Nr. 210.2 nd cheda t Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando! Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., pöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Fingetragen in die Post- Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Bolland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblaff. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 fg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Pfg., jebes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf. ftellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1983. Gewerkschaftsorganisation Sonntag, den 9. September 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Legien( Deutschland): Jm gewerkschaftlichen Leben müsse in denen die tschechische Arbeiterschaft überwiegt. Nachdas Nationale ausscheiden. Wenn Deutschland seine Zustimmung dem ein eigener nationaler Verband der Bauhülfsarbeiter zu einer besonderen tschechischen Zentrale gebe, müsse man und der Handlungsgehülfen gegründet worden, sind in den auch in Deutschland eine besondere polnische Zentrale anertennen. Die Sprachunterschiede dürfen nicht trennen. Das Ent- Lezten Tagen die Zentralorganisationen der Schuhmacher und sei und nationale Frage. deibende fet die gemeinsame Beſekgebung. Man bürfe der Steinarbeiter gesprengt und iſt die Errichtung tſchechischer I. Aus Wien wird uns geschrieben: " Nemec nicht als Delegierten anerkennen, fönne ihm nur ge- Sentralverbände dieser Branchen durchgesetzt worden! Mit statten, als Gast an der Konferenz teilzunehmen. Wenn die welcher Ueberlegung" dabei verfahren wird, zeigt die SteinKonferenz in diesem Sinne entscheiden würde, so sei das kein arbeiterorganisation; sie umfaßt im ganzen anderthalbBeschluß gegen die tschechische Nation, sondern gegen die Ber- tausend Arbeiter, also eine so bescheidene Zahl, daß mit ihr Splitterung. Ottors( Belgien): Ebensowenig wie für Belgien besondere französische, vlämische und wallonische Delegierte anerkannt werden können, dürfe für Oesterreich eine getrennte Delegation nach Sprachen zugelassen werden. In die so erfreuliche Entwickelung der österreichischen Gewerkschaften drängt sich drohend und gefährdend die von den eigentlichen Folgen der Spaltung abgesehen-Mennenswertes überhaupt nicht geleistet werden kann. Und nationale Streitfrage, und wenn nicht im letzten Augenblick welche Verblendung die treibenden Elemente dieses Berdie Einsicht in die gewerkschaftlichen Notwendigkeiten die störungswerkes erfüllt, das offenbart sich drastisch darin, Oberhand gewinnt, so wird eine Spaltung der mit so großen Opfern und Mühen aufgebauten zentralen Organisationen Bei der Abstimmung wird die Anerkennung einer be- daß die Spaltung weit über das tschechische Gebiet getragen fast unvermeidlich. In einigen Branchen ist die Spaltung sonderen tschechoslawischen Vertretung bei Stimmenthaltung wird, ja selbst vor Wien nicht zurückhält! Ist es aber nicht schon erfolgt, und die Gefahr besteht, daß der ScheidungsDesterreichs und Spaniens einstimmig abgelehnt. eine wahre Parodie auf die Idee der gewerkschaftlichen Orprozeß noch weitere Fortschritte machen, die GewerkschaftsAus dieser authentischen Darstellung geht unbestreitbar ganisation, wenn z. B. die tschechischen Schuhmacher in Wien interessen noch stärker schädigen wird, als es schon der Fall hervor, daß die Nichtanerkennung der Prager Kommission in von der Zentralorganisation losgerissen und durch kluge Verist. Bei der großen internationalen Bedeutung, die die Amsterdam nicht wie es der tschechischen Parteiöffentlich- wendung nationaler Argumente zum Anschluß an den Frage unter Umständen gewinnen kann, ist es nötig, auf den keit beharrlich versichert wurde und immer noch versichert wird nationalen Verband in Prag veranlaßt werden? Wie soll ein Ursprung des Streites zurückzukommen. - von dem Sekretär der Wiener Kommission"( wie die gewerkschaftlicher Kampf dann noch möglich sein, wenn vielsondern daß nur Die ersten nationalen Differenzen auf dem Gebiete internationale Reichskommission tendenziös benannt wird) leicht die Arbeiter ein und desselben Betriebes verschieden der gewerkschaftlichen Organisation in Desterreich ergaben dekretiert wurde, sondern daß die Nichtanerkennung von der organisiert werden, wenn die einen Mitglieder der Ortsfich bereits auf dem zweiten österreichischen Gewerkschafts- fompetenten Internationale einstimmig beschlossen worden gruppe des Reichsvereins sind, die anderen aber der nach fongreffe im Jahre 1896. Dort stellte die tschechische Partei- iſt. Es geht aber aus ihr auch hervor, daß diese Nicht- Prag hin gravitierenden Gruppe angehören? Von dem Einerefutive die Forderung auf, das Sekretariat der Gewerk- anerkennung durchaus nicht die Ausschließung des tschechischen fall, für Organisationen in Wien das Zentrum in Prag zu schaftskommission in ein deutsches und ein tschechisches zu Proletariats von der gewerkschaftlichen Internationale aus- bestimmen, wollen wir gar nicht reden. Aber warum gerade teilen. Auf diese nationale Forderung konnte der Kongreß sprechen wollte, daß sie keineswegs die Ausschließung bedeutet, Prag? Prag ist zwar die böhmische Hauptstadt, aber für die nicht eingehen, aber den sprachlichen Bedürfnissen trug daß sie weder einen politischen noch einen nationalen Hinter- Schuhindustrie ohne jede größere Bedeutung, wogegen Wien er dadurch Rechnung, daß er dem Sekretär der Kommission grund hatte, sondern einzig und allein gewerkschaft zwar nicht in Böhmen liegt, aber in Hinsicht der Schuheinen tschechischen Stellvertreter beigab und sich bereit er- lichen Beweggründen und Notwendigkeiten entsprang. industrie doch der größte Mittelpunkt ist. An diesem Erempel sieht man deutlich, daß nicht geflärte, in Prag, dem Zentrum der geschlossen wohnenden Diese bedingen eben, daß es in einem Lande nur eine Gründe, Zentrale geben kann, und Desterreich ist, obwohl von vielen werkschaftliche tschechischen Arbeiter, ein eigenes nationales Sekretariat zu Stationen bewohnt, doch immer ein Staat mit einer Ge- nationale Motive die bewegenden Faktoren diefer errichten. Der Vorschlag wurde von den Tschechen als un- febgebung; es fann also in gewerkschaftlichen Fragen nur von Spaltung find. Zwar werden auch fachliche Gründe ins Feld zureichend befunden, weshalb sie auf dem ein Jahr später einer Zentrale vertreten werden, die natürlich weder eine geführt, sie sind aber schon ihrer Geringfügigkeit wegen( zum abgehaltenen tschechischen Kongreß die Gründung einer eigenen, tschechoslawischen Gewerkschaftskommission in Prag fann, sondern gemäß der Zusammensetzung dieses Staates Schuhmacherorganisation das unzulängliche Tschechisch des eigenen, tschechoslawischen Gewerkschaftskommission in Prag deutsche noch eine tschechische, überhaupt keine nationale sein Beispiel wird als einer der„ Gründe" für die Spaltung der beschlossen. Nach kurzen Schwankungen begrenzte diese Romeine in fich internationale sein muß. Da nun jene Kon- wohlgemerkt tschechischen Sekretärs des Zentralmission selbst ihre Tätigkeit auf das tschechische Gebiet in Böhmen, sodaß fich allmählich eine erfreuliche Ueberein- ferenz das einzig befugte Organ zur Austragung der Streit- verbandes angegeben!!) nicht ernst zu nehmen, ganz abstimmung und ein ungestörtes Nebeneinanderarbeiten der frage war und ihr Beschluß sich als der Beschluß der kompe- gesehen davon, daß Differenzen in der Auffassung organisabeiden Kommissionen herausbildete und im Herbst 1904 so- tenten Internationale darstellt, so hätte mit der Amsterdamer torischer Details zur Spaltung überhaupt niemals ausgar der Plan sehr ernsthaft ventiliert wurde: die beiden Entscheidung die Sache eigentlich entschieden sein sollen, und reichen können und eine Trennung aus solchen Gründen Kommissionen, die internationale Reichskommission man brauchte nur nach einer Form zu suchen, durch welche schlechtweg außerhalb des Bereiches der Diskussion steht. Die und die nationale tschechische, zu verschmelzen. Mit dem die zweifellos berechtigten- Repräsentationsbedürfnisse ersten Wirkungen der tschechischen Aktion zeigen sich bereits: und die nationale tschechische, zu verschmelzen. Mit dem der Tschechen ihre Befriedigung gefunden hätten, was z. B. Die alten, internationalen Verbände verweigern Ausscheiden des Genoſſen Rouschar, des besonnenen und ver- durch den Vorschlag der Reichskommission: die internationale den neuen nationalen Schöpfungen die Anerkennung dienstvollen Sekretärs der Prager Kommission,( der wadere Bertretung in Zukunft durch zwei Delegierte zu führen, von und lehnen es mit der größten Entschiedenheit ab, ein GegenBarteigenoffe ist jüngst nach langem Siechtum gestorben) Barteigenosse ist jüngst nach langem Siechtum gestorben) benen einer ein Tscheche wäre, ebenso zweckmäßig als aus- feitigkeitsverhältnis mit ihnen zu schaffen. schlug der Wind in Prag um, und die versöhnliche und auf den Zusammenschluß der gewerkschaftlichen Arbeit gerichtete reichend geschehen würde. Der internationale Beschluß hatte aber keineswegs die Die russische Revolution. Eine Enttäuschung. Stimmung verwandelte sich ins völlige Gegenteil. Ohne fichtbaren Grund denn an ihren Rechten zu rütteln fiel 3 erwartende Folge, daß die Frage als entschieden erund fällt niemandem ein betonten die tschechischen Ge- achtet wird, vielmehr zunächst die, daß sich der tschechische noffen immer schroffer ihre Selbständigkeit", und jede Frage, der Reichskommission, den Genossen Sueber entlud, der als und bestürzt darob, daß das Mord- und Reformmanifest bon Groll, da die Internationale unerreichbar, auf den Sekretär Der Zar und seine glorreiche Regierung sind enttäuscht die an die Gesamtheit der gewerkschaftlichen Organisation Feind des tschechischen Volkes, als deutscher Chauvinist ver- der Bevölkerung so fühl" aufgenommen wurde. Sie befürchten herantrat, wurde von jenen zum Anlaß genommen, die Einherantrat, wurde von jenen zum Anlaß genommen, die Einheit der Gewerkschaftsbewegung entschieden zu bestreiten! schrieen und mit einer Flut von Entrüstungskundgebungen jetzt, so meldet der„ Russische Kurier", daß die GegenGeradaus zum Bruch führte dann die internationale Konfe- überzogen wurde. Das wäre natürlich nicht das Aergſte; fundgebungen der russischen revolutionären Elemente die von Geradaus zum Bruch führte dann die internationale Konfe- aber schlimm ist es, daß die Tschechen den Beschluß der Inter- der russischen Regierung beabsichtigte friedliche Arbeit unrenz der Landessekretäre im Sommer 1905 in Amsterdam. renz der Landessekretäre im Sommer 1905 in Amsterdam. nationale nicht nur nicht anerkannten, sondern die gewerk- gemein erschweren werden, wodurch auch die liberal gedachten Schon vor der Konferenz hatte sich die Prager Kommission Ein neues Bluturteil. beschwerdeführend an Genossen Legien gewandt und die schaftliche Bewegung nun erst ins nationale Fahrwasser Reformprojekte in hohem Maße benachteiligt werden können( 1). beschwerdeführend an Genossen Legien gewandt und die trieben. Einer Konferenz, die im Oktober 1905 nach Brünn Auch der Optimismus des Ministers Stolypin beginne zu Forderung aufgestellt, zu der Konferenz als befugte Landes- einberufen wurde, legten sie ein Programm vor, dessen Verwanten, trotzdem er bei seinen fast täglichen Besuchen in Neuzentrale" zugelassen zu werden. Auf der Konferenz selbst wirklichung nichts weniger bedeutete, als die Zerschlagung der Peterhof nach wie vor gegen übermäßige Repressivmaßnahmen erschien Genosse Nemec aus Prag und stellte den Antrag, ihn internationalen Gewerkschaftsorganisation in Desterreich in plädiere und auf einen friedlichen Ausweg aus der jezigent als Vertreter" der tschechoslawischen Kommission an der Konferenz teilnehmen zu lassen. Der Antrag wurde auf der usammenhanglose nationale Gebilde, die Zerreißung der pretären Lage Hoffe. Konferenz nicht etwa bloß von dem Vertreter der Reichs- An Stelle der internationalen Reichsvereine und Reichsvereinheitlichen Organisation in wehr- und machtlose Splitter. Sehr hoffnungsvoll flingt das gerade nicht. tommission Desterreichs bekämpft, sondern er wurde von bände sollen nationale Gewerkschaftsvereine und-verallen anwesenden Vertretern der internationalen Gewert bände treten was bei der Mischung des österreichischen Petersburg, 8. September. Die Mörderin des Generals schaftsorganisation einmütig zurückgewiefen. Das offizielle Proletariats den Effekt hätte, daß nicht bloß die Länder und Minn, Konopliannikova, ist heute nachmittag vom PetersProtokoll verzeichnet darüber folgende Aeußerungen: Michell( England erklärt sich gegen die Anerkennung die Nationen geschieden, sondern daß auch die Arbeiterschaft burger Militärbezirksgericht zum Tode durch den Strang verurteilt einer besonderen Zentrale der tschechischen Gewerkschaften. Jedes derselben Branche in einer Stadt, ja in einer Werkstatt worden. Das Urteil unterliegt noch der Bestätigung des OberLand könne nur eine einzige Bentral stelle haben. oder Fabrik gespalten und zerrissen würde. Die Konferenz tommandanten der Gardetruppen, Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch. Sonst würde man in den Vereinigten Königreichen dazu kommen wies dieses tschechische Programmwie selbstverständlich fönnen, besondere Zentralen für England, für Schottland und Hinrichtungen. zurück, und ein außerordentlicher Gewerkschaftskongreß, für Frland zu schaffen. Hieran denke indessen niemand. Die abgehalten in Wien im Dezember des vorigen Jahres, also während der Stürme des Wahlrechtstampfes, bestätigte die einigen und fönnten eventuell der internationalen Konferenz abweisung mit ungeheurer Majorität: Für das tschechische atvei andere wegen Mordtaten verurteilte Revolutionäre erschossen. einen Bericht vorlegen. Als Delegierter fönne Nemec nicht anerkannt werden, doch möge er als Gaft an der Konferenz3 nicht mit) wurden 2364, gegen dasselbe 197 202 Stimmen Programm( die Tschechen aus Böhmen stimmten teilnehmen. Riga, 8. September. Heute wurden der Revolutionär Kruming Ein Minengang im Gefängnis. Taschkent( Turkestan), 8. September. Jm hiesigen Stadtgefängnis Politifche Uebersicht. Olsen( Dänemark) hätte gewünscht, daß dieser Streitfall abgegeben. Unter den Gegnern der Spaltung befanden sich wurde ein großer Minengang entdeckt, welchen politische Gefangene borher Erledigung gefunden hätte; die Tschechen hätten sich alle österreichischen Nationen, insbesondere auch Tschechen, unter. Leitung gefangener Sappeure der Minentompagnie angelegt mit der Gewerkschaftskommission zu einigen gehabt. Hier eine da die tschechischen Gewerkschaften aus Mähren und Wien haben. Entscheidung zu treffen, sei schwer, doch fönne man auf keinen die Berreißung ebensowenig wünschen( oder wenigstens daFall eine besondere tschechische Delegation mals nicht zu wünschen schienen) wie das organisierte Proleanerkennen. Olfen gibt gleichzeitig im Namen der schwedischen und norwegischen Delegierten die Er- tariat aller übrigen Nationen des vielgestaltigen Oesterreichs. flärung ab, daß sie es ablehnen, Nemec als Delegierten an- Auch dieser Beschluß aber fruchtete nichts, und wir geBerlin, den 8. September. zuerkennen, daß sie aber dafür seien, daß er als Gast an der wahren nun das überraschende und betrübende Schauspiel, Konferenz teilnehme. daß sich die Tschechen über die Entscheidung der österreichischen Die Tippelskirch- Preffe. Barrio( Spanien) schließt sich dieser Erklärung an, ebenso gewerkschaftlichen Internationale ebenso hinwegsetzen, wie fie Nachdem gestern abend in dem ergötzlichen Duell zwischent Van Erkel( Holland), der noch betont, daß es nicht die sich über die Entscheidung der europäischen Internationale Lokal- Anzeiger" und" Tägl. Rundschau" der erste zum Hieb Aufgabe der internationalen Konferenz sein könne, fich um innere hinweggesetzt haben. Unbekümmert um alle Beschlüsse, ausgeholt hatte, leistet sich heute in seinem Morgenblatt der gewerkschaftliche Streitigkeiten eines Landes zu kümmern. Jászai( Ungarn) schließt sich diesem an. Es könne teine gleichgültig gegen alle Einwände, blind gegen alle Gefahren Nipplersche Moniteur das Vergnügen, das Scherlblatt an verschiedenen Zentralen geben. Wenn in Ungarn teine gefeß- gehen sie nun allen Ernstes daran, das Programm der Zer- empfindlicher Stelle zu tigeln. Zunächst versucht er nach dem lichen Hindernisse beständen, würde man mit Desterreich gemeine reißung der gewerkschaftlichen Bewegung in die Tat umzu- bei ihm üblichen Rezept für seine eigenartigen Praktiken same Organisationen haben, fegen. Zum Versuchsobjekt werden jene Branchen erkoren, die höhere nationale Sittlichkeit in Anspruch zu nehmen, indem er die Annahme, daß ihm bei seinem im Interesse der Tippelskirchener erfolgten Angriff auf den Oberst leutnant Ouade andere Motive als die„Erforschung der Wahrheit" geleitet hätten, für eine„Verwirrung der sittlichen Begiffe" erklärt. „Wenn." schreibt das Blatt in komischer Selbstverkennung seiner sittlichen Qualitäten,„uns von einigen Blättern dieser Besuch unseres Vertreters bei Herrn von Tippelslirch verübelt, wir als„Tippelslirchosfiziös" verschrien werden oder der „Lokal-Anzeiger" gar sich zu der lächerlich frechen Andeutung der- steigt, dasi wir„durch die Angst und den brennenden Rachedurst unserer durch die Kolonialskandale bedrohten oder bereits belasteten Hintermänner" zu unserem Vorgehen verleitet worden seien, so ist das alles ebenso töricht wie bezeichnend für die Verwirrung der sittlichen Begriffe, die in dieser bedauer- lichen Kolonialhehe Platz gegriffen hat.... Wenn der „Lokal-Anzeiger" sich erdreistet, anzudeuten, das? die Tatsache, daß wir uns bei Herrn von Tippelslirch erkundigt haben,„ein grelles Licht auf unsere seit Wochen in den Kolonialskandalen beobachtete Haltung werfe" uns also eine irgendwie geartete Abhängigkeit von den beschuldigten Persönlichkeiten oder unlautere Beeinflussung durch sie vorwirft, so würden wir unserer Würde etwas ver- geben, wenn wir auf diese Infamie ein Wort der Abwehr wollten." Dann gibt die„Tägl. Rundschau" eine längere Darstellung der Besuche des Redakteurs Dr. Mode vom„Lokal-Anzeiger" bei Herrn v. Tippelskirch, in der sie zugesteht, daß ihr Ge- währsmann für die Ouade-Affäre tatsächlich Herr v. Appels- kirch in höchsteigener Person ist, nur versichert sie unter Be- rufung auf Zeugen, daß Herr Mode trotz seines Leugnens dem Herrn v. Tippelskirch erklärt habe, die vom„Lokal-Anzeiger" veröffentlichte Notiz über die Kreditbeziehungen der Firma Tippelskirch zu Offizieren der Schutztruppe sei vom Oberst- leutnant Ouade dem Hauptmann Dannhauer in die Feder diktiert. Wie weit das richtig ist, läßt sich nicht beurteilen und interessiert auch, wie wichtig es zur Beurteilung des journa- listischen Charakters und der Zuverlässigkeit der Herrn Mode sein mag, die Oeffentlichkeit recht wenig; weit interessanter ist folgende Aeußerung des Ripplerschcn Blattes über das Antichambrieren der„Loral-Anzeiger"-Redakteure bei Herrn v. Tippelskirch: „Den Gipfel der Koniik erreicht der„Lokal-Anzeiger". wenn er sich heute aufs hohe Roß setzt und die von ihm früher so heiß und so oft nachgesuchten Informationen drS Herrn von Tippelskirch mit dick aufgetragener Geringschätzung behandelt. Bei der letzten Unterredung seines Vertreters mit Herrn von Appels- kirch aber ließ er Herrn von Tippelskirch in Gegenwart unseres Vertreters ausdrücklich erklären, daß er trotz der rnt- staudcncn Differenzen eine Fortdauer der bisherigen Be- Ziehungen erhoffe. Warum dies, wenn er eine Information von Herrn Tippelskirch für minderwertig, ja für eine Art Bestechuug hält? Im übrigen hat Herr von Tippelslirch heute den„Lokal-Anzeiger" verklagt, weil das Blatt ihn beschuldigt hat. unseren Artikel gegen Oberstleutnant Ouade„aus Angst und brennendem Rachedurst" veranlaßt zu haben, was natürlich unwahr ist. Noch am Tage vorher hatte der Redakteur Dr. Mode im Auftrage des„Lokal- Anzeigers" sich vor Zeugen bei Herrn von Tippelskirch entschuldigt, daß der Verdacht entz stehen konnte, als stände Herr von Tippelskirch dem Vorstoß gegen Herrn Oberstleutnant Ouade nahe oder sei an ihm interessiert." Der„Lokal-Anzeiger" hat auf diese Beleuchtung seiner journalistischen Geschäftspraktiken in seinem heutigen Abend blatt die Antwort noch nicht gefunden. Vielleicht überlegt man in seiner Redaktton noch, wie man am besten dem wähl' verwandten Kollegen in der Zimmerstraße Nr. 7 antwortet; vielleicht hat sie auch von ihren hohen Gönnern und Irr spiratoren den Wink erhalten,„vornehm" zu schweigen, da' mit die einfältige Menge, die nicht weiß, wie die „anständige" ehrbare Presse ihre nattonalen und sittlichen Ueberzeugungen bezieht, nicht einen zu ttefen Einblick in die Geschäftspraktiken dieser Presse erhält. Verschiedene der sogenannten anständigen Blätter drücken bereits mahnend ihr Mißfallen über die Enthüllungen aus; so meint z. B. die„Deutsche Tagesztg.":„Schon jetzt können wir die Bemerkung nicht unterdrücken, daß die ganze Angelegenheit nicht geeignet ist, das An- sehen der Presse zu erhöhe n." Das sttmmt, wenn man unter dieser„Presse" jene patriotisch-nattonalen Blätter versteht, die in dem versteckten Jntrigenkampfe, der seit einiger Zeit sich zwischen der Bülow-Gruppe, der Podbielstt- und der mit dieser liierten militärischen Deimling-Clique abspielt, für das Bleiben Podbielskis auf seinem Posten fechten: einer Gruppe, der ja auch die„Deutsche Tageszeitung" nicht so ganz fernsteht.-— Militarismus und Staatsbürgerrechte. Ein wichtiges Urteil für Gewerkschaftler fällte das Oberkriegsgericht in Dresden. Der Landwehrmann von der 1. Kompagnie des Leibgrenadierregiments Nr. 100 R e i n h o I d P o s s e l t vor dem Kriegsgericht wegen Ungehorsams zu vierzehn Tagen Mittelarrest verurteilt worden. Der Sache liegt folgender Tatbestand zugrunde: Posselt. von Beruf Bergarbeiter, hatte am S. April d. I. die Konttollversamm- lung zu besuchen. Der Hauptmann a. D. Müller, der dieselbe leitete, machte die„Leute" darauf aufmerksam, daß sie an diesem Tage unter den Militärgesetzen ständen und sich jeder Beteiligung an Versammlungen zu enthalten hätten. wenn ihnen nicht ausdrücklich Genehmigung dazu erteilt worden sei. Der Angeklagte besuchte aber trotzdem eine für den Abend dieses Tages von der Reichenauer Bergarbeiterschaft einberufene Gewerkschaftsversammlung. Er wurde dort zum Vorsitzenden gewählt. Auf der Tagesordnung standen außer Gewerkschaftlichem noch Beratung der Statuten und eines provisorischen Vorstandes. Posselt wurde außerdem zur Last gelegt, am Schluffe zu recht zahlreicher teiligung an der Maifeier aufgefordert zu haben. der Angeklagte auf Grund dieses AnklagepunkteS nicht bestraft worden war, legte der GenchtSherr gegen das oben erwähnte Urteil Berufung ein. Durch den von, Angeklagten bewiesenen Ungehorsam sei eine Gefährdung der militä- ri scheu' Disziplin und dadurch die Gefahr eines er- heblichen Nachteils herbeigeführt worden. Die Strafe sei deshalb zu niedrig bemessen. DaS Oberknegsgericht als Berufungsinstanz erachtete indes den Nachweis, daß infolge des Ungehorsams ein erheblicher Nachteil nach der in der Berufung angedeuteten Richtung eingetreten sei, als nicht erbracht und verwarf deshalb die Berufung. Die 14 Tage Mittel- arrest wurden als ausreichende Sühne des Frevels angesehen. Der deutsche Reichsbürger darf nach diesem Urteil der Militär- justtz am Tage, da er zur militärischen Kontrollversammlung ver- auch Be- Da aber pflichtet ist, von einem ihm gesetzlich garantierten Versammlungs und Koalitionsrecht keinen Gebrauch machen I Der Militarismus verbietet es ihm auf Grund der Bestimmung, daß der Reservist und Landwehrmann am Tage der Konkollversammlung unter den Militärgesetzen steht. Die Kontrollversammlung, die für den Bürger ohnehin eine unangenehme Störung im Berufsleben bedeutet, dauert vielleicht eine Stunde. Die Unterstellung der Kontrollierten unter die drakonischen Militärgesetze während dieser Zeit hat wenigstens eine gewisse Logik für sich. Welche ver- nünstigen Gründe aber für die Unterstellung unter die Militär gesetze für die übrigen Stunden des Tages beigebracht werden könnten, das ist vollständig unerfindlich. Auf Grund dieser sinnlosen Bestimmung sind arme Teufel, die sich etwa einem preußischen Gendarmen widersetzt haben— der preußische Gendarm ist Vorgesetzter des gemeinen Soldaten— mit drakonischen Strafen belegt worden. Und wie man aus dem oben angeführten Gerichts- urteile sieht, gibt diese Bestimmung der Militärbehörde die formelle Berechttgung, die Staatsbürgerrechte für den Tag der Kontrollversammlung den Reservisten und Landwehrleuten einfach zu nehmen. Das ist ein Zustand, der eines mündigen Volkes unwürdig ist. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion sollte bei der Be ratung des Militäretals energisch darauf dringen, daß solche Eingriffe des Militansmus in die Staatsbürgerrechte unterbleiben und ihm durch Revidierung der Bestimmungen über die Konkoll Versammlung die gesetzliche Grundlage genommen wird.— • DeutTcbcö Reich. Die Fleischtcuerung und der Deutsche Fleischerverband. Die weitere Steigerung der Viehpreise auf den größeren deutschen Schlachtviehmärkten hat den Vorstand des Deutschen Fleischerverbandes veranlaßt, erneut an den Reichskanzler eine Eingabe zu richten, in der nach der„Allgem. Fleischerztg." folgende Forderungen gestellt werden: 1. Zulassung des dänischen Rindviehes unter denselben Be- dingungen wie österreichisches sAbschaffung der Quarantäne und Tuberkulinprobe); 2. Zulassung der Rindvieheinfuhr aus Holland; 3. Zulassung est, es Schweinekontingents: a) aus Frankreich für die Städte Straßburg. Metz, Hagenau und einige größere badische Städte; d) aus Holland für die Schlachthofstädte des Regierungsbezirks Düsseldorf, Köln und Aachen; c) aus Dänemark für die Schlachthofstädte an der Nord- und Ostsceküste, Mit diesen Forderungen können wir uns völlig einverstanden erklären, wenn wir sie auch nicht für weitgehend genug halten, um der jetzigen Fleischnot gründlich abzuhelfen. Anders steht es da gegen mit der«och außerdem vom Fleischerverband unter Hinweis auf„die Aufdeckung der ekelerregenden Zustände in den nord- amerikanischen Export- Schlächtereien" erhobenen Forderung, daß künftig die Einfuhr von ausländischem„F a ß f l e i s ch" und die Verwendung von ausländischem Büchsenfleisch für die Marine absolut verboten werden. Nach unserer Meinung ergibt sich aus den Vor' kommnissen in den Chicagoer Schlachthäusern lediglich die Forde- rung einer strengen, gründlichen Kontrolle. Andererseits muß verlangt werden, damit nicht die Herren Schlächtern, eister, besonders die notleidenden Großschlächter, die Oeffnung der Grenzen für die Vieheinfuhr aus Holland, Dänemarl und Frankreich lediglich zu ihrem Vorteil ausnutzen, daß gleichzeitig mit der Einfuhr von Vieh auch der Import von ftischem Fleisch aus den, Auslände erleichtert wird. Die arbeitende Bevölkerung könnte sonst leicht aufs neue die Erfahrung machen, daß die Herren Schlächtermeister sich gegen die Konsequenz sträuben, ihre Fleischpreise entsprechend dem Rückgang der Viehpreise zu ermäßigen.— Podbiclski als Dernvurgs Gönner. Nicht durch den Reichskanzler, auch nicht durch Herrn Ballin in Hamburg, sondern durch Herrn v. Podbielstt soll, wie die„Freis. Ztg." wissen will, Herr Dernburg von der Darmstädter Bank als Staatsmann entdeckt und für den Posten eines Kolonial- Konkursverwalters in Vorschlag gebracht worden sein. Podbielstt hätte, erzählt das Blatt, schon vor einer Reihe von Jahren, als Direktor Dernburg die Pommernbank„sanierte", diesen als smarten Geschäftsmann kennen und schätzen gelernt. Als Landwirt« schaftsminister hatte bekanntlich HerrZv. Podbielstt die Hypotheken- danken zu überwachen. Wie nun in jüngster Zeit dem Herrn Land« wirtschaftsminister das Tippelskircher Licht auf den Nagel zu brennen begann, enffann er sich des Herrn Dernburg als Helfers in der Not fauler Verhältnisse— und drang mit seiner Empfehlung an maßgebender Stelle siegreich durch.