: Wäsche Damenhemden Vorderschluss mit Spitze 1 MK., 1.25 1.25 Achselschluss mit Spitze Achselschluss mit Stickerei 1.70 Achselschluss, handgestickt 1.75 Achselschluss, mit Durch2.10 bruch und Stickerei Damen- Jacken Dimiti, mit Spitze Renforcé mit Spitze Barchent Barchent 1 Mk. 1.50 m. Spitze 1.20, m. Besatz 1.50 Damen- Beinkleider Renforcé, mit Stickerei Gardinen Englische Tüllgardinen Fenster 2.35, 2.80, 3.90 Englische Tüllgardinen Mtr. 33, 40, 52 Pf. Englische Tüll- Stores Stück 1.85, 2.65 Engl. Tüll- Scheibengardinen Mtr. 26, 35 Pl. Engl. Tüll- Scheibenschleier ( Brise bise) Stück 32, 48 PfEnglische Tüll- Bettdecken 1 bettig 2.10, 2.60 2 bettig 4 Mk., 5.25 gerade Form 1 Mk. Barchent mit Spitze, gerade Form 1.10 Barchent, mit Stickerei gerade Form 1.40 Lacet- Stores Erbstüll Renforcé, mit Stickerei runde Form 1.40 Barchent, mit Stickerei runde Form 1.60 mit Bandauflage Stück 4.80, 6.25 Lacet- Bettdecken Damen- Röcke Barchent, mit Langetten, kurze Form Schirting, m.Stickerei 2.20, 2.85 Herren- Hemden 1.35 Hemdentuch, mit Falten 1.65, 2.15 Mädchenhemden Achselschluss, mit 60 Spitze 11 Grössen Pf. b. 1,55 Mädchen- Beinkleider geschl., Barchent mit Stickerei 9 Grössen 90Pf.b.1.60 Hemdentuch Knabenhemden mit Falten m, kurzen und langen Aermeln 9 Grössen 75 Pf. b. 1.80 HemdenDeckbettbezüge tuchweiss 2.45 dazu Kissenbezüge passend 75 PL. LouisianaDeckbettbezügetuch 2.70 Kissenbezüge passend 80 Pf. dazu Dowlas- Bettlaken Grösse ca, 180/200 cm 1.25, 150/200 1.85 cm Wäschestoffe Hemdentuchмtr. 21, 28, 35 Pf. Louisianatuch Mtr. 30, 38, 42, 50 Pf. Louisianatuch Deckbettbreite Mtr. 68, 85 Pf. StreifenBettsatin muster Mtr. 50, 57 Pf. DeckMtr. 78, 93 Pf. Bettsatin bettbr. Bettdamast Kissenbreite Bettlakendowlas Mtr. 65, 75 Pf. ganze Breite Mtr. 65, 80 Pf. schwere Bettlakenhalbleinen Qualität Mtr. 85 Pf., 1 MK., 1.25 Bettköper Mtr. 48, 65, 80 Pf. Bettköper Deckbettbreite Mtr. 78 Pf., 1 Mk., 1.25 Unterbettdrelle Mtr. 85 Pl., 1.15, 1.40 Gebleicht Köperbarchent Pt. Mtr. 55 Piqué Barchent Mtr. 45, 58 Pf. Piqué double Qualität Mtr. 75 Pf. Plättdecken aus Molton schwere Mtr. 85 Pf., 1,10 Wäschestickereien für Damenhemden Stück 33, 55 PI. 1 bettig 6.75, 2 bettig 8.50 Teppiche Imitierte Perser- Teppiche 165/230 ca. 130/200 200/300 4.50 7.50 11.50 Axminster- Teppiche 165/245 ca. 130/200 200/300 7.50 12.75 17.50 Velours- Teppiche ca, 180/200 165/235 200/800 Mk. 14,50 24 Mk. 36 Juteläufer 67 cm br. Mtr. 35, 48 Pf. $ 1,60 Tapestry- Läufer Mtr. 67 cm br. Imitierte Perser- Bettvorleger 55/110 60/120 ca. 40/80 62 50/100 95 Pf. 1.20 1.45 Axminster- Bettvorleger ca. 65/130 cm 1.75, 2,50 65/130 3.60 Velour- Bettvorleger cm Portieren, Decken aus Portieren- Garnituren Filztuch 3.70, 5.40 Portieren- Garnituren aus Leinenplüsch 7.25 1.30 bunt gestr. Portieren 95 Schal Pf., glatt mit Portieren Bordüre Schal 1.80 Tischdecken Phantasiegewebe 1.60, 2,50 Tischdecken Filztuch mit Kurbelstickerei 1.75, 2.30 Tischdecken Kurbelstickerei 6.25 Plüsch mit Phantasie- Divandecken bunt bedruckt 4.15, 5.50 Möbelkattun $ 35 Mtr. blau- weiss für 48 Pf. Möbelkattun Küchengard. Wachstuche Pf. blau/ weiss gem. 90 Pf. Wachstuch 100 cm breit Mtr. Kachel- u. Wachsbarchent Zwiebelm. 1.15 9, 13 Pf. Leitungsschoner Spindstreifen Ausgussbehänge Eimerspinddecken 9 Pf. Strümpfe Damenstrümpfe gewebt, Baumwolle, farbig geringelt schwarz, gewebt, reine Wolle, engl. Länge Wolle, schwarz mit farbigen Ringeln 33,58 Pf. 65P. 1.15 85 Pf. 40 Pf. gestrickt, deutsche Länge, schwarz, Wolle plattiert Herrensocken gestrickt, graumeliert, Wolle plattiert Herren- Schweissocken 40 Pf. mittelstark, graumeliert 55 Pf. Trikotagen Vigogne, mit Normalhemden doppelter Brust 3 Grössen 1.40, 1.50, 1.60 Vigogne, vorn Herrenbeinkleider m. Ueberschl. 1.60, 1.75, 1.95 Damen- Unterröcke gestreift Barchent mit Volant Damen- Beinkleider 1.25 gestreift Barchent 1.05 Damen- Plaids reine Wolle fein karierte und schottische Muster 2.10, 3,25,4.75 Schürzen Tändel- Schürzen 33, 45 pr. weiss und farbig 1.25 Tändel- Schürzen 85 Organdy Pf., Tändel- Schürzen farbig 48 Pf. Küchenschürzen bedruckt 1.10 Wirtschaftsschürzen Gingham 90 Pt., 1,10 Wirtschaftsschürzen mit Achselbändern 85 Pf., 1.30 Reform- Hängeschürzen 1,15, 1.75 Reform- Schürzen 1.25, 1.45 Knaben- Garderobe Knaben- Anzüge Matrosenform, aus braun meliert. Stoffen, für ca. 3-9 J. 2.75 Knaben- Beinkleider aus blauem Cheviot, für ca. 3-9 Jahre Knaben- Blusen 95 Pf. dunkelblau/ weiss gestreift, 1.95 für ca. 3-9 Jahre Herren- Garderobe Herren- Beinkleider Stoffe dunkel gestreift, kräftige 2,75 -Herren- Jackett- Anzüge dunkelgrau oder braun gemustert Piqué- Westen Berufskleidung Schlosser- Blusen blau/ weiss Friseur- Jacketts weiss Köper Kurzwaren Schweissblättermit heller Gummiplatte 2 Grössen 18, 23 Pf. Schweissblätterm.dunkler Gummiplatte 2 Grössen 20, 25 Pt. Schweissblätter ,, Blusenschutz" waschbar 2 Grössen 40, 50 Pf. schwarz u. Druckknöpfe weiss Dtz. 7, 8 Pf. Damen Strumpfhalter 75 Pf. Damen Strumpfhalter ohne Gurt 25, 55 schwarz u. 18 Pf. Kragenstützen weiss Gürteleinlagen 28, 30, 35 Pf. Kragenhalter Paar zum einPf. 38 Pf. Kragenstäbchen nähen Dtz.7 Pf. Taillenverschlüsse schwarz 11, weiss und grau 13 Pf Fischbein Länge ca. 18 20 22 24 26 28 cm hell Dtz. 13,18,20,23,28,30 Pf. dunkel Dtz. 7,10,12,14,18,20 Pf. Futterstoffe grauu. schw., Mtr. 27, 30 Pf. Mtr. 30, 35 Pf. Mtr. 28 Pf. 38 Pf. Jaconnet farbig Futterköper Rauschfutter Rauschfutter Taillenfutter seitg Mtr. 35, 42 Pf. Kleidersatin grosses Farbensortim. Prima Qualität Mtr. zweiMtr, 55, 65 PL Porzellan mit Golddekor Kaffeekannen konische Form 30 Pf. bis 1.30 Milch- Töpfe Form 12b.55 Pf. konische Tassen konische Form Kaffeeservice dekoriert 8 teilig Satztöpfe dekoriert Emaille- Geschirre Kasserollen ohne Ring 5 Grössen 22 bis 75 Pf. Ringtöpfe 6 Gröss. 35 Pf. b. 1.65 Fleischtöpfe 6 Gr. 12 Pf. b. 1.10 Bratpfannen 8 Gr. 18 bis 70 Pf. Wasserkessel m. Absatz 4 Gr. 45 Pf. b. 1.35 Wasserkessel ohne Absatz flach tief 8 Grössen 35Pf. b. 1.10 Schüsseln 8 Gröss. 18Pf. b. 1.80 Schüsseln 10 Gröss. 40Pt, b. 1.35 Essnäpfe 4 Grössen 18 bis 45 Pf. mit Napf Schüsseln 2 Gröss. 35 bis 45 Pf. oval rund 1.50, 1.60 Toilette- Eimer Wannen 5 Grössen 1.35 b. 2.60 Wannen 4 Grössen 1.25 b. 2.25 Eimer 70, neublau 80 Pf. marmoriert 85, monopol 65 Pf. grau Wirtschafts- Artikel Handfeger grau Haarbesen Polierbürsten grau 42, 50 Pf. 70, 90 Pf. 18 Pf. Bürstenbleche m. Bürsten 1.80 Putz- u. Wichskasten 45 Pf. Kohlenkasten 1.60, 2.10 Gardinenspanner Waschfässer Waschzuber Briefkasten Vorratsdosen Spirituskocher Ascheimer 12 MK. 8.50, 10 Mk. 10 Mk., 12Mk. 38 Pf. 25 Pf. 25,45 Pf. 42 Pf. Waschständer 70,85 Pf. Messerputzmaschinen 6.25 Fleischmühlen 3 Mk., 4.50 Reibemaschinen Wirtschaftswagen 95 Pf. 1.25 22 Pf. 1.90 Satz 6 Stück 1.25 mit vernickelten Bestecks Griffen Paar 42 Pf. 80 Pf. gepresst Salatieren Butterdosen gepresst Käseglocken gepresst 40 Pf. Kakesdosen Kaffee- u. Tee- Service vernickelt 11 Mк. Gasanzünder mit Stab Lebensmittel Junge Schoten||/ D. Glaswaren 6 bis 35 Pf. 23 Pf. 38 Pf. 6 Pf. Gem. Gemüse II 5 Pf. Teller gepresst Wassergläser gepresst Steingut. Schoten u. Karotten Bruchspargel I Stangenspargel III Melangefrüchte 50 Pt. 60 Pf. 39 52 Pf. 95 80 Pf. 78 Pf. " 80 Pf. " 55 Pf. 99 60 Pf. 99 40 Pf. 99 95 Pf. Stachelbeeren Pflaumen ganze Früchte Erdbeeren naturell Preisselbeeren Sardinen in Öl, Dose 99 65 Pf. 18 3 Mk. 1.90 Teller blau, tief und flach Dessertteller blau 10 Pf. Heidelbeeren 9 Pf. Kompotteller blau 8 Pf. 13 Pf. Tassen blau 99 gestreift, 75 cm lang 1.15 Salatieren blau 1:10, 1.50 32 Pf. 1.05 Kaffeebecher blau 8, 9 10 Pf. für Lehrlinge mit Aermelaufschlag Koch- und Konditorjacken 2.25 Salatieren weiss 90 Pf., Teller weiss, tief und flach 1.10 Sardinen in Öl 1.20 1 Dose 12 8 Pf. Weizenmehl Pfd. Pf. Dessertteller weiss 7 Pf. Hartgries 16 Pf. 99 30 Pl. 99 2,25 6 Pf. weiss Köper 1.95 Nessel ca. 110-130 cm lang Mechanikerkittel braun Teller tief und flach Dessertteller konische Form Kompotteller konische Form 7 Pf. Hafermehl 19 Pf. " 6 Pf. 5 Pf. Haferflocken Volkskakes 19 Pf. 32 27 Pl. 70 Pf. Waschgarnituren 1.95 ca. 110-130 cm lang 38 Pi. Monteur- Anzüge aus blauem Köperstoff, jede Grösse 2,75 Malerkittel aus ungebleichtem 25 Pf. für Damenjacken für Damen- Beinkleider Stück 35, 45 Pf. 54, 65 Pf. Küchentischdecken Küchentischdecken 35, 50 Pf. Wandschoner farbig 28 Pf. 72 Pf. Kompotteller weiss konische Form, Deutsche Macaroni Deutscher Kakao 2.65, 3.25, 4.50, 5,25| Haushalt- Schokolade 65 Pf. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& o, Berlin SW Nr. 204. 23. Jahrgang. Theater. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sontag, 2. September 1906. Neues Theater.( Eröffnungsvorstellung.) Sganarell. Lustspiel in einem Aft von Molière. In deutschen Versen von Fulda. Der bürgerliche Edelmann. Lustspiel in drei Akten von Molière. Uebersetzt und bearbeitet von Fulda. Die Ankündigung zweier wenig bekannter Molièrescher Komödien als Gröffnungsvorstellung des Neuen Theaters unter der neuen Direktion legte die Vermutung nahe, daß Herr Dr. Schmieden den Ehrgeiz hege, in gewisser Hinsicht den Reinhardtschen Traditionen dieser Bühne nachzueifern. Wenn er es mit zwei Stücken, die sich nur noch einer weltfremden literaturgeschichtlichen Eristenz er freuen, versuchte, dann dürfte man erwarten, daß das Wagnis durch besondere eigenartige Reize der Darstellung unterstüßt sei, in der Form schauspielerischer Wiedergabe jeine Rechtfertigung und Erflärung haben werde. So hatte Reinhardt nicht nur Unvergessenem, demgegenüber die Möglichkeiten der Darstellung schon längst erschöpft schienen man denke an Minna von Barnhelm eine Fülle neuer überraschender Schönheit abgewonnen, sondern auch in literarhistorischen Experimenten abseits vom Wege in der feinfinnig auf den Zeitton abgestimmten Aufführung der arg verstaubten Mitschuldigen" des jungen Goethe Triumphe gefeiert. Aus den zusammen trefflich ausgeglichenen Einzelleistungen erwuchs ein einheitlicher unmittelbarer Eindruck, der selbst das Unbeholfene der dichterischen Technik noch zu einem Gegenstande humoristischen Behagens werden ließ. Die Echtheit der Kostüme ist geblieben, Professor Leffler zeichnet auf dem Theaterzettel als Verantwortlicher dafür, aber daß Kleider Leute machen, wie das Sprüchwort behauptet, davon war hier wenig zu spüren. " 1 Ganz mittelmäßig fam der erste, auch mit Einfällen fröhlicher Boetenlaune nur spärlich bedachte Situationsschwank heraus. Daß das Stückchen für das Verhältnis Molières zu überlieferten volkstümlichen Boffenmotiven für eine gewisse Etappe seiner Entwickelung d'arakteristisch sein mag, ist, wenn das Spiel, wie hier, das Starre, Grobe, statt es zu verflüssigen, noch starrer und gröber macht, ein übler Trost für den Zuschauer. Die Deklamationen des dicken Spießbürgers Sganarell, der in dem Wahne, ein fremder Jüngling habe es auf seine Frau abgesehen, sich als Rächer häuslicher Ehre Immerhin mit einem ganz humordurchtränkten Schauspieler, mit Schwert und Spieß bewaffnet, aber beim Anblick des Feindes der schon durch sein bloßes Gesicht das Lachen hervorzaubert, wie regelmäßig der Vorsicht als des besseren Teiles der Tapferkeit ge- Engels oder auch wie Giamietro, dem leider durch das Metropoldenkt, fielen aus dem Munde des Herrn Schindler platt zu theater Gingefangenen, in der Rolle des Jourdain hätte die Komödie Boden; das Primitive der Handlung, die sich auf einer Reihe vielleicht dennoch einen starken Heiterfeitserfolg gehabt. Aber äußerst simpler Mißverständnisse aufbaut und unter verblüffend Herrn Schmidthäßlers Komit fehlte das elementarisch geringem Erfindungsaufwand schließlich den fremden Jüngling und Backende. Schon die Maste hatte nichts zwingendes und die kluge Fräulein Celia zu dem ersehnten Gheziele führt, wirkte, ohne an- Verständigkeit des Spiels fonnte den Mangel urwüchsig ausmutige, die Puppenhaftigkeit des Ganzen humoristisch parodierende gelassener, unwillkürlich ansteckender Laune nicht ersetzen. Das Nuancierung, leer und hölzern. Lachen blieb einem halb im Halse stecken. Dabei stellte sich das Witterungsübersicht vom 1. September 1906, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer sland mm Windrichning Windstärke Welter Temp. n. 6. 5° C.= 409. Stationen Barometer. fland mm Wind. Bunpa Windstarte Weller 2 wollig Zemp. n. T. Bot= 276848 Biel höher steht Der bürgerliche Edelmann", eine Niveau der Darstellung hier um ein Beträchtliches höher als in für den Hof Ludwig XIV. rasch niedergeschriebene Ballettkomödie dem ersten Verslustspiel. Rudolph Christians war ein aus den letzten Lebensjahren des Dichters. Der erste Akt enthält schmucker Cleont, Adele Hartwig ganz hervorragend in der einige Szenen, die in ihrer derb drolligen Kraft an den unverwüstlich fleinen Episodenrolle der Marquise. dt.> lustigen Eingebildeten Kranken", das Meisterschwankstück, mit dem der sterbende Molière auf immer Abschied nahm von der Bühne, heranreichen. Herr Jourdain, der reich gewordene vor Hochmut übergeschnappte Bürgersmann, der seiner vernünftigen Familie zum Troß sich durchaus als Grandseigneur drapieren will, ist im Verkehr mit den Lehrern der schönen Künste, denen er seine werte Person zu Veredelungszwecken ausgeliefert hat, eine der ergötzlichsten Bossenfiguren. Nach allen Seiten schießen die Epigramme. Der Wettstreit der Künste führt zu einer hißigen Prügelei ihrer Repräsentanten, zu der der würdige Meister der Philosophie selbst Swinemde. 766 23 das Signal gibt. Für die Wunden, die der friedfertige Jourdain Hamburg 768 D bei der Gelegenheit davon trägt, entschädigen ihn um so tiefere Berlin 767 S Offenbarungen beim Unterrichte in der Weltweisheit; vor allem Grantj.a. M. 767 ND München macht es ihm Spaß und stärkt sein Selbstvertrauen ungeheuer, Bien hierbei zu vernehmen, daß er, Jourdain, ohne sich dabei etwas zu denken, noch Aufheben davon zu machen, von Kindesbeinen an " Prosa" gesprochen habe. Er beeilt sich, seiner Frau durch diese neue Einsicht zu imponieren. Aber mit den einleitenden Szenen sind auch die wirksamsten Trümpfe ausgespielt. Die Foppereien, die ein adeliger Hochstapler mit den Helden treibt, der Mummenschanz, den Cleont, der abgewiesene bürgerliche Liebhaber von Jourdains Tochter, als„ Sohn des Großtürken" am Ende aufführt, bringen keine rechte Steigerung; das Charakteristisch- Komische tritt da hinter allerhand, teilweise recht gezwungen arrangiertes Beiwerk zurück. 1 wolfen! 18 1 heiter 18 Haparanda 764S 2 wolten! 17 Petersburg 755 NW Scilly 762 DND 1 molten! 3wolfig 2lberdeen 762 Still 13 Baris 765, Still 2 wolfen! 14 1wolfen! 18 wollig 14 wolfen! 16 768 D 769, SD 1 toolfen! 