Ur. 20b. Bbonncmcnfs-Bcdingungen: ikboiuieiiients■ Preis pränumerando: Blertcljährl. 3,30 Mr, nionall. 1,10 Mk,. wöchentlich 28 Psg, frei ins Haus, Einzelne Nummer B Psg, Sonntags. Nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage»Die Neue Welt' tO Psg, Post- «donnenienl: I,l0 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post.Zeitungs. Preisliste, Unter Kreuzband tür Deutschland und Ocsterrctch> Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat, Postabotincments nehmen a»! Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxeinbttrg, Portugal, Rullläitien, Schwede» und die Schweiz. «chiloi liglich auBtr Blontagt. 28. Jahrg. Verlwev Volksblatt. Die Tnfertions-Gcbilbr Setlägt für die scchsgespaltcnc Kolonel. zcile oder deren Raun, BO Psg,, für politische und gewerlschastliche Vereins- und VcrsanimlungZ.Slnzcigeii 30 Psg. „Utelne ZZnreigen", das erste sfett. gedruckte) Wort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlaf» stellen. Anzeigen da? erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort S Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numincr inüssen bis ä Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramiii-Adresl» ,.Z»isIlItl»«>ittl Rcrlin'*. Zentralorgan der roztaldemokrat» leben Partei Deutfcblands. Redaktion: 8 Große Schwierigkeiten und Hindernisse werden der Organi- sation und Agitation von den vereinigten Gegnern nach wie vor> bereitet. Aber trotzdem, oder gerade infolgedessen geht es in dieser agrarischen Provinz langsam, aber sicher mit dem Sozialismus vorwärts. Gemäß dem Organisationsstatut der Partei wurde-ein- ,;Sozialdeniokratischer Prvviiizverband Ostpreußen" mit dem Sitz- in Königsberg gegründet.(Den Statutcnentwurf haben lpir gestern mitgeteilt.). Beschlossen wurde ferner, einem dringenden, allseitig gestellten Verlangen, nachzukommen und das Organ der Kreisvereine, den„O st p r e.u ß i s ch e n Landboten" anstatt wie bisher 14tägig, wöchentlich erscheinen zu lassen. Der Partei- vorstand soll ersucht werden, die erforderlichen Mittel hierzu zu bewilligen,-falls die erhöhten Ausgaben nicht anderswie auf- gebracht werden könnten. Der imposant verlaufene Parteitag, an dem insgesamt gut 400 Personen teilgenommen hatten, wurde nach siebenstündiger Dauer mit einem brausenden Hoch auf die iiitcr- nationale, revolutionäre Sozialdemokratie geschlossen. Während des Parteitags wurde eine ganze Anzqhl Mitglieder in den Orts- verein Jnsterburg aufgenommen., Soziales. Die Gefahren des SlnShülfövertrages im Warenhaufe. Mit wie unangenehmen Folgen ein AushülfSvertrag mit täg- licher Kündigung für einen Angestellten verbunden fein kann, zeigte sich in einer Verhandlung, die gestern vor der vierten Kammer des Kqufmamisgerichts stattfand. Die Verkäuferin Martha D. Ivar im März dieses Jahres in die Piitzabteilimg des Warenhauses Tictz aushülfsweise eingetreten. Nachdem sie 2%' Monate im Hause tätig war. ohne daß sie sich seitens ihrer Vorgesetzten den geringsten Tadel zuzog, glaubte sie. man würde sie weiter be- halten. Um aber ganz sicher zu gehen, wandte sie sich acht Tage vor Ablauf des AuShülfsvierteljahreS an den Rayonchef, der ihr erwiderte, sie brauche sich dieserhalb keine Sorgen zu machen. man werde sie schon behalten. Am letzten Tage erhielt Fräulein D. trotzdem die Mitteilung, daß sie nicht mehr wieder- zukomnien brauche. Die Klägerin, der es unmöglich war, in den stillen Sommermonaten Stellung zu finden, verlangt eine Gehalts- entschädigimg von 150 M„ der Vertreter der beflagteu Firma ivendete dagegen ein, daß die Klägerin keinerlei Ansprüche mehr habe. Der Rayonchef sei gar nicht berechtigt gewesen, der Klägerin in bezug auf ihr ferneres Verbleiben irgendwelche Ver- sprechimgen zy machen, habe er dies doch getan, so sei dies für die Firma keineswegs bindend. Nur vom Personalbureau aus würden die Engagements und Kündigungen geregelt. Der Borsitzende erwiderte, daß eS doch erklärlich wäre, wenn sich eine Verkäuferin bei dem Rayonchef Rat einholt, da dieser als direkter Vorgesetzter über Leistungen und Brauchbarkeit am besten Bescheid wissen müßte, und ein Arbeitgeberbeisitzer wandte sich an den Vertreter der Firma mit den Worten:„I st es nicht eine furchtbare Härte, ein junges Mädchen drei Monate zu behalten und sie über ihre weitere Existenz bis zum letzten Moment im unklaren zu lassen," worauf sich der Vertreter auf das Gesetz berief und er» klärte, keinen Pfeimig zahlen zu wollen.— Das Kaufmannsgericht beschloß den Inhaber des Warenhauses, Herrn Tietz, bei Ber- meidung einer OrdnungSftrase persönlich zu laden. DaS persönliche Erscheinen ermöglicht einen Vergleichsabschluß und ermöglicht auch eine bessere Aufklärung über die Stellung des Rayonchefs. Die Annahme, daß der Rayonchef zur Annahme nicht berechtigt sei, dürfte eine irrige sein. In einer Reihe Strafprozessen. z. B. wegen Uebertretung des Verbotes von Feilhaltung von Wild nach eingetretener Schonzeit, ist vonZder Staatsanwaltschaft und dem Gericht angenommen, nicht Herr Tietz. sondern der betreffende Rayonchef sei persönlich verantwortlich und die Verkäufer seien dem Rayouchcf Gehorsam schuldig. Liegt das Rechtsverhältnis so, so ist eine Ver- einbaruug, die mit dem Rayonches über Fortdauer des Vertrages getroffen ist, rechtsgültig, f a l l s n i ch t etwa d e m A n g e st e l l t e n beim Engagement ausdrücklich erklärt ist, ledig. lich der Inhaber des Geschäfts habe diese Be- fugnis. lieber den Ausgang dieses für Handlungsgehülfen wichtigen Prozesses werden wir berichten. Zum behördlichen Kampf gegen die Bekämpfung des Alkoholmißbrauches durch den Borstand der Ortslrankcukaffe in Wcißeusee. Der Beschluß der letzten Gemeindevertretersitzung auf Anstellung eines zweiten besoldeten Schöffen, dem in Zukunft die Dezernate der Krankenkasse, der Gewerbe- und Kanffnannsgerichte übertragen werden soll, enthielt ein klares Mißtrauens- Votum gegen den jetzigen Inhaber dieser Funktionen, Dr. Pape. DaS fühlt wohl auch Herr Dr. Pape. War es ihm unmöglich, in öffentlicher Gemeindevertretersitzung die allgemeine verurteilende Kritik seines antisozialen Vorgehens zu beschönigen, alldieweil in der Gemeindevertretung auch Sozialdemokraten sitzen, so ergreift Herr Dr. Pape jetzt die Flucht in das Dunkel nichtöffentlicher Verteidigung durch Verunglimpfung der Kassenvorstandsinilglicder. Er hat allen bürgerlichen Gemeindevertreter»— die sozial- demokratischen hat er vorsichtigerweise nicht apostrophiert— eine Ab- schrift seiner Anklageschrift gegen den Kassenvorstand mit folgender Einleitung zugesendet:«Gegenüber den vielen unrichtigen AuS- streuungen, die in den Zeitungen und in Versammlungen über die Amtsenthebung des Vorstandes der Krankenkasse verbreitet werden, lasse ick der Gemeindevertretung hiermit zur Aufklärung nachstehend die auf Grund der Beweisaufnahme der Staatsanwaltschaft er- stattete Anzeige zugehen, die nur unwesentlich in bezug auf die Namen der in Betracht kommenden Personen gekürzt ist." Die liebliche Anzeige des Dr. Pape enthält das, was— offensichtlich auf seine Veranlassung bereits in den Mugdan- Blättern über die Kassenvorstandsmitglieder fabuliert war. Nur ein Moment ist aus der Papeschen Anklage noch nicht in den Mugdan- scheu Blätterwald zur Begeiferung gut verwalteter Krankenkassen gedrungen. Das ist die Behauptung, der Borstand habe sich allein das Recht herausgenommen, die An- und Abmeldungen zur Kranken- lasse selbständig zu verkaufen und allen denen, die sich auf ihre Rechnung solche Formulare anfertigen wollten, Schwierigkeiten be- reitet. Diese Behauptung in der Papeschen Denunziation ist eine Entstellung der Tatsachen, da seit Existenz der Formulare verschiedene Firmen sich solche auf eigene Kosten drucken ließen. Für dieses neue Moment führt Herr Dr. Pape als Kronzeugen den Buchdruckereibesitzer Walter Rennb an. Das ist derselbe Herr, der, ivie wir berichteten, vor nicht langer Zeit wegen Unterschlagung von Kranken lassen bei- trägen von der Strafkammer des Landgerichts zu 8 Tagen Gefängnis verurteilt wurde. Dieser Herr erfreut sich der besonderen Gunst des Herrn Dr. Pape. Warum führte Dr. Pape seine Anschuldigungen nicht in der Gemeindever- tretersitzung aus? Fürchtete er sich lächerlich zu machen, weil jeder Unternehmer, der Krankenkassengelder nicht unterschlagen hat, weiß, daß der Vorstand kein Monopol für Drucksachen hat? Der Versuch des Dr. Pape, von hinten herum sich zu rechtfertigen, ist für die Handlungsweise diese? energischen Gegners der Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs charakteristisch. FamilienrechtlichcS oder ArbeitS-Berhältnis? Wegen gesetzwidriger Beschäftigung einer Photographengehülsin und eines Photographengehülfen am Sonntag war der Photograph Schuster auf Grund der entsprechenden Vorschriften der Gewerbe- ordnung angeklagt worden. Es handelte sich um seine Ehefrau und um seinen 23jährigen Sohn. DaS Land- gericht Münster als Berufungsinstanz verurteilte auch den An- geklagten, der einen photographischen Betrieb in Münster hat, zu einer Geldstrafe, indessen nur wegen der Beschäftigung des Sohnes zu verbotener Zeit. Hinsichtlich der Beschäftigung der Ehefrau wurde er freigesprochen. Begründend führte daS Gericht aus: Was die Sonnragsarbeit der Frau angehe, so griffen hier die familienrechtlichen Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetz- buches durch. Nach§ 1356 Absatz 2 sei die Frau verpflichtet zu Arbeiten im Hauswesen und im Geschäfte des ManneS, soweit eine solche Tätigkeit nach den Verhältnissen, in denen die Eheleute leben. üblich ist. Bei den photographischen Arbeiten helfe nun die Ehefrau öfter. Es lägen hier die Voraussetzungen des§ 1356 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs vor; es handele sich hier um eine.übliche" Hülfe der Frau im Sinne dieses Paragraphen. Sie kann deshalb nicht als Gewerbegehülfin betrachtet und behandelt werden. Das Verbot beziehungsweise die Beschränkung der Sonntagsarbeit finde somit auf sie keine Anwendung.— Anders verhalte es sich mit dem Sohne des Angeklagten, der bei ihm seit zwei Jahren arbeite und außer vollem Unterhalt ein Taschengeld bekomme. Zwar hätten Kinder, so lange sie dem elterlichen Hausstand angehörten und von den Eltern erzogen oder Unterbalten würden, nach§ 1617 des Bürgerlichen Gesetzbuchs die Verpflichtung, in einer ihren Kräften und ihrer Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäfte Dienste zu leisten. Dieke Verpflichtung solle u. a. deshalb eintreten, weil der Unterhalt gewährt werde. Wenn nun hier der drei- undzwanzigjährige Sohn ein Taschengeld und den Unter- halt bekomme, so handele eS sich d o ch n r ch t bei seiner Be- fchäftigung um ein familienrechtliches Verhältnis gemäß§ 1617, den» er arbeite nicht bei dem Vater, weil er den Unterhalt be- komme, sondern weil er arbeite, gewähre ihm der Vater den vollen Unterhalt und ein Taschengeld. Unterhalt und Taschengeld seien hier a l s L o h n zu betrachten. Der Angeklagte habe also in dem Sohne einen gewerblichen Arbeiter zur verbotenen Sonntagszeit in seinem Atelier beschäftigt und sei deshalb wegen Uebertretung der Gewerbeordnung zu bestrafen. Der Angeklagte legte Revision ein und machte geltend, sein Sohn hätte zu ihm nicht in einem gewerblichen Verhältnis, sondern lediglich im Verhältnis des HauSsohneS gestanden. DaS Kammergericht unter dem Vorsitz deS Herrn Kronecker verwarf jedoch in seiner letzten Sitzung die Revision mit folgender Begründung: Nach der Feststellung des Landgerichts sei der Sohn des Angeklagten 23 Jahre alt und seit 2Va Jahren beim Vater be- fchäftigt gewesen und habe vollen Unterhalt und Taschengeld be- koinmen. Wenn das Landgericht unter diesen Umständen annehme, daß der Sohn als Gewerbegehülfe anzusehen sei, daß er auf Grund eines vertragsartigen und nicht ausschließlich familienrechtlichen Verhältnisses als Gewerbegehülfe dort gearbeitet habe, so sei das n i ch t r e ch t s i r r i g. GeWerKIcbaftUcKes. Berlin und Qmgegend. Der Streit der Arbeiter in den Betrieben für gelochte Bleche mauert unverändert fort. Es haben zwar wiederholt Verhandlungen mit den Unternehmern stattgefunden, doch waren die gemachten Zu« geständnisse derartig gering, daß sie von den Streikende» stets als durchaus ungenügend abgelehnt werden mußten. Am Montag hatten die Unternehmer wieder neue Lohnvorschläge gemacht. So boten sie den Schlosiern erst vom dritten Jahr nach beendeter Lehrzeit ao einen Mindestlohn von 53 Pf., den Lochern erst vom vierten Jahr ab 55 Pf. und den Schnittmachern ebenfalls vom vierten Jahr ab 60 Pf. In den vorhergehenden Jahren sollte jedoch ein erheblich niedrigerer Lohnsatz gezahlt werden. Den Hülfsarbeitern wollten die Herren sogar nur einen Anfangslohn von 30 Pf. gewähren, und das auch nur bei sechswöchentlicher Probezeit; erst nach einjähriger Tätigkeit sollte der Lohn dann auf 35 Pf. und nach zwei Jahren auf 40 Pf. steigen. Vorstehendes Angebot wurde in der gestrigen Streikversammlung in geheimer Abstiinmung mit allen gegen eine Stimnie abgelehnt. Die Streikenden waren der Ansicht, daß wenn sich die Herren Arbeitgeber zu keinen anderen Zugeständnissen bequemen wollen, dann an eine Beendigung des Streiks vorläufig noch nicht zu denken ist. Zchnstundenbcwegung der Schneider. Die in der Berliner Herrenkonfektion bei Zwischenmeistern in der Stapclbranche beschäftigten Schneider beschlossen Montag abend in einer stark besuchten Versammlung in den Musikersälen, Kaiser Wilhelmstraße, die zehnstündige tägliche Arbeitszeit in ihrem Be- rufe zur Einführung zu bringen. Es gelangte eine Resolution zur Apnahme, in welcher die Einführung dieser verkürzten Ar- beitSzeit für eine dringende Notwendigkeit erklärt wird. Der Umstand, daß eine Anzahl von Zwischcnmeistern bereits eine Ver- kürzung der Arbeitszeit um eine Stunde habe eintreten lassen, be- weise die Schädlichkeit der jetzt meist bestehenden 12jtündigen Ar- beitszeit für beide Teile. Die Ortsvcrwaltung wurde beauftragt, die Forderung sämtlichen Meistern sctwa 90) sofort zu unterbreiten und am Sonnabend über den Erfolg Bericht zu erstatten. Im Fall die Antworten ablehnend aussallen sollten, ist der allgemeine Ausstand in Aussicht genommen, über dessen eventuellen Eintritt eine Versammlung am Sonntag Beschluß fassen wird. Die Z w i s ch e n m e i st c r der Branche sind ebenfalls in eine Bewegung eingetreten. Anläßlich des Vorgehens ihrer Gehülfen zur Erringung der Ivstündigen täglichen Arbeitszeit, ergreifen auch sie die Gelegenheit, ihre angeblich nicht sehr rosige Lage zu verbessern. Sie stehen der Forderung der Gesellen sympathisch gegenüber, da auch s i e eine Erleichterung dadurch erfahren würden, weil sie gegenwärtig gezwungen seien, täglich 13 bis 14 Stunden zu arbeiten. In ihrer letzten Versammlung führten sie bittere Klage, daß die Stücklöhne in den letzten Jahren immer mehr zurückgegangen seien; ihre wirtschaftliche Lage bedürfe ent- schieden einer Aufbesserung— s o kkönnte es nicht weitergehen. Da nun bei der eventuellen Einführung der kürzeren Arbeitszeit