— Aus Warschau-Nüriiberg. Die bürgerliche Presse, voran die fteisinnige, hält krampfhaft an der Lüge fest, daß die Straßentumulte, die einzig und allein auf das Konto der Polizei zu setzen sind, von den Streikenden der Motor- fahrzeugfabrik Union inszeniert worden seien und daß die Schutzleute zu Säbel und Revolver erst dann gegriffen hätten, als sie von den Streikenden zu hart bedrängt worden leien und sich nicht mehr anders um ihr Leben hätten wehren können. an diesen im Belvußtsein ihrer Unwahrheit in die Welt ge- setzten Behauptungen ist. geht daraus hervor, daß von den Streikenden. die nach der Polizei gestochen, geschlagen, ge- warfen und geschossen haben sollen und die in solchem Falle doch zu allererst aufs Korn genommen worden wären, keiner verwundet ist. Beim Arbeitersekretariat Nürnberg haben sich bis jetzt über 20 Personen, die mit Säbelhieben und Revolverkugeln trakttert wurden, Rat geholt. Es sind Arbeitsinvaliden. Reisende. Frauen und ein 13 jähriger Knabe. An den Hieb- und Schußwunden sieht man. daß die Leute, als sie die Verletzungen erhielten, aus- nahmslos auf der Flucht begriffen_ waren. denn die Wunden befinden sich am Hinterkopfe, im Rücken, an der Hinterseite der Beine usw., in einen, Falle steckte die Kugel in der Seite. Einer gewerkschaftlichen Organisation gehört niemand von diesen Leuten an. 48 Personen sind verhaftet, darunter befinden fich ebenfalls viele Verletzte, die nur auf Grund ihrer Verwundung fest- genommen tvurden, ohne daß ihnen nachgewiesen ist, daß sie tätlich gegen die Polizei vorgingen. Trotzalledem wird aber weiter gelogen, daß der.Terrorismus" der Streikenden den Zu- sammenstoß provoziert habe. Der Name des Streikbrechers, der den Schlosser Fleischmann erschossen hat, ist jetzt bekannt geworden; eS ist der Sattler Ernst Diehl aus Nürnberg, ein 22jähriger Bursche; solch jungen Leuten ist sonst das Tragen von Waffen nicht gestattet, aber bei diesem traurigen Helden handelte es sich ja um ein sehr nützliches Element unserer Gesellschaft, deshalb durste er einen braven Familienvater zu Boden strecken und wird dafür auf freiem Fuß belassen. Die bürgerliche Preffe feiert ihn als den Berüber einer rühmenswerten Tat. Wo sich der Mordbube zurzeit aufhält, ist nicht bekannt: neulich hieß cS gar. er wäre von seinem Arbeitgeber, dem Fabrikbesitzer Maurer, im Automobil mit in die Sommerftische genoinmen worden. Da er sich um den Unter- nehmer sehr verdient gemacht hat. wäre dies gar nichts so außer- ordeniliches.* Das Verbot deSStreikpostenstehenS. so teilte dieser Tage die„Fränk. Tagespost" mit. ist von der Regierung santtioniert worden. In, Magisttat teilte Herr Rechtsrat Stoer mit. daß die vom Gewerkschaftssekretär Bohl eingelegte telegraphische Beschwerde mit Entschließung vom 31. August abgelehnt worden sei. Eine Begründung wurde nicht mitgeteilt. Bielleicht hat ne sich auch dre Regierung erspart oder es sind ihr«och keine Gründe eingefallen. Durch die Bestätigung des Verbots durch die Regierung ist«S INK, um kein Jota gerechter geworden. An'anderer Stelle schrieb unser Nürnberger Bruderblatt: DaS Militär rückt demnächst zu den Manövern aus. Dem biederen Spieß- bürgertum könnte dabei bange werden, denn wie leicht wäre eS möglich, daß die Umstürzler die militärlose Zeit dazu benutzen, um das oberste zu unterst zu kehren und in Nürnberg die rote Republik zu proklamieren. Der gute Bürgersmann kann fich aber jede»: Abend sorglos die Zipfelmütze über die Ohren ziehen und ruhig schlafen gehen; eS gibt, Gott fei Dank, noch Männer, die auf feine Sicherheit bedacht sind und den Umsturzmännern das Konzetzj! verderben. Wie in der Magistratssitzung verkündet wurde, hat der Stadtkommissär vom Kommando des 3. Armeekorps die Mitteilung erhalten, daß für die Dauer der Herbstwaffenübungen eine ein- schließlich der Wachkommandos 7 Kompagnien starke Ab- teilung zurückbleiben soll, um bei etwaigen Unruhen zur Verfügung zu stehen. Im Notfalle stünden auch die Wachlommandos von Ingolstadt und Erlangen zur Verfügung. Es ist also für alle Fälle trefflich vorgesorgt.-- Politische Bauernfängerei. Die elsaß-lothringische Zentrumspartei hat zu den Bezirkstags» Wahlen einen Aufruf erlassen, in welchem sich folgende Haupt- forderungen befinden: Völlige Gleichstellung Elsaß-LothringenS mit den deutschen Bundesstaaten, Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Stimmrechts für den Landesausschuß, religiöse Freiheit, gleichmäßige Be- Handlung aller Konfessionen, bedingungslose Gleichstellung der religiösen Vereine mit den anderen Vereinen, Freiheit der Klöster. der Kongregationen und Ordensniederlassungen, Beibehaltung der konfessionellen Schulen, der Lehrerbildungsanstalten. Förderung des Schulwesens, Vereinfachung des Abituriums nach den, Muster deutscher Staaten. Erweiterung des für Handel und Industrie so notwendigen französischei, Unterrichts an den höheren Lehr- anstalten und den Volksschulen, Weiterführung der be- gonnenen Steuerreform im Sinne einer Entlastung der Minderbemittelten, Vereinfachung der Ver- waltung u. a." Für die Skrupellosigkeit, mit der das Zentrum beim Stimmen- fang verfährt, ist dieser Aufruf höchst charakteristisch. Die Zentrums« ftaltion des preußischen Abgeordnetenhauses lehnt jedes energische Eintreten für die Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen ab, in Elsaß- Lothringen aber stellt die Zentrumspartei die Forderung des allgemeinen, gleichen. geheimen und direkten Wahlrechts an die Spitze ihres Programms. Im preußischen Dreiklassenparlament bemüht sich das Zenttum, wie z. B. beim SchulverpfaffungSgesetz, das Niveau der Volksschule möglichst herabzudrücken; in Elsaß-Loth- ringen erhebt es die Forderung: Förderung des Schulwesens. Im Reichstage verteuert es, wie beim Zolltarifgesetz und erst jüngst bei der Erhöhung der Biersteuer, rücksichtslos die Lebensmittel der großen Masse; im Elsaß schreibt es dagegen den Satz:„Weiterführung der begonnenen Steuerreform im Sinne einer Entlastung der Mnderbemittelten' auf seine Fahne. Nichts als Humbug l Der Breslauer Krawallprozeß gegen die noch übrig gebliebenen Angeklagten wird am 18. September vor der ersten Skafkgmmer des Breslauer Landgenchts stattfinden.— Wir Arbeitswilligen könne« einen totschlage»! In Augsburg hat der Maurerpolier und Stteikbrecher Beneditt Trieb einen bei ihm im selben Hause wohnenden Kunst- anstaltsarbeiter Karl Ruf, als sich dieser in bestimmter, aber ruhiger und anständiger Weise verbat, daß Trieb aus genngfügiger Ursache Rufs alte Mutter beschimpfe und mit Umbringen bedrohte, plötzlich angefallen und ihn hinterrücks durch drei Stiche in Kopf und Brust lebensgefährlich verletzt! Ruf mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Trieb wurde verhastet— am anderen Tag aber wieder auf freien Fuß gesetzt.'! Unser Augsburger Parteiblatt, die„Schwäbische Volkszeitung", ftagt angesichts diezer unerklärlichen Maßnahme:..... Warum wird dieser gemeingefährliche, schon iviederholt mit längerer Freiheits- strafe bedachte Raufbold anders behandelt als wie ein anderer? Sollte vielleicht der Umstand mitgeholfen haben, daß der Rohlina ein Streikbrecher ist, der jetzt sehr notwendig gebraucht wird?... Was von diesem Schützling des Unternehmertums noch alles zu erwarten ist, das zeigen uns die schon öfter gemachten Drohungen gegen andere Hausbewohner, fie mit dem Messer niederzustechen; deutlicher kann aber der Bursche nicht gekennzeichnet werden, als durch seinen eigenen Ausspruch, den er bor kurzem andern gegenüber tat und der lautete: Jetzt wird nur mehr mit dem Revolver ausgerückt und wenn uns so ein Lump von Streikendem nur schief anschaut, wird er zusammengeschossen wie ein Hund!" Die Fälle verbrecherischer Ausschreitungen von Streikbrechern mehren sich in letzter Zeit in ungeheuerlicher Weise und in eben olchem Maße die außerordentlich milde Behandlung der Totschläger durch die Justtz. Es sind furchtbare Lektionen über die Verschärfung der Klassengegensätze, die den Arbeitern von den Herrschenden nicht umsonst erteilt werden! Kuslanck« Italien. Reformen im italienischen Eiseniahnwese». Rom, 6. September. streik gedroht. Man habe also bei dem Massen- streik tatsächlich das Wahlrecht im Auge gehabt." Weiter verweise ich auf den Artikel des Genossen Friedrich Stampfer:„Wahlrcchtsbewegung und Massenstreik" in Nr. 49 der„Neuen Zeit". Der Verfasser führt unter anderem aus: „Man hätte von vornherein sagen dürfen:„Wir denken nicht daran, daß diese Wahlrechtsbcwegung zum Ausgangspunkt eines Massenstreiks werden könnte." Und es wird hinzugefügt: Dann würde diese Bewegung wohl nie ent- standen, sondern als hoffnungslos von vornherein auf- gegeben worden sein." Die Genossen Zubeil, Eis n er und Stampfer sind Berliner.- Will der„Vorwärts" auch von ihnen behaupten, daß sie„das bedauerliche Opfer einer leichtfertigen und durchaus unrichtigen Information geworden"? Er hat das bis jetzt nicht getan. Und doch bestätigen die Ausführungen dieser Genossen im wesentlichen durchaus meine vom„Vorwärts" als„Unwahrheit" angefochtene Behauptung. Der„Vorwärts" zitiert aus dem Bericht über meine Rends� burger Rede noch folgende Stelle:„In Sachsen hätte von Berlin aus g e b r e m st werden müssen, weil auch dort der Massenstreit schon so gut wie beschlossene Sache war." Ich habe ausweislich meines Bortragsmanuskripts wörtlich gesagt:„Gewisse Parteikreise hätten ihn gern als beschlossene Sache gesehen.' Die vom„Vorwärts" aus dem Teile des Protokolls der Gewerh schaftskonferenz, der vom Punkt„Partei und Gewerkschaften" handelt, zitierte Aeußerung des Genossen Geher ist nicht ge� eignet, meine Behauptung als Unwahrheit erscheinen zu lassen. Jedenfalls bestätigt sie, daß man in Sachsen ernsthaft über die Inszenierung eines politischen Massenstreiks verhandelt hat. Es ist, besonders für die Mitglieder der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion, kein Geheimnis geblieben, daß es eines sehr starken Bremsens bedurft hat, um diese Aktion zu verhindern. Nach dem Protokoll der Gcwcrkschaftskonfcrenz hat der Genosse Sachse auf seine an den Genossen Sindermann gerichtete Frage, wie es denn mit dem Massenstreik stehe, die Antwort erhalten, es sei beschlossen worden, mit den Gewerkschaften nicht in Verbindung zu treten, weil man von der scharfen Aktion absehen wolle. Läßt dieser Beschluß nicht darauf schließen, daß ein Teil der sächsischen Genossen diese Aktion wollte? Die Leichtfertigkeit in der öffentlichen Behandlung dieser ernsten und wichtigen Frage liegt nicht auf meiner, sondern auf anderer Seite, hauptsächlich auch auf Seite des„Vorwärts". Ich kann ihm den schweren Vorwurf nicht ersparen, daß er nach dem in seiner Redaktion geschaffenen Wandel Monate hindurch diese Frage in einer für die Partei höchst schädlichen Weise behandelt hat, entgegen der Tendenz der Jenaer Resolution. Ihn hauptsächlich trifft die Verantwortung dafür, daß gebremst werden mußte, um eine höchst unkluge und Verderb- liche Anwendung des Massenstreiks zu verhindern. E r hat die Stimmung mit erzeugt, aus der der Unmut parteigenössischer Kreise resultiert, der jetzt völlig ungerecht gegen den Partei- b o r st a n d sich richtet. Von ihm alsZcntralorgan nahm man an, daß seine Anfeucrung zum Massenstreik im Einverständnis mit der Parteileitung geschehen, was nach meiner Ueberzeugung nicht der Fall war. Wie der„Vorwärts" sich jetzt auch bemühen möge, seinen diesbetreffendcn Leistungen eine andere Deutung zu geben, er kann damit die schweren Fehler, die er begangen hat, nicht ungeschehen machen; er kann insbesondere die- jcnigen, die den Zweck seines Artikels vom 19. November 1995: „Eine maßlose Provokation", sofort erkannt haben, nicht nach- träglich über diesen Zweck, die Anfeuerung zum Massen- st r e i k, hinwegtäuschen. Ich weiß wohl, er ist jetzt, wo eine nüchterne Auffassung in bezug auf den Massenstreit sich geltend macht, in nicht geringer Verlegenheit, sich mit sich selbst, mit seiner früheren Behandlung dieser Frage abzufinden. Aber da sollte er wenigstens nicht das bedenkliche Spiel fortsetzen, das er solange getrieben hat. Als die Genossen v. Elm und *) Hier fehlt das Wort„angeblich". Frohme zitiert also trotz c Gänsefüßchen nicht wörtlich! Die Red. d.„Vorw.". L e s ch e mit mir die Erklärung vom 23. November v. I., den so- genannten„Hirtenbrief", veröffentlicht hatten, trug der„Vor- würts" in einer Bemerkung zu dieser Erklärung kein Bedenken, zu behaupten, es komme uns darauf an,„die Tendenz aus dem unliebsamen Jenaer Beschluß"— dem auch unsere Stimmen gehören!—„trotz des ganzen Geistes der Diskussion, die mit ihm verbunden war, jetzt hinterdrein jede revolutionäre Bedeutung hinwegzuintcrpretierc n". Und das, trotzdem unsere Erklärung lediglich den klar und unzweideutig ausgesprochenen Zweck hatte, fe st zu stellen, was Genosse Bebel in Jena über die Tendenz seiner Resolution ge- s o g t hat, um der Meinung entgegenzuwirken, die Partei habe sich auf den politischen Massenstreik bereits derart festgelegt, daß man auf ihn sich allen Ernstes heute oder morgen einzurichten habe. Das war unser hirtenbriefliches„Verbrechen", zu dem der„Vorwärts" in letzter Zeit wohl oder übel sich s e l b st bekennen muß, so besonders in seinen Lcit- artikcln„Zum Protokoll der Gewerkschafts- konferenz". Da sagt er(Nr. 187), genau wie der„Hirten- brief" nach den Worten Bebels es sagt,„daß es sich in Jena nur um eine prinzipielle Anerkennung des politischen Massen- streiks gehandelt hat", und daß in Jena„kein einziger Redner auch nur im Traume daran dachte, den Massenstreik bereits ein paar Monate später zum Sturze des preußischen Drei- klassenwahlrechts- in Anwendung bringen zu können". Letzteres möchte ich nun allerdings nicht unterschreiben, obwohl ein Belvcis, daß das Gegenteil der Fall war, unmöglich zu führen ist. Aber wird denn mit dieser Annahme des„Vorwärts" die Tatsache aus der Welt geschafft, daß bereits ein paar Wochen nach dem Jenaer Parteitag in P a r t e i k r e i s e n die Anwendung des Massenstreiks im Wahlrcchtskampfe ernsthaft ins Auge gefaßt ivurdc? Sicher nicht! Gebe man doch der Wahrheit wenigstens soweit die Ehre, einzugestehen, daß die Erwägung dieser Aktion, der Wunsch, sie zu unternehmen, aus einer besonderen Stimmung gekommen ist. Statt das unumwunden zuzugeben und Erklärungen dafür zu bringen, dreht und wendet der„Vor- wärts" sich um die Tatsachen herum, um den Anschein zu erwecken, als treffe ihn berechtigtermaßen nicht der geringste Vorwurf, als habe er in der ganzen Diskussion der Masscnstreik-Frage sich völlig einwandfrei verhalten. Zu weiteren Auseinandersetzungen mit der„Vorwärts"- Redaktion wird der Mannheimer Parteitag Gelegenheit bieten. Hamburg, 6. September 1996. Karl Frohme. »» v-, » Wir sind der Ansicht, daß Genosse Frohme weder durch das hartnäckige Festhalten an einem— gelinde ausgedrückt— bösartigen Irrtum, noch gar durch seine mehr als gekünstelten neuen Beweisführungsversuche seine Situation zu verbessern vermag. Zunächst behauptet Genosse Frohme, unser Hinweis auf die Erklärung Freythalers, wonach keinerlei Beschluß zugunsten eines Massenstreiks in Berlin vorgelegen habe, treffe ihn ja gar nicht, da e r die Existenz eines solchen Beschlusses ja gar nicht be- hauptet, sondern lediglich davon gesprochen habe, daß„in Kreisen der Berliner Parteigenossen ein politischer Massenstreik im Zusammenhang mit der Wahlrechtsdcmonstration i n s Auge gefaßt worden sei". Frohme muß die Leser des „Vorwärts" für miserable Logiker halten! Wenn in Berliner Kreisen wirklich der Massenstreik„ins Auge gefaßt" worden wäre, so hätten diese Absichten doch irgendwie bekundet werden müssen. Eine solche Bekundung lag aber nicht vor. Auch die„Sächsische Arbeiterzeitung" hatte das gleiche behauptet wie Frohme. Als sie nach den Beweisen für ihre Behauptung befragt wurde, besaß sie polemische Ehrlichkeit genug, sich nicht gleich Frohme hinter faden- scheinige Ausreden zu verkriechen, sondern sie präsentierte als ver- meintliche Tatsache die Aeußerung des Anarchisten Lange, daß im 6. Berliner Wahlkreis ein Beschluß zugunsten eines halb- tägigen Dcmonstrationsstreiks gefaßt worden ist. Diese Behauptung wurde vom„Vorwärts" widerlegt. Man hätte also füglich er- warten dürfen, daß damit die Legende von der Berliner Massen* streikbcgeisterung endgültig erledigt gewesen wäre. Und nun kommt Frohme und wiederholt gleichwohl die Behauptung der „Sächsischen Arbeiterztg.". Auf die dieser zu Teil gewordene Widerlegung verwiesen, erklärt er einfach, einen bestimmten Beweis anzutreten sei ihm gar nicht in den Sinn gekommen! Frohme behauptet dann in seiner Entgegnung, seine„Jnfor- mationen" seien durchaus zuverlässig. Er schweigt sich aber über die Natur dieser Informationen vorsichtig aus, um ja keine Ge- lcgenheit zu geben, seine beweislosen Behauptungen zu entkräften! Zum Beweis der Zuverlässigkeit dieser Informationen beruft er sich vielmehr auf allerlei Aeußerungen, die am 28. August dieses Jahres auf der Kreisgeneralversammlung für Teltow-Beeskow gefallen sind. Geradezu klassisch ist gleich das erste Zitat. Zubeil hatte gesagt: „Jetzt würden dem Parteivorstand heftig« Vorwürfe darüber gemacht, daß Bebel in Jena den Mund a ng e b l i ch so ungeheuer voll genommen habe, während am 21. Januar abgewinkt worden sei." Frohme selbst erklärt, daß er zwar nicht w i s s e, ob Zubeil speziell auf Berlin abgezielt habe! Aber damit nicht genug. Zubeil hat ja nach dem Bericht gar nicht gesagt, daß seiner Ueberzeugung nach abgewinkt worden sei, sondern er wendete sich nur gegen dritte Personen, die das behauptet hatten! Ja, Zubeil fuhr un- mittelbar fort:„Jeder klar denkende Mensch habe sich doch sagen müssen, daß an die erfolgreiche Durchführung des Massenstreiks im Januar gar nicht zu denken war." Danach hätte also Zubeil, um seine Worte im Sinne FrdhmeS auslegen zu können, erklärt, daß breite Kreise der Berliner Genossen eben nicht aus klar denkenden Menschen bestanden hätten! Zu allem Ucberfluß zitiert Frohme selbst dann noch einen weiteren Satz Zubcils, wo von einer„Zurück- Haltung" des Parteivorstandes im Januar die Rede war. Nach Frohme bedeutet„Zurückhaltung" also offenbar„ablvinken" oder „bremsen"! Dann beruft sich Frohme auf ein noch klassischeres Zeugnis, auf eine Aeußerung E i s n e r Z auf derselben Generalversammlung, .wonach„man noch am 18. März mit dem Massenstreik gedroht" habe. Der ahnungslose Genosse Frohme! Ihm ist es völlig un- bekannt, daß gerade EiZner zu der Handvoll Schriftsteller gehört, die bereits zur Verschärfung der Wahlrcchtsbewegung des letzten Winters den Massenstreik für möglich hielten und aus diesem Motiv heraus den Massen eine in Wirklichkeit nicht vorhandene Begeisterung für den Massenstreik unterstellten, der der Partei- vorstand durch unzeitgemäßes„Bremsen" entgegengewirkt haben soll. Genosse Frohme ist ein wahrhaft genialer Polemiker: Um die an- geblichen Massenstreiksromantiker ihrer Sünden zu überführen. läßt er als Kronzeugen einen veritablen Massenstreikroman- tiker gegen sie aufmarschieren! Und noch ein nicht minder gewichtiges Zeugnis vermag er ins Feld zu führen, die Ansicht des Genossen Stampfer, wonach schon diejenigen der RcvolutionSroniantik Vorschub geleistet haben, die nicht von vornherein ausdrücklich erklärt hätten, daß der Massenstreik für preußische Wahlrechtskämpfe überhaupt nicht in Frage komme. Nun, dieS zer- schmetternde Zeugnis brauchen wir schon deshalb nicht ernst zu nehmen, weil danach ja nicht nur die„Revolutionsromantiker" des „Vorwärts", sondern auch Genosse Bebel und der ganze Jenaer Parteitag auf den Scheiterhaufen gehören, an dem Genosse Frohme so emsig schichtet! Wir fürchten nur, daß unser liebenswürdiger Großinquisitor mit diesem fürchterlichen Massen- urteil ebensowenig Glück haben wird, wie mit der dem„Vorwärts" im Speziellen angedrohten Exekution in Mannheim! Genosse Frohme desavouiert alsdann den Bericht deS„Ham- burger Echo" über seine auf Sachsen bezügliche Aeußerung. Er habe nicht gesagt, dort sei der Massenstreik schon„so gut wie be- schlossene Sache" gewesen, sondern:„Gewisse Parteikreise hätten ihn gern als beschlossene Sache gesehen." Aber selbst diese Fassung ist keineswegs einwandSfrei. Wenn Frohme so gut informiert ist, müßte er wissen, daß die„gewissen Kreise" nur eine Minder- h e i t darstellten und daß es durchaus nicht des Bremsens des Partcivorstandes— wie er nach der nicht berichtigten Lesart des„Hamburger Echos" behauptete— bedurfte, um einen Beschluß zugunsten des Massenstreiks zu verhüten! Ein zwar sehr breites, aber ebenso beweisloses Gerede stellt dann Frohmes Schlußphilippika gegen den„Vorwärts" dar, der „M o na t e hindurch" entgegen der Jenaer Resolution einer rovolutionsromantischen Ausfassung Vorschub geleistet habe. Er beruft sich wiederum auf den Artikel in der Nummer vom 19. No- vcmbcr des„Vorwärts". Wir haben den Artikel zitiert und den Lesern durch dieses Zitat bewiesen, daß man demselben nur durch kleinliche Silbcnstccherei und unsozialistisch philisterhafte Jnter- pretation den Sinn unterstellen kann, den ihm Frohme imputierte. Frohme aber wiederholt einfach seine Behauptung! Frohme zitiert dann jene Glossierung, die der„Vorwärts" am 25. November dem„Hirtenbrief" angedcihcn ließ. In dieser zitierten Stelle hat es Frohme offenbar der Ausdruck„revolutionäre Bedeutung" angetan. Dieser Ausdruck hätte aber Frohme schon deshalb nicht zu entsetzen brauchen, weil ja in derselben Anmerkung von der Jenaer Rede des Mitunterzeichners des Hirtenbriefes, des Genossen von Elm, gesagt worden war, daß sie von„auf- richtigem revolutionärem Pathos" beseelt gewesen wäre! Genosse Frohme spielt dann den Trumpf aus, der„Vorwärts" habe sich in„letzter Zeit" selbst zu jener Auslegung der Jenaer Resolution bekennen müssen, die im„Hirtenbrief" diesem Beschluß gegeben worden sei. Wenn damit gesagt sein soll, daß der„Vor- wärts" jemals einen anderen Standpunkt vertreten habe, als in den letzten Debatten über den Massenstreik, so behauptet Frohme wiederum Dinge, die er niemals zu beweisen im- stände sein wird! Schon am 39. Dezember 1995, also doch wohl nicht in„letzter Zeit", trat der„Vorwärts" in seinem kürzlich wieder auszugsweise wiedergegebenen Artikel„Eine Lcgendcnbildung" dem törichten Märchen von der Revolutions- romantik entgegen. Aber schon viel früher legte— noch unter der alten Redaktion— ein Mitglied der neuen Redaktion, Genosse Ströbel, seine Auffassung über den politischen Massenstreik in einem am 39. August 1995 im„Vorwärts" veröffentlichten und von dem Verfasser gezeichneten Artikel nieder. In demselben hieß es: „Man sieht, von wie verschiedenartigen Gesichtspunkten die Genossen Bern st ein, Elm usw. einerseits und K a u t s k y, Roland-Hokst andererseits ausgehen. Die crsteren halten die deutsche Bourgeoisie für schwach und nachgiebig genug, sie schon jetzt durch förmlich proklamierte De- mon st rations st reiks zu Zugeständnissen zwingen zu können, während die letzteren mit der weiteren Verschärfung der Gegensätze zwischen Bourgeoisie und Proletariat rechnen und der Ansicht sind, daß der politische Massenstreik e r st in den entscheidenden Kämpfen eine— dann allerdings um so wichtigere— Rolle spielen wird." Genosse Ströbel ließ keinen Zweifel darüber, daß feine Auf- fassung sich mit der von Kautsky und der Genossin Roland- H o l st vertretenen decke. Und ein anderes Mitglied der neuen„Vorwärts"-Redaktion, Genosse Stadthagen, erklärte in der Massenstreikdebatte in Jena: „Die Gewerkschaftsführer sollten den Massenstreik studieren, dessen Anwendung absolut notwendig werden kann, und zwar nicht nur für den einen Fall des Wahlrechtsraubes. Ich st ehe gar nicht auf dem Standpunkte, daß der Massenstreik unter allen Umständen als Waffe hiergegen angebracht ist." Und noch ein drittes Mitglied der neuen„Vorwärts"-Nedak- tion, Genosse Düwell, hatte schon früher in einem Artikel in der„Neuen Zeit" eine Auffassung über den politischen Massen- streik vertreten, die alles andere, nur keine Befürwortung des unter allen Umständen zu proklamierenden Massenstreiks war! Und eine so zusammengesetzte Redaktion sollte der Massenstrxikromantik Vor- schub geleistet haben? Aber wie stellte sich denn der„Vorwärts" zum Massenstreik während der Wahlrechtsbewcgung selbst? Er schrieb am 21. Januar: „Das Proletariat muh sich das demokratische Wahlrecht er- kämpfen! Acngstliche Gemüter haben sich eingebildet, dieser Kampf, zu dem am heutigen Sonntag die Arbeiterklasse auf- gerufen ist, solle in blutigem Umsturz, in Barrikadenkämpfen oder wenigstens in Straßenexzessen bestehen. Ruchlose Scharf. macher haben die Behörden aufgestachelt, die Flinte schießen und den Säbel hauen zu lassen! Und es sind denn auch groteske Vor- bereitungen getroffen worden, überall ist das Militär bereit ge- stellt. In Berlin harrt ein ganzes Armeekorps des Kommando- Wortes! Das Proletariat spottet dieser Kinde- r e i e n! Es weiß, daß es den Scharfmachern keinen größeren Gefallen tun könnte, als Straßenumzüge zu veranstalten. Es verzichtet darauf, denn es hat bessere Waffen, um die hinter Bajonette sich verschanzende Reaktion niederzuwerfen. Sein unzerbrechliches Schwert ist der Gedanke, ist der Slppcll an die Vernunft, an das Gerechtigkeitsgefühl der Massen! In den zahllosen Versammlungen schwören heute viele hunderttausende Proletarier, sich mit ihrer ganzen Kraft, ihrem ganzen Sein dem politischen Freiheitskampf zu widmen. Noch stehen Millionen und Millionen unseren Organisationen, unseren Idealen fern. Es gilt, sie gleichfalls um das Banner der mcnschheitsbcfreiendcn Sozial- dcmokratie zu scharen! Je zahlreichere Massen deS Volkes hinter der Sozialdemokratie stehen, desto u n w i d e r- st e h l i ch e r wird unsere Wahlrcchtsbewegung. Dann wird die Reaktion andere Saiten aufziehen, dann wird sie nicht mehr wähnen, in einem fürchterlichen Blutbad die Forderungen deS Volkes ersticken zu können!" Söo ist da ein Hinweis aiif den Massenstreik, wo ein Kokettieren mit der Revolntionsromantik? Dann schrieb der„Vorwärts" am 18. März: „Das Proletariat hat sich keinen Augen, blick der Illusion hingegeben, durch seine Demonstration sofort Bresche in die Zwing- bürg der Reaktion legen zu können. Deshalb begegnet es dem verfrühten Hohn der Gegner mit ruhiger Ver- achtung. Es weiß nur zu genau, daß es eines zähen und unablässigen Kampfes bedarf, um die privilegierten Klassen zur Herausgabe der schnöde verweigerten Bolksrechte zu zwingen..... ... Das Schapfmachertum weiß es nur zu gut. daß sein er- künsteltet Hohn über den harmlosen Verlauf der Demonstration nur kindisches Gewäsch ist. Nur unbegreifliche Hirnverbrannt- heit konnte wähnen, daß das deutsche Proletariat an revolutionäre Putsche, daß es an einen anderen Kampf denke, als den mit geistigen Waffen.