14 Wetter- Prognose für Sonntag, den 2. September 1906. Trocken und ziemlich heiter, ein wenig fühler bei mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Unstrut bei Dresden- 1,69 Meter, bei Magdeburg+0,88 Meter. Wasserstand am 31. August. Elbe bei Ausfig 0,39 Meter, bei Straußjurt+ 1,10 meter. Dder bei Ratibor+1,18 Meter, bei Breslau Oberpegel+5,00 Meter, bei Breslau Unterpegel 1,16 Meter, bei Frankfurt+1,07 Meter. Weichsel bei Brahemünde+2,80 Meter. Warthe bei Bosen-- Meter. Warenhaus Fr. Pfingst& Co Direkt Alexander- Platz Zentral- Marthalle Ecke Neue Friedrichstrasse, 33 Königstrasse 33, Ecke Neue Friedrichstrasse Dam Baha Direkt Herren- und Knaben- Garderoben! Ein Posten Herren- Jackett- Anzüge 9.75 modern gemusterte Stoffe Ein Posten Wert bis 18 Mark Herren- Jackett- Anzüge sehr haltbare moderne Stoffe Ein Posten • Wert bis 27 Mark 16.50 Herbst- Paletots und Ulster 14.50 in dunklen und englischen Stoffen Ein Posten Wert bis 24 Mark . Herren- Jackett- Anzüge modernste karierte Stoffe, prima Verarbeitung, Ersatz für Maßarbeit Ein Posten Wert bis 45 Mark 23.75 Ein Posten Knaben- Pyjaks dunkelblau Cheviot, ganz gefüttert für 3-10 Jahre 4.75 Ein Posten Knaben- Anzüge Blusenfaçon, sehr feste gemusterte Buckskins für 3-5 Jahre für 6-9 Jahre 3.75 4.75 Ein Posten Knaben- Anzüge dunkelblau Kammgarn u. 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Nachm. 3 Uhr: 1. Abteilung im Schiller- Theater O.: Helden. Anfang 72 Uhr. Opernhaus. Undine. Montag: Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg. Schauspielhaus. Die Quitows. Montag: Wilhelm Tell. Nenes Operntheater. Geschlossen. Deutsches. Ein Sommernachtstraum. Montag: Der Kaufmann Benedig. bon Leffing. Fuhrmann Henschel. Nachmittags 3 Uhr: Die versunkene * Gloce. Montag: Rosmersholm. Westen. Der Opernball. Nachm. 3 Uhr: Der Freischütz. Montag: Der Obernball. Lorking. Zar und Zimmermann. Montag: Der Freischüz. Gre Anjang 8 Uhr. Berliner. Sherlock Holmes. Montag: Dieselbe Borstellung. Schiller 0.( Wallner Theater: Hasemanns Töchter. Nachmittags 3 Uhr: Helden. Montag: Das Lumpengesindel. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Weh'idem, der lügt. Nachmittags 3 Uhr: Die Ehre. Montag: Weh' dem, der lügt! Neues. Sganarell. Der bürgerliche Edelmann. Montag: Dieselbe Vorstellung. Komische Oper. Hoffmanns Erzählungen. Nachm. 3 Uhr: Dieselbe Vorstellung. Montag: Don Pasquale. Residenz. Die Höhle des Löwen. Montag: Dieselbe Borstellung. Trianon. Die Notbrüde. Montag: Dieselbe Vorstellung. Lustspielhaus. Spazenliebe. Nachm. 3 Uhr: Der Familientag. Montag: Spaßenliebe. Zentral. Die Geiha. Nachmittags 3 Uhr: Die Fleders maus Montag: Der Rastelbinder. Kleines. Ein idealer Gatte. Nachmittags 3 Uhr: Nachtasyl Montag: Ein idealer Gatte. Carl Weiß. Adele. Nachm. 3 Uhr: Dieselbe Bor stellung. Montag: Diefelbe Vorstellung. Deutsch Amerikanisches. wilden Westen. 3m Nachm. 3 Uhr: Uebern großen Teich. Montag: Jm wilden Westen. Walhalla. Spezialitäten. Metropol. Auf ins Metropol. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apollo. Berlin im Dmnibus. Das blaue Bild. Spezialitäten. Montag: Diefelbe Borstellung. Thalia. Wenn die Bombe platt. Nachm. 3 Uhr: Bis früh um Fünfe. Montag: Wenn die Bombe plagt. Luisen. Rosenmüller und Finte. Nachm. 3 Uhr: Romeo und Julia. Montag: Urania. Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. Z OOLOGISCHER CARTEN Heute am 1. Sonntag im Monat Eintritt 25 Pf. die Person: Ab 4 Uhr nachmittags: Großes Militär- Konzert. ( Drei Kapellen.) ter. Schiller- Theater. Schiller Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Sonntag nachm. 3 Uhr: Sonntag, nach m. 3 Uhr: Helden. Komödie in 3 Aufz. v. Bernard Shaw. Sonntag, abends 8 Uhr: Volksstück in 4 Aften v. A. L'Arronge. Hasemanns Töchter. Montag, abends 8 16 v: Das Lumpengesindel. Dienstag, abends 8 Uhr: Hasemanns Töchter. C Die Ehre. Schauspiel in 4 Aften von Hermann Sudermann. Sonntag, abends 8 Uhr: Weh' dem der lügt. Lustspiel in 5 Aufz. v. F. Grillparzer. Montag, abends 8 Uhr: Weh dem der lügt. Dienstag, abends 8 Uhr: Weh' dem der lügt. Friedrichstraße 165. astans Panopticum Schreckenskammer- Hennig 139 Berliner Allerlei. 1389L* Volkstümliche Vorträge aller Art.: 765 Großer Erfolg des Eröffnungs- Programms. Robert Steidl, Humorist. Das Erntefest, engl. Ballettszene. Bonhair Gregory, Akrobat.- Truppe. Mia Werber, Sängerin. Ida Fuller, Fantasie- Tänzerin. Chung Ling Soo, chin. Zauberkünstl. De Witt Burns und Torrance, amerikanische Exzentriks. Die Pissiutti, Reitakt. Ferry Corwey, musikal. Clown. Price u. Toledo, Kontorsionisten. Der Biograph. Spezialitäten- Theater. Schweizer Garten Bentral heater. Diez', Spezialitäten- Theater. ( Operette). Nachm. 3 Uhr halbe Preise: Die Fledermaus. Abends 8 Uhr: Die Geisha. Ob schön! Landsberger Allee 76/79( Ringbahnstation). Ab 1. September täglich: Oh Regen! Lustspielhaus. neues fenfationelles Programm. Nachm. 3 Uhr: Der Familientag. Abends 8 Uhr: Kaffeeküche. Volksbelustigungen aller Art. Spazenliebe. Anfang 4 Uhr.- Entree 30 Pf.- Vorzugskarten find gültig. Diez' Seeterrasse, Lichtenberg Deutsch- Amerikanisches THEATER, Köpenickerstr. 67-68. Adolf Philipps: m Stönigstor- Am Friedrichshain. Jeden Sonntag: Extravorstellung 48. Sommer- Saison. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Nachmittags: Romeo und Julia Abends: Rosenmüller und Finke. Montag: Roſenmüller und Finke. Dienstag: Romeo und Julia. Mittwoch zum erstenmal: Eine Nacht in Berlin. Donnerstag: Hochzeit von Valeni. Freitag: Eine Nacht in Berlin. Sonnabend: Rosenmüller und Finke. Neue Welt. Hasenheide 108-114. Sonntag, den 2. September cr.: Großes Konzert des Neue Welt Orchesters. Dir. B. Bothe. Gala- Vorstellung. Brillant- Feuerwerk. Jm Riesensaale: Großer Ball. Anfang 4 Uhr. Entree 25 Pf. neuer Spezialitäten. Palast- Theater. Jeden Abend 8 Uhr: Gastspiel Röder- Straße 6, zwischen Landsberger Allee und Röder- Platz. Ball u. Volksbeluftigungen. Fahrverbindungen ab Alexanderplats Linien 64, 65, 66, 67, 68, 69, 70, 71, 81. Jm wilden Westen. Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Residenz- Theater. Preise: ,, Uebern großen Teich." Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage Anf. 8 ur Die Höhle des Löwen. Schwant in 3 Atten v. M. Hennequin und P. Bilhaud. Gaston Chalindrey: Rich. Alexander. Größtes n. schönstes Vergnügungs- Etablissement des Oftens mit gr. See. Anfang 4%, Uhr. Jeden Sonntag: Entree 30 Pf. An Wochentagen ist Saal u. Garten 20232 an Vereine zu vergeben. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Heute 28 Uhr: Das Gr. Lützow- Konzert in Jäger- Uniform. Kasino- Theater Elite- Eröffnungs- Programm. Erstklassiges Spezialitäten- Theater. 20. Jahrhunderts: Mstr. Beliks Die größte Senſation bes Schleifenfahrt außen herum foi um 6% Uhr: Turmseil künstler Miß Mary und J. H. Liepelt. im großen Brillant- Feuerwerk. d. besten Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr Heute abend: Alexander der Große von Emil Thomas und Adolf Selig. In zwei Sälen: 15 Ruderboote. Riesen- Kaffeeküche. Volksbelustigungen Vorher das Eröffnungsprogramm. Kavalier- Ball. 4 verbedte Kegelbahnen. aller Art. Anfang 3 Uhr. Bei ungünstiger Witterung Schuß für 6000 Personen. A. Diez. Lortzing- Theater Sportpark Steglitz. Passage- Theater. Bellealliancestr. 7/8. Sonntag, 2. September, 74, Uhr: Sonntag, d. 2. September, nachm. 4 Uhr: Hente 2 Vorstellungen Zar und Zimmermann. Abonnements ungültig. Morgen, Montag: Der Freischütz. Metropol- Theater Großer Preis von Berlin. Preise Mk. 8500,-. Ellegaard × Arend x Poulain Henry Bender. Josef Giampietro. Schilling x Henry Mayer x van den Born Fritz Massary. ! Auf- in's Metropol! Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Apollo- Theater 10 Uhr! 10 Uhr! Größter Lacherfolg! Utoschkin × Bader 9626 XXXX und 70 andere Fahrer. X X X X XII. Saison Zirkus Busch XII. Saison Sonnabend, den 15. September 1906: Bisher noch nie gezeigt! Gala- Premiere Wilde Tigergruppe im Ringkampf mit dem Bisher noch nie gezeigt! Rosemüller und Finte. Berlin im Omnibus. Dompteur Herrn W. Peters! Kajino. Alexander der Große. Montag: Dieselbe Borstellung. Folies Caprice. Der General Konsul. Sünden der Bäter. Wintergarten. Spezialitäten. Paffage. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngste Aus: bruch des Besuv. Sternwarte, Invalibenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Heute und folgende Tage: Sherlock Holmes. Anfang 8 Uhr. Im zweiten Bilde: Der Omnibus- Trick. Vorher 8 Uhr: Die neuen Spezialitäten. Bernhard Rose- Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Täglich: Das Sensations- September- Progr. Paul Coradini, The Gobelins, Battignolles Bros, Barret Troupe, Mr. Robert u. Bertram. Sm Saale: Großer Ball. Robin, Rennbahn Comp., Linz Troupe. Anfang 4 Uhr. Billettvorverkauf von 10-1 Uhr an Neues Theater. ber Theatertaffe. Heute abend 8 Uhr: Sganarell. Der bürgerliche Edelmann. Montag: Dieselbe Borstellung. Dienstag zum erstenmal: Frost im Frühling. Drama in 3 Aften von Leo Lenz. Kleines Theater. Nachmittags 8 Uhr Nachtafyl. Abends 8 Uhr zum 66. Male: Carl Weiß- Theater. admittags 3 Uhr fleine Preise und ( Br. Frankfurterstr. 132. abends 8 Uhr: Adele. Im Sommergarten: Große Spezialitäten Vorstellung. Anfang 4 Uhr. = Morgen u. folgende Tage im Theater: Adele. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brummenftr. 16. Großer Lacherfolg! Völlig neue Dressuren der Herren Georg BurckhardtFoottit und Ernst Schumann sowie das neu engagierte Künstler- und Künstlerinnen- Personal. 153/8 Germania- Pracht- Säle. Chausseestr. 103 Karl Richter Chausseestr. 103 Heute der Gr. Eröffnungs- Soiree Hamburger Sänger Direktion Wilh. Wolff. Durchweg neues Programm, neueste Schlager! Anfang 7 Uhr. Eintritt 50 Pf. Nach der Soiree: Tanzkränzchen. Im weißen Saale Gr. Ball. Jeden Mittwoch Hamb. Sänger. " Anfang 8 Uhr: von 5 Uhr ab Vorzugskarten gelten. Eintritt 30 Pf. Nach der Vorstellung: Frei- Tanz. Passepartouts, für diese Wintersaison gültig zu den Vorstellungen der Hamb. Sänger sowie den DonnerstagKonzerten, sind im Kontor der Germania- Pracht- Säle zu haben. Preis: für 1 Person 1,50 M., für 2 Personen 2 M., Familienbilletts bis 4 Pers. 3 M. Ergebenst Karl Richter. Brauerei Karl Gregory A.-G. Badstr. 67 Hochstr. 21/24 Ein idealer Gatte. Der Vetter in tausend Aengsten, bringt sich hierdurch einem geehrten Publikum in empfehlende Montag: Ein idealer Gatte. Komische Oper. Sonntag nahm. 3 Uhr und abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Montag zu volkstümlichen Pr.: Don Pasquale. Dienstag: Hoffmanns Erzählungen. Lebensbild in 4 Atten v. Rod. Benedir. Borher: Der Weg durch's Fenster. Anf. 6 Uhr. Kaffeeküche 3 Uhr. Ball. Bei schlecht. Bett.: Vorstell. im Saale. Trianon- Theater. Anjang 8 Uhr. Notbrücke. Die Rotbride. Fröbels Allerlei- Theater Folies Caprice Schönhauser Allee 148. Täglich: Vorstellung und Tanz. Neue Spielfolge. Figliola. X Jean Hofer. Clown Dolly 4 Linienstr, 132, Eske d. Friedrichstraße. Zum 2. Male: Der Generalkonsul und Die Sünden der Väter. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf b. Wertheim u. an Anjang 4%, Uhr. X Eintritt 30 Bj. I der Theaterkasse 10-2 Uhr. mit feiner urtomischen Tierfamilie. Täglich: Großer Tanz Erinnerung. Heute: Großes Doppel- Konzert. Anfang 3%, Uhr. 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Bildern 1.45 1 ovaler Waschkorb deckeln 1 Deckelhalter mit 6 Topf1 Rosshaarbesen mit Stiel 1 Vogelbauer 1 Eckgarderobe mit Haken 1 grosse Salatschüssel u. 6 Dessertteller 1 Kuchenteller, 12 Dessertteller 6 Dessertteller dekoriert 6 Speiseteller flach 1 Bratenplatte und 1 Sauciere 1 Herren Monteur- Jacke in allen Grössen 1 Herren Monteur- Hose in allen Grössen 1 Herren- Mütze blau mit 1 Paar Hosenträger Schirm u. 1 gestrichene Küchenbank| 3 Kravatten( 2 Schleifen, 1 Regatte) aus reinseid. 6 Speiseteller dekoriert 1 Sophakissen mit Volant 1 Paneel- Brett ca. 70 cm lang 1 mod. Handtasche mit Kette 1 Besteckkorb, 6 Esslöffel, 6 Teelöffel 1 Packet Motardlichte 6er oder Ser 12 Wachs- Gasanzünder, 1 gr. Flasche Putzwasser( Solarine) 1 Putztuch, 3 Pack. Putzpulver 2 Waffelhandtücher m. Buchstaben 1.45 Chiné, neueste Formen für Stehkragen 3Paar vernickelte Stahlbestecke 1 Brodmesser, 2 Küchenmesser 1.45 1 eiserner Kohlenkasten u. 1 Kohlenlöffel 1 Gaskocher mit Casserolle und Deckel 2 Kissenplatten- Gobelins Zubehör 2 verstellb.eiserne Storesstangen samtlich. 1 eleg. Spachteltüllläufer u. 2 Tülldecken 1 Cigarren- Schrank 1 Damen- Bluse Velour- Barchend, Vorderteil in Säumchen, neueste 4 6 Stück Blumen- Toiletteseife 1.45 1 Waschservice tellig, Fond oder blau Zwiebel3 Riegel Wachskernseife, 3 Pack. Feinsoda Futter, Blusen- Stoffe mod. FarbenzusammenSeiden- Stoffe grosses Sortiment 1 Riegel Steilige Sparkern- 1.45 Rock- Stoffet. 110,130 cm breiter, Costumes- Stoffe Herren- Stoff- Geschm. seife, 1 Pack Soda, 1 gross. Beutel Waschblau 1 Frackkorset grau Drell mit Strumpfhaltern 1 elegantes Kaffeegedeck weiss mit bunt. 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Ansätzen 1 Barchend- Rock rot oder rosa Molton 1 Paar Beinkleider dazu passend ca. 110 cm breit 1 Paar Kniebeinkleider m.Stickerei1 Paar Dam.- Strümpfe 1 Journalmappe 1 Bürstenkorb 1 Löffelkorb 1 Wäschebeutel 1 Betttasche 1 Nachttischdecke Volant schwarz Wolle platt.) mit reicher Bandgarnitur garniert und vorgezeichnet 195 blau- grün, muster 1 Satz Salatschüsseln blau Zwiebelmuster od. mit Fond, 7teilig 1 Tischlampe 10", mit imitierter Onyxplatte tellungen blau grün, etc., 1 schweres Bonnertucelb ed. weiss} 2 Erbstüllscheibenschleier 1 Spachtel- Kragen und m. Volant nebst Stange u. 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Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Br. 204. 