doch mindestens der bisherige Verdienst erzielt werden mutz, sei es an- gezeigt, an die Konfektionäre heranzutreten, und erhöhte Forde- rungen zu stellen. Die Zwischenmeister fordern ihrerseits in der Hauptsache einen neuen festen Stücklohntarif auf der Basis, wie solcher im August d. I. in Stettin vereinbart worden ist, wonach die Minimalerhöhung nicht unter 5 Prozent betragen darf. Sie beauftragten eine Kommission, die ausführlichen Forderungen heute sMittwoch) den in Betracht kommenden Konfektionären zur Annahme zu unterbreiten._ Zum Streik der Kohlcnarbeiter. Die Meldung verschiedener bürgerlicher Blätter, daß auf den meisten Kohleupläyen am DienStag- morgen der Betrieb in vollem Umfange wieder aufgenommen sei, wird vom Zentralverband der Handels- und Transportarbeiter als eine irreführende und den Tatsachen nicht entsprechende bezeichnet. Bei der Kontrollversammlung gestern morgen um 10 Uhr im Gewerkschaftshause erschienen die Streikenden in voller Zahl und mit derselben Siegeszuversicht wie bisher. Die wiederholten An- kündigungen, daß die Arbeit im ganzen Umfange aufgenommen sei, müssen als Einschüchterung und Schreckschuß ihre Wirkung verfehlen, ölange so zahlreich besuchte Versamnilungen der Streikenden zustande kommen. Achtung, Friseurgrhülfcn! Die Differenzen bei der Firma K a c z i n s k i, Emdenerstraße 10, sind als geregelt zu betrachten und ist daher die Sperre über das Geschäft aufgehoben. Einen groben Verstoß gegen die Organisation hat sich der Verbandskollege Ritter geleistet, ivobei er noch von seinem Meister unterstützt wird. Derselbe ist bei B o r o iv s k i, Schönleinstraße 28. in Stellung, und beschäftigt der betreffende Arbeitgeber mithin keinen organisierten Gehülfen mehr. Verband deutscher Barbiere, Friseure und Perückenmacher- gehülfen Berlins. I. A.: Baumgart. Der Textilarbciterstreik bei Protzen u. Sohn wurde in einer öffentlichen Versammlung besprochen, die am Montag in HeiutzeS Saal in Rummelsburg stattfand. Den Ausführungen des Referenten Brauner und anderer Redner ist zu entnehmen, daß die Streiken- den, deren Zahl etwa 300 beträgt, auch jetzt in der fünften Woche des Streiks noch ebenso einmütig zusammenhalten wie zu Beginn des Kampfes, den sie für die Verbesserung ihrer Löhne führen. Die Firma, beziehungsweise ihr Direktor ist eiftig bemüht, Arbeits- willige aus anderen Textilbezirken Deutschlands heranzuziehen, doch sind alle derartigen Versuche so gut wie ganz ergebnislos. Die Streik- leitung erhält, dank der regen Verbindung mit den auswärtigen Kollegen, regelmäßig Kenntnis davon, wenn ein Trausport von Streikbrechern zu erwarten ist. In der Regel gelingt es auch die ankommenden Arbeitswilligen zur Solidarität zu bewegen, und was die Aufklärungsarbeit der Streikenden nicht vermag,' das tut die Behandlung, welche den Arbeitswilligen in der Fabrik zu teil wird. Sie werden, um jede Berührung mit den Streikenden zu verhüten, gleich im Fabrikgebäude einquartiert und zwar unter Umständen, die iclbst dem indifferentesten Arbeiter nicht behagen, und so kommt es denn, daß die wenigen Streikbrecher, welche die Arbeit aufnehmen, der.'Fabrik bald wieder den Rücken kehren.— Wie berichtet wurde, bemühen sich sogar Polizeibenmte. der Firma Protzen u. Sohn Arbeitswillige zuzuführen. In dieser Hinsicht wurde mitgeteilt, daß eine polnische Arbeiterin, die auf dem Schlesischen Bahnhose ankam und sich wegen einer Anskunft an einen Schutzmann wandte, von diesem einen Zettel erhielt mit der Adresse: Protzen u. Sohn in Stralau.— Weiter wurde mitgeteilt, daß man auf dem Stralauer Amtsbureau den Arbeiterinnen, die sich ihre Papiere abholten, zuredete, doch wieder bei Protzen u. Sohn in Arbeit zu treten.— Alle derartigen Be- mühungen bleibe» jedoch erfolglos, eS gelingt der Firma nicht, Ersatz für die Streikenden zu finden. Die Situation ist somit für die Streikenden äußerst günstig, man erwartet daher, daß die Firma nicht mehr lange auf ihrem ablehnenden Standpunkt verharren kann, sondern sich zu Verhandlungen mit den Streikenden bereit er- klären wird. Oeutkehes Reich. Ter Stettiner Hafenarbeiterstreik vor dem Gewerbegericht. Heute nachmittag begannen die Einigungsverhandlungen vor dem EinigungSamt deS Gewerbcgerichts. Den Vorsitz führte Assessor Laubinger. Während einer fünfstündigen Verhand- lung wurden die einzelnen Positionen des neuen Tarifs durch- beraten, doch kdm man damit nicht voll zum Abschluß. Morgen sMittwoch) werden die Verhandlungen fortgesetzt. Soweit sich die Stimmung bei den Vertretern der beiden streitenden Parteien be- urteilen ließ, ist Aussicht vorhanden, daß es zum Frieden kommt. Die Reeder haben auch alle Ursache, den Ausständigen entgegen- zukommen, denn ihre fortgesetzten Behauptungen, daß ihnen ge- nügend Arbeitswillige zur Verfügung ständen, erweisen sich als Flunkereien! So haben sie sich in den letzten Tagen an die Hamburger Stauer mit dem Ersuchen gewandt, alle entbehrlichen Arbeitskräfte auf dem Umwege über Bremerhaven nach Stettin zu senden. Dieser Trick wurde aber von der Lohntommission durch- kreuzt. UebrigenS ist heute früh auch auf der Eisenbahn-Signal- Bauanstalt von Harwig, G. m. b. H. in Stettin der General- streik ausgebrochen. Die Arbeiter verlangen eine Ivprozentige Lohnerhöhung, die von der Firma abgelehnt wird. Hirsch-Dunckerscher Heldenmut. Zu Gevelsberg in Westfalen haben die Arbeitgeber den Metallarbeitern die Zumutung gestellt, den Unternehmern auf die Nase zu binden, wer von den Arbeitern organisiert ist und wer nicht, damit natürlich das Unternehmertum in Konfliktsfällen die Scheidung zwischen den Böcken und Schafen recht bequem hat. Um dies zu verhindern, haben der Vorstand des Metallarbeiter-VerbandeS und der deS Ortsvereins vom Hirsch-Dunckerschen Maschinenbauer- Gewerkverein die Arbeiter gemeinsam aufgefordert, ihre Organisationszugehörigkeit zu verleugnen. Jetzt teilt der.General- rat" des Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereins mit, daß dies ohne Wissen und Willen der Hauptleitung des Gewerk- Vereins geschehen sei. Der Generalrat mißbillige in scharfer Weise dieses Vorgehen des Ortsvereins Gevelsberg und er- kläre die Abmackmngen für die Mitglieder als ungültig. Er ver- langt von den Mitgliedern, gegebenenfalls ihre Organisationszugehörig- keit nicht zu verleugnen. Der Generalrat muß sehr sicher sein, daß die Unternehmer die Hirsch- Dunckerschen nicht als Gegner fürchten, sondern im Gegenteil alS Helfer schätzen. Sonst wüßten wir nicht, weswegen urplötzlich der Hirsch-Dunckersche Mut in der Brust seine Spann- krast übt I_ Achtung, Mühlenarbeiter! In sämtlichen Mühlen von Breslau und S ch o p p w i tz sind die Kollegen wegen Lohndifferenzen in den Ausstand getreten. Die Kollegen allerorts werden dringend gebeten, Solidarität zu üben und Arbeil nach dort nicht anzunehmen. Der Gauvorstand. F. Ostwald. Die Getreidcträger in Königsberg haben nach einer Wolff- schen Depesche beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Der gerichtliche Streikbrrcherschutz nimmt jetzt in Nürnberg unheimliche Formen an. DaS dortige Schöffengericht fällte wegen eines Streikvergehens, das gar kein solches war, ein aufsehenerregendes Urteil. Der Vorsitzende der Sattlerorganisation. Krönn, war angeschuldigt, ein Majestäls- verbrechen an einem Arbeitswilligen begangen zu haben. Er war an dem Streik in den Unionwerken beteiligt und traf 14 Tage nach Ausbruch des Streiks auf der Straße einige Bekannte, mit denen er eine Unterhallung anknüpfte. Mittlerweile kamen Arbeitswillige vorüber, darunter auch der einzige Sattler, der sich an dem Streik in den Unionwerken nicht beteiligt hatte. Im Vorübergehen trat er Krönn auf den Fuß. Dieser war geneigt anzunehmen, daß dies unabsichtlich geschehen sei. Da sich aber der Streikbrecher nicht ent« schuldigte, machte Krönn eine ärgerliche Bemerkung, worauf der Arbeitswillige zu schimpfen begann. Nun versetzte ihm K. mit dem Regenschirm einen leichten Schlag über die Schulter, woraus der Held»ach der Polizei schrie, die auch gleich zur Stelle war und K. zur Anzeige brachte. Das Gericht erkannte auf 14 Tage Ge- f ä n g n i s und sprach in dem Urteil aus, wegen der letzten Vorgänge bei diesem Streik sei eine schärfere Bestrafung am Platze, da die Arbeitswilligen besser beschützt werden müßten I Nun ereignete sich dieser Fall schon am 18. Juni, während der von den Arbeitswilligen heraufbeschworene Zusammenstoß, bei dem ein Streikbrecher den Streikführer F l e i s ch m a n n mit dem Revolver niederknallte, erst am 17. August vorkam. Dieser Zusammenstoß soll nun ein straferschwerendes Moment bei der Beurteilung einer zwei Monate vorher statt- gefundenen Differenz sein! Es ist nicht rätlich, zu diesem Urteil zu sagen, was mau eigentlich möchte. Ausland. Die Tapezierer m Lmisanne haben sich nach mehrmonatlichen resultatlosen Unterhandlungen mit den Meislern gezwungen gesehen, in partiellen Streik zu treten, d. h. sie haben in zwei Werkstätten gekündigt. Die Antwort der Meister war die Aussperrung lämtlicher Tapezierer in Lausanne. Außerdem befinden sich die M ö b e l t i s ch l e r im Streik. Der Platz Lausanne ist deshalb für Tapezierer und Möbeltischler strengstens gesperrt.� Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten._ Letzte J�acbncbtcn und Depefeben. Bülow der Unersetzliche. Berlin, 4. September.(B. H.) Reichskanzler Fürst v. Bülow empfing in Norderney den Sonderberichterstatter des„Berliner Beobachter" und ermächtigte ihn, durchs die Presse der Oeffentlichkeit mitzuteilen, daß er sich nunmehr vollkommen gesundet fühle und so stark wie je zuvor sei, im Dienste des Kaisers dem Deutschen Reiche seine volle Arbeits- kraft weiter zu widmen. Derselbe Berichterstatter erfährt aus authentischer Quelle in der nächsten Umgebung des Kaisers, daß der Abgang des Landwirtschaftsministcrs v. Pod- bielski eine bcschlossenei, nnwidcrrnfliche Tatsache sei; nur müsse der Abschluß der Untersuchung abgewartet und der richtige Zeitpunkt, sowie die geeignete Form für den unauf- haltbaren Abgang des Ministers gefunden werden. Was den Reichskanzler betrifft» so sei die Nachricht von einer bevor- stehenden Berufung des Botschafters v. Radowitz zu seinem Nachfolger eine müßige, jeder tatsächlichen Grundlage ent- kehrende Kombination. Bon einer Demission des Fürsten v. Bülow könne schon deshalb ksine Rede sein, weil der Kaiser gegenwärtig niemanden zur Verfügung hat, der ihn nur einigermaßen zu ersetzen imstande wäre. Wieder ein Eisenbahnunglück. Plauen i. B., 4. September.(B. H.) In dem böhmischen Grenzorte Roßbach bei Bad Elster ereignete sich heute vormittag ein schweres Eisenbahnunglück, wobei ein Oberingenieur getötet und der Bahnhossinsprltor schwer verletzt wurde. BolkSautonomie. TifliS, 4. September.(W. T. B.) Eine in Eftchmiadzin ab- gehaltene armenische Volksversammlung hat eine Resolution an- genommen, in der die Versammlung als gesetzliche Volksvertretung bezeichnet und erklärt wird, daß sie verpflichtet sei, die Fvrde- rungen des Volkes zu befriedigen und alle mit der armenischen Kirche verbundenen schuladmistrativen. ökonomischen, Vermögens- und anderen sozialen Fragen zu lösen. Ferner nahm die Ver- sammlung das Recht in Anspruch, sich in allen daö gesamte Ruß- land, besonders aber Äaukasien berührenden Fragen zu äußern. Von der Minderheit war eine Resolution beantragt, nach der die Versammlung berechtigt sein solle, versuchsweise für ein Jahr Schulprogramme und Statuten auszuarbeiten, in bezug auf die übrigen Fragen aber als Borbereitungskongreß für eine zukünftige Nationalversammlung gelten solle. Ueberfall auf«ine Bank. Stockholm, 4. September. Wie SvenSka Telegrambvran aus Helsingfors gemeldet wird, überfielen heute nachmittag zwei be- waffnete Männer eine dortige Bankfiliale, bedrohten das Personal mit Revolvern und raubten einen Geldbetrag im Werte von etwa 9600 M. Eine verdächtige Person wurde verhaftet. Vexgnttp. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Ttz. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.Berlagsanstatt Paul Singer LiCo., Berlin 5XV. Hierzu 2 Beilagen».UnterHaliuimsblatt Nr. 206. 23. Jahrgang. L ftilüjt te Amiirk" Krlnm Jolliölihtt, Mtvach. 5. Stpitindtr 1906. Schlestvig-Holsteimscher Parteitag. Am Sonntag und Montag tagte in Rendsburg der Partei- tag für die Provinz Schlcswig-Holstein und das Fürstentum Eutin. Erschienen waren IM Delegierte resp. Parteifunktionäre. Den vom Parteisekretär für die Provinz, Genossen Bartels- Harn- bürg, vorgelegten Tätigkeitsbericht haben wir bereits in Nr. ISS besprochen. An ihn knüpfte sich eine lebhafte Debatte, in der hauptsächlich auf die Ursachen des Stimmenrückganges im S. Kreise um 500 eingegangen wurde. Ein Redner aus diesem Kpeise führt diesen Rückgang auf die Aufstellung einer freisinnigen Kandidatur zurück. Um nicht einen Nationalsozialen wählen zu müssen, hätten früher die Freisinnigen zum Teil für unseren Kandidaten gc- stimmt. P o l l e r- Kiel wendet sich gegen die Aeutzerungen Paul Müllers auf der Gcwcrkschastskonfcrenz, soweit sie das Verhältnis der Genossen im 7. Kreise(Kielj betreffen. Müller habe gesagt: ..Man schwelgte in radikalen Phrasen, d. h. nur scheinbar radikal, man schwärmte den Massen manches über ihre Macht vor, man sprach von gewerkschaftlichem Sumpf, von Palliativmittelchcn, von Feigheit der �uhrcr usw. Ganz speziell unscQ.Freund Legten hätte alle Ursache, sich gegen die Hetze in Versammlungen zu wenden, denn gerade in Kiel,.im grötztcn Orte seines Kreises, ist in einer Weise gegen die Gewerkschaftsführer und indirekt auch gegen ihn polemisiert worden, daß er scharfen Protest erheben sollte." Weiter habe Müller gesagt:„Ich halte Lcgicn in allererster Linie für berufen, ein ganz entschiedenes Veto gegen solche Demagogcnhctze einzulegen." Hierzu müsse er erklären, daß diese Angaben auf Unwahrheit beruhen, denn von einer derartigen„Hetze" gegen Legicn sei ihm nichts bekannt. Ob diese unwahre Behauptung bewußt oder unbewußt von Müller aufgestellt wurde, könne er nicht beurteilen, aber unwahr sei sie auf jeden Fall. Müller bestreitet, von einer„direkten Hetze" gegen Legicn gesprochen zu haben. Eine Anzahl Kieler Genossen operieren äußerst geschickt, indem sie einen Haufen Gewerkschaftsführer bei den Beinen nehmen und sie dem Führer der deutschen Gewerk- schaften, Genossen Legten, um die Ohren schlagen. Trotz Neuanschaffungen und bedeutenden Abschreibungen schließt das Kieler Parteiunternehmen mit einem Nettogewinn von 5700 M. ab. Der Erweiterungsbau befindet sich schon unter Dach und ist beschlossen worden, eine weitere(Zwillings-) Rotationsmaschine anzuschaffen. Die Debatte über die prinzipielle und taktische Haltung des Blattes setzte sehr lebhaft ein; es wurde auch die Frage des Massenstreiks und die bekannte„Hirtenbrief"- An- gelcgcnheit erörtert. Da Genosse Haß(Vertreter der Preß- kommission) mitteilte, daß Genosse v. Elm die Preßkommission um ein Urteil über den Ton des Kieler Blattes ersucht habe, ging v. Elm auf diese Angelegenheit ein. Das Kieler