Nr. 212. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Poft. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen ant: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfo., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Morte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Bauarbeiterschutz. Die Zentralfommission für Bauarbeiterschutz hat soeben thren Bericht für 1905 herausgegeben. Sein spätes Erscheinen wird damit begründet, daß die Zahl und Art der Bauunfälle erst bearbeitet werden konnte, nachdem im Februar das amtliche Tabellenwerk eingegangen war, und daß überdies der Abschluß der Verhandlungen in dem Reichstage und den Landtagen abgewartet werden mußte. Mittwoch, den 12. September 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Zentrums beweisen, nach innen dagegen, d. h. für die Re- findet im allgemeinen mildere Beurteiler. Und das läßt sehr gierung ist es die Mahnung, diese Arbeiterfreundlichkeit nicht tief blicken. ernst zu nehmen. " 1 Bankrott! Agrarunruhen. Dort, wo sich die Gelegenheit bot, endlich den Bau- Auf Wunsch der russischen Regierung sind die am Freitag, den arbeitern den notwendigen Schuß zu sichern, nämlich bei der 14. d. M. fälligen kurzfristigen Verpflichtungen der Rentei in Höhe Beratung des neuen Polizeigesetzes für die selbständigen von 60 Millionen Rubel vorläufig" bis zum 14. Dezember Bauhandwerker, hat das Zentrum denn auch dafür gesorgt, d. 3. prolongiert worden. daß die Bauarbeiter wiederum leer ausgehen. Leider kommt dieser wichtige Vorgang in dem Bericht der ZentralfomKiew, 11. September.( B. H.) Jm Bezirke Berdetschew find mission nicht voll zur Geltung, da der Bericht, anstatt auf große Agrarunruhen ausgebrochen. Die aufständischen Bauern haben den offiziellen Kommissionsbericht zu stüßen, sich mit einigen zahlreiche Gutshöfe niedergebrannt, darunter den des Redakteurs unvollständigen und dadurch unrichtigen Zeitungsnotizen be- Bazkowski. gnügt hat. mit anderen. Blättern Kloake! verschiedener Als feinen Zwed betrachtet der Bericht ein zuverlässiges Bild der Fortschritte auf dem Gebiete des Bauarbeiterschußes innerhalb der lezten anderthalb Jahre, nämlich vom 1. Januar In einer Reihe von Bundesstaaten steht dank der un- Der russische Ministerpräsident und Minister des Innern Stolypin 1905 bis Ende Juni 1906, zu geben. Der Bericht erinnert ermüdlichen Arbeit der Zentralfommission die Frage nach weiß die Macht der Presse zu schäzen. Aber alle Interviews", zunächst daran, daß durch die bisher ablehnende Haltung der einem besseren Schuße der Bauarbeiter auf der Tages- die er bald mündlich, bald schriftlich vorwiegend mit den EngReichsverwaltung gegen eine einheitliche Regelung des gefeß- ordnung. Es wird auch hier und dort mit Verordnungen ländern und Franzosen hat, genügen ihm nicht, und sein lichen Bauarbeiterschutes für das ganze Reich den Einzel- und Versuchen einer besseren Ueberwachung der Betriebe ein- Leiborgan, die so viel Geld verschlingende und nach wie staaten freier Spielraum gelassen ist, sich im Interesse eines gesetzt; doch zeigen diese Bemühungen immer wieder aufs vor feinen Nutzen bringende Rossija" ist so indiskret und wirksamen Schutzes der Bauarbeiter zu betätigen. Davon neue, daß auf solchem Wege und durch die Unfallverhütungs- so unbeholfen, daß man dieses Blatt jetzt nur zur Polemik sowie zur„ Erklärung" halten sich aber noch immer die Regierungen von Heffen, bestimmungen der Berufsgenossenschaften das von den Bau- Regierungsmaßnahmen benugt. Da aber schon in der nächsten Zeit Sachsen- Weimar, den Reichslanden und wahrscheinlich auch" arbeitern erstrebte Biel nicht erreicht wird, daß vielmehr nur der Wahlkampf beginnt und eine Stimmungsmache größeren Stils von Mecklenburg- Schwerin und-Strelik unter Hinweis auf der im Reichstage von der sozialdemokratischen Fraktion ein- für die russische Regierung unentbehrlich ist, zumal nach der so undas zu erwartende reichsgesetzliche Eingreifen fern. gebrachte Entwurf eines Reichsgesetzes zum Schuße der Bau- freundlichen Aufnahme der letzten Regierungskundgebung, so hat sich Die Zentralfommission hat sich bemüht, durch Petitionen arbeiter zu helfen vermag. Wie dringend nötig dessen An- Stolypin entschlossen, ein neues Nachrichtenbureau" einzurichten, dessen die Aufmerksamkeit der maßgebenden Kreise auf die Regelungnahme ist, führt uns der Bericht in erschöpfender Weise vor Leitung einigen hervorragenden Beamten der Hauptpreßverwaltung des Bauarbeiterschußes zu lenken. Solche Petitionen wurden Augen, indem er zum Teil an der Hand der amtlichen Statistik übertragen worden ist und das unter dem schlichten Namen„ Indem Bundesrat, dem Reichstag und dem Landtag des Herzog die verderblichen Wirkungen der Berufsarbeit der Bauarbeiter formationsbureau" schon am Freitag, den 14. d. M., seine Tätigkeit tums Sachsen- Meiningen unterbreitet; und ferner hat die für die Gesundheit und das Leben darlegt. beginnen wird. Lokalkommission für Bauarbeiterschuß zu Darmstadt im Auftrage der hessischen Bauarbeiterschußkonferenz zu Offenbach eine Petition an den Landtag gerichtet. Der Bundesrat, dem die Petition im August 1905 mit einem Begleitschreiben an den Reichskanzler übermittelt wurde, hat der Zentralfommission nicht einmal eine Bestätigung des Empfanges zugehen lassen. Der Reichskanzler und Die anderen Herren im Bundesrat sind, heißt es dazu in dem Bericht, gewiß derartig mit Arbeiten überbürdet, daß sie unmöglich die Zeit gewinnen können, um den mehr Schutz verlangenden Arbeitern einer Antwort zu würdigen. Von der Petition an den Reichstag sind 5460 Exemplare hergestellt worden, die fast alle in 1126 Orten Deutschlands an die Vertrauensleute der Bauarbeiter verteilt wurden mit der Aufforderung, Unterschriften für diese Betition unter den Bauarbeitern zu sammeln. Leider haben sich an dieser Sammlung nur 705 Orte beteiligt, die im ganzen 172 760 Unterschriften zusammenbrachten. Davon entfielen auf die 78 628 Unterschriften bei 158 680 Verbandsmitgl. • Maurer Bauhülsarbeiter 29 355 Zimmerer Maler Tischler Dachdecker • 55 447 " " 21 815 43253 • " " " 13 341 30 119 " " " 9550 " " " Steinmeßen 3 391 " " Stuffateure 3 022 7283 " " Töpfer 3 022 11 013 • • " " 2049 5 115 " " " 1 923 " " " 1883 19 • " " " 1.503 4783 • " " " 1288 7364 " " " 543 " " 101 " " " " Schlosser Klempner. Glaser. Steinfeger • Steinbildhauer Tapezierer Brunnenmacher Andere Arbeiter 8 1 338 Bon entscheidendem Werte sind in dem Bericht die Rückblicke" auf die Anfänge der Bauarbeiterschutzbewegung sowie die Anleitung, welche die Zentralfommission für die Besichtigung des von ihr in Charlottenburg ausgestellten Modells zur Darstellung der Unfallverhütung bei Hochbauausführungen hat ausarbeiten laffen. Ein weiteres der artiges Modell für den Tiefbau soll folgen. Alles in allem ist der fast 300 Seiten umfassende Bericht ein fehr wichtiges Nachschlagebuch, das bei der weiteren Agi tation für einen wirksamen Bauarbeiterschutz wertvolle Dienste leisten kann. Zu wünschen wäre nur, daß in Zukunft in diesen Berichten das Material noch etwas übersichtlicher geordnet wird; besonders muß verlangt werden, daß die Verhandlungen in den gesetzgebenden Körperschaften nicht nach Zeitungsnotizen, sondern nach den amtlichen Berichten bearbeitet werden. Die russische Revolution. Siedlce! Dieses Informationsbureau soll die gesamte russische und auch die ausländische Presse mit den fein frisierten Nachrichten versehen, die in geschmeidiger Sprache gehalten sein und den„ Vorzug" haben werden, aus einer authentischen" Quelle zu stammen. Damit fich dieses Informationsbureau aber eines größeren Zuspruchs erfreue, beabsichtigt man gleichzeitig streng zu befehlen, daß den Privatforrespondenten Zutritt zu allen Regierungsinstitutionen verwehrt werde; auch soll allen Beamten bei hoher Strafe und bei eventueller sofortiger Entlassung streng verboten werden, hofft Minister Stolypin den gesamten interessanten Stoff in dienstliche Mitteilungen irgendwelcher Art bekanntzugeben. Dadurch einem Informationsbureau zu fonzentrieren und dann mit den entsprechenden Zusäßen in die Welt hinausschicken zu können. Der Betrieb scheint im großen Stil gedacht zu fein; denu allein für den Anfang sind vorläufig nicht weniger als 50 000 Rubel ausgeworfen worden! Täglich sollen die neuesten Bulletins kostenfrei an alle Redaktionen versandt werden!! Zwar ist mit Sicherheit anzunehmen, daß Stolypins neues Nachrichtenbureau ebensoviel Erfolge" aufzuweisen haben wird wie sein Leiborgan Rossija" und Wittes verkrachte„ Nußkoje Bogatstwo". Aber nichts destoweniger wird es gut sein, sich offiziösen russischen Informationen gegenüber von nun an noch steptischer zu verhalten als bisher; denn die Nachrichten aus Stolypins Kloake werden im allgemeinen kaum viel lieblicher duften als die der anderen Quellen, aus denen Rußlands Regierung die internationale Deffentlichkeit bisher zu speisen die Frechheit hatte. Vereinigung der lettischen sozialdemokratischen Partei mit der russischen. Zu den Städtenamen Kischinew, Homel, Bialystok wird man sich nun leider auch noch Siedlce merken müssen; denn wie sich allmählich herausstellt- haben die Vorgänge, die sich am legten Sonnabend in Siedlce abspielten, in ihrer gesamten Entwickelung und in ihrem Der Parteitag der lettischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Verlaufe den Charakter eines regelrechten russischen Pogroms, hat den Vertrag mit der russischen Sozialdemokratie aneiner Judenschlächterei gehabt. Das war den ersten an- genommen, dessen Entwurf von dem Einigungsparteitag der deutenden Zelegrammen aus Siedlce nicht anzumerken, aber russischen Sozialdemokratie gutgeheißen worden war. Diesem Versich allmählich sickert die grausame Wahrheit durch und bald trage gemäß hat die lettische Sozialdemokratie werden genauere Nachrichten den neuesten Frevel deutlicher der ruffischen vereinigt. Indem sie den Vertrag annahm, hat sie sich in die Sozialdemokratie des lettischen Landes"( autonome Territorialenthüllen. organisation der russischen sozialdemokratischen Partei) verwandelt. Nachstehend führen wir die Hauptbestimmungen des Vertrages furz an: Die Tabelle beweist, daß noch viele der organisierten Bauarbeiter die Unterschrift versäumt haben. Dabei ist freilich zu berücksichtigen, daß die Unterschriften im Monat Dezember gesammelt wurden, also zu einer Zeit, da viele Bauarbeiter arbeitslos waren und sich deshalb nicht dort, wo fie arbeiten, sondern in ihrer Heimatsgemeinde aufhielten. Trotzdem soll das Ergebnis der Unterschriftensammlung eine Mahnung zur weiteren unermüdlichen Aufklärungsarbeit unter den Bauarbeitern sein. Wolffs Bureau teilte gestern( Dienstag) mit: " mit Nach einer Meldung der„ Birshewija Wjedomosti" aus Warschau beträgt die Zahl der Toten und Verwundeten in Siedlce Die Sozialdemokratie des lettischen Gebietes umfaßt alle sozialetwa 500. Das Telegraphenamt in Siedlce hat die Annahme von demokratischen Organisationen( jeder Nationalität) dieses Gebiets; Depeschen eingestellt!! Es finden noch fortwährend Brandstiftungen eine Ausnahme bildet der Bund; das Verhältnis zum Bund wird ftatt. Den Juden ist das Verlassen der Stadt verboten worden, in Uebereinstimmung mit der russischen Sozialdemokratie bestimmt. die Christen erhalten Durchlaßtarten. Es wird behauptet, einn den Grenzen des Programms und der Taktik der GesamtBombenattentat auf den Polizeimeister sei dem Pogrom voraus- partei führt die Sozialdemokratie des lettischen Landes selbständig gegangen. die Angelegenheiten ihrer Organisation. Sie hat eigene Barteitage Und das B. T." erhielt folgendes Privattelegramm: und ein eigenes Parteizentrum; sie beteiligt sich an den ParteiIn Siedlce begann am Sonnabend, nachdem von dem Dach- tagen der Gesamtpartei auf denselben Grundlagen wie die anderen boden eines Hauses in der Warschanskaja auf eine Militär- Barteiorganisationen; sie hat im Zentralfomitee der Gesamtpatrouille geschoffen worden war, eine Judenhezze, die Sonntags partei eine Vertretung; sie wird auch in den Delegationen fortgefeßt wurde. Nach dem Bericht der Behörden wurden vierzig der Gesamtpartei auf Gesamtpartei auf den internationalen Kongressen vers Juden getötet und über hundert verwundet. Nachdem die Juden treten; das Agrarprogramm, das auf dem Einigungsgestern eine Deputation an den Gouverneur abgeschickt hatten mit parteitage der russischen Partei angenommen wurde, ist der Bitte, den Soldaten das Schießen zu untersagen, antwortete der für die Sozialdemokratie des lettischen Landes nicht obligatorisch, Gouverneur, daß ein dahingehender Befehl erlassen werden werde, fie tann vielmehr selbständig ihr Verhalten in der Agrarfrage für das sobald ihm die Revolutionäre ausgeliefert würden. Da dies nicht lettische Land bestimmen. Gleichzeitig erklärten die Delegierten geschah, ließ der Gouverneur Kanonen auffahren und mehrere der lettischen Partei auf dem Einigungs- Parteitag, daß die AbHäuser zusammenschießen! Aus Brest traf ein Regiment ein, änderung der Bestimmungen des Vereinigungsvertrages der zwei aus Rembestow Artillerie. An vielen Drten der Stadt brach Parteien nur mit Einwilligung des Parteitags der Sozialdemokratie Feyer aus. Die Lage der jüdischen Bevölkerung, die am Fliehen des lettischen Landes möglich sein solle. gewaltsam verhindert wird, ist verzweifelt. Von 25 000 Einwohnern von Siedlce sind die Hälfte Juden. Auch die„ Christlichen" wagten sich mit einer Petition an den Reichstag; jedoch wagten sie nicht, sich klipp und klar den Forderungen der Sozialdemokraten anzuschließen. Dieser Baghaftigkeit entsprach die Stellung des„ arbeiterfreundlichen" Zentrums zu dieser Materie im Reichstage. Im Plenum des Reichstages hat das Zentrum in den letzten Jahren sich dafür erklärt, daß die Bauarbeiter durch Erlaß einer Verordnung wirksamer geschützt werden, und die Durchführung dieses Schutzes durch Anstellung besonderer Aufsichtsbeamten insbesondere aus dem Arbeiterstande gesichert werde. Als aber die Petitionsfommission am 22. Februar Das Einigungswerk ist vollbracht. Künftig werden die Prole1905 über eine Petition der Bauunternehmer verhandelte, die tarier aller Nationalitäten, Letten, Esthen, Russen, Deutsche, Juden sich gegen die Heranziehung von Baukontrolleuren aus den Dem Hülfsverein der deutschen Juden ging folgendes( die nicht zum Bund gehören), in den Grenzen des lettischen Reihen der Arbeiter wendete, da nahmen die Ver- Telegramm zu: Landes in der einen Territorialorganisation vereinigt sein. Was treter des Zentrums in der Rommission Es steht fest, daß bis Montag mittag, von wo die legten aber das Verhältnis zum Bund betrifft, so soll es in Uebereineine ihrem Verhalten im Plenum entgegen. Nachrichten eingelaufen find, in Siedlce fürchterliche Blutarbeit stimmung mit dem Verhältnis der Gesamtpartei zu ihm geregelt gejezte Stellung ein, indem sie dafür stimmten, daß gemacht worden ist. Die Zahl der Toten festzustellen ist un- werden. Diese arbeiterfeindliche Petition dem Reichskanzler als möglich; jedenfalls ist das Ereignis viel schlimmer als in Bialystok. Material überwiesen werde. Am 6. April fam diese An- So wenig über die Einzelheiten des Progroms noch festgelegenheit im Plenum zur Verhandlung, und jetzt stimmte steht, so ist doch eins sicher: die Bestie von Gouverneur, die das Zentrum gegen den Antrag der Kom- in Siedlce wütete, ist der berüchtigte Bluthund Stalon. Hätte mission, für den es in der Kommission ein- diesen Halunken, bevor er das Blutbad von Siedlce anrichten getreten war. Dieses Gegen und Für" des Zentrums fonnte, eine Bombe schmerzlos vom Leben zum Tode bein derselben Sache scheint auf den ersten Blick ganz unbegreif- fördert, so wäre in der bürgerlichen Presse wieder lamentiert Nichts ist charakteristischer für die eigenartigen Gedankenspiralen lich; es hat aber seinen„ guten" Zwed. Nach außen, d. h. den worden über den Terrorismus der russischen Revolutionäre. unserer über Nacht entstandenen modernen anarcho- revisionistischen katholischen Arbeitern soll es die Arbeiterfreundlichkeit des Der Terrorismus der Trepow, Stalon und Konsorten aber Massenstreifromantiker, als daß sich ihr wortgewaltiges Drauf11 Politische Uebersicht. Berlin, den 11. September. Aufsichtsrats- Sozialismus. gangertum, da« in überquellendem revolutionären Betätigungs- dränge den Eintritt in den Massenstreik selbst auf die Gefahr einer sicheren Niederlage hin fordert, nicht nur mit allerlei naiven Plänen einer sozialdemolratisch-liberal-klerikalen Wahlallianz paart, sondern daß auch in ihren Borstellungen vom Charakter des heutigen preußisch- deutschen Staate« und dem Einfluß des Liberalismus auf ihn eine geradezu kindliche Harm- lofigkeit zum Vorschein kommt. Den Beweis dafür liefert aufs neue ein Artikel der von Lily und Heinrich Braun im zweiten Jahrgang herausgegebenen revisionistischen Wochenschrist für Massenstreik-Jdeologie, der„Neuen Gesell- s ch a f t*: Der Artikel heißt:„Der Fall Dernburg" und ist verfaßt von dem durch den Dresdener Parteitag und Haidens Erklärungen auch weiteren Parteikreisen bekannt gewordenen Herausgeber der Börsen- und Finanzwochenschrift„Plutus", Georg Bernhard. Bernhard hat in seiner Wochenschrift Herrn Dernburg in einem „Exzellenz Dernburg" überschriebenen Artikel als Bahnbrecher einer neuen Zeit gefeiert, ganz nach der Manier liberaler Blätter, speziell des Mosseschen„Verl. Tagebl.", nur noch aufdringlicher und über- schwänglicher. So heißt es z. B. in dem betreffenden Artikel: . Denn an der Schwelle der Kolonialabteilung des AnS- wältigen Amtes taucht ein neuer Mann auf: Seine Exzellenz Bernhard Dernburg. Auf den Sohn des kaiserlichen Statthalters von Elsaß-Lothringen und preußischen Generals der Kavallerie folgt der Sohn eine? oppositionellen Journalisten; der Gatte einer Prinzessin von Sachsen-Koburg- Gotha, der Jahre hindurch als Regent in einem deutschen Bundes« staate geschaltet hat, überläßt seinen Sessel einem Bankdirektor, der noch vor kaum zwei Jahrzehnten ein Bankkommis mit anderthalb Tausend Talern Einkommen war. Dieser Gegensatz würde auch reizen, wenn der domo novuo politicua eine weniger markante Persönlichkeit wäre, und wenn seine Wahl nicht einen Bruch mit der bis dahin herrschenden Tradition bedeuten würde. Aber das beides macht den Fall doppelt interessant. Die Berufung Dernburgs bedeutet den Bankrott eines Systems. In den Niederungen, wo wir gemeine Menschen wohnen, war man sich schon lauge darüber klar, daß der Assessorismus für die Bedllrfniffe moderner Negieruugskunst nicht mehr ausreiche. Aber es hat erst der Aufdeckung einer beispiel- losen Mißwirtschaft im Kolonialamte bedurft, um auch den leitenden Kreisen die Ueberzeugung aufzu- drängen, daß Examensnoten gar keine Bürg- schaft für Lebenstüchtigkeit bieten, und daß das Geschick, zu organisiercn und zu kalkulieren, viel wichtiger für den Staatsmann ist als alle Routine im bureaukratischen Geschäftsgange. Nein, darüber kann gar kein Zweifel ent- stehen: Dernburg wird sicher Ordnung schaffen. Aber was dann? Ich habe hier stüher einmal gesagt, er sei mehr ein großer Arzt als ein großer Schöpfer. Noch habe ich keine Veranlassung, mich zu rektifizieren. Fast alle seine geschäftlichen Transaktionen gingen mit Sanierungen Hand in Hand usw. usw." Wir haben diese Reklame des Bernhardschen Börsenblattes für „Exzellenz Dernburg" unbeachtet gelassen— denn was gehen Bern- Harbs liberal-bllrgerlichen Illusionen die sozialdemokratische Arbeiterpartei an, in der ihn höchstens sehr kleine journalistische Kreise ernst nehmen. Nicht die gleiche Gemütsruhe bewahrt der Herausgeber des„Plutus". Ihn ärgert, daß die sozialdemokratische Presse, speziell der„Vorwärts", nicht dieselbe Börsenposaune bläst. Er leistet sich deshalb folgende Zensur: „Wenn man jemanden in einem solchen Moment an die Spitze des Kolonialamts stellt, so beweist man damit, daß man ihn für die geeignete Persönlichkeit hält, diesen im- glaublichen Verhältnissen zu steuern. Und wenn man diese Persönlichkeit gaiijj außerhalb der nach den Gesetzen des heiligen BureaukratismuS in Betracht kommenden Kreise wählt, so' ist damit klar der Beweis dafür erbracht, daß diese Kreise nicht mehr fähig sind, die vom Staat an sie zu st eilenden Forderungen zu erfüllen. Deswegen hat Dernburgs Wahl eine prinzipielle Bedeutung, die auch zweifellos die Sozialdemokratie an- erkennen ni u ß. Nun ist aber gerade in unseren Rethen, kaum daß die Er- nennung Dernburgs bekanntgeworden war, ein Federfeldzug gegen den neuen Mann eröffnet worden. Zunächst hat man sofort die Sache so hingestellt, als ob, hauptsächlich um die Liberalen in ihrem Zorn gegen Podbielski etwas zu besänftigen, ein Kaufmann. noch dazu der Sohn eines liberalen Journalisten, als Kompensatious- objekt berufen lei.... Wir bekämpfen sei Jahren die Bureaukratie, wir weisen an allen möglichen Einzelfällen ihre Unfähigkeit und damit das Un- recht nach, in das allmählich ihr Vorrecht umgeschlagen ist. Nun wählt die Regierung, als die Schlammwogeu zu hoch spritzten, einen Mann, der die Pfauenfeder der Mandarinen bisher nicht getragen hat; die Regierung gesteht damit das Fiasko der gewerbsmäßigen Hüter von Gesetz und Ordnung ein, und wir wissen gar nichts Besseres zu tun, als in diesem Moment auf die Presse loszuschlagen, die daS Fiasko der Regierung triumphierend allem Volke zeigt.... Natürlich muß die Sozialdemokratie sich bei ihrer Stellung- nähme reserviert verhalten. Aber sie hat doch auch ein sehr wesentliches Interesse daran, daß die ReichSgelder, die zu einem erheblichen Teil aus den Taschen der Arbeiter fliehen, nicht sinn- widrig verschleudert werden. Auch wenn wir auf dem Standpunkt stehen, daß unsere Kolonien völlig wertloieObjekte sind, auch ivenu lvir noch so scharf dagegen prolestiereu, daß in sie überhaupt noch deutsches Geld gesteckt wird, so darf es uns doch keineswegs gleichgültig sein, ob die verlorenen Summen in jedem Jahre iveseutlich durch eine heillose Materialverschwendung oder durch den Abschluß unsinniger Verträge vermehrt werden. Deshalb müssen wir die Stellung gegenüber dem neuen Mann von der Beantivortung der beiden Fragen abhängig machen: Kann er Ordnung schaffen. und i st er i m st a n d e u n d g e lv i l l t, d e r K o r r u p t i o n zu steuern?" Wir haben Bernhard so ausführlich zu Wort kommen lassen, damit unsere Leser seine naiven bürgerlichen Illusionen in der Originalfassung zu genießen vermögen. Bernhard ist der Auffassung, die Regierung steht mit ihrer Bureaukratie vor dem Bankrott. Die sogenannten herrschenden Kreise fühlen sich nicht mehr fähig,«die vom Staat an sie zu stellenden Forderungen zu erfüllen", in dieser Not wenden sie. sich an Dernburg. der als Retter auf dem Plan er- scheint, und, wie Bernhard auf Grund seiner gründlichen Einsicht im„Plutus" versichert,„sicher Ordnung schaffen wird". Das bankrotte System muß abdanken. Die Bernhardsche Phantasie treibt recht üppige Blüten; sie übertrifft quantitativ wie qualitativ bei weitem noch die des Herrn Artur Levysohn. Schade nur, daß die gesamten Ausführungen Bernhards auf nichts als leeren Annahmen und Voraussetzungen beruhen. Wer sagt ihm denn, daß die Junkerbureaukratie sich bankrott fühlt und Dernburgs Berufung ein Systemwechsel von „prinzipieller Bedeutung" ist? Vorläufig ist noch sehr zweifelhaft, ob nicht die Berufung einem jener bekannten plötzliche» Entschlüsse des Kaisers entspringt, oder ob sie nicht von einer der hinter den Koulisscn kämpfenden Jiitcrcssentengruppen als Schachzug ausgespielt worden ist, ja ob nicht, wie vielfach behauptet ist. Herr Dernburg von Herrn Podbielski an sogen, allerhöchster Stelle empfohlen worden ist. Aber selbst an- genommen, Herr Dernburg wäre tatsächlich zur Sanierung des Äolonialamtes berufen, inwiefern bedeutet dann diese Berufung einen Bruch mit dem alten System, eine Abwirtschaftung der Bureau- kratie? Auch bisher schon hat Preußen„kaufmännische" Minister „regieren" sehen, nicht nur Herrn Möller aus Brackwede, sondern auch einen Hanseinann und Camphausen, und zwar unter un- gleich günstigeren Bedingungen; die Folgen waren aber nicht die Abdankung der junkerlichen Bureaukratie, sondern nur die Aufpfropfung einer großkapitalistischen Korruption auf feudale Triebe. Es gehört die ganze Naivetät des bürgerlichen Illusionisten dazu anzunehmen, durch einen Personen- Wechsel, nebenbei noch in einem für die feudale Staatshierarchie ganz nebensächlichen Amte, werde die junkerlich-bureaukralische Macht gebrochen. Beruht doch diese Macht nicht darauf, daß einige Junker auf Ministersesseln thronen, sondern auf dem Einfluß, den die Jnnkerschaft auf die ganze Beamtenschaft, das Heer nsw. ausübt. Selbst als Reichskanzler— das Ende der Verhandlungen über den Rhein-Elbe- Kanal hat das zur Genüge erwiesen— vermöchte Herr Dernburg nicht gegen diesen Stachel zu löcken, viel weniger aber auf dem einflußlosen Posten eines Kolonial- direktors oder selb st eines Kolonial st aats- sekretärS innerhalb einer Korona, deren Haupttypen durch Bülow, Podbielski. Rheinbaben, Studt repräsentiert werden. Bernhard meint, es komme wesentlich darauf an. ob Dernburg gewillt sei, der Korruption zu steuern. Tatsächlich kommt es auf die Verhältnisse an I In den nach kaufmännischen Grundsätzen ge- leiteten Kolonien anderer Länder macht sich nicht minder die Korruption breit, als bei uns— denn Kolonialwirtschaft und Korruption sind, wie die Kolouialgeschichte aller Länder, ohne Ausnahme, lehrt, unzertrennlich; ja in gewisser Hinsicht kann man sagen, daß mit dem Einzug des kapitalistischen Systems in die Kolonien auch die Korruption steigt. wenn diese auch unter einem kapitalistisch-kausmännischen Regime in anderen Formen auftritt wie unter einem feudalen. Herr Dernburg wird zwar kaum derartige Verträge abschließen, wie den Tippelskirch- Vertrag, dafür aber wird er sicherlich— vorausgesetzt, daß er im Amte bleibt— alsbald zum Zwecke der Nutzbarmachung der deutschen Kolonien für die deutschen Kapitalisten umso höhere Anforde- rungen an den Reichssäckel stellen. Seine Berufung be- deutet demnach stärkere Belastung des deutschen Volkes durch Kolonial- ausgaben. Weil wir als bestimmend für unsere EntWickelung nicht den Willen und die Eigenschaften einzelner Personen, sondern die Gesamtverhältnisse betrachten, läßt uns denn auch die Glorifizierung der Ehrlichkeit, mit der Bernhard seinen Artikel endet, höchst kalt. Nur die Schlußsätze wollen wir zur Charakterisierung der komischen Aufgeblasenheit des„Plutus"leiters unseren Lesern nicht vor- enthalten: „Schließlich dürfte doch die Weiterbildung der ökonomisch- historischen Methode noch nicht zu dem Grundsatz geführt haben, daß jemand schon deshalb, weil er ein Bourgeois ist, nicht mehr als anständig gelten kann. Im Erfurter Programm steht davon nichts. ES ist das allerdings noch zu einer Zeit verfoßi worden, als die jetzigen Gralshüter teilweise gerade erst die„Eierschalen der bürgerlichen Gesellschaft" von sich abgestreift hatten." Bernhard hat jedenfalls schon als Fötus den Sozialismus in sich aufgenommen, allerdings, wie seine früheren und jetzigen Leistungen zeigen, einen Sozialismus höchst zweifelhafter Art.— •• » Dcutfchcs Reich. Allergetrrueste Opposition. Die Schwarzseher-Rede de« Kaisers hat in der Presse wenig Zustimmung gefunden. Bemerkenswert ist eine Auslassung der „Kölnischen Zeitung". Das Blatt, das seine Einwendungen selbst im Namen der„allergetreuesien Opposition Seiner Majestät" vorbringt, nimmt vor allen Dingen Airstoß an der Aufforderung. daß sich die Konfessionen zur Bekämpfung des Unglaubens zusammenfinden möchten. Dies Wort klinge bedenklich an einen der hauptsächlichsten Programmpunkte des Essener Katholikentages an. Wenn dieses Wort dahin ausgelegt werden sollte, daß der„politische Konfessioualismus" berufen sei. als Macht im Staate zu gelten," so werde Seiner Majestät allcrgetreueste Opposition diese Aufforderung selbst dann bekämpfen,„wenn das kaiserliche Schild sie decken sollte". Nach der Beihülfe, die die Nationalliberaleu bei dem Schulverpfaffungsgesetz geleistet haben. hätte Wilhelm II. einen solchen Protest allerdings kaum erwarten können! Die wild- nationalliberale„R h e i n i s ch- W e st f ä l i s ch e Zeitung" hält dem Wort deS Kaisers, das die Schwarzseher ver- bannt, ein Wort Friedrichs II. entgegen:„Ich will absolutement, daß so regiert werde, daß die Leute ins Land kommen und nicht wieder hiuauslaufen." Das Blatt vergißt, daß dieses Wort sich nicht etwa gegen den Absolutismus richtete, den Friedrich II. in ausgeprägtester Form repräsentierte, sondem nur dem Wunsche Ausdruck gab, daß das durch die Eroberungskriege entvölkerte Land wiederum„peupliert" sbevölkert) würde, sei es auch von.Heiden oder Mohammedanern", wie Friedrick II. es selbst ausdrückte. Sehr hübsch macht sich eine Bemerkung der„Post". Sie meint. daß daS scharfe Wort gegen die Schwarzseher nur geeignet sei, die „tiefe Mißstimmung"„och zu vertiefen und zu verbreitern. „welche die jüngsten gesetzgeberischen Taten, ins- besondere die BerkehrSsteuern, unzweifelhaft im Volke her- vorgerufen haben, und zwar— das ist das allerbedenklichste— in vielen sonst gut nationalen und rührigen Kreisen." Das vom Großkapital ausgehaltene Blatt ist also selbst zum Schwarz- seher geworden, weil sich unter den neuen Steuern auch einige Lasten befinden, die von de» besitzenden Klassen mitgetragen werden müssen. Die patriotische Hurrastimmung der„Post" macht also sofort galligem„Nörglertum" Platz, wenn der Geldbeutel der Schlot- baroue auch nur in der minimalsten Weise in Mitleidenschaft ge- zogen wird l—__ Die Abschiedsrede des Kolonial-Prinztn. Auf einem Abschiedsessen, das die Beamten der Kolonial- abteilung und die Offiziere des Oberkommandos der Schutztruppe dem Exkolonialprinzen gestern abend gegeben haben, hielt Prinz Hohenlohe eine lange Abschiedsrede. Er habe, führte er aus. sei» Amt unter der ausdrücklichen Voraussetzung übernommen, daß dem- nächst ein selbständiges Reichsamt für die Kolonien geschaffen werde. Der Reichstag habe diese Forderung abgelehnt, dafür seien gegen die Kolonialverwaltungen die bekannten Angriffe erhoben worden. Seine ganze Tätigkeit sei infolge der Entlassung einer Reihe älterer Be- amten eine äußerst schwierige gewesen. Der Einblick in den Verwaltungs- Mechanismus habe in ihm die Ueberzeugung gefestigt, daß für den Leiter der Kolonialverwaltung ohne eine alsbaldige durch- greifende Reforni der Zentrale, d. h. ein selb- ständiges Reichskolonialamt, ein furchtbares Wirken ausgeschlossen sei. Er gebe sich der Hoffnung hin, daß das Ausscheiden seiner Person vielleicht einer Re- organisation dieser Art die Wege ebnen werde. Seinem Amts- Nachfolger wünsche er von Herzen, daß er bald bessere Zeiten er- leben und seine Tätigkeit durch schöne Erfolge gekrönt sehen möge. Er schloß mit dem Rufe:„Die deutschen Kolonien sollen leben." Die Bemerkung, daß sein Gehen dem Reorganisationsprojekt der Kolonialverwaltung, d. h. der Schaffung eines selbständigen Reichs- kolonialamtS den Weg ebnen dürfte, bestärkt die Auffassung, daß die neue Kolonial-Exzellenz als Preis für die Gewinnung der freisinnigen und nltramontanen Opposition betrachtet worden ist. Und diese Zuversicht dürfte denn auch nicht betrogen werden. Wenn auch die„Germania" heute abend erklärt, daß sie den Wechsel der Personen und nicht den der Einrichtungen als die wichtigsten Maßregeln der Sanierung der Kolonialpolitik betrachte, so gibt sie doch immerhin deutlich genug zu verstehen, daß sie auch der Schaffung eines selbständigen Reichskolonialamtes nicht mehr ablehnend gegenüber« stehet-_ Tippelskirch und Onade klagen i Wie gemeldet wird, hat der Kaufmann Horst v. Tippelskirch, Mitinhaber der Firma v. Tippelskirch u. Co., gegen den Schriftsteller Dr. jur. Mode sowie gegen die verantwortlichen Redakteure, die Drucker und Verleger des„Berliner Lokal-AnzeigerS" und des „Berliner Tageblatts" Strafautrag bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts 1 gestellt. Gegen Dr. Mode wird Bestrafung beantragt wegen verleumderischer Beleidigung, gegen die übrige» wegen öffent- licher, durch die Presse begangener Beleidigungen. Oberstleutnant Onade hat Strafantrag gegen Redakteur. Drucker und Verleger der„Täglichen Rundschau" wegen Beleidigung gestellt. Da können nette Dinge ans Tageslicht gefördert werden. Können!...