____ 'n Deutschland, die noch i n di f f e- TV N t e n Volksmassen aus ihrem Stumpfsinn zu erwecken und für die Ideale der Demo- kratie und des Sozialismus zu begeistern. Es gwt deshalb nichts Einfältigeres, als wenn selbst liberale Blatter die Wahlrechtsdemonstrationen damit verunglimpfen zu können wähnen, daß die Sozialdemokratie„n u r" propagan- distische Zwecke verfolge. In der Tat: Das will die Sozial- demokratie! Sie will die Drci-Millionenpartei zur Viel- Millionenpartei machen, sie will die sozialen und politischen Organisationen stärken, sie will die Armee des klassenbewußten Proletariats derartig organisieren und disziplinieren. daß keine kapitalistische Macht der Welt sich ihrem Vormarsch zu widersetzen vermag. Denn nur vor einem solchen Machtaufgebot des auf seine eigene Macht ge° stutzten Proletariats wird der Trotz der Herr- s ch e nden Klassen da hinschmelzen, wie der S ch nee vor der Märzensonne! Wie„ergebnislos" die Demonstration vom 21. Januar„verpufft ist, das beweist das gewaltige Erstarken der sozialdemokratischen Kadres. das springflutartige Anwachsen der Organisation, der gewaltige Abonnenteuzuwachs der sozialdemokratischen Presse, kurz das machtvolle Erstarken der Sozialdemokratie. Und Aufgabe des Proleta- riats ist es. dafür zu sorgen, daß die März- demonstration ebenso„ergebnislos verpufft"!" Wie wird Ihnen, Genosse Frohme? Wo ist da von Empfehlung des Massenstreiks, von Revolutionsromantik die Rode?! Trägt der „Vorwärts" etwa die Schuld an der Eisncrschen Illusion, daß man noch am 18. März„mit dem Massenstreik gedroht" habe?! Und hat der„Vorwärts" am 21. Januar und 18. März etwas anderes gesagt, als in seinen Massenstreikartikeln im August?! Wir könnten diese Zitate vervielfältigen. Aber wie wir den Genossen Frvhme kennen gelernt haben, wird er auch jetzt noch nicht von seinen Halluzinationen geheilt sein. Für die Masse der Ge- Nossen bedarf es aber schon längst keines Beweises mehr, daß der „Vorwärts" zwar den alten Klassenkampfstandpunkt vertreten, aber niemals massenstreikromantischen Illusionen gehuldigt hat. Wenn Frohme mit den Massenstreikromantikern eine Lanze brechen will, muß ex sich an eine ganz andere Adresse wenden! Pommerslijtr ProvinMlpllrttitag. Am 2. und 3. September tagte in Grabow der sozial- demokratische Provinzialparteitag für die Provinz Pommern. Ein umfänglicher Bericht des Parteisekretärs für Pommern, Genossen Horn, lvar einige Zeit vorher schon den Genossen als Beilage zum Stettiner„Bolksboten" zugänglich gemacht und ist auch als besondere Broschüre erschienen. Das Parteisekretariat, das mit Hülfe des Parteivorstandes ins Leben gerufen wurde, besteht seit dem 1. April 1905. Der Bericht ergibt, daß es tüchtige Arbeit geleistet hat. Während 1305 in 10 von den 14 Wahlkreisen Pommerns 286S politisch organisierte Genossen vor- handen, stieg im Jahre 1906 die Zahl auf 4695, die sich auf alle 14 Kreise der Provinz verteilen. Die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter stieg in derselben Zeit von 17 356 auf 23 564. Der Wahlvercin in Stettin ist von 750 auf 825 Mitglieder, der von Randow-Greifenhagen von 950 auf 1177 gestiegen. Stettin hatte am 1. Januar 1906 den Beitrag von 20 auf 30 Pf. pro Monat er- höht. Der befürchtete Mitgliederrückgang ist nicht eingetreten. Die Agitation in der Provinz ist sehr schwierig. In 71 Orten bestehen Parteiorganisationen, aber nur in 36 Orten stehen Lokale zur Verfügung. Es gibt noch ganze Wahlkreise, wo die Partei nicht ein einziges Versammlungslokal hat, z. B. in Greifenberg-Cammin, Blltow-Schlnwe-Rummelsburg, Belgard-Dramberg-Schivelbein und Neustettin. In den ausgedehnten Kreisen Nau�ard-Regenwalde, Phritz-Saatzig und Stolp-Lauenburg ist nur je ein einziges Lokal zu haben. Die schriftliche Agitation wird deshalb besonders eifrig bc- trieben. Im Jahre 1904 wurden 149 000, 1905 146 000 Kalender in den 13 Wahlkreisen(außer Stettin) verbreitet. Zur Agitation für die Landbevölkerung wird ein Organ„Der Pommer" alle zwei Monate unentgeltlich herausgegeben. Die Auf- läge ist deständig gestiegen. Die letzte Nummer wurde in 15 100 Exemplaren ausgegeben. Die Nachfrage war auf 20 000 ge- stiegen, doch konnte sie nicht ganz befriedigt werden, da die vom Parteivorstand für das Jahr bewilligten 1500 Mark dazu nicht aus- reichen. Den verschiedensten Orten wurden vom Parteivorstand Bibliotheken beschafft. Folgende Orte erhielten durch das Parteisekretariat Biblio- theken mit 657 Bänden: Neustettin, Tempelburg, Kolberg, Köslin, Wolgast, Greifstrmld, Grimmen, Gützkow, Lassan, Tribsees, Swine- münde, Torgelow, Jatznick, Pasewalk, Ueckernninde, Gollnow, Anklam. Lübs, Stolp, Bütow, Barth a. Ostsee. Danigarten, Stargard, Pyritz, Falkenburg, Greifenberg, Treptow a. R. Mehrere andere Orte werden in nächster Zeit noch Bibliotheken erhalten. Außerdem wurden den Genossen noch 15000 verschiedene Broschüren zur Verteilung zur Verfügung gestellt. Dazu kommen die Wahlrechts- slugblätter und anderes Agitationsmaterial, das von den Kreis- organisationen beschafft und verteilt wurde. Das Parteisckretariat hat neben seiner Agitations- und Ver- waltnngsarbeit auch noch die Erteilung von Rechtsaus- künften und die Anfertigung von Schriftsätzen für die Landarbeiter übernommen. Es wurde dazu seit dem Herbst 1905 in 115 Fällen in Anspruch genommen. Im Bericht wird dazu bemerkt: Durch dieses Entgegenkommen gegen die Landarbeiter ist uns manche gute Verbindimg geschaffen worden, die dazu dient, leichter Agitationsmaterial nach den entferntesten Gegenden zu verbreiten. Die Agitationskonnnission der Provinz hatte vom 1. Juli 1904 bis 30. Juni 1906 eine Einnahme von 20 815,77 M., wovon 1990,51 Mark Kassenbestand, 17 050 M. Beitrag des Parteivorstandes, 49,26 Mark Zinsen, 675 M. Gelder für Inserate im„VolkSkalender", 100 M. Beitrag eines Parteigenossen, 943 M. Beiträge der Wahlvereine und 8 M. sonstige Einnahme waren. Von den Beiträgen der Wahl- vereine entfallen auf Stettin 600, auf Ueckermünde-Wollin 2,50, auf Anklam-Demmin 50, auf Kolberg-Köslin 30, auf den Wahlverein Tempelburg 13 M. Der Kaffenbestand am 30. Juni 1906 betrug 233.77 M. Die am 21. Januar für die Opfer der russischen Revolution vorgenommenen Sammlungen ergaben 716,22 M. Einen großen Teil des Berichtes nimmt die Schilderung des Kleinkrieges ein. den die Polizei gegen die Bewegung mit Straf- Mandaten. Haussuchungen. Flugblätterbeschlagnahmen, Beeinflussung von Lokalinhabern, Versammlungsverboten usw. führt. Vielfach haben die Gerichte den Eifer der Polizei durch Freisprüche dämpfen müssen. In- des war Pommern doch neben Schlesien(Görlitz) die einzige preußische Provinz Ivo das Walilrechtsflugblatt ivenigstens von einem Gericht als strafbaren Inhalts angesehen worden. Vom Landgericht zu Stargard wurden die Genossen Siedschläg und Witte zu je drei Monaten Gefängnis wegen angeblicher Aufreizung zu Gewalttätig. leiten verurteilt. Das Reichsgericht wird darüber am 16. Oktober als Revisionsinstanz zu entscheiden haben. Die Maifeier wurde unter größerer Beteiligung als je zuvor gefeiert. Die Auflage des„ S t e t t i n e r V o l k s b o t e n" ist langsam, aber ständig gestiegen. Man hofft, ihn bald ohne Zuschüsse halten zu können, lieber die finanzielle Lage der Wahlkreise werden folgende Angaben gemacht. Es hatten Einnahmen: An Kassenbeständen blieben in den Kassen der Wahlkreise: Stettin 723,09 M., Randow-Greifenhagen 2107,41 M., Ueckermünde- Usedom-Wollin 444,50 M., Stralsund- Rügen 205,20 M., Anklam- Demmin 41,39 M., Köslin- Kolberg 101,17 M., Stolp- Lauenburg 22,98 M., Pyritz-Saatzig 17,23 M., Naugard-Regenwalde 1881 M., Greifenberg-Kammin 63,60 M., Grcifswald- Grimmen 198,— M., Summa 3918,38 M. Der Bericht wurde vom Parteitag genehmigt. Unter anderem wurde ein Antrag des Parteisekretärs Horn angenommen, vor den Reichstagswahlen eine Konferenz der Wahlkreisvorsitzendc» und Reichstagskandidaten einzuberufen. Sodann referierte der Reichstagsabgeordnete von Randow- Greifenhagen, Genosse K ö r st e n über die politische Lage. Er erörterte dabei auch die Frage des Massenstreiks. Seiner Meinung nach habe der Parteivorstand nicht klug gehandelt, als er mit deü Wahlrechtsdemonstratiouen die Sympathiekundgebung für die Opfer der russischen Revolution verknüpft habe. Letztere hätte besser allein für sich stattfinden können. Die Verbindung beider Dinge machte es den Ultramontanen und Liberalen leicht, die Teilnahme abzulehnen, ohne sich vor der Oeffentlichkeit allzusehr bloßzustellen. Sie erklärten einfach, e§ komme der Sozialdenwkratie garnicht darauf an, das all- gemeine, gleiche Wahlrecht für den preußischen Landtag zn erringen; sie wolle nur eine revolutionäre Kundgebung veranstalten. Die Vorschläge des Genossen Maurenbrecher könne er absolut nicht unterschreiben. Trotzdem billige er die harten Ausdrücke, die der „Vorwärts" und die„Leipziger Volkszeitung" gegen Maurenbrecher gerichtet haben. Er sei der Meinung, daß man sich das Wahrecht mittels des Massenstreiks nicht erkämpfen könne. Dazu denke das deutsche Volk zu nüchtern. Es sei auch falsch, wenn gesagt werde, daß uns die Massenstreikresolution dazu verpflichte. Das könne er aus der Jenaer Resolution nicht herauslesen. Auch der Parteivorstand sei nicht der Meinung, daß man sich das Wahlrecht in Preußen durch den Massenstreik erobern müsse. Mithin ist die Differenz zwischen den Berliner Gewerkschaftsführern und dem Parteivorstaud nicht so groß, wie das früher hingestellt worden sei. Auch Frau Roland-Holst habe unlängst ganz im Sinne der Auffassung geschrieben, die er schon früher vertreten habe. Die frühere Aversion gegen die Jenaer Resolution bei vielen Gewerk- schaftsführern rührte namentlich daher, daß man in ihr eine Konzession an die Anarchosozialisten erblickte. So, wie Frau Roland- Holst die Jenaer Resolutton auslege, könne sich jeder Gewerkschaftler mit ihr einverstanden erklären. Auch darin seien die Gewerkschaften mit der Partei einig, daß zur Verteidigung wichtiger Volksrechte wie Koalitionsrecht und Reichstagswahlrecht der politische Massenstreik zur Anwendung kommen könne. Als im Jahre 1902 zur Zeit des Zollkampfes die Situation sich zuspitzte, da hätten die Gewerkschaftsführer dem Parteivorstand aus eigener Initiative erklärt: wir sind bereit, wir marschieren, obwohl damals der Massenstreik als Kampfmittel offiziell noch nicht anerkannt worden war.(Hört! hört I) Partei und Ge- werkschaften gehören zusammen. Die Zwistigkeiten der letzten Jahre seien im Gründe genommen nur ein Mißverständnis.(Zuruf: Nein, persönliche Stänkcreien I) Wir wollen wünschen, daß in Zukunft solche vermieden werden.(Beifall.) Redakteur Genosse O u e s s e I lvandte sich gegen Körsten. Einer solchen Auslegung der Jenaer Resolution könne er nicht zustimmen. Sie sage deutlich, daß der Massenstreik auch als Angriffswaffe dienen soll, den» der entscheidende Passus der Resolution Bebel besage: Als eines der wirksamsten Kampfmittel... um sich ein wichttges Grundrecht zu erobern, betrachtet gegebenenfalls der Parteitag die umfassendste Massenarbeitseinftellung. Ouessel empfahl folgende Resolution: In Erwägung dessen, daß die Wahlrechtsaktton vom 21. Januar und 13. März nur einen vollen Wert gehabt hätte, wenn sie in dem unerschütterlichen Entschluß, auch schärfere Mittel als Volksversammlungen und Flugblattverbreitungen zur Anwendung zu bringen, unternommen worden wäre, fordert der pommersche Parteitag den Parteivorstand auf. in Zukunft mit größerer Energie den politischen Masseustreik zu propagieren und zwar im Sinne einer Verwirklichung desselben zur Erringung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts in den deutschen Bundes- staaten. Der pommersche Parteitag erwartet vom Parteivorstand, daß er schon der nächsten Wahlrechtsdemonstratton einen Charakter gibt, der geeignet ist, die Massen auf die Verwirklichung des politischen Massenstreiks vorzubereiten., Mit aller Entschiedenheit spricht sich der Parteitag ins- besondere gegen das Bestreben aus, den politischen Massenstreik als ein Kampfmittel hinzustellen, das erst in femer Zukunft in Frage kommen kann. Bebel habe bekanntlich die Unterstellung im Protokoll der Ge- Werkschaftskonferenz zurückgewiesen, daß er erklärt habe, der Partei- vorstand habe nicht die Absicht, den politischen Massenstreik zu propagieren, sondern werde, so weit eS ihm möglich sei, einen solchen zu verhindern suchen. Ausgeschlossen sei deshalb aber nicht, daß vielleicht im Parteivorstand sich eine Strömung bemerkbar machte, der Massenstreikresolution eine solche Auslegung zu geben. Man wisse von Dresden her, daß der Parteivorstand in taktischen Fragen nicht immer einer Meinung sei, und um dem linken Flügel des Parteivorstandes, an dessen Spitze bekanntlich Genosse Bebel stehe, eine Rückenstärkung zu geben(I!), sei die Resolutton bezw. ihr erster Absatz verfaßt. Die Massen würden seiner Ansicht nach erfolgreich auf die Ver- wirklichung des politischen Massenstreiks nur vorbereitet, wenn man sie daran gewöhne, zeitlich beschränkte Masfenarbeits- einstellungen zu demonstrativen Zwecken vorzunehmen. Eine solche zeitlich beschränkte.Massenarbeitseinstellnng" sei zum Beispiel die Arbeitsruhe am 1. Mai. Der 1. Mai stehe ja bereits als Demonstrationstag für das allgemeine, gleiche Wahlrecht fest und er wolle hoffen, daß die Slrbeitsmhe mit solchem Eifer propagiert werde, daß man am nächsten 1. Mai von einer wirklichen .Massenarbeitseinstellung" reden könne. Er würde eS aber auch für zwe�mäßig halten, daß der nächste WahlrechtStag nicht auf einen Sonntag verlegt werde, sondern vielleicht auf einen Sonnabend- Nachmittag, so daß die Arbeit einige Stunden früher als sonst ein- gestellt werde. Damit mache man die Massen mit dein Prinzip, das dem politischen Massenstreik zugrunde liege, vertraut, nämlich durch die Einstellung der Arbeit in Massen zu demonstrieren Durch den letzten Passus solle den Parteigenossen entgegen- getreten werden, die zwar eine platonische Liebeserklärung für den Massenstreik stets auf Lager hätten, seine prakttsche Gegenwarts- bedeutung aber leugneten. Nein, die Vorbereitung auf den Massen- streik dürfe nicht erst nach 10 oder 20 Jahren beginnen, sie muß schon jetzt unsere praktische Agitation und Organisation durchdringen. Das bedeutet nicht, daß der Massenstreik nun schon in diesem oder nächstem Jahre proklamiert werden muß. Die materiellen und psychologischen Hindernisse, die sich zurzeit seiner Verwirklichung entgegenstellen, seien seiner Ansicht nach so groß, daß sie nur durch jahrelange intensive Tättgkeit aus dem Wege geräumt werden können. Sehr verkehrt sei es daher, dem Parteivorstand einen Vorwurf daraus zu machen, daß er nicht schon im vorigen Winter den Massenstreik proklamierte. Man leitete doch eine Volksbewegung nicht gleich mit dem schärfsten Mittel ein! Richtig scheint es aber, die Pressionsmittel von Fall zu Fall zu verstärken. So unvorbereitet, wie das Proletariat im vorigen Winter auf den Masseustreik war, hätte er mit einer Niederlage enden müssen. Der Sinn der letzten Sätze der Resolution sei daher nicht der. daß wir uns Hals über Kopf in einen Massenstreik stürzen sollten, wohl aber, daß wir seine prakttsche Gegenwartsbedeutung dadurch hochhielten, daß wir schon jetzt unermüdlich bestrebt seien, den Kampfplatz zu ebnen, die Geister auf das, was kommen solle, vorzubereiten. Zur Annahme der Resolution gehöre nicht allzuviel Radikalismus. Er selbst sei ein Gemäßigter. Aber er wolle lieber zu den Massen- streikromantikern gehören als zu den Philistern, deren ganzer Radi- kalismus in unftuchtbaren Worten bestehe. Genosse H ann i ch- Randow-Greifenhagen erklärte, Genossin Roland-Holst sei nicht der Meinung, wir wollten auf den Massen« streik verzichten. Sie warne nur davor, in überstürzter Weise von diesem Kampfmittel Gebrauch zu machen. Schlimm sei es. daß ein Gewerkschaftsführer, der zugleich Reichstagsabgeordneter ist, auf der Konferenz erklären konnte, für ihn feien nur die Beschlüsse des Gewerkschaftskongresses maßgebend. Genosse Herbert-Stettin äußerte. er habe sich gesagt, wenn die Jenaer Resolution ernst gemeint war. dann müsse der Massenstreik, wenn auch nicht in ein paar Monaten. so doch in absehbarer Zeit durchgeführt werden. Halte man die Zustände nicht dazu angetan, dann solle man auch solche Resolutionen nicht beschließen. Schon einmal sei eine großzügige Bewegung durch das Eingreifen von oben verhindert. Hätte die Fraktton bei der ersten Maifeier nicht gebremst, so wäre vielleicht damals ein größerer Kamps entbrannt, aber die Arbeitsruhe wäre durchgeführt. Heute sei vielen Arbeitern die Maifeier verleidet. Im„Vorwärts" wurde fortgesetzt aufRußland hingewiesen und von der„glorreichen Revolution" gesprochen. Die Verhältnisse seien schon in Deutschland im Norden und Süden, ja in den einzelnen Provinzen verschieden, man könne also unsere Verhältnisse nicht mit Rußland vergleichen. Glücklicher- weise habe der„Vorwärts" für die Provinz wenig Bedeutung(Sehr gut); seit der Palastrevolution nenne sich der„Vorwärts" zwar noch immer Zentralorgan, er ist es aber nicht mehr. Bebel habe gesagt, wenn wir einen Massenstreik machen, dann nicht nur auf kurze Zeit. Warum nicht? Man müsse auch im wirtschaftlichen Leben den sogenannten Guerillakrieg führen. Wenn Handel und Berkehr gestört werden, dann werde die Bourgeoisie schwer getroffen. Wir müßten auch die Landarbeiter einbeziehen. Leider seien wir noch nicht so weit, aber wenn wir so weit wären, dann könnten wir die herrschende Junkerklique am Lebensnerv treffen. (Zuruf: Dann werden Soldaten geschickl!) Das solle man nur tun, davon werde unsere Bewegung am meisten profitieren. Aber dann heiße es: Parteivorstand, tue Geld in deinen Beutel. Ein Massen- streik der Landarbeiter koste sehr viel Geld, weil wir die gemäß- regelten Leute schadlos halten müßten. Wir müßten auch einzelne Genossen fortlaufend unterstützen, um auf dem Lande bleiben und agitieren zu können. Wenn man das nicht riskieren wolle, so solle man das offen und ehrlich sagen. Entweder— oder; man müsse Farbe bekennen. F l a t o w- Stolp und Stauer- Stettin sprachen gegen den Massenstreik, s M e'.h n e r t- Neustettin trat ihnen entgegen. In Pommern werde das flache Land allerdings kaum in Frage kommen, wohl aber die kleinen Städte. Wenn hier auch nur einige Branchen sich am Massenstreik beteiligen, so würde der Eindnick ein außer« ordentlicher, die ganze Bevölkerung aufrüttelnder sein, da eine kleine Stadt schon in Äuftuhr komme, wenn auch nur in einem Gewerbe ein Streik ausbricht. Körsten wandte sich im Schlußworte gegen Ouessel. Was die Gewerkschaften in bezug auf den Massenstreik wollten, wolle auch Genosse Bebel. Die Anwendung des Massenstreiks, wie er in ge» wissen Parteikreisen seit Jena geplant werde, halte er für höchst gefährlich. Die Resolution gehe weit über das hinaus, was Bebel wolle. Redner bittet, sie nicht anzunehmen, sondern die Angelegen» heit dem deutschen Parteitage zu überlassen. In der Abstimmung wurde die Resolution des Genossen Qnessel mit 40 Stimmen angenommen. (Nach den, Berichte waren etwa 80 Delegierte und Teilnehmer anwesend.) ES folgte die Beschlußfassung über ein Einheit? st atut für die Wahlvereine. Nach dem Z 6 sollen 40 Proz. der Einnahmen an die Agitationskommission abgeführt werden. Zum Schluß wurde über den.Volksboten" verhandelt. 4»• * Da wir unsere Stellung zur Massenstreikftage mehrfach dar- gelegt haben, so erübrigen sich hier Bemerkungen zu der Massenstreikdebatte des Pommerschen Parteitags. Auch das Urteil des Genossen Herbert über die Bedeutung des„Vorwärts" für die Provinz und über den angeblichen Verlust der Eigenschaft als Zentralorgan nach dem Wechsel der Redaktton nötigen uns nicht zur Erwiderung. Dagegen würde es uns interessieren zu hören. waS für ein Verbrechen wir begangen haben, wenn wir die russische Revolution glorreich genannt haben. Kriminalistentagung. Die elfte Landesversammlung der deutschen Gruppe der inter- nationalen kriminalistischen Vereinigung beendete gestern ihre Be- ratungen. Verhandelt wurden die durch eine Reihe gedruckter Referate vorbereiteten Themata: 1. Stellungnahme zu den Vorschlägen der vom Reichsjustizamt zusammen berufenen Strafprozcßkommission, 2. empfiehlt sich für das Deutsche Reich der Erlaß eines Aus- lieferuugsvcrtragcö? Der Behandlung dieser Themata schloß sich ein Vorttag über das Thema Amerikanische Kriminalpolitit an. Bereits gestern haben wir als Resultat der Stellungnahme der Vereinigung zur Straprozeßreform die einstimmige Annahme der Einsetzung einer Kommission mitteilen können. Diese Kommission hat den Auftrag erhalten, die Grundlagen für eine durchgreifende Reform der Strafprozeßordnung zu sammeln, die Studien auch auf Schottland und England auszudehnen. Dem Antrag- auf Einsetzung dieser Kommission hatte Prof. LiSzt(nicht wie gestern mitgeteilt Oberlandesgerichtspräsidert Hagers) gestellt. Dieser Kommission gehören viex. Professoren— von Liszt(Berlin). von Lilie nthal(Heidelberg), Mittermaier(Gießen), Rosenfeld(Münster)— zwei Richter(Landgerichtsdirektor a. D. Aschrott und Landgerichtsrat Rosenberg(Berlin), der Frank- furter Oberbürgermeister Adickes, der Staatsanwalt Fei sei,- berger(Bochum) und der Rechtsanwalt Genosse Dr. Heine- mann(Berlin) an.� Die kriminalistische Vereinigung will auf die sozialen Momente besonders Gewicht gelegt wissen. Dies Streben trat in den beiden Verhaudlungsgegenständen nicht zu tage. Die Diskussion drehte sich in, lvcseutiichcn ohne jegliche Rücksicht auf die sozialen bei der Strafjustiz in Betracht kommenden Momente lediglich um technische Fragen, mit einem außerordentlich starken Drängen nach Vermehrung der staatsanwaltlichen Allmacht und den Grundlagen einer boHta willkürlichen Massen, usiiz, der man Ungerechtiqkeit nicht nach-- sagen kann, weil die Willkiir. das Belieben, die Laune, die poli- tischen Erwagiingen der völlig Verautwvrtungslosen politischen An- tlagcbehorde den für das Gesetz gemachten Vorschlägen entsprachen. Die,e Richtung hielt eine große Reihe der Vorschläge des Referenten, Landgerichtsdirektors A s ch r o t t inne. Er wünscht daß das Verfahren ganz in die Hände der Staatsanwalt- fchast gelegt werden solle. Jede Staatsanwaltschaft soll nach freiem Ermessen beurteilen dürfeii, ob die Strafverfolgung im Interesse der staatlichen Rechtspflege liegt. Das heißt: dem Grundsatz„Große Diebe laßt man laufen, kleine hängt man" oder„Hallunken beschützt man. ehrliche Leute klagt man an" zum ausdrü-klichen Rechtsgruudsatz erheben. Eine wahre Justiz verlangt Unparteilichkeit und als eine der Grundlagen der Justiz: die Aburteilung tuicht nur im sogenaiilite» Haupwerhandlungstermin) durch unabhängige Richter, deren Nicht- schnür lediglich Gesetz und Gewissen sein soll, nicht abhängige Vcr- waltungsbeamte. denen durch die Aschrottschen Vorschläge als Nicht- 1 chnur Gewissenlosigkeit und Willkür gesetzlich eingeräumt würde. Derselbe Redner glaubt, daß das Schwergewicht in den Strafgerichten ber den wisicnschaftlich gebildeten Bcrufsrichtern liegen müsse. Die Zuziehung von Laien wünschte er lediglick, um das Vertrauen des Volkes in die Strasjustiz zu erhöhen. Nach den Erklärungen der süddeutschen Regierungen werde allerdings das Schwurgericht dem Volke erhalten bleiben. Es ist bezeichnend, daß der Referent der Frage gar nicht näher tritt, ja daß sie ihm ebensowenig wie den übrigen Rednern in den Sinn gekommen zu sein scheint: warum denn Laienrichter ein größeres Vertrauen erwecken? Mit dem Wesen des Rechtes der sozialen Rechtsordnung hängt es zusammen. daß allein aus allen Kreisen der werktätigen Bevölkerung zusammengesetzte Gerichtshöfe, nicht aber sogenannte wissen- schaftlich vorgebildete Berufsrichter das Recht finden können und deshalb Vertrauen genießen. Der Berufsrichter, dem die tatsächliche Kennwis der wirtschaftlichen Verhältnisse abgeht, gleicht einem Hand- werker, der ohne Handwerkszeug arbeitet und deshalb nur Pfusch- arbeit verrichten kann. Er mag die Formalien leiten. nicht aber urteilen. Der Referent Landgerichtsdirektor Aschrott verlangte ferner eine geschulte Kriminalpolizei als HülfSorgane der Staatsanwaltschaft. Selbst dieser Redner mußte sich aber gegen den großen Umfang der Untersuchungshaft wenden und verlangte die Abschaffung der so- genannten Kollisionsgefahr als Verhaftungsgrund. Zu Beginn seiner Rede mußte auch er zugeben, daß das Vertrauen in die deutsche Strafrechtspflege in den breitesten Kreisen des Volkes mehr und mehr ins Wanken gekommen sei. Der Oberbürgermeister Adickes verlangte in ähnlicher Weise Wie seinerzeit im Herrenhaus, man solle englffche und schottische Verhältnisse studieren und nach hier übertragen. Die Gleichheit vor dem Gesetze will er nicht anerkennen, das ist ihm ein Schlag- wort, das gegenüber dem Herrentum des Einzelrichters zurücktreten müsse. Der Staatsanwalt Feisenberger- Bochum wieder- holte das im Reichstage von sozialdemokratischer Seite betonte Wort: Eine gute Instanz ist besser als zwei schlechte. Er gelangt aber dann zur Forderung einer Einschränkung des Laienelements und einer Stärkung der Stellung des Staatsanwalts. Die Voruntersuchung müsse ganz in die Hände des Staatsanwaltes gelegt werden. Der Unterftichungsrichter sei ja heute nur ein ver- kappter Staatsanwalt und da zumeist ein recht schlechter. Der Oberstaatsanwalt Hupperts trat ebenfalls dafür ein. daß die Staatsanwaltschaft das Verfahren ganz in der Hand haben müsse. Professor Liszt wendet sich mit Entschiedenheit gegen die im Reichsjustizamt ausgearbeiteten Vorschläge und wünscht die Einsetzung einer Kommission. Die Reform müsse eine zielbewußte Neugestaltung sein. Wenn wir heute nicht die Kraft in uns fühlen, wenn uns der Berus zur Gesetz- 4 gebung fehlt, so müßte» wir uns klar werden, daß wir Epigonen sind und an dem Erbteil der Väter aus den-der Jahren zehren müssen. Alles andere sei besser, als eine Umgestaltung, die nicht nach modernen den heutigen Zeitverhältnissen entsprechenden Grundsätzen stattfindet. Die Gefahr, noch ein halbes Jahr oder länger auf die Reform warten zu müssen, sei geringer, als die, etwas Mangelhaftes zu schaffen. Der Rechtsanwalt Dr. Wolfs- Lissa stellt den Antrag, auch das Material über das Untersuchungsverfahren zu sammeln. Eine Statistik darüber sei dringend notlvendig, ob und wie lange eine Untersuchungshast gedauert hat, wieviel Frei- sprechungen bei ihr stattgefunden haben, ob, wo und wann eine Ver- urteilung stattfand, wie hoch die Strafe war usw. Diese Reform sei unmöglich, sobald man hierüber nicht Ausschluß habe. Nach seinen Ermittelungen sei jeder vierte Angeklagte in UntersuchnngS- hast gewesen.(Heftiger Widerspruch.) Nun. Sie mögen meine Zahlen anzweifeln, das beweist nur, wie notwendig es ist, hierüber eine Statistik aufzustellen. Es wird sich ergeben, daß bei uns im Prinzip viel zu viel verhaftet wird, und daß es nicht nöttg ist, daß jeder Vierte, sondern höchstens, daß jeder Vierzigste verhaftet wird. Professor von Liszt hält eine solche Statistik, die bereits seit vielen Jahren im Reichstag gefordert ist, technisch für aus- führbar. Der Antrag wird leider abgelehnt. Das Referat über das Thema empfiehlt sich für das Deutsche Reich der Erlaß eines Auslirferungögesehes? hatte der Tübinger Staatsrechtslehrer Professor Dr. Frank über- nommen. Sein Vortrag hielt sich von dem sozialen, denr internationalen Gastrecht zugrunde liegenden Gedanken völlig fern. Er verlangt nicht ein Recht der Gastfreundschaft: vielmehr hält er in Ueberein- stimmung mit seinem über dieselbe Frage verfaßten literarischen Gut- achten die Regierung zur Auslieferung für berechtigt. Der heutige RechtSzustand sei freilich reformbedürftig. Er habe bei diesem Ver- langen loeniger das Los der politischen Flüchtlinge als das Interesse des Deutschen Reiches als solches im Auge. Da Amerika. England, Belgien. Holland nur wegen solcher Delikte ausliefern, bei denen die Auslieferungs- Pflicht durch generelle Auslieferungsverträge feststehe, so entspreche die Einnahme eines gleichen Standpunktes der Würde des Deutschen Reiches. Besonderes Gewicht sei darauf zu legen, daß jedes einzelne «uslieferungsgesuch durch die Gerichte geprüft werde. Er könne nicht zugeben, daß eS eine Ehrenpflicht für Deutschland sei. Fremden das Asylrecht zu gewähren, denn nicht das Wohl und Wehe des einzelnen Individuums, sondern das des Staates müsse die Richtschnur abgeben. Es wurde schließlich folgende von Pro- sessor Frank vorgeschlagene Resolution einstimmig angenommen: »1. Die Versanimlnng erklärt, daß der Erlaß eine? Aus- lieferungsgesetzes für Deutschland dringend wünschenswert ist. 2. Der Vorstand wird beaustragt, diese Resolution mit dem Ver- Handlungsbericht dem Reichstage zu übermitteln. 