Organ habe bei Erörterung des„Vorwärts".Konflikts gesagt, der Dresdener Parteitag habe mit 228 gegen 11 Stimmen sein Verdikt über den damals auch vom„Vorwärts" vertretenen Revisionismus gefällt. In seiner Anfrage habe er hervorgehoben, daß die vom„Vorwärts" vcr- trctcncn Anschauungen auf dem Dresdener Parteitage nicht als im Widerspruch zur Gcsamtpartei stehend bezeichnet wurden. Bebel habe in Dresden betont, daß EiSncr unersetzlich sei. Wenn man einem Genossen revisionistische Gesinnung vorwerfe, wenn man sage, er suche der heutigen Gesellschaft entgegenzukommen, so sage man damit, daß er kein Sozialdemokrat sei. Bebel habe die Schreibweise des„Vorwärts" als ausgezeichnet hingestellt, habe mithin genau das Gegenteil von dem gesagt, was die„VolkS-Zrg." ausführte. Der fundamentalste Grundsatz der Partei müsse sein, daß man der Wahrheit die Ehre gebe. Er betone nochmals, daß in Dresden gegen die Redaktion dcS.Vorwärts" kein Tadel er- hoben wurde. Redner behandelte sodann den am 21. November 1005 in der„Volks-Ztg." erschienenen Artikel:„Fort mit dem Kleinkram!" Darin werde gesagt, die russische Revolution habe eine ganz andere Bedeutung als die französische Revolution, werde von Zündstoff gesprochen, der überspringen und morsche Nachbar- gebäude in Brand setzen könnte, werde ausgeführt, man habe keine Zeit, sich mit Kleinigkeiten zu befassen, wenn die Götterdämmerungs- zeit vor der Tür stehe. Das Blatt vertrete jetzt einen wesentlich anderen Standpunkt, denn es sagt nun, eS habe während der Wahlrcchtsbcwcgung nie an einen Massenstreik auf Parole gc- glaubt. Damals sprach man von Pulverfässern usw., was völlig im Widerspruch zur EntWickelung der Dinge steh«. Wer auf dem Boden der materialistischen Geschichtsauffassung stehe, der könne so nicht denken und schreiben. Das, was wir in dem viel an- gegriffenen„Hirtenbrief" sagten, sagt jetzt die ganze Partei: heute glaubt kein Mensch mehr an die„Pulverfässer". Man nannte unS Revisionisten, weil wir auf dem Boden der materialistischen Auf- fassung standen und für die unauSgclcgte Jenaer Resolution ein- traten. Den Massenstreik können wir nicht zur Erringung der sozialistischen Gesellschaft anwenden, sondern wenn es gilt. An- griffe auf unsere Grundrechte abzuwehren, wie dies in der Re- solution von Jena ausgedrückt ist. Aber man hat den Massenstreik als Allheilmittel bezeichnet. Wort und Tat stehen bei uns nicht im Einklang. Erst macht man große Worte, aber hinterher will man nichts gesagt haben. Das ist eine Politik, die sich schließlich rächen wird, indem man unS nicht mehr ernst nehmen wird. Sicher wird der Mannheimer Parteitag das Festhalten an der Jenaer Resolution beschließen. Damit ist gesagt, daß erst die Vorbedingungen zur Anwendung dcS Massenstreiks geschaffen werden müssen. Heute betrachte ich den Massenstreik nur als ein Abwehrmittel gegen Wahlrcchtsraub usw., später, wenn die Vor- bcdingungen erfüllt sind, wird der Massenstreik auch zur Er- oberung politischer Rechte zur Anwendung kommen können. ES herrscht bei uns die Unsitte, bei abweichenden Meinungen gleich auf Personen einzuschlagen, sie zu verbächtigeir, sie seien gar keine Sozialilisten. Wenn das wahr wäre, gehörten wir nicht auf den Posten, auf den die Wähler uns gestellt haben. Adler-Kiel: Bebel habe in Dresden auch zu EiSncr gesagt: „Sie stehen an falscher Stelle." Also ein Vorstoß gegen EiSncr in milder Form.. Der Dresdener Parteitag habe die revisionistischen Gesinnungen abgelehnt, woniit nicht gesagt sein sollte, daß die Vcr- fretcr dieser Richtung keine Sozialdemokraten seien. Daß ein Revisionist kein Sozialdemokrat sein kann, wie Elm ausführte, sei eine ganz neue Auffassung. Die„VolkS-Ztg." habe ihren Ton nicht geändert, sie schreibe genau so wie früher. Der Artikel: „Fort mit dem Kleinkram!" ist mit Zustimmung meiner Kollegen veröffentlicht worden; eS wird darin ausgedrückt, wir haben zur- zeit etwas Wichtigeres zp tun, als uns mit Kleinkram zu de- schäftigen. Der Artikel zieht eine Parallele zwischen der russischen und der französischen Revolution, wobei der Neben- und Rück- Wirkungen der elfteren gedacht werde. So gut wie die französische Revolution nicht an der Grenze Halt gemacht und Folgen ge- zeitigt habe, so gut werde auch die russische nicht spurlos an uns vorübergehen. Angesichts'solch eines welthistorischen Momentes dränge sich ganz von selbst ein solcher Vergleich auf. Es werde in dem Artikel gesagt, wir wollen auch einen Bissen von der Frei- heit haben, wollen dafür sorgen, daß die große Stunde kein kleines Geschlecht vorfindet. Die Wahlbewcgung muß zur Riederringung des elendesten aller Wahlsysteme führen. Die Tendenz dcS Artikels war die Mahnung zum Frieden'und zur Einigkeit in unseren Reihen; von einem Massenstreik ist darin keine Rede, ebensowenig werde die anarchistische Idee vom Massenstreik propagiert. Die französische Revolution hat 10 Jahre gedauert, die russische kann' 10— 20 Jahre dauern. Wie kann da sofort etwas für uns heraus- springen! Das Feuer der Begeisterung sollte entflammt werden, deshalb hieß es:„Fort mit dem Kleinkram!" Das war ein Hin- weis auf den ,.Borwärts"-Konflikt, den zu beseitigen wir alle Ur- fache hatten. ES sollte gearbeitet werden, damit der Tag bald komme, wo wir die alte Staatsbaracke umwerfen können. Der„Hirtenbrief" war nicht am Platze. Als wir das Schreiben sahen, fragten wir in Hamburg an per Telephon an, was los sei, weil wir glaubten, dort müsse eine Bombe geplatzt sein. Wir erhielten aber eine beruhigende Antwort.(Große Heiterkeit.) In unserem Blatt sind die drei Genossen nicht verhöhnt worden, weil wir in Rücksicht auf unsere Raumverhältnisse manches igno- rieren müssen. Wenn der Artikel den drei Abgeordneten Anlaß gegeben habe zu ihrer Erklärung, dann müßten sie ihn falsch ver- standen haben. Sollten solche gefährliche Strömungen vorhanden sein, dann wäre es Pflicht des Parteivorstandcs gewesen, dagegen Front zu machen; den drei Genossen stand es nicht zu. Sollten die drei Genossen mal wieder einen etwas temperamentvollen Artikel lesen, dann können sie ganz beruhigt sein, denn er kommt schon ziemlich abgekühlt in die Köpfe unserer schwerfälligen schles- wig-holsteinischen Bevölkerung hinein. Eine Gefahr ist da nicht im Verzuge. Schon oft haben wir, und auch Sie, Genosse v. Elm, durch unsere Reden die Massen begeistert und aufgefordert, mit- zuarbeiten an dem großen Besrciungswcrk. Das hat der Artikel auch nur getan. Es sollte etwas Feuer in die Bude gebracht werden, damit der deutsche Michel nicht leer ausgehe. Den Artikel unterstreiche er auch heute noch von A bis Z und er würde ihn morgen genau so schreiben. Der„Hirtciidrief" und dir Frage deS Massenstreiks beschäftigten den Proviuzialparleiiag noch Montagvormiitag. Adam-Kiel verweist auf den großen Beifall, de» Adler geeentet habe und der beweise, wie der Parteilag über dieFrage des„Hirtenbriefes" urteile. Die Kieler Genossen lehnen es dankend ab. sich unter eine Vormundschaft zu stellen, wie sie in dem„Hirtenbrief" zum Ausdruck komme. Der Artikel„Fort mit dein Kleinkram!" entspreche den Anschauungen der Kieler Genossen. — K o e n e n- Hamburg: Wir werden uns ja in Hamburg am Freitag gestatten, über das Thema„Gcwerk'chaftcn und Partei" zu sprechen und dabei wird diese Angelegenheit auch zur Sprache kommen. Ich bin nicht bange, wie die Hamburger Genossen sich entscheiden.— F r o h m e meint, mit Phrasenschwall und Redensarten werde eine solche Sache nicht entschieden. Redner verleidigt den„Hirtenbrief" und behauptet, daß tatsächlich eine verderbliche Revolutionsroniantik zum Ausdruck gekommen sei, gegen die sich der„Hirtenbrief" mit recht gewandt habe. Jetzt sei allerdings die Ernüchterung eingetreten. In dem Artikel„Fort mir dem Kleinkram!" stecke eine Portion Revolulionsromantik.(Viele Zurufe: Ist nicht wahr I) Dutzende von Zeitungsartikeln könnte er anführen, welche anarcho-sozialistische Auffassungen bekundeten. In Altona habe man einem anarchistischen Redner wahnsiiiuigen Beifall gezollt. So sei das in viele» Teilen Deutschlands gewesen. In Rücksicht auf wichtige Parteiinteressen könne er nicht so sprechen, wie er gern möchte. In Berlin war die Meinung vorhanden, daß mit der Wahlrechtsdenionstration der politische Massenstreik in Anwendung komme» sollte, und es habe außerordentlicher Mühe bedurft, diese Anschauungen zurückzudämmen. In Sachsen hätte von Berlin aus gebremst werden müssen, weil auch dort der Massenstreik schon so gut wie beschlossene Sache war. Redner verliest viele Zitate und meint, der bessere Geist werde auch schließlich über verkehrte Ansichten zur Tagesordnung übergehen. Seine weiteren Ausführungen über den„Vorwärts", KautSky usw. decken sich init seinen Erklärungen auf der Generolversamnilung des 8. und 10. Kreises.— v. E l m vertritt nochmals ieiiun Standpunkt und sagt. Adlers Definition des Begriffs„Revisionist" sei nicht zutreffend. Ein Revisionist, der de» Klassenkampf nicht wolle, könne nach dem Drecdcuer Beschluß kein �Sozialdemokrat sein. Der früheren„Vorwärts"- Redaktion ist der Vorwurf des Revisionismus gemacht worden, als sie schon ans dem Arme war. Wollen wir wahres Feuer erzielen, dann müssen wir die Massen aufklären, bloße Worte nutzen nichts.— S i e v e r s- Altona: Wir ivaren erstaunt, als wir de»„Hirtenbrief" lasen. In Altona hat man sich eingehend damit befaßt und die Verfasser haben sicherlich die Ansicht daran» gewonnen, daß der„Hirtenbrief" alssällig beurteilt wurde. Wo stecke denn im 6.. 8. und 10. Wahlkreise die verderbliche Rev.oliitioiiSromanlik? Run stelle man die Sache so dar. als wenn durch den Artikel der„Schleswig- Holst. BollSzeiinng" Revolution gemacht werden sollte. Wenn in Altona wirklich einige Sozialdemokraten dein anarchistischen Redner Beifall gezollt haben, so nur deshalb. weil die beiden sozialdemokratischen Redner (Frohme und v. Elm) verschiedener Meinung waren.— Kluß- Kiel vertritt die Ansicht Adlers.— Paul Müller verwahrt sich gegen den Vorwurf der Kieler, neuen Zündstoff in die Partei getragen zu haben.(Zuruf:„Dame Luxemburg!") So lange Rosa Luxemburg nicht ihre unverschämten Aenßernngen gegen die Gewerkschasten zurücknehme, so lange nehme er gegen Rosa Luxemburg auch nimte znrück. Auch der„Vorwärts" habe anerkannt, daß seine Aus- fiihruuge» auf der Konferenz nicht parteischädigend seien. Bczüg- lich des Massenstreiks sei für ihn nur die Kölner Resolution maßgebend.— L e g i e n: Die„Hirtenbrief"- Frage will ich nicht berühren. Den Artikel in der„Volkszcitnng" habe auch ich so aufgefaßt, als wenn die Funken bald auf unS überspringen würden. JdcaliSinuS steckt in unserem Programm, deshalb braucht er so nicht entfacht zu werden. Nach dem gegen- wäriigen Stande unserer Macht, unserer Organisationen sind wir noch nicht in der Lage, den Generalstreik proklamieren zu können. Auf der vielgenannten Konferenz ist von einer unüberbrückbaren Klust zwischen Partei und Gclvertschasten nicht gesprochen worden, auch Müller hat das nicht getan. Die Veröffeutlichmig des Protokolls halte er nach wie vor für verkehrt. De» Kieler Genossen steht das Recht der freie» MeiuuugSäiißeruiig zu. Wir haben niw immer wieder verständigt. Die Gewerlschasten sind früher nicht anders gewesen als jetzt. Der Zweck der Konjercnz sei gewesen, Einiglest zwischen Partei »nd Gewerkschaften herbeizuführen, Gegensätze auszugleichen.— Stelling-Lübeck: MiillerS«eußerungen seien nicht so harmlos gewesen. Der„Hirtenbrief" wäre besser nnterblieben, oblvohl er nicht verkenne, daß in einzelnen Blättern nicht zu billigende Aenßeruiigen gestanden hätte». Wir müsscii einigend wirken' und da« treuueude Moment beseitigen.— In scineni Schlußivort konstatiert Adler unrer dein Beifall der großen Mehrheit der Delegierten, daß der Arttkel im Einklang stehe mit der Mehrheit der Genossen. Er werde auch in Zukunft anfeuernde- Artikel schreiben, damit die Genossen nicht einschlafen. Am Montag wurden die Verhandlungen zu Ende geführt. Der Etat der Agitationskommission für das kommende. Geschäfts- jähr wird auf 30 221 M. festgesetzt. Um eine planmäßige Agitation unter der ländlichen Bcvöllcrung betreiben zu können, wurde bc- schlössen, Material über die Lage der ländlichen Arbeiter, Dienst- boten und Kleinbauern zu sammeln und es unter Berücksichtigung der rechtlichen Verhältnisse zu verarbeiten und für die Land- agitation zu verwenden. Ferner wurde bei diesem Punkt beschlossen, eine rege Agitation unter den Fischern zu betreiben. Nach einem instruktiven Referat Adlers- Kiel über„Fragen der Kommunal- Politik", in dem er die bestellte Arbeit des Städtetages für die Provinz hinsichtlich der„Erweiterung" des Kommunalwahlrcchts drastisch beleuchtete, wurde eine Kommission eingesetzt zwecks Revision des vor fünf Jahren geschaffenen Kommunalprogramms für die Provinz. Von den Delegierten deS ersten und zweiten schleswig-holsteinischen Wahlkreises(dänische? Sprachgebiet) wurde lebhaft die Herausgabe eines in dänischer Sprache gehaltenen Wochenblattes befürwortet, damit die ländliche usw. Bevölkerung über unsere Grundsätze aufgeklärt und derselben gezeigt werden könne, wie die Sozialdemokratie sich zur„Köllerci" stelle. Der Parteivorstand hat des hohen Kostenpunktes wegen von einer solchen Gründung abgeraten. Der Parteitag erkennt das Wünschens- werte der Gründung eines dänischen Wochenblattes an und beauf- tragt die Agitationskommission nochmals mit dem Parteivorstand in Verbindung zu treten. Der Sitz der Agitationskommission bleibt in Altona, wo auch der nächstjährige Provinzialparteitäg stattfindet. Als Parteisekretär wurde Genosse B a r t e l s p Hamburg wiedergewählt. Mus der Partei. Eine ncuc_ christliche Gemeinheit. Durch die OrdmmgSpresse geht folgende Schauermeldung: „In der Bürgermeisterei Benrath wurden in der Nacht zum � 15. August zwei Diebe dabei abgefaßt, als sie in der dortigen katholischen Kirche mit Hülfe von Brecheisen einen Ein- b r u ch versuchten. Mehreren Polizeibeamtcn gelang es, den einen Spitzbuben auf frischer Tat, den zweiten ani folgenden Tage auf seiner Arbeitsstelle zu verhaften. Die Personalien ergaben, daß es sich um die Vertrauensmänner des sozialdemokratischen Metallarbeiter-Verba ii des' Otto Wahl und Heinrich Krämer handelte, denen auch noch ein anderer Einbruchsdiebstahl zur Last gelegt wird." Das Berliner Organ für die Gebildeten aller Stände fügt dieser Mordgeschichte noch die geschmackvolle Bemerkung an: Bei den beiden scheint sich der Satz:„Religion ist Privatsache" mit dem anderen:„Eigentum ist Diebstahl" in höchst eigentümlicher Weise verniischt zu haben. An sich ist die Sache sehr belanglos, denn keine Partei noch Gewerkschaft ist verantwortlich für Verfehlungen einzelner ihrer Mitglieder, solange sie sie nicht deckt. Wär'S anders, gerade die Ordnungslcute würden nicht zum besten fabren. Aber was ist denn überhaupt an der Sache Wahres? Unser Düsseldorfer Parteiblatt, die„BolkSzeitiing", beantwortet diese Frage so: „Lediglich, daß die beiden verhaftet sind und sich in Untersuchungshaft befinden. Die Verhaftung liegt schon über 14 Tage zurück, aber die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. V e- weise für die Schuld der beiden konnten bisher. nicht erbracht werden und wer die Personen kennt, namentlich Krämer, der weiß, daß letzterer ganz bestimmt weder einen Einbruchsdiebstahl begangen hat, noch an einem solchen beteiligt gewesen ist. Auch bei Wahl wird dies zutieffen. Der„Rheinländer", das Benrather Lokalblatt, hat auch diese Meinung geäußert, und jeder halbwegs anständige Mensch wartet mit seinem Urteil, bis das Gericht gesprochen hat." Die Leute von der christlichen und sonstigen Ordnungspresse kümmern sich grundiätzlich nicht um die Regeln anständiger Leute, wenn es gilt, die Sozialdemolratie oder die freien Gewerkschaften anzuschwärzen. Partciprrssc.