23. Jahrgang 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 2. September 1906. Hus der Frauenbewegung. Erwacht! Wacht auf! Wacht auf! Ihr habt jahrtausendelang geschlafen Wacht auf und seht, Es will lichter Morgen werden. Jakoby. Bachet auf, ihr getretenen und entrechteten Frauen, ihr denkträgen Menschenfinder, und seht, wie in allen Orten und in allen Landen die Sehnsucht des Proletariats nach Freiheit und Bildung wächst! Seht, wie neben dieser Sehnsucht das Bedürfnis, Brot, genügend Brot zu erringen, in den wirtschaftlichen Kämpfen zwischen Unternehmern und Arbeitern zum Ausdruck kommt. Immer größer wird die Zahl der Frauen, die durch den schlechten Verdienst der Männer zur Eriverbsarbeit gezwungen werden. Das Kapital sucht zu Nutz und Frommen seines Profits an Stelle der kraftvollen Männerarme Frauen, jugendliche Arbeiter und noch lieber Kinderhände schuften und schanzen zu lassen. Die Gier der Unternehmer nach billigen Arbeitskräften spiegelt fich deutlich in der Reichsstatistik wider, nach der die Beschäftigung der weiblichen und jugendlichen Arbeiter in den Fabriken von Jahr zu Jahr recht beträchtlich zunimmt. Hunderttausende und Aberhunderttausende von Frauen und Mädchen unterstehen der Botmäßigkeit des ausbeutenden Kapitals, und sind deshalb gezwungen, wollen sie sich nicht eines Verrats an den Angehörigen ihrer Klasse schuldig machen, sich der modernen Arbeiterbewegung anzuschließen. Arbeiterin sein, das heißt in der heutigen Ordnung nichts anderes, als zum Vorteil fremden Reichtums ausgebeutet werden, das heißt Sorge, Entbehrungen und Unrecht tragen, gar oft auch Hunger und Schmach. Die Grundlage der heutigen Weltordnung beruht auf der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Um die heutige Weltordnung aufrecht zu erhalten, versucht man, die Arbeiter massen mit allen gefeßlichen und ungefeßlichen Mitteln an der Wollen die Frauen und Mädchen als gleichberechtigte Menschen Ieben, müssen die gemeinsam, Schulter an Schulter mit ihren Männern und Brüdern fämpfend, das Ende der kapitalistischen Herrschaft herbeiführen. Erst wenn die Herrschaft des Kapitalismus aufgehoben ist, hat auch die Sklaverei, das Elend des Proletariats und die Rechtlosigkeit der Frau ein Ende. Es gilt, schon die Gegenwart lichter und schöner zu gestalten; darum ist es Pflicht der Frauen und der Mädchen, sich an den wirtschaftlichen und politischen Kämpfen zu beteiligen. Proletarierinnen, glaubt nicht, auch nur eine einzige von euch sei in dem Kampfe um Recht und Menschenwürde überflüssig. Es ist nicht nur aller Recht, sondern aller Pflicht, sich in der modernen Arbeiterbewegung zu betätigen. Arbeiterfrauen und Mädchen! Sucht daher nicht nach allen möglichen und unmöglichen Gründen, die angeblich beweisen sollen, daß die moderne Arbeiterbewegung keinen Zweck" habe; die Beteiligung an unseren Kämpfen ist für alle Unterdrückten notwendig. Nur durch die moderne Arbeiterbewegung wird die Menschheit vom Joch des Kapitals befreit werden. Frauen und Mädchen, erwacht! Werdet Kämpferinnen im Heere der Sozialdemokratie. Vereinigt euch mit euren Klassengenossen; helft der Zukunft den Weg bereiten! Von der Gesindeordnung. P. Weltisch führte in einer längeren Rede aus, daß die GeIn Lindau bei Neustadtel( Kreis Freystadt) erkrankte, wie die nossenschaftsgründungen überhand genommen hätten. Er wandte " Volkswacht" berichtet, vor einiger Zeit die Frau des Fabrik- sich entschieden dagegen, da man es hier nur mit kleinkapitalistischen arbeiters August F. so, daß sie die häuslichen Arbeiten nicht mehr Unternehmungen zu tun habe, die dem Verband gefährlich werden, berrichten konnte, das Bett hüten mußte und einer sorgfältigen die Streitarbeit leisten und auf die Ausbeutung des ArPflege bedurfte. Der Mann, täglich seiner Arbeit nachgehend, beiters gerichtet sind und die oft nur ein 3 wischenmeisterkonnte sich seiner kranken Frau nicht widmen, eine Pflegerin stand system darstellen, daher auch bekämpft werden müssen. In der ihm nicht zur Verfügung, auch konnte er trotz eifrigen Bemühens Diskussion fand der Redner manchen Gegner insofern, als eine solche nicht erhalten. Da fühlte sich nun die vierzehnjährige, man den Genossenschaftsgedanken selbst in Schuß nahm, aber man bei dem Bauerngutsbesizer John in Lindau in Diensten stehende war sich darin einig, daß von den bestehenden genossenschaftTochter der Erkrankten in ihrer Kindesliebe verpflichtet, ihre tranke lichen Gründungen unter den Glasschleifern Berlins nichts zu Mutter zu pflegen und die Hauswirtschaft zu versorgen. Das erwarten sei. Der Verbandsvorsitzende Girbig hob den Untervierte Gebot achtend, das ihr in der eben erst verlassenen Schule schied scharf hervor und feierte die Genossenschaften auf ge= wohl täglich gelehrt worden ist, verließ sie ohne vorherige Kündigung under Grundlage in enger Fühlung mit den Gewerkden Dienst und ging zu ihrer kranken Mutter. Das junge Mädchen schaften und in Verbindung mit der Partei, für die er unter hatte aber nicht bedacht, daß es sich in den eisernen Klauen der auen Umständen eintreten würde. Folgende Beamte wurden preußischen Gesindeordnung von 1854 befand, und daß es damit gewählt: Strauch, Kassierer; Zwicker und Reis, Revisoren; Meilden gegen dieses Ausnahmegesetz für Landarbeiter gefrevelt. Das mußte als Gewerkschaftsdelegierter; Schlüter als Kassierer vom Streifgerochen werden. Der Bauerngutsbesitzer strengte Klage an, wegen fonds; Schröder als Vertreter in den Hauptvorstand. Ein Beungefeßmäßigem" Verlassen des Dienstes und auf Rückkehr des schluß des Hauptvorstandes, daß Arbeitsmangel nicht länger Mädchens in denselben. Nach einer amtlichen Vernehmung erhielt als Grund zur Unterstützung durch den Verband angesehen werden das Kind von Herrn Amtsvorsteher Freyberger die Aufforderung, solle, fand vielfachen Widerspruch und die Versammlung beschloß, innerhalb vierundzwanzig Stunden in den Dienst zurückzukehren, Beschwerde beim Ausschuß zu führen. Die Praktiken der widrigenfalls es eine Geldstrafe von 60 Mark treffen würde, die Firma Bruhns u. Simon wurden scharf kritisiert. eventuell exekutivisch beigetrieben oder im Unvermögensfalle in eine besteht eine größere Ausbeutung als in irgend einem anderen Haftstrafe von 1 Woche umgewandelt werden würde. Die Liebe Betriebe. Die Firma gehört zur Vereinigung der Unternehmer zur Mutter siegte aber in dem Mädchen und so kehrte es auch auf und ist tarifbrüchig geworden. Verhandlungen sind deswegen im diese Aufforderung hin noch nicht in den Dienst zurück. Bald erGange. schien der Gemeindediener und wollte die Pfändung an den Sachen Im Herbst wird der Verband in eine Lohnbewegung ein. des Mädchens vornehmen. Diese verlief ergebnislos. Nach wenigen Stunden erschien wiederum der Gemeindediener und beorderte das Mädchen nach dem Polizeiamt, von wo es in Haft gesezt und nach aller in der Zelluloid- Haarschmuckbranche beschäftigten Arbeiter und Eine gutbesuchte Branchenversammlung der Kammacher und einer Woche mit dem Bemerken entlassen wurde, daß es das ganze Arbeiterinnen tagte am Mittwoch im„ Englischen Garten". In der Mietsjahr hindurch immer höhere Strafen zu gewärtigen habe, Branche herrschen noch recht traurige Verhältnisse, welche in der wenn es nun noch nicht in den Dienst gehe. treten. Dort Mit unverkennbarer Deutlichkeit lernt man so schon der kaum Hauptfache auf die übergroße Zahl von jungen ungelernten Ar der Schule entwachsenen Jugend den Wert der zehn Gebote Gottes beitern und Arbeiterinnen, die in der Branche beschäftigt werden, mit dem Wert der von den Junkern und ihrer Sippe geschaffenen zurückzuführen sind. Ruhmlos an der Spitze steht die Firma folgt die„ Gebote", da kommt ein famoses„ Gefeß", auf Grund dessen schlechtesten aus. Preise werden hier bezahlt, wie man sie schlechter und aufrechterhaltenen Gesindeordnung vergleichen. Das Kind be- Thomas u. Krasser, Dresdenerstr. 59, welche ausschließlich nur mit solchen Leuten arbeitet. Hier sieht es auch am es unbarmherzig eingesperrt wird. Von Rechts wegen. Wahrhaftig, im entlegensten Winkel des Erzgebirges kaum finden kann. Hier mir leben schon in einer mehr als„ göttlichen Weltordnung". kommt es vor, daß ein Familienvater, bei einer Arbeitszeit von 57 Stunden, mit 12 Mark Wochenverdienst nach Hause geht. Aber auch das Organisationsverhältnis ist hier nicht das beste. Zu den Vorgängen in Nürnberg wurde folgende Resolution mit stürmischen Beifall angenommen: Der Gewerkschaftskongres, der am Montag in Liverpool erlichen Delegierten, die daran teilnehmen werden, sagt die Londoner öffnet wird, ist bemerkenswert schon allein durch die Zahl der weib" Tribune". Eine Reihe von neuen Verbänden haben die Arbeiterinnen jüngst gegründet: die Telephonmädchen, die Teepockerinnen, die Verkäuferinnen, die Ladenarbeiterinnen werden vertreten sein. Eine große neue Union ist gebildet worden, die alle Arbeiterinnen umfaßt, welche nicht in einer eigenen Union organisiert sind," National Federation of Women Workers" geabhalten, zu der Delegierte geladen sind, die Industriezweige vernannt. Neben dem Kongreß werden die Frauen eine Konferenz treten, in welchen Frauenarbeit eine große Rolle spielt. Dic Organisationsbestrebungen sind unter den englischen Arbeiterinnen allerorten sehr lebhaft geworden. Verfammlungen. Die Glasarbeiter hielten am Donnerstag eine Versammlung ab, in der die gegenwärtige Lage im Gewerbe besprochen wurde. " Die im Englischen Garten" tagende Branchenversammlung der Kammacher und aller in der Zelluloid- Haarschmuckbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen nimmt Kenntnis von den wiederholten abscheulichen Vorgängen in Nürnberg. spricht der Familie, deren Ernährer durch ruchlose Mörderhand seinen Tod gefunden hat, ihr Beileid aus und verurteilt das rigorose Verhalten der Arbeitswilligen sowie der Polizei gegenüber den Ausständigen sowohl als auch unbeteiligten Personen auf das entschiedenste. Ferner bringt die Versammlung den Ausständigen in Nürnberg ihre Sympathie dar und hofft, daß dieselben so lange ausharren, bis ihre gerechten Forderungen erfüllt sind. Einsegnungs- Anzüge. Reichhaltigste Auswahl in den neuesten Moden und Webarten, Kammgarnen, Satins, Cheviots, Drapés, Meltons, Tuchen usw. 33.- 30.- 27.24,-2220.- 18.50 16.- 14- 12- M. 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Bahlreichen Besuch erwartet 18/11 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Montag, den 3. Sept., abends 8%, Uhr, im ,, Gewerkschaftshaus", Engel- llfer 15( Saal V): Branchen- Versammlung der Bürsten- und Pinselmacher usw. Tages- Ordnung: 1. Die Lage der deutschen Bürstenindustrie und das Vorwärts: streben ihrer Arbeiterschaft. 42/1 Referent: Bürstenmacher Keiditsch- Stuttgart. 2. Diskussion. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Achtung! Die Branchenleitung. Kammacher. Achtung! Montag, den 3. September er., abends 8%, Uhr, bei Walter, Adalbertstr. 62: Kommissions- Sitzung mit Vertrauensleuten. Der sehr wichtigen Tagesordnung wegen muß jede Werkstatt vertreten sein. Bilderrahmenmacher. Montag, den 3. September, abends 6, Uhr, bei G. Nagler, Alexandrinenstr. 103: Vertrauensmänner- Versammlung. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Der Obmann. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Achtung! Bürsten- und Pinselmacher! Achtung! Montag, den 3. September, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 5: Branchen- Versammlung Tages- Ordnung: 9 1. Die Lage der deutschen Bürstenindustrie und das Vorwärtsstreben threr Arbeiterschaft. Referent Kollege Keiditsch Stuttgart. 2. Diskussion. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 91/10 Die Branchenkommission. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin Hauptbureau: Zimmer 34, Amt 4, 3353. Engel- Ufer 15. Zimmer 1-5, Amt 4, 9679. Mittwoch, den 5. September, abends 8 Uhr im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: Versammlung aller in der Drahtindustrie beschäftigten Arbeiter. Tages- Ordnung: 1. Unsere Unterstützungseinrichtungen. Referent: Stollege Wuschick. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Bahlreichen Besuch erwartet 152/17 Die Ortsverwaltung. Verband der Sattler. Ortsverwaltung Berlin. Achtung! Mittwoch, 5. September, abends 8 Uhr, Achtung! in den Zentral- Festsälen, Alte Jakobstr. 32: Außerordentliche 9986 Der Vorstand. J. A.: Gust. Alisch. Anzüge Paletots, Joppen. Robert Bohn BERLIN N., Invalidenstr. 135. Großes Lager fertiger Herren- u. KnabenGarderoben. Maßabteilung I. Etage. Grand Cardinal Zigarren rauchen nur Kenner! Heinrich Franck, Berlin N. 54, Brunnenstr. 185. Besichtigen Sie bitte sofort: rötlich hell, 180. Decke, sehr reinfeg. Roh Decke Umblatt, Montag, den 3. September 1906, abends 8½ Uhr: 617 ob euk Zehn öffentliche= Metallarbeiter- Versammlungen in folgenden Lokalen: Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15 Kellers Festsäle, Koppenstraße 29 Bernhard Rose- Theater, Badstraße 58 Germania- Säle, Chausseestraße 103 Peters' Gesellschaftssäle, Wiclefstraße 24 Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47-49 Zühlkes Festsäle, Dennewißstraße 13 Thiel, Rirdorf, Bergstraße 152 Trapp, Tegel, Bahnhofstraße 1 Ober- Schöneweide: Wilhelminenhof. Tagesordnung in allen Versammlungen: „ Der Deutsche Metallarbeiter- Verband und seine vornehmsten Aufgaben." Referenten in diesen Versammlungen sind: Stollege Spiegel- Düsseldorf, Bezirksleiter für Westfalen 11 " berg. 11 " Tabak 5563 groß, a 1,05. a 1,40. zart, W. Herm. Müller, Berlin, Magazinstr. 14. 12 11 9 = = 11 = " 1 11 11 12 Walbrecht Düsseldorf, Bezirksleiter für Rheinland A Vorhölzer- Stuttgart, Bezirksleiter für Baden und Württemberg Voß- Halle, Bezirksleiter für Thüringen und Provinz Sachsen Röhr- Halle, Bezirksleiter für Thüringen und Provinz Sachsen Haack- Dresden, Bezirksleiter für Königreich Sachsen Held Dresden, Bezirksleiter für Königreich Sachsen AV Schlegel- Breslau, Bezirksleiter für Schlesien Rohrlack- Stettin, Bezirksleiter für Pommern und Mecklenburg Zernicke- Berlin, Bezirksleiter für Brandenburg. Angesichts dieser äußerst wichtigen Versammlungen ist es notwendig, daß Anker- ieber Sollege zur Stelle ift. Vor allem ist dafür Sorge zu tragen, daß die unorganisierten Kollegen Remontoir- Uhr veranlaßt werden, diese Versammlungen zu besuchen. 15 Rubis, 2 Silberkapseln, 152/16 mit Goldrand. Reguliert auf 1 Minute im Monat. 3 Jahre schriftl. Garantie. Nur 21.00. Kaufpreis zu rück, wenn diese Der Einberufer. Adolf Cohen, Engel- Ufer 15, I. Zentralverband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Puzer. Uhr im Monat Mittwoch, den 5. September, abends 6 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20: mehr als eine Minute vor oder nachgeht. Carl Doll, Uhrmachermstr. Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Erledigung der in der letzten Versammlung zurückgestellten Punkte der Tagesordnung. 2. Situations134/13 NW. Berlin, Bredowstr. 7. bericht. 3. Verbandsangelegenheiten. Glänzende Anerkennungen. Man verlange Prospekt Nr. 12. Paul Töbs, Schneidermeister Insterburger: straße 16. Laden. n. ausländischer Lager in: Stoffe. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Die örtliche Verwaltung. J. A.: H. Neumann. Holzbildhauer! Dienstag, den 4. September, abends 8 Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer 15: Versammlung. Beschlußfaffung über die Forderung des Achtstundentages. Das Erscheinen sämtlicher Kollegen ist notwendig. 21/4 Die Agitationskommission. Deutscher Textilarbeiter- Verband. Berliner Consum- Verein. Filiale Stralau- Nummelsburg. General- Versammlung. Montag, den 3. September, abends 8 Uhr, in Rummelsburg Tages Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Wann tritt der Zuschuß der Lokaltasse zur Streifunterstügung in Straft? 3. Die Regelung unserer Bureauverhältnisse. 4. Die Stellung des Vorstandes zu dem Beschluß der letten Generalversammlung. bei Heinze, Hauptstraße 4: Oeffentliche Tertilarbeiter- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Die Situation im Teppichwebetstreif bei 5. Die Angelegenheit der Kollegen Zuschte und Hoffmann. 6. Verschiedenes. M. Protzen& Sohn in Stralau. 2. Diskussion und Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! I Wir erfuchen die Vertrauensleute, allen Kollegen zu dieser Bersammlung die Mitgliedsbücher einzuhändigen. 157/14 Die Ortsverwaltung. Vereinigung der Maler, 197/9 Das Streikkomitee. Verhand deutscher Gastwirtsgehülfen. Ortsverwaltung Berlin. Lackierer und Anstreicher. Bureau: Berlin C., Dirdsenstr. 39 I. ☐☐ Telephon: Amt III 1813. Mittwoch, den 5. September, abends 8, Uhr, in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstr. 35: Die Kontrollfarten für unsere Mitglieder für das dritte Quartal 1906 find von weißer Farbe mit schwarzen KrenzSektions- Versammlung der Lackierer balken, worauf wir zu achten bitten. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Wegener über: Mosaische und babylonische Religionslehre". 2. Distuffion. 3. Wahl einer Agitationstommission. 4. Verschiedenes. Die Sektionsleitung. 