3. Prof. Frank wird gebeten, den Entwurf eines Auslieferungsgesetzes auszu« arbeiten und der nächsten Tagung vorzulegen." Weit mehr soziale Gesichtspunkte kamen bei dem Vortrag zum Ausdruck, den der Professor Dr. Frcudenthal, Frankfurt am Main, über das Thema: „Amerikanische Kriminalpilitik" h»el». In Deutschland herrscht theoretischer Streit über eine Reihe von Forderungen, die inan das Programm der neuen Schule nennt. Sie stoßen insbesondere deshalb aus Widerspruch, weil man es für unmöglich erklärt, die Folgen ihrer Verwirklichung vorauszusehen. Viele von ihnen sind nun aber in der Nord- amerikanischen Union längst praktisch durchgeführt. Erwägt man. daß die Union einst die Grundlagen des modernen Systems für den Vollzug der Freiheitsstrafen in den wichtigsten Ländern Europas gelegt hat, so wäre es fast unbegreiflich, wollte man den Einblick in ihre derzeitigen kriminalpolitischen Verhältnisse ab» lehnen. Freilich zeigt genaueres Zusehen, daß das Bild der amerikanischen Kriminalpolitik kein fleckenloses ist. Eine auS- reichende Kriminalstatistik fehlt. Das Spoilsystem bringt unge- eignete Personen, die der herrschenden Partei zugehören, als Äe- amtc in die Anstalten. Politische Einflüsse bestimmen hie und da noch den Strafvollzug im einzelnen. In den kleinen Gerichts- gefängnisscn(Jails) mangelt es an Disziplin. Selbst in den Anstalten neuen Stiles ist nicht alles, wie es wohl sein sollte. An Mäugeij; also fehlt es Licht, und auch das für ÄlpLiits Gute braucht keineswegs für Deutschland das Rechte zu sein. Ein Vergleich der kriminalpolitischen Verhältnisse beider Länder aber lohnt sich trotzdem umsomehr, als die Entwickelung dieser Verhältnisse im wesentlichen parallel verlaufen ist. Auch in Amerika haben V e r- g e l t u n g s- und Zweck st rase einst erbittert miteinander gekämpft. Es ist aber drüben zu einem Vergleich zwischen beiden gekommen. Die Vergeltungsstrafe herrscht drüben noch jetzt in weiten Gebieten des Strafwcsens, so in den unseren Zuchthäusern entsprechenden Staatsgefängnissen. Das z. B. herrschende System aber ist das neue der Zweckstrafe. Es ruht auf sozio- logischer Basis, d. h. man sieht die gesellschaftlichen Faktoren, wie Erziehung und Umgebung des Täters, als Haupt- bedingungen des Verbrechens an. Dementsprechend sieht man die Hauptaufgabe darin, im Einzelfall zu ermitteln, warum das Verbrechen begangen und was zur Verhütung des Rückfalles zu tun ist. Abschließende Ergebnisse, die für uns wert- voll wären, liegen bez. der Berufsverbrecher in Amerika nicht vor. Der Schwerpunkt amerikanischer Kriminalpolitik ist das Verfahren gegenüber Jugendlichen und Erstmaligen. Drei Schlagworte charakterisieren es: Reform syst em (Rcf�Shsteml, Bewährung(Probation), Jugendgerichts- Höfe(Juvenile Courts). 1. Reformsystem. Reformschulen bestehen in Amerika schon seit 182S, und zwar im allgemeinen für Jugend- liche zwischen 7 und 16 Jahren. Ihr Besserungssystem ist in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf die über sechzehn- jährigen und die für sie bestimmten Reformgefängnisse ausgedehnt worden. Beide Arten von Besserungsanstalten wollen erziehen, die Reformgefängnisse aber in strengerer Zucht. Besondere Anstalten, nicht bloß besondere Abteilungen für Jugendliche hält man allgemein für absolut notwendig. Es wird aber sowohl zwischen Bcsserungsschulen und Besserungsgefängnissen, wie zwischen diesen und den alten Vergeltungsgefängnissen möglichst scharf differenziert. In den Besserungsgefängnissen sucht man den Gefangenen umzubilden. Diese Umbildung aber erstreckt sich auf seinen Körper, seinen Verstand und seinen Charakter. Nur Erz�hungs- fähige behält man darum in den Resormgesängnissen. Die ihrer Erziehung dienende Organisation wird gekennzeichnet durch Progressivsystem, unbestimmte Strafurteile und vorläufige Entlassung(Parole). Alle Anstaltserziehung aber entfremdet der Freiheit. Darum überweist man in Amerika lieber an Familien als an Anstalten. Doch sind dort geeignete Familien für Verbrecher vielfach schwer zu finden. Um so größere Bedeutung hat in Amerika 2. die B e w ä h r u n g. Im Gegensatz zu unserer bedingten Strafaussetzung und zur bedingten Verurteilung kommt es bei der Bewährung oder Probation in der Hauptverhandlung gar nicht zu einer Verurteilung des überführten Angeklagten. Er wird nur vom Richter auf gewisse Zeit der Schutzaufsicht eines Probationsoffizieres unterstellt. Der große Vorzug dieses In- ftituts vor den unseligen liegt darin, daß es dem Angeklagten den Makel der Vorstrafe erspart und ihn nach der Hauptverhandlung während der Bewährungsfrist nicht sich selbst uberläßt. 3. Jugendgerichtshöfe. Im Gegensatz zum Reform- system, dem in den Einzelstaaten der Union Gefangene z. T. bis zu 36, ja 46 Jahren unterworfen werden, und zur Probation, die vielfach gleichfalls nicht bloß Jugendliche erfaßt, werden vor die Jugcndgerichtshöfe im allgemeinen nur junge Leute bis zum 16. Lebensjahr gebracht. Der Zweck dieser Höfe ist, die jungen Leute zeitlich und räumlich von alten Verbrechern zu trennen. Auch soll, wer sie aburteilt, Spezialist für Jugendsachen sein, damit er im Einzelfalle die richtige Maßregel findet, um den Jugend- lichen auf den rechten Weg zu bringen. Zu diesem Zwecke sind dem Jugendrichter in den vorgeschrittenen Staaten auch weit- gehende Rechte über alle diejenigen gegeben, die zu dem Jugend- lichen in irgend welchen Beziehungen stehen. In Illinois z. B. kommt der Drogist vor den Jugendrichter, der an junge Leute Zigaretten verkauft. Dem Jugendrichter steht zur Seite der Pro- bationsoffizier, der den einzelnen«achverhält vor der Verhand- lung festellt, den Richter in der Verhandlung berät und demnächst die Schutzaufsicht zu übernehmen hat. Die Einrichtung wird trotz ihrer Jugend einmütig in Amerika als gelungen betrachtet. Eine große Zahl von Staaten und Städten haben sie binnen kurzem übernommen. Am besten sind ihre Ergebnisse da, wo der Jugend- richter nichts als Jugendrichter ist oder dort wenigstens seine Funktion möglichst selten wechselt. Die Ergebnisse für uns sind etwa folgende: 1. Bedingte Ver- urteilung statt bedingter Strafaussetzung. Vorläufige Entlassung als regulärer Teil des Strafvollzuges. Beide verbunden mit Schutz- aufsicht. Hier also Zurückdrängung der Freiheitsstrafe. 2. Vergleich zwischen Vergeltungs- und Zwcckstrafe. Unter- werfung besserungsfähiger Jugendlicher unter letztere auf der Grundlage unbestimmter Strafurteile und progressiven Straf. Vollzuges� 3. Ucbcrnahme der Jugcndgerichtshöfe unter Besetzung mit möglichst ständigen Jugendrichtern. Zum Schlüsse empfiehlt der Vortragende, in Fragen von so unmittelbar praktischer Bedeutung, wie es die Fragen der Kriminalpolitik sind, dem Streit der Theoretiker nicht übermäßig Rechnung zu tragen. 48 666 Jugendliche werden im Deutschen Reiche alljährlich verurteilt. Wartet der Gesetzgeber geduldig weiter, bis sich die Gelehrten über ihre Behandlung geeinigt haben, so besteht die Gefahr, daß inzwischen Generationen der Volkswirtschaft und Wehrkraft des deutschen Volkes verloren gehen.„Niemand in diesem Kreise unterschätzt die Bedeutung der Wissenschast. Ueber ihr aber und ihren Interessen steht uns allen unser Volk." Damit hatte die kriminalistische Vereinigung ihr Ende er- reicht.___ Soziales« Streng vertrauliche Ratschläge an Lehrer. WaS ein Lehrer tun und lassen soll, darüber gibt uns ein Rund- schreiben Kunde. das der altenburgische Bezirksschulinspektor in Roda am 16. Dezember v. I. an„seine Herren Vikare" in väterlich wohlmeinender und streng vertraulicher Weise erlassen hat und in dem er die Ratschläge, die er ihnen schon früher mündlich erteilt, schriftlich wiederholt. Diese streng vertraulichen Ratschläge sind es wert, streng vertraulich weiterverbreitet zu werden. Sie beweisen eindringlich, welche Stellung die Lehrer im altenburgischen ein- nehmen. Sie lauten: 1. Es muß die größten Bedenken erregen, wenn ein Lehrer mit der Dorffugend auf„Du und Du" steht. 2. Uebermäßiger Genuß alkoholischer Getränke und Kneiperei bis in die späte Nacht schädigt die Leistungsfähigkeit des Geistes und des Körpers und vernichtet das Ansehen des Lehrers. 3. Die Teilnahme des Lehrers an gewöhnlichen Monatstänzen ist_ ebenso unwürdig als die Mitwirkung bei zweifelhaften Aufführungen(Couplets, Possen usw.) 4. Vor der Liebelei muß eniftlich gewarnt werden. 6. Jeder Lehrer gehört, auch wenn er keinen Kirchendienst hat, allsonntäglich in der Regel in die Kirche seines OrteS. 6. Die Amtspflicht muß in jeder Beziehung treu erfüllt werden: insbesondere sind PräparationS- skizzen und Präparationen Tag für Tag zu fertigen, die Listen usw. nach Vorschrift zu führen und die Korrekturen pünktlich und gewissen- hast zu erledigen. 7. Es ist dringend zu empfehlen, daß der junge Lehrer den verkehr mit älteren Kollegen und seinem Ortsschulinspektor sucht und Pflegt." ES fehlt nur noch die Bestimmung, daß die Lehrer niemals einen Finger breit von des Ortsschulinspektors und der Kirchen- obrigkeit Wegen abweichen. Freude an seinem Los empfinden und vor dem Baume der Erkenntnis seinen reinen Sinn bewahren und nicht lernen zu unterscheiden, was gut und böse ist, sofern es die Obrigkeit nicht bestätigt. Fürsorge in der göttliche» Weltordnung. Am Montag abend fanden Arbeiter aus dem altenburgischen Dorfe Ponitz, die in Mecrane arbeiten, auf dem Heimweg von der Arbeit einen alten Handwerksburschen hülflos am Wege liegen. Sie erstatteten von dem Vorfalle Anzeige und glaubten, daß das weitere sich von selbst ergeben würde. Wie erstaunten sie aber, als sie am anderen Morgen auf dem Wege zur Arbeit den hülflosen alten Mann noch auf dein Felde liegend vorfanden. Der arme Teufel, den mit seinen 63 Jahren offenbar niemand mehr einstellt, hatte die ganze Nacht über ans dem Felde gelegen: kein Mensch hatte sich um ihn bekümmert. Im Laufe des Dienstags wurde der Alte endlich ins Altenburger Krankenhaus geschafft. Der Transport war ganz der kapitalistischen Weltordnnng, in der ein ausgemergelter Arbeiter nichts gilt, würdig: er ging auf einem Karren vor sich, der sonst nur zum Schutt- und Aschefahren benutzt wird. Hofprediger Stöcker als Arbeitgeber. Die Hospizverwaltung des Vereins für Berliner Stadtmission behauptet in einem an uns gerichteten Schreiben, die von unS gestern wiedergegebenen Behauptungen deS Geschäftssührers Engert seien unwahr. Daß werde die Verhandlung seinerzeit ergeben. Ob des Klägers Behauptungen der Wahrheit entsprechen, vermögen wir selbstverständlich nicht zu entscheiden. Die Hospizverwaltung über- sieht, daß wir den Beschluß einer Beweiserhebung gestern nntteilten. Ueber die Beweisaufnahme und den weiteren Verlauf der Sache werden wir berichten. Weshalb die in der vorgestrigen Verhandlung von der Verwaltung anerkannte Schuld in Höhe von 26 M. nicht bor der Klageerhebnng uud vor dem Termin bezahlt ist, ergibt die Zuschrift der Hospizverwalwng nicht. Hus Induftrie und Handel« Ein anderer Mann, kein neues System. Dem Kaufniannsstande ist großes Heil widerfahren. Einer der ihren ist zu einem hohen Staatsamt berufen. Bernhard Dernburg, seines Zeichens Bankdirektor und sehr vielseitiger AufsichtSrat, ist zum selbständigen Direktor des Kolonialamtes ernannt worden. Und eine Exzellenz ist er geworden. Bon dieser— Ehre zehren sie alle mit. Allerdings nicht wegen der Ehre, sondern weil man in der Berufung eines Kaufmanns den Sonnenaufgang einer neuen Aera für Handel und Verkehr glaubt erblicken zu können. Das sind Illusionen I Dernburg gilt als geschickter Operateur bei wirtschaftlichen Krankheitsfällen. Und da unsere Kolonialwirtschast gründlich verseucht und verludert ist, soll er— operieren. Das bedeutet noch lange keinen Systemwechsel. Mit dem System und dem Skandal ist der Name Podbielski untrennbar verknüpft. Und PodbielSki hat sich auch mit dem Kolonialskandal nicht vor den Bauch stoßen lassen, er steht noch fest, allen zum Trutz. So wollenS die Agrarier. Wie kann man da in dem Wahne sich wiegen, der Kolonialdirektor würde auf zoll- und handelspolittschem Gebiete einen Systemwechsel herbeiführen? Daß er Meinung zu machen versteht, das hat der neue Mann, der schnell avancierte aus dem Kaufmanns- stände, schon bewiesen. Er hat sofort verkünden lassen, daß er alle AufsichtSratsposten niedergelegt hat. 38 sollen es sein, wie der„Konfektionär" mitteilt. Und als die„Deutsche Tageszeitung"„naiv" meinte, wenn man Podbielski einen Vorwurf mache. aus seiner Verbindung mit Tippelskirch, müsse man auch verlangen, daß Dernburg seine geschäftliche Ver- bindung mit industriellen Gesellschaften löse. Und prompt kam die Antwort, er habe seinen Besitz an Jndustriepapieren abgestoßen. Und der„Franks. Ztg." wird geschrieben, Dernburg habe sich sogar aller seiner Anteile an privaten Erwerbsgesellschaften entäußert; also auch bei den Banken. Das wäre allerdings sehr korrekt und dürfte noch höher hinauf als Muster dienen. Aber wer weiß, ob ihn die Konsequenz nicht unangenehm aufstoßen läßt. WaS Bernhard als Fachmann für un- zulässig hält, dürfte doch Bernhard nicht üben, wenn nicht das System bleiben soll. Dernburg kommt, Podbielski bleibt und auch das System. Der Norddeutsche Lloyd beruft eine außerordentliche General« Versammlung seiner Akttonäre auf den 23. September zur Beschluß- sassung über den Antrag auf Erhöhung des Aktienkapitals um 2ö Millionen Mark. Die Kapitalerhöhung ist zur Vermehrung des Schiffsmaterials der Gesellschaft bestimmt, das sich auf fast allen Linien infolge des steigenden Verkehrs nicht als mehr ausreichend er- weist. Die Aktien sind von einem Konsortium übernommen und werden den alten Aktionären zumKurse von 116Proz. angeboten werden. Hus der frauenbewegung* Respekt vor unsere» Hausfraue» uod Mütter» fordert die „Märkische Volks-Zeitung" und tut gar fromm und ehrbar und zetert über die„merkwürdige Eigenart der Frauenbewegung unserer Zeit, daß sie an dem Reginient, das dem weiblichen Geschlecht von jeher zugewiesen war, keine Freude mehr findet". Mit den modernen Frauenrechtlerinnen geht die fromm katholische Zeitting scharf ins Gericht und behauptet, daß diese mit verächtlicher Geringschätzung ans die Tätigkeit und die Bedeutung der Hausfrauen und Familien- mütter herabsehen. Die Aufgabe der Frauen, der Kirche und dem Staate eine gute Jugend und brave Mit- glieder zu erziehen, wird als ungemein wichtig hervor- gehoben. Ja, darüber machen sich die Frommen und Reaktionäre unausgesetzt große Sorgen, daß der Kirche und dem Staate die Jugend nicht verloren gehe: sie wissen, daß sie dann leichteren Herzens in die Zukunft blicken können. Diese stete Sorge unserer Gegner darf auch uns und besonders unsere Frauen nicht ruhen und rasten lassen! Wir müssen über unsere Jugend wachen, daß sie im Sinne moderner Aufklärung erzogen wird. Das fürchten die Gegner: sie möchten die Hausftauen und Mütter als ihre Werkzeuge gebrauchen, um die Jugend so zu erziehen, wie Kirche und Staat es für zweckdienlich halten, nämlich als untertänige Bürger und sromm ergebene und unwissende Schäflein der Kirche. Nicht nur die Mütter sollen in dieser Weise auf die Jugend wirken, soildern auch die Hausftauen auf die Männer, wenn auch nur in der be- scheidenen stillen Weise, die sich vom Weibe dem Manne gegenüber gezientt, wie die Kirche es eindringlich lehrt. Nur dann heißt es: „Respekt vor unseren Hausftauen und Müttern!"— Selbständig denken oder gar handeln soll die Frau nicht, das ist unweiblich: sie soll ein Werkzeug bleiben. Das wird freilich immer schwerer, je mehr die Frauenbewegung und besonders die proletarische an Boden gewinnt. Deshalb versucht man mit allen Mitteln die Frauen- bewegung zu diskreditteren, und man redet den Hausfrauen und Müttern vor, daß eine modern denkende Frau von Hausfrauen- und Mutterpflichten nichts wissen will. Mag unter den bürgerlichen Frauenrechtlerinnen manche hochnäsig auf eine fleißige Hausfrau, auf eine sorgende Mutter herunterblicken, das ist möglich, will aber gar nichts bedeuten. Die modern denkende proletarische Frau will recht(jern auch eine gute Hausfrau und eine gute Mutter sein, aber nicht rm Sinne der Kirchenleuchten und der Staatsstützen. UebrigenS muß immer wieder betont werden, daß nicht die moderne Z-rauenbelvegung, sonder» der Kapitalismus zersetzend auf Familie und Hausstand wirkt. Er schleppt Mutter und Kinder in die Fabrik und zerstört daS Familienglück, aber man wagt ihm keinen Vorwurf zu machen, man verlangt von diesem Allgeivaltigen nicht. Rtzspekt vor unseren Hausfrauen und Müttern!"— Im Gegenteil, wer gegen schrankenlose Ausbeutung und Entwürdigung der Frau murrt und die kapitalistisch-pfäffisch geheiligte„Ordnung" abschaffen will, der ist ein großer Sünder und Sozialdemokrat I— Versammlungen— Veranstaltungen. Gr.-Lichterfelde-Lankwitz. Montag. 16. September, bei Reisen, Chausseestr. 104. Vortrag Gen. M. Schütte:„Ferdinand Lafsalle". A.WERTHEIM In unserem Geschäft Oranien- Strasse findet in allen Abteilungen ein Extra- Verkauf von besonders preiswerten Artikeln statt, unter anderem: Kleiderstoffe Woll. Blusenstoffe kariert Mtr. 1.25 m. Effekten, doppeltbreit Mtr. 1.50 Wollstoffe 13 m breit Mtr. 1.30 blaugrün kariert, Schwere Kostümstoffe mit karierter Rückseite, doppeltbreit 1.55 Mtr. reine Wolle Einfarbige Cheviots 110 cm breit Mtr. 1.15, 1.40, 1.60 reine Wolle Einfarbige Satins 110 cm breit Mtr. 1.60, 1.90 Bedruckte Flanelle baumwoll. Mtr. 28, 40, 48 Pf. Gestreifte Blusenstoffe Baumwolle Mtr. 48 Pf. schott. gestreift 1.95 Seidenstoffe u. kariert Mtr. Reinseidene Chinéstoffe Mtr. 1.95, 2.65 Seidene Blusensamte gemustert Mtr. 1.55 Damen- Konfektion Sakko- Kostüme 15.50 dunkelblau. Stoff m. Blenden garniert Jackett- Kostüme 12.75 hinten anliegend, aus'meliertem Stoff engl. Frack- Kostüme gemustert 22.50 Havelock aus meliertem 12.75 gemustert. Stoff mit geteilter Pelerine Paletot aus meliert. Stoff, hinten mit Glockenfalten 13.25 Golf- Capes aus meliertem 5.60 Stoff mit karierter Innenseite Frauen- Paletot schwarz 19.50 Eskimo mit aufgesteppten Blenden Kurzer Paletot schwarz mit Blenden 8.75 Damen- Konfektion engl. Damenhüte 2.65 2.65 3.75 mit Bandgarnitur Breton und Pose mit Ledergarnitur Breton und Schnalle mit Sammetgarn. Chasseur und Pose mit SammetEnglische Form garnitur farbigem Seidenpaspel u. Posen 4.50 mit schottischer 4.50 Amazone Seidengarnitur m.SchleifenChasseurform garnitur und5.40 schottischem Seidenpaspel mit aufgeChasseurform schlagener 5.40 Krempe, Bandgarnitur und Pose Damen- Handschuhe Imitiert Schweden 28 Pf. Imitiert Schweden 2 Druckknöpfe 42, 68 Pf. Lederhandschuhe farbig und weiss 2 Druckknöpfe Trikotagen 95 Pf. Vigogne, mit Normalhemden doppelter Brust 3 Grössen 1.40, 1.50, 1.60 Vigogne, vorn Herrenbeinkleider m. Ueberschl. 1.60, 1.75, 1.95 Damen- Unterröcke gestreift Barchent mit Volant Damen- Beinkleider 1.25 gestreift Barchent 1.05 Damen- Plaids reine Wolle fein karierte und schottische Muster 2.10, 3,25,4.75 Strümpfe Damenstrümpfe gewebt, Baumwolle, farbig geringelt schwarz, gewebt, reine Wolle, engl. Länge Wolle, schwarz mit farbigen Ringeln 33,58 Pf. 65PL. 1.15 85 Pf. gestrickt, deutsche Länge, schwarz, Wolle plattiert Herrensocken Tischzeuge Leinene Tischtücher Jacquard Gr. ca. 130/130 130/160 160/225 160/330 2.10 2.45 4.25 6.20 dazu passend Servietten Gr.ca. 60/60 Dtz. 4.50 Kaffeegedeck mit 6 Servietten mit Fransen 2.40, gesäumt 2.90 Handtücher Gerstenkorn- Handtücher Dtz. 3.80 mit bunter Kante, Grösse ca. 40/100 cm Victoria- Handtücher mit bunter Kante, gesaumt Grösse ca. 41/100 cm reinleinen, geeäumt, Grösse ca. 48/110 cm Drell- Handtücher Grösse ca. Dtz. 4.40 Dtz. 6.20 48/110 cm Dtz. 4.30, 4.80 Leinene Wischtücher gesäumt, Grösse ca. 60/60 cm Dtz. 3.40, Staubtücher 60/80 cm 4.90 Dtz. 1.10 Herren- Garderobe Herren- Beinkleider dunkel gestreift, kräftige 2,75 Stoffe Herren- Jackett- Anzüge dunkelgrau oder braun gemustert Piqué- Westen 18 MK. 1.90 Herren- Artikel 2,10, 2.65 Herren- Filzhüte Herren- Filzhüte Form steife Form weiche moderne Formen Schleifen und Farben Plastrons Regattes Selbstbinder 40 Pf. 7.75 gestrickt, graumeliert, Wolle plattiert Herren- Schweissocken 40 Pf. mittelstark, graumeliert 55 Pf. Kostümröcke gemust, 2.65 4.20 Einfarb, Kostümröcke 6.90 Lasting- Kostümrock Barchent- Blusen 1Mk, b, 2.55 Cheviot- Blusen einfarbig 4.10 Halbwoliene Blusen gestreift und kariert 4.75 3.60, 5.50 8.25 Pongé- Blusen Taffet- Blusen Velvet- Blusen Wollene Matinés 6,50 Barchent- Matinés 3.45, 4.75 8.25 Barchent- Morgenröcke 4.80 Wollen. Morgenröcke 11,75 Moiré- Jupons 3.10, 3.90 Velour- Jupons 2.90, 4,60 2,90 Zanella- Jupons Pelzwaren Seal Kanin- Kollier 5.75 Weisse Thibet- Stolas 10.50 Schw. Thibet- Stolas 12.25 Kid- Astrachan- Stolas 14.75 1.90 32 Pf. 60 Pf. " 40 Pf. 99 60 Pf. 99 Hosenträger 40, 55, 65, 75 Pf. blau gerippt. 42 Pf. Jockeimützen Sammet blau50 Jockeimützen Cheviot Matrosen- Mützen blau 1,10 weiss u. Berufskleidung Schlosser- Blusen blau/ weiss gestreift, 75 cm lang 1.15 1.05 für Lehrlinge Friseur- Jacketts weiss Köper mit Aermelaufschlag Koch- und Konditorjacken weiss Köper 2,25 Monteur- Anzüge aus blauem 2.25 Köperstoff, jede Grösse 2.75 Malerkittel aus ungebleichtem Nessel ca. 110-130 cm lang 1.95 Mechanikerkittel braun ca. 110-130 cm lang 1.95 Kurzwaren Schweissblättermit heller Gummiplatte 2 Grössen 18, 23 Pf. Schweissblätterm.dunklerGummiPf. platte 2 Grössen 20, 25 Schweissblätter ,, Blusenschutz" waschbar 2 Grössen 40, 50 Pf. Druckknöpfe weiss Dtz. 7, 8 Pf. Damen- Strumpfhalter 75 Pf. Damen- Strumpfhalter schwarz u. 55 PL. schwarz u. 18 Pf. ohne Gurt 25, Kragenstützen weiss zum ein38 Pf. Gürteleinlagen 28, 30, 35 Pf. Kragenhalter Paar Kragenstäbchen nähen Dtz.7 Pf. Taillenverschlüsse schwarz, weiss und grau Fischbein 11.13 Pf. Länge ca. 18 20 22 24 26 28 cm hell Dtz. 13,18,20,23,28,30 Pf dunkel Dtz. 7,10,12,14,18,20 Pf. Weisse PassementerieBäffchen Pf 13, 18, 22, 25 PL Die Restbestände verschiedener Damen- und Herren- Stiefel sowie Halbschuhe hauptsächlich nur kleine und grosse Nummern zur Hälfte des ursprünglichen Preises. Regenschirme Damen- u. Herrenschirme: 2,35 Gloria Gloria mit Futteral 2.75, 3.40 Halbseide m. Futteral und Paragon- Gestell 4.25, 4.75 Farbige Regenschirme 4 MK. 1 und 1 mit Doppelknie, schwarz Kinderstrümpfe oder lederfarbig, Baumwolle für ca. 1-2 2-3 3-4 4-5 5-6 6-7 7-8 8-10 10-12 12-15 Jahre 22 25 28 32 35 40 45 50 55 60 50 55 65 75 85 95Pf. 1.05 1.15 1.25 1.35 Schürzen Pf., 1.25 Tändel- Schürzen 33, 45 Pf. weiss und farbig Tändel- Schürzen 85 Organdy Küchenschürzen bedruckt 1.10 Wirtschaftsschürzen Gingham 90 Pf., 1.10 Wirtschaftsschürzen mit Achselbändern 85 Pf., 1.30 Reform- Hängeschürzen 1.15.1.75 Reform- Schürzen 1.25, 1.45 Bettstellen Polsterbetten zusammenlegbar 6.20, 7.25, 8 Mk. Eiserne Bettstellen mit doppelt. Spiralboden u. Kopf- 8.75 erhöhung, bronziert, Gr. 80/190 Eiserne Bettstellen aus starkem Rohr mit doppeltem Spiralboden u. Kopferhöh., schwarz lackiert, Gr. 80/190 12.25 Eiserne Bettstellen mit Stahlmatratzs, schwarz lackiert, mit Verzierung u. Messing. knöpfen, Gr. 80/190 cm 19.50 Gardinen Englische Tüllgardinen Fenster 2.35, 2.80, 3.90 Englische Tüllgardinen Mtr. 33, 40, 52 Pf. Englische Tüll- Stores Stück 1.85, 2.65 Engl. Tüll- Scheibengardinen Mtr. 26, 35 Pl. Engl. Tüll- Scheibenschleier ( Brise- bise) Stück 32, 48 Pf. Englische Tüll- Bettdecken 1 bettig 2.10, 2.60 4 5.25 2 bettig Mk., Lacet- Stores Erbstüll mit Bandauflage Stück 4.80, 6.25 Lacet- Bettdecken 1 bettig 6.75, 2 bettig 8.50 Teppiche Imitierte Perser- Teppiche ca. 130/200 165/230 200/300 4.50 7.50 11.50 Axminster- Teppiche 200/300 ca. 130/200 165/245 7,50 12.75 17,50 Velours- Teppiche 165/235 200/300 Mk. ca. 130/200 14,50 24 36 Mk. Juteläufer 67 cm br. Mtr. 35, 48 Pf. 1.60 67 cm br. Tapestry- Läufer Mtr. Imitierte Perser- Bettvorleger ca. 40/80 50/100 55/110 60/120 62 95 Pf. 1.20 1.45 Axminster- Bettvorleger ca. 65/130 cm 1.75, 2,50 Velour- Bettvorleger 65/ 1303,60 cm Portieren, Decken aus Portieren- Garnituren Filztuch 3.70, 5.40 Portieren- Garnituren aus Leinenplüsch 7.25 bunt gestr. Portieren Schal 95 Pf., 1.30 glatt mit Portieren Bordüre Tischdecken Schal 1.80 Phantasiegewebe 1.60, 2.50 Tischdecken Filztuch mit Kurbelstickerei 1.75, 2.30 Tischdecken Kurbelstickerei 6.25 Plüsch mit Phantasie- Divandecken 4.15, 5.50 bunt bedruckt blau- weiss für Mtr. 35 Pf. 48 Pf. Möbelkattun Möbelkattun Küchengard. Wachstuche 100 cm breit Mtr. Wachstuch weiss gem: 90 pr. Wachsbarchent Zwiebelm. 1.15 Leitungsschoner Spindstreifen 9, 13 Pf. 9 pf. 38 Pi. Ausgussbehänge Eimerspinddecken 25 Pf. Küchentischdecken 28 Pf. Küchentischdecken 35, 50 Pf. Wandschoner farbig 72 Pf. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW Ur. 210. 23. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 9. September 1906. Preis 10,50. Literarische Rundfchau. 1 Professor A. V. Diceb: Law and Public Opinion in Eng-| Das gemeine Volt stand fast ganz außerhalb des Rechts. Die eng-[ vornehmlich für die Mittelflaffen( Bourgeoisie) wirkten und von dem land during the XIX. Century. London 1905. 502 Seiten. lischen Junker durften noch bis zum Jahre 1824 zum Schußze ihrer Gedanken der persönlichen Freiheit, der persönlichen Initiative, der Jagdgründe sogenannte Menschenfallen aufstellen, denen zuweilen Niederhaltung staatlicher, tollektiver Aktionen geleitet waren, wurden Das Buch wird hier allgemein als eines der besten seiner Art ganz unschuldige Baffanten zum Opfer fielen. Das Wild des nach und nach von demokratischen und kollektivistischen Strömungen betrachtet und trägt zur Erkenntnis der englischen Gegenwart in Junters war teurer als das Leben des gemeinen Mannes. ergriffen. Im Jahre 1866 wurde ein Gesetz erlassen, das sich gegen hohem Maße bei. Sein Verfasser ist ein bekannter englischer Rechts- Ein anderes Beispiel: Bis zum Jahre 1836 war es dem wegen den vom Liberalismus empfohlenen Abbruch von Gemeindewiesen lehrer, der von Leslie Stephen, dem vor wenigen Jahren ver- eines gemeinen Verbrechens Angeklagten verboten, sich einen Verwandte( Metropolitan Commons Act, 1866). In den Jahren 1867 storbenen englischen Philosophen, beeinflußt wurde. Das Buch teidiger zu bestellen. Von den im ersten Viertel des 19. Jahr bis 1869 erhielten die städtischen Arbeiter des Vereinigten Königreiches besteht aus einer Anzahl von Vorträgen, die Dicey auf Einladung hunderts erlassenen Gesetzen dürften für uns folgende in Betracht das parlamentarische Wahlrecht. In den Jahren 1871-76 erhielten der Harvard- Universität in Cambridge bei Boston( Amerika) gehalten kommen: Im Jahre 1800 wurde ein strenges Gesetz gegen jede die englischen Arbeiter das Trade- Unionsrecht. 1870-76-80 wurde hat, und behandelt das Verhältnis zwischen Gesez und öffentlicher Arbeiterverbindung erlassen. Die Gründung einer Trade Union war die allgemeine Schulpflicht und der unentgeltliche Elementarunterricht Meinung in England im 19. Jahrhundert. Es zeigt die Aenderungen eine strafbare Verschwörung. Im Jahre 1819 nahm das Parlament eingeführt; jetzt stehen wir vor der Einführung der unentgeltlichen der öffentlichen Meinung und die entsprechenden Aenderungen folgende sechs Afte an: 1. Verbot der freiwilligen militärischen Aus- Ernährung der Schulkinder. 1878 und 1901 wurden die zahlreichen in der Gesetzgebung. Nach ihm herrschte in England vom bildung. 2. Ermächtigung der Nichter, Waffen zu konfiszieren. Fabrikgeseze zusammengefaßt, die die Verwaltung des Kapitals Jahre 1760 bis 1825 ein Optimismus, der zum Stillstand in der 3. Prompte Rechtspflege wegen strafbarer Handlungen. 4. Unter- immer mehr einschränken. 1905 wurde die gefeßliche Grundlage Gesetzgebung und zur Reaktion führte; dann vom Jahre 1825 drückung aufrührerischer Versammlungen. 5. Verfolgung und Be- geschaffen für eine im sozialistischen Geiste vorzunehmende Behand bis ungefähr 1865 der entschiedene 2iberalismus, der ver- strafung von Gotteslästerung. 