—_ Die Offiziers-Bank Tippelskirch k In einer Zuschrift an die „Köln. Volksztg.", in deren Eingang ausgeführt wird, daß mit Oberstleutnant Quade ein nen'cr Geist im Oberlommando der Schuytruppe seinen Einzug gehalten hat. und daß Onade das Prinzip der Offenheit und Rücksichtslosigkett gegen Mißstände verlritt, heißt es: „Nach den Mitteilungen, die Oberstleutnant Onade in seiner Richtigstellung gemacht, steht nun auch fest, daß die Firma Tippelskirch nicht nur die hervorragend begiinstigte Monopol- firma der Kolomalverwalwng, sondern auch eineAriBank für eine ganzeAnzahl von Offizieren der Schutztruppe sei I Durch diese Mitteilung erst erfährt die breite Oeffeutlichkeit, was in eingeweihten Kreisen schon längst bekannt war; jetzt erst sieht man auch, vor welch tiefem Abgrund unsere Ver- waltung stand. Die Tatsache, daß Offiziere der Schutz- truppe bei Tippelskirch ihre Bank hatten, ist um so auffallender, als das Warenhaus für Armee und Marine. mit dem sonst die Offiziere arbeiten, eine eigene Ver- mögensverwaltungsstelle besitzt, die auch häufig benutzt wird. Wenn nun dieser eine Offizier mit feinen „allerdings nicht unbedeutenden Schuldverpflichtungen" auch dienst- lich mit der Firma nichts zu tun hatte, so kann er doch jederzeit in die Lage kommen, über TippelS- kirchfche Waren zu urteilen; er darf z.B. nur der Führer einer Expedition werden. Eine ganze Reihe weiterer Fragen drängt sich auf, vor allem die, wie viele Offiziere stehen mit der Firma im Verhältnis? lind wie war dieses beschaffen? Das eine steht heute schon fest, daß das Verhältnis des Reiches zu dieser Firma ein un- erträglicher geworden ist; die guten Sitten erheischen die sofortige Lösung des bestehenden Vertrages. Man denke sich einmal. Offiziere des Heeres und der Marine hätten bei der Firma Krupp ihre Bank oder beim Pulver- ring oder bei Ludwig Löwe. Eisenbahubeamte gingen in derselben Weise vor usw. Wohin würde man dann kommen? Die neuesten Enihüllungen sind ein weiterer Beweis für die Not- wendigkeit einer parlamentarischen oder gemischten Untersuchungskommission: der Strafrichlcr kann solche Dinge nicht vor seine Schranken ziehen, und doch sind sie für unser gesamtes politisches Leben viel gefährlicher als manche Dinge, die dort geahndet werden." Die Forderung nach einer parlamentarischen Untersuchung?- kommission Ningt recht forsch— wir zweifeln nur daran, daß sich eine bürgerliche Mehrheit finden wird, die sie im Parlament energisch vertritt. Daß die Kommission Arbeit in Masse finden würde und daß sie allerlei wichtige und für die herrschenden Kreise unangenehme Funde machen würde, davon sind wir freilich über- zeugt.—_ Russische Zustände bei den ReichSeisenbahnen. Kürzlich ist in der Leitung der Reichseisenbahnen ein Wechsel eingetreten. Von den Taten des neuen Ministers weiß die Oeffent- lichkeit bis dato wenig oder nichts; um so mehr scheint Herr Breitenbach das Bedürfnis zu empfinden, sich der Oeffeutlichkeit als würdigen Nachfolger feines Vorgängers zu präsentieren. Die erste „Tat" des neuen Eisenbahnministers, die zu unseren Ohren kommt, zeigt, daß Herr Breitenbach genau wie sein Vorgänger Budde daS Koalitionsrecht der Arbeiter mißachtet und dadurch seine Befähigung zum Eisenbahnminister zu beweisen sucht. Vor wenigen Tagen war Herr Breitenbach in den Reichslanden. wo er der Bifchheimer Hauptwerkstätte einen Besuch abstattete. Bei dieser Gelegenheit nahm sich Herr Breitenbach den ArbeiterauSschuß vor. Dem Herrn Minister war nämlich zu Ohren gekommen, daß in Bischheim und Straßburg die Werkstättenarbeiter sich in größerer Zahl dem Süddeutschen Eisenbahnerverbande angeschlossen hatten. Herr Breitenbach sprach sich sehr ungehalten darüber aus. daß die Arbeiter der Reichseisenbahn sich erlanbien, von einet» ihrer wenigen Rechte Gebranch zu machen, und erklärte rundweg, daß er nicht dulden werde, daß Dritte sich zwischen Verwaltung und Arbeiter stellen. Das war das Signal zum Sturm auf die junge Organisation. Hatte kurz vorher in einer Versammlung der Werkstättenarbeiter Herr Baurat Wolff im Anschluß an ein Referat deS Ganleiters Schwall aus Karlsruhe erklärt, daß er gegen die Bestrebungen der Arbeiter nichts einzuwenden habe, so mußte er jetzt, nachdem der Wind so aus Berlin geblasen hatte, den Mantel anders hängen. Nach deS Ministers Weggang von Straßburg folgte nachstehender UkaS: „In der letzten Zeit ist wiederholt von außerhalb unserer Verwaltung stehenden Personen für den Eintritt der reichs» ländischcn Eisenbahner in den Süddeutschen Eisenbahnerverband agitiert worden. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Ziele und Bestrebungen dieses Verbände» in der gleichen Weise als ordnimgsfeindlich anzusehen sind, wie dies für den Verband der Eisenbahner Deutschlands fSitz Hamburg) gilt: daß deshalb die Teilnahme an dem einen wie an dem anderen Verbände sowie die Unterstlltzimg ihrer Bestrebungen mit der Beschäftigung im Dienste der Reichs-Eisenbahnverivaltuiig unvereinbar sind und die Auflösung des Dienst- bezw. Arbeitsverhältnisses zur Folge haben werden. Straßburg, den 4. September 1906. Die kaiserliche Generaldirektion- Wackerzapp. Der Verband der süddeutschen Etsenbahner ist also nach Herrn Breitenbachs Straßburger Reife ordnungsfeindlich geworden, ein Verband, der bisher stets betont hat, daß er auf dem Wege fried- licher Verständigung mit den Verwaltungen die Besierung der Arbeiterverhältnisse erreichen will und der tatsächlich auch in den süddeutschen Staaten mit diesem Vorgehen Erfolge errungen hat. Die Ordiningsfeindlichkeit besteht eben»ach preußisch- deutschen Be- griffen schon darin, daß wirklich etwas für die Arbeiter geschieht. Der Ukas des Herrn Wackerzapp wurde dem Gauleiter de« Süddeutschen EisenbahnerverbaiideS mitgeteilt und dieser begab sich alsbald in Begleitung des Karlsruher ArbeiterfekretärS. eines der Milgrüuder deS Süddeutschen beziehungsweise Badischen Eisen- bahnerverbalideS nach Straßburg, um bei Herrn Wackerzapp vor- stellig zu werden. Die nachgesuchte Unterredung wurde gnädigst gewährt. DaS war aber auch alles. Herr Wackerzopp erklärte rundweg auf den Vorhalt, daß die Arbeiter doch ein Recht hätten, sich zu organisieren: die Eisenbahn- arbeiter haben kein KoalitionSrecht; wir ge- stehen den Eisen bah narbeitern kein Koalitions- recht zu. Wenn lvir hin und wider eine Organi- sation dulden, so ist daS unsere Sache. Wir bleiben bei dem Verbot, dasselbe wird unter keinen Umständen zurückgenommen! wer bei uns bleiben will, darf nicht in dem Süddeutschen Verband sein und wer sich unserer Anordnung nichtfügt. der wird zwar nicht be st rast, wir st rasen nicht, aber so wie der Arbeiter das Recht hat zu kündigen, so hat es d e r Ar b eitg e b er auch." Doch Herr Wackerzapp begnügte sich mit dem bloßen Verbot der Mitgliedschaft im Süddeutschen Eisenbahnerverband nicht. Er teilte dem Gauleiter Schwall uud dem Arbeitersekretär Willi zugleich mit. daß er auch nicht dulden werde, daß die Ar- Leiter der Bischheimer Hauptwerk st ätte eine auf Sonnabendabend einberufene Versammlung be- suchen, in welcher Willi über die Arbeiterver- sicherung s g esetz e. Schwall über die heutige Gewerkschaftsbewegung referieren sollten. Auch diese beiden Referate schienen Herrn Wackerzapp ordnungsfeindlich, weil sie, wie er sagte, dazu dienen würden, für den Verband zu werben. Auf den Einwand, daß ihm ein solches Recht doch wohl nicht zustehe, wußte Herr Wackerzapp nur zu erwidern:»Die Arbeiter, die trotz des Verbotes in die Versammlung gehen, werden es bitter zu fühlen haben." Daß es ihm mit seiner Drohung ernst war, beweist folgender Ukas Nr. 2, der am Sonnabend in den Werk- statten angeschlagen wurde: „Alle beteiligten Arbeiter mache ich in ihrem Interesse daraus aufmerksam, daß die Teilnahme an der heutigen Versammlung beS Süddeutschen Eisenbahnerverbandes in der„Grünen Tanne" zu Bischheim nach der Bekanntmachung kaiserl. Gcneraldirektion vom 4. d. Vits, unzulässig ist und Zuwiderhandelnde die Dienst- kündigung zu gewärtigen haben. Der Vorstand. Wolff. Zugleich wurde den Arbeitern noch folgender Revers zur Unter- schrift vorgelegt: „Die Unterzeichneten erklären hiermit, daß sie dem Süd- deutschen Verband nicht angehören, eventuell aus demselben aus- getteten sind und die Zeitung des Verbandes nicht mehr halten wollen." Schlimmer als Herr Breitenbach und seine Helfershelfer Wackerzapp und Wolff haben selbst die Stumm und Krupp„seligen Angedenkens" die Entrechtung der Arbeiter nicht betrieben. Es ist selbstverständlich, daß die Unterdrückung der jungen Organisation, der Revers und das Versammlungsverbot in ihrer Zusammen- Wirkung eine ungeheuere Aufregung unter den Arbeitern hervor« riefen, aber was wollten sie tun, zähneknirschend mußten sie mit ihrer Unterschrist das Todesurteil der Organisation unter- schreiben. Selbstverständlich ist mit den Wackerzappschen Ukasen die Sache noch nicht am Ende. Herr Wackerzapp konnte unter Androhung der Hungerpeitsche eine Versam-ilung vereiteln, er konnte auch die Unter- schrift eines Reverses erzwingen, er konnte die Arbeiter zur Heuchelei zwingen, Herr Wackerzapp kann aber aus den Arbeitern nie und nimmer das Bewußtsein herausreißen, daß sie vergewaltigt worden sind. Der Reichstag wird sich noch mit dieser Angelegenheit zu be- schästigen haben._ Kolonialrcklame in der Volksschule. Die Anregung des Kultusministers S t u d t. die verpfafftc Volksschule zu Rellaniezwecken für unsere verkrachte Kolonialpolitik zu mißbrauchen, sind auf fruchtbaren Boden gefallen. In einer Kreis-Lehrerkonferenz in Schlesien wurde in Gegenwart des Landrats ein Vortrag über das Thema gehalten:„Welche Bedeutung haben die deutschen Kolonialbestrebungen für das Vaterland, und in welcher Weife sind ihre Bestrebungen auch in der Volksschule zu fördern." Dem Vortrage lagen folgende Leitsätze zugrunde: I. Die durch die deutschen Kolonialbestrebungen erworbenen Gebiete sind in verschiedener Hinsicht bedeutungsvoll für das Vaterland. 1. Sie bieten der deutschen Flotte Stütz- punkte dar. 2. Sie sind geeignet, einen Teil des deutschen Auswanderer st romeS aufzunehmen. 3. Der Reichs- regierung wird Gelegenheit geboten, die Missionare, welche als Verkünder des Evangeliums und Pioniere der Kultur segens- reich wirken, kräfttg zu unterstützen. 4. Die Hauptbedeutung unserer Kolonien liegt auf wirtschaftlichem Gebiete, indem durch sie a) dem deutschen Volke billige Nahrungs« und G e n u ß m i t t e l, b) der deutschen Industrie wertvolle Roh- st o f f e verschafft und neue Absatzgebiete eröffnet werden. 5. In jenen Gebieten kann sich deutscher Forschungs drang betätigen. II. Damit die Kenntnis von dem Werte unserer Kolonien Gemeingut des Volkes werde, müffen schon in der deutschen Jugend Interesse und Verständnis für jene Be- itrebungen erweckt werden. 1. Die» geschieht Haupt« Schlich im geographischen Unterricht. e> Die Behandlung deutscher Kolonien wird der des betreffenden Erdteils eingereiht. b> Während auf der Mittelstufe charatteristische Einzelbilder geboten werden. tritt auf der Oberstufe eine Erweiterung des Stoffes, besonders nach der kulturellen Seite, ein. c) Die anschauliche Behandlung des Stoffes erfolgt nach solchen Gesichtspunkten, auS denen die Bedeutung der Kolonien erkenntlich ist. 2. Im n a t u r k u n d- lichen Unterricht werden die Kolonialprodukte eingehend be- schrieben und in ihrer Bedeutung für das Baterland gewürdigte 3. Auch in anderen Fächern wird bei geeigneten An- knüpfungspunkten die Bedeutung der Kolonien betont. 4. Zur Belebung und Ergänzung des Gelernten müssen Jugend- schriften herangezogen werden. S. Der Lehrer suche durch Quellenstudium den Unterricht intereffant zu gestalten. Den Unsinn dieser Leitsätze brauchen wir nicht erst nachzuweisen. Solche dreiste Unwahrheiten können ohne Widerspruch eben nur Schulkindern vorgetragen werden. Das Skandalöse ist eS eben, daß die Volksschule unter bereitwilliger Mitwirlung der Lehrerschaft dazu mißbraucht werden sollen, den TippelSkirch, Woerniann und Konsorten Dumme ins Garn zu treiben!— Kaisertagr— Hafttage. Die Breslauer. Volksmacht" meldet: „Aus der Jagd nach Anarchisten konnte man die BreSlauer Polizei vor den und während der sogenannten.Kaisertage" be- obachten. Traurige Kerle, die sich nicht entblöden, sich unter die Arbeiter zu mischen und unvorsichtige, gewöhnlich im Scherz gefallene Worte der Polizei zu übermitteln. Spitzel aller Art haben auch in diesen Tagen ihr erbärmliches Handwerk getrieben. Und zum Teil haben sie Erfolg gehabt. Es wurden Leute— Ausländer— verhaftet, denen gegenüber es einfach unmöglich sein wird, ihnen irgend eine Schuld oder auch nur böse Absicht nachzuweisen. So wohnte auf der Posenerstr. 51 ein Italiener Mataczi, der in den neun Monaten seiner Anwesenheit in Breslau in keiner Weise an die Oeffentlichkeit getteten ist und dem, wie seine Be- kannten bestätigen, jede anarchistische Anwandlung ganz fernliegt. Am Sonntag früh um 5 Uhr erschienen trotzdem in seiner Wohnung vier Schutzleute und verhafteten Mataczi. Auch nahmen sie eine Haussuchung vor, fanden aber nichts als eine Postkarte, die sie trotz des völlig unverfänglichen Inhaltes an sich nahmen. Auch andere Ausländer wurden, wie uns gemeldet wird, gestern in aller Hergottsfrühe verhaftet... Von anderer Seite wird noch berichtet, daß in der Weiß- gerbergaffe 5 der Tscheche Flieg» er und der Galizier Landenberger durch sechs Kriminalbeamte und drei Schutzleute verhaftet wurden. . Nqch dem Aufgebot gn bewaffneter Macht zu urteilen, müssen die Verhafteten furchtbarer Taten verdächtig sein. Warten wir ab I— Kronenorden oder roter Adlerorden? Bekanntlich ging vor einiger Zeit ein Erlaß des Justiznnnisters durch die Presse, nach dem die Vertreter der Justiz aufgefordert wurden, mit Personen, über die sie zu Gericht sitzen, möglichst Höf- lich und nett zu verkehren. Wie mancher Vertreter der Justiz diesen„höflichen Verkehr" auffaßt, dafür lieferte eine Schöffengerichts- sitzung in Halle einen recht drastischen Beweis. Von einem Nachbardorfe der Stadt Halle a. S. erschienen vor Gericht die Landarbeiter Gustav und Otto M ä d i ck e, die von dem Amtsvorsteher wegen angeblich unberechtigten Verlassens des Dienstes je ein Strafmandat über 15 Mark er- halten und diesbezüglich gerichtliche Enischeidung beantragt hatten. Amtsrichter im barschen Tone:„Ihr wollt wahr- scheinlich nur noch höhere Strafe haben? Gebts nur ruhig zu. daß Ihr fortgelaufen seid, mitten in der Ernte und nehmt Eueren Einspruch zurück, damit Ihr nicht ja noch höher ge- »oiumc» werdet! Oder denkt Ihr vielleicht, Ihr sollt für Euer Fort- laufen sogar noch de» Kroneiiorden kriege»?" Der Angeklagte Gustav Mädicke stottert so sehr, daß er kaum einige Worte herausbringen kann. Es erzählt deshalb Otto Mädicke, daß die Angeklagten 3 Uhr morgens aufgestanden und dann zum Kaffeetrinken ge- rufen wären. Da habe aber der Aufseher gesagt:„Ach was, den Kaffee müssen wir heute fahre» lassen". Als Angeklagter trotz- dem Kaffee trinken wollte, habe man ihn zur Küche hinausgeschoben. Auf die Redensart:„Wenn ich keinen Kaffee trinken kann, kann ich auch nicht arbeiten!" habe man sie fortgeschickt; sie wären nicht aus dem Dienst fortgelaufen. Amtsrichter iviederum in erregtem Ton:„Ach was. Euer Herr hat Euch mitten in der Ernte sicher nicht fortgeschickt. Und wenn Ihr i» der Erntearbcit auch einmal keinen Kaffee zu trinken bekommt, so werdet Ihr des- halb nicht gleich verhungern! Nehmt Euren Einspruch ja lieber zurück."— Beide Angeklagte, die bei der Justiz ihr Recht suchten. erklärten dann mit trauriger, wenig zufriedener Miene, sie wollten die 15 Mark dann lieber bezahlen. Der Amtsrichter über seine Leistung anschcinlich sichtlich befriedigt, erklärte dann, als die beide» Landproletarier betrübt de» Gerichtssaal verließen, nach den Schöffen gewendet:„Ja, die �Angeklagten) wollen sogar noch den rote» Adlerorde» vierter Klasse haben." ES ist lebhast zu bedauern, daß die Angeklagten dem völlig falschen Rat des Amtsrichters gefolgt sind. Freilich, was sollten die armen Landarbeiter tun, wenn ihnen von der Stelle aus. wo sie Recht zu finden hofften, wie in diesem Falle Spott und Hohn ge- boten wird. Es ist eine Verhöhnung des Elends, wenn man die armen Landproletarier frägt, ob sie den sironen- oder den roten Adlerorden haben wollen. Der Amtsrichter wußte oder hätte wissen müssen, daß die Leute nicht annehmen tonnten, daß der Amtsrichter einen Vogel zu vergeben habe sondern zu der Annahme berechtigt waren, daß an Gerichtsstelle Recht gesprochen, nicht aber, daß sie durch Spott und Hohn zum Verzicht auf einen Richterspruch veranlaßt werden würden. Diese Art der in Halle geübten Rechtspflege zeigt aufs neue die Ueberflüssigkeit, wenn nicht Gememschädlichkeit der Jnstitutton des gelehrten Richtertums. Hustand. Frankreich. Die Sonntagsruhe durchgeführt. Paris, 10. September.(Eig. Ber.) Am gestrigen Sonntag wurden die Wirkungen des Ge- setzes über die wöchentliche Arbeitsnche zum erstenmal ficht- bar. Mit Ausnahme der Lebensmittelgeschäfte waren fast alle Läden geschlossen. Im Zentrum der Stadt hatten auch die Friseure zumeist geschlossen. Ein Erlaß des Handelsministcrs, der gestern im„Journal Offtciel" erschien, gibt den Arbeitsinfpektoren detaillierte An- Weisungen für die Durchführung des Gesetzes. Die Inspektoren übten schon gestern Kontrolle, wobei sie von den Angestellten — besonders der Warenhäuser— eifrig unterstützt wurden. Man kann annehmen, daß in ein paar Wochen das Gesetz vollständig durchgeführt werden wird; denn auch die Geschäfts- leute beginnen schon die Sonntagsruhe vernünftiger zubeurteilen, als sie es im ersten Augenblick und unter dem Eindruck der blödsinnigen Artikel der Bourgeoispresje getan hatten. Noch gestern hat sich der literarisch schon stark abgetakelte Halb- jungfrauenschrifksteller Marcel P r s v o st den Ausspruch ge- leistet: die gesetzlich erzwungene Sonntagsruhe sei eine „Sklaveret". Andere Tages-„PhilosoPhen" des Ausbeutertums finden, daß die Arbeit dem Pariser Volke seine Anmut verleihe und daß infolgedessen die Sonntagsruhe die Pariser Aesthetik schädige.... Aber dieses Geschwätz wird ebenso rasch aufhören, als sich das von allen arbeitenden Franzosen nnt Ungeduld erwartete Gesetz einleben wird. Natürlich haben auch die Gastwirte und Hoteliers ihre lächerliche Drohung, am Sonntag zu schließen, nicht durch- geführt. Der Handelsminister hat einer Deputation dieser Herren recht energisch gesagt, daß er auf die Durchführung des Gesetzes bestehe, und so haben sie sich denn entschlossen, es doch mit dem Ablösungssystenr zu versuchen. Den Gehülfen ist allerdings die Aufgabe gestellt, darüber zu wachen. daß das Gesetz nicht durch einen Kniff umgangen werde. Einige schlaue Wirte haben nämlich vorgeschlagen, daß die Angestellten an ihrem Ruhetage nicht durch Ersatzkräfte, sondern durch die ruhenden Angestellten anderer Unter- nehmungen vertreten werden, so daß die Unternehmer— statt ihren Angestellten wirklich einen freien Tag in der Woche zu sichern— sie nur austauschen würden I Da ein solches Vorgehen gesetzwidrig wäre, ist bloß eine scharfe Kontrolle nötig, um es zu verhindern. Die Frage der Kirchensprrrung. Paris, g. September.(Eig. Ber.) Wenn trotz der Enzyklika und der Einigkeitserklärungen des Episkopats der fortdauernde MeimingSgegensatz innerhalb der französischen Kirche unverkennbar ist, so wird andererseits auch die Unentschlossenheit und Uneinigkeit der radikalen Bourgeoisregierung immer deutlicher. Briand will den Kulturkampf vermeiden, aber er glaubt doch das Prinzip des Gesetzes nicht preisgeben zu dürfen. und er will die Autorität der republikanischen Regierung von den Klerikalen nicht verletzen lasten. Clömenceau da- gegen. der sich immer klarer zum Minister der kapitalistischen Bourgeoisie entwickelt, will in keinem Falle den katholischen Kult, der in den Massen den Geist deS Gehorsams und der materiellen Genügsamkeit erhält, eine Störung erleiden lassen, und möchte selbst ein Stück StaatSautorität darüber zugrunde gehe». Er hat einem Redakteur des monarchistischen„Gaulois" erklärt uud es seither noch offiziell bestätigen lassen, daß so lange er Minister sei, keine Kirche in Frankreich gesperrt werden würde!! Die Absicht, den Klerikalen keine Gelegenheit zu geben, die katholi- schen Massen mit einem populären Schlachtruf aufzuregen, ist durchaus zu billigen, aber es ist denn doch etwas weit gegangen, wenn der Chef der französischen Staatsverwaltung den gegen daS Trennungsgesetz rebellierenden Katholiken die Gewißheit gibt, daß er bereit sei, das Gesetz selbst zu ihren Gunsten zu verletzen. Darauf läuft nämlich seine Erklärung hinaus. Wenn die Katholiken keine Kullusassoziationen bilden, so fällt die Dis- positon über die ineisten Kirchcngebäude den Gemeinden zu. ES ist nun sehr wahrscheinlich, daß eine Anzahl radikaler Gemeindcräte — wenn wohl auch nicht sehr viele— beschließen werden, die Kirchen zu sperren. Man mag das zweckmäßig finden, aber es ist ihr gutes Recht. Wird also Herr Clsmenceau dieses Recht verletzen? Das wäre eine Bankrotterklärung der antiklerikalen RegicrungS« Politik, wie sie schmählicher nicht gedacht werden kann. Es geht übrigens auch aus dieser Erklärung deutlich hervor, daß Clsmenceau bewußt Briands Politik durchkreuzt. Briand hat war ausgesprochen, daß er die Kirchen nicht sperren wolle, aber eine Erklärung hat doch einen ganz anderen Sinn. Briand sagt: Ich Werde nicht so töricht sein, den Ulttamontanen Agitationsstoff zu liefern. Die Kirchen mögen nur offen bleiben, auch wenn keine Kultusassoziationen gegriindet werden. Die Gottesdienste mögen immerhin stattfinden. mir werden die Ber- a n st a l t e r, weil sie sich gegen das Gesetz vergehen, b e st r a f t iverden I Man sieht, das ist etwas anderes. Briand sagt ausdrücklich: Die Sperrung der Kirchen ist nicht not« wendig, um dem Gesetze Achtung zu verschaffen. Clsmenceau aber sagt: Ich werde nicht erlauben, daß die Kirchen gesperrt werden, auch wenn das Gesetz dazu berechtigt. Dieser zwar nicht offene, aber in Interviewen auSgefochtene Konflikt zwischen den beiden Ministern ist aber noch besonders lehr- reich, weil er die ganze Prinzipienlosigkeit Clömenceaus zeigt, der der Welt jahrzehntelang vorgeschwindelt hat. er sei ei»„Doktrinär". Während der Verhandlung über das Trennungsgesetz hat Clsmenceau eine langwierige Polemik gegen Briand und Jaurss geführt, denen er vorwarf, ihre Haltung begünstige die katholische Kirche zu sehr. Be» sonders griff er den Artikel IV des Gesetzes an, der der Kirche im Falle der Annahme des Gesetzes den Genuß der Kirchengebäude sichert. Er erklärte damals wörtlich:„Die schismatischen Franzosen haben dasselbe Recht aus die Kirchen» gebäude wie die römischen." Und heute erklärt derselbe Clömenceau, die Kirchen müßten in jedem Falle den Katholiken erhalten bleiben, auch lvenn diese dem Gesetze Trotz bieten. Man braucht diese Wandlung nicht allein daraus zu erklären, daß Herr Clömenceau damals Minister werden wollte und heute Minister i st. Dieser von einer internationalen Reklame hiuausgelobte Politiker war eben nie etwas anderes als ein sehr geistreicher und belesener, aber im Grunde ideenloser Praktiker. Das schließt freilich nicht auS. sondern eher ein, daß er ein sehr brauchbarer— weil skrupelloser— Minister der Kapitalistenklasse ist, die sich ja auch bei der großen Aufgabe, Profit zu machen, nicht mit Kleinigkeiten, wie es Prinzipien sind, abgeben kann.—_ Republikanische Soldaten. Paris, 11. September. sB. H.) Wie deni„Eclair" ans Brioude gemeldet wird, durchzogen gestern abend 400 Reservisten des 38. Infanterieregiments die Straßen unter Wsingung der Internationale, weil man ihnen angclnndigt hatte, daß das Regiment in Etappenj- Märschen nach St. Etienne in die Garnison zurückkehren werde. Die Reservisten verlangen mit der Eisenbahn dorthin befördert zu werden, widrigenfalls sie bei der ersten Etappe sich säintlich krank melden würden.— Neu-Seeland. Ein sozialistischer Brief. London,>4. Septeniber.(Eig. Ber.) Die„Times" vom 1. d. M. veröffentlichte eine Korrespondenz ans Neuseeland, die sich mit Sozialpolitik und Arbeiterbewegung beschäftigt. Die Korrespondenz enthält zwei bemerkeiiswerte Punkte: Erstens berichtet sie über die wachsende Unzufriedenheit der Arbeiter mit den obligatorischen Einigungs- und Schiedsgerichten; zweitens gibt sie Teile eines Briefes wieder, den Genosse Tregear, der Sekretär des neuseeländischen Arbeitsamtes, an einen amerikanischen Freund, den Genossen Benson, geschrieben hat. Der Brief, der offenbar durch Indiskretion veröffentlicht wurde, hat in den Untcrnehmerkreisen Neuseelands großes Aufsehen erregt und sie veranlaßt, den Premier- minister zu ersuchen, den Beamten zu entlassen. Aber Seddon, der unlängst verstorbene Premierminister, wollte von einer Maßregelung Tregcars nichts wissen, da jeder Brite das unveräußerliche Recht habe, seiner Unzufriedenheit Ausdruck zu geben,— Genosse Tregear ist ein durch und durch praktischer Mann, da er sich berufsmäßig mit der praktischen Anwendung der Arbeiter- schutzgesetze zu beschäftigen hat; aber er ist auch em sozialistischer Denker und spekulativer Kopf. In seinem Briefe an Benson sagte er, daß ihni die Sozialisten als die einzigen geisteSgesundcn Menschen in einer Welt von Irrsinnigen vorkommen; aber die Gesundung nehme zu. während der Irrsinn abnehme.„Hier in Neu- sceland arbeiten wir unermüdlich und untergraben die Grundlagen eines monströsen Vorrechts nach dem anderen. Wir haben das Schiedsgerichtswesen ans die Beine gebracht, und jetzt kämpfen wir gegen die Grundherrcii der Städte und Vorstädte, da alle Lohn- vorteile, die sich die Arbeiter durch die Schiedsgerichte erringen. durch die räuberischen Wohnungsmieten zunichte gemacht werden. Der Staat erwirbt nun Grund und Boden und ermöglicht den Arbeitern, sich Häuser in der Nähe der Städte zu bauen. Das Resultat unserer Sozialpolitil ist. daß Neuseeland sich in blühenderem Zustande befindet als irgend ein anderes Land. Man soll indes nicht denken, daß unsere wirtschaftliche Blüte uns keine Gelegenheit gebe, Uebel zu bekämpfen. Wir haben kaum den Saum des schmutzigen ökonomischen Kleides berührt. So lange das Lohnshstem andauert, so lange daS Kapital die Produktionsmittel beherrscht, besteht die Masse unserer Bevölkerung nur auS gut genährten und gut gekleideten Sklaven. „Die wirlliche Frage für uns ist folgende: Sollen wir in dieser von Raubtiergesetzen beherrschten kapitalistischen Welt auf zeitweilige Verbesserungen verzichten und das Uebel so schlimm als möglich werden lassen, oder sollen wir durch Reformen— wie Verstaatlichung der Eisenbahnen, Telegraphen, Lebens- und Feuerversicherung. Schutz der Arbeiterorganisationen, Fabrikgesetze usw., wie wir sie in Neu- seeland fordern und erlangen— die Andersdenkenden für unsere lieber- zeugung gewinnen? Wir in Neuseeland gehen den letzteren Weg. Er heißt: Evolution. Aber auch dieser Weg hat seine Schwierigkeiten: Wir haben die Fabriken in reinliche, angenehme Arbeitsräume verwandelt, Ivir sorgen für gute Löhne, gute Arbeitszeit, für die Gesundheit der Kinder und. Franc». Und was ist das Resultat? Abstumpfung gegenüber den wirklichen Problemen, verblendete, zu- friedeneBernhigung mit den bestehende» Verhältnissen; der Arbeiter wird mit seiner Lage zu frieden und ist geneigt, Tregear zu tadeln, weil sich dieser angeblich über ökonomische Dinge von geringer Bedeutung aufrege.— Nur wenn ich den Leuten zeige, wie sie be- raubt werden, verlieren sie das„angenehme Feierabendgefühl" und gehen zur Wahlurne, um für die Arbeiterpolitik zu stimmen. Wann, wann, wann wird das Volk lernen, daß der Republikaner nichts ist, daß der Demokrat nichts ist, mid daß eS wirklich nur einen einzigen Streitpunkt gibt: zwischen dem Räuber und seinem O p s e r! Und daß der Wahlzettel die beste Waffe ist l"— GcwcrhrchaftUcbeö* Die Geistlichkeit und der Streik. In der Passauer„Theologisch-praktischen Monatsschrift". Zentralorgan der katholischen Geistlichkeit in Bayern, vcr- öffentlicht der August iner Pater Jordan(Freising) einen Artikel über katholische Arbeitervereine und christliche Gewerkschaften. Der Verfasser verlangt darin, daß der Geistliche die Berechtigung der christlichen Gewerkschaften nicht bloß theoretisch anerkennen, sondern sie auch 'aktisch fördern und unterstiitze» soll: „Wenn wir es dem Geistlichen nicht verargen, sobald er zur Gründung christlicher Baueruvereine nicht bloß die Hand bietet, sondern geradezu oft selber die Anregung gibt, oder wenn er den verschiedenen bürgerlichen Genossenschaften seine Kräfte zur Ber- fügung stellt, dann kann man es nicht als„guten Rat" bezeichnen, wenn man einem Konfrater zumutet, er solle sich nicht um diese„schwarzen Sozialdemokraten" kümmern. ES ist darum total verfehlt, wenn ein Prediger ans der Kanzel vor sehr vielen Ar- beitern den Ausspruch tut, sie könnten mit ihrem Lohn zufrieden sein, sie sollten mit ihrem Gelds sparsamer um- gehen und nicht zubiel in das Bierglas schauen. 