125/20 " 267/18 Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß der Verband deutscher Gastwirtsgehülfen" und der„ Gastronomische Gehülfenverband" nicht identisch sind. Der Vorstand. Verkaufsstellen: 1. Michaelfirchplatz 4 2. Krautstraße 7 3. Liebigstraße 7 4. Zorndorferstr. 62 5. Havelbergerstr. 6 6. Rostockerstr. 20 7. Emdenerstr. 50 8. Rummelsburg: Türrschmidtstr. 6 9. Berlin- Stralau: Stralauer Allee 20A 10. Frankfurter Chauffee 103 Friedrichsberg11. Kronprinzenstr. 1 Lichtenberg. Ende September eröffnen wir zwei neue Verkaufsstellen und zwar: Moabit: Erasmusstr. 5, Often: Kopernikusstr. 33, Die Generalversammlung findet am Sonntag, den 7. Oktober, vormittags 9 Uhr, im Vereinshause des Vereins Berliner Musiker, Kaiser Wilhelmstr. 18 m, statt. Anträge sind bis zum 22. September an den Vorstand, Krautstr. 7, 206/13 einzureichen. Paetsch's Vereinshaus Brunnenstraße Nr. 41 empfiehlt den verehrten Vereinen resp. Gewerkschaften Dienstags und 9805 Donnerstags feine 30 und 80 Personen fassenden Räume Verein für frauen u. Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, 3. September, abends 8%, Uhr, im Neuen Klubhaus, Kommandantenstr. 72: 55/16 Erster Vortrag aus dem Vortragszyklus:" Hundertfünfzig Jahre ( deutscher Dichtung": Goethe. Referent: Wilhelm Holzamer. Gäste willkommen. Der Vorstand. Da die Revision der Bibliothek stattfindet, ersuchen wir unsere Mitglieder, alle entliehenen Bücher zurückzugeben. An die Berliner Metallarbeiter! erten Genoſſen Hermann Veteranen: Kollegen! Am 7. November d. J. verläßt der Kollege Adolf traße 23, zu der am 3. September Schaewe, Mechanifer, das 8uchthaus in der Lehrterstraße, in welchem er zwölf Jahre lang geschmachtet hat. der Berliner politischen Bolizei verfolgt und, nach seiner Auffassung, in unSchaewe wurde im Jahre 1894 wegen seiner politischen Betätigung von berechtigter Weise behelligt. Am 13. August desselben Jahres geriet Schaewe mit den Bolizeibeamten ins Handgemenge, schoß auf einen derselben und verwundete ihn leicht durch einen Streifschuß. Die Folge war die zwölf jährige Zuchthausstrafe. Achtung! Stukkateure! Achtung! Berbandes und hat flets seine Pflicht und Schuldigkeit getan. Montag, den 3. September, abends 84, Uhr, bei Franke, Sebastianstr. 39: Außerordentliche Mitglieder- Versammlung. nötig. Tages- Ordnung: Siehe Fachblatt. 181/4 Allgemeine Beteiligung, besonders der Werkstattkollegen, dringend Die Ortsverwaltung der Filiale Berlin. Vereinigung der Musikinstrumenten- Arbeiter Berlins und Umgegend. Montag, den 3. September, abends 82 Uhr, in Graumanns Festsälen, Naunynstr. 27: Werkstatt- Delegierten- Versammlung. Werkstatt- Delegierten Tages Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen C. Haffner über: Welche Pflichten erwachsen den Mitgliedern bei der jetzigen Geschäftsperiode? 2. Diskussion. 3. Werkstattangelegenheiten und Bericht der Delegierten. Es ist dringende Ehrenpflicht der Kollegen, aus jedem Betriebe 142/6 einen Delegierten zu entsenden. Zur Beachtung für alle Mitglieder! Der Arbeitsnachweis und Verkehrslokal befinden sich vom 14. September ab: Muskauerstraße 25, beim Kollegen Kutzner. Sonnabend, den 8. September, in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29: 24. Stiftungs- fest unter Mitwirkung von Dorst's Quartetsängern und Possenenfemble sowie des ,, Sängerkreis der Musikinstrumenten- Arbeiter" Nach der Vorstellung: Großer Ball. Billetts a 30 Pf. find bei allen Vorstandsmitgliedern und in der Versammlung zu haben. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vorstand. Tapezierer! Mittwoch, den 5. September, abends 8 Uhr, bei Damm, Schützenstr. 18/19: Versammlung. Zages Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen Regge über: Wie stellen wir uns zu ben Unterstützungseinrichtungen in den Gewerkschaften? 2. Disfussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Zahlreiches Erscheinen erwartet 101/4 Der Vorstand der Freien Vereinigung der Tapezierer. Bureau: Schüßenstr. 18/19. Tel.: I, 3282. Singer A. 75,00 Gäste willkommen! S.Kaliski frühere Firma ,, Baby" 1. Brunnenstr. 16. Spezialgeschäft für Nähmaschinen und Reparaturwerkstatt. Ohne Anzahlung 2. Invalidenstr. 160 1,00 wöchentl. Adler, vor- und 3. Brunnenstr. 92 Neu versenkbar. Ohne Preiserhöhung. Singer B. 105.00. ückwärts nähend. 4. Reinickendorferstr. 5 Central- Bobbin 145,00. Wheeler- Wilson. 5. Frankfurterstr. 115 16 6. Oranienstr. 31 7. Belle- Alliancestr. 107 8. Tauenzienstr. 7a 9. Beusselstr. 18. Näh- u. Stickunterricht. Garantie 5 Jahre. Vertreter kommt auf Wunsch. Teilzahlung gestattet, bei 12-, 15, 18-90.00 größeren Raten Kassapreis. Bei Barzahlung hoher Rabatt. für Kinder 7-60.00, Erwachsene 8-100.-, Filiale Chausseestraße 54 ist aufgelöst. Anzüge Paletots nach Maß 24, 30 und 38 Mark Unter Garantie des tadellosen Sitzes bei peinlichst gewissenhafter Anprobe liefere ich von prima modernen Stoffresten Anzüge u. Paletots nach Maß nur zu obigen Preisen. 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Bernlöhr im 37. Lebensjahre. Tiefbetrübt zeigt dies an Gustav Wangenheim und Tochter. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. September, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Treptower Friedhofes, Neue KrugAllee, aus statt. Am 31. August, nachmittags 42 Uhr entschlief sanft nach langem schweren Leiden unsere gute Tochter und Schwester Anna Temlitz im 23. Lebensjahre. am Die Beerdigung findet Montag, den 3. September, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Rudemannsweg in Charlottenburg, aus statt. 21832 Die trauernden Eltern und Schwester. Verein der Zimmerer Berlins und Umgegend. Todes- Anzeige. Am 30. August starb an der Proletarierkrankheit unser Mitglied Karl Krummnow ( Bahlstelle Wedding). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. d. M., nachmit tags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Nazareth- Kirchhofes, Reinickendorf- West, Berlinerstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 258/1 Der Vorstand. Umsatz pr. Jahr wollen wir erreichen, aus diesem Grunde bleiben wir unserem Prinzip treu Großer Umsatz, kleiner Nutzen!" IF Blitz+ Blitz Herren- Anzüge .. 6.90 8.50 9.75 12.50 Herren- Paletots... 7.40 8.75 10.25 13.25 Herren- Hosen Sin riesiger Posten Cavalier- Anzüge ,, Maßersatz" von von 李麗 bi zum feinsten englischen Anzug bis zum feinsten auf Seide gesteppt 1.30 Mk. an 14.50] Mk, an 154/3 Blitz Blitz Blitz Gr. Frankfurterstr. 137 Chausseestr. 80 Rosenthalerstrasse 9 zwischen Koppen- u. Fruchtstraße. Ecke August- Straße 41. Vor Täuschung gleichlautender Firmen wird gewarnt. Eigene Werkstätten! H.Kunze Möbelfabrik. Die besten und billigsten Wohnungs Einrichtungen kaufen Sie bei Julius Apelt, Tischlermeister, Für bestes u. trockenes Material garantiert! Berlin SO., Skalitzerstraße 6, am Kottbuser Tor. SpezialGeschäfte. Bettfedern.Betten; Bettfedern, das Pfd. v. 0.50 bis 6.- M. • " Dannen 2.50 10.Betten, der Stand 12.120. Steppdecken( Seidensatin von 6.- M. ant.) " " " H. 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Entschädigung für die Ueberstunden, noch einen Zentrumsbauernbündler bei der Reichstagswahl aufzu welche er während der Frühjahrssaison geleistet hat. Der Kläger, stellen, wird außer Landwirtschaft auch Bergbau betrieben. Der der an 5 Jahre bei der Firma beschäftigt war, berief sich darauf, Bergbau liefert Steohle, Braunkohle, Eisenerz, Vitriolerz, Dder, daß ihm seinerzeit gesagt worden sei, er bekäme im Jahre 60 M. Farben, Kaolin- und Tonerde und verschiedene Sorten Steine in Gratifikation für die Mehrarbeit während der beiden Saisons im unterirdischen Betrieben. Die Löhne, die in diesen Betrieben be- Frühjahr und Herbst. Der Vertreter der Beklagten bestritt eine zahlt werden, betragen nach den Berichten der Berginspektion für solche Abmachung und ein Zeuge leugnete sie auch. Dagegen wurde Steinkohlenarbeiten 2,00-2,30 M., Jugendliche 1,40 M.; für in der gestrigen Verhandlung vor der Kammer 7 folgendes festBraunkohlenarbeiten 2,00-3,00 M.; für Eisenerzgrubenarbeiten gestellt: Durch Arbeitsvertrag ist vor einigen Jahren festgesetzt 1,80-3,00 M. Die Oberpfälzer Bergarbeiter, so heißt es in worden, daß die Arbeitszeit von 8 Uhr früh bis 5½ Uhr nacheiner Zuschrift an die Volksstimme" in Frankfurt, müssen sich mit ihren Familien mit diesen elenden Löhnen durch Hungern, denn, obschon der Bergbau in durchweg ländlicher Gegend betrieben wird, gehört den Berg- und Hüttenarbeitern längst kein Fezen mehr. Das Land haben die katholischen Zentrumsgrafen und Barone vollständig offupiert, der Arbeiter mietet sich von diesen „ gnädigen" Herren einige Feßen, auf denen sich die Frauen dann abschinden, aber oft kaum den Mietszins herausbringen. Eine elende Hütte, die vielfach schlechter ist als ein Zigeunerwagen, und dazu mit Schulden derart belastet, daß die Leute fürchten müssen, alle Tage durch den Exekutor hinausgesetzt zu werden, das ist ihr ganzes Eigentum". Die Leute haben nichts zu verlieren als ihr Glend, und doch kleben sie in den Bergen fest! Das Brennmaterial wird ihnen nicht geliefert, und da sie keines kaufen können, müssen es die Frauen in den gräflichen Waldungen freveln", sind aber dabei der Gefahr ausgesetzt, vom gräflichen Förster erwischt und angezeigt zu werden oder eine Schrotladung nachgesandt zu erhalten. Daß gegen solche Zustände seitens des Zentrums nichts geschieht, ist bekannt, denn der Abgeordnete für Regensburg, Herr Baron v. Pfetten, in dessen Wahlfreis mehrere Gruben liegen, reist von Dorf zu Dorf und teilt seinen Wählern mit, daß seine Forstarbeiter bei 1,20 m. ein sehr angenehmes Dasein führten. Und die Geistlichen predigen des Sonntags auf der Kanzel, daß dem Baron v. Pfetten seine Arbeiter mit einem Lohn von 1,20 M. zufrieden seien und die Industriearbeiter seien mit 2 M. nicht mehr zufrieden, weil sie von der Sozialdemokratie. berhezt würden. sozialen Fortschritt. Etwa 1000 Besizer von Restaurants und Hotels in Paris hielten eine Versammlung ab und nahmen einen Antrag an, der Verwahrung einlegt gegen das Gesetz betreffend die Gewährung eines wöchentlichen Ruhetages, welches in der des Gesezes dahingehend, daß wöchentlich ein halber Ruhetag und Praxis nicht durchzuführen sei. Man erwarte eine Abänderung als Ausgleich eine Ruhezeit im Laufe des Jahres gewährt werde. Die Hotelbefizer fordern, daß das Gesez während der Monate Juli, August und September außer Geltung gesetzt werde. Es wurde beschlossen, falls die Regierung den Forderungen nicht Folge gebe, mit allen, und soweit möglich, mit gefeßlichen Mitteln Widerstand zu leisten und die Betriebe einzustellen, soweit es die Rücksichtnahme auf das reisende Publikum gestatte. Briefkaften der Redaktion. mittags dauere, mit einer Mittagspause von einer halben Stunde, daß sich das Geschäft aber vorbehalte, die Arbeitszeit länger au 3N. M. 98. Leisten Sie der Aufforderung Folge, da Sie sonst die zu dehnen. Von einer besonderen Entlohnung der Ueberzeit größten Unannehmlichkeiten haben. Naturalisationsgesuch an den Oberfagt der Vertrag( die Geschäftsordnung) nichts. Jene aus- präsidenten der Provinz Brandenburg. Appel. 1. Nein. 2. Unterhaltsbedungene Ausdehnung der Arbeitszeit erfolgt nun für die beiden polizeibehörde an. Vorlegung der Bücher nicht erforderlich. ansprüche verjähren in 4 Jahren. 2. S. Melden Sie es bei der DrtsSaisons. Es wird dann bis 8 Uhr gearbeitet, soll aber auch später an den Mietsvertrag sind Sie gebunden. Sie hätten vorher vorsichtiger Anna 100. werden. 40 Pfennig gibt es dann zur Beschaffung von Abendbrot, sein müffen. W. R. 1906. Nur bei übermäßigem Lärm fönnen Sie das in einer Pause verzehrt werden kann. Die Ueberstunden werden Aufhebung des Vertrages verlangen. Richard 6128. Gehen Sie zu nicht besonders entlohnt. Indessen wird tatsächlich den Packern dem anberaumten Termin auf das Gericht; machen Sie Ihre Gegenund Hausdienern, die noch am Jahresschluß im Geschäft sind, eine ansprüche dort geltend. Kosten müssen Sie zahlen, wenn Sie verurteilt Gratifikation von 60 M. gezahlt. Auch der Kläger hat sie in den werden, Sie können zum Offenbarungseid geladen werden. Wegen Vorjahren erhalten. Darauf mit stüßt er auch seine Forderung Zahlungsunfähigkeit wird niemand bestraft.$. K. 90. 1. Vermögen von 30 M., indem er die Gratifikation als Entlohnung für die Ihrer Stinder haftet nicht für Ihre Schulden. Sie brauchen nur Ihr eigenes Vermögen anzugeben. Wenn Sie das Geld von Ihrem eigenen Ueberstunden beider Saisons betrachtet und nun halbiert, weil Erwerbe gespart haben, ist es Ihr Eigentum, solange als Sie es nicht verer infolge der Lösung des Arbeitsverhältnisses dieses Jahr nur die schenkt haben. 2. Sie sind verpflichtet, das Darlehen zurückzuzahlen, wenn eine Saison mitmachte. Er behauptete auch, daß einige Kollegen, feit Empfang desselben eine gewisse Zeit bereits verstrichen ist. R. H. die inmitten des Jahres weggingen, auf Vorstellungen bei den Die Kosten betragen wenige Mart. Gehen Sie zu einem Notar. Chefs für die Mehrarbeit in der einen Saison eine Entschädigung C. N. N. 18. Wenn Sie fünf minderjährige eheliche Kinder erhalten hätten. Der Vertreter der Firma bestand aber auf haben, fönnen Sie die Vormundschaft ablehnen. Teilen Sie seinen Schein. Nach dem Vertrage stehe dem Kläger ein Anspruchs- bie Ablehnung schriftlich dem Vormundschaftsgericht mit. E. W. Nein. recht auf Ueberstundenbezahlung nicht zu. Der Gerichtshof wies träge erstattet. . J. 100. 1. Ja. 2. Ja. 3. Es wird die Hälfte der geleisteten Beiauch die Klage ab, weil nach dem vom Kläger stillschweigend lobten erforderlich. Aufgebot tann in Berlin ohne Anwesenheit der Braut 1000 2. E. Es sind die Geburtsurkunden der Beranerkannten Vertrage die Verlängerung der Arbeitszeit ohne erfolgen. M. P., Charlottenburg. Es müssen 200 Marken geklebt Ertrabezahlung zulässig gewesen und dem Kläger auch keine Extra- fein. Wenden Sie sich an die Landesversicherungsanstalt Berlin, Matthäibezahlung für die Ueberstunden versprochen worden sei. Dagegen firchstraße 19. Zeidler. Sie sind zu Lohnangaben nicht verpflichtet. wäre nichts zu machen. Dem Vertreter der Beklagten wurde Zwei Streitende. 1. Ja. 2. Nein. Sie können die Herausgabe aber mit auf den Weg gegeben, daß der Vertrag doch wohl reform- verlangen und deswegen klagen. W. 35. Beantragen Sie beim Gericht Von Organisation ist hier feine Spur und die Christlichen, die bedürftig sei. Dem Vorbehalt der Verlängerung der vertraglichen 1. Schriftlich oder beim Gericht zu Protokoll. 2. Zeugen werden vom die Ausfertigung des Urteils. May Scheibel 16. Ja. Chorin 12. unter der stockkatholischen Arbeiterschaft das beste Agitationsfeld Arbeitszeit würde die Zusage einer besonderen Vergütung ent- Gericht geladen, soweit das Gericht ihre Bernehmung beschließt. 