6. Ausdehnung des Beitungs- lung der Arbeitslosen; dieses Gesetz bricht mit dem liberalen System schiedene Reformen im bürgerlichen, freiheitlichen Sinne mit sich stempels. von Armengefeßen aus dem Jahre 1834, das den armen Bürgern brachte; schließlich sette im Jahre 1865 der Kollektivismus Diesen reaktionären Gesetzen stand nur ein gutes gegenüber: das Bürgerrecht nahm, da es die Armut als Strafe für persönliche ein, der die ganze Gesetzgebung beeinflußte und noch andauert. das Gesetz betreffend die Gesundheit und die Moral der in den Untüchtigkeit betrachtete. Das Datum des Kollektivismus des Beginns der im sozia- Fabriken arbeitenden Kinder, die sogenannte Health and Morals Und diese Tendenzen, meint der Verfasser, zeigen noch nicht den listischen Sinne gehaltenen Gesetzgebung, ist, nebenbei bemerkt, Act vom Jahre 1802, die zwar unbeachtet blieb, aber immerhin den geringsten Niedergang. Im Gegenteile, fie nehmen an Stärke zu. beachtenswert. Es fällt zusammen mit der Geburt der Inter- Anfang der modernen Fabrikgesetzgebung bildete. Die Zeit rückt schnell heran, wo der Staat die ganze gewerbliche nationale" und mit dem Entstehen der modernen Arbeiterbewegung Arbeit regulieren wird. Wo immer ein Mann, eine Frau, ein Kind in Deutschland. Um das Jahr 1825 war die neue öffentliche Meinung, die sich für Lohn arbeitet, da wird auch der Staatsinspektor erscheinen, um Ehe wir in die Charakteristik dieser drei Zeitabschnitte eingehen, in den Lehren der Utilitarier( entschiedenen Liberalen) fundgab, sie zu schüßen. Der Staat, der ursprünglich nur im Interesse der dürfte es angezeigt sein, sich über den Begriff„ öffentliche Meinung" soweit erstarkt, daß die Befreiung der Einzelperson von staatlichen Kinder angerufen wurde, ist jetzt im Begriffe, sich der Leitung der flar zu werden. Denn vermag die öffentliche Meinung die Gescß- und kirchlichen Einmischungen beginnen konnte. Die Mittelklasse Werkstätten und Läden zu bemächtigen. Ein Ladenmädchen hat gebung zu beeinflussen, so ist sie offenbar eine große Macht, die( Bourgeoisie) war durch Handel und Gewerbe so stark geworden, sich bereits ein gesetzliches Recht auf einen Siz erworben man kennen muß. Also: woher stammt sie? Wie ändert sie sich? daß sie daran gehen durfte, den alten junterlich- tirchlichen Bolizei-( Seats for Shop Assitants Act, 1899). Die Stunden des Und von wem wird sie ausgeübt? Der Verfasser ist sich über die staat in Stücke zu schlagen. Dieser Zeitabschnitt dauerte bis 1865 Ladenschlusses fönnen jetzt auf Grund der Shop Hours Act, 1904, Antworten auf diese Fragen nicht ganz klar; sein Gedankengang und brachte das moderne England hervor, die edelste und letzte durch die Lokalbehörden reguliert werden. Die Sanitätsgefeße vom über diese Punkte ist nicht fest bestimmt, sondern tastend. Zuerst Blüte der auf Privateigentum begründeten Zivilisation. Jahre 1848, die mit dem bescheidenen Versuche anfingen, offenbare, zitiert er einen Ausspruch David Humes: Dieser Zeitabschnitt war reich an gesetzgeberischen Leistungen. frankheitserzeugende Mißstände zu beseitigen, entwickelten sich nach " Da die Stärke immer auf seiten der Regierten ist, so haben In den Jahren 1824 und 1825 wurden die alten Geseze gegen die und nach zu einem komplizierten Sanitätskoder, der die ganze öffentdie Regierenden nichts weiter für sich als die Meinung. Alle Arbeiterverbindungen abgeschafft wenigstens der Form nach, liche Gesundheitspflege umfaßt. Die Labouring Classes Lodging Regierung ist deshalb auf der Meinung begründet, und dieser denn im Wesen war die Tätigkeit des Trade- Unionismus bis zu House Act vom Jahre 1851, die die Gemeinden ermutigte, LogierGrundsatz trifft sowohl bei den höchst despotischen und militärischen den Jahren 1871-1876 ungefeßlich. 1829 wurden die Katholiken häuser für Arbeiter einzurichten, entwickelte sich zu den Housing of Regierungen wie bei den höchst demokratischen zu. Der Sultan von den alten religiösen Beschränkungen befreit. 1832 tam die Working Classes Acts aus den Jahren 1890-1900, die den von Aegypten, der Kaiser von Rom fonnte wohl seine un- erste Reformbill, die den Mittelklassen das parlamentarische Wahl- Lokalbehörden gebieten, ungefunde Häuserareale wegzuräumen, bewaffneten Untertanen wie Schafe gegen ihre Neigung und gegen recht gab und somit auch die Staatsmacht, da die staatliche Macht- ungesunde Häuser zu schließen oder niederreißen zu lassen. Sie erihren Willen treiben, aber er mußte wenigstens seine Mamelucken vollkommenheit Englands schon seit 1688 im Parlament und nicht mächtigen ferner die Lokalbehörden, Arbeiterhäuser zu bauen und oder seine Prätorianer wie Männer durch die Macht der Meinung in der Krone ruhte. 1836 drangen die Mittelklassen in die Ge- zu diesem Zwecke Grund und Boden zu erwerben und, wenn nötig, führen.( Hume,„ Essays", 1. Band S. 110.) meindeverwaltungen ein. 1846 siegte der Freihandel. Dieser Sieg durch Zwangsfauf.... .. Die Lokalbehörden haben jetzt auch das Mit dieser Ansicht ist der Verfasser nur teilweise zufrieden, war der Abschluß eines Befreiungstampfes, der im 16. Jahr Recht, landwirtschaftlichen Boden durch Zwangskauf zu erwerben, ohne indes den Grund hierfür angeben zu können. Er fühlt, Humes hundert begonnen hatte. Dann kam noch eine Reihe minder ihn in Parzellen aufzuteilen und sie an Arbeiter zu verpachten." Ansicht enthält doch nicht die ganze Wahrheit. Gewiß sind die wichtiger Gesetze, die die Gewissens- und Meinungsfreiheit sicher- Nicht minder merkwürdig ist der in den letzten dreißig Regierten stets in der Mehrheit und könnten unter Umständen durch stellten und den Liberalismus ausbauten. Jahren fich vollzogene Aufschwung der munizipalen UnterAufklärung die Macht des fleinen Kreises der Regierenden brechen; Dennoch konnte der Liberalismus, das heißt die antistaatliche nehmungen, die in einen ernsten Wettbewerb mit dem Privatkapital aber warum verbreiten sich diese Aufklärungsgedanken so langsam und Politik und das freie Walten der mit Eigentum versehenen Privat- eintreten. Diese neue Wendung der Dinge ging so geräuschlos warum machen sie sich überhaupt so jelten bemerkbar? Näher betrachtet, person, sich nicht rein durchsetzen. Im gesellschaftlichen Leben vor sich, daß der einfache, praktische Engländer, der Mann mit ist Humes Ansicht rationalistisch. Sie ist liberal, sie nimmt an, daß besonders in einer mit wirtschaftlichen Gegenfäßen gefüllten Ge- dem gefunden Menschenverstand, gar nicht sieht, wie weit er sich der Fortschritt von richtigem Denken, von der Aufklärung allein sellschaft gibt es immer zahlreiche Gegen- und Querströmungen, von seiner alten liberalen Pragis entfernt hat.„ Der praktische abhängt, daß Glück und Unglüd, Tugend und Lafter auf richtige denen Rechnung getragen verden muß in dem Maße, daß sie sich Mann, der jede Theorie der sozialen Organisation verachtet, wurde und unrichtige Schlußfolgerungen zurückzuführen sind. Dies ist die politisch bemerkbar machen. Der endgültige Sieg des Liberalismus, durch die Umstände in die immer tiefer werdende Strömung des Anschauung des achtzehnten Jahrhunderts, in dem Hume lebte. der die letzte und höchste Stufe der Entwickelung des Privat- Sozialismus hineingedrängt. Den Sozialismus verwirft er absolut, Unser Verfasser aber, der jetzt lebt, bemerkt gegenüber Hume: eigentums bedeutet, hatte zwei Folgen: erstens brach die Morgen- ja, er verachtet ihn. Der individualistische, gut liberale GemeindeDas Prinzip, daß die Entwickelung des Rechtes von der röte des Sozialismus heran, nämlich im Chartismus( 1836-1848); rat spaziert ruhig auf dem munizipalen Bürgersteig, der mit muniziöffentlichen Meinung abhängt, ist nicht ganz einwandsfrei. zweitens drängte er die rüdständigen Formen des Privateigentums palem Gas beleuchtet und mit munizipalen Besen und Menschen machen Gesetze nicht in Uebereinstimmung mit dem, was und des Denkens, die sich im Junkertum und Toryismus ver- munizipalem Wasser gereinigt wird; er blickt nach der munizi nach ihrer Ansicht gutes Recht ist, sondern in liebereinstimmung förperten, in den Hintergrund. Im Augenblicke ihres höchsten palen Uhr auf dem munizipalen Markt, um zu sehen, mit ihren Interessen, und dies ist sicherlich wahr, wo es fich nicht Sieges fanden sich die Liberalen plötzlich zwei Klassen gegenüber, ob feine Kinder schon aus der munizipalen Schule kommen, um einzelne Personen, sondern um Klassen handelt, wie in Eng- die von den neuen Ideen nichts wissen wollten. Konservative die ganz in der Nähe des munizipalen Krankenhauses steht; er läßt land, wo die Klassen einen viel stärkeren Einfluß auf die Gesetz- Schriftsteller wie Southey und Carlyle begannen bittere Kritik an dann seine Kinder durch das munizipale Telephon wissen, daß er sie gebung ausüben als irgend welche Einzelperson. Daß die Gesetze den Zuständen zu üben; konservative, hochkirchliche Politiker wie bei der Gemeindebibliothek erwartet und daß sie deshalb, anstatt Klasseninteressen ausdrücken, ist so wahr, daß man aus der Unter- Daftler, Sadler und Lord Shaftesbury verlangten Arbeiterschutz- durch den munizipalen Bark zu Fuß zu gehen, den munizipalen suchung der Gesetze eines Landes sagen kann, welche Klasse dort gesetze, Verkürzung der Arbeitszeit für jugendliche und weibliche elektrischen Wagen nehmen. Mittlerweile geht er in die Gemeindedie vorherrschende ist"( S. 12). Arbeiter. Es tamen also Gedanken und Forderungen an die bibliothek, um da einige Bücher nachzuschlagen und seine Rede zu Der Verfasser untersucht dann englische und amerikanische Ge- Oberfläche, die dem Geiste des Liberalismus feindlich waren und präparieren für die Verstaatlichung der Kanäle und Eisenbahnen.„ Aber setze und tommt zum Schluß:" Es sind die Verhältnisse, die die von den Liberalen als Sozialismus gebrandmarkt wurden. Sozialismus, mein Herr," sagt er, ist eine Utopie. Selbsthülfe, mein die öffentliche Meinung machen"( S. 27). Sind mun Gefeße in Die wichtigste Errungenschaft dieser sozialpolitischen und anti- Herr, individuelle Selbsthülfe, persönliche Initiative, das sind die Paragraphen gebrachte Klasseninteressen und ist die öffentliche liberalen Agitation war die sogenannte Ten Hours Act aus den Tugenden, die England groß machen und unser städtisches Leben zur Meinung nichts weiter als die Forderung, bestimmte Klaffeninteressen Jahren 1847-50, deren wesentliche Bestimmung war: jugendliche Blüte bringen."( Bitat aus einer Rede Sidney Webbs, Times", zu Gesetzen zu erheben, so wird die öffentliche Meinung von der und weibliche Arbeiter dürfen in Fabriken nur zwischen 6 Uhr 23. August 1902). Herrschenden Klasse gemacht. Der legte Grund der Gefeße ist also morgens und 6 Uhr abends 10%, Stunden beschäftigt werden; am Diese Schilderung des englischen liberalen Bürgers der Gegennicht die öffentliche Meinung, und die Regierung beruht nicht im Sonnabend bis 2 Uhr nachmittags; die durchschnittliche Arbeitszeit wart ist zwar etwas farikaturmäßig übertrieben, aber sie enthält viel legten Grunde wie Hume meinte auf der Meinung, sondern war 10 Stunden täglich. Dies war das Zehnstundengesetz, das Wahrheit. Die englischen Mittelklassen leben geistig in der alten auf Klasseninteressen, die wieder aus den allgemeinen Verhältnissen damals zu tief aufregenden Kämpfen den Anlaß gab, liberalen Gedankenwelt, handeln aber, wie die modernen Verhältnisse hervorgehen. Was diese allgemeinen Verhältnisse sind, sagt da es von den Liberalen als ein Rückfall in die polizei- gebieten und diese treiben zum Kollektivismus. der Verfasser nicht, aber soviel geht aus seiner Unter- staatliche Regierungsweise betrachtet wurde. Im Grunde genommen Mit der Skizzierung dieser Gedanken ist das hier besprochene suchung der industriellen Revolution Englands hervor, daß die Ver- war es der erste Sieg der sozialistischen Dekonomit, der Beginn des Buch noch lange nicht erschöpft. Es enthält noch eine ganze Reihe hältnisse nach seiner Meinung vor allem materialistischer Natur find. sozialistischen Einflusses auf die Gesetzgebung. Und so wird es jetzt von Betrachtungen, die zur Charakteristik feines Themas dienen ( S. 112.) auch von liberalen Schriftstellern und Politikern aufgefaßt. John und die von einer sehr bedeutenden Lektüre der einschlägigen Morley sagt darüber in seiner Biographie Richard Cobdens: Literatur zeigen. Als Anhänger des Marrschen Materialismus „ Es kann nicht geleugnet werden, daß Cobden recht hatte, dürfte uns folgender Hinweis interessieren. Der Gedanke des als er die Tendenzen dieser Gesetzgebung( der Arbeiterschutzgesetz- Individualismus, wie er sich im 18. Jahrhundert als Folge des gebung) als sozialistisch bezeichnete. Es war das Bemühen des Aufblühens des Kapitalismus in England besonders in der Dekonomik Staates in seiner stärksten Form, die Verwaltung des Kapitals im und der Politit bemerkbar machte, beeinflußte auch die Religion. Interesse der Arbeiter zu beschränken. Das Gesetz vom Jahre 1844 war Ebenso wie das Eigeninteresse zur vorherrschenden Triebfeder im nur ein geringer Versuch nach dieser Richtung hin. Im Jahre 1847 materiellen Leben gemacht wurde, so auch in der Religion. Der wurde die Zehnstundenbill zum Gesetz. In den dreißig Jahren, englische Religionsreformer und Settengründer John Wesley die darauf folgten, wurde das sozialistische Prinzip mit staunens( geb. 1703, gest. 1791) schrieb an seinen Vater: werter Ausdauer angewendet. Wir haben heute einen umfang- Es ist gar nicht die Frage, ob ich anderen mehr Gutes tun reichen Koder zum Schutze der Arbeiter.... Das Resultat ist, tönnte, sondern ob ich mir selbst Gutes tun könnte, denn wo ich daß in unserem Lande, wo am wenigsten von Sozialismus ge- selbst am heiligsten sein kann, da werde ich die Heiligkeit anderer sprochen wird, sein Prinzip den ausgedehntesten Gebrauch ge- fördern..( Bitiert bei Ledy," History of England", 2. Band, funden hat."( ,, Life of Cobden"," London 1881, 1. Band, S. 554.) G. 302, 303.) Das neunzehnte Jahrhundert zerfiel in England in drei Zeitabschnitte; in jedem derselben herrschte eine andere Strömung vor in der öffentlichen Meinung, welche die Gesetzgebung beeinflußte. Die letzte Hälfte des 18. Jahrhunderts mit seinem unvergleichlichen industriellen Aufschwunge flößte den herrschenden Klassen einen Optimismus ein, der zum legislativen Stillstande führte. Das Parlament war nichts weiter als ein geistvoller Diskutierklub, ein Mittelpunkt der Großen und Reichen des Landes, wo Edmund Burke seine stundenlangen oratorischen Leistungen absolvierte. Der Stolz über die englische Konstitution, die ungetrübte Zufriedenheit mit den Zu ständen in England machten jede politische und gesetzgeberische Aenderung unmöglich. Ein weiterer Grund des legislativen Nichtstuns war später die Furcht vor der französischen Revolution. Während des Kampfes gegen Napoleon wich dieser Stillstand einem reaktionären Eifer, der sich in Dußenden von Unterdrückungsgesetzen Luft machte. Politische und sozialpolitische Reformbestrebungen wurden grausam unterdrückt. Der Zoryismus feierte seine größten Triumphe. Etwa um das Jahr 1865 begann sich ein neuer Einfluß in der Gesetzgebung bemerkbar zu machen. Die Gefeßzgeber, die bis dahin Ganz so dachten die philosophischen Radikalen in ökonomischer und politischer Beziehung: wer sein eigenes Interesse wahrnimmt, fördert gleichzeitig das Wohl anderer. M. Beer. 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MORGENS 8 UHR AJANDORF.CO Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw. Th, Glode, Berlin. Drud u. Bering: Vorwärts Buchdrugerej u. Berlagsanstalt Paul Singer& Sa., Berlin SW. Nr. 210. 23. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sontag, 9. September 1906. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Geschäftsergebnisse.-Kurse. armee. Kurs am 8. Septbr. 1906 Fragen der Arbeitstechnik waren die Haupttriebkräfte der Ver- jäger haben den höchsten Gipfel erreicht! So sagt das Gefühl. Der schmelzung des Phönir in Ruhrort und des Hörder Vereins. Gedanke an Absturz von den schlüpfrigen Gletschern macht Das vereinigte Unternehmen tann nun etit lückenloses, ängstlich und zurückhaltend. Wie mit einem Schlage ist Berlin, 8. September 1906. geschlossenes Arbeitsprogramm aufstellen. Es fann mit auch die Klage über Arbeitermangel verstummt. Vielleicht infolge Preise.- Verstimmung.- Reserve- einem vollständigen Menu aufwarten, jeden Spezialwunsch stärkeren Rückflusses von Arbeitskräften bom Lande zur Rote Erde. erfüllen, lediglich gestützt auf die eigenen Produktionsmittel. Nur Industrie, vielleicht auch, weil der Zweck des oft beschworenen GeWirtschaftlicher Sonnenschein und doch etwas gedrückte Stimmung! der Zechenbefizz bedarf noch einer Erweiterung. Als Einzelunter- penſtes eines gefährlichen Arbeitermangels erreicht ist. Es kann Das ist die Signatur der letzten Tage. Lebhaft sprudelt der nehmen waren die nun Verschmolzenen teilweise entweder auf andere demnach wohl als ausgeschlossen gelten, daß die Bedürfnisse des Dividendenquell. Reicher Segen ergießt sich in die Taschen der Materiallieferanten angewiesen oder aber man mußte halbfertige Inlandsmarktes zu einer weiteren Vermehrung der Belegschaften Aktionäre. Die Geschäftsberichte der mit dem 1. Juli abschließenden Ware abgeben und die Fertigstellung anderen überlassen. Durch die drängen. Wenn trotzdem noch Arbeiter eingestellt werden, dann sind Gesellschaften lassen durchgängig hochgespannte Erwartungen in Er- Vereinigung werden die Produktionskosten vermindert und Ruhrort- dabei wohl politische Erwägungen mitbestimmend. Die Unzufriedenfüllung gehen. Die nie Dividende versagenden Gesellschaften kommen Hörde kann die Konjunktur besser ausnußen. Darüber hinaus hat heit der Bergarbeiterschaft, die in letzter Zeit verschiedentlich wieder mit höheren Prozentziffern heraus, Unternehmen, die lange ertraglos die Fufion zurzeit keine große Bedeutung. Ein Kriſenzeichen ist sie scharf zum Ausdruck tam, läßt es den Grubenbesizern wohl rätlich waren, lassen diesmal die Aktionäre nicht leer ausgehen. Dabei auch nicht. Und trotzdem herrscht eine gewisse Reserviertheit, obwohl erscheinen, unbekümmert um die allgemeinen Gefahren, die ist man nicht sparsam bei Abschreibungen im allgemeinen sowohl die Kurse als auch die Preise sich noch nicht daraus erwachsen, durch fortgesetzten Import fremder Arbeitskräfte und vielfach angelegte Reserve- und Ertrareservefonds speichern aus Eine Störung in der an die verderbliche Höhe des Boomjahres 1900 herangewagt haben. für eine große Reservearmee zu sorgen. dem Erträgnis Es notierten beispielsweise des fetten Jahres auch für eventuell kommende Produktion, die an der Börse eine gewisse Erregung hervorgerufen magere Jahre. Ist das kein Grund, sich des Aktionärdaseins zu erhatte, scheint der Beendigung nahe zu sein. Sie behält aber Befreuen? Wie die lachende, zu lustigem Tollen einladende Flur sticht deutung für die Zukunft, sie ist die Ankündigerin von Veränderungen dieses Wirtschaftsbild ab von der öden, trostlosen Heide des sozialer Natur, deren sich die Eisengroßindustrie bisher noch entziehen Proletarierdaseins. Und nicht in Deutschland allein läßt die günstige fonnte. Das wichtige Ereignis ist der Konflikt auf„ Rote Erde". Er hat Konjunktur die Aktionäre vermehrten Profit einheimsen. der Geburt des die Wehen angekündigt, die Dividendensonne scheint überall. Ueberall hat der kapitalistische Konstitutionalismus im Reiche der Montangewaltigen voraufZauberstab der Arbeit reichlicher fließende Goldbäche entlockt. In den Aber der steinigte gehen. Noch ist nicht die Zeit der Reife. lezten Wochen gaben wir bereits von einer Reihe deutscher UnterBoden des Herrn- im- Hause- Standpunktes ist in dem Ringen nehmen die Ergebnisse bekannt. Hier lassen wir jetzt, nach der„ New zwischen Kapital und Arbeit etwas aufgewühlt, empfänglicher Yorker H. 8tg.", das erfolgreiche Höherstreben der Gewinnziffern gemacht worden für die Idee der Gleichberechtigung der Arbeiter. amerikanischer Unternehmen an einigen Dividendenerklärungen erEs war das erste Mal, daß in solcher Weise die Lohnsklaven der sich fennen. allmächtig dünkenden Industriekönige aufbegehrten gegen bedingungsloses Gehorchen. Daß vor dieser Widersetzlichkeit gegen das durch Gewohnheit stark gewordene und als heilig bewertete Herrentum die Industriefeudalen sofort kapitulieren würden, daran hat niemand gedacht. Und wenn die Verwaltung ihrem Wollen nun auch noch weitere Opfer bringt, im Prinzip ist das Unausgesprochene, das Wesentliche, das Bedeutungsvollste, das sich auf dem Hintergrunde der materiellen Forderungen abhebt, bereits als berechtigt anerkannt worden. Die Verwaltung hat sich auf den vernünftigen Boden der Verhandlungen mit der korporativ vertretenen Arbeiterschaft der Arbeiter gestellt. Prinzipiell ist die Gleichberechtigung der anerkannt worden. Die beteiligten Arbeiter werden in der BeDie Höchster Kurs 1900 Bismarckhütte Bochumer Gußstahl Donnersmarckhütte 340,00 331,80 9 285,40 244,40 281,25 267,40 Geisweider Eisenwerk 360,50 224,50 Gelsenkirchener Gußstahl 233,10 116,25 Hasper Eisenwerke. 455,00 220,25 Hörder Verein 231,25 211,25 Hoesch 257,10 236,00 Kattowiger Bergbau 272,60 202,75 Königs- und Laurahütte. 284,00 243,25 Phönir. 229,75 217,25 Rheinische Stahlwerke 243,50 199,50 Rombacher 326,00 209,00 Westfälische Stahlwerte 261,75 121,50 285,00 • 283,50 Westfälische Drahtindustrie. 227,80 220,00 1378,00 145,25 " Konsolidation 423,10 468,00 • Kölner Bergwerk 499,50 440,25 • Königsborn Massener Bergbau. 262,00 217,25 181,25 149,75 Diejenigen industriellen Gesellschaften, welche in den letzten Wochen Erhöhungen ihrer Dividendenrate angekündigt haben, sind u. a. folgende: Amalgamated Copper Co Anaconda Copper Mining Co. Wells Fargo Co. Calumet u. Hecla Mining Co. Crucible Steel Co., Vorz.- Aktien auf 7 Prozent von 6 14 9 " " 8 22 10 " " " " 60 " " 5 " " Calumet u. Arizona Mining Co. 25 " " Mohawk Mining Co. 8 " " " 16 25 " " Quinch Mining Co.. 12 20 " " Osceola Mining Co. 80 6 30 12 ・ Dresdener BankWittener Gußstahl. Arenberg Bergbau 1. Quartal 1900 M. Aehnlich verhält es sich mit den Preisen. Nach der Zeitschrift urteilung der Frage, wie sich Einsatz und Gewinn verhalten, jedenfalls ausschlaggebend beeinflußt durch die Summe der erlangten Glück auf!" notierten in Düsseldorf: direkten materiellen Zugeständnisse. Aber sollten diese für sie auch nicht vollständig befriedigend sein, so dürfen sie doch das Bewußtsein hegen, einen Sieg errungen zu haben, dessen moralische und ideelle Werte für sie und die Gesamtarbeiterschaft ein treibendes, Erfolg verheißendes, belebendes Element bilden bei dem Vorwärtsdrängen der um Anerkennung der Gleichberechtigung und um wirtschaftliche und soziale Besserstellung kämpfenden industriellen Lohnfronder. D. Thomaseisen Flußstahleisen Schweißstabeisen Grobbleche August 1906 M. 72-73 134-136 152 Qualitäts- Buddeleisen. 56-57,60 146-148 86-90 170-190 180-210 90 195-200 Eingegangene Druckfchriften. Solche Ergebnisse, deren Wirkung durch die in den meisten Gefchäftsberichten enthaltene Versicherung, daß das betreffende Unternehmen auch über einen bisher noch nie vorhandenen Auftragsbestand verfüge, noch verstärkt wird, können wohl geeignet sein, die Spekulation zu mutigem Vorgehen zu veranlassen. Dazu könnten andere Ereignisse der letzten Wochen günstig für eine Haussestimmung wirken. Die Kapitalserhöhungen des Lloyd, der Hamburg- Amerika- Paketfahrt- Gesellschaft, des Konzern und die Fusion Phönir Hörder Verein, das sind Der Haussiers Versuche, auf den hohen Stand von 1900 wieder feine alltäglichen Ereignisse. Sind es nicht Anzeichen da- hinaufzutreiben, blieben erfolglos. Die Spuren schrecken doch wohl für, daß die Konjunktur noch weiter in aufsteigender allzu sehr. Amerika, von wo kürzlich infolge der überRichtung sich bewegt? Ganz ungetrübt in solchem Sinne raschenden Dividendenerklärungen der Wind wehte, der Noland. Monatsschrift für freiheitliche Erziehung in Haus und Schule, scheinen die Ueberraschungen nicht bewertet zu sein. Die Geld- die Flammen der Haussestimmung kräftig anblies, läßt Heft 9. Herausgegeben von einer Bereinigung Bremischer Lehrer, Bezugs bedürfnisse der Schiffahrtsgesellschaften versprechen ja weitere Be- nun von sich ausgehen eine verstimmend wirkende kühle Brise. preis halbjährlich 2 M. Einzelheft 40 Pf. Berlag A. Janssen, Hambing. Der Mensch und die Erde. Lieferung 5-7. Herausgeber lebung der Industrie, der Fahrzeugpark soll erweitert werden. Ob aber Nachdem der erste Taumel verrauscht, der Sturm nach den H. Kraemer. Erscheint in 120 Heften a 60 Pf. Verlag Bong u. Co., der vermehrten Schiffszahl auch dauernd genügend Arbeit bleibt, ist eine Glück verheißenden Papieren sich gelegt, die schäumenden Wogen Berlin W. 57. Frage, die immerhin Zweifel auslösen kann. Die Kapitalserhöhungen hochgehender Hoffnungen wieder in das Bett fühler Ueberlegung der Banken sind nicht die Folge noch weiter spannender Unter- zurüdebbten, erkannte man die verblüffenden Dividendenerklärungen Wasserstand am 8. September. Ibe bei Aussig nehmungsluft, in der Hauptsache Handelt es sich darum, die Betriebs- als einen Bluff, der zum Entzücken der Harrimannen gezogen hat Dresden- 1,95 Meter, bei Magdeburg+0,67 Meter. Unstrut bei mittel dem erweiterten Geschäftskreis mehr anzupassen. Die Kapitals- wie ein englisches Pflaster. Dazu kommt die Befürchtung einer er- Straußfurt Meter. Oder bei Ratibor 1,26 Meter. Neiße erhöhung erfolgt aus inneren Gründen, sie hinkt der Erweiterung des neuten Versteifung des Geldmarktes. Das kann verschnupfen. Man mündung 0,94 meter. Dder bei Brieg 1,30 Meter. Und Arbeitsfeldes nach. Erwägungen der Wirtschaftlichkeit, glaubt nicht mehr daran, daß es noch höher hinauf geht: die Profit-| Breslau Unterpegel 1,74 Meter. Meter, bei Dder bef Einsegnungs- Anzüge. Reichhaltigste Auswahl in den neuesten Moden und Webarten, Kammgarnen, Satins, Cheviots, Drapés, Meltons, Tuchen usw. 33.- 30.- 27.24-2220,- 18, 16.- 14.- 1250 M. Jeder Käufer eines Ein segnungs- Anzuges erhält reizende Beigaben umsonst. Wäsche, Hüte, Handschuhe usw. zur Einsegnung zu sehr niedrigen Preisen. Prüfungs- Anzüge moderne, gemusterte Webarten in Cheviots, Buckskins, Kammgarnen usw. allerneuester Geschmacksrichtungen, 30. 27-24 21 18.- 15.- 12.10M. Baer Sohn Spezialhaus grössten Massstabes Chausseestrasse 24a/ 25* 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20 Der Haupt- Katalog Nr. 29( Jünglings- Kleidung) wird kostenlos u. portofrei zugesandt. די M.L.. Neu! 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J. verläßt der Kollege Adolf und gewerkschaftlich organi- Schaewe, Mechaniker, bas Buch tha us in der Lehrterstraße, in welsierte Arbeiter aller Branchen! em er zwölf Sahre lang geschmachtet hat. Schaewe wurde im Jahre 1894 wegen seiner politischen Betätigung von Auf die vielfachen Anfragen geben der Berliner politischen Bolizei verfolgt und, nach seiner Auffassung, in unwir hiermit bekannt, daß das neu berechtigter Weise behelligt. Am 13. August desselben Jahres geriet Schaewe gegründete Handtuch- Verleih- Institut mit den Polizeibeamten ins Handgemenge, schoß auf einen derselben und " Hand in 8½ NO, Elisabethstr. 45, keine jährige Zuchthausstrafe. beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Montag, den 10. September, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15 Berlin No Banda, Inh. M. Schäfer, verwundete ihn leicht durch einen Streisschuß. Die Folge war die zwölf( großer Saal): Außerordentliche General- Versammlung. Tages Ordnung: 麗 Handtuchfahrer= Genossenschaft Schaewe war seinerzeit ein eifriges Mitglied des Berliner Metallarbeiter ist, wie in den Zirkularen und Ge- Berbandes und hat stets seine Pflicht und Schuldigkeit getan. schäftstarten empfohlen wird; auch ist Durch die lange und harte Strafhaft ist Schaewe förperlich geschwächt der Inhaber( ehemaliger Angestellter und herabgekommen und bedarf dringend einer längeren Erholung. Um der Firma R. Bach, Kopernikusſtr. 4) ihm diese zu ermöglichen, haben die Unterzeichneten eine Sammlung nicht von diesem Unternehmer ge veranstaltet. maßregelt worden, wie verbreitet wird, noch ist derselbe Parteigenosse, sondern auf Grund seines geschäfthaltens aus der Organisation ausgeschlossen worden. 71/15 1. Bekanntgabe des Resultates der Urabstimmung und Beschlußfaffung über lichen Gebarens und sonstigen Berden Zeitpunkt des Nebertritts zum Holzarbeiter- Verband. 2. Stellungnahme zur Kündigung des Vertrages. 3. Gewerkschaftliches. In Anbetracht der wichtigen Tages- Ordnung wird das Erscheinen aller Mitglieder erwartet. Mitgliedsbuch legitimiert. ( 76/5) Deutscher Holzarbeiter- Verhand Sonntag, den 9. September, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 1: Branchen Versammlung aller in der Sitzmöbel= Industrie beschäftigten Arbeiter. Tages- Ordnung: 1. Die Lage in der Branche und wie stellen wir uns zum Ablauf des Bertrages. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Die Kommiffion. Der Vorstand. Seedleaf per Pfd. 1,- bis 1,20 M. Berlin N., Brunnenstr. 190. Wir bitten die Berliner Kollegen, sich an dieser Sammlung tatkräftig zu beteiligen. 267/17 Otto Ackermann. Nob. Bahn. Alb. Träger. Bruno Fiedler. Mag Gutsche. Otto Handtke. Ludw. Maus. P. Pawlowitsch. Emil Scheck. Karl Schmidt. Gust. Wegner. Herm. Zernicke. Die Sammellisten sind erhältlich bei Pawlowitsch, Engel- Ufer 15, 1 Treppe lints. Die Ortsverwaltung des Zentral- Albert Dräger, O., Grüner Beg 66, Hof parterre, und bei Panl verhandes d. Handels-, Transport-, Verkehrsarhelier u. Arhelterinen Arbeiter- Bildungsschule Berlin Deutschlands. Sonntag, den 16. September 1906 297/18 Wirtshaus Moritz Uhle, im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer 15: Roh- Tabak Decke Umblatt, 5563 groß, a 1,05. a 1,40. zart, W. Herm. Müller, Berlin, Magazinstr. 14. Heinrich Franck, Berlin N. 54, Brunnenstr. 185. Besichtigen Sie bitte sofort: 23F. Montag, 10. September, abenda 81, Uhr, im Gewerkschaftshause, Decke, etiche, 180 rötlich Kreuzbergstr. 3. Sonntag: Frischen Gänsebraten Vortrag des Schriftstellers M. H. Baege a Portion 75 Pf. Junge Rebhühner, Eisbein, Sauerfohl. Gr. Mittags: tisch( kleine Breiſe). Vorzügliche Biere, alte März- Weiße. Kaffee in Kannen zu 50 Pf. Neu renoviert? über: 4/ 20* Die Abstammungslehre und ihre Beweise" Eröffnung 6 Uhr. mit 60 Lichtbildern. Beginn 7 Uhr. Garderobe frei. Café Fischer, Nach dem Vortrage: Gemütliches Beisammensein und Tanz. 11205 144, Oranienstraße 144, am Moribplay. ( 5 Billards( Kerfau- Bande). Große Zeitungsanswahl. Um geneigten Zuspruch bittet V. Malicky. Zentral- Krankenkasse der Maurer ,, Grundstein zur Einigkeit“. Sonntag, den 16. September, vorm. 10 Uhr im Gewerkschaftshause: Sigung der Wert ſtattkontrollkommiffion Grand Cardinal Zigarren Möbel- Auktion Mitglieder- Versammlung. und der Ortsverwaltung. Sinsetzer! Bezirksleiter! Wegen der am Montag stattfindenden kombinierten Situng der Kontrollkommission findet die nächste Kommissionsfikung am Donnerstag im Gewerkschaftshause, Saal VII, statt. Der Obmann. Achtung! Drechsler. Montag, den 10. September, abends 7 Uhr, im Königstadt- Kasino, Holzmarktstr. 72: Vertrauensmänner- Versammlung der Drechsler Berlins und Vororte. Tages- Ordnung: 1. Bericht von der Meisterversammlung. 2. Bericht der Vertrauensmänner. find. 92/7 Kollegen! Jede Werkstatt muß vertreten sein, wo Drechsler beschäftigt J. A.: A. Pattloch. Achtung! Drechsler. Montag, den 10. September, abends 8%, Uhr, im Königstadt- Kasino, Holzmarktstr. 72: rauchen nur Kenner! Zu haben in den Zigarrenhandlungen. General- Bertrieb: 11516 Dagobert Rund, NW. 23. Möbel ganze Wohnungs- Einrichtungen fowie einzelne Stücke äußerst billig. Eigene Tischlerei- Werkstattt. Berlin O., Wiehr, petersburgerft. 62. Anzüge Paletots, Joppen. Robert Bohn BERLIN N., Invalidenstr. 135. Großes Lager fertiger Herren- u. KnabenGarderoben. Maßabteilung I. Etage. Kolonie Röntgenhöhe, Stat. Buch- Röntgental, gesunde hohe Lage, Landparzellen noch billig. Oeffentliche Versammlung der Drechsler. Rute b. 12,50 M. an. Größte ZnZages Drdnung: Unsere Lohnbewegung. 2. Diskussion. 3. Be schlußfaffung. Hierzu sind alle in Drechslereien sowie Tischlereien beschäftigten Drechsler eingeladen. Der Einberufer. Aug. Battloch. Deutscher Metallarheiter- Verband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin Hauptbureau: Zimmer 34, Amt 4, 3353. Engel- Ufer 15. Zimmer 1-5, Amt 4, 9679. " Montag, 10. September, abends 8 Uhr, in den Musiker- Sälen", Kaiser Wilhelmstraße 18m: Branchen- Versammlung der Werkzeugmacher. Tages Ordnung: 1. Bericht der in der letzten Branchen- Versammlung gewählten Untersuchungskommission. 2. Unsere Stellung zur Privatwerkzeugfrage. 3. Branchenangelegenheiten. Die Versammlung wird Punkt 8 Uhr eröffnet. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Die Ortsverwaltung. 153/3 Funft. Nächster Nähe v. Terrain Straßenb. Berlin- Buch in Sicht. Wochent. nachm., Sonnt. tagsüber a. d. Terrain. Hohenberg, Ramlerstr. 38. Mortal einziges Spezial- Flöhe Mittel gegen schnell u. sicher wirkend, zerstört radikal den Brutherd im Fußboden, so daß gänzlich jede Spur ausgetilgt wird. Fl. 50 und 75 Pf. und 1,50. Man nehme nur, Mortal" mit Marke Tod und Teufel" in den Drogerien und bei 97 99 Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbahnstr.4. ArbeiterBerufs- Kleidung I. Spezial- Geschäft IMG nur 1 3 Mühlendamm 3. der Schmiede Adolf Wecker. Zentralverband der Schmiede Zahlstelle Berlin. Bureau: Stralauerstr. 48. Telephon: Amt 1, 7779. Donnerstag, den 13. September, abends 8½ 1hr: Außerordentliche Mitglieder- Versammlung in den Musikerfälen, Kaiser Wilhelmstr. 18m. Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Genossen H. Ströbel über: 黃 Gardinen kauft man am billigsten nur direkt in dem seit 40 Jahren bestehenden Gardinen- Spezialgeschäft von* Zages Ordnung: 149/13 1. Wahl der Hülfskassierer. 2. Vortrag des Herrn Dr. Davidsohn. Mitgliedsbuch legitimiert. Neue Friedrichstr. 109. Morgen Montag u. Dienstag vorm. 10-1 u. nachm. 4-6 Uhr müssen, 3. Verschiedenes. wegen Abriß des alten Waisenhauses, die Liquidations- Bestände der dort feit 15 Jahren bekannten Möbelfabrik als: div. komplette Speisezimmer, 23 Büfetts. 14 kompl. Schlafsowie Garderoben, Bücherzimmer, schränte, Bertifos, Trumeaus, Die örtliche Verwaltung. BREUERS Festsäle ,, Zur Königsbank" Liſche, Going, Gestos, Stueus, Gr. Frankfurterstr. 117. X Sn. Curt Brener. Amt Villa, 8142 lich gegen sofortige Barzahlung ver- Den geehrten Gewerkschaften, Bereinen, Klubs empfehle ich meine Gesamt. steigert werden. 1127* räume zur Abhaltung von Versammlungen und Festlichkeiten jeder Art Bersteigerer, zu den fulantesten Bedingungen. Carl Joseph, Sonhauser Allée 166. Um recht regen Zuspruch bittet[ 16292*] Curt Breuer, Gastwirt. Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. Sonntag, 16. September, vorm. 11 Uhr, in der Brauerei friedrichshain: Uebungs- Stunde. Gesungen wird: Sturm"( Uthmann), Herbstfeier"( Schulken) ,,, Der Barde"( Silcher). Im Nebensaale: Husfchuß- Sitzung. pünktlich 10 Uhr vormittags: Tagesordnung: 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Bundesangelegenheiten. 16/15 Zur Beachtung! Wiederholt werden die Vereine auf den Beschluß aufmerksam gemacht, daß in dieser Sitzung die Abrechnung vom Sängerfest zu geschehen hat. Des weiteren wird darauf hingewiesen, daß die Sammelliste für das Schen- Denkmal nur noch an diesem Tage zur Einzeichnung ausliegt. Der Vorstand. Arbeiter- Baugenossenschaft„ Paradies" zu Berlin. ( Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.) Bureau: SO. 26, Rottbuser Ufer 44. Grundstücks- Konto Aktiva. Bau- Konto I Bau- Konto II Debitoren- Konto Wasserwerk- Konto. Straßenpflasterungs- Konto Utensilien- Konto Bantguthaben- Konto. Sparkassen- Konto. Kautions- Konto Amortisationsfonds- Konto. Kassa- Konto Geöffnet 8-10 und 4-7 Uhr. Bilanz per 31. März 1906. Gewinn- und Verlust- Konto( Berlust) Saldo- Vortrag per 31. März 1905 Mr. 254 768,63 65 995,83 452,00 509,65 11 610,41 9 000,00 1 300,75 5 758,60 1 056,69 1 250,00 4 666,90 59,00 702,92 357 131,38 Passiva. Geschäftsanteil- Konto Pflichtfpareinlage- fonto Sparfonds- Konto der Mitglieder Darlehnsschulden- Konto ypothekenschulden- Konto I Sypothekenschulden- Konto II. ypothekenschulden- Zinsen- Konto I ypothekenschulden- Zinsen- Stonto II Reservefonds- Kontos. Aapnuto Gewinn- und Verlustrechnung. Bruno Güther, Abschreibung auf utenfilien- Stonto, 5 Broz. 176/19 Grüner Weg 80, parterre. Partei und Gewerkschaften". 2. Anträge. 3. Verschiedenes. Kollegen! Wir erwarten zu dieser Bersammlung recht zahlreichen Besuch und ersachen alle Kollegen für diesen rege zu agitieren. Kollegen als Gäste haben Zutritt! Mit Gruß Achtung! Die Ortsverwaltung. Ballschuhmacher! Achtung! Montag, den 10. September 1806, abends 82 Uhr: Oeffentliche Ballschuhmacher- Versammlung in ben Residenz- Sälen, Landsbergerstr. 31, oberer Saal: Zages Ordnung: 1. Die Lohnforderungen der Ballschuhmacher und wann werden diejelben eingereicht? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen! Der vorstehenden Tagesordnung entsprechend, ersuchen wir fämtliche in der Ballschuhbranche Beschäftigten vollzählig zu erscheinen. 17015 Der Einberufer. Spezial- Möbel- Halle Harry Goldschmidt 59 Moritzplatz 59 Ecke Stallschreiberstraße. Nicht zu vergleichen mit Abzahlungs- Geschäften, welche Garderobe usw. führen. Extra- Abteilung verliehen gewesener Möbel. Wöchentliche oder monatliche Teilzahlung gestattet! von 1369,21 Mt... Zinsen für Bflichtspareinlagen Darlehnsschulden. Sparfonds der Mitglieder Hypothekenschuldenzinsen Hausuntosten für Gebäude- Konto I Geschäftsunkosten. Haftsumme. Mr. 765,08 Extrabeiträge und Eintrittsgelder Bachteinnahmen 825,11 303,25 Binseneinnahme für Bankguthaben und Spargelder Mietseinnahmen( Gebäude- Konto) Verlust . 68,46 1406,47 1026,42 766,62 3 199,51 3 508,36 8 669,77 26 856 Mt. Am 31. März 1905. Eingetreten bis 31. März 1906 .. . • 1 176 25 680 Mt. n Dieselbe betrug am 31. März 1905 verringerte sich im Laufe des Geschäftsjahres um beträgt mithin am 31. März 1906 Geschäftsguthaben der Mitglieder. Dasselbe betrug am 31. März 1905. verringerte fich im Laufe des Geschäfts: 28 979 Mr. jahres um • beträgt mithin am 31. März 1906 Mitgliederbewegung. Ausgeschieden bis 31. März 1906 durch Tod. durch Uebertragung durch Kündigung 2 Genossen 2 114 4873 " Mithin am 31. März 1906 24 106 Mt. . Mt. 24 106,00 63 476,35 36 758,70 25 101,21 158 636,00 47 000,00 1 454,12 470,00 129,00 357 131,38 Mt. 2 578,70 1772,00 369,40 3 246,75 702,92 8 669,77 1119 Genoffen 69 1188 Genossen 118" 1070 Genoffen Arbeiter- Baugenossenschaft Paradies zu Berlin. Der Aufsichtsrat: Baul Schiffle, Borsigender. ( Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.) Die Revisionskommission: R. Pauli, A. Langer, W. Peschel. Der Vorstand: 206/14 H. Schleffler, G. Dorner, P. Müller. Portieren A EMMLERS MOBEL- FABRIK- BERLINS EMMLERS MOBEL- FABRIK. 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Keilkge des Lomarls" Kerliller Wlksdllljt.?...-»>» M Nitwoch findet für Berlin und Vororte der Zal)Iabend statt. parte!- Hngelegcnheiten« Zur Lotalliste! Am Sonntag, den 23. d. Mts., veranstalte» folgende Berliner Männerchöre in der„Philharmonie" ein Vokal- und Jnstrumentalkonzert mit anschließendem Tanz: ..Amicitia",„Bäckermeister derS.-O.Luisenstadt",„Edelweiß",„Immer- froh",„Lobelia",„Sängerkranz".„Silberklänge",„Männerquartett Slesvigia" und„Teutonia" unter Leitung des Dirigenten Herrn Chr. Vlaufus. Da versucht wird, hauptsächlich�auch'in Arbeiterkreisen Billetts zu obigem Bergnüngen umzusetzen, verweisen wir die organisierte Arbeiterschaft auf die in der„ P h i l h a r m o i e"- Frage wiederholt gefaßten Beschlüsse, nach denen das genannte Lokal seitens der Parteigenossen st r e n g zu meiden ist. Wir ersuchen dieParteigenossen�vorstehendes zu beachten. Die Lokalkommission. 2. Wahlkreis. Heute findet in den Gesamträumen der Bock- Brauerei das Volksfest statt. Näheres siehe Inserat in dieser Nummer. � Bei ungünstiger Witterung findet das Fest in den Sälen statt. Zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee. Adlcrshof. Heute, Sonntag, nachmittags 2 Uhr. findet im Lokal des Herrn Kähne(früher Meißner), Bismarckstr. 63, eine öffentliche Versammlung statt mit der Tagesordnung:„Die Kirche als Stütze der herrschenden Klassen". Referent: Genosse Störmer- Berlin. Da es gilt, gegen die Auflösung der Versammlung am 28. August zu protestieren, so hoffen wir auf recht zahlreichen Be- such der heutigen Versammlung. Die Kommission. Wilhelmsruh. Dienstag, den lt. September, abends 8% Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Pätsch, Kronprinzen- jtraße 2. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Mierke über: „Kapital und Kirch e". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Reger Besuch ist Pflicht! Köpenick. Dienstag, den 11. September, abends 8V3 Uhr: Bezirksversammlung der Tammvorstadt beim Genossen Ritter, Bahnhofstraße 43. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Bezirksleiter. Sozialdemokratischer Wahlverein Groß- Lichterfelde- Lankwitz. Mittwoch, den 12. September, abends 8 Uhr, Ver- einsversammlung bei Reisen, Chaussee st raße 10 4. Tagesordnung: Berichterstattung von der Kreisgeneralversammlung. Diskussion. Oertliche Agitation und Organisation. Speziell mit Rücksicht auf letzteren Punkt wird um zahlreiches Erscheinen der Genossen ersucht. Schmargendorf. Am Mittwoch, den 12. September, abends 8l/z Uhr, findet im Wirtshaus Schmargendorf, Warnemünderstr. 6, eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Pünktliches Er- scheinen ist erforderlich. Spandau. Am Dienstag, den 11. September, findet im Lokal von Borchardt, Seeburgerstraße, eine außerordentliche Versammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem Bericht der Lokal- Kommission, sowie des Festkomitees. Bericht von der Kreis-General- Versammlung und der Provinzialkonferenz. Zahlreichen Besuch er- wartet Der Vorstand. Berliner JVachrichteno Daß die Vorarbeiten zur Ersatzwahl im dritten Berliner Landtagswahlkreise noch nicht weiter gediehen sind, soll nach einer Meldung aus dem Rathause daran liegen, daß der Er- laß eines Wahlreglements durch das Ministerium Äes Innern noch ausstehe und der demnächstigen Beschluß- fassung des gesamten Staatsministeriums unterliege. Als Wahltermin sei bereits vor Wochen vom Magistrat der ß. 9tovember und der 27. November in Vorschlag gebracht worden. Die Festsetzung selbst sei Sache des Oberpräsidenten. Die Offenlegung der Wählerlisten bezw. des Verzeichnisses der ausscheidenden Wahlmänner erfolge, sobald der Wahl- termin veröffentlicht sei. Dazu möchten wir bemerken, daß es nicht richtig ist, daß diese Wahl nach dem neuen Wahl- gesetz stattfinden muß. Auch in anderen Landtagswahl- kreisen, in denen während der letzten Monate gewählt werden mußte, hat man die Wahl nicht so lange hingezogen, sondern eben auf Grund des alten Gesetzes gewählt. Aber abgesehen davon: hätte der Magistrat mit dem nötigen Nachdruck ge- arbeitet, so hätte der Oberpräsident dem vorgeschlagenen Termin längst zugestinunt. Es steht auch gar nichts im Wege, daß die Aufstellung der Listen der Ausscheidenden so- fort erfolgt,— wenn man sich nur gehörig darum kümmert. Aus bcm Gelände des Rudolf Birchow- Krankenhauses ist ein königliches Institut für Infektionskrankheiten errichtet. Wegen der Kosten der Unterhaltung und des Betriebes ist ein Vertrag zwischen Magistrat und Fiskus zustande gekommen. Bei den hierüber mit der Unterrichtsverwaltung geführten Verhandlungen hat der Kultus- minister nach Benehmen mit den: Finanzminister und dem Minister stir öffentliche Arbeiten gewünscht, daß die Stadtgemeinde Berlin die bauliche Unterhaltung des Gebäudes, den Betrieb der Heizung, Lüftung und Beleuchtung sowie die Lieferung des elektrischen Betriebsstromes, des Dampfes, des Kalt- und Warmwassers, des Betriebsgases und ferner die Entwässerung gegen eine feste jährliche Entschädigung aus Staatsmitteln übernimmt, während die Unter- Haltung und Ergänzung der Inventars und der Ausstattung auf Staatskosten erfolgen soll. Der Magistrat hat zugestimmt und vor- behaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung den Zuschuß des Staates auf jährlich 5300 M. vorderhand festgesetzt. Straßcnbahnverlcgungen. Die Straßenbahn muß Anfang nächster Woche verschiedene besonders wichtige Verlegungen von Linien wegen Stratzenbahnarbeiten vornehmen. Wegen der Afpaltierung des Kreuzdammes der Hohenstaufen- und Goltzstratze in Schöneberg werden in der Nacht vom Montag an bis auf weiteres die Linien öS und 71. Schöneberg— Friedrichsfelde und Herzberge von der Potsdamerstraße an nicht durch die Pallas- und Goltzstraßc, sondern über die Bülowstrahe. den Nollendorfplatz, die Maaßenstraße und den Winterfeldplatz mach der Goltzstraße geleitet. In der Nacht vom Montag zum Dienstag, den 10. zum 11 September, werden die Gleise der neuen Oranienbrücke angeschlossen. Die über die Brücke führenden Linien werden in dieser Nacht folgendermaßen ab- gelenkt: 11 Moabit— Görlitzer Bahnhof geht von 12.57 ab Görlitzer Bahnhof und von 12.07 ab Wiebestrahe durch die Waldemarstraße. 20 Scestraße— Britz geht von 1.00 an ab Molkenmarkt durch die Köpenicker- und Adalbcrtstraße sowie über den Kottbuser Damm. Die Wagen der Linie 47 Niederschönhausen—-Britz und 48 Schön- hauser Allee— Ripdorf fahren von 12.46 an ab Ripdorf und von 12.23 an ab Schönhaufer Allee in beiden Richtungen über die Reichenberger-, Ritter- und Jerusalemerstraße sowie über den Svittelmarkt. Denselben Weg machen die Wagen der Linie 65 l Zentralviehhof— Moritzplatz von 12.34 an ab Zentralviehhof. Der j Wagen der Linie 05 Hasenhaide— Friedrichstratze, der um 1.00 von ) der Behrenstraße abfährt, geht über die Leipzigerstraße, den Spittel- l markt, die Dresdener und die Adalbertstraße. Ueber die Kinderspiele, die der Berliner Arbeiter-Turn- verein„Fichte" auch im diesjährigen Sominer wieder ver- anstaltet hat, liegt jetzt in dem vom Vereine herausgegebenen Mitteilungsblatte(Septembernummer) eine statistische Zusammen- stclluug vor, die uns aufs neue zeigt, daß dieses Unternehmen die darauf v e r we n d e t e M ü h e l o h ii t. Wir lesen da, daß diesmal an sechs Sonntagen auf vier Spielplätzen 2161 Mädchen und 2363 Knaben, zusammen 4524 Kinder sich an den Spielen beteiligt haben. Im vorjährigen Sommer hatten an ebenso vielen Sonntagen auf denselben vier Plätzen nur 2023 Mädchen und 1945 Knaben, zusammen 3068 Kinder gespielt, es ist also in diesem Sommer eine noch etwas regere Beteiligung erzielt worden. Zur Leitung stellten sich diesmal 143 Turugenossinnen und 295 Turngenossen, zusammen 438 Personen, zur Verfügung, das sind erheblich mehr als im vorigen Jahre, wo 135 Turngenossinnen und 239 Turngenossen, zusammen 374 Personen die Leitung der Spiele gehabt hatten. Unter den einzelnen Spielplätzen zeichnete sich auch dies- mal wieder der Spielplatz im Friedrichshain durch die weitaus stärkste Beteiligung aus. Es spielten dort 1925 Kinder, während auf dem Spielplatz an der Behmstraße 955 Kinder, auf dem im Treptower Park 925 Kinder, auf dem in der Jungfernheide 719 Kinder sich zu den Spielen einfanden. Zu der starken Spielbeteiligung im Fried- richshain haben wir schon früher ausgeführt, daß sie recht deutlich zeigt, wie sehr es darauf ankommt, einen guten Spielplatz in leicht erreichbarer Nähe zu haben. Der im Treptower Park gelegene Spielplatz, der an Schönheit und vielleicht auch an Brauchbarkeit nicht seinesgleichen in Berlin und Umgegend hat, bringt es offenbar nur deshalb zu einer soviel geringeren Beteiligung, weil er zu weit abliegt. Die weite Entfernung dieses Spielplatzes von der Stadt wird übrigens auch sonst von vielen Bewohnern des Südostens als sehr unbequem empfunden. Unsere Parkverwaltung sollte einnial der Frage nähertreten, ob nicht in dem sehr viel näheren „Schlesischcn Busch", der unmittelbar an der Weichbildgrenze liegt, eine Rasenfläche zum Spielplatz eingerichtet werden könnte. Ueber den Termin der Einweihung des Birchow-Krankenhauscs waren gestern verschiedene sich widersprechende Nachrichten ver- breitet, die auch von uns wiedergegeben wurden. Nach der einen Mitteilung soll dieselbe am 17. Oktober, nach Belegung des Krankenhauses erfolgen, nach der anderen soll der 17. September der Termin sein. Da der 17. September der wahrscheinlichere ist und auch aus dem Rathause bestätigt wird, so wird es wohl mit diesem Termin seine Richtigkeit haben. Die Entscheidung über den Bau der städtischen Fleisch- verarbcitungs-Zlnstalt bei Rüdnitz ist, wie berichtet wird, vertagt worden. Der 5lreisausschuß von Oberbarnim hat von einer so- fortigen Beschlußfassung über die vom Berliner Magistrat nach- gesuchte Genehmigung zum Bau der Anstalt auf dem Rüdnitzer Ge- lände abgesehen. Es soll erst eine genaue Prüfung des Einspruches der Stadt Biesenthal gegen das Berliner Projekt stattfinden. Diese Stadtgemeinde liegt etwa 6— 7000 Meter von der geplanten Anstalt entfernt und befürchtet Belästigungen durch die von der Fleisch- Verarbeitungs-Anstalt ausgehenden üblen Gerüche. Der Magistrat von Biesenthal weist u. a. darauf hin, daß die Stadt ein Er- holungsort sei und auch eine Rekonvaleszentenanstalt für Soldaten aufweise. Schon aus diesen Gründen dürfte in der Nähe keine Anstalt gebaut werden, von der üble Gerüche ausgehen. Gegen die Entscheidung des Kreisausschusses, die im Laufe des Oktobers erfolgen dürfte, steht der unterliegenden Partei der Rekurs beim Minister des Innern zu. Der Berliner Magistrat ist um so mehr überzeugt, daß sein jetziges Projekt die Genehmigung erhalten wird, weil es einmal nach, den Wünschen des Ministeriums um- gearbeitet worden ist, und zweitens, weil Biesenthal fast eine Meile von dem für die Anstalt ausersehenen Platze entfernt liegt pnd des- halb hygienische Nachteile für es nicht zu erwarten sind. Auf religiösen Wahnsinn schließen ließ das Treiben der Ber- lincr Zeltmission, das wir dieser Tage an der Hand eines einer Witwe kurz nach dem Tode ihres Gatten zugegangenen Schreibebriefes charakterisierten. Wie recht wir hatten, als wir für die den„entschiedenen Christen" in die Hände Fallenden das Ge- fühl des Bedauerns ausdrückten, beweist uns ein etwas zurück- liegendes Erlebnis, das ein junger Genosse hatte und über das er uns wie folgt berichtet:„Vor zirka einem Jahr fand im Anschluß an die„europäische Jugendkonferenz", an der die..Jünglingsvereine Europas" teilnahmen, die dem Bunde für entschiedenes Christen- tum(E. C.) angehörten, auch eine Abendversammlung in Kellers Festsälen statt, in der ein Pastor aus Friedrichshagen einen Vor- trag hielt über„Finsternis und Licht". Nach dieser religiösen An- spräche forderte der Pastor diejenigen auf, die noch etwas zu sagen haben, dies nur ruhig zu tun. Da der Pastor auch auf die Lage der Arbeiter zu sprechen kam, meldete ich mich zum Wort und ver- suchte, den Zuhörern klar zu machen, worin die Wurzel allen Uebels zu suchen sei. Eine Weile hörte man auch ruhig zu, versuchte mich auch mit dem Zwischenruf:„Sie sind wohl ein Sozialdemokrat!" tödlich zu treffen; plötzlich Hub jedoch die Orgel an, und'mitten während meiner Ausführungen fing man ein geistliches Lied zu singen an. Nachdem mehrere Strophen davon abgegröhlt waren, trat ein Weib hervor, faltete ihre Hände, schlug ihre Augen gen Himmel und betete— für die Seele des jungen Mannes, der leider schon dem Teufel verfallen sei.„Wieviel Seelen könnte, Dir Herr, dieser junge Mann allabendlich zuführen, errette seine Seele." Das war der Anfang. Ein alter Mann trat hervor, betete auch für meine Seele und forderte unter Tränen die An- wesenden auf, ebenfalls in die Kniee zu sinken und diese arme Seele erretten zu helfen. Ja noch mehr I VierWochenlang, morgens und abends, sollte jeder der Anwesenden für die junge Seele beten und einstimmig gelobten dies auch die paar Hundert Menschen.„Denken Sie des Morgens und Abends daran, daß für Sie gebetet wird, und lernen Sie so den Weg zu Jesum finden," sagte der Herr Pastor.„Wenn Sie in diesen vier Wocheu nicht glauben gelernt haben, dann gibt es keinen Gott." Nun, diese vier Wochen sind schon oft verstrichen, die Wirkung des wundertätigen Heilmittels, des Gebets, hat sich bei mir aber noch nicht eingestellt. Vielleicht mag dies daher kommen, daß der Teufel meine arme Seele schon zu sehr umgarnt hat. Wer dieser Veranstaltung beigewohnt und gesehen hat, wie alte Leute und junge Mädchen um meiner lieben Seele willen in herzzerreißendes Weinen ausbrachen, der kann sich des Gefühls nicht entwehren, daß hier der entschiedene Glaube zu religiösem Massenwahnsinn sich entwickelt hat. Die Armen! In Lebensgefahr schwebten am Freitag Berliner Ruderer aus einer Fahrt zwischen Friedrichshagcn und Köpenick. Dieselben fuhren in drei Booten nicht allzu weit von der rechten Uferseite der Spree entfernt, als sie plötzlich unweit Hirschgarten vom Ufer aus von einer Anzahl junger Leute mit einem Steinhagel überschüttet wurden. Die Burschen machten sich ein Vergnügen daraus, mit großen Steinen nach den leichtgebauten Gigbooten zu werfen, um dieselben zum Kentern zu bringen. Nur der Umsicht der Mann- schaft war es zu danken, daß die Fahrzeuge unbeschädigt davon- kamen. Die Insassen fuhren nun direkt nach dem Ufer, der Steuermann ging ans Land und schritt direkt auf die Angreifer zu. In demselben Augenblick krachte vom jenseitigen Ufer ein Schuß und die Kugel sauste haarscharf an dem Kopf eines der Ruderer vorüber. Dann rief der Schütze, gleichfalls ein halb- wüchsiger Bursche, den Männern zu, ja nichts ihren Freunden zu tun, sonst würden sie alle kalt gemacht. Die Bootsinsassen wollten sich einer weiteren Gefahr nicht aussetzen und ruderten fort. In diesem Augenblick aber krachten mehrere Salven, die Rowdies schössen mit Pistolen und Deschings auf die Boote. Nur dem Zu- fall ist es zu verdanken, daß keiner der Ruderer verwundet wurde. Zuschauer dieser Affäre waren zahlreiche Ausflügler und Sommer- frischler, die am Ufer lagen und natürlich nicht wagen konnten, die Schützen anzugreifen. Es ist bisher nicht gelungen, die nichts- würdigen Burschen festzustellen. Aus der Selbstmorbchronik. Die Leiche eines unbekannten Selbstmörders wurde gestern am Schiffbauerdamm aus der Spree gelandet. Der Tote hat schon mehrere Tage im Wasser gelegen, gehörte seiner Kleidung nach den besseren Ständen an und war etwa 25 Jahre alt. Die Leiche ist zur Rekognoszierung nach dem Schauhause gebracht worden.— Einen Selbstmordversuch mittels Chloroform unternahm gestern der Student der Medizin Arthur G. aus der Wilsnackerstraße 38. Der Lebensmüde nahm ein be- trächtliches Quantum von dem Gifte zu sich und fand im Kranken- haus Moabit Aufnahme. Das Motiv ist vermeintlich in schlechten Vermögensverhältnissen zu suchen.— Wegen Liebeskummer versuchte sich der 23jährige Kaufmann Ernst G., Schönhauserstraße 21, das Leben zu nehmen. Der junge Mann nahm seine Zuflucht zu dem Modegift Lysol und wurde in bedenklichem Zustande in das Krankenhaus am Friedrichshain eingeliefert.— Bei Fangschleuse wurde die Leiche einer Berliner Selbstmörderin, deren Personalien bisher noch nicht festgestellt werden konnten, geborgen. Die Lebensmüde war noch kurz vorher in der Nähe der Fundstelle auf der Chaussee beobachtet worden. Sie ist etwa 50 Jahre alt. von mittlerer Größe und hat dunkelblondes Haar mit falschem Zopf. Die Kleidung bestand aus schwarzseidener Taille, schwarzem Moireerock, dunkelgrauem Regenmantel, schwarzen Strümpfen und Schuhen. An der rechten Hand trägt die Tote einen abgenutzten Trauring und einen goldenen Ring mit blauem Stein. Bei der Selbstmörderin wurde eine Rückfahrkarte zwcitep Klasse nach Fürstenwalde und ein Rasiermesser gefunden, mit dem sie sich ver- mutlich anfangs das Leben nehmen wollte. Die Jagd nach zwei Straßenräubern verursachte in der Box- hagcnerstraße großes Aufsehen. Ein Zigeuner hatte in einem dortigen Lokal einen Pferdehandel abgeschlossen und 200 M. An- zahlung erhalten. Als er in etwas angetrunkenem Zustande mit seinem Gelde die Straße betrat und dort die Summe noch einmal nachzählte, wurde er von zwei Männern beobachtet. Die beiden traten auf den Zigeuner hinzu und waren ihm bei dem Zählen „hülfreich". Einer der Männer hielt das Taschentuch hin, damit der Besitzer die 200 M. besser hineinlegen könne. Kaum war dies geschehen, so ergriff der„Helfer" mit seiner Beute die Flucht und sein Komplice eilte ihm nach. Die beiden Gauner wurden verfolgt und es entstand nun eine wilde Jagd nach ihnen. Während es dem Haupttäter gelang zu entkommen, wurde sein„Mitarbeiter" festgenommen und der Polizei überliefert.