„Ober hessische Bollszeitung" wird sich das am 1. Oktober täglich erscheinende Pnrieiblatt für Ober- Hessen nennen, dessen Herausgabc die letzte hessische Laudeskonferenz beschloß. Die„Bremer B ü r g e r z e i t u n g" erscheint vom nächsten Montag ab täglich mindestens zehn Seiten stark. Personalieii. In die Redaktion der„ M ä r k i s ch c n Volks- st i m in e" zu F o r st ist— zunächst vertretungsweise— Genosse August F r e u d e u t h a I ans Bremen eingetreten. polizeilicbes, Ocrictmiches ufw. Klnssenjustiz in Oesterreich. Aus Suczawa(Bukowina) wird folgende ungeheuerliche Verurteilung gemeldet: Bei einer Demonstration der Handclsongestellien für die Neunuhrsperre wurde eine Scheibe eingeschlagen. Ein bekannier S ozialkstensresser trat als Zeuge dafür ans. daß Genosse Häupter die Scheibe zerbrochen babe. Bei der Hniiptverhondlui'.g wurde Genosse Häupter zu ucht Mon iten jchwerrii KcikrrS verurteilt. Acht Monate für eitle Scheide! Das Suczawaer Kreisgeuchl ist weg,euseiuer Milde' in— W ucher Prozessen berühmt._ flu q Industrie und Kandel. Arbeitsleistung im Bergbau. Das von dem„Verein für die bergbaulichen Jitti ressey im Obexbergaintsbezirk Dortmund" hxr.msgegebene vielbändige Werk über den RnHrbergbait spricht sich dahin a»S, man könne ans der Bmchmmg der.Leistung pro Arbeiter nicht den Schliiß ziehen, die Belegschaft sei miiidet fleißig geworden. Wenn mau alle Begleit- uiiisläude objektiv in Bettacht ziehe, so würde man„doch wohl sagen können, daß die von den Be.glenlen bei der eigentlichen Bergarbeit . ntsallele Kraftanstrengung nach 1860 im allgemeinen eine größere ist wie vorher". 1888/01 wurden Ol' 04 Proz der Gefanttdeiegschast„vor der Kohle"(eigentliche Bergarbeit) be- ichäsligt,. zurzeit sind es liur noch 40—50 Proz. Berücksichtigt man diese für den LeistiingSeffekt sehr bedenlsame Verschiebung der Belegschaft, brachtet man außel dein die umfangreiche Anlegung betgbattiremde» Arbeiter, dann er', Hein! die jetzige Lrislttngserhüyung als ein sehr günstiges ZeujjtiiS für die Belegschaften. Im preußischen Siettikohlcitbergbau tvme» während des ersten Halbjahres 1006 403 713 Personen beschäftigt gegen 447 166 iin gleichen Zeitraum 1005. Die rapide Steigeruna der Belegschaften innerhalb des letzten Jahrzehnts hat dem Bergbau große Arbeiter- Massen zugeführt, die ihn bisher nur vom Höieusagen kannten. In größerem Maße steigt der AxheitSeffekt im Braunkohlen- bergbau. Die Zahl der im preußischen Braunkohlenbergbau beschäsiigteu Personen ist von 44 304 im ersten Halbjahr'iSOS auf 46 281 im ersten Halbjahr 1906 gestiegen. Diese erhebliche Be- lcgschaflSvermehrung ist ein besonders charakteristisches Merkmal der guten Konjunktur, da nach 1000 die Zahl der Brannkohlenarbeiler mehrere Jahre erheblich ztiritckging oder doch stabil blieb: Oblvohl dieses Jahr im mitteldentschen Brannkoblengebiete 3—4000 Arbeiter zwei Monate streikten, hat sich doch die Leistting pro Kopf von 475 Tonnen im ersten Halbjahr 1905 ans 400 Tonne» im ersten Halbjahr 1906 gehoben. Die Kohlenknappheit ist demnach nicht auf eine Vermittderuttg der Arbeitsleistung zurückzuführen, da eine solche nicht eingetreten ist._ Vorn deutschen Kohlenhandel. In einem Zirkular, vom Zentral- komitee französischer Grubengesellschaftcn herausgegeben, wird u. a. betont, daß in den ersten sechs Monaten dieses JabreS der deutsche Exporthandel in Kohlen, soweit Frankreich in Betracht kommt, eine starke Zunahme gegen die gleiche Periode des vergangenen Jahres aufweist. ES wurden exportiert 1 086 046 Tonnen Kohlen(ein Mehr von 405 177 Tonneii). 757,320 Tonnen Koks(ein Mehr von 256,705 Tonnen) und 10 225 Tonnen Preßkohlen(ein Mehr von 5382 Tonnen). ti, lammen wurde ein Mehr von 757 264 Tonnen erzielt. Folgende abelle zeigt die Einfuhr während der ersten sechs Monate der letzten drei Jahre: 1004 1005 1000 Tonnen Tonnen Tonnen AuS Belgien..... 277710 564447 266621 , Holland..... 05102 121911 41408 , Oesterreich-Ungarn. 295 782 319 851 387 304 „ anderen Ländern.. 5 409 20 660 78 762 . Großbritannien.. 2441412 3 706 360 3 337 288 DaS Westfälische Kohlensyndikat wird in ausländischen Handels- kreisen mit großem Mißtrauen betrachtet, eS wird in einem englischen Handelsblatt behauptet, daß es dem britischen Händler ivie dem deutschen Konsumenten„Sand in die Augen" streut. ES übe eine Kontrolle ans über den gesamten Kohlenhandel in West-, Süd- und Mitteldeutschland und versuche auch im Auslände, zum Nachteil der englischen Händler, seinen Wirkungskreis auszudehnen. Rentabilität. Tie Westfälische Kupfer- und Messingwerke A.-G. verbuchte einen Gesamtversaud von 7 636 448 Kilogramm im Werte von 13 320 000 M. Im Vorjahre belief sich der Versand auf 6 172 536 Kilogramm im Werte von 0 016 077 M. Der Durchschnitts- wert ist mithin von 1,46 M. auf 1,74 M. pro Kilogramm gestiegen. ®fl3 Kupferwerk„Deutschland" in Ober- Schäneweide verteilte für das Jahr 1905 10 Proz. Dividende, die die Gesellschaft vereinnahmte. Der ueberschuß der Kupferwerke„Oesterreich" in Prag wurde zu Abschreibungen verivandt. Der Fabrikationsgewinn der Gesellschaft betrug 1 818 787 M., im Borjahre 1 485 047 M. Aus dem Rein gewinn von 357 880 M. werden 8 Proz. Dividende verteilt, 2 Proz mehr als im Vorjahre. � Steigerung der Gcwiinirate. Die A.-G. Mengener Walzwerk erzielte im letzten Geschäftsjahre einen Fabrikationsgewinn von 267 000 M. Gegen das Vorjahr ist das ein Mehr von 86 000 M Es gelangt eine Dividende von 10 Proz. zur Verteilung gegen S Proz. im Vorjahre. Die Hainbnrg-Amcrikanische Pakctfahrt-A.-G. veröffentlicht einen Bericht über das Ergebnis der ersten sechs Monate d. I. Die Ueberschüsse sollen die vorjährigen erreichen. Der Umfang des Ge schaftes bedingt die Vergröjzeluiig der Flotte; es ist deshalb eine Erhöhung des Altienkapitals um 20 Millionen Mark in Aussicht genommen. Die Industrie im Staate Texas. Zu Beginn des Jahres 1905 befanden sich 3156 Fabriken im Staate im Betrieb und der Wert ihrer Erzeugnisse bclief sich auf 150 528 389 Dollar. Die Ver , nehrung der Fabriken seit 1899 betrug 1,6 Prozent und die der Erzeugnisse 62 Prozent. Die Kapitalsanlage in den Fabriken be- zifferte sich auf 115 664 871 Dollar, was gegenüber 1900 einer Zu- nahine von 1,7 Prozent gleichkommt. Im Januar 1905 wurden von oen Fabriken 5778 Beamte und 49 061 Arbeiter nnt einem Kosten- aufwände von 24 465 942 Dollar beschäftigt, oder 44,7 Prozent inehr als vor 5 Jahren. Die Kosten des Rohmaterials beliefen sich im Jahre 1904 auf 91 603 630 Dollar gegen 54 388 303 Dollar im Jahre 1900. Das Mehr beträgt beinahe 70 Prozent. Dallas ist der leitende Fabrikort hinsichtlich der Anzahl der Fabriken und der Menge der von diesen gelieferten Erzengnisse, Houston beschäftigt dagegen die ineisten Arbeiter und bezahlt die meisten Löhne. Emissionen in den Vereinigten Staaten. Die gesamten bis- berigen Emissionen dieses Jahres werden auf 1 186 391 000 Dollar beziffert, im Vergleich mit 694 202 000 Dollar während des ganzen Jahres 1905 und 550 445 000 Dollar in 1904. Em der frauenbewegimg. Vom Wachstum der Bewegung. Dem von der Vertrauensperson der Genossinnen Deutschlands Ottilie Baader in der„Gleichheit" erstatteten Jahresbericht ent- nehmen wir folgendes: Nicht nur von dein Wachstum unserer Bewegung kann die Unterzeichnete berichten, sondern auch von ihrer fortschreitenden Festigung und Organisation. Die Zahl unserer Vertrauenspersonen ist von 190 auf 325 gestiegen, unter denen sich für verschiedene Gegenden Kreisvertrauenspersoucn befinden. An manchen Orten haben diese sich angelegen sein lassen, ihre Arbeit auf die be- nachbarten Kreise anszudehnen, die bisher brach lagen. Sie haben ferner in den Orten ihres eigenen Bezirks Bildnngsvereine ins Leben gerufen und die Aufstellung örtlicher Vertrauenspersonen an- geregt und diese eingearbeitet, die nun ihrerseits die Aufklärungs- arbeit leiten. Der Parteitag zu Jena hatte in s 8 des neuen OrganisationS- statuts der Partei als Absatz 2 einen PassuS eingefügt, der die Ver- trauenSpersonen berechtigt, freiwillige Beiträge entgegenzunehnien und durch besondere Marken zu quittieren. In Prenhen wie in manchen anderen Staaten Deutschlands, in denen die Frauen sich nicht politisch organisieren dürfen, ist ihnen damit ein Weg geöffnet, durch Entrichtung regelmäßiger freiwilliger Parteibeiträgc ihre Parteizugehörigkeit zu dokumentieren. Ein Zirkular der Unter- zeichneten forderte die weiblichen Vertrauenspersonen der besagten Länder auf, eifrig für die Ausnutzung des Rechte? zu wirken und zu diesem Zwecke Karten und Marken von ihr zu entnehmen. Um einen möglichst genauen Ueberblick über die Zahl der politisch organisierten Frauen zu erhalten, versandte die Unterzeichnete an die amtierenden Vertrauenspersonen Frage- bogen, von denen nur 183 beantwortet worden sind. Die nach- folgenden Zahlen, die auf Grund der erhaltenen genauen Angaben festgestellt wurden, bleiben daher hinter der wirklichen Zahl der weiblichen Organisierten zurück. 4933 Genossinnen entrichten frei- willige Parteibeiträge, während vor einem Jahre dies kaum 1000 taten. Auch die Zahl der Genossinnen, die mit den Genossen zu- sammen den politischen Organisationen angehören, ist gestiegen, und zwar von 4000 auf 6460. Auffallend sind die Fortschritte, welche sich in dem Zuwachs der Mitglieder der unpolitischen Bildungsvereine bekunden. Diese umschlossen etwa 3000 Mitglieder im Vorjahr, gegenwärtig zählen sie deren 8890... An dem Wachstum nnserer Bewegung hat neben dem ge- sprochenen Worte das gedruckte seinen großen nicht zu unterschätzenden Anteil. An erster Stelle muß da unser Organ„Die Gleichheit" ge- nannt werden, für deren Verbreitung unsere Genossinnen unaus- gesetzt mit Eifer tätig gewesen sind. Die„Gleichheit" hat Klarheit und sozialistisches Wissen in die Köpfe vieler Tausende von Frauen getragen. Sie brachte den Hausfrauen Anregung und Belehrung, sie beriet durch Artikel ans sachkundiger Feder die Mütter bei der Pflege und Erziehung der Kinder; sie trat nach den verschiedensten Richtungen hin für die Interessen der Arbeiterinnen, der Frauen des arbeitenden Volkes ein; sie war den Genossinnen jederzeit eine treue Be- raterin, ein festes geistiges Band. Die„Gleichheit" hat Eingang in die abgelegensten Gegenden, in die schwärzesten Winkel Deutschlands gefunden. Die Zahl ihrer Abonnenten ist von 23 000 im Vorjahre auf 46 000 gestiegen, und in der ungeheuren Mehrzahl der Fälle wird jedes abonnierte Exemplar von mindestens zwei Personen gelesen. In diesem Jahre hat die„Gleichheit" ihr zweites Merk- blatt zur Belehrung der Proletaricrinnen in praktischen Fragen herausgegeben. ES führt die Frauen in erzählender Form in die Bestimmungen der Unfallversicherung ein und ist zunächst in 50 000 Exemplaren verbreitet worden. Erwähnt sei noch. daß die" Zahl der Genossinnen beständig ivächst, welche durch Berichte, Artikel, Notizen an der„Gleichheit" mitarbeiten. Es ist dies ein zu begrüßendes Anzeichen geistigen Lebens im weiblichen Proletariat. Um die Agitation für die„Gleichheit" in jeder Versammlung erfolgreich zu gestalten, auch dort, wo Frauen öffentlich für sie � zu sprechen nicht imstande sind, wurden 50 000 Flugblätter mit AbounementSaufforderung von der Unter- zeichneten herausgegeben. Sie werden im Bedarfsfalle unentgeltlich abgegeben; 35 000 davon sind bereits versandt.... Den Bildungsvcreinen der eiuzelnen kleinen Orte erwachsen zu hohe Unkosten, wenn sie Statuten und das nötige Material an Marken selbst drucke» lassen. Um die Sache zu verbilligen und zu vereinfachen, hat die Zentralstelle einen größeren Posten dieses Materials anfertigen lassen und sendet es in gewünschter Anzahl den einzelnen Orten zu.... An der Aufbringung von Geldern für die Zentralkasse beteiligten sich dieses Jahr 110 Orte gegen 54 im Vorjahre. Sie sendeten'ins- gesamt ein 4394 M. 76 Pst, dem steht eine Ausgabe von 3854 M. 46 Pst gegenüber, so daß der Bestand 540 M. 30 Pf. beträgt. Die mündliche Agitation hat ans der Zentralkasse 1589 M. 90 Pf. be- ansprucht; für Drucksachen wurden insgesamt 1556 M. 16 Pf. ver- ausgabt; für Porto sind 550 M. 25 Pf. aufgewendet und für Schreib- Material und kleine Ausgaben 159 M. 15 Pf. Kasse und Bücher sind vierteljährlich geprüft und in voller Ordnung gefunden worden. Viele Kreise haben die notwendige Agitation aus eigenen Mitteln bezahlt; auch sind in manchen Orten Schriften zur Verteilung gelangt, die auf eigene Kosten angeschafft wurden. Berichts-Teilung. Mumm kontra Mumm. Eine sehr verführerische Ausstattung hatte gestern der Richter- tisch der 2. Strafkammer des Landgerichts II bei einer Verhandlung erhalten, die das Gericht bis zum Abend beschäftigte. Bor dem Kollegium war eine Auswahl von Champagncrflaschen aufgestellt, die ihre goldenen und silbernen Köpfe recht prätentiös in die Höhe reckten. Es handelte sich um eine Anklage wegen unlauteren Wettbewerbes bezw. Vergehens gegen das Warenzcichcngcsctz. die sich gegen den Wcinagentcn Lcop. David in Charlotten- bürg und die unverehelichte Maria Mumm richtete. Die be- kannte Champagnerfirma G. H. Mumm u. Co. in Rheims führt feit Jahren einen Kampf gegen Firmen, die unter Benutzung eines von ihnen aufgefundenen Trägers des Namens Mumm Cham» pagner unter dem Namen Mumm u. Co. auf den Markt bringen. Bor einiger Zeit hatte sich in einem Elsässer Ocrtchen eine solche Firma aufgemacht, deren Träger ein Maurermeister Mumm war. Die französische Firma erreichte durch Beschreiten des Klagcwcges, daß diese Pseudofirma durch gerichtliche Maßregel aufgelöst wurde. Nicht lange darauf tat sich in dem Vorort von Metz, Sablon, eine andere Firma Mumm u. Co. auf, als deren Inhaberinnen ein Fräulein Klein und ein Fräulein Mumm figurierten. Letztere war die Tochter des vorbenannten Maurermeisters, versah früher die Stellung eines Dienstmädchens, dann einer Verkäuferin bei Jandorf und schließlich einer Plätterin, ehe sie den Sprung zur Champagnerfabrikantin machte. Durch einen Herrn Klein wurde der Angeklagte angeregt, sich bei dieser Firma zu beteiligen. Er will sich bei verschiedenen Rechtsverständigen erkundigt haben, ob er dies anstandslos tun könne, und erst als ihm dies allseitig bejaht wurde, will er die Beteiligung perfekt gemacht haben. Fräulein