1 zuschaffen. Nach längerer Aussprache gelangte hierzu folgende diesem Jahre eine Verbesserung ihrer nicht allzu rofigen Lage Ich hörte diese Worte selber mit an. Den anwesenden Sozialisten Resolution zu einstimmiger Annahme: war das ein willkommener Brocken, in ihren Versammlungen herbeizuführen, dann heißt es für fie: Hinein in die Organisation, konnte man hören: die Geistlichen haben jahrelang herumIn Anbetracht dessen, daß es immer noch verschiedene Firmen hinein in den Zentralverband der Handels-, Transport- und Vergestritten und ganze Zeitungsnummern mit ihrer Aufbesserung gibt, die dem Werkzeugmacher das zur Fabritation nötige Maß- fehrsarbeiter. Die Aufnahme neuer Mitglieder erfolgt jederzeit ausgefüllt, uns wirft man ein berechtigtes Streben nach Verwerkzeug, wie Schublehren, Mikrometerschrauben usw., nicht zur Engel- llfer 15, Zimmer 18-17. besserung unserer miserablen Lage von der Kanzel herab vor. Ich Verfügung stellen, beschließt die Versammlung, darauf hinzuwirken, daß in Zukunft die Haltung von Privatwerkzeugen aufhört und gestehe, daß es für einen in einer sozialdemokratischen Verfammlung anwesenden Geistlichen keine peinlichere Situation geben fann." " = bezahlt. Nach einer regen Aussprache wurde einstimmig beschlossen: „ Die Versammlung verpflichtet sämtliche Kollegen, den Fabrikanten bis spätestens Mittwoch ihre Forderungen durch den Fabrikausschuß zu unterbreiten, mit der Maßgabe, daß den Fabrikanten anheim zu geben ist, bis Ende der Woche eine Grflärung dazu abzugeben." Lohnbewegung der Ballschuhmacher. Der Frage einer a IIdie Lieferung sämtlicher benötigten Werkzeuge vom Arbeitgeber gemeinen Verbesserung der Lohnverhältnisse verlangt wird. Dieses Verlangen rechtfertigt sich umsomehr, der Ballschuhmacher, die seit etwa zehn Jahren ruhte, sind die BallDer Verfasser erkennt auch als letztes Mittel bei den als es die heutigen Löhne und Lebensbedingungen den Werkzeug- schuhmacher Berlins neuerdings wieder näher getreten. VertrauensBestrebungen der Arbeiter um Aufbesserung ihrer Lage den machern nicht gestatten, sich diese teueren Hülfswerkzeuge selbst zu männerfizungen fanden statt und eine Lohnkommission wurde gekaufen, es aber auch andererseits eine einfache Pflicht des Arbeit wählt, die einen Minimallohntarif ausgearbeitet hat. Dieser soll Streit als berechtigt an. Den christlichen Gewerkschaften, gebers ist, dem Arbeiter alle Hülfswerkzeuge zu liefern, da es doch eine Richtschnur geben für das, was von den einzelnen Fabrikanten so meint er, könne man so bald nicht den Vorwurf machen, in erster Linie im Interesse des Arbeitgebers liegt, genaue und zu fordern ist. Nachdem sich damit Fabrikfonferenzen beschäftigt daß sie leichtfertig streiten: Die Führer Die Führer der christlichen präzise ausgeführte Arbeit hergestellt zu bekommen. haben, nahmen die Berliner Ballschuhmacher am Montage in ihrer Gewerkschaften befizen hierin soviel Gefeßestenntnis, dringenden Notfällen Ueberstunden zu machen, Nach dem Referat Hammachers und den Ausführungen der Ferner wurde den Mitgliedern der frühere Beschluß, nur in Gesamtheit in gutbesuchter öffentlicher Versammlung dazu Stellung. Klugheit, Tatt und christlichen Gerechtig nochmals in Erinnerung gebracht, da in einigen Betrieben jener Diskussionsredner ist die Erhöhung der Löhne eine dringende Notteitssinn, daß die Arbeiterschaft ihnen vertrauen fann." Beschluß nicht strikte innegehalten worden ist. Wenn nun alle diese Voraussetzungen zutreffen: wenn wendigkeit. Hinzu kommt, daß jetzt derselbe Artikel in den verdas Streben der Arbeiter nach Besserung ihrer Daseinsschiedenen Betrieben äußerst verschieden bezahlt wird, was auf eine Die Berliner Zwischenmeister mehr einheitliche Regelung durch einen Minimaltarif hindrängt. bedingungen berechtigt ist, wenn ihnen das Recht der sind in die eigentümliche Lage gekommen, statt im Intereffe des Gefordert wird auch ein Platzgeld für die Hausarbeiter von 1 M. Koalition und des Ausstandes zusteht, wenn die Gesetzes- Kapitals die Ausbeutung der Arbeiter zu besorgen, selbst gegen das pro Woche, d. h. eine Entschädigung dafür, daß der Arbeiter dem tenntnis, die Klugheit und der Taft die Gerechtigkeit eines Kapital Front machen zu müssen. Solange die Arbeiter und Ar- Fabritanten in seiner eigenen Behausung den Arbeitsplatz vorhält. Ausstandes der christlichen Arbeiter verbürgen, und wenn bei beiterinnen der Konfektion und verwandter Berufe sich willig von Ferner verlangt man Bezahlung der Zutaten( Stifte usw.), welche alledem die Geistlichen die Pflicht haben, die christlichen Ge- den Zwischenmeistern ausbeuten ließen, hatten diese fein Intereſſe von den Arbeitern gehalten werden und die man ihnen jeht nicht werkschaften zu fördern und zu unterstüßen was wäre aus an der Aenderung der Verhältnisse. Als aber die Arbeiter der in alledem die unausbleibliche Folgerung? Doch ohne Zweifel Frage fommenden Berufe sich mehr und mehr organisierten und das eine: daß die Geistlichen erst recht in der Stunde des der Ausbeutung einen Damm setzten, mußten die Zwischenmeister, Kampfes, also des Ausstandes, sich auf die Seite der um nicht zwischen zwei Steinen zermahlen zu werden, sich gegen Arbeiter stellten. Aber diese Folgerung zieht der Herr die Preisdrückerei seitens der Großunternehmer wenden. Die Pater nicht, im Gegenteil, er meint: Zwischenmeister der Konfektion sehen sich sogar genötigt, mit ihren Arbeitern zu diesem Zwede gemeinsame Sache zu machen. Aehnliche Verhältnisse herrschen in der Belzwarenbranche, wo sich die 3wischenmeister zu dem Verein selbständiger Kürschner zusammen geschlossen haben. Dieser Verein ist schon in einen Kampf um das Der Gasarbeiterstreik in Stettin erregt in der dortigen Koalitionsrecht gedrängt worden. Die Firma Joke u. Co. hat Arbeiterbebölferung große Erbitterung gegen die Direktion der Die praktische Förderung und Unterstützung der christlichen den Kürschnern, welche außer dem Hause für sie arbeiten, einen Gasanstalt. Wie jest nämlich bekannt wird, ist einer größeren Gewerkschaften durch die Geistlichen besteht also darin, daß die Revers vorgelegt, worin sie sich verpflichten sollen, bei einer Anzahl von Arbeitern die seit vielen Jahren in städtischen Diensten gefalbten Herren die Arbeiter in der Stunde der Konventionalstrafe von 500 Mart dem Verein nicht standen, eröffnet worden, daß von ihrer Wiedereinstellung Not im Stiche lassen, daß sie gerade dann, mehr anzugehören und ihm auch nicht beizutreten. Die Organi- abgesehen werde. Diese Maßregel iſt um so verwerflicher, wenn den Arbeitern Hülfe und nötigsten ist, versagen und mit verschränkten Armen bei stehenden Organisationen, nicht bloß in Berlin, sondern auch in jederzeit für den Ausbau der Organisation eingetreten sind. Es am fation der Hausindustriellen wird nun alle in der Branche be- als die Leute gute Zeugnisse über ihre Führung und Leistungen in aufweisen können und weiter nichts verbrochen haben, als daß fie feite treten unbekümmert darum, ob die ob die Arbeiter Hamburg, dafür zu interessieren suchen, der Firma den Beweis geht hieraus flar hervor, daß die Gasanstaltsverwaltung es für die beste Sache auf der Welt: für die Milderung ihres zu liefern, daß man das den Arbeitern gewährleistete Recht ihnen lediglich auf die 3ertrümmerung der Organisation Elends, für ihr Recht und ihre Menschenwürde kämpfen. Der nicht ungestraft schmälern darf. Vorläufig hat der Berein selb- abgesehen hat. Unser Genosse Stadtverordneter Storch hat sich Herr Pater hält es sogar noch für nötig, die Geistlichen zu ständiger Kürschner" über die Firma Joke u. Co. die Sperre an die städtische Gasdeputation mit folgendem Schreiben warnen, etwa gegen die Arbeiter Partei zu nehmen und verhängt! sich auf die Seite des Kapitals zu stellen! Man sieht, welcher " In Anbetracht der Vorkommnisse auf der Gasanstalt und Verlaß auf die Vertreter der christlichen Nächstenliebe", auf der damit verbundenen nur teilweisen Beleuchtung der die angeblichen Freunde der Armen und Bedrängten ist, wenn Straßen Stettins beantrage ich eine möglichst schnell einzu es gilt Farbe zu betennen! berufende Deputationssitung." Die allerschwierigste Stellung hat der Geistliche bei einem Streif. Hier handelt er am besten, wenn er nicht in den Kampf eingreift, sondern sich neutral verhält. Vor einem hüte er sich ganz besonders: vor der Stellung nahme gegen die Arbeiter." -G Berlin und Umgegend. An die organisierte Arbeiterschaft und an die Kartelle! Die Kohlenarbeiter und Kutscher Berlins befinden sich seit über drei Wochen in einem Streit, welcher von den Kohlengroßhändlern in frivolster Weise heraufbeschworen ist. Die Löhne auf den Kohlenpläßen sind die denkbar erbärm I ich sten und die Arbeitsverhältnisse spotten einfach jeder Beschreibung. So erhielten die Arbeiter einen Lohn von 37 Pf. pro Stunde und die Kutscher einen solchen von 25-27 m. pro Woche, bei einer Arbeitszeit von 14-16 Stunden pro Tag. Für diesen Lohn haben die Arbeiter und Kutscher eine unmenschlich schwere Arbeit zu leisten. Dieselben haben den ganzen Tag, von früh bis spät, 1. bis 2 3entner schwere, mit Kohlen gefüllte Körbe und Kästen zu schleppen. Dazu kommt noch, daß auf den meisten Bläßen keinerlei Vorrichtungen getroffen sind, durch welche den Arbeitern, die bei ihrer schweren Arbeit oft in Schweiß gebadet, Schuß ihres Körpers gegen die gesundheitsschädlichen Witterungseinflüsse geboten werden fönnte. Heizbare Räume fehlen fast überall. Wascheinrichtungen, welche mit Rücksicht auf die schmutzige Kohlenarbeit unbedingt erforderlich sind, fehlen auf den Pläßen ebenfalls. Die Ausständigen forderten deshalb neben einem einigermaßen auskömmlichen Lohn von 45 Pf. pro Stunde für Arbeiter und 30 M. pro Woche für Kutscher, auch Beschaffung von heizbaren Räumen und Waschgelegenheit. " Die Arbeiter an den Holzbearbeitungsmaschinen versammelten sich am Montagabend im Gewerkschaftshause. Die Versammlung besprach nach Bekanntgabe des Resultats der Urabstimmung über den Uebertritt zum Holzarbeiterverbande, als zweiten Bunft der Tagesordnung die Stellungnahme der Branche zur Kündigung des Vertrages und gab ihre Zustimmung zu derselben für den 15. Oktober. Man war allgemein der Ansicht, daß ein neuer Vertrag bessere Verhältnisse für die Holzarbeiter verbürgen müsse, sonst wäre es besser, vorläufig ohne Vertrag auszukommen. Ein dahingehender Antrag wurde gegen wenige Stimmen angenommen. ab. Die Angestellten der Milchfirma Bolle hielten am Dienstag nachmittag eine Betriebsbesprechung im Moabiter Gesellschaftshause Die Kutscher und jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen waren zahlreich erschienen; über 500 Personen füllten den Saal. Was zlawiat vom Transportarbeiterverband hielt den Jungen und Mädchen einen Vortrag über Zweck und Nußen der Jugendfich als Mitglieder einer Jugend- Sektion einschreiben ließen, berat organisation. Während dann die jungen Leute in einem Nebensaal fchlagten die Kutscher in einer vertraulichen Besprechung, welches Verhalten sie der Firma Bolle gegenüber beobachten wollen. Es ist in den letzten acht Tagen gelungen, die große Majorität der Kutscher zu organisieren. Von 260 haben sich 210 in den Verband aufnehmen lassen. Alle waren erbittert über die Maßregelung eines Kutschers, der mutig als erster seinen Namen in eine der Firma vorgelegten Liste derjenigen eingezeichnet hatte, die Lohnforderungen an die Firma stellen wollten. Er wurde entDie Kutscher erhielten 2, 3 und 4 Mark Zulage pro Woche und die laffen, aber gleich darauf wurden die Löhne erhöht. Jungen und Mädchen, die ebenfalls unzufrieden waren, 2 Mark. Der Lohn der Kutscher betrug bisher 24 Mart pro Woche, die Jungen und Mädchen erhielten 8,50-11 Mart. Von diesem Lohn tamen aber gewöhnlich verschiedene Strafgelder in Abzug.- Der Geist des Widerstandes, der plöglich unter den Angestellten erwacht ist, wird natürlich Herrn Bolle sehr unangenehm sein, um so mehr, als er durch eine eigene Kirche und einen eigenen Pastor seine Sonnabend unterweisen ließ. Arbeiter in christlicher Demut und Ergebenheit regelmäßig jeden Zum Streit der Kohlenarbeiter. Mit einem begeistert ausgebrachten Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung schloß die Versammlung. gewandt: Deutsches Reich. Ebenso hat er bei der Deputation der Feuerwehr Beschwerde geführt, indem er folgendes geltend machte: Durch die Abkommandierung von 13 beziv. 16 Feuerwehrleuten nach der Gasanstalt ist die Sicherheit der Stadt gegen Feuersgefahr in Frage gestellt. Des ferneren muß darauf hingewiesen werden, daß die Feuermänner Beamte sind, die bei eintretender Invalidität Pension erhalten. Es muß deshalb Aufgabe der Deputation sein, die Gesundheit der Feuerwehrleute möglichst zu schonen. Die schwere Arbeit vor den Retorten der Gasanstalt zu verrichten, ist aber keineswegs geeignet, hier fördernd einzugreifen. Im Interesse der Stadt protestiere ich deshalb in meiner Eigenschaft als Deputationsmitglied entschieden dagegen, daß Feuerwehrleute auf der Gasanstalt beschäftigt werden. Um einen Beschluß der Deputation über diese Beschäftigung der Feuerwehrleute herbeizuführen, bes antrage ich die möglichst fofortige Anberaumung einer Depu tationssizung." Husland. Der Streit der Kohlengräber in Böhmen. In am Montag in den Ortschaften Bruck, Kommern und Kopizz abgehaltenen Versammlungen der Bergarbeiter sprachen sich die Redner für den Streit aus. In Bruck wurde ein Arbeiter aus dem rheinischen Kohlenrevier, der 90 Arbeiter angeworben hatte die Grenze geschafft. und mit diesen abreisen wollte, angehalten, ausgewiesen und über Gerichts- Zeitung. Arzneischwindel. Wegen fortgesetten unlauteren Wettbewerbes ist am 15. Dezember v. J. vom Landgerichte Hagen i. W. der Heilgewerbetreibende Julius Overmann zu einer Zusatzgefängnisftrafe und 1000 M. Geldstrafe verurteilt worden. Er sandte an Zeitungen Inserate, in welchen es hieß: Hautkrankheiten, Flechten, Beinleiden und eine ganze Reihe von Flechten behandelt nach eigener bewährter Methode ohne Berufsstörung usw. Overmann, Nichtarzt. Die Revision des Angeklagten ist vom Reichsgerichte am Montag als unbegründet verworfen worden. Streifenden ohne weitere Zugeständnisse, des Streifens daß 67 Kahnladungen Kohlen auf Arbeiter warten. Bereinzelt haben Letzte Nachrichten und Depeschen. Achtung, Hausbiener der Konfektions- und Stoffbranche! Echt russisch. Frankfurt a. M., 11. September. Aus Petersburg wird unterm 7. d. M. geschrieben: Die Reichskontrolle hat Unterschlagungen in Höhe von 7 Millionen Rubel entdeckt. Es handelt sich um Operationen beim Bau von Chausseen und Wasserwegen im Gouvernement Wilna. Zur Zeit der Unterschlagungen war Chef der Verwaltung der Wasserwege B. Jwanitzki, Minister der Wegekommunikation war Fürst Schilkow. Gegen Arbeiterschuh. Diese Forderungen, welche jeder vernünftig Dentende als durchaus bescheiden und berechtigt anerkennen muß, sowie den Wunsch, mit einer Kommission der Arbeiter in der Sache zu verHandeln, lehnten die Unternehmer kurzerhand ab. Wer streifen will, fann streiken, war die Antwort der Kohlengroßhändler. Auf diese Provokation legten am Montag, den 20. August, über Bergebens erwarten die Kohlengroßhändler, daß die Reihen der 1100 Kohlenarbeiter und Kutscher einmütig die Arbeit nieder. Streifenden wankend werden. Von verschiedenen Betrieben wird Wiederholte bei dem Einigungsamt des Berliner Gewerbegerichts gemeldet, daß die Arbeitswilligen oft so schnell wieder davonlaufen, angebahnte Verhandlungen sind von den Unternehmern wie sie gewonnen werden. Ein Schiffer, der in der letzten Verabgelehnt worden, weil sie der Annahme sind, daß die sammlung der Streifenden( Dienstag morgen) erschien, teilte mit, fich Streifende verleiten lassen, die Arbeit aufzunehmen, aber die müde, auf die Plätze zurückkehren werden. Die große Masse hält fest zusammen. Verschiedene Großhändler kamen streifenden Arbeiter und Kutscher dagegen sind gewillt, nicht gestern wieder zur Beratung zusammen. Für manchen Kleinen eher die Arbeit wieder aufzunehmen, bis ihnen kapitalisten wird die Lage immer bedenklicher, was die größeren seitens der Kohlengroßhändler menschenwürdige Arbeits- natürlich mit einem heimlichen Vergnügen sehen. berhältnisse und ein Lohn gewährt wird, mit dem sie sich selbst und ihre Familie halbwegs ernähren können. Der Streik steht für die Arbeiter und Kutscher günstig. Ob- Die bon seiten des Zentralverbandes der Handels-, Transportgleich die Unternehmer alle Anstrengungen machen, Arbeits- und Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands, Ortsverwillige zu erhalten, ist ihnen dies nur in ganz minimaler waltung Berlin I, Engel- Ufer 15, im Frühjahr unter den HausWeise gelungen. Selbst Polen und Galizier, die der deutschen ringung besserer Lohn- und Arbeitsverhältnisse hat den ersten dienern der Konfektionsstoffbranche eingeleitete Agitation zur ErStuttgart, 11. September.( W. T. B.) Der hier tagende Sprache nicht mächtig sind, werden eingestellt, um dadurch die Erfolg gezeitigt. Die Kollegen der Firma David u. Co., Fischer- 21. Delegiertentag des Innungsverbandes deutscher BaugewerksStreifenden wankelmütig zu machen. Da aber alles nichts nügt, brüde, haben, nachdem sie sich alle teilweise im Verbande, teilweise meister nahm in seiner heutigen Sizung mit großer Mehrheit eine haben die Kohlengroßhändler jest ihre Hoffnung auf die im Herbst im Verein organisiert hatten, dem Unternehmer Forderungen unter- Resolution an, in der gegen die von der Reichstagskommission vorzur Entlassung kommenden Reservisten gesezt und hoffen, daß fie breitet, die anfangs nur einige geringe Aufbesserungen enthielten. gesehene zuziehung von Arbeitern zur Baukontrolle Protest erdurch diese ihre Betriebe wieder in Gang bringen können. Als eine Einigung zwischen dem Unternehmer und seinen HausDie unterzeichnete Lohnkommission wendet sich deshalb an alle dienern nicht erzielt werden konnte, griffen die Vertreter beider Arbeiter und Kutscher mit der Bitte, die Kohlenarbeiter Berlins Organisationen ein und es wurde ein Lohntarif geschaffen, der im in ihrem schweren Kampfe um Erringung befferer Lohn- und wesentlichen folgende Bedingungen festsept: Der Anfangs Iohn beträgt pro Woche 24 M., steigt nach einem Arbeitsbedingungen zu unterstützen. Insbesondere erwarten die Monat auf 25, nach einem Jahre auf 26 M. und dann weiter von Streifenden, daß jeder einzige, welcher in der Lage ist, die Jahr zu Jahr um eine Mark bis zum Höchstlohn von 30 M. Für jungen Reservisten im boraus bon dieser Bersonen unter 21 Jahren sind Löhne vorgesehen, die mit 17 M. Situation zu unterrichten, dies zu tun und mit dafür pro Woche beginnen und bis zu 21 M. steigen. Die Arbeitszu sorgen, daß sich dieselben nicht als Verräter an dieser gerechten zeit dauert von 28 Uhr früh bis 8 Uhr abends mit UnterSache gebrauchen lassen. brechungen durch eine zweistündige Mittagszeit und zwei Pausen von je 20 Minuten für Frühstüd und Vesper. Weihnachtsgratififationen werden nicht gewährt, dagegen ist eine Bezahlung der Ueberstunden- und Sonntagsarbeit vorgesehen. Nach einer Zätigfeit von einem halben Jahre wird ein Urlaub von 3 Tagen, nach Mit Hülfe der Organisationen haben also die Hausdiener dieser Betriebe Lohnaufbesserungen von zwei bis fünf Mark pro Woche errungen. Bedauerlicherweise hat sich einer von ihnen bis jetzt den Bestrebungen seiner Mitarbeiter ferngehalten und konnte Riga, 11. September.( W. T. B.) In der Nähe des Deutschen in seiner" Demut" vor dem Unternehmer sich nicht entschließen, sich Theaters schoß eine Gruppe unbekannter Personen auf die Schutzeiner Organisation anzuschließen. Wenn den übrigen Hausdienern leute, diese erwiderten das Feuer. Fünf Personen wurden ver aus der Stoff- und Konfettionsbranche daran liegt, auch noch in wundet und mehrere der Angreifer verhaftet. Die beste Unterstützung ist die, daß kein Arbeiter oder Kutscher, folange der Streit dauert, auf irgend einem Kohlenplay Arbeit annimmt. Hoch die Solidarität und hoch die Einigkeit! Alle Partei- und arbeiterfreundlichen Blätter werden um Ab- einjähriger Tätigkeit ein solcher von 8 Tagen bewilligt. bruck gebeten! Die Lohnkommiffion. J. A.: O. Nitschke. Die Werkzeugmacher( Metallarbeiter- Verband) befaßten sich in ihrer Branchenversammlung am Montag eingehend damit, den ber alteten Brauch der Haltung von Privatwertzeugen abhoben wird. Neue Vorstöße gegen die Erdpole. Brüssel, 11. September.( W. T. B.) In der heute abgehaltenen Schlußsibung des Polarforscherkongresses gab Charcot- Frant. reich bekannt, daß er binnen kurzem eine neue Expedition nach dem Südpol, und daß Benard, der Vorsitzende des Vereins für Meeresforschung, im Golf von Gascogne in gleicher Weise eine Expedition nach dem Nordpol auszurüsten gedente; beide Forschungsreisen würden zu gleicher Zeit stattfinden. Maffenverhaftungen. Warschau, 11. September.( W. T. B.) Bei einer in der vergangenen Nacht in einigen Straßen veranstalteten allgemeinen Haussuchung wurden Hunderte von Personen verhaftet, die keine Legitimation bei sich führten. Die meisten der Verhafteten sind Juden. Kampf gegen Polizisten. Berantp. Rebatteur: Hans Weber, Berlin. Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Gierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblat Nr. 212. 23. Jahrgang. " 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwoch, 12. September 1906. Zusammenbruch. " " 7 " " " " " lektüre er bildet " Die wärts" für nötig erklärten Diskussion des politischen Massenstreits Brütekalender. Außerdem drei Bilder: Der Bergmann spricht, weil der Vorwärts" es für einen parteischädigenden MassenAuswanderer Proletarierin. Zwei Dreifarbendrude auf Kunstpapier: Der Steinklopfer Ein streit Illusionismus hält, die Partei zur Erfämpfung des preußischen Heher am Amselnest. Wandkalender. Bahlrechts auf die Erklärung des Massenstreits nach Ablauf von Das Bochumer„ Boltsblatt" beschäftigt sich mit zwei oder drei Jahren in aller Form zu verpflichten! Wenn der vielseitig ist, daß er aus den verschiedensten Wissensgebieten Beiträge Bum Lobe des Kalenders darf gesagt werden, daß der Inhalt unferem Artikel„ Wahlrechtsbewegung und Massenstreit" in einer ein Genosse vom Bochumer„ Volksblatt" noch auf dem Standpunkt bringt und daß er Belehrendes und Unterhaltendes gefällig mischt. gehenden Polemit, der es die Ueberschrift zusammenbruch stände, auf dem er vor einem Jahre gestanden hat, so müßte und das Belehrende wird, wie das vom Kalender gefordert werden gibt. Diesen Zusammenbruch" konstruiert sich das Bochumer er, von allen sonstigen Meinungsverschiedenheiten ganz ab- muß, in unterhaltender Form vorgetragen. Als Unterhaltungsschrift " Boltsblatt" dergestalt, daß es behauptet, es gebe zurzeit, teinen gesehen, die ablehnende Haltung des Vorwärts" gegen das wird also der Kalender feine Aufgabe erfüllen. entschiedeneren Bekämpfer des Massenstreits als Frankfurter Projet energisch unterstützen! Denn daß in Manches zu wünschen übrig bleibt dagegen, wenn wir ihn unter politiſchen Kampfmittels wie den Vorwärts". Die Diskussion zwei oder drei Jahren die sozialdemokratische Stimmenzahl sich dem Gesichtswinkel des Parteikalenders betrachten. Der Neue Weltdiene ihm nur als Mittel zum Nachweise der Unanwendbar verdoppelt oder gar verdreifacht haben könnte, wird er doch schwer- kalender ſoll freilich nicht ein Werbemittel unter denen sein, die der feit des Massenstreits und als Propaganda mittel lich annehmen! Partei noch fernstehen. Diesem Zwecke dienen die unentgeltlichen zur Erwedung des Klassengeistes und des Der Genosse vom Bochumer Voltsblatt" betonte in seinem wiegend in ländlichen Distrikten verteilt werden. Agitationskalender, die alljährlich von den Parteiorganisationen vorDer Neue WeltIdealismus. Da sei es denn freilich rätselhaft, was damaligen Artikel„ Gewerkschaft und Partei" die Notwendigkeit falender wird von Parteigenossen getauft. Er braucht desdenn der Vorwärts" eigentlich an der Kölner Resolution aus der Erwedung des lassenbewußtseins. Nun, gerade halb nicht in das ABC des Sozialismus einzuführen, zusetzen habe. Auf diese Weise breche die reine Massen- der„ Vorwärts" hat immer und immer wieder auf die Notwendigkeit wenngleich er nicht ausschließlich für ausschließlich für erfahrenere Genossen streikdiskussion in sich zusammen, denn ein solches Diskutieren ins hingewiesen, die Massen zum Klassenbewußtsein zu erziehen. In den geschrieben sein soll, denn er gelangt auch in die Hände von Frauen Blaue hinein" hielten die Genossen auf die Dauer nicht aus. Auf Vorschlägen, eine politisch neutrale Wahlrechtsagitation und Jugendlichen. Im allgemeinen aber kann die Partei nur den diesem Wege komme man schließlich wieder dazu,„ sich auf den Kampf unter Zentrums- und Freisinnsangehörigen zu entfalten, oder in Anspruch an ihn stellen, daß er jenen Genossen, deren einzige Buchder Gegenwart zu befinnen". Und die Redaktion des Bochumer entschlossener Resignation" in zwei Jahren dem Freifinn das ihnen zur Festigung ihrer Ueberzeugung, zur Erweiterung ihres und deren gibt es große Scharen etwas gibt, ,, Voltsblattes" sei allerdings der Meinung, daß es viel nötiger sei, unter Verzicht auf sozialdemokratische Pro- Wissens über die Grundfäße und Anschauungen der Partei dienen um die Demokratisierung des Staatswesens au paganda Wahlhülfe zu leihen, Pläne, die, wie wir bereits fann. Er foll unterhaltend, in interessanter, gefälliger kämpfen, als darüber zu diskutieren, ob wir auf friedlichem oder hervorhoben, auch hinter dem Frankfurter Projekt zu stecken Form nicht bloß allgemeines Wissen, sondern auch sozialistisches unfriedlichem Wege in die sozialistische Gesellschaft gelangen würden. Scheinen vermag der„ Vorwärts" allerdings feine Propaganda Denken vermitteln. In dieser Beziehung müßte der Kalender mehr Die Behauptung, daß es keinen entschiedeneren Bekämpfer des für die Erweckung des Klassen bewußtseins zu erblicken. tun. In dem Heinemannschen Artikel über die Reform der StrafMassenstreiks gebe als den Vorwärts", ist von eigenartiger Oder ob der Verfasser des Artikels im Bochumer„ Voltsblatt" auf prozeßordnung und dem Zadekschen über Seuchengefahr und SeuchenKühnheit. Das Bochumer Boltsblatt" begründet diese Behauptung einem anderen Standpunkte steht?! verhütung fehlt allerdings nicht der Hinweis, daß eine gründliche damit, daß wir uns auf den Standpunkt des Genossen Hilferding Der leitende Redakteur des Bochumer„ Boltsblattes" irrt aber 2öfung der behandelten Fragen allein der Sozialismus verbürgt. gestellt haben, nach dem der Massenstreit nur als ein Kampfmittel auch durchaus, wenn er meint, unsere Auffassung decke sich mit der läßt den Leser, ohne lehrhaft zu sein, die ökonomischen Triebkräfte Cunoms Artikel„ Der Kampf um das Mittelmeer der Zukunft" bei entscheidenden Kämpfen zwischen Proletariat des Kölner Gewerkschaftskongresses. Der Beschluß des Kölner in der Geschichte erkennen, und der frisch und fesselnd geschriebene und Reaktion in Frage kommen kann. Dem gegenüber hul- Gewerkschaftskongresses sollte die Diskussion des politischen Massen- Aufsatz Die Karikatur und ihre Bedeutung" von Eduard Fuchs digt unser Bochumer Parteiblatt der Ansicht, daß die Jenaer Re- streits und die Bedeutung seiner in der historischen Tatsache verknüpft das Thema sehr natürlich mit einer Charakterisierung folution durchaus in Ginklang zu bringen sei mit dem bedes Klassenkampfes begründeten Notwendigkeit unter der politischen und sozialen Kämpfe unserer und früherer Zeiten. fannten Projekt der Frankfurter Volksstimme", binden. Das versicherte wenigstens noch mehrere Wochen nach Der Artikel Adolf Brauns über die französischen Gesellenorganisationen das die Partei darauf festlegen will, den politischen Massenstreit, dem Kölner Gewerkschaftskongresse das Organ des Maurerverbandes, im 18. und 19. Jahrhundert führt in solche Stämpfe direkt hinein eventuell bis zur„ Desorganisation des Staates", in dessen Leiter die Kölner Resolution bekanntlich eingebracht hatte. und wird die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Organisation zwei oder drei Jahren zur Anwendung zu bringen, falls bis Der„ Vorwärts" hingegen wünscht gerade die Diskussion des ſtärken. Won revolutionärer Tat und todbereitem Opfermut, von bahin eine friedliche Erringung des preußischen Wahlrechts keine Er politischen Massenstreits zur Erweckung des Klaffenbewußtseins! die lebendigen Schilderungen einzelner dramatischer Episoden folge gehabt habe. Die Ansicht des„ Vorwärts" hat also nach feiner Nichtung hin der russischen Revolution aus der Feder eines Augenzeugen und Nach den erschöpfenden Darlegungen des Genossen Kautsky, einen Zusammenbruch" erlitten. Wohl aber scheinen die Auf- Mitkämpfers. Was aber an Beiträgen über die sozialdemokratische die wir gestern zum Abdruc brachten, brauchen wir den politisch fassungen des Verfassers des Artikels„ Gewerkschaft und Partei" in- Bewegung selbst gegeben wird, das ist sehr dürftig. Am besten ist unreifen Jufionismus des Frankfurter Massenstreifprojektes nicht zwischen völlig zusammengebrochen zu sein. now der Artiler Ottilie Baaders über„ Sozialiſtiſche Frauenerst nochmals nachzuweisen. Wohl aber möchten wir an dieser agitation". Der Rückblick aber ist eine trockene und unvollständige Stelle feststellen, welch wunderbare Entwickelung sich Chronit, die manches Unwesentliche enthält und Wesentliches bermissen läßt. Hier muß die bessernde Hand angelegt werden bei dem leitenden Redakteur des Bochumer und billig darf man außerdem verlangen, daß der Kalender Volksblattes" in seiner Massenstreitauffassung außerdem wenigstens einen Artikel enthält, der, am besten im Ans seit einem Jahre vollzogen hat. Der Neue- Weltkalender für 1907, dessen Erscheinen wir schon schluß an Ereignisse der jüngsten Vergangenheit, einen Ausschnitt Am 9. Juni 1905 erschien im„ Vorwärts" ein Artikel:„ Geaus der sozialistischen Gedankenwelt gibt. Der russischen Revolution werkschaft und Bartei", der aus der Feder des jezigen leitenden fura angezeigt haben, hat folgenden Inhalt: Postwesen. Beachtenswerte Adressen. hätte außer den Episodenschilderungen eine zusammenfassende BeRückblick. Im trachtung gewidmet werden müssen. Messen und Märkte. Die Reform der Strafprozeß- Ordnung. Die Kritik liegt neben der Prüfung des Werkes als Kalender Von Rechtsanwalt Hugo Heinemann. Seuchengefahr und und als Parteischrift noch die Beurteilung vom künstlerischen GeSeuchenverhütung. Von Dr. J. Zadek( mit Illustrationen). sichtspunft aus ob. Das ist das bitterste Kapitel. Minna Kautskys Zwei Lieder im Volkston. Von Leo Heller. Ein Maifesttag. Novelle„ Ein Maifesttag" gehört zu ihren schwächsten Arbeiten und Nach dem Leben erzählt von Minna Kautsky( mit Illustrationen). unter den poetischen Beiträgen findet man nicht wenige, die den Wenn wir nicht mehr gütig sind. Gedicht von E. Preczang. Stempel: Gute Gesinnung, aber schlechte Verse" verdienen. Noch Der Kampf um das Mittelmeer der Zukunft. Von Heinrich schlimmer steht's mit dem Bilderschmuck. Die Zeichnungen zu der Cunow( mit Illustration). Die Karikatur und ihre Bedeutung, Kautskyschen Novelle und der Skizze von Thivars find ältester SchauerVon Eduard Fuchs( mit Illustrationen). Wir sind der Sieg. romanstil. In den Leitsägen, die die Genossen Schulz und Zetkin Gedicht von Ludwig Lessen. Moderne Kraftwagen. Von A. G. zum Thema Volkserziehung und Sozialdemokratie dem Mannheimer ( mit Illustrationen). Sozialistische Frauenagitation. Von Ottilie Parteitag vorlegen werden, steht der Satz: Baader. Lied der Vergleute. Von W. L. Die Kultur des„ Innerhalb der Partei ist der künstlerische Sinn zu erwecken Tabats. Von A. G. Grant( mit Illustrationen). Französische und zu pflegen durch die Ausstattung von Festschriften und Gesellenorganisation im 18. und 19. Jahrhundert. Von Adolf illustrierten Publikationen, durch die Herausgabe von MeisterSzenen bildern und künstlerisch wertvoller Unterhaltungsliteratur.. Nachtarbeit. Gedicht von Gustav Weber. " " Redakteurs unseres Bochumer Parteiorgans stamumt. In diesem Artikel wurde ausgeführt, daß die Diskussion neuer Kampfformen noch sehr verfrüht sei. Es hieß darin wörtlich: Man hat gespottet, daß die große deutsche Partei mit ihren drei Millionen Reichstagswählern nicht im stande ist, den Fortschritt in Deutschland entschiedener zu fördern als bisher. Mit Recht ist darauf hingewiesen worden, drei Millionen seien in Deutschland noch viel zu wenig, das Doppelte und Dreifache sei nötig. Ja, diese drei Millionen find zwar eine große Zahl, aber dennoch ist es richtig daß leider noch Millionen Proletarier ihre politischen Rechte so gering schäzen, daß sie entwiveder gar keinen Gebrauch davon machen, oder die offenen Feinde der Arbeiter wählen. Da ist allerdings, so wertvoll die Erörterung der Kampfformen ist, die Propaganda für die Erweckung des Klassenbewußtseins noch erheblich wichtiger. Die Klarste Erkenntnis von der Richtigkeit dieses oder jenes Kampfmittels und von den Formen seiner Anwendung bleibt wirkungslos, wenn in großen Massen noch jedes Klassenbewußtsein selbst mangelt." So urteilte im Juni 1905 derselbe Genosse über den politischen Massenstreik, der jetzt von einem Zusammenbruch" der vom„ VorDer 11. September in Tiflis. ( Erinnerungen eines faufafischen Revolutionärs). Aus der Partei. Kalendarium. Statistisches. Kreislauf des Jahres. Braun. -unmenschlichen Leiden und Heldenhaften Kämpfen erzählen " aus der russischen Revolution. Von J. H.