3. Die hätten, lassen sich nicht sehen. Erst wenn die freien Gewerkschaften sprechen. Zeugen werden bereidigt, nach Borstrafen im allgemeinen nicht gefragt. hier Fuß gefaßt haben werden, dann werden auch die„ christlichen" Es ist eigentlich ein starkes Stück und durchaus nicht moralisch, Christiansen. Wenn der Urlaub nicht auf bestimmte Zeit beschränkt war, Arbeiterzersplitterer auf der Bildfläche erscheinen, um dem Zentrums- wenn eine Millionenfirma sich in Fällen, wie dem vorliegenden, liegt Entlassungsgrund nicht vor. Eine ältere gerichtliche Entscheidung baron sein Stimmbieh zu erhalten, nicht um die elenden Ver- auf formelle Abmachungen beruft, denn zweifellos sind es doch nicht bekannt. Es hängt bom Ermessen des Richters und den hältnisse zu beseitigen. Vorläufig halten es die Kapläne noch die sogenannten Gratifikationen, welche die Angestellten bewegen, besonderen Umständen des Falles ab. Der Urlaub muß mit im Baum und bedarf W. W. Nein. der christlichen Organisation an dem Vertrage nicht zu rühren und stillschweigend die Ueber- Grund so lange ausgedehnt worden sein. noch nicht. Für die freien Gewerkschaften hält es außerordentlich stunden zu machen. Sie rechnen damit, wie mit einem RechtsInstanz. 1. Sie müssen durch einen Anwalt vertreten sein. 2. Nein. schwer, sich Eingang zu verschaffen, weil ihnen keine Lokale zur anspruche. Mit dem Gratifikationsunfug follte überhaupt aufVerfügung stehen und der Druck auf die Arbeiterschaft unerträglich geräumt werden. Keine Gnadengeschenke will der Arbeiter, sondern ist. Berläuft sich einmal ein Organisierter in diese Wüstenei, wird angemessenen Lohn für geleistete Arbeit. Mehr Arbeit erheischt er fofort gemaßregelt, wie das unlängst zwei Arbeitern auf der mehr Lohn. Die" Gratifikation" widerspricht auch durchaus dem Grube Klarendorf bei Schwandorf passierte, und diese Maßregelungen modernen Arbeitsverhältnis. wurden vom Pfarrer öffentlich gutgeheißen! Werkdirektoren und Pfaffen herrschen gemeinschaftlich über diese armen Heloten. Dazu tommt noch, daß die Werke so weit auseinanderliegen, daß sich die Nicht nur in Deutschland, sondern auch anderswo finden sich Arbeiter nicht gegenseitig unterstützen und aufmuntern können, so in den Reihen der Restaurateure hartnäckige Gegner gegen jeden ORIGINAL SINGER NAHMASCHIN man Singer Nähmaschinen. 16232* Einfache Handhabung! Große Haltbarkeit! Hohe Arbeitsleistung! Weltausstellung Grand Prix Weltausstellung Paris 1900: St. Louis 1904. 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Folgende Lokale stehen der Arbeiter schaft zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung: Köpenider Hof", Köpenickerstr. 174, und Restaurant Bürgerhof", Rüstrinerplatz 10. In Mariendorf bei Berlin steht uns jetzt das größte am Orte befindliche Lokal von Purschke, Chausseestr. 82, zur Verfügung. Wir bitten die Parteigenossen, dies zu beachten. Bitte auszuschneiden und der Lokalli ste beizufügen! Die Lokalkommission. " Zwar handelt es sich bei diesen Veranstaltungen entweder anstaltungen möglichst alles genommen wird, was eine Ansammlung um Privatangelegenheiten der Familie des Kaisers oder um von Schauluftigen herbeiführen und Verkehrsstörungen bewirken Feierlichkeiten militärischen Charakters. Aber die bürgerlichen könnte-? Zeitungen geben sich immer wieder alle erdenkliche Mühe, sie ihren Lesern als vaterländische" Feste anzupreisen. tember auch auf der Havel in Kraft. Die Sterndampfer gehen dann Der Herbstfahrplan der Dampfer tritt am Montag, den 3. Sepund pflichtschuldigst sorgen sie dafür, daß die liebe Neugier vom Bahnhof Wannsee um 11,40 und von 2,40 bis 6,40 stündlich hinterher auch erfährt, wie es war" falls sie nicht selber nach Botsdam. Mit Ausnahme der Dampfer ab 3,40 gehen sie sämt dabeistehen und gaffen durfte. In diesem Punkte sind die lich über Cladow. Von Botsdam zurück gehen die Dampfer um bürgerlichen Zeitungen eine wie die andere, von der Kreuz- 12,00, 3,05 und 5,05. Nach Werder geht werktags nur noch ein Beitung" und dem Reichsboten", der Post" und dem Dampfer um 2,55 von der Langen Brüde in Potsdam, an Sonn,, Reich" usw. hinab bis zu den Preßorganen der Mosse und tagen auch 11,55. Der Verkehr zwischen Potsdam- Nedlitz wird einulstein. Ihr Lesepublikum verlangt dieses Futter- und sie gestellt. Von Sonderdampfern verfehren in der kommenden Woche setzen's ihm vor. auf der Havel folgende: Montag, Dienstag und Donnerstag nachWilmersdorf. Die Generalversammlung des Wahlvereins Will man Proben des Tons, in dem die mittag 2,55 ab Potsdam über Werder nach Phöben und Dienstag, Donnerstag und Sonnabend 2,00, sowie am Sonntag, den 2. und findet am Dienstag, den 4. September, abends 8% Uhr, im bürgerliche Presse über diese dynastisch 9. September, 10,00 nach Ferch am Schwielowsee. Bon Spandau " Luisenpark", Wilhelmsaue 112, statt. Tagesordnung: 1. Bericht der militaristischen Veranstaltungen berichtet geht auch in der kommenden Woche ein Dampfer um 10,28, 1,28 und Delegierten von der Kreisgeneralversammlung. 2. Diskussion. hat? Da ist z. B. der Lokal- Anzeiger", der wohl immer 4,05 über Wannsee bis Potsdam und von Potsdam 11,00, 2,05 und 3. Bericht des Vorstandes. 4. Vereinsangelegenheiten, Verschiede- noch als parteilos gelten möchte, aber durch hündische Schweif- 4,05 nach Spandau. Die Umfahrten um Potsdam sind eingestellt. nes. Die Parteigenossen werden dringend ersucht, zahlreich zu er- wedelei vor Hoffreisen ebenso berüchtigt ist wie durch freche Von Berlin, Weidendammer Brüde, geht der letzte Dampfer am scheinen. Die Versammlung wird Punkt 8½ Uhr eröffnet. Verunglimpfung von Arbeitern. Ueber die„ Taufe des jüngsten 2. September früh 9,00 nach Potsdam; derselbe legt an der Moabiter Der Vorstand. noch in vielen Arbeiterfamilien gelesen wird: Hohenzollernprinzen" schrieb dieses Scherlblatt, das leider auch Brüde in Charlottenburg und in Spandau an. Auf der Obersprec verkehren die Dampfer bis auf weiteres ab Jannowißbrücke und Schlesisches Tor um 2, 3, 4 und 5 Uhr bis Grünau- Schmödwig, um " Und wie an allen Begebenheiten, welche die innersten Schid- 2,00, 2,30, 3,00, 3,30, 4,00, 4,30, 5,00 und 5,30 bis Loreley und fale der kaiserlichen Familie berühren, nahm das deutsche Volk zurüd. Der letzte Dampfer ab Grünau geht um 7 Uhr nach Berlin. auch an diesem weihevollen Aft freudig innigen Anteil. Als der Ab Grünau gehen außerdem von 2,23 bis 8,23 stündlich Dampfer gestrige Abend heranzog und die Stunde gekommen war, in nach Schmöckwitz und von Schmöckwitz von 1,15 bis 7,15 stündlich nach welcher der zum fünftigen deutschen Kaiser ausersehene Prinz die Grünau. Die Ueberfahrt auf dem Müggelsee zwischen FriedrichsTaufe erhielt, standen dem jüngsten Sprossen unseres Herrscher- hagen, Bad Bellevue und Rübezahl bleibt fernerhin bestehen, ebenso hauses die Gedanken und Wünsche von Millionen deutscher die Dampfer von Bellevue nach Müggelhort und zurück. SonderHerzen Pate." dampfer gehen außerdem noch nächste Woche von der Jannowit NB. Gleichzeitig machen wir die Genossen von Groß- Berlin darauf aufmerksam, daß hier am Orte nur der„ Luisenpark", Wilhelmsaue 112, für die Arbeiterschaft frei ist. Auch die Wilmersdorfer Genossen werden nochmals mit allem Nachdruck aufgefordert, die gesperrten Lokale, wie Schramm, Klause und Seeschlößchen zu meiden. " Eichwalde. Die regelmäßige Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, den 4. September, abends 8% Uhr, bei Witte, Eichwalde, statt. Pflicht eines jeden Genossen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Das Blatt hat über den„ weihevollen Aft" samt allem brücke nach der Woltersdorfer Schleuse täglich um 9,00, Dienstag, Nowawes- Neuendorf. Am Mittwoch, den 5. September, abends Drum und Dran einen mehr als vier Spalten füllenden Mittwoch, Freitag und Sonnabend auch 2,00. Montag und Donners 8½ Uhr, findet im Lokale des Herrn Ernst Schmidt, Wilhelmstr. 3. Bericht gebracht. Der Pastor, der die Taufrede hielt, be- tag gehen solche 2,00 nach der sogenannten Berliner Schweiz, Zwiedie Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins hauptete zwar:„ Ein Königskind wächst erst in seine Würde busch. Der Verkehr auf dem Scharmützelsee bleibt bestehen. statt. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2.. Vortrag des Genossen hinein." Aber der„ Lokal- Anzeiger" erzählte alleruntertänigst, Die Hite hatte gestern wieder einmal einen hohen Grad erreicht Boeste: Partei und Gewerkschaft". 3. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 4. Verschiedenes. Bei der Wichtigkeit der daß zwei Hofdamen die silberbrokatene Schleppe des hohen und auch verschiedene Opfer gefordert. Ueber eine Reihe von HigTagesordnung ist das Erscheinen der Mitglieder unbedingt er- Täuflings" hielten. Der hohe Täufling", so stand im schlägen, von denen der eine einen tödlichen Ausgang nahm, wird forderlich. Der Vorstand. Lokal- Anzeiger" zu lesen! In der nächsten Nummer gab es vom gestrigen Tage berichtet: Vor dem Hause Gerichtstr. 48 brach dann noch einen Nachtrag, der über einige intime Züge" be- in der Mittagsstunde eine unbekannte Arbeiterfrau, die im Begriff gewesen war, ihrem Manne das Mittagessen zu bringen, zusammen richtete. Da hieß es: und starb bald darauf. Der von der Unfallstation in der LindowerDer hohe Täufling hat sich bei der gestrigen Zeremonie straße hinzugerufene Arzt stellte fest, daß der Tod infolge Hipgeradezu musterhaft benommen. Er wußte, was er schlages eingetreten war. Die Leiche wurde zur Rekognoszierung in einem Parterre von Fürstlichkeiten und den höchsten Staats- das Schauhaus gebracht. Unter den Linden wurde ein älterer behörden schuldig ist." Herr plöglich vom Hizschlage getroffen. Ein gerade vorübergehender Das Scherlblatt wird nun bald so weit sein, daß es über rat leistete ihm die erste Hülfe. In der Friedrichstraße erlitten solche Ereignisse Berichte zu schreiben versteht, die den amt- awei Personen, die dem Borbeimarsch der von der Parade zurücklichen Berichten in nichts mehr nachstehen. Wie das Muster, fehrenden Truppen zugesehen hatten, Higschläge. Es handelte fich aber glücklicherweise um leichtere Fälle. dem das Scherlblatt nacheifert, aussieht, das lehrt der folgende der Grunewaldstraße wurde nachmittags der Maurer Ferdinand Kirsch amtliche Bericht, der über die Taufe ausgegeben worden ist. vom Sonnenstich getroffen. Man höre: Steglit. Mittwoch, den 5. September, abends 8% Uhr, Mit. gliederversammlung des Wahlvereins im Restaurant Schellhase. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Aßmann:„ Spaziergänge eines Atheisten". 2. Bericht von der Generalversammlung des Streises. 3. Stellungnahme zur bevorstehenden Gemeindewahl im zweiten Bezirk. 4. Vereinsangelegenheiten. Treptow- Baumschulenweg. Die nächste Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, den 4. September, in Treps tow bei Mohlau, Ecke Kiefholz- und Elsenstraße, statt, in welcher Genosse J. Borchardt über Strafrechtspflege und Strafvollzug einen Vortrag halten wird. Da außer diesem Vortrag noch andere wichtige Puntte auf der Tagesordnung stehen, ist es Pflicht der Parteigenoffen, pünktlich in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Reinickendorf Oft. Der Diskutierabend findet am Dienstag, den 4. September, abends 81%, Uhr, beim Genossen Brüdner, Provinzstr. 82, statt. Parteigenossen! Die Disfuffionen der letzten Zeit zeigen das Bestreben nach Aufklärung und der Vertiefung des Wissens und der Kenntnisse über unsere Ziele und Wege. Anregung und Anleitung dazu bieten in außerordent lichem Maße die Diskutierabende. Frei von der Erledigung ges schäftlicher Angelegenheiten sind sie gänzlich und allein der Erörterung praktischer und theoretischer Fragen gewidmet. Pflicht jedes Parteigenossen, der nach Erweiterung und Vertiefung seines Wissens und feiner Kenntnisse strebt, ist es daher, die Diskutierabende zu be fuchen. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Die Parteikonferenz Auf einem Neubau in Die Erhöhung der Bierpreise, Der durchlauchtigste Täufling war in Begleitung der Leibpagen, des Kronprinzen und der Kronprinzessin in die zu- die von den Brauereimagnaten beschlossen worden ist, ist mit dem nächst der Taufkapelle gelegenen Gemächer gebracht worden. Nun gestrigen Tage in Kraft getreten. Die Verhandlungen, die bisher mehr wurde höchstderselbe, geführt vom Sof- mit den Vertretern des Brauereirings geführt wurden, sind marschall v. Trotha, durch die Oberhofmeisterin, Freifrau resultatlos verlaufen und die Gastwirte sind nun dabei, sich zu v. Tiele- Windler, bis an die Tür der Tauftapelle getragen. Die überlegen, wie sie die erhöhten Preise paralysieren. Ein Teil Hofdamen Burggräfin und Gräfin zu Dohna- Schlobitten und der Gastwirte hat bekanntlich beschloffen, die Preiserhöhung auf Fräulein v. Helldorff hielten die filberbrokatene Schleppe des die Konsumenten abzuwälzen und hat eine diesbezügliche Bekannt hohen Zäuflings. Kammerherr Graf zu Bismarck- Bohlen schloß den Zug. Die drei Damen trugen Courroben. An der Tür der Tauftapelle übergab die Oberhofmeisterin, Freifrau v. Tiele Wincler, den durchlauchtigsten Täufling der Prinzessin Victoria Luise, welche, während die Ehrenposten präsentierten, mit Höchst demselben vor den Altar trat." Hoffentlich bekommen unsere Leser beim Lesen dieser Zeilen fein Bauchgrimmen. Aber das ist wirklich veröffentlicht worden. machung in den Lokalen ausgehängt. Bisher sind diese Preiserhöhungsplakate des Vereins Berliner Gastwirte nur in ber= schwindend wenigen Restaurants angebracht worden. Andere Gastwirte suchen der Preiserhöhung auszuweichen, indem sie versuchen, sich von Ringbier zu befreien. Die Gastwirtsvereine haben sich nähmlich ganz im stillen nach ringfreien Liefereanten in Provinzstädten umgesehen und mit vielen schon Lieferungsverträge abgeschlossen. Erst Donnerstagabend veranstaltete der Verein der Gast. und Schantwirte des Wedding eine Bierprobe mit dem Ergebnis, daß das Bier einer Brauerei in Seelow als vorzüglich befunden und seine Einführung im Berliner Norden beschlossen wurde. Es ist dabei auch um 2.M. pro Hektoliter billiger - aber sie spotten als das Berliner Ringbier. Am nächsten Donnerstag wird schon die Einkaufsgenossenschaft des Vereins ihren Kaufvertrag ab. schließen. Die Brauerei richtet dann eine Niederlage in Berlin ein; das gleiche geschieht von verschiedenen anderen Provinz brauereien. So schrieb man's in Preußen- Deutschland, im sechsten Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Unter den bürgerfür Berlin und die Provinz Brandenburg tritt heute mittag lichen Blättern find etliche, die gern so tun, wie wenn sie 12 Uhr im Gewerkschaftshause zusammen. Die Aufgaben, die den Byzantinismus verabscheuten. Sie spötteln über die ihr obliegen, sind ausschließlich organisatorischer und agita- Devotion diefes amtlichen Berichtes torischer Natur. Zunächst wird die Agitationskommission be- ihrer selbst und wissen nicht, wie. Denn auch sie richten, welche Tätigkeit im verflossenen Jahre entfaltet wor- felber haben es nicht unterlassen, über all die Herrlichkeiten den ist und welches Ergebnis dieselbe gehabt hat. Zahlen- dieser Hochsaison, die in den letzten Tagen für Byzanz gemäßig lassen sich die Erfolge nicht nachweisen, denn das tommen war, mit gewissenhafter Ausführlichkeit zu berichten. Wachsen der politischen Organisationen allein ist noch kein Nur im Ton waren sie vorsichtiger so, wie für sie das endgültiger Maßstab dafür; liegt doch der Schwerpunkt der Geschäftsintereffe es gebietet. Auch die neuen Genossenschaftsbrauereien der Gastwirte werden bald in der Lage sein, Berlin mit Bier au versorgen. Mit ihrer Gründung wird