Klein schied aus der Firma aus, Fräulein Mumm aber blieb be- teiligt. Die Eintragung dieser neuen Firma Mumm u. Co. in das Handelsregister machte aber Schwierigkeiten. Denn der Register- richter hatte gleich den Verdacht, daß eS sich um eine Schcinfirma handelte und versagte die Eintragung, so daß es zu einem weit ausholenden gerichtlichen Kampfe kam. Mittlerweile meldete der Angeklagte nunmehr seine Firma als Maria Mumm u. Co. an und in dieser Form erfolgte die Registereintragung. Diese Firma überschwemmte von Berlin aus Deutschland mit sehr billigen Of- ferten zum Bezüge des berühmten Mumm-SektS, der aus den besten Weinen der Champagne hergestellt sei. Die Firma Mumm u. Co. in Rheims versuchte wiederholt vergeblich, sich mit Hülfe der Ge- richte diese eigenartig« Konkurrenz vom Halse zu schaffen. Es gelang ihr dies zunächst aber nicht, da die Firma in Sablon Handels- gerichtlich eingetragen war. Ein Strafantrag wegen unlauteren Wettbewerbes bezw. Vergehens gegen das Warcnzeichengesetz hatte bei der Staatsanwaltschaft keinen Erfolg und erst durch Verfügung des im Beschwerdewege angerufenen Kammergerichts wurde die Er- Hebung der Anklage angeordnet. Die Verhandlung gestaltete sich sehr umfangreich, da die difficielsten Fragen des Rechts auf ein bestimmtes Warenzeichen zur Erörterung kamen. Der Angeklagte David bestritt entschieden, daß er da? Fräulein Mumm nur als Aushängeschild für seine Firma benutze und behauptete, daß diese in außerordentlichem Maße im Geschäfte tätig sei. Er wisse nicht, wer ihm verbieten wolle, mit einem Träger deS Namens Mumm ein Champagnergeschaft zu eröffnen und müsse bestreiten, daß die ganze Aufmachung seiner Champagnerflaschen irgendwie eine Ver- wechsclung mit G. H. Mumm u. Co. ermögliche. Er betreibe das Geschäft durchaus seriös und habe sehr viel Geld hineingesteckt. Der Vorsitzende verwies darauf, daß von großen Sektkellereien doch gar keine Rede sei und das ganze Geschäft anscheinend doch wie folgt sich abgespielt habe: wenn Bestellungen auf den berühmten Mumm-Sekt einliefen, scheinen Weine aus Mainz, Hochheim oder anderswoher nach Sablon geschickt und die Flaschen dann dort mit Etiketten der hochtönenden Firma beklebt worden zu sein. Der Vorsitzende fragte den Angeklagten auch, warum er denn gerade nach dem Namen Mumm so begierig gewesen sei, der Name David sei doch auch ganz schön. Der Angeklagte erwiderte proniht, daß er mit einem„David-Sekt" schwerlich reüssiert haben würde.— Recht belastend für den Angeklagten war die Aussage deS Zeugen Klein, der für den Angeklagten zunächst als Reisender tätig war, später aber von diesem entlassen worden ist. Dieser hat den Angeklagten zuerst auf die werbende Kraft deS Namens Mumm und die Ge- lcgenheit, sich mit Fräulein Mumm zu assoziieren, aufmerksam gemacht. Der Angeklagte habe ihm darauf geantwortet: auf so etwas warte er schon lange; er habe schon einmal einen Arbeiter Heidsiek an der Hand gehabt, Mumm gefalle ihm aber viel besser. — Der gerichtliche Sachverständige Weingroßhändler W i l lh o e f t. der den Champagner untersucht hat, erklärte zunächst, daß dieser schauderhaft geschmeckt habe. Auf Befragen des Rechtsanwalts Dr. Werthauer gab der Sachverständige zu, daß der Wein im vorigen Jahre besser gewesen, in diesem Jahre aber aus Elsasser und Lothringer Landwein bestehe. Die Herstellungskosten stellten sich auf kaum 1 M.. während bei gutem französischen Sekt die Her- stellungskosten 5— 6 M. betrügen. In dem vom Angeklagten ver- triebenen Sekt sei keine Spur von Weinen aus der Champagne vorhanden.— Staatsanwalt Dr. Honemann bezeichnete das ganze Verfahren für ein plumpes, aber für das große Publikum gefährliches Manöver und beantragte im Sinne der Anklage 600 M. Geldstrafe. Der Nebenkläger plaidierte auf Gefängnisstrafe, da es sich doch um die krasseste Form des unlauteren Wettbewerbes handle. Das Gericht kam zu einem Schuldig nach Maßgabe der Anklage und verurteilte den Angeklagten David zu 3000 M., die Angeklagte Mumm zu 300 M. Geldstrafe, im NichtbeitreibungS- falle zu entsprechender Gefängnisstrafe. Fürstin Wredr. Die Angelegenheit des ehemals fürstlich Wredcschen Diener? Glase wird am 12. d. M. vor dem Reichsgericht zur Verhandlung kommen. Der oberste Gerichtshof hat sich demnach ziemlich schnell mit dieser Lauoe celebre zu beschäftigen. Glase ist am 6. Juli wegen deS an den Fürsten Wrede gerichteten, als ErprcssungSbrief angesehenen Schreibens zu 9 Monaten Gefängnis und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt worden und hat Revision eingelegt. Ueber eine Anklageerhebung gegen die Fürstin Wrede ist Beschluß noch nicht gefaßt. Versammlungen. Eine großzügige Agitation für den Metallarbeiter-Bertand hat die Berliner Ortsverwaltung dieser Organisation gegenwärtig in die Wege geleitet. Zu diesem Zweck waren zu Montagabend für Berlin und mehrere Vororte zehn öffentliche Metall- arbeiter-Versammlungen einberufen worden, die sämtlich sehr stark besucht und teilweise sogar überfüllt waren. Die Zahl der Besucher dürfte insgesamt mindestens 15 000 betragen haben, daninter viele Unorganisierte, für deren Aufklärung die Bersamm- lungen ja auch in erster Linie dienen sollten. Als Referenten waren gewonnen worden die Bezirkslciter Spie gel« Düsseldorf. Wal- brecht- Düsseldorf. V orh ö lz er- Stuttgart, Voß-Halle, Röhr- Halle, H a a ck- Dresden. Held- Dresden, Schlegel- Breslau, R o h r l a ck- Stettin und Z e r n i ck e- Berlin. Alle Redner sprachen über das Thema:„Der deutsche Metallarbeiter- Verband und seine vornehmsten Aufgaben." Aus den Vorträgen dürfte manchen der bisher Unorganisierten wohl ein Licht darüber aufgegangen fein, welche Bedeutung der Metallarbeiter-Verband mit feinen 300 000 Mitgliedern in unserem modernen Wirtschaftsleben bereits erlangt hat und was eine solche festgefügte Organisation unter Umständen zu leisten imstande ist. In allen Versammlungen gelangte folgende Resolution zur fast einstimmigen Annahme: Die Versammlung erklärt nach den Ausführungen des Referenten: Angesichts der immer mehr steigenden Lebensmittel und Mietspreise. * Angesichts der immer größer werdenden Hindernisse, die sich den Metallarbeitern bei der Erringung besserer Lohn- und Arbeits- bedingungen entgegenstellen, Angesichts des zum Kampf gegen die Arbeiter einheitlich organisierten Unternehmertums ist eine. alle Metall- arbeiter umfassende, auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehende Oraani- s a t i o n unerläßliche Notlvendigleit. Als eine Organisation, welche die oben bezeichneten Be- dingimgen erfüllt, kommt für die Metallarbeiter allein in Betracht der Deutsche Metallarbeiter-Verband. Die Versammlung fordert deshalb alle Metallarbeiter auf, sich dem Deutschen Metallarbeiter-Verband anzuschließen, um s« dazu beizutragen, daß den Metallarbeitern beim Kampf um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen eine möglichst einheitliche und darum kräftige Organisation zur Seite steht. In der Versammlung, die in„PcterS' GesellschaftShauS" zu Moabit stattfand, wurde aus der Mitte der Anwesenden dann noch folgende Resolution eingebracht und ebenfalls einstimmig an« genommen. Sie lautet: Die Versammlung erklärt: In Erkenntnis der Tatsache, daß die Vorbedingung der materiellen und moralischen Hebung der Lage der Metallarbeiter die Verkürzung der Arbeits- zeit ist, fordert die Versammlung die Ortsverwaltung der Ver- waltungsstelle Berlin des Deutschen Metallarbeiter-VerbandeS auf, tunlichst bald Schritte in die Wege zu leiten, um überall da, wo in der Berliner Metallindustrie noch eine längere tvie neunstündige Arbeitszeit besteht,. die Arbeitszeit auf längstens neun Stunden herabzusetzen. Berichtigung. In unserem gestrigen Bericht von der Provinzial- konferenz für Brandenburg heißt es irrtümlich: „Wenn die„Brandenburger Zeitung" und die„Märkische Volks- stimme" zusammen nur 10 000 Abounenten haben,.. Es muß richtig heißen: „Wenn die„Brandenburger Zeitung" und die„Märkische Volksstimme" je 10 000 Abonnenten haben,..." Lese- nnd DiSkutierklnb„Wilhelm Liebknecht-. Mittwoch, den S. September, bei Otto Lambrecht, Lychcncrstr. 2/3: Sitzung. Tagesordnung: 1. Vortrag über: Pfaffenherrschaft. Referent: Genosse I. Schramm. 2. Diskussion. 3. Bericht von der BiuidcStonserenz. Lese- und DiSkutierklnb„Süd- Ost-. Heute abend Oft, Uhr bei Tollsdors, Göriitzerstr. 58: Sitzung. Tagesordnung: 1. Vortrag über: Wilhelm Weilling. 2. Wichtige Verciniangclcgcnheiten. Deutscher Zlrbettcr- Äbstiiienten- Bund. Ortsgruppe Berlin. MiUlvoch, den 5. September, abends»1,9 Uhr, im„Englischen Garten", Alexanderstr. IIa: Versammlung. Tagesordnung: Vorwag. Diskussion. Gruppenangclegenhcitcn und Verschiedenes.— Gäste willkommen. Brrcin der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeite- rinnen Berlins und Umgegend. Abteilung Rixdors-Britz. Heute, abends 8 Uhr, bei Wille, Ripdorf, Hermannslr. 2l3: Versammlung. Tages- ordnung: 1. Vorwag des Kollegen Schwarz über: Christentum, ü. DiS- lusjion. 3. Verschiedenes.— Gäste willlommen. Singegangene DruckfdmfUii. Von der„Reuen Gesellschaft-, Sozialistische Wochenschrift, Heraus. geber: Dr. Heinrich Braun und Lilh Braun(Verlag: Berlin W. 15. Preis für das Einzclhcft 10 Pf., pro Monat 40 Ps., pro Vierteljahr 1,20 SR.) ist soeben das 35. Heft erschienen. Dr. med. I. Weift. Der Zweit ums Gläschen Bier. 10 Selten. Preis: 10 Pf. Verlag: Seitz u. Schauer in München. Die Weltgeschichte ist daS Weltgericht. Kamps der Nawnr gegen die Unnatur. Von E. Madörp. 40 Seiten. Preis: 80 CtS. Verlag: Schweiz. Grütliverein, Zürich(Schweiz). Monatsschrift sur christliche Sozialreform. September- hest. Abonnementspreis: Halbjahr 3,20 M. Einzelhest 80 Ps. Verlag: Bacßler& Drexlcr, Zürich(Schweiz). Archiv für Dozialtviffenfchaft nnd Sozialpolitik. XIII. Band, 1. Heft. Herausgeber: W. Sombart, M. Weber und E. Josse. Preis: geh. 3 M. Verlag: I. C. B. Mohr(Paul SIcbeck), Tübingen. Wttternngsüberflcht vom 4. September 1906. morgen» H»hr, Stationen Swtnemde. erltn /anffa.M fmchtn Wien e 2 ? 2 §« c 2 1 H 8 � w s OeUn 754' SSO 764 WS« 764 Still 766 SO 766 SW 766 Still 3halb bd. Iwolkenl — wolkenl 2 wölken! 2 wollen! — Dunst »s: ct. -» II i to Ä5> 17 18 18 16 17 17 Stationen S 2 2= »•= Hap Pete A s S— jjj« " z aranda' 766 öS« crSburg 767 NNW Scilly Aberdeen Paris 767 NNW 767 WNW 765 ONO «eller 2wolkenl 1 heiter 3 halb bd. 1 wollig 6woIle»I a k s% » H L? H% 8 5 15 14 15 Wetter-Prognose für Mittwoch, de« l». September 1»««. Trocken, vorwiegend heiter und warm bei schwachen westlichen Winden. Berliner Wcttrrbureau. Zentral-lferliaiiil der Maurer Deutsebiands. Zireigvcrein Berlin. Am Sonntag, den 2. d. M. verstarb unser Mitglied Robert Baier im 48. Lebensjahre. 147/2 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigmm findet Mitt- woch, den 5. d. M., nachmittag» 4 Uhr. von der Kapelle deS Em- mauS-Kirchhoscs in Britz, Marien- dorser Weg, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Der vorstand. Zentral-Men- o. Sterhekasse d. deutschen Wagenbauer(oh.» Berlin»(Gesunifbrunnen). Xnchrnf. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied Franz Vogt am Sonntag, den 2. September verstorben ist. 1031b Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung hat am DienS- tag, den 4. September, nachmittags 3'/, Uhr, von der Biescnthalcrstr. 20 nach dem neuen PaulS-Kirchhos stattgesunde». Die OrtSverwaltnng. Zentralverband der Handels-, Transport-, Verkehrsarfaeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Vorwaltungettille Berlin I. Hierdurch diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser« Kollegin Frau Juliane Hahn verstorben ist «hre ihrem Andenke,,: Die Beerdigung findet heute Mittwoch. den 5. September, nachinittagi 4 Uhr, von der Leichen- Halle der Friedensgemeinde in Nieder-Schönhause» au» statt. Um recht zahlreich« Beteiligung bittet 71/14 VI» GrUven»»Iltin,. Tode«- Anzeige. Allen Kolleginnen hiermit die traurigeNachricht, daß dieZeitungs- austragerin Frau Juliane Halm am 31. August verstorben ist Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 5. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle der FnedenSgemeinde, Nordend, aus statt. 1041b Die Kolleginnen der Partei- Spedition(Br Rosenthaler Vorstadt, AckerstraBe 36. Die Vertnuenspereen. Allen Freunden, Bekannten und Parteigenossen, die meiner lieben Gattin aus ihrem letzten Wege da« Geleit gegeben haben, ins- besondere dem Gesangverein „Liedcssrcundschast", dem Zcnwal- verband der Handels-, Transport- und VerlehrSarbciter, sowie Herrn Dr. Jungmann sage ich sur die bewicsenr Teilnahme und die herrlichen Kranzspenden meinen besten Dank. 1040b BueU» Wangenheim nnd Tochter. Treptow. Danksagung. Gage hiermit allen Freunden und Bekannten für die zahlreiche Be. teiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsere» guten Vaters, den herzlichsten Dank. 22038 Emilie Ziesler nebst Kindern. Dr. Simmel, Spezialarzl sür 137/13« Nnnt- nnd Harnleiden, 10—2, 5—7. Sonntag» JO— 12, 2—4. 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I In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung ist cS Pflicht ledes Kollegen, zu crschcmen. Znr gefälligen Beachtung! Um unsere Mitglieder vor Schaden zu bewahren, machen wir wiederholt darauf aufmerksam, daß jeder erkrankte Kollege sich bei BegiNtt der Erkrankung Mtldett muß. Entweder personlich «der, wenn der Grad der Erkraukniig dies nicht zuläßt, durch Familien- Mitglieder, oder, wenn auch das uicht geht, auf schriftlichem Wege. 152/8 Die Ortsverwaltung. Zcntralvcrband der Steinarbeiter. Berlin I. Donnerstag, den 6. September 1906, abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c:: Mitgtieder-Uerrammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht über den Streik im Muschelkalkgebiet und die Aussperrung in Berlin. 2. Das OrtSreglcment. 3. Abrechnung vom Sommersest. 180/2 4. Verschiedene«(Mitteilungen usw.). Mitgliedsbuch legitimiert. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. dkL. Alle Kollegen, die zum 1. Oktober ihre Adresse wechseln oder bisher leine FachzeiNuig erhielten, haben nofort ihre Adresse an Unter- zeichneten einzusenden._ O. Ilnnschkc, N. 20, Koloniestr. 129. ff andlung:sg:ehülf en! Heute Mittwoch, den 5. September, abends 9 Uhr: ■ Oeffentliche Versammlung in den jndustrie-Testsälen, Beuthstr. 19/20. Kollege Julius Kaliski spricht über: Simnlanten-Wahn. 267/20 Zahlreichen Besuch erwartet �ontrstvordon S der Handlungsgehülfen u.-Gehülfi nnet» Deutschlands, Bezirk Berlin, Neue Friedrichstr. 20. Friedricbsberg. Frankfurter Fernsprecher Nr. 8. Cliaussee 5. Keatanrant und Festaille. Jeden Mittwoch: 1648S* humoristische Soiree der Wiiig Waide-Sänger. Familien-Kränzchen, x%ZüXbit" Jeden Sonntag: Spezialitäten-Vorstellung. Im Saale: GroBor Ball. Gebr. Arnhoid. Nach der Vorstellung: iportieren Spezialität!(ca. 200 Genre). Einz. Garnituren spottbill. Spezial-Ratalog103-600 111lustif> J gratis u. franko. Emil Lefevre Oranienstr. 158 Berlin S. 