( mit Illustrationen). Möge die Redaktion des Neuen Weltkalenders, gestützt auf diese -Unsere Toten( mit Porträts). Heilige Familie. Gedicht von Forderung, die der Parteitag zweifellos zu der seinigen machen wird, Ernst Kreowski. Fliegende Blätter. Das Armband. Satirische eine gründliche Reform des bilderischen Schmucks des Kalenders Sfizze von Michel Thivars. Autorisierte Uebersetzung( mit durchsetzen und endlich auch das abgebrauchte Klischee auf Seite 25, Illustrationen). Für unsere Rätsellöser. Trächtigkeits- und das den Kreislauf des Jahres" darstellen soll und das etwa bor Saal ungesäumt zu räumen. Jedermann war von dem Ernste der Situation überzeugt und plötzlich trat eine unheimliche Stille ein. Doch bald erscholl der Ruf: Wer den Saal berlassen will, gehe! Das Proletariat, die Arbeiter bleiben!" Und man sprach weiter. Nach einigen Minuten hörte man, wie den Saalzu- und durchgängen ein Zusammenstoß entstand, und man sah, daß Kosaten eingedrungen waren. Noch immer sprach der Redner. im Zidzad laufen, was selbstverständlich die Schnelligkeit unserer Flucht nicht gerade begünstigte. Manche fielen. Ich erreichte in einer Querstraße eine Droschte, die mich endlich den Kugeln der Verfolger entführte.Nur noch ein Wort über das Verhalten der Stadtverordnetenversammlung, die sich aus den kaukasischen Liberalen" zusammen feßt. Am Tage nach den Ereignissen erschien eine vom Stadtrat Wermischew unterzeichnete Proklamation, in der er versicherte, daß weder er noch die Stadtverordneten an der Bartholomäusnacht irgend welche Schuld trügen oder für sie verantwortlich sein dürften. Als ob sich nicht allein schon in der Veröffentlichung dieser Prokla mation das Schuldbeivußtsein scharf ausprägte! Es ist klar, daß wenn die Väter und Beschützer der Stadt" die Versammlung nicht verlassen hätten, die Mezelei nicht stattjedenfalls aber nicht in dem Maße, wie es tatgefunden hätte sächlich geschehen. Der Herr Wermischew schlief sicher ganz unbesorgt, während das Stadthaus umzingelt und gestürmt wurde. " Die glorreiche Schlacht hat 5/4 Stunden gedauert. Ihr graufiges Die niederträchtigen Unterdrückungsmaßnahmen der russischen Regierung gegen das Volk sind so bekannt, daß man kaum noch ein Ergebnis waren über 200 Tote und mehr als 300 Verwundete. Ein Bort darüber zu verlieren braucht. Besondere Beachtung aber ver- in großer Teil der Versammlungsteilnehmer wurde unter starker Bedeckung ins Gefängnis abgeführt. Die Leichen wurden natürlich dient doch ihre Taktik in den Grenzgebieten, namentlich im Kantajus: Die fünstliche Verhegung der Völker. das raffinierte Beeiner gründlichen Plünderung unterworfen und sodann auf Militärstreben, die nationalen Leidenschaften der Armenier und der Georgier Plößlich ertönte in den Korridoren eine dumpfe Salve! Die wagen fortgeschafft. zwei- In der Stadt entstand während der Nacht eine fürchterliche gegen einander auszuspielen, die Entfachung der wilden Instinkte Kosaten hatten die Zugänge geräumt und drangen nun in den Saal. Wie die Wahnsinnigen Panik. Mit aufgelösten Haaren liefen die Frauen zum Schlachtdes Tatarenvolles, die Mezeleien in Baku, die blutigen Greuel von hundert Mann start Nachitschewan und Eriwan wem wären diese traurigen Blätter schoffen sie nach allen Richtungen in die gestaute Masse, und plaze, um ihre Männer, ihre Söhne und Töchter zu suchen. Viele aus der Geschichte der russischen Revolution unbekannt geblieben? im Augenblic entstand ein unbeschreibliches schauderhaftes Bild: fanden sie nicht mehr. Die Administration hatte den Befehl gegeben, Durch eine Reihe energischer Proteste gegen die frevel- Die Masse war waffenlos dem Wüten der Bluthunde preisgegeben. eine große Zahl von Leichen in den Fluß Kura zu werfen, um die haften Maßnahmen der Regierung erkämpfte sich das Proletariat Ein jeder beugte sich, so weit die qualvoll fürchterliche Enge es zu- Zahl der Opfer der Wiegelei geringer erscheinen zu lassen! Noch von Tiflis zu Anfang September des Jahres 1905 endlich die ließ, instinktiv hinter den anderen, um den pfeifenden Kugeln zu wochenlang fand und fischte man Leichen aus dem Flusse, der vollMöglichkeit, die wahren Ursachen der Revolution vor einem entgehen. Ein wüstes Schreien und Brüllen erfüllte den Saal; nur ständig verpestet war. großen Zuhörerkreise bloßzulegen. Eine Gänsehaut überlief die das Knallen der Schüsse war durch den Lärm hindurch noch berlendenlahmen bürgerlichen Versammlungsteilnehmer, als die nehmbar. Der gedrängt vollgepfropfte Saal war vollständig mit fozialdemokratischen Redner die traurigen Verhältnisse des russischen Rauch gefüllt und nichts Bestimmtes mehr war zu erkennen. Proletariats, die Schandwirtschaft der Regierung zu besprechen Die zweihundert Mörder hausten wie wilde Bestien im Saale, alles niederknallend, hauend und-stechend. begannen. Der 11. September sah eine außerordentliche Versammlung. Da das Gebäude vom Militär umzingelt war, wäre es ein Mehrere tausend Arbeiter, Studenten und Leute aus der Intelligenz Leichtes gewesen, die ganze Versammlung gefangen zu nehmen. waren erschienen, so daß das Gebäude der Stadtduma, in welchem Das wollte man aber nicht, sondern man wollte schlachten und diese Versammlungen abgehalten wurden, vollständig überfüllt war den Freiheitsdurst in Blut erfäufen. und Tausende feinen Einlaß mehr finden konnten. Die Versamm Die Menge drängte natürlich über Leichen schreitend den AusTung wurde am Nachmittag eröffnet. Gegen Abend nahmen die gängen zu, wo sie von den Kosaken mit Säbelhieben empfangen Man hörte die Worte:" Haut sie träftiger, die Reden der Sprecher aus dem Volfe eine außerordentliche Schärfe an wurde. und es entstand eine starke Spannung zwischen den bürgerlichen und Hunde!" den proletarischen Versammlungsteilnehmern. Die tüchtigsten Agitatoren Für jedermann liegt aber klar auf der Hand, daß die Bourgeoisie Die Versammlungsteilnehmer, die auf den Ballonen Platz geund Vertreter der Arbeiter traten hervor und benutzten die Rede- funden hatten, wurden vom Saale aus beschossen und drängten an an dieser Schlacht direkt schuld hat. Drei Tage hindurch wurden freiheit, um das Volk gegen die Verbrechen der Regierung zu mobi- den Ballonzugängen wie die Schlachttiere durch die todbringenden Versammlungen abgehalten, und von der Regierung ward kein Versuch gemacht, sie aufzulösen. Sie hat vielmehr mit Absicht das lifieren und die Eiterbeulen des Selbstherrschertums vor der zahl- Säbelreihen der Kosaken. reichen Menge in flammenden Reden zu enthüllen. Die städtischen Ich selbst hatte schon mehrere Säbelhiebe erhalten, und die Proletariat provoziert in der Hoffnung, daß es nun seine besten Und sie hat sich Herren Abgeordneten, die bei jeder Gelegenheit das Gesez zitierten Kleider hingen mir in blutigen Feßen am Leibe, als ich plöglich Führer, Redner und Agitatoren vorschicken werde. Im entscheidenden Moment griff sie dann zu und und von„ Ordnung" fafelten, waren ganz bestürzt über das Feuer von einem bedrängten Haufen mit aller Gewalt gegen eine Glastür nicht getäuscht. der sozialistischen Redner; sie zogen sich nach kurzer Debatte in ein gestoßen wurde. Die Tür gab nach, und hinter mir stürzte vollführte wieder einen ihrer bekannten Schurkenstreiche. einen Raum, von dem aus eine Warum mußte aber gerade da die Bourgeoisie die Kämpfer Beratungszimmer zurüd und verließen heimlich ohne der ein Strom Menschen in Versammlung davon Mitteilung machen zu lassen das Ver- zweite Tür auf den Hof des Gebäudes führte. Glücklicherweise im Stich lassen und sie unbewaffnet und unvorbereitet den Flinten fammlungsgebäude. Die Versammlung wurde nach Abfingen der hatte man bergeffen, diesen Ausgang zu beseßen, und so gelangten und Säbeln der Barenknechte überliefern? Es ist nicht anders Marseillaise mit unbeschreiblicher Begeisterung von den Sozialisten wir auf den Hof, berfolgt von den wütenden Bestien. In ihrer denkbar, als daß die Bourgeoisie um die Pläne der Regierung hat und daß alle ihre späteren Entschuldigungen weitergeführt. Man sprach in verschiedenen Sprachen: Russisch, Verzweiflung fletterten die Leute, wie vom Wahnsinn befallen, an gewußt Das russische Proletariat, armenisch, georgisch. Als einer der Redner eine kurze Uebersicht den glatten Wänden empor, jedes Edchen und jede Rige benußend. ganz gewöhnliche Komödie sind. über die Greuel im Kautasus gab und die Rolle der Regierung Ich hatte trop der Dunkelheit bald das Gitter eines eisernen Tores bor allem das kaukasische, ist der festen Ueberzeugung, daß der erbittert schilderte, betrat plöglich ein Pristaw( Polizeileutnant) bemerkt. Mit Anspannung aller Kräfte kletterte ich mit affenartiger 11. September 1905 ein Provokationsaft der ruffischen Regierung den Saal und forderte die Anwesenden im Namen des General- Geschwindigkeit an dem Gitter hinauf, gelangte glücklich in im Bunde mit der Bourgeoisie war. Das honette Bürgertum vergouverneurs auf, auseinanderzugehen im Namen desselben die zweite Etage und sprang auf die Straße. Mir waren bald noch leugnet eben zu feiner Zeit und an feinem Orte seinen wahren Generalgouverneurs, der die Versammlungen erlaubt hatte! Das andere gefolgt. Natürlich hatten uns Kosaken bemerkt und der In Charakter als eine Gesellschaftsschicht, die den breiten Massen des erregte die ohnehin schon erbitterte Menge aufs höchste; man ließ stinkt sagte uns, daß jeder Augenblic Zögerns uns das Leben kosten Voltes gegenüber jede Unterdrückung und Vergewaltigung durch die die Aufforderung unbeachtet und setzte die Versammlung fort. Nach würde. Wir rasten durch die Straße. Die Kugeln der Verfolger um- Regierung für erlaubt und lobenswert hält. etwa 5 Minuten erschien der Leutnant nochmals und befahl, den pfiffen uns. Um ihnen ein schlechtes Ziel zu bieten, mußten wir dreißig und mehr Jahren bürgerliche Kalender geziert hat, m den verdienten Ruhestand versetzen._ Ein neues Wochenblatt. In Offenburg(Baden) ist am Sonntag die erste Probenummer des„Bol!sblatt'' erschienen und in einer Auflage von SOOS Exemplaren unter der Arbeiterschaft des k. und 7. Wahlkreises verbreitet worden. In dem vom Genossen Ad. Geck verfaßten Prospekt heißt es: Für unser großes Arbeitertagblatt, den„Volks freund", soll dieses Wochenblatt der beiden ortenauischen ReichStagSwahlkreise ein Pionier sein. Jenen wird sich später mancher Leser des Wochen- blattes zuwenden, der durch seinen sonntäglichen„Hausfreund" an- geregt worden ist, die Politik des Tages Zug um Zug zu verfolgen. Und von den Lesern des„Volksfreund" erwarten wir, daß sie dem bewährten Kämpfer ihre alte Treue fernerhin bewahren. Eine zweite Probenummer erscheint am 22. September. poUzeUichcs( Pmchtliches ulw. Redakteurfreuden. Genosse Riem von der„Sächsischen Arbeiterzeitung" zu Dresden ist einer dringlichen Einladung des Staatsanwalts in die Strafanstalt zu Bautzen gefolgt, wo er durch sechsmonatliche Zurückgezogenheit die Veröffentlichung einer Skizze büßen soll, in der die sächsische Justiz eine Beleidigung der Leitung des � Dresdener Garnisonlazarctts fand. Der literarische Sachverständige erklärte zwar, daß besagte Skizze eine künstlerische Arbeit, ein Stimmungsbild sei, und also selbstverständlich keine Tat- fachen behaupte, die in einem konkreten Militärlazarett passiert seien. Die Strafkammer unter Leitung des bekannten Dr. Becker ging über dieses Gutachten kühl hinweg. Der Verfasser, Genosse Wendel- Chemnitz erhielt später, wohl in Anbetracht seiner damals noch vorhandenen Unbescholtenhcit, vom selben Gerichte 800 Mark Geldstrafe zudiktiert. Immerhin war der Abstand zwischen den beiden Urteilen so groß, daß Genosse Riem ein Wiederaufnahmeverfahren zu erlangen versuchte, indem er den Beweis anbot, daß er die Skizze vor der Veröffentlichung nicht gelesen habe, also höchstens wegen Fahrlässigkeit verurteilt werden könne. Die Anträge wurden aber in allen Instanzen ab- gelehnt und so muß Genosse Riem die sechs Monate absitzen. Möge er sie gut überstehen. Soziales. Patriotische Gemütsticfe. Am Montag spielte sich vor dem Landgericht in Weimar ein Prozeß ab, der für die Herzlosigkeit„patriotischer" Kreise und für die Notwendigkeit einer Reform des UnterstützungSwohnsitzgesetzes ein beredtes Zeugnis ablegt. Angeklagt waren acht Agrarier, einschließlich des Bürgermeisters aus dem wei- marischen Dörfchen Teutleben, wegen Aussetzung eines alten Hülflosen Mannes. Teutleben ist ein Dorf mit etwa 400 Einwohnern. ES gilt als ein hervorragend patriotischer Besitzstand der staatserhaltendcn Parteien. Fast stetS wurden bei der Reichstagswahl geschlossen 30 bis 40 agrarische gegen eine sozialdemokratische Stimme ab- gegeben. Bei diesen staatserhaltcnden Ortsbewohnern wanderte Ende November 1903 ein alter gebrechliche-. Handwerks- bursche zu. Derselbe war kurz zuvor aus dem Buttstädter Krankenhause als geheilt entlasten. Daß man es eher mit einer gegenüber Handwcrksburschen so beliebten„Abschiebung" zu tun hatte, ergibt der Umstand, daß der alte Handwerksbursche in Teut- leben kraftlos in einem Bauernhofe zusammenbrach. Der Bürgermeister, dem hiervon Mitteilung gemacht wurde, be- auftragte den Gcmeindediener, den Schwerkranken nach dem Gast- Hof zu schaffen. Dieser Aufforderung kam aber der Gemeindediener nicht nach. Am anderen Morgen fand man den alten Handwerks- burschen noch viel elender in einer Gosse liegen. Der Gemeinde- diener entschuldigte sich damit, daß er den Kranken nicht gefunden habe. Nunmehr blieb den„staaiSerhaltenden" Menschenfreunden nichts anderes übrig, als den Todkranken in das Gemeindearmen- Haus aufzunehmen und dort zu verpflegen. Wie die„Pflege" aus- gefallen sein mag, läßt sich nach alledem denken. Acht Tage später fand im Orte eine Versammlung der V i e h» Halter statt. Bei dieser Gelegenheit kam die Sprache auch auf die„Last", die der Gemeinde durch die Verpflegung des alten schwerkranken Handwerksburschcn auferlegt sei. In regelrechter Be- ratung sprach man sich nun darüber aus, wie man sich am leichtesten von dieser Last befreien könne. ES wurde allen Ernstes empfohlen, den armen alten Mann auszuräuchern, daS heißt, es sollten die Ofenlöcher verstopft werden. Mit diesem „liebevollen" Vorschlage konnte sich aber der Bürgermeister nicht einverstanden erklären, weil die Gefahr einer Erstickung doch zu groß wäre, besser sei es schon, wenn derHandwerks» bursche wo anders gefunden würde. Schließlich faßte man den Beschluß, den Schwerkranken noch in derselben Nacht zu verschleppen. Der Bürgermeister wollte, daß dies erst am anderen Tage geschehen sollte, und gab den Schlüssel zum Armenhause nicht heraus. Er ließ aber die übrigen sieben Angeklagten ruhig gewähren, als einer von ihnen die Tür erbrach und der alte Mann auf einen herbeigeschafften Wagen geladen wurde. In winterkalter Nacht— es hatte geschneit— wurde der Arme eine halbe Stunde weit vom Orte weg ineineroffenen Feldscheune abgeladen. Fünf Tage später fand man den Alten tot in der Feld» s ch e u n e. Ob er noch in derselben Nacht gestorben war, konnte nicht mehr festgestellt werden. Der Gendarmerie kam die Geschichte verdächtig vor. Sie forschte nach, konnte aber lange Zeit nichts erfahren, da die An- geklagten reinen Mund hielten und der Bürgermeister natürlich den Gendarmen nicht im geringsten unterstützte. Der Staatsanwalt beantragte für jeden Angeklagten eine Strafe von einem Jahre Gefängnis, da es sich um eine unglaubliche Roheit handele. Strafmildernd fei nur der Um» stand, daß nicht nachgewiesen werden könne, daß der Tod des alten Mannes eine direkte Folge der Aussetzung sei. Das Urteil lautete gegen sieben Angeklagte, unter denen sich auch das Dorfoberhaupt mit befand, auf je fünf Monate Gefängnis. Ein Angeklagter wurde freigesprochen, weil ihm nicht nachzuweisen war, daß er von der beabsichtigten Aussetzung Kenntnis gehabt habe. Die barbarische Roheit, die bei der Ausführung des Ver« brechens an den Tag gelegt wurde, ist offensichtlich durch die Mängel unseres Unterstützungswohnsitzgesetzes mitveranlaßt, das auf agrarischen Wunsch hin kleinen Verbänden an Stelle der Gesamt- heit die Lasten einer Unterstützung auferlegt. 60 Pfennig pro Tag für Kost und Logis eines HandlungSgehülfen. Ein Hallenser Kaufmann war vor dem dortigen Kaufmanns- gericht von seinem früheren Gehülfen verklagt worden aus Zahlung von 50 Mark Gehalt und 31 Mark Entschädigung für Kost und Logis und sonstige entstandene Unkosten. Der HandlungSgehülse war wegen allzu liebenswürdiger Titulationen. wie:„traurige Klamotte, elender Kriecher, erbärmlicher Kerl" und dererlei mehr aus der Stellung ausgetreten. Dieser nabele Herr von Arbeitgeber entschuldigte vor Gericht sein Benehmen damit, daß er sagte: „Für umsonst haben wir doch die deutsche Sprache nicht". Derselbe Herr meinte, d a ß 60 Pfennig als Eni» fchädigung für Kost und Logis völlig ausreichend feien. Der Klageantrag verlangte 1,50 Mark. Das Gericht gab der Klage statt._ Auf drei Mann 40 Gramm Fleisch und 120 Gramm Gemüse. Diese Hausmannskost verabreicht ein Münchener Hofkonditor seinen Gchülfen. Die Lehrlinge müssen ihrem Aussehen gemäß noch kleinere Rationen bekommen. Der Leser wird ungläubig den Kopf schütteln und an den Druckfehlerteufel denken. Leider ist daS Teufclchen unschuldig: in der Tat entfielen nach der Korrespondenz „Gegen den Kost- und Logiszwaug" pro Mann 14 Gramm Fleisch._ Der Kampf um die Rente. Wie schwer es Unfallverletzten gemacht wird, in den Genuß der ihnen gesetzlich zustehenden Unfallrente zu gelangen, dafür lieferte eine vor dem Schiedsgericht Chemnitz stattgefundene Ver- Handlung wieder einen treffenden Beweis. Einem Arbeiter, der in- folge einer bei seiner Tätigkeit im Betriebe erhaltenen Rücken- Verletzung vollständig erwerbsunfähig geworden und jetzt noch ist, bot die Sächsisch-Thüringischc Eisen- und Stahlbcrufsgcnossenschaft eine Rente von 20 Prozent(!) an und ließ es auf eine schieds- gerichtliche Entscheidung ankommen. Der behandelnde Arzt hatte empfohlen, dem Verletzten auf sechs Monate die Vollrcnte zu ge- währen. Das bot die Bcrufsgenossenschaft schließlich Vergleichs- weise. Da noch nicht vorauszusehen ist, daß nach Ablauf dieser Zeit sich der Zustand dcS Verletzten so erheblich bessern wird, lehnte dieser das Angebot ab. DaS Gericht verurteilte die Berufsgenossen- schaft, dem BerufungSkläger bis auf weiteres die Vollrente zu ge- lvähren._ Zur Lage der Bäckergesellen in Würzburg. Die Zahl der beschäftigten Bäckergesellen geht in� Wllrzbnrg zurück. Diese Erscheinung ist aber nicht darauf zurückzuführen, daß der Konsum vielleicht zurückgegangen wäre, sondern einzig und allein darauf, daß man noch billigere a ls b i ll i g e Arbeitskräfte eingestellt bat— nämlich Lehrlinge. Die Zahl der beschäftigten Gehülfen ist um 35 zurückgegangen und die der Lehrlinge um 53 gestiegen. Nun sind die Löhne aber keineswegs so hoch, daß aus diesem Grunde diese Verschiebung begründet werden könnte, denn die Lohnverhältnisse gestalten sich wie folgt: 152 Gchülfen stehen in voller Verpssegung und haben Logis bei ihren Meistern: neben Kost und Logis beziehen diese 152 Ge- hülfen folgende Löhne: 2 Gehülfen bis zu 4 M., 23 bis zu 5 M., 33 bi§ zu 6 M.. 42 bis zu 7 M.. 25 bis zu SM.. 11 bis zu 9 M.. 8 bis zu 10 M.. 1 bis zu UM.. 5 bis zu 12 M.. 1 bis zu 13 M. und 1 bis zu 14 M. Bei Logis und halber Kost beziehen 1 Gehülfe bis zu 16 M. und 1 Gehülfe bis zu 10 M. Ohne Kost und Logis beziehen 18 Gchülfen folgende Löhne: 1 Gehülfe bis zu 20 M.. 1 bis zu 19 M.. 5 bis zu 18 M.. 3 bis zu 17 M.. 2 bis zu 16 M.. 3 bis zu 15 M. Außer Kost und Logis beziehen: 1 Gehiilfe bis zu 22 M., 1 bis zu 19 M., 1 bis zu 17 M. Nur ein kleiner Prozentsatz der Bäckergesellen ist außerhalb des Kost- und Logiszwanges. Der Kost- und Logiszwang dürste auch der Grund für die überaus niedrige Lohnhöhe sein. Gärtnerbehandluug und-Behausung. Manche Gärtnereibesitzer zeichnen sich durch besonders schroffe Behandlung ihrer Gehiilfen ans. Ein Zwickauer Gärtnereibesitzer belegt seine Gehülfen, wie berichtet wird, mit Titulaturen wie: „Rindviecher, Schweinehunde, Seehunde, Afrikaner, Leimsieder". Die Klagen über die unter jeder Kritik stehenden Wohnungen reißen aus jener Gegend nicht ab: Die Fenster lassen sich in den Schlafräumen nicht aufmachen, es sei denn, daß man eS darauf ankommen läßt, die Scheiben herausfallen zu. lassen. In einem anderen Falle schlafen drei Gchülfen und drei Lehrlinge in einem Räume, welcher dicht neben der Abortgrube liegt. Ein Lüsten dieser Schlaf- räume ist nicht gut möglich. Ein alter Blumentopf dient schon seit langer Zeit als Untersatz einer aus einem Blechballon, Brenner und zerbrochenem Zylinder bestehenden Lampe. Hierfür und für ein auS Kaffeesatz hergestelltes Frühstück hat jeder Gehülfe monatlich sage und schreibe 12,50 Mark zu zahlen. DaS nennt man Geschäft, das bringt noch was ein. Der Berichterstatter dieser Klagen ist kein ! gewöhnlicher Gärtnergehülfe, welcher durch die Brille der Organi- ation die Zustände ansieht, sondern ein Prinzipalssohn. Aus Brcmerhavener Bäckereien. Die dortigen Bäckergesellen haben eine Eingabe an die Polizei gemacht, in der um Abhülfe verschiedener Mißstände ersucht wird. DaS Zusammenschlafen von zwei Gesellen in einem Bett scheint sich allgemein eingebürgert zu haben. Fast in den meisten Bäckereien ist dieleS anzutreffen. Dann find die Betten derart voll Ungeziefer, daß in einem Falle der ruhesuchende Arbeiter seine ganze Zeit mit der Wanzenjagd verbringen mutz, statt die Glieder zur Ruhe legen zu können. Ein Lehrling schläft statt in einem Bette in einem Schlittenkasten. AuS einer Bäckerei wird mitgeteilt, daß die Gchülfen und Lehrlinge verschimmeltes Brot essen müssen, wenn für das Pferd zu viel davon da ist. ES bleibt abzuwarten, ob die Behörde in Bremerhaven genügendes Verständnis für derartige Klagen zeigt. Eine kräftige, schlagfertige Organisation wäre ein besserer Helfer. ArdeitSzeitcn bei Kost, und LogiSzwang. Die tägliche Arbeitszeit der Gehülfen, HülfSarbeiter und Lehrlinge im Berliner Schlächter- gewerbe beträgt täglich 16,1 Stunden im Durchschnitt, die der Ver- käuferinnen 15'/� Stunden. Die durchschnittliche SonntagSarbeit beträgt bei den Gesellen 4� Stunden, bei Verkäuferinnen 6,6 Stunden, pro Woche arbeitet also ein Schlächtergehülfe 97»/, Stunden. Wir haben schon eine ganze Reihe von Berufen, die zu dieser Arbeitszeit 14 Taste gebrauchen, namentlich hier in Berlin. Die längste Arbeitszelt an einem Wochentage betrug IS'/s(Stunden. Der Tag hat nun bloß 24 Stunden. Was bleibt da noch zur Ruhe übrig? Die längste Arbeitszeit be- trägt Sonntags zehn Stunden, die kürzeste Wochentags zwölf bezw. zwei Stunden am Sonntag. Die Erfahrung lernt uns aber, daß dort, wo lange Arbeitszeiten bestehen, schlechte Löhne zu verzeichnen sind. Wir brauchen nicht zu sage», daß dieses auch hier zutrifft, denn der Durchschnittslohn beträgt für einen Schlächtergehülsen S7,7 Pfg. in der ReichsHauptstadt Berlin. Diese elenden Verhält- nisse in Verbindung mit dem von uns wiederholt gekennzeichneten Vermittlerunwesen lassen es erklärlich erscheinen, daß die Be- schäftigungSzeit durchschnittlich— vier Wochen beträgt. Eue Induftm und F)andel Die schlauen Brauer. Den Brauereien wird eS anscheinend nun doch etwaö schwül ums Herz. DaS ist der beste Beweis dafür, daß sie einen gemeinsamen Kampf der Wirte und der Konsumenten gegen ihre Preispolitik zu fürchten beginnen. Da ihnen die sachlichen Gründe ausgehen, sind sie auf die geniale Idee per- fallen, durch Abfeuern eines Schreckschusses zum Ziele zu kommen. Und das Gedonner kommt aus der Kanone des „Boykottschutzverbandes deutscher Brauereien, Versicherungs- verein. A.-G. zu Berlin". Unter der ausdrücklichen Erklärung. daß auf Honorierung verzichtet wird, läßt der Verband der Presse eine bombastische Reklame für ihn selbst zugehen. Nachdem die numerische Stärke des Verbandes ins rechte Licht gerückt ist. folgt das. ivorauf es bei der uneigennützigen Mitarbeit ankommt. Die Wirte und Konsumenten sollen verblüfft werden durch die„sensationelle" Mitteilung, daß des Ver- bandes alleiniger Zweck sei, die Schadloshaltung der Mit- glieder für den durch Boykott jeder Art verursachten Minder- absatz,„die Unschädlichmachung der so oft als verwerfliches Gewaltmittel angewendeten und gerade das Brauereigewerbe besonders schädigenden Boykotts,.. die aus dem Kampfe mit den Arbeitnehmern entspringen." Aber noch mehr. Weiter wird mitgeteilt, „er beschränkt sich nicht darauf, solche Boykotts zu ent- schädigen... sondern auch Boykotts aller Art... so z. B. auch solche Boykotts, die von Gastwirten oder Konsumenten, Gruppen oder Vereinigungen anderer Art beschlossen oder durchgeführt werden." Die moralische Entrüstung als Mittel, die„sittliche" Preisverteuerung gewaltsam durchzudrücken, macht sich wirklich schön. Sehr nett ist aber auch, daß die Brauereien auf die Macht des Zusammenschlusses aufmerksam machen. Das werden diejenigen, die durch den blinden Schuß erschreckt werden sollen, sich jedenfalls all notam nehmen und danach handeln._ Raffgier. Seit 15 Jahren verfolgen die Kohlenpreise steigende Tendenz, die Dividenden schnellen sprunghaft in die Höhe, hunderte Millionen hat das Kohlenmagnateutum eingesackt allein durch die Preis- aufschläge der letzten Jahre. Aber unersättlich ist die Profitgier. Und man ist schamlos genug, die winzigen Lohnsteigerungcu, die in der Hauptsache durch Ueberzeitarbeit erzielt lverden, als Mittel immer neuer Konsunientenplündereien aus- zuspielen. Für das nächste Jahr soll wiederum ein tiefer Griff in die Taschen der Konsumenten getan werden. ES wird nach dieser Richtung schon vorgearbeitet durch folgende Preßnotiz: Angesichts der zunehmenden an die Bergarbeiter zu machenden Konzessionen unterliegt eS keinem Zweifel, daß heute bereits eine starke Strömung für eine weitere Erhöhung der nächstjährigen Kohlenpreise vorhanden ist. Zur weiteren Begründung wird weiter mitgeteilt: Das Ausfuhrgeschäft liegt vollständig brach, ivährcnd die Ein- fuhr von englischen Kohlen zunimnit. In Bayern erwächst der Ruhrkohle infolge der schleppenden Lieferung ein erheblicher Weit- bcwerb durch Schlesien. Alle drei Gründe sind gleich oberfaul, sie sind eine bewußte Täuschung und Irreführung der öffentlichen Meinung. Tatsächlich ist die Ausfuhr zurzeit noch fast doppelt so groß, wie die Einfuhr. Und kein Mensch wird ernsthaft nachweisen wollen, daß durch Preis- stcigerung der in- und ausländischen Konkurrenz begegnet werden könnte. Je höher die Preise steigen, desto günstiger gestaltet sich doch die Lage für die Konkurrenz. Daß man die Preise noch weiter in die Höhe treiben will, ist der beste Beweis dafür, daß man die Kon- kurrenz gar nicht fürchtet und daß es im Interesse der Verbraucher notwendig ist, der Konkurrenz Frachterleichterungen zu ge- währen, um auf diese Weise der ungezügelten Preistreiberei ein Stöckchen zu stecken. Der Versuch, durch Irre- führung der öffentlichen Meinung, die Bahn für Plündereien ftei zu machen, ist ein Unfug, gegen den die Staatsanwaltschaft im öffent- lichcn Interesse einschreiten müßte. Aber das wird nicht geschehen, die Plünderei geht weiter, bis die Expropriation der Expropriateure der kapitalistischen Plünderei ein Ende macht. Neugrilndungen im August. Nach Zusammenstellungen de? „Internationalen Volkswirt" sind in den ersten acht Monaten dieses Jahres 159 neue Aktiengesellschaften ins Leben gerufen ivorden mit 293 765 000 M. Nominalkapital gegen 127 Gesellschaften mit 251 963 000 M. in der gleichen Periode des Vorjahres und gegen 204 bezw. 125, 92. 89. 168. 216 und 364 Aktiengesellschaften mit 384 bezw. 329, 115, 172, 340 und 544 Millionen Mark Nominal- kapital in den vollen Jahren 1905—1899. Es dürfte nicht uninteressant sein, das Gründungsergebnis der abgelaufenen acht Monate, nach Branchen geordnet, vorzuführen. Und zwar wurden gegründet 13 Banken mit 53,55 Millionen Mark Nominalkapital, Berg- und Hüttenwesen 16 Gesellschaften mit 60,29 Millionen, Brauereien 11 mit 5,20 Millionen, Gas-, Wasser- und Elekttizitätsgesellschaften 11 mit 12,56 Millionen, Bau-, Terrain- und PflanzungSgesellschaften 27 mit 44,992 Millionen, Tertilfabrikcn 6 mit 7,48 Millionen, Steine-, Chamotte- und Zementfabriken 7 mit 3,852 Millionen, Glas, Porzellan und Steingut 3 Gesellschaften mit 4,1 Millionen, Chemische Fabriken 12 mit 37,85 Millionen. Metall- waren und Maschinenfabriken 19 mit 26,293 Millionen, Transport- gesellschaften ll mit 8,107 Millionen, Papierfabriken 5 mit 4,7 Millionen und Diverse 23 Akttengesellschaften mit 27,79 Millionen Mark Nominalkapital. Auswärtiger Handel des deutschen Zollgediets mit Getreide und Mehl im August d. I. in Doppelzentnern— 100 Kilogramm: Gesamteinfuhr Gesamtausfuhr 1906 1905 1906 1905 Roggen..... 370 067 670 838 301 801 152 962 Weizen..... 1426 318 2 107 898 234 838 234 215 Malzgerste.... 32 920 t 17311 Andere Gerste... 963 928! 884 152 11722! 10664 Gerste ohne näh. Aug. 1 306 J 300) Hafer...... 663 701 1 008 095 109 024 137 562 MaiS...... 1101 975 600 702 28 380 29 705 Roggenmehl... 1955 1 551 42819 50962 Weizenmehl.... 6 869 10 655 62 952 74 233 Die Einfuhr in Roggen ist um 30 000 Doppelzentner zurück- gegangen, das Minus an Weizen bettägt rund 70 000 Doppel- zentner, andererseits ist die Ausfuhr um 49 000 Doppelzentner bei Roggen gestiegen: sie blieb konstant bei Weizen. Wesentlich ist die Verschiebung bei Gerste, die Mehreinfuhr beläuft sich auf rund 120 000 Doppelzentner, die Aussuhr ist nur etwas gestiegen. Die Einfuhr bei Mais fiel um rund 345 000 Doppelzentner: sie stiea bei Haser um 500 000 Doppelzentner. Der Einfuhrüberschuß betrug bei: 1905 1906 in Doppelzentner Roggen..... 517 876 68 266 Weizen..... 1 873 683 1 191 480 Gerste...... 873 488 986 401 Hafer...... 870 533 524 139 MaiS...... 580 997 1 073 595 Bei Roggenmehl belief sich der Ausfuhrüberschuß auf 49 411 Doppelzentner resp. auf 40 864 Doppelzentner, bei Weizenmehl sind die Ziffern: 63 578 Doppelzentner resp. 56 083 Doppelzentner. Preisaufschlag. Wiederum die Preise erhöht hat die Vereinigung der Stearin- und Kerzenfabriken in Deutschland. Wie bereit« ein- mal in diesem Jahre ist auch jetzt wieder ein Aufschlag von vier Mark für Kerzen vorgenommen worden: für Stearinmajse beträgt der Aufschlag drei Mark._ Ein Ricsenskandal. Die Aussagen vor dem Staatsanwalt in Philadelphia in Sachen der zusammengebrochenen Real Estate Trust Company haben eine beispiel- lose Korruption, Gaunerei und Spekulation mit den Sparpfennigen von 6000 armen fleißigen Menschen enthüllt. Hippie, der sich jetzt erschossen hat, der Präsident, und der Spekulant Segal, sein böser Dämon, entnahmen laut Aussage des Kassierers manchmal Beträge, die bis zu 700 000 Dollars über den Kassenbestand der Gesellschaft hinausgingen. Vergeblich wandte sich der Kassierer mit Vorstellungen darüber an Hipple, an den Kassendirektor North und an dessen Assistenten Coltingwovd, wenn von Segal Schecks über Hundert- tansende von Dollars eingingen j die Schecks wurden honoriert. Dem Kassendirektor North war dabei der ganze Schwindel wohlbekannt, wie er dein Konkursverwalter gegenüber zugab. ES wußte auch, was für ein Leben Sipple führte, der nach außen hin das große| Bigarettenschachtel mit den Tausendmarkscheinen. Das Gericht Schuhmann nicht in Ausübung feines Amtes bor Kirchenlicht spielte. Jahre hindurch lebte er in quälender erkannte auf sechs Monate zehn Tage Gefängnis unter An- gegangen fei. Die Anzeige fei so bemerkte der Vorsitzende, Sorge über das, was kommen mußte, dahiu, was kommen mußte, dahin, ohne es zu rechnung von zehn Tagen auf die Untersuchungshaft. Amtsrichter Fischer, mindestens grob fahrlässig, wenn nicht vielleicht wagen, mit Anklagen hervorzutreten. Mit Segal stehen jetzt North und Collingwood vor den Geschworenen, da sie durch der für Rigdorf erlassenen Droschken- Polizeiverordnung haben die Auf Grund von§ 501 der Strafprozeßordnung wurde dem Ein Droschtenkutscher ist von seiner„ Uniform" untrennbar. Nach sogar wider besseres Wissen von dem Beamten erstattet worden. ihre Widerstandslosigkeit gegen Segal diesem in die Hände diesem in die Hände gearbeitet haben. North war Segal gegenüber so willenlos, daß er Droschtenkutscher den vorgeschriebenen Anzug zu tragen, so lange fie uzmann Lemiz die Tragung jämtlicher Kosten, fogar falsche Ausweise ausstellte und falsche eidesstattliche Ver- sich im Dienste befinden. Eine andere Vorschrift läßt sich nun dahin auch die des Angeklagten, auferlegt. ficherungen im Aufsichtsrat und gegenüber der staatlichen Aufsichts der Droschke auf der öffentlichen Straße befinde. In diese Polizei- Münchener Rechtsanwalt kohl soll den Landshuter Amtsrichter aus, im Dienste befindlich sei der Droschkenkutscher, wenn er sich mit Mißglücktes Vorgehen gegen die Freiheit der Verteidigung. Der behörde abgab. Eine andere Seite der Angelegenheit ist, wie die behörde abgab. Eine andere Seite der Angelegenheit ist, wie die flemme geriet der Droschkenkutscher Brischte aus Rigdorf, als Kercher dadurch beleidigt haben, daß er in einer Verhandlung staatlichen Bankrevisoren diesen Schwindeleien nicht auf die Spur famen. Das ist die Hauptfrage, die das amerikanische Publikum die Droschte von der Schmiede abholte, er am 22. Dezember 1905 im grauen sadettanzug fagte:„ Sein Mandant hat das Gefühl, daß er in einer früheren interessiert, und darüber soll die gerichtliche Untersuchung Aufklärung worden war, und durch die Berliner Straße in Nixdorf fuhr, um worden sei". Kohl wurde dieser Tage von dem Münchener Gericht wo sie repariert Berhandlung vom Amtsrichter Kercher nicht unparteiisch behandelt bringen. noch eine ebenfalls reparierte Laterne vom Klempner abzuholen. Einem Schußmann mißfiel es, daß 2. nicht die Uniform trug und freigesprochen. Gerichts- Zeitung. Gemeingefährlicher Betrug. " sich überdies noch in eine Pferdedecke eingewickelt hatte. 2. wurde Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen wegen Uebertretung der Verordnung angeklagt, weil er im Dienste" Markthallen- Direktion.