Nr. 209. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Preis pränumerando! Bierteljährl. 3,30 RT, monatl. 1,10 r., wöchentlich 28. Big, frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Pig. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breislifte. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblaff. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Naum 50 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen Anzeigen das erste Wort 10 Bfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Vieh- und Fleischteuerung. Sonnabend, den 8. September 1906. Wäre diesem außerordentlichen Heraufschnellen der Produktionstosten nicht durch ein entsprechendes Steigen der Viehpreise Rechnung getragen, so würde eine allgemeine Einschränkung während eine solche jetzt nur in geringem Umfange und zwar der Schweinehaltung die unausbleibliche Folge gewesen sein, meist da beobachtet wurde, wo die Mittel zum Ankaufe der teueren Futtermittel fehlten." Als im zweiten Viertel des vorigen Jahres die Schlacht bieh, vornehmlich die Schweinepreise von Woche zu Woche höher schnellten, verkündete bekanntlich auf dem KaiferhofDiner der Landwirtschaftsgesellschaft Preußens genialer Landwirtschaftsminister unter Berufung auf seine fachmännische vorigen Jahre zwar zum Emporschnellen der Viehpreise beiTatsächlich hat die ungünstige Futtermittelernte im Autorität, daß schon in vier bis sechs Wochen, also noch im getragen; aber sie vermochte ihre gewaltig preissteigernde September vorigen Jahres, die Schweinepreife auf ihren Birkung nur deshalb auszuüben, weil im Laufe der letzten normalen Stand zurückfinten würden. Ohne Rücksicht auf Jahre die deutsche Viehproduktion immermehr in ein Mißdiese Versicherung der höchsten preußischen viehverständigen verhältnis zum deutschen Fleisch bedarf geAutorität zogen jedoch die Schlachtviehpreise an den großen raten ist. Die eigentliche, tieferliegende Ursache der vorViehmärkten weiter an und erreichten im November einen jährigen und diesjährigen Vieh- und Fleischteuerung ist das Stand, der alle Viehpreissteigerungen, die seit Jahrzehnten 8urückbleiben der deutschen Fleischproduktion in Preußen eingetreten sind, weit hinter sich ließ. Es fofteten hinter dem Bedarf. Wäre die Argumentation der 3. B. im Durchschnitt des November vorigen Jahres am Denkschrift richtig, dann müßten die Viehpreise heute sehr Berliner Schlachtviehmarkte: niedrig stehen, denn die vorjährige Futtermittelernte hat einen außergewöhnlich guten Ertrag geliefert, ganz besonders die Startoffelernte. Nach der offiziellen Erntestatistit hat Deutschland im letzten Jahre 48,3 Millionen Zonnen Kartoffeln geerntet, im Jahre 1904 dagegen nur 36,3 und im Jahre 1903 nur 42,9 Millionen Tonnen. 1901: 1902: 1903: 1904: Ochsen, Schweine, II. Qualität pro Hammel, II. Qualität bro 100 kg Lebendgew. II. Qualität pro 100 kg Schlachtgew.( mit 20 Broz. Tara) 100 kg Schlachtgew. 145,25 M. 144,00 2. Dagegen im selben Monat der Jahre: 117,20 m. 127,20 135,75 134,50 " " " 122,00 m. 117,40 96,00 103,50 " " " 2 154,50 M 116,20 m. 135,60 138,00 131,00 " " " Daß die Viehproduktion relativ, d. h. im Verhältnis zur Bevölkerungszunahme zurückgegangen ist, läßt sich statistisch nachweisen. Es kommen auf je 100 Einwohner: an Rinderu Schafen Schweinen 32,3 Stüd 18,2 Stüd 31,6 Stüd 1904 bagegen: 1873 38,4 60,9 " 1883 34,5 41,9 D " 17,4 20,1 " " 1892 35,5 " 1900 33,6 27,5 17,2 " 24,6 29,8 " " " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. der Schweinehaltung bezeichnet werden muß, und es liegt kein Grund vor, daran zu zweifeln, daß die Erträge aus der Rindviehund Schafhaltung auch solche sind, die erheblich über die normale Grenze hinausgehen. Gerne will ich zugeben, daß vor mehreren Jahren die Erträge aus der Viehhaltung derart niedrig waren, daß tatsächlich Geld zugesetzt wurde, denn ich kenne Zeiten, wo für ein Zentner Lebendgewicht 28 M. ab Stall gezahlt, also pro Zentner einige Mark zugesetzt wurden. Aus dieser Tatsache darf aber doch wohl die Berechtigung zu den jezigen hohen Preisen nicht hergeleitet tverden, denn man muß doch berücksichtigen, daß die Volksernährung bei der jetzigen Lage eine sehr schwierige ist. Bei den jezigen Preisen des Schlachtviehes ist doch nicht in Abrebe zu stellen, daß jeder Landwirt die Viehhaltung bis zur höchsten Grenze ausdehnt, und wenn trotzdem noch diese hohen Preise am Markte gezahlt werden, so ist die Tatsache bewiesen, daß das Angebot in feinem Verhältnis zu der Nachfrage steht. Ich glaube kaum, daß eine größere Produktion an Schlachtvieh zu erhoffen ist, im Gegenteil, sie wird zurückgehen. Viele Landwirte kommen immer mehr und mehr von der Naturallöhnung auf die Geldlöhnung. Dadurch wird dem Tagelöhner es unmöglich gemacht, noch Schweine zum Verkauf zu bringen. Ein Gut nach dem anderen schafft die Gänsehaltung ab- besonders in der Provinz Pommern.Wenige Güter gibt es nur noch, wojden Arbeitern gestattet wird, sich eigene Kühe und Schafe zu halten. Daß hierdurch ein Rückgang Die vermehrte der Schlachtviehproduktion bedingt wird, ist klar. Beschäftigung von ausländischen Arbeitern in den Sommermonaten, der Zuwachs der Bevölkerung, haben aber einen vermehrten Verbrauch an Fleisch zur Folge. Soll die Lebenshaltung der breiten Volksmasse, die ohnehin durch den am 1. März d. J. in Straft getretenen neuen Zolltarif schwer belastet worden ist, nicht noch tiefer herabgedrückt werden, so muß die künstliche Abschließung des deutschen Marktes gegen die Konkurrenz der ausländischen Viehzucht aufTrok dieser Dementierung durch die Tatsachen, leistete sich das Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten in der amtlichen Denkschrift, die es im November dem Reichstage vorlegte, erneut unter Berufung auf seine gründ lichen fachmännischen Informationen die Versicherung, daß mit Sicherheit ein baldiges vermehrtes Angebot von Schlacht- Nun hat zwar das Gewist des Schlachtviehes int gehoben werden. Noch lauter, noch dringender als im vorigen vieh und ein dementsprechender Rückgang der Bichpreise zu Ganzen etwas zugenomen, andererseits aber ist in noch Jahre erhebt sich heute, nachdem die Tatsachen erwiesen haben, erwarten sei. Spätestens werde im Dezember weit stärkerem Maße der Anspruch der oder zu Beginn des nächsten Jahres eine Bevölkerung an den Fleischmarkt gewachsen, denn wie in übergehende Erscheinung handelt, die Forderung: Deffnung deutschen daß es sich bei der Fleischteuerung nicht um eine schnell vor Steigerung des Auftriebes an den Schlacht allen Ländern, steigt auch in Deutschland ganz naturgemäß der Gredzen für die Vieheinfuhr aus dem biehmärkten eintreten. Zum Schluß wird in der mit dem Fortschritt der Industrialisierung der Fleischbedarf. Auslande unter entsprechender sanitärer Kontrolle, Dentschrift gegenüber der Behauptung, die deutsche Landwirt. Selbst einsichtige, nicht nur ihr Eigeninteresse verfolgende Land- Abschaffung der geltenden enormen Vieh. schaft vermöge den Fleischbedarf des deutschen Volkes nicht wirte vermögen sich der Erkenntnis nicht mehr zu verschließen, und Fleischzölle, Erleichterung des Viehmehr zu befriedigen, pomphaft versichert: daß die Viehproduktion nicht mit der Steigerung des Fleisch- und Fleischtransportes durch Ermäßigung „ Der deutschen Landwirtschaft wird es, wie bisher, ge bedarfs Schritt hält. So wird uns von einem pommerschen der betreffenden Eisenbahn- Frachttarife. eigene Produktion zu decken, falls sie auch in Zukunft auf einen Landwirt, der allerdings nicht zum Heerbann des Bundes der Daneben ergibt sich für die größeren städtischen Gegenügenden Seuchenschutz und auf Beibehaltung des jeßigen Landwirte gehört, geschrieben: meinwesen die Aufgabe, durch strenge Beaufsichtigung wirtschaftspolitischen Systems rechnen fann." Der„ Berliner Lokal- Anzeiger" veröffentlicht in Nr. 402 und Reglementierung des Vichhandels auf den städtiMeinungsäußerungen der Herren Landesökonomierat Ring- Düppel fchen Schlachtviehmärkten, nötigenfalls durch eigenen Einund Schlachtviehdirektors Golz. Diese Meinungsäußerungen tauf bon Schlachtvieh und Errichtung städtischer gipfeln darin, daß eine weitere Fleischteuerung nicht bevorsteht. Fleischverkaufshallen den hohen Profiten des Vieh Geht man aber näher auf den Inhalt ein, dann kommt man zu einem Handels und Schlächtergewerbes entgegenzuwirken. Die anderen Resultat. Herr Landesökonomierat Ring meint, daß in- ftetige Steigerung der Vieh- und Fleischpreise ist zu einer folge der guten Futterernte die Landwirte jegt Mastvich noch nicht Stalamität, zu einer ernsten Gefahr für die Boltszu Markte bringen, daß aber, wenn das Weidevieh erst auf ernährung geworden. Die geringe Verbesserung ihrer den Markt kommt, die Preise nicht mehr steigen werden. Lebenslage, die sich in den legten Jahren die Herr Ring läßt aber die Frage offen, wie hoch deutschen Arbeiter in schweren wirtschaftlichen Stämpfen erschon die Preise gestiegen sein werden, wenn das Bieh rungen haben, droht ihnen durch die künstliche Preishinaufauf den Markt kommt. Er muß doch wohl davon überzeugt fein, fchraubung der Nahrungsmittel durch Zölle, Grenzabsperrungen daß die hohen Preise bestehen bleiben, denn sonst hätte er in und Unternehmertoalitionen vollständig wieder verloren zu feiner Aeußerung fagen müssen, daß die Preise fallen werden, fo- gehen. Dagegen gilt es energisch Stellung zu nehmen. bald das Weidebieh auf den Markt kommt. Wenn wirklich der Landwirt sein Vieh jetzt vom Markte zurückhalten sollte, dann ginge doch daraus zur Genüge hervor, daß er für später noch höhere Preise zu erzielen hofft; sonst würde er doch jetzt sein Vieh losschlagen und die hohen Preise mitnehmen, umsomehr da gerade in der jetzigen Jahreszeit der Landwirtschaft fast gar keine Einnahmen aus dem landwirtschaftlichen Betriebe zufließen, die Ausgaben aber wegen der Erntearbeiten zurzeit die größten sind. Im Die Preisbewegung ignorierte jedoch ebenso wie die Kaiserhof Prophezeiungen auch diese amtliche Sachverständigteit. Wohl trat im Dezember und Januar ein geringer Rüdgang der Preise ein; aber erst im April führte, wie fast alljährlich im Frühjahr, der verstärkte Schweineauftrieb zu einem nennenswerten Fall der abnormen Schweinepreise. Durchschnitt des Monats Mai dieses Jahres stellte sich der Preis für Schweine zweiter Qualität am Berliner Marti nur auf 119,5 Mark pro Doppelzentner Lebendgewicht( mit 20 Prozent Tara), also ungefähr 26 Mart niedriger als im November des vorigen Jahres. borigen Jahres. Schon im Juni zogen jedoch die Preise weiter an und zurzeit stellen sich die Preise sogar für Ochsen II. Qualität auf 154 bis 162 M., für Schweine II. Qualität auf 134-142 M. und für Hammel II. Qualität auf 160-166 m. Die Schweinepreise stehen also heute zwar ungefähr 5 Prozent niedriger als im November vorigen Jahres, dafür aber ist der Preis für Dchsen um mehr als 10 Prozent, für Hammel um weitere 6 Prozent gestiegen. Die Versicherungen der amtlichen Sachverständigen" erweisen sich demnach als leere, grundlose Behauptungen. Das war vorauszusehen; denn die Dentschrift des Landwirtschaftsministeriums ist eine höchst einseitige Tendenzschrift, die lediglich den Zwed verfolgt, nachzuweisen, daß die deutsche Landwirtschaft auch noch heute vollständig in der Lage sei, den inländischen Fleischbedarf zu decken. Zu diesem Zweck werden Behauptungen und statistische Zahlen zusammengestellt, die, sofern sie überhaupt etwas beweisen, nur das eine dartun, daß die großen Kapazitäten des Landwirtschaftsministeriums sich über die Richtung der volkswirtschaftlichen Entwickelung Preußens noch immer nicht klar sind. Daß die deutsche Viehzucht nicht mit dem Anwachsen der deutschen Bevölkerung und deren gestiegenem Fleischbedarf Schritt gehalten hat, darf offiziell nicht zugegeben werden. Deshalb wird von den Verfassern der Dentschrift die Fleischteuerung des vorigen Jahres erstens als eine Ausnahmeerscheinung hingestellt und zweitens ihre Urfa che lediglich abgesehen von der allgemeinen Steigerung der landwirtschaftlichen Produktionsfosten in einem Zufall, nämlich in der ungünstigen Futtermittelernte des Jahres 1904, namentlich im Mißwuchs der Kartoffeln, gesucht. Die Startoffel", heißt es in der Denkschrift, bildet fast überall in Deutschland noch das Hauptfuttermittel für die Schweine. Rechnet man nur 10 Zentner Kartoffeln auf einen Zentner Lebend gewicht, so ergibt sich schon bei einer Erhöhung der Kartoffelpreise um 1 M., wie sie überall mindestens beobachtet wurde, eine Vermehrung der Produktionskosten für ein 200 Pfund schweres Schwein um 20 M. Hierzu treten die höheren Preise auch für alle übrigen Futtermittel. " = Politische Ueberlicht. Berlin, den 7. September. Tippelskirchsche Preßkompagnie " Aus der Anschuldigung der Tägl. Rundschau" scheint sich ein niedliches journalistisches Duell zwischen den beiden in Seit länger als drei Jahrzehnten bin ich in der Landwirt- Dienste der Tippelskirch- Podbielstischen Geschäftsethit kämpfenschaft und besonders in größeren Wirtschaften tätig; im besonderen den Blättern, der national- patriotischen Ripplerschen„ Tägl. habe ich mich mit dem Studium über den Wert und Nußen der Rundschau" und dem nicht minder patriotischen Scherlschen Bichhaltung gegenüber einem Wirtschaftsbetriebe ohne Viehhaltung Lokal Anzeiger" zu entwickeln, das, wenn sich die weiteren beschäftigt. Auf Grund dieser langjährigen Erfahrung bin ich zu Fechtgänge auf dem gleichen Niveau vollziehen wie die der Ueberzeugung gekommen, daß die deutsche Landwirtschaft unter beiden ersten, vielleicht noch manchen interessanten den jetzt obwaltenden Umständen nicht in der Lage ist, den Fleisch- Beitrag zur Charakteristik der von den Tippelskirchnern bedarf im Julande zu decken, so daß noch eine weitere Steigerung inszenierten Breßtreibereien liefern wird. Schon der Anfang der jetzigen Fleischpreise eintreten wird, wenn nicht Gegenmaßregeln des Duells ist recht vielversprechend. Auf die energische ergriffen werden. Zurückweisung des Major Quade, deren wir in gestriger Nummer erwähnten, antwortet Herrn Ripplers" Zeitung für nationale Politit" mit folgendem Angriff auf den LokalAnzeiger": Borweg will ich bemerken, daß es in der Landwirtschaft selbst bei der exaktesten doppelten Buchführung recht schwer ist, feftzustellen, welche Reinerträge die Rindviehhaltung bringt und wie hoch die Neinerträge aus der Schäferei sich belaufen, weil man faft immer mit imaginären Zahlen rechnen muß. Anders liegt die Ertragsberechnung bei der Schweinehaltung. Die Einführung beztv. Aufhebung der Schweinehaltung ist ohne besondere Schwierig feiten durchzuführen, jedenfalls liegen nicht die Schwierigkeiten vor, die eintreten würden bei Einführung bezwv. Aufhebung einer Nindvieh und Schafhaltung. Im letteren Falle müßte der ganze Wirtschaftsbetrieb, Fruchtfolge usw. geändert werden, was bei der Schweinehaltung nicht zutrifft. Nach meiner langjährigen Erfahrung, in Verbindung mit sorgfältiger Buchführung stelle ich die Behauptung auf, daß man mit einem Preise für Schweine ab Stall mit 87-88 M. pro Zentner Lebendgewicht noch recht gute Geschäfte macht. Wenn jetzt in Berlin für 100 Pfund Lebendgewicht mit 20 Broz. Tara 70 M. gezahlt werden, so erhält der Landwirt ab Stall etwa 50 M., also pro Zentner 12 M. über den Betrag, der als eine annehmbare Rente aus dem Betriebe Zu den im gestrigen Abendblatt wiedergegebenen Erklärungen des Herrn Oberstleutnants Quade, wonach die sensationelle, das Offiziertorps der Schutztruppen schwer verdächtigende Notiz des „ Berliner Lokal- Anzeigers" weder von ihm stamme, noch von ihm beranlaßt oder gar in ihrer Fassung festgelegt sei, bemerken tvir: Die betreffende Nachricht ist unserem Gewährsmann wiederholt durch den Redakteur des Berliner Lokal- Anzeigers", Herrn Dr. Mode, als abfolut authentisch übermittelt worden, und zwar unter der ausdrücklichen Versicherung, daß die Notiz von Herrn Oberstleutnant Quade dem Hauptmann Dann hauer bomt ,, Berliner Lokal Anzeiger" in der ber öffentlichten Fassung in die Feder diktiert sei und deshalb, trotz vorher gegebener Zusage, nicht zurüdgezogen werden könne. Herr Dr. Mode hat auch jetzt vor Zeugen und in Gegenwart eines Vertreters unseres Blattes trog der Richtigstellung des Herrn Oberstleutnants Quade die Erklärung ab- Auch die Kölnische Volkszeitung" betont in ihrer gegeben, daß dem„ Berliner Lokal- Anzeiger" der Juhalt jener neuesten Nummer, daß Podbielski 11111 einmal kompro Sensationsmeldung vom Oberkommando der Schußtruppen mittiert" gewesen sei und daß den Dingen mit Rücksicht„ auf ,, amtlich bestätigt" worden sei. Unser Gewährsmann wird die gute alte Beamtentradition"( also auch das freilich längst diesen Tatbestand in der von Herrn Oberstleutnant Quade gegen gouvernemental gewordene