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Eine bessere Ernährung bildet die Darreichung von Kukekes Kindermehl in Wasser, da das in demselben saltene pslanzliche Eiweiß sür die KrankhcitSkcime einen schlechten Nährboden darbietet und ebenso wie die Mineralstofse selbst von dem erkrankten Darme leicht ausgesogen wird und ernährend 'enen Näh'"'"' v—*"— HP—-"""*-----*"*■'—- �.»-——..... enthaltene pslanzliche Eiweiß sür die wirkt, umsoniehr, als die in dem Kusekc-Kindermehl vorhandenen Zährstossc dem Körper in demselben Verhältnisse zugeführt werden wie durch die Muttermilch. «Jertes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (lettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt- Expedition, Undenslrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. 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Kaüdachftr. 11. Geübte ?Uesetileger ! suchen bei dauernder Beschäftigung! Gebrüder Vouel& Co. • Kursürstendamm 224. Achtung! Achtung! Ttitilurbtittt! Die Arbeiter und'Arbeiterinnen der Teppich- Fabrik M. Proben u Sohn in Stralau bei Berlin be- finden sich im'Ausstand. Zuzug ist streng sernzuhalten. 197/7 EHialv Stralau-Rummelsburg. Achtnng. Töpfer! Der Bau Auguste Viktoria- Allee, Ecke Schillingftraße in Reinickendorf- West deS Maurermeisters Huth, aus- führender Töpfermeister Kart Redlich, ist wegen Lohnmissall gesperrt. 201/4 Die Firma Jabs& Erlemann ist ebenfalls bis aus weiteres gesperrt. In Betracht kommt zurzeit der Bau Neu-Lichtenberg, Sophieiistr. 16. Ble Vorbandnlcltuntj. Deulseli. ieindeiwM (Zahlstelle Berlin). folgende Firmen find, iveil Em- ungen nach dem abgeschlossenen Vertrage nicht erfolgt sind, bis aus weiteres gesperrt: Xaver Külle, Reichenderger- straße 36. Ad. WUtenbnra, Wilhelm- straße 16. F. O. Agthe, Wilhelmstr. 119/20. Ad. hichoB, Puttkamerstraße 19 und Dessauerftratze 14. Kartonfadrtk Ad. L-esner, Krantftraffe. sür Kartonarbeiter, u. sür Galanteriearbeiter die Firma AIoz-s Suk, Reanderstr. 4. Vor Arbeiisannahme in den Ver« bandsbetrieben, auch durch den pari- tätischeu FacharbeitsnachweiS ist In- sormation aus dem Bureau, Engel» user 15 H, Zimmer 21, einzuholen. 24/12 Die OrtSderiualtung. Geübte Binderinnen für künstliche Blumen per sofort oder später bei hohem Lohn gesucht. Lehrmädchen 1029b Ebenso werden �eiirBtlU>ri)eN angenommen. Zu melden bei Kusfew Richert& Korthauer, _ Berlin SW. 13, Zllexandrinenftraste llil/lLO. Kartonnagenarbeiter oder Buchbinder soll ebenso gut Klebearbeiten verrichten können wie auch im Zuschnitt bewandert sein. Gefl. Offerte an die Exped. d. Ztg.� orb. unter I'. 2 nebst Achtmig! Achtung! Kiauierarbeiter! In der Pianosabrik von Bell A Co., Andreasstr. 3-i, haben sämt- liche Kollegen wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. 141/16' Zuzug ist fernzuhalte». Vereinigung der Musikinstrumenten- arbsHer, Ächtnns t Achtang! SWerinilltl! Gesperrt sind folgende Firmen: Otto Grund u. Eo., Waffergasse 3. Paul Voigt. Neue Königstr. 42. P. Schmiedel, Roßstr. 28. I. Kaufmann» Neue Friedrichstr. 4. W. Nönning. Swaugbergerslr. 12. H. Tetchert, Rungestr. 21. W. Bartel. Molkenmarkt 1. I. Hauser, Aiexandriuenstr. 45. L. Rogosch, Fischerbrücke 17. O. Senü, Brunnenstr. 39. P. Sonntag u. Co., Rostnthaler- straße.» W. Rumpf, Linienftr. 154a. Zuzug ist fernzuhalten! Arbeitsnachweis nur Wallstr. 36. ________ Ble Verwaltung:. Hnnabtiie-8tellen für„Kleine Hnzeigen". Owten: Mann, Petersburgerplatz 4. Wengels, Rüdersdorferstr. 3. Gustav Bogel, Koppenstr. 83. Xordouten; 8. Zucht, Keibelstr. 42. I. Renk» Barnimitr. 42. Xorden: H. Raschke. Ackerstr. 36. 123. IWWWI«I/IT L. Dechand, Ruheplatzstr. 24. H. Bogel, Lortzingstr. 37. A. Dieh, Jnvalldenstr. 124. Xordweiiten: Karl AnberS, Ealzwedelerftr. 8. W. Schrulle. Gotztawskystr. 29. Südwesten: Werner, Mittenwalderstr. 30. Schröder, Kreuzbergstr. 15. Süden: St. Fritz. Prinzenftr. 31. F. Gutschmidt, Kottbuser Damm 8. Südosten: Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/15. P. Horsch, Engel-Ufer 15. Cbarlottenbnrg:: G. Scharnberg, Sesenheimerstr. 1. Frledrlebaberg:: O. Seikel. Kronprinzenstr. 50. Rlxdorf: M. Heinrich. Neefars tv, 7. Conrad, Hermannstr. 50. Schünebergr; Wilh.Bäuniler.MarttnLutherstr.SI. Welßenuee: W. Reske, Sedanstr. 105. Jul. Schillert, König-Ehauffee 89a. Reinickendorf: P- Gursch, Prooinzstr. 108. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Buchdruckeret u. Verlaaianstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW, Nr. 206, 23. Iahrgaug. I Irilip des.Amiirls- ötrlinet plUlott. Mittwoch, 5. September 1906. parte!- Angelegenheiten. Oier-SchZncweide. Die Parteigenossen werden ersucht. am Mittwoch, den 5. d. M.. abends 7 Uhr, zur Flugblattverbreitung sich an den bekannten Stellen einzufinden. Am Donnerstag, den 6. d. M., abends 8>/z Uhr, findet eine öffentliche Versammlung im Schloßpark Wilhelmiuenhof statt. Tages ordnung:„Die Vorkommnisse in Nürnberg und die herrschende Re aktioir. ES ist Pflicht aller Genossen, für starken Besuch der Ver sammlung zu sorgen. Der Einberuser. Potsdam. Der Wahlverein hält heute(Mittwoch) seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Auf der TageS- orovung steht u. a.: Bericht von der ilreisgeneralversaiiniilmig, Presse.— Bei der Wichtigkeil der zu fassenden Beschlüsse be- treffend die Presse ist ein vollzähliger Besuch notwendig. Der Vorstand. Berliner JVacbrichten. Schema F im Krankenhause. In den Kreisen der Bauarbeiter wird viel ein Vor- kommnis besprochen, das aus dem Charlottenburger Krankenhause aüf Westend bekannt geworden ist. Auf einem Meubau in der Fritschestraße in Charlottenburg war ein Zimmermann B. beim Verlegen von Treppenstufen verunglückt. Er hatte am Fuß eine Verwundung erlitten, die bei dem starken Blutverlust, der sofort eintrat, schleunige Hülfe zu erfordern schien. Eine Art Notverband wurde ihm noch auf der Baustelle von dem Polier(der aber nicht als Samariter ausgebildet ist) angelegt, und dann brachte man den Verletzten in einer Droschke nach dem Kranicnhause Westend. Dort verlangte B. nach einem Arzt, der ihm baldig st einen regelrechten Verband anlegen sollte, aber das Wartepersonal erwiderte, e r st müsse B. gebadet werden. ES kam dann ein Arzt herbei, aber dieser ließ sich' vorläufig daran genügen, den Mann anzusehen und entfernte sich wieder. Als B. seine Bitte um sofortige ärztliche Hülfe wiederholte, wurde vom Wartepersonal geantwortet, ein Arzt sei jetzt nicht da. Das wird nur eine Ausrede gewesen sein, mit der man wohl den Ungeduldigen beruhigen wollte. B. ließ sich aber nicht beruhigen, sondern blieb dabei, daß er sofortige Hülfe haben müffe. Er erreichte nur, daß ihm ein Wärter den vorhandenen Verband, durch den das Blut hindurchsickerte, mit Watte und einer Binde überdeckte. Schließlich wollte er die Qual des Warten? nicht läng-r ertragen und erhob sich, um die An- statt zu verlassen. Er humpelte auf die Straße hinaus, bestieg dort einen Straßenbahnwagen und fuhr nach der nächsten Unfallstation, wo man ihm dann sofort die gewünschte Hülfe zuteil werden ließ. Den Kollegen B.s ist es unbegreiflich, warum dem Verletzten nicht schon im Krankenhause die erste ärztliche Hülfe sofort ge- währt wurde. Ein vor dem Krankenhausc aufgestelltes Transparent kündigt ja an, daß dort auch erste ärztliche Hülfe zu haben sei. Nach dem Ergebnis der von uns angestellten Ermittelungen müssen wir uns die Sache so erklären, daß die mechanische Anwen- duna des vorgeschriebenen Schema F zu einem M i ß- Verständnis geführt hat. Wer in ein Krankenhaus einge- liefert wird, um dort verpflegt zu werden, wird in der Regel zunächst mal gebadet, falls sein Zustand das erlaubt. DaS entspricht den Grundsätzen der modernen Krankenpflege und liegt im Interesse des Kranken selber. Aber ein sonderbares Verfahren bleibt eS doch, einen Verwundeten zuerst zu baden und dann seine Wunde überhaupt erst vor das Auge des Arztes zu bringen. In dem vorliegenden Falle kam es jedoch dem Patienten nicht so sehr auf eine Verpflegung im Krankenhause als auf sofortige Gc- Währung einer ersten ärztlichen Hülfe an. Als er diese immer wieder verlangte, hätte das Personal eigentlich wohl merken können, was der Mann wollte. Das Personal merkte es nicht, sondern sagte sich vermutlich: Weder ein neuer Patient? Nun, da mutz er ja zuerst gebadet werden. Also rein mit ihm in die Wanne! Der Widerrede des Mannes begegnet man mit dem unerschütter- lkchen Gleichmut, der in Anstalten üblich ist. Ein paar freund- liche Worte'der Belehrung hätten genügt, alles- aufzuklären, aber mit einem Patienten läßt man sich eben nicht auf Unterhand- lungen ein. Uebriaens bleibt hier immer noch ein Rest, der auch uns unbegreiflich ist. Wenn, wie in diesem Falle, ein Verletzter eingeliefert wird, der einen offensichtlich von Laienhand notdürftig herumgewickelten Verband mithringt, so wird uns Laien kein Arzt zu überzeugen vermögen, daß nicht zu allererst dieser Verband herunter müsse._ Die Deputation für die städtische Straßenrcinigung hielt nach den Ferien gestern ihre erste Sitzung ab. Zugestimmt wurde der Aufnahme von fünf Straßen in den Arbeitsplan. Versuche, die in Hamburg mit der Verbrennung des Berliner HausmullS angestellt worden sind, haben ein negatives Resultat ergeben. Trotzdem der Ofen von verbesserter Konstruktion ist, war eine totale Verbrennung nicht zu erzielen. Unter Berücksichtigung eines früheren Beschlusses soll der Ver- such, die Verleidung von Regenschinnen durch die Wärterinnen der Bedürfnisanstalten für Rechnung des betreffenden Institutes fortgesetzt werden, jedoch lehnte es die Deputation ab, der Firma zu gestatte», ihre Rellameschilder an den Bedürfnisanstalten anzu- bringen. Der Verpachtung der alten Müllabladeplätze vor dem Stralauer Tor und in der Müllerstraße stimmte die Deputation zu. Dir Pächter beabsichtigen das alte Müll für landwirtschaftliche Zwecke auszuarbeiten und aus diese Weise die alten Abladeplätze zugleich zu säubern. Dem Antrage des ArbeiterauSschnsseS auf Gewährung von Frei- bädern in den städtischen Badeanstalten steht die Direktion und Deputation sympathisch gegenüber. Die Gasioerkc. die Werke der Kanalisation und des Schlacht- und Viehhofes haben eigene Bade- einrichtungen, die den Arbeitern der Werte zugängig sind. Die Wcksseriverke steben dem Verlangen der Arbeiter ablehnend gegenüber mir der sonderbaren Begründnna, mit den Bademarken könne ? landet getrieben werden. Dieser Einwurf kommt für die Arbeiter er Stratzenreinigung gar nicht in Betracht, indem, abgesehen von anderen zu treffenden Kontrollmaßnahnien. das Freibad von dem Erscheinen in der Arbeitskleidung abhängig gemacht werden töniite. Die Direktion erklärte sich bereit, mit der Verwaltung der Bade- anftalten darüber in Verhandlung zu treten, ob außer der Walserlieferung Unkosten entstehen, und zu welchen Tagesstunden die Benutzung der Badeanstalt durch die Arbeiter der Straßenreiuigung den Betrieb der Badeanstalt am wenigsten beeinträchtigt. Der Verlängerung des bestehende» Vertrages unter Erhöhung der Sätze von fl.SÜ M. auf 8.L0 M. für die Bedienung, Bespannung und Unterhaltung der Kehrmaschine» auf zwei Jahre, stiuunte die Deputation zu. Damit wird ein gleicher Termin für den Ablauf der gleich- artigen Verträge bezüglich der Sprengivagen usw. erreicht, was für die nach zwei Jahren vorzunehmenden Ausschreibungen von wesent- lichem Vorteil sein wird. Bei dieser Gelegenheit wurde die Frage der besseren Besoldung der Wagen« und Maschinensührer erörtert; desgleichen der Regie- betrieb. DerFrage derllebernahme des Fahrpersonal« steht dieDirektion in bejahendem Sinne gegenüber. Ebenso der eigenen Unterhaltung. In dankenswerter Weise hat sich die Direktion bemüht, die Berichte anderer Städte zu studieren, woraus sich ergab, daß dem Fahr- personal anderwärts wesentlich bessere Löhne gezahlt werden, woraus konsequenterweise folgte, daß man über ein leistungsfähiges und zuverlässiges Personal verfügte. Durch Spezialisierung der jetzt verlangten Einheitssätze in die Quoten für die Unterhaltung des Personals, des Pferdebestandes und der Maschinen beziehungsweise Wagen, hofft die Direktion eine Einwirkung auf die Löhne des Fahr Personals zu gewinnen. Nach der Sitzung fand die Besichtigung eines neu aptierten Sprengwagens vor dem Rathause statt. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, den 6. September, nachmittags 5 Uhr: Vorlagen betreffend den Uebergang einzelner Zweige der Wohlfahrtspolizei auf die Stadtgeineinde,— die Erhebung einer Billett- und einer Lustbarkeitssteuer.— die Stellen der leitenden Aerzte am Rudolf Birchow-Krankenhause und die Einführung zahn ärztlicher Hülfe daselbst,— die anderweitige Festsetzung der Besoldungsverhältnisse des Lehrpersonals an Gemeindeschulen,— Abänderung deS Etats für das Filialhospital in Reinickendorf.— den Verkauf eines Teiles des städtischen Gasbehältergrundstücks an der Augsburgerstraße,— Erwerbung einer zur Freilegung der Friedenstraße bestimmten Fläche des Georgenkirchhofes neben dem Hause Friedenstraße 103,— die Festsetzung der Fluchtlinien für eine Berbindungsstraße zwischen der Neuen Kvnigstraße und Mendelssohnstraße im Zuge der Gollnow- und Jostysiraße,— die anderweitige Festsetzung der Rixdorf-Treptower Gemeindebezirks- grenze,— die für Erwerbung von Straßenland oder Bau- bcschränkungen aus Grund von Entschädigungsbeschlüssen oder richter lichen Entscheidungen in der Zeit vom 1. April bis 30. Juni 1906 gezahlten Beträge,— die gegen die Richtigkeit der Gemeinde wählerli st e erhobenen Einsprüche. — die Annahme zweier für die Volksbibliotheken und die Leseballen bestimmten Vermächtnisse deS verstorbenen LandgerichtSrats a. D. Viktor Lion,— die Gehälter der Oberapotheker, Apotheker und Prosektoren,— die Abänderung von Fluchtlinien zur Abstumpfung der Ecke Garten- und Jnvalidenstraße sowie den Erwerb des Grundstückes Gartenstraße 93 und der von dem Grundstücke Jnvalidenstraße 13 zur Siraßenfreilegung erfordere lichen Fläche,— die Erhöhung der Beihülfe an den Verein„Berlin- Treptower Sternwarte* für 1907,— die Versorgung einiger Straßen- zöge der Gemeinde Pankow mit Wasser aus den ltädtischen Wasser� werken,— die Festsetzung von Fluchtlinien für eine neue Straße 69ck in Abteilung nördlich der Zechlinerstraße zwischen Kolonie' und Stockholmerstraße,— den Ankauf eines Schulgrundstücks an der Zechlinerstraße,— die Verwendung des der Stadtgemeinde aus der Jagow-Sliftung zustehenden Zehntels der StiftungSeinkünste deS Rechnungsjahres 1905,— die Erwerbung des Straßenlandes vor den Grundstücken Lothringerstr. 83 und 89/90 durch Enteignung,— die Festsetzung neuer Baufluchtlinien bebnfs Verbreiterung der Jüdcn- und der Stralaucrstraße,— die Zahlung einer Ent- schädigung für Entwertung deS Grundstückes Adalbertstr. 