- Die Unfälle von Kindern im Straßenverkehr haben in den letzten Tagen einen unheimlichen Umfang angenommen. Vom gestrigen Tage werden wiederum zwei derartige Unglücksfälle ge- meldet. Der 7jährige Erwin Locht, Samariterstraße 17 wohnhaft, lief kurz vor der Straßenbahn-Endhaltestclle am Zentralviehhof vor einem vorrückenden Wagen auf das Gleis und stieß mit dem rechten Arm gegen den Borderperron. Das Kind erlitt einen Bruch des rechten Unterarmes.— Auf der durch den Fuhrverkehr so sehr heiasteten Potsdamerstraße rannte gegen 3 Uhr nachmittags der 6jähr:ge Franz Wieseler, dessen Pflegeeltern in der Bennewitz- stratze 15 wohnen, kurz vor einem Herannahenden Motorwagen der Linie 23 über das Gleis, wurde umgestoßen und erlitt starke Quetschungen am rechten Unterschenkel und Knöchel sowie Haut- abschürsungen. Beide Kinder erhielten die erste Hülfe auf den nächsten Unfallstationen. Geldschrankknacker sind gestern im Bureau der Ortskasse der Schuhmacher, Landsbergerstraße 33, gewesen. Geraubt wurde nichts, nur der Geldschrank enthält unterhalb des Haupischlosses ein zirka 22 Zentimeter großes Loch. Aus dem verschlossenen Pult wurde gegen 20 M. Wechselgeld gestohlen. Jedenfalls sind die Brüder gestört worden. Im Hause hat niemand eflvas gehört. Die Tür stand gestern früh%7(Uhr offen. Arbeiter-Bildungsschule Berlin. Heute Ausflu-g nach Steglitz mit Besichtigung des neuen Botanischen Gartens. Abfahrt vom Wannseebahnhof 1,35 Uhr. Für Nachzügler: Gartenlokal„Birkenwäldchen", Steglitz, Schützenstr. 4, Ecke Lichterfelderstraße. Sonntag, den 16. September, abends 7 Uhr, Vortrag des Schrift- stellers M. H. Baege über„Die Abstammungslehre und ihre Beweise" mit 60 Lichtbildern, im großen Saale des GeWerk- schaftshauses, Engelufer 15. Um zahlreichen Besuch beider Veranstaltungen wird gebeten. Vermißt und zu rekognoszieren. Am 4. Juli d. I. verließ der Elektrotechniker Carl Arnold in der Absicht, eine Stellung bei Mix u. Genest, Bülowstrahe 66, anzutreten, die Wohnung seines Neanderstraße 6 wohnhaften Schwagers Werker und ist seitdem spurlos verschwunden. Der Vermißte ist 32 Jahre alt, 1,70 Meter groß, hat dunkelblondes, bereits graumeliertes Haar, blaue Augen, abstehende Ohren, lange spitze Nase, dicke Oberlippe, Schnurbart, schmales, langes Gesicht, große Hände und Füße; er sprach deutsch mit hessischem Dialekt. Bei seinem Fortgange trug er einen tveißen Strohhut mit schwarzem Bande, dunklen Jackettanzug, schwarze Schnürstiefel, graue Socken. Oberhemd. Normal-Unter- beinkleider, dunkelrote Knotenkrawatte. Nachrichten nimmt jedes Polizeirevier zu 4924. IV. 1. 06 entgegen. Am 1. September d. I. wurde aus dem Schleusenkanal an der Schloßbrücke die Leiche einer Frau gelandet, die etwa vier Wochen im Wasser gelegen haben mag. Die Tote hat bisher nicht rekognosziert werden können. Sie war 18— 25 Jahre alt, 1,51 Meter groß, hatte blondes Haar, blonde Augenbrauen, braune Augen, kleine Nase, gut erhaltene Zähne, rundes Kinn, ovales Gesicht, untersetzte Gestalt. Die Kleidung bestand aus einer weihen, schwarzgemusterten Barchendbluse, blauen, leinenen Schürze mit weißen Streifen, grauem Rock, einem grauen und einem schwarzen Unterrock, einem weißenHemde, schwarzen, weißgeringelten. gewebten Strümpfen und schwarzen Schnürschuhen mit hohen Absätzen. Nachrichten über die Persönlichkeit der Toten nimmt jedes Polizeirevier zu 6673. IV. 41. 06 entgegen. Besichigung der Muster, die von den Kleidungsstücken der Toten abgeschnitten sind. kann durch Vermittelung der Kriminalpolizei, Zimmer 243 des Polizeipräsidiums, erfolgen. Am 26. August, abends 714 Uhr, wurde im Tiergarten an der Luiseninsel die Leiche einer zirka 40 Jahre alten Frau, dem Mittel- stände angehörend, ausgefunden; es liegt anscheinend Selbstmord durch Vergiftung vor. Die Person ist schlank, hat dunkles Haar, ist bekleidet mit schwarzem Rock und Jackett, schwarzem Hut mit Schleier, Knöpfstiefeln; sie trug bei sich einen schwarzen Damen- schirm, einen Pompadour mit Portemonnaie und 32 Pfennigen, sowie einen Schlüssel. Die Leiche befindet sich im Schauhause. Hannoverschestrahe 6. Mitteilungen werden zu K494 VI. 41 06 von der Kriminalpolizei, ev. mündlich, im Zimmer 245 II erbeten. Gesperrt. Die Thaerstraße vom Baltenplatz bis zur Elbenaer- strahe wird behufs Umpflasterung vom 1». d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Zeugen gesucht. Personen, welche Zeuge waren. Nzie am Dienstag, den 4. September, abends, ein Radfahrer in der Brunnen- strahe— zwischen Rügener- und Ramlerstrahe— durch ein Fuhrwerl zu Fall gebracht wurde, wodurch der Radfahrer erhebliche Verletzungen erlitt, werden um Angabe ihrer Adresse an Schneider, Exerzierstrahe 4, gebeten... Das Palast-Theater in der Bnrgstrahe hat nun auch seine Spielsaison eröffnet. In dem langen Programm nimmt die Akrobatik einen etwas breiten Raum ei», in dem musikalische Scherenschleifer mit Tanzsoubretten, Gesangsduettisten miteinander abwechseln. Ein- geschoben ist ein einaktiger Schwank:.Der Sommerleutnant" von M. Reichardt. Aus den sehr nnttelmähigen Leistungen hebt sich ein humoristischer Dressurakt, in welchem Hunde und Affen recht gelungene Produktionen vorführen, vorteilhast hervor. „lieber Erdbeben und unser Wisse««am Erdinnern" spricht Herr Direktor Archenhold am Sonntag, den ö. September, nach- mittags 5 Uhr, auf der Treptow-Sternwarte. Dieser Vortrag ist mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet und berücksichtigt auch die alten und neuen chilenischen Beben. Hierüber erscheint auch gleich- zeitig in der illustrierten Zeitschrift„Das Weltall" ein interessanter Artikel, der nachweist, dah im Jahre 1822 daS Schüttergcbiet dasselbe war wie jetzt. Sonntag nachmittag um 7 Uhr spricht Herr Direktor Archcnhold über die„Einführung in die Astronomie" und ani Montag, abends 9 Uhr, über„Die Bewohnbarkeit der Welten".— Mit dem großen Fernrohr wird am Tage die S o n n e und abends„Saturn" beobachtet, dessen Ringe sich immer mehr schlichen. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der Vortrag »„Der jüngste Ausbruch des Vesuv", der in fesselnder Weise die Eindrücke und die Vorgänge der letzten gewaltige» Eruptionen schildert und durch die zahlreichen farbigen Bilder nach eigenen Aufnahmen in den Katastrophengebietcn noch besonders an Jnter- esse gewinnt, wird nur noch kurze Zeit, und zwar in dieser Woche am Sonntag, Montag, Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend, zur Wiederholung gelangen. Diesem wird vi» neuer Vortrag, ebcn- salls mit zahlreichen farbigen Bildern illustriert,„An der Mosel", folgen. Am Dienstag dieser Woche soll der Vortrag.Die deutsche Ostseeküste von den Wanderdünen bis zum Alsensund" und am Witt- woch der Vortrag„Im Lande der Mitternachtssonne" wiederholt werden. Feiierwchrbertcht. Freitag abend muhte die Feuerwehr auf dem Wcdding, Schulstrahe 91 und auf dem Gesundbrunnen, Prinzenallec 7, zwei Brände löschen, die beide durch die Explosion von Petroleumlampen entstanden waren. Zwei Tecrbrände beschäf- tigten die Wehr in der Admiralstrahe 18 und in der Brunnen- strahe 39. In der Gneiscnanstrahe 89 brannten abends nach 9 Uhr Betten, Gardinen u. a. Die Wehr wurde wegen dieses BraUdcs dreimal alarmiert und konnte die Gefahr schnell be- seitilgen. Ferner hatte der 5. Zug in der Josefstrahe 4 zu tun, wo auf einem Hängeboden Feuer ausgekommen war. Außerdem liefen noch Fencrmeldungen aus der Gerichtsttahi 31, Chaussee- strahe 42 u. a. Stellen ein. Arbeiter° Samariter- Kolanne. Die ordentliche Mitglieder- Versammlung findet am Montag, den 17. Seplember bei Dase, Brunncnstrahe 154 statt. Tagesordnung: 1. Vortrag über die Be- strcbnngcn der deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Ge- schlechtskrankheiten;. Mitteilungen des Borsitzenden und Kassierers; 3. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Das Er- scheinen aller Mitglieder wird erwartet. Vorort- ZVacK richten. Weisteusee. Niichtlichrr Einbruch auf dem Postamt. Eine verwegene Ein- brecherbande hat in der vorgestrigen Nacht den, Postamt II an der Ecke der LanghanS- und Gustav Adolfstrahe in Weihrnsre einen„Be- such" abgestattet. Die Täter ltehen sich auf dem Hof einschließen und versuchten von dort auS unter Anwendung eines Bohrers die Türfüllung herauszuheben, die Rückwand der Tilr war jedoch mit Eisenblech beschlagen und«S blieb den Burschen infolgedessen nichts anderes übrig als da» SchloH zu sprengen. Nachdem sie sorgfältig etwa dreißig Löcher gebohrt hatten und das SchloH noch innner nicht wich, stemmten sie sich mit voller Gewalt gegen die Tiit und nun gab diese auch nach. In den Post- räumen angelangt, machten sich die Diebe an das Anfbrechen der Schreibtische und Wertkäften, in denen sie große Markenvorrate und erhebliche Geldsummen vermuteten- Ein Gelöschrank wurde von den Einbrechern der Holzbekleidung befreit, doch das Schloß des eisernen Behälters vermochte die Bande nicht zu strengen- Da sämtliche Wertsachen, vor allem das bare Geld und die Marken jeden Abend Aach dem Hauptpvstamt in der König« Chaussea gebracht werden, um dort über Nacht in einem sicheren Geldschrank auf- bewahrt zu werden, so fielen den Einbrecher» nur wert- lose Gegenstände zur Beute. Aergerllch übet ihre Fehkarbeit, brachen die Täter jetzt bei dem benachbarten Restauratenr Bade ein. Sie strengten die Kellertllr und gelangte» dann durch die vom Keller nach oben führende Falltllre in das Lokal. Dort etbrachen Be die Laoenkasse, raubten sie aus und stahlen auch Noch llhrcn und hrkettew Nachdem sich die dreisten Einbrecher an Speisen und Ge- tränken gütlich getan, traten fle ihren Rückzug an und entkäme» un- bemerkt. Einen dritten Einbruch unternahmen dann die Burschen in der GreifSwalderstr. 92. doch wurden sie diesmal durch die Hülfe- rufe einer Mieterin gestört. Steglitz. Auf dem Sommerfest der Freien Turnerschaft Steglitz wurde ein Bund Schlüsse» gefunden. Dasselbe ist abzuholen bei Gutisch. Schadenrute 19. RummelSvurg. Zu dem Brande tu der Mummelsburger üfnUinfnBti! wird gemeldet, daß gestern vormittag die Leiche des Schlosser» Bethge ans- gefunden worden ist. Sie lag, wie vermutet wurde, im zweiten Stockwerk unter dem großen Schutthausen zwischen dem Notausgang und der aus dem Treppenflur in den ArbeiiStaum führenden Tür. Bethge ist jedenfalls bei der zweiten Explosion zu Böden geschleudert und von den herabstürzenden Trümmern rrschlaae» Wörden. Seine Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Die AlifrSumUNgsarbeiteN wurden dann polizeilich sistiert, bis der ganze Vorgang bei den Explosionen und bei dem Tobe des verunglückten Bethge aufgeklärt sein wird- Treptotv-Baumschulenweg. Uedt» Strafrecht hielt Genosse Julian Borchardt in der letzten Versammlung des Wahlöereiiis einen instruktiven Vonrag, an welchen sich eine seht ausgiebige Debatte anschloß. Als Beisitzer wurde Genosse Hering gewählt, gnm Schluß Machte der Vorsitzende noch auf die v e r s a M ni l u n g am 10. S e p t e M b»» tr. aus- merksam, in welcher Genosse Zubeil referieren wird. StowatvöS« Netteltdsrf. Zum Bierkrieg nahm aitch hier eine von Gastwirten einberufene Versammlung Stellung. Räch einem Referate de» Redakteurs Friedrich-Berlin und einer längeren Diskussion, an der sich auch der Branerridirektor Werner beteiligte, der. die Zusicherung gab, bah die Potsdamer Brauereien sich den« Berliner Ringe nicht anschiiehen würden, gelangte die folgende Resolution fast einstimmlg zur Annahme: »Die heute im Lokale des Kollegen Singer versammelten Gastwirte von Nowawes-Neuendorf und Umgegend wählen eine Kommission zum Zwecke der Verhandlung mit den Brauereien über die zukünftige Gestaltung des Bierpreises. Im Falle des Zustandekommens einer Verständigung wird den Kollegen die Verpflichtung auferlegt, die Vertragsbrauereien mit aller Energie zu unterstützen und im Falle eines Bierkampfes das Bier aus Brauereien von außerhalb selbst dann abzulehnen, wenn es unter den: ortsüblichen Preise angeboten wird. Die Vcrsamiuluiig behält sich vor, bei Eintritt besonderer Schwierigkeiten das konsumierende Publikum zur Unterstützung der Position der Gastwirte anfzunifen." Die Versammlung hat gezeigt, daß die hiesigen Gastwirte keinen B i e r k r i e g wünschen. An den Potsdamer Brauereien liegt es jetzt, zu zeigen, daß sie den Frieden im Gewerbe erhalten wollen. Spandau. Die Stadtverordneteu-Versammlung nahm am Donnerstag nach zweimonatlicher Pause ihre �Arbeiten wieder auf. Der Stadtver- ordneten-Borstcher Schröder eröffnete die Sitzung und widmete dem während der Ferien verstorbenen Stadtverordneten Friedrich einen ehrenden Nachruf. In die Tagesordnung«intretend, gab gleich der erste Punkt: Einladung zum 29. Brandenbnrgischen Städtetage Anlaß zu einer Debatte. Der Referent Graetschel trat dafür em, daß die Versainmlniig ans ihrer Mitte zwei Mitglieder sende. Weil nun der Magistrat ebenfalls zwei Mitglieder delegiert, trat Genosse Pieck siir die Delegation von nur einem Mitgliede ein, zumal auch Schöneberg in dieser Weise verfahre. Dem wurde von anderer Seite widersprochen und bei der Abstimmung der Antrag des Referenten angenommen. Die Neuschaffung der Stelle eines Stadtbauinspektors wird auf Antrag des Stadtv. Engelhardt in die geheime Sitzung der- wiesen. Längere Zeit nahm der Gegenstand der Tagesordnung: Z u- stimmnng zur Beschaffung der Geldmittel für den Haveldurchstich, den Hafen und zum Ankauf der Straßenbahn in Anspruch. Es müssen beschafft werden 3 112 999 M. für den Haveldurchstich und Hafen und 3 359 999 M. zum Ankauf der Straßenbahn. Zu diesem Zwecke sollten vierprozrntige. auf den Inhaber lautende städtische Anteilscheine ausgegeben werden, falls es nicht gelingt, die Gelder ans besondere Schuldurkunden zu erlangen. Der Magistrat hat versucht, das Geld von Banken und Sparkassen zu bekommen und hat sich an 13 Kassen gewandt, jedoch erfolglos; selbst Inserate in der.Sparkasse" dem Organ des deutschen Sparkassenverbandes, haben keinen Erfolg gehabt. Ans eine erlassene Anzeige haben sich die Vermittler Hingst- Kiel und Emst Haasengier u. Co.- Halle a. S. erboten, das Geld gegen eine Provision von bezw.'/, Proz. zu beschaffen. Es sollen nun zunächst'/e bis 1 Million Mari, welche für die Haveldurchsttch- arbeiten dringend gebraucht werden, aufgenommen werden. Genosse Schmidt I regt an, ob es nicht möglich sei, von Invaliden- und Altersversicherimgsinstitntcn Geld zu bekommen. Jedenfalls müsse versucht werden, das Geld zu einem billigeren Prozentsatz als 4 Proz. zu beschaffen. Auch sei es nicht nötig, die ganze Summe mit einmal aufzunehmen, eS werde vorerst ein Teilbetrag genügen; bis mehr gebraucht werde, könne sich der Geldmarkt gebessert haben. Er ver- Iveise auf Frankfurt a. M., welches ohne große Schwierigkeiten 15 Millionen zu 3�/-» Proz. aus Frankreich erhalten habe. Der Referent Stadtverordneter Schulze I weist auf die Geldknappheit hin. Es sei nicht möglich, gegenwärtig Geld zu einem niedrigeren Prozentsatz zu erhalten. Stadtverordneter Graetschel wendet sich gegen Schmidt 1. Die Arbeiten müßten ausgeführt werden. Man befände sich in einer Zwangslage und er er- suche, den, Antrage der Finanzkommission zuzustimmen. Ober- bürgermeister Koeltze erklärt, daß die Schulden gegen sechsmonatliche Kündigung kontrahiert werden und die Stadt in der Lage sei, wenn das Geld billiger werde, es anderswo aufzunehmen. Die Franzosen würden UNS wohl, wenn sie überhaupt antworten, sagen:„Nehmt doch das Geld aus dem Jnlilistnrm." Stadtv. Schulze I hält Stadtv. Schmidt 1 entgegen, daß selbst Köln sich genötigt gesehen habe, Anleihescheine über eine Summe von 39 Millionen auSzu» geben. Der Antrag wirb gegen eine kleine Minorität angenommen. Stadtv. Thomas beantragt namens der Hafenkommission„zur Besichtigung der Einrichtung mehrerer deutscher Binnenhäfen" die Bewilligung von 2399 M. Ctndtv. Genosse Pieck spricht für die Bewilligung Namens setner Freunde, da sie sich von dieser Reise Nutzen versprechen, stadtbaurat Paul empfiehlt, die ganze Hafentommission an der Reise teilnehmen zu lassen. Die Vorlage wird einstimmig angenommen. lieber die Bewilligung von 611,80 M. zur Besichtigung eines Eisenbeton- Bohlwerkes in Dan zig' eNtipitNit sich eine längere Debatte, an der sich die Stadtvv- Rupke, Pieck, Krempf, Zschatig, Schulze I und Graetschel sowie der Ober- bürgermeister, Stadtbaurat Paul Und Stadtrat Rcinicke beteiligen. Die Magistratsvorlage wurde abgelehnt. Der Referent beantragt sodann, der Firma Drenckhahn lt. Sudhoa tn Braunschweig den §uschlag für die Herstellung des Bohlwerks zu erteilen. Diesem ntrag wird zugestimmt. Der nächste Punkt: Genehmigung des Kaufvertrages über die Spandauer Straßen- bahn, betrifft nur einige Aenderungen am Kaufverträge, welche unwesentlich sind. Die Wichtigste betrifft A 3, welcher die Uebergabe der vorhandenen Betriebsmittel, Baulichkeiten usw. an die Stadt regelt. Der abgeänderte Kausvertrag wird den, Antrage des Referenten Dr. Engelhardt entsprechend angenommen. Der Wechsel ,n,der Schwester„pflege in, städti- sdjen Kranken Hanse zeisigte eine längere Debatte. Da das Dmkonissen-Mutterhaus Bethanien den Bertrag mit der Stadt ge- kündigt und die Schwestern infolgedessen am 1, Oktober ihre Stellung im städtischen Krankenhaus verlassen, mußte für Ersatz gesorgt werden. Das DiakonIsseN-MutterhaNs„Salent" hat sich bereit erklärt, die Schwestern zu stellen. Der Referent Dr. Engel- chardt erwähnte hierbei, daß die Koiimiission eine andere wirtschaftliche Organisation nach den, Muster anderer größerer Städte einzuführen gedenke, für heute jedoch handele es sich nur un, den Vertrag mit„Salem", den et zur AMtahMe empfehle. Stadtv. Pieck meint, das Grundprinzip des Magistrats sei: billig, billig, billig. Er stelle seine Knauserigkeit ins hellste Licht. Frömmelei und Muckerei gehörten nicht tn ein Krankenhaus. Eharlottenbukg erziehe sich selbst einen Stamm vön Pflegepersonal. Die Hauptsache sei gute Ausbildung. Redner wünscht, daß die Stadt sich nach Welt» lichen Pflegerinnen umsehe. Gegen die Ausführungen Pieks wendet sich der OSerbürger- Meister. Er verstehe Nicht, wie Piek sagen könne, es iserde billig gewirischaftet. Käme man zit einem Vertrag mit einen, Mutterhause, so mllsse et Niii halbjähriger Kündigung abgeschlossen werde» UNd seiet, Wik Nicht zufrieden, so könne man ih» kündigen. Auch Stadt- vSkörbneter Dr. Engelhardt spricht gegen Piek. Von Mnckerei könne keine Rede sein. Die wirtschaftliche Organisailon könne verbessert werden, allerdings unter ganz anderen Gesichtspunkten, als denjenigen des Herrn Piek. Stadtd. Schmidt 1 hält die Beschwerden nicht flit so unbegründet, daß man ans die Dauer mit den Schwestem nicht auskomme. beweisen auch die Dtakonisstlmen von Bethanien, er hält für nötig, daß das Krankenhaiispetsonal der DeplitatiöN unterstellt wird. Stadtverordneter Bertin wünscht präzisere Fassung des§ 4, der von der Anstellung und Entlassnng des Personals handele, ti, der Weise, daß Nicht die Vorsteherin, sondern der Magistrat die Anstellung und Entlassnng vorzunehmen habe. Stadtverordneter Ganncmaim hebt hervor, daß die Krankeiipflege 49 Jahre von den Bethanien-Schwestern ausgeführt worden sei. Die Bürgerschaft sei sehr mit ihnen zufrieden gewesen, sie werde auch«eher mit der Tchwesterpflege zufrieden sein. Nach längerer Debatte, in der Genosse Piek auf die gemachten Einwände eingeht, wurde schließlich dem Vertrage mit kleinen Ab- ändermigei, zugestimmt. Es folgt der Antrag: Verbreiterung der Brück an- strahe a II f 95 Meter. Bevor in die Beratung eingetreten wird, entspinnt sich eine längere Geschäftsordnungsdebntte darüber, ob der Stadtverordnete Müller, welcher Eigentümer eines der beiden Grund- stücke ist, welche zwecks Verbreiterung noch angekauft werden müssen/ an der Verdandlung teilnehmen darf oder nicht. Der Vorsitzende hält die Anwesenheit aus Grund der Geschäftsordnung nicht für zulässig. Da aus der Versammlung andere Meinungen laut werden, läßt er darüber abstimmen. D,e Versammlung beschließt, daß Herr Müller der Beratung beiwohnen darf. Der Oberbürgermeister verliest die entgegenstehende Bestimmung der Städteordnung. Wäh- rend Herrn Müllers Interesse darin besiehe, möglichst teuer zu ver- kaufen, sei das Interesse der Stadt, möglichst billig zu kaufen. Herr Engelhardt hält ein einheitliches Verfahren für erforderlich. Früher habe mau beschlossen, daß Stadtverordnete, welche an einer die Versammlung beschäftigenden Angelegenheit inter- essiert sind,_ bei der Beratung nichl zugegen' sein dürfen, heute beschließe man wieder anders. Stadtverordneter Müller erklärt, freiwillig den Saal zu verlassen. Nach« dem dieS geschehen, gibt der Kommissionsberichtcrstatter Bender einen eingehenden Bericht über die bisherigen Verhandlungen und Beschlüsse. Als am 25. Januar d. I. die Verbreiterung der Brücken- straße beschlossen wurde, hatte sich die Versammlung vorbehalten, über die Breite der Straße noch besonders zu befinden. Es wurden dam, die betreffenden Häuser angekauft, bis auf zwei, mit deren Besitzer man nicht einig werden konnte. Nach eingehender Verhandlnng in der Kommission entschied sich die Mehrheit derselben dafür, jetzt von einer Ver« breiterung der Brückenstraße abzusehen und eine Parallelstrahe anzulegen, die bei, Straßenbahnverkehr aufnehmen sollte. Zu diesem Zwecke sollte der„Friedrichshof", der für 249 999 M. angeboten sei. angekauft werden. Der Mag,strat ist damit aber nicht einverstanden, sondern hat bei der Versammlung den Antrag eingebracht, die Brückenstraße auf 25 Meter zu verbreitern. Der Berichterstatter schlug vor, die Vorlage zur iveiteren Bearbeitung an die Kommission zurückzuverweisen, den Magistrat aber zu ermächtigen/ den Kaufver- trag lvegen des.Friedrichshof" bis zun, 1. Oktober abzuschließen. Es entspann sich nun ein heißer Redekampf um die Parallelstraße, dessen Ergebnis war, baß die Mehrheit für Verbreiterung der Brückenstraße auf 25 Meter stimmt. Eine Reihe weiterer Punkte der Tagesordnung werden der vorgerückten Zeit wegen zurückgestellt und nur noch ein Punkt: Bewilligung von rund 199 M. zur Be- schickung der im September 1996 in Augsburg stattfindenden Ver- fammlung des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege und der im Anschluß an diese Versammlung geplanten Zusammen- kunft der technische» Oberbeamten deutscher Städte durch den Stadtbaurat Paul erledigt. Der Vorlage wird zugestimmt. Die„Freie Gemeinde" hält heute, Sonntag, ihren Vereins- Vortrag im Lokal von Böhl«, Nenmeisterstr. 5, nachinttiags 5 Uhr ab. Genosse RedakieNt Weiß spricht über das Thema: Das Proletariat und dia bildende Kunft. Gäste sind herzlich willkommen. Potsdam. Zur Bierfrage nahmen auch die hiesigen Gastwirte erneut Stellimg. In einer am Freitag abgehaltenen Versammlung des „Märkischen Gastwirtsvereins" wurde nach dem Referate des Vor« fitzenden Winkelmann beschlossen, an dem bisher den Brauereien gemachten Angebot von 15 Pfennig pro Liter festzuhalten.— Der Resolutton der öffentlichen Gastwirteversaminlnng in Nowalves wurde zugestimmt. Sollte eine Einigung wider Erwarten nicht zustande kommen, so werden die Gastwirte von Potsdam und Um- gegend zur Selb st hülfe schreiten und das Projekt einer eigenen Genofsenschaftsbrauerei zur Ausführung bringen. Zu diesem Zweck sind bereits zivei sehr günstige Angebote bot« Händen. Auch die nötigen Geldmittel usw. stehe» bereits zur Verfügung. Die hiesigen Gastloirte sind also für alle Fälle ge- rüstet. Die hiesigen Brauereien, die noch außerhalb des Ringes stehen, Werden cS deshalb wohl kaum zUM Bruch kommen lassen, umsoweniger, da die kleineren Brauereien gern bereit sind, das Angebot der Gastwirte von 15. Pf. pro Literbier Lager anzunehmen. Gerichts-Teitung. Aus den Geschäftsprattiken eines GeldverlelherS. Mit sehr geheimnisvollen Hintermännern arbeitet, seiner Angabe nach, der Komniissionär Karl Himmel, welcher gestern unter der Anklage des Betruges sich vor der 4. Feriensttafkammsr des Landgerichts I verantworten mußte.— Der Angeklagte hat das Gymnasium besucht und hat, wie er behauptet, auch sechs Semester Jura studiert. Das Studium habe er aufgegeben, ntn sich gegen den Willen seiner Eltern zu verheiraten. Nach sehr wcchselrcichcn Schicksalen ist H. schließlich Geldvermittler gcworven und„macht" Nut, schon feit längerer Zeit in Hypotheken-, Darlehens- und sonstige» kapita- listischei, Angelegenheiten, oluvohl er selbst kein Vermögen besitzt. Im Frühjahr d. I. suchte der Ziegeleibesitzer H. in Lützen in Ost« Preußen für seine dortige sehr wervolle Tongrube einen Teilhabet mit einem Kapital von 69 999 M., um seinen Betrieb erheblich zu vergrößern. Ans ein Inserat hin meldete sich der Angeklagte und bot seine VerMittelung in dieser Angelegenheit an. Matt trat in nähere Verbindung, da der Angeklagte sich de» Anschein gab, als höbe er mehrere Großkapitalisten hinter sich. Er sicherte dem Ziegelelbcsttzer zu, er werde binnen wenigen Tagen einen Teil- Haber mit 69 999 M. bringen. Dies sei ei» naher Verwandtet von ihm namens Burgbardt, der sich große Hoffnungen für die geplante Vergrößerung des Betriebes der Ziegelei mache. Eine? Tages erschien der Angeklagte in Lotzen, um sich angeblich den Betrieb einmal anzusehen ul,ö die Näheren Bedingungen festzu- lögen. Zugleich forderte ör einen Vorschuß auf die Vermittelungs- gebühr in Höhe von 175 M., der Ihm auch bewilligt wurde. An demselben Tage reiste er wieder aß und ließ Nichts mehr von sich hören. Das Geschäft schien mit der Zahlung der 175 M. für ihn erledigt zu sein. Als dör Ziegeleibesitzer in Lätzen längere Zeit vergeblich aus seinen stillen Teilhaber gewartet hatte und Himmel auf mehrere Anfragen überhaupt Nicht Mehr antwortete, erstattete er Anzeige. Vör Gericht b e st k, t t der Angeklagte, sich eines Be» trUges schuldig gemacht zu haben. Die Anklage vehauptet, daß H. überhaupt nicht mit Kapitalisten in Verbindung getreten sei, er auch solche gär Nicht hinter sich habe. Auf die Aufforderung des Vor- sitzenden, jöNe Geidleuie, insbesondere den angeblich nahen Ver- wandten Bukghardt, der sich später in Borchert geändert habe, an- zugebe», verweigerte der Angeklagte jede Auskunft mit der Motivierung, er sei ehrenwörtlich verpflichtet, seine Hintermänner nicht zu UenNöN. Das Gericht nahm an, daß diese geheimnis- vollen Geldmänner Nur in der Phantasie des Angeklagten existieren UNd die ganze VermitteluNgSaNgelegcnhcit Nur einen ziemlich gefährlichen Betrug darstelle. Das Urteil lautete deshalb auf zwej Monate Gefängnis. Der frrigesprachene Freiherr. Der Rittergutsbesitzer Karl Maximilian Freiherr von Fritsch aus Riitergut ZschochaU bei Lon, matsch war vom Amtsgericht zu Vom« matsch wegen Betruges in drei Fällen und Uebertretung des Reichs- gesetzes vom 3. Juli 1996 zu 89 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Der Freiherr war schuldig befunden worden, das Fleisch eines er- kränkle» Kalbes als vollwertig verkauft und die Käufer nicht darauf aufmerksam gemacht zu haben, daß eine Notschlachtung bor- genommen Wörde» war. Gegen das Urteil des Amtsgerichts Lon,- matsch hatte der Freiherr Berufung eingelegt. Das Landgericht Dresden als BerufnugSinstanz sprach ihn auf Grund der erneuten Beweisaufnahme frei und erkannte nur wegen Uebertretung des RtichSgesetze» vom 6. Juli 1906 üuf eine Geldstrafe von 10 Mark. Drakonisches Urteil. Ein drakonisches Urteil fällte das Cheninitzer Schöffengericht gegen den wegen Bcanitenbeleidigmig migeklagie» Gelegeiiheits- arbeiier Otto Emil Kreisel. Es dandeltö sich um zwei Beamte der hiesigen Markthalle, tnit denen K. aus gespanntem Fuße lebte, da er annahm, daß sie ihn, absichtlich jede Arbeitsgelegenheit ver- eitelten. In seinem Aerger suchte er mehrmals Streit mit den Auf- fehern und belegte sie mit einer Reihe von Schimpfworten. Der Stadtrat als Vorgesetzter der Beamten stellte Strafantrag gegen den schon oft, darunter auch wegen desselben Deliktes bestraften S. Weil K. auch in der Verhandlung erregt war, wurde er aus dem Saal entfernt. Entsprechend dem Antrage des Staatsanwalts erkannte das Gericht auf ein Jahr zwei Monate Gefängnis. Wie viele Gefängnisse müßten neu erbaut werden, wenn ähnliche Strafen gegen Beamte wegen unhöflichen Benehmens verhängt würden? Verfammlungen. Genosse Handtke ersucht uns um Aufnahme folgender geilen: Nach dem Versammlungsbericht in Nr. 207 des„ Vorwärts" ist an zunehmen, daß ich in meinen Ausführungen die Kollegen, welche am 1. Mai in der A. E.