( Großhandel.) Rindfleisch Ia 73-78 pr. 100 ẞid., nicht die Uniform getragen habe. Vergeblich bemühte er sich, nach- Ila 67-72, IIIa 62-66, IVa 56-60. Stalbfleisch, Doppelländer 105-115, zuweisen, daß er bei jener Fahrt unmöglich im Dienste" gewesen Ia 85-90, IIa 75-82, IIIa 65-74. Hammelfleisch Ia 77-82, IIa 67-76. In dreister Weise hat der Klempner Willi Ecke, der gestern sei, das Landgericht II verurteilte ihn mit Rücksicht auf den Schweinefleisch 68-75. Rehböde Ia per Pfd. 0,70-0,90, IIa 0,40-0,65. Rotwild Ia per Pfund 0,45-0,55, IIa 0,40. Damwild 0,40-0,57. unter der Anklage des fortgesetzten Betruges vor der 7. Straflammer Wortlaut der Verordnung. Angeklagter legte Revision ein und Wildschweine per Pfund 0,25-0,45. Frischlinge 0,30-0,60. Kaninchen per Stüd des Landgerichts I stand, eine ganze Reihe von Arbeiter machte geltend, im Dienste befinde sich doch nur der Droschten- 0,50-0,90. Wildenten Ia per Stüd 1,00-1,45, Ila 0,50. Rebhühner, junge Ia frauen beschwindelt. Unter der Maske eines Angestellten der futicher, der seinen Wagen dem Publikum zur Verfügung 1,00--1,30, junge IIa 0,75-0,90, alte 0,75-0,90, junge fleine 0,30-0,75. Hühner, Ortskrankenkasse der Metallarbeiter erschien der Angeklagte bei den halte, wovon in seinem Falle nicht die Rede sein könne. Die Vor alte, per Stüd 1,50-2,60, alte, II a 0,90-1,40, junge, per Stüd 0,80-1,21. Ehefrauen von Arbeitern dieser Branchen, um in Abwesenheit der schrift über das Tragen der Uniform, so lange der Kutscher im Tauben, junge, per Stud 0,35-0,44, alte 0,30. Enten, junge per Stüd Ehemänner fällige Beiträge für die Krankenkasse in Empfang zu Dienste sei, habe ja auch lediglich den Zweck, es dem Publikum so- 1,50-2,25, alte per Stid 0,00. Hamburger, junge, per Stüd 2,85. nehmen. Er wies dabei gewöhnlich ein Papier vor, welches sehr fort erkennen zu lassen, hier halte ein Droschkenführer seinen Wagen 3,00-4,00, IIa 1,50-2,80. Poulets per Stüd 0,80-1,30, bo. flein 0,40. Gänse, Ia per Pfund 0,55-0,62, IIa 0,40-0,54, Ia per Stück amtlich aussah, in Wirklichkeit aber nur das Formular eines Tele- bereit zur Benutzung durch das Publikum. Das KammerHechte pr. 100 Pfd. 89-103. Bander 0,00. Aland 64-66. Schleie 122-126. gramms war, wie solche in den Postanstalten zur Benutzung des gericht wies die Revision mit folgender Begründung ab: Bleie 0,00. Aale, groß 102-105, mittel 87, flein- mittel 76-79, unfort. 73-78, Publikums aushängen. Der Angeflagte hatte aus einer Postanstalt Die Bestimmung fei rechtsgültig, wonach der Droschkentutscher Blögen 0,00, Karpfen, unfortiert 0,00. Barse, matt 57-61. Bleifische ein ganzes Bündel solcher Formulare entwendet und benutzte sie als so lange im Dienst befindlich anzusehen sei, wie er 0,00. Karauschen 61. Wels 60. Bunte Fische 54-72, matt 32-45. Amerikanischer nun zu seinen Schwindeleien, indem er etwas aufschrieb, was auf sich mit seiner Droschke auf der öffentlichen Straße beachs I neuer per 100 Bfb. 110-130, do. II neuer 90-100, die Beiträge zur Ortskrankenkasse Bezug hatte. Durch sein überaus finde. Das sei auch vorliegend maßgebend. Demnach müsse der do. III neuer 75. Seelachs 15-20. Flundern, pomm. I, per Schock 9, gewandtes Auftreten imponierte er den Frauen in dem Maße, daß Droschkentutscher unter allen Umständen die Uniform tragen, wenn seiste 2-3, do. flein per Stifte 0,00. Büdlinge, per Ball Kieler 4-4,50, do. pomm. II 2-3, Kieler, Stiege Ia 4-6, do. mittel per fie ihm ohne weiteres glaubten und das verlangte Geld bezahlten. er mit der Droschke auf der Straße sei und es könne nicht darauf Stralsunder 3-4,50. ale, groß per Pfd. 1,10-1,50, mittelgroß 0,80-1,00, Wie der Angeklagte zu den Adressen der Frauen gekommen ist, war ankommen, ob er Fahrgäste aufnehmen wolle oder nicht, oder ob er nicht aufzuklären. Er hat seine Schwindeleien fast 6 Wochen auf dem Wege vom Schmiede zum Klempner sei, um noch eine hindurch in den verschiedensten Stadtgegenden zur Ausführung bringen reparierte Laterne abzuholen. Nach dieser formalistischen Auf- per inter 90, 1904er Nach dieser formalistischen Auffönnen und in etwa 40 Fällen in der geschilderten Art Gelder ein- fassung müsse ein Droschkentutscher schließlich auch im Bett eine geheimst. Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht darauf, daß Uniform" tragen. der Angeklagte sich nicht entblödet hat, armen Arbeiterfrauen ihre geringen Spargroschen in so raffinierter Weise abzunehmen, gegen ihn eine zweijährige Zuchthausstrafe. Der Gerichtshof erkannte auf zwei Jahre Gefängnis, fünf Jahre Ehrverlust und Bulässigkeit der Polizeiaufsicht. " Königliche Hofhaltung und Blechmusik. Der Gastwirt Rose in Eiche bei Bornstedt, das nicht weit vom Neuen Palais liegt, hatte für bestimmte Tage die Tanzerlaubnis. Er ließ große Tanzmusit" machen, wobei Bässe und Trompeten benutzt wurden. Eines Tages erhielt er vom Amtsvorsteher ein Schreiben etwa folgenden Inhalts: Nach den für sein Lokal bestehenden Vorschriften sei es unzulässig, daß er große Tanzmusik mache; danach sei nur kleine Musik zulässig( Klavier kid Geige). Zukünftig habe er sich nur dieser zu bedienen. Eventuell gebe es Geldstrafe bezw. Haft. Die bestehenden Vorschriften", auf die der Amtsvorsteher verwies, find nun eine dem Vorgänger Roses zugegangene Verfügung, daß in dem Lokal während der Beit, wo der of im Neuen Palais residiere, nur kleine Tanzmusit statthaft wäre. Nachdem R. weiter bei den ihm genehmigten öffentlichen Luftbarkeiten große Tanzmusit machen ließ, wurde er in Anklage versezt, weil die Genehmigung nur für die Fälle gelte, wo er der Bedingung, nur kleine Musik zu machen, gerecht werde. Das Landgericht Potsdam als Berufungsinstana sprach Rose jedoch frei. Es nahm an, es sei ihm für die Tanzlustbarkeit gar keine Bedingung" gestellt worden, sondern der Amtsvorsteher habe ihn nur auf Vorschriften hingewiesen, wonach in dem Lokal nur fleine Tanzmusit zu machen sei. Das Kammergericht verwarf dieser Tage die Revision der Staatsanwaltschaft. Schutz gegen Schuylente. flein 0,50-0,60. Heringe per Schod 4-5. Schellfische Kiste 3-4,50, do.%, Stiste Stabliau, per 100 Pid. 15-20. Heilbutt 25. Sardellen, 1902er per inter 90, 1904er 0,00, 1905er 85, 1906er 0,00. Schottische Bollheringe 1905 0,00, large 40-44, full. 36-38, med. 35-42, deutsche 37-44. Heringe, neue Matjes, per 2, To. 60-120. Hummern, IIa, 100 Pfd. 0,00. Streble, per Schod, große 0,00, mittel 6,50-8, fleine 0,00, unsortiert 4-4,50. Galizier, groß 0,00. Eier, Land-, per Schod 2,60-3,75. Butter per 100 Bid. Ia 124--126, IIa 118-120, IIIa 112-116, abfallende 95-110. Sauve Gurten Schod 3,50-4,00, Pfeffergurten 3,50-4,00. Startoffeln per 100 Pfd. Dabersche 2-2,25, Rosen 1,50-1,75, neuerunde 1,75-2,00, neue blaue 2,00-2,25. Spinat p. 100 Bfd. 10-12. Starotten p. Schodbund 1,50-2,50. Sellerie, hiesige, p.Schock 1,50-6,00. 3wiebeln 100 Bfb. 2,75-3,00. Beterfilie, grün, Schockbd. 1,00. Kohlrabi p. Schock 0,80-1,00. Rettig, bayr., b. Schock 2,40 Bohnen, grüne, per 100 Pfund 5-15. Wachsbohnen 10-18. Schoten bis 4,80. Radieschen p. Schock- B86. 0,60-0,70. Salat, p. Schock 1,50-2,00. per 100 Bfb. 15-20. Pfefferlinge per 100 Pfd. 18-22. Mohrrüben per 100 Pfd. 3-4. Teltower Rüben per 100 Pfd. 12. Blumenkohl per Mandel 1-2,50. Wirsing fohl per Schod 4,00-8,00. Rotkohl p. Schock 3,00-9,00. Weißkohl p. Schock 2,00 bis 5,00. Steinpilze b. 100 Bfd. 30-40. Gurken, Zerbster, Schod 0,00-0,00, do. Ginlege, Schod 1,50-2,00, bo. Rothenbg. 2,00-3,00, do. Liegnizer 2,50-4,00. 100 Bfd. 4-6. Stürbis 3-5. Birnen, ital. per 100 Bfd. 14-20, hiesige 3-20, Tiroler do. Einlege( Senj-) 10-18. Stohlrüben, Schock 3-5,50. Tomaten, hiesige 23-35, böhmische 4-16, Rettig- 3-6. Aepfel, ungar., per 100 ẞfd. 6-11, ital. 0,00, biefige 2-9, Gravensteiner 6-15, Tiroler 15-24. Preißelbeeren 0,00, schwedische 20-22. Blaubeeren per 100 Bid. 15-20. Pflaumen, ital. runde dunkle per 100 Bid. 0,00, ungarische 0,00, hiesige 2-3, Reineclauden 6-18, Serben 10-12, Badenser 0,00, Böhmische 2-6. 200 tid 0,00, 420 Stud, Bitronen, Messina 300 Stüd 20,00-23,00, 360 Stüď 18,00-20,00, 100 Bfb. 10-40, franzöfifche 0,00, italienische I Stifte 3,00, do. II Stifte 2,00, flein 12,00. Pfirsiche, Werdersche per do. III Stifte 1,80, do. in Störben per 100 Pfd. 30-43. Witterungsübersicht vom 11. September 1906, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer stand mm Wind. richtung Windstarke etter Temp. n. T. 6° C.= 4° R. Stationen Barometer stand mm Windstärke richtung Wind Better Temp. n. G. Zu einer erfolgreichen Schatzgräberei begaben sich gestern zwei Gerichtspersonen, der Vertreter einer hiesigen Bank und ein Untersuchungsgefangener mittels Automobils vom Kriminalgerichtsgebäude aus nach Groß- Lichterfelde und schon nach drei Stunden konnte dem Vorsitzenden der 4. Ferienstraffammer des Landgerichts I, Landgerichtsdirektor Dr. Friedmann die Summe von 10 000 M. als Ergebnis der Schatzgräberei unterbreitet werden. Veranlassung zu dieser Prozedur gab die anstehende Verhandlung gegen den ehemaligen Bantbeamten Georg Drewin aus Groß- Lichterfelde, der sich wegen Unterschlagung zu verantworten hatte. Der eben erst 18 Jahre alte Angeklagte bekleidete die Stellung eines Registrators bei der Kommerz- und Diskontobank. Er wurde am 17. Juli beauftragt, eine Summe von 10 000 m. bei Louis Lachmann in der Kronen straße abzuliefern und einen Wechsel über 250 M. Bei der Nationalbank einzulösen. Er erhielt zu diesem Zwed 10 Eintausendmarkscheine, 2 Hundertmarkscheine und einen Fünfzigmarkschein. Er erfüllte diesen Auftrag aber nicht, sondern ging mit der großen Geldsumme auf und davon. Er fuhr zunächst nach Treptow und am nächsten Morgen nach Swinemünde, wo er sich in der Villa Sophie Charlotte" einlogierte. Er blieb dort bis zum 26. Juli und fuhr dann nach Berlin zurüd. Unterwegs las er eine Zeitung und sah aus einer Notiz derselben, daß man ihn steckbrieflich verfolge und nun sann er darüber nach, wie er sich seine Beute sichern In der Nacht zum 9. August fragte der Fahrbursche Johann tönnte. Er hatte von dem unterschlagenen Gelde 250 M. aus- Heßler in der Saalgasse in Frankfurt a. M. den Schuhmann Lemitz gegeben, die übrigen 10 000 m. trug er noch bei sich. Er tat sie nun nach dem nächsten Polizeirevier. Der Beamte wies den Fahrburschen Swinembe. 765 23 in eine Zigarettenschachtel, fuhr nach Groß- Lichterfelde hinaus und ab und soll ihm, als dieser rief:„ Das ist eine Gemeinheit, nicht gamburg 768 NN vergrub die Schachtel in der Grenzstraße unter einen Baum. Am einmal Auskunft triegt man, wenn man fragt", einige Hiebe mit Berlin 766 NW 28. Juli nachts wurde er in Berlin in der Greifswalderstraße ver- dem blanken Säbel versetzt haben. Zwei in der Nähe des Schau- München Frantf.a.M. 768 ND haftet. Ueber den Verbleib des Geldes machte er erst ganz aben- platzes wohnende Personen waren über das Borgehen des Bien teuerliche Angaben. Kurze Zeit vor dem Termin bequemte sich der Beamten entrüstet, einer von ihnen rief den Geschlagenen zu Angeklagte zu dem Geständnis, daß er das Geld in Lichterfelde sich und sagte ihm, er folle sich eine derartige Behandlung nicht an einer bestimmten Stelle, die er durch eine Zeichenstizze gefallen lassen. Nunmehr verhaftete der Schußmann den Fahr- frischen nordöstlichen Winden. ganz genau martierte, unter einem Baume bergraben habe. burschen und erstattete Anzeige gegen ihn wegen Ruhestörung Infolgedessen unternahm der von dem Geständnis benachrichtigte und Widerstands. Vor dem Schöffengericht standen sich nach dem Prokurist der Bank, Herr Möbius, in Begleitung des Gerichtssekretärs Berichte der Frankfurter Zeitung" die Aussagen der beiden Privatund des Gerichtsdieners mit Genehmigung des Vorsigenden mit dem personen und die von drei Schuyleuten unvereinbar gegenüber. So Straußfurt Angeklagten die Exkursion nach Lichterfelde. Dort fand man unter behauptete Lemiz, daß ihn der Fahrbursche am Halse gewürgt mündung+ 1,02 Meter. dem von dem Angeklagten bezeichneten Baum tatsächlich die habe. Das Gericht fam zur Freisprechung Heßlers, weil der bei Breslau Unterpegel-1,76 Meter. „ Rosalia", Berlin, Pleen, Königsbergerstr. 34. " Freie Feldblume", Berlin, Grünauer Garten, Grünauer- Eintracht III", Rummelsburg, Ballentin, Neue Prinz straße 14. Albertstr. 44. " Rote Nelle", Berlin, Rosin, Ruppinerstr. 41. " Freier Männerchor Oft", Berlin, Rosenburg, Peters- ,, Ginigkeit II", Reinickendorf, Bethwell, Wittestraße 22. 1. Vorsitzender: Julius Meyer, Berlin SO., Urban- Sangestreue", Brandenburg a. H., Deutsches Haus, burgerstr. 72. Netterwacht", Berlin, Dlböter, Usedomstr. 33. ftraße 131. Steinstr. 32. " Freie Sänger" Eiche- Golm, Eiche, Rose, Kaiser Friedrich- Freiheit II", Adlershof, Saul, Bismardstr. 16. 1. Staffierer: August Seikrit, Berlin SW., Berg- Schneider", Berlin, Augustin, Dranienstr. 103. Straße. " Freiheit Dst", Berlin, Stöhler, Borndorferstr. 44. mannstraße 104. " Sorgenfrei", Berlin, Märkischer Hof, Admiralstr. 18c." Geselligkeit", Charlottenburg, Wernide, Bismardstr. 34. Freiheit Nord", Berlin, Mazkowsky, Liebenwalderstr. 16. Alle Aenderungen im Vereinskalender find zu richten- Sänger vereinigte Bankow", Suchland, Mühlenstr.- Ede." Gerechtigkeit", Berlin, Lehmann, Bülowstr. 58. Freiheit Moabit", Berlin, Achilles, Wiclefftr. 23. an den 2. Schriftführer Hans Hirsch, Berlin NW. 87, Borwärts VIII", Belten, Schurbaum. Gips- und Bementbranche", Berlin, Schmidt, Pappel- Freier Männerchor Nordwest", Berlin, Müller, Bredow. Zwingliftr. 21a. Allee 114. " Arbeiter- Sängerbund Berlins u. Umgegend." Rosenrot", Berlin, Berth, Schwebenſtr. 13. Uebungsstunde haben Sonntag: Freie Sänger", Dranienburg, Heider, Mühlenstraße. Uebungsstunde haben Montag: „ Esmeralda", Berlin, Kersten, Elbingerstr. 15. " Flamme", Berlin, Böfer, Weberstr. 17. Freie Sänger", Werder a./H., Koch, Fischerstr. 98. Frisch auf I", Friedrichsberg, Günzel, Gürtelstr. 28. 3 heiter 14 Haparanda 765 N 2 wolken! 11 Betersburg 2 halb bd. 11 Scilly 2 volfen! 10 Aberdeen 2 bedeckt 9 Baris 3 halb bb. 12 2heiter 7 769 DSD 4 halb bd. 14 769 SSD 1 heiter 9 770 ND 2wollen! 10 766 NW 764 N Wetter- Prognose für Mittwoch, den 12. September 1906. Borwiegend heiter und trocken, am Tage etwas wärmer bei ziemlich Berliner Wetterbureau. Dresden-1,94 Meter, bei Magdeburg+ 0,58 Meter. Wafferstand am 11. September. Elbe bei Ausfig Baget nicht", Steglig, Kramer, Marksteinstr. 1. " Bimmerer", Friedrichsberg, Buckenhagen, Scharnweber- Glasarbeiter", Köpenid, Zeidler, Müggelheimerstr. 29. straße 69. Butunft I", Stegliz, Schellhase, Ahornstr. 15a. Uebungsstunde haben Mittwoch: " Allegro", Berlin, Hollmach, Brangelstr. 136. " Briz", Brik, Grüning, Chausseeſtr. 69/70. " Deutsche Buche", Berlin, Borchardt, Köpeniderstr. 158. " Deutsche Eiche I", Berlin, Bedmann, Samariterſtr. 11. Damenchor Harmonie", Berlin, Büttner, Stargarderstr. 58. Eintracht", Eberswalde, zur Mühle, Eichwerderstraße. " Sangeslust III", Tempelhof, Müller, Berlinerstr. 41/42. Freiheit IV", Bernau, Hörnide, Hussitenstraße. " Solidarität", Berlin, Augustin, Dranienstr. 103. " Tonblüte", Berlin, Gütig, Stalizerstr. 82/83. Uebungsstunde haben Dienstag: Borndorferstr. 44. " 11 " Freiheit Gruß", Berlin, Sängerheim, Veteranenstr. 18. " Freie Sänger", Trebbin, Wolf, Bahnhofstraße 1. " Gleichheit", Berlin, Sauer, Schönhauser Allee 135. Hoffnung", Dahme i. M., Kaisergarten, Grünftr. 15. Hoffnung", Lichtenberg, Stöhn, Friedrich Karlstr. 34. Stornblume", Berlin, Buchwald, Gr. Frankfurterstr. Kreuzberger Harmonie", Berlin, Raabe, Fichteftr. 29. Kürschner", Berlin, Feind, Weinstr. 11. Meter. -Meter. Meter, bei Unstrut bei Neiße Dder Dder bei Ratibor Oder bei Brieg+1,38 Meter. straße 11. F Freie Sänger", Fredersdorf- Petershagen, Breseke. Freie Sänger", Weißensee, Dröger, Lehderstr. 122. Flöterscher", Berlin, Biebermann, Löwestr. Ede der Zorne dorferstraße. 133.Frohsinn", Rummelsburg, Karl, Goethe- Ecke Kantstraße. Georginia 1879", Berlin, Fischer, Grünauerstr. 14. Gemütlichkeit", Berlin, Kube, Alte Jakobstr. 75. Handels- und Transportarbeiter", Berlin, Neumann, Stallschreiberstr. 29. Lied hoch", Berlin, Brothmann, Beteranenstr. 18. Liederkranz", Brandenburg a./H., Boltsgarten, Bergstraße. Liederlust I", Berlin, Bergmann, Waldemarstr. 38. Liederlust II", Berlin, Volfmann, Beuffelstr. 32. Liedeslust I", Fürstenwalde, Schön, Küstrinerstr. 9. Maurer", Berlin, Wohlfahrt, Rosenthalerstr. 57. Maurer", Wilmersdorf, Tauschel, Pfalzburgerstr. 66. " Freie Sänger", Charlottenburg, Graffunder, Wieland- Erster Mai", Berlin, Gaule, Schönhauser Allee 57. straße 4. " Frisch auf III", Bornstedt, Schulz, Friedrich Wilhelmftr. 6a. Morgengrauen", Berlin, Schmidt, Gartenstr. 6. " Bruderbund", Zichtenberg, Buleger, Stronpringenſtr. 49. Gefelligteit", Dennigsbor), Broſe, Chaufgeeftrage. " Concordia", Berlin, Paul, Ritterstr. 83. " Dornrose", Berlin, Dsuch, Rodenbergstr. 3. " Einig", Berlin, Feist, Markusstr. 18. " Freier Männer- Chor", Berlin, Brauerei Schönhauser Allee. " Heimatllänge", Stöpenid, Stohlt, Rosenstr. 10. Hilaritas", Berlin, Olbötter, Usedomstr. 33. " Hochstein", Berlin, Hiepel, Brizerstr. 22. Pfefferberg, offnung", Brandenburg a./., Bettermann, dorferstr. 111. Freiheit", Schwedt a./D., Herforth, Heinersdorferstraße. Freiheitsflänge", Berlin, Engel, Seydelstr. 30. " Freier Sänger- Chor", Alt- Glienice, Bitte, Köpenider straße 33. Freie Sänger", Ludenwalde, Schulze, Belizerstr. 34. Freie Sänger", Bernsdorf, Knorr. Freundschaft", Berlin, Strauß, Goslerstr. 18. " Freya I gem. Chor", Berlin, Bohlfahrt, Rosenthalerstr. 57. Frisch auf", Berlin, Maaß, Brunnenstr. 96. Froh Hoffnung", Berlin, Schilling, Kyffhäuserstr. 26. " Frohsinn", Adlershof, Meißner, Bismardstr. 60. Nordwacht", Berlin, Fahrow, Ravenéstr. 6. Rote Nelle I", Schöneberg, Strüger, Borbergstr. 9. Rote Rose", Berlin, Stripp, Prinzen- Allee 17. Sangeslust", Grünau, Franz, Köpeniderstr. 88. Wilhelms- Sängerfranz", Berlin, Boeker, Weberstr. 17. Sängerchor III", Berlin, Genossenschafts- Wirtshaus, Stargarderstr. 3. " " " " Hoffnung", Spandau, Böhle, Neumeisterstraße. " Liederfreunde", Johannisthal, Senftleben, Friedrichstr. 48. Schuhmacher", Berlin, Rübsam, Andreasstr. 32. Luftige Sänger", Berlin, Barnete, Schliemannstr. 23." Süd- Ost", Berlin, Stephan, Wienerstr. 31. Maiglöckchen II", Köpenid, Dörnbrad, Müggelheimerstr. 36. Steinnelle", Berlin, Schumann, Buttmannstr. 13. " Maiengruß", Charlottenburg, Bartsch, Sesenheimerstr. 11. Typographia", Berlin, Feuerstein, Alte Jakobstr. 75. " Neu- Ruppin", Neu- Ruppin, Diesweiß, Bechliner Chauffee 5. ,, Unverzagt", Berlin, Bachstein, Salzwedelerstr. 16. Sängergruß", Friedrichshagen, Gesellschaftshaus, Friedrich- Bineta", Berlin, Ertelt, Graunstr. 16. straße 69. Senefelder", Berlin, Giesle, Landsbergerstr. 89. Borwärts", Nauen, Schüßenhaus, Chausseestr. 55. Vorwärts", Rummelsburg, Karl, Goethestr. 11. Frobsinn I", Rummelsburg, Karl, Goethe- und Kant- Borwärts IX", Charlottenburg, Wernide, Bismardstr. 34. straße- Ede. 3. " Gastwirtsgehülfen", Berlin, Großer, Dirdsenstr. 39 I. " Harmonie Dst", Berlin, Renfer, Heidenfeldstr. 17. " Lerche", Berlin, Genossensch. Wirtshaus, Stargarderstr. " Liedertafel", Ober- Schöneweide, Staushold, Wilhelminenhofstraße 18. Liebesfreiheit", Strausberg, Magnus, Wilhelmstraße. Liedesluft", Gusow- Blatkow, übt Berlin bei Bühlsdorf, Strautstr. 6. Maler", Berlin, Merkowski, Andreasstr. 26. Maibund", Nowawes, Hiemfe, Wallstr. 55. Maiengruß", Friedrichshagen, Conrad, Friedrichstr. 135. Morgenrot I", Rummelsburg, Sekepfand, Goethestr. 9. Myrtenblätter", Berlin, Spaet, Georgenkirchstr. 65. Nord- Dft", Berlin, Zimmermann, Löwestr. 16. " Olympia", Berlin, Zimmermann, Grüner Weg 29. " Borwärts IV", Rathenow, Kristallpalast, Bürnplatz. Vorwärts III", Friedrichsfelde, Haberland, Wilhelmstr. 38. " Zimmerer", Berlin, Wieser, Bergstr. 34. Bukunft", Belten, Grunow, Wilhelmstr. 19. " Bündholz", Berlin, Schönwis, Grünthalerstr. 34. " # " Vorwärts I", Berlin, Benoit, Laufizer Platz 8. Wach auf", Alt- Blessin, Hilgenfeld, Bergstr. 62. " " Bach auf", Franz. Buchholz, Kähne, Berlinerstr. 39. Bach auf", Berlin, Dambed, Danzigerstr. 71. Baldchor", Borsigwalde, Reuter, Ernststr. 5. 28aldlapelle 1862", Berlin, Bareinz, Brüdenstr. 7. " Waldesrauschen", Karlshorst, Sabrowski, Treskow- Allee Uebungsstunde haben Freitag: Alpenrose", Berlin, Kunze, Forsterstr. 36. Alpenglühen", Berlin, Küßner, Hasenheide 89. " Humanität", Berlin, Fahrow, Ravenéstr. 6, " Immergrün", Tegel, Fall, Trestomstr. 11. Kaiserscher", Berlin, Bernau, Schwedterstr. 23/24. Kupferschmiede", Berlin, Feind, Weinstr. 11. " Liebesfreiheit, I", Berlin, Merkowski, Andreasstr. 26. Liedesfreundschaft", Treptow, Christ, Ernststr. 26. Liedeslust II", Potsdam, Hartmann, Louisenstr. 32. ,,, Lorbeerfranz", Berlin, Späth, Weinstr. 28. ,, Loreley", Berlin, Schreiner, Schulstr. 66. " Lustige Sänger", Nowawes, Gruhl, Priesterstraße. Maibund", Wittenau, Böhm, Dranienburgerstr. 6. Maientraum", Berlin, Kutscher, Urbanstr. 87. " Männerchor Dst", Plöger, Nigaerstr. 127. Melodia", Rirdorf, Gellert, Steinmebstr. 113. Morgenrot III", Friedenau, Grube, Kaiser- Allee 86. Morgenrot", Köpenid, Kaiserhof, Grünstraße. Neue Zeit", Berlin, Förster, Hochstr. 31. " " " Norddeutsche Schleife", Berlin, Reichenberger Hof, Reichetta bergerstr. 150. " Nord", Berlin, Brunnenstr. 40. Porzellanarbeiter", Berlin, Wollschläger, Adalbertstr. 21. " Buzer", Berlin, Ernst, Prenzlauerstr. 41. " Rigdorfer Männerchor", Rirdorf, Deutsches Birtshaus, " Bergstr. 136/137. Sängerverein Südost", Berlin, Glewe, Waldemarstr. 75. " Solidarität", Potsdam, Kühn, Victoriaftr. 54. 66. Sängerfreis Beißensee", Schäfer, Friedrichstr. 5, St. Urban", Berlin, Augustin, Dranienftr. 103. Uebungsstunde haben Donnerstag: Becherklang", Berlin, Krüger, Gubenerstr. 43. " Bruderherz", Berlin, Schulz, Prinz Eugenstr. 17. Bummelsdorfer", Ludenwalde, Gerhardt, Haagstr. 5. " Echo", Zehlendorf, Midley, Potsdamerstr. 25. " Einigfeit I", Groß- Lichterfelde, Reisen, Chausseestr. 104. " Fichte", Berlin, Lippte, Melchiorftr. 15. " Freiheit West", Berlin, Goßmann, Streuzbergstr. 48. Freie Liebertafel", Berlin, Königssäle, Neue Stönigftr. 26. Freie Sängervereinigung", Berlin, Pietsch, Lübbenerstr. 1., Einigkeit", Köpenid, Ritter, Bahnhofstr. 44. Berliner Männer- Chor 1905", Berlin, Fürstenhof, Stopniderstraße 137/38. " Vereinte Sangesbrüder", Berlin, Lamprecht, Butlibstr. 10. Weddinger Harmonie", Berlin, Janßen, Chauffeeftr. 72. " Weiße Rose", Reinickendorf, Schiller, Provinzstr. 79. Uebungsstunde haben Sonnabend: Bleibt treu", Berlin, Bergemann, Waldemarstr. 38." Eintracht", Teltow, Derk, Zehlendorferstr. 4. Borar", Berlin, Bassode, Naunynstr. 6. Freie Sänger", Boffen, Schimte, Barutherstr. 51. Brandenburger- Gesangverein", Brandenburg a./H., Bolls- Frisch auf", Schönwalde i. M., Schulz. garten, Bergstraße. Gemütlichkeit", Mühlenbeck, Gasthof zur Sonne. Buchbinder- Männerchor", Berlin, Lipple, Melchiorstr. 15. Glüd zu", Berlin, Bernhard Rose- Theater. " Deutsche Eiche", Brandenburg a., Rau, Wilhelms- Liedertafel", Senzig, Otto Kühne, Senzig. dorferstraße 17. 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Die Stadtverordneten werden ersucht, die Denkschrift zu ihrer Kenntnis zu nehmen. Doch es versteht sich von selber, daß sie sie nicht schweigend zu den Akten legen, sondern ihre Ansicht darüber äußern werden. Die Denkschrift verdankt ihre Entstehung nicht einem Einfall deS Magistrats, sondern einer Aufforderung, die von der Stadt- verordnetenversammlung an ihn gerichtet worden war. ES ist schon ein bißchen lange her, daß die Stadtverordnetenver- sammlung sich diese Arbeit vom Magistrat ausgebeten hat. Der diesbezügliche Beschluß wurde am 11. Februar 18S7 gefaßt, es sind also bald zehn Jahre darüber hingegangen, bieder Magistrat jenen Auftrag ausführte. Die Versammlung erklärte sich damals für Uebergang der polizeilichen Funktionen an die Stadt gemeinde auf all' den Gebieten, deren sonstige Verwaltung der Stadtgemeinde obliegt, und sie empfahl dem Magistrat, einmal die Sachlage nach der rechtlichen und der verwaltungstcchnischen Seite hin in einer Denk- schrift klarzustellen. Den Anstoß hatte damals ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion gegeben. Der Antrag Stadthagen, datiert vom 2g. Oktober 1896, ging dahin, den Magistrat zu ersuchen, mit der Staatsregierung in Verhandlung zu treten wegen Uebernahme der Sicherheitspolizei, der Markt-, Gesundheits- und Baupolizei, sowie der Feuerwehr. Indes, die Bemühungen der Gemeindebehörden Berlins, den Uebergang wenigstens einzelner Zweige des hier„königlichen" Polizeiwcsens auf die Stadtgemeinde zu erlangen, reichen— wie man weiß— sehr viel weiter zurück. Die Frage war zu einer„brennenden" geworden, als gegen Ende der achtziger Jahre die Regierung an eine Neuregelung der Kostentragung für die Ortspolizeibehörden heranging. Das Abgeordnetenhaus, dem im Winter 1888/89 der erste Entivurf des Polizeikostengesetzes vorgelegt wurde, sprach in einer Resolution den Wunsch aus. Saß in Städten mit„königlicher" Polizeivcrwaltung die Baupolizei einschließlich Straßenbaupolizci, die Gcwerbepolizei oder einzelne Teile davon, die Schulpolizei, die Hafen-, Markt-, Feld-, Jagd- und Forstpolizei zu eigener Verwaltung überwiesen werden, da die Handhabung dieser Zweige der Wohlfahrtspolizei im engsten Zu- sammenhange mit der allgemeinen Kommunalvevwaltung stehe und daher im Interesse der Selbstverwaltung den Gemeinden zu über- lassen sei. In dem zweiten Entwurf des Polizeikostengcsetzes, der 1892 dem Abgeordnetenhaus vorgelegt wurde, erklärte sich die Regierung bereit, auf jene Wünsche einzugehen und d i e Wohlfahrtspolizei zu kommunalisieren. Sie wollte sogar noch ein übriges tun und auch die in der Resolution nicht geforderte Gesundheitspolizei den Gemeinden überlassen. Andererseits machte sie aber mancherlei Vorbehalte, namentlich für die Baupolizei der„drei Residenzstädte Berlin, Potsdam und Char- lottenburg", weil hier Interessen des Reiches, des Staates und des Hofes, sowie Vorrechte des Königs zu berücksichtigen seien. Für Berlin war die Uebernahmefrage bereits früher, im September 1899, durch das Polizeipräsidium selber neu angeregt worden. Dem Magistrat wurde mitgeteilt, die Regierung wolle fchon jetzt der Stadt Berlin die Markt-, Gesinde-, Schul-, Feld-, Forst-, Jagd- und Fischereipolizei überlassen; er solle sich darüber äußern, ob die Gemeindebehörden zur Uebernahme bereit seien. Die Stadtverordnetenversammlung beeilte sich, auszusprechen, daß ihre Berejtwilligkeit in einigen Punkten noch über diese Vorschläge der Regierung hinausgehe. Sogleich im Oktober 1899 nahm sie einen Antrag Wohlgemuth an, durch den der Magistrat ersucht wurde, wegen Uebernahme nicht nur der Marktpolizei, sondern auch der Baupolizei und der Gcsundheitspolizei und der Feuerwehr mit der Regierung zu verhandeln. Der Magistrat knüpfte noch im Dezember 1899 die Verhandlungen mitder Regierung an und forderte dabei auch die Gewerbe-, Bau-, Gesundheitspolizei und die Feuerwehr. Das Ergebnis der Verhandlungen war aber nahezu gleich Null. Die Uebcrtragung der Feuerwehr wurde„aus überwiegenden sicherheitspolizeilichen Rücksichten" ver- weigert, und für die Uebertragung der Hochbau-, Gewerbe-, Markt- und Gesundheitspolizei, zu der die Regierung grundsätzlich bereit war, wurden im einzelnen allerlei Einschränkungen gemacht. Was schließlich nach jahrelangem Hin und Her herauskam, war nichts weiter als die widerrufliche Abtretung der Schulpolizei. Die Be- fugnis zur Festsetzung und Einziehung von Schulversäumnisstrafen ging an den Oberbürgermeister über, und auch daS wurde erst im Jahre 1999 erreicht. Ueber die Verhandlungen bis 1896 und ihre gänzliche Erfolg- losigkeit berichtete der Magistrat den Stadtverordneten Ende 1896 in einer Vorlage, die damals zusammen mit jenem Antrage Stadt- Hägen beraten wurde. Die Stadtverordnetenversammlung faßte den Beschluß, von weiteren Verhandlungen abzusehen. Es blieb dann nur der Auftrag an den Magistrat, die Denkschrift anzu- fertigen, die jetzt vorliegt. Der sozialdemokratische Antrag unter- schied sich von allen bisherigen Wünschen des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung dadurch, daß in ihm auch die Uebertragung der SicheUheitspolizei gefordert wurde. Bis zu solcher Begehrlichkeit hatte die Gemeindeverwaltung der königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin bisher nur ein einziges Mal sich vorgewagt. Das war im Jahre 1813, wo das liberale Bürgertum Berlins— damals nannte es sich noch„demo- kratisch"— so manche Forderung aufstellt«, die es sehr bald nachher feige preisgab. Am 27. März 1848, noch unter dem frischen Ein- druck des Märzsturmcs, forderte die Stadtverordnetenversammlung kurz und bündig„Uebergang der hiesigen Polizeiverwaltung auf die städtischen Behörden". Von einer Beschränkung nur auf die sogenannte Wohlfahrtspolizei war keine Rede. Jedermann dachte bei diesem Beschluß an Uebernahme auch der S i ch e r h e i t s- Polizei, und der Stadtverordnetenversammlung war das sogar die Hauptsache. Aber die Verhandlungen der gemischten Kam- Mission, die dann von den Gemeindebehörden eingesetzt wurde, endeten damit, daß im Juni 1849 Stadtverordnetenversammlung und Magistrat die Sicherheitspolizei preisgaben und nur noch etliche Zweige der Wohlfahrtspolizei, wie die Baupolizei, das Straßen- reinigungswesen, das Feuerlöschwesen usw., forderten. Natürlich kriegten sie nicht mal das. Erst im Novencher 1869 ließ sich das Ministerium dazu herbei, dem wiederholt anfragenden Magistrat zu antworten, nach§ 2 des inzwischen ergangenen Gesetzes vom 11. März 1859 über die Polizeiverwaltung„unterliege die Befugnis des Ministeriums, die gesamte Ortspolizei hiesiger Residenz durch eine besondere königliche Polizeibehörde fortverwalten zu lassen, keinem Zweifel, und die Notwendigkeit, von dieser Befugnis Ge- brauch zu machen, bedürfe unter den eigentümlichen Verhältnissen Berlins keiner Begründung". Magistrat und Stadtverordnetenversammlung duckten sich und faßten den Be- schluß, die ganze Angelegenheit einstweilen auf sich beruhen zu lassen. Die erst im Jahre 1859 wieder aufgenommenen Verhand- lungen betrafen lediglich das Feuerlöschwesen und daS Nachtwach- sowie das Straßenreinigungswesen. Erreicht wurde nur die Ueber- tragung des Straßenrcinigungsweseys Ende 1375 und zu derselben Zeit die Uebertragung der Straßenbaupolizei. Die Hergabe der geuejcWhr wWche nach wie vor verweigert, Die Denkschrift zeigt, daß der Streit noch über 1848 zurück und sehr weit in die vormärzliche Zeit hineinreicht. Er begann in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Anlaß war zunächst nur die Frage der Kostenaufbringung, wie ja auch in unseren Tagen der Magistrat und die Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung nicht so sehr um der Selbstverwaltung willen als wegen des Kostenpunktes einzelne Zweige der Polizeivcrwaltung wieder an die Stadtgemeinde zurückbringen möchten. Beachtung verdient übrigens, daß gerade die Städteordnung von 1 8 9 8, die den Kommunen die„Selbstverwaltung" gab, auch die formelle Loslösung der Polizei von der Kom- m u n e brachte. Der Staat behielt sich vor, in den Städten eigene („königliche") Polizeibehörden anzuordnen oder die Ausübung der Polizei dem Magistrat zu überlassen, der sie dann aber nur als Beauftragter des Staates auszuüben habe. Berlin kriegte damals seinen Polizeipräsidenten, in dessen Geschäfte der Magistrat sich nicht hineinmischen durfte. Genau genommen datiert ja in Berlin die Trennung der Kommunalverwaltung von der Polizeiverwaltung sogar schon seit 1799, als die fünf bis dahin selbständigen Gemein Wesen Berlin, Kölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt, Friedrichs stadt zu einer einzigen Kommune vereinigt wurden. Zwar war noch hundert Jahre hindurch der Leiter der Polizei und der erste Beamte der Stadt ein und dieselbe Person, aber als Leiter der Polizei war diese Person unabhängig vom Magistratskollegium und nur dem König verantwortlich. Die Berliner haben es zeitig genug zu spüren gekriegt, daß es ein recht zweifelhaftes Vergnügen ist, Residenz- bewohner zu sein. Eine königliche Residenz muß eine könig- liche Polizei haben, sonst ist die Sache nicht richtig. Bezüglich der Sicherheitspolizei ist das, wie wir schon gezeigt haben, fast immer auch die Ansicht der Gemeindebehörden gewesen. Die Denkschrift sagt hierzu:„abgesehen von einer kleinen Schwankung im Früh- jähr 1848". Verlangt Nmrde außer der Feuerwehr fckst immer nur die Wohlfahrtspolizei, und auch die Regierung wollte nie etwas anderes als die Wohlfahrtspolizei hergeben. So lautete denn auch der Auftrag zur Anfertigung dieser Denkschrift nur dahin, daß der Uebergang einzelner Zweige der Wohlfahrtspolizei zu be- handeln sei. Daß die Uebernahme der Wohlfahrtspolizei rechtlich begründet und verwaltungstechnifch durchführbar ist, das stand auch für die Residenzstadt Berlin längst fest. Die Denkschrift hat den unnötigen Beweis noch einmal erbracht, ungeachtet der ängstlichen Sorge, mit der sie sich bemüht, die„Objektivität" der Darstellung soweit wie möglich zu treiben. Es ist recht schade, daß der Magistrat nicht in die Lage versetzt worden ist, auch für die Frage der Uebernahme der Sicherheitspolizei die Sachlage nach der rechtlichen wie nach der verwaltungstechnischen Seite hin klarzustellen. Versammlungen. Der Verband der Fabrik-, Land- und Hülfsarbeiter(Zahlstelle Berlin) hielt am Sonntag in den Musiker-Festsälen eine außer- ordentliche Generalversammlung ab, um den Bericht vom letzten Verbandstag in Leipzig entgegen zu nehmen. S e w e k o w gab eine Uebersicht der Verhandlungen und Beschlüsse. Bei Behandlung der Resolution über die Vermeidung von Grenzstreitigkeitcn betonte er, daß eine gewisse Erregung über die Annahme dieser Resolution in den Mitgliederkreisen nur durch den gedrängten und deshalb nicht richtig informierenden Bericht der Tagcspresse veranlaßt sei. Diese Erregung sei aber in Wirklichkeit unbegründet. Die Agitation für die Ausdehnung des Verbandes werde durch den Beschluß nicht behindert. In Berlin und anderen größeren Orten insbesondere sei die Agitation schon nie anders betrieben worden, als die Reso- lution eS verlange. Wenn die Resolution einer unlauteren Agitation vorbeugen wolle, namentlich einer solchen, die mit Hin- weisen darauf arbeite, daß die Beiträge in der befürworteten Organisation geringer seien wie in einer Organisation, so könne das nur von jedem gebilligt werden. Bei der Mitgliedschaft habe auch infolge eines Fehlers des Prcßberichts Verstimmung der Beschluß hervorgerufen, der eine Reihe von Betriebsarten aufführte. unter deren Arbeitern hauptsächlich die Agitation betrieben werden solle. Im Zeitungsbericht habe das Wort„hauptsächlich" gefehlt, so daß Kollegen zu der irrigen Ansicht gekommen seien. der Verband wolle sich hinfort nur auf die in dem Beschluß ge- nannten Betriebsarten beschränken. Auch Angehörige anderer Organisationen hätten daraus solche Schlüsse gezogen. Tatsächlich bedeute der Beschlutz nur. daß jene Betriebe bisher nicht genügend bearbeitet seien und die Agitation unter ihren Arbeitern jetzt ganz besonders gepflegt werden solle. Selbstverständlich blieben auch alle anderen Berufe, die die Generalkommission dem Verband zu- erkannt habe, bei diesem und in seinem Tätigkeitsfelde.