Zentrumsblatt macht diesen alten uns angestrengten Klage eidlich erhärten." liberalen Schwindel mit!) ein Ende gemacht werden mußte. Auch Dann heißt es weiter mit scharfer Wendung gegen den die Kölnische Volkszeitung" zählt also Pod bereits zu den Toten! Lokal- Anzeiger": „ Der Sachverhalt darf nunmehr als dahin aufgeklärt gelten, daß Herr Oberstleutnant Quade die schweren Vorwürfe, die wir ihm machen zu müssen glaubten, in keiner Weise verdient. Es bleibt auf seiner Seite lediglich eine gewisse Unvorsichtigkeit bestehen insofern, als er sich überhaupt dazu herbeigelassen hat, Vertretern eines Blattes Auskunft zu geben, von dem er wissen mußte, daß es die Sensation um jeden Preis sucht, auch wenn durch amtliche Erklärungen dieser Sen fation jeder Boden entzogen wird." " Die Sache steht für Herrn Ripplers Ethik wie für seine Logit gleichermaßen heifel. Erstens ist es ein sonderbarer Brauch, durch einen Gewährsmann" auf einem Umweg derartige Nachrichten aus der Redaktion des„ Lokal- Anzeigers" zu beziehen, und zweitens spricht es nicht gerade für die Konsequenz des Leiters der„ Täglichen Rundschau", daß dann, wenn er den Lokal Anzeiger" für ein Sensationsblatt hält, das nur der Sensation wegen Mitteilungen bringt, denen jede Grundlage fehlt, aus der Redaktion dieses Blattes durch seinen Gewährsmann unkontrollierbare Nachrichten übernimmt. er Den Lokal- Anzeiger" hat dieser Angriff höchst erbost. Er leistet sich im Abendblatt nachstehende Erwiderung: " In unserer gestrigen Abendausgabe haben wir die Anschuldigungen der„ Täglichen Rundschau" gegen Oberstleutnant Quade als eine dreiste Unwahrheit bezeichnet, für die es nach unserer Ansicht keine andere Erklärung gäbe als die Angst und den brennenden Racheburst ihrer durch die Kolonialskandale bedrohten oder bereits belasteten Hintermänner. Die„ Tägliche Rundschau" beröffentlicht heute morgen wiederum in der gleichen Angelegenheit eine Auslassung, aus der hervorgeht, daß unsere gestrige Annahme richtig war. Das genannte Blatt behauptet nämlich, ihr„ Gewährsmann" habe von dem Redakteur des„ Berl. Lokal- Anzeigers" Dr. Mode die von ihr veröffentlichte Mitteilung erhalten. Dieser Gewährsmann, dessen Namen die Zägl. Rundschau" so schamhaft verschweigt, ist fein anderer als Herr von Tippelskirch selbst. Diese Tatsache wird alle Welt nicht nur über die Gründe aufklären, aus denen die „ Tägliche Rundschau" dem unerhörten Angriff gegen Oberstleutnant Quade ihre Spalten geöffnet hat, sie wirft auch ein grelles Licht auf die von der„ Täglichen Rundschau" seit Wochen in den Kolonialskandalen beobachtete Haltung. Daß Herr von Tippelskirch ein großes Interesse an der Beseitigung des ihm sehr unbequemen Oberstleutnants Quade hat, wird jeder begreifen. Auch wir erhielten Informa= tionen von Herrn von Tippelskirch, haben sie aber ihrem Werte nach behandelt." Zugleich berichtigt Herr Dr. Mode: 1. Es ist unwahr, daß ich dem Gewährsmann der„ Täglichen Rundschau" gegenüber mitgeteilt habe, daß die in Nr. 431 des ,, Berliner Lokal- Anzeigers" veröffentlichte Notiz von Herrn Oberstleutnant Quade dem Hauptmann Dannhauer in der veröffentlichten Fassung in die Feder diktiert sei und deshalb trog vorher gegebener Zufage nicht zurüdgezogen werden könne. 2. Wahr ist vielmehr, daß ich jene Notiz lediglich als absolut authentisch bezeichnet und damit ihre Beröffentlichung begründet habe. Die Enthüllung des„ Lokal- Anzeigers" ist recht interessant. Es geht daraus hervor, daß, wie Eingeweihte bereits wußten, der Lokal- Anzeiger" wie die„ Tägl. Rundschau" über die Tippelskirch- Podbielski- Affäre ihre Informationen teilweise direkt von Herrn v. Tippelskirch beziehen bezw. ihre Redakteure durch diesen inspirieren" lassen. Bei Gelegenheit dieser Inspirationen erfährt Herr v. Tippelskirch etwas über den Oberstleutnant Quade, das er im Interesse seiner Sache gegen die Gegenpartei ausschlachten zu können glaubt und übermittelt die Nachricht an die„ Tägl. Rundschau", die darauf als„ hochanständiges" Blatt für die Interessen der höheren Sittlichkeit ohne irgend welche Skrupel die Nachricht zu einem Angriff auf den Oberstleutnant Quade ausschlachtet. Ein niedlicher Beitrag zu dem Kampf beider Blätter im Dienste der Podbielskischen Reinigung. Pod. Die„ Tägl. Rundschau" behauptet, daß das Schicksal Pods trop lledem besiegelt sei. Der Fall Fischer werde gleich nach den Manövern erledigt werden, und dann werde auch Pod sein Abschiedsgesuch erneuern. Da er inzwischen, und zwar auf Wunsch des Kaisers, feine Beziehungen zur Firma Tippelsfirch gelöst habe, könne ihm ein Abschied in allen Ehren, d. h. mit dem obligaten Schwarzen Adlerorden, gewährt werden. Jede Rückficht auf die Integrität des preußischen Beamtenstandes und die öffentliche Meinung sei dann gewahrt, ohne daß Pod als das Opfer der gegen ihn gerichteten Preßangriffe erscheine. " Winte?! Deutsches Reich. Ein neuer Kamerun- Skandal. neue ungeheuerlichen Vorgang aus Kamerun, bei dem Jesko von Die B. 3. am Mittag" erzählt in ihrer neuesten Nummer einen Buttkamer, sein Protegé Leuschner und der Gouverneur von Kamerun, Dr. Seit, eine unglaubliche Rolle gespielt haben sollen. Wir geben den Fall im wörtlichen Auszug nach dem genannten Blatt wieder: 3 ausdrücklich hervorgehoben worden ist. Dieser Artikel des franzöft schen Blattes wurde zitiert, um die Stimmung der Franzosen gegenüber dem König Eduard und der von ihm geplanten Reise nach Paris zu kennzeichnen. Es wird weiter in dem sozialistischen Drgan behauptet, daß ich einmal Herrn Stead in freundlicher Weise einen waderen Jdealisten genannt hatte, das andere Mal aber ihn in folgender Weise verhöhnt hätte:" Heute ist Mr. Stead ans Angelland, der Apostel irenischer Seligkeiten.. der letzte und würdigste aus dem Geschlechte jener Herbstzeitlosen, die im Revolutionsjahre gepflanzt wurden, in der Konfliktszeit gleich Bentifolien üppig den Kelch erschlossen und jetzt die welken Blätter traurig in das sozialistische Spülwasser sentten." In Wirklichkeit habe ich geschrieben:„ Heute ist Mr. Stead aus Angelland der Apostel irenischer Seligkeiten und in Deutschland Herr Theodor Barth, der letzte und würdigste aus dem Geschlechte usw." In beiden Fällen handelt es sich um einen Kniff, der wohl jeden Kommentar erübrigt. 6 Dr. Liman. Armer Yorick!- Wo sind jetzt deine Schwänke, deine Sprünge, deine Lieder? Da dir selber alle deine Kniffe ausgegangen sind, suchst du sie bei andern! ,, Als Jesko von Puttkamer noch Landeshauptmann von Togo war, kam dorthin ein Landschaftsmaler namens Leuschner, um fünstlerische Studien zu machen. Auch Jesko interessierte sich Unser erstes Zitat vom 23. April 1903 gibt Liman nicht wörtlebhaft für die schönen Künste er interessierte sich überhaupt lich wieder; würden doch sonst seine Leser sofort sehen, daß in der für alles andere mehr als für die Verwaltung der ihm unter- Tat die" Patrie" als Quelle ausdrücklich hervorgehoben" worden stellten Kolonien und da wendete er sich an Herrn Leuschner ist. Leider vergißt seinerseits Herr Liman, ausdrücklich hervormit der Bitte, er möchte ihm Unterricht in der Aquarellmalerei zuheben", daß er dieses Zitat mit größtem Beifall übernommen erteilen. Das tat Leuschner, und die beiden Herren wurden bald bat, on es, wie er schrieb," weifellos aus dem Herzen vieler dicke Freunde. In der Honorierung seines Lehrers zeigte sich Tausender" gesprochen sei. Nicht anders steht es mit dem zweiten Jesko ungemein nobel: er nahm ihn nämlich in den Gouvernementsdienst auf und ernannte den Landschaftsmaler, der ja Bitat. Herr Liman verhöhnte Mr. Stead in England und Herrit auf seinen Streifzügen durch das Land einige Wege fennen Barth in Deutschland in gleicher Weise als die letzten und würdigsten gelernt hatte, zum Wegebaumeister. Später wurde Jesto aus dem Geschlechte der Herbstzeitlosen usw. Da in unserem Artikel Gouverneur von Kamerun. Aber er tannte keinen Stolz, sondern vorher von Herrn Barth nicht die Nede, konnten wir die Worte: hielt nach wie vor mit Leuschner innige Freundschaft, nahm ihn und in Deutschland Herr Theodor Barth um so eher fortlassen, als mit nach Kamerun und ließ ihn zum Bezirksleiter von Buea dadurch der Sinn des Sazes nicht im mindesten geändert wurde, abancieren, dem idyllischen Ort am Fuße der Kamerunberge, wo und da auch die weggefallenen Worte durch Punkte angedeutet Jesko seine Residenz aufschlug. Leuschner hatte noch einen besonders wichtigen Vertrauensposten zu versehen, er mußte nämlich die bekannte Ede alias Freifräulein von Eckardtstein zeitweilig in seine Obhut nehmen, nachdem er sich selbst verheiratet hatte. Beiläufig gesagt, hatte Jesko dem Leuschnerschen Ehepaare die Ecke nicht mehr als seine Cousine, sondern als seine Braut vorgestellt. In allen anderen Obliegenheiten mag Herr Leuschner reiche Erfolge erzielt haben, als Behüter und Pensionsvater der Ecke aber scheiterte er vollständig. Denn diese betrug sich so überaus gemein und gefährdete die Tugend des Herrn Leuschner in dem Maße, daß Frau Leuschner sich veranlaßt sah, sie eines schönen Tages hinauszuwerfen. waren. Und weiter hat Herr Liman nichts zu sagen?! Armer Yorid! Zur Reform der Strafprozeßordnung. Reich, nahm auf ihrer Tagung zu Köln, die heute zu Ende geht und Die internationale friminalistische Vereinigung, Gruppe Deutsches über die wir im Zusammenhang berichten werden, gestern folgenden bom Generalstaatsanwalt Geßler( Dresden) amendierten Antrag des Oberlandesgerichtspräsidenten Hagens( Frankfurt a. M.) an: " Zur Beschaffung des Materials für eine durchgreifende Reform des Frau Leuschner scheint übrigens in dem fropischen Klima Strafprozesses beschließt die Landesversammlung der Internationalen nervös geworden zu sein, und ihre Nervosität übte auf den sonst kriminalistischen Vereinigung, eine Kommission von neun Mitgliedern, sehr gutmütigen und harmlosen Gatten einen unheilvollen Ein- bestehend aus Landgerichtsdirektor Aschrott, Oberbürgermeister fluß aus. Er ließ sich nämlich von seiner Frau einreden, daß did es, den Professoren v. Lilienthal, Mittermaier und die Polizeisoldaten gegen die Europäer des Bezirks einen Anschlag planten; und eines Tages Rosenfeld, Landgerichtsrat Rosenberg, Staatsant. Eisenrief er die in der Nähe der Station Buea wohnenden Weißen berg und Rechtsanw. Heinemann, mit dem Recht der Kooptation zusammen, um sie von dem angeblich geplanten einzusetzen, mit dem Auftrage, durch neue selbständige Erhebungen die Ueberfall der Weh- Jungen in Kenntnis zu sehen. Er ließ Grundlage für eine durchgreifende Reform der Strafprozeßordnung dann die Soldaten vor der Gerichtshalle, in welcher die zu beschaffen, insbesondere um die Handhabung der gegenwärtigen Europäer des Bezirks bewaffnet Aufstellung Strafprozeßordnung in den einzelnen deutschen Bundesstaaten genau genommen hatten, antreten und befahl ihnen, die Waffen abzulegen. Die Soldaten waren angesichts der bedrohlichen Situation aufs äußerste berdukt und zögerten einen Augenblid, dem Befehle Folge zu leisten. Alsbald befahl Leuschner den Weißen, zu feuern, und mehrere Soldaten stürzten, von den Kugeln getroffen, tot zu Boden; ein über den Stationshof laufendes Eingeborenenkind wurde ebenfalls getötet. Einige Soldaten wurden verwundet und flüchteten. Sie eilten nach dem Size des Bezirksamtes Victoria, wo sie sich ( ein Zeichen ihres guten Gewissens) beim Polizeimeister Brückner meldeten. zu ermitteln, und durch Entsendung einer Studienkommission nach England und Schottland das Material für die Frage zu sammeln, inwieweit die dortige Gestaltung des Anklageprozesses für Deutschland verwertbar ist. In der Diskussion wurde der Ansicht fast einhellig Ausdruck gegeben, daß die Vorschläge der vom Reichsjustizamt eingesetzten Kommission unbrauchbar seien. Die Religion muß dem Bolte erhalten werden. Nachdem der in Dresden tagende Deutsche Pfarrervereinstag" Die Untersuchung dieses so ungeheuerlichen Vorfalles hatte in der gestern von uns mitgeteilten Debatte über den Fall Korell Herr Dr. Seitz zu führen, der damals stellvertretender Gouver- fich ausdrücklich auf den Standpunkt des tapitalistischen neur von Kamerun war und jetzt als Gouverneur die Leitung Klassenstaates gestellt hatte, beriet er in seiner gestrigen der Kolonie übernehmen soll. Dr. Seiz verurteilte zwei von den Sigung über die Mittel und Wege, diese diese geheiligte unglücklichen Wenjungen zu hohen Gefängnisstrafen, die sie in Klassenstaatliche„ Drdnung" zu stüßen. Als bestes Mittel Togo abzubüßen hatten. Gegen Leuschner aber wurde nichts wurde unternommen; Dr. Seit wies vielmehr alle Beteiligten, auch richts in der Schule bezeichnet. die Erhaltung und„ Bertiefung" des ReligionsunterDer Referent über das Frau Leuschner aufs strengste an, über den Vorfall das strengste Stillschweigen zu bewahren. Thema„ Der Religionsunterricht in seiner Bedeutung für die Erziehung" führte aus, daß die Schule Erziehungs-, nicht Lehrschule sein müsse, daß sie die Gesinnung zu stärten, Ehrfurcht und Vertrauen auf pflegen" habe. Zur Erreichung dieses Bieles fönne der Religionsunterricht das Meiste beitragen. Nach längerer Debatte, in der ähnliche Gedankengänge ausgeführt wurden, fand folgende Resolution Annahme: Es wäre wohl tatsächlich nichts von diesen Vorgängen im Kolonialamt bekannt geworden, wenn nicht der deutsche Konsul in Monrovia( Liberia) berichtet hätte, daß das Werbegeschäft unter den Weyjungen auf ungeheuere Schwierigkeiten stoße, weil ihnen die Leuschnersche Schießerei bekannt geworden war und weil sie weiter von dem Dienst in Kamerun nichts wissen wollten, weil bort zu viel geprügelt würde. Sie nannten Kamerun nie anders als die twenty five- Solonie" und meinten damit, daß man dort zu 25 Hieben gelangen fönne. Infolge dieses Konsularberichtes wurde Jesko zu einem amtlichen Bericht von dem Kolonialamt aufgefordert. Das Disziplinarverfahren, welches gegen Jesko schwebt, dehnt sich, so viel wir wissen, auf die Anklage der falschen Berichterstattung nicht aus, obwohl der Bericht, den er in Sachen Leuschner erstattet hat, eine solche Anklage vollauf rechtfertigen würde. Leider hat sich das Kolonialamt, wie in so vielen anderen Fällen, mit dem Buttkamerschen Bericht begnügt und es ist in Sachen Leuschner von hier aus nichts veranlaßt worden. Daß diese Affäre unter den schwarzen Schußtrupplern eine ungeheure Aufregung hervorgerufen hat, und daß es nur mit Mühe und durch glüdliche Zufälle gelang, einen Aufstand, den sie planten, im Keime zu unterdrücken, ist allen Europäern, die damals in Duala waren, noch in lebhafter Erinnerung." Armer Yorick! Die Deutsche Tagesztg." behauptet demgegenüber, daß die „ Tägl. Ndsch." die Absichten und den Verlauf dieser wunderbaren Verabschiedungskomödie frei erfunden habe. Speziell von einem Die Leipz. Voltszeitung" schreibt: ,, dienstlichen Befehle" des Kaisers an Pod, seine Be- Während bisher Herr Dr. Liman allen Enthüllungen der Bürgerziehungen zur Firma Tippelskirch abzubrechen, fönne teine Rede lichen und der Parteipreffe über seine literarische Vielseitigkeit die sein. Auch nicht von einem nicht mißzuverstehenden kaiserlichen Tugend des Trappisten entgegenstellte und einfach schwieg, hat ihm unser Leitartikel vom Dienstag endlich doch die glatte Zunge gelöst. Die Kreuz- Zeitung" hatte fürzlich die verwegene Behauptung In der heutigen Morgennummer der„ Leipziger Neuesten Nachrichten" aufgestellt, daß selbst die erbittertsten Gegner seiner Politit" nicht ergreift er das Wort. Doch was fagt er? Kann er leugnen, daß zu behaupten" gewagt" hätten,„ daß Herrn v. Podbielskis Ehren- der arme Yorick und Dr. Paul Liman die gleiche Person ist? Kann schild durch die Vorgänge im Kolonialamte auch nur im er leugnen, daß er in der„ Londoner Finanz- Chronit" am gleichen geringsten befledt sei". Vielleicht berichtigt das Blatt des Tage das Gegenteil von dem geschrieben hat, was er in der feligen Hammerstein diese optimistische Auffassung nach Kenntnis- Deutschen Tageszeitung" schrieb? Nichts davon! Der Fuchs fizzt nahme des folgenden Urteils in den Münch. Neuest. Nachr.": im Eisen, und das Eisen hält fest! An sorgsam verstedter Stelle seines Blattes wimmert er also: 29 " 11 Uns erscheint Podbielsti bescholten, und wir stügen diese Meinung auf des preußischen Landwirtschaftsministers eigene Taten. Erst hat er seinen eigenen Namen aus der famosen Verbindung mit der Firma Tippelstirch burch lebertragung auf seine Frau gestrichen, jest läßt er auch, genötigt von der öffentlichen Meinung, die Teilhaberschaft seiner Frau löschen. In diesem Vorgange liegt ein so deutliches Pater peccavi", daß darüber unseres Erachtens ein Zweifel nicht bestehen kann. Nun herrscht ja Freude im Himmel über jeden Sünder, der Buße tut, aber auf Erden pflegt man nicht gerade zu wünschen, daß reuige Sünder an ben allerersten Stellen stehen. Die Qualifikation zum Minister wird doch nicht dadurch erbracht, daß eine Handlung dem Staatsanwalt teine Handhabe zur strafrechtlichen Verfolgung bietet oder daß Verfehltes wieder gutgemacht und vers ziehen wird. Die Frage ist auch nicht die, ob der ReichsKanzler und der preußische Landwirtschaftsminister sich wieder vertragen haben; das ist dem Volte ganz einerlei." " Die Leipziger Volkszeitung" bringt einen Leitartikel mit der Ueberschrift auf Limans Spuren". Es soll mir darin nachgewiesen werden, daß ich in zwei verschiedenen Wochenschriften, von denen die eine in London, die andre in Berlin erscheint, über die Bedeutung der Redakteurfahrt nach England völlig verschiedene Ansichten geäußert hätte. Der Beweis soll mit einigen aus den beiden Artikeln herausgerissenen Säßen erbracht werden. Um die Methode des sozialistischen Organs zu kennzeichnen, wähle ich zwei ihrer Argumente, die genügend für sich selber sprechen. Zunächst soll die edle Kühnheit", die mich zu der Teilnahme an der Fahrt veranlaßte, obwohl ich doch die englische Politit seit Jahren nicht genug verdächtigen, den König nicht genug beleidigen und schmähen fonnte", mit einem Zitat aus einem Leitartikel der„ Leipz. Neuest. Nachrichten" vom 23. April 1903 erwiesen werden, in der ich die Engländer als„ Diebesbande", den König als Schlächter der Frauen und Kinder", als einen unwürdigen, herzlosen, schamlosen Fürsten" bezeichnet haben soll. In Wahrheit handelt es sich um einen Artikel der in Paris erscheinenden Patrie", was auch " 1. Der Deutsche Pfarrertag stellt sich mit dem Referenten freudig und entschlossen auf den Boden der Anschauung, daß der Religionsunterricht als Herz und Krone aller Erziehungsarbeit der deutschen Schule erhalten bleibe und ihm stets eine ausreichende Stellung im Lehrplan der Schulen gewährt werde. 2. Er erkennt an, daß die Gegenwart an die Beschaffenheit des Religionsunterrichts in mancher Beziehung neue, jedenfalls aber heute wie allezeit die höchsten Anforderungen stellt. 3. Er erwartet von dem Zusammenwirken der firchlichen, theologischen und pädagogischen Elemente eine fortgesetzte Vertiefung und Ausgestaltung des Religionsunterrichts, die diesem wichtigsten Zweig des Erziehungswesens im evangelischen Volksleben die Achtung und Wertung sichern, die er verdient. 4. Er hält es für dringend erwünscht, daß über die wirkliche Lage und Beschaffenheit des Religionsunterrichts in allen deutsch- evangelischen Landeskirchen, namentlich über die aktive Beteiligung des evange lischen Pfarramts am Religionsunterricht eine baldige Erhebung beranstaltet und für das Recht des Pfarrers an der Mitarbeit bei dem Religionsunterricht der Schule fortgefeßt entschieden gewirkt werde." Das neue preußische Schulverpfaffungsgefeß gibt ja den Pastoren leider die Möglichkeit, die Schule noch mehr zum Werkzeug reaktionären Dunkelmännertums zu degradieren, als es bisher schon der all war! Kulturbestrebungen der Kameruner Eingeborenen. Die Akwa stämme in Kamerun, bekannt unter dem Betition an den deutschen Reichstag gerichtet: Namen Bonambelaleute, haben nach der Frankf. 8tg." eine neue Eingangs verfichern die Bonambelaleute, daß fie mit aller Aufrichtigkeit beslissen sind, sich alle Errungenschaften der deutschen Kultur zu eigen zu machen und allen Ernstes bestrebt sind, überaus loyale Schutzbefohlene des deutschen Kaisers zu sein. Angesichts der großen Schädlichkeit, die der Schnaps unter den Eingeborenen Kameruns anstiftet, drücken die Afwalente den Wunsch aus, daß die Einfuhr des Alkohols ein für allemal strift verboten oder doch mindestens mit einem fehr hohen 3oll belegt wird. Wiederholt find früher Sie Bonambelaleute beim Gouvernement in Kamerun vorstellig geworden, daß ihre Kinder nicht nur drei Jahre, sondern fechs Jahre lang die Schule besuchen müssen. Das ist aber stets abschlägig beschieden worden. Jezt komment fie aber wieder darum ein, weil ihre Kinder dereinst tüchtige Leute werden sollen, an denen das Deutsche Reich seine Freude haben werde. Ihre Kinder nach der Entlassung aus der Schule irgend ein Handwerk erlernen zu lassen, dazu fehlt es in Kamerun leider an jeder Gelegenheit. Sie wünschen daher, auf eigene Kosten eine Gewerbefortbildungsschule errichten zu dürfen. Ihre Wünsche gehen ferner dahin, sich einen Arzt halten zu dürfen, dessen Honorar sie selbst vorher sicher stellen wollen, sowie daß sich Rechtsanwälte niederlassen, wofür sie ebenfalls die Kosten auf- bringen und hinterlegen wollen. Weiter wird in der Eingabe der Wunsch ausgedruckt, dah die Regierung verfügen wolle, daß jeder Akwanrann, sobald er 2V Jahre alt ist, zwei Jahre in der Schutztruppe dienen muß. Zum Schluß betonen die Petenten ausdrücklich noch, daß ihr Wissensdurst ein sehr großer ist, und sie unter allen Umständen von allen Schutzbefohlenen des Deutschen Reiches die ersten und die besten sein wollen. Diese Petition ist außer dem Reichstage auch dem Reichskanzler und dem Leiter des Kolonialamts zugestellt worden. _ Diese Petition beweist zunächst, daß die„Nigger" das ernste Bestreben haben, sich die europäische Kultur anzueignen. Sie beweist aber zugleich, welche Hindernisse ihnen bei diesem Bestreben von den Kolonialbehörden in den Weg gelegt werden! Ganz abgesehen davon, daß man ihre Bitte, die Schulpflicht auf 6 Jahre auszudehnen, abgeschlagen hat: ist es nicht un- geheuerlich, daß die Eingeborenen erst an den Reichstag petitionieren müssen, um auf eigene Kosten einen Arzt und Rechtsanwälte anstellen zu können? I Aber in der gewaltsamen kulturellen Niederhaltung der Ein- geborenen liegt eben Systeml Hat es doch erst in diesen Tagen wieder ein Alldeutscher ausgesprochen, daß unsere Kolonial- intcressenten den Eingeborenen in den Kolonien nicht Kultur bringen, sondern sie zu gefügigem und billigem Arbeitsvieh herabdrücken wollen. Und da ist„der dümmste „Nigger" der beste! Hoffentlich schenkt der Reichstag dieser Petition die ihr ge- bührcnde Beachtung. Für die neue Kolonialexzellenz wird sich dann ja Gelegenheit bieten, ihren Standpunkt zur Eingeborcnenpolitik mit aller gebotenen Klarheit zu entwickeln!— Ter Protest der Nürnberger Arbeiterschaft. Aus Nürnberg wird uns geschrieben: Am Mittvwchabend fanden hier vier massenhaft besuchte Volks- Versammlungen statt mit der Tagesordnung: Die letzten Vorkommnisse in Nürnberg, das Verhalten der Behörden und die Stellungnahme der bürgerlichen Presse. In der Stimmung der Versamm- lungen spiegelte sich die tiefste Entrüstung über die Bluttaten der Arbeitswilligen und der Polizei wieder. Folgende �Resolution wurde überall einstimmig angenommen: Die Versammlungen sprechen ihre tiefste Entrüstung über die Schandto t jenes Streikbrechers aus, der den Genossen Fleisch- mann ermordete, der Familie damit den Ernährer, seiner Ge- werkschaft mnd der sozialdemokratischen Partei einen wackeren Mitstreiter raubte; die Versammelten finden es nach wie vor un- begreiflich, werden gemäß dem Vorschlage der Kommission angenommen und bleiben demnach die Tagessätze der alten Statuten bestehen, nur wird die Dauer von 36 Tagen auf 30 Tage gekürzt. Z 6. Krankengcldzuschuß wird nach dem Vorschlag der Kam- Mission angenommen. Die weiteren Beratungen der Statuten werden einer von der Abteilung Berlin zu wählenden Kommission und dem Hauptvor- stände übertragen. Gerichts-Teitung. Vermeintliches Manko Entlassungsgnind? Die schwierige Stellung der Kassiererinnen in Warenhäusern wurde in einer Verhandlung beleuchtet, die am Donnerstag vor der 2. Kammer des Kaufmaunsgerichts stattfand. Die Klägerin Helene S. war im Warenhause von H. Greifenhagen Kassiererin mit einem Monatsgehalt von 75 M. Die Klägerin halte nicht nur die Obliegenheit, die sämtlichen Verkäufe der'Lebensmittelabteilung zu kassieren, sondern sie mußte auch die Rabattmarken an die Käufer zur Verteilung bringen. Bei der Firma herrscht ein Rabatisystem dergestalt, daß für einen Einkauf von 1 M. eine Rabattmarke von 5 Pf. ausgegeben wird. Nach der Taxierung der Firma macht aber rm ganzen der Wert der ausgeteilten Rabattmarken nur 3 Proz. aus, was sie damit erklärt, daß verschiedene Artikel netto, d. h. ohne Rabattmarken verkauft werden und auch viele Käufer sich gar keine Marken geben lassen. Eine an mehreren Tagen durchgeführte Kontrolle habe nun ergeben, daß bei der Klägerin 4 Proz. und an manchen Tagen sogar 6 Proz. Marken fehlten. Die Firma erblickte darin ein leichtfertiges Verschulden der Klägerin und erteilte ihr die sofortige Entlassung. Die Klägerin begründet dagegen ihren Gehaltsanspruch bis zum Ablauf der Kündigungsfrist damit, daß sie für die Rabattmarken keinen ver- schließbaren Raum zur Verfügung hatte und ihr während der Tisch- zeit die Lehrmädchen öfter über die Kassette gingen. Sie habe gewissenhaft die Marlen ausgeteilt und sei sich keiner Verfehlung bewußt. Das KaufmannSgericht verurteilte die Firma zur Zahlung von ISO M. Die Beklagte habe die Obacht walten lassen, die bei einem so schwierigen Posten wie dem der Warenhaus- kassiererin menschenmöglich sei. zumal sie nicht nur die Beträge zu kassieren, sondern auch noch die Rabattmarken zu verteilen hatte. Zum mindesten hätte die Firma die Klägerin vorher warnen müssen, die Marken offen liegen zu lassen. Sonderbare Einwände gegen jugendliche Arbeiter. Der Inhaber der Firma Posekel machte vor der Kammer 8 des GewerbcgrichtS gegen die Lohnentschädigungsklage des Lauf- burschen M., der plötzlich entlassen worden war, verschiedene Ein- wände geltend. Der 57läger sei ja nur ein minderjähriger Mensch und könnte schon deshalb auf eine Kündigungsfrist keinen Anspruch machen. Dann sei er aber auch bummelig gewesen, und bei der Einstellung habe er ihm obendrein gesagt:„Bist Du zuverlässig, dann bleibst Du; ist eS nicht der Fall, dann fliegst Du." Der Gerichtshof ließ selbstverständlich diese eigenartigen Einwände nicht gelten. Ob minderjährig oder nicht, i'ei gleich— mangels einer anderen Abrede gilt>m gewerblichen Arbeitsverhältnis die gesetzliche vierzehntägige KündigungSfrlst. Es sei auch kein , Kündigungsausschlutz, wenn Beklagter dem jungen Menschen für den Fall der Unzuverlässigkeit die Lösung des Arbeitsverhältnisses in Aussicht stellte. Auch sei sogenannte Bummeligkeit an sich noch kein Grund zur Entlassung. Dafür, daß Kläger etwa mit Absicht so bummelig gewesen sei, daß die Bummelei einer be- harrlichen Weigerung zur Erfüllung der ihm obliegenden Per- pflichtungen deS Arbeitsverhältnisses gleichkomme, habe Beklagter nichts erbracht. Der Beklagte wurde nach dem Klageanträge verurteilt._ Zwei Dutzend arbeitswilliger Gewerkvereinler soll Genosse G r ö tz s ch in Dresden als verantwortlicher Redakteur des.Volksfreunds" durch eine Notiz beleidigt haben, in der geschildert wurde, wie die Hirsch-Dunckerschen Raus- reißer dct Firma Eschcbach in R o d e b e r g bei einem Sausgelage einem Klempner namens Seifert Schnaps in das Bier gegossen und ihn derart betrunken gemachl hätten, daß er völlig sinnlos geworden und sich schließlich durch einen Sturz von der Treppe des betreffenden Wirtshauses tödlich verletzt habe. Bon edler Menschlichkeit erfüllt hätten sodann die ebenfalls völlig betrunkenen„Hirsche" ihren Kollegen in bewußt losem Zustande auf einen Handwagen geladen, den verletzten und sinnlos Betrunkenen sodann einen Eimer Wasser über den Leib geschüttet und ihn dann nach mehrmaligem Umschütten nach seiner Wohnung gefahren, wo der Mann, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, gestorben i st. Die Notiz dieses Inhaltes gab den Anlaß zu einer Klage gegen den Genossen Grötzsch, die der Staats- anmalt im öffentliche» Interesse erhoben hatte, während die 24 Arbeits- willigen als Nebenkläger und zugleich als Zeugen auftraten. Dennoch ergab die Beweisausnahme, daß die Schilderung im„VolkSfreund" durchaus zutreffend war. Der Klempner Seifert, selbst ein Arbeits- williger, ist tatsächlich in einem widerlichen Sausgelage betrunken gemacht und dann, als er durch einen Sturz besinnungslos ge- worden war und in der geschilderten Art behandelt worden. Nur konnte, da die Aussagen der Zeugen hier unbestimmt lauteten, nicht bestimmt festgestellt werden, ob wirklich dem toten Seifert Schnaps in das Bier geschüttet worden war. Das Verfahren der 24 arbeitswilligen Hirsche gegen ihren arbeitswilligen Kollegen war ein außerordentlich rohes und höchst wahrscheinlich ist dadurch auch der Tod Seiferts verschuldet worden. Selbst der Staatsanwalt mußte auf Grund der Beweisaufnahme erklären, der Fall liege sehr eigen- tümlich, denn eS ständen eigentlich die Nebenkläger als Angeklagte da. Dennoch plädierte er für Bestrafung, weil die Notiz formelle Beleidigungen wie„bodenlose Gemeinheit" enthalte. Der Verteidiger des Genossen Grötzsch wieS darauf hin, daß diese Kennzeichnung durchaus treffend sei. DaS Landgericht erkannte dennoch hauptsächlich dieses Ausdrucks wegen auf IVO M. Geldstrafe.— Die Bestrafung einer scharfen Verurteilung roher Handlungen dürfte schwerlich zur Verhütung künftiger Roheiten geeignet sein._ Gerechtigkeit? 1. Die Maximal st rase von drei Monaten Ge- fängnis wegen Vergehens gegen Z 153 der Gewerbeordnung diktierte das Schöffengericht in Duisburg einem Hafenarbeiter K. zu, weil dieser während des glänzend verlaufenen Hafenarbeiter- streik« in Duisburg einen sogenannten Arbeitswilligen be- leid igt haben sollte.— 2. Ein gemeiner Schwindler, der Arbeiter Martin Da bisch, hatte den Hafenarbeiterstreii in Duisburg dadurch für sich auszunützen verstanden. daß er mit gefälschten Sammellisten umherging mid den Erlös seiner Bemühungen natürlich in die eigene Tasche verschwinden ließ. Di« Urkunden- f ä l s ch u n g und den Betrug bestrafte das Duisburger Schöffen« gericht nur mit einem Monat Gefängnis. Die beiden Urteile sprechen eine sehr beredte Sprache. Die Majestätsbeleidigung und GotteSlästenntg aus der Pfingstvrrgnügungsfahrt. Der Hausbesitzer Karl Daus stand unter der Anklage der Majestätsbeleidigung, der Gotteslästerung und der Beschimpfung der Landeskirche vor der in Neustettin detachierten Strafkammer des Landgericht» zu KöSlin.— Der 40 jährige Angeklagte ist Haus- besitzer in einem nördlichen Vororte Berlins. Zu Pfingsten dieses Jahres unternahm D. eine kleine Vergnügungstour nach Pommern, um hier seinen in Bärwalde wohnhaften Vater, einen Bauerngutsbesitzer zu besuchen. Dort soll er bei einem Bierbankgespräch mehrere Ausfälle gegen den Kaiser und die Religion sich zuschulden haben kommen lasse». Dieser Vorfall gelaugte erst geraume Zeit später zur Anzeige. In der Verhandlung vor der Strafkammer in Neustettin begutachtete der als Sach- verständiger aus Berlin geladene Dr. Beulshausen, daß der Au- geklagte durch eine schwere Kopfverletzung in Verbindung mit Alkohol- genuß vorübergehenden Geistesstörungen ausgesetzt sei. Die Straf- kammer erkannte deshalb nach Maßgabe des§ 51 St. G. B. auf Freisprechung des Angeklagten. Versammlungen. Die Berliner GewerkschaftSkommission hielt am 6. September im Gcwerkschaftshause eine Sitzung ab, zu der auch Vertreter der Konsumvereine erschienen waren, da unter anderem auf der Tages- ordnung stand:„Bericht über die Verhandlungen der Konsum- vereine mit dem Ausschuß der Berliner Gewerlschaftskommission und dem Zentralvorstand der sozialdemokratischen Partei Berlins." Genosse A. K ö r st e n verwies einleitend auf daS den Delegierten zugestellte Protokoll der betreffenden Konferenz vom 4. August 1906, über die im„Vorwärts" bereits berichtet worden ist. In jener Konferenz wurde bekanntlich beschlossen, daß eine besonders energische Propaganda zur Förderung des Konsumvereins- Wesens in Berlin notwendig und zu diesem Zwecke eine Kommission zu bestellen wäre, die aus Vertretern der Ge- nossenschaften und Gewerkschaften bestehe. An die Vertreter der Partei und der Frauen erging die Einladung, gleich- falls Vertreter zu entsenden. Zu der Kommission sollen die Ge- nossenschastcn 4 Mitglieder und die Gewerkschaften 5 Mitglieder stellen. Als Vertreter der Genossenschaften erhält Hoppe das Wort: Aus allen größeren Städten Deutschlands höre man fortwährend Klagen, daß die Berliner in der Genosscnschaftsbewegung soweit zurückständen. Diese Klagen seien durchaus berechtigt. Was sei die Ursache der Rückständigkeit auf dem Gebiete? Er meine, die Organisationen der Arbeiterschaft hätten bisher der Genossen- schaftsbewcgung in Berlin nicht das Interesse entgegengebracht, welches unter allen Umständen notwendig sei. Daran liege es. Dem Einwände, in Berlin wäre eS nicht möglich, das Genoffen- schastswesen in die Höhe zu bringen, müsse er entschieden wider- sprechen. Was wo anders, auch in anderen Großstädten, möglich wäre, müsse auch in Bprlin möglich sein. Ter Umsatz der Berliner Konsumvereine ließe sich, wenn ihnen die erforderliche Zahl kaufender Mitglieder zugeführt würde, leicht um das Vier- bis Fünffache erhöhen, ohne daß erhebliche Mehrkosten entständen. Das würde ein Schritt vorwärts fein, der notwendig weitere Fort- schritte an innerer Ausgestaltung und äußerer Ausdehnung nach sich zöge. ES werde behauptet, in Berlin machten die Waren- Häuser eine unbesiegbare Konkurrenz. Redner bestreitet, daß sie unbesiegbar sei, und betont, die Arbeiter und namentlich die Ar- beiterfrauen hätten die'Warenhäuser groß gemacht, angelockt durch irreführende Reklame. Auf diese Reklame(AuSnahmetage usw.) geht er näher ein, um rechnerisch darzutun, daß daS Publikum auf der einen Seite doppelt geschröpft werden müsse und geschröpft werde, wenn es den einen oder anderen Gegenstand beinahe zum Selbstkostenpreis erstehe. Das ergebe schon die im„Konfektionär" erfolgte Feststellung(auch vom„Vorwärts" mitgeteilt), daß die Warenhäuser mit einem Unkostensatz von 25 Proz. rechneten, der auf die Waren geschlagen werde. Dazu müsse mindestens noch als Gewinn 1 Proz. zugeschlagen werden. Unter der Hand habe er gehört, daß Wertheim sogar trotz der hohen Unkosten einen Ge- winn von 4 Millionen erzielt haben solle. Durch die„billigen Tage" der Warenhäuser werde also das Publikum lediglich ge- täuscht.