eifrig fortgefahren. Erst Agitationskommission darin, die wirtschaftlich und politisch Das Haus Klosterstraße 32/36 an der Ecke der Sieberstraße, in gestern wieder ist eine neue Genossenschaftsbrauerei für bayrisch entrechteten& andproletarier für die Idee des Sozia- dem fich früher das tgl. hygienische Institut der Universität befand, Bier vom Gastwirteverein Südost gegründet worden. Gine gleiche lismus zu gewinnen. Das Resultat dieser agitatorischen welches vor einiger Zeit nach der Hessischenstraße 3/4 verlegt wurde, Gründung ist von den Gastwirten in Luckenwalde, Jüterbog und Tätigkeit wird sich erst bei den nächsten Reichstagswahlen wird jetzt vollständig umgebaut. In diesem Hause war auch die Umgegend beschlossen worden. Daß die Kantinenvorstände der zeigen. Diese sind denn auch schon diesmal Gegenstand eines tgl. Sammlung für Deutsche Volkskunde, das sogenannte Trachten besonderen Referats und es ist in der Tat angebracht, mit der Museum untergebracht. Dies Grundstüd ist mit dem in der Jüden größeren Druckereien beschlossen haben, den Ringbrauereien die er. Vorbereitung für diese Wahlen schon frühzeitig zu beginnen. Straße 56/60 verbunden, wo sich von heute an die Verwaltung der höhten Preise nicht zu zahlen, sondern vom 1. September ab Bier aus ringfreien Brauereien zu beziehen, hatten wir schon berichtet. Diesem Zwecke soll auch dienen eine neue Organisationsform direkten Steuern befindet. Zugleich wird auch von dem Personal der Druckereien erwartet, für die Provinz Brandenburg. Dieser Punkt der Tages- Im Zeichen der Verkehrsstörung stand Berlin wieder am baß es auch außerhalb des Betriebes diesem Beschluß Rechnung ordnung scheint, nach den bisherigen Aeußerungen der in Be- gestrigen Sonnabend, an dem wir die diesjährige Herbst parade trägt. Dazu kommt, daß das Publikum im allgemeinen nicht tracht kommenden Parteiorganisationen zu urteilen, der heiß über uns ergehen lassen mußten. Es wurde wieder einmal abdorthin gehen wird, wo es hohe Preise zahlen muß. Durch diesen umstrittenste zu werden. Wohl ist schon versucht worden, diese gesperrt, daß es eine Lust war"- hätten wir beinahe gesagt. Aleinfrieg tommen zunächst die Gastwirte, die sich in den Klauen Frage zu einer Kontroverse zwischen Berlin und der Provinz Aber für Leute, die arbeiten mußten und durch ihren Beruf auf der Ringbrauereien befinden, in eine sehr üble Lage. Der Kon oder umgekehrt zu gestalten, und die Provinzgenossen gegen die Straße geführt wurden, war das wirklich keine„ Lust". Und sument will nicht zahlen, der Brauereimagnat liefert aber, auf die Genossen Berlins einzunehmen. Wir zweifeln aber nicht, Gaffern und Müßiggängern, die die Paradestraßen säumten, wurde seine Macht pochend, dem Gastwirt das Bier nur mit entsprechender daß es gelingen wird, den Nachweis zu führen, daß den Ber- mit den Absperrungen tein Gefallen getan. Erhöhung. Nun ist aber Bier ein Produkt, dessen Genuß man liner Genossen nichts ferner liegt, als eine Bevormundung der Die Rücksichtslosigkeit, mit der unsere Berliner Polizei bei Ge- eventuell einschränken, wenn nicht ganz meiden kann. Dadurch Genossen in der Provinz Brandenburg auszuüben und zu legenheiten dieser Art den Verkehr ablenkt," ist bekannt. Wehe erwächst den Gastwirten ein ganz erheblicher Schaden. Den Hauptzeigen, daß es ihnen ausschließlich darum zu tun ist, das Beste dem, der an solchem Tage darüber räfonniert! So höflich und schaden werden durch die oben angedeutete Wirkung der Bierpreiszur Förderung unserer Bewegung in der Provinz Branden- liebenswürdig die Schuyleute gegenüber den gaffenden Herr erhöhung aber die Brauereien felbft haben. burg beizutragen. So wollen wir hoffen, daß die heutigen fchaften" find bitte, gehen Sie weiter", hörten wir einen sogar Beratungen dazu beitragen mögen, eine allen Ansprüchen ge- zu einem auf dem Damm stehenden zehn- bis zwölfjährigen Schulnügende Organisation zu schaffen, die eine gute Grundlage jungen sagen so ungemütlich können sie werden, wenn man abgeben wird, um eine energische, fruchtbringende Agitation ihnen zu verstehen gibt, daß man sich nicht in Reih' und für den sozialistischen Gedanken unter den uns fernstehenden Glieb aufstellen will, sondern durch muß." Ein Mensch, Proletariern unserer Provinz betreiben zu können. In diesem der am Paradetage oder bei anderen dynastisch militärischen Sinne heißen wir daher die Delegierten der Konferenz herzlich Veranstaltungen feiner Arbeit nachgeht, ist ja von vornherein willkommen. verdächtig, kein ganzer Patriot" zu sein. Kann man's einem Schutzmann verdenken, daß er nervös wird, wenn ein solcher Staatsbürger ihn mit seiner Nörgelei infommodiert? Hochsaison für Byzanz. " " und 9 " Die Hurrafchreier haben in diesen Tagen sich wieder ein- Eins fällt uns bei all' diesen Absperrungen immer wieder auf: mal in gehobenster Stimmung befinden dürfen. Von Mitt- der Gegensatz zwischen dem Gleichmut, mit dem man hier woch über Donnerstag und Freitag zum gestrigen Sonnabend wichtigste Interessen der erwerbtätigen Bevölkerung durch ein und noch bis zum heutigen Sonntag ist ihnen ein Fest Schaugepränge gefährden läßt, der Strenge, mit der nach dem anderen bereitet worden: die Taufe eines bei Streits und Aussperrungen von der Polizei darüber neugeborenen Prinzen, die Nagelung und Weihung neuer gewacht wird, daß fein Streifpoften den Verkehr hemmt". Fahnen, die Einstellung eines achtjährigen Prinzen in die Wo gestreift wird, da foll schon ein einzelner Mann imstande sein, Armee, die Abnahme der üblichen Herbstparade und schließlich die Baffanten in ihrer Bewegungsfreiheit zu behindern, wenn er auf heute noch die Sedanfeier. Db wir hiermit die gebotenen dem Bürgersteig steht oder auf und ab geht. Genüsse schon vollständig und auch in der richtigen Reihenfolge aufgezählt haben wir wissen es nicht. " Wie wär's, wenn der Polizeipräsident von Berlin einmal feinen Einfluß dahin geltend machte, daß den dynastisch- militaristischen BerDie Ringbrauereien werden sich durch ihre Maßnahmen ein ziemlich beträchtliches Absatzgebiet verschließen und wie es scheint auf die Dauer verschließen. Die Geschäftsberichte des nächsten Jahres werden diese Voraussage bestätigen. Weiter wird noch berichtet: Es zeigt sich jetzt schon, daß trok der strengen Konventionalstrafen des Brauereiringes die ihm angeschlossenen Brauereien nicht einheitlich mit der Preiserhöhung borgehen, sondern viele die Hintertüren ihres Vertrages benußen, um den Aufschlag zu umgehen. Verschiedene Ringbrauereien haben gestern noch in letzter Stunde mit ihren alten Kunden langfristige Lieferungsverträge abgeschlossen zu den alten Preisen, so daß die Breiserhöhung erst nach längerer Zeit in Kraft tritt. Diejenigen Wirte, die ihre Einrichtung von der Brauerei erhalten haben und die Abzahlung durch höhere Bierpreise bewirken, werden von dem Preisaufschlag auch nicht betroffen, weil ihre Preise vertragsmäßig festgelegt find. Unter den Gastwirten haben sich zwei Parteien gebildet, die den Abwehrkampf gegen die Bierberteuerung gesondert führen. Der Verein Berliner Gastwirte, die Vereine der Weißbierwirte, der Saalbesitzer und die übrigen Vereine der Zone Berlin des Deutschen Gastwirtsverbandes haben gestern in einer Delegiertensigung eine viergliedrige Kommission mit der Anbahnung neuer Verhandlungen mit dem Ring beauftragt. Unter diesen Bereine besteht aber noch keine Uebereinstimmung in bezug auf die Abwehr» maßregeln, weil ein Teil der Wirte die Abwälzung deS Preis- aufschlagS auf das Publikum für notwendig hält, der andere größere Teil aber davon nichts wissen will.— Getrennt von diesen Vereinen gehen die Vereine des Verbandes der Gast- und Schank- Wirte und des Verbandes der freien Gastwirte vor. Sie wollen unter keinen Umständen eine Abwälzung auf das Publikum E,ne neue W e i tz b i er g e n o s s e n s ch a f t S b r a u e r e i Ist gestern in einer Versammlung gegründet worden, an der die Vorstande der Gastwirtsvereine Moabit. Schönhauser Vorstadt. Weddlng, Weißensee und des Vereins der Biervcrleger teilnahmen. Die Gründung bedarf noch der Zustimmung der Mitgliederver- sammlungen der genannten Vereine, diese ist aber bestimmt zu erwarten. 0 Die ErSffnung der zweiten AutomobilomnibuSlinie ist von der Allgemeinen Berliner OmnibuS-Aktiengesellschaft soeben auf den nächsten Montag, den 3. September, festgesetzt worden. Die zweite der Automobilomnibuslinien in Berlin wird die Linie 19, Alexander- platz-Moabit sein. Wie die erste Automobilomnibuslinie durch die Friedrichstratze Berlin von Norden nach Süden durch die wichtigste Berkehrsstraße verbindet, so wird die zweite den Nordwesten mit dem Zentrum über die vornehmste Straße der Reichshauptstadt, die Straße Unter den Linden, verbinden. Auf dieser Strecke werden zunächst vier Automobilomnibusse eingestellt. Die Fahrzeit für die §anze Strecke vom Alcxanderplatz bis Moabit wird durch den Gotorbetrieb von 42 auf 32 Minuten verringert. Der Betrieb der Linie mit Pferden bleibt daneben ebenso wie bei der Linie 4, HallescheS Tor-Liesenstraße, bestehen. Abgesehen von der Beschleunigung bei den Automobilwagen erfährt der Fahrplan der Linie gleichzeitig insofern eine wichtige Verbesserung, als der Be- trieb sowohl morgens wie abends länger als bisher ausgedehnt wird. Die ersten Wagen gehen künftig schon um 5,30 von beiden Endpunkten in Moabit wie im Zentrum ab. Die letzten Wagen ver- kehren nachts bis gegen 1 Uhr. Der Fahrpreis für die ganze Strecke beträgt 10 Pfennig. Unentgeltlicher Unterricht in Säuglingspflege für unbemittelte Frauen und Mädchen findet im Monat September einmal wöchentlich statt. Meldungen hierzu am Mittwoch, den ö. September, von 8—-4 Uhr im„KinderhauS". Blumenstr. 78, Hof rechts, parterre. Bon einem Schleppdampfer überrannt. Einen bösen Abschluß nahm die erste Ausfahrt mit einem neuen Zweiruderer ohne Steuer- mann, die gestern von zwei Mitgliedern deS Berliner Ruderklubs „Brandenburgia" auf der Oberspree unternommen wurde. Das Fahrzeug ist in einer neuen Bauart hergerichtet und wird ohne Steuermann geführt. Infolgedessen fällt den Ruderern die Aufgabe zu, sich öfter umzuwenden, uni entgegenkommenden Fahrzeugen aus- zuweichen. Die beiden Insassen hatten nun gestern nachmittag nicht beachtet, daß in der Nähe von Spindlersfelde ein Schlepp- Kämpfer der Norddeutschen Brauerei von Grünau nahte, und als sie sich im letzten Augenblick umwandten und die Gefahr bemerkten, ivar es bereits zu spät. Das Ruderboot wurde von dem Dampfer überrannt und die beiden Ruderer gerieten unter den Schlepper. Vom Bootshaus deS„Spindlersfelder Rudervereins" war der Unglücksfall beobachtet worden und es wurde schleunigst ein Rettungsboot flott gemacht, das nach der Unfallstelle fuhr. Es glückte auch die beiden Ruderer zu bergen. Einer derselben hatte bei der Berührung mit dem Dampfer erhebliche Verletzungen er- .itten. Der andere hatte bei dem Unfall den Verlust fernes Porte» nonnaies. das 100 M. enthielt, zu beklagen. Eine Massenprotestversammlung gegen die von der Stadt Berlin geplante Billett- und Lustbarkeitssteuer ist von einem Ausschutz sämtlicher Berliner Gastwirtsvereinigungen für Montag, den 10. September, nach der„Neuen Welt", Hasen- Heide, einberufen worden. Den Gastwirten haben sich bei der Protestaktion angeschlossen die Vereinigungen der Berliner Tanz- lehrer, Cafetiers, Varietebcsitzer, Musiker, Artisten und andere. Einladungen ergehen auch an die Vorstände sämtlicher übrigen Berliner Vereine, weil die Steuer ja jeden Verein bei der Veran- staltung von Festlichkeiten schädigen würde. Wie bestimmt ver- lautet, wird sich die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung am 13. September mit der Steuervorlage beschäftigen. Deswegen ist der Montag vorher für die Kundgebung gewählt worden. Durch einen brennenden Lastwagen wurde gestern nachmittag in der Markstratze in Reinickendorf eine Verkehrsstörung im Straßenbahnbetriebe verursacht, die von 2,05 bis 2,55 Uhr dauerte. Ein mit Stroh beladener Wagen der Firma Adolf Brehme aus Reinickendorf war bei der Einfahrt in ein Hausgrundstück stecken geblieben und sperrte das Stratzenbahngleis in der Richtung nach Reinickendorf. AuS unbekannter Ursache fing die Ladung Feuer und Wagen und Stroh verbrannte vollständig. Die Wagen der Linie 32 mußten durch die Pankstraße nach Reinickendorf abgelenkt werden. Die herbeigerufene Feuerwehr beseitigte dann die Reste deS Verkehrshindernisses.— Eine weitere halbstündige Verkehrs- störung im Straßenbahnbetriebe trat um 10 Uhr in der Acker- straße, Ecke der Feldstraße, ein. Dort war einem Lastwagen der Firma A. Hoffmann, Wrangelstr. 108, das linke Hinterrad ge- brachen und der Wagen sperrte das Straßenbahngleis in der Richtung nach dem Nettelbcckplatz. Die Wagen der Linien 3, 22 und 81 hatten infolgedessen Aufenthalt. „Warp"-Nepper machen die Vororte Berlins unsicher. Mehrere ausierer betreiben diesen schwunghasten Handel, bei welchem der äufer stets hineingelegt wird. Die Händler bieten eine ganz minderwertige Ware in„Warp" an, und zwar in Stücken von drei bis vier Metern, die sie zum Preise von 14 bis 21 Mark verkaufen, deren reeller Wert aber höchstens 3 bis 4 Mark beträgt. Das wenig haltbare Zeug eignet sich nicht einmal zum Hausileide für Frauen, nach Fertigstellung fällt der„Warp" wie Zunder vom Leibe. Eine Betriebsstörung auf der Hochbahn fand am Freitagabend gegen 9 Uhr statt. Die nach dem Tunnel des Potsdamer Unter» grundbahnhofes führende Weiche hatte versagt, und eö mußten sofort Reparaturarbeiten vorgenommen werden. Infolgedessen stockte der Verkehr der Züge und ein großer Teil derselben blieb auf dem Gleisdreieck liegen. Es dauerte etwa zwanzig Minuten, ehe die Einfahrt nach dem Untergrundbahnhof freigegeben werden konnte. Arbeitszeug hat am 28. August ein Arbeiter bei einem Gastwirt im Osten liegen lassen, ohne daS er nirgends Arbeit finden kann. Er hofft auf diesem Wege zu seinem Werkzeug zu kommen, da ihm die Lage deS Lokals entfallen ist. Das Arbeitszeug befand sich in einem schwarzen Leinwandbeutel und bestand auS Zintbüchsen, in welchen sich Polierballen befanden. Um Abgabe wird gebeten an Adolf Scholz, Polierer, Hausburgstr. 30. »ei einer Beerdigung vom Herzschlage getroffe« wurde gestern der Kaufmann Littauer auS der Passauerstratze. L. wohnte mit feiner Frau und Tochter einer Beisetzung auf dem jüdischen Kirch- Hofe in Weitzensee bei. Nachdem die Trauerfeierlichkeit beendet war, gingen die Teilnehmer zur Kapelle, um daS letzte Gebet zu verrichten. Plötzlich brach Littauer wortlos zusammen. Obwohl ein Arzt schnell zur Stelle war, konnte er doch nur noch den sofort eingetretenen Tod infolge Herzschlages feststellen. Ein hübsches Geschichtchen von einem Berliner Jungen lesen wir in einem hiesigen Mittagsblatt. Dort wird erzählt: Gestern erschien auf der Wache de? 9. Polizeireviers ein zwölfjähriger Knabe und meldete, er hätte einen kleinen Jungen gefunden, den er gleich mitgebracht habe. Die Beamten der Wache bemühten sich, aus dem Kleinen herauszubekommen, wer er sei und wohin er ge- höre. Aber alles vergebens. Der Findling konnte noch nicht sprechen und mußte vorläufig auf der Wache behalten werden. Und der Telegraph spielte nach allen Richtungen, ob vielleicht in irgend einer Stadtgegend ein zweijähriger Knabe vermißt werde. Am Abend erschien auf der Wache wiederum ein Junge, welcher angstvoll fragte, ob man vielleicht seinen kleinen Bruder gefunden habe. Einem Beamten kam das Gesicht bekannt vor und er nahm den Burschen inS Gebet. Und da stellte sich denn heraus, daß es derselbe Bengel war, der am Nachmittag den kleinen Findling auf das Polizeibureau gebracht hatte. Um sich unkenntlich zu machen, hatte er am Abend eine andere Jacke und Mütze angezogen. Als man den Jungen fragte, warum er dieses Manöver aus« geführt habe, gestand er, daß er auf seinen Bruder aufpassen müsse, wenn seine Eltern auf Arbeit gingen. Da er aber gern einmal baden gehen wollte, hätte er seinen Bruder nicht sicherer unter- bringen können, als daß er ihn inzwischen der Obhut der Polizei anvertraute. Drei Zehen abgerissen. Bei einem schrecklichen Unglücksfall ist vorgestern abend der, Iljährige Schüler Arthur Müller aus der Dalldorferstr. 11/12 zum Krüppel geworden. Der Knabe war mit bloßen Füßen auf der Straße umhergelaufen und ein ihm bekannter Radfahrer hatte ihn aufgefordert, sich zu ihm hinten auf das Rad zu stellen. M. tat dies auch, doch kaum hatte sich die Maschine in Bewegung gesetzt, so geriet er mit dem linken Fuß in das Kettenrad- getriebc, so daß ihm drei Zehen abgerissen wurden. Das Unglück- liche Kind fand in der Charite Aufnahme. Aus dem Straßengetriebe. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich gestern abend um%10 Uhr in der Potsdamerstratze. Das 20jährige Fräulein Antonie Kegler, Potsdamerstr. 27 wohn- Haft, wollte kurz vor dem herannahenden Motorwagen Nr. 280 der Straßenbahnlinie U das Gleis iicherschrciten, wurde umgestoßen und stürzte so unglücklich, daß sie einen Schädelbruch erlitt und in bewußtlosem Zustande nach dem Elisabeth-Krankenhause über- geführt werden iitußtc.— Das Opfer eines schweren Automobil- Unfalles wurde Freitag abend in der 11. Stunde die Gattin des bekannten Operettentenors Koppel. K. war von Frankfurt a. M., wo er bei den Opcretienfestspielen mitgewirkt hatte, nach Berlin zurückgekehrt und hatte am Bahnhof Zoologischer Garten mit seiner Frau ein Droschken-Automobil bestiegen, um nach der in der Herderstratze belegenen Wohnung zu gelangen. In der Haiden- bergstraße versagte am Kraftwagen plötzlich die Steuerung und das Gefährt fuhr mit solcher Wucht gegen einen Kandelaber, daß sämt- liche Scheiben zertrümmert wurden. Die Glasscherben drangen der Frau K. ins Gesicht und blutüberströnit wurde die Verunglückte in die Unfallstation XX eingeliefert. Dort muhten eine ganze Anzahl von Fleisch- und Ritzwunden vernäht werden. Tödlicher Unfall beim Einbringen des lenkbaren Luftballons. Am Freitagabend machte der Motorballon des Herrn v. Parseval auf dem UcbungSplatz des Luftschifferbataillons in der Tegeler Heide abermals einen Aufstieg, der in Gegenwart des General- leutnants v. Werneburg technisch zwar erfolgreich verlief, leider aber mit einem sehr traurigen Unglücksfall endete. Nach beendeter Fahrt wurde der Ballon wieder in die aus Wellblech hergestellte Ballonhalle zurückgebracht. Bei dem Schließen der Schiebetüren der Ballonhallc geriet das Söhnchcn de? Waffenmeisters Bricseke vom Luftschiffer-Bataillon. welches ungesehen in der Schiebetür ge- spielt hatte, zwischen diese und die Vorderwand der Halle, wobei ihm der Schädel völlig eingedrückt wurde. Der hoffnungsvolle, frische Knabe war sofort tot. Bon einem Balken erschlagen. Bei dem Aufbau eines Gerüstes tödlich verletzt wurde der Arbeiter Brecher, der auf dem neuen Automobilwerk von Siemens u. Halske am Nonnendamm tätig war. Während mehrere Leute damit beschäftigt waren, ein großes Holz- gerüst aufzubauen, fiel aus beträchtlicher Höhe ein Balken herab und traf B., der sich zu gleicher Erde in gebückter Stellung zu schaffen machte, so unglücklich, daß ihm Schädel und Brustkasten zerschmettert wurden. Der bedauernswerte junge Mann starb auf der Stelle. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Der SchubmannSsäbel. Auf eigenartige Weise mochte gestern der 30jährige Arbeiter Georg JaSkula aus der Licbcnlvaldcrstr. 8 mit dem Schutzmanns- säbel Bekanntschaft. I. schien deS Guten zu viel genossen zu haben und schwebte in diesem Zustande nn der Eisenbahnuntcrführung in Gefahr, von einem Geführt überfahren zu werden. Der Posten« stehende Schutzmann ritz den I. zurück. I. schien das gute Werk des Beaniten nicht recht verstanden zu haben, er ging dem Schutz- mann nämlich zu Leibe, was letzterer mit einem kräftigen Säbelhieb über den linken Arm des I. beantwortete und I. unschädlich machte. Der Verletzte lvurde nach der Unfallstation VI gebracht, wo ihm die Verletzung verbunden wurde. Von einem anderen Säbelhieb wird uns von der Pank- und Wiesenstratzenecke gemeldet. Dort wurde einem am Brunnen Liegenden von einem Schutzmann, der ihn aufheben wollte und bei dieser Gelegenheit mit hinfiel, eine Wunde am Handgelenk bei- gebracht. Auch dieser mutzte auf der Unfallstation verbunden werden. Der Säbel scheint in letzter Zeit recht oft angewendet zu werden. Vielleicht Uetze sich durch weniger schneidiges Vorgehen dasselbe erreichen._ Beim Fensterputzen lebensgefährlich verunglückt ist Freitag abend die Aufwartefrau Liedke, Exerzierstr. 8 wohnhaft. Frau L. hatte in der Schulstr. 55 die Reinigung übernommen und als sie, auf einer Leiter stehend, die Fenster putzte, verlor sie plötzlich das Gleichgewicht und stürzte rücklings ab. Sie erlitt eine Gehirn. erschütterung und schwere innere Verletzungen und wurde be- , innungslos in die Charite eingeliefert. Eine Anzahl Straßensperrungen gibt der Polizeipräsident bekannt. Es werden gesperrt: Die Bergmannstratze zwischen Zossenerstrahe und Kaiser Fricdrichplatz vom 8. k. M. ab bis auf weiteres. Die Ratiborsiratze von Reichenbergerstrahe bis Kottbufernfer behufs Neu« beschüthmg vom 10. k. M. ab bis auf weiteres. DaS Reichstags- ufer von der HaiiSgrenze zwischen Nr. 3 und 4 bis zur Kronprinzen- brücke und die Hmderfinftrahe von der HauSgrenze zwischen Rr. 3 und 4 bis zum Rcichstagsufer behufs Unipflasterung vom 3. k. M. ab bis auf weiteres. Die Kanonierstratze zwischen der Behrenstratze (Südseite) und der Französischenstratze(Nordseite) behufs Afphal- tierung vom 3. k. M. Eine Verkehrsstörung im Straßenbahnbetriebe fand um Mitter- nacht auf dem Potsdamer Platz statt. Infolge Ausbrennens des SolonoitS, des Elektromagneten, der das Umlegen des Weichen- bügels veranlaßt, versagte die elektrische Umschalworrichtung für die elektrische Weiche, die von der Königgrätzcrstratze nach der Pots- damerstratze führt. Die Störung dauerte eine halbe Stunde, die in Betracht kommenden Wagen der Linie R mußten abgelenkt werden. Die Schuljugend auf der Straße, daS ist ein Thema, das von irndcn unserer Kinder oft mit sorgenvollen Mienen erörtert wird. Kinder gehören überhaupt nicht auf die Straße, so sagt mancher von ihnen. Mindestens aber gehören sie nicht dahin, wo Ansammlungen von Menschen entstehen, so wars früher ziemlich allgemeine Meinung. Anderer Meinung sind die Schulbehörden erst geworden, seit uns die Neuerung der P a r a d e f e r i e n be- schert worden ist. Seitdem wir eS hierzu gebracht haben, wird Kindern sogar von Lehrern empfohlen, auf die Straße zu gehen und sich hinzustellen, wo es was zu sehen gibt. Das allerneueste aber wäre, wenn sogar die Kinder durch ihre eigenen Lehrer auf die Straße geführt würden. Ein Partei- genösse teilt uns mit, am Sonnabend in aller Frühe habe er be- obachtet, wie von Köpenick aus mehrere Schulklassen unter Führung ibrers Lehrers nach Berlin fuhren und von Station Stralau- Rummclsburg nach dem Tempelhofer Felde marschierten. Hier wäre es Pflicht der Eltern, ihren Kindern die Beteiligung an solchen bedenklichen Exkursionen zu verbieten. Oder ist es schon dahin ge- kommen, daß der P a r a d e b u m m e l zu einem„Teil des Schulunterrichts" gestempelt werden soll, wie die Feier deS Sedantages oder des Geburtstages des Kaisers? Am Ende müssen Eltern, die ihre Kinder nicht mit zur Parade gehen lassen, Schul- versäumnisstrafe zahlen? Vielleicht kommt auch das noch! Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Sonntag, den 9. Sep- tember. AuSflug nach Steglitz mit Besichtigung des neuen Botanischen Gartens. Abfahrt vom Wannseebahnhofe 1� Uhr. Für Nachzügler: Gartenlokal„Birkeniväldchen", Steglitz, Schützenstr. 4, Ecke Lichterfelderstraße. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. Im Zoologischen Garten wurden in diesem Jahre in der Ibis- Voliere wieder einige sehr eigenartige Mischlinge gezüchtet. Wie bereits in den vorigen Jahren, so glückte auch diesmal eine Brut, deren Eltern ein australischer Stachelhals-Jbis und ein afrikanischer heiliger Ibis waren. Die Mischlinge sind weiß mit ausgedehnten schwarzen Flecken. Noch merkwürdiger ist aber eine junge Ibis- Löffler-Kreuzung, deren Mutter zugleich die Großmutter darstellt. Im Jahre 1899 paarte sich eine japanische Löfflerin mit einem Schwarztopf-Jbis. Der dieser Verbindung entstammende Sohn erwählte sich im Jahre 1902 eine amerikanische Kohl-Löfflerin und erzeugte mit ihr zwei Sprößlinge. In diesem Jahre nun brütete der jetzt 7jährige Löffler-Jbis-Mischling, nachdem er inzwischen Witwer geworden war, mit der eigenen Mutter, und ein munterer Nachkomme, der zu drei Vierteilen Löffler und zu einem Viertel Ibis ist, tummelt sich jetzt als fast erwachsener Vogel mit den übrigen Verwandten. Sein Schnabel gleicht fast dem des Löffler, zeigt aber eine ibisartige schwache Biegung. Im Berliner Aquarium findet der Naturfreund beim Durch- mustern der Seewasserbecken unter den von Novigno an der Adria Neuangekommenen Tieren insbesondere reizende und interessante Arten aus den Klassen der Korallpolypen und Moostieren. Die zur umfangreichen Gruppe der achtstrahligen Blumenpolypen oder Fiederkorallen zählenden Rindenkorallen oder Gorgoniden, deren Mitglieder fesrsitzen-de, baumartig oder fächerförmig verzweigte Stöcke mit innerer, horniger oder kaliiger Axe bilden, welche von einer halbweichen, die Polypen enthaltenden Rindenschicht überzogen sind, steuerte zu den Einsendungen eine Spezies bei, deren weiße schlanke Aeste die Blicke des Besuchers schon von ferne auf sich lenken. Diese echte Gorgonia ist in drei Exemplaren demselben Becken, einem der drei Basaltbecken an der Treppe beim Seehundsteich, einverleibt, welches die vor einiger Zeit von Direktor Dr. Hermes aus dem Mittclmeer zum erstenmal nach hier überführten beiden Gattungsverwandten beherbergt, von denen sich die letzteingetroffene Art aber durch die Form der Verzweigung und durch die Färbung unterscheidet. Das gleiche Bassin birgt auch mehrere neuangelangte Spezies Meermoostiere, Kolonien von sehr kleinen, festsitzenden tierischen Lebewesen, die uns in Gestalt von zierlichen, blattartig verzweigten oder korallähnlichen Tierstöcken erscheinen; sie gehören zu den Gattungen Flustra und Myriozoum. Ter Große Preis von Berlin gelangt am heutigen Sonntag, den 2. September, im Sportpark Steglitz zur Entscheidung. Im wissenschaftlichen Theater wird in dieser Woche der mit zahlreichen farbigen Bildern nach eigenen Aufnahmen aus dem Katastrophengebiet ausgestattete Vortrag„Der jüngste Ausbruch des Vesuv" am Sonntag, Montag, Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend wiederholt. Am Dienstag findet noch einmal eine Wiederholung des Vortrages„Die deutsche Ostseeküste von den Wanderdünen bis zum Alsensund" statt und am Freitag wird der Vortrag„Im Lande der Mitternachtssonne" gehalten werden. Feuerwehrbericht. In der letzten Nacht lam in der Flensburger- stratze 23 in einer Wohnung Feuer aus. Es brannten dort Wäsche, Körbe u. a. Gleichzeitig hatte die Wehr in der Königgrätzerstr. 56o, Freiligrathstratze 8 und Frankfurter Allee 123 zu tun. wo Gardinen, Kartons usw. auf Hängeböden, Klosetts usw. brannten. Am Nord- bahnhof an der Schwedterstratze war Stroh in Brand geraten. In der Nähe, auf dem Exerzierplatz au der Gaudystratze, stand ein Zaun in Flammen. Der 15. Zug lvurde nach der Putlitzstrahe 4 gerufen, wo ein Balkon brannte. Ferner hatte die Wehr in der Prenzlauerstratze 4, Brunnenstratze 34, Bernauerstratze 48, Rostocker- siratze 33, Blumenstratze 52» und an anderen Stellen aus ver- schiedenen Anlässen zu tun., Arbeiter-Samariterkolonne. Montag abend 9 Uhr: 2. Ab- teilung, Brunnenstr. 154. Vortrag über„Krankenpflege und TranS- Port Verunglückter". Daran anschließend praktische Uebungen. Neue Mitglieder können jederzeit eintreten. Gäste haben einmaligen freien Zutritt. Heute nachmittag Ausflug nach Treptow. Treff- Punkt; 3 Uhr bei Nonnenberg. Köpenicker Landstraße. Vorort- Nachrichten. Schöneberg. Der Ausbau des höheren Bildungswesens geschieht nach An- ficht des Oberbürgermeisters Wilde bekanntlich, um der jungen Stadt in noch stärkerem Maße als bisher„steuerkräftigcS Publikum" zu» zuführen. Daß damit die ungeheueren Aufwendungen für äußere Pracht, angenehmes Wohnen, schöne breite Straßen und luxuriös angelegte Schmuckplätze die Anziehungskraft für besser situierte Kreise erhöhen sollen, sei nur nebenbei erwähnt. Aber auch materiell läßt die Stadt fich'S etwas kosten, um nur ja die höhere Bildung denen zukommen zu lassen, die in der glücklichen Lage sind, die „teueren Viertel" bewohnen zu können! Die in jene„bessere" Gegend verirrte Gemeindeschule(Hohenstauffenstrahe) dürfte denn wohl auch auf unabsehbare Zeiten den dortigen Ansprüchen genügen — sintemalen ein Zustrom aus proletarischen Kreisen durch die hohen Wohnungspreise ferngehalten wird, lieber die Zuschüsse zu den höheren Bildungsanstalten läßt sich der Haushaltsplan für 1905/06, der in den letzten zwei Jahren eine merlliche Zunahme in der Frequenz der verschiedenen Anstalten, mit Ausnahme der Hohenzollernfchule. erkennen läßt, in den einzelnen Positionen folgendermaßen aus: Die Gesamtausgaben der sechs Anstalten— Hohenzollernfchule, Helmholtz-, Werner Siemens-, Reformreal. gymnasium, Realschule und höhere Mädchenschule— sind veranschlagt auf 497 316 M., denen an Einnahmen 333 444 M. gegen- überstehen, so daß nach Abzug von 1135 M. Ueberschuß beim Reform- realgymnasium ein städtischer Zuschuß von insgesamt 163 872 M. zu leisten ist.(Der genannte Ueberschuß ergibt sich deshalb, weil durch Unterstellung des aus einer Klasse bestehenden Reformreal- gymnasiums unter die Direktion des Werner Sicmens-Real- gymnasiums, sowie für besondere Räutnlichkclten, für Lehrmittel, Heizung usw. vorläufig keine besonderen Ausgaben entstehen.) Durchschnittlich entfällt auf den Kopf der Schüler(3079) so- mit ein Betrag von etwa 54 M.; im einzelnen steigt derselbe sogar, wie z. B. bei der Hohenzollernfchule auf 104 M. Bei der Mittelschule, die trotz allen Experimentierens in den letzten Jahren nicht mehr vorwärts kommen will— ihre Frequenz ist beständig gesunken, 1904: 570 Schüler, 1005: 530. 