— Beim Punkt„Maifeier" betonte Redner mit Genugtuung, daß ein recht günstiger Beschluß im Sinne der Förderung der Maifeier erzielt worden sei. Seine informierenden Darlegungen erstreckten sich auf alle Verhandlungspunkte, mit Ausnahme der Frage der Land- arbeiterorganisierung. Die Landarbeiterfrage wird nach einem Beschluß der Vertrauens- männercorpora gesondert behandelt, weil der Berliner Delegierte ranz Rehbein als vom Verbandstag bestellter Korreferent in eipzig für eine selbständige Landarbciterorganisation ein- getreten ist, während die Berliner Generalversammlung, die die Delegierten gewählt hat, mit der Zahlstellenkonferenz des Gaues Brandenburg vom Karfreitag der Meinung Ausdruck gegeben hatte, es wäre eine Vcrbandssektion für Landarbeiter zu errichten. Rehbein erhält dazu das Wort: Er meine, daß es nur den Anschein habe, als hätte er sich mit den Berliner Kollegen in Wider sprach gesetzt. Als auf der Gaukonfcrenz vom Karfreitag die Land arbcitcrsragc einmal wieder energischer angeschnitten worden sei, da sei, namentlich bei ihm und dem Bevollmächtigten Bruns, der Gedanke leitend gewesen, daß die Frage überhaupt einmal gründlich zur Sprache gebracht werden und den Verbandstag be- schäftigcn müsse, weil trotz 16 jähriger Agitation der Verband mit der Organisierung der Landarbeiter so gut wie keinen Erfolg erzielt habe. In diesem Sinne sei auch die von der Konferenz an- genommene und später ohne eingehende Auseinandersetzung von der Generalversammlung in Berlin akzeptierte Resolution gemeint ge- Wesen, wonach allerdings für die Gründung einer Sektion ein- getreten werden sollte. Als der Beschlutz gefaßt wurde, habe er gegenüber dem Genossen Bruns keinen Zweis/l gelassen, daß er die Gründung einer selbständigen Landarbeiterorganisation für das richtigste halte. Es sei nun abgemacht gewesen, Bruns solle auf dem Verbandstag ein ähnliches einleitendes Referat halten, wie auf der Gaukonferenz. Er sollte erklären, es komme nicht auf die Form an, sondern darauf, überhaupt etwas für die Landarbeiter zu schaffen. Auf dem Verbandstage sei eS nun anders gekommen. In einer Vorbesprechung habe der Verbandsvorsitzende Brey den Standpunkt vertreten, die Angelegenheit müsse einmal von einer höheren Warte aus behandelt werden, und habe veranlaßt, daß Frau Z i e tz als Referentin bestellt wurde, die für eine Sektion der Landarbeiter ist. Da die Generalkommission der Gewerk- schaften für eine besondere Organisation der Land- arbeiter sei, so habe Brey gemeint, es mühte auch ein Korreferent ernannt werden, der diesen anderen Standpunkt vertrete. Schließ- lich sei er dazu aufgefordert worden. Unter den obwaltenden Um- ständen habe er keine Bedenken getragen, es zu tun, zumal ein gebundenes Mandat den Delegierten von Berlin nicht auferlegt worden sei und die Frage so gestanden habe: WaS ist da? beste für die Landarbeiter und zugleich auch das beste für unseren Verband? — Redner rechtfertigte dann deS längeren unter spezieller Bezug- nähme auf die eigenartigen wirtschaftlichen, sozialen und rechtlichen Verhältnisse der Landarbeiter seinen. au,i des Berbandstag ver. tretcnen Standpunkt, daß man am besten mit der Gründung einer selbständigen Organisation der Landarbeiter fahre. Ihn hätten auch die Delegierten der größeren Städte, sowie der Hauptvorstand eingenommen. Mit dem gefaßten Beschlüsse(Resolution Zietz: Gründung einer Sektion usw.) werde man nicht weit kommen. Wie man auch über seine Stellungnahme urteilen möge, die Zeit werde lehren, daß er im Recht gewesen sei. Es entspann sich eine lebhafte Debatte. R ü ck e r ging auf die Grenzstrcitigkeiten ein und verurteilte scharf, daß trotz der im „Vorwärts" veröffentlichten Resolution der Vertrauensmänner» sitzung, die authentische Erläuterungen zu den VerbandstagS- beschlössen gab, Funktionäre des Metallarbeitcrverbandes ganz unzulässigerweise von Maschinenarbeiten! und Akkordarbeitern verlangten, aus dem Verbände der Fabrik-, Land- und Hülfsarbeiter auszutreten und dem Metallarbeiterverband beizu- treten.— Was nun die Landarbeiterfrage angehe, so könne er nicht beurteilen, ob in der Sache selbst Rehbein recht habe oder Frau Zietz. Aber daß Rehbein seinen Standpunkt als Delegierter der Berliner auf dem Verbandstage vertreten habe, das müsse er mißbilligen. Die Resolution der Gaukonferenz vom Karfreitag, wonach die Verbandsleitung zur Schaffung einer Sektion für Landarbeiter verpflichtet werden sollte, sei einstimmig. also auch von Rehbein angenommen worden. Und auch auf der Berliner Generalversammlung habe er nichts dagegen gesagt. So habe man bei seiner Delegierung davon ausgehen müssen, daß Rehbein nach dem Wortlaut der Resolution auf dem VerbandStage die Gründung einer Sektion der Landarbeiter empfehlen würde. Daß er dort dann ganz entgegengesetzte Ausführungen machte, ver» stehe Redner gar nicht.— Obst ist der Meinung, daß Rehbein gar nicht gewählt worden wäre, wenn er in der Generalvevsamm» lung gesagt hätte, was er über die Organisierung der Landarbeiter denke. Es wäre seine Pflicht gewesen, schon auf der Gaukonferenz am Karfreitag seinen Standpunkt geltend zu machen. Von den Delegierten müsse man verlangen, daß sie klipp und klar den Standpunkt ihrer Auftraggeber verträten.— Schäfer schließt sich dem Vorredner an und erklärt, Rehbein hätte ein Mißtrauensvotum verdient. Im übrigen tritt er dakür ein, daß der Verband dahin strebe, sich alle ungelernten Arbeiter zu erhalten, auch die Landarbeiter.— Ritter, Scherl und Büß nehmen in der Sache selbst Rehbeins Standpunkt ein. Ritter wendet sich auch gegen Erteilung eines Mißtrauensvotums. Man könne es erklärlich finden, daß mal ein Delegierter dazu komme, auf dem Verbandstage einen abweichenden Standpunkt zu ver- treten.— Dorn wendet sich gegen Rehbein, ebenso Sewekow: In der Resolution von der Gaukonfercnz, die sich die Zahlstelle Berlin zu eigen gemacht habe, stehe auch, daß die Delegierten ver- pflichtet seien, für die Verwirklichung der Resolution einzutreten. Danach hätte Rehbein als Delegierter für eine Landarbeitersektion des Verbandes eintreten müssen. Eine Rüge hätte er unter allen Umständen verdient. Im allgemeinen erklärten sich die Diskussionsredner mit der Arbeit des Verbandstages zufrieden. Der Beschluß zur Maifeier wurde von verschiedenen Seiten als erfreulich bezeichnet. In einem Schlußwort führte Rehbein noch einiges zu seiner Rechtfertigung an und hob hervor, daß ein gebundenes Mandat nicht vorgelegen habe. Er habe geglaubt, das Beste im Interesse der Landarbeiter zu tun. Zugeben wolle er, daß er sich vor dem Verbandstage über seine Auffassung vielleicht näher hätte aus- sprechen sollen. Der Bevollmächtigte Bruns erhält noch daS Wort: Er ver» spreche sich auch nichts von dem Beschlutz des Verbandstage- zur Landarbeiterfrage. Genau, wie Rehbein, sei er der Ucberzeugung, daß man in zwei Jahren nicht weiter fein werde, wie jetzt. Für die Resolufton Zietz habe er nicht gestimmt, weil er sie für undurch- führbar halte. Er habe auch nicht für die Resolution Rehbein gestimmt. DaS hätte er nicht gedurft. Wenn Rehbein sich formell in Widerspruch gestellt hätte zu dem Berliner Beschluß, so reichte das nicht aus zu einem Mißtrauensvotum. Mit Recht nehme Rehbein für sich in Anspruch, der Meinung gewesen zu sein, das Beste zu tun für die schlechtestgestellten Proletarier: die Land- arbeiter. Es folgte das Schlußwort SewekowS, worauf folgende Resolution angenommen wurde: „Die Versammelten erklären sich mit den Beschlüssen deS Verbandstages einverstanden und verpflichten sich, für ihre Durchführung im Sinne des weiteren Ausbaues der Organisation Sorge zu tragen." Ferner beschloß die Versammlung, fiir die weiblichen Mit- glieder den wöchentlichen Beitrag einschließlich deS Ortszuschlagcs obligatorisch ab 1. Oktober festzusetzen. Zu der am 27. Oktober stattfindenden Gaukonferenz wurden Bruns, Betten, Sewekow, Schäfer, Menzel und Rück er als Delegierte gewählt. Der Zentralverband der Fleischer hielt am Mittwoch eine gut- besuchte Mitgliederversammlung im„Englischen Garten" ab. Bergmann referierte über das Koalitionsrecht in Theorie und Praxis. Die Ausführungen, welche die letzten skandalösen Vorfälle in Breslau und Nürnberg besonders berücksichtigten, fanden den lebhaftesten Beifall. Ferner lag ein Antrag des Vorstandes um Erhebung eines Lokalbeitrages pro Monat und Mitglied von 19 Pf. vor. Begründet wurde derselbe mit den großen Ausgaben, welche die Agitation unter den besonderen Verhältnissen im Berufe er- fordert, Ausgaben, die sich im Herbst noch bedeutend erhöhen würden. Es entspann sich hierüber eine rege Diskussion. K e L l i n k e wandte sich gegen diesen Antrag und wurde dabei persönlich gegen den Vorstand. Krause, Blank. Hensel und Berg- mann traten ihm entgegen. Der Antrag des Vorstandes wurde mit allen gegen 2 Stimmen angenommen. Ein weiterer Antrag. zum Herbst in eine rege Agitation zur Verbesserung des LogiS- Wesens einzutreten, fand einstimmige Annahme. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.)) Zur Aufklärung. Die gestrige Nummer des„Vorwärts" enthält den Bericht über die Sonntagsversammlung des Metallarbciterverbandes, in welcher die vom Verbände eingesetzte Kommission ihren Bericht in der Sache gegen Eohcn erstattete. Es wird in diesem Bericht auf einen Brief Bezug genommen. den der Parteivorstand und der Zentralvorstand von Groß-Berlin an diese Kommission gerichtet haben, den wir nunmehr zu ein- gehenderer Information aller Genossen im vollen Wortlaut folgen lassen: Berlin, den 31. August 1996. Werte Genossen! Ihre freundliche Einladung, an den Sitzungen der von der Generalversammlung des Metallarbeiterverbandes eingesetzten Kommission als Zeugen teilzunehmen, müssen wir aus folgenden Gründen ablehnen: Die Kommission will auf der Grundlage des Verbandsstatuts untersuchen, ob bei der diesjährigen Maifeier von feiten deS Leiters der Berliner Ortsverwaltung Fehler gemacht worden sind. Zur Begründung des Antrages auf Einsetzung einer Kom- Mission hat jedoch der zweite Bevollmächtigte der Berliner OrtS- Verwaltung in der Generalversammlung des Metallarbeiter- Verbandes am 24. Juni d. I. ausgeführt,„daß die letzte Ver- trauensmännerkonfercnz sich mit der Angelegenheit Cohen kontra Parteifunktionäre befaßt hat und der General- Versammlung empfiehlt, eine Kommission im Sinne des Statuts einzusetzen." Nach Lage der Umstände muß sich die oben formu- lierte Aufgabe der Kommission sofort zu der Frage ausweiten, von welcher Seite, ob von der Verbandsleitung oder von den Parteifunktionären Fehler gemocht wurden. Bur Prüfung diefer, aus der Situation sich mit Notwendig-| selbst verfaßte Beschreibung seines Lebens.*) Wenn man da lieft,| ausnahmslos ber unzureichenden und ungeeigneten Nahrung und feit ergebenden entscheidenden Frage erachten wir jedoch wie der Dichter immer und immer wieder Die die durch das Organisationsstatut des Metallarbeiterverbandes nur als junger Mensch, sondern bis ins höchste Alter hinein und zwar nicht etwa Verpflegung in der Anstalt zum Opfer gefallen sind. für Beschwerden ganz anderer Natur borgesehene feineswegs platonische Zuneigung einem anderen Weibe zu- anwaltschaft die seine Gendarmerie nahm infolge dessen auf Anordnung der StaatsAnstaltsleiterin fest und führte sie dem und im Rahmen der statutarischen Bestimmungen des Metall- wendet will man doch ausgerechnet haben, daß Goethe alle sieben Untersuchungsgefängnis in Neudec zu. Sie wird sich wegen arbeiterverbandes wirkende Kommission als ungeeignet. Jahre eine neue Geliebte hatte! wie er ohne die geringsten Ge- fahrlässiger Tötung zu verantworten haben. Die noch am Wir sind selbstverständlich gern bereit, bei Aufklärung wissensbisse sich von dem mit all seiner dichterischen Glut und Be- Leben befindlichen Kinder wurden auf Anordnung des Bezirksamtes der Vorgänge, die sich in diesem Jahre bei der Feier des geisterung in den Himmel erhobenen Weibe gleichgültig abwendet, aus der Anstalt entfernt und einstweilen im Perlacher Krankenhause 1. Mai abspielten, nach besten Kräften mitzuwirken, um solche, um genau dieselbe Glut und Begeisterung auf eine andere zu über- untergebracht. Das Verzeichnis der Pfleglinge war so mangelhaft die Arbeiterbewegung schädigenden Vorkommnisse für die Zukunft tragen; und insbesondere, wie er nach seiner endlichen Verheiratung geführt, daß die Behörde die größte Mühe hatte, deren Namen und zu berhindern. bei der Behandlung der ihm vor Gott angetrauten Frau" allem Herkunft zu ermitteln. Unter den gestorbenen Kindern befinden sich Nach unserer Ueberzeugung bermag aber nur eine paritätisch ins Gesicht schlägt, was man uns sonst als ein ideales und fitt- auch zwei einer Münchener Kellnerin. zusammengesette, d. h. zu gleichen Teilen von dem liches Familienleben" preist Der jüngste der Pfleglinge Beschuldigten wäre es dem Spießer Ernst mit war sechs Wochen, der älteste fünf Jahre alt. und den Berliner Partei seiner sittlichen Entrüstung, er müßte sich schaudernd abwenden und funktionären ernannte Kommission diese für den großen Goethe als das Urbild aller Lasterhaftigkeit betrachten. Bartei und Gewerkschaft gleich wichtige Streitfrage in einer für Entgleift. die Arbeiterbewegung ersprießlichen Weise zu schlichten. Will er sich aus diesem Dilemma mit dem oben bereits anMontagmorgen 4 Uhr 55 Minuten entgleiste die Vorspann gedeuteten Kniff heraushelfen, daß man große, schwer zu be- maschine des Schnellzuges 180 der Richtung Kassel- Frankfurt Mit Parteigruß friedigende Seelen" nicht mit dem Maß gewöhnlicher Sterblicher zwischen Trevfa und Wiera mit der ersten Tenderachse und die Zugmessen dürfe, so ist es nicht einmal nötig, auf die tüdische Doppel- maschine mit der ersten Laufachfe. Der Zug fam auf 400 Meter züngigkeit hinzuweisen, die darin liegt und die bereits hinreicht, zum Stillstand. Personen sind nicht verlegt, Maschinen und Wagen jede wahre Sittlichkeit zu zerstören, sintemalen doch ein jeder das unbeschädigt, Gleis unerheblich beschädigt. Die Reisenden fuhren Recht hat, sich für eine solche" große, schwer zu befriedigende Seele" mit dem nächsten Personenzuge weiter. Das Gleis Kassel- Frank Der eigentliche Streitpunkt, wen die Schuld an den un- zu halten. Es ist eine ganz bekannte Tatsache, daß manche Phi- furt war um 8 Uhr vormittags wieder fahrbar. Ursache der Enterquicklichen Vorgängen trifft, wird durch das Urteil der Kom- lifter, auch solche, die sich keineswegs für große Seelen halten, son- gleisung ist noch nicht aufgeklärt. miffion in gar feiner Weise berührt. Wir wiederholen unsere dern von ihres Nichts durchbohrendem Gefühle" durchdrungen sind, Bereitwilligkeit, einem paritätisch zusammengesetzten Schieds- alle die Freiheiten eines Karls des Großen und eines Goethe auch gericht jederzeit zur Verfügung zu stehen. für sich in Anspruch nehmen. Und die vorgeschrittenen, denkenden Geister der Bourgeoisie wagen es sogar, dasselbe Recht auch den Frauen zuzugestehen. Auf S. 436 seines Buches erwähnt Bebel den Roman Jacques" von George Sand, in welchem ein Ehemann das ehebrecherische Verhältnis seiner Frau zu einem anderen wie folgt beurteilt: Für den Parteivorstand: A. Gerisch. Für den Berliner Zentralvorstand: Eugen Ernst. Parteivorstand und Zentralvorstand von Groß- Berlin. Aus der Frauenbewegung. Gedanken zur Frauenfrage. 1. Karnidelwirtschaft das ist der einzige Gedanke des Philifters, wenn er von sozialdemokratischen Ideen über Ehe und Familie hört. In einem nationalliberalen Wahlflugblatt, dem die Ehre zuteil geworden, als historische Quelle" in die wissenschaftes darüber: liche" Literatur unserer Bourgeoisie aufgenommen zu werden, heißt Die Ehe wird( im sozialdemokratischen Zukunftsstaat) nur auf solange geschlossen als die Liebe anhält, d. h. auf Zeit. Um Kein menschliches Wesen kann über die Liebe gebieten, und niemand ist schuldig, wenn er sie fühlt oder entbehrt. Was die Frau erniedrigt, ist die Lüge; was den Ehebruch ausmacht, ist nicht die Stunde, welche sie dem Geliebten gewährt, sondern die Nacht, die sie danach mit ihrem Manne zubringt." Mädchen seid auf der Hut! Etwas Aehnliches Abstürze in den Bergen. Die Blätter melden aus Sand im Tauferer Tal, daß Dr. Karl von Mosengail aus Berlin auf der Wildgall abgestürzt ist; der Tod sei sofort eingetreten. Chambery, 11. September. Ein französischer Offizier, ein Zeichner und zwei Italiener unternahmen die Besteigung der Aiguille d'arves. Infolge Reißens des Seiles stürzten die vier Touristen in die Tiefe. Einer der Italiener wurde getötet, die übrigen drei Touristen wurden schwer verletzt. Eine Nacht unter Löwen. Man schreibt der Voss. 3tg.": Prof. Yngve Sjöstedt, der von seiner Forschungsreise zum Kilimandscharo wieder in Schweden eingetroffen ist, hat ein volles Jahr in Südafrika geweilt. Auf seiner Reise rings um den Riesenberg, an berg, teilnahm, hatte der schwedische Gelehrte ein aufregendes Erder auch der Konservator des Reichsmuseums in Stockholm, Sandlebnis, das er wie folgt erzählt: unsere heutige gebildete Welt als elementare( also felbstverständHierzu bemerkt Brandes, daß diese Wahrheiten für ersten Autoritäten auf dem Gebiete der Literatur. liche) dastehen". Und Brandes gilt in der Bourgeoisie als eine der Eines Nachmittags gelang es uns, eine Giraffe zu erlegen. die Erziehung und Erhaltung der Kinder haben sich die Eltern denkende und gebildete Bourgeois zu Rate ziehen an Stelle des zuziehen, als die Nacht anbrach, und wir sahen uns daher genötigt, Das also ist das Urteil, zu dem wir gelangen, wenn wir wir waren gerade damit fertig geworden, dem Tier das Fell abnicht zu bekümmern, dazu ist der Staat verpflichtet. Mann und Haufens der Philister. Und was wollen wir Sozialdemokraten in der Nähe der toten Giraffe unser Lager aufzuschlagen. Ich Weib laufen zusammen, wenn sie Liebe zu empfinden meinen, anders, als der Einsicht zum Siege zu verhelfen, daß es im Ge- ftecte neben dem Kadaver einen Spieß in die Erde und befestigte wenn es ihnen beliebt, und wieder auseinander auch, wenn es schlechtsverkehr nichts anderes Unsittliches gibt als den Zwang, und Darauf gingen wir schlafen. Gegen zwei Uhr nachts erwachte ich an dem Spieß eine Laterne, um die Hyänen zu verscheuchen. ihnen beliebt. Damit ist die Familie, das sittliche Fundament daß demgemäß der Zwang aus der Ehe entfernt werden muß? des Kulturstaates, zerstört." durch ein dumpfes Gebrüll. Ich weckte sofort Sandberg und Wieviel schiefes und falsches diese Darstellung auch enthält richtig ist daran soviel, daß die Sozialdemokratie den Zwang für sagte ihm, daß sich vor unserem Zelt 2öwen befänden. Wir lauschten aufmerksam, hörten aber lange Zeit nichts und legten Eheleute, unter allen Umständen zeitlebens beisammen zu Vor einigen Jahren verhinderte die Sozialdemokratie durch uns daher wieder aufs Ohr. Doch wir sollten nicht lange schlafen. bleiben, berwirft und prinzipiell für die Frau wie für den Mann das Recht Initiative im Reichstage das Zustandekommen eines Vertrages mit Jeßt war es Sandberg, der mich weďte." Die Löwen sind in verlangt, das Verhältnis wieder zu lösen. Und gerade diese Auf- einer Kolonialgesellschaft, der darauf berechnet war, gewiffermaßen nächster Nähe!" rief er mir zu. Ja, ein Jrrtum war ausgeschlossen. hebung des Zwanges, gerade diese Freiheit ist es, welche die All- unter Regierungsflagge Mädchenhandel zu betreiben, oder wenigstens Jch fleidete mich schnell an, ergriff mein Gewehr und schlich aus tagsmoral des Philifters stört und ihn veranlaßt, über Unsittlichkeit Mädchen unter falschen Vorspiegelungen nach den Kolonien zu locken der Belttür. Es war stocfinster. Nur die Laterne neben der toten zu zetern. Gleichgültig, welches die Ursachen und welches die und sie dort zu Kebsweibern werden zu lassen, die auf Gnade und Giraffe leuchtete schwach. Und in ihrem Lichtschein sah ich einen Folgen einer geschlechtlichen Gemeinschaft zwischen Mann und Ungnade ihren Herren ausgeliefert find. Frau find: fittlich" ist für den Normalspießer nur ein Geschlechts- ist möglicherweise auch jetzt wieder im mächtigen grauweißen Schatten. Ich schoß sofort, fast ohne zu zielen, aufs Gratewohl. Ein dumpfes Gebrüll war die Antwort, verkehr nach Unterschreibung des Dokuments beim Standesbeamten, wird nun auf anderem Wege versucht, zum Ziele zu kommen. Tazen schienen sich in die Luft zu strecken, dann war alles still Spiele, vielleicht und ich sah, daß ein großes Tier in die Höhe sprang. Ein Paar welches die Freiwilligkeit beider Teile aufheben soll. Ueberflüssig, unseren Lesern zu sagen, welche Unsumme von Wie gemeldet wird, ist der Präsident der Deutschen Kolonialgefell- und ruhig. Ich wartete eine Weile, dann konnte ich es Heuchelei darin liegt. Haben doch die führenden und von der Masse schaft gebeten worden, 60 Mädchen nach Südwestafrika zu senden. mir nicht versagen, eine Erkundung vorzunehmen. Sandberg als Helden angestaunten Geister fast ohne Ausnahme auf diese Dieselben sollen zunächst in den Wirtschaften der Kolonie Unter- folgte mir und Amesi, einer von den Negern, die unsere Träger sogenannte„ Heiligkeit der Che" gepfiffen. So gilt z. B. Karl kommen finden, um später angeblich an Ansiedler verheiratet zu uns der toten Giraffe, wagten jedoch nicht bis zu ihr zu gehen. waren, ging voran und trug eine Acetylenlaterne. Wir näherten der Große als Muster eines christlichen Tugendboldes, und die werden. Dem Antrage soll wie verlautet entsprochen und die 60 Mädchen Aber wir sahen nichts, und fein Laut störte die Stille. Da stieß Schulbücher werden nicht müde, ihn als solchen der lieben Jugend aus Mitteln der Kolonialgesellschaft frei hinübergeschickt werden. Sandberg plötzlich einen leisen Ruf aus und bat mich auf die zu schildern und zur Nachahmung zu empfehlen. Von ihm aber Da wir nach dem Obigen Veranlassung haben, hinter der Geschichte Seite zu bliden. In weitem Abstande erblickte ich dort eine Reihe lesen wir in dem sehr patriotischen und gesinnungstüchtigen" Ge- nicht einwandfreie Manipulationen vermuten zu können, und solange glühender Punkte. Es waren zehn leuchtende Augenpaare, die schichtsbuch von Stredfuß:„ Das deutsche Volt", S. 99: " Daß der Kaiser bei den Fehltritten seiner Töchter so nach- die Regierung nicht die Garantie übernimmt, daß Bedenken keine uns betrachteten. Die Lage war unangenehm genug. Amefi zitterte fichtig war, mag seinen Grund wohl darin haben, daß er selbst Berechtigung haben, und vor allem auch, so lange über das Geschick bor Schreck, ich ergriff ihn am Arm und leitete ihn.„ Simba in geschlechtlicher Beziehung keine besonders strengen Grund- der bereits Hinausgesandten der Schleier der Verschwiegenheit ge- uns langsam zum Zelt zurück. Dort hielten wir darauf, mit dem mingi"( biele Löwen), flüsterte er. Rüdwärts gehend zogen wir fäße hegte. Er war fünfmal verheiratet, und es ist bedt bleibt, so lange ist größtes Mißtrauen die beste Waffe gegen Gewehr in der Hand, die ganze Nacht Wache. Die Löwen machten außerdem geschichtlich bewiesen, daß er noch vier Rebs- ein ins Unglüdrennen. Mädchen, feid vorsichtig! weiber gehabt hat." feinen Versuch, uns zu beunruhigen. Dies dürfte dadurch zu er flären sein, daß sie in jenen menschenleeren Jagdgebieten ihren wenn ein Löwe nicht vom Hunger getrieben wird oder an MenschenHunger an Gazellen und Antilopen bequem stillen können. Und fleich Geschmack gefunden hat, fällt er Menschen ungern an, sogar wenn die Aussichten für ihn so sehr auf seiner Seite sind, wie fie es in jener grauenvollen Nacht waren. Am folgenden Morgen fanden wir eine stattliche Löwin neben der Giraffe ausgeftredt liegen. Es war ein guter Schuß gewesen. Der Tod war ersichtlich augenblicklich eingetreten. Versammlungen Veranstaltungen. Behlendorf. Mittwoch, 12. September, 8%, Uhr, bei Benno Midley, Potsdamerstraße: Vortrag der Genoffin Kiesel:„ Der Einfluß der Arbeiterbewegung auf das Familienleben". Vermischtes. Eingegangene Druckfchriften. Plutus. Kritische Wochenschrift für Bolkswirtschaft und Finanzwesen ( Abonnements einschließlich von der Plutus- Merktafel, die alle Ereignisse der kommenden Woche rechtzeitig fignalisiert, vierteljährlich per Post und Buchhandel 3,50 M., direkt vom Berlag 4 M. Berlag, Berlin- Charlottenburg, Goethestr. 69.) Feldzuges von 1815", Waterloo) von Oberstleutnant Charras. Neudrud Histoire de la campagne de 1815"( Geschichte des ber Ausgabe von 1863). Genf im Verlage von Soullier. 1. Lieferung, 85 Centimes, 64 Seiten( nebst Karte des Kriegsschauplages und Bildnis Charras). Und anderwärts erfahren wir, daß die große Bahl seiner Frauen teineswegs etwa in deren abnormer Sterblichkeit ihre Ursache hatte; vielmehr wenn Karl eines Weibes überdrüssig war, ..entließ" er sie einfach und nahm sich eine andere. Er hat also ein bißchen sozialdemokratischen Zukunftsstaat" gespielt von der Sorte, wie sie in nationalliberalen und sonstigen staatserhaltenden Köpfen ausgeheckt wird. Das hat ihm aber in der Verehrung derjenigen Leute, die hierin sonst den Gipfel aller Unsittlichkeit zu sehen be= haupten, nicht im geringsten geschadet. Nichtsdestoweniger gilt er Unter dem Verdacht der Engelmacherei wurde die 50jährige ihnen als Muster aller christlichen und nationalen Tugenden. Leiterin einer Kinderbewahr- und Säuglingspflegeanstalt verhaftet, Auch ist er keineswegs der einzige. Bebel hat in seinem Buche die von einer Münchener Kongregation in einem einsamen, am Wege über:" Die Frau" eine ganze Reihe von Stimmen zitiert, die das nach Micheliburg bei Berlach in Bayern gelegenen Hause errichtet gleiche unfittliche" Verhalten bei den Großen in zustimmendem war. In der letzten Zeit betrug die Anzahl der in dieser( Herausgeber: Georg Bernhard). 36. Heft. Sinne feiern. Wir lesen alle" heißt es da auf S. 435 von Anstalt untergebrachten Kinder zwölf, die meist nur einer bürgerlichen Schriftstellerin„ doch ohne die geringste sitt einer Pflegerin versehen wurden. liche Entrüstung z. B. von Goethe, wie er oft und immer wieder traten In der vergangenen Nacht nunt nicht weniger als sieben Todesfälle unter seines Herzens Wärme und den Enthusiasmus seiner großen Seele den Kindern ein, weshalb die gerichtliche Obduktion der Leichen anan eine andere Frau verschwendete." In der Tat gibt es kaum geordnet wurde. Diese ergab, daß die bedauernswerten Geschöpfe einen schlagenderen Beweis für die Heuchelei des Zeterns der bürgerlichen Spießer über die Unfittlichkeit", als die von Goethe*) Aus meinem Leben, Dichtung und Wahrheit. Apollo. Berlin im Omnibus. Spe zialitäten. Kasino. Alexander der Große. Folies Caprice. Der General Konsul. Sünden der Väter. Wintergarten. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Irania. Zaubenstraße 48/49. Abends 8 1hr: Der jüngste AusSternwarte, Invalidenstr. 57/62. bruch des Besuvs. Ferdinand Bonns " Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, 12. September. Anfang 7 Uhr. Opernhaus. Cavalleria rusticana. ( Bauernehre.) Coppelia. Schauspielhaus. Ein Kaisertag in Nürnberg. Wann wir altern. Die Dienstboten. -Berliner Theater. Heute und folgende Tage: Neues Operntheater. Gefchloffen Sherlock Holmes. Deutsches. Ein Sommernachts. traum. Westen. Der Opernball. Lorking. Der Freischütz. Anfang 8 Uhr. Leffing. Die Weber. Berliner. Sherlock Holmes. Schiller 0.( Wallner Theater.) Hasemanns Töchter. O Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Weh' dem, der lügt! Anfang 8 Uhr. Neues Theater. Eine. Abends 8 Uhr: Der Stammgast. Der Donnerstag: Sganarell. bürgerliche Edelmann. Eine. Freitag: Der Stammgast. Sonnabend: Frost im Frühling. Renes, die Der Glammgaß Kleines Theater. Neues. Eine. Stammgast. Komische Oper. Hoffmanns Er zählungen. Refidenz. Die Höhle des Löwen. Trianon. Die Notbride. Luftspielhaus. Spaßenliebe, Zentral. Der Rastelbinder. Kleines. Ein idealer Gatte. Carl Weik. Adele, Deutsch Amerikanisches. Im wilden Westen. Thalia. Wenn die Bombe plakt. Luisen. Eine Nacht in Berlin. Walhalla. Spezialitäten. Metropol. Auf ins Metropol. Abends 8 Uhr zum 76. Male: Ein idealer Gatte. Donnerstag, Freitag, Sonnabend: Ein idealer Gatte. Zentral- Theater. ( Operette). 8 1hr halbe Preise: Der Rastelbinder. Donnerstag: Die Fledermaus. Urania. Luisen- Theater| Refidenz- Theater. Wissenschaftliches Theater. Heute im Theater 8 Uhr: Der jüngste Ausbruch des Vesuvs. OOLOGISCHER ZC CARTEN Täglich ab nachmittags 5 Uhr: Großes Militär- Doppel- Konzert. Eintritt 1 M., v. 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Komische Oper. Heute abend 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Donnerstag: Hoffmanns Erzählungen Freitag: Figaros Hochzeit. Lortzing- Theater Bellealliancestr. 7/8. Mittwoch, den 12. Sept., 7, Uhr: Der Freischütz. Abonnements gültig. Morgen, Donnerstag: Zar und Zimmermann. Reichenbergerstr. 34. Heute: Eine Nacht in Berlin, Donnerstag: Ein Kind des Glüds. Freitag: Eine Nacht in Berlin. Sonnabend: Ein Kind des Glüds. Sonntag nachm.: Romeo und Julia. Abends: Ein Kind des Glüds. Direktion Richard Alerander. Heute bis Freitag Anfang 8 Uhr: W. Noacks Theater. Direktion: Rob, Dill. Brunnenſtr. 16. Heute: Geschlossen. Sonnabend, den 15. September cr.: Eröffnung der Winter Spielzeit! Die Höhle des Löwen. egment in 9 etten t. 9. Dennequin Don Cesar. Dir. Rob. Dili Schwank 3 v. M. und P. Bilhaud. Gaston Chalindrey: Rich. Alexander. Sonnabend, den 15. September, zum erstenmal: Triplepatte: Metropol- Theater Lustspielhaus. Henry Bender. Josef Giampietro. Abends 8 Uhr: Täglich: Fritz Massary. Papagentiebe. Auf- in's Metropol! Deutsch- Amerikanisches THEATER, Köpenickerstr. 67-68. Jeden Abend 8 Uhr: Gastspiel Adolf Philipps: Jm wilden Westen. Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Preise: ,, Uebern großen Teich." Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. der Titelrolle. Billetts zu dieser Vorstellung find täglich von 11 Uhr ab im Theater zu haben. Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allee 148. Täglich: Vorstellung und Tanz. Neue Spielfolge. Figliola. X Jean Hofer. De Clown Dolly mit feiner urtomischen Tierfamilie. Täglich: Großer Tanz. Anfang 4 Uhr. X Eintritt 30 Bi Volksgarten- Theater. Badstr. 8( Behm- u. Bellermannstr.) Täglich: Konzert, Theater u. Spezialitäten. Das neue September- Programm. Gebr. Marconi, Henry Sago, Monte Heute und folgende Tage Anj. 8 Uhr Christo, der Reifenschlüpfer; Kascha Trianon- Theater. Bernhard Rose- Theater Die Rotbrücke. Gesundbrunnen, Badstraße 58. Geschlossen. Sonntag, den 16. September 1906: Letzte Vorstellung b. Sommersaison. Montag, den 17. September:. Freitag z. erstenmal: Der Hausfreund. Folies Caprice Linienstr. 132, Ecke d. Friedrichstraße. Zum 12. Male: Der Generalkonsul und Die Sünden der Väter. Anfang 8 Uhr. Eröffnung der Wintersaison. Die relegierten. Studenten. Vorverkauf b. Wertheim u. an Luftspiel in 4 Aufzügen von Benedig. der Theaterkasse 10-2 Uhr. Rusalka. ' s Sieserle. Liederspiel in 1 Att von J. Kneiff. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für 137/18 Hant- und Harnleiden. 10-2,5-7. Sonntage 10-12, 2-4. Carl Weiß- Theater. Br. Frankfurterstr. 132. Letzte Woche abends 8 Uhr: Adele. Freitag, den 14. Sept.: Benefiz für Herrn Stüntel Im Garten: Spezialitäten Vorstellung. = Anfang 6 Uhr. Kasino- Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr Apollo Theater Schiller- Theater. Mittwoch, abends 8 Uhr: Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Hasemanns Töchter. Volksstück in 4 Aften v. A. L'Arronge. Donnerstag, abends8 Uhr: 845 Der Affe als Jockey. Frau Inger von Oestrot. Original Dressur- Akt. The Seldoms plastische Darstellungen. 1 Dame und 3 Herren. Alexander der Große 10 br 10 Uhr! Freitag, abends 8 Uhr: Das Lumpengesindel. Weh' dem der lügt. Lustspiel in 5 Aufz. v. F. Grillparzer. Donnerstag, abends8ubr: Hasemanns Töchter. Freitag, abends 8 Uhr: Jugendliebe. Hierauf: Die Dienstboten. Diez' Spezialitäten- Theater. von Emil Thomas und Adolf Selig. Berlin im Omnibus. Oh schön! Borher das Eröffnungsprogramm. den 30. September, nachm. 3% Sonntag nachm. 4 Uhr: Madame Bonivard. Palast Theater. Burgstr. 24, 2 Min. v. Bahnhof Börse. Heute 28 Uhr. Entree 50 Pf. Das Riesen- September- Programm. Vendaro, Dressur- Aft. The Daymlers, Afrobaten. Carmanelli Duo. Franz Gorrè. Mandita. Salero Leopard. Stee and Shee sowie 8 erstkl. Nummern. 8 Dazu: Der Sommerleutnant. Schwank vom M. Reichardt. WINTER CARTEN 8 Großer Erfolg des Eröffnungs- Programms. Robert Steidl, Humorist. Das Erntefest, engl. Ballettszene. Bonhair Gregory, Akrobat.- Truppe. Mia Werber, Sängerin. Ida Fuller, Fantasie- Tänzerin. Chung Ling Soo, chin. Zauberkünstl. De Witt Burns und Torrance, 4 amerikanische Exzentriks. Die Pissiutti, Reitakt. Ferry Corwey, musikal. Clown. Price u. Toledo, Kontorsionisten. Der Biograph. Passage- Theater. Gastspiel Josefine Dora in der Komödie ,, Riecke" mit dem Schlager „ Emil du bist eene Pflanze". Außerdem 14 erstklassige Spezialitäten! Schweizer Garten Am Königstor Um Friedrichshain. 48. Sommer- Saison. Jeden Sonntag: Erste Nachmittagsvorst. Sonntag, Berliner Prater- Theater Kastanien- Allee 7/9. Täglich: Zwischen Himmel u. Erde Großes Ausstattungsstück. The three Spoons, Jongleur- Pantomime. In der Küche. Spezialitäten. X Ball. Anf. 4 Uhr. Eintritt 30 Bf. Numerierter Play 50 Pi. Walhalla A Variete- Theater Weinbergsweg 19/20 am Rosenthaler Tor. Das erstklassige SpezialitätenProgramm. Chevalier Thorn ,, Im Traumlande". Adele Marow, Soubr.- Diva. Hauser, Humorist. 8 Germanias, Damenensemble. 4 Georgettys, Gymnastiker. Verdier, Pistonvirtuosin. Rigolettos, Gymnast. Pauli, Soubrette. Almado, ikar. Spiele. Honeysuckles, Jongleure. Parney u. Jenkins, Exzentriker. Vitascope. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Landsberger Allee 76/79( Ringbahnstation). Ab 1. September täglich: Zentralverband der Schmiede Zahlstelle Berlin. Bureau: Stralauerstr. 48. Telephon: Amt 1, 7779. Donnerstag, den 13. September, abends 8, Uhr: Außerordentliche Mitglieder- Versammlung in den Musikerfälen, Kaiser Wilhelmstr. 18m. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen H. Ströbel über: 176/19 Ob Regen! Partei und Gewerkschaften", neues fenfationelles Programm. Kaffeeküche. Volksbelustigungen aller Art. Anjang 4 Uhr. Entree 30%. Jed. Erwachsene 1 Stind unter 10 Jahren frei! Schwarzer Friedrichsberg. Fernsprecher Nr. 8.9 Adler Frankfurter Chaussee 5. 16482* Restaurant und Festsäle. Jeden Mittwoch: Humoristische Soiree der Willy Walde- Sänger. aber Familien- Kränzchen. x Bond haben Jeden Sonntag: Spezialitäten- Vorstellung. Vorstellung: Jm Saale: Großer Ball. Gültigkeit. Gebr. Arnhold. 2. Anträge. 3. Verschiedenes. Kollegen! Wir erwarten zu dieser Versammlung recht zahlreichen Besuch und ersuchen alle Kollegen für diesen rege zu agitieren. Kollegen als Gäste haben Zutritt!- Mit Gruß Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. ( Zahlstelle Berlin). Luxusmöbel- Branche! Donnerstag, den 13. September 1906, abends 8%, Uhr: Versammlung aller in der Luxusmöbel- Branche beschäftigten Arbeiter als Tischler, Polierer, Drechsler, Maschinenarbeiter, Bildhauer usw. im, Märkischen Hof", Admiralstr. 18c. Tages- Ordnung: 92/11 1. Bericht von der Konferenz. 3. Wie nüßer wir die gegenwärtige Konjunktur in der Branche aus? 3. Verbands- und Branchen- Angelegen heiten. Die Kommission. Zum Kampf im Friseurgewerbe im Friseurgewerbe Zentralverband d. Schuhmacher Deutschlands. in Rixdorf. Die Rixdorfer Zwangsinnung unter Leitung des Obermeisters Herrn Weinberg, Rottbuserdamm 100, beschloß jedes Mitglied in Strafe von 20 M. zu nehmen, das die Forderungen der Gehülfen bewilligt und die Kontrollfarte duldet. Es handelt sich um einen Angriff auf das Koalitionsrecht, um Vernichtung der Organisation. Die in bewilligten Geschäften tätigen Gehülfen sind im Besitz einer weißen mit rotem Rand Nur diese ist Ausweis dessen, daß die Forderungen der Gehülfen bewilligt sind. Gültig, wenn laufend gestempelt. In nachfolgenden Geschäften arbeiten Gehülfen mit der Karte: losseum ehenen Kontrollfarte mit der Unterschrift Baul Liere. Colo Dresdenerstr. 97. 15 erstklassige 15 Täglich: Konzert- u. VolksSpezialitäten Kabarett. ( Ohne Weinzwang.) Reichshallen. Täglich: Stettiner Beutel, Stottbuserdamm 91. Peters, Berlinerstr. 26. Vogel, Schwabe, 89. 100. Manzelmann, Renaustr. 7. Pawlecki, Hermannplatz 4. Stöbe, Hobrechtstr. 6. Marx, Bannierstr. 5. Schachler, Bannierstr. 15. Steinke, 53a. Erdmann. Elbestr. 8. Lenz, Weserstr. 205. Sänger Wisocki, Saijer Friedrichstr. 244. Anfang Bochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Oemchen, Langner, Herzbergstr. 11. Leich, Steinmeftr. 20. Vogel, 33. 177. Pukall, Bietenstr. 31. Ciccielski, Jägerstr. 75. Fellenberg, Bring Handjeryftr. 18. Jungmann, 54. Hennig, Barthestr. 69. Nagel, Wigmannstr. 22. Walter, Karlsgartenstr. 20. Baude, Münchenerstr. 44. Liepmann, Reuterstr. 30a. Malick, Mainzerstr. 5. Roy, Hermannstr. 207. Borsdorf, Bodeftr. 20. Strehlke, Balterstr. 2. Heinze, Emferftr. 38. Stephan, Herrfurthstr. 6. Sawicki, 31. Britz: Hasseroth, Werderstr. 4. " Partei: und Gewerkschaftsgenossen! Achtet auf die Kontrollfarte, insbesondere darauf, daß diese sichtbar am Spiegel angebracht ist. Anderenfalls meidet die Geschäfte. Hoch die Welt- Ausstellungs- Solidarität! Biograph-( St. Louis) Verband der Friseurgehülfen Deutschlands. Theater lebender Photographien mit abwechselndem Abnormitäten- Progr. Verbindung mit größter FilmsFabrik Frankreichs, daher täglich neueste Bilder. ♦ Den ganzen Tag Vorstellung. Extravorstellung Otto Pritzkow, Münzstr. 16. neuer Spezialitäten. Buggenhagen Ball u. Volksbeluftigungen. Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf. An Wochentagen ist Saal u. Garten an Vereine zu vergeben. Moritzplatz. Täglich! Gustav Gottschalk's Rixdorfer Theater humoristische Konzerte. Bergstr. 147. Leitung: Julius Türk. Eröffnungs- Vorstellung Mittwoch, den 19. September cr. Beginn der Volksvorstellungen Sonntag, den 7. Oktober. Sanssouci. Kottbuser 1.Straße 4a. Direttion Wilhelm Reimer. Montg.Donnerst Gustay Behrens Theater, Berlin O., Frankfurter Allee 85. Hoffmanns Hordd. Sänger Kolossaler Erfolg und Tanzkränzchen. Neu! Der Nachtwächter. Poffe. Tante Hopfenrats Erben. Luftspiel. des sensationellen neuen September- Programms. 22 Nummern. Sommt.Beg. 5, Wochent. 8 U. Anfang 7%, Uhr. Sonntags 512 Uhr. Zweigverein Berlin und Vororte. Bureau: Rosenthalerstraße 57. Telephon: Amt III, Nr. 1296. 268/16 Der Vorstand. Die Magen- und Darmkatarrhe der Säuglinge erfordern neben einer geeigneten Behandlung von seiten des Arztes vor allem ein den erkrankten Berdauungsfanal wenig belästigendes, geringe Verdauungsarbeit benötigendes und dennoch kräftiges Nahrungsmittel. Ein allen diesen Anforderungen entsprechendes, glänzend bes währtes Präparat ist Rufeles Kindermehl, welches nicht nur die Nährstoffe in dem richtigen Verhältnisse wie die Muttermilch, sondern auch das leicht resorbierbare pflanz liche Eiweiß enthält und daher sehr nahrhaft ist. Den Strankheitsfeimen bietet es einen schlechten Nährboden und bringt dadurch die Gärungsvorgänge im Darme zum Aufhören. Stufete- Mehl wirkt daher sogar im erkrankten Darme nicht nur ernährend, sondern tritt auch der Krankheit selbst entgegen. Germania- Pracht- Säle. N., Chausseestr. 103. Karl Richter. Jeden Mittwoch: Wilh. Wolffs Hamburger Sänger. Anfang 8 Uhr. Eintritt 30 Bf. Borzugs farten gelten. Nach d. 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Ausgenommen sind die Mitgliedskarten der seit dem 1. Januar 1906 Neuaufgenommenen und die Bücher der weiblichen Mitglieder. Die Ortsverwaltung. 170/6 Verband der Friseurgehülfen Deutschlands. Zweigverein Rixdorf. Donnerstag, den 13. b. M., abends 9%, Uhr, Berlinerstr. 14: Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 268/6 1. Bert und Bedeutung der Fachgenossenschaft. Referent: Paul Liere. 2. Distuffion. 3. Gewerkschaftliches. Mitgliedsbuch legitimiert. Bahlreiche Beteiligung erwartet Vieler Sorgen enthoben wird jede Hausfrau durch die Sauberkeit und grosse Arbeits- und Gasersparnis des echten Auer Glühstrumpfes DEGEA ** Der Vorstand. Nur echt bei den Gasanstalten sowie den einschlägigen Geschäften, welche durch unser Plakat mit dem roten Auer- Löwen kenntlich sind. Deutsche Gasglühlicht Aktiengesellschaft ( Auergesellschaft) insegnungs** Anzüge E in den neuesten Façons Tuchkammgarn, Ripskammgarn u. 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Die MutterschaftsSozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berliner Wahlkreises. Todes Anzeige. Am 10. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Gärtner Max Haere Trescowstr. 53. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet ant Donnerstag, den 13. d. Mts., nachmittags 34, Uhr, vom Trauer Versicherung. hause aus nach dem Friedhofe und ihre Bekämpfung. Ein Beitrag zur Frage der Fürsorge Bon Käte Dunder. Eine Schrift, die entsprechend ihrer Bedeutung, in keiner Arbeiterfamilie fehlen sollte. Sozialdemokratie für Schwangere und Wöchnerinnen von Lily Braun. Preis 20 Pf. In besserer Ausstattung 50 Preis 40 p. Gewerkschaften und und Antisemitismus. Bon August Bebel. # Unternehmer- Verbände. Bon Dr. Aug. Müller. Preis 30 Pf. Die Zukunftstaatsdebatten Rede auf dem sozialdemokratischen im französischen Parlament. Parteitage zu Köln. Reden Mit zwei Nachträgen. Zweite durchgesehene Auflage. von Jaurès, Baillant und Clemenceau. Preis 30 Pf. Uebersetzt von Mar Quard. In befferer Ausstattung 75 " Preis 10 Pf. der Freireligiösen Gemeinde in der Pappel- Alce statt. 249/14 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Todesanzeige. Allen Freunden und Genossen zur Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Gärtner 22712 Max Haere am Montag, den 10. d. Mts., verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 13. d. Mts., nachmittags 3, Uhr, vom Trauerhause Trescowstraße 53 aus nach dem Friedhofe der Freireligiösen Expedition des Vorwärts", Berlin SW. 68, Gemeinde, Bappel- Allee ſtait. " Lindenstraße 69, Laden. 234/ 17* Die trauernden Hinterbliebenen. Kranken- Unterstützungs- und Begräbnis- Verein für Bau- und gewerbliche Hülfsarbeiter Berlins und Umgegend. Am Freitag, den 7. d. M., verunglüdte unser Mitglied Otto Lothal, Memelerstr. 11. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, bon der Leichenhalle der Andreasgemeinde in Wilhelmsberg aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 37/10 Der Vorstand. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann und guter Vater, der Maler Paul Adler Lettestraße 3, am Sonntag, den 9. d. M., verstorben ist. Die Beerdigung findet Donners: tag, den 13. b. Mis., nachmittags 4 Uhr, auf dem Gethsemane Kirchhof statt. Dies zeigen an 11936 Die trauernden Hinterbliebenen. Am Montagvormittag 9, Uhr verschied nach langem schwerem Leiden mein geliebter Mann und Vater, der Restaurateur 1205b Joseph Fittkau Quizomstr. 105 im Alter von 39 Jahren. Dieses zeigen um stille Teilnahme bittend tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 13. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Halle des städtischen Krankenhauses Moabit, Birkenstr. 62-63, nach dem Friedhofe der St. Sebastian- Gemeinde, Reinickendorf, statt. Deutscher Holzarbeiter- Verband Nachruf! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Stollege, Tischler Albert Friedrich am 8. September verstorben ist und am 11. September zur letzten Ruhe gebettet wurde. Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. 92/10 Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, Schwieger22702 und Großvaters August Dammer sagen wir allen Teilnehmern, insbesondere dem Beerdigungsverein Berliner Zimmerleute, dem Zentralberband der Zimmerer Deutschlands ( Bahlstelle Berlin und Umgegend) unseren tiefgefühlten Dank. Witwe Dammer nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters, des Gaftmirts August Neumann, fage ich allen lieben Freunden und Bes fannten für die überaus große Beteiligung meinen besten Dant. 11846 Wilme A. Neumann und Sohn, Stallschreiberstr. 29. Danksagung. Sage allen Teilnehmern bei der Beerdigung meines lieben Mannes, insbesondere seinen Kollegen sowie den Mitgliedern des Wahlvereins und dem Gesangverein der Puzer meinen 22692 herzlichsten Dant. Witwe Liersch nebst Kindern. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. * Bettenverkauf, Wanduhren, Taschenuhren, Uhrketten, Feft geschenke, Pfandleibhaus Beidenweg neunzehn. + 42* Gardinenhaus Große Frankfurter. ftraße 9, parterre. 1+ 100,00. Kleine Anzeigen Abessinierpumpen von 8,00 bis Gartensprigen aller Art, Schläuche, Erdbohrer umsonst. Pumpen wolff, Ackerstraße 81. 1828 Kleider Nixdorf, Bruses Festsäle, Knese bedstraße 113, Restaurant, Garten, Vereinszimmer, Parkettsaal( 600 Perfonen). Sonntags Ball.+ 118* Sonnabende frei.( Weißbier!) KlubVereine! Saal, Vereinszimmer haus, Annenstraße 16. 244/ 20* empfehle bei Bedarf meine WaschWaschanstalt. Den Genossen und Plättanstalt. Wäsche wird sauber und chlorfrei gewaschen, im Freien getrocknet. Karl Joch, Köpenid, Grünauerstraße 21. Abholung Sonn abends. 1754 Möbel, billig. 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Wegen Streit und Lohndifferenzen find gesperrt: Für Drechsler: Alle Betriebe Berlins und der Vororte. Drechsler werden für die be willigten Betriebe mur durch den paritätischen Arbeitsnachweis, Gor mannstraße 13, eingestellt. Für Tischler, Polierer und Maschinenarbeiter: Gebr. Ehrlich, Krautstraße. Lurusmöbelfabrik Ohmann, Lausitzerplak 13/14. Müller, Roppenstraße 31. Becker, falitzerstraße. Für Bautischler: Kukan, Müllerstraße. Für Küchenmöbeltischler: Rosenau, Strelitzerstraße. Für Knopfarbeiter: Abramowsky, Röpenider. ftraße 33a.. Der Junungsnachweis, Brunnen. Für Bürstenmacher: straße 154. Für Parkettbodenleger: Ban Tempelhof, Dorfstraße 19. Fabrikant Vertreter Wagner. Herzer, Bau Kaiser Allee 45. Zwischen. meister Petsch. Ban Groß- Lichterfelde- Weft, Ede Brüder- und Karlstraße. Vertreter Tiek u. Walter. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Ad. Lesser, Krautstraße, für Kartonarbeiter, u. für Galanteriearbeiter die Firma Aloys Sak, Neanderstr. 4. Bor Arbeitsannahme in den Ber bandsbetrieben, auch durch den pari- Achtung! tätischen Facharbeitsnachweis ist Information auf dem Bureau, Engel ufer 15 JI, Zimmer 21, einzuholen. 24/12 Die Ortsverwaltung. Achtung! Achtung! Textilarbeiter! Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Teppich Fabrik M. Proken n. Sohn in Stralau bei Berlin befinden sich im Ausstand. Buzug ist ftreng fernzuhalten. 197/7 Filiale Stralau- Rummelsburg. Achtung! Achtung! Schildermaler! Achtung! Klavierarbeiter! In der Pianofabrit von Bell& Co., Andreasstr. 32, haben sämt liche Kollegen wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. 141/ 16* Zuzug ist fernzuhalten. Vereinigung der Musikinstrumentenarbeiter. Annahme- Stellen für ,, Kleine Anzeigen". Osten: Mann, Petersburgerplas 4. Wengels, Rüdersdorferstr. 3. Gustav Vogel, Koppenftr. 83. Nordosten: und gut arbeiten, verlangt( Probe) Sämtliche Firmen der Schilder- 2. Zucht, Keibelstr. 42. Sonnenfeld, Spandauerstraße 14/15. branche, welche nicht bewilligt J. Reul, Barnimitr. 42. Wahl, Hobrechtstraße 74. Schulmädchen, flintes, verlangt haben, sind für alle Kollegen geNorden: 11966 perrt! Kollegen! laßt Euch nur S. Raschke, Aderstr. 36. verlangt durch den Arbeitsnachweis, Wall+48 ftraße 36, Amt IV, 4475, bermitteln. Die Verwaltung. Farbigmacherinnen Weißensee, Sedanstraße 46. langt Bathe, Köpenickerstraße 127. Farbigmacherin und Bader ver Botenfrauen finden ſehr lohnende Beschäftigung Potsdamerstraße 33, Eingang Lügowstraße. 156/ 18* Jm Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten 50 Pf. die Zeile. M. 50.Wochenlohn * Achtung! Achtung! Töpfer! Die Sperre über die Firma Willi Herzog besteht nach wie vor. 268/8 Verein der Töpfer Berlins und Umgegend. Achtung! Kirshner! Der Verein selbständiger Kürschner ( Pelzbranche) hat über die Firma ober 50-60 Proz. Provision erhält Joka u. Co. jeder, der die Vertretung von Alu- die Sperre verhängt. Wir ersuchen miniumwaren übernimmt. Branchen- die selbständigen Kürschner, fich streng tenntnisse nicht erforderlich. 214/ 10* an den Beschluß zu halten. L.Klöckner, Erbach- Westerwald. 103/ 2* Der Vorstand. N en begründete Parteipreffe in Essen( Ruhr) sucht zum 1. Februar oder 1. März 1907- je nach Fertigstellung des Neubanes tüchtige Kraft als . Trapp, Rügenerstr. 24. Karl Mars, Lychenerstr. 123. Karl Weiße, Wiesenstr. 41/42. 2. Dechand, Ruheplatstr. 24. H. Vogel, Lorgingstr. 37. A. Tiet, Invalidenstr. 124. Nordwesten: Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. W. Schrolle, Gozlowskyftr. 29. Südwesten: 5. Werner, Mittenwalderstr. 30. H. Schröder, Kreuzbergstr. 15. Süden: St. Frik, Prinzenstr. 31. F. Gutschmidt, Kottbuser Damm 8. Südosten: Paul Böhm, Laufizer Platz 14/15. P. Horsch, Engel- Ufer 15. Charlottenburg: G. Scharnberg, Sesenheimerstr. 1. Friedrichsberg: D. Seitel, Stronprinzenstr. 50. Rixdorf: M. Heinrich, Nedarstr. 7. Conrad, Hermannstr. 50. Schöneberg: Wilh.Bäumler, Martin Lutherstr.51. 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Treff- Punkt daselbst vormittags um IV Uhr im„Volksgarten",(Inhaber Senftleben), Friedrich- und Köpenickerstraßen-Ecke. Da eS in diesem Jahre der letzte Ausflug ist, ersucht um recht zahlreiche Beteiligung Der Lorstand. Charlotteniurg. Den Mitgliedern des Wahlvereins zur Nach- richt, daß Genosse G- Ledebour am Dienstag, den 18. d. Mts., abends S'/a Uhr, im Volkshaus über„Partei und Gewerk- s ch a f t" referieren wird. Den Mitgliedern des II. Bezirks ist folgende Neueinteilung zu unterbreiten: IIa Bezirk östlich der Dannel- mannstraffe bei Bade, Nehringstr. 25. üb Bezirk westlich der Danckel- mannstrahe bei Ehrhardt, Knobelsdorffstr. 60 und Ilo Bezirk bei Müller, Kantstr. 93. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Ober-Schöneweide. Heute, Mittwochabend. 8>/, Uhr, findet fjahl« abend statt und werden die Genossen, welche vom Orte verziehen oder nicht mehr Mitglied sein wollen, ersucht, ihre Abmeldung zu be- sorgen, damit ihnen bei weiterem Bemühen in andere Vereine ein- zutreten keine Schwierigkeiten entstehen. Am Dienstag, den 18. September, findet die Mitglieder» Versammlung des Wahlvereins im Wilhelminenhof statt. Der Borstand. Wanusee. Der erste Diskutierabend findet am Donnerstag, Äen 13. d. Mts., abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Philipp statt. Auf zahlreiches Erscheinen rechnet Der Vorstand des Wahlvereins. Berliner JVacbricbten. Das Birchow-Krankenhaus in der Seestrahe erfreut fich des leb» Hastesten Interesses aller Schichten der Bevölkerung. Ende voriger Woche besichtigten die Mitglieder der Krankenhausdeputation das neue Institut, während am Montag die Mitglieder des Berliner Architektenvereins und der Vereinigung Berliner Architekten die neue Krankenstadt in Augenschein nahmen, lieber 300 Herren und Damen waren erschienen. Stadtvaurat Hoffmann gab die nötigen Er- läuterungen. Am Montag wird die Stadtverordnetenversammlung die Anlage besichtigen. Die Tagesordnung der Stadtverordnetensitzung am DonnerS» tag, den 13. September, enthält u. a. folgende Punkte: Vorlage ibetressend den Uebcrgang einzelner Zweige der Wohlfahrtspolizci auf die Stadtgemcinde Berlin; Antrag des Stadtv. Singer und Genossen betreffend die Beratung in gemischter Deputation darüber, m welcher Weise Regelung der Leitung des Fach- und Fortbildungs- schulwcsens im Magistrat einzurichten sei; Vorlage betreffend die Erstattung des in der Prozetzsache Rixdorf gegen Berlin durch das Vorschuffkonto gezahlten Betrages von 40 000 Mark; Vorlage betreffend die Uebernahme des Panke-Stauwerkes im Zuge der Dolldorferstraffe in das Eigentum der Stadtgemeinde. Weitere Borlagen beziehen sich auf die Errichtung eines Hardenberg- Dmtmals auf dem Dönhoffsplatz«, die Erwerbung einiger Flächen ,» Straffenzwecken und zur Errichtung eines Schulgebäudes für die III. Oberrealschule. Bemerkt sei besonders, dah die Vorlage betreffend die Ein- f ü h r u n g einer Billett- und Lustbarkcitssteuer- ordnung diesmal nicht auf der Tagesordnung steht, weil, wie mr hören, der Stadtkämmerer im Augenblick verreist sei, dessen Kitwesenheit aber bei den Beratungen für notwendig gehalten wird. Ausbeutung des Elends durch Annoncen. Ein Licht auf die Ausbeutung Arbeitsuchender durch gewisse Zeitungsinserate wirst eine bei dein hiesigen Gewerbegericht an- hingige Klage. Eine Frau las in der„Morgenpost" folgende Annonce: Krawatten-Ausbildung kostenlos, sofortige Heimarbeit Prenz- lauer Allee 23. Der Hinweis auf die Kostenlosigkeit und die Aussicht auf spätere Arbeit veranlaffte die Frau, sich zur Ausbildung zu melden. Die Lehrerin, eine Frau Draeger. wiederholte, die Ausbildung sei kostenlos, sofort nach der Ausbildung würde die Stellung- suchende Arbeit erhalten, sie müsse aber 4 Mark für Auslagen zahlen. Die Frau gab in der Erwartung lohnender Beschäftigung 4 M. hin. Hierfür erhielt sie Flickchcn von Kattun- stoffen, Watte, Gaze, Gumnrischnüre im Gesamt iverte von etwa 10 bis 20 Pf. Nachdem die Stcllungsuchende an zwei Tagen insgesamt— 5 Stunden Unterricht genossen und die Auslagen zu Krawatten verarbeitet hatte, erklärte Frau Draeger, der Unterricht sei vollendet. Sie gab der Schülerin jedoch keine Arbeit, meinte aber, sie bekäme auf die Proben hin überall leicht Arbeit. Das Gegenteil war der Fall. Da zur Erlernung von Krawattenanfertigung 6 bis 8 Wochen gebraucht werden, wurde der Frau überall der Bescheid: auf solche Proben hin könne sie nirgend Arbeit er- halten. Die Frau hat nun auf Rückzahlung der 4 M. oder Beschaffung von Arbeit geklagt. Zieht man in Betracht, daff Frau Draeger etwa 6 Frauen gleichzeitig gegen je 4 M.„Auslagen- Vergütung"„anlernt", so dürste der eigenartige Betrieb als ein recht lukrativer zu bezeichnen sein. Das Gcwerbegericht dürfte Beran- laffung zur Abgabe der Akten an die Staatsanwaltschaft zwecks Prüfung der Frage haben, ob ein strastechtlich vcrfolgbarer Betrug vorliegt. Arbeiterinnen seien vor solch'„kostenlosen" Lehrstellen gewarnt._ Zum Zigarettenkrieg. In einer starlbesuchten Versammlung der Berliner Zigarrenhändler, die Montagabend in der„Tonhalle" statt- fand, wurde beschlossen, diejenigen Zigarettenfabriken zu boykottieren, die bis zum 20. September d. I. keine schriftliche Erklärung zur Bekämpfung der Preisschleuderei abgegeben haben. Die in der Händlerverjaminlung beschlossene Resolution hat folgenden Wort- laut:„Die heutige Versammlung der Zigarrenhnndler Groffberlins erklärt, dah eS unbedingt notwendig ist, die Preisschleuderei in schärfster Weise zu bekämpfen. Die Versammlung erwartet von den Fabrikanten, daff sie den Beschluff, gegen die Preisschleuderei vereint mit den Händlern vorzugehen, auch ausführen und fordert: daff die Fabrikanten sich gegenüber dem Vorstand der„Neuen Bereinigung der Zigarrenhändler Berlins" schriftlich verpflichten, an Personen. die ihnen von der Vereinigung als Schleuderer bekanntgegeben werden keine Ware mehr zu liefern und auch ihre Grossisten und sonstigen Abnehmer dahin zu verpflichten. Die Versammlung er- klärt, daff die Zigarrenhändler Berlins und der Umgegend entschlossen sind, von den Fabrikanten und Importeuren, die bis zum 20. Sep- tember eine schriftliche Erklärung nicht abgegeben haben, keine Ware mehr zu kaufen." Bor einem Schwindelprofessor Keith-Harvey-London haben wir kürzlich wiederholt gewarnt. Auffer dem Berliner Polizeipräsidium hat auch der Ortsgesundheitsrat in Karlruhe vor dem System des Aoglauders Professor Keith-Harvey zur Heilung der Schwerhörig- für Berlin und Vororte feit gewarnt. Nachdem jetzt auch in anderen Blättern und auch in Berlin Anzeigen dieses Systems erschienen sind, wird darauf auf- merksam gemacht, daff das„Buch" über die Methode lediglich den Zweck hat, für die elektrische Gehörbatterie des Professors Keith- Harvey Reklame zu machen. Die Batterie soll durch Zuleitung eines„milden galvanischen Stromes" an die geschwächten oder gelähmten Muskeln des inneren Ohres schmerzlos Taubheit und Schwerhörigkeit beseitigen. Nach der Erklärung der Karlsruher Behörde liegt hier ein ganz grober Schwindel vor. Es ist selbst- verständlich, daff eine elektrische Gehörbatterie, selbst wenn sie wirk- lich funktionieren sollte, gegen Gehörleiden wirkungslos ist. Wie gewissenlos diese Ausbeutung der leidenden Menschheit betrieben wird, ergibt sich daraus, daff auf eine eingesandte genaue Diagnose eine einschliefflich Unterschrift gedruckte Anweisung über die Be- Handlung des Leidens dem Patienten zugesandt wird, obwohl der angebliche Professor Keith-Harvey zuvor versichert, er werde nach Erhalt des ausgefüllten Diagnosezettels der Behandlung des Patienten seine gröffte Aufmerksamkeit zuwenden. Eine böse Gruselgeschichte über die Verhaftung eines angeblichen Anarchisten wurde gestem in der Presse verbreitet in folgender Notiz: „Die Verhaftung eines Anarchisten erregte gestern im Westen Aufsehen. Im Ouergebäude des Hauses Wormserstr. 1 wohnt seit mehreren Jahren eine Witwe Wolff, deren jetzt 21jähriger Sohn in der Umgebung für einen Anarchisten gehalten wird. Er spricht drei Sprachen und hielt sich wiederholt längere Zeit im Auslande, namentlich in Ruffland und in der Schweiz auf. Die Kriminalpolizei war schon vor längerer Zeit auf ihn aufmerksam gemacht worden. Sie stellte fest, daff er fast täglich Briefe vom Auslande erhielt und verhängte schlicfflich die Sperre über alle mit der Post für den Verdächtigen eingehenden Sendungen. Neuerdings mutz sie wohl gravierende Beweise für die Gefährlichkeit des jungen Menschen erhalten haben, so daff sie auf seine Verhaftung bedacht war. Am letzten Sonntag bewachten etwa ein Dutzend Kriminalbeamte das Haus, konnten aber den Gesuchten nicht fassen. Gestern nachmittag nahmen sie eine sorgfältige Haussuchung vor und verhafteten Wolff. Man setzte ihn in ein bereit gehaltenes Automobil und brachte ihn unter sicherer Bedeckung nach dem Untersuchungsgefängnis. Zwei Koffer des Verhafteten wurden mit Beschlag belegt. Es entstand alsbald das Gerücht/ daff diese Koffer Bomben enthalten hätten, doch ist hierüber nichts Authentisches bekannt geworden. Der junge Mensch trägt langes Haar und macht den Eindruck eines Künstlers. Angeblich soll er bei seinem ersten Verhör geäuffert haben, er dürfe über seine Mission nichts verraten." Die Krinrinalpolizei scheint da wieder einmal in ihrer Anarchisten- spionage schön reingefallen zu sein, denn aus der Notiz geht auch nicht das geringste Belastende für den angeblichen Anarchisten hervor. Es wird wohl wieder einmal ein Reinfall sein, aber schlietzlich muff doch die politische Polizei wieder einmal etwas entdecken, um ihre Existenznotwendigkeit zu beweisen. Um ihre Spargelder betrogen sind die Mitglieder des„All- gemeinen Sparvereins Berlin und Umgegend". Dieser Verein hat dieser Tage seinen Konkurs anmelden müssen. Das Bureau befand sich erst in der Spenerstraffe und seit dem 1. Juli d. I. in der Markusstraffe. Leiter des Vereins, der als„E. G. m. b. H." firmierte, waren anfangs vier Herren namens Flüger, Krüger, Meyer und Kotz. Die letzteren beiden traten zu Neujahr 1906 aus, während Flüger und Krüger die Geschäfte weiter führten. Schon damals soll es im Verein stark gekriselt und eine gröffere Anzahl von Klagen geschwebt haben. In den letzten Wochen kamen von früh bis spät sparende Hausfrauen gelaufen, die ihre Bücher ausgelöst haben wollten, aber unverrichteter Dinge wieder heimkehren muhten. Die Wasserlinie dcS Teltowkanals ist nun zwar in der vollen Länge fertiggestellt, doch kann die Durchfahrt bei Groff-Lichterfelde noch immer nicht freigegeben werden. An dieser Stelle finden die Arbeiten ganz gewaltige Schwierigkeiten, da infolge des tiefen Morastes fortgesetzt Bodensenkungen eintreten und das bereits ausgebaggerte Kanalbett wieder hochgedrückt wird. Die Ufer müssen infolgedessen immer wieder neu aufgeschüttet und der Wasserlauf so lange ausgebaggert werden, bis der Moorboden verdrängt ist und Nachsenkungen nicht mehr eintreten können. Der Termin der Eröffnung des Teltowkanals in vollem Umfange dürfte kaum vor dem l. Dezember zu bestimmen sein. Bei den zählreichen Regengüssen in dem verflossenen Sommer sind vielfach Beschädigungen der Böschungen des Teltowkanals herbeigeführt worden. Die Sandmassen wurden durch abflieffende Regensluten in den Kanal hineingespült, wodurch nicht unerhebliche Reparaturkosten verursacht wurden. Die Wiederholung derartiger Ufcrbcschädigungen dürfte in dem nächsten Jahre nicht mehr zu erwarten sein. Im kommenden Frühjahr dürfte das Ufergclände reichlichen Graswuchs erhalten und dadurch eine natürliche Festi- gung erfahren. Bom Geburtstage in den Tod. Einen tragischen Abschlutz fand eine Geburtstagsfeier in der Koloniestr. 161, der auch der Haus- besitzer Eduard Schwanebeck. Morkusstr. 2. mit seiner Familie bei- gewohnt hatte. Als Herr Sch. sich von dem Geburtstagskinde in vergnügtester Stimmung verabschiedet hatte und einen Strahenbahn- wagen besteigen wollte, wurde er plötzlich von einem Unwohlsein befallen und starb kurz daraus an den Folgen eines Herzschlages. Aus der Selbstmordchronik. Erschossen hat fich gestern morgen der Referendar Terls, der bei einer Kaufmannsfamilie B. in der Halleschenstraffe 22 in Aftermiete wohnte. In einem Anfall von nervöser Ueberreizung hat der Unglückliche Hand an sich gelegt. Gestern morgen gegen 6 Uhr hörte Frau B. plötzlich einen Schutz fallen, und als sie erschreckt in das Zimmer deS Referendars eilte, fand sie diese» mit durchschossener Schläfe leblos im Bette vor. Den Revolver hielt die Rechte des Selbstmörders krampfhast um- schlungen.— Gleichfalls zum Revolver griff ein Lebensmüder, der auch wegen nervöser Ueberreizung den Tod suchte. Der 29 jährige Korrespondent auswärtiger Sprachen Paul Freinrann in der Groffbeerenstraffe 13 war von einem unheilbaren Nervenleiden heimgesucht worden, und er vermochte infolgedessen geistig nicht mehr zu arbeiten. Der junge Mann war hierüber so verztveifelt. daff er den Entschluff faffte, aus dem Leben zu scheiden. Auch wollte er seinen Eltern, die ihm eine tadellose Ausbildung hatten zu teil werden lassen, nicht mehr zur Last fallen. Als sich F. einen Augenblick allein in der Wohnung befand, jagte er sich eine Revolverkugel in die Brust. In hoffnungö- losem Zustande wurde der Lebensmüde in das Krankenhaus am Urban eingeliefert.— D e n T o d i m W a s s e r hat der wohnungs- lose Gelegenheitsarbeiter Emil Zöllner gesucht. Seine Leiche wurde am Hamburger Bahnhof aus dem Spreekanal gelandet. Unter dem schweren»erdacht, Sittlichkeitsverbrechen verübt zu haben,, sind wiederum mehrere Verhaftungen erfolgt: Unter der schweren Beschuldigung, schon seit längerer Zeit an Kindern im Alter von 8 bis 12 Jahren unzüchtige Handlungen verübt zu haben, wurde der Lagerverwalter Lachs aus der Friedrich-Wilhelmstr. 97 in Tempelhof festgenommen. L. war in einer ganzen Reihe von Fällen beobacktet worden, doch schritt man erst zu seiner Verhaftung, nachdem durch die Vernehmung mehrerer Schulmädchen die Straf- taten erwiesen galten. ES kommen zahlreiche Fälle in Betracht. Der Verhaftete, der bereits wegen Sittlichkeitsverbrechen vorbestraft. der Zal)laknd statt. ist in das Moabiter Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden.— Wegen eines gemeinsamen schweren Sittlichkeitsverbrechens wurden in der Luisenstraffe in Lankwitz zwei Schnhmachergesellen und ein Kutscher verhaftet. Die drei Wüstlinge hatten an der 13 jährigen Tochter des Kaufmanns Sch. ein Sittlichkeitsverbrechen be- gange».— Schlietzlich wurden noch drei Unholde festgenommen. die versucht hatten, auf der Dorfaue in Mariendorf ein Mädchen zu vergewaltigen. Gegen den Kognakschwindel in der städtischen Pfand» k a m m e r wird polizeilicherseits nunmehr vorgegangen werden. Vor einiger Zeit lieff ein„Fabrikant" in der städtischen Pfandkammer durch Gerichtsvollzieher Kognak versteigern, der in Wirklichkeit ein wertloses Machwerk ist und nicht den geringsten Anspruch auf die Be- zeichnung Kognak besitzt. Aufferdem werden aber auch Eierkognak, Weiff- und Rotwein verkauft, Waren, die, ebenfalls künstlich hergestellt, lediglich als„Versteigerungsivare" fabriziert werden. Von der Kriminal- Polizei sind nunmehr Erhebungen angestellt worden, welche zur Er- mittelling des Fabrikanten der Schwmdelware geführt haben. Ein gerichtliches Einschreiten gegen den Unfug ist aber leider dadurch wesentlich erschwert, dah durch Ankauf dieser Waren geschädigte Personen von Erstattung der Anzeige abgesehen haben. Dem Ver» nehmen nach wird den Gerichtsvollziehern durch die vorgesetzte Be- Hörde verboten werden, freiwillige Versteigerungen derartiger Schwindel- waren vorzunehnren. Eine weibliche Hand aufgefunden. Kürzlich berichteten wir über den Fund der Leiche eines jungen Mädchens bei Spreenhagen, die weder Kopf noch Arme aufwies. Vorgestern ist nun unweit der Fundstelle die Hand einer jungen weiblichen Person am Ufer ent- deckt worden. Wahrscheinlich hängt dieser Fund der Hand mit jener mysterischen Toten, die bekanntlich völlig unbekleidet ans Spreeufer angetrieben war, im Zusammenhang. Gestern erschien an der Fund- stelle eine Gerichtskommission, um den Tatbestand aufzunehmen. Die anderen fehlenden Körperteile der noch immer unbekannten Toten konnten bisher noch nicht entdeckt werden. Ob der geheimnisvolle Leichenfund jemals Aufklärung finden wird, erscheint fraglich. „DaS Mädchen für alles", die Feuerwehr, wurde am Montag abend nach der Ecke der See-, Reinickendorfer- und Exerzierstraffe gerufen. Ein Junge hatte dort eine groffe Pappel erstiegen und konnte schlietzlich weder vor- noch rückwärts. Als alle Bemühungen, den Jungen aus seiner Lage zu befreie», fruchtlos waren, benach- richtigte die Polizei die Feuerwehr, die den Bengel mit Hülfe ihrer grotzen mechanischen Leiter um 10 Uhr herunterholte. Aus der Irrenanstalt entsprungen ist der geisteskranke Einbrecher Döring, welcher schon mehrfach die Polizei beschäftigte. Döring wurde vor ungefähr einem Jahre als gemeingefährlicher Geistes- kranker nach Herzberge übergeführt und unternahm sofort nach seiner Einlieferung einen Fluchtversuch. Er. kletterte auf das Dach eines Verwaltungsgebäudes, von wo er durch die Berliner Feuerwehr herabgeholt werden muffte. Vor etwa drei Monaten flüchtete Döring zum zweitenmal. Es gelang ihm damals, die Mauer der Hof- abteilung zu übersteigen und zu entkommen. Vor sechs Wochen wurde der Verbrecher in der Kreutzigerstraffe in Lichtenberg ermittelt und wiederum in die Irrenanstalt eingeliefert. Jetzt ist er abermals entsprungen. Döring hat die Traillen des Fenstergitters durchfeilt und sich an einem aus der Bettwäsche hergestellten Seile auf den Hof herabgelassen. Die Feilen müssen dem Burschen durch Kom- plizen zugesteckt worden sein. Eine unangenehme Bekanntschaft machte gestern der Kaufmann Lewin, dessen Familie sich zurzeit noch in der Sommerfrische be- findet. Auf einem Geschäftswege begriffen, benutzte der Kaufmann einen Straffenbahnwagen der Linie 78 und machte dort die Be- kanntschaft eines jungen Mädchens. Die Reize der„Dame" ver- anlafften L. die neue Bekannte zu einem Glase Wein einzuladen, welcher Aufforderung auch von dem Mädchen bereitwilligst zugestimmt wurde. Aus einem Glase Wein wurden zwei, und L. geriet schlietzlich in so angeregte Stimmung, daff er mit seiner neuen Freundin eine Droschkensahrt nach dem Grunewald unternahm. Auch hier wurden noch verschiedene Lokale besucht, und als der Kaufmann endlich gegen 10 Uhr abends die Rückfahrt nach Berlin antreteir wollte, machte er die unangenehme Entdeckung, daff ihm unterwegs sein Portemonnaie abhanden gekommen war, in welchem sich noch über 400 M. befunden hatten. Seine unbekannte Freundin, welche natürlich von dem Verbleib der Geldtasche nichts wuffte, zog es unter diesen Umständen vor, allein die Rückfahrt nach Berlin an- zutteten. Bei der Arbeit verunglückt ist in der Nacht vom Montag zum Dienstag ein Anleger der Firma Hallwachs u. Kumm, Hochstr. 20. Der Arbeiter hatte Nachtschicht und arbeitete an einer Steindruck- schnellpresse gröfften Formats. Dabei geriet er in die Maschine und zog sich erhebliche Berletzungen zu. Er erlitt einen komplizierten Oberschenkelbruch und erhielt aufferdem am Kopfe zwei groffe Löcher. Auf der Unfallstation in der Liudowerstraffe, wohin er zunächst ge- bracht wurde, erhielt er einen Notverband, worauf er nach dem Krankenhause am Friedrichshain übergeführt ivurde. Angeblich soll es an einer geeigneten Schutzvorrichtung gefehlt haben. Beim Volksfest des zweiten Kreises in der Bockbrauerei ist ein Paket verloren lvorden. Gefunden wurden zwei Stöcke. Abzugeben resp. abzuholen in der Parteispedition Mittenwaldcrstraffe 30. Ei» Baristö en miniaturo ist das Spezialitäten-Theater in der Dresdenerstraffe, das C o l o s s e u m. Um überhaupt zu dem heiligen Musenteinpel zu gelangen, muff man zunächst ein zu einem Kabarett umgestaltetes Restaurant durchschreiten. Das„Allerheiligste" macht aber den Eindruck, als sollte einem jeden Augenblick die Decke auf den Kopf fallen, so niedrig ist der Raum im Vergleich zu anderen Räumen, in denen Ernst und Humor ihre Stätte aufgeschlagen haben. Ucber die Darbietungen ist so viel zu sagen, daff sich Soubretten und Duettisten mit Humoristen, Charatterdarstellerinnen, einem musikalische» Clown und anderen notwendigen Requisiten einer Spezialitätenbühne abwechseln. Ein deutsch- schwedisches Gesaugsduett der Geschivister Bengsto» und die Vorträge des Humoristen Elken, der Tippelskirch und PodbielSki glossierte, fanden groffen Anklang. „Ucber flüssige Luft und flüssigen Sauerstoff" spricht Herr Dir. Krüger in einen: Experimentalv ortrage am 170. Beobachtungsabend des„Vereins von Freunden der Treptow-Sternwarte" am Mittwoch, den 12. September, abends fl'/z Uhr. auf der Treptow-Stenrwarte. Aus dem Programm mögen nur folgende Punkte hervorgehoben sein: „Das Gebiet der ttefen Temperaturen, Verflüssigung von Gasen, Kritische Temperatur und Siedepunkt. Experimente mit flüssiger Luft zur Darstellung: der Kälteeigenschast, der motorischen Kraft und der Sauerstoffgewinnung". Anfang pünktlich Uhr. Gäste haben Zu- tritt.— Mit dem groffen Fernrohr wird ein interessanter„Doppel- stern im Delphin" beobachtet. Fcucrwehrbericht. Wegen eines Balkenlagerbrandes wurde gestern früh um 6 Uhr der 6. Zug nach der Köpenickerstraffe 167 gerufen. Um an den Brandherd zu gelangen, muffte das Zwischengebälk aufgerissen werden. Ein Wohnungsbrand beschäftigte die Feuerwehr in der Barnimstraffe 44. Betten, Möbel usw. wäre» dort in Brand geraten. In der Sparrstraffe brannten Gardinen. Ferner hatte die Wehr in der Barnimstr. 4, Bellealliancestr. 81, Wollinerstr. 24, Rüdersdorferstr. 27, Oderbergerstr. 50 und an anderen Stelle» zu tun. Vorort- JVacb nebten* Weiftensee. Ein vielseitiger Herr. Ein bleibendes Andenken bei der hiesigen Einwohnerschaft hat sich der zurzeit stellvertretende Gemeinde- und Amtsvorsteher Herr Dr. Pape gemacht durch seine Heldentaten gegen die Ortskrankenkasse wie durch sein Verhalten als Gewerberichter. Auch in der Gemeindevertretung hat er sich einen Namen geniacht und erst ganz kürzlich die Quittung in Gestalt eines Mißtrauensvotums erhalten. Weit über die Grenzen Weißcnsees hinaus hat er sich einen Namen gemacht, als er dem Vorstand der Ortskrankenkasse die Anschaffung einer Broschüre gegen den Alkohol untersagte. Böse Zungen meinten damals, in diesem Verbot die Stellung des Herrn Dr. Pape zur Alkoholfrage erkennen zu sollen. DaS war aber wohl Verleumdung. Jetzt haben wiederum böse Menschen heraus bekomnien, daß an diesem Ge- rücht doch etwas sein muß, denn aus Weißensee wird uns folgendes niedliche Geschichtchen berichtet: Es war am St. Sedanstage. Da sind unsere Patrioten immer sehr begeistert, und das war hier in Weißensee auch der Fall. Im hiesigen Schloß- restaurant gastiert zurzeit eine Afrikanertruppe, welche ihre heimischen Gebräuche dem Publikum zum besten gibt. Zu allen solchen Ver- niistaltungen_ gehört denn auch ei» afrikanisches Weinrestanrant, in tvelchem natürlich Damen exotischer Farbe und Tracht den feurigen Wein dem„besseren Publikum" kredenzen. Hier hatten sich eine ganze Anzahl„gutgesinnter" Herren eingefunden und sprachen eifrig einem guten Tropfen zu. Voll des süßen Weines kam man ans den Gedanken, noch ein afrikanisches Tänzchen zu wagen. Die Gelegenheit war günstig, denn der Kampfgenossenverein hatte Sedanfeier. Also auf nach dem Saale. Eine„kleine Schwarze" wird in die Mitte genommen und dann sollte es in den Saal gehen. Aber da stellten sich Hindernisse in den Weg. Da genügend Damen einheimischer Farbe zugegen waren, wurde der„schwarze Eindringling" mit der nötigen Vorsicht vom Wirt entfernt und die beiden Herren, die sich der Schwarzen so sehr angenommen hatten, hatten das Nachsehen; ein anderer Herr führte dieselbe heim. Unsere Leser werden schon erraten haben, wer der eine der Beschützer war: Niemand andres als der gegen andre so strenge Herr Dr. Pape. In einer neuen Eigenschaft hat er sich hier gezeigt, nämlich als Kolonial- s ch w ä r m e r. Vielleicht nimmt die Regierung hiervon Notiz. In der öffentlichen Bertinsversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins am Dienstag, den 4. September er., im Prälaten, hielt Genosie Störmer-Berlin einen sehr lehrreichen und mit großem Bei- fall aufgenommenen Vortrag über„Gottesbegriff". In der Dis- kussion erklärte sich ein Herr Müller— Anhänger irgend einer Kircheusekte— mit vielen Punkten einverstanden, meinte aber, die Religio» sei nicht geschaffen, sondern von Gott gegeben. Die richtige Religion sei geschwunden. Seinen konfusen Ausführungen trat Ge- uosse Fuhrmann scharf entgegen, indem er zunächst die Kirchensekten kennzeichnete und dann dem Herrn Müller klar machte, daß die Sozialdemokratie bestrebt sei, die Menschen zu brauchbaren Elementen zu erziehen. Auch Genosse Störmer widerlegte in seinem Schluß- wort Herrn Müller in treffender Weise. Im Sinne des Referenten sprachen noch die Genossen Hof- meister, Diemar, Bastidon jr. und Küster. Letztere beiden machten ferner auf die Freie Jugendorganisation aufmerksam. Ebenso wie die Kirche bei der Jugend anfange und dort die leichteste Arbeit habe, so müsse die moderne- Arbeiterbewegung es sich beizeiten angelegen sein lassen, der Jugend den richtigen Weg zu zeigen. Wilhelmsruh-Rosenthal. Das Rosenthaler Rathausprojckt ist gescheitert. Der Kampf um Schule und Rathaus in Wilhelmsruh-Rosenthal hat ein für die Gemeindeverwaltung wenig angenehmes Ende gefunden. Nachdem, infolge der Protestbewegung gegen den Rathausbau, die Gemeinde- Vertretung den Bau einer Schule für Wilhelmsruh beschloffen hatte, wurde angenommen, daß nunmehr der etwa 250 000 M. erfordernde Rathausbau für die 5000 Einwohner zählende Gemeinde gesichert sei. Jetzt ist das ganze Projekt infolge des Verhaltens der kaiser- lichen Postdirektion gescheitert. Es war nämlich beabsichtigt, in dem Rathause der Postverwaltung Räume zur Errichtung eines Postamtes zur Verfügung zu stellen. Die Wilhelmsruher Ein- Wohnerschaft wandte sich ganz entschieden gegen diesen Plan, weil dadurch eine wesentliche Verschlechterung der postalischen Ein- richtungen eingetreten wäre, und zwar insofern, als die jetzige Post- agentur innerhalb des Ortsteiles Wilhelmsruh liegt, während das Rathaus auf dem freien Felde zwischen Wilhelmsruh und Rosenthal seinen Platz finden sollte, wo die Einwohner kaum hinkommen. In den Eingaben der kommunalen Vereine wurde darauf hin- gewiesen, daß das Postamt auf dem freien Felde kaum in Anspruch genommen werden würde, die Interessenten vielmehr ihre Post- fachen wieder mit nach Berlin nehmen müßten. Die P o st- Verwaltung hat sich nun auch von der Berechtigung dieser Ein- sprüche überzeugt und von der Mietung der Rathausräume Ab- stand genommen. Die Gemeinde wird sich nunmehr, entsprechend dem Wunsche der Minorität im Ortsparlament, mit dem Bau eines einfachen Amts- und Gemeindehauses begnügen müssen. Die Errichtung eines Wasserwerkes für Rosenthal-WilhelmS- ruh ist beschlossen worden. Dasselbe soll auf dem Terrain am Rosenthaler Grenzweg erbaut werden und zwar gegenüber dem Nioder-Schönhauser Wasserwerk. Die Pumpenwerke beider An- lagen würden nur 800 Meter auseinanderliegen. Wie beim Pankower Projekt in Tegel, wurde auch hier bei den Bohrversuchen ein Gutachten dahin abgegeben, daß in dem Terrain eine für beide Werke ausreichende Wassermcnge gefördert werden könne. Dennoch wird befürchtet, daß vom Berliner Magistrat geltend gemacht wird, daß eine gegenseitige Beeinträchtigung beider Werke in ihrer Leistungsfähigkeit eintritt, zumal das Nieder-Schönhausencr Wasser- werk in seiner jetzigen Anlage nur für höchstens 25 000 Einwohner berechnet ist und im Laufe der Jahre wesentlich vergrößert werden muß. Der Gemeindevorstand von Nieder-Schönhausen hat deshalb beim Kreisausschuß den Antrag gestellt, der Gemeinde Rosenthal die Errichtung des Wasserwerkes auf dem in Frage kommenden Terrain nicht zu genehmigen. Ober- Schöneweide. Zn den Borgängen in Breslau und Niirnderg nahm eine sehr gut besuchte Volksversammlung am letzten Donnerstag Stellung. Genosse Fülle geißelte in markigen Worten den Polizeigeist, der durch seine Schneidigkeit solche Bluttaten zeitige. Die Be- lobigung der Breslauer Polizei durch Dr. Bienko müsse bei fub- alternen Beamten geradezu Verwirrung anrichten, welche dann die Grundlage solcher Polizeiübergriffe seien. Redner kennzeichnet im weiteren an der Hand reichen Materials die herrschende Reaktion, zeigend, daß das Proletariat geradezu in den Klassen- kämpf gedrängt werde. Die zunehmende Verschärfung des letzteren bedinge jetzt mehr wie je festesten Zusanmienschluß der Arbeiter. Das Wort der Verfassung von der Gleichheit aller Staats- bürger sei nicht? als eine Phrase. Der Hiniveis aus die volle Kompottschüssel nimmt sich im Zeitalter der Wucherzölle und Steuer- belastungen geradezu widersinnig aus. Von der Beschränkung der Koalitionsfreiheit könnte die Arbeiterschaft Ober-Schöneweides ein nettes Lied singen. Stürmischer Beifall lohnte die trefflichen Aus- fllhrungen des Referenten. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: „Die heute versammelten Arbeiter Ober-SchöneweideS protestieren ganz energisch gegen die nach ihrer Ansicht lediglich durch unbesonnene Polizeitaten hervorgerufenen Vorkommnisse in Breslau und Nürnberg. Sie legen entschieden Protest dagegen ein, daß streikende Arbeiter in einer solchen Weise in der Ausübung ihrer gesetzlich gewähr- leistete» Reckte behindert werden. Sie fordern alle Arbeiter auf, durch Anschluß an die Orgnni- satione» solchen Zuständen ein Ende zu machen."_ Lexantwortlicher Redakteur: Hanß Weber, Berlin, Für dey Waidmannslust. Ueber den Parteitag in Manilheim sprach Genosse Miethke in der letzten Versammlung des Wahlvereins. Die Ausführungen des Redners über diesen Gegenstand haben wir kürzlich bei anderer Gelegenheit knapp wiedergegeben. In der Diskussion sprachen alle Genossen im Sinne des Referenten. In einer Resolution drückte die Versammlung ihre Empörung über das Nürnberger Blutbad und seine Urheber aus. Die Abrechnung vom Sommerfest ergab eine Einnahme von 337,70 M., eine Ausgabe von 179,55 M., so daß ein Ueberschuß von 168,15 M. erzielt wurde. Zur Erweiterung der Bibliothek wurden 100 M. bewilligt.— Zur Aufnahme hatten sich 19 Genossen gemeldet. Tegel. Tie gestrige Gcmcindcvertretersibung wählte zunächst sechzehn Mitglieder für die Tegeler Einschätzungskommission und die gleiche Anzahl Stellvertreter. Die Mehrheit stimmte für die von dem Gemeindevorstand vorgeschlagenen Personen. Zur Geschäfts- ordnung stellte dann Genosse Lichtenberg den Antrag, fünf Punkte, die auf der Tagesordnung der vertraulichen Sitzung standen, in öffentlicher Sitzung zu behandeln. Mit Ausnahme eines Punktes trat die Gemeindevertretung dem Antrage unseres Genossen bei, ein Beschlutz, der in der Oeffentlichkeit zweifellos Beifall finden wird. Aus den Mitteilungen wären die Angebote für die Ein- friedigungsgitter des Bahnhofplatzes zu erwähnen. Es lagen drei Offerten von zwei Berliner und einer Tegeler Firma in Höhe von 3766, 5349 und 4375 M. vor. Genosse Lichtenberg versuchte noch einmal, für ein niedrigeres und damit billigeres Gitter einzutreten, sein Antrag wurde gegen vier Stimmen abgelehnt. Es kam dabei zum ersten Male zu einer anderen Art der Abstimmung. Genosse Lichtenberg hatte nämlich gleich zu Beginn der Sitzung beantragt, den Abstimmungsmodus zu ändern. In Preußen würde durch Handerheben abgestimmt. Die Tegeler Gemeindevertretung werde gefragt, ob jemand dagegen sei. Dadurch käme nicht klar zum Aus- druck, wer sich etwa der Stimme enthalte. Der Vorsitzende hatte eine schärfere Form der Abstimmung zugestanden. Infolgedessen fand diese durch Handerheben statt. Gegen die Stimmen der Ge- meindevertreter Schumacher und Genossen Rodeikc wurde beschlossen, die Anfertigung der Gitter dem Mindestfordernden zu übertragen. Für die Bepflanzung des Platzes am Bahnhof soll eine Kon- kurrenz ausgeschrieben werden, die nur für Tegeler Gärtner bc- stimmt ist. Der Platz soll möglichst noch in diesem Jahre hergestellt werden. Das Gaswerk Tegel, Aktiengesellschaft, hat der Gemeinde die festgesetzten 10 Proz. des Reingewinns in Höhe von 1665,74 M. ausgezahlt. Im Anschluß an frühere Beschlüsse wurde festgesetzt, daß auch diese Summe der bereits auf der Kreissparkafse an- gelegten Summe von 5030,75 M. als Fonds für den künftigen An- kauf des Gaswerkes beigefügt wird. Die Eisenbahndirektion hatte mitgeteilt, daß ein Nachtzug von Berlin 1 Uhr nachts und von Tegel 1 Uhr 50 Minuten nachts in den Winterfahrplan eingelegt seien. Die Gemeindevertretung nahm davon Kenntnis, daß auch Automaten für den Billettverkauf aufgestellt werden sollten. Der Polizeipräsident von Berlin hat es abgelehnt, den Droschkentarif bis Tegel auszudehnen. Die Gemeindevertretung beschloß gegen die Stimmen unserer Genossen, erneut vorstellig zu werden. Die Gemeindevertretung beschloß einstimmig, dem Zweckverband zur Erbauung eines Krankenhauses, den die Gemeinden Wittenau, Rosenthal. Neinickendorf und Tegel gründen wollen, beizutreten. Das Krankenhaus ist auf 75 bis 100 Betten projektiert. Der Kreis Niederbarnim hat ein zinsfreies Darlehen in Höhe der Hälfte der Gesamtkostcn zugesagt. Die Unterhaltung soll Sache der beteiligten Gemeinden sein. Weiter beschäftigte die Gemeindevertretung sich mit der notwendigen Erneuerung der Anstellungsurkunden für Lehrer und Lehrerinnen. Die Entwürfe lagen den Vertretern vor. Genosse Lichtenberg bemängelte den Wortlaut. So heißt es darin: „Es wird erwartet, daß der Lehrer Sr. Majestät dem Könige in unverbrüchlicher Treue ergeben ist." Ferner wird bestimmt:„Die Wohnung des Lehrers muß in Tegel sein." Endlich heißt es im Vertrag der Lehrerinnen:„Ihre Verheiratung hat sofortige Eni- lassung zur Folge." Er beantragte die Streichung dieser drei Be- stimmungen. Natürlich rief der Antrag heftigen Widerstand her- vor. Der Vorsitzende erklärte, er sehe in der Wohnungsfrage keine Beschränkung der persönlichchl Freiheit. Die übrigen beiden Be- stimmungen seien gesetzlich gefordert. Es wäre traurig, wenn ein Lehrer nicht königstreu sein würde. Seine oberste Parole müsse heißen: Diene deinem König und deinem Vaterland. Die Ge- meindcvertretung stimmte der Anstellungsurkunde in der vor- gelegten Fassung zu. Der Reeder Holtz ist bereit, die dritte Landungsbrücke zu nehmen und den Prozeß gegen die Gemeinde in Sachen der Seeuferabsperrung zurückzunehmen. Die Gemeinde- Vertretung beschloß, die Brücke so schnell wie möglich zu bauen. Den Schluß der öffentlichen Sitzung bildete die Wasserwerksfrage. Das Wasserwerk soll durch Anlegung neuer Pumpen vergrößert werden. Die Kosten werden etwa 31 500 M. betragen. Die Gemeindevertretung genehmigte einstimmig die vorgeschlagene Ver- größcrung im Prinzip und forderte genaue Projekte und Kosten- anschlüge. Ebenso soll ein Kostenvoranschlag für die Ausdehnung der Wasserleitung bis zur Kolonie„Freie Scholle" vorgelegt werden. Bernau. Die letzte Stadtverordnetenversammlung hatte sich mit drei An- trägen zu beschäftigen, die von unseren Genossen gestellt waren und sich bezogen auf die Anstellung eines Schularztes, die Errichtung einer besonderen Schulklasse für schwachbegabte Kinder und auf die Einstellung neuer Lehrkräfte zwecks Entlastung nberfüllter Schul- klaffen. Im Zuhörerraum hatten sich eine Anzahl Lehrer eingefunden, die den Verhandlungen mit sichtlichem Interesse folgten. Bevor unseren Genossen das Wort zur Begründung ihrer Anträge erteilt wurde, bemühte sich der stellvertretende Vorsteher, aus den Akten festzustellen, daß diese Materie die Versammlung schon seit langer Zeit be- schäftige. Schon seit dem Jahre 1901 � seien in halbjährlichen Zwischenräumen vom Landrat Anfragen über diese Fragen an die Stadtverwaltung gerichtet worden. Es seien auch Nach- fragen in verschiedenen Orten über den Nutzen der Schulärzte angestellt worden. Von Friedrichshagen und Pankow seien günstige Antworten gekommen, während sich der Gemeindevorsteher von Oberschöneweide ungünstig geäußert haben soll. Ueber die Frequenz der Schule im allgemeinen und über die Klassenfrequenz wurde vom stellvertretenden Vorsteher der Versammlung eine Uebersicht unterbreitet, die sich der- selbe eigens vom Rektor beschafft hatte. Danach stellt sich der Besuch wie folgt dar: Die allgemeine Frequenz beträgt 1277 Kinder, die der einzelnen Klassen für Knaben: 53. 63. 49, 49, 52. 52, 63. 58. 72. 63. 61; die der einzelnen Klassen für Mädchen: 62, 52, 50. 55, 56, 53, 74, 59, 58, 61, 60. Die Zahl der schwachbegabte» Kinder betrug bei den Knaben 13, bei den Mädchen 9; außerdem wurde auch noch zu aller Verivunderung mitgeteilt, daß außer diesen schwachbegabte» Kindern noch 6 Knaben und 7 Mädchen als Idioten die Schule besuchten. Recht nette Zustände in unserem Schulwesen I Unsere Anträge wurden vom Genossen Helbig begründet. Er wies darauf hin, daß es eigentlich Sache der Staatsregierung wäre, im Sinne dieser Anträge zu handeln. Das sei aber schwerlich zu erwarten. Man habe wohl Geld für neue Panzerschiffe und Kanonen zur Verfügung, nicht aber für kulturelle Zwecke. Deshalb müsse sich die Kommune die Förderung der Schule angelegen sein lassen und die gestellten Anträge zur Verwirklichung bringen. Die Diskussion, an der sich außer unseren Genossen eine ganze Anzahl der Gegner beteiligten, war eine sehr rege. Trotzdem sich die Mehrzahl der Redner zu unseren Anträgen sympathisch äußerten, wurde nur der dritte Antrag, die Anstellung weiterer Lehrkräfte betreffend, angenommen. Die Sache gestaltete sich auf folgende Art: Ein Gegner, Herr Dewitz, brachte einen Antrag ein, welcher einen Schularzt nur für eventuell kranke Kinder angestellt wissen wollte. Das hatte zur Folge, daß bei der Abstimmung auf unseren Antrag 3 Stimmen und aus den des Herrn Dewitz nur 4 Stimme» bei einer Anwesenheit von 20 Stadlverordneten entfielen, und so Anseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts lourde eine unnütze Stimmenzersplitterung hervorgerufen. Der Ein- Wohnerschaft von Bernau und auch den Lehrern ist aber gezeigt worden, was von jenen Herren zu halten ist. Der andere Punkt der Tagesordnung: die Festsetzung eines Fluchtlinienplanes für die Straßen A. und B., wurde von der Ver- sammlung mit 19 gegen 1 Stimme angenommen. Unter Ver- schiedenem wurden einige unwesentliche Punkte erledigt. Fichtenau. Feuer. Das bekannte Kurhaus Waltinger in der Villenkolonie Fichtenau ist in der gestrigen Nacht vollständig eingeäschert worden. Das Feuer, das um 12 Uhr ausbrach und an dem Holz des als Fachwerk aufgeführten Baues reiche Nahrung fand, verbreitete sich so schnell, daß der Aussichtsturm, der kuppelartig das Haus zierte, schon eine Stunde später einstürzte. Den vereinten� Kräften der freiwilligen Feuerwehren von Fichtenau und Klein-Schöncbeck ge- lang es nur, den hallenartig angebauten Saal zum Teil zu retten. Glücklicherweise herrschte eine windstille Nacht, denn da das brennende Haus mitten im Walde gelegen ist, hätte sonst leicht ein verheerender Waldbrand entstehen können. Nowawes. Die Ausführung der Kanalisationsnrbeitcn in Nowawes- Neuendorf hat Zustände gezeitigt, unter denen weite Kreise der Bürgerschaft sehr zu leiden haben. Zwar hat die Röhrenlegung noch in anderen Orten Verkehrshemmungen im Gefolge, aber die Art und Weise, wie diese Arbeiten hier ausgeführt werden, dürfte wo anders kaum möglich sein. Hier werden ganze Straßen gesperrt, aufgerissen, ein paar Röhren gelegt, dann werden die Arbeiter ab- berufen, um in einem anderen Ortsteil zu helfen, wo sich nach kurzer Zeit dasselbe Schauspiel wiederholt. Man frägt sich unwill- kürlich, ob denn eigentlich gar keine Leitung bei den Arbeiten bor- handen ist. Durch diese Methode wird insbesondere den Geschäfts- leuten schwerer Schaden zugefügt, da sich gar nicht voraussehen läßt, wann in einer Straße die Röhrenlegung beendet ist. Ist nun aber wirklich eine Straße vollständig mit Rohren belegt, so wird dieselbe nicht etwa sofort in ihren früheren Zustand hergestellt, sondern nur notdürftig zugeschüttet, sodaß dieselbe durch den her- umliegenden Sand usw. kaum passierbar ist. Aber noch ein anderer Mißstand macht sich äußerst unangenehm bemerkbar, nämlich das Herumliegen der Tonröhren in den Straßen, und zwar nicht nur in denen, welche in den nächsten Tagen bearbeitet werden sollen, son- der» in fast allen Straßen und Plätzen. Diese Röhren bilden eine ernste Gefahr für die spielenden Kinder, welche dieselben natürlich mit Vorliebe zu Spielzwecken benutzen. Dadurch ist es sehr leicht möglich, daß die Röhrenhaufen auseinanderfallen und ein größeres Unglück herbeigeführt roevden kann. Eine andere Folge dieser Lagerung ist, daß viele Röhren zum Teufel gehen und in Scherben umherliegen. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, hat nun der Amtsvorsteher folgende Bekanntmachung erlassen: „Auf den hiesigen Straßen und Plätzen sind jetzt die Tonröhrcn für die Kanalisation aufgestellt. Diese werden von den Kindern vielfach zum Versteckspiel usw. benutzt und es sind infolgedessen leider auch schon Röhren entzwei gegangen. Ich richte daher an alle Eltern das dringende Ersuchen, ihren Kindern das Spielen mit und an diesen Röhren zu untersagen und mache die Eltern außerdem darauf aufmerksam, daß sie nicht nur zum Ersatz des durch ihre Kinder verursachten Schadens herangezogen würder, sondern es würde auch eventuell wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung strafrechtlich eingeschritten werden." Das heißt doch geradezu, das Pferd beim Schwanz aufzäumen! Anstatt dafür zu sorgen, daß die Röhren, welche augenblicklich nicht gebraucht werden, auf einem oder mehreren der in obigen Orten wahrhaft nicht knappen Plätze untergebracht werden und durch Um- zäunung Schaden zu verhüten, will man die Eltern bestrafen, wenn ihre unerfahrenen Kinder durch harmloses Spielen an den Röhren Schaden verursachen. Weiß denn der Amtsvorstcher nicht, daß eine solche Strafe vorzugsweise arme Arbeiter betreffen würde, deren Kinder zum großen Teil den Tag über sich selbst überlassm sind, da Vater und Mutter im Dienste des Kapitalismus Fron- dienste leisten müssen? Wir würden es für unverantwortlich halten, wenn auf diese Weise Einwohner für Schaden haftbar gemacht werden sollen, den zu verhüten für die Gemeindeverwaltung ei» Leichtes ist. Selbstverständlich haben unsere Genossen diese un> noch eine ganze Reihe anderer Mißstände bereits in der Gemeinde- Vertretung und in der Kanalisationskommission zur Sprache gebracht, aber bei der Engherzigkeit der bürgerlichen Mitglieder dieser Kor- porationen gegenüber der Kanalisationsleitung ist leider auf eine gründliche Abhülfe kaum zu hoffen. Der Hauptgrund für die Ver- zögerung scheint uns in einem großen Arbeitermangel zu liegen. Wenn die ausführende Firma bei den niedrigen Stundenlöhnen für die schweren Ausschachtungsarbeiten keine genügende Anzahl hiesiger Arbeiter findet, so muß doch von einer Firma, die solche umfangreichen Arbeiten übernimmt, verlangt werden, daß sie auch über eine genügende Arbeiterzahl verfügt. Daß sich bei einer der- artigen Wirtschaft, wie oben geschildert, die Kosten vergrößern müssen, liegt auf der Hand, und es ist zu befürchten, daß die Schlußbercchnung nach Fertigstellung der Kanalisation ein Resultat ergeben wird, das den Voranschlag bedeutend übersteigt— zum Schaden der Steuerzahler. Senzig.(Kreis Teltow.) Ueber Schule, Kirche und Arbeiter referierte am Sonntag Genosse K ü t e r- Schöneberg in einer gutbesuchten Versammlung. Der Vor- trag wurde beifällig aufgenommen und beschlossen im Sinne des Referates für Ausklärung unter der ländlichen Be- völkerung sowie für den Beitritt zum Wahlverein zu agitieren. Unter Verschiedenem beschwerte sich der Gemeindevertreter Matzanke(Soz.), daß es ihm nicht möglich sei, Einsicht in den Gemeinderezeß zu erhalten, trotzdem der Landrat auf eine Beschwerde hin, ihm das Recht erteilt habe. Dieser Rezeß stammt aus dem Jahre 1806 und stellt die Grenzen und das Eigentum der Ge- meinde an Grund und Boden fest. Nun ist in letzter Zeit von den Kossäten vielfach Land verkauft und soll dabei auch Gemeindeland mit verkauft worden sein, ohne daß hierfür Einnahmen verbucht sind. Zur Untersuchung der Beschwerden wurde M. auf den Instanzenweg verwiesen. Spandau. Was die hiesige Polizei sich alles herausnimmt, dafür lieferte ein Vorgang vom Donnerstag wieder einen recht charakteristischen Beitrag. An diesem Abend sollte eine Werkstattbesprechung der Arbeiter von Orenstein u. Koppel stattfinden. Zu dieser Versamm- lung hatte sich ein Polizeibeamter eingefunden, um dieselbe zu überwachen. Vom Vorsitzenden darauf aufmerksam gemacht, daß es sich um keine öffentliche Angelegenheit handele und deshalb eine polizeiliche Ueberwachung unzulässig sei, entfernte sich der Beamte, worauf kurze Zeit darauf der Kommissar Klieme erschien und den Vorsitzenden mit den Worten ansprach: Im Namen des Königs wird die Versammlung überwacht. Der Vorsitzende teilte dem Herrn die Tagesordnung mit und machte darauf aufmerksam, daß es sich um keine politische Vereinstagung, wie der Kommissar an- nehme, handele, sondern, um eine Besprechung der Arbeiter der Firma Orenstein u. Koppel, verwies auch auf eine diesbezügliche Gerichtsentscheidung und forderte schließlich den Gesetzeshüter zum Verlassen des Lokals auf. Außerdem wandte sich der Vorsitzende tclephonisch an die Polizeiwache um Schutz. Es erschienen auch Beamte, aber nicht zum Schutze der in ihrem Versammlungsrecht Beeinträchtigten. Da durch di�s unberechtigte Eingreifen der Polizei sich die Erledigung der internen Angelegenheiten verzögert und auch der Arbeiter sich eine gewssse Erregung bemächtigt hatte. mußte die Besprechung vertagt werden. Dieser Vorgang zeigt wieder einmal, daß Arbeiter mehr Ge- sctzeskenntnis auf dem Gebiete des Vereins- und Versammlungs- Wesens entwickeln, als die Polizei. Es wäre wirklich angebracht, wenn auf der in Aussicht genommenen Polizeischule, die in KottbuS errichtet werden soll, ein Kursus über das Vereins- und Versamm» lungswescn eingerichtet würde._ Kuchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co,. Berlin SW.