24 durch die Straßenaufhöhung bei dem Neubau der Adalbertbrücke,— den Empfang der International Law Association. Daö Rudolf Birchow- Krankenhaus in der Seestraße, das am 1. Oktober eröffnet werden soll, ist am Sonnabend von Mitgliedern des Magistrats besichtigt worden. Am Montag erschien der Kaiser und die Kaiserin, um sich das Krankenhaus anzusehen. Stadlbaurat Hoffmann gab die nötigen Erklärungen. Bom sozialen Empfinden der Besitzenden hören wir alle Augen- blicke, und. dienstbeflissene Federn sind auch bereit, uns langes und breites über diese Eigenschaft der Angehörigen der besitzenden Klasse in der bürgerlichen Presse zu erzählen. Da wird vorgerechnet, in welcher Weise sich die Arbeitgeber für„ihre* Arbeiter aufopfern. Die Lasten für die soziale Versicherung seien ganz erhebliche, ohne daß natürlich angegeben wird, daß der Arbeitgeber diese Beiträge nur aus dem Profit zahlen kann, den er aus der Beschäftigung der Arbeiter herausholt, sodaß in Wirklichkeit die Arbeiter diese Lasten ganz allein tragen. Richtet ein Arbeit- geber eine soaenonnte Wohlfahrtseinrichtung ein, so wird daS lant ausposaunt, obwohl auch über den Wert derselben die Arbeiter ganz andere Auffassungen haben als der Unternehmer. Gelegentlich läßt sich auch ein Arbeitgeber herab, einen Arbeiter, der lange Jahre bei ihm tätig war, persönlich eine Anerkennung zuteil werden zu lassen. Die Fälle, wo ein Arbeiter bei einem Arbeitgeber ununterbrochen Jahrzehnte lang tätig ist, sind allerdings selten. Oft entstehen im Arbeitsverhältnis Differenzen mit dem Inhaber des Geschäfts, und stellt sich dann der erstere auf die Seite seiner Kollegen, so kann gewärtig sei, daß der Arbeitgeber die treuen Dienste vergißt. Aber immerhin kommt es doch vor, daß Arbeiter Jahrzehnte hintereinander an ein und derselben Stelle tätig sind. In einem solchen Falle unterläßt es selten ei» Arbeitgeber, des Arbeiters in irgend einer Weise zu gedenken, aber es gibt auch Ausnahmen. Uns wird ein Fall berichtet, wonach ein Maschinenmeister der Buchdruckcrei Stankiewicz, Bernburgerstr. 14 am 1. September sein 25 jähriges Geschäftsjubiläum feierte, daß aber der Inhaber der Firma. Herr Kommerzienrat F i ck e r t, dem Manne, der ein Vierteljahrbundert dem Geschäft seine Dienste leistete, auch nicht die geringste Anerkennung zu teil werden ließ. Und der Herr Kommerzienrat Fickert rühmt sich sonst immer seines sozialen Empfindens. Wir beschweren uns nicht etwa darüber, sondern finden das ganz in der Ordnung. Kapitalist und Arbeiter haben»mr daS eine miteinander zu schaffen, daß der Arbeiter seine Arbeitskraft hergibt und der Unternehmer den Profit einstreicht. Der Arbeiter muß froh sein, daß er nach so langer Dauer seines ArbeitSverhält- nisses nicht als weniger leistungsfähig und verbraucht auf die Straße fliegt. So will es die kapitalistische Ordnung. Wie uns mitgeteilt wird, haben die Arbeitskollegen sich ihres Mitarbeiters erinnert und ihn durch eine kleine Anerkennung überrascht. Sogar Lehrlinge be- teiligten sich an dieser Veranstaltung und beschämten ihren Arbeit- geber. Berhandlungcn von Delegierten der Gastwirtsvereine des deutschen Gastwirteverbandes mit Vertretern des BrauereiringS sollten gestern stattfinden, sie sind aber in letzter Stunde vom Brauereiring abgesagt worden ohne jede Begründung. Dem Verband der freien Gast- und Schankwirte ist auf sein Ultimatum vom Verein der Brauereien noch keine Antwort zugegangen. Ein schwerer Straßenbahminfall ereignete sich am Montagnach- mittag gegen 3 Uhr in der Großen Frankfurter-, Ecke der Strauß- bergeistraße. Dort geriet der dreijährige Sohn des Kistenmachers Liebisch. Grüner Weg 86 wohnhaft, unter den Straßenbahnwagen 2342 der Linie 1. wurde umgestoßen und kam mit beiden Füßen unter den Schutzrahmen des Vorderperrons zu liegen. Der Wagen wurde mittels Winden angehoben und das Kind dann hervor- gezogen. Der Kleine, der einen Bruch des linken Oberschenkels und Quetschwunden erlitten, wurde zuerst nach der nahen Unfallstation und dann nach der elterlichen Wohnung georacht. Beim Baden ertrunken ist Montag nachmittag der Schweizer Gillert, der bei dem Molkereibesitzer Wustrow in Hohen-Schönhausen angestellt war. Gillert hatte ini Orankesee an verbotener Stelle ae- badet und als er von einem Kahne einen Kopfsprung in das Wasser machte, kam er nicht mehr an die Oberfläche zurück. Die Unfall- stelle wurde sofort abgesucht, doch gelang es nicht, den Körper des Gillert zu bergen. Bei der Arbeit schwer verunglückt ist der Arbeiter Wilhelm Lange, Göbenstr. 24 ivohnhaft. Lange war in der Zentrale des Elektrizitäts- Werkes„Süd-West" am Tempelhofer Weg 46/47 beschäftigt und als er an einem lcerstebenden Leitungskanal entlang ging, glitt er Plötz- lich aus und stü in den Kanal hinah. Der Bedauernswerte schlug dabei auf eine Stahlröhre auf und erlitt mehrere Rippen- bräche. In bedenklichem Zustande wurde er in die Klinik in der Herbertstraße eingeliefert. Die Eiseiibahnübcrführuiig als Dicdcslager. Ein seltsames Ver- steck hatten sich zwei Einbrecher für ihre Diebesbeute ausgesucht, die wie die Raben in Pankow gestohlen haben und gestern morgen von ihrem Schicksal ereilt worden sind. Die Burschen hatten in der Tragekonstruktion der Eisenbahnllberführung in der Heynstraße eine förmliche„Räuberhöhle" aufgeschlagen. Während sie die Beute in den Nischen und Seitenteilen versteckt hielten, hatten es sich die Diebe auf den»nächtigen Trägern„bequem* gemacht. Ein Polizei- beamter entdeckte das seltsame Lager und verhaftete die beiden Burschen aus ihrem Idyll heraus. Sie wurden in das Untersuchungs- gefängnis eingeliefert. Mit Lysol vergiftet hat sich an» Montag in der Wohnung ihrer Elten» die 26 Jahre alte Tekla C., Wallner-Theaterstr. 21. Der Grund hierfür soll unglückliche Liebe sein. DaS Radrennen in Steglitz am vergangenen Sonntag hat, wie wir schon berichteten, mit einem groben Mißton geendet. Ein Besucher des Rennens gibt uns dafür eine Erklärung, die das Ver- halten der Bahnleitung in einem recht ungünstigen Lichte erscheinen läßt, er schreibt uns: Im Endlauf des Tandemrennens erlitten Peter-Mayer Rcisendefekt, weshalb abgestoppt wurde. Ehe noch ein neuer Start stattfand, hatte Ellegaard'Radschaden. Diese Gelegen- heit benutzte die Nennleitung, das mit 725 M. dotierte Rennen nicht ausfahren zu lassen. trotz des energischen Protestes beteiligter Tandemfahrer, vor allem Peters und KudelaS. Irgend ein anderer Grund lag nicht vor, da die Bahnbeleuchtnng durch die elektrischen Bogenlampen eine gute war und von einer Dunkelheit keine Rede sein konnte. Von dem unbegreiflichen und unerhörten Entscheide der Renn- leitnng ivurde dem Stehplatzpnbliknin durch einen hierzu eigens be- orderten Angestellten Mitteilung gemacht mit der gleichzeitigen Auf- fordernng, auf die gegenüber liegende Sattelplntzseite der Bahn zu gehen, um dem Feuerwerk, das auf der Stehplatzseite abgebrannt iverden sollte, zusehen zu können. Erst nach dieser direkten Auf- sorderung sind die Barrieren vom Publikum überstiegen worden, das dann seinem lebhaften Unwillen über das NichtauSfahren des End- laufes Ausdruck gab und sich schließlich, wenigstens ein Teil des- selben, nach erfolglosem Protestieren zu den an sich bedauerlichen Exzesse» hinreißen ließ, deren Ursache in dem Verhalten der Renn- leitung lag. Das Apollo-Thcater hat für den Monat September ein nahezu vollständig neues Programm zusammengestellt, das eine Reihe tüchtiger Kräfte aufweist. Hinübergenommen vom August sind die Burleske„Berlin im Omnibus* sowie der Humorist Jean Paul, der durch seine Mimik und seinen urkomischen Humor das Publikum aus dem Lachen nicht herauskommen läßt. „Blume n gei st er" betitelt sich ein Ballettdivertissement, das von 24 Damen ausgeführt wird und durch die farbenreiche Licht- effekte recht phantastisch wirkt. Auf dem Gebiete der Gymnastik und Akrobatik leisten die F r a n k l i n- T r u p p e wie die A k r o b a t i- scheu Springer und die amerikanischen Exzentriks R e c e und Prevost recht tüchtiges. Max S t e i d l erregt durch seine musikalischen Jinitationen die Lachlust der Zuhörer. Eine hübsche Dressurnummer, die eher in einen Zirkus paßte, sührt A l f r e d o Treutanovi vor. Originell ist dabei„Der Affe als Jockei", der alle Exerzitien eines Voltigeurs in der Manege zeigt. Die S e l d o m s. drei Herren und eine Dame, führen eine Reihe plastischer Darstellungen nach antiken und modernen Mustern vor. Wie in Marmor gehauen stehen die ebenmäßig gebauten Gestalten sekundenlang in absoluter Regungslosigkeit da. Treffliche Musik- virtuosen sind die Geschwister T h e i s s e n. Außerdem bringt MeßterS Kosmograph neue Bilder. Feuerwehrbericht. Infolge der großen Hitze haben in den letzten Tagen die Brände außerordentlich zugenommen. In der letzten Nacht um 10 Uhr mußte ein größerer Kohlenbrand auf dem Kohlenplatz der Firma Bratz in der Brombergerstraße gelöscht werden. Ilm 2 Uhr nachts brannten dort Brombergerstraße 17 abermals Preßkohlen in großer Ausdehnung und um 4 Uhr mußte der 7. Zug auf dem Ost- bahnhof schon wieder einen Kohlenbrand löschen. Der 16. Zug hatte in der Maschinenfabrik von Hasse in der Lindowerstr. 22/23 zu tun, wo der Fußboden u. a. in Flammen stand. Durch die Explosion einer Petroleumlampe kan» in der Köslinerstr. 21 Feuer auS, wobei eine Person leichte Brandwunden erlitt. Vor dem Hanse Hollmamrstr. 26 hrannte Teer auf offener Straße. Ferner hatte die Wehr noch in der Ebertystt. 12, Krausenstt. 6/7, Wallncr-Theater- straße 29, Waldenserstr. 41, Pappel-Allee 1030, Schönhauser Allee 70», u. a. Stellen zu tun. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Donnerstag abend 9 Uhr: 4. Ab« teilung in Lichtenberg bei Pickenhagen, Scharnweberstr. 60: Vorttag über Vergiftungen und gefahrdrohende Krankheitsznstände. Referent: Herr Dr. Schiebel. Um recht zahlreiche Beteiligung der Mitglieder tvird ersucht. Gäste sind willkommen.— Heute abend: Borstands« sitzung bei Dase._ Vorort- JVachnchten. Rixdorf. Für die Polizei sucht in seiner gestrigen Nmnmer daS„Rixdorfer Tageblatt* eine Lanze zu brechen. Veranlassung hierzu nimmt es auf Grund einer von unS in Nr. 194 des„Vorwärts" gebrachten Notiz:„Die Nervosität der Schutzleute" usw. In derselben stellten wir fest, daß der Arbeiter Lorenz, weil er sich einer Frau annehmen wollte, die in der Pannierstraße von einem Schutzmann aus nicht ju ergründenden Motiven mit ihrem Kinde vom Trottoir gewiesen ein sollte, von dem Schutzmann trotz Legittmation mit zur Wache gehen mußte. Das„Rixdorfer Tageblait* behauptet nun. daß unsere in der betreffenden Notiz gegebene Darstellung des Falles völlig unzutreffend und entstellt sei. Es behauptet, die amtlichen eststellungen, insbesondere die Vernehmung ziveier einwandsfreier ugenzeugen des Vorfalles hätten ein anderes Bild ergeben. Ge- nannteS Blatt hält sich deshalb„im öffentlichen Interesse* und um das„Ansehen der Beamtenschaft" der Sicherheitspolizei nicht zu ge- fährden, für verpflichtet,„unbegründete Beschuldigungen und Angriffe"/ wie die in unserer Notiz gemachten, richtigzustellen. In der nun gegebenen Darstellung wird behauptet, daß der Schutzmann Schiriner eine Anzahl Frauen, tveil sie in der Pannierstraße eine Zigeunerftau durch fortgesetztes aufdringliches Anstarren belästigten und den Verkehr auf dem Bürgersteige sperrten, in höflichem Tone aufgefordert habe, von dem Trottoir herunterzutteten, welcher Aufforderung die Frauen auch ohne Widerrede nachgekommen seien. Fünf Minuten später sei der Tischler Hermann Lorenz aus der Pannierstraße 7 hinzugekommen und habe den Beamten in schwerer Weise zu provozieren begonnen, indem er in auffälliger Weise um den Beamten herumgegangen sei und ihm auf die Achselklappen gesehen habe. Auf die höfliche Frage des Beamten, was er. L., von ihm wolle, habe L. ihn sofort in überlautem Tone angeschrien:„Ihre Nummer will ich haben, ich werde Ihnen schon beibringen, wie Sie sich Bürgersrauen gegenüber zu betragen haben I" Trotzdem sei Lorenz nur aufgefordert worden, weiterzugehen.„Dieser Auf- forderung kam L.*, so teilt das Blatt mit,„nur zögernd nach und fchimpfte dabei fortgesetzt auf den Beamten weiter. Da sich mittler- weile ein Auflauf von weit über 100 Personen an jener Stelle ge- bildet hatte, und ein großes Gejohle und Geschrei anhub. aus welchem Rufe:„Haut den Blauen I* ertönten, wurde Lorenz auf- gefordert, mit zur Wache zu kommen, da eine F e st st e I l u n g seiner Persönlichkeit auf derStraße unter solchen Umständen nicht möglich war." Aus der amtlichen Fest- stellung können wir immer noch nicht entnehmen, daß Lorenz zu Recht mit zur Wache genommen worden ist. Wenn sich nach der Aufforderung, weiterzugehen(welcher er übrigens nachgekommen ist Lber 100 Menschen angesammelt haben, die geschrien und gejohlt haben, so ist das doch sicher nicht die Schuld des Lorenz gewesen. Jeden- falls wäre die Feststellung seiner Persönlichkeit auf der Straste genau so gut möglich gewesen, als die Mitnahme zur Polizeiwache. Was das„Rirdorfer Tageblatt" veranlastt, da von einer im Interesse des Ansehens der Beamtenschaft notwendigen Richtigstellung zu faseln, ist nicht gut begreiflich. Dagegen wenden möchten wir uns jedoch. aus unserem Bericht zu folgern, als sei es uns lediglich darum zu tun, gegen einen Beamten unbegründete Vorwürfe zu richten, um alsdann den„Grund zu einer Beleidigung des gesamten Standes der Sicherheitsbeamten herzuleiten". Auf Grund der in letzter Zeit aus weiten Kreisen des PnblikmnS bei uns eingegangenen Be- schwerden können lvir leider feststellen, dag sich die Hüter der öffent- lichen Ordnung nicht immer allzu grostcr Besonnenheit befleißigen. DaS allzu schneidige Vorgehen unserer Polizei ist schließlich schuld daran, daß sich bei dem Publikum bei dem geringsten Vorkommnis eine feindliche und erbitterte Haltung gegen die Beamten bemerkbar macht. Sind dem Schreiber des Artikels im„Rixdorfcr Tageblatt" die mannigfachen Polizeiübergriffe der letzten Zeit nnbekannt, so können wir es verstehen, daß er eine solch« Sache benutzt, um für die dreimal geheiligte Polizeiunschuld eine Lanze zu brechen. Zu der Rixdorfcr Schießaffiire wird jetzt mitgeteilt, daß die Täter von der Kriminalpolizei ermittelt worden sind. Es find dies die Landwirte Albert Stoick, Berlhclsdorferstr. 13 und Friedrich Kuriert, Canner-Chaussee 40 wohnhaft. Beide sind Besitzer großer am Dannniveg gelegener Gemüsefelder, deren Erträgiiiffe sie m der Berliner Zentralmarkihalle verkaufen. Des öfteren wurden sie ge- wahr, daß ihnen große Mengen Gemüse gestohlen wurden. Stoick machte am Freitag abend die Wahrnehninng, daß die zwei Per- soncn, die er in der Dunkelheit nicht erkennen konnte, Mohrrüben ans den Beeten zogen. St. will min hierauf ans die Diebe ztvei Schreckschüsse abgefeuert haben. Hierauf sollen die Diebe auf den Acker Kunerts entflohen sein, der dann gleichfalls Schreckschüsse abgefenert hat. Die nähere Untersuchung der Angelegenheit dürfte erst vollständige Klarheit bringen. DaS Opfer eiiics UebersalleS wurde in der gestrigen Nackt der 17 jährige Zigeuner Bunker-Strauß aus der Paunierstr. 