1906: 478— ist natürlich der städtische Zuschuß pro Kopf ein bedeutend höherer, er beträgt für dieses Schuljahr etwa 84 M. Zwar sind die zu leistenden Auf- Wendungen aus Gemeindemitteln ziemlich gleich mit denjenigen für die Kommunalschulen. Jedoch tritt uns an anderer Stelle der große Kontrast in der Besetzung der Klassenzimmer und der auf eine Lehrkraft entfallenden Schülerzahl entgegen. Während nach einer neuerlichen, auch von uns gewürdigten Aufstellung in den Gemeindeschulen die Klasscnfrequenz etwa 46 bis 47 Kinder im Durchschnitt aufwies, entfallen in den höheren Lehr- anstalten auf eine Lehrkraft etwa 34 Schüler(ebenso auch in der Mittelschule). In Betracht ziehen mutz man noch, daß in den höheren Stufen der Durchschnitt nicht im entferntesten erreicht wird, während in de» Gemeindeschulen die Besetzung der Klassen zwischen 35 und 61 Schüler schwankte. Ob durch den Anbau des linken Flügels der Schule in der Rubensstraße und den noch in diesem Jahre in Angriff zu nehmenden Neubau einer Gemeinde- doppelschule am Tempelhofer Wege(projektiert ist hier eine zwei- fache Doppelschule zur Aufnahme von 2000 Kindern) der allgemeinen Klassennot abgeholfen, insbesondere die„fliegenden Klassen" be- seitigt und eine weitere Herabsetzung der Frcqucnzziffer herbei- geführt wird,-'ächten wir bei dem stetigen Wachstum der Stadt be- zweifeln. Köpenick. Ote erste Stadtverordnetenfikung nach den Ferien findet am verein halten wird, und empfahl den Genossen, sich rege daran zu alte, per Stüd 1,70-2,75, alte, II a 1,00-1,60, junge, per Stüd 0,60-1,15. Tauben, junge, per Stüd 0,30-0,52, alte 0,30-0,36. Enten, junge per Stüd Montag, den 3. September, statt. beteiligen. Zur Aufnahme hatten sich 13 Genossen gemeldet. 0,85-3,00, alte per Stüd 0,00. Hamburger, junge, per Stüd 2,80-3,00. Gänse, Ia per Pfund 0,55-0,62, IIa 0,40-0,54, Ia per Stück 2,75 Die Lehrerschaft der Gemeinde- und Mittel- Pankow. bis 4,60, IIa 1,25-2,50. Poulets per Stück 1,00-1,20, do. flein 0,45-0,90. schulen hat aus Anlaß der Beratungen über die Ges Verstorben ist am Dienstag, den 28. v. M., nach längerem Leiden echte pr. 100 Pfd. 73-96. Bander 79-1,00. Schleie 90-94. Bleie 60-70. mittel 84-93, flein 0,00, haltserhöhungen die Erklärung abgegeben, daß fie auf eine unser Parteigenoffe, der Präger Eduard Stiller, Kaiser Friedrich- ale, groß 100-107, unsortiert 0,65. matt 0,00. Bleifische Ermäßigung der Pflichtstundenzahl, wie sie nach 76. Karpfen 80-83. Barſe 0,00, einem Stadtverordnetenbeschluß vom 26. März d. J. geplant war straße 13 wohnhaft. Seine Beerdigung findet heute nach Blößen do. II neuer 90-100, Lachs I neuer per 100 Bfd. 110-130, und zu welchem Zweck der Magistrat bereits Erwägungen über die mittag 2 Uhr von der Leichenhalle des Friedhofes der Frei- 0,25. Starauschen 71-92. Wels 0,00. Bunte Fische 47-74. Amerikanischer eventuellen Mehrkosten angestellt hatte, zurzeit feinen Wert religiösen Gemeinde, Pappel- Allee, aus statt. Um rege Beteiligung do. III neuer 50-75. Seelachs 15-20. Flundern, pomm. I, per Schock 9, do. mittel ber Kieler, Stiege Ia 4-6, do. pomm. II 2-3, Der Vorstand des Wahlvereins. mehr lege. Von einer Arbeitszeitverkürzung wollen also unsere bittet Stifte 2-3, do. Klein per Stifte 0,00. Bücklinge, per Ball Kieler 4-5, Volksbildner in der Hoffnung auf Gehaltserhöhung nichts wissen. Stralsunder 5-6. Male, groß per Pfd. 1,10-1,50, mittelgroß 0,80-1,00, Schellfische Stifte 3-4, do. Rigdorf. Eine öffentliche Gewerkschaftsversammlung nahm nach einem lein 0,50-0,60. Heringe per Schock 4-5. 1/2 Stifte 2-3. Stabliau, per 100 Pfd. 10-13. Heilbutt 25. Sardellen, 1902er Ueberfallen wurden am Freitagabend in Rirdorf die 41jährige Referat des Genossen Düwell über Partei und Gewerkschaft" per Anter 90, 1904er 90, 1905er 85, 1906er 65. Schottische Bollheringe Witwe Lehmann und der bei ihr in Schlafstelle wohnende Stellung zur Erhöhung des Fahrpreises der Wochenkarten von 60 1905 0,00, large 40-44, full. 36-38, med. 35-42, deutsche 37-44. Händler Escher. Beide wollten sich von Rigdorf nach dem Bahn- auf 80 Pf. bei der Elektrischen Straßenbahn Köpenid- Ober- Schöne- Heringe, neue Matjes, per 2 To. 60-120. Hummern, IIa, 100 f. 0,00. unsortiert hof Niederschöneweide begeben, um von dort nach Storkow zu fahren weide. Genosse Hilliges meinte einleitend, daß ein Vorgehen nicht Streble, per Schock, große 19, mittel 9, fleine 2,5-3,50, Butter und Obst einzukaufen. In der Dunkelheit gerieten sie auf einen angebracht sei. Die Genossen Buchholz und Damm waren jedoch 4-4,50. Galizier, groß 0,00. Eier, Land-, per Schod 2,60-3,30. Gemüseacker, wo dem Händler Escher sich plöblich ein Mann in den anderer Meinung und empfahlen der Versammlung eine Resolution, per 100 Bid. Ia 124-126, IIa 118-120, IIIa 112-116, abjallende 95-110. Weg stellte und aus einer Flinte einen Schuß abfeuerte, der jedoch wonach das Gewerkschaftskartell beauftragt wird, bei der Direktion Saure Gurken Schock 3,50-4,00, Pfeffergurten 3,50-4,00. Startoffeln per fehlging. Hülferufend ergriff E. die Flucht. Plößlich frachte ein um die Zurücknahme der Preiserhöhung zu ersuchen, widrigenfalls Berbiter 0,00. Spinat p. 100 Bfd. 12-15. Karotten p. Schockbund 1,50-2,50. zweiter Schuß hinter ihm her, der ihn am linken Bein traf. Auf den allgemeinen Boykott zu verhängen. Die Resolution wurde ein- Sellerie, hiesige, p.Schod 1,50-6,00. 8wiebeln 100 Bfd. 3-3,50 Petersilie, grün, Frau Lehmann trat nun ein zweiter Mann zu, der gleichfalls einige stimmig angenommen. Unter Verschiedenes machte Genosse Jach Schockbd. 1,20. Stohlrabi p. Schod 0,60-1,00. Rettig, bayr., p. Schock 2,40 Schüsse auf sie abfeuerte und die Frau im Gesicht schwer verlegte. Die Mitteilung, daß die hiesige Bahlstelle der Maurer in ihrer bis 4,80. Radieschen p. Schock- Bd. 0,60-0,70. Salat, p. Schod 1,00-1,50. Bewußtlos sank sie zu Boden und wurde von dem Angreifer weiter legten Mitgliederversammlung den Beschluß gefaßt hat, aus dem Bohnen, grüne, per 100 Bfund 5-12. Wachsbohnen 8-20. Schoten mißhandelt. Durch Hinzukommen von Laubenkolonisten ergriffen Startell auszuscheiden. die Täter die Flucht. Die schwerverlette Frau wurde in das Rigdorfer Krankenhaus gebracht. In ihrem Gesicht hatte sie furchtbare Verlegungen erhalten. Ueber die Täter herrscht noch völliges Dunkel. Charlottenburg. Freie Volksbühne Charlottenburg. Die heutige Vorstellung des Vereins findet im Schiller Theater N., nachmittags 3 1hr statt. Gespielt wird, Die Ehre" von Sudermann. Mariendorf. Eine imposante Volksversammlung für Mariendorf und Umgegend fand am 28. August zum erstenmal in dem größten und schönsten Saal, der gegenwärtig der Arbeiterschaft zur Verfügung steht, statt. Wohl über 700 Personen mochten sich in dem Purschkeschen Lokal eingefunden haben, die dem trefflichen Referat des Genossen Zubeil über:" Im Zeichen der Weltmachtspolitik und wer zahlt die Kosten?" folgten. In seinem etwa zweistündigen Referat führte Zubeil den Anwesenden die ungeheuere Mißwirtschaft der deutschen Regierung seit Inaugurierung der Kolonial- und Weltpolitik vor Augen. Bis in die kleinsten Details streifte er alle Militär- und Marineforderungen und stellte diesen die neuen Steuern gegenüber, die zum größten Teil die Schultern der breiten Masse belasten. Nachdem er noch das Unzulängliche, was auf dem Gebiet der Sozialgesetzgebung für das Bolt getan wird, gekennzeichnet hatte, schloß er unter stürmischem Beifall seinen Vortrag mit einem feurigen Appell an die Frauen und Männer zum Eindie Genossin und Genosse Thiel die Anwesenden auf, das Gehörte zu beherzigen und in die Tat umzusetzen. Genosse Reichhardt legte die Gründe dar, die seiner Einführung als Gemeindevertreter von der Mariendorfer Gemeindeverwaltung entgegengestellt werden. Zugleich wies er darauf hin, daß unter der Arbeiterschaft die gegnerische Presse noch eine viel zu große Verbreitung findet. Auch er forderte zum Eintritt in die Organisation und zum Abonnement auf den Vorwärts" auf. Genosse Lehmann II gab alsdann einen Seberblick über die Lokalfrage und empfahl, das Lokal von Purschke für den Verkehr freizugeben. Die Versammlung stimmte dem eintimmig zu. Somit stehen der Arbeiterschaft jetzt folgende Lokale Spandau. 100 Pfd. Rosen 1,50-1,75, neue runde 1,50-2,50, neue blaue 2,25-2,50, neue Mohrrüben per 100 Pfd. 10-20. Pfefferlinge per 100 pfd. 10-16. per 100 Pfd. 3,00-4. Blumenkohl per Mandel 1,00-2,50. 23irsingfohl per Schod 4,00-8,00. Rotfohl p. Schod 3,00-9,00. Weizkohl p. Schod 2,00 bis 5,00. Steinpilze p. 100 Bfd. 35-45. Surfen, Zerbster, Schod 0,00-0,00, do. Einlege, Schock 1,50-2,50, bo. Rothenbg. 1,50-2,50, do. Liegniger 2,00-3,50. do. Einlege-( Senj-) 10-16. Kohlrüben, Schock 3-5. Tomaten, hiesige 100 Pfd. 4-8. Birnen, ital. per 100 Pfd. 10-20, hiesige 3-20, Tiroler 14-33, böhmische 5-13, Rettig- 3-6. Alepfel, ungar., per 100 Pid. 6-13, ital. 8-15, biefige 2,50-11, Gravensteiner 10-18, Tiroler 25-38. Preißelbeeren ital. runde 15-18, schwedische 19-21. Blaubeeren per 100 Pfd. 10-16. Pflaumen, ital. 6-18. runde dunkle per 100 Bid. 0,00, ital. Iange gelbe 0,00, 0,00, hiesige ungarische 6-11, 3-6, Reineclauden Zitronen, Messina 300 Stüd 18,00-22,00, 360 Stüd 14,00-18,00, 200 Stüd 13,00-18,00, 420 Stück, flein 12,00. Pfirsiche, Werdersche per 100 Pfd. 15-20, franzöfifche 0,00, italienische I Stifte 2,00-2,50, do. II Siste 0,80-1,60, do. III Stifte 1,00-1,20, do. in Körben per 100 pfd. 15-40. In einer vom Deutschen Metallarbeiterverband( Ortsverwaltung Spandau) einberufenen Versammlung referierte Genosse Ströbel über das Thema:" Partei und Gewerkschaft". Mit Rücksicht darauf, daß wir bereits in früheren Versammlungsberichten die Anschauungen des Redners in dieser Frage sfizziert haben, erübrigt sich eine Wiedergabe seiner gemachten Ausführungen. Dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrage folgte eine kurze Disfussion, an welcher sich die Genossen Richter und Fink beteiligten. Richter schloß sich im allgemeinen den Ausführungen des Referenten an und plädierte dafür, eine ständige Kommission von drei Personen zu wählen, die in fortgesetter Fühlung mit den Arbeitern der Staatswertstätten stehen soll. Es sei die dringendste Pflicht, dieselben von der Unkenntnis ihrer Klassenlage zu befreien. In ähn lichem Sinne äußerte sich auch Fink. Eine lebhafte Debatte rief der zweite Punkt der Tagesordnung:" Wie stellen sich die Kollegen zur Gründung eines Arbeitersekretariats?" hervor. Fink meinte, daß es ein leichtes sei, für die Spandauer Arbeiter sich von dem Berliner Arbeiterfekretariat Auskunft zu holen. Es seien außerdem empfehlen wir unsern Lesern zur Anschaffung: auch gar keine Mittel vorhanden, ein solches zu errichten und zu Die Kinderarbeit unterhalten. Strehlfe und Thieme meinten, daß, wenn die bom Kartell bewilligten 40 M. genommen werden, um die nötigen Bücher zu kaufen, der Genosse Hartung die Auskunft erteilen könnte. Zum Schluß wurde der Kassenbericht gegeben. „ Der Schulgesetentwurf vor dem preußischen Landtage und die Folgende Neuerscheinungen und ihre Bekämpfung von Käte Dunder. Preis 40 Pf. tritt in die Reihen der Organisation. In der Distuſſion forderten ſchwarze Garde in Eſſen“ lautete das Thema eines Bortrages, den Die Heimarbeit imErzgebirge Genosse Hoffmann in einer von der Freien Gemeinde" ein- und ihre Wirkungen aur Berfügung: Borgfeld, Feldstraße 44, Purschte, Chauſſeestraße 82, und Reichhardt, Chausseestraße 16, Treptow. berufenen öffentlichen Versammlung hielt. In der dem beifällig aufgenommenen Vortrage folgenden Diskussion wurden die Ver- von Paul Göhre. Preis 20 Pf fammelten aufgefordert, soweit sie innerlich mit der Kirche gebrochen haben, ihren Austritt zu erklären. Der Erfolg war, daß sich 25 An- Gewerkschaften und wesende zum Austritt und 18 als Mitglieder in die Freie Gemeinde" meldeten. Potsdam. Die Schöffenlifte liegt aus. Die Liste derjenigen hier wohnenden Personen, welche zum Amt eines Schöffen berufen werden können, des 234/14 Die neuen Reichssteuern wie sie wurden und was sie bedeuten. Mit einem Schlußkapitel: Agrarisch- kapitalistische und sozialdemo fratifche Steuerpolitit von Ed. Bernstein. Preis 30 Pf. Die Zukunftsstaatsdebatten im französischen Parlament. Reden von Jaurès, Vaillant und Clemenceau Uebersetzt von May Duard. Preis 10 Pf. Unternehmer- Verbände Schule, Kirche, Arbeiter. bon Dr. Aug. Müller. 2. Auflage. Preis 30 Pf. Rathauses aus. Die Einsicht in die Liste ist jedermann während Egoismus und Sozialismus der Dienststunden gestattet. Einwendungen gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit dieser oder: Urlifte, welche gleichzeitig für die Auswahl der Geschworenen für Das Ich und die Gesellschaft. das Jahr 1907 dient, können innerhalb der oben bezeichneten Frist beim Magistrat angebracht werden. Eine dialektische Plauderei von Karl Hoffmann. Preis 25 f. Ein Vortrag von Paul Göhre. Preis 15 Pf. Die heutige Sozialdemokratie in Theorie und Praxis. Eine Antwort auf die Artikelferie der Rölnischen Zeitung": " Die heutige Sozialdemokratte von Ed. Bernstein. 2. Auflage. Preis 40 Pf. Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich Herausgegeben vom Kaiserlichen Statistischen Amt. XXVII. Jahrgang 1906. Preis 2 M. Ertrunken ist gestern mittag ein vierjähriger Knabe. Als der Fährmann auf ein mit neun Personen besetztes Fahrradboot stieg, um bom Paradiesgarten nach der Abtei überzusetzen, gingen die beiden vorderen Enden des Fahrrades nach dem Grunde. Die darauf befindlichen Personen stürzten ins Wasser. Vom Kaisergarten Achtung! Vereine und Korporationen, die Aufnahme in den und der Abtei wurden sofort Boote zur Hülfe herbeigeschafft. Der demnächst erscheinenden Vereinskalender wünschen, wollen Adresse und Bademeister vom Kaisergarten holte die meisten Personen heraus; Sigungstag bis zum 10. Septemer der Redaktion einsenden. Lehrlinge, jugendlichen immer wieder tauchte derselbe mit noch einem anderen jungen Manne rinnen Berling und lmgegend. Abteilung VI. Ordentliche witgeber: Expedition des Vorwärts", Berlin SW. 68, unter. Blöglich stellte es sich heraus, daß noch ein vierjähriger figung am Montag, den 3. September, bei Nagel, Rostockerstr. 17. Erscheinen Anabe fehlte. Derfelbe wurde jedoch nicht mehr gefunden. bringend notwendig, da wichtige Tagesordnung. Friedrichsfelde. Ueber Bartei und Gewerkschaft referierte in der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genoffe Fendel- Weißensee. Eine Diskussion fand auf Antrag des Genossen Lint nicht statt. Selbiger erstattete alsdann Bericht von der Kreis- GeneralversammLung. Redner wünscht, daß den Delegierten zur Generalversammla 78-83, IIa 68-76, IIIa 58-66. Hammelfleisch Ia 75-80, IIa 65-74. Lung die Mandate einige Tage früher zugestellt werden. Ueber die Versammlung, fei, da der Vorwärts" ausführlich berichtet hätte, nicht viel zu sagen. Genosse Gronwald wies alsdann auf die sechs Vorträge hin, die Genosse Maurenbrecher im Lichtenberger WahlJedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pig. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Deckbett, Unterbett, Stiffen mit glattrotem Inlett, 10,50, Bfandleihe Andreasstraße achtunddreißig. 1774se * 27, " Lindenstraße 69, Laden. Jedes Jenensia- Rad ein Meisterwerk deutscher Technik. Teilzahlung! Zwei Jahre Garantie! mit Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen- Direktion.( Großhandel.) 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