— Es werde behauptet, der Weg zur Verkaufsstelle des Konsumvereins fei zu weit. Daß mit dem Besuch des Waren- hause? aber Stunden verbummelt würden, rechne man nicht. Redner berührt dann noch den Unfug des Rabattmarken-Systems, hebt den Vorteil des reellen Einkaufs im Konsumverein hervor und verweist auf das höhere Ziel der Genossenschaften, schließlich zur Eigenproduktion zu greifen, was aber nur möglich sei, wenn der Konsum der großen Masse von ihnen bezogen werde. Die Ge- werkschaften hätten ein außerordentliches Interesse an der Förde- rung dieser Bewegung. Wo die Genossenschaften z. B. eigene Bäckereien hätten, da bestehen die achtstündige Arbeitszeit, gute hygienische Verhältnisse und noch höhere Löhne, als dort, wo die Bäcker ungeheuer ausgenützt würden. Wenn die Genossenschaften auch nur einige Betriebe haben, dann übe das einen großen Einfluß aus auf die Verhältnisse deS betreffenden ganzen Berufes. Eine ständige Beteiligung der Gewerkschaften an der Sache würde viel beitragen zur Verbreitung solcher Einrichtungen. Von Nutzen wäre auch die Unterbringung von Spareinlagen bei den Genossen- schaften. Besonders die Gewerkschaften könnten einen Teil ihrer Gelder dort anlegen. Alle Gründe, die für die Genossenschaften sprächen, müßten in den Kreisen der Genossenschaften verbreitet werden. Reichstagsabgeordneter v. E l m erinnerte daran, daß in Berlin anfangs auch die Parteibewegung nicht habe vorwärts gehen wollen. Dann plötzlich habe Berlin drei Abgeordnete gewählt. Und mit der Berliner Gewerkschaftsbewegung sei eS genau so gewesen; sie habe auch crch nicht vom Fleck gewollt. Desto riesiger seien jetzt beide angeschwollen. Vermutlich werde auch die Welle der Genossen- schaftsbewegung Berlin erst richtig erfassen müssen, um es mit fortzureißen. Am augenblicklichen nicht erfreulichen Stande der Dinge mögen mit schuld sein die nicht konstanten Bevülkcrungs- Verhältnisse, sowie daß durch die Warenhäuser eine gewisse Organi- sation des Konsums gegeben sei; ferner käme auch die einzigartige Ausdehnung des Rabattvereinswesens Berlins in Betracht, das der Vorredner schon gekennzeichnet habe. Abgesehen von dem Unfug, den sie bedeuteten, seien die Rabattvereine auch reaktionär. Leistungsfähig mache die Zentralisation, durch die Rabatt- sparvereine werde aber die Dezentralisation direkt hochgehalten.— Bis zu einem gewissen Grade sei es richtig, daß die Großstadt Berlin der EntWickelung der Konsumgenossenschaften im Ver- hältniS zu jeder Kleinstadt größere Schwierigkeiten biete. Indessen hätten wir in anderen großen Städten gesehen, nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern, daß es möglich sei, die Konsumgsnossenschaften einzubürgern. Blicke man nach den großen Städten Englands. Erst seien sie da verkracht. Nachdem man aber nach Jahren mit großer Energie wieder den Versuch gemacht habe, sei etwas daraus geworden. Als weiteres Beispiel führt Redner Hamburg an, indem er schildert, wie jetzt dort der genossenschaftliche Gedanke nach jahrelanger Interesselosigkeit, namentlich den Konsumgenossenschaften gegenüber, immer mehr um sich greife, nachdem die„Produktion" gegründet worden sei, mit dem Programm, daß die Organisation des Konsums dienen solle als Grundlage für Eigenproduktion, die der Arbeiterschaft auch als Produzenten helfe. ES gebe keinen Konsumverein, der in so verhältnismäßig kurzer Zeit solche Fortschritte bezüglich des inneren Ausbaues gemacht habe. Leichtsinnig sei man allerdings nicht vorgegangen. Bei Errichtung der ersten Verkaufsstelle habe man ein Kapital von 20 000 M. gehabt. Bald habe man auch das vom Vorredner erwähnte Mittel angewandt, die Spargroschen, richtiger gesagt die Notgroschen der Arbeiter zu benutzen, die heute meist den städtischen Sparkassen zufließen. Es sei eine Sparkasse errichtet worden. Von den meisten Gewerkschaften Hamburgs, die Gelder zur Verfügung hätten, habe man etwas in der Sparkasse. Auch die Partei in Hamburg habe sie mit Geld belegt. Sicher seien die Einlagen schon dadurch, daß ständig damit gearbeitet werde. ES seien z. B. Häuser davon gebaut worden. Für flüssige Gelder habe man eine gute Niederlegstelle in der Großeinkaufs- gesellschaft. Die arbeite damit im Interesse der gesamten Ge- uossenschaftsbewegung. Eine große Bäckerei sei geschaffen worden. die vorzüglich arbeite, und eine Schlächterei.— Redner führte noch eine Reihe von Einzelheiten aus dem neuen genossenschaftlichen Leben Hamburgs an zum Beweise dafür, daß eS auch in der Groß- stadt gedeihen könne. Weshalb solle das nicht in Berlin möglich sein, fragt er. Mitgründer sei in Hamburg das Gewerkschafts- kartcll gewesen und die Gewerkschaften hätten von vornherein mit- gewirkt. Wenn man es richtig anfasse, dürften auch die Berliner zu interessieren sein. Die Massen müßten mit, und da kämen zu- nächst die gewerkschaftlich Organisierten in Betracht. Habe man die, dann sei eS keine Frage, daß man die übrigen auch beranhole. Die Gewerkschaften hätten ja übrigens nach den Beschlüssen des Kölner Gewerkschaftskongresses die Verpflichtung, für die Konsum- genossenschaften einzutreten. Die Gewerkschaften sollten auch aus anderen Gründen das treibende Element in der Genossenschafts- bcwegung bilden. Mache man es in Berlin wie in Hamburg. Mit Energie sollten die Leiter der Gciverkschaften die Sache in die Hand nehmen. Redner wendet sich noch dagegen, daß heute hervor- ragende und nicht hervorragende Genossen der Genossenschafts- bewegung gegenüber vollständig neutral blieben. Der einschlägige Parteitagsbeschluß bedeute durchaus nicht, daß ihr jedermann gleich- gültig gegenüberstehen solle. Die allerschlimmstcn seien die lauen Freunde. Wer mit der Bewegung sympathisiere, solle eS sagen, und wer dagegen sei, gleichfalls. Dann würde man viel weiter kommen. Selbst eine Opposition würde von Nutzen sein. Wenn die Partei nicht mitgehe, sei die Sache unter allen Umständen etwas brcnzlich. Solle etwas geschehen, dann müßten, besonders in Berlin, auch die Leute mitgehen, auf deren Urteil man großen Wert legt. Wenn Genosse A u g u st B e b e l, der ein entschiedener Freund des Genossenschaftswesens sei und genau des Redners Auf- fassung habe, dies kundgäbe, dann würde das auf die Masse wirken. Aber man habe dort- immer wieder praktische Bedenken, heraus? zutreten. So bleibe nichts übrig, als durch �ctige Arbeit die Arbeiterschaft in den Gewerkschaften, in der Werkstatt usw. über- zeugen zu suchen, nicht bloß mündlich, sondern auch durch Druck- fachen. Genosse Giebel: Nachdem sich die Ansichten über daS, was man von den Genossenschaften erwarte, geklärt hätten, seien der Bewegung in der Partei nicht nur laue Freunde, sondern auch wirkliche Anhänger gewonnen worden. Das hätte v. Elm auch er- wähnen müssen. In der Sache selbst vertritt Redner wesentlich den Standpunkt v. Elms. Die Schwierigkeiten dürften die Agitation nicht hindern oder lähmen. Großer Wert sei auf die Aufklärung der Frauen zu legen. Die Zersplitterung unter den Konsumvereinen sei zu beseitigen. Genosse Katzen st ein trat gleichfalls lebhaft für die Propaganda zugunsten der Konsumgenossenschaften ein. wobei er der Gewerkschaftskommission daS Beispiel deS Hamburger Kartells zur Nachahmung empfiehlt. In die auf der Konferenz vom 5. August beschlossene Pro- pagandakommission delegierte die Versammlung dann die Genossen Eugen Brückner. Wutzkh, Giebel, A. Ritter und Hetzschold» * In den Ausschuß der Gewerkschaftskommission wurde an Stelle bis 25 Pf. find keine Seltenheiten; solche von 30 bis höchstens| Sosse, lektere richtete speziell an die erschienenen Damen die des ausgeschiedenen Bauarbeiters Heidemann der Buchbinder 35 Pf. find das höchste der Gefühle für Strangfärber. Um die Bitte, unter ihren Kolleginnen aufklärend zu wirken und dieselben Schade gewählt. wirtschaftliche Lage zu verbessern, werden dann natürlich Ueber- zu veranlassen, sich unserem Verbande anzuschließen. In seinem Von den Gastwirtsgehülfen ist folgender Antrag eingegangen: stunden gemacht, und da ist es bezeichnend, daß eine Firma, die Schlußworte ging der Referent auf die Ausführungen Groß" In Erwägung, daß die Arbeitsverhältnisse der Gastwirts- ihren Arbeitern 30 Pf. pro Stunde zahlt, für die Ueberstunde manns näher ein, rief demselben die großen Färberbewegungen gehülfen außerordentlich ungünstige sind und die Agitation für 25 Pf. berechnet. Jedenfalls, wie der Referent meinte, um die in Glauchau, Meerane usw. ins Gedächtnis zurück und versprach, die Organisation ganz besonders erschwert ist; in weiterer Gr- Leute, die schon eine elfstündige Arbeitszeit hinter sich haben, dafür das feinige beizutragen, damit die Färberbewegung in Berlin nicht wägung, daß festgestellt ist, daß im Gastwirtsgewerbe Stellen zu bestrafen, daß sie noch länger arbeiten wollen. Er wies ferner einschlafe. Nachdem er nochmals auf die Notwendigkeit der Organiwucher und Kommissionärunwesen in einer Weise ausgebreitet, auf die Gefahren der Infektion bei den chemischen Wäschern hin sation hingewiesen hatte, erfolgte Schluß der Versammlung. wie in keinem anderen Berufe, beschließt die Berliner Gewerk- und stellte fest, daß auch hier die Löhne zu den Leistungen in Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Beschaftskommission, die Gastwirtsgehülfen in ihrem schweren krassem Gegensatz ständen. nukung für jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von Organisationskampfe, dadurch zu unterstützen, daß die DeleIm zweiten Teile seines Vortrages beschäftigte sich der Re- 5-10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9-1 und 3-6 Uhr. gierten in ihren Gewerkschaften dahin wirken, die Vergnügungs- ferent mit dem Vereinchen der Färber und chemischen Wäscher, In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art komitees, die Vorstände der Organisationen sowie die Ver- die Schweiz erstreckt und es in den Jahren seines Bestehens schon Tuberkulose. 9 Uhr, im Muſikerhaus, Kaiser Wilhelmstr. 18m. Siz Halle a. Saale, welcher sich über Deutschland, Oesterreich und und Richtung aus. trauenspersonen anzuweisen, bei Abmachungen von VerVerein ehemaliger Gütergoter und Bucher zur Bekämpfung der gnügungen und Versammlungen die Gastwirte schriftlich auf 500 Mitglieder gebracht haben will. Aus den Ausführungen Ortsverein Charlottenburger Buchdrucker. Sonntag, den au berpflichten, organisierte Gastwirtsgehülfen zu be- der Vorstandsmitglieder dieses Vereins, welche dieselben in einer 9. September, vormittags 10%, Uhr, im Voltshause, Rosinenstr. 3: Vortrag. schäftigen, die dem Verband deutscher Gastwirtsgehülfen" am 12. August d. J. in Berlin abgehaltenen Bersammlung machten, Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 9. September, vormittags ( Ortsverwaltung Berlin, Dircksenstraße 39, I Amt III 1813) geht hervor, wes Geistes Kind dieser Verein ist. Wer etwa glaubt, 8 Uhr im Rathause( Eingang Jüdenstraße), Saal 109: Versammlung. zu entnehmen sind. Es ist Ehrenpflicht der berufenen Vertreter ohne Streiks, und mit diesen will die Vereinsleitung auf feinen Freireligiöse Borlesung. Vormittags 10 Uhr in der Schulaula, Kleine der Organisationen, sich bei Beginn der Vergnügungen und Fall zu tun haben, etwas zu erreichen, der irrt wohl ganz ge- wir achten und pflegen müssen". Herren und Damen als Gäste sehr willFrankfurterstr. 6: Vortrag von Herrn Prof Dr. A. Gehrke über:„ Was Versammlungen davon zu überzeugen, ob der Gastwirt den ge- unter dem Protektorate der Arbeitgeber stehe. Als Beweis dafür Beschließende Versammlung( nur für vollberechtigte Mitglieder mit weißer waltig. Aus dem ganzen Statut gehe hervor, daß dieser Verein tommen. Montag, den 10. d. M., abends 8, Uhr, Sebastianstr. 39: troffenen Vereinbarungen nachgekommen ist." Genosse 3eiste begründete den Antrag mit den bekannten habe und verlas in seinem Schlußwort eine Stelle aus der führte Kogte an, daß eine Firma dem Verein 100 M. überwiesen Quittung). Schwierigkeiten, die der Organisation und Agitation der Gastwirts- Beitung des betreffenden Vereins, in der ein Chef wörtlich sagt: gehülfen erwachsen und die in neuerer Zeit noch dadurch ver-" Ja, wenn Sie nach Ihrem Statut handeln, so fann man seinem mehrt worden sind, daß sich unter Führung von Wirten Personal nur zureden, Ihrem Verbande beizutreten." Kommentar ein„ Gastronomischer Verband" gebildet habe, der die Einrichtungen überflüssig. Ferner führte der Referent noch an, daß der Verein Umgegend. Abt. VIII. Heute Sonnabend, den 8. d. M., abends 8 Uhr, des Gastwirtsgehülfenverbandes( Legitimationskarte usw.) zu von Beigetretenen den Beitrag für drei Monate mit 3 M. im bei Friedrich Wils, Kristianiaſtraße, Ecke der Schulſtraße: Bersammlung. Täuschungszwecken nachahme. Verschiedene Gewerkschaften feien voraus per Nachnahme erhoben habe.( Hoffentlich sind darauf Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter und Arbeite Die Abteilung Lichtenberg- Rummelsburg des Vereins der bei Besorgung von Sälen dadurch schon hineingelegt worden. Die nicht zu viele reingefallen, sondern haben kurz und bündig die rinnen Berlins und Umgen d hält heute Sonnabend, abends 8 Uhr, Herren Wirte veranlaßten zum Teil auch ihre Kellner, sich Wahl- Zahlung verweigert.) Die ganze Richtung des Vereins, ferner im Lokale des Herrn Sebepfandt, Rummelsburg, Goethestr. 9, eine Ververeinsbücher zu besorgen und sich damit als organisiert auf- daß Meister im Verein seien und sogar mit im Berliner Sektions- fammlung ab. Die Partei: und Gewerkschaftsgenossen werden gebeten, zuspielen. So sähen sich die zielbewußten Gastwirtsgehülfen ge- vorstand sizen, müßte den Kollegen zeigen, daß bei diesen Leuten ihre Söhne und Töchter auf diese Versammlung aufmerksam machen zu zwungen, den über die bisherigen Beschlüsse etwas hinausgehenden fein Plaß für sie sei und eine Besserung ihrer wirtschaftlichen wollen. Antrag zu stellen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Es folgten einige Mitteilungen. Im Oktober finden die Geterbegerichtswahlen zum Ersatz des ausscheidenden einen Drittels der Beisitzer statt. Die Gewerkschaften sollen ihre Kandidaten möglichst binnen 14 Tagen dem Ausschuß mitteilen, damit rechtzeitig festgestellt werden kann, ob sie die Bedingungen erfüllen. In einer Sizung am 14. September wird die Gewerkschaftsfommission zur Frage der Zentralisation der Krankenkassen Stellung nehmen. Die Färber und Färbereiarbeiter Berlins hielten am Sonnabend, den 1. September, bei Mertowski in der Andreasstraße eine öffentliche Versammlung ab, in welcher der Gauleiter Franz Kotke über„ Die wirtschaftliche Lage der Färber und Färbereiarbeiter Berlins und Umgegend" sprach. In seinem einstündigen Vortrage erledigte sich der Referent seiner Aufgabe in glänzender Weise und beleuchtete die elende Lage der Färber. Er führte den Zuhörern die jammervollen Löhne, welche in der Branche gezahlt werden, vor Augen, und aus den wiederholten zustimmenden Zurufen aus der Mitte der Versammlung konnte man entnehmen, wie treffend seine Ausführungen waren. Stundenlöhne von 22 Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, 8. September. Anfang 7 Uhr. Opernhaus. Samson und Dalila. Schauspielhaus. Goldfische. Nenes Operntheater. Geschlossen. Neues Theater. Heute abend 8 Uhr: Sganarell. Der bürgerliche Edelmann. Sonntag u.Montag: Frost im Frühling. Dienstag zum erstenmal: Eine Der Stammgast. Anfang 8 Uhr. Kleines Theater. Zum 72. Male: Deutsches. Ein Sommernachts- Ein idealer Gatte. traum. Westen. Der Opernball. Anfang 8 Uhr. Leffing. Rosmersholm. Lorking. Der Freischük. Berliner. Sherlock Holmes. Schiller 0. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Ein idealer Gatte. Montag: Ein idealer Gatte. ainer- beater: Komische Oper. Hasemanns Töchter. Schiller N.( Friedrich Wilhelm. städtisches- Theater). Weh' dem, der lügt! Neues. Sganarell. Der bürgerliche Edelmann. Komische Oper. Hoffmanns Er zählungen. Residenz. Die Höhle des Löwen. Trianon. Die Notbrüde. Lustspielhaus. Spaßenliebe. Zeutral. Der Zigeunerbaron. Kleines. Ein idealer Gatte. Garl Weiß. Adele. Deutsch Amerikanisches. wilden Westen. Walhalla. Spezialitäten. Metropol. Auf ins Metropol. Apollo. Berlin im Omnibus. Das Heute abend& Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag nachmittag und abends: Hoffmanns Erzählungen. Montag zu volkstümlich. Preisen: Hoffmanns Erzählungen. • Lortzing- Theater Bellealliancestr. 7/8. 3m Sonnabend, 8. September, 8 Uhr: Der Freischütz. blaue Bild. Spezialitäten. Thalia. Wenn die Bombe platzt. Luisen. Rosenmüller und Finke. Kafino. Alerander der Große. Folies Caprice. Der GeneralKonsul. Sünden der Väter. Wintergarten. Spezialitäten. Vajjage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubeustraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesubs. Sternwarte, Juvalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Heute und folgende Tage: Sherlock Holmes. Anfang 8 Uhr. Zentral- Theater. ( Operette). 8 Uhr: Zigeunerbaron. Sonntag 3 Uhr: Zigeunerbaron. Abends 8 Uhr: Fledermaus. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Abends 8 Uhr: Rosenmüller und Finke. Sonntag nachm.: Hochzeit v. Valeni. Abends: Eine Nacht in Berlin. Montag: Rosenmüller und Finte. Residenz- Theater. Direktion Richard Alexander. Heute und folgende Tage Anf. 8 Uhr Die Höhle des Löwen. Schwant in 3 Aften v. M. Hennequin und P. Bilhaud. Gaston Chalindrey: Rich. Megander.. Abonnements gültig. Morgen Sonntag nachm. 3 Uhr: Zar und Zimmermann. Abends 7, Uhr: Der Troubadour. Lustspielhaus. bends Spatzenliebe. 8 Uhr: Morgen nachm. 3 Uhr: Der Familientag. Deutsch- Amerikanisches THEATER, Köpenickerstr. 67-68. Jeden Abend 8 Uhr: Gastspiel Adolf Philipps: Lage nur möglich ist, wenn sie sich dem Deutschen Textilarbeiterverbande anschließen. Heute Sonnabend, pünktlich 9% Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Sozialdemokratischer Diskutierklub Freie Zusammenrunt. Bimmer 16: Sibung. Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins und Vermischtes. Wieder ein Eisenbahnunfall. Der Pariser Schnellzug stieß im Sinne des Referenten. Großmann erging sich in längeren In der Diskussion sprachen Stahl, Blume und Pinkert Ausführungen. Die Frage: Was hat der Textilarbeiter- Verband gestern nachmittag bei der Einfahrt in den Hafenbahnhof Dieppe für die Färber getan?" beantwortete er dahin, daß derselbe bis so heftig auf einen Prellbock, daß zahlreiche Reisende, die im Ausjest sehr wenig für dieselben unternommen habe. Er machte dann steigen begriffen waren, auf den Bahnsteig stürzten. Gegen unter anderem aus: In der Färber- Zeitung", dem Organ des Vorschläge zu einer weiteren Agitation. Prillwitz führte 20 Personen haben Verletzungen davongetragen. Waldbrände. Beim italienischen Städtchen Tremosine wütet obengenannten Vereins, sei ein„ Gingesandt" veröffentlicht, in dem ein großer Waldbrand. Das Feuer hat auch das Dörfchen San behauptet wird, die zur Versammlung am 12. August erschienenen Michele ergriffen, das wahrscheinlich verloren ist. Militär versucht Sozis vom Deutschen Textilarbeiterverband hätten nach gründlicher vergeblich, dem Brande Einhalt zu tun. Paris, 7. September. Abfertigung unter dem Gelächter der Versammlungsteilnehmer In Grenoble dauern die Waldbrände fort. In der Nähe der Stadt den Saal verlassen. Demgegenüber erkläre er: Es ist eine be- steht ein Waldbestand in der Ausdehnung von mehreren Kilometern wußte unwahrheit, wenn von dem Einsender so etwas behauptet in Flammen. Mehrere Truppenabteilungen sind zur Löschung des wird. Nach Schluß jener Versammlung fand noch eine Sihung Feuers abkommandiert. statt und vor Eröffnung derselben forderte der Vorsitzende diejenigen, die nicht Mitglieder seien und speziell die Herren vom Tertilarbeiterverbande auf, den Saal zu verlassen, da ihre Anwesenheit nicht erwünscht sei. Das sei der Sachverhalt. Ferner beteiligten sich an der Diskussion noch Rössel und Fräulein Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Sonnabend, abends 8 Uhr: Sonnabend, abends 8Uhr: Hasemanns Töchter. Volksstück in 4 Aften v. A. L'Arronge. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Maria Stuart. Sonntag, abends 8 11 br: Frau Inger von Oestrot. Montag, abends 8 Ubr: Frau Inger von Oestrot. C 1389L* Weh' dem der lügt. Lustspiel in 5 Aufz. v. F. Grillparzer. Sonntag, nach m. 3 Uhr, Jugend. Sonntag, abends 8 1hr: Hasemanns Töchter. Montag, abends 8 Uhr: Hasemanns Töchter. r Friedrichstraße 165. astans Panopticum Schreckenskammer- Hennig Berliner Allerlei. Volkstümliche Vorträge aller Art. Apollo- Theater 10 Uhr! 10 Uhr! Größter Lacherfolg! Berlin im Omnibus. Im zweiten Bilde: Der Omnibus- Trick. Vorher 8 Uhr: Die erstklassigen neuen Attraktionen. Carl Weiß- Theater. ( Gr. Frankfurterstr. 132. Vorletzte Woche! Täglich 8 Uhr: Adele. Sonntag, 9. Sept., nachm. 3 Uhr: Adele. Kleine Preife. Im Garten täglich: Spezialitäten Vorstellung. Anjang 52 Uhr. W. Noacks Theater. Direttion: Rob. Dill. Brinenstr. 16. Großer Lacherfolg! Jm wilden Westen. Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Der Vetter in tausend Aengsten, Preise: ,, Uebern großen Teich." Metropol- Theater Henry Bender. Josef Giampietro. Fritz Massary. Auf- in's Metropol! Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Reichshallen. Täglich: Stettiner tausend Aengsten, Lebensbild in 4 Atten v. Rod. Benedir. Borher: Der Weg durch's Fenster. Anf. 6 Uhr. Kaffeeküche 3 Uhr. Ball. Bei schlecht. Wett.: Borstell. im Saale. 765 Große Erfolg des Eröffnungs- Programms. Robert Steidl, Humorist. Das Erntefest, engl. Ballettszene. Bonhair Gregory, Akrobat.- Truppe. Mia Werber, Sängerin. Ida Fuller, Fantasie- Tänzerin. Chung Ling Soo, chin. Zauberkünstl. De Witt Burns und Torrance, amerikanische Exzentriks. Die Pissiutti, Reitakt. Ferry Corwey, musikal. Clown. Price u. Toledo, Kontorsionisten. Der Biograph. Schweizer Garten Am Königstor- Am Friedrichshain. 48. Sommer- Saison. Jeden Sonntag: Die liebe Polizei. Franzensbad, 7. September. Der Polizeikommissar Ulrich aus Selb in Bayern hat sich angeblich wegen Unterschlagung von Amtsgeldern erschossen. Urania. Folies Caprice Linienstr. 132, Ecke d. Friedrichstraße. Zum 8. Male: Wissenschaftliches Theater. Der Generalkonsul und Heute im Theater 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. CARTEN Täglich ab nachmittags 5 Uhr: Großes Militär- Doppel- Konzert Eintritt 1 M., v. 6 Uhr ab 50 Pf. Stinder unter 10 Jahren die Hälfte. Passage- Theater. Gastspiel Josefine Dora in der Komödie ,, Riecke" mit dem Schlager Emil du bist eene Pflanze". Außerdem 14 erstklassige Spezialitäten! Kasino- Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr Alexander der Große Von Emil Thomas und Adolf Selig. Vorher das Eröffnungsprogramm. Sonntag nachm. 4 Uhr: Madame Bonivard. Extravorstellung Fröbels Allerlei- Theater neuer Spezialitäten. Bernhard Rose- Theater Ball u. Volksbeluftigungen. Gesundbrunnen, Badstraße 58. Heute Sonnabend, 8. September cr.: Geschlossen. Anfang 42 Uhr. Entree 30 Pf. An Wochentagen ist Saal u. Garten an Bereine zu vergeben. Gine Gefallene Walhalla oder: Ein Kind der Liebe. Volksstück mit Gesang in 3 Atten von Schwarz Reiflingen. Außerdem das großartige SeptemberSpezialitäten- Programm. 11. a. Paul Coradini. Sänger Rixdorfer Theater Anfang Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Bergstr. 147. Leitung: Julius Türk. Eröffnungs- Vorstellung Mittwoch, den 19. September er. Beginn der Volksvorstellungen Sonntag, den 7. Oftober. Varieté- Theater Weinbergsweg 19/20 am Rosenthaler Tor. Nur eine Stimme des Lobes herrscht über Chevalier Thorn. ,, Im Traumlande". Adele Moran Soubretten Diva vom t. t. Josef Schönhauser Allee 148. Täglich Vorstellung und Tanz. Neue Spielfolge. Figliola. X Jean Hofer. Clown Dolly mit seiner urtomischen Tierfamilie. Täglich: Großer Tanz. Anjang 4 Uhr. X Eintritt 30 Pi Gustav Behrens Theater, Berlin O., Frankfurter Allee 85. Die Sünden der Väter. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf b. Wertheim u. an der Theaterkasse 10-2 Uhr. Trianon- Theater. Die Rotbrücke. Palast Theater. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Täglich 8 Uhr: 15 erstklassige Nummern. u. a.: Paul Vendaro Hunde- und Affendresseur. Carmanelli Duo musikalischer Scherenschleifer. Der Sommerleutnant. Schwank vom M. Reichardt. Entree 50 Pf. Entree 50 Pf. Familienfarten in Barbier, Friseurs u. Zigarrengeschäften unentgeltlich. olosseum Colos Dresdenerstr. 97. 15 erstklassige 15 Täglich: Konzert- u. Volks. Spezialitäten Kabarett. ( Ohne Weinzwang.) Kottbuser Sanssouci.Straße 4a. Direktion Wilhelm Reimer. Heute: Letzte SonnabendBorstellung: Benefiz für Hoffmanns Nordd. Sänger und Tanzkränzchen. Neu! Der Nachtwächter. Tante Hopfenrats Erben. Sonntg., Montg. Donnerst. Soireeabende. Berliner Prater- Theater Kastanien- Allee 7/9. Täglich: Zwischen Himmel u. Erde Großes Ausstattungsstüd. The three Spoons, Jongleur- Pantomime. In der Küche. Spezialitäten. X Ball. Anf. 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Platz 50 Pf. Volksgarten- Theater. Badstr. 8( Behm- u. Bellermannstr.) Täglich: Combater heater of Kolossaler Erfolg Konzert, Theater u. Spezialitäten. städter in Wien. 8 Germanias Damen- Ges.- Ensemble in feinen schneidigen militärisch. Evolutionen. 13 erstklassige Spezialitäten. Anf. 8 Uhr. Rauchen überall geft. des sensationellen neuen September- Programms. 22 Nummern. Das neue Gebr. Marconi, Henry Sago, Monte Christo, der Reifenschlüpfer; Kascha Rusalka. ' s Lieserle. Anfang 7%, Uhr. Sonntags 542 Uhr. Liederspiel in 1 Aft von 3. Aneiff. Welt- Ausstellungs- Diez' Spezialitäten- Theater. Biograph-( St. Louis) Theater lebender Ob schön! Oh Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Landsberger Allee 76/79( Ringbahnstation). Ab 1. September täglich: Ob Regen! neues fenfationelles Programm. Kaffeeküche. Volksbelustigungen aller Art. Verbindung mit größter Films- Anfang 4 llbr.- Entree 30 Pf.- Vorzugskarten find gültig. Reederei Kahnt& Hertzer. Fabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. Den ganzen Tag Vorstellung. 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( Nachdruck verboten.) 51 112 319 788 816 1033 49 244 310 412 631 813 72 914 2040 118 288 359 425 563 972 3047 104 404 571 96 816-91 4042 118 265 496 559 92 745 927 5021 91 159 299 366[ 300] 577 690 771 904[ 300] 6099 254 66 86[ 300] 635 7215 80 408 40 552 611 72[ 1000] 903 33 8148 623 49 733 808 19 35 55 9048 215 386[ 500] 688 708 908 10032 110 291 408 530 83 710 809 11014 166 291 696 742 837 12198 223 68 459 758 824 996 13088 301 561 93 754 821 49 920 84 14100 232 34 366 410 540 15354 429 557 984 16049 149 204 68 308 73 498[ 300] 731 968 17074 88 96 195 268 327 414 39 637 815 500] 45 907[ 300] 8 18112 40 282[ 300] 448 73 507 39 954 19101 792 845 20071 380 737 802 21112 22 205 95 306 476 22264 378 404 567 776 23451[ 300] 799 24155 59 404 39 585 25149[ 400] 378 604 20 29 869 26032 239 50 77 701 64 27020 22 486 585 964 28191 222 503 95 630[ 300] 29019 65 86 185 390 760 30600 790 31013[ 300] 103 200 84 308 67 492[ 500] 561 741 800 10 67 930 65 32000 84 91[ 500] 97 104. 24 49 478 503 609 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Entnahme von 4 Mt. 50 6 Stück 26 Mr. Manchester- Hose Marke Gambrinus, Zwirnfette . 5 M. 50 1 M. 50 Gefüttert. Manchest.- Jadett 14,50, 8,75 Echtblaues Monteur- Jadett 1 M. 90 Echtblaue Monteur- Hoje Echtblaues Monteur- Zadett, prima Köper- Gewebe.. 2 M. 50 Echtblaue Monteur- Hose, . prima Köper- Gewebe 2 M. 10 Weiße Friseur Jadetts 3,50, 2 M. 75 Konditor- Jacken, 2reihig 4 M. 50 Maler- Kittel 3,-, 2,50, 2 M. 25 Mechaniker- Kittel( braun) 3,-, 2 M. 40 Weiße Leder- Jacketts, 2reihig 7,50, 3 M. 75 4,50, 2 M. 90 Weiße Lederhosen Reffelreiniger Anzüge, blau, nach Vorschrift. 5 M. 50 Die Preise gelten für normale Größen. Baer Sohn En gros. Export. En detail. Chauffeestr.24a/ 25.Brückenstr.11. Gr. Frankfurterstr. 20. Das 29. Haupt- Breisbuch 1906 wird fostenlos und portofrei zugesandt. Bei Bestellung von Hosen ist die Bundweite und die Schrittlänge, bei Jacketts und Kitteln die Brustweite anzugeben. 17222* Versand von 20 M. an franto. Nachdruck verboten! 8berts Fest- Säle 72 Kommandantenstr. 72 Große u. fleine Säle für Vereine zu Festlichkeiten und Versammlungen usw. Sonnabende und Sonntage im Oktober u. November noch zu vergeben. Sonntags: Sozialdemokrat. Wahlverein f.d.4. Berl. Reichstagswahlkreis ( Köpenicker Viertel). Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Maurer Wilhelm Liersch wohnhaft Skaliberstraße 102 ( Stadtbezirk 95) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 9. September, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 262/6 Der Vorstand. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Unseren sowie den Mitgliedern des Gesangvereins der Puter zur Nachricht, daß unser altes Ehrenmitglied Wilhelm Liersch am 6. September im Alter von 65 Jahren plöglich verstorben ist. Ehre setnem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 9. d. Mis., nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus Friedhofes, Hermannstraße in Rigdorf, aus statt. Am 6. September verstarb unser Mitglied Hugo Kröbel im Alter von 28 Jahren am Herzfchlag. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 9. d. Mis., nachmittags 32 Uhr, von der Leichenhalle des Rirdorfer Kirchhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. 134/14 Um rege Beteiligung ersucht Die örtliche Verwaltung. J. A.: H. Neumann. Für die zahlreichen Beweise inniger Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berliner Wahlkreises. Nachrnf. Sim 4. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Restaurateur Wilhelm Schäfer Alt- Moabit 53. Chre seinem Andenken! Derselbe wurde gestern, Freitag, auf dem Heilands Kirchhof be stattet. 249/13 Der Vorstand. Dienstag früh 63, Uhr verschied nach kurzem Leiden im 41. Lebensjahre mein lieber Mann und guter Bater, der Restaurateur August Neumann. Die Beerdigung findet Sonntagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle der Bartholomäusgemeinde in Weißensee aus statt. Dies zeigen tiefbetrübt an Frau Neumann geb. Kerweit 10945 und Sohn. Gesangverein„ Männerklang". Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser pflichttreues Mitglied und langjähriger Staffierer, der Restaurateur August Neumann nach furzem schwerem Leiden im 41. Lebensjahre am Mittwoch, den 5. September, verstorben ist. Der Verstorbene war uns bis zu seinem Ende das Vorbild eines pflichttreuen unermüdlichen Mit gliedes und werden wir sein Andenken stets in Ehren halten. Die Beerdigung findet Sonntag, den 9. September, nachmittags 3 Uhr, in Weißensee auf dem Bartholomäus: Kirchhof statt. 10936 Der Vorstand. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für 137/ 13* Haut- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. 21292* Teilnahme beim Hinscheiden unseres Dr. Schünemann Gr. Ball.. Javatabakep. Pfd. b. M. 1,- bis 3,-. Berlin N., Brunnenstr. 190.[ 297/12 lieben Bruders und Onkels, des Meisters 10926 Wilhelm Köpke jagen wir hiermit allen unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. 1. Ziehung 3. Kl. 215. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 7. September 1906, nachmittags. Nur die Gewinne über 144 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 228 63 484 587 701 41 57 803 42 79 979 1075 158[ 300] 203 433 595 637 746 982 2089 145 55 83 85 89 263 301 55 465 516[ 300] 815 3254 710 4411 542 56 767 933 80 5118 83[ 300] 228 65 344 75 447 725 806 30 991 6230 300 628 89 753 83 7092 111[ 400] 54 81 427 51 830 88 90 966 8043 176 349[ 300] 666 67 70 814 969 94 9133 422 551 756 869 943 94 10347 56 83 445 612 38 11061 160[ 300] 289 997 12298 508 825 13231 396 624[ 400] 846 914 88 14069 191 223 25 439 569 92 923 15021 134 497 584 644[ 300] 878 16094 231 74 385 431 545 756 869 17237 613 744 921[ 500] 18069 83 318 930 19058 273 82 476 538 744 978 20085 378 463 69[ 300] 579 94 622 860 21157 593 651 904 22174[ 300] 280 91 474 647 76 714 23060 126 54 [ 300] 73 236 349 98 422 74 698 746 806 24039 198 477 523 728 36 73 87 25299 548 673 958 26027 194 215 544 840 57 76 972 27003 320 557 623 57 703 28558 892 29042 99 143 249 89 333 437 707 822 30089 93 281 405[ 400] 68 741[ 300] 877 31082 165[ 400] 321 76 496 545 89 677[ 400] 832 43 976 32285 654 702 56 811 95 33014 178 228 458 92 657 757 34023 151 218 602 55 754 923 24 35089 443 598 729 32 47[ 400] 48 69 872 36190 250 89 513 27 615 898 943 37094 286 480 603 36 813 38198 219 51 85 413 39187 289 478 599 629 821 946 40144 351 436 550 41204[ 300] 10 616 792 95 950 42158 250 503 907 50 66 43108 44 275 504 81 631 720 28 [ 300] 46 945 44203 5[ 300] 314 63 443 512 747 54 68 906 45160[ 300] 555 70 682 861 46064 73 238 347 575 666 707 47334 73 410 73 617 743 932 48148 57 98[ 300] 366 86 502 9 690 705 36 802 34 950 49386 486 526 718 937 50236 368 523 58 612 97 770 899 930 51070 130 249 54 70 374 400 533 52135 291 611 841 53043 120 72 219 325 413 603 47 54123 87 203 76 422 45 624 33 67 729 924[ 300] 55199 286 449[ 300] 69 624 823 80 951 56035 41 56 218 787 891 928 76 93 57326 432 969 58075 78 188 300 472 565 004 43 811 59098 268 499 645 990 60126 285 369 466 511[ 300] 61017[ 300] 59 119 555 976 91 62089 110 49 230 796 935[ 300] 63205 573 605 65 77 762 64167 578 65106 47 231 448 71[ 300] 510 835 918 [ 300] 66166 218 521 74 932 67002 123 458 705 880 68005 106 70 281 830 69229 41 83 429[ 300] 551 70299 437 68 520 622 71028 29 234 604 84 930 72003 47 104 362 522 860 73176 280 481 650 985 74162 63 221 445 939[ 300] 75010 421 554 783 987 76002[ 500] 30 136 239 423 584 677 792 868 998 77099 139 69 90[ 400] 92 503 66 640 50 740 24 78071 478 767 803 45 961 79070 78 192 413 69 558 74 685 96 792 968 80013 19 40 57 102 340 559 824 959 81388 673 98 82048 178 218 490 537 739[ 400] 83189 271 443 825 69 90 84054 195 273 308 19 531[ 400] 631 44 829 85 85200 91 305 684 709 88 940 86171 558 680 715 823 29 75 995 87004 69 190 370 852 79 904 88154 347 69 775 817 91 913 77 89430 677 856 90193 264 65 77 374 97 91007 170 422 73 577 937 92212 788 812 93223 324 86 492 99 583 909 94150 450 535 41 836 75 906 95155 244 88 447 48 517 669 705 922 99 96086 143 565 818 50 83 946 97004 193 522 777 88 827 966 98000[ 300] 272 398 509 73 754 912 99011 155 210 313 438 615 100001 96 222 85 493 515 86 90 748 84 826 996 101058 301 425 516 716 861 913 102308 21 459 88 502 93 648 782 801 90 103006 240 909 99 104207 364 551 602 41 63 69 105077 149 22 307 434 68 594 106047 158 200[ 400] 49 337 479 581 678 741 66 901 107256 458 90 555 67 697 741 801 38 59 108037 314 408[ 300] 657 713 863[ 300] 955[ 300] 109009 107 93 238 83 372 512 601 7 791 110477 909 111449 511 693[ 300] 927 112068 150 272 362 443 584 92 751 912 113116 270 543 44 114056 157 214 21 318 26 29 446 597 675 999 115562 633 712 82 [ 300] 116530 53 857 97 978[ 300] 117130 99 238 341 457 118146 48 93 475 843 934 119063 249 533 631 715[ 1000] 120362 651 71 766 94 121299 413 529 612 122023 110 95 249 491 513 63 986 123041[ 300] 379 750 855 61 972 124007 690 941 125490 577 652 126061 316 565 696 811 63 953 127145 79 802 128035 92 149 339 49 L300| 425 33 536 633 851 129212 351 485 1300] 504 31 621 850 71 93 924 130051 175 413 82 907 131130 41[ 3000] 343 95 412 616 794 132042 444 672 85 708 993 133165 566 606 769 810[ 400] 961 134094 115 370[ 300] 457 606 758 135012 81 105 265 514 618 774 824 901 52 76 136003 21 38 102 88 246 59 308 539 810 964 85 137188 512 18 902 54 138027 98 197 446 695 730 98 973 90 139040 147 203 572 809 16 30 140035[ 300] 312 406 536 45 613 923 141355 533 49 719 48 95 831 937 142223 59 89 685 860 62 981 143298 844 466 582 603 144018 89[ 400] 275 318 633 145083 339 21032* Spezial- Arzt für Hant- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. 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Bor Arbeitsannahme in den Vers bandsbetrieben, auch durch den paritätischen Facharbeitsnachweis ist Information auf dem Bureau, Engelufer 15 II, 8immer 21, einzuholen. 24/12 Die Ortsverwaltung. Achtung, Töpfer! Der Bau Auguste Viktoria Allee, Ede Schillingstraße in ReinickendorfWest des Maurermeisters Huth, ausführender Töpfermeister Karl Redlich, ist wegen Lohnausfall gesperrt.[ 201/14 Die Verbandsleitung. Achtung! Achtung! Schildermaler! Gesperrt sind folgende Firmen: Otto Grund u. Co., Wassergaffe 3 Paul Voigt, Neue Königstr. 42. V. Schmiedel, Roßstr. 28. zum möglichst baldigen Antritt. Kaufmann, Neue Friedrichstr. 4. gesucht. Reflektiert wird in 23. Rönning, Straußbergerstr. 12. erster Linie auf älteren, er- 23. Bartel, Moltenmarkt 1. H. Teichert, Rungestr. 21. fahrenen Genossen, der auch J. Hauser, Alexandrinenstr. 45. den politischen Teil zu be-. Rogosch, Fischerbrüde 17. arbeiten vermag. Die An-. Sent, Brunnenstr. 39. P. Sonntag u. 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Daß lein Parteigenosse dahin geht, ist selbstverständlich. Neuenhagen an der Ostbahn. Am Sonntag, den 9. September, nachmittags 3'/« Uhr. findet im Saale des GasttoirtS Alfred Schulz in Radebrück eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag:„Wofür kämpfen wir'? Referent: Genosse M i e t h k e- Berlin. 2. Diskussion. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Schönwalde in der Mark(Bezirk Pankow). Am morgigen Sonntag nachmittags 4V2 Uhr findet im Restaurant von Schulz, Schönwalde, die Verlammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Wermuth-Berlin über: Kapital und Arbeit. 2. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Regen Besuch erwartet Der Vorstand. BerUmr JVadmcbten. „Anatomieleichen". In den alljährlichen Verwaltungsberichten des städtischen Kuratoriums für das Bestattungswesen wird regelmäßig auch mitgeteilt, wieviel Arbeit der Leichenverbrennungsofen zu leisten gehabt hat, der bei der Leichensammelstelle in der Diestelmeyerstraße besteht. Verbrannt werden dort nicht gan�e Leichen, sondern nur Reste, die von den in der Ana- tomie zerschnittenen Leichen übrig blieben, und Körperteile, die Kranken amputiert wurden. Auch zerschnittene Leichen, deren Individualität noch erkennbar ist, werden nicht ver- brannt, sie werden vielmehr gleich anderen Leichen in der Erde bestattet. Die zur Verbrennung bestimmten Körper- teile und Leichenrcste werden teils in fristen, teils in Särgen in den Verbrennungsofen eingeführt. Der neueste Bericht des 5wratoriums erzählt uns, daß im Etatsjahr 1905 dort 381 Kisten von je 2 Zentner Gewicht und außerdem 30 Särge eingeäschert worden sind. Von wie vielen Verstorbenen die Leichenreste herrührten, wird in dem Bericht nicht gesagt. Die Annahme, daß nur in den 30 Särgen sich Reste zer- schnittener Leichen befunden hätten, die 381 Kisten aber nur mit amputierten Körperteilen gefüllt gewesen seien, wäre lwie aus dem Bericht ersichtlich ist) falsch. Es werden ja auch nicht in den Berliner Krankenhäusern soviel Glieder ampu- ticrt, daß man in einem Jahre hieraus 762 Zentner zu- sammenbekäme. Die Frage, wie viele Leichen alljährlich in der Anatomie so gründlich zerstückelt werden, daß ihre Individualität völlig verloren geht, ist nicht ganz nebensächlich. Doch wichtiger noch ist freilich die andere Frage, wo die Anatomie all' die Leichen herkriegt, die dort zerstückelt werden.� Wir hätten nichts dagegen einzuwenden, daß sämt- liche Leichen, von derjenigen eines heimatlos auf der Land- straße umgekonunenen Bettlers bis hinauf zu den erlauchten Leichen der in seidenen Kissen verstorbenen Throninhaber, zu Studienzwecken hergegeben werden müßten. Aber solange eS so etwas nicht gibt, wird man sich nicht wundern dürfen, daß niemand gern die Leichen seiner An- gehörigen in der Anatomie zerfetzen un'd die einzelnen Teile wer weiß wohin ver- schleppen lassen mag. Wir haben einmal nach- gewiesen, daß die Anatomie mitunter auch eine Leiche kriegen kann, die eigentlich nicht dazu bestimmt war, zerstückelt zu werden. Wenn Dir ein Angehöriger in einem Krankenhause unerwartet stirbt und ein Krankenhausschreiber bei der Ab- sendung der Todesnachricht zufällig seine Gedanken nicht zu- sammennimmt, so daß die Nachricht als unbestellbar zurück- geht, so kann Dir's passieren, daß Du bei Deinem nächsten Besuch erfährst, der Kranke sei inzwischen gestorben, die Leiche sei an die Anatomie abgeliefert worden, man habe sie dort zerstückelt, ihre Reste seien zusammen mit den Resten anderer Leichen verbrannt worden, die Asche habe man auf dem Friedhof zu Friedrichsfelde vergraben, eine besondere Grabstelle tonne man Dir dort nicht zeigen. Diese Schilde- rung klingt wie ein Phantasicstück, fast wie ein Stück aus dem Tollhaus, aber sie ist leider nüchterne Wirklichkeit. Wohl infolge der Mitteilungen, die hierüber im„Vor wärts" veröffentlicht worden sind, wird in dem neuesten Be- richt des Bestattungskuratoriums den Angaben über ein zwischen der Anatomie und der Stadtgemeinde bezüglich der Bestattung von Anatomieleichen getroffenes Abkommen der Satz angefügt:„Die Verantwortung und Eni- s ch e i d u n g darüber, ob Jndividualleichen oder nicht mehr individualisierbare Leichenteile zu bestatten sind und hiernach die Erd- oder die Feuerbestattung vorzunehmen ist, hat die königliche Anatomieverwaltung auf Grund ihrer sachver ständigen Kenntnis und Erfahrung sowohl der Staatsauf- sichtsbehörde als auch der Stadtgemeinde Berlin und dem Publikum gegenüber übernommen." Nun. das versteht sich ja von selber, und das Kuratorium hätte wirklich nicht erst nötig gehabt, in dem Beriefst hierauf hinzuweisen. Das Be- stattungskuratorium sollte lieber mal mitteilen, unter welchen Umständen eine Leicbe überhaupt an die Anatomie abaeliefert werden darf b e z w. muß, und wer hierüber zu entscheiden bat und hier- für die Verantwortung übernimmt. Oder vielleicht könnte über diesen Punkt sich besser die Krankenhausdevutation äußern. Möge sie einmal in ihrem Verwaftungsbericht die bierfür geltenden Bestimmungen veröffentlichen, damit die Bevölkerung genau erfährt, was man für seine in Kronken- Häusern verstorbenen Angehörigen eventuell zu gewärtigen hat._ Der Winterfahrplan Groß. Berlins liegt jetzt in feiner end- gültigen Gestalt vor. Ueber die in Aussicht stehenden Zug- Vermehrungen wird unS in Ergänzung unserer frühereu Mitteilungen nock folgendes berichtet: Auf der Stadtbahn werden vom 1. Oktober dieses Jahres ab drei neue Züge Verkehren, und zwar: Warschauer- straße ab 12.49 nacht«(nach Lichtenberg-FriedrichSfelde). Lichtenberg- ZfriedrichSselde ab 11.26 vorm. nud 3.36 nachm.(nach Charlottenburg). Auf dem Nordringe sind für den Werktags-, iuSbesondere den Arbeiter-Verkehr die folgenden a ch t neuen Züge vorgesehen: Ge< sundbrunnen ab 8.19. S.28. 6.60 vorm. und 6.29 nachm.(nach Weißensee), Weißensee ab 5.61, 6.08, 6.21 vorm. und 7.08 abends (nach Gesundbrunnen). Auf dem Südringe wird ein neuer Nachtzug eingelegt, der von Herniannstraße 1.97 abfährt und 1.26 nachts auf dem Schlesischen Bahnhofe endet. Die Züge zwischen Grunewald(Stadtbahn) und Grünau werden um vier ver- mehrt: Charlottenburg ab 12.33 und 1.38 nachm.(nach Nieder- Schöneweide-Johanuisthal), Nieder-Schöneweide ab 1.53 und 2.58 nachm.(nach Warschauerstraße bezw. Chnrlottenburg). Aus den Strecken Berlin-Tegel und Berlin- Werneuchen werden, wie schon kurz gemeldet, ebenfalls mehrere neue Züge verkehren; sie gehen ab Stettiner Vorortbahnhof 1.69 nachts, Tegel an 1.32, ab Tegel 1,59, an Berlin 2,22 nachts; Schlesischer Bahnhof ab 19.69, Werneuchen an 11.45 vorm., Werneuchen ab 12.19, Schlesischer Bahnhof an 1.95 nachm. Der Zug 682(bisher 689) wird 1 Stunde 53 Minuten später gelegt: Werneuchen ab 6.45, Berlin an 7.49 vorm. Ter gestrigen Magistratssitzung lagen mehrere Eingaben wegen Aufhebung der Berliner Jahrmärkte bezw. Beibehaltung dieser vor. Tie«ine Eingabe war vom Bunde der Handel- und Gewerbe- treibenden an ben Polizeipräsidenten wegen gänzlicher Aufhebung der Märkte gerichtet und von diesem an den Magistrat weiter ge- geben worden. Die Händler u. a. hatten eine entgegengesetzte Ein- gäbe an den Magistrat gerichtet. Der Magistrat hat die Aufhebung der Märkte abgelehnt.— Die Taxen für den Abbruch der alten Waisenkirche an der Ecke der Neuen Friedrichstraße und Waisen- brücke sind vom Magistrat genehmigt und soll nunmehr mit dem Abbruch ber alten Kirche und dem Neubau des Verwaltungs- gebäudes für die städtischen Werke begonnen werden. Ferner wurden die Pläne für eine direkte Zufahrt zur Pumpstation in der Scharn- Horststraße durch das dortige Schulgrundstück genehmigt. Die Aus- führung wird von der Schulverwaltung selbst übernommen.— Am 17. d. M. findet die feierliche Einweihung des neuer- bauten Rudolf-Virchow-Krankenhauses statt, zu der vom Magistrat an die Stadtverordneten sowie Behörden Ein- ladungen ergehen werden. Bon der Universität sind den Studenten Martin V 0 e I k e l (Ürsol.), Ludwig L e w i s 0 h n(med.) und Arnold E u cken(pllil.) je ein städtischer Preis für die von ihnen gelieferten Preisaufgaben zuerkannt worden. Die Einweihung des Virchow-Krankenhauses. Das neue vierte Krankenhaus der Stadt Berlin, das Rudolf Virchow-Krankenhaus. ist jetzt seiner Vollendung so nahe gerückt, daß es am 1. Oktober in Benutzung genommen werden kann. Die Eröffnung selbst findet ohne jede Feierlichkeit dadurch statt, daß«ine größere Anzahj Betten belegt wird. Dagegen soll, wie gemeldet wird, beschlossen worden sein, das Rudolf Virchow-Krankenhaus durch eine größere Feier am Mittwoch, den 17. Oktober einzuweihen. Ein- ladungen, die vom Oberbürgermeister ausgehen, sollen nicht nur an Mitglieder der städtischen Behörden, sondern auch an die Spitzen der in Betracht kommenden Staatsbehörden ergehen, an das Kultus- Ministerium, die Universität und Vertreter der medizinischen Wisien- schaft. Die Festteilnehmer werden Gelegenheit haben, einen er- heblichen Teil der riesigen Krankenstadt bereits im Betriebe zu sehen und so einen vollen Eindruck von der Zweckmäßigkeit und künstlerischen Ausgestaltung der gesamten Anlage getvinnen können. Bürgerliche Zeitungsschreiber haben glücklich herausgeschnüffelt, daß auch in der Familie des zweiten KaisersohneS, des Prinzen Eitel, der Storch bald einkehren wird und beeilen sich nun, dieses bevorstehende Familienereignis in die Welt hinauszuposaunen. Sie wissen sogar, daß das Ereignis im Dezember eintritt. WaS das andere Leute angeht!_ Zur Birrfrage. Die Antwort der Ringbrauereien(Bayerisch-Bier) auf daS Ulti- matum der Gastwirteversammlung bei Keller ist jetzt erfolgt. Sie enthält eine glatte Ablehnung des Angebots neuer Verhandlungen. Das Schreiben des Vereins der Brauereien, das an den Haupt- vorstand des Verbandes der freien Gast- und Schankwirte gerichtet ist, hat folgenden Wortlaut: „Auf Ihr gefl. Schreiben vom 29. v. M., das erst am 1. d. M. in die Hände des unterzeichneten stellvertretenden Vorsitzenden ge- langte, teilen wir Ihnen ergebcnst mit, daß der Vorstand des Vereins der Brauereien in einer inzwischen zusammenberufencn Sitzung von der übermittelten Resolution Kenntnis genommen hat. Das Er- gcbnis unserer Beratung geht dahin, daß— so wenig wir auch die Schwierigkeiten verkennen, unter denen gegenwärtig Brauer und Gastwirte infolge der ungünstigen Gesetzgebung zu kämpfen haben. und so gern wir auch bereit wären, mit Ihnen über gemeinsame Maßnahmen zur Erleichterung dieser Schwierigkeiten zu beraten— wir uns doch einen Erfolg von diesen Verhandlungen nicht ver- sprechen können. Wie sich aus der Resolution ergibt, wünschen Sie durch diese Verhandlungen auf eine Abänderung der von den Brauereien getroffenen Vereinbarungen hinzuwirken. Die Brauereien aber, die sich, nachdem alle Bemühungen, die Erhöhung der Zölle und der Brausteuer zu verhindern, leider gescheitert sind, nur ungern der zwingenden Notwendigkeit folgend zu einer Erhöhung der Bierpreise entschlossen haben, sind auS rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen zu einer Abänderung ihrer Vereinbarungen nicht in der Lage. Die äußerste Grenze, zu der sie auf dem Wege der Konzessionen gehen könnten, haben wir mit ausführlicher Begründung bereits in dem Schreiben an das Aktionskomitee vom 14. Juli gekennzeichnet. Nachdem daS Aktionskomitee diese Vorschläge abgelehnl hat, mußten wir befürchten, durch Wiederauftmhme von Verhandlungen uns dem Vorwurs der Verschleppung, der— allerdings unbegründet— uns bei früheren Gelegenheiten seitens der Herren Gastwirte gemacht worden ist, wieder auszusetzen. Indem wir uns der Hoffnung hin- geben, daß die angenehmen Beziehungen der Gastwirte und Braue- reien die Schwierigkeiten der gegenwärtigen Situatton überdauern werden, zeichnen wir usw. Die Folgen dieser Ablehnung erneuter Verhandlungen werden für die Ringbrauercien recht fühlbare werden können. Eine städtische Bcamtenversammlung hat sich mit der Frage be- schästigt, in welcher Weise die Berliner Beamtenschaft ihren Emfluß geltend machen kann, um Berücksichtigung ihrer Wünsche durch Magistrat und Stadtverordnetenversammlung zu erreichen. Man ist da auf einen sonderbaren Weg verfallen. Man will Beamten- Vertreter ins Rathaus schicken und zur Unterstützung der Wahl solcher Beamtenvertreler die mittleren und unteren Staatsbeamten heran- ziehen. Im Nordosten. Südwesten. Osten und Nordwesten Berlins besäßen in einigen Bezirken die Beamten die gegebene Majorität, tanze Straßenzüge seien fast ausschließlich von Beamten bewohnt. )iese Massen werde man jetzt mobil machen, was bei der straffen Organisation der Beamten ein Leichtes sei. Die Borarbeiten seien schon im besten Gange. Es wurden sofort Vertreter für daS Wahl- koinitee gewählt. Die Versammlung beschloß einstimmig, sich an der Bewegung zu beteiligen und die Kosten im Umlageverfahren aufzubringen. Die städtischen Beamten scheinen unserer Ansicht nach einen sehr verkehrten Weg einzuschlagen. Bisher waren eS immer die Sozial- demokraten, die es sich angelegen sein ließen, neben der Wahr- nehmung der Interessen der städtischen Arbeiter auch die Wünsche der unteren und miitleren Beamten zu vertreten, obwohl die Be- amten bei der Wahl dem Freisinnigen ihre Stimme gaben und somit gegen ihr eigenes Interesse handelten. Daß sie auf dein jetzt be- absichtigten Wege wirksamer ihr Ziel erreichen, als durch die Wahl von Sozialdemokraten, bestreiten wir aufs bestimmteste. Tödlich verbrannt. Eine folgenschwere SpirituS-Explosion, die allgemein zur Warnung dienen sollte, ereignete sich in der Wieland- straße 7. DaS bei einem dorttgen Mieter angestellte Dienstmädchen Maria K. hatte in der Küche Wäsche gebügelt und dabei das stark angeheizte Plätteisen emer Spiriwsflajche zu nahe gebracht. Durch das Ausströmen der großen Hitze wurde die Flasche derartig er- wärint, daß ihr Inhalt plötzlich zur Explosion kam. Die Stich- flammen trafen die Kleidung des jungen Mädchens und im nächsten Augenblick stand die K. in hellen Flammen. Die Bedauernswerte erlitt am ganzen Körper so schwere Brandwunden, daß sie jetzt hoffnungslos daniederliegt. Durch einen brennenden Güterwagen wurde auf der Vorort- station Hangelsberg eine mehrstündige Verkehrsstörung hervor- gerufen. Der um 4 Uhr dort eintreffende Güterzug führte einen lichterloh brennenden, mit Prcßstroh beladenen Wagen mit sich. Der Waggon mußte ausgeschaltet werden und verbrannte voll- ständig. Die Ursache des Feuers konnte noch nicht ermittelt werden. Opfer des Verkehrs. Von einem Geschäftswagen überfahren und schwer verletzt wurde gestern nachmittag daS 4jährige Söhnchen des Musikers Lehmann aus der Münchenerstraße 48. An der Kreuzung der Isar- und Münchenerstraße wurde der Knabe von einem Fuhrwerk der Firma Karl Meißner umgerissen und das rechte Vorderrad ging ihm über den Kopf hinweg. Schwerverletzt wurde das verunglückte Kind nach der Unfallstation in der Stein- mctzstratze gebracht.— Zum Krüppel gefahren wurde der 42 Jahre alte Kutscher Hermann Kicnbaum aus der Uhlandstraße in Char- lottenburg. K. war in dem Augenblick, als er sein. Fuhrwerk besteigen wollte, an einen Straßenbahnwagen hcrangcraten, zu Boden gestürzt und zwar so unglücklich, daß ihm die Räder über die rechte Hand hinweggingen und diese vollständig zermalmten.— Von einem Pferde geschlagen wurde gestern abend der Kutscher Albert Krüger. Unter den Linden 72 wohnhaft. K. hatte einen Geschäftswagen der Firma Jordan gefahren, und als er in der Turmstratze am Geschirr etwas in Ordnung bringen wollte, schlug das Pferd plötzlich aus und traf K. mit solcher Gewalt, daß er einen komplizierten Unterschenkelbruch erlitt. Der Schwerverletzte fand im Krankcnhause Moabit Aufnahme. Lotterieschwindler überschwemmen wieder die Stadt, namentlich den Westen. Eine Firma Münschmejer u. Co. in Arnheim in Holland vertreibt durch einen jungen Mann Anteilscheine einer Spielgesell- schaft für preußische Klassenlose. Die Prospekte sind sehr verlockend und sichern den Unternehmern bei unkundigen Leuten einen guten Absatz. Kleine Gewinne werden auch ausgezahlt, weil das noch mehr wirkt. Die Auszahlung größerer Gewinne aber scheitert schon daran, daß die Gesellschaft selbst unter Umständen gar nicht im Besitze der Gewinnlose ist. Die Kriminalpolizei hat neuerlich fest- gestellt, daß eine Anzahl Nummern, die die Gesellschaft anzeigt, nicht von dieser, sondern von Privatleuten gespielt wird. ES kann daher vor den Losen der Firma Münschmejer u. Co. und ihren Vertretern nur gewarnt werden. Das gilt auch von den Leuten, die namentlich im Westen der Stadt die Hintertreppen aufsuchen, um an Dienstmädchen Türkenlos-Anteilscheine zu verkaufen. Diese Lose werden bis 1974 gezogen. Die Mädchen glauben nun, daß sie für 4 M., die man ihnen abnimmt, ein- für allemal Aussicht auf die versprochenen Gewinne haben, während sie im ganzen 59 mal 4 M. zu zahlen haben. Ob sie dann aber das Ende der Ziehungen erleben, ist eine andere Frage. Die Scheine werden angeblich für die Danmarkbank in Kopenhagen verkauft. Die Rückzahlung»- klausel, die sie enthalten, ist wertlos, der Tageskurs ist immer so niedrig, daß die Käufer zwei Drittel ihres Geldes verlieren. Ob die Verkäufer der Anteilscheine die Lose besitzen, ist auch sehr zweifelhaft, läßt sich aber nicht feststellen, weil es sich um. aus- ländische Lose handelt. Am hellen Tage„gefleddert". Ein dreistes Diebesstückchen ist einem Langfinger auf dem Reuterplatz in Rixdorf gelungen. Dort war der Arbeiter Wilhelm G., Reichenbergerstraße 85 wohnhaft, auf einer Bank eingeschlafen. Als er wieder erwachte, machte er. die überraschende Entdeckung, daß ihm während des Schlafes von einem Fledderer das Jakett ausgezogen und samt Portemonnaie und Brieftasche gestohlen worden war. G. hatte einen so tiefen Schlaf gehabt, daß er von seiner Beraubung nichts merkte. Aus der Selbstmordchronik. In der vergangenen Nacht hat sich ein unbekannter, etwa 25jähriger junger Mann auf einer Droschken- fahrt das Leben genommen. Der Selbstmörder bestieg am Pols- damer Platz einen Taxameter und forderte den Kutscher auf, nach der Pankstraße 3 zu fahren. Beim Einbiegen in die Badstraße hörte der Wagenlenker plötzlich einen Schuß hinter sich fallen; sein Fahrgast hatte sich aus einem sechsläufigen Revolver eine Kugel in die rechte Schläfe gejagt. Der Kutscher fuhr nach dem nächsten Polizeiburcau, und als er dort ankam, war der junge Mann tot. " n seiner Rocktasche fand man eine Sammlung von Photographien übscher junger Mädchen. An Barmitteln hatte der Lebensmüde, der elegant gekleidet war, noch 5 Pf. auszuwerfen. Eine Uhr besaß er nicht mehr.— Auf offener Straße erschossen hat sich gestern ein unbekannter Mann. Der Lebensmüde, der in den mittleren Jahren stand, hatte sich in der Blücherstraße an der Kirche„Zum heiligen Kreuz" auf einer Bank niedergelassen, zog plötzlich einen Revolver aus der Tasche und jagte sich eine Kugel in den Kopf. Noch bevor ein Arzt hinzugerufcn werden konnte, war der Unbekannte eine Leiche. Im Besitze deS Toten, der nach dem Schauhause gebracht wurde, fand man eine größere Geldsumme.— Wegen Geldverlusten erschossen hat sich gestern der 28jährige Handlungsgehülfe Emil G. aus der Goltzstraße 39. Der junge Mann hatte vor längerer Zeit ein Geschäft gegründet, Geldverluste gehabt und schließlich sein kleines Kapital in das Geschäft hineingesteckt. Anscheinend in bester Laune erschien er gestern in seinem Stammlokal in der Berliner- straße 161/62 in Wilmersdorf und begab sich, nachdem er ein GlaS Bier getrunken, nach der Toilette. Plötzlich fiel ein Schutz und als einige Gäste hinzueilten, fanden sie den Lebensmüden entseelt vor. G. hatte sich eine Kugel in die Schläfe gejagt und war sofort tot. In der Tasche des Selbstmörders fand man einen Abschiedsbrief, an die Braut.; Als Kautionsschwindler treibt schon längere Zeit ein Franz Hoppe, der in der Bergstr. 57 wohnte, sein Unwesen. Dieser Mann, erläßt in den Zeitungen Inserate, in denen er Kassierer oder Kassen- boten mit 599—899 M. Kaution oder mit Bareinlage sucht. Hflt er glücklich das Geld von den Bewerbern erhalten, so können sie sehen, wie sie eö wiederbekommen. Auf diese Weise hat dieser Mann schon zahlreiche Opfer gefunden. Schon Ende Mai haben eine ganze An- zahl Geschädigte Anzeige erstattet und Anfang Juni erfolgten noch weitere Meldungen von Betrogenen an die Polizei. Gehört hat man bis heute noch nichts, was aus der Sache geworden ist. Längere Zeit war der Herr Hoppe von der Bildfläche verschwunden, jetzt ist er wieder aufgetaucht und hat von neuem sein skandalöses Treiben aufgenommen. Im„Lokal-Anzeiger" sucht der saubere Patron wiederum gegen Kaution Kassierer mit 599— 899 M., natürlich unter entsprechender Chiffre. Geivöhnlich läßt er sich diese Offerten nach Postamt 54 oder 24 schicken. Es sei daher dringend vor dem Schwindler gewarnt. Vom Tuellunfug. Ein Pistolenduell ist gestern früh im Grüne- wald in der Nähe von Zehlendorf auSgefochten worden. Als Duellanten standen sich ein 48 Jahre alter Gutsbesitzer auS der nächsten Nähe Berlins und ein Berliner Dr. med. im Alter von 49 Jahren gegenüber. Beide Herren waren früher die besten Freunde, wegen geringer Meinungsverschiedenheiten gerieten sie in Konflikt. Zu dem Streite der Freunde, die beide unverheiratet sind, gab ein« Frau die Ursache. Die Spannung zwischen den beiden nahm vor einigen Tagen derart scharfe Formen an. daß der Mediziner seinen ehemaligen Freund kontrahierte. Der Guts- besitzer ist R e s e r v e 0 f f i z, e r; am selben Tage unterbreitete er Ehrenhandel und Forderung dem Ehrenrat. in der kurzen Frist von einem Tage machte sich dieser über den Fall schlüssig und stimmte dem Pistolenduell zu. Für den Zweikampf I wurden sehr scharfe Bedingungen sestgesetzt: KugelMchjel biß. zuz Abfuhr. Gestern morgen um �7 Uhr sollte das Duell statt- finden. Der Gutsbesitzer verspätete sich aber eine halbe Stunde; schon beim ersten Kugdwcchsel erhielt er von seinem Gegner, dem Mediziner, einen Schutz in die Lunge. Der anwesende Arzt konstatierte eine sehr schwere Verletzung; in äutzcrst bedenklichem Zustande wurde der verwundete Gutsbesitzer in eine Klinik geschafft, Ivo er hoffnungslos daniederliegt. Auf dem Schauplatz des Duells erschienen bald darauf Gendarmen; aber der Duellant und die Sekundanten waren bereits verschwunden. Das besonders geartete Ehrgefühl des Reserveoffiziers bestimmt bekanntlich, Streitigkeiten mit dem Revolver auszufechten. Nur mit Blut kann in diesen Kreisen eine Beleidigung gesühnt werden, und so knallten sich die Stützen von Thron und Altar gegenseitig nieder. Tödlicher Absturz vom Gerüst. Bei einem bedauerlichen Unglücks- fall hat gestern der Arbeiter Franz Kerend sein Leben eingebüßt. K. war auf einem Neubau in der Wilhelmstratze �unmittelbar an der Leipzigerstratze) beschäftigt und hatte auf dem Seitengerüst mit Aufzugarbeiten zu tun. Dabei wurde er plötzlich von einem Un- Wohlsein befallen, fiel um und stürzte in die Tiefe. Der Bedauerns- werte zog sich einen schweren Schädelbruch zu und starb bereits auf dem Transport nach der Unfallstation in der Kronenstratze. Straßensperrungen. Die Königin Augustastratze vom Hafen- Platze bis zur Linkstratze wird vom 7. d. M. und die Linfftratze von der Königin Augustastratze bis zur Potsdamerstratze vom 10. d. M. ab behufs Ausführung von Kanalisierungsarbeiten; die Thaerstrahe von Frankfurter Allee bis Baltcn-Platz wird behufs Umpflasterung vom 7. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Wiedergefunden hat sich der gestern vermißte 18jährigc Willy Schmidt, der einer Gcmütsdepression zum Opfer gefallen war und sich von Hause entfernt hatte. Fcuenvehrbcricht. Gestern früh nm 5 Uhr kam in einem Keller Prinz Eugenstratze 26a Feuer aus. Pretzkohlen hatten sich dort ent- zündet. Kurz vorher hatte die Wehr einen Kohlenbrand auf dem Anhalter Bahnhofe zu löschen/ In der Alten Schönhauserstratze 42 brannten Leisten, Bilderrahmen u. a. und auf dem Exerzierplatz an der Schönhauser Allee eine Pappel. Ferner wurde die Wehr noch nach der Auguststratze 6a, wo in einer Wohnung Feuer auSgekoinmen war, nach der Matternstratze 2, Behrenstratze 54 und anderen Stellen gerufen._ Vorort- Nach rieb tem Rixdorf. lieber eine Revolverattacke eines Hausverwalters wird berichtet: Ein aufregender Vorfall spielte sich gestern vormittag auf dem Hofe des Hauses Steinmetzstr. 98 zu Ripdorf in Anwesenheit zahlreicher Mieter dieses Hauses ab. Es war hier zwischen dem Hausverwalter Oberpostschaffner Karl Meyer und dem Bureauvorsteher Max Buch- holz wegen rückständiger Miete ein Wortstreit entstanden, in dessen Verlauf sich die beiden Gegner auf das heftigste erregten. Plötzlich stürzte sich Buchholz mit erhobenen Fäusten auf Meyer, aber blitz- schnell zog der Postschaffner einen scharfgeladenen Revolver hervor und feuerte zwei Schüffe auf Buchholz ab, deren einer den Bureau- Vorsteher in die rechte Hand traf. Meyer, vor dem jetzt alles erschreckt zurückwich, begab sich in seine Wohnung, während Buchholz sich verbinden lietz. Die Polizei hat eine Untersuchung eingeleitet. Schöueberg. Die Kinderscrienspicle, die in diesem Jahre von einer Anzahl opferwilliger Frauen eingeführt wurden, haben nach ihrein mit dem Wiederbeginn der Schule erfolgten Abschlüsse ein recht gutes Resultat gezeitigt, so datz die Veranstalter mit dem ersten Versuche wohl zu- frieden sein können. In den vier Wochen ihres Bestehens sind täglich im Durchschnitt bis 65 Kinder im Alter von 3 bis 12 Jahren unter der Leitung von Frauen nach dem Grunewald, Station Eich- kamp, geführt worden, wo sie mit Spielen unterhalten und mit Milch versorgt wurden. In einer grotzen Anzahl von Fällen wurde das Fahrgeld aus den gesammelten Mitteln bestritten. Im ganzen wurden hierfür sowie für Milch 104 M. ausgegeben, wozu in opfer- williger Weise aus Genoffenkreisen 120 M. zulammengebracht wurden. Ein Fonds von 16 M. verbleibt in den Händen der Vertrauens- Person, der sich hoffentlich bis zum nächsten Jahre, nachdem in die Agitation hierfür beizeiten eingetreten werden soll, noch stattlich ver- grötzern wird. Britz-Buckow. In der am Dienstag stattgefundenen Wahlvereinsversammlung hielt Genosse Wilhelm Miethke einen interessanten Vortrag über: „Politischer Massenstreik", hierbei gleichzeitig das Thema„Partei und Gewerkschaften" in eingehender Weise behandelnd. In der Dis- kussion vertrat Genosse Schröder die Ansicht, datz auf Vorgänge, wie solche sich in Breslau, Nürnberg usw. in letzter Zeit abgespielt haben, seitens der Arbeiterschaft dieser Städte mit dem Massenstreik geantwortet werden müsse. Genosse Händel ist im Gegensatz zum Referenten der Meinung, datz sich die„Einigkeit" mit der Veröffent- lichung des Protokolls keinVcrdienst erworben habe. Die Stellungnahme der Gewerkschaftsführer auf der Konferenz zur Frage des Massen- streiks hält er nach den Vorgängen in Köln für nicht auffällig. Nach einem kurzen Schlutzworte des Referenten erstattete Genosse Kimmritz einen ausführlichen Bericht von der letzten Generalversammlung des Zentralwahlvereins.— Die Abrechnung von der mit den Tempel- hofer und Mariendorfcr Genossen gemeinsam veranstalteten Urania- Vorstellung zeigte einen kleinen Ueberschutz. Es wurde der Wunsch laut, datz möglichst bald wieder eine solche Vorstellung veranstaltet werde. Rnmmelsburg. Ein gewaltiger Brand kam am Freitagnachmittag aus bisher noch nicht ermittelter Ursache in Rummelsburg zum Ausbruch. Dort stand um 4>/z Uhr die Fabrik der Aktiengesellschaft für Anilin- fabrikation in grotzer Ausdehnung in Flammen. Diese hatten in kurzer Zeit eine solche Ausdehnung erreicht, datz die Ortsfeuerwehren aus Boxhagen, Rumnielsburg, Stralau und anderen Vororten dein verheerenden Eleniente machtlos gegenüber standen. Der Amts- Vorsteher und die Direktton wandten sich deshalb an die Berliner Feuerwehr um Hülfe, die daraufhin die Löschzüge 6 und 7 mit zwei Dampfspritzen usw. entsandte. Als diese an der entfernten Brand- stelle einttafen, war die Situation eine sehr bedrohliche. Wacker griffen die Züge an und gaben tüchtig Wasser. Nach mehrstündiger vereinter Anstrengung von 10 Wehren aus Berlin, Karlshorst, Nieder- undOber-Schvneweide, Treptow, Friedrichs- berg, Lichtenberg usw. gelang es, den Riesenbrand auf das Haupt- gebäudc, einen mächtigen vierstöckigen Bau auf dem rechten User der Spree gegenüber dem Plänterwalde, nahe dem Rummels- burger See, zu beschränken und die übrigen Gebäude zu schützen. Da? Hauptgebäude ist mit allen Maschinen, Apparaten usw. und grotzen Vorräten an Säuren für die Anilinfabrikation ei» Raub der Flammen geworden. Nur die Um- fassungLmauern standen um 8 Uhr noch. Leider ist gleich beim Aus- bruch des Brandes gegen 4 Uhr der verheiratete dort schon 7'/z Jahre tätige Arbeiter A. Behnke verbrannt. Seine Leiche war abends um 9 Uhr noch nicht gefunden. Sie liegt entweder unter dem Schutt oder ist von den Säuren, die in allen Stockwerken lagerten, verzehrt worden. Die Entstehung des Brandes wird auf eine Explosion zurückgeführt. die weithin vernehmbar war. Wie diese entstanden ist. weitz man nicht. Die meisten Arbeiter retteten sich durch eilige Flucht über die am Hause angebrachten eisernen Treppen, nur dem vermitzten Behnke war dies nicht mehr möglich. Vermumch ist er schon infolge der Explosion tödlich verletzt worden. Im Nu stand dann das große Gebäude in Flammen. Zwanzig Minuten später waren schon mehrere Wehren zur Stelle. An eine Rettung des Manne? oder des Gebäudes war aber nicht mehr zu denken. Bald darauf stürzte der Dachstuhl in die Glut und nun mutzten sich die Wehren auf die Löschung der Flammen und den Schutz der angrenzenden Gebäude beschränken. Der Schaden ist bedeutend, aber durch Versicherung gedeckt. Der Betrieb der grotzen Fabrik der Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation soll keine Unterbrechung erfahren. Die Ortslvehr von Rummelsburg wird auch während der Nacht noch tätig sein und morgen die Leiche des B. zu bergen suchen. Grost- Lichterfelde. Der Druckfehlerteufel, von seinen Ferien anscheinend sehr gekräftigt zurückgekehrt, hat sich als Opfer seiner schäumenden Kraft die hiesige Terraingesellschaft erkoren, die er im gestrigen Bericht kurzerhand zu einer 20prozcntigen Landabgabe verdonnert. Gegenüber diesem nahezu an Konfiskation grenzenden frechen Einbruch in das heilige Privateigentum sei konstatiert, datz es sich nur um eine tiprozentige Landabgabe handelt. Lankwitz. Verschwundener Kirchendiener. Der Nachbarort Lankwitz ist seit einiger Zeit ohne Kirchendiener. Seit Sonnabend abend ist der an der dortigen Dreifaltigkeitskirche tätig gewesene Otto Klos ver- schwanden. Da man anfangs glaubte, datz K. bei Ausübung des Dienstes in der Kirche von einem Unglücksfall betroffen worden sei, nahm man eine eingehende Durchsuchung des Gotteshauses vor, aber ohne Erfolg. Weder die Augehörigen, noch die Vorgesetzten des Kirchendieners können sich die Ursache seines rätselhaften Ver- schwindens erklären. K. ist etwa 1,50 Meter grotz, hat dunkelblondes Haar, braun gebranntes Gesicht, kleinen Schnurrbart und ist mit weißem Waschjackett, weißer Weste, schwarzen Hosen und schwarzem steifen Hut bekleidet. Steglitz. Zur Gcmeindewahk. Ein eigenartiges Ergebnis hatten die Gemeindewahlen der dritten Klasse im März dieses Jahres. In beiden Bezirken brachte erst die Stichwahl die Entscheidung und zwar mit Hülfe der Hausbesitzer zugunsten des Mietervereins. Auf Protest des Gemeindevorstandes erklärte jedoch die Gemeindevertretung die Wahlen der Herren Denckewitz im ersten und� Templiner im zweiten Bezirk für ungültig. Der sozialdemokratische Protest"gegen die Wahl im ersten Bezirk wurde mit allen gegen die Stimme unseres Vertreters abgewiesen. Gegen diesen Beschlutz wurde von unserer Seite Klage erhoben. Das Resultat der Wahlen vom März ist also, daß bis jetzt erst einem der vier Gewählten des Mietervereins sein Mandat sicher ist, während zwei der Herren der Eintritt in unser Dorfparlament endgültig verwehrt wurde, und der vierte zwar vorläufig sein Mandat ausübt, aber doch stets gewärtig sein mutz, datz ein ihm ungünstiges Urteil auch seinem Wirken im Rathause ein Ziel setzt. Bis zur endgültigen Entscheidung unserer Klage dürfte voraussichtlich noch eine geraume Zeit vergehen. Man wird sich deshalb entschließen müssen, in absehbarer Zeit die Ersatzwahl im zweiten Bezirk vorzunehmen. Vor einiger Zeit berichtete denn auch die Lokalpresse, datz die Wahl im September stattfinden werde. Inzwischen scheint man sich die Sache auf dem Rathause aber anders überlegt zu habe», denn es verlautet neuerdings, datz e r st im Oktober gewählt werden soll. Das wäre natürlich sowohl für uns als auch für den Mieterverein höchst nachteilig. Da die Wahl nach den im Januar ausgelegten Liste» stattfindet, ist eS erklärlich, datz der April- und Oktoberumzug für die Parteien, deren Wähler fast ausschlietzlich Mieter find, einen erhebliche»Stimmen- Verlust bedeutet. Wenn auch die nach außerhalb verzogenen Wähler ihr Wahlrecht dadurch noch nicht verloren haben, so ist es doch begreiflich, datz dieselben nur schwer oder gar nicht zur Wahlurne gebracht werden können. Aber auch unter den im Orte Verzogenen ist die Agitation sehr erschwert und dadurlh ein Stimmenverlust ziemlich sicher. Für die Hausbesitzer würde dies natürlich einen doppelten Vorteil bedeuten— aus diesem Grunde glauben wir auch gern, datz die Wahlen tatsächlich erst nach erfolgtem Umzüge stattfinden. Für unsere Parteigenossen sei das Manöver aber ein deutlicher Wink, schon jetzt bei jeder Gelegenheit im persönlichen Verkehr auf die bevorstehende Wahl aufmerksam zu machen. Auch ist dringend zu wünschen, sich die neuen Adressen von verziehenden Genossen sorgfältig zu notieren, um das Wahlkomitee zu gegebener Zeit zu unterstützen. Unsere Losung mutz sein:„Aus einen Schelmen anderthalbel" Spandau. Zu einer großen Kundgebung gegen den Reichstagsabgeordneten Pauli hat sich eine öffentliche Versammlung gestaltet, die von der Kommission der Gastwirte zu Donnerstagabend einberufen und außerordentlich stark besucht war. Es handelte sich un» eine Ver- sammlung, die gegen die von der Ringkommission beschlossene Er- höhuug der Bierpreise Stellung nehmen sollte. Als Referenten fungierten der Redakteur Friedrichs-Berlin und Genosse Litsin- Berlin, die in großzügigen Referaten die durch die Steuerpolitik der Regierung und die Beschlüsse der Ringbrauer geschaffene Situation, in welche Gastwirte wie auch das konsumierende Publikum gedrängt worden sind, beleuchteten. In der sich an die Referate anschließenden ausgiebigen Diskussion legten unsere Genossen Trampler, Pieser und Pieper den Standpunkt der Arbeiterschaft dar, den Gastwirten ihre Haltung den Arbeitern gegenüber vor Augen führend. Ihr Verhalten durch Verweigerung von Versammlungssälen, bei Auslegung der Listen bei Wahlen und Bohkottierung det Arbeiterpresse sei nicht sehr geeignet, die Sympathie der Arbeiter für die Gastwirte wach- zurufen. Es gelangte schlietzlich folgende Resolution einstimmig zur An- nähme:„Die heute im„Roten Adler" in Spandau tagende große öffentliche Versammlung spricht nach Anhörung der Referenten ihre Empörung über die matzlose Verteuerung des Bieres durch den Brauereiring aus. Sie erklärt, datz sie unter keinen Umständen es billigen kann, wenn die Brauereien den Versuch machen, die Brau- steucr als Vorwand für eine ungerechtfertigte Erhöhung der Bier- preise zu benutzen. Die Versammlung spricht ihre Genugtuung darüber aus. datz die Gastwirte versuchen, trotzdem eine Bierpreis- Verteuerung den Konsumenten gegenüber zu vermeiden und fordert die Bürgerschaft Spandaus auf. die Gastwirte m dem ihnen aufgedrungenen Kampfe zu unterstützen." Der Vorsitzende gibt bekannt, datz gestempelte Plakate mit der Aufschrift„ringfreies Bier" zum Aushange in den Restaurationen ausgegeben werden. Der„Boykott" sei nicht so zu verstehe», datz man nun die bisher besuchten Lokale meide, weil sie Ringbier führten; man solle dort ruhig weiter verkehren, aber man solle den Genuß des Ringbieres meiden und andere Getränke, Selters usw. verzehren. Von besonderem Interesse waren die Mitteilungen des Redak- tcurs Friedrichs über die Stellung des ReichStags-Abgeordneten Tischlermeisters Pauli in der B r a u st e u e r f r a g e. Der Redner erzählte, von den Berliner Gastwirtsvereinigungen sei nach der grotzen Protestvcrsaminlung in der„Neuen Welt" zu Berlin ein Aktionskomitee eingesetzt worden; zu einer der Sitzungen des Komitees sei auch Herr Abgeordneter Pauli geladen worden und erschienen. Herr Pauli habe da in einer längeren Rede die Brausteuer zu verteidigen gesucht. Seinen Ausführungen und Berechnungen fei man von den verschiedensten Seiten entgegengetreten. Und nach Schluß der damaligen Sitzung habe Herr Pauli erklärt, er habe jetzt ein ganz anderes Bild von der Sache gewonnen und werde seine Fraktion in diesem Sinne aufklären; er riet auch dem Komitee, mit anderen Frakttonsmitgliedern in Verbindung zu treten. Nach einiger Zeit habe er, Redner. Herrn Pauli im Reichstage getroffen: dieser habe ihm mitgeteilt, datz er mit seinen Aufklärungen in der Fraktion nichts erreicht habe; auch sei es ganz unnütz, datz sich das Komitee weiter bei der Fraktion bemühe. Kurz darauf sei es zur Abstim- mung gekommen, und Herr Pauli, der noch wenige Tage vorher ein ganz anderes Bild bekommen hätte, habe für die Erhöhung der Brausteuer gestimmt. Das„Spandauer Tageblatt" ist über den Verlauf der Ver- sammlung nicht sehr erbaut und gibt selber zu, datz sich dieselbe zu einer„sozialdemokratischen Aktion" gegen den Abgeordneten Pauli, seinen Schützling, gestaltel habe. Es tröstet sich mit der Bemerkung, datz der V o r st a n d des Spandauer Gastwirtsvereins mit der Ver- sammlung nichts zu ttm habe, und schreibt resigniert: „Die Sozialdemokratie benutzt eben jede Gelegenheit, unter dem Deckmantel der bürgerlichen Parteien in öffentlichen Versamm- lungen Propaganda für ihre sozialdemokratischen Fixfaxereien zu machen. Hier hat ihr wieder einmal die Bierkommission des Gastwirtsvereins die Wege geebnet und Gelegenheit gegeben. agitatorisch in einer öffentlichen Versammlung auftreten zu können. Zum grotzen Vorteil wird es diesmal nicht sein, sie hat höchstens das damit erreicht, datz unter die Mitglieder des Gastwirtsvereins die Brandfackel geworfen worden ist. Hoffentlich werden auch hier die bürgerlichen Elemente die Oberhand über die„Roten" behalten." Wir verstehen den Schnierz des„Tageblatt" zu würdigen, denn es scheint im Geiste schon zu sehe», daß die Zeit abläuft, wo ein Herr Pauli den Kreis Potsdam-Lsthavelland im Reichstage vertritt. Was an unseren Genossen liegt, dieses Ziel zu erreichen, wird geschehen. Den deutschen Staub von den Füßen geschüttelt hat rtn Soldat der Disziplinarabteilung des Gardekorps, der vor 12 Tagen aus dem Fort Hahneberg entwichen ist und sich zur Erleichterung seiner Flucht mittels Einbruchs in die Militärbadeanstalt die Uniform eines Feldwebels vom 5. Garderegiment z. F. verschaffte. Er hat einem hiesigen Bekannten aus dem Auslände geschrieben, datz er dort wohlbehalten angekommen ist. Potsdam. Der sozialdemokratische Wahlverein nahm in seiner letzten Ver- sammlung den Bericht des Gen. Stövesandt von der Kreisgeneral- Versammlung in Nauen entgegen, der ja durch die Parteipresse bereits veröffentlicht ist. Die Mitdelegierten Gen. �Förster und Krakau gaben noch besondere Aufschlüsse über die Spandauer Preß- angelegenheit und den Potsdamer Antrag betr. die Prüfung des Kreisvorstandsberichtes resp. die sog. Kartenmitglieder. Bei der Kürze der Zeit sei es der Kommission nicht möglich gewesen, den Bericht über diese Angelegenheit schon der letzten Kreis- General- Versammlung zu geben. Es sei notwendig, datz die künftigen Kreis- Generalversaniinlungen schon um 10 Uhr morgenS� beginnen, um die Tagesordnungen ordnungsmäßig erledigen zu können, nament- lich auch. um die Diskussion nicht zu sehr kürzen zu muffen.— In der Diskussion über den Bericht sprechen die Genossen Stoof und Wittenbecher die Ansicht ans, datz sie in der Behandlung des Antrages 1 eine Verschleppungstaktik sehen. Genosse Staad'erklärt dazu, datz eine Erledigung der Frage in, Plenum nicht möglich gewesen sei, trotz der Befürwortung der Potsdamer Delegierten. Nach einer längereu Auseinandersetzung über den Punkt„Partei und Gewerkschaft", über den Genosse Liebknecht auf der Kreiskonferenz referierte, gelangte die folgende Resolution zur Annahme: „Die Versammlung nimmt Kenntnis von dem Berichte der Delegierten zur Kreisgeneralversammlung und erklärt sich mit den gefaßten Beschlüssen einverstanden. Sie erwartet jedoch, datz der Antrag 1(betreffend die Kartenmitglieder) nicht in der Kommission begraben, sondern von derselben baldmöglichst Bericht erstattet wird." Eine lange Diskussion förderten auch die Pretzangelegenheiten zu- tage. Um die Austragung der„Brandenburger Zeitung" noch am Erscheinungstage auch ferner zu ermöglichen, beschließt die Ver- sammlung. pro Exemplar einen monatlichen Zuschuß von 5 Pf. für die Austräger zu bewilligen. Diesen Zuschuß zahlt die Vereinskasse vorläufig bis zum April„ächsteir Jahres. Die in Nauen beschlossene Agitation für die Presse ist hier für den kommenden Sonntag nicht mehr möglich. Es wird deshalb eine Verlegung beschlossen. Damit schließt die Versammlung mit dem Wunsche, die in letzter Zeit neu aufgenommenen Mitglieder auch einmal persönlich kennen zu lernen._ Berliner Marktpreise. AuS dem ainllichei» Bericht der städNlchcn Markihallcn-Direktion.(Großhandel.) Rindfleisch 1» 7l— 75 pr. ,00 Pfd., na 65-70, lila 59-64, IVa 54—58. Kalbfleisch, Doppelländer 100—110, la 82—88, IIa 72—80, lila 62—70. Hammelfleisch la 75—80, IIa 65— 74, Schweinefleisch 66—73. Rehböcke la per Pfd. 0,60—0,80, IIa 0,30. Rolwild la per Pslmd 0,45-0,51, IIa 0,18-0,25. Damwild 0,50—0,54. Wildschweine per Pfund 0,50. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,20—0,60. Wildenten!a per Stück 1,00—1,25, IIa 0,75. Rebhühner, junge la 0,85—1,20, junge kleine 0,60—0,80, alte 0,60—0,80. Hühner. alte, per Stück 1,50—2,60, alte, IIa 1,20—1,50, junge, per Stück 0,70—1,02. Tauben, junge, per Stück 0,35—0,46, alte 0,25—0,32. Enten, junge per Stück 1,60—2,60, alte per Stück 0,00. Hamburger, junge, per Stück 2,90. Gänse, la per Psund 0,50—0,60, IIa 0,35—0,45, la per Stück 2,75 bis 4,00, IIa 1,25—2,50. Poulets per Stück 0,60—1,45, do. klein 0,00. Hechte pr. 100 Psd. 90—112. Zander 108. Aland 00. Schleie 115— 14t. Bleie 71—75. Aale, groß 103—111, mittel 83—88, klein 0,00, unsort. 74-77, Plötzen 0,00 Karpfen, unsortiert 77—84. Barse, matt 86. Blciflsche 51. Karauschen 81. Wels 0,00. Bunte Fische 64—70. Amerikanischer Lachs I neuer per 100 Psd. 110—130, do. II neuer 90—100, do. III neuer 75. Seelachs 15—20. Flundern, ponim. I, per Schock 9, do. pomm. II 2—3, Kieler, Stiege la 4—6, do. mittel per Kiste 2—3, do. klein per Kiste 0,00. Bücklinge, per�Wall Kieler 4,50—5, Swalsundcr 4,50—5. Aale, grotz per Psd. 1,10—1,50, mittelgrotz 0,80—1,00, klein 0,50—0,60. Heringe per Schock 4—5. Schcllsische Kiste 3—4, do. 'I, Kiste 2—3. Kabliau, per 100 Psd. 15—20. Heilbutt 25. Sardellen. 1902er per Anker 00, 1904er 00, 1903er 00, 1906er 00. schottische Pollheringe 1905 0,00, largo 40-44, füll. 36—38, med. 35—42, deutsche 37-44. Heringe, neue Matjes, per To. 60—120. Hummern, Ha, 100 Psd. 0,00. Krebse, per Schock, grotze 0,00, mittel 0,00, kleine 0,00, unsorttert 0,00. Galizier, grotz 0.00. Eier, Land-, per Schock 2,60—3,30. Butter per 100 Psd. la 121—126. Ha 118—120, lila 112—116, abfallende 95—110. Saure Gurken schock 3,50—4,00, Pfeffergurken 3,50—4,00. Kartoffeln per 100 Pfd. Dabersche 2— 2,50, Rosen 1,50—1,75, neue runde 1,50—2,50, neue blaue 2,25—2,50. Spinat p. 100 Psd. 10—12. Karotten p. Schockbund 1,50—2,50. Sellerie, hiesige, P.Schock 1,50—6,00. Zwiebeln 100 Psd. 2,75— 3,50. Petersilie, grün, Schockbd.1,00. Kohlrabi p. Schock 0,80—1,00. Rettig, bahr., p. Schock 2,40 is 4,80. Radieschen p. Schock-Bd. 0,60—0,70. Salat, p. Schock 1,50—2,00. Bohnen, grüne, per 100 Psund 5—20. WachSbohncn 10—20. Schoten per IM Pfd. 15—25. Psefferlinge per IM Psd. 18—30. Mohrrüben per IM Psd. 3—4. Blumenkohl per Mandel 1,00—2,50. Wirsingkohl per Schock 4,00— 8, M. Rotkohl p. Schock 3,M— 9,M. Weißkohl p. Schock 2,M bis 5,00. Steinpilze p. 100 Psd. 30—45. Gurken. Zerbster, Schock O.M— O.M, do. Einlege-, Schock2, 00— 2,50, do. Rothcnbg. 2,50—3,50, do. Liegnitzer 3,50—4,00. do. Einlege-(Sens-) 10—18. Kohlrüben, schock 3—5,50. Tomaten, hiesige IM Psd. 3—6. Birnen, ital. per IM Psd. 14—20, hiesige 3—20, Tiroler 23—35, böhmische 5— 16. Rettig- 4— 6. Aepscl, Ungar., perlMPjd. 6— 13, ital. M. hiesige 2—11, Gravensteiner 8—18, Tiroler 16—38. Preitzclbeercn M, schwedische 17—22. Blaubeeren per IM Psd. 18—26. Pflaumen, ital. runde dunkle per IM Psd. 0,M, ungarische 6—11, hiesige 2—3, Reineclauden 6—18, Serben 9—14, Badcnser 0,00, Böhmische 3—13. Zitrone». Mcsfina 300 Stück 20.00—23,00, 360 Stück 18,00—20,00, 200 Stück 15,00—16.00, 420 Stück, klein 12,00. Pfirsiche, Werdersche per IM Psd. 10—20, französische 0,00, italienische I Kiste 2,00—2,50, do. II Kiste 0,80—1,60, do. m Kiste 1,00-1,20, do. in Körben per IM Psd. 25-40. WttternngSüderftcht vom 7. September 190», morgens 8 uy». »E c S» g» «a 8 9 16 13 18 Wetter-Prognose für Sonnnabend, den 8. September 190«. Zunächst ziemlich Heller, am Tage etwas wärmer bei mätzigen südwest- licheii Winden; später neue Trübung und leichter Regen. Berliner Wetterbureau. Verantwsrtlichex Redc-kteur: Hans Weber. Berlin. Für Den Inseratenteil veravtw.: Th. Gltzcke» Berlin. Krück u. Mrläg: Borwätt« BuSdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SM