-G. Brunnenstraße nicht gearbeitet haben, genau ebenso berurteilte, als die, welche am 1. Wai gearbeitet hatten. Das ist nicht der Fall. Vielmehr fagte ich denjenigen, welche am 1. Mai gearbeitet haben, flipp und klar, daß sie einen Beschluß, welcher mit Majorität gefaßt worden ist, nicht innegehalten und somit sich ein Vergehen haben zuschulden kommen lassen. Nur die Verhältnisse resp. die Umstände, wie sie in der A. E.-G. Brunnenstraße vorhanden waren, waren für die Kommission bestimmend, hier die Sache milder zu beurteilen. Dies ist auch in der Resolution, welche die Untersuchungskommission der Ortsverwaltung als ihren Beschluß unterbreitete, deutlich genug erklärt worden. Ferner muß ich bedauern, daß nicht auch über mein Schlußwort wenigstens Soweit berichtet wurde, daß ich 1. die Behauptungen von Mißgriffen der Ortsverivaltung" und 2. daß die Ortsverwaltung ein„ gerütteltes Maß Schuld an dem Maiwirrwarr trägt", so widerlegt habe, daß ein diesbezüglicher Antrag mit Zustimmung des Antragstellers auf meinen Vorschlag gar nicht erst zur Abstimmung gebracht wurde. Zum Schluß will ich noch bemerken, daß ich ausdrücklich mehrere Male betont habe, ich bettle und bitte nicht darum, daß diejenigen, welche am 1. Mai gearbeitet haben, wieder zu uns tommen sollen; wenn sie aber den ernsten Willen haben, ihren Fehler wieder gut zu machen, dann wissen sie auch, wo sie sich organisieren sollen. Am Verband der Wäsche, Krawattenarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands.( Filiale Berlin.) Achtung, Heimarbeiterinnen! Montag, den 10. September, abends 8 Uhr, findet bei Bunzel, Stralsunder straße 26, eine Versammlung statt. Wir ersuchen alle Kolleginnen des nördlichen Bezirks zu erscheinen. Die Sektion der Heimarbeiterinnen. 3. A.: Fr. Rosenstengel. Allgemeine Familien Sterbekaffe. Heute: Bahltag Aderstr. 123 bei Wiesenthal von 3-6 Uhr. Sozialdemokratischer Zentral- Wahlverein für den Reichstags: Wahlkreis Züllichau- Croffen: Schwiebus: Sommerfeld. Ortsverein Berlin.) Dienstag, den 11. September, abends 8% Uhr bei Patt, Dragoner ftraße 15: Mitgliederversammlung. Wetter- Prognose für Sonntag, den 9. September 1906. Beitweise helter, aber veränderlich mit leichten Regenfällen und mäßigen füdwestlichen Winden; Temperatur wenig verändert. ORIGINAL SINGER Singer Nähmaschinen. 16230* Ginfache Handhabung! Große Haltbartett! Sobe Arbeitsleistung! Weltausstellung Grand Prix Weltausstellung Paris 1900: St. Louis 1904. , unentgeltlicher Unterricht, auch in moderner Kunststickeret. Elektromotore für Nähmaschinenbetrieb. Singer Co. Nähmaschinen Hct.Geo. Berlin W., Leipzigerstr. 92. 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Strelow, Tischlermeister, Rixdorf, Richard- Straße 116( am Denkmal). Eigene Berkstatt im Haufe. Gegründet 1890. Vermischtes. " Eisenbahnunfall. Bobalissero( Provinz Reggio di Calabria), 8. September. Auf dem hiesigen Bahnhof stießen gestern abend zwei Personenzüge zusammen. 24 Personen wurden verlebt, unter ihnen 4 schwer. Der Zugführer liegt im Sterben. Schellfische Stifte 3-4, do. Eine aufregende sene spielte sich gestern vormittag, wie uns aus Hamburg telegraphisch gemeldet wird, im Zirkus Busch ab, eine Szene, die den wenigen Zuschauern unvergeßlich bleiben wird. Der Dompteur Peters hielt mit der Willy Hagenbeckschen Tigergruppe eine Probe ab, um den Tieren für die Saison in Berlin Martthallen- Direktion.( Großhandel.) Rindfleisch Ia 71-75 pr. 100 fd., Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen noch einige Kunststücke beizubringen. Bistol", eines der größten IIa 65-70, IIIa 59-64, IVa 54-58. Stalbfleisch, Doppelländer 100-110, und kräftigsten der Tiere, war schlechter Laune und nahm es übel, Ia 82-88, IIa 72-80, IIIa 62-70. Hammelfleisch Ia 75-80, IIa 65-74. daß ein anderer statt seiner von Peters einen Leckerbissen erhielt. Schweinefleisch 66-73. Rehböcke Ia per Pfd. 0,60-0,80, IIa 0,30. Er wurde vollends wütend, als er von Peters für seine Wider- Wildschweine per fund 0,10-0,35. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stüd Rotwild Ia per Pfund 0,45-0,50, IIa 0,00. Damwild 0,50-0,54. spenstigkeit einen Peitschenhieb bekam. Jm nächsten Augenblick 0,50-0,91. Wildenten Ia per Stüd 1,00-1,35, IIa 0,80. Rebhühner, sprang er gegen Peters an und riß diesen, der eines Angriffes nicht junge la 0,90-1,25, junge eine 0,60-0,88, alte 0,70-0,85. Hühner, gewärtig war, zu Boden. Der Bändiger schien berloren zu sein, alte, per Stadt 1,50-2,60, alte, II a 1,20-1,50, junge, per Stück 0,60-1,16. aber die beiden russischen Hunde, vor deren kräftigen Bissen die Tauben, junge, per Stüd 0,40-0,46, alte 0,30. Enten, junge per Stüd Tiger einen gewaltigen Respekt haben, und die riesige Dogge griffen 1,30-2,60, alte per Stüd 0,00. Hamburger, junge, per Stüd 2,80-2,90. Pistol" so erfolgreich an, daß er von seinem Opfer abließ. Ginige bis 4,00, IIa 1,25-2,50. Sanse, Ia per Pfund 0,50-0,60, IIa 0,35-0,45, Ia per Stück 2,75 wohlgezielte Peitschenhiebe brachten den Tiger bollständig zur Hechte pr. 100 Pfd. 94-110. Bander 122. Alland 67-71. Schleie 126-148. Poulets per Stück 1,35, do. Klein 0,00. Räson und er dürfte sich sobald nicht wieder an Pelers heran- Bleie 0,00. Aale, groß 103-106, mittel 101, flein 53-59, unfort. 68-83, wagen. Plözen 58, Karpfen, unsortiert 0,00. Barse, matt 0,00. Bleifische 0,00. Sarauschen 78-84. Wels 0,00. Bunte Fische 48-78. Amerikanischer Lachs I neuer per 100 pfb. 110-130, do. II neuer 90-100, do. III neuer 75. Seelachs 15-20. Flundern, pomm. I, per Schock 9, pomm. II 2-3, Kieler, Stiege Ia 4-6, do. mittel per do. Stifte 2-3, do. flein per Stifte 0,00. Büdlinge, per Wall Stieler 4,50-5, Stralsunder 4,50-5. Nale, groß per Bid. 1,10-1,50, mittelgroß 0,80-1,00, flein 0,50-0,60. Heringe per Schock 4-5. / Stifte 2-3. Stabliau, per 100 Bfb. 15-20. Heilbutt 25. Sardellen, 1902er per Anter 0,00, 1904er 0,00, 1905er 0,00, 1906 er 0,00. Schottische Bollheringe 1905 0,00, large 40-44, full. 36-38, med. 35-42, deutsche 37-44. Heringe, neue Matjes, per/ To. 60-120. Hummern, IIa, 100 fb. 0,00. Streble, per Schod, große 0,00, mittel 0,00, fleine 2,50 4,00, unfortiert 4,00. Galizier, groß 0,00. Gier, Land, per Schock 2,60-3,30. ber 100 3fd. Ia 124-126, IIa 118-120, Illa 112-116, abfallende 95-110. Saure Gurten Schod 3,50-4,00, Pfeffergurten 3,50-4,00. Startoffeln per 100 Pfd. Dabersche 2-2,50, Rosen 1,50-1,75, neue runde 1,50-2,50, neue blaue 2,25-2,50. Spinat p. 100 Bfd. 10-12. Karotten p. Schockbund 1,50-2,50. Sellerie, hiesige, p.Schod 1,50-6,00. 8wiebeln 100 fd. 2,75-3,50. Beterfilte, grün, Schockbd. 1,00. Kohlrabi p. Schod 0,80-1,00. Rettig, bayr., b. Schock 2,40 Bohnen, grüne, per 100 Bfund 5-20. Wachsbohnen 10-20. Schoten bis 4,80. Radieschen p. Schod- Bb. 0,60-0,70. Salat, p. Schock 1,50-2,00. per 100 fb. 15-25. Pfefferlinge per 100 pfd. 18-30. Mohrrüben Schod 4,00-8,00. Rotkohl p. Schod 3,00-9,00. Weißtohl p. Schock 2,50 per 100 Pfb. 3-4. Blumenkohl per Mandel 1,00-2,50. Wirsingfohl ber bis 5,00. Steinpilze p. 100 fb. 30-45. Gurten, Zerbiter, Schod 0,00-0,00, bo. Einlege-, Schod 1,50-2,00, 50. Rothenbg. 2,50-3,50, bo. Liegniger 3,50-4,00. do. Einlege( Senfe) 10-18. Kohlrüben, Schod 3-5,50. Tomaten, hiesige 100 fb. 3-6. Birnen, ital. per 100 Bfb. 14-20, biesige 3-20, Tiroler 23-35, böhmische 5-16, Rettig. 4-6. Acpfel, ungar., per 100 pfd. 6-13, ital. 0,00, biefige 2-11, Gravensteiner 7,50-18, Tiroler 16-38. Preißelbeeren 0,00, schwedische 17-22. Blaubeeren per 100 Pfd. 15-20. Pflaumen, ital. runde dunkle per 100 pfd. 0,00, ungarische 0,00, hiesige 2-3, Reineclauben 6-18, Serben 0,00, Badenser 0,00, Böhmische 3-13. Zitronen, Messina 300 Stüd 20,00-23,00, 360 Stück 18,00-20,00, 200 Stud 0,00, 420 Stüd, flein 12,00. Pfirsiche, Werdersche per 100 Bfd. 10-20, franzöfifche 0,00, italienische I kiste 0,00, do. II Stifte 0,00, bo. III Stifte 0,00, do. in Störbett per 100 Bfd. 25-40. Ueber die Situation in Chile wird berichtet: Der amerikanische Gesandte in Chile tabelte an das Staatsdepartement, daß unter den von dem Erdbeben Betroffenen das größte Elend herrscht. Sie leiden Hunger, find obdachlos und brauchen Kleidung. Im Gefchäftsleben herrscht allgemeine Demoralisation. Es ist keine Hoff nung auf baldige Wiederherstellung normaler Verhältnisse. Der Gesandte bittet um Spenden aus den Vereinigten Staaten und ersucht seine Regierung dringend, durch telegraphische Uebermittelung bon Beiträgen den Heimgesuchten beizustehen. Santiago, 8. September. Der Gouverneur von Coquembo hat die Tatsache festgestellt, daß das Meer an der Küste auf eine weite Strede hin rötlich gefärbt ist, was mit neuen Erdbeben in Verbindung gebracht wird. Mit dem Fuhrwerk in die Tiefe. Morlair( Departement Finistere), 8. September. Ein Wagen, in dem die Frau eines Gutsbesigere mit ihren beiden Kindern faß, stürzte von einer 20 Meter hohen, die Eisenbahn überführenden Brücke auf die Gleise herab. Eämtliche Insassen waren sofort tot.. Absturs. Der bekannte Tourist Bont, der, begleitet von einigen Freunden, gestern den Pie des Espagnols bestieg, wurde auf der Spitze des Berges vom Schwindel erfaßt und stürzte in die Tiefe, wo man die arg verstümmelte Leiche vorfand. Neue Erdstöße. Kingstown auf St. Vincent( Antillen), 7. September. Starke Erdstöße wurden heute morgen hier und auf den Inseln Santa Lucia und Grenada verspürt. Auf der letzteren Insel waren die Erdstöße bon längerer Dauer. Buenos Ayres, 8. September. Das Blatt Nacion" teilt mit, daß ge= stern abend in Talca sieben Erdstöße verspürt worden sind. Weiter wird mitgeteilt, daß in den Cordilleren Grdsenkungen stattgefunden haben. Appell an alle Indtaine Garbáty- Raucher! Die garantierte Beibehaltung meiner altbewährten Qualität, von der sich jeder Kenner und Garbáty- Raucher überzeugen kann, ermöglicht sich bei der hohen Steuerbelastung nur durch Erhöhung der Fabrikpreise und dementsprechend geringe Erhöhung der Verkaufspreise( u. a. statt 10 Stück 30 jetzt 35 Pfg.). 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( Nachdruck verboten.) 511 18 869[ 300] 923 70 1134 593 776 830 915 95 2080 487 670 3193 261 72 310 436 C23 41 4179 963 5017 102 24 276 411 33 36 540 638 62 761 878 908 6054 365 404 11 20 591 684 706 836 69 73[ 10 000] 85 985 86 7081 91 253 416 54 59 643 51 970[ 1000] 8716[ 10001 95 840 46 9000 446 8000 446 80[ 300] 523 889[ 300] 976 10159 74 85 369 80 426 621 812 942 11035 142 50 323 418 27 571 617 860 12031 166 73 322 23 51 931 35 13074 148 329 760 844 59 14110 21 282[ 500] 326 466 580 613 740 955 64 15217[ 300] 318 73 609 16328 458 550 65 17125 249 314 499[ 500] 503 796 854 79 18260 419 45 668 882 910 19155 237 76 344 410 672 965 20046 198 206 11 93 426 521 697 871 21294 401 24 31 656 801 997 22059 71 793[ 400] 23129[ 300] 55 260 375 440 901 24244 84 324 496 530 671 833 25300 9 24 27 86 813 55[ 3000] 96 938 26021 179 302 52 710 48 63 852 95 [ 300] 923 27024 68[ 300] 82 129 316 509 700 28005 81 123 200 46 323 87 545 66 89 725 29006 102 11 259 334 455 [ 400] 768 863 903 73 30301 27 447 543 782 951 31255 359 478 566 856 57 907 32165 379 94 624 90 851 969 33141 95 419 54 505 24 701 84 95[ 400] 34126 37 539 621 886 35026 541 664 820[ 300] 992 36109 229 86 346 504 929 37456 [ 300] 72 81 92 830 913 38278 97 387 670 732 892 932 69 39061 216 416 680 719 890 935 40014 96 129 43 91 95 41361 637 700 902 21 60 42042 59 262 68[ 300] 330 35 563 687 762 74 43042 82 854 441 74 547 611 44297 671 852 45013 57 197 260 320 71 400 530 717 837 55 46116 284 370 431 729 45 57[ 400] 900 68 47036 348[ 300] 771 819 48072 704 26 851 49530 776 50073 85 145 99 218 483 591 714 972 51014 573 641 47 759 962 52044 94 168 239 75 696 942 53024 78 575 849 62 935 85[ 300] 54081 247 86 511 600 55113 41[ 400] 49 368 482 628 851 56464 99 719[ 300] 875 95 917 57506 800 58051 587 878 59326 34 413 547 74 667 90 974 60030 97 226 34 507 91 910[ 300] 61005 227 34 36 218 71 628 821 920 62048 112 63 72 235 300 27 72 76 651 878[ 300] 63035 97 915 65 64102 27 276 314 31 588[ 400] 656 73 94 856 65004 217 78 542 634 897 66055[ 500] 107 68 74 95 204 480 618 23 98 834 78[ 300] 937 41 67248 396 514 907 72 68662 68 84 91 786 09105 83 844 420 835 916 [ 300] 70012 192 291 522 97 748 71408 515 76 783 72014 117 201 10 53 388 95 443 631 63 700 51 53 55 73050 239 374 79 727 914 74223 67 422 36 544-681 864-999 75572 88 671 88 752 65 827 912 82 97 76019 69 605 14 47 77124. 201 437 848 78106 10 71 298 324 70 576 639 799 79029 266 341 455 608[ 300] 9 32 783 820 954 76 80816 25 411 36 783 842 908[ 400] 30 81019 94 150 83 403 20 666 94 774 82056 313-53 87 484 577 724 25 815 83329 52 763 84043 165 312 408 60 537 646 880 981 85090 252 315 52 76 87 517 81 800 64 949 86287 342[ 800] 461. 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Ziehung 3. Kl. 215. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 8. September 1906, nachmittags. Nur die Gewinne über 144 Mark sind den betreffendon Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 179 274 302 451[ 300] 56 81 836 64 1393 423 785 839 2057 150 278 453 522 751 921 36 3033 58 131 79 239 49 496 723 44 87 824 973[ 300] 4002 258 338 42 425 566 815 5001 87 121 277 711 58 66 841 958 6405 644 880[ 300] 973 7557 787 860 961 97 8120 99 260 456 573 621 853 9: 2 205 71 423 85 565 775 10662 789 966 72 11181 202 330 416 586 12035 59 112 72 205 577 641 731 913 13426 88 667 14029 89 168 555 647 954 15034 142 78 254 560 635 800 [ 300] 916 16005 396 552 53[ 400] 617 17038 388 756 987 18014 82 92[ 300] 265 426 96[ 5000] 518 603 782[ 300] 95 96 864 86 19067 174 437 528 98 676 20341 65 66 855 21015 97 220 300 457 754 806 960 22036 184 208 367 93 412 703 89 917 39 51 23009 33 54 119 35 328 91 485 513 48 655 772 940 24242 361 498 737 58 96 909 25017 181 372 96 400 680 924 26208 95 539 678 79 941 27162[ 300] 330 681 28223[ 300] 71 87 324 795 801 29078 165 218 382 453 526 646 74 753 74 958 30004 139 341 431 603 758 80 86 31074 253 438 598 32094 423 563 704 98 933 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93 658 166140 903 29 167142[ 300] 407 519 74 668 948 168782 879 90 169070 183 498 170164 363 438 709 852 96 905 171227 99[ 300] 527 671 93 172802 61 173038 50 T400 96 129 388 614 86 779[ 300] 174049 241 66 548 601 17 175107 22 95 419 560 811 176031 317 177041 65 324 83 503 738 79 870 993 178457 653 844 77 912 49 179000 6[ 400] 98 100 203 5[ 300] 305 424 509 51 989 180186 301 411 77 674 846 932 181026 67 200 17 47 65 328[ 300] 36 413 644 74 182069 311 30 531 762 67 91 862 951 183232 517 30 76 988 184089 105 228 46[ 800] 89 336 71 400 625 709 47 866 185017 344 57 401 68 186033 153 247 509 30 662 726 981 94 187032 209 76 314[ 300] 72 586 679 769[ 500] 804 940 188035 267 498 189191[ 1000] 202 75 439 508 632 761 84 853 903 4 66 190045 74 98 228 54 621 807 96 191252 61 83 334 645 728 [ 300] 41 192182 298 412 747 835 44 193419 595 863 91 194108 385 425 58 502 604 72 74 794 842 922 90 195038 131 429 520 612 84 88 747 91 196253 306 20 428 801 85 197061 236 307 67 965 198465[ 400] 854[ 400] 199305 25 445 590 657 970 200043 100 331 419 782 982[ 300] 201159 568 809 [ 300] 56 202127 310 18 44 848 987 78 203169 440 618 38 952 204187 532[ 500] 815 38 74 915 205314 68 578 85 827 206023 149 267 338 836 935 83 207025 154 236 87 351 [ 300] 417 58 64 515 68[ 300] 780 890 208087 560 64 767 73 209060 109 74 431 86 668 795 839 944 210054 210 23 337 409[ 300] 539 886 905 211024 170 278 684 826 42 55 212108 334[ 300] 401 14 58-511 691 96[ 300] 808 213124[ 300] 214 42 493 671 908 214211 61[ 300] 73[ 300] 455 87 540 86 671 704 42 215013 28 146 97 248 446 80 658 995 216109 234 71 84 420 547 692 753 217113 228 58 488 528 83 815 36 69 218059 378 478 778 92 899 975 219078 345 70 473 663 96 717 949[ 400]" 220085 231 57-358 609 729 57 95 877 994 221147 379, 540 676 870 222158 309 476 600 62 223094 131 66 216 328 441 548 75 658 59 82 96 975 224058 86 379 489 522 905 [ 400] 34 66 225000 119 26 234 305 36 76 92 709 806 226494 815 89 227117 228042 94 234 633 89 869 229106 53 70 293 344 418 68 550 75 638 74 96[ 300] 809 943 230043 64. 174[ 300] 256 457[ 500] 95 808 231126 38 98 608 879 232009 152 562 603 732 90 800 960 233013 265 686 792 982 234054 304 29 36 604 59 235428 78 504 92 603 13 44 919 43 52 236197 358 410 794 237022 238 439[ 1000] 505 60 616 34 710 76 238018 435 75 512 27 801 11 69 89 239100 34 332 535 626 826 240213 22 349 576 954 241074[ 5000] 278 526 763 98 828 987 242216 432 528 748 991 94 243143 311 47 435 53 605 33 785 244107 43 201 406 625 844 87 245223 504 719 77 97 846 72 246244 89 318 539 864 247016 63 108 88 423 526 692 780 882 939 248124 90 417[ 300] 598 626 713 832 249061 242 91 591 633 860[ 300] 68 938 250548 725 983 251056[ 400] 390 726 926 252017 106 12 222 64 85 314 21 84 488 627 28 29 760 808 43 99 917 253020 116 27 30 389 447 707 21 903 254002 43 78 187 210 88 498 552 58 74 745 907 255179 604 751 811 990 256055 266 480 607 29 57 945 257061 68 432 688 949 258086 115 24 322 649 53 65 867 93 259154 270 30 339 451 514[ 300] 797 807 71[ 400] 994 260081 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Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 140013 206 24 25 47 82 311 672 719 71 86 141006 27 76 305 21 419 34 690[ 5000] 707[ 300] 845 58 142137[ 400] 143348 606 13 820 79 144045 85 123 259 314 160 78 503 69 Die Zichung der vierten Klasse der 215. Königlich Preussischen Klassenlotterie findet statt am 6. und 8. Oktober 1900. Nr. 210. 23. Jahrgang. 5. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 9. September 1906. Wochen- Spielplan der Berliner Theater. Deftrot. Freitag: Das Lumpengefindel. Sonnabend: Frau Inger von Sonnabend: Ein Kind des Glücks. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Romeo Destrot. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Die Ehre. und Julia. Abends: Ein Kind des Glücks. Montag: Unbestimmt. Montag: Frau Inger von Destrot. Zentral- Theater. Sonntag nachmittag 8 Uhr: Der Zigeunerbaron. Königl. Opernhaus. Sonntag: Die Stumme von Portici. Mon Schiller- Theater N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater.) Sonntag Abends: Die Fledermans. Montag: Der Rastelbinder. Dienstag: Die tag: Mignon. Dienstag: Tannhäuser.( Anfang 7 Uhr) Mittwoch: nachmittag 3 Uhr: Jugend. Abends und Montag: Hasemanns Töchter. Fledermaus. Mittwoch: Der Rastelbinder. Donnerstag: Die Fledermaus. Cavalleria rusticana. Coppella. Donnerstag: La Traviata. Freitag: Dienstag: Jugendliebe. Die Dienstboten. Mittwoch: Weh' dem, der ligt. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: 1001 Nacht. Sonntag nachmittag Der Waffenschmied. Sonnabend: Carmen. Sonntag: Der Freischüß. Donnerstag: Hasemanns Töchter. Freitag: Jugendliebe. Die Dienstboten. 3 Uhr: Die Fledermaus. Abends und Montag: 1001 Nacht. Montag: Carmen. Sonnabend: Hasemanns Töchter. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Weh' dem, Abele. Montag bis Sonnabend: Adele. Sonntag nachm. 3 Uhr: Abele. Carl Weiß- Theater. Sonntag nachmittag 8 Uhr: 2lbele. Abends: Stönigl. Schauspielhaus. Sonntag: Macbeth. Montag: Wie die der lügt. Abends: Zapfenstreich. Montag: Hasemanns Töchter. Alten fungen. Dienstag: Die Quizows. Mittwoch: Ein Kaisertag. Abends und Montag: Adele. Berliner Theater. Sonntag und die folgenden Lage: Sherlock Wann wir altern. Die Dienstboten. Donnerstag: Goldfische. Freitag: Holmes. Wilhelm Tell. Sonnabend und Sonntag: Klein Dorrit. Montag: Othello. Lustspielhaus. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Familientag. Leffing- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Rosenmontag. Abends: Abends: Spakenliebe. Montag bis Sonnabend: Spaßenliebe. Sonntag Fuhrmann Henschel. Montag: Und Pippa tanzt. Dienstag: Fuhrmann nachmittag 3 Uhr: Der Familientag. Abends und Montag: Spaßenliebe. Henschel. Mittwoch: Die Weber. Donnerstag: Fuhrmann Henschel. Komische Oper. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Freitag: Hedda Gabler.( Anfang 7, Uhr.) Sonnabend: Rosmersholm. Abends und Montag bis Donnerstag: Hoffmanns Erzählungen. Freitag: ( Anfang 7 Uhr.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die versunkene Glode. Figaros Hochzeit. Sonnabend: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag nach Abends: Hedda Gabler. Montag: Unbestimmt. mittag 8 Uhr: Figaros Hochzeit. Abends: Hoffmanns Erzählungen. Montag: Unbestimmt. Dentsches Theater. Sonntag: Der Kaufmann von Venedig. Montag: Ein Sommernachtstraum. Dienstag: Der Kaufmann von Benedig. Mittwoch: Ein Sommernachtstraum. Donnerstag: Der Kaufmann von Benedig. Freitag: Erdgeist. Sonnabend und Sonntag: Das Winter märchen. Montag: Der Kaufmann von Venedig. Neues Theater. Sonntag und Montag: Frost im Frühling. Dienstag und Mittwoch: Eine. Der Stammgait. Donnerstag: Sganarell. Der bürgerliche Edelmann. Freitag: Eine. Der Stammgaft. Sonnabend: Froft im Frühling. Sonntag: Eine. Der Stammgast. Montag: Unbestimmt. Theater des Westens. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Bar und Zimmermann. Abends und Montag bis Sonnabend: Der Opernball. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Undine. Abends und Montag: Der Opernball. Schiller- Theater O. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends und Montag: Frau Inger von Destrot. Dienstag: Das Lumpen geftudel. Mittwoch: Hasemanns Töchter. Donnerstag: Frau Inger von Sozialdemokratischer Wahlverein für den 1. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Den Genossen zur Nachricht, daß am Freitag, den 7. September, unser Mitglied, der Kaufmann Felix Jacob im Alter von 30 Jahren an Gehirnhautentzündung verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Belsetzung findet ant Dienstag, den 11. d. Wis., nach mittags 5 Uhr, auf dem Ge meindefriedhofe, Wilmersdorf, Berlinerstraße, ftatt. Recht zahlreiche Beteiligung er wartet Der Vorstand. Von der Reise zurück. Dr. Fronzig. Dr. Schünemann Zentralverband der Handlungsgehülfen u. Gehülfinnen Deutschl. ( Bezirk Berlin.) Am Freitag, den 7. September, verstarb nach furzem, schwerem Leiden unser langjähriges Mitglied Felix Jacob am im Alter von 30 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 11. September, von der nachmittags 5 Uhr, Leichenhalle des Gemeindefried. hofes Wilmersdorf, Uhlandstraße 101, aus statt. 268/5 Um zahlreiche Beteiligung bittet Die Ortsverwaltung. Blumen- und Kranzbinderei Spezial- Arzt für 21032+ VON 21082 Don Aug. Krause Haut- und Harnleiden, Wienerstraße 7. Frauenkrankheiten. Bereinskränze, Palmen- Arrangements, Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. Guirlanden usw. liefere zu den billigsten 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. Preisen. 59082* Lorking Thenter. Sonntag nachmittags 3 Uhr: 8ar und Zimmermann. Abends: Der Troubadour. Montag: Bar und Zimmermann. Dienstag: Der Troubadour. Mittwoch: Der Freischüz. Donnerstag: Bar und Zimmermann. Freitag: Der Troubadour. Sonnabend nach mittag 3 Uhr: Nathan der Welse. Abends: Fra Diavolo. Sonntag nachmittag Uhr: Der Troubadour. Abends: Fra Diavolo. Montag: Der Freischütz. und Montag bis Sonnabend: Gin idealer Gatte. Sonntag nachmittag Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 3 Uhr: Nachtajyl. Abends und Montag: Ein idealer Gatte. Trianon- Theater. Sonntag bis Donnerstag: Die Notbrücke. Freitag und die folgenden Tage: Der Hausfreund. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Rotbrüde. Luisen Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Hochzeit von Baleni. Abends: Eine Nacht in Berlin. Montag: Rosenmüller und Finke. Dienstag: Ein Kind des Glücks. Mittwoch: Eine Nacht in Berlin. Donnerstag: Ein Kind des Glücks. Freitag: Eine Nacht in Berlin. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 8. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied August Neumann, Gastwirt, Stallschreiberstraße 28, verstorben ist. S Ehre feinem Audenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 9. September, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des BartholomäusKirchhofes in Weißensee aus statt. Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes W. Schäfer een lieben Freunden und Bekannten sowie den Mitgliedern des taldemokratischen Wahlvereins für den 6. Berliner Reichstagswahlkreis meinen besten Dank. Witwe B. Schäfer u. Sohn, Alt- Moabit 58. 22502 Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Einsezer Fritz Lehmann am 6. September verstorben ist. Ghre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 9. September, nachmittags um 5 Uhr, von der Leichenhalle des neuen JakobiKirchhofes in Nigdorf, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 92/9 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Sagen hiermit allen Kollegen, Freunden und Bekannten, dem Buch binder- Berband sowie den Genossen bes 3. Wahlkreifes für die zahlreiche lieben Mannes, unseres guten Baters Beteiligung bei der Beerdigung meines den herzlichsten Dank. 11426 Frau Brausendorf nebst Tochter. Frau Marie Brausendorf als Mutter. Thalia- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Bis früh um Fünfe. Sonntagabend bis Sonnabend: Wenn die Bombe plaẞt. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Bis früh um Fünfe. Sonntagabend und Montag: Wenn die Bombe playt. 01 Residenz Theater. Sonntag bis Freitag: Die Höhle des Löwen. Sonnabend und die folgenden Tage: Triplepatte. Kasino Theater. Sonntag nachmittag 4 Uhr: Madame Bonivard. Abends und Montag bis Sonnabend: Alexander der Große. Sonntag nachmittag 4 Uhr: Madame Bonivard. Abends und Montag: Alexander der Große. Palast Theater. Der Sommerleutnant. Spezialitäten. Walhalla Theater. Spezialitäten. Reichshallen Theater. Stettiner Sänger. Metropol Theater. Auf ins Metropol! Apollo Theater. Sonntag und die folgenden Tage: Berlin im Omnibus. Spezialitäten. Paffage Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haverland- Theater. Spezialitäten. Folies Caprice. Der Generalkonsul. Sünden der Väter. Deutsch- Amerikanisches Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Sonntagabend und die folgenden Tage: Im wilden Westen. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Urania Theater. Taubenstraße 48/49. Der jüngste Ausbruch des Besuv. Dienstag: Die deutsche Ostseeküste. Freitag: Im Lande ber Mitternachtssonne. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser lieber Bater und Schwiegervater, der Bigarrenhändler Friedrich Peters Koppenstraße 94 am Freitag, den 7. Sept. 1908, am Herzschlag sanft entschlafen ist. Dies zeigen an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 11. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Verlag Max Richter Berlin W. 30 Speyererstr. 27. über 3000 Exempl. verkauft Die Harnleiden ibre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von Dr. med. Schaper, BERLIN Preis 1 Mark. Beerdigungsverein Berliner Zimmerleute. Am 7. d. M. stavb nach langem Strantenlager im Alter von 67 Jahren unser Mitglied, der Zimmerer August Dammer. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 10. d. M., nach mittags 5 11hr, von der Leichen. halle des Emmausfriedhofes in Britz aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 11486 Der Vorstand. PrinzenDr. Simmel, str. 41, 137/13 Spesialarzt für Haut- und Harnleiden. 10-2,5-7. Somtags 10-12, 2-4. + Hygienische Bedarfsartikel. Neuest. Katalog m. Empfehl.viel. Aerzte u.Prof. grat. u.f H. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. Friedrichstrasse 91/92, Reizende Einsegnungsgeschenke in grösster Auswahl zu bekannt billigen Preisen. Nur Mk. 10 kostet unsere Patent- Anker- RemontoirKavalier- Stahl- Uhr Nr. 1806, Modell 1906 mit versilbertem Zifferblatt M. 12 Wir geben dieselbe 30 Tage zur Probe und verpflichten uns, innerhalb dieser Zeit die Uhr anstandslos zurückzunehmen Belmonte& Co. Ring. 14kar. Mattgold, i.d.Mittelecht. Saphir oder Rubin u. a. d. Seiten jelecht. Diamant M. Leipziger Str. 35 Königstr. 46 m. 16. 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