22. Iii der Nähe der Wohnung des St. waren auf der Straße mehrere Personen aneinaiidcrgeralm und der jinige Zigeinier hatte sich währenddes in unmittelbarer Nähe aufgehalten. Plötzlich zog einer der streitenden Männer ein dolchartiges Messer hervor und versetzte damit ans im- bekannter Ursache dem St. mehrere Ivucktige Stiche in den Kopf. Bliitüberströmt brach der Getroffene zniaunnen. Er wurde in be- wußtlosem Ziistmide nach der Unfallstation in der Steinmetzstraße und nach Anlegung von Notverbände» nach der Wohnung gebracht, wo er noch imnier besinnungslos daniederliegt. Die Verletzungen sind lebensgefährlich. Der Taler hatte sofort die Flucht ergriffen, wurde aber von mehreren Männern vei folgt, festgenommeii und nach dem 6. Polizeirevier übergeführt. Dort entpuppte er sich als der 2V jährige wohnüugslose Tlschler Christian Kitza. K. verblieb in Untersilchnugshaft. Charlottenbnrg. Die Charlottenburger GewerkschaftSkoinmifsio» hielt am borigen Freitag gemeinschaftlich mit den GewcrkschaftSvorständen und Gcwerbegerichtsbcisitzcrn eine Versammlung ab, in der Ge- nosse Wilde zunächst den Geschäftsbericht über die Tätigkeit des hiesigen Gcwerbegcrichts vom 1. April 1905 bis 31. März 1906 er- stattete. Klagen wurden demnach erhoben von Arbeitgebern gegen Arbeiter 18, im Vorjahre 1904/1905 36; vor Arbeitern gegen Ar- beitgeber 1142, im Vorjahre 973, und von Arbeitern gegen Ar- bciter 4, im Vorjahre 9. Von diesen Klagen entfallen auf das Baugewerbe und Bauhandwert 480, im Vorjahre 438; Fabriken aller Art 49, im Vorjahre 39; für das übrige Handwerk 616, gegen- über 522 im Vorjahre. Nicht unter die Zuständigkeit des Ge- werbcgcrichts fallende Sachen waren 19 gegen 19 im Vorjahre zu verzeichnen. Durch Vergleiche fanden im Berichtsjahre 434 Klagen gegen 238 im Vorjahre vor dem Vorsitzenden deS Gcwerbegerichts und 72 Klagegen gegen 65 des Vorjahres vor dem ordentlichen Spruchgericht ihre Erledigung. Die Jahresdurchschnittszahl der an einem Tage verhandelten Klagen betrug 22 vor dem Vor- sitzenden des Gewcrbegerichts und 10 Klagen vor dem ordentlichen Epruchgericht. In der Debatte über den Bericht kamen die Genossen Bollenthin und Hermann Pohl auf die hohe Ziffer der durch Vergleiche er- lcdigten Klagen zu sprechen. In den meisten Fällen begeben sich dadurch Arbeiter ihrer sehr wichtigen Forderungen und Rechte. Genosse Flcmming ersucht die Vorsitzenden der einzelnen Gcwerk- schaften. daß in jeder Gewerkschaft der Bericht gegeben und bis- tutiert werden möge, damit Aufklärung über die wenigen Rechte, die der Arbeiter besitzt, geschaffen werde. Zu Punkt 2 der Tagesordnung nahmen die Versammelten Stellung zu der bekannten Resolution und zu dem Antrag des Kieler Gewerkschaftskartells betreffs Einberufung eines außer- ordentlichen Gewerkschaftskongresses, der erneut zur Frage des politischen Massenstreiks Stellung nehmen soll. Genosse Flemming beleuchtete die in letzter Zeit in der Partei und Gewerkschaft bis- kutiert? Frage. Aus dem Schweigen der.Gewerkschaftskartelle der größeren Städte Deutschlands glaubt er entnehmen zu dürfen, daß der Antrag lebende Gestalt nicht annehmen werde, trotzdem bitte er, beides einstimmig anzunehmen, um damit zu dokumen- tieren, daß wir uns mit der in Köln angenommenen Resolution in Sachen des Massenstreiks nicht einverstanden erklären. Genosse Eike trat für Vertagung des Antrages ein, weil man erst ab- warten müsse, bis der Parteitag in Mannheim gesprochen habe. Die weiteren Redner, die Genossen Schweizer, Nikolaus, Böhla, Krause, August Pohl, Bendix, Scheible und Grix traten für die sofortige Annahme ein, schon aus Gründen der Opposition sei dieses geboten. Nur Genosse Lehmann meinte, daß es zwecklos sei, den Antrag anzunehmen. Sämtliche Redner, mit Einschluß von Leh- mann, der besonders erklärte, daß er auf dem Boden des politischen Massenstreiks stehe, befürworteten, daß über dieses Kampfmittel mehr als bisher in den Gewerkschaftsveersammlungen gesp»ockien werden möge.— Die Resolution und der Antrag des Kieler Ge- wcrkschaftskartells wurden mit allen gegen 5 Stimmen an- genommen. Unter„Gewerkschaftlichem" ersuchte Genosse Flemming, laut Mitteilung der Gcncralkommission, die ausgegebenen Sammellisten für die streikenden Lithographen und Steindrucker sowie für die Buchbinder betreffs Abrechnung schnellstens an den Kassierer, Ge- nossen Scheible, Bismarckstr. 35, abzuliefern. Ebenso ersucht Ge- nosse Scheible um Abrechnung der noch ausstehenden Jahresberichte. Hierbei wurde von einigen Gewerkschaften, namentlich der Metall- arbeitcr, mitgeteilt, daß sie nicht in der Lage sind, die auf sie ent- fallenden Jahresberichte absetzen zu können. Nach einem Vor- schlage des Obmannes, Genossen Flemming, soll die Sache in ge- «igneter Weise erledigt werden. Entschuldigt fehlten die Handlungsgehülfen, unentschuldigt die Gemeindcbelriebsarbeiter. Schöneberg. Die Stadtvcrordilctcnversanimliing uahm am Montag ihre Arbeiten nach beendigter Ferienzeit wieder auf. Sie beschäftigte sich in dieser Sitzung mit der immer noch nickt von der Tagesordnung verschwundenen, sogenannten„Stadtarzt-Frage". Bereits in der Sitzung vom 18. Juni war die Anstellung eines Arztes beschlossen worden, dem die Leitung der zu errichtenden Heimstätte für Lungen- kranke und der Einrichtungen für die öffentliche Wohlfahrtspflege übertragen werden sollte. Trotz dieses Beschlusses versuchten die tonangebenden Herren der Hausbesitzerfraktion die Angelegenheit. die schon in der letzten Sitzung vor den Ferien durch absichtlich herbeigeführte Beschlußunfähigkeit eine unliebsame Verzögerung er- fahren hatte, noch weiter zu verschleppen, indem sie beantragten, die Anstellungsbedingniigen eineni AuSsckuß zur Vorberatung z» überweisen. Namentlich waren es die_ Stadtverordneten Schüler und Schneider, die Ausschußberatung forderten. Letzterer hält die Anstellung des betreffenden Arztes für gar nicht so dringend, seiner Meinung nach werden in der Zeit, um die sich die Anstellung da- durch verzögert, auch nicht so furchtbar viel sterben, und wenn es der Fall sein sollte, so könnte der Arzt ihnen auch nicht mehr helfen. Auch kann er es nicht verstehen, wie die Angelegenheit immer wieder auf die Tagesordnung geschoben wird; bei der jetzt herrschenden trockenen Witterung habe es mit der Anstellung eines Arztes gar keine Eile. Mehrere Stadtverordnete aus den bürgerlichen. Reihen sowohl wie der Stadtverordnete Küter sSoz.) wenden sich ent- schieden gegen die Ausschußberatung und vor allem gegen die von einer völligen Unkenntnis der sozialen Aufgaben einer Gemeinde zeugenden Ausführungen des Stadtverordneten Schneider. Die An- aelegeuhcit selbst sei vollständig geklärt; in dem Antrage auf Ausschuß- beratung liege nur die Absicht, die Sache zu verschleppen oder in irgend einer Weise von der Bildfläche verschwinden zu lassen. In namentlicher Abstimmung wurden nach einer nahezu 2 stündigen Debatte die vom Magistrat vorgeschlagenen Anstellungsbedingungen mit 26 gegen 18 Stimmen angenommen. Danach wird der Arzt mit halb- jähriger Kündigung zunächst auf die Dauer von sechs Jahren gegen ein Anfangsgehalt von 6000 M. jährlich, steigend in zwei drei- jährigen Raten von je 1000 M. bis 8000 M. und einer Miets- cntschädigung von jährlich 1500 M. angestellt. Eine längere Debatte brachte dann die Vorlage des Magistrats, nach der in Augsburg stattfindenden 31. Versammlung des deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege je zwei Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung zu entsenden. Von verschiedenen Rednern wurde gefordert, aus Sparsamkeits- rücksichten nur je ein Mitglied zu delegieren, wogegen sich Magna» (Soz.) wendet. Nach seiner Meinung sind Sparsamkeitsrücksichten bei dieser wichtigen Angelcgcnheil sehr schlecht angebracht, denn die vorhergehenden Debatten hätten bewiesen, wie groß noch die Ver- ständnislosigkeit den hygienischen Aufgaben der Gemeinde gegenüber ist. Die Mehrheit stimmte jedoch nur der Entsendung von je einem Vertreter z»; die Wahl fiel aus den Stadtv. Dr. Freund, unser Genosse Küter blieb niit 17 gegen 20 Stimmen in der Minderheit. Zu dem am 24. und 25. September in Küstrin stattfindenden Vrandenburgiicken Städtetage werden der Stadtverordnetenvorsteher Heyne und Stadtv. Obst- Eine aus acht Personen bestehende Falschmünzerbande, die seit einiger Zeit gut nachgemachte Zweiniarkstücke in größerer Menge in den Verlehr brachte, wurde in Straßburg i. E. entdeckt und fest» genommen. Der Führer der Gesellschaft ist ein wegen Falschmünzerei bereits vorbestrafter Gipser. Abgestürzt. Der deutsche Tourist Lehrer Alfred Blcichert ist beim Abstieg vom Presanella abgestürzt und schwer verletzt worden. Eine Grube ersoffen. Mährisch-Ostrau. 4. September. Auf der der Berliner Firma Emanuel Friedländer gehörigen „Annagrube" hat ein Wassercinbruch pattgefunden, so, daß der Betrieb eingestellt werden mußte. BootSunfall. T r i e st, 4. September. Bei einem BootsauS- flug, welchen der Steuerauffichtsbeamte mit seiner aus vier Per- soncn bestehenden Familie unternahm, kenterte daS Boot im Kanal Rifana. Alle fünf Personen mit dem Bootsführer ertranken Brnfkaften der Redaktion. Die tnrlsttsche Sprechstunde findet wochentitglich von Vit biS O'/i Ilfc abendS statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginn« die Sprechstunde p« « Uhr. Jedrr Anfrage ist ein Buchstabe nnd eine Zahl alS Merkzeichen betznfnge». Briefliche Antwort wird nicht ertrilt. Th. IVO. Ja. Schlagen Sie die neue Auflage vom Jahre 1904 nach (Seite 366—374).— Ol. M. 50. DaS wird Ihnen Ihr Anwalt im Ehe- tcheidungsprozeß sagen.— Alfred Walter. Sie dürfen über die Sachen nur gemeinschaftlich verfügen. Wer auf Abzahlung gekaufte Sachen, an denen sich der Verkäufer bis zur vollständigen Vczahlung daS Eigentum vorbehalten hat, weitcrvcrkautt, bevor alles bezahlt ist, begeht Unterfchlagung und kann bestraft werden. Sie dürfen nur die Sachen einschließen, nicht die Frau.— 31. B. 7. Einen Anspruch aus Durchführung des Heilverfahrens haben Sie nicht. Höhere Instanz kann hier nichts tun.— A. T. 54. Wenn der Bauherr selbst Besteller der Arbeit war. ist er Ihr Gläubiger. DaS hat er durch Teilzahluna auch anerkannt. Klagen Sic die Restfordernng gegen ihn ein.— C. K 51. Lassen Sic sich, salls Sic un- vermögend sind, ein Attest hierüber vom ArmcnkommisstonSvorstehcr ans- stellen und gehen Sie mit Attest und HetratSurlundc zur Anmeldestube Neue Fricdrichstraßc 16,17.- M. 991. 90. New.- W. N- lv«. Ja. —®. B. St. 1. Sit haben Anspruch aus Beschäftigung in der Abteilung Buchhaltung und können mit Recht die hierunter nüfit sallenden Arbeiten ablehnen, soweit Ihr« Beschäftigung dadurch dauernd eine wesentlich andere wird.— O. B. 500. Die Praxis der dortigen Militärbehörden in solchen Fällen ist hier nicht bekannt. Erbitten Sic beim BezirlSlommando Auskunft.— St. O. Jeder Eigentümer kann sein Grundstück veräußern. Die Gläubiger können den Kauf nur ansechte», wenn die Absicht der Be- nachtciligung oder des Betruges nachgewiesen wird. Mit der Auslassung geht das Eigentum aus den Käufer über.— Streit 4. DKsc unanständige Handlungsweise eines Redakteurs ist nicht strasbar, verpflichtet ihn auch nicht zum Schadenersatz.— F. M. S1. Das hängt vom sreien Ermessen des Richters ab; etwa zwischen 10 bis 50 M. Geldstrasc. Berliner Marktpreise. Ans dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallcn-Dircktion.(Großhandel) Rindfleisch la 69—73 pr. 100 Psd., IIa 63—68,• nia 57—62, IVa 52—56, englische Bullen- 0,00, dänische Bullen- 0,00, holländische Bullen- 0,0V. Kalbflcilch, Doppelländer 95—105, In 78-83, Na 68—76. Ma 58-66. Hammelfleisch la 75-80. Na 65-74. Schweinefleisch 67—74. Rchböckc la per Psd. 0,60—0,80, IIa 0,30—0,50. Rotwild la per Psund 0,40— 0,49, Na 0,25—0,30. Damwild 0,58. Wildschweine per Psund 0,00. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,40—0,75. Wildenten la per Stück 1,15, Na 0,00. Nebhühner, junge la 0,80—1,18, junge kleine 0,30—0,55, alte 0,60—0,78. Hühner, alle, per Stück 1,50— 2,15, alte. Na 1,00—1,45, junge, per Stück 0,50—0,90. Tauben, junge, per stück 0,25—0,45, alt« 0,30. Enten, junge per Stück 1,30—1,80, alte per Stück 0,00. Hamburger, junge, per Stück 2,85—2,90. Gänse, la per Psund 0,55— 0,60, Na 0,45—0,54, la per Stück 3,00 bis 3,80, Na 1,50-2,90. PouletS per Stück 0,60-1.00, da. klein 0,40-0,55. Hechte pr. 100 Psd. 72-90. Zander 110. Aland 0,00. Schleie 121�-131. Bleie 51—67. Aale, groß 103—101, mittel 80—94, klein 0,00, unsort. 69—73, Plötzen 0,00 Karpfen, unsortiert 76—85. Bars«, matt 69. Bleisische 0,00. Karauschen 0,90. Weis 0,65. Bunte Fische 40—77. Amerikanischer LachS I neuer per 100 Psd. 110—130, do. N neuer 90—100, do. IN neuer 50—75. Seelachs 15—20. Flundern, pomm. I, per Schock 9, do. pomm. Il 2—3, Kieler, stiege la 4—6, do. mittel ver Kiste 2—3, do. klein per Kiste 0,00. Bücklinge, per Wall Kieler 4—5, Stralsunder 4—5. Aale, groß per Psd. 1,10—1,50, mittelgroß 0.80—1,00, klein 0,60— 0,60. Heringe per Schock 4— 5. Schellfische Kiste 3—4, do. >/, Kiste 2—3. Kabltau, per 100 Psd. 15—20. Heilbutt 25. Sardellen, 1902er per Anker 90, 1904er 90, 1905er 85. 1906« 65. Schottische Bollhcring« 1905 0,00, large 40-44, füll. 36-38, med. 35-42, deutsche 37-44. ; gering«, neue MatjeS, per To. 60—120. Hummern, Na, 100 Psd. 0,00. Krebse, per Schock, große 0,00, mittel 0.00, kleine 0,00, unsortierk 0,00. Galizier, groß 0,00. Eier, Land-, per Schock 2,60—3,30. Butter per 100 Psd. la 124—126. Na 118—120. IN» 112-116, absallende 95-110, Saure Gurken Schock 3,50—4,00, Pseffergurken 3,50—4,00. Kartossein per 100 Pjd. Dabersche 2—2,50, Rosen 1,60—1,75, neue runde 1,50— 2,50, neue blaut 2,25—2,50. Spina! p. 100 Psd. 12—15. Karotten p. Schockbund 1.50—2.50. Sellerie, hiesige, P.Schock 1,50—6,00. Zwiebeln 100Psd. 3—3,50 Petersilie, grün. Schockbd. 1,00. Kohlrabi p. Schock 0,60—1,00. Rettig, bahr., p. Schock 2,40 bis 4,80. Radieschen p. schock-Bd. 0,60—0.70. Salat, p. Schock 1,00—1.50. Bohnen, grün«, per 100 Ptund 5—20. WachSbohncn 10—20. Schoten per 100 Psd. 15—25. Pscsserlinge per 100 Psd. 12—20. Mohrrüben per 100 Psd. 3— 1. Blumenkohl per Mandel 1,00—2,50. Wirsingkohl ver Schock 4,00-8,00. Rotkohl p. Schock 3.00-9,00. Weißkohl p. Schock 2.00 bis 5,00. Steinpilze p. 100 P(b. 35—45. Gurken, Zerbstcr, Schock 0.00—0,00, do. Einlege., Schock 1,50—2,50, do. Rothenbg. 1,50—2,50, do. Liegnitzer 2,00—3,50. do. Einlege-(Seiis-) 10—16. Kohlrüben, schock 3—5,50. Tomaten, hiesige 100 Psd. 3—8. Birnen, ilal. per 100 Psd. 14—20, hiesige 3-20, Tiroler 0,00, böhmische 5— 13. Rettig- 4— 6. Aepsel, üngar., per lOOPsd. 6—13, ital. 8— 15, hiesige 2—11, Gravensteiner 8—18, Tiroler 25—38. Preißelbeeren 15— 19, schwedische 17—21. Blaubeeren per 100 Psd. 12—16. Pflaumen,, ital. runde dunkle per 100 Psdi 0,00, ungarische 6—11, hiesige 3—6, Reineclauden 6—18, Serben 6—12, Badcnser 0,00, Böhmische 3—7. Zitronen, Mcsfina 300 Stück 18,00-22.00. 360 Stück 14,00-18,00, 200 Stück 13,00—18,00, 420 Stück, klein 12.00. Pfirsiche, Werderjche per 100 Psd. 15-20, franzöfische 0,00, italienische I Kiste 2.00-2,50, do. II Kiste 0.80—1.60. do. III Kiste 1.00—1.20. do. in Körben per 100 Psd. 15—40. Vttlmtwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Zsirseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW